100ee-Regionen in Deutschland, Europa und der Welt 100 RE

100ee-Regionen in Deutschland,
Europa und der Welt
100 RE Regions in Germany, Europe
and the world
1
Impressum / Imprint
Herausgeber / Publisher
IdE Institut dezentrale
Energietechnologien gGmbH
Ständeplatz 15
D-34117 Kassel
Telefon / Phone
+49 (0)561 – 788 096 10
www.ide-kassel.de
Erstellt / Created Januar 2014
Diese Broschüre entstand im Rahmen der Projekte / This brochure has been developed as part of the projects
Redaktion / Editorial Staff
Pia Buschmann, deENet
Dr. Peter Moser, IdE
Stefanie Roth, IdE
Katharina Schenk, IdE
Layout
Caroline Enders
Druck / Print
Werbedruck GmbH Horst Schreckhase
Entwicklungsperspektiven für nachhaltige
100 %-Erneuerbare-Energie-Regionen in Deutschland
Development perspectives for sustainable
100 % Renewable Energy Regions in Germany
100 % RES Communitites
www.100-ee.de/100ee-europa
Gefördert durch / Funded by
www.100-ee.de
Bildnachweis / picture credits
Titel: © Caroline Enders / IdE
Seite 2: © Steffen Leps / IdE
Seite 4: © Armin Enders / IdE
Seite 10 und 13: IdE
deENet Kompetenznetzwerk
dezentrale Energietechnologien e.V.
Ständeplatz 15
D-34117 Kassel
Das Bildmaterial ab Seite 16 wurde uns
freundlicherweise von den jeweiligen
Städten, Kommunen und Regionen zur
Verfügung gestellt.
Durchgeführt von / Performed by
Die alleinige Verantwortung für den Inhalt dieser Publikation liegt
bei den AutorInnen. Sie gibt nicht unbedingt die Meinung der
Europäischen Union wieder. Weder die EACI noch die Europäische
Kommission übernehmen Verantwortung für jegliche Verwendung der darin enthaltenen Informationen.
Gefördert durch / Funded by
Telefon / Phone
+49 (0)561 – 788 096 10
The sole responsibility for the content of this publication lies with
the authors. It does not necessarily reflect the opinion of the
European Union. Neither the EACI nor the European Commission
are responsible for any use that may be made of the information
contained therein.
www.deENet.org
Fachlich begleitet vom / expert support from
Wir bedanken uns bei allen beteiligten
Städten, Kommunen und Regionen sowie
beim World Future Council für die
Unterstützung und die Zusendung von
Bildmaterial.
2
We thank all cities, communities and
regions involved as well as World
Future Council for their support and
for sending us image content.
1
Inhalt / Contents
Editorial .............................................................................................................................................................................. 4
Entwicklungsperspektiven für nachhaltige ​100 % Erneuerbare-Energie-Regionen in Deutschland /
Development perspectives for sustainable 100 % Renewable Energy Regions in Germany ...............................................6
100ee-Regionen als europäische Bewegung: „100 % RES Communities“ /
German 100ee-regions go Europe: „100 % RES Communities“ ............................................................................................ 10
100 % Erneuerbare Energien – Eine globale Bewegung / 100 % Renewable Energy – A global movement .........................12
Mit gutem Beispiel vorangehen! / Learning by example! ....................................................................................................14
Frankfurt am Main: Eine Großstadt will 100 % EE / Frankfurt am Main: A big city wants to go 100 % RE ...........................16
Gemeinsam Projekte stemmen – mit der Energiegenossenschaft Odenwald /
Together strong: Lifting projects with energy cooperative Odenwald .............................................................................
18
Osnabrück: Mit einer Stadt-Umland-Kooperation ans Ziel /
Osnabrück: Achieving goals through cooperation between city and surrounding area ......................................................20
Pellworm – Nordfriesischer Vorreiter im Sektor regenerative Energie und Klimaschutz /
Pellworm – North Frisian pioneer in the field of renewable energy and climate protection ..............................................22
Flecken Steyerberg setzt auf innovative Ideen und Einbeziehung der Bürger /
Flecken Steyerberg emphasizes innovative ideas and citizen participation .......................................................................24
Intelligent und erneuerbar – das Oberallgäuer Energiedorf Wildpoldsried hat 2020 fest im Blick /
Intelligent and renewable – the energy village of Wildpoldsried in the Oberallgau has its gaze fixed on the year 2020 ....26
Wolfhager Bürger im Zentrum der lokalen Energiewende /
The citizens of Wolfhagen take centre stage in local energy turn-around ..........................................................................28
Auf dem Weg zu einer energieeffizienten Stadt | Lösungen für erneuerbare Energien in Amstetten
Towards an energy-smart town | Renewable energy solutions in Amstetten .....................................................................30
Nachhaltiges Bergamo macht mobil! / Sustainable Bergamo goes mobil! ..........................................................................32
Erstes Energieautarkes Dorf in Tschechien / First village self-sufficient in energy in Czech Republic ...............................34
Perpignan Méditerranée – Erneuerbare erobern den Stromsektor /
Perpignan Méditerranée – Renewables conquer entire electricity market ........................................................................36
Villers-le-Bouillet – Smarte Finanzierung, Beteiligung und Schneeballeffekte Villers-le-Bouillet – the “Enercity” where money falls from the sky ................................................................................... 38
Anhang / Appendix .............................................................................................................................................................. 40
2
3
Editorial
Sehr geehrte Damen und Herren,
liebe regionale Akteure,
in Deutschland und auch in anderen Ländern
verfolgen immer mehr Regionen, Gemeinden und
Städte das Ziel, ihre Energieversorgung vollständig
auf erneuerbare Energien umzustellen. Mit viel
Engagement wirken die Menschen vor Ort an ihrer
regionalen Energiewende mit, setzen auf effiziente
Technologien, auf Einsparungen durch Verhaltensänderungen, gründen Energiegenossenschaften
und investieren in die regionale Wertschöpfung.
Neben guten Beispielen überzeugt vor allem die
Vielfalt der Konzepte, Ideen und Aktionen.
Energiewende wird gelebt und als gemeinsame
Zukunftsaufgabe anerkannt. Mittlerweile haben
sich deutschlandweit 140 Regionen auf den Weg
gemacht, ihre 100ee-Vision zu realisieren. Von
der Nordseeinsel Pellworm bis zum bayerischen
Wildpoldsried, von der Region Osnabrück bis
zur Finanzmetropole Frankfurt am Main stellen
verschiedene Kommunen hier ihre Ziele,
Strategien und Erfolge dar.
Auch international nimmt die kommunale 100eeBewegung Fahrt auf. Das europäische Projekt
„100 % RES Communities“ analysiert und unterstützt regionale Aktivitäten in zehn europäischen
Ländern. Weiterhin ist die internationale
Kampagne „Go 100 % RE“, die auch auf deutsche
Definitionen und Kriterien aufbaut, auf der
Überholspur.
Wenn sich Staaten beim
inter­nationalen Klimaschutz nicht
einigen können, müssen
vorbildliche Kommunen das Heft
in die Hand nehmen, zeigen,
dass es geht, zeigen, wie es geht,
und auch zeigen, dass es schnell
gehen kann. Denn die Zeit läuft uns
allen davon.
In dieser zweisprachigen Dokumentation sollen
ausgewählte Good-Practice-Beispiele vorgestellt
4
und die Vernetzung der Akteure, gerade auch
in der internationalen Kooperation, unterstützt
werden. 100ee ist mittlerweile nicht nur
ein erstrebenswertes Leitmotiv, sondern auch
Alltagshandeln, das von vielen Akteuren
kommuniziert und gelebt wird.
Diese Broschüre soll neugierig machen,
einzelne Leuchttürme zeigen, aber auch deutlich
machen, dass die Bewegung wächst, immer
mehr Regionen hinzukommen. Wir sind überzeugt
davon, dass die Zukunft der regenerativen
Energieversorgung auf der regionalen Ebene liegt,
mit dezentralen Ansätzen die Energiewende
geschafft werden kann. Nicht nur bei uns,
sondern an ganz, ganz vielen Orten in der Welt
ist dies möglich. Mit Partnern, die gemeinsame
Stärke beweisen.
Das Engagement der regionalen Akteure vor Ort
ist entscheidend für die Energiewende.
Ihr Peter Moser, Projektleiter 100ee-Regionen
Ladies and gentlemen and regional partners,
In Germany, as in other countries, an ever
increasing number of regions, communities and
cities are pursuing the goal of converting their
energy supply entirely to renewable energy. With
great dedication, people on site are working
together on making a change in energy in their
region, by committing to efficient technologies
and savings through changes in behaviour, setting
up energy cooperatives and investing in value
creation at regional level. In addition to the good
examples being set, their myriad concepts, ideas
and actions are highly persuasive. The turn-around
in energy is being lived and is recognized as a
common task for the future. So far, 140 regions
throughout Germany have started out on the
path to realizing their 100 % vision. From the
North Sea island of Pellworm to Wildpoldsried in
Bavaria, and from the Osnabrück Region to the
financial metropolis of Frankfurt am Main,
different communities are setting their goals and
strategies and describing their successes.
At international level also, the communal 100 %
movement is gathering speed. The European
100 % RES Communities project analyses and
supports regional actions in ten European countries.
In addition, the Go 100 % RE international
campaign, which is also founded on the German
definitions and criteria, is also on fast track.
If states cannot agree on
international climate protection,
exemplary communes must take
matters in hand and show not
only that it can be done but also
that it can be done quickly. Because
we are all running out of time.
This bilingual set of documents is intended to
introduce selected examples of good practice and
to promote networking between all those involved,
in particular in terms of international cooperation.
100 % has now become not only a worthwhile
guiding principle but also a daily routine that is
being propagated and lived by many of the actors.
This brochure is intended not only to awaken
interest and to point out individual lighthouse
projects, but also to demonstrate that the
movement is growing and that more and more
regions are joining. We are convinced that the
future for renewable energy supply lies with
regions and that with decentralized approaches
the energy turn-around can be achieved. This is
possible not only here in Germany, but also in
very many other places in the world, together with
partners who show the same strength.
To achieve energy change, the commitment of
regional actors on site is crucial.
Yours Peter Moser, Projectmanager 100ee-Regionen
5
Entwicklungsperspektiven für nachhaltige ​
100 % Erneuerbare-Energie-Regionen in Deutschland
Development perspectives for sustainable 100 % Renewable
Energy Regions in Germany
Das Projekt 100 % Erneuerbare-Energie-Regionen
(100ee-Regionen) begleitet seit dem Jahr 2007
Kommunen und Regionen, die sich unter Ein­
beziehung von Effizienz und Einsparung zu 100 %
aus erneuerbaren Energien (EE) versorgen wollen.
In der ersten Projektphase standen die wissenschaftliche Bestandsaufnahme und Analyse im
Mittelpunkt. Ziel war es, erstmals einen Überblick
über energieaktive Regionen in Deutschland zu
gewinnen. Darauf aufbauend werden die
identifizierten Regionen in der zweiten Phase des
Projektes in ein dauerhaftes Netzwerk eingebunden.
Wachsender Vernetzungsbedarf /
das 100ee-Netzwerk
Nachdem in vielen Regionen schon Prozesse
angestoßen und Maßnahmen umgesetzt wurden,
stehen die regionalen und kommunalen Akteure
vor immer komplexeren Aufgaben. Der Bedarf an
Informationen und Unterstützung auf dem Weg
zu einer nachhaltigen Energieversorgung wird
dabei immer größer. Insbesondere der Austausch
und das Voneinander-Lernen durch übertragbare
Erfolgsbeispiele werden von den Regionen
zunehmend nachgefragt. Die größte Vernetzungsveranstaltung und zentrale Informationsplattform
des Projekts 100ee-Regionen ist seit dem Jahr
2009 der Kongress „100 % Erneuerbare-EnergieRegionen“ in Kassel mit jährlich rund 700
Vertretern aus Kommunen, Wirtschaft und
Wissenschaft.
