Brand

Brand
Die Bibliotheken der Staatlichen Museen zu Berlin
–
Preußischer Kulturbesitz
Hausarbeit
zur Prüfung für den höheren Bibliotheksdienst
vorgelegt von
Dr. Joachim Brand
Fachhochschule Köln
Fachbereich Bibliotheks- und Informationswesen
Köln 2000
1.
Einleitung.................................................................................................... 4
2.
Zwischen Universalität und Spartengliederung – zur Geschichte der
Bibliotheken der Staatlichen Museen zu Berlin ...................................... 8
2.1.
Von den Buchbeständen der königlichen Kunstkammer zur
“Behördenbibliothek” – die Museumsbibliothek von 1830 – 1990 ................ 8
2.1.1.
2.1.2.
2.1.3.
2.1.4.
2.1.5.
2.1.6.
2.1.7.
2.1.8.
2.2.
2.2.1.
2.2.2.
2.2.3.
2.2.4.
2.2.5.
2.2.6.
Die Zeit der “Generaldirektorenbibliothekare” (1830 – 1875).......................... 8
Auf dem Weg zum Bibliothekssystem (1875 – 1920) ................................... 12
Die Krise der Zwanziger Jahre ................................................................ ..... 24
Die Dreißiger und Vierziger Jahre ................................................................ 30
Die Nachkriegszeit (1945 – 1948) ................................................................ 32
Die Kunstgutlager der Alliierten von 1945 – 1958......................................... 36
Die Zentralbibliothek der Staatlichen Museen zu Berlin von 1949 – 1990 .... 39
Die Museumsbibliothek - SMPK von 1957 – 1986........................................ 41
Von der kunstgewerblichen Vorlagensammlung zur öffentlichen
Forschungsbibliothek – die Kunstbibliothek von 1867 – 1999.................... 49
Die Gründerjahre (1867 – 1880) ................................................................ .. 49
Die Sammlung Destailleur und das “Museum für graphische Kunst” ............ 52
Bibliothek des Königlichen Kunstgewerbe-Museums (1881 – 1921) ............ 57
Staatliche Kunstbibliothek (1924 – 1948) ..................................................... 62
Der Neubeginn in Westberlin (1949 – 1985) ................................................ 66
Auf dem Weg zur Bibliothekszentrale – die Kunstbibliothek seit 1985.......... 71
2.3.
Die Bibliothek des Völkerkundemuseums .................................................. 74
2.4.
Die Bibliothek der Nationalgalerie .............................................................. 80
2.5.
Die Bibliothek des Staatlichen Museums für Deutsche Volkskunde .......... 81
3.
Die Bibliotheken der Staatlichen Museen zu Berlin im Jahr 2000 ....... 84
3.1.
Ägyptisches Museum und Papyrussammlung <B32a2> ............................ 86
3.2.
Antikensammlung <B32a1> ....................................................................... 87
3.3.
Ethnologisches Museum <B54> ................................................................ 88
3.4.
Gemäldegalerie.......................................................................................... 89
3.5.
Kunstbibliothek <B11> ............................................................................... 90
3.6.
Kunstgewerbemuseum <B32a6>............................................................... 92
3.7.
Kupferstichkabinett - Sammlung der Zeichnungen und Druckgraphik
<B172a> .................................................................................................... 93
3.8.
Münzkabinett.............................................................................................. 94
3.9.
Museum Europäischer Kulturen <B1508> ................................................. 95
2
3.10. Museum für Indische Kunst <B54IK>......................................................... 96
3.11. Museum für Islamische Kunst <B32a3>..................................................... 97
3.12. Museum für Ostasiatische Kunst <B32a4> ................................................ 98
3.13. Museum für Spätantike und Byzantinische Kunst ...................................... 99
3.14. Museum für Vor- und Frühgeschichte <B735> ........................................ 100
3.15. Nationalgalerie <B32a5>.......................................................................... 101
3.15.1.
3.15.2.
3.15.3.
Alte Nationalgalerie ................................................................ .................... 101
Neue Nationalgalerie................................................................ .................. 102
Hamburger Bahnhof - Museum für Gegenwart Berlin................................. 102
3.16. Skulpturensammlung ............................................................................... 103
3.17. Vorderasiatisches Museum...................................................................... 104
3.18. Institut für Museumskunde <B1523>........................................................ 105
3.19. Rathgen-Forschungslabor <B32a7> ........................................................ 106
3.20. Zentralarchiv ............................................................................................ 107
3.21. Gipsformerei ............................................................................................ 107
4.
170 Jahre Bibliotheksgeschichte an den Staatlichen Museen –
Resümee und Ausblick.......................................................................... 108
4.1.
Zusammenfassung und Ausblick ............................................................. 108
4.2.
Zur Organisation eines Bibliothekssystems an den Staatlichen Museen . 116
4.2.1.
4.2.2.
4.2.3.
4.2.4.
4.2.5.
4.2.6.
4.2.7.
4.2.8.
4.2.9.
5.
Vier Organisationsmodelle ................................................................ ......... 117
EDV und Datennetzwerk ................................................................ ............ 123
Personal................................................................ ................................ ..... 124
Erwerbung und Buchaufstellung ................................................................ 126
Formal- und Sachkatalogisierung............................................................... 128
Fremddatennutzung, Verbundkatalogisierung und Retrokonversion .......... 130
Benutzung................................................................ ................................ .. 132
Digitale Bibliothek ................................................................ ...................... 132
Zur IT–Struktur an den Staatlichen Museen ............................................... 133
Literaturverzeichnis ............................................................................... 135
3
1.
Einleitung
Im Oktober 1931 erschien eine programmatische “Denkschrift über die Berliner Museen
als Forschungsstätten”, verfasst von dem damaligen Generaldirektor der Staatlichen
Museen. Wilhelm Waetzoldt nahm in der nur neunzehnseitigen Publikation die “dem
großen Publikum weniger bekannte Museumswelt”1 der Büchersammlungen, Archive von
Texten und Fotografien, Restaurierungs- und Konservierungswerkstätten, naturwissenschaftlichen Labore und magazinierten Studiensammlungen in den Blick, die jedes große
Museum zur Erfüllung seiner Aufgaben benötigt. Er begann seine tour d’horizon in sieben
Kapiteln2 mit den Bibliotheken der Museen. In der Reihenfolge seiner Gliederung sind dies
die 1830 mit dem Königlichen Museum begründete Museumsbibliothek3 als älteste bibliothekarische Einrichtung, die 1867 auf private Initiative gegründete Staatliche Kunstbibliothek4 und die zumeist mit den zugehörigen Museumsabteilungen gegründeten 15 Spezialbibliotheken innerhalb des Museumsverbundes. Waetzoldt, der die Museen und ihre Bibliotheken aus der Sicht des Bibliothekars, des Museumsmannes, des Universitätsprofessors
und des Kulturpolitikers betrachten konnte,5 beschrieb zum ersten Mal alle an den Staatlichen Museen bestehenden Bibliotheken aus der einheitlichen Perspektive ihrer Funktion
1
Waetzoldt 1931, S. 3.
2
I. Bibliotheken, II. Archive, III. Papyri und Tontafeln, IV. Studiensammlungen, V. Werkstätten und Laboratorien, VI. Grabungen und Forschungsreisen, VII. Wissenschaftliche Veröffentlichungen.
3
“Die Museumsbibliothek enthält rd. 60 000 Bände. Sie dient fast ausschließlich der wissenschaftlichen
Facharbeit der Museumsbeamten und der Hochschullehrer, der Privatgelehrten, Studenten, Sammler, der
Bibliotheks-, Archiv- und Akademiebeamten, und zwar vorwiegend auf dem Gebiet der Malerei und Plastik.
Geschlossenheit und Reichtum der Bibliothek haben sie zu einer kunstgeschichtlichen Forschungsstätte
werden lassen, durchaus vergleichbar der Bibliothek Doucet in Paris. Abgesehen von den wissenschaftlichen
Veröffentlichungen der Museen selbst (z. B. dem „Jahrbuch der Preußischen Kunstsammlungen“ und der
Zeitschrift „Berliner Museen“) sind große Publikationen, wie das Corpus Inscriptionum der Akademie der
Wissenschaften, das Thieme-Beckersche Künstlerlexikon, das Offnersche Corpus der Florentiner Malerei,
jahrzehntelang auch die Bibliographie der Kunstgeschichte, in der Bibliothek, bzw. mit ihren Hilfsmitteln,
entstanden.” Waetzoldt 1931, S. 3.
4
“Staatliche Kunstbibliothek. Aus einer Fachbibliothek zur Geschichte des Kunstgewerbes hat sich diese
Bibliothek zu einer, das gesamte Gebiet der Kunstgeschichte umfassenden allgemeinen Sammlung von
Kunstbüchern, Kunstzeitschriften und Photos sowie von Ornamentstichen und diesen zugeordneten Handzeichnungen entwickelt. Die Bibliothek steht - im Gegensatz zur Museumsbibliothek - dem großen Publikum
ohne weiteres zur Verfügung. Neben Gelehrten, Studierenden und Kunstschriftstellern benutzen sie Künstler,
Kunsthandwerker, Sammler, Händler, Angehörige aller mit den bildenden Künsten in Zusammenhang
stehenden Gewerbe und Industrien. Die Bibliothek enthält rd. 90 000 Bände.“ Waetzoldt 1931, S 4.
5
Waetzoldt hatte ab Oktober 1909 in der Bibliothek Warburg in Hamburg gearbeitet und ab Mai 1911 für
kurze Zeit die Museumsbibliothek der Königlichen Museen zu Berlin geleitet. Von 1912 bis 1919 war er
Ordinarius für Kunstgeschichte an der Universität Halle und ab Oktober 1919 Referent im Preußischen
Ministerium für Wissenschaft, Kunst und Volksbildung. Ab Oktober 1927 amtierte Waetzoldt als Generaldirektor der Staatlichen Museen zu Berlin.Vgl. zu Waetzoldt Schunk 1993. Wilhelm Waetzoldts Sohn
Stephan Waetzoldt leitete von 1961 bis 1973 die Kunstbibliothek und war von 1965 bis 1983 auch Generaldirektor der Staatlichen Museen Preußischer Kulturbesitz in Westberlin.
4
für die wissenschaftliche Arbeit. Er rückte in seiner Denkschrift die Peripherie ins Zentrum
und gab den Museen damit ein zweites Gesicht als wissenschaftliche Forschungsstätte
neben ihrer bekannten Selbstdarstellung einer bürgerlichen Weihestätte.6 Mit seinem
anderen Blick auf die Museumsarbeit wollte Waetzoldt ein Jahr nach der Einhundertjahrfeier der Staatlichen Museen zu Berlin einen Beitrag zu ihrer Neuorientierung liefern, die
er angesichts der Zeitumstände für unabdingbar hielt.
“Von der Wirtschaftskrise der Welt bleiben, wie alle Kulturinstitute, so auch die Museen nicht
unberührt. Die Museumspolitik steht an einem Wendepunkt. Hinter uns liegt die glanzvolle
Periode musealer Macht- und Prachtentfaltung. Wie die Zeiten aussehen, die vor uns liegen,
vermag niemand zu sagen. Die Museen müssen sich aber entscheiden, ob sie resignieren und
sich dem Lauf der Dinge gegenüber passiv verhalten wollen oder ob sie auch unter den
gegenwärtigen Verhältnissen eine Möglichkeit zur Aktivität erkennen.”7
Waetzoldt sah für die Museen nur die Wahl zwischen passiver Bewahrung und Präsentation des in glücklicheren Zeiten Erworbenen und der konsequenten Hinwendung zur
wissenschaftlichen Erforschung und pädagogischen Vermittlung der Exponate.8 Obwohl
sein volksbildnerischer Impetus durchaus authentisch ist9 und auch in Übereinstimmung
mit der preußischen Kulturpolitik der Dreißiger Jahre steht, die er als Referent im Kultusministerium mitgestaltete, wirkt das Plädoyer für Forschung und Vermittlung wie ein
Trostpreis, angesichts der glanzvollen Vergangenheit des Sammelns und der nationalen
Repräsentation der Museen unter Wilhelm von Bode im Deutschen Kaiserreich. Waetzoldt
konnte 1931 noch nicht wissen, wie genau er den Wendepunkt der Geschichte der Berliner
Museen getroffen hatte und wie dunkel die Zukunft auch für die Museen werden sollte.
Den Verheerungen der nationalsozialistischen Kulturpolitik folgte die physische Zerstö6
“Was die Museen als öffentliche Schauburgen bedeuten, steht vor aller Augen. Was aber in Studiensammlungen und Arbeitsräumen gearbeitet wird, wissen im allgemeinen nur die Fachkreise: die Museen sind
Forschungsinstitute großen Stils und sie spielen im Leben der Wissenschaften eine bedeutende Rolle.
Sammeln und Forschen, Entdecken und Veröffentlichen sind nicht nur unter einem Dach vereinigte Zweige
der Museumstätigkeit, sondern auch sich ergänzende und aufeinander angewiesene Lebensfunktionen der
Museen. Erwerbung und Erforschung gehören zusammen wie Einatmen und Ausatmen.” Waetzoldt, 1931, S.
3.
7
Waetzoldt 1931, S. 19.
8
“Wenn wir den ersten Weg wählen, so bleiben die Museen Schatzhäuser, so beschränken sich ihre wissenschaftlichen Verwalter darauf, die ihnen anvertrauten Schätze zu hüten und für kommende Geschlechter
aufzubewahren. Wenn die Museen aber glauben, auch heute noch und gerade heute eine im geistigen Leben
der Nation notwendige Funktion ausüben zu können, so werden sie in der wissenschaftlichen und pädagogischen Auswertung des in glücklicherer Zeit Erworbenen eine Fülle von Aufgaben finden. Diese Arbeit
vollzieht sich in der Stille, sie verlangt ein reichliches Maß an Entsagung, aber sie ist unentbehrlich, weil sie
der Erhaltung der geistigen und der materiellen Substanz dient. Hierfür Verständnis zu wecken in den
engeren und weiteren Kreisen der Museumsfreunde, ist der Zweck dieser Denkschrift.” Waetzoldt 1931, S.
19.
9
Waetzoldt hatte u.a. 1930 das Außenamt der Museen begründet, das für die Pressearbeit, die Öffentlichkeitsarbeit und die Museumspädagogik zuständig war. Vgl. hierzu Schunk 1993, S. 457ff..
5
rung vieler Kunstwerke und Museumsbauten durch den Luftkrieg der Alliierten, die Verstreuung der Bestände über ganz Deutschland durch die Kriegsauslagerungen, der Abtransport vieler Werke durch die Rote Armee und schließlich die deutsche Teilung, die die
Staatlichen Museen für fünfzig Jahre in zwei Hälften spaltete.
Zehn Jahre nach der deutschen Wiedervereinigung sind die Staatlichen Museen noch
immer mit ihrer eigenen Wiedervereinigung und der Beseitigung der Folgen des Krieges
und der langen Teilung beschäftigt. Sammlungen, Bibliotheken und Archive müssen
wieder zusammengeführt werden, Gebäude instandgesetzt und neu erbaut werden und auch
der symbolische Ort im kulturellen Gefüge der Nation muss neu gefunden werden, wie die
teils heftigen Auseinandersetzungen über die Bauten und die Sammlungskonzeptionen für
die Saatlichen Museen und die Staatsbibliothek zu Berlin belegen. Auch das Profil der
Museen muss zwischen bundesstaatlicher Repräsentation, Ausrichtung von “Events” und
der Vermittlung kultureller Inhalte neu austariert werden.10 Eine Neuorientierung – und
hier schließt sich der Kreis zu Waetzoldts Denkschrift – ist auch in den Bereichen der
wissenschaftlichen Infrastruktur der Museen notwendig. Hier haben eine dezentrale Tradition, die vielleicht zu vieles in die Hände der Abteilungen legt, was zentral besser erledigt
werden könnte, und die lange Periode der deutschen Teilung in manchen Bereichen zu
kleinen und kleinsten Organisationseinheiten geführt. Die anbrechende digitale Ära erzeugt
zusätzlichen Veränderungsdruck, denn sie erzwingt für die Zukunft eine einheitliche digitale Erfassung, Verwaltung und Bereitstellung von Informationen in homogenen Datenspeichern. Ein Nebeneinander von Regelwerken, Standards und Formaten innerhalb einer
Institution wird man sich hier auf Dauer nicht leisten können. Auch die Bibliotheksentwicklung an den Staatlichen Museen bedarf einer eingehenden Analyse und Neuausrichtung, um die quantitativ und qualitativ bedeutenden Buchbestände, die sich bereits zur
Zeit von Waetzoldts Denkschrift auf zwei große und 15 kleine Bibliotheken verteilt hatten,
besser für die Forschung nutzbar zu machen.
Die vorliegende Untersuchung zum Bibliothekswesen an den Staatlichen Museen zu
Berlin – Preußischer Kulturbesitz nimmt den Ansatz einer synoptischen Zusammenschau
aller Museumsbibliotheken auf. Ihr Verfasser teilt mit Waetzoldt die Überzeugung, dass
10
Der Generaldirektor Dube mahnte im letzten von ihm zu verantwortenden Jahresbericht der Museen über
das Berichtsjahr 1998 ein Bekenntis der politischen Gremien zum Bildungsauftrag der Museen an. “Ich
wünschte schon eine auch für die Mitarbeiter erkennbare Reaktion, die darin bestärkt, die Museen als
Institute der Volksbildung zu führen und zu aktivieren. Events, Partys, unterhaltende Zerstreuung, das alles
soll sein, kann aber nicht den gewichtigeren Teil unserer Arbeit bedeuten: Im Mittelpunkt müssen Inhalte und
deren Vermittlung bleiben.” Jahresbericht 1998, S. 3.
6
die Bibliotheken gleichrangig neben den eigentlichen musealen Sammlungen stehen, wenn
es um den wissenschaftlichen Arbeits- und Erkenntnisprozeß geht. Eine Perspektive, die in
den Museumsbibliotheken mehr sieht als notwendige Anhängsel der Sammlungen, kann
vielleicht helfen, die vielen Bibliotheken der Berliner Museumsabteilungen als Einheit zu
begreifen. Es existieren zwar eine ganze Reihe veröffentlichter Beiträge über einzelne Bibliotheken im Verbund der Staatlichen Museen,11 aber es gibt bislang keine Gesamtdarstellung des Bibliothekswesens an den Museen. Diesem Mangel möchte die folgende
Arbeit abhelfen. Sie gliedert sich in drei Kapitel, die die historische Entwicklung der Bibliotheken an den Museen darstellen (Kapitel 2.), ihren Zustand im Jahre 2000 beschreiben
(Kapitel 3.) und einen Ausblick auf mögliche Entwicklungen im Bibliothekswesen der
Staatlichen Museen zu Berlin geben (Kapitel 4.). Ein leistungsfähigeres Bibliothekssystem
als das Heutige kann an den Museen nur unter Berücksichtigung der historisch gewachsenen Strukturen aufgebaut werden. Die hierzu nötige Abwägung des Pro und Contra
bestehender Strukturen und Arbeitsabläufe kann wiederum nur durch eine genaue Kenntnis
der Geschichte und der aktuellen Verfassung der Bibliotheken erfolgen. Zu dieser Kenntnis
möchte die im historischen Teil ausgebreitete Materialfülle in Kombination mit der als
Nachschlagewerk angelegten Beschreibung des aktuellen Zustandes der Bibliotheken beitragen. Die Zustandsbeschreibung beruht in wichtigen Teilen auf Daten, die durch eine im
zweiten Halbjahr 1999 an den Bibliotheken der Staatlichen Museen durchgeführte Umfrage gewonnen wurden. Der Direktor der Kunstbibliothek Prof. Dr. Evers und der Leiter
der kunstwissenschaftlichen Bibliothek Dr. Zimmer, der die Umfrage durchführte und
auswertete, gestatteten dankenswerterweise die Verwendung dieses Materials.
11
Die wichtigsten in alphabetischer Reihenfolge der Autoren: Evers, Bernd: Chronik der Kunstbibliothek. In:
Kunst in der Bibliothek. Zur Geschichte der Kunstbibliothek und ihrer Sammlungen. Hrsg. von Bernd Evers.
Berlin: Akademie Verlag 1994. S. 15-42. Fränkel, Max: Die Bibliothek. In: Zur Geschichte der Königlichen
Museen in Berlin. Festschrift zum fuenfzigjährigen Bestehen am 3. August 1880. Berlin. 1880. S. 161-167.
Grewingk, Margarete von: Bibliothek und Bildarchive des Staatlichen Museums für Deutsche Volkskunde.
In Volkswerk. Jahrbuch des Staatlichen Museums für Deutsche Volkskunde. 1. 1941. S. 316-319. Heink,
Hildegard: Hundert Jahre Museum für Völkerkunde Berlin. Bibliothek. In: Baessler-Archiv N.F. 21. 1973. S.
403-414. Jessen, Peter: Die Staatliche Kunstbibliothek (vormals Bibliothek des Kunstgewerbe-Museums) in
Berlin. Ein Abschiedswort. Berlin: Otto von Holten 1924. Köhler, Christa Elise: Die Museumsbibliothek an
der Spree. Zur Geschichte der Bibliothek der Staatlichen Museen zu Berlin von 1830 bis 1849. In:
Forschungen und Berichte. 20/21. 1980. S. 451-472. Das Kunstgewerbe-Museum zu Berlin. Festschrift zur
Eröffnung des Museumsgebäudes zum 21.11.1881. Berlin: Reichsdruckerei 1881. Steenbock, Frauke:
Museumsbibliothek. In: Preussischer Kulturbesitz. 25 Jahre in Berlin. Sammeln-Forschen-Bilden. Berlin:
Mann 1986. (Jahrbuch Preußischer Kulturbesitz ; Sonderband ; 3). S. 146-147. Westphal, Dorothee: Zentralbibliothek der Museen. In: Jahrbuch der Stiftung Preußischer Kulturbesitz. 1. 1962. S. 47-48; 255-257.
Winkler, Friedrich: Die Museumsbibliothek. In: Gesamtführer zur Hundertjahrfeier. Hrsg. Generaldirektor
der Staatlichen Museen zu Berlin. Berlin 1930. S. 181-187.
7
2.
Zwischen Universalität und Spartengliederung – zur Geschichte der
Bibliotheken der Staatlichen Museen zu Berlin
2.1. Von den Buchbeständen der königlichen Kunstkammer zur “Behördenbibliothek” – die Museumsbibliothek von 1830 – 1990
2.1.1. Die Zeit der “Generaldirektorenbibliothekare” (1830 – 1875)
Am 3. August 1830, dem 60. Geburtstag Seiner Majestät Friedrich Wilhelms III., wurde
das Königliche Museum im neuerrichteten Schinkel’schen Museumsbau am Lustgarten
unmittelbar gegenüber dem königlichen Schloss für das allgemeine Publikum geöffnet.
Das Museum bestand bei seiner Gründung aus den Abteilungen Gemäldegalerie,
Skulpturensammlung, Antiquarium, Kupferstichkabinett, Ägyptische Sammlung und
Kunstkammer. Über die Einrichtung und den Aufbau einer Bibliothek des Königlichen
Museums ist in der dreißigjährigen Planungszeit des Museumsprojekts nichts publiziert
worden. Einer der wenigen Hinweise, der die Planung zumindest einer Handbibliothek
belegt, findet sich in einem Bericht Karl Friedrich Schinkels und Aloys Hirts an den König
aus dem Jahre 1825 über die Einrichtung des Museumsneubaus am Lustgarten. In der
vorgeschlagenen Aufstellungssystematik wird die Bibliothek dem III. System zugeordnet,
“bestehend: ... f) in anderen antiken Gegenständen von bemalten Mauerstücken,
Glasarbeiten, Mosaiken u.s.w. Womit zu vereinigen ist: eine Handbibliothek; Schwefelabgüsse der Münzen von Miounet ...”12 Schinkels Einordnung der Handbibliothek
zwischen Mosaiken und Schwefelabgüssen folgt noch dem älteren Organisationsmodell
der Kunstkammer, das man in der Einrichtung der Gemäldegalerie und der Skulpturensammlung bereits überwunden hatte. Warum sich die gelehrten Museumsplaner um
Wilhelm von Humboldt nicht mit der Frage der Literaturversorgung der Museumsabteilungen beschäftigten und ob sie sie überhaupt als Organisationsproblem wahrnahmen,
muss hier offenbleiben. Vermutlich trifft die Einschätzung von Max Fränkel im ersten
ausführlichen Bericht über die Museumsbibliothek zu,13 der von einem Konsens über die
12
Schinkel 1863, S. 256.
13
Dieses Kapitel stützt sich im Wesentlichen auf die veröffentlichten Beiträge von: Max Fränkel: Die
Bibliothek. In: Zur Geschichte der Königlichen Museen in Berlin. Festschrift zum fuenfzigjährigen Bestehen
am 3. August 1880. Berlin. 1880. S. 161-167; Friedrich Winkler: Die Museumsbibliothek. In: Gesamtführer
zur Hundertjahrfeier. Hrsg. Generaldirektor der Staatlichen Museen zu Berlin. Berlin 1930. S. 181-187;
Christa Elise Köhler: Die Museumsbibliothek an der Spree. Zur Geschichte der Bibliothek der Staatlichen
Museen zu Berlin von 1830 bis 1849. In: Forschungen und Berichte. 20/21. 1980. S. 451-472. Akten zur
Geschichte der Bibliothek befinden sich im Geheimen Staatsarchiv Preußischer Kulturbesitz (GSTA): Rep.
8
Bildung einer eigenständigen Museumsbibliothek ausgeht, “ohne daß über die Zwecke und
Grenzen derselben gleich eine klare Vorstellung vorhanden gewesen sei,...”.14
In den ersten fünfunddreißig Jahren ihres Bestehens unterstand die Museumsbibliothek dem 1829 berufenen Generalintendanten Karl Graf von Brühl (1772-1837)15
und dem 1839 ernannten Generaldirektor Ignaz Franz Werner von Olfers (1763-1872).16
Über eigenes Personal verfügte sie nicht, notwendige Verwaltungsarbeiten erledigte der
Direktorialassistent des Münzkabinetts Pinder und ab 1840 der Generalsekretär Dielitz, der
auch einen Sachkatalog in zwei Foliobänden anlegte.17 Obwohl der Bibliothek in der
anlässlich des fünfzigjährigen Bestehens der Museen 1880 herausgegebenen Festschrift18
ein eigener Beitrag gewidmet war und sie auch in dem ebenfalls in der Festschrift
publizierten „Verzeichnis der Beamten der Königlichen Museen vom Jahre 1830 ab“ wie
eine eigenständige Abteilung der Museen erscheint,19 war sie verwaltungstechnisch ein
Teil der Generalverwaltung.20
Die Basis der Museumsbibliothek bildeten Buchbestände, die im Zuge der Umstrukturierung der Königlichen Kunstkammer21 in das Museum am Lustgarten überwiesen und
in einem dunklen Erdgeschossraum22 aufgestellt worden waren. Fränkel erwähnt in diesem
Zusammenhang eine Sammlung von archäologischen und numismatischen Büchern im
76 V e Sekt. 15. Abt. V. 1. Die Bibliothek der Kgl. Museen in Berlin Bd. I. 1830-1879, Bd. II. 1880-1912,
Bd. III. 1912-1931. Zur Zeit vorhanden ist nur der Band II, die anderen Bände sind vermutlich im Zweiten
Weltkrieg verloren gegangen. Weitere Archivalien zur Bibliotheksgeschichte verwahrt das Zentralarchiv der
Staatlichen Museen zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz.
14
Fränkel 1880, S. 161.
15
Vgl. zu Brühl Krosigk 1910.
16
Vgl. zu Olfers Rave 1962.
17
Fränkel 1880, S. 162f.
18
Unter dem Titel “Zur Geschichte der Königlichen Museen in Berlin. Festschrift zur Feier ihres fünfzigjährigen Bestehens am 3. August 1880” legten die Museen eine Darstellung ihrer bisherigen Geschichte vor.
19
Zur Geschichte der Königlichen Museen 1880, S. 173.
20
Im Statut für die Königlichen Museen zu Berlin vom 25. Mai 1868, das auf das Statut von 1835
zurückgeht, heißt es im Abschnitt “Der Generalsekretär und der Bau- und Hausinspektor. § 29. Dem
Verwaltungsbüro des Generaldirektors steht ein Generalsekretär, dem ganzen Hauswesen ein Bau- und
Hausinspektor vor; beide Beamten werden auf den Vorschlag des Generaldirektors vom Minister ernannt. ...
§ 31. In dem Verwaltungsbüro sind alle Geschäfte zu besorgen, welche die Korrespondenz des Generaldirektors, die Ein- und Rücksendung der Kunstgegenstände, die Ordnung der Registratur, des Archivs und
der Bibliothek veranlasst.” Statut 1908, S. 14f. Das Statut von 1908 enthält in einer Synopse auch die
Fassung von 1868.
21
Vgl. zur Geschichte der Kunstkammer Ledebur 1831 und Kunstkammer 1981.
22
Fränkel 1880, S. 162.
9
Umfang von 878 Werken.23 Für Buchankäufe standen zunächst nur sehr geringe finanzielle
Mittel zur Verfügung, weil fast der gesamte Erwerbungsetat zur Erweiterung der Sammlungen verwendet wurde. Entsprechend bescheiden fielen die ersten Erwerbungen aus.
Mitte der Dreißiger Jahre wurden 286 Thaler für etwa 90 Werke zur klassischen Archäologie aus der Bibliothek Karl August Böttigers gezahlt.24 Ausländische Literatur wurde auf
Studienreisen der Abteilungsdirektoren25 und auch durch Amtshilfe der preußischen
Gesandtschaften im Ausland beschafft. Es kam in dieser Zeit mehrfach vor, dass
Zahlungen nicht sofort geleistet werden konnten und bei den Veräußerern um Aufschub
nachgesucht werden musste.26 Angesichts der knappen Mittel versuchte man, die Bibliothek kostenfrei zu vermehren, indem man im In- und Ausland Geschenke erbat und hierbei
auch vor Seiner Majestät nicht halt machte.27 Generaldirektor von Olfers richtete kurz nach
seiner Bestallung einen – erfolglosen - Antrag an den Minister, der darauf abzielte, Zweitexemplare zu erhalten, die aufgrund des Pflichtexemplarrechtes in die Königliche Bibliothek gelangt waren.28
Profitieren konnte die Museumsbibliothek von den umfangreichen Sammlungsankäufen für die Königlichen Museen, die neben den Kunstwerken häufig auch Buchbestände umfassten. 1824 überließ Karl Graf von Lepell (1755-1826) gegen eine Leibrente
für seinen Kammerdiener seine auf einen Wert von 80.000 Thalern geschätzte graphische
Sammlung König Friedrich Wilhelm III., der sie zunächst an die Akademie der Künste
überwies.29 1827 hatte Minister Altenstein dem König berichtet, dass die Sammlung
angekommen sei, “... die darunter befindlichen Kupferwerke und Kunstschriften umfassen
848 Nummern ... deren Geldwerth man wohl auf mehrere Tausend Thaler anschlagen
kann.”30 1841 wurden 575 Werke, überwiegend klassische Archäologie und Numismatik,
aus dieser Sammlung der Museumsbibliothek übergeben, wogegen die Akademie
23
Fränkel 1880, S. 161.
24
Böttigers Bibliothek umfaßte bei seinem Tode 1835 immerhin 20000 Bände. Köhler 1980, S. 453f.
25
Der Direktor der Gemäldegalerie Gustav Friedrich Waagen erwarb bspw. 1835 auf einer Reise durch
England und Frankreich Sammlungsverzeichnisse im Wert von 72 Thalern. Fränkel 1880, S. 162.
26
Fränkel 1880, S. 162.
27
Fränkel 1880, S. 162f..
28
Fränkel 1880, S. 163.
29
Zur Sammlungsgeschichte 1994, S. 17.
30
Fränkel 1880, S. 163.
10
protestierte.31 Generaldirektor von Olfers gab daraufhin 160 Dubletten an die Akademie
zurück.32 1835 gelang es dem Preußischen Staat, für den erheblichen Preis von 92.333
Thalern die graphische Sammlung des preußischen Generalpostmeisters Carl Ferdinand
Friedrich von Nagler (1770-1846) zu erwerben.33 Handzeichnungen und Druckgraphik der
Sammlung gingen an das Kupferstichkabinett, ca. 5000 bibliographische Titel, davon 94
Handschriften und etwa 120 Inkunabeln an die Königliche Bibliothek34 und ein verbleibender Teilbereich von Literatur zur Kupferstichkunde und Malerei an die Museumsbibliothek. 1841 wurden für 2.500 Thaler die heraldischen und genealogischen Sammlungen des
Freiherrn von Goldstein-Berge angekauft, die auch eine inhaltlich heterogene Bibliothek
mit 1.742 Werken umfassten35 und komplett in die Museumsbibliothek integriert wurden.
Durch den Auszug des Kupferstichkabinetts im Oktober 1840 wurde im Erdgeschoss
des Museums ein Saal frei, der nach einem Antrag des Generaldirektors Olfers “in seiner
Tiefe für Aufstellung von Kunstwerken nicht genug Licht hat, zur öffentlichen Benutzung
der heraldischen Sammlung und der Bibliothek aber ganz geeignet ist.”36 Olfers Eingabe
an den König legt nahe, dass er die Museumsbibliothek auch für eine Benutzung durch
Nicht-Museumsangehörige öffnen wollte. Ob hierbei nur an eine eingeschränkte Fachöffentlichkeit oder tatsächlich an freie Zugänglichkeit für Jedermann gedacht war, lässt
sich aus den erhaltenen Zeugnissen nicht mehr feststellen. Die Bibliothek wurde dem
Wunsche Olfers entsprechend bis zum Jahre 1849 in den neu gestalteten Bibliothekssaal
verlegt.
Die Zeit der “Generaldirektorenbibliothekare” endete in der zweiten Hälfte der Sechziger Jahre. Das Fehlen eines Aufgaben- und Erwerbungsprofils für die Bibliothek, der
31
Die Akademie sträubte sich mehrere Jahre gegen die angeordnete Überweisung der zwischen 1817 und
1825 erworbenen graphischen Sammlungen Derschau, Lepell und Corneillan an das 1831 neu gegründete
Kupferstichkabinett an den Königlichen Museen. Vgl. hierzu Sammlungsgeschichte 1994, S. 18.
32
Fränkel 1880, S. 163f..
33
Wilhelm von Humboldt hatte bereits in seinem Abschlußbericht über die Einrichtung des Museums an den
König vom 21. August 1830 den Ankauf der Sammlung Nagler empfohlen. Abgedruckt in: Waetzoldt 1980,
S. 37. Vermutlich erfolgte 1831auch die Berufung des Betreuers der Sammlung Wilhelm Eduard Schorn zum
Ersten Direktor des Kupferstichkabinetts mit dem Hintergedanken, die Sammlung für die Königlichen
Museen zu sichern.
34
Juchhoff 1928, S. 206f..
35
Fränkel berichtet, das etwa 600 Bücher auf Heraldik bezüglich waren, 70 numismatischen Inhalts und der
Rest ein ziemlich buntes Allerlei aus den verschiedensten Gebieten. Fränkel 1880, S. 164.
36
Zitiert nach Fränkel 1880, S. 164.
11
unkoordinierte Bestandsaufbau37 und die wachsenden Literaturbedürfnisse der sich erweiternden Museumsabteilungen machten die Notwendigkeit einer professionellen Verwaltung der Bibliothek deutlich. 1864 wurden schließlich Mittel für die Anstellung eines
Bibliothekars bewilligt. Der Kustos Heinrich Eduard Bonell (1829–1870) von der Königlichen Universitätsbibliothek wurde der erste, zunächst nur nebenamtlich beschäftigte,
Bibliothekar der Museen.38 Er legte einen alphabetischen Zettelkatalog an und bezifferte
den Bestand der Bibliothek im Jahre 1868 auf 30.000 bis 40.000 Bände.39 Nach dem Tode
Bonnells war die Bibliothekarsstelle von 1870 bis 1875 vakant.
2.1.2. Auf dem Weg zum Bibliothekssystem (1875 – 1920)
Der Altphilologe und gelernte Buchhändler Max Fränkel (1846-1903) trat seinen Dienst
als Bibliothekar der Museen am 1. April 1875 mit der Absicht an, “den Bestand zu sichten
und durch Ausscheidung des ganz Fremdartigen der Bibliothek einen mehr einheitlichen
Charakter zu geben ...”40 Unterstützung bei der Reorganisation erfuhr Fränkel von Adolf
Erman (1854-1937), einem jungen Archäologen und späteren Direktor des Ägyptischen
Museums, dessen Lebenserinnerungen wir eine anschauliche Schilderung des Zustandes
der Bibliothek verdanken.
“Alles was sich auf Kunst, Altertum, Völkerkunde, Geschichte und deren Hilfswissenschaften
bezog, war hier vorhanden und wie vieles andere noch außerdem. Denn die Bibliothek der
Museen war damals noch ein seltsames Chaos. Zum Teil war sie aus dem Bücherbesitz reicher
Sammler entstanden – z.B. Naglers und v. Lepells – der mit ihren Sammlungen zusammen
erworben war; dazu war dann noch planlos aber mit großen Mitteln hinzugekauft worden, was
die verschiedenen Direktoren für ihre Abteilungen gewünscht hatten. Einen besonderen
Charakter hatte ihr schließlich ihr langjähriger Verwalter Dielitz gegeben, der der Generalsekretär der Museen, d.h. ihr oberster Bürobeamter war. Der war ein ausgezeichneter Kenner
der Heraldik und Genealogie und hatte mit allem, was an Geld verfügbar war, die Bibliothek
zu einem Apparat für diese seine Studien erweitert; das war zwar schön, hatte aber mit den
37
Fränkel berichtet über die Ankaufspolitik Olfers: “Die genealogischen Collectaneen der Goldstein’schen
Sammlung wurden durch Einzelankäufe später mehrfach ergänzt und der Aufwand für dies Gebiet hat die
Vervollständigung der eigentlichen kunstwissenschaftlichen Literatur mehr wie billig beschränkt. Es bleibt
überhaupt zu beklagen, daß man sich nicht entschloß, die Kräfte auf Herbeischaffung des Materials zur
wissenschaftlichen Ausnutzung der Sammlungen zu concentriren, anstatt aus der Bibliothek ein Magazin zu
machen, in welchem allerlei aufgehäuft wurde, was interessant, aber im Museum sonst nicht unterzubringen
schien. So wurde z.B. einem Lehrer in Nordhausen seine Sammlung von Glockeninschriften für 18
Friedrichsd’or abgekauft, so wurde die Auflage der Lithographien für eine beabsichtigte aber nicht
durchgeführte Veröffentlichung des Codex Balduineus in Koblenz erworben, so begann 1858 ein eifriges
Sammeln von allerlei interessanten und werthlosen Autographen.” Fränkel 1880, S. 165.
38
Köhler 1980, S. 457.
39
In der nicht sehr präzisen Bestandszahl sind vermutlich auch die umfangreichen Buchbestände des
Kupferstichkabinetts enthalten. Fränkel 1880, S. 165.
40
Fränkel 1880, S. 165.
12
eigentlichen Zwecken der Museumsbibliothek nichts zu tun. Unsere Aufgabe war es nun, alle
diese ungleichartigen Bestände zu sichten, zu katalogisieren und schließlich die Bibliothek auf
das zu beschränken, was für die Museen brauchbar und nötig war.”41
Fränkel und Erman sonderten 3.175 Werke aus, die anderen preußischen Bibliotheken angeboten wurden.42 Parallel dazu wurden Bestände aus den Handbibliotheken der
Abteilungen abgezogen “und jenen im wesentlichen nur das für den Handgebrauch unerläßliche Material belassen, welches jedoch ebenfall als Theil der allgemeinen Bibliothek
betrachtet und verwaltet wird.”43 Dieses Passage belegt, dass es – vermutlich seit der
Gründung der Königlichen Museen – eine Zweischichtigkeit von den Handbibliotheken
der Museumsabteilungen und der zentralen Museumsbibliothek gab. Fränkel gab den
Umfang der Bibliothek nach einem 1879 erfolgten Umzug in drei ehemalige Säle des
Antiquariums mit 18.000 Bänden an.44 In ihrem neuen Domizil war die Bibliothek auch
einer Benutzung durch eine eingeschränkte Fachöffentlichkeit zugänglich.45
Nachfolger Fränkels als Bibliothekar der Museen wurde 1890 der Volontär an der
ethnologischen Abteilung Max von Beguelin, der allerdings bereits 1893 an einem Nervenleiden erkrankte und in eine Heilanstalt eingewiesen wurde.46 Nach von Beguelins Frühpensionierung wurde 1895 der Philologe Ferdinand Laban (1856-1910) mit der kommissarischen Verwaltung der Bibliothekarsstelle betraut47 und, nachdem er preussischer
Staatsangehöriger geworden war, am 24. September 1895 zum Bibliothekar ernannt.48 Zu
Anfang des neuen Jahrhunderts geriet die Bibliothek in eine Krise, denn der Bibliothekar
Laban wandte sich am 10. Juni 1905 mit einer Denkschrift an die Generalverwaltung, in
der er den unbefriedigenden Zustand der Bibliothek beschrieb und Mittel für dringende
Reformen beantragte.49 Laban wies darauf hin, dass der Bestand auf 35.000 Bände Fachliteratur und 3.000 Auktionskataloge angewachsen war, sich seit der Zählung von Fränkel
41
Erman 1929, S. 118f.
42
Köhler 1980, S. 459.
43
Fränkel 1880, S. 165.
44
Fränkel 1880, S. 165.
45
“Die Bibliothek umfasst diejenigen Gebiete der Wissenschaft, welche durch die Museumssammlungen
bezeichnet werden, und ist in erster Linie für die amtlichen Arbeiten bei den Königlichen Museen bestimmt.
Diejenigen, welche dieselbe für eigene Studien zu benutzen wünschen, haben sich an den Bibliothekar Dr.
Fränkel zu wenden.” Führer durch die Königlichen Museen. 2. Auflage. Berlin 1881. S. 247.
46
GSTA Rep. 76 V e Sekt. 15. Abt. V. 1. Bd. 2. Bl. 109ff..
47
GSTA Rep. 76 V e Sekt. 15. Abt. V. 1. Bd. 2. Bl. 148. Laban war zuvor im Kupferstichkabinett und an der
Universitätsbibliothek tätig gewesen.
48
GSTA Rep. 76 V e Sekt. 15. Abt. V. 1. Bd. 2. Bl. 159.
49
GSTA Rep. 76 V e Sekt. 15. Abt. V. 1. Bd. 2. Bl. 229 und 230.
13
also verdoppelt hatte. Die Benutzung war sehr erschwert, weil die Bücher aus Platzmangel
und den Bedürfnissen der Abteilungen entsprechend auf die Gebäude Altes Museum,
Neues Museum, Kaiser-Friedrich-Museum und den Interimsbau des ersten Pergamonmuseums verteilt waren. Verschärft wurde das Problem der verstreuten Aufstellung der
Bestände noch durch das Fehlen eines einheitlichen Gesamtkataloges, die unzureichende
Qualität der vorhandenen, ebenfalls dezentral aufgestellten Kataloge, sowie der Existenz
unkatalogisierter Bestände. Zur Abhilfe schlug Laban vor, den größten Teil der Bücherbestände und Kataloge in den der Bibliothek neu zugewiesenen acht Räumen an der Nordwestseite des Souterrains im Alten Museum50 zusammenzuführen und eine komplette
Neukatalogisierung, Neusignierung und systematische Aufstellung des Bestandes durchzuführen. Für die von vier ausgebildeten Zettelschreiberinnen und einem wissenschaftlichen
Kontrolleur durchzuführende Verzettelung veranschlagte er zwei Arbeitsjahre. Die anschließende Sortierung des alphabetischen und systematischen Kataloges, die Signierarbeiten und die Buchaufstellung sollten ein weiteres Jahr in Anspruch nehmen. Die ermittelten
Kosten bezifferte er auf 23.870,- RM.51
Um die von Laban angegebenen Kosten zu prüfen und zu ermäßigen berief die
Generalverwaltung der Königlichen Museen eine Gutachterkommission, bestehend aus
dem Ersten Direktor der Königlichen Bibliothek Paul Schwenke, dem Bibliothekar des
Abgeordnetenhauses Wolfstieg, dem Direktor der Bibliothek des Kunstgewerbemuseums
Jessen, zwei Verwaltungsbeamten und Laban. Am 30. Oktober 1906 besichtigte die
Kommission die Museumsbibliothek.
“Nachdem die vorhandenen Kataloge eingehend besichtigt waren, erklärten sämtliche Herren,
daß dieselben weder sachlich noch ordnungsmäßig seien und das Bedürfnis nach einem neuen
Kataloge rückhaltlos anzuerkennen sei. Die Schuld an dem unvollkommenen Zustande treffe
die gegenwärtige Verwaltung nicht."52
Die Kommission empfahl die Anfertigung neuer Kataloge mittels Titelaufnahmen in dreifacher Ausfertigung. “Was die Ausführung betreffe, so wurde der Gedanke, Volontäre mit
der Arbeit zu betrauen, einstimmig verworfen, weil ein brauchbares Ergebnis dabei keinesfalls zu erwarten sei.”53 Die Titelaufnahmen sollten von speziell für den Bibliotheksdienst
ausgebildeten Damen auf Remington Schreibmaschinen erstellt werden. Die gesamten
50
Durch den Umzug des Münzkabinetts in das Sockelgeschoß des 1904 eröffneten Kaiser-FriedrichMuseums waren die ehemaligen Räume des Münzkabinetts im Alten Museum freigeworden.
51
GSTA Rep. 76 V e Sekt. 15. Abt. V. 1. Bd. 2. Bl. 230.
52
GSTA Rep. 76 V e Sekt. 15. Abt. V. 1. Bd. 2. Bl. 231.
53
GSTA Rep. 76 V e Sekt. 15. Abt. V. 1. Bd. 2. Bl. 231.
14
Kosten des Unternehmens sollten nach Meinung der Gutachter 12.000,- RM nicht übersteigen.54
Für den Veränderungsdruck, der auf der Museumsbibliothek lastete, waren eine
Reihe von Entwicklungen verantwortlich, die um die Jahrhundertwende alle wissenschaftlichen Bibliotheken im Deutschen Reich betrafen. Daneben bestanden aber auch seit
langem spezifische Strukturprobleme wie das ungeklärte Nebeneinander von Handbibliotheken der Museumsabteilungen und der zentralen Museumsbibliothek oder das Desiderat eines Gesamtkataloges der Buchbestände. Nicht zuletzt war der Museumsbibliothek
mit der brillant geführten und sich hinsichtlich Bestand und Benutzung rasant entwickelnden Bibliothek des Kunstgewerbemuseums innerhalb des Verbundes der Königlichen
Museen eine ernsthafte Konkurrentin erwachsen. Diese hatte zu allem Überfluss im
Sommer 1905 auch noch einen nur für ihre Zwecke errichteten Neubau bezogen, der über
einen großen Lesesaal, mehrgeschossige Magazintrakte sowie Rohrpost- und Aufzugsanlagen zum Büchertransport verfügte. Ein Vergleich mit dieser zweiten großen Kunstbibliothek innerhalb der Königlichen Museen, die nach einem 1906 im Zentralblatt für
Bibliothekswesen veröffentlichten “Ranking” mit 34.000 Bänden den 38 Platz unter den
Berliner Bibliotheken einnahm, während die wesentlich ältere Museumsbibliothek mit
33.000 Bänden nur noch Platz 39 erreichte,55 ließ die desolate Lage der Museumsbibliothek deutlich hervortreten.
Zwei einander bedingende und sich wechselseitig verstärkende epochale Veränderungen setzten das Bibliothekswesen im letzten Viertel des 19. Jahrhunderts unter Druck:56
Erstens der starke Anstieg der Literaturproduktion, technisch ermöglicht durch Verbesserungen der Drucktechnik, erleichtert und gefördert durch ein neues Urheberrecht und die
Abschaffung der Zensur und zweitens der ungeheure Aufschwung und die Differenzierung
der Wissenschaften, die gleichzeitig einen permanent steigenden Literaturversorgungsanspruch der Wissenschaftler nach sich zogen. Das bereits etablierte Bibliothekswesen, das
zunächst weder personell, noch organisatorisch und räumlich auf die neue Situation vorbereitet war, versuchte, die Herausforderungen durch eine Professionalisierung der Bibliotheksverwaltung zu meistern. Schritte hierzu waren in Preußen der 1893 herausgegebene
“Erlass, betreffend die Befähigung zum wissenschaftlichen Bibliotheksdienst bei der
54
GSTA Rep. 76 V e Sekt. 15. Abt. V. 1. Bd. 2. Bl. 232.
55
Hortzschansky 1906, S. 443.
56
Vgl. zum Folgenden: Jochum 1999, S. 130ff..
15
Königlichen Bibliothek zu Berlin und den Königlichen Universitäts-Bibliotheken”,57 der
den Einstieg in die Laufbahn der Bibliotheksbeamten58 an eine bibliothekarische Ausbildung (Volontärdienst) band und die Gründung des Vereins Deutscher Bibliothekare
1900 in Marburg, die der neuen Berufgruppe eine Standesorganisation schuf.59 Im Bereich
der Katalogisierung begannen seit der Mitte der Achtziger Jahre die Planungen für den
Preußischen Gesamtkatalog, dem die Funktion einer virtuellen Nationalbibliothek zugedacht war und es wurden 1899 die für alle preußischen Bibliotheken verbindlichen Preussischen Instruktionen (PI) eingeführt, die per Erlass den institutsspezifischen Wildwuchs in
der alphabetischen Katalogisierung beendeten. Im Bereich der Buchaufstellung führte der
starke Buchzugang um die Jahrhundertwende zu einer Diskussion um die bis dato unangefochtene systematische Aufstellung, die im Laufe des 20. Jahrhunderts mit dem Siegeszug des numerus currens in den Großbibliotheken endete.
Neben den geschilderten Reformbemühungen der großen Zentralbibliotheken gab es
noch eine zweite, in gewisser Weise naturwüchsige, Reaktion auf die Veränderungen der
Buch- und Wissensproduktion, die einfach darin bestand, dass sich die neu entstandenen
wissenschaftlichen Institutionen ihre eigenen Bibliotheken schufen. Aus einer vom Preussischen Unterrichtsministerium 1904/05 erstellten Statistik über die Bibliotheken der Universitätsinstitute geht hervor, dass von 367 erfassten Anstaltsbibliotheken nur etwa ein
Drittel vor 1870 gegründet worden war, die übrigen also erst nach der Reichseinigung
entstanden waren.60 Die Tendenz der Seminar- und Institutsbibliotheken, sich von Handbibliotheken geringer und mittlerer Größe zu eigenständigen Fachbibliotheken zu entwickeln, setzte eine für das preußische Bibliothekswesen unheilvolle Entwicklung in Gang,
weil sie dazu führte, dass die angesichts der Literaturflut zu knappen Mittel auf zu viele
Bibliotheken aufgeteilt werden mussten, wodurch die Universitätsbibliotheken zusätzlich
geschwächt wurden.61 Da die Institutsbibliotheken dem wissenschaftlichen Personal einen
schnellen, unbürokratischen und privilegierten Zugang zu genau der Literatur verschafften,
57
Abgedruckt in: ZfB. 11. 1894, S. 77-79.
58
Ebenfalls 1894 wurde durch Allerhöchsten Erlaß vom 14. Februar bestimmt, dass die Kustoden der
Universitäts-Bibliotheken und der Königlichen Bibliothek zu Berlin die Amtsbezeichnung “Bibliothekar”
führen. Vgl. den Abdruck der Bekanntmachungen in ZfB. 11. 1894, S. 185.
59
Laut Satzung hat der Verein den Zweck, “den Zusammenhang unter den deutschen Bibliothekaren zu
pflegen und die Interessen des Bibliothekswesens zu fördern.” Zur Mitgliedschaft berechtigt waren alle
wissenschaftlich vorgebildeten Bibliothekare des Deutschen Reiches. Vgl. den Abdruck der Satzung in: ZfB.
17. 1900, S. 423f..
60
Naetebus 1906, S. 342.
61
Vgl. hierzu Jochum 1999, S. 134f..
16
die eben dieses Personal für seine Studien benötigte, konnte ihre Existenzberechtigung
gegenüber den Wissenschaftlern nicht mehr in Zweifel gezogen werden. Weil das heute
sogenannte zweischichtige Bibliothekssystem bereits Ende des 19. Jahrhunderts in Preußen
eine unverrückbare Realität geworden war, konnte man nur noch versuchen, eine bestmögliche Zusammenarbeit und Abstimmung zwischen den Bibliotheksformen zu erreichen. Am 15. Oktober 1891 kam ein “Erlass, betreffend die Bibliotheken der UniversitätsAnstalten und deren Beziehungen zu den Universitäts-Bibliotheken (im Königreich
Preussen)”62 heraus, der die “Bibliotheken der Universitäts-Anstalten (Seminare, Institute,
Laboratorien, Kliniken, Polikliniken, Museen, Sammlungen, Apparate u.s.w.)” zu Präsenzbibliotheken ohne Ausleihmöglichkeit bestimmte.63 Weiterhin wurden die Universitätsbibliotheken verpflichtet, “von der Bibliothek einer jeden Universitäts-Anstalt einen alphabetischen Zettelkatalog in zwei Exemplaren aufzunehmen und durch jährliche Nachträge
auf dem Laufenden zu erhalten.”64 Ein Exemplar der Kataloge war den Institutsbibliotheken zugedacht, das zweite sollte in der Universitätsbibliothek zur Bildung eines
Gesamtkataloges aller Institute verwandt werden. Ausgesonderte Buchbestände waren von
den Instituten an die Universitätsbibliothek abzugeben und durften nicht veräußert
werden.65 Ob diese, in § 7 erlassene Bestimmung tatsächlich wie Naetebus meint “wohl
geeignet ist, die Institutsbibliotheken bis zu einem gewissen Grade als einen Teil der
Universitätsbibliotheken erscheinen zu lassen”66 kann dahingestellt bleiben. Der Erlass
hatte auf jeden Fall nicht die angestrebte Wirkung. Es kam dauerhaft weder zu einer
Erstellung von Gesamtkatalogen67 noch zu einer Abstimmung der jeweiligen Erwerbungsprofile. Eher trat das Gegenteil ein, indem sich die Buchstände innerhalb großer Einrichtungen immer weiter disseminierten. Naetebus zeigt dies anschaulich am Beispiel einer
Museumsbibliothek:
“Eine sehr zersplitterte Aufstellung zeigt aus sachlichen Gründen die Bibliothek des Zoologischen Museums in Berlin. Entsprechend den einzelnen Abteilungen der Museumssammlung
gliedert sie sich nämlich in 19 Abteilungsbibliotheken und in die Zentralbibliothek. Jene
62
Der Erlaß ist abgedruckt in: ZfB. 8. 1891, S. 550-551.
63
A.a.O. S. 550, § 1.
64
A.a.O. S. 550, § 2.
65
A.a.O. S. 550, § 7.
66
Naetebus 1906, S. 344.
67
Berlin und Bonn waren die einzigen preußischen Universitätsbibliotheken, die überhaupt mit der
Gesamtkatalogisierung begannen. Die hohen Kosten der Katalogisierung, die Umstellung auf PI und der
nicht zu bewältigende Neuzugang führten 1904 zur Aufgabe des Projekts. Vgl. hierzu Naetebus 1906, S.
349f..
17
umfassen alle die auf einzelne Tiergruppen sich beziehenden Schriften, dieser werden die
Nachschlagewerke und Zeitschriften allgemein zoologischen Inhalts überwiesen.”68
Auch an den Königlichen Museen bestand von ihrer Gründung an eine Zweischichtigkeit von zentraler Museumsbibliothek und den Handbibliotheken der Museumsabteilungen, ohne dass deren Verhältnis zueinander je grundsätzlich geregelt worden war.
Während der Amtszeit der drei der höfischen Sphäre verbundenen Generaldirektoren Graf
Brühl, von Olfers und Graf von Usedom, die die Museen autokratisch leiteten, war die
Museumsbibliothek insbesondere von Olfers gefördert worden. Bei zunächst nur sechs
Abteilungen, relativ geringen Buchbeständen und der Unterbringung in nur einem bzw. ab
1857 zwei Gebäuden, traten in den ersten Jahrzehnten offenbar keine so gravierenden
Probleme auf, die eine Organisationsreform nötig gemacht hätten. Erst der Anstieg der
Buchzugänge und das rasche Wachstum der Abteilungen seit der Reichsgründung machten
eine Regelung der Literaturversorgung der Museen nötig. In der zweiten Hälfte der
Siebziger Jahre kam es daraufhin zu der bereits geschilderten präziseren Profilierung und
anschließenden Neuaufstellung der Bestände durch Max Fränkel.
Gegen Ende der Siebziger Jahre gab es eine Machtverschiebung im Innengefüge der
Museen, die auch Auswirkungen auf die Bibliotheken hatte. Der Vortragende Rat im
Preußischen Kultusministerium und als Nachfolger Usedoms ab 1880 erste bürgerliche
Generaldirektor der Königlichen Museen, Richard Schöne,69 hatte eine Reform des
Museumsstatuts erarbeitet, die die Stellung der Abteilungsdirektoren gegenüber dem
Generaldirektor stärkte. In den am 13. November 1878 veröffentlichten “Bestimmungen
über die Stellung der Abteilungsdirektoren und über die Verwendung der sächlichen Fonds
bei den Königlichen Museen in Berlin” finden sich mehrere Passagen zu Bibliotheksfragen. Im Abschnitt I. Direktoren heißt es unter Punkt 1. “... Insbesondere hat er [der
Direktor J.B.] zu sorgen: a) für Aufstellung, Ordnung, Erhaltung und Sicherheit des
Sammlungsbestandes, sowie für Erhaltung und Ergänzung aller Requisiten und der Handbibliothek; ...”70 Mit diesem Passus wird die Einrichtung und Erweiterung von Handbibliotheken in allen Abteilungen genehmigt und ihre Unterstellung unter die jeweiligen
Abteilungsdirektoren verfügt. Neben der Autonomie der Abteilungsdirektoren in den
Angelegenheiten ihrer Handbibliotheken bekamen sie in den Bestimmungen auch Einfluss-
68
Naetebus 1906, S. 347.
69
Vgl. zu Schöne Pallat 1959.
70
Statut 1908, S. 21.
18
möglichkeiten in Bezug auf die Museumsbibliothek eingeräumt. Im Abschnitt III.
Direktorenkonferenz heißt es unter Punkt 5. “Die Konferenz ist zu hören: ... c) über die
Verwaltung der Bibliothek und die Veräusserung von deren Dubletten; ...f) über die
Instruktionen für den Baumeister, den Bibliothekar, sowie für die Subaltern- und Unterbeamten ...”71 Im Gegensatz zu diesen Bestimmungen und wohl auch der Ansicht der
Abteilungsdirektoren betrachtete der Museumsbibliothekar Fränkel 1880 die Handbibliotheken als dezentral aufgestellte Teile der Museumsbibliothek.72
Die Stärkung der Rechte der Abteilungsdirektoren, die Neugründungen von Abteilungen inklusive neuer Handbibliotheken und nicht zuletzt die drückende Raumnot der
Königlichen Museen hatten die Entwicklung der Museumsbibliothek in den beiden letzten
Dezennien des 19. Jahrhunderts gehemmt. Labans Bericht und die Empfehlungen der
Kommission hatten den dringenden Handlungsbedarf hinsichtlich einer Organisationsreform deutlich gemacht. Unter dem 1905 berufenen neuen Generaldirektor Bode wurden
im März 1908 eine geänderte Fassung des Museumsstatuts73 in Kraft gesetzt und am 6. Juli
1908 “Bestimmungen über die Verwaltung der Bibliothek der Königlichen Museen” erlassen. Hierin heißt es unter Punkt 1.:
“Die Bibliothek der Königlichen Museen, bestehend aus der Zentralbibliothek und den von ihr
ressortierenden Handbibliotheken (in der Gemäldegalerie, dem Kupferstichkabinett, dem
Münzkabinett, der ägyptischen Abteilung, der vorderasiatischen Abteilung, sowie den Handbibliotheken im Baubureau und Laboratorium) umfaßt die durch die Museumssammlungen
umgrenzten Gebiete der Wissenschaft, insbesondere die klassische Archäologie, die Kunst der
christlichen Epochen (mit Ausschluß des XIX. Jahrhunderts, ausgenommen bei den graphischen Künsten), die Numismatik, die Ägyptologie und die Assyriologie. Sie dient in erster
Linie den wissenschaftlichen Verwaltungszwecken, in zweiter Linie der wissenschaftlichen
Benutzung seitens qualifizierter Besucher.”74
Der gesamte Buchzugang der Staatlichen Museen sollte durch die Zentralbibliothek laufen,
wo die Bücher inventarisiert, gestempelt, gebunden und in den alphabetischen Zettel-
71
Statut 1908, S. 22.
