97Theke

97Theke
INFORMATIONSBLATT DER MITARBEITERINNEN UND MITARBEITER
IM BIBLIOTHEKSSYSTEM DER UNIVERSITÄT H EIDELBERG
Inhalt
1997
7
Eine Handschrift kehrt zurück
22
Von der Handschrift zu den frühen Drucken
29
Philipp Melanchthon in Südwestdeutschland
30
Melanchthon in Südwestdeutschland – Bildungsstationen eines Reformators
34
Von der Liberey zur Bibliothek – Kostbarkeiten aus der
Sächsischen Landesbibliothek in der Universitätsbibliothek Heidelberg
50
Tintenfraß – Ein ungelöstes Problem?
53
Zustand und Schadensentwicklung des Codex Manesse
57
Erwerbungsprofile –
Richtlinien für einen bedarfsorientierten, transparenten Bestandsaufbau
69
Internet für Forschung und Lehre
74
Selbstbedienung der Benutzer bei der Dokumentlieferung –
Chance oder Gefahr für Bibliotheken
78
Warum sollte es eigentlich in der Bundesrepublik Deutschland
kein forschungsfähiges sinologisches Institut geben?
87
Bibliographie zum Bibliothekssystem der Universität Heidelberg
Theke 1997
Herausgeberin:
Universitätsbibliothek Heidelberg
Plöck 107-109, D-69117 Heidelberg; Postfach 10 57 49, D-69047 Heidelberg
Fax (0 62 21) 54 26 23, Tel. (0 62 21) 54 23 80, E-Mail: [email protected]
Redaktion:
Peter Brose, UB, ☎ 54 - 27 75
Dr. Hermann Josef Dörpinghaus, UB, ☎ 54 - 23 80
Jutta Erraß, UB, ☎ 54 - 23 80
Eveline Maintz, UB, ☎ 54 - 25 75
Dr. Sybille Mauthe, UB, ☎ 54 - 26 12
Monika Münnich, UB, ☎ 54 - 25 74
Franz Martin Scherer, M. A., Seminar für Klassische Philologie, ☎ 54 - 22 60
Angelika Stabenow, Hochschule für Jüdische Studien, ☎ 91 25 25 oder 54 - 76 17
Ralf Werner Wildermuth, UB, ☎ 54 - 26 26
Korrespondierendes Mitglied:
Rose Ullmer, Stadtbücherei, ☎ 58 36 06
Herstellung:
Universitätsbibliothek
Erscheinungsweise:
1 Jahresheft
Namentlich gekennzeichnete Beiträge geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion wieder.
Nachdruck nur mit ausdrücklicher Genehmigung der Herausgeberin gegen Quellenangabe und Zusendung zweier Belegexemplare.
Preis:
fer umme
ISSN 0175-5781
URL: http://www.ub.uni-heidelberg.de/helios/epubl/theke/
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Theke 1997
Die Beiträge dieses Heftes stammen von:
Dr. Achim Bonte, Leiter der Abteilung Informationsanwendung und Non-BookMedienverwaltung, Fachreferent für Allgemeines, Geographie und Germanistik,
Universitätsbibliothek
Dr. Stefanie Berberich, Ausbildungsleiterin, Fachreferentin für
Erziehungswissenschaften, Philosophie und Theologie, Universitätsbibliothek
Jens Dannehl, Diplom-Restaurator, Universitätsbibliothek
Dr. Hermann Josef Dörpinghaus, Ltd. Direktor der Universitätsbibliothek
Dr. Annette Eckes, Leiterin der Zweigstelle, Fachreferentin für Medizin und
Psychologie, Universitätsbibliothek
Jürgen Hering, Generaldirektor der Sächsischen Landesbibliothek –
Staats- und Universitätsbibliothek Dresden
Prof. Dr. Hans Joachim Meyer, Sächsischer Staatsminister für
Wissenschaft und Kunst
Dr. Manfred Mühlner, Leiter i. R. des Dezernats Sondersammlungen der
Sächsischen Landesbibliothek
Ministerialdirigent Hans-Jürgen Müller-Arens, Leiter der Abteilung Kunst im
Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst Baden-Württemberg
Dr. Armin Schlechter, Leiter der Abteilung Handschriften und Alte Drucke,
Fachreferent für Handschriften- und Inkunabelkunde sowie Buch- und
Bibliothekswesen, Universitätsbibliothek
Dr. h. c. Klaus von Trotha, Minister für Wissenschaft, Forschung und Kunst des
Landes Baden-Württemberg
Prof. Dr. Dres. h. c. Peter Ulmer, Rektor der Universität bis Herbst 1997
Prof. Dr. Lothar Voetz, Germanistisches Seminar der Universität
Prof. Dr. Rudolf G. Wagner, Direktor am Sinologischen Seminar der Universität
Dr. Udo Wennemuth, Historiker, Heidelberg
Prof. Dr. Eike Wolgast, Direktor am Historischen Seminar der Universität
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Theke 1997
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Theke 1997
Editorial
Im Herbst dachten wir ja noch, dies würde
eine „Historiker-Theke“ oder ein „Lobgesang“ auf das „Alte Buch“. Uns lagen
die Reden zu zwei Ausstellungen vor, die
1997 von der Universitätsbibliothek präsentiert wurden. „Von der Liberey zur
Bibliothek“ zeigte Kostbarkeiten aus der
Sächsischen Landesbibliothek, „Melanchthon in Südwestdeutschland“ befaßte
sich mit den Bildungsstationen eines Reformators. Diese Beiträge wurden dann
noch ergänzt durch Untersuchungen zu
„Zustand und Schadensentwicklung des
Codex Manesse“, zwar ein aktuell brennendes Thema, aber eben doch mit eindeutigem Bezug zum „Alten Buch“ – genau so wie der Bericht von einer Restauratorentagung zum „Tintenfraß“. Daß mit
dem Erwerb der Chronik des Matthias
von Kemnat durch die Universitätsbibliothek eine für die Pfälzer Landesgeschichte eminent wichtige handschriftliche Quelle in die ehemalige Kurpfalz zurückgekehrt ist und uns ein herausragendes Zeugnis mittelalterlichen Geisteslebens in Heidelberg bietet, erfreut die Mediävisten, ist
vielleicht auch für Interessenten an modernem Sponsorentum ein bemerkenswertes Exemplum; insgesamt ist unser erster
Beitrag – „Eine Handschrift kehrt zu-
rück“ – aber doch etwas aus dem Bereich
„Altes Buch“. Und diesem ist ebenso der
erhellende Abriß „Von der Handschrift zu
den frühen Drucken“ über die Ablösung
ersterer durch letztere im ausgehenden
Mittelalter und der frühen Neuzeit zuzuordnen, in dem der Leiter der Abteilung
Handschriften und Alte Drucke der Universitätsbibliothek anhand unserer Bestände Erzeugnisse südwestdeutscher Schreiberwerkstätten, Blockbücher und aufwendige Handschriften des 16. und 17. Jahrhunderts vorstellt.
Wir waren ob all dieser „Historie“ dann
doch froh, daß in vier weiteren Beiträgen
dieses Jahreshefts der Theke Erzeugnisse
vergangener Jahrhunderte weniger den
Mittelpunkt der Erörterung bilden. Das
von dem Fachreferenten für Germanistik
erarbeitete „Erwerbungsprofil“ als Richtlinie für den Bestandsaufbau zielt voll auf
die tägliche Praxis des Höheren Diensts in
Bibliotheken (die Kemnat-Chronik – auch
eine Erwerbung – ist demgegenüber alles
andere als tägliche Praxis). Und genau so
zum heute immer gebrauchten Handwerkszeug von Bibliothekaren (aller)
Laufbahnen gehört die Nutzung und Propagierung des „Internet für Forschung
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und Lehre“. Dessen Möglichkeiten bilden
auch einen Schwerpunkt im Aufbau einer
inzwischen international anerkannten Bibliothek, zu der neben den modernen
Medien freilich auch die traditionellen
Druckerzeugnisse (Bücher, Zeitschriften,
Zeitungen) gehören und so notwendige
Ressourcen für ein „forschungsfähiges
sinologisches Institut“ in Heidelberg bieten; dessen Direktor zeigt in erfrischender
Weise auf, was mit beständigem Einsatz
(Elan, Kooperation und auch Finanzmittel) in nur zehn Jahren geschafft werden
kann. Weiter ist das Internet auch notwendige Infrastruktur für die „Selbstbedienung der Benutzer bei der Dokumentlieferung“: Die wissenschaftlichen Bibliotheken verzeichnen hier mit Electronic
Document Delivery eine neue Dienstleistung mit wachsender Tendenz.
An letzter Stelle dieser Theke steht
eine „Bibliographie zum Bibliothekssystem der Universität Heidelberg“, die für
den Berichtszeitraum 1990–1996 eine
Informationsquelle über Bücher und Aufsätze aus der Heidelberger Bibliothekslandschaft ist.
Theke 1997
Eine Handschrift kehrt zurück
Feierliche Übergabe der Chronik des
Matthias von Kemnat am Montag,
dem 29. September 1997,
in der Aula der Alten Universität
Am 29. September 1997 erwarb die Universitätsbibliothek Heidelberg eine um 1476
in Heidelberg geschriebene und hier auch gebundene Handschrift. Es handelt sich um
eine der sieben mittelalterlichen Textzeugen der Chronik des Matthias von Kemnat.
Diese Heidelberger Handschrift stellt das Hauptwerk des zum kleinen Kreis des
Pfälzer Frühhumanismus gehörenden Matthias von Kemnat dar. Dieser – aus der
Oberpfalz stammend – kam erstmalig 1447 als Student mit Heidelberg in Berührung.
Als späterer Hofhistoriograph und Vertrauter Friedrich I., des Siegreichen, stand er im
Zentrum eines entscheidenden Abschnitts der pfälzischen Geschichte. Seine Chronik
enthält im ersten Teil eine Art Weltgeschichte, die inhaltlich von Julius Caesar bis zur
Gegenwart des Verfassers reicht, während sich der zweite Teil ganz auf landesgeschichtliche Ereignisse, vor allem aber auf die Person Friedrich I. richtet. Dieser gilt
als der bedeutendste Pfalzgraf im 15. Jahrhundert und brachte die Pfalz in harten
Auseinandersetzungen auf eine nie mehr gekannte Machthöhe. Die Chronik des
Matthias von Kemnat stellt ein authentisches und auf ihre Art einzigartiges Zeugnis
Heidelberger Geschichtsschreibung des 15. Jahrhunderts dar. Für die Geschichte der
Pfalz im späteren 15. Jahrhundert – eine kritische Edition gilt schon lange als Desiderat
– ist sein Werk von enormem Quellenwert.
Die jetzt angekaufte Handschrift befand sich mit einer Schwesterhandschrift um
1700 in pfälzischem Beamtenbesitz. Beide Codices wurden 1960 in Heidelberg
versteigert. Die Universitätsbibliothek Heidelberg konnte die jüngere Handschrift
erwerben, die ältere, wertvollere ging zunächst an die Sammlung Ludwig (Köln), dann
aber 1983 mit der gesamten Sammlung an das J.-Paul-Getty-Museum in Malibu.
1997 gab diese Institution im Austausch gegen das Stammheimer Missale – eine
im 12. Jahhundert entstandene Prachthandschrift – 37 Handschriften und Objekte an
das Antiquariat Jörn Günther in Hamburg ab. Im Frühjahr 1997 wurde der Codex der
Universitätsbibliothek zum Kauf angeboten.
Nur aufgrund großer regionaler Spendenbereitschaft konnte die Handschrift
erworben werden. Der Löwenanteil des Kaufpreises wurde mit Hilfe von Sponsoren
aus der freien Wirtschaft finanziert. Der „Rest“ wurde durch Mittel des Ministeriums
für Wissenschaft, Forschung und Kunst Baden-Württemberg bzw. die Kulturstiftung
der Länder abgedeckt.
Nach Jahrzehnten kann damit die Universitätsbibliothek wieder den Zugang einer
mittelalterlichen Handschrift verbuchen – einer Handschrift, die ein herausragendes
Zeugnis mittelalterlichen Geisteslebens in Heidelberg bietet.
Theke veröffentlicht die Ansprachen anläßlich der feierlichen Übergabe der
Chronik am Montag, dem 29. September 1997, in der Aula der Alten Universität.
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Theke 1997
Begrüßung durch den Rektor der Universität,
Prof. Dr. Dres. h. c. Peter Ulmer
Es war einmal eine hohe Schule, die war
weithin bekannt wegen ihres guten Namens und der großen Weisheit ihrer Forscher und Lehrer, aber auch wegen des
Eifers und der Klugheit der Mehrzahl
ihrer vielen Schüler.
Die hohe Schule lag am Eingang eines lieblichen Tals in einer durch ihre
Fahrradwege berühmt gewordenen Stadt
und sie wurde behütet und beschirmt von
einer mächtig aufragenden Burg. In ihren
vielen Häusern herrschte Tag und Nacht
reges Treiben auf der Suche nach dem
Stein der Weisen, und ihre Schätze an
Handschriften, Rezepturen, Büchern und
anderen Zeugnissen der Erkenntnis, überliefert von vielen Generationen von Forschern, waren unzählbar. So war es nicht
verwunderlich, daß jährlich viele hundert
berühmte wandernde Meister und fahrende Gesellen aus aller Welt auf der Suche
nach Wahrheit und Weisheit in ihre Mauern kamen.
Ein wichtiger Mann in der hohen
Schule war der Meister der Bücher und
Schatzhüter der Handschriften und anderer Erzeugnisse der Erkenntnis. Er sorgte
treu für die Bewahrung und Mehrung der
ihm anvertrauten Schätze und zu ihm kamen alle, die sich von ihrem Inhalt Rat
erhofften. Ihn erreichte eines Tages die
Kunde, daß ein anderes Schatzhaus fern
hinter den sieben Meeren sich von einem
besonderen Kleinod trennen wollte und
es zum Verkauf anbot. Da das Kleinod
aus dem lieblichen Tal stammte, da es
dort vor vielen hundert Jahren entstanden
war und da sein Inhalt Aufschluß über
die Stadt und ihre hohe Schule zur damaligen Zeit versprach, war dem Herrn der
Bücher sehr daran gelegen, es für sein
Schatzhaus zu erwerben, aber seine Kassen waren leer. Er ging deshalb zum Vorsteher der hohen Schule und trug ihm
seine Sorge vor.
Der Vorsteher wiegte bedächtig den
Kopf, da ihm der Wunsch des Meisters
der Bücher sehr einleuchtete, seine Kasse
aber auch in keinem guten Zustand war,
denn der König, der versprochen hatte, sie
jährlich zu füllen, steckte selbst in der
Klemme, weil sieben magere Jahre angebrochen waren und seine Goldesel nicht
mehr so viel Gold hergaben wie in den
früheren fetten Zeiten, als man versäumt
hatte, Vorsorge zu treffen. Also sprach
der Vorsteher zum Meister der Bücher:
„Gedulde dich und halte das Kleinod gut
im Blick, inzwischen will ich Rat schaffen, ob wir nicht doch einen Weg finden,
um es zu erwerben“. Und er setzte sich
zusammen mit seinen guten Beratern, wie
er es jeden Mittwoch tat, und bald war
ihnen klar, daß hier nur eine gute Fee
helfen könnte.
Nun hatte die hohe Schule zum Glück
einen Kreis solcher guter Feen. Sie waren
zwar alle männlichen Geschlechts, aber
trotzdem gern zu Diensten bereit. Einer
unter ihnen, ein Doktor Esserius, wurde
wegen seines Weitblicks und seiner guten
Verbindungen besonders geschätzt, und
an ihn wandte sich der Vorsteher. Da war
er am richtigen Mann, denn im Nu hatte
die gute Fee einige Freunde an der Hand,
einen Handelsmann, einen Geldhändler,
zwei Bauleute, kurz: kundige Männer, die
anders als der König rechtzeitig vorgesorgt hatten und daher in der Not helfen
konnten. Da sie auch die hohe Schule
schätzten, griffen sie in ihre Beutelchen
und legten eine schöne Summe zusammen, die ausreichte, um dem Ziel schon
recht nahe zu kommen.
Als der König und seine Kollegen
aus anderen Ländern von dieser frohen
Kunde hörten, waren sie so gerührt, daß
sie ihr letztes Hemd gaben, um den Handel perfekt zu machen. Darüber herrschte
eitel Freude in der hohen Schule, der Vor-
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steher erwarb das Kleinod von dem fernen
Schatzhaus hinter den sieben Meeren und
vertraute es dem Herrn der Bücher an, der
es mit leuchtenden Augen ergriff und sorgsam verwahrte. Und wenn sie und alle ihre
getreuen weisen Forscher und Lehrer, aber
auch die kundigen Schüler nicht gestorben sind, so leben sie heute noch und
können sich des Kleinods erfreuen.
Meine sehr geehrten Damen und
Herren, Wunder ereignen sich bekanntlich selten, wenn sie aber vorkommen,
geht es meist märchenhaft zu. Sehen Sie
es dem Rektor daher bitte nach, daß er
statt der erwarteten Begrüßung der Gäste
zunächst die Rolle eines Märchenerzählers übernommen hat: die Vielseitigkeit
im Rektorat ist ja bekanntlich fast unbegrenzt, und ich verspreche auch, es soll
nicht wieder vorkommen. Was das Kleinod angeht, dürfte deutlich geworden sein,
daß es etwas zu tun hat mit dem, was heute
abend hier gefeiert wird, und das Schatzhaus hinter den sieben Meeren ist das J.Paul-Getty-Museum in Malibu in Kalifornien. Zu all dem werden wir neben dem
Grußwort von Herrn Dörpinghaus vor allem Näheres von Herrn Kollegen Wolgast
und Herrn Kollegen Voetz hören, beiden
darf ich herzlich danken und mich gleichzeitig der Aufgabe entziehen, dazu selbst
noch etwas zu sagen.
Besonderen Gruß und Dank schuldet
die Universität aber den folgenden Persönlichkeiten, erstens zunächst den Freunden des Herrn Dr. Esserius und – versteht
sich – ihm selbst, den Freunden, die sich
spontan für die gute Sache gewinnen ließen. Als allerersten möchte ich hier Herrn
Heinrich Vetter unter uns begrüßen und
ihm den herzlichen Dank der Universität
sagen. Sie, Herr Vetter, haben den Grundstein von beachtlichen Dimensionen für
das heutige Ereignis gelegt und haben uns
Mut gemacht, auf diesem Weg weiterzu-
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gehen. Wir freuen uns, Ihnen dafür heute
einen besonderen Dank sagen zu können,
wie es im Ablauf des Programms vorgesehen ist.
In diesen Dank schließe ich auch die
sehr hilfreichen drei Unternehmen aus
unserer näheren und weiteren Nachbarschaft ein, die mit zu dem Werk beigetragen haben, das ist die Dresdner Bank, die
Firma Bilfinger & Berger und die Heidelberger Zement AG. Herrn Kollegen Seidel
vom Vorstand der Dresdner Bank, der
heute abend unter uns ist, möchte ich ganz
persönlich danken. Der zweite Dank richtet sich an das Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst und seinen
Leiter der Kunstabteilung, Herrn Ministerialdirigenten Müller-Arens. Herr MüllerArens, ich bin natürlich sehr beruhigt, daß
Sie noch ein Hemd anhaben, auch wenn das
letzte gegeben wurde. Ich danke Ihnen
dafür, daß Sie sich so tatkräftig für unser
Werk eingesetzt haben, und auch dafür,
daß Sie zu uns gekommen sind und ein
Grußwort an uns richten werden. Das
Letzte, was dann noch fehlte, hat die Kulturstiftung der Länder, vertreten heute
durch Herrn Däberitz, als Schlußstein
beigetragen. Auch ihm sehr herzlichen
Dank und last but not least dem Antiquar
Herrn Dr. Günther, Sie haben dadurch, daß
Sie die Meßlatte tiefergelegt haben, die
noch bestehende Kluft endgültig beseitigt.
Wir werden Musik von den I Ciarlatani hören. Daß es sich, versteht sich, um
zeitgenössische Musik zur Einstimmung in
die Handschrift handelt, das liegt offen zu
Tage. Und bei all den vielen Namen sollte
einer nicht vergessen werden, das ist Herr
Dr. Dörpinghaus, der zielsicher die Fäden
in der Hand gehabt hat und der heute wieder einmal einen seiner großen Tage hat.
Vielen Dank, Herr Dr. Dörpinghaus.
Dank möchte ich schließlich all denen sagen, die heute zu der Feier gekom-
men sind und ihr Interesse an dem Erwerb
der Handschrift und dem Wohlergehen
der Universität und ihrer Bibliothek dadurch dokumentieren. Ich darf hier noch
sagen, es lohnt, sich bis zum Schluß zu
bleiben, denn erstens können Sie die Hand-
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schrift beim Empfang bewundern, allerdings nicht in die Hand nehmen, aber
doch von Nahem sehen, und zweitens
versprechen wir Ihnen noch eine kleine
Überraschung vor dem Schlußgesang, aber
darüber will ich jetzt noch nichts sagen.
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Grußwort des Leiters der Kunstabteilung im
Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst,
Ministerialdirigent Hans-Jürgen Müller-Arens
Ich freue mich, mit Ihnen heute die Rückkehr einer für Heidelberg und die Kurpfalz so bedeutenden Handschrift feiern
zu können und es ist mir eine Ehre und ein
Vergnügen, Ihnen aus diesem Anlaß die
besten Grüße des Herrn Ministers für Wissenschaft, Forschung und Kunst, Klaus
von Trotha, überbringen zu können. 521
Jahre nach ihrer Entstehung kehrt mit der
Chronik des Matthias von Kemnat eine
Handschrift nach Heidelberg zurück, die
zwar 1623 der Wegführung der Bibliotheca Palatina nach Rom entgehen konnte,
aber wenige Jahrzehnte später veräußert
wurde und – wie so manch anderes Kulturgut – auf verschlungenen Wegen bis
nach Malibu gelangte.
Heute sind unsere Bibliotheken nur
noch in Ausnahmefällen in der Lage, ihren Altbestand durch wertvolle Handschriften und Drucke zu vermehren. Zum
einen wird altes und wertvolles Bibliotheksgut nur noch selten angeboten, zum
anderen können heute mit der Veräußerung von Spitzenwerken der abendländischen Buchkultur auch Spitzenpreise erzielt werden. Dabei ist das Ministerium
für Wissenschaft, Forschung und Kunst
in der glücklichen Situation, immer wieder einmal helfen zu können, wenn es
darum geht, wertvolle Handschriften und
Drucke für unser Land zu sichern oder gar
wieder zu gewinnen. Gott sei dank handelt es sich dabei nicht immer um so
spektakuläre Ankäufe wie diejenigen aus
der Fürstlich Fürstenbergischen Hofbibliothek in Donaueschingen oder aus der
Bibliothek des Neuen Schlosses in Baden-Baden.
Auch der Universitätsbibliothek Heidelberg konnte unser Ministerium gemeinsam mit der vor elf Jahren gegründeten
Stiftung Kulturgut Baden-Württemberg
helfen, wieder in den Besitz von Dokumenten zu gelangen, die in den Wirren des
Dreißigjährigen Krieges abhanden gekommen waren: Durch die Mitfinanzierung
der Verfilmung der Drucke der Bibliotheca Palatina kann die Universitätsbibliothek Heidelberg heute ihren Benutzern
die in den abhanden gekommenen Büchern enthaltenen Informationen wenigstens in der Form von Mikrofiches zur
Verfügung stellen. Die Erwerbung der
Chronik des Matthias von Kemnat ist jedoch vor allem der Eigeninitiative des
Direktors der Universitätsbibliothek Heidelberg, Herrn Dr. Dörpinghaus, zu verdanken, der, wie auch schon bei anderen
Belangen, der Bibliothek mit unermüdlichem Eifer Sponsorengelder eingeworben hat, so daß sich unser Haus dem
Wunsch, mit einem heute durchaus beachtlichen Betrag zu helfen und damit den
Ankauf sozusagen perfekt zu machen,
nicht verschließen konnte und wollte.
Ich sage Dank den Sponsoren – ihre
Namen wurden bereits von Magnifizenz
genannt – die in bewährter Weise geholfen haben, und ich sage Dank der Kulturstiftung der Länder, deren Stellvertretenden Generalsekretär, Herrn Däberitz, ich
herzlich begrüße.
Nachdem ich nun schon rund 20 Jahre in dem Bereich Wissenschaft und Kultur tätig bin und auch immer wieder mit
der Frage der Bereitstellung zusätzlicher
Mittel für bestimmte Projekte befaßt bin,
kann ich feststellen, daß für den Kreis der
Förderer eine positiv gemeinte Bemerkung eines früheren Lehrers von mir zutrifft: „Es sind immer wieder dieselben“.
Ich kann mich dieser Feststellung nur
anschließen und hinzufügen: „Lange möge
es noch so bleiben“.
Mit 6862 Handschriften, 1704 Inkunabeln, 2894 Urkunden und 110.516 Autographen verfügt die hiesige Universitätsbibliothek über einen einzigartigen
Altbestand. Gerade die Universitätsbiblio-
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thek Heidelberg ist sich aber auch der
Verantwortung bewußt, die daraus resultiert, daß Bibliotheksbestände nicht nur
für die Bibliothekare da sind. Immer wieder tritt die Bibliothek der Ruprecht-KarlUniversität dankenswerterweise mit ihren Schätzen an die Öffentlichkeit. Jüngstes Beispiel ist die Ausstellung über den
jungen Philipp Melanchthon, die Sie derzeit in den Räumen der Bibliothek sehen
können.
Die alten Universitätsbibliotheken
unseres Landes, meine sehr verehrten
Damen und Herren, tragen aber nicht nur
die Verantwortung für ihre alten Schätze.
Sie sind zugleich moderne Gebrauchsbibliotheken, die Studierende und Wissenschaftler mit Medien und Informationen
versorgen, die für Lehre und Forschung
benötigt werden.
Mit einem Jahreszugang von mehr als
50.000 Medieneinheiten, mehr als 1 Mio
Ausleihen pro Jahr, ausgestattet mit einem
Online-Katalog, einem elektronischen
Dokumentlieferdienst und einer Electronic
Reference Library gehört die Universitätsbibliothek Heidelberg zu den leistungsstärksten Bibliotheken unseres Landes.
Doch keines unserer universitären
Bibliothekssysteme kommt heute nur mit
einer zentralen Universitätsbibliothek aus.
Das Wachsen der Universität und die dezentralen Standorte ihrer Einrichtung haben auch Auswirkungen auf die Organisation der Literaturversorgung. Ein universitäres Literaturversorgungssystem lebt
von der Koordinierung der unterschiedlichen, bisweilen divergierenden Interessen. Bei dieser Aufgabe ist in erster Linie
die Universitätsbibliothek gefordert, die
nach unserem Universitätsgesetz die Gesamtverantwortung für die Literaturversorgung in der Universität trägt. Die Aufgabe erfordert viel Geduld, Kompromißund Durchsetzungsbereitschaft.
Theke 1997
Grußwort des Direktors der UB,
Dr. Hermann Josef Dörpinghaus
Wie kann dieses Ziel erreicht werden?
Die Universitätsbibliothek muß dazu in
die Lage versetzt werden, ihrer Verantwortung für das gesamte Literaturversorungssystem der Universität noch stärker gerecht zu werden wie bisher. Durch
eine verstärkte Einflußnahme auf die dezentralen Bibliotheken können alle Ressourcen des Bibliothekssystems noch wirtschaftlicher und effizienter genutzt und
eingesetzt werden. Wünschenswert wäre
es auch, wenn Heidelberg dem Beispiel
anderer Universitäten folgen und der Universitätsbibliothek auch die ganze Verantwortung für die Bibliotheksstellen der
dezentralen Bibliotheken übertragen würde. Die optimale Ausnutzung aller Ressourcen im Bereich des Personals und der
Sachmittel darf nicht nur in den Zeiten
knapper Haushaltskassen erfolgen. Ein
klassisches Literaturversorgungssystem
wie das der Universität Heidelberg kann
nicht durch hektische oder spektakuläre
Aktionen erneuert werden, sondern nur
durch geduldige Arbeit und einen langen
Atem. Gegenüber der Universitätsbibliothek Heidelberg sind dabei die Universität und das Ministerium für Wissenschaft,
Forschung und Kunst in gleicher Weise in
der Pflicht. Für das Land darf ich Ihnen
versichern, daß sich das Ministerium seiner Verantwortung gegenüber der Universitätsbibliothek Heidelberg stets bewußt ist und die Bibliothek bei ihren Bemühungen um eine weitere Modernisierung unterstützen wird. Dies geschieht im
Interesse der Nutzer, der Lehrenden und
der Lernenden, aber auch der Bevölkerung von Heidelberg und der Kurpfalz;
schließlich tragen sie mit ihren Steuerleistungen auch zum Gedeihen dieser Bibliothek und zum Erwerb der Chronik des
Matthias von Kemnat bei.
Handschriften – vor allem wenn sie aus dem Mittelalter stammen und vielleicht sogar
noch reiche Illustrationen enthalten – sind für uns Heutige etwas Einzigartiges,
kostbare Zeugnisse einer vergangenen Zeit und zudem – immer auch als Unikate –
Textzeugen, die menschliches Wissen über Jahrhunderte, in einigen wenigen Fällen
auch über weit mehr als ein Jahrtausend hinweg, in unsere Zeit transferiert haben.
Entsprechend hoch ist auch ihr materieller Wert.
Wir begegnen Ihnen mit Ehrfurcht, wissen um ihre Kostbarkeit und Unersetzlichkeit, wissen heute aber auch um ihre Anfälligkeit und Vergänglichkeit. Der heutige
Nutzer einer öffentlichen Bibliothek muß schon ein sehr konkretes wissenschaftliches
Arbeitsvorhaben nachweisen können, um mit einer mittelalterlichen Handschrift
arbeiten zu dürfen. Wo immer möglich, wird der Bibliothekar zunächst versuchen, ihn
mit einem Mikrofilm oder – so vorhanden – mit einem Faksimile zufriedenzustellen.
Sollte dies nicht möglich sein, wird die Arbeit in aller Regel nur unter Aufsicht
gestattet.
Dies war nicht immer so. Im Mittelalter waren Handschriften gerade auch im
aufblühenden hochmittelalterlichen universitären Lehrbetrieb in einer großen Zahl
von Fällen zwar kostbar, aber doch Gegenstände des täglichen Lebens, die man täglich
aufschlug, in die man auch seine Notizen eintrug, so wie wir es auch bei unserer
privaten Büchersammlung heutzutage noch gewohnt sind. Und noch bis ins 20.
Jahrhundert hinein trugen Bibliothekare keine Bedenken, auch Handschriften zumindest an Professoren der eigenen Universität außer Haus auszuleihen. In Heidelberg war
man sogar noch großzügiger. In Walter Berschins 1992 erschienenem Werk über die
Bibliotheca Palatina in der Vaticana1 kann man genauer nachlesen, daß z. B. 1880 eine
Heidelberger lateinische Handschrift in der Berliner Wohnung des berühmten Historikers Theodor Mommsen verbrannte. Mommsen hatte sich diese Handschrift aus
Heidelberg zu Editionszwecken ausgeliehen, und der erste Berufsbibliothekar der
Heidelberger Universität, Karl Zangemeister, hatte keine Probleme, dem Ausleihwunsch Mommsens nachzukommen. Die hier deutlich werdende Liberalität im Umgang mit Handschriften entspricht durchaus noch mittelalterlichem Usus.
Als 1390 der erste Kanzler der Universität Heidelberg, Konrad von Gelnhausen,
und wenige Jahre später auch der erste Rektor, Marsilius von Inghen, ihre Büchersammlungen von jeweils etwas mehr als 200 Bänden, oder eben genauer gesagt
Handschriften, testamentarisch ihrer Universität vermachten, haben sich beide Herren
wohl kaum über die enorme Kostbarkeit ihrer Legate für uns Heutige Gedanken
gemacht, wohl kaum Betrachtungen darüber angestellt, welche historische Bedeutung
ihren Vermächtnissen für die junge Institution, an der sie lebten und arbeiteten, einmal
zukommen sollte. Sie hinterließen ganz einfach ihre täglichen Arbeitsmaterialien, ihre
Handschriften, den nachfolgenden Professoren und Magistern zum Gebrauch und
begründeten damit zugleich die Heidelberger Universitätsbibliothek. Weitere Schenkungen und Vermächtnisse mehrten den Besitz in den folgenden Jahrzehnten. Die
Universitätsbibliothek erwuchs – ganz im Gegensatz zu heutigen Zeiten – aus den
Buchbeständen ihrer professoralen Mitglieder. Ein 1466 in zweifacher Ausfertigung
entstandener Katalog führt bereits 1600 Werke in 841 Bänden auf. Beide Kataloge, bei
denen es sich also um die allerersten Bestandsverzeichnisse der UB Heidelberg
handelt, befinden sich auch heute noch in unserem Besitz und sind vor allem deshalb
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Theke 1997
hier besonders zu erwähnen, weil sie die
bislang einzigen in Heidelberg vorhandenen Produkte aus der Werkstatt des Heidelberger Hofbuchbinders Alberthus sind,
der auch den übrigens vorzüglich erhaltenen Einband der heute zu übergebenden
Handschrift des Matthias von Kemnat
geschaffen hat, ein meisterlicher Holzlederband der Zeit mit kirschrotem, blindgeprägtem Schaflederbezug. Einbände des
Alberthus sind Rarissima. Weltweit sind
nur 18 Exemplare nachgewiesen, wobei
die Seltenheit darauf zurückzuführen ist,
daß der 1623 mit der Wegführung der
Palatina nach Rom beauftragte päpstliche
Legat Allaci, um Gewicht zu sparen, die
Einbände von den Handschriften hat entfernen lassen, so daß die meisten dieser
Einbände verloren gingen. Doch zurück
zu der kurzen Skizze der Entwicklung des
Handschriftenbestands unserer Bibliothek, die ich Ihnen im folgenden vortragen möchte.
Gut 100 Jahre nach dem Entstehen
dieser Kataloge hat sich die Heidelberger
Büchersammlung zu einer Bibliothek von
Weltrang entwickelt, wesentlich verursacht durch den bibliomanen Kurfürsten
Ottheinrich, der für einen qualitativ und
quantitativ äußerst erheblichen Zuwachs
sorgte, indem er seine Privatbibliothek
wie auch die kurfürstliche Bibliothek auf
dem Schloß mit den universitären Bibliotheksbeständen der Heiliggeistkirche vereinte und damit die Bibliotheca Palatina
als öffentlich zugängliche universitäre
Bibliothek begründete, in die dann 1584
außerdem noch die ungemein wertvolle
Büchersammlung des Augsburger Ulrich
Fugger mit mehr als 1000 Handschriften
integriert wird. In den Augen der Zeitgenossen gilt die Heidelberger Bibliothek
seit dieser Zeit als „der größte Schatz des
gebildeten Deutschlands“2, und Thomas
Coryate – um nur einen Zeitzeugen zu
zitieren –, ein reisender Engländer, der
1608 die Bibliothek besucht, schreibt in
seinem Reisebericht: „Die Bibliothek ist
… mit einem großen Vorrat von Büchern
aller Fakultäten außerordentlich gut ausgestattet. Hier sind so viele alte Handschriften, besonders der griechischen und
lateinischen Kirchenväter, daß sich keine
Bibliothek der ganzen Christenheit, nicht
einmal die des Vatikans in Rom und nicht
die des Kardinals Bessarion in Venedig
damit vergleichen kann. Außerdem befindet sich eine große Menge von Handschriften aus vielen anderen Gebieten da
selbst, daß Herr Gruterus sagte, er könne
in dieser Bibliothek wenigstens 100 Handschriften mehr aufweisen, als der öffentliche Bibliothekar von Oxford, Herr James,
in seiner berühmten Universitätsbibliothek“3.
Das weitere Schicksal der Bibliothek
ist Ihnen allen bekannt: 1623 ließ der
schon erwähnte vatikanische Bibliothekar Leone Allaci als Folge der Eroberung
Heidelbergs durch den bayerischen Kurfürsten Maximilian die gesamte Bibliothek von 3600 Handschriften und fast
13.000 gedruckten Titeln4 in 196 Kisten
verpackt nach Rom schaffen, wo sie auch
heute noch mit Ausnahme der deutschen
Handschriften zu finden sind, allerdings
inzwischen weitgehend erschlossen durch
die seit den 70er Jahren dieses Jahrhunderts begonnene Arbeit Heidelberger Bibliothekare.
Der Neuaufbau der Handschriftensammlung läßt sich nach der Katastrophe
von 1623 dann erst wieder seit dem 19.
Jahrhundert konstatieren: Einige Dutzend
Handschriften fanden sich schon in den
beiden ersten Jahrzehnten dieses Jahrhunderts in den Bücherbeständen säkularisierter Klöster, die Heidelberg überlassen wurden. Bedeutsamer ist, daß 1815/
1816 zuvor zeitweise in Paris befindliche
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Handschriften, die 1623 entführt worden
waren, nach Heidelberg zurückkehren,
sowie der gesamte Bestand aller germanischen Palatini, 847 an der Zahl. Gut 80
Jahre später, nämlich 1888, folgt der weltberühmte „Codex Manesse“, ebenfalls aus
Paris kommend, als Palatinus Germanicus Nr. 848. Dieser Bestand an deutschen
Handschriften begründet den erneuten
Ruhm der Heidelberger Sammlung, wobei die Aufzählung noch nicht vollständig
ist. Ende 1826 gelang es, für 20.000 Gulden die Bibliothek des Klosters Salem mit
zehntausenden Druckschriften und 450
Handschriften anzukaufen. Dabei soll
nicht unerwähnt bleiben, daß der damalige Bibliotheksdirektor, der Historiker
Friedrich Christoph Schlosser, wegen des
Ankaufs von seinem Amt zurücktrat, weil
er die Sammlung als wertlos einschätzte.
Sie bildet heute mit vielen Altdrucken,
der Mehrzahl der Heidelberger Inkunabeln sowie den schon genannten Handschriften einen Bestand von unschätzbarem Wert. Zu erwähnen ist schließlich
auch die 1885 erfolgte Schenkung der
Sammlung des aus Heidelberg stammenden Buchhändlers Nikolaus Trübner, unter der sich weitere 142 Handschriften mit
einem hohen Anteil an orientalischen und
illuminierten Stücken befinden.
Ganz im Gegensatz zu den doch reichen Erwerbungen des 19. Jahrhunderts
steht jedoch das 20. Jahrhundert. Die große Zeit des Erwerbs ganzer Sammlungen
ist vorbei. In den abgelaufenen 96 Jahren
dieses Jahrhunderts können lediglich drei
Einzelstücke mittelalterlicher Handschriften sowie zusätzlich allerdings noch eine
ganze Reihe von Handschriftenfragmenten erworben werden. Bei den drei Einzelstücken handelt es sich um eine 1464
entstandene Chronik des Klosters St. Blasien in einem Ottheinrich Einband von
1556, die 1937 antiquarisch gekauft wur-
Theke 1997
de, zweitens um einen Sammelband mit
astrologischen, für Ottheinrich geschriebenen Traktaten, der 1957 bei einer Auktion ersteigert wurde, und schließlich drittens um eine allerdings jüngere Schwesterhandschrift der Chronik des Matthias
von Kemnat, die 1960 ersteigert werden
konnte.
Daß es nach 37 Jahren Erwerbungspause auf dem Handschriftensektor dank
der Initiative des Rektors unserer Universität und dank wirklich großzügiger Unterstützung von Mäzenen der Universitätsbibliothek möglich gemacht wird, zum
vierten Mal in diesem Jahrhundert ihren
Bestand an deutschen Handschriften um
ein weiteres und für Heidelberg und die
Pfalz geradezu herausragendes Exemplar
zu ergänzen, ist als außergewöhnlicher
Glücksfall zu bezeichnen, der der Erklärung bedarf.
Schon im Jahre 1960 hatte die Universitätsbibliothek Heidelberg erstmals die
Gelegenheit, über das Heidelberger Antiquariat Tenner diese Handschrift zu ersteigern. Warum damals nur – wie schon
erwähnt – die jüngere Schwesterhandschrift, nicht aber der ungleich wertvollere ältere Codex erworben wurde, läßt sich
heute nicht mehr aufklären. Vermutlich
dürften finanzielle Gründe eine Rolle gespielt haben. Die Chronik befand sich
jedenfalls schon ein Jahr später, also 1961,
im Besitz des international renommierten
New Yorker Antiquariats H. P. Kraus und
wurde von diesem dann an den Aachener
Kunstmäzen Peter Ludwig verkauft, der
sie ebenfalls noch in den 60er Jahren
seiner bedeutenden Handschriftensammlung einverleibte. Ludwigs Sammlung
wiederum wurde 1983 en bloc durch das
J.-Paul-Getty-Museum in Malibu aufgekauft, dessen Sammlungsschwerpunkte
sich aber in den letzten Jahren zunehmend
verlagerten. Als sich daher im Frühjahr
diesen Jahres für das Getty-Museum die
Möglichkeit bot, über das Hamburger
Antiquariat Dr. Jörn Günther eines der
bedeutendsten Werke romanischer Kunst
des 12. Jahrhunderts, das „Stammheimer
Missale“, aus Privatbesitz zu erwerben,
trennte man sich im Gegenzug von insgesamt 37 Handschriften, darunter 11 Titeln
aus dem deutschen Sprachgebiet, mit deren Verkauf das Antiquariat Günther beauftragt wurde. 2/3 dieser Titel sind inzwischen bereits wieder verkauft, die
meisten davon, wie nicht anders zu erwarten, an Privatsammler. Neben der Universität Heidelberg gelang es bislang nur der
Bayerischen Staatsbibliothek München
mit der Erwerbung des „Ehrenbriefs“ des
Jakob Püterich von Reichertshausen eine
Handschrift in öffentliches Eigentum zu
übernehmen. Dies macht deutlich, wie
rasch hier reagiert werden muß, wenn es
darum geht, eine solch exzeptionelle Erwerbung zu tätigen.
Es ist daher dem Antiquar Dr. Günther, der heute abend hier anwesend ist
und der gerne auch zu weiteren Auskünften bereit ist, sehr herzlich dafür zu danken, daß er uns nicht nur bei den Preisverhandlungen ein ganzes Stück entgegen
kam, was in dieser Branche, die ja mit
Unikaten handelt, keineswegs selbstverständlich ist, es ist ihm auch dafür zu
danken, daß er der Universität Heidelberg
für eine gewisse Zeitspanne auch ein Vorkaufsrecht einräumte, obwohl ihm bereits
das Angebot eines Schweizer Privatsammlers vorlag.
Als Bibliothekar dieser Universität
möchte ich aber auch allen Mäzenen danken, die Magnifizenz schon genannt hat
und deren Großzügigkeit den Ankauf dieses Werkes erst möglich machte. Daneben gilt mein Dank aber auch dem Rektor
selbst, der die Anregung, diese Handschrift anzukaufen, spontan aufgegriffen
Seite 13
und zielstrebig zu einem guten Ende gebracht hat. Der geisteswissenschaftlichen
Forschung wird mit diesem Ankauf ein
neues Arbeitsfeld eröffnet, und es ist zu
hoffen, daß es Heidelberger Wissenschaftlern gelingt, erstmals eine vollständige,
modernen Ansprüchen genügende, wissenschaftliche Edition dieser für Heidelberg und die Pfalz so bedeutenden Chronik zu erarbeiten.
Sie, meine Damen und Herren, haben
heute abend die Gelegenheit, die Handschrift und auch ihr jüngeres Schwesterstück sowie den schon erwähnten Bibliothekskatalog von 1466 zu besichtigen. Sie
können zwar nicht selbst in den Handschriften blättern, wofür ich wegen der
Kostbarkeit der Stücke um Verständnis
bitte, doch sind meine Mitarbeiter gerne
bereit, Ihnen im letzten Raum der Belétage die eine oder andere Seite nach
Wunsch aufzuschlagen, wozu den ganzen
Abend Gelegenheit besteht. Aufmerksam
machen darf ich Sie auch auf die beiden
Vitrinen gegenüber dem Ausgang der
Aula, die wir aus diesem festlichen Anlaß
neu bestückt haben. Ausgestellt sind colorierte Heidelberg-Ansichten des 16.
Jahrhunderts sowie u. a. auch Fotos der
pfälzischen Reimchronik des Dichters und
Sängers Michel Beheim, der sich ca. 1467–
74 auch in den Diensten des Kurfürsten
Friedrich des Siegreichen befand und der
damit ein direkter Zeitgenosse des Matthias von Kemnat ist. Aus dieser Reimchronik stammen weitgehend auch die
Texte, die das Ensemble „I Ciarlatani“
Ihnen heute abend vorträgt.
1
Berschin, Walter: Die Palatina in der Vaticana:
Eine deutsche Bibliothek in Rom. Stuttgart 1992,
hier S. 146.
2
Vgl. Wilken, Friedrich: Geschichte der Bildung,
Beraubung und Vernichtung der alten Heidelbergischen Büchersammlungen. Heidelberg 1817, S. 217f.
Theke 1997
Zur historischen Würdigung der
Neuerwerbung der Chronik des
Matthias von Kemnat –
Ansprache von Prof. Dr. Eike Wolgast
3
Coryate Thomas: Crudities 1911, hier zitiert nach
G. Smend, Jan Gruter. Sein Leben und Wirken,
Bonn 1939, S. 62.
4
Die in der Literatur noch bislang angegebene Zahl
von 7000 entführten Druckwerken (so noch Berschin a. a. O. S. 159) ist aufgrund der Erschließungsarbeit Heidelberger Bibliothekare auf fast
13.000 Titel zu erhöhen. Vgl. dazu Theke 1996,
S. 4.
Lassen Sie mich mit einem Zitat beginnen:
„Matthias von Kemnat war Friedrichs offizieller Geschichtschreiber, der
den siegreichen Kurfürsten in seine
Schlachten begleitete“ – so urteilte der
Heidelberger Historiker Ludwig Häusser
um die Mitte des 19. Jahrhunderts über
den Verfasser der Chronik, deren Erwerb
für die Universitätsbibliothek Heidelberg
wir heute feiern. Ähnlich wie Häusser hat
Matthias von Kemnat sich selbst charakterisiert: Als „Beschreiber dieser Historien, der das mehrer Teil bei des Pfalzgrafen Geschichten und Wohltaten persönlich gewest ist“ (Hartfelder, Matthias,
S. 344 Anm. 3). Matthias war also –
jedenfalls teilweise – Augenzeuge dessen, was er berichtete; seine Chronik konnte damit Anspruch auf Authentizität erheben und mithin auf Beachtung durch die
Historiker.
Der Chronist, mit eigentlichem Namen Matthias Widmann, stammte aus
Kemnath in der Oberpfalz, einem Nebenland der Kurpfalz. Er ist um 1425/30
geboren. Seine soziale Herkunft ist unbekannt – er hing aber an seinem Elternhaus,
dessen er noch in seiner Promotionsrede
von 1465 gedachte: Nach dem Dank an
Gott und die Jungfrau Maria erwähnte er
dankbar „parentes … mei et mortui et
vivi, qui me adesse hoc in orbe constituerunt“ (Hartfelder, Studien, S. 221). Als
Kleriker der Diözese Regensburg 1447
kostenlos in Heidelberg immatrikuliert,
erwarb er zwei Jahre später hier den untersten akademischen Grad des Baccalaureus artium. Danach verliert sich für fast
ein Jahrzehnt seine Spur. Vermutlich
wurde er 1453 in Bamberg zum Priester
geweiht und pflegte seine mathematisch-
Seite 14
astrologischen Interessen im oberpfälzischen Kloster Reichenbach. 1457 ist er
auf der Plassenburg bei Kulmbach bezeugt, wo er Schüler des italienischen
Humanisten Arrigino war. Dieser versah
ihn mit Empfehlungsbriefen nach Heidelberg, und zwar an den Kurfürsten Friedrich I. und an den Humanisten Petrus
Luder. Matthias von Kemnat kam also als
beschäftigungsloser Priester in die pfälzische Residenzstadt, um hier sein Glück zu
machen. Wie lange er antichambrieren
mußte, ist unbekannt – im Januar 1460 ist
er jedenfalls als Hofkaplan Friedrichs I.
bezeugt und erhielt zwei Jahre später eine
Pfründe an der Heidelberger Schloßkapelle, wenig später eine weitere, so daß er
vermutlich auskömmlich leben konnte.
Von einer geistlich-religiösen Betätigung
ist nichts bekannt. An der Universität hat
er nie gelehrt, auch wenn er einen Studienkurs in Theorie und Praxis der mathematischen Wissenschaften entwarf. Er hat
aber offenbar in Heidelberg seine Studien
fortgesetzt, so daß er 1465 den bescheidenen Grad eines Baccalaureus decretorum in der juristischen Fakultät erwerben
konnte.
Zu Anfang des Jahres 1476 ist er
gestorben – im April wurde seine Pfründe
neu vergeben.
Matthias von Kemnat gehörte während seiner Heidelberger Zeit zu einem
Kreis humanistisch gebildeter und für neue
Fragestellungen aufgeschlossener Männer, zu denen etwa der Pfälzer Kanzler
und Speyerer Bischof Matthias von Rammung zählte, ferner Jakob Wimpfeling,
zeitweise kurfürstlicher Sekretär, oder
auch der Artistenprofessor Pallas Spangel, der später noch der Lehrer Philipp
Melanchthons war.
Theke 1997
Leben und Wirksamkeit des Matthias in Heidelberg haben aber vor allem
zwei Personen bestimmt: Petrus Luder
und Kurfürst Friedrich I. Petrus Luder,
der aus Kislau stammte, lehrte 1456–60
die Humaniora an der Universität. Er war
kein großer Gelehrter, aber er gehörte zu
den ersten, die humanistische Bildung
gegen die spätscholastische Gelehrsamkeit an den Hochschulen zur Geltung
brachten. Berüchtigt war er in Heidelberg
bei seinen Kollegen durch seinen Lebenswandel, mit dem er seinem Freund
Matthias ein schlechtes Vorbild bot, wenn
dieser eines solchen überhaupt bedurft
haben sollte. Freilich verließ Luder noch
1460 Heidelberg – Matthias blieb aber mit
ihm in Briefwechsel.
Ungleich wichtiger als Luder war für
Matthias von Kemnat der Pfälzer Kurfürst. Friedrich I. (1449/51–76) wurde
sein Brotgeber: „Quidquid … habeo, quidquid possideo, quidquid valeo, ab uno
Friderico principe me habuisse fateor predicoque“ (Hartfelder, Studien, S. 222),
verkündete Matthias öffentlich 1465, zugleich in rhetorischer Bescheidenheit und
doch die Wirklichkeit treffend. Friedrich
I. mit dem Beinamen „der Siegreiche“
war einer der erfolgreichsten Pfälzer Kurfürsten. Es lohnte sich also, sein Historiograph zu sein. Durch seine militärischen
Aktionen verdoppelte er nahezu den Umfang des Territoriums, was freilich seinen
Tod nicht lange überdauerte.
Das Verhältnis zwischen Fürst und
Hofkaplan, der zugleich als Geschichtsschreiber und als Lobredner diente, war
von Seiten des Matthias begreiflicherweise ganz auf den Ton der Devotion gestimmt, ließ aber auch Raum für den literarischen Scherz. In seiner Chronik
überlieferte er mit der Datierung 1471 ein
Gedichtpaar, das den Kontrast zwischen
vita contemplativa und vita activa deut-
lich machen sollte. Er erklärte dem Kurfürsten, „Cur Palatinus esse nolit“: Er habe
keinen Sinn für Städtezerstören und Blutvergießen, seinen Ohren gefalle das Krachen der Geschütze nicht, für Jagd auf
Hirsche und Eber könne er sich nicht
begeistern. Für den Kurfürsten sprechend,
replizierte Matthias sich selbst: „Cur esse
Mathias nolit“ (Chronik, S. 62). Darin
entwarf er mit bitterer Selbstironie ein
wenig schmeichelhaftes Bild von sich
selbst: Schwer gichtkrank und daher des
Gebrauchs der Glieder beraubt, so weit
heruntergekommen durch seinen Dienst
an Bacchus und Venus – Matthias lebte
im Konkubinat mit einer Äbtissin –, ein
Spieler und Sterngläubiger, wehleidig und
jammernd.
Große Wertschätzung für seinen
Hofkaplan läßt der Kurfürst in diesem
Gedicht nicht erkennen. Daß das Verhältnis des Fürsten zu ihm in Wirklichkeit
einer gewissen Intensität nicht entbehrte,
zeigt die Anwesenheit Friedrichs I. mit
seinem Neffen und Thronfolger Philipp
sowie seinem Bruder Ruprecht, Erzbischof von Köln, bei der Promotion Matthias von Kemnats zum Juristenbakkalar
1465. In der Rede anläßlich seiner Graduierung feierte Matthias seinen Gönner mit
allen Formeln, die die Rhetorik zur Verfügung stellte: Friedrich verfüge über „ingens liberalitas atque munificentia“, seinen Ruhm erreiche keiner der zeitgenössischen Fürsten, ausgezeichnet sei er durch
die Tugenden der temperantia, fortitudo,
prudentia und iustitia. Tag und Nacht, so
versprach der Chronist, werde er alle seine Gedanken auf Ruhm, Glanz und Lob
des kurfürstlichen Hauses richten: „Vitam
meam omni in periculo pro tua salute
atque gloria sedulo velle ponere“ (Hartfelder, Studien, S. 222). Allerdings zeigte
sich das Herrscherlob des Matthias durchaus als konventionell, da gleich auch noch
Seite 15
der Kronprinz wegen seiner besonderen
Schönheit gefeiert wurde und auch der
Erzbischof seinen Teil an Lobpreisungen
bekam, obwohl er für Matthias von Kemnat schlechterdings nichts getan hatte.
Als Historiograph Friedrichs I. stand
Matthias im Zentrum eines wichtigen
Abschnitts der Pfälzer Geschichte und der
Heidelberger Hofkultur. Beide Aspekte
spiegeln sich in seinem Werk wider. Die
von ihm verfaßte Chronik besteht aus
zwei Teilen. Der erste Teil, der vielleicht
erst nach dem zweiten 1475 abgefaßt ist
und bisher noch nie ediert wurde, enthält
eine kompilierte Weltgeschichte von der
Geburt Christi über die Taten der Päpste
und Kaiser unter besonderer Berücksichtigung des Hauses Wittelsbach bis
zum Regierungsantritt Friedrichs I. Dieser Teil ist ganz an traditionellen Mustern
orientiert und völlig aus zweiter Hand
gearbeitet. Matthias von Kemnat nannte
auch seine Vorlagen, die er ungeniert ausschrieb: Deutsche und italienische Chroniken, vor allem aber die „Chronica pontificum et imperatorum“ des Domherrn Andreas von Regensburg und dessen deutsche „Chronik von den Fürsten zu Bayern.“
Der zweite umfangreiche Teil, der
vor über 100 Jahren nur auszugsweise und
ganz unzulänglich ediert wurde, wird
eingeleitet durch die von Matthias ins
Deutsche übersetzte, bekannte lateinische
Lobrede Petrus Luders auf Heidelberg.
Ohne den Verfasser zu nennen, übernahm
Matthias sie als klangvollen Introitus.
Dieser zweite Teil ist völlig dem humanistisch ausgerichteten Fürstenlob verpflichtet und versteht sich, aufs Ganze
gesehen, als ein einziger Panegyrikus auf
den Brotgeber des Verfassers. Matthias
stellt die Taten, insbesondere die Kriegszüge Friedrichs I. ab 1460 dar – in ihrer
trocken-annalistischen Aufzählung nicht
Theke 1997
gerade eine spannende Lektüre, aber eine
wichtige Dokumentation und eigenständige Quelle für die Pfälzer Zeitgeschichte. Matthias registrierte die Abläufe und Ereignisse genau und verschwieg
dabei auch die Grausamkeiten der Kriegführung nicht, ohne sie ausdrücklich zu
tadeln. So berichtete er mehrfach von der
Praxis des Kurfürsten, entlaufene oder
abgefallene Untertanen, die bei Eroberungen von Städten oder Burgen in seine
Hand fielen, ohne Urteil umzubringen.
Als Beispiel der exakten Schilderung des
Matthias sei die Eroberung von Wachenheim 1471 zitiert: „Darinne wurden
gefangen acht Adlige, 35 Reisige, 70 Fußknechte und anderthalb hundert Bürger.
Derer wurden 54 ertränkt, was Mordbrenner, Kirchenräuber und wider sein Gnaden (sc. den Kurfürsten) getan hätten, die
seine Leibeigenen (sc. Untertanen) waren“ (Chronik, S. 61). Auch die Leistungen Friedrichs I. bei der administrativen
Neugliederung der Kurpfalz würdigte der
Chronist im Einzelnen, was seine Chronik für die Kanzlei zu einem Nachschlagewerk und Vademecum machte.
