Tagungsband XXIII Kunsthistorikertag Mainz Der Wert der Kunst 2015

Tagungsband XXIII Kunsthistorikertag Mainz Der Wert der Kunst 2015
XXXIII.
Deutscher
Kunsthistorikertag
DER
WERT
DER
KUNST
Universität Mainz
24.–28. März 2015
Tagungsband

DER WERT DER KUNST
XXXIII. Deutscher Kunsthistorikertag
Universität Mainz
24.–28. März 2015
Tagungsband
Kulturstaatsministerin Monika Grütters
Foto: Christof Rieken
Grußwort
der Staatsministerin Prof. Monika Grütters MdB
zum 33. Deutschen Kunsthistorikertag in Mainz
Es ist ein Motto, das es in sich hat: Um den »Wert der Kunst« soll es
beim Deutschen Kunsthistorikertag in Mainz gehen – ein brisantes Thema
in einer Zeit, in der dem erzielten Preis oft mehr Aufmerksamkeit gilt als
dem Wert eines Kunstwerks. Diese Entwicklung ist nicht nur im Hype um
zeitgenössische Kunst zu beobachten, sondern auch in den Diskussionen
um Verkäufe von Kunstwerken aus öffentlichem Besitz in Nordrhein-Westfalen. Damit wurde der aus unserem Selbstverständnis als Kulturnation
gewachsene Konsens in Frage gestellt, wonach der Staat dem Schutz unserer kulturellen Werte verpflichtet ist – ein kulturpolitischer Dammbruch,
den wir nicht einfach hinnehmen dürfen.
Vor diesem Hintergrund freut es mich sehr, dass sich die größte kunsthis­
torische Fachtagung in Deutschland der kulturpolitisch wie kulturwissenschaftlich essentiellen Frage nach dem Wert der Kunst widmet und damit
auch wichtige Impulse für die wissenschaftliche Ausbildung, Qualifizierung
und Forschung sowie für die Denkmalpflege und die Museumspolitik setzt.
Nicht zuletzt aus diesem Grund habe ich gerne die Schirmherrschaft über
den Deutschen Kunsthistorikertag übernommen.
Darüber hinaus freue ich mich sehr, dass sich Kunsthistorikerinnen und
Kunsthistoriker in Deutschland im Bewusstsein unserer historischen Verantwortung verstärkt der Provenienzforschung zuwenden – ein Thema,
das ebenfalls auf der Agenda des diesjährigen Kunsthistorikertages steht
und das mir politisch sehr am Herzen liegt. Um schnellere Fortschritte insbesondere bei der Suche nach NS-Raubkunst zu ermöglichen, hat der
Bund gemeinsam mit den Ländern und den kommunalen Spitzenverbänden zum 1. Januar 2015 das Deutsche Zentrum Kulturgutverluste in Magdeburg gegründet. In enger und guter Zusammenarbeit mit den Ländern
treibe ich aktuell auch die Novellierung des Kulturgutschutzes voran: Ein
Gesetzentwurf soll noch in der ersten Jahreshälfte 2015 vorliegen.
Mir ist wichtig, dass wir uns in Deutschland zu einem hohen Ethos des
Sammelns und Bewahrens bekennen – in der Überzeugung, dass Kunst
von unschätzbarem Wert für eine humane Gesellschaft und eine lebendige Demokratie ist. Dazu tragen Kunsthistorikerinnen und Kunsthistoriker
mit ihrer Arbeit bei, und in diesem Sinne wünsche ich allen Teilnehmenden
anregende Begegnungen, Diskussionen und Erkenntnisse beim Deutschen Kunsthistorikertag.
Prof. Monika Grütters MdB
Staatsministerin bei der Bundeskanzlerin


Herzlich Willkommen zum
33. Deutschen Kunsthistorikertag in Mainz
Intensiv und ausführlich wie lange nicht mehr wird derzeit der gesellschaftliche und politische Status der Kunst neu justiert. Der »Fall Gurlitt«
ist dafür sicherlich das brisanteste Beispiel. Zugleich verlassen zahlreiche, zum Teil mit Steuergeldern finanzierte Kunstwerke das Land, was
insgesamt die Frage aufwirft, wie es um den Wert der Kunst im öffentlichen Raum bestellt ist, was uns die kulturelle Überlieferung in Form der
Denkmäler, Skulpturen, Gemälde und Zeichnungen überhaupt noch wert
ist. Überdies wird angesichts der zunehmenden Virtualisierung unserer
Gegenwart das Kunstwerk als materielles Objekt momentan stark diskutiert. Und die Frage, welche Relevanz die öffentlich finanzierten Museen
in Zukunft haben werden, wird sich schon in Kürze akuter stellen, als wir
es derzeit glauben mögen.
Aufgrund solcher vielfältiger Debatten haben es sich der Verband Deutscher Kunsthistoriker e.V. und das Institut für Kunstgeschichte der Universität Mainz als gemeinsame Veranstalter des diesjährigen Kunsthistorikertages zur Aufgabe gemacht, den »Wert der Kunst« in den Mittelpunkt
des Kongresses zu stellen. Die Frage nach dem »Wert der Kunst« umfasst neben den einschlägigen ökonomischen und rechtlichen Aspekten vor allem auch die sich verändernde Wertzumessung in einer zunehmend globalisierten und kulturell vielfältigen Gesellschaft. Die Frage
spielt auch eine Rolle in so wichtigen Themen unseres Faches wie den
Kulturlandschaften, der höfischen Kunst oder etwa auch der Verbindung
von Kunst- und Neurowissenschaften. Ferner werden das Thema der
Fälschungen und die Relevanz all dessen, was wir im Nachgang zum
iconic turn als Aufwertung des Kunstwerkes oder der Bilder an sich bezeichnen könnten, in Mainz zur Sprache kommen. Nicht zuletzt soll breiter Raum für Diskussionen und Reflexionen gegeben werden, was sich
in der eindrucksvollen Zahl von zwölf Sektionen, drei Podiumsdiskussionen, dreizehn Foren sowie zahlreichen Exkursionen mit einer bisher nicht
erreichten Programmfülle widerspiegelt.
Kilian Heck
Erster Vorsitzender des Verbandes Deutscher Kunsthistoriker e.V.

Der 33. Deutsche Kunsthistorikertag wird veranstaltet vom
Verband Deutscher Kunsthistoriker e.V.
und der Abteilung Kunstgeschichte
des Instituts für Kunstgeschichte und Musikwissenschaft (IKM)
der Johannes Gutenberg-Universität Mainz
unter der Schirmherrschaft
der Beauftragten der Bundesregierung
für Kultur und Medien
Staatsministerin Prof. Monika Grütters MdB
mit freundlicher Unterstützung durch:

NEU BEI BÖHLAU
ELISABETH FRITZ
AUTHENTIZITÄT – PARTIZIPATION – SPEKTAKEL
MEDIALE EXPERIMENTE MIT „ECHTEN MENSCHEN“ IN DER
ZEITGENÖSSISCHEN KUNST
(KUNST – GESCHICHTE – GEGENWART, BD. 3)
2014. 336 S. 83 S/W-ABB. FRANZ. BR.
ISBN 978-3-412-22164-5
SANDRA FRIMMEL
KUNSTURTEILE
GERICHTSPROZESSE GEGEN KUNST, KÜNSTLER UND
KURATOREN IN RUSSLAND NACH DER PERESTROIKA
Sandra Frimmel
Kunsturteile
Gerichtsprozesse gegen Kunst in Russland
nach der Perestroika
(DAS ÖSTLICHE EUROPA: KUNST- UND KULTURGESCHICHTE,
BD. 2)
2015. 334 S. 11 S/W- UND 56 FARB. ABB. GB.
ISBN 978-3-412-22511-7
EVA BLIMLINGER, HEINZ SCHÖDL (HG.)
DIE PRAXIS DES SAMMELNS
PERSONEN UND INSTITUTIONEN IM FOKUS
DER PROVENIENZFORSCHUNG
(SCHRIFTENREIHE DER KOMMISSION FÜR PROVENIENZFORSCHUNG, BD. 5)
2014. 417 S. 35 S/W- UND 25 FARB. ABB. GB. MIT SU
ISBN 978-3-205-79601-5
JÖRN GRABOWSKI
LEITBILDER EINER NATION
ZUR GESCHICHTE DER BERLINER NATIONALGALERIE
HG. VON PETRA WINTER
(SCHRIFTEN ZUR GESCHICHTE DER BERLINER MUSEEN, BD. 4)
2015. 311 S. 60 S/W-ABB. GB.
ISBN 978-3-412-22443-1
MAGDALENA BUSHART, HENRIKE HAUG (HG.)
TECHNISCHE INNOVATIONEN UND KÜNSTLERISCHES WISSEN
IN DER FRÜHEN NEUZEIT
(INTERDEPENDENZEN. DIE KÜNSTE UND IHRE TECHNIKEN, BD. 1)
2015. 296 S. 70 S/W-ABB. UND 35 FARB. ABB. GB.
ISBN 978-3-412-21090-8
böhlau verlag, ursulaplatz 1, d-50668 köln, t: + 49 221 913 90-0
[email protected], www.boehlau-verlag.com | wien köln weimar

Inhaltsverzeichnis
Programmübersicht.............................................................................12
Eröffnung des Kunsthistorikertages.....................................................27
Podiumsdiskussionen..........................................................................29
Der Wert der Kunst...................................................................................... 29
Kunstgeschichte, Raubkunst und Provenienz­forschung............................. 30
Urbanität zwischen historischem Erinnerungsort und Shopping Mall? ...... 31
Sektionen............................................................................................33
Der Wert des Goldes................................................................................... 33
Der Wert der Dinge...................................................................................... 47
Der Wert des Kontextes.............................................................................. 64
Das Europäische Denkmalschutzjahr 1975................................................. 77
Schatzkunst und Repräsentation................................................................. 91
Der Wert der Kunst in zeitgenössischen religiösen Kontexten.................. 104
Im Wertstreit: Original, Kopie, Reproduktion und Fälschung..................... 120
Mimesis und Moderne............................................................................... 132
Faltenzählen versus Bildwissenschaft....................................................... 143
Kunst – Kultur – Landschaft:..................................................................... 158
Kunst und der Wert der Gefühle................................................................ 172
Der Marktwert des Sozialen. Ein Dilemma der Gegenwartskunst............. 185
Führungen und Ortstermine..............................................................198
Foren.................................................................................................199
Kunst der Iberischen Halbinsel.................................................................. 199
Kunst des Mittelalters................................................................................ 200
Niederländische Kunst- und Kulturgeschichte........................................... 201
Wissenschaftsgeschichte der Kunstgeschichte......................................... 202
Graphik...................................................................................................... 203
Nachwuchsforum....................................................................................... 204
Kunstgeschichte Italiens............................................................................ 205
Forum für Habilitandinnen und Habilitanden............................................. 206
Digitale Kunstgeschichte........................................................................... 206
DFG-Forschungsförderung........................................................................ 208
Cultural Entrepreneurship.......................................................................... 208
Kunstgeschichte in Schule und Lehrerbildung.......................................... 209
Frankreichforschung.................................................................................. 210
8

Workshop..........................................................................................212
Mitgliederversammlung.....................................................................213
Abendveranstaltungen......................................................................214
Landesmuseum Mainz.............................................................................. 214
Rathaus der Stadt Mainz........................................................................... 214
Abschlussabend........................................................................................ 215
Exkursionen.......................................................................................216
Aussteller...........................................................................................218
Verpflegung.......................................................................................222
Verband Deutscher Kunsthistoriker e.V.............................................223
KUNSTCHRONIK
Monatsschrift für Kunstwissenschaft, Museumswesen und
Denkmalpflege
Seit Anfang 1948 gibt das Zentralinstitut für Kunstgeschichte in Zusammenarbeit mit dem Fachverlag Hans Carl die Zeitschrift KUNSTCHRONIK
heraus. Seit der Gründung des Verbandes Deutscher Kunsthistoriker ist
die Monatsschrift auch dessen Nachrichtenblatt. Verantwortliche Redakteurin ist Dr. Christine Tauber.
Die inhaltlichen Schwerpunkte der KUNSTCHRONIK:
Kritische Berichte aus kunsthistorischer Warte über kulturpolitische Fragen, Tagungen und Ausstellungen, Institutionen und neue Funde, Informationen über den Fortgang der Forschung in Gestalt von Literaturberichten
und Rezensionen. Neben deutschen druckt die KUNSTCHRONIK auch Beiträge in englischer, französischer und
italienischer Sprache. Die Kunstchronik ist die einzige kunsthistorische Monatsschrift des deutschen Sprachbereichs, deren Inhalt nach rein wissenschaftlichen Kriterien ausgesucht wird.
Fachverlag Hans Carl, Nürnberg, erstmals erschienen 1948,
11 Hefte pro Jahr, je 50 - 70 S.
Auszubildende und Studenten erhalten 50% Preisnachlass,
ISSN 0023-5474, 16,5 x 24 cm, kartoniert
Jahresabo Inland (inkl. Porto u. MwSt.): €
www.carllibri.com
70,90

Erwin Panofsky
Korrespondenz 1910–1968
Eine kommentierte Auswahl
in sechs Bänden
Herausgegeben von Dieter Wuttke
Erwin Panofsky (1892–1968) war einer der bedeutendsten Kunsthistoriker und Kulturwissenschaftler
des 20. Jahrhunderts. Seine Korrespondenz war der
unbekannte Teil seines Œuvres. Aus einer Sammlung
von ca. 27000 Briefen hat Dieter Wuttke in kulturwissenschaftlich fundierter Forschungsarbeit eine Auswahl
getroffen, die das ganze Leben und Schaffen Panofskys
widerspiegelt. Auf fast 7000 Seiten in 5 Bänden ndet
der Leser über 3800 Briefe ediert, kommentiert und
von zahlreichen Abbildungen und Dokumentenanhängen begleitet.
Der abschließende Ergänzungsband ist in erster Linie
als Hilfsinstrument gedacht, das die Nutzung der umfangreichen fünf Bände des Korpuswerkes erleichtert.
Kumuliert nden sich hierin jene Teile, die bislang auf
die vorausgehenden Bände verteilt sind:
- Die Berichtigungen und Ergänzungen zu den Bänden
I bis IV sowie neu ein entsprechender Abschnitt zu
Band V,
- Die 319 Einträge umfassende Erwin-PanofskyBibliograe 1914 bis 1969/1973 mit Hinweisen auf
Audioüberlieferungen von Vorträgen und Vorlesungen;
die die Inhaltsverzeichnisse der Monograen zur
Kenntnis bringende Bibliograe bereichert das
Panofsky-Schriftenverzeichnis um 135 neue bibliograsche Einheiten,
- Das Korrespondentenverzeichnis der Bände I bis V
- Die Register der Bände I bis V sowie ein Register zu
den Berichtigungen und Ergänzungen
Setpreis für alle 6 Bände:
€ 959,– (D)
ISBN 978-3-447-10177-0
1:
1910 bis 1936
2001. LIV, 1142 Seiten, 65 Abb., Ln
ISBN 978-3-447- 04448- 6
€ 180,– (D)
2:
1937 bis 1949
2003. XXX , 1363 Seiten, 47 Abb., Ln
ISBN 978-3-447- 04564-3
€ 180,– (D)
3:
1950 bis 1956
2006. XXXV, 1382 Seiten, 52 Abb., Ln
ISBN 978-3-447- 05373- 0
€ 180,– (D)
4:
1957 bis 1961
2008. XL, 1388 Seiten, 46 Abb., Ln
ISBN 978-3-447- 05784-4
€ 180,– (D)
5:
1962 bis 1968
2011. XLIV, 1466 Seiten, 132 Abb., 1 Audio-CD, Ln
ISBN 978-3-447- 06277- 0
€ 180,– (D)
6:
Kumulationen
Ergänzungsband zur
Erwin-Panofsky-Korrespondenz
1910 bis 1968
2014. X, 963 Seiten, 7 Abb., Ln
ISBN 978-3-447-10165-3
Fortsetzungspreis € 149,– (D)
€ 180,– (D)
HARRASSOWITZ
Verlag
www.harrassowitz-verlag.de
Fink_KhT_A5_Layout 1 18.02.15 08:46 Seite 1

Bücher
Die ›Berliner Göttin‹
Schicksale einer archaischen
Frauenstatue in Antike und
Neuzeit
Wolf-Dieter Heilmeyer,
Wolfgang Maßmann
208 Seiten, 140 Abb.,
Format 21 x 28 cm,
ISBN 978-3-89870-928-6,
Euro 48,00
aus dem
Kunstverlag Josef Fink
Die Neugotik im
westfälischen Kirchenbau
Peter Vormweg
432 Seiten, 354 Abb.,
Format 17 x 25 cm,
ISBN 978-3-89870-821-0,
Euro 39,90
Der Waltensburger Meister
in seiner Zeit
Horst F. Rupp (Hrsg.)
ca. 250 Seiten, zahlr. Abb.,
Format 16,5 x 23,5 cm,
ISBN 978-3-89870-883-8,
Euro 24,90
Erscheint im Frühjahr 2015 in
Kooperation mit dem Verlag
Bündner Monatsblatt
Besuchen Sie uns auf dem XXXIII. Deutschen Kunsthistorikertag in Mainz!
„Es ist immer eine Freude, wenn es gelingt, doch noch ‚schöne’ Bücher herzustellen.
(Landeskonservator Dr. Joachim Glatz, Mainz)
„Ihre Verlagsarbeit und die Heranziehung der weiteren Firmen, Gestaltung und Druck
v.a., waren sehr gut und glückliche Entscheidungen, wie ich denke. Kompliment.“
(Dr. Jörn Barfod, Ostpreußisches Landesmuseum, Lüneburg)
Hauptstraße 102 b
88161 Lindenberg
Telefon (0 83 81) 8 37 21
Telefax (0 83 81) 8 37 49
[email protected]
www.kunstverlag-fink.de
Unser aktuelles Gesamtverzeichnis
und alle weiteren Titel, auch unsere
beliebten Kunstführer, finden Sie
unter www.kunstverlag-fink.de
Programmübersicht
Dienstag
24.03.2015
09.00
10.00
11.00
12.00
09.00
FOREN I
Kunst der Iber. Halbinsel
► Philosophicum, P 2
Kunst des Mittelalters
► Philosophicum, P 5
Niederländische Kunst- und
Kulturgeschichte
► Philosophicum, P 10
FOREN II
14.00
15.00
Wissenschaftsgeschichte
► Philosophicum, P 2
Graphik
► Philosophicum, P 5
Nachwuchsforum
► Philosophicum, P 10
15.15–15.45 Uhr Kaffeepause
► Philosophicum
12
11.00
12.00
13.00
Ortstermin
Neue Synagoge
13.00
10.00
14.00
15.00
Programmübersicht
16.00
17.00
18.00
19.00
FOREN III
Kunstgeschichte Italiens
► Philosophicum, P 2
Habilitand/-innen
► Philosophicum, P 5
Digitale Kunstgeschichte
► Philosophicum, P 10
16.00
Führung
Universitätssammlungen
Dienstag
24.03.2015
Eröffnung des
Kunsthistorikertages
Podium / Plenum
17.00
18.00
19.00
Der Wert der Kunst
20.00
21.00
22.00
► Haus Recht u. Wirtschaft, RW 1
Verleihung des Deubner-Preises
► Alte Mensa
Empfang des Verbandes
und der Abteilung Kunstgeschichte
► Alte Mensa
20.00
21.00
22.00
13
Sammlungsmanagement in der Kulturgutdokumentation
Die moderne Software für Archive
Digitales Museumsmanagement
Die modulare Gesamtlösung für Kommunal-,
Wirtschafts-, Universitäts- und Kirchenarchive
unterstützt flexibel, sicher und funktional die
archivischen Arbeitsabläufe
HiDA ist ein leistungsstarkes Werkzeug zur
Erfassung, Verwaltung und Recherche in der
Kulturgutdokumentation
• Einheitliche Erschließung von analogem,
digitalem und hybridem Archivgut
• Katalogisierung und Dokumentation am
Einzelplatz oder im Netzwerk
• Akzessions- und Magazinverwaltung, Freiflächenrecherche und Auslastungsstatistiken
• Konform zu anerkannten kunsthistorischen
Regelwerken oder in völlig frei definierten
Datenmodellen
• Zwischenarchiv
• Benutzerdatenbank und Lesesaalbetrieb
• OAIS-konforme Langzeitarchivierung
elektronischen Archivguts
• Offene Schnittstellen, per Mausklick in die
Portale: EAD-DDB (1.1), SAFT
• Online-Präsentation der Findmittel
• Schnittstellen zu DMS, DAM, LZA
• Übernahme von Begriffen aus Index und
Thesauri führt zu zeitsparender und konsistenter Dateneingabe
• Anbindung an GND-PND
• Flexible Bildverwaltung ohne feste Dateipfade,
mit Galerieansicht
• Offene Schnittstellen, komplett XML- und
Unicodebasiert
• Webbasierte Schnellerfassung mit HiDA-X
• Geschäftsprozessunterstützung mit
HiDA4 expo
• Präsentation Ihrer Sammlungsobjekte oder
Bilddatenbank in Inter-/ Intranet mit HiDA4 web
startext GmbH
Tel.: +49 (0) 2 28 - 9 59 96 - 0 / Fax: +49 (0) 2 28 - 9 59 96 - 66
[email protected] / www.startext.de
NEU in 2015
Sie wünschen sich eine gemeinsame Präsentation und übergreifende Recherche für Ihre Sammlungsbestände aus Archiv,
Bibliothek und Museum?
Wir haben die Lösung:
Sie können Ihre vorhandenen, meist unterschiedlichen Erfassungssysteme weiternutzen
(auch von Drittanbietern).
Die Plattform bietet neben Recherche und Präsentation eine Kunden-/ Benutzerdatenbank,
konfigurierbare Workflows zur Unterstützung von Bestellvorgängen, wie auch diverse Auswer
tungsmöglichkeiten.
Ein differenziertes Rechtesystem inkl. der Erteilung von Sondergenehmigungen zu gesperrten
Objekten regelt die Zugriffe.
35 Jahre Erfahrung in der Entwicklung von Software für das Sammlungsmanagement in der
Kulturgutdokumentation garantieren Ihnen ausgereifte Produkte und kompetenten Service.
Wir zeigen unser Können:
Lassen Sie sich unverbindlich zeigen, wie Ihre Plattform aussehen könnte (gerne auch mit einem
Auszug Ihrer Daten). Sprechen Sie uns an: Herr Alexander Herschung, 0228 – 95996-0,
[email protected]
Weitere startext-Produkte finden Sie auf unserer Homepage unter www.startext.de.
startext GmbH
Tel.: +49 (0) 2 28 - 9 59 96 - 0 / Fax: +49 (0) 2 28 - 9 59 96 - 66
[email protected] / www.startext.de
Angaben ohne Gewähr / Irrtümer und technische Änderungen vorbehalten. // © startext GmbH
Unsere erprobten Standardschnittstellen zu allen gängigen Systemen ermöglichen die
einfache Zusammenführung der unterschiedlichen Erfassungsdaten und Digitalisate in der
gemeinsamen Recherche- und Präsentationsplattform.
16
13.00
13.00
14.00
14.00
15.00
16.00
11.00–11.45 Uhr Kaffeepause
► Philosophicum
Europäisches D
Denkmalschutzjahr 1975
► Philosophicum
m, P 11
► Philosophicum
m, P 10
Der Wert de
es
Kontextes
s
► Philosophicum
m, P 5
De
er Wert der Dinge
► Philosophicum, P 5
Der Wert des
Kontextes
Philosophicum, P 10
►P
Eu
uropäisches Denkmalschutzjahr 1975
ma
►P
Philosophicum, P 11
Wert der
Dinge
Wert des
Kontextes
Denkmalschutzjahr 1975
12.00
Der Wert der D
Dinge
11.00
De
er Wert des Goldes
► Philosophicum, P 2
10.00
Wert des
Goldes
09.00
► Philosophicum
m, P 2
Mittwoch
25.03.2015
Der Wert de
es
Goldes
Programmübersicht
09.00
10.00
11.00
12.00
15.00
16.00
Programmübersicht
Mittwoch
25.03.2015
16.00
17.00
18.00
16.00
Podium / Plenum
Kunstgeschichte, Raubkunst und
Provenienzforschung
► Haus Recht u. Wirtschaft, RW 1
19.00
17.00
18.00
19.00
Abendöffnung des
► Landesmuseums Mainz
der GDKE
20.00
21.00
20.00
Empfang des Landes
Rheinland-Pfalz
22.00
21.00
22.00
15.45–16.30 Uhr Kaffeepause
► Philosophicum
17
Porträt Max Liebermann (1847-1935) Foto: Fritz Eschen, Deutsche Fotothek/SLUB
Bücher – Bilder – Daten – Dienstleistungen
Wir unterstützen Ihre Forschung! Gestalten Sie mit.
Erfahren Sie mehr über den Fachinformationsdienst Kunst hier im
Ausstellerbereich und auf www.arthistoricum.net
20
13.00
13.00
14.00
14.00
15.00
► Philosophicum
m, P 5
16.00
11.00–11.45 Uhr Kaffeepause
► Philosophicum
► Philosophicum
m, P 11
Mimesis un
nd
Moderne
e
► Philosophicum
m, P 10
Original, Kopie
ie, Reproduktion u. Fäls.
12.00
Stachel im F. e
einer
säkul. Bildku
ultur
Mimesis
und
Moderne
Original,
Kopie,
Reprod.
Säkul.
Bildkultur
11.00
► Philosophicum
m, P 2
10.00
►P
Philosophicum, P 10
Mimesis und
Moderne
►P
Philosophicum, P 11
Ori
riginal, Kopie, Reproduk
ktion und Fälschung
► Philosophicum, P 5
Stac
achel im Fleisch einer
säkul. Bildkultur
S
Schatzkunst
und
Repräsentation
► Philosophicum, P 2
09.00
Schatzkunst und
Repräs.
Donnerstag
26.03.2015
Schatzkunst und
Repräsentattion
Programmübersicht
09.00
10.00
11.00
12.00
15.00
16.00
Programmübersicht
Donnerstag
26.03.2015
16.00
17.00
18.00
19.00
20.00
21.00
16.00
Mitgliederversammlung
Verband Dt. Kunsthistoriker
► Philosophicum, P 1
Podium / Plenum
Urbanität zw
zw. historischem ErinErin
nerungsort und Shopping Mall?
► Rathaus, Ratssaal
Empfang der Stadt Mainz
17.00
18.00
19.00
20.00
21.00
► Rathausfoyer
22.00
22.00
15.45–16.30 Uhr Kaffeepause
► Philosophicum
21
Die Böckler-Mare-Balticum-Stiftung widmet sich
der Erforschung und Vermittlung der Kultur- und
Kunstgeschichte des Baltikums und der Ostseeländer.
Die Stiftung fördert den wissenschaftlichen Austausch, Forschungs- und Erschließungsprojekte
sowie den Wissenstransfer in die Öffentlichkeit.
Für weitere Informationen:
www.boeckler-mare-balticum-stiftung.de
Kultur- und Kunstgeschichte
des Baltikums und der Ostseeländer
Förderung von Forschung und Vermittlung
Die Abteilung Kunstgeschichte und ihre Studierenden laden ein zur
Abschlussfeier
des 33. Deutschen
Kunsthistorikertages
27.03.2015
Café 7Grad
Am Zollhafen 3-5
55118 Mainz
Einlass ab 19.00 Uhr
Grußworte 20.30 Uhr
Thomas D. Trummer, Direktor der Kunsthalle
Gregor Wedekind, Geschäftsführender Leiter der Abteilung Kunstgeschichte
Freier Eintritt inkl. Kunsthalle
Aktuelle Ausstellungen Lois Weinberger und Mainzer Ansichten
von 19:00-22:00 Uhr zu besichtigen
Von 19:00 Uhr bis Open End
Barbetrieb, kleine Speisen
reduzierte Preise bei Getränken
Live-DJ
Mit freundlicher Unterstützung der Zollhafen Mainz GmbH & Co. KG sowie der Kunsthalle Mainz
24
15.00
16.00
11.00–11.45 Uhr Kaffeepause
► Philosophicum
► Philosophicum, P 11
Der Marktwert
des Sozialen
► Philosophicum, P 10
Kunst und der
Wert der Gefühle
14.00
► Philosophicum, P 5
12.00
Kunst – Kultur –
Landschaft
11.00
► Philosophicum, P 2
10.00
Kunst
– Kultur –
K
Landschaft
► Philosophicum, P 5
Kunst und der
W
Wert
der Gefühle
►P
Philosophicum, P 10
Der Marktwert
des Sozialen
►P
Philosophicum, P 11
KunstKulturLandschaft
Wert der
Gefühle
Marktwert des
Sozialen
Fa
altenzählen versus
Bildwissenschaft
B
► Philosophicum, P 2
09.00
Faltenzählen vs.
Bildwiss.
Freitag
27.03.2015
Faltenzählen vs.
Bildwissenschaft
Programmübersicht
13.00
DFG-Forschungsförderung
► Philosophicum, P 1
09.00
10.00
11.00
12.00
13.00
FOREN IV
14.00
15.00
16.00
09.00–12.30 Uhr
Workshop Gründen im Kunst- und Kultursektor
► Campus Hochschule Mainz, Lucy-Hillebrand-Straße 2
Freitag
27.03.2015
17.00
FOREN V
Cultural Entrepreneurship
► Philosophicum, P 2
18.00
19.00
Schule und
Lehrerbildung
► Philosophicum, P 5
Frankreich
► Philosophicum, P 10
Mitgliederverslg.
M
DVfK
►P
Philosophicum, P 11
Programmübersicht
17.00
18.00
19.00
Abschlussabend
20.00
21.00
Abendöffnung der
► Kunsthalle Mainz
Abschlussfeier
► Café 7 Grad
22.00
20.00
21.00
22.00
16.15–17.00 Uhr Kaffeepause
► Philosophicum
25
Studientage für Fotografie 2015: Erscheinungen der Fotografie
Internationales interdisziplinäres Forschungskolloquium für Promovierende und Post-Docs
Research Seminar on the History and Theory of Photography 2015:
Photographic Appearances
International interdisciplinary Research Colloquium for PhD Candidates and Post-Docs
Deutsches Dokumentationszentrum für Kunstgeschichte – Bildarchiv Foto Marburg,
21.–25. Juli 2015
Fotografien erscheinen in einer Vielzahl von Formen – als Negative, Abzüge, Projektionen, in Ausstellungen, in Magazinen oder Fotobüchern. Wie unterscheiden sich die
vielfältigen Materialisierungen und Mediatisierungen der Fotografie voneinander?
Wo liegen ihre Spezifika, inwiefern greifen sie ineinander? Welche Akteure entscheiden bei der Realisierung einzelner dieser Formen? Was genau und wie hat sich dies
verändert? Welche Neuerungen bedeutete die Digitalisierung für das meist komplexe
Gefüge von BildproduzentInnen und RezipientInnen? Und welche Folgen hat das in
den letzten Jahren neu erwachte Interesse am Fotobuch für Ausstellungen derselben
Bilder?
Die Studientage für Fotografie widmen sich 2015 den Erscheinungen der Fotografie
in allen ihren Produktions- und Rezeptionskontexten. Die fünftägige Veranstaltung
bietet Promovierenden und Post-Docs Möglichkeit zur Präsentationen ihrer Forschungen, Seminare, Diskussionsrunden, Besuche wichtiger Sammlungen und Gespräche mit KuratorInnen und KünstlerInnen.
Bewerbungen von Promovierenden und Post-Docs aller Disziplinen mit einem Exposé (max. 3000 Zeichen) und CV werden bis 7. April 2015 erbeten an:
[email protected]
Applications in English are welcome.
Die Konferenzsprachen sind Deutsch und Englisch.
Weitere Informationen: www.fotomarburg.de/aktuelles/events/studientage2015
In Kooperation mit der Deutschen Gesellschaft für Photographie (DGPh). Mit Unterstützung
des Kunstgeschichtlichen Instituts der Philipps-Universität Marburg, der Art Collection Deutsche Börse, Frankfurt/Eschborn, des Fotografie Forum Frankfurt und des MMK Museum für
Moderne Kunst Frankfurt.
Gefördert von der Volkswagen Stiftung.
Eröffnung des Kunsthistorikertages
Dienstag, 24. März 2015
ab 18.00 Uhr, Haus Recht und Wirtschaft I, Hörsaal RW 1
Grußworte
Prof. Dr. Georg Krausch
Präsident der Johannes Gutenberg-Universität Mainz
Prof. Dr. Kilian Heck
Erster Vorsitzender des Verbandes Deutscher Kunsthistoriker e. V.
18.30–20.15 Uhr, Haus Recht und Wirtschaft I, Hörsaal RW 1
Podiumsdiskussion
Der Wert der Kunst
20.30–21.00 Uhr, Alte Mensa (Aula)
Verleihung des Deubner-Preises 2015
des Verbandes Deutscher Kunsthistoriker e.V.
im Anschluss
Gemeinsamer Empfang des Instituts für Kunstgeschichte
und Musikwissenschaft (IKM) und des Verbandes Deutscher
Kunsthistoriker e.V.
27
Das Department für Bildwissenschaften ist eine international vergleichslose Plattform für
Forschung und bietet innovative Lehre zu allen Formen von Bildern. In den Studiengängen des
Departments lehren in der internationalen Faculty derzeit über 100 rennomierte ProfessorInnen
und führende ExpertInnen. Studierende erwerben Schlüsselqualifikationen für den zeitgenössischen Kunst- und Bildsektor.
Gegenstand der Forschung ist das international umfassendste Archiv Digitaler Kunst (ADA)
www.digitalartarchive.at und die Graphische Sammlung Göttweig www.gssg.at. Die singuläre Konstellation historischer und zeitgenössischer Sammlungsbestände unter einem Dach
unterstützt die Weiterentwicklung der Kunstgeschichte zur Bildwissenschaft.
Die Donau-Universität Krems – im UNESCO Weltkulturerbe Wachau – ist die erste staatliche
Universität in Europa, die sich auf berufsbegleitende universitäre Studien spezialisiert hat. Das
Zentrum für Bildwissenschaften im Stift Göttweig, wo die meisten Programme stattfinden,
befindet sich in einem Gebäude aus dem 14. Jahrhundert, das für die Bedürfnisse moderner
Forschung erneuert wurde.
Fachreferenzen International: www.donau-uni.ac.at/dbw/referenzen
Berufsbegleitende
Master-Programme
>
>
>
>
MediaArtHistories, MA
Bildwissenschaft, MA
Crossmedia, MSc
Data Studies, MSc
Berufsbegleitende
Certified Programs
>
>
>
>
Digitales Sammlungsmanagement
Visuelle Kompetenzen
MediaArtHistories
Fotografie
Donau-Universität Krems
[email protected] | Tel. +43 (0)2732 893-2569
www.donau-uni.ac.at/dbw
Podiumsdiskussionen
Der Wert der Kunst
Dienstag, 24. März 2015
18.30–20.15 Uhr, Haus Recht und Wirtschaft I, Hörsaal RW 1
Podium: Christian Demand, Berlin / Isabelle Graw, Berlin/Frankfurt a. M.
/ Max Hollein, Frankfurt a. M. / Isabel Pfeiffer-Poensgen, Berlin / Hanno
Rauterberg, Hamburg
Moderation: Gregor Wedekind, Mainz
Co-Moderation: Matthias Müller, Mainz / Elisabeth Oy-Marra, Mainz
Die Frage nach dem Wert der Kunst steht im Zentrum des Mainzer
Kunsthistorikertages. Dabei geht es uns nicht nur um einschlägige ökonomische und rechtliche Aspekte, sondern vor allem um die sich verändernde Wertzumessung in einer globalisierten und kulturell vielfältigen
Gesellschaft, die zudem von divergierenden politischen, ökonomischen
und religiösen Leitbildern geprägt ist. Zur feierlichen Eröffnung kommen
im Rahmen der Podiumsdiskussion zum »Wert der Kunst« Akteurinnen
und Akteure unterschiedlicher Bereiche zu Wort und diskutieren über
konkurrierende Wertbildungsprozesse im Kunstfeld. Wo Kunst nicht als
Wert an sich gedacht wird, gerät in den Blick, inwiefern der Wert der
Kunst immer wieder neu ausgehandelt wird und dabei an andere gesellschaftliche Normen und Wertvorstellungen geknüpft ist. Diese Relationen
gilt es zu diskutieren. Zur Debatte steht damit auch die Rolle, die Kunstgeschichte als Disziplin in solchen Wertbildungsprozessen einnimmt und
einnehmen möchte.
29
Podiumsdiskussionen
Kunstgeschichte, Raubkunst und Provenienz­forschung
– Konvergenzen und Spannungsfelder
Mittwoch, 25. März 2015
16.30–18.15 Uhr, Haus Recht und Wirtschaft I, Hörsaal RW 1
Begrüßung: Kilian Heck, Greifswald
Einführung: Christian Fuhrmeister, München
Keynotes: Eva Blimlinger, Wien / Harald Kö­nig, Berlin / Stephan Klingen, München
Podium
Bénédicte Savoy, Berlin / Sibylle Ehringhaus, Berlin / Catherine Hickley,
Berlin / Meike Hopp, München / Marc Fehlmann, Winterthur
Moderation: Stephanie Tasch, Berlin
Die Virulenz der Provenienzforschung geht selbstverständlich weit über
den »Fall Gurlitt« hinaus. Die Podiumsdiskussion will daher das außerordentlich dynamische Forschungsfeld »NS-Raubkunst – Handel, Markt,
Sammlungen – ›Entartete‹ Kunst« im deutschen Sprachraum bilanzieren
und neue Perspektiven für Forschung und Lehre ausloten.
Sowohl die akademische Disziplin Kunstgeschichte als auch die Arbeitspraxis in Museen und im Kunsthandel stehen vor enormen Herausforderungen. Gerade die nochmals – auf 6 Millionen Euro pro Jahr – erhöhten Fördermittel des »Deutschen Zentrums Kulturgutverluste« werfen
die Frage auf, welche strukturellen Reformen geeignet sein könnten, um
dem moralischen wie immensen kommerziellen Druck einerseits und der
lange Zeit eingeübten Indifferenz von Politik und Verwaltung andererseits
zu begegnen. Denn fehlende Arbeitskapazitäten und mangelnde Kompetenzen führten schon 2012 zur Forderung nach eigenen Ausbildungskonzepten und Studiengängen im Bereich Provenienzforschung. Welche
Optionen hat das Fach also? Wie interdisziplinär muss gearbeitet werden und welche Kooperationen zwischen Universitäten, Museen, dem
Kunsthandel und der Politik sind sinnvoll? Welche Verantwortung tragen
staatliche, kommunale und private Institutionen und Stiftungen? Welche
politischen und auch juristischen Rahmenbedingungen müssen geschaffen werden, um Forschungen zu den Millionen NS-verfolgungsbedingt
entzogenen Kulturgütern zu erleichtern? Und sollten nicht die bestehenden Strategien der Qualitätssicherung und Evaluierung von Forschungsergebnissen (etwa im Rahmen von DFG-Projekten) auch in der Proveni30
Podiumsdiskussionen
enzforschung konsequent Anwendung finden?
Ziel der Podiumsdiskussion ist die kritische und konstruktive Reflexion
von Versäumnissen und aktuellen Gestaltungsmöglichkeiten: Wo stehen
wir, was können wir leisten, und welche Lösungsvorschläge sind konsensfähig?
Urbanität zwischen historischem Erinnerungsort
und Shopping Mall?
Die Architektur der Städte in der
gesellschaftlichen Diskussion
Donnerstag, 26. März 2015
19.00–20.30 Uhr, Rathaus der Stadt Mainz, Ratssaal
Podium: Dieter Bartetzko, Frankfurt a. M. / Jean-Louis Cohen, New York
/ Thomas Metz, Mainz / Muck Petzet, München / Wolf D. Prix, Wien /
Ingrid Scheurmann, Dortmund
Moderation: Matthias Müller, Mainz
Co-Moderation: Elisabeth Oy-Marra, Mainz / Gregor Wedekind, Mainz
Die Podiumsdiskussion findet im Ratssaal des Mainzer Rathauses
statt. Das von den dänischen Architekten Arne Jacobsen und Otto Weitling entworfene und 1973 eingeweihte Mainzer Rathaus ist dabei selbst
sowohl ein herausragendes Beispiel für die Architektur der 70er-Jahre
als auch Gegenstand aktueller, hitziger Debatten um deren Wert und damit verbundene Aspekte wie Denkmalpflege, Stadtentwicklung, Urbanität
und Nachhaltigkeit. Das Generalthema des Kunsthistorikertages »Der
Wert der Kunst« soll daher an diesem Abend im Hinblick auf das zeitgenössische Ringen um die architektonische Weiterentwicklung der Städte diskutiert werden. Welche Akteure gestalten die Architektur unserer
Städte, welche Rolle spielen architektonische Setzungen für Urbanitätskonzepte und welche ästhetischen, kulturellen, gesellschaftlichen und
ökonomischen Parameter sind heranzuziehen, wenn versucht wird, den
Wert von Bauwerken auszuhandeln? Leitthemen der Podiumsdiskussion
sollen sich auch mit der Qualität der Städte als historische Erinnerungsorte befassen, womit zugleich auch die derzeit wieder hochaktuelle Frage
nach den Maßstäben und Grenzen architektonischer und städtebaulicher
Rekonstruktionen aufgeworfen sein wird.
31