72
Fränkel 1880, S. 165.
73
Im Statut für die Königlichen Museen zu Berlin vom 31. März 1908 heißt es im Abschnitt “Verwaltungsbüro der Generalverwaltung. § 29. Dem Verwaltungsbüro des Generaldirektors steht ein Verwaltungsdirektor
vor, der ebenso wie der Justitiar und Verwaltungsrat von S.M. dem Könige ernannt wird. Der Architekt, der
Chemiker und der Bibliothekar der Museen werden gleich den Assistenten auf den Vorschlag des
Generaldirektors vom Minister ernannt. ... § 31. In dem Verwaltungsbüro sind alle Geschäfte zu besorgen,
welche die Korrespondenz des Generaldirektors und der Abteilungsdirektoren, die Ein- und Rücksendung der
Kunstgegenstände, die Ordnung der Registratur, des Archivs und der Bibliothek veranlasst, soweit den
Abteilungen dafür nicht besondere Bürobeamte zugewiesen sind.” Statut 1908, S. 14f..
74
Bestimmungen 1908, Abschnitt 1. Die Bestimmungen wurden maschinenschriftlich vervielfältigt und den
Abteilungen zugeleitet. Ein Exemplar befindet sich im Zentralarchiv der Staatlichen Museen zu Berlin mit
der Signatur I/ZB 111.
19
katalog eingetragen wurden. Erwerbungen erfolgten auf Antrag der Abteilungen oder des
Museumsbibliothekars und mussten vom Generaldirektor genehmigt werden. Doppelanschaffungen waren ausser in seltenen, begründeten Fällen ausgeschlossen. Nach der zentralen Buchbearbeitung wurden die Bücher gegen Quittung in die Abteilungen überwiesen
und “dortselbst anderweitig katalogisiert”.75
“Die von der Zentralbibliothek den Handbibliotheken überwiesenen Bücher dürfen dort nicht
mit neuen Inventarnummern oder mit neuer Stempelung versehen werden. Bücher in den
Handbibliotheken dürfen nicht ausrangiert oder in ihrem Zustande irgendwie verändert werden,
ohne daß der Bibliothekar davon vorher in Kenntnis gesetzt wird. Schadhaft gewordene
Einbände der Handbibliotheken müssen zur Erneuerung der Zentralbibliothek übergeben
werden.”76
Die letzte Passage zeigt deutlich das Bemühen, das bibliothekarische Eigenleben der Abteilungen einzuschränken. Die in den Verwaltungsbestimmungen folgenden Abschnitte
befassen sich mit der Benutzung der Bibliothek, die grundsätzlich den Charakter einer
Präsenzbibliothek hat.77 Die selbständige Benutzung der Freihandbestände war nur den
Museumsmitarbeitern gestattet, die Besucher mussten Verlangzettel ausschreiben.78 Verleihungen für die Benutzung außer Haus waren an Museumsbeamte zulässig,79 Verleihungen an andere Personen oder Körperschaften bedurften der schriftlichen Genehmigung der Generalverwaltung.80 Zur Ausleihe außer Haus waren Leihzettel auszufüllen.81
Entleihungen waren zunächst an keine bestimmte Frist gebunden.82 Vor dem Antritt von
Reisen, die länger als eine Woche dauern, waren die Bücher zurückzugeben.83 Revisionen
wurden jährlich im Sommer in der Zentralbibliothek und in Eigenverantwortung der
75
Bestimmungen 1908, Abschnitt 2. Ausgenommen vom allgemeinen Geschäftsgang waren Galeriewerke
und Abbildungswerke für die Handbibliothek des Kupferstichkabinetts, die wie Sammlungsstücke behandelt
und in den Inventaren des Kupferstichkabinetts eingetragen wurden
76
Bestimmungen 1908, Abschnitt 3.
77
Bestimmungen 1908, Abschnitt 4.
78
Bestimmungen 1908, Abschnitt 16.
79
Bestimmungen 1908, Abschnitt 5.
80
Bestimmungen 1908, Abschnitt 6.
81
Bestimmungen 1908, Abschnitt 8.
82
Bestimmungen 1908, Abschnitt 7. Die Möglichkeit der unbefristeten Entleihung führte zu großen
Problemen mit Beamten, die die entliehenen Bücher teilweise über Monate behielten. Der Bibliotheksdirektor Friedrich Winkler beantragte am 18.7.1921 ihren Ersatz durch eine befristete Regelung, die für die
Ausleihe von Zeitschriften 4 Tage und von Monographien 10 Tage vorsah. Zentralarchiv – Staatliche
Museen zu Berlin. I / ZB 6, Schreiben Winklers über den Generaldiektor an die Direktoren der Museen vom
18.7.1921. Das Schreiben enthält auch die Kommentare der Direktoren zu der vorgesehenen Regelung.
83
Bestimmungen 1908, Abschnitt 12.
20
Abteilungen in den Handbibliotheken vorgenommen.84 Die Fülle detaillierter Regelungen
kann als Beleg für den Handlungsbedarf auch hinsichtlich der Bibliotheksbenutzung durch
die Wissenschaftler gelten.
Obwohl Generaldirektor Bode bereits 1907 und auch in den Folgejahren außerordentliche Mittel zur Durchführung der Neukatalogisierung beantragt hatte, kamen die
Arbeiten nicht in Gang. Der Bibliothekar Laban starb am 29. Dezmber 1910 an einem
Herzinfarkt.85 Bode suchte für die Neubesetzung eine Persönlichkeit, die neben einer
bibliothekarischen Vorbildung und soliden kunsthistorischen Ausbildung auch über organisatorische und strategische Fähigkeiten verfügen sollte. Der 31 jährige Wilhelm Waetzoldt
erfüllte diese Anforderungen in idealer Weise und wurde zum 1. Mai 1911 zum
Bibliothekar der Museen ernannt. Waetzoldt hatte nach einer Stipendiatenzeit am Kunsthistorischen Institut in Florenz seit 1909 als Assistent an der berühmten Privatbibliothek
des Kunsthistorikers Aby Warburg in Hamburg gearbeitet. Die seit 1901 mit privaten
Mitteln des Bankierssohns Warburg aufgebaute Bibliothek hatte schon zu jener Zeit den
Ruf eines Innovationszentrums der deutschen Kunstgeschichte.86 Bereits am 28. Mai 1911
legte Waetzoldt eine dreizehnseitige “Denkschrift über die Neukatalogisierung der
Bibliothek der Königlichen Museen” vor.87 Er schilderte zunächst den Zustand der
Bibliothek:
“Von der Unhaltbarkeit der Katalogzustände waren die Benutzer der Bibliothek schon lange
überzeugt. Soweit ihnen nicht, wie den Beamten der Museen, das Recht zusteht, selbst an den
Büchergestellen die gewünschten Werke zu suchen, sie herauszunehmen und wieder einzustellen, müssen sie sich mit der Einsicht in den lückenhaft geführten, unübersichtlich gegliederten und allmählich schmutzig gewordenen Realkatalog (in 5 Bänden) begnügen.”88
Der alphabetische Zettelkatalog war ein Dienstkatalog und durfte nur von den Beamten
eingesehen werden. Auch die Aufseher, die zusätzlich kleine private Hilfskataloge führten,
konnten den Standort eines Buches nicht immer zuverlässig ermitteln. Waetzoldt stellte die
Neukatalogisierung in den größeren Rahmen einer kompletten Reorganisation der Bibliothek. Zeitschriften, Serien und Lieferungswerke sollten künftig in Fortsetzungskarteien
erfasst werden. Das Akzessionsjournal sollte nach Haushaltsjahren geführt und mit prä84
Bestimmungen 1908, Abschnitt 13.
85
GSTA Rep. 76 V e Sekt. 15. Abt. V. 1. Bd. 2. Bl. 249.
86
Vgl. zur Bibliothek Warburg Rosenbaum 1930.
87
GSTA Rep. 76 V e Sekt. 15. Abt. V. 1. Bd. 2. Bl. 278-284. Waetzoldt hatte während der Erarbeitung der
Denkschrift die Bibliothek des Kunstgewerbemuseums und auch die Bibliothek des Auswärtigen Amtes
besichtigt, die gerade reorganisiert wurde. GSTA Rep. 76 V e Sekt. 15. Abt. V. 1. Bd. 2. Bl. 275.
88
GSTA Rep. 76 V e Sekt. 15. Abt. V. 1. Bd. 2. Bl. 278.
21
zisen Angaben hinsichtlich Lieferanten, Buchpreisen und statistischen Hinweisen versehen
werden. Alphabetischer und Realkatalog, beide in Bänden geführt, waren unübersichtlich
und lückenhaft und sollten durch Zettelkataloge ersetzt werden. Die Verzeichnung aller
Buchbestände der Museen, also auch die der bisher in einem getrennten Katalog geführten
der Handbibliotheken, sollte nur noch in einem nach PI geführten alphabetischen Zentralkatalog erfolgen. Der neue Sachkatalog sollte nach den in der Bibliothek vertretenen
Disziplinen aufgebaut und durch ein Schlagwortregister erschlossen werden. Als Vorbild
könnte vielleicht die vorzügliche Classification der Library of Congress Class 12. Fine
Arts dienen.89 Bei einer Neuaufstellung, für die Waetzoldt geeignete Räumlichkeiten
forderte, sollten die Bände nach drei Formaten getrennt in einer systematischen Gruppenaufstellung eingeordnet werden, wodurch der Standortkatalog überflüssig würde. Für die
Aufstellung von 40.000 Bänden berechnete er inklusive Reserveflächen für erhebliche
Zuwächse 500 qm Stellfläche. Waetzoldt bezifferte die Kosten für die Reorganisation und
Neukatalogisierung, die von zwei Bibliothekarinnen durchgeführt werden sollte, auf
8.955,- RM, blieb also deutlich unterhalb der Voranschläge Labans und der Gutachterkommission.90 Er beendete die Denkschrift mit der Hoffnung,
“daß die alten und wertvollen Bücherbestände der Bibliothek der Königlichen Museen, die eine
so wichtige Ergänzung zur Bibliothek des Kunstgewerbemuseums und zum Kunsthistorischen
Apparate der Universität bilden, durch die seit zwei Jahren von den Benutzern, den Beamten
und von Sachverständigen als nötig erachtete Neukatalogisierung der wissenschaftlichen
Arbeit ihrem ganzen Umfange nach leicht zugänglich gemacht werden.”91
Wilhelm Waetzoldt konnte seine Planungen nicht mehr selbst umsetzen, denn bereits
zum 29. September 1911 wurde er in das “Ministerium der geistlichen und Unterrichtsangelegenheiten” berufen, so dass er die Bibliothek nach nur fünf Monaten wieder verließ.
Sein Nachfolger wurde im Jahre 1915 Friedrich Winkler (1888-1965),92 der die Bibliothek
bis zu seiner Ernennung zum Direktor des Kupferstichkabinetts 1933 leitete. In den 18
Jahren seiner Dienstzeit gelang es der Museumsbibliothek, ein eigenständiges Profil als
kunsthistorische Forschungsbibliothek zu gewinnen. Winkler, der wie seine Vorgänger
auch Schriftleiter des “Jahrbuchs der Preußischen Kunstsammlungen” und der “Amtlichen
Berichte” war, konnte bis 1919 die lang ersehnte Neukatalogisierung der Bibliothek
89
Erschienen Washington 1910.
90
Die berechneten Mittel, die in dieser Höhe von 9000,- RM im Sommer 1911 von Generaldirektor Bode
beantragt und für das Haushaltsjahr 1912 und die beiden folgenden Jahre auch bewilligt wurden, erwiesen
sich später als nicht ausreichend. Köhler 1980, S. 465.
91
GSTA Rep. 76 V e Sekt. 15. Abt. V. 1. Bd. 2. Bl. 284.
92
Vgl. zu Winkler Möhle 1964.
22
abschließen. Der alphabetische Zentralkatalog verzeichnete 45.000 Bände der Museumsbibliothek und der angeschlossenen Handbibliotheken auf 22.000 Zetteln. Die Sachkatalogisierung wurde ebenfalls beendet und den Benutzern in Form einer gedruckten systematischen Übersicht zugänglich gemacht. Folgende Sachgruppen waren in der Zentralbibliothek vorhanden: Klassische Archäologie; Christliche Kunst bis 1800; Kunstzeitschriften und Kunstbibliographien; Kunst und Künstlerlexika; Kataloge der Privatsammlungen; Kataloge von Auktionen vom 17. Jahrhundert an (berühmte Sammlungen
nach Besitzern geordnet; periodische Versteigerungen nach Auktionsfirmen chronologisch
geordnet); Gesammelte Schriften von Kunstgelehrten und Kunstsammlern; Biographien,
Nekrologe, Briefliteratur, Festschriften; Literatur über historische Persönlichkeiten und die
Kunst; Kunstlehre, Kunstpflege, Kunsttechnik; Allgemeine Kunstgeschichte; Ikonographie; Genealogie; Geschichte.93 Zur besseren Orientierung der Museumswissenschaftler
über die in der Bibliothek vorhandenen Nachschlagewerke und Zeitschriftenbestände
wurde ein Verzeichnis mit 420 einschlägigen Titeln erarbeitet und an die Abteilungen
verteilt.94 Im Anschluss an die Sachkatalogisierung erfolgte 1920 auch eine komplette
Neuaufstellung der Bestände, ohne jedoch den Platzmangel entscheidend beheben zu
können.95 Obwohl die vier Handbibliotheken des Ägyptischen Museums,96 des Vorderasiatischen Museums,97 des Münzkabinetts98 und des Kupferstichkabinetts99 weiterhin in
93
Köhler 1980, S. 467.
94
Köhler 1980, S. 468.
95
“Infolge der großen Raumnot – die Bücher stehen im Magazin in 2 Reihen hintereinander – und infolge der
Personalknappheit ist vor 10 Jahren die Bibliothek als Handbibliothek zur Selbstbedienung eingerichtet
worden. In den 5 allgemein zugänglichen Räumen sind 2 Zimmer der Archäologie, 2 der neueren Kunstgeschichte, der Lesesaal den wichtigsten Zeitschriften und allgemeinen Nachschlagewerken eingeräumt
worden. Im Magazin (3 Zimmer) verblieben die ältere Fachliteratur zur Archäologie, die heraldischen,
genealogischen, geschichtlichen, literaturgeschichtlichen und enzyklopädischen Werke, dazu die viel Platz
beanspruchenden älteren, nicht mehr erscheinenden Zeitschriften und sämtliche Versteigerungskataloge.”
Winkler 1930, S. 185f..
96
“Den Besuchern der Aegyptischen Abteilung steht eine fast vollständige Handbücherei von über 3500
Bänden zur Verfügung. Die Handbibliothek der Papyrus-Sammlung allein umfaßt rd. 800 Werke, sie ist die
größte papyrologische Handbücherei Deutschlands.” Waetzoldt 1931, S. 4.
97
Die Vorderasiatische Abteilung war 1899 vom Ägyptischen Museum abgespalten worden.Generaldirektor
Schöne hatte am 17. Juli 1899 eine ausserordentliche Etatsanmeldung in Höhe von 3.000 RM zum Aufbau
einer Bibliothek für die Vorderasiatische Abteilung eingereicht. GSTA Rep. 76 V e Sekt. 15. Abt. V. 1. Bd.
2. Bl. 161. “Die Bibliothek der Vorderasiatischen Abteilung enthält fast vollständig die philologische und
archäologische orientalistische Fachliteratur: sumerische, babylonische, assyrische, hethitische, aramäische,
altiranische Textausgaben, Zeitschriften, Handbücher, Lexika usw.“ Waetzoldt 1931, S. 4. Ihr Bestand war
bis 1938 auf 4474 Bände angewachsen. Köhler 1980, S. 460.
98
“Die große Handbibliothek des Münzkabinettes umfaßt rd. 7000 Bände, darunter die größte deutsche
Sammlung von Münzhändler- und Versteigerungskatalogen.” Waetzoldt 1931, S. 5.
99
“Im Kupferstichkabinett befinden sich rd. 5200 Bände der Handbibliothek und rd. 4500 illustrierte Bücher
(von den Inkunabeln bis zum 20. Jahrhundert). Die Bibliothek enthält Werke zur Geschichte und Technik der
23
den Abteilungen dezentral aufgestellt blieben,100 formte Winkler damit das erste
Bibliothekssystem an den Staatlichen Museen, das leider nicht um die Staatliche Kunstbibliothek erweitert werden konnte. (Siehe das folgende Kapitel.). Auch der Mitte der
Zwanziger Jahre gefaßte Plan, einen gedruckten Gesamtkatalog aller an den Staatlichen
Museen vorhandenen Buchbestände zu veröffentlichen, wurde nicht verwirklicht.101
2.1.3. Die Krise der Zwanziger Jahre
Die Krise nach dem Zusammenbruch der Monarchie und während der ersten Jahre der
Weimarer Republik ließ auch die Staatlichen Museen nicht unberührt. Das Ende des
Preußischen Königshauses, das den Museen seit ihrer Gründung immer eng verbunden
gewesen war, der schwierige Übergang zur Demokratie und die wirtschaftliche Not der
Nachkriegsjahre markierten eine deutliche Zäsur in der Museumsgeschichte. Die Ära
Richard Schönes und Wilhelm von Bodes, von vielen später als das “Goldene Zeitalter”
der Berliner Museen bezeichnet, war zu Ende gegangen. Die Zwanziger Jahre waren
gekennzeichnet von Auseinandersetzungen zwischen dem Preußischen Kultusministerium
und der Führung der Museen einerseits und teils erbittert ausgetragenen Fehden zwischen
einzelnen Mitarbeitern der Museen andererseits, die als “Berliner Museumskrieg” in die
Geschichte eingingen.102 Die durch Abbestellungen während der Kriegsjahre und den
Geldmangel der Nachkriegszeit im deutschen Bibliothekswesen ausgelöste “Zeitschriftenkrise” manifestierte sich auch in der Museumsbibliothek mit voller Härte. Nachdem
Versuche gescheitert waren, eingenommene Eigenmittel der Museen vollständig für die
Literaturerwerbung der Bibliothek zu benutzen, war eine Abbestellung von Zeitschriften
unvermeidbar.103 Im Oktober und November 1920 fanden im Wissenschaftsministerium
graphischen Künste, der Druckerkunst, Papierkunde, Handschriftenkunde, Oeuvre-Kataloge und Tafelwerke
privater und öffentlicher Sammlungen. Die Inkunabelnbibliothek ist eine der wertvollsten deutschen Büchersammlungen.” Waetzoldt 1931, S. 5.
100
Winkler 1930, S. 181f..
101
Winkler entwickelte den Plan in einem Schreiben an den Generaldirektor vom 3. Dezember 1925. Nach
Rücksprache mit den Direktoren der Staatlichen Kunstbibliothek, des Völkerkundemuseums und der
Nationalgalerie, deren Buchbestände ebenfalls verzeichnet werden sollten wurden für das Haushaltsjahr 1927
Mittel zur Katalogerstellung beantragt. Vgl. hierzu Zentralarchiv – Staatliche Museen zu Berlin. I / ZB 6,
Schreiben Winklers an den Generaldirektor vom 3. Dezember 1925.
102
Vgl. zum Berliner Museumskrieg Scheffler 1921, Justi 1921, Westheim 1921, Schmitz 1931 und März
1988.
103
In einem Schreiben vom 4.3.1920 an die Generalverwaltung stellte Winkler die Lage der Bibliothek dar,
die insbesondere wegen ihres hohen Anteiles an ausländischen Publikationen von der Geldentwertung ernst-
24
und in der Kunstbibliothek Besprechungen zur Erwerbungskoordinierung der Kunstbibliotheken statt. Hierbei stellte sich heraus, dass abgesehen von der Bibliothek der Staatlichen
Museen keine Bibliothek in Berlin bzw. im Deutschen Reich nennenswerte Mittel für den
Erwerb ausländischer Zeitschriften bereitstellte.104 Friedrich Winkler plädierte dafür, Zeitschriften, die nur in der Museumsbibliothek gehalten wurden und solche, die abteilungsübergreifend genutzt wurden, weiterhin zu abonnieren. Nach entsprechenden Absprachen
innerhalb der Museen und auch mit Vertretern der Universität, wurden von den in der
Museumsbibliothek gehaltenen ausländischen Zeitschriftentiteln 50 abbestellt und 32
weiter gehalten, die andernorts nicht vorhanden waren.105 Am 21. März 1921 wandte sich
Winkler mit der Bitte um Bereitstellung von 27.000 RM zur Lückenergänzung im Bereich
ausländischer Fortsetzungswerke an die Notgemeinschaft der deutschen Wissenschaft.106
Auch in den folgenden Jahren der Hyperinflation konnte die Bibliothek ihren hohen Bedarf
an ausländischer Literatur nicht annähernd decken.
Winkler hatte sich im Juli 1920 in einem Aufsatz “Bibliotheksfragen und Kunstpflege” grundsätzlicher mit dem Problem der durch die Unterfinanzierung in besonderem
Maße fühlbar gewordenen Zersplitterung des wissenschaftlichen Bibliothekswesens beschäftigt. Er hielt es aufgrund des eklatanten Mangels an ausländischer Spezialliteratur
nicht für ratsam, an deutschen Bibliotheken Arbeiten über ein ausländisches Thema zu
beginnen. Winkler ging sogar so weit, zu unterstellen, die Bibliotheken seien aufgrund
ihrer mangelhaften Bestände mitschuldig an dem schlimmen “Dilettantismus, der sich in
der Kunstliteratur breit macht“.107 Selbst in Berlin, wo es “zumindest acht Bibliotheken
und Seminare gibt, die kunstgeschichtliche Literatur sammeln, und alle mit einem Programm, das sich vielfach deckt”, waren die Bedingungen seiner Meinung nach für die
Forschung nicht optimal.
haft bedroht wurde. In diesem Schreiben fordert Winkler eine Erhöhung des Erwerbungsetats auf 25.000 RM
jährlich sowie den kompletten Einsatz der für Publikationen und Gipsabgüsse eingenommenen Eigenmittel
für die Bibliothek. Zentralarchiv – Staatliche Museen zu Berlin. I / ZB 6, Schreiben Winklers an die Generalverwaltung vom 4.3.20.
104
Zentralarchiv – Staatliche Museen zu Berlin. I / ZB 6, Bericht Winklers an den Generaldirektor vom 26.
November 1920.
105
Zentralarchiv – Staatliche Museen zu Berlin. I / ZB 6, Bericht Winklers an den Generaldirektor vom 26.
November 1920.
106
Zentralarchiv – Staatliche Museen zu Berlin. I / ZB 6, Schreiben Winklers an die Notgemeinschaft der
deutschen Wissenschaft vom 21. März 1921.
107
Winkler 1920, S. 839.
25
“Der Zustand der Berliner kunstgeschichtlichen Bibliotheken im guten wie im schlechten
Sinne legt erneute Abgrenzung der Sammelgebiete, einheitliche Katalogisierung und erleichterten – äußerst kurzfristigen – Leihverkehr nahe, Maßnahmen, die die Praxis schon angebahnt
hat und die nur einer planvollen Regelung bedürfen.”108
Neben der Bereitstellung ausreichender Mittel, über die er sich freilich keine Illusionen machte, sah Winkler auch die Wissenschaft selbst in der Pflicht, endlich für durchgreifende Strukturrefomen im Bibliothekswesen zu sorgen.
“Die Situation sollte für die Vertreter der einzelnen wissenschaftlichen Disziplinen der Anlaß
sein, die planlose Selbstverwaltung vieler im Grunde den gleichen Zwecken dienenden
Büchereien zu reformieren. Der Kunstpflege würde der Kampf um ihre Existenz erleichtert
werden, der ihr vielleicht nicht erspart bleibt.”109
In der Praxis war die von Winkler geforderte “Vereinheitlichung und Vereinfachung
der Verwaltung der kunstgeschichtlichen Büchereien” nicht umzusetzen, noch nicht einmal
im Verbund der Staatlichen Museen, wo in den Zwanziger Jahren mit der Museumsbibliothek und der Kunstbibliothek zwei etwa gleichgroße Bibliotheken nebeneinander
existierten, deren Sammlungsprofil sich einander näherte. Die Bibliothek des Kunstgewerbemuseums führte ab dem 27. Mai 1924 gemäß Erlass des Kultusministeriums die Bezeichnung “Staatliche Kunstbibliothek (vormals Bibliothek des Kunstgewerbemuseums)”.
Die Namensänderung, die fraglos einen erweiterten Geltungsanspruch implizierte, war auf
Antrag des langjährigen Direktors der Kunstbibliothek Peter Jessens erfolgt. Jessen begründete seine Initiative:
“Nachdem die Sammlung des bisherigen Kunstgewerbe-Museums in das Schloß übergeführt
worden ist und den Namen Schloßmuseum angenommen hat und die Unterrichtsanstalt aus
ihrem bisherigen Verbande ausgeschieden ist, ist es geboten, auch die dritte der bisherigen
Abteilungen, die Bibliothek, entsprechend ihrem Aufgabenkreis zu benennen. Sie hat neben
der Literatur des Kunstgewerbes, die sie, wie bisher, wissenschaftlich vollständig zu pflegen
hat, von jeher auch die auf allgemeine Kunstbildung und Kunstpflege bezügliche Literatur über
Baukunst, Plastik und Malerei berücksichtigt und ist dadurch nicht nur den Handwerkern und
Handwerkskünstlern, sondern auch den Mitarbeitern der freien Künste, den Kunstfreunden
und, für die Hauptwerke, auch den Kunstforschern unentbehrlich geworden ... Ich darf
bemerken, daß auch in London aus dem Zusammenhang des früheren South Kensington
Museums die heutige National Art Library, die gleichermaßen für Kunst und Kunstgewerbe
bestimmt ist, sich entwickelt hat.”110
Jessen formulierte hier ein Programm, das den Weg von einer kunstgewerblichen
Vorlagensammlung zu einer kunsthistorischen Forschungsbibliothek beschreibt und damit
indirekt auch die eigenständige Rolle der Museumsbibliothek in Frage stellte. Aus einem
108
Winkler 1920, S. 840.
109
Winkler 1920, S. 841.
110
Bericht. Betr. Namensänderung der Bibliothek des Kunstgewerbe-Museums. Berlin, den 19. Februar
1924. Zentralarchiv – Staatliche Museen zu Berlin.
26
Brief seines Nachfolgers Curt Glaser an den Generaldirektor Wilhelm Waetzoldt aus dem
Jahre 1928 geht hervor, dass es einen Vorschlag zur Zusammenlegung beider Institute
gab,111 dieser aber von den Museumsbeamten abgelehnt wurde.112 Waetzoldt forderte am
6. Dezember 1928 den Direktor der Museumsbibliothek Winkler und den Direktor der
Staatlichen Kunstbibliothek Glaser auf, bis zum 20. Dezember Erwerbungslisten für das
erste Halbjahr 1928 vorzulegen, sowie eine Bestimmung der Sammlungsziele und Sammlungsgrenzen der beiden Bibliotheken beizufügen. Zweck dieser Aktion sollte sein, den
Umfang etwaiger Doppelanschaffungen zu ermitteln, die nach Weisung des Finanzministeriums nach Möglichkeit vermieden werden sollten.113 Im Laufe des Jahres 1929 wandte
sich Waetzoldt mit der Bitte um Klarstellung des Aufgabenprofils beider Bibliotheken an
das vorgesetzte Ministerium. Das Ergebnis teilte er dem Direktor der Antikensammlung
Demmler in einem Schreiben vom 20. Juli 1929 mit.
“Man war sich auch darüber klar, dass irgend eine Konkurrenz mit der Bibliothek im Alten
Museum schon deshalb gar nicht erörtert werden könne, weil die Bibliothek im Alten Museum
keine öffentliche Bibliothek, sondern lediglich eine Behördenbibliothek sein soll. Das Ziel war
also Ausbau der Staatlichen Kunstbibliothek zu einer öffentlichen Kunstbibliothek grossen
Maßstabes, die den Bibliotheken ähnlicher Art im Auslande würdig an die Seite gestellt
werden könnte.”114
Aus den Feststellungen des Ministeriums leitete Waetzoldt Richtlinien für die Verwaltung
der beiden Museumsbibliotheken ab.
111
Der Vorschlag beide Bibliotheken im Gebäude der Kunstbibliothek zu vereinigen, stammte wohl von
Glaser selbst, wurde aber von den Direktoren auf der Museumsinsel mit Empörung abgelehnt. Vgl. hierzu die
Durchschrift eines Schreibens Winklers an den Geheimen Regierungsrat im Wissenschaftsministerium
Waetzoldt vom 19. August 1927. Zentralarchiv – Staatliche Museen zu Berlin I / ZB 7.
112
Glaser schrieb: “Das Sammlungsziel der Staatlichen Kunstbibliothek ist durch ihren Namen und ihre
historische Entwicklung gegeben. Gegründet als Bibliothek des Kunstgewerbe-Museums musste sie über
ihren ursprünglichen Aufgabenkreis hinauswachsen, da die Grenzmauer zwischen Kunstgewerbe und der
sogenannten höheren Kunst, die das 19. Jahrhundert aufgerichtet hat, allmählich wieder gefallen ist. Eine der
Konsequenzen der neuen Auffassung von der Einheit aller Kunstgattungen war die Zusammenlegung der
ehemaligen Kunstgewerbe-Schule mit der Hochschule für die bildenden Künste. Diese Zusammenlegung
hatte mit der fast gleichzeitig erfolgten Übersiedlung der kunstgewerblichen Sammlungen in das Schloßmuseum für die ehemalige Bibliothek des Kunstgewerbe-Museums einschneidende Folgen. Sie wurde nun
auch räumlich aus dem Zusammenhang gelöst, der im geistigen Sinne schon seit langem gelockert war, und
es ergab sich die Notwendigkeit, auch die Sammlungsziele dem neuen Zustande bewußt anzupassen ... Die
Abgrenzung der Staatlichen Kunstbibliothek gegen die Bibliothek der Museen kann nur darin erblickt
werden, daß beide ganz verschiedenen Bedürfnissen dienen. Die eine ist eine öffentliche, die andere eine
Behördenbibliothek ... Da die einmal in Vorschlag gebrachte Verschmelzung beider Bibliotheken von den
Beamten der Museen mit sehr stichhaltigen Motiven abgelehnt wurde, scheint mir eine Änderung des
bestehenden Zustandes nicht anhängig und die Tatsache von Doppelanschaffungen unter den oben ausgeführten Gesichtspunkten erklärlich und vertretbar.” Zitiert nach Evers 1994b, S. 22.
113
Zentralarchiv – Staatliche Museen zu Berlin. I / ZB 7, Schreiben des Generaldirektors vom 6. Dezember
1928.
114
Zentralarchiv – Staatliche Museen zu Berlin. I / ZB 7, Schreiben des Generaldirektors vom 20. Juli 1929,
S. 1f..
27
“1. Die Museumsbibliothek ist weiterhin als nicht öffentliche Behördenbibliothek zu verwalten. Sie dient streng fachwissenschaftlichen Zwecken und ist in erster Linie eine Handbibliothek der Museumsbeamten. Sie hat ihr Augenmerk vorzugsweise auf die Beschaffung
von wissenschaftlicher Spezialliteratur zu lenken. 2. Die Staatliche Kunstbibliothek ist eine
öffentliche Bibliothek und dementsprechend zu verwalten. Sie hat in erster Linie ihr Augenmerk auf die Beschaffung allgemein interessierender wissenschaftlicher Kunstliteratur zu lenken. Daneben hat sie nach wie vor die Bedürfnisse des ehemaligen Kunstgewerbe- jetzigen
Schloßmuseums durch Beschaffung kunstgewerblicher Spezialliteratur zu befriedigen. 3. Die
Staatliche Kunstbibliothek ist eine öffentliche Präsenzbibliothek. Das Schloßmuseum hat jedoch nach wie vor das Recht, Werke der kunstgewerblichen Literatur zu entleihen. Zwischen
dem Direktor der Staatlichen Kunstbibliothek und dem Direktor des Schloßmuseums sind
besondere Vereinbarungen über eine möglichst erleichterte und beschleunigte Bücherentleihe
zwischen beiden Instituten zu treffen und mir zur Genehmigung vorzulegen. 4. Doppelanschaffungen von Büchern, Zeitschriften und Abbildungen müssen im Interesse der Staatsfinanzen nach Möglichkeit vermieden werden. Soweit die Praxis des Museumsdienstes in den
einzelnen Abteilungen die Beschaffung kleiner Handbibliotheken unentbehrlicher Nachschlage
und Hilfsbücher verlangt, wird mit gewissen Überschneidungen in den Aufgaben der beiden
Bibliotheken zu rechnen sein.”115
Genau betracht handelt es sich bei Waetzoldts Bestimmung der Museumsbibliothek
als einer nicht öffentlichen Behördenbibliothek um die Aufrechterhaltung einer Fiktion.
Seit 1880 befand sich in jedem Museumsführer der Hinweis, dass sich interessierte Benutzer der Bibliothek an den Bibliothekar zu wenden hätten. Waetzoldt selbst hatte 1911 in
seinem Gutachten zur Bibliotheksreform von etwa 100 ständigen Besuchern der Bibliothek
gesprochen, darunter Kunsthistoriker, Universitätsdozenten, Privatgelehrte, Archäologen,
Gymnasialoberlehrer, Studenten sowie Museumsbesucher nach Rundgängen durch die
Ausstellungssäle.116 Ab 1921 wurden den Benutzern der Zentralbibliothek persönliche
Besucherkarten ausgestellt, die ein Jahr gültig waren und die Besucher von der Zahlung
des Museumseintrittsgeldes freistellten.117 Die Bibliothek war von Montag bis Sonnabend
von 9 Uhr bis 15 Uhr geöffnet. Nachdem 1926 ein zusätzlicher Aufseher für den Lesesaal
eingestellt worden war, wurden die Öffnungszeiten Montags bis Sonnabends auf 9 Uhr bis
19 Uhr erhöht.118 Die hohe Anzahl institutsfremder Benutzer und die benutzerfreundlichen
Öffnungszeiten weisen deutlich darauf hin, dass es sich bei der Museumsbibliothek nur
formal um eine interne Behördenbibliothek handelte. Tatsächlich war sie für eine Elite
wissenschaftlicher Benutzer im Prinzip uneingeschränkt nutzbar.119 Dies sah auch ihr
115
Zentralarchiv – Staatliche Museen zu Berlin. I / ZB 7, Schreiben des Generaldirektors vom 20. Juli 1929,
S. 3f..
116
GSTA Rep. 76 V e Sekt. 15. Abt. V. 1. Bd. 2. Bl. 279.
117
Köhler 1980, S. 467.
118
Köhler 1980, S. 468.
119
Der Universitätsprofessor Oskar Fischel schilderte die Vorzüge der Museumsbibliothek für ihre privilegierten Benutzer in einem Schreiben an den Generaldirektor von Falke im Jahre 1925: “Die kleine alte
gepflegte Bibliothek mit ihrem reichen, ja fast vollständigen Material ersetzte uns die Lücken unserer
Institute und entschädigte uns durch die leichte und intime Benutzbarkeit für die Schwierigkeiten des starren
28
Direktor Winkler so, der in Erledigung von Waetzoldts Aufforderung zur Einsendung von
Erwerbungslisten am 19. Dezember 1928 der Bezeichnung Behördenbibliothek mit Hinweis auf den öffentlichen oder halböffentlichen Charakter der Zentralbibliothek und der
angeschlossenen Handbibliotheken widersprach.120
Für die Zukunft blieb es bei dem Dualismus von Kunstbibliothek und Museumsbibliothek innerhalb des Verbundes der Staatlichen Museen. Beide Bibliotheken wurden
systematisch ausgebaut. Neben einem jährlichen Erwerbungsetat von 13.500,- RM121 flossen der Museumsbibliothek erhebliche Buchbestände aus den Privatbibliotheken der an
den Museen tätigen Gelehrten zu.122 Auch aus der kunsthistorischen Bibliothek des Preussischen historischen Instituts in Rom durfte die Museumsbibliothek alle nicht vorhandenen
Werke auswählen.123 Den Zentralisierungsbestrebungen Winklers zum Trotz,124 hatten
auch die von der Museumsbibliothek effektiv versorgten Abteilungen weiterhin die Tendenz, eigenverantwortlich Buchbestände aufzubauen, wozu auch Dubletten genutzt
wurden.125 Wilhelm Waetzoldt, schilderte diese Ausreißer 1931 in seiner Denkschrift über
die Museen als Forschungstätten:
“Als Handbücherei der Antiken-Abteilungen dient die Museumsbibliothek. Für das Gebiet der
Bauforschung besitzt jedoch das Pergamon-Museum in der Stiftung der Geschwister Töbelmann eine bedeutende Fachbibliothek. ... Die großen kunstgeschichtlichen Sammlungen, wie
Systems in den großen benachbarten Häusern der Staats- und Universitätsbibliothek. Die Stille und
Sammlungen in diesen Räumen, die unmittelbare Fühlung mit den Büchern, deren Benutzbarkeit durch die
immer verbesserte Organisation der letzten Jahre und durch planvollen Ausbau ständig wuchs, war durch ihr
einfaches Vorhandensein allein schon hilfreich und anregend für jeden, und barg in sich einen dauernden
Anreiz zur Benutzung, und eine unschätzbare Förderung und Befestigung in den Grundlagen unserer Studien
und Vorbereitungen. Nicht geringen Dank schulden wir der bisherigen Kunstgewerbe-Museumsbibliothek ...
Aber gerade darum bitte ich Sie mir das Recht zuzugestehen, für die Aufrechterhaltung beider so
fördersamen Einrichtungen nebeneinander einzutreten. ...” Durchschrift des Briefes von Prof. Fischel an
Generaldirektor von Falke vom 20.11.1925. Zentralarchiv – Staatliche Museen zu Berlin.
120
Zentralarchiv – Staatliche Museen zu Berlin. I / ZB 7, Schreiben Winklers an den Generaldirektor vom
19. Dezember 1928.
121
Köhler 1980, S. 469.
122
Z.B. eine umfangreiche Sammlung von Galeriekatalogen Julius Meyers und Auktionskatalogen Wilhelm
von Bodes. Winkler 1930, S. 185.
123
Winkler 1930, S. 185.
124
“Weiteres Ziel wird es sein, die vorhandenen bezw. voraussichtlich entstehenden ‘Hand’-Bibliotheken
(z.T. sehr schöne Fachbibliotheken) der noch nicht angeschlossenen Museen wie Zeughaus, Nationalgalerie,
Schlossmuseum usw. anzufügen (deren Kataloge teilweise schon in unseren Zentralkatalog aufgenommen
sind,) zumindest in der Art wie etatsmässig die Bibliothek des Völkerkundemuseums von jeher als
Bestandteil der Zentralbibliothek geführt wird.” Zentralarchiv – Staatliche Museen zu Berlin. I / ZB 7,
Schreiben Winklers an den Generaldirektor vom 19. Dezember 1928.
125
“Eine kleine Sammlung Bücher, vornehmlich zur Geschichte der italienischen Kunst, Dubletten des Vermächtnisses des Galeriedirektors Julius Meyer, ist im Studiensaal des Kaiser-Friedrich-Museums aufgestellt.” Winkler 1930, S. 181.
29
die Gemäldegalerie und die Abteilung der Bildwerke der christlichen Epochen finden die
Fachliteratur in erster Linie in der Museumsbibliothek. Aus praktischen Gründen sammelt jedoch die Abteilung der Bildwerke topographische Literatur und Sonderdrucke aus Zeitschriften, die sich auf deutsche Kunst bis 1800 beziehen (die Exemplare werden durchweg
geschenkt). Die Gemäldegalerie verfügt über eine Spezialsammlung von Galeriekatalogen und
unentbehrlichen Nachschlagewerken.“126
2.1.4. Die Dreißiger und Vierziger Jahre
1929 wurde eine neugeschaffene Hilfsbibliothekarsstelle in der Museumsbibliothek mit der
Bibliothekarin Margarete Völks besetzt. Das Personal bestand von da an bis zum Ende des
Zweiten Weltkrieges aus dem Bibliotheksdirektor, der Hilfsbibliothekarin und drei Sammlungsaufsehern.127 1930 erhielt die Bibliothek ein neues Domizil im Erdgeschoss (Spreeseite) des fertiggestellten Pergamonmuseums, in dem sie zum ersten Mal in ihrer
Geschichte ihre Bestände angemessen präsentieren konnte.128 Der Bibliotheksdirektor
Friedrich Winkler verfasste anläßlich der Hundertjahrfeier der Museen 1930 eine Beschreibung der Museumsbibliothek.129 Er berichtete, dass der Bestand rund 60.000 Bände
umfasst und die Bibliothek eine Stellung einnimmt, “die ihr durch die Vollständigkeit und
Mannigfaltigkeit der Bestände in mehreren historischen Disziplinen einen Rang vor den
allermeisten ähnlichen kunstgeschichtlichen und archäologischen Bibliotheken im In- und
Auslande zuweist.”130
Eineinhalb Jahre nach dem Jubiläum, das die Museumsbibliothek auf dem Höhepunkt ihrer Geschichte gesehen hatte, begann die nationalsozialistische Diktatur, die mit
126
Waetzoldt 1931, S. 4f. Über den Aufstellungsort bestimmter Nachschlagewerke gab es immer wieder
Auseinandersetzungen zwischen der Bibliotheksleitung der Zentralbibliothek und den Abteilungsleitern der
Museen, die soviel wie möglich derartige Werke in der Nähe ihrer Arbeitsplätze aufstellen wollten um sich
den ansonsten notwendigen Gang in die Zentralbiliothek zu sparen. Vgl. hierzu z.B. die Auseinandersetzung
zwischen Friedrich Winkler und Theodor Demmler um die Aufstellung eines Künstlerlexikons. Zentralarchiv
– Staatliche Museen zu Berlin. I / ZB 7.
127
Jahrbuch der Deutschen Bibliotheken. 17. 1926, S. 16.
128
“In den neuen Räumen gab es je einen Lesesaal mit den Hauptnachschlagewerken und Zeitschriften für
Kunsthistoriker und für Archäologen. Die Kunstgeschichte Deutschlands, der Niederlande, Englands,
Frankreichs und Spaniens war in vier Zimmern, diejenige Italiens und der anderen Länder in dem Korridor
vor denselben untergebracht. Auf den langen Fluren fanden auch die Versteigerungskataloge, Gesammelten
Werke von Gelehrten, Varia, archäologische und hilfswissenschaftliche Gruppen Platz. Ein großer Raum
bildete das Magazin, wo auch die Schränke mit Lieferungswerken aufgestellt wurden. Ein weiteres Magazin
befand sich zusammen mit der der Bibliothek seit 1920 angegliederten photographischen Arbeitsstätte im
dritten Stockwerk über der Bibliothek.” Berliner Museen 1953, S. 157.
129
Im “Gesamtführer zur Hundertjahrfeier. Herausgegeben vom Generaldirektor. Berlin: Cassirer 1930”, in
dem sich alle Museumsabteilungen der Öffentlichkeit vorstellten.
130
Winkler 1930, S. 181.
30
der völligen Zerstörung Deutschlands und der Berliner Museen endete.131 Bis zum Beginn
des Zweiten Weltkrieges konnte die Museumsbibliothek noch einen bedeutenden Bestandszuwachs verbuchen. Einer Notiz von Carl Koch, der im Mai 1943 von der Kunstbibliothek an die Museumsbibliothek versetzt worden war,132 ist zu entnehmen, dass die
Museumsbibliothek im Jahre 1938 76.200 Bände besaß, die auf ungefähr 1.250 lfd. Metern
aufgestellt waren.133 Für 1942/43 verzeichnete das Jahrbuch der Deutschen Bibliotheken
einen Bestand von rund 85.000 Bänden bei einem Vermehrungsetat von 8.500 RM und
2.500 RM Einbandmitteln.134 Da die Bibliothek im Erdgeschoss des massiven Pergamonmuseums als relativ bombensicher untergebracht galt, wurden die Buchbestände zunächst
nicht evakuiert. Die Erwerbung und der Benutzungsbetrieb liefen während der Kriegsjahre
weiter und “die Bibliothek wurde von Berliner und auswärtigen Kunstwissenschaftlern
vielfach als letzte sichere Arbeitsstätte aufgesucht.”135 Nachdem die Gebäude der
Museumsinsel durch einen Luftangriff am 3. Februar 1945 stark beschädigt worden waren
und auch die Ostfront immer näher an Berlin heranrückte, begann man mit dem Verpacken
der Buchbestände zwecks Auslagerung. In 618 Kisten wurde ein großer Teil der
wissenschaftlichen Literatur zu Schiff nach Schönebeck an der Elbe abtransportiert und
dort in einer Saline gelagert. Aktenbestände der Bibliothek wurden mit Beständen der
Gemäldegalerie im Flakturm Friedrichshain untergebracht.136 Die letzte Inventarisierung
eines Buches während des Zweiten Weltkrieges erfolgte am 12. April 1945.137
131
Ende der Zwanziger und Anfang der Dreißiger Jahre traten die Museumsbibliotheken auch ins allgemeine
bibliothekarische Bewußtsein, wie verschiedene Beiträge im Zentralblatt für Bibliothekswesen zeigen, die
sich mit den Museumsbibliotheken und ihren spezifischen Problemen beschäftigen. Vgl. Schramm 1927 und
Meissner 1932.
132
Zu den Gründen für die Versetzung vgl. S. 64
133
Köhler 1980, S. 470.
134
Jahrbuch der Deutschen Bibliotheken 33. 1943. S. 13.
135
Ausführliche Schilderungen über das Schicksal und die Verluste der Berliner Museen während und nach
dem Zweiten Weltkrieg wurden 1953 in einem Sammelband “Die Berliner Museen” veröffentlicht. Die
Artikel über die Museumsbibliothek und die Kunstbibliothek wurden von Carl Koch und Friedrich Winkler
geschrieben, die beide die Kriegs- und Nachkriegszeit an den Museen unmittelbar miterlebten. Berliner
Museen 1953, S. 157.
136
“Erst Anfang 1945, als sich die Ostfront den deutschen Grenzen bedenklich näherte, entschied man sich
dafür, die große Masse der für die Forschung unentbehrlichen Literatur zwecks Abtransportes zu verpacken.
Das waren die in- und ausländischen Zeitschriften, die Lexika, dazu große Teile der zusammenfassenden
Literatur und die ganze die Länder Deutschland, Niederlande, Italien, Frankreich usw. betreffende.
Vollständig verpackt wurde auch die Sammlung der Kataloge von Privatsammlungen und von Auktionskatalogen. darunter die wertvolle Garnitur der ältesten, schließlich die im archäologischen Lesesaal befindliche Archäologische Bibliothek. In 618 Kisten wurde diese Menge zu Schiff nach Schönebeck an der Elbe
abtransportiert und dort im Moltkeschacht der Saline eingelagert. Die die Geschichte der Bibliothek betreffenden Akten wurden mit Beständen des Kaiser-Friedrich-Museums zusammen im Flakturm Friedrichshain
31
2.1.5. Die Nachkriegszeit (1945 – 1948)
Nach der Kapitulation Berlins brachen am 5. Mai und zwischen dem 14. und 18. Mai
Brände im unter russischer Verwaltung stehenden Flakturm Friedrichshain aus, hierbei
verbrannten neben mehreren hundert großformatigen Spitzenwerken der Gemäldegalerie,
Werke der Skulpturenabteilung, der Antikenabteilung, des Kupferstichkabinetts und auch
die Aktenbestände der Museumsbibliothek.138 Ein Feuer in den Räumen der Bibliothek
vernichtete 42 von 370 nicht mehr ausgelagerten Buchkisten.139 Die in die mitteldeutschen
Bergwerke ausgelagerten Bestände wurden von den Westalliierten in Kunstgutsammellagern in Wiesbaden und in Celle zusammengeführt. (Vgl. hierzu Kapitel 2.1.6.).
Nachdem sich am 17. Mai 1945 der Magistrat von Groß-Berlin konstituiert und die
Verwaltung der Staatlichen Museen übernommen hatte, wurden ab Juni die politisch unbelasteten ehemaligen Museumsbeamten als Angestellte des Magistrats eingestellt.140 Carl
Koch blieb Direktor der Museumsbibliothek und besorgte mit der Bibliothekarin
Margarethe Völks die Bergung der zurückgebliebenen Bestände und auch des erhaltenen
alphabetischen und systematischen Zettelkataloges. Zunächst wurden die definitiv vernichteten Bestände auf den Katalogzetteln gekennzeichnet, danach mit der Aufstellung einer
provisorischen Handbibliothek begonnen, die sich vorwiegend aus den Bereichen Ästhetik,
Ikonographie und Emblematik zusammensetzte. Über die Anzahl der bei Kriegsende noch
in Berlin vorhandenen Bestände der Museumsbibliothek existieren unterschiedliche
Angaben. Carl Koch spricht in seinem Bericht aus dem Jahre 1953 nur von einem erhalten
gebliebenen Restbestand an Büchern,141 während Christa Köhler 1980 von weiteren 18.000
untergebracht. Die vielen Kisten mit der Korrespondenz Bodes und anderen Handschriften wurden in einem
abseitigen Museumskeller eingemauert.” Berliner Museen 1953, S. 158.
137
Köhler 1980, S. 469f..
138
Die ungeheuren Schäden durch Luftangriffe, Brände, Auslagerungen, Plünderungen und Abtransporte in
die Sowjetunion, die die Staatlichen Museen an Kunstwerken, Gebäuden und wissenschaftlichem Material
als Folge des Zweiten Weltkrieges erlitten, sind in einem umfassenden Bericht von Irene Kühnel-Kunze
dargestellt worden, der 1984 als Sonderband 2 des Jahrbuchs Preussischer Kulturbesitz publiziert wurde. Vgl.
zu den Geschehnissen um den Flakturm Friedrichshain Kühnel-Kunze 1984, S. 61ff..
139
“Die in der Bibliothek zurückgebliebenen und gelagerten Bücherkisten kamen dadurch in Gefahr, daß im
April der Volkssturm diese Räume besetzte. In den beiden Deutschlandzimmern gelagerte Munition explodierte und es verbrannte der Inhalt von 42 Kisten (Liste einliegend). 327 Bücherkisten sind jetzt noch in der
Bibliothek vorhanden und zwar auf den Korridoren gestapelt (Liste einliegend).” Akten der Zentralbibliothek: Aufstellung des Bibliotheksdirektors Koch vom Oktober 1945. Vgl. auch Berliner Museen 1953, S.
158.
140
Sechs NSDAP-Mitglieder mussten aus dem Museumsdienst ausscheiden, unter ihnen der Generaldirektor
Otto Kümmel. Kühnel-Kunze 1984, S. 76ff..
141
“Der alphabetische und der systematische Zettelkatalog sind in Berlin geblieben. Der Restbestand an
Büchern hier betrifft vorwiegend Hilfswissenschaften, einige Nachschlagewerke und Enzyklopädien.
32
Bänden berichtet, die in Kisten in der Bibliothek aufbewahrt wurden und von Schimmelbefall bedroht waren.142 Kurt Schifner gibt in einem Bericht aus dem Jahre 1970 den
Bestand der Museumsbibliothek vor der Kriegseinwirkung mit 86.000 Bänden und für
1945 mit 53.000 Bänden an.143
Der erhaltene Bestand und die Kriegsverluste der Museumsbibliothek lassen sich mit
Hilfe bekannter Tatsachen und einiger Schätzwerte in etwa ermitteln. Ausgangspunkt ist
hierbei eine Bestandszahl von 86.000 Bänden vor der Verlagerung, die auch durch die Zahl
von 85.000 Bänden im Jahrbuch der Deutschen Bibliotheken von 1943 untermauert ist.
Diese 86.000 Bände umfassen den Buchbestand der Zentralbibliothek und der angeschlossenen Handbibliotheken. Die Handbibliotheken des Ägyptischen Museums144 und des
Vorderasiatischen Museums145 waren nicht ausgelagert worden und überdauerten den
Krieg in den Kellern auf der Museumsinsel unbeschadet. Die ebenfalls auf der Museumsinsel zurückgebliebene Bibliothek des Münzkabinetts, wurde dagegen von der russischen
Armee komplett abtransportiert.146 Die drei Handbibliotheken umfassten 1945 ca. 20.000
Bände, von denen die 9.000 Bände des Münzkabinetts verloren gingen.147 Die ca. 7.000
Bände zählende Handbibliothek des Kupferstichkabinetts war dagegen ausgelagert worden
und kehrte nicht auf die Museumsinsel zurück.148 Da alle Abteilungen für die Bergung
ihres Sammlungsgutes und ihrer Bibliotheken selbst verantwortlich waren,149 können etwa
27.000 Bände von den 86.000 Bänden Gesamtbestand abgezogen werden, deren Verlagerung nicht der Zentralbibliothek oblag. Der 59.000 Bände umfassende Bestand der Zentralbibliothek wurde zur Vorbereitung der Auslagerung in 988 Bücherkisten verpackt. 618
Kisten wurden vom 6. bis 13. März 1945 per Spreekahn nach Schönebeck an der Elbe
Gewisse Nachkäufe von älterer Literatur und Erwerbungen von Neuerscheinungen können den unerhörten
Verlust, den die Bibliothek erlitt, nicht wettmachen.” Berliner Museen 1953, S. 158.
142
Köhler 1980, S. 471.
143
Schifner 1970, S. 160.
144
Die Bibliothek war bereits zum Abtransport gepackte, konnte aber nicht mehr ausgelagert werden.
Berliner Museen 1953, S. 16.
145
Berliner Museen 1953, S. 32.
146
Berliner Museen 1953, S. 154.
147
1931 hatte das Münzkabinett 7.000 Bände und das Ägyptische Museum 4.200 Bände umfaßt. Waetzoldt
1931, S. 4f.. Die Bibliothek des Vorderasiatischen Museums war bis 1938 auf 4474 Bände angewachsen.
Köhler 1980, S. 460. Diese Zahlen rechtfertigen die Annahme, das die drei Bibliotheken 1945 20.000 Bände
besaßen.
148
Die Bibliothek des Kupferstichkabinetts hatte 1931 5.200 Bände umfaßt. Waetzoldt 1931, S. 5.
149
Vgl. hierzu Kühnel-Kunze 1984, S. 13ff..
33
verbracht. 42 Kisten verbrannten in den Räumen der Museumsbibliothek, 327 Bücherkisten waren nach Kriegsende noch in der Bibliothek vorhanden.150 Wenn der gesamte
Bestand in 988 Kisten verpackt wurde, entspricht dies einer durchschnittlichen Belegung
von etwa 60 Bänden pro Kiste. Für die Ermittlung der Verluste ist die Frage entscheidend,
wie viele Bände tatsächlich in das Bergwerk Schönebeck eingelagert wurden. Nach Carl
Kochs Angaben wurden 618 Kisten nach Schönebeck verbracht, von denen 96 im Juni
1945 von der britischen Armee übernommen wurden.151 Diese 1946 ins Kunstgutlager
Celle verbrachten Kisten enthielten ca. 3.800 Bände, d.h. etwa 40 Bände pro Kiste.152
Wenn die durchschnittliche Belegung einer Kiste zwischen 40 und 60 Bänden schwankt,
dann lassen sich die Kriegsverluste überschlägig wie folgt beziffern: 40 Bände mal 618
Kisten ergibt eine Zahl von 24.720 verlagerten Bänden, die nach dem Krieg nicht in die
Museumsbibliothek zurückkehrten. Nimmt man einen Mittelwert von 50 Bänden pro Kiste
ergibt sich eine Zahl von ca. 31.000 Bänden und bei 60 Bänden pro Kiste von 37.000
Bänden. Da die Rote Armee 1946 522 Buchkisten aus Schönebeck abtransportierte, ergibt
sich bei 40 Bänden pro Kiste ein Kriegsverlust von 20.880 Bänden, bei 50 Bänden pro
Kiste einer von 26.100 Bänden und bei 60 Bänden pro Kiste einer von 31.320 Bänden. Bei
dem Brand in der Museumsbibliothek wurden schätzungsweise zwischen 2.000 und 3.000
Bände zerstört. Von den verlagerten Beständen der Museumsbibliothek wurden bis 1956
nach Berlin-Dahlem 10.400 Bände zurückgeführt, in erster Linie der wichtigste Teil der
Bibliothek des Kupferstichkabinetts (ca. 6.000 Bände), außerdem Teile der Archäologischen Handbibliotheken (ca. 2.500 Bände) und Reste der Abteilungen der Christlichen
Epochen.153 Insgesamt ergibt sich damit folgendes Bild: Von den 1945 vorhandenen
150
Akten der Zentralbibliothek: Aufstellung des Bibliotheksdirektors Koch vom Oktober 1945.
151
“Das Salzbergwerk bei Schönebeck lag in jenem Gebiet, das von der englisch-amerikanischen Armee
besetzt wurde, aber dann zur russischen Besatzungszone kam. Von den nach Schönebeck verschifften
Beständen war der letzte Transport nicht mehr vollständig in das Bergwerk eingefahren worden. 96 Kisten,
wahrscheinlich solche, die sich außerhalb des Schachtes befanden, wurden im Juni 1945 von der englischen
Armee übernommen und gelangten zu den übrigen Berliner Museumsbeständen in der britischen Zone in das
im Schloß Celle eingerichtete Kunstgutlager. Der weitaus größere Bestand blieb zunächst im Bergwerk. Er
ist Ende April 1946 von der russischen Armee abtransportiert worden. Es handelt sich um 522 Kisten, die den
Hauptbestand der Bibliothek darstellen, und 100 Kisten mit der Bibliothek des früheren Direktors der
Antikenabteilung Zahn, die Ende des Krieges angekauft worden war. Die 96 Kisten in Celle umfassen die
Italien betreffende Literatur.” Berliner Museen 1953, S. 158.
152
Eine Zahl von 40 Bänden pro Kiste erscheint realistisch, denn auch für den Rücktransport von 40.000
Bänden der Kunstbibliothek aus Celle nach Berlin benötigte man 1954 998 Kisten. Vgl. Pretzell 1959, S.
115. In den Akten des Zentralarchivs der Staatlichen Museen zu Berlin finden sich Bestellunterlagen von
Bücherkisten zu Bergungszwecken, in denen die Maße der Kisten mit 75 x 43 x 38 cm angegeben sind.
Zentralarchiv – SMB I / ZB 36.
153
Westphal 1962, S. 255.
34
86.000 Bänden verbrannten 2.000 bis 3.000 Bände, 30.000 bis 40.000 Bände wurden
vermutlich in die Sowjetunion verbracht, 10.400 Bände gelangten nach Westberlin und
zwischen 33.000 und 44.000 Bänden verblieben nach dem Zweiten Weltkrieg in den
Gebäuden der Museumsinsel. Damit blieben etwa zwischen 40 % und 50 % des Bestandes
erhalten, wenn auch auf Ost- und Westberlin verteilt.154
Obwohl die Aufbauarbeit in den Museen 1946 langsam Fortschritte machte und auch
wieder Ausstellungen in den stark zerstörten Gebäuden gezeigt wurden,155 warf die beginnende politische Spaltung Deutschlands ihre Schatten voraus. Viele Wissenschaftler der
Berliner Museen verließen zwischen 1946 und 1949 die Stadt und wurden Museumsdirektoren in Westdeutschland oder wechselten in den Hochschuldienst.156 Nach der
Währungsreform in den Westzonen und der Berlinblockade der Sowjets im Juni 1948
verschärften sich die Spannungen in der Stadt. Am 6.9.1948 zog die StadtverordnetenVersammlung aus dem im sowjetischen Sektor gelegenen Rathaus aus und leitete damit die
endgültige Spaltung Berlins ein. Carl Koch gab sein Amt als Direktor der Museumsbibliothek am 15.9.1948 auf. Die Bibliothekarin Margarete Völks verließ ebenfalls Berlin
und begann am 15.12.1948 als Bibliothekarin im Kunstgutlager Celle, wo sie bis zum
31.12.1954 beschäftigt war.157 Mit der Einberufung eines neuen Magistrats in Ostberlin am
30.11.1948 und der Neuwahl der Stadtverordnetenversammlung in Westberlin am
5.12.1948 war die Teilung der Stadt und damit auch die Teilung der Ehemals Staatlichen
Museen für über 50 Jahre besiegelt.158
154
Eine genaue Bezifferung der Kriegsverluste ließe sich anhand der in der ehemaligen Zentralbibliothek
noch erhaltenen Packlisten erstellen, wäre aber mit sehr großem Aufwand verbunden.
155
Am 21. Dezember 1946 fand im Berliner Schloß die erste Nachkriegsausstellung der Museen mit dem
Titel “Wiedersehen mit Museumsgut” statt. Sie war von Ludwig Justi vorbereitet worden, den man am 17.