Die 100ee-Karte
Kernstück des Projekts ist eine Karte,
auf der das regionale Engagement zur nachhaltigen
Umgestaltung der Energieversorgung hin zu
erneuerbaren Energien dokumentiert wird.
Abgebildet sind neben den 100ee-Regionen die
100ee-Starterregionen und Städte der Kategorie
100ee urban.
Since 2007, the 100 % Renewable Energy
Regions project (100ee-Regions) has been
helping communes and regions that want
to supply themselves with both efficiency and
sufficiency from 100 % renewable energy
sources (RE). The first project phase centred
on taking stock and analysing scientifically.
The objective was to give for the first time an
overview of regions active in the energy field
in Germany. Based on this, in the second
phase of the project, the regions identified are
integrated into a stable, long-term network.
Increasing need for networking / the 100ee-Network
As soon as procedures have been initiated and
measures implemented in many regions, the
regional and community actors are ready to
undertake increasingly complex tasks. The need
for information and support on the way to a
sustainable energy supply then becomes ever
greater. In particular, regions are increasingly
demanding mutual exchange and learning from
each other by means of transferrable examples
of success. Since 2009, the most important
networking event and central information platform
for the 100ee-Regions has been the “100 %
Renew­able Energy Regions” Convention in Kassel
attracting annually around 800 representatives
from communes and from economic and scientific
interests.
The 100ee-Map
At the heart of the Project is the map documenting
the regional commitment to switching the energy
supply long-term over to renewable energy
sources. In addition to the 100ee-Regions, the
100ee-Starter regions, and cities in the 100eeurban category are depicted.
Stand: November 2013
100ee-Regionen
100ee-Starterregionen
100ee urban
Andere Regionstypen oder unzureichende Datenlage
6
© IdE
7
Wie kommen die Regionen auf die Karte?
How do the regions get onto the map?
Die verschiedenen Kategorien
The various categories
In den Jahren 2009 und 2010 wurden die
100ee-Regionen und -Starterregionen durch das
Projektteam identifiziert und auf der Basis
eigenständiger Recherchen sowie Besuchen in
den Regionen ausgewählt. 2011 wurde das
Aufnahmeprozedere geändert. Nun sind eine
Bewerbung und die Vorlage von erläuternden
Beschlüssen und Informationen notwendig.
Auf dieser Basis wird im Projektteam zweimal
jährlich über eine Aufnahme entschieden.
In 2009 and 2010, the 100ee-Regions and 100 %
Starter-Regions were identified by the project
team and selected on the basis of independent
research and visits within the regions. In 2011,
the procedure for acceptance was changed. A
letter of application and submission of illustrative
resolutions and information are now required.
On this basis, a decision is made twice annually
within the project team regarding acceptance.
100ee-Regionen
100ee-Regionen sind die Vorreiter der regionalen
Energiewende. Sie bieten Raum für die Erprobung
innovativer regenerativer Energietechnologien,
schaffen neuartige Organisations- und Kooperations­
formen und erweitern dadurch regionale
Handlungsspielräume. Sie stützen sich auf einen
breiten regionalen Konsens zur Energiewende.
Darüber hinaus verfügen sie über ein umfassendes
regionales Akteursnetzwerk, umfangreiche
planerische und konzeptionelle Vorarbeiten sowie
erprobte Instrumente der Öffentlichkeitsarbeit.
Die Energie wird bilanziell überdurchschnittlich aus
erneuerbaren Energiequellen bezogen.
100ee-Regions
100 % Regions are the pioneers in regional energy
change. They offer space for testing innovative
renewable energy technologies, create novel forms
of organization and cooperation and in so doing
extend the room to manoeuvre at regional level.
They are based on a broad regional consensus for
energy change. Furthermore, they have a
comprehensive regional network of actors, extensive
preparatory work in planning and concepts, as
well as proven instruments for performing public
relations work. Financially, the energy is obtained
in most cases from renewable energy sources.
100ee-Starterregionen
100ee-Starterregionen sind eine Vorstufe zu
100ee-Regionen. Sie greifen die positiven Erfahrungen in den Vorreiterregionen auf, unterstützen die
Verbreitung erfolgreicher Vorgehensweisen und
leisten damit einen wesentlichen Beitrag zur
Beschleunigung der Energiewende. Sie können auf
engagierte regionale Akteure zurückgreifen,
verfügen über erste planerische und konzeptionelle
Vorarbeiten sowie öffentlichkeitswirksame
Maßnahmen. Ein Anteil der Energie stammt bereits
aus erneuerbaren Energiequellen.
100ee-Starter-Regions
100ee-Starter Regions are a stage preliminary
to 100ee-Regions. They gather the positive
experiences in the pioneer regions, support the
dissemination of successful procedural methods
and thus make an essential contribution to
accelerating energy change. They may have
recourse to committed regional actors but they
have carried out prior exploratory work in
planning and concepts and also possess effective
public relations measures. A proportion of the
energy already comes from renewable energy
sources.
100ee urban
100ee urban steht für die Vorreiter der Energiewende
in städtisch geprägten Regionen. Im Verhältnis
zu vergleichbaren städtischen Regionen weisen
sie einen überdurchschnittlichen Anteil erneuerbarer
Energien auf, wollen substanzielle Energie­
einsparungen und bieten Raum für die Erprobung
innovativer Effizienztechnologien. Weiterhin stützen
sie sich auf einen breiten Konsens zur Energie­
wende, verfügen über ein umfassendes Akteursnetzwerk, umfangreiche planerische und
konzeptionelle Vorarbeiten sowie erprobte
Instrumente der Öffentlichkeitsarbeit.
100ee-Urban
100ee-Urban means the pioneers in energy change
in urban-type regions. In proportion to comparable
city regions they possess an above-average
amount of renewable energy sources, they want
to make substantial energy savings, and they
can offer room for testing innovative efficiency
technologies. In addition, they are based on
a broad consensus for energy change and possess
a comprehensive network of actors, extensive
preparatory work in planning and concepts, as
well as proven instruments for performing public
relations work.
Anhand welcher Kriterien werden die
Regionen bewertet?
Die Regionen werden gegenwärtig auf der Basis
eines Ratingverfahrens bewertet. Hierzu erfolgt
eine Beurteilung nach einem 100-Punkte-System
anhand von 33 Kriterien. Die Kriterien decken
vier Bereiche ab:
•
•
•
•
The regions are currently assessed based on a
rating process. For this purpose, an assessment is
made in accordance with a 100-point system
based on 33 criteria. The criteria cover four areas:
• defining features: e.g. size of the region,
constitutionality of the region
• level of objective: e.g. grounds for decision,
definitorische Merkmale: z. B. Zuschnitt der
liability
Region, Verfasstheit der Region
Zielebene: z. B. Beschlusslage, Verbindlichkeit • level of activity: e.g. use of planning
instruments, advisory services, public relations
Handlungsebene: z. B. Einsatz von planerischen
work, public installations, the existence of
Instrumenten, Beratungsangebote,
local networks
Öffentlichkeitsarbeit, Bürgeranlagen, Existenz
lokaler Netzwerke
• status level: e.g. proportion of renewable
Zustandsebene: z. B. Anteil erneuerbarer
energy sources for power and heating
Energien in den Bereichen Strom und Wärme
Umfangreiche Informationen zum
Bewertungsverfahren finden Sie im
Arbeitspapier Nr. 7 im Downloadbereich
auf www.100-ee.de.
8
What criteria are used to evaluate the
regions?
You will find extensive information to
download regarding the assessment
process in Working Paper No. 7 at
www.100-ee.de.
Links
www.100-ee.de
www.facebook.com/100eeRegionen
www.flickr.com/photos/100_ee_regionen
www.100-ee-kongress.de
www.ide-kassel.de
9
100ee-Regionen als europäische Bewegung:
„100 % RES Communities“
German 100ee-regions go Europe:
„100 % RES Communities“
Zentraler theoriebezogener
Meilenstein des Projektes ist die
Entwicklung einer allgemeinen
Definition von 100ee-Regionen im
europäischen Kontext.
100 % RES Communities
Seit April 2012 wird das Thema 100ee-Regionen
durch das Projekt „100 % RES Communities“
auch auf europäischer Ebene bearbeitet. Gefördert
wird das dreijährige Projekt über das Programm
„Intelligent Energy Europe“ von der EU-Kommission.
In dem Projekt sollen bestehende Aktivitäten
wie der europäische Konvent der Bürgermeister,
die RES Champions League, das RURENER-Netzwerk sowie das deutsche Projekt 100ee-Regionen
zusammengeführt und Synergien genutzt werden.
Dabei liegt ein besonderer Fokus des Projektes
auf der Unterstützung von ländlichen Gemeinden.
Insgesamt verfolgen die zwölf Projektpartner
aus zehn europäischen Ländern das gemeinsame
Ziel, dem Konzept der 100ee-Regionen im
europäischen Verbund ein stärkeres internationales
Gewicht zu verleihen und so Kommunen in Europa
bei der Energiewende zu unterstützen und sie
zu vernetzen.
In seiner praktischen Umsetzung zielt das Projekt
darauf ab, aus den involvierten Ländern insgesamt
10 Regionen/Kommunen auszuwählen und dort
gemeinsame SEAPs (Sustainable Energy Action
Plans) zu entwickeln und umzusetzen. Hierzu
finden sich fünf erfahrene mit fünf lernenden
Regionen paarweise in sogenannten „Twinnings“
zusammen, um sich bei ihren energiepolitischen
Zielen und Maßnahmen zu unterstützen. Darüber
hinaus werden diese Gemeinden und Regionen
in ihrer jeweiligen Konstellation (allein oder als
Gruppe) in das RURENER-Netzwerk, den Konvent
der Bürgermeister, die RES Champions League
und in die 100 % RES Communities auf europäischer Ebene einbezogen.
Die europäische Definition der 100 % RES
Communities wurde in Anlehnung an die Erfah­
rungen von deENet im 100ee-Regionen-Projekt
entwickelt und beinhaltet insgesamt 29
qualitative und quantitative Kriterien hinsichtlich
der Zielsetzung, Methodik, installierter Leistung
und lokaler Besonderheiten der Kommunen. Im
Zusammenhang mit der Erarbeitung der Definition
wurde außerdem die bestehende RES Champions
League fortentwickelt: Inzwischen betrachtet
der Wettbewerb die ganze Bandbreite von
erneuerbaren Energiequellen und schließt zur
Bewertung zusätzlich qualitative Kriterien mit ein.
Since April 2012, the German concept of 100eeRegions is also present at European level.
The project is being funded by the programme
“Intelligent Energy Europe” of the European
Commission. The project serves to combine
already existing activities such as the European
Covenant of Mayors, the RES Champions
League, the RURENER network, and the German
100ee-Regions project and to create synergies
between them. A special focus of the project is
placed upon the support of rural communities.
All in all, the 12 project partners from 10 European
countries seek to create stronger international
awareness for the idea of 100ee-Regions and to
support and interlink communities throughout
Europe regarding sustainable energy issues.
In practical terms, the project identifies regions/
communities within 10 participating countries
in order to develop and implement joint SEAPs
(Sustainable Energy Action Plans). Five
experienced and five learning regions are being
paired in so-called “Twinnings” in order to
support each other in their energy-policy goals
and measures. In addition, these regions
and communities are being integrated into the
RURENER network, the Covenant of Mayors,
the RES Champions league, and 100 % RES
Communities at European level.
