Diss. Engelbrecht_Architekturbeschreibungen_Quellenanhang

Diss. Engelbrecht_Architekturbeschreibungen_Quellenanhang
Architektur sehen, erleben, beurteilen
–
Form- und Funktionswandel von Architekturbeschreibungen im 18. und frühen 19. Jahrhundert
- QUELLENANHANG -
Inaugural-Dissertation zur Erlangung der Doktorwürde
der Philosophischen Fakultät der Ruprecht-KarlsUniversität Heidelberg
ZEGK – Institut für Europäische Kunstgeschichte
vorgelegt von Martina Engelbrecht aus Bayreuth
Erstgutachter: Prof. Dr. Raphael Rosenberg
Zweitgutachter: Prof. Dr. Michael Hesse
Einreichungsjahr 2012
Erscheinungsjahr 2014
Tag der mündlichen Prüfung: 10.06.2013
Text-Nr.
Entstehungszeit
Autor
Kurztitel
Bauwerk
Seite
1
Spätes 8. Jhd. v. Chr.
Homer
Odyssee
Alkinoos-Palast
9
2
5. Jhd. v. Chr.
Herodot
Historien
Cheops-Pyramiden
9
3
33-14 v. Chr.
Vitruv
Zehn Bücher
Basilika, Fano
9
4
79 n. Chr.
Plinius d.Ä.
Naturkunde
Dianatempel, Ephesos
10
5
97-109 n.Chr.
Plinius d.J.
Briefe
Villa Laurentinum bei Ostia
10
6
2. Jhd. n.Chr.
Lukian
De Domo
Festsaal eines Hauses
11
7
2. Jhd. n. Chr.
Pausanias
Beschreibung Griechenlands
Heratempel, Olympia
12
8
553-555 n.Chr.
Prokop v. Caesarea
Bauten
Hagia Sophia, Istanbul
12
9
563 n.Chr.
Paulus Silentiarius
Ekphrasis
Hagia Sophia, Istanbul
14
10
nicht belegt
Anonymus
Tempel Salomos
Salomonischer Tempel
14
11
1441
Alberti, Leon Battista
Profugiorum ab aerumna
Santa Maria del Fiore, Florenz
15
12
1536
Fichard, Johann
Observationes
St. Peter, Rom
15
13
1536
Fichard, Johann
Observationes
Pantheon, Rom
16
14
1570
Palladio, Andrea
Quattro libri
Villa Almerigo-Capra (La
Rotonda), Vicenza
16
2
15
1570
Palladio, Andrea
Quattro libri
Pantheon, Rom
17
16
1581
Sansovino, Francesco
Venezia
Basilica di San Marco, Venedig
18
17
1591
Bocchi, Francesco
Bellezze
Santa Maria del Fiore, Florenz
19
18
1602
Schickhardt, Heinrich
Rayß in Italien
Pantheon, Rom
20
19
1602
Schickhardt, Heinrich
Rayß in Italien
St. Peter, Rom
21
20
1611
Agucchi, Gian Battista
Relatione della Villa Belvedere
Villa Aldobrandini, Frascati
21
21
1615
Scamozzi, Vincenzo
L’idea dell’architettura universale
Villa Pisani, Lonigo
23
22
1627
Furttenbach, Joseph
Newes Itinerarium
St. Peter, Rom
24
23
um 1647
Borromini, Francesco
Opus architectonicum
Oratorio S. Filippo Neri, Rom
25
24
um 1650
San Bonaventura, Juan di
Relatione
San Carlo alle Quattro Fontane, Rom
26
25
vor 1670
Lassels, Richard
Voyage of Italy
St. Peter, Rom
26
26
1660 – 1680
Evelyn, John
Diary
St. Peter, Rom
28
27
1660 – 1680
Evelyn, John
Diary
Villa Aldobrandini, Frascati
29
3
28
1682
Desgodets, Antoine
Édifices antiques de Rome
Pantheon
29
29
1701
Huyssen, Heinrich von
Curieuse und vollständige
Reiß-Beschreibung
Cappella dei Principi an San
Lorenz, Florenz
31
30
1705
Addison, Joseph
Remarks
Dom, Mailand
31
31
1705
Addison, Joseph
Remarks
St. Peter und Pantheon, Rom
32
32
1705
Addison, Joseph
Remarks
Dom, Siena
32
33
1707 oder später
Blainville, Marquis de
Reisebeschreibung
Pantheon, Rom
33
34
1725
Fischer-von-Erlach, Joseph Bernhard
Entwurff einer historischen
Architektur
Salomonischer Tempel
33
35
1725
Fischer-von-Erlach, Joseph Bernhard
Entwurff einer historischen
Architektur
Dianatempel, Ephesos
34
36
1739
Brosses, Charles de
Lettres d’Italie
St. Peter, Rom
35
37
1739
Brosses, Charles de
Lettres d’Italie
Dom, Mailand
35
38
1753
Laugier, Marc Antoine
Essai sur l’architecture
Maison Carrée, Nîmes
36
39
1753
Laugier, Marc Antoine
Essai sur l’architecture
Schlosskapelle, Versailles
36
40
1753
Laugier, Marc Antoine
Essai sur l’architecture
Notre-Dame & Saint-Sulpice,
Paris
36
41
1758
Cochin, Charles Nicolas
Voyage d’Italie
Dom, Mailand
37
4
42
1762
Winckelmann, Johann
Joachim
Anmerkungen über die Baukunst der Alten
Tempel von Paestum
37
43
1773
Goethe, Johann Wolfgang
Von deutscher Baukunst
Münster, Straßburg
39
44
1776
Anonymus
Kritische Anmerkungen
Berliner Schloss
40
45
1776
Anonymus
Kritische Anmerkungen
Zeughaus, Berlin
40
46
1777
Volkmann, Johann Jakob
Historisch-kritische Nachrichten von Italien
Dom, Mailand
41
47
1777
Volkmann, Johann Jakob
Historisch-kritische Nachrichten von Italien
St. Peter, Rom
42
48
1779
Anonymus
Allg. Beschreibung des Museum Fridericianum
Museum Fridericianum, Kassel
44
49
nach 1781
Heinse, Wilhelm
Brief an Jacobi
Pantheon, Rom
45
50
1783
Beckford, William
Dreams
Kathedrale von Canterbury
46
51
1783
Beckford, William
Dreams
Kathedrale von Antwerpen
46
52
1783
Beckford, William
Dreams
S. Giorgio Maggiore, Venedig
46
53
1783
Beckford, William
Dreams
St. Peter, Rom
47
54
1783
Adler, Jakob Georg
Christian
Reisebemerkungen
Kolosseum, Rom
47
5
55
1785
Moritz, Karl Philipp
Reisen eines Deutschen in
England
St. Paul’s Cathedral, London
47
56
1786
Goethe, Johann Wolfgang
Italienische Reise
Arena, Verona
48
57
1786
Goethe, Johann Wolfgang
Italienische Reise
Villa Almerico Capra (La Rotonda), Vicenza
48
58
1786
Goethe, Johann Wolfgang
Italienische Reise
Tempel von Paestum
49
59
1786
Reichard, H.A.O.
Reise von Basel bis Frankfurt am Mayn
Münster, Straßburg
49
60
1788
Anna Amalia zu SachsenWeimar-Eisenach
Briefe über Rom
Pantheon, Rom
50
61
1788
Anna Amalia zu SachsenWeimar-Eisenach
Briefe über Rom
Peterskirche, Rom
50
62
1788
Anonymus
Untersuchungen über den
Charakter der Gebäuden
Peterskirche und Pantheon,
Rom
50
63
1790
Gentz, Heinrich
Reise nach Rom und Sizilien
San Giorgio Maggiore, Venedig
51
64
1791
Forster, Georg
Ansichten vom Niederrhein
Dom, Köln
52
65
1792
Moritz, Karl Philipp
Reisen eines Deutschen in
Italien
Arena, Verona
53
6
66
1792
Moritz, Karl Philipp
Reisen eines Deutschen in
Italien
St. Peter, Rom
53
67
1792
Schmidt, F. C.
Über einige Werke der Baukunst zu Leipzig
Nikolaikirche Leipzig
56
68
1794
Gentz, Heinrich
Londoner Reinschrift
Tempel von Paestum
57
69
1796
Anonymus
Propyläen und Brandenburger Tor
Propyläen, Athen und Brandenburger Tor, Berlin
59
70
1798
Anonymus
Das Pantheon der
Neufranken
Sainte-Geneviève, Paris
60
71
1813
Anonymus
Ueber die Restauration des
Pantheon
Sainte-Geneviève, Paris
61
72
1834
Stieglitz, Christian Ludwig
Beiträge zur Geschichte der
Ausbildung der Baukunst
Hagia Sophia, Istanbul
61
73
1834
Stieglitz, Christian Ludwig
Beiträge zur Geschichte der
Ausbildung der Baukunst
Münster, Straßburg
62
74
1838
Engelhardt, Johann Daniel
Instruction für junge Architekten
Verschiedene
63
75
1859
Kugler, Franz
Geschichte der Baukunst
Münster, Straßburg & Münster, Freiburg
66
7
N.B.: Die Quellentexte sind chronologisch nach ihrer Entstehungszeit gereiht. Der Zeitraum der Entstehung wird nochmals gesondert
vor jedem Textzitat ausgewiesen, wenn er nicht mit dem Jahr der Erstausgabe oder der zum Zitat herangezogenen Ausgabe übereinstimmt.
Mit […] gekennzeichnete Auslassungen in den Textzitaten beziehen sich auf Stellen im Orginaltext, in denen der Schwerpunkt der Beschreibung nicht auf Architektur liegt und die daher für die Argumentation der vorliegenden Arbeit nicht von Relevanz sind.
8
Text 1:
HOMER: Odyssee, Siebter Gesang. Griech.-dt., hrsg. und übers. v. Anton Weiher, Sammlung
Tusculum. München, Zürich, 1986, 187.
Beschreibung des Alkinoos-Palastes, entstanden im späten 8. Jhd. v. Chr.
„Aber Odysseus ging zum berühmten Palast des Alkinoos; vieles erwog er innehaltend, ehe
zur ehernen Schwelle er hinkam; Denn da war ein Glanz wie von Sonnenlicht oder von
Mondschein in des stolzen Alkinoos Haus, dem hochüberdachten. Erzverkleidete Wände erstreckten sich hierin und dorthin, von der Schwelle bis drinnen; ringsum ein Gesimse aus
Glasfuß. Goldene Türen verschlossen das Innere des festen Gebäudes. Silbern waren die
Pfosten und standen auf ehernem Sockel. Silbern der Türsturz oben drüber und golden der
Türring. Goldne und silberne Hunde waren zur Rechten und zur Linken, welche Hephaistos
gefertigt hatte mit kundigem Sinne, um des großgesinnten Alkinoos Haus zu bewachen. Alterslos und unsterblich waren sie alle die Tage. Von der Schwelle bis drinnen standen zur
Rechten und zur Linken Sessel gelehnt an die Wand, durchgehend, darauf waren Tücher,
feine und gut gewebte, gebreitet, die Werke der Frauen. Die phäakischen Fürsten pflegten
dort niederzusitzen, wenn sie tranken und aßen – sie hatten das ganze Jahr reichlich. Goldene Knaben ferner auf schön gefertigten Sockeln, standen dort und hielten brennende Fackeln
in den Händen, um den Schmausenden Nächte hindurch das Haus zu erleuchten […].“
Text 2:
HERODOT: Historien, II, 124. Griech.-dt, hrsg. und übers. v. Josef Feix, Bd. I. München, Zürich, 1988, 308.
Beschreibung der Cheops-Pyramiden, entstanden im 5. Jhd. v. Chr.
„Zehn Jahre vergingen, bis diese Straße und die unterirdischen Kammern an dem Hügel, auf
dem die Pyramiden stehen, fertig waren. Diese Kammern sollten als Grabkammern dienen,
und er baute sie auf einer Insel, indem er einen Nilkanal hineinleitete. An der Pyramide
selbst arbeitete man zwanzig Jahre. Bei viereckigem Grundriss ist jede Seite acht Plethren
lang und ebenso hoch; sie besteht aus geglätteten, genauestens ineinandergefügten Steinen,
von denen jeder mindestens 30 Fuß lang ist. Beim Bau der Pyramide ging man so zu Werke:
Man baute sie wie eine Treppe, die manche Absätze, andere Stufen nennen. War zunächst
eine solche Stufe gebaut, wand man die übrigen Steine mit Hilfe eines Gerüstes aus kurzen
Holzstangen hinauf. So hob man die Steine von der Erde auf den ersten Treppenabsatz. Jedesmal, wenn der Stein auf ihn gebracht war, legte man ihn auf ein anderes Gerüst, das auf
der ersten Stufe stand; von dort wurde er auf den zweiten Absatz gewunden, auf ein anderes
Gerüst […].“
Text 3:
VITRUV: Zehn Bücher über Architektur. Lat.-dt., hrsg. und übers. v. Curt Fensterbusch.
Darmstadt, 1964, 208-211.
Beschreibung der Basilika in Fano, entstanden um 33-14 v. Chr.
„[209] Nicht weniger können Entwürfe von Basiliken dieser Art höchste Würde und Anmut
haben, wie ich die Basilika für die Kolonie Fano entworfen und unter meiner Leitung als Architekt habe erbauen lassen. Deren Proportionen und Symmetrien sind so bestimmt: Der
mittlere überdachte Raum ist zwischen den Säulen 120 Fuß lang und 60 Fuß breit. Der Säulenumgang um das Mittelschiff ist zwischen den Wänden und den Säulen 20 Fuß breit. Die
Säulen haben eine durchlaufende Höhe einschließlich der Kapitelle von 50 Fuß, eine Dicke
von 5 Fuß. An ihrer Rückseite, nach den Wänden zu, haben sie Vorlagen, die 20 Fuß hoch, 2
½ Fuß breit und ½ Fuß dick sind, die die Balken tragen, auf denen die Decke des Säulenganges ruht. Über diesen stehen andere Vorlagen. Die 18 Fuß hoch, 2 Fuß breit und 1 Fuß dick
sind, die ebenfalls Querbalken aufnehmen, die das Sparrenwerk und das Dach der Säulen9
gänge tragen, das tief unterhalb der Überdachung des Mittelschiffs eingefügt ist. Der Raum,
der zwischen den Balken auf den Vorlagen und denen auf den Säulen übrig bleibt, ist für die
Lichteinstrahlung durch die Säulenzwischenräume hindurch offen gelassen. An der Schmalseite des bedachten Raumes des Mittelschiffs sind einschließlich der Ecksäulen rechts und
links je 4 Säulen, an der Langseite, die dem Forum am nächsten ist, einschließlich derselben
Ecksäulen 8, auf der anderen Seite mit den Ecksäulen 6, weil an dieser Stelle die beiden mittleren Säulen nicht gesetzt sind, damit sie nicht die Ansicht des „Pronaon aedis Augusti“ verhindern, das in der Mitte der Langwand der Basilica angelegt und auf die Mitte des Forums
und auf den Jupitertempel gerichtet ist. Das Tribunal, das sich in diesem Bau befindet, ist
durch eine von zwei Kreisbögen gebildete gebogene Fläche gebildet, die vorn die Figur eines
kleinen Halbkreises hat. Vorn ist der Durchmesser dieses Halbkreises 46 Fuß. Nach innen zu
[211] beträgt die Tiefe der gebogenen Fläche 15 Fuß damit die, die bei den Beamten stehen,
die Geschäftsleute nicht behindern. Auf den Säulen liegen ringsum aus drei Balken von 2 Fuß
Stärke zusammengesetzte Balken und diese kröpfen von den dritten Säulen, die an der inneren Langseite stehen, auf die Eckpfeiler zurück, die vom Pronaon vorspringen und rechts und
links den Halbkreis berühren. Auf diesen Balken sind über den Kapitellen Pfeiler von 3 Fuß
Höhe und jederseits 4 Fuß Breite auf Unterlagen angeordnet. Über diesen liegen ringsum
eichene Balken, die aus zwei Hölzern zusammengesetzt sind und von denen jedes Holz zwei
Fuß stark ist. Hierüber liegen, in Richtung auf die Säulenschäfte, die Anten und die Wände
des Pronaon, die Dachbinder mit den Streben, und sie tragen das Dach der ganzen Basilika,
ein zweites, das von der Mitte über das Pronaon verläuft. So bietet die sich kreuzende, doppelte Giebelanlage, außen Dach, innen hohes Mittelschiff, ein anmutiges Bild […].“
Text 4:
PLINIUS Secundus d.Ä., C.: Naturkunde. Lat.-dt., hrsg. und übers. v. Roderich König und
Gerhard Winkler. München, 1973, 63.
Beschreibung des Dianatempels in Ephesos, entstanden um 79 n. Chr.
„Zu echter Bewunderung griechischer Prachtliebe besteht noch der Tempel der Artemis zu
Ephesos, an dem ganz Asien 120 Jahre lang gebaut hat. Er wurde auf sumpfigen Boden errichtet, damit er Erdbeben nicht zu spüren und Erdrisse nicht zu fürchten habe; damit aber
wiederum die Fundamente für eine solche Masse nicht auf schlüpfrigem und unsicherem
Boden gelegt würden, bereitete man eine Unterlage aus zerstampften Kohlen und legte darüber Felle mitsamt ihrer Wolle. Der gesamte Tempel ist 425 Fuß lang, 225 Fuß breit, er hat
127 Säulen, jede von einem anderen König errichtet und 60 Fuß hoch, 36 von ihnen sind mit
Bildhauerarbeit verziert, eine von der Hand des Skopas. Die Bauleitung hatte der Architekt
Chersiphron inne. Das größte Wunder dabei ist, daß Architrave von solcher Masse emporgehoben werden konnten. Er erreichte es, indem er Tragkörbe mit Sand füllte, sie auf einer
sanft ansteigenden Rampe bis über die Kapitelle der Säulen aufhäufte und dann die untersten Körbe allmählich entleerte, so daß sich das Werkstück nach und nach an die richtige Stelle setzte.“
Text 5:
PLINIUS Secundus d.J., C.: Briefe. Lat.-dt., hrsg. und übers. v. Helmut Kasten. München,
1968, 107-117.
Beschreibung der Villa Laurentinum, entstanden 97-109 n. Chr.
„[107] Du wunderst Dich, warum mein Laurentinum mir so viel Freude macht. Du wirst Dich
nicht weiter wundern, wenn Du von der Anmut dieses Landsitzes hörst, von dem ausgedehnten Strande. Er ist nur 17 Meilen von der Stadt entfernt, so daß man nach Erledigung seiner
Obliegenheiten, wenn des Tages Mühe und die Arbeit hinter einem liegt, dort übernachten
kann. […][108] Das Landhaus ist für seinen Zweck ziemlich geräumig und in der Unterhal-
10
tung nicht kostspielig. Zunächst betritt man eine einfache, doch nicht ärmliche Halle, dann
kommen in der Form eines D gebogene Arkaden, die einen kleinen hübschen Hofraum einfassen. Sie bilden einen vortrefflichen Zufluchtsort bei schlechtem Wetter, denn sie sind
durch Glasfenster und noch mehr durch das vorspringende Dach geschützt. Mitten gegenüber befindet sich ein freundliches Empfangszimmer, anschließend ein recht hübscher Speiseraum, der bis an den Strand vorspringt, und wenn der Südwest das Meer aufwühlt, wird er
von den Ausläufern der bereits gebrochenen Wogen bespült. Ringsum hat er Flügeltüren und
ebenso hohe Fenster und gewährt somit nach links und rechts und vorn sozusagen Ausblick
auf drei Meere, nach hinten blickt er auf das Empfangszimmer, Arkaden Hofraum, wieder
Arkaden, dann auf die Vorhalle, auf Wälder und die Berge in der Ferne. Links von diesem
Speiseraum, ein wenig zurücktretend, ist ein geräumiges Wohnzimmer, daran anschließend
ein zweites kleineres, das durch das eine Fenster die Morgensonne hereinlässt, mit dem anderen das Abendrot festhält. […] [113] Von diesem Gebäudekomplex ausgehend erstreckt sich
eine Wandelhalle, die beinahe die Ausmaße eines städtischen Bauwerks hat. […]Vor der
Wandelhalle ist eine veilchenüberduftete Terrasse. Die Wandelhalle reflektiert und steigert
so die Wärme der einfallenden Sonnenstrahlen, und wie sie die Sonne auffängt, so hemmt
und vertreibt sie den Nordwind, und so warm es an der Vorderseite ist, so frisch ist es hinten.
[…] [117] Glaubst Du jetzt, daß ich guten Grund habe, diese Abgeschiedenheit zu hegen und
zu pflegen? Du bist und bleibst ein unverbesserlicher Städter, wenn Dich jetzt nicht danach
verlangt. Ach, wäre es doch so, damit all diesen schönen Gaben meines Gütchens das Zusammensein mit Dir den größten Reiz verleihe!“
Text 6:
LUKIAN: De Domo. In: Hanns Floerke (Hrsg.): Lucianus Samosatensis – Sämtliche Werke,
Bd. 5. München, Leipzig, 1911, 283-301.
Beschreibung eines Festsaals, entstanden im 2. Jhd. n. Chr.
„[…] und ein Redner von Profession sollte beim Anblick eines so außerordentlich großen, so
ungemein schönen, so wohl erleuchteten, von so vielem Golde schimmernden mit so herrlichen Gemälden ausgeschmückten Saales nicht von einer unwiderstehlichen Lust ergriffen
werden, eine Rede in ihm zu halten. […] Die Schönheit dieses Saales ist nicht für Augen dieser Art, nicht für persischer Prahlerei und königliche Ostentation berechnet, sie verlangt
nicht bloß einen armen, sondern einen empfänglichen Zuschauer, einen, dessen Urteil nicht
bloß in den Augen ist, sondern der das, was er sagt, auch mit Gründen zu belegen weiß. Denn
daß er z.B. gegen den schönsten Teil des Tages, gegen die aufgehend Sonne liegt, und also,
sobald seine Flügeltüren aufgetan werden, bis zum Überfluß mit Licht erfüllt wird – eine
Richtung, welche unsere Alten auch den Tempeln zu geben pflegten; daß die Länge zur Breite
und beide zur Höhe ein so schönes Verhältnis haben, und daß er mit Fenstern versehen ist,
die man nach Erfordernis der Jahreszeit öffnen oder verschließen kann: wie sollte nicht alles
das, da es so viel zur Anmut eines Gesellschaftssaales beiträgt, besonders angemerkt und
gelobt zu werden verdienen? Nicht weniger wird ein Kenner an der Decke deselben bewundern, daß sie bei aller ihrer Schönheit nicht Entbehrliches, bei allen ihren Verzierungen
nichts hat, das man anders wünschen möchte, und daß die Vergoldungen so schicklich und
mit einer so weisen Ökonomie angebracht sind, daß sie die Schönheit des Ganzen erheben,
ohne durch einen prahlerischen Anspruch auf Reichtum zu beleidigen […].“
11
Text 7:
PAUSANIAS: Beschreibung Griechenlands – ein Reise- und Kulturführer aus der Antike, V,
16,1. Hrsg. und übers. v. Jacques Laager. Zürich, 1998, 288.
Beschreibung des Heratempels in Olympia, entstanden im 2. Jahrhundert n. Chr.
„Nach all dem bleibt mir noch der Tempel der Hera und all das, was in seinem Innern einer
Beschreibung wert ist. Laut den Eleern soll der Tempel von den Skilluntiern aus den Städten
Triphyliens erbaut worden sein, etwa acht Jahre nachdem Oxylos die Königsherrschaft in –
Elis übernommen hatte. Die Bauweise des Tempels ist dorisch, und er ist ganz von Säulen
umgeben. Eine der Säulen im Ophisthodomos ist aus Eichenholz. Die Länge des Tempels
beträgt 169 Fuß, die Breite 63 Fuß und die Höhe weniger als 50 Fuß. Den Namen des Architekten erwähnen [die Eleer] nicht.“
Text 8:
PROKOPIOS v. Caesarea: Bauten. Griech.-dt., hrsg. und übers. v. Otto Veh, Sammlung
Tusclum. München, 1977, 21-33.
Beschreibung der Hagia Sophia in Istanbul, entstanden 553-555 n. Chr.
„[21] […] Gemeine Leute und die Hefe des Volkes empörten sich einst in Byzanz gegen Kaiser
Justinian und erregten den sog. [sic] Nika-Aufstand […]. Sie ließen bei ihrem Vorgehen deutlich erkennen, dass sie die Waffen nicht nur gegen den Kaiser, sondern auch […] gegen Gott
erhoben, und so scheute ihr Frevelsinn nicht davor zurück, die christliche Kirche in Brand zu
stecken, welche die Byzantiner Sophia heißen […].
[23] Die Kirche nun wurde damals ein Raub der Flammen und lag vollständig in Trümmern.
Doch Kaiser Justinian hat sie bald danach in solcher Pracht neu entstehen lassen […]. Der
Kaiser nun scheute keine Ausgaben, er machte sich mit allem Eifer ans Werk und berief
sämtliche Fachleute aus der ganzen Welt. […] So bietet die Kirche den herrlichsten Anblick,
überwältigend für den Betrachter, […] steigt doch das Gotteshaus zu fast himmlischer Höhe
empor […] Ihre Breit und Länge sind wohl aufeinander abgestimmt; man wird daher die riesigen Ausmaße nicht als störend bezeichnen können.
[25] In unaussprechlicher Schönheit bietet sie sich dar. Denn Glanz und Harmonie der Maße
schmücken sie, kein Zuviel und kein Zuwenig ist an ihr festzustellen, da sie prunkvoller als
das Gewohnte und zuchtvoller als das Maßlose ist; an Licht und Sonnengefunkel aber hat sie
Übermaß. […] Die Vorderseite der Kirche – es dürfte der Ostteil sein, wo man Gott zu Ehren
die heiligen Handlungen verrichtet – zeigt folgende Form: Vom Boden aus erhebt sich eine
Mauer, die indessen nicht in einer Geraden verläuft, sondern an den beiden Flügeln etwas
zurückweicht, während sie in der Mitte vorspringt. Dadurch entsteht der Eindruck einer halben Ausbauchung, was die Fachleute mit Halbzylinder bezeichnen […]. Der oberste Teil des
Werkes läuft in einer Viertelkugel aus. Darüber wölbt sich auf den angrenzenden Teilen des
Bauwerkes noch ein weiteres halbmondförmiges Gebilde, bewundernswert ob seiner Schönheit, durch seine waghalsige Bauart aber Befürchtungen erweckend. Man gewinnt nämlich
den Eindruck, als ruhe es nicht auf fester Grundlage, sondern erhebe sich als stete Gefahr für
die Menschen, die sich dort aufhalten. Und doch ist es sicher und fest abgestützt. Beiderseits
davon wachsen Säulen aus dem Boden, stehen aber nicht in gerader Linie, sondern treten
nach Form eines Halbkreises wie bei einem Chor hintereinander zurück, und ein mondförmig gebogener Bauteil schwebt über ihnen. Dem Ostteil gegenüber ist eine Mauer mit den
Eingängen hochgezogen; auf ihren beiden Seiten stehen im Halbkreis die Säulen und Aufbauten darüber, ganz gleich den oben genannten. In der Mitte der Kirche erheben sich vier
von Menschenhand errichtete Steinmassen, sogenannte Pfeiler, zwei gegen Norden, zwei
gegen Süden; sie stehen einander gegenüber und sind sich völlig gleich, doch schließen die
beiden Paare in ihrer Mitte je vier Säulen ein. Errichtet sind die Steinmassen aus mächtigen,
besonders ausgesuchten und von den Steinmetzen kunstvoll ineinander gefügten Quadern,
und reichen bis zu großer Höhe hinauf; man könnte an jähe Felsklippen denken.
