cleopatra – im labyrinth von eros und macht

CLEOPATRA – IM LABYRINTH VON EROS UND MACHT
SALZBURGER PFINGSTFESTSPIELE
25.–28. MAI 2012
SALZBURGER PFINGSTFESTSPIELE 2012
Helga Rabl-Stadler, Präsidentin
Alexander Pereira, Intendant
Künstlerische Leitung
Cecilia Bartoli
supported by
Vorwort ı Editorial
Kleopatra – die legendäre Frau mit 1000 Gesichtern:
was für ein fesselndes Thema für ein Festival!
Cleopatra – the legendary woman of a thousand faces:
what an intriguing theme for a festival!
Cecilia Bartoli
Es freut mich sehr, Ihnen in meinem ersten Jahr als Künstlerische Leiterin der Salzburger
Pfingstfestspiele eine opulente Reise nach Ägypten präsentieren zu können, auf der wir
in vier kurzen Tagen und ebenso vielen langen Nächten all Ihre Sinne verführen möchten.
Ich bin stolz darauf, dass sich mir einige der bedeutendsten Künstlerinnen unserer Zeit
angeschlossen haben, um die sagenumwobene ägyptische Königin in verschiedenen
­Erscheinungen darzustellen. Eröffnet werden die Festspiele von meiner eigenen Kleopatra
in einer Neuinszenierung von Händels Giulio Cesare, beendet werden sie von Anna
­Netrebkos Kleopatra in einem Auftragswerk von Rodion Shchedrin. Vesselina Kasarova
und Sophie Koch sowie die Schauspielerinnen Sunnyi Melles und Chulpan Khamatova
werden weitere Facetten dieser faszinierenden Frau aufzeigen.
Keine Kleopatra kann jedoch ohne ihre Cäsaren und Antonien, ihre Partner und ­Dirigenten
(Giovanni Antonini, Vladimir Fedoseyev, Sir John Eliot Gardiner, Valery Gergiev) bestehen.
Händels Oper wird von Moshe Leiser und Patrice Caurier neu inszeniert. Andreas Scholl,
Philippe Jaroussky, Anne-Sophie von Otter sowie Sven-Eric Bechtolf, Ludovic Tézier, Véro­
nique Gens und Piotr Beczala werden als „mein römisches Personal“ zu erleben sein.
Unlängst ist in Ägypten Geschichte erneut zur Realität geworden, und die Frauen haben
ihre Rolle als dynamische Kraft, welche das Gesicht dieses Landes formt, angenommen. Es
ist wunderbar, dass Salwa Bakr, eine der bedeutendsten ägyptischen Autorinnen, einen
Beitrag zu diesem Büchlein verfasst hat.
Ich hoffe, Sie genießen die Entdeckungsreise durch die verschiedenen Veranstaltungen
unserer Festspiele, werden Sie dabei doch von einer der hingebungsvollsten Händel­
ianerinnen und größten Bewunderinnen Kleopatras geführt: Donna Leon …
I am delighted that in my first year as Artistic Director of the Salzburg Whitsun Festival, I can
present a luxurious journey to Egypt to you, stimulating all your senses in four short days
and long nights.
I am extremely proud that I am joined by some of the most prestigious artists of our time,
who will perform as the mythical Egyptian queen in different guises: while my Cleopatra
will open the Festival in a new stage production of Giulio Cesare by Handel, Anna Netrebko
will be the one to close it as Cleopatra in a commissioned work by Rodion Shchedrin.
Vesselina K
­ asarova and Sophie Koch as well as actresses Sunnyi Melles and Chulpan
­Khamatova will show further faces of this fascinating woman.
Yet, no Cleopatra can excel without her Cesars or Antonys, nor her partners and conductors
(Giovanni Antonini, Vladimir Fedoseyev, Sir John Eliot Gardiner and Valery Gergiev).
Handel’s opera will be staged by Moshe Leiser and Patrice Caurier, whereas Andreas Scholl,
Philippe Jaroussky, Anne-Sophie von Otter, Sven-Eric Bechtolf, Ludovic Tézier, Véronique
Gens and Piotr Beczala will be “my Roman staff”.
Most recently, Egyptian history has become reality again, and women have once more
taken up their role as a dynamic force in shaping the face of this ancient country. It is
­wonderful that Salwa Bakr, one of the most prestigious female Egyptian authors, has written
a contribution to this brochure.
I also hope you will enjoy discovering the various events of our festival, guided by one of
the most devoted Handelians and admirers of Cleopatra, Donna Leon…
Ihre Schönheit an sich fand wohl ihresgleichen
und vermochte nicht, durch den bloßen Anblick
zu berücken, in der Unterhaltung übte sie dagegen eine unwiderstehliche Anziehung aus.
Der Zauber ihrer Rede, die geistige Anmut
ihres ganzen Wesens verliehen ihren Reizen einen
Stachel, der sich tief in die Seele eindrückte.
For her beauty, as we are told, was in itself
not altogether incomparable, nor such as
to strike those who saw her; but converse with
her had an irresistible charm, and her presence,
combined with the persuasiveness of her
discourse and the character which was somehow
diffused about her behaviour towards others,
had something stimulating about it.
Plutarch
Cleopatra – Im Labyrinth von Eros und Macht
Cleopatra raffinata........................................................................................................................................S. 8
Georg Friedrich Händel ı Giulio Cesare in Egitto
Giovanni Antonini ı Il Giardino Armonico ı Moshe Leiser ı Patrice Caurier ı
Christian Fenouillat ı Agostino Cavalca ı Christophe Forey ı
Cecilia Bartoli ı Anne-Sophie von Otter ı Andreas Scholl ı Philippe Jaroussky ı
Christophe Dumaux ı Ruben Drole ı Peter Kálmán
Freitag, 25. Mai 2012, 19.00, Haus für Mozart, szenische Aufführung
Sonntag, 27. Mai 2012, 17.00, Haus für Mozart, szenische Aufführung
Cleopatra amorosa....................................................................................................................................S. 10
William Shakespeare ı Antony and Cleopatra
Sunnyi Melles ı Brigitte Hobmeier ı Sven-Eric Bechtolf ı Jens Harzer
Samstag, 26. Mai 2012, 11.00, Salzburger Landestheater, Lesung
Cleopatra virtuosa......................................................................................................................................S. 12
Cleopatra tragica...........................................................................................................................................S. 16
Robert Schumann ı Ouvertüre zu Julius Cäsar
Hector Berlioz ı La mort de Cléopâtre
Johannes Brahms ı Rinaldo
Sir John Eliot Gardiner ı Symphonieorchester und Chor des Bayerischen Rundfunks ı
Vesselina Kasarova ı Piotr Beczala
Montag, 28. Mai 2012, 11.00, Felsenreitschule
Cleopatra orientale...................................................................................................................................S. 18
Anton Rubinstein ı Ouvertüre zu Antonius und Kleopatra
Rodion Shchedrin ı Auftragswerk der Salzburger Pfingstfestspiele
Charles Gounod ı Ballettmusik aus der Oper Faust
Jules Massenet ı Méditation und Arie „Dis-moi que je suis belle“ aus der Oper Thaïs
Sergej Prokofjew ı Bühnenmusik zu Ägyptische Nächte
Valery Gergiev ı Orchester des Mariinski-Theaters, St. Petersburg ı
Anna Netrebko ı Chulpan Khamatova ı Yevgeny Mironov
Montag, 28. Mai 2012, 18.00, Großes Festspielhaus
Barockkonzert. Arien und Instrumentalstücke von Georg Friedrich Händel,
Johann Adolf Hasse, Carl Heinrich Graun
Giovanni Antonini ı Il Giardino Armonico ı Cecilia Bartoli
Samstag, 26. Mai 2012, 19.30, Mozarteum
Cleopatra sensuale....................................................................................................................................S. 14
Jules Massenet ı Cléopâtre
Vladimir Fedoseyev ı Mozarteumorchester Salzburg ı Salzburger Bachchor ı
Sophie Koch ı Ludovic Tézier ı Véronique Gens
Sonntag, 27. Mai 2012, 11.00, Felsenreitschule, konzertante Aufführung
Cleopatra hollywoodiana...............................................................................................................S. 24
Film-Marathon in Zusammenarbeit mit dem
Salzburger Filmkulturzentrum DAS KINO
Von Cleopatra (1917) mit Theda Bara
bis Asterix und Kleopatra
Samstag, 19. Mai 2012 – Montag, 28. Mai 2012
Cleopatra culinaria....................................................................................................................................S. 25
Ägyptisches Dinner mit ägyptischer Musik
Sonntag, 27. Mai 2012, 21.30, Karl-Böhm-Saal
Donna Leon ı Tribut für Kleopatra
Ich bin in meinem Leben nur einmal bekehrt worden, und wie jene Leute, die mit starrem
Blick an Ihrer Türe klingeln, möchte ich darüber reden. Es geschah 1966, und es geschah in
New York. Ich war frisch von der Uni, arbeitete in der City und ging ab und zu in die Oper.
Komplett ohne musikalischen Hintergrund kam mir die Entscheidung, welches Stück anzusehen, wie ein Würfelspiel vor: Mal gewinnst du, mal endest du im Faust und fragst dich,
wieso zum Teufel du überhaupt hingegangen bist.
Giulio Cesare? „Veni, vidi, vici“ und all das Zeug … Beverly Sills. Nicht die Met, sondern
die City Center Opera. Die neue Met war gerade damit beschäftigt, ihr neues Haus und
die Saison mit Antony and Cleopatra von Samuel Barber zu eröffnen, doch war ich, schon
damals, genug bei Trost, um von sowas Abstand zu halten. Händel. Er hat doch den
­Messias und die Feuerwerksmusik geschrieben, also warum nicht?
Zack! Boing! So wie in den Comicbüchern oder wie in der Bibel – da war ich, auf der
Straße nach Damaskus, und der Donner kam vom Himmel. Ich stürzte vom Ross, und ich
war nie mehr dieselbe Person.
Würde ich jene Aufführung heute besuchen, dann beklagte ich die Tatsache, dass Cäsar
von einem Bass gesungen wird, dass die Inszenierung überdreht ist und dass Kleopatra
wie Carmen Miranda in einem Kleid von Valentino aussieht, der nur die Ananas und die
Bananen im Kopfschmuck fehlen. Ananas hin oder her, die Sills war atemberaubend und
der Abend magisch, hatte das Zeug, mich zu verwandeln. Hier war Händels Musik, und
hier waren Leute, die sie singen konnten, und hier waren die Verzierungen, die er geschrieben – oder auch nicht geschrieben haben könnte. Nach solchen Erlebnissen gibt es
kein Zurück, und in meinem Fall gab es auch keines. Dies ist die Ur-Oper, die goldene
Standarte, und Kleopatra ist die Rolle, wofür manche Soprane wohl beraten wären, ihre
Seele zu verkaufen. (An dieser Stelle gestehe ich, dass ich dasselbe über die Alcina sage.)
Die Publikumsreaktion über jene Aufführung lässt sich am besten durch einen der auf
YouTube geposteten Kommentare wiedergeben, der über 40 Jahre später zu einem Clip
gemacht wurde, wo die Sills „Da tempeste il legno infranto“ singt, offenbar das einzige
Fragment, das von jenen verzauberten Vorstellungen übriggeblieben ist. In eine Art weißes
Tischtuch gekleidet, macht die Sills nicht viel mehr, als vier Minuten lang zu knicksen und
dreimal um ein kleines Sofa herumzugehen, doch als Reaktion auf ihren Gesang schreibt
der wahre Gläubige: „Die Königin der Nacht kann sich zurück ins Bett legen.“ Ja.