The central scientific milestone of
the project is to develop a universal
definition of 100ee-regions in a
European context.
The European definition of 100 % RES Communities
has been grounded in the work and experience of
deENet during the 100ee-Regions project.
It consists of a total of 29 qualitative and quantitative
criteria with regard to goals, methodology, installed
power and specific local features in the respective
communities. Building on the development of the
European definition, the RES Champions League
has been improved as well: today, the competition
covers the whole range of renewable energy
sources and additionally involves qualitative criteria
for evaluation.
Links
www.100-res-communities.eu/
www.res-league.eu/eng
10
11
100 % Erneuerbare Energien – Eine globale Bewegung
100 % Renewable Energy – A global movement
Autorin/Author: Anna Leidreiter, World Future Council
Städte, Regionen und Länder auf der ganzen
Welt feiern derzeit ihre Fortschritte auf dem Weg
hin zu einer Energieversorgung mit 100 %
erneuerbaren Energien (EE). Von den USA über
Europa bis nach Australien beweisen lokale und
regionale Regierungen, dass eine Deckung
unseres Energiebedarfs mit 100 % erneuerbaren
Energien machbar ist. Nationen wie Dänemark,
Island, Schottland, Costa Rica, die Malediven,
die Cookinseln, Tuvalu und Tokelau haben sich
ambitionierte Ziele gesetzt und teils sogar schon
erreicht.
Initiative gegründet, die für 100 % EE eintritt:
die Kampagne „Global 100 % Erneuerbare
Energien“. Sie verbindet die global verstreuten
Pioniere und inspiriert durch gute Beispiele
einen Wandel – denn 100 % EE ist bereits heute
vielerorts Realität!
Die wachsende globale Bewegung zeigt, dass
die Wende zu 100 % EE ein politisches – kein
technisches – Problem ist. Die notwendigen
Technologien und das Wissen existieren bereits.
Wir wissen, was zu tun ist. Wir wissen, was
funktioniert und was nicht. Die Entscheidung ist
eindeutiger als jemals zuvor.
Ziel von „Global 100 % Erneuerbare Energien“
ist es, eine Debatte über 100 % EE zu initiieren
und politische EntscheidungsträgerInnen auf
die Möglichkeiten und Beispiele aufmerksam
zu machen, die auf der ganzen Welt bereits zu
finden sind. Hierfür will die Kampagne ein
globales Netzwerk von 100 % EE-Regionen
etablieren.
Zwar sind die Beispiele eine Inspiration, doch
reichen sie nicht aus. Der Wandel zu 100 % EE
findet zwar rund um den Globus, jedoch noch
immer vereinzelt in Gemeinden und Regionen
statt. Politische EntscheidungsträgerInnen haben
noch lange nicht die Maßnahmen getroffen,
die angesichts der Dimension der Krise notwendig
sind.
Eine starke globale Kampagne für
100 % erneuerbare Energien ist
erforderlich, um die Schwerfälligkeit zu überwinden.
Ein globales Bündnis von Organisationen der
Zivilgesellschaft, der Industrie und der Wissenschaft hat aus diesem Grund die erste globale
Diese einzigartige Kampagne baut auf Projekte
auf, die bereits auf lokaler, regionaler und
nationaler Ebene stattfinden. Sie integriert damit
die Umsetzbarkeit von 100 % EE in den globalen
Energiediskurs.
Communities, regions and countries around the
world are celebrating their recent transition
to 100 % renewable energy (RE) in energy supply.
From the US to Europe and Australia, local and
regional governments are proving that meeting
100 % of energy demand with RE is viable.
Countries such as Denmark, Iceland, Scotland,
Costa Rica, Maldive Islands, Cook Islands,
Tuvalu, and Tokelau have set and already partly
achieved this ambitious target.
The growing global movement shows that making
the transition to 100 % RE is a political – not
technical – decision. The necessary technologies
and knowledge already exist today. We know
what needs to be done. We know what works and
what doesn’t. The choice is clearer than ever
before.
While being an inspiration to all, these case
studies aren`t nearly enough. The move towards
100 % RE is still taking place in scattered
communities and regions around the globe.
Policymakers have still not adopted measures
that are anywhere near proportional to the
urgency to act.
One fundamental necessity to
breaking the inertia is a robust,
global campaign for 100 %
renewable energy.
A global alliance of civil society organisations,
industry, and academia has therefore founded the
first global initiative that advocates 100 % RE:
the “Global 100 % Renewable Energy“ Campaign.
It connects the fragmented dots of renewable
energy advocates and inspires change by showcasing good examples – because 100 % RE is
already a reality today!
This unique campaign builds on projects that
are already taking place on national, regional and
local levels and steers the global discourse on
renewable energy towards 100 % RE as the new
norm.
The goal is to initiate dialogue about 100 % RE,
build capacity and educate policymakers about the
opportunities, case studies and stories that are
happening all over the world. For this purpose, the
campaign aims to establish a global network of
100 % RE regions.
Wenn Sie Interesse haben, mehr zu
erfahren oder der Kampagne beizutreten,
besuchen Sie unsere Website
www.go100re.net oder kontaktieren Sie
uns per Mail unter info@go100re.net.
12
To learn more or to join the campaign,
please visit www.go100re.net or get in
touch via info@go100re.net.
13
Mit gutem Beispiel vorangehen!
Learning by example!
Good-Practice aus Deutschland und Europa
Good Practice from Germany and Europe
Im 100ee-Netzwerk in Deutschland sind bereits
140 Regionen vertreten, die auf einem guten Weg
zu einer Vollversorgung aus erneuerbaren Energien
sind. An der RES Champions League nehmen
Regionen aus ganz Europa teil. Es tut sich etwas
in den europäischen Regionen.
140 regions are already represented in the
100ee-Network in Germany and they are already
well on their way to full supply using renewable
energy. Regions from all over Europe participate
in the RES Champions League. Things are
happening in Europe’s regions!
Auf den nächsten Seiten präsentieren zwölf
Regionen ihre Aktionen, Maßnahmen und Erfolge
auf dem Weg zur Energieversorgung aus erneuerbaren Energien.
In the next few pages, twelve regions present
their actions, measures and successes on the
path to achieving energy supply from renewable
sources.
Neben guten Beispielen überzeugt vor allem die
Vielfalt der Konzepte, Ideen und Aktionen. Jede
Region hat ihre individuellen Voraussetzungen,
Stärken und Möglichkeiten. Manche Regionen
stehen noch am Anfang, andere haben bereits
viel erreicht.
Apart from the good examples showcased, the
multiplicity of concepts, ideas and actions is
impressive. Each region has its own individual
requirements, strengths and possibilities.
Many regions are still in the beginning stages,
while others have already achieved much.
Steyerberg
Deutschland / Germany
Seite / Page 24-25
Es ist wichtig, mit Partnern zusammen Stärke
zu beweisen. Das Engagement der regionalen
Akteure vor Ort ist die entscheidend dafür.
Die Good-Practice-Beispiele aus dem 100eeNetzwerk sollen ein weiterer Beitrag dazu
sein, die Akteure vor Ort zu motivieren und bei
der Vernetzung zu unterstützen.
It is important to show strength in partnership.
The commitment of the regional actors on site is
what is decisive here. The Good Practice
examples from the 100ee-Network are intended
as a further contribution towards motivating
the actors on site and supporting them with
networking.
Wolfhagen
Deutschland / Germany
Seite / Page 28-29
Frankfurt am Main
Deutschland / Germany
Seite / Page 16-17
Landkreis Odenwald
Deutschland / Germany
Seite / Page 18-19
Osnabrück
Deutschland / Germany
Seite / Page 20-21
Pellworm
Deutschland / Germany
Seite / Page 22-23
Wildpoldsried
Deutschland / Germany
Seite / Page 26-27
Amstetten
Österreich / Austria
Seite / Page 30-31
Bergamo
Italien / Italy
Seite / Page 32-33
Knežice
ž
Tschechien / Czech Republic
Seite / Page 34-35
Perpignan Méditerranée
Frankreich / France
Seite / Page 36-37
Villers-le-bouillet
Belgien / Belgium
Seite / Page 38-39
Die Kontaktdaten zu den Good-PracticeRegionen finden Sie auf der jeweiligen
Seite.
14
You will find contact information for the
Good Practice Regions on their respective
pages.
Die aufgeführten Beispiele wurden ohne
Anwendung systematisch vergleichender
Verfahren ausgewählt und stellen somit
keine Rangfolge im Sinne von „Best-Practice“
dar. In den Texten werden nicht alle
Aktivitäten der Gemeinden vorgestellt.
The examples given have been selected
without applying any systematic comparisons
and are not to be seen as being in order
of preference as “Best Practice”. Not all the
activities of the communities are presented
in the texts.
15
Frankfurt am Main, Deutschland / Germany
Frankfurt am Main: Eine Großstadt will 100 % EE
Frankfurt am Main: A big city wants to go 100 % RE
Kontakt / Contact
Stadt Frankfurt am Main
Energiereferat 79A
Galvanistraße 28
60486 Frankfurt am Main
Deutschland / Germany
Telefon / Phone
+49 (0)69 – 212 39 193
Fax
+49 (0)69 – 212 39 472
E-Mail
energiereferat@stadt-frankfurt.de
Website
www.energiereferat.stadt-frankfurt.de
Die Stadt Frankfurt am Main kann bereits auf
einen langjährigen Prozess aktiver Energiepolitik
zurückblicken. Bereits im Jahr 1985 führte die
Stadt ein Energiemanagement für Gebäude ein,
1990 wurde das Energiereferat eingerichtet,
im selben Jahr war Frankfurt Gründungsmitglied
des Klima-Bündnisses. 1995 wurde die erste
CO²-Bilanz erstellt, eine Aktualisierung erfolgte
2008.
The city of Frankfurt am Main can already look back
to an energy policy in which it has been active
for many long years. As early as 1985, the city
introduced energy management for buildings. In
1990, the Frankfurt Energy Policy was instituted
and in the same year Frankfurt became a founding
member of the Climate Alliance. In 1995, the
first carbon balance-sheet was prepared, updated
in 2008.
Um das selbstgesetzte Ziel, bis 2050 mindestens
95 % der jährlichen CO²-Emissionen einzusparen,
bedarf es einer Vollversorgung mit erneuerbaren
Energien. Da in einer Großstadt eine Vollversorgung
nicht mit eigenen Potenzialen möglich ist, strebt
Frankfurt eine Stadt-Umland-Kooperation an.
Vorrangig sollen Effizienz- und Einsparpotenziale
ausgebaut und verstärkt genutzt werden.
In order to reach the self-imposed goal of reducing
annual CO² emissions by at least 95 % by the
year 2050, full supply using renewable energy
is needed. Since in a large city, full supply using
its own capabilities is not possible, Frankfurt
strives for cooperation between the city and the
surrounding area. Preference is given to the
development and increased use of the potential
for efficiency and reductions.
In vielerlei Hinsicht geht die Stadt Frankfurt hier
vorbildlich voran: Öffentliche Gebäude werden in
Passivhausbauweise errichtet, Bestandsimmo­
bilien wurden modellhaft saniert und ein Architekturpreis für nachhaltiges Bauen wird ausgelobt.
Bei der Neuausweisung von Baugebieten haben
die Passivbauweise sowie die Kraft-WärmeKopplung Vorrang. Es gibt zahlreiche Beratungs­
angebote und Kampagnen zur Energieeinsparung
in privaten Haushalten und Unternehmen.
Land / State Deutschland / Germany | Gebietscharakter / Territorial character Stadt / City | Einwohnerzahl / Inhabitants 685 200 | Fläche / Surface area 248 km² 16
In many respects, the City of Frankfurt is exemplary
in this regard: Public buildings are constructed
following passive house design, model redevelopment of real estate properties has taken place,
and an architectural prize is offered as a reward
for sustainable construction.
