Die Diminution im Deutschen und im Arabischen

Die Diminution im Deutschen und im Arabischen
Die Diminution im Deutschen und im Arabischen
Eine kontrastive und korpusbasierte Analyse
DISSERTATION
zur
Erlangung des akademischen Grades
eines Doktors der Philosophie (Dr. phil.)
Neuphilologie Fakultät
der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg
Vorgelegt von
Uday Hattim Mahmod AL Sallawi
aus Bagdad / Irak
2011
Tag der Disputation: 11. 04. 2011
Gutachter:
Prof. Dr. Christiane von Stutterheim
Prof. Dr. Dr. h.c. mult. Ludwig M. Eichinger
II
Meiner lieben Mutter und meinem lieben Sohn Abduo Aladim
gewidmet
III
Vorwort
Die vorliegende Arbeit wurde von der Neuphilologie Fakultät der Ruprecht-Karls-Universität
Heidelberg zur Erlangung des akademischen Grades eines Doktors der Neuphilologie im
März 2011 angenommen.
Gutachter waren Prof. Dr. Christiane von Stutterheim, Dekanin der Neuphilologischen
Fakultät und Prof. Dr. Dr. h.c. mult. Ludwig M. Eichinger, Direktor des Instituts für Deutsche
Sprache Mannheim; Ordinarius für Germanistische Linguistik an der Universität Mannheim,
bei denen ich mich hier für wissenschaftliche Hinweise herzlich bedanken möchte.
Des Weiteren bedanke ich mich bei Frau Prof. Dr. Meike Meliss für ihre vielfältige
Unterstützung.
Ebenfalls gilt mein Dank meiner Frau Sawsan Kasim Neaama, die viel Zeit und Mühe für
mich geopfert hat.
Für seine Hilfsbereitschaft bedanke ich mich bei Herrn Salah R. Alani.
Danken möchte ich darüber hinaus allen, die beim Abfassen dieser Arbeit unterstützt haben.
Mein Dank gebührt dem Institut für Deutsche Sprache Mannheim für die hilfreiche
Unterstützung.
IV
Inhaltsverzeichnis
1.
Einleitung ........................................................................................................................... 4
1.1.
Zum Thema und zur Problemstellung der Arbeit ............................................................ 4
1.2.
Ziel und Aufgabe der Arbeit ......................................................................................... 10
1.3.
Arbeitsmethoden und Methodik zur korpusbasierte Analyse ....................................... 11
1.4.
Aufbau der vorliegenden Arbeit .................................................................................... 16
TEIL I: THEORETISCHE GRUNDLAGEN
2.
Wort, Wortbildung und Wortbildungsarten (im Rahmen der Diminution) ............ 18
2.1.
Die Einheit Wort als Teil der Rede ............................................................................... 18
2.2.
Zum Begriff Wortbildung ............................................................................................. 20
2.3.
Wortbildung und Lexikalisierung ................................................................................. 21
2.4.
Motiviertheit der Wortbildungen .................................................................................. 22
2.4.1.
Vollmotivierte (durchsichtige) Wortbildungen ......................................................... 23
2.4.2.
Teilmotivierte Wortbildungen ................................................................................... 25
2.4.3.
Unmotivierte (undurchsichtige) Wortbildungen ....................................................... 25
2.5.
Wortbildungsarten ......................................................................................................... 28
2.5.1.
Komposition .............................................................................................................. 28
2.5.1.1.
2.5.2.
Determinativkomposita .......................................................................................... 29
Derivation .................................................................................................................. 30
2.5.2.1.
Suffigierung ........................................................................................................... 32
2.5.2.2.
Präfigierung............................................................................................................ 33
TEIL II: DESKRIPTIVER TEIL
3.
Die Diminution im Deutschen ........................................................................................ 37
3.1.
Zum Begriff Diminution................................................................................................ 37
3.2.
Formen der Diminution ................................................................................................. 38
3.2.1.
Synthetische Diminution ......................................................................................... 39
3.2.1.1.
Diminutive mit Hilfe der Suffixe {-chen}, {-lein} ................................................ 39
3.2.1.2.
Diminutive mit Hilfe des Suffixes {-i} .................................................................. 45
3.2.1.3.
Diminutive mit Hilfe der Präfixe {Mini-}, {Mikro-} ............................................ 48
1
3.2.2.
Analytische bzw. syntaktische Diminution ............................................................ 52
3.2.2.1.
Durch Attribuierung mit klein, winzig, jung u. a. .................................................. 52
3.2.3.
Andere Möglichkeiten der Diminution durch Zusammensetzung mit Klein- ....... 54
3.3.
Die Arten von Basissubstantiven der Diminution ......................................................... 60
3.4.
Diminution als Modifikationsart ................................................................................... 65
3.5.
Semantische Funktionen der Diminution im Deutschen ............................................... 67
3.5.1.
3.6.
4.
Zum Gebrauch der Diminution.................................................................................. 73
Beschränkungen und Restriktionen für die Diminution ................................................ 75
Zur Diminution im Arabischen ..................................................................................... 80
4.1.
Formen der Diminution ................................................................................................. 80
‫( التصغير بالبناء‬Synthetische bzw. morphologische Diminution)................................... 81
4.1.1.
4.1.1.1.
‫( من خالل الزيادة‬Durch Hinzufügung) ...................................................................... 82
4.1.1.2.
‫( من خالل الزيادة وتغير حرف العلة‬Durch Hinzufügung und Stammvokalwechsel) .... 83
‫( التصغير بالوصف‬analytische bzw. syntaktische Diminution) ....................................... 85
4.1.2.
4.1.2.1.
Durch Attribuierung mit ‫{ صغير‬ṣġîr} – klein, ‫ؽ‬١‫{ لظ‬qṣîr} – kurz u. a. .................. 85
4.2.
Die Arten von Basissubstantiven der Diminution im Arabischen ................................ 91
4.3.
Semantische Funktionen der Diminution im Arabischen ............................................. 96
4.4.
Beschränkungen und Restriktionen für die Diminution im Arabischen ..................... 105
TEIL III: KONTRASTIVER VERGLEICH
5. Form und Funktionen der Diminution im Deutschen und Arabischen ..................... 110
5.1. Der Vergleich im Bereich der Gemeinsamkeiten und Unterschiede............................... 113
5.1.1.
Auf morphologischer Ebene .................................................................................... 113
5.1.2.
Auf syntaktischer Ebene .......................................................................................... 122
5.1.3.
Auf semantischer und pragmatischer Ebene ........................................................... 125
6.
Zusammenfassung und Ergebnisse der theoretischen und empirischen Arbeit ..... 132
7.
Verzeichnisse ................................................................................................................. 138
7.1.
Abkürzungsverzeichnis ............................................................................................... 138
7.2.
Literaturverzeichnis. ................................................................................................... 140
2
7.3.
Erläuterungen ……………………………………………………………………….149
7.4.
Anahng……………………………………………………………………………….151
3
1. Einleitung
1.1. Zum Thema und zur Problemstellung der Arbeit
Die vorliegende Arbeit befasst sich mit der Form und Funktion der Diminution im Deutschen
im Vergleich zum Arabischen. Für das Arabische liegen im Kontrast zum Deutschen jedoch
bisher keine Studien zur Diminution vor. Deswegen soll diese kontrastive und empirische
Studie als ein erster Versuch der Analyse von Diminution im Deutschen und ihren arabischen
Entsprechungen angesehen werden. Darüber hinaus soll sie ein umfangreiches Material zur
kontrastiven Erforschung beider Sprachen liefern.
Die Diminution spielt im heutigen Sprachgebrauch eine wichtige Rolle, so dass man ihr als
eine wesentliche und wichtige Erscheinung besondere Aufmerksamkeit widmen sollte. Nach
Mutz ist die Diminution „sehr weit verbreitet― (Mutz 2000: 141). Es ist zu beobachten, dass
im Deutschen in bestimmten Sprechersituationen und Textsorten mit großer Vorliebe Mittel
der Diminution verwendet werden (vgl. Scheidweiler 1984/85: 71; Rainer 1993: 125; Mutz
2000: 40).
Es liegen zwar schon einige Studien zu diesem Thema vor und es wurden bereits viele
Sprachen wie Englisch, Französisch, Niederländisch, Polnisch, Ungarisch und Türkisch im
Kontrast zum Deutschen behandelt (vgl. Klimaszewska 1983, Scheidweiler 1984/85, Würstle
1992, Koecke 1994, Nekula 2003), das Arabische allerdings nicht.
Die Verwendung verschiedener sprachlicher Mittel zum Ausdruck von Diminution in der
deutschen und auch in der arabischen Sprache ist das zentrale Thema dieser Arbeit. In diesem
Projekt versuchen wir, die sprachliche Realisierung der Diminution im Deutschen mit
entsprechenden Phänomenen der arabischen Sprache zu kontrastieren und ihre Funktion in
beiden Sprachen herauszuarbeiten.
Wichtig für den gewählten Vergleich ist, dass es sich um einen unilateralen Sprachvergleich
handelt; Ausgangspunkt ist hier die deutsche Sprache. Sie wird mit dem Arabischen
verglichen, so dass der Sprachvergleich dem Deutschlernenden mit der arabischen
Ausgangssprache ermöglicht, formale Unterschiede und Ähnlichkeiten in den sprachlichen
Realisierungen festzustellen, Ursachen von Fehlleistungen aufzudecken und auf Fragen zu
antworten, „die durch Fremdsprachenunterricht und Sprachvermittlung gestellt werden―
(Sternemann 1983: 11). Der Vergleich der Sprachen soll zur Verbesserung der
Sprachausbildung und des Übersetzens beitragen.
4
So wird bei einer solch vergleichenden Studie den Übersetzern und den Lernenden nützliches
Material zur Wortschatzerweiterung an die Hand gegeben, welches bei Schwierigkeiten im
Spracherwerb und der Übersetzungstätigkeit im Zusammenhang mit der Diminution von
großer Hilfe sein kann.
Im Einzelnen werden in der vorliegenden Studie folgende Fragen behandelt:
a) Wie ist die Kategorie der Diminution bzw. der Diminutiven genau zu bestimmen?
Welche spezifische Art der Modifikationsarten stellt sie dar?
b) Welche sprachlichen Mittel werden zum Ausdruck der Diminution in beiden Sprachen
verwendet? Welche Mittel werden von den verglichenen Sprachen jeweils bevorzugt
und wie hängt das mit dem Sprachtyp zusammen?
c) Wie ist der funktionelle Wert und die funktionelle Bedeutung der verschiedenen
Mittel der Diminution in den beiden Sprachen? Welche Kontexte und Situationen sind
typisch für den Gebrauch diminuierter Bezeichnungen?
d) Welche Verwendungsbedeutungen gelten für die unterschiedlichen Diminutionstypen
und welche konnotativen und emotiven Aspekte sind regelmäßig mit ihrer
Verwendung verbunden?
e) Welche semantischen Subklassen der Wortart Substantiv stehen der Diminuierung
offen, welche Abstufungen finden sich hier?
f) Welche Hinweise kann man auf der Basis des Deutschlernenden mit arabischer
Muttersprache bzw. des Übersetzers eines Sprachenpaares geben?
Diese Fragen lassen sich auf der Basis bisheriger Forschung nicht beantworten. Zu einer
solchen Arbeit fehlt es an umfangreichen empirischen Studien. Zur Füllung dieser Lücke will
die vorliegende Arbeit einen Beitrag leisten, der auch zur Vermittlung der deutschen Sprache
für arabische Studenten eine nützliche Grundlage liefert.
Neu und eigenständig sind die korpusbasierte Darstellung der deutschen Verhältnisse mit
ihrer Orientierung am Niveau des Fremdsprachenlernens sowie die Darstellung der arabischen
Verhältnisse. Auf Grund der Tatsache, dass das Deutsche und das Arabische zu verschiedenen
Sprachfamilien gehören – das Deutsche zur indoeuropäischen und das Arabische zur
semitischen Sprachfamilie – und weil jede Kulturgeschichte anders ist, sind in beiden
Sprachen formale und funktionale Unterschiede bezüglich des sprachlichen Phänomens
Diminution zu erwarten. Als erster Unterschied kann man feststellen, dass das Deutsche in
zahlreichen Basen die Suffixe {-lein} und {-chen} nutzt, welche man als Alternative neben
anderen Suffixen wie {-i} kennt.
5
Ganz generell kann man sagen, dass die Nutzung von Affixen zum Ausdruck der Diminution
im Deutschen das präferierte Mittel ist. Neben den genannten Suffixen werden dann auch
präfigierende Formen genutzt. So gehört im Deutschen – im Unterschied zum Arabischen –
zur Versprachlichung von Diminution in besonderem Maße der Wortbildungsprozess der
Derivation. Die unauffälligste und auch grammatikalisierteste Form der Diminuierung stellt
die Derivation mittels Suffix {-chen} dar. So ist dann ein Bläschen eine kleine Blase:1
(1)
„[…] streckt eine erste Welle die Moleküle der Flüssigkeit und lässt kleine Bläschen
entstehen.― (03.01.2003, S. 13)
Manchmal sind auf diese Weise „kleine― Dinge terminologistisch gefasst, zu denen es gar
keine „große― Variante gibt:
(2)
„Diese Farbteilchen können nicht einfach herausfallen.― (05.12.2002, S. 27)
Sehr verbreitet ist das Suffix {-lein}; es ist regional und textabhängig bedeutet, manchmal
wird es phonologisch naheliegen:
(3)
„Das Fischlein [Fischchen], das ins kalte Wasser geworfen wurde.― (18.02.2006, S. 18)
Auf die Diminution in alltäglichen Sprachschichten bevorzugt man im Deutschen das Suffix
{-i} wie in Vati, Mutti, Schatzi. Zudem werden in gewissem Umfang Fremdsuffixe genutzt
(wie -ette in Zigarette und -ine in Violine).
Vergleichsweise neu sind diminuierende Fügungen mit den Elementen {Mini-} und
{Mikro-}. Diese Verwendungen sind deswegen in gewisser Weise markiert, sei es
terminologistisch:
(4)
„Zunächst erlitt sie im November 2004 eine Mikrofraktur in der Schulter, im Januar
2005 folgte der erste Kreuzbandriss.― (04.12.2006, S. 16)
(5)
„Der Miniflitzer wurde um 17 Millimeter tiefergelegt, die Leistung des Dreizylinders
auf 70 PS gesteigert.― (08.12.2001, S. 3)
Sei es ebenso stilistisch markiert:
(6)
„Die kleinen Tasten und Minianzeigen schrecken viele ältere Menschen vom Gebrauch
eines Mobiltelefons ab.― (27.08.2004, S. 23)
Man kennt im Deutschen neben den synthetischen Diminutivformen, die durch Suffixe und
Präfixe gebildet werden, auch syntaktische Diminutivformen, die durch verschiedene Arten
syntagmatischer Verbindungen mit Adjektiven wie klein als Teil von Komposita (z. B.
Kleinarbeit) oder in attributiver Funktion (z. B. kleine Arbeit) realisiert werden.
1
Die Belegbeispiele sind im Anhang ersichtlich.
6
Während die attributiven Fügungen in der Regel ein Objekt als "relativ klein" beschreiben,
gibt ein Kompositum eine Art Klassifizierungsvorschlag an. So ist "Kleinfamilie" (=Eltern +
Kinder) ein familienpolitischer Terminus. "Kleine Familie" hingegen hat eine Beschreibung
(z. B. der aus wenigen Gliedern):
(7)
„Wie bei Kästner: Immer heim zu Muttchen! Jeder Heldentraum bleibt in der
Kleinfamilie.― (23.03.1999, S. II)
(8)
„Schließlich landet die kleine Familie wieder in der Schweiz.― (08.07.2000, S. 9)
Im Arabischen spielen Affixe keine Rolle bei der Diminution. Im Unterschied zum Deutschen
wird die Diminution durch Infigierung oder durch gleichzeitige Infigierung und
Stammvokalveränderung gebildet (vgl. Lachachi 1997: 196; Al-Rubiai 1999: 51).
Man kennt in der arabischen Sprache, neben den durch Infigierung gebildeten
Diminutivformen, die sogenannten analytischen bzw. syntaktischen Diminutivformen mit den
Adjektiven "‫ؽ‬١‫{ طغ‬ṣġîr} – klein", "‫ؽ‬١‫{ لظ‬qṣîr} – kurz", die den analytischen Diminutivformen im Deutschen entsprechen (vgl. Lachachi 1997: 196; Al-Rubiai 1999: 51; Ibn Jinni
1985: 280; Al-Masri 1973: 331, 336; Al-Bagdadi 1985: 39, 50f.).
Im Deutschen können einfache sowie komplexe Substantive morphologisch-syntaktisch
diminuiert werden:2
(9)
Simplex:
„Die Schrift auf dem Briefchen, das ich als nächstes von Fritzi erhielt, war stellenweise
verwischt von Tränenspuren.― (01.08.1998, S. 10)
(10) Derivat:
„Weil die Nachbeben der Genieästhetik die deutschen Dichterlein hindern, erst einmal
das szenische Handwerk zu lernen.― (01.09.1998, S. 12)
(11) Kompositum:
„Diese Farbteilchen können nicht einfach herausfallen.― (05.12.2002, S. 27)
Auch im Arabischen können die Basen der Diminutivformen Simplizia und Komposita sein:
- Simplex:
ً‫{ ؼخ‬rğl} (dt. Mann) – ًْ١‫{ ُؼ َخ‬rğîl} (dt. Männlein) (Al-Bagdadi 1985: 52, 60)
- Kompositum:
‫ؼ ِبء‬ٛ‫{ طٕج‬ṣnbȗr mâa} (dt. Wasserhahn) – ‫ؽ ِبء‬١‫ْجِـ‬١‫طَٕـ‬
ُ {ṣnîbîr mâa} (dt. Wasserhähnchen) (AlBagdadi 1985: 52, 60; Al-Masri 1973: 334)
2
Die Belege sind im Anhang ersichtlich.
7
Die Diminution von Pluralen mit {-chen} und {-lein} ist im Deutschen ungewöhnlich (vgl.
Hentschel/Weydt 2003: 197). Diese Option gilt nur für {-er} Plurale, z. B. Eierchen,
Hühnerchen, Liederchen u. a.
Im Arabischen dagegen ist die Diminuierung von Pluralformen gewöhnlich, z. B. arab. ‫خ‬١‫طج‬
{ṣbih} (dt. Jungen) – arab. ‫َخ‬١ِ‫ج‬١ْ ‫ط‬
َ ُ‫{ أ‬âṣibih} (dt. kleine Jungen). Basissubstantiven von
Diminutiva können in beiden Sprachen Konkreta, aber auch Abstrakta sein. Es lässt sich
bemerken, dass im Deutschen und im Arabischen keine Verschiebung der Wortkategorie bei
der Diminutivbildung von der Wortart Substantiv entsteht.
Um mit der entsprechenden fachlichen Auseinandersetzung die wissenschaftlichen
Grundlagen der vorliegenden Arbeit vorzustellen, sollen zuerst die Grundlagen der Begriffe
wie Wort, Wortbildung, Komposition, Derivation, Suffigierung und Präfigierung im Rahmen
der Diminution behandelt werden. Ausgangspunkt der Studie ist eine integrative Analyse der
sprachlichen Mittel der Diminution, bei der neben der Form- und Inhaltsseite auch die
Funktion beschrieben werden soll. Aus diesem Grund ist es notwendig, darauf hinzuweisen,
dass bezüglich der kommunikativen Funktion von Diminutionformen im Deutschen zwei
Haupttypen unterschieden werden können. Zum einen bewirkt die Diminution eine
Verkleinerung etwa: Fläschchen. Zum anderen tritt zu dieser denotativen Bedeutung auch
eine konnotative Bedeutung (positive oder negative Affektivität).3 So gebraucht man
einerseits die Diminution, um etwas liebevoll zu beschreiben wie bei Ferkelchen.
Andererseits wird die Diminution verwendet, wenn man über etwas oder jemanden spotten
will, wie beispielsweise bei Fernsehfilmchen. Überall „scheint der Diminutivgebrauch
begünstigt zu werden, wenn der Gesprächspartner ein Kleinkind ist oder zwischen den
Gesprächspartnern eine familiäre Vertrautheit herrscht― (Rainer 1993: 125), wie z. B.:
(12) „Wenn Lara abends
(22.07.1998, S. 22)
ins
Bettchen
muß,
geht
Papa
wieder
zur
Arbeit.―
So spielen in der semantischen Komponente der deutschen Sprache bei der Diminution die
Begriffe der Denotation (Hauptbedeutung) und Konnotation (Nebenbedeutung) eine große
Rolle. Diese Begriffe sollen in der Studie ausführlich beleuchtet werden. Auch im Arabischen
gibt es diese "doppelte" Bedeutung.
Die Diminution wird hier hauptsächlich dazu gebraucht, um eine Verkleinerung zum
Ausdruck zu bringen, z. B. arab. ‫ؽقخ‬٠‫{ ِع‬mudîrsa} (dt. kleine Schule).
3
Unter Affektivität versteht man „die Gesamtheit des emotionalen Geschehens. Die A. ist ein wichtiger Aspekt
der Persönlichkeitsforschung und -diagnoistik- Affektiv, den Affekt betreffend. Ein Verhalten wird affektiv
genannt, wenn es durch starke Emotion ausgelöst wird― (Lexikon der Psychologie 1980: 24f.).
8
Verwendet wird die Diminution in der arabischen Sprache auch bei der Verniedlichung von
Personennamen, besonders mit Kindern und Tieren wie arab. ‫طَخ‬١ْ َ‫{ لُط‬quṭîṭh} (dt. Kätzchen),
sowie zum Ausdruck eines bestimmten Eindrucks, wenn man von einer Tätigkeit nicht
überzeugt ist, z. B. arab. ‫ ِزت‬٠َٛ ‫{ ُو‬kȗîtb} (Schreiberling) (vgl. Al-Rubiai 1999: 51).
Im Deutschen und Arabischen werden Beschränkungen und Restriktionen für die
Diminutivbildung unterschieden. So ist es beispielsweise in beiden Sprachen unüblich,
Respektspersonen gegenüber Diminution zu benutzen.
Von daher lässt sich feststellen, dass das „Phänomen, von variierenden (modifizierenden)
Bildungen, eine über die primäre Assoziation statischer Verkleinerung weit hinausgehende
Dynamik sprachlicher Differenzierung und Nuancierung zukommt – was ihren Reiz als
stilistisches Mittel ausmacht –, […] den verschiedenen Sprachen gemeinsam― ist (Koecke
1994: 9). Dabei erkennt man aber wesentliche Unterschiede in den Möglichkeiten der
Bildungsformen und dem Gebrauch in der Rede. „Für den effektiven konfrontativen
Sprachvergleich gilt es auch, die für ihn notwendige Voraussetzung deutlich zu machen. Die
wichtige Voraussetzung ist zweifellos die, […] dass der konfrontative Vergleich immer die
einzelsprachliche Beschreibung der zu vergleichenden Sprachen voraussetzt. Eine
konfrontative (oder kontrastive) Grammatik kann erst sinnvoll sein, wenn vorher die
Einzelsprachen beschrieben sind― (Helbig 1976: 11). Deswegen versuchen wir in der
vorliegenden Studie, uns tiefer mit den Besonderheiten und Eigenschaften der
Diminutivbildungen zu beschäftigen und sie in jeder Sprache ausführlich zu behandeln. So
steht im Zentrum der Analyse die Frage der formalen und funktionalen Unterschiede
zwischen beiden Sprachen. Daher müssen wir uns bei dieser Studie auf die folgenden
formalen und semantischen Aspekte konzentrieren:
a) Die Diminution im Deutschen und im Arabischen bezüglich der morphologischen und
syntaktischen Perspektive.4
b) Die Arten von Basissubstantiven der Diminution in beiden Sprachen.5
c) Die kommunikative Funktion der Diminution im Deutschen und im Arabischen.6
d) Die Beschränkungen und Restriktionen der Diminutivbildung in beiden Sprachen.
4
Es werden die analytische und synthetischen Diminutivformen im Deutschen mit ihren Entsprechungen im
Arabischen verglichen.
5
Als Basen der Diminutiva wurden hier nur Substantive gewählt, denn es ist sinnvoll, sich auf einen bestimmten
Punkt zu konzentrieren. Außerdem gibt es verschiedene Substantivtypen, z.B. komplexe und einfache
Substantive, Konkreta, Abstrakta etc. Diese Fokusiierung ist wichtig, um die Studie nicht umfangreich werden
zu lassen.
6
Hier versuchen wir, die Gründe des Diminutionsgebrauchs und ihre Funktion im Deutschen und im Arabischen
zu erforschen und zu behandeln.
9
1.2. Ziel und Aufgabe der Arbeit
Der Vergleich formaler und semantischer Aspekte der Diminution im Deutschen und im
Arabischen ist in verschiedener Hinsicht bedeutend:
1) Zum einen ergeben sich durch den Vergleich bei der Diminution im Deutschen und
Arabischen strukturelle Ähnlichkeiten und Unterschiede, die mit den verschiedenen
Sprachtypen zusammenhängen.
2) Zum anderen liefert die Untersuchung einen Einblick in die emotionalen Bedeutungen
der positiven und negativen Konnotative der Diminutive in beiden Sprachen, welche
durch verschiedene sprachliche Mittel realisiert werden.
3) Zum Dritten erlaubt der Vergleich interessante Einblicke in kulturelle Kontraste,
wobei möglicherweise auch kulturelle Konstanten (z. B. Verkleinerung für Spott, aber
auch für Fürsorge-Beziehungen) zu erwarten sind. So sind durch die Analyse der
Beziehungen,
zwischen
kommunikativen
Situationen
und
der
Verwendung
unterschiedlicher Formen der Diminution in beiden Sprachen wichtige kontrastive
Ergebnisse zu erwarten.
Von daher ist es von großem interkulturellem und interlingualem Interesse, die Diminution im
Deutschen und Arabischen zu erforschen und zu untersuchen. Es soll eine Übersicht über den
Forschungsstand in der Beschreibung der Diminution im Deutschen und Arabischen gegeben
werden. Dabei soll herausgearbeitet werden, was an gesicherten Erkenntnissen vorliegt und
wo noch strittige Fragen zu lösen sind. Berücksichtigt werden sowohl morphologische und
syntaktische als auch semantische und pragmatische Probleme.
Es soll hier nicht nur referierend verschiedene Auffassungen nebeneinander gestellt, sondern
von Fall zu Fall mit eigenen Argumenten in die Untersuchung eingegriffen werden.
Es sollen die Formen der Diminutivbildung im Deutschen (synthetisch und analytische)
anhand einer speziell auf die Fragestellung ausgerichteten, selbst erstellten korpusbasierten
Analyse im Zeitraum von 1997-2007 im Korpus "Berliner Zeitung" ermittelt und die
Ergebnisse der Arbeit für Deutschlernende aufgearbeitet werden, um ihnen die Möglichkeiten
der Diminutivbildung in der deutschen Sprache darzustellen. Es geht hier um die Darstellung
der Produktivität und Vitalität der Diminutivformen im Deutschen.
10
Das Ziel der korpusbasierten Analyse besteht darin, aus reichem Belegmaterial nicht nur die
am häufigsten vorkommenden typischen Strukturen, sondern auch Wertungen der Funktionen
von der Diminution im Deutschen abzuleiten und zu erläutern.
Es soll eine Übersicht über mögliche arabische Entsprechungen für die Strukturen der
Diminution im Deutschen gegeben werden, es sollen sprachtypologische Unterschiede auf der
Ebene der Wortbildung ermittelt und so ein Baustein zur typologischen Einordnung des
Deutschen und Arabischen geliefert werden.
Die vorliegende Studie soll deutschlernenden Arabern helfen, die für sie schwierigen
Strukturen zu verstehen. Für die Übersetzung hingegen ist die Studie für beide Seiten von
Nutzen. Dabei kommt es nicht nur darauf an, für eine isolierte Konstruktion mögliche
Übersetzungen ins Arabische anzuführen, sondern auf mehrere Möglichkeiten und
Ersatzkonstruktionen hinzuweisen, die je nach Kontext und stilistischen Forderungen in Frage
kommen.
Eine derartige konfrontative Studie diminutivischer Strukturen liegt bisher nicht vor.
Innerhalb der Arabistik haben sich bisher weder die arabischen Nationalgrammatiker noch die
ausländischen Arabisten zu diesem sprachlichen Phänomen geäußert.
Bezüglich der semantischen Modifikation von Diminution im Deutschen und im Arabischen
stellt sich ein besonderes Problem, sowohl für die deutschlernenden Araber, als auch für die
arabischlernenden Deutschen, denn ihnen sollen die Bedeutung der Diminutivbildungen aus
eigenem Wissen über die semantischen Zusammenhänge, die die Kenntnis der Semantik der
Diminutiva voraussetzt, in mehr oder minder hohem Maße bekannt sein. So versucht die
vorliegende konfrontative Studie die verschiedenen semantischen Funktionen der Diminution
im Deutschen und Arabischen zu behandeln und darzustellen, um die Schwierigkeiten und
Probleme in diesem Zusammenhang aufzuzeigen.
Es sollen interkulturelle Besonderheiten beim Ausdruck von der Diminution dargestellt
werden, um hier die Kommunikation zu erleichtern und zu verbessern.
1.3. Arbeitsmethoden und Methodik zur korpusbasierte Analyse
Methodologisch handelt es sich um eine korpusbasierte Studie, die es ermöglicht,
entsprechende Resultate empirisch zu belegen und zu vergleichen.
Durch die Entwicklung der Technologie wurden sehr große elektronische Textdaten in Form
von Korpora für das Deutsche aufgebaut und zugänglich gemacht. „Es eröffnete sich ein
Blick auf eine sehr große Menge an Sprachdaten, was eine völlig neue Herausforderung für
11
die Linguistik darstellte. Es bietet sich nunmehr die Chance, anhand sehr großer Sammlungen
natürlichsprachiger Texte, auch solche sprachlichen Verwendungsmuster und Strukturen zu
erkennen, die sich bisher dem Blick der Sprachteilhaber und auch der Linguisten entzogen
haben― (Belica/Steyer, zitiert nach Aktaş, Ayfer 2008: 43).
Das vom IDS Mannheim erstellte Korpus COSMAS enthält derzeit etwa 3,3 Milliarden
Wortformen und Textwörter in rund fünfeinhalb Millionen Texten, die das Institut IDS in
mehreren Archiven anbietet (s. http://corpora.ids-mannheim.de/ccdb/).
Mit Hilfe von Kontextbelegen in COSMAS II war es möglich, eine wissenschaftliche
Forschungsarbeit durchzuführen und die Verwendungsfrequenz der Diminution für die
deutsche Sprache festzustellen.
Nach den ersten empirischen Testläufen wurde deutlich, dass es nützlich ist, in dem Korpus
„Berliner Zeitung― von 1997-2007 unter COSMAS II zu recherchieren, da diese Ausgaben
der Zeitung aktuell sind und unterschiedliche Textsorten wie soziale, sportliche,
wissenschaftliche, wirtschaftliche etc. enthalten und es deswegen ermöglichen, den
verschiedenen Funktionen der Diminution im Kontext aufzuzeigen.7
Wir haben es als sinnvoll erachtet, die Basen alphabetisch aufzulisten. Insgesamt ist ein
Arbeitskorpus entstanden, das eine beachtliche Anzahl von Belegen 538 und Basen 250
enthält.
Die Basen sind im Korpus alphabetisch auf A bis F beschränkt, um die Studie sinnvoll,
informativ und nicht zu umfangreich werden zu lassen. Die Tabellen im Anhang der
Korpusanalyse (S. 151 – 205) sind folgendermaßen erstellt: Neben jedem Diminutivbeleg
wird die Basis angeführt und der Satzkontext festgestellt.
Jeder Beleg wird in Bezug auf seine Motivation aufgegliedert. In einer weiteren Spalte wird
die Zahl der Treffer angegeben. Hinzu kommt eine Kommentarspalte, die (a) einen Hinweis
auf die Funktion (Denotation und Konnotation), der Treffer – im Zusammenhang der
Diminution – und (b) Bedeutungserklärungen bzw. andere Arbeitskommentare wie
Superlativ, Komparativ, Vokativ, Apokope etc. umfassen.
7
„Korpusanalyse. Zunächst v.a. im amerikan. Strukturalismus entwickelte und formalisierte Methode der
Sprachanalyse. […] Nach den Maximen der K. hat der Linguist bei der Auffindung, Auswertung und
Beschreibung sprachl. Strukturen (a) auszugehen von einem Korpus sprachl. Äußerungen (Daten), die der
Beobachtung zugänglich sind, z. T. auch durch Elizitierung, (b) sich strikt induktiver Aufdeckungsprozeduren
wie z.B. der Segmentierung und Klassifizierung zum Zweck der Analyse von Distributionen zu bedienen
(Testverfahren; operational), d.h. (c) die eigene Intuition darf nicht Beurteilungsinstanz sein, wenngleich diese –
entgegen früheren Auffassungen – eigentlich nicht auszuschalten ist, und (d) seine Aussagen auf das analysierte
Korpus zu beschränken.― (Metzler 2005: 358).
12
Wir haben es auch für sinnvoll erachtet, die Anzahl der Treffer in der Studie hinzufügen, um
zu sehen, welche Diminutivform am häufigsten in der "Berliner Zeitung" von 1997-2007
gebraucht wurde.
Die ersten empirischen Analysen wurden mit den Diminutivsuffixen {-chen} und {-lein}
durchgeführt, da sie im heutigen Deutsch am häufigsten sind. Dann haben wir als typische
Beispiele die deutschen Diminutivpräfixe {Mini-} und {Mikro-} sowie Diminutivformen
gewählt, die mit dem Adjektiv klein als Teil von Komposita (wie Kleinarena) und in
attributiver Funktion (wie kleine Arena) realisiert werden.
Bevor wir mit der Suchanfrage angefangen haben, haben wir das Archiv der geschriebenen
Sprache ausgewählt, da „es Korpora verschiedener Textsorten wie Zeitung und Belletristik
sowie Korpora aus Deutschland, Österreich und der Schweiz― enthält (Scherer 2006: 84).
Für die Suche nach Diminutivformen haben wir das aktuelle Korpus "Berliner Zeitung"
gewählt. Wichtig ist hier zu erwähnen, dass wir, um Diminutive mit Suffixen und Präfixen
recherchieren zu können, im Menü Einstellungen die Lemmatisierung von Komposita und
sonstigen Wortbildungsformen aktiviert haben.
Um festzuhalten, ob es sich beispielsweise bei Bildungen wie Eichen, Bienlein, Bierlein um
ein Diminutivum oder Namen handelt, haben wir uns hier dazu den weiteren Kontext
angeschaut. Dafür wurden die Kontextzeilen (KWIC) und Korpusstellen (größere Volltexte)
der Treffer, systematisch in die Analyse einbezogen. In der KWIC-Liste gibt es die
Möglichkeit bestimmte Belege von der Bearbeitung auszuschließen.
Damit der Text nicht zu lang wird, wurden nicht mehr als drei Sätze für jeden Beleg der
synthetischen und syntaktischen Diminutivformen mit {-chen, -lein, Mini-, Mikro-, Klein-,
klein} in COSMAS II abgerufen. Diese Belege werden in ihrer Originalform angegeben, wie
sie im Korpus "Berliner Zeitung" abgerufen worden sind.
Es besteht kein Zweifel daran, dass der Gebrauch von den Diminutiven immer in einem
Kontext betrachtet und untersucht werden sollte, da einerseits die Diminution zugleich
mehrere Funktionen aufweisen kann und da andererseits in der semantischen Komponente der
deutschen Sprache bei der Diminution die Begriffe der Denotation (Hauptbedeutung) und
Konnotation (Nebenbedeutung) eine große Rolle spielen.
13
Es wird angestrebt, mit Hilfe der Korpusanalyse, dem Material und dem Analysemodell die
folgenden Fragestellungen beantworten zu können:
a) Welche Diminutivsuffixe im Deutschen haben den größten Anteil und sind
prototypisch?
b) Welche Bedeutungen kann man beim Gebrauch der Diminutivbildungen feststellen?
c) In welchen Situationen, Textsorten etc. verwendet man die unterschiedlichen Formen
der Diminution?
d) Lassen sich bestimmte Tendenzen vom Negativen ins Positive und umgekehrt durch
den Gebrauch der unterschiedlichen Formen von Diminution im Kontext erkennen?
e) Können alle Basislexeme von Diminutiven auch alternativ mit Klein- kombiniert
werden, wie Kindchen, Kleinkind usw.?
f) Welche Diminutivformen sind im Deutschen und Arabischen häufiger: synthetische
wie bei Kindchen oder analytische wie bei kleines Kind?
Um das Wesen der Diminuierung und ihrer Basis möglichst tiefgehend zu erklären, haben wir
auch das Korpus des digitalen Wörterbuches der deutschen Sprache des 20. Jahrhunderts
(DWDS) angeschaut, das verschiedene Textsorten wie Belletristik, Zeitungstexte,
Fachliteratur und gesprochene Sprache enthält. Das DWDS basiert ebenfalls auf großen
elektronischen Textkorpora.8 Dabei baut es auf dem sechsbändigen Wörterbuch der deutschen
Gegenwartssprache
(WDG)
auf
und
verknüpft
dieses
mit
eigenen
Text-
und
Wörterbuchressourcen (s. http://www.dwds.de.woerterbuch).
Im Wortinformationssystem werden Wörterbuchartikel mit Textbeispielen und statistischen
Konkurrenzinformationen verbunden (vgl. http://www.dwds.de.woerterbuch).
Das DWDS-Kernkorpus ist folgendermaßen aufgeteilt:
a) Schöne Literatur (ca. 26%)
b) Journalistische Prosa (ca. 27%)
c) Fachprosa (ca. 22%)
d) Gebrauchstexte (ca. 20%)
e) (Transkribierte) Texte gesprochener Sprache (ca. 5 %); für weitere detaillierte
Angaben (vgl. http://www.dwds.de/textbasis/kerncorpus)
8
Es ist hier zu erwähnen, dass man ohne vorherige Anmeldung „in einem Teil der DWDS-Kernkorpora
recherchieren kann, der rund 22 Millionen Textwörter aus den Jahren 1900 bis 1945 umfasst. Um Zugang zu
dem gesamten Kernkorpus zu erhalten, ist es erforderlich, sich einmalig über DWDS-Hompage zu registrieren―
(Scherer 2006: 77).
14
Bei der Interpretation der Belege ergeben sich Schwierigkeiten, da in beiden Sprachen keine
bestimmten Wörterbücher für Diminutive erstellt wurden und so haben wir die folgenden
Wörterbücher benutzt, die ein umfassendes Bild über die Bedeutung und den Gebrauch der
Basiswörter geben: Duden Universalwörterbuch (2007), Duden Synonymwörterbuch (2007),
Wahrig Wörterbuch (2006), Dudenwörterbuch für Redewendungen (2002), etymologisches
Wörterbuch der deutschen Sprache (2002), Dudenwörterbuch für das große Buch der Zitate
und Redewendungen (2007), Lexikon der Sprachwissenschaft (2008), Metzler-Lexikon
Sprache (2005).
Was den arabistischen Teil betrifft, gibt es ein großes methodologisches Problem, das darin
besteht, dass es im Arabischen leider keine überregionale Zeitung – wie Berliner Zeitung im
Deutschen –, die auf Arabisch geschrieben ist und die man „online― konsultieren kann. Damit
wäre eine Parallelität der Textsorten gegeben. So werden wir die Beispiele aus arabischen
Texten, wie Romanen, Dramen und Kurzgeschichten wählen:
-
Der Roman ‫{ ديُار واوي انثاَي‬Dînar ȗâaȗî alṯanî} (dt. Dinar und der zweite Fuchs) von
Alfahad (2007).
-
Der Roman ‫{ االياو‬Alâyam} (dt. Die Tage) von Hussein (1974).
-
Der Roman ‫{ انشحار‬Alšḥâd} (dt. der Bettler) von Mahfuoz (ohne Jahr).
-
Das Drama ‫{ انجريًح‬Alğarîma} (dt. Das Verbrechen) von Mahfuoz (1978).
-
Das Drama ‫{ انًصيذج وغيرها‬Almaṣîda ȗaġîraha} (dt. Die Falle u. a.) von Alani (1981).
-
Die Kurzgeschichten ‫{ حياذي‬Ḥyatî} (dt. Mein Leben) von Amin (1971).
Solche literarischen Werke wurden deswegen ausgewählt, da die Umgangsliteratursprache in
den Romanen und Dramen neben dem offiziellen Stil sehr oft benutzt wird. So liefern sie ein
nützliches Material für die Erläuterung und Erforschung der pragmatischen und semantischen
Aspekte. Die arabischen Beispielsätze und Begriffe wurden neben der arabischen Umschrift
in lateinischer Transliteration gegeben.
15
1.4. Aufbau der vorliegenden Arbeit
Die Arbeit behandelt Form und Funktion der Diminution im Deutschen und im Arabischen
unter dem Aspekt der Konfrontation, um Gemeinsamkeiten und Unterschiede auf
morphologischen, syntaktischen, semantischen und pragmatischen Ebenen herauszufinden
und darzustellen.
Die Studie besteht aus drei Hauptteilen. Nach dieser Einleitung wird ein Überblick über
allgemeine Forschungserkenntnisse zur Wortbildung im Rahmen der Diminution gegeben.
Hier versuchen wir, auf die Fragen zu antworten, was Wortbildung ist, wie die Einheit Wort
im Allgemeinen definiert ist, welche Arten der Wortbildung es gibt, was der Unterschied
zwischen Worbildungsmorphem und Flexionsmorphem ist, was unter Motivation (auch
Motiviertheit) zu verstehen ist und welche Grade der Motiviertheit von Wortbildungen man
unter synchronem Aspekt unterscheidet.
So wird dieser Teil als Grundlage der Arbeit betrachtet. Dabei scheint es wichtig und sinnvoll,
auf die Problematik der Begriffsbestimmungen hinzuweisen und die Fachdiskussion mit
Hinweisen auf verschiedene Autoren, verschiedene Meinungen etc. vorzustellen. An dieser
Stelle werden wir auch über die Suffigierung und Präfigierung sprechen, da die Diminution
im eigentlichen Sinne im Deutschen hauptsächlich durch diese Bildungsmöglichkeiten
realisiert wird.
Es ist ebenso sinnvoll darauf hinzuweisen, dass in diesem Teil der Arbeit, in dem es sich noch
um allgemeine theoretische Grundlagen handelt, die meisten Beispiele aus dem Bereich der
Diminution genommen werden.
Der zweite Teil ist ein deskriptiver Teil. Er befasst sich mit der empirischen Untersuchung der
Korpusbelege zur Diminution im Deutschen im Detail. Dieses Kapitel zielt darauf ab, auf die
Fragen zu antworten, was man unter Diminutivum bzw. Diminution versteht; was die Formen,
die Funktionen, der Gebrauch der Diminution im Deutschen sind, welche Wortarten als
Diminutivbasen vorkommen können, was die Beschränkungen und Restriktionen für die
Diminutivbildung auf verschiedenen Ebenen sind. Außerdem wird in diesem Teil der Arbeit
der Begriff "Modifikation" im Zusammenhang der Diminution und Diminutive erforscht und
dargestellt.
In diesem Teil der Studie wird ebenso die Diminution im Arabischen untersucht. Das Thema
wird dabei auf zwei Ebenen beleuchtet, zum einen auf der formalen, sowie auf der
funktionellen Ebene. Hier versuchen wir, anhand von Auffassungen und Meinungen von
arabischen Linguisten, Beispielen und Untersuchungen zur Diminution die Fragen zu
16
beantworten, was die Formen und Funktionen der Diminution im Arabischen sind und in
welchen Situationen und Textsorten die unterschiedlichen Formen der Diminution verwendet
werden, sowie in welchen Fällen die Verwendung der Diminution im Arabischen beschränkt
ist.
Der dritte Teil ist der Hauptteil der Studie, da hier eine Zusammenstellung für die
Untersuchung in beiden Sprachen, also eine konfrontative Darstellung der Problematik
gegeben wird. In diesem Kapitel beschäftigen wir uns mit der kontrastiven Analyse der
Sprachdaten. Bei der Analyse und Beschreibung der Gemeinsamkeiten und Unterschiede auf
morphologischen,
syntaktischen,
semantischen und pragmatischen
Ebenen,
werden
Beschränkungen bei der Diminutivbildung in beiden Sprachen im semantischen, wie in
phonologischen und morphologischen Bereichen behandelt und analysiert.
In diesem Zusammenhang werden ebenso die Möglichkeiten der Diminutivbildung im
Deutschen und ihre Entsprechungen im Arabischen sowie deren semantische und syntaktische
Funktion dargestellt, auf die die Schwierigkeiten der deutschlernenden Araber und umgekehrt
der arabischlernenden Deutschen zurückgeführt werden kann.
Die konkreten Ergebnisse der Untersuchung sind in der abschließenden Zusammenfassung
der theoretischen und empirischen Studie aufgeführt und diskutiert.
Im Anhang wird die korpusbasierte Analyse aufgeführt. Die Belegbeispiele sind der Berliner
Zeitung vom Jahrhundert 1997-2007 entnommen.
17
TEIL I: THEORETISCHE GRUNDLAGEN
2. Wort, Wortbildung und Wortbildungsarten (im Rahmen der Diminution)
Wenn man sich mit dem Thema Diminution befasst, „einem scheinbar marginalen
Wortbildungsdetail― (Koecke 1994: 9), dann kann man bald feststellen, dass es notwendig
und sinnvoll ist, erst von der Einheit Wort, vom sprachlichen Phänomen Wortbildung bzw.
dem wichtigsten Mittel der Bildung neuer Wörter in einer Sprache zu sprechen.
Im Folgenden versuchen wir, auf die Problematik der Begriffsbestimmung Wort, der
Wortbildung und deren Arten, die als Mittel für die Diminutivbildung betrachtet werden,
hinzuweisen und die Fachdiskussion mit Hinweisen auf verschiedene Autoren und
verschiedene Meinungen einzuarbeiten.
2.1. Die Einheit Wort als Teil der Rede
Die Bildung der Diminutive setzt voraus, dass es Wörter gibt, dass das Wort im sprachlichen
Zeichensystem „als definierbare Einheit gegeben ist und nicht nur jeweils als sekundärer
Komplex der Einzelrede, also in jedem Fall als Gelegenheitsbildung des Sprechers erzeugt
wird― (Erben 2006: 18). Nun ist die Frage: Wie ist die Einheit Wort im Allgemeinen
definiert?
Man kann mit Recht sagen, dass es für den Begriff Wort zahlreiche sprachwissenschaftlich
uneinheitliche und kontroverse Definitionsversuche gibt, so dass das Wort theoretisch schwer
zu definieren ist (vgl. Bußmann 2008: 794; Metzler 2010: 768).
Gemäß Vennemann und Jacobs ist der Begriff Wort „einer der schwierigsten, vielleicht der
problematischsten Kategorien überhaupt in der gesamten Linguistik.― (Vennemann und
Jacobs 1982: 7). Der Terminus Wort ist vielfachen terminologischen Differenzierungen
unterworfen. Bußmann definiert die Wörter als:
„kleinste, relativ selbständige Träger von Bedeutung, die im Lexikon kodifiziert sind,
und […] unter syntaktischem Aspekt lassen sie sich als kleinste verschiebbare und
ersetzbare Einheiten des Satzes beschreiben.― (Bußmann 2008: 794)
Nach Eisenberg zeigt das Wort zwei Seiten seines Wesens; eine ist in seiner materiellen
Existenz gegeben. Die andere Seite oder Bedeutungsseite besteht darin, dass das Wort etwas
bezeichnet oder etwas bedeutet; es geht hier also um den Sinn, den es trägt (vgl. Eisenberg
2006: 209).