Sektionen
Der Wert des Goldes.
Semantik und Rezeption eines umstrittenen Materials
von Byzanz bis ins 19. Jahrhundert
Leitung: Frank Fehrenbach, Hamburg / Iris Wenderholm, Hamburg
Sektionsvorträge
Mittwoch, 25. März 2015, 09.00–15.45 Uhr, Philosophicum, Hörsaal P 2
09.00–09.30 Uhr
Einführung durch die Sektionsleitung
09.30–10.00 Uhr
Barbara Schellewald, Basel
Im Licht – Goldmosaik und Bildtheorie in Byzanz
10.00–10.15 Uhr
Diskussion
10.15–10.45 Uhr
Heiko Damm, Mainz
Byzanz in Florenz, 1609: Zur Blacherniotissa in San Marco und
­ihrer Rahmung
10.45–11.00 Uhr
Diskussion
11.00–11.45 Uhr
Pause
11.45–12.15 Uhr
Michael Viktor Schwarz, Wien
Bild und (Gold-)Grund vor Alberti
12.15–12.30 Uhr
Diskussion
33
Der Wert des Goldes
12.30–14.00 Uhr
Pause
14.00–14.30 Uhr
Stefan Trinks, Berlin
Eingehüllt in Gold und Bein – Ein Material-»Mitstreit« des Mittel­
alters
14.30–14.45 Uhr
Diskussion
14.45–15.15 Uhr
Burkhard Kunkel, Stralsund
»On den Kelch […] und paten soll kein silber noch gold in der
­kirchen sein«. Rezeption und Verwertungstechniken edler Metalle
in den Kirchen der lutherischen Reformation
15.15–15.45 Uhr
Diskussion
Inhalt der Sektion
Ausgehend von dem antiken Topos opere superante materiam, der bei
Leon Battista Alberti in seiner Bevorzugung von nachgeahmtem statt tatsächlichem Gold aktualisiert und argumentativ geschärft wurde, soll in
der Sektion das Konkurrenzverhältnis von Material-, Symbol- und Kunstwert von Gold beleuchtet werden. Die Ambivalenz in der Beurteilung von
Gold als Material zeigt sich in dem Paradox einer weitverbreiteten und
lange anhaltenden Verwendung von Goldgründen und Goldornamentik
in der mittelalterlichen und frühneuzeitlichen Malerei sowie ihrer oftmals
vehementen Ablehnung in der zeitgleichen Kunstliteratur.
Die Sektion beschäftigt sich epochenübergreifend mit der Frage, inwieweit die technologischen Kenntnisse der Bearbeitung und der materialimmanenten Eigenschaften von Gold für Semantik und Rezeption des
Materials relevant wurden.
Ein besonderer Fokus liegt auf dem Bereich des Kunst- und Wissenstransfers aus dem östlichen Mittelmeerraum: Inwieweit kann etwa von
einer materialästhetischen Rezeption der Goldgründe byzantinischer
Kultbilder und Mosaiken in der neuzeitlichen, westeuropäischen Kunst
gesprochen werden und was waren die Konsequenzen ihrer Vereinnah34
Der Wert des Goldes
mung und Modifikationen? Barbara Schellewald setzt sich mit der Medialität des byzantinischen Goldmosaiks auseinander, während Heiko
Damm sich mit der Aktualisierung einer byzantinischen Mosaikikone im
17. Jahrhundert beschäftigt. Michael Viktor Schwarz widmet sich der noch
immer ungelösten Frage nach dem bildlichen Status von Goldgründen,
Stefan Trinks hingegen schaut unter die Goldhüllen von mittelalterlichen
Elfenbeinarbeiten, um der Frage eines Mit- oder Wettstreits des Materials
nachzugehen. Burkhard Kunkel verfolgt als eine wichtige Gegenposition
die Rezeption und Verwertung edler Metalle in der lutherischen Reformation.
Frank Fehrenbach, Hamburg / Iris Wenderholm, Hamburg
Kurzbiographie Frank Fehrenbach
1984–1990
1994–1995
1995
1995–1996
1996
1996–2001
2002–2003
2003–2004
2004
2004–2005
2005–2013
2010–2011
2013
seit 2013
Studium der Kunstgeschichte, der Mittelalterlichen und
Neueren Geschichte sowie der Philosophie in Tübingen und
Basel
Forschungsstipendiat am Kulturwissenschaftlichen Institut in
Essen
Promotion an der Universität Tübingen (»Licht und Wasser.
Zur Dynamik naturphilosophischer Leitbilder im Werk Leonardo da Vincis«)
Postdoc-Stipendiat an der Bibliotheca Hertziana, Rom
Hans Janssen-Preis für Europäische Kunstgeschichte, Akademie der Wissenschaften, Göttingen
Assistent am Kunsthistorischen Institut in Florenz – MPI
Hermann von Helmholtz-Gastprofessur an der HumboldtUniversität zu Berlin
Junior-Gastprofessor an der Friedrich Schiller-Universität,
Jena
Preis der Aby Warburg-Stiftung, Hamburg
Gastprofessor an der Harvard University
Senior Professor ebd.
Fellow am Wissenschaftskolleg, Berlin­
Preis der Alexander von Humboldt-Stiftung
Alexander von Humboldt-Professor, Universität Hamburg
Forschungsschwerpunkte
Kunst und Naturphilosophie der Frühen Neuzeit; Kunsttheorie; Geschichte der
Skulptur; Leonardo da Vinci.
35
Der Wert des Goldes
Publikationsauswahl
Die Goldene Madonna im Essener Münster. Der Körper der Königin, Ostfildern
1996.
Licht und Wasser. Zur Dynamik naturphilosophischer Leitbilder im Werk Leo­
nardo da Vincis (Tübinger Studien zur Archäologie und Kunstgeschichte 16),
Tübingen 1997.
Compendia mundi. Gianlorenzo Berninis ›Fontana dei Quattro Fiumi‹ (1648–51)
und Nicola Salvis ›Fontana di Trevi‹ (1732–62) (I Mandorli 7), Berlin 2008.
Bernini’s Light, in: Art History 28 (1/2005), S. 1–42.
Coming Alive. Some Remarks on the Rise of »Monochrome« Sculpture in the
Renaissance, in: Susanne Ebbinghaus (Hg.): Color and Sculpture, Sonderheft
Source XXX/3 (2011), S. 47–55.
Kurzbiographie Iris Wenderholm
1999–2001
2001–2004
2004
2004–2006
2007–2009
2009
2009–2014
seit 2013
seit 2014
Studium der Kunstgeschichte, der Französischen Philologie
und Volkswirtschaftslehre in Hamburg, Berlin und Neuchâtel
Assistentin des Vorstands der Kulturstiftung der Länder
Promotion an der Freien Universität Berlin (»Bild und Berührung. Skulptur und Malerei auf dem Altar der italienischen
Frührenaissance«)
Volontariat bei den Staatlichen Museen zu Berlin (Generaldirektion, Gemäldegalerie, Bode-Museum)
Wiss. Mitarbeiterin im Teilprojekt »Formen und Funktionen ästhetischer Generierung von Wissen in der Frühen Neuzeit« im
SFB »Wissenskulturen und gesellschaftlicher Wandel« sowie
im Teilprojekt »Signa und Res –Bildallegorien in der Renaissance (14.–16. Jh.)« in der DFG-Forschergruppe »Topik und
Tradition«
Wiss. Mitarbeiterin an der Technischen Universität Berlin
Juniorprofessorin für Kunstgeschichte an der Universität Hamburg
Zweite Vorsitzende im Vorstand des Verbands Deutscher
Kunsthistoriker
Professur für Europäische Kunst der Frühen Neuzeit an der
Forschungsstelle Naturbilder, Universität Hamburg
Forschungsschwerpunkte
Materialästhetik; Bildkünste der Frühen Neuzeit; Kunsttheorie; Künstlerinnenforschung.
Publikationsauswahl
Bild und Berührung. Skulptur und Malerei auf dem Altar der italienischen Frührenaissance (I Mandorli 5), Berlin 2006.
(Hg.) Manier, Mythos und Moral. Druckgraphik um 1600 aus den Beständen der
36
Der Wert des Goldes
Staats- und Universitätsbibliothek Hamburg, Petersberg 2014.
(Hg. mit Markus Rath und Jörg Trempler) Das haptische Bild. Körperhafte
Bilderfahrung in der Neuzeit (Actus et Imago. Berliner Schriften zur Bildaktforschung), Berlin 2013, darin auch: The Gaze, Touch, Motion: Aspects of
Hapticity in Italian Early Modern Art, S. 51–68.
Himmel und Goldgrund. Konkurrierende Systeme in der Malerei um 1500, in:
Yannis Hadjinicolaou, Joris van Gastel und Markus Rath (Hgg.): Paragone als
Mitstreit (Actus et Imago. Berliner Schriften zur Bildaktforschung), Berlin 2013,
S. 119–139.
Flammen der Liebe, in Stein gebannt. Zur Sublimierung von Leidenschaften
bei Künstlerinnen der Frühen Neuzeit, in: Jörn Steigerwald und Valeska von
Rosen (Hgg.): Amor sacro e profano. Modelle und Modellierungen der Liebe
in Literatur und Malerei der italienischen Renaissance (culturæ 5), Wiesbaden
2012, S. 259–279.­
­
Vorträge
09.30–10.00 Uhr
Barbara Schellewald, Basel
Im Licht – Goldmosaik und Bildtheorie in Byzanz
Das Mosaik ist mit seinem Goldgrund in besonderem Maße ein Medium, das seine spezifischen Eigenheiten mit einer vitalen und durchlässigen Oberfläche erst im und mit dem Licht zu entfalten vermag. Der in der
Anlage der Farbstruktur der Tesserae gegründete divergierende Reflexionsgrad ist dabei ebenso zu beachten wie die individuellen Neigungswinkel der einzelnen in das Bett eingelassenen Tesserae, die den Wirkungsgrad zu steigern vermögen. Die Dynamik des Wandels zwischen
Sichtbarkeit und Entschwinden im Dunkeln, aber zugleich die schon von
Ptolemäus erwähnte Problematik des Überblendens tragen die Verantwortung für die Art und Weise, d. h. unter welchen Prämissen, sich die
Präsenz des Heiligen im Raum entfalten kann. Sie erfolgt immer neu,
ist gerade nicht statisch, sondern in ihrer Dynamik thematisiert sie die
unauflösbare Problematik einer Sichtbarmachung dessen, was letztlich
unseren Augen verborgen bleiben muss: das Göttliche. Spätestens mit
dem byzantinischen Bilderstreit verfügen wir über Bildtheorien, die sich
mit der Medialität des Mosaiks in Kohärenz bringen lassen. Der Vortrag
zielt in einem ersten Schritt darauf ab, das komplexe Beziehungsgefüge
zwischen der Materialität des Mosaiks, einer sich wandelnden Lichtführung und -fülle und Bildtheorien aufzuzeigen. Die räumliche Organisation
der Mosaiken wie auch der Bezug zum Betrachter sind ebenso grund37
Der Wert des Goldes
legende Aspekte, die eine entsprechende Würdigung erfahren werden.
Neben theoretischen Texten sind es überdies Epigramme wie auch Ekphraseis, die uns substantielle Einblicke in die Rezeption erlauben. Auf
dieser Basis sollen sodann die Diskrepanzen zwischen einem Goldgrund
und den sich seit der Frühen Neuzeit entfaltenden Perspektivkonstruktionen thematisiert werden. Mosaiken des 15. wie auch des 16. Jahrhunderts nutzen gleichsam das Potential der Materialität nicht mehr, so dass
von einem regelrechten Verlust gesprochen werden darf.
Kurzbiographie Barbara Schellewald
1972–1982
1982
1982–1984
1984–1990
1990–1991
1992–1993
1993
1994
1994–2004
seit 2004
Studium der Kunstgeschichte, Indologie, Klassischen Archäologie, Christlichen Archäologie und der Italienischen Philologie
in Heidelberg und Bonn
Promotion an der Universität Bonn (»Untersuchungen zur
Baugeschichte der Sophienkirche in Ohrid«)
Wiss. Mitarbeiterin an der Universität Marburg
Hochschulassistentin an der Universität Bonn
Vertretungsprofessur an der Universität Bochum
Forschungsaufenthalte in Griechenland, der Türkei und Italien
Ruf an die Universität Leipzig
Habilitation an der Universität Bonn (»Die Konstitution der
byzantinischen Bildprogramme. Strukturen – Liturgie – Gedächtnis«)
Professur an der Universität Bonn
Ordinaria für Ältere Kunstgeschichte am Kunsthistorischen
Seminar der Universität Basel
Forschungsschwerpunkte
Byzantinische Bildproduktion; Bildprogramme; Bildtheorien der Vormoderne;
Bildkulturen im Mittelmeerraum; Wissenschaftsgeschichte; Mittelalter und Moderne.
Publikationsauswahl
Eintauchen in das Licht. Medialität und Bildtheorie, in: Zeitschrift für Literaturwissenschaft und Linguistik 42, 167 (2012), S. 16–37.
Transformation and Animation: Light and Mosaic in St. Catherine on Mount Sinai, in: Daniela Mondini und Vladmir Ivanovici (Hgg.): Manipolare la luce in
epoca premoderna. Manipulating Light in Pre-modern Times, Mendrisio 2014,
S. 237–251.
Medium der Moderne? Das Mosaik im Krematorium in Hagen, in: Birgitt
Borkopp-Restle und Barbara Welzel (Hgg.): »Eines der wichtigsten Monumente unserer Zeit überhaupt«. Das Krematorium von Peter Behrens in Hagen, Essen 2014, S. 171–190.
38
Der Wert des Goldes
Spiegelungen aus Byzanz. Die Heiligkreuzkapelle Karls IV. und die Ikone, in:
Manuela de Giorgi, Annette Hoffmann und Nicole Suthor (Hgg.): Synergies in
Visual Culture – Bildkulturen im Dialog, München 2013, S. 19–32.
Matisse in Moskau. Die Geschichte einer Begegnung, in: Thomas Grob und
Sabina Horber (Hgg.): Moskau. Metropole zwischen Kultur und Macht, 2015
(im Druck).
10.15–10.45 Uhr
Heiko Damm, Mainz
Byzanz in Florenz, 1609: Zur Blacherniotissa in San Marco und
­ihrer Rahmung
Der Beitrag nimmt eine byzantinische Mosaikikone des 8. Jh. in den
Blick, die im frühen 17. Jh. aus Alt-St. Peter auf einen der neu gestalteten Seitenaltäre der Florentiner Dominikanerkirche S. Marco übertragen
wurde. Das Ergebnis kann dem Formular des »Einsatzbildes« zugerechnet werden, insofern hier das alte Bild als verehrungswürdiges Objekt
von einem modernen Gemälde umfasst und der Verehrung anempfohlen
wird. Dabei weist die als »Mater misericordiae« ausgewiesene stehende
Gottesmutter vom Typ Maria orans (Blacherniotissa) eine bemerkenswerte Rahmung »a foggia di mosaico« auf. Die Einbettung in eine materialmimetische Malerei steht in Zusammenhang mit der anspruchsvollen
Umgestaltung des Innenraums von S. Marco durch die Errichtung gleichartiger, monumentaler Altarädikulen nach dem Entwurf Giambolognas.
Mit der reflektierten Präsentation einer römischen Bildreliquie durch Ordensheilige und Engel in fingiertem (Gold-)Mosaik fand die Ausstattungskampagne ihren vorläufigen Abschluss. Kult- und Materialwert der ehrwürdigen Ikone treten dabei in Konkurrenz zu den jüngsten Exponenten
des Florentiner Disegno.
Gefragt werden soll zum einen nach der mit dem Ortswechsel verbundenen Umwertung der Mosaik-Reliquie sowie nach der Neuakzentuierung ihrer Bedeutung. Zum anderen sind ihre schriftbildliche Einfassung und die Spezifik ihrer Darbietung von Interesse. Grundsätzlichere
Überlegungen sollen dabei der Rolle von Mosaiken um 1600 gelten: Die
Dauerhaftigkeit garantierende Technik erlebte damals vor allem in Rom
eine neue Blüte, sei es im Zuge der Restaurierung frühchristlicher Erinnerungsorte oder beim Neubau von St. Peter. Die illusionistischen Defizite
des Mediums konnten wahlweise unterdrückt oder gerade hervorgehoben werden; entsprechend begegnet man sowohl dem Konzept einer
Aeternisierung moderner Bilder durch Übertragung in Mosaik, als auch
39
Der Wert des Goldes
einer behutsamen Assimilation der Malerei selbst an archaische Darstellungsmodi, etwa durch das Fingieren von Goldtesserae.
Kurzbiographie Heiko Damm
2006
2007–2011
seit 2012
Studium der Kunstgeschichte, Italianistik und Komparatistik in
Leipzig, Berlin und Rom
Promotion an der Freien Universität Berlin (»Santi di Tito
(1536–1603) und die Reform des Altarbildes in Florenz«)
Wiss. Mitarbeiter der DFG-Forschergruppe »Signa und res.
Bildallegorien der Renaissance« ebd.
Wiss. Mitarbeiter der Max-Planck-Nachwuchsforschergruppe
»Das wissende Bild« am Kunsthistorischen Institut in Florenz
– MPI
Wiss. Assistent am Kunsthistorischen Institut der Johannes
Gutenberg-Universität Mainz
Forschungsschwerpunkte
Formen und Kontexte religiöser Bilder; Geschichte, Theorie und Kennerschaft
der Handzeichnung; Künstlerbiographik, Künstlermythen; Material- und Produktionsästhetik; Nachleben Michelangelos; napolitanische Barockmalerei.
Publikationsauswahl
Agon und Spitzenkragen: Zur Rhetorik des Ornaments in Berninis Büste Ludwigs XIV., in: Claudia Lehmann und Karen Lloyd (Hgg.): Der späte Gianlorenzo Bernini. Akten des Studientages an der Bibliotheca Hertziana, Rom, 8. Juni
2008, Berlin/Boston (im Druck).
Der akademische Leser: Krahe, Ghezzi & Ghezzi, in: Kunibert Bering (Hg.):
Lambert Krahe (1712–1790). Maler – Sammler – Akademiegründer. Ergebnisse des Symposiums zum 300. Geburtstag des Gründers der Kunstakademie
Düsseldorf 8.–10.11.2012, Düsseldorf 2013, S. 185–208.
Tagwerk und Schnelligkeitsprobe: Luca Giordano malt Atalantes Wettlauf, in:
Marburger Jahrbuch für Kunstwissenschaft 38 (2011), S. 59–82.
(mit Dagmar Korbacher) Das Jahrhundert Vasaris. Florentiner Zeichner des Cinquecento, Ausst.-Kat. Berlin 2011, Wolfratshausen 2011.
Harsdörffer und das Michelangelo-Bild des deutschen Barock, in: Michael Thimann und Claus Zittel (Hgg.): Georg Philipp Harsdörffers ›Kunstverständige
Discurse‹, Heidelberg 2010, S. 39–88.
›Victimae paschali‹: Bilder der Auferstehung Christi von Giorgio Vasari und Santi
di Tito, in: Eckhard Leuschner und Mark R. Hesslinger (Hgg.): Das Bild Gottes
in Judentum, Christentum und Islam. Vom Alten Testament bis zum Karikaturenstreit, Petersberg 2009, S. 180–202.
40
Der Wert des Goldes
11.45–12.15 Uhr
Michael Viktor Schwarz, Wien
Bild und (Gold-)Grund vor Alberti
Zu den Annahmen, die den Goldgrund-Diskurs steuern, gehört, dass
Goldgrund eine archaische Erscheinungsform von Bildhintergrund sei.
Dies führte zu der Frage, was er darstelle oder verberge, und zum Postulat eines inhaltlichen oder symbolischen Auftrags. Dahinter steht die
Rückprojektion der neuzeitlichen Vorstellung vom Bild: Das neuzeitliche
Bild versteht sich als ausschnitthafte Reproduktion oder Simulation eines
Blicks in die Wirklichkeit, und demnach ist alles, was der Maler in den
Grenzen des Blick- oder Bildfeldes zum Erscheinen bringt, als gegenständlich oder symbolisch lesbar gedacht.
Demgegenüber geben Beschreibungen und Praktiken früherer Zeit
eine Vorstellung vom Bild zu erkennen, die nicht an den Blick, sondern
an den darzustellenden Gegenstand, ja an die zu adressierenden Bestandteile des Gegenstands gebunden war. Was wir ein Madonnenbild
nennen, konnte beschrieben werden als eine Imago der Jungfrau mit
einer Imago des Christuskindes. Interaktionen innerhalb eines solchen
Gefüges konnten als Interaktionen zwischen Imagines eingeordnet werden. In der Regel bleibt dabei offen, ob der Text ein Gemälde oder eine
Skulptur behandelt. Bei dieser Art Bild ist der Bildgrund nicht Hintergrund,
sondern ungenutzte Oberfläche des Bildträgers.
Wenn der Bildgrund nicht zum Bild als Darstellung gehörte, so war er
aber der am deutlichsten in Erscheinung tretende Kontext des Bildes und
forderte hochrangige Verzierung. Wie am Rahmen hat Gold hier in der
Regel den Auftrag, eine Wertschätzung zu markieren: sei es des Urbildes
der Imago oder des Ortes ihrer Präsentation oder der Nutzer usw.
Kurzbiographie Michael Viktor Schwarz
1983
1986–1989
1990
1990
1998
1998
2006–2012
Promotion in Mainz
Stipendiat an der Bibliotheca Hertziana, Rom
Habilitation in Freiburg, anschließend Lehrtätigkeit in Freiburg
und Tübingen
Professor für Kunstgeschichte an der Universität Trier
Professor für Kunstgeschichte an der Technischen Universität
Dresden
Ordinarius für Kunstgeschichte an der Universität Wien
Dekan der Historisch-Kulturwissenschaftlichen Fakultät ebd.
41
Der Wert des Goldes
Forschungsschwerpunkte
Mittelalter in Italien und Mitteleuropa; Max Beckmann; Buchmalerei.
Publikationsauswahl
Höfische Skulptur im 14. Jahrhundert. Entwicklungsphasen und Vermittlungswege im Vorfeld des Weichen Stils, Worms 1986, 2 Bd.e (zugl. Diss. Mainz).
Philippe Soupault über Max Beckmann. Beckmann und der Surrealismus
(Quellen zur Kunst), Freiburg 1996.
(mit Birgit Schwarz) Dix und Beckmann. Stil als Option und Schicksal, Mainz
1996.
Die Mosaiken des Baptisteriums in Florenz. Drei Studien zur Florentiner Kunstgeschichte, Köln 1997.
Visuelle Medien im christlichen Kult. Fallstudien aus dem 13. bis 16. Jahrhundert, Wien 2002.
(mit Pia Theis) Giottos Leben. Mit einer Sammlung der Urkunden und Texte
bis Vasari (Giottus Pictor I), Wien 2004, und: (mit Michaela Zöschg) Giottos
Werke (Giottus Pictor II), Wien 2008.
14.00–14.30 Uhr
Stefan Trinks, Berlin
Eingehüllt in Gold und Bein – Ein Material-»Mitstreit« des Mittel­
alters
Einen bislang vernachlässigten Sonderfall der Verwendung von Gold
im Mittelalter bilden teilvergoldete, mit intarsierten Goldplomben ornamentierte oder gar mit massiven Goldhüllen überdeckte Elfenbeinreliefs
auf meist goldenen Buchdeckeln des 9. bis 15. Jahrhunderts. Dieser wie
ein Paragone wirkende »Mitstreit« zweier Techniken in Form von Re­
liefskulptur und Edelmetallplastik oder -malerei mutet wie eine paradoxe
Übersteigerung an, zumal die nur selten erhaltenen Goldhüllen das Elfenbein darunter unsichtbar werden ließen. Es finden sich dennoch keine
Quellen, die diesen gesteigerten Materialluxus mit Gold angereicherter
Elfenbeine kritisiert hätten. Die anscheinend unangreifbare »Legierung«
aus Gold und Elfenbein hatte vielmehr theologische Grundlagen: Nicht
nur bestand der in der Bibel präzise beschriebene Thron Salomos aus
Gold und Elfenbein; vor allem war die zwölf Meter hohe Zeusstatue des
Phidias in Olympia als eines der Sieben Weltwunder dem Mittelalter vertraut und damit auch die spektakuläre Technik des Chryselephantin, des
kunstvollen Verzahnens der beiden »Über-Materialien« Elfenbein und
Gold. Indem die Muttergottes durch das als jungfräulich konnotierte El42
Der Wert des Goldes
fenbein verkörpert und Gott als Himmelslicht die höchste Ehre in Gestalt des überirdisch schimmernden Goldes auf rein weiß strahlendem
Elfenbeingrund zuteilwerden sollte, war die im Grunde aus dem antiken
Idolkult stammende Mischung aus Bein und Gold legitimiert. Weil der
Himmelsgrund auf Elfenbeinreliefs gebohrt und mit Sternen aus Goldfolie, die in die Bohrlöcher gesteckt oder mit einer flächigen Vergoldung
bedeckt ist, werden die dadurch entstehenden goldenen Sternenhimmel
auf Bein in ihrer Intention daher den gemalten Goldgründen auf Tafelbildern verglichen. Wurden die zahlreichen Bohrlöcher in den Reliefs bisher
höchstens als störende spätere Befestigungen oder Veränderungen beschrieben und die Goldfüllungen überhaupt nicht beachtet, können inzwischen mehrere Dutzend derartiger aus ästhetischen Gründen gebohrter
und mit Gold gefüllter Elfenbeine nachgewiesen werden. Als besonders
eindrücklicher Fall soll neben einem karolingischen Beispiel das Berliner
Elfenbein mit der selbstbewusst-zentrierten Darstellung Bischofs Siegbert von Minden aus dem elften Jahrhundert vorgestellt werden, zu dem
in Mainz erstmals ein vollständig erhaltener Edelmetallmantel präsentiert
werden soll.
Kurzbiographie Stefan Trinks
1993–2000
2000–2007
seit 2007
2010
seit 2013
Studium der Kunstgeschichte, Geschichte, Klassischen und
Mittelalterlichen Archäologie in Bamberg und Berlin
Gründung und Leitung einer Galerie für zeitgenössische Kunst
mit K. Jarmuschek
Wiss. Mitarbeiter am Lehrstuhl für Mittlere und Neuere Kunstgeschichte der Humboldt-Universität zu Berlin
Promotion ebd. (»Antike und Avantgarde. Skulptur am Jakobsweg im 11. Jahrhundert: Jaca – León – Santiago«)
Postdoc im SFB »Transformationen der Antike«, Teilbereich
»Curiositas und Continuatio – Neugier auf die zeitgenössische
Antike«
Habilitationsthema: »Glaubensstoffe – Ikonologie belebter Textilien in der mittelalterlichen und zeitgenössischen Kunst«
Forschungsschwerpunkte
Politische Ikonographie; karolingische Elfenbeinreliefs; Skulptur des 11. bis 13.
Jh.s; Textil-Ikonologie und Antikenrezeption im Mittelalter.
Publikationsauswahl
Der Knoten im Grab. Semantisiertes Ornament und entfaltetes Bild, in: Mateusz
Kapustka, Martin Kirves, Christian Spies und Martin Sundberg (Hgg.): FaltenMuster. Texturen von Bildlichkeit (Textile Studies), Emsdetten/Berlin 2015.
43
Der Wert des Goldes
Oviedo und Aachen – Gebaute Macht am Rand und im Herzen des Karolingerreichs, in: Stiftung Deutsches Historisches Museum (Hg.): Kaiser und Kalifen. Karl der Große und die Mächte am Mittelmeer um 800, Mainz 2014, S.
136–153.
Antike und Avantgarde. Skulptur am Jakobsweg im 11. Jahrhundert: Jaca –
León – Santiago, Berlin 2012.
Von Santiago nach Naumburg und zurück. Die Naumburger Stifterfiguren in
ihren europäischen Außenbezügen, in: Hartmut Krohm und Holger Kunde
(Hgg.): Der Naumburger Meister – Bildhauer und Architekt im Europa der
Kathedralen. Tagungsband (Schriftenreihe der Vereinigten Domstifter zu
Merseburg und Naumburg und des Kollegiatstifts Zeitz), Petersberg 2012, S.
218–241.
Der Künstler im Zeichen des Kreuzes – Artistische Selbstnennungen an der
Grenze zur Selbstverherrlichung, in: Nicole Hegener (Hg.): Der Künstler und
sein Werk. Signaturen europäischer Künstler von der Antike bis zum Barock.
Internationale Fachtagung vom 26.–28. September 2008 an der HumboldtUniversität zu Berlin, Petersberg 2013, S. 102–117.
14.45–15.15 Uhr
Burkhard Kunkel, Stralsund
»On den Kelch […] und paten soll kein silber noch gold in der
­kirchen sein«. Rezeption und Verwertungstechniken edler Metalle
in den Kirchen der lutherischen Reformation
Übte der Glanz prächtiger Kirchen- und Altarausstattungen an goldenen Bildwerken und Textilien, die Materialfülle der großen Heiltumschätze
eine gleichsam auratische Anziehungskraft aus, standen mit Einführung
der lutherischen Reformation Objekte aus Gold und Silber plötzlich zur
Disposition. Einst hoch verehrte Reliquienschreine oder Heiligenbilder
konnten schlagartig zu wieg- und zählbaren Positionen wirtschaftlicher
Kalkulationen der neuen Kirchenökonomie werden.
War die Anziehungskraft des Goldes, von der Messbarkeit ihres Gewichts bis hin zur Illusion von Goldoberflächen, seit je her ohnehin fest
im materiellen Wertbewusstsein der Menschen verankert, schien die
Trivialität des Materiellen besonders zur Zeit des reformatorischen Umbruchs zur schnellen Verwertbarkeit zu barer Münze geführt zu haben.
Landesherren wie Kirchenverantwortliche reizte der Wert des Kirchensilbers zwar zu diversen Begehrlichkeiten, doch war nicht jedes Stück
materiell verhandelbar. Denn die stiftungsgemäße Feier der lutherischen
Sakramente war weiterhin auf bestimmte Dinge angewiesen, wenngleich
nicht in einer derart vorgefundenen Menge, die Eberlin von Günzburg
44
Der Wert des Goldes
(Titelzitat) kritisierte.
Was passierte aber mit allem ›überflüssigen Material‹ seit dem Er­schei­
nen der ersten lutherischen Prediger, der Ausreichung des ersten Abend­
mahls in beiderlei Gestalt? Wurde nach Zweck-Mit­tel-Ka­te­gorien sortiert,
wurden Nutzung und Brauchbarkeit neu organisiert oder allein auf Valutierbarkeit hin reduziert? Fragen wie diese notieren Umgangsformen
als Wirkungen der lutherischen Reformation auf bislang geltende Bewertungsmaßstäbe gegenüber diesen Dingen. Sie rufen erhaltene Kirchenschätze aber vor allem in ihren funktionalen und technisch variantenreichen Erhaltungsformen als Referenten einer Zeit auf, die die materielle
Kultur der Kirchen bis heute prägt.
Kurzbiographie Burkhard Kunkel
1990
1994
seit 1995
2007
seit 2008
2011
2015
Studium der Restaurierung in der speziellen Arbeitsrichtung
›Tafelbild und Holzskulptur‹ bei Heidemarie Fritzsche, Berlin,
und Eleonore Rosskamp-Klein, Münster
Diplom (»Die Stralsunder Madonna von 1485. [kunsttechnologische] Untersuchung Konservierung und Restaurierungskonzept«)
leitender Restaurator im Kulturhistorischen Museum Stralsund
Promotion an der Universität Greifswald (»Werk und Prozess.
Die bildkünstlerische Ausstattung der Stralsunder Kirchen im
späten Mittelalter – eine Werkgeschichte«)
Lehrverpflichtungen an den Universitäten Rostock und Greifswald
Berufung zum Beauftragten für die historischen Bibliotheken,
Handschriftensammlungen und Archiv der Hansestadt Stralsund
Habilitation an der Universität Rostock (»Monuments vivants.
Die materielle Kultur der Reformation – über den Umgang mit
altkirchlicher Kunst in lutherischen Kirchen des 16. Jahrhunderts«)
Forschungsschwerpunkte
Mittelalterliche Kunst des Ostseeraums; die materielle Kultur der Reformation im
Alten Reich; Theorie der Werkgeschichte; das Werk als Quelle.
Publikationsauswahl
Das Buch – ein opus completum? Mittelalterliche Bücher und Buchbestandteile
in nachreformatorischen Kontexten, Marburg (Druck in Vorbereitung).
»Was Kunst bietet…«. Strukturorientierte Restaurierung und die Rückgewinnung einer bildinhaltlichen Ordnung am sog. Sanzkower Franziskusaltar, in:
45
Der Wert des Goldes
Restauro (1/2012), S. 30–37.
Bildarchitektur. Norddeutsche Wandelretabel als konstruktive Entwicklungen
typologischer Bildsysteme im späten Mittelalter, in: Tobias Kunz und Dirk
Schumann (Hgg.): Werk und Rezeption. Architektur und ihre Ausstattung.
Festschrift für Ernst Badstübner zum 80. Geburtstag (Studien zur Backsteinarchitektur 10), Berlin 2011, S. 149–164.
Der Abendmahlskelch der St. Marienkirche zu Bergen auf Rügen – echt romanisch?, in: Kunstchronik Jg. 63 Nr. 6 (2010), S. 253–256.
Werk und Prozess. Die bildkünstlerische Ausstattung der Stralsunder Kirchen im
späten Mittelalter – eine Werkgeschichte, Berlin 2008.
46
Der Wert der Dinge.
Materielle Kultur im höfischen Kontext
des späten Mittelalters und der frühen Neuzeit
Leitung: Elisabeth Oy-Marra, Mainz / Juliane von Fircks, Mainz
Sektionsvorträge
Mittwoch, 25. März 2015, 09.00–15.45 Uhr, Philosophicum, Hörsaal P 5
09.00–09.30 Uhr
Einführung durch die Sektionsleitung
09.30–10.00 Uhr
Carolin Behrmann, Florenz
Objekte als Aktanten des Urteilens
10.00–10.15 Uhr
Diskussion
10.15–10.45 Uhr
Anna Jolly, Riggisberg
Weiße Pracht – Leinendamaste als Bildträger fürstlicher und
bürgerlicher Repräsentation
10.45–11.00 Uhr
Diskussion
11.00–11.45 Uhr
Pause
11.45–12.15 Uhr
Marthe Kretzschmar, Stuttgart
Hybride Objekte. Die rustiques figulines von Bernard Palissy
12.15–12.30 Uhr
Diskussion
12.30–14.00 Uhr
Pause
47
Der Wert der Dinge
14.00–14.30 Uhr
Jasmin Mersmann, Berlin
Wildwuchs. Jagdtrophäen in Schloss Moritzburg
14.30–14.45 Uhr
Diskussion
14.45–15.15 Uhr
Florian Knothe, Hong Kong
Die »Tenture Chinois« und der Einfluss europäischer Tapisserie
und Hofkultur in Kaiser Qianlongs Palast in Peking im 18. Jahrhundert
15.15–15.45 Uhr
Diskussion
Inhalt der Sektion
Seit geraumer Zeit stehen die Dinge erneut im Zentrum des Interesses
der Forschung. Dies ist insbesondere der theoretischen Fokussierung
auf die materielle Umwelt zu verdanken, wie sie Jean Baudrillard, Roland
Barthes, Bruno Latour und andere angestoßen haben. Die »Wiederkehr
der Dinge« begründet sich dabei vor allem durch ihre Neubewertung als
aktive Teilnehmer im Prozess der Identitätsbildung und der Kommunikation.
In einer auf die Künstler und Ideen ausgerichteten Kunstgeschichte hat
die Diskussion um kostbare Dinge, die in erster Linie für den Gebrauch
bestimmt waren, erst spät Einzug gehalten. Solche Artefakte, deren Wert
aus der Seltenheit des Materials sowie der sorgfältigen Ausführung auf
hohem handwerklichem Niveau resultiert, galten nicht als Kunstwerke im
eigentlichen Sinne, sondern wurden dem Kunsthandwerk zugerechnet.
Damit aber wurde ihre ästhetische Bedeutung und Aussagekraft gegenüber den Werken der Architektur, Skulptur und Malerei in ungerechtfertigter Weise marginalisiert. Erst der neuerliche Materialitätsdiskurs rückte
kostbare Objekte zuletzt wieder in den Fokus des Interesses.
Die Vorträge dieser Sektion stellen verschiedene Artefakte aus Spätmittelalter und Früher Neuzeit in den Mittelpunkt, die ihre Bedeutung nur
zum Teil aus ihrer ästhetischen Einzigartigkeit beziehen. Sie waren ein
immanenter Bestandteil fest etablierter gesellschaftlicher Praktiken an
den Höfen und in der Stadt, der Rechtsprechung etwa oder des Tafelze48
Der Wert der Dinge
remoniells, und ihre Gestalt und Funktion war eng an bestimmte Handlungszusammenhänge geknüpft. Über Material und Form entfalteten die
Dinge zugleich einen symbolischen Mehrwert, der auf bereits vergangene und zukünftig noch erfolgende Handlungen gleichen Ablaufs verwies.
Indem die dauerhafte Gültigkeit von institutionalisierten Praktiken mittels
der Dinge zur Anschauung gebracht wurde, gewannen sie Anteil an der
Stabilisierung des Zeitbewusstseins der Gesellschaft.
Das verwendete Material einerseits und die für die Herstellung aufgewendete, spezialisierte Arbeit andererseits rücken die Artefakte in ein
Spannungsfeld zwischen Natur und Kunst. Durch die Integration von seltenen Fundstücken aus der Natur – kostbare Steine, Geweihe, Abdrücke
von Pflanzen – in den Fertigungsprozess verkörpern einige der Objekte
ein Gegenkonzept zu den in Mittelalter und früher Neuzeit herrschenden
Normen der Kunstproduktion.
Elisabeth Oy-Marra, Mainz / Juliane von Fircks, Mainz
Kurzbiographie Elisabeth Oy-Marra
1978–1985
1990
1991–1996
1996–2004
2003
seit 2004
2008–2011
2011
Studium der Kunstgeschichte, Klassischen Archäologie und
Philosophie in Frankfurt a. M.
Promotion an der Goethe-Universität in Frankfurt a. M. (»Florentiner Ehrengrabmäler der Frührennaissance«, publ. Berlin
1994)
Wiss. Assistentin am Kunsthistorischen Institut in Florenz –
MPI
Wiss. Assistentin, Neuere und Neueste Kunstgeschichte an
der Otto-Friedrich-Universität Bamberg
Habilitation (in Geschichts- und Geowissenschaften) ebd.
(»Profane Repräsentationskunst in Rom von Clemens VIII. Aldobrandini (1592–1605) bis Alexander VII. Chigi (1655–1667).
Studien zu Funktion und Semantik römischer Deckenfresken
im höfischen Kontext«, publ. Berlin 2005)
Professorin für Kunstgeschichte in Mainz
Dekanin des Fachbereichs für Kultur- und Geisteswissenschaften
Ailsa and Bruce Mellon Visiting Senior Fellow am Center of
Advanced Studies in the Visual Arts (CASVA)
Forschungsschwerpunkte
Malerei und Skulptur der Frühen Neuzeit, insbesondere Italiens; Künstlerbiografik; symbolische Kommunikation; Kunsttransfer Rom – Paris; Kunst und Wissensgeschichte.
49
Der Wert der Dinge
Publikationsauswahl
(mit Marieke von Bernstorff und Henry Keazor) Begrifflichkeit, Konzepte, Definitionen: Schreiben über Kunst und ihre Medien in Giovan Pietro Belloris Viten
und in der Kunstliteratur der Frühen Neuzeit (culturæ 8), Wiesbaden 2014.
Maskierung einer Malerin. Die Selbstporträts der Artemisia Gentileschi, in:
Christiane Kruse (Hg.): Maske, Maskerade und die Kunst der Verstellung vom
Barock bis zur Moderne (Wolffenbütteler Arbeitskreis für Barockforschung 52),
Wiesbaden 2014, S. 151–172.
Spiegelbilder/Liebesblicke: Annibale Carraccis Rinaldo und Armida und seine
Schlafende Venus als Gegenbilder?, in: Jörn Steigerwald und Valeska von
Rosen (Hgg.): Amor sacro e profano. Modelle und Modellierungen der Liebe
in Literatur und Malerei der italienischen Renaissance (culturæ7), Wiesbaden
2013, S. 305–332.
(Hg. mit Volker Remmert) Le monde est une peinture. Jesuitische Identität und
die Rolle der Bilder (Beiträge zu den Historischen Kulturwissenschaften 7),
Berlin 2011, darin auch: Die Natur als Künstlerin. Giovanni Battista Ferraris
Be­schreibungen technischer Verfahren zur Herstellung von Blumenbildern, S.
203–229.
Blumenstillleben zwischen Naturabbild, Metamalerei und antialbertianischem
Bildkonzept: Von der Madonna in der Blumengirlande Brueghels d. Ä. zu den
Kartuschenstillleben von Daniel Seghers und Umkreis, in: Bettina Gockel
(Hg., unter Mitarbeit von Julia Häcki und Miriam Vollmert): Vom Objekt zum
Bild. Piktorale Prozesse in Kunst und Wissenschaft, 1600–2000, Berlin 2011,
S. 65–92.
Kurzbiographie Juliane von Fircks
2000–2003
2005
2004–2006 2006–2012 2012
2013–2015
Studium der Kunstgeschichte, Philosophie und Psychologie in
Greifswald, Berlin und Poitiers
Volontariat im Museum Wiesbaden
Promotion an der Freien Universität Berlin (»Skulptur im südlichen Ostseeraum. Stile, Werkstätten und Auftraggeber im 13.
Jahrhundert«)
Wiss. Mitarbeiterin am Caspar-David-Friedrich-Institut der
Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald
Wiss. Assistentin am Institut für Kunstgeschichte der Johannes Gutenberg-Universität Mainz
Visiting Scholar an der EHESS in Paris
Eigene Stelle im DFG-Projekt »Luxusgewebe des Orients im
spätmittelalterlichen Europa«
Publikationsauswahl
Liturgische Gewänder des Mittelalters aus St. Nikolai in Stralsund, Riggisberg
2008.
Skulptur im südlichen Ostseeraum. Stile, Werkstätten und Auftraggeber im 13.
50
Der Wert der Dinge
Jahrhundert, Petersberg 2012 (zugl. Diss. Berlin 2005).
Zwischen Nürnberg und Antwerpen. Zur wechselseitigen Wahrnehmung
deutscher und niederländischer Künstler in der Dürerzeit, in: Till Holger
Borchert und Antje Fee Köllermann (Hgg.): Van Eyck to Dürer, Ausst.-Kat.,
Brügge 2010, S. 205–219.
Panni Tartarici: Splendid Cloths from the Mongol Empire in European Contexts,
in: Orientations. The magazine for collectors and connoisseurs of Asian art
(Hong Kong) Jg. 47 Nr. 7 (2014), S. 28–37.
Seidenstraßen. Gewebte Luxusstoffe zwischen Asien und Europa (1300–1630),
in: Ulrich Pfisterer und Matteo Burioni (Hgg.): Kunstgeschichte global (1300–
1650), im Druck.
Vorträge
09.30–10.00 Uhr
Carolin Behrmann, Florenz
Objekte als Aktanten des Urteilens
Der Vortrag möchte einen Beitrag zum Verständnis des ästhetischen
und handlungsrelevanten Wertes von Objekten leisten, die mit dem juristischen Urteilen in Verbindung zu bringen sind. Kaum eine andere Metapher des Rechts hat in Bild, Objekt und Diskurs wohl eine zentralere Stellung eingenommen als die Geste des Schwures oder der richterlichen
Hand, die für den Akt der Rechtsprechung von fundamentaler Bedeutung
ist. In Herrschaftszeichen wie Regalien und Insignien findet nicht nur ein
hoher ideeller und funktioneller Wert über die Kostbarkeit der Materialien
seinen Ausdruck, sondern es materialisiert sich auch die ephemere Geste, in der sich die definitive Bedeutung des Urteils und des Eides für den
Prozessverlauf manifestiert.
Diesen Objekten kommt nicht nur im zeremoniellen Raum der höfischen Gesellschaft, sondern auch in Einrichtungen und öffentlichen
Stätten des Wirtschaftslebens und des Handels, eine Funktion zu, die
im Sinne Bruno Latours als die Rolle von »Aktanten« beschrieben werden können. Eingebunden in prozessuale Abläufe, stellen sie Einheiten
dar, die über die Verbindung mit dem juridischen Gesamtgeschehen eine
aktive Bedeutung entwickeln. Von einfachen Schwurhänden als Marktzeichen für Recht, Frieden und Freiheit des Wirtschaftslebens bis hin
zur main de justice, die als Gerichtsstab und »marque de puissance«
die juristische Autorität der französischen Könige nicht nur symbolisiert
sondern im Zeremoniell aktiv herstellt, lässt sich ein breites Bedeutungsspektrum auffächern, das die Hände und Gesten des Rechts und des
51
Der Wert der Dinge
Richters als Manifestation der juristischen Handlung und des Urteils begreifbar macht. In Auseinandersetzung mit Latours Theorie des Aktanten
und Akteurs, aber auch rechtsphänomenologischen Ansätzen wie die
Alexandre Kojèves, soll der Zusammenhang von rechtslegitimierenden
Objekten und ihrer Handlungsrelevanz diskutiert werden. Kojève zufolge
offenbart sich die Essenz des Rechts in dem Phänomen des »Recht Habens«, in das zwei unterschiedliche Akteure involviert sind und in der ein
unparteiischer dritter eingeschaltet wird, der zunächst keine der beiden
Positionen favorisiert. In dieser Intervention des Dritten liegt für ihn das
konstitutive Element des Rechts, da sonst keine Entscheidung über das
Recht des einen oder anderen gefällt werden könnte. Inwieweit Objekte
für die Einflussnahme des richtenden Dritten eine Bedeutung besitzen,
die sich auch über ihren materiellen und künstlerischen Wert erklären
lassen, soll im Fokus der Überlegungen stehen.
Kurzbiographie Carolin Behrmann
2001–2005
seit 2003
2005–2013
2008–2009
2011
2011
2012–2014
seit 2014
Studium der Kunstgeschichte, Philosophie, Europäischen Ethnologie in Tübingen, Bologna und Berlin
Wiss. Mitarbeit im DFG-Forschungsprojekt »REQUIEM. Die
römischen Papst- und Kardinalsgrabmäler der Frühen Neuzeit«
Redakteurin der internationalen Mailingliste H-ArtHist
Wiss. Mitarbeiterin am Institut für Kunst- und Bildgeschichte
an der Humboldt-Universität zu Berlin
Pre-Doctoral-Fellow am Getty Research Institute, Los Angeles
Promotion an der HU Berlin (»Tyrann und Märtyrer. Zur Bildmacht des Juridischen in der Frühen Neuzeit«)
Postdoc-Stipendiatin am Kunsthistorischen Institut in Florenz –
MPI
Wiss. Assistentin ebd., Direktion Nova; Forschungsprojekt
»Bilder, Zeichen, Objekte des Rechts«
Leiterin der Minerva-Forschungsgruppe »Nomos der Bilder.
Manifestation und Ikonologie des Rechts« ebd.
Forschungsschwerpunkte
Politische Ikonologie; Recht- und Bildtheorien der Frühen Neuzeit; Netzwerke
und Bildverständnis der Jesuiten (16./17. Jh.); Ethnographie und Bildgeschichte;
ästhetische Strategien des sozialen Aufstiegs; Sepulkralkunst.
Publikationsauswahl
Tyrann und Märtyrer. Bild und Ideengeschichte des Rechts um 1600, Berlin
2015.
(Hg. mit Elisabeth Priedl) Autopsia: Blut- und Augenzeugen. Extreme Bilder des
52
Der Wert der Dinge
christlichen Martyriums, München 2014.
On »actio«: the silence of law and the eloquence of images, in: Zeitschrift für
Kunstgeschichte Jg. 76 Nr. 1 (2013), S. 51–70.
The authority of juridical objects, in: G. Ulrich Großmann und Petra Krutisch
(Hgg.): The Challenge of the Object / Die Herausforderung des Objekts, 33.
Internationaler Kunsthistoriker-Kongress, Congress Proceedings, Nürnberg
2013, S. 37–41.
»Le monde est une peinture«. Zu Louis Richeômes Bildtheorie im Kontext globaler Mission, in: Elisabeth Oy-Marra und Volker Remmert (Hgg.): Le monde
est une peinture. Jesuitische Identität und die Rolle der Bilder (Beiträge zu
den Historischen Kulturwissenschaften 7), Berlin 2011, S. 15–43.
10.15–10.45 Uhr
Anna Jolly, Riggisberg
Weiße Pracht – Leinendamaste als Bildträger fürstlicher und bürgerlicher Repräsentation
Gemusterte Tischwäsche aus weißem Leinen gehört seit dem späten
Mittelalter zur Ausstattung der fürstlichen Tafel. Im 16. Jahrhundert ermöglichte die Einführung des Zugwebstuhls erstmals auch die Verwirklichung bildhafter Muster in Leinendamast. Herrscherportraits, fürstliche
Wappen, biblische Motive und legendäre Kriegsschauplätze wurden
in Form von Tischtüchern, Servietten und Handtüchern gewebt. In der
frühen Neuzeit entstanden bildlich gemusterte Leinendamaste fast ausschließlich in den südlichen und nördlichen Niederlanden. Ihre Verwendung erstreckte sich jedoch über ganz Europa. Anfangs wurden sie in
erster Linie an fürstlichen Tafeln verwendet. Durch Handel, Erbschaften
und als Geschenke fanden sie jedoch bald Verbreitung bis in wohlhabende bürgerliche Kreise. Die in einzelnen Fällen dokumentierten sehr
hohen Preise der für individuelle Auftraggeber durch eingewebte Wappen
personalisierten Leinendamaste spiegeln die damalige Bedeutung dieser
Luxusgüter. In adeligen und bürgerlichen Häusern wurde gemusterte Tafelwäsche über Generationen hinweg bewahrt und gepflegt. Wie kostbar
die Leinendamaste waren, geht auch aus ihrer mitunter lückenlos belegten Provenienz seit ihrer Entstehungszeit hervor.
Der Vortrag zeigt anhand einer Reihe ausgewählter Beispiele die
komplexen Bildmuster erhaltener und dokumentarisch belegter Leinendamaste des 16. und 17. Jahrhunderts auf und führt ihre Funktion als
Kunstobjekte der Tafelkultur und bildliche Bedeutungsträger vor Augen.
Leinendamaste wurden in der Forschung zur Geschichte der textilen
53
Der Wert der Dinge
Künste bisher nur von wenigen Spezialisten berücksichtigt. Ziel des Vortrags ist es, diese in der Tafelkultur der frühen Neuzeit wertgeschätzten
Kunstwerke in den breiteren kunsthistorischen Diskurs einzuführen.
Kurzbiographie Anna Jolly
1986–1990
1993
1994–1995
1996–1997
1998
1999–2000
seit 2001
Studium der Kunstgeschichte, Anthropologie und Soziologie in
Cambridge, England
Promotion an der University of Cambridge (»Madonnas by
Donatello and his circle«)
Internships im J. Paul Getty Museum und im Detroit Institute of
Arts, USA
Wiss. Volontariat an den Staatlichen Museen in München
Forschungsprojekt zu niederländischen Bildhauern des 16.
Jahrhunderts am Rijksmuseum, Amsterdam
Wiss. Mitarbeiterin an der Abegg-Stiftung, Riggisberg, Schweiz
Konservatorin für Textilien des 16.–18. Jahrhunderts, Gemälde
und Graphik, Keramik und Glas ebd.
Forschungsschwerpunkte
Textilien; angewandte Kunst und Gemälde des 16.–18. Jh.s; Sammlungsgeschichte.
Publikationsauswahl
Netherlandish sculptors in sixteenth-century northern Germany and their patrons, in: Simiolus. Netherlandish quarterly for the history of art Jg. 27 H. 3
(1999), S. 119–143.
Seidengewebe des 18. Jahrhunderts II. Naturalismus, Sammlungskatalog (Die
Textilsammlung der Abegg-Stiftung 3), Riggisberg 2002.
Fürstliche Interieurs. Dekorationstextilien des 18. Jahrhunderts (Riggisberger
Berichte 12), Riggisberg 2005.
(Hg.) Furnishing textiles. Studies on seventeenth- and eighteenth-century interior decoration, Tagungsband (Riggisberger Berichte 17), Riggisberg 2009.
Eine Höllenlandschaft von Jan Brueghel d. Ä. (Monographien der Abegg-Stiftung 14), Riggisberg 2011.
11.45–12.15 Uhr
Marthe Kretzschmar, Stuttgart
Hybride Objekte. Die rustiques figulines von Bernard Palissy
Bernard Palissy, der seit 1562 »inventeur des rustiques figulines du
roi« genannt wurde, entwickelte seine keramischen Arbeiten aus einer
54
Der Wert der Dinge
experimentellen Praxis heraus. Die mühevolle Suche nach den richtigen Glasur- und Brenntechniken schildert Palissy sehr eindrucksvoll in
den Discours admirables. Als Konkretion der praktischen Erfahrung und
theoretischen Reflexion, sind die Keramiken hybride Objekte zwischen
Kunst und Wissenschaft. Palissys Betonung des Werkprozesses in seiner Selbstbeschreibung thematisiert das Wissen um fundamentale, generative und transformative Naturprozesse und Qualitäten, welches sich
sowohl in seinen Texten vermittelt als auch in den Objekten zeigt. Das
Tafelgeschirr ist mit lebensnah gestalteten Naturabgüssen von Pflanzen,
Insekten, Schalentieren oder Schlangen überbordend verziert, wodurch
eine Opposition zum antiken Stil und eine spezifische Einstellung zur
Natur zum Ausdruck kommen. Eine Besonderheit der rustiques figulines
ist, dass die visuelle Repräsentation nicht vom materiellen Aspekt gelöst
werden kann, ohne das semantische Feld des Objekts zu verkleinern.
Die dreifache Thematisierung der Elemente Erde und Wasser ist hier im
Fokus. Zum einen bearbeitet Palissy beides konkret und materiell im Verlauf des handwerklichen Herstellungsprozesses. Zum anderen setzt er
sich auch theoretisch damit in seinen Schriften auseinander. Und schließlich werden Erde und Wasser in den Keramiken im Bildmotiv einer Biosphäre repräsentiert. So zeigt sich einerseits das visuell höchst reizvolle
Wechselspiel zwischen Kunst und Natur und andererseits das Wissen
um künstlerische Herstellungs- und natürliche Transformationsprozesse.
Es stellt sich daher die Frage, ob Palissys Keramiken als Objekte in den
höfischen Sammlungen mit ihrem ›Kunstwert‹ auch einen ›Wissenswert‹
sublimierten oder chiffrierten.
Kurzbiographie Marthe Kretzschmar
1999–2007
2008–2011
2011–2012
2012
2012–2014
seit 2014
Studium der Kunstgeschichte und Politikwissenschaften in
Stuttgart
Wiss. Mitarbeiterin am Institut für Kunstgeschichte der Universität Stuttgart
Stipendium der Landesgraduiertenförderung Baden-Württemberg
Promotion an der Universität Stuttgart (»Herrscherbilder aus
Wachs«)
Postdoktorandin im DFG-Graduiertenkolleg »Kunst und Technik« an der Technischen Universität Hamburg-Harburg
Wiss. Mitarbeiterin am Institut für Kunstgeschichte der Universität Stuttgart
55
Der Wert der Dinge
Forschungsschwerpunkte
Materialität im Verhältnis von Theorie und Praxis; Bildmagie; Porträt, Keroplastik, politische Repräsentation.
Publikationsauswahl
Herrscherbilder aus Wachs. Lebensgroße Porträts politischer Machthaber in der
Frühen Neuzeit, Berlin 2014.
Ähnlichkeit und Material. Überlegungen zum Bildzauber lebensgroßer Wachsporträts in der Frühen Neuzeit, in: Zeitschrift für Kunstgeschichte Jg. 77 Nr. 4
(2014), S. 565–575.
14.00–14.30 Uhr
Jasmin Mersmann, Berlin
Wildwuchs. Jagdtrophäen in Schloss Moritzburg
Jagdtrophäen besitzen einen hybriden Status zwischen Natur und
Kunst, Lebendem und Totem. Mit ihrer Abtrennung und Präparation werden Körperteile zu Dingen, die weiterverarbeitet, vorgeführt, gesammelt
oder verschenkt werden können. Ihr jeweiliger Wert bemisst sich meist
weniger nach ihrem Material als nach der Seltenheit des Tiers, der Prominenz des Schützen, der Anzahl der Enden oder der Bedeutung des
Kunstwerks, in das sie integriert werden. Geweihe und Hörner sind dabei
nicht allein passive Beutestücke, die von Jagdgeschick und Herrschaftsanspruch ihrer Besitzer zeugen, sondern bewahren auch etwas von der
Lebenskraft des erlegten Tieres. Indem sie unterschiedliche Relationen
mit anderen Artefakten, Materialien und Betrachter/-innen eingehen, entwickeln sie ein eigenwilliges Nachleben.
Im Zentrum des Vortrags stehen die Jagdtrophäen in Schloss Moritzburg bei Dresden, das in den Jahren 1723 bis 1730 im Auftrag Friedrich
Augusts I. umgestaltet wurde. Besonders eindrücklich ist die Verschränkung von menschlichen und tierischen Akteuren im sog. »Monströsensaal«, der seinen Namen 47 abnormen Rothirschgeweihen verdankt, die
auf vergoldete Holzköpfe montiert wurden. In der Zusammenschau mit
den figurativen Ledertapeten, die Szenen aus dem Leben der Jagdgöttin
Diana zeigen, ergeben sich komplexe Relationen zwischen den weiblichen Idealkörpern und den abnormen Geweihen, die schon in den Kunstund Wunderkammern eine Aufwertung erfahren hatten.
Das Prunkstück des Saals bildet ein 1696 von Friedrich Wilhelm I.
erlegter »66-Ender«, dessen postume Karriere in Form von Abgüssen,
56
Der Wert der Dinge
Gemälden, Druckgraphiken und Gefäßen im Vortrag exemplarisch untersucht wird. Gerade der unregelmäßige Wuchs individualisiert das Wild,
dessen Geweih als pars pro toto auch noch lange nach dem Verzehr
für ein singuläres Tier einstehen kann, das von einem singulären Schützen erlegt wurde und in Dresden von der Macht und dem exquisiten Geschmack seines neuen Besitzers kündet.
Kurzbiographie Jasmin Mersmann
1998–2006
2012
seit 2006
Studium der Kunstgeschichte, Philosophie und Geschichte in
Freiburg i. Br., Paris und Berlin (Magisterarbeit über barocke
Anamorphosen)
Promotion an der Humboldt-Universität zu Berlin (»Ludovico
Cigoli. Formen der Wahrheit um 1600«)
Wiss. Mitarbeiterin ebd. am Institut für Kulturwissenschaft,
Lehrstuhl Kulturgeschichte
Habilitationsprojekt: »Ars deformandi: Techniken der Verfor­
mung in der Frühen Neuzeit«
Forschungsschwerpunkte
Kunst- und Kulturgeschichte des 16. und 17. Jh.s; Techniken der Deformation in
Kunst und Natur; Diabolische Künste/Die Figur des Teufelsbündlers in der Frühen Neuzeit.
Publikationsauswahl
Heilige/Landschaft. Anamorphosen in der Trinità dei Monti, in: Werner Oechslin
(Hg.): Heilige Landschaft – heilige Berge, Zürich 2014, S. 28–43.
Schieflagen: Die Architectura obliqua des Juan Caramuel y Lobkowitz, in: David
Ganz und Stefan Neuner (Hgg.): Mobile Eyes. Peripatetisches Sehen in den
Bildkulturen der Vormoderne, München 2013, S. 321–353.
Kleiderwechsel. Rites de Passage bei Ludovico Cigoli, in: David Ganz und
Marius Rimmele (Hgg.): Kleider machen Bilder. Vormoderne Strategien vestimentärer Bildsprache, Emsdetten/Berlin 2012, S. 269–287.
In una occhiata. Das Ideal des Einen Blicks vom Einen Punkt, in: Matthias Bleyl
und Pascal Dubourg Glatigny (Hgg.): Quadratura. Geschichte – Theorie –
Technik, München 2011, S. 223–236.
Astronom, Märtyrer und Esel: Zeugen des Unsichtbaren um 1600, in: Sibylle
Schmidt, Sybille Krämer und Ramon Voges (Hgg.): Politik der Zeugenschaft.
Zur Kritik einer Wissenspraxis, Bielefeld 2010, S. 183–204.
57
Der Wert der Dinge
14.45–15.15 Uhr
Florian Knothe, Hong Kong
Die »Tenture Chinois« und der Einfluss europäischer Tapisserie
und Hofkultur in Kaiser Qianlongs Palast in Peking im 18. Jahrhundert
Der Beitrag befasst sich mit den visuellen Gemeinsamkeiten und Unterschieden bei gewirkten Bildern und dem internationalen Austausch und
Einflüssen beim Wirken von Tapisserien in Westeuropa und Ostasien.
China blickt auf eine lange Geschichte der Stickkunst zurück, hat aber relativ selten gewirkte Kesi hevorgebracht. Während der Qing-Periode wurden im Osten europäische Tapisserien bekannt und geschätzt, und diese
›exotischen‹ Textilen, sowie der Einfluss von Jesuiten, die als Maler tätig
waren, haben die im Westen so sehr bekannte höfische Kunst in China
eingeführt und technische und ikonographische Spuren hinterlassen, die
zu einer hybriden Form der chinesischen Tapisserie geführt haben.
Kurzbiographie Florian Knothe
1998–2002
2011
2005–2008
2009–2012
seit 2013
Studium der Möbelkonservierung (BA Hons) und Kunstgeschichte (MA), Buckinghamshire New University und Courtauld Institute of Art, London (Masterarbeit: »The Labours and
Pleasures of Distinction: The mechanical arts, the interior and
court society in eighteenth-century France«)
Promotion an der Johannes Gutenberg Universität Mainz
(»The Manufacture des meubles de la couronne aux Gobelins
under Louis XIV: a Social, Political and Cultural History«)
Research Fellow erst, dann Research Associate in der Abteilung für europäische Skulptur und Kunsthandwerk am Metropolitan Museum of Art, New York
Kurator der europäischen und ostasiatischen Sammlung am
Corning Museum of Glass, Corning (USA)
Museumsdirektor der University Museum and Art Gallery der
University of Hong Kong
Forschungsschwerpunkte
Königliche Hofmanufakturen und die Produktion von Kunst als Propaganda;
zwischenkultureller Austausch in Westeuropa und Ostasien während der Frühmoderne.
Publikationsauswahl
The Manufacture des meubles de la couronne aux Gobelins under Louis XIV: a
Social, Political and Cultural History, Turnhout 2015.
58
Der Wert der Dinge
Beyond the Jesuit Religious Mission: Artistic and Technical Influences at
Kangxi’s Court, in: Rencontres et médiations culturelles entre la Chine,
l’Occident et le monde autochtone: missionnaires, chamanes et intermédiaires religieux, Quebec 2015.
Surviving Evil: The Pictorial Language of Sara Atzmon, University Museum and
Art Gallery, Hong Kong 2014.
Embroidered Identities: Ornately decorated Textiles and Accessories of Chinese
Ethnic Minorities, University Museum and Art Gallery, Hong Kong 2013.
Tapestry as a Medium of Propaganda at the Court of Louis XIV: Display and
Audience, in: Thomas P. Campbell (Hg.): Tapestry in the Baroque: Threads of
Splendor, New Haven 2010, S. 342–359.
59
REIMER
Wissenschaft seit 1845
Archäologie
Ethnologie Volkskunde
Kunstgeschichte
Architekturführer Architektur
Design Kulturwissenschaften
Sozialwissenschaften
Einführungsbände
Fotografie
Melden Sie sich bis zum 5. April für unseren Newsletter an und gewinnen Sie
einen Buchgutschein im Wert von 70,– Euro.
Besuchen Sie uns auch gerne an unserem Bücherstand.
Wir freuen uns auf Sie!
www.reimer-mann-verlag.de · www.facebook.com/reimerverlag
www.reimer-mann-verlag.de
Adrian von Buttlar, Kerstin Wittmann-Englert und
Gabi Dolff-Bonekämper (Hg.)
Baukunst der Nachkriegsmoderne
Architekturführer Berlin 1949–1979
»Die Nachkriegsmoderne gegliedert nach Bauaufgaben
in ihrer facettenreichen Breite und mit ausgezeichneten Farbfotografien.« NZZ
502 Seiten · ISBN 978-3-496-01486-7 · Br € 29,90 (D)
Natalie Heger
Das Olympische Dorf München
Planungsexperiment und Musterstadt
der Moderne
Der Bau des Olympischen Dorfes zu den Spielen 1972
in München stellte Stadtplaner und Architekten vor
eine einmalige Herausforderung. Natalie Heger beschreibt die Hintergründe des Planungsprozesses und
erläutert die Besonderheiten des Wohnstadtkonzepts.
272 Seiten · ISBN 978-3-496-01483-6 · Br € 39,– (D)
Anna Minta
Staatsbauten und Sakralarchitektur
in Washington/DC