Construction sites are newly designated with
precedence given to passive construction and to
co-generation of heat and electricity. There are
numerous consultancy offerings and campaigns
for energy savings in private households and
companies.
Deckung Strombedarf mit EE (in %)
Electricity consumption covered by RE (in %)
5 %
Deckung Wärmebedarf mit EE (in %)
Heat consumption covered by RE (in %)
1,7 %
17
Landkreis Odenwald, Deutschland / Germany
Gemeinsam Projekte stemmen – mit der
Energiegenossenschaft Odenwald
Together strong: Lifting projects with energy cooperative
Odenwald
Genossenschaft Odenwald eG
Kontakt / Contact
Energiegenossenschaft Odenwald eG
Florian Voigt
Helmholtzstraße 1
64711 Erbach
Deutschland / Germany
Der Odenwaldkreis hat durch einen Kreistags­
beschluss den Weg zur 100 %-Erneuer­bareEnergie-Region eingeschlagen und über ein
BMU-gefördertes Klimaschutzkonzept Umsetzungsmaßnahmen ausgearbeitet, um im
Strom- und Wärme-Bereich langfristig die
bilanzielle Eigenversorgung zu ermöglichen.
Neben politischen Weichenstellungen, wie
der Aufstellung eines interkommunalen Flächennutzungsplans für Windkraft-Vorrangflächen,
wollen Kreis und Kommunen durch Maßnahmen
in den eigenen Liegenschaften eine Vorbildfunk­­­­­­­­tion in der Energiewende übernehmen.
Um das ambitionierte 100 %-Ziel zu erreichen,
werden aber auch Aktivitäten im privaten und
gewerblichen Bereich benötigt. In Unternehmen
ist dabei das Energiesparpotenzial besonders
wichtig. Hierfür wurde in der Region das BMUgeförderte „Energie-Effizienz-Netzwerk
Südhessen“ ins Leben gerufen, um über
qualifizierte Beratung und Best-Practice-Beispiele
gewerbliche Energieverbräuche zu senken.
Zum Ausbau erneuerbarer Energien wurde 2009
die Energiegenossenschaft Odenwald (EGO) eG
als Plattform zur strategischen und großvolumigen
Umsetzung der regionalen Energiewende
Telefon / Phone
+49 (0)6062 – 80 97 0
Fax
+49 (0)6062 – 80 97 10
E-Mail
info@eg-odenwald.de
Website
www.eg-odenwald.de
gegründet. Über 2.400 Akteure (Stand Mitte
2013) aus der regionalen Bürgerschaft, den
Kommunen, Unternehmen und Institutionen haben
sich hier zusammengeschlossen, um EnergieProjekte zu initiieren. In nur vier Jahren konnten
so über 30 Mio. € in regionale Projekte
investiert werden. Die lokale Wertschöpfung
profitiert dabei durch Erträge sowie durch
Aufträge an örtliche Unternehmen.
However, in order to reach the ambitious 100 %
goal, activities in the private and business sectors
are also needed. In businesses, the potential for
energy savings is especially important here. To do
it, the Energy Efficiency Network of South Hessen,
funded by the BMU, was created in the region in
order to lower commercial energy consumption by
means of qualified consulting and examples of
Best Practice.
By means of a District Council Resolution, the
Odenwald District has paved the way towards
becoming a 100 % Renewable Energy Region and
has prepared implementation measures using
a climate-change protection plan funded by the
BMU (German Federal Ministry of the Environment)
in order to make it possible to meet its own
long-term needs in terms of electricity and heating.
In 2009, to expand renewable energy sources
the Energy Cooperative Odenwald EG (EGO) was
founded as a platform for the strategic and
high-volume implementation of regional energy
change. More than 2,000 actors (as of 2013)
from among the region’s citizens, communes,
companies and institutions came together to initiate
energy projects. Thus, in just four years, more
than 30 million euros were able to be invested in
regional projects. Local net value added profits
from this, both through earnings and through
contracts to local businesses.
In addition to setting the political agenda, as well
as setting up an inter-commune land development
plan for wind-power priority areas, the district
and the communes want to serve as a role model
for energy change by introducing measures in
their own landed property.
Land / State Deutschland / Germany | Gebietscharakter / Territorial character Landkreis / District | Einwohnerzahl / Inhabitants 96.648 | Fläche / Surface area 623,97 km² |
Auszeichnungen / Awards Deutscher Solarpreis 2013 für die Energiegenossenschaft Odenwald eG / German Solar Prize 2013 for the Odenwald eG Energy Cooperative |
Besonderheiten / Special features Kreistagsbeschluss und BMU-Klimaschutzkonzept zur 100 %-Region; interkommunaler Flächennutzungsplan zur Windkraftentwicklung; aktive
Energiegenossenschaft als Triebfeder der regionalen Umsetzung; Kompetenzzentrum „Haus der Energie“ als regionaler Knotenpunkt / District Council resolution and BMU-climate
protection plan for of the region; inter-commune area use plan for development of wind parks; active energy cooperative to drive regional implementation; Competence Centre “Haus der
Energie“ as a regional hub
18
Deckung Strombedarf mit EE (in %)
Electricity consumption covered by RE (in %)
11 % (Datenbasis / data base 2011)
Deckung Wärmebedarf mit EE (in %)
Heat consumption covered by RE (in %)
11 % (Datenbasis / data base 2011)
19
Stadt und Landkreis Osnabrück, Deutschland / Germany
Osnabrück: Mit einer Stadt-Umland-Kooperation ans Ziel
Osnabrück: Achieving goals through cooperation between city
and surrounding area
Kontakt / Contact
Stadt Osnabrück
Fachbereich Umwelt und Klimaschutz
Fachbereichsleiter Detlef Gerdts
Postfach 4460
49034 Osnabrück
Telefon / Phone
+49 (0)541 – 323 31 72
Fax
+49 (0)541 – 43 99
E-Mail
gerdts@osnabrueck.de
Website
www.osnabrueck.de
Landkreis Osnabrück
Abteilung Klima und Energie
Andreas Witte
Telefon / Phone
+49 (0)541 – 504 4031
Fax
+49 (0)541 – 501 4402
E-Mail
klimaschutz@landkreis-osnabrueck.de
Website
www.landkreis-osnabrueck.de
Sowohl die Stadt als auch der Landkreis
Osnabrück können bereits auf ein langjähriges
Engagement im Klimaschutz zurückblicken.
Aktuell beteiligen sich die Stadt sowie der
Landkreis Osnabrück zusammen mit dem Kreis
Steinfurt und der Stadt Rheine am Projekt
„Masterplan 100% Klimaschutz“. Hier gilt es
Wege aufzuzeigen, wie es Städten in Kooperation
mit ihrem Umland gelingen kann, bis zum
Jahre 2050 die CO²-Emission gegenüber dem Jahr
1990 um 95 Prozent und den Energieverbrauch
um 50 Prozent zu senken.
Eine solche Stadt-Umland-Kooperation birgt im
Hinblick auf den Ausbau der erneuerbaren
Energien, aber auch darüber hinaus vielfältige
Vorteile für beide Seiten. Städte können auf
absehbare Zeit ihren Energiebedarf auf den
eigenen, nur begrenzt zur Verfügung stehenden
Flächen nicht vollständig mit erneuerbaren
Energien decken, besitzen aber auf der Gegenseite
häufig das nötige Know-how und über investi­
tionswillige Bürger oder Stadtwerke ausreichend
Kapital für Investitionen. Landkreise dagegen
verfügen meist über große Flächenpotenziale zur
regenerativen Energieerzeugung, wo sich
neben eigenen Investitionen auch Spielräume für
städtische Beteiligungen bieten. Städte und
Gemeinden können sich so in ihrer Arbeit
wechselseitig ergänzen. Die Landkreise/Gemeinden
priorisieren anfangs den Ausbau der erneuerbaren
Energien, Städte dagegen setzten im ersten
Schritt verstärkt auf Energieeinsparung und
Energieeffizienz, eine klimafreundliche Mobilität
und Ausnutzung der Potenziale für PV-Dach­
anlagen. Da für die Klimaneutralität alle Aktivitätsfelder angegangen werden müssen, bietet die
Kooperation zwischen Stadt und Landkreis aber
die Chance, von den Erfahrungen des Partners zu
profitieren.
Bei der gesamten Planung und Umsetzung wird
zudem auf eine breite Beteiligung von Bürgern,
Verbänden und Wirtschaftsunternehmen aus der
Region gesetzt (z. B. regionale Energiegenossenschaft nwerk), so dass die Akzeptanz für Energieprojekte vor Ort gewährleistet und die regionale
Gemeinschaft sowie die regionale Identität
gefördert werden. Zusammen mit der regenera­
tiven Energieversorgung ist damit der Grundstein
für eine nachhaltige und zukunftssichere Regionalentwicklung gelegt, aus der alle Beteiligten
handlungs- und wettbewerbsfähiger hervorgehen.
Both the City and the District of Osnabrück can
already look back to many years of commitment to
climate protection. Currently, the City and the
District of Osnabrück, together with the District of
Steinfurt and the City of Rheine, participate in a
project named the “100 % Climate Protection
Master Plan”. This aims to show how cities, in
cooperation with their surrounding area, can
successfully lower their carbon emissions by 95 %
and their energy consumption by 50 % by the
year 2050, compared with 1990.
Land / State Deutschland / Germany | Gebietscharakter / Territorial character Stadt und Landkreis / city and district | Einwohnerzahl / Inhabitants 158.000 (Stadt / City);
350.444 (Landkreis / District)| Fläche / Surface area 120 km² (Stadt / City) / 2.121,59 km² (Landkreis / District) | Auszeichnungen / Awards Deutscher Solarpreis 2009; Climate Star
2009; Preisträger Kl!ma kommunal 2010 / German Solar Prize 2009; Climate Star 2009; Award winner Kl!ma kommunal 2010
20
Cooperation of this kind between city and
hinterland has numerous advantages for both
sides, both with regard to the development
of renewable energy and also above and beyond
this. Cities cannot fully meet their energy needs
for the foreseeable future with renewable energy
within their own areas, which are available to
them only to a limited extent, but on the other
hand they do frequently possess the necessary
know-how and have sufficient capital for
investments from citizens who are willing to invest
or from city works. Districts, by way of contrast,
mostly have at their disposal large areas with the
potential for renewable energy production, where
there is room not only for their own investments
but also for participation from cities. In this way,
cities and communities can mutually complement
each other in their work. The districts/communities
give priority at first to developing renewable energy,
while cities focus on energy saving and efficiency,
climate-friendly mobility and exploitation of the
potential for PV roof units. Since for climate
neutrality all fields of activity must be tackled, the
cooperation between city and district offers the
chance to profit from the partner’s experience.
Moreover, with the overall planning and
implementation, backing is given to a broad
participation of citizens, associations and
economic enterprises from the region (e.g.
regional energy cooperative nwerk) so that the
acceptance for energy projects on site is
guaranteed and both the regional community
and regional identity are promoted. Together
with a renewable energy supply, the foundation
stone is laid for a sustainable regional
development whose future is assured and
because of which all involved become more
capable of acting and competing.
Deckung Strombedarf mit EE (in %)
Electricity consumption covered by RE (in %)
City 4 % (12/2011); District 30 %
Deckung Wärmebedarf mit EE (in %)
Heat consumption covered by RE (in %)
City 1,67 % (2010); District 10,6 %
21
Pellworm, Deutschland / Germany
Pellworm – Nordfriesischer Vorreiter im Sektor regenerative
Energie und Klimaschutz
Pellworm – North Frisian pioneer in the field of renewable
energy and climate protection
Kontakt / Contact
Gemeinde Pellworm, Projektbüro
Walter Fohrbeck, M. A.