August 1946 trotz seines hohen Alters zum Generaldirektor der Museen berufen hatte.
156
Vgl. hierzu Kühnel-Kunze 1984, S. 89f..
157
Pretzell 1959, S. 109.
158
Im Laufe des Jahres 1950 und Anfang 1951 kündigten nacheinander die Wissenschaftler Hans Möhle,
(Kupferstichkabinett), Paul Ortwin Rave (Nationalgalerie), Ernst Kühnel (Islamische Abteilung) und Anthes
(Ägyptisches Museum) ihren Dienst im Ostsektor, Friedrich Winkler (Kupferstichkabinett) folgte 1952.
Kühnel-Kunze 1984, S. 137.
35
2.1.6. Die Kunstgutlager der Alliierten von 1945 – 1958
Eine erste Aufstellung der Schäden, Verluste und Bestandsverlagerungen, die die Staatlichen Museen als Folge des Zweiten Weltkrieges zu beklagen hatten, verdanken wir dem
Direktor des Kupferstichkabinetts und früheren Museumsbibliothekar Friedrich Winkler,
der eine “Kriegschronik der Berliner Museen, abgeschlossen Mai 1946” führte.159 Laut
Winklers Aufstellung befanden sich von den Bibliotheksbeständen der Museen nach
Kriegsende etwa 10% der Bücher und der größte Teil der Graphik der Staatlichen Kunstbibliothek in der amerikanischen Zone, die wissenschaftliche Handbibliothek sowie
illustrierte Bücher des Kupferstichkabinetts und die Hälfte aller Bücher und des Bildarchivs der Staatlichen Kunstbibliothek in der britischen Zone und die Handbibliothek der
Nationalgalerie, Reste der illustrierten und wissenschaftlichen Bücher des Kupferstichkabinetts sowie die Hälfte des Bildarchivs und ein Fünftel der Bücherbestände der Staatlichen Kunstbibliothek in der sowjetischen Zone. Die Rote Armee führte im Frühjahr 1945
und von Dezember 1945 bis Ende April 1946 Aktionen zur Sicherstellung deutschen
Kulturgutes durch, in deren Verlauf umfangreiche Bestände der Staatlichen Museen in die
Sowjetunion abtransportiert wurden. Durch diesen Kunstraub großen Ausmaßes verloren
die Berliner Museen nicht nur Kunstschätze, sondern auch große Teile des für die wissenschaftliche Arbeit unverzichtbaren Buchbestandes. Die Handbibliotheken des Münzkabinetts, des Schlossmuseums und der indisch-asiatischen Abteilung wurden vollständig
verlagert, Buchbestände des Völkerkundemuseums, der Staatlichen Kunstbibliothek (56
Kisten) und des Kupferstichkabinetts (50 Kisten mit sämtlichen illustrierten Büchern des
19. Jahrhunderts) teilweise beschlagnahmt.160
Im Februar und März 1946 wurden aus dem Bergwerk Grasleben folgende Bestände
der Kunstbibliothek in dem seit dem 28. August 1945 bestehenden “Zonal Fine Arts
Repository” der britischen Militärregierung im Schloß Celle eingeliefert: “651 Kisten, 213
große Bände, 626 Kästen der Lipperheide-Kostümbibliothek u.a., 22 große Mappen, 39
Kisten mit 2.743 Mappen des Bildarchivs (ca. 80.000 Fotos), 596 Kästen und 9 Mappen
(inkl. Japan-Holzschnitte).”161 Von der Zentralbibliothek gelangten im April und Mai 1946
159
Winkler 1984. Winklers Bericht wurde erst im Jahre 1984 als Anlage 2 in dem Sammelband von Irene
Kühnel-Kunze publiziert. Weitere summarische und zum Teil auf unzureichenden Informationen beruhende
Artikel zu dem Kriegsschicksal und den Kriegsverlusten der Berliner Museen erschienen in verschiedenen
Zeitschriften ab 1947. Vgl.. Justi 1947; Martin 1948; Schmidt 1949; Kriegschronik 1951.
160
Winkler 1984, S. 345ff..
161
Pretzell 1959, S. 114.
36
107 Kisten aus dem Bergwerk Schönebeck über Goslar nach Celle. Diese Angaben
entstammen einer ausführlichen Aufstellung über den nach Celle verlagerten Bestand der
Berliner Museen, die der langjährige Mitarbeiter und spätere Leiter des Kunstgutlagers
Lothar Pretzell im Jahre 1959 veröffentlichte. Irene Kühnel-Kunze gab 1984 unter Berufung auf die entsprechende Publikation Pretzells vollkommen abweichende Zahlen wieder,
die definitiv nicht aus dem Buch Pretzells entnommen sein können. Nach ihrer Aufstellung
befanden sich in Celle 609 Kisten, 804 Kapseln, 1300 Mappen, 56 Schränke usw. der
Kunstbibliothek, sowie 552 Kisten der Museumsbibliothek und 12 Kisten mit der Handbibliothek der Gemäldegalerie, die aus Schönebeck nach Celle gelangten.162 Tatsächlich
hatten die Engländer nur 96 Kisten mit Beständen der Museumsbibliothek aus Schönebeck
über Goslar nach Celle abtransportiert,163 bevor sie die Kontrolle über das Berwerk zum 1.
Juli 1945 an die Rote Armee übergaben.
“Der weitaus größere Bestand [der Musumsbibliothek J. B.] blieb zunächst im Bergwerk. Er ist
Ende April 1946 von der russischen Armee abtransportiert worden. Es handelt sich um 522
Kisten, die den Hauptbestand der Bibliothek darstellen, und 100 Kisten mit der Bibliothek des
früheren Direktors der Antikenabteilung Zahn, die Ende des Krieges angekauft worden
war.”164
Wie die stark voneinander abweichenden Zahlen über die verlagerten Bestände der
Museumsbibliothek in den einschlägigen Publikationen der Nachkriegszeit belegen, konnten die Verluste der Berliner Museen in den Kriegs- und Nachkriegswirren nicht eindeutig
dokumentiert werden. Eine lückenlose Rekonstruktion der Vorgänge ist heute kaum mehr
möglich.
Nachdem die Einlagerung der Berliner Bibliotheks- und Graphikbestände in Schloß
Celle im Sommer 1946 abgeschlossen war, musste für eine angemessene Lagerung der
etwa 45.000 Bücher, 80.000 Fotos und der grafischen Blätter gesorgt werden. Die
Verbringung in die Salzbergwerke hatte zur Aufnahme von Salzstaub und Salzsole in den
Büchern geführt, das nach der Austrocknung auskristallisierte. Hierdurch entstanden Schä-
162
Kühnel-Kunze 1984, S. 100.
163
Das “Advanced Ministerial Control Team” besucht am 21. und 22. Mai Schönebeck und am 27. Mai
Grasleben und erwähnt im Report vom 28. Mai die “private library of Dr. Zahn”, die “Berlin State Museum
Library” und die “Staatliche Kunstbibliothek”. Bis zum 30. Juni werden museale und Bibliotheksbestände
von den Engländern auf 75 Lastwagen von Schönebeck über Goslar nach Celle verbracht, u. a. auch 96
Kisten mit Beständen der Museumsbibliothek. Evers 1994b, S.
164
Berliner Museen 1953, S. 158.
37
den insbesondere an Ledereinbänden. Aus diesem Grunde notwendig gewordene Konservierungsarbeiten wurden in Celle systematisch von 1949 bis 1954 durchgeführt.165
“Das laufende Aus- und Einpacken, Registrieren und Aufstellen, das Anlegen umfangreicher
Sach- und Verfasserkarteien zog sich seit 1949 über Jahre hin. Im Zuge dieser Arbeiten wurden
nach und nach viele Buchbestände übersichtlich und luftig aufgestellt, woraus sich bald eine
benutzbare Bibliothek ergab, die bereits ab März 1949 den Wissenschaftlern des Kunstgutlagers und bald auch der Öffentlichkeit zur Verfügung stand.”166
Betreut wurde die Bibliothek von der Bibliothekarin Margarete Völks, die am 1.12.1948
von der Zentralbibliothek der Berliner Staatlichen Museen kommend, an das Kunstgutlager
Celle gewechselt hatte. Trotz dieser personellen Kontiuität stellte die Eröffnung einer
“Kunstbibliothek Schloß Celle” eine große Gefahr für die Berliner Kunstbibliothek dar,
war sie doch dazu angetan, vollendete Tatsachen zu schaffen und die Rückgabe der Bestände zumindest so lange wie möglich zu verzögern. In der Präsenzbibliothek im Schloß
Celle wurden ein Leseraum mit Handbibliothek und ein weiterer Studiensaal für die
Lipperheidesche Kunstbibliothek eingerichtet, die Bestände wurden neu inventarisiert und
neu geordnet167 und es wurden aus Mitteln des Niedersächsischen Kultus- und Finanzministeriums Neuanschaffungen getätigt.168 Obwohl die Bibliothek sich bei ihren Benutzern großer Beliebtheit erfreute,169 musste das Land Niedersachsen die Berliner Bestände nach der am 1. August 1955 in Kraft getretenen “Verwaltungsvereinbarung der
preußischen Nachfolgeländer”170 herausgeben, versuchte aber weiterhin, rechtmäßig von
165
“Die Kisten wurden geöffnet, ausgepackt und auf Schimmel, Schädlinge usw. durchgesehen. Zur Schädlingsbekämpfung wurde Paral eingestreut. Feuchte Bücher wurden langsam getrocknet und ausgebürstet, die
Einbände gegen Schimmel mit Chloramin abgewaschen. Stockig gewordene oder salzverkrustete Kupferstichblätter einzelner Mappen wurden mehrfach in destilliertem Wasser gespült und zwischen Fließpapier
getrocknet, Bücher, bei denen Holzwurm festgestellt wurde, in Gaskammern mit Jacutin vergast.” Pretzell
1959, S. 28.
166
Pretzell 1959, S. 28.
167
“Die Inventarisierung und Ordnung der Lipperheideschen Kostümbibliothek, die mit ca. zwei Dritteln
ihres Bestandes und ihrer Spezialliteratur über die Geschichte des Kostüms, der Mode usw. nach Celle
gelangt war, widmete sich von 1949 bis 1951 vorwiegend Dr. G. Händler, während Frau Dr. L. Pretzell 1952
und 1953 die Ordnung, Konservierung und Verzettelung des Bildarchivs (2.743 Mappen mit ca. 80.000
Einzelfotos) sowie die Katalogisierung der maltechnischen Literatur der Kunstbibliothek übernahm. Die
Ordnung der Graphischen Sammlung der Kunstbibliothek erfolgte in den Jahren 1950 und 1953 durch Dr.
Pretzell bzw. Dr. Scheffler, wobei ein Gesamtverzeichnis angelegt wurde.” Pretzell 1959, S. 28.
168
“So konnte die Bibliothek im Laufe der Jahre aus Mitteln des Landes Niedersachsen über 1.250 Bücher
anschaffen, wozu in- und ausländische Zeitschriften, Jahrbücher, Lieferungswerke und im Tausch erworbene
Kataloge traten.” Pretzell 1959, S. 59.
169
“Außer bei Kunstwissenschaftlern und Kunstfreunden aller Art erfreute sich die Bibliothek besonders bei
den Mitgliedern der Pädagogischen Hochschule, bei Dramaturgen und Bühnenbildnern des Schloßtheaters
und bei Textilzeichnern großer Beliebtheit.” Pretzell 1959, S. 59.
170
Vgl. hierzu Kühnel-Kunze 1984, S. 247ff..
38
den Berliner Museen erworbene Gegenstände in sein Eigentum zu überführen.171 Der
Rücktransport der Kunstbibliothek nach Berlin fand von Dezember 1953 bis Januar 1954
statt. Ihm schloss sich der im Juli 1956 beendete Abtransport der Zentralbibliothek an. Der
Bibliotheksbetrieb in Celle wurde mit den vom Land Niedersachsen erworbenen Bänden
auch nach dem Abtransport der Berliner Bestände fortgesetzt, bis die Celler Kunstbibliothek im April 1958 geschlossen und ihre Restbestände an das Herzog-Anton-Ulrich
Museum in Braunschweig übergeben wurden.
2.1.7. Die Zentralbibliothek der Staatlichen Museen zu Berlin von 1949 – 1990
Das Jahr 1949 markierte einen Wendepunkt in der Geschichte der Zentralbibliothek der
Staatlichen Museen zu Berlin. Zum einen musste nach dem Ende 1948 erfolgten Weggang
des Direktors Carl Koch und der Bibliothekarin Margarete Völks in den Westen ein
personeller Neuanfang gemacht werden und zum anderen wurden mit der Gründung der
Bundesrepublik Deutschland und der Deutschen Demokratischen Republik im Jahre 1949
die Hoffnungen auf eine Wiederzusammenführung des Preußischen Kunstbesitzes zunichte
gemacht. In dem in Ostberlin verbliebenen Teil der Staatlichen Museen wurde die Bibliotheksarbeit von 1949 an nach dem Modell der Vorkriegszeit als Bibliothekssystem aus
Zentralbibliothek und angegliederten Handbibliotheken weitergeführt. Die Zentralbibliothek blieb Präsenzbibliothek mit der Möglichkeit der Benutzung durch externe Leser. Um
die Literaturversorgung zu verbessern, wurde sie an den Fernleihverkehr angeschlossen.
Die Zentralbibliothek erwarb nach Absprache mit den angeschlossenen Handbibliotheken
das benötigte Schrifttum und verzeichnete es im Zentralkatalog. Mehrfachbeschaffungen
von Büchern für Museumsabteilungen gab es nur in Ausnahmefällen172 und bei besonders
teurer oder schwer beschaffbarer Literatur erfolgten Erwerbungsabsprachen mit der
nahegelegenen Staats- und auch der Universitätsbibliothek.173 In den Fünfziger Jahren
171
Der Welfenschatz, das Lüneburger Ratssilber und der Hildesheimer Silberfund waren auf Druck Niedersachsens ebenso wie die in Marburg lagernde Preußische Staatsbibliothek auf Druck Hessens zunächst von
der Verwaltungsvereinbarung ausgenommen worden. Es dauerte teilweise bis 1966, ehe auch diese Teile des
Berliner Museumsbesitzes von Niedersachsen zurückgegeben wurden. Hierzu Kühnel-Kunze 1984, S. 293ff..
172
“Generell wird ein notwendiger Titel nur einmal angeschafft. Anders liegt das bei der Erwerbung von
Handbüchern, Lexika, Wörterbüchern und dergleichen oder bei gleichlautenden Wünschen örtlich getrennt
liegender Abteilungen für die dann ein weiteres oder gar mehrere Exemplare beschafft werden müssen.”
Schifner 1970, S. 160.
173
“Die bei den einzelnen Abteilungen befindlichen Handbibliotheken werden durch die Zentralbibliothek
ausgerüstet. Ihre Bestände werden im Zentralkatalog der Zentralbibliothek erfaßt. Selbstverständlich erfolgt
39
kamen – ähnlich wie im Westen – aufgrund mangelnder Erwerbungsmittel nur geringe
Büchermengen in die Museumsabteilungen.174 Geleitet wurde die Bibliothek von dem
Wissenschaftler Hans-Herbert Völker und der Diplombibliothekarin Ilse Schneider.
In den Sechziger Jahren verbesserte sich unter der Leitung von Kurt Schifner die
Erwerbungssituation, so dass für 1968 ein Gesamtbestand der Staatlichen Museen zu
Berlin von 103.386 Bänden angegeben werden konnte. Eine Hauptstütze der Erwerbung
war der umfangreiche Schriftentausch, der für DDR-Bibliotheken aufgrund der
Devisenknappheit immer eine sehr wichtige Rolle spielte.175
“Durch das staatlicherseits zugebilligte Devisenkontingent bezieht die Zentralbibliothek im
Abonnement allein 77 Fachzeitschriften aus dem kapitalistischen Ausland, Westdeutschland
und Westberlin. Aus dem gleichen Bereich kommen durch Tausch laufend 97 Zeitschriften
herein.”176
Ein Vergleich mit der Kunstbibliothek in Westberlin, die 1963 bereits 355 Zeitschriften
laufend gehalten hatte, macht dennoch deutlich, dass der Vorsprung des “kapitalistischen
Auslandes” auf dem Erwerbungssektor nicht einzuholen war.
Inwieweit die ideologische Ausrichtung der DDR auch das Erwerbungsprofil der
Zentralbibliothek beeinflusste, kann nur nach einer präzisen Analyse der Bestände beantwortet werden. Ob Schifners Verweis auf die besondere Berücksichtigung von klassenkämpferischer Literatur und sozialistischer Ästhetik im Erwerbungsprofil nur wolkige
Rhetorik oder tatsächliches Sammelprogramm war, muss an dieser Stelle offenbleiben.177
hinsichtlich besonderer kostspieliger und schwer zu erlangender Standardwerke eine Koordinierung mit der
nahe gelegenen Staats- und Universitätsbibliothek.” Schifner 1970, S. 160.
174
Im Band 2. der Zeitschrift Forschungen und Berichte aus dem Jahre 1958 berichten die Abteilungen u.a.
über ihre Bibliotheken, die zumeist nur einige hundert oder wenige tausend Bände umfassen. Vgl. z.B. S.
144, 148 und 153.
175
“Die Quelle des Publikationsaustausches ist der stetige Kontakt mit Galerien, Museen und Sammlern im
globalen Umfang. Aus dieser Quelle fließen den Staatlichen Museen auch eine Reihe beachtlicher Geschenke
zu. Im Jahre 1967 war die Zahl der internationalen Tauschpartner mit 400 (in 40 Ländern) zu beziffern.”
Schifner 1970, S. 160.
176
Schifner 1970, S. 160.
177
“Als besonders gewichtiges Studiengebiet gilt die Zeit der weltanschaulichen Auseinandersetzung
zwischen Sozialismus und Kapitalismus, die in der Kunst und Kultur des 19. und 20. Jahrhunderts Klassenbezogenheit heranbildete und schließlich schon im Schoße der bürgerlichen Gesellschaft entscheidende
Kunstwerke von proletarischem Klassencharakter und sozialistischer Wesensart hervorbrachte. Seit etwa
zehn Jahren sind die Substanzen mit besonderer Intensität angereichert worden. Im Sinne der materialistischen Geschichts- und Gesellschaftsauffassung wurden in der historischen Gruppe Werke revolutionsgeschichtlicher Thematik aufgenommen. Ebenso wurde darauf geachtet, Titel zu erwerben, die dazu geeignet
sind, die soziologischen Zusammenhänge von Kunst und Gesellschaft zu klären. Ferner wurden auch Werke
erworben, die für das Verständnis des Zusammenhanges verschiedener Kunstgattungen und Stilarten wie z.
B. in der bildenden und darstellenden Kunst und in der Musik usw. von Nutzen sind. Die Beschaffung aller
wesentlichen Schriften über sozialistische Ästhetik und Kunstentwicklung war der marxistisch fundierten
Interpretation und Sammlungsordnung insbesondere für die Abteilungen der neueren Kunst wie National-
40
Seit 1972 waren sämtliche Kunstbibliotheken der DDR in der Untersektion Literatur
Sprache und Kunst der Sektion Gesellschaftswissenschaftliche Bibliotheken im Bibliotheksverband der DDR organisiert. Neben besonders verantwortlichen Tätigkeiten auf
gesellschaftswissenschaftlichem und ideologischen Gebiet befasste sich die Untersektion
auch mit klassisch bibliothekarischen Problemen wie Erwerbungskooperation, Qualifizierung des Personals, Leihverkehr und Informationsvermittlung zur bibliothekarischen
Technik.178
Mit dem Beitritt der DDR zur Bundesrepublik am 3. Oktober 1990 wurden die
Staatlichen Museen zu Berlin bis zur endgültigen Wiedervereinigung der Museen am
1.1.1992 in die vorläufige Trägerschaft der Stiftung Preußischer Kulturbesitz gestellt. Im
1991 veröffentlichten letzten Jahresbericht für die Berichtsjahre 1988 und 1989 wies die
Zentralbibliothek der Staatlichen Museen einen Gesamtbestand von 175.435 Bänden aus.
10.253 Benutzer sahen 22.382 Bände ein. 11.966 Bände wurden im Berichtszeitraum
erworben, davon 5.836 im Schriftentausch mit 630 Tauschpartern in 40 Ländern.179 Um
nicht wieder wie in Westdeutschland zwischen 1957 und 1986 eine Dreischichtigkeit von
Kunstbibliothek, Zentralbibliothek und Handbibliotheken entstehen zu lassen, wurde eine
Integration der Zentralbibliothek in die Kunstbibliothek zum 1.1.1991 beschlossen. Zu
diesem Zeitpunkt wurde der Literaturzugang für die Zentralbibliothek eingestellt. Die
bibliothekarische Betreuung der an das Bibliothekssystem angeschlossenen Handbibliotheken erfolgte weiterhin von der Museumsinsel aus.
2.1.8. Die Museumsbibliothek - SMPK von 1957 – 1986
Nachdem bis 1956 der größte Teil der von den Westalliierten in den Kunstgutsammellagern Celle und Wiesbaden sichergestellten Bestände der Ehemals Staatlichen Museen in
die Obhut der westlichen Nachfolgeeinrichtung der Museen nach Berlin-Dahlem zurückgekehrt war, stellte sich für die langsam wieder arbeitsfähig werdenden Museumsabteilungen das Problem ihrer Literaturversorgung. Da die Kunstbibliothek 10 km entfernt am
Bahnhof Zoo untergebracht worden war, kam sie als Ersatz für die weitgehend in Ostberlin
Galerie und Kupferstichkabinett sowie der kunstpädagogischen Abteilung und dem allgemeinen Führungsdienst sehr dienlich.” Schifner 1970, S. 161
178
Vgl. hierzu Winkler 1981, S. 548.
179
Schmeichler 1991, S. 351.
41
verbliebene frühere Museumsbibliothek nicht in Frage. Man entschloss sich daher, mit den
nach Westberlin zurückgekehrten Beständen der ehemaligen Museumsbibliothek180 eine
neue Bibliothek aufzubauen und nach dem Modell der Vorkriegszeit auch die Zweischichtigkeit von Zentralbibliothek und Handbibliotheken wiederherzustellen. Ein Alternativkonzept hatte bereits 1945 der Direktor des Vorderasiatischen Museums und ausgebildete
Architekt Walter Andrae vorgelegt. Sein Entwurf für ein Museumszentrum auf dem
Gelände der Domäne Dahlem ging von einer Zentralisation aller Museen in einem zu
errichtenden Neubau aus. Den Kern des künftigen Gebäudes sollte eine große Bibliothek
bilden.
“Beabsichtigt ist - man wird das auf den ersten Blick zugeben - eine zentrale Orientierung auf
die zentrale Funktion des wissenschaftlichen Betriebes eines Museums, also nicht des SchauBetriebes, dessen Wichtigkeit damit nicht geleugnet zu werden braucht. Deshalb legt unser
Plan die Bibliotheken in die Mitte, die Verwaltungen peripher darum herum, die Schau-Säle
und Magazine, so viel ihrer nötig sind, radial nach allen Seiten hin ausgehend von jenem gemeinsamen zentralen Kern. Die letzteren können gegebenenfalls durch einen großen Außenring noch einmal untereinander verbunden werden, damit ein Verkehr zwischen verschiedenen
Kunstgebieten gesucht und bequem gefunden werden könne. Der Innenring - eine Art von
»Kreuzgang« - wird jedoch die eigentliche Orientierung der Museumsbenutzer darbieten, die
erstmalig von der Straße kommend im Bau der Generalverwaltung, die an der Straße liegt,
empfangen und weitergeleitet werden.”181
Die Pläne Andraes, die in den Entwurfszeichnungen ein wenig an den Bau des Pentagon in
Washington erinnern, gehen von einem organischen Wachstum der Abteilungen aus.
“Wir streben danach, die Form eines lebensfähigen und lebensvollen Organismus zu finden,
die unserer heutigen Erkenntnis und dem zukünftigen musealen Bedürfnis gerecht wird. Als
die ideale Form bietet sich dar der Kreis mit Zentrum, Radien und Peripherie: das Bild des
Einsaugens und Ausstrahlens, des organischen Zusammenfassens und Verteilens, der zahlenmäßigen Möglichkeiten vom Einfachen bis zum unendlich Vielfachen.”182
Das absolute Zentrum in Andraes Museum bildet der Lesesaal. Als konzentrisch darum
herum gelegte Kreise folgen 1) die Zentral- und Museumsbibliothek, 2) die Spezialbibliotheken, 3) ein Grüngürtel (begrünter Innenhof), 4) die Abteilungs-, Verwaltungs- und Arbeitsräume und 6) die Säle für Sonderausstellungen. Anschließend an diesen inneren Kern
des Museums folgen radial von ihm ausgehend die Schausäle, Magazinräume und Werk-
180
“Nach Berlin-Dahlem wurden 10.400 Bände zurückgeführt, in erster Linie der wichtigste Teil der Bibliothek des Kupferstichkabinetts (ca. 6.000 Bände), außerdem Teile der Archäologischen Handbibliotheken (ca.
2.500 Bände) und Reste der Abteilungen der Christlichen Epochen.” Westphal 1962, S. 255.
181
Andraes Plan wurde nicht von ihm selbst sondern erst 1984 von Irene Kühnel-Kunze auszugsweise als
Anlage 14 in ihrem Bericht veröffentlicht. Kühnel-Kunze 1984, S. 392f.. Hier auch die zugehörigen Entwurfszeichnungen Andraes, ohne die sein Konzept nur schwer zu verstehen ist.
182
Kühnel-Kunze 1984, S. 393.
42
stätten der einzelnen Museumsabteilungen.183 Im zentralen Eingangsbereich des Gesamtkomplexes sind die Kataloge aufgestellt. Andrae, der 1946 als Siebzigjähriger den Abtransport seiner Vorderasiatischen-Abteilung in die Sowjetunion erleben musste,184 trug
1946 oder 1947 seinen Plan der amerikanischen Militärregierung in Westberlin vor, konnte
aber weiter nichts erreichen.185 Da weitere Pläne zu einer Bibliotheksorganisationsreform
nicht vorlagen, erfolgte der Wiederaufbau nach dem Modell der Vorkriegszeit.
Mit dem Haushaltsjahr 1957 begann der Bestandsaufbau in der Zentralbibliothek
“traditionsgemäß im Kontakt und nach den Wünschen der Abteilungsdirektoren”.186 Im
Haushaltsjahr 1958 standen 38.000 DM Erwerbungsmittel zur Verfügung, wovon 2.267
Bände erworben wurden, darunter 70 Bände im Tausch, 284 als Geschenk und 11 Belegexemplare.187 Die Bibliothek wuchs rasch und umfaßte am 31.12.1960 bereits 21.227
Bände188 und am 31.12.1962 etwa 28.000 Bände.189 Sie erledigte auch den Schriftentausch
der Museen der europäischen Kunst mit in- und ausländischen Museen und Instituten (380
Tauschpartner 1961/62) und den innerstädtischen und auswärtigen Leihverkehr. Das
Bibliothekspersonal bestand aus der wissenschaftlichen Leiterin Dorothee Westphal und
einer Diplombibliothekarin. Da der Zentralkatalog in der Schwesterbibliothek im Osten
verblieben war, wurde zunächst ein neuer Katalog nach dem bewährten alten System
(alphabetischer und systematischer Katalog) angelegt. Ein wesentlich ärgeres Problem war
die Raumfrage. Da das Museumsgebäude in Dahlem aus allen Nähten platzte, konnte der
Bibliothek nur ein etwa 20 qm großer Raum zugewiesen werden. Drei Viertel der Bestände
183
“Die Entwicklung der einzelnen Abteilungen läßt der Plan, der Wirklichkeit entsprechend, völlig frei.
Aggregate können in der March‘schen Museumsbauweise (Bagdader Irak-Museum) der fünfschiffig basilikalen Elemente beliebig verlängert angesetzt werden. Auch Querschiffe sind möglich. Desgleichen Verbindungen zwischen 2 oder 3 Abteilungen je nach vorhandenen oder erhofften Beständen.” Kühnel-Kunze 1984,
S. 392.
184
“Wie mir während der Plünderung zumute war, kann ich heute noch aus einer Tagebuchnotiz vom 31.
Januar 1946 ersehen: ‘Im Museum brechen die Russen jetzt auch Assurnasirpals Platten im roten Palastraum
heraus. Roh lehnen sie die schweren Kisten gegen den Fischtrog des Sanherib aus dem Assur-Tempel. So
schneiden sie einem Stück für Stück Fleisch aus dem Leibe und ersuchen dann freundlichst um ‘Mitarbeit’,
schenken Kohle, die sie uns vorher erst wegnahmen, und Druckpapier, das sie eben beschlagnahmten. Ist es
Hohn? – Wenn man in dieser langsamen Weise das sogenannte Lebenswerk stückweise vor seinen eigenen
Augen vernichtet werden sieht, ist das doch etwas anderes, als wenn man nur zuschauen muß, wie eine zu
verwaltende Sammlung abgeholt wird.’” Andrae 1988, S. 297f..
185
Nach persönlicher Erinnerung von Irene Kühnel-Kunze. Vgl. Kühnel-Kunze 1984, S. 152f..
186
Westphal 1962, S. 256.
187
Akten der Museumsbibliothek: Jahresbericht über das Haushaltsjahr 1958/59.
188
Akten der Museumsbibliothek: Überlegungen zur Koordination der Kunstbibliothek und Zentralbibliothek
vom 21. Januar 1961.
189
Westphal 1962, S. 256.
43
wurden aus diesem Grund dezentralisiert in den Handbibliotheken der Abteilungen aufgestellt. In der Museumsbibliothek standen nur eine kleine Lesesaal-Bibliothek und der
Zentralkatalog zur Verfügung.190
Die aus Raummangel erzwungene dezentrale Aufstellung der Bücher in den Abteilungen führte dazu, dass diese mit “ihren” Beständen - wie bereits in der Vorkriegszeit
in der Museumsbibliothek - ein Eigenleben zu führen begannen. Undokumentierte Verlagerungen und Entleihungen von Büchern sowie eigenmächtige Erwerbungen durch
Museumsmitarbeiter veranlassten die Leiterin der Zentralbibliothek zur Aufstellung
“Prinzipieller Richtlinien” die Bibliotheksarbeit betreffend, die mit der schriftlichen
Zustimmung des Generaldirektors Reidemeister, der ihre Beachtung empfahl, am 9. Mai
1960 an die Abteilungen versandt wurden. Frau Westphal forderte die Benutzer der
Zentralbibliothek und der angeschlossenen Handbibliotheken in den Richtlinien auf, keine
Bücher zu verlagern191 und Entleihungen nur nach schriftlicher Eintragung in Leihbüchern
oder Leihkarteien vorzunehmen.192 Im Kern ging es in den Richtlinien jedoch um die
Frage, wem die Handbibliotheken unterstehen, den Abteilungsdirektoren, wie vom
Museumsstatut und einer langen Tradition vorgegeben, oder der neugegründeten Zentralbibliothek. Frau Westphal vertrat den Standpunkt, dass die Bibliotheken Teile der Zentralbibliothek sind.
“Der Raummangel hat dazu geführt, große Teile der Bibliothek gesondert in den Diensträumen
der Museumsabteilungen als Handbibibliotheken aufzustellen. Dies muß als Provisorium
gelten, bis in einem projektierten Museumsneubau eine geeignete Zentralbibliothek zur
Verfügung stehen wird. Die augenblickliche Dezentralisation darf also nicht dazu führen, daß
die Handbibliotheken den betr. Abteilungen unterstehen. Sie bleiben Teile der Zentralbibliothek und werden von hier aus bibliothekarisch bearbeitet.”193
190
Westphal 1962, S. 256.
191
“Das bedeutet, daß ohne Fühlungnahme mit der Zentralbibliothek keinesfalls irgendwelche Bücher aus
den Handbibliotheken einzelner Abteilungen entfernt, vor allem nicht etwa von Dahlem nach Charlottenburg
oder anderen außerhalb des Dahlemer Museumskomplexes gelegenen Instituten oder Abteilungen überführt
werden. Die Leitung der Zentralbibliothek muß jederzeit über den Standort ihrer Bestände, der auch im
Katalog verzeichnet ist, unterrichtet sein. Das ist nicht nur eine Forderung, sondern ein fundamentaler
Grundsatz für die Arbeit der Zentralbibliothek.” Akten der Museumsbibliothek: Prinzipielle Richtlinien vom
9. Mai 1960. S. 1
192
“Das Ausleihen einzelner Bände der Zentralbibliothek und der Handbibliotheken innerhalb der Museen
muß durch Ausfüllen eines Leihzettels oder durch Eintragung in Leihbücher in den einzelnen Abteilungen
gewissenhaft vor sich gehen. Die Bücher dürfen nie aus den Museumsräumen entfernt und höchstens in
Ausnahmefällen nach Rücksprache mit der Leitung der Zentralbibliothek nach Hause genommen werden.”
Akten der Museumsbibliothek: Prinzipielle Richtlinien vom 9. Mai 1960. S. 1.
193
Akten der Museumsbibliothek: Prinzipielle Richtlinien vom 9. Mai 1960. S. 1. Die Richtlinien enden mit
einer Kombination aus Drohung und beschwörendem Appell: “Werden diese Richtlinien nicht befolgt, so
verliert unausbleiblich die Bibliotheksleitung die Übersicht über die Bestände. Es tritt eine Desorganisation
ein zum Schaden der Sache. Die Bibliotheksleitung müßte dann darauf bestehen, die Handbibliotheken zu
44
Diese Position konnte von den Museumsdirektoren nicht unwidersprochen bleiben. Am 12.
Juli 1960 fand eine Konferenz über Bibliotheksfragen statt, an der der Generaldirektor, die
Abteilungsdirektoren der Museen, die Bibliothekarinnen aller Abteilungen und als Berater
der Direktor der Universitätsbibliothek der Freien Universität Wieland Schmidt teilnahmen. Auf der Konferenz wurde beschlossen, dass die Verantwortung für die Handbibliotheken einzig bei den einzelnen Abteilungsdirektoren liegt. Kurzfristige Buchausleihen
außer Haus durch die Abteilungsangehörigen wurden unter der Bedingung gestattet, dass
ein Ausleihbuch geführt und der Direktor in jedem Fall informiert wird. Geschenkzugänge
der Abteilungen mussten grundsätzlich der Zentralbibliothek vorgelegt werden, ausgenommen waren lediglich persönliche Geschenke an die Direktoren.194 Der Gutachter
Wieland Schmidt schlug vor, “Buchvertreter” in Form von Pappen an Stelle der entliehenen Bücher mit dem Namen des Entleihers einzustellen, um sicherzustellen, dass der
Aufenthaltsort eines Buches jederzeit bekannt ist. Weiterhin empfahl er, den Abteilungen,
die sich nicht im Hause in Dahlem befinden, größere Handbibliotheken zuzugestehen. Im
Gegenzug sei es empfehlenswert, im Hause selbst eine starke Zentralbibliothek anzustreben und die Handbibliotheken so klein wie möglich zu halten. Jede Abteilung sollte
sich im eigenen Interesse und aus Gründen steigender Verwaltungsarbeit, die sich aus dem
Anwachsen der Handbibliotheken zwangsläufig ergeben würde, entlasten. Die Konferenz
endete mit einem Appell an alle Beteiligten, in den Abteilungsbibliotheken Ordnung zu
halten und jährliche Kontrollen durchzuführen.195
Im Vorfeld der Berufung eines neuen Direktors der Kunstbibliothek wurden Ende
des Jahres 1960 Maßnahmen zur organisatorischen Verbesserung des Bibliothekswesens
an den Ehemals Staatlichen Museen beraten. Offenbar wurde hierbei auch eine Auflösung
bzw. Vereinigung der Museumsbibliothek mit der Kunstbibliothek diskutiert, die aber
reduzieren zugunsten einer stärkeren Zentralisierung. Es kann auch nicht im Interesse der Abteilungen liegen,
die Handbibliotheken über das unbedingt nötige Maß zu vergrößern. Denn damit würde nur eine Belastung
der Abteilung entstehen, sowohl in räumlicher wie in verwaltungsmäßiger Hinsicht. Die Mitarbeiter müßten
mit Ordnungsarbeiten für die angewachsenen Bücherbestände beauftragt werden, so daß die dafür aufgewandte Zeit und Mühe den eigentlichen Aufgaben der Abteilung verlorenginge. Mit anderen Worten: Die
Handbibliotheken wären von einem gewissen Umfang an ohne Betreuung durch einen eigenen Bibliothekar
nicht mehr kontrollierbar und überschaubar. Wir appellieren im allseitigen Interesse an Ihr Verständnis und
an Ihre Kollegialität, die obigen Richtlinien zu beachten und die Handbibliotheken nicht übermäßig
anschwellen zu lassen.” Akten der Museumsbibliothek: Prinzipielle Richtlinien vom 9. Mai 1960. S. 1.
194
Akten der Museumsbibliothek: Protokoll der Konferenz über Bibliotheksfragen am 12. Juli 1960. S. 2.
195
Akten der Museumsbibliothek: Protokoll der Konferenz über Bibliotheksfragen am 12. Juli 1960. S. 1.
45
später nicht umgesetzt wurde.196 Neben Etaterhöhungen und der Aufstockung des bibliothekarischen Personals an der Kunstbibliothek wurde beschlossen, auch die Museumsbibliothek künftig dem Direktor der Kunstbibliothek zu unterstellen. Mit dem Amtsantritt
Stephan Waetzoldts als neuem Direktor der Kunstbibliothek am 1. Juli 1961 wurden die
Maßnahmen vollzogen.197 Obwohl Waetzoldt formell auch Direktor der Museumsbibliothek war, schwelte der Konflikt um die Aufgabenbereiche von Kunst- und Museumsbibliothek weiter. Nach Aufforderung durch den Generaldirektor vom 23.11.1962 legte
Waetzoldt seine Vorstellungen über die Abgrenzung des Aufgabenbereichs von Kunstbibliothek und Museumsbibliothek schriftlich vor. Waetzoldt ging zunächst mit dem Stand
der Bibliotheken an den Berliner Museen hart ins Gericht:
“Unsere Buchbestände sind zersplittert, die gängige Literatur ist mehrfach vorhanden, während
die entlegenen speziellen Arbeiten und die Zeitschriftenbestände erschreckende Lücken aufweisen. Das Personal ist unrationell eingesetzt, die Zuständigkeiten überschneiden sich.”198
Um den großen Rückstand der Bibliotheken gegenüber vergleichbaren deutschen und ausländischen Bibliotheken aufzuholen, sah Waetzoldt nur eine Möglichkeit:
“Großzügiger Ausbau der Kunstbibliothek zur zentralen und umfassenden kunstwissenschaftlichen Bibliothek durch Einbeziehen des Altbestandes der Museumsbibliothek und die
Vereinigung von Personal und Erwerbungsmitteln bei Fortbestand kleinerer leistungsfähiger
Handbibliotheken der einzelnen Sammlungen.”199
Die Hauptursache für die Bibliotheksmisere war für Waetzoldt die Fehlentscheidung, in
Dahlem erneut eine eigenständige Museumsbibliothek aufzubauen.
“Bei meinem Dienstantritt wurde mir die Museumsbibliothek zwar unterstellt, doch bedeutete
dies noch keine grundsätzliche Abkehr von dem traditionellen aber durch den Krieg und die
Spaltung Berlins unzeitgemäß gewordenen Prinzip des Nebeneinanders zweier Bibliotheken
mit gleichen Sammelgebieten. Noch im Haushaltsjahr 1962 wurden für die Vermehrung der
Handbibliotheken in den Sammlungen abendländischer Kunst DM 19.000,-, für die Museumsbibliothek 24.500,-, für die Kunstbibliothek aber nur 88.000,- aufgewendet. Bedenkt man, daß
sich die Sammelgebiete der Museumsbibliothek und der Kunstbibliothek decken, und nur
einige Zeitschriften und Handbücher doppelt angeschafft würden, wenn die beiden Bibliotheken wirklich vereinigt wären, so ergibt sich, daß der größte Teil des Etats der Museums-
196
In den Akten der Museumsbibliothek befinden sich “Überlegungen zur Koordination der Kunstbibliothek
und Zentralbibliothek” vom 21. Januar 1961, in der die Leiterin Westphal die Argumente für den Weiterbestand der Museumsbibliothek zusammenstellt. Neben dem juristischen Argument, dass aufgrund des
Stiftungsgesetzes keine Umsignierungen des Altbestandes vorgenommen werden dürfen, stellt sie insbesondere die Vorteile der Freihandaufstellung der Museumsbibliothek für die Wissenschaftler im Gegensatz
zum Magazinbetrieb in der Kunstbibliothek heraus.
197
Evers 1994b, S. 29.
198
Akten der Museumsbibliothek: Stephan Waetzoldt: Abgrenzung der Aufgabenbereiche von Kunstbibliothek und Museumsbibliothek. S. 1.
199
Akten der Museumsbibliothek: Stephan Waetzoldt: Abgrenzung der Aufgabenbereiche von Kunstbibliothek und Museumsbibliothek. S. 1.
46
bibliothek für Bücher ausgegeben wurde, die später einmal überflüssige Dubletten sein
werden.”200
Waetzoldt konnte zwar in den folgenden Jahren die Kunstbibliothek stark ausbauen,
aber es blieb, auch als er 1965 Generaldirektor der Staatlichen Museen Preußischer Kulturbesitz wurde, weiterhin bei dem Dualismus von Kunst- und Museumsbibliothek. Die
Museumsbibliothek betreute die Handbibliotheken der Antikensammlung, des Ägyptischen
Museums, der Gemäldegalerie, der Skulpturengalerie, der Nationalgalerie, des Kunstgewerbemuseums, des Kupferstichkabinetts und ab 1975 die des wiederbegründeten
Rathgen-Forschungslabors, die ihrerseits mitunter deutliche Wachstumstendenzen zeigten.
Beispilesweise charakterisierte 1962 der Direktor des Kupferstichkabinetts seine Bibliothek als
“Handbibliothek mit Spezialliteratur über alle Sammelgebiete des Kupferstichkabinetts.
Präsenzbibliothek von ca. 8000 Bänden mit Tendenz zur Vollständigkeit der ausschließlich
wissenschaftlichen Buchveröffentlichungen. Benutzung im Studiensaal des Kupferstichkabinetts.”201
Neue Handbibliotheken wurden für das Museum für Islamische Kunst202 und das Museum
für Ostasiatische Kunst,203 deren Bibliotheken im Ostteil der Stadt verblieben waren, aufgebaut.204 Seit 1964 wurde die Museumsbibliothek von Frauke Steenbock geleitet. Schwerpunkte in der Erwerbungstätigkeit galten Mitte der Sechziger Jahre dem Wiederaufbau der
einstmals vollständigen Sammlung von Auktionskatalogen durch antiquarischen Erwerb.205
Neuerwerbungen, die die Museen der europäischen Kunst betrafen, wurden in wöchentlichen Kaufsitzungen koordiniert, an denen die Wissenschaftler der Kunstbibliothek, die
200
Akten der Museumsbibliothek: Stephan Waetzoldt: Abgrenzung der Aufgabenbereiche von Kunstbibliothek und Museumsbibliothek. S. 1.
201
Möhle 1962, S. 225
202
“Das vorbildlich ausgebaute wissenschaftliche Archiv der Islamischen Abteilung hat den Krieg ohne
nennenswerte Verluste überstanden, befindet sich aber heute in der Ost-Abteilung. Die West-Abteilung
mußte 1958 ... am Nullpunkt anfangen. Z. Zt. Umfaßt ihr Bibliotheksverzeichnis 912 Nummern ...” Erdmann
1962, S. 185f..
203
“Die Bibliothek konnte innerhalb der letzten 25 Jahre auf nahezu 10.000 Titel aufgebaut werden. Immer
noch leidet die Arbeit unter dem Mangel an älteren Publikationen.” Veit 1986, S. 44.
204
“Eine neue Aufgabe hat sich in den letzten beiden Jahren durch den Bedarf einer ägyptologischen Handbibliothek ergeben (Bestand im Januar 1963 etwa 4.000 Bände), da es so gut wie keine Spezialliteratur für
dieses Gebiet bei den Museen der Stiftung gab. Für 1964 ist der Ausbau der ostasiatischen und islamischen
Handbibliotheken geplant, denn auch für diese Abteilungen ist bisher keine Spezialliteratur vorhanden.”
Westphal 1962, S. 257.
205
“Eine Sonderaktion galt dem Bereich Auktionskataloge. Dieses in der Zentralbibliothek ehemals sehr
vollständige, jetzt aber stark reduzierte Sammelgebiet, das für Ankäufe und Katalogarbeit von eminenter
Bedeutung ist, wurde 1964/65 durch einen mit Sondermitteln ausgestatteten Ankauf von Dubletten aus dem
Rijksbureau voor Kunsthistorische Dokumentatie in Den Haag ergänzt. Weitere Kataloge – zum Teil von
hervorragenden Sammlungen – konnten antiquarisch gefunden werden.” Steenbock 1986, S. 146.
47
Leiterin der Museumsbibliothek und ein Wissenschaftler des Kunstgewerbemuseums teilnahmen.
Mitte der Achtziger Jahre wurde unter dem Generaldirektor Wolf-Dieter Dube ein
erneuter Anlauf zur Vereinigung von Kunst- und Museumsbibliothek genommen. Die
Situation war jetzt insofern günstiger als der Baubeginn für die Museen der europäischen
Kunst am Kulturforum bevorstand. Damit würde in Zukunft die räumliche Trennung der
Kunstbibliothek von den übrigen Museen entfallen, die bisher immer ein wesentliches
Argument für die Existenz einer eigenständigen Museumsbibliothek in Dahlem gewesen
war. Ein Gutachten des Erwerbungsleiters der Staatsbibliothek Drozd und auch der neue
Direktor der Kunstbibliothek Bernd Evers empfahlen die Zusammenlegung. Evers bezog
sich in seinen “Überlegungen zur Zusammenlegung von Kunstbibliothek und Museumsbibliothek und zur Neuorganisation der Kunstbibliothek” vom Oktober 1985 auf die bereits
zitierten Ausführungen von Stephan Waetzoldt vom 11.12.1962,206 denen er bis auf wenige
Einzelempfehlungen weiterhin aktuelle Gültigkeit attestierte.207 Evers schlug vor, die
beiden Bibliotheken schrittweise nach dem Vorliegen entsprechender personeller und
räumlicher Rahmenbedingungen zu vereinigen.208 Der Stiftungsbeirat billigte das Konzept
zur Zusammenlegung der Bibliotheken im November 1985. 1986 erfolgte die organisatorische Zusammenlegung und im Jahre 1988 der Umzug des Personals von Dahlem in
die Jebensstraße.209 Die zentralen Buchbestände der Dahlemer Museumsbibliothek wurden
im Jahre 1997 in den Neubau der Kunstbibliothek am Kulturforum verlagert.
206
Zur Vereinigung von Kunst- und Museumsbibliothek hatte Waetzoldt vorgeschlagen: “1. Die Altbestände
der Museumsbibliothek werden der Kunstbibliothek als Dauerleihgabe eingegliedert. 2. In den Räumen der
Museumsbibliothek verbleibt eine “Lesesaalbibliothek“ bestehend aus Nachschlagewerken, Lexika, Handbüchern, Katalogen und den jetzt dort laufend gehaltenen Zeitschriften. 3. Die Erwerbungen der kunsthistorischen Handbibliotheken werden von der Kunstbibliothek abgewickelt, weil es sich dabei fast
ausschließlich um Doppelanschaffungen handelt, die ohnehin in der Kunstbibliothek akzessioniert, inventarisiert und katalogisiert werden. 4. Die Museumsbibliothek betreut weiterhin die Handbibliotheken der
Ägyptischen, Islamischen, Ostasiatischen Abteilung und der Verwaltung (die Antiken-Abteilung wird schon
jetzt von der Kunstbibliothek verwaltet). Die Museumsbibliothek übernimmt Aufbau und Bearbeitung einer
Sammlung von Katalogen (Museen, Privatsammlungen, Ausstellungen,Versteigerungen) mit den in Dahlem
vereinigten Beständen von Kunstbibliothek und Museumsbibliothek. Sie führt den Tauschverkehr weiter und
unterstützt die Wissenschaftler bei der Ausleihe von Büchern aus der Kunstbibliothek.” Akten der
Museumsbibliothek: Stephan Waetzoldt: Abgrenzung der Aufgabenbereiche von Kunstbibliothek und
Museumsbibliothek. S. 2.
207
Evers 1985, S. 8ff..
208
Evers 1985, S. 9ff..
209
1985 hatte der von der Museumsbibliothek verwaltete Buchbestand einschließlich der Handbibliotheken
ca. 130.000 Bände umfaßt, davon waren ca. 50.000 Bände abteilungsübergreifender Bestand der Museumsbibliothek. Etwa 470 Zeitschriften wurden in den Achziger Jahren laufend gehalten und ca. 4.000 Bände pro
Jahr erworben, davon mehr als die Hälfte im Tausch oder als Geschenk. Evers 1985, S. 5.
48
2.2. Von der kunstgewerblichen Vorlagensammlung zur öffentlichen
Forschungsbibliothek – die Kunstbibliothek von 1867 – 1999
2.2.1. Die Gründerjahre (1867 – 1880)
Die Geschichte der Kunstbibliothek begann im Gegensatz zu jener der Museumsbibliothek
mit einem expliziten Gründungsakt und einer genauen Planung ihrer zukünftigen Aufgaben.210 Am 5. August 1867 erhielt der Verein “Deutsches Gewerbe-Museum zu Berlin”
durch Allerhöchsten Erlass die Rechte einer juristischen Person. Er war auf Betreiben des
“Berliner-Handwerker-Vereins” gegründet worden und beabsichtigte, “den Gewerbetreibenden die Hülfsmittel der Kunst und Wissenschaft zugänglich zu machen”. Um den
Vereinszweck zu erreichen, sollten eine kunstgewerbliche Sammlung von Mustern und
Modellen mit angeschlossener Bibliothek211 und eine Unterrichtsanstalt begründet werden.
Die Initiative des liberalen Bürgertums, die neben Handwerkern und Gewerbetreibenden
auch von Künstlern, Gelehrten, Beamten und dem Kronprinzenpaar unterstützt wurde,
suchte den Anschluss an entsprechende Reformbestrebungen im viktorianischen England.212 Dort hatte die Londoner Weltausstellung von 1851 mit der präsentierten unübersehbaren Fülle industriell gefertigten historistischen Kunsthandwerks weitreichende Aus210
Die wesentlichen Daten zur Geschichte der Kunstbibliothek finden sich in folgenden Beiträgen: Das
Kunstgewerbe-Museum zu Berlin. Festschrift zur Eröffnung des Museumsgebäudes zum 21.11.1881. Berlin:
Reichsdruckerei 1881; Jessen, Peter: Die Staatliche Kunstbibliothek (vormals Bibliothek des KunstgewerbeMuseums) in Berlin. Ein Abschiedswort. Berlin: Otto von Holten 1924; Glaser, Curt: Die Staatliche
Kunstbibliothek. In: Gesamtführer zur Hundertjahrfeier. Hrsg. Generaldirektor der Staatlichen Museen zu
Berlin. Berlin 1930. S. 313-332; Evers, Bernd: Kunst in der Bibliothek. Zur Geschichte der Kunstbibliothek
und ihrer Sammlungen. In: Kunst in der Bibliothek. Zur Geschichte der Kunstbibliothek und ihrer Sammlungen. Hrsg. von Bernd Evers. Berlin: Akademie Verlag 1994. S. 7-14; Evers, Bernd: Chronik der Kunstbibliothek. Ebenda S. 15-42.
211
“Die mit dem Museum gleichzeitig zu gründende Bibliothek soll außer den bezüglichen wissenschaftlichen und künstlerischen Büchern und Journalen, unterschiedlich von anderen Büchersammlungen
noch die folgenden Gegenstände aufnehmen, welche ihrer Natur nach im Laufe der Zeit den beträchtlichsten
und wertvollsten Teil der Bibliothek ausmachen werden. 1. Umfassende Sammlungen von Original
Zeichnungen und Photographien hervorragender gewerblicher Erzeugnisse. 2. Umfassende Sammlungen von
Stoffproben-Webereien, Stickereien vergangener Zeiten, historisch-geographisch geordnet. 3. Umfassende
Sammlungen von Stoffproben-Webereien, Stickereien, gedruckten, gepreßten Papier- und Ledertapeten,
Goldstoffen etc. unserer Zeit, welche sich durch Schönheit oder Eigentümlichkeit auszeichnen. Derartige
Proben werden alljährlich zu einem oder mehreren Bänden vereinigt, nach Stoffen und Erzeugungsorten
geordnet, und bilden so nach und nach eine redende Chronik dieses Zweiges der Industrie; sie gestatten
zugleich eine genaue Untersuchung der Stoffe, wie sie für den Fachmann nötig ist. 4. Sammlungen von
Zeichnungen der Gegenstände, welche im Museum entworfen, in Modellen gefertigt oder ausgestellt worden
sind. 5. Sammlungen von Probearbeiten der am meisten fortgeschrittenen Schüler, die den Freunden und
Mitgliedern des Museums Gelegenheit geben, sich über Geist und Fortschritte des Unterrichts Kenntnis zu
verschaffen.” Evers 1994b, S. 15.
212
Dr. jur. Hermann Schwabe hatte 1865 im Auftrage der Kronprinzessin Viktoria eine Studie unter dem
Titel “Die Förderung der Kunstindustrie in England und der Stand dieser Frage in Deutschland” vorgelegt, in
der er den Berliner Handwerkerschulen ein niedrigeres Ausbildungsniveau als jenen in England bescheinigte.
49
wirkungen auf die Kunstentwicklung gehabt. Mit den finanziellen Überschüssen des
Unternehmens wurde der Baugrund für das erste Museum für angewandte Kunst213 bezahlt
und eine größere Sammlung von auf der Weltausstellung gezeigten Objekten angekauft,
die als formal vorbildhafte Vorlagensammlung der Qualitätsförderung des Kunsthandwerks und der Industrie dienen sollte. Die Diskussion über die Weltausstellung, die ihren
Kritikern als Manifestation des schlechten Geschmacks und Beleg für den Niedergang der
Handwerkskunst galt, beförderte Initiativen zur Verbesserung der Formgebung von
industriell gefertigten Gebrauchsgütern. Museale Vorbildersammlungen mit angeliederten
Unterrichtsanstalten wurden zum Modell, mit dem man die schlimmsten Fehlentwicklungen des Historismus korrigieren wollte. Zur Unterstützung der Ausbildung an den
Schulen für Gestaltung, die eine Aussöhnung und neue Verbindung zwischen Industrie und
Kunst bewirken sollten, dienten auch die illustrierten großformatigen Musterbücher und
Vorlagenwerke, die in großer Zahl im 19. Jahrhundert erschienen.214 Zeitverzögert wollte
man das englische Konzept der Verbindung von Museum, Bibliothek und Ausbildungsstätte auch in Preußen umsetzen, nicht zuletzt um die Konkurrenzfähigkeit der Produkte
der preußischen Industrie auf den Weltmärkten zu sichern.
Am 12. Januar 1868 wurde die Unterrichtsanstalt mit 230 Schülern und am 7. April
die Sammlung und die Bibliothek im angemieteten ehemaligen Gropius’schen Diorama in
der Stallstraße eröffnet.215 1.000 Sammlungsobjekte hatte man für 45.000 RM, die auf
Fürsprache des Kronprinzen aus dem Staatshaushalt für Ankäufe bereitgestellt worden
waren, auf der Pariser Weltausstellung 1867 erworben.216 Der Bestand der Bibliothek
wurde zunächst durch eine fünfjährige Leihgabe von Werken aus der Bibliothek der
Kronprinzessin und durch Stiftungen von deutschen Verlegern und Buchhändlern aufgebaut.217 Gegen Ende des Jahres 1868 bestand die Bibliothek aus 330 größtenteils illustrierten Titeln in 570 Bänden und Mappen, vorrangig technischen, gewerblichen, kunstindus213
Als “South Kensington Museum” 1857 eröffnet und 1899 in “Victoria & Albert Museum” umbenannt.
214
Z.B. das zwischen 1821 und 1863 erschienene einflußreiche Lieferungswerk “Vorbilder für Fabrikanten
und Handwerker” von Christian Wilhelm Beuth und Karl Friedrich Schinkel oder die 1856 erschienene
berühmte “Grammar of Ornament” des englischen Architekten Owen Jones.
215
Vgl. zu den Satzungen und zur Bibliotheksordnung des Museums Deutsches Gewerbe-Museum 1867 und
Deutsches Gewerbe-Museum 1868.
216
Kunstgewerbemuseum 1981, S. 5 und S. 21.
217
“Zu den ersten Stiftern für die Bibliothek zählen u. a. Ihre Majestät die Königin, Ihre Kgl. Hoheit die
Kronprinzessin, das Kgl. Ministerium für Handel, das South Kensington Museum, London, die Buchhändler
Ernst, Charisius, Kaiser, Reimer, Amsler & Ruthardt alle Berlin, Seemann, Hirzel, Mayer alle Leipzig, der
Antiquar Stargardt und viele Privatpersonen u. a. Reuleaux, die Maler G. und L. Spangenberg, L. Burger, A.
Ewald.” Evers1994b, S. 15.
50
triellen und rein künstlerischen Inhalts. Die Bibliothek war in drei Zimmern aufgestellt, die
14 Lesern Platz boten. Geöffnet war sie Mittwoch und Sonnabend abends von 19.30-21.30;
für Mitglieder und Schüler der Unterrichtsanstalt auch Dienstags abends von 19.30-21.30
Uhr.218
Geldmangel – das Gewerbemuseum erhielt als private Einrichtung zunächst nur
einen Zuschuß aus dem Staatshaushalt - und Platzmangel behinderten in den ersten Jahren
die Entwicklung des Museums. Zur Abhilfe bis zum Bezug eines geplanten Neubaues219
wurden 1872 vom Handelsministerium die durch den Auszug der Königlichen Porzellanmanufaktur freigewordenen Fabrikräume an der Leipziger- bzw. Königgrätzerstraße zur
interimistischen Nutzung angeboten, die nach umfangreichen Umbaumaßnahmen im Mai
1873 vom Museum mit Bibliothek und Unterrichtsanstalt bezogen werden konnten. Die
Bibliothek bekam einen neuen Lesesaal von 90 qm Grundfläche, der 35 Lesern an
gutbeleuchteten Tischen Platz bot.220
Obwohl zwischen 1872 und 1874 jährlich inklusive einer Spende von 900 RM des
Bankiers Paul Mendelssohn-Bartholdy durchschnittlich 3.200 RM für die Bucherwerbung
aufgewandt werden konnten, waren die Bestände der Bibliothek nach der Rücküberweisung der Leihgaben an die Kronprinzessin im Jahre 1873 “in einem völlig zerrissenen
und lückenhaften Zustande.” Der Vereinsvorstand wandte sich ob der desolaten Lage im
Mai 1874 mit einer Eingabe an das Handelsministerium und bat um die Zuweisung von
Sondererwerbungsmitteln in Höhe von 180.000 RM zur Begründung einer in Berlin und
Preussen fehlenden kunstgewerblichen Bibliothek. Mit Erlass vom 30. April 1875 wurde
ein Zuschuß von 30.000 RM gewährt, geringere Raten wurden für die nächsten Jahre in
Aussicht gestellt. Bis April 1880 gingen dem Museum insgesamt 79.500 RM als “Fond zur
Begründung einer kunstgewerblichen Bibliothek” zu.221 Der Bestand der Bibliothek wuchs
bis Ende 1877 auf 3.220 Bände, 350 Blatt Originalaufnahmen und 10.333 sonstige Abbildungen an.222 Auch die Benutzung der Bibliothek konnte 1876 nach der Einstellung des
Bibliothekars Dr. Steinitz verbessert werden. Die Öffnungszeiten umfassten jetzt alle
218
Evers 1994b, S. 15f.
219
Die 1872 veranstaltete “Ausstellung älterer kunstgewerblicher Gegenstände im Königlichen Zeughause”
hatte das Museum zum ersten Mal einem großen Publikum vorgestellt und seinen Anspruch auf ständige
staatliche Förderung und angemessene Unterbringung bekräftigt.
220
Kunstgewerbemuseum 1981, S. 43.
221
Kunstgewerbemuseum 1981, S. 41.
222
Evers 1994b, S. 16.