12
[27] Darüber wachsen vier Bogen im Geviert hervor. Ihre Enden ruhen, paarweise zusammen
laufend, auf dem Oberteil der genannten Pfeiler, ihre übrigen, aufstrebenden Bauteile verschweben in unendliche Höhe. Während sich das eine Bogenpaar gegen Osten und Westen zu
im freien Raum wölbt, hat das andere eine Art Wand und ganz kleine Säulen unter sich. Über
den Bogen erhebt sich ein kreisförmiges Gebilde, eine Kuppel, von wo jederzeit der Tag zuerst hereinlacht. Überragt doch diese, wie ich glaube, die ganze Erde und zeigt in kurzen Abständen Unterbrechungen, gerade so weit, daß die Stellen, wo ein solcher Mauerdurchbruch
ist, genügend Licht herein lassen. Da die Verbindungsstellen der Bogen im Geviert angelegt
sind, so bildet das Bauwerk dazwischen vier Dreieckswinkel. Die Basis eines jeden Dreiecks
läuft infolge der gegenseitigen Annäherung der Bogen in einem spitzen Winkel aus. Ansteigend schließen des weiteren beide Schenkel ein immer breiteres Mittelfeld ein und enden
schließlich bei dem hier aufsitzenden Kreisrund, an dem nun die zwei restlichen Winkel zu
liegen kommen. Eine riesige, dieses Kreisrund überspannende, kugelähnliche Kuppel leiht
jenem besondere Schönheit. Sie scheint nicht auf dem festen Bau zu ruhen, sondern als goldene Kugel am Himmel zu hängen und so den ganzen Raum zu bedecken. Alle die Bauglieder, die sich da – es ist kaum zu glauben - hoch droben ineinander gefügt gegenseitig in
Schwebe halten und nur auf ihre nächste Umgebung stützen, leihen dem Werk eine einzigartige, ganz ausgezeichnete Harmonie, lassen aber das Auge des Betrachters nicht lange an einer Stelle, sondern jeder Einzelteil zieht den Blick ab, um ihn schnellstens auf sich zu lenken.
Rasch wandert unausgesetzt das Auge hin und her, da sich der Betrachter nicht im Stande
fühlt auszuwählen, was er mehr von all dem bewundern soll. Mit vielen Kunstgriffen haben
Kaiser Justinian und der Techniker Anthemios samt dem erwähnten Isidoros so erreicht,
dass der Kirchenbau zugleich schwebt und auf gesicherter Grundlage ruht. […]
[29] Die eben erwähnten Pfeiler sind nicht nach Art der sonstigen Mauern angelegt, sondern
folgendermaßen: Die Schicht bildet ein Geviert und besteht aus naturharten, jedoch kunstvoll
geglätteten Steinen, die, soweit sie Pfeilerkanten bilden sollen, rechtwinklig, sobald sie einen
Platz in der Mitte einnehmen, quadratisch zubehauen sind. Kein Kalk, den man jetzt Asbestos nennt, kein Asphalt, wie ihn Semiramis in Babylon angewendet hat auch kein sonstiges
Bindemittel fügte die Steine zusammen, sondern Blei, das zwischen die Fugen gegossen, alle
Zwischenräume ausfüllte und an den Berührungsstellen der Steine erstarrt, die einzelnen
Blöcke verbindet. […] Reines Gold überzieht die Decke, auf der sich Prunk und Schönheit
vermählen, es überstrahlt aber der aus den Steinen kommende Glanz den des Goldes. Auf
beiden Seiten befinden sich zwei Säulenhallen; keine Mauer trennt sie von der Kirche, im
Gegenteil, sie vergrößern sogar noch deren Breitenmaß, und ihre Länge reicht bis zum äußersten Ende, nur die Höhe bleibt etwas zurück. Auch sie haben gewölbte Decken und sind
mit Gold geschmückt. Von den Hallen ist die eine für die betenden Männer, die andere für
Beterinnen bestimmt. Sie weisen keinerlei Ungleichheit auf und unterscheiden sich in nichts
voneinander, vielmehr steigert die völlige Symmetrie die Schönheit des Gotteshauses und
wirkt das Gleichmaß als Schmuck. Wer könnte die Emporen für die Frauen genugsam preisen oder die zahlreichen Hallen und säulenumgebenen Höfe, mit denen das Heiligtum umgeben ist, entsprechend beschreiben? Wenn einer das Heiligtum zum Beten betritt, so wird
ihm alsbald bewußt, dass nicht menschliche Kraft oder Kunst, sondern Gottes Hilfe dieses
Werk gestaltet hat. […] [31] Noch niemand hat sich je an diesem Wunderwerke satt gesehen
[…] [33] Da konnten die Pfeiler, auf denen das Bauwerk ruhte, die Größe der Last nicht mehr
tragen […] und drohten bald einzustürzen […] Justinian aber befahl auf der Stelle, den Bogen
fertig zu wölben, […]. „Der Bogen“, sprach der Kaiser, „wird ja, wenn er auf sich selbst ruht,
der Pfeiler darunter nicht mehr bedürfen.“ Wäre dieser Ausspruch unbezeugt, so müsste er
bestimmt einen schmeichlerischen und ganz unglaubwürdigen Eindruck hinterlassen, doch
da mir viele Gewährsmänner für die damaligen Vorgänge zur Verfügung stehen, so brauche
ich, was weiter geschah, zu berichten kein Bedenken zu haben.“
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Text 9:
PAULUS SILENTIARIUS: Ekphrasis der Hagia Sophia. Text und Übersetzung in: Paul Friedländer: Johannes von Gaza und Paulus Silentiarius – Kunstbeschreibungen in Justinianischer
Zeit. Leipzig, Berlin, 1912, 276ff.
Beschreibung der Hagia Sophia in Istanbul, entstanden 563 n. Chr.
„[…] Denn an die östlichen und westlichen halbkreisförmigen Konchen, an die thebanischen
Säulenpaare schließen sich vier wohlgefügte Pfeiler an, gegen den Kirchenraum zwar glatt
(450), jedoch auf den Seiten und ihrem starken Rücken auf Streben gestützt. Viergeteilt ruhen sie auf wohlgearbeiteten Fundamenten, gefügt aus festen Steinen, zwischen die der
Baumeister Kaklkstaub mit Wasser mischte (455) und sie damit zu einer Einheit verband.
Darüber türmen sich unermessliche Rundbogen dem schöngekrümmten, vielfarbigen Regenbogen vergleichbar, wobei sich der eine der Schwinge des Zephyrs, der andere der Richtung des Boreas, der dritte dem Südwind, der letzte geradewegs dem flammenden Osten zukehrt. (460). Jeder aber verbindet beiderseits eine unerschütterliche Basis mit dem Nachbarbogen, wobei diese auf gemeinsamem Fundament aufruht. Doch indem sich seine gekrümmte Bahn allmählich in die Lüfte erhebt, entfernt er sich vom bisherigen Zwillingsbruder. Nun ist auch der Zwischenraum zwischen den Bogen selbst mit schönen Werken gefüllt.
Denn wo die nach den Regeln der Kunst auseinandertretenden die leere Luft gezeigt hätten,
steigt dreieckig und möglichst weit überkragend die Wand zu solcher Höhe empor, dass die
benachbarten Dreiecke die Arme zu einem Kreis zusammenschließen (470). Vierfach erhebt
sich so die Wand, bis sie als Einheit erscheint und dabei des Kreises Umkränzung auf ihrem
Rücken durchläuft. Alle die vier Zwickel, welche den ringförmigen Bogen bilden, formte der
Künstler aus gebrannten, wohlverbundenen Ziegeln, während er die oberen Ränder aus Hausteinen machte (475). Platten von biegsamem Blei aber legte er in die Fugen, dass nicht Steine an Steine gefügt und harte Lasten aufeinander gesetzt, die Bogen durchdrückten. Das dazwischengegebene Blei sollte hingegen die steinerne Unterlage etwas von der Schwere entlasten (480). Ein steinernes, allseits zu einem schönen Kreis geformtes Gesims hält sämtliche
Bogenrücken zusammen, auf dem dann auch die halbkugelförmige Kuppel aufsitzt und den
die Scheitelpunkte der Bogen ringsum berühren. Dieses Gesims haben die Künstler auf den
oberen Abschluss der Apsiden als Kranz gelegt. Auf vorspringendem Schmuck (485) bilden
hier freiliegende Steine einen schmalen Rundgang, auf dem auch der Mann, welcher die
Lichter besorgt, ungefährdet herumgehen und die heiligen Lampen entzünden kann. Darüber
aber strebt die Kuppel in den grenzenlosen Raum empor und rundet sich allseits zu einer
Kugel, wie etwa der lichte Himmel des Hauses Dach umschließt (490). Im Scheitelpunkt aber
formte die Kunst zum Schutze der Stadt das Kreuzeszeichen. Es ist gar staunenswert zu sehen, wie allmählich die Kuppel aufsteigt, unten weiter oben immer schmäler. Sie läuft dabei
aber nicht in eine scharfe Spitze aus, sondern macht eher (495) den Eindruck einer in den
Lüften schwebenden Kugel. Auf die wohlgefügten Krümmungen der Bogen setzte der Künstler die im Kreis umlaufende Basis … mit den Händen der Steinmetzen glättete er abwechselnd die aufstrebenden Rippen. Bei ihrem Anblick könnte man sie für einen ringförmigen
Kamm halten […, Text bis 505 verderbt] […] am unteren Rand der Kuppel aber fertigte er
fünfmal acht Wölbungen heller Fenster (510), durch die der Strahl der zartgelockten Eos einfällt.“
Text 10:
ANONYMUS: Beschreibung des Salomonischen Tempels. Altes Testament, 1 Könige 6, 2-37,
Entstehungszeit nicht überliefert.
„Das Haus aber, das der König Salomo dem Herren baute, war sechzig Ellen lang, zwanzig
Ellen breit und dreißig Ellen hoch. Und er baute eine Vorhalle vor der Tempelhalle des Hauses, zwanzig Ellen lang nach der Breite des Hauses und zehn Ellen breit vor dem Haus her.
Und er machte am Hause Fenster mit festen Stäben davor. Und er baute einen Umgang an
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der Wand des Hauses ringsumher, sodass er um die Tempelhalle und den Chorraum herumging, und machte Seitengemächer ringsumher. Der untere Gang war fünf Ellen weit und der
mittlere sechs Ellen weit und der dritte sieben Ellen weit; denn er machte Absätze außen am
Hause ringsumher, sodass die Balken nicht in die Wände des Hauses eingriffen. […] Die Tür
zum unteren Seitengemach war auf der rechten Seite des Hauses, sodass man durch eine
Wendeltreppe hinaufging auf die mittleren Seitengemächer und von den mittleren auf die
dritten. […] Und er baute Gänge um das Haus herum, je fünf Ellen hoch, und verband sie mit
dem Hause durch Balken von Zedernholz […]. Und Salomo baute das Haus und vollendete
es. Er bedeckte die Wände des Hauses innen mit Brettern von Zedernholz. Vom Boden des
Hauses bis an die Decke täfelte er es innen mit Holz, und den Boden des Hauses täfelte er mit
Zypressenholz. Und er baute zwanzig Ellen von der Rückseite des Hauses entfernt eine Wand
aus zedernen Brettern vom Boden bis an die Decke und baute so im Innern den Chorraum,
das Allerheiligste. Die Tempelhalle vor dem Chorraum war vierzig Ellen lang. Innen war das
ganze Haus aus lauter Zedernholz mit gedrehten Knoten sodass man keinen Stein sah. Den
Chorraum machte er im Innern des Hauses, damit man die Lade des Bundes des Herrn dahin
stellte. Und vor dem Chorraum, der zwanzig Ellen lang, zwanzig Ellen breit und zwanzig Ellen hoch war und überzogen mit lauterem Gold, machte er den Altar aus Zedernholz. Und
Salomo überzog das Haus innen mit lauterem Gold und zog goldenen Riegel vor dem Chorraum her, den er mit Gold überzogen hatte, sodass das Ganze Haus ganz mit Gold überzogen
war. Dazu überzog er auch den ganzen Altar vor dem Chorraum mit Gold. […]“
Text 11
ALBERTI, Leon Battista: Profugiorum ab aerumna libri III (della Tranquilità dell’animo).
Hrsg. v. Giovanni Ponte. Genua, 1988, 8.
Beschreibung von Santa Maria Del Fiore, Florenz, entstanden 1441.
„[…] E certo questo tempio ha in sè grazia e maestà: e, quello che io spesso considerai, mi
diletta, ch’io veggo in questo tempio giunta insieme una gracilità vezzosa, con una sodezza
robusta e piena; tale, che da una parte ogni suo membro pare posto ad amenità; e dall’altra
parte comprendo che ogni cosa qui è fatta ed offirmata a perpetuità. Aggiungi che qui abita
continuo la temperie, si può dire, della primavera; fuori vento, gelo, brina; qui entro, socchiuso da’ venti, qui tiepido aere e quieto; fuori vampe estive ed autunnali; qui entro temperatissimo refrigerio. Es’egli è, come e‘ dicono, che le delizie sono quando a‘ nostri sensi
s’aggiungono le cose quanto e quali le richiede la natura, chi dubiterà appellare questo tempio nido delle delizie? Qui, dovunque tu miri, vedi ogni parte esposta a giocondità e letizia;
qui sempre odoratissimo; e, quel che io sopra tutto stimo, qui senti in queste voci al sacrificio,
e in questi, quali gli antichi chiamavano misteri, una soavità maravigliosa. […]“
Text 12
FICHARD, Johann: Roma 1536 – Le Observationes di Johann Fichard. Hrsg. v. Agnese Fantozzi. Rom, 2011, 42f.
Beschreibung der Peterskirche, Rom, entstanden 1536.
„[…] Templum portas habet tres, parvo intervallo distantes, quarum superior aurea vocatur
et muro (ex more) tota est obstructa; vilissimi aspectus. Neque enim licet, per ilam ingredi,
nisi tempore Iubilaei, quod superiori anno XXV. (si bene memini) sub Clemente fuit, quo
aperta fuit, et deinde, ad certum quoddam altare uro obturata, prout habet inscription, tum
temporis eidem portae imposita. Medium autem porta est communis illa, per quam omnibus
patet accessus. Inferior ad sinistram, ipsa aperitur quidem, sed raruius. Utriusque portae
valvae sunt aeneae, sculptae elegantae. Ipsum templum quemadmodum et Lateranense ob-
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longum est, columnarum recto utrinque ordine posito, plus tanem dimido detectum et imperfectum est, ut possis in medio templo herbatum ire […].”
Text 13
FICHARD, Johann: Roma 1536 – Le Observationes di Johann Fichard. Hrsg. v. Agnese Fantozzi. Rom, 2011, 56.
Beschreibung des Pantheons, Rom, entstanden 1536.
„[…] Pantheon positum a M. Agrippa Jovi ultori, nuno a rotunditate Maria Rotunda dictum,
omnium Romanorum monumentorum integerrimum, et post Amphiteatrum magnificicentissimum est., forma tota ciculari et perfectissima. Altitudo ut Marlianus tradit, brachia continent LXXVII et totidem latitude, cuius exactissimam habes descriptionem apud eundem
Marlianum. […] Ingressus est unus. Eius valvae altissimae aereae sunt. Intus ex uno superiori
foramine lucudissimum est. Altaria circumquaque sunt inter ipsa epistylia commode inserta.
Portcium foris habet magnificum, altissimum et crassissimum, columnis XIII, quas ego duobus brachiorum amplexibus non circumdarem; et illae quidemex uno solidoque lapide […].”
Text 14:
PALLADIO, Andrea: I quattro libri dellàrchitettura di Andrea Palladio. Ne’quali, dopo un
breve trattato de’cinque ordini, e di quelli avertimenti, che sono piu necessarii nel fabricare,
si tratta delle case private, delle vie, dei ponti, delle piazze, dei xisti et de’ tempii. Con privilegi. Venedig, 1570, 18 (Il secondo libro).
Beschreibung der Villa Almerigo-Capra, Vicenza.
„Fra molti honorati Gentil’huomini Vicentini si ritrova Monsignor Paolo Almerica huomo di
chiesa, e che fu referendario di due Sommi Pontefici Pio IIII, & V, & che per il suo valore meritò di esser fatto Cittadino Romanocon tutta casa sua. Questo Gentil’huomo dopo l’haver
vagato molt’anni per desiderio di honore; finalmente morti tutti i suoi; venne à repatriare, e
per suo diporto si ridurre ad un uo subuirbano in monte, lungi dalla Città meno di un quarto
di miglio ove ha fabricato secondo l’inventione, che segue: la quale non mi è parso mettere tra
le fabriche di Villa per la vicinanza ch’ella ha con la Città, ondde si puo dire che sia nella Città
istessa. Il sito è de gli ameni, e dielttevoli che si possano ritrovare: perche è sopra un montiticello di ascesa facilissima, & è da una parte bagnato dal Bacchiglione fiume navigabile, e
dall’altra è circondato da altri amenissimi colli, che rendono l’aspetto di un molto grande
Theatro, e sono tutti coltivati, & abondanti di frutti eccellentissimi, & di buonissime viti: Onde perche gode da ogni parte di bellisssime viste, delle quali alcune sono terminate, alcune
più lontane, & altre, che terminano con l’Orizonte; vi sono state fatte le loggie in tutte quattro
le faccie: sotto il piano delle quali, e della Sala sono le stanze per la commodità, & uso della
famiglia. La sala è nel mezzo, & è ritonda, e piglia in lume sopra. I camerini sono amezati.
Sopra le stanze grandi, lequali hanno i volti alti secondo il primo modo, intorno la Sala vi è un
luogo da passeggiare di larghezza di quindici piedi, e mezo. Nell’estremità de i piedistili, chefanno poggio alle scale delle loggie; vi sono statue di mano die Messer Lorenzo Vicentino
Scultore molto eccellente.“
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Text 15:
PALLADIO, Andrea: I quattro libri dellàrchitettura di Andrea Palladio. Ne’quali, dopo un
breve trattato de’cinque ordini, e di quelli avertimenti, che sono piu necessarii nel fabricare,
si tratta delle case private, delle vie, dei ponti, delle piazze, dei xisti et de’ tempii. Con privilegi. Venedig, 1570, 73f (Il quarto libro).
Beschreibung des Pantheons, Rom.
„[73] Fra tutti Tempij, che si veggono a Romaniuno è più celebre del Pnatheon hoggi detto la
Ritonda, ne che sia rimaso più intiero, essendo ch’egli si neda quasi nell’esser di prima quanto alla fabrica, ma spogliato di statue, & d’altri ornamenti. Egli fu edificato secondo la opinione di alcuni da M. Agrippa circa dell’anno di Christo xiiij, ma io credo che il corpo del Tempio
fusse fatto al tempo della Repubblica, e che M. Agrippa vi aggiunge solo il portico; il che si
comprende dalli due frontispicij che sono nella facciata. Fù questo Tempio chiamato Pantheon, percioche dopo Giove fu concecrato à tutti gli Die: òpure (come altri vuole) perche egli è
di figura del Mondo, cioè Ritonda, che tanto è la sua altezza dal pavimento fino all’apritura
onde egli riceve il lume, quanto è per diametro la sua larghezza da un muro all’altro; e come
hora si scende al suolo, over pavimento, cosi anticamente vi si saliva per alquanti gradi. Tra le
cose più celebri, che si legge, ch’erano dentro del Tempio u’era una statua di Minerva di Auorio fatta da Fidia, & un’altra di Venere, […]. Tutto questo Tempio è di ordine Corinthio cosi
nella parte di fuori, come in quella di dentro. Le base sono composte dell’Attica, & della Ionica. I Capitelli sono intagliati à foglie di olivo, gli Architravi, I Fregi, e le Cornici hanno bellissime sacome, ò modani, e sono con pochi intagli. Per la grossezza del muro, che circonda il
Tempio vi sono alcuni vacui fatti accioche i terremoti meno nuocano à questa fabrica, eper
risparmiare della spesa, & della material. Ha questo Tempio nella parte davanti un bellissimoi portico, nel fregio del quale si leggono queste parole. M. AGRIPPA L.F.COS.III.FECIT.
[…] Nella parte di dentro del tempio vi sono nella grossezza del muro sette capelle con nicchi,
nei quali vi dovevano essere statue; & tra una capella, e l’altra vi è un tabernacolo, di modo,
che vengono ad esservi otto tabernacoli. È opinione di molti, che la capella di mezzo, che È
rincontro all’entrata, non sia antica, perche l’arco di essa viene à rompere alcune colonne del
secondo ordine: ma che al tempo di christiani dopo Bonifacio Pontefice, il quale primo dedicò
questo tempio al culto Divino, ella sia stata accresciuta come si conviene à I tempij di christiani di havere un’altare principale, e maggiore de gli altri. Ma perche io veggo che ella benissimo accompagna con tutto il resto dell’opera, & che ha tutti I suoi membri benissimo lavorati, tengo per fermo ch’ella fusse fatta al tempo, che fu fatto ancho il resto di questo edificio.
Ha questa capella due colonne, cioè una per banda, chef anno risalita, & sono canellate; & lo
spacio che è tra un canale, e ‘altro è intagliato a tondini molto pulitamente. E perche tutte le
parti di questo tempio sono notabilissime, acciò che tutte si veggano, io ne ho fatto dieci
tavole. [74] Nella prima v’è la pianta. Le Scale, che si veggono dall’una, e dall’altra parte dell’
entrata portano sopra le capelle in una via segreta, che va per tutto intorno il Tempio, per la
quale si va fuori à I gradi per falire fino alla sommità dell’edifico per alcune Scale, che vi sono
intorno. Quella parte di edificio che si vede dietro del Tempio, & è segnata M, è aprte delle
Therme di Agrippa. Nella Seconda v’è la metà della facciata davanti. Nella Terza v’è la metà
della facciata sotto il portico. Come si vede in queste due tavole, questo Tempio ha due Frontespicij; l’uno del portico, l’altro nel muro del Tempio. Dove è la lettera T, sono alcune pietre
che escono alquanto in fuori, le quali non mi so imaginare à che servissero. Le Travi del portico sono fatte tutte di tavole di bronzo. Nella Quarta tavola, è l’alzato per fianco nella parte di
fuori. Nella Quinta è l’alzato per fianco nella parte di dentro. Nella Sesta vi sono gli ornamento del Portico. […] Nella Settima v’è parte dell’alzato nella parte di dentro rincntro all’entrata,
ove si vede come siano disposte, & con quali ornamentile capelle, & I tabernacoli, e come
siano compartiti I quadri nel volto, perche se fussero stati tali ornamenti di bronzo, non è
dubbio che fafrebbono stati tolti ancho quelli bronzi, che, come ho detto, sono nel portico.
Nella Ottava in forma alquanto maggiore vi è disegnato uno de i Tabernacoli in maestà con
parte delle capelle, che li sono da i lati. Nella Nona sono gli ornamenti delle colonne, e dei
pilastri della parte di dentro. […] Nella decima vi sono gli ornamenti dei Tabernacoli, che
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sono tra le capelle; ne i quali è da avertire il bel giudicio, c’hebbe l’Architetto, il quale nel far
ricingere l’Architrave, il fregio, & la cornice di questi Tabernacoli, non essendo i pilastri delle
capelle tanto fuori del muro, che potesser capuire tutta la proiettura di quella cornice, fece
solamente la Gola diritta, & il rimanente de i membri converti in una fascia […].“
Text 16:
SANSOVINO, Francesco: Venezia città nobilissima, et singolare, descritta già in XIIII. Libri
nella quale si contengono tutte le cose, Antiche, come Moderne, che nell'ottava facciata di
questo foglio si leggono. Venedig, 1581, 8-9 & 15.
Beschreibung der Basilica di San Marco, Venedig.
[8] Della forma & architetture di questo tempio, Cap. IX
“Non è dubbio alcuno, che l’architettura di questo tempio più che ammiranda, e singolare in
ogni sua parte non sia. Ella è stata fatta in forma di croce & alla maniera greca & la sua pianta
fu per certo da ottimo& eccellentissimo Maestro ordinata & fu uno dei principali architetti
che all’hora, come già in altro luogo di sopra dicemmo,in Costantinopoli fiorivano: tuttavia,
se la detta pianta è stata ottimamente intesa, vedesi, che la facciata, a lei non corrispondendo,
mostra d’esser stata da un altro mano, meno intendente, fatta; con tutto ciò ch’essa non sia
bellissima & di ricchissimi marmi & pietre pellegrine, e rare adornata & arrichita, niuno lo
può con verità affermare; impero che & essa, & tutta l’altra parte di fuori della Chiesa con
tanti tabernacoli, e con tanti nicchi, lavorati a fogliami,con estremo artificio & diligenza, rappresenta una composi tura a Tedesca, sopra modo da tutti gli intendenti stimata, & specialmente da quelli, che in quei tempi, che fu fatta, vivevano, nei quali a punto tutte le fabriche in
cotal maniera erano erette, e costrutte.”