Uthlandestraße 1
25849 Pellworm
Deutschland / Germany
Telefon / Phone
+49 (0)4844 – 189 35
Fax
+49 (0)4844 – 189 11
E-Mail
walter.fohrbeck@amt-pellworm.de
Website
www.pellworm-energy.org
Die Insel Pellworm ist seit über 30 Jahren
Vorreiter im Sektor regenerative Energien. Ende
der 70er Jahre wurden hier erste Kleinwind­
anlagen erprobt. Ab 1983 entstand ein Solarkraftwerk mit 300 kW, durch drei 25-kW-Windkraft­
anlagen ergänzt. Der erzeugte Strom wurde zur
Versorgung des Kurzentrums genutzt. Die Anlage
wurde zwischenzeitlich mehrfach erneuert und
vergrößert, heute dient sie der E.ON zur Erprobung von Smart Grit und moderner Speichertechnologien.
In der zweiten Hälfte der 90er Jahre ließen der
Verein Ökologisch Wirtschaften, die Gemeinde
und der Stromversorger Schleswag ein Energie­
konzept erstellen, das die Möglichkeit ermittelte,
Pellworm im Energiesektor autark zu machen.
Es wurde eine Bürger-Windparkgesellschaft ge­gründet, um die Stromproduktion als Wert­
schöpfungsquelle zu erschließen.
2000 wurde Pellworm dezentrales Projekt der
EXPO. Mit dem Verein eröffnete die Gemeinde ein
Energiebüro. Ein Biogas-Gutachten führte zu einer
Bürger-Anlage, deren Nahwärme das Kurzentrum
versorgt. Ein Runder Tisch fasste alle Betreiber,
Interessenten und Betroffene im Energiebereich
zusammen und initiierte eine Fortschreibung des
Energiekonzeptes, das neben einer Aktualisierung
des Bestandes einen differenzierten Masterplan
beinhaltet. Er bindet alle relevanten Gruppen ein
und soll bis 2020 nicht nur die Energie- und
Klimabilanz, sondern auch die Wertschöpfung vor
Ort deutlich verbessern.
For more than 30 years, the island of Pellworm has
been a pioneer in the renewable energy field. At
the end of the 70s, the first small wind-energy
systems were tested here. After 1983, a 300 kW
solar power station appeared, complemented
by three 25 kW wind-energy units. The electricity
produced was used to supply the health resort.
Since then, the plant has been renovated and
enlarged several times and today it serves the E.ON
group for the testing of ‘smart grids’ and modern
storage technologies.
In the second half of the 90s, the Association
of Ecological Economies, the Municipality and the
electricity provider Schleswag set up an energy
concept that enabled Pellworm to become energy
self-sufficient. A public wind-park company was
founded in order to exploit electricity production as
a source of income.
In 2000, Pellworm became a decentralized project
for EXPO. Together with that body, the municipality
opened an energy office. A biogas expert assessment
led to the installation of a public unit, local
heating from which supplies the health centre. A
round-table meeting brought together all operators
and parties interested and involved in the energy
sector and initiated further development of the
energy concept that includes both an updating of
the stock and a differentiated master plan. It
brings together all groups concerned and by 2020
it should markedly improve not only the energy and
climate balance but also on-site income.
Land / State Deutschland / Germany | Gebietscharakter / Territorial character Gemeinde / municipality | Einwohnerzahl / Inhabitants 1150 | Fläche / Surface area 37 km² |
Auszeichnungen / Awards Erster Preis Energie-Olympiade Schleswig-Holstein 2010 mit 30.000 € Preisgeld / First Prize Energy-Olympics Schleswig-Holstein 2010 of 30.000 €
22
Deckung Strombedarf mit EE (in %)
Electricity consumption covered by RE (in %)
275 %
23
Flecken Steyerberg, Deutschland / Germany
Flecken Steyerberg setzt auf innovative Ideen
und Einbeziehung der Bürger
Flecken Steyerberg emphasizes innovative ideas
and citizen participation
Kontakt / Contact
Flecken Steyerberg
Bürgermeister Heinz-Jürgen Weber
Lange Straße 21
31595 Steyerberg
Deutschland / Germany
Telefon / Phone
+49 (0)5764 – 96 06 22
Fax
+49 (0)5764 – 96 06 29
E-Mail
weber@steyerberg.de
Website
www.steyerberg.de
Der Flecken Steyerberg, eines der Zentren der
deutschen Erdgasproduktion, setzt mit einem
Bündel von Maßnahmen und Projekten voll auf die
Energiewende. Schon jetzt hat Steyerberg durch
lokal erzeugten regenerativen Strom bei den
Privathaushalten einen 21-fachen Selbstversorgungsgrad erreicht. Damit die
Bürger vor Ort auch an der Wertschöpfung aus
der EE-Stromproduktion teilhaben, wurde mit
kommunaler Hilfe eine Energiegenossenschaft
gegründet. In einem Ortsteil sind die Bürger
Betreiber eines EE-Nahwärmenetzes, weitere
Netze sind in der Projektierung.
Das ländliche Steyerberg fällt schon seit Jahrzehnten mit innovativen Projekten zur Energie- und
Verkehrswende positiv auf. So wurde in der
Öko-Siedlung Lebensgarten die erste Solartankstelle Niedersachsens errichtet. Diese besteht
bis heute und wird ständig weiterentwickelt. Ein
besonderer Schwerpunkt ist hierbei das CarSharing von Elektroautos – für ländliche Räume
ungewöhnlich. In Sachen Innovation für Industrie
und Gewerbe wird zurzeit auf einem Konversionsgebiet die Umwandlung von Windstrom für
industrielle Abnehmer im großtechnischen Maß­­stab vorgeplant. Damit die breite Öffentlichkeit
über die Energiewende in Steyerberg und
Umgebung umfassend informiert ist, wurde
gemeinsam mit Nachbarkommunen die EnergieEntdeckerroute ins Leben gerufen. An zah­l­reichen Einzelstationen wie der Solartankstelle
werden Einheimische und Radtouristen umfassend
vor Ort über Projekte der erneuerbaren Energien
informiert.
Land / State Deutschland / Germany | Gebietscharakter / Territorial character Gemeinde / municipality | Einwohnerzahl / Inhabitants 5.200 | Fläche / Surface area 101,9 km² |
Besonderheiten / Special features Erste Solartankstelle Niedersachsens, Energie-Entdeckerroute/ First solar serviced station in Lower Saxony, Energy Discoverer Route
24
Flecken Steyerberg, one of Germany’s centres for
the production of natural gas, is giving full backing
to energy change with a whole package of
measures and projects. Steyerberg has already
achieved 21-fold self-sufficiency in private
households through locally generated renewable
electricity. So that citizens on site might also
participate in income from RE electricity production,
an energy cooperative was founded with the help
of the commune. In one part of the town, the
citizens are the operators of an RE local heating
network and more networks are planned.
constantly refined. Particular emphasis is placed
here on car-sharing with electric cars, which
is unusual for rural environments. With regard to
innovation for industry and businesses, conversion
to wind power for industrial users with large-scale
technology is being planned. To keep the wider
public fully informed about energy change in
Steyerberg and the surrounding area, the Energy
Discoverer Route was created jointly with
neighbouring communes. At numerous individual
stations such as the solar service station, locals
and touring cyclists get comprehensive information
on-site regarding renewable energy projects.
For decades, rural Steyerberg has already attracted
attention in a positive way with innovative projects
for energy change and the transport revolution.
Thus, for example, the first solar service station in
Lower Saxony was built in the “Lebensgarten”
eco-housing estate. It still exists and is being
Deckung Strombedarf mit EE (in %)
Electricity consumption covered by RE (in %)
101 %
25
Wildpoldsried, Deutschland / Germany
Intelligent und erneuerbar – das Oberallgäuer Energiedorf
Wildpoldsried hat 2020 fest im Blick
Intelligent and renewable – the energy village of Wildpoldsried
in the Oberallgau has its gaze fixed on the year 2020
Kontakt / Contact
Gemeinde Wildpoldsried
Susi Vogl – Koordinationsbüro
für Energie u. Klimaschutz
Kemptener Straße 2
87499 Wildpoldsried
Deutschland / Germany
Telefon / Phone
+49 (0)8304 – 92 05 0
Fax
+49 (0)8304 – 92 05 20
E-Mail
susi.vogl@wildpoldsried.de
Website
www.wildpoldsried.de
WIR – Wildpoldsried innovativ richtungs­weisend –
unter diesem Motto wird in der kleinen
Oberallgäuer Gemeinde Wildpoldsried seit 1999
ein ökologisches Profil mit Einbindung der Bürger
erarbeitet. Ziel ist es, bis 2020 den gesamten
im Dorf benötigten Energiebedarf regenerativ zu
erzeugen.
Der Anteil erneuerbarer Energiequellen an der
Stromerzeugung steigt – in Wildpoldsried besteht
bereits jetzt das Szenario 2020. Um den oft
schwankenden Anteil an grünem Strom (weil der
Wind unterschiedlich stark ist und die Sonne
nicht jeden Tag scheint) sinnvoll und effizient ins
Netz einspeisen zu können, ist ein intelligentes
Stromnetz notwendig, wie es derzeit in Wildpolds­
ried getestet wird. Mit diesem sogenannten
„Smart Grid“ lässt sich die Energieverteilung besser
planen und koordinieren: Erzeugung, Verteilung
und Verbrauch werden in Einklang gebracht.
Seit 2005 ist die „Wildpoldsrieder Dorfheizung“
in Betrieb und versorgt seitdem alle öffentlichen
und kirchlichen Gebäude im Ort. Private Gebäude
entlang der Trasse hatten die Möglichkeit sich
anzuschließen. Die Wärmeerzeugung erfolgte
zunächst nur durch einen Biomassekessel
mit 400 kW Leistung (Holzpellets), mittlerweile
kamen 500 kW Biogas-BHKWs dazu. Bei
den fast 50 angeschlossenen Gebäuden (mit
weit über 100 Wohnungen) konnten im Jahr
2012 fast 300.000 l Heizöl durch regenerative
Energie­erzeugung ersetzt und so knapp
796.000 kg CO² eingespart werden.
In the small municipality of Wildpoldsried in the
Oberallgau, an ecological profile has been
developed with citizen involvement since 1999.
The aim is to meet all the needed energy
requirements of the village by means of renewable
production by 2020.
The proportion of renewable energy sources in
electricity production is rising – in Wildpoldsried
the 2020 scenario already exists. In order to be
able to feed the often fluctuating share of ‘green’
electricity sensibly and efficiently (fluctuating,
because of the great variation in the wind and
the sun doesn’t shine every day), an intelligent
power network such as the one being currently
tested in Wildpoldsried is needed. With this
so-called “smart grid”, energy distribution can be
better planned and coordinated: Production,
distribution and consumption are harmonized.
Wildpoldried’s “Village Heating” has been
operating since 2005 and ever since then it has
been supplying all public and church buildings
in the village. Private buildings along the line of
travel had the option to connect. Heat production
came at first only from a 400 kW bio-mass boiler.
The unit is heated with wood pellets since the
heating plant is located in the centre of the village.
In 2012, in the nearly 50 connected buildings
(with well over 100 residences), almost 300,000
litres of heating oil were able to be replaced by
renewable energy production, saving almost
796,000 kg of CO².