51
Wochentage von 10.00 bis 15.00 sowie Montag, Dienstag, Freitag und Sonnabend abends
19.30-21.30 Uhr. 223
2.2.2. Die Sammlung Destailleur und das “Museum für graphische Kunst”
Im Jahre 1879 wurde das “Deutsche-Gewerbe-Museum” in “Kunstgewerbe-Museum”
umbenannt und damit der Wandlung der Sammlung von einer Mustersammlung zu einer
Schausammlung zur Geschichte des Kunstgewerbes auch öffentlich Ausdruck gegeben.
Julius Lessing, der seit 1872 Direktor der Sammlung war, hatte die Hinwendung zum
historischen Kunstgewerbe forciert. 1874 gelang mit Hilfe des preußischen Staates der
Ankauf des Lüneburger Ratssilbers und 1875 wurde die Königliche Kunstkammer aufgelöst und aufgeteilt, wodurch dem Kunstgewerbemuseum eine Reihe von Spitzenstücken
europäischen Kunstgewerbes zufielen. Auch die Bibliothek suchte gegen Ende der Siebziger Jahre ihre großen Lücken auf dem Gebiet historischer Musterbücher und Ornamentstiche zu schließen. Handelsminister Achenbach hatte sich im Juli 1877 mit einer Eingabe
an das Finanzministerium gewandt, in der er für die Erwerbung einer großen, bereits
bestehenden Ornamentstichsammlung ersten Ranges für das Deutsche-Gewerbe-Museum
eintrat, die für etwa 800.000 RM zu haben sei.224 Friedrich Lippmann,225 seit 1876
Direktor des Kupferstichkabinetts und ein versierter Kenner des internationalen Kunstmarktes, wurde im Januar 1879 beauftragt, die Sammlung des Pariser Architekten
Hippolyte Destailleur, deren Ankauf er empfohlen hatte, sowie eine andere Privatsammlung in Paris zu begutachten und über ihren Verkauf zu verhandeln.226 Lippmann, der
wie Wilhelm Bode alle, mitunter auch anrüchigen, Tricks des Erwerbungsgeschäftes
beherrschte,227 gelang es, die Sammlung Destailleur für Berlin zu sichern.228 Da das
Finanzministerium keine außerordentlichen Mittel für den Ankauf bereitgestellt hatte,
223
Kunstgewerbemuseum 1981, S. 43f..
224
Cilleßen 1994, S. 51f..
225
Vgl. zu Lippmann Schöne 1904.
226
Cilleßen 1994, S. 52f..
227
Bode berichtet in seinen Memoiren vom Ankauf der Pariser Dürer-Sammlung Posonyi-Hulot, den er und
Lippmann 1878/79 einfädelten und der nur durch Bestechung von Hulots Mätresse und Einschaltung eines
englischen Strohmannes gelang, da Monsieur Hulot nicht nach Deutschland verkaufen wollte. Bode 1997, S.
134.
228
Die Umstände und der Ablauf des Ankaufs, der angeblich vor dem Verkäufer Destailleur verschleiert
wurde, müssen als abenteuerlich bezeichnet werden. Vgl. hierzu die Darstellung bei Cilleßen 1994, S. 52f..
52
sprang ein Konsortium verschiedener Persönlichkeiten aus Handel und Wirtschaft ein und
leistete eine Vorfinanzierung. Die Sammlung gelangte im Herbst 1879 ins Berliner
Kupferstichkabinett229 und wurde dort den Mitgliedern des Herrenhauses vorgestellt. Im
Haushaltsjahr 1880/81 wurden 381.000 RM Sondermittel nachträglich für den Erwerb
bewilligt.
Obwohl die Abwicklung des Ankaufs der Destailleur’schen Sammlung außerordentlich schnell, unkonventionell und erfolgreich vollzogen wurde, weist sie doch eine
Reihe von Merkwürdigkeiten auf. Zunächst ist es verwunderlich, dass die Initiative nicht
von der Bibliothek bzw. dem Museum, sondern vom Handelsministerium ausging. Offenbar hatten der Museumsdirektor Grunow und der Sammlungsdirektor Julius Lessing den
Erwerb von Ornamentstichen nicht als vordringlich für die Entwicklung des Kunstgewerbemuseums angesehen.230 Trotz der mangelnden Begeisterung bei den zuständigen
Beamten ging man bei den Planungen zur Gründung der Ornamentstichsammlung von
einem Anschluss derselben an das Kunstgewerbemuseum aus.231 Das Finanzministerium
machte Einwände gegen den Erwerb der Sammlung Destailleur und die Gründung einer
Ornamentstichsammlung am Kunstgewerbemuseum geltend und verwies darauf, dass das
Berliner Kupferstichkabinett bereits umfangreiche Bestände an Ornamentstichen besaß.
Mit Friedrich Lippmann trat in dieser unklaren, möglicherweise auch von Rivalitäten
zwischen den beteiligten Ministerien geprägten Situation,232 ein Vermittler auf, der bei der
Begutachtung und den anschließenden Verhandlungen um den Ankauf der Sammlung
229
Kultusminister Puttkamer, der sich ebenfalls stark für den Erwerb einer Ornamentstichsammlung eingesetzt hatte, beschrieb die Sammlung kurz nach ihrem Eintreffen in Berlin: “In der soeben auf dem königlichen Kupferstichkabinett angelangten Sammlung sind alle Epochen, alle Schulen und Richtungen der
ornamentalen Kunst in außergewöhnlicher Weise vertreten. Sie setzt sich zusammen aus Zeichnungen,
Stichen und Holzschnitten deutscher, italienischer, französischer und englischer Meister des XV. bis XVIII.
Jahrhunderts, Sammelwerken, in Sammelbände vereinigten Einzelblättern, Vorlagen und Skizzenbücher für
und von Goldschmieden, Bronze- und Eisenarbeitern, Architekten, Dekorateuren etc. Die gestochenen Werke
der wichtigsten Ornamentisten sind hier nahezu alle vollständig vorhanden; ... Die Sammlung übertrifft in
jener Richtung und als Ganzes alle bekannten öffentlichen und privaten Sammlungen ...” Cilleßen 1994, S.
44f..
230
Vgl. hierzu Cilleßen 1994, S. 50. Wilhelm von Bode fällte in seinen Erinnerungen anläßlich der Eröffnung
des Neubaus des Kunstgewerbemuseums ein sehr negatives Urteil über dessen langjährigen Mitarbeiter und
Direktor Lessing, dem er mangelnden Sinn für Qualität und Echtheit der Kunstwerke vorwarf. Laut Bode war
Lessings passiver Widerstand verantwortlich für die Eigeninitiativen aus dem Ministerium. Bode 1997,
167f..
231
Auch in Wien hatte man dem Gewerbemuseum dieOrnamentstichsammlung angegeliedert.
232
Das Kunstgewerbemuseum lag im Zuständigkeitsbereich des Handelministeriums während die Königlichen Museen dem Ministerium der geistlichen, Unterrichts- und Medicinal-Angelegenheiten unterstanden
und das Finanzministerium den immensen Geldbedarf der stark wachsenden Sammlungen befriedigen
musste.
53
Destailleur keineswegs uneigennützig handelte. Abgesehen von erhofften Zuweisungen
aus der Sammlung zur Schließung entsprechender Lücken in den Beständen des Königlichen Kupferstichkabinetts, verfolgte Lippmann einen strategischen Plan, der auf die
Gründung eines Museums zielte, in dem die neu erworbene Ornamentstichsammlung, das
Kupferstichkabinett, die Bibliothek der Königlichen Museen, die Bibliothek des Kunstgewerbemuseums und weitere geeignete Graphik- und Buchbestände aus anderen staatlichen Sammlungen wie bspw. der Königlichen Bibliothek und der Bauakademie komplett
aufgehen sollten. Ende März 1881 lancierte Lippmann seine Überlegungen in Form einer
gedruckten “Denkschrift über die Errichtung eines Museums für Graphische Kunst in
Berlin”, die in den entsprechenden Museums- und Ministeriumskreisen verteilt wurde. Der
Plan war zu revolutionär, um verwirklicht zu werden, denn er hätte eine Neustrukturierung
eines erheblichen Teils der Berliner Bibliotheks- und Museumslandschaft bedeutet, aber er
enthielt richtige Analysen, zutreffende Prognosen und eine ganze Reihe von später umgesetzten Anregungen, die es rechtfertigen, ihn hier vorzustellen.
Lippmann geht in seiner Schrift davon aus, dass den Kupferstichkabinetten im Laufe
des 19. Jahrhunderts die Funktion zugewachsen sei “dem Kunststudium und dem Kunstunterricht, dessen gegenwärtigen Umfang frühere Zeiten nicht kannten, gewissermassen
als Archive des Abbildungsmaterials auf dem Gebiete der bildenden Kunst zu dienen.”233
An die Seite der in den Kabinetten gesammelten Originalstiche der alten Meister sind
zunächst Zeichnungen getreten, später dann die radierten “Malerwerke” und nach der
Erfindung der Photographie die photographische Reproduktion. Das Sammeln von Reproduktionen, die die Kunstwissenschaft im eigentlichen Sinne überhaupt erst ermöglicht
haben, folgt einem anderen Impetus als das klassische Museum der Meisterwerke. Wo das
Meisterwerkemuseum das singuläre, vollendete, Meister oder Epoche auf dem Höhepunkt
zeigende Werk in den Mittelpunkt stellt,234 zielt die Sammlung von Reproduktionen auf
Vollständigkeit, auf die lückenlose Abbildung historischer Reihen. Bezüglich der Rezeption steht im Meisterwerkemuseum der ästhetische Genuss im Vordergrund und in der
archivartigen Sammlung das historische oder zweckgebundene Studium. Ziel einer Sammlung von Reproduktionen kann es nach Lippmann daher nur sein, in einem systematisch
angelegten und gepflegten Studienapparat aufzugehen.
233
Lippmann 1881, S. 2.
234
Seine kanonische Form fand das Meisterwerkemuseum erst im 20. Jahrundert mit einer Präsentationsweise, die die Objekte isoliert, entkontextualisiert und auratisiert und die bis heute in der ganzen Welt
dominiert.
54
“Ein kunstgeschichtlicher Studienapparat, dessen Ziel und Zweck sein soll, zur Förderung der
allgemeinen Kunstbildung als kräftiger Faktor mitzuwirken, dürfte aber nicht auf ein
Kunstgebiet beschränkt sein, sondern müsste notwendig dass Gesammtgebiet der bildenden
Künste umfassen. Die Sammlung von Reproduktionen muss daher neben den Werken der
Malerei die der Plastik, neben diesen die der dekorativen Architektur und endlich die der
gewerblichen Kunstarten enthalten. Erst eine solche Sammlung wird ein Ganzes bilden, bei
dem sowol das historische, wie das theoretisch-praktische Kunststudium ihr Genügen
finden.”235
Lippmanns Kombination der hochwertigen Originale eines Kupferstichkabinettes mit
einer allumfassenden Sammlung photographischer Reproduktionen begründete die Idee
eines neuartigen integrierten Museums für graphische Kunst, wie sie später Peter Jessen in
der Kunstbibliothek umsetzte.
“Dieses Museum hätte in Bezug auf die bildende Kunst eine universelle Aufgabe zu erfüllen,
ähnlich der einer grossen Bibliothek in Beziehung auf die Literatur. Es würde ein Archiv für
das gesammte künstlerische Abbildungsmaterial, und als solches der vielgestaltigsten öffentlichen Benützung gewidmet sein. ... Das Museum für graphische Kunst hat die Werke der
zeichnenden (graphischen) Kunst aller Zweige in originalen und Nachbildungen, ferner die
Literatur der bildenden Kunst zu sammeln und seine Sammlungen dem Publikum zugänglich
zu machen. Es gliedert sich in ...: I. Die Kupferstichsammlung in ihrem ganzen Bestande,
vermehrt durch die Ornament- etc. Stiche (Holzschnitte etc.) der Sammlung Destailleur und
eventuell durch Hinzutreten gewisser im Staatsbesitz befindlichen Sammlungen, deren Einverleibung zweckmässig erscheint, wie der an der Königlichen Bibliothek befindlichen Kupferstichsammlung, der in der Bauakademie bewahrten Beuth’schen Sammlung etc.) ... II. Die
Sammlung von Zeichnungen alter Meister und Handschriftmalereien der verschiedenen
Epochen. Hinzutreten die ornamentalen und architektonischen Zeichnungen der Sammlung
Destailleur. ... III. Die Sammlung von mechanischen Wiedergaben (Photographien etc.) und
anderen modernen Abbildungen aus dem Gebiete der bildenden Künste, die als Einzelblätter
erschienen sind und nicht zu Werken mit gedrucktem Text gehören. Diese Sammlung gliedert
sich in die A. Sammlung von Abbildungen zur Kunstgeschichte (Kunstgeschichtlicher Apparat); B. Kunstgewerbliche Vorbildersammlung.”236
Zu Lippmanns Vorstellung eines integrierten Museums gehörte auch eine große
Kunstbibliothek,237 die die Funktionen der dienstlichen Handbibliothek und der öffentlichen Fachbibliothek in sich vereinigen sollte.
“Die Bibliothek des Museums für graphische Kunst hat sowol für den Handgebrauch bei
Benützung der Sammlungen, als zum selbständigen Studium der Kunstliteratur aller Zweige zu
dienen. Sie umfasst dieselben Gebiete, welche die Bibliothek der Königlichen Museen gegenwärtig vertritt (mit Ausschluss der Ethnologie), ausserdem die Geschichte der Architektur und
die Literatur des alten und modernen, sowol europäischen als aussereuropäischen Kunstgewerbes. Während aber die Literatur der Baukonstruktion nicht in den Rahmen der Bibliothek
des Museums für graphische Kunst fällt, sind die Schriften über die Technik des Kunstgewerbes ... mit einzubeziehen. Ausserdem die hauptsächlichsten Encyklopädien, biographische und technologische etc. Wörterbücher, bibliographische Handbücher u. dergl. Die
Bibliothek des Museums für graphische Kunst wird aus der Bibliothek der Königlichen
Museen durch Hinzutreten der Bibliothek des Gewerbemuseums gebildet, und von vornherein
235
Lippmann 1881, S. 3f..
236
Lippmann 1881, S. 7ff..
237
In seiner präzisen Beschreibung des Raumbedarfs der Bibliothek benutzt Lippmann mehrfach den
Terminus “Kunstbibliothek”, der ab 1924 auch offizieller Name der Bibliothek des Kunstgewerbemuseums
wurde. Lippmann 1881, S. 13.
55
in dem oben angedeuteten Umfange durch grössere systematische Erwerbungen vervollständigt. Sie wird durch das literarische Material und die Abbildungswerke, die sie enthält, die
nothwendige Ergänzung des kunstgeschichtlichen Studienapparates und der kunstgewerblichen
Vorbildersammlung (Abth. III A. und III B.) ausmachen.”238
Hinsichtlich der Vermittlungsaufgabe des Museums trat Lippmann für eine Ausrichtung an den Benutzerbedürfnissen ein.
“Der Inhalt des Museums, das gesammte künstlerische und literarische Material soll mit dem
geringsten Aufwand an Zeit und Mühe dem Publikum erreichbar sein, und seine wissenschaftliche wie praktisch künstlerische Benützung in jeder Weise gefördert werden. Es sind
Veranstaltungen zu treffen, um den Ungeübten bei der Benützung der Sammlungen zu unterstützen und ihm das Auffinden des ihm Dienlichen entsprechend zu erleichtern.”239
Direkte Folgen hatte die Denkschrift von Friedrich Lippmann nicht, denn obwohl er,
wie die spätere Geschichte der Kunstbibliothek beweist, richtig vorhergesehen hatte, “dass
eine selbständige Ornamentenstichsammlung am Kunstgewerbemuseum mit der Zeit
immer weitere Kreise in ihr Sammlungsgebiet ziehen und sich nach und nach zu einer
grossen Kupferstichsammlung ausdehnen”240 würde, wurde die Sammlung Destailleur wie
geplant dem Kunstgewerbemusem zugesprochen. Auch die als Ersatz für die nicht
verwirklichte tatsächliche Vereinigung von Ornamentstichsammlung und Kupferstichkabinett geplante “ideelle Zusammenlegung” in Form eines gedruckten Ornamentenkatalogs der einschlägigen Bestände beider Sammlungen kam nicht zustande, obwohl unter
Lippmanns Leitung mindestens fünf Experten daran arbeiteten und die Vorbereitungen
bereits bis zur Auswahl von Reproduktionen gediehen waren.241 Es dauerte bis zum April
238
Lippmann 1881, S. 10f..
239
Insbesondere die Katalogisierung war für Lippmann hierbei eine Kernaufgabe: “Die Katalogisierung der
Sammlungen und der Bibliothek muss dem vielgestaltigen Zwecke der Anstalt angepasst, und soweit die
Kataloge für den Gebrauch des Publikums bestimmt sind, namentlich in den das Kunstgewerbe betreffenden
Partien, auch auf wissenschaftlich ungeübte Besucher berechnet sein. Die Kataloge sind so einzurichten, dass
sowol das wissenschaftliche, wie auch das praktisch-kunstgewerbliche Studium aus dem gesammten Inhalte
der verschiedenen Sammlungsabteilungen den entsprechenden Nutzen zu ziehen vermag. Es muss daher
jedes einzelne Stück der Sammlungen nach den verschiedenen Katagorien verzeichnet werden, nach denen es
in den ebengenannten Beziehungen in Betracht kommen kann, und zu diesem Behufe wird eine Reihe von
Fach und Spezialkatalogen sowol der Bibliothek als auch der Kunstsammlungen anzulegen und dem
Publikum zur Benützung zu geben sein.” Lippmann 1881, S. 11. Ein Beispiel für ein derartiges umfassendes
Katalogsystem ist der ebenfalls von Lippmann eingerichtete sogenannte Stecherkatalog des Kupferstichkabinetts, der jedes Blatt sowohl unter formalen (Künstler, Stecher, Technik), topographischen (dargestellter
Ort), biographischen (dargestellte Person) und ikonographischen (dargestelltes Thema) Gesichtspunkten
verzeichnete und damit einen Katalogisierungsstandard markierte, der nach dem Zweiten Weltkrieg nicht
annähernd wieder erreicht wurde.
240
Lippmann 1881, S. 6.
241
Cilleßen 1994, S. 54. Erst 1894 konnte ein von Peter Jessen geleitetes Team die Publikation veröffentlichen. Vgl. Katalog der Ornamentstich - Sammlung des Kunstgewerbe – Museums. Königliche Museen zu
Berlin. Leipzig 1894.
56
1886, ehe der überwiegende Teil der Sammlung Destailleur vom Kupferstichkabinett an
die Bibliothek des Kunstgewerbemuseums überwiesen wurde.242
2.2.3. Bibliothek des Königlichen Kunstgewerbe-Museums (1881 – 1921)
Wenige Monate nach Friedrich Lippmanns Übernahmeversuch bezogen Kunstgewerbemuseum, Unterrichtsanstalt und Bibliothek ein neues, von Martin Gropius und Theodor
Schmieden erbautes zweigeschossiges Museumsgebäude an der Prinz-Albrecht-Straße, das
am 21. November 1881 eröffnet wurde. Die Bibliothek erhielt hierin ein Magazin von 126
qm und einen Lesesaal von 130 qm mit 55 Arbeitsplätzen sowie ein Zimmer für den
Bibliothekar und einen Raum für Buchbinderarbeiten. Der neue Lesesaal war täglich von
10.00-15.00 Uhr und viermal abends von 19.30 bis 21.30 Uhr unentgeltlich geöffnet. Der
Bestand war Ende 1881 auf 4.315 Bände und Mappen überwiegend größere Abbildungsund Textwerke aus den Gebieten der Kunstgeschichte und aller Zweige des Kunstgewerbes
angewachsen. Daneben existierte eine etwa 13.000 Blatt umfassende Sammlung von auf
Kartons aufgelegten Photographien und sonstigen Einzelblättern, die in systematisch
geordneten Kastenmappen aufbewahrt wurden. 37 Zeitschriften wurden laufend gehalten.
Außer dem Akzessionsverzeichnis wurden zwei schriftliche Bandkataloge geführt: ein
alphabetischer in einem und ein Fachkatalog in zwei Exemplaren.243 Am 1. Juli 1882
wurde eine “Bibliothek-Ordnung” in 27 Paragraphen erlassen, die in § 1 jeden Erwachsenen zur Benutzung zulässt, der sich legitimieren kann. § 9 bestimmt, dass das Pausen
nicht gestattet ist, aber in begründeten Einzelfällen zugelassen werden kann. In § 11 wird
der Gebrauch der Tinte nur an einem Tisch aus den dort aufgestellten Tintenfässern
gestattet. § 12 regelt die Verwendung von Wasserfarben zur Anfertigung farbiger
Kopien.244 Diese Bestimmungen weisen schon auf ein bestimmtes, die Bibliothek in diesen
Jahren stark frequentierendes Nutzerklientel hin, das von Peter Jessen in seinem
Abschiedswort beschrieben wurde:
“Um 1880 kamen vorwiegend der Handwerker aus der Werkstatt, der Zeichner, Modelleur,
nicht immer bestens gepflegt, gern in Samtjacke und Schlapphut. Was sie suchten, lag meist an
242
Anläßlich der Überweisung wurde ein Verzeichnis angefertigt aus dem hervorgeht, dass das Kupferstichkabinett 192 Nummern aus der Sammlung behalten durfte und 782 an das Kunstgewerbemuseum abgeben
musste. Cilleßen 1994, S. 55. Vgl. zur weiteren Geschichte der Ornamentstichsammlung in der Kunstbibliothek auch die Beiträge von Berkenhagen 1961, Waetzoldt 1963 und Thon 1994.
243
Kunstgewerbemuseum 1981, S. 41ff..
244
Grunow 1882.
57
der Oberfläche der Aufgaben; sie waren auf der Jagd nach Ornamenten; das Pausen war ihr
liebstes Studienmittel.”245
Am 31. März 1885 wurde durch Erlass Seiner Majestät des Kaisers und Königs das
Kunstgewerbemuseum der Generalverwaltung der Königlichen Museen unterstellt. Knapp
zwanzig Jahre nach der Eröffnung war damit die bürgerliche Neugründung sanktioniert
und in den Reigen der preußischen Staatsmuseen aufgenommen worden. Neben einem
nunmehr gesicherten jährlichen Haushalt bedeutete dies auch die Inkraftsetzung eines
besonderen Statuts für das Kunstgwerbemuseum.246
Ebenfalls zum 31.März 1885 wurde Alfred Lichtwark mit der Leitung der Bibliothek
betraut, die er aber nur bis 1886 innehatte.247 Zu seinem Nachfolger wurde im Oktober
1886 Peter Jessen (1858-1925) berufen, der in seiner achtundreißigjährigen Dienstzeit an
den Königlichen Museen der Kunstbibliothek ihre besondere Struktur verlieh und zu ihrem
bedeutendsten Direktor wurde.248 Curt Glaser charakterisierte seinen Amtsvorgänger in
seiner Gedenkrede bei der Trauerfeier für Peter Jessen am 20. Mai 1926 in den Räumen
der Kunstbibliothek:
“Jessen war, in jungen Jahren schon, zum Leiter der Bibliothek des Kunstgewerbemuseums
bestellt, und er hat die Aufgabe, die ihm geworden, mit Hingebung und in vorbildlicher Weise
erfüllt. Aber er war nach Anlage und Beruf alles andere als ein Bibliothekar, und es war immer
sein Kummer, daß die Sprache kein anderes Wort gab, seine Schöpfung zu bezeichnen als das
Wort Bibliothek, das so wenig ihr in ihrem ganzen Umfange gerecht zu werden vermochte.”249
Jessen ging in zweifacher Hinsicht über das hinaus, was man gemeinhin mit dem
Begriff Bibliothek assoziiert: Zum einen baute er die Bibliothek zu einem Institut aus, das
die Bestände einer Bibliothek, eines Museums und eines Bildarchivs in sich vereinigte und
zum anderen wollte er mit seiner bibliothekarischen Tätigkeit und seiner ausgedehnten
Vortragstätigkeit pädagogisch reformerisch auf die Entwicklung des deutschen Kunstgewerbes einwirken. Sein bibliothekarisches Credo einer unbedingten Orientierung an den
Bedürfnissen der Benutzer formulierte Jessen 1924 am Ende seiner Laufbahn:
“Den Beamten jeder Bibliothek, vom Aufseher bis zum Vorsteher, ist ein wertvolles Gut
anvertraut: die Zeit der Leser. Wir vergeuden das Eigentum unseres Nächsten, ein Stück
deutschen Volksvermögens, wenn wir nicht unablässig darauf sinnen, die Zahl der Minuten
zwischen der Abgabe des Bestellzettels und der Ausgabe aus den Magazinen abzukürzen, die
245
Jessen 1924a, S. 5.
246
Statut 1908, S. 27ff..
247
Lichtwark wechselte 1886 als Direktor an die Hamburger Kunsthalle.
248
Formal wurde Peter Jessen erst am 1. Juli 1894 zum Direktor ernannt, als die Bibliothek dem
Kunstgewerbe-Museum und der Unterrichtsanstalt gleichgeordnet wurde.
249
Gedenkreden 1926, S. 4.
58
Kataloge übersichtlich zu gliedern, den Suchenden durch Sachverzeichnisse zu leiten und
kundige Beamte für mündliche Auskünfte und Ratschläge einzustellen. Wer den Lesesaal zum
ersten Mal betritt, erhält kostenlos ein Merkblatt, das ihm die Wege zur Benutzung nachweist.
Die Besucher brauchen nicht Verbote, sondern Ratschläge, nicht eine negative, sondern eine
positive Bibliotheksordnung. Denn im Kunstlesesaal haben wir es ja großenteils mit Lesern
und Beschauern zu tun, die mit Büchern und Bücherkunde nicht vertraut sind, Leuten ohne
Griechisch, Lateinisch, Französisch und Englisch, die vor fremdsprachigen Titeln und Überschriften stocken und sich im Kauderwelsch der Kunstgeschichte nicht ohne weiteres auskennen. Diese Ungelehrten bedürfen unserer Fürsorge mehr als die Buchgebildeten. ... Wir
müssen auch in unseren Katalogen anschaulich zu denken und deutsch zu reden suchen, so
schwer das oft uns überbildeten Gelehrten fällt. Der Feind ist auch in den Katalogen das
Zuviel. Da gilt es, die Abschnitte zu verkleinern, das Wichtige herauszuheben. Ein jedes Jahr
wirft auch für Kunst und Handwerk neue Probleme des Schaffens und des Wissens auf. Eine
Fachbibliothek ist nichts wert, wenn sie nicht für solch Neues alsbald eigene Abschnitte bildet
und von Zeit zu Zeit auch größere Gebiete umgliedert; hier sind kluge Mitarbeiter am
dringlichsten vonnöten. Ein beweglicher, zielsicherer Fachkatalog ist der größte Wohltäter des
Lesers; er gibt den Maßstab für den Geist jeder Bibliothek und ihrer Beamten.”250
Kurz vor der Jahrhundertwende konnte Peter Jessen 1898 eine eindrucksvolle
Zwischenbilanz seiner bisherigen Tätigkeit ziehen.
“Seit der Verstaatlichung des Museums ist es dank der Fürsorge der vorgesetzten Behörden
gelungen, die Besuchsstunden stetig auszudehnen, zunächst auf alle Wochenabende, dann auch
auf die Nachmittagsstunden, endlich auf die volle Zahl von täglich zwölf Stunden (10 Uhr früh
bis 10 Uhr abends). Schon 1888 mußten der Lesesaal nahezu verdoppelt und die Bücherräume
in das Untergeschoß verlegt werden. Die Besucherzahl stieg mit ungeahnter Schnelle und
betrug im Jahre 1882: 9.726, 1885: 15.200, 1889: 25.291, 1897: 50.684 Personen. Die Verwaltung besteht zur Zeit aus 16 Beamten und Hilfsarbeitern;...”251
Die Buchbestände waren in diesem Zeitraum auf 13.000 Bände angewachsen. Sie waren
nach drei Formaten geschieden, systematisch nach Fachgebieten aufgestellt und durch
einen Sachkatalog in 17 Bänden sowie einen alphabetischen Katalog in 7 Bänden erschlossen. Die Sammlung der Einzelblätter umfaßte 50.000 Tafeln, davon der überwiegende Teil
Photographien, die in 2.400 Mappen aufbewahrt wurden.
“Um die Besucher schnell in die Bestände der Bibliothek einzuführen, wurde im Jahre 1889
eine ‘Anleitung zur Benutzung der Bibliothek’ herausgegeben, die sich mehrere auswärtige
Museen zum Vorbild genommen haben; sie ist 1896 als ‘Führer durch die Bibliothek’ in
zweiter Auflage erschienen. Von dem Druck eines Gesamtkatalogs der Bücher hat man
abgesehen, da eine so kostspielige Arbeit schnell veraltet. Dagegen erscheinen seit 1896 kleine
Hefte über die ‘Hauptwerke’ für bestimmte Fachgebiete (Möbel, dekorative Malerei,
dekorative Plastik, Ornament, Metall, Schrift und Druck u.s.f.); sie geben dem Fachmann in
vielgestaltiger Gruppierung alle hervorragenden Titel und Mappen, die er für seine Kunst oder
sein Handwerk braucht."252
250
Jessen 1924a, S. 6f..
251
Jessen 1898a, S. 63.
252
Jessen 1898a, S. 64f.. Naetebus schlägt in seiner 1906 erschienenen Studie “Ueber die Bibliotheken der
Preussischen Universitätsinstitute” vor, dass Universitätsbibliotheken die “standard works” jedes Faches dem
Benutzer sofort aushändigen können sollten. “Für die Erfüllung der zuletzt genannten Aufgabe wären
vielleicht kurze Kataloge über die Hauptwerke jedes Faches zweckmässig, wie sie seit Jahren die Bibliothek
des Kunstgewerbemuseums in Berlin ihren Benutzern mit gutem Erfolg gegen billiges Geld zur Verfügung
stellt.” Naetebus 1906, S. 365.
59
Im Sommer 1905 bezogen die Unterrichtsanstalt und die Bibliothek des Kunstgewerbemuseums einen nur für ihre Zwecke errichteten Neubau direkt neben dem Kunstgewerbemuseum. Ein großer Lesesaal mit angeschlossenem Ausstellungsraum im Obergeschoss, fünf Magazingeschosse sowie Rohrpost- und Aufzugsanlagen zum Büchertransport verschafften der Bibliothek zeitgemäße Arbeitsmöglichkeiten. Im Erdgeschoss
wurde ein Jahr später in repräsentativen Räumen die Lipperheidesche Kostümbibliothek
untergebracht, die dem preußischen Staat 1899 von dem Berliner Verleger und Sammler
Franz von Lipperheide gestiftet und der Bibliothek des Kunstgewerbe-Museums angegliedert worden war. Die kostümgeschichtliche Sammlung umfasste im Jahre 1896 686
Ölbilder, 200 Miniatur-Bildnisse; 2.750 Handzeichnungen, 2.3750 Blatt Druckgraphik,
2.580 Photographien; 4.000 Bücher in 5.560 Bänden, 240 Zeitschriften für Mode, Kunst
und Gewerbe in 2.185 Bänden, 126 Almanache in 840 Jahrgängen sowie 40 Handschriften.
Die Erschließung des Buchbestandes erfolgte ab 1896 in einem dreibändigen gedruckten
Katalog nach einer von Lipperheide und seinem Bibliothekar Fritz Bürmann entwickelten
Systematik.253
Nach der Jahrhundertwende gelangen Jessen und der Bibliothek weitere bedeutende
Erwerbungen: 1902 hinterließ der verstorbene Lehrer an der Unterrichtsanstalt des
Museums Otto Eckmann der Bibliothek 173 Blatt seiner graphischen Arbeiten, weitere 202
Blatt gezeichneter und gemalter Entwürfe und eine Anzahl von Studienheften konnten von
seiner Witwe erworben werden. Im Jahr 1906 wurde mit Unterstützung namhafter Vertreter des Berliner Buchgewerbes der Ankauf der Bibliothek des Architekten Hans Grisebach vollzogen, der rund 2.000 Bände typographisch, buchgeschichtlich und buchkünstlerisch bedeutsamer Werke zusammengetragen hatte. Die Sammlung Grisebach bildete das
Fundament der Sammlung alter Buchkunst, die die Geschichte des Buchdrucks von den
Anfängen bis zum Ende des 18. Jahrhunderts umfasst.254 1912 konnten mit Hilfe von
Künstlern und Stiftern etwa 2.500 Blatt aus dem zeichnerischen Nachlass des bedeutenden
Jugendstilarchitekten Joseph Maria Olbrich für die Bibliothek des Kunstgewerbe-Museums
erworben werden.255 Mit dem Ankauf der Sammlungen Fritz Matthies-Masuren und Ernst
253
Rasche 1994, S. 254. Hier auch eine Darstellung der Sammlungs- und Stiftungsgeschichte. Vgl. zur
Lipperheideschen Kostümbibliothek auch Doege 1921.
254
Vgl. zur Sammlung Grisebach Arnolds 1958 und Malke 1994b.
255
Vgl. zu den Architekturzeichnungen der Kunstbibliothek Bärnreuther 1994 und Zöller-Stock 1994.
60
Juhl wurde schließlich 1915 bzw. 1916 der Grundstock für die Sammlung der
künstlerischen Photographie gelegt.256
Im Ersten Weltkrieg wurde der Lesesaal der Bibliothek als Lazarett benutzt. Die Zahl
der Benutzer, die 1913 einen Rekordstand von 96.000 Besuchern pro Jahr erreicht hatte,257
ging in den Kriegsjahren stark zurück und auch die wirtschaftliche Not nach dem Krieg
traf die Bibliothek und behinderte notwendige Erwerbungen. Ähnlich wie sein Kollege
Friedrich Winkler von der Museumsbibliothek (Vgl. hierzu S. 25) plädierte auch Peter
Jessen in dieser Situation 1921 für eine verstärkte Zusammenarbeit der Kunstbibliotheken.
“Es ist ein Vorkriegstraum gewesen, an einer Stelle in Berlin die gesamte Kunstliteratur für
jedermann greifbar hinzustellen. Schon weil die Preise aller deutschen und fremden Bücher so
schmerzlich gestiegen sind, können wir nicht daran denken, für unsere Bibliothek das zu
beschaffen, was anderwärts in Berlin, wenn auch schwerer erreichbar, schon vorhanden ist.
Auf Vollständigkeit ist zur Zeit nicht mehr zu hoffen. Aber sollen wir darüber die Hände
sinken lassen? Wäre nicht schon ein Großes gewonnen, wenn den Suchenden das zerstreut
Vorhandene an einer allgemein zugänglichen Stelle wenigstens nachgewiesen würde? Was in
der Bücherei und den Abteilungen der Museen, der Nationalgalerie, der Technischen Hochschule, der Hochschule für die bildenden Künste, den Seminaren der Universität, der preussischen Staatsbibliothek vorhanden ist, könnte doch in einem Zettelkatalog übersichtlich zusammengefaßt sein. Alles, was unsere Bibliothek nicht selbst besitzt, könnte, alphabetisch und
möglichst auch sachlich geordnet, bei uns verzeichnet stehen und in unserem Lesesaal für
jedermann von früh bis spät zum Nachschlagen zur Hand sein. Ein Zentralkatalog des
Kunstliteraturbesitzes von Berlin.”258
Die Finanzkrise, die Jessen durch Einwerbung zusätzlicher Gelder und durch die
Gründung eines Freundeskreises zu meistern suchte,259 traf die Bibliothek des Kunstgewerbemuseums in einem ungünstigen Moment, musste sie sich doch zu Beginn der
Zwanziger Jahre auch mit einer Veränderung ihres Aufgabenspektrums auseinandersetzen.
1921 war das Kunstgewerbemuseums in das seit der Novemberrevolution verwaiste
Berliner Stadtschloss umgezogen und hatte sich den Namen Schlossmuseum gegeben. Die
räumliche Trennung von seiner Bibliothek260 und der Unterrichtsanstalt besiegelte eine
Entwicklung, die seit längerem virulent war und die Curt Glaser beschrieb:
256
Evers 1994b, S. 18. Vgl. zur Sammlung Photographie in der Kunstbibliothek Kühn 1994.
257
Nach Meinung Jessens waren das “annähernd so viele, wie in gleicher Jahresfrist die vier nächstgrößten
Kunstbibliotheken, Paris, London, Wien und New York zusammen aufwiesen. Meines Wissens gibt es in der
Welt keine stärker benutzte Sonderbibliothek irgend eines Faches.” Jessen 1924a, S. 5.
258
Jessen 1921, S. 27.
259
Der Generaldirektor der Staatlichen Museen bewilligte zusätzliche Mittel und der 1923 etwa 600
Mitglieder umfassende Freundeskreis spendete ebenfalls in erheblichem Umfang. Evers 1994b, S. 20.
260
Das Kunstgewerbemuseum verlor mit dem Ortswechsel auch seine Bibliothek und baute sich “zur
Erledigung täglicher musealer Arbeiten und Anfragen” eine neue Handbibliothek auf, die 1931 rund 400
Bände umfasste. Waetzoldt 1931, S. 5.
61
“Die Grenzen zwischen der sogenannten angewandten und der freien Kunst begannen sich zu
lockern. Alte Unterscheidungen galten nicht mehr. Der Zusammenhang, in dem die Bibliothek
des Kunstgewerbemuseums entstanden und groß geworden war, zerfiel. Einstmals hatten im
gleichen Hause Museum, Bibliothek und Schule nebeneinander gewirkt. Das Museum zog aus,
fand ein neues Heim in der nächsten Nähe der alten Kunstmuseen im ehemaligen Schloß. Die
Kunstgewerbeschule übersiedelte nach Charlottenburg in das Haus der Hochschule der bildenden Künste. Die Bibliothek blieb allein zurück, und notwendig mußte auch sie den Weg
gehen, den die beiden Schwesterinstitute gegangen waren, den Weg von der Kunstgewerbebibliothek zur Kunstbibliothek.”261
Was als Einheit begonnen hatte, suchte seine Zukunft nach dem Kriege im Anschluss
an die Kunst, die Wissenschaft und in der Geschichte. Die Unterrichtsanstalt fusionierte
mit der Kunsthochschule, die Bibliothek wandelte sich von der Vorlagensammlung zur
wissenschaftlichen Spezialbibliothek und das Museum erfand sich als Geschichte neu,
indem es tatsächlich und symbolisch das Zentrum der vergangenen wilhelminischen
Epoche besetzte und in den Zwanziger Jahren zum meistbesuchten Museum Berlins
avancierte.
2.2.4. Staatliche Kunstbibliothek (1924 – 1948)
1924 wurde die Bibliothek auf Antrag Jessens in “Staatliche Kunstbibliothek (vormals
Bibliothek des Kunstgewerbemuseums)” umbenannt. Das erweiterte Aufgabenprofil führte
zu einer Diskussion über die Zukunft der beiden großen Kunstbibliotheken innerhalb der
Staatlichen Museen, die aber nicht mit der angedachten Fusion beider Institute endete (vgl.
hierzu S. 26). Am 30. Oktober 1924 wurde der langjährige Direktor der Kunstbibliothek
Peter Jessen pensioniert. Die Bibliothek war in seiner Amtszeit von etwa 5.000 auf rund
55.500 Bände gewachsen. 1925/26 war sie täglich zwölf Stunden geöffnet und verfügte
über drei Stellen im wissenschaftlichen Dienst, fünf Stellen im gehobenen Bibliotheksdienst und acht Stellen im Aufsichtsdienst.262 Jessens Nachfolger Curt Glaser (18791943)263 konnte die Bibliothek nur bis zum Jahre 1933 leiten, da er wegen seiner jüdischen
Abstammung auf Grund des “Gesetzes zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums vom
7. April” aus dem Staatsdienst entlassen wurde.264 Glaser emigrierte zunächst in die
261
Gedenkreden 1926, S. 9.
262
Jahrbuch der Deutschen Bibliotheken. 17. 1926, S. 16.
263
Vgl. zu Curt Glaser: Walravens 1989.
264
Die nationalsozialistische Säuberungswelle an den Staatlichen Museen erfaßte auch den Generaldirektor
Wilhelm Waetzoldt, den Direktor der Gemäldegalerie Max J. Friedländer, die wie Glaser ihrer Ämter
enthoben wurden und den Direktor der Nationalgalerie Ludwig Justi, der zum Kustos degradiert und an die
Kunstbibliothek versetzt wurde.
62
Schweiz, später nach Frankreich und Italien und 1940 nach New York. Als Direktor der
Kunstbibliothek wurde er durch Hermann Schmitz ersetzt, der seit 1904 am Kunstgewerbemuseum tätig gewesen war, 1928 jedoch wegen verwaltungsinterner Auseinandersetzungen im Zusammenhang des sogenannten “Berliner Museumskrieges” seinen vorzeitigen
Abschied genommen hatte.265
Nach ihrem Direktor Glaser wurde auch die Bibliothek ein Opfer der nationalsozialistischen Willkürherrschaft. Im Mai 1933 bezog die Geheime Staatspolizei die Räume der
ehemaligen Unterrichtsanstalt im Gebäude der Bibliothek. Am 3. Juli 1934 nutzte die
Gestapo die Röhm-Affäre und zwang die Kunstbibliothek in einer Art Kommandounternehmen über Nacht zum Auszug. Die Bücher und die Graphikbestände wurden im Lichthof des benachbarten ehemaligen Kunstgewerbemuseums provisorisch gelagert. Das
Bibliotheksgebäude in der Prinz-Albrecht-Str. 8 wurde in der Folgezeit mit dem angrenzenden Hotel “Vier Jahreszeiten" und dem Prinz-Albrecht-Palais zur Kommandozentrale
der Gestapo, des Sicherheitsdienstes der SS und der Reichsführung der SS ausgebaut. Die
Bibliothek, die zunächst noch auf einen Neubau oder wenigstens Unterbringung in geeigneten Räumen gehofft hatte, musste sich auf Dauer im Lichthof und einigen angrenzenden
Räumen des ehemaligen Kunstgewerbemuseums einrichten.
Die Evakuierung der Hauptwerke der Staatlichen Museen zum Schutz vor Luftangriffen war bereits 1934 detailliert geplant worden, so dass zu Beginn des Zweiten
Weltkrieges im September 1939 direkt mit dem Verpacken der wertvollsten Bestände der
Kunstbibliothek begonnen werden konnte.266 160 Kisten mit den Hauptbeständen wurden
im Tiefparterre des Museumsgebäudes untergebracht. Im Herbst 1940 wurden weitere
Graphikbestände sowie der alphabetische Bandkatalog der Bibliothek und der Zettelkatalog der graphischen Sammlungen ins Tiefparterre verbracht. 1941 und 1942 wurden in
verschiedenen Tranchen Bücher, Zeichnungen und Graphik in die Tresore der Preußischen
265
Schmitz stellte 1931 seine Sicht der Gründe, die zu seinem Ausscheiden geführt hatten, in einer selbstverlegten außerordentlich merkwürdigen, pamphletartigen Darstellung der preußischen Kulturpolitk in der
Weimarer Republik dar. Schmitz 1931.
266
Der Kustos der Kunstbibliothek Carl Koch erstellte auf Anforderung der Generaldirektion eine dreiseitige
Bergungsliste, die den gesamten Bestand der Ornamentstichsammlung, einen Teilbestand der Sammlung
Grisebach (Gris 1-1618 m), die Sammlung OZ (Handzeichnungsbände), Teile der Sammlung der Handzeichnungen, den gesamten Bestand der japanischen und chinesischen Farbholzschnitte und 845 Bände der
Lipperheideschen Kostümbibliothek (allgemeine Trachtenwerke des 18. Jahrhunderts, Ausrufe, Tranchierund Bißbücher, Festlichkeiten) enthielt. Generaldirektor Kümmel wies die Bibliothek im Antwortschreiben
an, die Gruppe der wertvollen Bestände zu kürzen, Vorschläge zur Form des Abtransportes zu unterbreiten
und Angaben zur Größe des benötigten Raumes sowie zum benötigten Personal zu liefern. Evers 1994b, S.
23f..
63
Staatsbank, der Neuen Münze und in den Flakturm Zoo verlagert und es wurde eine
Sicherheitsverfilmung der Kataloge durchgeführt. In der Prinz-Albrecht-Straße wurde
gleichzeitig mit dem luftschutzmäßigen Ausbau der Keller begonnen, welche später bei der
Zerstörung des Gebäudes standhielten. Der Direktor der Kunstbibliothek Hermann Schmitz
trat am 31. Dezember 1941, unfreiwillig und gesundheitlich angeschlagen, vorzeitig in den
Ruhestand.267 Sein Nachfolger wurde im September 1942 Albert Boeckler, zuvor
Bibliotheksrat an der Preußischen Staatsbibliothek. Für 1942/43 verzeichnete das Jahrbuch
der Deutschen Bibliotheken268 einen Bestand von rund 84.850 Bänden, 288 Wiegendrucken und 450.000 Einzelblättern. Im Jahr 1943 begann man mit den ersten Auslagerungen von Beständen an Orte im Reichsgebiet außerhalb Berlins.269
“1944 wurde der Entschluß gefaßt, sich den nach dem Salzbergwerk Grasleben bei Helmstedt
laufenden Bergungstransporten anzuschließen. Dorthin wurde nun die überwiegende Menge
der in Berlin noch vorhandenen kunstwissenschaftlichen Literatur gesandt, so daß das Bergwerk schließlich über sechshundertzehn Kisten, dazu sechsundfünfzig Schränke, angefüllt mit
Teilen der Lipperheideschen Kostümbibliothek (Bücher und Kästen), beherbergte. Es folgten
noch 2.797 Mappen des Bildarchivs und beträchtliche Bestände an Gebrauchsgraphik, darunter
die Plakatsammlung.”270
Ab Mai 1944 war wegen der durch Bombardierung verursachten schweren Zerstörungen
am Museumsgebäude keine Benutzung der Bibliothek mehr möglich. Im März 1945 versuchte man, angesichts der bevorstehenden Einnahme Berlins durch die Rote Armee, noch
weitere Bestände in Richtung Westen zu verlagern. Mehrere Transporte mit wertvollen
Beständen der Kunstbibliothek erfolgten vom Flakturm Zoo in die Saline Schönebeck bei
Magdeburg und in die Berwerke Kaiseroda und Grasleben. Erhebliche Verluste erlitt die
Kunstbibliothek bei einem Bombenangriff am 11. März, der die Tiefkeller der Neuen
267
Dies geht aus einer Aussage des Generaldirektors Stephan Waetzoldt im Nachruf auf Carl Koch hervor.
“Carl Kochs vornehme, an absoluten Maßstäben orientierte Wesensart hat sich während der Herrschaft des
Nationalsozialismus bewähren müssen. Der Kustos und Professor der Kunstbibliothek, der es abgelehnt
hatte, der Partei beizutreten, erwirkte dennoch bei dem Kultusministerium die Entfernung des vorgesetzten
Direktors, der – geistig labil und politisch fanatisiert – das Institut zu ruinieren drohte. Kochs charaktervolle
Handlung brachte Erfolg in der Sache, aber Zurücksetzung der Person. Er wurde nicht Direktor der
Kunstbibliothek, sondern zur Museumsbibliothek versetzt.” Waetzoldt 1970, S. 2.
268
Jahrbuch der Deutschen Bibliotheken. 33. 1943, S. 13.
269
“Anfang Februar erfolgt die Verlagerung von ca. 200 Kisten nach Schloß Heldburg in Thüringen, zwei
weitere etwa ebenso große Sendungen gehen nach Schloß Falkenstein im Harz und nach Oberschwaben, wo
der Transport auf die Orte Buchau, Dieterskirch, Kirchen und Uttenweiler aufgeteilt wird. Im Sommer
werden die in der Preußischen Staatsbank geborgenen wertvollsten Handzeichnungen in den Flakturm am
Zoo umgelagert. Gleichzeitig werden Kästen mit Buntpapier-Modeldrucken und weniger wertvollen Handzeichnungen aus dem Flakturm am Zoo in die Preußische Staatsbank gebracht.” Evers 1994b, S. 25f..
270
Berliner Museen 1953, S. 115.
64
Münze zerstörte.271 Am 20. Mai wurden vom russischen Militär 50 Bücherkisten aus dem
Flur des Museumsgebäudes in der Prinz-Albrecht-Straße abtransportiert.272 Die in die
mitteldeutschen Bergwerke ausgelagerten Bestände wurden von den Westalliierten in
Kunstgutsammellagern in Wiesbaden und in Celle zusammengeführt (vgl. hierzu Kapitel
2.1.6.).
Nach der Unterstellung der Museumsverwaltung unter den Magistrat von GroßBerlin und der Übernahme des politisch unbelasteten Personals begann im Sommer 1945
der Wiederaufbau der Museen mit der Instandsetzung der beschädigten Gebäude. Bereits
am 8. August 1945 stellte Carl Weickert im Auftrag der Museen einen ausführlichen
Antrag an den Magistrat, in dem die Schäden und die dringend notwendigen Instandsetzungsarbeiten an den Museumsgebäuden beschrieben wurden.273 Die Kunstbibliothek
blieb zunächst in ihrem provisorischen Domizil im Keller des ehemaligen Kunstgewerbemuseums, wo auch ein Lesesaal eingerichtet wurde. Zur dauerhaften Unterbringung plante
Direktor Boeckler den Wiedereinzug in das alte, eigens für die Kunstbibliothek errichtete
Gebäude in der Prinz-Albrecht-Straße 7a, das nach dem Untergang der SS wieder zur
Verfügung stand. Die Kunstbibliothek wurde zwar vom Magistrat in dieses Gebäude
eingewiesen, aber eine Instandsetzung erwies sich als nicht durchführbar.274 Boeckler
favorisierte daraufhin einen Umzug in den Magazinbau des Völkerkundemuseums nach
Dahlem, der im Krieg kaum zerstört worden war und Unterbringungsmöglichkeiten für die
ausgebombten Museumsabteilungen bot. Außerdem lag er im amerikanischen Sektor
Berlins und verhieß damit größere Sicherheit für Bestände und Personal angesichts der sich
abzeichnenden Spaltung Berlins. Die sich zuspitzende politische Situation und der
271
“Der größte Schlag, der die Kunstbibliothek traf, war die 10./11. März 1945 durch Bombenabwurf
erfolgte Vernichtung der im Tiefkeller der Berliner Münze lagernden Bestände. Etwa vier Fünftel der Bücher
der Ornamentstich-Sammlung gingen damit verloren, so daß von dieser berühmten Sammlung heute nur noch
kleinere Gruppen von Büchern und die Kästen mit den aufgelegten Blättern, welche beide westwärts verlagert waren, vorhanden sind. Zugleich ging dort die reiche Sammlung der schönen Bücher des 19. und 20.
Jahrhunderts zugrunde.” Berliner Museen 1953, S. 115f.. Vgl. zu den Kriegsereignissen auch Winkler 1984,
S.541ff.
272
Die Kisten enthielten u.a. Bände und Graphikkästen aus der Lipperheideschen Kostümbibliothek,
Dubletten aus der Ornamentstichsammlung und Mappen des Bildarchivs. Evers 1994b, S. 26.
273
“H. Museum in der Prinz-Albrecht-Straße. Wiederherstellung der von der Kunstbibliothek noch benutzten
Räume im Tiefparterre, durch Abschließung der erhaltenen Korridore gegen den Lichthof bzw. die
Außenseiten. Ausstattung der an der Westseite gelegenen ausgebrannten Räume mit Türen, Öffnung einiger
vermauerter Fenster und Einziehung einiger dünner Wände. Einrichtung der Beheizung durch eiserne Öfen,
von denen etwa 10 benötigt werden.” Der Bericht ist als Anlage 4 abgedruckt in Kühnel-Kunze 1984. Hier S.
559.
274
Das stark zerstörte und durch die Nutzung als Folterzentrum der SS diskreditierte Gebäude in der PrinzAlbrecht-Straße 7a, Sitz der Kunstbibliothek von 1905 bis 1934, wurde im Juni 1956 gesprengt.
65
deprimierende und perspektivlose Zustand der Ehemals Staatlichen Museen275 veranlassten
wahrscheinlich auch Albert Boeckler im Dezember 1946 zum Wechsel an die Bayerische
Staatsbibliothek nach München.276 Zu seinem Nachfolger wurde am 1. Januar 1947 Carl
Koch ernannt, der bis zum 15. September 1948 in Personalunion auch Leiter der
Museumsbibliothek blieb.277 Koch pflegte offenbar gute Beziehungen zur sowjetischen
Administration, denn es gelang ihm 1946, Teile der nach Thüringen und ins Berwerk
Schönebeck ausgelagerten Bestände nach Berlin zurückzuholen und die Kunstbibliothek
im Herbst 1947 in Dahlem wiederzueröffnen.278 Im Frühjahr 1948 konnte Koch noch
Mobiliar der Kunstbibliothek von der Museumsinsel sowie Bestände aus der PrinzAlbrecht-Straße nach Dahlem verlegen. Im Juni 1948 untersagte die sowjetische Zentralkommandantur die Verlagerung von Kunstgegenständen des sowjetischen Sektors in
andere Sektoren, so dass weitere auf der Museumsinsel eingelagerte Sammlungsbestände
der Kunstbibliothek dort bleiben mussten.279
2.2.5. Der Neubeginn in Westberlin (1949 – 1985)
Am 1. 10. 1949 beschloss der Magistrat die Zuweisung des ehemaligen Landwehrkasinos
in der Jebensstraße 2 direkt hinter dem Bahnhof Zoologischer Garten an die Ehemals
Staatlichen Museen. Neben der Kunstbibliothek und der 1948 gegründeten Galerie des
XX. Jahrhunderts sollte auch das Kupferstichkabinett hier untergebracht werden, was
aufgrund der nahe beieinander liegenden und sich in manchen Bereichen auch überschneidenden Sammelgebiete die Chance eines konzeptionellen Neuanfangs geboten hätte.
275
So hieß der westliche Ableger der Museen bis zur Gründung der Stiftung Preußischer Kulturbesitz.
276
Evers 1994b, S. 26.
277
Köhler 1980, S. 471.
278
“Es gelang glücklicherweise, im Jahre 1946 die in den zwei thüringischen Schlössern eingelagerten etwa
dreihundert Kisten mit kunstwissenschaftlicher und kostümwissenschaftlicher Literatur nach Berlin zurückzutransportieren und ebenfalls die in Schönebeck befindlichen 1263 Mappen des Bildarchivs. Mit diesem
Material und den in Berlin gebliebenen Restbeständen ist im Herbst 1947 die Kunstbibliothek wieder eröffnet
worden; sie wurde im rechten Pavillon des Dahlemer Museumsgebäudes untergebracht.” Berliner Museen
1953, S. 117.
279
Am 25. März 1949 schickte Koch eine Auflistung der Objekte der Kunstbibliothek, die sich noch auf der
Museumsinsel befanden an den Generaldirektor der ehem. Staatlichen Museen Ludwig Justi. Es handelte sich
hiebei um 94 Kästen mit Druckgraphik, 29 Kästen mit Handzeichnungen und Buntpapieren, 352 Gemälde
aus der Lipperheideschen Kostümbibliothek und ein Regal mit Büchern und Zeitschriften. Koch bat Justi “für
den Schutz dieser Objekte Sorge tragen zu wollen, damit sie später, wenn es mal wieder ein einheitliches
Berlin geben wird, mit den Beständen der Kunstbibliothek vereinigt werden können.” Zentralarchiv –SMB
VA 898.
66
Obwohl das Gebäude ausreichend Platz bot, suchte der Direktor Friedrich Winkler die
räumliche und inhaltliche Nähe mit der Gemäldegalerie und der Skulpturenabteilung und
nahm dafür eine jahrzehntelange provisorische Unterbringung des Kupferstichkabinetts in
Dahlem in Kauf.280 Während das Gebäude in der Jebensstraße für die Nutzung durch die
Kunstbibliothek umgebaut wurde, begann am 11. Juli 1950 die Rückführung der nach
Westdeutschland ausgelagerten Bestände mit 214 Bücherkisten der Lipperheideschen
Kostümbibliothek, die bis auf 14 fehlende Exemplare alle im Jahre 1943 nach Oberschwaben verlagerten Bände enthielten.281 Am 27. Juli folgten 19 Kisten aus dem Kunstgutlager Celle,282 eine angesichts des Umfangs der dort gelagerten Sammlungsbestände
bescheidene Geste des guten Willens. Die Rückführung des Museumsgutes aus den westlichen Bundesländern nach Berlin wurde zu einem komplizierten und langwierigen Unterfangen. Mit Schreiben vom 30. Dezember 1950 hatten sich Stadtrat May und die Wissenschaftler der Ehemals Staatlichen Museen mit der Bitte um Rückgabe von Bibliotheksgut
und wissenschaftlichem Hilfsmaterial aus Celle an den niedersächsischen Innenminister
gewandt. Die geforderte Rückgabe der Bibliotheksbestände der Gemäldegalerie, der
Museumsbibliothek und der Lipperheideschen Kostümbibliothek wurde im März 1951
abgelehnt.283 Erst nach dem Beginn des Umzugs der Kunstbibliothek in die Jebensstraße
(7.10.1953) wurden die noch in Celle verbliebenen Bestände der Kunstbibliothek vom
18.12.1953 bis 23.1.1954 auf dem Luftwege nach Berlin transportiert. Es handelte sich um
insgesamt 998 Kisten mit über 40.000 Bänden, 2.745 Mappen, 621 Kästen und 627 Kästen,
Mappen und Kartotheken.284 Juristisch waren diese zurückgegebenen Bestände lediglich
Leihgaben auf der Basis eines Leihvertrages.
“Die Leihfrist für die Entleihung dieser Gegestände ist für die Zeit vom 1. Dezember 1953 bis
30. November 1954 festgesetzt. Die Leihfrist verlängert sich jeweils um ein Jahr, wenn nicht
bis zum 31. Oktober des laufenden Jahres Kündigung durch einen der Vertragspartner erfolgt.
Nach Ablauf des Leihvertrages sind die Gegenstände in Celle zurückzugeben.”285
280
Kühnel-Kunze 1984, S. 204ff..
281
Carl Koch hatte auch bei der Französischen Militärregierung persönlich vorgesprochen und die unbürokratische Rückgabe erreicht. Kühnel-Kunze 1984, S. 201.
282
Evers 1994b, S. 27.
283
Kühnel-Kunze 1984, S. 426ff..
284
Pretzell 1959, S. 115. Evers 1994b, S. 28. Nach einem Bericht von Irene Kühnel-Kunze aus dem Jahre
1957 wurden 42490 Bücher und 4717 Kästen und Mappen aus Celle zurückgeführt. Kühnel-Kunze 1956/57,
S. 48ff..
285
§ 2 des Leihvertrages zitiert bei Kühnel-Kunze 1984, S. 203.
67
Carl Koch konnte am 20. Januar 1954 die Kunstbibliothek als erste Abteilung der
Ehemals Staatlichen Museen in vollem Umfang wiedereröffnen. Pünktlich zur Eröffnung
erschien ein von ihm verfasster Bibliotheksführer unter dem Titel “Die Kunstbibliothek.
Eine Einführung für ihre Benutzer”, mit dem die alte Tradition fortgeführt wurde, die
Benutzung der Bestände durch knappe und präzise Einführungen zu erleichtern. Koch gab
einen Überblick über die vier Abteilungen kunstwissenschaftliche Bibliothek, Bildarchiv,
Lipperheidesche Kostümbibliothek und Graphische Sammlungen. Den Bestand der kunstwissenschaftlichen Bibliothek bezifferte er auf etwa 66.000 Bände und 80 laufende
Periodika bei ca. 6 % Kriegsverlusten; den des Bildarchivs auf 4.300 Mappen mit 220.000
Aufnahmen bei ca. 10 % Kriegsverlusten und den Buchbestand der Lipperheideschen
Kostümbibliothek auf 12.000 Bände bei über 10 % Kriegsverlusten. Bestände und Verluste
der Graphischen Sammlungen ließen sich 1954 nicht beziffern, weil der überwiegende Teil
der Bestände noch nicht nach Berlin zurückgekehrt war.286 Carl Koch, der sich große
Verdienste um die zügige Lösung der Raumfrage und der Rückgabe von ausgelagerten
Beständen erworben hat, trat am 31. Juli 1954 mit 70 Jahren in den Ruhestand. Sein
Nachfolger wurde Paul Ortwin Rave, der vorher die Nationalgalerie geleitet hatte. In Raves
Amtszeit wurde die Rückführung der verlagerten Bestände abgeschlossen287 und mit Hilfe
von Drittmitteln mit dem Neukauf von Werken für die von Kriegsverlusten besonders stark
betroffene Ornamentstichsammlung begonnen.288 Nach einem Bericht aus dem Jahre 1957
umfasste die Kunstbibliothek nach der Rückführung etwa 83.000 Bände. Sie hatte damit
den Stand von 1943 also annähernd wieder erreicht.289 Durch die stetige Anhebung des
286
Koch 1954, S. 4ff.. Stephan Waetzoldt veröffentlichte 1962 höhere Zahlen zu den Kriegsverlusten der
Kunstbibliothek: “Den 10% Kriegsverlusten (rd. 9.000 Bände) sind diejenigen Publikationen zuzurechnen,
die mangels ausreichender Mittel vor 1961 (z.B. 1950: 8.669 DM!) nicht gekauft werden konnten, und die
Lücken, welche infolge der Maßnahmen des Nationalsozialismus bei der ausländischen Literatur und dem
Schrifttum jüdischer Verfasser entstanden sind.” Waetzoldt 1962, S. 233.