Stilkonzepte patriotischer Baukunst
Staatliche und sakrale Bauten in Washington/DC
spielten eine wichtige Rolle bei der patriotischen
Identitätsstiftung der USA. Anna Minta untersucht
die nationale Selbstinszenierung der USA anhand der
Hauptstadtarchitektur von der Staatsgründung 1776
bis in die Moderne der 1930er Jahre.
488 Seiten · ISBN 978-3-496-01531-4 · Gb ca. € 59,– (D)
REIMER
REIMER
www.reimer-mann-verlag.de
Katharina Hoins
Zeitungen – Medien als Material
der Kunst
Zeitungen dienten zahlreichen Künstlerinnen und
Künstlern – von Hannah Höch bis Joseph Beuys –
als Material ihrer Werke. Katharina Hoins zeigt, wie
Inhalt, Form und Material der Zeitungen in Collagen, Assemblagen und Aktionen eingesetzt wurden.
ca. 280 Seiten · 978-3-496-01485-0 · Br ca. € 49,– (D)
Christian Berger
Wiederholung und Experiment
bei Edgar Degas
Wiederkehrende Themen und Motive, wie der Tanz
und die Frau im Bade, kennzeichnen das Werk von
Edgar Degas. Christian Berger erläutert, wie Degas
ungewöhnliche Techniken erprobt und eine der modernen Welt entsprechende Bildsprache formuliert.
215 Seiten · ISBN 978-3-496-01498-0 · Br € 39,– (D)
Nina Klöpper
Fotografische Objekte
in Schwarzweiß
Neusachliche Bildtraditionen 1920 bis heute
Anhand ausgewählter Fotografien von Karl Blossfeldt, Alfred Ehrhardt, Bernd und Hilla Becher,
Hiroshi Sugimoto und Claudia Fährenkemper untersucht Nina Klöpper die spezifische Ästhetik der neusachlichen Bildsprache.
296 Seiten · ISBN 978-3-496-01491-1 · Br € 49,– (D)
www.reimer-mann-verlag.de
David Ganz
Buch-Gewänder –
Prachteinbände im Mittelalter
Künstlerisch gestaltete Hüllen aus kostbaren Materialien verwandeln die Bücher des christlichen Kults
in skulpturale Objekte. David Ganz zeigt die medialen Qualitäten der Prachteinbände.
368 Seiten · ISBN 978-3-496-01496-6 · Gb ca. € 79,– (D)
Christine Jakobi-Mirwald
Buchmalerei
Terminologie in der Kunstgeschichte
»Ein höchst nützliches Hilfsmittel wird hier allen an
die Hand gegeben, die in der umfangreichen Nomenklatur der Buchmalerei unsicher sind. Ein Nachschlagewerk, wie man es sich auch für andere Bereiche wünschen würde!«
Deutsches Archiv für Erforschung des Mittelalters
314 Seiten · ISBN 978-3-496-01499-7 · Br € 24,95 (D)
Marthe Kretzschmar
Herrscherbilder aus Wachs
Lebensgroße Porträts politischer Machthaber
in der Frühen Neuzeit
»Die Autorin eröffnet durch klug gewählte Zitate
und zielgerichtete Diskussion aktueller Forschungen
neue Sichtweisen, die zukünftig auf die Behandlung
des lebensgroßen Porträts aus Wachs, aber auch auf
die Bewertung anderer Porträtgattungen Einfluss
haben sollten.« Anna Pawlik in: sehepunkte
299 Seiten · 978-3-496-01494-2 · Br € 49,– (D)
REIMER
Der Wert des Kontextes.
Der Einfluss des räumlichen Umfeldes auf die
Wertschätzung von Kunst:
Museum contra Schloss contra Kirche?
Leitung: Samuel Wittwer, Potsdam / Bénédicte Savoy, Berlin
Sektionsvorträge
Mittwoch, 25. März 2015, 09.00–15.45 Uhr, Philosophicum, Hörsaal P 10
09.00–09.30 Uhr
Einführung durch die Sektionsleitung
09.30–10.00 Uhr
Sabine Jagodzinski, Warschau/Berlin
Väterliche Trophäe und nationales Symbol – Die Präsentation von
Sobiesciana vom 17. bis ins 19. Jahrhundert
10.00–10.15 Uhr
Diskussion
10.15–10.45 Uhr
Tabea Schindler, Bern
Der Kontext des Kontextes: Gesamtkunstwerk Thorvaldsen Museum
10.45–11.00 Uhr
Diskussion
11.00–11.45 Uhr
Pause
11.45–12.15 Uhr
Nikolaus Bernau, Berlin
Der Sonder- und Normalfall Merseburger Kabinett: Ein Period
Room im Kunstmuseum als Dokument wechselnder kultureller und
politischer Vorgaben
12.15–12.30 Uhr
64
Der Wert des Kontextes
Diskussion
12.30–14.00 Uhr
Pause
14.00–14.30 Uhr
Ulrike Sbresny, Braunschweig
Endstation Museum? Die Bedeutung des Kontextes für den Erhalt
von Adelssammlungen
14.30–14.45 Uhr
Diskussion
14.45–15.15 Uhr
Irene Schütze, Mainz
Koons, Murakami und Vasconcelos in Versailles. Wertezuschreibung und Wertewandel durch Kontextualisierung
15.15–15.45 Uhr
Diskussion
Inhalt der Sektion
Die Rahmenbedingungen bei der Betrachtung eines Kunstwerks wirken sich auf dessen Wertschätzung aus – so die These dieser Sektion.
Die Choreographie der physischen Annäherung des Betrachters, die Gestaltung des Standorts, die Einbettung in übergreifende (Bild-)Programme unterstehen überwiegend nicht mehr dem Künstler, sondern sind
Leistungen derjenigen, die Kunst platzieren. Die räumliche Inszenierung
und inhaltliche Kontextualisierung von Kunst sind deshalb ein wesentlicher Maßstab der (gesellschaftlichen) Wertschätzung einzelner Werke.
Durch gezielte Veränderungen können Werke manipuliert, politisch instrumentalisiert werden (Jagodzinski) oder ganze Œuvres mutieren durch
räumliche Konzentration zu einem nationalen Identifikationsmoment
(Schindler).
Besonders prägnant ist der Zusammenhang von Werk und seinem Kontext im Schlossraum, wo über Einzelwerke hinaus Dekorationen ebenso
wie (ursprünglich) funktionale Abläufe eine hohe Bedeutung erzielen können und Aufmerksamkeit erfordern. Anders scheint die Gewichtung bei
den Museen zu liegen, die die Wertschätzung eines Werks vornehmlich
65
Der Wert des Kontextes
durch seine Position im Sammlungsganzen ausdrücken und die Konzentration auf das Einzelwerk fördern. Was geschieht aber mit der Wertschätzung ganzer Räume, die vom Schloss ins Museum wechseln (Bernau)?
Kurz nach dem Ende der Monarchie 1918 und der Verstaatlichung
von Schlössern eskalierte vielerorts ein Streit um den besseren Standort
von Meisterwerken: Mehrwert durch den tradierten historisch-räumlichen
Kontext oder durch die konzentrierte Einbettung in das museal definierte
Umfeld? Standen sich damals zwei staatliche Lager gegenüber, so liegt
das Konfliktpotenzial heute oft zwischen der allgemeinen, gesellschaftlichen Anerkennung der Bedeutung des Kontexts von Kunstwerken und
den privaten Interessen von Eigentümern (Sbresny).
Während sich hinter solchen Disputen letztlich auch ein kunsthistorischer Methodenstreit verbirgt, erproben immer mehr Künstler der Gegenwart die Wirkung ihrer Werke in historischen Räumen, so dass die Frage
nach dem Kontext auch hier eine neue Aktualität erhält (Schütze). Die
Sektion geht deshalb der Frage nach, inwiefern sich das Umfeld eines
Kunstwerks auf seinen ideellen, gesellschaftlichen und ökonomischen
Wert auswirkt.
Samuel Wittwer, Potsdam / Bénédicte Savoy, Berlin
Kurzbiographie Samuel Wittwer
1987–1994
1995–1997
1998–1999
1999–2008
2000
seit 2008
Studium der Kunstgeschichte, der Volkskunde und der Allgemeinen Geschichte des Mittelalters in Basel
Assistenz am Historischen Museum Basel
Forschungsstipendium für wissenschaftlichen Nachwuchs des
Schweizerischen Nationalfonds
Kustos der keramischen Sammlungen und des KPM-Archivs
bei der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg
Promotion an der Universität Basel (»Tiere für das Schloss
des Königs – Die Menagerie aus Meissener Porzellan für das
Japanische Palais in Dresden. Ein Beitrag zur Verflechtung
von Kunst und Kulturgeschichte in der ersten Hälfte des 18.
Jahrhunderts«)
Direktor der Schlösser und Sammlungen bei der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg
Forschungsschwerpunkte
Historische Präsentationsformen von Porzellan; Geschichte des Berliner Porzellans; historische Räume und ihre Musealisierung heute.
66
Der Wert des Kontextes
Publikationsauswahl
Die Galerie der Meißener Tiere. Die Menagerie Augusts des Starken für das
Ja­panische Palais in Dresden (Schriftenreihe der Gesellschaft der Keramikfreunde e.V. Düsseldorf 1), München 2004.
Raffinesse & Eleganz. Königliche Porzellane des frühen 19. Jahrhunderts aus
einer amerikanischen Privatsammlung, Ausst.-Kat. (Hgg.: Richard Baron Cohen und die Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg),
München 2007.
Liaisons Fragiles: Exchanges of Gifts between Saxony and Prussia in the Early
Eighteenth Century, in: Maureen Cassidy-Geiger (Hg.): Fragile Diplomacy.
Meissen Porcelain for European Courts 1710–1763, Ausst.-Kat. Bard Graduate Center New York, New Haven 2007, S. 87–110.
Ein Raum macht Geschichte – und die Geschichte einen Raum. Das Porzellanzimmer aus dem Palais Dubsky, in: Melinda and Paul Sullivan Foundation
for the Decorative Arts (Hg.): Fired by Passion. Barockes Wiener Porzellan
der Manufaktur Claudius Innocentius Du Paquier, Stuttgart 2009, Bd. 2, S.
1030–1093 (Text), S. 1107–1109 (Anmerkungen); Bd. 3, S.1344–1363 (Inventar).
Phantomschmerz. Ursachen und Wirkung bei der Behandlung von Geschichts­
krankheiten in Museumsschlössern, in: Staatliche Schlösser, Burgen und
Gärten Sachsen gGmbH / Schloss Weesenstein und Schloss Děčín (Hgg.):
Sächsische und böhmische Schlossinterieure. Ihr Schicksal im 20. Jahrhundert – Geschichte und Perspektive, Weesenstein/Děčín 2014, S. 46–65.
Kurzbiographie Bénédicte Savoy
1992–1996
1996
1997–2001
2000
2003–2009
seit 2009
2011
Studium der Germanistik in Paris (Magisterarbeit zu Anselm
Kiefer)
Staatsexamen (Agrégation)
Wiss. Mitarbeiterin am Centre Marc Bloch in Ber­lin, Lehrbeauftragte an der Technischen Universität und der Frei­en Universität Berlin
Promotion an der École Normale Superieure (ENS) in Paris
(Dissertationsschrift über den französischen Kunstraub in
Deutschland um 1800)
Juniorprofessorin an der Technischen Universität Berlin
Professorin für Kunstgeschichte an der Technischen Universität Berlin
Richard-Hamann-Preis für Kunstgeschichte der Philipps-Universität Marburg
Forschungsschwerpunkte
Kunst- und Kulturtransfer in Europa, 18./19. Jh.; Museumsgeschichte; Kunstraub und Beutekunst; Film und Kunst.
67
Der Wert des Kontextes
Publikationsauswahl
»Vom Faustkeil zur Handgranate«. Filmpropaganda für die Berliner Museen.
1934–1939, Köln/Weimar/Wien 2011.
Nofretete. Eine deutsch-französische Affäre. 1913–1931, Köln/Weimar/Wien
2011.
Kunstraub. Napoleonische Konfiszierungen in Deutschland und die europä­isch­
en Folgen. 1794–1940, Wien/Köln/Weimar 2010 (Paris 2003).
(Hg. mit Andrea Meyer) The Museum is open. Towards a Transnational History
of Museums 1750–1940 (Contact Zones. Studies in Global Art 1), Berlin/Boston 2014.
(Hg.) Tempel der Kunst. Die Geburt des öffentlichen Museums in Deutschland.
1701–1815, Mainz 2006 (2. Auflage erscheint 2015).
Vorträge
09.30–10.00 Uhr
Sabine Jagodzinski, Warschau/Berlin
Väterliche Trophäe und nationales Symbol – Die Präsentation von
Sobiesciana vom 17. bis ins 19. Jahrhundert
Im Zuge der Siege des polnisch-litauischen Heeres unter König Jan
III. Sobieski gegen das Osmanische Reich gelangten zahlreiche osmanische Trophäen und Luxusgüter in den Besitz des polnisch-litauischen
Adels, namentlich in den der königlichen Familie. Desgleichen entstanden in diesem Rahmen Kunstwerke, die die Kriegsereignisse festhielten.
Diese Objekte wurden zunächst vornehmlich in Sobieskis grenznaher
Residenz Żółkiew (heute Žovkva, UA) genutzt, bewahrt und zu repräsentativen Zwecken eingesetzt, andere als Votivgaben in Heiligtümern
präsentiert. Über mehrere Generationen hinweg wurden sie im Schloss
aufbewahrt, später im litauischen Stammsitz Nieśwież (heute Njasviž,
BLR) der erbenden Familie Radziwiłł (lit. Radvila) in neue Zusammenhänge gestellt, anlässlich des 100. Jahrestages der Entsatzschlacht von
Wien 1783 erstmals öffentlich und quasi-museal in der Nieświeżer Kirche
ausgestellt. Nach den Teilungen Polens und den gescheiterten Aufständen gegen die Teilungsmächte Ende des 18. und Anfang des 19. Jahrhunderts kam es zu einer starken polnischen Nationalbewegung. Viele
der mittlerweile verstreuten Sobiesciana gelangten in Sammlungen wie
die der Izabela Czartoryska und schließlich ins Krakauer Nationalmuseum oder auf die Sammlungen des Königsschlosses auf dem Wawel. Anlässlich des 200. Jubiläums des Entsatzes von Wien 1883 wurde ein Teil
von ihnen mit zahlreichen anderen Objekten in den Tuchhallen auf dem
68
Der Wert des Kontextes
Krakauer Marktplatz gezeigt. Seit dem 20. Jahrhundert werden die erhaltenen Stücke in musealen (Schloss-)Räumen präsentiert.
Anhand von Inventaren, Beschreibungen, Zeichnungen und Fotodokumenten werden die Wege ausgewählter Exponate, ihre Zusammenstellung, Bewertung und Interpretation bzw. die Zielsetzung der jeweiligen
Ausstellung, Parallelen und Verschiebungen, deren Gründe und gesellschaftliche Reflexion nachgezeichnet.
Kurzbiographie Sabine Jagodzinski
2001–2007
2007–2012
2013
2012–2014
seit 2015
Studium der Kunstgeschichte und Neueren deutschen Literatur in Berlin (Magisterarbeit: »Die illustrierte Apokalypse Heinrichs von Hesler im Deutschen Orden. Studien zu Bild, Text
und Kontext«)
Wiss. Mitarbeiterin am Geisteswissenschaftlichen Zentrum
Geschichte und Kultur Ostmitteleuropas (GWZO) an der Universität Leipzig, Projektgruppe »Osmanischer Orient und Ostmitteleuropa. Perzeptionen und Interaktionen in den Grenzzonen vom 16. bis 18. Jahrhundert«
Promotion an der Humboldt-Universität zu Berlin (»Kommemoration der osmanischen Expansion in der polnisch-litauischen Adels- und Hofkultur (1595–1783). Das Beispiel der
Re­sidenz Żółkiew und der Geschlechter Żółkiewski, Sobieski
und Radziwiłł«, Auszeichnung mit dem Förderpreis 2013 des
Botschafters der Republik Polen)
Wiss. Volontärin bei der Stiftung Preußische Schlösser und
Gärten Berlin-Brandenburg
Wiss. Mitarbeiterin am Deutschen Historischen Institut Warschau
Forschungsschwerpunkte
Kunst des Mittelalters und der Frühen Neuzeit, besonders in Ostmitteleuropa;
adlige Erinnerungs- und Repräsentationskulturen; Orientperzeption; Bild-TextBeziehungen.
Publikationsauswahl
Die illustrierte Apokalypse Heinrichs von Hesler im Deutschen Orden. Studien
zu Bild, Text und Kontext (Cultural and Interdisciplinary Studies in Art 6), Stuttgart 2009 (zugl. Magisterarbeit).
Ein polnischer Blick? Eduard Raczyńskis Tagebuch der Reise ins Osmanische Reich im Jahr 1814 / Polskie spojrzenie? Dziennik podróży Edwarda
Raczyńskiego do imperium osmańskiego w 1814 roku, in: Adam S. Labuda,
Michał Mencfel und Wojciech Suchocki (Hgg.): Edward i Atanazy Raczyńscy.
Osobowości – Dzieła – Wybory – Epoka, Poznań 2010, S. 181–203.
69
Der Wert des Kontextes
The Portrait of the King – Imagining and Representing Jan III Sobieski as Ruler
of Poland and Lithuania, in: Lietuvos kultūros karališkasis dėmuo: įvaizdžiai,
simboliai, reliktai. Acta Academiae Artium Vilnensis / Vilniaus Dailės Akademijos Darbai 55/56 (2012), S. 275–305.
Die Türkenkriege im Spiegel der polnisch-litauischen Adelskultur. Kommemoration und Repräsentation bei den Żółkiewski, Sobieski und Radziwiłł (Studia
Jagellonica Lipsiensia 13), Ostfildern 2013 (zugl. Diss. Berlin 2013).
(Hg. mit Robert Born) Türkenkriege und Adelskultur in Ostmitteleuropa vom 16.
bis 18. Jahrhundert (Studia Jagellonica Lipsiensia 14), Ostfildern 2014, darin
auch: Ein polnischer »Thron der Andenken« aus dem Jahr 1783, S. 299–315.
10.15–10.45 Uhr
Tabea Schindler, Bern
Der Kontext des Kontextes: Gesamtkunstwerk Thorvaldsen Museum
Die Idee eines Museums für den dänischen Bildhauer Bertel Thorvaldsen (1770–1844) keimte bei dessen Zeitgenossen bereits seit den späten 1810er Jahren, beim Künstler selbst seit den 1820er Jahren. 1837
beschloss Thorvaldsen schließlich, seine Sammlungen sowie seine eigenen Werke seiner Heimatstadt Kopenhagen zu vermachen. Das Thorvaldsen Museum wurde zwischen 1839 und 1848 auf dem Standort der
ehemaligen königlichen Remise errichtet und ist auf der Südseite von
Schloss Christiansborg und im Westen von der Schlosskapelle umgeben.
Anhand der Entstehungsgeschichte des Thorvaldsen Museums soll in
diesem Vortrag dargelegt werden, dass die Wertschätzung von Thorvaldsens Skulpturen sowie die Entwicklung des Museums zu einem Nationaldenkmal nicht nur vom Konzept des Gesamtkunstwerks, sondern auch
von den Nachbarsgebäuden des Museums – Schloss Christiansborg und
Schlosskapelle – geprägt wurde (und wird). In anderen Worten könnte
man sagen, dass auch die umgebenden Bauten Teil des Gesamtkunstwerks Thorvaldsen Museum sind. Entsprechend dem Sektionstitel thematisiert der Vortrag daher ausgehend vom Thorvaldsen Museum die
Gebäudetypen Museum, Schloss und Kirche im Hinblick auf die Rezeption von Kunst. Dabei werden Thorvaldsens Skulpturen und deren Präsentation sowohl im Verhältnis zu ihrer unmittelbaren räumlichen Umgebung
als auch mit Blick auf den Ortsbezug des Museums insgesamt untersucht, was hier als Kontext des Kontextes bezeichnet wird.
Als Ausblick in die heutige Zeit geht der Vortrag abschließend der Frage
70
Der Wert des Kontextes
nach, wie die Kurator/-innen des Thorvaldsen Museums mit regelmäßig
veranstalteten Ausstellungen von Gegenwartskünstler/-innen umgehen.
Da die Präsentation von Thorvaldsens Skulpturen und Sammlungen seit
der Eröffnung des Museums 1848 weitgehend unverändert blieb, stellt
die Konzipierung aktueller Ausstellungen eine besondere Herausforderung für die Mitarbeitenden dar.
Kurzbiographie Tabea Schindler
2001–2008
2005–2007
2005–2008
2008–2012
2009/2010
2011
seit 2012
2014
Studium der Kunstgeschichte, Allgemeinen Geschichte und
Soziologie in Zürich und Amsterdam
Semester- und Forschungsassistentin am Kunsthistorischen
Institut der Universität Zürich und am Departement Architektur
der ETH Zürich
Mitarbeiterin bei Koller Auktionen in Zürich
Wiss. Assistentin und Doktorandin im SNF-Projekt »Eine Ikonologie des Textilen in Kunst und Architektur«, Universitäten
Lausanne und Bern
Forschungsaufenthalte an der Universität Utrecht und am
Warburg Institute, London
Promotion an der Universität Zürich (»Arachnes Kunst: Textilhandwerk, Textilien und die Inszenierung des Alltags in der
holländischen Malerei des 17. Jahrhunderts«)
Postdoc-Assistentin und Koordinatorin des SNF Sinergia-Projekts »The Interior: Art, Space, and Performance (Early Modern to Postmodern)«, Universität Bern, in Zusammenarbeit
mit der Universität zu Köln
Aufenthalt als Gastwissenschaftlerin am Deutschen Forum für
Kunstgeschichte Paris
Forschungsschwerpunkte
Bertel Thorvaldsen; Künstlerbiografien/-legenden; Skulpturgeschichte des 18.
und 19. Jh.s; holländische Kunst 17. Jh.; Materialästhetik.
Publikationsauswahl
(Hg. mit Marc Fehlmann) Oranje! Meisterwerke holländischer Malerei, Ausst.Kat. Winterthur, Museum Oskar Reinhart, 29.11.2014–5.04.2015, Winterthur
2014, darin auch: Nae t’leven – uyt den gheest. Zur holländischen Malerei des
17. Jahrhunderts, S. 9–107.
Arachnes Kunst. Textilhandwerk, Textilien und die Inszenierung des Alltags in
der holländischen Malerei des 17. Jahrhunderts (Textile Studies 6), Emsdetten 2014.
Plaster as a Matter of Memory. Auguste Rodin and George Segal, in: Sarah
Posman u.a. (Hgg.): The Aesthetics of Matter. Modernism, the Avant-Garde
71
Der Wert des Kontextes
and Material Exchange (European Avant-Garde and Modernism Studies 3),
Berlin 2013, S. 144–157.
11.45–12.15 Uhr
Nikolaus Bernau, Berlin
Der Sonder- und Normalfall Merseburger Kabinett: Ein Period
Room im Kunstmuseum als Dokument wechselnder kultureller und
politischer Vorgaben
Im Berliner Bode-Museum ist seit kurzem das so genannte »Merseburger Kabinett« ausgestellt. Es wurde 1712 nach einem Entwurf von Johann
Michael Hoppenhaupt im Merseburger Schloss eingerichtet. Herzog Moritz Wilhelm zu Sachsen-Merseburg bewahrte hier – wie ein Inventar von
1738 belegt, als die Dinge nach Dresden abtransportiert wurden – Kostbarkeiten seiner Kunstkammer auf: Elfenbeinkruzifixe, Nautiluspokale,
Ananas-Figuren, Rubinglas u. ä. Es war also kein Porzellankabinett, als
das es häufig missverstanden wird. Bis 1925 befand sich das Kabinett in
Merseburg. Auch auf Vermittlung der regionalen Denkmalpflegebehörden
wurde es dann an die Berliner Museen übergeben, von 1930 bis 1939
konnte das Publikum das Kabinett im Nordflügel des Pergamonmuseums
sehen, im damaligen Deutschen Museum. Dort überlebte es den Krieg,
litt aber schwer nach Granattreffern im Dach unter Regen und Schnee.
Schließlich wurden die Reste abmontiert und in den Museumskellern eingelagert. Erst in den neunziger Jahren wurden sie wieder entdeckt und
seither aufwändig restauriert.
Das Merseburger Kabinett ist einer der wenigen, wenn nicht der einzige
Period Room, der in einem deutschen Kunstmuseum der Vorkriegszeit
installiert wurde. Während in britischen und besonders in US-amerikanischen Kunstmuseen diese Inszenierungsform durchaus üblich ist, blieb
sie auf dem europäischen Kontinent ein Reservat von kulturhistorischen
und Kunstgewerbemuseen.
Der Vortrag soll beleuchten, warum Kunstmuseen seit der Kaiserzeit
die Einrichtung von Period Rooms verweigern, warum gerade dieses Kabinett in den Kontext der Berliner Staatlichen Museen überführt wurde,
welche Aufgaben es in der Erstinszenierung des Deutschen Museum im
Nordflügel des heutigen Pergamonmuseum 1930 und welche in deren
Überarbeitung 1937 übernahm, nach welchen Kriterien es nach der Wiederentdeckung seiner Überreste in den 1990er-Jahren restauriert und
zunächst im Kunstgewerbemuseum aufgestellt wurde, um schließlich im
72
Der Wert des Kontextes
Kontext der aktuellen Debatte um die Inszenierung der Gemälde- und
der Skulpturensammlung in das Bode-Museum und damit zurück in den
Zusammenhang eines genuinen Kunstmuseums transferiert zu werden.
14.00–14.30 Uhr
Ulrike Sbresny, Braunschweig
Endstation Museum? Die Bedeutung des Kontextes für den Erhalt
von Adelssammlungen
Die Bewahrung von Objekten aus Adelsbesitz durch Museen scheint
aus heutiger Sicht das Ziel deren Objekt-Biographien zu sein. Nur ein
geringer Teil der umfangreichen Bestände erfüllt jedoch entsprechende
Aufnahmebedingungen, und die rechtlichen Vorschriften des Kulturgüterund Denkmalschutzes werden auf diese nur eingeschränkt angewendet.
Diese Bewertung findet vor einem scheinbar unvermeidlichen Kontextwechsel statt und steht im Widerspruch zur nachweislichen Bedeutung
der Objektverbände: bestehend aus Kunsthandwerk, Möbeln, Gemälden
und Hausrat unterschiedlichster künstlerischer Qualität waren diese seit
Jahrhunderten als Mittel sozialen Verhaltens, Träger von Erinnerungskultur, stellvertretende Porträts sowie Dinge des Wohnens maßgeblich an
der Bildung und Bewahrung der Identität des Adels beteiligt. Sie sind von
wesentlicher Bedeutung für die Erforschung von Adelskultur.
Der ausschließliche Erhalt von Einzelobjekten zieht unweigerlich deren
Isolierung von einem bindungsreichen Kontext sowie eine Fokussierung
auf deren Kunstwert nach sich. Eine dem Kontexterhalt dienende Übertragung der Erhaltungsverpflichtung an die momentanen Besitzer ist jedoch rechtlich nicht umzusetzen. Auch wird der Bedeutungserhalt durch
ein Schloss-Umfeld nicht garantiert, da in der Vergangenheit vor allem
die Nutzung der Objekte im Sinne einer lebendigen Sammeltätigkeit (welche Anhäufen, Zeigen, Bewahren und Entsammeln beinhaltet) zur Entstehung von Bedeutung nötige Bindungen ermöglichte.
Die Kontroverse um den zum Erhalt von Adelssammlungen angemessenen Kontext stellt heutigen Bewahrungskonzepten ein gegensätzliches
Modell gegenüber, das seit Jahrhunderten von Dynamik statt Statik, Veränderung statt Unveränderlichkeit, Bindungen statt Isolierung und Vielfalt
statt Auswahl geprägt war, jedoch seit 1918 schrittweise zu einem Ende
kommt. Wege zum Erhalt dieses Kulturerbes sind bisher offen, können jedoch nur unter Einbezug von Museums- und Schlossraum zum Ziel führen.
73
Der Wert des Kontextes
Kurzbiographie Ulrike Sbresny
1998–2003
seit 2008
2008–2010
2012
2005–2012,
seit 2014
2005,
2012–2014
seit 2010
Studium der Kunstwissenschaft, Geschichte und Medienwissenschaften in Braunschweig und Wien (Magisterarbeit:
»Gustav Klimts Judith-Darstellungen in ihrer kunsthistorischen
Bildtradition«)
Promotionsvorhaben an der Hochschule für Bildende Künste
Braunschweig (Thema: »Der Kunstbesitz der Welfen nach
1918 – Bedeutung der Dinge in Adelsbesitz«)
Stipendium der Richard Borek Stiftung, Braunschweig
Teilnahme Postgraduiertenprogramm 33. Internationaler
Kunsthistoriker-Kongress (CIHA), Nürnberg
Betreuung der Kunstsammlung der Richard Borek Stiftung,
Braunschweig
kunsthistorische und pädagogische Kraft, Jugendkunstschule
buntich, Braunschweig
Autorentätigkeit für den Künstler Stephan K. Müller, Bad Homburg
Publikationsauswahl
Kunst im Haus, Ausst.-Kat. Richard Borek Stiftung, Braunschweig 2014.
(Katalogtexte) Bildhauerarbeiten, Gemälde und Objekte von Stephan K. Müller
im Zentrum für High Tech und Kultur, Wetzlar 2010.
(Katalogtexte) Skulpturen von Edgardo Carmona Vergara im Zentrum für High
Tech und Kultur, Wetzlar 2004.
14.45–15.15 Uhr
Irene Schütze, Mainz
Koons, Murakami und Vasconcelos in Versailles. Wertezuschreibung und Wertewandel durch Kontextualisierung
Jean-Jacques Aillagon begründete 2008 die Tradition, jährlich eine
Ausstellung zeitgenössischer Kunst in den Gartenanlagen bzw. in den
Sälen von Schloss Versailles stattfinden zu lassen. Drei Ausstellungen
wurden seitdem in den Innenräumen des Schlosses realisiert: mit Werken von Jeff Koons, von Takashi Murakami und von Joana Vasconcelos.
Insbesondere Koonsʼ, aber auch Murakamis Ausstellung wurde von heftiger Kritik sowie von Protesten der Öffentlichkeit begleitet, die bis hin zu
gerichtlichen Auseinandersetzungen führten. Der Vortrag befasst sich mit
der Frage, warum die Öffentlichkeit derart aufgeregt auf Koons und Mura74
Der Wert des Kontextes
kami reagierte, während die Kritik an Vasconcelosʼ Ausstellung dagegen
relativ verhalten ausfiel – dies obgleich die Werke der Künstlerin durch
ihre gesellschaftskritischen Bezüge sehr viel mehr Sprengstoff geboten
hätten.
Walter Benjamin hatte auf den »Ausstellungswert« eines Kunstwerks
abgehoben, den er vom »Kultwert« früherer, religiös konnotierter Kunstwerke abgrenzte. Durch technische Reproduzierbarkeit steige der »Ausstellungswert« der Kunst, gleichzeitig werde das Kunstwerk aus seiner
Tradition gerissen und seiner Aura beraubt. Auch die für den white cube
geschaffenen Werke von Koons und Murakami sind mit ihren alltäglichen
und popkulturellen Sujets und ihrer besonderen Ästhetik auf Reproduktion angelegt. Ihre Transferierung in die luxuriösen, überbordenden Räume des Sonnenkönigs und seiner Nachfahren führte zu einer symbolischen Verortung, einer vermeintlichen historischen Anbindung und einer
scheinbaren Auratisierung der Kunst. Das Publikum konnte sich folglich
ausgetrickst und düpiert fühlen. Anders verhält es sich mit den Werken
von Vasconcelos. Die Künstlerin reagierte unmittelbar auf den Ort als
Symbol der Machtentfaltung und der verschwenderischen Lebensweise
der französischen Könige. Ihre kritische Auseinandersetzung wurde nicht
als Versuch verstanden, das Banale zu auratisieren, sondern Facetten
des Historischen sichtbar zu machen.
Kurzbiographie Irene Schütze
1988–1996
Studium der Kunstgeschichte, Theater-, Film- und Fernsehwissenschaft und Romanistik in Köln, Mailand und Bochum
(Magisterarbeit über Lucio Fontana)
1997–1998
DAAD-Stipendiatin in Antwerpen
1997–2000
Mitarbeit in der Museumspädagogik der Kunsthalle Mannheim
1998–2001
Stipendiatin des Graduiertenkollegs »Theorie der Literatur und
Kommunikation (einschließlich der bildenden Kunst)« an der
Universität Konstanz
2003
Promotion an der Albert-Ludwigs-Universität in Freiburg i. Br.
(»Sprechen über Farbe: Rubens und Poussin«)
2005Kuratorin der Ausstellung »Farb-Töne« der Johannes Gutenberg-Universität Mainz für den Kultursommer Rheinland-Pfalz
2005–2006 Wiedereinstiegsstipendium des Landes Rheinland-Pfalz für
Wissenschaftlerinnen mit Kindern
2006– 2008
Wiss. Mitarbeiterin am Institut für Filmwissenschaft der JGU
Mainz
2008–2011
Wiss. Mitarbeiterin im Fach Kunsttheorie an der Kunsthochschule Mainz (JGU)
seit 2011
Vertretungsprofessorin für Kunsttheorie ebd.
75
Der Wert des Kontextes
Forschungsschwerpunkte
Kunst- und Bildtheorien; Wahrnehmung und Rezeption von Kunst; kulturgeschichtliche Aspekte; Kunst und Medien/Film; Malerei der Frühen Neuzeit; Kunst
des 20. und 21. Jh.s.
Publikationsauswahl
(Hg. mit Antje Krause-Wahl) Aspekte künstlerischen Schaffens der Gegenwart,
Weimar 2015.
(Hg.) Gianni Caravaggio. Über das Essenzielle in der Kunst, Weimar 2011.
(Hg.) Über Geschmack lässt sich doch streiten. Zutaten aus Küche, Kunst und
Wissenschaft, Berlin 2010/2011.
Sprechen über Farbe: Rubens und Poussin. Bildfarbe und Methoden der Farbforschung im 17. Jahrhundert und heute, Weimar 2004 (zugl. Diss. Freiburg
2003).
(Hg. mit Margreth Egidi, Oliver Schneider, Matthias Schöning und Caroline
Torra-Mattenklott) Gestik. Figuren des Körpers in Text und Bild (Literatur und
Anthropologie 8), Tübingen 2000.
76
Das Europäische Denkmalschutzjahr 1975.
Alte Bauten, neue Werte – neue Bauten, alte Werte
Leitung: Martin Bredenbeck, Bonn / Constanze Falke, Bonn /
Martin Neubacher, Dresden/Bonn / Carsten Ruhl, Frankfurt a. M.
Sektionsvorträge
Mittwoch, 25. März 2015, 09.00–15.45 Uhr, Philosophicum, Hörsaal P 11
09.00–09.30 Uhr
Einführung durch die Sektionsleitung
09.30–10.00 Uhr
Maren Fürniß, Dresden
Neue Rückbesinnung auf alte Werte – Das Europäische Denkmalschutzjahr 1975 und dessen Entstehungsgeschichte
10.00–10.15 Uhr
Diskussion
10.15–10.45 Uhr
Joachim Glatz, Mainz
Gegensätzlich und gleichzeitig – Mainz, seine historisierenden
Marktfassaden und sein modernes Rathaus
10.45–11.00 Uhr
Diskussion
11.00–11.45 Uhr
Pause
11.45–12.15 Uhr
Martin Bredenbeck, Bonn
Moderner Historismus. Architektur und Denkmalbewusstsein um
1975
12.15–12.30 Uhr
Diskussion
77
Das Europäische Denkmalschutzjahr 1975
12.30–14.00 Uhr
Pause
14.00–14.30 Uhr
Mark Escherich, Weimar/Erfurt
»Monumente unserer Zeit« – distanzlose Denkmalinventarisation
während der späten DDR
14.30–14.45 Uhr
Diskussion
14.45–15.15 Uhr
Olaf Gisbertz, Braunschweig
Denkmaldiskurse 1975/2015: »Denkmalpflege ist Sozialpolitik«
15.15–15.45 Uhr
Diskussion
Inhalt der Sektion
2015 wird der 40. Jahrestag des Europäischen Denkmalschutzjahres
gefeiert, das unter dem Motto »Eine Zukunft für unsere Vergangenheit«
gestanden hatte. Dies ist Anlass, aus der Sicht der Gegenwart damalige und heutige Mechanismen von Wertetablierungen zu thematisieren.
Vertreter von Kunstgeschichte und praktischer Denkmalpflege, Einzelkämpfer und Bürgerinitiativen unterschiedlicher Couleur setzten sich seit
den 1960er Jahren mit spektakulären Aktionen und beharrlicher Vermittlungsarbeit immer intensiver dafür ein, historischen Bauten neue gesellschaftliche Bedeutung zu verleihen – oft vor dem Hintergrund von Abbrüchen und Neubauten, die sich der Wirtschaftswunder- und Boomzeit
verdankten. Unterstützt vom 1973 gegründeten Deutschen Nationalkomitee für Denkmalschutz gelang einer breiten gesellschaftlichen Strömung
beispielsweise die positive Hinwendung zum Historismus, dessen Wertschätzung heute selbstverständlich ist. Ein weiteres Ergebnis des Engagements war die Verankerung des Denkmalschutzes als feste Institution
durch neue Denkmalschutzgesetze. Mit der heute notwendig werdenden
Unterschutzstellung derjenigen Neubauten, die damals als Schreckgespenst und Vernichtung der Vergangenheit stilisiert wurden, schließt sich
der Kreis. Die damaligen Akteure stehen vor der Herausforderung, dasjenige zu schützen, gegen das sie sich damals wendeten. Die Nachgebore78
Das Europäische Denkmalschutzjahr 1975
nen seit den 1970er Jahren müssen ein neues Kapitel von Vergangenheit
entdecken. Der spektakuläre Streit um das Mainzer Rathaus von 1973 ist
ein aktuelles Fallbeispiel. Wo werden in den Neubauten der 1970er Jahre
Auseinandersetzungen mit dem Bestand sichtbar und lassen sich diese
heute als Anknüpfungspunkte für eine Wertetablierung nutzen? Ist es an
der Zeit, in der Denkmalpflege neue Wege zu gehen und neue Werte für
(erst jetzt) alte Bauten zu definieren? Oder sind es die alten Werte, die
die neuen Bauten definieren? Ist ein Generationswechsel daher nicht nur
in der Architekturbewertung, sondern auch in der Denkmalpflege selbst
längst überfällig?
Martin Bredenbeck, Bonn / Constanze Falke, Bonn / Martin Neubacher,
Dresden/Bonn / Carsten Ruhl, Frankfurt a. M.
Kurzbiographie Martin Bredenbeck
1998–2006
2009
2011
seit 2011
2011
Studium der Philosophie, klassischen Archäologie, Geschichte
und Kunstgeschichte in Bonn (Magisterarbeit: »Moralpsychologie bei Seneca. Willenskonzeption und Ursprung des Bösen«)
Mitbegründer der »Initiative Beethovenhalle« (2010 Auszeichnung mit der Silbernen Halbkugel des Deutschen Preises für
Denkmalschutz, verliehen durch das Deutsche Nationalkomitee für Denkmalschutz)
Promotion an der Universität Bonn (»Die Zukunft von Sakralbauten im Rheinland«, erscheint 2015, Auszeichnung mit dem
Paul-Clemen-Preis des LVR und dem Deutschen Studienpreis
der Körber-Stiftung 2012)
Wiss. Referent, Schwerpunkt Baukultur und Denkmalpflege,
beim Bund Heimat und Umwelt in Deutschland (BHU)
Mitbegründer der Werkstatt Baukultur Bonn
Lehraufträge an der Universität Bonn (Kunstgeschichte) und
der Hochschule RheinMain Wiesbaden (Architekturgeschichte)
ehrenamtliche Vorstandsarbeit im Rheinischen Verein für
Denkmalpflege und Landschaftsschutz, beim Verein Dialog­
raum Kreuzung an St. Helena und beim Architektur Forum
Rheinland
Forschungsschwerpunkte
Architektur- und Stadtgeschichte des 19. bis 21. Jh., u. a. Klassische Moderne
und Nachkriegsmoderne, Sakralbau und Kirchenumnutzungen, Gartengestaltung, Bewusstseinsbildung und Vermittlungsarbeit für Denkmalpflege und Baukultur.
79
Das Europäische Denkmalschutzjahr 1975
Publikationsauswahl
Neu Wilhelmsdorf, Wertheim Village und der Wiederaufbau der Frankfurter Altstadt. Der Einfluss dörflicher Strukturen auf die Architektur der Gegenwart, in:
Marc Weiland und Werner Nell (Hgg.): Imaginäre Dörfer. Zur Wiederkehr des
Dörflichen in Literatur, Film und Lebenswelt, Bielefeld 2014, S. 157–174.
(Hg. mit Constanze Moneke und Martin Neubacher): Bauen für die Bundes­
haupt­stadt (Edition Kritische Ausgabe Band 2), Bonn 2011.
Neue Zeiten, neue Klötze, neue Akteure. Leverkusen und seine Rathäuser, in:
Bund Heimat und Umwelt (Hg.): Klötze und Plätze. Wege zu einem neuen
Bewusstsein für Großbauten der 1960er und 1970er Jahre, Bonn 2012, S.
127–137.
Zwischen Bonner Loch und Stadthaus. Gedanken zur Stadtbaukunst der Nach­
kriegszeit in Bonn, in: Birgit Franz und Hans-Rudolf Meier (Hgg.): Stadtplanung nach 1945. Zerstörung und Wiederaufbau (Veröffentlichungen des Ar­
beitskreises Theorie und Lehre der Denkmalpflege 20), Holzminden 2011, S.
120–128.
Albert der Große über das Schöne und die Schönheit – ein Baustein zur Disziplin der Ästhetik. Super Dionysium De divinis nominibus c. 4 nn. 71–79 (mit
Übersetzung), in: Albertus-Magnus-Institut (Hg.): Albertus Magnus und sein
System der Wissenschaften. Schlüsseltexte in Übersetzung LateinischDeutsch, Münster 2011, S. 411–443.
Kurzbiographie Constanze Falke (geb. Moneke)
2003–2011
2010
2011
seit 2012
2014
seit 2014
Studium der Kunstgeschichte, Klassischen Archäologie und
Germanistik in Bonn
Auszeichnung mit der Silbernen Halbkugel des Deutschen
Preises für Denkmalschutz an die studentische »Initiative
Beethovenhalle«, verliehen durch das Deutsche Nationalkomitee für Denkmalschutz
Mitbegründerin der »Werkstatt Baukultur Bonn«
Gebietsreferentin in der Abteilung Denkmalförderung der
Deut­schen Stiftung Denkmalschutz
Auszeichnung mit dem Rheinlandtaler des Landschaftsverbands Rheinland
Doktorandin an der Bauhaus-Universität Weimar, Fakultät Architektur und Urbanistik, Bereich Denkmalpflege und Baugeschichte (Thema: »Denkmalgerechte Sanierung der Beethovenhalle Bonn von Siegfried Wolske«)
kunsthistorische Beraterin im »Projektteam Sanierung Beethovenhalle« der Stadt Bonn
Forschungsschwerpunkte
Architekturgeschichte des 19. u. 20. Jh.s; Theorie und Praxis der Denkmalpflege.
80
Das Europäische Denkmalschutzjahr 1975
Publikationsauswahl
(Hg. mit Martin Bredenbeck und Martin Neubacher): Beethovenhalle Bonn. Kon­
zerthaus. Festsaal. Denkmal, Bonn 2010.
(Hg. mit Martin Bredenbeck und Martin Neubacher): Bauen für die Bundes­
hauptstadt (Edition Kritische Ausgabe 2), Bonn 2011.
Vermittlung eines gefährdeten Denkmals. Die studentische Initiative Beethovenhalle in Bonn, in: Deutsches Nationalkomitee für Denkmalschutz (Hg.): Kommunizieren – Partizipieren (Neue Wege der Denkmalvermittlung 82), Bonn
2012, S. 167–174, sowie: (mit Florian Kirfel) Initiativen im Denkmalschutz
oder: Die Frage nach dem ›Handbuch‹, ebd., S. 193–197.
»Bürger fordern Mitspracherecht. Partizipation in der Denkmalpflege?« und
»Partizipation – Chancen für die Denkmalpflege. Vereine ergreifen Partei«,
www.denkmaldebatten.de/engagement/partizipation/partizipation-in-der-denkmalpflege (Deutsche Stiftung Denkmalschutz).
Kurzbiographie Martin Neubacher
2004–2011
2009
2011
2014 seit 2013
Studium der Kunstgeschichte, Christlichen Archäologie und
Neueren Geschichte in Bonn und Brüssel
Lehraufträge in Bonn und Wiesbaden
Mitbegründer der »Initiative Beethovenhalle« (2010 Auszeichnung mit der Silbernen Halbkugel des Deutschen Preises für
Denkmalschutz, verliehen durch das Deutsche Nationalkomitee für Denkmalschutz)
Mitbegründer der Werkstatt Baukultur Bonn (2013 Auszeichnung mit dem Initiativpreis der Universität Bonn)
Gründung der Werkstatt Baukultur Dresden
Wiss. Mitarbeiter am Institut für Baugeschichte der Technischen Universität Dresden
Forschungsschwerpunkte
Architekturgeschichte des 19. und 20. Jh.s; denkmalpflegerische Fragestellungen.
Publikationsauswahl
(Hg. mit Martin Bredenbeck und Constanze Moneke) Beethovenhalle Bonn.
Kon­zerthaus. Festsaal. Denkmal, Bonn 2010; darin auch: Die Rezeption
der Beethovenhalle in den regionalen Zeitungen seit den 1980er Jahren, S.
142–150.
(Hg. mit Martin Bredenbeck und Constanze Moneke) Bauen für die Bundes­
hauptstadt (Edition Kritische Ausgabe 2), Bonn 2011; darin auch: Landesvertretung Bayern, S. 95–100.
Putzen und benutzen. Neues Bewusstsein für das Bonner Stadthaus, in: Bund
Heimat und Umwelt (Hg.): Klötze und Plätze, Bonn 2012, S. 153–160.
81
Das Europäische Denkmalschutzjahr 1975
Kurzbiographie Carsten Ruhl
1992–1997
1998
1998–2000
2001
2003
2008
2009
2009
2010
2011
2012
Studium der Kunstgeschichte, Philosophie und Neueren Geschichte in Bochum
Stipendiat des DAAD, Royal Institute of British Architects, London
Stipendiat der Gerda Henkel Stiftung
Promotion (Arbeit zur englischen Architektur des 18. Jahrhunderts)
Ernennung zum Juniorprofessor für Architekturgeschichte an
der Ruhr-Universität Bochum
Grant der Getty Research Library, Los Angeles
Fellow der Global Young Faculty (Mercator-Stiftung, Kulturwissenschaftliches Institut, KWI)
SOKRATES-Gastprofessor der School of Art History and Cultural Policy, University College Dublin
Ruf an die Bauhaus-Universität Weimar, Lehrstuhl Theorie und
Geschichte der modernen Architektur
Habilitation mit der Lehrbefähigung für Neuere und Neueste
Architektur- und Kunstgeschichte
Ruf an die Goethe-Universität in Frankfurt a. M., Lehrstuhl
Architekturgeschichte
Forschungsschwerpunkte
Theorie und Geschichte der Architektur des 18. bis 21. Jh.s.
Publikationsauswahl
Magisches Denken – Monumentale Form. Aldo Rossi und die Architektur des
Bildes, Berlin/Tübingen 2013.
Vorträge
09.30–10.00 Uhr
Maren Fürniß, Dresden
Neue Rückbesinnung auf alte Werte – Das Europäische Denkmalschutzjahr 1975 und dessen Entstehungsgeschichte
Das »Europäische Denkmalschutzjahr 1975« wurde durch den Europarat beschlossen und als gesamteuropäische Kampagne in den Jahren
1973–1975 umgesetzt. Es war Zeichen einer veränderten Sichtweise auf
die historische Bausubstanz. Man kehrte sich ab von den vielfältigen Zerstörungen des architektonischen Erbes und drang stattdessen verstärkt
auf seinen Schutz. Zugleich war die Denkmalschutzkampagne greifbarer
82
Das Europäische Denkmalschutzjahr 1975
Ausdruck einer breiten gesellschaftlichen »Umwertung«, die sich in einer
neuen Geisteshaltung gegenüber den »alten Werten« abzeichnete.
Der Vortrag rückt zunächst die Entstehungsgeschichte des Denkmalschutzjahres auf europäischer Ebene in den Vordergrund und gibt so einen historischen Überblick. Dabei werden sowohl die kulturpolitischen
Hintergründe für das Entstehen der europaweiten Kampagne, als auch
deren Zielsetzungen aufgezeigt. Das durch den Europarat initiierte »Europäische Denkmalschutzjahr 1975« brachte die Politik der »Integrierten
Konservierung« hervor, nach der die historisch gewachsene Stadt unter
Berücksichtigung sozialer und gesellschaftlicher Aspekte geschützt werden sollte. Zugleich kam es zu einer Erweiterung des Denkmalbegriffs,
wonach nicht mehr nur herausragende Einzeldenkmäler, sondern auch
Ensembles und ganze Ortsbilder als schützenswert erachtet wurden.
Darüber hinaus werden exemplarisch anhand der Bundesrepublik
Deutschland die neuen denkmalpflegerischen Leitvorstellungen sowie
das im Kontext des »Europäischen Denkmalschutzjahres 1975« veränderte Werteverständnis der Denkmalpfleger vorgestellt. Zentrale Beachtung erfuhr hierbei das Bild von historischen Dörfern und Städten, auf
das man sich erstmals in seiner Gesamtheit zurückbesann. In diesem
Zusammenhang ist insbesondere eine Debatte unter den Denkmalpflegern bedeutsam, welche nicht mehr nur die Konservierung, sondern auch
die Vermittlung historischer Gestalt als denkmalpflegerische Praxis anvisierte und damit die Reproduzierbarkeit von Denkmälern nicht mehr per
se ausschloss.
Kurzbiographie Maren Fürniß
2000–2006
2006–2012
2009–2011
2010–2012
seit 2012
Studium der Architektur in Cottbus und München
Mitarbeiterin in Architekturbüros in Peking, Frankfurt a. M. und
Hannover
Berufsbegleitendes Aufbaustudium »Conservation Science«
am Institut für Denkmalpflege und Bauforschung der ETH Zürich
Wiss. Mitarbeiterin am Institut für Baugeschichte der Gottfried
Wilhelm Leibniz Universität Hannover
Stipendiatin mit Promotionsvorhaben an der Technischen Universität Dresden (Thema: »Das Europäische Denkmalschutzjahr 1975 im Kontext der Postmoderne«)
Forschungsschwerpunkte
Architekturtheorie und Denkmalpflege im 20. Jh.; Regionalismus- und Kulturerbeforschung; Architekturgeschichte.
83
Das Europäische Denkmalschutzjahr 1975
Publikationsauswahl
Regionalismen in Architektur und Städtebau der Fünfzigerjahre in Hannover
(Master Thesis, Zürich 2011).
Die Kampagne des Europarates für das Europäische Denkmalschutzjahr 1975 –
Entstehungsgeschichte, Ziele und Umsetzung, in: Michael Falser und Wilfried
Lipp (Hgg.): Eine Zukunft für unsere Vergangenheit. Zum 40. Jubiläum des
Europäischen Denkmalschutzjahres (1975–2015), ICOMOS (Monumenta),
erscheint 2015.
10.15–10.45 Uhr
Joachim Glatz, Mainz
Gegensätzlich und gleichzeitig – Mainz, seine historisierenden
Marktfassaden und sein modernes Rathaus
Im Vorfeld des 1000jährigen Domjubiläums war 1972 ein Wettbewerb
zur Gestaltung der Domplätze ausgelobt worden. Ein Ergebnis war die
Vorblendung historisierender Fassaden. Bereits 1968 hatte ein Wettbewerb zum Neubau des Rathauses – knapp 300 m vom Markt entfernt
– stattgefunden. Der erste Preis, der Entwurf von Arne Jacobsen und
Otto Weitling, wurde umgesetzt; Silvester 1973 konnte das neue Rathaus
eingeweiht werden.
Zwei wichtige und zugleich denkbar kontroverse städtebauliche wie
architektonische Projekte im historischen Zentrum einer Stadt, bei denen die Denkmalpflege mehr oder minder stark tangiert war. Am Markt
ging es um den historisch-städtebaulichen Kontext der Domumgebung,
gepaart mit der öffentlichen Erwartung, dass es sich bei den Rekonstruktionen um denkmalpflegerische Maßnahmen handele. Inzwischen sind
die Marktfassaden Teil des Mainzer Stadtbildes geworden, gleichsam Synonym für die Altstadt.
Beim Rathauswettbewerb hatte die Denkmalpflege die notwendige
Rücksichtnahme auf die Stadtsilhouette und vor allem den Dom eingebracht.
Das neue Mainzer Rathaus, einer der bedeutendsten modernen Rathausbauten in Deutschland, ist 40 Jahre nach seiner Fertigstellung wieder in eine heftige Diskussion geraten, welche sogar in Abrissforderungen
gipfelte. Angeführt werden u. a. hohe Instandsetzungskosten. Außerdem
blieb das Rathaus über all die Jahre fremd und ungeliebt. Inzwischen ist
es gelungen, entscheidend zu Akzeptanz und Wertschätzung beizutragen, wenngleich die Diskussion noch nicht zu Ende ist.
Beide Fallbeispiele – Marktfassaden und Rathaus – erscheinen geeig84
Das Europäische Denkmalschutzjahr 1975
net, Entwicklung und Wandel denkmalpflegerischen Handelns zu veranschaulichen. Überhaupt muss das Verhältnis der Denkmalpflege zum
Themenkomplex Rekonstruktion bzw. Architekturkopie als Teil des architektonischen Schaffens unserer Zeit und zugleich als Zeugnis des späten
20. bzw. des frühen 21. Jh. überdacht werden. Dies gilt letztlich auch für
das Mainzer Rathaus als einem herausragenden Beispiel der Architektur
der frühen 1970er Jahre. In beiden Fällen stellt sich die Frage der Substanzbindung bzw. -erhaltung in besonderer Weise. Das Mainzer Rathaus
steht längst unter Denkmalschutz, die Marktfassaden – noch (?) – nicht...
Kurzbiographie Joachim Glatz
seit 1978 seit 1986
seit 2008
Studium der Kunstgeschichte, klassischen Archäologie und
Vor- und Frühgeschichte in München und Mainz
Promotion an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz
(»Mittelalterliche Wandmalerei in der Pfalz und in Rheinhessen«)
anschließend Listenerfassung Stadt Mainz (Untere Denkmalschutzbehörde)
tätig im Landesamt für Denkmalpflege
Gebietsreferent in verschiedenen Teilen des Landes
Leiter der Abteilung Bau- und Kunstdenkmalpflege
Landeskonservator und Leiter der Direktion Landesdenkmalpflege in der Generaldirektion Kulturelles Erbe RheinlandPfalz
Publikationsauswahl
Das Haus zum Fuchs in Mainz – Ein Baudenkmal und die Folgen, in: Deutsche
Kunst und Denkmalpflege 42 (1/1984), S. 41 ff.
St. Maximin in Trier und die Denkmalpflege, in: Kunstchronik Jg. 42 Nr. 3 (1989),
S. 117 ff.
St. Stephan in Mainz – Die historische Ausstattung (Neues Jahrbuch für das
Bis­tum Mainz, Sonderband), Mainz 1990.
Schutz und Entwicklung der Burgenlandschaft, in: Landesamt für Denkmalpflege Rheinland-Pfalz (Hg.): Das Rheintal von Bingen und Rüdesheim bis Koblenz. Eine europäische Kulturlandschaft, Bd. 2, Mainz 2001, S. 696 ff.
Jüdisches Kulturerbe in Rheinland-Pfalz – Ein Überblick, in: Die Denkmalpflege
69 (2011), S. 155 ff.
85
Das Europäische Denkmalschutzjahr 1975
11.45–12.15 Uhr
Martin Bredenbeck, Bonn
Moderner Historismus. Architektur und Denkmalbewusstsein um
1975
Durch zeitlichen Abstand und äußeren Druck aufgrund von Geschmacksveränderungen und Renovierungsbedarf geraten Bauten und
Anlagen der 1970er und 1980er Jahre in den Blick von Kunstgeschichte und Denkmalpflege. Das 40. Jubiläum des Denkmalschutzjahres ist
zusätzlicher Anlass für ein Forschungsvorhaben, das ich unter dem Arbeitstitel »Historismus im 20. Jahrhundert« durchführe und das die Beziehungen zwischen neuer Architektur und neuem Denkmalbewusstsein seit
den 1970er Jahren behandelt.
In den 1970er Jahren wird ein Formwandel unübersehbar. Nach
selbstbewussten, solitären Großvolumen mit Glas-Metall-Fassaden oder
Beton-Tablaren scheinen sich im urbanen Kontext zunehmend Bauten
durchzusetzen, deren (weiterhin durchaus große!) Volumen mit verschiedenen Mitteln so gegliedert werden, dass sie auf historische Bestände
Rücksicht nehmen – durchaus ›freiwillig‹. Die Architekturgestaltung greift
wieder auf historische Bauglieder zurück, die auch spielerisch zitiert und
abgewandelt werden. Gleiches gilt für neue Bauten außerhalb historischer Kontexte. Die als Postmoderne zusammengefassten Entwicklungen gehören in diesen Zusammenhang, der auch weitere Phänomene
umfasst. Parallel verlief in den 1970er Jahren die Profilierung der Denkmalpflege: Bürgerbewegungen, die Schaffung von Denkmalschutzgesetzen und die Neuerschließung von Themen wie der Architektur des Historismus kennzeichnen die Zeit.
Hochinteressante Entstehungsbedingungen und anspruchsvolle damalige Konzepte stehen im Widerspruch zur anhaltend negativen Rezeption
der Neubauten heute. Daher ist es an der Zeit, über Werte nachzudenken: Welche Rolle haben die Objekte in der Geschichte von Architektur
und Denkmalpflege gespielt und wie sind sie in beide Geschichten einzuordnen? Auf welche Werte rekurrierten sie damals und welche Werte
werden ihnen heute zugeschrieben? Liegt ihr Wert möglicherweise darin,
transitorisch-vermittelnd gewesen zu sein, und wird sich ihre Ästhetik rehabilitieren lassen? Es scheint, dass sie die Neubesinnung auf Qualitäten des Historismus nachhaltig unterstützt haben: eine Unterstützung, die
­ihnen selber nun zum Nachteil gereicht.
86
Das Europäische Denkmalschutzjahr 1975
14.00–14.30 Uhr
Mark Escherich, Weimar/Erfurt
»Monumente unserer Zeit« – distanzlose Denkmalinventarisation
während der späten DDR
Beschäftigt man sich mit dem baulichen Erbe der DDR als Gegenstand
von Denkmalpflege, so stellt sich auch die Frage, wie in der DDR mit
Bauwerken umgegangen wurde, die deren eigener Geschichte zuzurechnen sind. Das Land existierte lang genug, dass die üblicherweise für die
Denkmalwerdung angesetzte Mindestdauer einer Generation gegeben
war. Es erstaunt daher nicht, dass – wie zeitgleich im westlichen Europa
– in den späten 1970er Jahren Bemühungen einsetzten, Bauwerke der
unmittelbaren Nachkriegszeit und der 1950er Jahre zu inventarisieren. In
der DDR begann man allerdings zur selben Zeit, auch bauliche Zeugnisse der »entwickelten sozialistischen Gesellschaft«, d. h. der 1960er und
1970er Jahre, in den Blick zu nehmen. So wurden z. B. das Leipziger Gewandhaus und der Berliner Fernsehturm neun bzw. zehn Jahre nach ihrer
Fertigstellung der Obhut des Denkmalschutzes übergeben, die Cottbuser
Stadtpromenade ohne jeden zeitlichen Abstand. Diese Praxis wirkt heute
einerseits absurd, andererseits macht sie auch neugierig. Wie hat man
sich diese besondere Zeitgenossenschaft von Denkmalen zu erklären?
Mit der Erosion der sozialistischen Utopie und dem sich auflösenden
DDR-Staat gingen auch diese »Denkmale der Geschichte der DDR« als
Versuch einer neuen Denkmalkategorie unter. Nun, 25 Jahre später, soll
die Kampagne rekonstruiert und auf ihren methodischen Gehalt hin betrachtet werden: Welche Werte wurden den Monumenten der eigenen
Zeit zugeschrieben? Wie nahm man die inventarisatorische Auswahl
aus einem vollständig erhaltenen Bestand vor? Lassen sich die Werteta­
blierung und ihre Methoden für die aktuell anstehende breitenwirksame
Inventarisierung der Spätmoderne produktiv machen?
Der Beitrag steht im Zusammenhang mit dem BMBF-Verbundprojekt
»Welche Denkmale welcher Moderne? Erfassen, Bewerten und Kommunizieren des baulichen Erbes der 2. Hälfte des 20. Jh.«, das 2014 von der
Bauhaus-Universität Weimar und der Technischen Universität Dortmund
sowie zahlreichen Partnern begonnen wurde.
Kurzbiographie Mark Escherich
1988–1996
Tischlerlehre, Studium des Bauingenieurwesens und der Architektur
1997–1999
Volontariat am Thüringischen Landesamt für Denkmalpflege
2000Graduiertenstipendium des Freistaates Thüringen
87
Das Europäische Denkmalschutzjahr 1975
2004–2008
2008
seit 2008
seit 2011
Wiss. Mitarbeiter am Lehrstuhl Bauaufnahme und Baudenkmalpflege der Bauhaus-Universität Weimar
Promotion (Arbeit zu den Verbindungen zwischen kommunalen Selbstbildkonstruktionen und Stadtbaugeschichte 1918–
1933)
Mitarbeiter der Denkmalschutzbehörde der Landeshauptstadt
Erfurt
Wiss. Mitarbeiter an der Professur Denkmalpflege und Baugeschichte der Bauhaus-Universität Weimar
Forschungsschwerpunkte
Architektur- und Städtebaugeschichte des 20. Jh.s; Denkmalpflegepraxis; Denkmalpflege für Architektur und Städtebau der Moderne.
Publikationsauswahl
Kulturhäuser und Stadthallen der 60er und 70er Jahre in Ostdeutschland. Denk­
malpraxis, in: Olaf Gisbertz (Hg.): Bauen für die Massenkultur – Stadt- und
Kongresshallen der Sechziger und Siebziger Jahre (in Vorbereitung, erscheint
2015).
(Hg.) Denkmal Ost-Moderne. Aneignung und Erhaltung des baulichen Erbes der
Nachkriegsmoderne, Berlin 2012.
Heimatschutzarchitektur in SBZ und DDR. Die Architekten der Stuttgarter Schu­
le 1945–55, in: Bericht über die 44. Tagung für Ausgrabungswissenschaft und
Bauforschung der Koldewey-Gesellschaft in Wroclaw/Breslau 2006, Stuttgart
2008, S. 37–51.
Zur Problematik der Denkmalpflege bei Bauten der 1960er und 1970er Jahre,
in: kunsttexte.de 1/2005 (www.kunsttexte.de).
(mit Ulrich Wieler) Planen und Bauen in Thüringen 1945–1990. Architektur in
SBZ und DDR (Thüringen gestern und heute 16), Erfurt 2002.
Schulbaukonzepte in der SBZ und der frühen DDR, in: Bernfried Lichtnau (Hg.):
Architektur und Städtebau im südlichen Ostseeraum zwischen 1936 und
1980, Berlin 2002, S. 249–267.
14.45–15.15 Uhr
Olaf Gisbertz, Braunschweig
Denkmaldiskurse 1975/2015: »Denkmalpflege ist Sozialpolitik«
Im Schatten unzähliger Tagungen und Symposien zum Europäischen
Denkmalschutzjahr 1975 fand an der Gesamthochschule Kassel ein
bemerkenswertes Forum statt: Unter Leitung von Lucius Burckhardt,
Schweizer Soziologe und Nationalökonom, wurde hier wie kaum anders88
Das Europäische Denkmalschutzjahr 1975
wo um Bewertung und Werte im Denkmalschutz gerungen und Denkmalpflege gar als »Sozialpolitik« verstanden. Dementsprechend wurde
die Tagung als einwöchige Bottom-up-Arbeitstagung konzipiert: »Nicht
irgendwelche Experten sollten zum wiederholten Male ihre längst bekannten und überall nachzulesenden Thesen in stundenlangen Referaten verkünden, sondern alle Teilnehmer sollten versuchen in eigenen
Beiträgen Probleme des Denkmalschutzjahres einzuschätzen, Ursachen
aufzudecken und eventuell Lösungen zu finden.«
Die Referentenliste für das anschließende Hearing liest sich wie das
»Who is Who« der damaligen Werte-Debatte um Historismus, Spät- und
Postmoderne in Deutschland, die in Anbetracht des aktuellen »Streitwertes« um geschichtlich Altes und historisch Neues in der Denkmalpflege
aktueller denn je erscheint. Der geplante Beitrag wird die Akteure, ihre
Ideen, Wünsche und Ziele vorstellen, und dabei auch die Wirkungsfelder
der Kasseler Initiative für die Denkmalpflege in den Blick nehmen. Ließe
sich aus der Diskussion um Denkmalwerte von damals noch für heute
lernen?
Kurzbiographie Olaf Gisbertz
1997
seit 2005
seit 2007
2010
2014
seit 2014/15
Studium der Kunstgeschichte, Europäischen Ethnologie und
des Städtebaus in Marburg und Bonn
Mitarbeit am Fritz-Thyssen-Forschungsprojekt »Fassadenmalerei in Deutschland vom 14.–18. Jahrhundert«
Promotion (»Bruno Taut und Johannes Göderitz in Magdeburg«, Auszeichnung mit dem Theodor-Fischer-Preis 2002 des