Land / State Deutschland / Germany | Gebietscharakter / Territorial character Gemeinde / municipality | Einwohnerzahl / Inhabitants 2.470 | Fläche / Surface area 21,34
km²| Auszeichnungen / Awards 2001 Umweltpreis der Bayerischen Landesstiftung, 2001 Leitprojekt des Kompetenzzentrums Umwelt Augsburg Schwaben (KUMAS), 2008 1.
Preis Cipra-Wettbewerb „cc-alps“, 2009 Klimaschutzkommune der Deutschen Umwelthilfe, 2009 Deutscher Solarpreis, 2009 1. Preis Bayerischer Agenda-Wettbewerb, 2010 European
Energy Award, 2011 Nachhaltige Bürgerkommune Bayerns, 2011 Umweltmedaille für Verdienste um die Umwelt des Bayerischen Umweltministeriums, 2012 Un bosco per kyoto –
Auszeichnung der Accademia Kronos Rom, 2013 RES Champions League 1. Platz / 2001 Environmental Prize of the Bavarian State Foundation, 2001 Environmental Competence Centre
Lead Project Augsburg Swabia (KUMAS), 2008 1. Cipra Prize- „cc-alps“ Competition, 2009 Climate Protection Commune of German Environmental Aid, 2009 German Solar Prize,
2009 1. Bavarian Agenda Competition Prize, 2010 European Energy Award, 2011 Bavarian Sustainable Citizens Commune, 2011 Environmental Medal for Services to the Environment
from the Bavarian Ministry of the Environment, 2012 Un bosco per kyoto – Award of the Accademia Kronos Rome, 2013 RES Champions League m1st Place |
Besonderheiten / Special features Windstützpunkt Bayern, ca. 100 nationale und internationale Besuchergruppen pro Jahr, Ökologisches Bildungszentrum / Bavaria Wind Support
Point, around 100 national and international visiting groups per year to the Ecological Education Centre
26
Deckung Strombedarf mit EE (in %)
Electricity consumption covered by RE (in %)
393 % im Jahr 2012, ca. 500 % im Jahr 2013 / 393 % in 2012, around 500 % in 2013
Deckung Wärmebedarf mit EE (in %)
Heat consumption covered by RE (in %)
60 %
27
Wolfhagen, Deutschland / Germany
Wolfhager Bürger im Zentrum der lokalen Energiewende
The citizens of Wolfhagen take centre stage in local energy
turn-around
Kontakt / Contact
Stadtwerke Wolfhagen GmbH
Matthias Boos
Siemensstraße 10
34466 Wolfhagen
Deutschland / Germany
Telefon / Phone
+49 (0)5692 – 99 634 10
Fax
+49 (0)5692 – 99 634 19
E-Mail
info@stadtwerke-wolfhagen.de
Website
www.stadtwerke-wolfhagen.de
Seit September 2012 erzeugt Hessens größter
Solarpark vor der Stadt Wolfhagen Strom für 3.000
Drei-Personen-Haushalte. Nicht weit entfernt,
auf dem Rödeser Berg, sollen bald vier Windräder
jährlich rund 28 Millionen Kilowattstunden Strom
erzeugen. Dann produziert Wolfhagen jedes Jahr
die Menge Energie, die es jährlich verbraucht.
In Wolfhagen setzen vor allem die Stadtwerke
die Energiewende um: Den PV-Park besitzen sie
zu 50 %, die geplanten Windräder werden ihnen
komplett gehören. Trotz dieser zentralen Rolle
stehen die Bürger aber nicht im Abseits. Im
Gegenteil: Wolfhager Bürgern, organisiert in der
BürgerEnergieGenossenschaft Wolfhagen eG
(BEG), gehört seit 2012 ein Viertel der Stadt­werke.
Als Gesellschafter nutzt die Genossenschaft
ihren Einfluss und unterstützt die Ausrichtung der
Stadtwerke auf erneuerbare Energien.
Die BEG-Mitgliedschaft steht allen Stromkunden
der Stadtwerke Wolfhagen offen – und sie ist
attraktiv: Die Mitglieder profitieren direkt und in­
direkt vom wirtschaftlichen Erfolg der Stadtwerke.
Direkt durch die Dividende, die die BEG aus­
schüttet. Indirekt durch den „Energiesparfonds“,
in den ein Teil der BEG-Einnahmen fließt. Diese
Mittel werden eingesetzt, um Förderangebote zu
entwickeln: Damit können die BEG-Mitglieder
ihren eigenen Stromverbrauch senken und so
einen wichtigen Beitrag zur Energiewende leisten,
zu der erneuerbare Energieerzeugung ebenso
gehört wie die Steigerung der Energieeffizienz.
Since September 2012 Hesse’s biggest solar
park – located in front of the city of Wolfhagen –
produces electricity for 3.000 three-person
households. Not far away, on the mountain
Rödeser Berg, four wind power plants will be
soon generating about 28 million KWh electricity.
Then Wolfhagen will be producing exactly the
amount of energy that it is consuming annually.
Vorreiter Nordhessen
Nordhessen hat bereits eine Vorreiterrolle in
Sachen dezentrale, erneuerbare Energie und
Energieeffizienz übernommen. Die besondere
Stärke der Region liegt in der hohen Konzen­
tration aus Forschungs- und Entwicklungs­
einrichtungen, produzierenden Unternehmen
und Dienstleistern sowie einer effizienten
Kooperationsstruktur aus Politik, Wirtschaft
und Verwaltung. Die weitere Dezentralisierung
der Energieversorgung führt zu einem Zusammenwachsen der Bereiche Strom- und
Wärmeversorgung mit der Mobilität.
In Wolfhagen, it is chiefly the public utilities that
are implementing the energy change: They own
50 % of the PV park and the planned wind turbines
will belong to them fully. Despite this central role,
however, the citizens are not standing aside. Quite
the contrary: Since 2012, a quarter of the public
utilities have belonged to Wolfhagen’s citizens,
organized in the Bürger Energie Genossenschaft
Wolfhagen eG (BEG). As a shareholder, this
cooperative uses its influence and supports the
focus of the public utilities on renewable energy.
Die Region hat beste Voraussetzungen, von
dieser Entwicklung stark zu profitieren, da in
allen Bereichen besondere Kompetenzen
vorhanden sind.
North Hesse – a pioneer
Membership in the BEG is open to all electricity
customers of the Wolfhagen public utilities – and
it’s attractive too: The members profit directly
and indirectly from the economic success of the
utilities: directly, through dividends that the BEG
pays; indirectly, through the “Energy Savings
Fund”, into which part of the BEG’s income flows.
These means are used to develop promotional
offerings: In this way, BEG members can lower
their own energy consumption and thus make an
important contribution to energy change, in which
renewable energy production is just as important
an element as increasing energy efficiency.
North Hessen has already assumed a pioneering role in matters regarding decentralized,
renewable energy and energy efficiency. The
particular strength of the region lies in the high
concentration of research and development
institutions, producer companies and service
providers, and also it has an efficient structure
for political, economic and administrative
cooperation. The further decentralizing of the
energy supply leads to a coalescing of the
power and heat supply sectors with mobility.
The region has optimal preconditions for
profiting from this development since special
capabilities are present in all sectors.
Land / State Deutschland / Germany | Gebietscharakter / Territorial character Stadt / Town | Einwohnerzahl / Inhabitants 13.000 | Fläche / Surface area 111 km² |
Besonderheiten / Special features BürgerEnergieGenossenschaft Wolfhagen eG hält ein Viertel der Anteile an den örtlichen Stadtwerken – diese wurden dafür mit dem 2. Platz
beim Stadtwerke Award 2013 ausgezeichnet. / BürgerEnergieGenossenschaft Wolfhagen eG holds one quarter of the shares in the local public utilities – for this it received 2nd place in
the Public Utilities Award 2013.
28
Deckung Strombedarf mit EE (in %)
Electricity consumption covered by RE (in %)
71,4 % (nicht mit eingerechnet ist die Firma Vitaqua, die allein fast 30 Millionen Kilowattstunden jährlich verbraucht. /
not including the company Vitaqua, which alone consumes almost 30 million kilowatt hours per year.)
29
Amstetten, Österreich / Amstetten, Austria
Auf dem Weg zu einer energieeffizienten Stadt |
Lösungen für erneuerbare Energien in Amstetten
Towards an energy-smart town |
Renewable energy solutions in Amstetten
Kontakt / Contact
Stadtwerke Amstetten
Mag. Gerhard Riegler
STADTwerkeHAUS
Ybbsstraße 1
A-3300 Amstetten
Österreich
Telefon / Phone
+43 (0)7472 – 609 70 13
E-Mail
g.riegler@stadtwerke.amstetten.at
Website
www.stadtwerke.amstetten.at/
Seit dem Beitritt zum österreichischen KlimaBündnis im Jahr 2000 hat die Stadt Amstetten in
Niederösterreich eine Vielzahl an Projekten zu
erneuerbaren Energien gestartet. Ziel eines neuen
bahnbrechenden Projektes ist es, den kommunalen
Energieversorger (STADTwerke Amstetten) mit
Wärme zu versorgen, die in einem Abwasserkanal
produziert wird. Für dieses in Österreich einzig­
artige Projekt hat die Stadt den Preis „European
Heat Pump City of the Year Award 2013“ erhalten.
In den letzten Jahren hat Amstetten zahlreiche
Auszeichnungen erhalten. So wurde der Ort z. B.
zur „Innovative österreichische Gemeinde des
Jahres 2006“ sowie für seine Bemühungen in der
Nachhaltigkeitskampagne „Amstetten 2010+“
ausgezeichnet. Bis heute wurden während der
Kampagne mehr als 50 Projekte in folgenden
Bereichen umgesetzt: Green Building und nachhaltiges Bauen, erneuerbare Energielösungen,
Umwelt-und Lebensqualität, Bildung und Arbeit.
Entlang der sogenannten Ökoenergiemeile – ein
Radweg von 15 km Länge – kann man fast alle
erneuerbaren Energien, die derzeit in Amstetten
technologisch und wirtschaftlich praktikabel
sind, auffinden und besichtigen: zwei Wasser­
kraft­anlagen (eine davon im Dienst seit 1900,
die andere mit Nutzung von Restwassermengen),
ein Biomasse-Fernwärmesystem, ein KraftWärme-Kraftwerk, eine Biogasanlage und mehrere
Photovoltaik-Anlagen sowie die oben genannten
Abwasser-Wasser-Wärmepumpe.
„Unser übergeordnetes Ziel für die Zukunft ist es,
Amstetten in eine energieeffiziente Stadt zu
wandeln. Um dieses Ziel zu erreichen, haben wir
vor drei Jahren gemeinsam mit Gemeindever­
tretern, Unternehmen und Bürgern eine Vision für
das Jahr 2050 sowie einen Fahrplan bis zum Jahr
Land / State Österreich / Austria | Einwohnerzahl / Inhabitants 23.029 30
2020 erarbeitet“, erklärt Bürgermeisterin Ursula
Puchebner. Diese Strategie zeigt, dass der Einsatz
von erneuerbaren Energiequellen auch im Rahmen
der zukünftigen Maßnahmen gegen den Klimawandel eine zentrale Rolle spielen wird.
Since it joined the Austrian Climate Alliance in
2000, the town of Amstetten in Lower Austria has
been launching numerous projects for renewable
energy sources. The mission of its latest
trail-blazing project is to supply the municipal
energy provider (STADTwerke Amstetten)
with heating power generated from heat produced
in a sewage channel. This project is quite unique
in Austria and it earned the town the „European
Heat Pump City of the Year Award 2013“.
„Our goal for the future is to turn Amstetten into an
energy-smart town. Three years ago, in order to
achieve this goal, we worked out a vision for 2050,
as well as a road map for 2020, together with
municipal representatives, enterprises and citizens“,
explains mayor Ursula Puchebner, emphasising
that the use of renewable sources of energy will
definitely play a central role in future measures
taken against climate change.