Als Quellen dienten Matthias im
zweiten Teil außer dem, was er selbst im
offenbar fast täglichen Verkehr mit dem
Kurfürsten erlebte und erfuhr, Akten der
kurfürstlichen Kanzlei und amtliche Texte – er hatte offensichtlich freien Zugriff
auf die Bestände der Registratur. Ferner
nutzte er ausgiebig Aufzeichnungen Dritter zu historischen und zeitgenössischen
politischen und sozialen Fragen. So inserierte er in seine Chronik einen ausführlichen Bericht über den spektakulären angeblichen Ritualmord an Simon von Trient 1475, und er schob eine Abhandlung
über Bettler und Vaganten ein, von denen
er 26 verschiedene Gruppen beschrieb.
Mit diesem Exkurs liefert er wichtige kultur- und sozialgeschichtliche Informatio-
nen. Um hieraus ein Beispiel zu geben:
„Die vierundzwanzigsten, die heißen die
Glatten. Das seint die verdorben Schüler,
die da ein wenig gelehrt seint und noch nit
geweiht, und sagen doch, sie seint Priester
und Pfaffen, und betteln von einem Land
zum andern und sagen, sie kommen von
fernen Landen als von Jerusalem, und
sagen, wie sie beraubt sein worden, und
tragen in den Händen ein Büchlein, als
wäre es ihr Meßbuch, und, so man das
besieht, so ist es voll Zauberei und Büberei, und sie bitten um Hilfe und sagen, sie
wollen das Evangelium Johannis über sie
lesen für alle ihre Unglücke und etliche
besonders gute Psalmen. Also täuschen
sie die Leute und lehren sie brotlose Künste, Sankt Tobias’ und Columbanus’ Segen. Und ich habe ihrer etliche gekannt,
die sich damit abgegeben haben, und heißen die Glatten“ (Chronik, S. 107f.).
Eingestreut sind in die Chronik auch
lateinische Gelegenheitsgedichte und literarische Texte, die von Wimpfeling und
Petrus Luder stammen, aber auch von
Matthias selbst. Bei der Zuschreibung sind
durchaus noch Identifikationsarbeiten zu
leisten. Das Werk enthält Materialien, die
nur hier überliefert sind. Die ganz unterschiedlichen Bestandteile der Chronik sind
vom Verfasser offensichtlich in einem
langen Entstehungsprozeß, der gleich nach
seiner Anstellung als Hofkaplan begann,
zu einer gewissen Einheit zusammengefügt worden – eine abschließende Redaktion ist jedoch vermutlich wegen des
Todes von Matthias nicht mehr erfolgt.
Die Bedeutung der Chronik des Matthias von Kemnat im Zusammenhang der
spätmittelalterlich-frühneuzeitlichen
Geschichtsschreibung ist lange Zeit unterbewertet worden, da man den modernen
Maßstab intellektueller Originalität und
literarischer Durchformung anlegte. „Das
geistige Gewicht der Chronik … ist äu-
Seite 16
ßerst gering“, urteilte noch 1936 Gerhard
Ritter (S. 457). Lediglich Karl Hartfelder,
der verdiente Erforscher des Pfälzer
Frühhumanismus, hatte zu Ausgang des
19. Jahrhunderts ein günstigeres Votum
abgegeben: „Eine beachtenswerte historische Leistung“ (Matthias, S. 329). Neben
verschiedenen kleineren Arbeiten von Veit
Probst (Universitätsbibliothek Heidelberg) über Matthias von Kemnat hat vor
allem Birgit Studt in einer umfangreichen
Monographie vor einigen Jahren erstmals
das ganze Werk systematisch untersucht.
Dabei ist sie konsequent von der Absicht
des Chronisten ausgegangen, nicht von
nachträglichen Postulaten. Matthias von
Kemnat wollte nicht eine objektive und
originelle Geschichtserzählung aus einem
Guß liefern, sondern Informationen zusammenstellen, Fakten für die Nachwelt
festhalten und doch wohl auch seine Leser
unterhalten. Zu diesem Zweck sammelte
er Material, um sowohl die res gestae
Electoris zu schreiben als auch ein anschauliches Bild des geistigen Lebens in
der Residenzstadt zu geben. Natürlich
wollte sich der Verfasser auch der Mitund Nachwelt in einem guten Lichte zeigen und seine – in Wahrheit nicht eben
tiefgehende humanistische Bildung unter
Beweis stellen. Für seine Zitate aus antiken Klassikern nutzte er vor allem ein
weitverbreitetes zeitgenössisches Florilegium.
Seine Quellenbenutzung läßt Fleiß,
Belesenheit und Sammeleifer gut erkennen. Was die Chronik in ihrem eigentlich
wichtigen zweiten Teil wollte, machte
Matthias in der Vorrede zu diesem Teil
deutlich: „Mir ist zu sagen von der besonderlichen Tugend und Fürstlichkeit des
göttlichen Friedrich“ (Chronik, S. 6).
Matthias setzte seinem Fürsten, der ihn,
wie er zugespitzt formulierte, „miserum
ex stercore erexit“ (aus dem Mist hervorge-
Theke 1997
zogen hatte; Hartfelder, Studien, S. 222),
mit der Chronik noch zu dessen Lebzeiten
ein bedeutendes Denkmal personifizierter
Virtus. Zugleich legte er mit seinem Werk
als Frühhumanist den Grundstein für eine
eigenständige Pfälzer Geschichtsschreibung, die in der Zeit des Heidelberger Späthumanismus über ein Jahrhundert danach mit den „Origines Palatinae“
(1609) des Heidelberger Juristen Marquard Freher eine Weiterführung fand.
Um abschließend den künftigen wissenschaftlichen Nutzen der Neuerwerbung
kurz zu charakterisieren: Die neue Handschrift der Chronik des Matthias von Kemnat sollte Anstoß für einen Heidelberger
Forschungsschwerpunkt bilden, in dem in
interdisziplinärem Zusammenwirken von
Historikern, Germanisten, Philologen des
mittelalterlichen Lateins, Kirchen-,
Rechts- und Kunsthistorikern eine verläßliche textkritische Edition erarbeitet
werden müßte. Darüber hinaus aber sollte
die Erwerbung Anlaß sein, den Heidelberger Frühhumanismus als Ganzes neu
in den Blick der Forschung zu nehmen.
Quellen und Literatur:
Des Matthias von Kemnat Chronik Friedrich I. des
Siegreichen, hrsg. von Conrad Hofmann. In: Quellen zur bayerischen und deutschen Geschichte Bd. 2
(1862), S. 1–141.
Bibliotheca Palatina – Ausstellungskatalog Textband (Heidelberg 1986), S. 548 s. v.
Franz Fuchs – Veit Probst, Zur Geschichte des
Heidelberger Frühhumanismus. Neue Briefe des
Matthias von Kemnat (✝1476). In: Wolfenbütteler
Renaissance-Mitteilungen Bd. 15 (1991), S. 59–
103.
Karl Hartfelder, Matthias von Kemnat. In: Forschungen zur Deutschen Geschichte Bd. 22 (1882),
S. 329–349.
Karl Hartfelder, Studien zum pfälzischen Humanismus (Heidelberg 1993).
Veit Probst, Zur Chronik des Matthias von Kemnat.
In: Mannheimer Geschichtsblätter NF Bd. 1 (1994),
S. 59–67.
Veit Probst, Machtpolitik und Mäzenatentum: Friedrich der Siegreiche von der Pfalz als Wegbereiter des
deutschen Frühhumanismus. In: Mannheimer Geschichtsblätter NF Bd. 3 (1996), S. 153–173.
Gerhard Ritter, Die Heidelberger Universität Bd. 1
(Heidelberg 1936), S. 526 s . v.
Birgit Studt, Fürstenhof und Geschichte. Legitimation durch Überlieferung (Köln usw. 1992).
Seite 17
Theke 1997
Vorstellung der neu erworbenen Handschrift aus
germanistischer Sicht – Vortrag von Professor Dr. Lothar Voetz
Habent sua fata libelli – „Bücher haben
ihre Schicksale“. Dieser altbekannte und
vielzitierte Satz gilt generell, speziell aber
wohl für Heidelberger Handschriften – so
hat es jedenfalls zuweilen den Anschein.
Nimmt man allein das Schicksal, wie
man jetzt sagen darf, „unserer“ Handschrift, der Welt- und Hofchronik des
Matthias von Kemnat, in den letzten knapp
30 Jahren ihrer nun schon rund 520 Jahre
währenden Existenz, so zeigt sich das beispielhaft. Bereits im Jahre 1960, als der
Codex, der von seiner Entstehung und von
seinem Inhalt her entscheidend mit Heidelberg und dem Heidelberger Hof verbunden
ist, wohl zum ersten Male öffentlich käuflich erwerbbar war, hätte diese Handschrift
in den Besitz der Universität Heidelberg
übergehen können. Das wäre im übrigen
die Universität und damit auch die heutigen großherzigen Geldgeber wesentlich
billiger gekommen. Aber das Schicksal der
Handschrift wollte es exklusiver. Der 1960
vom Antiquariat Helmut Tenner in Heidelberg zum Verkauf angebotene Codex erscheint zunächst im Jahre 1961 im
Auktionskatalog des New Yorker Antiquars Hans Peter Kraus und gelangt dann
in die Sammlung des Aachener Kunstsammlers und Mäzens Peter Ludwig. In
den 70er Jahren und Anfang der 80er Jahre schien es dann lange Zeit so, als ginge
die bedeutende Handschriftensammlung
Ludwig – und damit auch „unsere“ Handschrift – in den Besitz der Stadt Köln über.
Jedenfalls wurde die Handschriftensammlung vor dem geplanten Besitzwechsel bereits von Mitarbeitern des Kölner Schnütgen-Museums in einem
beeindruckenden vierbändigen Werk katalogisiert. Doch anders als in Köln erhofft,
wurde die Sammlung von Peter Ludwig im
Jahre 1983 en bloc in die USA an das J.Paul-Getty-Museum in Malibu verkauft.
Auch „unsere“ Handschrift gelangte somit
weder in Heidelberger Besitz, wo sie hingehört!, noch in Kölner Bibliotheksbestände, was – aus Heidelberger Sicht –
noch verschmerzbar gewesen wäre. So
aber war der Codex mit dem Verkauf nach
Übersee – zumindest de facto – einer zukünftigen intensiveren wissenschaftlichen
Erforschung, insbesondere einer Autopsie,
weitgehend entzogen: für immer, wie es
schien. Einen solchen Besitzwechsel nach
Malibu in Kalifornien hätten sich im übrigen alle an der Entstehung der Handschrift
beteiligten Kräfte niemals vorstellen können. Das läßt sich in diesem Fall allein
schon deshalb ausnahmsweise mit absoluter Gewißheit sagen, da Amerika als Kontinent damals noch gar nicht entdeckt war.
Aber das Fatum war zumindest „unserer“
Handschrift gnädig. Nach dem Tod von
Peter Ludwig war das Getty-Museum in
Malibu nun offensichtlich willens, sich von
einem kleinen Teil der Handschriftensammlung Ludwig wieder zu trennen. Die
der Universität Heidelberg vom Hamburger Antiquariat Dr. Jörn Günther eingeräumte Möglichkeit einer Vorkaufsfrist
von drei Monaten wurde verdienstvoller
Weise von der Universität Heidelberg
entschlossen genutzt, insbesondere auch
von Ihnen, Magnifizenz, und dank der
Weitsicht und Großzügigkeit aller am Kauf
Beteiligten, vor allem auch der großherzigen Mäzene, schließlich zu einem guten
Ende geführt. Diese 1960 und 1983 bereits
verlorene Möglichkeit, eine für verschiedene Wissenschaftsdisziplinen bedeutsame Handschrift über die öffentliche
Hand der deutschen Forschung und einer
interessierten Öffentlichkeit zugänglich zu
machen und der Obhut der Universitätsbibliothek Heidelberg anzuvertrauen, hätte
sich wohl kaum noch ein weiteres Mal
ergeben.
So relativ offen die Geschichte der
Handschrift in den letzten drei Jahrzehn-
Seite 18
ten vor uns liegt, so dunkel bleibt, zumindest vorläufig, die übrige Provenienz des
Codex – ihre bibliotheksgeschichtliche
Herkunft in den vorausgehenden rund fünf
Jahrhunderten.
Durch eine auf der Innenseite des
Vorderdeckels des Codex befindliche Eintragung und ein gedrucktes Exlibris ist
lediglich sicher, daß sich die Handschrift
im Jahre 1704 im Besitz des Grafen Franz
Melchior von Wiser und späterhin seines
Sohnes, Ferdinand Andreas von Wiser,
befunden haben muß. Der erste namentlich
bekannte Besitzer der Handschrift, Graf
Franz Melchior von Wiser, war kurpfälzischer Geheimer Staatsrat, Hofkanzler und
Oberamtmann zu Mosbach. Auch sein
Sohn Ferdinand Andreas, seit 1703 Reichshofrat, tat sich in der Landes- und
Reichsdiplomatie hervor. Der 1707 verstorbene Graf Melchior von Wiser muß,
wohl aufgrund seiner besonderen Affinität zum Heidelberger Hof, ein starkes Interesse an der Geschichte der Wittelsbacher und der Pfalz gehabt haben, da sich
auch in der Heidelberger Handschrift 3599
ein Provenienzvermerk befindet, der ihn
für das Jahr 1703 als Besitzer dieses Codex ausweist. Er verfügte somit mit „unserer“ Handschrift im Jahre 1704 nunmehr
bereits über das zweite vollständige mittelalterliche Exemplar der Chronik des
Matthias von Kemnat.
Über den Verbleib beider Handschriften nach dem Tod Ferdinand von
Wisers bis zu dem in nicht bekanntem
Auftrag erfolgten Verkaufsangebot des
Heidelberger Antiquariats Helmut Tenner, also für die Zeit zwischen 1748 und
1960, liegen keine gesicherten Erkenntnisse vor. Ebenso ist auch die Besitzgeschichte „unserer“ Handschrift vor 1704
gänzlich unbekannt.
Die Herkunft, das Alter und die genaueren Entstehungsumstände „unseres“
Theke 1997
Codex müssen aus der Handschrift selbst
erschlossen werden. Dabei ist der Inhalt,
dem Bezug auf Friedrich I. und Heidelberg
zum Trotz, kein unbedingt entscheidender
Indikator. Das zeigt sich beispielsweise
auch darin, daß die mit „unserer“ Handschrift in etwa gleichzeitig entstandene
heute Münchener Handschrift clm 338, die
unter anderem den zweiten Teil der Chronik des Matthias von Kemnat enthält, nicht
in Heidelberg, sondern in Amberg geschrieben worden ist.
Für die Bestimmung der Datierung
und des Entstehungsortes eines Codex
sind also vielmehr „äußere“ Aspekte, wie
Schrift, Sprache, Einband usw., maßgeblich. Da Schrift und Sprache „unserer“
Handschrift bisher noch nicht eingehender untersucht worden sind, ergibt sich als
bisher eindeutigster Hinweis auf die Entstehung der Handschrift im unmittelbaren
Umfeld des Heidelberger Hofs der Einband des Codex, ein mittelalterlicher
Holzdeckeleinband mit rotgefärbtem
Schaflederüberzug, der mittels Stempelund Streicheisen verziert worden ist. Es
handelt sich um einen der wenigen noch
erhaltenen Einbände des Heidelberger
Hofbuchbinders Albert(h)us Schwab, dessen Wirkungszeit in die Jahre von etwa
1465–1482 fällt. Im übrigen gelten in bibliophilen Kreisen die bisher 18 noch
bekannten Einbände des Albertus Schwab
als besondere Kostbarkeiten, die fast allein schon den Ankauf einer solchermaßen
eingebundenen Handschrift rechtfertigen!
Aus der Art des Einbandes ergibt sich
in Verbindung mit weiteren Beobachtungen, daß „unsere“ Handschrift in den Jahren 1475/76 im unmittelbaren Umkreis
des Heidelberger Hofs wohl noch zu
Lebzeiten Matthias von Kemnats wie
Friedrichs I., die beide im Jahre 1476
gestorben sind, entstanden sein muß. Die
letzte Eintragung der Handschrift lautet
zwar laus deo 1466. Die in arabischen
Ziffern ausgeführte Zahl 1466 ist jedoch
recte als 1476 zu lesen, da sich der Inhalt
der Chronik des Matthias Kemnat bis zum
Berichtsjahr 1475 erstreckt. Unabhängig
von dem sicherlich irrtümlichen Eintrag
1466 ergibt sich aus den angeführten Gründen für eine mögliche Datierung „unse-
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rer“ Handschrift äußerstenfalls der auch
dann noch sehr eng eingrenzbare Zeitraum zwischen 1475 und 1482.
Zu den zahlreichen Vorzügen der
Handschrift gehört somit unter anderem,
daß sie im unmittelbaren autornahen Heidelberger Umfeld entstanden sein muß
und zweifellos noch über den ursprüngli-
Theke 1997
chen Originaleinband verfügt. Allein
schon eine solche Kombination von Vorzügen gehört selbst für die zahlreichen
und zu Recht berühmten mittelalterlichen
Handschriften der Heidelberger Universitätsbibliothek zu den ganz seltenen Raritäten. So sind beispielsweise die allermeisten der 1623 nach Rom verbrachten
und 1815/16 nach Heidelberg zurückgekehrten Palatini Germanici nicht in Heidelberg selbst entstanden und in der Regel
vor ihrem gewaltsam erfolgten Abtransport nach Rom ihrer mittelalterlichen Originaleinbände beraubt worden, was für
die heutige Forschung auch einen enormen unwiederbringbaren Wissensverlust
beinhaltet. Das Schicksal der Wegführung nach Rom ist „unserer“ Handschrift
offensichtlich deshalb erspart geblieben,
weil sie wohl in den Jahren 1622/23 nicht
zu den Heidelberger Bibliotheksbeständen gehörte, die dem unmittelbaren Zugriff des päpstlichen Abgesandten Leone
Allacci unterlagen.
Sieht man einmal von den komplexen Problemen der Entstehung und Geschichte „unserer“ Handschrift selbst ab
und blickt auf die Welt- und Fürstenchronik des Matthias von Kemnat im ganzen,
so fallen von den grundlegenden äußeren
Faktoren her aus meiner Sicht vor allem
zwei weitere Gesichtspunkte auf, die zunächst selbstverständlich erscheinen mögen, es aber nicht sind.
Beide Teile der Chronik des Matthias
von Kemnat sind nämlich, abgesehen von
einer lateinischen Vorrede und eingestreuten lateinischen Gedichten, in deutscher Sprache niedergeschrieben und
handschriftlich verbreitet worden. Die
Chronik ist also nicht lateinisch abgefaßt
und als Druck vervielfältigt worden.
Die Gründe für die Abfassung der
Chronik in deutscher Sprache sowie der
handschriftlichen Tradierung der Chro-
nik müssen wohl vor allem in den Entstehungsbedingungen und im potientiellen
Leserkreis der Chronik gesucht werden,
worauf hier aber nicht weiter eingegangen werden kann. Jedenfalls beherrschten
sowohl der Autor wie der Dedikator der
Chronik die lateinische Sprache vorzüglich. Für den humanistischen Autor Matthias von Kemnat, der insbesondere für
den ersten Teil seiner Chronik auf vielfältige lateinische Quellengrundlagen zurückgreift, bedarf dies erst gar keines besonderen Nachweises. Aber auch der
Bildungshorizont des Pfalzgrafen Friedrich I., der als „Wegbereiter des deutschen
Frühhumanismus“ gilt, worauf in den letzten Jahren Veit Probst mehrfach ausführlicher eingegangen ist, zeigt sich beispielhaft im erhaltenen Vermächtnis seiner
privaten Bibliothek, das unter 118 Büchern nur sechs in deutscher Sprache aufweist. Ebenso hätten für einen eventuellen Druck der Chronik des Matthias von
Kemnat sowohl die technischen wie die
finanziellen Voraussetzungen zur Verfügung gestanden. Schließlich befinden wir
uns 1475/76 mitten im Inkunabelzeitalter,
das mit dem Druck der 42zeiligen lateinischen Bibel durch Gutenberg in den Jahren 1452–1455 in Mainz seinen Anfang
genommen hat.
Die Tradition der deutschsprachigen
Chronikliteratur setzt in größerem Umfang bereits in frühmittelhochdeutscher
Zeit mit der sogenannten Kaiserchronik
ein, die in einer ersten Fassung nach 1147
abgeschlossen worden sein muß. Auch
diese Chronik, die im gesamten Mittelalter weite Verbreitung fand, beschäftigt
sich bereits mit den Vor- und Antibildern
römischer und deutscher Kaiser sowie
mit dem Leben der Päpste. Unter den
deutschsprachigen Chroniken des 13.
Jahrhunderts ist wohl die berühmte Weltchronik des Rudolf von Ems die wir-
Seite 20
kungsgeschichtlich bedeutsamste. Beide
Chroniken sind aber nicht unmittelbar in
das Lebenswerk des Matthias von Kemnat eingeflossen. In der reichen mittelalterlichen Chronikliteratur bildeten bis
in die frühe Neuzeit hinein die deutschsprachigen Werke gerade die Ausnahme.
Auch noch bei einem der bedeutendsten
Unternehmen der Inkunabelzeit, der 1493
in Nürnberg erschienenen sogenannten
Schedelschen Weltchronik, kommt der
lateinischen Sprache von der Abfassung
wie von der Verbreitung der Exemplare
her noch der eindeutige Vorzug zu. Die
ursprüngliche Version dieser ebenfalls im
humanistischen Umfeld erschienenen
„Weltchronik“ ist lateinisch. Die lateinischsprachige Auflage lag bei etwa 1400
gedruckten Exemplaren, während die
deutsche Ausgabe etwa 700 Exemplare
umfaßte. Im übrigen hat Hartmann Schedel die Weltchronik des Matthias von
Kemnat nachweisbar gekannt, da die bereits erwähnte Münchener Handschrift
clm 338 von der Hand Hartmann Schedels stammt.
Abschließend möchte ich kurz noch
den Blick auf die früheste handschriftliche Überlieferung der Chronik des Matthias von Kemnat und auf die bisherige
Editionslage richten.
„Unsere“ Handschrift der Kemnatschen Chronik steht in der Überlieferung
keineswegs isoliert da. Nach den bisher
umfassendsten Untersuchungen zur Tradierungssituation der Chronik durch Birgit Studt, die hierzu unter anderem eine
grundlegende, im Jahre 1992 erschienene
Dissertation vorgelegt hat, haben sich bis
heute sieben verschiedene mittelalterliche Textzeugen, die Studt bis etwa 1530
reichen läßt, und 16 neuzeitliche Textzeugen erhalten. Hinzu kommen noch wenigstens weitere vier – heute verlorene –
Abschriften.
Theke 1997
Von den mittelalterlichen Handschriften kommen von ihrem Alter und
ihrer Qualität her den zwei nunmehr in
Heidelberg befindlichen Handschriften
sowie einem heute in der Bibliothèque
Nationale in Paris aufbewahrten Codex
textgeschichtlich wohl die größte Bedeutung zu. Alle drei Handschriften sind in
der Zeit zwischen 1475 und 1477 entstanden. Mit der nunmehr in die Universitätsbibliothek Heidelberg zurückgekehrten Handschrift ist Heidelberg demnach jetzt zumindest in einer Hinsicht
Paris voraus.
Über die genauere Beurteilung der
einzelnen Handschriften läßt sich noch
kein abschließendes Bild gewinnen. In
jedem Fall besitzen alle erhaltenen Handschriften, unabhägig von ihrem noch zu
eruierenden textgeschichtlichen Wert,
bezüglich ihrer jeweiligen Funktion im
jeweiligen Entstehungszusammenhang
und im Hinblick auf ihre jeweilige Wirkungs- und Rezeptionsgeschichte ihren je
eigenen Zeugniswert. Unter diesen Gesichtspunkten verliert die einzelne Handschrift, die auf ihre Art jeweils ein Unikat
darstellt, nicht an Wert. Dennoch gehört
es durchaus zu den spannenden Fragen
zukünftiger Forschung, ob tatsächlich die
nunmehr für Heidelberg erworbene Handschrift die, wie Anton von Euw meint,
nach Alter, Sprache und Schrift für die
Textüberlieferung bedeutendste sei, in der
er sogar das Dedikationsexemplar für den
Kurfürsten sieht, oder aber ob der Pariser
Handschrift, wie beispielsweise Birgit
Studt annimmt, in dieser Hinsicht der
Vorrang zukommt.
Festzuhalten bleiben aber in jedem
Falle hier noch zwei Dinge.
Weder von der Sprache noch von der
jeweiligen Textfassung her sind die einzelnen Handschriften identisch. Gerade
auch von der genaueren sprachlichen
Analyse der beiden Heidelberger Handschriften her wird man aus germanistischer Sicht unter anderem weitere Aufschlüsse der Heidelberger Schreibsprache um 1475 erwarten dürfen.
Schließlich ist im weiteren festzuhalten, daß bis heute keine vollständige, erst
recht aber keine den wissenschaftlichen
Ansprüchen genügende Edition zur Chronik des Matthias von Kemnat vorliegt.
Die für ihre Zeit verdienstvolle Edition
von Konrad Hofmann, die im Jahre 1862
erschienen ist und im Jahre 1969 nachgedruckt wurde, konzentriert sich lediglich
auf den zweiten Teil der Chronik des
Matthias von Kemnat. Zudem beruht seine Edition im wesentlichen auf der heute
in München aufbewahrten Handschrift
cgm 1642 aus dem frühen 16. Jahrhundert. Dagegen sind Konrad Hofmann unter anderem die beiden Heidelberger Handschriften und ebenso auch die Pariser
Handschrift gänzlich unbekannt.
Das aber bedeutet im Kern, daß auch
die gesamte bisherige Forschung keine
hinreichende und vollständige Kenntnis
des breiten Spektrums der Überlieferung
und der Texte und Textfassungen der
Chronik des Matthias von Kemnat besitzt.
Mit dem überaus verdienstvollen
Ankauf der Handschrift aus dem Bestand
der ehemaligen Sammlung Ludwig und
der Rückkehr der Handschrift an ihren
Ursprungsort setzt die Universität Heidelberg mit Hilfe ihrer Freunde und Gönner
sicherlich auch ein Zeichen für ein überfälliges Desiderat der Forschung und für die
weitere wissenschaftliche Aufarbeitung
der Chronik des Matthias von Kemnat,
die in Heidelberg und der Kurpfalz am
Hofe des damaligen Kurfürsten, Friedrich
I., ihren Ursprung hat. Für dieses Zeichen
ist Ihnen allen die wissenschaftliche
Öffentlichkeit zu großem Dank verpflichtet, der sich auch in den folgenden Jahren
Seite 21
– hoffentlich dann nicht mehr nur in Worten – weiterhin zeigen wird.
Wichtigste Literaturhinweise zur Handschrift: Anton von Euw, in: Anton von Euw – Joachim M.
Plotzek, Die Handschriften der Sammlung Ludwig,
III, Köln 1982, S. 272–276; Birgit Studt, Fürstenhof
und Geschichte. Legitimation durch Überlieferung,
Köln, Weimar, Wien 1992, passim, insbesondere S.
78–80; (Besprechung dazu von: Veit Probst, Zur
Chronik des Matthias von Kemnat, Mannheimer
Geschichtsblätter. Neue Folge 1 (1994) S. 59–67);
zum Autor: Birgit Studt – F. J. Worstbrock, Matthias
von Kemnat, in: Die deutsche Literatur des Mittelalters. Verfasserlexikon. Zweite Auflage, herausgegeben von Kurt Ruh, VI, Berlin, New York
1987, Sp. 186–194; Edition: Quellen zur Geschichte
Friedrichs I. des Siegreichen. Herausgegeben von
Konrad Hofmann, Aalen 1969, Neudruck der Ausgabe München 1862 (Quellen und Erörterungen zur
bayerischen und deutschen Geschichte. Alte Folge.
Band 2).
Theke 1997
Von der Handschrift zu
den frühen Drucken
Beispiele aus der Universitätsbibliothek Heidelberg*
Die Erfindung des Drucks mit beweglichen Lettern um die Mitte des 15. Jahrhunderts hatte für die bis dahin vorherrschende Vermittlung von Wissen in Form
der Handschriftenproduktion ganz einschneidende Folgen. Nach Überwindung
technologisch bedingter Probleme der
Frühzeit gelang es bald, Drucke zu einem
Bruchteil der Kosten zu produzieren, die
für die arbeitsintensive Herstellung von
Handschriften aufgewendet werden mußten. Dies hatte nach kurzer Zeit schon
einschneidende Folgen in bezug auf die
Wettbewerbsfähigkeit der Handschrift.
Ihre Produktion war in Teilbereichen zwar
schon arbeitsteilig organisiert und hochspezialisiert, ließ sich aber ohne Qualitätsverluste nicht über eine gewisse Grenze hinaus rationalisieren. Trotz allem gelang es dem Buchdruck vorerst aber nicht,
die Form der Handschrift ganz zu verdrängen.
Auf der anderen Seite war das gedruckte Buch von der Handschrift in hohem Maße abhängig. Eines der eindrücklichsten und immer wieder angeführten
Beispiele ist die 42zeilige Gutenbergbibel, die zweifellos den Versuch darstellt,
mit den Mitteln der Typographie das Vorbild der handgeschriebenen Textura zu
*
Der hier abgedruckte Text wurde als Teil der
Jahrestagung der Georg-Agricola-Gesellschaft zur
Förderung der Geschichte der Naturwissenschaften
und der Technik e. V. am 19./20. September 1997 in
Heidelberg vorgetragen. Die Tagung fand in den
Räumen der Heidelberger Druckmaschinen AG statt
und trug den Titel „Von der Kalligraphie zum Direct
Imaging. Die Industrialisierung einer handwerklichen Kunst“.
kopieren. Überspitzt gesagt, handelt es
sich bei diesem Druck nur zum Teil um
Druck mit beweglichen (Einzel-)Lettern,
weil eine Vielzahl von Buchstaben, da
Teil von Ligaturen, Abkürzungen u. a.,
gar nicht beweglich war, sondern feste
Buchstabenverbindungen oder Wortteile
darstellten, wie dies die Texturaschrift
auch verlangte. Ihr ausgefeiltes Zeichensystem fand hier in Form der Missaltype,
und das verkomplizierte den Druck erheblich, mit 290 verschiedenen Typen
eine Transponierung in ein ganz anderes
Medium. Die Abhängigkeit des Drucks
zeigt sich auch darin, daß, je nach dem
Land, in dem gedruckt wurde, beziehungsweise Inhalt oder Sprache des Werkes,
andere Typensätze Verwendung fanden.
Genutzt wurde beispielsweise die Fraktur
insbesondere für liturgische Drucke, nicht
aber in Italien, wo die Textura sich nicht
eingebürgert hatte. Deutsche Texte druckte
man mit Lettern, die von den Schreibschriften Bastarda und Buchkursive abhängig waren, lateinisch-humanistischen
Büchern kam die von der Rotunda und der
Humanistica abhängige Antiqua zu.
Die Emanzipation des Drucks von
der Handschrift fand im 16. Jahrhundert
weitgehend ihren Abschluß. Als Elemente dieser Entwicklung können die Durchsetzung von Titelblatt beziehungsweise
Kolophon mit bibliographischen Angaben, insbesondere mit Herstellerangaben,
sowie eine Gliederung des Textes, vor
allem auch durch Foliierung, gesehen
werden. In Handschriften dagegen fehlte
ein Titel; Herstellerangaben beschränkten sich auf Schreibervermerke, die aber
nur der geringere Teil der Codices zeigt.
Seite 22
Einer Gliederung diente vor allem der
Buchschmuck mit einer ausgefeilten Hierarchie von Auszeichnungsschriften und
Initialen. In viel stärkerem Maße als im
Falle von Handschriftenskriptorien standen Druckoffizinen in Wettbewerb miteinander. Auch aufgrund der nun technologisch möglichen, zunehmenden Produktion von Büchern verbreiteten sich Fortschritte in der Gestaltung nun schneller,
als dies bei Handschriften möglich gewesen war, wo im Regelfall nur eine Kopie
einer Vorlage für einen genau definierten
Zweck produziert wurde.
Trotzdem war die Ablösung der
Handschrift durch den Druck kein linearer Prozeß, der nach kurzer Zeit beendet
war. Bereits vor Erfindung des Druckes
mit beweglichen Lettern hatte es Erscheinungen gegeben, die aus ökonomischer
Sicht einen Fortschritt gegenüber den bisherigen Herstellungspraktiken von Skriptorien darstellten. Dazu gehören Erzeugnisse südwestdeutscher Schreiberwerkstätten, die Handschriften in Serie produzierten und entsprechend vermarkteten,
oder aber auch die kurzlebigen Blockbücher, die schon dem Bereich des Drucks
zuzurechnen sind. Auf der anderen Seite
wurden aber auch noch im 16. und 17.
Jahrhundert zum Teil sehr aufwendige
Handschriften produziert.
Anhand der Bestände der Universitätsbibliothek Heidelberg will ich im folgenden diese drei Bereiche vorstellen. Die
Universitätsbibliothek Heidelberg, Bibliothek der ältesten, 1386 gegründeten Universität der Bundesrepublik, verfügt über
einen großen und bedeutenden Bestand
an Handschriften und Alten Drucken.
Theke 1997
Abb. 1
Bekanntestes Ereignis ihrer wechselvollen Geschichte war der Raub der Bibliotheca Palatina, der Pfälzischen Landesbibliothek, durch bayerische Truppen zu
Beginn des Dreißigjährigen Krieges und
die Wegführung dieses Schatzes nach
Rom. Der Verlust betraf eine Sammlung,
die sich aus Teilen universitären Besitzes
sowie Beständen der Schloßbibliothek
zusammensetzte, die wiederum auf die
Sammelinteressen der Kurfürsten und ihrer Familie zurückzuführen war. 1816
konnten die deutschen Handschriften, die
sogenannten Codices Palatini germanici,
zurückerworben werden. Mit diesen Handschriften, die weit überwiegend der
Schloßbibliothek angehörten, besitzt die
UB Heidelberg die weltweit drittgrößte
deutschsprachige Sammlung ihrer Art.
Weiter sind zu nennen etwa 1700 Inkunabeln, zumeist aus Salem, sowie 50.000
Drucke bis 1700. Ganz anderen Zuschnittes ist der zweite bedeutende Handschriftenfonds des Hauses. 1826 wurde die Bibliothek des aufgehobenen Zisterzienserklosters Salem unweit des Bodensees gekauft, die mehrere zehntausend Drucke
sowie 450 Handschriften enthielt.
Blockbücher und Erzeugnisse von
Handschriftenmanufakturen sind in der
Universitätsbibliothek erwartungsgemäß
im Fonds der Codices Palatini germanici
zu finden, da diese Produkte ganz auf einen wohlhabenden, adligen oder bürgerlichen Käuferkreis zugeschnitten waren.
Aufwendige späte Handschriften stammen
dagegen aus dem Kloster Salem.
Handschriften
südwestdeutscher
Schreiberwerkstätten
Während des 15. Jahrhunderts existierten
im deutschsprachigen Südwesten einige
Handschriftenwerkstätten, in denen von
einer größeren Anzahl von Schreibern
und Illuminatoren gewissermaßen in Serie volkssprachige Handschriften hergestellt, auf Lager gehalten und vermarktet
wurden. Als Schriftträger diente ausschließlich das gegenüber dem Pergament
erheblich billigere Papier, geschrieben
wurde in der anspruchslosen Bastarda oder
Buchkursive, was ein schnelles Arbeiten
erlaubte. Handschriften dieser Art sind,
und das erhöhte zweifellos ihre Absatzchancen, überwiegend illustriert. Allerdings handelt es sich nicht um ausgefeilte
Darstellungen, sondern um flüchtig hingeworfene Federzeichnungen mit anspruchsloser Kolorierung. Inhaltlich sind
unter diesen Handschriften vertreten religiöse Schriften, Erbauungsliteratur, Chroniken, Kalender oder naturkundliche
Werke. Besonderen Rang kommt dem
höfischen Epos zu, gewissermaßen dem
Roman des Mittelalters. Es läßt sich an
der Überlieferung so auch gut ablesen,
welche Texte besonders marktgängig
waren.
Die UB Heidelberg besitzt allein 26
Handschriften dieser Art aus drei verschiedenen Manufakturen. Älteste hier mit
Produkten vertretene ist die „Elsässische
Werkstatt von 1418“. Die ingesamt 11
Erzeugnisse, von denen sieben in Heidelberg liegen, weisen Datierungen der Jahre
1418 bis 1420 auf. Ein gelegentlich auftauchendes Straßburger Wappen könnte
auf diese Stadt als Sitz des Skriptoriums
Seite 23
hindeuten. Zu den Handschriften dieser
Gruppe gehört Codex Palatinus germanicus 144 mit einer elsässischen Fassung
der „Legenda aurea“ des Jacobus de Voragine1, der im Mittelalter erfolgreichsten
Sammlung von Heiligenlegenden überhaupt. Die Bilder dieses Codex lassen
erkennen, in welch handwerksartiger
Weise die Auszierung vorgenommen
worden ist. Teil der Legendensammlung
ist die Verkündigung Mariae (Abb. 1).
Die Gesichter sind schablonenhaft gestaltet und nicht individualisiert. Besonders
auffällig ist die anspruchlose Zeichnung
hier bei den Fingern des Engels.
Die erfolgreichste und beständigste
Schreiberwerkstatt überhaupt ist die von
Diebold Lauber in Hagenau. Das Unternehmen bestand von 1418 bis etwa 1470,
bis es aller Wahrscheinlichkeit nach vom
erstarkenden Buchdruck verdrängt wurde. Diebold Lauber, Lehrer und Schreiber, läßt sich von etwa 1440 bis zum Ende
der Manufaktur als Mitarbeiter nachweisen. Aus dem Unternehmen sind heute
immerhin noch 70 Handschriften bekannt,
von denen die UB Heidelberg 11 besitzt.
Theke 1997
In der Spätzeit versuchte Lauber, den
Absatz seines Hauses auch mit werblichen Maßnahmen zu fördern. Verdienste
seiner Manufaktur sind insbesondere die
klare Gliederung der volkssprachigen
Texte durch Register, Überschriften und
Bilder sowie die genormte Ausstattung.
Im Laufe des Bestehens der Werkstatt
wurde die Kolorierung zudem, sicher Folge der Konkurrenz der Drucke, immer
aufwendiger.
Eine der Handschriften aus der Lauber-Werkstatt ist Codex Palatinus germanicus 149 mit einer deutschen Fassung
des Novellenzyklus „Die sieben weisen
Meister“2, der letztlich auf orientalische
Stoffe zurückgeführt wird. Ins Deutsche
wurde der Stoff über lateinische Fassungen vermittelt. Das Werk thematisiert den
Kampf einer Stiefmutter gegen ihren Stiefsohn. Sieben Geschichten der Sieben weisen Meister, der Erzieher des Jungen, versuchen seine Hinrichtung zu verzögern,
sieben Geschichten der Stiefmutter wollen das Ende beschleunigen. Rahmenhandlung und Novellen sind mit insgesamt 64
blattgroßen Miniaturen illustriert. Von der
technischen Seite her ist die Ausstattung
etwas aufwendiger als bei den Produkten
der „Elsässischen Werkstatt“. Insbesondere die Charakterisierung der Gesichter
wurde glücklicher gelöst.
Die dritte in Heidelberg bezeugte
Handschriftengruppe mit acht Einheiten
geht auf die Werkstatt von Ludwig
Hennfflin zurück. Benannt wird die Manufaktur nach dem einzigen Schreibernamen, der in einer der Handschriften auftaucht. In insgesamt vier Bänden findet
sich das Wappen von Savoyen, in einem
Textzeugen zusammen mit dem württembergischen Wappen. Daraus kann geschlossen werden, daß alle acht Bände
zwischen 1470 und 1479 durch Margarete
von Savoyen (gest. 1479), seit 1453 ver-
mählt mit Ulrich V. von Württemberg
(1441–1480), bestellt wurden und über
ihren Sohn aus der Ehe mit Pfalzgraf
Ludwig IV. (1436–1449), den späteren
Kurfürsten Philipp (der Aufrichtige, 1476–
1508), nach Heidelberg gelangten. Da sich
bisher außerhalb Heidelbergs keine weiteren Produkte der Manufaktur nachweisen ließen, kann nicht ausgeschlossen
werden, daß die Werkstatt nur für Margarete gearbeitet hat.
Zu den acht Handschriften gehören
die 1477 entstandenen Codices Palatini
germanici 16 bis 18. Sie überliefern das
Alte Testament in drei Bänden3. Die Miniaturen sind im Vergleich mit den beiden
anderen Herstellern zweifellos die aufwendigsten und aufgrund ihrer detaillierten Gestaltung eine Quelle von hohem
Zeugniswert unter anderem für die Hofkultur der Zeit. Zu sehen ist hier (Abb. 2)
die Erschaffung Evas aus der Rippe
Adams. Der Hintergrund zeigt, in der für
das Mittelalter typischen anachronistischen Art, eine Stadt mit Befestigung.
Interessanterweise ist die textliche Vorlage dieses Stücks die erste gedruckte deutsche Bibel, die 1466 bei Johannes Mentelin in Straßburg erschienen war. Dies deutet darauf hin, daß die aufwendige Ausstattung der Handschrift gegenüber dem
noch spärlich ausgestatteten Druck ein
Faktor von nicht geringer Bedeutung war,
der Wettbewerbsnachteile durchaus noch
ausgleichen konnte. Aber auch sonst spielten Abschriften von Drucken eine nicht
geringe Rolle, da eine solche Kopie – bei
eigenem Abschreiben – natürlich billiger
kam. Zudem war ein Exemplar der Druckauflage bei anfänglich geringer Auflage
und mangelhaften Distributionsmöglichkeiten auch nicht unbedingt leicht zu erwerben.
Seite 24
Abb. 2
Blockbücher
Ein weiterer interessanter Versuch
des 15. Jahrhunderts, die Herstellung von
Büchern zu vereinfachen, ist mit den sogenannten Blockbüchern gegeben. Sie
wurden ab etwa 1420/30 in Deutschland
und den Niederlanden hergestellt. Die
Blütezeit dauerte von etwa 1460 bis 1480,
und selbst noch zu Beginn des 16. Jahrhunderts wurden Werke geringen Umfanges in dieser Technik hergestellt. Bei diesem Buchtyp entstand aus einer Holzplatte, wie beim Holzschnitt, durch Heraus-
Theke 1997
heben der nichtdruckenden Teile eine
Druckplatte. Die Vervielfältigung geschah
dann in Form eines Reibedruckes. Da das
Papier durch den Druckvorgang eine reliefartige Rückseite erhielt, war es unmöglich, ein Blatt doppelseitig zu bedrucken.
Aus diesem Grund klebte man zwei aufeinanderfolgende bedruckte Blätter mit
den Rückseiten zusammen. Blockbücher
sind überwiegend koloriert überliefert.
Erhalten haben sich etwa 600
Blockbücher, die
sich zu 100 verschiedenen Ausgaben mit 32 verschiedenen Inhalten gliedern lassen. Damit ist diese Buchform erheblich seltener
als die der Inkunabeln, die allein
27.000 verschiedene Ausgaben
aufweisen kann.
Wahrscheinlich
muß man von einer hohen Vernutzung der Blockbücher ausgehen.
Hergestellt wurden unter anderem Ausgaben der
Apokalypse, die Donat-Grammatik, „Biblia pauperum“, „Ars moriendi“ oder
„Speculum humanae salvationis“. Was
die Auflage betrifft, so konnte das Blockbuch wohl durchaus mit den in geringer
Auflage erscheinenden frühen Inkunabeln
konkurrieren. Die Schwäche des Verfahrens lag vor allem in dem hohen Aufwand, den die Herstellung insbesondere
der Textteile mit sich brachte, sowie in
der mangelnden Flexibilität sowie Kor-
rekturfähigkeit. Als rein graphischer
Druck lebte das Blockbuch jedoch in
Form der Holzschnittillustration der Inkunabelzeit weiter.
Die UB Heidelberg besitzt drei Blockbuchsammelbände. Codex Palatinus germanicus 34 überliefert neben einer „Ars
moriendi“ und einer „Biblia pauperum“
eine umfangreiche Darstellung der Apokalypse (Abb. 3)4. Zu sehen ist hier, nach
Apc 12,3, der rote
Drache mit sieben
Köpfen, zehn Hörnern und sieben
Kronen. Der in
Holzschnitt-Technik der Darstellung
inserierte lateinische Text der Apokalypse erscheint,
wie auch die Illustration, relativ flau
und ist nur sehr
mühsam zu lesen.
Feinere Striche sind
nur ganz schwach
oder überhaupt
nicht abgedruckt.
Ein Stück von
herausragendem
Wert ist Codex Palatinus germanicus
438, ein Sammelband mit einer
Abb. 3
Handschrift sowie sieben Blockbüchern,
die zwischen 1455 und 1458 hergestellt
worden sind5. Mit Ausnahme der lateinischen „Biblia pauperum“ handelt es sich
um deutschsprachige Werke, die in den
ostmitteldeutschen Raum weisen. Fünf
der Blockbücher dieses Sammelbandes
sind Unikate.
Die Form der „Biblia pauperum“ entstand im 13. Jahrhundert in Südostdeutschland (Abb. 4). Der erst später vergebene
Seite 25
Name „Armenbibel“ ist irreführend; keineswegs war der Adressatenkreis bei des
Lesens Unkundigen zu suchen. Jedes Blatt
der „Biblia pauperum“ zeigt an zentraler
Stelle eine Episode des Neuen Testamentes, hier die Vertreibung der Geldwechsler aus dem Tempel. Sie wird von zwei
Ereignissen des Alten Testamentes flankiert, die als Präfiguration gesehen werden, als Vorausdeutung auf das Neue Testament. Ebenfalls präfigurative Funktion haben vier Prophetenworte, die den
Ecken des Blattes inseriert sind. Bei dem
hier vorliegenden Stück handelt es sich
um ein chiroxylographisches Blockbuch.
Die Illustration ist in Holzschnitt-Technik in der Art ausgeführt, daß eine Seite
mittels vier verschiedener Holzstöcken
gedruckt wurde. Den Text dagegen verfertigte ein Schreiber. Zweifellos handelt
es sich hier um eine technisch pragmatiAbb. 4
Theke 1997
sche Lösung. Wie auch dieser Sammelband erkennen läßt, sah das 15. Jahrhundert einen eigentlichen Gegensatz zwischen Handschrift und Druck nicht, sondern schätzte die Erzeugnisse beider Techniken.
Handschriften des
16. Jahrhunderts
Die Ablösung der Handschrift durch
die Erzeugnisse der Druckerpresse war in
bestimmten Bereichen ein sich über Jahrhunderte hinziehender Vorgang. Zwar
wurde das geschriebene Buch als Vermittlungsmedium schon bald nach Erfindung des Buchdrucks zurückgedrängt,
Abb. 5
doch hielt es sich in Reservaten sehr stabil
und wurde letztlich erst durch moderne
Kopiertechniken völlig obsolet. Beispiele
der Neuzeit sind insbesondere Vorlesungsmitschriften, die mindestens bis ins 19.
Jahrhundert gebunden wurden. Unter der
Signatur F 2100 fol. Res. bewahrt die UB
Heidelberg die Abschrift eines seltenen,
die pfälzische Geschichte betreffenden
Drucks auf, die 1883 im Haus angefertigt
wurde. Die Wichtigkeit der Abschrift zeigt
sich darin, daß ihre Korrektkeit durch ein
Handzeichen des Oberbibliothekars Karl
Zangemeister (1837–1902) selbst bestätigt wurde.
Ein interessantes Bild zeigt die Handschriftensammlung des Klosters Salem,
die sich ja bis zum Beginn des 19. Jahrhunderts entwickeln konnte. Von den 450
Handschriften sind lediglich 200 mittelalterlicher Enstehung. Und „mittelalterliche Entstehung“ meint im Handschriftenbereich die Zeit vor etwa 1520/30; mithin
sind auch unter diesen Codices schon Stükke, die zeitlich parallel zur Entwicklung
des Buchdrucks gefertigt wurden. Die 250
neuzeitlichen Handschriften decken dann
die Zeit von der Mitte des 16. Jahrhunderts bis 1803 ab.
Von den neuzeitlichen Handschriften des Klosters sind über 20 Liturgica;
bei den mittelalterlichen Zeugnissen waren es etwa 70 von 200. Hier hatte die
Entwicklung des Buchdrucks zweifellos
eine Verschiebung bewirkt. Weiter ist
unter den neuzeitlichen Handschriften des
Klosters spezifisch zisterziensische Literatur zu finden, beispielsweise Sammlungen von Ordensprivilegien. Im Falle des
gut vertretenen Faches Theologie handelt
es sich bei klösterlichen Gemeinschaften
nicht selten um theologische Traktate einzelner Konventualen, die sich, wenn überhaupt, nur in einem Exemplar erhalten
haben. Ein Druck wurde entweder nicht
Seite 26
angestrebt oder war nicht finanzierbar.
Ein anderer Schwerpunkt neuzeitlicher
Handschriften ist das Gebiet der Geschichte, insbesondere der Kirchen- oder Klostergeschichte. Vor allem im 18. Jahrhundert fehlt für kaum eine geistliche Institution die Beschäftigung mit ihren Ursprüngen und dem Wachsen durch die Jahrhunderte. Oft handelt es sich um Auszüge aus
Akten und Urkunden, die im Original
nicht mehr erhalten sind, was die historischen Kollektaneen umso wertvoller
macht. Handschriften dieser Zeit sind ganz
besonders hier persönliche Hervorbringungen nur für den Verfasser selbst oder
einen beschränkten Adressatenkreis.
Die numerisch größte Gruppe unter
den neuzeitlichen Handschriften Salems
stellt mit immerhin 43 Einheiten – einem
Fünftel dieses Bestandes – die Gruppe der
Bibliothekskataloge und Bibliotheksordnungen dar. Ende und Vollendung dieser
Form bildet ein 15 Bände im Folioformat
umfassender Katalog, der Ende des 18.
Jahrhunderts von dem Salemer Konventualen Matthias Schiltegger (1761–1829)
erarbeitet worden ist. Das 23.000 Titel
verzeichnende Werk wird von einer differenzierten, enzyklopädischen Wissenschaftssystematik gegliedert, wie sie für
das ausgehende 18. Jahrhundert typisch
ist. Der Katalog, auf Zuwachs von Jahrzehnten berechnet, blieb aufgrund der
Aufhebung des Klosters unvollendet6.
Zu den neuzeitlichen liturgischen
Handschriften der Salemer Sammlung
gehört das Prachtgraduale Cod. Sal. XI,16,
dessen 1601 beendete Herstellung sich
über mehrere Jahrzehnte hinzog7. Es zeigt
in exemplarischer Form, welchen Wert
der Handschrift mit ihren besonderen
Möglichkeiten auch nach Erfindung des
Buchdrucks zukommen konnte, und wie
lange eigentlich mittelalterliche Gewohnheiten der Herstellung noch nachwirkten.
Theke 1997
Das 28 kg schwere Graduale mit 342
Pergamentblättern im Format 59 auf 40
cm wurde vor der Mitte des 16. Jahrhunderts begonnen, blieb aber wohl aufgrund
des Todes des ersten Schreibers lange
Jahre liegen. Erst in der Amtszeit des
Salemer Abtes und Bücherfreundes Petrus Miller (Müller, 1593–1614) schritt
das Werk wieder voran. Die Texte waren
bis zum Jahre 1597 geschrieben. Es folgte
die Anfertigung des Buchschmucks, die
sich bis 1601 hinzog. Sie wurde von dem
Maler Johannes Denzel aus Ulm erledigt,
der zwei der Miniaturen von hoher Qualität auch signierte. Die lange Anfertigungszeit sowie die Illumination außerhalb des
Klosters zeigt, daß es schon kein qualifiziertes Skriptorium in Salem mehr gab.
Warum wurde dieses Werk – und
Salem besitzt einige weitere, vergleichbare Handschriften dieser Art – in der traditionellen Weise der Handschrift zu hohen
Kosten – allein 1597/98 erwarb der Konvent zur Komplettierung des Buchblocks
84 Pergamenthäute zu 69 Gulden – in der
Abtei und an anderen Orten hergestellt?
Schon in der Inkunabelzeit gab es gedruckte liturgische Bücher, die sowohl
Bistumsliturgien als auch spezifische Ordensliturgien verbreiteten, wie sie in Salem benötigt wurden. Kein Werk dieser
Art war jedoch in der Größe und der
Ausstattung zu kaufen, wie sie dem Kloster vorschwebte. Sollte außerdem dem
Repräsentationsbedürfnis Rechnung getragen werden, so blieb nur die Herstellung als Handschrift, die Herstellung nicht
nur eines Buches, sondern eines einzigartigen Kunstwerkes. Gerade die Fertigung
eines liturgischen Buches war zudem als
Handarbeit schon seit jeher in besonderem Maße gottgefälliges Schaffen.
Spezifische Gestaltungsmöglichkeit
bot die Form der Handschrift aufgrund
der Möglichkeit, in die zu überliefernden
Texte einzugreifen. Im eigentlich liturgischen Teil spielt dies – die Texte waren im
Gegensatz zum Mittelalter schon stark
normiert – keine große Rolle. Lediglich
auf die zweimalige Erwähnung des hl.
Bernhard von Clairvaux, Stifter der Zisterzienser, kann hier verwiesen werden.
Genutzt wurde die Gestaltungsvielfalt der
Handschrift aber ganz spezifisch auf Bl. 6r.
Historisches Zeugnis für Personalstand
und Zusammensetzung des Konventes zur
Zeit der Fertigstellung ist ein namentliches Verzeichnis der Konventualen, aus
dem hervorgeht, daß neben Abt Petrus
Miller und seinem resignierten Amtsvorgänger 58 Mönche und 3 Konversen in
dem Kloster lebten. Dieses Verzeichnis,
eine historische Quelle von nicht geringem Wert, findet sich nur an dieser Stelle.
Zum wertvollen Unicum wird der
Codex jedoch vor allen Dingen durch den
Buchschmuck. Symbolbeladen beginnt
das Graduale auf Bl. 1v (Abb. 5) mit einer
Kreuzigungsdarstellung vor einer italienischen Landschaft. Unter dem Kreuz
haben sich Maria, Maria Magdalena und
Johannes versammelt. Etwa in Bildmitte
teilt der Horizont waagerecht das Bild in
eine himmlische und eine irdische Zone.
Strahlendes Licht umgießt den Gekreuzigten, dessen Blut von drei Engeln aufgefangen wird. Im Vordergrund kniet,
ganz in der Tradition mittelalterlicher Stifterbilder, Abt Petrus Miller in Anbetung
des Kreuzes. Für die Abtei und ihre Stifter
stehen die Wappen in Bildmitte. In der
Tradition mittelalterlicher Handschriften
sind die Randleisten mit Rankenwerk und
Drôlerien verziert. Oben findet sich das
Bild des Pelikans, der, seine Jungen mit
seinem eigenen Blut nährend, auf Christus vorausdeutet. Unten sind Stundenglas und Schlange als Symbol der Vergänglichkeit sowie das Einhorn als Symbol der Jungfräulichkeit zu sehen.
Seite 27
Ebenfalls auf Repräsentation ist das
das Graduale einleitende Bild auf Bl. 7v
abgestellt (Abb. 6). Vor einer italienischen
Ideallandschaft mit einem Kloster im Hintergrund betet Abt Petrus Miller Madonna
und Kind an. Maria war die Klosterpatronin Salems. Hinter ihm steht der Gründer
des Ordens, Bernhard von Clairvaux. Seine im Vergleich zum Abt hellere Gesichtsfarbe weist darauf hin, daß er nicht
mehr unter den Lebenden ist. Ebenfalls
mit großem Aufwand ist schließlich der
Einband gefertigt. Ihn ziert in der Mitte
das badische Wappen sowie der Name
Jesus in gekürzter Form. Die mittelalterliche Metallbuckel, die ein Aufliegen des
Einbandbezuges verhindern sollen, tradierenden Eckbeschläge zeigen die vier
Evangelisten.
Das Graduale Sal. XI,16 läßt erkennen, in welcher Weise das geschriebene
Abb. 6
Theke 1997
Buch auch noch gegen 1600 dem Druck
weit überlegen sein konnte. Die offene
Form der Handschrift bot freie Möglichkeiten individueller Gestaltung, die sie
hier zum auch historischen Zeugnis des
Klosters um 1600 werden ließen. Abt Petrus Miller, der Vollender des Werkes,
nutzte es mit den Miniaturen aber auch zur
Selbstdarstellung des Konventes und besonders seiner selbst. Das Buch wurde
hier nicht Teil der Bibliothek, sondern
Teil der Schatzkammer, nicht nur kostbarer Gebrauchsgegenstand, sondern auch
Zierde und Zeugnis.