18
Das heißt mit anderen Worten, dass die beiden Seiten des Wortes zu unterschiedlichen
Ebenen gehören:
a) zur phonologischen Ebene (Formseite)
b) zur semantischen Ebene (Bedeutungsseite)
So bestehen beispielsweise Wörter wie Bäumchen, Minibus, Mikrokamera, Kleinhaus etc. aus
Formseite und Bedeutungsseite, nämlich kleiner Baum, sehr kleiner Bus, kleine Kamera und
kleines Haus. Man kann also zwischen zwei verschiedenen Seiten beim Wort unterscheiden.
Zum einen geht es um Wörter als lexikalische Einheiten,9 die beispielsweise in
Wörterbüchern gesammelt werden, wie Mädchen, Brötchen, Schatzi, Zigarette, Törtchen etc.
Zum anderen geht es um Wörter als Einheiten, aus denen Sätze gebaut werden und in diesem
Sinne Teil eines Kontextes werden. In diesem Zusammenhang hat sich Eisenberg
folgendermaßen geäußert:
„Von den vielen speziellen Bedeutungen des Wortes meinen wir zwei verschiedene,
wenn wir von Wörtern reden, die in einem Satz vorkommen, und wenn wir von Wörtern
reden, die in einem Lexikon stehen.― (Eisenberg 1994: 35)
Betrachtet man also ein Diminutivum als Wort im Kontext, dann versteht man es als einen
Teil der Rede, wie an den folgenden aus unserem Korpus entnommenen Belegen zu sehen
ist:10
(13) „Gelegentlich aber sieht man zwei Wildfremde einander umarmen, die roten Bändlein
verknüpfen und selig von dannen ziehen.― (31.08.2005, S. 27)
(14) „An dem Koffer hing ein Adressschildchen "Oskar Schindler", in ihm lagen Hunderte
von Schriftstücken, darunter auch ein Exemplar der "Liste" vom 18. April 1945.―
(19.10.1999, S. 11)
(15) „Das Miniäffchen kam bereits im Dezember zur Welt, sein Geschlecht ist noch
unbekannt.― (05.02.2000, S. 23)
(16) „Mikroalgen sollen dort einen Teil des Abgases eines kleinen Heizkraftwerks
verwerten.― (09.11.2007, S. 14)
(17) „Die Tobsuchtsanfälle, Zusammenbrüche und hektischen Kleinbewegungen machen in
der Summe den Stillstand.― (19.01.2007, S. 26)
9
Jede lexikalische Einheit bildet mit anderen sprachlichen Einheiten ein Paradigma. Als Paradigma im engeren
Sinne kann man eine Menge von Ausdrücken bezeichnen, die zur selben Wortart gehören und sich in einem
bestimmten verbalen Kontext gegeneinander austauschen lassen und die im Hinblick auf eine bestimmte
Verwendungsweise mindestens einen gemeinsamen semantischen Aspekt aufweisen (vgl. Gloning 2002: 713f.).
10
Die Belege sind im Anhang ersichtlich.
19
Mit den Wörtern, die man als Element eines Sprachsystems kennt, erwirbt und speichert man
die Regeln seiner lautlichen und grafischen Repräsentation, die Regeln seiner Abwandlung,
seiner morphologischen Kategorien und die Möglichkeiten seiner Verwendung in
kommunikativen Situationen. So sind damit semantische, morphosyntaktische sowie
phonologische Charakteristika gespeichert und dargestellt. Das wird am Beispiel des Wortes
Äffchen im Folgenden gezeigt:11
a) Semantische Charakterisierung: Das Wort Äffchen zählt durch das Suffix {-chen}
zu den Diminutiven und bedeutet kleiner, junger oder niedlicher Affe.
b) Morpho-syntaktische Charakterisierung: Mit dem Suffix {-chen} ist das Genus des
Substantivs als Neutrum festgelegt.
c) Phonologische Charakterisierung: Das Wort Äffchen trägt den Wortakzent auf dem
Basismorphem Affe. Dieser Akzent ist durch die Regel festgelegt, dass bei der
Ableitung mit {-chen} der Akzent auf dem Stammwort Affe liegen muss, wobei hier
der Stammvokal umgelautet wird.
2.2. Zum Begriff Wortbildung
Wortbildung ist „die Produktion von Wörtern aus vorhandenen bedeutungstragenden
sprachlichen Elementen nach bestimmten Mustern. Wörter zu bilden und neu gebildete
Wörter zu verstehen gehört zur muttersprachlichen Kompetenz der Sprecher. Als
"Ausgangsmaterial" für Wortbildungen dienen Wörter (Sommer/Wind; binden/Band), Affixe
(un/glück/lich), [...]― (Fleischer 2001: 178). Hentschel und Weydt definieren ihrerseits
Wortbildung folgendermaßen:
„die Gesamtheit der Verfahren, mittels derer in einer Sprache neue Wörter auf der Basis
schon vorhandener Wörter gebildet werden. Das geschieht dadurch, daß einzelne
Wörter zu neuen komplexen Wörtern zusammengefügt oder daß einzelne Wörter durch
grammatische Mittel zu neuen umgeformt werden, dass in einer Sprache neue Wörter
auf der Basis schon vorhandener Wörter gebildet werden.― (Hentschel/Weydt 2003: 23)
Die Duden-Grammatik versteht unter Wortbildung ebenfalls, zum einen den Prozess der
Bildung neuer Wörter aus vorhandenen sprachlichen Einheiten und bestimmten Modellen
(jmdm. folgen + ver- jmdn-. verfolgen), zum anderen das Ergebnis des Prozesses, das
gebildete Wort (jemdn. verfolgen)― (Duden-Grammatik 2009: 634).
11
Der Beleg ist im Anhang ersichtlich.
20
So werden z. B. aus dem Basislexem Brief Wörter wie Brieflein, Briefchen, Briefkasse,
Kleinbrief, Briefträger etc. und aus dem Lexem Bild Konstruktionen wie Bildchen, Bildlein,
Minibild,
Kleinbild,
Mikrobild,
Bildschirm,
Andachtsbild
etc.
geschaffen.
Solche
Wortbildungsstrukturen werden als Bildungsergebnisse und Wortbildungsprodukte bezeichnet
(vgl. Fleischer/Barz 1995: 21f.; Fleischer 2001: 178; Eisenberg 2004: 215, 334).
Es ist zu erwähnen, dass zu den aktuellen Problemen der Wortbildung die Semantik und
Funktion von Wortbildungsmitteln, sowie die Rolle von Wortbildungsstrukturen (Modellen)
im Sprachsystem und im Text gehören.
2.3. Wortbildung und Lexikalisierung
Die deutsche Sprache als lebendige und dynamische Sprache entwickelt sich stets weiter. Sie
ist genauso wie die anderen Sprachen im Laufe der historischen Entwicklung bis heute dem
Einfluss von verschiedenen Kulturen und Modeerscheinungen ausgesetzt. Wenn man heute
eine Zeitung in die Hand nimmt, oder eine deutsche Sendung im Rundfunk oder Fernsehen
hört, bemerkt man eine große Verwendung von neuen Wörtern sowie Fremdwörtern. 12 Von
einer Vielzahl dieser Wörter wurden auch andere Wörter, wie Substantive und Adjektive
abgeleitet und gebildet, zu denen auch die Diminutive gehören, wie Alkohol {arab. al-kuhl =
Antimon} Alkoholchen (emotional), Alkoholabhängigkeit, Alkoholabhängige, Alkoholiker,
alkoholisch, alkoholfrei, alkoholisieren, alkoholabhängig u. a.13
Die Duden-Grammatik bezeichnet solche Prozesse als Fremdwortbildung (vgl. DudenGrammatik 2009: 636).
Eichinger sieht seinerseits, dass es eine enge Beziehung zwischen Wortbildung und Lexika
gibt, dass sich eine Möglichkeit, neue Wörter zu bilden, aus den Mechanismen der
Wortbildung ergibt, „wenn uns die Wörter fehlen. Sei es, dass wir in einem Text
Zusammenhänge aufzeigen wollen, sei es, dass die Sprechergemeinschaft das Gefühl hat, im
Lexikon ihrer Sprache sei eine interessante Stelle nicht ausgefüllt― (Eichinger 2000: 40).
So dienten in diesem Fall die Wortbildungen „zur Auffüllung von Benennungslücken im Text
und im Lexikon― (ebenda: 45).
12
„Fremdwörter können auf zwei Wege ins Deutsche kommen. Sie werden entweder als ganze Wörter aus einer
fremden Sprache übernommen (Entertainer), oder sie werden aus fremden Bestandteilen im Deutschen gebildet
(Showmaster, Discounter, Beamer). Im ersten Fall spricht man von Entlehnung, im zweiten von
Fremdwortbildung― (Duden-Grammatik 2009: 636).
13
Siehe dazu Duden Universalwörterbuch (2006), Wahrig Wörterbuch (2006).
21
Für Wandruszka ist Wortbildung „eine Schnittstelle von Lexikon und Syntax, im Sinne einer
Integration von Syntax in die Lexik – ein Prozess, den man als Lexikalisierung oder auch
Morphologisierung […] bezeichnen kann― (Wandruszka 2007: 189).
In der gleichen Richtung haben Fleischer und Barz festgestellt, dass es eine Beziehung
zwischen Syntax und Wortbildung gibt. In diesem Zusammenhang haben sie folgendes
geschrieben:
„Wortbildung ermöglicht einerseits die Produktion von Zeichenkombinationen in der
Wortstruktur; hierin liegt eine gewisse Parallelität zur Konstruktion von syntaktischen
Wortverbindungen (Wortgruppe) und Sätzen, und damit ist eine Beziehung zur Syntax
gegeben.― (Fleischer/Barz 1995: 1)
Luukkainen dagegen spricht davon, dass die Wortbildung nicht eine syntaktische Erscheinung
ist, sondern eine morphematische und aufgrund ihrer linguistischen Struktur in der
Komponente der Morphologie unterzubringen ist (vgl. Luukkainen 1984: 478).
Es bleibt zu erwähnen, dass mit Hilfe der Wortbildung der Basiswortschatz des Deutschen
bereichert wird, deswegen wird die Wortbildung als Hauptmittel der Erweiterung des
deutschen Wortschatzes betrachtet.14
2.4. Motiviertheit der Wortbildungen
„Die verschiedenen Wortbildungsprodukte sind in unterschiedlicher Weise und Maße
motiviert― (Eichinger 2000: 118). Wenn sich die Bedeutung der Wortbildung aus den
Einheiten des komplexen Wortes ergibt, dann kann von einer „morphosemantischen
Motivation― gesprochen werden (Duden-Grammatik 2006: 641).
Im Folgenden soll erläutert werden, was unter Motivation (auch Motiviertheit) zu verstehen
ist. Als Motiviertheit betrachtet man die Relation zwischen dem Bezeichneten und
Bezeichnenden, bei der die Beschaffenheit der Bezeichnung durch Merkmale des
Benennungsobjekts begründet ist. So sind die Bedeutungseigenschaften eines Wortes
Ergebnis der allgemeinen Widerspiegelung seines Bezeichnungsobjekts.
14
Es gibt noch eine weitere kommunikative Ursache für die Wortbildung: Sie hat zu tun mit textlinguistischen
Aspekten und mit der Stilebene. Darunter versteht man, dass Wörter aus Lautkomplexen gebildet werden, die in
einer Sprache vorhanden sind, das heißt mit anderen Worten die Entstehung oder Schaffung von neuen
lexikalischen Einheiten, ohne vorhandene Elemente zu verwenden (vgl. Fleischer 2001: 103). In diesem Fall ist
die Rede von Wortschöpfung. Schippan unterscheidet zwischen Wortbildung und Wortschöpfung, indem sie
Wortschöpfung wie folgt definiert: „Unter Wortschöpfung ist die erstmalige Zuordnung eines Lautkomplexes zu
einer Bedeutung zu verstehen, die sich ohne Verwendung vorhandener Elemente vollzieht.― (Schippan 1992:
107)
22
In dieser Hinsicht sagt Schippan:
„Wir benennen Objekte nach Merkmalen. Dazu nutzen wir vornehmlich vorhandenes
sprachliches Material, sprachliche Bedeutungsträger. So wird geistig- begrifflich die
neue Erscheinung dem schon vorhandenen Begriffssystem zugeordnet und dem
Sprachsystem inkorporiert. Die Benennung ist motiviert.― (Schippan 1992: 96)
Ein Wortbildungsprodukt wie beispielsweise ein Diminutivum gilt also als motiviert, wenn
die Gesamtbedeutung aus der Summe der Bedeutung seiner einzelnen Elemente erschließbar
ist. So lässt sich zum Beispiel die Gesamtbedeutung von Verkleinerungsformen, wie
Kleinanzeige, Steinchen aus ihren einzelnen Bestandteilen (Klein-+Anzeige) und (Stein+
-chen) ableiten (vgl. Bußmann 2002: 452).
Von daher kann man festhalten, dass die Wortbildungsprodukte als komplexe Wörter
motiviert sein können, im Unterschied zu Morphemen wie {-chen}, {-lein}, {-ung} oder aus
einem Morphem entstehenden Elementen, die durch die Merkmale des Bezeichnungsobjekts
determiniert oder näher bestimmt sind.15 Eichinger äußert sich zum Thema wie folgt:
„Im Unterschied zu Elementen, welche nur aus einem Morphem bestehen, sind
komplexe Wörter, wie sie die Wortbildungslehre beschreibt, motiviert.― (Eichinger
2000: 144)
In der Wortbildungslehre wird also von der Motiviertheit der Wortbildungen gesprochen, was
bedeutet, dass die Wortbildungsprodukte motiviert sind und sich die Gesamtbedeutung aus
den einzelnen Komponenten der Bildung ergibt (vgl. Duden-Grammatik 2006: 641).
Es wird aber nicht nur von motivierten, sondern auch von unmotivierten Wortbildungen
gesprochen, die aber voneinander nicht durch starre Grenzen getrennt werden (vgl. Lohde
2006: 28). Deswegen unterscheidet man unter synchronem Aspekt unterschiedliche Grade der
Motiviertheit von Wortbildungen, die anhand folgender Einteilung verdeutlicht werden
können.
2.4.1. Vollmotivierte (durchsichtige) Wortbildungen
Zu den vollmotivierten Bildungen gehören im Bereich der Diminution alle Formen, deren
Bedeutung aus den Wortbildungsaffixen und einem Wortbildungsbasismorphem zu erkennen
ist.16
15
Schippan nennt „die Eigenschaften, die für den Benennungsprozess genutzt werden, Benennungsmotive, und
die Bedeutung der benennenden sprachlichen Einheiten Motivbedeutung. So bringen Morpheme wie
/ung//weg//ver/ ihre Motivbedeutung in die Wortbedeutung ein― (Schippan 1992: 67).
16
Die Wortbildungssuffixe {-chen} und {-lein} sind die wichtigsten Diminutivsuffixe; sie treten vor allem an
Substantiven auf. Häufig, aber durchaus nicht immer „haben sie eine verkleinernde Wirkung― (Engel 1988: 417).
23
Vollmotiviert sind Wortbildungsprodukte, deren Bedeutung durch die einzelnen Elemente
erklärbar ist, wie die folgenden Beispiele aus unserem Korpus zeigen:
-
Blüschen (eine kleine Bluse)
-
Dörflein (ein kleines Dorf)
-
Eimerchen (ein kleiner Eimer)
-
Mikroblase (eine kleine Blase)
-
Miniandacht (eine sehr kurze Andacht)
-
Minifläschchen (eine sehr kleine Flasche) etc.
Daraus ist zu erschließen, dass vollmotiviert „komplexe Wörter heißen, bei denen sich –
soweit das überhaupt möglich ist – die Bedeutung des komplexen Lexems gänzlich aus seinen
Teilen errechnen lässt― (Eichinger 2000: 144).
Es ist hier notwendig zu erwähnen, dass die Vollmotiviertheit nicht nur Ableitungen mit
Suffixen und Präfixen wie {-er}, {-chen}, {-lein}, {Mini-}, {Mikro-} etc. umfasst, sondern
auch Komposita wie Kleinansätze, Einwickelpapier, Doppelhügel u. a.17 Man kann hier die
Bedeutung durch die Teile der Konstruktionen erschließen, das heißt durch (Klein-+Ansätze),
(Einwickel+Papier), (Doppel+Hügel). In diesen Fällen erklären die einzelnen Teile der
Lexeme ihre Bedeutungen, wodurch sie als motiviert oder vollmotiviert anzusehen sind.
Man darf hier auch nicht übersehen, dass der Kontext eine große Rolle spielt, die Bedeutung
zu motivieren, dass einige Wortbildungsprodukte in bestimmten Kontexten und Situationen
verschiedene Bedeutungen haben können. So hat zum Beispiel ein Wort wie Bierchen einmal
die Bedeutung eines kleinen Glases und ein andermal eine emotionale Bedeutung, d. h. eine
gute oder schlechte Biersorte18, wie im folgenden Belegbeispiel zu sehen ist:19
(18) „Ein paar Bierchen trinken und ein paar Zigarettchen rauchen.― (02.05.2002, S. 36)
In diesem Falle wird mit Bierchen ein Lieblingsgetränk bezeichnet.
Daraus lässt sich folgern, dass z. B. die Diminution als Wortbildungsprozess ein Verfahren
ist, eine subjektive Einstellung bezeichnet, die von der Absicht des Sprechers motiviert
werden kann.
17
Die Belege sind im Anhang ersichtlich.
„Wortbildungsbedeutung der Diminutiva ist nicht nur ‗Verkleinerung‗ sondern die Derivate […] erhalten in
Verbindung damit eine emotionale Konnotation, die ,emotional-positiv‘ oder auch ,emotional-negativ, pejorativ‘
sein kann.― (Fleischer/Barz 1995: 181, vgl. auch Barz/Schröder 1997: 388).
19
Das Belegbeispiel ist im Anhang ersichtlich.
18
24
2.4.2. Teilmotivierte Wortbildungen
Es werden zahlreiche Versuche unternommen, neue Kriterien für die genaue Darstellung der
teilmotivierten Bildungen zu erarbeiten (vgl. Schippan 1984: 94ff.).
Teilmotiviert sollten alle komplexen Wörter heißen, deren Gesamtbedeutung nicht ganz
deutlich aus den einzelnen Elementen abgeleitet werden kann. Daher lässt sich nicht leicht
durch die einzelnen Teile die Bedeutung einer Diminutivbildung wie Frühchen schließen.
Das teilmotivierte Wort Frühchen besteht aus dem Basismorphem Früh plus dem
Wortbildungsmorphem -chen und bedeutet „zu früh geborenes Kind― (Lohde 2006: 29).
Das diminuierte Wort Frühchen hat die folgende Formel:20
-
Basismorphem + Wortbildungsmorphem = Diminutivum
Früh+-chen = Frühchen (teilmotiviert)
2.4.3. Unmotivierte (undurchsichtige) Wortbildungen
Unmotivierte, auch lexikalisierte, undurchsichtige, idiomatisierte Einheiten sind Wörter,
deren Bedeutung nicht aus den Bestandteilen der Wortkonstruktion erschlossen werden kann.
Das bedeutet mit anderen Worten, dass bei unmotivierten Konstruktionen die Motivation so
verdunkelt ist, „dass die semantische Verbindung zwischen Gesamt- und Einzelbedeutung
nicht mehr erkennbar ist; die Komponenten haben eine Umdeutung erfahren― (Lohde 2006:
29).
Gemäß der Duden-Grammatik wird von völliger Unmotiviertheit einiger komplexer Wörter
nur dann gesprochen, wenn die Beziehung zwischen Wortbildungsbedeutung und
Wortschatzbedeutung nicht mehr feststellbar ist, entweder weil diese Konstruktionen „den
Bezug zu ihren Ausgangswörtern verloren oder eine spezielle Bedeutung angenommen
haben― (Duden-Grammatik 1995: 490), sodass sie nicht mehr als Wortbildungsprodukte
betrachtet werden können.
Von daher kann man feststellen, dass Wörter wie Märchen,21 Mädchen, bisschen lexikalisiert,
unmotiviert oder vollidiomatisiert sind, da sie ihren Zusammenhang zu den Ausgangswörtern
und ihre diminutivische Bedeutung verloren haben. Man versteht solche Diminutive nicht aus
den Bestandteilen, Wortbildungssuffix {-chen} plus Basismorphem (Märe, Magd, Bissen),
20
Man betrachtet ebenso Lexeme wie Schaukelpferd und Ohrenschmaus als teilmotiviert, „denn hier erweist sich
nur ein Bestandteil als – mehr oder weniger – motiviert― (Lohde 2006: 28f.). Mit Schaukelpferd ist
Kinderspielzeug aus Holz zum Schaukeln gemeint. Mit Ohrenschmaus wird etwas bezeichnet, was man gerne
hört.
21
Das Wort Märchen ist eine Verkleinerungsform von fnhd. maere, ahd. Märe: Nachricht, Kunde, Erzählung,
Bericht (vgl. Kluge 2002: 598).
25
sondern als eine ganze Einheit. Diese Bildungen sind in der Gegenwartssprache nicht mehr
durchsichtig, d. h., sie sind insofern nicht mehr motiviert (vgl. Schnörch 2002: 281). So lässt
sich sagen, dass sich im Bereich der Diminution eine volle Unmotiviertheit findet, wenn das
Basismorphem als selbstständige Einheit verloren geht oder umgedeutet wird.
Eine Vielzahl von Diminutivbildungen wie Brötchen, Eichhörnchen, Hähnchen, Päckchen,
Plätzchen, Stiefmütterchen, Ohrläppchen, Kaffeekränzchen, Fräulein, Pfaffenhütchen u.a.
werden zu den unmotivierten Formen gezählt, da die Bedeutung solcher komplexen
Bildungen nicht aus den Morphemkonstitutionen zu sehen, sondern als eine Einheit
verstanden wird (vgl. Lohde 2006: 123; Schnörch 2002: 298; Nekula 2003: 145).
So wird zum Beispiel mit Eichhörnchen ein Nagetier bezeichnet und mit Kaffeekränzchen ein
regelmäßiges Kaffeetrinken mit belanglosen Gesprächen gemeint, welches zumeist von
Frauen organisiert wird. Ebenso wird mit Stiefmütterchen eine Zierpflanze bezeichnet. Bei
solchen Bildungen erkennt man noch, dass es sich um komplex strukturierte Entitäten
handelt;
jedoch
kann
man
synchronisch
die
Elemente
nicht
mehr
in
einen
Umschreibungszusammenhang bringen, der die Bedeutung der ganzen Bildung angemessen
wiedergibt (vgl. Eichinger 1982: 52).
Schippan verbindet ihrerseits die unmotivierten Wörter mit den Benennungsmotiven, in dem
sie Wörter, die keine Relation mit den Benennungsmotiven haben, als vollidiomatisiert
betrachtet:
„Wörter, bei denen der Zusammenhang mit den Benennungsmotiven nicht mehr
erkennbar ist. Hier haben die Konstituenten einer Wortbildungskonstruktion ihre
konstruktionsexterne Bedeutung oder sie sind veraltet, archaisiert. Das betrifft Wörter
wie Eberesche, Nachtigall, Bräutigam. Diese Wörter sind voll idiomatisiert.―
(Schippan 1992: 101)
Wir schließen uns der Meinung an, dass unmotivierte Wörter komplexe Wörter sind, bei
denen man zwar eine formale Struktur erkennt, sie aber nicht mehr in eine sinnvolle Relation
mit dem üblichen Verständnis dieser Wörter bringen kann (vgl. Eichinger 2000: 144).
Wenn abschließend und zusammenfassend die Frage gestellt werden soll: Was sind die Grade
von Motiviertheit der Wortbildungen?, so kann man sie mit Hilfe der Abbildung auf der
Folgeseite und Klassifizierung beantworten.
26
Grade der Motiviertheit
Vollmotiviert
(durchsichtig)
Teilmotiviert
Unmotiviert
(nicht ganz durchsichtig)
(undurchsichtig)
a) Basis + (Suffix)
a) Basis + (Suffix)
b) (Präfix) + Basis
b) (Präfix) + Basis
Als eine Einheit
c) Klein- + Basis
Tischlein
Frühchen u.a.
Mädchen
Spielchen
Märchen
Miniblüte
Veilchen
Mikroblase
etc.
Kleinkind
etc.
Abbildung (1)
27
2.5. Wortbildungsarten
In der deutschen Sprache unterscheidet man verschiedene Wortbildungsarten wie
Komposition (Zusammensetzung), Derivation (Ableitung), Konversion (Wortartwechsel) und
Kurzwortbildung (Abkürzung), „die durch dei Verwendungen charakteristischer Bildungsmittel bzw. deren Kombination gekennzeichnet sind― (Lohde 2006: 35).
Im Folgenden werden die Bildungsmöglichkeiten Komposition und Derivation dargestellt, da
die Diminutivbildung im Deutschen hauptsächlich durch die synthetische Form (Derivation)
und die syntaktische Form (Komposition) charakterisiert wird.
2.5.1. Komposition
Ein typischer Vorgang in der Wortbildung des Deutschen, und dies betrifft auch die Bildung
von Diminutiven, ist die Komposition.
Unter Komposition versteht man vor allem „die Verbindung von zwei oder mehr frei
vorkommenden Morphemen oder Morphemfolgen (Wörtern) zu einem Kompositum―
(Metzler 2005: 334), z. B. Klein-bild-schirm, Bühnen-bild, Bürger-meister, Christ-kind,
Cocktail-kleid, Denk-zettel, Dank-brief, Einzel-teil.22
In formaler Hinsicht definiert z. B. Fleischer das Kompositum als „ein komplexes
Wortbildungsprodukt aus zwei potentiell selbstständigen (wortfähigen, freien) Konstituenten:
Wärmeverlust, Niedrigenergie-Bauweise, Dämmaterial, bundesweit― (Fleischer 2001: 197).
Inhaltlich bildet sad Kompositum eine lexikalische Einheit, diddin Bedeutung manchmal aus
der Bedeutung dienis einzelnen Bestandteile erschlossen werden kann. Das ist möglich, wenn
man das zusammengesetzte Wort in seine Bestandteile zerlegt und so in ein Syntagma
umformt.
In Abgrenzung zum zusammengesetzten Wort (Kompositum) lässt sich das Syntagma23
folgendermaßen charakterisieren:
-
Morphologisch gesehen wird bei Komposita nur das Zweitglied flektiert, während bei
den Syntagmen jedes Wort seine eigene grammatische Charakteristik behält, z. B.:
a) Nom. die Kleinereignisse / Dat. den Kleinereignissen (Kompositum)
b) Nom. die kleinen Ereignisse / Dat. den kleinen Ereignissen (Syntagma)
22
Die Belege sind im Anhang ersichtlich.
Unter Syntagmen versteht man „Verknüpfung von Wörtern zu Wortgruppen― (Universalwörterbuch 2002:
1553). Zwischen diesen Wörtern bestehen subordinierende Relationen. Es gibt verschiedene Arten von
Beziehungen zwischen den Elementen. Diese Beziehungen kann man syntaktisch (z. B. Genitivattribut: die Tür
eines Hauses) oder semantisch definieren (z. B. Possessivrelation: die Tür gehört zu dem Haus = Haustür).
23
28
-
Phonologisch unterscheiden sich Kompositum und Syntagma in Hinsicht auf die
Betonung. Liegt bei Komposita der Hauptton in neutraler Rede auf dem ersten Glied,24
werden die Komponenten eines Syntagmas gleich betont; in einer konkreten Äußerung
allerdings hängen die Melodie und die Betonung des Syntagmas von der Intention des
Sprechers ab, z. B.:
a) Klẹinfamilie, Mọndlicht (Komposita)
b) die kleine Familie, das Licht des Mondes (Syntagmen)
-
Auf grafischer Ebene tritt das Kompositum als ein Wort auf,25 dagegen werden die
Komponenten der Syntagmen getrennt geschrieben, z. B.:
a) Kleinauftrag (Kompositum)
b) der kleine Auftrag (Syntagma)
Auf
semantischer
und
syntaktischer
Ebene
werden
Determinativkomposita
und
Kopulativkomposita26 unterschieden. Da viele Diminutive durch Komposition mit Kleingebildet werden und gleichzeitig die Determination die am häufigsten gebrauchte
Kompositionsart im Deutschen ist, konzentriert sich die folgende Darstellung auf die
Determinativkomposita.
2.5.1.1. Determinativkomposita
In der deutschen Sprache erfolgt Wortbildung in den meisten Fällen durch Komposition,
insbesondere durch Determination (vgl. Eichinger 2000: 117; Naumann 2000; 42; DudenGrammatik 2009: 718).
Eichinger hält diesen Typus für den funktional Zentralen und versteht darunter „Bildungen,
bei denen das Erstelement, das Determinans, dem Zweitelement, dem Determinatum,
untergeordnet ist― (Eichinger 2000: 117).
24
Hier muss man betonen, dass es bei entlehnten Wörtern andere Regelungen gibt.
Es gibt aber neue Tendenzen in der Entwicklung der Sprache: auch Schreibung mit Bindestrich oder sogar
ganz getrennt. Vor allem, wenn ein Element ein Kurzwort oder ein entlehntes Wort ist. Siehe dazu (DudenGrammatik 2005, auch Lawrenz, Birgit 2006).
26
In den Koplativkomposita gibt es kein Verhältnis von Grund- und Bestimmungswort; kein Lexem wird hier
durch das andere bestimmt, wie zum Beispiel: deutsch-arabisch, taubstumm, schwarzgrün, Mund-zu-MundBeatmung etc. Solche Komposita bestehen aus zwei oder mehr gleich geordneten Gliedern, die auf Grund der
Beiordnung in Verbindung treten. Jedes Element hat seine selbständige Bedeutung, aber beide drücken einen
neuen Begriff aus und gehören der gleichen Wortart und der gleichen semantischen Kategorie an, deswegen
werden sie nicht als Determinativkomposita betrachtet und interpretiert (vgl. Eichinger 2000: 141; Lawrenz
2006: 66; Motsch 1999: 142f.).
25
29
Bußmann definiert diesen Typ als:
„nominale Wortzusammensetzung, in der das zweite Glied (das Grundwort oder
Determinatum) durch das erste Glied (das Bestimmungswort bzw. der Determinans)
semantisch determiniert wird: Konferenztisch, Wetterkarte, engl. dance hall. Das
Zweitglied bildet den semantischen und morphosyntaktischen Kopf des
Kompositums, indem es sowohl die Referenz als auch die morphosyntaktischen
Merkmale wie Wortart, Genus, Flexionsklasse des Determinativkompositums festlegt.―
(Bußmann 2008: 126)
Laut Duden-Grammatik gehört das Determinativkompositum zur Klasse der modifizierenden
Wortbildungen. Dabei wird ein Grundwort wie Wohnung durch die Komposition mit Großoder Klein- nach Größe modifiziert (vgl. Duden-Grammatik 2006: 727). Eine Großwohnung
ist eine Wohnung, die groß ist. Das erste Glied groß schränkt den Umfang des zweiten
Bestandteils Wohnung ein und fungiert damit als sein Modifikator, weil es ihn semantisch
näher bestimmt.
Als Determinativkompositabasen kommen hauptsächlich Substantive, Adjektive und Verben
vor (vgl. Pohl/Erhardt 1995: 17; Pavlov 2009: 105f.), wie zum Beispiel:27
a) Kleinarchitektur, Atombombe, Aufklärungsfilm (Substantiv)
b) kleinwinzig, riesengroß, todmüde (Adjektiv)
c) kleinkriegen, gutheißen, kaltbleiben (Verb)
Demnach sind Determinativkomposita dadurch gekennzeichnet, dass sie aus zwei Komponenten bestehen. Das Grundwort, auch Determinatum genannt und an zweiter Stelle
stehend, trägt die Hauptbedeutung des Kompositums. Es wird durch das vorangestellte
Determinans semantisch näher bestimmt.
2.5.2. Derivation
Neben der Komposition ist die Derivation (Ableitung) die wichtigste Art der Wortbildung im
gegenwärtigen Deutsch. Die Derivation ist ein Prozess der Bildung neuer Wörter aus bereits
vorhandenen Wörtern mit Hilfe von Wortbildungsmitteln, die Affixe (auch Wortbildungsmorpheme) genannt werden. Unter Wortbildungsmitteln versteht man kleinste Bestandteile
als Elemente der Wortbildung (vgl. Wandruszska 2007: 189).
27
„[….] während natürlich das zweite Element immer ein Substantiv ist, da sonst die ganze Konstruktion keine
Substantive sein könnte, kommen an der ersten Stelle nicht nur Substantive vor, obwohl dieser Kombinationstyp
laut Aussagen der Duden-Grammatik 80% der Substantivkomposita ausmachen, sondern auch Lexeme anderer
Wortarten, vor allem Verben (zu 8%), aber auch Adjektive (zu 5%).― (Eichinger 2000: 115)
30
Gemäß
Eichinger
„dienen
die
Affixe
zumindest
im
Fall
der
Substantive
der
Wortartcharakteristik und einer klassematischen Grobgliederung innerhalb der Wortart―
(Eichinger 2000: 16). Eine wichtige Aufgabe ist es, eine klare Begriffsabgrenzung von Affix
und Wort herzustellen.
Eisenberg sieht, dass „Affixe ja nicht eigentlich etwas [bezeichnen], sondern haben eher die
Funktion, etwa aus einem Substantivstamm einen Adjektivstamm bestimmter Art zu machen
(wald+ig) oder aus einem Verbstamm einen Substantivstamm bestimmter Art (Bewald+ung).
Man kann aber ihre Semantik erfassen, indem man ihnen eine bestimmte morphosemantische
Funktion zuschreibt― (Eisenberg 2006: 30).
Nach Fleischer und Barz unterscheidet sich ein Wortbildungsaffix vom Wort dadurch, dass
die Affixe nur gebunden vorkommen und nicht als freie Basis auftreten können, das heißt,
Affixe sind nicht wortfähig (vgl. Fleischer/Barz 1992: 28; Pohl/Ehrhardt 1995: 64).
In den unten erwähnten Wortbildungsprodukten können wir die Affixe (Suffixe und Präfixe)
deutlich bestimmen:
a) Schönheit: Basis (schön) + Suffix (-heit)
b) Beilchen: Basis (Beil) + Suffix (-chen)
c) Führer: Basis (Führ) + Suffix (-er)
d) Minipartei:28 Präfix (Mini-) + Basis (Partei)
e) Verkauf: Präfix (ver-) + Basis (Kauf)
Von daher kann man feststellen, dass sich die Derivation hauptsächlich in folgende Arten
einteilen lässt (vgl. Schippan 1992: 117; Eichinger 2000: 16):
1. Derivation durch Suffixe, auch Suffigierung genannt, z. B. Bettchen, Studentin,
Anwendung etc.
2. Derivation durch Präfixe, auch Präfigierung genannt, z. B. Minibehörde, Mikrobank,
Miniabenteuer etc.
3. Affixlose Derivation, auch Konversion genannt, z. B. Dank – dank etc.
Im Folgenden versuchen wir, die Suffigierung und Präfigierung darzustellen und sie in
morphologischer und semantischer Hinsicht zu klassifizieren, da sie bei der deutschen
Diminuierung eine große Rolle spielen.
28
Hier sehen wir ein Problem, denn „Mini― kann frei gebraucht werden. Auch bei anderen Präfixen fällt die
Differenzierung schwer, z.B. Superhaus, megatoll etc.
31
2.5.2.1. Suffigierung
Unter dem Begriff Suffigierung (auch Suffixderivation, Suffixableitung, Suffixbildung)
versteht man das Hinzufügen von Suffixen an das lexikalische Basismorphem. In diesem Fall
legen die Suffixe die Wortart und die Flexionsklasse des abgeleiteten Wortes fest (vgl. Linke
1994: 63; Duden-Grammatik 2009: 665).
Glauninger bezeichnet seinerseits die Suffixe „als Träger der morphologischen Head-Qualität
im Schnittpunkt verschiedener syntagmatischer und paradigmatischer Determinierungsrelationen― (Glauninger 2005: 269).
Von daher ergibt sich, dass das Suffix nicht ein frei vorkommendes Morphem ist, das „rechts
an die Basis [tritt] und […] mit ihr einen komplexen Wortstamm― bildet (Duden-Grammatik
2009: 657).29 So leiten beispielsweise Suffixe wie -er, -ler, -ling Substantive ab, die
maskulines Geschlecht haben; Suffixe wie -haft, -bar bestimmen die Wortarten als Adjektive,
die Suffixe -e, -heit, -ität, -schaft u. a. leiten feminine Substantive ab, während die Suffixe
-chen, -lein neutrale Substantive aus anderen Substantiven ableiten.30
Engel und Tertel haben auch im selben Sinne darauf hingewiesen, „dass Wörter mit den
Endungen -er, -eur/-ör, -or, -ling, -us in der Regel Maskulina, solche mit den Endungen -heit,
-keit, -schaft, -ung Feminina und solche mit den Endungen -chen, -lein, -ma, -ment, -um
Neutra sind. Aber erstens gibt es viele Ausnahmen, und zweitens ist durch diese Endungen
nur ein Teil der Nomina charakterisiert― (Engel/Tertel 1993: 39).
So sind die Suffixe dadurch gekennzeichnet, dass sie nicht nur als Wortbildungsmorpheme
fungieren, sondern das Wort in eine bestimmte Wortart einordnen, wie Blondchen
(Substantiv), misshandeln (Verb), missliebig (Adjektiv).
Es lässt sich bemerken, dass neben den deutschen Suffixen auch fremde Suffixe an deutsche
Wörter treten können. Die Fremdsuffixe dringen in der Regel zusammen mit entlehnten
Wörtern in die deutsche Sprache ein.
Für die Substantivableitung stehen die folgenden Fremdsuffixe:
-ette (wie in Zigarette, Operette), -tion (wie in Operation, Infektion)
-ität (wie in Nationalität, Universität), -ine (Violine, Sonatine) etc.31
29
Den zentralen Unterschied zwischen Wortbildungsmorphemen, zu denen die ableitenden Suffixe gehören,
und Flexionsmorphemen, zu denen die Flexionssuffixe gezählt werden, hat bereits Wilmanns (1896) treffend
formuliert: ,,Die ableitenden Suffixe bilden Wörter, die Flexionssuffixe Wortformen― (Wilmanns, zitiert nach
Naumann 2000: 17).
30
Man nennt die Suffixe -chen und -lein Diminutivsuffixe. Sie modifizieren die Bedeutung der Ausgangswörter.
31
Die fremden Suffixe -ette und -ine gehören zu den Diminutivsuffixen, die im nächsten Kapitel ausführlich
behandelt und erforscht werden.
32
An dieser Stelle möchten wir auf die Diminution hinweisen. Hier kann man kurz zeigen,
welche Suffixe es für die Diminutivbildung gibt. Dabei bestehen Unterschiede zwischen:32
-
Substantivischen Diminutivbildungen: Sie werden mit Hilfe von Suffixen wie
{-chen}, {-lein}, {-i} u. a. realisiert, z. B. Bild – Bildlein/Bildchen, Brief – Briefchen/
Brieflein, Schatz – Schatzi, Maus – Mausi etc.
-
Verbalen Diminutivbildungen: Sie werden mit Hilfe von den Suffixen {-el} und {-i}
realisiert, z. B. lachen – lächeln, husten – hüsteln, spotten – spötteln, tanzen – tänzeln,
schreiben – schreibi, sitzen – sitzi, tropfen – tröpfeln etc.
-
Adjektivischen Diminutivbildungen: Sie werden mit Hilfe von dem Suffix {-lich}
realisiert, z. B. rot – rötlich, süß – süßlich, grün – grünlich, dumm – dümmlich, krank
– kränklich, blau – bläulich etc.
2.5.2.2. Präfigierung
Wie mit dem Wortbildungssuffix können auch mit dem Präfix neue Wörter gebildet werden.
Unter dem Begriff Präfigierung (auch Präfixderivation, Präfixableitung, Präfixbildung)
versteht man die Anfügung eines Präfixes vor das Basislexem (vgl. Bußmann 2002: 529;
Duden-Grammatik 2009: 665; Eichinger 2000: 146).
Henzen und Fleischer klassifizieren ihrerseits die Präfigierung neben der Derivation und
Komposition als einen dritten Typ der Wortbildung, da sie keine kategorieändernde Wirkung
im komplexen Wort hat und sich darin von den beiden anderen Wortbildungstypen
unterscheidet (vgl. Henzen 1965; Fleischer 1982).
„Die Präfigierung zeigt überhaupt ein merkwürdiges Doppelgesicht: beim Substantiv spielt
sie eher eine marginale Rolle, beim Adjektiv dient sie im Wesentlichen der Füllung in der
Wortart angelegter Typen von Modifikation wie Antonymenbildung oder Graduierung. Hoch
bedeutsam ist sie beim Verb, wo sie eine der Suffigierung bei den anderen Wortarten
vergleichbare Rolle spielt― (Eichinger 2000: 72). Von daher lässt sich feststellen, dass
„Präfigierung […] im nominalen Bereich eindeutig nur modifikativ― ist (ebenda: 67).
32
In dieser Studie konzentrieren wir uns auf die erste Gruppe, da die Diminutivbildung von Wortarten wie
Adjektiven, Verben, Adverbien u.a. im Vergleich zu den Substantiven als Basen von geringerer Bedeutung ist
(vgl. Lohde 2006: 120). Die Diminution ist „beim Substantiv in besonderer Weise ausgebaut. Sie kennt hier die
geringsten Restriktionen und weist wohl auch die höheren Textfrequenzen auf― (Fleischer/Barz 1992: 86).
33
Die Präfixe treten „bei einem Wortbildungsvorgang grundsätzlich links an die
Derivationsbasis und bilden mit ihr einen komplexen Wortstamm― (Duden-Grammatik 2009:
656).
Durch das Derivationspräfix kann die Bedeutung der Basis verändert werden. Die Frage ist
nun, welchen Wortbedeutungen die Bildung mit Präfixen in Bezug auf die Substantivbasen
im Deutschen dient.
Mit Hilfe von Präfixen lassen sich die Wörter in ihren Bedeutungen semantisch modifizieren;
in seltenen Fällen aber auch in eine andere Kategorie hinüberführen wie in Gold – vergolden.
Im Folgenden lassen sich die folgenden Wortbedeutungen darstellen, deren Entstehung die
Präfigierung dient:
a) Diminution
(Verkleinerung):
Die
Diminutivbildungen
sind
mit
der
verallgemeinerten Bedeutung klein verbunden. Diese Bedeutung wird im Deutschen
durch Diminutionspräfixe ausgedrückt (vgl. Lohde 2006: 145). Es gibt eine Reihe von
Präfixen, welche die Größe angeben und die Basis semantisch in dieser Hinsicht näher
bestimmen.
Die Diminutivbildungen haben die Bedeutung (sehr) klein, kurz, niedrig, winzig
mithilfe von den Präfixen Mikro- (wie in Mikrokamera, Mikroanalyse, Mikrofilm etc.)
und Mini- (wie in Minialbum, Miniabenteuer, Minihaus etc.).
b) Augmentation
(Vergrößerung):
Die
Augmentativbildungen
sind
mit
der
verallgemeinerten Bedeutung groß verbunden. Man bezeichnet sie in der deutschen
Sprache durch Augmentationspräfixe. Solche Präfixe bestimmen die Bedeutung der
Basis hinsichtlich der Größe näher.
Die Augmentativbildungen haben die Bedeutung groß, riesig, höchst mithilfe von
Präfixen wie Makro- (z. B. Makrostruktur, Makrogefüge), Riesen- (z. B. Riesenerfolg,
Riesentanne) und Maxi- (z. B. Maxibildschirm, Maxiversion).
c) Die Negation (Verneinung): Zu dem zentralen Bereich der Präfigierung gehört die
Negation (vgl. Eichinger 2000: 207). Diese Bedeutung wird durch deutsche oder
fremde Präfixe ausgedrückt.
Die deutschen Präfixe (Nicht-, Un-, Miss-) stehen den fremden Präfixen (An-, Dis-,
Irr-) gegenüber. Die Bildungen mit solchen Präfixen gelten als Antonyme für die
positiven Formen oder drücken das Fehlen von etwa aus, wie zum Beispiel: Raucher –
Nichtraucher, Erfolg – Misserfolg, Tiefe – Untiefe, Tum – Irrtum etc.
34
d) Die Pejoration (Verschlechterung): Neben der reinen Negation oder dem Feststellen
eines Fehlens gibt es auch Präfixgruppen, die das Fehlen von etwas als schlecht
bezeichnen oder eine Bewertung im Sinne von falsch ausdrücken. Man spricht hier
von Pejoration. Ein sprachlicher Ausdruck wird als pejorativ bezeichnet, „wenn er
den mit ihm bezeichneten Gegenstand oder Sachverhalt impliziert abwertet― (Metzler
2005: 479). In dieser Bedeutung dominieren deutsche Präfixe wie Ver-, Fehl-, Miss-,
Un- neben fremden Präfixen wie Pseudo-, Quasi-, Anti-, Des-, Dis- (vgl. Fleischer
1983: 260f.), wie in: Diagnose – Fehldiagnose, Verständnis – Missverständnis,
Problem – Pseudoproblem, Mensch – Unmensch, Ruf – Verruf.
Aus dem Dargestellten kann man feststellen, dass „Zudem […] in einem ähnlichen Maße wie
bei der Suffigierung des Substantivs unterschiedliche semantische Subklassen durch die
Präfigierung gekennzeichnet [werden], so etwa […] die Bedeutung eines
„falschen―
Abschlusses bei einer Reihe von ver-Bildungen― (Eichinger 2000: 156).
Die Abbildung auf der folgenden Seite zeigt die Klassifikation von Wortbedeutungen mit
Hilfe der Präfixe und wird mit Bezug auf die substantivischen Basen verdeutlicht:
35
Wortbedeutungen und Derivationspräfixe
Negation
(Verneinung)
Pejoration
(Verschlechterung)
(Verkleinerung)
Präfixe
Präfixe
Präfixe
deutsche
fremde
Diminution
deutsche
Augmentation
(Vergrößerung)
Präfixe
fremde
Nicht
An-
Fehl-
Pseudo-
Mikro-
Makro-
Un-
Dis-
Miss-
Quasi-
Mini-
Riesen-
Un-
Anti-
Miss-
DesDis-
Abbildung (3)
36
Maxi-
TEIL II: DESKRIPTIVER TEIL
3. Die Diminution im Deutschen
Als Grundlage dieser kontrastiven Studie sollen Form und Funktion der Diminution als
sprachliches Mittel im Deutschen anhand verschiedener Beispiele erforscht und dargestellt
werden.
3.1. Zum Begriff Diminution
Die Diminution als sprachliches Phänomen ist „den verschiedenen Sprachen gemeinsam―
(Koecke 1994: 9). Aber was versteht man unter Diminution?
Es ist schwierig, eine adäquate Definition der Diminution zu geben, deswegen liefern nur
wenige Sprachwissenschaftler Definitionen der Diminution. Die Diminution ist im
Allgemeinen „die Tatsache, daß ein Grundwort durch bestimmte Wortbildungs- bzw.
lexikalische Mittel formal und semantisch modifiziert wird― (Klimaszewska 1983: 9). So
zählt Klimaszewska Substantiva, Adjektiva und Adverbien mit Diminutivsuffixen zu einem
Typus der Modifikation.
Unter Diminution als Wortbildungsmuster (auch Verkleinerung, Verringerung) versteht man
die „Bildung eines Diminutivums, z. B. Pferd-chen < Pferd, Röß-lein <Roß― (Metzler 2005:
146).
Der Terminus Diminutivum „ist inzwischen üblicher als die ursprüngliche Bezeichnung
Deminutivum, die auf lat. deminuere, verkleinern ‚- Nomen deminutum, verkleinertes Wort‗
zurückgeht; die Form ‚Deminuativum‗ wird nur bei Eisenberg (1989: 172) benutzt―
(Hentschel/Weydt 2003: 196).