Zentralinstituts für Kunstgeschichte in München)
Postdoc-Studien in den USA und Berater in namhaften Berliner Werbeagenturen
Wiss. Angestellter / freier Mitarbeiter der RWTH Aachen und
der Deutschen Stiftung Denkmalschutz
Wiss. Mitarbeiter am Institut für Bau- und Stadtbaugeschichte
der TU Braunschweig, Fachgebiet »Geschichte + Theorie der
Architektur und Stadt (gtas)«
tätig am Institut für Baugeschichte ebd.
Gründungsvorsitz Netzwerk Braunschweiger Schule e.V.
Gründung des ZBK – Zentrum Baukultur und Kommunikation
als Teil der Innovationsgesellschaft der TU Braunschweig mbH
(iTUBS)
Lehrbeauftragter der Universität Augsburg »Baukultur der Moderne«
89
Das Europäische Denkmalschutzjahr 1975
Forschungsschwerpunkte
Architektur und Städtebau 19.–21. Jh.; Wertewandel / Bauen im Bestand / Theorie des Weiterbauens.
Publikationsauswahl
(Hg.) Bauen für die Massenkultur. Stadt- und Kongresshallen der 1960er und
70er Jahre, Berlin 2015.
Bildungsbauten der Sechziger und Siebziger Jahre – Chancen für Nachhaltigkeit durch Transformation, in: Wüstenrot Stiftung (Hg.): Zukunft der Vergangenheit. Die Erneuerung von Gebäuden der Baujahre 1945 bis 1979, Stuttgart
2014, S. 130–153.
»Nachkriegsmoderne« weitergelesen: Chancen für Identität und Erinnerung im
(Denkmal-)Diskurs der Moderne?, in: Kai Kappel und Jürgen Müller (Hg.):
Geschichtsbilder und Erinnerungskultur in der Architektur des 20. und 21.
Jahrhunderts, Regensburg 2014, S. 167–184.
Architekturillusionismus – Imaginäre Interaktionen im (Stadt-)Raum, in: INSITU.
Zeitschrift für Architekturgeschichte (1/2013), S. 27–36.
(Hg.) Nachkriegsmoderne kontrovers – Positionen der Gegenwart, Berlin 2012.
90
Schatzkunst und Repräsentation.
Der Wert der (angewandten) Künste
Leitung: Birgitt Borkopp-Restle, Bern / Dirk Syndram, Dresden
Sektionsvorträge
Donnerstag, 26. März 2015, 09.00–15.45 Uhr, Philosophicum, Hörsaal P 2
09.00–09.30 Uhr
Einführung durch die Sektionsleitung
09.30–10.00 Uhr
Andrea von Hülsen-Esch, Düsseldorf
Zur Produktion von Werten
10.00–10.15 Uhr
Diskussion
10.15–10.45 Uhr
Christine Nagel, Dresden
Überlegungen zu Wert und Funktion von Schmuck und Prunk­
waffen im 16. und 17. Jahrhundert
10.45–11.00 Uhr
Diskussion
11.00–11.45 Uhr
Pause
11.45–12.15 Uhr
Stefan Heinz, Luxemburg
Militärischer, materieller oder künstlerischer Wert? Prunkgeschütze
als höfische Repräsentationsobjekte am Beginn der Frühen Neuzeit
12.15–12.30 Uhr
Diskussion
91
Schatzkunst und Repräsentation
12.30–14.00 Uhr
Pause
14.00–14.30 Uhr
Ariane Koller, Bern
Objektwelten in Bewegung. Die Performativität der Macht am Hof
des Kurfürsten Johann Georg I. von Sachsen
14.30–14.45 Uhr
Diskussion
14.45–15.15 Uhr
Michael Wenzel, Wolfenbüttel
»vnd wol kein potentat in der Christenheit der gleichen kunst
werckh vmb so ain geringen nit hat, [...]« – Wertkonstitution als
kommunikativer Akt bei Philipp Hainhofer
15.15–15.45 Uhr
Diskussion
Inhalt der Sektion
Die relativen, auch veränderlichen oder gar fragilen Bewertungen, denen Kunstwerke immer wieder unterworfen wurden, sind Thema dieses
Kunsthistorikertages. Im Sinne der Selbstreflexion des Faches gehört in
diesen Kontext auch eine kritische Auseinandersetzung mit den Hierarchien der Künste, die – implizit oder explizit – in der akademischen Kunstgeschichte wirksam sind. In dieser Sektion wird die Bewertung der sogenannten angewandten oder dekorativen Künste mit einer historischen
und wissenschaftsgeschichtlichen Perspektive einer Überprüfung unterzogen. Seit dem frühen 20. Jahrhundert (genauer: nachdem das Interesse des 19. Jahrhunderts an den Kunstgewerben abgeebbt war) werden
Werke der Goldschmiedekunst, der textilen Künste oder der Keramik,
ebenso wie Möbel, Uhren und Automaten, Waffen und Rüstungen von
der universitären Forschung nur noch gelegentlich berücksichtigt. Namentlich an den europäischen Höfen der Frühen Neuzeit wurde jedoch
gerade diesen Objekten ein außerordentlich hoher Rang zugemessen,
und die Bezeichnung Schatzkunst reflektiert nicht allein ihren materiellen
Wert und die handwerkliche Meisterschaft, ja Virtuosität, die sich in ihnen
manifestiert: In den Situationen, die die historische Forschung in jüngerer
92
Schatzkunst und Repräsentation
Zeit unter dem Aspekt der Performativität betrachtet hat, kam ihnen nicht
selten entscheidende Bedeutung zu. Ihre Auswahl für die Ausstattung
von Fest- und Empfangsräumen lag häufig in der unmittelbaren Verfügung ihres fürstlichen Besitzers, in Ritus und Zeremoniell vermittelten sie
höchst differenzierte Botschaften. In ihnen gewann dynastische Tradition
gleichsam materialisierte Gestalt.
Eine Reevaluation der sogenannten angewandten Künste muss – mit
einem methodisch reflektierten Zugriff, der die kunsthistorischen Hierarchisierungen des 19. und 20. Jahrhunderts überwindet – Präsenz und
Funktionen von Objekten im höfischen Kontext der frühen Neuzeit in den
Blick nehmen. Dabei gilt es vor allem, die Strategien zu identifizieren, mit
denen Signifikanz und Valenz erzeugt wurden. Studien, die in letzter Zeit
unternommen wurden, weisen darauf hin, dass für die Wertkonstitution
und -vermittlung solcher Objekte deren Aktivierung im Rahmen kommunikativer Handlungen eine wichtige Rolle spielte. Wiederholte Einsätze
konnten im Sinne einer amplificatio oder einer Bedeutungsakkumulation
in der longue durée fungieren. Untersuchungen in diesem Feld sind geeignet, auch grundsätzlich Wertkategorien und Wertsetzungen in kunsthistorischen Diskursen zu beleuchten.
Birgitt Borkopp-Restle, Bern / Dirk Syndram, Dresden
Kurzbiographie Birgitt Borkopp-Restle
1976–1991
1991
1992
1993
1993–2005
2005–2008
seit 2009
Studium der Kunstgeschichte, Byzantinistik und Romanistik in
Bonn
Promotion an der Universität Bonn (»Die Textilsammlungen
des Aachener Kanonikus Franz Bock«, publ. Riggisberg 2008)
Ausstellungsassistenz am Museum Schnütgen, Köln
Wiss. Assistentin am Germanischen Nationalmuseum, Nürnberg
Konservatorin am Bayerischen Nationalmuseum, München
Direktorin des Museums für Angewandte Kunst, Köln
Inhaberin des Lehrstuhls für die Geschichte der textilen Künste (Abegg-Stiftungsprofessur) am Institut für Kunstgeschichte
der Universität Bern
Präsidentin des CIETA (Centre International d’Etude des Textiles Anciens) und Mitglied des Fachbeirats des Deutschen
Vereins für Kunstwissenschaft
93
Schatzkunst und Repräsentation
Forschungsschwerpunkte
Geschichte der textilen Künste mit Schwerpunkt im Mittelalter und der Frühen
Neuzeit; textile Objekte als Medien fürstlicher und bürgerlicher Repräsentation;
Museums- und Sammlungsgeschichte und ihre Theorien; Forschungsgeschichte des Kunsthandwerks; Kulturtransfer zwischen Europa und dem Orient; Mittelalterrezeption im 19. Jh.; Präsentation und Vermittlung von Objekten der angewandten Künste im musealen Kontext.
Publikationsauswahl
Mit großen Freuden, Triumph und Köstlichkeit – Textile Schätze aus Renaissan­
ce und Barock. Bestandskatalog des Bayerischen Nationalmuseums, Mün­
chen 2002.
Die Textilsammlungen des Aachener Kanonikus Franz Bock. Ein Beitrag zur Ge­
schichte der Kunstgewerbemuseen im 19. Jahrhundert, Riggisberg 2008.
Die textilen Künste, in: Geschichte der bildenden Kunst in Deutschland, Bd. 3:
Gotik (Hg. Bruno Klein), S. 560–568; Bd. 4: Spätgotik und Renaissance (Hg.
Katharina Krause), S. 562–577, beide München 2007.
Stamped Silk Velvets – Patterns and Techniques, in: Anna Jolly (Hg.): Furnishing Textiles. Studies on 17th and 18th-Century Interior Decoration (Riggisber­
ger Berichte 17), Riggisberg 2009, S. 191–200.
(mit Barbara Welzel) Material, Licht und Bewegung. Der vestimentäre Auftritt
von Erzherzogin Isabella und Erzherzog Albrecht in ihren Staatsportraits, in:
Philipp Zitzlsperger (Hg.): Kleidung im Bild. Zur Ikonologie dargestellter Gewandung, Berlin 2010, S. 99–112.
Persische und polnische Schärpen. Signaturen nationaler Identität und Luxus­
textilien in einem internationalen Markt, in: Axel Langer (Hg.), Sehnsucht
Per­sien. Austausch und Rezeption in der Kunst Persiens und Europas im 17.
Jahrhundert & Gegenwartskunst aus Teheran, Kat. Museum Rietberg, Zürich
2013, S. 136–151.
(Hg. mit Barbara Welzel) »Eines der wichtigsten Monumente unserer Zeit überhaupt«. Das Krematorium von Peter Behrens in Hagen, Essen 2014, darin
auch: Die Grammatik des Ornaments und andere Perspektiven. Begegnungen mit der Kunst des Orients, S. 95–121.
Kurzbiographie Dirk Syndram
1977–1985
1983–1984
1985
1986–1987
1987–1992
94
Studium der Kunstgeschichte, Ägyptologie und klassischen
Archäologie in Hamburg
Forschungsaufenthalte in London und Paris
Promotion
Wiss. Museumsassistent in Fortbildung bei den Staatlichen
Museen Preußischer Kulturbesitz, Berlin
Wiss. Mitarbeiter der Kunsthalle Bielefeld, dann stellv. Amtsleiter des historischen Museums der Stadt Bielefeld, jew. mit
dem Aufgabengebiet: Leitung der Kunstgewerbesammlung der
Schatzkunst und Repräsentation
seit 1993
1998–2002
seit 2002
2003
2006
2011–2012
Stadt Bielefeld / Stiftung Huelsmann
Direktor des Grünen Gewölbes, Staatliche Kunstsammlungen
Dresden (SKD)
Stellv. Generaldirektor der SKD
zusätzlich Schlossdirektor, Dresdner Residenzschloss
Berufung zum Honorarprofessor für Kunstgeschichte an der
Technischen Universität Dresden
Ernennung zum Direktor der Rüstkammer der SKD
kommissarischer Generaldirektor der SKD
Mitglied der Geschäftsführung der SKD und stellv. Generaldirektor
Publikationsauswahl
Die Schatzkammer Augusts des Starken. Von der Pretiosensammlung zum
Grünen Gewölbe, Leipzig 1999.
Schatzkunst der Renaissance und des Barock. Das Grüne Gewölbe zu Dresden, München/Berlin 2004.
(Hg. mit Martina Minning) Die kurfürstlich-sächsische Kunstkammer in Dresden.
Geschichte einer Sammlung, Dresden 2012.
Vorträge
09.30–10.00 Uhr
Andrea von Hülsen-Esch, Düsseldorf
Zur Produktion von Werten
Schatzkunst als Gegenstand der Forschung ist durchaus kein neues
Thema, wie zahlreiche Publikationen zu den Kunst- und Wunderkammern, insbesondere seit der Jahrtausendwende, belegen. Dennoch
wurden diese Räume bislang eher als ein Sammlungsort der Vielfalt begriffen und unter ›Schatzkunst‹ zumeist die mittelalterliche, in kirchlichen
Schatzkammern aufbewahrten Objekte gefasst. Allerdings wurden auch
Teile der Kunst- und Wunderkammern in den Inventaren als »Schatzkammern« bezeichnet, was Anlass zu der Frage bieten sollte, welche Kunstwerke darin aufbewahrt wurden, aus welchen Materialien sie gefertigt
waren, woher sie stammten, welche Funktion sie besaßen, wann sie zu
sehen waren etc. Dabei ist das, was als Schatzkunst aufgefasst wurde,
nicht in jedem Falle ein Synonym für die Hochpreisigkeit des Materialwerts. Wenngleich die Verfügbarkeit des Materials, die Seltenheit eines
Rohstoffs, die handelsbedingten und durch politische Allianzen geprägten Verbindungen ein Faktor für die Wertschätzung eines Objekts sein
95
Schatzkunst und Repräsentation
können, so kann der individuelle Wert durch eine symbolische Aufladung
etwa beim besonderen Gebrauch im Zeremoniell oder als Ausstattungsstück konstituiert werden. Darüber hinaus aber möchte der Vortrag diejenigen Prozesse für die Konstituierung von Wert in den Blick nehmen, die
mit der Wahrnehmung von Material und Objekt, mit der künstlerischen
Produktion, der spezialisierten Fertigung, der Materialkombination und mit
der diskursiven Betrachtung und Verwendung der Objekte einhergehen.
Am Beispiel der Elfenbeinkunst vom 15. bis zum 17. Jahrhundert soll
auch thematisiert werden, inwieweit materiale Aspekte das Werk des
Künstlers formen oder beeinflussen, inwieweit sie in die thematische
Festlegung eingehen und wie die Aura des Objekts (im Benjamin’schen
Sinne) nicht nur die visuelle, sondern auch die taktil-haptische Wahrnehmung prägt. Mit dem Materiellen eng verbunden ist das durch gedankliche Freiräume geschaffene Immaterielle, sind es die Illusionsräume,
die über das Auge beim Durchwandern der Objekt- und Bildstrukturen
vermittelt werden – auch dies sind Faktoren der Wertschätzung, die sich
über eine gesteigerte Produktion dann auch im materiellen Wert niederschlagen. Neben der Reflexion des Materials sollen also die medialen,
kulturellen und symbolischen Konstitutionsprozesse für die Produktion
von Werten thematisiert werden.
10.15–10.45 Uhr
Christine Nagel, Dresden
Überlegungen zu Wert und Funktion von Schmuck und Prunk­
waffen im 16. und 17. Jahrhundert
Schmuck und Juwelierarbeiten spielten im adligen »Alltag«, d. h. in
der höfischen Repräsentation und im Geschenkaustausch des 16. und
17. Jahrhunderts eine große Rolle. Dass diese heute selten Beachtung
finden, liegt vor allem daran, dass nur sehr wenige dieser Stücke erhalten
sind.
Die sächsischen Kurfürsten gehörten um 1600 zu den mächtigsten Fürsten im Heiligen Römischen Reich deutscher Nation und waren
aufgrund ihrer Position nicht nur zur entsprechenden Selbstdarstellung
verpflichtet, sondern hatten auch den Ansprüchen an Freigebigkeit und
Großzügigkeit nachzukommen, die ein derartiger Stand als Reichsfürst
erforderte. Zur Repräsentation gehörten neben der Kleidung vor allem
Prunkwaffen und Schmuck. Juwelierarbeiten bildeten zugleich die bedeutendste Kategorie der zwischen Fürstenhöfen ausgetauschten sowie
96
Schatzkunst und Repräsentation
der innerhalb des eigenen Hofstaates verteilten Geschenke.
Anhand der erhaltenen Unterlagen im Sächsischen Hauptstaatsarchiv
lassen sich Werte verschiedener Objektarten (Juwelierarbeiten, Goldschmiedewerke, Kunstkammerstücke, Gemälde) in den Jahren um 1600
feststellen. Die Zahlen zeigen, dass Juwelierarbeiten in unvorstellbaren
Mengen beauftragt und gekauft wurden. Jedes Mitglied der kurfürstlichen
Familie besaß seinen eigenen Schmuck, der von einer Vertrauensperson
verwaltet wurde. Hochzeiten, Taufen, Weihnachten, Besuche befreundeter Fürsten boten Anlässe für Geschenke in Form von Schmuck und kostbaren Waffen. In der Regierungszeit Christians II. (1601–1611) erreichten
die Ausgaben für Kleinodien einen Höhepunkt bei gleichzeitiger Leere
der Kassen. Erstmals befanden es die Kammerräte und engen Berater
des Kurfürsten für nötig, ihren Fürsten auf die Möglichkeit der Verwertung
älterer, nicht mehr getragener Juwelierarbeiten hinzuweisen, anstatt stetig neue Dinge zu erwerben.
Anhand der Quellen werden zudem Erkenntnisse zum materiellen Wert
und Preis von Juwelierarbeiten im Vergleich zu Handwerkerlöhnen, anderen Kunstwerken und Arbeiten vorgestellt.
Kurzbiographie Christine Nagel
1996–2001
2009
2004–2006
2008–2014
seit 2015 Studium der Kunstgeschichte und Geschichte in Dresden
Promotion an der Technischen Universität Dresden
(»Schmuck der sächsischen Kurfürsten um 1600. Untersuchung zum Umgang mit Schmuck und dessen Funktion im
Rahmen fürstlicher Repräsentation und Kommunikation«)
Museumsmitarbeiterin im Grünen Gewölbe, Staatliche Kunstsammlungen Dresden
Wiss. Mitarbeiterin im Provenienzrechercheprojekt »Daphne«
an den Staatlichen Kunstsammlungen Dresden (Rüstkammer)
Wiss. Mitarbeiterin im Grünen Gewölbe, Dresden
Forschungsschwerpunkte
Kunstwerke, Schmuck, Waffen der sächsischen Kurfürsten aus dem 16. und 17.
Jh.; Geschichte der kurfürstlich-sächsischen Sammlungen (Kunstkammer, Rüstkammer, Grünes Gewölbe).
Publikationsauswahl
Gesellschaften der sächsischen Kurfürsten, in: Stadtmuseum Dresden (Hg.):
Dresdner Geschichtsbuch 13, Altenburg 2008, S. 53–75.
(mit Susanne Ruf) Die »Schenckischen Reliquien« von 1605/1620. Schmuck
aus der Gruft der Schenken von Tautenburg in Frauenprießnitz, in: Aus der
Arbeit des Thüringischen Landesamtes für Denkmalpflege und Archäologie,
97
Schatzkunst und Repräsentation
Erfurt 2009, S. 183–201.
Die Mitgift der Herzogin Sophia von Sachsen bei ihrer Heirat mit Herzog Franz
I. von Pommern-Stettin, in: Materiały Zachodniopomorskie, Nowa Seria IV,
2007/2008, z. 2, Stettin 2012, S. 57–78.
Professionalität und Liebhaberei: Die Kunstkämmerer von 1572 bis 1832,
in: Dirk Syndram und Martina Minning (Hgg.): Die kurfürstlich-sächsische
Kunstkammer in Dresden. Geschichte einer Sammlung, Dresden 2012, S.
360–379.
Meisterwerke der Juwelierkunst – Drei Wehrgehänge aus dem Besitz des Kurfürsten Johann Georg I. von Sachsen aus den Jahren 1617 und 1624 in der
Dresdner Rüstkammer, in: Waffen- und Kostümkunde (2/2014), S. 169–186.
11.45–12.15 Uhr
Stefan Heinz, Luxemburg
Militärischer, materieller oder künstlerischer Wert? Prunkgeschütze
als höfische Repräsentationsobjekte am Beginn der Frühen Neuzeit
Gemeinhin werden Militaria nicht zu den Kunstgegenständen gezählt,
so dass Prunkgeschütze primär unter militärhistorischen Gesichtspunkten untersucht werden. Dieses Bild dürfte kaum den Realitäten des 16.
Jahrhunderts entsprochen haben, in denen Kanonen eine zusätzliche
Bedeutungsebene als Repräsentationsobjekte besaßen. Der militärische
Nutzen von Kanonen ist für den Beginn des 16. Jahrhunderts nur abschätzbar; abseits davon steht der repräsentative Aspekt außer Frage.
Wenn Kaiser Maximilian während des Reichstags 1512 Schießübungen auf antike Ruinen durchführen lässt, ist dies nur ein beispielhafter
Ausweis dieser Funktion. Dass eine Kanone ein kostbares Objekt mit
repräsentativer Symbolbedeutung darstellte, lässt sich mehrfach belegen: durch erhaltene Exemplare, aber auch durch die Tatsache, dass Geschütze als bildwürdige Motive in der Kunst etabliert wurden. Kaum eine
Bildquelle spiegelt den Stellenwert von Geschützen am Beginn des 16.
Jahrhunderts so anschaulich wider wie Burgkmairs Holzschnitt aus dem
›Weißkunig‹, dessen Begleittext darüber aufklärt, Wie der Jung Weyß
kunig kunstlich was, mit der Artalerey. Beim Besuch des Arsenals soll
er lernen, dass die Geschützbaukunst zum Kenntnisstand des Fürsten
zählt, da rein wehrtechnisch der Artillerie die Zukunft der Kriegsführung
gehören sollte.
Es dürfte jedoch gleichermaßen einen Kunstwert von Kanonen gegeben haben, der den kriegstaktischen und materiellen Wert unter Umstän98
Schatzkunst und Repräsentation
den überbieten konnte. Der Vortrag versucht nachzuzeichnen, dass die
Ausschmückung der Geschütze mit Sinnsprüchen und spezifischer Ikonographie sowie die imperiale Ikonologie der Bronze eine über den militärischen Nutzen hinausgehende zweite Bedeutungsebene eröffnet, die
dem modernen Begriff der »Imagepflege« nahekommt. Der mit Waffen
ausgerüstete Fürst umgab sich mit der Aura des im Krieg versierten, aber
auch um die eigene Bevölkerung besorgten Herrschers.
Kurzbiographie Stefan Heinz
1994–2002
Studium der Kunstgeschichte und Geschichte in Trier (Magis­
terarbeit: »O Bedenck das End – Studien zum Mainzer Marktbrunnen«)
2002–2008
Berufliche Tätigkeit im administrativen Bereich (HR) und im
Marketing
2008–2014
Wiss. Mitarbeiter am Lehrstuhl für Kunstgeschichte an der
Uni­versität Trier
2013Promotion an der Universität Trier (»Richard von Greiffenklau
und sein Grabmal – Studien zu einem geistlichen Kurfürsten
an der Wende zur Neuzeit«)
seit 2014 FNR-Research Fellow an der Universität Luxemburg mit dem
Forschungsprojekt »Identity Deletion: The strategies for architectural and urban redesign of Luxembourg City during the
Nazi occupation«
Forschungsschwerpunkte
Architektur des 20. Jahrhunderts; der Mittelrhein als Kunstlandschaft; Skulptur
der Spätgotik und nordalpinen Frührenaissance; Brunnen und Grabdenkmäler
als historische Medien; geistliche Fürsten als Auftraggeber.
Publikationsauswahl
(mit Barbara Rothbrust und Wolfgang Schmid) Die Grabdenkmäler der Erzbischöfe von Trier, Köln und Mainz, Trier 2004.
O BEDENCK DAS END – Der Mainzer Marktbrunnen: Ein Beitrag zur Memoria
Albrechts von Brandenburg, in: Andreas Tacke (Hg.): Kontinuität und Zäsur.
Ernst von Wettin und Albrecht von Brandenburg (Schriftenreihe der Stiftung
Moritzburg, Kunstmuseum des Landes Sachsen-Anhalt 1), Göttingen 2005, S.
264–349.
Rom in Trier und Mainz. Die Brunnen der Schönborn, in: Dorothee Rippmann,
Wolfgang Schmid und Katharina Simon-Muscheid (Hgg.): »... zum allgemeinen statt nutzen«. Brunnen in der europäischen Stadtgeschichte, Trier 2008,
S. 205–230.
(Hg. mit Andreas Tacke, Christof Metzger und Ingrid Sybille Hoffmann) Menschenbilder. Beiträge zur Altdeutschen Kunst, Petersberg 2011.
99
Schatzkunst und Repräsentation
Copy and paste? Zur Rezeption von Altdorfers Druckgrafik in der Reliefskulptur
des Mittelrheins, in: Christoph Wagner und Oliver Jehle (Hgg.): Albrecht Altdorfer. Kunst als zweite Natur (Regensburger Studien zur Kunstgeschichte
17), Regensburg 2012, S. 189–197.
14.00–14.30 Uhr
Ariane Koller, Bern
Objektwelten in Bewegung. Die Performativität der Macht am Hof
des Kurfürsten Johann Georg I. von Sachsen
In der höfischen Kultur der Frühen Neuzeit waren Objekte der sogenannten angewandten Künste nicht nur omnipräsent, sondern besaßen insbesondere für die Konstituierung der auf optische und haptische Wahrnehmung gerichteten Repräsentationsstrategien europäischer
Fürstenhäuser eine in der kunsthistorischen Forschung nach wie vor
unterschätzte Relevanz. Innerhalb der symbolischen Kommunikation fun­
gierten sie als wesentliche Elemente des Zeremoniells und boten die
Möglichkeit, die für die fürstliche Machtentfaltung fundamentalen Aspekte der Sichtbarkeit und des Vollzugs auf einer ästhetischen Ebene zu
verbinden, indem sie in performativen Akten gleichsam selbst als handelnde Akteure auftraten. Diesen semantisch aufgeladenen Funktionen
und damit zugleich dem historischen Wert derartiger Objekte möchte der
Vortrag anhand der Untersuchung zweier Globuspokale (1626–29) und
eines Prunkkleides (1611) aus dem Besitz des Kurfürsten Johann Georg
I. von Sachsen (1585–1656) nachgehen. Als wesentliche Bestandteile
einer vielfältigen Objektwelt, in welcher und durch welche der sächsische
Souverän agierte, waren sie über die reine Anschaulichkeit hinaus für
die somatische Interaktion mit dem Herrscher konzipiert. Gerade die mit
den Objekten vollzogenen Handlungen – etwa das Heben und In-Bewegung-Setzen der mit einem Laufwerk ausgestatteten Pokale sowie das
Anlegen, Tragen und Vorführen des Prunkkleides – waren, so die hier
vertretene These, für die sinnfällige Zurschaustellung der fürstlichen Magnificentia Johann Georgs von entscheidender Bedeutung.
Kurzbiographie Ariane Koller
1999–2005
2005–2008
100
Studium der Kunstgeschichte, Neueren Deutschen Literaturwissenschaft und Medienpädagogik in Augsburg
Stipendiatin des Graduiertenkollegs »Wissensfelder der Neuzeit. Entstehung und Aufbau der europäischen Informationskultur« der Universität Augsburg
Schatzkunst und Repräsentation
2008–2009
seit 2010
2011
Wiss. Hilfskraft am Forschungsprojekt »Corpus Kölner Borten« des Instituts für Textilwissenschaft der Universität zu Köln
Freie Mitarbeiterin am Museum Ludwig, Köln. Digitale Erfassung der Grafischen Sammlung
Wiss. Assistentin der Abteilung »Geschichte der textilen Künste« des Instituts für Kunstgeschichte der Universität Bern
Promotion an der Universität Augsburg (»Weltbilder und die
Ästhetik der Geographie. Die Offizin Blaeu und die niederländische Kartographie der Frühen Neuzeit«)
Habilitationsprojekt (Thema: »Stoffe der Trauer – Stoffe der
Macht. Textile Objekte im höfischen Trauerzeremoniell der
Frühen Neuzeit«)
Forschungsschwerpunkte
Geschichte der textilen Künste; Kunst und Wissenschaft in der Frühen Neuzeit;
Niederländische Druckgraphik des 16. und 17. Jh.s; Kunst und Zeremoniell.
Publikationsauswahl
(Hg. mit Flemming Schock und Oswald Bauer) Dimensionen der Theatrum-Me­
ta­pher in der Frühen Neuzeit – Ordnung und Repräsentation von Wissen,
Han­nover 2008.
Weltbilder und die Ästhetik der Geographie. Die Offizin Blaeu und die niederländische Kartographie der Frühen Neuzeit, Affalterbach 2014.
(mit Anna Pawlak) Spektakel der Neugier. Strandung und Tod eines Wals als
me­diales Ereignis in der niederländischen Kunst der Frühen Neuzeit, in: Jessica Ullrich und Antonia Ulrich (Hg.): Tierstudien, Tiere und Tod (5/2014), S.
15–29.
Allegorie und Wissenschaft. Zwei Weltkarten der Offizin Blaeu, in: Michael Bi­
schoff (Hg.): Kartographie der Frühen Neuzeit – Weltbilder und Wirkungen,
2015 (im Druck).
14.45–15.15 Uhr
Michael Wenzel, Wolfenbüttel
»vnd wol kein potentat in der Christenheit der gleichen kunst
werckh vmb so ain geringen nit hat, [...]« – Wertkonstitution als
kommunikativer Akt bei Philipp Hainhofer
Der Augsburger Kunstagent Philipp Hainhofer (1578–1647) schuf mit
den von ihm konzipierten Kunstschränken Hauptwerke der Angewandten
Kunst des 17. Jahrhunderts. In ihrer Verbindung von komplexem Kunstmöbel und mitgeliefertem Sammlungsinhalt, beides von höchster künst101
Schatzkunst und Repräsentation
lerischer Fertigungsqualität, lieferte er »Komplettlösungen« für fürstliche
Kunstsammlungen.
Der Beitrag hat zum Ziel, Hainhofers mediale Vermittlungen seiner
gro­ßen Kunstschränke in Korrespondenz, anleitungsmäßigen Beschreibungen und Präsentationszeichnungen dahingehend zu untersuchen, in­
wiefern sie zur Wertkonstitution des Objekts in der Imagination des Rezipienten beitrugen. Die Beschreibungen und zum Teil auch Zeichnungen
der Kunstschränke waren Teil von Hainhofers Relationen derjenigen Reisen, die der Übergabe der Schränke dienten. Die Werbeabsicht dieser
Beschreibung und Zeichnungen war intendiert, auch wenn sie eigentlich
nur der Darlegung eines Sachverhalts, nämlich der inszenierten Auslieferung eines bestellten Kunstwerks dienten. Entsprechend der höfischen
»Tugend« der Dissimulatio lag in dem Nichtaussprechen einer direkten
Kundenansprache der größte Werbeeffekt.
Ebenso versinnbildlichen die Zeichnungen die Verfügungsgewalt des
Objektherrn über das Kunstwerk. Die Kunstschränke selbst enthalten zudem Referenzen auf ihren Gebrauch, ihre Herstellung und Vermarktung.
Ihr Wert konstituiert sich folglich neben dem Materialwert und der Kunstfertigkeit ihrer Schöpfer auch aus einem kommunikativen Akt heraus,
dessen mediale Träger neben den beschreibenden Texten und Zeichnungen auch die Kunstwerke selbst sind.
Hainhofers Kunstschränke und ihre medialen Repräsentationen gehören folglich zu den »Things that talk« innerhalb eines höfischen Kontexts.
Eine solche Benennung von Objekten der Angewandten Kunst als Akteure trifft nicht nur Aussagen über ihre Wertkonstitution an den Höfen
der Frühen Neuzeit, sondern auch über ihre spätere Wertschätzung oder
auch Geringschätzung im Rahmen der akademischen Kunstgeschichte.
Kurzbiographie Michael Wenzel
1988–1995
2000–2001
2001
2002–2004
2004–2008
102
Studium der Europäischen und Ostasiatischen Kunstgeschichte sowie der Klassischen Archäologie in Heidelberg (Magisterarbeit: »Adam Friedrich Oeser und Weimar. Theorie und
Praxis in der Kunst zwischen Aufklärung und Klassizismus«)
Wiss. Mitarbeiter in Forschung und Lehre am Kunsthistorischen Seminar der Universität Jena
Promotion an der Universität Heidelberg (»Heldinnengalerie
– Schönheitengalerie. Studien zu Genese und Funktion weiblicher Bildnisgalerien 1470–1715«)
Wiss. Volontär am Herzog Anton Ulrich-Museum
Braunschweig
Wiss. Mitarbeiter am Winckelmann-Museum Stendal, ab 2006
in leitender Funktion
Schatzkunst und Repräsentation
seit 2008
Wiss. Mitarbeiter an der Herzog August Bibliothek Wolfenbüttel
Forschungsschwerpunkte
Sammlungsgeschichte und Raumkunst der Frühen Neuzeit; angewandte Kunst:
Möbel als Medien; politische Funktion von Kunst; Porträtkunst aus geschlechtergeschichtlicher Perspektive; Johann Joachim Winckelmann und die Kunsttheorie des 18. Jh.s; Frühklassizismus und Kunstakademien in Deutschland;
Gartenkunst der Frühen Neuzeit.
Publikationsauswahl
Adam Friedrich Oeser. Theorie und Praxis in der Kunst zwischen Aufklärung
und Klassizismus, Weimar 1999.
Römische Gärten der Winckelmann-Zeit. Geregelte Form – ungezügelte Natur,
mit Beiträgen von Brigitte Pawlitzki und Dunja Zobel-Klein, Ausst.-Kat. Stendal, Ruhpolding/Mainz 2006.
Frauenbilder. Antike Bildwelten und weibliche Lebenswelten im 18. Jahrhundert,
Ausst.-kat. Stendal, Ruhpolding/Mainz 2008.
Die Gemälde der Herzog August Bibliothek Wolfenbüttel (Wolfenbütteler For­
schungen 133), Wiesbaden 2012.
(Hg.) Philipp Hainhofer (1578–1647). Handeln mit Kunst und Politik, Wolfenbütteler Barock-Nachrichten Jg. 41 Nr. 1/2 (2014).
103
Stachel im Fleisch einer säkularen Bildkultur?
Der Wert der Kunst in zeitgenössischen religiösen
Kontexten
Leitung: Matthias Müller, Mainz / Stefan Kraus, Köln
Sektionsvorträge
Donnerstag, 26. März 2015, 09.00–15.45 Uhr, Philosophicum, Hörsaal P 5
09.00–09.30 Uhr
Einführung durch die Sektionsleitung
09.30–10.00 Uhr
Piotr O. Scholz, Lublin
Lichtmystik in der zeitgenössischen Kunst. Zwischen Transzendenz und Mythos
10.00–10.15 Uhr
Diskussion
10.15–10.45 Uhr
Marion Thielebein, Berlin
Bilder: Umgekehrt eingestellt. Bill Violas Version von Auferstehung
und Tod anhand des ägyptischen Totenbuchs
10.45–11.00 Uhr
Diskussion
11.00–11.45 Uhr
Pause
11.45–12.15 Uhr
Wolf Jahn, Hamburg
Revision und Aktualisierung von Heilsgeschichte im Werk von
­Gilbert & George
12.15–12.30 Uhr
Diskussion
104
Der Wert der Kunst in zeitgenössischen religiösen Kontexten
12.30–14.00 Uhr
Pause
14.00–14.30 Uhr
Sandra Frimmel, Zürich
Zweierlei Bilder. Zur Diskussion über Kultbild und Kunstwerk in
den russischen Kunstgerichtsprozessen der 2000er Jahre
14.30–14.45 Uhr
Diskussion
14.45–15.15 Uhr
Mariana Gräfin von Westarp, Lemberg/Bonn
Was könnte Sakralkunst sein? Einblick in die Sammlung Symbolum
Sacrum (Lemberg, Ukraine)
15.15–15.45 Uhr
Diskussion
Inhalt der Sektion
Fragen wir nach dem Wert der Kunst in unserer heutigen Gesellschaft,
dann gehören zeitgenössische religiöse Kontexte wesentlich dazu. Sie
umfassen ein weites Spektrum: Es beginnt beim Umgang mit vormoderner religiöser Kunst im tradierten Raum der Kirchen, reicht weiter zur Integration moderner bzw. zeitgenössischer Kunst in Kirchenräume sowie
zum Status religiös konnotierter Kunst im Werk zeitgenössischer Künstlerinnen und Künstler und endet bei der Musealisierung. Welchen Wert
kann Kunst unter diesen Bedingungen entfalten bzw. welche Wertschätzung und welches Verständnis von Kunst artikuliert hier eine moderne
Gesellschaft mit säkularen Tendenzen?
Anhand der Sektionsvorträge soll exemplarisch aufgezeigt und diskutiert werden, in welcher Weise moderne bzw. zeitgenössische Kunst dazu
in der Lage ist, ein anspruchsvolles, die Ideen und visuellen Erwartungen
der Moderne reflektierendes künstlerisches Konzept und die Fähigkeit
zur Vermittlung theologisch-philosophisch definierter Werte und religiöser Inhalte auf angemessene Weise miteinander zu verbinden. Diese
Frage betrifft nur vordergründig das Problem Abstraktion versus Figuration. Denn beides gehörte bereits in der mittelalterlichen Sakralkunst zum
Grundrepertoire bildlicher Konzepte und prägte auch die Moderne nach105
Der Wert der Kunst in zeitgenössischen religiösen Kontexten
haltig. Zu klären ist daher vielmehr, welche konzeptionellen Ansprüche an
Kunst in religiösen Kontexten der Gegenwart gestellt und welche Rezeptionsfähigkeiten erwartet werden. Schließlich ist danach zu fragen, welche Bedeutung Aufträge, bei denen sich moderne Künstler zwangsläufig
mit den jahrhundertealten Traditionen vormoderner religiös konnotierter
Kunst auseinandersetzen müssen, für die Künstler selbst besitzen?
Durch die Kooperation von Universität und Museum, die sich in der
Sektionsleitung darstellt, besteht die Möglichkeit, am Beispiel der einzelnen Beiträge die Erscheinungsformen des Religiösen im Kunstwerk
sowie dessen Funktion in religiösen Kontexten aus den verschiedenen
Blickwinkeln der Institutionen zu befragen: Inwieweit und mit welcher Methodik kann der Wert der Kunst als eine Möglichkeit spiritueller Erfahrung
wissenschaftlich erforscht, gewürdigt und vermittelt werden?
Matthias Müller, Mainz / Stefan Kraus, Köln
Kurzbiographie Matthias Müller
1985–1991
1995
2001
1994–95
1995–2002
2002–2006
seit 2006
Studium der Kunstgeschichte, Neueren Deutschen Literatur,
Christlichen Archäologie und Byzantinischen Kunstgeschichte
in Marburg, Berlin und Hamburg
Promotion an der Universität Marburg (»Die Zweiturmanlage
der Marburger Elisabethkirche. Die Vollendung der Grabeskirche einer königlichen Frau. Baugeschichte, Vorbilder, Bedeutung«, publ. Marburg 1997)
Habilitation an der Universität Greifswald (»Das Schloss als
Bild des Fürsten. Herrschaftliche Metaphorik in der Residenzarchitektur des Alten Reichs«, publ. Göttingen 2004)
Wiss. Volontär am Landesmuseum Koblenz
Wiss. Assistent u. Oberassistent an der Universität Greifswald
Vertretungsprofessor an der Universität Greifswald
Professor für Kunstgeschichte an der Universität Mainz
Forschungsschwerpunkte
Formen der Bildlichkeit; Repräsentation und Historizität in der Architektur; Bildkonzepte in der höfischen Graphik und Malerei; politische Ikonographie; Kunst
als Medium der Erinnerungs- und Residenzkultur; Kunst in Prozessen des Kulturtransfers.
Publikationsauswahl
Vom Haus »wie Wir« zum Haus »wie Ich«: Frank Owen Gehrys Haus in Santa
Monica als Bruch mit der Tradition kollektiver Identität in der Architektur, in:
106
Der Wert der Kunst in zeitgenössischen religiösen Kontexten
Salvatore Pisani und Elisabeth Oy-Marra (Hgg.): Ein Haus wie Ich. Gebaute
Autobiographie in der Moderne, Bielefeld 2014, S. 219–248.
Steine als Reliquien. Zum Verhältnis von Form und Materie in der mittelalterli­
ch­en Kirchenarchitektur, in: Tobias Kunz und Dirk Schumann (Hgg.): Werk
und Rezeption. Architektur und ihre Ausstattung. Ernst Badstübner zum 80.
Geburtstag, Berlin 2011, S. 23–51.
Cranachs chronotopische Landschaften. Raum-Zeit-Strukturen in den mythologischen Bildern Lucas Cranachs d. Ä., in: Christian Kiening, Aleksandra Prica
und Benno Wirz (Hgg.): Wiederkehr und Verheissung. Dynamiken der Medialität in der Zeitlichkeit, Zürich 2011, S. 191–218.
(Hg. mit Kai Kappel und Felicitas Janson) Moderne Kirchenbauten als Erinnerungsräume und Gedächtnisorte, Regensburg 2010, darin auch: Gebaute
Er­innerungsbilder für eine transzendente Moderne. Gedächtniskonzepte in
der Sakralarchitektur Le Corbusiers, S. 108–124.
(Hg. mit Volker Depkat und Andreas Sommer) Wozu Geschichte(n)? Geschichtswissenschaft und Geschichtsphilosophie im Widerstreit, Stuttgart
2004, darin auch: Daniel Libeskind und das Gedächtnis der Architektur. Zum
Verhältnis von Baukunst und Erinnerungskultur, S. 171–204.
Kurzbiographie Stefan Kraus
1979–1986
1982–1983
1983–1989
1990
1991
1991
1991–2008
seit 2008
2008
2013
Studium der Kunstgeschichte, Germanistik und Pädagogik in
Köln und Bonn (Magisterarbeit: »Der frühe Deutsche Werkbund und sein Beitrag zur Reform der kirchlichen Kunst 1907
bis 1914«)
Studentisches Volontariat, Schnütgen-Museum, Köln
Ausstellungsassistenz Kölnischer Kunstverein
Gastkurator Kunstverein für die Rheinlande und Westfalen
Promotion an der Universität Köln (»Walter Ophey und seine
Stellung in der rheinischen Kunstszene von 1905 bis 1930«)
Gastkurator am Kunstmuseum Düsseldorf
Kustos am Diözesanmuseum Köln (seit 2004: Kolumba)
Direktor von Kolumba
Museumspreis der Kulturstiftung hbs
Museum des Jahres (AICA)
Forschungsschwerpunkte
Kunst und Kirche; klassische Moderne; Museologie; zeitgenössische Kunst.
Publikationsauswahl
Man sieht mehr als man weiß. Anmerkungen zu den Zeichnungen von Monika
Bartholomé in der Neuausgabe des katholischen Gebet- und Gesangbuchs,
in: Thomas Sternberg (Hg.), Monika Barholomé. Die Fülle des Lebens, Münster 2013, S. 11–17.
Sammeln fürs Jenseits. Wie ein Museum in Köln seine Sammlung katholisch
107
Der Wert der Kunst in zeitgenössischen religiösen Kontexten
kuratiert, Interview mit Jan Kedves, in: frieze 8 (2013), S. 16–18.
(Hg. mit Ulrike Surmann, Marc Steinmann und Barbara von Flüe) Paul Thek.
Shrine, Köln 2012.
Schlussdiskussion, in: Malen mit Glas. Kolloquium zu Ehren des Vorsitzenden
des Förderverein Romanische Kirchen Köln e.V. Helmut Haumann anlässlich
seines 70.Geburtstages (Colonia Romanica XXVII), Köln 2012, S. 101–103.
Kolumba. Ein Museum als ästhetisches Labor, Interview, in: Salve. Revue für
Theologie, geistliches Leben und Kultur Jg. 21 Nr. 2 (2011, dt.), S. 31–50.
Vorträge
09.30–10.00 Uhr
Piotr O. Scholz, Lublin
Lichtmystik in der zeitgenössischen Kunst. Zwischen Transzendenz und Mythos
Ein Besuch im Belvedere in Wien im Jahr 2012 führte zu einer Konfrontation mit einem Werk von Marina Abramović, das sie Portrait with golden mask (2010) nannte. Es wäre trotz seiner Exposition zwischen Tür
und Treppengang fast unbeachtet geblieben, wenn man nicht von seiner
Ausstrahlung, die mit einer unsichtbaren Kraft den Betrachter gefangen
hielt, erfasst gewesen wäre: Man kann sich dem Blick kaum entziehen.
Die Situation erzeugt eine sonderbare Zeitlosigkeit von der seinerzeit der
Sylter Maler Siegward Sprotte als das Erlebnis der Gleichzeitigkeit und
Endlosigkeit, als Auge in Auge, sprach.
Es wird eine Rückerinnerung an die Vergangenheit (auch im Sinne
von P. Ricoeur, M. Habwachs, J. Assmann) als Mythos erzielt, die bis in
das alte Ägypten über die dortigen sog. Fayoum-Porträts zurückreicht.
So wird die immerwährende Wahrheit eines Kunstwerkes, das zwischen
Zeitlosigkeit und Gegenwartsbestimmung oszilliert und zugleich das Dilemma zwischen sacrum und profanum offenbart, spürbar.
Eine vertiefte Reflexion läßt die transzendente Immanenz einer so
entstandenen Lichtmystik, mit ihrem Sitz im gnostischen, zugleich aber
auch kabbalistischen Mythos, das bildhaft ist, erkennen. Man kann dabei
nur andeutungsweise versuchen zu fragen, ob der klassischen Moderne in ihren Bemühungen um das Gesamtkunstwerk und die Synthese
zwischen sacrum und profanum eine Antwort zu entreißen ist. Ob vom
Nietzscheanisch verstandenen Mythos beeinflusst, in dem nach der Sonne gerufen wird und in dem das Apollinische zur Sprache kommt, oder
ob man von der Überzeugung eines christlichen Sol invictus ausgeht,
108
Der Wert der Kunst in zeitgenössischen religiösen Kontexten
immer wird man sich der Notwendigkeit einer Lichtanwesenheit bewusst,
weil sie dem Leben gleicht (Brennende Kerze, Siebdruck von G. Richter,
1988). Dafür sprechen die Werke vieler Gegenwartskünstler und Architekten. Die auratische Wirkung ihrer Werke stellt die Quintessenz einer
universell, manchmal auch kosmozentrisch begriffenen zeitlosen Aussage über »Sein und Zeit« (M. Heidegger, 1927) dar. Die in den Werken
entstandenen Räume werden zu Heiligtümern, in denen die scheinbare
Immaterialität des Lichtes herrscht (so z. B. bei G. Merz in seiner Installation in Turin, 1994).
Kurzbiographie Piotr O. Scholz
1985
1997
bis 2010
2003–2014
Studium der Archäologie des Mittelmeerraums in Warschau
und Heidelberg
Forschungsreisen und -arbeiten im Raum um das Rote Meer
(Ägypten, Sudan, Äthiopien, Jemen, Vorderer Orient)
Promotion (in der Wissenschaft vom Christlichen Orient) an
der Universität Bonn
Lehre an den Universitäten Bonn, Graz, Innsbruck und Salzburg, Schwerpunkt außereuropäische Kunstgeschichte
Habilitation an der Universität Innsbruck, Venia Legendi für die
gesamte Kunstgeschichte
Berufung an die Universität Lódz
Lehrstuhl für die Kunst der alten Welt an der Universität Danzig/Gdansk
Lehrstuhl für vergleichende Kunstgeschichte an der Universität Marie-Curie-Sklodowska, Lublin
Publikationsauswahl
(Hg. mit Magdalena Długosz) Sarmatismus versus Orientalismus in Mitteleuropa
/ Sarmatyzm versus orientalizm w Europie Środkowej. Akten der internationalen wissenschaftlichen Konferenz in Zamość, 09.–12.12.2010, Berlin 2012.
Realizacja idei sakralnego królestwa w ikonicznym programie kaplicy zamkowej
w Lublinie, in: Royal component of Lithuanian Culture. Images, Symbols, Relics. Conference Proceedings Vilnius 2011 (Acta Academiae Artium Vilnensis
65–66), S. 107–131.
Mani und die christliche Ikonizität – Eine Skizze, in: Peter Bruns und Heinz Otto
Luthe (Hgg.): Orientalia christiana. Festschrift für Hubert Kaufhold zum 70.
Geburtstag (Eichstätter Beiträge zum Christlichen Orient 3), Wiesbaden 2013,
S. 415–430.
Einige Bemerkungen aus der Sicht der Kunde vom Christlichen Orient, in: Markus Groß und Karl-Heinz Ohlig (Hgg.): Die Entstehung einer Weltreligion II
(Inârah 6), Berlin 2012, S. 762–813.
Griechisch oder Altägyptisch? Zur Frage nach den Wurzeln der theologischen
Spekulationen des Origenes, in: S. Kaczmarek und H. Pietras (Hgg.): Orige-
109
Der Wert der Kunst in zeitgenössischen religiösen Kontexten
niana Decima. Origen as writer (Kraków 2009), (Bibliotheca Ephemeridum
Theologicarum Lovaniensium 244), Leiden 2011, S. 933–953.
10.15–10.45 Uhr
Marion Thielebein, Berlin
Bilder: Umgekehrt eingestellt. Bill Violas Version von Auferstehung
und Tod anhand des ägyptischen Totenbuchs
Zeit ist das Ausgangsmaterial für den amerikanischen Künstler Bill Viola und die Videokamera ein Instrument der Bewusstseinserweiterung.
Vilém Flussers Denkfigur des »umgekehrt eingestellten Bildes« hilft zu
beschreiben, wie Bill Violas Werke den Betrachter zu eigenen Bildern
führen. Ein Weg dazu sind dialektische Verspannungen seiner Videoinstallationen mit Werken der Kunstgeschichte.
Videoinstallationen unterliegen anderen Wahrnehmungsbedingungen als Bilder traditioneller Bildgattungen. Zugleich erfordern sie andere Formen des Erzählens und andere Formen der Imagination. Walter
Benjamins »Schwellen« und »Übergänge« sowie Aby Warburgs »Zwischenraum« und »Distanzraum« helfen, Violas Werke als Oszillationen
zwischen Distanz und Nähe zu deuten, über die Zugänge zum kollektiven
Gedächtnis eröffnet werden.
Kurzbiographie Marion Thielebein
1981–1991
1998–2001
2012
seit 1999
Studium der Kunstgeschichte, Literaturwissenschaft, Philosophie in München und Berlin (Magisterarbeit: »Formen der
Kommunikation im 15. Jahrhundert – Zum Volckamer Epitaph
von Veit Stoß«)
Graduiertenkolleg »Zeiterfahrung und ästhetische Wahrnehmung« der Goethe-Universität Frankfurt a. M.
Promotion an der Universität des Saarlandes, Saarbrücken
(»Strategie der Verlangsamung. Zeit- und Raumschwellen von
Going Forth By Day – Bill Violas Werke mit Walter Benjamin
und Aby Waburg gesehen«)
Journalistin und Ausstellungskuratorin
Forschungsschwerpunkte
Kunst und Medien; Zeit- und Raumaspekte in der zeitgenössischen Kunst, Videokunst und Fotografie; Grisaillen – speziell in der Medienkunst; Skulptur des
20. Jahrhunderts; reduzierte Malerei, Malerei des Informel; Ornament und Textiles; Kulturgeschichte des Gehens.
110
Der Wert der Kunst in zeitgenössischen religiösen Kontexten
Publikationsauswahl
Strategien der Verlangsamung – Bill Violas Videoinstallationen 1983–2007, Paderborn 2015.
Oszillation zwischen Distanz und Nähe – Aspekte der Grisaille in der Medienkunst, in: Matthias Bleyl, Michael Fehr und Vita Noack (Hgg.): Hauptsache
Grau, Berlin 2014.
»In einer Art Niemandsland sich tastend zu bewegen...«. Farbgewebe als Formensprache – Versuch einer kunsthistorischen Einordnung des Werkes von
Hans-Reinhard Lehmphul, in: Birk Ohnesorge (Hg.): Hans Reinhardt Lehmphul – Monographie und Gemälde, Berlin 2013.
11.45–12.15 Uhr
Wolf Jahn, Hamburg
Revision und Aktualisierung von Heilsgeschichte im Werk von
­Gilbert & George
Noch in den 1980er Jahren eigneten sich religiöse Themen in der
Kunst überwiegend als Vorwurf von Trivialisierung, ironischer Distanzierung oder zynischer Zuspitzung. Trotz prominenter Ausnahmen, die sich
»zeitlosen« oder verdrängten Einsichten religiöser Erfahrungen widmeten, herrschte überwiegend ein Klima der Skepsis und Enthaltung vor.
Der geplante Beitrag setzt sich deshalb beispielhaft mit einem zeitgenössischen Werk auseinander, das sich religiösen Motiven von Beginn an
aufgeschlossen zeigte: mit Bildern des in London lebenden Künstlerduos
Gilbert & George. Die ausgesuchten Bilder zielen auf eine tiefgreifende
Revision sowie Aktualisierung von Heilsgeschichte ab. Unter substantiell
anderen Vorzeichen wird sie noch einmal neu in ihrer Heils-Erwartung
zwischen Vergänglichkeitserfahrung und Erlösung formuliert. Dieser Umstand – die bewusste (Um-)Gestaltung und Umbewertung von Heilsgeschichte sowohl im Rückblick auf vergangene Heils-Epochen als auch in
Hinblick auf Gegenwart und Zukunft – verleiht diesen Bildern eine herausfordernde Dimension.
Die »zeitgenössischen religiösen Kontexte« betreffen in diesem Fall
folglich keine real existierenden Kontexte, auf die das Werk der Künstler
reagiert oder die sie kommentiert. Eher stellt sich der Umkehreffekt ein:
Ihr Entwurf eines in sich zwar heteronomen, gegenüber bestehenden Religionen aber autonomen »zeitgenössischen religiösen Kontextes« fordert zur Reaktion seitens überlieferter Kontexte heraus. Diesen radikal
künstlerischen Eingriff, der immerhin die Möglichkeit einer Fortsetzung
von Heilsgeschichte formuliert, stellt der Beitrag zur Diskussion.
111
Der Wert der Kunst in zeitgenössischen religiösen Kontexten
Kurzbiographie Wolf Jahn
1990
Studium der Kunstgeschichte, Literaturwissenschaften und
Ethnologie in Hamburg
Promotion an der Universität Hamburg (Arbeit über das Werk
des in London lebenden Künstlerduos Gilbert & George)
überwiegend freiberufliche Tätigkeit als Autor, Redakteur und
Lehrbeauftragter auf dem Gebiet der bildenden Gegenwartskunst
Publikationsauswahl
With us in the Nature, in: The Paintings, Ausst.-Kat. Fruitmarket Gallery, Edinburgh 1986.
Die Kunst von Gilbert & George – Eine Ästhetik der Existenz, München/London/
Paris/New York 1989.
Monarchy as Democracy, Anthony D’Offay Gallery, London and Oktogon,
München 1991.
Slay a Monster, Create a World – The modern heroic Epic of Gilbert & George,
in: Gilbert & George, Ausst.-Katalog Musée d’Art Moderne de la Ville de Paris,
Paris 1997, S. 272–329.
Gilbert & George, in: Saur Allgemeines Künstlerlexikon Bd. 54, München/Leipzig
2007, S. 57–61.
Gilbert & George, in: Back to Earth, Ausst.-Kat. Herbert Gerisch-Stiftung, Neumünster 2013, S. 204–205.
14.00–14.30 Uhr
Sandra Frimmel, Zürich
Zweierlei Bilder. Zur Diskussion über Kultbild und Kunstwerk in
den russischen Kunstgerichtsprozessen der 2000er Jahre
Der Vortrag befasst sich mit den konträren Kunstbegriffen, die in Russland vor allem in den 2000er Jahren in verschiedenen Gerichtsprozessen
gegen Kunst, Künstler und Kuratoren seitens der orthodoxen Gläubigen
und seitens der zeitgenössischen Kunstszene verhandelt wurden. Im
Fokus stehen die Prozesse gegen die Organisatoren der Ausstellungen
Achtung, Religion! (2003–2005) und Verbotene Kunst 2006 (2007–2010),
die wegen Schürens von religiösem und nationalem Hass angeklagt waren. In den Anklage- und Verteidigungsstrategien kollidieren ein säkular-modernistischer Kunstbegriff der Verteidigung und ein akademisch
geprägter, traditionalistisch-religiöser Kunstbegriff der Anklage. Ebenso
stehen sich zwei verschiedene Bildbegriffe gegenüber, der Bildbegriff der
112
Der Wert der Kunst in zeitgenössischen religiösen Kontexten
Ikone und ein modernistischer Bildbegriff, in dem die Kunstwerke schon
lange nicht mehr über sich hinaus in eine göttliche Sphäre verweisen.
Hieraus resultiert eine Diskussion über die Macht der Bilder. Desweiteren
wird vor Gericht anhand von Kriterien wie Traditionsbruch vs. Fortführung der Traditionen, Zerstörung des orthodoxen Weltbildes vs. Lieferung
von Denkanstößen, Material und Handwerk vs. Konzept, Nationalismus
vs. Internationalismus / Modernismus u. a. ausgehandelt, welche Art von
Kunst für die russische Gesellschaft verbindlich gelten soll.
Hieraus ergeben sich zwei wesentliche Diskussionsfelder: 1. eine Debatte über die Zulässigkeit der Verwendung religiöser Symbole in einem
außerreligiösen Kontext; 2. eine Debatte sowohl über den materiellen als
auch über den ideellen Wert der zeitgenössischen Kunst in der gegenwärtigen russischen Gesellschaft. Diese beiden Diskussionsfelder sind
einerseits besonders im heutigen Russland stark umkämpft und werden
mit juristischen Konsequenzen ausgetragen. Andererseits bestimmen sie
auch die internationale Debatte über Kunst im Kontext von Gerichtsprozessen, sodass sich an die russlandspezifischen Betrachtungen ein kurzer internationaler Ausblick anschließt.
Kurzbiographie Sandra Frimmel
1996–2003
2007–2009
2008–2010
seit 2011
2014
seit 2014
Studium der Kunstgeschichte und Allgemeinen und Vergleichenden Literaturwissenschaft in Berlin und St. Petersburg
Mitbegründung und Co-Leitung des Projektraums Art Laboratory Berlin
Ausstellungsassistentin am Kunstmuseum Liechtenstein
Mitarbeiterin im SNF-Projekt »Literatur und Kunst vor Gericht«
am Slavischen Seminar der Universität Zürich
Promotion an der Humboldt-Universität zu Berlin (»Kunsturteile. Gerichtsprozesse gegen Kunst, Künstler und Kuratoren in
Russland nach der Perestroika«)
Geschäftsführerin des Zentrums Künste und Kulturtheorie
(ZKK) der Universität Zürich
Forschungsschwerpunkte
Russische Kunst des 19. bis 21. Jh.s; Kunst und Macht / Recht / Gesellschaft.
Publikationsauswahl
Gerichtsprozesse gegen Kunst in Russland nach der Perestroika, Wien/Köln/
Weimar 2015 (im Erscheinen).
(Hg. mit Matteo Bertelé) La nuova arte sovietica: una prospettiva non ufficiale,
Zürich 2014.
113
Der Wert der Kunst in zeitgenössischen religiösen Kontexten
(Übersetzung aus dem Russischen und Nachwort) Verbotene Kunst. Eine Moskauer Ausstellung (Hgg. Wiktoria Lomasko und Anton Nikolajew), Berlin 2013.
14.45–15.15 Uhr
Mariana Gräfin von Westarp, Lemberg/Bonn
Was könnte Sakralkunst sein? Einblick in die Sammlung Symbolum
Sacrum (Lemberg, Ukraine)
Ein sakrales Bild kann in der Erinnerung oder in der Vorstellung gesucht
werden. Das in der Erinnerung gefundene sakrale Bild ist in der alltäglichen religiösen Erfahrung verankert. Das in der Vorstellung gefundene
sakrale Bild widerspiegelt ein verborgenes Moment der Offenbarung und
der Selbsttranszendenz eines Menschen. Nicht jedes Kunstwerk entsteht
aus diesem verborgenen Augenblick; auch nicht jedes Madonnenbild. Jedoch, vielleicht, kann jedes einzelne Bild zu einem sakralen Bild, zu einem epiphanischen Moment im Inneren des Betrachters werden.
Das Sakrale liegt offenbar nicht in einem Kunstwerk. Diese verborgene Erfahrung kann dennoch vom Menschen zum Menschen durch ein
Kunstwerk kommuniziert werden. Das Unaussprechliche sich manifestieren zu lassen ist für die Künstler und die Kuratoren eine subtile Aufgabe,
die viel Zurückhaltung erfordert. In dieser Angelegenheit darf die Kunst
auch aus der Liturgie schöpfen.
Symbolum Sacrum bildete sich aus einem säkularen Milieu und wird
von Künstlern geführt. Die Sammlung entstand zum Zwecke der Förderung der lokalen, zeitgenössischen Kunstproduktion. Diese Tatsache beeinflusste die Sammlung maßgeblich: es ist eine lokal geprägte Sammlung jüngster Kunst nach 2007. Die Mannigfaltigkeit der Sammlung will
den Umgang mit der Kunst und dem Heiligen vom Fetischismus befreien
und den lebendigen, erfahrenden Menschen ins Blickfeld rücken lassen.
Schwerpunkte der Sammlung liegen in der Malerei, ferner in Installation,
Skulptur und Photographie.
Nach acht Jahren und mit mehr als zweitausend Kunstwerken lassen
sich die ersten Beobachtungen über das Wesen der Sakralkunst und ihre
Ausprägung in Lemberg machen. Die kanonische Ikone ist der wichtigste
Topos der Erinnerung an das sakrale Bild. Gattungsübergreifend zeigt
sich in den Kunstwerken der Sammlung eine nahe Verwandtschaft zwischen dem sakralen Bild in der Erinnerung und in der Vorstellung.
114
Der Wert der Kunst in zeitgenössischen religiösen Kontexten
Kurzbiographie Mariana Gräfin von Westarp
2000–2007
2005
2007
seit 2007
Studium der Anglistik, Germanistik, Kulturwissenschaft und
Philosophie in Lemberg
Diplom (»Das Konzept der Musik im Roman Doktor Faustus
von Thomas Mann«)
Master (»Wertung zeitgenössischer Kunst: System und Methode«)
Kuratorin der Sammlung Symbolum Sacrum
Forschungsschwerpunkte
Sakralkunst; Gegenwartskunst; Ikone; Bild, Farbe; Kunstvermittlung.
Publikationsauswahl
Canon and Creativity: Byzantine Icon as a postplatonic genre of Art, in: Henri
Nouwen Stichting 14/2, Rotterdam 2014, S. 17–25.
(Hg.) Living Lviv: alternative art guide, Lemberg 2012.
(Hg.) Solitude – Presence, Ausst.-Kat. Symbolum Sacrum, Lemberg 2010.
(Hg.) The Axioms of an Icon, Ausst.-Kat. Symbolum Sacrum, Lemberg 2008.
115
Gebr. Mann
Wissenschaft seit 1890
Archäologie
Denkmalpflege Gartenkunst
Kunstgeschichte
Architekturklassiker Architektur
Museum Stadtbaukunst
Bauhaus
Edition Imorde
Melden Sie sich bis zum 5. April für unseren Newsletter an und gewinnen Sie
einen Buchgutschein im Wert von 70,– Euro.
Besuchen Sie uns auch gerne an unserem Bücherstand.
Wir freuen uns auf Sie!
www.reimer-mann-verlag.de · www.facebook.com/reimerverlag
www.reimer-mann-verlag.de
Boris Hars-Tschachotin
Der Bildbau im Film
Die Zeichnungen der Production Designer von
Metropolis, Dr. Strangelove und Troy
Production Designer entwickeln Bildwelten für
Filme. Damit verändern sie nicht nur unsere Sehgewohnheiten, sondern auch unser Bildgedächtnis auf
nachhaltige Weise. Von Zeichnungen der Szenenbildner und Filmarchitekten ausgehend befasst sich der
Autor mit Konzeption, Realisierung und Wirkung
filmischer Räume.
Edition Imorde
348 Seiten · ISBN 978-3-942810-29-6 · Br € 59,– (D)
Burcu Dogramaci und Friederike Weimar (Hg.)
Sie starben jung!
Künstler und Dichter, Ideen und Ideale vor
dem Ersten Weltkrieg
1. August 1914: Der Erste Weltkrieg bricht aus. Auch
zahlreiche Kreative wie Franz Marc, Gorch Fock oder
Georg Trackl ziehen auf die Schlachtfelder. Welche
Gedanken begleiteten die jungen Männer, welche
Ideen und Ideale prägten sie? Wie sah ihr Weltbild
aus, das ihr Werk formte?
120 Seiten · ISBN 978-3-7861-2704-8 · Gb € 24,90
Angelika Weißbach
Wassily Kandinsky –
Unterricht am Bauhaus
Vorträge, Seminare, Übungen 1922-1933
Die Aufzeichnungen und Lehrmaterialien des Künstlers Wassily Kandinskys geben detailliert und anschaulich Auskunft über seinen Unterricht in der
Grund- und Hauptlehre am Bauhaus von 1923 bis
1933.
776 Seiten in zwei Bänden · ISBN 978-3-7861-2724-6 · Gb € 129,–
Gebr. Mann
Gebr. Mann
www.reimer-mann-verlag.de
Mira Banay
The Making of a New »Differential
Space«
Permanent Site-Specific Art in America and
the Dia Art Foundation (1974–2006)
Permanent site-specific artworks were erected in the
1970s both in urban sites and remote deserts in
southwestern United States. None of these artworks
would have been possible without the support of
private and public funding, with the most influential
being the Dia Art Foundation.
Humboldt-Schriften zur Kunst- und Bildgeschichte Bd. 18
264 Seiten · ISBN 978-3-7861-2705-5 · Br € 59,– (D)