Aber trotz der mittelalterlichen Tradition kann das Werk die Zeit, in der es
entstand, nicht verleugnen. Die Synthese
des Alten und Neuen zeigt sich sehr gut in
den Randleisten der Kreuzigungsdarstellung auf Bl. 1v. In den Ecken symbolisieren vier Affen die vier Jahreszeiten. Am
linken Rand erscheint eine Kaiserkrone,
eine Pflanze der Neuen Welt. Vorlagen zu
diesen Motiven waren zeitgenössische
Kupferstichwerke. Im Falle der vier Affen läßt sich sogar als direktes Vorbild das
erste Blatt der 1592 erschienenen „Archetypa“ von Georg Hoefnagel nachweisen8.
Die vorgeführten Beispiele, die standardisierten Handschriften aus süddeutschen Schreiberwerkstätten, die Blockbücher sowie die neuzeitlichen Handschriften zeigen, daß die Ablösung der
Handschriftenproduktion durch den Buchdruck keineswegs als ein linearer Prozeß
zu sehen ist, der nur kurze Zeit gedauert
hat. Vielmehr handelt es sich um eine
komplizierte Entwicklung, die auf ökonomischer Seite schon vor Gutenbergs Erfindung vorbereitet wurde. Auf der anderen Seite war die Zeit der Handschrift, die
in bestimmten Reservaten ein zähes Eigenleben zeigte, noch lange nicht abgelaufen. Erst ab dem 16. Jahrhundert wurden „alte“ Handschriften mehr und mehr
zu bewahrenswürdigen und gesuchten
Antiquitäten, während für den täglichen
Gebrauch Drucke das Mittel der Wahl
waren.
1
H. Wegener, Beschreibendes Verzeichnis der deutschen Bilder-Handschriften des späten Mittelalters
in der Heidelberger Universitäts-Bibliothek, Leipzig 1927, S. 13–17.
2
Armin Schlechter, UB, Tel. 54 - 23 99
Wegener, S. 43–45; E. Mittler – W. Werner, Mit
der Zeit. Die Kurfürsten von der Pfalz und die
Heidelberger Handschriften der Bibliotheca Palatina, Wiesbaden 1986, Nr. 18.
3
Wegener, S. 72–79; Mittler – Werner, Nr. 29.
Mittler – Werner, Nr. 26f.
5
Wegener, S. 49–52; Mittler – Werner, Nr. 19,20;
Die Zehn Gebote/ Beicht- und Sündenspiegel, Biblia pauperum… Farbmikrofiche-Edition der Handschrift und der Blockbücher in dem Cod. Pal. Germ.
438 der Universitätsbibliothek Heidelberg. Beschreibung des Sammelbandes von W. Werner, München
1994 (Monumenta xylographica et typographica 3).
4
6
A. Schlechter, Gelehrten- und Klosterbibliotheken
in der Universitätsbibliothek Heidelberg. Ein Überblick, Heidelberg 1990 (Heidelberger Bibliotheksschriften 43), S. 23f., 82–85.
7
W. Werner, Cimelia Heidelbergensia. 30 illuminierte Handschriften der Universitätsbibliothek Heidelberg, Wiesbaden 1975, Nr. 11; P. Väth, Die spätmittelalterlichen liturgischen Handschriften aus dem
Kloster Salem, Frankfurt/Main u. a. 1993 (Europäische Hochschulschriften, Reihe XXVIII, Bd. 178),
S. 281–317.
8
Seite 28
Väth, S. 312.
Theke 1997
Philipp Melanchthon in
Südwestdeutschland
Im Jahr 1997 wird in ganz Deutschland – vor allem aber in Baden-Württemberg und Sachsen-Anhalt – des 500. Geburtstages von
Philipp Melanchthon gedacht.
Philipp Melanchthon, geboren am 16. Februar 1497 in Bretten, verdankt sein geistiges Profil der humanistischen Bewegung
am Oberrhein und in Schwaben, wo Gelehrte wie Johannes Reuchlin, Jakob Wimpfeling oder Erasmus von Rotterdam die
Entwicklung des jungen Mannes zu einer der überragenden Geistesgestalten und zum „Praeceptor Germaniae“ entscheidend
beeinflußten.
Eine Gemeinschaftsausstellung der Universitätsbibliothek Heidelberg, der Landesbibliotheken Stuttgart und Karlsruhe und
des Melanchthonhauses Bretten widmete sich den Lehrjahren des großen deutschen Reformators und Theologen, die er in den
Städten Bretten, Pforzheim, Tübingen und Heidelberg verbrachte.
Anhand kostbarer Autographe, wertvoller Drucke, Gemälde und Zeichnungen wurde eindrucksvoll dokumentiert, mit welchen
geistigen Strömungen und Traditionen Melanchthon in seinen vier südwestdeutschen Bildungstationen Bretten, Pforzheim,
Tübingen und Heidelberg konfrontiert wurde. Begegnungen mit den Trägern dieser Traditionen wurden hier ebenso lebendig wie
waren einige zuvor in diesem
seine Auseinandersetzung mit dem
Rahmen noch nicht gezeigte
Bildungs- und Wissenskanon seiKostbarkeiten zu sehen: so zum
ner Zeit.
Beispiel ein Brief Johannes
Die Ausstellungstücke entReuchlins an Friedrich den Weistammten überwiegend dem reisen oder die gläserne Stifterscheichen Altbestand der beteiligten Bibe mit dem Abbild des Wormser
bliotheken, aber auch zahlreiche
Bischofs und Kanzlers der Uniauswärtige Leihgeber haben sich
versität Heidelberg Johann von
mit wertvollen Exponaten an dieDalberg.
ser Präsentation beteiligt.
Für die Konzeption der AusIn der Universitätsbibliothek
stellung
zeichnete Herr Dr. WenHeidelberg als letzter Station – die
nemuth
verantwortlich.
Er skizEröffnung fand am 18. August
ziert
im
Folgenden
Bildungssta1997 zum 9. Internationalen Kontionen des großen Reformators.
greß für Lutherforschung statt –
Seite 29
Theke 1997
Melanchthon in
Südwestdeutschland –
Bildungsstationen eines
Reformators
Folgende Distichen sollen das Geburtshaus Philipp Melanchthons in Bretten,
das 1689 im Pfälzischen Erbfolgekrieg
zerstört wurde, geschmückt haben:
Philippus schöpfte in diesem Haus
des Lebens Licht,
seinem Geist kam an Bildung
keiner gleich.
Unter seiner Führung erhob die
Religion das reine Haupt unter die
Sterne,
unter seiner Führung wuchs den
Freien Künsten die Ehre.
Smyrna, Rhodos, Colophon,
Salamis, Chios, Argos, Athen:
sie stritten um den Dichter Melesigenes [Homer].
Umso mehr freue du dich, Bretten,
weil der Ruhm des Philippus
sogar ohne Hader auf ewig dein
ist.1
Überliefert ist uns diese Inschrift einzig
durch einen anonymen handschriftlichen
Eintrag auf dem Vorblatt der 1566 in
Leipzig erschienenen Lebensbeschreibung
Melanchthons, die von seinem Freund
und Schüler Joachim Camerarius verfaßt
worden ist. Das durch diesen Eintrag zum
Unikat avancierte Exemplar befindet sich
im Besitz der hiesigen Universitätsbibliothek und ist selbstverständlich in der Ausstellung zu sehen.
1
Zitiert nach: Die Inschriften des Großkreises Karlsruhe, ges. u. bearb. von A. Seeliger-Zeiss, München
1981, S. 112
So einzigartig dieses Dokument als
Beispiel der Melanchthonverehrung des
späteren 16. Jahrhunderts in seiner Heimatstadt Bretten sein mag, so wenig spektakulär ist das Exponat für den Besucher, der
nicht als Melanchthon-Freak – und das
dürften die wenigsten sein – die Ausstellungsräume betritt. Melanchthon steht auf
einer Ebene mit dem Dichter Melesigenes
– das ist Homer –, dem Ahnherrn der Poesie schlechthin; durch diese Bezugsetzung
überstrahlt der Ruhm Brettens selbst den
Glanz der antiken Metropolen. Mit Homer
wird heutzutage niemand Melanchthon in
Verbindung bringen, noch gar jemand
Bretten eine Kulturhauptstadt Europas
nennen wollen. Doch Homer und Melanchthon verbindet miteinander, daß ihre
Leistungen und Werke kaum noch zum
Bildungsgut unserer Tage gehören. Melanchthon – wer ist das? Auch nach einem
reichhaltigen Jubiläumsprogramm zu
seinem 500. Geburtstag wird er für die
Allgemeinheit ein Unbekannter bleiben.
Allenfalls Schlagworte überdauern, so das
eines Freundes und Helfers Luthers oder
das des Praeceptor Germaniae.
Die Ausstellung „Melanchthon in
Südwestdeutschland – Bildungsstationen
eines Reformators“ will, in bescheidenem
Rahmen und mit begrenzten Möglichkeiten, einen anderen Akzent setzen. Sie versucht keine Installationen und will keine
„Erlebniswelten“ reproduzieren, die doch
immer nur die unsrigen sind, sondern folgt
Seite 30
einer streng auf das Inhaltliche, auf Wissens- und Erkenntnisvermittlung, auf Bildung, angelegten Konzeption. Sie will
einige weitgehend unbekannte Ausblicke
auf die Person freigeben und damit zu
einem vertieften Verständnis der Wurzeln Melanchthons beitragen. Das kleine
Exponat, das ich eingangs erwähnte, ist
daher in gewissem Sinne auch beispielhaft für die Absichten der Ausstellung.
Ein zweifellos schön gestaltetes Titelblatt
ziert das Oktavbändchen, doch dem eiligen Besucher wird es nicht ins Auge springen. Man könnte bemängeln, die Ausstellung enthalte nur sehr wenig, was man
vordergründig als „spektakulär“ klassifizieren möchte. Gewiß, es gibt wertvolle
Handschriften mit schönen Illustrationen
zu sehen, kolorierte Stiche, seltene Drukke und auch Autographe von Melanchthon
und Zeitgenossen. Im Mittelpunkt stehen
jedoch Gebrauchsgegenstände aus dem
Bereich Bildung und Wissenschaft mit
allen Spuren des Gebrauchs. Doch sind es
nicht gerade diese Spuren, die die Exponate zum Leben erwecken? Die ganze
Dimension der Ausstellung erschließt sich
nur dem, der zu schauen und vor allem:
zuzuhören versteht. Sie lädt ein, auf
Entdeckungsreise zu gehen und mit den
Exponaten in einen Dialog zu treten. Das
Vertrautwerden mit den Gegenständen
eröffnet neue Zugänge zum Verständnis
der Personen und ihrer Ideenwelt und
Einsichten in die Voraussetzungen von
Bildung und Wissenschaft.
Eine Ausstellung zum Thema „Melanchthon in Südwestdeutschland – Bildungsstationen eines Reformators“ sieht
sich nicht wenigen Schwierigkeiten ausgesetzt, blendet sie doch die Zeit des
Gelehrten und Wissenschaftsorganisators
von europäischem Rang – von seinem
Einfluß auf Reformversuche an der Universität Heidelberg und einigen Melan-
Theke 1997
chthoniana aus hiesigen Beständen abgesehen – ebenso aus wie das Wirken des
Reformators an der Seite Luthers. Es gibt
für die Zeit bis 1518 nur sehr wenige im
Original erhaltene Zeugnisse, die unmittelbar auf Melanchthon Bezug nehmen.
Das früheste Melanchthonporträt, der
Kupferstich von Albrecht Dürer, stammt
erst aus dem Jahre 1526. Immerhin haben
sich einige Autographe, so zwei Briefe an
den Freund Ambrosius Blarer, und die
frühen Drucke mit Werken Melanchthons
erhalten. Eine Dokumentation der Jugendzeit des Reformators wäre also wenig
sinnvoll und ergiebig. Stattdessen will die
Ausstellung nach der geistigen Umwelt
fragen, die Melanchthon prägte, und nach
den Bedingungen und Umständen suchen,
unter denen der zweifellos hochbegabte
Knabe sich zu einer Persönlichkeit von
europäischem Rang entwickeln konnte.
Wie der Ausstellungstitel sagt, geht
es zum einen um Bildung, um die geistige
Entwicklung junger Menschen um 1500.
Wie, wo, womit, unter welchen Voraussetzungen und was lernten Melanchthon
und seine Mitschüler, wie gestaltete sich
der Prozeß des Lernens? Für die Welt des
Lernens um 1500 ist Melanchthon ein
herausragender Vertreter (auch wenn die
Ausstellung vergleichbare Werdegänge
und Leistungen bei Simon Grynaeus oder
Sebastian Münster verfolgen könnte) und
bestens geeignet, das Entstehen und die
Etablierung einer neuen Geisteshaltung
und Weltsicht zu thematisieren, die unter
dem Begriff des Humanismus firmiert.
Dem Humanismus ging es primär um
Persönlichkeitsbildung mit Hilfe der Wissenschaften; an vorderster Stelle stand die
Dichtkunst der großen antiken Autoren,
deren sprachliche Verfeinerung und ethische Kraft neu verstanden und bewundert
wurde, deren Wissen um das menschliche
Wesen und seine Verpflichtung auf das
Wohl eines höheren Ganzen zum Vorbild
der eigenen Erziehung und Weltsicht
wurde. In dieser Zeit des Wandels kam
der Erwerb einer umfassenden Bildung
einem Aufbruch in neue Welten gleich,
geistig, sozial und auch geographisch.
Wie eng der Werdegang Melanchthons mit Personen, die ihn unterrichteten und förderten, aber auch mit
Orten, den Stätten, an denen er seine Bildung empfing, zusammenhing, will ein
zweiter Ansatz der Ausstellung verdeutlichen. Geistige Entwicklung und Persönlichkeitsbildung bedarf der Konkretisierung in einem lokalen und personalen
Rahmen, und dies nicht nur als Folie. Bis
in sein 21. Lebensjahr hat Melanchthon
Südwestdeutschland nicht verlassen. Man
könnte daher geneigt sein festzustellen,
Seite 31
daß Melanchthon alle seine Fähigkeiten
und charakterlichen Eigenschaften seiner
südwestdeutschen Heimat verdankte, wäre
da nicht das Medium Buch, das diesen
Rahmen oder diese Fesseln immer wieder
nachhaltig sprengte. Dennoch lassen sich
mit den Orten, den vier südwestdeutschen
Bildungsstationen Melanchthons, Bretten,
Pforzheim, Heidelberg und Tübingen, in
gewisser Weise Entwicklungsstufen des
geistigen Austausches und der wissenschaftlichen Kommunikation verbinden.
Bretten war der Ort einer zunächst
glücklichen Kindheit, des Aufwachsens
in wohlbehüteter Umgebung und in gesicherten Verhältnissen, doch auch der ganz
persönlichen Erfahrung der Bedrohung
an Leib und Leben durch kriegerische
Ereignisse. Der Großvater Hans Reuter
Theke 1997
als Oberhaupt der Familie wachte über die
Erziehung. Und wirklich genoß Melanchthon mit seinem etwa vier Jahre jüngeren Bruder und dem nur wenig älteren
Onkel eine ausgesuchte Ausbildung. Der
Hauslehrer Johannes Unger legte u. a.
durch einen vorzüglichen Lateinunterricht
das Fundament für die wissenschaftliche
Bildung Melanchthons. Großväterlicher
Ehrgeiz und ein ausgezeichneter Lehrer schufen
das geistige Biotop, in dem
der geniale Knabe heranwachsen und gedeihen
konnte.
Pforzheim war für Melanchthons Bildungsgang
nicht weniger wichtig, auch
wenn er an der dortigen
Lateinschule nur ein Jahr
verblieb. Hier waren es ein
fruchtbares schulisches
Klima (Melanchthon stellte sich das Paradies übrigens als Schule, als fortgesetztes Lernen vor), in dem
begnadete Lehrer die Begabung des Knaben erkannten und förderten, und
der fröhliche Umgang mit
einer ganzen Reihe ebenfalls hochbegabter Mitschüler, die Melanchthons
Werdegang scheinbar zielgerichtet bestimmten. Der Knabe lernte
Griechisch und erfuhr in der Person der
Lehrer Georg Simler und Johannes Hiltebrant etwas von den Zusammenhängen
der Befähigung zur Wissenschaft mit einer lernorientierten, erfolgreichen Pädagogik. In die Pforzheimer Zeit fällt auch
seine erste Begegnung mit Johannes
Reuchlin, der ihn endgültig für die neue
Geistesbewegung des Humanismus begeistern sollte.
Heidelberg könnte für Melanchthons
Bildungsgang leicht als Sackgasse erscheinen, aus der er 1512 nach Tübingen ausbrach, wäre da nicht die glanzvolle Vergangenheit des Dalbergschen Musenhofes, der nach wie vor in Einzelpersonen
gegenwärtig war. Durch die Erinnerungen und Erzählungen Reuchlins und Pallas Spangels, in dessen Haus der junge
Student wohnte, nahm Melanchthon teil
an der Glanzzeit des Heidelberger Humanismus zur Zeit Rudolf Agricolas und
Conrad Celtis’. Ein Abglanz dieser ruhmvollen Vergangenheit stellte sich bei den
Gelegenheiten ein, wenn die alten „Sodalen“ bei Spangel einkehrten. Melanchthons
Verständnis des Humanismus wurde entscheidend von diesen Erlebnissen und Erinnerungen bestimmt. An der Heidelberger Universität der Jahre 1509 bis 1512
Seite 32
gab es für Melanchthon dagegen offensichtlich nicht genügend geistige Anregungen, so daß ihn nach Spangels Tod
nichts mehr in der Residenzstadt am Nekkar hielt.
In Tübingen gewinnt Melanchthon sofort
Anschluß an den Kreis um Johannes Stöffler, seinen wichtigsten Tübinger Lehrer.
Auch trifft er hier seine Pforzheimer Lehrer wieder, die in ihm bald
schon einen Mitarbeiter
begrüßen können. Tübingen sieht nicht nur den Abschluß seiner Lehrzeit an
der Artistenfakultät. Er beherrschte nun die gesamte
Methodenlehre des scholastischen Systems, was ihn
schließlich auch zu dessen
Kritik und Reform im Sinne des Humanismus befähigen sollte. Tübingen sieht
auch den Beginn seiner
Tätigkeit als äußerst erfolgreicher Lehrer und Verfasser von Lehrbüchern für alle
Fächer des Triviums, einschließlich des Griechischen. Auch die späterhin
so wichtige intime Kenntnis des Buchdrucks verdankt er seiner Tübinger
Zeit durch seine Mitarbeit
als Korrektor und Autor in
der Druckerei des Thomas Anshelm. Doch
trotz seiner Erfolge empfand Melanchthon
den Ruf nach Wittenberg als Befreiung
aus bedrückender Enge. Die Heidelberger
Erfahrung wiederholte sich auf einer höheren Ebene auch in Tübingen. Dem Betätigungsdrang, dem „Modernisierungsstreben“ und Genie des jugendlichen Gelehrten bot seine südwestdeutsche Heimat kein ausreichendes Wirkungsfeld
mehr.
Theke 1997
Geblieben ist Melanchthon das Bewußtsein davon, was er einzelnen Persönlichkeiten verdankte, denen er an diesen
Orten begegnete: Johannes Unger die virtuouse Beherrschung der lateinische Sprache, Georg Simler die systematische
Grundlegung des Griechischen, Johannes
Reuchlin die umfassende Kenntnis des
Hebräischen und die Einführung in die
Welt des Humanismus, an dessen Schwelle
die Verleihung des Humanistennamens
„Melanchthon“ am 15. März 1509 steht,
Pallas Spangel die Kenntnis des von Italien geprägten frühen Humanismus, Johannes Wimpfeling ein vertieftes Verständnis für Geschichte und Pädagogik (sowie
die Erstveröffentlichung zweier lateinischer Gedichte), Johannes Stöffler die
Einsicht in die Bedeutung der Mathematik, aber auch eine Bestärkung seines
Astrologieglaubens, Johannes Oekolampad die Verfeinerung seiner Griechischkenntnisse, Wendelin Steinbach die Vermittlung des theologischen Wissens des
Spätmittelalters, dem großen Erasmus von
Rotterdam, dem er persönlich nie begegnete, die besten Empfehlungen an die wissenschaftliche Welt durch jene rühmende
Erwähnung in den Annotationen zur grie-
chischen
Ausgabe
des Neuen
Testaments,
dem Drucker Thomas Anshelm die
Vertrautheit mit
dem Prozeß der
Entstehung und
Verbreitung, vor allem aber auch der Wirkung des
Mediums Buch. Melanchthon, der früh
gereifte, selbstbewußte Jüngling, war sich
seiner Fähigkeiten und Ausstrahlung wohl
bewußt. Nicht zuletzt seine Erfahrungen
als Lehrer in Tübingen bestimmten ihn zu
der Reform des Bildungssystems und des
Kanons der universitären Fächer, die das
Wissenschaftsgefüge in Deutschland
nachhaltig verändern sollte.
Im Rückblick scheint Melanchthons
Werdegang so manches Mal durch schicksalhafte Fügungen bestimmt gewesen zu
sein. Melanchthon war zweifellos ein
Hochbegabter, doch ebenso gewiß gehörte er zu den privilegierten Bürgersöhnen,
deren Potential systematisch gefördert
wurde. Es ist bezeichnend, daß er jeweils
zum richtigen Zeitpunkt die Lehrer und
Persönlichkeiten traf, derer er zu seiner
geistigen und persönlichen Entwicklung
bedurfte. Im Zentrum der schulischen und
universitären (Aus-)Bildung steht hier
nicht der Lehrplan, sondern die Beziehung von Lehrern zu ihren Schülern. Lehrer und Schüler bilden eine Lern- und
Lebensgemeinschaft, die neben der geistigen eben auch die intensive Bildung der
Persönlichkeit zum Ziel hat. Wenn Me-
Seite 33
lanchthon gelegentlich heutigen Studierenden als Vorbild empfohlen wird, sollte
man eine derart begünstigende „Infrastruktur“ im Blick behalten, ganz zu schweigen
von dem Umstand, daß ein Universitätsstudium im 16. Jahrhundert, zumal in der
Artisten-Fakultät, auch einen völlig
andersartigen qualitativen Charakter aufwies.
Im Sommer 1518 besiegelte der berühmte Humanist und Diplomat Johannes
Reuchlin Melanchthons Schicksal endgültig, indem er ihn auf den neuerrichteten Griechischlehrstuhl an die Universität
Wittenberg und damit in den Bannkreis
Luthers vermittelte. Bildungsstationen
eines Reformators – hier werden beispielhaft allgemeine und doch auch wieder
ganz individuelle Voraussetzungen und
Möglichkeiten des Erwerbs, der Bedeutung und der Wirkung von Bildung und
Wissenschaft aufgezeigt. Die Ausstellung
ist ein gemeinsames Projekt der Badischen Landesbibliothek Karlsruhe, des
Melanchthonhauses Bretten, der Württembergischen Landesbibliothek Stuttgart
und der Universiätsbibliothek Heidelberg.
Aus den Beständen dieser vier Institutionen stammt die überwiegende Zahl
der Exponate. Wir haben es also mit einer
der „berüchtigten“ Buchausstellungen zu
tun, denen allzuleicht das Anschauliche,
worum es in einer Ausstellung zuvörderst
gehen muß, fehlt. Der Vielfalt der Exponate sind auch andere Grenzen gesetzt,
räumliche und finanzielle. Dennoch glaube ich, daß wir eine Ausstellung vorbereiten konnten, die in ihrer Art Einmaliges zu
bieten hat und viele überraschende Momente enthält, die die Entdeckerfreude
der Besucher zufriedenstellen werden,
zumal auch mit Blick auf Melanchthon.
Dr. Udo Wennemuth, Moselbrunnenweg 43/1,
69118 Heidelberg.
Theke 1997
Von der Liberey zur Bibliothek –
Kostbarkeiten aus der Sächsischen
Landesbibliothek in der
Universitätsbibliothek Heidelberg
Am 11. April 1997 öffnete in der Universitätsbibliothek Heidelberg eine Ausstellung bibliophiler Kostbarkeiten der Sächsischen Landesbibliothek ihre Pforten. Die
Präsentation, nicht zuletzt eine Gelegenheit, die partnerschaftlichen Beziehungen
der Bundesländer Baden-Württemberg
und Sachsen auf kulturellem Gebiet zu
demonstrieren, wurde bislang mit großem
Erfolg in der Library of Congress in Washington und anschließend in Stadtmuseum Dresden gezeigt. In den Räumen der
UB Heidelberg wurden die sächsischen
Zimelien erstmals einem westdeutschen
Publikum präsentiert.
Die Ausstellung führte auf die Wurzeln der Dresdner Landesbibliothek im
Jahr 1556 zurück, dem Jahr, in dem der
humanistisch gesinnte Kurfürst August
von Sachsen intensiv mit dem Sammeln
von Büchern begann. Nicht nur die sorgfältige Literaturauswahl, sondern auch die
kostbaren Einbände aus der Werkstatt des
Dresdner Buchbinders Jacob Krause zeugen noch heute vom hohem Rang, den
August der Bibliothek zuwies.
Augusts Nachfolger verzichteten
mehr und mehr auf eine persönliche Einflußnahme bei den Buchkäufen, die Aufsicht über die Bücherschätze oblag seit
dem Ende des 16. Jahrhunderts den Oberhofpredigern. Im 17. Jahrhundert verlangsamte sich der Literaturzuwachs merklich
– nicht zuletzt bedingt durch den furchtbaren Dreißigjährigen Krieg. Ein wahrhaft
„Goldenes Zeitalter“ erlebte die Bibliothek
im 18. Jahrhundert: Kurfürst Friedrich August I., bekannt als August der Starke, ließ
seinen Hof neben Versailles zum glänzendsten in Europa werden. Der mit Nachdruck betriebene Ausbau der kurfürstlichen Büchersammlungen machte die Bibliothek zu einer der berühmtesten in Europa.
Gegründet als kurfürstliche Bücherei
änderte sie mehrfach Namen und Status.
1806 wurde sie zur Königlich Öffentlichen Bibliothek, 1918 ging sie in
Landeseigentum über. Anfang
des Jahres 1996 schließlich wurde sie mit der Bibliothek der Technischen Universität vereinigt zur
Sächsischen Landesbibliothek –
Staats- und Universitätsbibliothek Dresden. Auch wenn diese
neueste Entwicklung bei der Auswahl der Exponate nicht berücksichtigt wurde, so wurde doch in
dieser Ausstellung ein farbiger
Bogen durch 700 Jahre Geistesgeschichte geschlagen: Neben
mittelalterlichen Handschriften
und illustrierten Inkunabeln boten u. a. wissenschaftliche Bücher verschiedener Jahrhunderte, barocke Architekturzeichnungen und wertvolle Notenschriften einen umfassenden und prächtigen Querschnitt aus den Beständen der Landesbibliothek
Dresden.
Seite 34
Theke veröffentlicht die Ansprachen
der Redner auf der Ausstellungseröffnung
am 11. April 1997 in der Aula der Alten
Universität in Heidelberg.
Theke 1997
Ansprache des Rektors der Universität Heidelberg,
Prof. Dr. Dres. h. c. Peter Ulmer
Ich freue mich über den bedeutsamen
Anlaß unserer heutigen festlichen Zusammenkunft, die Eröffnung der Ausstellung
von Kostbarkeiten aus der Sächsischen
Landesbibliothek in der Universitätsbibliothek Heidelberg, und ich begrüße Sie
namens der Ruprecht-Karls-Universität
sehr herzlich in unserer guten Stube, der
Aula der Alten Universität. Ein besonderer Gruß gilt den Wissenschaftsministern
der Länder Sachsen und Baden-Württemberg, den Herren Meyer und von Trotha.
Daß Sie beide, meine Herren Minister,
heute zu uns nach Heidelberg gekommen
sind, ehrt uns sehr. Es unterstreicht die
Bedeutung dieser Ausstellung, aber auch
die guten Beziehungen zwischen dem Freistaat Sachsen und dem Land Baden-Württemberg. Dabei geht es um Beziehungen,
denen auch für die Universitäten beider
Länder und ihre Bibliotheken nicht unerhebliche Bedeutung zukommt. Ich erinnere an die Zusammenarbeit beider Seiten
bei der Gründung der Juristenfakultät der
Universität Dresden im Jahre 1991, aber
auch an die auf große Resonanz gestoßene
Vorgängerausstellung in der Heidelberger UB mit Exponaten internationalen
Ranges aus der Schatzkammer der Universitätsbibliothek Leipzig – eine Ausstellung, die im Jahre 1994 unter dem
Titel „Geschriebenes aber bleibt“ stattfand und beredtes Zeugnis ablegte für die
nach der Wende begründete, seither von
beiden Seiten mit Leben erfüllte Partnerschaft zwischen den Bibliotheken in Leipzig und Heidelberg.
Erlauben Sie mir, meine Herren Minister, bei dieser Gelegenheit auf eine
weitere, aus Heidelberger Sicht zu begrüßende Gemeinsamkeit zwischen Ihnen
beiden hinzuweisen. Damit meine ich in
diesem Zusammenhang nicht die Zugehörigkeit zu einer bestimmten Partei, sondern das von jedem von Ihnen gezeigte
Engagement für Fragen der Hochschulreform und Ihre Bereitschaft, sich für einen
Strukturwandel an den Hochschulen, aber
auch für die Stärkung der Hochschulautonomie einzusetzen – und dies unabhängig
davon, inwieweit Ihre jeweiligen Vorschläge in Politik und öffentlicher Meinung auf breite Akzeptanz stoßen. Sie,
verehrter Herr Minister Meyer, werden
über dieses Lob von Universitätsseite vielleicht erstaunt sein, nachdem Sie in der
Öffentlichkeit nicht selten auf die Unfähigkeit der Hochschulen hinweisen, aus
eigener Kraft Reformen anzustoßen oder
durchzusetzen. Aber im Südwesten ist es,
wie Ihnen Ihr Ministerkollege vielleicht
bestätigen wird, in den letzten Jahren nicht
ganz selten vorgekommen, daß Reformvorschläge von den Universitäten ausgingen oder zumindest von Anfang an von
ihnen mitgetragen wurden. Als Beispiel
erwähne ich das von uns angestrebte Recht
der Universitäten, bei der Auswahl der
Studienbewerber mitzureden, sowie die
Einsetzung von Expertenkommissionen
zur landesweiten Evaluation wichtiger
Disziplinen, wie Chemie, Romanistik oder
Informatik. Ferner verweise ich auf unsere, derzeit freilich vom Ministerium in
Stuttgart noch eher zurückhaltend beurteilte Forderung nach einer stärker leistungsbezogenen, an Erfolgskriterien orientierten Zuweisung der Haushaltsmittel
an die Hochschulen. Speziell für das
Rhein-Neckar-Dreieck verdient darüber
hinaus der vor zwei Jahren geschlossene
Kooperationsvertrag zwischen den Universitäten Heidelberg und Mannheim Erwähnung, ein Vertrag, den wir mit Hilfe
von demnächst zu erwartenden Empfehlungen einer Expertenkommission unter
dem Vorsitz des neuen Hochschulrektorenkonferenzpräsidenten Landfried bald
mit Leben zu erfüllen und für Synergien
zu nutzen hoffen.
Seite 35
Meine Damen und Herren, lassen Sie
mich nach diesem Exkurs aus gegebenen
Anlaß, für den ich die Bücher- und Kunstfreunde unter Ihnen um Nachsicht bitte, auf
den Gegenstand unserer Veranstaltung
zurückommen. Sehr herzlich begrüße ich
den Generaldirektor der Sächsischen Landesbibliothek, Herrn Hering, wie ich hörte bis vor kurzem einer der unseren, und den
früheren Leiter der Handschriftenabteilung jener Bibliothek, Herrn Dr. Mühlner,
unter uns. Ich danke Ihnen beiden sehr für
alles, was Sie für die Präsentation der
Dresdner Schätze in Heidelberg getan
haben und nicht zuletzt auch dafür, daß Sie
heute unter uns sind und uns Näheres über
den derzeitigen Rang der Sächsischen
Landesbibliothek und über die Schwerpunkte der Ausstellung sagen werden.
Außer Herrn Dr. Dörpinghaus, auf dessen
Aktivitäten wir in der Universität sehr stolz
sind und ohne den es nicht zu dem heutigen Ereignis gekommen wäre, möchte ich
noch zwei weitere Gäste besonders begrüßen und ihnen namens der Universität für
ihren Beitrag zu dieser Ausstellung danken. Mein herzlicher Dank und Gruß richtet sich zum einen an Mrs. Margrit Krewson von der Washingtoner Library of
Congress, die heute mit ihrem Gatten unter uns ist und – wie ich höre – zugleich
Erinnerungen an ihre Heidelberger Studienzeit auffrischt; eine Zeit, von der sie in
liebenswürdiger, von uns freilich gern
vernommener Übertreibung sagt, ihre
schönsten Lebenstage verbracht zu haben.
Sie, Mrs. Krewson, haben anläßlich des
100jährigen Jubiläums des 1897 eröffneten monumentalen Kuppelbaus der Library of Congress an der Präsentation einer
Reihe großer Bibliotheken der Welt, unter
anderem aus Paris und London, in Washington aktiv mitgewirkt und dazu auch
die Sächsische Landesbibliothek eingeladen. Dadurch haben Sie den ersten Anstoß
Theke 1997
zu der ab heute in Heidelberg gezeigten
Ausstellung gegeben, was uns nun sehr
zugute kommt. Mögen Sie sich auch in
diesen Tagen in der alten Residenz der
Kurpfalz wieder sehr wohl fühlen. Ebenso danke ich dem Ehrensenator dieser
Universität, Herrn Dr. Esser, und der von
ihm repräsentierten Dresdner Bank sehr
herzlich für die großzügig gewährte Förderung, ohne die ein solches Projekt schon
in normalen Jahren, besonders aber in der
jetzigen Zeit finanzieller Dürre nicht realisierbar gewesen wäre. Herr Esser, seien
Sie uns auch heute herzlich willkommen.
Meine Damen und Herren, über Gegenstände und Hintergründe der Ausstellung werden Sie aus dem berufenen Munde der folgenden Redner alles Wesentliche hören. Erlauben Sie mir daher, meine
Begrüßung mit einem Vergleich zu schließen. Er kommt Ihnen vielleicht weit hergeholt und aus Heidelberger Sicht kühn
vor, hat sich mir aber bei Durchsicht der
Ausstellungsunterlagen zunehmend aufgedrängt. Es geht – um das Geheimnis zu
lüften – um den Vergleich zwischen Heidelberg und Dresden, wobei ich mir seines hinkenden Charakters schon angesichts der ganz unterschiedlichen Größenverhältnisse und Gewichte der beiden
Städte durchaus bewußt bin. Unter diesem Vorbehalt lassen sich etwa folgende
Parallelen aufzeigen: Bei beiden Städten
handelt es sich um berühmte frühere kurfürstliche Residenzen. Beide erfreuen sich
einer nicht nur das Malerauge beeindrukkenden, unverwechselbaren Flußlage mit
reizvoller Umgebung. Beide Orte spielten
eine maßgebliche Rolle in der Reformationszeit, beide waren zu Beginn des 19.
Jahrhunderts ein Hort der Romantik und
haben sich davon einiges bis heute bewahrt. Sogar die totale Zerstörung der
Dresdner Innenstadt zu Ende des Zweiten
Weltkriegs findet, wenn auch zeitversetzt
um rund 250 Jahre, ihre Parallele in Heidelberg, d. h. zu einer Zeit, als Dresden
kurz vor dem Beginn des berühmten Augustäischen Zeitalters stand. Vermutlich
wird bei Ihnen trotz dieser Parallelen die
Skepsis gegenüber dem Vergleich noch
immer überwiegen. Lassen Sie mich daher abschließend meine stärkste Waffe
vor dem Hintergrund der heutigen Veranstaltung einsetzen. Es geht um das Gründungsjahr 1556 der Sächsischen Landesbibliothek, der damaligen, von Kurfürst
August von Sachsen als seine kurfürstliche Bibliothek errichteten Liberey. In eben
diesem Jahr 1556 wurde bekanntlich OttHeinrich, bekannt als großer Mäzen der
Heidelberger Palatina, Kurfürst von der
Pfalz und legte mit seiner Sammlung den
Grundstein unserer heutigen Universitätsbibliothek – eine doch schon bemerkenswerte Parallele. Einschränkend ist zwar
einzuräumen, daß Dresden und seiner Bibliothek das Schicksal erspart geblieben
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ist, das General Tilly im Auftrag von
Herzog Maximilian von Bayern der Palatina im Dreißigjährigen Krieg bereitet hat,
und ich kann Ihnen, meine verehrten Gäste aus Dresden nur wünschen, daß das
auch in aller Zukunft so bleiben möge.
Aber Vergleiche dürfen ja hinken und Sie
mögen den meinigen als Beweis dafür
werten, daß wir in Heidelberg gerne Gemeinsamkeiten mit Dresden betonen. In
diesem Sinne erfüllt mich die heute zu
eröffnende Ausstellung mit besonderer
Freude, da sie uns für die Dauer von drei
Monaten Begegnungen mit sächsischer
Geschichte und Kultur, mit Dresdner Geistesleben und Musik ermöglicht.
Lassen Sie mich last but not least den
Sängern des Collegium Canticum Dresden sehr herzlich dafür danken, daß sie
diese Veranstaltung so festlich einrahmen, und sie gleichzeitig bitten, uns ihr
erstes Werk vorzutragen.
Ich danke für Ihre Aufmerksamkeit.
Theke 1997
Ansprache des Ministers für
Wissenschaft, Forschung und Kunst des Landes
Baden-Württemberg, Dr. h. c. Klaus von Trotha
Ein zeitgenössischer Schriftsteller hat einmal gesagt: „Wer das Nichtstun gleichermaßen verabscheut wie ernsthafte Arbeit,
findet leicht den Weg zum Buch“. Ich weiß
zwar von den Demoskopen, daß der Beruf
des Politikers in der Öffentlichkeit nicht
immer unbedingt als ernsthafte Profession
angesehen wird, weniger Wohlmeinende
könnten deshalb ohne weiteres behaupten,
es sei nur konsequent, daß ein Minister
seine Zeit in einer Bibliothek verbringe.
Doch der Grund, der mich heute hierhergeführt hat, Sie wissen es, ist der einer
Ausstellungseröffnung, bei der ich außerordentlich dankbar bin, daß sie möglich
geworden ist, und zu der ich Sie auch im
Namen der Landesregierung aufs herzlichste begrüßen möchte. Die heutige Austellungseröffnung ist für mich, vor allen Dingen aus zweierlei Gründen, ein ganz besonders erfreulicher Anlaß. Zum einen handelt
es sich gewissermaßen um eine Premiere,
denn dies ist die erste Ausstellung aus der
Sächsischen Landesbibliothek in einer
baden-württembergischen Universitätsbibliothek, zum andern wird mit dieser Ausstellung, die bisher ja nur an wenigen Orten
gezeigt worden ist, die hervorragende länderüberschreitende Zusammenarbeit zwischen Sachsen und Baden-Württemberg
dokumentiert. Und damit kein falscher
Eindruck von der Verfügbarkeit und der
kulturellen Leistungsfähigkeit hervorgerufen wird, was unsere Schätze angeht, lieber Herr Kollege Meyer, will ich Ihnen
heute schon zusagen, daß wir im Gegenzug
1999 eine Ausstellung mit Heidelberger
Zimelien in Dresden zeigen werden. Ich
bin mir sicher, daß diese Ausstellung aus
den Tresoren der ältesten deutschen
Universitätsbibliothek nicht weniger attraktiv sein wird.
Die heutige und die kommende Ausstellung zeigen, daß unsere Universitäten
auf ihren Altbestand zu Recht sehr stolz
sein können. Ihre Bestände illustrieren
ganz eindrucksvoll, daß unsere wissenschaftlichen öffentlichen Bibliotheken in
einer langen Tradition stehen, ohne die
gerade auch ihre heutige Funktion überhaupt nicht zu verstehen wäre. Für Gottfried Wilhelm Leibniz, der als Hofrat die
kurfürstliche Bibliothek über Jahrzehnte
verwaltet hatte, war eine Bibliothek noch
das Gedächtnis der Menschheit. Sie sollte
zwar in erster Linie der Gelehrtentätigkeit
dienen, gleichzeitig aber auch sicherstellen, daß der interessierte Laie aus Büchern Kenntnisse und Wissen für den praktischen Lebensgebrauch erwerben möge.
Die Bibliothekare zählten zur geistigen
Elite ihrer Gesellschaft und verstanden
sich – von der humanistischen Tradition
geprägt – als legitime Erben der Antike.
Doch tempora mutantur“: deshalb kommen die Bibliotheken nicht umhin, sich
dem tiefgreifenden Modernisierungsprozeß in unserer Gesellschaft zu stellen.
Und sie haben dies, denke ich, bisher
schon mit großem Elan getan, indem sie
sich zu modernen, höchst qualifizierten
Dienstleistungszentren entwickelt haben,
die analog zu zukunftsorientierten Wirtschaftsunternehmen Kundenorientierung
betreiben. Nicholas Negroponte, der Gründer des Medienlabors am MIT, hat in
seinem Buch mit dem Titel „Digitale Existenz“ ein beeindruckendes, aber sicherlich auch beunruhigendes Szenario entworfen. Wenn er recht behält, werden wir
über kurz oder lang weltweit Zugang haben zu 15.000 Fernsehkanälen, zu mehreren 100 Millionen Büchern im Volltext
und zu Millarden von Zeitungsseiten. Ein
solches Ausmaß an verfügbarem Wissen,
und zwar unabhängig von Zeit und Ort,
hat es in der Menschheitsgeschichte überhaupt noch nicht gegeben.
Zum Thema Bibliotheksmittel hat
„Die Zeit“ bereits vor einigen Jahren vol-
Seite 37
ler Ernüchterung konstatiert: „Wird Benzin nur um einen Pfennig teurer, stöhnt ein
ganzes Volk. Wird der Bibliotheksetat
um Millionen gekürzt, hört man keinen
Seufzer.“ Auch wenn die Bibliotheken
heute leider mit weit dramatischeren Einsparauflagen zu kämpfen haben, so ist
zumindest eines besser geworden – und
ich sage das ganz ohne Zynismus: die
Lobbyarbeit. Hilmar Hoffmann, um einen der bekanntesten Namen in diesem
Bereich zu nennen, hat vor gar nicht allzu
langer Zeit öffentlich behauptet, er sehe
Anzeichen für einen Abschied Deutschlands als Kulturnation. Nur noch jede 10.
Hauptschule verfügte über eine Schulbibliothek, d. h. 90% der Hauptschüler fänden in der Schule keine Anregung mehr
zum Lesen, deshalb wachse bei uns ein
sekundärer Analphabetismus. Aber nun
ist es vielleicht nicht ganz angemessen an
einer Universität auf die Hauptschulen zu
verweisen, deswegen zitiere ich lieber auch
noch meinen niedersächsischen Kollegen
Wernstedt, der in einem Interview gesagt
hat: „Wir werden inzwischen von einer
Führungselite in Wirtschaft, Juristerei und
Politik regiert, die authentisch kaum noch
Auskunft geben kann darüber, was in
Büchern steht“. Nun, meine Damen und
Herren, obwohl ich diesen kulturpessimistischen Wertungen und Prognosen nicht
einfach folgen möchte, begrüße ich es
doch ausdrücklich, wenn sich die Bibliotheken und ihre Vertreter stärker als früher in den öffentlichen Diskurs mit einbringen. Was ist zu tun? Die Heidelberger
Bibliothekslandschaft weist wie in den
meisten Hochschulen des Landes alle
Merkmale eines traditionellen, universitären Literaturversorgungssystems auf,
d. h. eine mehr oder minder ausgeprägte
Streulage und ein zweischichtiges Bibliothekssystem. Ich bin mir sicher, daß den
allermeisten bewußt ist, daß ein solches
Theke 1997
Literaturversorgungssystem auch erhebliche Probleme mit sich bringt. Mit Sicherheit ist die Raumsituation, aber auch
der Grad der Professionalisierung in einer
Reihe von Institutsbibliotheken zu verbessern. Und durch den räumlichen Zusammenschluß von Bibliotheken könnte
auch der Bibliotheksbetrieb selbst verbessert werden, weil auf diese Weise größere und leistungsfähigere Einheiten anstelle eines stark dezentralisierten und
zersplitterten Literaturversorgungssystems aufgebaut werden können. Manche
Mehrfachbeschaffung könnte möglicherweise auch vermieden werden. Ein universitäres Literaturversorgungssystem lebt
ja auch von der Koordinierung der unterschiedlichen und bisweilen divergierenden Interessen. Ich halte es deshalb für
außerordentlich wichtig, die verschiedenen Bibliothekssysteme in Baden-Württemberg auf ihre Effizienz und ihre Kosten hin zu überprüfen, und anhand der
Ergebnisse müssen dann ggf.
Empfehlungen für eine Modifizierung oder auch eine Umwandlung des bisherigen Bibliothekssystems besprochen
werden.
Informationstechnische
Veränderungen werden ja, wie
wir alle wissen, zu ganz erheblichen Auswirkungen auf die
wissenschaftlichen Bibliotheken führen. Ich glaube, niemand hat dies so treffend formuliert wie Bill Gates, der
„Vater“ der modernen Software, wenn er sagt: „Wir stehen
auf dem halben Weg in der
Computerrevolution, einer Revolution, die im Begriff ist, die
ganze Welt auf den Kopf zu
stellen“. Sicherlich kann dieser
Entwicklung nur Rechnung
getragen werden, wenn den wissenschaftlichen Bibliotheken dafür auch die erforderlichen Haushaltsmittel zur Verfügung
gestellt werden, und ich weiß, daß gerade
hierüber ja in Heidelberg eine intensive
Diskussion stattgefunden hat. Insofern
freue ich mich, daß am Montag im Kabinett und am Dienstag in der Fraktion ein
Konzept meines Hauses gebilligt worden
ist, das vorsieht, den wissenschaftlichen
Bibliotheken in den nächsten fünf Jahren
43 Mio. DM zusätzlich zur Verfügung zu
stellen. Diese Mittel sollen für einzelne
Projekte in Bibliotheken bereitstehen, insbesondere aber für sechs Programmschwerpunkte, die ich heute erstmals der
Öffentlichkeit ganz kurz vorstellen möchte. Es geht zum einen um ein hohes Maß an
Verfügbarkeit der lokalen EDV-Systeme,
d. h. wir wollen die wissenschaftlichen
Bibliotheken des Landes mit neuer Softund Hardware ausrüsten. Es geht zum
zweiten darum, die Bibliotheken für die
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Nutzung und die Bereithaltung von Multimediadokumenten auszustatten; daneben
sollen lokale elektronische Bestände für
die Nutzung in der Bibliothek und in der
Universität aufgebaut werden. Zum dritten: das im Jahr 1982 geschaffene Bibliothekssystem muß an die modernen Anforderungen und die gewachsene Infrastruktur der Hochschulen angepaßt werden.
Zum vierten: es werden Mittel für die
Verbesserung des Zugangs zu überregionalen und internationalen Datenbanken,
für die Einrichtung regionaler Server, für
den Aufbau von Fach- und Informationszentren und für den Aufbau von Volltextund Hochschulpublikationsdatenbanken
bereitgestellt. Fünftens: ein Schwerpunkt
des Programms wird die Bereitstellung von
Mitteln für die Versorgung der wisssenschaftlichen Bibliotheken mit Literatur,
insbesondere elektronischen Medien bilden. Und sechstens und dann aber auch
letztens: zur Verbesserung des Studienund Arbeitsablaufs der Lehrenden, der Lernenden und der wissenschaftlich Tätigen
ist eine Ausweitung der Öffnungszeiten
vorgesehen, bis zu jenem Traum von der
24-Stunden-Bibliothek.
Meine Damen und Herren, sehen Sie
es mir bitte nach, daß ich dieses hier so
vorgetragen habe, aber die Gelegenheit
war so unglaublich günstig, in einer Woche, in der das Programm beschlossen
worden ist, es auch gleich der Öffentlichkeit vorstellen zu dürfen – in einer Zeit, in
der sonst die schlechten Nachrichten ja
absolut überwiegen. Sie sehen hoffentlich, daß das Land Baden-Württemberg in
besonderem Maß seiner Verpflichtung
gerecht werden will, die wissenschaftlichen Bibliotheken in die Lage zu versetzen, die ihnen aufgegebenen Pflichten als
Dienstleistungsbetrieb für den Hochschulbereich und alle sonstigen Nutzer zu erfüllen. Und um die angestrebten Ziele der
Theke 1997
Ansprache des sächsischen
Staatsministers für Wissenschaft und
Kunst, Prof. Dr. Hans Joachim Meyer
Rationalisierung und die Vision einer virtuellen Bibliothek realisieren zu können,
ist auch die Hilfe der Hochschulen und
der wissenschaftlichen Bibliotheken unabdingbar. Wichtig ist jedoch einzig und
allein, daß sich die Vorteile dieser Maßnahmen nutzbringend für die Hochschulen auswirken.
Meine Damen und Herren, zunächst
einmal sind es jedoch wir, die wir heute
abend einen ganz besonderen Nutzen haben, wir kommen in den Genuß einer
Ausstellung, die uns erlesene Zimelien
aus der Sächsischen Landesbibliothek
präsentiert, und angesichts dieses weiß
Gott nicht alltäglichen kulturellen Ereignisses fühle ich mich an einen Ihnen allen
bekannten, berühmten Bibliotheksdirektor in Weimar erinnert. Vor den herzoglichen Bücherbänden sagte Goethe: „Man
fühlt sich wie in der Gegenwart eines
großen Kapitals, das geräuschlos unberechenbare Zinsen spendet.“ Ich wünsche
deshalb dieser Ausstellung unermeßlich
hohe Zinsen, die gebührende öffentliche
Aufmerksamkeit und viel Erfolg sowohl
beim Fachpublikum als auch bei allen
interessierten Bücherfreunden.
Lassen Sie mich mit einer persönlichen
Erinnerung beginnen. Es war Ende April
1990, daß ich zum ersten Mal in Heidelberg war – und zwar, so überraschend sich
das zunächst auch anhört, zum Wiedersehenstreffen unserer Klasse, die 1955 in
Rostock Abitur gemacht hatte. Als wir ein
Treffen zum 35. Abiturjubiläum planten,
da schien die Herrschaft der SED noch
fest zu stehen. Allerdings war die Mauer
für uns schon ein wenig durchlässig geworden, und da die Hälfte unserer Klasse
inzwischen im Westen war, wie man damals zu sagen pflegte, und einige von
ihnen sich nicht entschließen konnten, in
die DDR zu fahren, so waren wir übermütig genug gewesen, die Einladung eines
Klassenkameraden anzunehmen, der in
der Nähe Heidelbergs Apotheker ist. Ich
werde den schönen Frühlingstag nicht vergessen. Unvorstellbar viel hatte sich seit unserem
Entschluß, hier in Heidelberg
unser Klassentreffen durchzuführen, geändert. Die friedliche Revolution des Herbstes
1989, die erste freie Volkskammerwahl vom März 1990 – und
seit dem 12. April 1990 war ich
in der Regierung de Maizière
Minister für Bildung und Wissenschaft der DDR. Als ich am
Neckarufer entlangfuhr, dachte ich an das schöne Gedicht
Hölderlins, das 1955 bei uns
noch zum Schulstoff gehört
hatte: „Lange lieb’ ich dich
schon, möchte dich, mir zur
Lust, Mutter nennen, und dir
schenken ein kunstlos Lied, Du,
der Vaterlandsstädte Ländlichschönste, so viel ich sah“. Seit
dieser Zeit, seit dem April 1990,
ist wieder unendlich viel geschehen. Für uns war es der
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Aufbruch in ein neues Leben, damals
schien alles möglich, aber daß ich sieben
Jahre später hier in Heidelberg in der Aula
der Universität als sächsischer Wissenschaftsminister eine Ausstellung der Sächsischen Landesbibliothek eröffnen würde, daran habe ich bei meinem ersten
Besuch in Heidelberg nicht gedacht.
Von dem englischen Historiker Thomas Carlyle stammt das Wort: „In Büchern liegt die Seele aller vergangenen
Zeiten“. Wer durch diese Ausstellung geht,
möchte hinzufügen: In Büchern lebt auch
das Bild und der Glanz vergangener Zeiten. Zugleich erinnert uns diese Ausstellung daran, daß sich in der Geschichte nur
schrittweise und erst über längere Zeitstrecken das zusammenfügt, was sich uns
in der Gegenwart und im zeitlichen Ab-
Theke 1997
stand vom historischen Geschehen als eine
selbstverständliche und notwendige Einheit darstellt.
Als der sächsische Kurfürst August –
sein Bild ziert die Einladung zu dieser
Eröffnung – 1556 damit begann, Bücher
zu sammeln, da war dies noch ganz auf die
Interessen und Bedürfnisse seiner Person
und seiner Familie, dann auch des Hofes
bezogen. Allerdings sah dieser Fürst, dem
die Geschichte den Ehrennamen „Vater
August“ gab, keinen wesentlichen Unterschied zwischen seinen Interessen und
denen des Landes, so wie er diese – durchaus gewissenhaft – verstand. Und in der
Tat war es ihm ein wichtiges Anliegen,
die Wohlfahrt des Landes, insbesondere
dessen Handel und beginnende Industrie,
zu fördern, wenn er selbst die Buchlisten
der Leipziger Messe nach Wissens- und
Lesenswertem durchmusterte oder wenn
er seine Diplomaten mit dem Ankauf von
Büchern beauftragte. Das stand ja ganz
unter dem Einfluß des Zeitalters der Renaissance und der Reformation, das den
Rang des geschriebenen und vor allem
des gedruckten Wortes so deutlich erhöht
hatte. Nur wenige Jahre zuvor hatte Erasmus von Rotterdam gesagt: „Dort ist meine Heimat, wo ich meine Bibliothek habe“.
In einer Zeit, in der viele Fürsten ihren
Ruhm in kriegerischen Unternehmungen
sahen, legte Kurfürst August den Grundstock dafür, daß sein Land, daß Sachsen
dem Buch eine Heimstatt gab. Neben die
ältere Gelehrtenbibliothek der 1409 gegründeten Universität Leipzig, in der nach
Einführung der Reformation im albertinischen Sachsen auch bedeutsame Schätze
der schon lange vorher bestehenden Klosterbibliotheken zusammengetragen worden waren, neben diese Gelehrtenbibliothek also, trat jetzt 1556 eine den gegenwärtigen Zwecken gewidmete Gebrauchsbibliothek. Erst nach dem Tode ihres Grün-
ders wurden durch den Ankauf einer älteren Adelsbibliothek auch eine große Zahl
von bedeutenden Frühdrucken für die
kurfürstliche Bibliothek erworben und
damit neben der Aufgabe, der jeweiligen
Gegenwart zu dienen und deren Zeugnisse zu bewahren, wie z. B. damals viele
aktuelle Publikationen der Reformationszeit, eine weitere Traditionslinie begonnen, nämlich zugleich ein Schatzhaus des
kulturellen Gedächtnisses zu sein.
Noch freilich blieb die Bibliothek im
Schloß und in erster Linie für den Fürsten
bestimmt. Erst 1728 tat August der Starke, wenn auch noch ganz im Rahmen
seiner kurfürstlichen und königlichen
Prachtentfaltung, einen bedeutsamen
Schritt, als er die Bibliothek zu einem Teil
seines Palais Royal de Sciences, seines
königlichen Palastes der Wissenschaften,
machte und in den neuerbauten Zwinger
überführte. In der historischen Perspektive war dies nur die Vorstufe zum größeren Schritt, der allerdings noch mehr als
ein halbes Jahrhundert auf sich warten
lassen sollte. Im Jahre 1788, die Bibliothek war gerade zwei Jahre zuvor aus dem
Zwinger in das Japanische Palais überführt, wurde die Kurfürstliche Bibliothek
der Öffentlichkeit zugänglich gemacht –
zwölf Jahre, nachdem die sächsischen
Landstände, die bis dahin in den Riesensaal des Residenzschlosses zusammengerufen wurden, erstmals im eigens für sie
erbauten Landhaus getagt hatten, und ein
Jahr vor der Großen Französischen Revolution. Der Kontext der historischen Daten erweist einen inhaltlichen Zusammenhang zwischen der Entwicklung der Bibliothek und dem Gang der Geschichte
hin zu einer allgemeineren Teilhabe am
geistigen Fortschritt und hin zur bürgerlichen Freiheit. Noch blieb Sachsen ein
monarchisch regierter Staat mit gewissen
Rechten ständischer Beteiligung, und der
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Schritt zum modernen europäischen Verfassungsstaat sollte erst fast ein halbes
Jahrhundert später im Jahre 1831 erfolgen, aber in der Nutzung der Bibliothek
trat nun schon neben dem Fürsten und
seinem Hof die Öffentlichkeit, genauer
gesagt die gebildete Öffentlichkeit, die
damals ja nur einen kleinen Teil der Gesellschaft umfaßte. Freilich war dies über
die Grenzen Sachsens hinaus die gebildete Öffentlichkeit Deutschlands. Die ersten Nutzerverzeichnisse enthalten so berühmte Namen wie Goethe, Schiller, Herder, Fichte, Heinrich von Kleist, Ludwig
Tieck und Novalis. Und was vorher bereits den Wert und den Reichtum der
Bibliothek bestimmt hatte, wurde in den
folgenden Jahrzehnten in verstärktem
Maße weitergeführt: der tätige Dienst an
den gegenwärtigen Interessen Sachsens
und die dafür erforderliche wache Aufmerksamkeit für alle aktuellen Entwicklungen in Wirtschaft und Wissenschaft
als die eine große Aufgabe einer wirklich
lebendigen Bibliothek und daneben das
kundige Aufnehmen und Bewahren geschichtlicher und kultureller Schätze, sei
es durch eigenes Sammeln – ich nenne
hier nur das für Sachsen so bedeutsame
Gebiet der Musik –, sei es durch die Übernahme privat zusammengetragener Bibliotheken in den eigenen Bestand.