Unter Diminutivum [Pl. Dimiutiva; auch: Deminutivum, Verkleinerungsform] versteht man
„eine Verkleinerung eines Substantivs ausdrückende Ableitung; Verkleinerungsform (z. B.
Öfchen, Gärtlein)― (Universalwörterbuch 2002: 380).
Bußmann definiert ihrerseits die Diminutiva als:
„Mittels gewisser Suffixe wie -chen und -lein (Häuschen/ Häus-lein) sowie -ette
(Stiefelette), engl. -ie/ -y (Charlie, kitty), frz. -ette (Maisonette) oder eines Präfixes, z. B.
Mini- (Ministaubsauger), abgeleitete Substantive, die die Bedeutung des Stammes in
der Regel als >>Verkleinerung<< modifizieren (Modifikation), aber auch emotionale
Einstellungen des Sprechers signalisieren können (Schwesterchen, Problemchen).―
(Bußman 2008: 136)
37
Die Diminutiva „dienen [also] nicht nur dem Ausdruck der Verkleinerung, sie enthalten
zugleich eine emotionale Konnotation […]. Ihre Domäne ist das Substantiv. Zu den
bedeutsamsten substantivischen Diminutivsuffixen zählen -chen und -lein, wobei -chen mit
Abstand am häufigsten verwendet wird. Die Derivate sind immer Neutra― (Lohde 2006: 120)
wie Bär – Bärchen, Lehrer – Lehrerlein, Abenteuer – Abenteurchen, Affe – Äffchen, Auto –
Autolein, Backe – Bäcklein etc.
Daraus ergibt sich, dass die Diminutiva Verkleinerungsformen sind, die semantische
Modifikationen haben. Sie tragen die Bedeutung der motivierenden Lexeme mit
Zusatzbedeutung der Verkleinerung oder der emotionalen subjektiven Bewertung.
Da die Diminution nicht nur eine inhaltliche, sondern auch eine formelle Seite aufweist,
werden wir in den folgenden deutschen und arabischen Kapiteln beide Seiten berücksichtigen
und untersuchen.
Zu dem formellen Aspekt der Diminutive des Deutschen gehören vor allem die Bildungen mit
den Suffixen und Präfixen, die im nächsten Abschnitt behandelt werden.
3.2. Formen der Diminution
Bei der Diminutivbildung unterscheidet man in der deutschen Sprache zwei Diminutivformen, und zwar synthetische Diminutivformen und analytische bzw. syntaktische
Diminutivformen.
Es gibt im Deutschen ein ausgebautes System von speziellen Wortbildungsaffixen nur für die
Diminutivbildung (vgl. Fleischer/Barz 1995: 178).
Man unterscheidet im Deutschen spezielle Diminutivsuffixe und Diminutivpräfixe. So wird die
synthetische Diminution im Deutschen durch Suffigierung und Präfigierung realisiert. Die
analytische bzw. syntaktische Diminution wird aber vor allem mit Hilfe von dem Adjektiv
klein als Attribut und als Kompositionsglied gebildet.
Im Folgenden werden beide Formen anhand von Beispielen getrennt behandelt und
dargestellt.
38
3.2.1. Synthetische Diminution
3.2.1.1. Diminutive mit Hilfe der Suffixe {-chen}, {-lein}
Am häufigsten verwendet man bei der Diminutivbildung im Deutschen die Diminutivsuffixe
{-chen} und {-lein}. Solche Formen mit Suffixen werden als synthetische Formen der
Diminuierung bezeichnet (vgl. Klimaszewska 1983: 44; Nekula 2003: 157). Dabei geht es um
Verkleinerung und manchmal auch um Affektivität. Die folgenden Belegbeispiele aus
unserem Korpus seien genannt:33
(18) „Im Bildchen sah man sie lächeln, ein wenig verzagt allerdings.― (11.06.1998, S. 8)
(19) „Zehn Dorfbewohner, die meisten Kinder, sind den "Bömbchen" bereits zum Opfer
gefallen.― (28.01.2002, S. 10)
(20) „Ein Brieflein im Kästchen trägt die Gegenwart in die Zukunft.― (31.03.2001, S. 19)
(21) „Es wird zu einem Büchlein und ein Büchlein heißt im Italienischen Libretto.―
(06.01.2005, S. 28)
Die Suffixe {-chen} und {-lein} stammen von demselben historischen Stamm -īn, der sich
seit der nhd. Periode auf verschiedene Weise entwickelt hat. Im Germanischen dienten die
Suffixe {-la/-lo} und {-ka/-ko} zur Ableitung der Familien- und Kosenamen. Diese Suffixe
sind mit dem Diminutivsuffix {-in} verschmolzen (vgl. Schippan 1992: 42f.; Henzen 1965:
141f.).
Durch die Diphthongierung ist aus dem Suffix {-lîn} das heutige Suffix {-lein} entstanden;
beim Diminutivsuffix {-chin} wurde der Vokal geschwächt und die Diphthongierung nicht
durchgeführt (vgl. Paul 1920: 49). Seit dem 14. Jahrhundert ist an Stelle des Suffixes {-lîn}
das Suffix {-chin} dominant (vgl. Schippan 1992: 43). Allmählich beginnt sich das Suffix
{-chen} im 16.Jh. „in Sachprosa, Urkunden und Geschäftssprache durchzusetzen, während
-lein [...] weiterhin in Belletristik und in religiösem Schrifttum gebraucht wird. Erst recht spät,
Mitte des 18.Jh.s, hat sich -chen als hochsprachliche Form endgültig etabliert und -lein
verdrängt― (Koecke 1994: 65). „In standardsprachlichen Texten geht [die] Unterscheidung
[zwischen -chen und -lein] jedoch mehr und mehr verloren― (Motsch 2004: 370).
Für Erben dagegen sind die Suffixe {-chen} und {-lein} nur unter zwei Bedingungen
austauschbar: erstens wenn man von den morphologischen Bedingtheiten absieht und
zweitens wenn die unterschiedliche Frequenz, dass {-chen} hochsprachlich also weitaus
üblicher ist, außer Betracht gelassen wird (vgl. Erben 2006: 96).
33
Die Belege sind im Anhang ersichtlich.
39
Die folgenden Diminutiva aus unserem Korpus sind zu erwähnen: Bäck-chen/-lein, Bändchen/-lein, Brüder-chen/-lein, Bürsch-chen/-lein, Dörf-chen/-lein, Fenster-chen/-lein, Fingerchen/-lein, Fisch-chen/-lein, Bänk-chen/-lein, Bär-chen/-lein etc.
Durch unsere korpusbasierte Analyse haben wir festgestellt, dass das Suffix {-chen} häufiger
als {-lein} benutzt wird. Diese Tatsache möchten wir hier tabellarisch darstellen:
Berliner Zeitung 1997-2007
Synth. Diminution
Suffixe
Treffermenge
Prozent (%)
-chen
3137
67,47
-lein
1512
32,52
4649
100%
Gesamte Treffer
Tabelle (1): Synthetische Diminutivbildungen mit Hilfe von {-chen}
und {-lein}
So bilden die Treffer von dem Suffix {-chen} 3137 der in unserem Korpus gesammelten
Trefferzahl von synthetischen Diminutivbildungen durch Suffigierung, die 4649 sind, d. h.
67,47%, während das Suffix {-lein}1512 der gesamten Treffermenge ausmacht, d. h. 32,52 %
gegenüber dem Suffix {-chen}.
Semantisch gesehen gibt es bei ein und demselben Substantiv nur selten Unterschiede
zwischen den Diminutivendungen {-chen} und {-lein}, (vgl. Fleischer/Barz 1995: 181;
Fleischer 2001: 205; Lohde 2006: 123; Erben 2006: 96; Boettcher 2009: 243).34 Einen
semantischen Unterschied kann man bei den folgenden Beispielen deutlich bemerken:
a) Fähnchen – Fähnlein: Fähnchen ist eine kleine Fahne. Fähnlein war früher eine
Truppeneinheit der Landsknechte. Heute hat dieses Wort die Bedeutung einer
kleineren Einheit von Jugendorganisationen, ist jedoch ein veraltetes Wort.
b) Männlein – Männchen: Männchen ist eine Bezeichnung für Tiere, während mit
Männlein Menschen bezeichnet werden, die Jung, klein oder arm sind; „es sei denn
mit absichtlicher zusätzlicher Abwertung eines Mannes― (Boettcher 2009: 243).
c) Weibchen – Weiblein: Mit Weibchen ist ein weibliches Tier gemeint. Weiblein ist ein
weiblicher Mensch.
34
Für Scheidweiler scheint in die gleiche Richtung die Tatsache wichtig, „daß -lein in Kinderliedern eine sehr
viel höhere Frequenz erreicht als -chen. Da das Lied – als gesungene Sprache – von vornherein poetisch
angehaucht ist, werden die Kinderlieder einiges zur poetischen Konnotation von -lein beigetragen haben. Wenn
ferner das Poetische und das Märchenhafte urverwandt sind – und das sind sie zweifellos –, wird auch die
Dimension märchenhaft unter dem Einfluß dieser Lieder weiter verstärkt worden sein― (Scheidweiler 1984/85:
79).
40
Es lässt sich bemerken, dass in der gesprochenen Sprache das Suffix {-chen} im
Niederdeutschen sowie Niederländischen mit den dialektalen Varianten {-(s)ken}, {-ke},
{-ske}, {-kin} existiert (vgl. Wandruszka 1991: 144; Scheidweiler 1984/1985: 79).
Dagegen hat das Suffix {-lein} seinen Stamm im Oberdeutschen mit den in der Sprechsprache
gebrauchten Varianten {-(er)l} und {-el} (österreichisch-bayrisch), {-li} (schweizerisch),
{-le} (schwäbisch) (vgl. Paul 1920: 48f.; Erben 2006: 94; Scheidweiler 1984/1985: 79;
Wandruszka 1991: 144; Nekula 2003: 155; Lohde 2006: 120). „Abweichungen von diesen
beiden Haupttypen sind z. B. das mecklenburgisch-pommersche -ing, das konsonantenlose
Suffix (-i) im Berner Oberland― (Koecke 1994: 63). So kann man mit Recht sagen, dass das
Suffix {-chen} gegenüber dem Suffix {-lein} im Norden häufiger belegt ist.
In phonologischer Hinsicht tragen die Suffixe {-chen} und {-lein} nie den Hauptakzent des
Wortbildungsprodukts, d.h., sie sind stets unbetont. Das Suffix {-lein} verhält sich bezüglich
der Betonung strikt analog zu {-chen}, obwohl es einen betonten Silbenkern hat (vgl.
Eisenberg 2006: 270f.).
Bemerkenswert ist, dass die Suffixe {-chen} und {-lein} immer neutrale Substantive bilden
(vgl. Hentschel/Weydt 2003: 197). Bei Diminutiven mit {-chen} und {-lein} sind also „die
morphologischen Regeln […] stärker als die semantischen― (Duden-Grammatik 2009: 154):
-
der Apfel (Maskulinum) – das Äpfelchen (Neutrum)
-
die Bluse (Femininum) – das Blüschen (Neutrum)
-
das Buch (Neutrum) – das Büchlein (Neutrum)
Es ist erwähnenswert, dass die Diminutive mit {-chen} und {-lein} im Deutschen ihre
Pluralformen ohne Suffixe bilden, d.h. Nullmorpheme sind; die Kategorie Plural wird hier nur
durch die Form des Artikels im Kontext bestimmt (vgl. Naumann 2000: 18). Als
Belegbeispiele seien die folgenden aus unserem Korpus genannt:35
(22) „Da habe ich dann hinter den Kulissen meine Dollarchen verdient.― (17.03.2003, S. 11)
(23) „Gelang doch Ines Knackstedt mit einem mitten in die Galerie gepflanzten
Försterhochsitz, von dem man per Fernglas postkartengroße Bühnenbildchen
entdecken kann.― (31.12.1997, S. 18)
(24) „Zehn Dorfbewohner, die meisten Kinder, sind den "Bömbchen" bereits zum Opfer
gefallen.― (28.01.2002, S. 10)
(25) „In jüngster Zeit bereichern allerdings noch die winzigen, blassweißen Blütchen des
geschossenen Raukensalates die grüngelbe Hölle.― (04.07.2008, S.25)
35
Die Belege sind im Anhang ersichtlich.
41
Bemerkenswert ist ebenso, dass bei der Diminutivbildung mit {-chen} und {-lein} der
Stammvokal der Basis meistens umgelautet wird (vgl. Hentschel/Weydt 2003: 197; Baeskow
2002: 80; Eisenberg 2006: 382; Erben 2006: 94; Fleischer/Barz 1995: 179). Hier ist die Rede
vom sprachlichen Phänomen Umlautung im Deutschen. Dafür sind die folgenden Beispiele
aus unserem Korpus angeführt:36
(26) Blase – Bläschen: „[…] streckt eine erste Welle die Moleküle der Flüssigkeit und lässt
kleine Bläschen entstehen.― (03.01.2003, S. 13)
(27) Affe – Äffchen: „Das Äffchen kam bereits im Dezember zur Welt, sein Geschlecht ist
noch unbekannt.― (05.02.2000, S. 23)
(28) Backe – Bäckchen: „Ferrer ist ein nicht besonders großer, graumelierter Mann mit
einem Schnurrbart, roten Bäckchen und braunen Knopfaugen hinter einer Brille mit
Metallrand.― (17.02.2001, S. 4)
(29) Ball – Bällchen: „Der findige Mann bemerkte sofort, daß die alten Bällchen sich
aufgrund der Abnützung von den neuen leicht unterscheiden ließen.― (16.01.1999, S. 8)
(30) Band – Bändlein: „Gelegentlich aber sieht man zwei Wildfremde einander umarmen,
die roten Bändlein verknüpfen und selig von dannen ziehen.― (31.08.2005, S. 27)
Erben hat in diesem Zusammenhang darauf hingewiesen, dass „antretende Diminutivsuffixe
meist Basisumlaut (d. h. Aufhellung der Basisvokale a, o, u, au, zu ä, ö, ü, äu) bewirken, [...].
Doch findet sich z. B. neben Fräu-lein die unumgelautete Form Frau-chen; vgl. auch Lottchen, Luder-chen, Mama-chen sowie Koseformen wie Tant-chen, Mutt-chen bzw. Mutti-lein―
(Erben 2006: 94).37
Nach Fleischer und Barz verbindet sich der Umlaut des Stammvokals stets mit {-lein},
dagegen tritt der Umlaut in Verbindung mit {-chen} in bestimmten Fällen nicht ein, z. B. bei
einigen Rufnamen und Personenbezeichnungen, die den Rufnamen nahe stehen, wie zum
Beispiel: Karlchen, Tantchen (vgl. Fleischer/Barz 1995: 179).
Als Ausnahmen zur Umlautbildung bei {-chen} sind auch nominale Konstruktionen
anzuführen, wie zum Beispiel: Frau – Frauchen, Maler – Malerchen, Kuh – Kuhchen, Tau –
Tauchen, Hotel – Hotelchen, Luder – Luderchen etc. (vgl. Eisenberg 2006: 382).
Baeskow dagegen hält Suffixe wie {-chen} für „umlauterzwingende Suffixe― (Baeskow 2002:
80).
36
Die Belege sind im Anhang ersichtlich.
Frauchen ist die Bezeichnung für die Besitzerin eines Hundes, aber auch verniedlichend gemeint, genauso wie
Herrchen. Fräulein war früher die Anrede für unverheiratete Frauen. Heute wird das Wort so nicht mehr
verwendet und hat eine eher abwertende Bedeutung.
37
42
Zum anderen haben wir festgestellt, dass beispielsweise ein Basislexem wie Auto bei der
Diminutivbildung sowohl umgelautet als auch nicht umgelautet auftreten kann. Betrachten
wir nun die folgenden Belege aus allen in IDS erstellten Korpora für das Archiv „der
geschriebenen Sprache―, bei denen das Nomen Auto als Autochen und als Autöchen auftaucht:
(31) „Nun beginnt ein lustiges Spielchen, Autochen rein – Autochen raus.― (Kleine Zeitung,
06.06.1999)
(32) „[….]wenn es gilt, die fünf Plastikteile der Fantasiefigürchen, der Autöchen, Tierchen
und Fliegerlein, nach dem beigelegten Plan zu montieren.― (Berliner Zeitung,
27.03.2004)
Bei einer deadjektivischen Nominalform mit {-chen} findet häufig keine Umlautung des
Stammes statt, wie dumm – Dummchen. Daneben finden sich Adjektivstämme mit Umlaut,
wie etwa bei doof – Döfchen.
Daraus lässt sich erschließen, dass Umlautung oder Nicht-Umlautung des Stammes kein
eindeutiges Unterscheidungskriterium deadjektivischer und denominaler Konstruktionen mit
{-chen} liefert. Bei der Bildung von Diminutiven mit {-chen} und {-lein} werden die
Endungen -en und -e meist getilgt und durch die genannten Suffixe ersetzt, wobei der
Stammvokal umgelautet wird (vgl. Eisenberg 2006: 273; Palm 1995: 30f.; Fleischer/Barz
1995: 185; Lohde 2006: 123). Es kann in diesem Falle mit Recht von dem sprachlichen
Phänomen Apokope38 gesprochen werden. Zu nennen wären die folgenden Beispiele aus
unserem Korpus:39 Affe – Äffchen, Bombe – Bömbchen, Ecke – Eckchen, Garten – Gärtchen,
Bühne – Bühnchen, Backe – Bäcklein, Blüte – Blütchen, Biene – Bienlein, Blase – Bläschen,
Bluse – Blüschen, Bursche – Bürschchen, Dose – Döschen, Decke – Deckchen, Elfe –
Elfchen, Flasche – Fläschchen etc.
Endet der Stamm „nämlich auf -e oder -en/ -el, [dann] wird diese schwachtonige Auslautsilbe
in der Regel vor (-el)chen/-lein getilgt; vgl. Rolle, Sunde, Spiegel, Wagen und Röll-chen,
Stünd-chen/ -lein, Spieg-lein, Wäglein/-elchen― (Erben 2006: 94).
Die Suffixe {-chen} und {-lein} können an Diminutive mit den Endungen {-el} und {-i}
angeschlossen werden wie Schatzilein (sehr geliebt) und ebenso neben dem Diminutivpräfix
{Mini-} und {Mikro-} vorkommen wie Wägelchen (ein sehr kleiner Wagen). Hier ist die
Rede von Doppeldiminuierung.40
38
Unter Apokope versteht man „Vorgang und Ergebnis des Wegfalls eines oder mehrerer Sprachlaute am
Wortende, z. B. im Dt. der Endsilbenverfall in der nominalen Flexion: dem Freund(e)― (Bußmann 2008: 50).
39
Die Belege sind im Anhang ersichtlich.
40
Von Doppeldiminuierung spricht man, wenn eine bereits diminuierte Basis ein weiteres Mal synthetisch (wie
in Minifläschchen) oder analytisch (wie in kleine Flasche) diminuiert wird.
43
In diesem Falle wird eine höhere Verkleinerungsstufe oder auch eine Verstärkung der
liebkosenden, bösartigen bzw. hämischen Bedeutung ausgedrückt. 41 Genannt sind die
folgenden Belegbeispiele aus unserem Korpus:42
(33) „In Berlin trank er viel Alkohol - am liebsten solche Minifläschchen, die es in
Supermärkten kartonweise gibt.― (15.07.2003, S. 15)
(34) „Bei der folgenden Ultraschalluntersuchung erhöhen die Mediziner die Intensität der
Schallwellen, bis die Mikrobläschen zerplatzen.― (29.09.1999, S. IV)
(35) „Es ist ein Beutelchen voll mit Knoblauch.― (11.02.2005, S. 24)
(36) „Hier ein Fellchen am Kragen, dort ein Büschelchen am Bund.― (23.10.1999, S. X)
(37) „Und mit dem Drehort für diese Minifilmchen nähert Moeller sich der Erfüllung eines
Traums.― (11.07.2002, S. 28)
Die Diminutive in den Sätzen zeigen also eine Doppeldiminuierung durch {-el+-chen},
{Mini-/Mikro-+-chen}. In diesem Falle ist das zusätzliche Auftreten von {-el} nicht
phonologisch, sondern semantisch-pragmatisch motiviert.
Es bleibt zu erwähnen, dass viele Diminutive mit {-chen} und {-lein} idiomatische
Bedeutung haben, worunter sich nicht wenige Bildungen befinden, die schon als isoliert
bezeichnet werden (vgl. Palm 1995: 30f.; Fleischer/Barz 1995: 185; Lohde 2006: 123):43
-
Veilchen (= Pflanze)
-
Eichhörnchen (= Nagetier)
-
Zipperlein (= veraltend: Gicht)
-
Stiefmütterchen (= Zierpflanze)
-
Ohrläppchen (= unterer Teil des Ohres)
-
Grübchen (= kleine Vertiefung in Wange, Kinn oder Ellbogen)
-
Heimchen (= gelbbraune Grillenart, die meist in Häusern lebt)
-
Ständchen (= musikalische Darbietung, die einem Gefeierten zu Ehren, meist vor
dessen Hause vorgetragen wird)
-
Kittchen (= Gefängnis) etc.44
41
Man kennt auch Mäuselchen (ein sehr kleine Maus), Minifläschchen (eine sehr kleine Flasche), Muttilein/
Muttichen (eine sehr geliebte Mutter), Schatzilein (sehr geliebt), Wägelchen (ein sehr kleiner Wagen) etc.
42
Die Belege sind im Anhang ersichtlich.
43
Von einer idiomatischen Bedeutung ist die Rede, wenn es keine Übereinstimmung zwischen
„wendungsinterner und wendungsexterner Bedeutung― vorhanden ist (Fleischer 1982: 11).
44
Siehe dazu Dudenuniversalwörterbuch 2006.
44
3.2.1.2. Diminutive mit Hilfe des Suffixes {-i}
Neben der synthetischen Diminutivbildung mit den Suffixen {-chen} und {-lein} kennt das
Deutsche ebenfalls die Diminuierung bzw. hypokoristische Bildungen mit Hilfe vom Suffix
{-i}, das „erst seit kurzer Zeit (wieder) produktiv [und vital ist]; des weiteren wird es
überwiegend in der Alltagssprache (und hier überwiegend in vertraulichen Kommunikationszusammenhängen, in Subsprachen des Deutschen und als "Modeform" auch in den Medien..)―
gebraucht (Werner 1996: 3) wie in: Vati, Mutti, Sohni, Omi, Opi, Schwesti, Brudi, Tanti,
Pappi, Mammi, Schatzi, Kussi, Jungi, Zimmi, Alki, Wolfi, Hündi, Püppi, Mausi, Hausi,
Buschi, Himmi, Transi, Teufli, Himmli, Flugi, Bubi, Gassi, Compi, Kepi, Schimpi, Schnulli
etc. (vgl. Petronijević 2000: 9; Mutz 2000: 137; Fleischer 2001: 205).
Wenn wir nach dem Ursprung des Suffixes {-i} fragen, „dann bietet sich an – wenn wir dieses
{-i} nicht einfach als lautsymbolisch bewerten wollen –, an das althochdeutsche Suffix -īn
anzuknüpfen― (Greule 1983: 208), von dem auch die zwei weiteren für die Diminuierung
häufigsten Suffixe {-chen} und {-lein} stammen. Diese Tatsache hat auch Werner bestätigt
(vgl. Werner 1996: 9f.).
Es ist zu bemerken, „dass sehr viele [von den Diminutiven mit dem Suffix -i] immer noch
nicht lexikalisiert und manche erst in neuester Zeit aufgenommen worden sind― (Petronijević
2000: 9).
Das Suffix {-i} wird besonders in der Anrede verwendet und ist erst später auch in andere
Kontexte vorgedrungen. Es hat hauptsächlich eine diminuierende und hypokoristische
(kosende) Funktion bei vertraulichen Personenbezeichnungen, besonders in Verbindung mit
Vornamen (vgl. Fleischer/Barz 1995: 222; Lohde 2006: 122; Duden-Grammatik 2009: 737).
Betrachten wir nun die folgenden Belege aus allen in IDS erstellten Korpora für das Archiv
„der geschriebenen Sprache―:
(38) „Anmeldungen für den Besuch der Kinderspielgruppe im neuen Schuljahr werden von
Susi Hälg […] entgegengenommen.― (Galler Tagblatt, 23.04.1997)
(39) „Christine, Andi, Gerry, Robi und Wolfi begeistern gesanglich und instrumental mit
Tempo, Können und dem nötigen «Drive».― (Galler Tagblatt, 03.06.1998)
(40) „Blumen streuen für Hansi.― (Galler Tagblatt, 18.03.1998)
Solche Diminutive mit dem Suffix {-i} dienen „in der Umgangssprache meist zum Ausdruck
wohlwollender Zuneigung zur bezeichneten Person― (Duden-Grammatik 2009: 737).
45
Das Diminutivsuffix {-i} wird ebenso in Bezeichnungen verwendet, die in der
Kommunikation mit Tieren und auch über Tiere vorkommen, da es beim Suffix {-i} eine
klare affektive Komponente gibt, die auch bei {-chen} und {-lein} in einigen Fällen deutlich
wird, wie zum Beispiel: Hundi, Haufi, Fleischi, Weibi, Lacki, Wassi, Butzi, Kerli etc.
Man kann mit Recht sagen, dass das Suffix {-i} sich meist mit einer Kürzung des
Basismorphems verbindet. Deswegen fallen beispielsweise bei der Diminutivbildung mit dem
Suffix {-i} die Endungen -e, -er, -a von den folgenden Wörtern weg und werden mit dem
genannten Suffix ersetzt wie in Mutter – Mutti, Vater – Vati, Puppe – Püppi, Oma- Omi,
Mama – Mami, Opa – Opi, Papa – Papi, Anna – Anni etc. So wird das Suffix {-i} manchmal
verwendet, „wenn an einem nicht kosenden Ausgangswort die Endung getilgt und an ihre
Stelle das kosende {-i} gesetzt wird: so bei Vat-er/Vati, Mutt-er/Mutti, Schnull-er, Schnulli,
Buss-erl/Bussi, Bub-e/Bubi, Gass-e/Gassi― (Greule 1983: 208). Darauf hat ebenfalls Motsch
wie folgt hingewiesen:
„Das Suffix tritt an einen einsilbigen Stamm, der zusammen mit -i zu einem
zweisilbigen Wort wird. Mehrsilbige Stämme werden reduziert: Anna= Anni, Renate=
Reni, Trabant= Trabi, Trabbi, Wolfgang= Wolfi, Wölfi, Gorbatschow= Gorbi,
Honecker= Honni.“ (Motsch 2004: 371)
Das Suffix {-i} kommt ebenfalls bei anderen Wortarten wie Adjektiven, Verben sowie bei
Partikeln vor, so z. B. in guti (Adjektiv), trinki (Verb)45, Tschüssi (Partikel). Zu beachten ist
hier, „dass die kategorialen Merkmale der jeweiligen i- Bildung mit denen des Basiswortes
übereinstimmen und nicht wie bei anderen Suffixen, beispielsweise -chen oder -lein, vom
Suffix an das Gesamtwort perkulieren― (Werner 1996: 40).
Man verwendet Diminutive wie trinki, schreibi, küssi etc. besonders in der Kommunikation
mit Kindern sowie in der familiären und intimen Kommunikation.
Eine weitere Besonderheit vom Suffix {-i} besteht darin, dass die Bildungen mit ihm – im
Unterschied zu Bildungen mit {-chen} und {-lein} – ihr Genus nicht verändern. So behält
beispielsweise eine Konstruktion wie Vater ihr Genus nach der Diminutivbildung Vati durch
das Suffix {-i}. In diesem Sinne hat sich Petronijević folgendermaßen geäußert:
„Im Vergleich zu den Suffixen -chen und -lein, die die Fähigkeit haben, das Genus der
-chen/-lein Derivate als Neutrum festzulegen, hat das diminutive Suffix -i diese
Fähigkeit offensichtlich nicht. In der Regel weisen -i Diminutiva das Genus des BL
auf.― (Petronijević 2000: 116)
45
Bei Diminutivbildungen von Verben mit {-i} wird also das Flexionsmorphem -en getilgt und durch das
genannte Suffix ersetzt.
46
Es bleibt hier zu erwähnen, dass das Deutsche neben den gebräuchlichsten Suffixen {-chen},
{-lein} und {-i} auch eine Reihe von Suffixen kennt, die der Diminutivbildung dienen und
gleichzeitig viel seltener als die Suffixe {-chen} und {-lein} gebraucht werden. So gibt es
beispielsweise das nicht mehr produktive, aber sehr häufige Suffix {-el}. Das Diminutivsuffix
{-el} wird nicht sooft wie früher gebraucht, da „es nur in ansatzweise schon isolierten
Wörtern vorkommt― (Würstle 1992: 53), wie in: Büschel, Bündel, Bändel, Gürtel, Ränzel etc.
Man unterscheidet ebenso in der deutschen Sprache einige fremde Diminutivsuffixe neben
den heimischen. So wurde zum Beispiel aus der französischen Sprache das Diminutivsuffix
{-ette} entlehnt. Das Suffix {-ette} hat diminuierende Funktion nur in Verbindung mit
Fremdwörtern, die meist Feminina sind (vgl. Fleischer/Barz 1995: 181). Man zählt dieses
Wortbildungssuffix zu den Diminutivsuffixen, da es „meist der bewußten Prägung analoger
Sachbezeichnungen dient― (Würstle 1992: 53). Beispiele für den Gebrauch von {-ette} sind
die folgenden aus allen in IDS erstellten Korpora für das Archiv „der geschriebenen Sprache―
zu sehen:
(41) „Ein Zug enthält acht- bis zehnmal weniger Nikotin als ein Zug an einer Zigarette.―
(Galler Tagblatt, 07.05.1997)
(42) „An ihre Stelle tritt die Sopranistin Maria Baumgartner, die in der Zürcher Oberländer
Operette mitsingt.― (Galler Tagblatt, 28.06.1997)
Daneben kennt man das Suffix {-ine}, das aus der italienischen Sprache übernommen wurde.
Mit Hilfe des Diminutivsuffixes {-ine} werden ebenfalls im Deutschen Diminutive gebildet.
Dieses Fremdsuffix hat eine geringe Bedeutung und steht nur in Verbindung mit fremden
Wörtern (vgl. Lohde 2006: 122, 124). Zu nennen sind die folgenden Belegsätze aus allen in
IDS erstellten Korpora für das Archiv „der geschriebenen Sprache―:
(43) „Diesmal wirkt Maighread McCrann am Pult der Violine.― (Galler Tagblatt,
26.04.1997)
(44) „Als ein Meisterwerk kammermusikalischer Kleinkunst entpuppte sich die selten zu
hörende Sonatine für Violine und Violoncello […].― (Galler Tagblatt, 01.10.1997)
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die synthetischen Diminutive des Deutschen
meistens mit Hilfe von den Diminutivsuffixen {-chen} und {-lein} gebildet werden. Zum
anderen wird in den letzten Jahrzehnten das Diminutivsuffix {-i} zunehmend gebraucht, und
zwar besonders in den täglichen Kommunikationen. Man unterscheidet aber auch eine Gruppe
von heimischen und fremden Diminutivsuffixen, die aber nur selten und restriktiv verwendet
werden.
47
3.2.1.3. Diminutive mit Hilfe der Präfixe {Mini-}, {Mikro-}
Die deutschen Diminutive werden ebenso mit Hilfe von den Diminutivpräfixen {Mini-} (wie
in Minikamera, Minihaus) und {Mikro-} (wie in Mikroanalyse, Mikrofilm) realisiert, d. h.
durch Präfigierung. Solche Formen mit Präfixen werden ebenfalls als synthetische Formen
der Diminuierung bezeichnet (vgl. Klimaszewska 1983: 44; Nekula 2003: 157). Dabei geht es
meistens um Verkleinerung; eine affektive Bedeutung lässt sich in diesem Fall selten
erkennen.46 Es wird in diesem Falle ausgedrückt, dass etwas nicht besonders groß ist, so wie
man es erwartet hat. Die antonymischen Entsprechungen von den Diminutivpräfixen {Mini-}
und {Mikro-} sind {Maxi-} (groß, überdimensional) und {Makro-} (lang, groß) (vgl. Lohde
2006: 79; Fleischer/Barz 1995: 121).
Belegbeispiele aus unserem Korpus mit den Präfixen {Mini-} und {Mikro-} sind die
folgenden zu nennen:47 Mikroarbeit, Mikroaufnahme, Mikroaufschwung, Mikrobank,
Mikrobereich, Mikrobild, Mikrobuch, Mikrofilm, Miniandacht, Minianlage, Minianschlag,
Minianwendung, Minianzeige, Miniapfel, Miniarchiv, Miniarena, Miniaufbewahrung,
Miniball, Miniband, Minibar, Minibär, Minibeat, Minibeet, Minibehörde, Minibetrag,
Minidolmetscher etc.
„Bemerkenswert ist ferner die Einbürgerung von Fremdmorphemen neben heimischen
Formanten; vgl. -chen und Mini-, Über- und Super-, […]. Die Fremdmorpheme sind teils auf
die Verbindung mit fremdwörtlichen Basen eingeschränkt (Ko-Autor, Chefeuse), teils auch
darüber hinaus üblich geworden (…, Mini-Staubsauger, Super-Knüller)― (Erben 2006: 95).
Das aus der englischen Sprache entnommene Diminutivpräfix {Mini-} und das griechische
Diminutivpräfix {Mikro-} sind durch eine besonders hohe Produktivität und Vitalität im
deutschen Sprachgebrauch markiert (vgl. Lohde 2006: 79; Karbelaschwili 1998: 88).
Eine Gruppe von Linguisten zählt {Mini-} und {Mikro-} zu den Konfixen (vgl.
Fleischer/Barz 1995: 121; Eisenberg 2006: 244; Lohde 2006: 79; Nekula 2003: 157). „DUW
kodifiziert die Form mini bereits als freies Substantiv (der/das Mini) und auch Adjektiv, so
daß der Status als Konfix problematisch zu werden beginnt― (Fleischer/Barz 1995: 120).
Eine andere Gruppe bezeichnet {Mini-} und {Mikro-} jedoch als Präfixe (vgl. Karbelaschwili
1998: 116), da sie vor den Basen stehen und diese determinieren sowie sie semantisch näher
bestimmen.
46
47
Siehe dazu die Korpusanalyse dieser Arbeit im Anhang.
Die Belege sind im Anhang ersichtlich.
48
In einem Beispiel wie Tierparkbesucher können den Minielefanten heute ab 12 Uhr
bestaunen hat die Diminution mit der Größe zu tun.48 Ein Minielefant ist relativ zu den
anderen Elefanten auffallend klein. Ebenso wird mit Minihaus oder Mikrokamera nichts
anderes als ein Haus gemeint, das aus wenigen Quadratmetern besteht und eine Kamera, die
auffällig klein ist.
Man meint auch mit Minifisch (einen kleinen Fisch), Minikoffer (einen kleinen Koffer),
Miniküche (eine kleine Küche), Miniregenschirm (einen kleinen Regenschirm), Minibad (ein
kleines Bad), Minibüro (ein kleines Büro), Miniclub (einen kleinen Club), Minidorf (ein
kleines Dorf), Minidose (eine kleine Dose) etc.
Es scheint klar, dass die Präfixe {Mini-} und {Mikro-} in Kombination mit Substantiven das
Genus nicht verändern und auch auf die Wortarten keinen Einfluss haben. Sie bestimmen
keineswegs die syntaktischen Eigenschaften des Diminutivs, wie zum Beispiel:
-
der Ball – der Miniball
-
die Fotographie – die Mikrofotographie
-
das Auto – das Miniauto etc.
In solchen Fällen bestimmen die Basen Ball, Fotographie und Auto sowohl das Genus als
auch die Wortart. Präfixe unterscheiden sich von Suffixen folgendermaßen: Sie sind „keine
morphologisch notwendigen Konstituenten des Gesamtausdrucks, den sie nicht repräsentieren, sondern sie stellen, wie syntaktische Attribute auch, tilgbare kategorieerhaltende
Erweiterungen […] dar― (Wandruszka 2007: 193).
In einigen Fällen kann das Präfix {Mini-} auch an Diminutive mit der Endung {-chen}
angeschlossen werden. In diesem Falle wird von einer Doppeldiminuierung gesprochen. Es
wird hier eine höhere Verkleinerungsstufe bezeichnet, wie in den folgenden Belegen aus
unserem Korpus deutlich wird:49
(45) „In Berlin trank er viel Alkohol – am liebsten solche Minifläschchen, die es in
Supermärkten kartonweise gibt.― (15.07.2003; 15)
(46) „Und mit dem Drehort für diese Minifilmchen nähert Moeller sich der Erfüllung eines
Traums.― (11.07.2002; 28)
(47) „Im Minidörfchen Watersplash nehmen Einsteiger ersten Unterricht.― (06.06.1998; 98)
48
49
Der Beleg ist im Anhang ersichtlich.
Die Belegbeispiele sind im Anhang ersichtlich.
49
Diese drei Fälle können in folgende Ergebnisse unterschieden werden:
1. Das Präfix {Mini-} tritt an die diminuierten Basen Fläschchen, Filmchen und
Dörfchen und bestimmt sie semantisch näher.
2. Das Suffix {-chen} determiniert die diminuierten Basen Miniflasche, Minifilm und
Minidorf und es bestimmt sie semantisch näher.
3. Das Suffix {-chen} bzw. das Präfix {Mini-} treten beide zusammen an die Basen
Flasche, Film und Dorf und diminuieren sie. Das ist aber auffällig und kommt nur
selten vor.
Es lässt sich bemerken, dass das Präfix {Mini-} in Verbindung mit Bezeichnungen für
Kleiderstücke die Bedeutung von kurz, eng oder klein hat, wie z. B. Eine Animiertranse betritt
im Minidirndl die Bühne und testet, welche Seite des Publikums besser kreischen kann
(14.12.2004, S. 23).50
Ein Minimantel ist ebenso ein Mantel, der kurz oder klein ist, z. B. für Kinder oder Puppen.
Mit Minirock ist ebenfalls ein kurzer Rock gemeint.
Das Präfix {Mikro-} kommt meist in Verbindung mit Fachbegriffen vor, wie in den folgenden
aus unserem Korpus entnommenen Belegen zu sehen ist:51
(48) „Das Traditionsunternehmen Varta will sein Geschäft mit Mikrobatterien verkaufen
und damit nach mehr als 100 Jahren ganz aus der Produktion von Batterien aussteigen.―
(20.09.2006, S. 10)
(49) „Für Kinder bereits erwerbstätiger Mütter würden rund 250 000 Plätze benötigt, erklärte
das DIW am Mittwoch nach einer Schätzung auf Basis von Mikrodaten.― (07.04.2005,
S. 6)
(50) „Pentium 233, 48 MB RAM, 250 MB Festplatte, 16 Bit-Soundkarte mit Mikroeingang,
Windows 9x oder NT 4.0.― (09.12.1999, S. 21)
(51) „Keine Brandlöcher im Polster, keine Graffiti im Mikrofaserstoff. (28.06.2004, S. 20)
(52) „Ingbert Mikroelektroden entwickelt, die sich besonders gut für den langfristigen
Einsatz in biologischen Geweben eignen.― (28.01.2006, S. 16)
In unserer Korpusanalyse haben wir festgestellt, was bemerkenswert und überraschend ist,
dass man im Deutschen das Präfix {Mikro-} mehr als {Mini-} in der geschriebenen Sprache
benutzt.
50
Das Belegbeispiel ist im Anhang ersichtlich.
Andere Belege sind wie Mikroevolution, Mikrofilm, Mikroanschlüsse, Mikroanalyse, Mikroaufnahme etc., die
im Anhang ersichtlich sind.
51
50
Das sichert den Zuwachs des Gebrauchs vom Präfix {Mikro-} als Folge der Fachbegriffe
neben den anderen Diminutivformen, obwohl die Differenzen bezüglich der Verwendung von
Suffixen und Präfixen sehr klar und groß sind.
Man gebraucht im Deutschen bei der synthetischen Diminuierung die Suffixe viel mehr als
die Präfixe. Wir haben durch unsere Korpusanalyse festgestellt, dass in der deutschen Sprache
die synthetischen Diminutivformen mit dem Suffix {-chen} am häufigsten gebraucht werden,
dass es als prototypisches Diminutivsuffix im Deutschen betrachtet werden kann. Seine
Treffer bilden 3137, d. h. 55,34% der in unserem Korpus gesammelten Treffer von allen
synthetischen Diminutivformen, die 5668 sind.
Die zweithäufigste Diminutivform bildet das Suffix {-lein}, welches 1512 Treffer ausmacht
d. h. 26,67% .
Danach folgt den Gebrauch vom Präfix {Mikro-}. Seine Treffer liegen bei 622, d. h. 10,97%.
Schließlich kommen 467 Treffer von den Gesamten 5668 synthetischen Diminutivbildungen
mit dem Präfix {Mini-} vor, was 8,29% der Treffer ausmacht. Von daher lässt sich sagen,
dass das Präfix {Mikro-} häufiger als das Präfix {Mini-} in Berliner Zeitung 1997-2007
gebraucht wird.
Die genauen Ergebnisse der statistischen Studie stellt die folgende Tabelle dar:
Berliner Zeitung 1997-2007
Diminution
Suffixe
Präfixe
Treffermenge
Prozent (%)
-chen
3137
55,34
-lein
1512
26,67
Mini-
467
8,29
Mikro-
622
10,97
5668
100%
Gesamte Treffer
Tabelle (2): Möglichkeiten zur synthetischen Diminutivbildung im Deutschen
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die deutsche Sprache über ein bestimmtes
morphologisches System der Diminution verfügt. Der diminutivische Wert wird durch
Diminutivsuffixe und Diminutivpäfixe wie {-chen}, {-lein}, {-i}, {Mini-}, {Mikro-} u.a.
ausgedrückt.
51
3.2.2. Analytische bzw. syntaktische Diminution
3.2.2.1. Durch Attribuierung mit klein, winzig, jung u. a.
Neben den sog. synthetischen Diminutivformen, die durch Suffigierung und Präfigierung
gebildet werden, kennt das Deutsche auch andere Diminutivformen, die analytischen (auch
syntaktischen) Diminutivformen sind (vgl. Nekula 2003: 157).
Als typisches Beispiel für die Adjektive, die der analytischen bzw. syntaktischen
Diminutivbildung dienen, ist das Adjektiv klein, das sich fast in allen Sprachen befindet.
Semantisch gesehen gehört das Adjektiv klein zu den relativen Adjektiven. Damit ist jeweils
zweierlei gemeint. „Zum einen ist der Inhalt dieser Adjektive ohne Kenntnis des jeweiligen
Bezugsrahmens nicht zu ermitteln, zum anderen bezeichnen [solche] Adjektive die Enden
einer Messdimension, wobei es ein unmarkiertes und ein markiertes Ende gibt […]―
(Eichinger 2007: 164).
Man weitet die Diminuierung im Deutschen aus und bezieht neben dem Adjektiv klein auch
die Attribute wie winzig, jung, minimal, gering, kurz etc. für die Diminution ein, wie dies
etwa Fleischer und Barz für die nominale Gruppe nahe legen. Im selben Sinne hat Würstle
folgendermaßen geschrieben:
„Die Wortbildungsmittel der Diminution lassen sich grob als Stellvertretung für ein
Attribut aus dem Umkreis des Adjektivs klein beschreiben […], also je nach
Basissubstantiv und Sprechereinstellung zart (Stimmchen), kurz (Röckchen), winzig
(Stäubchen), niedlich (Kätzchen), fein (Härchen), knapp (Stündchen) o. ä.― (Würstle
1992: 61)
So kann mit anderen Worten gesagt werden, dass auch andere Adjektive je nach
substantivischer Base, sowie der Sprechabsicht, an die Stelle von klein treten können (vgl.
Koecke 1994: 39), wie es bei den folgenden Belegbeispielen aus unserem Korpus zu sehen
ist:52
(53) „Selbst in diesem winzigen Ausschnittchen ihrer Politik kommt die große Koalition nur
mit den von ihrer Kanzlerin zum Regierungsmotto geprägten Trippelschritten voran.―
(15.02.2007, S. 1)
(54) „Mikrofinanzierungen für junge Unternehmen und Existenzgründungen.― (19.04.2007,
S. 2)
(55) „Vor den Graböffnungen gab es auf der Baustelle eine kleine Andacht, nach den
Untersuchungen sollen die Gebeine an anderem Ort wieder beigesetzt werden.―
(11.05.2007, S. 23)
52
Die Belegbeispiele sind im Anhang ersichtlich.
52
Es ist zu bemerken, dass die syntaktischen Diminutivformen mit klein als Attribut meistens
verwendet werden, um eine reine Verkleinerung ohne Affektivität zu bezeichnen, wie die
folgenden aus unserem Korpus entnommenen Belegbeispiele zeigen:53
(56) „Ab 1999 können auch kleine Aufträge abgewickelt werden.― (04.02.1998, S. 34)
(57) „Sein kleiner Ausflug nach Paris kam ihn teuer zu stehen.― (25.02.1998, S. 23)
(58) „Von kleinen Automaten bis zur umfassenden Steuerung von Materialfluß und
Warenverkehr.― (20.04.1998, S. 4)
Aus dem Dargestellten scheint es deutlich, dass „das Deutsche für eine neutrale Angabe der
Kleinheit in der Regel die syntaktische Form der Diminuierung, d. h. der Diminutivbildungen [bevorzugt]― (Klimaszewska 1983: 51).
Es ist hier notwendig zu erwähnen, dass manchmal analytische und synthetische Formen
zusammen benutzt werden, um eine höhere Verkleinerungsstufe oder auch die Verstärkung
der liebkosenden, verniedlichenden, bösartigen bzw. hämischen Bedeutung auszudrücken. In
diesem Fall spricht man von Doppeldiminuierung, wie in den folgenden aus unserem Korpus
entnommenen Belegbeispielen zu sehen ist:
(59) „Ab und an wird ein kleines Feuerchen gezündet und Sänger Eric beschwört sein
Publikum zum Zusammenhalt.― (16.07.1998, S. 16)
(60) „Eine kleine Minifabrik im Fahrzeugboden, Reformer genannt, produziert aus dem
Alkohol während der Fahrt Wasserstoff für die Brennstoffzelle.― (05.07.2000, S. 1)
(61) „Vor allem US-Besatzungen warfen oft vor der Landung Süßigkeiten an kleinen
Fallschirmchen an Kinder ab.― (28.03.2006, S. 16)
(62) „Diese sind wie kleine Bausteinchen, die beeinflussen, wie dick das Eis wird.―
(12.09.2003, S. 15)
Von daher können wir feststellen, dass solche Formen der Doppeldiminuierung in der
deutschen Sprache nicht mehr unbedingt auffallen. Sie werden ganz im Gegenteil in der
geschriebenen und gesprochenen Sprache immer häufiger.
53
Die Belege sind im Anhang ersichtlich.
53
3.2.3. Andere Möglichkeiten der Diminution durch Zusammensetzung mit KleinNeben den analytischen Diminutivformen, die durch Attribuierung gebildet werden, kennt das
Deutsche auch andere Diminutivformen, die sich vor allem durch die Zusammensetzung mit
dem Kompositionsglied Klein- realisieren (vgl. Fleischer/Barz 1992: 178). Zu nennen sind die
folgenden aus unserem Korpus entnommenen Beispiele:54
(63) „Statt den nahenden Kleinfisch gleich direkt zu schnappen, blieb der Räuber weiter
hinter ihm.― (27.06.2001, S. 2)
(64) „1977 meldete Pavel das mobile Hi-Fi-Gerät "als körpergebundene Kleinanlage für die
hochwertige Wiedergabe von Hörereignissen" zunächst in Italien, später auch in
anderen europäischen Ländern zum Patent an.― (29.05.2004, S. 16)
(65) „Seit der gebürtige Leipziger vor sechs Jahren sein Debütprogramm "Grand Brie" auf
die Kleinbühne brachte, entwickelte er sich zu einem der absoluten Highlights auf den
deutschsprachigen Comedy-Bühnen.― (29.11.2002, S. 3)
Es ist zu erwähnen, dass neben dem substantivischen Bereich auch andere Diminutivformen
verwendet werden, das heißt „Komposita mit Halb-, […], Teil- oder Zwerg(en)-― (Nekula
2003: 159).