287
Am 25. März 1956 wurden 743 Mappen und Kästen der Graphischen Sammlungen und 13 Kisten mit
wertvollsten Buchbeständen aus dem Landesmuseum Wiesbaden nach Berlin zurückgeführt. Evers 1994b, S.
28. Diese Bestände hatten sich seit August 1945 im “Central Art Collecting Point” im Hessischen Landesmuseum in Wiesbaden befunden. Laut Kühnel-Kunze waren es 742 Mappen und 14 Kisten der Kunstbibliothek. Kühnel-Kunze 1984, S. 97.
288
“Kriegsverluste haben vor allem die Ornamentstichsammlung betroffen. Noch im März 1945 vernichtete
ein Volltreffer im Tiefkeller der Berliner Münze die ausgelagerten Bände der Abteilungen „Baukunst« und
„Kunsthandwerk“. Rund 2000 des 5435 Nummern zählenden Bestandes der Ornamentstichsammlung im
Werte von heute mehr als 2 Millionen Mark verbrannten. Dieser Verlust wiegt umso schwerer, als es sich
gerade bei den Werken der Architekturtheorie und der Architekturansichten um wichtigste Quellenschriften
kunstwissenschaftlicher Forschung handelt, deren Vorhandensein in Berlin Forscher aus aller Welt in die
Kunstbibliothek gezogen hat. Auf diesem Gebiet liegt daher der Schwerpunkt der Wiederbeschaffung.
Sondermittel der Deutschen Forschungsgemeinschaft und die Vermehrung des Erwerbungsetats haben es
ermöglicht, bisher rund ein Viertel der Verluste zur ersetzen.” Waetzoldt 1962, S. 234.
289
Kühnel-Kunze 1956/57, S. 48ff..
68
Erwerbungsetats konnten auch die Zahl der laufend gehaltenen Zeitschriften erhöht und die
rückwärtige Zeitschriftenlückenergänzung vorangetrieben werden.290 Rave musste auch
Begehrlichkeiten seiner Kollegen aus den übrigen Museen der europäischen Kunst zurückweisen, die die Forderung erhoben hatten, das ambitionierte Erwerbungsprogramm der
Kunstbibliothek zugunsten einer neu aufzubauenden Museumsbibliothek zurückzuschrauben.291 Die 1957 erfolgte Gründung einer eigenständigen Museumsbibliothek in Dahlem
nach dem Muster der Vorkriegszeit konnte leider nicht verhindert werden, so dass es in der
Folge zu einer aus bibliothekarischer Sicht jahrzehntelangen Fehlentwicklung im Bibliotheksbereich der Staatlichen Museen kam (vgl. hierzu die Darstellung im Kapitel 2.1.8.).
Im Vorfeld der Berufung eines neuen Direktors der Kunstbibliothek wurden 1960 Maßnahmen zur organisatorischen Verbesserung des Bibliothekswesens an den Ehemals Staatlichen Museen beraten. Neben Etaterhöhungen und der Aufstockung des bibliothekarischen Personals wurde beschlossen, auch die Museumsbibliothek künftig dem Direktor der
Kunstbibliothek zu unterstellen. Mit dem Amtsantritt Stephan Waetzoldts als neuem
Direktor der Kunstbibliothek am 1. Juli 1961 wurden die Maßnahmen vollzogen. Neben
einer signifikanten Erhöhung des Erwerbungsetats wurde unter Waetzoldt mit der Anlage
neuer Zettelkataloge im internationalen Format begonnen, die erstmals alle Buchbestände
aller Abteilungen verzeichneten. 1962 hatte die Kunstbibliothek 12.000 Besucher, die fast
60.000 Bände einsahen. Für die Wissenschaftler der Berliner Museen und Institute wurde
eine Buchausleihe eingerichtet.292 1963 wurden im Lesesaal eine Handbibliothek von
1.900 Bänden und eine Zeitschriftenauslage eingerichtet. Der Buchbestand wuchs um
6.897 Bände, davon 4.744 Antiquaria zur Schließung der Lücken der Kriegs- und Nachkriegszeit. Die Zahl der laufend gehaltenen Zeitschriften erhöhte sich auf 355 Titel, die der
Benutzer auf 14.030 Personen, an die mehr als 70.000 Bände ausgegeben wurden. Neben
dem Ausbau des Bibliotheksbereichs führte die Kunstbibliothek wie in der Vorkriegszeit
ein umfangreiches Vortragsprogramm durch und veranstaltete mehrere Ausstellungen pro
Jahr. Stephan Waetzoldt wurde am 19. Januar 1965 zum Generaldirektor der Staatlichen
290
1952 wurden 63 Zeitschriften laufend gehalten. Bis 1961 wuchs die Zahl auf 210 Titel und 1962 kamen
nochmals 109 Zeitschriften hinzu. Zusätzlich konnten 1962 592 Zeitschriftenjahrgänge nachgekauft werden.
“Von den insgesamt 319 laufend gehaltenen Periodica erscheinen: 104 in Deutschland, 12 in Österreich, 23
in der Schweiz, 36 in Frankreich, 40 in Italien, 4 in Spanien, 1 in Portugal, 11 in Belgien, 6 in den
Niederlanden, 15 in England, 3 in Dänemark, 7 in Schweden, 3 in Norwegen, 1 in Griechenland, 24 in den
USA, 1 in Brasilien, 1 in Japan, 4 in der UdSSR, 8 in Polen, 2 in der Tschechoslowakei, 5 in Ungarn, 5 in
Jugoslawien, 1 in Bulgarien, 2 in Rumänien.” Waetzoldt 1962, S. 233.
291
Evers 1994b, S. 28.
292
Waetzoldt 1962, S. 234.
69
Museen Preußischer Kulturbesitz berufen, blieb aber in Personalunion bis 1973 auch
Direktor der Kunstbibliothek. Waetzoldt bemühte sich neben Verbesserungen in der
Bibliotheksorganisation und im Bestandsaufbau auch um die Herausgabe von Bestandskatalogen, um die reichen Bestände der graphischen Sammlungen der Kunstbibliothek für
die wissenschaftliche Forschung zu erschliessen. In Waetzoldts Amtszeit fiel Ende der
Sechziger Jahre auch der Beginn des von der Deutschen Forschungsgemeinschaft
initiierten und finanziell geförderten Sammelschwerpunktprogramms der Kunstbibliotheken. Im Rahmen dieses Programms erwirbt die Kunstbibliothek schwerpunktmäßig
internationale Literatur zur Architektur und Baugeschichte des 20. Jahrhunderts, zur Kunst
des anglo-amerikanischen und ibero-amerikanischen Kulturkreises bis 1900 und zur Kunst
der skandinavischen Länder bis 1900.293
Nachfolger Waetzoldts als Direktor der Kunstbibliothek wurde am 15. März 1973
der bisherige Hauptkustos Ekhart Berckenhagen. Sein Hauptinteresse galt den musealen
Sammlungen der Kunstbibliothek, die er insbesondere im Bereich der Architekturzeichnungen stark erweiterte. Auf Berkenhagens Initiative änderte die Kunstbibliothek 1979
ihren Namen in “Kunstbibliothek und Museum für Architektur, Modebild und GrafikDesign”.294 Der Bucherwerb ging dagegen in den Siebziger Jahren gegenüber der ersten
Hälfte der Sechziger Jahre auf nur noch 2.500 Bände pro Jahr zurück. Allerdings wurde die
Zahl der laufend gehaltenen Zeitschriften auf 600 Titel erhöht. Die starke Ausrichtung der
Kunstbibliothek auf ihre musealen Sammlungen, die auch in der Vielzahl der Publikationen und Ausstellungen dieser Jahre zu einzelnen Sammlungsbereichen deutlich wird,
führte in den Achtziger Jahren zu Problemen im Bibliotheksbereich. Ekhart Berckenhagen
trat am 30. April 1985 wegen sachlicher Differenzen über die zukünftige bibliothekarische
Aufgabenstellung der Kunstbibliothek vorzeitig in den Ruhestand.295
293
Evers 1986, S. 97.
294
Aus dem Jahre 1978 liegt eine Diplomarbeit für den gehobenen Bibliotheksdienst vor, in der die
Verfasserin die damaligen Geschäftsgänge und die Katalogisierungspraxis der Kunstbibliothek aus eigener
Anschauung beschreibt. Wegner 1978.
295
Evers 1994b, S. 32.
70
2.2.6. Auf dem Weg zur Bibliothekszentrale – die Kunstbibliothek seit 1985
Im Oktober 1985 legte der zum 1. August 1985 neu berufene Direktor der Kunstbibliothek
Bernd Evers eine Denkschrift zur Neuorganisation der Kunstbibliothek und zur Zusammenlegung von Kunstbibliothek und Museumsbibliothek vor, die im November von der
Bibliothekskommission der Stiftung Preußischer Kulturbesitz beraten und befürwortet
wurde. Um wieder Anschluss an bibliothekarische Standards zu finden, musste von der
Kunstbibliothek und ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern ein langer Aufgabenkatalog
abgearbeitet werden, der sich bei Evers Dienstantritt etwa wie folgt darstellte: Mitarbeit an
der Bauplanung des Neubaukomplexes am Kulturforum, die in der vorliegenden Form
Mängel aufwies; Planung des Bibliotheksumzuges und der Magazineinrichtung, die mit
einem Wechsel von einer feinsystematischen Buchaufstellung zu einer gruppenakzessorischen Aufstellung nach den bisherigen vier Formatklassen verbunden werden sollte;
Vollzug der beschlossenen Vereinigung von Museumsbibliothek und Kunstbibliothek und
Entwicklung entsprechender Geschäftsgänge zur Literaturversorgung der nunmehr an die
Kunstbibliothek angeschlossenen Handbibliotheken; Konzeption und Planung der EDVEinführung und damit verbunden des Umstieges von PI auf RAK in der Katalogisierung;
Planung und Einführung einer neuen EDV-geeigneten Sacherschließung; Herauslösung
und Umsignierung der bisher in die Systematik eingearbeiteten Zeitschriftenbestände und
anschließende Eingabe in die Zeitschriftendatenbank; schließlich eine deutliche Anhebung
des Erwerbungsetats und damit verbunden Bewältigung des ansteigenden Buchzugangs.296
Der Neuanfang im Bibliotheksbereich gelang und manifestierte sich deutlich in den
steigenden Erwerbungszahlen in der zweiten Hälfte der Achtziger Jahre. 1986 betrug der
Bestandszuwachs der Bibliothek einschließlich der Tausch-, Beleg- und Geschenkzugänge
3.744 Bände. Die Zahl der erworbenen Titel konnte 1987 nach einer Erhöhung des Erwerbungshaushaltes auf über 5.000 Bände gesteigert werden. 1988 wurden 5.624 Bände
inventarisiert, darunter als wichtigste antiquarische Erwerbung die russische Architekturzeitschrift Sowremennaja mit allen erschienenen Jahrgängen von 1926-1930. 1989 erhielt
die Kunstbibliothek durch Überlassungsvereinbarung von der Sondervermögens- und
Bauabteilung der Oberfinanzdirektion die Baufachbibliothek mit rund 3.000 Bänden zur
Architektur- und Baugeschichte, darunter zahlreiche Quellenschriften. 1990 betrug die
296
Hierzu ausführlich Evers 1985, S. 15ff..
71
Zahl der erworbenen Bücher und Zeitschriften für die Bibliothek und Sondersammlungen
9.166 Bände, die Zahl der laufend abonnierten Zeitschriften erhöhte sich auf 787 Titel.297
Am 1. September 1987 begannen die Bauarbeiten für den Neubau von Kupferstichkabinett und Kunstbibliothek nach der überarbeiteten Planung des Architekturbüros
Hillmer und Sattler. Im November 1987 startete die EDV-Katalogisierung an der Kunstbibliothek mit der Eingabe von Zeitschriftentiteln in die Zeitschriftendatenbank im
Rahmen eines von der Deutschen Forschungsgemeinschaft geförderten Projekts. Im Herbst
1988 zogen die Mitarbeiter der ehemaligen Museumsbibliothek Dahlem in die Jebensstraße um. Am 14. Dezember 1988 fand die Richtfestfeier des Neubaus der Kunstbibliothek am Kulturforum statt. In Abstimmung mit dem Ibero-Amerikanischen Institut
begannen 1990 die Planungen für ein EDV-gestütztes, integriertes Bibliothekssystem.
In seiner Sitzung am 2. Dezember 1991 beschloss der Stiftungsrat der Stiftung Preussischer Kulturbesitz die Vereinigung der Staatlichen Museen zu Berlin und der Staatlichen
Museen Preußischer Kulturbesitz zum 1. Januar 1992 unter dem Namen Staatliche Museen
zu Berlin - Preußischer Kulturbesitz. Die Zentralbibliothek der Staatlichen Museen zu
Berlin wurde an diesem Tag mit der Kunstbibliothek zusammengelegt. Die bibliothekarische Betreuung einzelner Handbibliotheken erfolgt seitdem von der Museumsinsel aus,
der Literaturzugang für die ehemalige Zentralbibliothek wurde eingestellt.298 Die Funktion
der Kunstbibliothek als Bibliothekszentrale erstreckt sich auf die Abteilungen Ägyptisches
Museum und Papyrussammlung, Antikensammlung, Gemäldegalerie, Kunstgewerbemuseum, Kupferstichkabinett, Münzkabinett, Museum für Spätantike und byzantinische
Kunst, Nationalgalerie, Rathgen-Forschungslabor, Skulpturen-Sammlung und Vorderasiatisches Museum. Der Schriftentausch und die Verwaltung der Belegstücke für diese Häuser
werden seit der Zusammenlegung in der Kunstbibliothek am Kulturforum vorgenommen.
Die Erwerbung durch Kauf erfolgt für die Fachbibliotheken über eine Arbeitsstelle der
Kunstbibliothek auf der Museumsinsel. Hier werden die Buchbestellung nach den Anschaffungswünschen der Bibliotheksbeauftragten der Museen, die Eingangsbearbeitung
(Inventarisation, Bearbeitung der Rechnungen, Zeitschriftenverwaltung sowie Einband),
die Katalogisierung und für zwei Museen auch die Signaturenvergabe durchgeführt. Die
297
Evers 1994b, S. 33f..
298
Evers 1994b, S. 33f.. Der nicht in den Handbibliotheken aufgestellte Buchbestand der ehemaligen Zentralbibliothek im Umfang von etwa 80.000 Bänden wurde Anfang 1998 in das Gebäude der Kunstbibliothek am
Kulturforum verlagert und in einem Kompaktmagazin geschlossen aufgestellt. Er ist durch Mikrofichekataloge erschlossen und im Lesesaal der Kunstbibliothek benutzbar.
72
Museen verfügen jeweils über einen vergleichsweise bescheidenen Bucherwerbungsetat,
der zur Zeit zwischen 10.000 und 20.000 DM liegt.
Wegen Umzugsvorbereitungen musste die Kunstbibliothek im Jahre 1992 für die
Öffentlichkeit geschlossen bleiben. Die Bibliotheksbestände wurden in diesem Zusammenhang erstmals seit 1965 einer systematischen Revision unterzogen, wobei für die Lipperheidesche Kostümbibliothek die folgenden Bestandszahlen ermittelt wurden: 31.800
Bände, 170 Handschriften, 80 fotografische Alben, ca. 40.000 Fotografien, ca. 17.000 Blatt
Druckgraphik, 7.000 Handzeichnungen. Die kunstwissenschaftliche Bibliothek zählte
194.598 Bände und 17.500 Mikromaterialien, die Sammlung Grisebach 2.171 Bände, die
Sammlung NB (Neue Bücher) 3.462 Bände und die Ornamentstichsammlung 3.294 Bände.
Eine weitere wichtige Entscheidung fiel mit der Auswahl des integrierten BibliotheksEDV-Systems Urica der Firma Mc Donnel-Douglas.299
Zwischen Februar und Mai 1993 zog die Kunstbibliothek in den Neubau ein. Die
Zahl der erworbenen Bücher und Zeitschriften betrug 7.416 Bände, die Zahl der Periodika
erhöhte sich von 871 auf 1.024 Titel. Mit dem Erwerbungsjahr 1993 wurde die feinsystematische Magazinaufstellung der Bibliothek zugunsten einer Aufstellung nach
numerus currens aufgegeben. Am 31. Januar 1994 wurden die Lese- und Studiensäle
wiedereröffnet.300
Im bislang letzten veröffentlichen Jahresbericht über das Berichtsjahr 1998 (1.4.
1998-31.3.1999) legte die Kunstbibliothek folgende Zahlen über die Bestandsentwicklung
vor:
“Der Kaufzugang an Monographien, Fortsetzungen, Zeitschriften und Microformen betrug
8.695 Bände, weitere 2.388 Bände erhielt die Kunstbibliothek als Geschenk, Beleg oder auf
dem Tauschwege.301 Zusätzlich wurden 1.752 Auktions- und Lagerkataloge eingearbeitet und
in Sonderkatalogen verzeichnet. Der gesamte Buchbestand der Kunstbibliothek erhöhte sich
auf 322.451 Bände (ohne die Bestände der beiden Museumsbibliotheken), denen noch 34.533
Micromaterialien hinzugerechnet werden müssen. Die Zahl der laufend gehaltenen Zeitschriftenabonnements konnte auf 1.349 Titel (im Vorjahr 1.333) angehoben werden.“302
299
Evers 1994b, S. 34..
300
Evers 1994b, S. 36.
301
“Die Tauschstelle der Kunstbibliothek verzeichnete einen Zugang von 2.979 Publikationen von 721
aktiven Tauschpartnern. Davon wurden 2.388 Bände dem Bestand der Kunstbibliothek zugeführt, die übrigen
überwiegend an die Handbibliotheken der Museen abgegeben. 2.215 Exemplare von Publikationen der
Staatlichen Museen zu Berlin wurden auf dem Tauschwege versandt. Im Rahmen des von der Deutschen
Forschungsgemeinschaft geförderten Sammelschwerpunktprogramms konnten 942 Publikationen erworben
werden.” Jahresbericht 1998, S. 21.
302
Jahresbericht 1998, S. 21.
73
Für die Handbibliotheken der an das Bibliothekssystem angeschlossenen Museen303
wurden zusätzlich 4.050 (im Vorjahr 3.796) Bände und Zeitschriften inventarisiert.304 Die
Lese- und Studiensäle der Kunstbibliothek wurden 1998 von 36.713 Benutzern (im Vorjahr 35.720) aufgesucht. Im Mittel besuchten damit 145 Besucher pro Tag bei 251
Öffnungstagen die Bibliothek. Den Benutzern wurden 126.330 (im Vorjahr 113.403 )
Bände aus den Magazinen ausgehändigt. Weiterhin wurden im Berichtszeitraum durch die
Bibliotheksangestellten rund 75.000 kostenpflichtige Kopien angefertigt. Im Rahmen der
Regelung über die Teilnahme am Leihverkehr in begründeten Ausnahmefällen erhielt die
Kunstbibliothek 394 Bestellungen über den Deutschen und Internationalen Leihverkehr,
davon konnten 129 positiv erledigt werden.305
2.3. Die Bibliothek des Völkerkundemuseums
1873 wurden im Zuge der endgültigen Auflösung der Königlichen Kunstkammer eine
“Ethnologische Sammlung” und eine “Sammlung nordischer Altertümer” an den Königlichen Museen gebildet.306 Die Vorläufereinrichtungen des “Museums für Völkerkunde”
(heute “Ethnologisches Museum”) und des “Museums für Vor- und Frühgeschichte”
bezogen im Jahre 1886 ein neu errichtetes Museumsgebäude in der Königgrätzer Straße
120, direkt neben dem 1881 eröffneten Kunstgewerbemuseum. Für eine Fachbibliothek,
deren Aufbau von Anfang an geplant war, wurden Räume in der dritten Etage im Umgang
des großen Vortragssaals vorgesehen. Der Aufbau der Bibliothek, für deren regelmäßigen
Erwerbungsetat sich der Generaldirektor Schöne einsetzte,307 begann mit der Überweisung
303
Es sind dies die Handbibliotheken des Ägyptischen Museums, der Antikensammlung, der Gemäldegalerie, des Kunstgewerbemuseums, des Kupferstichkabinetts, des Münzkabinetts, des Museums für
Islamische Kunst, des Museums für Spätantike und Byzantinische Kunst, der Nationalgalerie, der
Skulturensammlung, des Vorderasiatischen Museums und des Rathgen-Forschungslabors.
304
Jahresbericht 1998, S. 21.
305
Jahresbericht 1998, S. 24.
306
Zur Geschichte des Museums für Völkerkunde Westphal-Hellbusch 1973; zur Geschichte der Bibliothek
Heink 1973 und Haas 1995. Allgemein zu den Bibliotheken der deutschen Völkerkundemuseen die
vergleichende Untersuchung von Jankuhn 1975.
307
Generaldirektor Schöne teilte den Abteilungsdirektoren Bastian und Voß am 31. Dezember 1887 mit, dass
„für Vermehrung der Bibliothek im Museum für Völkerkunde durch den Staatshaushaltsetat pro 1. April
1888/89 ein einmaliger außerordentlicher Zuschuß von 2000 Mark zu erwarten steht. Ich (der Generaldirektor) wünsche indeß der genannten Bibliothek im Ordinarium des Etats einen regelmäßigen Zuschuß zu
erwirken. Zu einem solchen Antrage ist aber der Nachweis erforderlich, welche Werke und Zeitschriften, die
das Museum für Völkerkunde in erster Linie angehen, in den letzten 3 Jahren erschienen sind und wie hoch
sich der Kostenbetrag - pro Jahr anzugeben - belaufen haben würde. Die Publikationen, welche die
anthropologische Gesellschaft beschafft, würden von den Kosten abzurechnen sein, da diese ja dem Museum
74
von 941 Dubletten der Museumsbibliothek, die man im März 1887 in ein erstes
Zugangsbuch eintrug. In den Räumen des Völkerkundemuseums war seit 1888 auch die
Bibliothek der Berliner Gesellschaft für Anthropologie, Ethnologie und Urgeschichte
aufgestellt, die sehr enge Beziehungen zum Museum pflegte.308 Eine weitere wichtige
Quelle zum Bucherwerb erschloss man durch die Anknüpfung weitreichender Tauschbeziehungen,309 für die man mit den seit den Neunziger Jahren erscheinenden renommierten Periodika des Völkerkundemuseums über gesuchte Tauschgaben verfügte. Neben
Kauf und Tausch erfolgte auch durch Geschenke und Nachlässe von Wissenschaftlern,
Gesellschaften, Akademien und Bibliotheken aus aller Welt eine bedeutende Bestandsvermehrung insbesondere in schwer beschaffbarer fremdsprachiger Literatur aus Asien.310
Ab 1905 meldete die Bibliothek des Museums für Völkerkunde ihre laufend gehaltenen
Zeitschriften dem Auskunftsbüro der deutschen Bibliotheken und ließ auch eine öffentliche
Benutzung zu.311
Nach der Jahrhundertwende kam es zu Auseinandersetzungen über die künftige Ausrichtung des Museums für Völkerkunde.312 Wilhelm von Bode warf den Ethnologen eine
“sinnlose Anhäufung von Gegenständen, besonders durch die Erwerbungen, die uns aus
unseren Kolonien in Afrika und Polynesien ... zuflossen”, vor. Weiterhin sprach er den
Abteilungsleitern “museale Kenntnis im modernen Sinne" ab.313 Das Museum in der
Königgrätzerstraße war bis unter die Decke mit Sammlungsgegenständen vollgestopft und
für Völkerkunde gleichfalls zur Verfügung stehen werden.” Heink 1973, S. 404. Am 4. Juli 1903 forderte
Schöne 15.000 RM im Haushaltsjahr 1904 für Zeitschriftenlückenergänzungen in den Bibliotheksbeständen
der Ethnologischen und Prähistorischen Abteilung an. GSTA Rep. 76 V e Sekt. 15. Abt. V. 1. Bd. 2. Bl.
170f..
308
Diese bedeutende Buchsammlung umfaßte 1919 13731 Bücher und 1510 Broschüren. Sie wuchs bis 1942
auf 15847 Bände und 5141 Broschüren. Heink 1973, S. 405.
309
Voß verschickte 1888 ein Rundschreiben an 200 Anstalten und Vereine: „Für die Begründung einer selbständigen Bibliothek des Königlichen Museums für Völkerkunde, welche jetzt in Angriff genommen werden
soll, ist es von besonderer Wichtigkeit, die Zeitschriften der deutschen Geschichts- und Alterthums-Vereine
in möglichster Vollständigkeit zu besitzen. Da die Beschaffung derselben auf buchhändlerischem Wege sehr
umständlich und zeitraubend, in vielen Fällen sogar nicht mehr möglich ist, so erlaubt sich der Unterzeichnete ganz ergebenst anzufragen, ob der Vorstand Ihrer Gesellschaft geneigt sein würde, im Austausch
gegen die von A. Bastian und A. Voß im Auftrage der General-Verwaltung der Königlichen Museen herausgegebene Publikation über die „Bronzeschwerter des Königlichen Museums zu Berlin“, 1878, Weidmannsche Buchhandlung, eine Anzahl, wenn möglich der ältesten Jahrgänge Ihrer Zeitschrift zu überlassen
gez. Der Direktor der prähistorischen Sammlung. A. Voß“. Heink 1973, S. 405.
310
Hierzu Heink 1973, S. 406.
311
Der Literaturnachweis wird seit 1920 unter dem Sigel B 54 geführt.
312
Vgl. hierzu die ausführliche Darstellung bei Westphal-Hellbusch 1973, S. 14ff..
313
Bode 1997, S. 323.
75
galt dem Berliner Publikum als Kuriosum.314 Bodes Kritik, die von Teilen der Presse
geteilt wurde, zielte darauf ab, die Neugründung einer Islamischen Abteilung und einer
Ostasiatischen Abteilung zu fördern, die im Gegensatz zu den völkerkundlichen Sammlungen reine Kunstmuseen sein sollten. Bode konnte seine Pläne gegen den teils erbitterten
Widerstand der Ethnologen durchsetzen und 1904 die Islamische und 1907 die Ostasiatische Kunstsammlung gründen, die beide mit eigenen Bibliotheken ausgestattet
wurden.315 Für die vorrangig wissenschaftlich ausgerichteten ethnologischen Sammlungen
wurde ein Neubau in Dahlem geplant, der in vier Gebäuden die Sammlungen der vier
Erdteile (ohne Europa) aufnehmen sollte. Im Ersten Weltkrieg konnte jedoch nur das
“Asiatische Museum” teilweise fertiggestellt werden. Es wurde ab 1923 als Magazin für
alle Abteilungen des Museums für Völkerkunde genutzt.
Auch im Innengefüge des Völkerkundemuseums erfolgte 1905 eine stärkere Differenzierung, als nach dem Tod des Direktors Adolf Bastian vier Abteilungsdirektoren
ernannt wurden. Im Bibliotheksbereich kam es durch die größere Eigenständigkeit der
Abteilungen zu ähnlichen Entwicklungen wie an der Museumsbibliothek. Neben einer
Zentralbibliothek, die nebenamtlich von einem der Abteilungsdirektoren geleitet wurde,316
entstanden Satellitenbibliotheken in den Abteilungen. Die Erwerbung für die Handbibliotheken erfolgte auf Vorschlag der jeweiligen Abteilung, katalogisiert wurden die Bücher
teilweise durch die zentrale Bibliothek und teilweise durch die Abteilungen. Die Verzeichnung erfolgte in einem nicht nach PI geführten alphabetischen Zettelkatalog im
Format 18 x 7 cm und in einem von dem Bibliotheksleiter Preuss entwickelten Realkatalog
mit 20 Sachgebieten, nach denen auch die Bücher aufgestellt wurden.
“Die Handbibliotheken wurden von den Abteilungen verwaltet, eine Revision erfolgte indessen
durch den Bibliotheksleiter, den sog. Bibliothekar des Museums. Die Revision sollte regelmäßig zweimal im Jahr an einem Sechstel des Buchbestandes vorgenommen werden, worüber
Protokolle zu führen waren, die dem Generaldirektor vorgelegt werden mußten. Bei den
Revisionen kam es öfter zu Unstimmigkeiten, wenn Bücher vermißt und nicht aufzufinden
314
Die Behörden drohten 1907 sogar mit der polizeilichen Schließung, falls nicht sofort ausreichende
Fluchtwege freigemacht würden. Westphal-Hellbusch 1973, S 29.
315
Die Bibliothek der Islamischen Abteilung entstand aus der Bibliothek des ersten Direktors Sarre. Sie
umfaßte 1938 900 Bände. Köhler 1980, S. 461. Den Zweiten Weltkrieg überstand die Bibliothek unversehrt
im Keller des Pergamonmuseums. Berliner Museen 1953, S. 39. Die Bibliothek der Ostasiatischen Kunstsammlung verbrannte dagegen nach einem Bombenangriff im Keller des Museums in der Prinz-AlbrechtStraße. Berliner Museen 1953, S. 141. Angeblich wurde nur ein einziges verkohltes Buch der einstmals
berühmten Bibliothek gerettet. Veit 1986, S. 42.
316
“Wie aus einer Niederschrift des langjährigen Leiters K. Th. Preuss vom 4.6.1930 hervorgeht, hatten
sogar in den Anfangsjahren die „Bibliotheksgeschäfte außerhalb der Dienstzeit erledigt“ werden müssen.
Allerdings sollten dafür 600 M ‚Remuneration‘ bezahlt werden, die seit der Inflation ohne Angabe von
Gründen fortgefallen“ war.” Heink 1973, S. 408
76
waren. In einer Notiz von 1915 liest man denn auch: „Normale Zustände werden sich erst
erreichen lassen, wenn bei einem Neubau in Dahlem oder dem Umbau des Museums für
Völkerkunde je ein abgeschlossener Bibliotheksraum und ein Lesezimmer eingerichtet und
geschulte Bibliothekare eingestellt werden, wenn die Benutzung von Nachschlagewerken nur
in den Lesezimmern gestattet und das Mitnehmen von Büchern aus den Handbibliotheken in
die Wohnungen der Beamten verboten wird. Gez. Grünwedels.“ “317
Die aus bibliothekarischer Sicht wenig befriedigenden Zustände in den Bibliotheken
des Völkerkundemuseums führten – wiederum ähnlich wie in der Museumsbibliothek und
der Kunstbibliothek – nach dem Ende des Ersten Weltkrieges zu einer Diskussion über die
Vorteile der Zentralisierung bibliothekarischer Aufgaben. Für die ethnologischen Bibliotheken fand sie im Kontext der Planung für die Gründung eines Ethnologischen
Forschungs- und Lehrinstituts statt, das von dem reformorientierten Preußischen Unterrichtsministerium in seiner Kampagne zur Hebung der Volksbildung initiiert worden war.
Offenbar gab es in diesem Zusammenhang den Vorschlag, die bibliothekarischen Arbeiten
an diesem Institut zu bündeln, der jedoch von den Ethnologen, wie auch das ganze Institut,
abgelehnt wurde.318 Das Institut wurde dennoch durch Ministeriumsbeschluß 1919
begründet. Es konnte wegen des die gesamten Zwanziger Jahre anhaltenden Widerstandes
der Abteilungsleiter keine Breitenwirkung entfalten. 1926 wurde es nach Dahlem verlagert,
wo auch eine Bibliothek eingerichtet wurde, die 1931 2.000 Bände umfasste.319 1921
wurde auch das Museum für Vor- und Frühgeschichte in den Räumen des ehemaligen
Kunstgewerbemuseums selbständig. Seine Spezialbibliothek umfaßte 1931 rund 3.000
Bände, wobei der Bestand der antropologischen Gesellschaft nicht mitgezählt ist.320
Vor dem Zweiten Weltkrieg gelang es nicht mehr, eine Bibliotheksreorganisation am
Museum für Völkerkunde durchzuführen. Zwar wurden in den Dreißiger Jahren mit
Sondermitteln noch verschiedene Katalogisierungsprojekte durchgeführt,321 die Grund317
Heink 1973, S. 408.
318
Heink 1973, S. 408f., gibt leider keine präzisen Ausführungen aus dem zu diesem Thema vorliegenden
Aktenmaterial.
319
Waetzoldt 1931, S. 5. Die Bibliothek des Forschungsinstituts bestand im wesentlichen aus der
Privatbibliothek des Direktors Lehmann, die er auf Reisen nach Mittel- und Südamerika zusammengetragen
hatte. Lehmann wurde 1933 aus politischen Gründen in den Ruhestand versetzt und emigrierte, seine
Bibliothek gelangte ins Ibero-Amerikanische Institut. Vgl. hierzu auch Westphal-Hellbusch 1973, S. 46.
320
Waetzoldt 1931, S. 4.
321
“In den Jahren 1935/36 wurden aus den Mitteln des Baessler-Vermächtnisses Werkverträge mit Fr.
Gelpke, J. Hefter und R. Lehmann-Nitsche abgeschlossen: 1. für die Herstellung eines Zettelkatalogs der
Aufsätze (ausschließlich der rein naturwissenschaftlichen) in den Zeitschriften der Indischen Sammlungen
des Museums für Völkerkunde nach Verfassern und Schlagworten, 2. für die Katalogisierung der von Th.
Lessing aus China mitgebrachten Bücher, 3. für die Anfertigung des zweiten Teils eines nach Autoren und
sachlichen Stichworten geordneten Zettelkatalogs über die gesamte ethnologische Zeitschriftenliteratur .”
Heink 1973, S. 409.
77
struktur der Bibliothek blieb jedoch unverändert. Der Buchbestand, der 1925 etwa 30.000
Bände umfasst hatte, wuchs bis 1945 auf ca. 36.000 Bände an.322 In Vorbereitung auf den
Krieg hatte man die Buchbestände im Keller des Museumsgebäudes in der Königgrätzerstraße aufgestellt und zum Teil in Kisten verpackt. Am 3. Februar 1945 wurde das
Gebäude bei Luftangriffen von Bomben getroffen und brannte teilweise aus.
“Die Keller hielten zwar der Zerstörung stand, doch wurden trotzdem viele unersetzbare
Bücher der damaligen Indischen Abteilung durch Brand und Wasserschäden vernichtet. Was in
Kisten verpackt war, wurde - nach Augenzeugenberichten - bei Kriegsende von den Russen
abtransportiert. So gingen allein 38 Kisten mit insgesamt 2.123 Bänden der Afrika-Abteilung
verloren, die Bibliotheksbestände der Südsee Abteilung blieben im wesentlichen zwar erhalten,
büßten jedoch die Veröffentlichungen des Bernice P. Bishop Museums ein. Von der amerikanistischen Literatur wurden fast nur die Zeitschriften gerettet, ebenso nur ein kleiner Teil der
Buchbestände der Ostasien-Abteilung.” Insgesamt gingen nahezu 50 % des Vorkriegsbestandes
verloren.323
Nach Beendigung des Zweiten Weltkrieges wurden die geretteten Buchbestände im
Keller des Museums zur Benutzung aufgestellt. Der schlechte Zustand des Gebäudes
machte jedoch eine Übersiedlung des Völkerkundemuseums in die Magazingebäude nach
Dahlem nötig, die 1948 erfolgte. Die beengten Raumverhältnisse, die zudem noch auf sehr
lange Zeit mit den auf der Museumsinsel ausgebombten Kunstmuseen geteilt werden
mussten,324 machten eine zentrale Aufstellung des Buchbestandes unmöglich. Spezielle
Literatur wurde wie in der Vorkriegszeit auf die Handbibliotheken der einzelnen
Museumsabteilungen verteilt und wechselte zusammen mit diesen ihren jeweiligen
Standort. Ein personeller Neuanfang erfolgte mit der Anstellung der ausgebildeten
Bibliothekarin Margarethe von Grewingk, die am 1.12.1948 vom Staatlichen Museum für
Volkskunde in die Bibliothek des Völkerkundemuseums wechselte.
“Sie begann mit der Erstellung eines neuen alphabetischen Kataloges, der durch einen
systematischen (Standort-) Katalog ergänzt wurde. Von der Ordnung der Bibliothek nach
Sachgebieten, wie sie K. Th. Preuss aufgestellt hatte, wurde nichts übernommen. Die einzelnen
Abteilungen gaben „ihrem Buchbestand“ unabhängig voneinander je eine neue Einteilung.
Dabei wurde das geographische Ordnungsprinzip zwar zugrundegelegt, eine brauchbare
einheitliche Systematik für die gesamte Bibliothek kam jedoch nicht zustande und fehlt noch
immer.”325
322
“Bis zum 13.4.1945 waren unter fortlaufender Nummer in fünf Zugangsbüchern 24946 Eintragungen
vorgenommen worden, wobei aber oft mehrere Jahrgänge einer Zeitschrift unter der gleichen Nummer
registriert waren. Die Anzahl der Bände dürfte demzufolge etwa 36000 betragen haben.” Heink 1973, S. 406.
323
Heink 1973, S. 406f..
324
Das Nebeneinander war nicht frei von Konflikten, da das Völkerkundemuseum fürchtete, von den seit
Humboldts Zeiten immer privilegiert behandelten Kunstmuseen aus dem Dahlemer Gebäude verdrängt zu
werden. Vgl. hierzu Westphal-Hellbusch 1973, S. 54ff..
325
Heink 1973, S. 410.
78
Von 1954 bis 1966 hatte Margarete Völks die Stelle der Bibliothekarin inne. Sie war
von 1929 bis 1948 als Bibliothekarin in der Museumsbibliothek und von 1948 bis 1954 im
Kunstgutlager Celle tätig gewesen war. Neben der laufenden Katalogisierung, der Umsignierung und Neuaufstellung der Bücher nach der veränderten Systematik hatte sie
insbesondere 1962 den Umzug der zentralen Bibliothek von ihrer provisorischen Unterbringung in den Westpavillon durchzuführen. Hier standen der Bibliothek zunächst 104,59
qm zur Verfügung. Ende 1970 konnten weitere 50 qm bezogen werden, nachdem Ausstellungsräume der Südseeabteilung durch Umzug in den Neubau freigeworden waren.326
In den Sechziger Jahren nahm die Bibliothek eine positive Entwicklung. Der Erwerbungsetat steigerte sich Jahr für Jahr und auch das Personal wurde auf zwei Bibliothekare
und zwei Bibliotheksangestellte aufgestockt. 1971 kamen nochmals eine Bibliothekarin
sowie eine technische Kraft hinzu. Seit 1966 lag die Leitung der Bibliothek in den Händen
einer Diplombibliothekarin. Lediglich die Buchauswahl wurde weiter von den Angehörigen des wissenschaftlichen Dienstes vorgenommen. Nach dem Erscheinen des Vorabdrucks des „Regelwerk für die alphabetische Katalogisierung“ wurde die Katalogisierung
umgestellt und ein neuer nach mechanischer Wortfolge geordneter alphabetischer Katalog
begonnen. Die Aufstellungssystematik wurde mit Hilfe der Abteilungsleiter teils erweitert,
teils vereinfacht, was erneute Umsignierungen zur Folge hatte. Zur Ergänzung des
systematischen Kataloges wurde 1968 mit der Anlage eines Schlagwortkatalogs begonnen.327 Seit 1963 betreute die Bibliothek auch die Handbibliothek des neu gegründeten
Museums für Indische Kunst. Diese umfaßte 1972 3.541 Bände Monographien und 1.083
Bände Zeitschriften.328 Der Bestand des Museums für Völkerkunde wuchs von 18.817
Bänden 1951,329 auf 30.000 Bände 1962330 und 70.000 Bände und 460 laufende Fachzeitschriften 1986.331 1998 konnte die Bibliothek ihren Bestand um 1654 Bände auf einen
Gesamtbestand von 92.736 Bänden vermehren. 522 Zeitschriften wurden laufend gehalten.332
326
Heink 1973, S. 407.
327
Heink 1973, S. 412.
328
Heink 1973, S. 413.
329
Heink 1973, S. 407.
330
Krieger 1962, S. 248.
331
Helfrich 1986, S. 112.
332
Jahresbericht 1998, S. 44.
79
2.4. Die Bibliothek der Nationalgalerie
Am 22. März 1861, dem Geburtstag König Wilhelms I., wurde im Gebäude der Akademie
der Künste die “Wagenersche und National-Galerie” eröffnet. Die Stiftung von 262
Gemälden des Bankiers und schwedischen Konsuls Joachim Heinrich Wilhelm Wagener
an den preußischen Kronprinzen bildete die Grundlage einer Sammlung zeitgenössischer
Kunst des preußischen Staates. Nach mehr als zehnjähriger Verwaltung durch die Akademie der Künste wurde im Juli 1874 Max Jordan zum Direktor der Nationalgalerie
ernannt. Er besorgte die Ausstattung des 1876 eingeweihten prunkvollen tempelartigen
Neubaus auf der Museumsinsel,333 professionalisierte die Verwaltung und gründete eine
Fachbibliothek, da die Galerie wie jedes Museum auch eine wissenschaftliche Forschungsstätte sei.334 Die Nationalgalerie wurde mit der Berufung Hugo von Tschudis 1896
verwaltungstechnisch in den Verbund der Königlichen Museen eingegliedert, verblieb dort
jedoch nur bis 1909, als sie unter ihrem neuen Direktor Ludwig Justi erneut selbständige
Behörde wurde. Die Nationalsozialisten unterstellten die Nationalgalerie kurz vor Kriegsbeginn wiederum den Staatlichen Museen. Gegenüber den anderen Abteilungen der Staatlichen Museen hatte die Nationalgalerie immer eine große Eigenständigkeit, die sich auch
auf die Verwaltung der Bibliothek erstreckte. 1908 wurde das Erwerbungsprofil gegenüber
der Musumsbibliothek abgegrenzt und der Bibliothek der Nationalgalerie die Beschaffung
von Monographien, Ausstellungs- und Bestandskatalogen sowie Zeitschriften zur modernen Malerei und Plastik übertragen.335 Am 20. Dezember 1940 geriet durch Brandbomben
der Dachstuhl des rückwärtigen Flügels des Kronprinzen-Palais in Brand, wo die Bibliothek der National-Galerie untergebracht war. Es gelang, den Brand einzudämmen, so dass
die Bücher nur in einzelnen Fällen geringfügig Wasserschäden erlitten. Die Bestände
wurden daraufhin in den Keller der Bauakademie verlegt, wo sie weitere geringe Schäden
durch Bombenangriffe erlitten. Im Verlauf der Straßenkämpfe 1945 wurde ein Keller in
Brand gesetzt, wodurch die Plattensammlung, die Porträtfotografien und die Museums333
Die Eröffnung fand wiederum am 22. März statt, dem Geburtstag des nunmehrigen Deutschen Kaisers
Wilhelm I.
334
Rave 1968, S. 43. Vgl. zur Geschichte der Nationalgalerie auch Hentzen 1971, Honisch 1979 und Rave
1987. Die Geschichte der Bibliothek der Nationalgalerie kann an dieser Stelle nur sehr kursorisch und bruchstückhaft geschildert werden. Die Akten vom Gründungsjahr der Bibliothek 1875 bis zum Jahre 1932 sind im
Krieg verloren gegangen. Im Zentralarchiv der Staatlichen Museen befinden sich Akten aus den Jahren 1933
bis 1945 zur Bibliothek der Nationalgalerie. Es handelt sich dabei faßt ausschließlich um Schriftverkehr mit
Verlagen, Dankschreiben für Belegexemplare, Buchbestellungen, Mahnungen usw. Angaben über die
Organisation der Bibliothek lassen sich aus diesen Akten nicht entnehmen. Weitergehende Nachforschungen,
etwa im Geheimen Staatsarchiv, konnten im Rahmen dieser Arbeit nicht unternommen werden.
335
Köhler 1980, S. 464.
80
kataloge der Bibliothek verbrannten.336 Nach dem Zweiten Weltkrieg waren die Bibliotheken der beiden Nationalgalerien in Ost- und in Westberlin an die jeweiligen zentralen
Museumsbibliotheken angegliedert und wurden von diesen verwaltet. Seit der Eröffnung
des Hamburger Bahnhofs als Dependance der Nationalgalerie für aktuelle Kunst im Jahre
1996 sind die Buchbestände der großen Handbibliothek auf mindestens drei Standorte im
Stadtgebiet verteilt.337
2.5. Die Bibliothek des Staatlichen Museums für Deutsche Volkskunde
Im Jahre 1889 wurde durch Initiative eines privaten Vereins das „Museum für Deutsche
Volkstrachten und Erzeugnisse des Hausgewerbes“ gegründet und in den Räumen der
früheren Gewerbeakademie aufgestellt. Im April 1904 wurde das Museum der Generalverwaltung der Königlichen Museen unterstellt und der prähistorischen Abteilung des
Königlichen Museums für Völkerkunde angegliedert. Es erhielt den Namen „Königliche
Sammlung für Deutsche Volkskunde“ und wurde in beengten Räumlichkeiten im Palais
Creutz in der Klosterstraße 36 untergebracht. Mit der Sammlung wurde auch eine
Bibliothek begründet, die sich im Wesentlichen durch Spenden und geringe Ankaufsmittel
aus dem Bibliotheksetat des Völkerkundemuseums finanzierte.338 1933 wurde das Museum
verwaltungsmäßig vom Museum für Völkerkunde gelöst. Unter dem Namen „Museum für
deutsche Volkskunde“ bildete es eine selbständige Abteilung der Staatlichen Museen mit
eigenen Haushaltsmitteln. Nach dem Umzug ins Schloss Bellevue (1935) erhielt die
Bibliothek im Verwaltungsgebäude zwei Räume, von denen der eine als Lese- und
Studienzimmer eingerichtet wurde. 1939 wurden die Verwaltung und die Bibliothek von
der Sammlung getrennt im Prinzessinnenpalais Unter den Linden untergebracht. Hier
wirkten der 1944 hingerichtete Pädagoge Adolf Reichwein als Leiter der Abteilung
336
Rave 1968, S. 124.
337
Die Alte Nationalgalerie auf der Museumsinsel, die Neue Nationalgalerie am Kulturforum und der
Hamburger Bahnhof verfügen über jeweils eigene Handbibliotheken.
338
“Es spricht für das lebhafte Interesse, mit dem die Gründung begrüßt wurde, wenn bereits im ersten Jahr
ihres Bestehens die Bibliothek eine Anzahl von 120 geschenkten Bänden verzeichnen konnte. Ab 1904
erhielt sie jährlich den bescheidenen Betrag von 200—250 RM., der von dem Bibliotheksfonds des Museums
für Völkerkunde abgezweigt wurde. In der folgenden Zeit erweiterten sich die Bestände nur langsam durch
Schriftenaustausch (von 1887—1903 erschienen die „Mitteilungen aus dem Museum für deutsche
Volkatrachten und Erzeugnisse des Hausgewerbes zu Berlin“, von 1904—1922 unter dem Titel „Mitteilungen aus dem Verein der [Königlichen] Sammlung für deutsche Volkskunde“), weitere Geschenke, den
Ankauf einiger weniger Zeitschriften und seit 1928 durch kleine Zuwendungen aus den Mitteln der
Deutschen Volkskunstkommission.” Grewingk 1941, S. 316.
81
“Schule und Museum” und Konrad Hahm, der neben dem Museum auch das “Institut für
Volkskunstforschung” an der Berliner Universität leitete. Diese pädagogischen und
wissenschaftlichen Tätigkeiten kamen auch der Fachbibliothek zugute, sorgten sie doch für
eine stetige Benutzung durch interessierte Schüler und Studenten. Die öffentlich zugängliche Präsenzbibliothek umfasste 1941 ca. 4.500 Bände und 1.500 Broschüren. Sie bezog
65 laufende Zeitschriften und verzeichnete die Bestände inklusive der Zeitschriftenaufsätze
in einem alphabetischen und einem Sachkatalog.339 Das weitgespannte Erwerbungsprofil340
verdeutlicht den Stellenwert, der der Volkskunde im Nationalsozialismus zugemessen
wurde und es weist auch in Teilen beträchtliche Übereinstimmung mit dem Sammlungsprofil der Kunstbibliothek auf, so in den Bereichen Volkskunst, Trachten- und Kostümkunde, sowie Musterbücher für alle Arten von Handarbeiten. Auch das umfangreiche
Bildarchiv hat in der Anlage und pädagogischen Ausrichtung deutliche Parallellen zu dem
der Kunstbibliothek. Im Zweiten Weltkrieg erlitt das Museum durch Bombentreffer und
Brände schwere Verluste. Die nach Pommern ausgelagerte Museumsbibliothek konnte fast
vollständig nach Berlin zurückgeholt werden.341 Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges
barg man die noch erhaltenen Sammlungsgegenstände aus den Trümmern und richtete sich
provisorisch im ehemaligen Magazingebäude ein. Die Teilung Berlins veranlasste den
letzten noch im Amt befindlichen Wissenschaftler Werner Stief und die Bibliothekarin
Maragarete von Grewingk Ende 1948 zur Übersiedlung nach Dahlem an die Ehemals
Staatlichen Museen, wo das Museum für Deutsche Volkskunde provisorisch der EuropaAbteilung des Museums für Völkerkunde angegliedert wurde. Die aus den Kunstgut339
Grewingk 1941, S. 317.
340
“Die erste Abteilung „Allgemeines Schrifttum über deutsch-nordischeVolkskunst und Volkskunde“ erteilt
Aufschluß über die Grundlagen und die verschiedenen Gebiete der Volkskunst und Volkskunde. Ihr schließt
sich eine Zusammenfassung des Schrifttums, das den einzelnen Landschaften des deutschen Siedlungsraumes
gewidmet ist, an. Das heute besonders rege Interesse für das Deutschtum im Ausland führte zu einer
gesonderten Gruppierung aller die Grenzgebiete betreffenden Veröffentlichungen, dem sich die nicht so
umfangreiche, das europäische Ausland betreffende Literatur anreiht. Die volkstümliche Sachkultur, ihre
Gebiete und Werkstoffe sind in den Abteilungen: Hausbau und Siedlung, Holz, Erden, Keramik, Metall und
Gewebe vertreten. Die reiche Trachtenliteratur, die schönen Musterbücher der Stickerinnen und die
aufschlußreichen Einzeluntersuchungen über das Weben oder Färben, den Blaudruck oder die Teppichknüpferei u. a. m., üben ständig eine große Anziehungskraft, besonders auf das weibliche Publikum, aus.
Eine weitere Abteilung behandelt Handwerk, Beruf und Gerät sowie das Zunft-und Ständewesen. Ein
besonders starker Ausbau des Schrifttums, das der Erkenntnis des arteigenen, altüberhieferten Brauchturns
im Jahreslauf und Lebenskreis gewidmet ist, wurde vorgenommen, desgleichen der Veröffentlichungen über
Fragen der Sinnbild- und Runenforschung. Es folgen die Abteilungen Mundart, Volksdichtung, Mythologie,
Volksglaube, Volkstanz, Volksmedizin. Ferner das allgemeine Schrifttum über die germanischen Volkskulturen: Vor- und Frühgeschichte, vergleichende Volkskunde, Gesellschaftskunde, Erdkunde, Heimatkunde,
Rassenkunde, Recht, Erziehung, Kunstgeschichte, Kulturgeschichte, Germanistik und schließlich Lexica,
Bibliographien, Museumskataloge, Atlanten und Zeitschriften.” Grewingk 1941, S. 317f..
341
Berliner Museen 1953, S. 145.
82
sammellagern der Aliierten “nach Westberlin gelangten Bibliotheksbestände umfassten nur
noch 572, jedoch wichtige Handbücher, während der Rest im Osten der Stadt verblieb.”342
Die Ostberliner Bestände wurden vom Museum für Volkskunde der Staatlichen Museen zu
Berlin betreut und erweitert. In Westberlin begann man Ende der Fünfziger Jahre mit dem
Neuaufbau der Bibliothek.343 1963 erhielt das Museum für Volkskunde seine Selbständigkeit zurück. 1974 erhielt die Bibliothek eigene Räumlichkeiten, in denen sie bis heute
untergebracht ist. Die Verwaltung der Bibliothek erfolgte wie in der Vorkriegszeit durch
eine eigene Bibliothekarin. 1981 umfasste der Buchbestand 14.500 Bände, 1.313 Bände
der musealen Sammlung und 70 laufende Zeitschriften.344 Von 785 Bänden Zugang im
Jahr 1981 wurden 342 Bände durch Kauf, 251 Bände im Schriftentausch und 192 Bände
als Geschenk erworben. Der Kaufzugang wurde zu etwa 50 % über eine einzige Buchhandlung abgewickelt.345 1991 wurden die beiden Volkskundemuseen aus Ost- und Westberlin wiedervereinigt. Der gemeinsame Bestand umfaßte 1994 etwa 20.000 Bände und 92
laufend gehaltene Zeitschriften.346 1999 wurden das Museum für Volkskunde und die europäische Sammlung des Museums für Völkerkunde zum neuen “Museum Europäischer
Kulturen” vereinigt.
342
Pretzell 1962, S. 253.
343
“Zusammen mit dem Altbestand ergeben sich also Ende 1962 bei den Sammlungen 5.560
Katalognummern, bei der Bibliothek 1.527 Inventarnummern.” Pretzell 1962, S. 254.
344
Neuendorf 1982, S. 38.
345
Neuendorf 1982, S. 39. Es handelt sich um die Buchhandlung Wasmuth in Berlin, die zu jener Zeit auch
einen erheblichen Anteil der Erwerbungen der Kunstbibliothek lieferte.
346
Kohlmann 1995, S. 131.
83
3.
Die Bibliotheken der Staatlichen Museen zu Berlin im Jahr 2000
Im folgenden Kapitel wird der Zustand der Bibliotheken der 17 Museen, der 2 Forschungsinstitute und der 2 sonstigen Einrichtungen der Staatlichen Museen zu Berlin – Preußischer
Kulturbesitz im Jahr 2000 beschrieben. Die Beschreibung erfolgt nach einem relativ standardisierten Schema, um eine leichtere Vergleichbarkeit der Angaben zu erreichen. Nach
dem Namen der Institution folgt, wenn vorhanden, das zugehörige Bibliothekssigel.
Anschließend folgen die Anschrift, Telefonnummer, Telefaxnummer, wenn vorhanden email und die URL der Präsenz im WWW. Die eigentliche Beschreibung erfolgt in den drei
Blöcken Geschichte, Sammlungsprofil und Bibliothek. Geschichte und Sammlungsprofil
beziehen sich auf das jeweilige Museum und seine Sammlungen. Die Informationen in
diesen Abschnitten bilden den notwendigen Hintergrund für die Beschreibung der
zugehörigen Bibliotheken. Hierin wird unterscheiden zwischen Handbibliotheken, die nur
der internen Benutzung durch Museumsangehörige offenstehen und Fachbibliotheken, die
nach Absprache auch von einer eingeschränkten Fachöffentlichkeit benutzt werden
können. Es folgen Angaben zur Anzahl der Wissenschaftler (Stand 1998), deren
dienstlicher Literaturversorgung die jeweilige Bibliothek dient, Angaben zu den täglichen
Öffnungszeiten, zum bibliothekarischen Personal, zum Umfang des Bestandes und der
laufend gehaltenen Zeitschriften sowie zu deren Nachweis in der ZDB. Die Angaben zu
den Signaturen, Signaturschildern und der EDV-Eignung der Signaturen können für die
Vorbereitung einer EDV-Einführung von Bedeutung sein. In diesen Zusammenhang gehört
auch die Beschreibung der Zettelkataloge, ihres physischen Zustandes sowie der angewandten Verfahren der Sacherschließung. Abgeschlossen wird die Beschreibung mit einer
Charakterisierung der jeweiligen Sammelschwerpunkte der Bibliothek. Die Auswahl der
zu erwerbenden Bücher erfolgt mit Ausnahme der Kunstbibliothek in allen beschriebenen
Bibliotheken nebenamtlich durch Angehörige des wissenschaftlichen Dienstes der Museen,
weshalb in den Beschreibungen nicht gesondert hierauf hingewiesen wird. Der Personalhaushalt wird nicht gesondert angegeben, weil er im Gesamthaushalt der Staatlichen
Museen zu Berlin enthalten ist. Über größere Erwerbungsetats verfügen nur die Kunstbibliothek und die Bibliothek des Ethnologischen Museums. Deren Erwerbungsmittel sind
in den jeweiligen Beschreibungen beziffert, die der übrigen Bibliotheken jedoch nicht. Die
Erwerbungsmittel der kleineren Fach- und Handbibliotheken belaufen sich auf ungefähr
10.000 bis 20.000 DM pro Bibliothek im Jahr.
84
Da für die Staatlichen Museen kein Bibliotheksführer vorliegt und auch keine
zentrale Verwaltung der Bibliotheken erfolgt, mussten die Daten zu den Bibliotheken aus
vielen verschiedenen Quellen zusammengetragen werden. Ungenauigkeiten können bei
diesem Verfahren nicht ausgeschlossen werden. Allgemeine Informationen wurden entnommen aus dem “Jahrbuch der Deutschen Bibliotheken, Band 58”,347 dem “Handbuch
der historischen Buchbestände in Deutschland, Band 14, Berlin, Teil 2”,348 dem Bibliotheksführer “Spezialbibliotheken in Deutschland, Band 2: Kunst, Kultur, Museen”;349 der
Onlineversion (Stand: 30.6.2000) des “Sigelverzeichnis für die Bibliotheken der Bundesrepublik Deutschland (einschließlich Institutsbibliotheken an Universitäten, Hochschulen
und Fachhochschulen)“350 und dem “Jahresbericht der Staatlichen Museen zu Berlin
1998”.351 Die Beschreibungen der Sammlungsgeschichte und des Sammlungsprofils der
Museen wurden zum größten Teil den Webseiten der Staatlichen Museen zu Berlin entnommen.352 Sie wurden teilweise gekürzt und geringfügig verändert. Wichtige Angaben
zum aktuellen Bestand der Museumsbibliotheken, zur Art und Anzahl ihrer Kataloge und
zu den Sacherschließungsverfahren entstammen Daten, die durch eine im zweiten Halbjahr
1999 an den Bibliotheken der Staatlichen Museen durchgeführte Umfrage gewonnen
wurden. Der Direktor der Kunstbibliothek Prof. Dr. Evers und der Leiter der kunstwissenschaftlichen Bibliothek Dr. Zimmer, der die Umfrage durchführte und auswertete,
gestatteten dankenswerterweise die Verwendung dieses Materials.
347
Jahrbuch der Deutschen Bibliotheken 1999 / 2000, S. 69 und S. 71.
348
Handbuch 1995, S. 113 – 135.
349
Spezialbibliotheken 1996, S. 20 – 22.
350
Das Verzeichnis ist als PDF-Datei erhältlich auf dem Webserver der Staatsbibliothek zu Berlin unter der
URL <http://www.sigel.spk-berlin.de/wosigel.htm>.
351
Jahresbericht 1998. Die Angaben zu den Museumsbibliotheken finden sich in den Abschnitten zu den
einzelnen Museen.
352
Die Startseite findet sich unter der URL <http://www.smb.spk-berlin.de>.
85
3.1. Ägyptisches Museum und Papyrussammlung <B32a2>
Schloßstr. 70
14059 Berlin - Charlottenburg
Tel. 030 / 3209-1261
Fax 030 / 341-0542
www: <http://www.smb.spk-berlin.de/amp/s.html>
Geschichte
Die 1823 gegründete Ägyptische Abteilung ist eine der vier ältesten Einrichtungen des Königlichen Museums. Sie war zunächst gemeinsam mit der Kunstkammer in Schloss Monbijou untergebracht. Der Ägyptologe Richard Lepsius führte 1842-1846 eine Expedition nach Ägypten und
Nubien durch, von der er umfangreiche Bestände für die Sammlungen mitbrachte. 1850 erhielt
das Ägyptische Museum seinen Standort im eigens dafür erbauten Neuen Museum auf der
Museumsinsel. Mäzenatische Förderung und die Ausgrabungen der Deutschen Orient-Gesellschaft bereicherten gegen Ende des 19. Jahrhunderts bis zum Beginn des Ersten Weltkrieges
die Sammlung erheblich. Im Zweiten Weltkrieg wurde das Neue Museum fast vollständig zerstört
und zahlreiche Exponate verbrannten. Nach der kriegsbedingten Teilung der Sammlung fanden
die Bestände im Bodemuseum (1958 - 1998) und im sogenannten Stülerbau am Schloß
Charlottenburg (seit 1967) eine neue Heimat. Die Vereinigung beider Sammlungsteile im Neuen
Museum ist nach dessen Wiederherstellung geplant.