[9] Descrivonsi le parti esteriori del tempio, Cap. XI
“Se ben la facciata di questa Chiesa, come di sopra da noi è stato accennato, non corrisponde
in tutto al corpo di lei, per esser stata fatta da mano meno intendente di quella, che disegnò la
pianta & eresse la mole del tempio; tuttavia ella è, per gli ornamenti di meravigliosa bellezza,
che vi si veggono, sopramodo ammirabile & singolare. Vi si ascendeva dal piano della piazza à
questa facciata, over alle porte di lei, nella sua prima fondazione per alquanti gradi; hora a
pena per uno vi si ascende, contanto sono i guadi della laguna cresciuti che sono stati cagioni
di far alzar anco il terreno della piazza. Le porte che si veggono in questa facciata sono cinque, quella di mezzo, che è la principale, è più alta & più larga delle altre quattro, che sono
da’lati, lequali si trovano quasi d’una medesima grandezza. Due di esse, cioè la maggiore, &
quella, che nel cantone dritto è posta, ogni giorno ordinariamente si aprono, il che delle tre
altre non vien fatto, se non in occasione di qualche solenne festa; e tutte sono di bronzo. Elle
sono sotto cinque volti concavi poste; & si come della di mezo è delle altre la maggiore, così il
suo volto, che da gli altri è assai differente, per esser non così concavo, ma alla similitudine
fatto d’un grandissimo nicchio, è assai maggiore de gli altri, essendo da terra fino alla sua
cima più de gli altri piedi 10 alto che in tutto fanno 41 & largo 27.”
[…]
[15] Delle Tribune, over Cupole, che si veggono sorger ad alto sopra il colomo di questo
tempio, Cap. XXI
“Avendo noi ragionato della facciata, e di ambi i lati di questo tempio, essendo tutto la parte
di dietro sino alle braccia occupata, e dal palagio Ducale a man sinistra & a man dritta dalla
Canonica, e dalla Chiesola di S. Theodoro, i quali edifici chiudono a riguardanti l asudetta
parte posteriore del capo, e delle braccia del tempio, che li, de’volti, de capitelli, e di altri lavori, già di sopra da noi narrati, intorno il tempio; resta hora, che delle Tribune, e del colmo,
che sono delle interiori, scopriremo il tutto minutissimamente; poi che il campo è molto amplo e spatioso & sopra modo di considerazione degno per la qualità & quantità delle cose notabili, che vi si trovano. Hor queste cupole sono cinque: poste in forma di croce: uno sta nel
capo, l’altra ne’piedi, una per braccio e altra; che è di tutte la maggiore, giace nel mezo. Que-
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sta del colmo sino alla sia cima si trova alta piedi 115 & larga al di fuori piedi 130. Vi sono
all’intorno delle finestre inventriate sedici, per le quali entra in Chiesa il lume a sufficienza:
altretante ne ha ciascheduna delle altre quattro cupole, le quali così di altezza, come di larghezza sono eguali; essendo alte piedi sette & larghe cinque.”
Text 17:
BOCCHI, Francesco: Le Bellezze della città di Firenze, Dove A Pieno Di Pittura, Di Scultura,
di Sacri Templi, di Palazzi i più notabili artifizii, & più preziosi si contengono. Hrsg. v. Giovanni Cinelli Calvoli. Florenz, 1591/2004, 36-44.
Beschreibung von Santa Maria del Fiore, Florenz.
“[36] E fatto questo tempio con tanta eccellenza, che i maggior principi, e più potenti, ancora
che aggranditi da molta copia di tesoro non anno potuto giammai non che agguagliare, ma ne
arrivare ancora alla magnificenza, che vi è mirabile, ne alla bellezza, che vi è infinita.
L’architettura è arte, che non imita la natura, ma l’avanza, come sanno gli uomini intendenti:
perche essendo nell’animo altrui una idea, ed un pensiero verso di se tutto compiuto, come de
essere un edifizio perfetto, e raro in ogni sua parte, non prima è venuta in luce una fabbrica, e
questo più avviene in Firenze, che altrove (cotanto è grande la mal agevolezza) che vi si scorgono gli errori. E quantunque adoperi l’artefice molta industria, e di giungere a si glorioso
fine, io dico di fare una fabbrica senza errore, oltra modo si affatichi, quanto siano rare tuttavia tali opere, non fa luogo ora, come io avviso, il disputare. Fu disegnata questa Chiesa nobilissima da Arnolfo di Lapo, Architetto Fiorentino con isvegliata diligenza, e con cura incredibile. Intendeva egli, come l’animo de’ principali Magistrati, che governano, ed altresì di tutto
il popolo, era oltra modo grande, e che con picciola industria a loro alti pensieri rispondere
non si poteva. Perlochè egli fece un modello conforme alla magnificenza dell’avviso di coloro,
che in si grande edifizio chiedevano l’opera sua; e secondo quello incominciò questa fabbrica,
che in tutto il Mondo non si vede, come si dice, ne più magnifica,ne più bella. Se si potesse
vedere l’artifizio, e l’industria, e appresso imaginar la fatica, e il sudore, che né fondamenti è
sotto terra, di certo recherebbe altrui tal cosa terrore, e meraviglia. Fu dato principio a questo
nobilissimo edifizio nel MCCLXXXXVIII. Nel giorno della natività della Madonna, gettando
la prima pietra un cardinale, che fu il cardinale latino del papa, con la presenza di tutto il clero, e di tutti magistrati, nominandola Santa Maria del Fiore, quantunque abbia sempre ritenuto il nome di Santa Reparata, e prima di questi due il nome di S. Salvatore, […]. Sono molto larghi i fondamenti, e intorno alla muraglia per grande spazio si distendono. Quanto sia
profondo la platea, non è molto noto: tuttavia si dee stimare, che molto braccia vadia a detro
sotto terra, e come fabbrica di maggior podo, che avanzi di profondità il campanile, il quale
nel suo fondameto oltra veti braccia va in fondo. Perche fu messo ne’luoghi più bassi gran
numero di pietre grosse, e appresso a gli angoli delle otto faccie, perche piu la cupola si mantegna a gagliarda, rispondono sotto come duri scogli forti muraglie, e molto salde. Per lo che
non meno è bella questa macchina, e leggiadra, che forte, e gagliarda: E si come l’umana bellezza dal corpo, che è infermo si dilegna, e con quello, che è sano, quasi con forte nodo è congiunta, così questa mirabil fabbrica se non fusse gagliarda, meno in lei rilucerebbe
quell’eccessiva bellezza, la quale legata, e stretta con estrema fortezza, fa star pensosi i sommi
artefici, ed i più intendenti uomini, che nel mirarla ad ora, ad ora non sanno ancor discernere
se più sia ella gagliarda, ò da altra parte in bellezza si avanzi. Già sono passata dugento novanta anni con gradissima diversità di tempi, ed ha provate inondazioni di acque, ha sentiti
rovinosi tremoti, è stata travagliata da tempi piovosi, da variazione di secco, di umido, da
venti furiosi: è stata scossa da folgori , e franco ha conservato sempre l’esser suo senza cambiarsi, e quantunque dentro, e di fuori sia bella come si vede, non senza ragione di lei tuttavia
si puote dire: quaeq latent, meliora puta. E di vero tante sono le pietre di numero, così gravi,
così diverse, che messe insieme, e alzandosi quasi ad cielo in si terribile montagna e si artifiziosa, sono senza fallo á chi mira attentamente di spavento. Ma la cupola, che è condotta col
disegno di Filippo di Ser Brunellesco, e fatta con industria oltra tutte le fabbrice, che si veg-
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gono sopra la terra, meravigliosa. Dove si travaglio Filippo, vi ha la maniera piu nobile, piu
bella e piu piena di vista graziosa e robusta altresi. […] e doppia la cupola, come è cosa nota;
ma risponde in chiesa quella, che regge tutto il pondo, sopra cui si posa la laterna. Creda pur
fermamente ogni uomo, che ne in italia, ne in Roma, già vincitrice di tutte le genti non si dirizzo giamai in alto così superbo lavoro, ne nella Grecia, ne nella Constantinopoli da alcuno
artefice nobile, ne da alcuno imperatore quantunque grande fu fabbricato edifizio con tanta
eccellenza, ne fecero gli antichi giammai cosa si bella, ne si degna, ne che si possa in questo
con la grandezza d’animo della città di Firenze, ne con magnificenza di così teribil macchina
comparare. Fu questa la prima macchina fabbricata nel mondo senza centine, per la qual cosa
incontrò Filippo grandissime difficoltà, non potendo render capaci gl’animi altrui come tal
novità potesse farsi. […]Non fu preso l’esempio da altro edifizio […]ma nato nella mente di
questo singolare artefice, che per molti anni l’avea divisato, così vago il produße alla fine, così
lodevole, cosi stupendo; e camminando arditamente al cielo piu, che tutte le macchine, che si
veggono, […] sono gli spigoli divisati con tanto ordine, la coperta del tetto con tanta grazia,
così è svelta, cosi risponde d’ognintorno ottimamente alla vista, così è la laterna con ornamenti leggiadri accomodata, e la palla in somma, e la croce, e tutto il componimento cosi riesce mirabile in ogni parte, che di vero dir si puote, che sia sopra umano e nell’artefice infuso
da divina grazia, e senza fallo incomparabile. […] Dal piano della terra è tutta questa opera
meravigliosa fino al piano della Laterna braccia 154, il tempio della laterna è braccia 36, la
palla di rame indorata braccia 4, la croce braccia 8, ed in tuttp è alta la fabbrica braccia 202.
la quale quando si vede di lungi fa nascere diletto; quando da preso stupore, ma quando è
sotto l’occhio à sì alto lavoro, trema l’anima per meraviglia di tanta bellezza, e sento nascere
un certo terrore, come abbia potuto l’ingegno di un solo uomo sormontare tanto in alto, e
gareggiare quasi con gli alti monti di natura, e vincergli senza dubbio di bellezza, e di altezza.
[44] Campanile di questa chiesa: fu cominciato questo edifizio col disegno di Giotto architetto
singolare nei suoi tempi, e con suo ordine condotto al termine che oggi si vede. […] Era in
fiore nell’edificare la maniera tedesca quando fu fatta questa fabbrica. Ma tuttavia tanto è ella
migliorata per l’industria di Giotto, che ancora in questo tempo per lo gran senno è commendata.”
Text 18:
SCHICKHARDT¸ Heinrich: Rayß in Italien. 1599–1600; in dreierley Version. Hrsg. v. Winfried
Bolter. Montbéliard/Stuttgart, 1602/1902, 280.
Beschreibung des Pantheons, Rom.
„Diß ist ein herrlich Gebäuw, und eine ganz circkelronde Kirch, im Diameter inwendig bis in
die sechzig Schrit weit und ohne Seulen, aber schön gewölbt, hat oben in der Mitt ein Rond
loch, welches ohngefahr sechzehn oder achzehn Schuo offen steht, man gibt für, ob gleichwoll
dasselbige Loch nicht bedeckt sey, so regne es doch nicht hinein, welches aber ein Fabell,
dann ich selbst gesehn, das heftig dahinein geregnet: vor der Kirch Thür heraussen hat es
zwölf (wie man sagt von Stain gegosne) Seulen, deren eine drey Mann kaum umklasstern
mögen. Dieser Tempel, ist erstlich umb die zeit der Geburt Christi oder ein wenig hernach,
von Agrippa, des Augusti Tochterman erbauwet, und Pantheon genennet worden, ist etlich
mahl vom Feuer verdorben, aber zum letzten von Kaiser Hadriano widerumb erneuwert und
zugericht. Anno Christi 607 ist er vom Pabst Bonifacio dem Vierdten in der Ehr der Heiligen
Jungfrauw Mariae geweyhet worden.”
20
Text 19:
SCHICKHARDT¸ Heinrich: Rayß in Italien. Beschreibung einer Rayß welche der durchleuchtig hochgeborne Fürst und Herr Friderich Herzog zu Württemberg unnd Teck im Jahr 1599
auß dem Land zu Württemberg in Italien gethan durch Heinrich Schickhart zu Herrenberg
ihrer Fürstlichen Gnaden Baumeister. Hrsg. v. Jacques Foillet. Montbéliard, 1602, 45.
Beschreibung von St. Peter, Rom.
„Daran der alte Bauw, welchen Constantinus Magnus soll haben erbauwen lassen, gegen den
Neuwen zu rechnen, ein schlecht und unsehenlich ding, hat gleichwohl etlich schöne Altär
und zwo von Metall gegossene Pforten, welche von Hierusalem dahin gebracht sein sollen.
Nicht weit von dissen gegossenen Thüren, hat es noch ein Thor Porta Sancta genandt, darvon
hernach weitter folgen wird. Der Neuw Bauw aber, so an dieser Kirchen, dieselbe zu erweittern gebauwen worden, ist ein so uberauß schön, groß unn herrlich Gebäuw, das sich daran
zu verwundern, außwendig nach der rechten Kunst der Architectur, an Thüren, Fenstern,
Colonnen und Gesembsen, ganz schön und zierlich geordnet, auff das allerfleissigste gebauwen und versetzt, hatt fünf runder Thürn, under welchen der Mittelst am höchsten ist. Inwendig dieser Kirch seind die Seilen an den Wenden herumb, mit ihrem Frieß und allen Gesimbsen, deßgleichen etliche Altär, sambt dem Boden der ganzen Kirch, von eitel gefarbtem
Marmel, ganz fleissig gebauwen, woll versetzt und sauber gebaliert. Die gewölber ubersich
seind auch gar künstlich gemacht, vil Vergült und schön gemalt, daran man noch täglichs
arbaitet.“
Text 20:
AGUCCHI, Gian Battista: “Relatione della Villa Belvedere”. Zit. nach: Cesare D’Onofrio
(Hrsg.): La Villa Aldobrandini di . Rom, 1963, 82-115.
Beschreibung der Villa Aldobrandini, Frascati, entstanden 1611.
„[84] Ingresso alla Villa di Belvedere
Incomincia la mia villa poco lontano dalla città di Frascati, sopra di essa però; et entrato cominciassi ad ascender per un largo e dritto viale [….]. Al’entrar nella villa si vede la prospettiva della Casa et gli altri membri di lei nella maniera che vedrà Vostra Altezza nel dissegno et
che io ancora cercarò di andar descrivendo, anzi un pezzo prima et da mezza strada di Roma
ella à far pompa incomincia della sua architettura […].
[87] Le Vedute della Villa
Sopra questo piano […] sta posta la casa o palazzo che dir vogliamo, il quale non pur gode
della bellissima vista che à tutto il sito del monte è conceduta, ma come egli è posto più alto
di ogni altro di qualsivoglia villa di Frascati et disposto di maniera avanti di lui ogni sito, che
à vederlo aiuti, rimira al guiditio di tutti la campagna et ciò che al occhio si rappresenta meglio di ogni altra casa et villa che qui d’intorno per molte miglia sia. Et è così bella questa
veduta che, stando in questo posto in qual si voglia parte et in ogni fenestra della casa et particolarmente sopra tre ringhiere di essa, scuopre gran parte delli Appennini verso tramontana
et levante; in faccia più à ponente la città di Roma et la sua campagna; tra ponente et mezzogiorno il mare; per la campagna castelli, terre, città, e tutto quello che in vastissimo et
grandissimo paese si trova pare che a questa casa faccia piazza et ornamento. […]
[89] L’architettura del palazzo
Ho lineato, non dissegnato, et accennato non descritto a Vostra Altezza la bellezza, la leggiadria, et la disposizione di questa veduta, non essendo possibile, che la penna la figuri come
ella è veramente, ne può altro l’occhio, che solo la gode, all’intelletto rappresentarla et io ne
ho vedute delle maggiori et più vaste, ma non mi è paruto che niuna sia da mettere à paragone di vaghezza con questa, et di una soisfattione che reca senza potersi dire che sia se non una
bella et misurata positura et proporzione fatta dal gran Architetto dell’Universo. Et à me pare
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di poter somigliare questo sito tutto ad un grandissimo teatro che facendo circolo per la maggior parte et corona vadia ad accostarsi da tutte doi bande al monte di Frascati et che gli faccia quella parte nel teatro, che la scena, che gli Antichi orchestra chiamorno, far suole, sporgendosi in testa di questo sito alquanto in fuori, e staccandosi dal resto per meglio vedere et
esser veduto. Il Palazzo è accolto in mezzo da doi passeggiatori, alti al paro del primo piano
d’esso; sono larghi quanto la casa et longhi canne onde non quadri ma di forma longa et propotionata restano. Hanno attorno una balustrata come quelle delle piazze. […]Sotto à questi
passeggiatori, al pari delle stanze terrene del palazzo, sono tutte le officine et servitij che ad
una gran casa et da molta gente habitata possono esser neccessarij, on convenersi […].
[92] La facciata anteriore del palazzo
La facciata dinanzi del Palazzo, che è quella parte che verso Roma riguarda, levandosi, sopra
il primo basamento, o zoccolo che chiamar vogliamo, ha quatro ordini di aperture che le fenestre et porte contegono et ciascun ordine ha undici aperture. Poco sopra il zoccolo piano sono
le fenestre delle stanze terrene, fatte con soglie, stipiti, architravi de conci semplici et lisci. Et
sono distinti di tal maniera: nelle doi teste, doppo le cantonate di concio, doi porte con
l’architrave ovato, et seguita una pilastrata per banda di mattoni coperti di calce con colle
bianca, che alquanto sporge in fori, doppo, doi fenestre et un'altra pilastrata di conci con le
guglie fatte a rastello, et è quasi à filo della facciata. Appresso viene un'altra fenestra et un'altra pilastrata liscia che sporge in fori quanto la prima, et poi un'altra fenestra et la porta principale in mezzo, la quale è di doi quadri perfetti, adornata di conci bianchi, diversi dal’altre,
di pietro che noi travertino chiamamo, di ordine ionico con la soglia della ringhiera sopra; la
quale doi castelloni sostengono che sono fino al fondo accompagnati da doi membretti che
escono fori delle stipiti, vagamente lavorati. Et così questa porta viene ad esser posta in mezzo da cinque aperture per parte et tre pilastrate, et queste da fondo fino à cima continuano.
Vien poi un ordine di mezzanini che a mezzane camere servono, con li conci lavorati di una
sola e semplice cornice. Ma prima un'altra fascia di un simil cornice si trova, che anco essa
tutto il palazzo ricinge. Poco sopra li mezzanini è un'altra fascietta simile et poi poco più alto
sono le fenestre del ultimo piano del istesso lavoro che li mezzanini sono. Il tetto è adornato à
modo di una gran cornice, con li suoi gocciolatori et membri et con modiglioni di sotto, et tra
un modiglione et l’altro sono de stucchi lavorati stelle et rastelli. Sopra il tetto, quanto è largo
lo spatio dalla cantonata alla prima pilastrata è un frontespizio spezzato per parte, che in cornice con il medemo ornamento come il tetto fornisce. Et questi doi accompagnano un frontespizio intero, che in mezzo tra le doi ultime pilastrate so spicca in alto. L’altezza di questo
frontespitio fa doi altri ordini di fenestre sopra il tetto: una di mezzanini che sono tre et una
di tre altre fenestre ordinarie. Et le pilastrate à questo di cantonate servono, et se ritorcono
poi sotto in doi cartelloni che di qua et di la l’accompagnano. Tutti questi conci che sono à
queste finestre, o la maggior parte, sono di una pietra che tira al colore negro, che noi dal
color di peperino adimandiamo, et dall’istessa materia sono anco quasi tutti quei conci che in
lochi coperti dal aqua stanno, avvenga che li scoperti di un altro, che asperone si chiama, sieno, che più alla ingiuria de venti et de l’aque resiste. La facciata e tutto il muro di essa è coperto di una colle di color di calce quasi di chiaroscuro, ma l’accorto architetto per far spiccare il bruno del peperino ha tirato attorno ad ogni apertura una fascia di bianco che non si può
dir la gratia che con niente la reca. Le facciate delle teste del Palazzo sono assai più strette,
avenga che per la vicinanza del monte la fabrica non si sia potuta riquadrare, ma fanno doi
piccole facciate da se con li medemi ordini di fenestre, di fascie et di mezzanini; né ammettono altre pilastre, poiché le cantonate, che sono assai vicine, per esse suppliscono. Ciascun
ordine di fenestre ne ha solo quatro, et li ordini tre soli sono, non quatro come quelli della
facciata dinanzi, essendo l’ordine del piano à terreno dalli passeggiatori, che col palazzo si
uniscono, ricoperto. Non è facile ad esprimere come l’occhio di chi riguarda questa prima
facciata rimane soddisfatto per la simetria che ha in se stessa et con gli ornamenti delle piazze
et balaustrate et vasi detti sopra et per li finimenti del coperto et delli frontespitij, ma sono
sforzato à dir qui, benché non si suo proprio locho non havendo anco delli alberi et giardini
parlato, dell’adornamento che fa una selva à questa casa […].”
22
[96] L’interno del palazzo
Questo palazzo non è grande, non havendolo la stretezza del sito che al monte si accosta conceduto, ne per le stanze sono così ampie che grandi dire possano. Ma né il palazzo è piccolo
né le stanze per questo sono anguste, ma in una mediocrità sono più vicine alla grandezza che
alla piccolezza. […] Ma tornando à raccontare a Vostra Altezza quello che il palazzo dentro
contiene mi farò sulla porta principale della prima facciata di dove si entra in un atrio distinto in tre parte da doi colonnati con colonne toscane et suoi piedestalli, in testa del quale, incontro alla porta, sopra un grande piedestallo è di marmo una statua di Apollo di antica
marmo ottimamente scolpita. […] Alla sinistra mano è una scala che alla loggia sotto alla
prima piazza pari dell’inferiore,che di sopra mentione se ne è fatta, per via coperta conduce et
di quivi anco si entra in diverse volte da vini, o cantine che dir vogliamo, dove non solo i vini
si ripongono ma vi si fanno, havendosi à questo ogni commodità. Alla destra da una parte
vicino all’entrata si entra in un appartamento di diverse stanze, al desinare, o cena de gentiluomini che servono, acconcie di sorte che più d’una tavola in uno stesso tempo si può fare.
Più avanti nella medesima parte si apre un grand’arco che ad una scala mena che à lumaca è
fatta, ma così leggiadramente et così bene adornata che non è la meno considerabil parte di
questa casa per cio che ella è larga di sorte che quatro homini al paro vi possano comodamente salire. La forma della lumaca è ovata con il suo pozzo aperto da fondo a cima, et in esso si
guarda per fenestroni con archi che pare che vogliano fare un colonnato et lo differentiano di
sorte che vaghezza, lume, et proporzione rende con una novità d’inventione non poco, da chi
l’ha veduta, lodata et approvata. Et al piedi di ogni arco, come che fino al paro de scalini
giunga, vi è una balaustrata di ferro, che da cedere assecura; et ella sequendo sempre l’ordine
de suoi grandi senza mai interromperli con centocinquanta scalini arriva fino alla sommità
del Palazzo, di dove chi nel pozzo della scala riguarda per quegli archi, che spessissimi sono,
vede l’artificio con il quale questa scala è fabricata et all’occhio non poco diletto concede. Da
questa scala al primo piano con un gran arco per una caposcala vassi nella prima loggia della
seconda facciata, detta disopra; et da essa per una gran porta bene ornata con arme in cima
entrasi nella sala del primo piano benché, senza entrar nella loggia, dalle scale immediamente, anco per maggior commodità, nella sala entrar si possa. Questa sala, di conveniente grandezza non quadra ma un poco più longa che larga, proporzionata in tutte le sue misure di
longezza, largezza et altezza, hà di candidissimo stucco in cambio di calce le parete incollate.
Ha la cimasa della volta et la volta istessa de stucchi intagliati et finissimamente lavorati con
quadro un mezzo di pittura … [sic] et con il pavimento de mattoni arrotati et intagliati con
ogni politia. Sono in essa sala quattro porte un incontro al altra oltre quella della prima entrata, et per esse vassi nelli appartamenti. Dalla man destra vi è un appartamento di camere
quatro, et in testa di esse è una galleria longa quanto tiene tutta la larghezza della casa et questo appartamento possi dividere in doi à doi camere per ciascheduno.”
Text 21:
SCAMOZZI, Vincenzo: L’idea dell’architettura universale di Vincenzo Scamozzi architetto
veneto. Venedig, 1615. Zit. nach Reprint hrsg. v. Werner Oechslin, Vicenza, 1997, 272.
Beschreibung der Villa Pisani bei Lonigo.
“Il clarissimo Signor Vettor Pisani, fù dek Claris. Signor Zuanne gentiluomo di molto giudizio, e generosità d’animo, al pati d’ogni altro; tutto c’havesse fabriche in fraterna nei’poderi di
Bagnoli, volse nondimeno edificar da se, per haver luogo presso Lonigo per diporto in aria
più sana; egli è posto sopra un colle detto la Rocca. Della quale erano fino allora alcune vestiggi, questo colle, e molto gratioso da vedere, per esser di forma quasi rotonda, e piaceuelissimo al fallire dalla costa d’altri minori colli, & è spicato quasi all’intorno. Alla parte di Levante ha i vicini monti, alquanto alpestri, e però pieni di salvaticini; à Mezodì altri colli molto
bene piantati, d’arbori, e di viti, dove si fanno que’vini delicatissimi di Monticello; à Ponente,
ha una picciola schiena di colli assai depressi al salire, à piedi de’quali è il Castello di Lonigo
molto popolato, e più oltre una fruttifera campagna. Che si estende fino à Verona: Ma à Tra-
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montana: oltre al piede di questo colle passa la strada maestra, che viene da Vicenza, e vi
scorre il fiumicello, e per honesta distanza di pianura ha poi un aspetto di continuati colli, che
di grado in grado vanno fino al piede delle Alpi, onde ha di rincontro una bellissima prospettiva della valle di Trissino: e per dirlo in una parola, questo sito si può paragonare ad ogni
altro, per le bellissime vedute, e per i frutti preciosi, onde si fanno que’vini tanto delicati dalla
Rocca. La forma di questa fabrica nella parte di fuori noi la disponemmo d’un quadrato perfetto, e nello interno ha una sala rotonda, con quattro gran Nicchi, ne gli angoli. La quale con
la sua cupola sopra avanza al tetto delle stanze, che sono allo intorno. Il suo aspetto è à Mezodì dove è una loggia interna d’ordine ionico al piano delle stanze de’Padroni, alquale si perviene con una piacevolissima ascesa: Ne’due angoli della parte dinanzi sono le stanze maggiori , che arrivano con i loro volti fino sotto al tetto. Da lati sono due Salotti, nel mezo uno per
parte, e le scale interne da alto à basso, ne gli angoli di dietro sono le stanze quadre, & alla
schiena un Salotto nel mezo, e due camerini, equesti luoghi minori sono tutti ammezati di
sopra per uso delle ferve. Questa fabrica è talmente concertata, che stando nel mezo della sala
si hanno le quattro vedute in croce da quattro gran portoni, e dalla Loggia, e da’ Salotti d’ove
viene il lume orizzontale nella Sala & anco dal di sopra, e la maggior parte delle apriture
d’una faccia incontrano quelle dell’altra: laqual cosa si dee osservare, e massime ne’luoghi da
diporto; così per le vedute, come per il purificar dell’aria. A piano terra sono alcune stanze
per uso commune, e tutte le officine della casa, e sotterra le cantine cavate nel puro sasso. I
primi volti sono col lastricato sopra, ma i secondi e terzi furono ordinate di materie leggeri, di
modo che non vi è altro legname, che quello de coperti delle stanze essendo anco la cupola in
volto, e coperta di tegole alla Romana. Tutte le colonne & ornamenti di questa fabrica sono di
pietre cavate nell’istesso colle, e però non si meravigli alcuno se per la facilità e di esse si
compiacque non meno il padrone, che l’architetto di tali ornamenti. Poco più basso di questa
fabrica, e di Giardini, alla parte di mezzodì è la Castaldia, e Granari, e stalle da cavalli.”