Die Komposita mit Klein- und Zwerg- werden aber im Deutschen typischer als mit Halb- und
Teil- benutzt, wie die folgende Klassifikation zeigt:55
a) Diminutive mit Klein-, z. B.:
-
Kleinanlage (= ein kleines mobiles Gerät)
-
Kleinanzeigen (= spezielle Art von Anzeigen, die kurz sind)
-
Kleinarbeit (= eine Arbeit, die ins Einzelne geht)
-
Kleinbahn (= eine schmalspurige, kleine Eisenbahn)
-
Kleinarchitektur (= kleine Bauwerke)
b) Diminutive mit Zwerg-, z. B.:
54
55
-
Zwergbaum (= kleinwüchsiger Baum)
-
Zwergbetrieb (= sehr kleiner Betrieb)
-
Zwergdackel (= sehr kleiner Dackel)
-
Zwerghuhn (= sehr kleines Haushuhn)
-
Zwergform (= sehr kleine Spielart von etwas) etc.
Die Belege sind im Anhang ersichtlich.
Siehe dazu Dudenuniversal Wörterbuch 2006.
54
Wenn man die Diminutivformen mit Klein- u. a. mit den synthetischen Formen vergleicht,
wie Kleinauto – Autochen, Kleinbär – Bärlein, Kleinbild – Bildchen, Kleinfilm – Filmchen,
Kleinfisch – Fischlein etc., erkennt man, dass es sich nicht um die gleiche Bedeutung handelt.
Wir haben durch unsere korpusbasierte Analyse festgestellt, dass bei Diminutivbildungen mit
Klein- als Komposita, es sich meistens nur um eine rein verkleinernde Bedeutung handelt wie
Kleinwagen, Kleinkind, Kleinbahn usw., während die Derivate mit den Suffixen {-chen}, {lein}, { -i} neben der Verkleinerung darüber hinaus eine emotionale Konnotation beschreiben
konnte.
Über den semantischen Unterschied zwischen den Diminutiven mit {-chen} und {-lein}
einerseits und den Konstruktionen mit Klein- andererseits haben Fleischer und Barz
folgendermaßen geschrieben:
„Die Wortbildungsbedeutung der Diminutiva ist nicht nur Verkleinerung, sondern die
Derivate (und zwar nicht nur Personenbezeichnungen und sonstige Konkreta, sondern
auch Abstrakta) erhalten in Verbindung damit eine emotionale Konnotation, vgl.
Städtchen gegenüber [...] Kleinstadt.― (Fleischer/Barz 1995: 181)
Daraus lässt sich erschließen, dass die Diminutivbildung Kleinstadt nichts mit der Affektivität
zu tun hat, sondern nur mit der Größe. Eine Kleinstadt ist im Vergleich mit anderen Städten
relativ klein, während ein Städtchen nicht nur eine kleine, sondern auch eine geliebte, nette
oder verachtete Stadt sein kann.
Wir haben ebenso festgestellt, dass es manchmal einen semantischen Unterschied zwischen
Konstruktionen mit klein als Attribut und Klein- als Komposita gibt, wie die folgenden
Beispiele aus unserem Korpus zeigen:
(66) „Unseriöse Angebote seien besonders in Kleinanzeigen anzutreffen. (20.06.1998, S.
120)
(67) „Wie man kleine Immobilienanzeigen optimal gestaltet, ist dem Buch "Kleine
Anzeigen mit großer Wirkung" zu entnehmen.― (18.04.1998, S. 49)
(68) „Wie bei Kästner: Immer heim zu Muttchen! Jeder Heldentraum bleibt in der
Kleinfamilie.― (23.03.1999, S. II)
(69) „Schließlich landet die kleine Familie wieder in der Schweiz.― (08.07.2000, S. 9)
(70) „Die Trainingshalle verfügt jetzt über Einbauten für Kleinfußball, Hand-, Volley- und
Basketball sowie Vereinsräume und Umkleide- und Sanitärbereiche.― (08.02.2000, S.
24)
(71) „Näher war mir der kleine Fußball.― (06.07.2006, S. 3)
55
So wird mit Kleinanzeigen im Beispiel (66) spezielle Art von Anzeigen bezeichnet; kleine
Anzeigen sind aber kurze Anzeigen.
Eine Kleinfamilie – wie im Fall (68) – ist im Deutschen eine Familie, in der nur das
Elternpaar mit seinen Kindern zusammenlebt; mit einer kleinen Familie im Beispiel (69) ist
aber eine Familie gemeint, die nur aus wenigen Mitgliedern besteht.
Mit der Zusammensetzung (Kleinfußball) ist im Kontext (70) ein Fußballspiel, auf einem
kleinen Feld gemeint; ein kleiner Fußball ist aber ein minimaler Ball.
Durch unsere Korpusanalyse haben wir festgestellt, dass in der deutschen Sprache die
Diminutivbildungen mit dem Adjektiv klein als Attribut häufiger als die Diminutivbildungen
mit klein als Kompositum und ebenso mehr als die synthetischen Diminutivformen gebraucht
werden.
Das beweist, dass man im Deutschen die Verwendung der analytischen Diminutivformen
durch Attribuierung des Adjektivs klein bevorzugt. Seine Treffer bilden 3644, d.h. sie machen
35,48% der gesamten Trefferzahl in unserem Korpus aus, während die Treffer von klein als
Kompositum 958 ausmachen, d.h. 9,32% der gesamten Trefferzahl.
Wir möchten hier ebenso diese Tatsache noch einmal tabellarisch aufführen mit dem Zusatz
von prozentualen Angaben, die wir zusammenfassend anhand der korpusbasierten Analyse
für die einzelnen Diminutivformen ermittelt haben:56
Berliner Zeitung 1997-2007
Diminutivformen
Treffermenge Prozent (%)
Suffixe
-chen
3138
30,55
-lein
1512
14,72
Mini-
397
3,86
Mikro-
622
6,05
Kompositum Klein-
958
9,32
3644
35,48
10270
100 %
synthetische
Präfixe
analytische bzw.
syntaktische
Attribut
klein
Gesamt
Tabelle (3): Möglichkeiten zur Diminutivbildung im Deutschen
56
Die Korpusbelege sind im Anhang ersichtlich.
56
Das folgende Diagramm beschreibt ebenso deutlich die Produktivität und Vitalität der
Diminutivbildungen mit dem Adjektiv klein als Attribut beim heutigen Sprachgebrauch im
Deutschen vom Jahrhundert 1997-2007 im Vergleich mit den anderen Diminutivformen, wie
auch die Produktivität vom Gebrauch der Suffixe bei der Diminutivbildung gegenüber den
Präfixen.
35,48%
(-chen)
(-lein)
30,55 %
(mini-)
(mikro-)
9,32%
14,72%
(Klein-)
6,05%
(klein)
(klein)
(Klein-)
(mikro-)
(mini-)
(-lein)
3,86%
(-chen)
Diagramm (1): Möglichkeiten der Diminutivbildungen im Deutschen
Es ist notwendig darauf hinzuweisen, dass sich durch unsere statistische Studie ebenso
feststellen lässt, dass die gesamte Zahl der synthetischen Diminutivbildungen durch
Suffigierung und Präfigierung mehr als die gesamte Zahl der analytischen bzw. syntaktischen
Diminutivbildungen mit klein als Kompositum und klein als Attribut ist, d.h. dass die
synthetische Diminution häufiger als die analytische bzw. syntaktische Diminution gebraucht
wird.
In Tabelle (3) auf der Folgeseite werden die gesamten Ergebnisse der synthetischen und
analytischen Diminutivbildungen im Deutschen zahlenmäßig und prozentual angegeben.
57
Berliner Zeitung 1997-2007
Diminutivformen
Treffermenge
Prozent (%)
synthetische
5668
55,18
analytische bzw. syntaktische
4602
44,81
Gesamt
10270
100 %
Tabelle (4): Synthetische und analytische Diminutivbildung im Deutschen
Das folgende Diagramm beschreibt ebenso diese Tatsache deutlich.
60
50
55,18%
44,81%
40
30
20
10
0
synthetische analytische bzw. syntaktische
Diagramm (2): Synthetische und analytische Diminutivbildungen im Deutschen
Um genau abschließend und zusammenfassend zu verdeutlichen, wie die Diminution im
Deutschen strukturiert wird, werden wir im Folgenden mit Hilfe eines Schemas versuchen,
alle Diminutivbildungen des Deutschen darzustellen, die einerseits durch Suffigierung und
Präfigierung und andererseits durch Komposition mit Klein- und Attribuierung mit den
Adjektiven klein, winzig, kurz, junge, minimal etc. realisiert werden.57
57
Siehe dazu die korpusbasierte Analyse dieser Arbeit, Duden- Das Synonymwörterbuch 2007.
58
Deutsche Diminutivformen
Synthetische Diminutivformen
durch Ableitung
Suffixe
-chen
-lein
Syntaktische Diminutivformen
durch Komposition
durch Attribuierung
Präfixe
MiniMikro-
KleinZwerg-
klein
winzig
-i
kurz
-el
jung
-ette
minimal
-ling
gering
etc.
etc.
Abbildung (4)
59
3.3. Die Arten von Basissubstantiven der Diminution
Bei der Diminutivbildung wird aus einem Lexem ein Diminutivum abgeleitet. Das Lexem,
aus dem das Diminutivum abgeleitet wird, wird als Basis betrachtet. Basen der Diminutive
können Substantive wie Büch-lein, Bänd-chen etc., Adjektive wie röt-lich, Dumm-chen etc.,
Verben wie läch-el-n, hüst-el-n etc. oder Partikeln wie Hallö-chen, Tag-chen etc. sein.
Es scheint hier, dass bei der Diminution die Bedeutung von Diminutiven zur Bedeutung von
Basen in einer solchen Relation steht, dass „der Bedeutungseffekt durch das Suffix mit einem
adjektivischen oder adverbiellen Modifikator in der Bedeutungsparaphrase wiedergegeben
werden kann― (Meineke 1996: 263).
In dieser Studie werden wir uns auf die substantivischen Basen konzentrieren, da einerseits
die Substantive „die meisten Wortbildungsmöglichkeiten auf[weisen]. Sowohl die Vielfalt der
Wortbildungsarten als auch die Differenziertheit der Bildungstypen wird von den anderen
Wortarten nicht erreicht― (Duden-Grammatik 2006: 720).
Andererseits ist die Diminutivbildung von anderen Wortarten wie Adjektiven, Verben,
Adverbien u. a.58 im Vergleich zu den Substantiven als Basen von geringerer Bedeutung (vgl.
Lohde 2006: 120). Die Diminution ist „beim Substantiv in besonderer Weise ausgebaut. Sie
kennt hier die geringsten Restriktionen und weist wohl auch die höheren Textfrequenzen auf―
(Fleischer/Barz 199: 86).
Nach Mutz werden die Diminutive „bevorzugt und in sehr hohem Maße an Nomina gefügt,
die auf Entitäten (Personen, Dinge) aus dem alltäglichen Leben referieren. Man findet sie also
vor allem bei Verwandtschaftsnamen, Körperteilen, Haushalts- und Arbeitsgegenständen,
K1eidern, Körperteilen, Haustieren und ,,Hauspflanzen― […]― (Mutz 2000: 167).
Diese verschiedenen Möglichkeiten der Bildungstypen bei Substantiven werden also
„hauptsächlich dazu genutzt, beliebige Inhaltskerne unter verschiedenen Aspekten in Texten
und Sätzen auftauchen zu lassen― (Eichinger 2000: 71).
Die Substantive können verschiedene Formen haben. Diese Unterschiedlichkeit wird in den
verschiedenen substantivischen Subklassen deutlich.
58
Im Deutschen gilt das Substantiv als die wichtigste Wortart. Substantive machen fast die Hälfte des deutschen
Wortschatzes aus. Sie werden auch als Hauptwörter, Dingwörter, Nennwörter und Namenwörter bezeichnet
(vgl. Duden-Grammatik 2006: 146f.). Es wird aber der Gebrauch der Bezeichnung "Nomen" bevorzugt, da diese
Bezeichnung „international wesentlich weiter verbreitet ist […].― (Engel 2004: 270).
Mit einem Substantiv kann man die Gegebenheiten der objektiven Wirklichkeit bzw. Realität benennen (z.B.
beim Schreiben, die Freundschaft, das Rot usw.). So haben Substantive die Fähigkeit, Lebewesen und Pflanzen,
Zustände und Vorgänge, Gegenständliches und Nichtgegenständliches, Gedachtes und Begriffliches zu
bezeichnen. Nach Meineke ist das Substantiv „am Aufbau der Aussageeinheit Satz und damit der Redeeinheit
Text aus grammatisch geformten Nenneinheiten, den Wörtern, beteiligt― (Meineke 1996: 73).
60
Auf Grundlage morphologischer Aspekte unterscheidet man im Deutschen die folgenden
Typen von Substantiven, welche die Fähigkeit haben, als Diminutivbasen aufzutreten:59
1. Einfache Substantive: Unter einfachen Substantiven (auch simplizische Substantive)
versteht man die Wörter, die nur aus einem Morphem oder einer Silbe bestehen und
denen eine relative Motiviertheit fehlt (vgl. Eichinger 2000: 46; Eisenberg 2004: 142;
Fleischer/Barz 1992: 40; Duden-Grammatik 2009: 655).
Zu Nennen sind hier die folgenden Beispiele aus unserem Korpus: Affe – Äffchen,
Apfel – Äpfelchen/Miniapfel, Arena – Miniarena, Auto – Autochen/Autolein/Miniauto,
Band – Bändchen/Bändlein/Miniband, Bar – Minibar, Baum – Bäumchen/ Bäumelein,
Bild – Bildchen/Bildlein/Mikrobild/Minibildchen, Dorf – Dörfchen, Fisch – Fischlein,
Film – Filmchen/Mikrofilm, Frau – Fräulein, Hand – Händchen, Heft – Heftchen etc.
2. Komplexe Substantive: Sie sind entweder Substantive mit Affixen oder zusammengesetzte Substantive (vgl. Duden-Grammatik 2009: 655). Man unterscheidet also:
a) Substantivbasen mit Affixen: Andacht – Miniandacht, Anlage –Minianlage,
Anschlag – Minianschlag, Anwendung – Minianwendung, Anzeige – Minianzeige,
Ausrutscher – Ausrutscherchen, Auftritt – Miniauftritt, Ausflug – Miniausflug,
Bündel – Bündelchen, Bücherei – Minibücherei, Dolmetscher – Minidolmetscher,
Deckel – Deckelchen etc.
b) Zusammengesetzte Substantivbasen: Autobiographie – Miniautobiographie,
Adressschild – Adressschildchen, Atombombe – Miniatombombe/Atombömbchen,
Aufklärungsfilm – Mikroaufklärungsfilm, Baustein – Bausteinchen/Mikrobaustein,
Dampfmaschinen – Minidampfmaschinen, Bürgermeister – Bürgermeisterlein,
Cocktailkleid – Cocktailkleidchen, Dampfmaschinen – Minidampfmaschinen,
Denkzettel – Denkzettelchen, Edelstein – Edelsteinchen etc.
59
Nach Fleischer und Barz können sich die meisten Affixe, dazu gehören die Diminutivsuffixe, sowohl mit
einfachen als auch mit komplexen Basen verbinden (Fleischer/ Barz 1992: 40). Motsch äußert sich zum Thema
wie folgt: „Das Suffix -chen [oder auch -lein] tritt an einfache und komplexe Nominalstämme. Mit dem
Wortbildungsmuster ist das Genus Neutrum verbunden.― (Motsch 2004: 370).
Eisenberg stellt in die gleiche Richtung fest, dass sich die Diminutivsuffixe -chen und -lein mit Substantivbasen
jeder Art und insbesondere mit einfachen Wörtern des deutschen Wortschatzes verbinden lassen (vgl. Eisenberg
2006: 142), wie Tisch – Tischlein, Bild –Bildchen, Idee – Ideechen etc.
61
Nach semantischen Aspekten können die Substantivbasen von Diminutiven unterschiedlich
eingeteilt werden. Man unterscheidet zwei Hauptgruppen von substantivischen Diminutivbasen: Gattungsnamen und Eigennamen.60 Die Gattungsnamen lassen sich nämlich in
Konkreta und Abstrakta unterteilen (vgl. Helbig/Buscha 2002: 206).
Abstrakta nennt man die Substantive, die etwas Begriffliches oder Nichtgegenständliches
bezeichnen wie Eigenschaften (Klugheit, Fleiß), Gefühle oder Beziehungen (Ehe, Trauer),
Zustände (Krankheit, Frieden), Vorgänge (Leben, Verhaftung), Ideen (Gerechtigkeit) (vgl.
Philipi 2008: 42; Fleischer 1983: 154).
Dagegen betrachtet man ein Substantiv als konkret, wenn es einen wahrnehmbaren
Gegenstand (das Haus, der Stein, das Boot) und ein Lebewesen (die Katze, die Pflanze, der
Mann). Zu den Konkreta zählt man ebenso Eigennamen (Anton, Peter, Susanne),
Gattungsnamen (Haustiere, Säugetiere) sowie Stoffbezeichnungen (Öl, Wasser, Mehl) (vgl.
Philipi 2008: 42).
Laut Mutz können die Modifikationssuffixe, dazu gehören u. a. die Diminutivsuffixe {-chen}
und {-lein}, „Basen modifizieren, die sowohl Konkreta (Lebewesen, Artefakte) als auch
Abstrakta (Handlungen) bezeichnen― (Mutz 2000: 26). Somit ergibt sich beispielsweise im
Deutschen die Möglichkeit, die folgenden Diminutivformen mit dem Basissubstantiven
Konkreta und Abstrakta zu bilden: Fläschchen, Büchlein, Äpfelchen (Konkreta),
Abenteuerchen, Festlein (Abstrakta) etc.
Henzen äußert sich zum Thema, „daß Verkleinerung den Substantiven als Namen für
Personen, Tiere und sinnliche Dinge eignet (Stoffnamen nur ausnahmsweise). Doch sind auch
Abstrakta von ihr nicht ganz ausgeschlossen. Das beweisen neben den schon erwähnten
älteren Bildungen […] Wendungen wie sein Mütchen kühlen, ein Schnippchen schlagen, ein
Lüstchen― (Henzen 1965: 152).
Eisenberg betrachtet die Eigennamen und Appellativa als prototypische Basen für die
Diminutivbildung (vgl. Eisenberg 2004: 273). Sie kommen als Basiswörter vor und bleiben
bei der Diminuierung was sie sind und bekommen nur zusätzlich eine verkleinernde oder eine
verniedlichende Bedeutung (z. B. Anton – Antonchen, Tür – Türchen). Stoffsubstantive
ändern sich auch bei der Diminutivbildung zu Appellativa, wie Bierlein, Bierchen.61
60
Nach inhaltlichen Gesichtspunkten kennt man verschiedene Gruppen von Substantiven wie Eigennamen,
Gattungsnamen, Sammelnamen (Kollektiva) und Stoffnamen (vgl. Fleischer 1983: 154).
61
„Eine Diminutivbildung über der Bedeutung von Stoffsubstantiven ist nicht möglich, deshalb kommt es zur
Individualisierung.― (Eisenberg 2004: 273).
62
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Gruppen der Abstrakta und Konkreta, die in der
Rede als Diminutivbasen auftreten können, semantisch in den folgenden Subkategorien
untergliedert werden:62
I. Die Gruppen der Konkreta:
a) Personen- und Verwandtschaftsbezeichnungen, z. B.:
Bengel – Bengelchen, Bursche – Bürschchen, Dussel – Dusselchen, Enkel –
Enkelchen,
Erbonkel
–
Erbonkelchen,
Familie
–
Minifamilie,
Frau
–
Fräulein/Frauchen, Frauenzimmer – Frauenzimmerchen etc.
b) Berufsbezeichnungen, z. B.:
Bürgermeister – Bürgermeisterlein, Chef – Chefchen, Detektiv – Minidetektiv, Dichter
– Dichterlein, Doktor – Doktorchen, Flieger – Fliegerlein, Führer – Führerchen,
Fürst – Fürstchen etc.
c) Eigennamen, z. B.:
Adalbert – Adalbertchen, Albert – Albertchen, Arno – Arnochen, Axel – Axelchen,
Carl – Carlchen, Elisabeth – Elisabethchen, Florin – Florinchen etc.
d) Tierbezeichnungen, z. B.:
Affe – Äffchen/Miniäffchen, Bär – Bärchen/Bärlein/Minibären, Biene – Bienchen,
Biest – Biestchen, Dackel – Dackelchen, Elefanten – Minielefanten, Esel – Eselchen,
Ferkel – Ferkelchen/Miniferkel, Fisch – Minifische, Flusspferd – Flusspferdchen,
Hund – Hündchen, Katze – Kätzchen/Kätzlein, Pferd – Pferdchen etc.
e) Orts- und Gebäudebezeichnungen, z. B.:
Apartments – Miniapartments, Archipel – Miniarchipel, Arena – Miniarena, Bank –
Bänkchen/Bänklein, Buckel – Buckelchen, Camps – Minicamps, Club – Miniclub,
Dörfchen – Minidörfchen, Ecke – Eckchen, Erker – Erkerchen, Fabrik - Minifabrik,
Feld – Feldchen, Firma - Minifirma, Haus – Häuschen etc.
62
Alle Belegbeispiele wurden aus unserem Korpus im Anhnag entnommen.
63
f) Bezeichnungen für Bestecke und Geschirr, z. B.:
Deckel – Deckelchen, Dessertteller – Desserttellerchen, Dosen – Minidosen,
Flasche – Fläschchen/Minifläschchen etc.
g) Bezeichnungen für Kleidungsstücke, z. B.:
Bluse – Blüschen, Cocktailkleid – Cocktailkleidchen, Dirndl – Minidirndl, Hemd –
Hemdchen etc.
h) Bezeichnungen für Speisen und Getränke, z. B.:
Äpfelchen – Äpfelchen, Breichen – Breichen, Brezelchen – Brezelchen etc.
i) Bezeichnungen für menschliche Körperteile, z. B.:
Bein – Beinchen, Hand – Händchen, Finger – Fingerlein/Fingerchen/Minifinger,
Backe – Bäcklein/Bäckchen, Fingernagel – Fingernägelchen etc.
j) Bezeichnungen für tierische Körperteile, z. B.:
Feder – Federchen, Fell – Fellchen, Flügel – Flügelchen etc.
II. Die Gruppen der Abstrakta:
a) Bezeichnungen für Zeiträume,:
Augenblick – Augenblickchen, Fest – Festlein etc.
b) Bezeichnungen für Gedanken und Gefühle, z. B.:
Emotion – Emotiönchen etc.
c) Filmbezeichnungen, z. B.:
Aufklärungsfilm – Aufklärungsfilmchen, Einspielfilm – Einspielfilmchen, Fernsehfilm
– Fernsehfilmchen, Film – Filmchen/Minifilm etc.
64
3.4. Diminution als Modifikationsart
Man unterscheidet im Deutschen zwischen formaler und semantischer Modifikation, welche
auch Modifizierung genannt wird (vgl. Koecke 1994: 34).
Unter formaler Modifikation versteht man „die progressive und regressive […] Derivation,
ferner Komposition – synthetische Formen, und unter Umständen lexikalische Erweiterung –
analytische Formen― (Klimaszewska 1983: 9). Zu nennen sind die folgenden Beispiele:63
Artikelchen, Adressschildchen, Bläschen, Blüschen, Bäcklein, Mikroanalyse, Mikrobiologe,
Bildschirm, kleiner Augenblick, kleine Beulen etc.
Semantische Modifizierung ist hingegen „die Erscheinung, daß die Modifizierungsbasis
gerade durch [die] formalen Modifizierungsmittel semantisch zum Teil verändert wird. Die
letztere Feststellung ist so zu verstehen, daß die semantische Grundbedeutung der Basis durch
zusätzliche semantische und/oder emotionale Informationen bereichert wird― (Klimaszewska
1983: 9). So wird beispielsweise mit Mutti eine Mutter bezeichnet, die besonders lieb und
zärtlich ist.
Die Modifikation ist also dadurch markiert, dass sie keine Satzfunktion einschließt. Dabei
handelt es sich um die Quantifizierung von Lexemen, „um die Wiederholung einer Bedeutung
oder um die Hinzufügung einer Richtung zu der primären Handlung― (Coseriu 197: 87).
In diesem Sinne hat sich auch Ettinger geäußert:
„Bei der Modifikation ist keine Satzfunktion impliziert, es handelt sich vielmehr um
eine Quantifizierung eines Wortes (Diminutiv, Augmentativ), Wiederholung (venir.
revenir) oder um Qualifizierung wie z. B. im Deutschen aus-. hin-. wegfallen.― (Ettinger
1974: 160)
Nach Fleischer und Barz liegt Modifikation vor, ,,wenn das Wortbildungsprodukt gegenüber
der motivierenden Einheit ein begriffliches Merkmal zusätzlich erhält, das eine
Subklassifizierung im Rahmen des Ausgangsbegriffes anzeigt. Das Wortbildungsprodukt ist
keiner neuen Begriffsklasse zuzuordnen; die Wortart der Ausgangseinheit bleibt unverändert.
Bei substantivischer Ausgangseinheit gehören hierher z. B. Augmentation […] und
Diminution― (Fleischer/Barz 1995: 8).
Von daher kann man feststellen, dass die Diminution als Wortbildungsverfahren, aufgrund
unterschiedlicher Kriterien, in den Bereich der Modifikation gehört (vgl. Duden-Grammatik
2009: 731; Koecke 1994: 34; Klimaszewska 1983: 9; Seebold 1983: 1250, Ettinger 1974:
160; Fleischer/Barz 1995: 8; Hintschel/Weydt 2003: 196; Fleischer 2001: 205).
63
Die Korpusbelege sind im Anhang ersichtlich.
65
Koecke betrachtet die Diminution als „formale und semantische Modifikation eines
Grundwortes, die durch Anfügen bestimmter Wortbildungsmittel erreicht wird― (Koecke
1994: 34). Seebold zählt seinerseits die Diminutive zu den Modifikationsbildungen:
„Die Diminutive (Verkleinerungsformen) gehören zu den Modifikationsbildungen
(Ableitungen, die in der gleichen syntaktischen Umgebung wie die Grundwörter, aber
mit Abweichungen in der Bedeutung, gebraucht werden).― (Seebold 1983: 1250)
So ist ein Diminutivum wie Fensterchen eine Modifikation von Fenster, vergleichbar mit der
Bedeutung, die das Adjektiv klein hat. Das Diminutivum Fensterchen impliziert den
Gebrauch von Fenster als kleines Fenster, nicht jedoch seinen Gebrauch als Satzglied in
einem Satz oder Text. „Diese Möglichkeit liegt also noch vor dem grammatikalischen
Gebrauch der Wörter in einer bestimmten Satzfunktion― (Coseriu 1973: 87).
Weitere Beispiele für die Modifikation sind Ball – Bällchen, Deckel – Deckelchen, gelb –
gelblich, rot – rötlich, husten – hüsteln, lachen – lächeln etc. Schauen wir uns auch das
folgende Belegbeispiel aus unserem Korpus an:
(72) „Im vergangenen Jahr hingen höchstens zehn schrumplige Äpfelchen an den Zweigen.―
(17.09.2007, S. 24)
In diesem Fall gibt es neben der verkleinernden Bedeutung auch eine negative Bedeutung. Sie
ist hier auf den Gebrauch von "schrumplige" und "höchstens" zurückzuführen, liegt aber auch
häufig im Kontext begründet.
Man kann also mit Recht sagen, dass die substantivischen Diminutive mit {-chen}, {-lein},
{-i} als Modifikationsarten betrachtet werden, da bei der Modifikation die Wortart
unverändert bleibt. So werden zum Beispiel von einem Substantiv wie Garten mit den
Suffixen {-chen} und {-lein} andere Wörter derselben Wortart Substantiv wie Gärtchen oder
Gärtlein gebildet. Die Suffixe {-chen} und {-lein} werden hier als Modifikator der Bedeutung
des Basiswortes betrachtet. Ein Gärtchen oder Gärtlein bedeutet, dass ein Garten aufgrund
seiner Maße als klein anzusehen ist, wenn man ihn an der durchschnittlichen Größe von
Gärten misst oder es sich um einen schönen, netten Garten handelt.
Das Präfix {Mini-} genauso wie das Präfix {Mikro-}, das Adjektiv klein als Kompositum
sowie die Suffixe {-chen}, {-lein} oder {-i} schränken die Extension der Basis ein. So ist
beispielsweise die Klasse der Miniküchen eine Teilklasse der Küchen. Das Präfix {Mini-} ist
Modifikator des zweiten Bestandteils Küche, bestimmt ihn näher, das heißt determiniert ihn.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass im Bereich der Diminution keine weitere Bedeutung
hinzugefügt wird, sondern die Gesamtheit der Bedeutung modifiziert wird. In einigen Fällen
kommt noch eine affektive Bedeutungskomponente hinzu.
66
3.5. Semantische Funktionen der Diminution im Deutschen
Im Deutschen und in anderen Sprachen, in denen die Diminution als sprachliches Phänomen
existiert, werden in bestimmten Situationen und bei einigen Textsorten mit großer Vorliebe
Mittel der Diminution gebraucht (vgl. Scheidweiler 1984/85: 71; Rainer 1993: 125; Mutz
2000: 40). Aber warum wird die Diminution benutzt und welche emotionale Bedeutung hat
sie?
Nach Coseriu bedeuten die Diminutive „eine objektive Verminderung des Gemeinten. So
würde man Häuschen, Wäldchen, rein sprachlich, unmittelbar als ''kleines Haus'', ''kleiner
Wald'' interpretieren. Wenn hingegen der gemeinte Gegenstand objektiv nicht vermindert
werden kann oder wenn die objektive Verminderung durch die bezeichneten Sachen selbst
negiert wird, gehen die Diminutive automatisch zu anderen Redebedeutungen über― (Coseriu
1970: 110f.).
Bei Adjektiven wird die Diminution verwendet, um die Bedeutung des Wortes im Sinne einer
Schwächung zu modifizieren. Koecke hat in diesem Zusammenhang Folgendes geschrieben:
„Der nur schwach vertretene Typus der Restriktivbildungen im Vergleich zu den
produktiven -lich-Konstruktionen in verschiedenen anderen Funktionen wird
hauptsächlich von Farbbezeichnungen (bläulich, rötlich) und Bezeichnungen einer
sonstigen Eigenschaft, besonders von viel gebrauchten Personenmerkmalen (süßlich,
ärmlich, kränklich), […], gebildet.― (Koecke 1994: 69)
Bei Verben dagegen gebraucht man die Diminution hauptsächlich, um die Bedeutung des
Wortes im Sinne einer Verringerung der Intensität der Handlung wie in lachen – lächeln u. a.
zu modifizieren.
Bei Substantiven hat der Gebrauch von Diminution das Ziel, die Bedeutung des Wortes im
Sinne einer Verkleinerung oder Affektivität, wie in Lehrerlein, Steinchen, Väterchen, Mutti
etc. zu modifizieren.
So kann man zusammenfassend sagen, dass in funktionaler Hinsicht die Diminution bei
Substantiven einerseits eine Verkleinerung bezeichnet und andererseits durch die Diminution
auch manchmal eine emotionale Bedeutung ausgedrückt wird, die entweder positiv oder
negativ sein kann. In diesem Sinne hat sich Fleischer folgendermaßen geäußert:
„Diminutive besitzen in ihrer Wortbildungsbedeutung außer 'Kleinheit' (Mini-Abo)
häufig eine emotional-affektive Wertung […] Diese Wertung kann positiv (Städtchen)
oder negativ (Bürschchen) sein, verbunden mit "Mitleid, Verachtung, Ironie oder
Zärtlichkeit" […], letzteres z .B. in Kätzchen.― (Fleischer 2001: 205)
67
Das Gleiche findet man bei Hentschel und Weydt. Sie betonen, dass die Diminutive „nicht
einfach nur die, ‚Kleinheit‗ eines Gegenstandes oder Lebewesens aus[drücken], sondern
enthalten darüber hinaus eine positive emotionale Komponente, die ungefähr mit
‚Zuwendung‗ oder ‚Sympathie‗ (des Sprechers gegenüber dem bezeichneten Objekt) oder mit
‚Ungefährlichkeit‗ oder auch ‚Vertrautheit‗ (dem bezeichneten Objekt) wiedergegeben
werden könnte― (Hentschel/Weydt 2003: 196).
Lohde bezeichnet die emotionalen Konnotationen, das heißt die positive und negative, als
Bedeutungsmuster und gliedert sie wie folgt in zwei Haupttypen:
„a) meliorative Konnotation (die Bedeutung aufwertend, verbessernd); hierin ist auch
die kosende Funktion enthalten: Mütterchen, Küsschen, Kätzchen;
b) pejorative Konnotation; die negative Wertung kann von Ironie über Geringschätzung
bis Abneigung reichen: Witzchen, Filmchen, Freundchen.― (Lohde 2006: 120)
Wolf hat darauf hingewiesen, dass die emotional-affektive Bedeutung der Diminutiven
„weder vom Wortbildungsmodell noch von der Wortbildungskonstruktion ab[hängt], sondern
vom Kontext der Äußerung― (Wolf 1997: 395f.). So haben die Diminutiven manchmal eine
positive, manchmal eine negative Bedeutung, jeweils in Abhängigkeit vom Kontext. Nekula
äußert sich zum Thema wie folgt:
„Für die Bestimmung der Funktion der Diminutive müssen jedoch auch die Beziehung
der Kommunikationsteilnehmer, die Textsorte sowie der Funktionalstil einbezogen
werden […].― (Nekula 2003: 176)
Erben vertritt die Meinung, dass es bei der Diminution oft weniger darum geht, etwas als
objektiv klein zu bezeichnen, sondern „vielmehr darum, eine Größe zu kennzeichnen, zu der
der Sprecher ein emotionales Verhältnis hat (Pferdchen, Bürschchen, …); sie wird gleichsam
in vertraute Nähe gerückt‗, wobei das Substantiv einfach die Stelle sein kann, an der der
Sprecher sein intimes Verhältnis zum Partner kennzeichnet [...]: Du wirst doch Süppchen
essen, ein Schläfchen machen, noch ein Stündchen bleiben― (Erben 2006: 94f.).
Mutz verbindet ihrerseits die Bedeutung der Diminutivsuffixe mit quantifizierenden und
qualifizierenden Merkmalen. Sie betrachtet „die qualifizierenden Merkmale {gut} und
{schlecht}
als
Teil
der
Semantik
der
Modifikationssuffixe,
[insbesondere
die
Diminutivsuffixe], und nicht bloß als sog. Konnotation― (Mutz 2000: 38).
Laut Mutz „tragen Diminutivsuffixe öfter das qualifizierende Merkmal {gut} als das
qualifizierende Merkmal {schlecht}― (Mutz 2000: 37).
Klimaszewska hat ihrerseits die emotionale Bedeutung in meliorativ und pejorativ
untergliedert. Sie benutzt meliorativ für positive Konnotationen und pejorativ für negative
68
Konnotationen, wobei die negative Konnotation beim Diminutivum selten vorliegt (vgl.
Klimaszewska 1983: 11). In diesem Sinne äußert sie sich zum Thema wie folgt:
„Die Verkleinerung mittels der Diminutivsuffixe wird im Deutschen meistens durch
eine affektive Note eines positiven Gefühls begleitet.― (Klimaszewska 1983: 53)
Durch das von uns bearbeitete Korpus wird festgestellt, dass als Grundfunktion der
Diminutive des Deutschen die reine Verkleinerung ist.
Unser Korpus umfasst 538 Belege. In 425 Belegen hat das Diminutivum eine reine
verkleinernde Bedeutung, d. h. 78,99% der gesamten Belege. In 113 Belegen hingegen hat
das Diminutivum neben der verkleinernden Bedeutung eine emotionale Affektivität, die
entweder positiv oder negativ ist, d. h. 21,00%.
Diese Tatsache möchten wir noch einmal tabellarisch aufführen, jeweils mit dem Zusatz von
zahlenmäßigen und prozentualen Angaben:
Funktionen der Diminution
Zahl der Belege
Prozent (%)
I. reine Verkleinerung
425
78,99
II. emotionale Affektivität
113
21,00
Gesamtzahl
538
100%
Tabelle (5): Semantische Funktionen der Diminution im Deutschen
Das folgende Diagramm zeigt ebenso deutlich, dass die Diminution in der deutschen Sprache
hauptsächlich verwendet wird, um eine reine verkleinernde Bedeutung zu erzielen.
Semantische Funktionen
78,99%
21,00%
Verkleinerung imoteonali Affiktevetät
Diagramm (3): Funktionen der Diminution
69
Durch das von uns bearbeiteten Korpus wird ebenso festgestellt, dass positive Konnotationen
häufiger vorliegen als negative. In 73 Belegen ist das Diminutivum positiv konnotiert64, d.h.
64,60% der gesamten Belege mit emotionaler Affektivität.
In 32 Belegen ist das Diminutivum negativ konnotiert, d.h. 28,31% .
In 8 Belegen gibt es eine Tendenz bei der Bedeutung vom Negativen ins Positive oder
umgekehrt, d.h. 7,07% der gesamten Belege mit emotionaler Affektivität. Die genauen
Ergebnisse der statistischen Studie stellt die folgende Tabelle dar:
Emotionale Affektivität
a) positive Konnotation
(Liebkosung, Verniedlichung, Mitleid,
Zärtlichkeit, Bescheidenheit etc.)
Zahl der Belege
73
Prozent (%)
64,60
b) negative Konnotation
(Geringschätzung, Ironie, Spott etc.)
32
28,31
c) Tendenz vom Negativen ins Positive
oder umgekehrt
Gesamtzahl
8
7,07
113
100%
Tabelle (6): Emotionale Bedeutung der Diminution im Deutschen
Das folgende Diagramm beschreibt ebenso diese Tatsache deutlich.
70
60
50
40
30
20
10
0
64,60
28,31
7,07
positive Konnotation
negative Konnotation
Tendenz vom
Negativen ins Positive
oder umgekehrt
Diagramm (4): Emotionale Bedeutung der Diminution
64
Es ist klar, dass im Deutschen die Diminution meistens verwendet wird, um eine verniedlichende Bedeutung
auszudrücken. In 44 Belegen haben die Diminutive eine Bedeutung der Verniedlichung. Siehe dazu die
empirische Untersuchung dieser Arbeit.
70
Schauen wir uns nun die folgenden, aus unserem Korpus entnommenen, Belegbeispiele an,
bei denen eine Tendenz vom Negativen ins Positive oder umgekehrt gefunden wird, welche
meist vom Kontext abhängig ist:65
(73) „Sie hat einen frischen, kleinen Apfel in der Hand.― (01.10.2005, S. 3)
(74) „Meist ist in ihnen auch nur von kleineren Sörgchen und überschaubaren
Abenteuerchen die Rede.― (14.04.2000, S. 10)
(75) „Hinzu kommt, dass es sich im Vergleich mit den Dimensionen der Attentate von New
York und Washington bei den Milzbrandfällen um absolute Minianschläge mit relativ
geringen Auswirkungen handelt.― (18.10.2001, S. 4)
Im Beispiel (73) gibt es eine verkleinernde und zugleich positive Bedeutung. Die
verkleinernde Bedeutung basiert auf dem Adjektiv "klein" und die positive Bedeutung auf
dem Adjektiv "frisch" im Kontext.
Die Basis Abenteuer ist im Beleg (74) positiv und hat durch die Diminution und durch den
Partikel nur eine spöttische Bedeutung, d. h., es entsteht hier eine Tendenz vom Positiven ins
Negative.
Im Fall (75) ist es umgekehrt, das bedeutet, die Basis ist negativ und hat durch den gesamten
Kontext eine positive Bedeutung, d. h., es gibt in diesem Beleg eine Tendenz vom Negativen
ins Positive. Minianschläge sind nicht sehr folgenschwere bzw. verheerende Anschläge.
Aus den Darstellungen wird deutlich, dass die Funktion von Diminutiven sowie die Richtung
der Konnotation, positiv oder negativ, vom Sprecher, der Situation sowie vom Kontext
abhängig sind. Deswegen is es problematisch, auf die Frage zu antworten, warum die
Diminution gebraucht wird.
Man kann aber prinzipiell betonen, dass die Grundfunktion der Diminution die Verkleinerung
ist, „die sich in verschiedener Weise manifestiert, als qualitative oder quantitative
Verkleinerung, als affektive oder depretiative Verminderung, als euphemistische oder
höfliche Moderation oder als affektive oder taktische Intensivierung― (Würstle 1992: 44).
Durch unser Korpus haben wir ebenso festgestellt, dass die Diminutive in Verbindung mit den
Präfixen {Mini-} und {Mikro-} und zusammengesetzt mit Klein- meistens die Bedeutung von
Verkleinerung erhalten; affektive Bedeutung lässt sich in diesem Fall selten erkennen.66
Diese Tatsache findet man auch bei Klimaszewska: „das Deutsche für eine neutrale Angabe
der Kleinheit in der Regel die analytische Formen bevorzugt― (Klimaszewska 1983: 51).
65
66
Die Belege sind im Anhang ersichtlich.
Siehe dazu unsere korpusbasierte Analyse im Anhang.
71
Im Folgenden werden wir mit Hilfe eines Schemas versuchen, die verschiedenen Funktionen
der Diminutivformen des Deutschen darzustellen:
Die Funktionen der Diminution im Deutschen
Nebenbedeutung
Hauptbedeutung
Emotionale Affektivität
Verkleinerung
Positive Konnotation
Negative Konnotation
Liebkosung
Verniedlichung
Mitleid
Zärtlichkeit
Bescheidenheit etc.
Geringschätzung
Ironie
Spott
Verachtung etc.
Abbildung (5)
72
3.5.1. Zum Gebrauch der Diminution
In jeder Sprache gibt es sozial-kulturelle Varietäten, das heißt sprachliche Ebenen wie
Volkssprache, Umgangssprache, Hochsprache, Jugendsprache, Fachsprache, Kindersprache
etc. Daneben unterscheidet man auch verschiedene Sprachstile wie Sprache der Männer, der
Frauen, der Liebenden, feierliche, poetische oder familiäre Sprache etc. Man kennt ebenso
unterschiedliche Textsorten wie soziale, wirtschaftliche, sportliche, politische u.a.
Wir wollen im Folgenden untersuchen, in welchen sprachlichen Ebenen, in welchen
Textsorten und Sprachstilen die Diminution eine bedeutende Rolle spielt.
Man sieht in diesem Zusammenhang, dass der Gebrauch der Diminutive „von vielen
Variablen abhängig [sei]: Alter, Geschlecht, sozialer Status, Textsorte, Interaktionsniveau,
Kreativität, Emotionen, Vertrautheit/Fremdheit oder Sympathie/Antipathie zwischen den
Sprechern usw.― (Nekula 2003: 177).
Zu der Frage wird festgestellt, dass durch den Gebrauch von Diminutiven „eher etwas über
die Gefühlshaltung des Sprechers als über besondere Charakteristika des bezeichneten
Objekts― (Koecke 1994: 80) erfahren wird.
Nach Rainer wird der Diminutivgebrauch begünstigt, „wenn der Sprachpartner ein Kleinkind
ist oder zwischen den Gesprächspartnern eine familiäre Vertrautheit herrscht― (Rainer 1993:
125). So findet man beispielsweise in Kinder- und Ammensprachen (auch Babysprache bzw.
verniedlichende Sprache) viele Diminutive,67 wie z. B. in Schlaf, Kindchen, schlaf!,
Bäumelein, Träumelein (Berliner Zeitung, 26.09.2003, S. 9) oder in einem Beispiel wie Was
machtchen das Kindchen dennchen? (zitiert nach Nekula 2003: 158).
Es gibt also eine Reihe von Texten, in denen die Diminutiven, neben der Bedeutung der
Verkleinerung und Verminderung, ebenso eine affektive verniedlichende Bedeutung haben.
Wenn man zu einem Kind sagt Schau mal dort, ein Hündchen oder ein Pferdchen, meint man
damit in erster Linie, dass sie (der Hund und das Pferd) niedlich und nicht gefährlich sind
(vgl. Würstle 1992: 61).68
67
Unter Kindersprache versteht man die Sprache „des sprechenlernenden Kindes; Erstsprache, Muttersprache.
Alle Bereiche der Sprache, Laut-, Wort-, Satz-, Bedeutungs- und Handlungsstrukturen entwickeln sich in einer
bestimmen Entwicklungsfolge. [...]. Im Alter von ca. 4 Jahren ist die Lautentwicklung bei altersgemäß
entwickelten Kindern als erstes abgeschlossen, [...].― (Metzler 2005: 319). Als Ammensprache bezeichnet man
die Sprech- und Sprachweise von den Eltern ihren kleinen Kindern gegenüber, deswegen werden in der
Ammensprache ein verniedlichender Ton sowie kindgemäße Bezeichnungen wie miau-miau für "Katze"
gebraucht.
68
Ebenso findet man in der Kindersprache viele Verbdiminutive im Imperativ mit dem Suffix {-i} wie schreibi,
sitzi, essi, trinki u.a. (vgl. Nekula 2003: 158).
73
Laut Wandruszka spielen „in der Mütter-Ammen-Tantensprache […] die Schmeichel- und
Streichelsuffixe weiterhin eine entscheidende Rolle, und auch in jeder Mundart und
mundartlich gefärbten Rede gehören sie zur Gemütlichkeit― (Wandruszka 1991: 144f.).
Daraus ist zu erschließen, dass die Diminution im Sprechen mit Kindern verwendet wird. Die
gehäufte Verwendung dieser Mittel dient also dazu, die Atmosphäre der Zärtlichkeit, der
Liebe, der Verniedlichung und der familiären Vertraulichkeit zu schaffen. Das zeigt sich auch
an den folgenden Beispielen aus unserem Korpus:69
(76) „Meine kleine Tochter braucht Milch, Breichen und Unmengen von Pampers.―
(03.11.2001, S. 9)
(77) „Was wünschst Du Dir: Ein Schwesterchen oder ein Brüderchen?― (24.10.1997, S.
19)
Neuerdings findet sich die Diminution, besonders mit dem Suffix {-i}, verstärkt in der
Umgangs- und Jugendsprache: Schatz – Schatzi, Vater – Vati, Hund – Hündi, SchwesterSchwesti u.a.
Generell, so auch im Deutschen, wird die Diminution ebenfalls verwendet, wenn von der
Niedlichkeit von Jungtieren die Rede ist oder sie entsprechend angeredet werden sollen.
(78) „Jetzt lächelt uns von jedem Autofenster ein fröhliches Bärlein oder Kätzlein an.―
(07.07.1998, S. 9)
(79) „Das Äffchen kam bereits im Dezember zur Welt, sein Geschlecht ist noch unbekannt.―
(05.02.2000, S. 23)
(80) „Neugierig berüsselt ein Ferkelchen Mamas Nase.― (30.06.2004, S. 21)
Die Diminutivbildung schafft in den genannten Beispielen eine Atmosphäre der Zärtlichkeit
sowie einen verniedlichenden Ton. Stereotypen Bewertungen bzgl. der Geschlechterrolle
entspricht die Feststellung, dass „es […] überhaupt in vielen Sprachen ein charakteristisches
Merkmal [sei], daß diminutive Formen öfter aus dem Munde von Frauen als aus dem von
Männern zu hören sind― (Klimaszewska 1983: 109).