Händels Kleopatra ist die Königin von Ägypten, die Julius Cäsar verführte, den Herrscher
über die damals bekannte Welt. Der Altersunterschied zwischen den beiden betrug
mehr als 30 Jahre, eine Zahl, die inzwischen durch einen anderen Herrscher über die
römische Welt vergrößert wurde. Eine Erbin der ptolemäischen Dynastie, welche seit
der Zeit ­Alexanders des Großen Ägypten regiert hatte, herrschte Kleopatra zunächst
gemeinsam mit ihrem Vater und dann mit ihren zwei Brüdern, mit denen beiden sie
verheiratet war. (Wikipedia vermerkt dazu lakonisch: Aus ihren Verbindungen gingen
keine Kinder hervor.)
Plutarch berichtet von ihrer Ankunft in Cäsars Palast in einer Bettrolle oder einem Teppich
und sagt in seiner Cäsar-Biografie von ihr einzig, sie sei eine „vorwitzige Kokette“ gewesen.
Erst später, als er über Mark Anton schreibt, verändert sich Plutarchs Kleopatra-Porträt: Ihr
Einfluss sei bösartig gewesen, die Kraft, welche „viele der Leidenschaften erregte und zur
Raserei trieb, welche zuvor in ihm noch versteckt und still gelegen hatten“.
Um den veränderten Ton zu verstehen, muss man vielleicht wissen, dass zur Zeit, in der
Plutarch schrieb, Antonius und Kleopatra als Selbstmörder über hundert Jahre besiegt­
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und tot waren. Und Rom war zum Imperium geworden, gegründet von ihrem bittersten
Rivalen Oktavian, der als Kaiser Augustus geherrscht hatte. Der ethische Freipass, den
Plutarch Cäsar gibt, könnte damit erklärt werden, dass Oktavian Cäsars Neffe und Erbe war:
Das frühe Römische Kaiserreich war kein Ort, an dem es ratsam war, ungnädige Bemerkungen über einen Vorfahren des Imperators fallen zu lassen. Wie alle Machthaber bemühten sich auch diejenigen von Rom, die Realitäten des Regimes in Respektabilität zu
kleiden. Und Kleopatra konnte so als Symbol von Liederlichkeit serviert werden, vor der
Augustus Rom bewahrt hatte.
Was für eine bessere Schurkin konnten die Historiker den Einwohnern des sich formenden
Weltreiches liefern als das sexuelle Raubtier, die afrikanische Königin, deren Ränke und
Perversität den besten Römer verdorben hatte? Kaum war Kleopatra im Grab erkaltet, da
flog der erste Schlamm. Afrikanerin, Frau, ehrgeizig, nicht vertrauenswürdig, promiskuitiv,
unloyal, eine die Rom nicht liebte. Die Liste wurde länger und länger und gewann an
Einflusskraft, während die Jahrhunderte vorüberzogen. Wer wäre denn ein besseres Ziel
von Frauenhass, wenn nicht eine fremde Königin, darüber hinaus sexuell wählerisch und
daran interessiert, ihre eigene Macht zu vergrößern? Eigenartig ist allerdings, dass der Inzest
mit ihren Brüdern nur selten erwähnt wird, als ob etwas solchermaßen Abstoßendes jenseits jeder Diskussion sei.
Obwohl ihr Name und Charakter verteufelt wurden, hat die Legende von ihrem Charme
und ihrer Schönheit überlebt. Was ihre sagenhafte Schönheit betrifft, so muss man nur die
während ihrer Herrschaft geprägten Münzen anschauen und sich darüber wundern, denn
sie zeigen eine großnasige Frau mit einer Frisur aus kleinen Zöpfchen. Zeitgenössische
Berichte sprechen von ihrer Schönheit, doch ausführlicher und öfter beschreiben sie ihren
Charme und heben die eigenartige Schönheit ihrer Stimme hervor und ihre Fähigkeit, sich
für jedermann ansprechend zu machen. Die eigenartige Schönheit ihrer Stimme. Die
­eigenartige Schönheit ihrer Stimme …
Dies ist die verworrene, widersprüchliche Sammlung von weiblichen Eigenschaften, welche
sich in Händels Kopf anhäufte und, später, auf seinem Schreibtisch. Als Opernheldin ist sie
ein Geschenk des Himmels. Sie ist jung, als der Vorhang aufgeht, doch ist sie eine Frau
von starkem Willen, der es kaum schwerfällt, Cäsar und später Antonius zu verführen, die
mächtigsten Römer ihrer Zeit.
Händel war aber nicht der einzige Komponist, der den Drang verspürte, ihr eine Stimme
zu verleihen. Hasse schrieb eine Serenata, in der ihre Rolle – sitzen Sie fest auf Ihrem ­Stuhl?
– von Farinelli gesungen wurde, die des Antonius hingegen von der Altistin Vittoria Tesi.
Massenet konnte weder ihrem lasterhaften Ruf noch den Ver­lockungen der Schlange
widerstehen und versetzte die Schlussszene in Kleopatras Grabmal. Nachdem sie Antonius
eine falsche Nachricht von ihrem Tod zukommen ließ, muss sie fassungslos mitansehen,
wie ihr sterbender Liebhaber hereingetragen wird. In der Annahme, sie sei tot, hatte er
sich erdolcht, überzeugt, dass ein Leben ohne sie sinnlos sei. Und auf seinen Tod hin
entblößt sie ihre Brust und hält sie der Schlange entgegen. Wo ist die Sopranistin, die sich
dies entgehen lässt?
Der 25-jährige Berlioz versuchte sich in seinem dritten und erfolglosen Anlauf, den Prix de
Rome zu gewinnen, an Kleopatras Geschichte. In seinen Memoiren beschreibt er seine
Heldin als „Königin von Frevelei und Verschwendung“. In Bezug auf den Entscheid der
Jury, ihm den Preis nicht zuzugestehen, hatte er Stil genug zuzugeben, dass „es ein wenig
schwierig war, eine einlullende Musik zu schreiben für eine ägyptische Königin, welche
von einer giftigen Schlange gebissen einen qualvollen Tod in einer Agonie von Gewissensbissen erleidet.“
Prokofjew gab seiner kalt entschlossenen Kleopatra keine Singstimme, sondern ließ sie
Puschkins Gedicht über das Orchester sprechen und darin ein Gerücht nacherzählen, das
ein römischer Dichter aus dem 4. Jahrhundert, Sextus Aurelius Victor, über sie verbreitet
hatte: „Die Frau war so lüstern, dass sie sich oft als Prostituierte feilbot, so schön, dass sich
manch einer eine ihrer Nächte mit dem Tod erkaufte.“ Prokofjews leicht zu durchschauende Gleichung Sex = Tod übertrifft sogar die Romantiker an Romantik. Seine Ägyptischen
Nächte erzählen von drei Männern, die willens sind, ihr Leben hinzugeben im Tausch für
eine Nacht mit dieser lebenden Göttin der Liebe, oder der Lust, oder beidem. Aber er erlaubt Kleopatra auch zu erklären, wie sich zu prostituieren ihr Macht verleiht und sie befreit.
Michelangelo benützte ihr Bild als Präsentationszeichnung, eine Art Visitenkarte, die er
möglichen Kunden und Mäzenen überreichte. Tiepolo bedeckte die Wände des Ballsaals
im Palazzo Labia in Venedig mit Episoden ihrer Affäre mit Mark Anton, darunter die berühmte Bankettszene, während derer sie eine unbezahlbare Perle in einem Pokal mit Essig
auflöst, um ihren unendlichen Reichtum und gleichzeitig ihre abgrundtiefe Verachtung
diesem Reichtum gegenüber zu zeigen. Weniger begabte Maler hingegen konnten dem
Thema ihres Todes nicht widerstehen: Mag die Schlange sie auch in den Arm gebissen
haben, so fanden die Künstler doch, es sei vonnöten, ihre Brust zu entblößen, damit der
Arm sichtbar wird.
Auch die Filmwelt hat Kleopatra aufgenommen und scheint sie nicht mehr ablegen zu
können. Es begann mit Theda Bara, dem ersten Vamp (will heißen: Vampir), ihren abgrund-
tiefen Augen und ihrem Komm-nur-näher-Blick, nicht zu sprechen von ihren Kostümen,
so durchsichtig, dass sie sogar heute noch schockieren.
Die Rolle von George Bernard Shaws Kleopatra wurde Vivien Leigh anvertraut, die sie
sowohl auf der Bühne, wie auch auf der Leinwand mit Charme und Geist spielte; während
niemand-weiß-genau-wessen Kleopatra von Elizabeth Taylor mit üppigem Augen-­Make-up
und 65 Kostümwechseln im Film verkörpert wurde. Die cinematografische Apotheose
Kleopatras wurde 2002 im Film Astérix et Obélix: Mission Cléopâtre er­reicht – dessen
Handlung wir wirklich nicht kennen müssen.
Wie nett es auch sein mag, diesen Zelluloidwundern nachzusinnen, so sind wir wohl
besser beraten, unsere Aufmerksamkeit wieder der Musik und Händel zuzuwenden. Er
porträtierte Cäsar und Kleopatra – vielleicht auch er verführt von den Berichten über die
Schönheit ihrer Stimme – nicht als historische Persönlichkeiten, sondern als Liebespaar, für
die er eine ausgedehnte Hymne an die leidenschaftliche Hingabe komponierte. Die Tatsache, dass Cäsar verheiratet war und Kleopatra mehr als einmal Witwe, und darüber
hinaus von ihren eigenen Brüdern, spielt einfach keine Rolle: Hier sind zwei Menschen,
ausgeliefert ihrer sexuellen Anziehungskraft, berauscht, wenn sie einander sehen und
hören. Bedenken Sie, dass in der Uraufführung am 20. Februar 1724 Cäsar von Senesino
und Kleopatra von der Cuzzoni gesungen wurden. Und für den Fall, dass jemand im
­Publikum auf die Idee gekommen wäre, einzunicken, würzte Händel den Abend noch mit
Anastasia Robinson als Cornelia und rührte die Durastanti als Sextus darunter. Das ist
wahre „Feuerwerksmusik“.
Ja, es gibt Cornelia und Sextus, gefangen und beleidigt von Kleopatras gemeinem Bruder
Ptolemäus, doch sie sind Teil dessen, was eindeutig Nebenhandlung ist. Sie lieben den
ermordeten Pompeius, doch es ist die Liebe der treuen Gattin und des pflichtbe­wussten
Sohnes, die ihre Arien erfüllt, nicht das entflammte Feuer der körperlichen Begierde.­
Cäsar beherrscht die begrenzte Welt wie ein Riese, und er und Kleopatra beherrschen die
Oper: Jeder der beiden bekommt acht Arien und zwei Accompagnati sowie zum Schluss
zwei Duette miteinander. Dies umfasst etwa die Hälfte der Musik – in einer Oper, in der
acht Personen auftreten. Keine Emotion war Händel fremd, doch seine leidenschaftliche
Liebe galt – eben – der leidenschaftlichen Liebe. Vor der den Atem verschlagenden und
ganz und gar gegenseitigen Anziehungskraft, welche aus den Arien und Duetten brandet,
erscheint – zumindest für uns wahre Gläubige – das Ächzen und Schnauben anderer
Komponisten nur noch ungehobelt und grob.