Es ist hier nicht die Zeit, diese Entwicklung im einzelnen nachzuzeichnen,
zumal im Kontext dieser Ausstellung die
Geschichte der Landesbibliothek ausführlich gewürdigt wird. Das Wenige, das ich
nennen kann, soll ja auch nur das Thema
unterstreichen, das über dieser Ausstellung
steht, man könnte es erweitern: „Von der
kurfürstlichen Liberey zur Bibliothek des
Landes“. In diesem Sinne war es nur konsequent, daß nach der Revolution von
1918, als Sachsen zu einer Republik oder,
wie dann bald gesagt wurde, zu einem
Theke 1997
„Freistaat“ wurde, diese Einrichtung den
Namen „Landesbibliothek“ erhielt. Damit
wurde zugleich die herausragende Rolle
unterstrichen, die die Länder schon immer
in der deutschen Kulturlandschaft spielten.
Die Bibliothek hat diesen Namen bewahrt,
auch als 1952 in der DDR die Länder aufgelöst wurden, und sie hat dadurch – zusammen mit der Evangelisch-lutherischen
Landeskirche Sachsen und der Sächsischen Akademie der Wissenschaften zu
Leipzig – die Erinnerung an eines der traditionsreichsten Länder Deutschlands
wachgehalten, das dann 1990 im Ergebnis
der friedlichen Revolution wiedererstand.
Die Landesbibliothek
wird auch in Zukunft
ihre beiden wesentlichen Aufgaben erfüllen – den Notwendigkeiten unserer Gegenwart zu dienen und die
Schätze der Vergangenheit zu bewahren,
und sie wird diesen
Dienst tun, gestärkt
durch die Integration
der Universitätsbibliothek Dresden als eine
selbständige, als eine
eigenständige kulturelle und wissenschaftliche Einrichtung des
Freistaates Sachsen,
als eine der führenden
Bibliotheken Deutschlands – und bald in einem neuen angemessenen Gebäude. Die Sächsische Landesbibliothek bleibt, trotz der kriegsbedingten
Verluste bei der Zerstörung des Japanischen Palais im Februar 1945 und auch,
obwohl immer noch wichtige Teile ihres
historischen Bestandes in Russland sind,
eine kulturelle Schatzkammer von internationalem Rang. Jüngste Erwerbungen unterstreichen, daß alle Verantwortlichen
diesen Reichtum weiter mehren wollen.
Eine Jubiläumsausstellung ist naturgemäß dieser Dimension bibliothekarischen Wirkens gewidmet. Sie will die
Bibliothek feiern, indem sie uns aus ihren
reichen Schätzen ein Fest für das Auge
bereitet. Zugleich ist diese Ausstellung
eine Reverenz vor der ältesten Universität
in der Bundesrepublik Deutschland und
ihrer berühmten Bibliothek. Diese, die
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Heidelberger Bibliothek, war schon bedeutend, als Vater August 1556 in Dresden mit seiner Gebrauchsbibliothek begann. In Sachsen blickt man schon deshalb gerne auf Heidelberg, weil sich die
Universität Leipzig rühmen kann, die
zweitälteste, ununterbrochen existierende Universität in der Bundesrepublik
Deutschland zu sein. Wer zweitälteste Universität sagt, denkt selbstverständlich an
Heidelberg als den Bezugspunkt. So werden wir uns aufrichtig freuen, wenn wir in
nicht zu ferner Zeit in Dresden auch Schätze der Heidelberger Universitätsbibliothek sehen können.
Kultur lebt nicht zuletzt von der unmittelbaren Anschauung, auch die kulturelle Zusammengehörigkeit wächst aus
dem Kennenlernen
dessen, was unsere
gemeinsame Geschichte ausmacht.
So lade ich Sie denn
herzlich ein nach
Dresden. Heute aber
wollen wir Ihnen
unsere Sächsische
Landesbibliothek
präsentieren und ich
möchte nicht schließen, ohne allen meinen aufrichtigen
Dank zu sagen, die
unsere Ausstellung
in Heidelberg möglich gemacht und die
zu ihrer Gestaltung beigetragen haben.
Herzlichen Dank.
Theke 1997
Grußwort des Generaldirektors der Sächsischen
Landesbibliothek – Staats- und Universitätsbibliothek Dresden,
Jürgen Hering
Magnifizenz, meine Herren Minister, lieber Herr Dörpinghaus, meine sehr verehrten Damen, meine Herren,
für mich ist der heutige Abend, diese
festliche Ausstellungseröffnung, zu der
ich ein Grußwort beitragen darf, nicht nur
eine aus dem Alltag herausragende Begebenheit, sondern auch eine ganz persönliche Besonderheit. Nicht nur, daß ich dieses Podium nach zwei Ministern betrete,
von denen der eine – Herr Minister von
Trotha – bis vor wenigen Monaten mein
oberster Dienstherr war, und der andere –
Herr Staatsminister Meyer – seit Beginn
dieses Jahres mein Dienstherr ist. Nein, es
ist auch ein sehr schönes Gefühl, als schwäbischer Sachse oder als sächsischer Schwabe schon in den ersten Wochen meiner
Dresdner Amtszeit nach Baden-Württemberg kommen zu können, um die Schätze
der Sächsischen Landesbibliothek –
Staats- und Universitätsbibliothek Dresden in Heidelberg in der Universitätsbibliothek zu präsentieren.
Und wenn ich so vermessen sein darf,
das von Herrn Staatsminister Meyer zitierte Wort des Erasmus von Rotterdam
aufzugreifen „Dort ist meine Heimat, wo
ich meine Bibliothek habe“, dann trifft
das gerade jetzt auf mich zu, denn die alte
Heimat Sachsen und mein Arbeitsplatz
Bibliothek sind eins – und ich sage das,
ohne meine alte Liebe Stuttgart, wo ich
mehr als 22 Jahre die Universitätsbibliothek geleitet habe, zu vergessen. Es trifft
aber nicht zu, was ein Spötter heute schon
sagte – ich hätte mich nur nach Dresden
versetzen lassen, um endlich einmal eine
repräsentative Ausstellung zeigen zu können – nein, ganz sicher nicht. Aber wenn
Sie die einzelnen Kostbarkeiten dann sehen werden, meine Damen und Herren,
dann werden Sie mich verstehen, daß ich
auch von dieser Seite her dem Angebot
aus Dresden nicht widerstehen konnte.
Auf jeden Fall geht aus dem Gesagten hervor, daß ich nicht der Initiator der
Ausstellung sein kann, denn Herr Kollege
Dörpinghaus hat seine Fühler, glaube ich,
schon im Juli 1995 nach Dresden ausgestreckt – wohl auch unter dem Eindruck
des regen Publikumsinteresses, das die im
1. Halbjahr 1994 hier in Heidelberg präsentierten Schätze der Universitätsbibliothek Leipzig hervorgerufen hatten. Er fand
dann auch Unterstützung an oberster Stelle – ein Umstand, den auch wir nutzen
werden, wenn sich die „Tresore der ältesten deutschen Universitätsbibliothek“
öffnen werden, um Ende 1998 oder Anfang 1999 vergleichbare Schätze in der
sächsischen Landeshauptstadt zu zeigen.
Herr Dörpinghaus konnte 1995 noch
nicht ahnen, welchen überragenden Erfolg die heute hier zu eröffnende Ausstellung 1996 in Washington haben würde.
Die Library of Congress hatte für Ihre
Reihe „Große Bibliotheken der Welt“, in
der zuerst die Vatikanische Bibliothek
und dann die Bibliotheque Nationale in
Paris vorgestellt wurden, gerade die Sächsische Landesbibliothek als 3. Bibliothek
ausgewählt – eine Bibliothek aus den neuen Bundesländern, zu der auch schon vor
der Wende Beziehungen bestanden – und
für 3 Monate im Thomas-Jefferson-Gebäude der LOC gezeigt. Die Eröffnung
erfolgte übrigens fast genau vor einem
Jahr – am 10. April – durch Herrn Staatsminister Meyer. Man sprach im nachhinein vom „Deutschen Kulturereignis des
Jahres in Washington“ und es ist erstaunlich, mit welcher Begeisterung sich zahlreiche Besucher auch in den ausliegenden
Gästebüchern über diese Ausstellung geäußert haben. Die Kontakte zur LOC hatte
der frühere Leiter der SLB, Herr Dr. Frühauf, hergestellt, insbesondere die Kontakte zu Margrit Krewson, der Verantwortlichen für den deutschsprachigen und nie-
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derländischen Bereich der Kongreßbibliothek, die wohl den größten Anteil am
Zustandekommen der Ausstellung hatte.
Mein Amtsvorgänger, Herr Professor
Gattermann, den ich zu meiner Freude
heute abend unter uns sehe, hat alles in die
Wege geleitet und koordiniert und er wurde dabei tatkräftig unterstützt von Frau
Katrin Nitzschke, der Leiterin unseres
Buchmuseums – die heute auch anwesend
ist – und von Herrn Dr. Mühlner, den Sie
ja gleich kennenlernen werden. Zusammengehalten wurden diese Aktivitäten alle
von unserer Bibliotheksreferentin im Sächsischen Wissenschaftsministerium, von
Frau Folke Stimmel.
Im August und September des vergangenen Jahres wurde die Ausstellung
dann auch in Dresden gezeigt, im Stadtmuseum, ein Gebäude, das einst als Landhaus für die sächsischen Landstände errichtet wurde. Hier war der Umfang der
Präsentation wegen der Platzverhältnisse
etwas reduziert worden, während nun – in
Heidelberg – wieder der ursprüngliche
Umfang erreicht ist, wenn auch an einigen
Stellen aus konservatorischen Gründen
ein Austausch stattfinden mußte, wobei
aber Werke und Briefe von Ludwig Tieck
und Johann Gottlieb Fichte, der ein mehrfacher Besucher der ehemals Königlichen
Öffentlichen Bibliothek in Dresden war,
hinzugekommen sind. Aber darüber wird
Ihnen vielleicht Herr Dr. Mühlner etwas
sagen.
Mit 176 Objekten hier in Heidelberg,
die übrigens einen Versicherungswert von
18,7 Mio DM haben, haben wir unseren
umfangreichsten Leihvertrag in diesem
Jahr abgeschlossen. Daneben befinden
sich gleichzeitig zahlreiche andere Leihgaben für Ausstellungen unterwegs und
das geht vom Adam-Ries-Museum in
Annaberg bis zur Ratsschulbibliothek in
Zwickau, erstreckt sich nach Frankfurt
Theke 1997
am Main, wohin wir zum 300. Geburtstag
von Maria Sibylla Merian deren wunderschönes „Neue Blumenbuch“ ausgeliehen haben, und die „Liselotte von der
Pfalz“ im Heidelberger Schloß wurde
ebenso bedacht wie vor wenigen Tagen
das Stadtarchiv in Pforzheim. Zur Verfügung stellen werden wir in diesem Jahr
auch noch einige Stücke für die große
deutsch-polnische Ausstellung „Unter einer Krone“ (Untertitel: Kunst und Kultur
der Sächsisch-polnischen Union), die aus
Anlaß der 300. Wiederkehr der Wahl von
Kurfürst Friedrich August I. von Sachsen
zum König von Polen zuerst in Warschau
und dann in Dresden gezeigt wird.
Wenn man mit solchen Schätzen in
der Bibliothek umgeht, meine Damen und
Herren, denkt man zwangsläufig an jene
Bestände – und Dresden ist in besonderem Maße davon betroffen –, die sich
auch 50 Jahre nach Kriegsende immer
noch außer Landes befinden. Als Mitglied der Fachgruppe Bibliotheken der
deutsch-russischen Kommission zur
Rückführung von Kulturgütern erlaube
ich mir dazu ein Wort, weil gerade in
diesen Tagen der zweite Versuch der beiden Kammern des russischen Parlaments,
per Gesetz alle im Lande befindlichen
deutschen Kunstschätze zum russischen
Eigentum zu erklären, wahrscheinlich
Erfolg haben wird. Die Duma hat Jelzin’s
Veto bereits überstimmt, der Föderationsrat steht kurz davor. Ich bin gespannt, wie
die Bundesregierung nächte Woche, wenn
Jelzin nach Deutschland kommt und in
Baden-Baden den Deutschen Medienpreis
erhält, darauf reagiert. Ich weiß, daß man
bei diesen Verhandlungen Fingerspitzengefühl und einen langen Atem braucht
(schließlich verhandeln wir jetzt 5 Jahre).
Man sollte der Gegenseite aber auch an
geeigneter Stelle sagen, wo die Grenzen
von Langmut und Großmut angesichts
riesiger Wirtschaftshilfen erreicht sind.
Diese Entwicklung, d. h. die Verschlechterung der Verhandlungsbasis seit 1994,
ist umso bedauerlicher, als unsere russischen Fachkollegen durchaus bereit sind,
Bestände, die sie nicht benötigen, zurückzugeben – wenigstens in 3 Moskauer Bibliotheken stehen Bücher zu diesem
Zweck bereit. Insgesamt vermißt die
ehemalige Sächsische Landesbibliothek
noch rund 220 000 Bände, darunter wertvollsten Besitz aus der Kurfürsten-Bibliothek, dem Inkunabel-Bestand, der Einband-Sammlung (einschließlich berühmter Jakob-Krause-Bände) und der Sammlung deutscher Erstausgaben – und wir
wissen ziemlich genau, in welchen Moskauer und St. Petersburger Bibliotheken
sie sich befinden.
Bis sich hier im Großen etwas bewegt, müssen wir auch mit kleinen Erfolgen zufrieden sein. So wurden uns vor
2 Wochen rund 60 Bände übergeben, die
aus der im vergangenen Jahr von Georgien zurückgegebenen 100 000 BändeSammlung stammen – Bände, die zum
kleinen Teil aus der Wettinischen Secundogeniturbibliothek stammen, zum größeren Teil aus der Bibliothek der Technischen Hochschule Dresden. Desweiteren
konnten wir 4 Bände der Hallischen Gelehrten Zeitung aus dem 18. Jahrhundert
entgegennehmen, die ein Korrespondent
des „Stern“ vor 30 Jahren in einem Moskauer Antiquariat gekauft hatte.
Vielleicht können wir Sie eines Tages, meine Damen und Herren, nach Dresden einladen zu einer großen Ausstellung
der heimgekehrten Bestände. Vielleicht
könnte das dann sogar in unserem neuen
Haus sein, denn das möchte ich Ihnen zum
Schluß noch mitteilen. Die „Sächsische
Landesbibliothek – Staats- und Universitätsbibliothek Dresden“ – wie sie nach der
Fusion der beiden großen wissenschaftli-
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chen Bibliotheken heißt –, die seit Kriegsende immer noch in einem 1904 erstellten
Kasernengebäude (LB) bzw. in älteren
Villen oder Baracken (TUB) untergebracht
ist, erhält einen Neubau. Die fertiggestellte HU Bau wird in diesen Tagen der Prüfbehörde und dem Finanzministerium zugeleitet. 1998 soll Baubeginn sein und im
Jahre 2001 könnte die rund 30 000 m2
umfassende neue Bibliothek – wenn nichts
dazwischen kommt – errichtet sein.
Heute abend kommt sicher nichts
dazwischen, dafür haben eine Reihe von
fleißigen Helfern hier in Heidelberg, aber
auch in Dresden gesorgt. Dazu zählt auch
Herr Dr. Mühlner, der die ganze Ausstellung mit konzipiert hat und jedes einzelne
Stück bestens kennt. Herr Mühlner war
nicht nur Leiter der Handschriftenabteilung, sondern Leiter des gesamten Dezernats „Sondersammlungen“, zu denen auch
die alten Drucke, die Kartensammlung,
die Kinderbuchsammlung, die Phonothek
und die berühmte Musikabteilung gehören, ein Mann, der – wie es bei seiner
Verabschiedung vor wenigen Wochen in
der Presse zu lesen war – ein Mann, der
das Gesicht der Sächsischen Landesbibliothek geprägt hat.
Ich übergebe ihm das Wort und schließe mit einer Besuchereintragung im Gästebuch der Library of Congress zur Dresdner Ausstellung.
„Als geborene Dresdnerin, derzeit in
Paris lebend, und für ein paar Tage Washington besuchend, war ich sehr überrascht, eine Ausstellung von Schätzen der
Sächsischen Landesbibliothek hier anzutreffen. Ich möchte den Gestaltern der
Ausstellung von Herzen danken für die
außerordentlich feinfühlige Präsentation
der Exponate und die erfolgreiche Vermittlung sächsischer Kultur und Geschichte dadurch. Nach der Vereinigung der
beiden deutschen Staaten ist das somit
Theke 1997
eine Form, die „neuen“ Bundesländer
vorzustellen und zugleich zu zeigen, wie
stark sie mit den kulturellen Traditionen
Deutschlands zu tun haben. Renate Gröbel“ – Dem habe ich nichts hinzuzufügen
als den Wunsch, daß dieser Eindruck auch
in Heidelberg erreicht werden möge.
Ich danke Ihnen.
Ansprache des Leiters i. R. des
Dezernats Sondersammlungen der
Sächsischen Landesbibliothek,
Dr. Manfred Mühlner
„Die meisten Bibliotheken sind entstanden, nur wenige sind eingerichtet worden“. Was Lessing, bezogen auf die Bibliothek des Herzogs August in Wolfenbüttel, gesagt hat, das trifft auch auf die
Bibliothek des Kurfürsten August in Dresden zu. So gewiß darin ein Qualitätsurteil
enthalten ist, – der Anklang an das Evangelienwort von den vielen, die berufen,
und den wenigen, die auserwählt sind, ist
ja unüberhörbar –, so gewiß hat es in der
langen Reihe der Dresdner Bibliothekare
nicht wenige gegeben, die gewünscht haben, es wäre anders gewesen und ihre
Bibliothek wäre entstanden; entstanden
nämlich aus dem Zusammenfließen der
Bücherschätze aus den sich auflösenden
Klöstern des Landes in der Residenz des
Landesherrn. Herzog Moritz, Augusts älterer Bruder, bestimmte es indessen anders. Er bestimmte, daß die Klosterbiblio-
theken, darunter die sehr stattliche des
Zisterzienserklosters Altzellar, der Universität Leipzig zur Verfügung gestellt
oder daß damit die Stadtschulen des Landes ausgestattet werden sollten. Daß dies
nicht nur ehrenvoll, sondern auch weise
war, haben auch die Bibliothekare erkannt und anerkannt. Das sinnvoll Vernünftige, das praktisch Notwendige geht
nun einmal dem Wünschbaren vor, auch
wenn die Einsicht damals wie heute nicht
immer leicht fällt. Zur kurfürstlichen Gründungsbibliothek gehörten jedenfalls nur
zwei mittelalterliche Handschriften, eine
lateinische Bibel und ein Sachsenspiegel,
als codex pictoratus auf Pergament freilich ein besonderes Stück, und einige Inkunabeln.
Es wäre dem Kurfürsten durchaus
möglich gewesen, auch Zimelien zu sammeln. Es fehlte weder an den Mitteln noch
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an Gelegenheiten, aber es lag nicht in
seinem Plan. Sein Sinn war auf den praktischen Gebrauch gerichtet, in seiner Liberey sollte das Beste und Gültige aus den
Wissenschaften seiner Zeit und das klassische Erbe der Antike in kritischen Ausgaben stehen, um ihm zur Hand zu sein. Er
schuf sich die universal ausgerichtete Bibliothek eines im humanistischen Ideal
erzogenen Mannes, die aber auch – warum sollte man das unterschlagen – von
persönlichen Vorlieben geprägt war. Er
besaß mehr als ein Dutzend Bücher zur
Geomantie, um aus – ich zitiere – „gewissen Punkten, die man ohngefähr entwirft
und hernach in besondere Figuren verfaßt, verborgene und künftige Dinge zu
forschen und vorherzusagen.“ Es fehlte
nicht an Lektüre an den Abenden vor dem
Kamin, etliche Bände waren mit eigenen
Niederschriften gefüllt, zum Okulieren
Theke 1997
von Bäumen etwa, oder mit Rezepten
gegen die Folgen ungesunder Lebensweise und die Gebrechen des Alters. Ihren
individuellen, unverwechselbaren, ja einmaligen Charakter erhielt die Bibliothek
durch die Gestalt, die der Kurfürst seinen
Büchern geben ließ, erst durch Dresdner
Buchbinder und dann für 18 Jahre durch
Jakob Krause, den er aus Augsburg an
seinen Hof berief. Krause verschmolz
deutsche mit italienischer und französischer Tradition und führte durch gestalterische Phantasie und sicheren Geschmack
die Einbandkunst auf ihre Höhe. Er hat
sich, und darin zeigt sich der Künstler, nie
wiederholt. Bei der zwanzigbändigen
deutsch-lateinischen Bibelausgabe, aus
der das Bildnis des Kurfürsten auf den
Einladungskarten entnommen ist, gleicht
kein Einband dem anderen.
Von der Liberey zur Bibliothek, von
den Anfängen zur hundertfachen Größe
und zu strahlendem Glanz am Ende des
18. Jahrhunderts, als sie unter die ersten in
Deutschland aufgerückt war. Ein vorzüglicher Kenner ihres Bestandes war Friedrich Adolf Ebert, Bibliothekar und Oberbibliothekar von 1814 bis 1834 – mit einer
kurzen Unterbrechung. Er hat eine lesenswerte Geschichte der Dresdner Bibliothek geschrieben und manches andere
noch, darunter eine kleine Schrift über die
Bildung des Bibliothekars, die als ein
Manifest des bibliothekarischen Berufsstandes geehrt und geliebt worden ist. Als
Qualitätsmerkmal der Königlichen Öffentlichen Bibliothek, wie sie damals hieß,
hat er nicht zuerst ihre Schätze und Kostbarkeiten, die sie inzwischen auch besaß,
genannt, sondern ihre eindrucksvolle Harmonie, die gleichmäßige Ausbildung der
Fächer, die Stimmigkeit in den Proportionen, die Vollständigkeit im wesentlichen
und wertbeständigen – sowohl auf den
Gebieten der ernsten Wissenschaft als auch
der heiteren Kunst. Er hob ihre Brauchbarkeit für den Gelehrten wie für den
gebildeten Freund der Literatur hervor
und urteilte – ein großes Wort –, daß man
darin nichts vom wirklich Wichtigen vermissen werde, sie aber auch des Kostbaren und Seltenen nicht entbehre. Einen
Eindruck von der Fülle und Harmonie des
Bestandes konnte man beim Durchwandern der 24 Säle im Japanischen Palais
gewinnen, solange die Bibliothek dort
noch als Saalbibliothek in einer wissenschaftlichen Ordnung aufgestellt war. Es
gehörte zum festen Programm des Reisenden, der Dresden besuchte, die Gemäldegalerie zu besichtigen, ein Konzert der
Hofkapelle zu hören und sich durch die
Bibliothek führen zu lassen. Immerhin
mag die lange Übung solcher Art von
Bibliotheksbenutzung doch zeigen, daß
auch das Betrachten von Büchern, nicht
nur das Lesen, durchaus bildend sein kann.
Diese Bibliothek, wie sie Ebert vorgefunden und beschrieben hat, gibt es
nicht mehr. Durch den Krieg wurde nicht
nur Daniel Pöppelmanns Prachtbau am
Ufer der Elbe zerstört, sondern auch ein
Teil des Bestandes. Schwerster Schaden
entstand an den Zimelien. Was in den
Auslagerungsorten den Krieg überstanden hatte, war von den, wie wir heute
wissen, lange vorbereiteten Plänen betroffen, die eine Trophäenkommission
1946 ausführte. Sie wählte unter fachkundiger Leitung, Kulturoffizier war eine
Moskauer Bibliotheksdirektorin, 200.000
Bände des 15. bis 19. Jahrhunderts für den
Transport nach Rußland aus. Von der Inkunabelsammlung und der Kurfürstenbibliothek zwei Drittel, von den Bänden
Jakob Krauses vier Fünftel, von der Einbandsammlung neun Zehntel. Ganze Fächer wurden mit den Kisten, in denen sie
verpackt waren, auf die Autos geladen:
die Pädagogik, die Ökonomie, die Patri-
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stik, Archäologie und Hymnologie, die
französische, italienische, polnische Geschichte, die englische, französische, italienische, skandinavische Literatur – und
besonders schmerzlich: die deutsche.
Andere Fächer wurden in einer schauerlichen, oft grotesken Weise auseinandergerissen. Das schöne Bild von einst, es ist
dahin. Es ist freilich tröstlich zu wissen,
daß der weggeführte Bestand, wenn nicht
vollständig, so doch in den wertvollsten
Teilen erhalten, sogar wohlerhalten ist.
Ich habe mich vor drei Jahren im Buchmuseum der Russischen Staatsbibliothek
davon selbst überzeugen können. Wenn
auch die Aussichten – es ist davon gesprochen worden – im Augenblick eher düster
erscheinen, ein Stück Hoffnung bleibt doch
noch immer, daß auch hier wieder zusammenkommt was zusammengehört.
Auch der dezimierte Bestand ist groß
und reich genug, um sich sehen zu lassen.
Es war nicht das Problem, genügend zu
finden, was sich zeigen ließe, sondern
eine Auswahl zu treffen, die Eigenart und
Geschichte der Bibliothek erkennen läßt.
Begrenzung zeitlich und inhaltlich war
geboten. Die ausgestellten Handschriften
und Bücher umspannen den Zeitraum vom
10. bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts.
Dort den Schnitt zu ziehen hatte seine
Ursache nicht darin, daß danach nichts
Bemerkenswertes mehr hinzugekommen
wäre – wie gern hätten wir Ihnen hier
z. B. die originalen Tagebücher Viktor
Klemperers vorgelegt, deren Veröffentlichung eine so ungeheure Resonanz gefunden hat –, sondern weil zum Zeitpunkt
der Vorbereitung bereits abzusehen war,
daß die Sächsische Landesbibliothek
durch die Fusion mit der Bibliothek der
Technischen Universität Dresden in einen neuen Abschnitt ihrer Geschichte eintreten würde. Es kann nicht ausbleiben,
daß die vereinigten Bibliotheken ihre
Theke 1997
Gemeinsamkeit in einer Ausstellung mit
anderen Akzenten – Akzenten, die hier
nicht gesetzt sind – zur Geschichte der
Naturwissenschaften, der Technik und der
Medizin darstellen werden. Zu den Kostbarkeiten, einmaligen oder seltenen Stükken, brauche ich nichts zu sagen. Sie machen in der chronologischen Ordnung der
Ausstellung, eingebunden in thematische
Kapitel, durch ihr Erscheinungsbild, ihre
Herkunft oder ihren Namen von selbst auf
sich aufmerksam. Sie werden auch die
Bemühung bemerken, einen Mangel auszugleichen, den Buchausstellungen unvermeidlich haben: die Bemühung, das
einförmige und beim bloßen Betrachten
leicht ermüdende Medium Buch durch
Ansichten, Portraits, Pläne und Karten,
wie sie ja auch zum Bibliotheksbestand
gehören, aufzulockern. Bibliotheksgeschichte als Bestandsgeschichte wird sichtbar an den Büchern, die nicht aufgeschlagen sind, sondern geschlossen in den Vitrinen stehen oder liegen. Ihre früheren
Besitzer haben ihnen – ganz wörtlich zur
verstehen – ihren Stempel aufprägen lassen. Natürlich sind auch die Bezüge zum
Land, nach dem die Bibliothek ihren Namen trägt, und zur Stadt, in der sie gegründet worden ist und besteht, ein Kriterium
für die Auswahl gewesen. Wie sollte es
denn anders sein, die Institution ist ja
selber ein Stück ihrer Geschichte, und es
ist ihr Auftrag, deren Zeugnisse zu sammeln und zu bewahren. Sie werden also so
manches sehen, was in Sachsen, besonders in Dresden entstanden ist: verwurzelt
in deren Traditionen, genährt in einer kulturgesättigten Umgebung, inspiriert von
einer reizvollen Landschaft und gewiß
auch gefördert von verständigen, kunstliebenden Männern und Frauen. Dafür
stehen insbesondere die Handschriften der
Kapellmeister und Musiker der Dresdner
Hofkapelle und der Leipziger Thomas-
Kantoren. Es sind nicht nur
die großen Namen – Schütz,
Bach, Weber, Wagner –,
sondern auch andere, die zu
ihrer Zeit geschätzt waren
und heute wieder zu Ehren
gekommen sind. Ein gleiches gilt für die Bücher und
Handschriften aus dem Zeitalter der Romantik. Es hat in
Dresden keine Schule der
Romantik gegeben wie in
Heidelberg, aber Dresden
war schon früh und sehr lange ein Sammelpunkt und Begegnungsort ihrer Vertreter.
Anhebend mit den Gesprächen, die Novalis, Schelling
und die Brüder Schlegel im
August 1798 vor dem Bild
der Sixtinischen Madonna geführt haben.
Für längere Zeit zog es Ludwig Tieck
nach Dresden, Carl Gustav Carus, Arzt
und Naturforscher, Philosoph und Künstler war hier ansässig. Auch ein fürstlicher
Beitrag ist dabei, die metrische Übertragung von Dantes „ Göttlicher Komödie“
durch Philalethes, den Prinzen und späteren König Johann. Die Herkunft eines
Autors und der Entstehungsort eines Werkes besagen nichts über deren Rang, aber
sie besitzen eine geistige Lebensform, aus
der sich das allgemein Menschliche und
Gültige erheben kann.
Was erwartet man von einer Buchausstellung, was wird bemerkt, was wird
vermißt, was scheint entbehrlich. Auch
Ausstellungsmacher müssen sich am
Ende, wenn alles steht und nichts mehr zu
ändern ist, sagen: wohl kamst du durch, so
ging es allenfalls, mach’s einer nach und
breche nicht den Hals. Lassen Sie mich
aussprechen, was mich beim Betrachten
von Erstausgaben und Autographen bewegt hat und bewegt. Es ist das Erlebnis
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des Originalen. Es gibt Bücher, die Epoche gemacht, die Generationen begleitet
haben und die zum unverlierbaren Besitz
geworden sind. Man denke an die Bibelübersetzung Luthers. Und es gibt Bücher,
die uns ganz persönlich ans Herz gewachsen sind. Wie kann es dann berühren, sie
in ihrer frühesten Gestalt zu sehen, in der
sie zum ersten Mal in die Welt getreten
sind. Noch eindrucksvoller ist sicher die
Begegnung mit den Autographen. In ihren Handschriften kommt uns das Wesen
großer Persönlichkeiten besonders nahe,
sie faszinieren durch den Hauch des Lebens, der von ihnen ausgeht. Sie werden
zu einer seelischen Gewalt, so hat es Stefan Zweig empfunden und ausgesprochen,
wenn wir es lernen, die Menschen zu
lieben, deren Lebenszeugnisse in ihnen
verewigt sind. In diesem Sinne wünsche
ich Ihnen eine Begegnung mit Büchern
und Handschriften aus der Sächsischen
Landesbibliothek.
Theke 1997
Ansprache des Direktors der Universitätsbibliothek Heidelberg,
Dr. Hermann Josef Dörpinghaus
Am Ende einer langen Rednerliste stehend, ist mir bewußt, daß Sie vor allem
eins von mir erwarten: äußerste Kürze.
Dieser Erwartung versuche ich nachzukommen und möchte mich auf nur wenige
Sätze allerdings unverzichtbaren Dankes
beschränken.
Die Idee, diese Ausstellung, die Sie
heute Abend sehen werden, nach Heidelberg zu holen, war geboren, als ich vor
knapp zwei Jahren bei einer Durchsicht
der Hauszeitschrift der Sächsischen Landesbibliothek auf eine knappe Notiz stieß,
derzufolge die Bibliothek beabsichtigte,
einige ihrer schönsten und repräsentativsten Stücke im Frühsommer 1996 in der
Library of Congress in Washington zu
zeigen. Der Gedanke, „was für Washington gut ist, kann für ein Heidelberger
Publikum nur angemessen sein“, lag nahe.
Noch am gleichen Tage schrieb ich an den
damaligen Direktor der Landesbibliothek,
Herrn Dr. Wolfgang Frühauf, und fragte
an, ob es denkbar sei, diese Ausstellung
auch in Heidelberg zu präsentieren.
Bei meiner Anfrage konnte ich darauf verweisen, daß seit jeher – auch schon
zu Zeiten des DDR-Regimes – enge Beziehungen zwischen den beiden großen
Kunstbibliotheken der heutigen Bundesrepublik bestanden. Heidelberg war und
ist Sondersammelgebietsbibliothek der
Deutschen Forschungsgemeinschaft für
Mittlere und Neuere Kunstgeschichte,
Dresden hatte die gleiche Funktion im
Sammelschwerpunktplan der ehemaligen
DDR. Schon das hatte trotz aller politischen Erschwernisse ununterbrochene
fachliche Bindungen zur Folge. Nach der
Wende war die UB Heidelberg zudem die
einzige Sondersammelgebietsbibliothek,
die entsprechenden Aufforderungen der
DFG nicht nur schöne Worte, sondern
auch Taten folgen ließ, d. h. die bereit
war, uneigennützig auf einen Teil ihres
Sondersammelgebiets zugunsten einer
Bibliothek der neuen Bundesländer zu
verzichten und damit einen aktiven Beitrag zur Wiedervereinigung zu leisten.
Seit 1994 wird deshalb die Literatur für
Kunst nach 1945 nicht mehr in Heidelberg, sondern in Dresden umfassend gesammelt. Das hatte man in Dresden bei
meiner Anfrage nicht vergessen.
Ich möchte deshalb Herrn Dr. Frühauf nachdrücklich dafür danken, daß er,
obwohl ihm Anfragen mehrerer Bibliotheken auf eine Übernahme der Ausstellung vorlagen, der UB Heidelberg als einziger den Vorzug gab und unsere Anfrage
befürwortend an das Sächsische Staatsministerium weiterleitete.
Danken möchte ich aber auch Herrn
Prof. Gattermann, der heute Abend anwesend ist. Nach der Fusionierung der Sächsischen Landesbibliothek mit der Universitätsbibliothek Dresden zur Staatsbibliothek lenkte er, obwohl eigentlich als ehemaliger Chef der Düsseldorfer Universitätsbibliothek schon im Ruhestand befindlich, als kommissarischer Generaldirektor 16 Monate lang die Geschicke der
neuen Staatsbibliothek. Trotz der Fülle
seiner Geschäfte fand er die Zeit, sich
auch mit den Details der Ausstellungsvorbereitungen zu beschäftigen, und war mir
dabei ein stets wohlwollender Partner.
Nicht verschwiegen werden kann, daß
während der immerhin fast zweijährigen
Dauer der Vorbereitungen für diese Ausstellung es für einige Zeit den Anschein
hatte, als wenn das Projekt doch platzen
würde. Konservatorische Bedenken hatten sich in Dresden in den Vordergrund
geschoben. Man glaubte, trotz unserer
Hinweise auf die hervorragenden, allen
Anforderungen gerecht werdenden Ausstellungsbedingungen, die wir hier in
Heidelberg in unseren Ausstellungsräumen bieten, daß die Exponate, nachdem
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sie in Washington und danach für wenige
Wochen auch in Dresden gezeigt worden
waren, nicht kurz darauf auch in Heidelberg präsentiert werden könnten, ohne
Schaden zu nehmen.
Auf eine entsprechende Vorlage beim
Sächsischen Staatsministerium schrieb der
Minister, wie mir aus gut unterrichteten
Kreisen berichtet wurde, mit grünem Filzstift daraufhin nur einen einzigen Vermerk: „Die Ausstellung hat stattzufinden“. Für dieses ebenso kurze wie unmißverständliche Dictum bzw. Scriptum darf
ich Ihnen, sehr verehrter Herr Minister
Meyer, heute Abend ganz herzlich danken und in diesen Dank auch alle diejenigen in Ihrem Ministerium einschließen,
die an der Vorbereitung beteiligt waren,
wobei ich Frau Ministerialrätin Stimmel
namentlich hervorheben möchte.
Danken möchte ich aber auch dem
seit Mitte Januar im Amt befindlichen
neuen Generaldirektor der Staatsbibliothek, meinem früheren Stuttgarter Kollegen Jürgen Hering, dem ich mich kollegial freundschaftlich verbunden weiß, so
daß wir in diesen letzten Wochen vor
Ausstellungsbeginn dank langjähriger
Vertrautheit alle noch offenen Probleme
auf unbürokratischste Weise lösen konnten.
Noch nicht erwähnt und doch unbedingt besonders hervorzuheben, sind alle
diejenigen, die bei einer solch großen
Ausstellung gewissermaßen hinter den
Kulissen für die Auswahl der Exponate,
deren Präsentation und für die gesamten
organisatorischen Vorbereitungen zuständig sind. Auf Dresdner Seite möchte ich
hier an erster Stelle den seit wenigen
Wochen im Ruhestand befindlichen, langjährigen Leiter der Handschriftenabteilung der Sächsischen Landesbibliothek,
Herrn Dr. Mühlner, nennen. Herr Dr.
Mühlner, Sie haben als Kenner aller Zi-
Theke 1997
melien, die in den Magazinen der
Sächsischen Landesbibliothek aufbewahrt werden, die repräsentative
Auswahl vorgenommen, die schon
in Washington und dann in Dresden
die Besucher faszinierte. Sie haben
uns als kluger und besonnener Ratgeber auch für die spezielle Heidelberger Präsentation wichtige Hinweise gegeben und Sie haben es schließlich heute abend verstanden, allen
hier Anwesenden einen ersten, sehr
informativen Einblick in die einzelnen Abteilungen der Ausstellung zu
verschaffen. Dafür möchte ich mich
bei Ihnen ganz herzlich bedanken
und in diesen Dank beziehe ich auch
Ihre Mitarbeiter, Frau Nitzschke, die
ebenfalls heute hier anwesend ist,
und Herrn Koch ein. Sie beide waren
uns durch Ihre Unkompliziertheit und
selbstverständliche Hilfsbereitschaft
wichtige Ansprechpartner.
Schon die unterschiedlichen
räumlichen Gegebenheiten haben zur
Folge, daß eine Ausstellung, die an
verschiedenen Orten gezeigt wird, immer
wieder neu an die Verhältnisse vor Ort
angepaßt werden muß. Dies ist eine sehr
schwierige Aufgabe. Daß diese Umsetzung, diese neue Anordnung von Exponaten, die zunächst ja nur für Washington
konzipiert war, auch hier in Heidelberg –
wie ich meine – sehr überzeugend und geschmackvoll gelungen ist, ist unserem Diplomrestaurator Jens Dannehl zu verdanken, ein Mann, dessen Name dem Heidelberger Publikum bereits aus früheren Ausstellungen bekannt ist und der sich gemeinsam mit unserer Buchbinderin Frau Palmer-Keßler wirklich großes Lob verdient
hat. Meine volle Anerkennung gilt aber
auch der Öffentlichkeitsreferentin unseres
Hauses, Frau Dr. Mauthe und ihrer Mitarbeiterin Frau Hämmerle. Nur der Insider
vermag zu beurteilen, wieviel Detailarbeit
bei der Vorbereitung einer Ausstellung zu
leisten ist, die bei Universitätsbibliotheken
– anders als bei Museen oder auch bei
Landesbibliotheken – ja keineswegs zu den
primären Aufgaben gehört, sondern im
Regelfall – wenn überhaupt – neben der
täglichen Arbeit zu leisten ist. Frau Dr.
Mauthe wie Frau Hämmerle haben sich
hier sehr verdient gemacht.
Meine Damen und Herren, die besten
Absichten und Konzepte lassen sich nicht
realisieren, wenn Sie nicht auf einer soliden finanziellen Basis aufbauen können.
Die Heidelberger Universitätsbibliothek
hat diese Binsenweisheit gerade in letzter
Zeit mehrfach schmerzlich erfahren müssen. Ausstellungsprojekte stoßen z. B. bei
vorgesetzten Behörden auf größtes Wohl-
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wollen, bei der Frage der Finanzierung
verhärten sich jedoch die Gesichter
recht schnell. Hier ist man angesichts
der Finanzlage der öffentlichen Hand
weitgehend auf private Sponsoren
oder Sponsoren aus der Wirtschaft
angewiesen. Bei einer Ausstellung mit
Dresdner Exponaten gab es für mich
nur eine einzige erste Adresse: Die
Dresdner Bank, die in diesem Jahre
auch noch ihr 125jähriges Bestehen
feiern wird. Daß ich bei meiner Anfrage auf Sponsoring für diese Ausstellung nicht nur eine ganz spontane Zusage erhalten habe, sondern auch auf
eine generöse Hilfsbereitschaft gestoßen bin, ist dem Ehrensenator unserer
Universität, Herrn Bankdirektor Dr.
Esser, zu verdanken. Herr Dr. Esser,
Sie haben sich um diese Ausstellung
sehr verdient gemacht, ich bin Ihnen
für alle Förderung, für alle Generosität sehr verbunden. Wie schon Magnifizenz darf ich mich ebenfalls persönlich bei Ihnen ganz herzlich bedanken.
Bei Ausstellungen ist es nicht nur
üblich, sondern selbstverständlich, daß
zwischen Leihgeber – in diesem Fall die
Dresdner Staatsbibliothek – und dem Leihnehmer, also hier der Heidelberger Universitätsbibliothek, ein schriftlicher Vertrag geschlossen wird, in dem alle Einzelheiten wie Dauer und Ort der Ausstellung,
konservatorische Bedingungen, Transport-, Haftungs- und Versicherungsfragen bis ins Detail geregelt werden. Schließlich geht es buchstäblich um Millionenwerte. Der Vertrag, den die Universität
Heidelberg mit der Sächsischen Staatsbibliothek geschlossen hat, enthält darüber
hinaus, Herr Minister von Trotha hat es
bereits erwähnt, jedoch noch eine weitere
besondere Bedingung: Die Universität
Heidelberg hat sich verpflichtet, im Zeitraum 1998/99 eine vergleichbare Aus-
Theke 1997
stellung mit Kostbarkeiten der Universitätsbibliothek Heidelberg in Dresden zu
veranstalten, vorausgesetzt, daß auch in
Dresden die gleichen konservatorischen
Bedingungen, wie sie hier in Heidelberg
bestehen, zur Verfügung stehen.
Ich freue mich, den nicht wenigen
Dresdnern, die heute Abend hier anwesend sind, versichern zu können, daß wir
diese Vereinbarung einhalten werden und
es deshalb nichts schaden würde, wenn
Sie schon jetzt ebenfalls auf die Suche
nach einem Sponsor gehen würden. Der
Leiter unserer Handschriftenabteilung,
Herr Dr. Schlechter, hat bereits ein erstes
vorläufiges Grobkonzept aufgestellt, das
nun freilich noch der genauen Ausarbeitung bedarf. Sie dürfen sicher sein, daß
wir Ihnen Exponate präsentieren werden,
die den Ihren in keiner Weise nachstehen.
Der Vergleich wird dann allerdings auch
deutlich machen, wie sehr sich das Sammlungsgut einer ehemaligen Fürstenbibliothek von den Sammlungen unterscheidet,
die im Lauf der Jahrhunderte in der ältesten deutschen Universitätsbibliothek zusammengetragen worden sind.
Ich möchte Sie nun alle einladen, an
diesem schönen Frühlingsabend die wenigen Schritte zum Altbau der Universitätsbibliothek zu gehen und dort in den
Ausstellungsräumen der Bibliothek im
ersten Obergeschoß die Dresdner Zimelien zu bewundern. Ausstellungskataloge
und Broschüren in deutscher und englischer Sprache – hier konnten wir die Restbestände der Library of Congress aufkaufen – stehen zur Verfügung, und ebenso
werden Ihnen Erfrischungen und ein kleiner Imbiß angeboten.
Zuvor aber wird das Collegium Canticum uns – der Jahreszeit ensprechend –
mit einem Frühlingslied einstimmen:
„Frühlingsahnung“ von Carl Maria von
Weber mit der schönen Philomene im Mittelpunkt. Und diese Ankündigung möchte
ich mit einem weiteren Dank verbinden:
Eines der Glanzlichter dieser Ausstellung
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ist nun ganz ohne Zweifel die autographe
Partitur der Wagnerschen Komposition
„Das Liebesmahl der Apostel“ (in unserer
Ausstellung die Nr. 91). Das Manuskript,
das die kalligraphische Meisterschaft des
Komponisten vorzüglich dokumentiert,
umfaßt 31 Blätter aus starkem Papier im
Hochformat und befand sich bislang als
einziges vollständiges Wagner-Autograph
dieser Größenordnung noch in Privathand.
Im vergangenen Jahr wurde dieses Autograph mit finanzieller Unterstützung der
Kulturstiftung der Länder und des Sächsischen Staatsministeriums für Wissenschaft
für die Musiksammlung der Sächsischen
Landesbibliothek angekauft und der Bibliothek in einem Festakt Ende September
übergeben. Bei dieser Gelegenheit hörte
ich erstmals das Collegium Canticum. Es
trug anläßlich des Festaktes u. a. Liedvorträge aus Wagners Liebesmahl vor, und
einen dieser Liedvorträge haben Sie ja zu
Beginn dieser Veranstaltung nun auch
gehört. Ich denke, meine Damen und Herren, daß ich in Ihrem Sinn gehandelt habe,
wenn ich das Collegium damals ganz spontan eingeladen habe, die musikalische
Umrahmung auch der heutigen Eröffnung
vorzunehmen. Und dabei möchte ich nicht
unerwähnt lassen, daß alle Herren auf ein
eigenes Honorar im Interesse der Sache
verzichtet und sich mit der Erstattung der
Reiseunkosten begnügt haben. Auch dafür
möchte ich mich bedanken, noch mehr
freilich für ihren Liedvortrag, dem wir jetzt
noch ein letztes Mal für wenige Minuten
lauschen können.
Theke 1997
Tintenfraß – Ein ungelöstes Problem?
Internationale Expertentagung zum Thema „Tintenfraßschäden
und ihre Behandlung“ in Ludwigsburg
Am 14. und 15. April dieses Jahres trafen
sich auf Einladung der Landesarchivdirektion Baden-Württemberg – Institut für
Erhaltung von Archiv- und Bibliotheksgut – und der Staatlichen Akademie der
Bildenden Künste Stuttgart Bibliothekare, Archivare, Restauratoren, Chemiker
und Museumsfachleute aus verschiedenen Ländern, um im Staatsarchiv Ludwigsburg über das „Damoklesschwert“
Tintenfraß zu beraten, das über dem Haupt
vieler Handschriften und Zeichnungen in
Bibliotheken, Archiven und Museen drohend hängt. Schadensverursacher ist die
sogenannte Eisengallustinte, die durch
Freisetzung von Schwefelsäure und freien Radikalen Papier, Pergament und Textilien zerstören kann.
Schon 1898 erkannte man dieses große Problem und rief in St. Gallen zur „1.
Internationalen Konferenz zur Beratung
über die Erhaltung und Ausbesserung alter Handschriften“ zusammen. Für Baden
war 1898 Prof. Karl Zangemeister von der
Universitätsbibliothek Heidelberg anwesend, der schon damals eine Schutzverfilmung bzw. -fotografie der bedrohten
Handschriften und genauere Untersuchungen zum eventuellen Vorhandensein von
freier Säure forderte.*
Da man seit damals das Problem Tintenfraß noch nicht befriedigend gelöst hat,
wurde nun erneut zu einer Tintenfraßtagung geladen, um sich über die neuesten
*
Ehrle, Franz S. J.: Die internationale Konferenz in
St. Gallen am 30. September und 1. Oktober 1889
zur Beratung über die Erhaltung und Ausbesserung
alter Handschriften. In: Centralblatt für Bibliothekswesen 16/1899, S. 27-51.
wissenschaftlichen Erkenntnisse auszutauschen.
Eröffnet wurde die Tagung durch den
Minister für Wissenschaft, Forschung und
Kunst des Landes Baden-Württemberg,
Herrn Dr. Klaus von Trotha, der sich
zuvor im Institut für Bestandserhaltung
von Archiv- und Bibliotheksgut ausgiebig über verschiedene Möglichkeiten der
Papierrestaurierung informieren ließ, u. a.
auch über die aufwendigen Restaurierungsmaßnahmen an einer orientalischen
Handschrift aus der Heidelberger Universitätsbibliothek (Cod. Trübner 24).
Nach der Eröffnung durch den Minister und den Grußworten des Präsidenten
der Landesarchivdirektion, Herrn Prof.
Dr. Wilfried Schöntag, und des Rektors
der Staatlichen Akademie der Bildenden
Künste Stuttgart, Herrn Prof. Klaus Lehmann, konnte die erste Arbeitssitzung
beginnen.
Prof. Dr. Gerd Banik von der Staatlichen Akademie der bildenden Künste
Stuttgart erläuterte in seinem Vortrag
„Phänomene und Ursachen des Tintenfraß auf Papier“ die Schadensmechanismen von Hydrolyse und Oxidation auf die
Cellulosefasern und zeigte mögliche Gefahren einiger gängiger Restaurierungsmethoden auf, wie z. B. Entsäuerung und
Auswaschen. Wasser kann nicht nur zum
partiellen Verlust von Tintenfarbstoffen
führen, sondern in Extremfällen genügt
schon geringste Feuchtigkeit, um eine
Rißbildung zu erreichen.
Anschließend schilderte Dr. Christoph Krekel, Bayerische Staatsgemäldesammlungen München, die chemische
Struktur historischer Eisengallustinten.
Seite 50
Seit der Antike werden Eisengallustinten
verwendet. Das erste Rezept jedoch, von
einem jüdischen Schreiber aus der Provence niedergeschrieben, stammt aus dem
7. Jahrhundert. Wichtigste Bestandteile
der Eisengallustinte sind dabei neben der
Flüssigkeit (Wasser, Wein) zerstoßene
Galläpfel (Gallussäure, Tannin) und Eisenvitriol (Eisen(II)-Sulfat). Da im Mittelalter Eisenvitriol nicht rein gewonnen
werden konnte, war es zumeist mit Kupfersulfat und anderen Metallsalzen verunreinigt; besonders Kupferionen können den Tintenfraß katalytisch beschleunigen. Auch Krekel wies darauf hin, daß
sich durch eine zu basisch eingestellte
Entsäuerung als Restaurierungsmaßnahme ein irreversibler Farbumschlag der
schwarzen Tinte nach Braun einstellen
kann.
Nachdem man beim Mittagessen die
vielen chemischen Formeln und Reaktionen verdaut hatte, begann die Nachmittagssitzung mit Robien van Guliks Vortrag „2 Restauratoren – 3 Meinungen. Das
Tintenfraßproblem in holländischen Archiven und Museen“. Van Gulik, die am
Tylers Museum in Haarlem arbeitet, stellte fest, daß in Archiven und Bibliotheken
eher eine aktive Behandlung des Tintenfraßes bevorzugt wird, da es z. B. bei
Archivgut eher um einen informellen und
inhaltlichen Wert geht, während Zeichnungen und Karten – auch – einen ästhetischen Wert besitzen, so daß man in
Museen eine passive Konservierung
(Schadstellen festigen, konstantes Klima,
gepufferte Aufbewahrungsmaterialien)
vorzieht, da eine restauratorische Behandlung die Bildwirkungen entscheidend ver-
Theke 1997
ändern kann. Es wäre aber sicherlich
falsch, die Entscheidung einer möglichen
Behandlungsmethode eines tintenfraßgeschädigten Objektes nur vom „Wert“ abhängig zu machen.
Anschließend stellte Dr. Johan Neevel Untersuchungen von Phytaten als Inhibitoren von Tintenfraß vor, die am Centraal Laboratorium in Amsterdam vorgenommen wurden.
Verursacht wird Tintenfraß, wie
schon oben erwähnt, durch zwei parallel
laufende Schadensmechanismen:
1. Hydrolyse:
Sie wird durch Bildung von
Schwefelsäure hervorgerufen und
führt zum Bruch der Celluloseketten; es entstehen viele kurze Ketten,
die Wasser einlagern können, so
daß ein hydrophiles (wasserliebendes) Gebilde entsteht. Nachweisbar
ist dieser Effekt durch die Messung
des Säuregehaltes (pH-Wert).
2. Oxidation:
Durch Zersetzung von Wasserstoffperoxid (entsteht durch Aufoxidation des Eisen(II)-Ions in ein
Eisen(III)-Ion) werden freie
Radikale freigesetzt, die einen
Kettenbruch und eine gleichzeitige
Quervernetzung der Cellulosemoleküle verursachen. Es entstehen
starre Strukturen, die kaum
Wassermoleküle einlagern können,
so daß ein hydrophobes(wasserabweisendes) Gebilde vorliegt.
Deutlich wird dieser Effekt
durch die sichtbare Verbräunung,
durch Eisen(II).
Aufgrund der hydrophoben-hydrophilen Strukturabschnitte mit unterschiedlichen Dehnungskoeffizienten kommt es
neben den normalen Fraßerscheinungen
bei einer wäßrigen Behandlungsmethode
zu der erwähnten Rißbildung. Die bisherigen Behandlungen – ob wäßriger oder
nicht-wäßriger Natur – beinhalten immer
gewisse negative Begleiterscheinungen;
zudem ist eine Dauerwirkung gegen die
Schadensursachen nicht gegeben.
Neevels Überlegungen gingen daher
davon aus, die Hydrolyse durch Entsäuerung (mit Calciumbicarbonat) und die
Oxidation durch Entfernen der freien
Eisen(II)-Ionen zu stoppen. Hierzu können Phytate dienen, die als natürliche
Antioxidantien (kommen u. a. in Pflanzensamen vor) das Eisen(II)-Ion komplexieren können.
Die ersten Versuche dieser Kombinationsbehandlung sehen vielversprechend aus, die Untersuchungen laufen aber
noch weiter.
Anschließend sprach Frau Dr. Haberditzl vom Institut für Erhaltung von
Archiv- und Bibliotheksgut über die Umsetzung von Theorien in der Praxis der
Werkstätten; hier werden oft möglichst
wirtschaftliche Behandlungsmethoden für
die Erhaltung der „Aktenberge“ gesucht.
Zunächst bietet sich natürlich die
wäßrige Behandlungsmethode (Reinigen,
Entsäuern, Puffern mit Calcium- oder
Magnesium-Bicarbonaten) an. Auch die
Papierspaltung ist bei der Tintenfraßbehandlung ein sehr hilfreiches, allerdings
auch recht aufwendiges Verfahren.
Nach dem Waschen des Papiers finden sich zumeist keine freien Eisenionen
mehr, und der pH-Wert liegt im erträglichen Bereich. Es sind aber braune Verfärbungen, Ausbleichungen und bei starkem
Tintenfraß auch weitere Textverluste in
Kauf zu nehmen.
Seite 51
Als nicht-wässriges Verfahren bietet
sich die Sprühentsäuerung mit MMC
(Methyl-Magnesium-Carbonat; Fa. Wei
T´o, Fa. Bookkeeper) an, wodurch der
pH-Wert von z. B. 5,5 auf pH 9 erhöht
werden kann; nach ca. 8 Jahren liegt der
pH-Wert allerdings wieder bei 5.
Aktiver Tintenfraß läßt sich relativ
leicht über Fluoreszenz oder Indikatorstäbchen für freie Eisen(II)-Ionen (Fa.
Merck) nachweisen. Die Indikatorstäbchen müssen im Abdruckverfahren angewandt werden, da sie ausbluten. Aufgrund
dieser Nachweise lassen sich dann entsprechende Behandlungsmethoden einleiten.
Nicht gelöst sah Frau Dr. Haberditzl
die Probleme bei künstlerisch besonders
wertvollen Objekten, die ohne Risiko für
ihre optische Erscheinung oder ohne Zerlegung des Buchblocks behandelt werden
müssen.
Bei der abschließenden Diskussion
des Tages wurde nochmals auf die konservatorische Aufbewahrung bei konstantem Klima aufmerksam gemacht; eine
Absenkung auf 40% relative Luftfeuchte
kann hierbei gegen weitere Tintenfraßerscheinungen auf Papierhandschriften (!)
sinnvoll sein.