Begründet wird das mit außersprachlichen Aspekten, mit der Bewertung, dass Frauen
empfindsamer, zartfühlender und sensibler als die Männer sind. Deswegen hört man viele
Diminutive in ihrer Rede mit Kindern, Männern, Geliebten, Tieren u. a.:
(81) „Ja Kindchen, dann komm doch einfach vorbei, und wir plaudern ein wenig über
mich―, hatte Lotti Huber durch den Telefonhörer geflötet, […].― (Die Tageszeitung,
10.10.1992, S. 33)
69
Die Belegbeispiele sind im Anhang ersichtlich.
74
(82) „Antonchen haben se zu Tode jequält, det kann man ja nicht erzählen―, hat die
Großmutter immer gesagt, wenn wir Kinder nach dem Onkel Anton fragten.― (Berliner
Zeitung, 21.06.2003, S. 1)
(83) „Und wenn da ein Kranker am Wegrand läge, würde sie dann sagen: "Hallo, Schatzi, du
hast Aids? Na, dann streichel ich dich nur ganz lieb!" - ??? Ihr Wunsch, aus Aids die
psychische Genesung der Geschlechter zu schöpfen, ist doch eine perfide Sauerei. Auch
dieses goldniedliche Büchlein erschien in Tübingen, in der "edition diskord" anno
domini 1988. Offensichtlich ist dort ein sehr heißes intellektual-psychosexuelles Klima,
denn auch das Konkursbuch entspringt diesem Städtchen […].― (Die Tageszeitung,
28.07.1990, S. 33)
Es gibt zudem eine Reihe von den volkstümlichen Textarten, Gattungen und Textgenera, in
denen Diminutive in charakteristischer Weise gebraucht werden. Das betrifft u. a.
verschiedene Arten von Liedern, die sich an Kinder richten (vgl. Fleischer/Barz 1992: 179ff.;
Jung 1980: 393ff.; Scheidweiler 1984/85: 71).
Darüber hinaus kann man insgesamt feststellen, dass „die diminutiven Formen in der schönen
Literatur häufiger als zum Beispiel in der Publizistik, in wissenschaftlichen Schriften oder in
der Geschäftssprache [auftreten], denn sie stehen als ausdrucksstarke Sprachmittel im
Gegensatz zur sachlichen Prosa― (Klimaszewska 1983: 109).
Wenn man zusammenfassend die Texte und Situationen charakterisieren will, die eine
auffällige Häufung von Formen der Diminution aufzeigen, so kann man sagen, dass es
einerseits Konstellationen sind, in denen eine Zuneigung ausgedrückt werden soll. Eine
Untergruppe der Verwendung stellt die Kommunikation mit Kindern dar. Andererseits kann
Diminution als ein Genremerkmal berühmter volkstümlicher Textarten bzw. Gattungen
gelten, bei denen sie vor allem „in Kontexten mit märchenhaftem Charakter― (Scheidweiler
1984/85: 71) Verwendung findet.
3.6. Beschränkungen und Restriktionen für die Diminution
Jenseits der Verwendungsbeschränkung gibt es weitere Beschränkungen für die Bildung von
Diminutiven. Man unterscheidet eine Reihe von semantischen,
stilistischen und
morphologischen Beschränkungen und Restriktionen für die Diminutivbildung.
Morphologisch gesehen unterliegen die deutschen Suffixe {-chen} und {-lein} in Bezug auf
die Auswahl der Basissubstantive bestimmten phonotaktischen Beschränkungen.
75
So tritt aus Aussprachegründen an ein Basissubstantiv auf -ch, -g, -ng, wie Tuch – Tüchlein,
Zweig – Zweiglein, Ring – Ringlein u. a. das Suffix {-lein}.70 Man verwendet aber das Suffix
{-chen}, wenn die Basisendung -l(e) vorliegt, wie in Spiel – Spielchen, Ball – Bällchen, Keule
– Keulchen, Rolle – Röllchen, Zweifel – Zweifelchen, Beutel – Beutelchen u. a. (vgl. Fleischer
u. a. 1983: 258; Fleischer/Barz 1992: 197; Lohde 2006: 120; Erben 2006: 94).
Als morphologische Beschränkung kann die Regel angesehen werden, dass im Deutschen
generell „niemals zwei Präfixe gleichzeitig vor ein Grundwort treten― (Erben 2006: 57). Man
kann also nicht sagen *Minimikroflasche, *Mikrominihaus etc.
Man kennt auch im Deutschen synthetische Diminutivformen, „deren Derivationsbasis nicht
verwendet wird; dazu gehören Pflanzenbezeichnungen wie Veilchen, Stiefmütterchen, Leberblümchen, Maiglöckchen/Schneeglöckchen, Tierbezeichnungen wie Frettchen, Eichhörnchen,
Kaninchen oder Einzelfälle wie Plätzchen, Märchen oder Kittchen― (Wolf 1997: 394). Dazu
zählt Wolf auch Diminutive, „deren Bedeutung sich spezialisiert, bzw. von der Bedeutung der
Basis zumindest teilweise isoliert hat: Leibchen, Grübchen ― (ebenda).
Bemerkenswert ist, dass im Deutschen die synthetischen Diminutivformen vom Singular
gebildet werden. Die Diminution mit Suffixen kommt nur in wenigen Fällen in Pluralformen
vor. Diese Option gilt meist für -er Plurale (vgl. Naumann 2000: 18; Hentschel/Weydt 2003:
197; Lohde 2006: 121), z. B.: Eier – Eierchen, Lieder – Liederchen, Hühner – Hühnerchen,
Kinder – Kinderchen etc., aber Autos – *Autoschen, Hosen – *Hosenchen etc.
Semantisch gesehen sind die Diminutive im Deutschen von Maschinenbezeichnungen,
Bezeichnungen für Nationalitäten, Ländernamen, Namen der Wochentage und Monate sowie
Kollektiva, die nicht pluralfähig sind, nicht üblich (vgl. Klimaszewska 1983: 48;
Hentschel/Weydt 2003: 196f.). Beispiele dafür sind *Januarchen, *Montagchen, *Viehchen,
*Läubchen, *Gebirglein, *Wildchen etc.
Ebenfalls ist die Diminution nicht möglich bei Substantiven, die nur in der Pluralform
vorkommen, wie Eltern - *Elternchen, Familie – *Familchen (vgl. Lohde 2006: 121).
Motsch dagegen erkennt
keine ähnlichen semantischen Beschränkungen für die
Diminutivbildung. Seiner Meinung nach können alle Substantivtypen als Basen auftreten, vor
allem aber die Eigennamen und Verwandtschaftsbezeichnungen, wie Vater – Vati, Mutter –
Mütterchen, Anna – Anni, Anton – Antonchen, Oma – Omi, Hans – Hansi etc. Solche
Diminutivbildungen bezeichnen oft Vertraulichkeit (vgl. Motsch 2004: 369f.).
70
In einigen Fällen gebraucht man auch eine Erweiterungsform -elchen, die verwendet wird, wenn das Suffix an
eine Basis auf -ch,-g, -ng, -en angefügt wird, wobei der Vokal umgelautet und die Endung -e oder -en getilgt
werden, wie Ding – Dingelchen, Buch – Büchelchen , Wagen – Wägelchen u. a. (vgl. Erben 2006: 94).
76
Dagegen stellen Hentschel und Weydt fest, dass Diminutive „fast ausschließlich von
Konkreta gebildet werden; Ableitungen wie *Ängstlein oder *Freudchen kommen nicht vor,
und ein Liebchen ist entsprechend eben nicht eine ‚kleine Liebe‗, sondern eine geliebte
Person. Seltene Ausnahmebildungen wie Mütchen oder Schläfchen sind auf feste
Redewendungen beschränkt: sein Mütchen kühlen, ein Schläfchen halten. Möglich sind ferner
Diminutiva von Maßeinheiten wie Stündchen, die dann offenbar als konkrete, faßbare Größen
gesehen werden― (Hentschel/Weydt 2003: 197).
Dass Diminution meist mit Konkreta und kaum mit Abstrakta vorkommt, könnte man mit
„dem Einfluß der außersprachlichen Realität auf die Norm der Sprache― begründen (Würstle
1992: 20). Weil die Grundfunktion der Diminutive die "Verkleinerung" ist und Abstrakta wie
auch Massenomina objektiv nicht verkleinerbar oder zählbar sind, weil sie etwas Nichtgegenständliches bezeichnen, ist es sinnlos, Verkleinerungsformen zu bilden.
Allerdings kann festgestellt werden, dass die affektive und interpersonelle Bedeutungsfunktion der Diminution in vielen Fällen bei Weitem wichtiger ist als die Verkleinerung.
Auch in der einschlägigen Literatur wurde festgestellt, dass „da, wo die Bildung von
Diminutiven problematisch ist, wie z. B. bei Stoffbezeichnungen oder Abstrakta, kann ihr
Vorkommen u. a. durch die prototypische Situation […] motiviert sein, so bei […]
(Kindersprache)― (Nekula 2003: 151).
Erben verweist darauf, dass Bildungen wie Maßangaben sowie Zeitangaben nicht objektiv
verkleinert werden und somit bei der Diminutivbildung mit {-chen} oder {-lein} nur eine
affektive Bedeutung vorliegt, mit der der Sprecher seine feste Beziehung zum Partner zeigen
will (vgl. Erben 2006: 94f.).
Bei Eisenberg, aber auch schon bei Henzen, findet sich eine differenzierte Sicht. Auch sie
vertreten die Auffassung, dass die Diminutive nicht einfach nur die Verkleinerung eines
Gegenstandes oder Lebewesens bezeichnen, sondern darüber hinaus eine emotionale
Bedeutung, wie Ironie, Sympathie, Verniedlichung, Vertrautheit, Spott, Verachtung u. a.
enthalten können. Wegen der Wichtigkeit dieser Aspekte schließen sie grundsätzlich an, dass
auch Abstrakta diminuiert werden können (vgl. Eisenberg 2004: 273; Henzen 1965: 152).
In unserem Korpus finden sich ebenfalls Beispiele für Diminution bei Abstrakta:71
(84) „Bis jetzt nichts. Könnte ein Augenblickchen dauern. Das Netz ist ziemlich überlastet.―
(Braunschweiger Zeitung, 11.05.2006)
(85) „Das eine Zentimeterchen von vor zwei Jahren kann wohl dezent übergangen werden.―
(Frankfurter Rundschau, 23.12.1998, S. 17)
71
Die Korpusbelege sind im Anhang ersichtlich.
77
(86) „Unser Pärklein damals war ein beliebter Treffpunkt für Menschen wie du und ich,
wenn man sich in unserer Stadt mal ein Stündchen Ruhe gönnen wollte und dies galt
nicht nur für ältere Frauen, denn jung und alt war tagsüber zu sehen.― (Galler Tagblatt,
03.02.1998)
Wie man sieht, handelt es sich hier nicht um eine objektive Verkleinerung, sondern um die
Betonung der Geringfügigkeit – in unserem Fall der Basen bei der Abweichung –, die der
emotionalen Abfederung des Geschilderten dient.
Das Gegenteil ist der Fall bei fachsprachlichen Termini wie Blutkörperchen, Alphateilchen,
Moostierchen, Elementarteilchen etc. In solchen Fällen gibt es keine emotionale Bedeutung,
weder eine negative noch eine positive, sondern es handelt sich hierbei um eine reine
Verkleinerung (vgl. Fleischer/Barz 1995: 181; Fleischer 2001: 205).
Es ist also weniger eine Systemfrage, als vielmehr eine Frage der Intention des Sprechers, der
in einer Situation, die positiv – oder gelegentlich auch negativ – wertende Funktion dieser
Technik nutzen will.
Es ist sinnvoll, darauf hinzuweisen, dass die „Gruppe der Fremdwörter aufgrund der
Nichtintegration in das System der deutschen Sprache eher selten diminuiert― (Würstle
1992:218) wird. Man findet also nur selten Diminutive von fremden Lexemen wie Autochen,
Autolein.
Betrachten wir die folgenden Belege aus allen in IDS erstellten Korpora für das Archiv „der
geschriebenen Sprache―, in denen das Fremdwort Auto sowohl mit dem Suffix {-chen} als
auch mit dem Suffix {-lein} auftritt, obwohl das Lexem Auto fremd ist:
(87) „Die zirka 600 Kilo schweren Autochen, die immerhin 20 Pferdestärken zur
Beschleunigung unter der Haube haben, wurden vom VEB Sachsenring
Automobilwerke Zwickau hergestellt.― (Mannheimer Morgen, 13.07.2007)
(88) „Sein Lied "Zehn kleine Autolein" zur Melodie der "Zehn kleinen Negerlein" sorgte
gerade bei der Jugend im Saal für wahre Begeisterungsstürme.― (Rhein-Zeitung,
31.01.2005)
In beiden Fällen geht es um eine ironische Bedeutung, welche die Diminution deutlich
markiert, im ersten Fall durch den Kontext – eine Qualifikation immerhin bei ZOPS muss
ironisch sein – im zweiten Fall durch die Analogie mit dem bekannten Kinderlied.
Allerdings kann man erkennen, dass die synthetischen Diminutive unter dieser Bedingung am
leichtesten verwendbar sind, dass „Kleinheit― auch assoziierbar ist und keine phonotaktische
Erschwernisse vorliegen.72
72
Siehe dazu Atlas 1994:175.
78
In gewisser Weise komplexer ist die Verwendung des Elements „klein―, für das, als
attributives Adjektiv, zwar die gleichen semantischen Bedingungen gelten, welches aber in
der Verwendung als erstes Element eines Kompositums deutlich beschränkt ist. Zu dem ist
die Komposition auf eine paradigmatische Diffizierung (Grafbau-Kleinhaus) bzw. eine Art
Klausenbildung angelegt (Kleinbär, Kleinkind).
Es ist an dieser Stelle von größter Wichtigkeit zu erwähnen, dass wir durch unsere
Korpusanalyse festgestellt haben, dass fast alle Substantive Basis für syntaktische
Diminutivformen mit klein als Attribut sein können, während nicht alle mit Klein- als
Komposita zusammengesetzt werden können. So findet man beispielsweise im Deutschen
keine Diminutivformen wie *Kleinzentimeter, *Kleinapfel, *Kleinanwendung, *Kleinflügel
etc.73 Das gilt nicht nur für die Präfixe und ähnliche Formen, sondern auch für Bildungen, bei
denen bereit ein Diminutionsuffix zur Normalform gehört.
Abschließend ist
zu bemerken,
dass
man im
Deutschen keine Diminutive in
Höflichkeitsformen verwendet. Es ist „grundsätzlich unüblich, Respektpersonen gegenüber
[...] Diminutive zu gebrauchen― (Schmitt 1997: 419). Ebenso ist die Verwendung von
Diminutiven ungewöhnlich und unüblich in wissenschaftlichen Schriften, politischen
Nachrichten, Wetterberichten etc.
73
Solche Konstruktionen haben wir in allen Korpora des Archivs „der geschriebenen Sprache― recherchiert und
keine Treffer dafür gefunden.
79
4. Zur Diminution im Arabischen
Diminution als eine semantische und funktionale Kategorie ist nicht spezifisch für eine
besondere Sprache. Das heißt mit anderen Worten, dass die Diminution nicht auf eine
bestimmte Sprache beschränkt ist, sondern ein Phänomen darstellt, das bei einem
Sprachvergleich eine Rolle spielen kann. Die Diminution als sprachliche Kategorie sowie die
Mittel, die der Diminuierung dienen, stellen eine vitale, wesentliche und wichtige
Erscheinung dar.
Das Arabische gehört zu den Sprachen, die durch eine starke Produktivität und Vitalität im
Bereich der Diminuierung bekannt sind. In diesem Kapitel werden die in der Literatur
behandelten Charakteristika der Form und Funktion der Diminution im Arabischen und die
damit zusammenhängenden Probleme dargestellt.
Da wir die Diminution im Deutschen nach syntaktischen, morphologischen und semantischen
Kriterien betrachtet haben, werden wir in diesem Kapitel dieselben Aspekte im Arabischen
untersuchen und darstellen. So kann ein relativ umfassendes Gesamtbild der verschiedenen
Ebenen der Diminution im Deutschen und im Arabischen gegeben und Gemeinsamkeiten
bzw. Unterschiede zwischen beiden Sprachen aufgedeckt und dargestellt werden. Damit kann
sowohl den Deutsch lernenden Arabern als auch den Arabisch lernenden Deutschen sowie
auch den Übersetzern nützliches Material über dieses vitale Phänomen vor allem bzgl. der
Formen, des Gebrauchs und der Funktion an die Hand gegeben werden.
4.1. Formen der Diminution
Diminutive können im Deutschen gebildet werden durch Komposition (diese Form gilt im
Deutschen im Allgemeinen nur für Diminutivbildungen vom Typ Kleinkind, Zwergbaum etc.)
durch analytische Bildung mit Adjektiv + Substantiv (wie kleines Kind, kleines Haus etc.) und
durch Suffixe und Präfixe (wie Büchlein, Mikrofilm etc.).
Im Arabischen gibt es, wie im Deutschen, die morphologischen (synthetischen) Diminutivbildungen, welche oftmals durch Infigierung, wie auch die syntaktischen (analytischen)
Diminutivbildungen, die mit Hilfe von den Adjektiven ‫ؽ‬١‫{ طغ‬ṣġîr} – klein, ‫ؽ‬١‫{ لظ‬qṣîr} – kurz
u.a. realisiert werden.
Im Folgenden versuchen wir, die Formen der Diminution im Arabischen anhand von
Beispielen aus der arabischen Literatur zu behandeln und darzustellen und auf die Frage, wie
die Diminution im Arabischen versprachlicht und strukturiert wird, einzugehen.
80
4.1.1. ‫( انرصغير تانثُاء‬Synthetische bzw. morphologische Diminution)
Die meisten Lexeme des Arabischen stammen aus einer Wurzel, welche meistens aus drei
Radikalen besteht. Deswegen wird das Arabische als semitische Sprache „durch die
Dreiradikalität seiner Stammmorpheme gekennzeichnet, die in der Arabistik und Semitistik
als "Wurzel" bezeichnet werden, d. h. die überwiegende Zahl der Wurzeln besteht aus drei
Konsonanten oder Halbkonsonanten, den Radikalen (R1, R2, R3), die ein diskontinuierliches
Morphem darstellen― (Theilig 1989: 81f.). So hat beispielsweise die Wurzel ‫{ وزت‬k-t-b}, die
aus drei Radikalen besteht,74 die Grundbedeutung schreiben, ‫{ فزر‬f-t-ḥ} die Grundbedeutung
öffnen, ٍُ‫{ ق‬s-l-m} die Grundbedeutung begrüßen etc.
Als Wurzelmuster bzw. Grundstamm gebrauchen die arabischen Sprachwissenschaftler die
Form ً‫{ فؼ‬f-ca-l}, welche aus drei Radikalen besteht.
Die verschiedenen Wortarten wie Substantive, Adjektive und Verben werden aus den
Wurzeln durch eine bestimmte Reihenfolge von Radikalen und Vokalen gebildet (vgl. Ahmed
1996: 120f; Langenscheidt 1996: 571). So können zum Beispiel aus einer Wurzel wie ‫{ وزت‬kt-b}, welche die Grundbedeutung schreiben hat, durch verschiedene Modifikationen die
folgenden Wörter gebildet werden:
‫{ وزبة‬k-t- â-b} – (dt. Buch)
‫{ وزبثخ‬k-t-â-b-a} – (dt. Schreiben)
‫{ ِىزجخ‬m-k-t-b-a} – (dt. Bibliothek)
‫{ ِىزت‬m-k-t-b} – (dt. Büro)
‫ة‬ٛ‫{ ِىز‬m-k-t-ȗ-b} – (dt. etwas Geschriebenes)
‫{ وبرت‬k-â-t-b} – (dt. Schriftsteller)
‫زِت‬٠َٛ ‫{ ُو‬k-ȗ-î-t-b} – (dt. Schriftstellerlein)
Durch die Konstanz der Radikale ist der arabische Wortschatz in hohem Maße transparent. So
lässt sich der ganze arabische Wortschatz „auf solche Kategorieformen aufteilen, die mehr
oder weniger spezifisch sein können. Es ist daher von größter Wichtigkeit, daß sich Lernende
dieser Formen bewußt wird und ein Gefühl für sie entwickeln, wodurch er in den Stand
gesetzt wird, den Sinn noch nicht gelernter Wörter zu erschließen oder zu erahnen―
(Langenscheidt 1996: 571).
74
Die arabischen Wörterbücher werden weitgehend durch einheitlich dreiradikalige Stämme charakterisiert. Die
lexikalische Bedeutung des Wortes ist inhärent in den Radikalen, von denen das Wort abgeleitet wird (vgl.
Langenscheidt 1996, Hans Wehr 1985).
81
Man sieht an der obigen Aufstellung, dass das Arabische verschiedene Verfahren
morphologischer Wortbildung wie Suffigierung, Präfigierung, Vokalwechsel, Konsonantenverdopplung, Infigierung u. a. kennt. Für diese unterschiedlichen Wortbildungsverfahren
kennt die arabische Grammatik 15 systematische Varianten (Wurzel),75 die von dem
Grundstamm ً‫{ فؼ‬fcal} abgeleitet werden. Von diesen abgeleiteten Bildungen werden drei als
Wurzeln für verschiedene Diminutionstypen betrachtet.76
Die morphologischen Diminutivformen des Arabischen werden entweder durch ‫بظح‬٠‫{ اٌؿ‬AlZiyada},77 welche die Grundbedeutung Hinzufügung hat, oder gleichzeitige Hinzufügung
vom Infix {-î-} und Stammvokalveränderung gebildet.
Es lässt sich bemerken, dass bei der synthetischen Diminutivbildung des Arabischen auch
eine Hinzufügung von Vokalzeichen vorkommt.
4.1.1.1. ‫( يٍ خالل انزيادج‬Durch Hinzufügung)
Die meisten synthetischen Diminutivbildungen im Arabischen werden durch Infigierung
realisiert, die „als fundamentales Verfahren für die Bildung des affektiven Wortschatzes im
klassischen Arabischen [gilt]― (Lachachi 1997: 196).
Unter Infigierung versteht man den Prozess des Einfügens eines Infixes in das Innere eines
Stammes. Die Basis wird also durch ein Infix erweitert.78 Bei der Diminutivbildung des
Arabischen wird im Prinzip immer das Infix {-î-} in die Substantivbasis eingefügt.
Mit Hilfe der folgenden Muster versuchen wir die Struktur der Diminutiven durch
Hinzufügung vom Infix {-î-} deutlich darzustellen:
Basismorphem
Infix -i-
Diminutivum
‫{ اقع‬â-s-d} – (Löwe)
-î-
‫ ْع‬١‫{ أُق‬â-s-î-d} – (Löwchen)
ً‫{ ؼخ‬r-ğ-l} – (Mann)
-î-
ًْ١‫{ ُؼ َخ‬r-ğ-î-l} – (Männlein)
‫{ لؽظ‬q-r-d} – (Affe)
-î-
‫ع‬٠‫{ لُ َؽ‬q-r-î-d} – (Äffchen)
75
Zu den verschiedenen Stammbildungen gehören beispielsweise die Formen maful, fuil, faal, tafaal etc. (vgl.
(Lachachi 1997: 223).
76
Im Arabischen wird die synthetische Diminution durch inneren Wechsel und Hinzufügung von Vokalzeichen
gebildet. Man unterscheidet drei Typen, die sind:
1. ًْ١‫{ فُ َؼ‬fucayl}
2. ً‫ ِؼ‬١ْ ‫{ فُ َؼ‬fucaycal}
3. ً١‫ْؼ‬١‫{فُ َؼ‬fucaycayl}
77
„Die arabischen Grammatiker sprechen von Al-ziyada (= Hinzufügung), haben aber keine besondere
Terminologie für ein so wichtiges WBmittel entwickelt.― (Lachachi 1997: 197)
78
Im arabischen Alphabet gibt es drei Vokale, die (arab. ٞ – dt. -i), (arab. ‫ – و‬dt. -u), und (arab. ‫ – ا‬dt. -a) sind.
82
Betrachten wir nun die folgenden Beispiele:
(89) ِٓ ‫غج ٌٍمبئّخ‬ّٛٔ ‫ب‬ٙ‫رسز‬ٚ ‫ثبئك‬ٌٛ‫ب اٌّئبد ِٓ ا‬ٙ١‫خع ف‬ٛ٠ ٟ‫جخ اٌز‬١‫ اٌسم‬ٍٝ‫قىبؼ شٕعٌؽ" ػ‬ٚ‫ٓ" ا‬٠ٚ‫ك نىيحح ٌٍؼٕب‬١ٍ‫رُ رؼ‬
.8591 ْ‫كب‬١ٔ 84 ‫ص‬٠‫ربؼ‬
{tm tclîq lȗîḥa llcnaȗin ―oskar šndler― clla alḥqîba altî îȗğad fîha almâat min alȗtâaq ȗa
tḥtha nmodğ llqâma mîn tarîḫ 18 nîsan 1945.}
(An dem Koffer hing ein Adressschildchen, in ihm lagen Hunderte von Schriftstücken,
darunter auch ein Exemplar der "Liste" vom 18. April 1945.)
(90) .‫ف‬ٚ‫ؽ ِؼؽ‬١‫ٌػٌه فبْ خٕكٗ غ‬ٚ ٟٔ‫ٓ اٌثب‬٠‫ رشؽ‬ٟ‫ؽ ف‬١‫ٌع انق َريذ اٌظغ‬ٚ ‫ٌمع‬
{laqd ȗîld alqrîd alṣġîr fî tšrîn altanî ȗlîdalîk fîn ğînsh kaîr mcruf.}
(Das Miniäffchen kam bereits im Dezember zur Welt, sein Geschlecht ist noch
unbekannt.)
Im Beispiel (89) wird aus dem Nomen ‫حة‬ٌٛ {lȗḥa}79 – Schild die synthetische
Diminutivform ‫{ لويحة‬lȗîḥa} – Schildchen gebildet, in dem das Infix {-î-} in das Wort
eingefügt wird.
Im folgenden Satz (90) erhält bei der Diminutivbildung das Lexem ‫{ لؽظ‬qrd} – Affe, das aus
drei Radikalen {q-r-d} besteht, das Infix {-î-}. So entsteht aus dem Nomen ‫{ لؽظ‬qrd} – Affe
die Diminutivform ‫ع‬٠‫{ لُ َؽ‬qrîd} – Äffchen, womit ein Affe bezeichnet wird, der kleiner als
erwartet oder auf der Dimension der Größe als klein anzusehen ist, wenn man ihn an der
durchschnittlichen Größe von Affen misst.
4.1.1.2. ‫يٍ خالل انزيادج وذغير حرف انؼهح‬
(Durch Hinzufügung und Stammvokalwechsel)
Neben den Diminutivformen, die nur durch Hinzufügung vom Infix {-î-} gebildet werden,
unterscheidet man in der arabischen Sprache eine Reihe von Diminutiven, die zugleich durch
Hinzufügung vom Infix {-î-} und Stammvokalveränderung realisiert werden. So stehen in
diesem Fall die Hinzufügung des Infixes {-î-} und der Stammvokalwechsel nebeneinander
(vgl. Ibin Ğini 1985: 275, 281; Al-Hmlaui 2005: 151).
Alle Diminutive, welche die Stämme ً‫ ِؼ‬١ْ ‫{ فُ َؼ‬fucaycal} und ً١‫ْؼ‬١‫{ فُ َؼ‬fucaycayl} haben, bilden
diese Struktur durch das Hinzufügen eines Infixes und den Stammvokalwechsel.
Da die Konstruktion ‫ع‬٠ {yd} im Arabischen feminin ist, so kommt hier die Struktur ًْ١‫{ فُ َؼ‬fucayl}, die von dem
Stamm ً‫{ فؼ‬f-ca-l} abgeleitet wird, in diminutivischer Bedeutung vor. Das Femininum hat im Arabischen
gewöhnlich die Endung -a, wie in [‫زخ‬ٌٛ {lȗḥa} - dt. Schild], [‫{ فبؽّخ‬Fâṭma} - dt. Name] etc.
79
83
Das folgende Muster zeigt deutlich, wie eine Gruppe der Diminutive durch gleichzeitige
Infigierung und Stammvokalwechsel im Arabischen gebildet wird:
Basismorphem
-i- + Stammvokalwechsel
Diminutivum
a) ‫{ وبرت‬k-â-t-b}
(Schreiber)
-î- + â-ȗ
‫ ِزت‬٠َٛ ‫{ ُو‬k-ȗ-î-t-b}
(Schreiberling)
b) ‫{ فبؽّخ‬F-â-ṭ-m-a}
(Femininname)
-î- + â-ȗ
‫ ِط َّخ‬٠ْ َٛ ُ‫{ ف‬F-ȗ-ṭ-î-m-a}
(Femininname)
c) ‫ؼ‬ِٛ ُ‫ظف‬
َ ‫{ ػ‬c-ṣ-f-ȗ-r}
(Vogel)
-î- + ȗ-î
‫ؽ‬١‫ْف‬١‫ظ‬
َ ‫{ ُػ‬c-ṣ-î-f-î-r}
(Vögelchen)
Im Fall (a) wird also das Infix {-î-} in die Substantivbasis {k-â-t-b} Schreiber eingefügt,
gleichzeitig aber verändert sich der Vokal {-a-} zu {-u-}. Das Gleiche findet man im Beispiel
(b). Im Fall (c) erkennt man die Diminutivbildung durch Hinzufügung vom Infix {-i-} und
den gleichzeitigen Wechsel des Vokals der Substantivbasis von {-u-} zu {-i-}.
Folgende Beispiele sind in diesem Zusammenhang noch zu erwähnen:
-
‫ؽة‬٠ُٛ‫{ لبؼة – ل‬qârb – qȗîrb} (dt. Boot – Bötchen)
-
‫خ‬ٙ٠ٛ‫{ شبح – ُش‬šât – šȗîha} (dt. Schaf – Schäfchen)
-
‫خ‬١‫ك‬١ٍُ‫ح – ل‬ٛ‫{ لٍٕك‬qlnsȗa – qulîsîa} (dt. Mütze – Mützchen)
-
‫ك‬٠‫ع‬١ُٕ‫ق– ط‬ٚ‫{ طٕع‬ṣndȗq – ṣnîdîq} (dt. Kiste – Kistchen)
-
‫ر‬١‫ج‬١‫{ ِظجبذ – ُِظ‬mṣbâḥ – mṣîbîḥ} (dt. Licht – Lichtchen)
-
‫ح‬٠ٛ‫{ ػبج – ُػ‬câğ – cȗîğ} (dt. Elfenbein – Elfenbeinchen)
-
‫ر‬١‫ز‬١‫{ ِفزبذ – ُِف‬mftâḥ – mfîtîḥ} (dt. Schlüssel – Schlüsselchen)
-
‫دؽ‬٠ُٛ‫{ ربخؽ– ر‬tâğr – tȗîğr} (dt. Kaufmann – Kaufmännlein) etc.
So kann man feststellen, dass die Diminutive des Arabischen durch ‫بظح‬٠‫{ اٌؿ‬Al-Ziyada} =
Hinzufügung des Infixes {-î-} oder durch gleichzeitige Infigierung und Stammvokalveränderung gebildet werden. Das heißt, dass von den Substantivbasen, die nur aus Radikalen
bestehen, die Diminutive allein durch Hinzufügung des Infixes {-î-} realisiert werden. Enthält
aber eine Substantivbasis einen Vokal, dann wird er bei der Diminutivbildung gewechselt und
zugleich ein {-î-} eingefügt.
Abschließend ist in diesem Zusammenhang zu erwähnen, dass die arabische Sprache die
Umlautung nicht kennt, deswegen spielt sie bei der synthetischen und syntaktischen
Diminutivbildung des Arabischen keine Rolle. Der Umlautung im Deutschen gegenüber gibt
es die Vokalzeichen im Arabischen.
84
4.1.2. ‫( انرصغير تانىصف‬analytische bzw. syntaktische Diminution)
4.1.2.1. Durch Attribuierung mit ‫{ صغير‬ṣġîr} – klein, ‫{ قصير‬qṣîr} – kurz u. a.
Als weiteres Mittel der Diminutivbildung kennt das Arabische, neben der synthetischen
Diminution, die syntaktische bzw. analytische Diminution, welche als Ersatzform zum
Ausdruck der Verkleinerung mit einer affektiven Bedeutung betrachtet wird.
Die syntaktischen Diminutivformen werden durch die Attribuierung der Adjektive ‫ؽ‬١‫طغ‬
{ṣġîr} – klein und ‫ؽ‬١‫{ لظ‬qṣîr} – kurz u. a.80 gebildet (vgl. Ibn Ğini 1985: 275, 285).
Die attributiv verwendeten Adjektive ‫ؽ‬١‫{ طغ‬ṣġîr} – klein und ‫ؽ‬١‫{ لظ‬qṣîr} – kurz sind dadurch
gekennzeichnet, dass sie – im Gegensatz zum Deutschen – im Normalfall nach ihren
Bezugssubstantiven stehen und sich in Numerus, Genus, Kasus und Status nach ihnen
richten:81
-
Numerus
‫( ؽفً صغير‬Singular)
{ṭflun ṣġîrun}
(dt. ein kleines Kind)
‫( اؽفبي صغار‬Plural)
{aṭfalun ṣîġarun}
(dt. kleine Kinder)
-
Genus
‫( ؽفً صغير‬Maskulinum)
{ṭflun ṣġîrun}
(dt. ein kleines Kind)
‫( ؽفٍخ صغيرج‬Femininum)
{ṭifla ṣġîra}
(dt. ein kleines Kind)
-
Kasus
ٟ‫جى‬٠ ‫( ؽفً صغير‬Subjekt - Nominativ)
{ṭflun ṣġîrun ybkî}
(dt. Ein kleines Kind weint)
‫ب‬١‫ذ ؽفال صغيرا ثبو‬٠‫( ؼا‬Objekt - Akkusativ)
{râît ṭflân ṣġîrn bâkîn}
(dt. Ich habe ein kleines Kind weinend gesehen)
80
Man unterscheidet in der arabischen Sprache, wie im Deutschen, zahlreiche Adjektive, die der
Diminutivbildung dienen, wie zum Beispiel: ‫ؾ‬١‫( ثك‬leicht), ‫ك‬١‫( ظل‬fein), ً١ٍ‫( ل‬gering, wenig), ً١‫( ػئ‬mager) u.a.
81
Im Arabischen unterscheidet man drei Numerui: (1) ‫ – ِفؽظ‬dt. Singular (2) ٕٝ‫ – ِث‬dt. Dual (3) ‫ – خّغ‬dt. Plural.
85
-
Status
‫( اٌطفً انصغير‬determiniert)
{alṭflu alṣġîr}
(dt. das kleine Kind)
‫( ؽفً صغير‬indeterminiert)
{ṭflun ṣġîrun}
(dt. ein kleines Kind)
Hier muss darauf hingewiesen werden, dass allgemein in der modernen arabischen Sprache
die Kleinheit weit häufiger durch Umschreibung mit klein und kurz als durch Infigierung
ausgedrückt wird.
Die Entwicklung in der arabischen Schriftsprache geht dahin, dass die syntaktische Form der
Diminution die morphologischen Diminutivformen mehr und mehr verdrängt.
So neigen die bekannten Autoren und Schriftsteller in der modernen arabischen Sprache nicht
mehr zur Verwendung der morphologischen Diminution, sondern gebrauchen stattdessen die
syntaktische Diminution. So bevorzugt man heute beispielsweise in der geschriebenen und
auch in der gesprochenen Sprache den Gebrauch von ‫ؽ‬١‫{ ؼخً طغ‬rğl ṣġîr} – kleiner Mann im
Vergleich zum Gebrauch von ًْ١‫{ ُؼ َخ‬rğîl} – Männlein, obwohl beide Formen die gleiche
emotionale Bedeutung zum Ausdruck bringen. Ein Männlein oder ein kleiner Mann
bezeichnen im Arabischen einen verachteten Mann. Diese Tendenz spiegelt sich in der Praxis
neuer arabischer Schriftsteller. So bevorzugen Schriftsteller wie Hussein in seinem
weltbekannten Roman َ‫ب‬٠‫{ اال‬Alâyam} (dt. Die Tage), Amin in seinem Buch ٟ‫بر‬١‫{ ز‬Ḥyatî} (dt.
Mein Leben), Mahfuoz in seinem Drama ‫ّخ‬٠‫{ اٌدؽ‬Aldğarîma} (dt. Das Verbrechen) und in
seinem Roman ‫{ اٌشسبغ‬Alšḥâd} (dt. der Bettler), Alaani in seinem Drama ‫عح‬١‫{ اٌّظ‬Almaṣida}
(dt. Die Falle) sowie auch Alfahad in seinem Roman ٟٔ‫ اٌثب‬ٞٚ‫ا‬ٚ ‫ٕبؼ‬٠‫{ ظ‬Dînar ȗâaȗî alṯanî} (dt.
Dinar und der zweite Fuchs) von die Verwendung von syntaktischen Diminutivformen mit
klein und kurz. Man findet in den genannten Texten die folgenden typischen Beispiele:82
a) {Alâyam} – (dt. Die Tage) von Hussein (1974)
(91) ".‫ يسجذ صغير‬ٟ‫ؤثؽ اٌظالح ف‬٠" (S. 84)
{îȗatr alṣlât fî msğd ṣġîr.}
(Er bevorzugte das Gebet in einer kleinen Moschee.)
(92) ".‫ إالّ نحظاخ قصيرج‬ٟ٘ ‫( " ِب‬S. 164)
{ma hî îlâ lḥẓât qṣîra.}
(Es waren nur kurze Augenblicke.)
82
Da im Arabischen keine elektronische Korpora gibt, die dem für das Deutsche Vorhandene entsprechen, wird
hier auf ein selbst zusammengestelltes Korpus zurückgegriffen.
86
b) {Ḥyatî} – (dt. Mein Leben) von Amin (1971)
(93) " .‫ تيد صغير‬ٟ‫عاْ ف‬٠‫( "قىٓ اٌشؽ‬S. 58)
{skn alšarîdân fî bît ṣġîr.}
(Die Vagabunden wohnten in einem kleinen Haus.)
(94) ".‫قطٗ تاب صغير‬ٚ ٟ‫( "ف‬S. 73)
{fî ȗsṭh bab ṣġîr.}
(In seiner Mitte war eine kleine Tür.)
c) {Aldğarîma} – (dt. Das Verbrechen) von Mahfuoz (1978)
(95) ".‫ ؽجك ِٓ اٌّعِف‬ٜ‫ اٌظبٌخ ؼا‬ٟ‫ انًائذج انصغيرج ف‬ٌٝ‫ٌّب خٍف ا‬ٚ" (S. 51)
{ȗlma ğls îla almâada alṣġîra fî alṣâlh râa ṭbq mîn almdms.}
(Und als er sich zum kleinen Tisch im Saal setzte, sah er den Teller von Bohnen.)
(96) "‫ ٌُ اضزبؼد فُذقُا انصغير؟‬ٜ‫( " رؽ‬S. 78)
{tra lîma îḫtârt findqna alṣġîr?}
(Warum hat sie unser kleines Hotel gewählt?)
d) {Alšḥâd} – (dt. Der Bettler) von Mahfuoz (ohne Jahr)
(97) ".‫( "االصهغ انصغير! ِبؾٌٓ اطعلبء الٔىبظ ٔفزؽق‬S. 79)
{alâṣlc alṣġîr! mâziln âṣdqâa la nkâd naftrq.}
(Oh, der kleine Kahlkopfige! Wir sind immer noch Freunde und nicht zu
verabschieden.)
(98) ".‫ذ تيذ صغيرج ٔبػّخ‬ٍٛ‫( "ف‬S. 84)
{flȗḥ byd ṣġîra nâma.}
(Dann zeigte er mit einer kleinen weichen Hand.)
e) {Almaṣida} – (dt. Die Falle) von Alaani (1981)
(99) ".‫ غرفح صغيرج‬ٌٝ‫ ا‬ٞ‫ؤظ‬٠ ‫قؾ ِؤضؽح اٌّكؽذ ثبة‬ٚ ٟ‫( "ف‬S. 135)
{fî ȗsṭ mȗaḫrt almsrḥ bâb jaadi îla ġrfa ṣġîra.}
(In der Mitte der Rückseite der Bühne gibt es eine Tür, die in einen kleinen Raum
führt.)
(100) ".‫ب‬ِٕٙ ‫ب اجزاء صغيرج‬ٙ١‫( "رؼط‬S. 135)
{tcṭîha âğzâa ṣġîra mnha.}
(Sie gibt ihr kleine Teile davon.)
f) {Dînar ȗâaȗî alṯanî} – (dt. Dinar und der zweite Fuchs) von Alfahad (2007)
(101) ".‫ ػثارج قصيرج‬ٟ‫( "ثبئؼخ اٌعخبج رطزظؽ اٌّكبٌخ ف‬S. 15)
{bâact aldğâğ tḫtṣr almsâla fî îbâra qṣîra.}
(Die Hühnchenverkäuferin fasst die Sache in einem kurzen Satz zusammen.)
(102) ".‫خعٔب طفال صغيرا‬ٚ ‫( "ٌمع‬S. 10)
{lqd ȗğdnâ ṭflân ṣġîran.}
(Wir haben ein kleines Kind gefunden.)
87
Aus den Beispielen lässt sich ableiten, dass die Schriftsteller die syntaktischen
Diminutivformen anstelle der synthetischen gebraucht haben, obwohl sie letztere in diesen
Fällen problemlos hätten verwenden können. In den modernen literarischen Werken finden
sich nur selten Belege für synthetische Diminutivformen, wie zum Beispiel:
(103) ".‫( "ِب ٘ىػا رؤضػ اٌٍمّخ ياتُي‬Hussin 1974: 165)
{mâ hakdâ tȗaḫd alqma îabnî.}
(Nicht so wird das Bisschen genommen, Söhnchen.)
(104) ".‫َ قثيم انظهر‬ٛ٠ ً‫عٔب و‬١‫ ق‬ٟ‫أر‬٠ٚ" (Hussin 1974: 165)
{ȗîâatî sîdnâ kl îȗm qbîl alẓhr.}
(Unser Herr kommt jeden Tag vormittags.)
(105) "!ٞ‫ظ‬ٛٔ ٞ‫ظ‬ٛٔ ‫( "ياخشيثح‬Alani 1981: 322)83
{îâḫšîba nȗdî nȗdî!}
(Oh, Hölzchen bewege dich, bewege dich!)
Von daher scheint es heutzutage in der arabischen Sprache eine Tendenz, hin zur analytischen
Diminutivformen
zu
geben.
Diese
Tendenz,
die
analytische
bzw.
syntaktische
Diminutivformen häufiger als die synthetischen zu verwenden, hat folgende Gründe:
a) Die Bildung der analytischen Diminutivformen ist transparenter als die Bildung der
synthetischen Diminutivformen, die durch Infigierung realisiert wird.
b) Die Bildung der analytischen Diminutivformen ist meistens keinen Beschränkungen
und Restriktionen unterworfen.
Zu beachten sind die Fälle, wo im Arabischen beide Formen – die analytischen sowie die
synthetischen Diminutivformen – nebeneinander verwendet werden. So findet man
beispielsweise bei Amin eine Diminutivform wie ً‫ؽا‬١‫جب ً طغ‬١‫{ ُوز‬kutîbn ṣġîrn} – kleines Büchlein
(vgl. Amin 1974: 184). Andere Beispiele sind lauten wie folgt:
a) ‫عح صغيرج‬٠‫ؼ‬ُٚ {ȗrîda ṣġîra}
(dt. kleines Blümchen)
b) ‫ت قصير‬٠ُٛ‫{ ث‬tȗîb qṣîr}
(dt. kurzes Kleidchen)
c) ‫ؽ صغير‬١‫ْف‬١‫ُظ‬
َ ‫{ ػ‬cṣîfîr ṣġîr}
(dt. kleines Vögelchen)
In solchen Fällen spricht man von einer doppelten Diminution. Die analytischen
Diminutivformen kombinieren sich hier mit den synthetischen.
83
Der Schriftsteller hat in diesem Fall eine irakische Umgangssprache gebraucht.
88
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass mit der Darstellung der Diminutivformen der
arabischen Sprache, die durch Infigierung gebildet werden, die Möglichkeit der synthetischen
Diminutivbildung erfasst ist. Daneben kennt man die mit Adjektiven umschreibende,
analytische Bildung, wobei das Grundwort – je nach semantischer Funktion – durch die
entsprechenden Attribute ergänzt wird. Die analytischen (auch syntaktischen) und
synthetischen (auch morphologischen) Diminutivformen können aber auch zusammen
auftreten.
Das Arabische zeichnet sich also durch einen produktiven Prozess der Bildung von
verschiedenen
Diminutivformen
Basis
syn. Dimi.
aus,
wie
die
anal. Dimin.
folgenden
Belege
zeigen:
syn. + anal. Dimi.
a)
ٍُ‫ل‬
{qlm}
(Bleistift)
ُ١ٍُ‫ل‬
{qlîm}
(Bleistiftlein)
‫ؽ‬١‫لٍُ طغ‬
{qlm ṣġîr}
(kleiner Bleistift)
‫ؽ‬١‫ُ طغ‬١ٍُ‫ل‬
{qlîm ṣġîr}
(kleines Bleistiftlein)
b)
‫غؽفخ‬
{ġrfa}
(Zimmer)
‫فخ‬٠‫ُغؽ‬
{ġrîfa}
(dt.Zimmerchen)
‫ؽح‬١‫غؽفخ طغ‬
‫ؽح‬١‫فخ طغ‬٠‫ُغؽ‬
{ġrfa ṣġîra}
{ġrîfa ṣġîra}
(dt. kleines Zimmer) (dt. kleines Zimmerchen)
c)
‫ظة‬
{db}
(dt. Bär)
‫ت‬١‫ظُث‬
{dbîb}
(dt. Bärchen)
‫ؽ‬١‫ظة طغ‬
{db ṣġîr}
(dt. kleiner Bär)
‫ؽ‬١‫ت طغ‬١‫ظُث‬
{dbîb ṣġîr}
(dt. kleines Bärchen)
d)
‫زدؽ‬
‫ؽ‬١‫زُد‬
{ḥğr}
{ḥğîr}
(dt. Stein) (dt. Steinchen)
‫ؽ‬١‫زدؽ طغ‬
{ḥğr ṣġîr}
(dt. kleiner Stein)
‫ؽ‬١‫ؽ طغ‬١‫زُد‬
{ḥğîr ṣġîr}
(dt. kleines Steinchen)
Um zu verdeutlichen, wie die analytischen und synthetischen Diminutiven im Arabischen
gebildet werden, versuchen wir auf der Folgeseite mit Hilfe eines Schemas, die
Diminutivbildungen des Arabischen darzustellen, welche durch Infigierung und durch
Attribuierung mit klein und kurz realisiert werden.