Text 22:
FURTTENBACH, Joseph: Newes Itinerarium Italiae; In welchem der Reisende nicht allein
gründtlichen Bericht, durch die herlichste namhaffteste örter Italiae sein Reiß wol zubestellen, sonder es wirdt ihme ... beschrieben, was allda, als in einem Lustgarten di Europa, an
Fürstlichen Hoffhaltungen ... an Sitten vnd Gewonheiten ... denckwürdig zu sehen; Alles auß
eygener vieljäriger Experientz zusamen gebracht, auch mit einer sonderbaren Mappa derselbigen Länder, sampt. 30. Nutzlichen Kupfferstücken gezieret, vnd ... an Tag gegeben,
Durch Josephum Furttenbach. Ulm, 1627, Fol. 111f.
Beschreibung von St. Peter, Rom.
„[111] Dieser Tempel mag wol für den größten unnd köstlichsten so man in ganz Europa finden möchte gehalten werden / die Faziata ist von lauter weissen Marmor/sehr heroisch/prächtig und künstlich erbawet/daran 8 grosse Säul stehen/deren jede 15 Palmi in ihrem Diametro hat/nach welcher Proportion dern Verständige die Höhe auch zu finden
weiss/so ist die ganze Faziata 550 Palmi (ein Palmo aber thut 9 teutsche Zoll von einem
Werckschuch) braitt / und 200 biß auff den obern Gang hoch. Von da an fangt erst die Cupola an/und ist auch 350 Palmi hoch/Summa die ganze Höhe der Kirchen und der Cupola Palmi 550. Ihr Länge anbelangt/da hats vorher eine Hall/die ebenso lang als die Faziata und 50
Palmi braitt/das ist ein schöner gewelbter Gang/von da an/und durch drey Thüren kompt
man erst in den rechten Tempel/welcher biß zum großen Altar in seiner ganzen Länge 850
Palmi beträgt.
[112] es seyn aber viel so grosse Capellen in dem Tempel/die wol Kirchen zuvergleichen/und
wegen ihrer Köstlichkeit nit gnugsam zu rühmen/fürnehmblich aber das ganze Gebäw also
zierlich nach bester Architectura moderna angelegt/daß auch der allerfürtrefflichste
Bawmeister/an irgend einem/hier was zu tadeln wol unterlassen wird. Die Cupola ist gar
allegro lustig ringfertig mit vilen habenden Fenstern auffgeführt/aussen aber ganz mit Kupffer bedeckt.“
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Text 23:
BORROMINI, Francesco: Opus architectonicum. Hrsg. v. Maurizio De Benedictis. Rom, 1993,
29-116.
Auszüge aus der Beschreibung des Oratorio S. Filippo Neri, Rom, entstanden um 1647.
„Relazione della presente opera, composta dal medesimo cavalier Francesco Boromino per
commando del Signor Marchese di Castel Rodriguez, e copiata dal suo originale inedito.
Dell’Oratorio Nuovo
[41] Il luogo dunque è riuscito capacissimo, luminoso e vago, essendo scompartito il recinto
intorno con molti pilastri che reggono una gran cornice. Dalli quali pilastri nascono fasce che,
tirando al centro della volta, terminano in un gran ovato contornato da un cornicione tutto
dorato, fatto di material incorporate con la colta, dentro il quale ha dipinto il Giovanni Francesco Romanelli la Coronazione della Beatissima Vergine. E sopra il cornicione sono Quattro
finestroni per parte e tre in faccia, oltre uno nel portico per i signori cardinali, che danno
grandissimo lume; e la grossezza delle muraglie è tale che ricevono in sé li fusti delle finestre
di legno, oltre li risalti ed ornati di esse anco dalla parte di dentro. E per chiuderle e per
aprirle si camina sopra il cornicione sudetto, girando per le due logge di musici e cardinali,
essendoseli fatto un riparo di ferro rado e gentile ed inverniciato di bianco, acciò si scorga da
basso il meno che sia possibile. E se bene fu creduto e detto da alcuni architetti che era impossibile che finestre di quella grandezza potessero capire nelle lunette di quella volta, nondimeno l’esperienza ha mostrato il contrario. E perché si veda anche l’ornato di dentro, mi è
parso bene di far vedere li spaccati di tutti i lati di detto vaso, come al num. 39, 40, 41, 42. Nel
mezzo di quale da una parte è un nicchio con la sedia, dove si fanno li sermoni; nell’altro nicchio di contro è la statua di S. Filippo: e detto nicchio è quello appunto che ha fatto dar regola
alle finestre, rispondendo a quel pilastrone el cantone della loggia che fa che i mezzi delgi
archi non siano tutti lontani egualmente, come osservarai l’elevazione di detta sedia per fare i
sermoni al num. 47. […]
Della facciata dell ‘oratorio
[46] Ma la difficoltá maggiore fu il fare la facciata del detto oratorio, mentre la facciata reale è
congiunta per di dentro col resto della fabrica, ed in piazza riesce solo uno dei lati per il longo
dell’oratorio. […] Mi risolsi dunque d’ingannare la vista del passaggiere e fare la facciata in
piazza, come se l’oratorio cominciasse ivi, e che l’altare fosse al dirimpetto della porta, ponendo questa in mezzo, in maniera che la metà della facciata [47] fosse situata in del parte del
fianco dell’oratorio e l’altra metà fuori di esso oratorio, dove sono camera della doresteria,
occupando tanta parte di que e di là quanto stimai proporzionata all’altezza che disegnai darli. Ed appunto teromina la parte verso l’oratorio al mezzo di esso; e, venendo innanzi questa
parte estrema della facciata con un grosso pilastro, fa gran servizio alla volta dell’oratorio,
apparisce (come ho detto) in mezzo. E nel dar forma a detta facciata mi figurai il corpo
umano con le braccia aperte, come che abbracci ognuno che entri. Qual corpo con le braccia
aperte si distingue in cinque parti, cioè il petto in mezzo e le braccia ciascheduno in due pezzi,
dove si snodano; che però nella facciata vi è la parte di mezzo in forma di petto e le parti laterli in forma di braccia, distinte ciascuna in due parti, mediante certi pilastri che risaltono
nel mezzo di essi, come si riconosce nell’istessa facciata al num. 4 e 5, avendoci aggiunta anche l’altra al num. 5, con maggiori ornamenti con eseguita. Ma perché l’oratorio è figlio della
chiesa, e con le confessioni e frequenza de sacramenti ricevono molti lo spirito di frequentare
l’oratorio, si stimò bene che la facciata dell’oratorio fusse come figlia della facciata della
chiesa, cioè più piccolo, meno ornate e di material inferior. E dove quella di tavertino, fu risoluto far questa di terra cotta; e dove quella è di ordine corintio, far questa di ‘ossatura aolo
di nuon ordine, ed indicare più tosto I memri e parti dell’architettura che ornarli e perfezionarli: che però i capitelli hanno solo la campana senza foglie e le basi con pochi membri.[…] [48] Ne‘ quali disegni sufficientemente apparisce tale quale è un scherzo che vi ho
fatto, poiché, dove da basso on mezzo si rappresenta un petto che viene in fuora arcuato, a
25
mezzo la facciata, sopra il primo cornicione, la parte di mezzo sopra detto petto rientra in
dentro arcuato on contrario e lascia un sito ovato assai spazioso per una inghiera della libreria, come si vede coll’aggiunta d’alcuni ornamenti non eseguiti nella tavola n. 20. Vi sono
parimente Quattro nicchi, non tanto per ornato, quanto per cavare in essi lumi per alcune
stanze da basso […].
Del Refettorio ed altre officine
[77] […] Questa angustia mi condusse a pensare di dar forma tale al refettorio che si sfuggisse
quella parte della casa dove era detta scala a lumaca; e così fui necessitate a prender una forma ovate, la qual forma mi diede la vita, perché non solo mi servì al detto effetto, ma mi
causò mille altri beni. E primo, se bene nel mezzo dell’ovato restò la larghezza detta di sopra
di palmi 40, la quale richiedeva un’altezza di palmi 44 in circa, nondimeno, terminando la
vista di chi entra nell’estrema parte del vaso, che sempre va minorandosi, resta detta vista
appagata con minore altezza: che però, non essendosi potuto alzare per non guastare il piano
nobile più che palmi 34, come si è detto, ad ogni modo si è reso proporzionato, massime col
sfogo di molte lunette intorno, dove in forma pararellogramma sarebbe riuscito basso assai.”
Text 24:
SAN BONAVENTURA, Juan di: “Relatione del Convento di S. Carlo alle 4o fontane di Roma”. In:
Archivio di S. Carlo alle Quattro Fontane, Bd. 77a, Ms. c. 1650, f. 45. Zit. nach Eberhard
Hempel: Franceso Borromini. Wien 1924, 47.
Beschreibung von San Carlo alle quattro Fontane, Rom. Entstanden um 1650.
„Der Bau besitzt einen so hohen Wert, dass er nicht nur der zuerst ausgeführte von den Werken des Signor Francesco ist, sondern überhaupt seinem Entwurf und der kunstvollen Ausführung nach an erster Stelle steht, so einzigartig nach der Meinung aller, so dass man nichts
ähnlich Künstlerisches und Kapriziöses, Seltenes und Außerordentliches in der ganzen Welt
findet. Dies bezeugen die Angehörigen verschiedener Nationen, die nach der Ankunft in Rom
sich bemühen, von der Kirche Risse zu erwerben. […] Alle Dinge sind in der Weise angeordnet, dass eines nach dem anderen verlangt und der Beschauer angeregt wird, seine Blicke
stets weitergehen zu lassen. Oft haben wir von der Tribuna und von den Logen aus beobachtet, wie die Fremden diese Bewegungen hin und her machen, ohne dass sie weggehen oder
etwas für eine Weile sagen können. Und wer wiederkommt, sieht immer Neues, so dass stets
der Wunsch verbleibt, noch einmal hinzugehen. Der Grund liegt nach meinem Dafürhalten
darin, dass hier etwas Göttliches nachgeahmt ist. St. Peter und St. Thomas erzählen von den
Engeln, dass sie sich danach sehnen, den Heiligen Geist zu erblicken. Und wenn es schwierig
erscheint, dies zu verstehen, da sie doch selig sind und den Heiligen Geist immer sehen und
genießen können, so antworte ich darauf, dass eben gerade dies die Vision ausmacht, dass
stets die Sehnsucht wach bleibt, danach zu blicken.“
Text 25:
LASSELS, Richard: The Voyage of Italy or a compleat journey through Italy in two parts.
London, 1686, 109.
Beschreibung von St. Peter, Rom. Entstanden vor 1670.
“Presently after, you come to the Piazza of St. Peter, built round about with a noble portico of
free-stone, born up by four rows of stately round pillars, under which, not only the Procession upon Corpus Christi day, marched in the shade, but also all people may go dry, and out
of the sun un summer or winter, unto S. Peter’s church or the Vatican Palace, this Portico is
built in oval form, and fetcheth in the great piazza, which is before S. Peter’s church, and
therefore can be no less than half a mile in compass. This noble structure was begun by Alexander VII and half of it finished. I never saw anything more stately than this. The number of
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the pillars and the statues on the top, I do not justly remember. In the midst of this Piazza
stands the famous Guglia which was brought out of Egypt, in the time of the old Romans, and
dedicated to Augustus, Cesar and Tiberius as the words upon it import. […] On the side of
this Guglia is to stand fair fountains, one wherefore is that which is seen now; which
throweth up such a quantity of water, that it maketh a mist always about it, and oftentimes a
rainbow when the sun strikes obliquely upon it. This piazza is capable of two hundred thousand men, and delivers you up to the stairs which lead you up to the church of S. Peter. Coming therefore near to S. Peters Church, I was glad to see that noble structure, where greatness
and neatness, bulk and beauty, are so mingled together, that it is neither neat only, like a
spruce gallery, nor vast only, like a great hall, but its rather like a proper man, and yet well
proportioned. You mount up to this church by an easie ascent of four and twenty steps, of
marble stairs, as long as the frontispiece of the church is wide, these stairs were those of the
old church of S. Peter, and Baronius observes, that when the emperor Charlemagne mounted
up those stairs first, he kissed every step as he went up. These stairs lead you to the frontispiece of the church, which hath five doors in it, letting you into the porch, and these doors are
cheeked with vast round pillars of free-stone twenty four foot in compass, and eighty six in
height. Over these pillars runs the architrave, and over it the lodge or great balcony, where
the pope is crowned, and where he gives his benediction upon easter-day. Over this lodge
runs a continual baluster or row of rails, upon which stand thirteen vast statues of our savior,
and his apostles cut in stone. Entering into the porch, you will admire the length, breadth and
height of it. For the length of it, its two hundred eighty nine foot, the breadth fourty four foot,
the heighth a hundred thirty three foot. Its adorned on both sides with great marble pillars,
and a curious guilt roof. In fine, this porch any where else would be a handsome church. Over
against the five doors if this porch, stand the five doors of the church, one whereof is called
the porta sancta, and only open in the jubily year. The others are daily open […] Entring into
the church I found it to be built in cross wise, containing in length five hundred and twenty
foot, and three hundred eighty five in breadth. So that it passeth in greatness, the famous
temple of antiquity, to wit Salomons Temple, long threescore cubits, the temple of Diana in
Ephesus, long four hundred twenty five foot, and the great mozki at fez, long a hundred and
fifty cubits. The roof or vault of the church is arched with great squares, and each square is
adorned with a great guilt rose, which almost fills the square. This roof is born up by great
pillars of freestone, of a square form, whose capitelli are curiously wrought, after the Corinthian order, and joined to one another above by arches and a perpetual cornice, over which
are cut in stone the statues of several moral vertues. These pillars are a hundred and five foot
in compass, and distant forty foot from one another. On that side of them which looks to the
body of the church, they are to be over-crusted with marble, with two rows of niches in them,
for great statues of brass guilt, the other sides of the pillars are already adorned with are neat
overcrusting of a reddish marble, […] behind these pillars is a large ile, or passage, and behind that ile immediately, stand saint chapels, which flanck up this church notably, and each
chapel is graced with a little cupola of its own. In the midst of the crossbuilding of this church
is mounted the great cupola, which looks like a great crown, wherewith this Queen of
Churches is crowned. It rests upon four pilastri or great pillars, which make the corners of the
cross of this church, and from them it riseth into such a high vault, that it seems to walk into
heaven. Its full as round as the Pantheon in Rome, that is, it carrieth the compass of an hundred and seventy paces, as you may easily measure upon the circle of white marble in the
pavement which environeth the altar of St. Peter, and is made there on purpose perpendicularly under the cupola to shew its greatness, the inside of this cupola is curiously painted with
pictures in mosaic work, representing a heaven, indeed nothing but heaven is felt be finder or
higher. In a word, the cupola is the boldest piece of architecture that perhaps the world has
seen, and it was the last and greatest work of Sextus Quintus his purse. The four pilastri upon
which the cupola resteth, are vast square pillars, a hundred and twenty foot in compass, and
capable of stairs within them, and large sacrifices above, for the holy relicks that are kept in
them.”
27
Text 26:
EVELYN, John: Diary. Bd. 2, Kalendarium 1620 – 1649. Hrsg. v. Edmond de Breer. Oxford,
1955, 255.
Beschreibung von St. Peter, Rom. Entstanden zwischen 1660 und 1680.
“Rome, 17.-19.11.1644: On the 19 I went to visite St. Pietro, that most stupendious & incomparable Basilicam, far surpassing any now extant in the world, & perhaps (Solomons Temple
excepted) any that was ever built. The largeness of the Piazza before the Portico is worth observing, because it affords you a noble prospect of the Church; crowded up, for the most part
in other places, where great Churches are erected: in this is a fountain out of which gushes a
river, rather than a streame, which ascending a good height, breaks upon a round embosse of
marble into millions of pearles, which fall into the subjeacent bason: making an horrible noise. I esteeme this, one of the goodliest fountains that ever I saw. The next which surprises
your wonder is that stately Obelisque transported out of Egypt, and dedicated by Octavius
Augustus Nepot to Julius Cesar, whose Ashes it formerly bore on the sumit, but being since
overturn’d by the Barbarians, was re-erected with vast Cost & a most stupendious invention
by Domenico Fontana Architect to Sixtus V. After I had well contemplated these Inscriptions,
I tooke notice of some Coaches which stood before the steps of the Ascent, of which, one belonging to Card. Medici’s had all the work of massive silver, the bow behind and other places,
indeed the coach at Rome, as well as Covered Wagons, which are also much in use, are generally the richest & largest that ever I saw. Before the Faciata of the Church is an ample pavement. The church was first begun by St. Anacletus, when rather a chapel, upon a foundation
(as they give out) of the Great Constantines, who in honor of the Apostles ‘tis sayd, carried 12
baskets-full of sand to the Worke. After him Julius Secundus tooke it in hand, unto which all
his since successors, have more or less contributed. The Frontispiece is suppos’d to be the
largest, and best studied piece of architecture in the world: to this we went up by 4 stepps of
marble. The first entrance is supported with huge Pillasters: the Volto within is certainly the
richest in the earth, overlayd with gold. Next I considered the 5 large anti-ports, twixt which
are columns of enormous altitude & compass, which as many gates of brasse, the worke and
sculpture of Pollaiuolo the Florentine full of cast figures & histories in a deepe Relievo. Over
this runs a tarrac of like amplitude and ornament, where the pope upon sollemne times bestows his benedictions of the Vulgar. On each side of the portico are the two campaniles or
towers, whereof there was but one perfected, of admirable art & aspect. Lastly on the top of
all runs a Balustrade which edges it quite round, and upon this at equal distance, Christ and
the 12 disciples of gigantine bigness and stature, yet below shewing no greater than the life.
Entering the church, admirable is the breadth of the Volto or roofe, which is all carv’d with
foliage & roses, overlayd with gold in nature of a deepe bass-relievo all antique. The nave or
body of this moles is in forme of a cross, such as the cruzifix represent, whereof the foot part
is the longest, and at the internodium of the Transum-part, arises the Cupola, which being all
builded of stone, & of the prodious height, is more in Compass than that of the Pantheon
(which is the largest amongst the old Romans & is yet intire) or any else knowne in the world.
The inside or concave part is covered with most exquisite mosaique representing the Celestial
Hierarchy, by Cavaliero Giuseppe d’Arpino, full of stars of gold. The Convex or out side exposed to the aire is covered with lead, with huge ribs of metal doubly guilt (as are also the ten
other lesser Cupolas, for no fewer adorne this glorious structure) which gives a greate & admirable beauty and splendor in all parts of the citty: on the very summit of this is fix’d a brazen globe or mundo gilt likewise over, & capable of receiving 35 persons at once: This I entered & engraved my name in, amongst other travellors. Lastly the cross: the access to it is
between the leaden covering and the stone or convex archworke, a most miraculous & truly
stupendious piece of art. On the battlements of the church you would imagine your selfe in a
towne, so many cupolas, pinnacles, towers, juttings & not a few houses inhabited by men who
dwell there & have enough to do to looke after the vast reparations which continually
employs them. Having seene this, we descended againe into the body of the church, which is
full of collaterall chapels & large oratories, most of them exceeding that of ordinary churches,
28
but the principal are fowre, incrusted with most precious marbles & precious stones of various colours, & adorn’d with an infinity of statues, pictures, stately altars & reliques innumerable & not indeede to be reckoned: onely the altarpiece of St. Michael being of Mosaique I
could not pass without particular note; because certainly one of the best of that kind in the
earth. The chapel of Gregory the 13, where he is buried is most splendid. Under the cupola,
and in the center of the church stands the heigh altar, consecrated first by Clement the 8th,
adorn’d by Paulus V and lately cover’d by Pope Urban the 8 with that stupendious Canopy of
Corinthian brasse, which heretofore was brought from the Pantheon: it consists of 4 wreath’d
columns partly channeled and incircl’d with vines, upon which hang little putti, birds and
bees (the Armes of the Barberini) sustaining a Baldachino of the same Mettal. The 4 columns
weigh a hundred and ten thousand pounds, all over giltes with rich gold, and indeede with
the Pedistalls, Crowne and Statues about it, a thing of that art, vastnesse & magnificence beyond all that ever mans industry has produced of this kind & worthy of the Celebration, as it
is the work of Cavaliero Bernini a Floretine Sculptor, architect, painter and poet.”
Text 27:
EVELYN, John: Diary. Bd. 2, Kalendarium 1620 – 1649. Hrsg. v. Edmond de Breer. Oxford,
1955, 392.
Beschreibung der Villa Aldorbrandini in Frascati.
“Frascati, 4.-7.5.1645: the 5 we took Coach and went 15 miles out of the cittie to Frascati,
formerly Tusculanum, a villa of Card. Aldobrandini, built for a country house but for its elegance, situation and accommodation of plentiful water, groves, ascents and prospects, surpassing in my opinion the most delicious places that my eyes ever beheld: just behind the
palace (which is of excellent architecture) and is in the center of the inclosure, rises an high
hill or mountaine all over clad with tall wood, and so form’d by nature, as if it had ben cut out
by art, from the summit whereof falls a horrid cascade seeming rather a great river than a
streame, precipitating into a large theater of water representing an exact and perfect rainbow
when the sun shines out. The Palace is indeede built more like a cabinet, than any-thing
composed of stone an mortar, it has in the middle an hall furnished with excellent marbles &
rare pictures.“
Text 28:
DESGODETS, Antoine Babuty: Les Edifices Antiques de Rome: Dessinés et mesurés très exactement. Paris, 1682, n.p.
Beschreibung des Pantheon, Rom.
« Chapitre I: Du Pantheon aujourd’hui nommé la Rotonde
Comme ce Temple est le plus entier & le mieux executé de ceux qui sont restez jusqu’à nostre
temps, c’est par cet Edifice que je commence la description de ceux que j’ay mesurez. Il fut
édifié par Agrippa gendre d’Auguste qui le dedia à tous les Dieux, mais particulierement à
Jupiter le Vengeur & à Cibele ; on voit encore à la face du portique dans la frise cette inscritption. M. AGRIPPA L.F. COS.TERTIUM. FECIT. Le Portique ayant esté ruiné par la tonnerre, fut refait par les Empereurs Severe & M. Aurelle, ainsi qu’il se voit par l’inscription qui
est sur les bandes de l’architrave, car dans la Superieure il y a en petit caractere. […] Et dans
la bande du milieu est écrit : […]
J’ay fait vingt-trois Planches pour ce Temple, dont la premiere represente le Plan tant du
Temple que du Porche, que l’on appelle vulgairement le portique avec les compartiments du
pavé de l’une & de l’autre partie. La figure du Temple est circulaire, ayant sept Chapelles placées dans l’épaisseur du mur, dont les six des costez sont fermées par des colonnes, & la septième qui est au milieu vis-à-vis l’entrée, est ouverte ; ayant seulement deux colonnes en saillie aux costez. Des six Chapelles des costez il y en a deux de chaque costé qui sont quarrées, &
29
une en chaque milieu qui est demi rond, de mesme que la grande du milieu qui est au droit de
l’entrée. Plusieurs tiennent que cette Chapelle du milieu esté fait depuis que ce Temple a esté
consacré à Dieu, mais les ornemens qui sont aussi bien travaillez qu’au reste du Temple, font
juger le contraire. & s’il y a quelque chose qui puisse faire croire qu’elle n’a pas esté faite en
mesme temps que les reste du Temple, c’est que les deux colonnes qui sont aux costez sont
cannelées differemment des autres, ayant un astragale posé sur la face qui est entre les cannelures ; & que les moulures de l’entablement qui fait saillie sur ces colonnes & qui fait le
demi cercle du dedans de la Chappelle, ne s’accordent pas avec les moulures du reste de
l’entablement qui fait le circuit du Temple, quoy que les unes & les autres ayent les mesmes
profils & les mesmes hauteurs. Les pilastres qui sont aux costez des six Chappelles des costez
du Temple sont quarrez en leur plan, ayant une face qui entre dans la Chappelle & qui regarde la colonne qui luy répond. La ligne qui passe par le milieu du pilastre, tend au centre du
Temple, comme aussi les faces des demi-pilastres qui sont aux angles retrans des quatre
Chappelles quarrées. Entre chacune de ces Chappelles il y a une espece de tabernacle, orné de
deux colonnes avec des pilastres derriere, qui portent un fronton. Dans l’épaisseur du mur il y
des espaces vuides en forme de chambrettes, lesquelles sont voutées en niches, &il y en a trois
l’une sur l’autre. Elles ont esté faites pour décharger la pesanteur des murs, qui ne laissent
pas d’avoir mesme force que s’ils estoient massifs, ces chambrettes estant circulaires en la
partie qui regarde le dedans. On entre dans celles qui sont au rez de chaussée par le dehors,
au rang du milieu, on n’entre que dans celles qui sont proche des escaliers, celles d’enhaut
ont leur entrée sur la seconde corniche du dehors. Les compartiments du pavé du Temple
sont marquez dans le dessein par des lignes ponctuées. Les bandes qui separent ces compartiments sont de marbre de couleur isabelle & blanc jaspé, les bordures des quarrez sont de
porphire & le milieu est de marbre jaspé, qui de mesme que ce qui sert de bordure aux ronds,
se distingue peu des bandes ; les ronds sont les uns de porphire & les autres de granite, tous
d’une piece alternativement posez. Sous le portique les ronds sont de granite tout d’une
piece ; la bande du milieu, les bandes au droit des entrecolonnes & les marches sont de
marbre blanc. Le reste du portique est pavé de briques posées de chan. Tout le corps de cet
edifice est de briques incrustées de marbre blanc par le dedans : le portique l’est aussi par le
dehors, par le dedans & par ledessus, à la reserve des grandes niches, où l’on voit la brique : il
y a apparence qu’elles estoient incrustées de stuc. Les colonnes du portique sont de granite
tout d’une piece : il est à remarquer que celles des angles estoient plus grosses que les autres,
suivant la regle de Vitruve & il y en a une qui est restée à sa place : mais deux des ces colonnes du portique ayant esté transportées hors de leur place, puis replacées, comme nous
avons dit cy-dessus, scavoir celle de l’angle à main droite du portique & celle qui luy est voisine par le flanc, l’architecte qui les a replacées, n’y a pas pris garde & a mis celle de l’angle à
la place de l’autre. Il n’y a qu’un des escaliers du portique qui ait des marches, l’autre n’a jamais esté finy. On peut connoistre par les mesures que j’ay cottées sur le plan que les colonnes tant du dedans que du dehors ne sont pas d’égal diamettre. Derriere ce Temple il y a
des ruines d’un autre edifice, que l’ont tient estre des Thermes d’Agrippa & mesme il y a encore des arrachemens au mur vers le bas du Temple ; je ne les ay point dessinez, parce qu’ils
sont enfermez dans de maisons particulieres où l’on n’entre point, & j’ay fait le Temple
comme estant isolé, parce qu’il l’est par le haut. On a opinion que le corps du Temple a esté
construit le premier & que l’on y a adjousté le Portique après que tout a esté fait. J’ay remarqué que dans les escaliers du Portique le costé qui est vers le Temple suit la circonference du
dehors du Temple, & que les murs de face des escaliers touchent seulement le mur du Temple
sans aucun liaison & de manière qu’en beaucoup d’endroits on voit le jour au travers : cela se
peut observer su le plan où la circonference exterieure est continuée & dans la quatriéme
Planche cette separation du Portique & du Temple est marquée BB […]. »
30
Text 29:
HUYSSEN, Heinrich von: Curieuse und vollständige Reiß-Beschreibung von gantz Italien,
Worinnen der gegenwärtige Zustand nicht allein des Päbstlichen Hofs, sondern auch anderer Höfen, Republiquen und Städten in Italien beschrieben, und was in denenselben merckwürdiges zu sehen, in einer angenehmen Correspondentz von einer berühmten Feder vorgestellet wird. Allen Liebhabern derer Curiositäten, und vornemlich den Reisenden zu grossem Nutzen an das Liecht gegeben, und mit schönen Kupffern gezieret. Freiburg, 1701, 78f.