Wer auch immer sich diese Oper anhört und ihre endlosen Freuden in die tiefsten
­Abgründe seines bzw. ihres Geistes strömen lässt, wird nicht überrascht sein über die
Leichtigkeit, mit der Händel dies gelang. Was einen hingegen überraschen muss, ist die
Tatsache, dass diese Oper, abgesehen von ein paar gelegentlichen Aufführungen, während
zweier Jahrhunderte praktisch vergessen war.
Doch dann New York und Beverly Sills und eine Explosion von Begeisterung und Interesse. Und dann München 1994, als Giulio Cesare an der Bayerischen Staatsoper in einer
Inszenierung gezeigt wurde, die das Publikum von den Sitzen riss, vor Zustimmung und
Ablehnung brüllend, und Händel so, nach viel zu langer Zeit, dorthin zurückkehrte, wohin
er gehört: nämlich auf unsere Bühnen und in unsere Herzen.
Übersetzung aus dem Englischen: Markus Wyler
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Donna Leon ı Cleopatra’s Tribute
I have had only one conversion experience in my life and, in the manner of those wildeyed people who come to the door, I want to talk about it. It happened in 1966 and it
happened in New York. I was fresh out of university, working in the city and going to the
opera now and again. Completely without musical background, I found choosing which
opera to see rather like a crap shoot: sometimes you win, sometimes you end up at Faust
and wonder why in hell you bothered.
Giulio Cesare? “Veni, vidi, vici” and all that. Beverly Sills. Not the Met but the City Center
Opera. The new Met was busy opening both the new opera house and the season with
Antony and Cleopatra by Samuel Barber, and I had enough sense, even then, to stay clear
of something like that. Handel. He wrote Messiah and the Fireworks Music, didn’t he, and
so why not?
Zap! Powie! Just as in the comic books or in the Bible, there I was, on the way to Damascus,
and the blast came out of the heavens. I fell from my horse, and I haven’t been the same
person since.
Were I to attend that performance today, I’d lament the fact that Caesar was sung by a bass,
that the staging was over the top, and that Cleopatra looked like Carmen Miranda in a dress
by Valentino, lacking only the pineapple and the bananas on her headdress. Pineapple or
not, Sills was breathtaking and the evening was magic, the stuff of transformation. Here was
Handel’s music, and here were people who could sing it, and here were the ornaments he
might – or might not – have written. From experiences like this, there can be no turning
back, and in my case there has not been. This is the Ur-opera, the gold standard, and
Cleopatra is the role for which some sopranos would be well advised to sell their souls.­
(I confess here that I say the same thing about Alcina.)
The audience response to those performances is best expressed in one of the comments
posted on YouTube more than forty years after a clip was made of Sills singing “Da tempeste il legno infranto”, apparently the only fragment that remains of those magical performances. Dressed in what might be a white table cloth, Sills does nothing more for four
minutes than curtsey and walk around a small sofa three times, but in response to her
singing, this True Believer writes, “The Queen of the Night can go back to bed”. Yes.
Handel’s Cleopatra is the queen of Egypt who seduced Giulio Caesare, then the ruler of
the known world. The difference in age between them was more than thirty years, a number which has since been extended by another ruler of the Roman world. One of the heirs­
to the Ptolemaic Dynasty that had ruled Egypt since the time of Alexander the Great,
Cleopatra first ruled together with her father and then with her two brothers, to both of
whom she was married. (Wikipedia laconically notes: “Her unions with her brothers
­produced no children.”)
Plutarch tells of her arrival in Caesar’s palace in a bed roll or carpet and says of her, in his
biography of Caesar, only that she was a “bold coquette”. It is not until he later writes about
Mark Antony that Plutarch’s portrait of Cleopatra changes, and her influence becomes
malign, the force that “roused and drove to frenzy many of the passions that were still
­hidden and quiescent in him”. To understand the change in tone, it might help to understand that, by the time Plutarch was writing, Antony and Cleopatra were both suicides,
defeated and dead for a century, and Rome had become an Empire founded by their
bitter rival, Octavian, who had ruled as the Emperor Augustus. The ethical free ride Plutarch
gives Caesar might be explained by the fact that Octavian was both Caesar’s nephew and
his heir: early Imperial Rome was not a place where it was safe to make unkind obser­
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vations about the ancestors of any of the Emperors. Like all rulers, those of Rome attempted
to clothe the reality of their regime in the dress of respectability. Cleo­patra could thus be
served up as a symbol of the licentiousness from which Augustus had saved Rome.
What better villainess could historians offer the citizens of the empire in the making than
this sexually predatory African queen whose wiles and perversity had corrupted the best of
Romans? Cleopatra was barely cold in her tomb before the mud began to fly. African,
woman, ambitious, untrustworthy, promiscuous, disloyal, no lover of Rome. The list went
on and on and picked up force as the centuries passed. Who a better target of misogyny
than a foreign queen who was sexually selective and interested in increasing her own
power? Strangely enough, incest with her brothers was seldom mentioned, as though
something as horrid as was beyond comment.
Though her name and character were vilified, the legend of her charm and beauty­
managed to survive. As to her legendary beauty, one has but to look at coins stamped
during her reign to wonder about that, for they show a large-nosed woman with cornrows.
Contemporary accounts do speak of her beauty, but they also make great and frequent
mention of her charm, singling out the peculiar beauty of her voice and her ability to make
herself pleasing to everyone. The peculiar beauty of her voice. The peculiar beauty of her
voice.
This is the tangled, conflicting collection of female qualities that landed in Handel’s mind
and, later, on his writing table. As an opera heroine, she is a gift from the heavens. She is
young at the moment the curtain rises, yet she is a strong-willed woman who would have
little trouble seducing Caesar and, later, Antony, the most powerful Romans of their times.
Handel was not the only composer who was compelled to give her a voice. Hasse wrote
a serenata in which her part was sung by – are you sitting down? – Farinelli, while that of
Antony was sung by the contralto Vittoria Tesi. Massenet could resist neither Cleopatra’s
dissolute reputation nor the lure of the asp and placed the final scene of his opera in
Cleopatra’s tomb. Having sent a false report of her death to Antony, Cleopatra is stunned
when her dying lover is carried in. Believing her dead, he has stabbed himself, convinced
that life without her is meaningless, and upon his death, she bares her breast and offers it
to the asp. And where the soprano who could resist this one?
The twenty-five-year-old Berlioz had a try at telling Cleopatra’s story in his third, and un­
successful, attempt to win the Prix de Rome. In his memoirs, he described his heroine as
“a queen of crimes and dissipations”. Regarding the judges’ failure to award him the prize,
Berlioz did have the grace to admit that it was “a little difficult to write soothing music for
an Egyptian queen bitten by a poisonous snake and dying a painful death in an agony of
remorse”.
Prokofiev does not give her a singing voice but, using the poem by Pushkin, she recounts
the rumor spread about Cleopatra by a 4 th century Roman poet. Sextus Aurelius Victor
wrote of her, “The woman was so lustful that she often offered herself as a prostitute,­­
so beautiful that many bought one of her nights with death”. Prokofiev’s pellucid­
equation of Sex = Death out-Romantics the Romantics. His Egyptian Nights tells of the
three men who are willing to give their lives in exchange for a night with this living goddess
of love, or lust, or both. But he also allowed Cleopatra to explain how her prostitution sets
her free.
Michelangelo used her image for his presentation drawings, a kind of calling card he gave
to prospective clients and patrons. Tiepolo covered the walls of the ballroom of Palazzo
Labia in Venice with episodes of her affair with Marc’Antonio, including the famous scene
of the dinner during which she dissolved a priceless pearl in a cup of vinegar to show both
her endless wealth and her bottomless contempt for that wealth. Artists of lesser skill could
not resist the subject of her death: the asp might have bit her on the arm, but the artists
felt it necessary that she bare her breast to show her arm.
The movies, too, have taken her up and seem unable to put her down. It started with
Theda Bara, the original vamp (think “vampire”) with her bottomless eyes and their comehither look, to make no mention of costumes so transparent as to shock even today.
The part of George Bernard Shaw’s Cleopatra was given to Vivien Leigh, who played her
both on stage and screen with charm and wit; no-one-is-quite-sure-whose Cleopatra was
acted on film by Elizabeth Taylor, who played her with abundant eye makeup and 65
costume changes. The cinematic apotheosis of Cleopatra was reached in the 2002 film:
Asterix and Obelix: Mission Cleopatra, the plot of which we really don’t have to know.
However pleasant it might be to linger in contemplation of these celluloid marvels, we
might be better advised to return our attention to music and to Handel, who portrayed
Caesar and Cleopatra – perhaps he too seduced by the reported beauty of her voice –­
not as historical personages, but as lovers for whom he wrote an extended hymn to
­passionate love. The fact that Caesar was married and Cleopatra more than once a widow,
and to her brothers, simply doesn’t enter: these are two people caught up in sexual
­passion, ­intoxicated by the sight and sound of one another. Bear in mind that in the opening performance on 20 February 1724, Caesar was sung by Senesino and Cleopatra by
Cuzzoni. Just in case anyone in the audience might have thought of nodding off, Handel
Donna Leon verließ mit 23 Jahren New
Jersey, wo sie 1942 geboren wurde, um
in Perugia und Siena weiterzustudieren.
Seit 1965 lebt sie ständig im Ausland,
sie arbeitete als Reiseleiterin in Rom, als
Werbetexterin in London sowie als Lehrerin an amerikanischen Schulen in der
Schweiz, im Iran, in China und SaudiArabien. Seit 1981 wohnt und arbeitet
Donna Leon in Venedig. Commissario
Brunetti machte sie weltberühmt.
Donna Leon left New Jersey, where she
was born in 1942, at the age of 23, to
continue her studies in Perugia and
Siena. Since 1965, she has lived abroad
continuously, working as a travel guide in
Rome, as a copywriter in London and as
a teacher at American schools in Switzerland, Iran, China and Saudi-Arabia. Since
1981, Donna Leon has lived and worked
in Venice. Commissario Brunetti made
her world-famous.
tossed in Anastasia Robinson as Cornelia and went for broke with Durastanti as Sesto. This
is the real royal fireworks.
Yes, there are Cornelia and Sesto, captive and abused by Cleopatra’s wicked brother
­Tolomeo, but they are part of what is decidedly a sub-plot. They love the murdered
­Pompeo, but it is the love of the faithful wife and the dutiful son that animates their arias,
not that of the kindling fire of sexual desire.
Caesar bestrides the narrow world like a Colossus and he and Cleopatra bestride the
opera: each of them is given eight arias and two accompanied recitatives, as well as two
duets to share. This is almost half of the music in an opera that has eight characters. No
emotion was foreign to Handel, but his most passionate love was reserved for – well – for
passionate love. The breathtaking and entirely mutual attraction that surges out of the arias
and duets makes – at least to those of us who are True Believers – much of the huffing
and puffing of other composers sound coarse.