89
‫انرصغير في انهغح انؼرتيح‬
Arabische Diminution
‫انرصغير تانثُاء‬
‫انرصغير تانىصف‬
(Synthetische Diminution)
(Analytische Diminution)
‫ اٌىٍّخ‬ٟ‫ ف‬ٍٟ‫ؽ اٌعاض‬١‫ِٓ ضالي اٌزغ‬
‫ِٓ ضالي االػبفخ‬
(durch Infigierung)
(‫ ـ‬ٞ ‫بظح ـ‬٠‫)ؾ‬
(Hinzufügung -i-)
‫ذ‬١١ُ‫ ث‬- ‫ذ‬١‫ث‬
{ bît - bîît}
(Haus - Häuschen)
(durch Attribuierung)
(‫ ـ‬ٞ ‫بظح ـ‬٠‫ ؾ‬+ ‫ؽ زؽف اٌؼٍخ‬١١‫)رغ‬
(Hinzufügung -i- + Vokalwechsel)
‫ت‬٠ُٛ‫ ث‬- ‫ثبة‬
{bâb - bȗîb}
(Tür - Türchen)
Abbildung (6)
90
‫ؽ‬١‫طغ‬
{ṣġîr}
(dt. klein)
‫ِفزبذ صغير‬
{mftâḥ ṣġîr}
(kleiner Schlüssel)
‫ؽ‬١‫لظ‬
{qṣîr}
(dt. kurz)
‫فٍُ قصير‬
{fîlm qṣîr}
(kurzer Film)
4.2. Die Arten von Basissubstantiven der Diminution im Arabischen
Da die arabische Sprache reich an Diminutivbildungen ist, haben die meisten Wortarten –
ausgenommen Verben und Präpositionen – die Fähigkeit, als Diminutivbasen aufzutreten
(vgl. Al-Rubiai 1999: 50f.; Ibn Jinni 1985: 285; Al-Bagdadi 1985: 62). So lassen sich im
Arabischen von den folgenden Wortarten Diminutive bilden (vgl. Lachachi 1997: 222, Abu
Almakarm 2007: 338):
a) Substantive wie arab. ‫{ فؽـ‬frs} – ‫ف‬٠‫{ فُؽ‬frîs} (dt. Pferd– Pferdchen)
b) Adjektive wie arab. ‫ؽ‬١‫{ طغ‬ṣġîr} – ‫غؽ‬١‫{ اُط‬âṣîġr} (dt. klein – etwas kleiner)
c) Zahlwörter wie arab. ْٛ‫{ ثالث‬tlatȗn} – ْٛ‫ث‬١ٍُ‫{ ث‬tlîtȗn} (dt. dreißig – ø)84
d) Adverbien wie arab. ‫ق‬ٛ‫{ ف‬fȗq} – ‫ك‬٠ُٛ‫{ ف‬fȗîq} (dt. darüber – ø)
e) Partizipien wie arab. ‫{ وبرت‬kâtb} – ‫زِت‬٠َٛ ‫{ ُو‬kȗîtb} (dt. Schreibender – ø)
f) Demonstrativpronomen wie arab. ‫{ غا‬tâ} – ‫ب‬٠‫{ ُغ‬tîâ} (dt. dieser – ø)
g) Relativpronomen wie arab. ٟ‫ { اٌز‬âlatî} – ‫ب‬١‫{ اٌٍُز‬âlitia} (dt. die – ø)
Es ist hier notwendig zu erwähnen, dass bei der Diminutivbildung die Ausgangswortart nicht
geändert wird. Deswegen bleibt beispielsweise ein Nomen nach der Diminuierung auch ein
Nomen und auch die Wortart Adjektiv verändert sich bei der Diminutivbildung nicht. Da wir
uns im Deutschen auf das Substantiv als Diminutivbasis konzentriert haben, versuchen wir
hier einen Überblick über die arabischen Nomen und ihre Typen als Basen für Diminutive zu
geben.
In der arabischen Grammatik stößt man auf verschiedene Sorten von Nomen. Im Folgenden
werden wir versuchen alle Sorten von Nomen einzuordnen, die als Diminutivbasis
vorkommen können. Man kann morphologisch gesehen zwischen zwei Typen differenzieren,
die als Diminutivbasis auftreten können:
1) Einfache Nomen: Darunter versteht man in der arabischen Sprache Nomen, die nur aus
einer Silbe bestehen. Von solchen Nomen kann man problemlos Diminutive bilden:
Einfache Nomen
Diminutive
a) ً‫{ خج‬ğbl} – (dt. Berg)
ً١‫{ خُج‬ğbîl} – (dt. Bergchen)
b) ً‫{ ؼخ‬rğl} – (dt. Mann)
ًْ١‫{ ُؼ َخ‬rğîl} – (dt. Männlein)
c) ‫{ خؿء‬ğza} – (dt. Teil)
‫ء‬ٞ‫{ خُؿ‬ğzîa} – (dt. Teilchen)
d) ‫ؼح‬ٛ‫{ ط‬ṣȗra} – (dt. Bild)
‫ؽح‬٠ُٛ‫{ ط‬ṣȗîra} – (dt. Bildchen)
84
Die Zahlwöter werden im Arabischen diminuiert, um eine Verringerung bzw. Verachtung zu bezeichnen, d.h.
wenn man damit unzufrieden oder davon nicht überzeugt ist.
91
2) Komplexe Nomen: Darunter versteht man im Arabischen Konstruktionen, die aus zwei
sprachlichen Einheiten bestehen, welche nebeneinander und zueinander in einem
subordinierenden Verhältnis stehen. Bei der Diminutivbildung eines komplexen Nomens wird
beispielsweise nur eine Einheit geändert und diminuiert. Es handelt sich dabei um die erste,
welche im Arabischen als Grundwort betrachtet wird.
Die zweite Einheit wird in der arabischen Sprache als Bestimmungswort bezeichnet, da sie
die Bedeutung des neuen Wortbildungsprodukts determiniert und sie näher bestimmt (vgl. AlBagdadi 1985: 60; Al-Masri 1973: 334; Al-Zamakschari (ohne Jahr): 206):85
Komplexe Nomen
Diminutive
a) ‫شخ اٌّبء‬١‫زش‬
{ḥšîša almâa}
(dt. Alge)
‫شخ اٌّبء‬١‫زُش‬
{ ḥušiša almâa}
(dt. Mikroalge)
b) ‫ؼح ػجبظح‬ٛ‫ط‬
{ṣȗrat cbâda}
(dt. Andachtsbild)
‫ؽح ػجبظح‬٠ُٛ‫ط‬
{ṣȗîrat cbâda}
(dt. Andachtsbildchen)
c) ‫ع اقّبن‬ٛ‫ز‬
{ḥȗḍ âsmâk}
(dt. Aquarium)
‫غ اقّبن‬٠ُٛ‫ز‬
{ḥȗîḍ âsmâk}
(dt. Miniaquarium)
d) ‫د‬ِٛ‫زؼؽ‬
{Ḥḍrmȗt}
(dt. Name einer Stadt)
‫د‬ِٛ‫ؽ‬١‫زُؼ‬
{Ḥḍîrmȗt}
(dt. Name einer Stadt)
e) ٓ٠ٚ‫الئسخ اٌؼٕب‬
{lâḥa alcnauin}
(dt. Adressschild)
ٓ٠ٚ‫سخ اٌؼٕب‬٠ٌٛ
{lȗîḥa alcnauin}
(dt. Adressschildchen)
f) ‫ؼ ِبء‬ٛ‫طٕج‬
{ṣnbȗr mâa}
(dt. Wasserhahn)
‫ؽ ِبء‬١‫ْجِـ‬١‫طَٕـ‬
ُ
{ṣnîbîr mâa}
(dt. Wasserhähnchen)
Gewöhnlich ist im Arabischen die Diminutivbildung von Pluralformen möglich (vgl. AlBagdadi 1985: 36; Al-Zamakschari (ohne Jahr): 205), z. B.:
-
‫غفخ‬٠‫أؼغفخ – اُؼ‬
{ârġîfa – ârîġfa}
(Brote – kleine Brote)
85
Es ist hier zu erwähnen, dass im Arabischen einige zusammengesetzte Namen, die nicht diminutivfähig sind
wie ‫ خبظ اٌسك‬/ğad alḥk/, ً‫ رأثؾ شؽا‬/tâbṭ schran/, ‫ شبة لؽٔب٘ب‬/šâp krnâha/, ٜ‫ قؽ ِٓ ؼأ‬/sura mn Râa/. (vgl. Al-Bagdadi
1985: 60).
92
-
‫ّبؼ‬١‫ألّبؼ – اُل‬
{âqmar – âqîmar}
(Monde – kleine Monde)
-
ْٚ‫ؼؽ‬٠ٛ‫شؼؽاء – ُش‬
{šcrâa – šȗîcrȗn}
(Dichter – Dichterlein)
-
‫ؽاد‬١ُّ‫رّؽاد – ر‬
{tmrat – tumîrat}
(Datteln – kleine Datteln)
-
َ‫ال‬١‫ألالَ – اُل‬
{âqlam – âqîlam}
(Bleistifte – kleine Bleistifte)
-
‫دبد‬١‫ظخبخبد – ظُخ‬
{dağağat – duğîğat}
(Hühner – kleine Hühner)
-
‫ٍّبد‬١‫ِؼٍّبد – ُِؼ‬
{mclmat – mucîlmat}
(Lehrerinnen – kleine Lehrerinnen) etc.
Auch Geldbezeichnungen werden im Arabischen gewöhnlich diminuiert (vgl. Al-Bagdadi
1985: 50, 53; Ibn Jinni 1985: 275), wie zum Beispiel:
a) ‫ف‬١ٍُ‫{ فٍف – ف‬fls- flis}
b) ُِٙ ٠ْ ‫{ ظؼُ٘ – ُظ َؼ‬derhm – durihm} etc.
Nach semantischen Eigenschaften können die Basisnomen im Arabischen sowohl Konkreta
als auch Abstrakta sein. Zudem werden im Arabischen die meisten Diminutive von Konkreta
gebildet. Im Folgenden finden sich Beispiele für verschiedene semantische Untergruppen:
1. ‫( اسًاء اقساو انجسى‬Körperteilebezeichnungen):
- ‫ٕخ‬٠‫{ أغْ – اُغ‬âdn – âdîna} (Ohr – Öhrchen)
- ‫خ‬٠‫ُع‬٠ – ‫ع‬٠ {yd – ydîa} (Hand – Händchen)
- ‫ٕخ‬١١ُ‫ٓ – ػ‬١‫{ ػ‬cîn – cuîîna} (Auge – Äugelein)
- ‫ٕخ‬١ُٕ‫{ قٓ – ق‬sn – sunîna} (Zahn – Zähnchen)
- ٗ٠ُٛ‫{ فُ – ف‬fm – fuîh} (Mund – Mündchen)
- ٗ١‫{ شفخ – ُشف‬šfa – šufîh} (Lippe – Lippchen)
- ‫جغ‬١‫{ اطجغ – اُط‬âṣbc – âṣîbc} (Finger – Fingerlein) etc.
93
2. ‫( اسًاء انًذٌ واالشخاص‬Städte- und Eigennamen):
- ‫عح‬١‫{ قؼبظ – ُقؼ‬scad – sucîda}
- ّٝ١ٍُ‫ – ق‬ٍّٝ‫{ ق‬salma – sulîma}
- ْ‫عا‬١ُّ‫{ زّعاْ – ز‬ḥamdan – ḥumîdan}
- ‫ٍجه‬١‫{ ثؼٍجه – ثُؼ‬bclbeck – bucîlbeck}
- ‫د‬ِٛ‫ؽ‬١‫د – زُؼ‬ِٛ‫{ زؼؽ‬Ḥḍrmȗt – Ḥḍîrmȗt} etc.
3. ‫( اسًاء االقارب‬Verwandtschaftsbezeichnungen):
- َّٟ ُٕ‫{ اثٓ – ث‬abn – bunî} (Sohn – Söhnchen)
- ٟ‫ث‬
ّ ُ‫{ أَة – أ‬âb – âubî} (Vater – Väterchen)
- ٟ‫ض‬
ّ ُ‫{ أش – أ‬âḫ – âuḫî} (Bruder – Brüderchen)
- ‫خ‬١ُٕ‫{ ثٕذ – ث‬bnt – bunîa} (Tochter – Töchterchen)
- ‫ّخ‬١ َ‫{ أُضذ – أُض‬âḫt – âuḫîa} (Schwester – Schwesterchen) etc.
4. ‫( اسًاء انىظائف‬Berufsbezeichnungen):
-
ٍُ١‫{ ِؼٍُ – ُِؼ‬muclm – mucîlm} (Lehrer – Lehrerlein)
- ‫دؽ‬٠ُٛ‫{ ربخؽ – ر‬tâğr – tuâîğr } (Kaufmann – Kaufmännlein)
- ‫زِت‬٠َٛ ‫{ وبرت – ُو‬kâtb – kȗîtb}(Schreiber – Schreiberling)
- ٓ١‫ط‬١ٍُ‫{ قٍطبْ – ق‬slṭân – sulîṭîn} (Herrscher/Sultan – kleiner Herrscher/Sultan) etc.
5. ‫( اسًاء انحيىاَاخ‬Tierbezeichnungen):
- ‫ؽح‬١‫{ ثمؽح – ثُم‬bqra – buqîra} (Kuh – Kuhchen)
- ‫ ْع‬١‫{ اقع – أُق‬âsd – âusîd} (Löwe – Löwchen)
- ‫ت‬١ٍ‫{ وٍت – ُو‬klb – kulîb} (Hund – Hündchen)
- ‫طَخ‬١ْ َ‫{ لطخ – لُط‬quṭa – quṭîṭa} (Katze – Kätzchen)
- ‫خ‬ٙ٠ٛ‫{ شبح – ُش‬šat – šuîha} (Schaf – Schäfchen)
- ‫ف‬٠‫{ فؽـ – فُؽ‬frs – furîs} (Pferd – Pferdchen)
- ً١ُّ‫{ خًّ – خ‬ğml – ğumîl} (Kamel – Kamelchen) etc.
6. ‫( اسًاء االواَي‬Bezeichnungen für Bestecke und Geschirr):
- ‫ؽح‬٠‫{ لعؼ– لُع‬qdr – qudîra} (Topf – Töpfchen)
- ‫ؼمخ‬١ٍُِ – ‫{ ٍِؼمخ‬mlcqh – mulîcqa} (Löffel – Löffelchen)
- ٓ١‫{ طسٓ – طُس‬ṣḥn – suḥîn} (Teller – Tellerchen) etc.
94
7. ٍ‫( اسًاء االياك‬Orts- und Gebäudebezeichnungen):
- ‫ذ‬١١ُ‫ذ – ث‬١‫{ ث‬bît – bîît} (Haus – Häuschen)
- ‫ف‬١‫{ قمف – قُم‬sqf – suqîf} (Decke – Deckchen)
- ‫زِت‬١‫{ ِىزت – ُِى‬mktb – mukîtb} (Büro – kleines Büro)
- ‫ؽقخ‬٠‫{ ِعؼقخ – ُِع‬mdrsh – mudîrsa} (Schule – Minischule)
- ‫ٕغ‬١‫{ ِظٕغ – ُِظ‬mṣnc – muṣînc}(Anlage – Minianlage)
- ‫ؼت‬١ٍُِ – ‫{ ٍِؼت‬mlcb – mulîcb} (Stadion – kleines Stadion) etc.
8. ‫( اسًاء انًالتس‬Kleiderbezeichnungen):
- ‫ت‬٠ُٛ‫ة – ث‬ٛ‫{ ث‬tȗb – tȗîb } (Kleid – Kleidchen)
- ً٠ٛ٠‫اي – قُؽ‬ٚ‫{ قؽ‬srȗal – surîȗîl} (Hose – Höschen)
- ‫ض‬١ُّ‫ض – ل‬١ّ‫{ ل‬qmîṣ – qumîṣ} (Hemd – Hemdchen)
- ‫خ‬٠‫{ ػجبءح – ػُجب‬cbâa – cubâîa} (Schleier – Schleierlein)
- ‫ُطَف‬١‫{ ِؼطف – ِؼ‬mcṭf – mucîṭf} (Mantel – Mäntelchen)
- ‫َخ‬١‫ ِك‬١ْ ٍَُ‫ح – ل‬ٛ‫{ لٍُُ ْٕك‬qlnsȗa – qulîsîa} (Mütze – Mützchen, Minimütze) etc.
Obwohl im Arabischen die Diminutivbildung meist von konkreten Gegenständen realisiert
wird, kennt man auch Diminutivbasen, die etwas Abstraktes ausdrücken können. Als
abstrakte Basen werden häufig Zeitangaben herangezogen (vgl. Ibn Jinni 1985: 275, 277, 285;
Al-Masri 1973: 330, 336, 338; Al-Bagdadi 1985: 37f.). Das zeigt sich an den folgenden
Belegen deutlich:
(106) ".‫رعضً اَ طبظق‬ٚ ‫( "فررج قصيرج‬Alani 1981: 803)
{fatra qṣîra ȗatadḫl um ṣadq.}
(Nach kurzer Zeit tritt Sadigs Mutter ein.)
(107) ".‫ اٌجبة‬ٍٝ‫( "ثؼع فررج وجيزج ٔكّغ ؽؽلب ػ‬Alani 1981: 255)
{bcd fatra wadğîza nsmc ṭrqa cla albab.}
(Nach sehr kurzer Zeit hören wir Klopfen an der Tür.)
(108) ".‫ إالّ نحظاخ قصيرج‬ٟ٘ ‫( "ِب‬Hussin 1974: 84)
{ma hî ala lḥḍat qṣîra.}
(Es sind nur kurze Augenblicke.)
(109) ".‫ رٍه انهحظح انقصيرج‬ٟ‫( "ف‬Hussin 1974: 52)
{fî tlk alḥḍa alqṣîra}
(In diesem kleinen Moment)
(110) ".‫( "فؼسه ضحكح قصيرج‬Mahfouz 1978: 165)
{fḍḥk ḍḥka qṣîra.}
(Dann lachte er ein kurzes Lachen.)
95
In allen genannten Belegen wurde nicht das synthetische, sondern das analytische Diminution
verwendet. Es handelt sich hier nicht um eine objektive Verkleinerung, sondern um die
Geringfügigkeit zu betonen, die der emotionalen Abfederung des Geschilderten dient.
Die meisten Wortbildungen dieses Typs werden nur selten für Diminutivbildung verwendet
wie ‫ؼخ‬٠ٛ‫{ ُق‬suîcah} (dt. Stündchen), ‫ظخ‬١‫{ ٌُس‬lḥîḍa} (dt. Augenblickchen), ‫خ‬١ٕ‫{ ُق‬snîa} (dt.
Jährchen) u. a., da sie objektiv undiminuierbar sind. Man bemerkt, dass sie meist nur
vereinzelt als Spontanbildungen auftreten.
Von daher kann man feststellen, dass Abstrakta eigentlich im Arabischen wie im Deutschen
für Diminutivbildung nicht geeignet sind, obwohl sie davon nicht gänzlich ausgeschlossen
sind.
4.3. Semantische Funktionen der Diminution im Arabischen
Im Gebrauch der Diminutive verhalten sich verschiedene Sprachen und Sprachausprägungen
sehr unterschiedlich: Es gibt diminutivarme und -reiche Sprachen; solche, bei denen in
bestimmten Sprechweisen die Verwendung von Diminutiven üblich ist, und solche, bei denen
sie nur noch in der Markierung einer bestimmten Sprechweise besteht (vgl. Hotzenköcherle
1975: 157).
Die arabische Sprache gehört zu den Sprachen, die dadurch charakterisiert sind, dass sie reich
an Diminutivbildungen sind.
Die Hauptfunktion der Diminutive im Arabischen besteht in der Hinzufügung des Merkmals
‗klein‘ zur Wortbedeutung.
Da die analytische Diminutivform nicht mehr nur als Ersatz für die synthetische
Diminutivform im Arabischen betrachtet wird, kann sie ebenfalls nicht nur eine bloße
Kleinheit, sondern ebenfalls eine emotionale Wertung ausdrücken.
Im Prinzip ist aber die synthetische Diminutivform emotionaler als die analytische
Diminutivform. In diesem Zusammenhang stellt Albagdadi fest, dass die synthetischen
Diminutive in der arabischen Sprache eher verwendet werden, um eine emotionale
Bedeutung, und zwar meistens eine "Verachtung" zu bezeichnen. In diesem Sinne hat sich
Albagdadi folgendermaßen geäußert:
ٍٝ‫ؽ وٍّخ "ؼخً" ػ‬١‫غٌه وزظغ‬ٚ ً ‫ اضزظبؼ اٌىالَ ٌفظب‬ٛ٘ ٕٝ‫ اٌّؼ‬ٟ‫طف ف‬ٚ ٗٔ‫ازع ِٓ اٌّشزمبد أل‬ٚ ‫فئْ اٌّظغؽ‬
(Al- Bagdadi 1985: 52) .‫ؽ‬١‫ٌٕب ؼخً طغ‬ٛ‫ؽ ثعالً ِٓ ل‬١‫ًْ" ٌٍزسم‬١‫" ُؼ َخ‬
(wörtlich: Die Diminutiva sind Derivate, die einer Beschreibung der Bedeutung und einer
Reduzierung in der Rede dienen. So sagt man beispielsweise eher ًْ١‫{ ُؼ َخ‬rğîl} – (Männlein) als
‫ؽ‬١‫{ ؼخً طغ‬rğl ṣġîr} – kleiner Mann, wenn man über ihn (den Mann) verächtlich reden.)
96
Wenn man also ‫ت‬١‫{ ُوز‬kutîb} – Büchlein oder ‫ذ‬١ُ١‫{ ث‬bîît} – Häuschen sagt, geht es eher um eine
emotionale Affektivität; eine positive oder negative Wertung: Ein ‫ت‬١‫{ ُوز‬kutîb} – Büchlein ist
im Arabischen ein kleines bzw. verachtetes Buch; ein Häuschen kann ein hübsches, nettes
aber auch ein verachtetes Haus sein. Aber wenn man ‫ؽ‬١‫ذ طغ‬١‫{ ث‬bît ṣġîr} – kleines Haus
verwendet, ist damit meist ein Haus, das aus wenigen Quadratmetern besteht, also ein klein
dimensioniertes Haus, gemeint.
Daraus ergibt sich, dass die Diminution auch im Arabischen gebraucht wird, um neben einer
Verkleinerung, auch andere Bedeutungen zum Ausdruck zu bringen. Im Folgenden werden
wir diese Bedeutungen ausführlich thematisieren und darstellen.
Semantisch gesehen geht es bei der Diminution um Verkleinerung als Grundfunktion und
darüber hinaus um positive oder negative Affektivität, also einerseits um eine
verniedlichende, liebevolle Bedeutung, z. B. ‫خ‬١‫{ اُض‬âuḫîa} – (dt. Schwesterchen); andererseits
um eine verachtende, spöttische, gehässige Bedeutung, z. B. ٍُ١‫{ ُِؼ‬mucîlm}– (dt. Lehrerlein).
So schafft die Diminution eine positive und negative Atmosphäre.
Hauptsächlich wird die Diminution im Arabischen gebraucht, um eine Verkleinerung und
Verachtung zum Ausdruck zu bringen, wie z. B. ‫ؼمخ‬١ٍُِ {mlîcqa} (Löffelchen; ein kleiner
Löffel) und ًْ١‫{ ُؼ َخ‬ruğîl} (Männlein; ein einfacher, verachteter Mann). Die Beispiele legen
nahe, dass es im Arabischen bei Sachen eher um das „Kleine― geht, bei Personen um das
negative Bewertete.
Viele alte und moderne Sprachwissenschaftler weisen dem Wortbildungsmuster der
Diminutive die einheitliche Funktion der Verkleinerung in Verbindung mit dem Gefühl der
Verachtung/der Verringerung zu (vgl. Ibn Jinni 1985: 280; Al-Masri 1973: 331, 336; AlBagdadi 1985: 39, 50f., Al-Rajihi 2003: 116, Al-Duri 2000: 4).
In diesem Zusammenhang hat Althmanini das Folgende geschrieben:
(Althmanini zitiert nach Ibn Ğini 1985: 275) „.ُ١‫ؽ ػظ‬١‫رسم‬ٚ ،‫ؽ‬١‫ً وث‬١ٍ‫ رم‬ٛ٘ ‫ؽ‬١‫―اْ اٌزظغ‬
(wörtlich: Diminution bezeichnet eine Verringerung und eine Verachtung.)
Al-Zamakhchari hat sich zum Thema folgendermaßen geäußert:
(Al-Zamakhchari (ohne Jahr): 205) ―.ٍٗ‫ف ِث‬١ٌٚ ‫ء االضؽ‬ٟ‫ٖ ِٓ اٌش‬ٛٔ‫ء ٌع‬ٟ‫سمؽ اٌش‬٠ ‫لع‬ٚ„
(wörtlich: Die Sache konnte verachtet werden, da sie kleiner als die anderen Sachen ist und
nicht wie sie.)
Ibn Jaaish verbindet ebenso die Minimalisierung mit der Verachtung und betrachtet beide als
eine Einheit wie folgt:
(Ibn Jaaish 2001: 396) „ .ُ١‫اٌزؼظ‬ٚ ‫ؽ‬١‫ ضالف اٌزىج‬ٛ٘ٚ ، ‫ازع‬ٚ ‫ؽ‬١‫اٌزسم‬ٚ ‫ؽ‬١‫„اػٍُ أْ اٌزظغ‬
(wörtlich: Wisse, dass die Minimalisierung und die Verachtung eins sind, die im Gegensatz
zur Vergrößerung und Hochschätzung vorkommen.)
97
Das Gleiche hat Hassan festgestellt:
(Hassan 1963: 513)„ ً١ٍ‫ اٌزم‬ٚ‫ؽ أ‬١‫ اٌزسم‬ٌٝ‫ؽ ِٓ ٘ػٖ األغؽاع اٌّفظٍخ إ‬١‫ِٓ اٌّّىٓ إؼخبع وث‬ٚ„
(wörtlich: Man kann meistens die Diminution verwenden, entweder um eine Verachtung oder
eine Verringerung zum Ausdruck zu bringen.)
Von daher kann man feststellen, dass es bei der Diminution nicht nur um eine
Bedeutungsabstufung im Sinne von klein geht, sondern auch meistens zugleich um den
Ausdruck einer emotionalen Bewertung, die entweder positiv oder negativ sein kann. Das
Arabische unterscheidet im Allgemeinen sechs Hauptfunktionen für die Diminutivbildung. Im
Folgenden werden wir diese im Einzelnen behandeln und darstellen:
a) ‫( انرصغير وانرقهيم‬Verkleinerung und Verringerung)
Es ist deutlich, dass in der arabischen Sprache die synthetische Diminutivform als auch die
analytische Diminutivform in erster Linie eine geringe objektiv messbare Größe, also ein als
gering einzuschätzendes Ausmaß, implizieren. Es soll also bei der Diminution ausgedrückt
werden, dass etwas kleiner, weniger oder geringer ist als erwartet (vgl. Ibn Ğini 1985: 275),
wie zum Beispiel:
(111) ".‫ حقيثح صغيرج‬ٟ‫ ف‬ٟ‫( "خّؼذ ِزبػ‬Amin 1971: 195)
{ğamactu matci fî ḥaqîba ṣġîra.}
(Ich habe meine Sachen in einem kleinen Koffer gesammelt.)
(112) ".‫دٍف ضٍف يُضذج صغيرج‬٠ ‫خ‬٠ٚ‫( "اٌؽا‬Alani 1981: 321)
{alraȗîa îağls ḫalf manḍada ṣġîra.}
(Der Erzähler sitzt hinter einem kleinen Tisch.)
(113) ".‫قطٗ تاب صغير‬ٚ ٟ‫( "ف‬Hussin 1974: 58)
{fî ȗasaṭh bab ṣġîr.}
(In der Mitte gibt es eine kleine Tür.)
(114) ".ّٟ‫خع ورقح صغيرج ثئق‬ٚٚ" (Amin 1971: 27)
{ȗa ȗğada ȗrqa ṣġîra basmî.}
(Und er fand einen kleinen Zettel, der meinen Namen trägt.)
Der Gebrauch von Diminutiven in den genannten Beispielen verweist also auf eine objektiv
feststellbare Kleinheit.
Zu beachten ist, dass im Arabischen wie im Deutschen meistens die Diminution und
Augmentation nebeneinander stehen, wie es sich an den folgenden Beispielen zeigt:
(115) ".‫ب كثير‬٠‫] ِسال ردبؼ‬...[ ‫دؼً ِٓ ظوبْ صغير‬٠ ْ‫( "ِٓ اقزطبع ا‬Alani 1981: 293)
{mn îstaṭc an yğal mn dukan ṣġîr […] mḥlan tiğarîa kabîr.}
(Wer konnte von einem kleinen Laden […] einen großen Markt machen.)
98
(116) "‫ق صغير اَ كثير؟؟‬ٚ‫( "طٕع‬Alani 1981: 292)
{ṣandȗq ṣġîr âm kabîr??}
(Eine kleine oder große Kiste??)
So unterscheidet man im Arabischen zwischen groß und klein, die meistens keine absoluten
Angaben über Größe oder Kleinheit sind, sondern deren Bezugsmaßstäbe durch den
Situationskontext vorgegeben werden.
b) ‫( انرحقير‬Verachtung und Geringschätzung)
Man gebraucht in der arabischen Sprache die Diminutiven, um eine Verachtung oder eine
Geringschätzung zu bezeichnen (vgl. Ibn Ğini 1985: 275). Bei der Benennung der Personen,
die prototypisch nicht durch Diminutive angesprochen wird, kann der diminutive Gebrauch
eine negative, verachtende Einstellung des Sprechers gegenüber der bezeichneten Person
andeuten.
Der Wert der bezeichneten Person wird durch die Diminutivform heruntergespielt und ehr als
negativ eingestuft. Das zeigt sich an den folgenden Beispielen:
(117) ".‫ٓ قصير‬٠‫( "اغ خبءٖ رجم ثع‬Mahfuoz 1978: 7)
{ad ğâhu rğl badîn qṣîr.}
(Als zu ihm ein kleiner dicker Mann kam.)
(118) ".‫ب انرجم انصغير اٌؼبخؿأ‬ٙ٠‫ذ أ‬٠‫( "ؼأ‬Hussin 1974: 126)
{râît âiuha alrğl alṣġîr alcğîz.}
(Siehst Du kleiner unfähiger Mann.)
Es ist zu bemerken, dass im Arabischen die Berufsbezeichnungen in der Regel eine pejorative
Färbung erhalten, falls sie überhaupt analytisch oder synthetisch diminuiert werden:
‫ؾ‬١‫زِت ثك‬٠َٛ ‫{ ُو‬kȗîtb basîṭ} (ein einfacher Schreiberling)
‫ؽ‬١‫دؽ طغ‬٠ُٛ‫{ ر‬tȗîğr ṣġîr} (ein kleines Kaufmännlein)
ٍُ١‫{ ِؼ‬mucîlm} (ein Lehrerlein) etc.
So verwendet man solche Diminutive, wenn man mit den Taten einer Person unzufrieden oder
nicht von ihnen überzeugt ist. Sie werden dann auch in ironischer Rede gebraucht.
Ebenso werden manchmal die Personennamen im Arabischen diminuiert, um einen
verachtenden Ton zu erzielen. Man gebraucht zum Beispiel im Arabischen ‫ع‬١ُٙ‫ ف‬Fȗhîd anstelle
von ‫ع‬ٙ‫ ف‬Fahad, um auf die Person, die diesen Namen trägt, in verachteter Weise zu referieren.
Immer wieder ist jedoch die beabsichtigte Bedeutung nur aus dem Sprecherkontext heraus zu
erschließen.
99
c) ‫( انرحثية‬Verniedlichung)
Trotz der generellen Verkleinerung durch die Diminution mit teilweise verachtender
Intention, stellt auch im Arabischen die Verniedlichung eine wichtige Funktion dar. Auch im
Arabischen gibt es Konstellationen der Vertrautheit, die diese Interpretation nahelegen, so
beispielsweise in Gesprächen mit Kindern, Freunden, Geliebten etc. In diesen Kontexten
benutzt man in der arabischen Sprache, im Unterschied zum Deutschen, das Diminutivum
ٟ‫سبث‬١‫{ أُط‬uṣîḥaby} – Freundchen86 in der Anrede des Freundes, um eine Atmosphäre der
Vertrautheit und Gemütlichkeit zu erzeugen (vgl. Al-Duri 2000: 5).
Einen reichen Diminutivgebrauch findet man besonders innerhalb der Familie. Alle Dinge
werden bei enger Beziehung zur Umgebung diminuiert, so werden von den Eltern zum
Beispiel meistens viele Diminutive gebraucht, wenn sie über ihre Kinder und deren
Körperteile sprechen, z. B. ‫خ‬٠‫ُع‬٠ {ydîa} – Händchen, ‫ؼخ‬١ُِ‫{ ظ‬dumîa} – Tränchen u. a.
Man findet auch in der von uns gebrauchten Literatur viele Diminutivformen, die
verniedlichend wirken, wie zum Beispiel:
(119) ".‫ب قهثه انصغير‬ٙ‫( "أزك‬Amin 1971: 7)
{âḥasha qalbah alṣġîr.}
(Sein kleines Herz hat das gefühlt.)
(120) ".[…] 6‫ي ثفطؽ‬ٛ‫م‬٠ ٛ٘ٚ ‫ذ تيذ صغيرج ٔبػّخ‬ٍٛ‫( "ف‬Mahfouz (ohne Jahr): 84)
{flaȗaḥa byd ṣġîra nacma ȗa hȗ yaqȗl bfḫr: […].}
(Dann zeigte er mit einer kleinen weichen Hand und er sagte stolz: […].)
(121) ".‫ب طفههًا انصغير‬ٙ١‫ ف‬ٛ‫غف‬٠ ‫ّكىبْ ثطؽف ػرتح صغيرج‬٠ ُ٘ٚ" (Alani 1981: 239(
{ȗa huma yamsukan bṭarf crba ṣġîra yaġfȗ fyha ṭflahma alṣġîr.}
(Und sie halten den Rand eines kleinen Kinderwagens fest, wo ihr kleines Baby ruhig
schläft.)
Diminutive dienen hier der vertraulichen Anrede. In allen Fällen werden Diminutive benutzt,
um eine Atmosphäre der Zärtlichkeit, der Herzlichkeit oder der familiären Vertrautheit zu
schaffen. Oft ist jedoch die beabsichtigte Bedeutung nur aus dem Kontext und der Person des
Sprechers heraus zu erschließen (vgl. Al-Duri 2000: 7).
Wichtig ist zu erwähnen, dass die Diminutive in der arabischen Sprache typischerweise
verwendet werden, um den Gesprächspartner in eine entsprechende emotionale Stimmung zu
versetzen und ihn dadurch für sich zu gewinnen, günstig zu stimmen und in gewünschter Art
und Weise zu beeinflussen.
86
Im Deutschen gebraucht man das Wort „Freundchen― eher bei der bedrohenden Anrede, deswegen hat es in
der deutschen Sprache meistens eine negative Bedeutung.
100
d) ‫( انرذنيم‬Liebkosung)
Einen hohen Grad an Vertrautheit signalisieren auch die als liebkosend zu wertende
Verwendung von diminuierten Vornamen (vgl. Al-Rubiai 1999: 51; Ibn Jinni 1985: 280; AlZamakschari 1901: 206; Al-Masri 1973: 331, 336; Al-Bagdadi 1985: 39, 50f.):
(122) ".‫زىّذ‬ٚ ‫اِه‬ٚ ‫رفىدج‬ٚ ‫( "أذ‬Alani 1981: 239)
{anta ȗa rafȗda ȗa âmuk ȗḥkmt.}
(Du, Rafuda, deine Mutter und Hikmat.)
(123) ".‫ب ثبزخ اٌعاؼ‬ٙ‫ع٘ب (ِىٕكخ) رٕؼف ث‬١‫ث‬ٚ ‫ؽح‬١‫( "رطؽج (سهيهح) اٌطبظِخ اٌظغ‬Alani 1981: 222)
{taḫruğ shîla alkadîma alṣġîra ȗa bîdha (mknsa) tunaḍif bha bâḥat aldar.}
(Suhila, das kleine Frauenzimmer, kommt mit (einem Staubsauger) raus, um den Hof
des Hauses sauber zu machen.)
(124) ".ٖ‫) "سؼىدي اٌكجغ ِبرٕطفئ ٔبؼ‬Alani 1981:828)87
{sacȗdî alsbc ma tnṭfi narah.}
(Der mütige Saudi, dessen Feuer sich nicht löschen lässt.)
(125) ".[...[ ‫عفؼبْ ػؽثخ‬٠ ‫ّ٘ب‬ٚ ُ‫خبق‬ٚ ‫( "َؼيًح‬Alani 1981: 284)
{nacîma uağasim ȗa huma ydfcan crabh […].}
(Naima und Jasim und sie schieben einen Kinderwagen […].)
Im Beispiel (122) wird aus dem Namen ‫{ ؼافعح‬rafada} die liebkosende Form ‫ظح‬ٛ‫{ ؼف‬rafȗda}
durch einen Stammvokalwechsel {a-ȗ} gebildet.
Im Fall (123) und (125) wird aus den Namen ‫ٍخ‬ٙ‫{ ق‬shla} und ‫{ ٔؼّخ‬nacma} die liebkosenden
Formen ‫ٍخ‬١ٙ‫{ ُق‬shîla} und ‫ّخ‬١‫{ ُٔؼ‬nacîma} gebildet, in dem der Vokal {-î-} in den Namen
eingefügt wird.
Im Beispiel (124) erhält bei der Diminutivbildung der Name ‫{ قؼع‬saad} den Vokal {-î},
gleigzeitig aber verändert sich der Vokal {-a-} zu {-ȗ-}. So entsteht aus dem Namen Saad
den Kosenamen Saudi, um eine liebkosende Bedeutung zum Ausdruck zu bringen.
Viele Diminutivformen werden in der innerfamiliären Kommunikation verwendet. Väter und
Mütter sprechen ihre Kinder in den meisten Gesprächen mit Koseformen an, auch wenn
letztere bereits erwachsen sind, um eine familiäre Atmosphäre zu schaffen.
In den Ausrufen verbinden sich die bewertenden Bezeichnungen mit dem Sprechton des
Sprechers.
87
Der Schriftsteller hat in diesem Fall eine Umgangssprache gebraucht. Mit diesem Satz ist gemeint, dass Saad
sehr stark und mütig ist.
101
In der Umgangssprache gebraucht man im Arabischen meist die analytische Diminutivform
neben der synthetischen Diminution, um expressiven Wert noch zu verstärken. Belege hierfür
findet man in den folgenden Beispielen:
(126) .‫خبء ػ ًَير انصغير‬
{ğâ cmîr alṣġîr.}
(Der kleine Umir kommt.)
(127) .‫ذ فىيطًح انصغيرج‬٠‫ؼا‬
{râît fȗṭîma alṣġîra.}
(Ich habe die kleine Fuitima gesehen.)
e) ‫( انرؼاطف‬Mitleid)
In einigen Kontexten können im Arabischen Diminutive auch Mitleid ausdrücken. Das findet
man besonders beim Sprechen mit oder über arme, hilfsbedürftige und schwache Leute. In
diesem Zusammenhang sollen sie Anteilnahme, Sympathie und Mitgefühle zum Ausdruck zu
bringen:
(128) ".‫ْ رػِؽ‬ٚ‫] ظ‬...[ ‫ً اثٓ انًىظف انصغير اٌمب٘ؽح‬١‫ً إٌس‬٠ٛ‫ّب لطغ اٌشبة اٌط‬٠‫لع‬ٚ" (Mahfouz: 28)
{ȗa qadîman qaṭac alšab alṭauîl alnaḥîl âbn almȗaẓaf alṣġîr alqahîra […] dun tdamur.}
(Früher ist der lange dünne Junge, der Sohn eines kleinen Beamtens, in Kairo […]
ohne Beschwerden gelaufen.)
(129) .‫قبػعد يسكيُا‬
{sacdtu mskîna.}
(Ich habe einem armen Mann geholfen.)
Die Situation spielt hier eine große Rolle, da sie die Funktion der Diminutivform bestimmt.
So lässt sich allgemein festhalten, dass man armen Menschen stets mit einer zärtlichen
Einstellung begegnet und Mitleid für sie empfindet.
In den oben besprochenen Fällen sind die Diminutive sogar vorrangig affektiv. Die
Sprecherhaltung geht hier in Richtung positive Konnotation. Man begegnet den
hilfsbedürftigen Personen mit zärtlicher, schonungsvoller Einstellung und bekundet Mitleid
bzw. zeigt Sympathie im Gespräch über sie oder mit ihnen.
Es lässt sich bemerken, dass die Diminutive in diesem Fall abhängig vom Kontext, von der
Situation und der Kommunikationsabsicht sind.
102
f) ‫( انرؼظيى‬Hochschätzung)
Manchmal hat die Diminutivform eine hochschätzende Bedeutung. Oft ist in diesem Fall
jedoch die beabsichtigte Bedeutung nur aus dem Kontext und der Person des Sprechers heraus
zu erschließen, z. B.:
(130) .ُ‫ق جثيم ػط‬ٛ‫طؼعد ف‬
{ṣcdtu faȗq ğubîl ḍaḫâm.}
(Ich war über ein hohes Bergchen gestiegen.)
(131) .‫اْ ٘ػٖ اٌفزبح كانثريح‬
{âna hadhî alfatatu kal turîa.}
(Dieses Mädchen sieht wie ein Sternchen aus.)
Man muss hier darauf hinweisen, dass früher zwischen den zwei bekannten linguistischen
arabischen Schulen, die um Mitte des 8. Jahrhunderts entstanden sind, einen Streit im bzgl.
der Diminution als Zeichen der Hochschätzung entbrannt ist. So vertritt z. B. die Schule von
Kufa die Ansicht, dass die Hochschätzung zu den Funktionen der Diminution gehört.
Dagegen lehnen die Vertreter der Schule von Basra diese Auffassung ab, dass die
Hochschätzung eine weitere Funktion der Diminution sei. Diesen Streit findet man heute
weiterhin. So schließt sich der moderne Sprachwissenschaftler Jari der Meinung von
Basraschule an (vgl. Al-Duri 2000: 7). Dagegen sieht Al-Duri, dass die Hochschätzung eine
weitere Funktion der Diminution ist, und dass sich die hochschäzende Bedeutung vom
Kontext erschließen lässt (vgl. ebenda), z.B. ٍُ‫ؽ ػ‬١‫{ ازّع ثُس‬aḥmed buḥir clm} (dt. Ahmed ist
ein Meerchen der Wissenschaft.).
Aus den obigen Ausführungen lässt sich schließen, dass man durch die Verwendung von
synthetischen und analytischen Diminutiven nicht nur eine objektive Verkleinerung, sondern
auch verschiedene Gefühle zum Ausdruck bringen kann, wie z. B. Verachtung, Mitleid,
Verniedlichung, Hochschätzung, Liebkosung u. a.
Die Richtung der Konnotation, positiv oder negativ, hängt meist vom Sprecher oder von der
Situation ab.
Um zusammenfassend zu verdeutlichen, wann die Diminution im Arabischen gebraucht wird
und welche Bedeutung sie hat, werden wir auf der Folgeseite mit Hilfe eines Schemas
versuchen, alle Funktionen der Diminutivformen des Arabischen darzustellen:
103
‫وظائف انرصغير في انهغح انؼرتيح‬
Funktionen der Diminution im Arabischen
‫انىظائف انثاَىيح‬
Nebenbedeutungen
‫انىظائف انرئيسيح‬
Hauptbedeutungen
‫اَفؼاالخ ػاطفيح‬
‫انرصغير وانرقهيم‬
Emotionale Affektivität
Verkleinerung und Verringerung
ً١ٌ‫اٌزع‬
Liebkosung
‫االقزطفبف‬ٚ ‫ؿاء‬ٙ‫االقز‬ٚ ‫ؽ‬١‫اٌزسم‬
Verachtung bzw.
Geringschätzung,
‫ت‬١‫اٌزسج‬
Verniedlichung
Verspottung
‫اٌزؼبؽف‬
Mitleid
ُ١‫اٌزؼظ‬
Hochschätzung
Abbildung (7)
104
4.4. Beschränkungen und Restriktionen für die Diminution im Arabischen
Im Vergleich zu der synthetischen Diminutivbildung sind die Beschränkungen und
Restriktionen für die analytische Diminutivbildung viel geringer. Das heißt mit anderen
Worten, dass die meisten arabischen und fremden Nomen und Eigennamen problemlos
analytisch diminuiert werden können.
In der synthetischen Diminutivbildung gibt es jedoch einige Beschränkungen im Arabischen.
Die Bildung der synthetischen Diminutive ist semantisch und syntaktisch determiniert. So
lässt sich sagen, dass es Grenzen semantischer und syntaktischer Art gibt, wobei beide
Faktoren oftmals zusammenwirken.
Es ist in diesem Bereich wichtig zu erwähnen, dass das Arabische in Bezug auf
Beschränkungen bei der synthetischen Diminutivbildung zwei Gruppen unterscheidet, von
denen keine Diminutive abgeleitet werden können:
I. Nomen, von denen nur analytische Diminutivformen gebildet werden, d. h. sie können
nicht infigiert werden, sondern nur mit Hilfe der Adjektive klein, kurz u. a. diminuiert werden.
Diese werden wie folgt klassifiziert:
a) ‫ انًصذر‬Masdar (der Infinitiv)
In der arabischen Sprache bildet der Infinitiv {masdar} eine bestimmte Wortart. Der
Infinitiv {masdar} im Arabischen steht dem substantivierten Verb oder dem finiten Verb
eines Lexems im Deutschen gegenüber, deswegen wird er „gleichzeitig der Lexemklasse
Verb und Nomen zugeordnet― (Lachachi 1997: 231).
Versteegh bezeichnet das Masdar als ein vom Verb abgeleitetes Nomen. In diesem Sinne
hat er das Folgende geschrieben:
„The infinitive is derived from the verb, and the verb takes precedence of it, [...].‖
(Versteegh 1995: 72)
Wright bezeichnet seinerseits das Masdar als nomen verbi und betrachtet es von
semantischer Sicht her als die Quelle, aus der die komplexe Verbbedeutung entsteht:
„The nomen verbi is also called (lit. the place whence anything goes forth, where it
originates), because most grammarians derive the compound idea of the finite verb from
the simple idea of this substantive.‖ (Wright 1988: 110)
Während die meisten Nomen im Arabischen Diminutivformen aufweisen können, wie Spiegel
– Spieglein und Haus – Häuschen, weist das Masdar keine Diminutivbildung auf und ist nicht
zählbar.
105
Zu dieser Bedeutung hat sich Ibn Hicham folgendermaßen geäußert:
(Ibn Hicham 2000: 290) ".‫ظا‬ٚ‫ال ِؼع‬ٚ ]...[ ‫ْ ِظغؽا‬ٛ‫ى‬٠ ‫ال‬ٚ"
(wörtlich: und es (das heißt das Masdar) weist keine Diminutivform auf und ist nicht
begrenzt bzw. nicht zählbar)
Wir sind der Meinung, dass der Infinitiv {Masdar} im Arabischen viele Eigenschaften mit
dem Verb teilt; und da die Verben in der arabischen Sprache nicht diminuierbar sind, so kann
auch der Infinitiv {Masdar} synthetisch nicht diminuiert werden, sondern nur analytisch.88
Die folgenden Beispiele sind genannt:
-
‫ؽ‬١‫{ ػًّ – ػًّ طغ‬cml – cml ṣġîr}
(dt. Arbeit – kleine Arbeit)
-
‫ؽح‬١‫{ ػجبظح – ػجبظح لظ‬cbada – cbada qṣîra}
(dt. Andacht – kurze Andacht)
-
‫ؽ‬١‫{ اػالْ – اػالْ طغ‬aclan - aclan ṣġîr}
(dt. Anzeige – kleine Anzeige)
-
‫ؽ‬١‫َ طغ‬ٛ‫َ – ٘د‬ٛ‫{ ٘د‬hğȗm - hğȗm ṣġîr}
(dt. Anschlag – kleiner Anschlag)
-
‫ؽ‬١‫ً لظ‬١‫ط‬ٛ‫ً – ر‬١‫ط‬ٛ‫{ ر‬tȗṣîl - tȗṣîl qṣîr}
(dt. Anschluss – kurzer Anschluss)
-
‫ؽ‬١‫{ اقزؼّبي – اقزؼّبي طغ‬astcmal – astcmal ṣġîr}
(dt. Anwendung – kleine Anwendung) etc.