Frau Dr. Hofeenk De Graaff (Centraal Laboratorium, Amsterdam) wies auf
die Frage, wann und wie eine Tintenfraßbehandlung erfolgen soll, darauf hin, daß
eine Fluoreszenz bei 365nm Anregung
die erste Schadensstufe darstellt; zu diesem Zeitpunkt lassen sich Schadstoffe
noch entfernen, während zum Zeitpunkt
des weiteren Abbauprozesses, der Verbräunung, ein Auswaschen kaum mehr
möglich ist.
Der zweite Tag beschäftigte sich mit
den praktischen Erfahrungen bei der Behandlung von Tintenfraß. Birgit Reißland
stellte ihre Erfahrungen mit wäßrigen
Theke 1997
Phytatlösungen vor, die sie am Centraal
Laboratorium in Amsterdam gemacht hat.
Das Aufbringen der Lösungen (Calciumphytat-Lösung und CalciumbicarbonatLösung) kann im Bad, durch Aufsprühen
oder durch Aufpinseln erfolgen. Das Problem der unterschiedlichen Penetration
des Wassers in geschädigten und ungeschädigten Bereichen (hydrophil – hydrophob) und die daraus entstehenden Spannungen im Papier wird durch einen Zusatz
von Alkohol gemindert.
Frau Reißland teilte den Tintenfraß
in vier Schadenstufen ein, die unterschiedlicher Behandlung bedürfen:
1. Degradationsstufe: Gelb-grüne
Fluoreszenz; ein stabiles Klima und
weitere Beobachtung reichen aus.
2. Degradationsstufe: Braune Höfe am
Tintenrand. Auch hier reichen ein
stabiles Klima und weitere Beobachtung aus, evtl. kann ein Bad
oder eine Sprühentsäuerung auf
dem Saugtisch erfolgen. Alkohol
kann zugesetzt werden.
3. Degradationsstufe: Dunkelbraune
Verfärbung auf der Schriftrückseite. Eine Sprüh- oder Aerosolbehandlung mit Alkoholzusatz muß
erfolgen.
4. Degradationsstufe: Substanzverlust.
Ob eine Behandlung noch effektiv
ist, muß geklärt (Endzustand)
werden; falls ja, erfolgt eine
Behandlung wie in Stufe 3.
Wie auch schon Dr. Neevel am Vortag, stellte Frau Reißland die kombinierte
Tintenfraßbehandlung mit Calciumphytaten und Calciumbicarbonat als eine vielversprechende zukünftige Methode dar.
Mögliche Gefahren liegen im Anlösen
von alkohollöslichen Komponenten in
modernen Tinten und in weißen Eisen(III)phytat- oder Calciumsulfat-Kristallen, die
sich auf der Tintenoberfläche ablagern
können. Mit der Kombination der Phytatund Bicarbonatbehandlung läßt sich der
Tintenfraß stoppen, historische Schäden
lassen sich jedoch hiermit nicht beseitigen. Aber ein Stoppen des Tintenfraßes
wäre schon ein großer Fortschritt, wenn
die laufenden Untersuchungen nicht noch
irgendwelche schädlichen Nebenwirkungen oder Spätfolgen ergeben.
Nach Frau Reißlands Vortrag sprachen Dr. Hartmut Böhrenz und Ernst Bartelt (Staatsbibliothek zu Berlin) über die
Probleme bei der Erhaltung von tintenfraßgeschädigten und in den vierziger Jahren restaurierten Autographen von Johann
Sebastian Bach. Papyri, orientalische
Miniaturen und auch zahlreiche Bachautographen wurden damals mit dünner
Chiffonseide und Reisstärkekleister als
Maßnahme gegen Tintenfraß kaschiert.
Bei den Bachautographen führte dies im
Laufe der Jahre zu einer Verfärbung des
Papiers – u. a. durch Ausbluten der Eisengallustinte – und zu einer Verstärkung des
Tintenfraßes. die Chiffonseide selbst färbte
sich mit Eisengallustinte ein, so daß eine
„Entrestaurierung“mit einem großen Farbverlust des Originals einhergeht und eine
wäßrige Behandlung insgesamt zu nicht
verantwortbaren Schäden führen würde.
Die damals gutgemeinten Restaurierungsmaßnahmen haben leider genau den gegenteiligen Effekt gehabt.
Als Alternative zum allgemein üblichen Festigen der tintenfraßgeschädigten
Papiere durch Kaschierung plädierte Dr.
Wolfgang Wächter von der Deutschen
Bücherei in Leipzig im Anschluß für das
Papierspaltverfahren. Hierbei ließen sich
– im wäßrigen Verfahren – gezielt Schad-
Seite 52
stoffe aus dem Original entfernen und
durch Einbringen eines alkalischen Trägerpapiers gleichzeitig eine Stabilisierung
und Pufferung erzielen. Da bei tintenfraßgeschädigten Papieren lange Einwirkzeiten zum Spalten benötigt werden, ist, so
Dr. Wächter, nur eine manuelle Spaltung
möglich; die Papierspaltmaschine kann
hier nicht zum Einsatz kommen. Das Papierspalten wurde auch hier wieder recht
kontrovers diskutiert. Ein Gegenargument,
daß das Spalten einen zu massiven Eingriff in das Original darstellt, muß aber
wohl beim Problem des Tintenfraßes als
eher nebensächlich betrachtet werden.
Allerdings sind zum Papierspalten langjährige Spezialkenntnisse erforderlich.
Nach all den unterschiedlichen Meinungen zur Tintenfraßproblematik könnte man den Eindruck bekommen, daß wir
seit der ersten Tintenfraßtagung vor 99
Jahren keine besonderen Erfolge verbuchen können, eher ist das Gegenteil der
Fall, wenn man an die Bachautographen
denkt.
Was hat die Tagung, die von der
Landesarchivdirektion vorzüglich mit großem personellen und finanziellem Engagement veranstaltet wurde, dann gebracht?
Müssen sich Bibliothekare, Archivare und
Restauratoren voller Verzweiflung die
Haare raufen, wenn sie demnächst eine
tintenfraßgeschädigte Handschrift in Händen halten, da man das Problem „Tintenfraß“ noch immer nicht befriedigend gelöst hat?
Ich glaube nicht; die Tagung hat die
komplexe und äußerst schwierige Struktur
der Tintenfraßproblematik verdeutlicht
und Lösungsansätze aufgezeigt. Zugleich
erfolgte eine Sensibilisierung: Einfach zu
sagen, „Wir können nichts tun“, ist zu wenig; aber fröhlich den Tintenfraß behandeln durch Auswaschen und Einbringen
einer „alkalischen Reserve“ – ein momen-
Theke 1997
Zustand und
Schadensentwicklung des
Codex
Manesse
Abb. 1
tan ja sehr beliebter Begriff in der Papierbranche – bewirkt unter Umständen andere, evtl. noch größere Schäden. Eine intensive Beschäftigung mit dem betroffenen
Objekt und eine darauf abgestimmte Behandlung soll helfen, das geschädigte
Objekt für die Zukunft zu bewahren – das
kann die gesamte Bandbreite von der passiven Konservierung bis zur umfangreichen Totalrestaurierung umfassen.
Jens Dannehl, UB, Tel. 54 - 23 76
Der Codex Manesse wurde im ersten Drittel des 14.
Jahrhunderts in Zürich auf Kalbspergament geschrieben und mit 137 ganzseitigen Miniaturen geschmückt.
Die Handschrift, auch als „Große Heidelberger Liederhandschrift“ bezeichnet, überliefert mit etwa 6000 Strophen von 140 Dichtern die umfangreichste und bedeutendste Sammlung mittelhochdeutscher Minnelyrik.
Nach einer wechselvollen Geschichte1 gelangte
der Codex zunächst für kurze Zeit um 1600 und dann
endgültig im 19. Jahrhundert nach Heidelberg. Das
Deutsche Reich erwarb ihn 1888 durch Vermittlung des
Straßburger Buchhändlers Karl Ignaz Trübner von der
Bibliothèque Nationale in Paris und übergab ihn der
Universitätsbibliothek Heidelberg zur dauernden Aufbewahrung.
Seither ist diese Handschrift fast ständig in der
Bibliothek zu betrachten, seit 1988 sogar in einer speziell gesicherten und klimatisierten Vitrine, in die 1994 eine
besonders UV-arme Beleuchtung eingebaut wurde.
Aber auch diese optimalen Ausstellungsbedingungen
können nicht verhindern, daß Farben, Tinte und Bindung auf Dauer Schaden erleiden;
Tinten und Farben bleichen aus, der aufgeschlagene Zustand des schweren Buchblocks
übt starke mechanische Belastungen auf die Bünde und die Heftung aus. Allerdings
kann festgestellt werden, daß die meisten Schäden historisch bedingt sind. An erster
Stelle sind hier neben den konservatorisch schlechten Ausstellungsbedingungen die
unsachgemäße Benutzung besonders im letzten Jahrhundert und Anfang dieses
Jahrhunderts (z. B. direktes Abpausen der Miniaturen), sowie die Beanspruchungen
bei den Faksimilierungen des Codex 1886/872 und 19293 zu nennen (s. Abb. 1).
Aufgrund der wiederholten Überlegungen einer möglichen Restaurierung des
Codex Manesse wurde die Handschrift im Februar 1997 auf einigen ausgewählten
Seiten auf ihre Schäden und den Verlauf des Schadensprozesses seit der Erstellung von
Druckvorlagen für eine Faksimilierung 1925 untersucht. Als Vergleichsmaterial
hierzu dienten die Faksimileausgabe von 1929 und die Untersuchungen zu Tinte und
Farben des Codex Manesse von Frau Dr. Vera Trost im Katalog zur Ausstellung
„Codex Manesse“ 19884. Wir wollten herausfinden, ob sich der Zustand des Codex
Manesse in den letzten Jahren verschlechtert hat.
Seite 53
Theke 1997
Abb. 2
Anlaß der Überlegungen für eine
eventuell notwendige Restaurierung war
der Verdacht auf aktiven Tintenfraß in der
Handschrift und ein fortschreitendes Abplatzen der schon geschädigten Malschichten; zudem wurde ein z. T. starkes „Ausbleichen“ einiger Schriftpartien festgestellt, die teilweise zum fast vollständigen
Textverlust einiger Wörter führen (Abb. 2
und Abb. 3).
Um einen Überblick über die Verteilung der Schäden zu bekommen, wurden
jeweils ca. 20 Seiten zu Beginn, aus der
Mitte und zum Schluß des Codex auf ihre
Schäden hin untersucht; die Vermutung
lag nahe, daß besonders zu Beginn und in
der Mitte der Handschrift die Schäden
besonders groß sind, da in diesen Bereichen besonders oft Seiten aus ausstel-
lungstechnischen und -didaktischen
Gründen gezeigt werden (auf diesen
Seiten sind die bekanntesten Minnesänger zu finden).
Es stellte sich jedoch heraus, daß
die Verblassung der Schrift sich
durch die gesamte Handschrift zieht,
mal mehr, mal weniger stark ausgeprägt, z. T. nur relativ kleine Bereiche, z. T. auf der ganzen Seite
(s. Abb. 2). Auffällig ist, daß die Verblassungen oft recto und verso an den
gleichen Stellen zu finden sind; das
Pergament ist in diesen Bereichen –
auch an den unbeschrifteten Stellen
– von einer rauhen, etwas lappigen
Qualität. Die Verblassung kann nur
wenig mit dem jeweiligen Schreiber
oder seinem Schreibmaterial zusammenhängen, da sie unregelmäßig und
oft abrupt auftritt, sondern eher mit
der Qualität des Pergaments.
Als Beispiel betrachtet man
Blatt 372/373: Auf Blatt 372v steht
die Schrift auf einem glatten Pergament tiefschwarz und gut erhalten,
während die Schrift auf dem rauhen Pergament von Blatt 373r stark verblichen
ist. Auf Blatt 7r ist die Schrift an einigen
Stellen so
stark verblaßt, daß
unter dem
Mikroskop
kaum noch
Farbpartikel
zu erkennen
sind. Unter
UV-Licht
leuchtet die
verlorene
Schrift noch
leicht gelblich auf; dieses gelbliche
Seite 54
Leuchten im UV-Licht findet sich auch an
anderen ausgeblichenen Textstellen in
mehr oder weniger starker Ausprägung
wieder. Neueste Untersuchungen zeigten,
daß diese Ausbleicherscheinungen nicht
unbedingt ein Lichtschaden sein müssen,
sondern eher als ein Frühstadium des Tintenfraßes zu sehen sind (s. hierzu auch den
Artikel „Tintenfraß – Ein ungelöstes Problem?“ in diesem Heft). Aussagen über
ein verstärktes Ausblassen der Schrift seit
1929 durch Vergleichen mit dem Faksimile lassen sich kaum treffen, da das Faksimile insgesamt stärkere und dunklere
Farben aufweist.
Messungen des PH-Wertes von beschriftetem und unbeschriftetem Pergament als Zeichen eines Säureschadens
sind mit den in der Universitätsbibliothek
zur Verfügung stehenden Mitteln so ungenau, daß sie zu keinem brauchbaren
Ergebnis führen; insgesamt scheint der
PH-Wert aber mit Werten zwischen 6 und
7 für Pergament recht niedrig zu liegen.
Der aktive Tintenfraß auf Blatt 350, der
sich von 1925 bis 1988 verstärkt hatte5,
weist allerdings seit den Untersuchungen
1988 keine weitere sichtbare Verschlechterung auf (Abb. 4).
Abb. 3
Theke 1997
Abb. 4
ten Miniatur Kaiser Heinrichs VI. (Bl. 6r,
s. Abb. 1) einmal ab. Die Schäden, sowohl
bei den Miniaturen, als auch bei der Schrift,
ziehen sich durch die gesamte Handschrift,
wobei einige Seiten auch nahezu unbeschädigt sind (Bsp.: Bl. 119v [Miniatur],
206r [Schrift], 317r [Miniatur], 360r
[Schrift], 371 [Miniatur]).
Das dritte oben genannte Schadensbild, die Belastung der Heftung, ist nicht
so stark ausgeprägt, wie befürchtet
war. Der Buchblock des Codex befindet
sich in relativ gutem Zustand, in einigen
Lagen ist der Heftfaden z. T. an- oder
Auch bei den untersuchten Miniaturen erfolgten seit 1988 keine zusätzlichen
sichtbaren Schadensbilder; der Großteil
der heutigen Schäden, wie Fehlstellen,
Abrieb und Farbveränderungen – hauptsächlich Silberschwärzung –, entstand vor
1925. Auch lassen sich nicht bestimmte
Farben als besonders schadensanfällig
klassifizieren, wie es z. T. bei anderen
Buchmalereien möglich ist. Einige der
von Frau Trost untersuchten Miniaturen
wurden jetzt nochmals unter der Stereolupe betrachtet, fotografiert und mit den
Aufnahmen von 1988 verglichen; ein weiteres Ausbrechen der Farbschichten ist
nicht festzustellen.
Die schon geschädigten Miniaturen
sind allerdings weiterhin gefährdet, da die
Bruchkanten der Malschichten hochstehen und somit ein weiteres Ausbrechen
der Schollen oder ein Abreiben der z. T.
pudrigen Farben bei Bewegung der Seiten
jederzeit möglich ist (s. Abb. 5 und 6).
Die anfangs aufgestellte Vermutung,
daß der Codex besonders zu Anfang und
in der Mitte besonders stark geschädigt
sei, konnte nicht bestätigt werden, sieht
man von der besonders stark geschädig-
durchgerissen (Bsp. Lage Bl.
110–123) und zwischen den
Seiten 123v/124r (Walter
von der Vogelweide) ist der
Buchblock gebrochen; dieser Schaden wurde durch ein
zu langes und häufiges Aufschlagen dieser Seite verursacht.
Eine Restaurierung des
Codex Manesse im Hinblick
auf Malschichten und Textverlust ist zum gegenwärtigen Zeitpunkt wohl kaum
von dem gewünschten Erfolg gekrönt.
Inwieweit das Ausblassen der Schrift mit
einem aktiven Tintenfraß zusammenhängt,
Seite 55
läßt sich nur von Fachleuten durch umfangreiche und aufwendige Untersuchungen
mit entsprechendem technischen Equipment herausfinden, die Ergebnisse der Internationalen Tintenfraßtagung in Ludwigsburg im April d. J. deuten allerdings
leider auf ein Tintenfraßproblem hin.
Sollte wirklich die Restaurierung des
Codex Manesse ins Auge gefaßt werden,
muß in Anbetracht der immensen Bedeutung dieser Handschrift zuvor ein Symposium aus Naturwissenschaftlern, Handschriftenexperten und Restauratoren einberufen werden, um die Möglichkeiten
und Methoden zur Restaurierung zu diskutieren.
Die Möglichkeiten einer
Farbschichtfestigung sind
gegeben6, über ihre Notwendigkeit läßt sich streiten. Eine
aktive Behandlung des latenten und aktiven Tintenfraßes ist dagegen zum gegenwärtigen Zeitpunkt nach
wissenschaftlichem und
technischem Kenntnisstand
beim Codex Manesse nicht
möglich bzw. nicht sinnvoll.
Abb. 5
Abb. 6
Eine alternative Maßnahme wäre
auch die Sichtbarmachung der verblaßten
Schrift durch schadensfreie naturwissen-
Theke 1997
schaftliche Untersuchungsmethoden, wie
z. B. UV-Fluoreszenz, Infrarot-Reflektographie/-fotografie, o. ä.7 Solche Möglichkeiten müssen ausgetestet werden, erste
Kontakte der UB wurden auch in dieser
Sache schon zum Landeskriminalamt in
Wiesbaden aufgenommen.
Eine kontrollierte Aufbewahrung im
geschlossenen Zustand unter absolut konstantem Klima ist die optimale Bedingung, um den Codex als nationales Kulturgut für die nachfolgenden Generationen zu bewahren. Das heißt, der Codex
Manesse verschwindet gut verpackt in
den „heiligen Katakomben“ der Bibliothek und wäre somit für längere Zeit der
Wissenschaft und der breiten Öffentlichkeit nicht mehr zugänglich. Andererseits
steht die UB in der – sehr angenehmen –
Pflicht, ihre bedeutenden Bestände, zu
denen auch die kostbaren mittelalterlichen Handschriften gehören, Wissenschaftlern, Touristen und der Heidelberger Bevölkerung zu zeigen, soweit es im
Rahmen des konservatorisch Verantwortbaren liegt, sowie die personellen und
finanziellen Möglichkeiten gegeben sind.
Dieses geschah bisher in sogenannten
Dauerausstellungen, in denen einige der
bekanntesten Heidelberger Handschriften
für einen längeren Zeitraum in den Vitrinen lagen.
Um der Verpflichtung der Öffentlichkeit gegenüber im Falle des Codex
Manesse nachkommen zu können, ist es
z. B. denkbar, die Handschrift in den
Monaten Juli und August im Original zu
zeigen. Die restlichen 10 Monate des Jahres wird der Codex dann unter den genannten Bedingungen im Tresor aufbewahrt8. Ein sehr gutes Faksimile des Codex Manesse ist selbstverständlich das
ganze Jahr über in der UB zu betrachten.
1
Abbildungsverzeichnis:
Abb. 1: Kaiser Heinrich VI. (Bl 6r).
Abb. 2: Verblassen der Schrift in großen Bereichen
der Seite (Bl. 193r).
Siehe hierzu: Werner, Wilfried: Wege und Schicksale der Großen Heidelberger Liederhandschrift
(Codex Manesse). In: Ruperto Carola; 78/1986,
S. 79-95.
Abb. 3: Fast vollständig verschwundene Textzeile
(Bl. 19r).
Siehe auch: Mittler, Elmar; Werner, Wilfried (Hrsg.):
Codex Manesse. Katalog zur Ausstellung vom 12.
Juni bis 2. Oktober 1988 in der Universitätsbibliothek Heidelberg. Heidelberg 1988.
Abb. 4: Aktiver Tintenfraß mit Textverlust (Bl. 350r).
Abb. 5: Gesicht des Bogenschützen (Bl. 396r: Kol
von Niunzen).
Abb. 6: Detail von Abb. 5 (Augenpartie).
2
Das Faksimile wurde im Auftrag des Großherzoglich Badischen Ministeriums der Justiz, des Kultus
und Unterrichts 1887 in Straßburg von Franz Xaver
Kraus herausgegeben.
3
Die Manessesche Liederhandschrift (Faksimile).
Insel-Verlag, Leipzig 1929.
4
Trost, Vera: Tinte und Farben – Zum Erhaltungszustand der Manesseschen Liederhandschrift. In:
Mittler, Elmar; Werner, Wilfried (Hrsg.): Codex
Manesse. Katalog zur Ausstellung vom 12. Juni bis
2. Oktober 1988 in der Universitätsbibliothek Heidelberg. Heidelberg 1988; S. 440-445 und S. 674685.
5
Siehe Anm. 4; S. 443.
Im Herbst 1997 konnte die Universitätsbibliothek
einen Aerosolgenerator anschaffen, mit dem jetzt
die Möglichkeit besteht, besondere, für die Buchmalerei geeignete Bindemittel über Ultraschallzerstäubung sehr fein auf pulvernde Malschichten aufzubringen und so lose Farbpartikel wieder an ihren
Untergrund bzw. in den Farbschichtkomplex zu
binden.
6
7
Siehe hierzu: Matteini, Mauro; Moles, Arcangelo:
Naturwissenschaftliche Untersuchungsmethoden in
der Restaurierung. Callwey Verlag, München 1990.
8
In ähnlicher Weise wird z. B. auch mit dem Evangeliar Heinrichs des Löwen in der Herzog-AugustBibliothek in Wolfenbüttel (6 Wochen/Jahr) und mit
dem Oldenburger Sachsenspiegel in der Niedersächsischen Landesbibliothek in Oldenburg (6 Wochen/Jahr) verfahren.
Jens Dannehl, UB, 54 - 23 76
Seite 56
Theke 1997
Erwerbungsprofile – Richtlinien für
einen bedarfsorientierten,
transparenten Bestandsaufbau
Kaufen Sie eigentlich die „richtigen“ Bücher und Zeitschriften, um die Literaturversorgung in dem von Ihnen betreuten
Fach sicherzustellen? Kein Zweifel, daß
wohl jede(r) Fachreferent(in) auf eine solche Frage mit einem klaren „Ja“ antworten wird. Nun wird die subjektive Überzeugung des/der einzelnen Fachreferenten(in), schon das Richtige auszuwählen,
nicht unbedingt und in jedem Einzelfall
von all denen geteilt werden, für die die
einzelnen Titel angeschafft werden, also
den Benutzern einer Bibliothek. Zu unterschiedlich sind deren Interessen, zu verschiedenartig die Schwerpunkte und Themenstellungen, als daß man allen Anforderungen gerecht werden könnte. Gerade
in Zeiten, in denen die finanziellen Mittel
immer stärker beschnitten werden, gleichzeitig aber das Literaturangebot immer
noch wächst, wird der Vorwurf, daß dringend benötigte Literatur in diesem oder
jenem Fach von den Bibliothekaren nicht
beschafft bzw. nicht benötigte Literatur
gekauft wird, recht schnell, zuweilen aber
auch mit Recht erhoben. Ein Blick in die
Ausleihstatistik von HEIDI zeigt, daß auch
in den Regalen unserer Bibliothek so
manches Buch zu finden ist, das schon seit
Jahren immer noch auf seinen ersten Le-
*
Bestandsaufbau und Erwerbungspolitik in universitären Bibliothekssystemen: Versuch einer Standortbestimmung / von Rolf Griebel; Andreas Werner;
Sigfried Hornei. Kommission des Deutschen Bibliotheksinstituts für Erwerbung und Bestandsentwicklung, Expertengruppe Bestandsentwicklung in
Wissenschaftlichen Bibliotheken. - Berlin: Dt. Bibliotheksinst., 1994. - 135 S. (Dbi-Materialien; 134)
– vgl. dazu die Rezension von Veit Probst in ZfBB
42.1995, S. 391–393.
ser wartet. Was also ist zu tun, um dem
Ziel einer optimalen Literaturversorgung
möglichst nahe zu kommen?
Schon seit einigen Jahren beschäftigt
sich eine vom Deutschen Bibliotheksinstitut Berlin (DBI) einberufene Expertengruppe, der Leiter von Erwerbungsabteilungen verschiedener Bibliotheken in der
Bundesrepublik angehören, mit „Bestandsaufbau und Erwerbungspolitik in
universitären Bibliothekssystemen“. Eine
unter diesem Titel Ende 1994 erschienene
Untersuchung*, die in der Heidelberger
Universitätsbibliothek unter der Signatur
94 A 9356 ausleihbar ist, stellte als herausragendes Ergebnis einer umfangreichen Fragebogenaktion fest, daß sich die
deutschen Universitätsbibliotheken seit
den 80er Jahren zwar zunehmend mit beschaffungspolitischen Fragen wie z. B.
kostengünstigen Bezugswegen, Kriterien
für die Lieferantenauswahl, Preispolitik
der Verlage befaßt haben, daß aber demgegenüber die Auseinandersetzung mit
Problemen der Erwerbungspolitik und des
Bestandsaufbaus bislang bestenfalls ansatzweise erfolgt sei.
An kaum einer Universitätsbibliothek gebe es schriftlich fixierte sog. „Erwerbungsprofile“, die – bezogen auf das
jeweilige spezifische Anforderungsprofil
der einzelnen Universität – das erwerbungspolitische Programm in einzelnen
Fächern inhaltlich konkretisierten. Erst
ein schriftlich fixiertes Erwerbungsprofil,
an dem sich die Titelauswahl im jeweiligen Fach für jedermann klar erkennbar
orientiere, biete ein Instrument für einen
durchdachten, planmäßigen Bestandsaufbau und sei zugleich auch Basis nachträg-
Seite 57
licher Erfolgskontrollen. Erwerbungsprofile schafften Transparenz, nicht zuletzt
im Hinblick auf die Erwerbungskooperation zwischen zentraler Bibliothek und
den Instituts- und Seminarbibliotheken
am Ort.
Der Verfasser dieser Zeilen, der sich
in seinem Berufsleben über viele Jahre
hinweg mit Erwerbungsproblemen beschäftigt hat, kann diese Feststellungen
der Expertengruppe nur unterstreichen.
Es ist deshalb sehr erfreulich, daß sich
Herr Dr. Achim Bonte, der seit 1.10.96 in
unserer Bibliothek das Fach Germanistik
betreut, bereit erklärt hat, für sein Fach ein
Erwerbungsprofil zu erarbeiten. Entsprechend den Vorgaben der Expertengruppe
beschreibt er in seinem Profil einleitend
die örtlichen Rahmenbedingungen der
Germanistik in Heidelberg, skizziert Geschichte und heutige Bedeutung des Faches, um dann auf die finanziellen Mittel
einzugehen, die für den Kauf germanistischer Fachliteratur in der UB Heidelberg
zur Verfügung stehen. Abgeschlossen wird
der erste Teil seiner Arbeit durch eine
kurze Aufzählung der Quellen, die ihm
für die Titelauswahl zur Verfügung stehen. Im zweiten Teil seiner Darstellung
folgt dann das eigentliche Erwerbungsprofil. Darin werden das Fach Germanistik systematisch gegliedert und die einzelnen Teilgebiete der Germanistik streng
nach den Vorgaben der Expertengruppe
„Erwerbungsstufen“ zugeordnet, die die
Abstufungen der Sammelintensität für die
einzelnen Teilgebiete und Themenbereiche der Germanistik dokumentieren, von
den Gebieten, in denen überhaupt nichts
erworben wird (Stufe 0) bis hin zu den
Theke 1997
Erwerbungsprofil Germanistik <33>
einschließlich Niederlandistik und
Skandinavistik <37 a>
Themenbereichen, die Sammelschwerpunkte darstellen, so daß alle einschlägigen Titel erworben werden (Stufe 5).
Bontes Arbeit, die nachfolgend in
dieser Zeitschrift publiziert wird, wurde
zwischenzeitlich der Expertengruppe Bestandsentwicklung des DBI zugeleitet. Sie
wird von dieser Gruppe im Rahmen einer
größeren Studie veröffentlicht werden. Die
Referenten(innen) der Heidelberger Universitätsbibliothek haben schon vor einiger Zeit beschlossen, das Erscheinen dieser Studie abzuwarten, um anhand der
darin publizierten Musterprofile das spezifische Heidelberg-Profil für die von ihnen betreuten Fächer zu erarbeiten.
1. Örtliche
Rahmenbedingungen
1.1 Die Heidelberger Germanistik in Forschung und Lehre
Geschichte des Faches
Die wissenschaftliche Beschäftigung mit
deutscher Sprache und Literatur besitzt in
Heidelberg eine reiche Tradition. Erinnert
sei nur an die Sammel- und Redaktionstätigkeit Clemens Brentanos und Achim von
Arnims („Des Knaben Wunderhorn“,
1805/08) oder an Georg Gottfried GerviH. J. Dörpinghaus, UB, Tel. 54 - 23 80
nus´ fünfbändige „Geschichte der poetischen Nationallitteratur der Deutschen“
(1835–1842), ein Markstein der deutschen
Literaturgeschichtsschreibung. Am Beginn der sukzessiven Institutionalisierung der
Heidelberger Germanistik stand die Habilitation Karl August Hahns im Jahre 1840. 1852
wurde der erste Lehrstuhl für deutsche Philologie eingerichtet, 1873 folgte die Gründung eines „Seminars für Neuere Sprachen“ (seit 1878 „Germanisch-romanisches
Seminar“). Im Zuge der fortschreitenden Differenzierung der neueren Philologien
erhielten die Germanisten 1923 ein selbständiges Seminar. Die Abspaltung der Sprachwissenschaft von der Altgermanistik im Laufe der sechziger Jahre führte zu der bis heute
gültigen Dreigliederung des Faches in Germanistische Sprachwissenschaft (Linguistik),
Ältere deutsche Sprache und Literatur (Mediävistik) und Neuere deutsche Literatur.
Mit den Professoren Karl Bartsch, Wilhelm Braune, Friedrich Panzer, Friedrich
Gundolf, Paul Böckmann, Richard Kienast, Eberhard Lämmert u. a. verfügte die
Universität Heidelberg in der Vergangenheit über zahlreiche herausragende Fachvertreter. Dominierte anfangs deutlich die Altgermanistik (u. a. bedeutende Beiträge zur
Nibelungen-Forschung, zur Sagen- und Märchenforschung sowie zur Volkskunde),
verlieh später besonders Friedrich Gundolf (1920–1931), schillernder Vertreter der
geistesgeschichtlichen Richtung der deutschen Literaturwissenschaft, auch der neueren Abteilung Profil.
Die in der Universitätsbibliothek verwahrten 848 deutschen Handschriften der
Bibliotheca Palatina boten den Heidelberger Germanisten seit den Anfängen ein
außergewöhnliches Forschungsfeld. In der Folgezeit bereicherten u. a. die umfangreiche Bibliothek Professor Max von Waldbergs (1889–1933) und die Sammlung
„Museum“ – die Hinterlassenschaft einer bürgerlichen Lesegesellschaft – den germanistischen Altbestand der UB.
Seite 58
Heutige Bedeutung
Als muttersprachliches Fach besitzt die
Germanistik heute grundsätzlich eine zentrale Stellung unter den neuen Philologien. Sie ist ein universitäres Massenfach
mit entsprechender Literaturproduktion.
Im Sommersemester 1996 verzeichnete die Universität Heidelberg 1.406 Studierende mit Germanistik/Deutsch als erstem Studienfach. Nur in Medizin, Jura und
Physik waren mehr Hauptfachstudenten
eingeschrieben. Neben den Angehörigen
des Germanistischen Seminars müssen vor
allem noch die Studenten des Studiengangs
„Deutsch als Fremdsprachenphilologie“
berücksichtigt werden. Jeweils im erstem
Studienfach studierten hier 1996 337 Personen Sprachwissenschaft und 162 Literaturwissenschaft. Der Studiengang Computerlinguistik fällt mit 54 Hauptfachstudierenden weniger ins Gewicht.
Das Germanistische Seminar verfügt
im Wintersemester 1996/97 über 6 Ordinariate und 6 weitere planmäßige Professuren. Daneben bestehen der dem Seminar
lose angebundene Fakultätslehrstuhl für
Computerlinguistik sowie das Institut für
Deutsch als Fremdsprachenphilologie, das
ebenfalls einen Lehrstuhl besitzt. Als bedeutende Stätte außeruniversitärer germanistischer Forschung verdient außerdem
die Heidelberger Akademie der Wissenschaften Erwähnung. Das Lehrangebot des
Germanistischen Seminars ist in der deutschen Philologie überaus reichhaltig, wobei gerade in der Abteilung Neuere deutsche Literatur stark interdisziplinär gearbeitet wird (Beispiele aus dem Zeitraum
SS 1996 – SS 1997: „Galileo Galilei: Zum
Verhältnis von Naturwissenschaft und
Literaturwissenschaft“, „Christentum und
Kultur in der Frühen Neuzeit: Kirchenlied
und geistliche Lyrik“, „Vergleichende
Theatergeschichte“, „Ägypten auf dem
Theke 1997
Theater des 18. – 20. Jahrhunderts“, „Ästhetik und Poetik des Films“). Niederlandistik und Skandinavistik spielen dagegen
in Lehre und Forschung nur eine marginale Rolle. Der Lehrbetrieb beschränkt sich
im wesentlichen auf gelegentliche Einführungen ins Altnordische. In der sprachwissenschaftlichen und in der literaturwissenschaftlichen Forschung bestätigt die Heidelberger Germanistik gegenwärtig ihren
hervorragenden historischen Ruf. Bei der
Einwerbung von Drittmitteln belegt das
Germanistische Seminar in der Universitätsstatistik seit Jahren einen vorderen
Platz, unter den wenigen germanistischen
Fachgutachtern der Deutschen Forschungsgemeinschaft stellt es als einzige
Institution in der Sprachwissenschaft wie
in der Literaturwissenschaft einen Vertreter. Mehrere Forschungsprojekte im sogenannten DFG-Normalverfahren sowie die
Beteiligung an einem Graduiertenkolleg
(„Dynamik von Substandardvarietäten“)
und einem Sonderforschungsbereich
(„Sprache und Situation“, läuft aus) bezeugen ebenfalls den Rang und das Ansehen
der Heidelberger Germanistik.
Hinsichtlich seiner konkreten Forschungsinteressen bietet das Germanistische Seminar in der aktuellen Selbstdarstellung (vgl. die Forschungsdatenbank
der Universität, URL http://www.uniheidelberg.de/forschung) einen sehr breiten, teilweise kaum differenzierten
Schwerpunktkatalog. Für die Gesamtheit
der relevanten Einrichtungen läßt sich
derzeit etwa folgendes Forschungspanorama entwerfen:
Germanistische Sprachwissenschaft
✍ Lexikologie und Lexikographie
(u. a. Frühneuhochdeutsches
Wörterbuch)
✍ Beziehung zwischen explizit
verbalisierter und implizit mitgeführter Information (Teilprojekt des
Mannheim-Heidelberger Sonderforschungsbereichs „Sprache und
Situation“)
✍ Dialektsoziologie
✍ Erforschung des Sprachgebiets des
Deutschen (Feldforschungshandbuch zur Sprachinselforschung)
Mediävistik
✍ Gattungspoetik
✍ Edition und Textkritik
(u. a. Althochdeutsche Glossen,
Neuedition von Heinrichs von dem
Türlin „Crône“)
Institut für Deutsch als Fremdsprachenphilologie
✍ Zweitsprachenerwerb
✍ Bedeutungsorganisation im Diskurs
(Teilprojekt des Sonderforschungsbereichs „Sprache und Situation“)
✍ Jena um 1800 (literaturwissenschaftliches Forschungsprojekt)
Heidelberger Akademie der Wissenschaften
Neuere deutsche Literatur
✍ Mitwirkung am Goethe-Wörterbuch
✍ Edition und Textkritik
(u. a. Johann Valentin Andreae,
1586–1654; Gottlieb Konrad
Pfeffel, 1736–1809;
Johann Peter Hebel 1760–1826)
✍ Literatur der Frühen Neuzeit
✍ Aufklärung und Klassik
✍ Theaterwissenschaft
✍ Interdisziplinäre Forschung
(Literaturwissenschaft und
Kulturanthropologie)
Computerlinguistik
✍ Computerunterstütztes Lernen von
lexikalischen Funktionen
✍ Computerunterstütztes Übersetzen
Seite 59
✍ Herausgabe eines Wörterbuchs der
westgermanischen Rechtssprache
(Deutsches Rechtswörterbuch)
Den genannten aktuellen Forschungsschwerpunkten trägt das Fachreferat Germanistik an der Universitätsbibliothek in
besonderer Weise Rechnung. Zudem erhält die vielbeachtete, spezifische literaturgeschichtliche Tradition Heidelbergs
breiten Raum. Aus diesem Grund sammelt die UB z. B. auch die Literatur zur
mittelhochdeutschen Lyrik (Zusammenhangsbestand zu den berühmten Heidelberger Liederhandschriften), zur Hochromantik bzw. Heidelberger Romantik (Arnim, Brentano, Eichendorff u. a.) sowie
zum Georgekreis relativ intensiv.
Theke 1997
1.2 Die Arbeitsbedingungen des sondere die Bereiche Jiddische Sprache (s. Tabelle 1). Für 1997 blieb die Fachquote
und Literatur bzw. Fachdidaktik Deutsch weiterhin unverändert. Die Möglichkeit
Fachreferats Germanistik
Die Heidelberger Bibliothekslandschaft
Die Universität Heidelberg unterhält ein
stark zersplittertes zweischichtiges Bibliothekssystem. Für den Bereich der Germanistik bestehen neben der Universitätsbibliothek als Informationsversorgungszentrale eigenständige Bibliotheken
des Germanistischen Seminars (rd. 80.000
Bände und ca. 170 laufende Zeitschriften) und des Instituts für Deutsch als
Fremdsprachenphilologie (rd. 5.000 Bände und ca. 20 laufende Zeitschriften). Über
die Medienauswahl für die Institutsbibliotheken entscheiden allein die Vertreter des jeweiligen Instituts. Die Abstimmung mit der Zentralbibliothek beschränkte sich bisher weitgehend auf die
verbindlichen Institutsanträge für einzelne Käufe über DM 400.– und neue Zeitschriftenabonnements. Seit jüngster Zeit
bemüht sich die UB jedoch wieder verstärkt, zu einer breiteren Kooperation zu
gelangen. Um die Bedürfnisse der Studierenden noch besser kennenzulernen,
hat der Fachreferent außerdem begonnen, auf die studentische Fachschaft zuzugehen.
Mit der recht leistungsfähigen Stadtbücherei Heidelberg sind gewisse Erwerbungsabsprachen in den Feldern Regionalliteratur und zeitgenössische Belletristik denkbar. Speziell die Heidelberger
Literaturszene wird von der öffentlichen
Bibliothek intensiv beachtet und mitgestaltet. Bei weiteren örtlichen Bibliotheken – der Bibliothek der Hochschule für
Jüdische Studien und der Bibliothek der
Pädagogischen Hochschule – scheint ein
Gespräch ebenfalls sinnvoll. Daß insbe-
von Nachbarinstitutionen recht gut abgedeckt sind, wird im Bestandsaufbau der
UB allerdings bereits berücksichtigt.
Finanzielle Rahmenbedingungen
und Stand der Erwerbungsarbeit
Mit den zahlreichen Angehörigen des
Germanistischen Seminars und des Instituts für Deutsch als Fremdsprachenphilologie sowie mit einem nicht zu gering zu
schätzenden Anteil an außeruniversitären
Benutzern verfügt das Fach Germanistik
über einen sehr großen, aktiven Nutzerkreis. Die starke Nachfrage wird an der
Bestandsnutzung deutlich. Mit 1,08 durchschnittlichen Ausleihen pro Band aus dem
Freihandmagazin (Erwerbungsjahre
1983ff.) belegte die Fachgruppe Deutsch
in der Nutzungsstatistik der Universitätsbibliothek 1996 den fünften Platz. Die
ebenfalls relevante Fachgruppe Allgemeine Sprach- und Literaturwissenschaft rangierte gar an zweiter Stelle. In der stärker
für Juristen, Wirtschafts- und Naturwissenschaftler bedeutsamen Lehrbuchsammlung wurden immerhin noch der
sechste (Allgemeine Sprach- und Literaturwissenschaft) bzw. der zehnte Platz
(Deutsch) erreicht. Den hohen Ansprüchen
an die germanistische Literaturversorgung
wurde bei der Aufteilung der Finanzmittel
seit Anfang der neunziger Jahre im wesentlichen Rechnung getragen.
Für die Monographienerwerbung im
Fach Deutsch war 1995 und 1996 jeweils
ein Richtwert von DM 85.000 veranschlagt. Durch unverhoffte Sondermittel,
die gegen Ende des Jahres zugeteilt wurden, ließ sich die angesetzte Quote in beiden Jahren jedoch deutlich überschreiten
Seite 60
einer Richtwertüberschreitung wird freilich wohl nicht mehr gegeben sein. Wegen
des geringen Erwerbungsumfangs sind die
übrigen germanischen Sprachen <37 a>
traditionell im Kontingent des Fachs
Deutsch enthalten. Die realen Ausgaben in
diesem Bereich (s. Tabelle 2) werden künftig eher noch abnehmen. Die Ausgaben für
die Lehrbuchsammlung orientieren sich
nicht an finanziellen Richtwerten, sondern
unmittelbar an Studenten- und Nutzungszahlen. Bei Auflagenwerken entscheidet
hauptsächlich die Nutzung der Vorauflage über die Staffelung der Neuausgabe. Der
Zeitschriftenkauf und die Erwerbung teurer elektronischer Medien (derzeit noch vor
allem Datenbanken auf CD-ROM) werden
ebenfalls unkontingentiert gesteuert. Hier
achtet der Erwerbungsleiter auf eine ausgewogene Bestandsentwicklung. Für die
Zeitschriftenneuerwerbung gilt das Gebot
strengster Zurückhaltung. Veränderungen
im Zeitschriftenbestand sollen möglichst
kostenneutral erfolgen, d. h. mit Neuabonnements müssen in der Regel entsprechende Abbestellungen einhergehen.
Bei der Bewertung der angegebenen
Richtwerte wie des realen Ausgabevolumens ist stets zu berücksichtigen, daß der
Bestandsaufbau für die Germanistik von
zwei Seiten noch spürbar unterstützt wird.
Erstens können im Rahmen der interdisziplinären Freizeitbücherei („Freihand Aktuell“) vorwiegend relevante Titel aus der
modernen Belletristik und dem gehobenen Feuilleton angeschafft werden. Zweitens erwirbt das Fachreferat Allgemeine
Sprach- und Literaturwissenschaft vielfach einschlägige germanistische Lehrbücher und gerade auch große Grundlagenwerke. Daß die „Handbücher zur
Sprach- und Kommunikationswissenschaft“, der „Romanführer“, „Kindlers
Theke 1997
neues Literatur-Lexikon“ und ähnlich teure Titel nicht dem Germanistik-Etat angerechnet werden, bedeutet eine wesentliche Entlastung. Sie fordert freilich den
Preis intensiver interner Erwerbungsabsprachen, einer verteilten Sonderstandort-Aufstellung (einige zentrale Nachschlagewerke stehen bei der Allgemeinen
Sprach- und Literaturwissenschaft, andere bei der Germanistik) und gelegentlicher Lücken im germanistischen Sachkatalog.
Der Markt an ernstzunehmenden CDROMs nimmt auch im Bereich der Germanistik zu, ist aber gegenwärtig immer
noch relativ klein. An größeren Fachda-
Tabelle 1
Ausgaben der Universitätsbibliothek für Monographien und Zeitschriften1 im Fach
Deutsche Sprach- und Literaturwissenschaft <33>
Monographien
Zeitschriften
1995
108.297 DM
7.229 DM
1996
107.471 DM
9.409 DM
tenbanken bietet die Universitätsbibliothek zur Zeit die MLA International Bibliography, die Current Contents – Arts
and Humanities (CC), die Linguistics and
language behavioral abstracts (LLBA),
die Bibliographie der deutschen Sprachund Literaturwissenschaft und den Nachlaß Robert Musils an. Die Erwerbung von
Goethes Werken auf CD-ROM wird für
1997 angestrebt. Als fachlichen Einstieg
in das Internet hat der Fachreferent einen
umfangreichen Metaindex „Fachinformationen für Germanisten“ zusammengestellt (URL http://www.ub.uniheidelberg.de/helios/fachinfo/fachref/
german/welcome.htm).
Quellen der Titelauswahl
Tabelle 2
Ausgaben der Universitätsbibliothek für Monographien und Zeitschriften im Fach
Sonstige germanische Sprachen <37 a>
Monographien
Zeitschriften
1995
3.489 DM
1.061 DM
1996
6.392 DM
693 DM
Mit linear abnehmender Bedeutung werden folgende Erwerbungshilfen regelmäßig genutzt:
√
Ansichtsvorlage:
Die UB Heidelberg führt derzeit
rund 170 Standing-Order-Verlage.
Für die Germanistik sind etwa 30
besonders relevant, neben den
großen Publikumsverlagen wie
Rowohlt, Fischer usw. u. a.
DeGruyter, Francke, Hirzel,
Königshausen & Neumann,
Metzler, Narr, Niemeyer und
E. Schmidt.
Tabelle 4
√
Verlagsprospekte und -anzeigen
Zugang gekaufter Monographien bzw. laufend gehaltener Kaufzeitschriften der Universitätsbibliothek im Fach Sonstige germanische Sprachen <37 a>
√
DNB, Reihen N und A
√
Referateorgane , Fachzeitschriften
√
Zeitungen:
hauptsächlich die Lokalpresse,
FAZ, Zeit und NZZ
Tabelle 3
Zugang gekaufter Monographien bzw. laufend gehaltener Kaufzeitschriften der Universitätsbibliothek im Fach Deutsche Sprach- und Literaturwissenschaft <33>
Zugang gekaufter Monographien
Laufend gehaltene Kaufzeitschriften
1995
1.678
120
1996
1.581
108
Zugang gekaufter Monographien
Laufend gehaltene Kaufzeitschriften
1995
61
12
1996
100
10
1
Jeweils Printmedien und Non-Books.
Seite 61
Theke 1997
√
Profildienste von Agenturen:
vor allem Blackwell, selten
sonstige Anbieter
√
Ausländische Nationalbibliographien u. ä.:
besonders Österreichische Bibliographie, Livres de la semaine
(Livres hebdo)
2. Erwerbungsprofil
2.1 Allgemeine Bemerkungen
√
Neuerwerbungslisten anderer
Bibliotheken
√
Tausch- und Geschenkangebote
√
Antiquariatskataloge
Als Kontrollinstrumente für den Bestandsaufbau dienen:
√
monatliche Listen mit dreifach
vorgemerkten Titeln
√
Rezensionen
√
Anschaffungsvorschläge
√
kontinuierliche Beobachtung der
Fernleihgesuche
√
individuelle Buchprofile bzw.
jährlich erstellte Gesamtnutzungszahlen:
Vor Abgabe von Bestellungen an
die Erwerbungsabteilung führen die
Heidelberger Fachreferenten
grundsätzlich eine Vorakzession im
OPAC HEIDI durch. Dies fördert
die Bestandskenntnis und gibt
regelmäßig Gelegenheit, mit Hilfe
der Statistikfunktion die erwartete
Nutzung für früher erworbene Titel
an der Realität zu messen.
Das Erwerbungsprofil Germanistik wird
in einer fachsystematisch gegliederten
Rasterübersicht dargestellt. Eine zusätzliche kommentierende Zusammenstellung
nach Sammelintensitäten muß aus Platzgründen unterbleiben. Die von der Erwerbungskommission am Deutschen Bibliotheksinstitut vorgeschlagene Definition
der Erwerbungsstufen konnte im wesentlichen übernommen werden (s. Anhang).
Lediglich hinsichtlich der postulierten
Sprachen in einzelnen Stufen und hinsichtlich einzelner Literaturarten schienen für unseren Bibliothekstyp – eine
Universitätsbibliothek ohne germanistischen Sondersammelauftrag – Modifizierungen angebracht. So ist aufgrund der
bisher gemachten Erfahrungen zweifelhaft, ob selbst bei intensiv zu pflegenden
Sammelgebieten (Stufe 4) die generelle
Ausweitung auf „alle relevanten Sprachen“ Sinn macht. Nutzungsanalysen zeigen jedenfalls, daß bereits französischsprachige Titel gewöhnlich auf eine deutlich geringere Nachfrage treffen als vergleichbare englische oder gar deutsche.
Die Sprachbarriere des Durchschnittsstudenten – unserer wichtigsten Benutzergruppe – liegt mithin auch in den Geisteswissenschaften offenbar weit höher als
wünschenswert wäre. Im Bereich der Literaturarten ist in einem Massenfach wie
der Germanistik vor allem für die Dissertationen eine Einschränkung zu machen.
Während bis vor wenigen Jahrzehnten
auch sehr gute Doktorarbeiten nicht verlegt wurden, bildet die ungedruckte germanistische Dissertation heute die Ausnahme. Entsprechend wird der Bibliotheksmarkt mit einer Fülle von Arbeiten
Seite 62
von höchst unterschiedlichem wissenschaftlichen Niveau und Erkenntniswert
überzogen. Eine strenge Auswahl selbst
bei Erwerbungsschwerpunkten scheint
hier unerläßlich. Gängige Heidelberger
Praxis ist der Verzicht auf auffallend
schwache oder allzu spezielle Arbeiten
(z. B. Untersuchungen randseitiger Aspekte eines einzelnen literarischen Werks).
Ein Gebiet, das im ErwerbungsstufenVorschlag nicht explizit genannt wird,
aber gerade in den Philologien zunehmend Bedeutung gewinnt, ist der Bereich
der audiovisuellen Medien. Das Engagement der UB Heidelberg beschränkt sich
hier bisher weitgehend auf die Anfertigung von Fernsehmitschnitten. Angesichts
eines kontinuierlichen Lehrangebots zum
Medium Film (Heidelberger Beispiele aus
dem Zeitraum SS 1996 – SS 1997: „Ästhetik und Poetik des Films“, „Filmanalyse: Theaterverfilmungen“, „Initiationen
in Literatur und Film“) und einer wachsenden Produktion originärer, wissenschaftlich ernstzunehmender Tonaufnahmen (z. B. „Reihe Autorengespräche“ des
„Verlag und Studio für Hörbuchproduktionen“) wird künftig wohl mehr Einsatz
notwendig sein.
Bei der Einstufung der einzelnen
Teilgebiete wurde davon ausgegangen,
daß die Erwerbungsstufe 3 (Studienstufe)
in der Universitätsbibliothek den Normalfall darstellt. Bietet doch das auf dieser Stufe skizzierte Literaturangebot nicht
nur eine sehr gute Grundlage für Ausbildung und Studium, sondern auch einen
soliden Einstieg in eigenständige Forschung. Die Sammelstufe 4 (Forschungsstufe) ist damit tatsächlich weitgehend
auf die aktuellen Forschungsschwerpunkte
beschränkt.
Theke 1997
2.2 Zur fachsystematischen ger Romantik). Aufgrund der schwachen
wissenschaftlichen Vertretung vor Ort
Gliederung
Um auf Etatschwankungen, Verlagerung
von Forschungsschwerpunkten u. ä. Veränderungen angemessen reagieren zu können, bedarf ein Erwerbungsprofil einer
feinen fachsystematischen Gliederung.
Zugleich hat das Profil jedoch leicht faßbar und erinnerbar zu sein, wenn es tatsächlich als Richtschnur der täglichen Titelauswahl gelten soll. Dieser Zielkonflikt verlangt Abstriche auf beiden Seiten.
Einerseits darf das Profil nicht bei der
einfachsten Grobstruktur des Faches stehenbleiben, andererseits kann es gerade in
der Germanistik nicht jede Verästelung
abbilden.
Die deutsche Philologie wurde in der
folgenden Übersicht zunächst in vier Blökke eingeteilt:
1. Textausgaben/Primärtexte
2. Deutsche Sprach- und
Literaturwissenschaft allgemein
3. Deutsche Sprachwissenschaft
4. Deutsche Literaturwissenschaft.
Innerhalb der vier Blöcke werden
jeweils wichtige zugehörige Teilaspekte
bzw. Teildisziplinen aufgeführt (= Spalte 1). Weitere Untergliederungen (= Spalten 2 und 3) erfolgten ausschließlich dort,
wo in Heidelberg derzeit Erwerbungsschwerpunkte bzw. besondere Einschränkungen bestehen. Welche Feinabstimmungen prinzipiell möglich sind, dürfte sich
aus den zahlreichen gebotenen Beispielen
einer dreistufigen oder gar vierstufigen
Gliederung ablesen lassen (vgl. z. B. Deutsche Literaturwissenschaft / Neuere Literaturgeschichte / Romantik / Heidelber-
schien bei Niederlandistik und Skandinavistik eine fachsystematische Gliederung
entbehrlich, ebenso im Bereich Jiddische
Sprache und Literatur.
Das Fach Germanistik wird in den
letzten Jahren durch die fortschreitende
Desintegration seiner Inhalte geprägt. Die
hastige Besetzung immer neuer Forschungsfelder und der grassierende Methodenpluralismus lähmen zunehmend
den innerfachlichen Diskurs. Eine verbindliche Fachsystematik ist unter diesen
Umständen schwer auszumachen. Entsprechend werden auch die einzelnen bibliothekarischen Systematiken strukturell
wie terminologisch besonders stark durch
lokale Gegebenheiten und persönliches
Fachverständnis bestimmt. Aufgrund seiner zentralen Bedeutung für die philologische Forschung ist der Bereich der Textausgaben aus der Fachsystematik gelöst
und dieser vorangestellt. Innerhalb des
Bereichs schien eine typologische Tiefengliederung sinnvoll. Die zweite Gruppe Deutsche Sprach- und Literaturwissenschaft nennt einige Teilgebiete, die für
die deutsche Philologie insgesamt relevant sind. Anschließend folgen jeweils
die spezifischen Teildisziplinen bzw. Teilaspekte für Deutsche Sprachwissenschaft
und Deutsche Literaturwissenschaft.
Seite 63
Theke 1997
2.3. Erwerbungsprofil im einzelnen
Deutsche Sprach- und Literaturwissenschaft
Stufe2
4–53
1. Textausgaben / Primärtexte
Wissenschaftlich relevante
Klassikerausgaben
Zeitgenössische Belletristik
(Monographien)
Zeitgenössische
Literaturzeitschriften
Literatur aus der Region
(einschließl. pfälzische Mundart)
Mundartliteratur
(außer Pfälzisch)
Trivialliteratur
3
1
4
0
0
2
Zur Definition der Erwerbungsstufen vgl. den Anhang.
Unter Klassikern sind hier die älteren bzw. etablierten Autoren zu verstehen, die durch ein
stetes Forschungsinteresse und die Aufnahme in wichtige Personenlexika gleichsam kanonisiert worden sind. Der Grad der Sammelintensität richtet sich im konkreten Fall nach der Art
der Ausgabe und dem jeweiligen Autor. Vergleiche auch die Zusammenstellung nach Sammelintensitäten.
3
2. Deutsche Sprach- und Literaturwissenschaft allgemein
Grundlagen
Wissenschaftsgeschichte
4
Heidelberger
Germanistik
Wissenschaftsorganisation.
Studienbetrieb
Fachdidaktik
Seite 64
5
4
2
Handreichungen für
den Schulunterricht
Deutsch als Fremdsprache
Stufe
4
0
4
Theke 1997
3. Deutsche Sprachwissenschaft
Sprachtheorie. Semiotik
Stufe
3
Sprachpflege. Sprachpolitik
2
Phonetik. Phonologie
3
Morphologie
3
Syntax
3
Wortkunde. Semantik
3
Lexikologie.
Lexikographie
Stilistik. Rhetorik
4
3
Praxisratgeber
0
Pragmatik. Soziolinguistik
4
Psycholinguistik. Spracherwerb
3
Computerlinguistik
4
Sprachgeographie. Dialektologie
4
Einzelne Dialekte
(außer Pfälzisch)
Pfälzisch
Sprachgeschichte
1–34
5
3
Althochdeutsch
4
Frühneuhochdeutsch
4
X5
Vergleichende
Sprachwissenschaft
4
Bei Studien zu einzelnen Mundarten ist die Sammelintensität von der sprachwissenschaftlichen Bedeutung des Dialekts und seiner räumlichen Entfernung von Heidelberg abhängig.
Im konkreten Einzelfall spielt zudem die Detailliertheit der Fragestellung eine Rolle.
5
Zuständigkeit bei dem Fachreferat Allgemeine Sprach- und Literaturwissenschaft.