Anyone who listens to this opera and allows its endless delights to penetrate the deepest
reaches of their spirit will feel no surprise at the ease with which Handel achieved this.
What must surprise them is the fact that it was, save for occasional performances, virtually
for­gotten for almost two centuries.
And then New York and Beverly Sills and an explosion of enthusiasm and interest; and
then Munich in 1994 when Giulio Cesare was presented at the Bayerische Staatsoper in
a production that brought the audience to its feet with shouted approval and dissent­
and, after far too long a time, put Handel back where he belongs, on our stages and in
our hearts.
7
Cleopatra raffinata
Freitag, 25. Mai, 19.00, Haus für Mozart
Sonntag, 27. Mai, 17.00, Haus für Mozart
Tutto può donna vezzosa,
s’amorosa scioglie il labbro,
o gira il guardo.
Aus Giulio Cesare in Egitto
8
Giulio Cesare in Egitto
Oper in drei Akten HWV 17
von Georg Friedrich Händel (1685–1759)
Libretto: Nicola Francesco Haym nach dem
Libretto von Giacomo Francesco Bussani
zu dem Dramma per musica (Venedig 1677)
von Antonio Sartorio
Uraufführung: 20. Februar 1724
King’s Theatre am Haymarket, London
Cecilia Bartoli
Die Begegnung zwischen Giulio Cesare und Cleopatra im Jahre 48 vor
Christus ist eine der schillerndsten Liebesromanzen der Geschichte, in
der sich kriegerische Staatsaktionen, erotische Verstrickungen, Intrigen, abenteuerliche Begebenheiten und exotisches Kolorit vereinen.
Mit einem für ihn außergewöhnlich aufwändigen Instrumentarium,
das zu Beginn und am Ende sogar mit vier Hörnern aufwartet, lotet
Händel in der für ihn so typischen Weise seine Figuren in allen Facetten aus, und die Zeitgenossen waren sich einig darin, dass er eine
Oper geschaffen hatte, die „Schönheit aller Art im Überfluss bietet“.
Im Fokus der historisch belegten Auseinandersetzung zwischen
Cesare und Pompeo stehen dabei die Verführungskünste der Schwes­
ter des ägyptischen Königs, Cleopatra, die das Herz des siegreichen
Herrschers erobert. In acht großen Da-capo-Arien vergegenwärtigt
sie das ganze Spektrum menschlicher Affekte, von leichtfertiger Koketterie bis hin zu leidenschaftlicher, von tiefsten Emotionen getragener Liebe. Einen Höhepunkt ihres raffinierten Intrigenspiels um die
Vorherrschaft am Nil stellt die Verführungsszene zu Beginn des zweiten Aktes dar: Cleopatra, in gleichsam ironischer Verfremdung als
„Tugend“ verkleidet und mit den neun Musen auf dem Parnass
sitzend, überrascht und überwältigt die Sinne des großen Feldherrn
mit einer Szene voller Sinnlichkeit und Anmut zugleich.
The encounter between Giulio Cesare and Cleopatra in the year 48 B.C.
is one of the most colorful romances in history, in which armed conflicts
of state, erotic entanglements, intrigue, adventurous circumstances and
exotic local flavors combine. In his typical way and using an extra­
ordinarily sumptuous complex instrumentation (for him), which even
features four horns at the beginning and end, Handel illuminates all­
the facets of his figures, and his contemporaries all agreed that he had
created an opera which “offers beauty of all kinds in abundance”. The
focus of the conflict between Cesare and Pompeo – historically verified
– is the seductive power of the Egyptian king’s sister, Cleopatra, who
conquers the heart of the victorious governor. In eight grand da capo
arias, the entire spectrum of human feelings is illustrated, from thoughtless coquettishness to passionate love born by the deepest emotions.
One highlight of this complex play about political dominance on the
Nile is the seduction scene at the beginning of Act Two: Cleopatra,
dressed up – in an ironic form of theatrical alienation – as “Virtue” and
seated upon Mount Parnassus surrounded by the nine muses, surprises
and overwhelms the senses of the great general with a scene full of
sensuality and gracefulness.
Antonini,
Mosheunten:
Leiser,
vonGiovanni
links oben
nach rechts
Patrice
Caurier, Andreas
Scholl
Giovanni
Antonini,
Moshe Leiser,
Anne-Sophie
vonAnne-Sophie
Otter, Philippevon
Jaroussky
Patrice Caurier,
Otter,
Andreas Scholl, Philippe Jaroussky
9
Cleopatra amorosa
Samstag, 26. Mai, 11.00, Salzburger Landestheater
Lesung
Age cannot wither her, nor custom stale
Her infinite variety; other women cloy
The appetites they feed, but she makes hungry
Where most she satisfies.
Aus Antony and Cleopatra
10
Antony and Cleopatra
Tragödie von William Shakespeare (1564–1616)
Eingerichtet von Wolfgang Wiens
Antony Sven-Eric Bechtolf
Cleopatra Sunnyi Melles
In weiteren Rollen
Brigitte Hobmeier
Jens Harzer
Sunnyi Melles
Antony and Cleopatra spielt einige Zeit nach den Ereignissen von
Giulio Cesare und beschreibt die zweite große Beziehung der verliebten Cleopatra zu dem mächtigen römischen Feldherrn Mark
Antony. Auf dem historischen Bericht Plutarchs beruhend, beschreibt William Shakespeare in differenzierter Weise die Höhen
und Tiefen dieser zunächst politischen Beziehung, die schnell in
eine bedingungslose, alles überwindende Liebe mündet. Als ihr
Geliebter in ihren Armen stirbt, entscheidet sich auch Cleopatra
für den Selbstmord durch den legendären Schlangenbiss – und
damit für einen der bekanntesten Liebestode, der gerade durch
Shakespeares erschütternde Darstellung seine Fortsetzung und
Verarbeitung bis in unsere Zeit in Kunst, Theater, Musik und Film
fand. Die Musik dieser Matinee ist für einmal die Schönheit der
gesprochenen Sprache, denn in dieser von Wolfgang Wiens speziell eingerichteten Fassung verbinden sich in deutscher Übersetzung und englischem Original die gesprochenen zentralen Szenen
aus Shakespeares Tragödie.
Antony and Cleopatra is set some time after the events depicted in
Giulio Cesare and describes the second great relationship between
the love-struck Cleopatra and the powerful Roman general Mark
Antony. Based on the historic report by Plutarch, William Shakespeare sensitively describes the ups and downs of this relationship,
which begins as a political one and quickly morphs into unconditional love which overcomes all obstacles. When her lover dies in
her arms, Cleopatra decides to commit suicide through the legendary snake-bite – thus choosing one of the most famous deaths for
love. Shakespeare’s moving account was mainly responsible for innumerable retellings and further treatments in art, theater, music and
films, well into our own times. The music of this matinee performance, for once, is the beauty of spoken language, for this version,
arranged especially by Wolfgang Wiens, combines the German
translation with the central scenes of the English original of Shakespeare’s tragedy.
Sven-Eric
von links oben nach
rechtsBechtolf
unten:
Giovanni Antonini, Moshe Leiser,
Patrice Caurier, Anne-Sophie von Otter,
Andreas Scholl, Philippe Jaroussky
11
Cleopatra virtuosa
Samstag, 26. Mai, 19.30, Mozarteum
Un sol tuo sospiro,
un guardo d’amore
con dolce martiro
giungeva al mio core
le piaghe a sanar.
Aus Marc’Antonio e Cleopatra
12
Barockkonzert
mit Cecilia Bartoli
Arien und Instrumentalstücke rund um Kleopatra von
Georg Friedrich Händel (1685–1759)
Johann Adolf Hasse (1699 –1783)
Carl Heinrich Graun (1704–1759)
Musikalische Leitung Giovanni Antonini
Mezzosopran Cecilia Bartoli
Il Giardino Armonico
Cecilia Bartoli
Gehört die Figur der Cleopatra in Händels Oper Giulio Cesare zweifellos zu seinen großartigsten und vielschichtigsten Schöpfungen, so
widmeten auch andere deutsche Vertreter der italienischen Opera
seria dieser legendären Frauengestalt faszinierende Porträts, die in
­diesem Konzert von Cecilia Bartoli dargestellt werden. Johann Adolf
Hasse beispielsweise setzte ihrer Liebe zu Antonio in seiner Serenata
Marc’Antonio e Cleopatra ein Denkmal. Die Protagonisten durchleben
hier ihre tragischen letzten Stunden nach der Flucht aus der Schlacht
bei Actium – Cleopatra verlässt das Schlachtfeld zuerst und
Marc’Antonio folgt ihr aus Liebe. Abwechselnd bewegen sie Gefühle
der Leidenschaft, Niedergeschlagenheit, Verzweiflung, Liebe und
Hoffnung, bis sie schließlich den Freitod wählen. Diese Serenata, die
die wesentlichen Kennzeichen des virtuosen barocken Belcanto aufweist, ebnete dem damals 26-jährigen Komponisten „den Weg zu
seinem künftigen Glücke“, wie Johann Joachim Quantz berichtet.
Aber auch Carl Heinrich Graun, Kapellmeister König Friedrichs des
Großen, wählte – diesmal wieder auf die skandalträchtige Liaision
­zwischen einem verheirateten römischen Feldherrn und einer ägyptischen Königin rekurrierend – Cesare e Cleopatra als Opernsujet, mit
dem die neu erbaute Königliche Hofoper „Unter den Linden“ in Berlin
am 7. Dezember 1742 glanzvoll eröffnet wurde.
While the figure of Cleopatra in Handel’s opera Giulio Cesare is undoubtedly among his greatest and most nuanced creations, other German proponents of Italian opera seria also devoted fascinating portraits
to this legendary woman, who in this concert is portrayed by Cecilia
Bartoli. Johann Adolf Hasse, for example, created a monument of her
love for Antonio in one of his serenatas, Marc’Antonio e Cleopatra.
Here, the protagonists live through their tragic last hours after escaping
from the battle of Actium – Cleopatra leaves the battlefield first, and
Marc’Antonio follows her, propelled by love. They are moved by feelings of passion, depression, desperation, love and hope, until they finally
choose to commit suicide. This serenata, which bears all the characteristics of baroque virtuoso belcanto, paved the „way to his future happiness” for the 26-year-old composer, as Johann Joachim Quantz
reported. On the other hand, Carl Heinrich Graun, music director to King
Frederic the Great, also chose Cesare e Cleopatra as an opera subject
– focusing again on the scandalous liaison between a married Roman
general and an Egyptian queen. This was the work with which the newly
built Royal Court Opera “Unter den Linden” in Berlin was ceremoniously inaugurated on December 7, 1742.
Giovanni
Antonini
von links oben nach
rechts
unten:
Giovanni Antonini, Moshe Leiser,
Patrice Caurier, Anne-Sophie von Otter,
Andreas Scholl, Philippe Jaroussky
13
Cleopatra sensuale
Sonntag, 27. Mai, 11.00, Felsenreitschule
Konzertante Aufführung
Cléopâtre n’est plus.
Je ne suis qu’une femme …
dont tu connaîtras le secret …
si tu le veux !