Daneben unterscheidet man in der arabischen Sprache ebenso eine Reihe von einfachen
Substantiven, die auch als Masdar bezeichnet werden. In diesem Fall weisen die als Masdar
betrachteten Nomen ebenfalls keine Diminutivformen; sie können nur analytisch diminuiert
werden:89
-
‫ؽ‬١‫اْ طغ‬ٛ١‫اْ – ز‬ٛ١‫{ ز‬ḥîȗan – ḥîȗan ṣġîr}
(dt. Tier – kleines Tier)
-
‫ؽح‬١‫{ رفبزخ – رفبزخ طغ‬tfaḥa – tfaḥa ṣġîr}
(dt. Apfel – kleiner Apfel)
88
Früher gab es einen Streit zwischen den Grammatikschulen von den irakischen Städten Basra und Kufa bzgl.
des Infinitivs, also bzgl. der Frage ob der Infinitiv vom Verb abgeleitet wird oder umgekehrt ob das Verb vom
Infinitiv abgeleitet wird. „So vertritt z.B. die Schule von Basra die Ansicht, daß der Infinitiv die ursprüngliche
Form sei, von der das Verb abgeleitet werde ( .ٗ١ٍ‫فؽع ػ‬ٚ ‫(اْ اٌفؼً ِشزك ِٓ اٌّظعؼ‬, dagegen sehen die Vertreter der
Schule von Kufa die ursprüngliche Form im Verbstamm, aus der der Infinitiv abgeleitet wird […]― (Ahmed
1996: 75).
89
Die Substantive dieser Gruppe, die im Arabischen als Masdar betrachtet werden, haben keine besonderen
Eigenschaften, deswegen muß man sie auswendig lernen.
106
-
‫طخ‬١‫{ ٕ٘عقخ – ٕ٘عقخ ثك‬hndsa – hndsa bsîṭa}
(Architektur – Kleinarchitektur) etc.
So sieht man an den folgenden Beispielen, dass der arabische Schriftsteller Mahfuoz in dem
Text Das Verbrechen syntaktische Diminutivformen mit klein gebraucht, da die Nomen ‫هًىو‬
– (Sorgen) und ‫( – َىع‬Art) im Arabischen Infinitive {Masdar} sind, die synthetisch nicht
diminuierbar sind:
(132) ".‫( "أكبٔب اٌطؼبَ هًىيُا انصغيرج‬Mahfuoz 1978: 95)
{ansana alṭcam humȗmna alṣġîra.}
(Das Essen lässt uns unsere kleinen Sorgen vergessen.)
(133) ".‫ انصغير‬ٟٔ‫ع االٌّب‬ٌٕٛ‫ وبْ ِٓ ا‬ٌٛ ٝ‫( "زز‬Mahfuoz 1978: 58)
{ḥata lȗ kan mn alnauc alâlmanî alṣġîr.}
(Auch wenn er eine kleine deutsche Art sei.)
b) ‫( اسًاء اجُثيح‬Fremde Nomen)
Die fremden Nomen bzw. Substantive können in der arabischen Sprache nicht infigiert
werden, da sie keinen Grundstamm bzw. kein Wurzelmuster im Arabischen haben,
deswegen verwendet man in solchem Fall die syntaktische Diminutivbildung. Das
bedeutet, dass die fremden Nomen nicht synthetisch, sondern nur analytisch diminuiert
werden können. Die folgenden Beispiele belegen dies:
-
‫ؽ‬١‫{ فٍُ – فٍُ لظ‬flm – flm qṣîr}
(dt. Film – kurzer Film)
-
‫ؽ‬١‫ طغ‬ٛ٠‫ – فع‬ٛ٠‫{ فع‬fdîȗ – fdîȗ ṣġîr}
(dt. Video – kleines Video)
-
‫ؽ‬١‫ طغ‬ٛ٠‫ – ؼاظ‬ٛ٠‫{ ؼاظ‬radîȗ – radîȗ ṣġîr}
(dt. Radio – kleines Radio)
-
‫ؽ‬١‫ْ طغ‬ٛ‫ْ – رٍف‬ٛ‫{ رٍف‬tlfȗn – tlfȗn ṣġîr}
(dt. Telefon – kleines Telefon)
-
‫ؽ‬١‫ف طغ‬١‫ف – اؼش‬١‫{ اؼش‬aršif – aršif ṣġîr}
(dt. Archiv – kleines Archiv)
-
‫ؽ‬١‫{ رٍفبؾ – رٍفبؾ طغ‬tlfaz - tlfaz ṣġîr}
(dt. Fernseher – kleiner Fernseher)
-
‫ؽح‬١‫ب طغ‬٠‫ب – ثىزؽ‬٠‫{ ثىزؽ‬baktrîa – baktrîa ṣġîra}
(dt. Bakterien – kleine Bakterien)
-
‫ؽ‬١‫رؽ طغ‬ٛ١‫ِج‬ٛ‫رؽ – و‬ٛ١‫ِج‬ٛ‫{ و‬kumbîȗter - kumbîȗter ṣġîra}
(dt. Computer – kleiner Computer) etc.
107
c) ‫( اسًاء االشخاص االجُثيح‬Fremde Namen)
Das gilt auch für fremde Namen, vgl. die folgenden Beispiele:
-
‫ؽ‬١‫{ وبؼي – وبؼي اٌظغ‬karl – karl alṣġîr}
(dt. Karl – der kleine Karl)
-
‫ؽ‬١‫ اٌظغ‬ٛٔ‫ – اؼ‬ٛٔ‫{ اؼ‬arno – arno alṣġîr}
(dt. Arno – der kleine Arno)
-
‫ؽ‬١‫ْ اٌظغ‬ٛ‫ْ – أط‬ٛ‫{ أط‬anṭon – anṭon alṣġîr}
(dt. Anton – der kleine Anton) etc.
Es lässt sich in diesem Zusammenhang nicht übersehen, dass die arabischen Namen dagegen
analytisch und synthetisch diminuiert werden können.
So kann man beispielsweise vom Namen ٓ‫{ زك‬ḥassan} die synthetische Diminutivform ٓ١‫ُزك‬
{ḥussin} oder die analytische Diminutivform ‫ؽ‬١‫{ زكٓ اٌظغ‬ḥassan alṣġîr } – (dt. der kleine
Hassan) bilden.
Ebenso wird von dem arabischen Frauennamen ‫{ فبؽّخ‬fâṭma} die synthetische Diminutivform
‫ ِط َّخ‬٠ْ َٛ ُ‫{ ف‬fȗṭîma} und die analytische Diminutivform ‫ؽح‬١‫{ فبؽّخ اٌظغ‬fâṭma alṣġîra} – (dt. die
kleine Fâṭma) gebildet.
Die arabische Sprache zeichnet sich dadurch aus, dass die Eigennamen des Arabischen auch
Pluralformen haben können, wovon man problemlos analytische und synthetische Diminutive
bilden kann, wie zum Bespiel:
Sg.
Pl.
synth. Dim.
a) ‫فبؽّخ‬
{fâṭma}
‫فبؽّبد‬
{fâṭmât}
‫طّبد‬٠ُٛ‫ف‬
{fȗiṭmât}
b) ‫ظ‬ّٛ‫ِس‬
{maḥmȗd}
ْٚ‫ِسّع‬
{maḥmȗd}
ْٚ‫ّع‬١‫ُِس‬
{muḥimdȗn}
anal. Dim.
‫ؽاد‬١‫فبؽّبد طغ‬
{fâṭmât ṣġîrȃt}
ْٚ‫ؽ‬١‫ْ طغ‬ٚ‫ِسّع‬
{maḥmudȗn ṣġîrȗn}
d) Nomen oder Namen, die an sich oder in ihrem Stamm etwas Kleines bezeichnen:
Im Unterschied zum Deutschen ist die Diminuierung einer bereits diminuierten Basis im
Arabischen unmöglich (vgl. Abu Almakarm 2007: 339). Deswegen kann man im Arabischen
Diminutive wie ٍُ١‫{ ِؼ‬mucîlm} – (Lehrerlein), ‫ت‬١‫{ ُوز‬kutib} – (Büchlein), ‫خ‬١‫{ اُض‬âuḫîa} –
(Schwesterchen), ‫ت‬١‫{ ظُث‬dȗbîb}– (Bärchen), ‫فخ‬٠‫{ ُغؽ‬ġurifa} – (Zimmerchen), ًْ١َّ ‫{ ُخ‬ğumil} –
(kleine Nachtigall), ‫ْذ‬١‫{ ُوؼ‬Kumait} – (kleine Nachtigall} etc. nicht wieder diminuieren.
108
II. Nomen und Namen, die generell weder analytisch noch synthetisch diminuiert werden
dürfen, d. h. weder durch Infigierung noch durch Attribuierung diminuiert werden (vgl. AlBagdadi 1985: 68f). Es lassen sich also beispielsweise keine Diminutive von den folgenden
Namen und Bezeichnungen bilden (vgl. Al-Rajihi 2003: 117):
a) Nomen oder Begriffe, die etwas Ehrwürdiges bezeichnen wie:
-
‫( اسًاء يقذسح‬Heilige Namen):
ُ ٍِ‫( – ۡٱٌطَ ٰـ‬der Schöpfer), ‫ ُؿ‬٠‫( – اٌ َؼ ِؿ‬der Allmächtige), ُُ ١‫( – اٌ َس ِى‬der
ُُ ‫( – ٱٌ َّكٍَ ٰـ‬der Friede), ‫ك‬
Allweise), َّٓ ْ‫( – اٌؽَّز‬der Allerbarmer), ُُ ١ٍِ‫( – اٌ َؼ‬der Allwissende), ‫ ُؼ‬ُٛ‫( – اٌ َغف‬der
ُ ٍَِّ ٌ‫( – ۡٱ‬der Herrscher), ‫اق ُغ‬
Allvergebende), ُ١‫( – اٌ َّؽ ِز‬der Barmherzige), ‫ه‬
ِ َٛ ٌ‫( – ا‬der
Allumfassende), ُ‫اة‬َّٛ‫( – اٌز‬der Reue-Annehmende) etc.
-
‫( اسًاء االَثياء وانرسم‬Namen von Gottes Propheten und Gesandten):
َ‫( – آظ‬Adam), ُ١٘‫( – إثؽا‬Ibrahim), ً١‫( – اقّبػ‬Ismail), ‫ب‬٠‫( – ؾوؽ‬Zakaria), ٰٝ َ١‫َ ۡس‬٠ –(Yahya),
ٝ‫ك‬١‫( –ػ‬Jesus), ‫قف‬ٛ٠ – (Jusef), ‫( – ِسّع‬Muhammad) etc.
-
‫( انكرة انسًاويح انًقذسح‬die heiligen Bücher von Muslimen, Christen und Juden):
ْ‫( – اٌمؽا‬der Koran), ً١‫( – االٔد‬der Bibel), ‫ؼاح‬ٛ‫( – اٌز‬die Thora) etc.
b) Bezeichnungen von Wochentagen, Monaten, Jahreszeiten:90
-
‫{ اٌكجذ‬alsbt} – (dt. der Samstag), ‫ف‬١ّ‫{ اٌط‬alḫmîs} – (dt. der Donnerstag) etc.
-
ٟٔ‫ْ اٌثب‬ٛٔ‫{ وب‬kanon altnî} – (dt. Januar), ‫{ اة‬ab} – (dt. August) etc.
-
‫ف‬١‫{ اٌظ‬alsîf} – (dt. der Sommer), ‫{ اٌشزبء‬alštaa} – (dt. der Winter) etc.
c) Wissenschaftliche Begriffe:
- ‫{ ازّبع‬aḥmaḍ} – ( dt. Säure)
- ٓ٠‫{ اقجؽ‬asbrîn} – (Aspirin)
- ٓ١‫وكد‬ٚ‫{ ا‬oksğîn} – (Sauerstoff) etc.
90
In diesem Zusammenhang hat Al-Rubaii (1999: 50) das Folgende geschrieben:
،،‫ؽ‬١‫ غؽع ِٓ اغؽاع اٌزظغ‬ٞ‫ؽ٘ب ا‬١‫زسمك ِٓ رظغ‬٠ ‫ع) الرظغؽ اغ ال‬ٛ‫بَ االقج‬٠‫ا‬ٚ ‫االِف‬ٚ َٛ١ٌ‫ ا‬ٞ‫ب (ا‬ٙٔ‫ ا‬ٜ‫―ٔؽ‬
(wörtlich: wir sehen, dass sie (das heißt heute, gestern und die Wochentage) nicht diminuierbar sind, da bei ihrer
Diminuierung keine Zwecke der Diminution erfüllt werden.) Siehe dazu auch Al-Rajihi 2003: 117.
109
TEIL III: KONTRASTIVER VERGLEICH
5. Form und Funktionen der Diminution im Deutschen und Arabischen
Die vorliegende vergleichende Untersuchung der Diminution im Deutschen und im
Arabischen hat das Ziel, eine Übersicht über die in diesem Bereich vorhandenen Mittel,
Auskunft über Präferenzen ihrer Nutzung zu geben und die Funktionen dieser Mittel, die über
das reine formale Merkmal der "Kleinheit" hinausgehen, exemplarisch aufzuzeigen.
Da im Zentrum der Arbeit das Deutsche steht – wenn auch aus einem arabischen Blickwinkel
gesehen – ist die Darstellungstiefe für das Deutsche tiefer als für das Arabische, welches in
gewissem Maße den Hintergrund für die Darstellung bietet, wobei man ohne Zweifel auch auf
die grundlegenden typologischen Unterschiede zwischen beiden Sprachen achten sollte.
Bei der vorliegenden Arbeit handelt es sich nicht um eine typologisch-vergleichende Studie,
vielmehr könnte man sie mit der folgenden Definition von Konnerth der angewandten
konfrontativen Grammatik zuordnen: „Ein Grenzgebiet zwischen reiner typologischvergleichender Sprachwissenschaft und angewandter Sprachwissenschaft ist die angewandte
konfrontative Grammatik. Diese geht vom Zustand der sprachlichen Information in Bezug auf
den
Lernenden
aus
und
untersucht
fremdsprachliche
Informationen,
die
den
muttersprachlichen Nullwert (der Informationen) grundsätzlich überschreiten, und solche, die
infolge der Übereinstimmung zwischen der Fremd- und Muttersprache identische Null-bitlnformationen darstellen― (Konnerth 1984: 17).
Der vergleichende Blick, der die typologisch-strukturellen Möglichkeiten der beiden
Sprachen im Auge behält „zeigt durch konkrete Gegenüberstellung, wie zwei Sprachen
jeweils verschieden die analytische bzw. synthetische Modifikation gebrauchen― (Ettniger
1974: 4). Auch Ettniger spricht an dieser Stelle von den Verhältnissen im Bereich der
Diminution und Augmentation.
Das Bild der Diminution im Deutschen kann auf verschiedenen Ebenen mit den möglichen
Ausdrucksformen im Arabischen verglichen werden. Zum einen können die verwendeten
sprachlichen Strukturen von dem Hintergrund der typologischen Charakteristika des
Deutschen und des Arabischen einander gegenübergestellt werden. Zum anderen kann und
muss es also auch darum gehen, den genauen funktionellen Einsatz dieser Mittel
herumzugehen.
110
Hier gibt es möglicherweise kulturelle Konstanten (z. B. Verkleinerung für Ironie aber auch
für Verniedlichung) – es gibt jedoch auch erkennbare kulturelle Differenzen, etwa die im
Arabischen gegebene Möglichkeit, mit Diminutiva eine vorrangig abschätzige Bewertung zu
verbinden –.
Zudem lassen sich auch praxisbezogene Erkenntnisse für eine angemessene Lehre im Bereich
des Deutschen als Fremdsprache im arabisch sprachigen Kontext ziehen.
Zum Schluss dieser dreistufigen Unterscheidung sollen die synchronen Verhältnisse im
Deutschen und Arabischen vergleichend einander gegenübergestellt werden. Das ist bis jetzt
im Hinblick auf die Diminution noch nicht geschehen.
Wir versuchen hier die Gemeinsamkeiten sowie die Unterschiede bei der Bildung, Bedeutung
und beim Gebrauch der Diminution als vitales sprachliches Phänomen beider Sprachen
aufzudecken, damit wir die Lücken in diesem Bereich füllen und sowohl den arabischen
Deutschlernenden, als auch den deutschen Arabischlernenden entsprechendes Material zur
Verfügung stellen können.
In den vorangegangenen Kapiteln haben wir die Form, die Beschränkungen, die Basis sowie
die Funktion der Diminution im Deutschen und auch im Arabischen anhand vieler Beispiele
und Belege thematisiert und analysiert, denn „beim Sprachvergleich […] ist notwendig, die
möglichen komplementären Verfahren von vornherein mitzuberücksichtigen, um Aussagen
über die möglicherweise unterschiedliche Ausnutzung von Verfahren in den verschiedenen
Sprachen treffen zu können, die sich natürlich wiederum auf Funktionalität dieser Verfahren
auswirkt― (Würstle 1992: 51f.).
„Für den effektiven konfrontativen Sprachvergleich gilt es auch, die für ihn notwendige
Voraussetzung deutlich zu machen. Die wichtige Voraussetzung ist zweifellos die […] daß
der konfrontative Vergleich immer die einzelsprachliche Beschreibung der zu vergleichenden
Sprachen voraussetzt. Eine konfrontative (oder kontrastive) Grammatik kann erst sinnvoll
sein, wenn vorher die Einzelsprachen beschrieben sind― (Helbig 1976: 11).
Anhand der dargestellten Kapitel ist deutlich geworden, dass beide Sprachen – das Deutsche
als indogermanische und das Arabische als semitische Sprache – relativ reich in Bezug auf die
Verwendung von Diminutiven sind und die Diminution in beiden Sprachen weit verbreitet ist,
so dass ein Vergleich eine breite Basis hat.
Bei der Kontrastierung sollen die hauptsächlichen Schwierigkeiten und Probleme bei der
Diminution dargestellt werden, die dem deutschlernenden Araber begegnen.
111
Dabei werden wir uns auf die folgenden Punkte konzentrieren:
1. Wir werden auf die Formen der Diminutivbildung im Deutschen und ihre
Entsprechungen im Arabischen eingehen, um die Fragen zu beantworten, wie die
Diminution in der deutschen Sprache als indogermanischer Sprache und die
Diminution in der arabischen Sprache als semitischer Sprache entwickelt ist und
welche die Gemeinsamkeiten und Unterschiede auf morphologischer, syntaktischer,
semantischer und pragmatischer Ebene zwischen beiden Sprachen vorhanden sind.
Verglichen werden also zwei Sprachstrukturen, wie sie in Grammatiken beschrieben
werden.
2. Des Weiteren soll die Fragen behandelt werden, welche Wortarten als Basen der
Diminutive im Deutschen und im Arabischen dienen und ob Unterschiede zwischen
beiden Sprachsystemen bestehen.
3. Weiterhin werden die Fälle und Situationen behandelt, in denen die Diminutivformen
im Deutschen und im Arabischen verwendet werden. Dabei geht es auch um die
Frage, ob es Gemeinsamkeiten und Unterschiede beim Gebrauch der Diminution in
den beiden Sprachen gibt, da sie zu verschiedenen Sprachfamilien gehören.
4. Schließlich werden die Beschränkungen zur Diminutivbildung im Deutschen und
Arabischen behandelt. Es sollen die Fragen geklärt werden, in welchen Fällen
Diminutionen in den beiden Sprachen nicht verwendet werden dürfen und ob es dabei
Übereinstimmungen zwischen beiden Sprachen gibt.
112
5.1. Der Vergleich im Bereich der Gemeinsamkeiten und Unterschiede
5.1.1. Auf morphologischer Ebene
Formal gesehen haben „das deutsche und das arabische Grammatiksystem einen ähnlichen
Aufbau. In beiden Grammatiksystemen sind die sprachlichen Einheiten hierarchisch auf den
Ebenen Laut, Phonem, Morphem, Wort, Satzglied, Satz, Absatz und Text organisiert―
(Ahmed 1996: 7).
Die Bildung der Diminutive im Deutschen und Arabischen weist Ähnlichkeiten und
Unterschiede auf. In beiden Sprachen gibt es jedoch synthetische und analytische Strukturen
zum Ausdruck der Diminution.
Was die synthetische Diminution angeht, so wird diese in beiden Sprachen durch
verschiedene Verfahren morphologischer Wortbildung realisiert.
Im Deutschen wird die Diminution durch Suffigierung und Präfigierung gebildet (vgl. 3.2.1.).
Es gibt ein ausgebautes System von speziellen Wortbildungsaffixen nur für die
Diminutivbildung. Einerseits findet man Strukturen für die Diminution mit Suffixen wie
{-chen}, {-lein}, {-i} u. a.,91 die sich der Basis anschließen, und andererseits Strukturen mit
Präfixen wie {Mikro-} und {Mini-}, die vor die Basis gesetzt werden.
Demgegenüber kennt man in der arabischen Sprache ebenfalls ein ausgebautes System für die
Diminutivbildung. Man unterscheidet drei Stammbildungen (Wurzeln) für Diminutiva, diese
sind: die Struktur ًْ١‫{ فُ َؼ‬fucayl}, die von der dreiradikaligen Wurzel ً‫{ فؼ‬f-ca-l} abgeleitet wird,
die Strukturen ً‫ ِؼ‬١ْ ‫{ فُ َؼ‬fucaycal} und ً١‫ْؼ‬١‫{ فُ َؼ‬fucaycayl}, als Wurzeln für die Diminutivbildungen
von vier- oder fünfbuchstabigen Wörtern. Allerdings dezimieren die drei genannten
Stammbildungen den Bereich Mittel der Infigierung, d. h., es gibt systematische Veränderung
im Stamm des Wortes.
Bei der Diminutivbildung des Arabischen spielen die Suffigierung und die Präfigierung keine
Rolle, obwohl das Arabische diese Wortbildungsverfahren kennt. Die arabischen Diminutive
bilden ihre Strukturen durch Hinzufügung des Infixes -i- oder durch gleichzeitige
Hinzufügung des Infixes -i- und Stammvokalwechsel, d. h. durch Infigierung (inneren
Wechsel) (vgl. 4.1.1).
Die Tabelle auf der folgenden Seite, bei der deutsche Beispiele und ihre Entsprechungen im
Arabischen gegenübergestellt werden, soll den Unterschied bei der Diminutivbildung in
beiden Sprachen verdeutlichen:
91
Das Deutsche gebraucht hauptsächlich die zwei Diminutivsuffixe {-chen} und {-lein} (vgl. Korpus im
Anhang, Würstle 1992: 53-63, Fleischer/Barz 1992: 178-182, Klimaszewska 1983: 42-59).
113
Dim.
Wortbildungsverfahren
Strukturen
Beispiele
Kommentare
dt.
a) durch Suffigierung
Diminutive mit
Suffixen wie {-chen},
{-lein}, {i-} u.a.
Affe –Äffchen
d. h. ein kleiner
junger Affe.
b) durch Präfigierung
Diminutive mit
Präfixen wie {Mini-},
{Mikro-}
Hinzufügung vom
Infix {-i-}
Boot –
Miniboot
d. h. ein kleines
Boot.
‫ع – لُؽظ‬٠‫لُ َؽ‬
{qrd – qrîd}
d. h. ein kleiner
junger Affe.
Hinzufügung vom
Infix {-i-} +
Stammvokalwechsel
‫ؽة – لبؼة‬٠ُٛ‫ل‬
{qârb – qȗîrb}
d. h. ein
kleines,
winziges Boot.
arab. a) durch Infigierung
Tabelle (1): Möglichkeiten der Diminutivbildung des Deutschen und Arabischen
Es ist zu bemerken, dass es sich im Deutschen häufig um alternative Formen handelt. So sagt
man beispielsweise Bildlein, Bildchen, Minibild, Mikrobild etc. Alle diese Konstruktionen
haben die gleiche Bedeutung, nämlich (sehr) kleines Bild. Allerdings gibt es z. T.
unterschiedliche Funktionen und Kommunikationssituationen.
Im Arabischen dagegen handelt es sich nicht um alternative Strukturen, sondern die
Diminutive haben die Strukturen ًْ١‫ { فُ َؼ‬fucayl}, ً‫ ِؼ‬١ْ ‫{ فُ َؼ‬fucaycal} und ً١‫ْؼ‬١‫{ فُ َؼ‬fucaycayl}, die
durch Infigierung oder gleichzeitige Infigierung und Stammvokalwechsel realisiert wird. So
kann beispielsweise das Diminutivum ‫ؽح‬٠ٛ‫{ ط‬ṣuira} im Arabischen allen Diminutivformen
Bildlein, Bildchen, Minibild, Mikrobild gegenüberstehen. Die folgende Tabelle zeigt das
deutlich:
Grundwort
Diminutive im Deutschen
Bild – ‫ؼح‬ٛ‫{ ط‬ṣȗra}
Bild-lein/ Bild-chen/Mini-bild/ Mikrobild
Bär – ‫{ ظة‬db}
Bär-chen/Bär-lein/Mini-bär
Ihre arabische
Entsprechung
‫ؽح‬٠ٛ‫ط‬
ُ {ṣȗîra}
‫ت‬١‫{ ُظث‬dubîb}
Bank – ‫{ ِظؽف‬mṣraf} Bänk-chen/Bänk-lein/Mini-bank/
Mikro-bank
‫ؽف‬١‫{ ُِظ‬mṣiraf}
Band – ‫{ زؿِخ‬ḥuzma}
Bänd-chen/Bänd-lein/Mini-band/
Bänd-el/ Mikro-band
‫ّخ‬٠‫{ ُزؿ‬ḥuzima}
Alge – ‫شخ‬١‫{ زش‬ḥašiša}
Mini-alge/Mikro-alge
‫شخ‬١‫{ ُزش‬ḥušiša}
Affe – ‫{ لُؽظ‬qrd}
Äff-chen/Mini-äffchen/Äff-lein/
Mikro-affe
‫ع‬٠‫{ لُ َؽ‬qrîd}
Tabelle (2): Diminutivformen im Deutschen und ihre Entsprechungen im Arabischen
114
Obwohl die deutschen Diminutive in der Tabelle (2) verschiedene Strukturen haben können,
entspricht ihnen nur eine Struktur im Arabischen, die durch Infigierung gebildet wird. So
kann man zum Beispiel im Deutschen Bärchen, Bärlein, Minibär sagen, um einen kleinen Bär
zu bezeichnen. Im Arabischen hingegen gebraucht man nur eine Diminutivform, nämlich ‫ت‬١‫ظث‬
{dȗbîb}, die durch Hinzufügung des Infixes {-i-} gebildet wird:92
a) Bär = ‫{ دب‬db}
dt. Bärchen, Bärlein, Minibär = drei Möglichkeiten der synthetischen Diminutivbildung
arab. ‫ت‬١‫{ ُظث‬dubîb} = nur eine Möglichkeit der synthetischen Diminutivbildung
b) Affe = ‫{ قرد‬qrd}
dt. Äffchen, Miniäff, Äfflein, Mikroaffe = vier Möglichkeiten der synthetischen
Diminutivbildung
arab. ‫ع‬٠‫{ لُ َؽ‬qrîd} = nur eine Möglichkeit der synthetischen Diminutivbildung
c) Band = ‫{ حزيح‬ḥuzma}
dt. Bändchen, Bändlein, Miniband, Bändel, Mikroband = fünf Möglichkeiten der
synthetischen Diminutivbildung
arab. ‫ّخ‬٠‫{ ُزؿ‬ḥuzima} = nur eine Möglichkeit der synthetischen Diminutivbildung
Aus dem Dargestellten lassen sich beim Vergleich der deutschen synthetischen
Diminutivbildungen mit ihren Entsprechungen im Arabischen große typologische
Unterschiede im System beider Sprachen feststellen.
Bei der Diminutivbildung des Deutschen mit den Suffixen {-chen} und {-lein} findet häufig
eine Umlautung des Stammes und manchmal auch gleichzeitig eine Apokope statt (vgl.
3.2.1.1), wie an den folgenden aus unserem Korpus entnommenen Belegen zu sehen ist: Apfel
– Äpfelchen, Band – Bändlein, Blase – Bläschen, Blume – Blümchen, Bluse – Blüschen,
Bombe – Bömbchen etc.
So bildet das Phänomen Umlautung eine Besonderheit der synthetischen Diminutivbildung im
Deutschen, welches man nur bei der Suffigierung kennt. Im Arabischen hingegen kennt man
die Vokalzeichen.
92
In der Umgangssprache kann man auch ‫ة‬ٚ‫{ ظثع‬dabdub} sagen.
115
Eine weitere Besonderheit der Diminutivbildung mit den Suffixen {-chen} und {-lein} im
Deutschen besteht darin, dass bei der Diminutivbildung immer Substantive mit dem Genus
Neutrum gebildet werden. Dabei sind die morphologischen Regeln stärker als die
semantischen, da das Genus Neutrum unabhängig davon gilt, ob es sich um eine männliche
oder weibliche Person handelt. So ist zum Beispiel ein Diminutivum wie Schwesterchen
grammatisch ein Neutrum, semantisch aber eine Bezeichnung für eine weibliche Person.
Im Arabischen – anders als im Deutschen, wo das Diminutivsuffix grundsätzlich das
morphologische Merkmal Neutrum trägt – sind die semantischen Regeln stärker als die
morphologischen. Bei der Diminutivbildung des Arabischen behält das Substantiv nicht nur
die Wortart des Stammes, sondern auch sein Genus, d. h., wenn das Substantiv maskulin ist,
bleibt es bei der Diminutivbildung auch maskulin; und wenn es feminin ist, bleibt es auch
nach der Diminutivbildung ebenso feminin. So ist zum Beispiel ein Diminutivum wie ‫ّخ‬١ َ‫أُض‬
{âuḫîa} – (dt. Schwesterchen) grammatisch ein Femininum und semantisch ebenso eine
Bezeichnung für eine weibliche Person ist.
Das unterschiedliche Verhalten hinsichtlich der Genuszuweisung der Diminutive könnte mit
dem System jeder Sprache zusammenhängen. Schauen wir uns nun die folgenden Beispiele
an, welche den Unterschied zwischen Arabischem und Deutschem in diesem Zusammenhang
deutlich darstellen:93
Deutsch
a) Der Bruder (Maskulinum – männlich)
Das Brüderchen (Neutrum – männlich)/ Diminutivum
b) Die Schwester (Femininum – weiblich)
Das Schwesterchen (Neutrum – weiblich)/ Diminutivum
c) Das Kind (Neutrum – Neutrum)
Das Kindchen (Neutrum – Neutrum)/ Diminutivum
Arabisch
a) ‫أش‬/dt. Bruder (Maskulinum – männlich)
ٟ‫ض‬
ّ ُ‫أ‬/ dt. Brüderchen (Maskulinum – männlich)/ Diminutivum
‫أُضذ‬/dt. Schwester (Femininum – weiblich)
‫ّخ‬١ َ‫أُض‬/dt. Schwesterchen (Femininum – weiblich)/ Diminutivum
93
So gibt es im Deutschen drei Genera (Maskulinum, Femininum und Neutrum) und keine Übereinstimmung
zwischen Genus und Sexus, während es im Arabischen nur zwei Genera (Maskulinum und Femininum) und eine
Übereinstimmung zwischen Genus und Sexus bei Diminutiven vorhanden ist.
116
Dass das Substantiv sein Genus bei der Diminutivbildung behält, d. h. das Diminutivum erbt
typischerweise das Genus der Basis, gilt im Deutschen nur für nominale Diminuierung mit
den Präfixen {-i}, {Mini-}, {Mikro-}, nicht jedoch für die mit den Suffixen {-chen} und
{-lein}. Während {-i}, {Mini-}, {Mikro-}, ähnlich wie arabische Diminuierung das Genus
erhalten, weisen {-chen} und {-lein} dem Nomen stets Neutrum zu.
Manchmal treten zwei Diminutivsuffixe oder Diminutivsuffixe und -präfixe nebeneinander
auf. Im Deutschen bezeichnet man dieses Phänomen Doppeldiminuierung. Davon spricht
man, wenn ein bereits diminuiertes Substantiv ein weiteres Mal diminuiert wird. So gibt es in
der deutschen Sprache solche Konstruktionen, die eine Doppeldiminuierung durch (Mikro/Mini- + -chen), (-el + -chen) oder (-i + -lein/-chen) ermöglichen (vgl. 3.2.1.2 und 3.2.1.3).94
In diesem Fall wird eine höhere Verkleinerungsstufe oder auch eine Verstärkung der
liebkosenden, bösartigen bzw. hämischen Bedeutung erreicht.
Im Arabischen dagegen ist die synthetische Diminutivbildung von einer bereits diminuierten
Basis nicht möglich. Die Doppelmarkierung der Diminution im Deutschen wird im
Arabischen durch gleichzeitig synthetische und analytische (adjektivisch) Modifikation
ausgedrückt. Im Folgenden ist eine Tabelle gegeben, die aufzeigen soll, welche Strukturen im
Arabischen der Doppeldiminuierung im Deutschen gegenüberstehen:
Doppeldiminuierte Konstruktionen
im Deutschen
Ihre arabischen Entsprechungen
‫ؽ‬١‫ت طغ‬١‫{ ُوز‬kutîb ṣġîr}
(wörtlich: kleines Büchlein)
Mini-bär-chen
‫ؽ‬١‫ت طغ‬١‫{ ُظث‬dȗbîb ṣġîr}
(wörtlich: junges Bärchen)
Mutt-i-lein
‫جخ‬١‫خ زج‬١ُِ‫{ ا‬umîa ḥabîbh}
(wörtlich: geliebte Mutti)
Mikro-bläs-chen
‫ؽح‬١‫ؼخ طغ‬١‫{ فُم‬fuqîca ṣġîra}
(wörtlich: kleines Bläschen)
Mini-fläsch-chen
‫ؽح‬١‫ٕخ طغ‬١ٕ‫{ ل‬qunîna ṣġîra}
(wörtlich: kleine Flasche)
Mini-film-chen
‫ؽ‬١‫ُ لظ‬١ٍُ‫{ ف‬fulîm qṣîr}
(wörtlich: kurzes Filmchen)
Mini-dörf-chen
‫ؽح‬١‫خ طغ‬٠‫{ لؽ‬qurîah ṣġîra}
(wörtlich: kleines Dörfchen)
Löch-el-chen
‫ؽ‬١‫ت طغ‬١‫{ ثم‬tuqîb ṣġîra}
(wörtlich: kleines Löchlein)
Tabelle (3): Doppeldiminuierung in beiden Sprachen
Büch-el-chen
94
Die zusammengesetzten Diminutivsuffixe scheinen unproduktiv oder okkasionell zu sein (vgl. Nekula 2003:
158).
117
In der arabischen Schriftsprache tritt die analytische Diminution außerdem offensichtlich
weitaus öfter in Kombination mit der synthetischen Diminution auf wie in ‫ؽ‬١‫ت طغ‬١‫{ ُظث‬dubîb
ṣġîr} – ein kleines Bärchen. So findet man zum Beispiel bei Amin Kombinationen von
Diminutivformen wie ً‫ؽا‬١‫جبً طغ‬١‫{ ُوز‬kutîbn ṣaġirn} – kleines Büchlein (vgl. Amin 1974: 184).
Die doppelte Anfügung führt zu einer Intensivierung der Diminutivbedeutung.
Bemerkenswert ist, dass die synthetischen Diminutivformen im Deutschen gewöhnlich vom
Singular gebildet werden. Bei Pluralen sind die Diminutive mit {-chen} und {-lein} in der
deutschen Sprache ungewöhnlich und unüblich. Diese Option gilt nur für -er Plurale, wie zum
Beispiel: Hühner – Hühnerchen, Lieder – Liederchen, Kinder – Kinderchen etc.
Im Unterschied zum Deutschen ist im Arabischen in der Regel die synthetische
Diminutivbildung von Pluralen gewöhnlich und üblich.95
Im Allgemeinen lassen sich die Unterschiede zwischen dem Deutschen und dem Arabischen
im Hinblick auf die Diminutivbildung von Pluralen wie folgt darstellen:
Deutsche Strukturen
Arabische Entsprechungen
Basis Pl.
Diminutive
Basis Pl.
Jungen
Ø
‫خ‬١‫{ طج‬ṣbih}
Diminutive
‫َخ‬١ِ‫ج‬١ْ ‫ط‬
َ ُ‫{ أ‬âṣibih}
Eier
Eierchen
‫ع‬ٛ١‫{ ث‬biȗḍ}
‫ؼبد‬٠ُٛ‫{ ث‬bȗiḍât}
Lehrerinnen
Ø
‫{ ِؼٍّبد‬mclmat}
‫ٍّبد‬١‫{ ُِؼ‬mucîlmat}
Blätter
Blätterchen
‫ؼاق‬ٚ‫{ ا‬âȗrâq}
‫مبد‬٠‫ؼ‬ُٚ {ȗriqât}
Bleistifte
Ø
َ‫{ ألال‬âqlam}
َ‫ال‬١‫{ اُل‬âqîlam}
Bilder
Bilderchen
‫ؼ‬ٛ‫{ ط‬ṣur}
‫ؽاد‬٠ُٛ‫{ ط‬ṣuirât}
Datteln
Ø
‫{ رّؽاد‬tmrât}
‫ؽاد‬١ُّ‫{ ر‬tumîrat}
Dichter
Dichterchen
‫{ شؼؽاء‬šcrâa}
ْٚ‫ؼؽ‬٠ٛ‫{ ُش‬šȗîcrȗn}
Kamele
Ø
‫{ اخّبي‬âğmâl}
‫ّبي‬١‫{ اُخ‬âğimal}
Tabelle (4): Die synthetische Diminutivbildung von Pluralen im Deutschen und
Arabischen
95
In diesem Fall muss man die Diminutive mit der Basis lernen, denn im Arabischen unterscheidet man zwei
Arten von Pluralen, die gesunde und gebrochene Pluralen genannt werden. Der gesunde Plural wird durch
Hinzufügung von Suffixen realisiert. Die sog. gebrochenen Pluralformen werden aber durch einen
Stammvokalwechsel gebildet. (vgl. Mohammed 1973: 57f.).
118
Daraus lässt sich erschließen, dass die Diminutivbildung von Pluralen im Deutschen sehr
beschränkt ist. Pluralformen wie Jungen, Kamele, Datteln, Bleistifte, Freundinnen etc. können
morphologisch nicht diminuiert werden.
Im Arabischen dagegen kennt man fast keine Restriktionen für die Diminutivbildung von
Pluralen. Namen können ebenfalls im Arabischen Pluralformen haben, die diminuierbar sind.
Es gibt aber viele Beschränkungen im arabischen System für die Bildung der synthetischen
Diminutive von Singular.
In der arabischen Sprache kann beispielsweise der sogenannte "Masdar" (vgl. 5.3), der einen
großen Teil des arabischen Wortschatzes bildet, synthetisch nicht diminuiert werden.
Demnach haben viele synthetische Diminutivformen im Deutschen nur analytische
Entsprechungen im Arabischen, was ein Problem beim Fremdsprachenunterricht und beim
Übersetzen bildet, denn man muss wissen, welche Formen im Deutschen dem Masdar im
Arabischen gegenüberstehen:
Basis
Diminutive im Deutschen Ihre arabische Entsprechung
Anschluss
Mikroanschluss
‫ً صغير‬١‫ط‬ٛ‫{ ر‬tawṣil ṣġîr}
(wörtlich: kleiner Anschluss)
Anschlag
Minianschlag
‫َ تسيظ‬ٛ‫{ ٘د‬hiğwm basiṭ}
(wörtlich: leichter Angriff)
Apfel
Äpfelchen
‫{ رفبزخ صغيرج‬tufaḥa ṣġîra}
(wörtlich: kleiner Apfel)
Anwendung
Minianwendung
‫{ اقزؼّبي صغير‬istamal ṣġîr}
(wörtlich: kleine Anwendung)
Arbeit
Mikroarbeit
‫{ ػًّ دقيق‬cml daqiq}
(wörtlich: sehr kleine Arbeit)
Tier
Tierchen
‫اْ صغير‬ٛ١‫{ ز‬ḥaiwan ṣġîr}
(wörtlich: junges Tier)
Abenteuer
Miniabenteuer
‫{ ِغبِؽح صغيرج‬mugamara ṣġîra}
(wörtlich: kleines Abenteuer)
Architektur
Mikroarchitektur
‫{ٕ٘عقخ اٌجٕبء انذقيقح‬handasat albinaa
aldaqiqa}
(wörtlich: kleine Architektur)
Tabelle (5): Synthetische Diminutive im Deutschen gegeüber analytischen
im Arabischen
119
So werden Lexeme wie Anschluss, Anwendung, Abenteuer, Architektur, Apfel, Andacht,
Arbeitstier u. a. nicht in synthetische, sondern in analytische Diminutivformen im Arabischen
übertragen, da sie hier Masdar sind.
Ebenso sind in der arabischen Sprache die fremden Nomen und Namen synthetisch nicht
diminuierbar, da sie im arabischen Sprachsystem keinen Grundstamm (Wurzel) haben.
Deswegen werden sie in analytische Diminutivformen im Arabischen übersetzt, wie anhand
der folgenden Tabelle deutlich zu sehen ist:
Grundwort
Diminutive im Deutschen
Ihre arabische Entsprechung
Albert
Albertchen
‫{ اٌجؽد انصغير‬albert alṣġîr}
(wörtlich: der kleine Albert)
Album
Minialbum
‫ؽ‬١‫َ طغ‬ٛ‫{ اٌج‬album ṣġîr}
(wörtlich: ein kleines Album)
Appartements
Miniappartements
‫{ شمك صغيرج‬šuqq ṣġîra}
(wörtlich: kleine Appartements)
Boygroup
Miniboygroup
‫ػخ صغيرج ِٓ اٌشجبة‬ّٛ‫{ ِد‬mağmuaa
ṣġîra min alšabab}
(wörtlich: eine kleine Jungengruppe)
Anton
Antonchen
‫ْ انصغير‬ٛ‫{ أز‬anton alṣġîr}
(wörtlich: der kleine Anton)
Tabelle (6): Synthetische Diminutive im Deutschen und ihre Entsprechungen im
Arabischen
Von daher kann man feststellen, dass die synthetische Diminutivform im Arabischen eine
deutliche eingeschränkte Verwendung als im Deutschen hat.
In beiden Sprachsystemen unterscheidet man aber gemeinsame Restriktionen für die
Diminutivbildungen.
Bei
den
folgenden
Gruppen
von
Diminutivbildungen nicht üblich oder nicht möglich (4.4, 3.6):
a. Maschinenbezeichnungen
b. Instrumentenbezeichnungen
c. Ländernamen
d. Bezeichnungen für Nationalitäten
e. Namen der Wochentage und Monate
120
Bezeichnungen
sind
die
Dagegen werden in beiden Sprachen Konstruktionen wie Eigennamen, Verwandtschaftsbezeichnungen,
Tierbezeichnungen,
Kleiderbezeichnungen,
Orts-
und
Gebäude-
bezeichnungen, Körperteilebezeichnungen, Berufsbezeichnungen etc. als prototypische Basen
für die Diminutivbildung betrachtet. Sie kommen als Basiswörter vor und bleiben bei der
Diminutivbildung, was sie sind; sie erhalten nur zusätzlich eine verkleinernde oder eine
emotionale Bedeutung:
Bezeichnungen
Diminutive im
Deutschen
Ihre arabische
Entsprechungen
Verwandtschaftsbezeichnungen
Söhnchen
Sohn – ٓ‫{ اث‬abn}
Brüderchen
Bruder – ‫{ أش‬âḫ}
Tantchen
Tante – ‫{ ػّخ‬cma}
َّٟ ُٕ‫{ ث‬bnî}
ّٟ ‫{ أُض‬âuḫî}
‫خ‬١ّ‫{ ُػ‬cmia}
Berufsbezeichnungen
Lehrer – ٍُ‫{ ِؼ‬muclm}
Kaufmann – ‫{ ربخؽ‬tağr}
Schreiber – ‫{ وبرت‬kâtb}
Lehrerlein
Kaufmännlein
Schreiberling
ٍُ١‫{ ُِؼ‬mucîlm}
‫دؽ‬٠ُٛ‫{ ر‬tȗiğr}
‫زِت‬٠َٛ ‫{ ُو‬kȗîtb}
Tierbezeichnungen
Katze – ‫{ لطخ‬quṭa}
Hund – ‫{ وٍت‬klb}
Pferd – ‫{ فؽـ‬frs}
Kätzchen
Hündchen
Pferdchen
‫طَخ‬١ْ َ‫{ لُط‬quṭîṭa}
‫ت‬١ٍ‫{ ُو‬kulîb}
‫ف‬٠‫{ فُؽ‬frîs}
Körperteilebezeichnungen
Ohr – ْ‫{ أغ‬âdn}
Mund – ُ‫{ ف‬fm}
Hand – ‫ع‬٠ {yd}
Öhrchen
Mündchen
Händchen
‫ٕخ‬٠‫{ اُغ‬âdîna}
ٗ٠ُٛ‫{ ف‬fȗîh}
‫خ‬٠‫ُع‬٠ {ydîa}
Kleiderbezeichnungen
Kleid – ‫ة‬ٛ‫{ ث‬tȗb}
Schleier – ‫{ ػجبءح‬cbâa}
Hemd – ‫ض‬١ّ‫{ ل‬qmiṣ}
Kleidchen
Schleierlein
Hemdchen
‫ت‬٠ُٛ‫{ ث‬tȗîb}
‫خ‬٠‫{ ػُجب‬cbâîa}
‫ض‬١ُّ‫{ ل‬qumiṣ}
Tabelle (7): Prototypische Basen für die Diminutivbildung im Deutschen und
Arabischen
Nur von Abstrakta werden im Deutschen und ebenfalls im Arabischen selten Diminutive
gebildet; Ableitungen wie *Ängstlein – *‫ف‬٠ٛ‫ ض‬oder *Freudchen – *‫ر‬٠‫ فؽ‬kommen in beiden
Sprachen nicht vor, und ein Festlein – ‫ع‬١١ُ‫ ػ‬oder Stündchen – ‫ؼخ‬٠ُٛ‫ ق‬entsprechen eben nicht
einem ‚kleinen Fest‗ oder einer ‚kleinen Stunde‗, sondern bezeichnen ein schönes,
verniedlichendes Fest und eine schöne nette Stunde.
121
Solche Bildungen betrachtet man in beiden Sprachen als spontane Bildungen. Insgesamt
bleibt die Frage, ob Abstrakta diminuiert werden können, in beiden Sprachen umstritten.
Einige deutsche und arabische Autoren wie Henzen, Mutz, Al-Bagdadi, Al-Masri u. a.
meinen, dass die Zeitangaben als Diminutivbasis erscheinen können, wie bei Jährchen,
Stündchen, Minütchen, Augenblickchen etc. (vgl. 3.6., 4.4).
In diesem Fall signalisiert die Diminuierung keine Reduktion (etwa im Sinne von „kleines
Jahr―, „kleine Stunde―, „kleine Minute― etc.), sondern signalisiert emotionale Affektivität, mit
der der Sprecher seine intimen Beziehungen und Verhältnisse zum Partner kennzeichnet.
Andere jedoch, wie z. B. Würstle, Ibn Ğini u. a. schließen die Abstrakta von der
Diminutivbildung aus und begründen das mit dem Einfluss der außersprachlichen Realität auf
die Norm der Sprache (vgl. ebenda).