Beschreibung der Cappella dei Principi an San Lorenzo, Florenz.
„[78] Das erste, so ich alhier besahe, war die Capelle Sti Laurentii, welche so schön ist, als sie
wohl mag gefunden werden, massen sie nicht allein von Marmor gebauet, sondern die Mauren seynd auch mit Jaspis und andern Edelsteinenn gezieret, welche so nett gepoliert, und
einen solchen Glantz von sich geben, daß man sagen kann, die Kunst daran seye mehr werth,
als die Materie selbst. Gedacht Capelle ist rund, und an der Wand seynd die Begräbnüsse der
Groß-Hertzogen von Florentz, welche so hoch auffgebauet, als ein Mann reichen kann. Auf
einem jedem dieser Gräber liegt ein aus einem köstlichen Stein gehauenes Küssen, und des
Hertzogs Crone oben drauff. Der Hertzog Bildnüsse seynd mit ihrer gewöhnlichen Kleidung
prächtig gezieret, und von vergüldetem Kupfer, und stehen rund um die Capelle in ihren dazu
verfertigten Niches oder Löchern. Das Gewölbe ist mit Lapis bekleidet, welches ein von ihnen
also genannter kostbarer Stein, so blau und mit Gold-Adern untermenget, dahero er dem
Himmel gantz ähnlich scheinet. Endlich ist dieses Capelle von ihrer prächtigen wie ein heller
Spiegel gläntzenden Mauer welche von lauter kleinen Stücken auffgeführet, so wohl gezieret,
dass sie allen Schildereyen, Vergüldung und Tapeten übertrifft.
[79] Die Kirche Sti Laurentii, an welche gedachte Capelle stösset, ist ungemein schön, und
hat Brunelleschi die Zeichnung davon gemacht. Sie ruhet auf zwei Reyhen Pfeiler, welche das
Gantze Gebäude unterstützen, und an dem Gewölbe des Chors siehet man eine Gemälde von
dem letzten Gerichte […].“
Text 30:
ADDISON, Joseph: “Remarks on several parts of Italy” (1705). Zit. nach: Henry Bohn (Hrsg.):
The Works of the right honourable Joseph Addison. Bd. I, London, 1885, 307.
Beschreibung des Mailänder Doms.
“I could not stay long in Milan without going to see the great church that I had heard so much
of, but was never more deceived in my expectation than at my first entering: for the front,
which was all I had seen of the outside, is not half finished, and the inside is so smutted with
dust and the smoke of lamps, that neither the marble, nor the silver, nor the brass-works,
show themselves to an advantage. This vast Gothic pile of building is all of marble, except the
roof, which would have of the same matter with the rest, had not its weight rendered it improper for that part of the building. But for the reason I have just now mentioned, the outside
of the church looks much whiter and fresher than the inside; for where the marble is so often
washed with rains, it preserves itself more beautiful and unsullied, than in those parts that
are not at all exposed to the weather. That side of the church, indeed, which faces the
Tramontane wind, is much more unsightly than the rest, by reason of the dust and smoke
that are driven against it. This profusion of marble, though astonishing to strangers, is not
very wonderful in a country that has so many veins of it within its bowels. But the stones are
cheap, the working of them is very expensive. It is generally said there are eleven thousand
statues about the church, but they reckon into the account every particular figure in the history pieces, and several little, and several little images which make up the equipage of those
that are larger. There are, indeed, a great multitude of such as are bigger than life: I reckon
above two hundred and fifty on the outside of the church, though I only told three sides of it;
and these are not half so thick set as they intend them. The statues are all of marble […]. “
31
Text 31:
ADDISON, Joseph: “Remarks on several parts of Italy” (1705). Zit. nach: Henry Bohn (Hrsg.):
The Works of the right honourable Joseph Addison. Bd. I, London, 1885, 417f.
Vergleichende Beschreibung von St. Peter und Pantheon, Rom.
“[417] Upon my arrival at Rome, I took a view of St. Peter’s and the Rotunda, leaving the rest
till my return from Naples, when I should have time and leisure enough to consider what I
saw. St. Peter’s seldom answers expectation at first entering it, but enlarges itself on all sides
insensibly, and mends upon the eye every moment. The proportions are so very well observed, that nothing appears to an advantage, or distinguishes itself above the rest. It seems
neither extremely high, nor long, nor broad, because it is all of them in a just equality. As on
the contrary, in our Gothic cathedrals, the narrowness of the arch makes it rise in height, or
run out in length; the lowness often opens it in breadth, or the defectiveness of some other
particular makes any single part appear in great perfection. Though everything in this church
is admirable, the most astonishing part of it is the cupola. Upon my going to the top of it, I
was surprised to find that the dome, which we see in the church, is not the same that one
looks upon without-doors, the last of them being a kind of case to the other, and the stairs
lying betwixt them both, by which one ascends into the ball.
[418] Had there been only the outward dome, it would not have shown himself to an advantage of those that are in the church; or had there been only the inward one, it would
scarce have been seen by those that are without; had they both been one solid dome of so
great a thickness, the pillars would have been to weak to have supported it. After having surveyed this dome, I went to see the Rotunda, which is generally said to have been the model of
it. This church is at present so much changed from the ancient Pantheon, as Pliny has described it, that some have been inclined to think it is not the same temple, but the Cavalier
Fontana has abundantly satisfied the world in this particular, and shown how the ancient
figure, and the ornaments of the Pantheon, have been changed into what they are at present.
After having seen these two masterpieces of modern and ancient architecture, I have often
considered with myself whether the ordinary figure of the heathen or that of the Christian
temples be the most beautiful and the most capable of magnificence, and cannot forbear
thinking the cross figure more proper for such spacious buildings than the rotund. I must
confess the eye better filled at first entering the rotund, and takes in the whole beauty and
magnificence of the temple at one view. But such as are built in the form of a cross, give us a
greater variety of noble prospects. Nor is it easy to conceive a more glorious show in architecture than what a man meets with in St. Peter’s when he stands under the dome. If he looks
upward, he is astonished at the spacious hollow of the cupola, and has a vault on every side of
him, that makes one of the beautifullest vistas that the eye can possibly pass through. I know
that such are professed admirers of the ancients, will find abundance of chimerical beauties
the architects themselves never thought of, as one of the most famous of the moderns in that
art tell us, the whole in the roof of the Rotunda is so admirably contrived, that is makes those
who are in the temple look like angels, by diffusing the light equally on all sides of them.”
Text 32:
ADDISON, Joseph: “Remarks on several parts of Italy” (1705). Zit. nach: Henry Bohn (Hrsg.):
The Works of the right honourable Joseph Addison. Bd. I, London, 1885, 489.
Beschreibung des Doms zu Siena.
“There is nothing in this city so extraordinary as the cathedral, which a man may view with
pleasure after he has seen St. Peter’s, though it is quite of another make, and can only be
looked upon as one of the master-pieces of Gothic architecture. When a man sees the prodigious pains and expense that our forefathers have been at in these barbarous buildings, one
cannot but fancy to himself what miracles of architecture they would have left us, had they
been only instructed in the right way. For when the devotion of those ages was much warmer
32
than that of the present, and the riches of the people much more at the disposal of the priests,
there was so much money consumed on these Gothic cathedrals, as would have finished a
greater variety of noble buildings than have been raised either before or since that time. One
would wonder to see the vast labour that has been laid out on this single cathedral. The very
spouts are loaden with ornaments; the windows are formed like so many scenes of perspective, with a multitude of little pillars retiring one behind another; the great columns are finely
engraven with fruits and foliage that run twisting about them from the very top to the bottom; the whole body of the church is chequered with different lays of white and black marble;
the pavement curiously cut out in designs and Scripture stories; and the front covered with
such a variety of figures, and overrun with so many little mazes and labyrinths of sculpture,
that nothing in the world can make a prettier show to those who prefer false beauties and
affected ornaments to a noble and majestic simplicity.”
Text 33:
BLAINVILLE, Marquis de: Des Herrn von Blainville ehemaligen Gesandtschaftssekretärs der
Generalstaaten der vereinigten Niederlande an dem spanischen Hofe Reisebeschreibung
durch Holland, Oberdeutschland und die Schweiz, besonders aber durch Italien aus des
Verfassers eigener Handschrift in englischer Sprache zum erstenmal zum Druck befördert
von Georg Turnbull der Rechten Doktor und Wilhelm Guthrie Ritter nunmehr in das Deutsche übersetzt, erläutert und hin und wieder mit Anmerkungen versehen von Johann Tobias
Köhler Professor zu Göttingen und Mitglied der Churfürstlichen Maynzischen Academie der
nützlichen Wissenschaften. 5 Bde., Lemgo, 1764-1767, Bd. II, 43.
Beschreibung des Pantheons in Rom, entstanden 1707 oder später.
„Rom 1707, den 15. Oktober, Pantheon: Wir giengen heute vom obgedachten Hügel herunter,
um dieses berühmte Pantheon zu besehen, welches nun von seiner runden Gestalt La Rotonda heißet. […] Unter allen Tempeln die in Rom noch stehen ist das Pantheon unstreitig der
größeste und der unverletzteste, auch, ob er gleich aller seiner Zierrathen und unzähligen
Mengen Statuen beraubt ist, noch der prächtigste. […] Das Pantheon selbst ist, wie ich bereits
angezeiget habe, von zirkelrunder Gestalt, warum aber, davon gedenkt die Geschichte nichts.
Es soll das Pantheon 142 römische Fuß hoch und ebenso breit sein, die Mauern aber eine
Dicke von 30 Palmi, oder von mehr als 22 deutschen Fußen haben. In der ganzen Stadt und
vielleicht nirgendwo ist ein berühmteres Stück der Baukunst. Alle andere Gewölbe ruhen
entweder auf mehrern oder wenigern Säulen und sind oben ganz geschlossen, dieses aber
liegt ganz und allein auf seinen Mauern und hat über dieses in der Mitte eine große Öfnung
36 Palmi oder 27 deutsche Fuß weit, durch welche das ganze Gebäude sein Licht erhält. Dieses Licht fällt durch diese Art von Trichter gerade herunter und rühret die herein gehenden
mit einem heiligen Schauder, der hernach durch das ehrwürdige, alte und majestätische Ansehen des Innern immer noch zunimt.“
Text 34:
FISCHER-VON-ERLACH, Johann Bernhard: Entwurff Einer Historischen Architectur: in Abbildung unterschiedener berühmten Gebäude des Alterthums und fremder Völcker ; umb
aus den Geschichtbüchern, Gedächtnüßmünzen, Ruinen, und eingeholten wahrhafften Abrißen, vor Augen zu stellen. Leipzig, 1725, 12.
Beschreibung des Salomonischen Tempels.
„Wie bei Ausführung dieses Werkes des Autoris Absehen gewesen, denen Liebhabern durch
wenige Proben nur eine generale idée von den Bauarten unterschiedlicher Zeiten und Völker
zu geben; so ist man auch nicht auf weitläufige ausgeführte Beschreibungen bedacht, sondern
nur auf die nöthigste Andeutung und deren Umstände, worüber die Abbildungen, als stumme
Redner, eine redende Mahlerey erfodern. Weil eine von diesen sich ohne die andre sich nicht
33
deutlich genug zu erkennen giebet. Denen in der Baukunst nicht sattsam erfahrnen dienet
diese Kürze zu einer Erleichterung; die Bau verständigen aber bedürfen zur vollkommenen
Nachricht allein von diesem Tempel Bau ganze Bücher. […] Dieser ungefähr 3000 Jahr nach
Erschaffung der Welt und 1000 vor Christi Geburt erbaute Tempel als das vornehmste Wunder Gebäude der Welt hatte nach des Propheten Ezechiels umständlichen Beschreibung zum
äussersten Umfange eine viereckigte gleichseitige Einfassung an deren jede Seite 125 guldene
Röhre das ist 800 Ellen lang gewesen. Weil der Raum zu diesem Gebäude an sich selber zu
klein war hat man die Seite gegen Morgen an der Spitze des steilen Berges Moriae, wie die
übrigen Thäler mit einer Mauer von 300 Ellen hoch unterstützt; worauf obgemeldete Einfassung mit der Balustrade geruhet. Wie aus dem Abriß des beygefügten Prospects zu sehen
[…].“
Text 35:
FISCHER-VON-ERLACH, Johann Bernhard: Entwurff Einer Historischen Architectur: in Abbildung unterschiedener berühmten Gebäude des Alterthums und fremder Völcker ; umb
aus den Geschichtbüchern, Gedächtnüßmünzen, Ruinen, und eingeholten wahrhafften Abrißen, vor Augen zu stellen. Leipzig, 1725, 29.
Beschreibung des Dianatempels zu Ephesos.
„Welcher in der Länge vierhundert und fünf und zwanzig Schuh hatte, in der Breite 220 und
in allen sowol auswendig als inwendig 127 Säulen von dem köstlichsten Marmor jede 60
Schuh hoch worunter 36 mit bas reliefs gezieret waren. Ganz Asien hatte 200 Jahr an diesem
Tempel gebauet welcher mit grossen Unkosten an einem morastigen Ort angelegt um von
dem Erdbeben befreyet zu seyn. Wer der erste Urheber gewesen ist, wie Eustachius wohl anmerket, ungewiß. Von den Architecten dieses Tempels nennet Plinius und Strabo Chersiphorem. Jener meldet auch, wie Vitruvius, von Ctisiphone, und hat sonderlich beobachtet, daß
an diesem Tempel zu erst ersonnen sey die Stellung der Säulen auf Basen. […] Der Bau hat
nach obiger Masse Plinii, die Gestalt eines doppelt so langen als breiten Griechischen Tempels gehabt, dessen Ordination keinen Mutmassungen unterwoffen, weil die Griechen ausser
der Ordnung und Menge der herum stehenden Säulen auf einerley Art gebauet. In der Ordnung würde man der sonst gemeinsamen Meinung nach nicht die gegenwärtige erwählet haben, wenn man nicht fände, daß die Alten sich nicht so genau an diese Austheilung gewisser
Ordnungen, nach Beschaffenheit der Götter und Göttinnen gebunden, und daß insbesondere
dieser ephesische Tempel von Ionischer Ordnung gewesen, welcher sonst der Junoni zugeeignet wird. Obgleich der Herr Spon anderer Meinung ist und dafür hält, daß er von Dorischer Ordnung gewesen, weil er fünf oder sechs umgefallene, noch unter den Ruinen nicht
ganz vergrabene Säulen-Stücke von ganzem Marmor gefunden, deren Diameter zwey Schuh
austräget. Wenn solcher Diameter nach ionischer Ordnung neunmal genommen wird, kommet übrig die von Plinio angegebene Höhe der 60 Schuh heraus. Dieses wird noch bestättiget, wann Vitruvius dem Tempel Diana zu Ephesus einen Ionischen Orden zuschreibet […].
Demnach stehet nicht zu laugnen, daß zu Ephesus diese Göttin zween Tempel gehabt; deren
der erstere, wovon man hier redet, von Dorischer Ordnung gewesen […].“
34
Text 36:
BROSSES, Charles de: Lettres d’Italie du Président de Brosses. Hrsg. v. Fréderic d’Agay, Bd. I.
Paris, 1739/1986, 9.
Beschreibung von St. Peter, Rom.
Lettre XXXVI à M. de Neuilly : Lettre générale sur Rome
«Quand vous serez ici, car je crois vous y voir déjà avec moi, quelle impression croyez-vous
que vous fera la premier coup d’œil de Saint-Pierre ? Aucune. Rien ne m’a tant surpris à la
vue de la plus belle chose qu’il ait dans l’univers, que de n’avoir aucune surprise; on entre
dans ce bâtiment dont on s’est fait une si vaste idée, cela est tout simple. Il ne paraît ni grand
ni petit, ni haut ni bas, ni large ni endroît. On ne s’apercoit de son énorme étendue que par
relation, lorsqu’en considérant une chapelle a parte rei, on la trouve grande comme une
cathédrale, lorsqu’en mesurant un marmouset qui est là, au pied d’une colonne, on lui trouve
le pouce gros comme le poignet, tant cet édifice, par l’admirable justesse de ses proportions, a
la propriété de réduire les choses démesurées à leur juste valeur. Si ce bâtiment ne fait aucun
fracas dans l’esprit à la première inspection, c’est qu’il a cette excellente singularité de ne se
faire distinguer par aucune. Tout y est simple, naturel, auguste, et par conséquent, sublime.
Le dôme, qui est, à mon avis, la plus belle partie, est le Pantheon tout entier, que MichelAnge a posé là en l’air, tout brandi de pied en cap. La partie supérieure du temple, je veux
dire les toits, est ce qui étonne le plus, parce qu’on ne s’attend pas à trouver là-haut une
quantité d’ateliers, de halles, de coupoles, de logments habités, de campaniles, de colonnades, etc. qui forment, en vérité, une espèce de petit ville, fort plaisante. La moindre partie de
l’église, à ce que je trouve, est le portail; ni celui-là, ni celui qu’on vient de faire ‘a Saint-Jeande-Latran, quoique assez beaux l’un et l’autre, ne répondent à la majesté des bâtiments.
Comment ceci a-t-ilpu être construit par des gens qui avaient devant les yeux la facade de la
Curia Antoniane et celle du Panthéon?»
Text 37:
BROSSES, Charles de: Lettres d’Italie du Président de Brosses. Hrsg. v. Fréderic d’Agay, Bd. I.
Paris, 1739/1986, 123.
Beschreibung des Mailänder Doms.
Lettre VIII a M. de Neuilly: Mémoire de Milan
«Pardieu ! Les Italiens font une grande dépense en superlatifs. Cela ne leur coûte guère ; mais
cela coûte beaucoup aux étrangers, qui font de grands frais en peine et en argent pour voir
quelquefois des choses fort vantées et peu dignes de l’être. Il y a si longtemps que j’entends
prêcher des merveilles inouies de ce fameux Dôme ou cathédrale de Milan, dont la facade est
la cosa più stupenda, la più maravigliosa, que je n’eus rien de plus pressé à faire, en arrivant,
que d’y aller. Vous avez vu, ou même vous possédez la belle estampe qui représente cette
facade. Gardez-la précieusement, car voilà ce qui en existe ; mais aussi il faut rendre justice à
l’ouvrage. S’il était vrai qu’il existât, ce serait une belle chose : je ne lui sais de défaut que de
n’être pas. Raillerie à part, à peine y a-t-il une troisième partie de cet immense édifice qui soit
faite ; depuis plus de trois cents an qu’on y travaille, et quoiqu’il y ait tous les jours de ouvriers, il ne sera probablement pas fini dans dix siècles, c’est-à-dire qu’il ne le sera jamais. Si
on l’achevait, ce serait le plus vaste morceau de gothique qu’il y eût au monde ; on entretient
même ici une école de goût gothique pour les ouvriers qui y travaillent. Depuis que cet ouvrage est commencé, il y a eu des millions de successions, et, pour, n’en pas cesser la méthode,
on ne se presse pas de finir l’ouvrage. Le dedans de l’église est très obscur, dénué de tout ornement et de tout agrément. Voilà le mal que j’ai à en dire ; je commence par là parce qu’il
commenca lui-même à me mettre de mauvaise humeur. Il y a cependant dans le détail beaucoup de choses remarquables : l’édifice est d’une grandeur surprenante, surtout ne paraissant
pas tel au premier coup d’œil. Il y a dedans double collatérale, non compris les chapelles ; le
tout soutenu par six rangs de piliers de marbre blanc d’une grosseur et d’une hauteur extra-
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ordinaires ; le pavé est de marbre de rapport, employé, non pas en revêtissement comme ailleurs, mais en grosses pierres de taille ; il n’est fait qu’à moitié. Tout le intérieur de l’édifice
est de même marbre blanc. C’est cet article dont la dépense ne se peut concevoir, car non seulement les ouvrages et ornements dont fourmille le gothique en sont, mais le toit même de
l’édifice n’est fait que de grandes pierres de cinq ou six pieds en carré. Il faut monter sur le
dôme pour y trouver des travaux énormes, à quoi on ne s’attendait pas, et qui sont là très inutilement. Tout le tour d’église, soit à côté, soit derrière, est du même dessin et d’autant
d’ouvrage que la facade. On a plus avancé de ces côtés-là qu’au-devant, dont le pauvre état,
frappant toujours les yeux, excite davantage les âmes pieuses à la libéralité. »
Text 38:
LAUGIER, Marc Antoine: Essai sur l’architecture. Observations sur l’architecture. Hrsg. v.
Geert Bekaert. Brüssel, 1979, 11.
Beschreibung der Maison Carrée in Nîmes, entstanden 1753.
« Il nous reste en France une très-beau monument des Anciens, c’est ce qu’on appelle à
Nîmes la Maison-Quarrée. Connoisseurs ou non conoisseurs, tout le monde admire la beauté
de cet édifice. Pourquoi ? parce que tout y est selon les vrais principes de l’architecture. Un
carrée long où trente colonnes supportent un entablement & un toit terminé aux deux extremités par un fronton ; voilà tout ce dont il s’agit. Cet assemblage a une simplicité & une noblesse qui frappe tous les yeux. »
Text 39:
LAUGIER, Marc Antoine: Essai sur l’architecture. Observations sur l’architecture. Hrsg. v.
Geert Bekaert. Brüssel, 1979, 19.
Beschreibung der Schlosskapelle von Versailles, entstanden 1753.
« En entrant dans les travées de la Chapelle de Versailles, tout le monde est frappé de la
beauté des Colonnes, de l’âpreté des entre-collonnemens : mais aussi-tôt qu’on est arrivé à la
naissance du rond-point, il n’est personne qui ne voye avec chagrin cette belle suite de Colonnes sottement interrompue par un maussade pilastre. On doit donc tenir pour certain que
l’usage des pilastres est un des grands abus qui se spoient introduits dans l’architecture
[…]. »
Text 40:
LAUGIER, Marc Antoine: Essai sur l’architecture. Observations sur l’architecture. Hrsg. v.
Geert Bekaert. Brüssel, 1979, 174-176.
Beschreibung von Notre-Dame und Saint-Sulpice in Paris, entstanden 1753.
« [174] J’entre dans l’église de Notre-Dame, c’est à Paris le plus considérable de nos édifices
gothiques, & il n’est pas à beaucoup près de la beauté de certain autres qu’on admire dans les
Provinces. Cependant au permier coup d’œil mes regards son arrêtés, mon imagination est
frapée par l’entendue, la hauteur, le dégagement de cette vaste nef ; je suis forcé de donner
quelques momens à la surprise qu’excite dans moi le majesteux de l’ensemble. Revenu de
cette premier admiration, si je m’attache au détail, je trouve des absurdités sans nombre :
mais j’en rejette le blâme sur le malheur des temps. De sorte qu’après avoir bien épluché,
bien critiqué ; revenu au milieu de cette nef, j’admire encore, & il reste dans moi une impression qui me fait dire : Voilà bien des défautsm ais voilà qui est grand. [175] De-là je passe à S.
Sulpice, église la plus considerable de toutes celles que nous avons bâties dans le goût de
l’Architecture antique. Je ne suis ni frappé ni saisi, je trouve l’édifice fort au-dessous de sa
réputation. Je ne vois que des épaisseurs & des masses. Ce sont des grosses arcades enchâs-
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sées entre de gros pilastres, d’un ordre corinthien très-lourd & très-gros, & par-dessus le tout
une grosse voûte dont la pesanteur fait craindre pour l’insufficance de ses gros appuis. Que
dirai-je de ce jubé qui masque la principale entrée de l’église ? C’est un joli morceau
d’Architecture, mais qui n’est pas plus fait pour être là, qu’une pétite maison est faite pour
être renfermée dans une grande. Que dirai-je du grand portail ? C’est une idée excellente,
mais maquée. Le sieur Servandoni touchoit presque à la perfection, il s’est arrêté em-decà.
Pour faire quelque chose de ce portail, il auroit fallu accoupler les colonnes non en profondeur, mais de front ; suprimer dans le premier entablement cette énorme corniche dorique,
[176] qui aura tant de peine à résister aux injures de l’air ; mettre le second ordre en colonnes
isolées comme le premier, au moyen de quoi on auroit au moins sauvé l’ouvrage d’un excés de
grossiereté. Il auroit fallu encore dégager les deux tour qui flanquent le portail, on auroit dû
leur donner une forme moins seche & moins massive. Je ne pousserai pas plus loin les observations sur un édifice qui fera toujours gémir les connoisseurs ; & qui enimmortalisant le zele
& les bonnes intentiones du célebre M. Laguet, prouvera à toute la posterité que notre siecle
ne fut point le siecle de la bonne Architecture. »
Text 41:
COCHIN, Charles-Nicolas: Le Voyage d’Italie. Hrsg. v. Christian Michel. Rom, 1758/1991, 94.
Beschreibung des Mailänder Doms, entstanden 1758.