Aus Cléopâtre
14
Cléopâtre
Oper in vier Akten
von Jules Massenet (1842–1912)
Libretto: Louis Payen
Uraufführung: 23. Februar 1914
Opéra de Monte-Carlo
Musikalische Leitung Vladimir Fedoseyev
Cléopâtre Sophie Koch
Marc-Antoine Ludovic Tézier
Octavie Véronique Gens
Mozarteumorchester Salzburg
Salzburger Bachchor
Sophie Koch
Jules Massenets Cléopâtre ist noch ganz beseelt vom Sinnesrausch des
Fin de siècle, in dem den Männerträume verwirklichenden, lustbetonten Verführerinnen des Orients gehuldigt und den eigenen, braven
Bürgersgattinnen die kalte Schulter gezeigt wird. Massenet setzt in
seiner 1914 in Monte Carlo uraufgeführten letzten Oper zwar die
Reihe nahöstlicher Femmes fatales im Stile der Hérodiade oder der
Thaïs fort, in seiner Klangsprache aber geht der französische Komponist in diesem kaum gespielten Werk noch einen großen Schritt weiter Richtung Impressionismus und frühe Moderne. Das fatale Netz der
Beziehungen entspinnt sich zwischen Cléopâtre und Marc-Antoine als
Konventionen sprengendes Liebespaar sowie Marc-Antoines mutiger,
aber eben mehr der Institution Ehe als der Sinnlichkeit verpflichteten
Gattin Octavie und dem sich in hoffnungsloser Liebe zu Cléopâtre
verzehrenden Spakos. Neben üppig schillernden Chor- und Tanznummern beeindrucken insbesondere die schmachtenden Solo­
szenen der Cléopâtre und vor allem ihr Tod, bei dem nicht nur ihr,
sondern auch dem Zuhörer das Blut in den Adern gerinnt.
Jules Massenet‘s Cléopâtre breathes the sensual inebriation of the fin de
siècle, paying homage to the erotic seductresses of the Orient – male
fantasies come to life – and at the same time giving a cold shoulder to
the audience’s own, well-behaved bourgeois wives. In his last opera,
premiered in 1914 in Monte Carlo, Massenet continued his series of
Middle-Eastern femmes fatales in the style of Hérodiade or Thaïs, but in
its tonal language, the French composer’s little-performed work went a
grand step further towards impressionism and early modernism. The
fatal network of relationships unfolds between Cléopâtre and MarcAntoine as a pair of lovers defying convention and Marc-Antoine’s courageous wife Octavie, who feels more beholden to marriage as an
institution than to sensuality, as well as Spakos, who wastes away in
hopeless love for Cléopâtre. Apart from colorfully voluptuous numbers
for the chorus and ballet, it is the languorous solo scenes of Cléopâtre,
and especially her death, which curdles not only her own blood, but
also that of the listeners.
Vladimir Fedoseyev
Ludovic Tézier
15
Cleopatra tragica
Montag, 28. Mai, 11.00, Felsenreitschule
Robert Schumann (1810 –1856)
Quel asile chercher ! Sans parents ! Sans patrie !
II n’en est plus pour moi que l’éternelle nuit !
Aus La mort de Cléopâtre
Ouvertüre zu Julius Cäsar
f-Moll op. 128
Hector Berlioz (1803 –1869)
La mort de Cléopâtre
Scène lyrique für Sopran und Orchester H 36
Johannes Brahms (1833 –1897)
Rinaldo
Kantate für Tenor, Männerchor und Orchester op. 50
16
Musikalische Leitung Sir John Eliot Gardiner
Mezzosopran Vesselina Kasarova
Tenor Piotr Beczala
Symphonieorchester und Chor
des Bayerischen Rundfunks
Vesselina Kasarova
In seinen Memoiren erinnert sich Hector Berlioz an seinen dritten
Versuch, im Jahre 1829 den renommierten Rompreis zu erringen:
„Man gab uns als Thema ,Kleopatra nach der Schlacht bei Actium‘. Die
ägyptische Königin ließ sich von der giftigen Viper stechen und starb
in Zuckungen. Bevor sie ihren Selbstmord beging, flehte sie in reli­
giöser Angst die Ahnen der Pharaonen an. Hier war ein großartiger
Gedanke zum Ausdruck zu bringen.“ Und so entschied sich Berlioz,
nicht im Stil und Sinne der Jury zu komponieren, sondern eine Kantate
„von ausgeprägter Eigenart“ vorzulegen. Die „Strafe“ folgte auf dem
Fuße: Der von Berlioz verachtete, in Paris jedoch höchst erfolgreiche
Opernkomponist François-Adrien Boieldieu konstatierte: „Ich bin kein
großer Harmoniker, doch Ihren unirdischen Akkorden vermag ich
nicht zu folgen.“ Der Text der Kantate von Pierre-Ange Vieillard zeichnet die letzten Minuten der ptolemäischen Königin, die nach der
­Niederlage des Marc-Antoine bei Actium zur Kriegsbeute des Octave
geworden war. Für Cléopâtres Leid und Selbstanklage, ihr schmerz­
liches Erinnern an vergangene Zeiten bis hin zur tragischen Entscheidung zum Freitod durch einen Schlangenbiss fand Berlioz ungewohnte
und ergreifende Töne, die auf Ratlosigkeit und Verstörung bei den
Zeitgenossen stießen. Die Großartigkeit dieser Komposition zu entdecken, blieb späteren Zeiten vorbehalten.
In his memoires, Hector Berlioz recalls his third attempt to win the famous Prix de Rome in 1829: “The set topic was ‘Cleopatra after the battle
of Actium’. The Egyptian queen let the viper bite her and died in convulsions. Before committing suicide, she prayed to the Pharaohs’ ancestors
in religious fear; she asked whether she, the sacrilegious and wasteful
queen, could be admitted into the monumental graves erected to the
souls of honorable and virtuous rulers. This was an opportunity to express a grand thought.” And thus, Berlioz decided not to compose in the
style and taste of the jury, but to submit a cantata “of decided idiosyncrasy”. His “punishment” was not long coming: the opera composer
François-Adrien Boieldieu, whom Berlioz despised, but who enjoyed
great success in Paris, stated: “I am not a great master of harmonics, but I
am unable to follow your unearthly chords.” The text of the cantata by
Pierre-Ange Vieillard describes the last moments of the Ptolemaic queen,
who had become a prisoner of war of Octave after the defeat of MarcAntoine at Actium. Berlioz found unusual and moving notes to express
Cléopâtre’s sorrow and self-accusation, her painful memories of past
times and her tragic decision to suffer death through a snake-bite. His
daring harmonic sequences, idiosyncratic rhythms, the extreme vocal
lines as well as the risky orchestra effects, sinister chords in the winds and
sharp dissonances met with perplexity and distress from his contemporaries. It was left to later eras to discover the greatness of this composition.
Sirnach
John Eliot
Gardiner,
von links oben
rechts
unten:
Piotr Beczala
Giovanni Antonini, Moshe
Leiser,
Patrice Caurier, Anne-Sophie von Otter,
Andreas Scholl, Philippe Jaroussky
17
Cleopatra orientale
Montag, 28. Mai, 18.00, Großes Festspielhaus
Anton Rubinstein (1829 –1894)
Скажите: кто меж вами купит
Ценою жизни ночь мою?
Aus Ägyptische Nächte
Ouvertüre zu Antonius und Kleopatra op. 116
Rodion Shchedrin (*1932)
Auftragswerk der Salzburger Pfingstfestspiele
Charles Gounod (1818–1893)
Ballettmusik aus der Oper Faust (1868)
Jules Massenet (1842–1912)
Méditation und Arie „Dis-moi que je suis belle“
aus der Oper Thaïs (1894)
Sergej Prokofjew (1891–1953)
Bühnenmusik zu Ägyptische Nächte (1934)
18
Musikalische Leitung Valery Gergiev
Sopran Anna Netrebko
Rezitation (Cleopatra) Chulpan Khamatova
Rezitation (Enobarbus /Antony) Yevgeny Mironov
Orchester des Mariinski-Theaters, St. Petersburg
Anna Netrebko
Die „Kleopatra“-Rezeption in Russland dreht sich um zwei hauptsächliche Angelpunkte – das Schauspiel von Shakespeare (dessen bedeutendster russischer Übersetzer Boris Pasternak war) sowie ein
orientalisches Gedicht, welches Alexander Puschkin in seine Erzählung
Ägyptische Nächte eingebettet hat. In sinnlichen, aber auch kalten
Worten beschreibt Puschkin, wie Kleopatra bei einem opulenten Bankett, der ständigen Werbungen müde, drei Männern jeweils eine
Nacht verspricht, die diese mit ihrem Leben bezahlen. Durch diese Tat
befreit sich Kleopatra aus der Rolle des Opfers männlicher Lustfantasien und dreht gleichsam in einem feministischen Akt die Machtverhältnisse zwischen den Geschlechtern auf dramatische Weise um. Die
beiden literarischen Vorlagen, insbesondere Kleopatras Sterbeszene
nach Shakespeare, aber auch das Gedicht Puschkins, werden hier in
musikalischem Gewand vorgestellt, wobei in Sergej Prokofjews selten
aufgeführter Schauspielmusik von 1934 der Text als Melodram rezitiert wird.
The reception of “Cleopatra” in Russia rested on two main pillars – the
play by Shakespeare (whose most important Russian translator had been
Boris Pasternak) as well as an oriental poem which Alexander Pushkin
embedded into his story Egyptian Nights. In language both sensual and
cold, Pushkin recounts how Cleopatra attends an opulent banquet and,
tired of constant courtship, promises three men one night each, for
which they pay with their lives. Thereby, Cleopatra liberates herself from
the role of a victim of male sexual fantasies, dramatically reversing the
balance of power between the sexes in a kind of feminist act. The two
literary models, especially Cleopatra’s death scene as described by
Shakespeare, but also Pushkin’s poem, are introduced here in a musical
guise: in Sergey Prokofiev’s rarely-performed incidental music of 1934,
the text is recited as a melodrama.
von links oben nach Valery
rechtsGergiev
unten:
Chulpan
Khamatova
Giovanni Antonini,
Moshe
Leiser,
Patrice Caurier, Anne-Sophie von Otter,
Andreas Scholl, Philippe Jaroussky
19
Salwa Bakr ı Kleopatra – längst vergangen und doch präsent
Die mamlukische Sultanin Shadjarat ad-Durr regierte Ägypten tausend Jahre später als
die Ptolemäerkönigin Kleopatra. In der Zeit zwischen den beiden Herrscherinnen war
das heidnische Ägypten christlich und später islamisch geworden. Shadjarat ad-Durr
beherrschte Ägypten in einer kritischen Zeit, in der das Land unter den Angriffen des
französischen Königs Ludwig IX. litt. Die schöne, starke Sultanin ereilte ein schmerzliches Ende, indem sie von ihren Mägden mit Holzschuhen erschlagen und ihr Leichnam
von den Höhen der Saladin-Zitadelle von Kairo geworfen wurde. Trotz alledem geriet
das Andenken von Shadjarat ad-Durr allmählich in Vergessenheit, während Königin
Kleopatra in der ägyptischen Volkskultur immer präsent blieb. Das Bild und die Geschichte dieser Herrscherfrau sind trotz der vielen Jahrhunderte, die seit ihrer Zeit
vergangen sind, ein unauslöschlicher Teil des ägyptischen Gedächtnisses geblieben.