Johanna Scheel
Das altniederländische Stifterbild
Emotionsstrategien des Sehens und der
Selbsterkenntnis
Die altniederländische Malerei hat das Stifterbild
neu erfunden. In seiner Funktion für den betenden
Bildbetrachter wird es als Phänomen einer einmaligen kulturhistorischen Konstellation erkennbar und
steht im Bedeutungszusammenhang von Gebet und
Emotion, Spiegelung und Selbsterkenntnis.
Neue Frankfurter Forschungen zur Kunst Bd. 13
548 Seiten · ISBN 978-3-7861-2695-9 · Gb € 79,– (D)
Eva Streit
Die Itten-Schule Berlin
Geschichte und Dokumente einer privaten
Kunstschule in Berlin neben dem Bauhaus
Auf der Basis neu erschlossener Quellen entwirft die
Monografie das Bild einer der bedeutendsten
Kunstschulen des frühen 20. Jahrhunderts, die sich
nicht nur als wesentliche Etappe in Johannes Ittens
kunstpädagogischem Werdegang erweist, sondern
auch als innovativer Betrag zur Kunstschulreform.
ZOOM Bd. 1
336 Seiten · ISBN 978-3-7861-2717-8 · Gb € 59,– (D)
www.reimer-mann-verlag.de
Vittorio Lampugnani, Katia Frey
und Eliana Perotti (Hg.)
Anthologie zum Städtebau
Die Anthologie zum Städtebau ist eine thematisch
und chronologisch gegliederte Textsammlung zur
Theorie des Städtebaus von der Aufklärung bis in die
Gegenwart.
Bd. 1: Von der Stadt der Aufklärung zur Metropole des
industriellen Zeitalters
1259 Seiten in zwei Bänden · ISBN 978-3-7861-2522-8 · Gb € 140,– (D)
Bd. 2: Das Phänomen Großstadt und die Entstehung der
Stadt der Moderne
1497 Seiten in zwei Bänden · ISBN 978-3-7861-2523-5 · Gb € 150,– (D)
Bd. 3: Vom Wiederaufbau nach dem Zweiten Weltkrieg bis
zur zeitgenössischen Stadt
564 Seiten · ISBN 978-3-7861-2510-5 · Gb € 78,– (D)
Manfred Speidel (Hg.)
Bruno Taut in Japan
Das Tagebuch
Der »gestrandete Weltreisende« Taut, der im Mai
1933 in Japan bloß Station machen wollte, musste
sich im Exil eine Existenz aufbauen, als Autor, Berater und Entwerfer. Das Tagebuch ist ein einzigartiges
persönliches Dokument für den Blick des Europäers
auf das Japan der 1930er Jahre.
Bd. 1: 1933 · 247 Seiten · ISBN 978-3-7861-2692-8 · Br € 59,– (D)
Bd. 2: 1934 · 304 Seiten · ISBN 978-3-7861-2702-4 · Br € 59,– (D)
Laszlo Moholy-Nagy
Malerei – Fotografie – Film
»Moholy-Nagy gehört zu den Künstlern, deren Ansehen nach ihrem Tode deshalb noch ständig wächst,
weil ihre Werke prophetische Funktion besitzen.«
(Otto Stelzer). Das Buch ist ein Schatz von Utopien,
von denen einige inzwischen Wirklichkeit geworden
sind.
150 Seiten · ISBN 978-3-7861-1465-9 · Gb € 39,– (D)
Gebr. Mann
Im Wertstreit:
Original, Kopie, Reproduktion und Fälschung
Leitung: Dorothee Wimmer, Berlin / Johannes Nathan, Berlin/Zürich
Sektionsvorträge
Donnerstag, 26. März 2015, 09.00–15.45 Uhr, Philosophicum, Hörsaal P 10
09.00–09.30 Uhr
Einführung durch die Sektionsleitung
09.30–10.00 Uhr
Daniela Bohde, Marburg
»Eigenhändig« oder: der Wert der Hand. Zum Originalitätsbegriff
bei Zeichnungen
10.00–10.15 Uhr
Diskussion
10.15–10.45 Uhr
Anja Grebe, Freiburg
Das gefälschte Vermächtnis. Fama und Wert »Letzter Werke«
10.45–11.00 Uhr
Diskussion
11.00–11.45 Uhr
Pause
11.45–12.15 Uhr
Lukas Fuchsgruber, Berlin
Manipulation und Täuschung in französischen Kunstauktionen in
der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts
12.15–12.30 Uhr
Diskussion
12.30–14.00 Uhr
Pause
120
Im Wertstreit: Original, Kopie, Reproduktion und Fälschung
14.00–14.30 Uhr
Ruth E. Iskin, Jerusalem
The Cultural Production of the Auratic Multiple Original: The Case
of the Maîtres de l’affiche
14.30–14.45 Uhr
Diskussion
14.45–15.15 Uhr
Kia Vahland, München
Kanon und Wertschöpfung
15.15–15.45 Uhr
Diskussion
Inhalt der Sektion
Jüngste Ermittlungen gegen Kunstfälscher und ihre Komplizen führen
mit erneuter Deutlichkeit die kunsthistorische und ökonomische Relevanz
der kennerschaftlichen Begutachtung von Kunstwerken vor Augen. Aber
auch jenseits der Schlagzeilen veranschaulichen zahllose Zweifelsfälle
das Fehlen einer fundierten Auseinandersetzung mit den Kriterien zur
Einordnung und Bewertung von Kunstwerken unter den Bedingungen
eines global agierenden Kunsthandels und vor dem Hintergrund einer
zunehmenden Institutionalisierung der Provenienzforschung.
Ein Blick auf die Geschichte der schwankenden Zuschreibungen an
»große Meister« wie Botticelli, Raffael, Rembrandt und Velázquez und
den damit verbundenen, z. T. weitreichenden ökonomischen Folgen für
die betroffenen Eigentümer wirft grundlegende Fragen nach dem Status
und Wert des Originals in Relation zur eigenhändigen Wiederholung, zur
Kopie und zur Fälschung auf: Ist ein Kunstwerk nur dann echt, wenn es
eigenhändig ausgeführt wurde, oder genügt eine Autorisierung durch den
Künstler/die Künstlerin? Warum ist ein Original selbst dann mehr wert
als eine Kopie, wenn es von dieser visuell nicht zu unterscheiden ist?
Hat die Verbesserung von Reproduktionstechniken über die Jahrhunderte die Kriterien der Unterscheidung zwischen Original, Kopie und Fälschung verschoben? Verschränken sich ästhetische, historische, juristische, moralisch-ethische und ökonomische Werte bei der Bestimmung
eines Kunstwerkes als Original, Kopie oder Fälschung miteinander oder
müssen diese getrennt und gegeneinander abgewogen werden? Welche
121
Im Wertstreit: Original, Kopie, Reproduktion und Fälschung
Erkenntnismöglichkeiten eröffnen neueste materialtechnische und naturwissenschaftliche Untersuchungsmethoden bei Echtheitsbestimmungen,
welche Grenzen sind ihnen gesetzt? Und nicht zuletzt: Welche Perspektiven ergeben sich aus diesen Erkenntnissen für die wissenschaftliche und
kommerzielle Praxis, etwa die Konzeption und Funktion von Werkverzeichnissen, zumal Echtheitsfragen zwar von kunsthistorischer Relevanz
sind, aber erst ob ihrer Marktfolgen wirkmächtig werden?
In dieser Sektion soll der kritische Diskurs über den künstlerischen und
ökonomischen Wertstreit zwischen Original, Kopie, Reproduktion und
Fälschung vor dem Hintergrund seiner historischen Voraussetzungen
analysiert und fortgeführt werden.
Dorothee Wimmer, Berlin / Johannes Nathan, Berlin/Zürich
Kurzbiographie Dorothee Wimmer
1987–1994 1995–1998
2003
2003–2005
seit 2004
2006
seit 2011
2012
2015
Studium der Kunstgeschichte, Geschichte, Germanistik und
Romanistik in Freiburg i. Br., Paris und Berlin
Wiss. Projektassistenz am Institut für Romanische Philologie
der Freien Universität Berlin (1995–96) und am Berliner Forschungsprojekt »Bürgerlichkeit, Wertewandel, Mäzenatentum«
der FU und Technischen Univerisät Berlin (1997–1998)
Promotion an der FU Berlin (»Verschwinden des Ichs. Das
Menschenbild in der französischen Kunst, Literatur und Philosophie um 1960«)
Wiss. Volontärin am Neuen Museum Weserburg Bremen
Lehraufträge in Bremen und Berlin (FU und TU)
Forschungsstipendium am Deutschen Forum für Kunstgeschichte Paris
Vorsitzende der Richard-Schöne-Gesellschaft für Museumsgeschichte e.V.
Gründung und seither Leitung des Forums »Kunst und Markt«
an der TU Berlin mit Bénédicte Savoy und Johannes Nathan,
wiss. Mitarbeiterin der TU Berlin
Library Research Grant am Getty Research Institute in Los
Angeles, USA
Forschungsschwerpunkte
Bildkünste der Moderne bis zur Gegenwart; Intermedialität von Text und Bild,
Geschichte, Theorien und Praktiken des Kunsthandels, Geschichte des Kunstsammelns, Verhältnis von Kunst, Politik und Ökonomie (Die nationale Appropriation Rembrandts im Nationalsozialismus).
122
Im Wertstreit: Original, Kopie, Reproduktion und Fälschung
Publikationsauswahl
Das Verschwinden des Ichs. Das Menschenbild in der französischen Kunst, Li­
te­ratur und Philosophie um 1960, Berlin 2006.
(Hg. mit Christina Feilchenfeldt und Stephanie Tasch) Kunstsammlerinnen. Peggy Guggenheim bis Ingvild Goetz, Berlin 2009.
Bremen – Berlin – Weimar. Cooperation between German art collectors and mu­
seum directors c. 1900, in: Journal of the History of Collections Jg. 21 Nr. 2
(2009). The art collector – between philanthropy and self-glorification, S. 203 ff.
Expertise. Das Kunsturteil zwischen Geschichte, Technologie, Recht und Markt,
16.–17.05.2013, Zürich, Tagungsbericht in: H-Soz-Kult, 07.10.2013.
(Hg. mit Tanja Baensch und Kristina Kratz-Kessemeier) Museen im Nationalsozialismus: Akteure – Orte – Politik, Köln 2015 (im Druck).
Kurzbiographie Johannes Nathan
1985–1990 1995
1996–2001
1997
2000–2003
seit 2001
seit 2008
2012
2014
Studium der Kunstgeschichte in New York (B.A., 1987) und
am Courtauld Institute of Art (M.A., 1990)
Promotion am Courtauld Institute of Art (Arbeit zu den Arbeitsmethoden von Leonardo da Vinci)
Oberassistent am Institut für Kunstgeschichte der Universität
Bern
Lehrauftrag an der New York University
Projektleiter (mit Oskar Bätschmann) des artcampus-Projekts
am Institut für Kunstgeschichte der Universität Bern
Geschäftsführer der Nathan Fine Art (bis 2005 Galerie Nathan), Berlin und Zürich
Lehraufträge an den Universitäten Leipzig, Köln, Zürich und
Berlin (Technische Universität)
Gründung des Forums Kunst und Markt (fokum.org) an der TU
Berlin mit Dorothee Wimmer und Bénédicte Savoy
Initiierung des Art Market Dictionary mit dem de Gruyter Verlag, Berlin
Forschungsschwerpunkte
Künstlerische Arbeitsmethoden, besonders in Bezug auf die Handzeichnung;
Geschichte des Kunsthandels.
Publikationsauswahl
(Hg. mit Federico Freschi) Cultural Clearings: The Object Transformed by the Art
Market. – Section 10 of: G. Ulrich Großmann und Petra Krutisch (Hgg.): The
Challenge of the Object / Die Herausforderung des Objekts, 33. Internationaler Kunsthistoriker-Kongress, Congress Proceedings, Bd. 2, Nürnberg 2013,
S. 705–757.
Glanz, Verfemung und Exil. Als die Werke Liebermanns in die Schweiz wan-
123
Im Wertstreit: Original, Kopie, Reproduktion und Fälschung
derten, in: Max Liebermann und die Schweiz. Meisterwerke aus Schweizer
Sammlungen. Ausst.-Kat., Winterthur 2014.
(mit Frank Zöllner) Leonardo da Vinci (1452–1519) – Das zeichnerische Werk,
Köln 2014.
(Hg. mit Antoinette Roesler-Friedenthal) The Enduring Instant. Time and the
Spectator in the Visual Arts – A Section of the XXXth International Congress
for the History of Art, London/Berlin 2003.
Vorträge
09.30–10.00 Uhr
Daniela Bohde, Marburg
»Eigenhändig« oder: der Wert der Hand. Zum Originalitätsbegriff
bei Zeichnungen
Die auratische Aufladung der Hand des Künstlers ist wohl bei keiner
Kunstform größer als der Handzeichnung. Obwohl die Zeichnung in der
Frühen Neuzeit primär ein Hilfsmittel der künstlerischen Produktion war,
steht sie heute im Ruf, ein besonders wertvolles Kunstwerk und ein unmittelbarer Ausdruck des Künstlers zu sein. Eine Wurzel dafür ist zweifellos die Neubewertung der Zeichnung durch die cinquecenteske DisegnoTheorie, eine andere die frühe Kennerschaft: Diese entwickelte nicht nur
Verfahren, um Hände voneinander zu scheiden, sondern auch, um damit
den Charakter des Künstlers zu bestimmen. Um 1700 beschrieben Roger
de Piles und J. A. Dezallier d’Argenville in paradigmatischer Weise, wie
man vom caractère de la main zum caractère du maitre oder caractère
de l’esprit gelangen könne und bestimmten damit bis heute grundlegende
Kategorien kunsthistorischen Arbeitens. Die Handzeichnung gilt seitdem
als ein besonders authentischer Ausdruck des Künstlers.
Ob schon in der Frühen Neuzeit Zeichnungen als Ausweis der individuellen Handschrift eines Künstlers und damit auch seines Charakters
geschätzt wurden, untersuche ich an altdeutschen Zeichnungen. Die kalligraphischen Zeichnungen eines Albrecht Altdorfer scheinen ein früher
Beweis dafür zu sein. Nicht selten sind sie auffällig signiert. Doch wie
verhält es sich mit den zahlreichen Kopien, bei denen der Kopist nicht nur
die Handschrift der Vorlage nachahmte, sondern auch sein Monogramm
auf die Kopie setzte? Waren sie im Verständnis der Zeit wertvolle ›Originale‹? Waren Zeichnungen vielleicht eher ein Reproduktionsmedium,
und hatte auch bei sogenannten autonomen Zeichnungen die Eigenhändigkeit nur einen beschränkten Wert?
124
Im Wertstreit: Original, Kopie, Reproduktion und Fälschung
Kurzbiographie Daniela Bohde
1999
1999/200
2001–2008
2009
2009
2010
2010/2011
2010–2013
seit 2013
Studium der Kunstgeschichte, Vergl. Literaturwissenschaft,
Phi­losophie und Sozial- und Wirtschaftsgeschichte in Hamburg
Forschungsaufenthalte u. a. in Venedig mit Stipendien u. a. am
Deutschen Studienzentrum in Venedig
Promotion an der Universität Hamburg
Postdoc-Stipendiatin am Frankfurter Graduiertenkolleg
Assistentin am Kunsthistorischen Institut der Goethe-Universität Frankfurt
Habilitation ebd.
Stipendiatin am Kunsthistorischen Institut in Florenz – MPI,
Di­rektion Nova
Lehrtätigkeit an der Universität Zürich
Samuel H. Kress Senior Fellow am Center for Advanced Study
in the Visual Arts (CASVA) an der National Gallery of Art, Washington DC
Vertretung des Lehrstuhls für Frühe Neuzeit am Kunstgeschichtlichen Seminar der Universität Basel
Vertretungsprofessorin für nordalpine Kunst am Kunstgeschichtlichen Institut der Philipps-Universität Marburg
Forschungsschwerpunkte
Kunst des Spätmittelalters und der Frühen Neuzeit, insbesondere Italien und
Deutschland; Geschichte und Theorie der künstlerischen Medien; Körpergeschichte; Wissenschaftsgeschichte und Methodologie der Kunstgeschichte.
Publikationsauswahl
Haut, Fleisch und Farbe – Körperlichkeit und Materialität in den Gemälden Tizians, Emsdetten/Berlin 2002.
Kunstgeschichte als physiognomische Wissenschaft – Kritik einer Denkfigur der
1920er bis 1940er Jahre, Berlin 2012.
(Hg. mit Hans Aurenhammer) Räume der Passion. Raumvisionen, Erinnerungsorte und Topographien des Leidens Christi in Mittelalter und Früher Neuzeit
(Vestigia Bibliae – Jahrbuch des Deutschen Bibel-Archivs Hamburg, 32/33)
Bern u. a. 2014, darin auch: Blickräume – Der Raum des Betrachters in Passionsdarstellungen von Schongauer, Baldung und Altdorfer, S. 377–411.
Politische Ikonologie im Nationalsozialismus: Von Hubert Schrade zu Reinhart
Koselleck, in: Hubert Locher und Adriana Markantonatos (Hgg.): Reinhart
Koselleck und die politische Ikonologie, Berlin 2013, S. 210–227.
Drawing as an Expression of the Artist? Reflections on the Status and Function
of Sixteenth-Century German Drawings, in: G. Ulrich Großmann und Petra
Krutisch (Hgg.), The Challenge of the Object / Die Herausforderung des Objekts, 33. Internationaler Kunsthistoriker-Kongress, Congress Proceedings,
Nürnberg 2013, Bd. 3, S. 1041–1045.
125
Im Wertstreit: Original, Kopie, Reproduktion und Fälschung
10.15–10.45 Uhr
Anja Grebe, Freiburg
Das gefälschte Vermächtnis. Fama und Wert »Letzter Werke«
In seinem »Schilder-boeck« (1604) berichtet Karel van Manders die
Anekdote um einen Stich der »Beschneidung Christi«, der als vermeintlich letztes Werk Dürers auf dem Kunstmarkt hohe Preise erzielte. Tatsächlich entpuppte sich der Stich als Fälschung des für seine Künstlerscherze bekannten Niederländers Hendrick Goltzius. Die Anekdote ist
ein früher Beleg für die Wirkmacht der Fama vom »Letzten Werk«, in
dem, so die generelle Annahme, als tatsächlichem oder angenommenem
künstlerischen Vermächtnis der letzte (Schaffens-)Wille des Sterbenden
gleichsam verkörpert sei, was Auswirkungen auf den finanziellen Wert
der Werke hat und sich interessanterweise auch auf Kopien und Reproduktionen überträgt. Das Phänomen der wahren und falschen »Letzten
Werke« ist damit prädestiniert für eine Untersuchung der Mechanismen,
die beim »Wertstreit« zwischen Original, Fälschung und den verschiedenen Arten von Kopien, der Involvierung des Kunstmarkts und der Rolle
von Kunstgeschichtsschreibung und Kunstkritik bei der Bewertung der
und Legendenbildung um diese Werke wirksam werden. Vergleicht man
die als »Letzte Werke« gehandelten Objekte, so fällt auf, dass es sich
oft um unvollendete, beschädigte oder in ihrer Authentizität zweifelhafte
Stücke handelt, die normalerweise keine großen Chancen auf dem Markt
hätten. Durch die von Kunstliteratur und Kunstkritik verbreitete Fama
des »Letzten Werks« wird die Unvollkommenheit jedoch in eine Tugend
transformiert.
Die biographische Verdichtung von Künstler und Werk in der Legende
vom »Letzten Werk« wird u. a. bei Michelangelo (»Pietà Rondanini«),
Rembrandt (»Simeon und das Jesuskind«), Caravaggio (u. a. »Martyrium der hl. Ursula«), Bernini (»Salvator«), van Gogh (»Jardin de Daubigny«) oder Immendorff deutlich. Sie bot Nachahmern und Händlern eine
willkommene Grundlage, Unzulänglichkeiten der als authentisch deklarierten Neuschöpfungen als vom Schicksal bedingte Hinterlassenschaft
eines Künstlers zu erklären und die Mängel auf diese Weise positiv umzudeuten.
Kurzbiographie Anja Grebe
1989–1995
1997–2000
126
Studium der Kunst- und Medienwissenschaft, Geschichte und
Französischen Literatur in Konstanz und Paris
Stipendiatin am Graduiertenkolleg »Schriftkultur im Mittelalter«
der Universität Münster, Promotion ebd. (»Buchgestaltung in
Im Wertstreit: Original, Kopie, Reproduktion und Fälschung
2001–2003
2004–2008
2008–2012
2012
2013–2014
seit 2014
den Burgundischen Niederlanden nach 1470«)
Wiss. Mitarbeiterin am Germanischen Nationalmuseum, Nürnberg (GNM)
Freie wiss. Mitarbeiterin am GNM, Lehraufträge an den Universitäten Erlangen-Nürnberg und Bamberg
Wiss. Assistentin am Lehrstuhl Kunstgeschichte I, insbes. Mittelalterliche Kunstgeschichte, Universität Bamberg
Habilitation an der Universität Erlangen (Venia Legendi: Mittlere und Neuere Kunstgeschichte)
Vertretung der Professur für Kunstgeschichte an der Universität Würzburg
Wiss. Mitarbeiterin am Institut für Kunstgeschichte, Universität
Freiburg i. Br.
Forschungsschwerpunkte
Albrecht Dürer und Dürer-Rezeption; Buchmalerei und Buchkunst; Text-BildForschung; Kunstmarkt; Sammlungsgeschichte; Wissenschaftsgeschichte der
Kunstgeschichte.
Publikationsauswahl
Dürer – Die Geschichte seines Ruhms, Petersberg 2013 (Habilitationsschrift).
Krawallkunst und Risikosammler: Charles Saatchi und die Young British Art. Vom
Ausstellungskünstler zum Sammlerkünstler, in: Österreichische Zeitschrift für
Geschichtswissenschaft Jg. 17 Nr. 2–3 (2006), Sonderh. Kunstmarkt, S. 58–82.
Albrecht Dürers »Kunstbücher«. Ordnungssysteme frühneuzeitlicher Graphiksammlungen und die Anfänge des »Catalogue raisonné«, in: Marburger Jahrbuch für Kunstwissenschaft 39 (2012), S. 27–75.
Codex Aureus – Das Goldene Evangelienbuch von Echternach, Darmstadt 2007.
(Hg. mit Nikolaus Staubach) Sakralität und Komik. Ein ästhetisches Konzept in
mittelalterlicher Kunst und Literatur, Frankfurt a. M. 2005.
11.45–12.15 Uhr
Lukas Fuchsgruber, Berlin
Manipulation und Täuschung in französischen Kunstauktionen in
der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts
Kopien werden in Fälschungen verwandelt, Signaturen und Motive verändert, auf falsche Katalogangaben zu einzelnen Objekten folgen ganze
erfundene Sammlungen. Das sind Themen, die sich unter den Oberbegriffen Manipulation und Täuschung zusammenfassen lassen und im französischen Kunstmarkt der zweiten Hälfe des 19. Jahrhundert als gemeinsamen Bezugspunkt das monopoläre Auktionshaus Hôtel Drouot haben.
127
Im Wertstreit: Original, Kopie, Reproduktion und Fälschung
Um 1850 beginnen besonders Landschaftsmaler in Paris Auktionen eigener Werke zu inszenieren. Gleichzeitig tauchen auch nichtauthentische
und manipulierte Werke dieser Künstler in von Händlern veranstalteten
Auktionen auf. Durch das Mitwirken und Gegenwirken der Künstler ergeben sich dynamische Konflikte. Doch die Manipulation und Täuschung
findet nicht nur am Objekt statt. Auch die Auktionatoren und Experten
sind derart tätig, angefangen bei bewusst falschen Angaben im Katalog,
bis hin zum Vermischen von Kopien und authentischen Werken in Sammlungen oder auch die Erfindung einer Sammleridentität.
In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts beginnen Autoren, die Fälscher und Täuscher zu denunzieren und dokumentieren Konflikte um
einzelne Objekte, außerdem Gerichtsurteile gegen sowohl Experten, als
auch Händler und Auktionatoren. Daneben werden detaillierte Begrifflichkeiten für deren Praxen entwickelt. Es stellt sich für Täuschung und Manipulation im historischen Auktionshandel sowohl die Frage der damaligen
Vermittlung, als auch heute die Vermittlung der historischen Situation. Die
fälschungskritische Literatur des 19. Jahrhunderts liefert frühe Dokumente einer Theorie der Manipulation und Täuschung auf dem Kunstmarkt.
Kurzbiographie Lukas Fuchsgruber
2005–2012
2011–2014
seit 2013
seit 2013
Studium der Kunstwissenschaft und Kunsttechnologie in Nürnberg und Berlin (M.A.)
Freie Mitarbeit am DFG/ANR-Projekt »ArtTransForm«
Promotionsvorhaben (Thema: »Paris 1852. Die Gründung des
Kunstauktionshauses Hôtel Drouot und die mit ihm verbundene Auseinandersetzung um Kunstwerke«), Promotionsstipendiat der Studienstiftung des deutschen Volkes
Mitglied im Deutsch-Französischen Doktorandenkolleg »Unterschiede Denken«
Forschungsschwerpunkte
Kunstmarkt; Kunsttheorie; Kunstwert, Transfers; Künstlerausbildung.
Publikationsauswahl
Art. Faure, (Jean-Victor) Louis, in: Bénédicte Savoy und France Nerlich (Hgg.):
Pariser Lehrjahre. Ein Lexikon zur Ausbildung deutscher Maler in der französischen Hauptstadt. Bd. I: 1793–1843, Berlin 2013, S. 73–75, sowie weitere
Lexikoneinträge ebd., Bd. II: 1844–1870, Berlin 2015.
Paul Meyerheim, in: Allg. Künstlerlexikon 2014, sowie: Eduard Meyerheim, ebd.
(Rezension:) Isabelle Rouge-Ducos: Le Crieur et le Marteau. Histoire des
commissaires-priseurs de Paris (1801 à 1945), in: Regards Croisés. Deutschfranzösisches Rezensionsjournal für Kunstgeschichte und Ästhetik 3 (2015).
128
Im Wertstreit: Original, Kopie, Reproduktion und Fälschung
14.00–14.30 Uhr
Ruth E. Iskin, Jerusalem
The Cultural Production of the Auratic Multiple Original: The Case
of the Maîtres de l’affiche
This paper will provide a detailed analysis of how during the 1890s, at
its origins, the modern color art print was implicated in the fluid boundaries of original, copy and reproduction, as it helped establish the multiple
original. It examines the case of the Maîtres de l’affiche, 1896–1900, an
edition of some 240 popular artistic advertising posters made in France,
England, Germany, Belgium among other European countries as well as
the US.
Directed by the »father of the modern poster« Jules Chéret, and published by the Imprimerie Chaix in Paris, the edition, considered »the
pantheon of the poster«, was sold by annual subscription at affordable
prices. The initial posters selected for the edition were reissued in high
quality and reduced size, turning them into small prints appealing to collectors. Roger Marx, the esteemed critic and state museum official wrote an annual preface, providing an intellectual basis for regarding these
altered »reproductions« of posters as »original« prints. The prints of the
Maîtres were consecrated as auratic (referring to Walter Benjamin’s term
aura) collector’s objects through several strategies, combining material
qualities and intellectual arguments that together re-contextualized them
from their original advertising function to fine art prints.
This was particularly significant since during the 1890s the status of
color lithography as a medium for art was still highly controversial and
it was not until 1898 that the Salon of French Painters agreed to admit
original color lithographic prints into its art exhibitions. During the 1890s
most print connoisseurs had conservative tastes, preferring the black and
white print executed in a traditional style and technique and abhorred the
avant-garde color art print. It should thus come as no surprise that most
of the editors of the German avant-garde journal Pan also espoused such
views. In response to Julius Meier-Graefe, a founding editor of Pan who
arranged for Toulouse-Lautrec’s print Marcelle Lender to be included in
the journal’s September/October 1895 issue, the editors made clear their
vehement objections.
During the 1890s it was necessary to legitimate the color art print as
fine art and to distinguish it from the lithographic color reproduction of art
works as well as from the lithographic advertising posters. This paper will
analyze the process through which such legitimation was conferred, focusing on the case study of the Maîtres and on the discourses of art critics.
129
Im Wertstreit: Original, Kopie, Reproduktion und Fälschung
Kurzbiographie Ruth E. Iskin
Doktorgrad (Ph.D.) an der University of California, Los Angeles (UCLA)
Lehrtätigkeit an der UCLA, der Hebrew University und der
Ben-Gurion University of the Negev, Jerusalem
Forschungsschwerpunkte
Plakatkunst und Kunstdruck des 19. Jh.s; Kunstkanon; Impressionismus und
Konsumkultur; Genderfragen bei Darstellung von Frauen in der Kunst und visuellen Kultur des 19. Jh.s.
Publikationsauswahl
The Poster: Art, Advertising, Design, and Collecting, 1860s–1900s, Hanover
(USA) 2014.
Modern Women and Parisian Consumer Culture in Impressionist Painting, Cambridge u. a. 2007.
14.45–15.15 Uhr
Kia Vahland, München
Kanon und Wertschöpfung
Während die akademische Kunstgeschichte sich aus dem kennerschaftlichen Diskurs teilweise verabschiedet hat, sind Museen, Auktionshäuser, Kunstjournalisten mit (Fehl-)Zuschreibungen konfrontiert. Die
wirkmächtigen Marktkräfte, welche immer neue Zuordnungen von Werken forcieren, haben in den vergangenen Jahren geholfen, ein neues
System der Werksvermehrung zu etablieren. Wo früher ein Gemälde,
eine Zeichnung oder Skulptur erst langwierig in Fachorganen und auf
Symposien diskutiert wurde, ist heute der umgekehrte Weg zu beobachten: Zuschreibungen geraten erst in die Öffentlichkeit, meistens von
einem einzelnen Experten unterstützt, und werden dann, wenn die Fakten medial quasi geschaffen sind, in der Fachwelt diskutiert. Dies betrifft
sowohl Altmeister wie Leonardo, Michelangelo, Caravaggio, Raffael, deren Werk posthum um nicht immer, aber oft fragwürdige Zuschreibungen
von Arbeiten weniger bekannter Zeitgenossen vergrößert wird, als auch
Meister der Klassischen und späteren Moderne, deren Stil mit gezielten
Fälschungen imitiert wird.
Wie konnte es zu dieser neuen Dynamik kommen, welche Rolle spielen die diversen Akteure (Museumsleute, Kunsthändler, Gutachter, Jour130
Im Wertstreit: Original, Kopie, Reproduktion und Fälschung
nalisten) dabei – und was bedeutet das für die Werkzusammenhänge
einzelner Künstler? Welche Vorstellungen von »Originalität« macht sich
die Öffentlichkeit und wie wäre dem kunsthistorisch zu begegnen? Was
ist in diesem Gefüge die Rolle der akademischen Kunstgeschichte, der
Forschung und Lehre – und wie könnte sie künftig aussehen? Der gesellschaftliche Wandel im Umgang mit Kopien, Fehlzuschreibungen und
Fälschungen ist in seinen Auswirkungen im und für das Fach noch nicht
diskutiert; Ziel des Vortrags ist es, anhand von Fallstudien eine solche
Diskussion anzuregen.
Kurzbiographie Kia Vahland
1992–1999
2000–2008
2008
seit 2005
seit 2008
Studium der Kunstgeschichte und Politikwissenschaft in Rom,
Hamburg und Dijon
Redakteurin beim Kunstmagazin Art, Autorin bei Geo
Promotion an der Universität Hamburg (»Lorbeeren für Laura.
Sebastiano del Piombos lyrische Bildnisse schöner Frauen«)
Dozentin an verschiedenen Universitäten (Lüneburg, Hamburg, München, Bremen)
verantwortliche Kunstredakteurin im Feuilleton der Süddeutschen Zeitung
Forschungsschwerpunkte
Renaissancemalerei; Paragone; Fotografieforschung; Kunstsoziologie.
Publikationsauswahl
Michelangelo und Raffael. Rivalen im Rom der Renaissance, München 2012.
Lorbeeren für Laura. Sebastiano del Piombos lyrische Bildnisse schöner Frauen
(Studienreihe des Deutschen Studienzentrums), Berlin 2011 (zugl. Diss. Hamburg).
Der Kopfjäger mit Kamera. Internationale Pressefotografie und lokaler Bilderkult
im Neuguinea der 1920er Jahre, in: Karen Buttler und Felix Krämer (Hgg.):
Jacobs-Weg. Auf den Spuren eines Kunsthistorikers, Weimar 2007.
Wunschbilder und Augenschein. Zur Funktion innerer und äußerer Bilder bei
Pietro Bembo, in Castigliones Hofmann sowie in der lyrischen Malerei der
Frühen Neuzeit, in: Sibylle Peters und Martin Jörg Schäfer (Hgg.): ›Intellektuelle Anschauung‹ – Figurationen von Evidenz zwischen Kunst und Wissen,
Bielefeld 2006.
Der Kunstmensch als Maß der Dinge. Zur Utopie des idealen Körpers bei Leonardo da Vinci, in: Cornelia Zumbusch u. a. (Hg.): Utopische Körper, Paderborn
2004.
131
Mimesis und Moderne.
Geltungsansprüche bildender Kunst
zwischen Universalismus und Weltlosigkeit
Leitung: Gregor Wedekind, Mainz / Thomas D. Trummer, Mainz
Sektionsvorträge
Donnerstag, 26. März 2015, 09.00–15.45 Uhr, Philosophicum, Hörsaal P 11
09.00–09.30 Uhr
Einführung durch die Sektionsleitung
09.30–10.00 Uhr
Clément Layet, Paris
Die wechselseitige Bedingtheit von Kunst und Wirklichkeit vor
­jeglicher Bewertung
10.00–10.15 Uhr
Diskussion
10.15–10.45 Uhr
Gabriel Hubmann, Basel
Die Problematik der Allegorie in der französischen Bildproduktion
um 1800
10.45–11.00 Uhr
Diskussion
11.00–11.45 Uhr
Pause
11.45–12.15 Uhr
Isabel Wünsche, Bremen
Abstrakte Kunst als universelle visuelle Welt­sprache
12.15–12.30 Uhr
Diskussion
132
Mimesis und Moderne
12.30–14.00 Uhr
Pause
14.00–14.30 Uhr
Christian Berger, Mainz
Wirklichkeitsreferenz als Schlüsselfrage (post-)konzeptualistischer
Praxis
14.30–14.45 Uhr
Diskussion
14.45–15.15 Uhr
Christian Janecke, Offenbach
Im Mittel gesehen, geht’s super… Über Durchschnittswerte als
­Unterpfand künstlerischen Wirklichkeitszugriffs
15.15–15.45 Uhr
Diskussion
Inhalt der Sektion
Der verbreiteten Annahme, dass Kunst an sich einen Wert darstelle,
ist entgegenzuhalten, dass sich die Wertsetzungen der Kunst niemals
jenseits ihres historisch-gesellschaftlichen Umfeldes konstituieren. So
stellt der autonome Status der Kunst nur dort einen Wert dar, wo Werte
wie Subjektivität oder Selbstbestimmung von einer Gesellschaft entsprechend gewürdigt werden. Kunst kann nur in ihrem Verhältnis zur Gesellschaft verstanden werden. Die Bestimmung ihres Wirklichkeitsbezuges
– ihrer Mimesis – ist dafür grundlegend.
Mit ihrer Freisetzung aus dem Dienst an Kirche, Stadt und Staat stellt
sich der modernen Kunst das Problem ihrer möglichen Marginalisierung
und prinzipiellen Partikularität. Ihre Bedeutung versucht sie seitdem unter
Beweis zu stellen, indem sie ihre Verbindung zum Wirklichen herausstellt
und beansprucht, eigenwertige Erkenntnis zu stiften. Deswegen ist die
Frage nach dem Wert der Kunst in der Moderne eng damit verbunden,
was als Wirklichkeit angesehen wird. Noch in einer als »realistisch« apostrophierten Kunst erschöpft sich die Zuwendung zum Wirklichen nicht
in Form platter Widerspiegelung. Vielmehr konstituiert sich hier wie auch
in einer vom Realismus dezidiert abgegrenzten Kunst ihr Wert erst im
Sinne einer Repräsentation des Wirklichen als der Gesamtheit der Wer133
Mimesis und Moderne
te, der wirklichen Wirklichkeit, des absolut Wirklichen, dem alle Werte
entspringen. Ein solch essentialistischer Wirklichkeitsbegriff führt einen
universalistischen Anspruch mit sich, welcher potentiell, da er die Ebene
des konkret Gesellschaftlichen verlässt, in Weltlosigkeit umschlägt.
In der Sektion soll das Selbstverständnis der westlichen Kunst der
Moderne sowie ihrer Geschichtsschreibung im Hinblick auf ihren Wirklichkeitsbezug und die damit gesetzten Wertannahmen kritisch reflektiert
werden.
Gregor Wedekind, Mainz / Thomas D. Trummer, Mainz
Kurzbiographie Gregor Wedekind
1995
1995–2001
2003–2007
2008
seit 2010
z. Zt.
Promotion an der Technischen Universität Berlin (Arbeit zu
Klees Inventionen)
Wiss. Assistent am Fachgebiet Kunstgeschichte
Leiter des wissenschaftlichen Programms am Deutschen Forum für Kunstgeschichte Paris
anschließend Vertretungsprofessor für Kunstwissenschaft an
der Hochschule für Bildende Künste in Braunschweig
Habilitation an der TU Berlin (»Das Leben fassen. Strategien
der Mimesis im Werk von Théodore Géricault«)
Präsident der Deutschen Gesellschaft zur Erforschung des 19.
Jahrhunderts
Professor für die Kunstgeschichte der Moderne und der Gegenwart an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz
Forschungsschwerpunkte
Französische Kunst des 19. Jahrhunderts; europäische Romantik; Geschichte
des Künstlertums, Genieästhetik und Kunstreligion; Bilder von Paris; Ideengeschichte der europäischen Moderne.
Publikationsauswahl
(Hg. mit Max Hollein) Géricault. Bilder auf Leben und Tod, Ausst.-Kat. Frankfurt
a. M., Schirn Kunsthalle, München 2013, darin auch: Widerspiel der Existenz.
Théodore Géricaults tragischer Realismus, S. 17–188.
(Hg. mit Herbert Molderings) L’évidence photographique. La conception positiviste de la photographie en question (Passages/Passagen 23), Paris 2009.
Wie in einem Spiegel. Porträt und Wirklichkeit in Jan van Eycks ›Arnolfinihochzeit‹, in: Zeitschrift für Kunstgeschichte Jg. 70 Nr. 3 (2007), S. 325–346.
Le portrait mis à nu. Théodore Géricault und die Monomanen (Passerelles 10),
Berlin/München 2007.
Bilder für ehrliche Leute. Zum Problem der Mimesis bei Caspar David Friedrich,
134
Mimesis und Moderne
in: Martin Gaier, Bernd Nicolai und Tristan Weddigen (Hgg.): Der unbestechliche Blick. Festschrift zu Ehren von Wolfgang Wolters zu seinem siebzigsten
Geburtstag, Trier 2005, S. 413–427.
Kurzbiographie Thomas D. Trummer
2006–2007
2010–2011
2007–2012
seit 2012
Kurator für moderne und zeitgenössische Kunst am Belvedere
Wien und Gastkurator am Grazer Kunstverein
Hall Curatorial Fellow am Aldrich Museum of Contemporary
Art, Ridgefield, USA
Visiting Scholar am Massachusetts Institute of Technology,
Cambridge, USA
Projektleiter für bildende Kunst beim Siemens Arts Program in
München
Künstlerischer Leiter der Kunsthalle Mainz
designierter Direktor des Kunsthaus Bregenz
Publikationsauswahl
(Hg. mit Ute Meta Bauer) Artistic Research, London 2013.
(Hg. mit Kasper König) Vor dem Gesetz, Köln 2012.
(Hg. mit Trevor Smith) I Repeat Myself When Under Stress, Detroit 2010.
(Hg.) Voice & Void, New York 2007.
(Hg. mit Tobias G. Natter) Die Tafelrunde. Egon Schiele und sein Kreis, Köln
2006.
Vorträge
09.30–10.00 Uhr
Clément Layet, Paris
Die wechselseitige Bedingtheit von Kunst und Wirklichkeit vor
­jeglicher Bewertung
»Die Autonomie der Kunst enthält den kategorischen Imperativ: es
muss anders werden«, schreibt H. Marcuse 1977 über Die Permanenz
der Kunst. Dies scheint zunächst paradoxal, wird das Konzept der Autonomie der Kunst doch seit dem 19. Jahrhundert von den durch die Romantik
geprägten Künstlern im Gegensatz zu Auffassungen, die die Kunst in den
Dienst des sozialen Fortschritts gestellt sehen wollen, eingefordert. Und
umgekehrt setzen marxistische Theoretiker des 20. Jahrhunderts, und
a fortiori die Doktrin des sozialistischen Realismus, den Autonomieanspruch der Kunst als Verweis auf die Tradition der »l’art pour l’art« herab.
Wie also ist die These von Marcuse zu verstehen, nach der die Au135
Mimesis und Moderne
tonomie der Kunst die Notwendigkeit eines Bruchs mit dem Status quo
impliziert? Die Frage stellt sich auch mit Blick auf Künstlerpositionen der
1960er und 1970er Jahre, die sowohl in West- als auch in Osteuropa die
Lehren von Marx und zugleich die Autonomie der Kunst vertreten.
Wenn diese Unterscheidung nun aber als eine ausschließende Dichotomie begriffen wird, ist ein Verständnis dieser historischen Positionen unmöglich; darüber hinaus wird eventuell auch verhindert, dass die
zeitgenössische Erscheinungsform das Wesen der Kunst, zu dem uns
jene Texte und Werke Zugang geben, erkannt wird. So geht es in unserem Beitrag nicht nur darum, den Bereich abzustecken, von dem aus
genannte Positionen verständlich werden, sondern insbesondere auch
darum, zu fragen, ob das widersprüchliche Begreifen von Autonomie und
Einbezug sozialer Wirklichkeit nicht das Erkennen der politischen Aussagekraft der Kunst im Allgemeinen verhindert. Gezeigt werden soll, dass
Kunst nur dann soziale Wirkung hat, wenn sie aus einem frei erfassten
Anspruch heraus entsteht, bzw. dass Kunst auch nur dann frei ist, wenn
sie Unrecht und Gewalt gegenüber nicht blind ist. Demnach stünden die
Autonomie der Kunst und ihre soziale Verantwortung zwangsläufig in einem Wechselverhältnis zueinander.
Kurzbiographie Clément Layet
1995–2002
2002–2003
2005
2013
seit 2014
Studium der Literatur, Geschichte und Philosophie in Paris
Erasmus an der Freien Universität Berlin
Agrégation de philosophie an der Universität Paris I
Promotion an der Universität Clermont-Ferrand (»Das Bild im
poetischen und theoretischen Werk von Friedrich Hölderlin«)
Postdoktorand im Rahmen des ERC-Projekts »OwnReality:
Jedem seine Wirklichkeit. Der Begriff der Wirklichkeit in der
Bildenden Kunst in Frankreich, Polen, der BRD und DDR,
1960–1989« am Deutschen Forum für Kunstgeschichte Paris
Forschungsschwerpunkte
Friedrich Hölderlin; André du Bouchet; deutscher Idealismus; zeitgenössische
französische Poesie; Kunst nach 1960.
Publikationsauswahl
Übersetzung) Martin Heidegger, De l’origine de l’œuvre d’art, Paris 2014.
(Hg.) André du Bouchet, Aveuglante ou banale: Essais sur la poésie 1949–1959,
Paris 2011.
(Hg.) André du Bouchet, Une lampe dans la lumière aride: Carnets 1949–1955,
Paris 2011.
André du Bouchet, Seghers 2002.
136
Mimesis und Moderne
10.15–10.45 Uhr
Gabriel Hubmann, Basel
Die Problematik der Allegorie in der französischen Bildproduktion
um 1800
Die Ausgangshypothese lautet, dass die Allegorie im Zeitraum von ca.
1789 bis 1830 einen Wandel von ihrer klassischen Form (der traditionellen Verwendung von Personifikationen und ihren Attributen) hin zu ihrer
modernen Form vollzieht. Diese ist dadurch gekennzeichnet, dass zwar
die Bildelemente für sich genommen nicht mehr eindeutig allegorisch
entziffert werden können, aber dennoch einen allegorischen Wert aus
ihrem Verhältnis zu anderen Bildelementen beziehen. Diese Konstellation möchte ich als Zerstreuung oder Dispersion des Allegorischen bezeichnen. So lässt sich etwa der vom Sturmwind gebauschte Vorhang in
Jacques-Louis Davids Darstellung des Ballhausschwurs von 1791 in der
Gesamtheit der Bilderzählung und im Bezug auf andere Bildprodukte der
Zeit durchaus als Indikator für Freiheit lesen.
Es ist nun nach den Faktoren dieses Wandels allegorischer Ausdrucksformen zu fragen. Eines der einschneidendsten Ereignisse ist hierbei
sicher die Französische Revolution, die von den Künstlern einen verstärkten Aktualitäts- und Wirklichkeitsbezug einfordert. In diesem Bezug
gerät die Allegorie in ihrer klassischen Form zunehmend unter Druck und
verformt sich. Unter diesen Umständen ist es mit Dringlichkeit geboten,
neue Formen künstlerischer Transzendenzfähigkeit zu erschließen, die –
so die Pointe – gerade im Wirklichkeitsbezug moderner Kunst selber gefunden werden können. So ist Davids Ballhausschwur weder eine bloße
Reproduktion historischer Fakten, noch eine Überhöhung derselben im
klassischen Modus der Allegorie. Das Allegorische situiert sich hingegen
im spezifischen (durchaus konstruierten) Bezug des Bildes auf die historische Wirklichkeit selbst. Zwar wird diese dadurch in gewissem Sinne
überhöht, gleichzeitig wird aber das allegorische Transzendenzpotenzial
in eine geschichtliche Immanenz eingezogen, in der es sich mit Momenten der Kontingenz vermischt. Diese Doppelbewegung gilt es als eine
Grundproblematik der französischen Bildproduktion um 1800 zu begreifen.
Kurzbiographie Gabriel Hubmann
2005–2012
2012
Studium der Kunstgeschichte in Wien (Diplomarbeit »Elemente der Moderne im Werk Théodore Géricaults«, Auszeichnung
mit dem Sir-Ernst-Gombrich-Nachwuchspreis)
Mitinitiator des Projekts »Studierendengespräche« am Institut
137
Mimesis und Moderne
seit 2013
für Kunstgeschichte in Wien
Mitarbeiter im Modul »Form und Bild in der Moderne« am NFS
Bildkritik eikones, Dissertationsprojekt zur »Transformation der
Allegorie im französischen Kunstschaffen um 1800«
Forschungsschwerpunkte
Probleme der modernen Kunst seit ca. 1750; französische Bildproduktion und
Kunsttheorie im 18. und 19. Jh.; Fragen und Theorien der Gegenwartskunst.
Publikationsauswahl
(Rezension:) Juliane Rebentisch, Theorien der Gegenwartskunst zur Einführung, in: Zeitschrift für Kunstgeschichte Jg. 77 Nr. 4 (2014), S. 578–584.
Der prekäre Status der Immersion – Grenze und Übergang in Théodore Géricaults Gemälde Das Floß der Medusa (1819), in: Institut für immersive Medien (Hg.), Jahrbuch immersiver Medien. Bildräume – Grenzen und Übergänge,
Kiel 2012, S. 21–36.
Joerg Th. Burger, in: Museum Moderner Kunst Stiftung Ludwig Wien (mumok)
und Andrea Hubin (Hgg.), Leidenschaftlich Exakt. Sammlung Gertraud und
Dieter Bogner im mumok, Köln 2012, S. 108f., sowie: Oskar Putz, ebd., S. 199,
sowie: Jorrit Tornquist, ebd., S. 217–219.
Transformation und Umwertung im Werk Théodore Géricaults, in: ALL-OVER.
Magazin für Kunst und Ästhetik 1 (2011), S. 24–31.
Aspekte von Prozess und Expansion in der westlichen Nachkriegskunst / As­
pects of Process and Expansion in Western Postwar Art, in: Museum Moderner Kunst Stiftung Ludwig Wien (mumok) und Edelbert Köb (Hgg.): Malerei:
Prozess und Expansion. Von den 1950er-Jahren bis heute / Painting: process
and expansion. From the 1950s to the present day, Köln 2010, S. 39–57.
11.45–12.15 Uhr
Isabel Wünsche, Bremen
Abstrakte Kunst als universelle visuelle Weltsprache
Zahlreiche Vertreter der abstrakten Kunst waren überzeugt, dass diese
neue künstlerische Ausdrucksform die Grundlage für eine visuelle Weltsprache bieten könne, eine universelle Bildsprache, die allen zugänglich
sei, unabhängig von Nationalität, Kultur und sozialer Herkunft. Nachdem
die abstrakte Kunst Dank der Bemühungen von Kritikern wie Clement
Greenberg und Harold Rosenberg und Kunsthistorikern wie Werner Haftmann in den späten 1950er und 1960er Jahren allgemeine Anerkennung
gefunden hatte, wurde sie als universelle Kunstform mit »globalem Charakter« gefeiert. Diese Auffassung von der abstrakten Kunst als einer
138
Mimesis und Moderne
universellen visuellen Formensprache gründete auf anthropologischen
Überlegungen, psychologischen Ansätzen und ästhetischen Überzeugungen; sie fand ihren unmittelbaren Ausdruck in dem Buch »Abstrakte
Kunst – Eine Weltsprache«, das 1958 von Georg Poensgen und Leopold
Zahn veröffentlicht wurde.
Der Beitrag untersucht die Bedeutung der abstrakten Kunst in der bildenden Kunst und visuellen Kultur der Moderne unter historischen, ästhetischen, psychologischen und interkulturellen Gesichtspunkten. Besonderes Augenmerk liegt dabei auf den unterschiedlichen theoretischen
Interpretationen und kunstpolitischen Ideologien, die die abstrakte Kunst
bedient hat, sowie auf einer kritischen Analyse der Argumente und Strategien, die ins Feld geführt wurden, um zu erklären, dass die abstrakte
Kunst in Bezug auf ihr schöpferisches Potential, ihre erzieherische Wirkung und ihren geistigen Wert für die Menschheit anderen Kunstformen
weit überlegen sei.
14.00–14.30 Uhr
Christian Berger, Mainz
Wirklichkeitsreferenz als Schlüsselfrage (post-)konzeptualistischer
Praxis
Der Bezugsrahmen des angloamerikanischen Konzeptualismus der
1960er und frühen 1970er Jahre wird häufig als rein kunstimmanent beschrieben. In der Tat stellten Künstler wie Robert Barry, Joseph Kosuth,
Sol LeWitt, Lawrence Weiner oder die Mitglieder der Künstlergruppe Art
& Language differenzierte Reflexionen über die Instanz des Ausstellungsraums, die Notwendigkeit der Ausführung sowie die Bedeutung von
Sprache an. Allerdings verknüpften sie damit einen Demokratisierungsanspruch, der auf dem Glauben an einen gesellschaftlichen Wert der
Kunst basierte.
Dass sich der Referenzrahmen konzeptualistischer Praktiken jener Zeit
keineswegs auf kunstimmanente Fragen beschränkte, führt am deutlichsten die Praxis des mit Barry, Kosuth und Weiner durch die Projekte
des Kunsthändlers und Ausstellungsmachers Seth Siegelaub verbundenen Douglas Huebler vor Augen: Seine Text-Bild-Arbeiten der 1960er und
1970er Jahre verhandeln auf hintergründige Weise Aspekte und Dimensionen menschlicher Existenz. Sie erscheinen somit als idealer Ausgangspunkt für eine Diskussion von Wirklichkeitsreferenz in der Conceptual Art.
139
Mimesis und Moderne
Kurzbiographie Christian Berger
2007–2010
2009–2010
seit 2010
2013
Studium der Kunstgeschichte, Neueren Geschichte sowie Publizistik und Kommunikationswissenschaft in Gießen, Bristol
und Berlin (2007 M.A. an der Freien Universität Berlin)
Wiss. Mitarbeiter am Kunstgeschichtlichen Institut der
Philipps-Universität Marburg
Stipendiat am Deutschen Forum für Kunstgeschichte Paris
Wiss. Mitarbeiter am Institut für Kunstgeschichte und Musikwissenschaft der Johannes Gutenberg-Universität Mainz
Promotion an der FU Berlin (»Wiederholung und Experiment
bei Edgar Degas«)
Forschungsschwerpunkte
Französische und englische Kunst des 19. Jahrhunderts, amerikanische Kunst
seit 1945, Theorie und Kritik der künstlerischen (Post-)Moderne, zeitgenössische Kunst.
Publikationsauswahl
Wiederholung und Experiment bei Edgar Degas, Berlin 2014.
Vielschichtigkeit und Verunklärung. Die Programmatik der Oberfläche bei James
McNeill Whistler, in: Andreas Beyer und Dario Gamboni (Hgg.): Poiesis. Das
Tun in der Kunst (Passagen 42), München/Berlin 2014.
Multiplikation und Diversifikation der Bilder und der Akteure in Edgar Degas’
künstlerischer Praxis, in: Zeitschrift für Ästhetik und allgemeine Kunstwissenschaft Bd. 57 Nr. 1 (2012).
Prozess vor Produkt. Edgar Degas’ Druckgraphik im Kontext seines späten
Schaffens, in: Markus A. Castor, Jasper Kettner, Christien Melzer und Claudia
Schnitzer (Hgg.): Druckgraphik. Zwischen Reproduktion und Invention (Passagen 31), München/Berlin 2010
Degas und Whistler als ›Impressionisten‹?, in: Michael Brunner und Claudia
Däubler-Hauschke (Hgg.): Impressionismus und Japanmode: Edgar Degas –
James Whistler, Ausst.-Kat. Städtische Galerie Überlingen, Petersberg 2009.
14.45–15.15 Uhr
Christian Janecke, Offenbach
Im Mittel gesehen, geht’s super… Über Durchschnittswerte als Unterpfand künstlerischen Wirklichkeitszugriffs
Einen Arbeiter rauchend dargestellt zu finden, obwohl Leute wie er pro
Tag vielleicht nur auf eine Zigarette kamen, konnte einem Realisten des
19. Jahrhunderts fast schon als Beschönigung vorkommen – womöglich
140
Mimesis und Moderne
ein Hinweis darauf, dass man bereits hier unterschwellig beseelt vom
Ernüchterungsprogramm des Durchschnitts urteilte.
Dem modernen Leben war dann, wie man weiß, der Durchschnitt zur
ungeliebten Autorität geworden. In Statistik und Statistikgläubigkeit paraphrasierenden künstlerischen Werken insbesondere ab den 1960er
Jahren treten dementsprechend gewisse, per Berücksichtigung des
Durchschnitts den Einzelfall übersteigende Schilderungen oder protowissenschaftliche Darstellungen in objektivierender wie kritischer Tendenz
auf den Plan. Insofern moderne Kunst zu emphatischem Wirklichkeitsbezug ja kaum mehr vorbehaltlos sich bekennt, kommt ihr eine Strategie ganz recht, der zufolge die Dinge statt bei ihrer Wurzel oder in ihrer triftigsten Gestalt unverfänglicher bei ihrem Durchschnitt zu packen
sind – eine Option, an die in späteren postmodernen Berufungen auf den
Durchschnitt dann nur mehr sarkastisch angeknüpft wird.
Auch die jüngere und jüngste Kunst greift mitunter aufs Durchschnittliche zurück – dessen Verrechnung prosaischer Einzelfälle zur Gravität
eines Mittelwerts es ihr erlaubt, an das Vertrauen des älteren Realismus
in die Ergreifbarkeit schierer Wirklichkeit anzuschließen, ohne doch von
deren müßigen Konkretionen behelligt zu sein. Wo in entsprechender Absicht etwa Bildeinträge von Suchmaschinen, andere netzbasierte Trouvaillen oder Daten überhaupt zum (vermeintlichen) Durchschnittskomposit gefügt werden, erscheint dann der Wirklichkeitsbezug auf wohlfeile
Weise gewahrt und transzendiert zugleich.
Kurzbiographie Christian Janecke
1985–1993
1993
seit 1994
1995–2001
2002–04
2004
2005
seit 2006
Studium der Kunstgeschichte, Philosophie und Soziologie in
Frankfurt a. M., Wien und Saarbrücken
Promotion an der Universität des Saarlandes, Saarbrücken
Lehraufträge u. a. in Berlin (UdK/ehem. HdK und Hochschule
für Technik und Wirtschaft), an der Akademie der Bildenden
Künste in Nürnberg, an der TU Dresden, am ZKM und der
Staatlichen Hochschule für Gestaltung in Karlsruhe
Wiss. Mitarbeiter am Lehrstuhl für Kunstgeschichte, Hochschule für Bildende Künste Dresden
Inhaber der Wella Stiftungsdozentur für Mode und Ästhetik,
Technische Universität Darmstadt
Habilitation an der Martin Luther-Universität Halle-Wittenberg
Vertretungsprofessor für Kunstgeschichte an der Hochschule
für Gestaltung Offenbach
Professor für Kunstgeschichte an der HfG Offenbach
141
Mimesis und Moderne
Forschungsschwerpunkte
Moderne und zeitgenössische Kunst; historische und systematische Wechselwirkungen von Kunst und Theater; Mode(-theorien); Design; visuelle Kultur.
Publikationsauswahl
Zufall und Kunst – Analyse und Bedeutung, Nürnberg 1995 (zugl. Diss. Saarbrücken 1993).
(Hg.) Haar tragen – eine kulturwissenschaftliche Annäherung, Köln/Wien/Weimar 2004.
(Hg.) Performance und Bild / Performance als Bild (Fundus 160), Berlin 2004.
(Hg.) Gesichter auftragen. Argumente zum Schminken, Marburg 2006.
Maschen der Kunst, Springe 2011.
142
Faltenzählen versus Bildwissenschaft.
Die Forschung an Museen und Universitäten:
Konkurrenz oder Partnerschaft?
Leitung: Kilian Heck, Greifswald / G. Ulrich Großmann, Nürnberg
Sektionsvorträge
Freitag, 27. März 2015, 09.00–16.15 Uhr, Philosophicum, Hörsaal P 2
09.00–09.30 Uhr
Einführung durch die Sektionsleitung
09.30–10.00 Uhr
Ernst Seidl, Tübingen
Kompetenz statt Konkurrenz. Wissenschaftliche Sammlungen als
Quellen einer Kunstgeschichte als Objektgeschichte
10.00–10.15 Uhr
Diskussion
10.15–10.45 Uhr
Juliane Schmieglitz-Otten, Celle
Neue Denk-Räume schaffen! Wie der Gang zwischen »forschungsorientierter Innenwelt« und »öffentlicher Außenwelt« den Blick
­öffnen kann
10.45–11.00 Uhr
Diskussion
11.00–11.45 Uhr
Pause
11.45–12.15 Uhr
Thomas Döring, Braunschweig / Stefan Morét, Göttingen
Zwei Seiten eines Blattes: Digitale Erschließung und universitäre
Erforschung frühmoderner Graphiksammlungen in Museum und
Bi­bliothek. Der Forschungsverbund kupferstichkabinett_online
143
Faltenzählen versus Bildwissenschaft
12.15–12.30 Uhr
Diskussion
12.30–14.30 Uhr
Pause
14.30–15.00 Uhr
Antoinette Friedenthal, Potsdam
Galeerenketten der Langeweile? – Werkverzeichnisse und Wissenschaftskulturen
15.00–15.15 Uhr
Diskussion
15.15–15.45 Uhr
Sebastian Karnatz, München / Uta Piereth, München
Vermittlung und Forschung – das Museum als Ort interdisziplinärer
Synergien
15.45–16.15 Uhr
Diskussion
Inhalt der Sektion
Die Meinungen darüber, was unter »Kunstgeschichte« zu verstehen
ist, scheinen bei Museen und Universitäten im Tempo der Lichtgeschwindigkeit auseinanderzudriften. Während bei Museen einzelne Werksphasen oder Fragen der Künstlerwanderung im Vordergrund zu stehen
scheinen, werden an den Universitäten, so die Selbsteinschätzung, allein
hochtheoretische Fragen erörtert. Schon die Debatte um die Bedeutung
von Werkverzeichnissen im späten 19. Jahrhundert zeigt deutliche Ansätze zu diesem negativen Verhältnis. Welches sind die Ursachen für
diese Diskrepanzen, die bei näherer Betrachtung vielleicht nicht so unüberbrückbar sind, wie sie zunächst scheinen? Die Forschungskooperationen zwischen Museen und Universitäten werden, wenn sie überhaupt
stattfinden, häufig von gegenseitigem Missverständnis und Misstrauen
begleitet. Museen machen Ausstellungen, und leider kommt es immer
wieder vor, dass diesen eine aktuelle wissenschaftliche Grundlage fehlt.
Universitäten leisten Forschungsarbeit, die oft fern vom Objekt als dem
Gegenstand der Kunstgeschichte stattfindet. Unter welchen Bedingun144
Faltenzählen versus Bildwissenschaft
gen und Möglichkeiten man Objekte ausstellen kann und muss, ist unklar,
da Ergebnisse üblicherweise nur zwischen Buchdeckeln oder im Internet
präsentiert werden.
Dennoch wird zunehmend die Kooperation zwischen Museen und
Universitäten gefordert und als Qualitätskriterium für die Arbeit beider
Einrichtungen etwa bei Evaluierungen angelegt. Erfolgreiche Beispiele derartiger Forschungs-Kooperationen, etwa zum Neukonzept des
Schlossmuseums in Celle oder zur Erfassung der Graphik-Bestände des
Herzog Anton Ulrich-Museums in Braunschweig, sollen zeigen, wie die
jeweilige Forschung laufen kann und auf welchem Weg Ergebnisse zustande kommen, was der Gewinn einer solchen wissenschaftlichen Partnerschaft auf Augenhöhe sein kann. Insbesondere ihrer eigenen Sammlungen werden sich Universitäten in jüngster Zeit wieder mehr bewusst
und beziehen sie in die Forschungsarbeit ein.
Kilian Heck, Greifswald / G. Ulrich Großmann, Nürnberg
Literaturhinweis zum Sektionsthema: G. Ulrich Großmann und Petra Krutisch
(Hgg.): The Challenge of the Object / Die Herausforderung des Objekts, 33.
Internationaler Kunsthistoriker-Kongress, Congress Proceedings, 4 Bd.e,
Nürnberg 2013.
Kurzbiographie Kilian Heck
1988–1994
1997
1997–1998
1999–2005
2009
2010–2011
seit 2011
seit 2013
Studium der Kunstgeschichte, Mittleren und Neueren Geschichte in Frankfurt a. M., Marburg, St. Petersburg und Omsk
Promotion an der Universität Hamburg (»Genealogie als Monument und Argument. Der Beitrag dynastischer Denkmale
zur politischen Raumbildung der Neuzeit«)
Rathenau-Postdoc am Max-Planck-Institut für Wissenschaftsgeschichte Berlin
Wiss. Assistent am Kunsthistorischen Institut der RupprechtKarls-Universität Heidelberg
Habilitation an der Goethe-Universität Frankfurt a. M. (»Das
zweite Bild im Bild. Auflösungstendenzen des perspektivischen Raumes bei Carl Blechen«)
Vertretung des Lehrstuhls für Kunstgeschichte am Kunsthistorischen Seminar der Friedrich-Schiller-Universität Jena
Professor für Kunstgeschichte am Caspar David FriedrichInstitut der Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald
Erster Vorsitzender des Verbandes Deutscher Kunsthistoriker
e.V.
145
Faltenzählen versus Bildwissenschaft
Forschungsschwerpunkte
Deutsche Sepulkralskulptur des 15. bis 17. Jh.s; politische Ikonographie der
Frühen Neuzeit; Kunstgeschichte des Ostseeraumes und Ostmitteleuropas;
Schlossarchitektur des 18. Jh.s; Kunst und Kunsttheorie der Romantik; das
Werk der Malers Carl Blechen; Restitutions- und Provenienzforschung.
Publikationsauswahl
Genealogie als Monument und Argument. Der Beitrag dynastischer Denkmale