«Milan: Le dome ou la cathédrale de cette ville est une église très-grande & très-élevée., bâtie
de marbre blanc non poli. Cet edifice cause de l’étonnement par la grandeur de l’entreprise;
car, quoique de marbre, c’est un gothique des plus chargés d’ouvrage que l’on puisse voir,
orné d’une quantité innombrable de statues de meme matiere. On les y a prodiguées avec
tant de profusion, qu’il y en a tout a haut de l’edifice, qui n’ont pas un pied de proportion,
dans de petites niches que les cachent. »
Text 42:
WINCKELMANN, Johann Joachim : „Anmerkungen über die Baukunst der Alten“. Leipzig,
1762. In: Adolf H. Borbein & Max Kunze (Hrsg.): Johann Joachim Winckelmannn – Schriften zur antiken Baukunst. Reihe Johann Joachim Winckelmann – Schriften und Nachlass,
Bd.3. Mainz, 2001, 13-70.
Beschreibung der Tempel von Paestum.
„[17] Von der Stadt Pesto hat sich die ganze Ringmauer mit ihren vier Thoren, ins Gevierte
gezogen, erhalten, und diese ist aus ungemein großen Steinen, welche viereckig oder länglichlichst gehauen sind, ohne Mörtel zusammen gesetzet, so dass die äußere Seite derselben
in sechs Flächen, nach Art der Diamanten, gehauen ist: auf der Mauer stehen in gewisser
Weite voneinander runde Thürme. Innerhalb der Mauern und in der Mitte der ehemaligen
Stadt stehen zween Tempel, und ein drittes öffentliches Gebäude, welches entweder eine Basilica, oder eine Palästra oder Gymnasium gewesen ist. Dieses sind ohne Zweifel die ältesten
Griechischen Gebäude, und nebst dem Tempel zu Girgenti in Sicilien, und dem Pantheon in
Rom, ist kein anderes Werk der Baukunst, welches sich so völlig erhalten hat: denn der eine
Tempel hat vorne und hinten sein völliges Frontispicium, und auf dem andern ist das mehreste von demselben geblieben. Die zween Tempel sind, so wie das dritte Gebäude, Amphyprostyli, das ist, sie haben einen freyen Umgang rings umher, und vorne und hinten eine freye
Halle. Der größte Tempel, und welcher weniger gelitten hat, hat sechs Säulen vorne und hinten, und vierzehn auf der Seite, die Ecksäulen zweymal mit gezählet. Der kleinere Tempel hat
vorne und hinten, wie jener, sechs Säulen, und dreyzehn auf der Seite. Die Zellen dieser
Tempel, oder das Innere derselben, war mit einer Mauer, wie gewöhnlich, eingeschlossen,
und die in dem größeren Tempel hat vorne und hinten wiederum ihre besondere Halle von
zwo Säulen am Eingange und die Eckpilaster, und zwo Reihen waren auch innerhalb der Zel-
37
le, eine jede von sieben Säulen, von welchen noch viele stehen. Die Zelle des andern Tempels
hat nur vorne ihre besondere Halle, von eben so vielen Säulen, und innerhalb der Zelle gegen
das Ende ist eine große viereckige längliche Erhöhung, welches etwa ein Altar gewesen ist.
[18] Der größere Tempel hat über die untern Säulen innerhalb der Zelle, noch eine obere
Ordnungen kleinerer Säulen, welche sich auch großen Theils erhalten hat. Alle Säulen sind
dorisch und gereift, und haben nicht fünf Durchmesser, wie ich in den Anmerkungen selbst
angezeigt habe. Sie sind außerdem ohne Base, und die um den größeren Tempel haben gegen
das Capitäl zu zween Ringe umher, dergestalt ein Theil der Reifen einige Finger breit über
dieselbe bis an das Capitäl hinausgehen. Die Zellen sind drey Stufen hoch erhaben und so viel
höher, als der äußere Säulengang der Tempel, und diese Stufen, sind wie diejenigen, welche
um den Tempel herum gehen, von einer ungewöhnlichen Höhe, wie ich umständlicher in den
Anmerkungen anzeige. Auf diesen Stufen geht man in die Zellen, und die Hallen derselben,
welche in die Länge zwo Säulen und die Pilaster haben, wie gesaget ist, sind jedesmal von
drey Säulen in die Tiefe: Die Hallen vor der Zelle des größeren Tempels haben zwey und vierzig und einen halben Palm Länge, und in der Breite vier und zwanzig Palme. An dem kleineren Tempel ist als etwas besonderes zu merken, daß in der Halle vor dessen Zelle die dritte
Säule, in der Tiefe oder Breite, wie man es nennen will, auf beyden Seiten auf der dritten Stufe, welche zur Zelle führen, steht; und diese zwo Säulen haben unten ihren runden Bund und
auch ihre Base (Plinto), welche aber rund ist. Folglich finden sich schon in den ältesten Zeiten dorische Säulen mit der Base, welches vorher niemand bekannt gewesen ist. Die Intercolumnia der Tempel haben nicht völlig anderthalb Durchmesser der Säulen, wie Vitruvius lehret: denn der Durchmesser der Säulen an dem größeren Tempel hat sieben und fünf Achtel
Palme, und die Intercolumnia haben acht volle Palme, und es ist etwas besonderes, daß die
Intercolumnia des äußeren Säulengangs um den Tempel herum, eine viereckigte Vertiefung,
oder ein vertieftes Feld einen Finger breit tief ausgehauen haben, welchs Feld den ganzen
Zwischenraum des Fußes der Säulen füllet. Die Säulen innerhalb der Zelle dieses Tempels
sind von fünf und einem Drittheil Palm Durchmesser. Die Länge des größeren Tempels ist
dreyhundert und sechs und achtzig Palme; die Breite sechs und neunzig. Die Breite der Zelle
ist zwey und vierzig und einen halben Palm. Die Länge des kleineren Tempels ist von sechs
und siebenzig Palme, und die Breite fünf und funfzig. Die Breite der Zelle desselben ist acht
und zwanzig Palme. Das dritte Gebäude hat neun Säulen vorne und hinten, und achtzehn auf
der Seite; die Ecksäulen zweymal gezählet, und alle diese Säulen haben unter dem Capitäl
einen überaus künstlich gearbeiteten schmalen ineinander geschränkten Zierrath, welcher an
einigen einander ähnmlich ist, an den mehresten aber nicht. Die Länge des Gebäudes ist
zweyhundert und fünf Palme, und die Breite zwey und neunzig. Dieses Gebäude hatte ebenfalls, wie die Tempel, einen inneren eingeschlossenen Platz, von drey und vierzig und einen
halben Palm breit, und drey Säulen inwenig, von welchen die drey Säulen und die Eckpilaster
am Eingange dieses innersten Gebäudes stehen; von der mittlern inwendigen Reihe sind
noch drey Säulen aufrecht stehend übrig. Der Durchmesser der Säulen ist fünf und drey
Viertheil Palme, und die Intercolumnia eilf und zwey Drittheil Palme; welches also von der
Regel des Virtruvius abgeht.
[19] Der ganze Boden dieses Gebäudes hat einen sanften Abhang auf beyden Seiten, zum Ablaufe des Regens. Ueberhaupt merke man, daß alle drey Gebäude von dem Gebälke auf den
Säulen, oder von der Architrave die beyden untere Glieder haben, aber das dritte und obere
Glied des Gebälkes, nämlich die Cornische fehlet an allen dreyen. Von den Eigenschaften der
dorischen Ordnung derselben habe ich in den Anmerkungen geredet. Die Länge und Breite
dieser Gebäude sind von der dritten und oberen Stufe, auf welche man zu denselben hinaufsteiget, gemessen, und der Palm ist der Neapelsche, welcher größer ist als der Römische […].“
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Text 43:
GOETHE, Johann Wolfgang: „Von deutscher Baukunst“. In: Allgemeines Magazin für die
bürgerliche Baukunst, 1789, 1 (1), 84e-93.
Beschreibung des Straßburger Münsters, erstmals erschienen 1773.
„[84e] Was brauchts dir ein Denkmal! Du hast dir das herrlichste errichtet; und kümmert die
Ameisen, die drum krabbeln, dein Name nichts, hast du gleiches Schicksal mit dem Baumeister, der Berge aufthürmte in die Wolken. […]
[84f] Es ist im kleinen Geschmack, sagt der Italiäner, und geht vorbey. Kindereyen lallt der
Franzose nach, und schnellt trimphirend auf seine Dose a la Grecque. Was habt ihr gethan,
daß ihr verachten dürft? Hat nicht der, seinem Grab entsteigende Genius der Alten, den deinen gefesselt, Welscher! Krochst an den mächtigen Resten Verhältnisse zu betteln, flickest
aus den heiligen Trümmern dir Lusthäuser zusammen, und hältst dich für Verwahrer der
Kunstgeheimnisse, weil du auf Zoll und Linien von Riesengebäuden Rechenschaft geben
kannst . hättest du mehr gefühlt als gemessen, wäre der Geist der Massen über die gekommen, die du anstaunest, du hättest nicht so nur nachgeahmt, weil sie’s thaten und es schön
ist; nothwendig und wahr hättest du deine Plane geschaffen, und lebendige Schönheit wäre
bildend aus ihnen gequollen. […]
[84g] Schädlicher als Beispiele sind dem Genius Prinzipien. Vor ihm mögen einzelne Menschen, einzelne Theile bearbeitet haben. Er ist der erste, aus dessen Seele die Theile, in ein
ewiges Ganze zusammen gewachsen, hervortreten. Aber Schule und Principium fesselt alle
Kraft der Erkenntnis und Thätigkeit. Was soll uns das, du neufranzösischer, philosophirender Kenner, daß der erste zum Bedürfnis empfindsame Mensch vier Stämme einrammelte,
vier Stangen drüber verband, und Äste und Moos drauf deckte? Daraus entscheidest du das
gehörige unsrer heutigen Bedürfnisse, eben als wenn du dein neues Babylon, mit einfältigem
Patriarchalischen Hausvatersinn regieren wolltest.
[84h] Und es ist noch dazu falsch, daß deine Hütte die erstgeborene der Welt ist. Zwey an
ihrem Gipfel sich kreuzende Stangen vornen, zwey hinten und eine Stange queer über zum
Forst, ist und bleibt, wie du alltäglich an Hütern der Felder und Weinberge erkennen kannst,
eine weit primävere Erfindung, von der du doch nicht einmal Principium für deine Schweinställe abstrahiren könntest. So vermag keiner deiner Schlüsse sich zur Region der Wahrheit
zu erheben, sie schweben alle in der Atmosphäre deines Systems. […]
[85] Die Säule liegt dir sehr am Herzen und in andrer Weltgegend wärst du Prophet. Du
sagst: Die Säule ist der erste, wesentliche Bestandteil des Gebäudes, und der schönste. Welche erhabene Eleganz der Form, welche reine mannigfaltige Grösse, wenn sie in Reihen da
stehn. Nur hütet euch sie ungehörig zu gebrauchen; ihre Natur ist freizustehn. Wehe den
Elenden, die ihren schlanken Wuchs an plumpe Mauern geschmiedet haben. […] Säule ist
mitnichten Bestandteil unsrer Gebäude. Unsre Häuser entstehen nicht aus vier Säulen in vier
Ecken; sie entstehen aus vier Mauern an vier Seiten, die statt aller Säulen sind, alle Säulen
ausschliessen, und wo ihr sie anflickt, sind sie belastender Überfluss. […] Als ich das erste
Mal nach dem Münster gieng, hatte ich den Kopf voll allgemeiner Erkenntnis guten Geschmacks. Auf Hörensagen ehrt ich die Harmonie der Massen, die Reinheit der Formen, war
ein angesagter Feind der verworrnen Willkürlichkeiten gothischer Verzierungen. Unter die
Rubrik Gothisch, gleich dem Artikel eines Wörterbuchs, häufte ich alle synonymischen Mißverständnisse, die mir von unbestimmtem, untergeordnetem, unnatürlichem, zusammengestoppeltem, aufgeflicktem, überladenem, jemals durch den Kopf gezogen waren. […]
[86] Mit welcher unerwarteten Empfindung überraschte mich der Anblick, als ich davor trat.
Ein ganzer, großer Eindruck füllte meine Seele, den, weil er aus tausend harmonirenden Einzelheiten bestand, ich wohl schmecken und geniessen, keineswegs aber erkennen und erklären konnte. […] Wie oft bin ich zurückgekehrt, von allen Seiten, aus allen Entfernungen, in
jedem Lichte des Tags, zu schauen seine Würde und Herrlichkeit. […] Wie oft hat die Abenddämmerung mein durch forschendes Schauen ermattetes Aug, mit freundlicher Ruhe geletzt,
wenn durch sie die unzähligen Massen schmolzen, und nun diese, einfach und groß, vor meiner Seele standen, und meine Kraft sich wonnevoll entfaltete, zugleich zu genießen und zu
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erkennen. Da offenbarte sich mir, in leisen Ahndungen, der Genius des grossen Werkmeisters. Was staunst du, lispelt er mir entgegen. Alle diese Massen waren nothwendig, und siehst
du sie nicht an allen älteren Kirchen meiner Stadt. Nur ihre willkürlichen Grössen hab ich
zum stimmenden Verhältnis erhoben. Wie über dem Haupteingang, der zwey kleinere zu’n
Seiten beherrscht, sich der weite Kreis des Fensters öffnet, der dem Schiff der Kirche antwortet, und sonst nur Tageloch war, wie, hochdrüber der Glockenplatz die kleineren Fenster forderte. Das all war ntohwendig und ich bildete es schön.
[87] Aber ach, wenn ich durch die düstern erhabnen Öffnungen hier zur Seite schwebe, die
leer und vergebens da zu stehn scheinen. In ihre kühne schlanke Gestalt hab ich die geheimnisvollen Kräfte verborgen, die jene beiden Thürme hoch in die Luft heben sollen, deren, ach,
nur einer traurig dasteht, ohne den fünfgethürmten Hauptschmuck, den ich ihm bestimmte,
daß ihm und seinem königlichen Bruder die Provinzen umher huldigten. Und so schied er
von mir und ich versank in theilnehmende Traurigkeit. Bis die Vögel des Morgens, die in seinen tausend Öffnungen wohnen, der Sonne entgegen jauchzten, und mich aus dem Schlummer weckten. Wie frisch leuchtet er im Morgenduftglanz mir entgegen, wie froh konnt ich
ihm meine Arme entgegenstrecken, schauen die grossen harmonischen Massen, zu unzähligen kleinen Theilen belebt; wie in Werken der ewigen Natur, bis aufs geringste Zäserchen,
alles Gestalt, und alles zweckend zum Ganzen; wie das festgegründete ungeheure Gebäude
sich leicht in die Luft hebt, wie durchbrochen alles und doch für die Ewigkeit […].“
Text 44:
ANONYMUS: Kritische Anmerkungen den Zustand der Baukunst in Berlin und Potsdam betreffend. Berlin, 1776, 15.
Beschreibung des Berliner Schlosses.
„Das Berliner Schloss ist dem Umfang nach eines der beträchtlichsten dieser Art, und hat wie
bekannt den vortrefflichen Schlüter größtentheils zum Erfinder. Ohnerachtet aller seiner
Unollkommenheit besitzt es Schönheiten, die man bey den neueren Gebäuden vergebens
suchen wird. Die äußere Anordnung ist zwar durchaus fehlerhaft, und drückt nichts weniger
als eine königliche Wohnung aus, selbst der Triumphbogen beym Haupteingange ist unschicklich dazu, indem es die Etagen durchschneidet, und die Communication verhindert.
Auch hat es außer dem Mangel an Symmetrie noch eine Menge Ungleichheiten, welche unverzeihlich sind. Die Balustrade ist aus einer und derselben Facade von ungleicher Höhe, die
Fensterverdachungen sind theils gebrochen und von einer fehlerhaften Form, das Hauptgesimse ist schwer und schlecht profiliret, dabey ist der Theil, den Schlüter aufgeführet, mit zu
vielen kleinen Zierrathen überhäuft. Ein gewöhnlicher Fehler aller Bildhauer. Der innere
Hofraum hat weit schönere Parthien, als die äußern Facaden, die dorische Colonnade und
übrigen Zierrathen dieser Seite, sind einer königl. Wohnung vollkommen angemessen, und
thun eine vortreffliche Würkung; ohnerachtet man eine Menge in der Architektur unerlaubte
Freyheiten daran erblicket. Nur Schade, daß die ganze Schönheit dieses sonst würklich königlichen Hofes, durch das noch stehende alte Gebäude beynahe gänzlich vernichtet wird!“
Text 45:
ANONYMUS: Kritische Anmerkungen den Zustand der Baukunst in Berlin und Potsdam betreffend. Berlin, 1776, 47.
Beschreibung des Berliner Zeughauses.
„Das Zeughaus zu Berlin, welches einen ansehnlichen Platz unter den bekannten Gebäuden
dieser Art einnimmt, wurde unter der Regierung Friedrichs des Ersten durch Nehrung erbauet, nach seinem Tode aber von Bott vollendet. Der Plan dieses Gebäudes ist ein vollkommenes Viereck, auf allen Seiten bebauet, die Anordnung der Außenseiten bestehet in zwey
Etagen, davon die unterste mit Rustique, die obere aber mit dorischen Pilastres, und beym
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Haupteingange mit Säulen gezieret ist. Die einzelnen Parthien dieser Außenseiten karakterisiren vollkommen die Bestimmung des Gebäudes. Als die gewählte dorische Ordnung, die
allegorische Verzierung der Schlusssteine und andrer Stellen, selbst die großen und starken
Gruppen, welche das ganze Gebäude krönen, und etwas schwer fallen, sind demselben angemessen, und daher von guter Würkung. Ob aber die Hauptanlage und Anordnung mit dem
würklichen Gebrauch eines solchen Gebäudes übereinstimmt, darüber ließe sich noch vieles
einwenden. Einige Kenner haben die Haupt-Facade des Louvre zu Paris getadelt, in so fern
diese zwar ein prächtiges Monument der Baukunst ist, aber unmöglich die Hauptseite eines
bewohnten Gebäudes vorstellen könnte. Bey dem Berliner Zeughause könnte man diesen
Satz umkehren, indem die Außenseiten eher ein bewohntes Gebäude, als irgend ein anderes
Monument der Baukunst anzeigen. Bey dem Haupteingang ist der Architekt in den nämlichen Fehler verfallen, wie Perrault beym Louvre, und hat die zweyte Etage durchgeschnitten,
um seiner Thüre mehr Höhe zu verschaffen. Außer dieser fehlerhaften Anordnung findet
man noch hin und wieder andere mehr, als die häufigen Verkröpfungen im ganzen Gebäude,
die abwechselnde Figur der Fensterverdachungen, die Entrelas in der Brüstung der zweyten
Etage, welche bey einem solchen ernsthaften Gebäude unschicklich sind; das dorische
Hauptgesimse ist nicht vom besten Profil, wie auch das Bandgesimse, und überhaupt vermisst man eine gewisse Dreistigkeit bey allen Gesimsen dieses Gebäudes. Die sämtlichen
Statuen und übrigen Verzierungen, ausgenommen die vier Statuen am Eingange, sind schön
und größtenteils von Schlüters Erfindung. Die Verzierung der Außenseiten vom Hof kommt
mit der vordern größtenteils überein, nur dass statt dorischer Pilastres halbeingeschlossene
Säulen daselbst gebraucht worden sind. Das Hauptgesimse hat auch hier Mutules oder Dielenköpfe statt der Zahnschnitte in den Vorderseiten. Ueber den untersten Fenstern befinden
sich die vortrefflich gearbeiteten Schlusssteine von Schlütern. Die innere Anordnung dieses
Gebäudes, scheint mit seinem Gebrauch überein zu kommen, im untersten Stockwerke gewölbet und überhaupt alles mit vieler Festigkeit verbunden.“
Text 46:
VOLKMANN, Johann Jakob: Historisch-kritische Nachrichten von Italien welche eine Beschreibung dieses Landes, der Sitten, Regierungsform, Handlung, des Zustandes der Wissenschaften und insbesonderheit der Werke der Kunst enthalten. Bd. I, Leipzig, 1777, 263ff.
Beschreibung des Mailänder Doms.
„[263] Der berühmte Dom, oder die der hei“ligen Maria und Thekla gewidmete Kathedralkirche in Mayland, liegt ohngefähr im Mittelpunkte der Stadt und ist nach der Peterskirche in
Rom die erste in Italien. Ihre Länge beträgt 449 Fuß, die Breite des Kreuzes 275, die Breite
des Schiffs 180, und die Höhe der Kuppel 238 Fuß. Das Gebäude ruhet auf 52 Säulen, die
nebst den Fußgesimsen und Kapitälen 84 Fuß hoch, und im Umfange von 24 Fuß sind. […]
Die Kirche ist überhaupt gothisch, und in einem sehr eigensinnigen Geschmack gebauet. Man
erstaunt anfangs über die ungeheure Masse des Ganzen; sieht man aber die einzelnen Theile
an, so bekommt man beynahe einen Ekel für die übertriebenen Zierrathen. Bey keiner Kirche
in Italien sind die mit solcher Verschwendung angebracht. Es sollen bereits 4000 Statuen
inwendig und auswendig stehen und man lässt noch jährlich eine Menge neue verfertigen,
obgleich der zehnte Theil hinlänglich wäre. Das ganze Gebäude ist dergestalt damit besetzt,
daß man viele auf dem Dache und an der Mauer wegen ihrer Höhe gar nicht sieht. Nach dem
angefangenen Plan kann man mit Vermehrung dieses wunderlichen Zierraths so lange fortfahren, bis die Kirche von Alter einfällt. Scamozzi tadelt bereits den üblen und verschwenderischen Geschmack, und nennt die Kirche einen marmornen Berg oder Klumpen, worinn
Löcher gehauen sind. […]
[266] Inwendig ist die Kirche ganz im gothischen Geschmack wie die Kathedralkirchen in
Paris, Straßburg, Pavia und andern Städten. Diese grossen Gebäude haben wegen der spitzig
zulaufenden Bogen nicht so viel Festigkeit, als wenn sie mit zirkelförmigen Gewölbern und
nach den reinen Verhältnissen der Griechen aufgeführet wären. Es fehlt ihnen das gefällige
41
und zugleich feste Ansehen, sie verdienen nur wegen ihrer Größe, wegen der weiten Bogen,
der dreisten Baukunst, der Verhältnisse einiger besonderer Theile, und des erstaunlichen
Fleißes in den Zierrathen die Aufmerksamkeit der Kenner. Der Dom in Mayland hat bei dem
ersten Anblicke etwas majestätisches. Seine gothische Bauart würde noch mehr Beyfall verdienen, wenn die Pfeiler nicht oben rings herum mit Bilderblinden und Statuen versehen
wären […].“
Text 47:
VOLKMANN, Johann Jakob: Historisch-kritische Nachrichten von Italien welche eine Beschreibung dieses Landes, der Sitten, Regierungsform, Handlung, des Zustandes der Wissenschaften und insbesonderheit der Werke der Kunst enthalten. Bd. II, Leipzig, 1777, 44-94.
Beschreibung von St. Peter im Rom.
„[44] Die Nachrichten von den folgenden Kirchen werden nicht so weitläufig seyn; die Peterskirche verdient es aber, daß wir uns etwas genauer darüber einlassen. Es ist zur Bildung
des Geschmacks gut, diese Kirche recht fleißig zu besuchen, alles genau zu betrachten, und
gleichsam ein Studium daraus zu machen; daher ist es auch nöthig, daß der Fremde in unserem Auszuge von allem eine kurze Nachricht finde, um nicht nöthig zu haben, sich in den
oben angezeigten weitläufigen Werken Rath zu erholen, falls er nicht über den ein oder anderen Punkt besonders unterrichtet seyn will. […]
[51] Vor dem eigentlichen Platze der Peterskirche liegt ein geräumiger Platz, der mit bessern
Gebäuden umgeben zu werden verdiente. Der so genannte Petersplatz besteht aus zwey Theilen, der vördere ist oval, und der hintere ein längliches Viereck. Der ovale hat gegen der Kirche über eine große Oeffnung, welche zur Auffahrt auf den Platz dienet. Der vordere Platz ist
mit einer prächtigen Kolonnade, die nirgends ihres gleichen hat, umgeben. […]
[54] Diese majestätische Kolonnade machte einen prächtigen bedeckten Gang, sechs und
funfzig Fuß breit, welcher zu beyden Seiten des Platzes bis an die Kirche geht. Bey dem Eintritte, welcher um drey Stufen erhöhet ist, sind auf jeder Seite ein paar simple Giebel angebracht, welche auf vier Säulen dorischer Ordnung ruhen. Diese vier Säulen formiren gleichsam drey Gänge, von denen der mittelste weiter ist. […] am Ende der Kolonnade, wo der viereckige Platz den Anfang nimmt, sind zween lange Gänge mit gekuppelten Pilastera, welche in
die Halle oder Gallerie der Kirche selbst führen. Die Thüren sind mit Mosaiken gezieret.
[55]: Das Ende dieses Platzes nimmt die ganze Breite der Vorderseite der Kirche ein. Sie
scheint nach Proportion der Breite etwas zu niedrig zu seyn. Man steigt zu derselben vermittelst einer breiten Treppe von drey Seiten hinan. Die Vorderseite hat große korinthische Säulen, mit einer Attike oder kleinen Säulenordnung, worüber die Kuppel in einer Entfernung
hervor raget.
[56] Indem man die Treppe hinauf steigt, sieht man die majestätische 366 Fuß breite Vorderseite vor sich. Die Größe macht, daß die Theil derselben anfangs lange nicht so groß erscheinen, wie sie wirklich sind, wenn man näher hinzutritt.
[57] Man wirft dem Portal der Kirche von Maderni vor, daß es wegen der vielen Risalite nicht
simpel genug ist; die vielen kleinen Eintheilungen benehmen dem Ganzen das Majestätische,
und geben ihm ein mageres Ansehen. Der mittlere Altan oder die Tribune, davon der Pabst
den Segen ertheilt, ist zu versteckt. Die Kolonnen sollten nicht in Nischen stehen; das Gebälke ist zu schwach, und hat nichts Ausladung genug. Es fällt nicht gut ins Auge, weil der
Kranzleisten zu hoch ist, nicht genug vorspringt, und unter sich eine Menge kleiner Glieder
hat, die man in der Ferne nicht unterscheidet. Die attische Ordnung ist zu hoch, und mit einem zu schwachen Karnieß versehen; das darüber stehende Säulengeländer ist auch nach
Proportion der ganzen Höhe der Vorderseite zu niedrig. […]
[58] Wenn die große Kuppel gleich rückwärts liegt so trägt sie doch viel zur Zierde der Vorderseite bey. Sie hat erst einen eckigen Fuß, hernach einen runden mit einem starken Karnieß, der oben so breit vorspringt, daß man sagt, man könne um die Rundung mit einer
sechsspännigen Kutsche fahren. Auf diesem zweyten Fuß erhebt sich der Tambour mit einer
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korinthischen Säulenordnung, darauf steht eine Attike, welche die eigentliche Kuppel trägt.