Sammlungsprofil
Das Ägyptische Museum besitzt eine der bedeutendsten Sammlungen ägyptischer Hochkultur
von 3000 v. Chr. bis in die Römerzeit. Sie umfaßt Statuen, Reliefs und Objekte der Kleinkunst
ebenso wie monumentale Werke der ägyptischen Architektur sowie Kolossalstatuen von Göttern
und Königen, Sarkophage, bemalte Särge und Mumienmasken. Mit den Kunstwerken der Zeit
des Königs Echnaton (um 1340 v. Chr.) aus Tell el-Amarna erreicht das Museum Weltniveau.
Bibliothek
Die Fachbibliothek dient der Literaturversorgung der 10 Wissenschaftler des Ägyptischen
Museums. Sie ist nach Voranmeldung von Montag bis Freitag von 9.30-16.00Uhr öffentlich
zugänglich.
Die Bibliothek verfügt über kein eigenes bibliothekarisches Personal. Erwerbung, Verwaltung des
Schriftentauschs und Katalogisierung erfolgen durch die Kunstbibliothek in der Arbeitsstelle
Museumsinsel.
Der Bestand umfaßt 30.000 Bände und 40 laufend gehaltene Zeitschriften. Die Bände sind
signiert aber nur teilweise mit Signaturschildern versehen. EDV-geeignete Individualsignaturen
sind nicht vorhanden.
Ein nach PI bzw. RAK geführter alphabetischer Katalog in Zettelform ist vorhanden. Die Karten
sind teils handschriftlich, teils maschinenschriftlich beschrieben. Die Bestände sind im Zentralkatalog der ehemaligen Zentral- bzw. Museumsbibliothek verzeichnet. Ein Standortkatalog ist
nicht vorhanden.
Die Sammelschwerpunkte der Bibliothek umfassen die Ägyptologie und die Papyrologie.
86
3.2. Antikensammlung <B32a1>
Bodestr. 1-3
10178 Berlin - Mitte
Tel. 030 / 2090-5209
Fax 030 / 2090-5202
www: <http://www.smb.spk-berlin.de/ant/s.html>
Geschichte
1830 konnte die auf die Sammeltätigkeit der brandenburgischen Kurfürsten zurückgehende
Antikensammlung mit der Eröffnung des Alten Museums erstmals der Öffentlichkeit präsentiert
werden. Die Sammlung wuchs durch die Grabungskampagnen des 19. und beginnenden 20.
Jahrhunderts in Olympia, Pergamon, Samos, Milet, Priene und Didyma zu einer der bedeutendsten der Welt. Es gelangten Architekturfragmente, Skulpturen und Friese nach Berlin. In dem
1930 eröffneten Pergamonmuseum war es möglich, die wiedererstandenen Monumentalbauten darunter den Pergamonaltar und das Markttor von Milet - zu präsentieren. Im Zweiten Weltkrieg
gingen bedeutende Bestände verloren, die in die Flaktürme Friedrichshain und Zoo ausgelagert
waren. Die Teilung Deutschlands führte auch zur Teilung der Antikensammlung. Im Ostteil
Berlins wurde das Pergamonmuseum 1959 wiedereröffnet. Im Westteil wurde die nach Westdeutschland ausgelagerte Kleinkunst von 1960 - 1995 im westlichen Stülerbau gegenüber dem
Charlottenburger Schloß präsentiert. Seit 1998 ist die Wiedervereinigung der geteilten Sammlung
an den beiden Standorten Pergamonmuseum und im Hauptgeschoß des Alten Museums (Vasen,
Bronzefiguren und andere Kleinobjekte) abgeschlossen.
Sammlungsprofil
In der Antikensammlung werden Kunstwerke des griechischen und römischen Altertums
gesammelt und ausgestellt - Baukunst, Plastik und Vasen, Inschriften, Mosaiken, Bronzen und
Schmuck.
Bibliothek
Die Fachbibliothek dient der Literaturversorgung der 8 Wissenschaftler der Antikensammlung.
Sie ist nach Voranmeldung von Montag bis Donnerstag von 9.00-17.00 Uhr öffentlich zugänglich.
Die Bibliothek verfügt über kein eigenes bibliothekarisches Personal. Erwerbung, Verwaltung des
Schriftentauschs und Katalogisierung erfolgen durch die Kunstbibliothek in der Arbeitsstelle
Museumsinsel.
Der Bestand umfaßt 18.000 Bände und 85 laufend gehaltene Zeitschriften. Die Bände sind
signiert und mit Signaturschildern versehen. EDV-geeignete Individualsignaturen sind nicht
vorhanden.
Ein nach PI bzw. RAK geführter alphabetischer Katalog in Zettelform ist vorhanden. Die Karten
sind maschinenschriftlich beschrieben. Die Bestände sind im Zentralkatalog der ehemaligen
Zentral- bzw. Museumsbibliothek verzeichnet. Ein Standortkatalog ist nur für die Zeitschriftenbestände vorhanden. Eine standortungebundene Sacherschließung (Systematik) ist im Aufbau
begriffen.
Der Sammelschwerpunkt der Bibliothek umfasst die Klassische Archäologie.
87
3.3. Ethnologisches Museum <B54>
Arnimallee 27
14195 Berlin - Dahlem
Tel. 030 / 8301-280
Fax 030 / 831-5972
www: <http://www.smb.spk-berlin.de/mv/s.html>
Geschichte
Die Anfänge des Ethnologischen Museums (bis 1999 Museum für Völkerkunde) gehen auf das
Kunst- und Raritätenkabinett der brandenburgischen Kurfürsten zurück. Neben Kunstwerken aus
Europa wurden bereits im 17. Jahrhundert hier auch Raritäten aus fernen Erdteilen gesammelt.
Aus den Beständen der Königlich Preußischen Kunstkammer wurde 1829 in Schloß Monbijou
eine “Ethnographische Sammlung” gebildet, die 1850 in das Neue Museum umzog. 1873 wurde
das Museum für Völkerkunde gegründet. 1886 bezog es ein eigenes Gebäude in der Königgrätzerstrasse (heute: Stresemannstraße). Unter dem ersten Direktor Adolf Bastian wurden die
Bestände durch Erwerbungen aus allen Teilen der Welt systematisch erweitert. Während des
Zweiten Weltkrieges wurde das Gebäude in der Stresemannstraße zerstört. Nach dem Krieg
führte man die ausgelagerten und erhalten gebliebenen Sammlungsbestände im ehemaligen
Magazingebäude in Dahlem zusammen. Bis 1970 wurden hier Erweiterungsbauten errichtet.
Sammlungsprofil
Mit 500.000 Objekten aus allen Erdteilen und großen Beständen an Tonaufnahmen, Fotodokumenten sowie Filmen gehört das Museum für Völkerkunde zu den größten und bedeutendsten seiner Art. Es sammelt, bewahrt und erforscht vor allem die materiellen Kulturzeugnisse
vorindustrieller Gesellschaften, überwiegend aus den außereuropäischen Gebieten. Das
Museum umfaßt folgende Sammlungen: Afrika, Amerikanische Archäologie, Amerikanische
Ethnologie, Europa, Islamischer Orient, Ost- und Nordasien, Süd- und Südostasien, Südsee und
Australien sowie Musikethnologie.
Bibliothek
Die Fachbibliothek dient der Literaturversorgung der 17 Wissenschaftler des Ethnologischen
Museums sowie der interessierten Fachöffentlichkeit. Sie verfügt über einen Leseraum mit 8
Plätzen und ist Montag und Dienstag von 8.00 – 12.00 Uhr und Mittwochs und Donnerstags von
12.00 – 16.00 Uhr geöffnet. Eine schriftliche oder telefonische Bestellung der gewünschten
Bücher ist unbedingt notwendig, weil große Teile des Bestandes nicht zentral aufgestellt sind.
Die Bibliothek nimmt in begrenztem Umfang am Deutschen Leihverkehr teil.
Die Bibliothek verfügt über 2 Bibliothekarsstellen (Beamtinnen) des gehobenen Dienstes und 3
Stellen (Angestellte) des mittleren und einfachen Dienstes.
Für die Erwerbung standen 1998 134.857 DM zur Verfügung, wovon 26.227 DM Einbandmittel
waren. 1998 wurde der Bestand um 1.654 Bände vermehrt.
Der Bestand umfaßt 93.000 Bände und 522 laufend gehaltene Zeitschriften, die in der ZDB
nachgewiesen sind. Die Bände sind signiert und mit Signaturschildern versehen. EDV-geeignete
Individualsignaturen sind teilweise vorhanden. Der Altbestand beträgt ca. 7.100 Bände, davon 35
Titel aus dem 16. Jh., 52 aus dem 17. Jh., 310 aus dem 18. Jh. und 6.690 aus dem 19. Jh.
Knapp 600 der historischen Titel liegen in Faksimilie-Ausgaben vor.
Ein nach PI bzw. RAK geführter alphabetischer Katalog in Zettelform ist vorhanden. Die Karten
sind maschinenschriftlich beschrieben. Ein Standortkatalog und ein standortungebundener
Schlagwortkatalog sind ebenfalls vorhanden.
Die Sammelschwerpunkte der Bibliothek umfassen Völkerkunde, Anthropologie, Geographie,
Volkskunde, Reiseberichte, Musikethnologie, Schallplatten und andere Tonträger.
88
3.4. Gemäldegalerie
Stauffenbergstr. 40
10785 Berlin - Tiergarten
www: <http://www.smb.spk-berlin.de/gg/s.html>
Geschichte
Die Gemäldegalerie wurde 1830 im “Königlichen Museum” am Lustgarten eröffnet. Der Kunstbesitz des Großen Kurfürsten (1620 - 1688) und der von Friedrich dem Großen (1712 -1786)
bildete den Grundstein der Sammlung. Der erste Galeriedirektor Gustav Friedrich Waagen
ordnete die Berliner Sammlung erstmals in Europa nach systematisch-wissenschaftlichen Kriterien und erweiterte sie kontinuierlich. Ihren internationalen Ruf verdankt die Sammlung Wilhelm
von Bode, der Direktor der Galerie von 1890 bis 1929 war. Durch großes Engagement gelangen
ihm bedeutende Erwerbungen. Dadurch konnte eine fast vollständige Übersicht über die europäische Malerei erreicht werden. 1904 zog die Galerie mit ihren gewachsenen Beständen in das
neu erbaute Kaiser-Friedrich-Museum (späteres Bodemuseum), das als Renaissancemuseum
konzipiert war. Bode bewegte wohlhabende Bürger zur finanziellen Unterstützung von Kunstankäufen und gründete bereits im Jahre 1897 den noch heute aktiven Kaiser-FriedrichMuseums-Verein. Der Zweite Weltkrieg beendete die kontinuierliche Entwicklung der Sammlung.
Das Museum wurde stark beschädigt. 400 großformatige Werke gingen durch den Krieg
verloren. Nach dem Zweiten Weltkrieg war die geteilte Gemäldegalerie bis 1997 in Berlin-Dahlem
und im Bodemuseum auf der Museumsinsel in Berlin-Mitte untergebracht. Nach einer über 50
Jahre währenden Teilung kann die Sammlung seit 1998 im neuen Galeriegebäude am Kulturforum besichtigt werden.
Sammlungsprofil
Die Gemäldegalerie sammelt und zeigt Europäische Malerei vom 13. bis zum 18. Jahrhundert.
Sammlungsschwerpunkte sind die italienische Malerei vom 14. - 18. Jahrhundert und die
niederländische Malerei des 15. - 16. Jahrhunderts. In der Hauptgalerie sind rund 900 und in der
Studiengalerie etwa 400 Bilder der ca. 2700 Gemälde umfassenden Sammlung ausgestellt.
Bibliothek
Die Handbibliothek dient ausschließlich der Literaturversorgung der 6 Wissenschaftler der
Gemäldegalerie. Sie ist nicht öffentlich zugänglich.
Die Bibliothek verfügt über kein eigenes bibliothekarisches Personal. Erwerbung, Verwaltung des
Schriftentauschs und Katalogisierung erfolgen durch die Kunstbibliothek in der Arbeitsstelle
Museumsinsel.
Der Bestand umfaßt 11.088 Bände. Zeitschriften werden nicht laufend gehalten. Die Bände sind
signiert und mit Signaturschildern versehen. EDV-geeignete Individualsignaturen sind vorhanden.
Ein nach PI bzw. RAK geführter alphabetischer Katalog in Zettelform ist vorhanden. Die Karten
sind teils handschriftlich, teils maschinenschriftlich beschrieben. Die Bestände sind im
Zentralkatalog der ehemaligen Zentral- bzw. Museumsbibliothek verzeichnet. Ein Standortkatalog
ist vorhanden, nicht aber eine standortungebundene Sacherschließung.
Die Sammelschwerpunkte der Bibliothek umfassen die wissenschaftliche Spezialliteratur zu den
Gemäldesammlungen.
89
3.5. Kunstbibliothek <B11>
Matthäikirchplatz 6
10785 Berlin - Tiergarten
Tel. 030 / 266-2028/ -2029
Fax 030 / 266-2958
Katalogauskunft: 030 / 266-2053
e-mail: [email protected]
www: <http://www.smb.spk-berlin.de/kb/s.html>
OPAC: <http://www.iai.spk-berlin.de/webpac/wgbroker.exe?new+-access+top>
Geschichte
1867 wurde die Kunstbibliothek als Teil des Deutschen Gewerbemuseums, des heutigen Kunstgewerbemuseums gegründet. Als “Vorbilder- und Beispielsammlung” angelegt, sollte sie die
“Hebung des Gewerbes nach der wissenschaftlichen und künstlerischen Seite” fördern. 1894
wurde die Kunstbibliothek eine eigenständige Institution innerhalb der Königlichen Museen. Mit
der Übernahme bedeutender Sammlungen bildete sich die heutige Sammlungsstruktur heraus, z.
B. durch die Schenkung der Kostümbibliothek des Berliner Verlegers Franz von Lipperheide oder
durch den Erwerb der Bibliothek des Architekten Hans Grisebach, die heute Teil der Sammlung
Buchkunst ist. 1924 erfolgte die Umbenennung der ehemaligen Bibliothek des Kunstgewerbemuseums in Staatliche Kunstbibliothek. Mit dem Umzug in den Neubau am Kulturforum und der
Wiedereröffnung 1994 erhielt die Kunstbibliothek erstmals einen Standort in unmittelbarer
Nachbarschaft zu den übrigen Europäischen Kunstmuseen.
Sammlungsprofil
Die Kunstbibliothek erwirbt und erschließt das wissenschaftliche Schrifttum zur europäischen
Kunstgeschichte von der Spätantike bis zur Gegenwart in den klassischen Gattungen Architektur,
Malerei, Plastik, Graphik und Angewandte Kunst, aber auch zur neueren Medienkunst wie
Fotografie, Video und Performance. Mit finanzieller Unterstützung der Deutschen Forschungsgemeinschaft im Rahmen eines Sammelschwerpunktprogramms erwirbt die Kunstbibliothek
darüber hinaus internationale Literatur zur Architektur und Baugeschichte des 20. Jahrhunderts
sowie zur Kunst in den anglo-amerikanischen, hispano-amerikanischen und skandinavischen
Ländern. In ihren graphischen Sondersammlungen erwirbt sie Zeichnungen und Druckgraphik
zur angewandten Kunst sowie Plakate und Photographien.
Lipperheidesche Kostümbibliothek
Die Lipperheidesche Kostümbibliothek ist eine der Abteilungen des Museums Kunstbibliothek.
Sie ist eine öffentliche Präsenzbibliothek mit Spezialbeständen zur Kostüm- und Modegeschichte.
Die Lipperheidesche Kostümbibliothek verfügt über einen Studiensaal mit 40 Plätzen und ist
Montag von 14 – 20 Uhr und Dienstag bis Freitag von 9.00 – 16.00 Uhr geöffnet.
Weitere Angaben siehe kunstwissenschaftliche Bibliothek.
Kunstwissenschaftliche Bibliothek
Die kunstwissenschaftliche Bibliothek ist eine der Abteilungen des Museums Kunstbibliothek. Als
öffentliche Präsenzbibliothek dient sie sowohl der kunsthistorischen Forschung an den Einrichtungen der Staatlichen Museen zu Berlin wie auch der regionalen und überregionalen Literaturversorgung der Kunstwissenschaft in Berlin und im Bundesgebiet. Für die 8 Wissenschaftler der
Kunstbibliothek fungiert sie auch als Handbibliothek zu den Museumsbeständen des Hauses. 11
Handbibliotheken der Museumsabteilungen werden zur Zeit von der Kunstbibliothek als Bibliothekszentrale betreut. Dies sind die Handbibliotheken des Ägyptischen Museums und der
Papyrussammlung, der Antikensammlung, der Gemäldegalerie, des Kunstgewerbemuseums,
des Kupferstichkabinetts, des Münzkabinetts, des Museums für Spätantike und byzantinische
Kunst, der Nationalgalerie, des Rathgen-Forschungslabors, der Skulpturen-Sammlung und des
Vorderasiatischen Museums. Die Erwerbung, Verwaltung des Schriftentauschs und die Katalogisierung für die Handbibliotheken erfolgt in der Arbeitsstelle Museumsinsel in den Räumen der
ehemaligen Zentralbibliothek im Pergamonmuseum.
Die kunstwissenschaftliche Bibliothek nimmt in begrenztem Umfang am Deutschen Leihverkehr
teil. Sie ist Mitglied der Arbeitsgemeinschaft der Kunstbibliotheken (AKB) und Mitglied der
Arbeitsgemeinschaft der Kunst- und Museumsbibliotheken (AKMB). Die AKB umfaßt neben der
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Kunstbibliothek die Bibliotheca Hertziana in Rom, die Bibliothek des Deutschen Archäologischen
Institus in Rom, die Bibliothek des Kunsthistorischen Institus in Florenz, die Bibliothek des
Zentralinstituts für Kunstgeschichte in München, die Kunst- und Museumsbibliothek der Stadt
Köln und die Bibliothek des Germanischen Nationalmuseums in Nürnberg. Gemeinsam bilden sie
eine Art dezentrale Fachbibliothek, die seit 1972 von der DFG gefördert wird.
Der Lesesaal der kunstwissenschaftlichen Bibliothek hat 66 Plätze und 2 Lesekabinen. Er ist
Montag von 14 – 20 Uhr und Dienstag bis Freitag von 9.00 – 20.00 Uhr geöffnet. Ca. 8.000
Bände Nachschlageliteratur sind im Lesesaal aufgestellt. Der Magazinbestand steht nach
Abgabe des Bestellzettels innerhalb etwa einer Stunde der Benutzung zur Verfügung. Kurzfristige Buchausleihen außer Haus sind nur für die Mitarbeiter der Staatlichen Museen zu Berlin
möglich.
Die Bibliothek verfügt über 8 Beamtenstellen, 42 Angestelltenstellen und 6,5 Stellen für
Lohnempfänger. Ein Teil des Personals ist jedoch ständig zur Betreuung der Lipperheideschen
Kostümbibliothek und der graphischen Sammlungen eingesetzt.
Für die Erwerbung standen 1998 insgesamt 871.859 DM zur Verfügung, wovon 173.910 DM
Einbandmittel waren. Die DFG Zuweisung betrug 92.400 DM. 1998 wurde der Bestand um
11.081 Bände vermehrt.
Der Buchbestand umfaßt inklusive der Lipperheideschen Kostümbibliothek und der Sondersammlungen 350.000 Bände und 1.350 laufend gehaltene Zeitschriften, die in der ZDB
nachgewiesen sind. Der historische Buchbestand aller Abteilungen der Kunstbibliothek umfaßt
rund 48.000 Bände, davon etwa 24.000 in der kunstwissenschaftlichen Bibliothek.
Der nach PI geführte alphabetische Katalog in Zettelform verzeichnet alle Titel bis zum Erwerbungsjahr 1994. Der bis 1994 in Zettelform geführte systematische Standortkatalog umfaßt die
folgenden Hauptgruppen: A: Kunstlehre, Kunstpflege; B: Kunstgeschichte, Kunstwissenschaft; C:
Geschichte der Denkmäler einzelner Zeiten und Länder; CA: Vor- und Frühzeit, Altertum, Naturvölker; D: Topographie; DA: Länder und Kunst des Orients und Asiens; E: Architektur; F: Plastik
und Skulptur; G: Malerei und Graphik; H: Schrift und Druck, Photographie, Gebrauchsgraphik; I:
Formen- und Farbenlehre, Ikonographie; K: Angewandte Kunst; L: Möbel- und Holzgegenstände;
M: Metall; N: Email; O: Keramik und Porzellan; P: Glas; Q: Buchbinderei, Leder, Papier; R:
Textilien; T: Gewerbe und Handel, Unterricht; U: Technik; W: Geschichte, Kulturgeschichte, Geographie; X: Sprach- und Literaturgeschichte; Y: Bücher- und Bibliothekskunde, Archivkunde.
Weiterhin gibt es die Formalgruppen: ZS: Museumskataloge; ZA: Ausstellungskataloge und ZV:
Versteigerungskataloge. Der systematische Katalog ist durch ein Schlagwortregister erschlossen.
Zusätzlich zu den genannten Katalogen gibt es Spezialkataloge in Zettelform, die die Literatur
über Künstler und Privatsammler verzeichnen sowie einen Zeitschriftenaufsatzkatalog, der allerdings nur den Zeitraum von der Mitte der Sechziger bis in die Mitte der Achtziger Jahre umfaßt.
Ab dem Erwerbungsjahr 1994 werden alle Erwerbungen nach RAK katalogisiert und im OPAC
verzeichnet. Der systematische Katalog wurde ebenfalls abgebrochen und die Sacherschließung
wurde auf Schlagworte in Anlehnung an RSWK umgestellt, die im OPAC recherchierbar sind.
Der OPAC ist über WWW bislang nur in einer Testversion über die Homepage des IberoAmerikanischen-Instituts zu erreichen (s.o.).
Die Sammelschwerpunkte der Bibliothek umfassen: Allgemeine Kunstgeschichte; Kunsthandwerk; Kostüm, Tracht und Mode; Buchkunst, Graphik, Gebrauchsgraphik, Plakatkunst; Architektur; Ausstellungskataloge, Auktionskataloge, Museumskataloge.
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3.6. Kunstgewerbemuseum <B32a6>
Tiergartenstr. 6
10785 Berlin - Tiergarten
Tel. 030 / 266-2902
Fax 030 / 266-2947
www: <http://www.smb.spk-berlin.de/kgm/s.html>
Geschichte
Das Berliner Kunstgewerbemuseum wurde im Jahre 1868 mit Schenkungen aus der Weltausstellung unter dem Namen Deutsches-Gewerbe-Museum zu Berlin eröffnet. Die Gründer wollten
mit einer Unterrichtsanstalt und einer Mustersammlung zur Geschmacksbildung von Kunsthandwerkern, Industriezeichnern und der gesamten Öffentlichkeit beitragen. Das Museum entwickelte
sich in wenigen Jahrzehnten zu einer der bedeutendsten Sammlungen für angewandte Kunst in
Europa. Die Basis dafür bildeten der Ankauf des Lüneburger Ratssilbers (1874) und die
Übernahme von fast 7.000 Objekten aus der Königlichen Kunstkammer (1875). 1879 erhielt die
Sammlung den Namen Kunstgewerbemuseum und 1881 mit dem Martin-Gropius-Bau ein
eigenes Gebäude. Aufgrund dezidierter Wünsche Wilhelm von Bodes wurden die islamischen
und ostasiatischen Objekte bald nach 1900 ausgegliedert. Sie bildeten den Grundstein für das
Museum für Ostasiatische Kunst und das Museum für Islamische Kunst. 1921 bezog das
Kunstgewerbemuseum einen Teil des Berliner Schlosses und wurde mit ehemaligem königlichen
Besitz zum Schloßmuseum vereinigt. Nach dem Zweiten Weltkrieg waren die Museumsgebäude
zerstört und die Sammlungen geteilt. 1963 fanden die in den Ostteil Berlins gelangten Sammlungsteile ein bleibendes Domizil im Schloß Köpenick. Die in den Westteil der Stadt verbrachten
Teile erhielten eine vorläufige Unterkunft im Charlottenburger Schloß. Seit 1985 sind sie im
Museumsneubau am Kulturforum zu sehen.
Sammlungsprofil
Das Kunstgewerbemuseum ist das älteste seiner Art in Deutschland. Es besitzt auch nach den
schweren Verlusten des Zweiten Weltkrieges eine der bedeutendsten Sammlungen von europäischem Kunsthandwerk in der Welt. Das Kunstgewerbemuseum sammelt europäisches Kunsthandwerk aller nachantiken Stilepochen der Kunstgeschichte, darunter Seidenstoffe und
Kostüme, Tapisserien, Raumgetäfel und Möbel, Glas-, Email- und Porzellangefäße sowie Goldund Silberschmiedearbeiten.
Bibliothek
Die Handbibliothek dient der Literaturversorgung der 7 Wissenschaftler des Kunstgewerbemuseums. Sie ist eingeschränkt öffentlich zugänglich.
Die Bibliothek verfügt über kein eigenes bibliothekarisches Personal. Erwerbung, Verwaltung des
Schriftentauschs und Katalogisierung erfolgen durch die Kunstbibliothek in der Arbeitsstelle
Museumsinsel.
Der Bestand umfaßt 18.012 Bände und 41 laufende Zeitschriften. Die Bände sind signiert und mit
Signaturschildern versehen. EDV-geeignete Individualsignaturen sind nicht vorhanden.
Ein nach PI bzw. RAK geführter alphabetischer Katalog in Zettelform ist vorhanden. Die Karten
sind maschinenschriftlich beschrieben. Die Bestände sind im Zentralkatalog der ehemaligen
Zentral- bzw. Museumsbibliothek verzeichnet. Ein Standortkatalog ist vorhanden, nicht aber eine
standortungebundene Sacherschließung.
Die Sammelschwerpunkte der Bibliothek umfassen die wissenschaftliche Spezialliteratur zu den
Sammlungsbeständen.
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3.7. Kupferstichkabinett - Sammlung der Zeichnungen und Druckgraphik
<B172a>
Matthäikirchplatz 4
10785 Berlin - Tiergarten
Tel. 030 / 266-2002
Fax 030 / 266-2959
www: <http://www.smb.spk-berlin.de/kk/s.html>
Geschichte
Die Anfänge der Sammlung gehen auf das Jahr 1652 zurück. Der Große Kurfürst erwarb damals
etwa 2.500 Zeichnungen und Aquarelle für die Bibliothek des brandenburgisch-preußischen
Hofes. Diese zählten zu den ersten Beständen, als 1831 das Kupferstichkabinett durch König
Friedrich Wilhelm III. begründet wurde. Von 1830 bis 1850 befand sich das Kupferstichkabinett
im Alten Museum und von 1850 bis zur Zerstörung des Gebäudes im Zweiten Weltkrieg im
Neuen Museum. Durch den Ankauf großer Sammlungen und Schenkungen im 19. Jahrhundert
haben sich die Bestände vor allem an altdeutschen Zeichnungen bedeutender Meister und
Druckgrafik aus sämtlichen Epochen stetig erweitert. Seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges
war die Sammlung geteilt. Der östliche Teil des Kabinetts befand sich von 1950 bis 1966 im
Bodemuseum und von 1966 bis zur Wiedervereinigung der Sammlungen 1994 im Alten Museum.
Der westliche Teil des Kabinetts befand sich von 1950 bis 1994 in Dahlem. Durch die
Zusammenführung der Bestände Ost und West im Neubau am Kulturforum 1994 und die
Rücknahme der Zeichnungen des 19. und 20. Jahrhunderts aus der Nationalgalerie erreichte die
Sammlung eine große Vollständigkeit.
Sammlungsprofil
Die Sammlung des Kupferstichkabinetts besteht aus ca. 80.000 Handzeichnungen, Aquarellen,
Gouachen und Pastellen vom 14. Jahrhundert bis zur Gegenwart, etwa 520.000 druckgrafischen
Blättern aus dem gleichen Zeitraum, über 100 illuminierten Handschriften des Mittelalters und der
Renaissance, ca. 250 Inkunabeln, mehr als 2000 Büchern mit Originalgrafik vom 16. Jahrhundert
bis zur Gegenwart und etwa 2000 Druckplatten vom 15. bis zum 20. Jahrhundert. Geografisch
umfaßt der Bestand Werke aus Europa sowie aus jüngerer Zeit auch amerikanische
Zeichnungen und Druckgrafik.
Bibliothek
Die Fachbibliothek dient der Literaturversorgung der 8 Wissenschaftler des Kupferstichkabinetts,
sowie der interessierten Fachöffentlichkeit. Bücher können auf Anfrage nur im Studiensaal des
Kabinetts von Dienstag bis Freitag von 9.00-16.00 Uhr benutzt werden.
Die Bibliothek verfügt über kein eigenes bibliothekarisches Personal. Erwerbung, Verwaltung des
Schriftentauschs und Katalogisierung erfolgen durch die Kunstbibliothek in der Arbeitsstelle
Museumsinsel.
Der Bestand umfaßt 30.000 Bände und 13 laufend gehaltene Zeitschriften, die in der ZDB
nachgewiesen sind. Die Bände sind signiert aber nur teilweise mit Signaturschildern versehen.
EDV-geeignete Individualsignaturen sind nicht vorhanden. Als Folge der Teilung der Sammlung
sind noch drei Bestände mit unterschiedlichen Signatur- und Aufstellungssystemen miteinander
abzugleichen. Der Altbestand beträgt ca. 3.500 Bände, darunter 284 Inkunabeln. Er verteilt sich
je zur Hälfte auf die wissenschaftliche Handbibliothek und die in die Sammlungen eingegliederten
Bestände, wobei über 1.000 illustrierte Bücher des 15. und 16. Jahrhunderts hervorzuheben sind.
Mehrere nach PI bzw. RAK geführte alphabetische Kataloge in Zettelform sind vorhanden. Die
Karten sind maschinenschriftlich beschrieben. Die Bestände sind im Zentralkatalog der ehemaligen Zentral- bzw. Museumsbibliothek verzeichnet. Ein Standortkatalog und eine standortungebundene Sacherschließung sind nicht vorhanden. Als Sonderkatalog gibt es einen Katalog
der Ausstellungsorte.
Die Sammelschwerpunkte der Bibliothek umfassen Graphik, Buchmalerei, Buchillustration,
Inkunabeln und Zeichenkunst.
93
3.8. Münzkabinett
Bodestr. 1-3
10178 Berlin - Mitte
www: <http://www.smb.spk-berlin.de/mk/s.html>
Geschichte
1649 umfaßte der Bestand der Kurfürstlichen Kunstkammer bereits rund 5.000 überwiegend
antike Münzen. 1830 bezog das Münzkabinett seine ersten eigenen Räume im Alten Museum,
womit die Sammlung auch der Öffentlichkeit zugänglich gemacht wurde. 1868 erhielt das Kabinett den Status eines eigenständigen Museums. Bis zum Ende des Kaiserreichs 1918 wurden
die Bestände durch zahlreiche Ankäufe und die Erwerbung großer Privatsammlungen bedeutend
erweitert. 1904 erfolgte der Umzug in das Kaiser-Friedrich-Museum (seit 1956 Bodemuseum), in
dem das Untergeschoß auf der Kupfergrabenseite speziell für die Belange des Münzkabinetts
eingerichtet wurde. Die Wiederherstellung dieser Räume ist eines der Ziele der gegenwärtig
laufenden Rekonstruktion des Bodemuseums. Den Zweiten Weltkrieg überstanden die Bestände
im Luftschutzkeller des Pergamonmuseums. Von dort sind sie in die Sowjetunion verbracht und
1957 zurückgeführt worden. Durch seine Lage im Ostteil der Stadt gehörte das Münzkabinett zu
den Staatlichen Museen zu Berlin/DDR. Mit der Wiedervereinigung der Sammlungen wurde das
Münzkabinett Bestandteil der Staatlichen Museen zu Berlin - Preußischer Kulturbesitz.
Sammlungsprofil
Das Münzkabinett stellt mit 500.000 Objekten eine der größten numismatischen Sammlungen
dar. Die Sammlung verdankt ihre Weltgeltung dem Reichtum und der Geschlossenheit der Münzserien vom Beginn der Münzprägung im 7. Jahrhundert v. Chr. in Kleinasien bis zu den Münzen
und Medaillen des 20. Jahrhunderts. Zu den bedeutendsten Beständen gehören 102.000
griechische und etwa 50.000 römische Münzen der Antike, 160.000 europäische Münzen des
Mittelalters und der Neuzeit sowie 35.000 islamisch-orientalische Münzen. Die sich um 1400
entwickelnde Medaillenkunst ist mit 25.000 Stücken vertreten. In der Regel handelt es sich dabei
um Reliefdarstellungen, die anläßlich besonderer Ereignisse oder zu Ehren einer geschichtlichen
Persönlichkeit geprägt wurden und auch heute noch hergestellt werden. Neben den Münzen und
Medaillen gehören eine Papiergeldsammlung, eine Sammlung historischer Siegel seit dem Mittelalter und Beispiele für Geldformen der Naturvölker zum Bestand. Ferner sind Münzwerkzeuge,
darunter mehr als 10.000 Stempel, der in Berlin seit dem 17. Jahrhundert geprägten Münzen,
sowie eine umfangreiche Abgußsammlung vorhanden.
Bibliothek
Die Fachbibliothek dient der Literaturversorgung der 4 Wissenschaftler des Münzkabinetts. Sie
ist nach Voranmeldung eingeschränkt öffentlich zugänglich.
Die Bibliothek verfügt über kein eigenes bibliothekarisches Personal. Erwerbung, Verwaltung des
Schriftentauschs und Katalogisierung erfolgen durch die Kunstbibliothek in der Arbeitsstelle
Museumsinsel.
Der Bestand umfaßt 20.000 Bände und 83 laufend gehaltene Zeitschriften. Die Bände sind
signiert aber nicht mit Signaturschildern versehen. EDV-geeignete Individualsignaturen sind teilweise vorhanden.
Ein nach PI bzw. RAK geführter alphabetischer Katalog in Zettelform ist vorhanden, aber unvollständig. Die Karten sind teils handschriftlich, teils maschinenschriftlich beschrieben. Die Bestände sind im Zentralkatalog der ehemaligen Zentral- bzw. Museumsbibliothek verzeichnet. Ein
Standortkatalog ist nicht vorhanden. Die standortungebundene systematische Sacherschließung
ist unvollständig. Es liegen Sonderkataloge zu Auktionskatalogen und Sonderdrucken vor.
Die Sammelschwerpunkte der Bibliothek umfassen die wissenschaftliche Spezialliteratur zu den
Sammlungsbeständen.
94
3.9. Museum Europäischer Kulturen <B1508>
Im Winkel 6-8
14195 Berlin - Dahlem
Tel. 030 / 8390-1289
Fax 030 / 8390-1283
www: <http://www.smb.spk-berlin.de/mek/s.html>
Geschichte
Das erste zentrale Volkskundemuseum in Deutschland wurde 1889 unter dem Namen “Museum
für deutsche Volkstrachten und Erzeugnisse des Hausgewerbes” unter Leitung Rudolf Virchows
gegründet. Ziel war es, den in der Völkerkunde ausgeklammerten Kulturerzeugnissen des
eigenen Volkes sowie der angrenzenden Länder Raum zu geben. 1904 wurde das “Volkstrachtenmuseum” in die “Königlichen Museen zu Berlin” aufgenommen und dem Museum für Völkerkunde angegliedert. 1934 fand allerdings mit der Gründung einer eigenständigen “Abteilung
Eurasien” eine deutliche Trennung der Sammlungsbereiche statt: die volkskundliche Sammlung
musste alle nicht deutschen Objekte abgeben und umgekehrt. Im selben Jahr erhielt auch die
volkskundliche Sammlung einen eigenständigen Status mit der Gründung des “Staatlichen
Museums für Deutsche Volkskunde”. Während des II. Weltkrieges wurden ca. 80% der volkskundlichen Museumsbestände vernichtet. Im Nachkriegsdeutschland hatte die politische Teilung
die Entstehung von zwei volkskundlichen Museen in Berlin zur Folge. Im Ostteil der Stadt
näherten sich Volks- und Völkerkunde an: die gemeinsame Ausbildung von Volks- und Völkerkundlern war Grundlage für übergreifende Ausstellungskonzepte. Im Westteil der Stadt, in dem
nur wenige volkskundliche Bestände erhalten waren, wurde die Volkskunde kurzzeitig der Völkerkunde angegliedert, bis sie ihre Eigenständigkeit 1963 zurückgewann. Europäische Ethnographica wurden hauptsächlich innerhalb des Museums für Völkerkunde gesammelt, konnten
aber nur sehr begrenzt, in Sonderausstellungen oder über die Studiensammlung, der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden. 1992 wurden die in Berlin Ost und West bestehenden
volkskundlichen Sammlungen zum “Museum für Volkskunde” vereinigt. Die Zusammenarbeit
zwischen der europäischen Sammlung des Museums für Völkerkunde und dem Museum für
Volkskunde verstärkte sich in den 80er Jahren in Form von gemeinsamen Ausstellungen und
Tagungen. Seit 1990 wurde die Vision eines gemeinsamen Museums mit europäischem Blickwinkel diskutiert. Am 24. Juni 1999 wurde das “Museum Europäischer Kulturen” gegründet.
Sammlungsprofil
Das Museum Europäischer Kulturen will sich bei Sammlungsaufbau, Forschungsvorhaben und in
seinen Ausstellungen gemeinsamen europäischen Kulturphänomenen und ihren unterschiedlichen ethnischen, regionalen und nationalen Ausprägungen widmen
Bibliothek
Die Fachbibliothek dient der Literaturversorgung der 5 Wissenschaftler des Museums Europäischer Kulturen sowie der interessierten Fachöffentlichkeit. Sie ist nach Voranmeldung von
Dienstag bis Donnerstag von 8.00-13.00 und 14.00-16.00 Uhr sowie Freitags von 8.00-13.00 und
14.00-15.00 Uhr öffentlich zugänglich. Die Bibliothek nimmt in begrenztem Umfang am
Deutschen Leihverkehr teil.
Die Bibliothek wird von einer Bibliothekarin verwaltet. Für Buchanschaffungen standen 1998
20.000,- DM zur Verfügung. 315 Bände wurden hiervon angeschafft. Im Rahmen des
Schriftentausches gingen 195 Bände ein.
Der Bestand umfaßt 50.000 Bände und 130 laufend gehaltene Zeitschriften, die in der ZDB
nachgewiesen sind. Der Altbestand umfaßt etwa 1.200 Bände, davon 200 Faksimiles. Im
musealen Sammlungsbestand befinden sich weitere 2.300 Bände historischer Bestand. Die
Bände sind signiert aber nur teilweise mit Signaturschildern versehen. EDV-geeignete Individualsignaturen sind nicht vorhanden.
Ein nach PI bzw. RAK geführter alphabetischer Katalog in Zettelform ist vorhanden, aber unvollständig. Die Karten sind maschinenschriftlich beschrieben. Ein Standortkatalog ist ab Erwerbungsjahr 1996 vorhanden.
Die Sammelschwerpunkte der Bibliothek umfassen die Volkskunde des deutschsprachigen
Raumes, Sachkunde des Alltagslebens, religiöse Volkskunde, Kulturgeschichte, Bilderkunde,
Hausforschung, Handwerk, Jahreslauf und Lebenslauf, Spielzeug, Textilien, Keramik.
95
3.10. Museum für Indische Kunst <B54IK>
Takustr. 40
14195 Berlin - Dahlem
Tel. 030 / 8301-363
Fax 030 / 831-6384
www: <http://www.smb.spk-berlin.de/mik/s.html>
Geschichte
Seit 1829 wurden im Rahmen der ethnologischen Sammlungen der Kunstkammer Objekte indoasiatischer Kultur gesammelt. Hervorragende Werke gelangten jedoch erst in der Zeit zwischen
1900 und dem Beginn des 1. Weltkrieges in Berliner Museumsbesitz. Ursachen hierfür waren
das stetig wachsende Interesse an Indien und die Leistungen der deutschen Indologie in Bezug
auf die Erforschung indischer Literatur und Religion. 1963 wurde an den Staatlichen Museen
Preußischer Kulturbesitz in Berlin-Dahlem das Museum für Indische Kunst gegründet. Die
indische Kunstforschung erhielt damit erstmalig in Deutschland ein eigenes Institut. Im Oktober
1971 bezog das Museum für Indische Kunst innerhalb des Dahlemer Zentrums eigene Ausstellungsräume.
Sammlungsprofil
Das Museum für Indische Kunst sammelt und zeigt Kunst und Kunsthandwerk aus Pakistan,
Afghanistan, Sri Lanka, Nepal, Tibet, Indien, Südostasien und Zentralasien vom 2. Jahrhundert v.
Chr. bis zur Gegenwart. Die Ausstellungsräume werden derzeit umgestaltet. Das Museum
eröffnet voraussichtlich im Herbst 2000 mit einer neuen Präsentation.
Bibliothek
Die Fachbibliothek dient der Literaturversorgung der 2 Wissenschaftler des Museums für
Indische Kunst. Sie ist nach Voranmeldung von Montag bis Freitag von 10.00 -12.00 und 13.00 16.00 Uhr eingeschränkt öffentlich zugänglich.
Die Bibliothek verfügt über kein eigenes bibliothekarisches Personal. Erwerbung, Verwaltung des
Schriftentauschs und Katalogisierung erfolgen durch die Bibliothek des Ethnologischen
Museums.
Der Bestand umfaßt 15.013 Bände und 162 laufend gehaltene Zeitschriften, die teilweise in der
ZDB nachgewiesen sind. Die Bände sind signiert aber nur teilweise mit Signaturschildern
versehen. EDV-geeignete Individualsignaturen sind nicht vorhanden.
Ein nach PI bzw. RAK geführter alphabetischer Katalog in Zettelform ist vorhanden, aber unvollständig. Die Karten sind teils handschriftlich, teils maschinenschriftlich beschrieben. Ein
Standortkatalog ist nicht vorhanden. Die Sacherschließung erfolgt durch Schlagworte.
Die Sammelschwerpunkte der Bibliothek umfassen die Archäologie Indiens und Südostasiens
sowie die Kunst Indiens, Zentralasiens und Südostasiens.
96
3.11. Museum für Islamische Kunst <B32a3>
Bodestr. 1-3
10178 Berlin - Mitte
Tel. 030 / 2090-5401
Fax 030 / 2090-5402
www: <http://www.smb.spk-berlin.de/isl/s.html>
Geschichte
1904 wurde durch Wilhelm von Bode eine Abteilung islamischer Kunst gegründet. Grundpfeiler
der Sammlung bildete neben der Fassade von Mschatta, einem Geschenk des türkischen
Sultans an den deutschen Kaiser, Bodes Stiftung seiner Teppiche. Später kamen Teile der
Sammlung islamischer Kleinkunst aus dem Besitz Friedrich Sarres, des ersten Direktors, sowie
Leihgaben aus dem Kunstgewerbemuseum (1922) hinzu. 1932 bezog die Abteilung im neuerbauten Pergamonmuseum geeignetere Räume. Mit Kriegsbeginn 1939 musste die Ausstellung
geschlossen werden. Trotz Sicherung und Auslagerung verbrannten zahlreiche wertvolle
Teppiche, der linke Torturm von Mschatta wurde zerstört. Nach der Wiederherstellung dieses bedeutenden frühislamischen Baudenkmals wurde 1954 das Islamische Museum im Pergamonmuseum wiedereröffnet. Gleichzeitig erfolgte die erste Präsentation der in den Westteil Deutschlands gelangten Kunstwerke im Museum Dahlem (bis 1967). Die Rückführung der 1945-46 in die
Sowjetunion verbrachten Kunstwerke 1958 und die Restaurierungen des Aleppo-Zimmers sowie
zweier Gebetsnischen ermöglichten den vollständigen Bezug aller Räume der Sammlung im
Pergamonmuseum bis 1967. Die Sammlung im Westteil der Stadt erhielt als Museum für
Islamische Kunst nach einer Zwischenzeit im Schloß Charlottenburg (1968 - 1970) ihren festen
Platz 1971 im Museumsneubau in Dahlem. Nach dem organisatorischen Zusammenschluß der
getrennten Sammlung im Jahre 1992 wurden beide Ausstellungsstandorte zunächst beibehalten.
Mit der Schließung des Dahlemer Teils am 3. Mai 1998 rückt das Ziel der Vereinigung der
Sammlung im Pergamonmuseum auf der Museumsinsel in greifbare Nähe.
Sammlungsprofil
Das Museum zeigt in einer ständigen Ausstellung im Südflügel des Pergamonmuseums die
Kunst der islamischen Völker vom 8. bis ins 19. Jahrhundert. Die Kunstwerke stammen aus
einem Gebiet, das von Spanien bis nach Indien reicht. Schwerpunkte sind der Vordere Orient
einschließlich Ägypten und Iran. Die bildende Kunst ist in ihren verschiedenen Äußerungen vom
Architekturdekor, über das Kunsthandwerk bis hin zur Buchkunst vertreten. Hervorzuheben ist
der Architekturdekor in den verschiedenen Materialien: Stein (Fassade von Mschatta), Stuck
(Grabungsfunde aus Samarra), bemalte Holzfüllungen (Aleppo-Zimmer) und Wandkeramiken der
verschiedenen Techniken (Gebetsnischen aus Kaschan und Konya). Das Kunsthandwerk umfaßt
alle Materialgruppen: Gefäßkeramiken, Metallarbeiten, Holz- und Beinschnitzereien, Gläser,
Gewebe, Teppiche. Auf dem Gebiet der Buchkunst sind die Kalligraphien und Miniaturen aus
Sammelalben der Moghulzeit von besonderer Bedeutung.
Bibliothek
Die Fachbibliothek dient der Literaturversorgung der 5 Wissenschaftler des Museums für
Islamische Kunst. Sie ist nicht öffentlich zugänglich.
Die Bibliothek verfügt über kein eigenes bibliothekarisches Personal. Erwerbung, Verwaltung des
Schriftentauschs und Katalogisierung erfolgen durch die Kunstbibliothek in der Arbeitsstelle
Museumsinsel.
Der Bestand umfaßt 23.700 Bände und 84 laufend gehaltene Zeitschriften. 1998 verzeichnete die
Bibliothek einen Zuwachs von 316 Titeln.
Die Bände sind signiert und teilweise mit Signaturschildern versehen. EDV-geeignete Individualsignaturen sind nicht vorhanden.
Ein nach PI bzw. RAK geführter alphabetischer Katalog in Zettelform ist vorhanden. Die Karten
sind teils handschriftlich, teils maschinenschriftlich beschrieben. Die Bestände sind im Zentralkatalog der ehemaligen Zentral- bzw. Museumsbibliothek verzeichnet. Ein Standortkatalog ist
nicht vorhanden. Die Sacherschließung erfolgt durch Schlagworte.
Die Sammelschwerpunkte der Bibliothek umfassen Orientalistik, Kunst des Islam und Islamkunde.
97
3.12. Museum für Ostasiatische Kunst <B32a4>
Takustr. 40
14195 Berlin - Dahlem
Tel. 030 / 8301-381
Fax 030 / 831-6384
www: <http://www.smb.spk-berlin.de/oak/s.html>
Geschichte
1906 veranlaßte Wilhelm von Bode die Gründung der Ostasiatischen Kunstsammlung als erste
Einrichtung dieser Art in Deutschland. Durch kluge Erwerbungspolitik und private Schenkungen
errang die Sammlung in der Zeit bis zum Zweiten Weltkrieg internationale Bedeutung. Im
Oktober 1924 konnten die ersten permanenten Ausstellungsräume im “Museum in der PrinzAlbrecht-Straße” (heutiger Gropiusbau) eröffnet werden. Am Ende des Zweiten Weltkrieges
wurden neunzig Prozent der Bestände als Beutekunst in die Sowjetunion abtransportiert. Sie sind
bis heute in der Eremitage in St. Petersburg. Nur rund 300 Objekte der alten Sammlung kehrten
von Auslagerungsorten nach dem Krieg zurück. In der Nachkriegszeit gab es in Berlin zwei
Ausstellungsorte für die ostasiatische Kunst: das Pergamonmuseum auf der Museumsinsel (ab
1952) und das Museum in Dahlem (ab 1970). Beide Sammlungen wurden 1992 in Dahlem
zusammengeführt.
Sammlungsprofil
Das Museum für Ostasiatische Kunst sammelt Archäologie, Kunst und Kunsthandwerk aus
China, Japan und Korea von der Jungsteinzeit bis heute. Schwerpunkte bilden die Kunst des
Buddhismus sowie eine umfangreiche Sammlung ostasiatischer Bild- und Schreibkunst und
Druckgrafik. Die chinesische Archäologie repräsentiert sich durch bedeutende archaische
Bronzen, frühe Keramiken und Kunstobjekte aus Jade. Porzellane und Werke der Lackkunst
werden beispielhaft vorgestellt.
Bibliothek
Die Fachbibliothek dient der Literaturversorgung der 3 Wissenschaftler des Museums für
Ostasiatische Kunst. Sie ist nach Voranmeldung eingeschränkt öffentlich zugänglich.
Die Bibliothek verfügt über eine Bibliothekarin.
Der Bestand umfaßt 18.000 Bände und 102 laufend gehaltene Zeitschriften. Die Bände sind
signiert und mit mit Signaturschildern versehen. EDV-geeignete Individualsignaturen sind vorhanden.
Ein nach PI bzw. RAK geführter alphabetischer Katalog in Zettelform ist zwar vorhanden aber
unvollständig. Die Karten sind maschinenschriftlich beschrieben. Ein Standortkatalog ist vorhanden. Eine standortungebundene Sacherschließung ist nicht vorhanden.
Die Sammelschwerpunkte der Bibliothek umfassen Archäologie, Kunst und Kunsthandwerk
Ostasiens.
98
3.13. Museum für Spätantike und Byzantinische Kunst
Bodestr. 1-3
10178 Berlin - Mitte
www: <http://www.smb.spk-berlin.de/msb/s.html>
Geschichte
Die Bestände an frühchristlicher und byzantinischer Kunst gehen auf die Kunstkammern der
brandenburgischen Kurfürsten zurück. Sie wurden erstmals 1830 zusammenhängend ausgestellt
und 1885 in die “Abteilung der Bildwerke der christlichen Epochen” eingegliedert. Der Initiative
von Wilhelm von Bode ist es zu verdanken, dass sich die frühchristliche und byzantinische
Abteilung zu einer eigenständigen Sammlung entwickelte. Ab 1904 standen ihr mit der Eröffnung
des Kaiser-Friedrich-Museums, dem heutigen Bodemuseum, Räume für eine angemessene Präsentation zur Verfügung. Bode bemühte sich seit den neunziger Jahren des vorigen Jahrhunderts
um den Erwerb von Bildwerken in Konstantinopel, an den kleinasiatischen Grabungsorten der
Berliner Museen, in Ägypten sowie später in Rom. Innerhalb weniger Jahre wurde eine erstrangige Sammlung spätantiker Kunst aufgebaut. Trotz Auslagerung erlitten die Bestände durch
den Zweiten Weltkrieg unwiederbringliche Verluste. Die territoriale Teilung Deutschlands hatte
auch eine Teilung der Sammlung zur Folge. Es gab nun zwei Standorte: auf der Museumsinsel
im Bodemuseum in Berlin-Mitte und in Berlin-Dahlem. In Dahlem bildete sie innerhalb der
Skulpturensammlung eine Sonderabteilung. 1992 wurden die Bestände unter dem heutigen
Namen wieder zusammengeführt. Die Sammlung im Bodemuseum ist wegen Umbauarbeiten
voraussichtlich bis zum Jahr 2004 geschlossen.
Sammlungsprofil
Das Museum für Spätantike und Byzantinische Kunst besitzt eine erstrangige Sammlung
spätantiker und byzantinischer Kunst und ist das einzige seiner Art in Deutschland. Es präsentiert
frühchristliche, byzantinische und nachbyzantinische Kunst aus der Zeit vom 3. bis zum 19.
Jahrhundert. Die Kunstwerke stammen aus Rom, Italien, aus Konstantinopel (dem heutigen
Istanbul), Kleinasien, dem Vorderen Orient, Griechenland, Rußland, Ägypten und den
Balkanländern. Die Abteilung für spätantike koptische Kunst umfaßt hauptsächlich Objekte aus
dem Grabbereich wie Statuen und Grabsteine, aber auch Holzschnitzereien, Textilien, Tafelmalerei und Keramik. Der Bestand der oströmischen und byzantinischen Skulpturen ist in seinem
Umfang nur noch vergleichbar im Archäologischen Museum in Istanbul zu finden. Charakteristische Zeugnisse spätantiker Skulptur (3. - 6. Jahrhundert) aus Rom, Kleinasien, Syrien,
Griechenland und Ägypten bilden in ihren Formprinzipien und Stiltendenzen eine Grundlage für
die mittelalterliche Bildkunst des byzantinischen Reichs. Die Sammlung der Ikonen widmet sich
einem speziellen Bereich der religiösen Porträtmalerei auf Holz, die ihre Anfänge im 6./7.
Jahrhundert in Ägypten hatte.
Bibliothek
Die Handbibliothek dient ausschließlich der Literaturversorgung der 3 Wissenschaftler des
Museums für Spätantike und Byzantinische Kunst. Sie ist nicht öffentlich zugänglich.
Die Bibliothek verfügt über kein eigenes bibliothekarisches Personal. Erwerbung, Verwaltung des
Schriftentauschs und Katalogisierung erfolgen durch die Kunstbibliothek in der Arbeitsstelle
Museumsinsel.
Der Bestand umfaßt 6.000 Bände und 20 laufende Zeitschriften. Die Bände sind signiert und
teilweise mit Signaturschildern versehen. EDV-geeignete Individualsignaturen sind vorhanden.
Ein nach PI bzw. RAK geführter alphabetischer Katalog in Zettelform ist vorhanden. Die Bestände sind im Zentralkatalog der ehemaligen Zentral- bzw. Museumsbibliothek verzeichnet. Ein
Standortkatalog und eine standortungebundene Sacherschließung sind nicht vorhanden.
Die Sammelschwerpunkte der Bibliothek umfassen die wissenschaftliche Spezialliteratur zu den
Sammlungsbeständen.
99
3.14. Museum für Vor- und Frühgeschichte <B735>
Spandauer Damm 19,
14059 Berlin - Charlottenburg
Tel. 030 / 3209-1244
Fax 030 / 322-1614
www: <http://www.smb.spk-berlin.de/mvf/s.html>
Geschichte
Den Grundstock der Sammlung bildeten die prähistorischen Altertümer aus dem Kunstkabinett
der Hohenzollern, die seit 1830 im Schloß Monbijou als “Museum Vaterländischer Altertümer”
aufgestellt waren. Als “Sammlung Nordischer Altertümer”, später als “Prähistorische Abteilung”
waren sie in den folgenden Jahrzehnten zunächst im Neuen Museum und seit 1886 im Museum
für Völkerkunde an der Prinz-Albrecht-Straße untergebracht. Nach dem 1921 vollzogenen
Umzug in den gegenüberliegenden Martin-Gropius-Bau erfolgte 1931 die Umwandlung in ein
eigenständiges “Staatliches Museum für Vor- und Frühgeschichte”. Die ab der zweiten Hälfte des
19. Jahrhunderts dynamisch anwachsenden Bestände gehen auf eine rege Erwerbungstätigkeit,
eigene Ausgrabungsprojekte und Schenkungen zurück. Rudolf Virchow war seinerzeit der größte
Förderer des Hauses. Sein Verdienst und das der nachfolgenden Generation ist die Ausweitung
des Sammelgebietes auf das gesamte Alteuropa und angrenzende Regionen. Zu Beginn des 20.
Jahrhunderts zählte das Berliner Museum für Vor- und Frühgeschichte zu den drei bedeutendsten prähistorischen Sammlungen der Welt. Der zweite Weltkrieg hatte schmerzliche Bestandsverluste zur Folge. Sämtliche Gold- und Edelmetallfunde wurden 1945 als Kriegsbeute nach
Rußland gebracht, wo sie bis heute in Geheimdepots lagern. Das Museum für Vor- und Frühgeschichte nahm bald nach Kriegsende seine Arbeit wieder auf. Seit 1960 ist es im Langhansbau
des Schlosses Charlottenburg untergebracht. Nach der Wiedervereinigung der Staatlichen
Museen zu Berlin kam es zur Reintegration der bis dahin im Ostberliner Museum für Ur- und
Frühgeschichte verwalteten Bestände.
Sammlungsprofil
Das Museum besitzt eine der größten überregionalen Sammlungen zur Vor- und Frühgeschichte
der Alten Welt. In den sechs Ausstellungssälen werden Zeugnisse der prähistorischen Kulturen
Europas und Vorderasiens von ihren Anfängen (ab ca. 40.000 v. Chr.) bis ins Mittelalter gezeigt.
Bibliothek
Die Fachbibliothek dient der Literaturversorgung der 7 Wissenschaftler des Museums für Vorund Frühgeschichte sowie der interessierten Fachöffentlichkeit. Sie ist nach Voranmeldung von
Montags bis Freitags von 8.00 - 15.00 Uhr eingeschränkt öffentlich zugänglich.
Die Bibliothek wird von einer Bibliothekarin verwaltet.
Der Bestand umfaßt 48.000 Bände. In der ZDB sind 1.542 Zeitschriftentitel nachgewiesen. Im
Jahre 1998 wurden ca. 1.080 Bücher neu erworben und eingearbeitet.
Der Altbestand beträgt ca. 4.100 Bände. Die Bände sind signiert und mit Signaturschildern
versehen. EDV-geeignete Individualsignaturen sind vorhanden.
Ein nach PI bzw. RAK geführter alphabetischer Katalog in Zettelform ist vorhanden. Die Karten
sind maschinenschriftlich beschrieben. Ein systematischer Standortkatalog ist vorhanden.
Die Sammelschwerpunkte der Bibliothek umfassen Vor- und Frühgeschichte, die Altertumswissenschaft Vorderasiens und Völkerkunde
100
3.15. Nationalgalerie <B32a5>
Geschichte
Die Nationalgalerie wurde 1861 gegründet. Anlaß war die großzügige Schenkung des Bankiers
Joachim H. W. Wagener von 262 Gemälden deutscher und ausländischer Künstler an den
Preußischen Staat. Als “Wagenersche und Nationalgalerie” war sie zunächst in den Räumen der
Kunstakademie untergebracht. Ihren Standort auf der Museumsinsel erhielt sie 1876. Mit
Weitblick haben Museumsdirektoren wie Hugo von Tschudi und Ludwig Justi das Profil der
Sammlung geprägt. Tschudi riskierte für den Erwerb impressionistischer Kunst den Eklat mit dem
Kaiser. Sein Nachfolger Justi konnte bedeutende Werke des Expressionismus hinzugewinnen,
die heute in der Neuen Nationalgalerie zu besichtigen sind. Die 1937 beginnenden nationalsozialistischen “Säuberungsmaßnahmen” im Rahmen der Aktion “Entartete Kunst” führten zur
Beschlagnahmung von 500 Werken. Zwei Jahre später wurden die restlichen Kunstwerke ausgelagert, um sie vor Bomben zu schützen. Seit Kriegsende gab es Bemühungen, die durch
Naziherrschaft und Krieg entstandenen Lücken wieder zu schließen. Einen wichtigen Beitrag
dazu leistete die im Jahre 1945 vom Magistrat von Groß-Berlin gegründete Galerie des 20.
Jahrhunderts. Nach der Gründung der Stiftung Preußischer Kulturbesitz im Jahre 1957 konnte
der im Westen verbliebene Teil der Sammlung erstmals 1959 in der Großen Orangerie des
Schlosses Charlottenburg wieder gezeigt werden. Die Präsentation der wachsenden Bestände
machte einen Neubau im Westteil der Stadt notwendig. Die Neue Nationalgalerie, nach Plänen
von Ludwig Mies van der Rohe erbaut, wurde 1968 als erstes Museum am Kulturforum eröffnet.
Es vereinigte die Sammlungen der Alten Nationalgalerie und der Galerie des 20. Jahrhunderts.
Nach der Wiedervereinigung erforderten die gewachsenen Bestände der Nationalgalerie eine
Neuordnung. Die Kunst des 19. Jahrhunderts, darunter Werke des Impressionismus, zog in die
Alte Nationalgalerie auf die Museumsinsel und in die Galerie der Romantik. Skulpturen des 19.