In recent years, Amstetten has received numerous
awards, such as the award for the „Most innovative
Austrian municipality of the year 2006“, in
recognition of its efforts made in the „Amstetten
2010+“ sustainability campaign. To date, more
than 50 projects have been implemented during
the campaign in the following fields: green
building and sustainable construction, renewable
energy solutions, environment and quality of life,
education and work.
Along the so-called Ökoenergiemeile (Eco-energy
mile) – a bicycle trail of 15 km length – there
can be found almost all renewable energy sources
that are currently technologically and economically
viable in Amstetten: two hydroelectric plants – one
in service since 1900, the other one using residual
flows – a biomass district heating system, a
combined heat and power plant, a biogas plant
and several photovoltaic plants, as well as the
aforementioned sewage water heat pump.
Deckung Strombedarf mit EE (in %)
Electricity consumption covered by RE (in %)
100 %
Deckung Wärmebedarf mit EE (in %)
Heat consumption covered by RE (in %)
25 %
31
Bergamo, Italien / Italy
Nachhaltiges Bergamo macht mobil!
Sustainable Bergamo goes mobil!
Kontakt / Contact
Comune di Bergamo
Bianchi Gianluigi
piazza Matteotti 3
24122 Bergamo
Italy
Telefon / Phone
+39 (0)35 – 39 97 91
Fax
+39 (0)35 – 39 97 93
E-Mail
gianluigibianchi@comune.bg.it
Website
www.comune.bergamo.it
Die Stadtverwaltung von Bergamo startete das
Projekt „nachhaltiges Bergamo“, um die Entwicklung der ökologischen und energetischen
Nachhaltigkeit der Stadt in den nächsten Jahren
zu fördern. Das Projekt besteht aus einer Reihe
von konkreten Maßnahmen auf drei Hauptebenen:
der Agenda 21, dem städtische Energieplan und
dem Aktionsplan für nachhaltige Energie.
Um elektrische Energie einzusparen, wurden die
traditionellen Laternen durch LED-Lampen oder
Energiesparlampen ersetzt. In der Stadt gibt es
insgesamt 17.700 Lampen, von denen bereits
14.452 durch Lampen mit niedrigem Verbrauch
ausgetauscht wurden. Bis Ende des Jahres
sollen weitere 500 Leuchten durch LED-Lampen
ersetzt werden.
Die erneuerbaren Energien-Kapazitäten umfassen:
286 m² Solarthermie, 7,3 MW Photovoltaik, von
denen 1,6 MW auf öffentlichen Gebäuden platziert
sind, ein Kleinwassersystem von 1,9 MW und ein
öffentliches von 55 kW, ein öffentliches Wärmepumpensystem von 44,40 kWt, eine Biogasanlage
von 815 kW mit einer luftunabhängigen Vergärung
und ein Biomasse-KWK-System von 4,6 MWe
und 2,1 MWt. Die Gemeinde plant, auf weiteren
15 öffentlichen Gebäuden Photovoltaik-Anlagen
zu installieren. Die Anlagen auf den öffentlichen
Gebäuden entsprechen 23 % der installierten
Gesamtleistung der Stadt.
Doch nicht nur im Stromsektor geschehen positive
Dinge: Bergamo setzt auch auf eine nachhaltige
Mobilität. Die Stadtverwaltung hat entschieden,
die Gesamtzahl der Fahrzeuge zu reduzieren und
Fahrzeuge einzusetzen, die mit flüssigem Propan­gas
angetrieben werden. Darüber hinaus wurden
weitere Maßnahmen ergriffen, um den verstärkten Einsatz von Elektroautos zu fördern (z. B.
kostenlose Parkplätze für Elektroautos, Zugang zur
verkehrsberuhigten Zone, ausreichende Anzahl
von Ladestationen). Außerdem wurden ca. 42 km
Radwege angelegt und sogenannte „Piedibuse“
(Schulbus zu Fuß) bringen etwa 1.000 Kinder in
14 verschiedene Schulen jeden Tag.
MWe and 2,1 MWt. Regarding public buildings,
the municipality announced the goal of installing
photovoltaic systems on 15 buildings. The fittings
for public buildings represent 23 % of the total
installed power in the city.
In the area of electricity savings, action was taken
several times to replace the traditional lamps with
LEDs (with an energy saving of 80 %) or lowconsumption light bulbs. The city has, a total of
17.700 traditional lamps, 14.452 of which have
been replaced by low-consumption light bulbs; by
the end of the year the replacement of a further
500 lamps with LED lamps is targeted.
However, not only in the electricity sector are
positive things happening: Bergamo is also aiming
for sustainable mobility! In this regard, the city
administration decided to reduce the total number
of vehicles and to have the vehicles use liquid
propane gas. Moreover, there are several
measures in place that stimulate the increased
use of electric cars (e.g. free parking, access to
the restricted traffic zone, sufficient number of
charging stations). Last not least, about 42
kilometres of bike paths have been set up and a
so-called “Piedibus” (pedestrian school bus)
brings about 1,000 children to 14 different
schools every day.
The Bergamo Municipal Administration has
confirmed the project “Bergamo Sostenibile”
to promote the environmental and energy
sustainability of the development of the City in
future years. This project is organized in a series
of concrete actions concerning three principal
plans: Agenda 21, the Municipal Energy Plan and
the Sustainable Energy Action Plan.
The renewable energy sources comprise: 286 m²
solar thermal, 7,3 MW photovoltaic,1,6 of this on
public buildings, 1 mini-hydroelectric system of
1,9 MW one of which is public and of 55 kW, one
public heat pump system of 44,40 kWt, one
biogas system of 815 kW with anaerobic digestion,
and one biomass co-generation system of 4,6
Deckung Strombedarf mit EE (in %)
Electricity consumption covered by RE (in %)
Vollständig aus PV, mehr als 4,5 % (kWh/a) / Entirely from PV, more than 4,5 % (1.721.217,75 Kwh/y)
Land / State Italien / Italy | Gebietscharakter / Territorial character Stadt / City | Einwohnerzahl / Inhabitants 121.137 | Fläche / Surface area 40,16 km²
Deckung Wärmebedarf mit EE (in %)
Heat consumption covered by RE (in %)
32
Mehr als 20 % der Wärme im Fernwärmenetz wird durch die Verbrennung des nicht wiederverwertbaren städtischen
Mülls gedeckt / More than 20 % of the heat in the discrict heating system is covered by burning the non-recyclable part
of urban garbage.
33
Knežice, Tschechien / Czech Republic
Erstes Energieautarkes Dorf in Tschechien
First village self-sufficient in energy in Czech Republic
Kontakt / Contact
Knežice municipality
Milan Kazda – mayor
28902 Knežice 37
Czech Republic
Telefon / Phone
+42 (0)325 640 228
Fax
+42 (0)325 640 228
E-Mail
obec@obec-knezice.cz
Website
www.obec-knezice.cz
Knežice (80 km von Prag entfernt) ist das einzige
Dorf in der Tschechischen Republik, das heute
dank eines Bioenergie-Zentrums energieautark ist.
Das Bioenergie-Zentrum besteht aus einer
Biogasanlage mit einem BHKW (330 kWel und
400 kWth) und aus einem Biomasse-Heizwerk
(Kessel 800 400 kW). Das Zentrum versorgt über
90 % der Bevölkerung mit Wärme und erzeugt
deutlich mehr Strom als das Dorf verbraucht, so­dass
der der Strom verkauft werden kann.
Knežice (80 km from Prague) is the only village
in the Czech Republic, which is de facto energy
self-sufficient thanks to a bioenergy centre,
which consists of a biogas plant with CHP (330
kWel and 400 kWth) and a biomass heating
plant (boilers 800+400 kW). The technology
supplies the population with more than 90 %
heat and produces significantly more electricity
than the village consumes, so that electricity
can be sold.
Der Einsatz von Biogas-Anlagen löst in Knežice
zusätzlich das Problem der organischen Abfallverarbeitung. Das Zentrum, das von der Gemeinde
betrieben wird, produziert Pellets zum Heizen von
Häusern in der Umgebung.
Additionally, the use of biogas units solves the
problem in Knežice of organic waste processing.
The centre operated by the municipality produces
pellets for heating houses in the neighbouring
area.
Das Dorf hat den tschechischen Solarpreis von
EUROSOLAR gewonnen und beginnt, seine
Meilensteine in einem neuen Informationszentrum
in einer ehemaligen Mühle zu präsentieren.
Knežice führt ebenfalls eine Mikroregion von fünf
Gemeinden, die die Covenant of Mayors (CoM)
kürzlich unterzeichnet haben, und einen gemein­
samen Sustainable Energy Action Plan (SEAP)
vorbereiten. Bürgermeister Milan Kazda leitet als
treibende Kraft der Ereignisse die Gestaltung
eines nationalen RURENER-Klubs.
The village has also won the Czech solar award
from EUROSOLAR and is beginning to promote its
successes in a new information centre in a
former mill. It also leads a micro-region of five
municipalities that have recently signed the
Covenant of Mayors (CoM) and are preparing a
joint SEAP. The major driving force of events,
mayor Milan Kazda, plans to a form a national
RURENER club.
Land / State Tschechien / Czech Republic | Gebietscharakter / Territorial character Gemeinde / municipality | Einwohnerzahl / Inhabitants 511 | Fläche / Surface area 19,57 km² |
Auszeichnungen / Awards Energy globe, Gemeinde des Jahres, Eurosolar, Europäischer Energy Award / Energy Globe, Municipality of the Year, Eurosolar, European Energy Award
34
Deckung Strombedarf mit EE (in %)
Electricity consumption covered by RE (in %)
100 %
Deckung Wärmebedarf mit EE (in %)
Heat consumption covered by RE (in %)
96 %
35
Perpignan Méditerranée, Frankreich / France
Perpignan Méditerranée – Erneuerbare erobern den Stromsektor
Perpignan Méditerranée – Renewables conquer entire
electricity market
Kontakt / Contact
Perpignan Méditerranée Communauté
d’Agglomération
Cédric BAÑERAS, Responsible for the
renewable energy industry
11 Boulevard Saint-Assiscle – BP 20641 –
66006 PERPIGNAN Cedex
France
Telefon / Phone
+33 (0)468 – 08 60 80
E-Mail
c.baneras@perpignan-mediterranee.org
Windkraft, Solarenergie, Biogas, Fernwärme,
Biokraftstoff: Perpignan Méditerranée hat sich
zum Ziel gesetzt, eine komplette Palette von
erneuerbaren Energien auf seinem Territorium zu
installieren. Die meisten dieser Initiativen sind
Teil des katalanischen Ecoparks – einer Fläche,
auf der neue Synergien zwischen Wirtschaft
und Landwirtschaft in der Region, Achtung für
die Umwelt und Landschaft sowie ein attraktives
Touristenziel geschaffen werden.
Der Strombedarf der Wohngebäude in der Region
kann bis Ende des Jahres 2015 durch ein
bestehendes Projektportfolio erfüllt werden. Ein
großer Windpark mit 35 Anlagen und 92 MW
wurde in einer Weinregion planmäßig zum Ende
des Jahres 2013 (Zugabe 220 GWh/Jahr zu
den bestehenden 230) installiert.
Die Region hat mit dem vorhandenen Wissen über
erneuerbare Energien einen großen Vorsprung.
Von der Ausbildung bis zur Innovationsforschung
hat Perpignan Méditerranée reichlich Erfahrung
in der wirtschaftlichen Herstellung erneuerbarer
Energien gesammelt. Die Plattform Tecnosud
bringt im leistungsfähigen Cluster „Derbi“ Unternehmen wie Tecsol und Cansol, Forschungslabors
wie CNRS-Promes und Cartech und auch eine
Ingenieurschule für erneuerbare Energien, PolyEnR,
zusammen.