Noch heute nennen sich die berühmtesten Hotels, die elegantesten Restaurants am
Nil und die meistgerauchten Zigaretten in Ägypten nach ihr. Baumwolltextilien und
volkstümliche Frauengewänder Marke Kleopatra sind überall im Angebot, und unzählige sonstige Kleidungsstücke sind mit dem Bild der ägyptischen Königin bedruckt.
Als Kind ging ich oft mit meiner Mutter, meinen Geschwistern und den Nachbarskindern in ein billiges Kino – es war das einzige, das es in unserem einfachen Viertel im
Osten von Kairo gab. Für gewöhnlich wurden dort drei Filme hintereinander gezeigt,
und das Ganze kostete nur wenige Piaster. Das Viertel hieß „Zeitun“, und das Kino –
natürlich – „Kleopatra“. Ich erinnere mich noch, dass ich dort einmal Hannibal und Die
Reise zum Mittelpunkt der Erde gesehen habe.
Im äußersten Nordwesten Ägyptens, am Mittelmeer, liegt die Stadt Marsa Matruh. Vor
der Stadt liegt in der Brandung ein reizvoller Fels, den die Ägypter „Kleopatrafelsen“
nennen. Sie glauben, dass Kleopatra dort im Meer gebadet habe, und jeder, der heute
Marsa Matruh besucht, besichtigt diesen Felsen und geht zu einem in der Nähe liegenden Strand, den man „Liebesstrand“ nennt. Noch heute erzählen sich viele Ägypter,
dass Kleopatra sich dort mit ihrem Geliebten Mark Anton getroffen habe …
Kleopatra-Goldschmuck ist auf dem ägyptischen Land nach wie vor weit verbreitet. Die
Bäuerinnen tragen noch heute Brustketten, die der berühmten Kette von Kleopatra
nachempfunden sind, und Ohrringe, die ein Profil der Königin in Gestalt der pharaonischen Göttin Isis darstellen. Meine Mutter und die meisten Frauen ihrer Generation
bekamen zur Hochzeit noch Armreifen geschenkt, die ein Schlangenpaar darstellten,
deren beide Köpfe ein Diamant und ein Rubin waren. Es handelte sich bei diesen
wertvollen Goldschlangen um eben jenen Schmuck, den schon die legendäre Kleo­
patra um ihren Oberarm getragen hatte. Auch Kleopatras Make-up ist noch immer sehr
beliebt – vermutlich gehen die Schminkutensilien sogar auf die Pharaonenkönigin
Hatschepsut zurück. Das Kajal, das man aus verbrannter und in Olivenöl eingelegter
Baumwolle gewinnt und in traditionell verzierte Kajalbehälter aus Silber oder Messing
füllt, findet überall in Ägypten großen Anklang. Dazu kommt das aus Stein gewonnene
blaue Kajal, das als Lidschatten Verwendung findet. Selbst beim Design traditioneller
Kleider nimmt man in manchen Details auf die Gewänder Kleopatras Bezug.
Vielleicht ist die ständige Präsenz Kleopatras im Alltagsleben auch eine Bestätigung des
hellenistischen Elements der ägyptischen Nationaltradition, das schon viele ägyptische
Intellektuelle hervorzuheben bestrebt waren, allen voran Taha Hussein, Subhi Wahida
und Hussein Fauzi, um nur einige zu nennen. Sie begründeten damit im vergangenen
Jahrhundert eine Strömung, die den hellenistischen Geist Ägyptens wiederbeleben und
20
einer Haltung Ausdruck geben wollte, die die mediterrane Identität ihres Landes betonte.
Die Volkskultur bestätigt durch ihren Rückgriff auf Kleopatra zwar das mediterran-hellenistische Element, verzichtet dabei jedoch auf die Theorien der Gebildeten. Zwar ist
Kleopatra auch in Gedichten, Theaterstücken und Liedern großer Schriftsteller gepriesen
worden, doch kann man annehmen, dass die breite Masse der Ägypter sowie Bauern,
die weder lesen noch schreiben können, wohl kaum durch solche elitären Werke Zugang zu Kleopatra gefunden haben. Die meisten jener einfachen Ägypter, die heute den
Namen der alten Königin im Munde führen oder ihre Töchter nach ihr benennen, kennen die wahre Geschichte Kleopatras kaum, weil sie keine historischen Quellen lesen.
Ist es Kleopatras tragische Lebensgeschichte, die über die Jahrhunderte ihren Weg ins
Volksempfinden fand und sich dort verfestigte? Oder wurde sie deshalb immer so
verehrt, weil sie sich mit der Muttergöttin Isis gleichsetzte und behauptete, von ihr
abzustammen? Vielleicht gibt es keine endgültige Antwort auf diese Fragen. Fest steht
jedoch, dass die Ägypter sie immer als ihre wahre Königin ansahen, vielleicht auch
deshalb, weil sie Kleopatras Wunsch nach Unabhängigkeit von Rom und ihr Festhalten
Salwa Bakr wurde 1949 in Kairo gebo­
ren. 1972 erhielt sie ihren B.A. in Business Management von der Ain Shams
Universität und 1976 einen zweiten B.A.
in Theaterkritik. 1974 bis 1980 war sie als
­Inspektorin für Kontingentierung für die
Regierung tätig. Gleich­zeitig schrieb sie
Film- und Theaterkritiken. Seit 1985 ist
sie ausschließlich als Schriftstellerin tätig
und hat sieben Bände mit Kurzgeschichten, sieben Romane und ein Theaterstück veröffentlicht.
an den ägyptischen Gottheiten und der ägyptischen Religion ebenso hoch schätzten
wie den von ihr gepflegten ägyptischen Lebensstil.
Womöglich war aber das Wichtigste, was die ptolemäische Königin den Ägypterinnen
bis heute hinterlassen hat, nicht das, was sich in Bekleidung, Accessoires und dergleichen äußert, sondern die starke weibliche Persönlichkeit, wie wir ihr bis heute vor allem
auf dem ägyptischen Land begegnen. Die beeindruckende Erscheinung Kleopatras hat
ägyptische Frauen über die Jahrhunderte bis heute geprägt. Viele Bäuerinnen, die Seite
an Seite mit ihren Männern auf den Feldern arbeiten, zum Teil mit Geräten, die wohl
schon zu Kleopatras Zeiten benutzt wurden, zeichnen sich durch einen ausgeprägten
Charakter aus, und oft sind sie es, die eigentlich im Haus die Entscheidungen treffen,
auch wenn die Entscheidungsverkündung aus Gründen der gesellschaftlichen oder reli­
giösen Tradition den Männern überlassen wird, denn, so sagt es der Koran: „Die Männer
stehen über den Frauen“. Die Anhänger des politischen Islam versuchen denn auch, den
Frauen die Kraft zu nehmen, die sie von Kleopatra ererbt haben. Sie zielen in ihren An­
griffen besonders auf die Frau und versuchen sie zurückzudrängen und auf die Rolle
Salwa Bakr was born in Cairo in 1949.
She completed her studies with a B.A. in
Business Management from the Ain Shams
University in 1972 and with a ­second B.A.
in theater criticism in 1976. She worked as
a government rationing inspector from
1974 to 1980. At the same time she wrote
film and theater ­reviews for several Arabian language publications. Since 1985,
she concentrates on creative writing and
has published seven collections of short
stories, seven novels and a play.
eines Sexualobjektes und einer Gebärerin zu reduzieren. Dennoch: die Frauen Ägyptens
halten an der magischen Stärke ihrer Königin fest. Kleopatra beherrschte neben dem Alt­ägyptischen acht Sprachen, sie war Staatsführerin und politisch mächtig, und sie war eine
Frau, die bis in den Tod hinein liebte. Ihr Charakter lebt bis heute im Empfinden ägypti­
scher Frauen fort, die für Bildung, gesellschaftliche Teilhabe und Mitbestimmung kämpfen.
Während der Revolution vom 25. Januar 2011 erstand Kleopatra in den Frauen Ägyptens wieder auf. Sie übernachteten mit den jugendlichen Revolutionären auf dem
Asphalt des Tahrir-Platzes in Kairo, sie widerstanden den Gewehrkugeln des Polizeistaates, sie stellten sich der Mubarak-Diktatur tapfer entgegen, und sie starben wie die
Männer in Liebe zu ihrem Land den Märtyrertod.
Vermittels Kleopatra bot Ägypten in der Vergangenheit ein Konzept von patriotischem
Gemeinsinn, das in seinen Konnotationen von höchster Aktualität ist. Eng verstandene
Ethnizität und Geografie allein können Nationalismus nicht definieren. Vielmehr ist es
zuallererst die Liebe, die Menschen vereinen und Gemeinschaft begründen kann.
Übersetzung aus dem Arabischen: Günther Orth
21
Salwa Bakr ı Cleopatra – Long Gone, Still Present
The Mamluk Sultana Shadjarat ad-Durr ruled Egypt one thousand years after the Ptolemaic
Queen Cleopatra. Between these two female rulers, pagan Egypt had become Christian
and then Islamic. Shadjarat ad-Durr reigned over Egypt during a critical period, during
which the country was under assault by King Louis IX of France. The beautiful and strong
Sultana suffered a painful end, clubbed to death with wooden shoes by her maids, her
corpse thrown from the heights of the Saladin Citadel in Cairo. Despite all this, the
memory of Shadjarat ad-Durr slowly faded, while Queen Cleopatra always remained
present in Egyptian popular culture. The image and the history of this female ruler have
become an indelible part of Egyptian collective memory, despite the many centuries that
have passed since her days.
Even today, the most famous hotels, the most elegant restaurants on the Nile and the
most popular cigarettes in Egypt are named for her. Cotton textiles and folkloric female
garments of the “Cleopatra” brand are on sale everywhere, and innumerable other articles
of clothing display the image of the Egyptian queen.
When I was a child, I often attended a cheap cinema with my mother, my siblings and
the neighborhood children – it was the only one there was in our modest neighborhood
in Cairo’s Eastern section. Usually, three movies were shown in succession, and the whole
thing only cost a few piasters. The neighborhood was called “Zeitun” and the cinema – of
course – “Cleopatra”. I still remember it as the place where I saw Hannibal and A Journey
to the Center of the Earth.
In the far Northwest of Egypt, near the Mediterranean Sea, lies the city of Marsa Matruh.
Outside the city, in the surf, lies a picturesque rock the Egyptians call “Cleopatra’s Rock”.
They believe that this is where Cleopatra used to bathe in the sea here, and anyone
traveling to Marsa Matruh today visits this rock and a beach nearby called “Love Beach”.
Even today, many Egyptians claim that Cleopatra used to meet her lover Marc Antony
there…
Gold Cleopatra jewelry is still very common in the Egyptian countryside. Peasant women
still wear “Cleopatra necklaces” modeled on Cleopatra’s famous one today, as well as
earrings depicting a profile of the queen posing as the Pharaonic goddess Isis. For their
weddings, my mother and most women of her generation were given bracelets
representing a pair of snakes whose heads were a diamond and a ruby. These valuable
golden snakes were the same jewelry which the legendary Cleopatra had worn on her
upper arm.
Cleopatra’s make-up is also still very popular – presumably, the make-up utensils even
go back to the Pharaonic Queen Hatshepsut. Kohl, which is made from burnt cotton
preserved in olive oil and stored in kohl pots made of silver or brass, decorated in the
traditional style, is still very popular all over Egypt. In addition, there is blue kohl, derived
from stone, which is used as eye-shadow. Even the designs of traditional garments make
reference to Cleopatra’s gowns in certain details.