Jahrhunderts wechselten teilweise in die Friedrichswerdersche Kirche in Berlin-Mitte. Die Kunst
der sechziger Jahre bis zur Gegenwart fand ihr neues Domizil im Hamburger Bahnhof.
3.15.1. Alte Nationalgalerie
Bodestr. 1-3
10178 Berlin - Mitte
www: <http://www.smb.spk-berlin.de/ang/s.html>
Geschichte und Sammlungsprofil
Das Gebäude der Alten Nationalgalerie auf der Museumsinsel wurde 1866 - 1876 unter der
Leitung von Heinrich Strack nach Plänen von August Stüler errichtet. Nach den Zerstörungen des
Zweiten Weltkrieges wurde die Alte Nationalgalerie 1949 teilweise wiedereröffnet. Ab 1955 waren
sämtliche Schauräume dem Publikum zugänglich. Von 1998 bis ca. 2001 ist das Museum wegen
dringender Renovierungsarbeiten geschlossen. Durch Ankäufe und Schenkungen wuchs die
Sammlung rasch an. Ursprünglich umfaßte sie Werke von Künstlern wie Blechen, Schinkel und
Menzel, aber zur Entrüstung Wilhelms II. auch Werke von Manet, Monet, Renoir und Cézanne.
Heute umfaßt das Sammlungsprofil der Alten Nationalgalerie deutsche und europäische Malerei
und Skulptur des 19. Jahrhunderts.
Bibliothek
Die Handbibliothek dient ausschließlich der Literaturversorgung der 5 Wissenschaftler der Alten
Nationalgalerie. Sie ist nicht öffentlich zugänglich.
Die Bibliothek verfügt über kein eigenes bibliothekarisches Personal. Erwerbung, Verwaltung des
Schriftentauschs und Katalogisierung erfolgen durch die Kunstbibliothek in der Arbeitsstelle
Museumsinsel.
Der Bestand umfaßt 35.000 Bände und 4 laufende Zeitschriften. Die Bände sind signiert und mit
Signaturschildern versehen. EDV-geeignete Individualsignaturen sind vorhanden.
Ein nach PI bzw. RAK geführter alphabetischer Katalog in Zettelform ist vorhanden. Die Bestände sind im Zentralkatalog der ehemaligen Zentral- bzw. Museumsbibliothek verzeichnet. Ein
Standortkatalog ist vorhanden. Eine standortungebundene Sacherschließung ist nicht vorhanden.
Die Sammelschwerpunkte der Bibliothek umfassen die wissenschaftliche Spezialliteratur zu den
Sammlungsbeständen.
101
3.15.2. Neue Nationalgalerie
Potsdamer Str. 50
10785 Berlin - Tiergarten
Tel. 030 / 266-1
Fax 030 / 2624715
www: <http://www.smb.spk-berlin.de/nng/s.html>
Geschichte und Sammlungsprofil
1968 wurde als erster Museumsneubau der Stiftung Preußischer Kulturbesitz und als westliches
Pendant zum “Tempel” auf der Museumsinsel die von Mies van der Rohe entworfene Neue
Nationalgalerie am Kulturforum eröffnet. Sie zeigt europäische Malerei und Plastik des 20.
Jahrhunderts von der klassischen Moderne bis zur Kunst der 60er Jahre. Schwerpunkte der
Sammlung bilden Arbeiten von Künstlern des Kubismus, des Expressionismus, des Bauhaus und
des Surrealismus. Endpunkt der Sammlung und einen der Höhepunkte bildet die amerikanische
Malerei der sechziger und siebziger Jahre.
Bibliothek
Die Handbibliothek dient ausschließlich der Literaturversorgung der 4 Wissenschaftler der Neuen
Nationalgalerie. Sie ist nicht öffentlich zugänglich. Die Bibliothek verfügt über kein eigenes bibliothekarisches Personal. Erwerbung, Verwaltung des Schriftentauschs und Katalogisierung erfolgen durch die Kunstbibliothek in der Arbeitsstelle Museumsinsel. Der Bestand umfaßt 35.000
Bände und 2 laufende Zeitschriften. Die Bände sind signiert und mit Signaturschildern versehen.
EDV-geeignete Individualsignaturen sind vorhanden. Ein nach PI bzw. RAK geführter alphabetischer Katalog in Zettelform ist vorhanden. Die Bestände sind im Zentralkatalog der ehemaligen
Zentral- bzw. Museumsbibliothek verzeichnet. Ein Standortkatalog ist vorhanden. Eine standortungebundene Sacherschließung ist nicht vorhanden. Die Sammelschwerpunkte der Bibliothek
umfassen die wissenschaftliche Spezialliteratur zu den Sammlungsbeständen.
3.15.3. Hamburger Bahnhof - Museum für Gegenwart Berlin
Invalidenstr. 50/51
10227 Berlin - Tiergarten
www: <http://www.smb.spk-berlin.de/hb/s.html>
Geschichte und Sammlungsprofil
Das spätklassizistische Gebäude wurde 1846-47 erbaut und ist der einzige heute noch erhaltene
Kopfbahnhof aus dieser Zeit. Vierzig Jahre diente er als Endbahnhof der Strecke von Hamburg
nach Berlin. 1884 wurde der Bahnhof stillgelegt. Bis 1906 war er Domizil des Verkehrs- und Baumuseums. 1996 wurde der Hamburger Bahnhof nach einer Grundsanierung von der Nationalgalerie bezogen, die mit der Eröffnung des “Museums für Gegenwart” einen zusätzlichen
ständigen Ausstellungsort für die Kunst der Gegenwart erhielt. Auf einer Ausstellungsfläche von
rund 10.000 Quadratmetern wird Kunst ab der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts gezeigt. Die
Bestände setzen sich aus Exponaten der Staatlichen Museen zu Berlin und aus Werken der
Berliner Privatsammlung Erich Marx zusammen. Bewußt wurde auf eine historisch festgelegte
Präsentation der Werke verzichtet und ein offenes, sammlungsübergreifendes Konzept gewählt,
das alle von Künstlern benutzten Medien einschließt.
Bibliothek
Die Handbibliothek dient ausschließlich der Literaturversorgung der 4 Wissenschaftler des
Hamburger Bahnhofs. Sie ist nicht öffentlich zugänglich. Die Bibliothek verfügt über kein eigenes
bibliothekarisches Personal. Erwerbung, Verwaltung des Schriftentauschs und Katalogisierung
erfolgen durch die Kunstbibliothek in der Arbeitsstelle Museumsinsel. Der Bestand umfaßt 8.000
Bände und 12 laufende Zeitschriften. Die Bände sind signiert und mit Signaturschildern
versehen. EDV-geeignete Individualsignaturen sind vorhanden. Ein nach PI bzw. RAK geführter
alphabetischer Katalog in Zettelform ist vorhanden. Die Bestände sind im Zentralkatalog der
ehemaligen Zentral- bzw. Museumsbibliothek verzeichnet. Ein Standortkatalog ist vorhanden.
Eine standortungebundene Sacherschließung ist nicht vorhanden. Die Sammelschwerpunkte der
Bibliothek umfassen die wissenschaftliche Spezialliteratur zu den Sammlungsbeständen.
102
3.16. Skulpturensammlung
Bodestr. 1-3
10178 Berlin - Mitte
www: <http://www.smb.spk-berlin.de/sks/s.html>
Geschichte
Objekte aus der Zeit des großen Kurfürsten (1640-1688) und italienische RenaissanceSkulpturen legten den Grundstock zur Sammlung. 1883 gründete Wilhelm von Bode die “Abteilung der Bildwerke christlicher Epochen”. Damit wurde die italienische Plastik aus dem Kontext
der Antikensammlung herausgelöst und mit den entsprechenden Stücken aus der Kunstkammer
zu einer eigenständigen Abteilung vereint. Bode leitete auch den weiteren Ausbau der Sammlung, unterstützt von dem 1897 gegründeten und bis heute aktiven Kaiser-Friedrich-MuseumsVerein. 1904 konnte die europäische Plastik in eigenen Räumen im neuerrichteten KaiserFriedrich-Museum, dem heutigen Bode-Museum präsentiert werden. 1930 wurde ein Teil der
Sammlung ausgelagert. Im Nordflügel des neu erbauten Pergamon-Museums wurde das “Deutsche Museum” eingerichtet, mit deutschen, niederländischen, französischen und englischen
Skulpturen. Im Zweiten Weltkrieg wurden beide Museen geschlossen. Wichtige Objekte gingen
durch Brände und Plünderungen verloren. Die Teilung Berlins führte auch zur Teilung der
Sammlung, die in Dahlem und im Bodemuseum präsentiert wurde. Nach dem Mauerfall konnten
die geteilten Sammlungen wieder vereinigt werden. Gegenwärtig wird die Skulpturensammlung
im Bodemuseum neu eingerichtet. Die Eröffnung des Hauses ist für 2004 geplant.
Sammlungsprofil
Die Skulpturensammlung besitzt Bildwerke vom frühen Mittelalter bis zum ausgehenden 18.
Jahrhundert. Sammlungsschwerpunkt liegen auf italienischen Skulpturen und auf der spätgotischen deutschen Plastik mit Werken von Hans Multscher, Tilman Riemenschneider, Hans
Brüggemann, Nicolaus Gerhaert van Leyden und Hans Leinberger. Die deutsche Renaissanceund Barockplastik ist mit Statuetten aus Alabaster und Elfenbein vertreten. Herausragend sind
die monumentalen Ritterheiligen aus der Zeit des Dreißigjährigen Krieges. Darüber hinaus besitzt
das Museum eindrucksvolle Beispiele baugebundener Plastik. Skulpturen von Andreas Schlüter
und die Gruppe von sechs Feldherrenstatuen, die für den ehemaligen Wilhelmplatz geschaffen
wurde, stehen für Berliner Bildhauerkunst des 17. und 18. Jahrhunderts. Rokoko und Frühklassizismus in Deutschland und Frankreich sind mit Arbeiten von Ignaz Günther, Joseph Anton
Feuchtmayer, Edme Bouchardon, Pierre Puget und Jean Antoine Houdon vertreten.
Bibliothek
Die Handbibliothek dient ausschließlich der Literaturversorgung der 4 Wissenschaftler der
Skulpturensammlung. Sie ist nicht öffentlich zugänglich.
Die Bibliothek verfügt über kein eigenes bibliothekarisches Personal. Erwerbung, Verwaltung des
Schriftentauschs und Katalogisierung erfolgen durch die Kunstbibliothek in der Arbeitsstelle
Museumsinsel.
Der Bestand umfaßt 8.000 Bände und 3 laufende Zeitschriften. Die Bände sind nur teilweise
signiert und mit Signaturschildern versehen. EDV-geeignete Individualsignaturen sind nicht vorhanden.
Ein nach PI bzw. RAK geführter alphabetischer Katalog in Zettelform ist vorhanden. Die Bestände sind im Zentralkatalog der ehemaligen Zentral- bzw. Museumsbibliothek verzeichnet. Ein
Standortkatalog und eine standortungebundene Sacherschließung sind nicht vorhanden.
Die Sammelschwerpunkte der Bibliothek umfassen die wissenschaftliche Spezialliteratur zu den
Sammlungsbeständen.
103
3.17. Vorderasiatisches Museum
Bodestr. 1-3
10178 Berlin - Mitte
www: <http://www.smb.spk-berlin.de/vam/s.html>
Geschichte
1899 wurde die Vorderasiatische Abteilung gegründet. Vor allem die Funde deutscher Ausgrabungen zwischen 1888 und 1939 trugen zu der herausragenden Sammlungsqualität bei.
Nachdem die Bestände anfänglich provisorisch im Kaiser-Friedrich-Museum untergebracht
waren, zogen sie 1929 in den Südflügel des Pergamonmuseums. Zur Eröffnung des Pergamonmuseums 1930 wurden die weltberühmten Baudenkmale, die Prozessionsstraße und das
Ischtar-Tor, der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Während des Zweiten Weltkrieges wurden die
fest eingebauten Objekte auf Anraten des damaligen Direktors Walter Andrae nicht ausgelagert.
Sie überstanden die Zeit fast ohne Verluste. Die beweglichen Objekte waren nach dem Krieg in
die Sowjetunion gebracht worden und kehrten 1958 wieder zurück. Bereits 1953 wurde die
Abteilung als “Vorderasiatisches Museum” wiedereröffnet.
Sammlungsprofil
Die Sammlung befindet im Südflügel des Pergamonmuseums vermittelt einen Eindruck von der
6000 Jahre umfassenden Geschichte, Kultur und Kunst in Vorderasien. Unter den bedeutenden
Baudenkmalen, Reliefs und kleineren Objekten befinden sich weltberühmte Exponate, die von
deutschen Wissenschaftlern ausgegraben worden sind. Sie stammen aus den sumerischen,
babylonischen, assyrischen und nordsyrisch-ostanatolischen Regionen, dem heutigen Irak,
Syrien und der Türkei. Funde aus Uruk geben Aufschluß über die Anfänge der Schriftentwicklung
im 4. Jahrtausend v. Chr. und über die Kunst und Kultur der Sumerer. In der Mittelachse des
Gebäudeteiles befinden sich die weltberühmten Rekonstruktionen der riesigen, in leuchtenden
Farben gehaltenen Prachtbauten Babylons: die Prozessionsstraße, das Ischtar-Tor und die
Thronsaalfassade des Königs Nebukadnezar II. (604-562 v.Chr.). Im Babylon-Saal befinden sich
als besondere Anziehungspunkte das Modell des Hauptheiligtums des Stadtgottes Marduk, der
“Turm zu Babel” und eine Kopie der bekannten Gesetzesstele des Königs Hammurabi.
Besondere Erwähnung verdienen auch die assyrischen Palastreliefs aus Kalchu (9. Jahrhundert
v. Chr.), der zeitweiligen Hauptstadt Assyriens. Die künstlerischen und handwerklichen
Fähigkeiten der Assyrer im 2./1. Jahrtausend v. Chr. zeigen Gefäße, Schmuck, Geräte, Ton- und
Steinreliefs, Fliesen und kleinplastische Arbeiten aus unterschiedlichen Materialien.
Bibliothek
Die Handbibliothek dient ausschließlich der Literaturversorgung der 4 Wissenschaftler des
Vorderasiatischen Museums. Sie ist nicht öffentlich zugänglich.
Die Bibliothek verfügt über kein eigenes bibliothekarisches Personal. Erwerbung, Verwaltung des
Schriftentauschs und Katalogisierung erfolgen durch die Kunstbibliothek in der Arbeitsstelle
Museumsinsel.
Der Bestand umfaßt 10.000 Bände und 52 laufende Zeitschriften. Die Bände sind nicht signiert
und nicht mit Signaturschildern versehen.
Ein nach PI bzw. RAK geführter alphabetischer Katalog in Zettelform ist vorhanden, aber unvollständig. Die Karten sind maschinenschriftlich beschrieben. Die Bestände sind im Zentralkatalog
der ehemaligen Zentralbibliothek verzeichnet. Ein Standortkatalog ist nicht vorhanden. Eine
standortungebundene Sacherschließung durch Schlagworte ist bis 1975 unvollständig und ab
1997 als Computerdatei vorhanden.
Die Sammelschwerpunkte der Bibliothek umfassen die wissenschaftliche Spezialliteratur zu den
Sammlungsbeständen.
104
3.18. Institut für Museumskunde <B1523>
In der Halde 1
14195 Berlin - Dahlem
Tel. 030 / 8301-462
Fax 030 / 8410-7862
e-mail: [email protected]
www: <http://www.smb.spk-berlin.de/ifm/s.html>
Geschichte und Aufgaben
Das Institut für Museumskunde wurde 1979 als Abteilung der Staatlichen Museen Preußischer
Kulturbesitz gegründet. Es ist eine bundesweit tätige Forschungs- und Dokumentationseinrichtung mit Konzentration auf sammlungsübergreifende Aspekte des Museumswesens. Das Institut
erbringt Leistungen für die Museen in Deutschland in den Bereichen Forschung, anwendungsorientierte Vermittlung und Dokumentation. Die Forschungsvorhaben werden in Kooperation mit
Fachleuten aus dafür relevanten wissenschaftlichen Disziplinen bearbeitet (Sozialwissenschaften, Erziehungswissenschaft, Ingenieur- und Naturwissenschaften etc.). Die Projekte sind
am Forschungsbedarf der Museen sowie an übergreifenden museumskundlichen Arbeitsfeldern
und praxisrelevanten Fragestellungen orientiert. Sie umfassen im Wesentlichen die Bereiche
Museumsstatistik, Besucherforschung, Museumsmanagement, Museumsdokumentation, Museumstechnik, Neue Medien und Museumsdidaktik sowie Museumsrecht. Weitere Aufgabengebiete des Instituts für Museumskunde liegen im Bereich der Dokumentation und der Führung
von Datenbanken. Eine Institutionen-Datenbank über Museen und ihre Träger wird seit Beginn
der 1980er Jahre aufgebaut. Im Jahr 1981 umfaßte diese Datenbank Angaben zu 2.247 Museen,
1998 liegen Angaben zu 5.576 Museen vor. Durch die regelmäßige Befragung aller Museen ist
es möglich, die “Institutionen-Dokumentation” ständig zu aktualisieren und zu erweitern. Sie
bildet eine wichtige Grundlage zur Erteilung von Auskünften. Eine zweite Datenbank dokumentiert die Sonderausstellungen der deutschen Museen. Diese Sonderausstellungs-Datenbank enthält Angaben zu mehr als 30.000 seit 1994 durchgeführten Sonderausstellungen in deutschen
Museen. Im Bibliotheksbereich wurde mit dem Centre de Documentation der Direction des
Musées de France 1998 ein Projekt zur Anpassung bzw. Erstellung mehrsprachiger Schlagwortverzeichnisse für museologische Spezialbibliotheken begonnen. Ziel ist zunächst die Integrierung
der englisch verschlagworteten Bestände des ehemaligen ICOM-Informationszentrums in die
französisch verschlagwortete Bibliothek der Direction des Musées de France. Neben Monographien und Periodika, die in der Bibliothek gesammelt werden, archiviert und erschließt das
Institut für Museumskunde “graue Literatur” zu museumsbezogenen Forschungsfragen, Materialien zu Sonderaktivitäten und Wechselausstellungen von allen deutschen Museen (MuseumsArchiv - Prospekte, Faltblätter, Aktivitäten, Veranstaltungen…), eine Dokumentation von Presseausschnitten zu den museumsrelevanten Themen (Presse-Archiv seit 1981, derzeit systematische Auswertung von 5 Tageszeitungen) sowie alle Bewerbungsunterlagen für den europäischen Museumspreis des Jahres (European Museum of the Year Award) (EMYA-Archiv).
Bibliothek
Die Fachbibliothek dient der Literaturversorgung der 4 Wissenschaftler des Instituts für
Museumskunde und der interessierten Fachöffentlichkeit. Sie ist nach Voranmeldung öffentlich
zugänglich. Die Bibliothek wird vorwiegend von Fachkollegen aus den Museen Berlins und der
Bundesrepublik, ausländischen Besuchern und Studierenden von TU, FU und seit Einführung
des Studienganges Museumskunde ganz besonders von Studierenden der FHTW sowie Doktoranden zahlreicher deutscher Hochschulen genutzt. Die Bibliothek wird von einer Bibliothekarin
verwaltet. Der Bestand umfaßt 13.000 Bände und 96 laufend gehaltene Zeitschriften, die in der
ZDB nachgewiesen sind. Die Bände sind signiert und mit Signaturschildern versehen. EDVgeeignete Individualsignaturen sind vorhanden. Ein nach PI bzw. RAK geführter alphabetischer
Katalog in Zettelform ist vorhanden. Die Karten sind maschinenschriftlich beschrieben. Die
Bestände der Erwerbungsjahre 1981 – 1985 sind im Zentralkatalog der ehemaligen Museumsbibliothek verzeichnet. Ein Standortkatalog und eine Schlagworterschließung sind vorhanden.
Die Sammelschwerpunkte der Bibliothek umfassen Literatur zu folgenden Bereichen: Museumsführer und Repertorien (national und international), Museologie, Museumspädagogik, Medien,
Besucherforschung, Kulturstatistik, Kulturpolitik, Museumsdesign, Museumsbau, Museumstechnik, Konservierung, Museums- und Sammlungsgeschichte, Inventarisierung sowie Marketing, Sponsoring und Freizeitforschung.
105
3.19. Rathgen-Forschungslabor <B32a7>
Schloßstraße 1A
14059 Berlin - Charlottenburg
Tel. 030 / 3209-1296
Fax 030 / 322-1614
www: <http://www.smb.spk-berlin.de/rf/s.html>
Geschichte und Aufgaben
Das 1888 als Chemisches Labor der Königlichen Museen zu Berlin gegründete heutige RathgenForschungslabor ist ein naturwissenschaftliches Institut, das sich mit der Materialanalyse und der
Erhaltung kulturgeschichtlicher Objekte befaßt. Ziele solcher Untersuchungen sind die Bestimmung des Materials, des Alters, der Herkunft und der Echtheit sowie die Beratung bei Fragen der
Restaurierung und Konservierung von Kunstwerken. Schwerpunkte der Arbeit des RathgenForschungslabors sind: Metallanalysen an archäologischen, kunstgeschichtlichen und völkerkundlichen Objekten, Aufbau einer Datenbank von Analysen kulturgeschichtlicher Metallobjekte
zusammen mit einem Archiv der Geschichte der Metalltechnik, Untersuchungen an archäologischen Keramiken, - Pigmentanalysen, Altersbestimmungen von Keramik nach dem Thermolumineszenz-Verfahren, Farbstoff-Untersuchungen an historischen Textilien, Beratung bei der
Restaurierung historischer Bauten und Metalldenkmäler, Untersuchungen zur Konservierung von
kulturgeschichtlichen Holzobjekten, Aufbau eines Fälschungsarchives Für diese Untersuchungen
stehen dem Labor moderne Analysengeräte wie Licht- und Rasterelektronemikroskope, Röntgenfluoreszenz-, Atomabsorptions- und Emissionsspektralanalyse, Röntgendiffraktometrie, PyrolyseGaschromatographie, FT-Infrarotspektoskopie, HPLC und eine Thermolumineszenz-Einrichtung
zur Verfügung.
Bibliothek
Die Fachbibliothek dient ausschlißlich der Literaturversorgung der 6 Wissenschaftler des
Rathgen-Forschungslabors. Sie ist nicht öffentlich zugänglich.
Die Bibliothek verfügt über kein eigenes bibliothekarisches Personal. Erwerbung, Verwaltung des
Schriftentauschs und Katalogisierung erfolgen durch die Kunstbibliothek in der Arbeitsstelle
Museumsinsel.
Der Bestand umfaßt 10.000 Bände und 34 laufend gehaltene Zeitschriften, die in der ZDB
nachgewiesen sind. Die Bände sind signiert aber nur teilweise mit Signaturschildern versehen.
EDV-geeignete Individualsignaturen sind nicht vorhanden.
Ein nach PI bzw. RAK geführter alphabetischer Katalog in Zettelform ist vorhanden. Die Karten
sind maschinenschriftlich beschrieben. Die Bestände sind im Zentralkatalog der ehemaligen
Zentral- bzw. Museumsbibliothek verzeichnet. Ein Standortkatalog ist vorhanden. Eine standortungebundene Sacherschließung ist nicht vorhanden.
Die Sammelschwerpunkte der Bibliothek umfassen die Arbeitsgebiete des Instituts.
106
3.20. Zentralarchiv
Bodestr. 1-3
10178 Berlin - Mitte
Tel. 030 / 2090-6201
www: <http://www.smb.spk-berlin.de/za/s.html>
Aufgaben
Das Zentralarchiv sammelt Quellen zur Kunst und Kulturgeschichte des 19. und 20. Jahrhunderts. Diese sind unmittelbar mit den musealen Beständen entstanden und verbunden. Das
Archiv dient der Sicherung, Bewertung, Erschließung und Auswertung von Registratur- und
Archivgut im Zuständigkeitsbereich der Staatlichen Museen zu Berlin. Eine weitere Tätigkeit
besteht im Sammeln von Künstler- und Wissenschaftlernachlässen.
Bibliothek
Die Arbeitsstelle Museumsinsel der Kunstbibliothek ist aus der ehemaligen Zentralbibliothek der
Staatlichen Museen zu Berlin (Ost) hervorgegangen. Sie betreibt gemeinsam mit dem Zentralarchiv seit September 1999 einen kleinen Lesesaal im Südflügel des Pergamonmuseums, in dem
Referenzliteratur und die historischen und aktuellen Publikationen der Staatlichen Museen zu
Berlin aufgestellt sind. Der Lesesaal ist täglich von 9.00 – 16.00 Uhr geöffnet. Die Bearbeitung
des Buchzugangs für die von der Kunstbibliothek betreuten Handbibliotheken der Museen erfolgt
ebenfalls hier.
3.21. Gipsformerei
Sophie-Charlotten-Straße 17/18
14059 Berlin
Tel.:030 / 3267-690
Fax: 030 / 3267-6912
www: <http://www.smb.spk-berlin.de/gf/s.html>
Geschichte und Aufgaben
Die Gipsformerei wurde 1819 durch König Friedrich Wilhelm III. gegründet und gehört seit 1830
zum Verband der Königlich Preußischen Museen. Sie entstand ursprünglich aus dem Bedürfnis,
in den eigenen Museen nicht vorhandene Kunstwerke durch Abformungen zu dokumentieren. Mit
Abgüssen aus eigenen und externen Sammlungen sollte eine möglichst vollständige Übersicht
über die Kunstentwicklung erreicht werden. Die teilweise über 150 Jahre alten Gipsformen und
Modelle geben häufig einen Erhaltungszustand wieder, der meist durch Umwelt- oder
Kriegseinflüsse am Original nicht mehr erhalten ist. Seit 1891 befindet sich die Gipsformerei in
einem eigens für diese Sammlung errichteten Gebäude in der Nähe des Charlottenburger
Schlosses. Der Bestand der Gipsformerei wuchs seit ihrem Bestehen auf mehr als 6.500
Abgüsse an. Sie geben Kunstwerke aller Weltkulturen in originaler Größe wieder. Skulpturen des
Mittelalters, der Renaissance und des 19. Jahrhunderts bilden den überwiegenden Teil der
vorhandenen Formen. Neben Abgüssen von Kunstwerken der klassischen Antike, des Barocks,
des Klassizismus und auch aus Ägypten sind Objekte aus Mittel- und Südamerika, Indien und
Afrika im Angebot. Jeder Interessent kann privat Abgüsse im Wert von 25,- DM bis 250.000,- DM
erwerben. Aus mehreren Katalogen kann er sich ein Kunstwerk auswählen, von dem es bereits
eine Form gibt. Besteht Interesse an einem Objekt, von dem noch keine Form vorhanden ist,
kann diese nach Rücksprache mit den Wissenschaftlern und Restauratoren der Sammlung
hergestellt werden.
Bibliothek
Zur Bibliothek der Gipsformerei waren keine Daten zu erhalten.
107
4.
170 Jahre Bibliotheksgeschichte an den Staatlichen Museen – Resümee
und Ausblick
4.1. Zusammenfassung und Ausblick
170 Jahren nach ihrer Gründung stehen die Berliner Museen zwar nicht wie 1948 und 1990
an einem Wendepunkt ihrer bewegten und bewegenden Geschichte, aber vor der Notwendigkeit, mittelfristig Verbesserungen an ihrer wissenschaftlichen Infrastruktur vorzunehmen. Obwohl die Staatlichen Museen zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz eine verwaltungstechnische Einheit bilden und sich in offiziellen Publikationen auch gerne als ideelle
Einheit präsentieren, sind sie faktisch in eine Reihe von Museen bzw. Abteilungen gegliedert, die neben eigenen Gebäuden und eigenen Mitarbeiterstäben auch über eigene Bibliotheken, Fototheken, Archive und andere für die wissenschaftliche Arbeit notwendige
Einrichtungen verfügen. Seit einer Änderung des Museumsstatuts im Jahre 1878 können
die Abteilungen von den jeweiligen Direktoren im Rahmen des Statuts relativ selbständig
geführt werden.353 Ohne Zweifel hat die relative Autonomie der Direktoren der Entwicklung der von ihnen geleiteten Sammlungen zum Vorteil gereicht. Das Sammlungsprofil
konnte schärfer ausgebildet werden, Erwerbungen konnten gezielter, professioneller und
schneller erfolgen. Ob sich die Unabhängigkeit der Museen dagegen im Bereich der peripheren Einrichtungen, wie bspw. der Bibliotheken, bewährt hat, darf bezweifelt werden.
Die Kehrseite der Autonomie ist die Zersplitterung von Ressourcen, die sich insbesondere
im Bibliotheksbereich negativ auswirken muss, wenn die durch sie verursachten Organisationsdefizite nicht durch erhöhten Mittel- und Personaleinsatz wettgemacht werden
können. Die in der Autonomie der Abteilungen angelegte Tendenz zur Zersplitterung
wurde durch das Wachstum der Sammlungen und die Gründung immer neuer Abteilungen
verstärkt. Wilhelm Waetzoldts eingangs zitierte Denkschrift aus dem Jahre 1931 bewies
mit ihrer Zusammenschau der Bibliotheken ja nicht nur, dass an den Museen quantitativ
und qualitativ bedeutende Buchbestände als unverzichtbare Basis für die Forschung zur
Verfügung stehen, sondern auch, dass diese Bestände auf zwei große und 15 kleine
Bibliotheken verteilt waren. Die deutsche Teilung führte als Folge des Zweiten
Weltkrieges nochmals zu einer Doppelung vieler Museen und ihrer Bibliotheken.
Hierdurch wird die Bibliotheksinfrastruktur der Museen bis heute stark belastet.
353
Vgl. hierzu das “Statut für die Königlichen Museen zu Berlin. Nebst Abänderungs- und Ergänzungsbestimmungen” vom 31. März 1908. Hier Statut 1908, S. 20ff..
108
Im Jahr 2000 verteilen sich die Buchbestände, trotz zweier 1986 und nach der
Wiedervereinigung der Museen durchgeführter Organisationsreformen zur Straffung des
Bibliothekswesens, immer noch auf eine große und mindestens 19 mittlere und kleine
Bibliotheken. Es handelt dabei um die uneingeschränkt öffentlich zugängliche Kunstbibliothek mit einem Bestand von 350.000 Bänden plus etwa 110.000 Bänden Altbestand
der 1986 und 1990 stillgelegten ehemaligen Museumsbibliotheken und um die teilweise
eingeschränkt öffentlich zugänglichen, teilweise nicht öffentlich zugänglichen Hand- und
Fachbibliotheken mit Beständen zwischen 6.000 und 93.000 Bänden, die sich zu einer
Gesamtzahl von 500.000 Bänden addieren. Im öffentlichen Bewusstsein sind alle diese
Hand- und Fachbibliotheken der Museen kaum präsent, da sie sich in erster Linie als
hochspezialisierte Arbeitsinstrumente der Museen verstehen. Zu den insgesamt 960.000
Bänden, von denen jedoch ein beträchtlicher Teil Dubletten sein dürften, kommen noch
2.835 laufend gehaltene Zeitschriften hinzu. Die Museumsbibliotheken dienen in erster
Linie der Literaturversorgung von etwa 150 – 200 Wissenschaftlern bzw. befristet wissenschaftlich tätigen Personen im Verbund der Staatlichen Museen zu Berlin. Die Benutzung
durch institutsfremde Leser erfolgt hauptsächlich in der Kunstbibliothek sowie in geringerem Maße in den eingeschränkt zugänglichen Fachbibliotheken und kann auf etwa 40.000
bis 50.000 Benutzer pro Jahr beziffert werden. Zur Verwaltung aller Bibliotheken stehen in
den Museen etwa 60 Stellen für bibliothekarisches Fach- und Hilfspersonal zur Verfügung,
davon etwa 50 in der Kunstbibliothek. Zusätzlich erbringen auch andere Mitarbeiter der
Museen Leistungen für die Bibliotheksverwaltung bzw. Bibliotheksmitarbeiter Leistungen
für die Sammlungen, so dass eine genaue Abgrenzung zwischen Museums- und Bibliothekspersonal schwierig ist. Zum Bucherwerb und Bucheinband stehen jährlich insgesamt
etwa 1,25 Mio. DM für die Kunstbibliothek und alle Hand- und Fachbibliotheken der
Museen zur Verfügung.
Selbst bei Abzug eines dubletten Bestandes von 200.000 Bänden umfassen die
Staatlichen Museen einen quantitativ und qualitativ beeindruckenden Gesamtbestand von
etwa 750.000 Bänden wissenschaftlicher Quellen- und aktueller Forschungsliteratur mit
Sammelschwerpunkten in der Vor- und Frühgeschichte, Ägyptologie und Papyrologie,
klassischen Archäologie, der mittleren und neueren europäischen Kunstgeschichte, der
islamischen, indischen und ostasiatischen Kunst, der europäischen und außereuropäischen
Ethnologie, allen Aspekten des Museumswesens und der Restaurierungstechnik. Nach der
Papierform gehört eine derartige kunst- und kulturgeschichtliche Spezialbibliothek ohne
109
Zweifel zu den bedeutendsten derartigen Instituten weltweit. Aufgrund einer unzureichenden Erschließung, einer nur teilweisen öffentlichen Zugänglichkeit der Bibliotheken und
ihrer ausgeprägten räumlichen Streulage, können die Staatlichen Museen einen derartigen
Rang zur Zeit jedoch nicht beanspruchen.
Ein Vergleich mit dem Metropolitan Museum of Art in New York, das nicht nur
hinsichtlich der in 21 departments gegliederten enzyklopädischen Breite und Qualität
seiner Sammlungen außergewöhnlich ist, sondern auch eine der bedeutendsten Kunstbibliotheken der Welt umfasst,354 macht die Mängel der Bibliotheken der ebenfalls enzyklopädisch ausgerichteten Berliner Museen deutlich. Unter der URL <http://www.metmuseum.org/education/er_lib.asp> gelangt man auf die site “educational ressources”, die
Informationen über die Bibliotheken des Metropolitan Museum bereitstellt. Die Thomas J.
Watson Library355 ist die zentrale Forschungsbibliothek für die Museumsangehörigen und
die internationale Fachöffentlichkeit. Sie umfasst einen Bestand von etwa 450.000 Bänden,
hält 2.500 laufende Zeitschriften und entspricht in ihrem Sammelspektrum weitgehend den
Berliner Museumsbibliotheken.356 Zusätzlich verfügen die curatorial departments über
eigene Handbibliotheken,357 es gibt spezielle Bibliotheken für Museumsbesucher358 und
354
“The founders of The Metropolitan Museum of Art understood the essential role of the library to the
institution's mission. In 1870 the New York State legislature passed a bill that created "a body corporate by
the name of 'The Metropolitan Museum of Art,' to be located in the City of New York, for the purpose of
establishing and maintaining in said city a Museum and library of art." The library was formally established
ten years after this charter was approved, and today the Museum and library share the distinction of being
among the world's greatest treasuries for the study of the arts of many cultures.” <http://www.metmuseum.
org /collections/department.asp?dep=16> Zugriff am 29.9.2000.
355
“In addition to funding the current library building that bears his name, Thomas J. Watson, the founder of
IBM and a trustee of the Museum from 1951 until 1956, endowed a book purchase fund on which the library
relies to purchase a significant number of titles each year. Other important donations from the Watson family
have included the endowment of the position of Arthur K. Watson Chief Librarian and the funding of early
automation projects by Helen Watson Buckner, the daughter of Thomas J. Watson.” <http://www.Metmuseum.org /collections/department.asp?dep=16&mark=2#a> Zugriff am 29.9.2000.
356
“Thomas J. Watson Library is the research library of The Metropolitan Museum of Art. Its noncirculating
collection of books and periodicals relating to the history of art is one of the most comprehensive in the
world. The scope of the library reflects the Museum's permanent collection, with particularly strong holdings
in European and American art - including architecture and the decorative arts - as well as substantial holdings
in Ancient Near Eastern, Egyptian, Greek and Roman, Asian, and Islamic art. The library contains approximately 450,000 titles (books, periodicals, exhibition catalogues, and auction and sale catalogues); 2,500
current serial subscriptions; collections of autograph letters; and extensive ephemeral files relating to individual artists and to the history of the Metropolitan Museum.” <http://www.metmuseum.org/education/
er_lib.asp#tho> Zugriff am 30.9.2000.
357
“In addition, several curatorial departments have specialized libraries of their own.“ <http://www.metmuseum.org/collections/department.asp?dep=16> Zugriff am 29.9.2000.
358
“The Uris Library, part of the Museum's Education Department, welcomes readers of all ages. A wide
range of noncirculating materials (books, videotapes, and CD-ROMs) about the Museum's current exhibitions and permanent collection may be consulted by interested Museum visitors, and some of the films
screened in the Museum are available for viewing on four videocassette players. Printed materials may be
110
eine Reihe von Stiftungsbibliotheken zu speziellen Sammelgebieten.359 Obwohl die Verteilung der Buchbestände des Museums auf den ersten Blick der Situation an den Staatlichen Museen zu Berlin ähnelt, gibt es einige signifikante Unterschiede zwischen den
beiden Bibliothekssystemen. In New York sind fast alle Bibliotheken im riesigen
Museumsgebäude an der 5th Avenue untergebracht, die Bestände sind einheitlich aufgenommen und bereits zu 70 % im EDV-Katalog verzeichnet.360 Eine Recherche in
Watsonline, dem unter der URL <http://library.metmuseum.org./> über ein WWW-Interface sowie über telnet361 erreichbaren Katalog bestätigt diese Angabe. Der Katalog liefert
21 Titel von Richard Lepsius, 18 von Ernst Curtius, 2 von Adolf Bastian, 21 von Julius
Lessing, 18 von Friedrich Lippmann, 3 von Julius Friedländer, 3 von Max Jordan und 18
Titel von Alexander Conze. Als im Jahre 1880 die Bibliothek des Metropolitan Museum
ihre Arbeit aufnahm, waren alle diese Herren Abteilungsdirektoren an den Königlichen
Museen zu Berlin und feierten das fünfzigjährige Museumsjubiläum. Ich erspare mir die
Aufzählung der in New York vorhandenen Titel der Berliner Direktoren, die 1930 zur
Hundertjahrfeier amtierten. Außer dem Leiter der Vor- und Frühgeschichtlichen Abteilung
Wilhelm Unverzagt sind alle übrigen 15 Direktoren mit Literaturnachweisen vertreten, der
Islamist Ernst Kühnel mit 34 Titeln und Max J. Friedländer von der Gemäldegalerie sogar
mit 49 Titeln. Die Werke der Berliner Museumsgelehrten aller an den Museen vertretenen
Disziplinen seit 1830 bis heute sind in der Thomas J. Watson Library vorhanden, sie sind
einheitlich katalogisiert und von den Anfängen an mit einer Schlagworterschließung versehen und sie können in der Bibliothek an einem Ort eingesehen werden.362 Der Katalog ist
duplicated on the black-and-white copier for twenty-five cents per page (exact change is not needed). The
Uris Library's Teacher Resource Center offers noncirculating books and periodicals about art education,
Museum-produced teacher packets (with slides and/or videotapes incorporated), lesson plans related to
specific exhibitions or galleries, and similar materials produced by other museums”<http://www.metmuseum.
org/education/er_lib.asp#uri> Zugriff am 29.9.2000.
359
Diese sind: “The Cloisters Library and Archives, the Robert Goldwater Library (Arts of Africa, Oceania,
and the Americas), The Robert Lehman Collection Library, the Irene Lewisohn Costume Reference Library,
the Joyce F. Menschel Photography Library, and the Antonio Ratti Textile Center Reference Library.”
<http://www.metmuseum.org/collections/department.asp?dep=16&mark=2#a> Zugriff am 29.9.2000.
360
“Watsonline, the Museum libraries' online catalogue, provides access to the records of approximately 70
percent of Watson Library's holdings and includes records for all material acquired since 1980. Watsonline
also contains records for partial holdings of the other Museum libraries.“ <http://www.metmuseum.org/education/er_lib.asp#tho> Zugriff am 29.9.2000.
361
<telnet://209.49.52.137>
362
“The first major building project for the Museum's library was completed by McKim, Mead and White in
1909. By the late 1950s the collection had far exceeded the available space, and in 1963 construction began
on the present building, designed to provide storage space for 300,000 volumes. The library opened in its
current space in November 1964. Thirty-five years later, the collection has once again exceeded the available
shelf and storage capacity. Plans are underway to expand into an area adjacent to the library. This expansion
111
ein echter Gesamtkatalog, der alle in der Watson Library und in den Handbibliotheken
vorhandenen Exemplare eines Werkes sowie ihre Ausleihfähigkeit nachweist. Das erst seit
dem 30. September freigeschaltete WWW-Interface setzt sogar die deutschen Umlaute
korrekt um und ermöglicht ein leichtes downloaden markierter Titelaufnahmen zur bibliographischen Weiterverarbeitung auf dem heimischen Rechner. Zur Zeit bietet die Thomas
J. Watson Library über ihren OPAC etwa zehn mal soviele Titelaufnahmen an wie die
Kunstbibliothek mit ca. 40.000 Titeln seit Erscheinungsjahr 1994; sie bietet sie in relativ
gleichmäßiger bibliographischer Qualität und mit durchgängiger Sacherschließung an und
sie bietet im Gegensatz zur Kunstbibliothek, die nur Titel zur nachantiken europäischen
Kunst sammelt und katalogisiert, Titel aus allen curatorial departments des Museums an.
Selbst wenn es in Berlin in den nächsten Jahren gelänge, alle Museumsbibliotheken an das
Bibliotheks-EDV-System anzuschließen und ihre Buchzugänge nachzuweisen, bliebe das
Problem der Retrokatalogisierung formal teilweise unzureichend katalogisierter und sachlich teilweise gar nicht erschlossener Bestände bestehen, das nur mit einem hohen
Personal- und Mitteleinsatz zu lösen ist. Und auch wenn der Rückstand im EDV-Nachweis
gegenüber den Amerikanern aufgeholt wäre, bliebe für den Benutzer das Problem der
räumlichen Streulage der Berliner Museumsbibliotheken bestehen. Ein Leser, der sich für
Ägyptologie, Museumstechnik und die Malerei der klassischen Moderne interessiert,
müsste im Berliner Museumsverbund drei Bibliotheken konsultieren und dafür erhebliche
Wege in Kauf nehmen.
Tatsächlich hat man in Berlin mit dem skizzierten Leser nicht gerechnet. Bei der
Gründung der Königlichen Museen 1830 spielte die Überlegung, mit der Zugänglichmachung des feudalen Kunstbesitzes auch eine Kunstbibliothek für das große Publikum
vorzusehen, noch keine Rolle. Es ist kein Zufall, dass die Eröffnung einer Kunstbibliothek
für ein breites Publikum erst im Rahmen der vom liberalen Bürgertum getragenen zunächst
privaten Gründung des Gewerbemuseums 1867 erfolgte. Hier wurde aus wirtschaftlichen
Erwägungen heraus das aus England importierte Modell einer Verbindung von musealer
Sammlung und Kunstbibliothek umgesetzt. In Berlin existierten damit zwei Modelle der
Museumsorganisation nebeneinander, die im Laufe der Zeit die gesellschaftlichen Bedingungen ihrer Entstehung internalisierten und die im Verhältnis der Museumswissen-
will permit two levels of compact storage totaling 35,000 linear feet - adequate growth space for more than
twenty years. The upper level will house a new book conservation center, replacing and modernizing an area
now located on the lower level, and a new periodical reading room.” <http://www.metmuseum.org/collections/ department.asp?dep=16&mark=2#a> Zugriff am 29.9.2000.
112
schaftler zu ihrem Vermittlungsauftrag und zu ihren Bibliotheken in gewisser Weise bis
heute fortbestehen. Die Bibliothek des Kunstgewerbemuseums war im Gegensatz zur etwa
gleichzeitig gegründeten Bibliothek des Metropolitan Musem in New York auf einen eng
umgrenzten Zweck fokussiert, so dass der Mangel einer öffentlich zugänglichen, alle
Sparten der Berliner Museen umfassenden Kunstbibliothek früher oder später fühlbar
werden musste. Die mit den Museen um 1830 entstandene Museumsbibliothek wollte diese
Aufgabe nie erfüllen, weil sie zeitlebens dem älteren Modell des elitären Gelehrtenmuseums verhaftet blieb. In diesem Museumskonzept, das der Öffentlichkeit als Tempel
gegenübertrat, in dem die Gelehrten die neue Kunstreligion zelebrierten, – man denke nur
an Schinkels Museum mit monumentaler Säulenfront und sakraler Rotunde - spielten die
Museumsbibliotheken als Bibliotheken keine Rolle. Sie hatten keinen Vermittlungsauftrag
zwischen der Kunst und der Öffentlichkeit, sondern gehörten wie selbstverständlich zur
Arbeitssphäre der Gelehrten, die eine quasi-private Kontrolle über die Bestände, ihre
Erweiterung, ihre Zugänglichkeit und ihre Aufstellung ausübten. Bernhard Fabians
Charakterisierung der universitären Institutsbibliothek gilt auch für die Berliner Museumsbibliotheken:
“In der Institutsbibliothek setzt sich die Tradition der privaten Gelehrtenbibliothek unmittelbar
fort. In ihrer direkten Zugänglichkeit und in ihrem möglichen Zuschnitt auf die Intentionen des
einzelnen Wissenschaftlers läßt sie sich als Ersatzform der Privatbibliothek unter den Bedingungen eines Wissenschaftsbetriebs betrachten, dessen Erfordernisse über jede private Leistungsfähigkeit hinausgehen. Die für die deutsche Universität axiomatische und in einzelnen
Bereichen noch immer aufrechterhaltene Einheit von Forschung und Lehre verfestigt die
Tradition des Individualforschers, der die Kleinbibliothek als seine natürliche institutionelle
Grundlage betrachtet. Da die Institutsbibliothek aufgrund des allen deutschen wissenschaftlichen Bibliotheken zukommenden Doppelcharakters zugleich Studien- und Forschungsbibliothek ist, gewöhnt sich der heranwachsende Wissenschaftler an die quasi-private Kleinbibliothek als seine ‘normale’ Arbeitsumgebung. Das leistet dem Autarkiebestreben des einzelnen
Vorschub und verstärkt zugleich die für die heutigen Bibliotheksverhältnisse in der Bundesrepublik kennzeichnenden Spannungen zwischen den gegebenen Möglichkeiten und den sachlichen Erfordernissen der Forschungstätigkeit in den Geisteswissenschaften.”363
Die Handbibliotheken der Museen sind im Grunde bis heute keine Verwaltungseinheiten und auch keine Dienstleistungseinheiten mit einer ausgeprägten Orientierung an
den Bedürfnissen der Leser wie die später entstandene Berliner Kunstbibliothek. Für den
Gelehrten ist die Handbibliothek ein Teil der inneren geistigen Ordnung, die sie herstellt,
bewahrt und weitergibt. “Mnemosyne” – Gedächtnis, Erinnerung, Mutter der Musen stand als Motto über dem Eingang von Aby Warburgs Hamburger Kunstbibliothek. Die
Bibliothek ist der Ort, in dem sich der Wissenschaftler geistig bewegt, zwischen den
363
Fabian 1998, S. 55f..
113
Lieblingsbüchern, die starke Markierungen setzten und einer Peripherie, die immer seiner
Neugier zur Verfügung steht. Die Gelehrtenbibliothek lebt aus der Spannung der
Kombination von Gelesenem und nicht Gelesenem, sie sorgt für eine assoziative Anregung
des Forschers durch die gute Nachbarschaft der Bücher im Regal. Diese Funktion kann
auch durch einen systematischen Katalog nicht wirklich ausgeglichen werden. Aus diesem
Grund darf die Freihandbibliothek auch einen bestimmten Maximalumfang von etwa
50.000 – 100.000 Bänden nicht überschreiten, denn jenseits dieser Zahlen wird die systematische Aufstellung zum Monstrum, weil die Beherrschbarkeit des Raumes verloren geht,
in dem sich der Leser bewegt.364 Wer es schafft, die Hürden, die bis heute vor der
Benutzung einer internen Museumsbibliothek aufgerichtet sind, zu überwinden – in der
Regel nur der Fachwissenschaftler oder Doktorand – darf sich an privilegierten Benutzungsbedingungen fast ohne Einschränkungen erfreuen, die bis zu einem inoffiziellen
Buchlieferservice gehen können, wie ihn die Museumsbibliothek der Staatlichen Museen
in den Zwanziger und Dreißiger Jahren unterhielt.365
Die im ersten Kapitel nachgezeichnete Bibliotheksgeschichte der Staatlichen Museen
zu Berlin legte zwei diametral entgegengesetzte Konzepte von Bibliothek frei: das der
traditionellen Gelehrtenbibliothek, die später als interne Behördenbibliothek bezeichnet
und von den Museumswissenschaftlern über die gesamten 170 Jahre gegen alle Reformbestrebungen verteidigt wurde und das dem Bildungsauftrag des Museums verpflichtete
Konzept der öffentlichen Kunstbibliothek mit ihren geregelten Geschäftsgängen, ihrer
professionellen Verwaltung und einer geordneten Benutzung, die keine Unterschiede
zwischen dem Gelehrten und dem einfachen Handwerker macht. Reformen, die auf die
Bildung größerer Einheiten im stark zersplitterten Bibliothekswesen zielten, hatten in
Berlin keine Realisierungschance. Verantwortlich hierfür ist das Autarkiestreben des
einzelnen Wissenschaftlers, das in dem in den Berliner Museen seit 1880 präferierten Konzept der relativ autonomen Abteilung, die alle nötigen Ressourcen dezentral bereitstellt,
seine institutionelle Ausprägung fand. Die extreme räumliche Streulage der Häuser – in
ihrer heutigen Form als eine Folge des Zweiten Weltkrieges nicht allein von den Museen
364
Jeder, der einmal die 3 Mio. systematisch aufgestellten Bände im Altbau der Preußischen Staatsbibliothek
sinnlich in ihrer Ausdehnung erfahren hat, hat ein Gespür für die postulierte Grenze.
365
Wenn Erwin Panofsky ein benötigtes Buch in Hamburg nicht vorfand, stellte er ein schriftliches Leihersuchen an die Berliner Bibliothek und bekam das Buch für drei Wochen übersandt. In den Akten der
Museumsbibliothek haben sich eine ganze Reihe genehmigter Leihgesuche erhalten, die sich wie ein who is
who der damaligen deutschen Elite der Kunstwissenschaft lesen.
114
zu verantworten – förderte die Dezentralisierung der Bibliotheken und liefert bis heute
entscheidende Argumente für ihren Erhalt.
Hätte man 1881 Friedrich Lippmanns Plan einer großen Kunstbibliothek verwirklicht
oder nach dem Ersten Weltkrieg Jahren die Kunst- und die Museumsbibliothek nach Curt
Glasers Konzept zusammengelegt, dann wäre man heute gegenüber dem amerikanischen
Modell in allen Teilen konkurrenzfähig. Selbst nach dem Zweiten Weltkrieg, der die klare
Chance für einen bibliothekarischen Neuanfang geboten hätte, setzte sich zumindest in
Westberlin der althergebrachte Partikularismus durch und schuf erneut eine kleinteilige
Bibliothekslandschaft an den Museen. Walter Andraes Plan einer Großbibliothek im
Zentrum eines Neubaus und als Zentrum der wissenschaftlichen Forschung fand keinen
Widerhall an den Berliner Museen. Die bibliothekarischen Abteilungen lebten weiter
nebeneinander her. Bei den Neubauten für die Museen der europäischen Kunst am Kulturforum vergab man die nächste Chance einer verbesserten Bibliotheksstruktur. Anstatt die
Arbeitsräume für die Wissenschaftler aller dort untergebrachten Abteilungen zentral neben
der Kunstbibliothek anzusiedeln, wurden alle Museen räumlich deutlich voneinander getrennt und für jedes Haus eine eigene kleine Bibliothek vorgesehen. Auch die Auflösung
der Museumsbibliothek und die Zuweisung ihrer Aufgaben an die Kunstbibliothek führte
noch nicht zu wirklichen strukturellen Änderungen. Die kunstwissenschaftliche Bibliothek
hat als Abteilung des Museums Kunstbibliothek immer noch den Charakter der Bibliothek
eines Museums. Ihre Funktionen als Zentralbibliothek für die angeschlossenen Museumsabteilungen werden von diesen mitunter nur als Abnahme lästiger Arbeiten und nicht als
hochwertige Dienstleistungen wahrgenommen.
Die Fach- und Handbibliotheken sind für die Museen wichtige Hilfsmittel für die
wissenschaftliche Forschung, die zu ihren Kernaufgaben gehört. Die professionelle Bibliotheksverwaltung ist dagegen für die Museen im Gegensatz zu einer öffentlichen Bibliothek
keine primäre Aufgabe. Darum wollen viele Museen auch möglichst wenig mit der Administration ihrer Bibliotheken zu tun haben. Trotz ihrer traditionellen Eigenständigkeit, die
sich auch in ihren Bibliotheken zeigt, ist an den Museen die Erkenntnis gewachsen, dass
die Probleme im Bibliotheks- und Informationsbereich in der anbrechenden digitalen Ära
nur durch Kooperation und Delegation von Aufgaben an eine zentrale Kompetenz bewältigt werden können. Insofern gibt es an den Museen einen breiten Konsens in Richtung
einer verstärkten bibliothekarischen Zusammenarbeit.
115
4.2. Zur Organisation eines Bibliothekssystems an den Staatlichen Museen
Die Einführung eines Bibliothekssystems an den Staatlichen Museen zu Berlin – im Sinne
eines Systems miteinander und mit einer Zentrale verbundener Teilbibliotheken - kann
nicht auf die Frage nach Datennetzwerken und dem geeigneten integrierten (EDV-) Bibliothekssystem verkürzt werden. Ein Onlinekatalog kann kein Ersatz für eine notwendige
Strukturreform sein, bei der zunächst die Aufgaben des Bibliothekssystems hinsichtlich
seines Literaturversorgungsauftrages präzise bestimmt und sodann die Frage der räumlichen Organisation geklärt werden muss. Es ist zu entscheiden, ob die Literaturversorgung
der Museumswissenschaftler und die Versorgung der Öffentlichkeit in einem gemeinsamen, beiden Gruppen vollständig zugänglichen Bibliothekssystem sichergestellt werden
soll oder ob dazu getrennte Systeme mit einer abgestuften öffentlichen Zugänglichkeit
besser geeignet sind. Im Kern geht es hierbei um die Frage, ob die bisherigen Diensthandbibliotheken für die öffentliche Benutzung zugänglich gemacht werden, oder ob das traditionelle System interner Behördenbibliotheken und der öffentlichen Kunstbibliothek beibehalten wird. Da Bücher physisch an einen Ort gebunden sind, ist die Raumfrage in einem
Museumsverbund, insbesondere in einem mit einer extremen Streulage der Häuser wie in
Berlin, ebenfalls von zentraler Bedeutung. Wenn Museen neu gegründet, ausgegliedert
oder zusammengelegt werden, betrifft das immer auch die zugehörigen oder neu zu
schaffenden Bibliotheken. Die EDV-Frage kann erst dann sinnvoll diskutiert werden, wenn
die beiden zentralen Parameter des Versorgungsauftrages und des Zentralisierungsgrades
der Buchbestände bewertet sind. Nach meiner Auffassung lassen sich eine komplette
Bestandsverzeichnung im OPAC und eine öffentliche Benutzung aller Bestände nicht
voneinander trennen. Aufbau und Pflege eines Gesamtkataloges, der an den Staatlichen
Museen einen erheblichen Einsatz finanzieller und personeller Ressourcen voraussetzt,
lässt sich wirtschaftlich nur rechtfertigen, wenn die Verzeichnung nicht ausschließlich für
die Museumswissenschaftler erfolgt. Ob seine zweifellos vorhandene Funktion als bibliographisches Nachweisinstrument die aufwändige Erstellung eines Gesamtkataloges der
Museen rechtfertigt, darf angesichts der bereits online verfügbaren Bibliographien und
Bibliothekskataloge bezweifelt werden. Letztlich kann die Bewertung der Parameter
Literaturversorgungsauftrag und Zentralisierungsgrad der Fach- und Handbibliotheken
jedoch nur von der Generaldirektion der Museen und der Leitung der Stiftung Preußischer
Kulturbesitz vorgenommen werden.
116
4.2.1. Vier Organisationsmodelle
Im folgenden werden vier Modelle zur Bibliotheksorganisation vorgeschlagen, von denen
das Modell 1, das eine zentrale große Forschungsbibliothek beschreibt und das Modell 4,
das die völlige Dezentralisierung aller Buchbestände auf die Museumsabteilungen vorsieht,
als Idealmodelle zu verstehen sind, die zwar das öffentliche Interesse bzw. das Mitarbeiterinteresse in optimaler Weise erfüllen würden, aber unter den gegebenen Bedingungen nicht
zu realisieren sind. Einem Kompromiss, der auf die dezentrale Tradition an den Berliner
Museen und auf die Literaturversorgungsansprüche der Öffentlichkeit und der Mitarbeiter
Rücksicht nimmt, kommen die Modelle 2 und 3 entgegen, die verschiedene pragmatische
Stufen der Kombination von zentralen und dezentralen Funktionen beschreiben.
1. Zentrale Forschungsbibliothek
Das Modell einer zentralen Forschungsbibliothek setzt einen Neubau und eine Zusammenführung aller Buchbestände der Staatlichen Museen voraus. In den Handbibliotheken der
Museen verbleibt bei diesem Modell lediglich ein Kernbestand unverzichtbarer Nachschlageliteratur, der für täglich anfallende Arbeiten wie bspw. die Auskunftserteilung
benötigt wird. Alle Literaturkonsultationen die darüber hinausgehen, müssen von den
Wissenschaftlern in der zentralen Forschungsbibliothek erledigt werden, was gegenüber
dem jetzigen Zustand zweifellos einen höheren Zeit- und Organisationsaufwand bedeutet.
Aus diesem Grund wäre es sinnvoll, auch die Büros für alle Wissenschaftler, die nicht
zwingend täglichen Kontakt mit den magazinierten Sammlungsbeständen bzw. den Schauräumen haben müssen, in den Neubau zu verlagern. Der ideale Bauplatz für die zentrale
Forschungsbibliothek wäre auf dem Gelände der ehemaligen Alexanderkaserne gegenüber
der Museumsinsel im Herzen der Berliner Innenstadt. Dieser Standort böte nicht nur
optimale Bedingungen hinsichtlich seiner Nähe zur Museumsinsel und guten Erreichbarkeit, sondern auch die Möglichkeit einer Vernetzung mit den in unmittelbarer Nachbarschaft gelegenen kulturwissenschaftlichen Instituten der Humboldt-Universität und der
geplanten universalen Forschungsbibliothek im Altbau der Staatsbibliothek zu Berlin.
Hinsichtlich ihrer Benutzer sollte die zentrale Forschungsbibliothek einen dreigliedrigen
Aufbau haben, der auf die Literaturversorgungsansprüche dreier unterschiedlicher Gruppen
von Benutzern eingeht. Dies sind erstens die Museumsbesucher und Touristen sowie
allgemein an Kunst interessierte Leser ohne wissenschaftliche Ambitionen. Diese Zielgruppe wird gegenwärtig in den Bibliotheken der Staatlichen Museen überhaupt nicht
117
berücksichtigt.366 Die zweite Gruppe umfaßt alle wissenschaftlich interessierten Benutzer
wie Studenten, Publizisten, Kunsthändler usw. und die dritte Gruppe die Wissenschaftler
der Staatlichen Museen sowie Hochschullehrer und auswärtige Wissenschaftler. Den Zielgruppen entsprechend gibt es einen öffentlich zugänglichen Bereich mit locker gruppierter
Informationsliteratur von allgemeinem Interesse, der mit einem Buchladen und einem
Informationsystem kombiniert sein sollte. Weiterhin gibt es einen allgemeinen Lesesaal
mit 150 Plätzen und einen Forschungslesesaal mit 50 Plätzen. Letzterer sollte ausschließlich den Wissenschaftlern der Museen und eventuell auswärtigen Wissenschaftlern
vorbehalten sein. Beide Lesesäle bieten Zugang zu einem 100.000 Bände umfassenden
Freihandbestand zu allen von den Abteilungen der Staatlichen Museen vertretenen
Sammel- und Forschungsgebieten. 900.000 Bände Magazinbestand sind in einem OnlineKatalog formal und sachlich erschlossen und in halbstündigem Rhythmus ausleihbar. Der
Forschungslesesaal unterscheidet sich vom allgemeinen Lesesaal durch seine Austattung
mit modernster IT-Technik, die den Museumswissenschaftlern die direkte Nutzung ihrer
vertrauten Arbeitsumgebung ermöglicht und durch die Möglichkeiten zur Aufstellung
eigener Arbeitsapparate für umfangreichere Vorhaben. Wesentliche Vorteile einer
zentralen Forschungsbibliothek sind die Erleichterung und Förderung interdisziplinärer
Forschungsvorhaben, die von ihr in Kooperation mit Humboldt-Universität und Staatsbibliothek zu erwartende Anziehungskraft auf die deutsche und internationale Kunst- und
Kulturwissenschaft und nicht zuletzt die kreative Atmosphäre, die durch den Kontakt von
Wissenschaftlern unterschiedlicher Fachgebiete in einer präzise ihren Bedürfnissen
dienenden Forschungsbibliothek entstehen wird.