zur politischen Raumbildung der Neuzeit, München/Berlin 2002.
(Hg. mit Christian Thielemann) Friedrichstein. Das Schloß der Grafen von Dönhoff in Ostpreußen, München/Berlin 2006.
Das zweite Bild im Bild. Auflösungstendenzen des perspektivischen Raumes bei
Carl Blechen (erscheint 2015).
(Hg. mit Jana Olschewski) Schlösser und Gutshäuser in der Ostseeregion. Kom­
ponenten einer europäischen Kulturlandschaft (erscheint 2015).
(Hg. mit Antje Kempe) Frühneuzeitliche Grabdenkmale in Mecklenburg und
Pommern (erscheint 2015).
Kurzbiographie G. Ulrich Großmann
1973–1979
1979
1994
1997
1980–1986
1986–1994
seit 1994
1982–2006
seit 1992
seit 2005
2012–2016
Studium der Kunstgeschichte, Europäische Ethnologie und
Christliche Archäologie in Würzburg und Marburg
Promotion (Arbeit zum Schlossbau der Renaissance in Hessen)
Habilitation an der Technischen Universität Hannover (Fachbereich Architektur)
Umhabilitation an der Universität Bamberg (Kunstgeschichte
des Mittelalters)
Bauhistoriker am Westfälischen Freilichtmuseum Detmold
Gründungsdirektor des Weserrenaissance-Museums Schloss
Brake, Lemgo
Generaldirektor des Germanischen Nationalmuseums in Nürnberg
Vorsitzender des internationalen Arbeitskreises für Hausforschung
Gründungsvorsitzender der Wartburg-Gesellschaft zur Erforschung von Burgen und Schlössern
stellv. Vorsitzender des Trägervereins Deutsches Burgenmuseum Veste Heldburg
Präsident des Internationalen Kunsthistorikerverbandes (CIHA)
Publikationsauswahl
Der Schloßbau 1530–1630 in Hessen, Marburg 1980 (zugl. Diss. 1979), neubearb. Regensburg 2010.
146
Faltenzählen versus Bildwissenschaft
Renaissance entlang der Weser, Köln 1989.
Einführung in die historische und kunsthistorische Bauforschung, Darmstadt
2010.
Mythos Burg. Ausstellungskatalog des Germanischen Nationalmuseums, Dresden und Nürnberg 2010.
Die Welt der Burgen. Geschichte, Architektur, Kultur, München 2013.
Vorträge
09.30–10.00 Uhr
Ernst Seidl, Tübingen
Kompetenz statt Konkurrenz. Wissenschaftliche Sammlungen als
Quellen einer Kunstgeschichte als Objektgeschichte
Mit der in jüngster Zeit zu beobachtenden stärkeren öffentlichen Wahrnehmung von bislang vernachlässigten, aber teilweise immensen Objektbeständen kulturhistorischer oder wissenschaftsgeschichtlicher Provenienz in den Universitäten steht auch die Kunstgeschichte vor neuen
Herausforderungen: Hier wird zum einen eine neue Schnittstelle zwischen
Museen und Universitäten sichtbar, die neue Aufgabenfelder bereitstellt.
Zum anderen wird der Anspruch an die Kunstgeschichte erhoben, sich
zu einer universellen Objektgeschichte zu bekennen – und zwar in einem
wesentlich breiteren, universelleren Sinn, als sie dies bislang war. Diese
überdisziplinäre Zuständigkeit wirft dabei die Frage auf, ob die rezente
Erweiterung der Kunstgeschichte zur Bildwissenschaft dafür denn hinreichend oder gar dienlich war.
Der Beitrag will diskutieren, inwieweit die aktuelle Entwicklung methodische Konsequenzen für das Fach, etwa die verstärkte Verschiebung
von einer Bild- hin zu einer Objektwissenschaft, haben könnte, beziehungsweise worin die Relevanz der beschriebenen Entwicklung für das
gesamte Fach liegt. Die Problematik wird anhand konkreter Beispiele aus
dem Museum der Universität Tübingen MUT mit seinen 45 heterogenen
wissenschaftlichen Sammlungen verdeutlicht.
Gefordert wird schließlich eine dezidierte Diskussion der Kunstgeschichte und eine offensive theoretische Auseinandersetzung mit den
Objekten der (natur-)wissenschaftlichen Sammlungskonvolute. Die Empfehlungen des Wissenschaftsrates aus dem Jahr 2011 zur adäquaten Beachtung wissenschaftlicher Sammlungen und die zunehmenden Begehrlichkeiten der Länderfinanzministerien zeigen ebenfalls die Dringlichkeit
dieser Debatte, nicht zuletzt für die Kunstgeschichte.
147
Faltenzählen versus Bildwissenschaft
Kurzbiographie Ernst Seidl
1990–1996
1994
1996
1998
1999–2003
2001–2005
2004
2006–2008
2005–2008
seit 2008
2011
Studium der Kunstgeschichte, Romanistik und Volkskunde in
Regensburg, Hamburg und Frankfurt a. M.
Stipendiat und Koordinator (1993–1996) des Graduiertenkollegs »Politische Ikonographie« in Hamburg
Promotion in Frankfurt a. M. (Arbeit zur Grande Arche de La
Défense)
Forschungsstipendiat am Deutschen Historischen Institut in
Paris
Projekt-Manager beim Präsidenten der Universität Hamburg
Wiss. Assistent am Kunsthistorischen Institut der Universität
Tübingen
Geschäftsführer des Verbands Deutscher Kunsthistoriker
Habilitation an der Universität Tübingen (»Achse als Zeichen.
Ein urbaner Raumtypus und seine Bedeutung als Gedächtnisform«)
Lehrstuhlvertretungen am Institut für Kunstgeschichte der Universität Heidelberg und am Institut für Architekturgeschichte
der Universität Stuttgart
Ausstellungskurator am Haus der Geschichte Baden-Württemberg, Stuttgart
Leiter des Museums der Universität Tübingen
Ernennung zum apl. Professor für Kunstgeschichte ebd.
Forschungsschwerpunkte
Paris; Porträt; Architektur der Moderne; Museologie; Kunst und Politik.
Publikationsauswahl
(Hg. mit Hermann Hipp) Architektur als politische Kultur. Philosophia practica,
Berlin 1996.
La Grande Arche in Paris. Form – Macht – Sinn, Hamburg 1998 (zugl. Diss.
Frankfurt a. M.)
(Hg. mit A. Köstler) Bildnis und Image. Das Portrait zwischen Intention und Rezeption, Köln/Weimar/Wien 1998.
Lexikon der Bautypen. Funktionen und Formen der Architektur, Stuttgart 2006.
(Hg.) Politische Raumtypen. Zur Wirkungsmacht öffentlicher Bau- und Raumstrukturen im 20. Jahrhundert (Jahrbuch »Kunst und Politik« der GuernicaGesellschaft 11), Göttingen 2009.
148
Faltenzählen versus Bildwissenschaft
10.15–10.45 Uhr
Juliane Schmieglitz-Otten, Celle
Neue Denk-Räume schaffen! Wie der Gang zwischen »forschungsorientierter Innenwelt« und »öffentlicher Außenwelt« den Blick
­öffnen kann
Weder sind Ausstellungen bloße gestalterische Umsetzungen von
Forschungsergebnissen noch kann ein wissenschaftliches Projekt mit
Blick auf ästhetisch verwertbare Ergebnisse hin konzipiert werden. Eine
fruchtbare Zusammenarbeit setzt deshalb voraus, dass beide Seiten ihre
eigenen Aufgaben und Ziele einander deutlich machen. Erst wenn Fragestellungen, Methodik und Ergebnisse von Beginn an stets unter beider Blickwinkel diskutiert werden, eröffnet dies neue Möglichkeiten: Dem
Museum die Chance, provinzieller Engstirnigkeit und Eindimensionalität
zu entgehen, und dem universitären Forschungsbetrieb, neue Erkenntnis
aus der Nähe zum Objekt zu ziehen.
Wie sehr eine ästhetisch-didaktische Umsetzung wissenschaftlicher
Forschungsansätze ein Gewinn für Museumskonzept und Besuchererfolg sein kann, wird am Beispiel der Neukonzeption des Residenzmuseums im Celler Schloss gezeigt. Für die Erweiterung der Dauerausstellung sind derzeit zwei Forschungsprojekte initiiert worden, die hier als
Anschauungsbeispiel für eine fruchtbare Kooperation von Museum und
universitärer Forschung dienen. Welche Wege können gefunden werden,
um Forschung als lebendigen Prozess von Irrtum und Erkenntnisgewinn
anschaulich zu machen? Dauerausstellungen mit ihrer meist auf Langzeit
angelegten Präsentation scheinen hierfür vordergründig weniger geeignet. Wie lassen sich das vor Ort im Kontext von Objekt-, Personen- und
Regionalgeschichte vorhandene Wissen und wissenschaftliche Fragestellungen sowie interdisziplinäre methodische Ansätze fruchtbar miteinander verbinden und zu einem erweiterten Blick auf die Objekte führen?
Museen sind nicht nur Orte der Wissensvermittlung, sondern auch
des Erlebnisses und Abenteuers, der Ruhe und Diskussion, der Besinnung und Identifikation, des ästhetischen Genusses, der Phantasie, der
Selbstvergewisserung und vieles mehr. Gerade angesichts eines Publikums, das heute vielleicht weniger als je zuvor über ein Grundwissen
zu geschichtlichen Räumen und historischen Strukturen verfügt, erfordert
ein Museumskonzept Denken in größeren und anderen Kontexten.
Kurzbiographie Juliane Schmieglitz-Otten
1982–1988
Studium der Geschichte, Germanistik und Erziehungswissenschaften in Hamburg, währenddessen Mitarbeit an der
149
Faltenzählen versus Bildwissenschaft
1988
seit 1988
seit 1997
seit 2004
seit 2007
historisch-kritischen Brief- und Werkedition Friedrich Gottlieb
Klopstocks (1724–1803)
2. Staatsexamen (Arbeit über das Hamburgische Stadtrecht)
Wiss. Mitarbeiterin am Bomann-Museum Celle, u. a. Aufbau
der museumspädagogischen Abteilung, Mitarbeit an verschiedenen historischen Ausstellungen
zuständig für die Stiftung Miniaturensammlung Tansey im
Bomann-Museum (heute: The Tansey Miniatures Foundation)
Leiterin des Projektes »Residenzmuseum im Celler Schloss«
(Erarbeitung und Umsetzung eines neuen Konzeptes der Dauerausstellung)
Museumsleiterin des Residenzmuseums, Kuratorin von Sonderausstellungen zur Residenzgeschichte
Forschungsschwerpunkte
Frühneuzeitliche Residenzkultur; hannoversche Landesgeschichte; europäische
Miniaturmalerei des 17.–19. Jh.s; Museumsdidaktik / Museumskonzeption.
Publikationsauswahl
(Hg. mit Bernd Pappe) Miniaturen aus der Sammlung Tansey, 5 Bd.e, München
2000–2012.
Das Residenzmuseum im Celler Schloss, in: Hof und Medien im Spannungsfeld
von dynastischer Tradition und poltischer Innovation zwischen 1648 und 1714
(Rudolstädter Forschungen zur Residenzkultur 4), München/Berlin 2008.
(Bearb. mit Kathleen Biercamp): »Mächtig verlockend. Frauen der Welfen«. Begleitband zur Ausstellung des Residenzmuseums im Celler Schloss, 16.02.–
15.08.2010, Berlin/Celle 2010.
Die welfischen Huldigungspräsente aus der Celler Residenz als Zeugnisse des
Aufstiegs des Neuen Hauses Lüneburg, in: Kulturstiftung der Länder (Hg.):
Huldigungspräsente der Herzöge von Braunschweig und Lüneburg (Patrimonia 350), Braunschweig 2010.
(Bearb.) Residenzmuseum im Celler Schloss (Hg): Die Celler Schlosskapelle,
München 2012.
11.45–12.15 Uhr
Thomas Döring, Braunschweig / Stefan Morét, Göttingen
Zwei Seiten eines Blattes: Digitale Erschließung und universitäre
Erforschung frühmoderner Graphiksammlungen in Museum und
Bibliothek. Der Forschungsverbund kupferstichkabinett_online
Die umfassenden Bestände frühmoderner Druckgraphik im Herzog Anton Ulrich-Museums in Braunschweig und in der Herzog August Bibliothek
150
Faltenzählen versus Bildwissenschaft
in Wolfenbüttel sind durch die fürstlichen Begründer dieser Sammlungen,
Herzog August d. J. (1579–1666) und seinen Sohn Herzog Anton Ulrich
(1633–1714) von Braunschweig-Wolfenbüttel, sammlungsgeschichtlich
aufs Engste miteinander verbunden. In Folge der Museumsgründung in
Braunschweig durch den aufgeklärten Herzog Carl I. (1713–1780) kam
es durch die Überweisung von Graphik aus Bibliotheksbänden in das
Kupferstichkabinett zur Trennung der Bestände, später zu ihrer Neuverflechtung bei gleichzeitiger Verunklärung ihrer gemeinsamen Provenienzen.
Bisherige Versuche, die Geschichte dieser Sammlungen zu erforschen
und zu rekonstruieren, mussten sich auf »Sondierbohrungen« bzw. Mutmaßungen zu größeren Zusammenhängen beschränken. Um systematische Provenienzforschung überhaupt erst zu ermöglichen, begründeten
beide Institutionen 2006 unter Förderung der DFG eine gemeinsame digitale Erschließung ihrer Bestände in der Online-Datenbank www.virtuelles-kupferstichkabinett.de.
Eine erweiterte und vertiefte Fortsetzung wird seit 2014 im Forschungsverbund kupferstichkabinett_online betrieben. Darin wird, eng verzahnt
mit der immer weiter voranschreitenden Bestandserschließung (und Indexierung durch das Bildarchiv Foto Marburg), die Geschichte herzoglichen Graphiksammelns im europäischen Zusammenhang von einem
am Seminar für Kunstgeschichte der Universität Göttingen angesiedelten Kunsthistoriker in Zusammenarbeit mit den Wissenschaftler/-innen
in Museum und Bibliothek erforscht. Die Fragestellungen betreffen gleichermaßen die Intentionen, die Realisierung und die Kontexte des Sammelns. Themen sind die Sammelstrategien der einzelnen Fürsten, die Erwerbungsgeschichte einzelner Hauptwerke und Konvolute, der Zugang
zum Kunstmarkt und zu Künstlern und Verlegern, die Ordnungssysteme
und nicht zuletzt die jeweils maßgeblichen Vorbilder unter den Graphik
sammelnden Fürsten des Deutschen Reichs und in Europa.
Kurzbiographie Thomas Döring
1979–1989
1989
seit 1989
seit 1993
seit 1999
Studium der Kunstgeschichte, Mittleren und Neueren Geschichte und Klassischen Archäologie in Göttingen und Bonn
Promotion an der Universität Bonn (»Studien zur Künstlerfamilie Van Bronchorst. Jan Gerritsz. (ca. 1603–1661), Johannes
(1627–1656) und Gerrit van Bronchorst (ca. 1636–1673) in
Utrecht und Amsterdam«, publ. Alfter 1993)
tätig am Herzog Anton Ulrich-Museum Braunschweig (HAUM)
Leiter des Kupferstichkabinetts
Lehraufträge an der Universität Osnabrück und der Hochschule für Bildende Künste Braunschweig
151
Faltenzählen versus Bildwissenschaft
seit 2006
seit 2011
seit 2013
seit 2015
Leiter von DFG-Projekten zur digitalen Erschließung: Virtuelles Kupferstichkabinett (bis 2011, HAUM / Herzog August Bibliothek Wolfenbüttel / Bildarchiv Foto Marburg) und Virtuelles
Zeichnungskabinett (seit 2012, HAUM)
Honorarprofessor am Institut für Kunstwissenschaft der Hochschule für Bildende Künste Braunschweig
Sprecher des Forschungsverbunds kupferstichkabinett_online
ordentliches Mitglied der Braunschweigischen Wissenschaftlichen Gesellschaft
Forschungsschwerpunkte
Niederländische Zeichnung und Druckgraphik des 17. Jh.s; Max Beckmann;
graphische Selbstdarstellung im 20. und 21. Jh.
Publikationsauswahl
Aus Rembrandts Kreis. Die Zeichnungen des Braunschweiger Kupferstichkabinetts, Ausst.-Kat. Braunschweig, Herzog Anton Ulrich-Museum (unter Mitarbeit von Gisela Bungarten und Christiane Pagel), Petersberg 2006.
(mit Claus Kemmer) Neue Ansichten vom Ich. Graphische Selbstbildnisse des
20. und 21. Jahrhunderts, Ausst.-Kat. Braunschweig, Herzog Anton UlrichMuseum, München 2004.
(mit Christian Lenz) Max Beckmann – Selbstbildnisse. Zeichnung und Druckgraphik, Ausst.-Kat. München, Neue Pinakothek / Braunschweig, Herzog Anton Ulrich-Museum, Heidelberg 2000.
Van Dyck und sein Kreis. Zeichnungen und Druckgraphik aus dem Kupferstich­
kabinett des Herzog Anton Ulrich-Museums, Ausst.-Kat. Braunschweig, Herzog Anton Ulrich-Museum, Braunschweig 1999.
Belebte Skulpturen bei Michael Sweerts. Zur Rezeptionsgeschichte eines vergessenen pseudo-antiken Ausdruckskopfes, in: Wallraf-Richartz-Jahrbuch LV
(1994), Festschrift für Justus Müller Hofstede, S. 55–83.
Kurzbiographie Stefan Morét
1983–1990
1995
1995–1996
1996–1998
1998–2001
2002–2007
Studium der Kunstgeschichte, Geschichte und Klassischen
Archäologie in Freiburg, Berlin und Würzburg (1990 Magister)
Promotion an der Universität Würzburg (»Der italienische Figurenbrunnen des Cinquecento«)
Wiss. Mitarbeiter bei der Stiftung Preußische Schlösser und
Gärten Berlin-Brandenburg
Volontariat bei den Staatlichen Museen zu Berlin
Freiberuflicher Kunsthistoriker
DFG-Projekt »Römische Barockzeichnungen der Sammlung
Johann Martin von Wagner (1777–1858)«
2008–11
und 2012–2014 Kurator des Gernsheim Corpus Photographicum of Drawings
152
Faltenzählen versus Bildwissenschaft
2011–2012
seit 2014 an der Fotothek der Bibliotheca Hertziana, Rom
Wiss. Assistent ebd.
Wiss. Mitarbeiter am Seminar für Kunstgeschichte der Universität Göttingen, Forschungsprojekt »Das Sammeln von Druckgraphik in der Frühen Neuzeit«
Forschungsschwerpunkte
Italienische Zeichnungen 16.–18. Jh.; Druckgraphik 16.–18. Jh.; Geschichte des
Zeichnungs- und Druckgraphiksammelns; deutsche Künstler in Rom im 19. Jh.;
Johann Elias Ridinger.
Publikationsauswahl
Römische Barockzeichnungen im Martin-von-Wagner-Museum der Universität
Würzburg, Regensburg 2012.
Von Lambert Krahe zu Johann Martin von Wagner. Krahes Zeichnungssammlung im Kontext spätbarocker und klassizistischer Künstlersammlungen, in:
Kunibert Bering (Hg.): Lambert Krahe (1712–1790). Maler – Sammler – Akademiegründer, Oberhausen 2013, S. 81–102.
Bemerkungen zur Technik von Antikennachzeichnungen im Quattro- und frühen
Cinquecento. Technik und Funktion im Wandel, in: Marzia Faietti, Lorenza
Melli und Alessandro Nova (Hgg.): Le tecniche del disegno. Dai materiali allo
stile. Atti del convegno internazionale, Florenz 2010, S. 19–40.
From Corenzio to Cestaro. Neapolitan Drawings in the Martin von Wagner Museum – a preliminary overview, in: Francesco Solinas und Sebastian Schütze
(Hgg.): Le Dessin Napolitain dal XVI al XVIII secolo, Rom 2010, S. 287–296.
»Wer hat das Thierreich so in seines Pinsels Macht?...«. Die Tierdarstellungen
von Johann Elias Ridinger, Ausst-Kat. Jagdschloss Kranichstein, Darmstadt
1999.
14.30–15.00 Uhr
Antoinette Friedenthal, Potsdam
Galeerenketten der Langeweile? – Werkverzeichnisse und Wissenschaftskulturen
Für die Literaturgattung des Werkverzeichnisses und ihren Status innerhalb der Wissenschaftskulturen der Kunstgeschichte sind die Dekaden nach 1860, dem Jahr der Berufung Anton Springers an die Universität Bonn, von besonderem Interesse. Die an den deutschsprachigen
Universitäten lehrenden Kunsthistoriker jener Zeit erkennen in ihrer Mehrheit weder die Gattung und Praxis des Werkverzeichnisses als eine sich
ihnen stellende Aufgabe, noch formulieren sie Kriterien zur Abfassung
153
Faltenzählen versus Bildwissenschaft
von Werkverzeichnissen. Dabei gibt es unter den Wissenschaftlern, die
mitunter starke Vorbehalte gegen das Werkverzeichnis äußern, mehrere, die ihrerseits die individuelle Künstlerpersönlichkeit in den Mittelpunkt
ihrer Forschungen stellen. Die Literaturform, die sie dafür wählen, ist die
(zum Teil populärwissenschaftliche) Biographie, die Leben und Werk
eines herausragenden Künstlers zu einem Ganzen vereint. In diesem
Vortrag werden die universitären Positionen jenen aus dem Bereich der
zeitgenössischen Sammlungspflege an den Museen gegenübergestellt,
zumal hier auch Werkverzeichnisse entstehen. Daran knüpfen sich weiter ausgreifende Fragen, wie etwa die nach der Bedeutung des Katalogs
beziehungsweise der katalogisierenden Tätigkeit für das Fach allgemein.
Als im September 1873 das Österreichische Museum für Kunst und Industrie in Wien den ersten kunstwissenschaftlichen Kongress ausrichtet,
wird in einer an die Regierungen und Behörden adressierten Resolution die wissenschaftliche Katalogisierung öffentlicher Kunstsammlungen,
insbesondere von Gemäldegalerien, »auf das nachdrücklichste« empfohlen. Heutige fachinterne Differenzen, wie sie hinsichtlich der Aufgabe
»Werkverzeichnis« zu beobachten sind, scheinen demnach nicht zuletzt
in der Geschichte der Kunstgeschichte angelegt.
Kurzbiographie Antoinette Friedenthal
1985–1992
1994
1994–1999
1999
1999–2002
Studium der Kunstgeschichte, Neueren Geschichte und Italianistik in Heidelberg, Berlin und London (DAAD-Stipendium am
Courtauld Institute of Art)
Praktika in Berlin (Kupferstichkabinett und Nationalgalerie,
SMPK), Boston (Museum of Fine Arts) und London (The British Museum, Department of Prints & Drawings)
Magister an der Freien Universität Berlin (»Selbstdarstellungen bei Andrea Mantegna«)
Wiss. Mitarbeiterin an der Bibliotheca Hertziana, Rom
Promotion an der FU Berlin (»Selbstbildnis und Künstlerbild in
der italienischen Renaissance«)
Research Scholar am Max-Planck-Institut für Wissenschaftsgeschichte, Berlin
2003–2004
und 2005–2006 Forschungsstipendiatin der Gerda Henkel Stiftung
Forschungsschwerpunkte
Künstlerporträt; Literaturgattung »Werkverzeichnis«; Wissenschaftsgeschichte;
Kennerschaft; Kunsthandel.
154
Faltenzählen versus Bildwissenschaft
Publikationsauswahl
Selbstbildnis und Künstlerbild in der italienischen Renaissance (Diss. Berlin
1999).
(Hg. mit Johannes Nathan) The Enduring Instant – Time and the Spectator in
the Visual Arts / Der bleibende Augenblick – Betrachterzeit in den Bildkünsten,
Berlin 2003.
John Smith, his Catalogue Raisonné of the Works of the Most Eminent Dutch,
Flemish, and French Painters (1829–1842) and the ›stigma of PICTURE
DEALER‹, in: Journal of Art Historiography 9 (2013), S. 1–20.
Signaturenforschung aus dem Geist der Philologie – Anzeige und Auslegung
der Monogrammatum von Johann Friedrich Christ, in: Nicole Hegener (Hg.):
Künstlersignaturen von der Antike bis zur Gegenwart, Petersberg 2013, S.
372–391.
Defining the Œuvre, Shaping the Catalogue Raisonné, in: G. Ulrich Großmann
und Petra Krutisch (Hgg.): The Challenge of the Object / Die Herausforderung
des Objekts, 33. Internationaler Kunsthistoriker-Kongress, Congress Proceedings, Bd. 2, Nürnberg 2013, S. 723–727.
15.15–15.45 Uhr
Sebastian Karnatz, München / Uta Piereth, München
Vermittlung und Forschung – das Museum als Ort interdisziplinärer
Synergien
Die westlich geprägte Museumslandschaft befindet sich seit einigen
Jahren im Umbruch. Während Wissensmuseen (naturwissenschaftlichtechnische, historische etc.) der anschaulichen Vermittlung komplexer
fachwissenschaftlicher Zusammenhänge immer breiteren Raum einräumen, konnten sich derartige Ansätze bei klassischen Kunst- und Kulturmuseen bislang nicht durchsetzen. Das Beharren auf tradierten Sammlungs- und Präsentationsmodi erhärtet insofern nicht zu Unrecht den
Eindruck, Museum und Universität hätten sich inzwischen weit voneinan­
der entfernt.
Im Beitrag wird dagegen anhand bereits realisierter und geplanter Projekte ein Weg vertreten, der neuere Forschungsansätze und museale
Präsentation schon im Vorlauf der Ausstellungskonzeption zusammenbringt. Für die museale Praxis müssen konkrete Fragen zu sammlungsgebundenen Einzelobjekten und die sich daraus ergebende Einbindung
der jeweiligen Kunstgegenstände in größere historische Zusammenhänge im Vordergrund stehen. In den Worten des Kurators und Philosophen
Daniel Tyradellis: »Die Artefakte können Grundlage und Bausteine eines
155
Faltenzählen versus Bildwissenschaft
experimentellen Forschens über das sein, was Geschichte, Wissen und
Bildung heute bedeuten«. Ein Weg zur stärkeren Vernetzung von musealer und universitärer Forschung führt gerade über die multiperspektivische, reflektierte Vermittlung komplexer Inhalte im Museum, die nicht
allein auf kognitive, sondern auf ganzheitliche Wahrnehmung zielt. Das
Wissen über die eigene Sammlung wird in der Auseinandersetzung mit
einer interessierten Öffentlichkeit, die statt der engen Grenzen der Einzeldisziplin fächerübergreifende Kontextualisierung fordert und hybride
Perspektiven schätzt, entscheidend geschärft und differenziert.
So soll anhand von Beispielen aus der neueren Ausstellungspraxis der
Bayerischen Schlösserverwaltung dieses Potential illustriert werden: Fragen der medialen Umsetzung etwa generieren neue Wissenshorizonte
auf beiden Seiten (bei Kuratoren wie bei Besuchern); Naturwissenschaften oder gesellschaftspolitische Ansprüche können als Stimulatoren neuer Präsentationen dienen und auch die stärkere Rezeption von Literaturund Klangwelten kann auf transdisziplinärem Weg anregend sowohl für
die Forschung als auch für die breite Öffentlichkeit wirken.
Kurzbiographie Sebastian Karnatz
2000–2006
2011
2012
seit 2010
Studium der Kunstgeschichte und Germanistik in Regensburg
Promotion an der Universität Regensburg (»Eine Szene aus
dem Theater der Unendlichkeit. Max Beckmanns Dramen und
ihre Bedeutung für seine Bildrhetorik«)
Stipendiat des Freistaats Bayern am Zentralinstitut für Kunstgeschichte München
zuerst Wiss. Volontär, dann Wiss. Mitarbeiter der Bayerischen
Verwaltung der staatlichen Schlösser, Gärten und Seen
Forschungsschwerpunkte
Bild-Text-Relationen in Mittelalter und Moderne; Wissenstransfer und Vermittlungsstrategien im musealen Kontext.
Publikationsauswahl
(Hg. mit Susanne Gramatzki und Renate Kroll) Wie Texte und Bilder zusammenfinden. Vom Mittelalter bis zur Gegenwart, Berlin 2015.
(Hg. mit Uta Piereth und Sabine Dengel) Wissen, Wahrnehmung, Vermittlung.
Kulturgeschichte in der Öffentlichkeit. Tagungsband. Online-Dokumentation,
München 2015.
(mit Uta Piereth) Burg Prunn. Amtlicher Führer, München 2013.
(mit Uta Piereth und Alexander Wiesneth) »umb die vest prunn«. Geschichte,
Baugeschichte und der Prunner Codex (Bayerische Schlösserverwaltung,
Forschungen zur Kunst- und Kulturgeschichte XI), München 2012.
156
Faltenzählen versus Bildwissenschaft
Szenen aus dem Theater der Unendlichkeit. Max Beckmanns Dramen und ihre
Bedeutung für seine Bildrhetorik, Göttingen 2011.
Kurzbiographie Uta Piereth
1985–1991
1996
1996–1998
1998–2006
seit 2007 Studium der Kunstgeschichte, Geschichte und Romanistik in
Freiburg, Poitiers, Bonn, München und Fribourg
Promotion (»Bambocciade. Bild und Abbild des römischen
Volkes im Seicento«)
Wiss. Volontärin bei den Museen der Stadt Regensburg
Mitarbeiterin beim Haus der Bayerischen Geschichte, Tätigkeiten für Bayerische Staatsgemäldesammlungen, die
Landesstelle für die nichtstaatlichen Museen in Bayern, LMU
München u. a. im Bereich Museumskonzeptionen und museale Vermittlungsarbeit
Wiss. Mitarbeiterin der Bayerischen Verwaltung der staatlichen
Schlösser, Gärten und Seen
Forschungsschwerpunkte
Malerei und Kulturgeschichte des flämischen und römischen Barock; Wissenstransfer und Vermittlungsstrategien im musealen Kontext.
Publikationsauswahl
(Hg. mit Sebastian Karnatz und Sabine Dengel) Wissen, Wahrnehmung, Vermittlung. Kulturgeschichte in der Öffentlichkeit, Tagungsband, Online-Dokumentation, München 2015.
(mit Sebastian Karnatz) Burg Prunn. Amtlicher Führer, München 2013.
(mit Sebastian Karnatz und Alexander Wiesneth) »umb die vest prunn«. Geschichte, Baugeschichte und der Prunner Codex (Bayerische Schlösserverwaltung, Forschungen zur Kunst- und Kulturgeschichte XI), München 2012.
Bericht aus Rom. Ein Diario zum Heiligen Jahr 1650, in: Österreichisches Kulturinstitut in Rom und Österreichische Akademie der Wissenschaften (Hgg.):
Römische historische Mitteilungen, Wien 2000.
Bambocciade. Bild und Abbild des römischen Volkes im Seicento, Bern u. a.
1996.
157
Kunst – Kultur – Landschaft:
Wechselwirkungen und Bewertungen. Aktuelle
Perspektiven aus Kunstgeschichte und Kulturgeografie
Leitung: Ute Engel, München / Andreas Dix, Bamberg
Sektionsvorträge
Freitag, 27. März 2015, 09.00–16.15 Uhr, Philosophicum, Hörsaal P 5
09.00–09.30 Uhr
Einführung durch die Sektionsleitung
09.30–10.00 Uhr
Andreas Broeckmann, Lüneburg
Maschinen-Landschaften. Überlegungen zum technischen Blick
10.00–10.15 Uhr
Diskussion
10.15–10.45 Uhr
Jan-Erik Steinkrüger, Bonn
Thematisierte Räume. Über die Dopplung von Landschaften
10.45–11.00 Uhr
Diskussion
11.00–11.45 Uhr
Pause
11.45–12.15 Uhr
Lorenz Korn, Bamberg
Khurasan im Museum? Zur Rekonstruktion einer altiranisch-­
zentralasiatischen »Kunstlandschaft« zwischen dem 7. und 13.
Jahrhundert
12.15–12.30 Uhr
Diskussion
158
Kunst – Kultur – Landschaft
12.30–14.30 Uhr
Pause
14.30–15.00 Uhr
Piotr Kuroczyński, Marburg / Carsten Neumann, Greifswald
Virtuelle Rekonstruktionen von Schlössern und Kulturlandschaften
im ehemaligen Ostpreußen. Ein aktuelles Forschungsprojekt
15.00–15.15 Uhr
Diskussion
15.15–15.45 Uhr
Regina Stephan, Mainz
Welche Zukunft hat das Wohnen im Welterbe? Gegenwart und
­Zukunft der Kulturlandschaft Mittelrheintal
15.45–16.15 Uhr
Diskussion
Inhalt der Sektion
Historische Kulturlandschaften, wie das vor den Toren von Mainz liegende UNESCO-Welterbe Oberes Mittelrheintal, konstituieren sich durch
die Wechselwirkung natürlicher und kultureller Prozesse. Bau- und
Kunstwerke machen als Relikte der Vergangenheit mit ihren räumlichen
Bezügen in der Landschaft die historische Tiefenschichtung dieser Prozesse erfahrbar und markieren, zeichenhaft verdichtet, Symbol- und
Erinnerungsorte. Historisch gewachsene Kulturlandschaften sind als dynamische Räume stets umgenutzt und umgewertet worden. Der Veränderungsdruck nimmt aber gegenwärtig flächenhaft durch die Förderung
erneuerbarer Energien und raumgreifende Infrastrukturprojekte zu. Für
die Beschäftigung mit dem kulturellen Erbe ist es deshalb entscheidend,
Kriterien zu gewinnen, wie historische Kulturlandschaften und ihre vielfältigen, oft unscheinbaren und unbequemen historischen Zeugnisse gedeutet und bewertet werden können.
Diese Sektion bietet dem Dialog zwischen Kunstgeschichte, Kulturgeographie und historischen Kulturwissenschaften über diese Themen
ein Forum. Die Beiträge aus verschiedenen Fachwissenschaften fragen
nach aktuellen Tendenzen in der Auseinandersetzung mit Kulturlandschaften und ihren Relikten aus Kunst- und Kulturgeschichte. Welche
159
Kunst – Kultur – Landschaft
methodischen Konzepte aus Kulturlandschaftsforschung und Kunstgeographie erweisen sich gegenwärtig und perspektivisch als tragfähig, in
der wissenschaftlichen Theorie wie in der Praxis? Wie wird unsere Wahrnehmung und Bewertung von Kulturlandschaften durch verschiedene
mediale Visualisierungsstrategien bestimmt? Wie verhält sich der Blick
auf die Landschaft, das »Landschaftsbild«, das durch Fotografie, Film
oder die Rekonstruktion im Museum erzeugt wird, zur dreidimensionalen Erfahrung beim Durchschreiten einer Landschaft oder eines gezielt
gestalteten Landschaftsraums? Wie wirken sich die Möglichkeiten der
neuen, digitalen Medien aus bei der Visualisierung historischer sowie zukünftiger Prozesse in Kulturlandschaften? Diese Fragen führen zur Diskussion unterschiedlicher Bewertungen und daraus folgender Nutzungen
von Kulturlandschaften in verschiedenen Regionen Europas und des islamischen Orients, die von den jeweiligen historisch-politischen Umständen entscheidend mitbestimmt sind.
Ute Engel, München / Andreas Dix, Bamberg
Kurzbiographie Ute Engel
1983–1993
1993
2011
seit 2011
seit 2014
Studium der Kunstgeschichte, Germanistik und Buchwissenschaft in Mainz und München
Promotion an der Universität Mainz (»Die Kathedrale von
Worcester«)
Habilitation ebd. (»Barockforschung. Barock und Rokoko, die
deutsche Kunstgeschichte und die Frage der nationalen Identität, ca. 1855 bis 1933«)
Fellow der Society of Antiquaries in London
Projektkoordinatorin eines neuen »Corpus der barocken Deckenmalerei in Deutschland«, Akademienprogramm der Union
der deutschen Akademien der Wissenschaften, Bayerische
Akademie der Wissenschaften, Ludwig-Maximilians-Universität München und Bildarchiv Foto Marburg
Forschungsschwerpunkte
Architektur und Bildkünste des Barock, des Hoch- und Spätmittelalters; Kunstgeschichte Englands; Wissenschaftsgeschichte.
Publikationsauswahl
»Wie luftig Alles sich aufbaut!« Der bayerische Barock als Konstrukt der deutschen Kunstwissenschaft, ca. 1850–1950, in: Bayerisches Landesamt für
Denkmalpflege (Hg.): Barock nach dem Barock – Denkmalpflege, Technolo-
160
Kunst – Kultur – Landschaft
gie, Schöpfung des Neubarock, München (im Druck).
Kunstlandschaft und Kunstgeschichte. Methodische Probleme und neuere
Perspektiven, in: Franz J. Felten, Harald Müller und Heidrun Ochs (Hgg.):
Landschaft(en). Begriffe – Formen – Implikationen (Geschichtliche Landeskunde 68), Wiesbaden 2012, S. 87–114.
Kunstgeographie und Kunstlandschaft im internationalen Diskurs. Ein Literaturbericht, in: Jahrbuch für Regionalgeschichte 27 (2009), S. 109–120.
British Art and the Continent, in: Tim Ayers (Hg.): The New History of British Art,
Bd. 1: The Middle Ages, 600–1600, London 2008, S. 53–67.
The Formation of Pevsner’s Art History: Nikolaus Pevsner in Germany 1902–
1935, in: Peter Draper (Hg.): Reassessing Nikolaus Pevsner, Aldershot 2004,
S. 29–55.
Kurzbiographie Andreas Dix
1983–1988
1993
2000
2004
seit 2006
Studium der Geographie, Geschichte und Historischer Geographie in Bonn
Promotion an der Universität Bonn (»Industrialisierung und
Wassernutzung«)
Habilitation ebd. (»›Freies Land‹. Siedlungsplanung im ländlichen Raum der SBZ und frühen DDR 1945«)
Guest Research Fellow an der Kokugakuin University Tokio
Professor für Historische Geographie an der Universität Bamberg
Forschungsschwerpunkte
Umweltgeschichte; historische Geographie ländlicher Räume und Kulturlandschaften; historische Orte und Raumstrukturen des Konsums.
Publikationsauswahl
Inventarisierung von Kulturlandschaften. Entwicklung und gegenwärtige Trends,
in: Denkmalpflege in Bremen 9 (2012), S. 192–201.
Homogenisierung von Kulturlandschaften durch landwirtschaftliche Großbetriebe. Ein Vergleich von Vergüterungs- und Kollektivierungsprozessen in Mitteleuropa, in: Siedlungsforschung. Archäologie – Geschichte – Geographie 29
(2011), S. 291–309.
Konsum und Kulturlandschaft, in: Siedlungsforschung. Archäologie – Geschichte – Geographie 28 (2010), S. 55–87.
Das Mittelrheintal. Wahrnehmung und Veränderung einer symbolischen Landschaft des 19. Jahrhunderts, in: Petermanns Geographische Mitteilungen
146/6 (2002), S. 44–53.
Vorindustrielle Kulturlandschaften. Leitlinien ihrer Entwicklung, in: Günter Bayerl und Torsten Meyer (Hgg.): Kulturlandschaft im Wandel, Münster 2001,
S. 13–31.
161
Kunst – Kultur – Landschaft
Vorträge
09.30–10.00 Uhr
Andreas Broeckmann, Lüneburg
Maschinen-Landschaften. Überlegungen zum technischen Blick
Der Beitrag bietet eine kunstwissenschaftliche und epistemologische
Reflexion der Veränderungen, die das Konzept der »Landschaft« unter
dem zunehmenden Einfluss digitaler Medien erfährt. Er untersucht anhand von Beispielen aus der zeitgenössischen Kunst ästhetische Aspekte der »Ansicht«, »Aufsicht« und »Auflösung« einer »maschinisierten«
Naturwahrnehmung sowie rezeptionstheoretische Rahmenbedingungen
der heutigen Erforschung und Gestaltung von Kulturlandschaften.
Das traditionelle Konzept der Landschaft als Ansicht eines Naturausschnitts steht heute in mehrerlei Hinsicht auf dem Prüfstand: Der technische Blick digitaler Kameras und der Software-gestützte Zugriff auf die
entstehenden Datenspeicher ermöglichen neue Formen der Wahrnehmung und Verzeitlichung umweltlicher Phänomene. Zudem wird die radikale Aufsicht der Luftbilder, die von Satelliten, Flugzeugen und Drohnen
aufgenommen werden, und der hiermit verbundene forensische Blick
zu einem normalen, wenn nicht vorherrschenden Modus der Rezeption
von Landschaften. Schließlich tritt der menschlichen Wahrnehmung von
Landschaft der Computer-gestützte »Blick« von Maschinensystemen
gegenüber, die z. B. in Gestalt von unbemannten Flugobjekten anhand
von GPS-Daten, sonografischer Distanzmessung und der fotografischen
Mustererkennung topografischer Formationen automatisch navigieren
und das Erreichen eines Ziels selbst bestimmen. Solche technischen
Perzeptionssysteme spielen auch in der wissenschaftlichen Erkundung
von Kulturlandschaften und in der Darstellung von Forschungsergebnissen eine wachsende Rolle.
Die hieraus sich ergebenden Fragestellungen für ein Konzept von
Landschaft lassen sich in einer vergleichenden Analyse von Werken der
zeitgenössischen Kunst präzisieren. Der Vortrag plädiert für eine kritische
Reflexion der technischen Rahmenbedingungen von Landschaftswahrnehmung und der ästhetischen Aspekte des technischen Blicks.
Kurzbiographie Andreas Broeckmann
1985–1989
1990
162
Studium der Kunstgeschichte, Soziologie und Medienwissenschaften in Bochum und Berlin
Master in Kunstgeschichte an der University of East Anglia,
Norwich (Thema: »Men 1919 – Representations of Men
Kunst – Kultur – Landschaft
1995
1995–2000
2001–2007
seit 2001
seit 2011
around the End of the First World War in Britain. A Study in the
History of Masculinity«)
Promotion ebd. (»A Visual Economy of Individuals. The Use of
Por­trait Photography in the Human Sciences in the 19th Century«)
Kurator V2_Organisation, Institute for the Unstable Media,
Rot­terdam
Leitung der transmediale – festival for art and digital culture
Berlin
Konzeption, Organisation und kuratorische Betreuung von
Ausstellungen und Konferenzen
Lehre an verschiedenen Hochschulen
Leitung des Leuphana Arts Program, Mitarbeit im Centre for
Digital Cultures (Schwerpunkt »Art and Civic Media«), Leuphana Universität Lüneburg
Forschungsschwerpunkte
Kunst und Kunsttheorie des 20. und 21. Jh.s; Medienkunst; digitale Kultur (u. a.
Anonymität); Maschinenkunst.
Publikationsauswahl
Scenarios for Encapsulated and Suspended Bodies – Stelarc and the Cybernetic Machine Body, in: Ryszard W. Kluszczynski (Hg.): Stelarc and Cyborg Art
Center for Contemporary Art, 2015 (in Vorbereitung).
Der Schwerkraft entkommen. Letatlin und andere utopische Flugapparate in der
Kunst des 20. Jahrhunderts – fünf Marginalien, in: Museum Tinguely Basel
(Hg.): Tatlin. New Art for a New World, 2013.
(Hg. mit knowbotic research): Opaque Presence. Manual of Latent Invisibilities,
Berlin/Zürich 2010, darin auch: Action, en passant, S. 53–78.
(Hg. mit Gunalan Nadarajan) Place Studies in Art, Media, Science and Technology. Historical Investigations on the Sites and the Migration of Knowledge,
Weimar 2009.
Image, Process, Performance, Machine. Paradigms of Media Art Theory, in: Oli­
ver Grau (Hg.): Media Art Histories, Cambridge/MA 2007.
10.15–10.45 Uhr
Jan-Erik Steinkrüger, Bonn
Thematisierte Räume. Über die Dopplung von Landschaften
Seit Gerhard Hards Analyse des Landschaftsbegriffs ist dieser in der
deutschsprachigen Geographie an den Rand gerückt worden. Dabei
war es einzig die Verwendung eines holistischen pittoresken Verständnisses und der damit einhergehende Allerklärungsanspruch, welche er
163
Kunst – Kultur – Landschaft
problematisierte. Im Gegensatz zur deutschsprachigen Tradition spielte
der Begriff »Landscape« auch in der kulturwissenschaftlichen Wende der
angelsächsischen Geographie – dem sogenannten cultural turn – eine
bedeutende Rolle. »Landscape« bezeichnete hierin jedoch nicht die Totalität eines Raumausschnittes, sondern wurde verstanden als Bedeutungssystem. Dieser semiotische Ansatz ist von Hards damaliger Kritik
insofern frei, dass er eben nicht auf die Erklärung einer räumlichen Totalität, sondern auf das Verstehen eines Netzes von Elementen aus einem
gemeinsamen Bedeutungskontext abzielt.
Der Beitrag greift dieses semiotische Verständnis von Landschaft
auf, um sich einer besonderen Gruppen von Landschaften zu widmen,
die zugleich dreidimensionale, begehbare Bilder von Landschaften generieren: Thematisierte Räume sind Landschaften, die Landschaften
darstellen. Beide Landschaften stehen zueinander in einem ähnlichen
Verhältnis wie Leinwand und »Bildinhalt«. Bekannteste Gegenwartsbeispiele hierfür sind Themenparks, in denen andere Räume, Zeiten und
(Phantasie-)Welten als Gegenwelten zum Alltag der Besucher inszeniert
werden. Dieses Phänomen ist jedoch nicht auf solche Erlebniswelten beschränkt, sondern hilft auch bei einem erweiterten Verständnis z. B. von
Landschaftsgärten. Diese terminologische Distinktion von Landschaft als
Bedeutungssystem und als Totalität mag aber auch dazu beitragen, in
solchen Beispielen wie dem UNESCO Weltkulturerbe Oberer Mittelrhein
das Bild dieser Landschaft nicht gleichzusetzen mit allen natürlichen und
kulturellen Prozessen in diesem Raum, sondern nur mit jenen des Bedeutungssystems »Landschaftsästhetik«.
Kurzbiographie Jan-Erik Steinkrüger
2001–2007
2007–2013
seit 2008
2014
Studium der Philosophie, Politischen Wissenschaft und Geographie in Bonn (Magisterarbeit: »Wissenschaftliche Erklärung
und Prognose in den Sozialwissenschaften«)
Promotion (Geographie) ebd. (»Thematisierte Welten. Über
Darstellungspraxen in Zoologischen Gärten und Vergnügungsparks«)
Wiss. Mitarbeiter am Geographischen Institut der Universität
Bonn, Arbeitsgruppe Historische Geographie
Guest Fellowship der Bayreuth Academy of Advanced African
Studies, Universität Bayreuth
Forschungsschwerpunkte
Animal Geography; Historische Geographie; Neue Kulturgeographie; Politische
Geographie; Freizeit- und Tourismusgeographie; Religionsgeographie/Geographie der Geisteshaltung.
164
Kunst – Kultur – Landschaft
Publikationsauswahl
Slums als Thematisierung. Das Beispiel Shanty Town in Bloemfontain, in: Zeitschrift für Tourismuswissenschaft Jg. 6 Nr. 2 (2014), S. 243–254.
Thematisierte Welten. Über Darstellungspraxen in Zoologischen Gärten und
Vergnügungsparks, Bielefeld 2013.
(mit S. Zehetmair) Heterotopien und Panoptiken der Freizeit. Das Beispiel
Vergnügungsparks und Fußballstadien, in: Henning Füller und Boris Michel
(Hgg.): Die Ordnung der Räume. Geographische Forschung im Anschluss
an Michel Foucault (Raumproduktionen: Theorie und gesellschaftliche Praxis
15), Münster 2012, S. 225–239.
Afrika im Zoo, in: Philippe Kersting und Karl W. Hoffmann (Hgg.): AfrikaSpiegelBilder. Reflexionen europäischer Afrikabilder in Wissenschaft, Schule und
Alltag (Mainzer Kontaktstudium Geographie 12), Mainz 2011, S. 47–53.
Imaginationen von Kulturräumen in Themenwelten, in: Andreas Kagermeier und
Tobias Reeh (Hgg.): Trends, Herausforderungen und Perspektiven für die
tourismusgeographische Forschung (Studien zur Freizeit- und Tourismusforschung 4), Mannheim 2011, S. 103–113.
11.45–12.15 Uhr
Lorenz Korn, Bamberg
Khurasan im Museum? Zur Rekonstruktion einer altiranisch-­
zentralasiatischen »Kunstlandschaft« zwischen dem 7. und 13.
Jahrhundert
Khurasan, ehemals eine der wichtigsten Landschaften des islamischen
Orients, ist heute fast von der Landkarte verschwunden. Die Region zwischen iranischem Hochplateau und Mittelasien war eine der wichtigsten
Provinzen des Kalifats in seiner klassischen Zeit (8.–10. Jahrhundert)
und auch lange danach eine feste Größe in der kulturellen Geographie
des Islamischen Orients. Aufgrund der staatlichen Entwicklungen in der
frühen Neuzeit und der kolonialen Entwicklungen im 19. und 20. Jahrhundert wurde es durch Nationalstaatsgrenzen zerteilt und der Begriff
»Khurasan« hat seine einstige Bedeutung verloren.
Anhand von Museumsbeständen in Europa und in der Region kann
versucht werden, die materielle Kultur Khurasans in der Zeit zwischen
dem 7. und 13. Jahrhundert zu rekonstruieren. Im Zentrum steht dabei
die Frage, ob im Bereich der Keramik und der Metallarbeiten charakteristische Merkmale identifiziert werden können, die eine Provenienz aus
Khurasan sichtbar machen und daher einen Zusammenhang der Provinz
als »Kunstlandschaft« oder »Kulturlandschaft« nachvollziehbar erscheinen lassen. Andere Merkmale können womöglich eher dazu dienen, eine
165
Kunst – Kultur – Landschaft
Binnendifferenzierung zwischen Teilregionen oder einzelnen Zentren der
Kunstproduktion zu erarbeiten. Während die beweglichen Objekte naturgemäß Gegenstand von Handel und Mobilität waren, können Bauwerke
noch deutlicher die Grenzen der »Kunstlandschaft« Khurasan belegen.
Der Beitrag geht aus dem 2014 an der Universität Bamberg in Kooperation mit dem Museum für Islamische Kunst in Berlin und dem LindenMuseum Stuttgart begonnenen Forschungsprojekt »Khurasan« hervor.
Anhand von Fallbeispielen soll das Potenzial von Museumsbeständen
sowie von Bauwerken in der Region erörtert werden, die die Definition
einer »Kunstlandschaft« Khurasan erlauben. Über die Verortung in Objekten und Bauwerken hinaus ist die Frage nach Khurasan als »Kulturlandschaft« in der Wahrnehmung im zeitgenössischen Diskurs zu stellen,
der die historische Bedeutung vielfältig reflektiert.
Kurzbiographie Lorenz Korn
1987–1994
1995–1997
1996–1998
1999
1999–2000
2000–2001
2001–2002
2002–2003
seit 2003
Studium der Islamwissenschaft, Kunstgeschichte und Politikwissenschaft sowie Islamic Art and Archaeology in Tübingen
und Oxford (Magisterarbeit: »Bauten des Sultans Saladin«)
Tätigkeit an der Forschungsstelle für Islamische Numismatik
der Universität Tübingen
Stipendium der Studienstiftung des deutschen Volkes
Promotion an der Universität Tübingen (»Ayyubidische Architektur in Ägypten und Syrien. Bautätigkeit im Kontext von Politik und Gesellschaft, 1169–1260«)
Aga Khan Postdoctoral Fellow in Islamic Art, Harvard University
Forschungsprojekt »Datierung durch Metallanalysen?«, Gerda
Henkel Stiftung
Publikationsprojekt »Bosra. Islamische Architektur und Archäologie« im Auftrag des Deutschen Archäologischen Instituts
DFG-Forschungsprojekt »Seldschukenzeitliche Moscheearchitektur in Iran«
Wiss. Mitarbeiter im DFG-geförderten Forschungsprojekt »Oasen in Oman«, Universität Tübingen
Professor für Islamische Kunstgeschichte und Archäologie an
der Universität Bamberg
Publikationsauswahl
Geschichte der Islamischen Kunst (C.H. Beck Wissen 2570), München 2008.
Art and Architecture of the Artuqid Courts, in: A. Fuess und J.-P. Hartung (Hgg.):
Court Cultures in the Muslim World. Seventh to nineteenth centuries (SOAS/
Routledge studies on the Middle east 13), London/New York 2011, S. 385–407.
166
Kunst – Kultur – Landschaft
Der Neubau der Heiligen Stadt und die Moses-Memoria. Jerusalem nach der
Eroberung durch Saladin, 1187–1250, in: Eothen 5 (2012), S. 187–213.
Architecture and Ornament in the Great Mosque of Golpayegan (Iran), in:
Beiträge zur Islamischen Kunst und Archäologie 3, Wiesbaden 2012, S.
212–236.
Kuppeln und Minarette in Mitteleuropa. Aktuelle Fragen vor dem Hintergrund
der Architekturgeschichte, in: Lale Behzadi et al. (Hgg.): Bamberger OrientStudien (Bamberger Orient-Studien 1), Bamberg 2014, S. 457–516; OnlinePublikation 2013: www.opus4.kobv.de/opus4-bamberg/frontdoor/index/index/
docId/4870.
14.30–15.00 Uhr
Piotr Kuroczyński, Marburg / Carsten Neumann, Greifswald
Virtuelle Rekonstruktionen von Schlössern und Kulturlandschaften
im ehemaligen Ostpreußen. Ein aktuelles Forschungsprojekt
Im Mittelpunkt des internationalen Verbundprojekts »Virtuelle Rekonstruktionen in transnationalen Forschungsumgebungen – Das Portal:
Schlösser und Parkanlagen im ehemaligen Ostpreußen« steht die virtuelle Rekonstruktion zweier der bedeutendsten Barockschlösser Ostpreußens – Schlodien und Friedrichstein. Beide entstanden zu Beginn des 18.
Jahrhunderts im Nachgang der Krönung Friedrichs I. zum ersten König
in Preußen. Mit der Erlangung der Königswürde war der weitere Aufstieg
des königstreuen Adels der Region verbunden. Mitglieder der Familien
Dohna und Dönhoff wurden mit hohen königlichen Ämtern bedacht und
als Ritter in den neugegründeten Schwarzen Adlerorden aufgenommen.
Dies schlug sich in einer Reihe bedeutender adliger Bauten nieder, die
vermutlich vom König selbst initiiert wurden und wegen ihrer Größe nur
mit wenigen adligen Bauten in Brandenburg-Preußen vergleichbar sind.
Die von den Dohnas und Dönhoffs erbauten Schlösser Schlodien und
Friedrichstein besaßen mit den von den Brüdern der Bauherrn errichteten Schlösser in Schlobitten und Dönhoffstädt nicht weniger ambitionierte
Pendants und sind somit auch im Kontext familiengeschichtlicher Entwicklungen zu sehen. Diese herausragenden Landschlösser waren zum
einen als »Königsschlösser« eng mit dem königlichen Hof verbunden,
zum anderen nicht nur architektonischer Ausdruck des Aufstiegs des
Adels, sondern zugleich administrative und repräsentative Mittelpunkte
ausgedehnter Güterkomplexe.
Bis 1945 prägten diese Schlösser und ihre Besitzerfamilien nachhaltig
die ländliche ostpreußische Region. Die wechselvolle Geschichte beider
167
Kunst – Kultur – Landschaft
Häuser, ihrer Bewohner und der unmittelbaren wie weiteren Umgebung,
die mit dem Brand Schlodiens im heute polnischen Teil des früheren Ostpreußens 1986 und der nahezu restlosen Vernichtung Friedrichsteins im
russischen Teil endete, wird im Rahmen des Projekts mit unterschiedlichen wissenschaftlichen Methoden und zukunftsweisenden Formen der
Dokumentation bearbeitet und nachvollziehbar virtuell umgesetzt. Damit
ermöglicht das Projekt, diesen Teil des nun gemeinsamen deutsch-polnisch-russischen Erbes in der Kulturlandschaft des früheren Ostpreußens für die Zukunft zu bewahren und einem heterogenen Publikum zu
erschießen und zu vermitteln.
Kurzbiographie Piotr Kuroczyński
1999–2005
2005–2010
2010
2010–2011
2010–2013
seit 2013
seit 2014 Studium der Architektur in Darmstadt (Freie Diplomarbeit zum
»Russischen Historischen Museum« in den Schlossruinen von
Zaricyno in Moskau – Museums- und Ausstellungskonzeption)
Wiss. Mitarbeiter an der Technischen Universität Darmstadt,
Fachgebiet Informations- und Kommunikationstechnologie in
der Architektur
Promotion ebd. (»Die Medialisierung der Stadt – Analoge und
digitale Stadtführer zur Stadt Breslau nach 1945«)
Lehrauftrag an der Technischen Universität Warschau, Polen
Mitbegründer des Instituts für Raumdarstellung, Frankfurt a. M.
Wiss. Mitarbeiter und Projektkoordinator beim Herder-Institut
Lehrauftrag an der TU Darmstadt
Forschungsschwerpunkte
Virtuelle Forschungsumgebungen und Dokumentationsstandards; digitale Rekonstruktion vom Kulturerbe; Architektur und Erinnerungskultur; Ausstellungsarchitektur und Gestaltung.
Publikationsauswahl
(mit O. Hauck und D. Dworak) Digital Reconstruction of Cultural Heritage. Questions of documentation and visualisation standards for 3D content, in: 5th
International Euro-Mediterranean Conference on Cultural Heritage (EuroMed
2014, submitted paper).
(mit O. Hauck) Cultural Heritage Markup Language. How to record and preserve
3D assets of digital reconstruction, in: 19th Conference on Cultural Heritage
and New Technologies (CHNT 2014, submitted paper).
Digital Reconstruction and Virtual Research Environments. A matter of documentation standards, in: proceedings of Annual Conference of CIDOC »Access and Understanding – Networking in the Digital Era«, Dresden 2014.
3D-Computer-Rekonstruktion der Baugeschichte Breslaus. Ein Erfahrungsbericht, in: Jahrbuch des Wissenschaftlichen Zentrums der Polnischen Akade-
168
Kunst – Kultur – Landschaft
mie der Wissenschaften in Wien 3 (2012), S. 201–213.
Die Medialisierung der Stadt. Analoge und digitale Stadtführer zur Stadt Breslau
nach 1945, Bielefeld 2011.
Kurzbiographie Carsten Neumann
1991–1997
1998–2001
2002–2007
2006
2007–2013
seit 2014
Studium der Kunstgeschichte und Geschichte in Greifswald
Landesgraduiertenstipendium an der der Ernst-Moritz-ArndtUniversität Greifswald
Mitarbeiter bei der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten
Berlin-Brandenburg, Schwerpunkt Ausstellungen mit verschiedenen Aufgabenbereichen
Promotion an der Universität Greifswald (»Die Kunst am Hofe
Herzog Ulrichs zu Mecklenburg«)
Kurator bei den Staatlichen Schlössern und Gärten Mecklenburg-Vorpommern
Wiss. Mitarbeiter am Lehrstuhl für Kunstgeschichte der Universität Greifswald im Rahmen des Projekts »Virtuelle Rekonstruktion in transnationalen Forschungsumgebungen – Das
Portal: Schlösser und Parkanlagen im ehemaligen Ostpreußen«
Forschungsschwerpunkte
Profanarchitektur der Renaissance und des Barock; Schlösser, Herrenhäuser
und Gärten; Grabmalskunst der Renaissance und des Barock im Ostseeraum;
interdisziplinäre Themen; Genealogie in der Kunst; Kunst- und Wunderkammern.
Publikationsauswahl
Die Renaissancekunst am Hofe Ulrichs zu Mecklenburg (Bau + Kunst 15), Kiel
2009 (zugl. Diss.).
Das Trianon de Porcelain im Park von Versailles als erster chinoiser Bau in Europa, in: China in Schloss und Garten. Chinoise Architekturen und Innenräume, Tagungsband zur Tagung »China in Schloß und Park« in Dresden-Pillnitz
2008, Dresden 2010, S. 75–81.
Kunst, Kultur und Wissenschaft, in: Michael Bischoff und Hillert Ibbeken (Hgg.):
Renaissance in Mecklenburg, Berlin 2011, S. 49–62.
Überlegungen zur ursprünglichen Raumdisposition im Herrenhaus Bothmer in
Klütz, in: Abteilung Archäologie und Denkmalpflege im Landesamt für Kultur
und Denkmalpflege (Hg.): KulturERBE in Mecklenburg und Vorpommern,
Schwerin 2011, S. 49–66.
169
Kunst – Kultur – Landschaft
15.15–15.45 Uhr
Regina Stephan, Mainz
Welche Zukunft hat das Wohnen im Welterbe? Gegenwart und Zukunft der Kulturlandschaft Mittelrheintal
Es gibt wohl kaum eine zweite von der UNESCO in den Rang eines
Welterbes gehobene Landschaft, die so widersprüchlich ist wie das Obere Mittelrheintal. Betrachtet man Fotos, hat man den Eindruck einer weitgehend bewahrten Kulturlandschaft aus kleinen Städten und Dörfern,
Landwirtschaft und Handel. Die Anmutung des Tales ist ruhig, gefestigt,
gewachsen. Doch dann nimmt man die massiven Eingriffe ins Tal wahr:
breite Trassen für Eisenbahn- und Autoverkehr links und rechts des
Rheins sowie disproportionierte Containerschiffe auf dem Fluss.
Mit all diesen Verkehrsstraßen ist eine enorme Lärmbelastung verbunden. Da es kein Nachtfahrverbot gibt, das Tal eng ist und die steilen Flanken des Tals den Schall vielfach brechen und verstärken, ist das Mittelrheintal dabei, sich in dramatischer Weise zu entvölkern. Die Menschen
ziehen auf die Höhen, um dem Lärm zu entkommen. Dies hat für den
Fortbestand der alten Städte gravierende Folgen: Leerstand, Unterversorgung mit Läden und Ärzten, Verwahrlosung ganzer Straßenzüge.
Auf Anregung der Landesdenkmalpflege Rheinland-Pfalz hat sich die
Hochschule Mainz daher im BA- und MA-Studiengang Architektur intensiv mit der Geschichte und der Bausubstanz der Stadt Oberwesel auseinandergesetzt. Ziel war es aufzuzeigen, wie auch heute Wohnen im
Welterbe möglich ist, wie durch Rückbau, Ertüchtigung und intelligenten Neuzuschnitt von untergenutzten oder aufgelassenen Grundstücken
attraktive Wohngebäude entstehen können, die in Zeiten des demographischen Wandels neue Bewohner ins Tal holen und die örtliche Bevölkerung halten können. Die Bürgerbeteiligung spielte daher bei dieser
Projektstudie eine bedeutende Rolle.
Im Vortrag werden die Vorgehensweise, kunst- und stadthistorische
Ergebnisse sowie exemplarische Lösungen vorgestellt. Die über drei
Jahre währende intensive Auseinandersetzung mit Oberwesel bildet eine
konkrete und praxisnahe Annäherung an das Thema Kulturlandschaft in
Zeiten globalen Handels und Verkehrs.
Kurzbiographie Regina Stephan
1982–1988
1988–1992
170
Studium der Kunstgeschichte, Neueren Geschichte und
Kunsterziehung in München (Magisterarbeit: »Das Lustschlösschen Favorite in Ludwigsburg«)
Promotion an der Ludwig-Maximilians-Universität München
Kunst – Kultur – Landschaft
1993–1998 1994–1999
1998–1999
2000–2008 seit 2008 seit 2009 2013 (»Studien zu den Waren- und Geschäftshäusern Erich Mendelsohns in Deutschland«)
Wiss. und freie Mitarbeiterin der Staatlichen Schlösser und
Gärten Baden-Württemberg, Stuttgart
Lehrauftrag am Institut für Architekturgeschichte der Universität Stuttgart
Fachlektorin Staatliche Schlösser und Gärten, Staatsanzeiger
für Baden-Württemberg GmbH
Postdoc am Fachgebiet Geschichte und Theorie der Architektur, Technische Universität Darmstadt
Professur für Architekturgeschichte, Hochschule Mainz
Sachverständiges Mitglied des Landesbeirats für Denkmalpflege Rheinland-Pfalz
Berufung in den Beraterkreis zum BMVBS-Leuchtturmprojekt
»Weiße Stadt Tel Aviv«