Seite 65
Theke 1997
4. Deutsche Literaturwissenschaft
Literaturtheorie
Stufe
3
Gattungspoetik
4
Praxisratgeber
(Schreibanleitungen)
0
Stoff- und Motivkunde
3
Literaturkritik.
Literarische Wertung
3
Editionswissenschaft.
Textkritik
Jiddische Sprache und Literatur
Niederlandistik
Skandinavistik
2
2
2
4
Literatursoziologie.
Literaturpolitik
Literatur einzelner Gruppen
3
3
1–36
Regionalliteratur.
Mundartliteratur
Heidelberg.
Rhein-Neckar-Raum
5
Ältere Literaturgeschichte. 7
Mediävistik
3
58
Literatur zu Heidelberger Handschriften
Mittelhochdeutsche
Lyrik
4
Neuere Literaturgeschichte
3
Frühe Neuzeit
4
Aufklärung
4
Klassik
4
Romantik
3
6
Heidelberger
Romantik
Neuere Literaturgeschichte
20. Jahrhundert
4
3
Georgekreis
4
Vergleichende
Literaturwissenschaft
Theaterwissenschaft
X9
Medienwissenschaften
X10
4
Seite 66
Die Abstufung erfolgt analog Anmerkung 3.
„Literaturgeschichte“ schließt jeweils die Sekundärliteratur zu einzelnen AutorInnen mit
ein (d. h. Walther von der Vogelweide unter
„Mittelhochdeutsche Lyrik“, Sophie von La
Roche unter „Aufklärung“, Ludwig Tieck unter „Romantik“ usw.).
7
8
Zuständigkeit bei dem Fachreferat Buch- und
Bibliothekswesen.
9
Zuständigkeit bei dem Fachreferat Allgemeine Sprach- und Literaturwissenschaft.
10
Zuständigkeit bei dem Fachreferat Medienwissenschaften.
Theke 1997
3. Ausblick: Ziele
der weiteren
Erwerbungsarbeit
Das Erwerbungsvolumen des Heidelberger Fachreferats Germanistik bewegt sich
auf einem vergleichsweise hohen Niveau.
Angesichts der gegenwärtigen Etatkrise
kann es nur darum gehen, den bisherigen
Finanzrahmen zu erhalten und durch möglichst sinnvolle Bestandsergänzungen
wirklich optimal auszuschöpfen. Zu einer
ressourcenschonenden Bestandsentwicklung gehört nicht zuletzt die intensive,
kontinuierliche Kommunikation mit den
verwandten örtlichen Bibliotheken. Hier
sind künftig vermehrte Anstrengungen
nötig.
Anhang
Definition der Erwerbungsstufen/Sammelintensitäten durch die Erwerbungskommission am Deutschen Bibliotheksinstitut
Literaturarten: eine umfangreiche
Sammlung von spezialisierten
Monographien, Handbüchern
und anderen Publikationen, die
Forschungsergebnisse und
Neufunde wiedergeben
(z. B. Forschungsberichte, Konferenzschriften, Dissertationen).
Quellen: eine vollständige Sammlung
der wichtigen Autoren bzw. Daten,
zweitrangige Autoren bzw. Daten
in breiter Auswahl.
Quellen: vollständige Sammlung der
wichtigen Autoren bzw. Daten,
zweitrangige Autoren bzw. Daten
in Auswahl.
Zeitschriften: eine Auswahl wichtiger
Zeitschriften.
Nachschlagewerke: eine Auswahl an
Enzyklopädien, Lexika, Wörterbüchern, Bibliographien, Referateorganen, Adreßbüchern, Atlanten …
Zeitschriften: eine breite Auswahl.
Vermittlung des Zugangs zu lokal nicht
angebotenen Datenbanken und
elektronischen Quellen des Fachs.
Nachschlagewerke: eine breite Auswahl
an Enzyklopädien, Lexika,
Wörterbüchern, Bibliographien,
Referateorganen, Adreßbüchern,
Atlanten …
Sprachen: vorrangig Deutsch oder
Englisch, außer in den Kulturwissenschaften.
Auskunftstätigkeit aus und Vermittlung
des Zugangs zu Datenbanken und
elektronischen Quellen des Fachs,
sofern sie lokal nicht angeboten
werden.
Sprachen: alle relevanten.
Stufe 2 (Enge Auswahl)
Aktuelle und allgemeine Literatur zu Fächern/Teildisziplinen, die in diese einführt,
sie definiert und weitere dazu vorhandene
Informationsquellen nachweist. Nicht hinreichend für Lehrveranstaltungen.
Stufe 5 (Umfassende Sammlung)
Sondersammelgebiete, regionale Pflichtaufgaben und lokale Schwerpunkte, in
denen Vollständigkeit angestrebt wird.
Literaturarten: alle.
Sprachen: alle.
Stufe 4 (Forschungsstufe)
Fächer/Teildisziplinen, die als Forschungsgebiete vertreten sind.
Stufe 3 (Studienstufe)
Fächer/Teildisziplinen, die nicht zu den
Forschungs- und Sammelschwerpunkten
gehören, jedoch als Lehrangebot – ggf.
für andere Fächer – notwendig sind. Ausreichend für Ausbildung und Studium.
Literaturarten: grundlegende und
aktuelle Lehrbücher,
Monographien und Handbücher
in breiter Auswahl.
Seite 67
Literaturarten: Handbücher, historische
Überblicke, ausgewählte Ausgaben
wichtiger Werke.
Zeitschriften: die wichtigsten Zeitschriften.
Nachschlagewerke: die wichtigsten
Enzyklopädien. Lexika, Wörterbüchern, Bibliographien, Referateorgane, Adreßbüchern, Atlanten …
Vermittlung des Zugangs zu externen
Anbietern von Datenbankrecherchen.
Theke 1997
Sprachen: Deutsch oder ausnahmsweise
Englisch, außer in den Kulturwissenschaften.
Sprachen: Deutsch oder ausnahmsweise
Englisch, außer in den Kulturwissenschaften
Stufe 1 (Randbereich)
Stufe 0 (Keine Erwerbung)
Fächer/Teildisziplinen, in denen ein erstes Informationsangebot nötig ist und
erwartet wird. Beschränkung erfolgt auf
sehr wenige grundlegende Werke und
engste Auswahl.
Außerhalb des Sammelspektrums. Es wird
grundsätzlich nichts erworben.
Achim Bonte, UB, Tel. 54 - 25 79
Literaturarten: Nachschlagewerke:
Enzyklopädien, Datenbanknachweise, Bibliographien …
Seite 68
Theke 1997
Internet für Forschung und Lehre*
1. Einführung
Die Anforderungen, die von Benutzern an
bibliothekarische Dienstleistungen gestellt
werden, unterliegen derzeit einem Transformationsprozeß: Mit steigender Anzahl
internetfähiger Arbeitsplätze steigt auch
die Anzahl der Nutzer, die eine Bibliothek
nur noch virtuell aufsuchen will. Die Nutzer erwarten, daß Dienstleistungen wie
Katalogrecherche, elektronische Bestellung/Vormerkung, Datenbankrecherchen
und elektronische Dokumentlieferung, um
nur einige Punkte zu benennen, vom eigenen Rechnerarbeitsplatz aus durchgeführt
werden können.
Diesen Anforderungen auf Nutzerseite steht ein bibliothekarisches Internetangebot gegenüber, das äußerst vielfältig
und für den Endnutzer durch eine gewisse
Unübersichtlichkeit geprägt ist. Insbesondere ist nicht sichergestellt, daß der virtuelle Bibliotheksnutzer die für ihn relevanten Dienstleistungen überblicken und effektiv nutzen kann.
Das nachfolgend dargestellte Internettraining mit Habilitanden der Universität Heidelberg stellt den Versuch dar,
mit den Mitteln der Schulung in die Methoden der effektiven Nutzung von Internetressourcen einzuführen und gleichzeitig zu einem reziproken Abgleich zwischen Nutzeranforderungen und bibliothekarischem Dienstleistungsangebot zu
gelangen. Dieser Typus von Internetschulung mit Multiplikatoren in Forschung
*
Vortrag, gehalten auf der 2. InetBiB-Tagung, Potsdam, 10.-11.03.1997, zuerst veröffentlicht in:
Weiter auf dem Weg zur virtuellen Bibliothek!:
Praxis, Projekte, Perspektiven; 2. INETBIB-Tagung
der Fachhochschule Potsdam und der UB Dortmund, 10./11. März 1997, hrsg. von Beate Tröger.
2., erw. Aufl., Dortmund: Universitätsbibliothek,
1997
und Lehre ist eine neben anderen Formen
der Internetschulung1, die auf wirtschaftlich rationelle Weise der Verbreitung von
bibliothekarischen Internetkenntnissen
dienen kann. Die Aussagen zu diesem
Schulungstyp sollten nicht ohne weiteres
verallgemeinert werden, sondern als ein
Aspekt zur Evaluation des sich verändernden Verhältnisses zwischen Bibliothek und Benutzer interpretiert werden.
2. Der „Hochschuldidaktische Kurs“
an der Universität
Heidelberg
Seit dem Wintersemester 1994/95 bietet
das Erziehungswissenschaftliche Seminar der Universität Heidelberg in Kooperation mit der Pädagogischen Hochschule
Heidelberg ein Weiterbildungsprogramm
für die Habilitanden der Universität Heidelberg. Im Rahmen des vom Ministerium für Wissenschaft und Forschung des
Landes Baden-Württemberg2 geförderten
Programms für die Verkürzung der Studienzeiten und die Stärkung der Lehre können die Habilitanden an dieser „Qualifikation für die Lehre“ teilnehmen, indem
sie den sog. „Hochschuldidaktischen
Kurs“ absolvieren. Der „Hochschuldidaktische Kurs“, der 1997 zum dritten Mal
durchgeführt wird, erstreckt sich jeweils
über zwei Semester und setzt sich neben
Informationsveranstaltungen zur Einführung aus vier zweitägigen Workshops (zu
den Themen: Lehren und Lernen in der
Hochschule, Konzepte der Hochschuldidaktik, Modelle der Makro- und Mikrodidaktik, Präsentieren in der Hochschule,
Seite 69
Angst und Angstbewältigung bei Studierenden) und schließlich Supervision durch
Besuche in Hochschulveranstaltungen der
Teilnehmenden, Fallbesprechungen und
individuelle Beratung zusammen.3
Ziel aller Veranstaltungen ist die
Überprüfung der eigenen Lehrqualifikation und die didaktisch-methodische Erweiterung der individuellen Lehr-LernKompetenz. Die Veranstaltungen gehen
sowohl von aktuellen Ansätzen der Schuldidaktik als auch von modernen Erkenntnissen der Erwachsenenbildung aus. Ein
wesentlicher methodischer Schwerpunkt
liegt in der Erprobung der neu erworbenen Methoden und in der Reflexion auf
ihre Einsetzbarkeit in der eigenen Lehrpraxis.
3. Das Internettraining als neues
Angebot zum
„Hochschuldidaktischen Kurs“
Da sich Literaturrecherche und Dokumentbeschaffung über das Internet immer mehr
zu einer Schlüsselqualifikation für Forschung und Lehre entwickeln, entstand
die Idee, für die Zielgruppe der sich habilitierenden Wissenschaftler ein Internettraining mit diesen beiden Schwerpunkten anzubieten. Zu Beginn stellte sich
hierbei die Frage, welche Vorkenntnisse
die Teilnehmer mitbringen würden und,
davon abhängig, welche Inhalte das Training umfassen sollte. Zu einer Abstimmung zwischen den Vorkenntnissen und
Interessen der Teilnehmer und den Inhal-
Theke 1997
ten des Kurses kam es dadurch, daß die
Inhalte des Internetkurses den Teilnehmern vorab bekannt gegeben wurden und
sie sich dann erst für oder gegen den Kurs
entscheiden konnten. Überdies wurde den
Teilnehmern vorab mitgeteilt, daß sich
der Recherche-Teil des Kurses ganz an
den Wissenschaftsfächern der Teilnehmer orientieren werde.
Für das Internettraining sollten der
zeitliche Rahmen und die methodischen
Vorgaben, die auch die anderen Workshops des „Hochschuldidaktischen Kurses“ erfüllten, ebenfalls eingehalten werden, d. h. es wurde ein zweitägiger Workshop geplant, in dem neben der rezeptiven
Aneignung der neuen Inhalte breiter Raum
für die eigene fachbezogene Arbeit im
Internet vorgesehen wurde.
Veranstaltungsort des Internettrainings war die Universitätsbibliothek Heidelberg, die Veranstaltungszeit wurde an
zwei unmittelbar aufeinander folgenden
Tagen auf je 2,5 Zeitstunden festgelegt.
Nach Einschreibung der Teilnehmer
ließen sich folgende Punkte bereits vorab
feststellen:
1. Alle Teilnehmer stammten aus
natur- und sozialwissenschaftlichen Fächern, im einzelnen aus der Chemie, der
Biochemie und Medizin, der allgemeinen
Pädagogik und pädagogischen Psychologie.
Zum Ausbleiben der Meldungen von
Geisteswissenschaftlern sei angefügt, daß
an der Universität Heidelberg zum Zeitpunkt des Kurses, also Ende 1996, bereits
eine erhebliche Anzahl von geisteswissenschaftlichen Instituten und Seminaren mit
eigenem Internetzugang ausgestattet war.
Häufig waren allerdings zu diesem Zeitpunkt erst die dezentralen Bibliotheken in
den Instituten und Seminaren, nicht jedoch
die Arbeitsplätze der Wissenschaftler mit
einem eigenen Internetzugang ausgerüstet.
2. Die Mehrzahl der Wissenschaftler,
die sich für das Internettraining entschieden, verfügte bereits über einen eigenen
mit Internetzugang ausgestatteten Arbeitsplatz, hatte jedoch bisher nur E-Mail genutzt und wenig oder keine Kenntnisse in
der Nutzung des WWW.
3. Die Mehrzahl der Teilnehmer hatte ihr Studium nicht an der Universität
Heidelberg absolviert, vielmehr hatte erst
die Habilitation oder die Aufnahme einer
Beschäftigung (an der Universität) die
Wissenschaftler nach Heidelberg geführt.
Die Kenntnisse der Informationsinfrastruktur auf seiten der Teilnehmer beschränkten sich auf Kenntnisse dezentraler Bibliotheken in Instituten und Seminaren sowie im Falle der Medizin und Naturwissenschaften zusätzlich auf die
Kenntnisse und Benutzung der Infrastruktur des Deutschen Krebsforschungszentrums.4
Nachfolgend sollen nun im einzelnen die Ziele, Inhalte und das methodische Vorgehen des Internettrainings geschildert werden.
1. Einführung in den Internetdienst
World Wide Web
•
Startpunkte der Internetnavigation
•
einführende Übungen in der
WWW-Navigation
•
Klärung ausgewählter Begriffe der
Internet-Terminologie
2. Möglichkeiten der Fachinformation
mit dem Internetdienst WWW
•
Informationen zu Institutionen der
Wissenschaft
•
bibliographische Daten
(Kataloge, Datenbanken etc.)
•
Volltexte
(elektronische Zeitschriften)
•
Fachinformationsseiten (virtuelle
Bibliotheken, subject trees etc.)
3. Wege der elektronischen Dokumentbeschaffung mit dem Internet
3.1. Lernziele des
Internettrainings
•
Angebote auf der lokalen Ebene der
Literaturversorgung
Die Lernziele, die der Kurs verfolgte,
waren unmittelbar abhängig vom gewählten Zeitvolumen (2 x 2,5 Zeitstunden),
von den in weiten Strecken nicht vorhandenen Vorkenntnissen bzgl. des WWW
sowie von der methodischen Vorgabe,
Phasen der rezeptiven Aneignung neuer
Inhalte mit intensiven Anwendungsphasen zu kombinieren. Hieraus ergaben sich
folgende inhaltliche und methodische
Lernziele:
•
Angebote auf der nationalen und
internationalen Ebene der Literaturversorgung
•
Kostenstruktur der Dokumentlieferdienste
Seite 70
4. Internet-Ressourcen in den Wissenschaftsfächern der Teilnehmer
•
individuelle zielgerichtete Recherche (= browsing) nach Fachinformationen und elektronischen
Theke 1997
•
Dokumentlieferdiensten (Hilfsmittel: Liste mit Suchkriterien)
Karten (des Bundeslandes und der
Bundesrepublik)
Anlegen individueller
Bookmarksammlung(en)
1.2. Navigation im WWW
5. Transfer für die Lehre
•
•
Teilnehmerdiskussion zur Literaturrecherche und Dokumentbeschaffung über das Internet in der Lehre
Informationen zu Möglichkeiten der
Internet-Nutzung und Schulung für
Studierende
Diese Lernziele sollten durch die Behandlung folgender Inhalte erreicht werden.
Erklärung von Oberfläche und ausgewählten Menüpunkten
(z. B. Menüpunkt Bookmark) des
Browsers Netscape
Übungen zur Web-Navigation in
Dokumenten und von Webseite zu
Webseite
Übungen zum Erlernen der zielgerichteten Recherche nach Webseiten
(= browsing)
Hypertext, Link, Homepage, Browser,
URL, Bookmark etc.
1. Tag
2. Möglichkeiten der Fachinformation
mit dem Internetdienst WWW
1. Einführung in den Internetdienst
World Wide Web
2.1. Informationen zu Institutionen der
Wissenschaft
1.1. Startpunkte der Internetnavigation:
Homepages und Karten
Analyse des Informationsgehaltes von
Webseiten einzelner universitärer
Einrichtungen (Institute, Seminare),
außeruniversitärer Einrichtungen
(MPI, DKFZ etc.) und Einrichtungen der Forschung
Homepages der Universität, Universitätsbibliothek, des Universitätsrechenzentrums und ggf. weiterer
zentraler Einrichtungen der
Universität sowie wichtiger
wissenschaftlichen Einrichtungen
(abhängig von den Fächern der
Teilnehmer, z. B. Homepage des
Deutschen Krebsforschungszentrums) und/oder Bibliotheken
wichtiger wissenschaftlicher
Einrichtungen (z. B. MPI);
Das Angebot des Informationssystems
WEBIS
Grundzüge der Dienstleistungen von
SSG-Bibliotheken
2.3. Volltexte
Angebote elektronischer Zeitschriften
auf Verlagsseiten
(z. B. des Springer-Verlages)
2.4. Fachinformationsseiten
1.3. Klärung ausgewählter Begriffe der
Internet-Terminologie
3.2. Inhalte des
Internettrainings
liche Datenbank ERIC des Educational Resources Information Center
des U. S. Department of Education)
2.2. Bibliographische Daten
Suche nach Katalogen und Datenbanken
(Allgemein- und Fachdatenbanken)
auf Homepages einzelner Bibliotheken und Bibliotheksverbünde, des
DBI sowie sonstiger Institutionen
(z. B. die erziehungswissenschaft-
Seite 71
Angebote auf Fachinformationsseiten in
virtuellen Bibliotheken
(z. B. WWW Virtual Library des
CERN, Sammlung deutscher
Datenquellen der Universität
Karlsruhe, subject tree der eigenen
Universität) und Clearinghouses:
Informationen zu wissenschaftlichen Institutionen des Fachs
(z. B. Adreßverzeichnisse),
fachgebundene Web-SeitenSammlungen, Diskussionsgruppen,
Fach-Suchmaschinen
Angebote auf Fachinformationsseiten
einzelner Institutionen
3. Wege der elektronischen Dokumentbeschaffung mit dem Internet
3.1. Angebote auf der lokalen Ebene der
Literaturversorgung
Dokumentlieferdienst(e) des Hochschulstandortes, z. B. der Electronic Document Delivery Dienst der
Theke 1997
Universitätsbibliothek Heidelberg
(= elektronische Bestellung und
Lieferung von Zeitschriftenaufsätzen bestimmter Fächer und
Jahrgänge) für wissenschaftliche
Mitarbeiter der Universität und des
Klinikums Heidelberg sowie des
Klinikums Mannheim
3.2. Angebote auf der nationalen und
internationalen Ebene der Literaturversorgung
Vorstellung ausgewählter Dokumentund Direktlieferdienste, z. B. der
UB Saarbrücken, der SUB Göttingen, der TIB Hannover sowie
Uncover, mit Informationen zur
Kostenstruktur dieser Dienste
Die bisher vorgestellten Punkte 1-3 wurden am ersten Tag des Internet-Workshops
behandelt und beanspruchten ca. drei Zeitstunden. Die Teilnehmer hatten jeweils zu
zweit einen Schulungs-PC zur Verfügung
und verfolgten die Darstellung der Inhalte
nicht nur per Overheadprojektion an der
Leinwand, sondern durch unmittelbares
Nachvollziehen am Rechner. Obwohl das
methodische Vorgehen in diesem ersten
Teil des Workshops weitgehend auf dem
Prinzip Rezeption beruhte, wurden die
Teilnehmer dennoch in Grenzen aktiv und
gelangten nach drei Zeitstunden vom mehr
oder weniger ziellosen Surfen zum zielgerichteten Browsing unter fachwissenschaftlichen Aspekten. Zu jedem inhaltlichen Schwerpunkt wurde den Teilnehmern
ein Ausdruck der entsprechenden WebSeite mit dazu gehörender URL ausgehändigt, um ein Nachvollziehen und Festigen
des neu erworbenen Internetwissens am
eigenen Arbeitsplatz zu sichern.
Der zweite Tag des Internet-Workshops war den Punkten 4-5 gewidmet und
stellte methodisch andere Anforderungen:
Zum einen sollte eine gewisse Flexibilisierung des neu erworbenen Wissens durch
angeleitete individuelle Fachrecherche
und Anlage individueller Bookmarksammlungen erzielt, zum anderen der
Transfer vom eigenen Lernen zu Elementen einer Internetdidaktik für die Zielgruppe der von den Wissenschaftlern betreuten Studierenden geleistet werden.
3. WWW-Seiten mit elektronischen
Fachzeitschriften
•
virtuellen Bibliotheken,
2. Tag
•
subject trees,
4. Internet-Ressourcen in den Wissenschaftsfächern der Teilnehmer
•
Sammlungen von Datenquellen
4. WWW-Seiten fachlich relevanter
elektronischer Dokument- und
Direktlieferdienste
5. WWW-Fachinformationsseiten in
5. Transfer für die Lehre
Zielgerichtete Recherche der Teilnehmer nach Internet-Ressourcen in
ihren Wissenschaftsfächern und
Anlegen entsprechender Bookmarksammlung nach den Suchkriterien der folgenden Liste:
Liste: Recherchieren Sie in Ihrem
Wissenschaftsfach/Ihren Wissenschaftsfächern Internet-Ressourcen;
legen Sie eine Bookmark-Sammlung
nach folgenden Kriterien an:
1. WWW-Seiten relevanter Institutionen:
•
wissenschaftliche Institute,
Institutionen etc.
•
wissenschaftliche Bibliotheken,
Bibliotheksverbünde, Sondersammelgebietsbibliotheken der DFG
etc., internationale Bibliotheken
(ggf. nur Online-Kataloge oder nur
bestimmte Teile der Einrichtungen)
2. WWW-Seiten mit fachlich
relevanten Datenbanken
Seite 72
5.1. Literaturrecherche und Dokumentbeschaffung über das Internet in der
Lehre
Brainstorming zu Möglichkeiten der
Einbindung von Literaturrecherche
und Dokumentbeschaffung über
das Internet in die Lehrpraxis der
Teilnehmer
5.2. Informationen zu Möglichkeiten der
Internet-Nutzung und Schulung für
Studierende
Möglichkeiten der Nutzung technischer
Infrastruktur an der Universität,
z. B. in den zentralen Einrichtungen
Universitätsbibliothek und Universitätsrechenzentrum
Möglichkeiten der Teilnahme an
Schulungen und Einführungen an
der Universität und Möglichkeiten
der Nutzung von Literatursammlungen u. a. Hilfsmitteln,
z. B. Lehrbuchsammlungen und
Selbstlernprogramme
Theke 1997
4. Zusammenfassung
Aus den Erfahrungen mit dem ersten Internettraining sollen folgende Punkte abschließend erwähnt werden:
Die hohe Akzeptanz, die das Internet
bei den Wissenschaftlern genießt, und die
Motivation, die sich durch die Verfügbarkeit eines eigenen Internet-Arbeitsplatzes
verstärkt, sind optimale Voraussetzungen
für das Gelingen eines solchen Kurses.
Die Anzahl der Inhalte kann kaum
gekürzt werden, allerdings wird man in
Abhängigkeit vom Stand der Vorkenntnisse der Teilnehmer die Gewichtung einzelner Punkte z. T. stark verändern können.
Nicht eindeutig zu klären war zum
Zeitpunkt des Kurses, ob und wie sich die
neu erworbenen Kenntnisse in eine Internetdidaktik umsetzen lassen.
Um alle Inhalte nicht nur vorzutragen, sondern von den Teilnehmern nachvollziehen zu lassen und überdies breiten
Raum für individuelle fachbezogene Recherchen zu gewähren, muß das Zeitvolumen eines solchen Kurses erhöht werden
(ca. 2x3 Zeitstunden).
Nicht zu unterschätzen sind die Vorbereitungen eines solchen Kurses: Voraussetzungen sind ein gut organisierter
und gut erreichbarer Schulungsraum, ein
für technische Fragen zuständiger Ansprechpartner, der für die Dauer des Kurses telefonisch erreichbar und nötigenfalls auch rasch einsetzbar ist, sowie eine
zuverlässige Informationsquelle, die über
ggf. zu erwartende Leitungsprobleme o. ä.
unterrichtet.
(Stand: März 1997)
Stefanie Berberich, UB, Tel. 54 - 25 39
Seite 73
1
Zu den verschiedenen Formen von Internetschulungen gehören insbesondere auch allgemeine Einführungen und kombinierte Schulungen, die für ein
Wissenschaftsfach in die Fachdatenbanken und die
Möglichkeiten der Informationsrecherche und Dokumentlieferung über Internet einführen.
2
Jetzt: Ministerium für Wissenschaft, Forschung
und Kunst Baden-Württemberg.
3
Vgl.: „Qualifikation in der Lehre: Erfahrungsbericht“, (nach Absprache mit den Mitgliedern
des Leitungsteams verfaßt und zusammengestellt
von Hans-Peter Gerstner), Heidelberg: 1995, S. 2f.
4
Das Deutsche Krebsforschungszentrum (= DKFZ)
ist eine vom Bund und vom Land Baden-Württemberg finanzierte Großforschungseinrichtung mit einer eigenen, nicht nur den Mitarbeitern zugänglichen Bibliothek, die sich durch eine hohe Zahl
laufend gehaltener Periodika und Datenbanken auszeichnet.
Theke 1997
Selbstbedienung der Benutzer bei der
Dokumentlieferung – Chance oder
Gefahr für Bibliotheken*
1 „Dokumentlieferdienste“ – eine
neue Dienstleistung
mit wachsender
Tendenz
Eine sich zuspitzende Diskrepanz zwischen Dokumentnachweis und Dokumentbeschaffung prägt seit einiger Zeit die
Literaturversorgung in Deutschland: Elektronische Datenbanken erlauben die
schnelle Ermittlung bibliographischer
Daten. Die Versorgung mit den Originaldokumenten und Volltexten hingegen
beansprucht z. T. längere Wartezeiten.
Die Gründe für diese Entwicklung
sind vielschichtig: Auf der einen Seite
wird immer mehr Literatur elektronisch
nachgewiesen und – neuerdings im Internet – weltweit bekannt gemacht.
Andererseits können die Bibliotheken angesichts stagnierender oder sinkender Etats eine ausreichende lokale
Literaturversorgung oft nicht mehr angemessen aufrechterhalten. Zum Teil fehlt
sogar relevante Grundlagenliteratur vor
Ort. Darüber hinaus läßt sich die wachsende Anzahl an Neuerscheinungen mit
den zur Verfügung stehenden Finanzmitteln nicht mehr bewältigen.
Die Schere zwischen Dokumentnachweis und dem schnellen Zugang zur Ori*
Referat, gehalten auf der Fortbildungsveranstaltung für die Bibliotheken des Landes Baden-Württemberg in Oberwolfach am 28.11.1997.
ginalliteratur klafft also immer weiter auseinander.
Deshalb ist gerade in den vergangenen Jahren die Nachfrage nach Literatur,
die regional oder überregional besorgt
werden muß, stetig angestiegen: Konventionelle Fernleihe, aber auch die bereits
seit langem etablierten Direktlieferdienste
der Zentralen Fachbibliotheken werden
zunehmend in Anspruch genommen.
Die für die wissenschaftliche Arbeit
kontraproduktive Diskrepanz zwischen
Dokumentnachweis und -lieferung soll
nun durch Schnell-Lieferdienste behoben
werden. Elektronische Dokument-Lieferdienste für Zeitschriften- und monographische Literatur sprießen wie Pilze aus
dem Boden. Die Anbieter verfolgen bei
unterschiedlichster Technologie und Organisation ihrer Dienstleistung ein identisches Ziel, nämlich die schnelle Bereitstellung wissenschaftlicher Literatur.
Intention der meisten Serviceanbieter ist es, Originalliteratur aus dem eigenen Bestand oder aus (über-)regionalen
Verbünden mehrerer Bibliotheken einer
bundesweiten Öffentlichkeit zur Verfügung zu stellen. Das Projekt Subito verfolgt beispielsweise folgende Zielrichtung:
Dienstleistungen bestehender Einrichtungen im Bereich der Dokumentation und
der Bibliotheken sollen zusammengeführt
und dadurch effizienter gestaltet werden.** Grundprinzip ist, daß man Literatur nicht mehr in der eigenen Bibliothek
besitzen muß, sondern daß „es genügt,
**
Vgl. Michael Christian Hirsch, Subito - eine neue
Inititative von Bund und Ländern zur schnellen
Lieferung wissenschaftlicher Dokumente, in: ZfBB
42 (1995), Heft 1, S. 31 ff.
Seite 74
wenn man weiß, wer die Zeitschrift besitzt und bereit ist, rasch eine Kopie herzustellen und zu versenden“. Für diese
Express-Dienstleistungen muß der Nutzer jedoch zahlen und zwar ab ca. 5,00
DM pro Aufsatz aufwärts.
Der gedankliche Ansatz der Schnelllieferdienste unterscheidet sich also nicht
von dem der konservativen Fernleihe: dem
Benutzer wird Literatur, die nicht lokal
zugänglich ist, von anderen Bibliotheken
zur Verfügung gestellt. Der Einsatz moderner Technologie soll jedoch die Bearbeitungsvorgänge rationalisieren und vereinfachen, so daß sich gleichzeitig eine
Beschleunigung der Dokumentlieferung
ergibt.
Derzeit kennen wir eine Vielzahl an
Lieferdiensten – Subito, SSG-S in verschiedenen Varianten, Jason, DBI-Link,
BSB, kommerzielle Dienste wie Uncover
und viele andere mehr. Die Bestell- und
Lieferbedingungen unterscheiden sich
zum Teil ebenso sehr wie die Preise, die
Lieferfristen, die Benutzungsoberflächen
oder die Form des gelieferten Dokuments.
Gängige Praxis bei der Bestellung
dürfte wohl sein, daß der Nutzer selbst
den Lieferdienst wählt, der für ihn den
optimalen Service hat, der am schnellsten
liefert, der am billigsten ist oder einfach,
den er am besten oder überhaupt kennt.
Die Betrachtung der Chancen und
Gefahren der Selbstbedienung erfolgt auf
dieser Grundlage: viele Einzeldienstleistungen, die um den Markt konkurrieren.
Theke 1997
2
Chancen und Gefahren
2.1 Aspekte von Seiten
der Nutzer
2.1.1 Nutzen
↑ Der Kunde ist durch das (elektronische) Angebot der Bibliotheken zeitlich
unabhängig, d. h. er muß nicht mehr selbst
in die Bibliothek kommen und sich an
deren Öffnungszeiten orientieren.
↑ Recherche, Bestellung und Bedienung des Kunden erfolgen direkt am Arbeitsplatz zu Hause oder am Dienstort.
Diese räumliche Unabhängigkeit wird
gerade von den unter Zeitdruck arbeitenden Medizinern und Naturwissenschaftlern sehr geschätzt, spart sie doch die z. T.
langen Wege zur Bibliothek.
↑ Früher mußte sich der Nutzer mit
dem zufrieden geben, was in der lokalen
UB oder den Instituts- und Klinikbibliotheken vorhanden war; oder aber er vertraute auf die zeitintensive Fernleihe. Die
Nutzung von Dokumentlieferdiensten gibt
dem Kunden heute eine Unabhängigkeit
vom Bestand der lokalen Bibliothek,
↑ und zwar z. T. mit einer Schnelligkeit, die er bei manchen Ortsleihen von
UBs nicht gewöhnt ist.
↑ Von Vorteil ist ebenfalls, daß die
gewünschten Dokumente in maschinell
weiterverarbeitbaren Formaten bereitgestellt werden können.
2.1.2 Gefahren
↓ Es entsteht eine Zwei-Klassen-Gesellschaft aufgrund des Kostenaspekts:
Kaufkräftige Kunden können sich diese
Lieferdienste „leisten“, kaufschwache
(Studenten, aber auch zunehmend kleinere Institute mit niedrigen Etats) bleiben
auf der konventionellen und langsamen
Fernleihe „sitzen“. Es ist mittelfristig anzunehmen, daß sich in dem Maß, in dem
sich Dokumentlieferdienste etablieren, der
konventionelle, „billige“ ALV in seiner
Qualität weiter verschlechtern wird.
↓ Zwei-Klassen-Gesellschaft aufgrund
des EDV-Know-hows: EDV-erfahrene
Kunden nutzen (E)DD-Dienste reibungsloser und nutzbringender als EDV-Laien,
die mangels Know how die „Raffinessen“
der Dokumentlieferdienste gar nicht genießen können.
2.2 Aspekte von Seiten
der Bibliotheken
2.2.1 Nutzen
2.2.1.1 Serviceverbesserung
↑ Die Lieferfähigkeit endet nicht mehr
beim realen Bestand der einzelnen Bibliothek, sondern das Serviceangebot wird
über die lokalen Gegebenheiten hinaus
erweitert: Die Bibliothek kann den Kunden in höherem Ausmaß zufriedenstellen,
da sie auf die vernetzten Ressourcen anderer Einrichtungen zurückgreifen kann.
↑ Die Lieferfähigkeit der einzelnen
Bibliothek wird nicht mehr durch enggesteckte Etatrahmen beschränkt, in Zeiten
wirtschaftlicher Rezession ein ganz wesentlicher Aspekt.
2.2.1.2 Wirtschaftlichkeit
↑ Koordinierte Abbestellungen von
Zeitschriften führen zu finanziellen Ein-
Seite 75
sparungen in den jeweiligen Bibliotheken, und zwar einerseits auf der Sachmittelebene und andererseits auf der Personalmittelebene durch den Wegfall der organisatorischen Verwaltung der Zeitschriften. Dadurch läßt sich bei der heutigen Haushaltslage ein gewisser Etatspielraum schaffen.
↑ Schaffung von regionalen (Zeitschriften-)Pools und Verwirklichung des Gedankens, daß es für über den Grundbestand hinausgehende, speziellere Literatur genügt, wenn sie einmal in jeder Region vorhanden ist. Allerdings wird man
gleich im Anschluß an diese Aussage die
Frage stellen müssen: was ist eigentlich
der Grundbestand an Zeitschriften, wie
definiert er sich?
↑ Zusammenarbeit im EDV-Bereich
mit gemeinsamen EDV-Tools, die in Kooperation leichter zu pflegen sind. Nicht
jeder entwickelt und pflegt – mit entsprechenden Personalkosten – eigene Programme, die untereinander nicht kompatibel sind, sondern man nutzt gemeinsam
Entwicklungspotential und schafft für den
Nutzer e i n e einheitliche Oberfläche für
alle Anwendungen.
2.2.1.3 Personalentlastung
↑ Aufgrund der Kosten der EDD-Dienste bestellt der Nutzer nicht mehr wahllos,
sondern gezielt nur noch das wirklich
Benötigte. Durch Selbstbedienung des Benutzers wird das Bibliothekspersonal zusätzlich entlastet.
↑ Gemeinsam mit der Gebührenerhöhung im ALV (voraussichtlich ab Januar
1998 3,00 DM) sollte so eine spürbare
Entlastung der Fernleihabteilungen eintreten, da das Bestellvolumen wahrscheinlich zurückgehen wird.
↑ In dem Maße, wie DV-technisch Recherche im OPAC und Bestellung verknüpft und von jedem Arbeitsplatz einfach
über WWW zu bedienen sein werden, geht
Theke 1997
der Signier- und Bibliographieraufwand
durch Bibliothekspersonal zurück.
2.2.1.4 Marktwirtschaftliches Element
↑ Nutzung der Bibliothek durch den
Kunden unter Berücksichtigung des PreisLeistungsverhältnisses: Leistungsfähigkeit einer Bibliothek (schnelle und gute
Lieferung) wird durch den Kunden belohnt, indem er „seiner“ Lieferbibliothek
treu bleibt und ggf. durch seine positiven
Erfahrungen neue Kunden wirbt. Es wird
sich vermutlich eine Kommerzialisierung
der Dienstleistung „Bibliothek“ mit entsprechenden Gewinnchancen leistungsstarker Bibliotheken abzeichnen. Bereits
heute versuchen einzelne Bibliotheken
durch Sponsoring ihre Haushaltslöcher
zu stopfen. Was spräche also – einmal
ohne Berücksichtigung geltender Haushaltsrechte – dagegen, Dienstleistung zu
verkaufen?
↑ Bibliotheken werden zukünftig genötigt sein, ihre Dienstleistungen nicht
mehr non-profit mehr oder minder gut
anzubieten, sondern werden sich marktwirtschaftlichen Kriterien stellen müssen.
2.2.2 Gefahren
2.2.2.1 Die Virtuelle Bibliothek und
ihre Folgen
Mangels ausreichender Etatmittel und der
„Problemlosigkeit“, mit der man Zeitschriften abbestellen kann – irgendwer
hat die Zeitschrift und kann im Bedarfsfall ganz schnell liefern – läuft die lokale
Bibliothek Gefahr, zu verarmen:
↓ Der lokale Bestand wird schrumpfen.
In Fortführung des kooperativen Abbestellgedankens wird man sich um den
Grundbestand Gedanken machen müssen,
der vor Ort im Original vorhanden sein
muß. Es besteht die Gefahr, daß durch zu
großzügiges Abbestellen empfindliche
Lücken in den Bestand der einzelnen Bi-
bliothek gerissen werden, so daß die Bibliothek auf sich gestellt die Bedürfnisse
der Benutzer nicht mehr befriedigen kann.
↓ Für den Benutzer wird es so zunehmend schwieriger, im Bedarfsfall Literatur auch einmal im Original anzuschauen
(Farbabbildungen, etc.!), da der lokale
Bestand möglicherweise eine Reihe von
wesentlichen Titeln nicht mehr umfaßt.
↓ Die Weiterentwicklung dieses Ansatzes impliziert, daß die Bemühungen
um die Aufrechterhaltung eines angemessenen lokalen Literaturbestandes
gegenüber der (über-)regionalen Literaturversorgung an Bedeutung verliert.
↓ In dualen Bibliothekssystemen (UB
+ Institutsbibliotheken) geht i. allg. nur
der zentrale UB-Bestand in die Berücksichtigung für Sofortlieferdienste ein, die
dezentralen Bestände bleiben i. allg. unberücksichtigt. Kommt eine UB erst einmal in die Schraube „Sparen-Abbestellen“ hinein, besteht große Gefahr, daß die
Zentrale immer mehr austrocknet, während die Institute ihren Bestand u. U.
aufbauen müssen, um dem Defizit in der
UB auf ihr eigenes Forschungsgebiet bezogen entgegenzuwirken. Daraus resultiert eine verstärkte Dezentralisierung der
Literaturbestände, und gerade das möchte
man in dualen Systemen vermeiden.
↓ Die Bibliothek ist nicht mehr Archivstelle für Originaldokumente, sondern nur
noch Vermittler virtueller Informationen.
Hier tut sich also ein ganz neues Verständnis von Bibliothek auf.
↓ Die UB verliert ihre Funktion als
Serviceeinrichtung vor Ort. Zu befürchten ist in der Folge ein Verlust an Bedeutung, ein Imageverlust und die drängende
Frage: braucht man eine solche UB überhaupt noch?
↓ Disintermediation = Endnutzertum:
Je weniger die lokale Bibliothek bietet,
desto mehr muß sich der Nutzer auf exter-
Seite 76
ne Dienste verlassen. Er verselbständigt
sich zunehmend und braucht die Bibliothek umso weniger.
2.2.2.2 Wirtschaftlichkeit
↓ Die primären Einsparungen durch
Abbestellungen, besonders im Zeitschriftenbereich, werden u. U. durch Preiserhöhungen der Verlage „aufgefressen“: Verkauft ein Verlag nur noch wenige Abonnements, muß er das einzelne Abonnement verteuern, damit gleiche Gewinne
erzielt werden können. Die – wenn auch
nur theoretischen – Überlegungen von
Bibliotheken gehen so weit, daß teure
Zeitschriften nur noch an einigen wenigen Zentren abonniert werden, und von
dort aus eine Verteilerfunktion via elektronischer Lieferdienste wahrgenommen
wird. Daß diese Entwicklung letztlich einer Monopolisierung des Informationszugriffes und der unkalkulierbaren Preispolitik der Verlage bzw. „Vertreiber“ wissenschaftlicher Literatur Vorschub leistet,
muß erwähnt werden.
↓ Eine andere Lösung, die von manchen Bibliotheken propagiert und vom
MWK BW als Projekt finanziell unterstützt wird: Durch Sondermittel des MWK
wird die Nutzung von Schnell-Lieferdiensten subventioniert: die anfallenden Entgelte übernimmt nicht der Benutzer, sondern die Bibliothek, über die er den Lieferdienst nutzt. Etatmittel werden in
„flüchtige“Dokumente investiert, die nicht
in den Bestand der Bibliothek einverleibt
werden, sondern in den Besitz des Kunden übergehen. Die Bibliothek vermittelt
also nur noch Dokumente.
↓ Betrachtet man nicht den Haushalt
einer einzelnen Bibliothek, sondern die
Aufwendungen eines Landes für alle Bibliotheken als Ganzes, kann man zu folgendem Schluß kommen:
Statt Sachausgaben für Originalliteratur
werden Personal- und Sachmittel für die
Theke 1997
Abwicklung der EDD-Lieferdienste bereitgestellt. Es handelt sich also um eine
Kostenverlagerung ohne reale Einsparungen. Der Gedanke staatlicher Einrichtungen, das Personal sei ja ohnehin da, kann
bei einer marktwirtschaftlichen Betrachtung nicht unreflektiert aufrechterhalten
werden.
2.2.2.3 Personalbelastung
↓ Kommt der Benutzer nicht mehr in
die Bibliothek und arbeitet stattdessen
von zu Hause aus, enfällt die Beratungsmöglichkeit durch den Bibliothekar. Gehen die EDD-Dienste nicht mit einer kinderleichten Recherchemöglichkeit einher,
wird der Nachsignier-/Nachbibliographierbedarf durch Personal auf der Seite
der gebenden Bibliothek steigen, wenn
man nicht konsequent alle fehlerhaften
Bestellungen unbearbeitet zurückschickt.
2.2.2.4 Marktwirtschaftlichkeit
↓ Leistungsstarke Bibliotheken werden
bevorzugt und verdienen auch im kommerziellen Sinn, haben aber auch eine erhebliche Mehrarbeit und Personalbelastung
durch die größere Kundennachfrage.
↓ Leistungsschwache Bibliotheken
werden „in Ruhe gelassen“: der Kunde
wendet sich nicht (mehr) an sie. Diese
Lösung ist zwar arbeitsentlastend, andererseits entwickeln sich solche Bibliotheken zu Randerscheinungen ohne Bedeutung, die kommerziell nicht (mehr) mithalten können. Das Horrorszenario der
Tante-Emma-Läden, die langsam aber sicher aussterben, drängt sich auf.
3
Bewertung
Gefahren und Chancen stehen deutlich
nebeneinander und ein deutliches Ja oder
Nein zu Schnell-Lieferdiensten kann es
nicht geben.
Bibliotheken müssen sich den Anforderungen der modernen Informationsgesellschaft stellen: Informationsvermittlung „flüchtiger“ Dokumente wird neben
der Archivierung von Bibliotheksgut stehen müssen. Wenn Bibliotheken nicht in
diese Marktlücke springen, dann tun es
Rechenzentren oder die Verlage direkt.
Der Kunde wird sich gewünschte Informationen ohne die Hilfe einer Bibliothek
besorgen, und Einrichtungen, die eine gegebene Nachfrage nicht erfüllen können,
braucht man nicht!
Gefragt ist also die „Virtuelle Bibliothek mit Verstand“.
Im Bereich der Schnell-Lieferdienste heißt das: Sanierung der lokalen Literaturbestände einer Universität in Kooperation zwischen Instituten, Kliniken und
der Zentralbibliothek der Universität.
Schaffung von lokalen Zeitschriftenpools,
die die Versorgung mit Grundlagenliteratur sowie mit Literatur für die Wissenschafts- und Forschungsschwerpunkte der
Universität garantieren. Für die Versorgung der Universität mit Literatur ist der
Einsatz moderner Informationstechnologie sinnvoll (z. B. Elektronischer Zeitschriftenbestell- und Lieferdienst in Heidelberg).
Wichtigste Devise ist also: der Grundbestand vor Ort muß garantiert sein, Expresslieferdienste dürfen nur subsidiär die
Versorgung mit spezieller Literatur übernehmen.
Annette Eckes, UB, Tel. 54 - 25 98
Seite 77
Theke 1997
Warum sollte es eigentlich in der
Bundesrepublik Deutschland kein
forschungsfähiges sinologisches
Institut geben?
Ausgangslage
Die Größenordnung sinologischer Institute in Deutschland mißt sich am Raum,
den China im Kopf einnimmt. Dort ist
China in der Regel streng punktförmig. Es
gehört zu den Regionen, die Aussagen
erlauben, welche mit „in China“ etc. beginnen und sich weder historisch noch
regional noch sektoral spezifizieren müssen.
Die wissenschaftliche Erforschung
dieses Punktes kann keine größeren Bibliotheken und Forschertruppen beanspruchen. Ideal wäre ein Professor, der mit
einer auf die Dokumentation der chinesischen Essentialität abgestellten Handbibliothek einige Studenten ausbildet und
mit diesem „Orchideenfach“ eine kosmopolitische Duftnote zur allgemein praktizierten Regionalwissenschaft Europa beiträgt. Seine Kompetenz sollte vom einen
Ende des Punktes bis zum anderen reichen, von 4000 Jahre alten Orakelknocheninschriften bis zu den Zukunftsperspektiven der chinesischen Wirtschaft im
Jahre 2010.
Die über 20 sinologischen Seminare
an deutschen Universitäten müssen sich
in diesem engen Raum einrichten. Sie
haben typischerweise keinen, einen halben oder einen ganzen Bibliothekar im
mittleren Dienst; einen Anschaffungsetat
von 15000–30000 DM; einen über viele
Jahre angehäuften Bestand von vielleicht
2000–4000 wissenschaftlichen Monographien, von 20000–40000 Bänden an Quellen (die meisten in Form von großen Sammelwerken, congshu, ohne wissenschaftliche Edition), zwischen 20 und 70 Zeitschriften und Zeitungen im Abonnement
und vielleicht dieselbe Zahl an älteren
Zeitschriften, die ihr Erscheinen eingestellt haben.
Die 25 oder 30 international führenden sinologischen Institute, welche die
wissenschaftlichen Standards setzen, haben in der Regel fünf bis zehn Bibliothekare, über 50000 wissenschaftliche Monographien, über 200000 Bände mit Quellen, sind auf über 400 Zeitschriften und
Zeitungen abonniert und haben noch einmal dieselbe Zahl an vollständigen Serien
eingestellter Zeitschriften und Zeitungen.
Diese Institute befinden sich fast ausnahmslos in den USA, Japan, Kanada und
Australien; das einzige europäische Institut in dieser Liga ist das Sinologische
Institut der Reijksuniversiteit Leiden. Sie
geben im Jahr für Neuanschaffungen zwischen 200000 hfl (Leiden) und 250000
US-$ (Berkeley, Yale, Princeton, Columbia, Harvard, Canberra, Toyo bunko etc.)
aus.
Die Sammlungen der Staatsbibliotheken in Berlin und München verschaffen durch ihre Fernleihe einige Erleichterung; die genannten Bibliotheken des au-
Seite 78
ßereuropäischen Auslands haben jedoch
in der Library of Congress, der National
Diet Library, der Australian National Library ebenfalls sinologische Bestände für
den Fernleihverkehr, welche ihrerseits die
der deutschen Staatsbibliotheken an Volumen, Qualität und Erschließungsdichte
weit übertreffen. Diese Fernleihbibliotheken sind keine Forschungseinrichtungen
und sind weder in ihren Referenzbereichen, noch auch in ihren Ausleihprozeduren und Öffnungszeiten für wissenschaftliche Forschung eingerichtet.
International gesprochen sind die
deutschen sinologischen Institutsbibliotheken, bei allem Respekt vor der vielen
Arbeit, die in ihren Aufbau gesteckt wurde, sinologische Würstchenbuden. Sie sind
nicht imstande, wissenschaftliche Forschung ernsthaft zu unterstützen. Die
Wissenschaftler an diesen Instituten haben versucht, das Beste aus der Not zu
machen. Sie haben sich zu Hause Privatbibliotheken in ihren Spezialgebieten aufgebaut; haben ihre bescheidenen Institutsetats dazu benutzt, einige größere Spezialserien anzuschaffen; und setzen sich
ins Flugzeug zu Jagd- und Sammelreisen
zu den genannten Instituten. Bei Emeritierung oder Wegberufung kommt ein
anderer Wissenschaftler mit einem neuen
Spezialgebiet. Das Ergebnis sind Kleinruinen in diesen Institutsbibliotheken, kleine Sammelschwerpunkte, die nicht weiter
ausgebaut und gepflegt wurden. Für einen
Theke 1997
deutschen Sinologen ist die Kenntnis der
Berufungsgeschichte und der zeitlichen
Abfolge der Projekte der Sinologen der
Nachkriegszeit Bestandteil seines bibliographischen Notwissens: Ein chinesisches
Buch von 1963 über das Erziehungswesen der Ming-Zeit ist möglicherweise in
Hamburg zu finden (damals war doch
Kollege X dort), eine russische Studie aus
den 50er Jahren zur chinesischen Phonetik wahrscheinlich in der Berliner Staatsbibliothek (der Bibliothekar dieser Jahre
konnte auch Russisch).
Als ich 1987 nach Heidelberg berufen wurde, war das dortige Sinologische
Seminar unter diesen punktförmigen deutschen Einrichtungen so wenig wahrnehmbar, daß es in der Übersicht des holländischen Sinologen Tony Saich über die deutschen sinologischen Institute (ungerechterweise) gar nicht erst erwähnt wurde.
Ich selbst hatte in den davorliegenden
Jahren das Glück, in einigen der besten
amerikanischen Institute (Cornell, Berkeley, Harvard) arbeiten zu können, und
mein Herz sank, als ich die in einem
halben Seminarraum untergebrachte Bibliothek durchsah. Glücklicherweise traf
sich meine Hoffnung, etwas zur Verbesserung dieser desolaten Situation beitragen zu können, mit einer Bereitschaft der
Universität, ihren Ostasienbereich auszubauen. Um der Universität, dem Ministerium, meinem Fach und mir selbst über
die erheblichen Anstrengungen des Instituts und die ebenfalls erheblichen finanziellen Aufwendungen der ersten 5 Jahre
Rechnung abzulegen, habe ich 1992 einen
Fünfjahresbericht über den Institutsausbau vorgelegt. Inzwischen sind weitere
fünf Jahre vergangen. Begünstigt durch
die Verleihung des Leibniz-Preises der
DFG 1993, dessen 1.5 Millionen nahezu
vollständig in den weiteren Bibliotheksausbau geflossen sind, konnte sich dieser
in den letzten fünf Jahren deutlich beschleunigen. Es mag nützlich sein, in der
Form dieses kurzen Berichtes auch öffentlich einmal über diese Erfahrungen zu
berichten.
Planung
a. Die Universität gestand mir einen
Bibliothekar auf der Gehaltsstufe BAT
Vb zu. Die Stelle wurde mit dem Sinologen Thomas Hahn besetzt; er hatte Erfahrung mit der Betreuung einer kleinen Bibliothek in Marburg und Interesse für
digitale Ressourcen. Seine Auswahl war
ein Glücksfall, da er sich in den nächsten
Jahren zu einem auch international angesehenen Spezialisten vor allem im Bereich sinologischer digitaler Ressourcen
entwickelte. Um ein Maximum an Zielgenauigkeit bei der Anschaffung und Qualität bei der Verarbeitung zu erreichen, übernahm ich den größten Teil der Buchauswahl selbst, während Herr Hahn die Gesamtorganisation der Bibliothek mit ihren
studentischen Hilfskräften übernahm.
b. Es wurde von Anbeginn geplant,
eine breit forschungsfähige Bibliothek für
virtuelle Benutzer zu entwickeln, die nicht
die Zufälligkeit der Interessen der gerade
am Institut Arbeitenden – mich selbst
eingeschlossen – reflektierte. Gleichwohl
mußten bei den beschränkten Mitteln Prioritäten gesetzt werden. Diese Prioritäten
wurden von A bis D gestuft.
c. Bei der Entwicklung einer Entwicklungsstrategie wurde der mögliche Beitrag,
den das Institut zu einer Verbesserung der
Forschungssituation in Deutschland und in
Europa leisten könnte, von Anbeginn mit
einbezogen.
Seite 79
Referenzbereich
Der Hilfsmittelbereich mit Referenzwerken, Katalogen großer Fachbibliotheken,
Lexika und Konkordanzen eröffnet den
Zugang zu Ressourcen aus dem Gesamtgebiet der Sinologie, die am Ort oft nicht
oder noch nicht vorhanden sind, und erlaubt es so, die Begrenzung der eigenen
Bibliothek zu überwinden. Mit einer Priorität A wurde er von einigen Hundert auf
inzwischen etwa 6200 Bände erweitert,
unter denen sich auch zahlreiche kopierte
Bände befinden.
In den letzten fünf Jahren haben sich
zugleich die Möglichkeiten der OnlineRecherche rasch erweitert. Ein öffentlicher Computerraum für entsprechende
Recherchen mit 4 Geräten wurde eingerichtet; alle Büros haben online Zugang
zu Internet Ressourcen. Direktverbindungen zu Bibliotheken, wie Berkeley, Harvard-Yenching, Library of Congress, National Central Library Taipei etc., sind
über Logos anklickbar, so daß solche
Recherchen zur Routine bereits junger
Semester geworden sind. Die Web-site
des Instituts stellt die Verbindung zu anderen Informationsquellen, von der Virtual Library (deren chinesischer Teil inzwischen von einem zweiten Bibliothekar der Instituts, Herrn Lecher, betreut
wird) bis zu online verfügbaren Bibliographien, Zeitungen oder Zeitschriften in
lateinischer Schrift bzw. chinesischen oder
japanischen Zeichen, zur Verfügung. Der
kostenpflichtige Zugang zum RLIN (Research Libraries Information Network) einschließlich des spezifischen dort benutzten chinesischen Zeichensatzes steht den
Bibliothekaren sowie den am Institut arbeitenden Wissenschaftlern offen. Im
Bereich der Online-Datenbanken chinesi-
Theke 1997
scher Texte hat das Institut ebenfalls erhebliche Fortschritte gemacht. Insgesamt
über 200 solche Datenbanken liegen inzwischen auf den 2 UNIX-Servern des
Instituts. Thematisch reichen diese von
den 25 Dynastiegeschichten (etwa 25 Mio
Zeichen) zu den 13 Klassikern mit Kommentar (etwa 15 Mio Zeichen) zu buddhistischen und taoistischen Textsammlungen, Romanen, philosophischen Werken
und schließlich, z. T. auf CD-ROM, modernen Tageszeitungen wie der (englischen) South China Morning Post aus
Hongkong und der (chinesischen) Renmin ribao (Volkszeitung) aus Peking.
Diese letztgenannten Online-Ressourcen haben bestimmte Forschungsvorhaben etwa im Bereich der Begriffsgeschichte überhaupt erst möglich gemacht,
gehören aber ebenfalls zu den routinemäßig auch von Studenten benutzten Arbeitsinstrumenten am Institut.