2. Standortmodell
Das Standortmodell trägt der Tatsache Rechnung, dass die Staatlichen Museen über drei
Hauptstandorte verfügen, auf denen nach durchzuführenden Bau- und Sanierungsmaßnahmen der größte Teil der Museumseinrichtungen konzentriert werden soll. Es handelt sich
um den Standort Dahlem mit dem Ethnologischen Museum, dem Museum für Indische
Kunst und dem Museum für Ostasiatische Kunst, den Standort Kulturforum mit den
Museen der europäischen Kunst und den Standort Museumsinsel mit den archäologischen
Museen und der Alten Nationalgalerie, die künftig wieder die Kunst des 19. Jahrhunderts
präsentieren wird. Das Institut für Museumskunde und das Rathgen-Forschungslabor
366
Am Metropolitan Museum gibt es eine derartige Studienbibliothek für Museumsbesucher, die hier
eventuell als Modell dienen könnte.
118
sollen zukünftig in den Museumshöfen (ehemalige Alexanderkaserne) gegenüber der
Museumsinsel untergebracht werden. Das Standortmodell sieht drei zentrale Bibliotheken
für die Standorte Dahlem, Kulturforum und Museumsinsel vor, welche die Bestände der an
den jeweiligen Standorten angesiedelten Fachbibliotheken vereinigen, bearbeiten und
öffentlich zugänglich machen. Auch bei diesem Modell verbleibt in den Handbibliotheken
der Museen lediglich ein Kernbestand unverzichtbarer Nachschlageliteratur, der für täglich
anfallende Arbeiten wie bspw. die Auskunftserteilung benötigt wird. Alle Literaturkonsultationen die darüber hinausgehen, müssen in der jeweiligen zentralen Standortbibliothek
erledigt werden, was für die Wissenschaftler einen erhöhten Zeitaufwand mit sich bringt.
Als zentrale Standortbibliothek fungiert in Dahlem die Bibliothek des Ethnologischen
Museums, die räumlich erweitert und personell gegebenenfalls um eine Bibliothekarsstelle
mit asiatischer Sprachkompetenz erweitert wird. Am Kulturforum übernimmt die Kunstbibliothek die zentrale Funktion. Sie wird hierfür in ihren Magazinkapazitäten erweitert
und gegebenenfalls mit einem Leseraum ausschließlich für Museumswissenschaftler ausgestattet. Am Standort Museumsinsel ist ein Neubau erforderlich, der unmittelbar in den
Verwaltungstrakt in den Museumshöfen integriert werden sollte, um eine reibungslose und
schnelle Bibliotheksbenutzung für die dort arbeitenden Museumswissenschaftler sicherzustellen. Auch die Bibliotheken des Rathgen-Forschungslabors und des Instituts für
Museumskunde sollten in die zentrale Standortbibliothek mit ihrer ansonsten klar archäologischen Ausrichtung integriert werden, nicht aber die Bibliothek der Alten Nationalgalerie,
die inhaltlich nur am Kulturforum sinnvoll untergebracht werden kann. Die Unterbringung
derjenigen Fach- und Handbibliotheken, die nicht an den Hauptstandorten konzentriert
werden, stellen ein grundsätzliches Problem im Standortmodell dar. Das zur Zeit in
Dahlem untergebrachte Museum Europäischer Kulturen müsste aufgrund seiner inhaltlichen Nähe dem Kulturforum zugeordnet werden. Sinnvoll ist dies jedoch nur, wenn die
Arbeitsräume der Wissenschaftler nicht allzu weit entfernt von diesem Standort liegen.
Kernpunkt des Standortmodells ist die physische Zusammenführung der zugeordneten
Buchbestände. Es darf keinesfalls als eine Rückkehr zum zweischichtigen Modell in der
Form zentrale Standortbibliothek / Handbibliotheken missverstanden werden.
3. Modell Bibliothekssystem
Der Grundgedanke des Modells Bibliothekssystem ist die Kombination der historisch gewachsenen dezentralen Fach- bzw. Handbibliotheken mit einer zentral in der Kunstbibliothek vorgehaltenen bibliothekarischen Infrastruktur, die alle bibliothekarischen
119
Dienstleistungen wie Erwerbung, Katalogisierung, Systematisierung und Buchaufstellung
für die Museumsbibliotheken erbringt. In diesem Modell werden alle Buchbestände der
Staatlichen Museen in einem einheitlichen EDV-Katalog verzeichnet, mit einer einheitlichen Sacherschließung versehen und anschließend dezentral wie bisher in den Abteilungen aufgestellt. Dieses Modell erfüllt den Anspruch der Museumswissenschaftler auf
einen schnellen und unbürokratischen Zugang zu den benötigten Büchern und den
Anspruch eines zentralen Nachweises aller an den Museen vorhandenen Werke. Hinsichtlich der Benutzung, die eine zentrale Verzeichnung unweigerlich nach sich zieht, hat
es deutliche Schwächen, da in vielen Häusern weder geeignete Räumlichkeiten noch das
nötige Personal zur Verfügung stehen. Zudem ist eine einheitliche abteilungsübergreifende
Aufstellungssystematik eine zur Zeit nicht gegebene Grundvoraussetzung für die Einführung des Modells.
4. Dezentrales Modell
Im dezentralen Modell werden alle bibliothekarischen Aufgaben den einzelnen Museen
zugewiesen. Alle Museen werden verpflichtet, ihre Bibliotheken zumindest tage- bzw.
stundenweise für die allgemeine Öffentlichkeit zugänglich zu machen und entsprechende
Erschließungsinstrumente bereitzustellen. Die Kunstbibliothek bleibt zwar in ihrer jetzigen
Struktur erhalten und fungiert weiter als öffentlich zugängliche Zentralbibliothek für die
Museen der europäischen Kunst, aber sie übernimmt keine weiteren Aufgaben. Von
Benutzern gewünschte Literatur, die nur in den Handbibliotheken der Museen der europäischen Kunst vorhanden ist, wird durch Mitarbeiter der jeweiligen Abteilung in der Kunstbibliothek zur Benutzung vorgelegt. Alle übrigen Museen, also auch die zur Zeit von der
Kunstbibliothek betreuten Handbibliotheken der archäologischen Abteilungen, das Münzkabinett und das Rathgen-Forschungslabor erwerben und bearbeiten ihre Literatur in Zukunft selbständig. Das Personal zur Buchbearbeitung muss von den Museen in ihrem
Stellenpool bereitgestellt werden. Alle Bibliotheken können im Rahmen ihrer Etats beliebig wachsen. Eine übergeordnete Erwerbungskoordinierung findet nicht statt. Ein Vorteil
dieses Modells ist die Selbständigkeit der Abteilungen in allen ihre Bibliotheken betreffenden Belangen. In Kombination mit einer größeren Freiheit in der Haushaltsgestaltung in
der Art eines abteilungsbezogenen Globalhaushaltes könnten sich weitere flexible Steuerungsmöglichkeiten für die Abteilungen ergeben. Um die in diesem Modell langfristig
wesentlich höheren Kosten zu rechtfertigen, die durch das Vorhalten einer identischen
120
bibliothekarischen Infrastruktur in allen Häusern entstehen, müssen alle Museen ihre Fachund Handbibliotheken für die öffentliche Benutzung öffnen.
Bewertung der Modelle
Das Modell der zentralen Forschungsbibliothek ist aus rein bibliothekarischer Sicht das
ideale Organisationsmodell und es befriedigt in bestmöglicher Weise die Literaturversorgungsansprüche der wissenschaftlichen Öffentlichkeit. Da die Staatlichen Museen jedoch
in erster Linie museale und nicht bibliothekarische Aufgaben haben und die Museumswissenschaftler zur Erfüllung ihrer dienstlichen Aufgaben einen schnellen und unbürokratischen Zugang zur benötigten Literatur brauchen, der in einer Großbibliothek nicht wie
gewünscht erbracht werden kann, kommt es im hier zur Diskussion stehenden Zusammenhang nicht in Betracht. Zudem wären zu seiner Realisierung außerordentlich hohe Investitionen und ein gleichbleibend hoher Betriebshaushalt nötig, die ebenfalls gegen eine
Umsetzung sprechen.
Der genaue Gegenentwurf zur völligen Zentralisierung liegt in der völligen Dezentralisierung der gesamten bibliothekarischen Infrastruktur an den Staatlichen Museen.
Dieses dezentrale Modell würde nach meiner Vermutung von einer ganzen Reihe von
Museumswissenschaftlern präferiert werden, da es ihren Bedürfnissen in idealer Weise
entgegenkommt. Aus bibliothekarischer Sicht kann es nicht ernsthaft in Erwägung gezogen
werden, da es zu einer weiteren Zersplitterung der Buchbestände, zu einer unnötigen Anschaffung von Dubletten und zu signifikant höheren Personalkosten führen würde, ohne
dass dabei die öffentliche Benutzbarkeit der Bibliotheken gefördert würde. Da in diesem
Modell ein permanentes Wachstum der Fachbibliotheken impliziert ist, muss es zwangsläufig wie in allen wachsenden Bibliotheken zu Unterbringungsproblemen kommen, die
nur durch bauliche Raumerweiterungen gelöst werden können. Aus einer wirtschaftlichen
Betrachtung kann es nicht gerechtfertigt werden, für im Durchschnitt drei bis acht
Museumswissenschaftler pro Museumsabteilung eine eigenständige Bibliotheksinfrastruktur mit eigenem Personal aufzubauen.
Für eine tatsächliche Umsetzung kommen damit nur die Modelle 2 und 3 in Frage,
die sich in der Form eines Stufenplans miteinander verbinden lassen. Ausgangspunkt ist
hierbei die Zusammenfassung aller Bibliotheken zu einem Bibliothekssystem im Verbund
der Staatlichen Museen zu Berlin, das von einer neu aufzubauenden Koordinierungsstelle
unter bibliothekarischer Leitung betreut wird. Die Koordinierungsstelle ist organisatorisch
121
an die Kunstbibliothek angeschlossen, der auch das gesamte bibliothekarische Personal zur
formalen und sachlichen Erschließung sowie zur Bestandsbetreuung zuzuordnen ist. In der
ersten Stufe des Stufenplans wird das Modell Bibliothekssystem umgesetzt, d.h., alle
Buchbestände der Staatlichen Museen werden in einem einheitlichen EDV-Katalog verzeichnet, mit einer einheitlichen Sacherschließung versehen und anschließend nach einer
abteilungsübergreifenden einheitlichen Aufstellungssystematik wie bisher dezentral in den
Abteilungen aufgestellt. Alle bibliothekarischen Dienstleistungen werden zentral organisiert und ausgeführt. Zu den zentralen Aufgaben gehört auch die physische Bestandspflege
in den einzelnen Handbibliotheken, die, im wesentlichen auf das Einstellen der bereits mit
Signaturschildern versehenen Bücher beschränkt, turnusmäßig im Rotationsverfahren von
Fachpersonal durchgeführt wird. Da das Modell Bibliothekssystem hinsichtlich der grundsätzlich angestrebten öffentlichen Benutzbarkeit aller Bestände deutliche Schwächen hat –
es gibt in vielen Häusern weder geeignete Räumlichkeiten noch das nötige Personal – wird
in einer weiteren Stufe des Stufenplans das Standortmodell umgesetzt. Ohne eine Konzentration der Buchbestände auf drei zentrale Standortbibliotheken ist die öffentliche Zugänglichkeit der Bestände nicht zu erreichen. Dieser zweite Schritt sollte erst dann erfolgen,
wenn das Modell Bibliothekssystem reibungslos funktioniert. Bis zu seiner Einführung
sollten der Netzaufbau zwischen den Standorten abgeschlossen, eine neue abteilungsübergreifende Aufstellungssystematik entwickelt, der Onlinekatalog angelegt und die retrospektive Verzeichnung der Buchbestände erfolgt sein. Im realisierten Standortmodell
werden alle Buchbestände der jeweiligen Abteilungen in zentralen Standortbibliotheken
zusammengeführt und für eine öffentliche Benutzung zugänglich gemacht. Das zur
Katalogisierung und Betreuung der zentralen Standortbibliotheken nötige Personal wird
den Bibliotheken zugewiesen. Da die Zentralbibliotheken in fußläufiger Entfernung von
den Büros der Wissenschaftler aufgebaut werden und in den Abteilungen ein zur Auskunftserteilung unverzichtbarer Buchbestand erhalten bleibt, ist die Umsetzung des
Modells für die Museumswissenschaftler zumutbar. Außerdem kann man für die Zukunft
von einer zunehmenden Bereitstellung wissenschaftlicher Informationen in Datennetzen
ausgehen, so dass auch von dieser Seite die Notwendigkeit dezentraler Abteilungsbibliotheken schwinden wird. Hinsichtlich der öffentlichen Zugänglichkeit könnte mit dem
Modell der zentralen Standortbibliotheken eine inhaltlich sinnvoll auf die Schwerpunkte
Ethnologie, Archäologie und europäische Kunst verteilte Forschungsbibliothek entstehen,
die keinen Vergleich mit ähnlichen Spezialbibliotheken scheuen müsste.
122
4.2.2. EDV und Datennetzwerk
Ein mittelfristiges Ziel des geplanten Bibliothekssystems ist der Anschluss aller Bibliotheken im Bereich der Staatlichen Museen zu Berlin an ein einheitliches integriertes
Bibliotheks-EDV-System, das den Aufbau eines gemeinsamen Online-Kataloges ermöglicht. Ein integriertes Bibliotheks-EDV-System wird zur Zeit nur in der Kunstbibliothek
und auch hier nur am Standort Kulturforum eingesetzt. Es handelt sich hierbei um ein
URICA-System das gemeinsam mit dem Ibero-Amerikanischen-Institut betrieben wird.
Der Funktionsumfang von URICA umfaßt die bibliothekarischen essentials RAK-WB,
RSWK und MAB-1. Zusätzlich stellt es ein eigens für die Kunstbibliothek programmiertes
Tauschmodul bereit. Desiderate sind die Unterstützung des MAB-2 Formats, die automatisierte Zeitschriftenverwaltung und die automatische Fremddatenübernahme mittels des
Z39.50 Protokolls wie sie bspw. Aleph500 bietet. Bereits seit längerem ist ein Umstieg von
der URICA-Großrechnerarchitektur auf eine Client-Server-Architektur mit dem Bibliothekssystem HORIZON geplant. Ob diese Migration erfolgen kann, erscheint aus heutiger
Sicht fraglich, da es dem Hersteller Epixtech (früher Ameritech Library Systems) bzw.
seinem deutschen Distributor Dynix offenbar nur schwer gelingt, das ursprünglich
amerikanische Produkt an den von deutschen Bibliotheken geforderten Funktionsumfang
anzupassen. Wenn HORIZON an der Kunstbibliothek nicht eingeführt werden kann, - die
Entwicklungen im Südwestverbund, der ebenfalls auf HORIZON migriert, werden hier
Signalwirkung haben – sollte das in weiten Teilen der Bundesrepublik bewährte und auch
an der Staatsbibliothek zu Berlin eingesetzte PICA-System eingeführt werden.
Einige Museen haben begonnen, bibliographische Daten und Sacherschließungen in
handelsüblichen, PC-basierten Stand-alone-Datenbanken zu erfassen. Hierbei wird aber
keine spezielle Bibliothekssoftware oder ein in MAB umsetzbares Datenformat benutzt, so
dass die Aufnahmen allenfalls für den Titelkartendruck und den internen Überblick benutzbar sind. Ihre Integration in einen relationalen Online-Katalog ist nicht möglich. Im Hinblick auf den angestrebten zentralen Titelnachweis sind derartige Bemühungen zur EDVErfassung von Titeldaten weitgehend nutzlos.
Insbesondere die von bibliothekarischem Fachpersonal verwalteten Fach- und Handbibliotheken warten seit längerem auf ein gemeinsames integriertes Bibliothekssystem,
unter anderem auch, um den Anschluß an bibliothekarische Standards nicht zu verlieren.
Die Ansprüche an dessen Leistungsumfang entsprechen weitgehend dem von URICA/
HORIZON (unter Einschluß des elektronischen Zeitschriftenkardex) realisierten, womit
123
die Frage der bibliothekarischen Konventionen zur Titelerfassung nicht weiter diskutiert
werden muss. Nur die Museen der außereuropäischen Kulturen erwarten eine Möglichkeit
zur Darstellung und Sortierung außereuropäischer Zeichensysteme. Mit Unicode sollte
diese Anforderung im URICA Nachfolgesystem realisierbar sein.
Ein Anschluß der Fach- und Handbibliotheken an das URICA-System kann zur Zeit
nicht erfolgen, weil die dazu notwendigen Netzwerkverbindungen an den Staatlichen
Museen noch nicht zur Verfügung stehen. Der Aufbau der Netze erfolgt im Zuge der
laufenden Baumaßnahmen. Interne Datennetze sind am Standort Dahlem bereits in
Planung und teilweise im Bau. Die einzige Bibliothek, die sowohl nach ihrer vorhandenen
Nachweisstruktur als auch aufgrund der technischen Voraussetzungen unmittelbar am
URICA-Verbund teilnehmen könnte, ist die des Instituts für Museumskunde. Die Netzanbindung der Arbeitstelle Musemsinsel an das Kulturforum wird zur Zeit vorrangig
vorangetrieben. Für die Museumsstandorte Dahlem und Charlottenburg sind kurzfristig
keine Netzanschlüsse zum Kulturforum geplant, so dass hier als Alternative nur Verbindungen mittels ISDN-Anschlüssen in Frage kommen. Über derartige Verbindungen wäre
das URICA-System auch an diesen Standorten über die p14-Emulation erreichbar. Die
ISDN-Verbindungen sind generell nur als Übergangslösung zu verstehen, ein
museumsinternes eigenes Netz bleibt längerfristiges Ziel.
4.2.3. Personal
Zur Zeit verfügen nur fünf Einrichtungen der Staatlichen Museen über bibliothekarisches
Fachpersonal. Neben der Kunstbibliothek sind dies das Ethnologische Museum, das
Museum für Vor- und Frühgeschichte, das Museum Europäischer Kulturen und das Institut
für Museumskunde. Zwölf Handbibliotheken werden von der Kunstbibliothek hinsichtlich
Erwerbung, Tausch und Katalogisierung mitbetreut, die Gemäldegalerie und die Nationalgalerie auch in der Signaturenvergabe. Der Personalstand reicht grundsätzlich nur zur Erledigung der laufenden Arbeiten aus, Kapazitäten für Sonderarbeiten wie z.B. die Integration
übernommener Bestände oder die Entwicklung einer Aufstellungssystematik stehen nicht
zur Verfügung. Zur Pflege der Buchbestände steht in den Handbibliotheken generell kein
Personal zur Verfügung. Die Bibliotheken werden von wissenschaftlichen Mitarbeitern,
Praktikanten, Museumsassistenten und anderen Zeitkräften mitverwaltet. Sie ähneln damit
universitären Seminarbibliotheken, die von Assistenten und studentischen Hilfskräften
124
gepflegt werden. Auch die Bestandsgrößen der Handbibliotheken entsprechen denjenigen
von Universitätsinstituten, wobei bei den Museen noch weniger Engagement und Arbeitskraft auf die Pflege und Entwicklung der Bibliotheken verwendet werden kann als in den
meisten Universitätsinstituten.
Der vorgeschlagene Stufenplan setzt zunächst die Gründung einer Koordinierungsstelle voraus, die alle administrativen Aufgaben für das Bibliothekssystem übernimmt. Die
Koordinierungsstelle wird ebenso wie das gesamte bibliothekarische Personal zur formalen
und sachlichen Erschließung sowie zur Bestandsbetreuung organisatorisch an die Kunstbibliothek angeschlossen. Eine ihrer ersten Aufgaben sollte die Aufstellung eines Personalbedarfsplans sein, um entsprechende Planungssicherheit für die folgenden Schritte zu
haben. In diesem Plan sollten auch die bibliothekarischen Arbeiten berücksichtigt werden,
die zur Zeit von Museumsmitarbeitern geleistet werden. Wenn bspw. 20 Bibliotheksbeauftrage der Abteilungen jeweils 10 % ihrer Arbeitszeit für die Durchsicht von Nationalbibliographien, Buchhandelskatalogen oder Zetteldiensten verwenden, um den Buchankauf
vorzubereiten, dann entspricht das in der Summe einem Äquivalent von zwei Stellen des
höheren Dienstes. Ähnliches gilt auch für die Arbeiten, die von anderen Museumsmitarbeitern für die Abteilungsbibliotheken erbracht werden. Alle zur Zeit verdeckten Personalkosten des Betriebes der Abteilungsbibliotheken sollten auf diese Weise ermittelt
werden, um eine realistische Planungsgrundlage für den Personalbedarf im zukünftigen
Bibliothekssystem zu haben. Wenn eine signifikante Erhöhung des Personals aufgrund der
Haushaltssituation in den nächsten Jahren nicht zu erwarten ist, muss wenigstens das
gesamte zur Verfügung stehende bibliothekarische Fachpersonal flexibel nach dem jeweiligen Bedarf in allen Abteilungen der Museen einsetzbar sein. Zur Zeit ist dies aufgrund
der bestehenden Einstufungsdifferenz zwischen dem ehemaligen Ost- und Westberlin nicht
durchführbar. Die Umsetzung des geplanten Bibliothekssystems wird nur möglich sein,
wenn des Bibliothekspersonal die hierzu nötige Flexibilität mitbringt. Feste Personalzuordnungen an alle zur Zeit bestehenden Handbibliotheken sind in der gegebenen Situation
nicht möglich und im Sinne der angestrebten stärkeren Zentralisierung auch nicht
wünschenswert. Nach der Realisierung der zentralen Standortbibliotheken werden feste
Zuordnungen von bibliothekarischen Fachkräften zu den drei Hauptstandorten dagegen
unabdingbar sein, um die Benutzung zu regeln und um Informationsdienstleistungen zu
erbringen.
125
4.2.4. Erwerbung und Buchaufstellung
Auch im künftigen Bibliothekssystem sollte die Erwerbungsentscheidung in den Händen
der Bibliotheksbeauftragten der jeweiligen Abteilungen liegen. Dieses Verfahren hat sich
in der Vergangenheit bewährt. Um den Bestandsaufbau im gesamten System transparent zu
machen und um mögliche Erwerbungslücken zu vermeiden, sollten die Bibliotheksbeauftragten sich hierbei an einem gemeinsam erstellten, einheitlichen Erwerbungsprofil für alle
Einrichtungen der Staatlichen Museen orientieren. In diesem Zusammenhang sind auch
Regelungen hinsichtlich der Veränderung von Preisstrukturen vorzusehen, seien sie nun
durch Preiserhöhungen, Wechselkursschwankungen oder eine erhöhte Buchproduktion
hervorgerufen.
Die Buchaufstellung ist sowohl im Hinblick auf den Einsatz bibliothekarischer EDVSysteme, als auch im Hinblick auf die später angestrebte Bildung von zentralen Standortbibliotheken das Kernproblem beim Aufbau eines Bibliothekssystems an den Staatlichen
Museen. Um alle Handbibliotheken in einem ersten Schritt an einen gemeinsamen EDVKatalog anschließen zu können, müssen sie über Signaturensysteme verfügen, die zu
Individualsignaturen führen (d.h. für jede bibliographische Einheit eine von anderen
verschiedene Signatur). Doppel- und Mehrfachsignaturen können von keinem integrierten
Bibliothekssystem verarbeitet werden. Signaturensysteme sind zwar in 16 Bibliotheken
vorhanden, in zwei Bibliotheken aber jeweils zwei Systeme, in einer Bibliothek drei und in
einer sogar zwölf Systeme. Drei Bibliotheken verfügen nicht über eine Signaturenordnung
für ihre Bestände. Nur die neun Bibliotheken, die an der Aufstellungssystematik der
ehemaligen Zentralbibliothek oder ihrer eigenen alteingeführten festgehalten haben,
verfügen auch heute noch über zuverlässige Individualsignaturen. Die Museen, die im
Laufe der Zeit die systematische Buchaufstellung aufgegeben haben, behelfen sich mit
Zugangsnummern oder Verfasser- bzw. Titelabkürzungen (drei Buchstaben). Neben derartigen, durch die fehlende Individualisierung der Signatur nicht EDV-geeigneten
Signaturensystemen gibt es auch zwei Handbibliotheken, die völlig auf Signaturen
verzichten, weil kein Personal zum Anbringen der Signaturschilder zur Verfügung steht. In
den Museumsabteilungen besteht weitgehend Konsens hinsichtlich der Notwendigkeit
einer kompletten Neusignierung des gesamten Bestandes. Durch die Zusammenführungen
der Bibliotheksbestände ist deutlich geworden, dass sich die aus der Vorkriegszeit
stammenden Signaturensysteme auch bei äußerlich verwandter Struktur inhaltlich in den
vierzig Jahren der Teilung auseinanderentwickelt haben. Dreizehn Bibliotheken sprechen
126
sich bei einer Reform ihrer Signaturenordnungen für eine Systematik aus, vier favorisieren
einen numerus currens. Der Druck und die Aufbringung der Signaturschilder soll künftig
zentral erfolgen.
Wenn man konzediert, dass für die Handbibliotheken neue Systematiken zwingend
notwendig sind, dann bietet sich als gangbarer Weg meines Erachtens nur die Übernahme
einer bereits etablierten Aufstellungssystematik an, die alle Fachgebiete der Staatlichen
Museen abdecken muss. Wenn alle Buchbestände nach einer einheitlichen Systematik aufgestellt werden, lassen sich in Zukunft problemlos Umgruppierungen von Teilbeständen
vornehmen. Dieses Prinzip wurde von Wilhelm Waetzoldt bereits bei der Entwicklung der
Aufstellungssystematik für die Museumsbibliothek kurz vor dem Ersten Weltkrieg
beachtet. Welche der verbreiteten nationalen und internationalen Klassifikationen sich als
Aufstellungsystematik für das Bibliothekssystem der Museen eignen, müsste im einzelnen
noch in einer grundlegenden Studie untersucht werden. Nach meiner Auffassung kommen
nur drei Klassifikationen in Betracht: die Dewey Decimal Classification (DDC), die
Library of Congress Classification (LCC) und die Regensburger Verbundklassifikation
(RVK). Zu allen drei Klassifikationen gibt es umfangreiche mit ihnen erschlossene
Bestände, so dass eine Fremddatenübernahme in großem Umfang möglich wäre. An der
Fachbibliothek für Germanistik an der Universität Wien wurde unlängst eine „Durchführbarkeitsstudie für die Reklassifizierung grösserer fachspezifischer Bibliotheksbestände“
durchgeführt, die zu dem eindeutigen Ergebnis kam, dass die RVK das am besten
geeignete System zur Ablösung der derzeitigen hausinternen Systematik ist.367 Auch das
Deutsche Bibliotheksinstitut empfahl 1998 die RVK als zur Freihandaufstellung am besten
geeignete Klassifikation.368 Eine mögliche Alternative zur Neueinführung einer Klassifikation wäre möglicherweise die Wiederbelebung der alten Systematik der ehemaligen
Museumsbibliothek. Dies hätte den Vorteil, das nicht sämtliche Buchbestände reklassifiziert werden müssten. Eigenentwicklungen kommen nach meiner Aufassung für die
Reklassifizierung nur sehr bedingt in Frage, da sie einen sehr hohen Personalaufwand zur
Entwicklung und Pflege erfordern. Grundsätzlich sollte der gesamte Komplex der zukünftigen Buchaufstellung an den Museumsbibliotheken nochmals in einem ausführlichen
Gutachten analysiert werden.
367
Oberhauser; Seidler 2000, S. 63.
127
4.2.5. Formal- und Sachkatalogisierung
Die Bibliotheksbestände aller Museen sind in Zettelkatalogen verzeichnet, wobei sich in
vielen Bibliotheken handschriftliche, maschinenschriftliche und kopierte Karten mischen.
Alle Bibliotheken verfügen über zumindest einen Formalkatalog, der nach PI, RAK oder
modifizierten Regelwerksvarianten angelegt ist. Teilweise sind die Formalkataloge jedoch
unvollständig. In einem Museum wird er als völlig unzulänglich angesehen. Die Qualität
der Titelaufahmen hängt davon ab, ob sie von Fachpersonal oder von bibliothekarisch
nicht vorgebildeten Hilfskräften erstellt wurden. Die Katalogsituation in den zwölf
Museen, deren laufende Zugänge von den ehemaligen zentralen Museumsbibliotheken
katalogisiert worden sind und die jetzt von Fachpersonal in der Kunstbibliothek bearbeitet
werden, ist befriedigend, obwohl auch hier PI- und RAK-Aufnahmen nebeneinander bestehen. Diese Bestände sind auch in dem auf der Museumsinsel geführten Zentralkatalog
verzeichnet. Qualitativ einwandfrei dürften auch die Bestände der ebenfalls von bibliothekarischem Fachpersonal betreuten Museen sein (Ethnologisches Museum, Museum für
Vor-und Frühgeschichte, Museum Europäischer Kulturen, Institut für Museumskunde).
Die Bestände dieser Bibliotheken sind im Zentralkatalog nicht enthalten.
Die sachliche Erschließung der Buchbestände erfolgt im Regelfall durch eine systematische Aufstellung. Ansätze für eine standortungebundene Sacherschließung mittels
Schlagworten gibt es bei sechs Bibliotheken, jedoch teilweise unvollständig und teilweise
in proprietären Datenformaten auf PC’s. Sachlich unerschlossen sind die Bestände von
zwei Handbibliotheken. Im Ethnologischen Museum bestehen verschiedene Abteilungssystematiken und ein Schlagwortkatalog in Anlehnung an RSWK. Die Hälfte der Bibliotheken führt auch einen Standortkatalog. In einigen Bibliotheken werden zusätzlich noch
Sonderkataloge für Personen, Ausstellungsorte, Sonderdrucke und Auktionskataloge,
Künstler und Orte sowie für Zeitschriften geführt.
Dass die formale und sachliche Erschließung von Büchern sinnvoll nur durch Regelwerke geleitet erfolgen kann, ist ein im Bibliothekswesen allgemein anerkannter Grundsatz. Den Museen steht dieser Erkenntnisprozess bezüglich ihrer Inventar- und Objektdatenbanken zu einem guten Teil noch bevor. RAK-WB zur Formalerschließung und
RSWK zur Sacherschließung sind die in der Bundesrepublik kanonischen bibliothekarischen Regelwerke. Beide sollten künftig auch in vollem Umfang in den Museen ange-
368
Klassifikationen 1998, S. 97.
128
wendet werden. Im Falle von RAK erübrigt sich jede Diskussion, weil es keine Alternative
gibt. Zwar wäre eine Übernahme der anglo-amerikanischen AACR2 aus der Perspektive
einer weitgehenden Fremddatenübernahme für wissenschaftliche Bibliotheken durchaus
vernünftig, alle anderen Parameter wie die Ausbildung der Diplombibliothekare und die
Tradition des deutschen Sonderweges in der Formalkatalogisierung sprechen jedoch
dagegen. Etwas anders liegen die Dinge im Falle von RSWK. RSWK ist inhaltlich weiterhin nicht unumstritten, die meisten Wissenschaftler bevorzugen instinktiv Klassifikationen
und international gibt es eine ganze Reihe anderer Sacherschließungsverfahren mit riesigen
Mengen damit erschlossener Titelaufnahmen. Zudem ist RSWK für große Allgemeinbibliotheken entwickelt worden und gilt hinsichtlich seines Erschließungsvermögens als zu
undifferenziert für Spezialbibliotheken. Selbst wenn diese Kritik gute Argumente für sich
in Anspruch nehmen kann, geht sie am Kern des Problems vorbei. Selbst für Spezialbibliotheken lautet die Frage heute nicht mehr, welches die beste denkbare Sacherschließung ist,
sondern welche mit dem gegebenen Personal in einem akzeptablen Zeitrahmen durchführbar ist. Führende CD-ROM und Online-Bibliographien wie die “Bibliography of the
History of Art” erschliessen bis zu 20.000 selbständige und unselbständige kunsthistorische Veröffentlichungen im Jahr. Sie bieten zu allen Titeln abstracts und eine grobe
classification an. Weiterhin wird chronologisch nach einzelnen Jahren und in längeren
Zeiträumen wie Jahrhunderten erschlossen und es gibt eine ausführliche Beschlagwortung
mit subject words und eine mit subject strings, Schlagwortketten, die bis zu 20 Ketten pro
Titel umfassen können. Relativ kleine Spezialbibliotheken können mit derartigen, von
Teams mit bis zu 30 Indexierern produzierten Bibliographien auf dem Feld der bibliothekarischen Sacherschließung nicht mehr konkurrieren und sie müssen es auch nicht mehr,
weil alle Daten an allen Orten bequem über das Internet zugänglich sind. Auf diesem
Hintergrund stellt sich die Frage nach der bibliothekarischen Sacherschließung für die
Bibliotheken der Berliner Museen neu und sollte von den Bibliothekaren und Bibliotheksbeauftragten nochmals ausführlich diskutiert werden. Aus den geschilderten Gründen
sollten in Zukunft soviele RSWK-Daten wie möglich übernommen werden. Das eigene
Personal sollte sich vorrangig auf nicht erschlossenes Material konzentrieren bzw. Spezialbestände bearbeiten, die anderswo nicht erschlossen werden. Erneute Beschlagwortungen
von bereits erschlossenem Material sollten dagegen tunlichst vermieden werden.
129
4.2.6. Fremddatennutzung, Verbundkatalogisierung und Retrokonversion
Fremddatennutzung wird zur Zeit im integrierten Bibliothekssystem der Kunstbibliothek
und des Ibero-Amerikanischen-Instituts nicht in ausreichendem Maße betrieben. Es erfolgt
bspw. keine Übernahme von Titelaufnahmen Der Deutschen Bibliothek. Im URICA-Nachfolgesystem ist die Bereitstellung der technischen Möglichkeiten zur konsequenten
Nutzung von bibliographischen Fremddaten unverzichtbar. Die Normdaten und Titelaufnahmen Der Deutschen Bibliothek müssen ohne Veränderungen ins eigene EDV-System
übernommen werden. Die Sacherschließung nach RSWK ist im Regelfall ebenfalls ohne
Veränderungen zu übernehmen.
Um den Anteil der übernommenen Fremddaten, der in Zukunft für die Effizienz
einer Bibliothek noch stärkere Bedeutung bekommen wird, weiter steigern zu können,
sollte für das Bibliothekssystem der Staatlichen Museen zu Berlin die Möglichkeit eines
Beitritts zu einem der großen überregionalen Bibliotheksverbünde geprüft werden. Der
spezielle Fachverbund der deutschen Kunstbibliotheken (Zentralinstitut für Kunstgeschichte in München, Bibliotheca Hertziana in Rom und Kunsthistorisches Institut in
Florenz) kommt hierfür nicht infrage, da er eine Sacherschließung nach einer proprietären
Systematik des Münchner Zentralinstituts betreibt. Da die Kunstbibliothek seit 1994 eine
Sacherschließung in Anlehnung an RSWK unter Verwendung der Schlagwortnormdatei
Der Deutschen Bibliothek betreibt, ist sie auf der Sacherschließungsebene grundsätzlich
kompatibel zu den Verfahren der Regionalverbünde. Die erste Wahl für einen Beitritt wäre
ohne Zweifel der Südwestverbund, da er die für die Museen wesentlichen an die Sondersammelgebietsförderung der DFG angeschlossenen Bibliotheken umfasst. Es handelt sich
um die Universitätsbibliothek Heidelberg (SSG 6,14 Klassische Archäologie, SSG 6,21
Ägyptologie, SSG 9 Kunstwissenschaft, Allgemeines und SSG 9,1 Mittlere und Neuere
Kunstgeschichte bis 1945), die Sächsische Landesbibliothek Dresden (SSG 9,11 Zeitgenössische Kunst ab 1945) und die Universitätsbibliothek Tübingen (SSG 6,22 Alter
Orient). Auch die Universitätsbibliothek der Humboldt- Universität zu Berlin hat zwei für
die Museen interessante Sondersammelgebiete (SSG 7,13 Allgemeine und vergleichende
Volkskunde und SSG 10 Allgemeine und vergleichende Völkerkunde). Ein Beitritt zum
Südwestverbund dürfte für die Museen Synergieeffekte in der Katalogisierung erbringen.
Hier sollte auf jeden Fall eine Analyse hinsichtlich des Umfangs der zu erwartenden
Fremddatennutzung und der Beitrittsmöglichkeiten erfolgen. Auch für alle anderen
Sammelgebiete außerhalb der traditionellen mittleren und neueren Kunstgeschichte sollten
130
alle infrage kommenden Möglichkeiten der Fremddatennutzung und des Zugangs zu
fachspezifischen Informationssystemen eruiert werden.
Eine Retrokonversion der teilweise exzellenten und in systematischen Katalogen
zum Teil auch gut erschlossenen Altbestände der Staatlichen Museen muss ein mit besonderer Priorität verfolgtes mittelfristiges Ziel der Bibliotheksplanung sein. Hierzu sollte die
voraussichtlich im Jahre 2002 bis 2003 abgeschlossene Konversion des Berliner Gesamtkataloges (BGK) abgewartet werden, um die dort erstellten Daten nachnutzen zu können.
Es handelt sich hierbei um große Teile der Museumsbestände, da sowohl die Kunstbibliothek als auch die Bibliothek des Völkerkundemuseums an den BGK gemeldet haben.
Wenn die konvertierten Daten vorliegen, muss zunächst ein Abgleich mit dem alphabetischen Katalog der Kunstbibliothek erfolgen, um festzustellen, ob der Datenbestand vollständig ist. Anschließend muss die Hierachie des systematischen Kataloges manuell in ein
maschinenlesbares Notationensystem umgesetzt werden. Wenn möglich sollten hierbei
direkt Konkordanztabellen zu den Notationen der neuen Aufstellungssystematik erstellt
werden. Im nächsten Schritt werden die Notationen auf den Karten im systematischen
Katalog aufgestempelt. Anschließend werden die entsprechenden Titelaufnahmen im integrierten Bibliothekssystem aufgerufen und lediglich die Notation – eine simple Folge von
Buchstaben und Ziffern – nachgetragen. Dadurch, dass das Notationssystem als Normdatei
mit zugehörigen normalsprachlichen Deskriptoren vorliegt, kann in einem dafür geeigneten
EDV-System sowohl nach einzelnen Schlagworten und Schlagwortketten gesucht werden
als auch ein hierarchisches Browsing innerhalb der Hierarchie erfolgen. Ein derartiges
Verfahren müsste grundsätzlich auch für den Zentralkatalog der ehemaligen Museumsbibliothek anwendbar sein.
Die Digitalisierung der vorhandenen Zettelkataloge in Form sogenannter ImageKataloge, in denen nur jede fünfzigste Karte manuell nachindexiert wird und die Navigation innerhalb eines Stapels von fünfzig Karten durch einfaches Weiterschalten des
Bildschirms durch den Benutzer erfolgt, kann grundsätzlich nicht befürwortet werden. Sie
ist zwar schnell und in einem überschaubaren Kostenrahmen durchführbar, aber von ihrem
Prinzip her eine geradezu lächerliche Parodie der durch die EDV gegebenen Recherchemöglichkeiten in echten Onlinekatalogen. Die Mittel zur Erstellung derartiger Kataloge
sind nach meiner Auffassung nicht sinnvoll angelegt und sollten besser in eine echte
Konversion investiert werden, auch wenn der traditionelle Kartenkatalog dadurch einige
Jahre länger in Betrieb bleiben muss.
131
4.2.7. Benutzung
Die Hand- und Fachbibliotheken der Museen dienen
der Regel nur der Literaturversor-
gung der entsprechenden Museumsmitarbeiter. Uneingeschränkt öffentlich zugänglich ist
im Verbund der Museen nur die Kunstbibliothek. Die Fachbibliotheken des Ethnologischen Museums, des Museums Europäischer Kulturen, des Museums für Vor- und Frühgeschichte, des Instituts für Museumskunde, des Kupferstichkabinetts und des Kunstgewerbemuseums sind der Öffentlichkeit in mehr oder weniger beschränkter Form zugänglich. Selbst wenn die Bibliotheken zugänglich sind, bedeutet dies noch nicht, dass sie für
Aussenstehende mit Gewinn benutzbar wären. Eine unzureichende Erschließung der Bestände und fehlendes Personal lassen keine geordnete Benutzung zu. Ein langfristiges Ziel
der Bibliothekspolitik an den Staatlichen Museen sollte in der konsequenten öffentlichen
Zugänglichmachung aller musealen Buchbestände liegen. Hierzu ist die Einrichtung dreier
zentraler Standortbibliotheken zwingend notwendig, denn die für eine geordnete
Benutzung nötige Infrastruktur kann aus Kostengründen unmöglich an 20 Museen parallell
vorgehalten werden.
4.2.8. Digitale Bibliothek
Mit dem “Lita Annenberg Hazen and Joseph H. Hazen Center for Electronic Information
Resources” verfügt die Bibliothek des Metropolitan Museum of Art seit 1997 über eine
Institution, die sich der Erschließung und Bereitstellung digitaler Dokumente aus dem
WWW widmet.369 In Deutschland firmieren derartige Aktivitäten unter dem Stichwort
“Digitale Bibliothek”. Auch die Staatlichen Museen benötigen künftig eine Einrichtung,
die die in Hinsicht auf die Sammelgebiete einschlägigen digitalen Angebote sichtet und
den Museumswissenschaftlern in strukturierter Form zur Verfügung stellt. Diese Fachaufgabe sollte bei der Koordinationsstelle für das Bibliothekssystem angesiedelt und in enger
Kooperation mit dem IT-Referat der Museen verwirklicht werden.
369
“While continuing to develop its strong collection of early printed material, Watson Library is at the forefront in providing current technologies to the more than 20,000 researchers who use the library every year. A
major endowed gift from the Lita Annenberg Hazen and Joseph H. Hazen Foundation assured the library's
role as a leader in offering access to and training in a wide range of electronic resources. The Lita Annenberg
Hazen and Joseph H. Hazen Center for Electronic Information Resources, inaugurated in the fall of 1997, is
now the most comprehensive such center in the world devoted to the study of the history of art, and it has
served as a model for many other research libraries.” <http://www.metmuseum.org/collections/department.
asp?dep=16&mark=2#a> Zugriff am 29.9.2000.
132
4.2.9. Zur IT–Struktur an den Staatlichen Museen
Am Schluss dieser Arbeit soll noch ein kurzer Ausblick auf die IT-Struktur an den
Staatlichen Museen zu Berlin stehen. Leider ist auch hier die Neigung zur Zusammenarbeit
zwischen den einzelnen Institutionen nicht besonders ausgeprägt. Das Institut für
Museumskunde wies im Jahresbericht der Museen für 1998 darauf hin, dass es eine
Institutionen-Datenbank mit den administrativen Daten von etwa 5.500 Museen und ihren
Trägern führt. Eine zweite Datenbank dokumentiert die Sonderausstellungen der deutschen
Museen. Diese Sonderausstellungs-Datenbank enthält Angaben zu den seit 1993 durchgeführten Sonderausstellungen in deutschen Museen. In dem nach RAK-WB bzw. MAB1
erstellten und auf dem URICA-System geführten Bibliothekskatalog der Kunstbibliothek
werden bei der Titelaufnahme von Ausstellungskatalogen ebenfalls die genauen Daten der
Ausstellungen (Ort, Datum, Veranstalter) aufgenommen. In der nach dem MIDAS-Regelwerk erstellten und auf dem MUSYS-System geführten Inventar- und Dokumentationsdatenbank der Museen der europäischen Kunst wird ebenfalls eine Ausstellungsdatei mit
detaillierten Informationen zu Orten, Daten, Veranstaltern usw. geführt. Die MIDAS Verwalterdatenbank hat wiederum Berührungspunkte mit der Institutionen Datenbank des
Instituts für Museumskunde. Am Rathgen-Forschungslabor gibt es ebenfalls laut dem
Jahresbericht der Museen für 1998 fünf umfassende Datenbanken, deren Pflege durch
fehlendes Personal nicht mehr mit der notwendigen Sorgfalt erfolgen kann. Es handelt sich
um eine Datenbank der untersuchten Einzelobjekte auf Basis von Microsoft-Access, eine
Fälschungsdatenbank, eine Literaturdatenbank, die die gesamte Literatur über die naturwissenschaftliche Untersuchung und Erhaltung kulturgeschichtlicher Objekte bibliographisch verzeichnet, eine Datenbank von Metallanalysen und eine ebenfalls auf AccessBasis aufgebaute Bilddatenbank. Die Literaturdatenbank des Rathgen-Forschungslabors
verzeichnet Titel, die auch in den Bibliothekskatalog der Kunstbibliothek aufgenommen
werden müssten. Im MIDAS / MUSYS-System der Museen der europäischen Kunst gibt es
eine bibliographische Datei mit Literaturnachweisen, die aufgrund der identischen
Sammelgebiete im Bibliothekskatalog der Kunstbibliothek nachgewiesen werden müssten.
Im URICA-System wird wiederum eine Personennamendatei geführt, die in weiten Teilen
mit der MIDAS Personennamendatei identisch ist.
Zwar gibt es für diese parallelle Datenerzeugung und Verwaltung eine Reihe von
sachlichen Argumenten und auch eine Reihe von technischen Schwierigkeiten, die eine
Verlinkung der entsprechenden Dateien bislang verhinderten, aber in der Zukunft wird
133
man auch in diesem Bereich zu einer größeren strukturellen und technischen Einheitlichkeit kommen müssen. Eine verbindende Schlüsselrolle müssten meines Erachtens nach
dabei die Normdateien übernehmen. Namen sollten grundsätzlich nur noch aus der zentralen Personennamendatei Der Deutschen Bibliothek bezogen werden, ebenso geographische und Sachschlagworte. Jede Doppelerfassung von identischen Daten sollte im
Bereich der Staatlichen Museen vermieden werden. Eine MIDAS Ausstellungsdatei ist
bspw. überflüssig, wenn entsprechende und vermutlich differenziertere Daten bereits im
Institut für Museumskunde vorliegen. Eher sollte man sich untereinander auf den Aufbau
eigener Normdateien verständigen. Eine sinnvolle Aufteilung würde z.B. wie folgt aussehen: Bibliographische Normdaten werden ausschließlich durch die Kunstbibliothek bzw.
das künftige Bibliothekssystem erstellt, die Dateien zu Institutionen und Ausstellungen
pflegt das Institut für Museumskunde und die Daten zu den Sammlungsgegenständen
werden ausschließlich im MIDAS-MUSYS System vorgehalten. Normdateien wie der Art
and Architecture Thesaurus oder der Thesaurus of Geographical Names der Getty-Foundation sollten ebenfalls auf ihre Verwendungsfähigkeit geprüft und bei entsprechender
Eignung eingesetzt werden. Alle Datenbanken im Bereich der Museen werden durch eine
Suchmaschine verbunden, die mittels der gemeinsam verwendeten Normdaten eine
verteilte parallele Suche in heterogenen Datenbeständen erlaubt.
Es sollte eine enge Zusammenarbeit zwischen der Objektdokumentation der Museen,
die zur Zeit eine Aufgabe der Abteilungen ist und vom IT-Referat koordiniert wird und
dem künftigen Bibliothekssystem erfolgen. Weder die Bibliotheken, noch die Objektdokumentation noch irgendeine andere EDV-Anwendung an den Staatlichen Museen kann in
Zukunft losgelöst von den allgemeinen Entwicklungen einer sich durch Anwendungen der
Informationstechnologie rasant verändernden Welt betrachtet werden. Der gesamte
Bereich muss als Einheit gesehen werden, die Informationen benötigt, verwaltet und
produziert. Hierfür müssen abteilungsübergreifende Standards entwickelt und national und
international etablierte Standards konsequent genutzt werden. Mit einer derartigen Fokussierung auf die integrierte Erschließung ihrer enzyklopädischen Bestände würden die
Staatlichen Museen zu Berlin ihrem Rang auch in Zukunft gerecht werden.
134
5.
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zur Geschichte der preussischen Kunstverwaltung 1872-1905. Berlin: De Gruyter 1959.
Pretzell 1959
Pretzell, Lothar: Das Kunstgutlager Schloß Celle 1945 bis 1959. Celle 1959.
Pretzell 1962
Pretzell, Lothar: Museum für Deutsche Volkskunde In: Jahrbuch der Stiftung Preußischer
Kulturbesitz. 1. 1962. S. 249-254.
Preussischer Kulturbesitz 1986
Preussischer Kulturbesitz. 25 Jahre in Berlin. Sammeln-Forschen-Bilden. Aus der Arbeit der
Stiftung Preußischer Kulturbesitz 1961-1986. Berlin: Mann 1986 (Jahrbuch Preußischer Kulturbesitz ; Sonderband ; 3).
Rasche 1994
Rasche, Adelheid: Wege zur Mode. Die Lipperheidesche Kostümbibliothek. In: Kunst in der
Bibliothek. Zur Geschichte der Kunstbibliothek und ihrer Sammlungen. Hrsg. von Bernd Evers.
Berlin: Akademie Verlag 1994. S. 252-259.
Rave 1955
Rave, Paul Ortwin: Die Kunstbibliothek. Eine Einführung für ihre Benutzer. 2. Aufl. Berlin:
Ehemals Staatliche Museen Berlin 1955.
Rave 1962
Rave, Paul Ortwin: Ignaz von Olfers. In: Westfälische Lebensbilder. 9. 1962. S. 109-124.
Rave 1968
Rave, Paul Ortwin: Die Geschichte der Nationalgalerie Berlin von ihren Anfängen bis zum Ende
des Zweiten Weltkrieges. 2. unveränderte Auflage. Berlin: Nationalgalerie der Staatlichen
Museen Preußischer Kulturbesitz 1968.
142
Rave 1987
Rave, Paul Ortwin: Kunstdiktatur im Dritten Reich. Hrsg. von Uwe M. Schneede. Berlin: Argon
1987.
Rosenbaum 1930
Rosenbaum, Eduard: Commerzbibliothek und die Bibliothek Warburg in Hamburg. In: Zentralblatt
für Bibliothekswesen. 47. 1930. S. 520-523.
Rücker 1976
Rücker, Elisabeth: Die Projekte und laufenden Vorhaben der Arbeitsgemeinschaft der
Kunstbibliotheken. In: ASpB. Bericht über die 15. Tagung. 1976. S. 115-118.
Scheffler 1921
Scheffler, Karl: Berliner Museumskrieg. Berlin: Bruno Cassirer 1921.
Schifner 1970
Schifner, Kurt: Die Zentralbibliothek in den Jahren 1959 bis 1969. In: Forschungen und Berichte.
Archäologische Beiträge. 12. 1970. S. 160-161.
Schinkel 1863
Aus Schinkel's Nachlaß. Reisetagebücher, Briefe und Aphorismen. Mitgetheilt und mit einem
Verzeichnis sämmtlicher Werke Schinkel's versehen von Alfred Freiherrn von Wolzogen. 3. Bde.
Berlin: Decker 1863.
Schmeichler 1991
Schmeichler, Renate: Zentralbibliothek. Jahresberichte 1988 und 1989. In: Forschungen und
Berichte. 31. 1991. S. 351.
Schmidt 1949
Schmidt, Robert: Aus der Arbeit des Zonal Fine Arts Repository in Schloß Celle. In: Kunstchronik.
2.1949. Heft 5, S. 73-75.
Schmitz 1931
Schmitz, Hermann: Revolution der Gesinnung! Preussische Kulturpolitik und Volksgemeinschaft
seit dem 9. November 1918. Neubabelsberg: Selbstverlag 1931.
Schmitz 1936
Schmitz, Hermann: Die Staatliche Kunstbibliothek in Berlin. In: Börsenblatt für den Deutschen
Buchhandel, 103. Jg. 1936. Nr. 235. S. 871-872.
Schmitz 1940
Schmitz, Hermann: Die Staatliche Kunstbibliothek in Berlin. Ihre Gliederung, ihre Bestände und
neuen Zugänge. Zugleich eine Einführung für die Benutzer. Berlin 1940.
Schöne 1880
Schöne, Richard: Die Gründung und Organisation der Königlichen Museen. In: Zur Geschichte
der Königlichen Museen in Berlin. Festschrift zum fuenfzigjährigen Bestehen am 3. August 1880.
Berlin. 1880. S. 33-58.
Schöne 1904
Schöne, Richard: Zur Erinnerung an Friedrich Lippmann. In: Jahrbuch der Preussischen Kunstsammlungen. 25. 1904. S.
Schramm 1927
Schramm, A.: Die deutschen Museumsbibliotheken. In: Zentralblatt für Bibliothekswesen. 44.
1927. S. 516-519.
Schunk 1993
Schunk, Gisela: Wilhelm Waetzoldt. Universitätslehrer - Kunstreferent der Weimarer Republik –
Generaldirektor der Staatlichen Museen Berlin. In: Jahrbuch Preußischer Kulturbesitz. 1993. S.
407-491.
143
Spezialbibliotheken 1996
Spezialbibliotheken in Deutschland. Band 2: Kunst, Kultur, Museen. Bad Honnef: Bock und
Herchen 1996.
Statut für die Königlichen Museen zu Berlin 1908
Statut für die Königlichen Museen zu Berlin nebst Abänderungs- und Ergänzungsbestimmungen.
Berlin 1908.
Steenbock 1986
Steenbock, Frauke: Museumsbibliothek. In: Preussischer Kulturbesitz. 25 Jahre in Berlin.
Sammeln-Forschen-Bilden. Berlin: Mann 1986. (Jahrbuch Preußischer Kulturbesitz ; Sonderband
; 3). S. 146-147.
Stock 1929
Stock, Friedrich: Zur Vorgeschichte der Berliner Museen; Urkunden von 1786 bis 1807. In:
Jahrbuch der Preussischen Kunstsammlungen. Beiheft zum 49. Band. Berlin 1929. S. 72f.
Stock 1930
Stock, Friedrich: Urkunden zur Vorgeschichte des Berliner Museums. In: Jahrbuch der
Preussischen Kunstsammlungen. 51. 1930. S. 205-222.
Thon 1994
Thon, Christina: Zur Bedeutung des Ornaments für Vorlagenwerke, Architekturzeichnungen und
kunstgewerbliche Entwürfe der Ornamentstichsammlung und der Sammlung der Handzeichnungen. In: Kunst in der Bibliothek. Zur Geschichte der Kunstbibliothek und ihrer Sammlungen. Hrsg. von Bernd Evers. Berlin: Akademie Verlag 1994. S. 128-131.
Veit 1986
Veit, Willibald: Museum für Ostasiatische Kunst. In: Preussischer Kulturbesitz. 25 Jahre in Berlin.
Sammeln-Forschen-Bilden. Berlin: Mann 1986. (Jahrbuch Preußischer Kulturbesitz ; Sonderband
; 3). S. 42-46.
Waetzoldt 1921
Waetzoldt, Wilhelm: Gedanken zur Kunstschulreform. Leipzig: Quelle & Meyer 1921.
Waetzoldt 1930
Waetzoldt, Wilhelm: Die Staatlichen Museen zu Berlin. 1830-1930. In: Jahrbuch der Preussischen Kunstsammlungen. 51. 1930. S. 189-204.
Waetzoldt 1931
Waetzoldt, Wilhelm: Denkschrift über die Berliner Museen als Forschungsstätten. Berlin 1931.
Waetzoldt 1962a
Waetzoldt, Stephan: Die Kunstbibliothek. Eine Einführung für ihre Benutzer. Berlin 1962.
Waetzoldt 1962b
Waetzoldt, Stephan: Kunstbibliothek. In: Jahrbuch der Stiftung Preußischer Kulturbesitz. 1. 1962.
S. 232-235.
Waetzoldt 1963
Waetzoldt, Stephan: Die Ornamentstichsammlung der Kunstbibliothek. In: Jahrbuch der Stiftung
Preusischer Kulturbesitz. 2. 1963. S. 175-180.
Waetzoldt 1964
Waetzoldt, Stephan: Die Forschung an den Staatlichen Museen. In: Jahrbuch der Stiftung
Preußischer Kulturbesitz. 3. 1964/65. S. 47-69.
Waetzoldt 1970
Waetzoldt, Stephan: Carl Koch. In: Berliner Museen. Berichte aus den Staatlichen Museen des
Preußischen Kulturbesitzes. N. F. 20. 1970. S. 2.
144
Waetzoldt 1980
Waetzoldt, Stephan: 150 Jahre Preußische Museen. In: Bilder vom Menschen in der Kunst des
Abendlandes. Jubiläumsausstellung der Preußischen Museen Berlin 1830 - 1980. Berlin: Mann
1980. S. 13-39.
Waetzoldt 1981
Waetzoldt, Stephan: Museumspolitik. Richard Schöne und Wilhelm von Bode. In: Kunstverwaltung, Bau- und Denkmalpflege im Kaiserreich. Berlin 1981. S. 481 - 490.
Walravens 1989
Walravens, Hartmut: Curt Glaser (1879-1943). Zum Leben und Werk eines Berliner Museumsdirektors. In: Jahrbuch Preußischer Kulturbesitz. 1989. S. 99-121.
Wegner 1978
Wegner, Claudia: Darstellung einer Spezialbibliothek am Beispiel der Kunstbibliothek der Stiftung
Preussischer Kulturbesitz. Entwicklung, Aufbauorganisation, Ablauforganisation. Diplomarbeit.
Berlin: Freie Universität / Institut für Bibliothekswissenschaft und Bibliothekarausbildung 1978.
Westheim 1921
Westheim, Paul: Broschürenkrieg. Nachträgliche Anmerkungen zu Schefflers "Museumskrieg".
In: Das Kunstblatt. 5. 1921. S. 314.
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Westphal, Dorothee: Zentralbibliothek der Museen. In: Jahrbuch der Stiftung Preußischer Kulturbesitz. 1. 1962. S. 47-48; 255-257.
Westphal-Hellbusch 1973
Westphal-Hellbusch, Sigrid: Hundert Jahre Museum für Völkerkunde Berlin. Zur Geschichte des
Museums. In: Baessler-Archiv N.F. 21. 1973. S. 1-100.
Wild; Hänsel 1995
Wild, Beate; Hänsel, Alix: Berlin 41. Staatliche Museen zu Berlin Preußischer Kulturbesitz Bibliothek des Museums für Vor- und Frühgeschichte. In: Handbuch der historischen
Buchbestände in Deutschland. Bd. 15. Berlin. Teil 2. Hildesheim: Olms 1995. S. 133-135.
Winkler 1920
Winkler, Friedrich: Bibliotheksfragen und Kunstpflege. In: Kunstchronik und Kunstmarkt. Wochenschrift für Kenner und Sammler. 55 Jg. N.F. 31. Nr. 43/44. 1920. S. 837-841.
Winkler 1930
Winkler, Friedrich: Die Museumsbibliothek. In: Gesamtführer zur Hundertjahrfeier. Hrsg. vom
Generaldirektor. Berlin 1930. S. 181-187.
Winkler 1981
Winkler, Wolfgang: Kunstbibliotheken in der Deutschen Demokratischen Republik. In: Zentralblatt
für Bibliothekswesen. 95. 1981. S. 546-549.
Winkler 1984
Winkler, Friedrich: Kriegschronik der Berliner Museen, abgeschlossen Mai 1946. In: KühnelKunze, Irene: Bergung - Evakuierung - Rückführung. Die Berliner Museen in den Jahren 19391959. Berlin: Mann 1984. S.341-354.
Zöller-Stock 1994
Zöller-Stock, Bettina: "...neben dem guten Alten das beste Neue". Die zeitgenössische
Architekturzeichnung in der Kunstbibliothek. In: Kunst in der Bibliothek. Zur Geschichte der
Kunstbibliothek und ihrer Sammlungen. Hrsg. von Bernd Evers. Berlin: Akademie Verlag 1994. S.
170-172.
Zur Geschichte der Königlichen Museen 1880
Zur Geschichte der Königlichen Museen in Berlin. Festschrift zum fuenfzigjährigen Bestehen am
3. August 1880. Berlin 1880.
145
Zur Sammlungsgeschichte 1994
Zur Sammlungsgeschichte. In: Das Berliner Kupferstichkabinett. Hrsg. von Alexander Dückers.
Berlin: Akademie Verlag 1994. S. 17-42.
146
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