Forschungsschwerpunkte
Erich Mendelsohn; Mathildenhöhe Darmstadt; Joseph Maria Olbrich; Friedrich
Pützer; Architektenreisen im 19. und 20. Jh.
Publikationsauswahl
Die Grabkapelle auf dem Württemberg, Schwetzingen 1997.
(Hg.) Erich Mendelsohn. Architekt 1887–1953. Gebaute Welten. Arbeiten für
Europa, Palästina und Amerika, Ostfildern Ruit 1998.
(Hg.) Theo Pabst. Architektur im Kontinuum über alle Zeiten, Baunach 2008.
(Hg. mit Ralf Beil) Joseph Maria Olbrich, Architekt und Gestalter der Frühen
Moderne, Ostfildern Ruit 2010.
EMA – Erich Mendelsohn Archiv, Der Briefwechsel von Erich und Luise Mendelsohn 1910–1953, online: ema.smb.museum/de/briefe (wiss. Bearbeitung und
kritischer Textapparat), Berlin 2014.
171
Kunst und der Wert der Gefühle.
Neurowissenschaft, Kognitionswissenschaft und
Kunstwissenschaft im Austausch
Leitung: Kerstin Thomas, Mainz / Raffael Kalisch, Mainz
Sektionsvorträge
Freitag, 27. März 2015, 09.00–16.15 Uhr, Philosophicum, Hörsaal P 10
09.00–09.30 Uhr
Einführung durch die Sektionsleitung
09.30–10.00 Uhr
Karl Clausberg, Hamburg
Vor-Gestalten der Neuro-Ästhetik
10.00–10.15 Uhr
Diskussion
10.15–10.45 Uhr
Rolf Reber, Oslo
Kunstgeschichte und Psychologie: Der psychohistorische Ansatz
und experimentelle Kunstgeschichte
10.45–11.00 Uhr
Diskussion
11.00–11.45 Uhr
Pause
11.45–12.15 Uhr
Laura Commare, Wien / David Brieber, Wien
Interaktionen zwischen Kunstexpertise, ästhetischer Emotion und
Blickbewegung
12.15–12.30 Uhr
Diskussion
172
Kunst und der Wert der Gefühle
12.30–14.30 Uhr
Pause
14.30–15.00 Uhr
Helmut Leder, Wien / Raphael Rosenberg, Wien
Der Wert empirischer Methoden für die Kunstgeschichte und der
Wert der Kunstgeschichte für die empirische Ästhetikforschung
15.00–15.15 Uhr
Diskussion
15.15–15.45 Uhr
Winfried Menninghaus, Frankfurt a. M.
Was heißt es, sich von einem Kunstwerk emotional »bewegt« zu
fühlen?
15.45–16.15 Uhr
Diskussion
Inhalt der Sektion
Ausgangsthese dieser Sektion ist, dass Gefühle, die von Kunstwerken
ausgelöst werden, nicht allein private Erlebnisse des Betrachters sind,
sondern qualifizierende Zugänge zur Welt, die komplexe Wertsysteme
abbilden und dazu beitragen, das soziale Umfeld zu formen. Wird der
kognitionswissenschaftlichen Emotionsforschung und der Neuroästhetik oft vorgeworfen, den menschlichen Organismus und das Kunstwerk
als starre Entitäten zu fassen und deshalb Emotionen als einfache Stimulus-Reaktions-Reflexe zu verstehen, so stehen auf der anderen Seite auch rein konstruktivistische Modelle der Gefühle, wie sie häufig in
den Geisteswissenschaften vertreten werden, in der Kritik. Die in der
Vergangenheit oft als unversöhnlich empfundenen Ansätze von Neuround Kognitionswissenschaften sowie Geisteswissenschaften haben sich
in der heutigen Forschung angenähert. So gewinnen in der kognitionswissenschaftlichen Emotionsforschung zunehmend Bewertungstheorien
(appraisal-Theorien), die Emotionen als Feedback-Resultate von Vorstellungen, Wünschen, Erwartungen, Normen ansehen, an Bedeutung, was
neue Ansatzmöglichkeiten für die geisteswissenschaftliche Emotionsforschung bietet, die sich ihrerseits empirischen Methoden öffnet. Diesem
Umstand wird mit der konsequenten interdisziplinären Besetzung des
173
Kunst und der Wert der Gefühle
Panels durch geistes- und kognitionswissenschaftliche Vorträge, dabei
zwei fachübergreifende Doppelvorträge, Rechnung getragen. In der Sektion werden wissenschaftliche Modelle präsentiert, die die Abhängigkeit
ästhetisch-emotionaler Erfahrungen von normativen Bewertungsstrukturen aufzeigen sollen. Darüber hinaus steht die Frage nach den methodischen Erfordernissen einer empirisch verfahrenden Kunstgeschichte und
einer historische und soziale Faktoren berücksichtigenden kognitionswissenschaftlichen Untersuchung im Zentrum der Sektion. So soll über
die Grenzziehung der Fachkulturen hinaus diskutiert werden, inwieweit
emotionale ästhetische Erfahrungen mit gesellschaftlichen Normen und
Werten zusammenhängen und welche Modelle zu einem vertieften Verständnis dieser Vorgänge beitragen können.
Kerstin Thomas, Mainz / Raffael Kalisch, Mainz
Kurzbiographie Kerstin Thomas
1992–2001
2002–2004
2005
2006
2006–2009
2009
seit 2010
Studium der Kunstgeschichte, Philosophie und Klassischen
Archäologie in Frankfurt a. M.
Stipendiatin am Graduiertenkolleg »Psychische Energien bildender Kunst«, Goethe-Universität Frankfurt a. M.
Stipendiatin am Deutschen Forum für Kunstgeschichte Paris
Promotion an der Goethe-Universität Frankfurt a. M. (»Malerei
als Stimmung. Künstlerische Strategien bei Pierre Puvis de
Chavannes, Georges Seurat und Paul Gauguin«)
Wiss. Assistentin am Deutschen Forum für Kunstgeschichte
Paris
Stipendiatin der DGIA an der Freien Universität Berlin; Dozentin in Potsdam
Leitung der Emmy Noether-Nachwuchsgruppe »Form und
Emotion. Affektive Strukturen in der französischen Kunst des
19. Jahrhunderts und ihre soziale Geltung« an der Johannes
Gutenberg-Universität Mainz
Forschungsschwerpunkte
Französische Kunst und Kunsttheorie des 19. Jh.s; Form- und Ausdruckskonzepte in Kunst, Wissenschaft und Ästhetik der Moderne; Emotionstheorien; Geschichte der Kunstgeschichte im 20. Jh.
Publikationsauswahl
Welt und Stimmung bei Puvis de Chavannes, Seurat und Gauguin (Passagen/
Passages 32), Berlin/München 2010.
(Hg.) Stimmung. Ästhetische Theorie und künstlerische Praxis. Kolloquium Paris
174
Kunst und der Wert der Gefühle
2007, Deutsches Forum für Kunstgeschichte (Passagen/Passages 33), Berlin/
München 2010.
Momentane Mimik und potentielle Energetik. Aby Warburgs Ausdruckskunde
zwi­schen Ästhetik und Naturwissenschaft, in: Jutta Müller-Tamm, Henning
Schmidgen und Tobias Wilke (Hgg.): Gefühl und Genauigkeit. Empirische Äs­
thetik um 1900, Kolloquium Berlin 2012, München 2014, S. 137–167.
Das Affektive Regime der Bilder, in: Claudia Emmert und Jessica Ullrich (Hgg.):
Affekte, Kunstpalais Erlangen, Berlin 2014, S. 180–193.
Persönliche Objekte. Psychoanalyse und Kunst bei Meyer Schapiro, in: Imago.
Interdisziplinäres Jahrbuch für Psychoanalyse und Ästhetik 3 (2015).
Kurzbiographie Raffael Kalisch
1993–1998 2002 2002–2008 2008–2012 seit 2012 Studium der Humanbiologie in Marburg und Paris
Promotion (Fakultät für Biologie) an der Ludwig-MaximilianUniversität München (»Hochfeldbildgebung in einem Tiermodell der Angst«)
Postdoktorand am Max-Planck-Institut für Psychiatrie, München, am Wellcome Department for Imaging Neuroscience
(University College London) und am Institut für Systemische
Neurowissenschaften (Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf)
DFG-Emmy-Noether-Nachwuchsgruppenleiter (»Neurale Mechanismen humanen Sicherheitslernens«)
Direktor des Neuroimaging Centers der Universitätsmedizin
Mainz und des Forschungszentrums Translationale Neurowissenschaften Mainz
Forschungsschwerpunkte
Kognitive und neurale Grundlagen emotionaler Bewertungsprozesse (Appraisal); Resilienz gegen stressbedingte psychische Beeinträchtigungen; neurale
Mechanismen von Furcht und Angst; emotionale Lern- und Gedächtnisprozesse; kognitive Emotionsregulation.
Publikationsauswahl
(mit M. Pessiglione, L. Schmidt, B. Draganski, H. Lau, R. J. Dolan und C. D.
Frith) How the brain translates money into force: a neuroimaging study of subliminal motivation, in: Science 316 (2007), S. 904–06.
(mit A. Etkin und T. Egner) Emotional processing in anterior cingulate and medial prefrontal cortex, in: Trends Cogn Sci 15 (2011), S. 85–93.
(mit J. Haaker, S. Gaburro, A. Sah, N. Gartmann, T. B. Lonsdorf, K. Meier, N.
Singewald, H. C. Pape und F. Morellini) Single dose of L-dopa makes extinction memories context-independent and prevents the return of fear, in: Proc
Natl Acad Sci USA 110 (2013), E 2428–36.
(mit A. M. Gerlicher) Making a mountain out of a molehill: on the role of the ro-
175
Kunst und der Wert der Gefühle
stral dorsal anterior cingulate and dorsomedial prefrontal cortex in conscious
threat appraisal, catastrophizing, and worrying, in: Neurosci Biobehav Rev 42
(2014), S. 1–8.
(mit M. B. Müller, O. Tüscher) A conceptual framework for the neurobiological
study of resilience, in: Behav Brain Sci (2014, epub ahead of print).
Vorträge
09.30–10.00 Uhr
Karl Clausberg, Hamburg
Vor-Gestalten der Neuro-Ästhetik
Am Ende der zwanziger Jahre des vorigen Jahrhunderts avancierte
die sogenannte Aktualgenese zu einem vielbeachteten – nach dem zweiten Weltkrieg als microgenesis internationalisierten – Forschungsgegenstand. Neben die gleichsam kristalline Prägnanz und Invarianz endgültiger Gestaltqualitäten – vom Berliner Triumvirat der Gestaltpsychologie,
Köhler, Koffka und Wertheimer, später in alle Welt verbreitet – trat die voraufgehende Aktualgenese solcher Qualitäten. Genetische Prinzipien sah
man in dreifacher Staffelung am Werk: sowohl im aktuellen Entstehen
von Gestalten wie auch im Zuge der Gesamtentwicklung des Seelischen,
der generellen wie individuellen Entfaltung. Zur Phylogenese und Ontogenese der Gestalterfindungen gesellte sich nun, im Gegensatz zum
plötzlichen Prägnanz-Eintritt laut Gestaltpsychologie, das gefühlsgeladene Werden der Formen in der Anschauung.
Der Beginn dieser Untersuchungen fiel in eine Periode, in der Psychologie und Kunstwissenschaft noch eng verschränkt waren. Die Pioniere der
Aktual- & Mikrogenese gingen in ihren Unternehmen von ganzheitlichen
Zusammenhängen aus: Kunst und Musik lieferten den Grundstock ihrer
Probleme, Barockstil und non-finito wurden zu Inbegriffen vorgestalthafter Formung. Aus Latenz-Phänomenen hergeleitete aktual- & mikrogenetische Prozesse haben fachliche Kernbereiche der deutschsprachigen
Kunstwissenschaft berührt. Die Skala reichte von der Charakteristik des
Barockstils bis zu non-finito-Diskussionen in den 1950er Jahren. Neuere
Hirnforschungen zeigen, wie fruchtbar dieser fächerübergreifende Ansatz
gewesen ist.
Schaut man auf die gegenwärtige Forschung, so fällt auf, dass sich die
Kunstgeschichte weit zurückgezogen hat, und man mag sich wundern,
woran das liegt: am fortschreitend experimentell-naturwissenschaftlichen
Einschlag der Psychologie, oder an der generellen Defensive geisteswis176
Kunst und der Wert der Gefühle
senschaftlicher Diszipliniertheit? Tatsächlich waren die aktual- & mikrogenetischen Forschungsansätze Vorläufer einer Betrachtungsweise, die
heute unter dem Neuro-Präfix zur Debatte steht.
Kurzbiographie Karl Clausberg
1974
ab 1977
bis 2003
2004–2005
Ingenieurstudium in Berlin und Hannover, dann Kunstgeschichte in Hamburg
Aby Warburg-Stipendiat in London
Promotion in Wien
Lehrtätigkeit an den Universitäten Hamburg, Kassel, Osna­
brück, Regensburg, Trier, Tübingen und an der Northwestern
University Evanston, USA
Professor für Kunst- und Bildwissenschaften an der Universität
Lüneburg
Fellow des Wissenschaftskollegs Berlin
Forschungsschwerpunkte
Bilderzählformen und -theorien; kognitiv / neuronale Bildwissenschaften; Technik- und Wissenschaftsgeschichte; Theorien der Kunstgeschichte.
Publikationsauswahl
(Hg. mit Elize Bisanz und Cornelius Weiller) Ausdruck Ausstrahlung Aura. Synästhesien der Beseelung im Medienzeitalter Bad Honnef 2007, darin auch:
Vorwort, S. 1–12, sowie: Ausdruck und Aura. Synästhesien der Beseelung, S.
41–86.
Zwischen den Sternen: Lichtbildarchive. Was Einstein und Uexküll, Benjamin
und das Kino der Astronomie des 19. Jahrhunderts verdanken, Berlin 2006.
Neuronale Kunstgeschichte. Selbstdarstellung als Gestaltungsprinzip, Wien
1999.
10.15–10.45 Uhr
Rolf Reber, Oslo
Kunstgeschichte und Psychologie: Der psychohistorische Ansatz
und experimentelle Kunstgeschichte
In der Erforschung der Kunstbetrachtung existierten zwei unabhängige
Stränge, die auf scheinbar unvereinbaren Annahmen beruhen. Der psychologische Ansatz geht davon aus, dass der Kunstgenuss universalen
Gesetzen des menschlichen Geistes folgt. Demgegenüber betont der
historische Ansatz die Bedingtheit des Werkes durch den Kontext.
Der psycho-historische Ansatz vereint die beiden Ansätze. Die Grund177
Kunst und der Wert der Gefühle
annahme lautet, dass unterschiedliche Stufen der Bildanalyse durch den
Betrachter sich auf unterschiedliche Stufen der Bildentstehung zurückbeziehen. Die letzte Stufe, Kunstverstehen, ist eine Grundvoraussetzung
für einen aus historischen Tatsachen hergeleiteten Kunstgenuss.
Der psycho-historische Ansatz kann, erstens, die unterschiedliche Bewertung eines originalen Kunstwerkes und einer identischen Fälschung
erklären, was die traditionelle empirische Ästhetik nicht leistet. Zweitens
kann Wissen über historische Tatsachen die bei der Betrachtung ausgelösten Emotionen beeinflussen. Drittens können Künstler die Leichtigkeit,
mit der ein Kunstwerk gesehen und interpretiert werden kann, manipulieren, um verschiedene Effekte zu erreichen, z. B. Verfremdung.
Schließlich folgen Experimente zur experimentellen Kunstgeschichte,
in dem Psychologen und Kunsthistoriker der Frage nachgehen, warum
im 15. Jahrhundert Jesusportraits direkt auf den Betrachter gerichtet
sind, während Portraits profaner Personen im Halbprofil gemalt wurden.
In diesen Experimenten zeigte sich, dass frontal gezeigte Gesichter mit
Blick auf den Betrachter die günstigste Beurteilung erhielten.
Allerdings zeigen Unterschiede in den Ergebnissen zwischen alten Gemälden und modernen Fotografien, dass neben Bedenken prinzipieller
Art – z. B. die Stabilität menschlicher affektiver Reaktionen über hunderte
von Jahren – Probleme der experimentellen Kunstgeschichte empirisch
aufgezeigt werden können. Diese Probleme zeigen die Relevanz des
psycho-historischen Ansatzes für die Erforschung von Kunstverstehen
und Kunstgenuss.
Kurzbiographie Rolf Reber
1978–1985
1986–1991
1994
1994–1996
1996–1997
1997–2003
2003–2004
2004–2013 2009–2010
seit 2013
178
Studium der Psychologie, medizinische Kombinationsfächer
und Chemie an der Universität Basel
Praktikum und Programmierer in der chemischen Industrie
Promotion an der Universität Bern (»Konzeptuelle und sensumotorische Wirkungen von Emotionen auf das Gedächtnis«)
Postdoctoral Fellow an der University of Michigan, USA
Postdoctoral Fellow an der Université de Bourgogne, Dijon,
Frankreich
Projektleiter und Förderungsprofessor, Universität Bern
a. o. Professor für kognitive Psychologie an der Universität
Bergen
Professor für kognitive Psychologie ebd.
Visiting Professor an der University of British Columbia
Professor für kognitive Psychologie an der Universität Oslo
Kunst und der Wert der Gefühle
Forschungsschwerpunkte
Verarbeitungsleichtigkeit; Kunstpsychologie; Aha-Erlebnis, Interesse.
Publikationsauswahl
(mit N. J. Bullot) The Artful Mind Meets Art History: Toward a Psycho-Historical
Framework for the Science of Art Appreciation (Target article), in: Behavioral
and Brain Sciences 36 (2013), S. 123–137.
(mit N. J. Bullot) A psycho-historical research program for the integrative science
of art (Authors’ response to 27 peer commentaries), in: Behavioral and Brain
Sciences 36 (2013), S. 163–180.
Processing fluency, aesthetic pleasure, and culturally shared taste, in: A. P. Shimamura und S. E. Palmer (Hgg.): Aesthetic science: Connecting mind, brain,
and experience, New York 2012. S. 223–249.
(mit S. Topolinski) Gaining insight into the »Aha«-experience, in: Current Directions in Psychological Science 19 (2010), S. 402–405.
(mit N. Schwarz und P. Winkielman) Processing fluency and aesthetic pleasure:
Is beauty in the perceiver‘s processing experience?, in: Personality and Social
Psychology Review 8 (2004), S. 364–382.
11.45–12.15 Uhr
Laura Commare, Wien / David Brieber, Wien
Interaktionen zwischen Kunstexpertise, ästhetischer Emotion und
Blickbewegung
Psychologische Untersuchungen konnten zeigen, dass ästhetischemotionale Erfahrungen in Abhängigkeit von sozial vermittelten Valenzwerten und Betrachter/-inneneigenschaften systematisch variieren.
Kunstexpert/-innen beispielsweise reagieren bei der Betrachtung von
Kunstwerken mit stark negativen Inhalten signifikant weniger ablehnend
als Kunstlaien. Explizites und implizites Wissen strukturiert somit unsere
Kunsterfahrung in bedeutendem Maße.
Wissen hat jedoch nicht nur einen Einfluss auf die Intensität ästhetischer Gefühle, sondern auch auf die Modalitäten der Betrachtung. Da
der Vorgang der Betrachtung der ästhetischen Emotion vorausgeht, bildet Wissen den Link zwischen zwei sich reziprok bedingenden Faktoren,
die gemeinsam für die Konfiguration der Kunsterfahrung wesentlich sind.
Ästhetische Empfindungen verbal zu beschreiben erweist sich aufgrund
der Vielzahl sprachlicher Lücken, der Ambiguität der vorhandenen Begrifflichkeiten und der Menge verfügbarer Synonyme als schwierig. Wir
greifen deshalb zur Messung ebenjener Empfindungen auf physiologi179
Kunst und der Wert der Gefühle
sche Maße zurück. Vor dem Hintergrund dimensionaler Emotionsmodelle
gehen wir davon aus, dass Emotionen durch zwei grundlegende, latente
Dimensionen charakterisiert werden können: emotionale Valenz (positiv
bis negativ) und emotionale Aktivierung (entspannend bis erregend). Die
subjektiv erlebten Aspekte von emotionaler Valenz und Aktivierung spiegeln sich in expressiven, physiologischen Aspekten wider. Mit Hilfe von
elektromyographischen Messungen im Gesicht und der Messung von
elektro-dermaler Aktivität lassen sich diese physiologischen Reaktionen
reliabel erfassen. Den Vorgang der Betrachtung erfassen wir mithilfe von
Blickbewegungsmessungen.
Der Vortrag greift die Bedeutung von explizitem Wissen für die Entfaltung und Intensität ästhetischer Gefühle bei der Kunstbetrachtung heraus
und diskutiert an diesem Beispiel die Möglichkeiten und Grenzen physiologischer Messungen.
Kurzbiographie Laura Commare
2006–2011
2009–2012
seit 2012
seit 2012
Studium der Kunstgeschichte, Soziologie und Bayerischen
Landesgeschichte in München
Studium der Soziologie und Politikwissenschaft in München
und Rom
Promotionsvorhaben an der Universität Wien (Thema: »Das
Ganze ist mehr als die Summe seiner Teile – Eine empirische
Untersuchung zur Wahrnehmung von Komplexität in der Malerei«)
Wiss. Mitarbeiterin an der Forschungsplattform Cognitive
Science im WWTF-Projekt »Time makes the difference! Uncovering the nature of aesthetic experience«
Forschungsschwerpunkte
Empirische Bildwissenschaft / empirische Ästhetik; Komplexitätswahrnehmung;
empirische Methoden.
Publikationsauswahl
(mit H. Brinkmann, H. Leder und R. Rosenberg) Abstract Art as a Universal Language?, in: Leonardo, Jg. 47 Nr. 3 (2014), S. 256–257.
Social Tagging als Methode zur Optimierung Kunsthistorischer Bilddatenbanken
– Eine empirische Analyse des Artigo-Projekts, in: Kunstgeschichte. Open
Peer Reviewed Journal (2011).
180
Kunst und der Wert der Gefühle
Kurzbiographie David Brieber
2004–2010
seit 2012
seit 2012
Studium der Psychologie an der Universität Wien
Promotionsvorhaben an der Universität Wien (Thema: »Kunsterleben im Museum«)
Wiss. Mitarbeiter an der Forschungsplattform Cognitive Science im WWTF-Projekt »Time makes the difference! Uncovering the nature of aesthetic experience«
Forschungsschwerpunkte
Psychologische Ästhetik; ästhetische Emotionen; psychophysiologische Methoden.
Publikationsauswahl
(mit H. Leder, G. Gerger und N. Schwarz) What makes an art expert? Emotion
and evaluation in art appreciation, in: Cognition & Emotion Jg. 28 Nr. 6 (2014),
S. 1137–1147.
(mit M. Nadal, H. Leder und R. Rosenberg) Art in Time and Space: Context
Modulates the Relation between Art Experience and Viewing Time, in: PLoS
ONE, 9/6 (2014), e99019, doi:10.1371/journal.pone.0099019.
(mit M. Nadal und H. Leder) In the white Cube: Museum context enhances the
valuation and memory of art, in: Acta Psychologica 154 (2015), S. 36–42.
14.30–15.00 Uhr
Helmut Leder, Wien / Raphael Rosenberg, Wien
Der Wert empirischer Methoden für die Kunstgeschichte und der
Wert der Kunstgeschichte für die empirische Ästhetikforschung
Kunstgeschichte und Psychologie wurden etwa gleichzeitig, während
der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts, als akademische Disziplinen
begründet. Gustav Theodor Fechner und Wilhelm Wundt, die zwei Gründungsväter der empirischen Psychologie, haben umfangreiche Arbeiten
zu Kunst und Ästhetik publiziert. Groß war auch umgekehrt das Interesse mehrerer Kunsthistoriker für die Psychologie. Ob und inwiefern das
Sehen, die Wahrnehmung veränderlich und damit auch historisch seien,
wird beispielsweise schon vor Heinrich Wölfflin und über Michael Baxandall hinweg bis heute intensiv diskutiert. Der Austausch hat beide Fächer
nachweislich immer wieder befruchtet – Ernst Gombrichs Übernahme
psychologischer Modelle genauso wie die Einarbeitung kunsttheoretischer Ansätze für den Gestaltpsychologen Rudolf Arnheim.
181
Kunst und der Wert der Gefühle
Welche Aktualität besitzt aber der Austausch beider Fächer heute
angesichts einer Verfeinerung psycho-physiologischer Messtechniken
und einer zunehmenden Orientierung der Psychologie an naturwissenschaftlichen Methoden? Wir wollen aus der Perspektive beider Disziplinen zeigen, wie eine Zusammenarbeit lohnend sein kann. So eröffnet
der Einsatz von Blickbewegungsaufzeichnungen in der Kunstgeschichte
neue Horizonte, um die Faktoren der Kunstwahrnehmung und -rezeption präziser zu verstehen – auf Seite des Werkes (Beschaffenheit der
Komposition), der/s Betrachtenden (kulturelle Hintergründe, Gender, Expertise) wie auch des Kontextes der Kunstrezeption. Eine Kooperation
mit Kunsthistoriker/-innen führt in der psychologischen Erforschung von
Ästhetik zur Konkretisierung und Differenzierung bisheriger Fragestellungen und Studiendesigns. So ändern sich die Maßstäbe für die Auswahl
von Kunstwerken als »Stimuli« und es wird zum Beispiel deutlich, dass
ästhetische Erfahrungen mehr Zeit benötigen, als die in der Kognitionspsychologie üblichen Darbietungszeiten.
Kurzbiographie Helmut Leder
1990
1995
2001
seit 2011
seit 2014
Studium in Düsseldorf, Bonn und Aachen
Abschluss (in Diplom-Psychologie) an der RWTH Aachen
Promotion (in Psychologie) an der University of Fribourg (»Linienzeichnungen von Gesichtern – Verfremdung im Gesichtsmodul«)
Habilitation (in Psychologie) an der Freien Universität Berlin
(»Explorationen in der Bildästhetik«)
Auslandsaufenthalte, u. a. an der University of Stirling, ATR
Ja­pan, USC, Ann Arbor, Swinburne University Melbourne,
Queens College
Professor für Allgemeine Psychologie an der Universität Wien
Deputy Head of Cognitive Science Research Platform
Präsident der International Association of Empirical Aesthetics
Forschungsschwerpunkte
Psychologie der Ästhetik und Kunst; Gesichtserkennung; Designanmutung.
Publikationsauswahl
(mit V. Bruce) When inverted faces are recognised: the role of configural information in face recognition, in: The Quarterly Journal of Experimental Psychology Section A, Jg. 53 Nr. 2 (2000), S. 513–536.
(mit B. Belke, A. Oeberst und D. Augustin) A model of aesthetic appreciation and
aesthetic judgements, in: British Journal of Psychology Jg. 95 Nr. 4 (2004), S.
489–508.
182
Kunst und der Wert der Gefühle
(mit G. Gerger, D. Brieber und N. Schwarz) What makes an art expert? Emotion
and evaluation in art appreciation, in: Emotion & Cognition Jg. 28 Nr. 6 (2014),
S. 1137–47.
(mit M. Nadal) Ten years of a model of aesthetic appreciation and aesthetic
judgments: The aesthetic episode – Developments and challenges in empirical aesthetics, in: British Journal of Psychology (2014), S. 443–464.
(mit D. Brieber, M. Nadal und R. Rosenberg) Art in time and space: Context modulates the relation between art appreciation and viewing time, in: PLoS ONE,
9/6 (2014), e99019, doi:10.1371/journal.pone.0099019.
Kurzbiographie Raphael Rosenberg
1993–1995 1996
1996–2004
2004–2009
seit 2009
2011
2012
Studium der Kunstgeschichte, Klassischen Archäologie und
Ägyptologie in München (1990 Magister)
Mitglied des Graduiertenkollegs »Die italienische Renaissance
und ihre europäische Rezeption« an der Universität Bonn
Promotion an der Universität Basel
Wiss. Assistent / Oberassistent, Universität Freiburg i. Br.
Lehrstuhl für Neuere und Neueste Kunstgeschichte an der
Universität Heidelberg
Professur für Mittlere und Neuere Kunstgeschichte am Institut
für Kunstgeschichte der Universität Wien
Mitbegründer der Cognitive Science Research Platform, Universität Wien
Gastprofessur am Collège de France, Paris
Forschungsschwerpunkte
Kunst der italienischen Renaissance; Kunst des 19. Jh.s in Frankreich; Geschichte der Abstraktion; Geschichte der Kunstliteratur und Kunstrezeption; empirische Bildwissenschaft.
Publikationsauswahl
Beschreibungen und Nachzeichnungen der Skulpturen Michelangelos. Eine
Geschichte der Kunstbetrachtung, München/Berlin 2000.
Turner – Hugo – Moreau: Entdeckung der Abstraktion, München 2007.
Ausschreiben um Öffentlichkeit zu gewinnen – Die Entstehung des architektonischen Wettbewerbs, in: Winfried Nerdinger (Hg.): Der Architekt, München
2012, Bd. 2, S. 524–535.
Die Kartographie der Aura aus dem Geist der Wirkungsästhetik: Synästhesie
und das Verhältnis von Kunst und Esoterik um 1900, in: M. Neugebauer-Wölk,
R. Geffarth und M. Meumann (Hgg.): Aufklärung und Esoterik – Wege in die
Moderne, Berlin/Boston 2013, S. 583–604.
Blicke Messen. Vorschläge für eine empirische Bildwissenschaft, in: Jahrbuch
der Bayerischen Akademie der Schönen Künste 27 (2013), S. 71–86.
183
Kunst und der Wert der Gefühle
15.15–15.45 Uhr
Winfried Menninghaus, Frankfurt a. M.
Was heißt es, sich von einem Kunstwerk emotional »bewegt« zu
fühlen?
Rhetorik und Poetik haben seit der Antike ein Hauptziel der Künste
darin gesehen, das Publikum emotional »zu bewegen« (movere). Ästhetiken vom 17. bis 19. Jahrhundert haben konvergierend die Annahme
vertreten, dass diese Zielemotion inhärent lustvoll ist, auch wenn dabei
stark negative Gefühle involviert sind. Bis heute ist psychologisch weitgehend ungeklärt, was es überhaupt heißt, von einem Kunstwerk »bewegt«
zu werden. Der Vortrag präsentiert eine Reihe von Studien, die darauf
zielen, dem Zustand emotionalen »Bewegtseins« ein distinktives Profil
zu geben. An Filmen und Gedichten werden Möglichkeiten einer empirischen Erforschung des emotionalen Bewegtwerdens durch Kunstwerke
gezeigt.
Kurzbiographie Winfried Menninghaus
1989–2013
2007–2010
seit 2002
2012
Gründungsdirektor des Max-Planck-Instituts für empirische
Ästhetik
Professor für Allgemeine und Vergleichende Literaturwissenschaft an der Freien Universität Berlin
Gastprofessuren an den Universitäten Jerusalem, Berkeley,
Yale, Princeton, Rice und der École des Hautes Études en
Sciences Sociales, Paris
Sprecher des Forschungsclusters »Languages of Emotion«
Ordentliches Mitglied der Berlin-Brandenburgischen Akademie
der Wissenschaften
Premio internazionale di estetica
Forschungsschwerpunkte
Philosophische, empirische und evolutionäre Ästhetik; antike Rhetorik und Poetik; Literatur seit 1750.
184
Der Marktwert des Sozialen.
Ein Dilemma der Gegenwartskunst
Leitung: Eva Ehninger, Basel / Magdalena Nieslony, Heidelberg
Sektionsvorträge
Freitag, 27. März 2015, 09.00–16.15 Uhr, Philosophicum, Hörsaal P 11
09.00–09.30 Uhr
Einführung durch die Sektionsleitung
09.30–10.00 Uhr
Rachel Mader, Luzern/Zürich
Ambivalente Strategien und eindeutige Positionierungen
10.00–10.15 Uhr
Diskussion
10.15–10.45 Uhr
Elisabeth Fritz, Jena
»Bildfähigkeit« als sozialer Wert. Omer Fasts The Casting zwischen
Authentizität und Spektakel
10.45–11.00 Uhr
Diskussion
11.00–11.45 Uhr
Pause
11.45–12.15 Uhr
Sabine Kampmann, Berlin
An der Grenze des guten Geschmacks – oder darüber hinaus? Zur
sozialen Relevanz Santiago Sierras
12.15–12.30 Uhr
Diskussion
12.30–14.30 Uhr
Pause
185
Der Marktwert des Sozialen. Ein Dilemma der Gegenwartskunst
14.30–15.00 Uhr
Thomas Skowronek, Berlin
Leiden an der Kontamination in Kunst und Markt. Das Beispiel Polen
15.00–15.15 Uhr
Diskussion
15.15–15.45 Uhr
Antje Krause-Wahl, Frankfurt a. M.
Accelerationism & Dispersion – Theorien gegenwärtiger Kunstproduktion
15.45–16.15 Uhr
Diskussion
Inhalt der Sektion
Seit den 1990er Jahren spielt soziale Relevanz eine wachsende Rolle
für die künstlerische Arbeit und deren Legitimation. Die Beispiele dafür
reichen vom politischen Aktivismus bis zum quasi-religiösen Ästhetizismus. So baut Thomas Hirschhorn nach Vorläufern in Amsterdam, Kassel
und Paris 2013 in der New Yorker South Bronx ein ephemeres social
outreach center, während James Turrell mit seinen Installationen im LACMA, Los Angeles 2014 dezidiert gemeinschaftliche, vermeintlich transzendente Erfahrungen provozieren will.
Kritische Stimmen gegenüber solchen auf soziale Wirksamkeit ausgerichteten Kunstformen häufen sich, denn das avantgardistische Ideal der
sozialen Relevanz, das aufs Engste mit einer kritischen Haltung gegenüber gesellschaftlichen, kulturellen und vor allem auch ökonomischen
Realitäten verbunden ist, wurde längst selbst als Marktwert entdeckt.
Zugespitzt könnte man formulieren, dass ein Künstler heute ohne die Behauptung des sozialen Wertes seiner Produktion keine institutionelle und
somit ökonomische Wertschätzung erfährt. Die Gegenwartskunst befindet sich offenbar in einem Konflikt: Sie strebt soziale Relevanz an, dieser
Anspruch scheint aber oft gerade den institutionellen und ökonomischen
Regeln zu folgen und somit den Status quo zu zementieren.
Im Rahmen der Sektion werden künstlerische und kunstwissenschaftliche Positionen diskutiert, die die skizzierte Situation der Gegenwartskunst reflektieren. Elisabeth Fritz befragt die »Bildfähigkeit« von Omar
186
Der Marktwert des Sozialen. Ein Dilemma der Gegenwartskunst
Fasts Videoarbeiten in ihrer Ambivalenz zwischen Authentizität und
Spektakel. Sabine Kampmann analysiert die höchst umstrittenen Aktionen des spanischen Künstlers Santiago Sierra auf ihre soziale Relevanz
hin. Thomas Skowronek beschreibt, anhand der aktuellen Situation in
Polen, den (Kunst-)Markt als Simulation eines bedrohten Sozialen. Rachel Mader und Antje Krause-Wahl diskutieren Handlungsweisen der
zeitgenössischen Kunst, sich zu diesem sozialen Anspruch zu verhalten,
ihn zu reflektieren oder auch zu verwerfen.
Ziel der Sektion ist keine kulturpessimistische Bestandsaufnahme,
sondern der Versuch, dieses Dilemma in seiner Verbindung mit anderen
– sozialen, ökonomischen, theoretischen und politischen – Bruchstellen
und Widersprüchen der Gegenwart zu analysieren.
Eva Ehninger, Basel / Magdalena Nieslony, Heidelberg
Kurzbiographie Eva Ehninger
2000–2006
2002–2006
2003–2004
2007–2010
2011
2011-2015
seit 2015
Studium der Kunstgeschichte, Anglistik, Amerikanistik und Cu­
ratorial Studies in Heidelberg, Frankfurt a. M. und Michigan,
USA
Studienförderung der Studienstiftung des deutschen Volkes
Studienaufenthalt in den USA (Fulbright-Stipendium)
Promotionsförderung der Studienstiftung des deutschen Volkes
Promotion an der Goethe-Universität, Frankfurt a. M. (»Vom
Farbfeld zur Land Art. Ortsgebundenheit in der amerikanisch­
en Kunst, 1950–70«, publ. München 2013, Auszeichnung mit
dem Preis der Benvenuto-Cellini Gesellschaft, Frankfurt a. M.)
Wiss. Assistenz an der Abteilung für Kunstgeschichte der Moderne und Gegenwart der Universität Bern
Laurenz Assistenz-Professorin für Zeitgenössische Kunst am
Kunsthistorischen Seminar der Universität Basel
Forschungsschwerpunkte
Fotografische Normen der Repräsentation im 19. Jh.; Theorie und Kritik des Modernismus; Wechselwirkungen zwischen künstlerischer und ästhetischer Praxis;
Materialitäten zeitgenössischer Kunst.
Publikationsauswahl
Vom Farbfeld zur Land Art. Ortsgebundenheit in der amerikanischen Kunst,
1950–70, München 2013.
187
Der Marktwert des Sozialen. Ein Dilemma der Gegenwartskunst
(Hg. mit Magdalena Nieslony) Theorie². Potenzial und Potenzierung künstlerischer Theorie (Kunstgeschichten der Gegenwart 11), Bern u. a. 2014; darin
auch: The Matter of Dialogue. Diskursive Praxis und ihr theoretisches Potenzial bei Bruce Nauman, S. 215–238.
Mobile Criticism. Mike Kelleys passiv-aggressive Institutionskritik, in: kritische
berichte. Zeitschrift für Kunst- und Kulturwissenschaften Jg. 42 Nr. 2 (2014),
S. 46–57.
What’s Happening? Allan Kaprow and Claes Oldenburg Argue about Art And
Life, in: Getty Research Journal 6 (2014), S. 195–202.
Die Land Art als Film. Parallelen der Raumkonstruktion in Land Art und Film bei
Walter De Maria und Robert Smithson, in: Zeitschrift für Ästhetik und Allgemeine Kunstwissenschaft Jg. 55 Nr. 1 (2010), S. 109–127.
Kurzbiographie Magdalena Nieslony
1996–2002
2003
2004
2004–2008
2009–2012
2012–2015
2013
seit 2014
Studium der Kunstgeschichte und Philosophie in Frankfurt a. M.
und Paris­
Galerie-Assistentin, Galerie Monika Reitz, Frankfurt a. M.
Kuratorin (Ausstellung »Kunst-Licht«, E-Werk Hallen für Kunst,
Freiburg i. Br.)
Promotionsstipendiatin der Studienstiftung des deutschen Volkes und der Fazit-Stiftung
Wiss. Mitarbeiterin am Kunstgeschichtlichen Institut der Goethe-Universität Frankfurt a. M.
Wiss. Assistentin am Institut für Europäische Kunstgeschichte
der Universität Heidelberg
Promotion an der Universität Frankfurt a. M. (»Ivan Puni und
die Bedingtheit der Malerei. Ein Topos der russischen Avantgarde-Ästhetik«, Auszeichnung mit dem Preis der der Benvenuto Cellini-Gesellschaft, Frankfurt a. M.)
Postdoc-Stipendiatin, Kunsthistorisches Institut in Florenz –
MPI, Direktion Nova
Forschungsschwerpunkte
Kunst und Kunsttheorie der Moderne, insbes. der russischen Avantgarde und
der amerikanischen Nachkriegskunst; Repräsentationskritik, insbes. moderne
Auseinandersetzung mit dem zentralperspektivischen Darstellungsparadigma;
Verhältnis von Kunst und Wissenschaft; Verhältnis von Kunst und Kunstdiskurs,
insbes. Künstlertheorie.
Publikationsauswahl
Bedingtheit der Malerei. Ivan Puni und die moderne Bildkritik, (Neue Frankfurter
Forschungen zur Kunst), Berlin 2015 (in Vorbereitung).
(Hg. mit Eva Ehninger) Theorie². Potenzial und Potenzierung künstlerischer
Theorie (Kunstgeschichten der Gegenwart 11), Bern u. a. 2014; darin auch:
188
Der Marktwert des Sozialen. Ein Dilemma der Gegenwartskunst
Bedeutungen des Suprematismus. Text und Bild im Œuvre von Kazimir
Malevič, S. 63–86.
Die Auferweckung und der Tod der Dinge im ›Reismus‹ der russischen Avantgarde, in: G. Ulrich Großmann und Petra Krutisch (Hgg.): The Challenge of
the Object / Die Herausforderung des Objekts, 33. Internationaler Kunsthistoriker-Kongress, Congress Proceedings, Bd. 4, Nürnberg 2013, S. 1238–1241.
Kasimir Malewitsch und der Fall des Futurismus, in: Antonella Francini und Lisa
Hanstein (Hgg.): Semicerchio 42 (2010). Altri futurismi, S. 24–29.
Richard Serra in Germany: Perspectivity in Perspective, in: RES. Anthropology
& Aesthetics 53/54 (2008), S. 47–58.
Vorträge
09.30–10.00 Uhr
Rachel Mader, Luzern/Zürich
Ambivalente Strategien und eindeutige Positionierungen
Ambivalenz und politisches Engagement sind zwei der im gegenwärtigen Kunstbetrieb populärsten wie umstrittensten Topoi. Wird letzteres
trotz steigendem »Marktwert« mit einer verantwortungsvollen Haltung
gegenüber dem eigenen Kontext sowie der Gesellschaft assoziiert, haftet der Ambivalenz das Image eines modischen Diskurses an. Mit den ihr
mehrheitlich attestierten Strategien des Entzugs, der Verweigerung oder
Dekonstruktion von Bedeutung entziehe sie sich einer klaren Positionierung und verweise mit ihren Aussagen in eine unverbindliche Beliebigkeit
und Relativierung, so die Kritiker.
Dagegen unternimmt es die im Beitrag vorgenommene Analyse von
ausgewählten Arbeiten (Rabih Mroués und Hito Steyerls Lecture Performance ›Probable Title: Zero Probability‹, Marina Belobrovaja, ›Warm
Glow‹), Ambivalenz als Argumentationsweise vorzustellen, deren Absicht
eine ebenso eindeutige Positionierung wie die Darlegung komplexer und
dabei mitunter widersprüchlicher Faktenlagen beinhaltet. Mit Referenz
auf analytische Reflexionen zu sozial engagierten künstlerischen Strategien (u. a. Claire Bishop, ›The Social Turn‹; Sandy Nairne, ›Institutionalising Dissent‹; Isabelle Graw, ›Der grosse Preis‹; Christian Höller,
›The Artist as Public Intellectual. How not to be Governed‹) werden diese künstlerischen Strategien kritisch beleuchtet und innerhalb der einschlägigen Debatten verortet. Der Fokus der Analyse richtet sich dabei
in gleicher Weise auf die künstlerischen Operationen selbst wie auf die
sie begleitenden Interpretationen und Diskussionen. Leitende These ist,
dass die Behauptung der Marktförmigkeit sozial engagierter Kunst ein
189
Der Marktwert des Sozialen. Ein Dilemma der Gegenwartskunst
prominentes Phänomen beschreibt, als Argument aber auf diskursive
Parameter zurückgreift (u. a. Dominanz des Ökonomischen, statischer
Bildbegriff), die einer kritischen Revision bedürfen.
Kurzbiographie Rachel Mader
1990–1999
2006
2002–2008
2006–2008
2008–2009
2009–2014
seit 2012
Studium der Kunstgeschichte, Philosophie und Geschichte in
Basel, Bern und Genf
Promotion an der Universität Bern (»Beruf Künstlerin – Strategien, Konstruktionen und Kategorien am Beispiel Paris
1870–1900«)
Assistenz am Lehrstuhl für Kunstgeschichte der Gegenwart
der Universität Bern
Assistenz (Postdoc) am Lehrstuhl für moderne und zeitgenössische Kunst der Universität Zürich
Wiss. Assistentin und stellv. Leiterin am Institut für Gegenwartskünste der Zürcher Hochschule der Künste
Projektleitung ›Organising Innovation. Artistic Practice and
Cultural Politics in Postwar Britain‹ (SNF-Projekt »Ambizione«)
Leiterin des Forschungsschwerpunktes ›Kunst und Öffentlichkeit‹ an der Hochschule Luzern – Departement Design &
Kunst
Forschungsschwerpunkte
Kunst und Öffentlichkeit; institutional studies; Kunst und Politik; Ambivalenz in
der Kunst; Feminismus; Kulturpolitik.
Publikationsauswahl
Art for Society, Whitechapel Art Gallery, London, 1978, in: Elisabeth Fritz und
Verena Krieger (Hgg.): When Exhibition becomes Politics, Köln/Wien 2014 (im
Druck).
(Hg. mit dem Institut für Gegenwartskunst an der Zürcher Hochschule der Künste) radikal ambivalent – Engagement und Verantwortung in den Künsten
heute, Zürich 2014.
(Hg. mit Verena Krieger) Ambiguität in der Kunst – Typen und Funktionen eines
anhaltend aktuellen Topos. Tagungsakten, Köln/Wien 2010.
Begegnen, interagieren, verhandeln – zur Neukonzeption von Öffentlichkeit in
der partizipatorischen Kunstpraxis, in: Dagmar Danko, Oliver Moeschler und
Florian Schumacher (Hgg.): Perspektiven der Kunstsoziologie II. Kunst und
Öffentlichkeit (Kunst und Gesellschaft), Wiesbaden 2014, S. 95–111.
How to move in/an institution, in: www.oncurating-journal.org, Winter 2013/14,
S. 33–43.
190
Der Marktwert des Sozialen. Ein Dilemma der Gegenwartskunst
10.15–10.45 Uhr
Elisabeth Fritz, Jena
»Bildfähigkeit« als sozialer Wert. Omer Fasts The Casting zwischen
Authentizität und Spektakel
Als »Bildfähigkeit« beschreibt Tom Holert (2000) die Eigenschaft, im
»medialen Bildkreislauf […] erfolgreich zirkulieren [zu] können«. Diese
kann als »Kommunikationsbeschleuniger« in der Werbung oder politischen Meinungsbildung ebenso eingesetzt werden wie auf dem Kunstmarkt oder im internationalen Ausstellungsbetrieb. Mediale Darstellungen von sogenannten »echten Menschen« – deren Status meist über
ihren bisherigen Ausschluss aus Systemen der Sichtbarkeit definiert wird
– können als besonders »bildfähig« beschrieben werden, da sie zu einer
breiten Aufmerksamkeit führen und das Soziale als Bildwert zirkulieren
lassen, wie es massenmediale Formate des Reality-TV, aber auch die
gezielte Verbreitung von Bildern im Kontext des Aktivismus zeigen.
In diesem Zusammenhang werden in der Kunst partizipative und dokumentarische Strategien an der Wende zum 21. Jahrhundert zunehmend
problematisch: Galt die Sichtbarmachung von »echten Menschen« seit
dem 19. Jahrhundert als Ausdruck von Mitgefühl und sozialem Engagement sowie als politischer Beitrag zu Emanzipation und Aufklärung, so
werden derartige Strategien seit ihrer Vermarktung durch die populären
Medien als besonders niederwertig, ausbeuterisch und voyeuristisch
abgewertet. Von Interesse sind dabei jene künstlerischen Positionen,
welche den angedeuteten diskursiven Wandel explizit und kritisch reflektieren – und dennoch nicht davon ablassen, mediale Repräsentationen
von »echten Menschen« zu erzeugen, ja deren Spektakularität sogar nutzen, um alternative Rezeptionsmöglichkeiten dieser Bilder einzufordern
und ihre immanenten Widersprüchlichkeiten zur ästhetischen Erfahrung
zu machen. Als Beispiel wird Omer Fasts Videoinstallation The Casting
(2007) diskutiert, deren komplexe Überlagerung von projizierten filmischen Bildern sich an den Grenzen von Authentizität und Künstlichkeit,
Dokumentation und Fiktion sowie von Erinnerung, Narration und Darstellung sozialer Realität bewegt.
Kurzbiographie Elisabeth Fritz
1999–2007
2005–2008
Doppelstudium der Kunstgeschichte und Soziologie in Wien
und Paris (Magisterarbeit in Soziologie: »Arbeit im Schatten –
Selbsthilfegruppen in Wien«; Magisterarbeit in Kunstgeschichte: »Michael Asher – Werke 1979–2007«)
Mitarbeiterin in der Generali Foundation; kuratorische Assi-
191
Der Marktwert des Sozialen. Ein Dilemma der Gegenwartskunst
2008–2009
2009–2012
2012
seit 2012
stentin am Museum Moderner Kunst Stiftung Ludwig Wien
(Bereich Wissenschaftliche Veranstaltungen); freie Kuratorin
und Kunstvermittlerin in Wien
Assistentin am Institut für Kunstgeschichte der Universität Wien
Promotionsstipendiatin am interdisziplinären Doktoratsprogramm »Kategorien und Typologien in den Kulturwissenschaften« an der Karl-Franzens-Universität Graz
Promotion ebd. (»Real Life – Real People. Mediale Experimente mit ›echten Menschen‹ in der zeitgenössischen Kunst
zwischen Authentizität, Partizipation und Spektakel«)
Wiss. Assistentin am Lehrstuhl für Kunstgeschichte der Friedrich-Schiller-Universität Jena
Forschungsschwerpunkte
Kunst der Moderne und Gegenwart (Skulptur, Installation, Medienkunst, Institutionskritik, Partizipation); französische Kunst des 17. und 18. Jh.s (Repräsentationen von Geselligkeit und Lebensfreude); Theorien und Praktiken des Spektakels; Schnittstellen ästhetischer und sozialer Kategorien.
Publikationsauswahl
Authentizität – Partizipation – Spektakel. Mediale Experimente mit »echten Menschen« in der zeitgenössischen Kunst, Köln/Weimar/Wien 2014.
(Hg. mit Rita Rieger, Nils Kasper und Stefan Köchel) Kategorien zwischen
Denkform, Analysewerkzeug und historischem Diskurs, Heidelberg 2012.
Wiederholung des Unwiederholbaren. Reproduktion und Selbsthistorisierung im
Werk von Michael Asher, in: Claudia Tittel (Hg.): Die Kunst der Re-Produktion.
Strategien der Wiederholung in zeitgenössischer Kunst, Fotografie und Film,
Berlin 2015 (in Drucklegung).
Towards a Critical Mode of Spectacularity: Thoughts on a Terminological Review, in: esse. arts + opinions 82 (2014), S. 4–11.
Sur un autre plan de la réalité: imaginaire, création et alcool dans Providence
d’Alain Resnais (1977), in: Food & History Jg. 9 Nr. 1 (2011). La Création ivre,
XVIe–XXe siècles. L‘alcool, moteur, motif et métaphore artistique, S. 103–114.
11.45–12.15 Uhr
Sabine Kampmann, Berlin
An der Grenze des guten Geschmacks – oder darüber hinaus? Zur
sozialen Relevanz Santiago Sierras
Santiago Sierras Kunst steht kaum in Verdacht, sozialromantischer
Kitsch zu sein – ganz im Gegenteil. Dem Künstler wird vorgeworfen, im
Buhlen um mediale Aufmerksamkeit regelmäßig die Grenze des guten
192
Der Marktwert des Sozialen. Ein Dilemma der Gegenwartskunst
Geschmacks zu überschreiten und statt Kunst bloße Provokationen zu
produzieren.
In Sierras Kunstwerken agieren häufig Menschen aus sozialen Randgruppen wie Arbeitslose, Migranten, Prostituierte oder Drogenabhängige,
doch deren Partizipation am Kunstprozess scheint nicht auf soziale Integration zu zielen. Die Menschen werden für sinnlos und erniedrigend erscheinende Tätigkeiten mit Niedriglöhnen bezahlt, so dass Ausbeutung,
Macht und Herrschaftsverhältnisse im und am Kunstwerk selbst erlebbar
sind. Der Wert der Kunst und der Wert eines Menschen werden in den Arbeiten kontrastiert und in den Debatten über die Bedeutung dieser Kunst
auch unter moralischen Aspekten diskutiert.
Kunst und Künstler werden also einerseits medial skandalisiert, andererseits stellen sie auch eine etablierte Größe in Kunstszene und
Kunstmarkt dar, was von einer gewissen Bandbreite der Rezeptionsmöglichkeiten zeugt. Der Vortrag möchte am Fall Santiago Sierras die vielschichtigen Kommunikationsprozesse im Kunstsystem analysieren und
die unterschiedlichen Perspektiven von Ökonomie, Moral, Politik sowie
der Akteure des Kunstsystems in den Blick nehmen.
Wird hier der soziale Anspruch der Kunst in ihren Marktwert verwandelt? Lassen sich aus der momentanen Struktur des Kunstsystems Strategien herausdestillieren, die für eine auf soziale Relevanz zielende Kunst
besonders erfolgversprechend erscheinen? Vielleicht ist ja gerade Sierras Kunst in ihrer sozialen Wirkung besonders weitreichend, denn ihre
skandalträchtigen Provokationen werden von einer breiten Öffentlichkeit
diskutiert und verbleiben nicht nur – wie manch andere sanft vorgetragene Sozialutopie – im kleinen Kreis der Kunstexpertinnen und -experten.
Kurzbiographie Sabine Kampmann
1992–1999
2000–2002
2002–2013
2005
2008–2009
Studium der Kunstgeschichte, Neueren Deutschen Literaturwissenschaft, Philosophie und Psychologie in Bochum
(Magisterarbeit: »Die Inszenierung von Erinnerung. Christian
Boltanskis Installation The Missing House«)
Promotionsstipendum der Studienstiftung des deutschen Volkes
Wiss. Mitarbeiterin am Institut für Kunstwissenschaft der
Hochschule für Bildende Künste Braunschweig
Promotion ebd. (»Künstler sein. Systemtheoretische Beobachtungen von Autorschaft: Christian Boltanski, Eva & Adele,
Pipilotti Rist, Markus Lüpertz«)
Postdoc-Kollegiatin im Graduiertenkolleg »Bild.Körper.Medium. Eine anthropologische Perspektive« an der Hochschule
für Gestaltung Karlsruhe
193
Der Marktwert des Sozialen. Ein Dilemma der Gegenwartskunst
2009–2011
2013/14
2014/2015
Postdoctoral Fellow des Max Planck International Research
Network on Aging, Kunsthistorisches Institut in Florenz – MPI
Vertretungsprofessorin für Kunstgeschichte im Institut für
Kunst-, Design- und Medienwissenschaften an der Muthesius
Kunsthochschule Kiel
Gastwissenschaftlerin der Forschungsinitiative »Alter(n) als
kulturelle Konzeption und Praxis« der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf
Forschungsschwerpunkte
Kunst und visuelle Kultur des 19. bis 21. Jh.s; Bildwissenschaft und Kulturtheorie des Populären; das Kunstsystem – Akteure und Funktionsweisen; Körperbilder und -konzepte; visuelle Semantiken des Alters.
Publikationsauswahl
Das Interview als Tarnkappe: Andy Warhol und Christian Boltanski, in: Eva
Ehninger und Magdalena Nieslony (Hgg.): Künstlerische Theoriebildung und
Praxis in der Moderne, Bern u. a. 2014, S. 129–144.
Fotografische Bildwelten des Alter(n)s, in: Andrea von Hülsen-Esch, Miriam
Seidler und Christian Tagsold (Hgg.): Methoden der Alter(n)sforschung.
Disziplinäre Positionen und transdisziplinäre Perspektiven, Bielefeld 2013, S.
255–265.
(Hg. mit Anja Herrmann, Jörg Petri, Ralf de Jong) Tattoo. Querformat. Zeitschrift
für Zeitgenössisches, Kunst, Populärkultur 4 (2011), darin auch: Tattoo-Kunst
und Kunst-Tattoos. Die Tätowierung als künstlerisches Medium seit den
1970er Jahren, S. 40–49.
(Hg. mit Annelie Lütgens) kritische berichte. Zeitschrift für Kunst- und Kulturwissenschaften Jg. 34 Nr. 4 (2006), Sammlerkult – Sammlermythen.
Künstler sein. Systemtheoretische Beobachtungen von Autorschaft: Christian
Boltanski, Eva & Adele, Pipilotti Rist, Markus Lüpertz, München 2006.
14.30–15.00 Uhr
Thomas Skowronek, Berlin
Leiden an der Kontamination in Kunst und Markt. Das Beispiel Polen
In den 2000er Jahre trat eine neue Generation an Künstlern, Sammlern
und Galeristen an die (inter-)nationale Öffentlichkeit und proklamierte eine
weitgehende Annäherung, wenn nicht an die finanziellen Umsätze, so
doch zumindest an die gesellschaftliche Wertschätzung zeitgenössischer
Kunst ›wie im Westen‹. Die young polish art lenkte die Aufmerksamkeit
194
Der Marktwert des Sozialen. Ein Dilemma der Gegenwartskunst
auf eine massenmediale Konditionierung gesellschaftlicher Wahrnehmung und ihrer künstlerischen Verarbeitung. Sie ließ sich als eine Kunst
verstehen, die eine tendenzielle Ununterscheidbarkeit zwischen sozialen, künstlerischen und ökonomischen Prozessen nicht nur affirmierte,
sondern diese Trübungen selbst zum Thema machte.
Das hierbei virulente Begehren nach einer Einordbarkeit ökonomischer
Praktiken lässt sich als Teil einer Wunschmaschine verstehen, die Vorstellungen systemischer Reinheit produziert und die in Kunst und Ökonomie auf international vergleichbare Weise funktioniert. Indem parallel zur
Behauptung der eigenen Exzellenz (Tobias Meyer) die Aufmerksamkeit
der Kunstwelt auf mögliche Fehlentwicklungen des Marktes gelenkt wird
(Hanno Rauterberg), beschwört man einen latenten Ausnahmezustand
bzw. eine ständige Gefahr herauf.
Ausgehend vom polnischen Beispiel zeigt der Vortrag, dass ökonomische Prozesse nie in der Reinheit gegeben sind, wie es derartige
Huldigungen bzw. Kritiken des Marktes suggerieren. Sie reproduzieren
vielmehr die Vorstellung eines übermächtigen Marktes. Das spezifisch
Soziale des Marktes zeigt sich dabei, so die These, weniger in seiner
Tendenz zum Oktroy ökonomischer Verwertungslogiken als vielmehr in
seiner Neigung, Bedrohungsszenarien des Sozialen für den Kunstmarkt
zu reklamieren. Das Soziale versteht sich hier nicht als eine ethische
Auszeichnung, sondern als der Zustand, ›unter Beobachtung‹ bzw. ›unter
Verdacht‹ zu stehen. Der Vortrag diskutiert das komplizenhafte Leiden an
der Kontamination in Kunst und Markt.
Kurzbiographie Thomas Skowronek
1996–2003
2003–2011
2013
seit 2013
Studium der Russistik, Polonistik und Geschichte in Marburg,
Moskau und Berlin
Wiss. Mitarbeiter am Institut für Slawistik, Humboldt-Universität zu Berlin
Promotion ebd. (»Marktgestalten in Sorge. Zur Poetologie ökonomischer Dinge am Beispiel von Galerien für zeitgenössische
Kunst in Polen und Russland (1980/2000)«, Auszeichnung mit
dem Preis der Deutschen Gesellschaft für Osteuropakunde)
Post-doctoral fellow am Excellence Cluster TOPOI
Forschungsschwerpunkte
Kunstmärkte und zeitgenössische Kunst aus Polen und Russland; Materialität
von Schrift und Rhetorik; russische Literatur und Kultur der Neuzeit.
195
Der Marktwert des Sozialen. Ein Dilemma der Gegenwartskunst
Publikationsauswahl
Institutionelle Introjektionen. Die Poetiken der Galerien Foksal, in: Jeanette Fabian (Hg.): Poesie Intermedial, Berlin 2012, S. 181–217.
Der falsche Sammler – oder wie Kunstmärkte ihre Ordnungen entwerfen, in:
Johannes Angermüller, Jan Standke und Jens Maeße (Hgg.): Moving (Con)
Texts. Produktion und Verbreitung von Ideen in der globalen Wissensökonomie, Berlin 2011, S. 292–307.
Unreliable Gallerist. Zur (frühen) Poetik der Galerie Marat Guelman, in: Georg
Gierzinger, Sylvia Hölzl und Christine Roner (Hgg.): Spielformen der Macht.
Interdisziplinäre Perspektiven auf Macht im Rahmen junger slawistischer Forschung, Innsbruck 2011, S. 339–376.
15.15–15.45 Uhr
Antje Krause-Wahl, Frankfurt a. M.
Accelerationism & Dispersion – Theorien gegenwärtiger Kunstproduktion
Während über die soziale Wirksamkeit künstlerischer Positionen diskutiert wird, die Teil des etablierten Kunstbetriebs sind, arbeiten Künstler/innen, die unter dem Label »Post-Internet-Generation« erfasst werden,
mit anderen Denkansätzen. »Accelerationism« beispielsweise meint ein
Insistieren darauf, dass die einzige politische radikale Antwort auf den
Kapitalismus nicht der Protest, seine Zersetzung oder Kritik sei; vielmehr
müssten die mit diesem einhergehenden Entwurzelungen, Entfremdungen und Abstraktionen noch beschleunigt werden.
Ein Forum dieser Ansätze ist die Medienplattform DIS Magazine, die
vom Künstler/-innenkollektiv DIS initiiert wurde. In dem Beitrag geht es
nicht nur um die künstlerischen und theoretischen Positionen, die sich
hier präsentieren, sondern um die Frage, wie digitale Medien und das
web 2.0 strukturell genutzt werden, um die oben formulierten Prozesse
in Gang zu setzen.
Um den Anspruch einer neuen Künstler/-innengeneration zu bekräftigen, grenzen sich verschiedene Autor/-innen von einer als historisch bezeichneten linken Politik ab, die glaube, man könne nur als Außenseiter
das System subvertieren. Es stellt sich allerdings die Frage, ob mit dieser
Abgrenzung nicht selbst an einem Avantgardemythos gearbeitet wird. Ein
Vergleich mit General Ideas FILE Magazine, in dem Medientheorien der
1970er aufgegriffen und umgesetzt werden, soll Analogien, Differenzen
aber auch Perspektiven der gegenwärtigen künstlerischen Produktion
aufzeigen.
196
Der Marktwert des Sozialen. Ein Dilemma der Gegenwartskunst
Kurzbiographie Antje Krause-Wahl
1992–1999
2005
seit 2013
Studium der Kunstgeschichte und Kunst / Kunsterziehung /
Li­teraturwissenschaften in Kiel und Wien
Promotion an der Universität Leipzig (»Konstruktionen von
Künstler/innenidentität in den 1990er Jahren. Renée Green,
Tracey Emin, Rirkrit Tiravanija«)
Eigene Stelle (DFG) für zwei Jahre am Kunstgeschichtlichen
Institut der Goethe-Universität Frankfurt a. M. mit dem Habilitationsprojekt »Auf einer Seite – die Verbindung von Kunst
und Mode in Künstler- und Modezeitschriften im 20. Jhdt.«
Forschungsschwerpunkte
Künstleridentität; Künstlerausbildung (in Verbindung zu den sich wandelnden
künstlerischen Arbeitsweisen); Künstlerzeitschriften; Relation von Mode und
Kunst.
Publikationsauswahl
American fashion and European art – Alexander Liberman and the politics of
taste in Vogue of the 1950s, in: Journal of Design History (Feb. 2015).
Ein neues Format? – Kunstzeitschriften in der digitalen Kultur, in: kritische berichte. Zeitschrift für Kunst- und Kulturwissenschaften Jg. 42, Nr. 2 (2014), S.
68 ff.
Von der »Artist’s Lecture« zur »Lecture Performance« – Formen der künstlerischen Theoriebildung in Künstlervorträgen, in: Eva Ehninger und Magdalena
Nieslony (Hgg.): Theorie². Künstlerische Theoriebildung und Praxis in der Moderne, Bern u. a. 2014.
(Hg. mit Änne Söll) kritische berichte. Zeitschrift für Kunst- und Kulturwissenschaften Jg. 40 Nr. 4 (2012), Künstlerzeitschriften.
Konstruktionen von Identität. Renée Green, Tracey Emin, Rirkrit Tiravanija,
München 2006.
197