Im Rahmen der Anstrengungen, für
die Benutzer am Ort und anderswo den
Zugang zu den am Ort vorhandenen Informationen zu verbessern, ist auch die Computerkatalogisierung zu sehen, die 1989
begonnen wurde. Um
• durch Datenimport Kosten zu sparen,
• die idiosynkratische Fixierung auf ein
von einem Individuum (etwa mir) entwikkeltes (und mit diesem Individuum sterbendes) Ordnungsschema zu vermeiden,
• eine Datengrundlage für andere Institute
zu schaffen, die ebenfalls auf Computerkataloge umstellen wollten, und
• Kontinuität zu sichern,
wurde der neue Computerkatalog auf dem
System der Library of Congress aufgebaut;
die nach dem MARC-Format arbeitenden
nordamerikanischen Bibliotheken haben
inzwischen annähernd eine halbe Million
relevante Katalogisate erstellt, unter denen
sich über 80% der Bestände des Instituts
befinden. Inzwischen sind die gesamten
Bestände in westlichen Sprachen (etwa
20000), alle Zeitungen und Zeitschriften
(etwa 4000 Titel), etwa 30000 chinesische
und japanische Titel online, meist mit
chinesischen Zeichen, abrufbar. Alle Neubestellungen seit 1992 sind zum mindesten
mit Kurzeinträgen abrufbar (http://
sun.sino.uni-heidelberg.de/sin/).
Vor allem der Bibliothekar, Herr
Hahn, hat sich sehr energisch und kontinuierlich dafür eingesetzt, daß Allegro,
ein flexibles, im Anschaffungspreis für
kleine Institute erschwingliches netzwerkfähiges Programm für die Katalogisierung, soweit entwickelt wurde, daß es
auch mit chinesischen und japanischen
Zeichen arbeiten kann. Das System hat
nach vielen oft sehr mühseligen Zwischenschritten inzwischen eine relativ hohe Stabilität erreicht; eine WWW-Version ist in
Vorbereitung. Damit sollte eine Option
entwickelt werden, die es den Instituten
vor allem in Europa möglich macht, Doppelkatalogisierung zu vermeiden, die Katalogisierungsqualität zu verbessern, das
Tempo zu beschleunigen und darüberhinaus die Datengrundlage für einen Online
European Union Catalogue of Sinological Monographs zu legen. Eine Reihe anderer Institute in Deutschland, Frankreich,
Großbritannien, Österreich und der
Schweiz haben sich inzwischen dieser
Lösung angeschlossen, einzelne (München) auch der Library-of-Congress-Lösung. Dies hat die Voraussetzungen für
kooperative Katalogisierungsprojekte großer Sammelwerke deutlich verbessert, die
inzwischen auch angelaufen sind. Ein Pilotprojekt der European Association for
Chinese Studies für die Erstellung einer
europäischen Online-Datenbank im Bereich der sinologisch relevanten chinesischen, japanischen, koreanischen und
westlichen Zeitschriften und Zeitungen
ist inzwischen mit Unterstützung der tai-
Seite 80
wanesischen Chiang Ching-kuo Stiftung
in Heidelberg angelaufen. Die Datenbank
umfaßt inzwischen etwa 8000 Titel in
annähernd 200 europäischen Bibliotheken mit vollen Einträgen einschließlich
von CJK Schriftzeichen und local holdings. Sie ist online auf dem ftp Server
anwählbar und auch über WWW erreichbar. (http://sun.sino.uni-heidelberg.de/
eacs/sselp.html).
Mit den Print- und Online-Ressourcen dieses Hilfsmittelbereiches steht das
Institut inzwischen im europäischen Vergleich mit an der Spitze und gehört auch
international zu den – vor allem im digitalen Bereich – bestausgestatteten und benutzerfreundlichsten Einrichtungen. Um
die Benutzung dieser Instrumente zu erleichtern, gibt das Institut regelmäßige
Einführungskurse für Lehrende und Lernende und veranstaltet Workshops für
Interessenten aus anderen Instituten. Herr
Hahn betreut eine eigene Web-site mit
bibliographischen Informationen zur historischen Geographie Chinas, zur Geschichte der Photographie in China vor
1949 sowie zu China-revelanten CDROMs (http://sun.sino.uni-heidelberg.de/
sin/institut/hahn.htm).
Kernbestand
Der potentielle Bestand an chinesischen
Texten geht in die Millionen, der an relevanter Sekundärliteratur in die Hunderttausende. Es läßt sich jedoch – mit erheblichen Unschärfen an den Rändern – ein
wesentlich engerer „Kernbestand“ von
Quellen und Arbeiten definieren, der nur
nach Zehntausenden zählt. Um die Beliebigkeit in der Anschaffung zu reduzieren,
Theke 1997
ist der aktive Aufbau eines solchen Kernbestandes gerade für kleinere Institute
essentiell. Dabei wurde auf Handbücher
etwa für die Quellen und Fachliteratur für
Philosophie, Geschichte, Literatur, Wirtschaft, Politik oder Archäologie zurückgegriffen, vor allem aber wurden durch
den Auswahlverantwortlichen aus der
kontinuierlichen Lektüre von wissenschaftlichen Arbeiten, Rezensionen, Konferenzbeiträgen etc. relevante Informationen für Anschaffungen gesammelt,
gleichgültig, ob die entsprechenden Werke auf dem Markt zu haben waren oder
nicht. Dieser Sammlungsbestandteil wurde mit Priorität B eingestuft. Dabei lag
eine klare Priorität beim vormodernen
Bereich auf wissenschaftlich edierten
Texten, im modernen Bereich auf den
meistzitierten und/oder kontroversesten
Werken, Zeitschriften oder Zeitungen. Auf
die in den Staatsbibliotheken leicht zugänglichen Nachdrucke großer Sammelwerke unedierter Texte wurde weiterhin
verzichtet. Der Bestand an vor allem ausländischen (nordamerikanischen, französischen, englischen und australischen) Dissertationen wurde systematisch ausgebaut, da hier die meiste Forschungsarbeit getan wird. Er stieg von wenigen
Dutzend 1987 über etwa 300 1992 auf
inzwischen etwa 1400 an. Dabei wurde
bewußt auf eine starke inhaltliche Schwerpunktbildung verzichtet, um den virtuellen Charakter des Benutzerprofils zu erhalten.
Inhaltlich definierte
Schwerpunktsammelgebiete
Die Festlegung der Schwerpunktsammelgebiete ist ein schwieriges Geschäft. Wenn
man dabei dem jeweils aktuellen Diskussionsstand folgt, hinkt man, bis ein forschungsfähiges Paket zusammen ist, hinter den Entwicklungen her; richtet man
sich nach den Forschungsinteressen der
am Institut vorhandenen Gelehrten, deren
unmittelbare Anschaffungsvorschläge
ohnehin in der Regel berücksichtigt werden, bleibt man dem Zufall der Berufungspolitik und der Lebenswege verhaftet. Der einzig gangbare Weg schien zu
sein, konzeptionell die Bibliotheksressourcen von dem vorhandenen Personal (die
Person des Autors eingeschlossen) zu trennen, wie das institutionell in den USA
etwa auch der Fall ist, und die Entscheidung auf der Basis einer mittelfristigen
Projektion der Entwicklung der wissenschaftlichen Interessen zu treffen und dabei soweit wie möglich andere Optionen
offenzuhalten. Auf diese Weise wurden
bereits 1989 die folgenden Schwerpunktgebiete für die Sammlung definiert:
Sozialgeschichte der
Ming- und Qing-Zeit
Hier ist durch die Öffnung der Archive
zum ersten Mal die Möglichkeit gegeben,
dem breiten vor allem am europäischen
Vorbild orientierten sozialgeschichtlichen
Interesse die entsprechenden Quellen zur
Verfügung zu stellen und die früher vor
allem an normativen und offiziell kanoni-
Seite 81
sierten Texten orientierte Geschichtsschreibung um einen wichtigen Aspekt zu
ergänzen. Die Entwicklung im letzten Jahrzehnt hat bislang diesen Trend bestätigt.
Das Institut hat inzwischen eine dritte
Professur; deren Arbeitsbereich ist vor
allem die Wirtschafts- und Sozialgeschichte dieser Zeit. Bei dem sehr erheblichen
Volumen der entsprechenden Quellen
konnte auf der Quellenebene sowie der
Ebene der sehr teuren japanischen Sekundärliteratur nur eine Priorität C fixiert
werden, auf der Ebene der westlichen
Sekundärliteratur jedoch Priorität B.
Religionsgeschichte
Chinas
Die Quellenzugänglichkeit hat sich hier
ähnlich entwickelt wie in der Sozialgeschichte. Vor allem der Bereich der chinesischen Volksreligion bietet ein hochinteressantes Arbeitsgebiet, welches inzwischen viele junge Gelehrte anzieht und
bereits eigene Spezialzeitschriften hat. Mit
Priorität B in den Quellen und der Sekundärliteratur ist das Institut in diesem Bereich inzwischen verhältnismäßig gut für
die Forschung ausgestattet.
Politik Chinas im
20. Jahrhundert
Entgegen der eher modellorientierten politikwissenschaftlichen Analyse, deren
Modelle in der Regel auf Voraussetzungen aufbauen, die am europäischen politischen Prozeß gewonnen wurden, hat sich
in der Sinologie zunehmend ein Trend
bemerkbar gemacht, diese Voraussetzungen anhand spezifischen historischen
Theke 1997
Materials, (Tagebücher, Assoziations- und
Parteiakten, Briefsammlungen, Erinnerungen, Zeitungen) selbst noch einmal zu
hinterfragen. Dabei gilt es für die VR
China, einen Quellenbereich zu erschließen, der in der Regel nicht öffentlich zugänglich ist. Die Situation hat sich durch
umfangreiche interne Quellenpublikationen in der VR wie auch öffentliche in
Taiwan sowohl für die Zeit zwischen 1911
und 1949 wie für die Zeit nach 1949 seit
dem letzten Arbeitsbericht 1992 um einiges verbessert, jedoch ist ein erheblicher
Teil dieser Quellen weiterhin nur über oft
abenteuerliche Umwege zu beschaffen.
Das Institut arbeitet in einem informellen
internationalen Netzwerk von Institutionen mit, die hier interessiert sind und
Materialien füreinander kopieren. Dieser
Typ von Jäger-und Sammleraktivität, über
die man etwa einen kontroversen und rasch
verbotenen Reportagenband von der Insel
Hainan, von dem man zufällig in einem
Gespräch hörte, nach etlichen Umwegen
in einem japanischen Institut findet, und
schließlich durch freundliche Mithilfe eines zufällig in der entsprechenden Stadt
weilenden Studenten eine Kopie erobert,
ist in der Regel von großen Institutionen
wie den Staatsbibliotheken nicht zu leisten. Unterstützt auch durch seine inzwischen sehr umfangreiche Zeitungs- und
Zeitschriftensammlung (s. u.) verfügt das
Institut jetzt über eine auch im internationalen Maßstab sehenswerte Sammlung
für Forschungen in diesem Bereich. Vor
allem durch Mittel des Leibniz-Preises
wurde es möglich, diesem Bereich die
Priorität B zu geben.
Chinesische Literatur des
20. Jahrhunderts
Dieser zwischen 1978 und 1988 international sehr viel bearbeitete Bereich hat
inzwischen viel an seinem unmittelbaren
Interesse verloren. Der Status der Literatur in der VR China, und auch in Taiwan,
ist deutlich gesunken, und die Aufmerksamkeit der Intelligenz hat sich mehr auf
ökonomische (VR China) und kulturelle
sowie politische Entwicklungen (Taiwan)
gerichtet. Die inzwischen aufgebaute
Sammlung des Instituts für die ausgehende Kaiserzeit und die Republik ist auch im
internationalen Vergleich jetzt relativ gut,
die Sammlung für die VR-Literatur und
Taiwan-Literatur enthält wohl die meisten Werke, die größere Aufmerksamkeit
erhalten haben, ist jedoch vom Charakter
einer echten Spezialsammlung weit entfernt. Die Modeentwicklung des Interesses oder Desinteresses in diesem Bereich
ist für die Definition des Schwerpunkts
nur marginal von Bedeutung. Mit einer
Priorität C für die Quellen und B für die
westliche Sekundärliteratur (es gibt wenig Japanisches hier) ist das Institut inzwischen moderat forschungsfähig.
Andere Bereiche
Für die anderen Bereiche bleibt die Politik, den Kernbestand zu erhalten und entsprechend weiterzuentwickeln. Insgesamt
haben diese Bereiche die Priorität D.
Seite 82
Mediendefinierte
Sondersammlungen
Ein kleines Institut kann durch arbeitsintensiv ausgebaute, finanziell aber nicht zu
aufwendige Spezialsammlungen Gelehrte von Bedeutung anziehen und interessante Arbeiten im Hause unterstützen.
Etliche der großen Fachbibliotheken auch
des Auslands haben mit einer Vorstellung, daß Bibliotheken eigentlich nur
Repositorien für Bücher seien, hier meist
einige Züge verschlafen.
Filme und
Fernsehaufzeichnungen
Ausgehend von der extremen kulturellen
und politischen Bedeutung der visuellen
Medien in China, hat das Institut eine
auch international einmalige Sammlung
von inzwischen etwa 650 chinesischen
Filmen und Filmen über China in Videoform aufgebaut. Dazu gehören Stummfilme aus den 20er Jahren ebenso wie die
verfilmten Modellopern aus der Kulturrevolution, Videoaufzeichnungen von internen Aufführungen dann verbotener
Theaterstücke und die wichtigsten Fernsehserien der VR. Mehr als die Hälfte
dieser Filme ist kommerziell nicht erhältlich. Es dauerte einige Jahre, bis die Lehrkräfte des Instituts das Potential entdeckten, welches diese Filme für Lehrveranstaltungen, Sprachkurse und Examensarbeiten darstellen. Inzwischen werden jede
Woche in mindestens zwei oder drei Lehrveranstaltungen Materialien aus diesem
Filmarchiv benutzt, Seminare zur Filmanalyse finden statt, und Workshops machen Sinologen aus anderen Universitä-
Theke 1997
ten mit dieser Ressource vertraut. Auch
für die zahlreichen chinesischen Studierenden und Gelehrten an anderen Fakultäten in Heidelberg bietet dieses Archiv oft
die einzige Möglichkeit, Filme zu sehen,
die in China selbst völlig unzugänglich
sind. Das Institut hat einen kleinen Raum,
der entsprechend ausgestattet ist, um es
Einzelnen oder kleinen Gruppen zu erlauben, diese Filme zu sehen.
Die Sammlung hat Priorität B.
Zeitschriften und
Zeitungen
Bei den hektischen Entwicklungen in allen Bereichen des chinesischen Lebens
der letzten hundert Jahre spielen sich die
wichtigsten Diskussionen nicht im schwerfälligen Medium des Buches, sondern in
den beweglicheren Medien der Zeitschrift
und Zeitung ab. Als Mehrzweckressource, die sich für Studien der verschiedensten inhaltlichen Schwerpunkte eignet,
wurde die strategische Entscheidung getroffen, einen erheblichen Teil der Mittel
aus dem Leibnizpreis hier einzusetzen.
Das Institut verfügt inzwischen in diesem
Bereich in Europa über eine der qualitätsund quantitätsmäßig besten Sammlungen
mit etwa 3600 Titeln, von denen etwa die
Hälfte substantiell vollständig sind und
etwa 600 sonst nirgends in Europa und
z. T. außerhalb von China auch nur mit
einem einzigen Exemplar nachgewiesen
sind, obwohl sie in ihrer Zeit oft eine sehr
wichtige Rolle spielten. Die Entwicklung
dieses mit Priorität B gekennzeichneten
Bereiches war sehr rapide, und es wird
noch einige Zeit dauern, bis auch diese
Ressource voll ausgenutzt wird. Die Verfügbarkeit dieses Materials hat sich jedoch unter den wissenschaftlich Interes-
sierten des Institut sowie andernorts bereits herumgesprochen und hat zu einem
ständigen Strom von Besuchern geführt.
Eine Forschungsgruppe am Institut,
„Struktur und Entwicklung der Öffentlichkeit in China“, welche vor allem über
die frühe chinesische Presse arbeitet, hat
durch den Zugang zu diesem Material
nahezu ideale Arbeitsvoraussetzungen am
Ort. Ein erster internationaler Workshop
hat im Herbst 1997 dieses Material zum
ersten Male auch Forschern aus den USA
und Frankreich vorgestellt.
Datenbanken
Das Institut hat sich unter der Betreuung
von Herrn Hahn zu einem europäischen
Seite 83
Zentrum digitaler sinologischer Ressourcen entwickelt. Seine weit über 200 Volltextdatenbanken sind zu einem erheblichen Teil über das Internet anwähl- und
benutzbar und haben dazu beigetragen,
daß die rapide internationale Entwicklung in diesem Bereich nicht einfach an
Europa vorbeiging. Das Institut verfügt
über 2 Sun Workstations; eine der beiden
wurde Herrn Hahn von der Sun Corporation im Rahmen des European Academic
Award für seine ausgezeichnete Arbeit
zugesprochen. Bedingt durch die leichte
Zugänglichkeit und die gute Hilfestellung, ist die Integration dieser Datenbanken in die tägliche wissenschaftliche Arbeit am Institut – vor allem aber keineswegs ausschließlich im vormodernen Bereich – inzwischen rascher und weiter
fortgeschritten als in irgendeinem ande-
Theke 1997
ren mir bekannten Institut in Europa. Der
Bestand an Datenbanken ist nach meinem Wissen mit Abstand der größte in
irgendeinem sinologischen Institut der
westlichen Welt und wird höchstens noch
von dem der Academia Sinica in Taipei
übertroffen, die etliche Datenbanken noch
unter Verschluß hält. Die Chiang Chingkuo Foundation (Taipei) hat viel dazu
beigetragen, die Entwicklung unseres Instituts in diesem Bereich zu fördern und
zu finanzieren (http://sun.sino.uniheidelberg.de/sin/fulltexm.htm).
Inzwischen ist mit Herrn Lecher aus
Wien ein weiterer Fachmann auf diesem
Gebiet für das Institut gewonnen worden.
Er hat die China-bezogenen Teile der Virtual Library aufgebaut, für die er mit etlichen internationalen Auszeichnungen
etwa auch der Association of Asian Studies („super web site“) bedacht wurde.
Der China-bezogene Teil der Virtual Library wird in Zukunft von Heidelberg aus
betreut und wird dort angesiedelt sein
(http://sun.sino.uni-heidelberg.de/
netguide.htm). Mit Herrn Lecher wird es
vielleicht möglich sein, daß Heidelberg
seine führende Rolle in diesem Bereich
behält und weiterhin imstande ist, auch
international eine positive Rolle dabei zu
spielen, die Sinologie mit den modernsten
Informationsressourcen zu verbinden.
Sowie diese Ressourcen überhaupt existieren und im Prinzip zugänglich sind,
gehören die durch die eröffneten Optionen (etwa im Quellenzugang oder in der
Begriffsanalyse und -geschichte) zum
wissenschaftlichen Standard, dem man
sich stellen muß, ob man nun mag oder
nicht. Insofern legt das Institut höchsten
Wert auf die öffentliche Online-Zugänglichkeit dieser Optionen, damit kleinere
Institute nicht den Anschluß verlieren.
Man sollte den Illusionen der leichten Handhabbarkeit und Betreuung die-
ser Ressourcen, denen wir uns ursprünglich hingegeben haben, nicht verfallen.
Die Betreuung dieser Datenbanken ist ein
sehr zeitaufwendiges Geschäft, welches
auf hohe Spezialqualifikationen angewiesen ist, die beständig auf den neuesten
Stand gebracht werden müssen. Wir rechnen dafür etwa 30 Wochenstunden (anteilig des Bibliothekars und einer gut eingearbeiteten studentischen Hilfskraft). Da
sich sinologische Datensätze nicht im
Zentrum des kommerziellen oder technisch-wissenschaftlichen Wissens befinden, sondern eher Trittbrettfahrer von Entwicklungen sind, die anderswo gemacht
(und finanziert) werden, sind Reifegrad
und Stabilität der uns zur Verfügung stehenden Software meist mäßig. Die geisteswissenschaftlichen Institute in
Deutschland und Europa gewöhnen sich
darüberhinaus nur langsam und oft widerwillig an die neuen Möglichkeiten, und
es bedarf oft vieler und sehr geduldiger
Hilfestellungen unsererseits, bis ein Wissenschaftler aus einem anderen Ort gelernt hat, seine besondere Computerkonfiguration soweit zu beherrschen, daß er
erfolgreich unsere Daten erreicht; was
dann auf dem Bildschirm erscheint, sind
meist Anweisungen in einem den meisten Sinologen noch ganz unvertrauten
chinesischen Computerjargon, und erst
dessen Beherrschung erlaubt die tatsächliche Benutzung der Datenbank. Der Vorschlag, für die Betreuung eines solchen
europäischen Ressourcenpaketes vielleicht eine halbe Stelle zur Verfügung zu
stellen, gilt im Zeichen der nach dem
Prinzip der invertierten Gießkanne vollzogenen Mittelkürzungen eher als originelle Provokation denn als Beitrag dazu,
Heidelberg zu einem „center of excellence“ zu machen.
Seite 84
Wirtschaftlichkeit
Ein wissenschaftliches Institut ist auch eine
wirtschaftliche Einheit. Es gibt öffentliche
Mittel aus und trägt eine Verantwortung
dafür, dieses mit einem bestmöglichen
Kosten/Nutzen-Verhältnis zu tun. Verschiedene Bibliotheken bezahlen für die
Anschaffung, den Transport, die Katalogisierung und sogar die Neubindung desselben Buches sehr unterschiedliche Preise.
Für eine relativ kleine Bibliothek wie die
in Heidelberg mit einem jährlichen Anschaffungsvolumen zwischen 3000 und
8000 Bänden liegt hier eine erhebliche,
wenngleich in der Regel zeitaufwendige
Möglichkeit zur Einsparung und damit zu
einem Qualitätsgewinn der Sammlung
ohne zusätzliche Kosten. Die meisten sinologischen Bibliotheken kaufen Materialien aus der Volksrepublik über Hongkonger oder westliche Zwischenhändler, chinesische Exportfirmen und gelegentlich
die ausgezeichnet sortierten japanischen
Buchhändler. Deren Preise liegen zwischen 300% und 1000% über dem Inlandspreis. Die über diese Agenturen bestellten
Zeitschriftenabonnements liegen um
300%–400% über dem Inlandspreis, wozu
noch ein Aufschlag von 100% für den sehr
teuren Posttransport kommt. Durch maximale Ausnutzung von Inlandskäufen durch
Studenten und inzwischen auch Buchhändler in China selbst und durch zum Teil
über lange Verhandlungen erreichte substantielle Preisnachlässe etwa beim Kauf
großer Sammlungen oder Mikrofilmserien liegt unser Anschaffungspreis durchschnittlich für Monographien bei etwa
130% des Inlandspreises und damit um
mindestens die Hälfte niedriger als der von
anderen Instituten etwa in den USA, Japan
oder Europa bezahlte Betrag. Die Benut-
Theke 1997
zung von Containern für die Buchverschikkung spart etwa 50% Portokosten. Bei
diesen Einsparungen sind oft Wege zu beschreiten, welche die Haushaltsabteilung
der Universität in einige Nervosität versetzen (und die ich hier nicht im Detail beschreiben werde, um diese Nervosität nicht
zur Panik werden zu lassen). Glücklicherweise hat es in diesen zehn Jahren nicht
eine Katastrophe gegeben. Die Kommerzialisierung des chinesischen Buchhandels
in den letzten Jahren scheint uns inzwischen auch die Option zu eröffnen, Zeitungen und Zeitschriften in wesentlich größerer Zahl als bisher zu Inlandspreisen zu bekommen. Bei Bestellungen von Büchern
aus dem westlichen Ausland wird systematisch von den bei den wissenschaftlichen
Jahrestagungen gebotenen Rabatten von
20% Gebrauch gemacht; Bestellungen aus
Frankreich erfolgen über einen Grossisten,
welcher nichts auf den französischen
Buchhandelspreis aufschlägt. Bei Bestellungen amerikanischer Dissertationen
werden Titel gesammelt, bis eine Zahl erreicht ist, bei der erhebliche Rabatte eingeräumt werden, und ein Zeitpunkt, zu dem
der Wechselkurs relativ günstig ist. Um die
Marginalkosten niedrig zu halten, sind
sämtliche Buchregale des Instituts aus
systematisch von überall her zusammengesuchten Altbeständen anderer Institute
genommen worden, womit bislang eine
Gesamteinsparung von etwa 60000 DM erreicht wurde. Die Katalogisierung eines
Anschaffungsvolumens von mehreren
Tausend Bänden im Jahr, zu der die Computeraufnahme der Altbestände hinzukommt, ist trotz der zum Teil sehr hohen
Motivation und Qualifikation der studentischen Hilfskräfte mit dem vorhandenen
Personalbestand aus eigenen Kräften nicht
möglich. Der Übergang auf das LC-System erlaubt hier die Übernahme von erstklassigen und professionell gemachten
Katalogisaten für eine sehr moderate Gebühr, die bei etwa 10% der Kosten eigener
Vollkatalogisierung liegen.
Eine solche strenge Beachtung wirtschaftlicher Prinzipien bei der Entwicklung der Sammlung hat den wichtigen
Nebenvorteil, Bibliothekaren, Hilfskräften und Benutzern beständig und praktisch vor Augen zu führen, daß die Ressourcen knapp sind und äußerst sparsam
gehandhabt werden müssen. Ohne dies
konkret beweisen zu können, glaube ich
sagen zu können, daß dies erheblich zum
sorgfältigen und sparsamen Umgang mit
diesen Ressourcen beigetragen hat; nicht
zuletzt die für eine Ausleihbibliothek mit
über 300 Benutzern gerade im deutschen
und europäischen Vergleich sehr geringe
Verlustrate scheint diese zu belegen. Für
den am Institut ausgebildeten wissenschaftlichen Nachwuchs bildet dieser Typ
Wirtschaftsverwaltung zugleich eine relativ einmalige Gelegenheit, sich mit einer unkonventionellen aber vielleicht recht
zeitgemäßen Art, ein Institut zu verwalten, vertraut zu machen.
Das Ministerium hat meiner Bitte, zu
den von mir eingebrachten Leibnizpreismitteln von etwa 1,4 Mio DM ein Zubrot
beizugeben, großzügig mit einer Summe
von 160000 DM entsprochen. Es gehört
zu den Grotesken des akademischen Lebens in Europa und der Bundesrepublik,
daß für den Import von Mikrofilmen für
Forschungszwecke (bei uns vor allem für
die Zeitungs- und Zeitschriftensammlung)
15% Zoll erhoben werden und ein betrüblicher großer Teil dieses Zubrots dementsprechend beim Zoll landete.
Seite 85
Ausblick
Die großen international führenden Institute sind über viele Jahrzehnte entwickelt
worden und sind nicht der Kraftakt eines
Einzelnen. In der Regel haben die jeweiligen Wissenschaftler daran nur marginalen Anteil gehabt; die Verwaltung war in
der Hand hochangesehener Kuratoren und
professioneller Bibliothekare mit ungewöhnlich breitem Wissenshorizont.
In Europa ist die Kluft zwischen den
Bibliothekaren und den Wissenschaftlern
tiefer als andernorts. Die Konsequenz ist,
daß selbst hervorragende Bibliothekare
nicht angemessen bezahlt werden können
und ihr Spielraum immer von der Verhandlungsposition der entsprechenden
Professoren – etwa bei Berufungs- oder
Rufabwendungsverhandlungen – abhängt.
(Herr Hahn etwa ist gerade zum Präsidenten der International Association of Sinological Librarians gewählt worden. Der
Tag, an dem eine der bedeutenden Sammlungen etwa der USA ihm eine Leitungsposition anbietet, sähe die Universität
Heidelberg außerstande zu irgendeinem
Gegenangebot.) Die Heidelberger Entwicklung war nur möglich durch eine
ganze Fülle glücklicher Umstände, zu
denen eine mutige Prioritätensetzung der
Universität gehörte, die Ostasienwissenschaften auszubauen; ein Leibnizpreis, der
fast ganz in den Aufbau gesteckt wurde;
Sonderzuweisungen des Ministeriums;
eine Aufstockung des Aversums des Instituts auf 100000 DM pro Jahr; erfolgreiche Bewerbungen für Drittmittel in Taiwan in Höhe von etwa 300000 DM; ein
Bibliothekar, der damit leben konnte, daß
das Institut eine Dauerbaustelle war, und
von dem gleichzeitig verlangt wurde, es
zu jedem Zeitpunkt für ruhige und kon-
Theke 1997
zentrierte wissenschaftliche Arbeit bereitzuhalten, und der zudem den Ehrgeiz hatte, in dem hektischen Generationenwechsel von Hardware und Software im letzten
Jahrzehnt nicht den Überblick zu verlieren und vorn mit dabeizubleiben; eine
technische Entwicklung, die es erlaubt,
die Forschungsressourcen an einem Institut weit über das selbst Erschwingliche
hinaus auszuweiten; und schließlich wohl
auch die Bereitschaft eines Hochschullehrers, mit ein paar tausend eigenen Arbeitsstunden die Lücken bei der Buchauswahl, Organisation und strategischen Planung auszufüllen, die bei der chronischen
Unterpersonalisierung der Bibliothek anders nicht auszufüllen waren.
Der chinesische Buchmarkt mit seiner hohen Rate an Nachdrucken, Verfilmungen und Neuauflagen erlaubt es, in
sehr kurzer Zeit eine ordentliche Sammlung aufzubauen. Ich glaube, daß uns dies
im Rahmen des Möglichen für den Augenblick gelungen ist. Die Qualität der
Abschlußarbeiten der Studierenden sowie die Intensität und Qualität der Forschungstätigkeit am Institut zeigen, wie
direkt sich eine (insgesamt sehr billige)
Verbesserung der Forschungsbedingungen in einem solchen Fach auswirkt. Ein
Beispiel, welches mich zugleich stolz
macht und betrübt: 22 der 140 Vorträge,
die in einem Wettbewerbsverfahren 1996
von der European Association of Chinese
Studies für deren Zweijahrestagung ange-
nommen wurden, wurden von Angehörigen des Heidelberger Instituts angemeldet. Die Gesamtzahl der Vorträge aus
anderen deutschen Instituten war sechs.
Bei aller Dankbarkeit für die glücklichen Umstände, die dies möglich gemacht
und uns tolerable Forschungsbedingungen in der flexiblen und hochadaptiven
Umgebung des Instituts gewährt haben,
muß man sich der Instabilität dieser Entwicklung bewußt bleiben.
Ein Vergleich mit den international
führenden Instituten zeigt, daß diese in
demselben Zeitraum, in dem Heidelberg
sich jenseits aller Vergleichbarkeit mit
anderen deutschen Instituten entwickeln
konnte, ein größeres Neuanschaffungsvolumen hatten als Heidelberg und durch
die damit verbundene größere Anschaffungsdichte bei den Neupublikationen
ihren Vorsprung noch weiter ausbauten.
In „Alice in Wonderland“ sagt die Gräfin
zu Alice: „Here, my dear, it takes all your
running to stay in the same place.“ Es
scheint, daß „all our running“ nicht einmal dazu ausreichte, auf der Stelle zu
treten.
Die längerfristige Kontinuität der
Sammlungsentwicklung ist nicht gewährleistet und eher unwahrscheinlich. Die
föderale Struktur der Bundesrepublik ist
für Schwerpunktsetzungen etwa im Bereich der Asienwissenschaften zu schwerfällig. Offensichtlich wäre es unsinnig, 25
Institute mit ähnlich ehrgeizigen Plänen
Seite 86
wie Heidelberg hochzuziehen, es wäre
jedoch sinnvoll, drei oder vier zu haben, die
zugleich als Service-Zentren für Wissenschaftler in umliegenden Universitäten und
Institutionen dienen könnten und sollten.
Faktisch jedoch findet die Planung auf
Landesebene statt. In Baden-Württemberg
bedeutet dies dann, daß seitens des Ministeriums wohl aus Gründen des Regionalproporzes 1997 der Vorschlag gemacht
wird, die Sinologie in Tübingen zu konzentrieren, da in Heidelberg bereits ein Südasieninstitut vorhanden ist. Heidelberg hat
inzwischen eine ordentliche Grundlage
und ist zu einem Ressourcenzentrum für
Studierende und Wissenschaftler aus vielen Orten geworden. Es gehört zu den fünf
europäischen Bibliotheken, für deren Besuch eine Stiftung Reisestipendien zur
Verfügung stellt. Es bleibt jedoch strukturell instabil und endet vielleicht als Bauruine und Erinnerung an einen vielleicht verzweifelten, aber schönen Versuch, den
Anschluß an die internationale Entwicklung herzustellen.
Rudolf G. Wagner, Sinologisches Seminar,
Tel. 54 - 76 40
Die Abbilung zum Abschnitt „Zeitschriften und
Zeitungen“ wurde einer chinesischen illustrierten
Zeitschrift aus dem Jahre 1884 entnommen. Der
Eitor und Illustrator Wu Xiaoru zeigt die historisch
wichtige Eisenbahnverbindung Shanghai–Wusang
von 1863. Deren Bedeutung ist der der Eisenbahn
Nürnberg–Fürth gleichzusetzen.
Theke 1997
Bibliographie zum Bibliothekssystem
der Universität Heidelberg
Berichtszeitraum 1990 – 1996
Mit der nachfolgend abgedruckten Siebenjahreskumulation legt die Universitätsbibliothek die erste Folge einer Bibliographie zum Bibliothekssystem der Universität
Heidelberg vor. Die Bibliographie wird künftig durch jährliche Nachträge fortgeschrieben werden. Neben der gedruckten Version, die jeweils in der Theke veröffentlicht wird, ist auch an eine elektronische Ausgabe im WWW gedacht. Die Motive für
eine regelmäßige Erfassung des bibliotheksbezogenen Schrifttums sind schon in der
Projektankündigung* genannt worden: Die Bibliographie will in erster Linie eine
Informationsquelle für die tägliche bibliothekarische Arbeit sein. Daß sie daneben
auch als beachtliche Leistungsbilanz der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Bibliothekssystems gelesen werden kann, ist angesichts der anhaltenden Debatte über Status
und Leistungsfähigkeit der Bibliotheken ein nicht unwillkommener Nebeneffekt.
Das Verzeichnis berücksichtigt Monographien und Aufsätze, die sich in nennenswertem Maße auf die universitäre Heidelberger Bibliothekslandschaft beziehen.
Grundsätzlich nicht aufgenommen wurden die Artikel der internen Mitarbeiterzeitschrift Theke aktuell. Presseberichte sind lediglich in sehr grober Auswahl verzeichnet.
Eine relativ umfassende Presseschau bieten traditionell die Hefte von Theke aktuell.
Bei der Titelaufnahme galt der Grundsatz der Autopsie, womit sowohl eine fehlerfreie
Ansetzung als auch die inhaltliche Relevanz der genannten Titel gewährleistet ist. Die
ausgedruckten Aufnahmen folgen formal der DIN, als Erfassungssoftware wurde das
Datenbanksystem Allegro genutzt.
Die Bibliographie ist in erster Ordnung in ein System von 11 Sachgruppen
gegliedert, das sich eng an das Schema des Dokumentationsdienst Bibliothekswesen
(DOBI) anlehnt. Innerhalb der einzelnen Sachgruppen wird alphabetisch geordnet. Die
beigegebenen Schlagwörter dienen der näheren Inhaltserschließung der verzeichneten
Titel. Bezieht sich ein Titel nur auf eine dezentrale Bibliothek steht stets der Institutsbzw. Fachbereichsname als erstes Schlagwort (z. B. Germanistisches Seminar ;
Mediensicherung). Die Universitätsbibliothek ist dagegen kein Deskriptor, da die
Mehrzahl der Dokumente die Zentralbibliothek betrifft. Die Zuweisung der Titel zu
den Sachgruppen wie die Schlagwortvergabe bleiben naturgemäß subjektiv. Eine
elektronische Version mit vielfältigen Retrievalmöglichkeiten dürfte diese Schwäche
leicht ausgleichen.
Allen, die durch Titelmeldungen an der Bibliographie mitgearbeitet haben, sei an
dieser Stelle nochmals herzlich gedankt. Ein besonderer Dank gebührt Herrn Bibliotheksrat Benno Homann für den schwierigen Ausdruck aus der Allegro-Datenbank.
Nachträge für den Zeitraum 1990–1996 oder Titelangaben für das Jahr 1997 sind dem
Projektbeauftragten auch weiterhin stets willkommen.
Achim Bonte, UB, Tel. 54 - 25 79
* Vgl. Theke aktuell 4 (1997), H. 1, S. 15f.
Seite 87
Übersicht der
11 Sachgruppen
1. Allgemeines
2. Beruf. Ausbildung
3. Bibliotheksgeschichte
4. Bibliotheksverwaltung.
Betriebsorganisation
5. Bibliotheksbau. Bibliothekstechnik
6. DV-Technik
7. Erwerbung
8. Erschließung
9. Benutzung
10. Öffentlichkeitsarbeit
11. Buchwesen. Handschriftenkunde
1. Allgemeines
ALTGELD, MONIKA
92 B 1454
Altgeld, Monika ; Bereichsbibliothek der Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät
der Universität.
In: Kehr, W. (Hrsg.): Handbuch der historischen Buchbestände : Band 7 ; BadenWürttemberg und Saarland ; A - H. Hildesheim {u.a.} : Olms-Weidmann, 1994,
S. 292-294
Schlagwörter: Alfred Weber-Institut ; Institut für Sozial- und Wirtschaftsgeschichte ;
Wirtschaftswissenschaftliche Fakultät ; Bibliotheksporträt ; Bestandsgeschichte
BACKHAUS, RALF
92 B 1454
Kern, Bernd-Rüdiger: Backhaus, Ralf: Eichener, Alexander ; Bibliothek des Instituts für Geschichtliche Rechtswissenschaft der Universität.
In: Kehr, W. (Hrsg.): Handbuch der historischen Buchbestände : Band 7 ; BadenWürttemberg und Saarland ; A - H. Hildesheim {u.a.} : Olms-Weidmann, 1994, S. 278-285
Schlagwörter: Institut für Geschichtliche Rechtswissenschaft ; Bibliotheksporträt ;
Bestandsgeschichte
BAUER, RALF
92 B 1454
Bauer, Ralf ; Bibliothek des Instituts für Geschichte der Medizin der Universität.
In: Kehr, W. (Hrsg.): Handbuch der historischen Buchbestände : Band 7 ; Baden-
Württemberg und Saarland ; A - H. Hildesheim {u.a.} : Olms-Weidmann, 1994,
S. 277-278
Schlagwörter: Institut für Geschichte der Medizin ; Bibliotheksporträt ; Bestandsgeschichte
EICHENER, ALEXANDER
92 B 1454
Kern, Bernd-Rüdiger: Backhaus, Ralf: Eichener, Alexander ; Bibliothek des Instituts für Geschichtliche Rechtswissenschaft der Universität.
In: Kehr, W. (Hrsg.): Handbuch der historischen Buchbestände : Band 7 ; BadenWürttemberg und Saarland ; A - H. Hildesheim {u.a.} : Olms-Weidmann, 1994, S. 278-285
Schlagwörter: Institut für Geschichtliche Rechtswissenschaft ; Bibliotheksporträt ;
Bestandsgeschichte
HERMANN, ARTHUR
92 B 1454
Hermann, Arthur ; Bibliothek des Praktisch-Theologischen Seminars der Universität.
In: Kehr, W. (Hrsg.): Handbuch der historischen Buchbestände : Band 7 ; BadenWürttemberg und Saarland ; A - H. Hildesheim {u.a.} : Olms-Weidmann, 1994, S. 287-289
Schlagwörter: Praktisch-Theologisches Seminar ; Bibliotheksporträt ; Bestandsgeschichte
KERN, BERND-RÜDIGER
92 B 1454
Kern, Bernd-Rüdiger: Backhaus, Ralf: Eichener, Alexander ; Bibliothek des Instituts für Geschichtliche Rechtswissenschaft der Universität.
In: Kehr, W. (Hrsg.): Handbuch der historischen Buchbestände : Band 7 ; BadenWürttemberg und Saarland ; A - H. Hildesheim {u.a.} : Olms-Weidmann, 1994, S. 278-285
Schlagwörter: Institut für Geschichtliche Rechtswissenschaft ; Bibliotheksporträt ;
Bestandsgeschichte
KRAMER, BÄRBEL
Kramer, Bärbel ; Die Bibliothek des Instituts für Papyrologie.
In: Theke (1991), 1, S. 27-29
Schlagwörter: Institut für Papyrologie ; Bibliotheksporträt
LAUBENTHAL, ANNEGRIT
92 B 1454
Laubenthal, Annegrit ; Bibliothek des Musikwissenschaftlichen Seminars der Universität.
In: Kehr, W. (Hrsg.): Handbuch der historischen Buchbestände : Band 7 ; BadenWürttemberg und Saarland ; A - H. Hildesheim {u.a.} : Olms-Weidmann, 1994, S. 285-287
Schlagwörter: Musikwissenschaftliches Seminar ; Bibliotheksporträt ; Bestandsgeschichte
LUNG, IRENE
92 B 1454
Lung, Irene ; Bibliothek des Romanischen Seminars der Universität.
In: Kehr, W. (Hrsg.): Handbuch der historischen Buchbestände : Band 7 ; BadenWürttemberg und Saarland ; A - H. Hildesheim {u.a.} : Olms-Weidmann, 1994, S. 289-290
Schlagwörter: Romanisches Seminar ; Bibliotheksporträt ; Bestandsgeschichte
SCHERER, FRANZ M.
92 B 1454
Scherer, Franz M. ; Bibliothek des Seminars für Klassische Philologie der Universität.
In: Kehr, W. (Hrsg.): Handbuch der historischen Buchbestände : Band 7 ; BadenWürttemberg und Saarland ; A - H. Hildesheim {u.a.} : Olms-Weidmann, 1994, S. 290-291
Schlagwörter: Seminar für Klassische Philologie ; Bibliotheksporträt ; Bestandsgeschichte
SCHLECHTER, ARMIN
92 B 1454
Schlechter, Armin: Vogeler, Hellmut: Stange, Manfred ; Universitätsbibliothek.
In: Kehr, W. (Hrsg.): Handbuch der historischen Buchbestände : Band 7 ; BadenWürttemberg und Saarland ; A - H. Hildesheim {u.a.} : Olms-Weidmann, 1994, S. 205-276
Schlagwörter: Bibliotheksporträt ; Bestandsgeschichte
STANGE, MANFRED
92 B 1454
Schlechter, Armin: Vogeler, Hellmut: Stange, Manfred ; Universitätsbibliothek.
In: Kehr, W. (Hrsg.): Handbuch der historischen Buchbestände : Band 7 ; BadenWürttemberg und Saarland ; A - H. Hildesheim {u.a.} : Olms-Weidmann, 1994, S. 205-276
Schlagwörter: Bibliotheksporträt ; Bestandsgeschichte
SÜHL-STROHMENGER, WILFRIED
92 B 1454
Sühl-Strohmenger, Wilfried ; Bibliothek des Anglistischen Seminars der Universität.
In: Kehr, W. (Hrsg.): Handbuch der historischen Buchbestände : Band 7 ; Baden-
Württemberg und Saarland ; A - H. Hildesheim {u.a.} : Olms-Weidmann, 1994, S. 276-277
Schlagwörter: Anglistisches Seminar ; Bibliotheksporträt ; Bestandsgeschichte
92 B 1454
Sühl-Strohmenger, Wilfried ; Bibliothek des Slavischen Instituts der Universität.
In: Kehr, W. (Hrsg.): Handbuch der historischen Buchbestände : Band 7 ; BadenWürttemberg und Saarland ; A - H. Hildesheim {u.a.} : Olms-Weidmann, 1994, S. 291-292
Schlagwörter: Slavisches Institut ; Bibliotheksporträt ; Bestandsgeschichte
Sühl-Strohmenger, Wilfried ; Das wissenschaftliche Bibliothekswesen in Baden-Württemberg.
In: ZfBB 41 (1994), 2, S. 139-163
Schlagwörter: Bibliotheksporträt
THEKE
ZSA 1593 C
Informationsblatt der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Bibliothekssystem der Universität Heidelberg
1979 -
THEKE AKTUELL
ZST 9125 C
Für Heidelberger Bibliotheken von Heidelberger Bibliotheken
1.1993,0 ; 1.1994,1 -
UNIVERSITÄTSBIBLIOTHEK HEIDELBERG
URL: http://www.ub.uni-heidelberg.de
[Home Page der Universitätsbibliothek]
Schlagwörter: Bibliotheksporträt ; Internet ; WWW ; Meta-Index
VOGELER, HELLMUT
92 B 1454
Schlechter, Armin: Vogeler, Hellmut: Stange, Manfred ; Universitätsbibliothek.
In: Kehr, W. (Hrsg.): Handbuch der historischen Buchbestände : Band 7 ; BadenWürttemberg und Saarland ; A - H. Hildesheim {u.a.} : Olms-Weidmann, 1994, S. 205-276
Schlagwörter: Bibliotheksporträt ; Bestandsgeschichte
2. Beruf. Ausbildung
3. Bibliotheksgeschichte
GRAFINGER, CHRISTINE MARIA
Grafinger, Christine Maria ; Die Ausleihe von Handschriften aus der Bibliotheca Palatina im 17. Jahrhundert.
In: Bibliothek und Wissenschaft 26 (1992/1993), S. 24-38
Schlagwörter: Bibliotheca Palatina ; Bestandsnutzung
HAGER, JUTTA
96 D 3051
Müller, Hildegard: Hager, Jutta ; Quellen zur Geschichte der Universitätsbibliothek Heidelberg 1870 - 1945 : ein
Inventar. Universitätsbibliothek, 1996
Schlagwörter: Quellensammlung
JAYME, ERIK
95 C 1235
Jayme, Erik ; Antonio Canova (1757 - 1822) als Künstler und Diplomat : zur Rückkehr von Teilen der Bibliotheca
Palatina nach Heidelberg in den Jahren 1815 und 1816. Universitätsbibliothek, 1994 (Heidelberger Bibliotheksschriften 50)
ISBN 3-927705-19-5
Schlagwörter: Bibliotheca Palatina ; Canova, Antonio
MITTLER, ELMAR
96 B 795
Mittler, Elmar ; Bibliothek im Wandel : die Universitätsbibliothek zwischen Vergangenheit und Zukunft.
In: Mittler, E. (Hrsg.): Heidelberg : Geschichte und Gestalt. Heidelberg : Winter, 1996, S. 326-361
Schlagwörter: Bibliotheca Palatina ; Bestandsgeschichte ; Bibliotheksporträt
MÜLLER, HILDEGARD
Müller, Hildegard ; Karl Preisendanz.
In: Baden-Württembergische Biographien 1 (1994), S. 282-284
Schlagwörter: Preisendanz, Karl
Müller, Hildegard ; Jakob Wille.
In: Badische Biographien N.F. 4 (1996), S. 322-323
Schlagwörter: Wille, Jakob
96 D 3051
Müller, Hildegard: Hager, Jutta ; Quellen zur Geschichte der Universitätsbibliothek Heidelberg 1870 - 1945 : ein
Inventar. Universitätsbibliothek, 1996
Schlagwörter: Quellensammlung
NEU-ZUBER, HORST
Neu-Zuber, Horst ; Originalentwürfe Durms zum Bibliotheksbau von 1905.
In: Theke (1994), S. 54-56
Schlagwörter: Baugeschichte ; Durm, Joseph
SCHLECHTER, ARMIN
Schlechter, Armin: Vogeler, Hellmut ; Bestandsgeschichte der Universitätsbibliothek Heidelberg ab 1386.
In: Theke (1994), S. 4-16
Schlagwörter: Bibliotheca Palatina ; Bestandsgeschichte
Schlechter, Armin ; Die Gebäude der Universitätsbibliothek Heidelberg.
In: RNZ / Sonderbeilage 800 Jahre Heidelberg 10.05. (1996), S. 13-14
Schlagwörter: Baugeschichte
SEELE, HEIDE
Seele, Heide ; Heidelberger Bibliotheksgeschichte : das Handbuch der historischen Buchbestände in Deutschland
ist ein respektables Projekt.
In: RNZ 03.08. (1994)
Schlagwörter: Bestandsgeschichte
VOGELER, HELLMUT
Schlechter, Armin: Vogeler, Hellmut ; Bestandsgeschichte der Universitätsbibliothek Heidelberg ab 1386.
In: Theke (1994), S. 4-16
Schlagwörter: Bibliotheca Palatina ; Bestandsgeschichte
4. Bibliotheksverwaltung. Betriebsorganisation
BÖHMLER, RUDOLF
Ulmer, Peter: Böhmler, Rudolf: Dörpinghaus, Hermann Josef ; „Aus den Tresoren der ältesten deutschen Universitätsbibliothek“ : Reden zur Eröffnung der Ausstellung am 6. November 1995 ; 90jähriges Jubiläum des Durmschen
Gebäudes der Universitätsbibliothek.
In: Theke (1995), S. 49-58
Schlagwörter: Bibliotheksplanung ; Ausstellung ; Durm, Joseph
DÖRPINGHAUS, HERMANN JOSEF
Ulmer, Peter: Böhmler, Rudolf: Dörpinghaus, Hermann Josef ; „Aus den Tresoren der ältesten deutschen Universitätsbibliothek“ : Reden zur Eröffnung der Ausstellung am 6. November 1995 ; 90jähriges Jubiläum des Durmschen
Gebäudes der Universitätsbibliothek.
In: Theke (1995), S. 49-58
Schlagwörter: Bibliotheksplanung ; Ausstellung ; Durm, Joseph
EICHLER, ECKHARD
Eichler, Eckhard ; Zur Vereinheitlichung der Jahresberichte in Bibliotheken.
In: Theke (1993), S. 54-55
Schlagwörter: Berichtswesen
GELDNER, ANDREAS
Geldner, Andreas ; Wissenschaftliche Bibliotheken stecken in der Krise : Beispiel Heidelberg ; Sparetat, Bücherflut, Platznot ; mit der Elektronik wachsen die Ansprüche.
In: Stuttgarter Zeitung 25.02. (1995)
Schlagwörter: Bibliotheksetat
HOMANN, BENNO
93 A 3316
Homann, Benno ; „Neue Medien“, eine Herausforderung für die Bibliotheken : Erfahrungen an der UB Heidelberg.
In: Lohse, H. (Hrsg.): Bibliotheken in alten und neuen Hochschulen : 82.
Deutscher Bibliothekartag in Bochum 1992. Frankfurt/M. : Klostermann, 1993,
S. 250-261
Schlagwörter: AV-Medium ; CD-ROM ; Datenbank ; Bibliotheksplanung
MITTLER, ELMAR
Mittler, Elmar ; Abschied und Neuanfang.
In: Theke (1990), 1/2, S. 4-5
Schlagwörter: Bibliotheksleitung ; Mittler, Elmar
Mittler, Elmar ; Die Universitätsbibliothek Heidelberg und die Bibliotheken in der DDR.
In: Theke (1990), 1/2, S. 9-10
Schlagwörter: Bibliothekskooperation ; Aufbauhilfe ; Ostdeutschland
N.N.
N.N. ; Im Profil : [Dr. Hermann Josef Dörpinghaus].
In: RNZ 26.01. (1993)
Schlagwörter: Bibliotheksleitung ; Dörpinghaus, Hermann Josef
N.N. ; Will Buch haben jetzt! : wissenschaftliche Literaturversorgung ernsthaft gefährdet.
In: Ruprecht (1995), 38, S. 1 u. 5
Schlagwörter: Bibliotheksetat
N.N. ; Wissenschaft und Werbung ohne Berührungsängste : Universitätsbibliothek sucht Sponsoren aus der Wirtschaft ; Reklame soll Löcher im Haushalt stopfen.
In: RNZ 10.12. (1996)
Schlagwörter: Bibliotheksetat ; Sponsoring
SCHOLZ, WERNER
Scholz, Werner ; Stabwechsel bei der Medizinischen Bereichsbibliothek : eine engagierte Bibliothekarin geht in
den Ruhestand.
In: Theke (1991), 1, S. 32-33
Schlagwörter: Medizinische Bereichsbibliothek ; Kock, Christa
SEELE, HEIDE
Seele, Heide ; Leipzig und Heidelberg arbeiten zusammen : die Ausstellung „Geschriebenes aber bleibt“ wurde in
der Alten Aula festlich eröffnet.
In: RNZ 11./12.05. (1994)
Schlagwörter: Ausstellung ; Bibliothekskooperation ; Aufbauhilfe ; Ostdeutschland
Seele, Heide ; Eine Schatzkammer des Geistes : feierliche Eröffnungsfeier zum 90-Jahr-Jubiläum der Heidelberger
Universitätsbibliothek.
In: RNZ 08.11. (1995)
Schlagwörter: Bibliotheksplanung ; Ausstellung
ULMER, PETER
Ulmer, Peter: Böhmler, Rudolf: Dörpinghaus, Hermann Josef ; „Aus den Tresoren der ältesten deutschen Universitätsbibliothek“ : Reden zur Eröffnung der Ausstellung am 6. November 1995 ; 90jähriges Jubiläum des Durmschen
Gebäudes der Universitätsbibliothek.
In: Theke (1995), S. 49-58
Schlagwörter: Bibliotheksplanung ; Ausstellung ; Durm, Joseph
WERNER, WILFRIED
Werner, Wilfried ; Karl Heinz Frauenfeld im Ruhestand.
In: Theke (1991), 1, S. 46
Schlagwörter: Frauenfeld, Karl Heinz
Werner, Wilfried ; Professor Henß nimmt Abschied von der Universitätsbibliothek.
In: Theke (1991), 1, S. 45
Schlagwörter: Henß, Walter
WILDERMUTH, RALF
Wildermuth, Ralf ; Dr. Hermann Josef Dörpinghaus tritt sein Amt als Direktor der Universitätsbibliothek Heidelberg an.
In: Theke (1991), 1, S. 4-5
Schlagwörter: Bibliotheksleitung ; Dörpinghaus, Hermann Josef
5. Bibliotheksbau. Bibliothekstechnik
ANTONI-KOMAR, IRENE
95 B 1252
Antoni-Komar, Irene: Beyerle, Burkhart ; Kunst an staatlichen Bauten in Baden-Württemberg 1980 - 1995. Cantz,
1995
ISBN 3-89322-797-0
Schlagwörter: Baumaßnahme ; Magazin
BEYERLE, BURKHART
95 B 1252
Antoni-Komar, Irene: Beyerle, Burkhart ; Kunst an staatlichen Bauten in Baden-Württemberg 1980 - 1995. Cantz,
1995
ISBN 3-89322-797-0
Schlagwörter: Baumaßnahme ; Magazin
DÖRPINGHAUS, HERMANN JOSEF
Heym, Christine: Stroux, Rolf: Dörpinghaus, Hermann Josef ; Wiedereröffnung der Zweigstelle der Universitätsbibliothek Heidelberg : Ansprachen der Prorektorin der Universität, des Leiters des Universitätsbauamts und des
Leiters der Universitätsbibliothek.
In: Theke (1995), S. 43-48
Schlagwörter: Zweigbibliothek Neuenheim ; Baumaßnahme
ECKES, ANNETTE
Eckes, Annette ; Konzept für die künftige Literaturversorgung im Neuenheimer Feld :
Neubau einer Zweigbibliothek der UB im Jahr 2000.
In: Theke (1995), S. 19-25
Schlagwörter: Zweigbibliothek Neuenheim ; Bibliotheksplanung
EWALD, GUSTAV
Ewald, Gustav ; Bücherumzug in der UB.
In: Theke (1991), 1, S. 34-35
Schlagwörter: Baumaßnahme ; Magazin ; Bestandsauslagerung
Ewald, Gustav ; Umzug [innerhalb der Universitätsbibliothek].
In: Theke (1991), 2, S. 50
Schlagwörter: Magazin
Ewald, Gustav ; Planung, Bau und Belegung des unterirdischen Tiefmagazins der
Universitätsbibliothek Heidelberg.
In: ABI-Technik 13 (1993), 1, S. 23-32
Schlagwörter: Baumaßnahme ; Magazin ; Bestandsauslagerung
HERMANN, ARTHUR
Hermann, Arthur ; Das Ende einer Stellnot : der Umbau des Ökumenischen Instituts.
In: Theke (1993), S. 27-28
Schlagwörter: Ökumenisches Institut ; Baumaßnahme
HEYM, CHRISTINE
Heym, Christine: Stroux, Rolf: Dörpinghaus, Hermann Josef ; Wiedereröffnung der Zweigstelle der Universitätsbibliothek Heidelberg : Ansprachen der Prorektorin der Universität, des Leiters des Universitätsbauamts und des
Leiters der Universitätsbibliothek.
In: Theke (1995), S. 43-48
Schlagwörter: Zweigbibliothek Neuenheim ; Baumaßnahme
MAINTZ, EVELINE
Maintz, Eveline ; Wasser.
In: Theke (1991), 1, S. 24-27
Schlagwörter: Geographisches Institut ; Wasserschaden ; Bestandsschaden
MITTLER, ELMAR
Mittler, Elmar ; Bibliothek im Wandel : der Umbau des Hauptgebäudes der Universitätsbibliothek Heidelberg,
Plöck 107 - 109.