Zusammenfassend und Abschließend lässt sich sagen, dass es im Deutschen wie im
Arabischen synthetische Mittel zum Ausdruck der Diminution gibt, allerdings ist die Struktur
unterschiedlich. Das Arabische kennt bei der Diminutivbildung die Infigierung, das Deutsche
die Suffigierung und Präfigierung. Unterschiede gibt es zudem in der funktionellen
Bedeutung des ursprünglichen Mittels, wodurch es im Deutschen keine grundsätzliche
Beschränkungen für die Suffigierung gibt, während für die Infigierung im Arabischen
deutliche Beschränkungen vorhanden sind.
5.1.2. Auf syntaktischer Ebene
Weitet man den Blick auf die nominalen Diminutive des Deutschen aus, so findet man, neben
den diminutiven Suffixen und Präfixen, auch die Diminution durch Attribute wie klein,
winzig, jung und durch Komposition mit Klein-, Halb-, Teil- oder Zwerg(en)- (vgl.
3.2.2.2).Das heißt mit anderen Worten, dass es in der deutschen Sprache ebenfalls andere
Ausdrucksformen gibt, welche die durch Diminutivsuffixe realisierte Minimalisierung zum
Ausdruck bringen können (vgl. 3.2.2.2). Im Gegensatz zum Deutschen bildet das Adjektiv
klein im Arabischen mit anderen sprachlichen Einheiten kein Kompositum, sondern es taucht
bei der Diminutivbildung nur als Attribut auf, obwohl man in der arabischen Sprache – wie
auch im Deutschen – Determinativkomposita und Kopulativkomposita kennt (vgl. 4.1.2.1).96
96
Wie im Deutschen unterscheidet man im Arabischen Determinativkomposita und Kopulativkomposita. So gibt
es im Arabischen Konstruktionen, die aus zwei sprachlichen Einheiten bestehen, welche zueinander in einer
subordinierenden Beziehung stehen wie ٞٚ‫ب‬١ّ١‫و‬ٚ‫( ثزؽ‬dt. petrochemisch). In diesem Fall spricht man von
Determinativkomposita. Daneben kennt das Arabische Konstruktionen, die aus zwei sprachlichen Einheiten
bestehen, die zueinander in einem koordinierenden Verhältnis stehen wie ٞ‫ ثظؽ‬ٟ‫( قّؼ‬dt. audiovisuell). Diese
Konstruktionen werden Kopulativkomposita genannt.
122
Daher lassen sich beim Vergleich der deutschen analytischen Diminutivbildungen mit ihren
Entsprechungen im Arabischen große typologische Unterschiede im System beider Sprachen
feststellen:97
Grundwort
Analytische
Diminutivformen im
Deutschen
a) kleine Anzeigen
b) Kleinanzeigen
Ihre arabische Entsprechung
Arbeit – ًّ‫{ ػ‬cml}
a) kleine Arbeit
b) Kleinarbeit
‫ؽ‬١‫{ ػًّ طغ‬cml ṣġîr}
(wörtlich: kleine Arbeit)
Anlage – ‫بؾ‬ٙ‫{ خ‬ğihaz}
a) kleine Anlage
b) Kleinanlage
‫ؽ‬١‫بؾ طغ‬ٙ‫{ خ‬ğihaz ṣġîr}
(wörtlich: kleine Anlage)
Bär – ‫{ ظة‬db}
a) kleiner Bär
b) Kleinbär
‫ؽ‬١‫{ ظة طغ‬db ṣġîr}
(wörtlich: kleiner Bär)
Familie – ‫{ ػبئٍخ‬caila}
a) kleine Familie
b) Kleinfamilie
‫ؽح‬١‫{ ػبئٍخ طغ‬caila ṣġîra}
(wörtlich: kleine Familie)
Anzeige – ْ‫{ اػال‬âclan}
‫ؽح‬١‫{ اػالٔبد طغ‬âclanat ṣġîra}
(wörtlich: kleine Anzeigen)
Tabelle (8): Analytische Diminution im Deutschen und ihre Entsprechung im
Arabischen
Aus den Beispielen geht hervor, dass die beiden deutschen Strukturen (Zusammensetzung mit
Klein- und der Attribuierung von klein), welche die attributiven Diminutivbildungen in der
deutschen Sprache repräsentieren, in die Attribuierung von klein im Arabischen übersetzt
werden. In diesem Fall taucht das Adjektiv klein im Deutschen flektiert vor seinen
Bezugswörtern auf und stimmt mit ihnen in Numerus, Kasus und Genus überein. So besteht
im Fall der Attribuierung von klein eine grammatische Kongruenz in Bezug auf die genannten
nominalen Kategorisierungen zwischen dem Bezugssubstantiv und dem attributiv
verwendeten Adjektiv klein.
Das attributive Adjektiv klein im Arabischen steht – im Unterschied zum Deutschen – nicht
vor dem Bezugswort, sondern immer danach und stimmt mit ihm in den Kategorisierungen
Numerus, Kasus, Genus und Status überein:
Nom. Sing.
Nom. Pl.
97
kleine Arbeit
{cmelun ṣġîrun}
kleine Arbeiten
{acmalun ṣġîratun}
Die Belege mit klein als Komposita und als Attribut sind im Anhang ersichtlich.
123
Akk. Sing.
Akk. Pl.
Dat. Sing.
Dat. Pl.
Gen. Sing.
Gen. Pl.
kleine Arbeit
{cmelan ṣġîran}
kleine Arbeiten
{acmalan ṣġîr}
kleiner Arbeit
{camelin ṣġîrin}
kleinen Arbeiten
{acmalin ṣġîratin}
kleiner Arbeit
{camelin ṣġîrin}
kleiner Arbeiten
{acmalin ṣġîratin}
Zusammenfassend lässt sich also sagen, dass das Deutsche und das Arabische sowohl über
synthetische Formen (Diminutivbildungen = Diminutiva) als auch über analytische Formen
(klein + Lexem) der Diminuierung verfügen. Durch unsere korpusbasierte Analyse und durch
die arabischen Texte haben wir festgestellt, dass das Deutsche und das Arabische die
analytische Diminution mit klein als Attribut bevorzugen, womit sich der große Unterschied
in der Frequenz der Diminution im Deutschen und Arabischen erheblich verringert.
Es bleibt in diesem Zusammenhang notwendig zu erwähnen, dass im Deutschen und
Arabischen zumeist Diminutive von sowohl einfachen als auch komplexen Substantiven aller
Genera gebildet werden, da in beiden Sprachen die Wortart Substantiv den größten Teil des
Wortschatzes bildet und in beiden Sprachen ein großes System für die Bildung der nominalen
Diminutive gegeben ist (vgl. 3.3; 4.2.).
Man unterscheidet ebenso typologische Unterschiede zwischen beiden Sprachen im
Zusammenhang der Diminutivstrukturen, die darin bestehen, dass Substantiv-, Adjektiv-,
Verb- und Partikeldiminuierung ein weit verbreitetes Phänomen im Deutschen, besonders in
der gesprochenen Sprache, ist.
Dagegen können Wortarten wie Präpositionen, Demonstrativpronomen, Relativpronomen,
Zahlwörter und Partizipien nicht zu einem Diminutiv im Deutschen abgeleitet werden (vgl.
3.3, 4.2.).
Im Unterschied zum Deutschen können in der arabischen Sprache weder die Verben noch die
Partikel als Diminutivbasis benutzt werden, gleiches gilt für Präpositionen.
Dagegen haben die anderen Wortarten in der arabischen Sprache wie Demonstrativpronomen,
Relativpronomen, Zahlwörter und Partizipien die Fähigkeit, als Diminutivbasen zu
erscheinen.
124
Anhand der Ausführungen lässt sich Folgendes feststellen:
a) Wortarten wie Substantive und Adjektive kommen hauptsächlich, in den beiden
Sprachen als Diminutivbasen vor.
b) Wortarten wie Verben und Partikel haben die Fähigkeit, im Deutschen als
Diminutivbasen zu erscheinen. Im Unterschied zum Deutschen können in der
arabischen Sprache weder die Verben noch die Partikel als Diminutivbasis benutzt
werden. Man kann ebenfalls hier nicht übersehen, dass diminuierte Verben und
Partikel, vor allem Grußpartikel, im Deutschen insbesondere in der gesprochenen
Sprache bzw. in Textsorten, die der gesprochenen Sprache nahe stehen, auftreten.
c) Belegt sind im Arabischen diminutive Zahlwörter, Partizipien, Demonstrativpronomen
und Relativpronomen, dagegen sind diese Wortarten in der deutschen Sprache nicht
fähig, als Diminutivbasen zu erscheinen.
Es lässt sich hier also darauf hinweisen, dass man in den beiden Sprachen hauptsächlich die
folgenden Diminutive unterscheidet:
-
Substantivische Diminutivbildungen wie: ‫ زدؽ‬Stein – ‫ؽ‬١‫ ُزد‬Steinchen, ‫ؼ‬ٛ‫ ػظف‬Vogel –
‫ؽ‬١‫ْف‬١‫ظ‬
َ ‫ ُػ‬Vöglein, ‫ شبػؽ‬Dichter – ‫ؼؽ‬٠ٛ‫ ُش‬Dichterling etc.
-
Adjektivische Diminutivbildungen wie in ‫ اضؼؽ‬grün – ‫ؼؽ‬١‫ اُض‬grünlich, ‫ ازّك‬dumm –
‫ّك‬١‫ اُز‬dümmlich, ‫غ‬٠‫ ِؽ‬krank – ‫ؽع‬١ُِ‫ ا‬kränklich etc.
5.1.3. Auf semantischer und pragmatischer Ebene
Die semantische Kategorie der Diminution spielt offenbar sowohl in deutschsprachigen, wie
auch in arabischsprachigen Gesellschaften eine auffällige Rolle, so dass sie pragmatische
Funktionen erfüllt, die weit über die Bezüge von "Kleinheit" hinausgehen. Dabei hat sich
gezeigt, dass ihr Gebrauch „von vielen Variablen abhängig [ist]: Alter, Geschlecht, sozialer
Status, Textsorte, Interaktionsniveau, Kreativität, Emotionen, Vertrautheit/Fremdheit oder
Sympathie/Antipathie zwischen den Sprechern usw. ― (Nekula 2003; 180).
Ihre wichtige Rolle in beiden Sprachen leitet sich daraus ab, dass es auch syntaktische Mittel
im Kern der Anwendung eines Adjektivs gibt, das "klein" bedeutet, um hier eine Kategorie
auszudrücken.
125
In beiden Sprachen gibt es im Kern des morphologischen Systems angedeutete synthetische
Mittel zu diesem Zweck. Es handelt sich hier jeweils um die typischen Mittel der jeweiligen
Sprachen, Suffigierung im Deutschen und Infigierung im Arabischen.98 Hängen diese
Unterschiede am typologischen Charakter der Sprachen, so ist es aufgrund aller angedeuteten
Einbettung sozialer Kontexte überraschend, dass sich sprachergreifende Züge und
Verwendungsweisen finden, die differente kulturelle Einschätzungen spiegeln.
In beiden Sprachen ist die Bedeutung der Verkleinerung und die der emotionalen
Bedeutungen eng miteinander verbunden. Die mit Diminution verbundene Bedeutung kann
sowohl positiv wie negativ sein, und beide Sprachmöglichkeiten für sich bieten.
Genau wie die Form Mütterchen – ‫خ‬١ُِ‫{ ا‬umaîah} in beiden Sprachen positiv bewertet wird,
sind Formen wie Bürschchen – ُ١ٍ‫{ ُغ‬ġulîm} negativ anzusehen und in beiden Sprachen mit
Verniedlichung, Liebkosung, Mitleid, Zärtlichkeit, Verspottung, Verachtung, Ironie etc.
verbunden. So liefert die Reduktion bei der Diminution eine Verkleinerung oder
Verringerung, die auch emotional verstanden werden kann.
So gibt es Beispiele, wo Kleinheit so weit als objektive Reduktion angesehen wird, dass es als
direkter Bezug auf etwas Großes zu sehen ist. Daneben gibt es natürlich auch Alltagsfälle, in
denen ein Element einfach gegen größeres in einem Objekt benannt wird. So gibt es in beiden
Sprachen eine entsprechende Bedeutung für ein kleines Haus: Häuschen und ‫ذ‬١١ُ‫{ ث‬bîît}, für
einen kleinen Affe: Äffchen und ‫ع‬٠‫{ لُ َؽ‬qrîd}. Zu beiden Fällen gibt es auch in beiden Sprachen
parallele Ansatzpunkte zur Emotionalisierung. Und so kann die Verniedlichung eines (auch
größeren) Hauses zu Verwendung des Diminutivs führen wie die Zuneigung zu einem kleinen
Lebenden, bei dem häufig assoziiert wird, dass es sich um ein Junges bzw. ein Kind handelt.
In diesem Fall spricht die Psychologie vom Kindchen.
Die Feststellung aus unserem Korpus bestätigt hier die Meinung der Literatur, dass die mit
den Diminutiven zum Ausdruck gebrachten Emotionen zumeist positiver Natur sind und die
hypokoristischen Effekte dominieren.
Dagegen wird in entsprechenden Untersuchungen zum Arabischen festgestellt, dass einerseits
der Ausdruck der emotionalen Bedeutung so groß sein kann, dass wenn sie beobachtet wird,
nur in verachteter oder verringerter Einschätzung bestehen kann.
Das heißt mit anderen Worten, dass die Diminutive des Arabischen in ihrer
Wortbildungsbedeutung – im Gegensatz zum Deutschen – außer "Verkleinerung" häufig eine
negative Wertung besitzen kann, und zwar die der "Verachtung".
98
Das Deutsche hat auch die Infigierung seit ahd. Zeit und dann weitgeweitet.
126
So meint man im Arabischen mit ًْ١‫{ ُؼ َخ‬rğîl} – Männlein meistens einen verachteten Mann
oder auch einen Mann, mit dessen Taten die anderen unzufrieden sind.
Man benutzt ebenfalls im Arabischen Ausdrücke wie ٍُ١‫{ ُِؼ‬mucîlm} – Lehrerchen, ‫ؼؽ‬٠ٛ‫ُش‬
{šuicr} – Dichterchen, ‫ ِزت‬٠َٛ ‫{ ُو‬kȗîtb} – Schreiberling etc., wenn man von der Tätigkeit der
genannten Personen nicht überzeugt ist.
So haben z. B. die Berufsbezeichnungen im Arabischen stets eine negative Bedeutung
erhalten, wenn sie diminuiert werden. Die Diminutivformen signalisieren in diesem Fall
Verachtung oder Ironie, da solche Bezeichnungen normalerweise bzw. prototypisch nicht
diminuiert werden können. Alle diese haben auch im Deutschen meistens eine negative
Bedeutung. Allerdings sind diese Verwendungen von dem Kontext oder der Einstellung des
Sprechers abhängig, wie in den folgenden Belegen aus unserem Korpus zu sehen ist:99
(134) „Weil die Nachbeben der Genieästhetik die deutschen Dichterlein hindern, erst einmal
das szenische Handwerk zu lernen.― (01.09.1998, S. 12)
(135) „Ach, Doktorchen, grinste der Kripo-Altmeister einigermaßen überheblich, mir
wollten schon viele ‗ne Nase drehen, aber am Ende hatte ich immer das bessere Blatt ..„
(08.05.1999, S. VIII)
(136) „"Führer Ex" heißt der Film, wo doch Heiko nur ein Führerchen wird.― (05.12.2002, S.
11)
In allen Fällen gibt es eine negative Bedeutung, die jedoch nicht von den Diminutivsuffixen
allein abhängt, sondern von der Semantik der Basis bzw. vom Thema oder der Situation für
die Verwendung der Diminutive.
Im Deutschen – im Unterschied zum Arabischen – weist das Diminutivum Freundchen eine
negative Wertung auf. Diese negative Wertung kann von Ironie über Geringschätzung bis
Abneigung reichen. „So sagt man im Deutschen ironisch "mein Freundchen", wenn man sich
gerade an eine unbeliebte oder gar gehasste Person wendet, z. B.: Du wirst nirgends hin
entfliehen, mein liebes Freundchen!― (Klimaszwska 1983; 58)
Im Arabischen dagegen signalisiert der Gebrauch von ٟ‫سج‬٠ٛ‫ط‬
ُ {ṣȗihby} – Freundchen die
emotionale Einstellung oder Beziehung des Sprechers im Sinne der Vertraut- oder
Bekanntheit. Solche Unterschiede zwischen beiden Sprachen könnten zum Missverständnis
unter den deutschen und arabischen Sprechern führen. Deswegen muss man im
Fremdsprachenunterricht lernen, dass Diminutive wie Freundchen, Bürschchen oder
Bürschlein im Deutschen eine negative Bedeutung haben.
99
Die deutschen Belegbeispiele sind im Anhang ersichtbar.
127
Ebenso wird mit Filmchen im Deutschen gewöhnlich ein schlechter Film bezeichnet, im
Arabischen gegenüber kann mit ُ١ٍ‫{ ف‬fulîm} – Filmchen ein kurzer Film gemeint.
Die Diminution mit positiver Wertung gibt in beiden Sprachen und wird besonders in der
familiären und intimen Kommunikation verwendet, um eine Atmosphäre der Vertrautheit, der
Sympathie und Zärtlichkeit zu schaffen. So gebraucht man beispielsweise gerne die
Diminutivformen in der Anrede mit Freunden, Verwandten, Bekannten, Liebenden etc. Eine
verniedlichende Bedeutung kommt in den folgenden Beispielen zum Ausdruck, die ins
Arabische übersetzt werden:
(137) „Enkelchen bekommt ein Bilderbuch, sein Bruder ein Spielzeugauto.― (24.12.1997, S.
22)
.‫بؼح‬١‫ ٌؼجخ ق‬ٍٝ‫ٖ ػ‬ٛ‫اض‬ٚ ‫ؼ‬ٛ‫ وزبة ط‬ٍٝ‫سظً حفيذي ػ‬٠
{yaḥsul ḥufîdî cla kîtab ṣur ȗa âḫȗh ala lucbat siara.}
(138) „Als Charly erfuhr, dass Erbonkelchen krank und der Tod absehbar war, überrumpelte
er sein ahnungsloses Eheweib eiskalt mit Trennung.― (29.07.2000, S.12)
.‫ظ ثبالٔفظبي‬ٚ‫خزٗ ثىً ثؽ‬ٚ‫د فبخأ ؾ‬ٌّٛ‫ر فؽال ا‬٠‫ؽؽ‬ٚ ‫غ‬٠‫ؿ ِؽ‬٠‫ ثبْ ػًيًح اٌؼؿ‬ٌٟ‫زبٌّب ػؽف خبؼ‬
{ḥalama crafa ğar lî bân cmaîma alâzîz marîḍ ȗa ṭarîḥ firaš almȗt fağâ zauğath bkul
brȗd be alânfsal.}
(139) „Ich wohne bisher mit meinem Brüderlein allein.― (18.02.1998, S. 22)
.‫ ِغ اخي‬ٞ‫زع‬ٌٛ ْ‫اقىٓ ٌسع اال‬
{âskun lȗḥdî âlan lȗahdî mc âuḫî.}
So haben die Diminutive Enkelchen und ḥufîdî im Fall (137), Erbonkelchen und cmaîma im
Beispiel (138) sowie Brüderlein und âuḫî im Satz (139) in beiden Sprachen eine liebkosende
und liebevolle Bedeutung, da die Anrede direkt an Verwandte gerichtet ist. Ebenso werden in
beiden Sprachen die verniedlichen, meist diminutiven Anreden in der Kommunikation mit
und über Kinder benutzt. Schauen wir uns die folgenden Belegbeispiele im Deutschen und
ihre Übersetzung ins Arabische an:
(140) „Schlaf, Kindchen, schlaf! Bäumelein, Träumelein.― (26.09.2003, S. 9)
.‫ شجيراخ واحالو جًيهح‬،َ‫ٔبَ ياصغيري ٔب‬
{nam yaṣġîry nam šuğaîrat ȗahlam ğamîla.}
(141) „Meine kleine Tochter braucht Milch, Breichen und Unmengen von Pampers.―
(03.11.2001, S. 9)
.‫ؽاد‬١‫بد ٘بئٍخ ِٓ اٌغ‬١ّ‫و‬ٚ ‫ت وانؼصيذج‬١ٍ‫ اٌس‬ٌٝ‫ؽح ا‬١‫ اٌظغ‬ٟ‫رسزبج ؽفٍز‬
{taḥtağ tflatî alṣġîra îla alḥalîb ȗalašîda ȗkamyat hâaîla mîn algîarat.}
(142) „Was wünschst Du Dir: Ein Schwesterchen oder ein Brüderchen?― (24.10.1997, S.
19)
‫ِبغا رؽغت اخي اَ اخيح؟‬
{mada tarġab âuḫî âm âuḫîa.}
128
So gebraucht die Mutter im Fall (140) viele Diminutivformen in der Anrede mit ihrem kleinen
Kind, um ihm die Gefühlsintensität zu zeigen und damit es sich vor dem Schlaf gut und ruhig
fühlt.
Im Beispiel (141) benutzt auch die Mutter die Diminutivformen in einem Gespräch über ihre
kleine Tochter, um Zärtlichkeit zu bezeichnen.
Im Satz (142) sprechen Eltern ihren kleinen Sohn an. So wird hier die Verwendung von
Diminutivformen bevorzugt, um eine Atmosphäre der Zuneigung zu schaffen.
Es ist fast eine Allgemeine Sache, dass die Diminution mit großer Vorliebe und gerne,
besonders benutzt wird, wenn die Anrede von den Eltern (besonders von der Mutter) an die
Kinder gerichtet ist oder über diese gesprochen wird, um ihnen gegenüber positive Gefühle
zum Ausdruck zu bringen, wie zum Beispiel bei Tränchen und ‫ؼخ‬١ُِ‫{ ظ‬dumîca}, Händchen und
‫خ‬٠‫ُع‬٠ {ydîa}, iie Hemdchen und ‫ض‬١ُّ‫{ ل‬qumîṣ} etc.
Man kann also feststellen, dass die Verwendung von Diminutiven in beiden Sprachen
einerseits der Bezeichnung von kleinen Gegenständen dient, andererseits die Einstellung des
Sprechers signalisiert. Deswegen findet man im Deutschen, wie auch im Arabischen viele
Diminutive, die nicht nur in der geschriebenen, sondern vor allem auch in der gesprochenen
Sprache, der Jugendsprache, Ammensprache, Kinder- und familiären Sprache angewendet
werden, da in diesen Sprachen die Atmosphäre und der Ton von der Zärtlichkeit,
Verniedlichung und Vertraulichkeit vorherrschen. Diese gefühlsbetonten, affektiven
Sprachstile sind also ohne Zweifel ein Zentrum bei der Verwendung von Diminutiven.
Da passt es auch, dass die Diminution im Deutschen wie im Arabischen gerne gebraucht wird,
wenn die Anrede an junge niedliche Tiere gerichtet ist oder über diese gesprochen wird.
„Daher greifen Dressler und Barbaresi (1994) in ihrer Morphopragmatik auf „Situationen―
(COSERIU 1970) wie Anrede von Haustieren, Kindern und Erwachsenen in vertraulicher
Beziehung zurück, in denen die Diminutive prototypisch verwendet werden. Solche Kontexte
können auch thematisiert werden (Rede über Dritte: Haustiere, Kinder, Erwachsene in
vertraulicher Beziehung ...) bzw. mit spezifischen Textsorten verbunden sein (Märchen,
Kinderliteratur ...), was ebenfalls die Verwendung von Diminutiven zur Folge hat― (Nekula
2003; 179):
(143) „Ein bisschen ist so ein kleines Äffchen schon wie ein Kind.― (05.02.2000, S. 23)
.ً‫ػب ِب وبٌطف‬ٛٔ ‫ؽ‬١‫ انق َريذ اٌظغ‬ٚ‫جع‬٠
{yabdu alqrîd alṣġîr nucan ma ke alṭefl.}
129
(144) „Jetzt lächelt uns von jedem Autofenster ein fröhliches Bärlein oder Kätzlein an.―
(07.07.1998, S. 9)
.‫ع وقطَ ْيطَح‬١‫جزكُ ٌٕب االْ ِٓ ٔبفػح اٌؼؽثخ دتية قؼ‬٠
{yabtasmu lna alân min nafidat alcraba dȗbîb scîd wa quṭîṭh.}
(145) „Neugierig berüsselt ein Ferkelchen Mamas Nase.― (30.06.2004, S. 21)
.‫تحسس الخنيزير الصغير انف امه بفضول‬
{tḥasasa alḫnzîr alṣġîr anf âmuh befḍul.}
Es handelt sich hier auf jeden Fall um den Ausdruck der Kleinheit, bei der man jedoch nicht
übersehen darf, dass dabei auch die verniedlichende Bedeutung eine gewisse Rolle spielen
kann. Auch diese Verwendungen bestätigen, dass die Diminutive in beiden Sprachen mehr,
und lieber in der gesprochenen Sprache als in der geschriebenen Sprache verwendet werden,
da einerseits die objektive Kleinheit mit emotionalen Bedeutungen verbunden sein kann und
andererseits typische Situation und ihre Sprachurteile als auch Aufregungen hervorrufen
werden können.
Die obigen Ausführungen haben also gezeigt, dass zwei unterschiedliche Sprachen; wie das
Deutsche und das Arabische zu verschiedenen Sprachfamilien gehören, jedoch auch
Gemeinsamkeiten aufweisen können.
Die Diminution als semantische Kategorie kommt in beiden Sprachen vor und besitzt viele
Funktionen wie Verkleinerung, Verachtung, Verniedlichung, Ironie u. a., die mit der
Einstellung des Sprechers, Sympathie, Vertrautheit, Verachtung und dem Kontext verbunden
sind. In beiden untersuchten Sprachen bezeichnet man die Verkleinerung als Grundfunktion
der Diminutive und darüber hinaus eine positive oder negative emotionale Komponente, die
als Nebenfunktionen betrachtet wird.
Es gibt in beiden Sprachen prototypische Situationen, in denen die Diminutive mit großer
Vorliebe gebraucht, und eine positive Wertung beeinflusst wird:
a) Innerhalb der Familie, um die Atmosphäre der Vertraulichkeit, Zärtlichkeit u. a. zu
schaffen.
b) Wenn die Anrede von Kindern, über Kinder bzw. Tiere oder über Gegenstände, die
mit ihnen zusammenhängen, z. B. ‫خ‬٠‫ُع‬٠ {ydîa} – Händchen, ‫ؼخ‬١ُِ‫{ ظ‬dumîca} – Tränchen,
ً١‫{ قط‬suṭaîl} – Eimerchen, ٟ‫{ ثبث‬babî} – Vati, ِٟ‫{ ِب‬mamî} – Mutti etc.
c) Zwischen Geliebten, Ehrpaaren, Partnern, Freunden, z. B. ٟ‫ؽر‬١‫{ طغ‬ṣġîrty} – mein
Schätzchen, ٟ‫طز‬١‫{ لُط‬quṭîṭy} – mein Kätzchen, ٟ‫ج‬١‫{ ُزج‬ḥbîby} – Liebling etc.
d) In Märchen, Kinderliteraturen und Texten, die für Kinder erstellt wurden.
130
Daneben unterscheidet man in beiden Sprachen Situationen, in denen die Diminutive negative
Wertungen haben. In den Fällen, bei denen aufgrund ihrer Bedeutung keine Bildung von
Diminutiven erwartet wird bzw. diese im Widerspruch zu deren Semantik steht, wird eine
negative Bewertung zum Ausdruck gebracht. In diesem Fall können die Diminutive eine
Verachtung oder Ironie signalisieren. Diese Tatsache findet man besonders klar bei
Berufsbezeichnungen wie ‫ؼؽ‬٠ٛ‫{ ُش‬šuîcr} Dichterling, ٍُ١‫{ ُِؼ‬mucîlm} Lehrerlein, ‫ت‬١‫{ ؽُج‬ṭbîb} –
Doktorchen, ‫زِت‬٠َٛ ‫{ ُو‬kȗîtb} – Schreiberling etc.
Ebenso kennt man in beiden Sprachen bestimmte prototypische Situationen, bei denen die
Diminution nicht verwendet werden darf oder sehr beschränkt ist:
a) Höflichkeitsformeln bzw. Respektspersonen gegenüber
b) politischen Nachrichten
c) Wetter- und Sportberichten
d) Sammelbegriffe, die nicht pluralfähig sind, wie *Viehchen, *Läubchen, *Gebirglein,
*Wildchen etc.
Daraus lässt sich zusammenfassend erschließen, dass der semantisch-pragmatische Aspekt der
Diminutivbildung in beiden Sprachen (im Deutschen und Arabischen) generell der Gleiche
ist. Nach dieser Darstellung der deutschen Diminution und ihrer Entsprechung im Arabischen
auf morphologischer, syntaktischer und semantischer Ebene werden wir abschließend unsere
Ergebnisse für die theoretische und empirische Arbeit zusammenfassen.
131
6. Zusammenfassung und Ergebnisse der theoretischen und empirischen
Arbeit
Die vorliegende Arbeit hat in fünf Kapiteln die Form und Funktion der Diminution im
Deutschen und im Arabischen dargestellt. Im Folgenden werden die wesentlichen Ergebnisse
der Arbeit zusammengefasst:
Diminution spielt in vielen Sprachen eine große Rolle – so gibt es z. B. in den romanischen
Sprachen eine Reihe von Diminutivformen, die auch im Deutschen und im Arabischen von
Bedeutung sind –. Für beide Sprachen gilt, dass Diminuierung als Kategorie in verschiedenen
Situationen eine Rolle spielt, die offenbar auf die Verwendung dieser Kategorie wert legt,
wobei sich in beiden Sprachen Veränderungen im Bereich der diminuierenden Mittel
darstellen lassen. So nimmt etwa im Deutschen der Gebrauch von Halbpräfixen wie {Mini-}
zu, im Arabischen hingegen nimmt der Gebrauch diminuierender Adjektive wie leicht,
gering, dünn u. a. zu (3.2.2.2, 4.1.2.1).
Das Diminutivum zeigt zwei Seiten seines Wesens; eine ist in seiner materiellen Existenz
gegeben, die andere Seite besteht daraus, dass ein Diminutivum etwas bedeutet; es geht hier
um die Bedeutung, die es trägt. Das heißt mit anderen Worten, dass die beiden Seiten des
Diminutivums zu unterschiedlichen Ebenen gehören (2.1):
a) zur morphologischen, syntaktischen Ebene
b) zur semantischen, pragmatischen Ebene
Aus diesem Grund haben wir uns in dieser Studie auf die Formseite und Bedeutungsseite von
Diminutiven im Deutschen und Arabischen, d. h. auf die Form und Funktion der Diminution
in beiden Sprachen konzentriert.
Die Diminution wird in beiden Sprachen durch verschiedene Wortbildungsverfahren
realisiert. Im Deutschen spielen Wortbildungsmittel bei der Diminution eine bedeutende
Rolle, und zwar einerseits die Suffigierungsformen und andererseits Formen der Präfigierung,
die als synthetische Diminutivformen bezeichnet werden.
Prototypisch wird die Diminution durch die Suffixe {-chen} und {-lein} ausgedrückt. Es gibt
auch eine Reihe von Präfixen, die einfach der Diminution dienen, z. B. {Mikro-}, {Mini-}.
Die Diminutive mit solchen Präfixen sind mit der Bedeutung der Verkleinerung verbunden
(wie in Mikrokamera, Miniabenteuer etc.).
132
Durch unsere korpusbasierte Analyse haben wir festgestellt, dass die häufigste synthetische
Diminutivform des Deutschen von 1997-2007 das Suffix {-chen} bildet, da es 55,34% der
gesamten Treffer von synthetischen Diminutivbildungen ausmacht, die 5668 sind.
Danach folgt der Gebrauch des Suffixes {-lein}, auf das 26,67% der Treffer fallen. Zu dem
Präfix wird {Mikro-} mehr als {Mini-} gebraucht. Während der Gebrauch von {Mikro-}
10,97% ausmacht, bildet der Gebrauch von {Mini-} in unserem Korpus 8,29% (3.2.1.3).
Beide Sprachen kennen synthetische und analytische Bildungen.
Zum Dt.:
Suffigierung + Präfigierung
{-chen}, {-lein} + {Mikro-}, {Mini-}
Im Arabischen wird die synthetische Diminution durch inneren Wechsel gebildet.
Zum Arab.:
durch Infigierung
Drei Typen:
1. ًْ١‫{ فُ َؼ‬fucayl} 2. ً‫ ِؼ‬١ْ ‫{ فُ َؼ‬fucaycal} 3. ً١‫ْؼ‬١‫{ فُ َؼ‬fucaycayl}
Als Haupttyp wird die Form ًْ١‫{ فُ َؼ‬fucayl} betrachtet (4.1.1).
Neben den synthetischen Diminutivformen in beiden Sprachen unterscheidet man analytische
(syntaktische) Diminutivformen, die meistens mit Hilfe der Adjektive klein und kurz gebildet
werden (3.2.2.1, 4.1.2.1). Durch unsere Korpusanalyse haben wir festgestellt, dass in der
deutschen Sprache die Diminutivbildungen mit dem Adjektiv klein als Attribut häufiger als
die Diminutivbildungen mit klein als Kompositum sind (3.2.2.2).
Die attributiv verwendeten Adjektive ṣġîr (dt. klein) und qṣîr (dt. kurz) sind im Arabischen
dadurch gekennzeichnet, dass sie im Unterschied zum Deutschen im Normalfall nach ihren
Bezugssubstantiven stehen und sich in Numerus, Genus, Kasus und Status nach ihnen richten.
Im Deutschen bevorzugt man den Gebrauch von synthetischen Diminutiven, d. h. mit anderen
Worten, dass man im Prinzip in der deutschen Sprache die synthetischen Diminutivformen
mehr als die analytischen gebraucht. Im Korpus des Deutschen machen die synthetischen
Diminutivbildungen 55,18 % der gesamten Treffer aus, die 10270 sind. Während der
Gebrauch von den analytischen bzw. syntaktischen Diminutivbildungen 44,81% der gesamten
Treffer bildet.
133
Im Arabischen hingegen gebrauchen die modernen Schriftsteller wie Amin, Mahfoz, Alani
u. a. in ihren Romanen gerne die analytischen Diminutivformen. Wir begründen die Tendenz
im Gebrauch von synthetischen in analytischen Diminutiven des Arabischen damit (4.1.2.1):
a) Die Bildung der analytischen Diminutivformen ist transparenter, als die Bildung der
synthetischen Diminutivformen, die durch Suffigierung und Präfigierung im Deutschen
und durch eine interne Flexion im Arabischen realisiert wird.
b) Die Bildung der analytischen Diminutivformen kann meistens keinen Beschränkungen
und Restriktionen unterworfen sein.
Im Deutschen und Arabischen kennt man neben den synthetischen sowie analytischen
Diminutivbildungen ebenso das Phänomen der Doppeldiminuierung. Im Deutschen wird die
Doppeldiminuierung dann realisiert, wenn eine bereits diminuierte Basis ein weiteres Mal
synthetisch oder analytisch diminuiert wird, zum Beispiel Minifläschchen, Muttilein u. a.
Im Arabischen dagegen darf eine bereits diminuierte Basis nicht wieder diminuiert werden. In
der arabischen Sprache spricht man von Doppeldiminuierung nur dann, wenn die
synthetischen und analytischen Diminutivformen nebeneinander stehen. In diesem Fall weist
also das Arabische einen Unterschied zum Deutschen auf.
In der deutschen Sprache spielt das Phänomen Umlautung eine große Rolle bei der
Diminutivbildung. Im Unterschied zum Deutschen kennt das Arabische dieses Phänomen
nicht, allerdings ist mit der Infigierung auf bestimmte Bedeutung ein Vokalzeichen
verbunden.
Am häufigsten sind im Deutschen und Arabischen die Diminutivbasen Substantive, die im
Deutschen und auch im Arabischen verschiedene Formen haben können. In beiden Sprachen
werden die Diminutive fast ausschließlich von Konkreta gebildet; man betrachtet die
Bildungen von Abstrakta in beiden Sprachen als spontane Bildungen. Insgesamt bleibt das
Problem, ob die Abstrakta diminuiert werden können, in beiden Sprachen eine umstrittene
Frage (3.3).
In beiden Sprachen entsteht keine Veränderung der Wortkategorie bei der Diminutivbildung
von Substantiven. So behalten die Substantive immer ihre Wortarten nach der Diminuierung.
134
In den beiden Sprachen können auch Komposita als Basen von Diminutiva erscheinen. Die
Determinativkomposita des Deutschen bestehen aus zwei zusammengesetzten Einheiten, die
in subordinierender Beziehung zueinander stehen. Die Diminutivsuffixe treten im Deutschen
an das zweite Wort, und zwar das Grundwort.
Die Determinativkomposita des Arabischen bestehen ebenso aus zwei Einheiten, die in
subordinierender Beziehung zueinander stehen. Bei der Diminutivbildung wird in der
arabischen Sprache nur das erste Wort, und zwar das Grundwort, geändert.
Die arabische Sprache ist dadurch gekennzeichnet, dass die Eigennamen des Arabischen –
anders als im Deutschen – auch Pluralformen haben können, von dem man problemlos
analytische und synthetische Diminutive bilden kann.
Unter synchronem Aspekt kann man unterschiedliche Grade der Motiviertheit von den
synthetischen Diminutiven feststellen, das sind (2.4):
a) Vollmotivierte Diminutive, deren Gesamtbedeutung durch die einzelnen Elemente
erschließbar macht, wie zum Beispiel: Bäumchen.
b) Teilmotivierte Diminutive, deren Gesamtbedeutung nicht ganz deutlich aus den einzelnen
Elementen abgeleitet werden kann, wie zum Beispiel: Frühchen.
c) Unmotivierte Diminutive, deren Gesamtbedeutung nicht aus den Bestandteilen der
Wortkonstruktion erschlossen werden kann, wie zum Beispiel: Mädchen.
In beiden Sprachen hat die Diminution eine Hauptbedeutung (Denotation) und eine
Nebenbedeutung (Konnotation), so dass die Diminutivformen nicht nur gebraucht werden, um
eine Verkleinerung zu bezeichnen, sondern mit dem Diminutivgebrauch wird auch eine
affektive konnotative Bedeutung ausgedrückt. Diese affektive Bedeutung kann negativ oder
positiv sein. Das ist mehr bei den synthetischen Diminutivformen mit dt. {chen-} und {lein-}
und arab. {-i-} der Fall. Bei anderen Diminutivformen geht es meistens um eine reine
verkleinernde Bedeutung.
Durch unsere korpusbasierte Analyse haben wir festgestellt, dass die konkreten
Verwendungen in schriftsprachlichen Texten die reine Verkleinerung bezeichnen.
Unser Korpus umfasst 538 Belegbeispiele, die der Berliner Zeitung vom Jahrhundert 19972007 entnommen sind. Die Funktion der reinen Verkleinerung tritt in dem von uns erstellten
Korpus in 425 Belegen, d.h. in 78,99% der gesamten Belege.
135
In 113 Belegen hat das Diminutivum neben der verkleinernden Bedeutung eine emotionale
Affektivität, die entweder positiv oder negativ ist, d. h. in 21,00% der gesamten Belege.
Viele Belege mit emotionaler Bedeutung beweisen eine positive Wertung. Die positive
Konnotation wie Liebkosung, Verniedlichung, Mitleid, Zärtlichkeit, Bescheidenheit etc. tritt in
73 Belegen auf, d.h. 64,60% der gesamten Belege mit emotionaler Affektivität.
Der positiven Konnotation gegenüber tritt die negative Wertung der Diminution wie
Geringschätzung, Ironie, Spott etc. in 32 Belegen auf, d.h. 28,31% (3.5). In 8 Belegen gibt
es eine Tendenz vom Positiven ins Negative oder umgekehrt, d.h. 7,07% der gesamten Belege
mit emotionaler Affektivität.
Bei der Verwendung von verschiedenen Diminutivformen lassen sich im Arabischen ebenso
manchmal bestimmte Tendenzen der Bedeutung des Diminutivums im Kontext vom
Negativen ins Positive, oder umgekehrt vom Positiven ins Negative erkennen, d. h. durch die
Diminutivbildung ändert sich die Bedeutung der Basis.
Es ist hier notwendig darauf hinzuweisen, dass im Deutschen und ebenfalls im Arabischen die
Richtung der Konnotation, positiv oder negativ, meist vom Sprecher, vom Kontext oder von
der Situation abhängt. So gebraucht man die Diminution in beiden Sprachen in der
Kommunikation mit Verwandten, Freunden, Bekannten etc., um eine Atmosphäre der
Vertrautheit und Zärtlichkeit zu schaffen (3.5.1).
In beiden Sprachen wird die Diminution auch besonders gern in der Kommunikation mit und
über Kinder und Tiere verwendet.
Die Diminutive werden also in beiden Sprachen mehr und lieber in der gesprochenen Sprache
als in der geschriebenen Sprache benutzt, besonders in der Kinder- und Ammensprache, d. h.
wenn die Anrede über oder mit den Kindern ist. In beiden Sprachen wird die Diminution auch
besonders gern von Frauen und mehr als von Männern verwendet.
Neuerdings findet sich die Diminution, besonders mit dem Suffix {-i}, verstärkt in der
Umgangs- und Jugendsprache.
Im Unterschied zum Deutschen wird die Diminution im Arabischen auch gebraucht, um eine
Hochschätzung zum Ausdruck zu bringen. Allerdings wird bis heute darüber gestritten, ob die
Hochschätzung eine weitere Funktion von Diminution ist (4.3.).
136
Unsere Studie zu Form und Funktion diminuierten Konstruktionen im Deutschen und
Arabischen hat gezeigt, wie es offenbar bei der semantischen Kategorie der Diminution um
eine sprachlich übergreifende und wichtige Kategorie handelt, die zentral in der Wotrart
Adjektiv der beiden Sprachen verwendet ist. Dabei sind weitaus größere Probleme möglich,
wie beispielsweise entsprechende Fügungen, bei denen die Adjektive mit der Bedeutung klein
beteiligt sind und die Bedeutung der Verkleinerung codieren.
Die Bedeutung dieser Kategorie zeigt sich andererseits auch daran, dass es in beiden Sprachen
zentrale morphologische Mittel gibt, und dass diese Bedeutung codiert wird.
Die Studie hat auch gezeigt, wie sich der typologische Unterschied der beiden Sprachen
deutlich macht und die formalen Tendenzen in lexikalisierter Form (5.1.1, 5.1.2); die für den
Ausdruck der mit Diminutiven verbundene Bedeutung zur Verfügung steht.
Abschließend lässt sich sagen, dass die Sprachen abgesehen von einem Verkleinerungstyp des
Positivs zunehmend codiert und im Grundsatz zu gegensätzlicher Tendenz neigen, das
Deutsche generell zu positiver Bewertung, das Arabische zu eher negativer zu verwenden.
Was die Sache kompliziert macht, ist, dass diese Bedeutungen in bestimmten Kontexten hier
auch anderes gewertet werden können.
137
7. Verzeichnisse
7.1. Abkürzungsverzeichnis
Die Abkürzungen, die in dieser Arbeit verwendet wurden, sind folgendermaßen alphabetisch
zu erläutern:
*
: nicht möglich
Ø
: keineTreffer
ahd
: althochdeutsch
Akk.
: Akkusativ
anal.
: analytisch
arab.
: arabisch
Attr.
: Attribuierung
BA
: Basisadjektiv
Bd.
: Band
BL
: Basislexem
BS
: Basissubstantiv
bzgl.
: bezüglich
bzw.
: beziehungsweise
Dat.
: Dativ
dt.
: deutsch
DUW
: Deutsche Wortbildung
DWDS
: das digitale Wörterbuch der deutschen Sprache
etc.
: extra
Gen.
: Genitiv
IDS
: Institut für die Deutsche Sprache
Infig.
: Infigierung
jmdn.
: jemanden
Jh.
: Jahrhundert
Kompos.
: Komposita
Nhd.
: Neuehochdeutsch
Nom.
: Nomen
o.ä
: oder ändere
138
Pl.
: Plural
Präf.
: Präfigierung
Sg.
: Singular
sog.
: sogenannte
Sub.
: Substantiv
Suff.
: Suffigerung
SVW
: Stammvokalwechsel
syn.
: synthetisch
Trff.
: Treffer
u.a.
: und andere
usw.
: und so weiter
vgl.
: vergleiche
WB
: Wortbildung
WDG
:das Wörterbuch der deutschen Gegenwartssprache
z.B.
: zum Beispiel
z.T.
:zum Teil
139
7.2. Literaturverzeichnis
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unter Mitarbeit von Rudolf Hoberg und Ursula Hoberg. Mannheim – Leipzig – Wien –
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der Grundlage der neuen amtlichen Rechtschreibregeln. Herausgegeben von
Dudenredaktion (= Duden Bd. 5). Mannheim – Leipzig – Wien – Zürich: Dudenverlag.
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(http://www.ids-mannheim.delzdv/cosmas2)
Wortschatz-Lexikon. Deutscher Teil. Institut für Informatik der Universität Leipzig,
Abteilung automatische Sprachverarbeitung.
(http://wortschatz.informatik.uni-leipzig.de)
Das DWDS Wörterbuch: DWDS basiert auf großen elektronischen Textkorpora. Dabei baut
es auf dem sechsbändigen Wörterbuch der deutschen Gegenwartssprache (WDG) auf und
verknüpft dieses mit eigenen Text- und Wörterbuchressourcen.
Online-Wörterbuch. (http://www.dwds.de.woerterbuch)
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Erläuterungen
Um die arabischen Beispiele für Leser ohne arabische Vorkenntnisse transparent zu machen,
transkribieren wir die arabischen Beispielsätze und Begriffe, und zwar nach der Methode, die
von K. Brockelmann vorgeschlagen wurde und heutzutage von den Arabisten als
Transkriptionsschrift verwendet wird:
‫أ‬
‫اٌِف‬
‘, â
'âlif
‫ة‬
‫ثَبء‬
b
bâ‘
‫د‬
‫رَبء‬
t
tâ‘
‫س‬
‫ثَبء‬
t
tâ‘
‫ج‬
ُ١‫ِخ‬
ğ
ğîm
‫ذ‬
‫َزبء‬
ḥ
ḥâ‘
‫ش‬
‫َضبء‬
ḫ
hâ‘
‫ظ‬
‫ظَاي‬
d
dâl
‫غ‬
‫َغاي‬
d
dâ
‫ؼ‬
‫َؼاء‬
r
râ‘
‫ؾ‬
‫ؾاء‬
z
zây
‫ـ‬
ٓ١‫ِق‬
s
sîn
‫ل‬
ٓ١‫ِش‬
š
šîn
‫ص‬
‫طبظ‬
َ
ṣ
ṣad
‫ع‬
‫ػبظ‬
َ
ḍ
ḍâd
‫ؽ‬
‫ؽَبء‬
ṭ
ṭâ‘
‫ظ‬
‫ظَبء‬
ẓ
ẓâ‘
‫ع‬
ٓ١َ‫ػ‬
c
ain
‫ؽ‬
ٓ١َ‫غ‬
ġ
ġain
‫ف‬
‫فَبء‬
f
fâ‘
‫ق‬
‫لَبف‬
q
qâf
‫ن‬
‫َوبف‬
k
kâf
‫ي‬
َ‫َال‬
l
lâm
َ
ُ١ِِ
m
mîm
ْ
ُْٛٔ
n
nȗn
ٖ
‫َ٘بء‬
h
hâ‘
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ٚ‫ا‬َٚ
w, ȗ
wâw
ٞ
‫َبء‬٠
y, î
yâ‘
149
Der
ersten
Spalte
In der zweiten ist
der
Tabelle
lässt
sich
das
arabische
Alphabet
entnehmen.
die Umschrift und in der dritten die Buchstabennamen im Arabischen
dargestellt.
150
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Thank you for your participation!

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