Führungen und Ortstermine
Ortstermin Synagoge
Dienstag, 24. März 2015, Neue Synagoge, Synagogenplatz (Ecke Hindenburgstraße/Josefsstraße)
Leitung: Regina Stephan, Mainz
Gruppe A: 13.00–14.15 Uhr
Gruppe B: 14.15–15.30 Uhr
Treffpunkt: vor der Neuen Synagoge (Anmeldung erforderlich)
Führung durch ausgewählte Sammlungen der Johannes Gutenberg-Universität
Dienstag, 24. März 2015, 16.00–17.30 Uhr
Leitung: Vera Hierholzer, Mainz
mit Klaus Weber, Mainz / Patrick Schollmeyer, Mainz / Kirsten Grimm,
Mainz
Treffpunkt: Philosophicum, vor dem Hörsaal P 1 (keine Anmeldung erforderlich)
198

Foren
Kunst der Iberischen Halbinsel
Dienstag, 24. März 2015, 10.00–12.00 Uhr, Philosophicum, Hörsaal P 2
Moderation: Sylvaine Hänsel, Münster / Bettina Marten, Frankfurt a. M./
Limburg
Beiträge: Antonio Nunes Pereira, Sintra / Miguel Tain Guzmán, Santiago
de Compostela / Miriam Minak, Berlin / Josefine Heller, Leipzig / He­lena
Lahoz Kopiske, Zürich
Das Forum bietet allen Interessierten Gelegenheit zum wissenschaftlichen (Erfahrungs-)Austausch. Gäste aus Spanien, Portugal und der
Schweiz werden Einblick in ihre Arbeit geben und stehen im Anschluss
für Fragen zur Verfügung.
Während der Direktor des Palácio Nacional da Pena (Sintra), Antonio
Nunes Pereira, über »Das Schloss Pena und der Einfluss der Deutschen
Romantik im Portugal des 19. Jahrhunderts« sprechen wird, behandelt
Miguel Tain Guzmán von der Universidad de Santiago de Compostela ein
grenzübergreifendes italienisch-spanisches Thema: »The views of the cities of Spain drawn by the Florentine artist Pier Maria Baldi: the codex
of the journey of prince Cosimo III of Medici in the Laurenziana Library«.
Darüber hinaus stellen Kunsthistorikerinnen und Kunsthistoriker laufende Projekte in kur­zen Referaten oder als Posterpräsentation vor.
Unter anderem skizziert Miriam Minak (Berlin) ihr Forschungsvorhaben
zum brasililianisch-deutschen Kulturaustausch: »Offene Kon­struktionen
als Moment einer experimentellen Lebenserfahrung. Der Einfluss Kurt
Schwitters’ auf das Werk des brasilianischen Künstlers Hélio Oiticica«.
Josefine Heller (Leipzig) wiederum berichtet über einen Aspekt ihrer abgeschlossenen Magisterarbeit un­ter dem Titel: »Der Orient in Dresden.
Carl von Diebitschs Entwurfszeichnung mit Odaliske für das maurische
Bad auf Schloss Albrechtsberg«.
Von hier ergibt sich eine direkte Verbindung zu dem an der Universität
Zürich angesiedelten und von Francine Giese geleiteten Forschungsprojekt »Mudejarismo und maurisches Revival«, das Helena Lahoz Kopiske
präsentieren wird.
199
Foren
Kunst des Mittelalters
Interdisziplinäre Annäherungen an Kultobjekte des 12. Jahrhunderts am Beispiel von Hildesheim
Dienstag, 24. März 2015, 10.00–12.00 Uhr, Philosophicum, Hörsaal P 5
Moderation: Wolfgang Augustyn, München
Beiträge:
Dorothee Kemper, Hildesheim: Das interdisziplinäre Forschungsprojekt
zum Godehardschrein
Andrea Fischer, Stuttgart / Gerhard Eggert, Stuttgart: Neue Korrosionsprodukte am Godehardschrein
Robert Lehmann, Hannover / Daniel Fellenger, Hannover: Metallanalysen
Thomas Vogtherr, Osnabrück: Innovation und Tradition. Objekte und
Eliten in Hildesheim, 1130–1250
Klaus Niehr, Osnabrück: Das Domtaufbecken und die Produkte der Hildesheimer Bronzewerkstatt (1220–1250)
Das Forum möchte einen Einblick in die Praxis aktueller Forschung an
hochrangigen Objekten bieten und zugleich über die Fachgrenzen hinaus
Netzwerke erschließen bzw. ausbauen.
Am Beispiel des Weltkulturerbes Hildesheim stellen wir zunächst ein
langjähriges, interdisziplinäres Forschungsprojekt vor, an dessen Anfang ein ungewöhnlicher Schadensfall stand. Im Zentrum dieses ersten
Teils stehen die Reliquienschreine der Hll. Godehard und Epiphanius;
aufgrund ihrer Materialität (Holz, Edelmetalle, Steinbesatz, Textilien,
Knochen), kunsthistorischen und historischen Bedeutung (Reliquienkult,
Auftraggeberschaft, Werkstattfragen) wurde eine enge Kooperation und
Vernetzung mit einschlägigen Spezialisten gesucht. Unter dem Aspekt
der Objekterforschung werden im Forum der kunsthistorische Rahmen
und exemplarisch die chemischen / metallurgischen Analysemöglichkeiten fokussiert. Die Vorstellung der für alle Beteiligten ertragreichen Zusammenarbeit soll als Appell zur weiteren Etablierung solcher interdisziplinären Schnittstellen gelten; sie steht hier im Zusammenhang mit der
vom Deutschen Verein für Kunstwissenschaft initiierten, systematischen
Publikation der großen Reliquienschreine (Corpus Scriniorum).
Der zweite Teil vermittelt Einblicke in ein Projekt, das 2015–2018 vom
Bundesministerium für Bildung und Forschung gefördert wird. Unter dem
Titel »Innovation und Tradition. Objekte und Eliten in Hildesheim 1130–
1250« stehen Monumental- und Buchmalerei, Metallkunst und Skulptur
200
Foren
wie schriftliche Quellen des 12. und 13. Jahrhunderts im Zentrum. Der
ideologische und materielle Kontext künstlerischen Schaffens soll beleuchtet und die Bischofsstadt Hildesheim im Verhältnis zu anderen Zentralorten Sachsens herausgestellt werden. Besonderes Augenmerk liegt
auf den gesellschaftlichen Trägerschichten künstlerischen Schaffens,
entweder als Auftraggeber oder als Adressaten der Produktion. So treten
nicht nur die historischen und theologischen Voraussetzungen wie die
technischen Grundlagen Hildesheimer Kunst hervor. Mit einer derartigen
Verzahnung von geistes- und materialtechnischer Forschung stellt sich
das Projekt als interdisziplinäres Vorhaben dar, das die Grenzen bisheriger Zugangsweisen überschreitet.
Niederländische Kunst- und Kulturgeschichte
Universität und Museum: Zwei Welten? Eine Podiumsdiskussion
Dienstag, 24. März 2015, 10.00–12.00 Uhr, Philosophicum, Hörsaal P 10
Moderation: Christiane Kruse, Kiel / Katrin Dyballa, Frankfurt a. M.
Beiträge: Elke Werner, Berlin / Jochen Sander, Frankfurt a. M. / Nils Bütt­
ner, Stuttgart / Lisanne Wepler, Braunschweig
Auf der Universität besuchen alle dieselben kunsthistorischen Seminare, machen sich mit den Methoden des Faches vertraut, gewinnen Epochenüberblicke, studieren die Werke einzelner Künstler – schauen sich
eine Unmenge von digital reproduzierten Kunstwerken in Powerpoints
an, machen, wenn es hoch kommt, zwei »Große Exkursionen« und besuchen hoffentlich so oft wie möglich Museen und Ausstellungen. Während
des Studiums muss eine Berufsentscheidung getroffen werden, etwa:
Museum oder Uni? Die Promotion an der Uni, die auch das Museum verlangt, verlängert die theoretische Bildung und schiebt den Berufseintritt
hinaus. Welche Beweggründe führen während dieser langen Ausbildung
zu der Entscheidung, ob man Kunstgeschichte an der Universität oder im
Museum betreiben will? Wenn die Entscheidung gefallen ist, das Volontariat am Museum beginnt, stellt sich die Frage: Von welchem Nutzen ist
das theoretische Wissen, das in den kunsthistorischen Seminaren erworben wurde, für den Umgang mit den Originalen? Wie unterscheidet sich
der Berufsalltag im Museum vom Berufsalltag der Universität?
(Ent)scheiden sich die kunsthistorischen Geister nach der gemeinsamen theoretischen Ausbildung zum Dr. phil.? Wollen die einen, weil sie
keinen Umgang mit den Originalen haben, die rein theoretisch gewonne201
Foren
ne Deutungshoheit über Kunstwerke? Wollen die anderen die Macht über
die Originale?
In einer Podiumsdiskussion, die Vertreter/-innen aus beiden Berufsgruppen auf gleicher Augenhöhe ins Gespräch bringen will, sollen entlang der niederländischen Kunstgeschichtsforschung einerseits die Ursachen der Geisterscheidung analysiert werden. Vor allem aber sollen
Kolleg/-innen, die bereits Kooperationen zwischen Universitäten und Museen lanciert und durchgeführt haben, Schnittstellen und Perspektiven
gemeinsamer Erforschung der niederländischen Kunst erläutern. Welche
Themen können Universität und Museum als Partner miteinander bearbeiten? Wie ist eine Kooperation zu gestalten, damit sich am Ende das
ergibt, was kunsthistorische Forschung zum Ziel hat: die wachsende Erkenntnis des Originals.
Wissenschaftsgeschichte der Kunstgeschichte
Der Beitrag des Einzelnen. Wissenschaftsgeschichte im Spannungs­­
feld von Biographie und Problemgeschichte
Dienstag, 24. März 2015, 13.30–15.15 Uhr, Philosophicum, Hörsaal P 2
Moderation: Hubert Locher, Marburg / Regine Prange, Frankfurt a. M.
Beiträge:
Johannes Rößler, Bern: Empiriker wider Willen? Die Kämpfe von Goethes Kunstfreund Johann Heinrich Meyer
Ingo Herklotz, Marburg: Nationales Pathos, jüdische Identität und die
Idee vom Abendland: Richard Krautheimer in Deutschland (1925–1933)
Adriana Markantonatos, Marburg: Dazwischen Sein – Dazwischen Denken. Über das Werk Reinhart Kosellecks
Wissenschaft ist ein kollektives Unternehmen. Wissenschaftliche Fragestellungen werden im Gewebe eines Diskurses entwickelt und in mehr
oder weniger kollektiver Anstrengung aufgearbeitet. Nach wie vor wird
gleichwohl die tatsächliche oder angebliche Leistung des Einzelnen
wei­terhin wertgeschätzt, honoriert und entsprechend auch kenntlich gemacht. Für den Versuch einer Beschreibung der Genese wissenschaftlicher Erkenntnis bleibt demnach die Untersuchung und Kritik der Arbeit
der einzelnen Person ein interessanter Ausgangspunkt. Die methodische
Herausforderung besteht dabei in der relativierenden Erfassung individueller Arbeit im Gefüge der wissenschaftlichen Debatten und in der an202
Foren
gemessenen Bestimmung idiosynkratischer Züge im weiteren Feld des
wissenschaftlichen Denkens, auch in der Ergründung der je individuellen
Motive für wissenschaftliche Entscheidungen.
Im Rahmen des Forums sollen drei bereits weit entwickelte, jedoch
noch nicht abgeschlossene wissenschaftsgeschichtliche Fallstudien zu
drei sehr unterschiedlichen Personen vorgestellt und die skizzierte Problematik diskutiert werden. Mit Johann Heinrich Meyer (1760–1832), dem
Freund Goethes, Künstler, Kunsttheoretiker und Kunstschriftsteller, Richard Krautheimer (1897–1994), dem Kunst- und Architekturhistoriker
deutsch-jüdischer Herkunft und Reinhart Koselleck (1923–2006), Begriffs- und Ideenhistoriker mit bildwissenschaftlichen Ambitionen, werden
drei Persönlichkeiten zur Diskussion gestellt, deren wissenschaftliche
Arbeit in je eigener Weise individuell geprägt ist und die in sehr unterschiedlicher Weise mit dem breiteren Strom des Wissenschaftsbetriebs
(Germanistik, Kunstgeschichte, Geschichte) in Verbindung stehen.
Graphik
Dienstag, 24. März 2015, 13.30–15.15 Uhr, Philosophicum, Hörsaal P 5
Moderation: Susanne Müller-Bechtel, Gräfelfing / Daniela Roberts,
Braunschweig
Podium: Regina Doppelbauer, Wien / Stefan Morét, Göttingen / Ulrich
Richtmeyer, Potsdam / Jeannette Stoschek, Leipzig
Der Wert der Graphik wird in Museum, Universität und Kunsthandel –
durchaus zu Recht – unterschiedlich taxiert. Nicht hoch genug zu schätzen ist der kulturhistorisch-dokumentarische Wert umfangreicher Bestände von Handzeichnungen und Druckgraphik. Trotz ihrer Offenheit in der
Low-/High-Art-Einordnung bleibt aber der Graphik gegenüber den auf
Repräsentation ausgerichteten Kunstmedien (mit entsprechend hohem
Marktwert) eine große Außenwirkung versagt. Bildwissenschaftliche Fragestellungen oder kulturhistorische Arbeitsfelder, wie z. B. die materielle
Kulturforschung, bieten jedoch die Möglichkeit, der Vielgestaltigkeit von
Graphik und ihrer unterschiedlichen Funktionen gerecht zu werden. Dem
steht die oftmals divergierende Einschätzung des künstlerischen Wertes
von Graphik gegenüber. In der kunsthistorischen Praxis wird vielfach ein
teleologisch-intentionalistischer Kunstbegriff wirksam, bei dem das autonome / finale Werk im Mittelpunkt steht, Inventions- und Aneignungsprozesse zurückgestellt werden oder der verbreitenden Druckgraphik nur ein
203
Foren
dienender Charakter zugesprochen wird.
Die in der Regel materialbedingte eingeschränkte Zugänglichkeit von
Handzeichnungen und Druckgraphik in den Sammlungen, aber auch Digitalisierungsprojekte führen gleichzeitig zu einer Entfremdung vom Original, und damit von einer den graphischen Künsten je eigenen Materialität und Ausdrucksform, deren Erforschung und Kennerschaft neben
grundlegender Bestandserfassung vornehmlich der wissenschaftlichen
Arbeit an den Sammlungen zugeordnet wird.
Die Podiumsdiskussion mit Vertretern der verschiedenen Sparten dient
dem Vorhaben, die sich wandelnden Positionen und Ansätze der letzten
zehn Jahre und ihre Wirkung auf Forschung, Lehre und Sammlung auf
den Prüfstand zu stellen. Das Forum verspricht sich von dem Treffen Anregungen für neue Perspektiven und methodische Ansätze in Forschung,
Bestandserschließung und Lehre sowie für eine intensivierte Zusammenarbeit und Kommunikation zwischen Museen und universitären Forschungseinrichtungen.
Nachwuchsforum
Kommentare zum Wert der Kunst
Science-Slam
Dienstag, 24. März 2015, 13.30–15.15 Uhr, Philosophicum, Hörsaal P 10
Moderation: Regine Ehleiter, Leipzig / Andrea Haarer, Mainz / Clara
Wörs­dörfer, Mainz
Beiträge: Sebastian Baden, Jana Engel, Anna Hagdorn, Lukas Huppertz, Franziska Lampe, Jenny Lehrl, Sarah Maske, Monika Motylinska,
Maria Obenaus, Kathleen Reinhardt, Jenny Richter, Katarina Schorb
Mit ergänzenden Fragen, eigenen Forschungsansätzen und kritischen
Impulsen kommentieren die aus einer großen Zahl von Einsendungen
ausgewählten Beiträge des Nachwuchsforums das Thema des 33. Deutschen Kunsthistorikertages »Der Wert der Kunst«.
Wann und mit welcher Begründung lässt sich davon sprechen, dass
ein bestimmter künstlerischer Beitrag wertvoll ist und in welchem Kontext kann diese Aussage Verbindlichkeit in Anspruch nehmen? Welche
Rolle spielen verschiedene Institutionen bei der Wertbildung? Wie steht
es um die gesellschaftliche und politische Wertschätzung von Kunst und
Künstler/-innen? Gibt es Kunstformen oder -praktiken, die, auch innerhalb der Kunstwissenschaft, gering geschätzt werden und was bedeu204
Foren
tet es, nach den Gründen dieser Geringschätzung zu fragen? Wie kann
Kunst Wertvorstellungen verhandeln oder sogar ihren eigenen Wert in
Frage stellen? Kurz: Was kann die Kunst, was andere Dinge nicht können?
Das Nachwuchsforum ist als Science-Slam für Doktorand/-innen, wissenschaftliche Volontär/-innen und andere Nachwuchsakteur/-innen im
Kunstfeld angelegt: Zwölf Vortragende halten dabei ein fünfminütiges
Impulsreferat. Das kompakte Format ermöglicht es, nach dem Schwarmprinzip möglichst viele, unterschiedliche Stimmen zu hören und dabei die
Konzentration auf den Kern einer Fragestellung oder den Ausgangspunkt
einer neuen Perspektive zu erproben.
Zum Besuch des Nachwuchsforums sind alle Interessierten herzlich
eingeladen.
Für die großzügige Unterstützung danken wir der Gerda Henkel Stiftung.
Kunstgeschichte Italiens
Dienstag, 24. März 2015, 15.45–17.30 Uhr, Philosophicum, Hörsaal P 2
Moderation: Kai Kappel, Berlin / Klaus Krüger, Berlin
Beitrag:
Brigitte Sölch, Florenz: Why Italy matters. Perspektivische Überlegungen
Das Forum zur Kunstgeschichte Italiens versteht sich als offene Diskussionsplattform für inhaltliche, methodische und institutionelle Fragen
und Perspektiven, die sich im großen Kontext der Forschungen zur Kunst
in Italien und deren mediterraner, europäischer oder globaler Vernetzung
ergeben. Ein zentrales Anliegen ist dabei die möglichst breite Beteiligung
aller Ansätze, Interessen und Institutionen.
Das Forum auf dem Kunsthistorikertag will zunächst aktuelle Positionen der kunsthistorischen Italienforschung reflektieren. Die Keynote Lecture wird Brigitte Sölch (Florenz) halten: »Why Italy matters. Perspektivische Überlegungen«. Die an dieses Referat anschließende Diskussion
soll auch als Grundlage für die Vorstellung und gemeinsame Auswahl der
eingegangenen Vorschläge für Sektionen der geplanten Arbeitstagung
dienen. Diese wird im Frühjahr 2016 in Berlin stattfinden.
205
Foren
Forum für Habilitandinnen und Habilitanden
Dienstag, 24. März 2015, 15.45–17.30 Uhr, Philosophicum, Hörsaal P 5
Moderation: Susanne Müller-Bechtel, Gräfelfing / Birgit Ulrike Münch,
Trier / Wiebke Windorf, Düsseldorf
Beiträge: Bruno Klein, Dresden / Barbara Schellewald, Basel / Barbara
Welzel, Dortmund / Iris Wenderholm, Hamburg
Trotz Einführung der Juniorprofessur gilt die Habilitation letztlich an
vielen Universitäten noch immer als traditionelles Qualifikationsverfahren
zur Ausübung des Hochschullehrerberufs in Deutschland, Österreich und
der Schweiz. Doch haben sich gerade mit der Etablierung neuer Ausbildungsformen zum einen, aber andererseits auch mit der Einführung
der modularisierten Studiengänge die Bedingungen für Habilitierende
grundlegend geändert. Der etwa vom Deutschen Hochschulverband für
die Qualifikationsphase (Promotion und Habilitation) anvisierte zeitliche
Rahmen von neun Jahren ist etwa bei stark erhöhtem Lehrdeputat (u.
a. Lehrkräfte für besondere Aufgaben) kaum zu realisieren. Auch wenn
die Zahl der Habilitationen insgesamt rückläufig ist, werden statistisch
nur rund ein Drittel aller Habilitierten letztlich tatsächlich eine Professur
erhalten.
Das Forum versteht sich als Plattform zum Informations- und Erfahrungsaustausch, um die derzeitige Situation der sich im Fach Kunstgeschichte Habilitierenden gemeinsam zu diskutieren. Das Forum soll
zudem bei Interesse der Vernetzung der Wissenschaftler/-innen untereinander dienen. Neben den verschiedenen Qualifikationsmodellen, die
parallel existieren und zur Professur führen sollen, können etwa Themen
wie Habilitationsstipendien, die Einbindung in Netzwerke, Mentorenprogramme, die Entscheidung »Habilitation versus ›zweites Buch‹ versus
kumulative Habilitation« etc. angesprochen werden.
Digitale Kunstgeschichte
Digitale Themen und Verfahren in der Lehre
Dienstag, 24. März 2015, 15.45–17.30 Uhr, Philosophicum, Hörsaal P 10
Moderation: Stephan Hoppe, München / Georg Schelbert, Berlin
206
Foren
Beiträge:
Georg Schelbert, Berlin: Kunsthistorische Methoden in der digitalen Revolution – Folgerungen für Forschungspraxis und Lehre
Harald Klinke, München: Digitale Kunstgeschichte in der Lehre an der
LMU München. Erfahrungen und Curricula
Dominik Lengyel, Cottbus / Catherine Toulouse, Berlin: Digitale Visualisierungen lehren. Das Beispiel der Architektenausbildung
Peter Bell, Heidelberg: Computergestützte Bildverarbeitung als Kompetenz des Kunsthistorikers
Heidrun Stein-Kecks, Erlangen / Anneli Kraft, Erlangen / Simone Hespers, Nürnberg: Kunstgeschichte im BA- und MA-Studiengang Digital
Humanities an der FAU Erlangen-Nürnberg – Erfahrungen und Perspektiven
Das Jahr 2014 hat die Wahrnehmung der Digital Humanities deutlich
verändert. Was zuvor noch als für eine Geisteswissenschaft untypisches
Randgebiet erschien, ist nun in vieler Munde. Dies aus neu entstandenem Interesse, aber auch aus strategischen Gründen. Zahlreiche Gründungen von entsprechenden akademischen Zentren im letzten Jahr sind
dafür ein nur eines der Indizien.
Spätestens nach der großen DHd-Tagung in Passau ist klargeworden,
dass digitale Verfahren in nächster Zeit alle Geisteswissenschaften in
steigendem Maße betreffen und verändern werden, und dass sie einen
echten Katalysator für zukünftige Felder interdisziplinärer Zusammenarbeit abgeben werden. Auch die Kunstgeschichte war in Passau gut sichtbar vertreten, und die Teilnehmerzahlen der Treffen des überregionalen
Arbeitskreises Digitale Kunstgeschichte steigen seither deutlich an.
Wie kann diese Dynamik nun möglichst breit im Fach fruchtbargemacht
werden? Auf welche Weise werden junge Nachwuchswissenschaftler
zurzeit in dieses expandierende Feld eingeführt? Welche Arten der Integration in die Lehre sind bereits möglich und welche wären wünschbar?
Diesen Fragen und anderen will das vom Arbeitskreis Digitale Kunstgeschichte veranstaltete Forum auf dem Kunsthistorikertag in Mainz mit
fünf Beiträgen nachgehen.
Zum Weiterlesen:
www.dhd2014.uni-passau.de, www.digitale-kunstgeschichte.de
207
Foren
DFG-Forschungsförderung
Forschungsförderung der Deutschen Forschungsgemeinschaft –
Programme und Perspektiven
Freitag, 27. März 2015, 13.30–14.25 Uhr, Philosophicum, Hörsaal P 1
Moderation: Claudia Althaus, Bonn / Klaus Krüger, Berlin
Ziel der Veranstaltung ist es, über Fördermöglichkeiten der Deutschen
Forschungsgemeinschaft für Nachwuchswissenschaftler/-innen als auch
etablierte Forscherinnen und Forscher zu informieren. Zudem sollen
wichtige Aspekte der Arbeit im Fachkollegium, des Begutachtungsverfahrens sowie des Entscheidungskontextes erläutert werden.
Cultural Entrepreneurship
Liebe zur Kunst und unternehmerisches Denken – Gegensätze
oder notwendige Ergänzung?
Freitag, 27. März 2015, 17.00–19.00 Uhr, Philosophicum, Hörsaal P 2
Moderation: Barbara Polaczek, Regensburg / Holger Simon, Köln
Beiträge: Elmar D. Konrad, Mainz / Hagen Lippe-Weißenfeld, Düsseldorf / Ernst Seidl, Tübingen
Auch selbständige Kunsthistoriker leben nicht von Luft und Liebe allein,
sie müssen für sich selbst ein Einkommen erzielen. Kultureinrichtungen
sehen sich ebenfalls immer mehr gefordert, zumindest einen Teil ihres
Unterhaltes selbst zu bestreiten. Deshalb richtet sich die Frage, inwieweit
unternehmerisches Handeln eine zentrale Voraussetzung für den Erfolg
von Kultureinrichtungen ist, an alle, an Freiberufler wie Museumsdirektoren.
Einige Museen wie z. B. das Städel oder die Kunstsammlung NRW
sind inzwischen bekannt dafür, nicht nur kunsthistorisch, sondern auch
unternehmerisch zu denken und damit Erfolg zu haben. Auch andere Institutionen – Universitäten, Denkmalpflege etc. – müssen sich dem Wandel stellen. Aktuelle Beispiele sollen die Chancen, aber auch die Grenzen
ausloten. Freiberuflich tätige Kunsthistoriker müssen hierin eine Rolle
spielen, da sie Expertise anbieten und bei schrumpfender Anzahl fester
Stellen die Institutionen ergänzen. Ein Dialog zwischen Selbständigen
208
Foren
und Angestellten ist Grundlage des gegenseitigen Verständnisses und
einer auch finanziell sinnvollen Kooperation.
Nach einer Keynote von Elmar D. Konrad (Geschäftsführender Leiter
des iuh – Institut für unternehmerisches Handeln, Hochschule Mainz)
diskutieren Vertreter von Institutionen mit dem Publikum über Cultural
Entrepreneurship als Chance für Kunsthistoriker. Eingeladen zu diesem
Dialog sind auch Teilnehmer des Kunsthistorikertages, die mit einem festen Arbeitsverhältnis in Brot und Butter stehen.
Veranstaltet in Zusammenarbeit mit der Pausanio Akademie.
Kunstgeschichte in Schule und Lehrerbildung
Freitag, 27. März 2015, 17.00–19.00 Uhr, Philosophicum, Hörsaal P 5
Moderation: Martin Sitt, Kassel / Barbara Welzel, Dortmund
Beiträge:
Nathalie von Möllendorff, Dortmund: Schulklassen in Seminare einla­
den – »Planvoll« an Objekten lernen
Tanja Steinfelser-Dagostino, Kassel: Kunstgeschichte in der Schule –
ein Appell für mehr Kooperation
Martina Sitt, Kassel: ArKE – eine Schule entdeckt ihr (kunstgeschichtliches) Umfeld
Barbara Welzel, Dortmund: Die Initiative »Eine Stunde Kunstgeschichte«
Kunstgeschichte ist in Deutschland – anders als in vielen anderen Ländern – kein eigenständiges Schulfach. Obwohl Kunsthistoriker/-innen an
der Lehrerbildung beteiligt sind, spielen Methoden, Inhalte und Kompetenzen im Unterricht und in den Bildungsplänen keine fachlich abgesicherte Rolle. Hier dominieren Kunsterzieher und Kunstpädagogen die
Diskussionen – und dies allzu oft auch in den Begrenzungen der Länderhoheit über Bildung und Schule. Zunehmend gefährdet diese Situation
die Legitimation des Faches in der schulischen Wirklichkeit, in manchen
Ländern wird das Schulfach Kunst in der Oberstufe weitestgehend zurückgefahren. Verloren gehen für die Gesellschaft insgesamt Kompeten209
Foren
zen des kritischen Bildumgangs, die Aneignung des kulturellen Erbes, ein
Verständnis für die Belange der Denkmalpflege, das Heranziehen eines
jüngeren Publikums für die Museen etc.
Wie aber können Kunstwissenschaftler sich hier engagieren? Wie kann
vordergründiges Erfahrungswissen im Umgang mit Bildern (Werbung, Videos, in den sozialen Netzwerken, in Printmedien z. B. mit politischer
Fotografie, Abbildungen von Kommunikationsprozessen mit Mimik und
Gestik) in kultur- und kunstgeschichtliches Wissen sowie »Bildkompetenz« so überführt werden, dass das Thema wieder übergreifend im
Schulalltag verankert wird? Das Forum will einerseits für die aktuelle Problematik sensibilisieren – warum es Kunstwissenschaftler etwas angeht
–, andererseits Initiativen bekannt machen, die schrittweise Lösungen
erarbeiten und schon anbieten.
Frankreichforschung
Freitag, 27. März 2015, 17.00–19.00 Uhr, Philosophicum, Hörsaal P 10
Moderation: Gregor Wedekind, Mainz / Thomas Kirchner, Paris
Beiträge: Pia Müller-Tamm, Karlsruhe / Pierre Monnet, Frankfurt a. M. /
Sigrid Ruby, Saarbrücken / Patricia Oster-Stierle, Saarbrücken / Philippe
Sénéchal, Amiens / Michael Zimmermann, Eichstätt
Welche Perspektiven hat die kunsthistorische Frankreichforschung
heute? Wo und wie findet sie statt? Wer forscht über was? Auf welche
Herausforderungen gilt es zu reagieren? Welchen methodischen, wissenschaftlichen, gesellschaftlichen Entwicklungen gilt es verstärkte
Aufmerksamkeit zu schenken? Wie lässt sich der intellektuelle und institutionelle Austausch zwischen der französischen und der deutschen
Kunstwissenschaft organisieren und verbessern? Ist eine nationalstaatlich orientierte Forschung überhaupt noch zeitgemäß, was sind die Alternativen? Solche und ähnliche Fragen waren bereits Gegenstand eines
DFG-Rundgesprächs zur kunsthistorischen Frankreichforschung, das
2010 am Deutschen Forum für Kunstgeschichte in Paris stattfand. Damals wurde eine erste Bilanz gezogen. Fünf Jahre später erscheint es an
der Zeit, die Fragen wiederaufzugreifen. Das Gespräch soll beleuchten,
welche institutionellen Strukturen für die kunsthistorische Frankreichforschung in Deutschland zur Verfügung stehen und welche Perspektiven
sich daraus ergeben, wobei nun auch die Museen in die Betrachtungen
einbezogen werden.
210
Das Forum Interkulturelle Frankreichforschung (FIFF) koordiniert die Frankreichforschung an der
Johannes Gutenberg-Universität Mainz. Es besteht aus einer seit 1991 an der Universitätsbibliothek angesiedelten Spezialbibliothek, die aktuell als „herausragende Forschungsbibliothek“ von
der DFG gefördert wird, und einer Forschungsplattform, die die frankreichbezogenen Aktivitäten
in den Kultur- und Sozialwissenschaften vernetzt und fördert. Das FIFF erweitert derzeit seine
interdisziplinäre Ausrichtung in inter- und transkultureller Perspektive.
Das FIFF wendet sich ganz besonders an Kunsthistoriker, sowohl durch sein wissenschaftliches
Programm (z. B. Ringvorlesung 2014–15 zum Orientalismus) als auch mit seinen hervorragenden
Beständen (u. a. zahlreiche Ausstellungs- und Werkkataloge).
Forschungsplattform: http://www.frankreichforschung.uni-mainz.de
(Sprecher Prof. Dr. Gregor Wedekind / Prof. Dr. Véronique Porra)
Bibliothek: http://www.ub.uni-mainz.de/frankreichforschung
Hinweis:
Bustransfer zum Abschlussabend für die Teilnehmer der Foren am Freitag:
Abfahrt 19.15 Uhr Haltestelle »Colonel-Kleinmann-Weg« (auf dem Campus an
der Kreuzung Colonel-Kleinmann-Weg / Anselm-Franz-von-Bentzel-Weg)
Ankunft 19.30 Uhr Haltestelle »Feldbergplatz / Stadtwerke Mainz AG« (die
Kunsthalle liegt wenige Meter weiter in Fahrtrichtung)
211
Workshop
Gründen im Kunst- und Kultursektor
Intensivkurs für Selbständige und Freiberufler aus Kunst- und Kulturwissenschaften
Freitag, 27. März 2015, 09.00–12.30 Uhr, Campus Hochschule Mainz,
Lucy-Hillebrand-Straße 2, Senatssaal A 3.01
Das hochschulübergreifende Gründungsbüro, eine gemeinsame Einrichtung von Hoch­­schu­le Mainz (ehemalige FH Mainz), Universität und
Universitätsmedizin Mainz, in­for­miert und fördert seit 2012 gründungsinteressierte Studierende, (wiss.) Mitarbeiter, Pro­fes­sor­­en und Alumni
und begleiten sie auf dem Weg zur (Aus-)Gründung, Unter­neh­mens­­über­
nah­me oder Selbständigkeit. Das iuh – Institut für unternehmerisches
Handeln an der Hoch­schule Mainz hat das Ziel, das Interesse an unternehmerischer Selbst­stän­dig­keit ver­stär­ken, Beratung und Hilfe zu unter­
schiedlichen Fragen un­ter­neh­mer­isch­­en Handelns zu ge­ben und den
Dialog zwischen Hochschule und Unter­nehmen zu fördern.
Beide zusammen bieten anlässlich des 33. Deutschen Kunsthistorikertages einen Workshop für Grün­der und Freiberufler der Kunst- und Kulturwissenschaften an, der sich gezielt mit ihren Belangen auseinandersetzt. Der Verband Deutscher Kunsthistori­ker e. V. dankt Elmar D. Konrad
und seinen Mitarbeitern herzlich für dieses Angebot.
Der Workshop führt in die Thematik des Cultural Entrepreneurship ein,
geht auf die Herausforderungen in der Kunst- und Kulturwissenschaft/
Kreativwirtschaft ein und führt hin zu unternehmerischem Denken und
Handeln. Er zeigt anhand von Praxisbeispielen, wie mit der „Business
Model Canvas“-Methode Geschäftskonzepte erarbeitet und erfolgreich
um­gesetzt werden können.
veranstaltet vom Gründungsbüro Mainz
und dem iuh – Institut für unternehmerisches Handeln
(begrenzte Teilnehmerzahl, Voranmeldung erforderlich)
212
Mitgliederversammlung
Mitgliederversammlung
des Verbandes Deutscher Kunsthistoriker e.V.
Donnerstag, 26. März 2015, 16.30–18.30 Uhr, Philosophicum, Hörsaal P 1
(Zutritt nur mit gültigem Mitgliedsausweis)
Hinweis:
Bustransfer zur Abendveranstaltung im Rathaus der Stadt Mainz:
Abfahrt 18.45 Uhr Haltestelle »Colonel-Kleinmann-Weg« (auf dem Campus an
der Kreuzung Colonel-Kleinmann-Weg / Anselm-Franz-von-Bentzel-Weg)
Ankunft 18.55 Uhr Haltestelle »Rheingoldhalle / Rathaus«
213
Abendveranstaltungen
Abendveranstaltung im
Landesmuseum Mainz
Mittwoch, 25. März 2015, ab 19.00 Uhr
Landesmuseum Mainz der Generaldirektion Kulturelles Erbe RheinlandPfalz, Große Bleiche 49–51
19.00–21.30 Uhr
Abendöffnung des Landesmuseums Mainz der GDKE
ab 20.00 Uhr
Empfang des Landes Rheinland-Pfalz
Grußworte
des Staatssekretärs im Ministerium für Bildung, Wissenschaft, Weiterbildung und Kultur, Rheinland-Pfalz
Prof. Dr. Thomas Deufel
und
der Direktorin des Landesmuseums Mainz der GDKE
Dr. Andrea Stockhammer
Abendveranstaltung im
Rathaus der Stadt Mainz
Donnerstag, 26. März 2015, ab 19.00 Uhr
Rathaus der Stadt Mainz, Jockel-Fuchs-Platz 1
19.00 – 20.30 Uhr, Ratssaal
Podiumsdiskussion
Urbanität zwischen historischem Erinnerungsort und Shopping Mall?
Die Architektur der Städte in der gesellschaftlichen Diskussion
Empfang der Stadt Mainz
214
Abendveranstaltungen
ab 20.30 Uhr, Foyer
Grußwort
des Oberbürgermeisters der Stadt Mainz
Michael Ebling
Im Rahmen des Empfangs der Stadt Mainz besteht die Möglichkeit, die
Ausstellung »Wertsachen. Die Sammlungen der Johannes GutenbergUniversität Mainz« im Foyer des Rathauses zu besichtigen. Die Ausstellung stellt erstmals die vielfältigen Objektbestände der verschiedenen
Fachbereiche der JGU einer breiteren Öffentlichkeit vor und korrespondiert mit dem diesjährigen Thema des Kunsthistorikertages.
Abschlussabend
Freitag, 27. März 2015, ab 19.00 Uhr
Kunsthalle Mainz / 7° Café Bar Lounge, Am Zollhafen 3–5
ab 19.00 Uhr
Abschlussfeier im Café 7°
organisiert von Fachschaftsrat, Studierenden und Projektteam der Abteilung Kunst­ge­schich­te des IKM
19.00–22.00 Uhr
Abendöffnung der Kunsthalle Mainz
20.30 Uhr
Grußworte
des Direktors der Kunsthalle Mainz
Thomas D. Trummer
und
des Leiters der Abteilung Kunstgeschichte des IKM
Prof. Dr. Gregor Wedekind
(Der Eintritt in die Kunsthalle und zur Feier ist frei. Um Anmeldung wird gebeten)
215
Exkursionen
Samstag, 28. März 2015
Zur Teilnahme an einer Exkursion ist eine vorherige Anmeldung er­forderlich. Teilnahmekarten für die stattfindenden Exkursio­nen können – soweit noch Plätze
vorhanden sind – im Mainzer Tagungsbüro erwor­ben werden.
1. Bad Münster am Stein-Ebernburg: Tadao Andos Skulpturenmuseum und historische Kuranlagen
(Leitung: Sascha Köhl, Mainz / Katinka Häret-Krug, Mainz)
08.45–15.00 Uhr
Treffpunkt: vor dem Mainzer Hauptbahnhof 8.45 Uhr, Abfahrt 9.00 Uhr,
Rückankunft 15.00 Uhr (An- und Rückreise per Bahn)
2. Mittelalterliche Sakralarchitektur im UNESCO-Welterbe Oberes
Mittelrheintal
(Leitung: Hauke Horn, Mainz / Eduard Sebald, Mainz)
08.30–17.30 Uhr
Treffpunkt: Bushaltestelle Mainz Hauptbahnhof – Nordsperre, Abfahrt
8.30 Uhr, Rückankunft 17.30 Uhr / Ausstieg am Bahnhof in Bingen um
17.00 Uhr möglich (An- und Rückreise per Reisebus)
3. Max Slevogts Künstlerhaus in Neukastel
(Leitung: Gregor Wedekind, Mainz)
09.00–15.00 Uhr
Treffpunkt: Bushaltestelle Mainz Hauptbahnhof – Nordsperre, Abfahrt
9.00 Uhr, Rückankunft 15.00 Uhr (An- und Rückreise per Reisebus)
4. Zentren des Judentums: Die SchUM-Städte Worms und Speyer
und ihre Erforschung im Rahmen des Welterbeantrags
(Leitung: Joachim Glatz, Mainz / Joachim Kemper, Speyer / Gerold Bönnen, Worms)
08.30–18.00 Uhr
Treffpunkt: Bushaltestelle Mainz Hauptbahnhof – Nordsperre, Abfahrt
8.30 Uhr, Rückankunft 18.00 Uhr (An- und Rückreise per Reisebus)
216
Exkursionen
5. Gießhalle Sayner Hütte und Schloss Engers mit Dianasaal
(Leitung: Paul-Georg Custodis, Mainz / Daniel Leis, Mainz)
08.30–17.00 Uhr
Treffpunkt: Bushaltestelle Mainz Hauptbahnhof – Nordsperre, Abfahrt
8.30 Uhr, Rückankunft 17.00 Uhr (An- und Rückreise per Reisebus)
6. Im Land der Mainzer Erzbischöfe: Mittelalterliche Sakral­bauten
und ihre Ausstattung im Rheingau
(Leitung: Juliane von Fircks, Mainz / Restauratoren vor Ort in Kiedrich)
09.00–16.00 Uhr
Treffpunkt: Bushaltestelle Mainz Hauptbahnhof – Nordsperre, Abfahrt
9.00 Uhr, Rückankunft 16.00 Uhr (An- und Rückreise per Reisebus)
7. Rundgang: Kurfürstliche Residenzstadt Mainz im 17. und 18.
Jahrhundert
(Leitung: Christian Katschmanowski, Mainz)
10.00–13.30 Uhr
Treffpunkt: Schillerplatz / Schillerdenkmal
8. Mainzer Dom I: Schwerpunkt Architektur mit einem Abstecher
ins Dom- und Diözesanmuseum
(Leitung: Dethard von Winterfeld, Mainz)
10.00–13.30 Uhr
Treffpunkt: Haupteingang des Doms (Willigisportal)
9. Mainzer Dom II: Schwerpunkt Ausstattung und Grabdenkmäler,
Besuch im Dom- und Diözesanmuseum
(Leitung: Winfried Wilhelmy, Mainz)
10.00–13.30 Uhr
Treffpunkt: Im Kreuzgang des Doms vor dem Eingang zum Museum
217
Aussteller
Eine große Zahl an Ausstellern – Forschungsinstitute, Fachverlage so­
wie An­bieter von speziellen Informationstechnologien – aus dem In- und
Ausland werden im Rahmen des Kunsthistorikertages in der Foyer­halle
der Neuen Uni­versität für eine attraktive Ausstellung zu­sam­men­kommen,
deren Besuch wir Ihnen sehr empfehlen. Die Fir­men und Ein­rich­tungen
tragen wesentlich zum Ge­lin­gen der Tagung bei und freuen sich auf Ihren
Besuch und das Gespräch mit Ihnen!
Die mit einem As­te­risk markierten Aussteller bieten ihre Publikationen
zum Verkauf vor Ort an.
kommerzielle Anbieter
- ARTIMA® Kunstversicherung der Mannheimer
Versicherung AG
(http://www.mannheimer.de/firmenkunden/artima)
- C. H. Beck Verlag*
(http://www.chbeck.de)
- Böhlau Verlag*
(http://www.boehlau.de)
- Deutscher Kunstverlag*
(http://www.deutscherkunstverlag.de)
- Fachverlag Hans Carl*
(http://www.hanscarl.com)
- Deutscher Verlag für Kunstwissenschaft*
(http://www.reimer-mann-verlag.de/mann)
- Kunstverlag Josef Fink*
(http://www.kunstverlag-fink.de)
- Wilhelm Fink Verlag*
(http://www.fink.de)
- Verlag des Germanischen Nationalmuseums*
(http://www.gnm.de)
218
Aussteller
- Verlag De Gruyter*
(http://www.degruyter.de)
- Harrassowitz Verlag*
(http://www.harrassowitz-verlag.de)
- Hatje Cantz Verlag*
(http://www.hatjecantz.de)
- Hirmer Verlag*
(http://www.hirmerverlag.de)
- Michael Imhof Verlag*
(http://www.imhof-verlag.de)
- Lukas Verlag*
(http://www.lukasverlag.com)
- Gebr. Mann Verlag*
(http://www.reimer-mann-verlag.de/mann)
- Georg Olms Verlag*
(http://www.olms.de)
- Programmfabrik
(http://www.programmfabrik.de)
- Quaternio Verlag Luzern
(http://www.quaternio.ch)
- Reichert Verlag*
(http://www. http://reichert-verlag.de)
- Dietrich Reimer Verlag*
(http://www.reimer-mann-verlag.de/reimer)
- Rhema-Verlag*
(http://www.rhema-verlag.de)
- scaneg Verlag*
(http://www.scaneg.de)
- Verlag Schnell & Steiner*
(http://www.schnell-und-steiner.de)
- Verlagsgruppe Seemann Henschel*
(http://www.seemann-henschel.de)
219
Aussteller
- Wissenschaftliche Versandbuchhandlung und
-antiquariat Skulima*
(http://www.skulima.org)
- startext GmbH
(http://www.startext.de)
- transcript Verlag*
(http://www.transcript-verlag.de)
- VDG Weimar*
(http://www.vdg-weimar.de)
- Verlag Klaus Wagenbach*
(http://www.wagenbach.de)
- Wissenschaftliche Buchgesellschaft WBG*
(http://www.wbg-darmstadt.de)
nicht-kommerzielle Anbieter
- Arbeitskreis deutscher und polnischer Kunsthistoriker
und Denkmalpfleger
(http://www.bkge.de/arbeitskreis)
- arthistoricum.net
(http://www.arthistoricum.net)
- Bibliotheca Hertziana – Max-Planck-Institut für
Kunstgeschichte
(http://www.biblhertz.it)
- Böckler-Mare-Balticum-Stiftung
(http://www.boeckler-mare-balticum-stiftung.de)
- Deutscher Verein für Kunstwissenschaft e.V.
(http://www.dvfk-berlin.de)
- Deutsches Forum für Kunstgeschichte Paris
(http://www.dt-forum.org)
- Deutsche Stiftung Denkmalschutz
(http://www.denkmalschutz.de)
220
Aussteller
- Forum Interkulturelle Frankreichforschung (FIFF)
(http://www.frankreichforschung.uni-mainz.de)
- Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen*
(http://www.kulturportal-west-ost.eu)
- Kunsthistorisches Institut in Florenz – Max-PlanckInstitut
(http://www.khi.fi.it)
- Max Weber Stiftung - Deutsche Geisteswissenschaftliche Institute im Ausland (DGIA)
(http://www.maxweberstiftung.de)
- Netzwerk Kunst und Kultur der Hansestädte
(http://www.netzwerk-hansekultur.de)
- prometheus - Das verteilte digitale Bildarchiv für
Forschung & Lehre e.V.
(http://www.prometheus-bildarchiv.de)
- Zentralinstitut für Kunstgeschichte München*
(http://www.zikg.eu)
221
Verpflegung
Hinweise auf Cafes und Restaurants in der Nähe des Veranstaltungsortes
(Die Kaffeepausen des Kongresses finden zu den angegebenen Zeiten im
Philosophicum in der Nähe der Hörsäle und Aussteller statt.)
Cafeteria im Philosophicum, Jakob-Welder-Weg 18 (09.45–16.00 Uhr
ge­öffnet)
Mensa im Georg-Forster Gebäude, Jakob-Welder-Weg 12 (grünes Gebäude neben dem Philosophicum; 10.00–19.00 Uhr geöffnet)
Cafeteria im ReWi-Gebäude (mit Mittagstheke), Jakob-Welder-Weg 9
(bis 17.00 Uhr, freitags bis 16.00 Uhr geöffnet)
[email protected] in der Zentralmensa, Staudingerweg 15 (07.30–17.30 Uhr
geöffnet)
(Bitte beachten: In der Zentralmensa selbst kann nicht bar bezahlt werden! Dies ist lediglich in der [email protected] möglich.)
Restaurant »Diwan« (Kebap, Falafel, Pizza, Salate usw.), Johann-Jo­
ach­im-Becher-Weg 23a (11.30–18.00 Uhr, freitags bis 16.30 Uhr geöffnet)
Restaurant »Baron«, Alte Mensa, Johann-Joachim-Becher-Weg 3–5
(09.00–22.00 Uhr geöffnet)
Restaurant »Kulturcafe«, Alte Mensa, Johann-Joachim-Becher-Weg 3–5
(10.00–16.00 Uhr geöffnet)
Unikat. Werners Backstube, Jakob-Welder-Weg 1
(am Eingang zum Universitätscampus; bis 19.00 Uhr geöffnet)
222
Verband Deutscher Kunsthistoriker e.V.
Der 1948 gegründete Berufsverband vertritt die Interessen der in
Deutsch­land bzw. in deutschen Institutionen tätigen Kunsthistoriker je­der
Nationalität. Die Zahl seiner Mitglieder steigt kontinuierlich (derzeit rund
3100).
Neben den klassischen Berufsfeldern Museum und Denkmalpflege so­
wie Hochschulen und Forschungseinrichtungen widmet sich der Ver­band
verstärkt der Situation der freiberuflich tätigen Kolleginnen und Kol­le­gen
und derjenigen, die vor dem Einstieg ins Berufsleben stehen.
Als Mitglied im Kunstrat nimmt der Verband Deutscher Kunst­histo­riker
über den gemeinsamen Dachverband des Deutschen Kultur­rats die spe­
zi­fischen Interessen der Kunsthistoriker gegenüber den po­li­tischen und
gesetzgeberischen Institutionen wahr.
Der Verband nimmt öffentlich Stellung zu aktuellen Fragen der Denk­
malpflege, der Museumspolitik und der kunsthistorischen Aus­bil­dung. Er
leistet politische Überzeugungsarbeit zugunsten der Ver­besserung der
beruflichen Situation der Kunsthistoriker.
Der Verband organisiert den alle zwei Jahre stattfindenden Deut­schen
Kunsthistorikertag, die zentrale, national und international orientierte
Fach­­tagung der Kunsthistoriker in Deutschland.
Weitere Informationen finden Sie unter: www.kunsthistoriker.org
Verband Deutscher Kunsthistoriker e.V.
Haus der Kultur
Weberstraße 59a
D-53113 Bonn
Tel.: +49 (0)228 18034-182
Fax: +49 (0)228 18034-209
[email protected]
223
Tagungsband
DER WERT DER KUNST – XXXIII. Deutscher Kunsthistoriker­tag
Johannes Gutenberg-Universität Mainz, 24.–28.03.2015
Bonn: Verband Deutscher Kunsthistoriker e.V., 2015
Bearbeitung und Redaktion:
Marcello Gaeta, Cornelia Kirschbaum
Umschlagmotiv:
James Lee Byars, »The Death of James Lee Byars«, 1994, Galerie Marie-Puck
Broodthaers, Bruxelles. Photo courtesy and copyright Marie-Puck Broodthaers
© Estate James Lee Byars
Stadtplan
Was this manual useful for you? yes no
Thank you for your participation!

* Your assessment is very important for improving the work of artificial intelligence, which forms the content of this project

Download PDF

advertisement