In: Ruperto Carola 42 (1990), S. 118-125
Schlagwörter: Baumaßnahme
Mittler, Elmar ; Das Tiefmagazin der Universitätsbibliothek Heidelberg.
In: LIBER Bulletin 36 (1990), S. 54-67
Schlagwörter: Baumaßnahme ; Magazin
Mittler, Elmar ; Könyvtárépitési tendenciák a német egyetemi könyvtárakban [= Tendenzen im Bibliotheksbau der
deutschen Universitäten].
In: Tudományos és Müszaki Tájékoztatás 42 (1995), 8/9, S. 325-327
Schlagwörter: Baumaßnahme
N.N.
N.N. ; 36 Kilometer Bücher wechseln ihren Standort : neues Tiefmagazin wird eingeräumt ; geisteswissenschaftliche Fachliteratur zieht in die Altstadt zurück.
In: RNZ 21.03. (1991)
Schlagwörter: Baumaßnahme ; Magazin ; Bestandsauslagerung
N.N. ; Wichtiges Etappenziel in Sachen Bibliothek.
In: RNZ 14./15.06. (1995)
Schlagwörter: Zweigbibliothek Neuenheim ; Baumaßnahme ; Bibliotheksporträt
STROUX, ROLF
Heym, Christine: Stroux, Rolf: Dörpinghaus, Hermann Josef ; Wiedereröffnung der
Zweigstelle der Universitätsbibliothek Heidelberg : Ansprachen der Prorektorin der Universität, des Leiters des
Universitätsbauamts und des Leiters der Universitätsbibliothek.
In: Theke (1995), S. 43-48
Schlagwörter: Zweigbibliothek Neuenheim ; Baumaßnahme
ULLRICH, RALF
Ullrich, Ralf ; Neue Medien auch für Anfänger : UB-Zweigstelle in Neuenheim wiedereröffnet.
In: Uni-Spiegel / Erstsemester-Special WS 1995/96 27 (1995)
Schlagwörter: Zweigbibliothek Neuenheim ; Bibliotheksporträt ; Dokumentlieferung
6. DV-TECHNIK
BERBERICH, STEFANIE
Berberich, Stefanie: Pietzsch, Eberhard ; Internet : WWW der Universitätsbibliothek Heidelberg.
In: BD 29 (1995), 6, S. 1003-1005
Schlagwörter: Internet ; WWW
BRAUN, TRAUTE
Braun, Traute: Werner, Astrid ; Bibliotheken mit öffentlich zugänglichem On-LinePublikumskatalog : OPAC. Deutsches Bibliotheksinstitut, 1993
Schlagwörter: OPAC ; HEIDI ; Rundfrage
DÖRFLINGER, GABRIELE
Dörflinger, Gabriele ; HEIDI als Modell eines integrierten Online-Bibliothekssystem.
In: Theke (1993), S. A I, 1-16
Schlagwörter: HEIDI ; OPAC ; Integriertes Bibliothekssystem
DÖRPINGHAUS, HERMANN JOSEF
Dörpinghaus, Hermann Josef ; Bibliothekarische Überlegungen zur CD-ROM.
In: Theke (1991), 2, S. 37-41
Schlagwörter: CD-ROM ; Datenbank
HEBGEN, MICHAEL
Hebgen, Michael ; Quo vadis Deutsches Bibliothekswesen?.
In: Theke (1996), S. 12-13
Schlagwörter: Bibliotheksplanung
HOMANN, BENNO
93 B 110
Homann, Benno ; CD-ROM im PC-Netz : technisches Konzept und Erfahrung der Universitätsbibliothek Heidelberg.
In: Römer, G. (Hrsg.): Neue Medien - neue Aufgaben : eine Fortbildungsveranstaltung für
Bibliothekare an den wissenschaftlichen Bibliotheken des Landes Baden-Württemberg im
Mathematischen Forschungsinstitut Oberwolfach vom 4. bis 8. November 1991. Karlsruhe :
Badische Landesbibliothek, 1992, S. 129-136
Schlagwörter: CD-ROM ; Datenbank ; Netzwerk
Homann, Benno ; CD-ROM-Nutzung im PC-Netz.
In: Theke (1991), 2, S. 41-43
Schlagwörter: CD-ROM ; Datenbank ; Netzwerk
Homann, Benno ; Der EDV-Bereich in der Abteilung EDV/AV-Medien der UB Heidelberg.
In: Theke (1991), 1, S. 36-41
Schlagwörter: CD-ROM ; Datenbank ; Netzwerk
Homann, Benno ; Zweigbibliothek an das CD-ROM-Netz der Hauptbibliothek angebunden.
In: Theke (1992), 1/2, S. 30
Schlagwörter: Zweigbibliothek Neuenheim ; CD-ROM ; Datenbank ; Netzwerk
MEUSBURGER, PETER
Meusburger, Peter ; EDV/AV-Medienbereich der Universitätsbibliothek eröffnet
[Rede des Prorektors zur Einweihungsfeier am 17.01.92].
In: Theke (1991), 2, S. 34-36
Schlagwörter: CD-ROM ; Datenbank
N.N.
N.N. ; Glänzende Scheiben : prallvoll mit Informationen ; Universitätsbibliothek eröffnet neuen Bereich für EDVMedien ; großer Innovationsschub.
In: RNZ 18.01. (1992)
Schlagwörter: CD-ROM ; Datenbank ; Netzwerk
PFLUG, GÜNTHER
95 C 5688
Pflug, Günther ; Die Anfänge der Bibliotheksautomatisierung in Deutschland.
In: Helal, A. (Hrsg.): Impulse für Bibliotheken. Essen : Universitätsbibliothek, 1995, S. 9-28
Schlagwörter: Automatisierung ; Fernleihstatistik
PIETZSCH, EBERHARD
Berberich, Stefanie: Pietzsch, Eberhard ; Internet : WWW der Universitätsbibliothek Heidelberg.
In: BD 29 (1995), 6, S. 1003-1005
Schlagwörter: Internet ; WWW
Pietzsch, Eberhard ; Eine Stellungnahme zu Michael Hebgen : „Quo vadis Deutsches
Bibliothekswesen“.
In: Theke (1996), S. 14
Schlagwörter: Bibliotheksplanung
SCHMIDT, RONALD M.
90 A 6740
Schmidt, Ronald M. ; Integration of microcomputers into a mainframe based library system.
In: Helal, A. (Hrsg.): Developments in microcomputing : discovering new opportunities for
libraries in the 1990s ; 12th International Essen Symposium 23 October - 26 October 1989.
Essen : Universitätsbibliothek, 1990, S. 114-125
Schlagwörter: HEIDI ; OPAC ; Netzwerk ; Verbundkatalogisierung
VEREIN DER DIPLOMBIBLIOTHEKARE AN WISSENSCHAFTLICHEN BIBLIOTHEKEN E.V.
94 B 688
Verein der Diplombibliothekare an wissenschaftlichen Bibliotheken e.V. ; Online-Benutzerkataloge : Vergleich
von OPACs mit Ausleihfunktionen an deutschen Universitätsbibliotheken. 1994
ISBN 3-924659-22-2
Schlagwörter: OPAC ; HEIDI ; Rundfrage
WEBER, GISELA
Weber, Gisela ; Zum Stand der EDV-Entwicklung des Heidelberger BibliotheksInformationssystems (HEIDI).
In: ZfBB 41 (1994), 3, S. 360-363
Schlagwörter: HEIDI ; Monographienakzession ; Automatisierung ; Verbundkatalogisierung
WERNER, ASTRID
Braun, Traute: Werner, Astrid ; Bibliotheken mit öffentlich zugänglichem On-Line-Publikumskatalog : OPAC.
Deutsches Bibliotheksinstitut, 1993
Schlagwörter: OPAC ; HEIDI ; Rundfrage
7. Erwerbung
DEGKWITZ, ANDREAS
Degkwitz, Andreas ; Neues Sondersammelgebiet „Zeitgenössische Kunst ab 1945“ an der Sächsischen Landesbibliothek Dresden.
In: BD 27 (1993), 2, S. 187-189
Schlagwörter: Sondersammelgebiet ; Ostdeutschland
DÖRPINGHAUS, HERMANN JOSEF
Dörpinghaus, Hermann Josef ; Bibliotheksetat und Buchhandel : Ansprache von Hermann Josef Dörpinghaus
anläßlich der Eröffnung der Ausstellung „Der Springer-Verlag. Stationen seiner Geschichte 1842 - 1992“ in der
Universitätsbibliothek Heidelberg am 10. Juli 1992.
In: Theke (1992), 1/2, S. 9-11
Schlagwörter: Ausstellung ; Bibliotheksetat
Dörpinghaus, Hermann Josef ; Ist die Bildung von Sammelschwerpunkten - insbesondere für Zeitschriften innerhalb der einzelnen Regionen der Bundesrepublik wirklich sinnvoll und praktikabel? : Stellungnahme zu einer
DFG-Empfehlung.
In: Theke (1994), S. 38-42
Schlagwörter: Erwerbungskooperation ; Dokumentlieferung
Dörpinghaus, Hermann Josef ; Zum finanziellen Notstand der wissenschaftlichen Bibliotheken in Baden-Württemberg : eine Dokumentation.
In: Theke (1994), S. 32-37
Schlagwörter: Bibliotheksetat
HEIDELBERG
Öffentliche Erklärung zum finanziellen Notstand an den Universitätsbibliotheken Baden-Württembergs [Appell der
Landesrektorenkonferenz vom 16.05.1994].
In: BD 28 (1994), 6, S. 947-948
Schlagwörter: Bibliotheksetat
HOMANN, BENNO
Homann, Benno ; AV-Bestände an der Universität Heidelberg.
In: Theke (1991), 1, S. 17
Schlagwörter: AV-Medium ; Statistik ; Rundfrage
Homann, Benno ; Fernleihstatistik : PC-Programm an der UB Heidelberg.
In: BD 29 (1995), 1, S. 88-89
Schlagwörter: Bestandsaufbau ; Dokumentlieferung ; Statistik
KELLER, GUNDI
Keller, Gundi ; Erwerbung und EDV.
In: Theke (1992), 1/2, S. 26
Schlagwörter: Monographienakzession ; Automatisierung ; HEIDI
LERSCH, THOMAS
Lersch, Thomas ; Les grandes bibliothèques d’art allemandes : l’association des bibliothèques d’art ; un exemple
d’acquisitions partagées.
In: Bulletin des bibliothèques de France 38 (1994), 1, S. 44-51
Schlagwörter: Sondersammelgebiet ; Erwerbungskooperation
PROBST, VEIT
Probst, Veit ; Dörpinghaus, Hermann Josef: Checkliste für die Auswahl von Lieferanten beim Bezug ausländischer
Monographien [Rezension].
In: Theke (1992), 1/2, S. 45
Schlagwörter: Monographienakzession ; Bestandsaufbau
SCHÄME, ULRIKE
Schäme, Ulrike ; Die Sondersammelgebiete Zeitgenössische Kunst - Industriedesign, Photographie - Gebrauchsgraphik an der Sächsischen Landesbibliothek Dresden.
In: BD 28 (1994), 9, S. 1409-1411
Schlagwörter: Sondersammelgebiet ; Ostdeutschland
TZSCHASCHEL, INGEBORG
Tzschaschel, Ingeborg ; Keine Steuer auf Bücher : wissenschaftliche Bibliotheken befürchten Einbußen ab 1993 ;
Gespräch mit UB-Direktor Dörpinghaus.
In: RNZ 28.08. (1993)
Schlagwörter: Bibliotheksetat ; Bestandsaufbau
WAGNER, RUDOLF G.
Wagner, Rudolf G. ; Bei den Jägern und Sammlern.
In: Theke (1991), 2, S. 29-32
Schlagwörter: Sinologisches Seminar ; Besondere Erwerbungen
WEBER, GISELA
Weber, Gisela ; Automatisierung der Monographienerwerbung in HEIDI.
In: Theke (1993), S. 31-46
Schlagwörter: Monographienakzession ; Automatisierung ; Geschäftsgang ; HEIDI
WOLF-HAUSCHILD, REGINE
Wolf-Hauschild, Regine ; Kooperation öffentlicher und wissenschaftlicher Bibliotheken beim Bestandsaufbau.
In: Grube, H. (Hrsg.): Medienpolitik : neue Medien und Kinder ; Organisation. Reutlingen :
Ekz, 1996, S. 36-38
Schlagwörter: Bibliothekskooperation ; Bestandsaufbau
8. Erschließung
AHLERS, TORSTEN
Ahlers, Torsten: Schliephacke, Jens: Schmidt, André ; Aufbau eines WWW-Servers für Sondersammelgebietsbibliotheken, Zentrale Fachinformationsbibliotheken und Spezialbibliotheken : das Projekt WEBIS.
In: BD 29 (1995), 11, S. 1806-1811
Schlagwörter: Sondersammelgebiet ; Internet ; WWW ; Meta-Index
Ahlers, Torsten: Schliephacke, Jens: Schmidt, André ; Die von der DFG geförderten Schwerpunktbibliotheken im
Internet : ein Informationssystem für Sondersammelgebiets-bibliotheken, Zentrale Fachbibliotheken und Spezialbibliotheken.
In: ZfBB 43 (1996), 3, S. 227-240
Schlagwörter: Sondersammelgebiet ; Internet ; WWW ; Meta-Index
BERBERICH, STEFANIE
Berberich, Stefanie ; Die Integration der regionalen Sacherschließung nach RSWK
in das lokale System HEIDI : „Haken und Ösen“.
In: Theke (1993), S. 9-15
Schlagwörter: Sachkatalogisierung ; Verbundkatalogisierung ; RSWK ; HEIDI
BUNZEL, JÜRGEN
Bunzel, Jürgen ; Fremddaten für die Katalogisierung der Mikroficheeditionen „Bibliotheca Palatina“ und „Bibliothek Corvey“.
In: ZfBB 38 (1991), 1, S. 70-71
Schlagwörter: Formalkatalogisierung ; Verbundkatalogisierung ; Bibliotheca Palatina ;
Sondersammlung
EICHLER, ECKHARD
Eichler, Eckhard ; Ägyptologie : elektronischer Fachkatalog in der UB Heidelberg.
In: BD 29 (1995), 9, S. 1481-1483
Schlagwörter: Sondersammelgebiet ; Spezialkatalog ; Internet ; WWW
Eichler, Eckhard ; Ein neuer „Fachkatalog Ägyptologie“ entsteht.
In: Theke (1995), S. 64-66
Schlagwörter: Sondersammelgebiet ; Formalkatalogisierung ; Sachkatalogisierung ;
Spezialkatalog ; OPAC
ENGLERT, ANGELIKA
Englert, Angelika ; HZV-Mikroficheausgabe 1991 : einige Zahlen.
In: Theke (1992), 1/2, S. 41
Schlagwörter: Formalkatalogisierung ; Heidelberger Zeitschriftenverzeichnis ; Statistik
Englert, Angelika ; Immer nur Druck!!!??? : Katalogkartenherstellung im Pilotprojekt.
In: Theke (1992), 1/2, S. 19
Schlagwörter: Formalkatalogisierung ; Verbundkatalogisierung ; BIS-LOK ; OPAC ;
ALLEGRO ; Zettelkatalog
HAFFNER, THOMAS
Haffner, Thomas ; Archäologische Funde im Internet : Erfahrungen bei der Erstellung einer Home Page für das
Sondersammelgebiet Klassische Archäologie.
In: Theke (1996), S. 25-32
Schlagwörter: Sondersammelgebiet ; Internet ; WWW ; Meta-Index
HAHN, THOMAS H.
Hahn, Thomas H. ; Eine Idee zum „Splitting“ von CJK[Chinesisch-Japanisch-Koreanisch]-Daten und Heidelberger
Erfahrungen mit Bibliothekssoftware.
In: Chinesisch & Computer 5 (1990), S. 19-28
Schlagwörter: Sinologisches Seminar ; Formalkatalogisierung
Hahn, Thomas H. ; Über ALLEGRO-C und YITIAN (ET) im NOVELL-Netzwerk : varia
automaticae und ein polemisches Zwischenstück.
In: Chinesisch & Computer 7 (1992), S. 31-46
Schlagwörter: Sinologisches Seminar ; Formalkatalogisierung ; ALLEGRO ; NOVELL
Hahn, Thomas H. ; Auf dem Weg zu einem CJK[Chinesisch-Japanisch-Koreanisch]-Verbund : Möglichkeiten und
technische Voraussetzungen für Bibliotheken mit Materialien in ostasiatischen Sprachen.
In: Theke (1995), S. 26-29
Schlagwörter: Sinologisches Seminar ; Formalkatalogisierung ; Verbundkatalogisierung
HOMANN, BENNO
91 A 12630
Homann, Benno ; AV-Medien an den Hochschulen der Bundesrepublik Deutschland :
Bestandsaufbau und Erschließungskonzepte.
In: Lange, E. (Hrsg.): Die Medien und die Informationsgesellschaft : zu Fragen der
Berufsqualifizierung und der Bestandserschließung. Baden-Baden : Nomos-Verl.-Ges.,
1991, S. 155-165
Schlagwörter: AV-Medium ; Bestandsaufbau ; Formalkatalogisierung
Münnich, Monika: Homann, Benno ; Pilotprojekt SWB/BIS-LOK-Einsatz in 10 Bibliotheken der Universität.
In: Theke (1991), 2, S. 21-26
Schlagwörter: Formalkatalogisierung ; Verbundkatalogisierung ; BIS-LOK ; OPAC ; Netzwerk
MAINTZ, EVELINE
Maintz, Eveline ; Heidi Live.
In: Theke (1994), S. 59-61
Schlagwörter: HEIDI ; Katalogredaktion
METZ, SUSANNE
95 A 8261
Metz, Susanne ; Zur Katalogisierung chinesischer Werke : Regeln und EDV-Einsatz.
Deutsches Bibliotheksinstitut, 1995
ISBN 3-87068-483-6
Schlagwörter: Sinologisches Seminar ; Formalkatalogisierung ; Automatisierung ; ALLEGRO
MÜNNICH, MONIKA
91 A 4542
Münnich, Monika ; Heidelberg : PC-Einsatz zwischen dem lokalen elektronischen Gesamtkatalog HEIDI und dem
regionalen Verbund (SWB) als Datenressource.
In: Plassmann, E. (Hrsg.): Bibliotheken in Europa : 80. Deutscher Bibliothekartag in
Saarbrücken. Frankfurt am Main : Klostermann, 1991, S. 228-239
Schlagwörter: Formalkatalogisierung ; Verbundkatalogisierung ; OPAC ; HEIDI ; BIS-LOK
93 A 3316
Münnich, Monika ; Kombiniertes Online-Offline-Katalogisieren in Heidelberg.
In: Lohse, H. (Hrsg.): Bibliotheken in alten und neuen Hochschulen : 82. Deutscher
Bibliothekartag in Bochum 1992. Frankfurt/M. : Klostermann, 1993, S. 169-176
Schlagwörter: Formalkatalogisierung ; Verbundkatalogisierung ; Netzwerk ; BIS-LOK ;
OPAC ;ALLEGRO
Münnich, Monika ; PC-Einsatz im Heidelberger Bibliothekssystem.
In: Theke (1990), 1/2, S. 17-21
Schlagwörter: Formalkatalogisierung ; Verbundkatalogisierung ; BIS-LOK ; OPAC ; HEIDI
Münnich, Monika: Homann, Benno ; Pilotprojekt SWB/BIS-LOK-Einsatz in 10 Bibliotheken der Universität.
In: Theke (1991), 2, S. 21-26
Schlagwörter: Formalkatalogisierung ; Verbundkatalogisierung ; BIS-LOK ; OPAC ; Netzwerk
Münnich, Monika ; Externe Bibliotheken nicht mehr in HEIDI.
In: Theke (1992), 1/2, S. 44
Schlagwörter: Formalkatalogisierung ; HEIDI
Münnich, Monika ; Formalkatalogisierung ist in Zukunft (inklusive Institutsbetreuung) Teamsache!.
In: Theke (1992), 1/2, S. 27
Schlagwörter: Formalkatalogisierung ; Geschäftsgang
Münnich, Monika ; Retrospektive Katalogisierung mit dem Südwestverbund oder - viele Wege führen nach Konstanz.
In: Theke (1992), 1/2, S. 14-15
Schlagwörter: Formalkatalogisierung ; Verbundkatalogisierung ; Katalogkonversion
Münnich, Monika ; Das Pilotprojekt SWB/BIS-LOK-Einsatz.
In: Theke (1993), S. 23-24
Schlagwörter: Formalkatalogisierung ; Verbundkatalogisierung ; BIS-LOK ; BIS-NET ; OPAC
Münnich, Monika: Wildermuth, Ralf ; Retrokonversion des alphabetischen Zettelkatalogs : ein Überblick.
In: Theke (1994), S. 62-64
Schlagwörter: Formalkatalogisierung ; Verbundkatalogisierung ; Katalogkonversion
Münnich, Monika ; Authority control in the 21st century.
In: Theke (1996), S. 18
Schlagwörter: Formalkatalogisierung ; Sachkatalogisierung ; Verbundkatalogisierung
Münnich, Monika ; Datentausch : in Zukunft kein Problem? ; eine Antwort auf „Quo vadis Deutsches Bibliothekswesen?“.
In: Theke (1996), S. 15-17
Schlagwörter: Bibliotheksplanung ; Formalkatalogisierung ; Verbundkatalogisierung ; RAK
N.N.
N.N. ; Elektronischer Fachkatalog : Ägyptologie-Projekt der Universitätsbibliothek Heidelberg.
In: RNZ 25.07. (1995)
Schlagwörter: Sondersammelgebiet ; Spezialkatalog
Predkat : der EDV-Predigtkatalog des Praktisch-Theologischen Seminars Heidelberg
In: Theke (1993), S. 26
Schlagwörter: Praktisch-Theologisches Seminar ; Formalkatalogisierung ; Spezialkatalog
POMMERANZ, JOHANNES W.
Pommeranz, Johannes W. ; Erfahrungen bei der Erstellung einer Kunstgeschichte-Homepage im Internet.
In: Theke (1996), S. 19-24
Schlagwörter: Sondersammelgebiet ; Internet ; WWW ; Meta-Index
RIES, LUDWIG
Ries, Ludwig ; Blut, Lug und Trug : auch das ist Palatina.
In: Theke (1996), S. 4-11
Schlagwörter: Formalkatalogisierung ; Bibliotheca Palatina ; Sondersammlung
SCHLIEPHACKE, JENS
Ahlers, Torsten: Schliephacke, Jens: Schmidt, André ; Aufbau eines WWW-Servers für Sondersammelgebietsbibliotheken, Zentrale Fachinformationsbibliotheken und Spezialbibliotheken : das Projekt WEBIS.
In: BD 29 (1995), 11, S. 1806-1811
Schlagwörter: Sondersammelgebiet ; Internet ; WWW ; Meta-Index
Ahlers, Torsten: Schliephacke, Jens: Schmidt, André ; Die von der DFG geförderten Schwerpunktbibliotheken im
Internet : ein Informationssystem für Sondersammelgebiets-bibliotheken, Zentrale Fachbibliotheken und Spezialbibliotheken.
In: ZfBB 43 (1996), 3, S. 227-240
Schlagwörter: Sondersammelgebiet ; Internet ; WWW ; Meta-Index
SCHMIDT, ANDRÉ
Ahlers, Torsten: Schliephacke, Jens: Schmidt, André ; Aufbau eines WWW-Servers für Sondersammelgebietsbibliotheken, Zentrale Fachinformationsbibliotheken und
Spezialbibliotheken : das Projekt WEBIS.
In: BD 29 (1995), 11, S. 1806-1811
Schlagwörter: Sondersammelgebiet ; Internet ; WWW ; Meta-Index
Ahlers, Torsten: Schliephacke, Jens: Schmidt, André ; Die von der DFG geförderten Schwerpunktbibliotheken im
Internet : ein Informationssystem für Sondersammelgebiets-bibliotheken, Zentrale Fachbibliotheken und Spezialbibliotheken.
In: ZfBB 43 (1996), 3, S. 227-240
Schlagwörter: Sondersammelgebiet ; Internet ; WWW ; Meta-Index
SCHMITT, GERDA
Schmitt, Gerda ; RETRO in der UB.
In: Theke (1992), 1/2, S. 15-16
Schlagwörter: Formalkatalogisierung ; Verbundkatalogisierung ; Katalogkonversion
WILDERMUTH, RALF
Münnich, Monika: Wildermuth, Ralf ; Retrokonversion des alphabetischen
Zettelkatalogs : ein Überblick.
In: Theke (1994), S. 62-64
Schlagwörter: Formalkatalogisierung ; Verbundkatalogisierung ; Katalogkonversion
WOLFF, MECHTHILD
Wolff, Mechthild ; Schlagwortkatalog zu feministischer Frauenforschung in der Bibliothek des Erziehungswissenschaftlichen Seminars.
In: Theke (1990), 1/2, S. 26
Schlagwörter: Erziehungswissenschaftliches Seminar ; Sachkatalogisierung ; Spezialkatalog
ZELL, HILTRAUD
Zell, Hiltraud ; 40 Jahre Dozentenbibliographie : ein Arbeitsbereich mit Tradition stellt sich vor.
In: Theke (1993), S. 56-57
Schlagwörter: Formalkatalogisierung ; Spezialkatalog ; Dozentenbibliographie
ZIMMERMANN, PETRA
Zimmermann, Petra ; Retrospektive Erfassung von Katalogdaten mit dem Kurztitelpool des SWB im Erziehungswissenschaftlichen Seminar.
In: Theke (1992), 1/2, S. 16
Schlagwörter: Erziehungswissenschaftliches Seminar ; Formalkatalogisierung ;
Verbundkatalogisierung ; Katalogkonversion
Zimmermann, Petra ; The little grey booster ... : kurzer Zwischenbericht zum Pilotprojekt (kombinierter Einsatz
SWB und BIS-LOK) aus technischer Sicht.
In: Theke (1992), 1/2, S. 17-18
Schlagwörter: Formalkatalogisierung ; Verbundkatalogisierung ; BIS-LOK ; Netzwerk
9. Benutzung
ALTHAUS, BEATE
Stein, Anita: Althaus, Beate ; 3M Tattle-tape.
In: Theke (1993), S. 29
Schlagwörter: Germanistisches Seminar ; Mediensicherung
BERBERICH, STEFANIE
Berberich, Stefanie ; Die Nutzungsentwicklung von Fachbibliographien auf CD-ROM :
ein Bericht über die Erfahrungen mit dem „Philosopher’s Index“ [in Heidelberg].
In: BD 28 (1994), 10, S. 1596-1605
Schlagwörter: CD-ROM ; Datenbank ; Bestandsnutzung ; Statistik
DÖRPINGHAUS, HERMANN JOSEF
Dörpinghaus, Hermann Josef ; Zur Übergabe der Ortsleihe im Altbau nach erfolgtem Umbau am 4. März 1994 :
Ansprache des Direktors der Universitätsbibliothek.
In: Theke (1994), S. 57-58
Schlagwörter: Ortsleihe ; Baumaßnahme
Dörpinghaus, Hermann Josef ; Der neue Document-Delivery-Service der Universitätsbibliothek Heidelberg für
Naturwissenschaften und Medizin.
In: Theke (1995), S. 59-60
Schlagwörter: Zweigbibliothek Neuenheim ; Dokumentlieferung
Stroux, Rolf: Dörpinghaus, Hermann Josef ; 125 neue Leseplätze in der Heidelberger Universitätsbibliothek [:
Ansprachen anläßlich der Einweihung der neuen Lesebereiche und des neugestalteten Untergeschosses am 1.
Februar 1996].
In: Theke (1996), S. 48-52
Schlagwörter: Lesesaal Altstadt ; Baumaßnahme
ECKES, ANNETTE
Eckes, Annette ; Bei der Beratung die Nase vorne!.
In: Theke (1993), S. 48
Schlagwörter: CD-ROM ; Datenbank ; Benutzerschulung
Eckes, Annette ; Zweigbibliothek im Neuenheimer Feld mit neuem Gesicht.
In: Theke (1993), S. 52-53
Schlagwörter: Zweigbibliothek Neuenheim ; Baumaßnahme
Eckes, Annette ; Medizinische Literaturversorgung an der Universitätsbibliothek Heidelberg.
In: Theke (1994), S. 43-46
Schlagwörter: Zweigbibliothek Neuenheim
Eckes, Annette: Pietzsch, Eberhard ; Electronic Document Delivery an der Universitätsbibliothek Heidelberg.
In: Theke (1995), S. 61-63
Schlagwörter: Zweigbibliothek Neuenheim ; Dokumentlieferung ; Statistik
Eckes, Annette: Pietzsch, Eberhard ; Electronic Document Delivery an der Universitätsbibliothek Heidelberg :
elektronische Bestellung und Lieferung von
Zeitschriftenaufsätzen.
In: BD 29 (1995), 11, S. 1797-1802
Schlagwörter: Zweigbibliothek Neuenheim ; Dokumentlieferung
GROTHE, WERNER
Homann, Benno: Grothe, Werner: Haux, Reinhold ; Dezentrale Online-Nutzung von Informationsdiensten : Konzeption und erste Erfahrungen im Universitätsklinikum Heidelberg.
In: Michaelis, J. (Hrsg.): Europäische Perspektiven der medizinischen Informatik, Biometrie
und Epidemiologie. München : MMV, Medizin-Verlag, 1993, S. 397-401
Schlagwörter: CD-ROM ; Datenbank ; Netzwerk
HAUX, REINHOLD
Homann, Benno: Grothe, Werner: Haux, Reinhold ; Dezentrale Online-Nutzung von Informationsdiensten : Konzeption und erste Erfahrungen im Universitätsklinikum Heidelberg.
In: Michaelis, J. (Hrsg.): Europäische Perspektiven der medizinischen Informatik, Biometrie
und Epidemiologie. München : MMV, Medizin-Verlag, 1993, S. 397-401
Schlagwörter: CD-ROM ; Datenbank ; Netzwerk
HERGESELL, IRIS
Hergesell, Iris ; Weltweite Literaturrecherchen : die Universitätsbibliothek bietet freien Zugang zum Internet.
In: RNZ 17.05. (1995)
Schlagwörter: Internet ; WWW
HOMANN, BENNO
Homann, Benno: Grothe, Werner: Haux, Reinhold ; Dezentrale Online-Nutzung von Informationsdiensten : Konzeption und erste Erfahrungen im Universitätsklinikum Heidelberg.
In: Michaelis, J. (Hrsg.): Europäische Perspektiven der medizinischen Informatik, Biometrie
und Epidemiologie. München : MMV, Medizin-Verlag, 1993, S. 397-401
Schlagwörter: CD-ROM ; Datenbank ; Netzwerk
Homann, Benno: Wernz, Helmut ; SUPPORT : ein Ergänzungsprogramm für CD-ROMNutzungsanalysen.
In: Theke (1992), 1/2, S. 30-33
Schlagwörter: CD-ROM ; Datenbank ; Bestandsnutzung ; Statistik
Homann, Benno ; CD-ROM-Datenbanken im Aufwind.
In: Theke (1993), S. 47-48
Schlagwörter: CD-ROM ; Datenbank ; Bestandsnutzung ; Statistik
Homann, Benno ; Elektronische Medien an der Universitätsbibliothek Heidelberg - ein Erfahrungsbericht.
In: ZfBB 40 (1993), 1, S. 44-56
Schlagwörter: CD-ROM ; Datenbank ; Netzwerk ; Bestandsnutzung ; Statistik
Homann, Benno ; Benutzerschulung für CD-ROM-Angebote an wissenschaftlichen Bibliotheken : Bedarf und
Schulungskonzepte ; schriftliche Fassung eines Vortrages auf dem Hessischen Bibliothekstag 1995 in Rüsselsheim.
In: Theke (1995), S. 10-18
Schlagwörter: CD-ROM ; Datenbank ; Benutzerschulung ; Statistik
Homann, Benno ; Schulungen als Aufgabe einer benutzerorientierten Bibliothek.
In: ZfBB 43 (1996), 6, S. 595-613
Schlagwörter: Benutzerschulung
N.N.
N.N. ; Abendliche Protestaktion in der UB : Benutzergruppe gegen verkürzte Öffnungszeiten ; UB-Leitung kündigt
Vorstoß bei der Uni an.
In: RNZ 30.07. (1991)
Schlagwörter: Bibliotheksetat ; Lesesaal Altstadt ; Öffnungszeit
N.N. ; Mit wenig Aufwand Optimales erreicht : in der Universitätsbibliothek ; neue Ortsleihe übergeben ; gibt’s
bald mehr Leseplätze?.
In: RNZ 05.03. (1994)
Schlagwörter: Ortsleihe ; Baumaßnahme
N.N. ; Fachartikel kommen übers Internet : schnellere Versorgung der Wissenschaftler über den PC ; mehr Zeitschriftentitel im Pool.
In: RNZ 03.11. (1995)
Schlagwörter: Zweigbibliothek Neuenheim ; Dokumentlieferung
N.N. ; Heidelberger Dokumentlieferservice : neuer Zugriff auf naturwissenschaftliche und medizinische Aufsätze.
In: RNZ 16.01. (1996)
Schlagwörter: Zweigbibliothek Neuenheim ; Dokumentlieferung
N.N. ; Studieren mit Blick über die Altstadtdächer : 125 neue Leseplätze in der Universitäts-Bibliothek eingeweiht
; deutliche Verbesserung, aber noch nicht optimal.
In: RNZ 02.02. (1996)
Schlagwörter: Lesesaal Altstadt ; Baumaßnahme
NEU-ZUBER, HORST
Neu-Zuber, Horst ; Die Kiste muß weg : oder kann man in einer 90 Jahre alten Bibliothek überhaupt eine Ausleihe
für über 25.000 aktive Benutzer unterbringen?.
In: Theke (1993), S. 49-51
Schlagwörter: Ortsleihe ; Baumaßnahme ; Geschäftsgang
PETEREK, RUTH
Peterek, Ruth ; CD-ROM-Benutzerschulungen an Universitätsbibliotheken.
In: ABI-Technik 15 (1995), 2, S. 168-173
Schlagwörter: CD-ROM ; Datenbank ; Benutzerschulung ; Rundfrage
PIETZSCH, EBERHARD
Eckes, Annette: Pietzsch, Eberhard ; Electronic Document Delivery an der Universitätsbibliothek Heidelberg.
In: Theke (1995), S. 61-63
Schlagwörter: Zweigbibliothek Neuenheim ; Dokumentlieferung ; Statistik
Eckes, Annette: Pietzsch, Eberhard ; Electronic Document Delivery an der Universitätsbibliothek Heidelberg :
elektronische Bestellung und Lieferung von Zeitschriftenaufsätzen.
In: BD 29 (1995), 11, S. 1797-1802
Schlagwörter: Zweigbibliothek Neuenheim ; Dokumentlieferung
STEIN, ANITA
Stein, Anita: Althaus, Beate ; 3M Tattle-tape.
In: Theke (1993), S. 29
Schlagwörter: Germanistisches Seminar ; Mediensicherung
STROUX, ROLF
Stroux, Rolf: Dörpinghaus, Hermann Josef ; 125 neue Leseplätze in der Heidelberger Universitätsbibliothek [:
Ansprachen anläßlich der Einweihung der neuen Lesebereiche und des neugestalteten Untergeschosses am 1.
Februar 1996].
In: Theke (1996), S. 48-52
Schlagwörter: Lesesaal Altstadt ; Baumaßnahme
UNIVERSITÄTSBIBLIOTHEK HEIDELBERG
Umfangreiche Erweiterung des Lesebereichs abgeschlossen
In: BD 30 (1996), 3, S. 490-494
Schlagwörter: Lesesaal Altstadt ; Baumaßnahme
VÖLKEL, RÜDIGER
Völkel, Rüdiger ; Öffnungszeiten der Unibibliothek und kein Ende?.
In: RNZ 22.07. (1991)
Schlagwörter: Bibliotheksetat ; Lesesaal Altstadt ; Öffnungszeit
WERNZ, HELMUT
Homann, Benno: Wernz, Helmut ; SUPPORT : ein Ergänzungsprogramm für CD-ROM-Nutzungsanalysen.
In: Theke (1992), 1/2, S. 30-33
Schlagwörter: CD-ROM ; Datenbank ; Bestandsnutzung ; Statistik
10. Öffentlichkeitsarbeit
AUSSTELLUNGEN 1990 - 1992 [IN DER UNIVERSITÄTSBIBLIOTHEK]
In: Theke (1990), 1/2, S. 35
Schlagwörter: Ausstellung
BERBERICH, STEFANIE
Berberich, Stefanie ; Kostbarkeiten aus der Universitätsbibliothek Heidelberg : Bilderhandschriften oberdeutscher
Schreiberwerkstätten des späten Mittelalters und Künstlerische Drucke des 20. Jahrhunderts.
In: Theke (1994), S. 17
Schlagwörter: Ausstellung ; Sondersammlung
BÜCHERBRÜCKE HEIDELBERG / HERMANNSTADT
Ausstellung in der Universitätsbibliothek
In: Theke (1990), 1/2, S. 35a
Schlagwörter: Ausstellung ; Brukenthal-Bibliothek
DÖRPINGHAUS, HERMANN JOSEF
Dörpinghaus, Hermann Josef ; Zur Jubiläumsausstellung der Universitätsbibliothek Heidelberg.
In: Librarium : Zeitschrift der Schweizerischen Bibliophilen-Gesellschaft 39
(1996), 1, S. 22-23
Schlagwörter: Ausstellung ; Durm, Joseph
EICHENDORFF IN HEIDELBERG
Ausstellung in der Universitätsbibliothek 19.3. - 30.6.1992
In: Theke (1991), 2, S. 52-53
Schlagwörter: Ausstellung
KOSTBARKEITEN AUS ALTER UND NEUER ZEIT
Handschriften - Briefe - Drucke ; Gemeinschaftsausstellung wissenschaftlicher Bibliotheken zum Baden-Württembergischen Landesjubiläum (Universitätsbibliothek Heidelberg, 8.12.1992 - 16.1.1993).
In: Theke (1992), 1/2, S. 36-37
Schlagwörter: Ausstellung
DIE KULTUR DER ABTEI ST. GALLEN
Wanderausstellung des Stiftsarchivs St. Gallen
In: Theke (1990), 1/2, S. 35c
Schlagwörter: Ausstellung ; Stiftsarchiv Sankt Gallen
N.N.
N.N. ; Das Wort und seine Gestaltung : „Sprache sehen“ ; eine Ausstellung in der Heidelberger Universitätsbibliothek.
In: RNZ 30.11. (1993)
Schlagwörter: Ausstellung
SCHEFFLER, CHRISTIAN
Scheffler, Christian ; Die unheilige Weltbibel : Reineke Fuchs in Dichtung und Bildender Kunst Europas ; eine
Ausstellung in der Universitätsbibliothek Heidelberg.
In: Börsenblatt / Aus dem Antiquariat (1995), S. A 358-A 361
Schlagwörter: Ausstellung
SEELE, HEIDE
Seele, Heide ; Originelle Ideen und ihre Verwirklichung : Buchobjekte der Frankfurter Alpha Presse in der Heidelberger Universitätsbibliothek.
In: RNZ 04.02. (1993)
Schlagwörter: Ausstellung
Seele, Heide ; Alles verkehrt sich in sein Gegenteil : eine Ausstellung zu Reineke Fuchs in der Heidelberger
Universitätsbibliothek.
In: RNZ 22.06. (1995)
Schlagwörter: Ausstellung
VERLAGSGESCHICHTE IM ZEITRAFFER
Der Springer-Verlag ; Stationen seiner Geschichte 1842 - 1992 ; Ausstellung in der Heidelberger Uni-Bibliothek
10. Juli 1992 bis 16. Januar 1993.
In: Theke (1992), 1/2, S. 34-36
Schlagwörter: Ausstellung
DIE VERTRIEBENEN HEIDELBERGER DOZENTEN
Ausstellung in der Universitätsbibliothek Heidelberg.
In: Theke (1990), 1/2, S. 35d
Schlagwörter: Ausstellung
VORGESEHENE AUSSTELLUNGEN [IN DER UNIVERSITÄTSBIBLIOTHEK] IM WINTERSEMESTER
1991 UND SOMMERSEMESTER 1992
In: Theke (1991), 1, S. 42
Schlagwörter: Ausstellung
11. Buchwesen. Handschriftenkunde
AUS DEN TRESOREN DER ÄLTESTEN DEUTSCHEN UNIVERSITÄTSBIBLIOTHEK
96 D 197
Baugeschichte der Bibliothek, Heidelberg in alten Stadtansichten, Faksimilia, Originalhandschriften und Drucke ;
eine Ausstellung aus Anlaß des 90jährigen Bestehens des Durmschen Bibliotheksgebäudes in der Plöck in Verbindung mit der 800-Jahrfeier der Stadt Heidelberg ; Begleitheft zur Ausstellung vom 07.11.1995 bis 31.08.1996.
Universitätsbibliothek, 1995 (Heidelberger Bibliotheksschriften 51)
ISBN 3-927705-20-9
Schlagwörter: Ausstellung ; Baugeschichte
BERSCHIN, WALTER
93 B 357
Berschin, Walter ; Die Palatina in der Vaticana : eine deutsche Bibliothek in Rom. Belser, 1992
ISBN 3-7630-2087-X
Schlagwörter: Bibliotheca Palatina ; Bestandsgeschichte ; Handschriftenstudie
Berschin, Walter ; Die altfranzösischen Handschriften der Palatina : eine Einführung in die Jubiläumsausstellung.
In: Theke (1995), S. 4-9
Schlagwörter: Bibliotheca Palatina ; Bestandsgeschichte ; Ausstellung ; Sondersammlung
Berschin, Walter ; Die altfranzösischen Handschriften der Palatina.
In: Librarium : Zeitschrift der Schweizerischen Bibliophilen-Gesellschaft 39
(1996), 1, S. 23-37
Schlagwörter: Bibliotheca Palatina ; Bestandsgeschichte ; Ausstellung ; Sondersammlung
DAHLHAUS, JOACHIM
Dahlhaus, Joachim ; „Mit urkund dises briefs“ : Ansprache zur Eröffnung der Ausstellung in der Universitätsbibliothek Heidelberg am 30. September 1996.
In: Theke (1996), S. 58-62
Schlagwörter: Ausstellung ; Sondersammlung
DANNEHL, JENS
Dannehl, Jens ; Mittelalterliche Siegel.
In: Theke (1996), S. 63-67
Schlagwörter: Sondersammlung ; Restaurierung
DEUTSCHES BIBLIOTHEKSINSTITUT [HRSG.]
92 A 11909
Handbuch der Handschriftenbestände in der Bundesrepublik Deutschland : Teil 1 ;
Baden-Württemberg, Bayern [...]. Dt. Bibliotheksinst., 1992
ISBN 3-447-03228-6
Schlagwörter: Spezialkatalog
DÖRPINGHAUS, HERMANN JOSEF
Dörpinghaus, Hermann Josef ; Zum aktuellen Stand der Erschließung und Katalogisierung der Bibliotheca Palatina
Vaticana.
In: Theke (1993), S. 4-8
Schlagwörter: Handschriftenkatalogisierung ; Bibliotheca Palatina
Dörpinghaus, Hermann Josef ; Die Urkundensammlungen der Heidelberger Universitätsbibliothek : eine kleine
Übersicht aus aktuellem Anlaß.
In: Theke (1996), S. 54-57
Schlagwörter: Ausstellung ; Sondersammlung
DÜCHTING, REINHARD
Düchting, Reinhard ; Ludwig Schuba : zum 75. Geburtstag einer Instanz.
In: Gemeinde-Nachrichten Sandhausen 03.04. (1992)
Schlagwörter: Handschriftenkatalogisierung ; Schuba, Ludwig
92 R 172
Düchting, Reinhard: Klein-Ilbeck, Bettina ; Bibliographie Ludwig Schuba : zum 75. Geburtstag am 8. April 1992.
Universitätsbibliothek, [1992]
Schlagwörter: Handschriftenkatalogisierung ; Schuba, Ludwig
FEESER, SIGRID
Feeser, Sigrid ; Zum Hinschauen schön : eine Schau „Aus den Tresoren der ältesten deutschen Universitätsbibliothek“.
In: Die Rheinpfalz 24.11. (1995)
Schlagwörter: Ausstellung
FISCHER, URSEL
96 A 5655
Fischer, Ursel ; Meister Johans Hadloub : Autorbild und Werkkonzeption der Manessischen Liederhandschrift. M
& P, Verl. für Wissenschaft und Forschung, 1996
ISBN 3-476-45150-X
Schlagwörter: Handschriftenstudie
GEH, HANS-PETER [HRSG.]
92 A 8178
Kostbarkeiten aus alter und neuer Zeit ; Handschriften, Briefe, Drucke ; eine Ausstellung wissenschaftlicher
Bibliotheken Baden-Württembergs zum 40-jährigen Landesjubiläum. Badische Landesbibliothek, 1992
ISBN 3-88705-032-0
Schlagwörter: Ausstellung
HESPE, JÜRGEN
Hespe, Jürgen ; „Aus den Tresoren der ältesten deutschen Universitätsbibliothek“ : eine Ausstellung in Heidelberg.
In: Börsenblatt / Aus dem Antiquariat 26.07. (1996), S. A 293-A 295
Schlagwörter: Ausstellung
KLEIN-ILBECK, BETTINA
92 R 172
Düchting, Reinhard: Klein-Ilbeck, Bettina ; Bibliographie Ludwig Schuba : zum 75. Geburtstag am 8. April 1992.
Universitätsbibliothek, [1992]
Schlagwörter: Handschriftenkatalogisierung ; Schuba, Ludwig
KNEFELKAMP, ULRICH
Knefelkamp, Ulrich ; „Brasiliana“ in der Universitätsbibliothek Heidelberg.
In: Heidelberger Jahrbücher 34 (1990), S. 233-241
Schlagwörter: Robert Bosch GmbH ; Brasilienbibliothek ; Ausstellung
MITTLER, ELMAR
90 A 9535
Mittler, Elmar ; Auf der Suche nach einer verlorenen Bibliothek : ein Zwischenbericht aus Anlaß der Volltextedition der Bibliotheca Palatina auf Mikrofiche.
In: Plassmann, E. (Hrsg.): Buch und Bibliothekswissenschaft im Informationszeitalter :
internationale Festschrift für Paul Kaegbein zum 65. Geburtstag. München {u.a.} : Saur,
1990, S. 227-241
Schlagwörter: Bibliotheca Palatina ; Bestandsgeschichte
N.N.
N.N. ; Auch die Universitätsbibliothek Heidelberg meldet nun Ansprüche an : Gerangel um Fürstenbergische
Sammlung geht in neue Runde ; wissenschaftliches Umfeld spricht für die Neckarstadt ; Stuttgart und Karlsruhe
haben gleichfalls gute Chancen.
In: Badische Neueste Nachrichten 01.04. (1993)
Schlagwörter: Besondere Erwerbungen ; Fürstenberg-Sammlung
N.N. ; Abbildungen weisen auf die Moderne voraus : Eröffnung der Ausstellung „Kostbarkeiten aus der Universitätsbibliothek Heidelberg“.
In: RNZ 02.11. (1994)
Schlagwörter: Ausstellung ; Sondersammlung
NAGMABADI, SAIF-AD-DIN
91 A 3698
Nagmabadi, Saif-ad-Din ; Die persischen Handschriften der Universitätsbibliothek Heidelberg. Universitätsbibliothek, 1990 (Heidelberger Bibliotheksschriften 46)
ISBN 3-927705-14-4
Schlagwörter: Handschriftenkatalogisierung ; Spezialkatalog ; Sondersammlung ;
Bibliotheca Palatina
PROBST, VEIT
Probst, Veit ; Leiter der Handschriftenabteilung zum Honorarprofessor bestellt.
In: Theke (1993), S. 30
Schlagwörter: Werner, Wilfried
ROTHER, MICHAEL
90 A 3120
Rother, Michael ; Die Briefe der Heidelberger Wunderhorn-Sammlung : Katalog. Universitätsbibliothek, 1989
[erschienen 1990] (Heidelberger Bibliotheksschriften 37)
ISBN 3-9801803-4-4
Schlagwörter: Handschriftenkatalogisierung ; Spezialkatalog ; Sondersammlung ;
Wunderhorn-Sammlung
Rother, Michael: Schlechter, Armin ; Die Katalogisierung des Heidelberger „Wunderhorn-Materials“.
In: Theke (1991), 1, S. 6-12
Schlagwörter: Handschriftenkatalogisierung ; Spezialkatalog ; Sondersammlung ;
Wunderhorn-Sammlung
90 A 3120 {2}
Rother, Michael: Schlechter, Armin ; Die Lieder und Sinnsprüche der Heidelberger Wunderhorn-Sammlung :
Katalog. Universitätsbibliothek, 1992 (Heidelberger Bibliotheksschriften 49)
ISBN 3-927705-12-8
Schlagwörter: Handschriftenkatalogisierung ; Spezialkatalog ; Sondersammlung ;
Wunderhorn-Sammlung
Rother, Michael: Schlechter, Armin ; Das Heidelberger Wunderhorn-Material.
In: Bibliothek und Wissenschaft 26 (1992/1993), S. 65-76
Schlagwörter: Handschriftenkatalogisierung ; Spezialkatalog ; Sondersammlung ;
Wunderhorn-Sammlung
RÜHENBECK, URSULA
Rühenbeck, Ursula ; „Schatzkammer des Geistes“ [: zur Ausstellung „Aus den Tresoren der ältesten deutschen
Universitätsbibliothek“].
In: Börsenblatt 28.12. (1995), S. 26-29
Schlagwörter: Ausstellung
SAURMA, LIESELOTTE E.
Saurma, Lieselotte E. ; Bilderhandschriften am Vorabend des Buchdrucks : Vortrag zur Eröffnung der Ausstellung
„Kostbarkeiten aus der Universitätsbibliothek Heidelberg [...]“ am 27. Oktober 1994.
In: Theke (1994), S. 18-21
Schlagwörter: Ausstellung ; Sondersammlung
SCHAMONI, WOLFGANG [HRSG.]
90 B 1407
Buch und Literatur : Japan 1905 - 1931 ; eine Ausstellung des Japanologischen Seminars der Universität Heidelberg in der Universitätsbibliothek vom 26. April bis zum 7. Juli 1990. Universitätsbibliothek, 1990 (Heidelberger
Bibliotheksschriften 41)
ISBN 3-927705-08-X
Schlagwörter: Japanologisches Seminar ; Ausstellung
SCHLECHTER, ARMIN
91 A 5379
Schlechter, Armin ; Gelehrten- und Klosterbibliotheken in der Universitätsbibliothek Heidelberg : ein Überblick.
Universitätsbibliothek, 1990 (Heidelberger Bibliotheksschriften 43)
ISBN 3-927705-13-6
Schlagwörter: Sondersammlung
Rother, Michael: Schlechter, Armin ; Die Katalogisierung des Heidelberger „Wunderhorn-Materials“.
In: Theke (1991), 1, S. 6-12
Schlagwörter: Handschriftenkatalogisierung ; Spezialkatalog ; Sondersammlung ;
Wunderhorn-Sammlung
90 A 3120 {2}
Rother, Michael: Schlechter, Armin ; Die Lieder und Sinnsprüche der Heidelberger Wunderhorn-Sammlung :
Katalog. Universitätsbibliothek, 1992 (Heidelberger Bibliotheksschriften 49)
ISBN 3-927705-12-8
Schlagwörter: Handschriftenkatalogisierung ; Spezialkatalog ; Sondersammlung ;
Wunderhorn-Sammlung
Rother, Michael: Schlechter, Armin ; Das Heidelberger Wunderhorn-Material.
In: Bibliothek und Wissenschaft 26 (1992/1993), S. 65-76
Schlagwörter: Handschriftenkatalogisierung ; Spezialkatalog ; Sondersammlung ;
Wunderhorn-Sammlung
SCHRÖDER, WERNER
ZSA 1160 B
Schröder, Werner ; Die Heidelberger Handschrift H (cpg 141) des „Jüngeren Titurel“. Steiner, 1994 (Abhandlungen der Geistes- und Sozialwissenschaftlichen Klasse / Akademie der Wissenschaften und der Literatur, Mainz)
Schlagwörter: Handschriftenstudie
SCHUBA, LUDWIG
92 B 1267
Schuba, Ludwig ; Die Quadriviums-Handschriften der Codices Palatini Latini in der Vatikanischen Bibliothek.
Reichert, 1992 (Kataloge der Universitätsbibliothek Heidelberg 2)
ISBN 3-88226-515-9
Schlagwörter: Handschriftenkatalogisierung ; Sondersammlung ; Bibliotheca Palatina
SEELE, HEIDE
Seele, Heide ; Die Forschung würde erheblich profitieren : Heidelberg wäre der optimale Standort für die Donaueschinger Fürstenberg-Sammlung.
In: RNZ 03./04.11. (1993)
Schlagwörter: Besondere Erwerbungen ; Fürstenberg-Sammlung
Seele, Heide ; Ein Hort alter Handschriften : Heidelberg wäre als Standort der Fürstenberg-Sammlung optimal.
In: RNZ 11.11. (1993)
Schlagwörter: Besondere Erwerbungen ; Fürstenberg-Sammlung
Seele, Heide ; Bibliophiles aus Mittelalter und Neuzeit : Heidelbergs Universitätsbibliothek zeigt Kostbarkeiten aus
eigenen Beständen.
In: RNZ 22./23.10. (1994)
Schlagwörter: Ausstellung ; Sondersammlung
Seele, Heide ; Kostbarkeiten aus der Universitätsbibliothek Heidelberg.
In: Börsenblatt / Aus dem Antiquariat 29.11. (1994), S. A 428-A 430
Schlagwörter: Ausstellung ; Sondersammlung
Seele, Heide ; Spitzenstücke der Buchkunst im Mittelpunkt : „Aus den Tresoren der ältesten deutschen Universitätsbibliothek“ ; Ausstellung in Heidelberg.
In: RNZ 04./05. (1995)
Schlagwörter: Ausstellung
Seele, Heide ; Kostbares aus der Schatzkammer des Geistes [: zur Ausstellung „Aus den Tresoren der ältesten
deutschen Universitätsbibliothek].
In: RNZ 20./21.01. (1996)
Schlagwörter: Ausstellung
Seele, Heide ; Manchmal mit über 20 Siegeln geschmückt : Ausstellung mit mittelalterlichen Urkunden in der
Heidelberger Universitätsbibliothek.
In: RNZ 05./06.10. (1996)
Schlagwörter: Ausstellung
VÄTH, PAULA
94 C 575
Väth, Paula ; Die spätmittelalterlichen Handschriften aus dem Kloster Salem. Lang, 1993 (Europäische Hochschulschriften : 28 ; 178)
ISBN 3-631-45657-3
Schlagwörter: Sondersammlung ; Handschriftenstudie
WEBER, GISELA
Weber, Gisela ; Nachruf für Dr. h.c. Luwig Schuba (8.4.1917 - 9.9.1992).
In: Theke (1992), 1/2, S. 25
Schlagwörter: Handschriftenkatalogisierung ; Schuba, Ludwig
WERNER, WILFRIED
91 B 1551
Werner, Wilfried ; Die Handschrift.
In: Die Manessische Liederhandschrift in Zürich : edele frouwen - schoene man ; 12. Juni bis
29. September 1991. Zürich : Schweizerisches Landesmuseum, 1991, S. 53-57
Schlagwörter: Handschriftenstudie
96 A 8695
Werner, Wilfried ; Zu einem bisher unbekannten Fragment von Bruder Bertholds „Rechtssumme“ in der Universitätsbibliothek Heidelberg.
In: Hofinghoff, H. (Hrsg.): Alles was Recht war : Rechtsliteratur und literarisches Recht ;
Festschrift für Ruth Schmidt-Wiegand zum 70. Geburtstag. Essen : Item-Verl. Reichart,
1996, S. 149-159
Schlagwörter: Handschriftenstudie
Werner, Wilfried ; Ludwig Schuba 75 Jahre.
In: RNZ 08.04. (1992)
Schlagwörter: Handschriftenkatalogisierung ; Schuba, Ludwig
Werner, Wilfried ; Ludwig Schuba 1917 - 1992.
In: ZfBB 40 (1993), 1, S. 104-107
Schlagwörter: Handschriftenkatalogisierung ; Schuba, Ludwig
Werner, Wilfried ; Graphische Mittel der Textgliederung in Heidelberger Handschriften des Mittelalters.
In: Theke (1994), S. 22-31
Schlagwörter: Handschriftenstudie
WERNER, WILFRIED [HRSG.]
94 C 4024
Die zehn Gebote : Farbmikrofiche-Edition der Handschrift und der Blockbücher in dem Cod. Pal. Germ. 438 der
Universitätsbibliothek Heidelberg. Lengenfelder, 1994 (Monumenta xylographica et typographica 3)
ISBN 3-89219-403-3
Theke 1997
Seite 148
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