Perhaps the constant presence of Cleopatra in Egyptian daily life also confirms the
Hellenistic element of Egypt’s national tradition – which many Egyptian intellectuals have
emphasized strongly, most of all Taha Hussein, Subhi Wahida and Hussein Fauzi, to name
just a few. During the past century, their efforts gave rise to a movement to revive the
Hellenistic spirit of Egypt, giving expression to an attitude that wished to emphasize the
Mediterranean identity of their country. Popular culture confirms this MediterraneanHellenistic element through its recourse to Cleopatra, but does away with the thinkers’
22
theories. Although Cleopatra was also praised in poems, plays and songs by great writers,
it is safe to assume that the broad mass of the Egyptian population and peasants, who can
neither read nor write, do not relate to Cleopatra because of such elitist works. Most of
those simple Egyptians who speak the ancient queen’s name today or name their
daughters for her hardly know the true story of Cleopatra, as they do not read the historic
sources.
Is it the tragic story of Cleopatra’s life which found its way into the popular consciousness
through the centuries, and stuck there? Or was she always venerated to such an extent
because she associated herself with the mother-deity Isis and claimed to have descended
from her? Perhaps there is no ultimate answer to these questions. However, the fact
remains that the Egyptians always regarded her as their true queen – perhaps also because
they held Cleopatra’s wish for independence from Rome and her cleaving to the Egyptian
deities and the Egyptian religion in the same high esteem as the Egyptian lifestyle she
cultivated.
Possibly the most important heritage of the Ptolemaic queen for women in Egypt to this
day is not what is visible in fashion, accessories and similar aspects, but the strong female
personality which is still much in evidence, especially in the Egyptian countryside.
Cleopatra’s impressive figure influenced Egyptian women through the centuries to this
day. Many peasant women working side by side in the fields with their menfolk,
sometimes with tools that may have been in use since Cleopatra’s time, have extremely
strong characters, and often it is they who are the true decision-makers in the home, even
if the announcement of those decisions is left to the men, due to social or religious
tradition – for as the Koran says: “Men are superior to women.” Thus, adherents of political
Islam try to wrest from the women the power they have inherited from Cleopatra. Their
attacks are aimed at women especially, trying to displace her from society and reduce her
to the role of a sexual object and a mere child-bearer.
And yet: Egypt’s women insist on the magical strength of their queen. Cleopatra spoke
not only ancient Egyptian, but eight other languages, she governed the nation and was a
powerful political leader, and she was a woman who loved until death. Her character lives
on to this day in the consciousness of Egyptian women who fight for education, social
participation and self-determination.
During the revolution of January 25, 2011, Cleopatra was resurrected in the women of
Egypt. They passed the nights on the asphalt of Tahrir Square in Cairo with the youthful
revolutionaries, they withstood the bullets of the police state, they courageously
confronted the Mubarak dictatorship, and they died martyr’s deaths like men, for love of
their country.
Through Cleopatra, in the past, Egypt offered the world a concept of a patriotic public
spirit whose connotations are charged with current meaning. A narrow interpretation of
ethnicity and geography alone cannot define nationalism. Instead, first and foremost it is
love that can unite people and found communities.
Translated from the German by Alexa Nieschlag
23
Cleopatra hollywoodiana
Theda Bara, Asta Nielsen
Claudette Colbert, Vivien Leigh
Elizabeth Taylor, Monica Bellucci
Samstag, 19. Mai – Montag, 28. Mai
Film-Marathon
in Zusammenarbeit mit dem Salzburger Filmkulturzentrum DAS Kino
Von Cleopatra (1917) mit Theda Bara bis Asterix und Kleopatra
1903 – kaum hatten die Bilder laufen gelernt – entstand der erste Film über Kleopatra,
und seitdem wurde sie unter anderem verkörpert von Helen Gardner, Theda Bara,
Asta Nielsen, Claudette Colbert, Vivien Leigh, Sophia Loren, Claire Bloom, Magali Noël,
Elizabeth Taylor, Geneviève Bujold, Lynn Redgrave, Monica Bellucci und vom Vor­bild zu Belluccis Figur: der gezeichneten Kleopatra von Albert Uderzo, die ebenfalls
animiert wurde. Schon diese bei weitem nicht komplette Liste zeigt die Breite der
Facetten und Interpretationen der legendären ägyptischen Königin und wie sehr sie
inzwischen zum Mythos geworden ist – aber auch zum Vamp, zur Heldin, Komikerin,
Stilikone, Theater-, Film- und Comicfigur, zur Karikatur – ja sogar zur Karikatur der
Karikatur! In einem regelrechten Marathon begegnen Sie den wichtigsten KleopatraStreifen – zentral ist natürlich der rekonstruierte, 4 1/2-stündige Film mit Elizabeth Taylor
– aus über 100 Jahren Filmgeschichte und können so nochmals alle Bilder dieser
faszinierenden Frau an sich vorbeiziehen lassen …
24
In 1903 – no sooner than pictures had learned to move on screen – the first movie about
Cleopatra was created, and ever since, she has been embodied by Helen Gardner, Theda
Bara, Asta Nielsen, Claudette Colbert, Vivien Leigh, Sophia Loren, Claire Bloom, Magali
Noël, Elizabeth Taylor, Geneviève Bujold, Lynn Redgrave, Monica Bellucci and the model
of Belluci’s figure: the Cleopatra drawing by Albert Uderzo, which was also animated.
Even this list – which is not complete by far – shows the breadth of facets and interpretations of the legendary Egyptian queen, and how much she has become a myth – a vamp,
heroine, comic, icon of style, theater, film and comic figure, a caricature – and even a
caricature of a caricature! In this movie marathon, you will encounter the most important
Cleopatra films culled from over one hundred years of film history, enabling you to let
all the images of this fascinating woman pass in review… Of course this will include the
reconstructed 4 1/2-hour long film with Elizabeth Taylor.
Cleopatra culinaria
Sonntag, 27. Mai, 21.30, Karl-Böhm-Saal
Ägyptisches Dinner mit ägyptischer Musik
Was wäre eine Hommage an die legendäre Königin der Sinne ohne ein Bankett mit
ägyptischen Gerichten und ägyptischer Musik? Wobei noch nicht garantiert werden
kann, ob die dargebotenen Speisen auch in Essig aufgelöste Perlen umfassen und der
Abend mit einem Bad in Eselsmilch enden wird.
How could homage be paid to the legendary queen of the senses without a banquet
with Egyptian food and Egyptian music? However, there is no guarantee that the menu
will include pearls dissolved in vinegar and that the evening will end with a refreshing
bath in donkey’s milk.
My salad days,
when I was green in judgement
Aus Antony and Cleopatra
25
Kartenverkauf
Booking information
Schriftliche Bestellungen
Written orders
ab sofort möglichst unter Verwendung unseres Bestellscheins
erbitten wir an:
From now on, we accept bookings. We would appreciate it if you would use our order form.
Please send it to:
Salzburger Festspiele
Herbert-von-Karajan-Platz 11 ı 5020 Salzburg ı Austria
Fax: +43-(0)662-8045-555 ı info@salzburgfestival.at ı www.salzburgfestival.at
Salzburger Festspiele
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Abonnenmentbestellungen werden vorrangig in der Reihenfolge des Eintreffens bearbeitet.
Die Bearbeitung der Einzelkartenbestellungen erfolgt ab 1. August 2011 (nach Verfügbarkeit).
Zahlungen bitte erst nach Rechnungserhalt durch Banküberweisung
(Zahlschein bzw. Kontonummer liegt bei) oder Kreditkarte.
Subscription orders are processed with priority according to the date by which they are received.
Single ticket orders are processed from August 1, 2011 ( according to availability).
Please do not send any payment until you have received an invoice. Payment may be made by
bank transfer or credit card; details of our bank account are enclosed.
Internetverkauf
Online booking
Ab 14. Juni 2011 können Sie Ihr Abonnement direkt online buchen.
Einzelkarten sind ab 1. August direkt online buchbar. (Bezahlung mit Kreditkarte).
www.salzburgfestival.at/pfingsten
From June 14, 2011, you can book your subscriptions directly online.
Single tickets can be booked directly online from August 1, 2011. (Payment by credit card).
www.salzburgfestival.at
Telefonische Bestellungen
Telephone orders
mit Kreditkarte ab Anfang März 2012 ı Tel: +43-(0)662-8045-500
Tickets may be ordered by telephone and paid for by credit card
from the beginning of March 2012. Phone: +43-662-8045-500
Direktverkauf
Abonnements: ab 14. Juni 2011 ı Einzelkarten: ab 1. August 2011
am Ticketschalter im Festspielshop, Hofstallgasse 1
Öffnungszeiten:
Bis 25. Juli 2011 sowie ab 30. März bis 24. Mai 2012: Montag –Freitag 9.30 –15.00 Uhr.
Während der Festspiele (Pfingsten und Sommer): täglich 9.30 –18.30 Uhr.
In der Zeit von Oktober 2011 bis 29. März 2012 Direktverkauf im Kartenbüro.
Die Kassen an den jeweiligen Spielorten öffnen 1 Stunde vor Beginn der Vorstellung.
Abonnement
Direct sales
Subscriptions: from June 14, 2011 ı Single tickets: from August 1, 2011
Tickets are available at the ticket counter in the Festival Shop, Hofstallgasse 1
Opening hours:
Up to Juli 25, 2011 and from March 30 to May 24, 2012: Monday to Friday 9:30 a.m. to 3 p.m.
During the Festival (Whitsun and Summer): daily 9:30 a.m. to 6:30 p.m.
From October 2011 to March 29, 2012: Direct sales at the box office.
The evening box offices at the performance venues open 1 hour before the performance.
Bei Buchung von mindestens einem Termin der Oper sowie mindestens drei Konzerten wird
eine Preisermäßigung von 15% gewährt. Dieses Abonnement kann in den Preiskategorien
1 bis 5 gebucht werden. (Lesung Antony and Cleopatra und Ägyptisches Dinner mit ägyptischer
Musik sind vom Abonnement ausgenommen).
Subscription
Rollstühle
Wheelchairs
Plätze für Rollstuhlfahrer müssen gesondert bestellt werden.
Wheelchair users are requested to make a separate application for tickets.
Besetzungs- und Programmänderungen
Changes in cast or programme
berechtigen nicht zur Rückgabe der Karten.
do not entitle ticket holders to return their tickets.
Kartenrücknahme
Ticket returns
nur bei ausverkauften Vorstellungen zum kommissionsweisen Verkauf
gegen eine Stornogebühr von 10%.
Tickets will be accepted for resale and sold on commission only if a performance is sold out.
A 10% cancellation fee will be charged.
Hotelbuchungen
Accommodation
bitte direkt bei den Hotels oder über: Tourismus Salzburg GmbH
Auerspergstraße 6 ı 5020 Salzburg ı Austria
Fax: +43-(0)662-88987-32 ı Tel: +43-(0)662-88987-314
tourist@salzburg.info ı www.salzburg.info
Please contact hotels directly or request information from: Tourismus Salzburg GmbH
Auerspergstrasse 6 ı 5020 Salzburg ı Austria
fax: +43-662-88987-32 ı phone: +43-662-88987-314
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26
If you book at least one date for the opera and at least three concerts, we grant a price reduction
of 15%. The subscription can be booked in the first five price categories (the reading Antony and
Cleopatra and the Egyptian Dinner with Egyptian Music are not included in the subscription).