Auf der Kuppel ruhet die Laterne. Dieser ganze Theil der Peterskirche ist in Ansehung der
schönen Verhältnisse ein Meisterstück. […]
[62] Wir begeben uns nunmehr in die Kirche selbst, um darinn die Größe, die Pracht, und
den edlen Geschmack, als die drey Stücke, welche sie zum vollkommensten Gebäude der
Welt machem, zu bewundern. Wenn auch Kleinigkeiten getadelt werden könnten, so verlieren sie sich in den großen Schönheiten des Ganzen. Diese kleinen Fehler bestehen entweder
im Mangel des großen Geschmacks in der Architektur selbst, oder in den Nebendingen und
Verzierungen. Die letzten bemerkt man bey der Größe des Gebäudes kaum, und zu den ersten
gehören schon erfahrene Architekten, und diese müssen ihre Urtheile erst recht prüfen, um
gewiß zu gehen, ein Beweis, daß sie sehr wenig merklich sind und von andern gar nicht bemerkt werden. Eine sonderbare Wirkung bey dem Eintritt in die Kirche ist, daß man über
ihre Schönheit und Größe nicht erstaunt; ja man stellt sich nicht einmal vor, daß sie im Lichten fünfhundert und fünf und siebenzig Fuß lang, und bis unter das Gewölbe hundert und
zwey und vierzig Fuß hoch ist. Die großen Theile dieses unermeßlichen Gebäudes haben ein
so natürliches Verhältnis, daß keiner weder zu lang, zu breit oder zu hoch scheint. Man merkt
die kolossalische Größe einzelner Theile nicht eher, bis man sie einen nach dem andern ins
besondre,und außer dem Verhältniß mit dem Ganzen, betrachtet; alsdenn zeigt es sich erst,
daß manche Kapellen so groß sind als mittelmäßige Kirchen.
[63] Die Richtigkeit der Verhältnisse macht also, daß die größten Theil im Ganzen betrachtet,
von gemeiner Größe, und gar nicht außerordentlich zu seyn scheinen. Einige sehen es als
einen Fehler an, daß die Kirche keinen in Erstaunen setzt. Allein eine Art von plötzlicher Bewunderung erregen auch manche gothische Kirchen. Wir stutzen über ihre Höhe, weil die
Gänge schmal, die Säulen sehr dünne sind, und oben mit engen Gewölben verschlossen werden. Wir bewundern aus eben diesen täuschenden Ursachen ihre Länge. Dergleichen Empfindung macht die Peterkirche nicht auf einen Fremden: aber darinn besteht eben die Vollkommenheit dieses Gebäudes. Die größte und berühmteste Kirche in Ansehung der Architektur ist nach der Peterskirche die Paulskirche in London. Sie hat in der Anlage viel Ähnliches
mit der römischen Kirche; aber es fehlt ihr der edle natürliche Geschmack, ob sie gleich allemal ein vortreffliches Gebäude bleibet. Sie ist inzwischen in allen Stücken von geringern Verhältnissen. Die Länge beträgt nur vierhundert und neun und sechzig Pariser Fuß, die Breite
zweyhundert und drey und dreyßig, die Höhe hundert und neunzehn Fuß. Die Peterskirche
ist hingegen mit den Mauern und der vordern Halle sechshundert und sechs und sechzig Fuß
lang. Die inwendige Länge der Kirche selbst hält, wie oben gedacht worden, fünfhundert und
funf und siebenzig Fuß. Das mittlere Schiff ist vier und achtzig breit, und die ganze Breite der
Kirche beträgt mit den Mauern zweyhundert und vier und achtzig Fuß. Der Kreuzgang ist im
Lichten vierhundert und zehn Fuß lang und siebenzig breit. […]
[64] Ueberhaupt betrachtet haben die Theile ein vorzügliches Verhältnis untereinander. Das
Schiff ist wohl proportioniert, die schöne Kuppel stimmt mit dem Ganzen überein, hinter
derselben liegt das Chor, welches sich zu diesen beyden Stücken vollkommen schickt. Es hat
hinten eine Rundung, so wie die beyden Enden des Kreuzganges, wovon jeder Arm so lang
und breit ist als das Chor. Zu den Seiten der Hauptkuppel sind kleinere, die mit der großen in
gutem Verhältnisse stehen, aber für sich allein betrachtet, zu hoch sind. Das große Schiff hat
zur Seite ein paar Nebengänge mit Kuppeln, welche viel zu dem prächtigen Ansehen der Kirche beitragen, aber sonst wegen der ovalen Figur und der großen Höhe nicht gut ins Auge
fallen. Man tadelt auch daran, daß die von Maderno angesetzten Seitenflügel zu dunkel sind,
weil sie kein eigenes Licht haben. Die ganze Kirche ist mit großen korinthischen Pilastern
verziert, deren Fußgesimse auf dem Fußboden der Kirche stehet; auf ihrem Gebälke ruhet
das Gewölbe. Das Kapitäl dieser Pilaster ist nicht schön, das Gebälke aber von guten Verhältnissen, man hätte nur die Kehlleiste im Karnies nicht weglassen, und die Sparrenköpfe so
breit als den Kranzleisten machen sollen. Das Gewölbe ist in große Felder, die mit goldener
Stuccaturarbeit versehen sind, eingetheilt. Die mit kolossalischen Statuen besetzten Nischen
in den vier Hauptpfeilern, welche die Kuppel tragen, sind wohl proportioniert, hingegen
scheinen die Tribunen über diesen Nischen zu hoche, und gleichsam auf sie herunter fallen
43
zu wollen. Die Rundung des Tambours ist mit korinthischen Pilastern umgeben, das unter
derselben befindliche Gebälke ist von schöner Proportion. Die Kuppel, welche auf der itztgedachten Rundung ruhet, hat eine vortreffliche Form, aber die Verzierungen nehmen sich wegen der vielen kleinen Eintheilungen gar nicht gut aus. Das Schiff hat auf jeder Seite vier große Arkaden, welche zu eben so viel Kapellen führen. Die großen Pfeiler zwischen diesen Arkaden sind an der inwendigen Seiten oder unter den Bogen mit zwo Reihen Nischen versehen, in den untersten bemerkt man Statuen von Tugenden aus Stuck. Die Kämpfer, worauf
sie stehen, ragen weiter hervor als die Pilaster, welches sich nicht gut ausnimmt. Die innwendige Seite, worinn die Kirchthüren sind, und welche dem Hauptaltare gegenüber stehet,
nimmt sich wegen der vielen Öffnungen und Thüren fast am schlechtesten von der ganzen
Kirche aus, und schickt sich besser für ein Wohnhaus, als für ein so prächtiges Gebäude. […]
[69] Ueber diesem Altrare befindet sich die Kuppel, der merkwürdigste Theil dieses Gebäudes, und das Meisterstück aller Kuppeln. [Baugeschichte der Kuppel] im inneren Umfange
des Tambours stehen sechzehn große Pilaster auf einem rings herumlaufenden Postamente.
Die Kuppel ist von dem Fußboden an gerechnet 340 Fuß hoch, und der Durchmesser hat 132
Fuß im Lichten. Das Gewölbe selbst ist bis an die Laterne 168 Fuß hoch. […]
[94] Die Kuppel der Peterskirche ist das bewundernswürdigste und kühnste Meisterstück der
Architektur, welches Menschenhände je zu Stande gebracht; und wenn man nach den Folgen,
die daraus in unserm Jahrhundert entstanden, urtheilen soll, ein zu kühnes Unternehmen.
Ein Gebäude von einer so ungeheuren Last, auf ein anderes, das schon durch seine eigne
Schwere eben so beträchtlich war, zu setzen, war ein Gedanke, den vor dem Bramante noch
kein Architekt auszuführen gewagt hatte. Bey dem Eintritt in das Pantheon erstaunt man
über den Umfang des Gewölbes, das auf einer viel niedrigern Mauer ruhet. Man würde es
vorher für unmöglich gehalten haben, ein noch größeres Gewölbe auf eine weit höhere Mauer
zu setzen. […] Der Tambour der Kuppel besteht aus einer starken Mauer, welche von innen
durch sechzehn Pilaster, und von außen durch eben so viele Strebepfeiler verstärkt wird. Das
äußere Runde der Kuppel wird von gekuppelten Säulen getragen. Über den Strebepfeilern
fängt eine Attike an; zu der man vermittelst vier Wendeltreppen, die in den Pfeilern angebracht sind, hinauf steigt. Über der Attike fangen die Pilaster an, sich ein wenig zu krümmen,
sie stellen gleichsam die Ribben des Gewölbes vor, und gehen bis an die ersten Reihe der
Ochsenaugen, welches ohngefähr ein Drittel der Höhe des Gewölbes ausmacht. Bis dahin
steigt man vermittelst zwoer Treppen in die Mauer. In dieser Höhe ändert sich die Struktur
der Kuppel, das auswendige Gewölbe ist höher, und das inwendige mehr gedruckt. Zwischen
beyden geht da, wo sich die Mauer bey der ersten Reihe Ochsenaugen trennt, ein bequemer
Gang ringsum die Kuppel. Jedes Gewölbe hat sechszehn Ribben, zwischen denen die drey
Reihen Ochsenaugen liegen. Die Struktur der Laterne hat viel ähnliches mit der Kuppel. Erstlich kommt ein Postement, nachher Strebepfeiler, ein Tambour, eine Attike, wieder eine
Kuppel, und darauf steht die Pyramide, die das Kreuz trägt, welches nebst der Kugel ein und
zwanzig Fuß hoch ist. […]“
Text 48:
ANONYMUS: „Allgemeine Beschreibung des Museum Fridericianum in Cassel“. In: Miszellaneen artistischen Inhalts, Bd. I. Erfurt 1779, 41.
Beschreibung des Museum Fridericianum in Kassel.
„Landgraf Carl von Hessen vergrößerte und verschönerte zuerst durch Kunst und Geschmack
seine Haupt- und Residenzstadt gegen Ende des vorigen und Anfang des gegenwärtigen
Jahrhunderts. Sein druchlauchtester Enkel, Friedrich II, setzte dies in unsere Zeiten so nachdrücklich fort, dass sie nunmehr einen ansehnlichen Platz unter den schönsten Städten
Deutschlands behauptet. Cassels Vergrößerung war schon vorher seine Absicht und es
wurden die drey nunmehr errichteten Gebäude, des jetzigen Landschaftlichen Hauses zur
Rechten, der katholischen Kapelle zur Linken und des Museums in der Mitte beschlossen,
44
um von der Seite der Altstadt her nach der Ostneustadt hin, Facade zu machen. Dies letztere,
als das Hauptgebäude, soll hier beschrieben werden. Das Architektonische ist Hauptabsicht;
denn als Museum wird es reichen Stoff zur künftigen Beschreibung liefern. Der Baumeister
diese Gebäudes ist Herr Simon Ludwig du Ry. Im Jahre 1769 wurde das Museum angefangen
und 1779 war der innere Bau so weit vollführt, daß unter persönlicher Anordnung Sr. H. D.
des Herrn Landgrafen erst die Bibliothek und dann die andern Sammlungen aufgestellt
wurden. Der Umstand, daß das Museum auf die ehemaliegen Graben der Vestung zu stehen
kam, erforderte eine langweilige Grundlegung von dreyßig Fuß; sonst wäre solches eher vollendet worden. Die Hauptfacade von der Seite des Friedrichsplatzes hat zweyhundert und
etliche achtzig Fuß, jeder Flügel hundert und fünfzig in die Länge. Ihre Mitte, gegen des
Landgrafen Statue über, nimmt sich durch einen Vorsprung von sechs freystehenden Säulen
jonischer Ordnung aus; im Durchschnitt haben solche vier Fuß. Dadurch entsteht ein Peristil
von siebenzig Fuß in die Länge. Diese sechs Säulen tragen ihr vollkommenes Gebälke und
einen dreywinklichten Giebel, hinter welchem eine achtzehn Fuß hohe Antike [wohl
Druckfehler, gemeint ist Attika]sich erhebt. Die sechs acht Fuß hohe Figuren der Philosophie,
der Baukunst, Malerey, Bildhauerkunst, Geschichte und Astronomie sind ihre Verzierung.
Das übrige der Haupt- und Seitenfacaden hat die von Ionischen, ihr Gebälk tragenden
Wandpfeilern [Satz unvollständig], und darüber eine mit Vasen ausgeschmückte Balustrade.
Der mittelste Vorsprung, in welchem die Haupttreppe angebracht ist, so wie die beyden Giebel, haben nur Wandpfeiler, darüber ist gleichfalls eine Balustrade mit Vasen. Die Hauptfacade nach dem Friedrichsplatze hat zwey Stockwerke, das untere mit Bogenfenstern, das
obere mit solchen, deren Obertheil grad ist. Ueber beyden Flügeln ist ein niedriges Stockwerk. Ueber beyden Flügeln ist ein niedriges Stockwerk, welches durch viereckigte im Fries
angebrachte Fenster sein Licht erhält. Der Haupteingang ist unter dem Peristil der Seite des
Friedrichsplatzes. Drey Bogenthüren führen zu dem in der Mitte des Gebäudes befindlichen
Vorplatz. Er hat vier und vierzig Fuß Länge und sechs und dreyßig Breite. Vier freystehende
dorische Säulen tragen seine Decke und sechzehn Säulen der nämlichen Ordnung, von deren
Durchschnitt nur zwey Drittel hervorragen, sind seine Verzierung. Eben so viele andere,
durch welche man zu dem Vorplatz der großen Treppe kömt, stehen gegen den drey Bogenthüren des Eingangs über. In der Mitte der Seitenmauern führt eine Glasthür zur
Rechten, in die Gallerie der neuen Statuen und Gruppen, die zur Linken, in die Gallerie der
Antiken. Die übrigen vier Zwischensäulen werden mit ebenso viel Gruppen der Bau- Bildhauerkunst, Mahlerey und Musik ausgeziert. Der nächste Vorplatz an der großen Treppe,
sechzehn Fuß breit und vierzig lang, hat durch drey Arkaden Gemeinschaft mit dem ersteren.
Gereifte [=kannelierte?] dorische Säulen, die auf einem Sockel stehen, sind sein Zierrath. Die
Decke hat viereckigte Vertiefungen, mit Rosen ausgefüllt. Von jedem Ende des Vorplatzes
führt eine Thür in den Vorhof. Der Treppen-Umfang hat sechs und zwanzig Fuß Tiefe und
vierzig Fuß Länge, und springt in den Hof vor, um die Reihe der im Hauptgebäude angebrachten Zimmer nicht zu unterbrechen. Die Stufen sind zehn Fuß lang und ihr mittlerer
Theil führt zum ersten Ruheplatz; hier theilt sie sich in zwey Arme, welche sich auf dem
obern Ruheplatz von vierzehn Fuß lang und sechzehn breit, vereinigen. In der Mitte ist die
Hauptthüre zur Bibliothek. Drey gegen der Face des Ruheplatzes über befindliche Fenster
erleuchten sie.“
Text 49:
HEINSE, Wilhelm: „Brief an Friedrich Jacobi“. In: Ders.: Sämtliche Werke, Bd. 10, Leipzig
1910, 139.
Beschreibung des Pantheons, Rom, entstanden nach 1781.
„Rom, 15. September 1781
Ich kam noch im seligen Licht der untergehenden Sonne an und in die Rotunda. Der Raum
darin allein reißt ohne Wort und Feuer einen Menschen von Gefühl zur Anbetung hin, und
entrückt ihn aus der Zeit in die Unermesslichkeit. Sobald man hineintritt, fängt man an zu
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schweben, man ist in der Luft und die Erde verschwindet. Das Licht, das einzig oben durch
die blaue heitere himmlische weite Rundung in die reine Form hineinleuchtet, hebt auf
Flügeln mit schaueriger Leichtigkeit in die Höhe. Kein Tempel hat so etwas süßes banges
erquickend unendliches in mir erregt, ich sehnte mich frey zu seyn und oben in Genuß und
Ruhe. Der hohe Kreis korinthischer Säulen umgab mich wie jungfräuliche Schönheit. Ich
wäre so gern die ganze Nacht dageblieben, aber man wollte schließen, und ich mußte fort.
Kurz, es ist der Vatikanische Apollo unter den Tempeln, und nach ihm macht keine Kuppel
mir mehr viel Freude, sie kommen mir alle als todte Nachahmung vor ohne Zweck. Der Porticus mit sechzehn hohen Granitsäulen aus einem Stück und dem schroffen Dreyeck von
Wetterdach davor, so wie das Inwendige mit den schlanken, schönen Marmorsäulen alle aus
einem Stück lauter Himmel ist. Es ist das vollkommenste Kunstwerk unter allen Gebäuden,
die ich kenne und die erhabenste Idee eines Sterblichen. ”
Text 50:
BECKFORD, William: Dreams, walking thoughts and incidents, in a series of letters from various parts of Europe. London, 1783, 2.
Beschreibung der Kathedrale von Canterbury, entstanden 1783.
“The moment after I got out of the carriage, brought me to the cathedral; an old haunt of
mine. I had always venerated its lofty pillars, dim ailes, and mysterious arches. Last night
they were more solemn than ever, and echoed no other sound than my steps. I strayed about
the choir and chapels, till they grew so dark and dismal that I was half inclined to be frightened; looked over my shoulder; thought of specters that have an awkward trick of syllabling
men’s names in dreary places; and fancied a sepulchral voice.”
Text 51:
BECKFORD, William: Dreams, walking thoughts and incidents, in a series of letters from various parts of Europe. London, 1783, 11.
Beschreibung der Kathedrale von Antwerpen, entstanden 1783.
“I insensibly drew near to the cathedral, and found myself, before I was aware, under its stupendous tower. It is difficult to conceive an object more solemn or imposing than this edifice,
at the hour I first beheld it. Dark shades hindered my examining the lower galleries or windows; their elaborate carved work was invisible: nothing but huge masses of building met my
sight, and the tower, shooting up four hundred and sixty-six feet into the air, received an additional importance from the gloom which prevailed below. The sky was perfectly clear, several stars twinkled through the mosaic of the spire, and added not a little to its enchanted
effect.”
Text 52:
BECKFORD, William: Dreams, walking thoughts and incidents, in a series of letters from various parts of Europe. London, 1783, 91.
Beschreibung von S. Giorgio Maggiore, Venedig, entstanden 1783.
“When the sun became too powerful, I entered the nef and applauded the genius of Palladio.
After I had admired the masterly structure of the roof, and the lightness of its arches, my eyes
naturally directed themselves to the pavement of white and ruddy marble, polished and reflecting, like a mirror, the columns which rise from it. Over this I walked to a door that admitted me into the principal quadrangle of the convent, surrounded by a cloister supported on
Ionic pillars, beautifully proportioned, a flight of stairs opens into the court, adorned with
balustrades and pedestals, sculptured with an elegance truly Grecian.”
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Text 53:
BECKFORD, William: Dreams, walking thoughts and incidents, in a series of letters from various parts of Europe. London, 1783, 192.
Beschreibung von St. Peter, Rom, entstanden 1783.
“October 30th. It was a clear morning; I mounted up to the roof of the house, and sat under a
set of open pavillions, surveying the vast group of stately building below; then repaired, immediately after breakfast, to St. Peter’s, which even exceeded the heighth of my expectations.
I could hardly quit it. I wished his Holiness would allow me to erect a little tabernacle under
the dome, I should desire no other prospect during the winter, no other sky, than the vast
arches glowing with golden ornaments, so lofty as to lose all glitter, or gaudiness. But I cannot say, I shall be perfectly contented, unless I could obtain another pavilion for you. Thus
established, we would take our evening walks on the field of marble, for it is not the pavement vast enough to excuse the extravagance of the appellation [= Bezeichnung; bezogen auf
field of marble]? Sometimes, instead of climbing a mountain, we should ascend the cupola,
and look down on our little encampment below. At night I should wish for a constellation of
lamps dispersed about in clusters, and so contrived as to diffuse a mild equal light for us to
read, or draw by. Music should not be wanting; one day, to breathe in the subterraneous
chapels, another, to mount high in the dome.“
Text 54:
ADLER, Jakob Georg Christian: Reisebemerkungen auf einer Reise nach Rom. Altona, 1783,
108.
Beschreibung des Kolosseums in Rom.
„Überhaupt machen die alten Ruinen und Gebäude bei dem schwächern Schein des Mondes
oder der Fackel einen neuen und romantischeren Effekt als bei dem Licht des Tages. In dem
Koliseo brachte ich einst bei Mondschein einen meiner vergnügtesten Abende zu. Es war
Vollmond und ein überaus klarer Himmel. Der Mond warf über die eine halb niedergerißne
Seite des Amphitheaters sein Licht auf die gegenüberstehende, die noch in ihrer ganzen Höhe
steht. An der einen Seite also der dunkelste Schatten, der allmählich sich verlor, je näher man
der gegenüberstehenden kam, und an dieser dann völliges Licht. Dann selbst in dieser
prächtig beleuchteten Mauer wieder dunkle Grüfte, nämlich die vormaligen Logen des Theaters. Ich weilte bis nach Mitternacht mit unbeschreiblichem Vergnügen unter dieser Pracht
der Verwüstung.”
Text 55:
MORITZ, Karl Philipp: Reisen eines Deutschen in England im Jahre 1782. Berlin, 1785, 92.
Beschreibung der St. Paul’s Cathedral, London, entstanden 1782.
„Ich muss gestehen, daß beim ersten Eintritt in dies Gebäude die außerordentliche Leere,
welche darinn herrschte, die Majestät des Eindrucks bei mir etwas hemmte, statt sie zu vermehren. Um mich nichts als ungeheure leere Wände und Pfeiler, in erstaunlicher Höhe über
mir das gemauerte Gewölbe, unter mir der mit Marmor gepflasterte ebne Boden, kein Altar,
oder sonst irgendein Zeichen, daß man sich hier versammle, um das höchste Wesen zu verehren; denn das eigentliche Chor oder Kirche, wo der Gottesdienst gehalten wird, ist nur wie
angebaut, und durch ein Gitter von dem großen runden Hauptgebäude abgesondert. Will
man sagen, daß ein solcher Tempel der Verehrung des höchsten Wesens am angemessensten
sey, so lobe ich mir doch den großen Tempel der Natur, das blaue Gewölbe des Himmels, und
den grünen Teppich, der den Fußboden bekleidet. […] Betrachte ich hingegen die Paulskirche
als ein Werk der Kunst, das gleichsam da ist, um zu zeigen, was menschliche Kräfte hervorbringen können, so flößt sie mir freilich Ehrfurcht und Bewunderung ein. Es lässt sich über
47
dergleichen nicht disputieren, doch kann es zuweylen gut sein, wenn einer sagt, wie es ihm
vorgekommen ist. […] Obgleich die Paulskirche sehr hoch ist, so trägt doch die Höhe des
Platzes, worauf sie erbaut ist, zu ihrem Hervorragen auch sehr viel bei.“
Text 56:
GOETHE, Johann Wolfgang: Italienische Reise. Hrsg. v. Andreas Beyer & Norbert Miller. In:
Münchner Ausgabe, Sämtliche Werke nach Epochen seines Schaffens, Bd. 15. München,
1992, 42.
Beschreibung der Arena in Verona, entstanden 1786.
„Verona, den 16. September 1786:
Das Amphitheater ist also das erste bedeutende Monument der alten Zeit, das ich sehe, und
so gut erhalten! Als ich hinein trat, mehr noch aber, als ich oben auf dem Rande umherging,
schien es mir seltsam, etwas großes und doch eigentlich nichts zu sehen. Auch will es leer
nicht gesehen werden, sondern ganz voll von Menschen […] Die Simplizität des Oval ist
jedem Auge auf die angenehmste Weise fühlbar und jeder Kopf dient zum Maße, wie ungeheuer das Ganze sei. Jetzt, wenn man es leer sieht, hat man keinen Maßstab, man weiß nicht,
ob es groß oder klein ist.”
Text 57:
GOETHE, Johann Wolfgang: Italienische Reise. Hrsg. v. Andreas Beyer & Norbert Miller. In:
Münchner Ausgabe, Sämtliche Werke nach Epochen seines Schaffens, Bd. 15. München,
1992, 62-65.
Beschreibung der Villa Almerico Capra (La Rotonda), Vicenza, entstanden 1786.
„[62] 21. September 1786 / Abends:
Heute besuchte ich das eine halbe Stunde von der Stadt auf einer angenehmen Höhe liegende
Prachthaus, die Rotonda genannt. Es ist ein viereckiges Gebäude, das einen runden, von
oben erleuchteten Saal in sich einschließt. Von allen vier Seiten steigt man auf breiten Treppen hinan und gelangt jedesmal in eine Vorhalle, die von sechs korinthischen Säulen gebildet
wird. Vielleicht hat die Baukunst ihren Luxus niemals höher getrieben. Der Raum, den die
Treppen und Vorhallen einnehmen, ist viel größer als der des Hauses selbst; denn jede
einzelne Seite würde die Ansicht eines Tempels befriedigen. Inwendig kann man es wohnbar,
aber nicht wohnlich nennen. Der Saal ist von der schönsten Proportion, die Zimmer auch;
aber zu den Bedürfnissen eines Sommeraufenthalts einer vornehmen Familie würden sie
kaum hinreichen. Dafür sieht man es auch in der ganzen Gegend, von allen Seiten, sich auf
das herrlichste darstellen. Die Mannigfaltigkeit ist groß, in der sich seine Hauptmasse zugleich mit den vorspringenden Säulen vor dem Auge der Umherwandelnden bewegt, und die
Absicht des Besitzers ist vollkommen erreicht, der ein großes Fideikommißgut und
[65]
zugleich ein sinnliches Denkmal seines Vermögens hinterlassen wollte. Und wie nun das
Gebäude von allen Punkten der Gegend in seiner Herrlichkeit gesehen wird, so ist die Aussicht von daher gleichfalls die angenehmste. Man sieht den Bachiglione fließen, Schiffe von
Verona herab gegen die Brenta führend; dabei überschaut man die weiten Besitzungen, welche Marchese Capra unzertrennt bei seiner Familie behalten wollte. Die Inschriften der vier
Giebelseiten, die zusammen eine Ganze ausmachen, verdienen wohl aufgezeichnet zu
werden:
Marcus Capra Gabrielis filius
Qui aedea has
Arctissimo primogeniturae gradui subject
Una cum omnibus
Censibus agris vallibus et collibus
Citra viam magnam
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Memoriae perpetuae mandans haec
Dum sustinet ac abstinet.