Zusätzliche Maßnahmen der nachhaltigen Entwicklung wurden in den Vordergrund der Vereinbarung
Grenelle 2015 gestellt, die im Jahr 2008 unterzeichnet wurde. Ein nachhaltiger Energieaktionsplan wurde im Jahr 2012 erstellt und umgesetzt.
Wind, solar, biogas, district heating, and biofuel:
Perpignan Méditerranée means to install a
complete range of renewable energy sources on
its territory. Most of these initiatives are part
of the Catalonian Ecopark – a space where new
synergies are created between the region’s
economic and agricultural activities, its respect for
the environment and landscape and its status as a
tourist destination.
The region’s residential electricity needs are to be
met by the end of year 2015 through an existing
project portfolio. A large wind park of 35 turbines
and 92 MW will be installed in a winemaking area
by the end of year 2013 (adding 220 GWh/year to
the existing 230).
The region has a real head start because of the
knowledge it already has regarding renewable
energy. From training to innovation to research,
Perpignan Méditerranée has developed ample
experience in making renewable energy
economically viable. Tecnosud is a platform that
brings together in a cluster of competition called
‘Derbi’, businesses such as Tecsol and Cansol,
research laboratories such as CNRS-Promes and
Cartech, and an Engineering School dedicated
to renewable energy, PolyEnR.
Website
www.perpignanmediterranee-enr.com/
© Perpignan Méditerranée
Additional sustainable development measures
were brought to the fore by the Grenelle 2015
agreement, signed in 2008. A sustainable energy
action plan was added in 2012 and is being
implemented.
© Perpignan Méditerranée
Land / State Frankreich / France | Gebietscharakter / Territorial character Gemeindeverband / municipal association | Inhabitants / Einwohner 257.700| Fläche / Surface
area 617 km² | Auszeichnungen / Awards Gewinner der RES Champions League 2013, Gewinner der französischen Liga 2012 & 2011 / 2013 RES Champions League winner,
2012 & 2011 French league winner | Besonderheiten / Special features katalanischer Ecopark, PV-Dach des Saint Charles Großhandelsmarkts / Catalonian Ecopark, PV roof of
Saint Charles wholesale market place 36
© Perpignan Méditerranée
© Perpignan Méditerranée
Deckung Strombedarf mit EE (in %)
Electricity consumption covered by RE (in %)
42 %
Deckung Wärmebedarf mit EE (in %)
Heat consumption covered by RE (in %)
1 %
37
Villers-le-Bouillet Belgien / Belgium
Villers-le-Bouillet – Smarte Finanzierung, Beteiligung und
Schneeballeffekte
Villers-le-Bouillet – the “Enercity” where money falls from
the sky
Kontakt / Contact
Administration Communale de
Villers-le-bouillet
Jean Samuel Gowie – energy manager
Rue des Marronniers, 16
4530 Villers-le-Bouillet
Belgium
Telefon / Phone
+32 (0)85 – 61 62 80
Fax
+32 (0)85 – 61 62 98
E-Mail
jeansamuel.gowie@villers-le-bouillet.be
Website
www.villers-le-bouillet.be
Villers-le-bouillet ist eine inspirierende Gemeinde
mit 6.310 Einwohnern.
Villers-le-Bouilllet is an inspiring community of
6,310 inhabitants.
Mit seinen weiten Ebenen und landwirtschaftlichen
Tätigkeiten ist Villers-le-Bouillet mit einem großen
erneuerbare Energien-Potenzial beschenkt worden.
Aber was die Stadt so besonders macht ist, dass
sie ein eigenes Finanzierungsmodell entwickelt hat,
dass jetzt in lokale Projekte re-investiert.
With its wide plains and farmed areas, Villers-leBouillet has great potential for renewable energy.
However, what distinguishes the town from others
is that it has developed its own financing model
through which reinvestment in local projects is now
undertaken.
Es handelt sich um die bürgereigene Genossenschaft
„Enercity“, die im Jahr 2009 gegründet wurde,
um in eine 2-MW-Windkraftanlage zu investieren.
Ihre Gründung umfasste weniger als 100.000 €
aus kommunalen Mitteln, der Rest (rund 3 Millionen) wurde durch Bankkredite abgedeckt.
This financing model is made possible by the
“Enercity” cooperative, which was founded in 2009
in order to invest in a 2-megawatt wind-power
station. When it was established, barely € 100,000
came from local authority funds, while the remainder
(around three million euros) was covered by bank
credits. However, the participation of the community
Die Beteiligung der Gemeinde war ein wesentlicher was an essential factor in its success, not only
Erfolgsfaktor, nicht nur weil sie die Dynamik
because it coordinated the process but also
koordiniert hat, sondern auch weil das investierte
because the money invested in the cooperative,
Geld in die Genossenschaft die Garantie für
used as a guarantee, made the bank credits
Bankkredite ermöglicht hat.
possible.
Ein Schneeball-Effekt entsteht.
A snowball effect arises
Inzwischen hat die Genossenschaft alle öffentlichen In the meantime the cooperative has equipped all
Gebäude mit PV-Anlagen ausgestattet, und
public buildings with photovoltaic modules and is
versucht nun, in vier weitere Windkraftanlagen
now attempting to invest in four more wind-power
plants.
zu investieren.
Mit gutem Beispiel vorrangehen.
Villers-le-Bouillet besitzt das erste Rathaus in
Passivbauweise in Wallonien und fördert die
erneuerbaren Energien und Energieeffizienz unter
den Bürgern und in der Landwirtschaft, durch
Teilen eines kommunalen Elektroautos. Dadurch
wird die positive Idee von einer nachhaltigen
Energieversorgung verbreitet und permanent
kommuniziert.
Leading the way by setting a good example
Villers-le-Bouillet has the first passive-house town
hall in the Wallonia region and is promoting
renewable energy and energy efficiency among its
citizens and in agriculture, including, for example,
a community electric vehicle. In so doing, a
positive approach to providing energy sustainably
is disseminated and promoted constantly.
Land / State Belgien / Belgium | Gebietscharakter / Territorial character Ländlich / Rural | Einwohnerzahl / Inhabitants 6.310 | Fläche / Surface area 32 km² |
Auszeichnungen / Awards Capital of Wind 2012 | Besonderheiten / Special features Genossenschaft, die sowohl Wind turbinen als auch andere erneuerbare Energiequellen
bedient / A self owned cooperative that operates a wind turbine and other RES
38
Deckung Strombedarf mit EE (in %)
Electricity consumption covered by RE (in %)
45 %
Deckung Wärmebedarf mit EE (in %)
Heat consumption covered by RE (in %)
1 %
39
Anhang / Appendix
Das IdE wird gefördert durch
The IdE is funded by
/
Das IdE Institut dezentrale Energie­
technologien ist ein anwendungsorientiertes
Forschungsinstitut an der Universität Kassel.
Der inhaltliche Schwerpunkt des Instituts liegt auf
einer ganzheitlichen Betrachtung der Energiebedarfsfelder Strom und Wärme, einschließlich der
Elektroenergieversorgung für die Mobilität.
Die Forschungsarbeiten des Instituts erfolgen
in den Abteilungen:
•
•
•
•
•
•
Dezentrale Energiekonzepte
Elektrische Energiesysteme
Thermische Energiesysteme
Produktion & Energie
Kommunikation & Software
Fahrzeugsysteme
Das Projekt ist in der Abteilung Dezentrale
Energiekonzepte angesiedelt.
Abteilung Dezentrale Energiekonzepte
Die Abteilung Dezentrale Energiekonzepte
beschäftigt sich mit den Chancen und Heraus­
forderungen der Transformation des Energie­
systems zu einem überwiegenden Einsatz von
erneuerbaren Energien und einer stärkeren
dezentralen Erzeugung. Ein Forschungsschwerpunkt der Abteilung ist die Unterstützung
und Begleitung von Regionen auf ihrem Weg zu
100 % erneuerbarer Energie, z. B. durch die
Erstellung von Energie- und Klimaschutzkonzepten.
In der Begleitung von Regionen geht es darum,
die entwickelten Konzepte unter Beteiligung von
Akteuren aus Politik, Verwaltung, Wirtschaft
und von Bürgern zur erfolgreichen Umsetzung zu
bringen. Hierzu wird die fachliche Expertise der
übrigen Abteilungen des IdE eingebunden.
40
The IdE Institute decentralized energy
technologies is an application-oriented research
institute at the University of Kassel. The focus of
the Institute is located on a holistic view of energy
demand fields electricity and heat, including
electric power for mobility.
The institute’s research activities are performed by
the following departments
•
•
•
•
•
•
decentralised energy concepts
electrical energy systems
thermal energy systems
production & energy
communication technology & software
vehicle systems
Das deENet Kompetenznetzwerk dezentrale
Energietechnologien e.V. hat sich zum Ziel
gesetzt, die Region Nordhessen zu einem
interna­tional anerkannten Standort für die
Anwendung, Forschung und Entwicklung sowie
für Produktion und Dienstleistung im Bereich
dezentraler Energieversorgungsysteme und
Energieeffizienz auszubauen. Aufbauend auf der
langjährigen erfolgreichen Kooperation zwischen
regionaler Wirtschaft, Wissenschaft und Politik,
sollen weitere wegweisende Technologie- und
Modellprojekte in diesem Wirtschaftszweig
realisiert und die zügige Transformation der
Energieversorgung auf regionaler Ebene vorangetrieben werden.
deENet Kompetenznetzwerk dezentrale
Energietechnologien e.V. has set itself the
goal of developing the region of North Hessen into
an internationally recognized base for application,
research and development and for production and
services in the field of decentralized energy supply
systems and energy efficiency. Building on the
many years of successful collaboration between
the regional economy, science and politics,
additional pioneering technological and model
projects are to be implemented in this branch of
the economy and the rapid transformation of
energy supply at regional level will be promoted .
Der World Future Council setzt sich für ein
verantwortungsvolles, nachhaltiges Denken und
Handeln im Sinne zukünftiger Generationen ein.
Seine bis zu 50 Mitglieder kommen aus Politik,
Geschäftswelt, Wissenschaft und Kultur – und
von allen fünf Kontinenten. Der Rat identifiziert
mithilfe seines Netzwerks von Wissenschaftlern,
Parlamentariern und Umwelt-Organisationen
weltweit zukunftsweisende Politikansätze und
fördert ihre Umsetzung auf internationaler,
nationaler und regionaler Ebene. Der World Future
Council ist als gemeinnützige Stiftung in Hamburg
registriert und finanziert sich über Spenden.
The World Future Council brings the interests
of future generations to the centre of policy
making. Its up to 50 eminent members from around
the globe have already successfully promoted
change. The Council addresses challenges to our
common future and provides decision-makers
with effective policy solutions. In-depth research
underpins advocacy work for international
agreements, regional policy frameworks and
national lawmaking and thus produces practical
and tangible results. The World Future Council
is registered as a charitable foundation in Hamburg,
Germany.
The project is located in the department
Decentralized Energy Concepts.
Department „Decentralised Energy Concepts“
The Decentralised Energy Concepts department
focuses on the opportunities and challenges of
converting energy systems to a predominant use
of renewable energy with increased local
generation. One of the department’s research
focal points is to offer support and guidance
to regions on their way to 100 % renewable energy,
e.g. through the development of regional
energy and climate concepts. Regional support
requires the participation of representatives
from politics, administration, business and from
the public for the successful implementation
of the concepts once developed. This involves
integrating the technical expertise of other
IdE departments.
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IdE Institut dezentrale Energietechnologien
gemeinnützige GmbH
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