Vorstellungen und Preise
Preise in €
Abonnementbestellung
Performances and prices
Prices in €
Subscription order form
Datum/Spielort /Programm
Verfügbare Preiskategorien
Date/Venue/Programme
Available price categories
Abonnement (–15%)
123456789
25. Mai 2012
Cleopatra raffinata
19.00 Uhr
Haus für Mozart
Oper szenisch
Giulio Cesare
26. Mai 2012
Cleopatra amorosa
11.00 Uhr
Landestheater
Lesung Antony
and Cleopatra
26. Mai 2012
Cleopatra virtuosa
19.30 Uhr
Mozarteum
Barockkonzert
Cecilia Bartoli
27. Mai 2012
Cleopatra sensuale
11.00 Uhr
Felsenreitschule
Oper konzertant
Cléopâtre
27. Mai 2012
Cleopatra raffinata
370,– 290,– 220,– 180,– 145,– 105,–
80,–
90,–
55,–
25,– 10,–*
150,– 120,–
95,–
75,–
60,–
40,–
Preiskategorie ı Price category
12 345
Giulio Cesare in Egitto Wunschtermin ı Your preferred date Konzerte Wunschtermine ı Your preferred date 40,– 15,–*
Einheitspreis ı Standard price 35,–
150,– 120,–
Anzahl ı Number
25. 5.
27. 5.
26. 5. 27. 5. 28. 5. 28. 5.
19.30 11.00 11.0018.00
Einzelkartenbestellung
Order form
20,– 10,–*
Datum
Date
Programm
Programme
25. 5. 2012
Cleopatra raffinata
26. 5. 2012
Cleopatra amorosa
Anzahl Preis pro Karte in €
Number Price per ticket in €
Oper szenisch Giulio Cesare in Egitto
17.00 Uhr
Haus für Mozart
Oper szenisch
Giulio Cesare
27. Mai 2012
Cleopatra culinaria
21.30 Uhr
Karl-Böhm-Saal
Ägyptisches Dinner
mit ägyptischer Musik
28. Mai 2012
Cleopatra tragica
11.00 Uhr
Felsenreitschule
Orchesterkonzert
150,– 120,–
Gardiner / Kasarova,
Beczala
28. Mai 2012
Cleopatra orientale
18.00 Uhr
Großes
Festspielhaus
Orchesterkonzert
Gergiev /
Netrebko
370,– 290,– 220,– 180,– 145,– 105,–
80,–
40,– 15,–*
Lesung Antony and Cleopatra
Einheitspreis ı Standard price 160,–
26. 5. 2012
Cleopatra virtuosa
27. 5. 2012
Cleopatra sensuale
Barockkonzert Cecilia Bartoli
Oper konzertant Cléopâtre
95,–
75,–
60,–
40,–
27. 5. 2012
20,– 10,–*
Cleopatra raffinata
Oper szenisch Giulio Cesare in Egitto
27. 5. 2012
180,– 135,– 100,–
70,–
45,–
20,–
Cleopatra culinaria
Ägyptisches Dinner mit ägyptischer Musik
10,–
* Stehplatz ı Standing room
Karten für die Filmreihe „Cleopatra hollywoodiana“ sind ausschließlich über DAS KINO erhältlich
(Tel: +43-662-873100).
Abonnement
28. 5. 2012
Cleopatra tragica
28. 5. 2012
Cleopatra orientale
Orchesterkonzert Gardiner / Kasarova, Beczala
Orchesterkonzert Gergiev/ Netrebko
Name (bitte in Blockschrift) ı Name (please print)
Subscription
If you book at least one date for the opera
and at least three concerts, we grant a price
reduction of 15%.
The subscription can be booked in the first
five price categories (the reading Antony
and Cleopatra and the Egyptian Dinner with
Egyptian Music are not included in
the subscription).
PLZ, Ort ı Postcode, address
Straße ı Street
Tel.-Nr., Mobil-Nr. ı Phone no., mobile phoneE-Mail
✃
Bei Buchung von mindestens einem Termin
der Oper sowie mindestens drei Konzerten wird eine Preisermäßigung von 15%
gewährt.
Dieses Abonnement kann in den Preis­
kategorien 1 bis 5 gebucht werden. (Lesung
Antony and Cleopatra und Ägyptisches
Dinner mit ägyptischer Musik sind vom
Abonnement ausgenommen).
Salzburger pfingstFestspiele Postfach 140 ı 5010 Salzburg ı Austria Fax: +43-662-8045-555 ı Tel: +43-662-8045-500
info@salzburgfestival.at ı www.salzburgfestival.at
27
Impressum
Medieninhaber Salzburger Festspielfonds
Konzept Cecilia Bartoli
Redaktion und Gestaltung Ronny Dietrich, Markus Wyler
Abbildungen
Cover: Cecilia Bartoli, Foto: © Uli Weber/ Decca
Andy Warhol (Pittsburgh, 1928 – New
York, 1987), Silver Liz as Cleopatra, 1963
Serigrafie und Acryl auf Leinwand,
208,3 x 165,1 cm
Toronto, Art Gallery of Ontario,
© The Andy Warhol Foundation for the
Visual Arts.Inc. / VBK, Wien 2011
Porträtkopf Kleopatras VII.,
um 31. v. Chr., Seitenansicht
Staatliche Museen zu Berlin,
Foto: Hirmer Fotoarchiv, München
Pietro Berrettini, genannt Pietro da
Cortona (Cortona, 1596 – Rom, 1669),
Cäsar setzt Kleopatra wieder auf den
ägyptischen Thron, um 1637
Öl auf Leinwand, 255 x 266 cm
Lyon, Musée des beaux-arts, inv. A 53,
Foto: Studio Basset
Anonym, Der Selbstmord von Mark
Anton und Kleopatra, Buchmalerei aus
(dem Manuskript von) Boccaccio,
De casibus illustrium virorum et
feminarum, Brügge, 1470–1483
London, British Library, MS Royal 14 E.V
Antoine Rivalz (Toulouse, 1667–1735),
Tod der Kleopatra
Öl auf Leinwand, 123 x 101 cm
Toulouse, Musée des Augustins, inv.
88.1.1, Foto: STC – Mairie de Toulouse
Adolphe Cossard (Verberie,
1880 – Hyères, 1952), Kleopatra, 1899
Gouache und Aquarell, 81 x 60 cm
Privatsammlung, Enghien-les-Bains,
Étude Champin-Lombrail-Gautier
Bei Nachweis berechtigter Ansprüche werden diese von den Salzburger Festspielen abgegolten.
Martin von Muralt (Zürich, 1773–1830),
Kleopatra, 1812
Marmorbüste auf Sockel aus Porphyr,
37 x 37 x 17 cm
Genf, Musée d’art et d’histoire,
inv. 1916-30, Foto: Nathalie Sabato
John William Waterhouse
(Rom, 1849 – London, 1917),
Kleopatra, um 1888
Öl auf Leinwand, 65,5 x 92,3 cm
Privatsammlung,
Foto: Christie’s Images Limited, 2002
René Goscinny /Albert Uderzo,
Astérix et Cléopâtre, 1965
Cover, Offsetdruck, Papier auf Karton,
29,8 x 22,5 cm
Genf, Privatsammlung
SALZBURGER Pfingstfestspiele
Postfach 140 ı 5010 Salzburg ı Austria ı Tel: +43-662-8045-500
Fax: +43-662-8045-555 ı info@salzburgfestival.at ı www.salzburgfestival.at
Charles-Joseph Natoire (Nîmes, 1700 –
Castel Gandolfo, 1777), Bankett von
Kleopatra und Mark Anton, 1754
Öl auf Leinwand, 335 x 480 cm
Nîmes, Musée des beaux-arts, inv. IPD
140, Dépôt du Musée de Louvre, 1872
Seite 1: Porträt Cecilia Bartoli, Foto: © Alberto Venzago
Seite 5+6: Porträts Donna Leon und Cecilia Bartoli, Foto: © Paul Schirnhofer
Seite 7: Porträt Donna Leon, Foto: © Regine Mosimann/ Diogenes Verlag
Seite 9: Porträts Cecilia Bartoli, Foto: © Uli Weber /Decca, Giovanni Antonini, Foto: © David Ellis /Decca,
Moshe Leiser, Foto: © Sorek Artists Management, Patrice Caurier, Foto: © Sorek Artists Management,
Andreas Scholl, Foto: © James McMillan & Decca, Anne-Sophie von Otter, Foto: © Mats Bäcker,
Philippe Jaroussky, Foto: © Simon Fowler /Virgin Classics
Seite 11: Porträts Sunnyi Melles, Foto: © Robert Recker, Sven-Eric Bechtolf, Foto: © Peter Rigaud c/o
Shotview
Seite 13: Porträts Cecilia Bartoli, Foto: © Uli Weber/ Decca, Giovanni Antonini, Foto: © David Ellis /
Decca
Seite 15: Porträts Sophie Koch, Foto: © Patrick Nin, Vladimir Fedoseyev, Foto: © Interclassica Music
Management, Ludovic Tézier, Foto: © Agence Cedelle
Seite 17: Porträts Vesselina Kasarova, Foto: © Marco Borggreve/ Sony-BMG, Sir John Eliot Gardiner,
Foto: © Sheila Rock / Decca, Piotr Beczala, Foto: © Bettina Stoess
Seite 19: Porträts Anna Netrebko, Foto: © Dario Acosta, Valery Gergiev, Foto: © Marco Borggreve,
Chulpan Khamatova, Foto: © Stibitz Management
Seite 20/21: Mitglieder der von Frauen organisierten Friedensbewegung CodePink nähen eine
Friedensfahne bei einer Demonstration, 2009, Foto: © Mike Nelson / EPA / picturedesk.com
Seite 23: Frauen bei einer Demonstration gegen die ägyptische Regierung am Tahrir-Platz in Kairo,
Februar 2011, Foto: © Felipe Trueba / EPA / picturedesk.com, Porträt Salwa Bakr, Foto: privat
Die Abbildungen rechts wurden entnommen aus: Cléopâtre – Dans le miroir de l’art
occidental, Ausstellungskatalog Musée Rath, Genf 2004
Serviceteil Christoph Engel
Übersetzungen Alexa Nieschlag, Günther Orth, Markus Wyler
Litho Media Design: Rizner.at, Salzburg
Druck Druckerei Roser, Mayrwies
Redaktionsschluss 23. Mai 2011 ı Änderungen vorbehalten
Diese Publikation der Salzburger Festspiele ist gesetzt in Optima und gedruckt auf
Invercote Creato 250 g sowie Claro Bulk 150g
28
Andy Warhol, Silver Liz as Cleopatra, 1963
© The Andy Warhol Foundation for the Visual Arts.Inc. /
VBK, Wien 2011
cecilia bartoli
Eine der besten Mezzosopranistinnen der Welt.
Oder eine der besten Sopranistinnen.
Ganz egal, wie man sie bezeichnet,
ihre Stimme ist mit keiner anderen zu vergleichen.
OYSTER PERPETUAL DATEJUST
IN 18 K. WEISSGOLD