Der Schluss besonders ist seltsam genug: ein Mann, dem so viel Vermögen und Wille zu Gebote stand, fühlt noch, das er dulden und entbehren müsse. Das kann man mit geringerm
Aufwand lernen.“
Text 58:
GOETHE, Johann Wolfgang: Italienische Reise. Hrsg. v. Andreas Beyer & Norbert Miller. In:
Münchner Ausgabe, Sämtliche Werke nach Epochen seines Schaffens, Bd. 15. München,
1992, 272-275.
Beschreibung der Villa Tempel von Paestum, entstanden 1786.
„[272] Neapel, Freitag den 23. März 1787 (Fahrt nach Paestum):
Das Land ward immer flacher und wüster, wenige Gebäude deuteten auf kärgliche Landwirtschaft. Endlich, ungewiss ob wir durch Felsen oder Trümmer führen, konnten wir schon einige längliche-viereckige Massen, die wir in der Ferne schon bemerkt hatten, als überbliebene
Denkmale einer ehemals so prächtigen Stadt unterscheiden. Von einem Landmanne ließ ich
mich in den Gebäuden herumführen, der erste Eindruck konnte nur Erstaunen erregen. Ich
befand mich in einer völlig fremden Welt. Denn wie die Jahrhunderte sich aus dem Ernsten
ins Gefällige bilden, so bilden sich die Menschen mit, ja sie erzeugen ihn so. nun sind unsere
Augen und durch sie unser ganzes inneres Wesen an schlankere Baukunst hinangetrieben
und entschieden bestimmt, so daß uns diese stumpfen, kegelförmigen enggedrängten Säulenmassen lästig ja furchtbar erscheinen. Doch nahm ich mit bald zusammen, erinnerte mich
[275] an die Kunstgeschichte, gedacht der Zeit deren Geist solche Bauart gemäß fand, vergegenwärtigte mir den strengen Styl der Plastik und in weniger als einer Stunde fühlte ich mich
befreundet, ja ich pries den Genius daß er mich diese so wohl erhaltenen Reste mit Augen
sehen ließ, da sich von ihnen durch Abbildung kein Begriff geben lässt. Denn im architektonischen Aufriss scheinen sie eleganter, in perspektivischer Darstellung plumper als sie sind,
nur wenn man sich um sie her, durch sie durch, bewegt, teilt man ihnen das eigentliche Leben mit, man fühlt es wieder aus ihnen heraus, welches der Baumeister beabsichtigte, ja hinein schuf.“
Text 59:
Reichard, H. A. O.: „Reise von Basel bis Frankfurt am Mayn (Fragment aus dem Tagebuch
der Reise des Raths und Bibliothekars R.. zu … im Sommer 1785)“. In: J.W. von Archenholz
(Hrsg.): Litteratur und Völkerkunde – ein periodisches Werk, 8. Dessau, Leipzig, 1786, 664.
Beschreibung des Straßburger Münsters.
„Das Münster, dessen Spitze wir bey unserer Ankunft, bey dem trüben Wetter, gleich dem
Gipfel eines Berges mit Wolken umzogen sahn, und gegen den die andere Thürme eine gar
amrselige lilliputsche Gestalt hatten, ist ein ungeheures Werk, aber auch sicher ein Meisterstück, man kann sich nicht entbrechen, bey seinem Anblick in eine heilige Begeisterung zu
geerathen, und mit Goethe auszurufen: »Was brauchts Dir ein Denkmal, edler Erwin! Du
hast dir das herrlichste errichtet und kümmert die Ameisen, die drum krabeln, dein Name
nichts, hast du gleiches Schicksal mit dem Baumeister, der Berge aufthürmte in die Wolken!«
Der Münsterthurm ist nur um 30 Fuß niederiger als die höchste Pyramide, und ihm nähert
sich nur die Kuppel der St. Peterskirche zu Rom. Wären die Schneckentreppen nicht, so
würde die ganze Spitze oder Thurm durchsichtig seyn. Diese Durchsichtigkeit und die gothischen Zierrathen, die von Stein so sauber und zart gearbeitet sind, als ob sie Schnitzwerk wären; die Festigkeit dieses Gebäudes, welche der Zeit trotzt, und wo der Stein im Wetter noch
mehr Härte zu gewinnen scheint, und die Kühnheit des Plans, die Kühnheit der Ausführung
[…] wie viele Gegenstände zu Betrachtungen, zum Staunen, zum Entzücken!”
49
Text 60:
ANNA AMALIA von Sachsen-Weimar-Eisenach: Briefe über Rom. Hrsg. v. Heide Hollmer. St.
Ingbert, 1788/1999, 7.
Beschreibung der Pantheons in Rom.
„Rom ano 1788: Ich bin in Rom und schreibe Dir aus der HaupStadt der Welt. Die Imagiantion reicht nicht hin, sich eine vollkommene Vorstellung davon zu machen ohne es selbst gesehen zu haben. Mit einem Worte Rom läst sich nicht beschreiben. Also erwarte liebe Schwester kein vollständiges Bild davon. Nur erlaube mir meine Empfindungen über einige Gegenstände dir mitzuteilen. […] Mein erster Gang war nach dem Pantheon gerichtet. Dieser Tempel erweckt beim ersten Eintritt durch seinen gewölbten Himmel, wo die Licht-Strahlen, wie
von Gottes Auge durch blicken, die große Idee eine allgemeine Wohnung der Götter, und des
Baumeisters der Welt, dessen Werke sich durch unnachahmliche größe, einheit und simplicität auszeichnen. Ein heiliger Schauder durchdrang meine Seele beym ersten Anblick, sie erhob sich zu dem unsichtbaren Wesen was mich hier umschwebte. Man findet hier einen auffallenden Beweis, wie sehr die Alten durch die einfachsten Mittel ihr Ziel zu erreichen wussten, und wie ihre ideen der Größe der Sachen angemeßen war. Dieses Meisterstück der Kunst
wird zwar durch kleinliche Altäre, welche die Stellen der antiken marmornen Bildsaülen jetzt
einnehmen, verunstaltet; doch hat der Aberglaube die Majestät desselben nicht vertilgen
können.“
Text 61:
ANNA AMALIA von Sachsen-Weimar-Eisenach: Briefe über Rom. Hrsg. v. Heide Hollmer. St.
Ingbert, 1788/1999, 8.
Beschreibung der Peterskirche in Rom.
„Von da an begab ich mich zur Peters Kirche voll großer erwartung welche durch den Anblick
der Colonnaden, des Obelisken auf den aüßern platze und durch die Vorhalle der Kirche noch
höher gespannt wurde. Bey meinen eintritt glaubte ich in eine Labyrinth versetzt zu werden.
Meine Augen irreteten hin und her, bald auf Colossalische Saülen, bald auf ungeheure Figuren Von Heiligen und Päbsten, auf die kostbahrsten Arbeiten von Bronze, auf prächtige
GRabmähler von feinsten Marmor, auf Mosaische Gemählde. Alles setzte mich in Erstaunen,
meine Seele blieb aber so kalt, als sie beym Anblick des Pantheons von warmen und erhabenen Gefühl belebt wurde. Ob gleich der Menschliche Geist seine Kühnheit und größe in dieser
ungeheuren Masse in seiner ganzen Fülle zeiget, so fehlt es hier an der so wesentlichen Einheit, ohne welche das interesse, wodurch das Pantheon sich so sehr auszeichnet, unmöglich
stat finden kan. Wer nicht wüßte, daß dieses Gebäude zu einer Kirche bestimt ist, der könnte
sich eben so wohl ein Großen Pallast oder ein Theater darin vorstellen.“
Text 62:
Anonymus: Untersuchungen über den Charakter der Gebäuden, über die Verbindung der
Baukunst mit den schönen Künsten und über die Wirkungen, welche durch dieselben hervorgebracht werden sollen. Leipzig, 1788, 112.
Beschreibung der Peterskirche und des Pantheons in Rom.
„Unter den erhabenen Gebäuden ist die Peterskirche in Rom das merkwürdigste der Welt.
Sie hat in der Form und in den Verzierungen nicht die Einfalt, die ich von einem solchen Gebäude gefordert habe, und man könnte mir diese Kirche vielleicht als eine Instanz entgegen
setzen. Man erwäge indessen, wie selten ein Baumeister einen solchen Überfluß von Masse
unter den Händen haben wird, als in diesem Fall. Viele Schriftsteller haben die Abmessungen
dieser Basilika angegeben, ich begnüge mich aber nur anzuführen, daß der Diameter ihrer
Säulen 12 römische Palmen hält, und daß kaum 5 Männer im Stande sind, diese Säulen zu
50
umklastern, Man urtheile hieraus von ihrer Höhe; gleichwohl trägt diese Colonnade noch
eine sehr hohe Attika. Und ob man es gleich für gut befunden hat, diese Kirche prächtig zu
verzieren, so folgt daraus noch nicht, daß ihre Wirkung von geringerem Wert sein würde,
wenn man ihr weniger Reichthum gegeben hätte. Allerdings würde sie nicht so stark aufs
Auge wirken, aber ich bin auch überzeugt, daß ein erhabenes Gebäude nicht durch ein reiches
Detail, sondern durch den Umfang seines Körpers vorzüglich rühren müsse. Man vergleiche
mit diesem Gebäude das Pantheon; es ist wahr, in Ansehung dieser Massen verliert dieses
unendlich, denn der Diameter des Tambours an der Kuppel der Peterskirche ist so groß wie
der des gesamten Pantheon. Welcher erstaunliche Abfall in der Größe. Sollte sich wohl eine
ebenso große Verschiedenheit in der Wirkung beyder Tempel befinden? Diese Frage mögen
die Kenner entscheiden, die beyde Gebäude gesehen und ihren Effect empfunden haben. Ich
kenne sie nur aus Zeichnungen, aber nach diesen zu urtheilen, ist der Effect der Rotonda
größer, als es nach dem Verhältnis ihrer Masse zu erwarten wäre, wovon die Ursache nur in
der großen Einfalt dieses Gebäudes liegen kann. Es ist eine ganz eigene Gattung des Erhabenen, die man hier antrifft. Der Gedanke von extensiver Größe ist bey der Peterskirche der
erste und stärkste; von ihm hängt fast alles ab, was wir noch dabey empfinden. Beym Pantheon finde ich das Gegentheil. Man ist hier mehr von der Wichtigkeit des Gebäudes durchdrungen. Hier ist die Größe der Erwartung, oder die Wichtigkeit seiner Bestimmung, der
Hauptgedanke, und ich möchte sagen, daß um seinetwillen das Gebäude grösser scheint, als
es wirklich ist. Doch immer bleibt hier die extensive Größe nur ein Nebenbegriff. Dieser
Tempel versetzt uns in eine stillere Bewunderung und in ein ernsteres Nachdenken als die
Peterskirche, kurz; wir fühlen beym Pantheon weit mehr als wir sehen, bey der Peterskirche
wird beydes ohngefehr gleich seyn. Man verbinde also mit dem Erhabenen keine Pracht, so
leicht dies auch geschehen kann. Das Auge würde zwar dabey gewinnen, aber das Herz verliert gewiß dabey, und man weiß, daß dieser Verlust für die Baukunst desto unersetzlicher ist,
je weniger sie vergleichungsweise für den Sinn leisten kann.“
Text 63:
GENTZ, Heinrich: Reise nach Rom und Sizilien 1790-1795. Hrsg. v. Michael Bollé und KarlRobert Schütze. Berlin, 2004, 27f.
Beschreibung von San Giorgio Maggiore, Venedig.
„[27] Montag d.1. Novbr. [1790], Venedig:
Sezten wir uns früh in eine Gondel und befuhren verschiedenen Inseln. 1tens besahen wir die
Kirche St. Giorgio majiore. Architectur von Palladio. Eine sehr schöne Kirche. Die Facciata
hat 4 große endossirte römische Säulen die ein Fronton tragen. Das Portal ist schön, dazu
kommt eine kleinere korinthische Ordnung die ohngefähr bis zu Hälfte der großen Ordnung
geht die nämlich auf Piedestal steht. Das Entablement der großen Ordnung hat einen sehr
niedrigen bombirten Fries. Die kleine Ordnung hat in Vergleichung des ganzen ein zu hohes
Gebälk, welches ebenso wie die Seiten Frontons zu stumpf auf die Säule aufläuft.
[28] In den Nichen der Entrecolonemens stehen Statuen so wie auch auf dem Haupt Fronton
von Albanese di Vicenza. Auf den Säulenstühlen der großen Ordnung stehen in den Entrecolonnemens Grabmähler, die mesquin sind und sich nicht wol zum Ganzen schiken. Die Kirche inwendig ist groß und schön. Das Chor und der Hochaltar sind durch freystehende corinthische cannelirte Säulen worüber ein Architrav liegt, und die auch die niedrigen Seiten der
Kirche zieren und mit der äußern kleinen Ordnung harmoniren, abgesondert. Das grosse
Schiff hat endossirte römische Säulen die ein schweres Gesims mit niedrigem bombirten
Fries tragen, mit den äußern gleich. Die Kuppel hat eine schöne Form sieht aber der Pfeiler
wegen die sie tragen armseelig und mager aus […].“
51
Text 64:
FORSTER, Georg: Ansichten vom Niederrhein, von Brabant, Flandern, Holland, England und
Frankreich, im April, Mai und Junius 1790. Berlin, 1791, n.p.
Beschreibung des Kölner Doms.
„Wir gingen in den Dom und blieben darin, bis wir im tiefen Dunkel nichts mehr unterscheiden konnten. So oft ich Köln besuche, gehe ich immer wieder in diesen herrlichen Tempel,
um die Schauer des Erhabenen zu fühlen. Vor der Kühnheit der Meisterwerke stürzt der
Geist voll Erstaunen und Bewunderung zur Erde, dann hebt er sich wieder mit stolzem Flug
über das Vollbringen hinweg, das nur Eine Idee des verwandten Geistes war. Je riesenmäßiger die Wirkung menschlicher Kräfte uns erscheinen, desto höher schwingt sich das
Bewusstsein des wirkenden Wesens in uns über sie hinaus. Wer ist der hohe Fremdling in
dieser Hülle, dass er so in mannichfaltigen Formen sich offenbaren, diese redenden Denkmäler von seiner Art die äusseren Gegenstände zu ergreifen und sich anzueignen, hinterlassen
kann? Wir fühlen Jahrhunderte später dem Künstler nach, und ahnden die Bilder seiner
Phantasie, indem wir den Bau durchwandern. Die Pracht des himmelan sich wölbenden
Chors hat eine majestätische Einfalt, die alle Vorstellungen übertrift. In ungeheurer Länge
stehen die Gruppen schlanker Säulen da, wie die Bäume eines uralten Forstes: nur am höchsten Gipfel sind sie in eine Krone von Ästen gespalten, die sich mit ihren Nachbarn in spitzen
Bogen wölbt, und dem Auge, das ihnen folgen will, fast unerreichbar ist. Lässt sich auch
schon das Unermessliches des Weltalls nicht im beschränkten Raume versinnlichen, so liegt
gleichwohl in diesem kühnen Emporstreben der Pfeiler und Mauern das Unaufhaltsame,
welches die Einbildungskraft so leicht ins Gränzenlose verlängert. Die griechische Baukunst
ist unstreitig der Inbegriff des Vollendeten, Übereinstimmenden, Beziehungsvollen,
Erlesenen, mit einem Worte: des Schönen. Hier indessen an den gothischen Säulen, die, einzeln genommen, wie Rohrhalme schwanken würden und nur in großer Anzahl zu einem
Schafte vereinigt, Masse machen und ihren geraden Wuchs beibehalten können, unter ihren
Bogen, die gleichsam auf nichts ruhen, luftig schweben, wie die schattenreichen Wipfelgewölbe des Waldes – hier schwelgt der Sinn im Übermuth des künstlerischen Beginnens. Jene
griechischen Gestalten scheinen sich an alles anzuschließen, was da ist, an alles, was
menschlich ist; diese stehen wie Erscheinungen aus einer andern Welt, wie Feenpaläste da,
um Zeugnis zu geben von der schöpferischen Kraft im Menschen, die einen isolierten
Gedanken bis auf das äußerste verfolgen und das Erhabene selbst auf einem excentrischen
Wege zu erreichen weiß. Es ist sehr zu bedauren, dass ein so prächtiges Gebäude unvollendet
bleiben muss. Wenn schon der Entwurf, in Gedanken ergänzt, so mächtig erschüttern kann,
wie hätte nicht die Wirklichkeit uns hingerissen. Ich erzähle dir nichts von den heiligen drei
Königen und dem so genannten Schatz in ihrer Kapelle, nichts von den Hautelissetapeten
und der Glasmalerei auf den Fenstern im Chor, nichts von der unsäglich reichen Ciste von
Gold und Silber, worin die Gebeine des heiligen Engelberts ruhen, und ihrer wunderschönen
ciselierten Arbeit, die man heutiges Tages schwerlich nachzuahmen im Stande wäre. Meine
Aufmerksamkeit hatte einen wichtigeren Gegenstand: einen Mann von der beweglichsten
Phantasie und vom zartesten Sinne, der zum ersten Mal in diesen Kreuzgängen den Eindruck
des Großen in der gothischen Bauart empfand und bei dem Anblick des mehr als 100 Fuß
hohen Chors vor Entzücken wie versteinert war. O, es war köstlich, in diesem klaren Anschauen die Größe des Tempels noch einmal, gleichsam im Widerschein, zu erblicken! Gegen
das Ende unseres Aufenthaltes weckte die Dunkelheit in den leeren, einsamen, von unseren
Tritten wiederhallenden Gewölben, zwischen den Gräbern der Kurfürsten, Bischöfe und Ritter, die da in Stein gehauen liegen, manches schaurige Bild der Vorzeit in meiner Seele. In
allem Ernste, mit seiner Reizbarkeit und dem in neuen Bilderschöpfungen rastlos thätigen
Geiste möchte ich die Nacht dort nicht einsam durchwachen. Gewiss entsetzest du dich schon
vor dem bloßen Gedanken, wie ihm selbst davor graute.”
52
Text 65:
MORITZ, Karl Philipp: Reisen eines Deutschen in Italien in den Jahren 1786-1788. Berlin,
1792, 5.
Beschreibung der Arena in Verona.
„Verona, 2. Oktober 1786, das Amphitheater:
Es versteckt sich auf einem großen und weitläufigen Platze hinter unansehnlichem Gemäuer.
Freilich verliert die Einbildungskraft bei dem wirklichen Anblick ihren schönen Spielraum,
wo sie nach Gefallen zusetzen und abnehmen konnte. Allein die Wirklichkeit tritt bald wieder
in ihre Rechte. Der Anblick der simplen Majestät erhält die Oberhand über jede übertriebene
Vorstellung, welche hier wie Nebel verschwindet, da das Auge seinen sichern Maaßstab hat.
Ich blickte von der Arena, oder dem mit Sand bedeckten Kampfplatz in die Höhe, bis dahin,
wo die obersten Stufen rund umher den Horizont beschränken und die Ruinen, welche sich
in der Luft abschneiden, einen mahlerischen Anblick machen. Dann stieg ich hinauf, und
hatte nun die Aussicht von jenen obersten Stufen, bis auf die Arena hinunter, wie in einen
tiefen Trichter. Ein kleines modernes Theater mit Vorhang und Kulissen, das unten auf der
Arena erbaut ist, und worauf man von oben herab sieht, verursacht mit seiner großen Umgebung einen seltsamen Kontrast. Wie sonst die Sitze zum Theater, so hat man hier ein Theater zu den Sitzen erbaut. “
Text 66:
MORITZ, Karl Philipp: Reisen eines Deutschen in Italien in den Jahren 1786-1788. Berlin,
1792, 176ff.
Beschreibung der Peterskirche in Rom.
„[176] Rom, 22. Merz:
Aber so lange bin ich nun schon in Rom, und habe Ihnen noch kein Wort von der Peterskirche geschrieben, von der es doch, wenn man sie einmal gesehen hat, schwer seyn soll, nicht
zu reden und zu schreiben, wenn man nur irgend zu reden oder zu schreiben im Stande ist.
Allein ich habe es oft vergeblich versucht, den Eindruck zu entwickeln, welchen dies Gebäude
bei seinem ersten Anblick, und bei dem ersten Eintritt in dasselbe hervorbringt. Sehr schön
und treffend scheint mir ein Engländer seine Empfindung ausgedrückt zu haben, indem er
von diesem Gebäude sagt: it mends on the eye in every moment (es verschönert sich dem
Auge in jedem Moment, oder, es erhält mit jedem Augenblick neue Reize). Einer meiner
liebsten Gänge ist nach der Peterskirche, und mein angenehmster Aufenthalt wirklich in der
Peterskirche, wo man sich in der majestätischen Umgebung dennoch so bequem und gemächlich, wie in seinem Wohnzimmer findet: ich lese und studiere daher oft in dieser Kirche,
und sie hat immer schon fern etwas Einladendes für mich, dem ich nicht widerstehen kann.
Doch muss ich Ihnen erst, wo möglich, eine Schilderung von dem Platze geben, welcher den
Eintritt in dies schöne Heiligthum vorbereitet; auf welchem jetzt das Volk den Segen des
Pabstes empfängt, und der Vorzeiten eine sehr verschiedne Bestimmung hatte. Denn hier
war einst der Circus des Nero […] Diesen Platz schließt nun die majestätische Kolonnade ein,
durch welche sich der Petersplatz allein schon vor allen berühmten Plätzen in der Welt
auszeichnet. Dreihundert und zwanzig Säulen von Travertin, eine jede von dem Umfange,
daß zwei Männer sie kaum umklammern können, und von verhältnismäßiger Höhe, bilden
diesen prächtigen Säulengang. Die Säulen stehen vierfach in der ganzen Länge der Kolonnade, und bilden drei Gänge, von denen der mittelste weiter ist, als die beiden Seitengänge.
Acht und achtzig Statuen von Heiligen schmücken das Säulengeländer, womit das platte
Dach der Kolonnade umgeben ist. […] Gewiss hatte das alte Rom nichts aufzuweisen, daß
diesem Platze und diesem Säulengange an Pracht zu vergleichen gewesen wäre. Es scheint,
als ob man es ordentlich darauf angelegt habe, daß auf demselben Fleck, wo das Christentum
die tiefsten Erniedrigungen erlitten hatte, nun auch der höchste äußere Glanz und Herrlichkeit derselben, in seiner ganzen Pracht hervorschimmern sollte. In der Mitte dieses Platzes
53
ragt ein ägyptischer Obelisk, aus einem einzigen Stück von orientalischem Granit, empor. […]
Auf jeder Seite des Obelisks rauscht ein Springbrunnen empor, welcher an Sommertagen die
brennende Hitze kühlt und wodurch dieser Platz, bei der Pracht, die ihn umgibt, auch
zugleich ein lebhaftes Ansehen, und eine einladende Anmuth erhält. Zu den ersten Tempel
der Christenheit, dessen Vorderseite dem großen Oval dieses Platzes zum Hintergrunde
dient, führt eine Marmortreppe, deren Stufen die Schwellen der Apostel heißen. […] Wenn
man die Vorderseite der Peterskirche vor dem Hintergrunde dieses Platzes sieht, so ist es
einem, als ob man in einen optischen Kasten blickte; das Ganze macht mehr den Eindruck
eines Gemähldes, als eines Gegenstandes aus der wirklichen Welt, wo man etwas so vollkommen ebenmäßiges, und bei einem solchen Umfange dennoch so vollkommen augearbeitetes, nicht zu sehen gewohnt ist. Man muss erst dicht hinzutreten, und die Säulen an seinem Körper messen, ehe man sich einen Begriff von ihrer ungeheuren Höhe und Dicke machen kann, welche einen erstaunlichen Eindruck hervorbringen müsste, wenn die vielen Unterbrechungen, Abtheilungen und Vorsprünge zwischen den Säulen an dieser Vorderseite,
diesen Eindruck nicht wieder verminderten, so daß das Ganze mehr einen reizenden und
zierlichen als großen Anblick giebt, wie denn überhaupt die Größe sich nicht leicht mehr in
Verhältnis und Ebenmaaß verlieren kann, als bei diesem Gebäude, welches, ohne ein solches
Ebenmaaß, eher einem Berge oder einer Felsenmasse als einem Hause ähnlich sehen würde.
Fünf große Öffnungen zwischen den Säulen führen in die Vorhalle der Kirche. Über dieser
Vorhalle ist eine zweite Gallerie mit dem Balkon in der Mitte, von welchem der Pabst den
Segen ertheilet; oben über den Säulen läuft eine Attika, und auf dieser ein Geländer, wo die
kolossalischen Figuren Christi und der zwölf Apostel diese Vorderseite bekränzen, hinter
welcher denn die Kuppel, wie ein luftiges Pantheon, emporragt, in dessen höchstem Gipfel
diese unermeßliche Zusammensetzung mit dem aufgepflanzten Kreuze sich vollendet. Beim
Eintritt in die Peterskirche fühlte ich mich lange nicht so überrascht, als beim ersten Eintritt
in die Paulskirche in London, welche doch in Ansehung des Umfanges bei weitem von der
Peterskirche übertroffen wird: aber dort kann freilich die Leerheit zu der Größe des Eindrucks vieles beitragen, weil der ganze Theil der Kirche, welcher gebraucht wird, sich eigentlich nur auf den angebauten Chor beschränkt, wo gepredigt wird und die Gemeinde sich versammelt. Der ungeheure Umfang der Peterskirche wird durch den protestantischen Gottesdienst nicht ausgefüllt, weil die protestantischen Kirchen, ihrem Endzweck gemäß, eigentlich
nur Lehrhäuser sein sollen; da hingegen die katholischen Kirchen sich schon mehr dem Begriff von Tempel nähern, wo man nicht sowohl Unterricht ertheilte als vielmehr nur durch
Opfer und Gebet die Gottheit zu verehren suchte. In den protestantischen Kirchen ist daher
die erhabene Baukunst im Grunde zweckwidrig, und wo sie statt findet, macht sie einen
ungewohnten Eindruck. Bei einer katholischen Kirche hingegen erwartet man, nach dem
mehr sinnlichen als spekulativen Religionsbegriffen, auch mehr in die Augen fallende Pracht,
welche mit diesen Begriffen harmoniert. Für die südlichen Nationen scheint diese Pracht
sogar mehr Bedürfnis zu sein, als für die nördlichen, und es scheint in dieser verschiedenen
Denkungsart mit seinen Grund zu haben, daß die nördlichen Völker sicher eher, als die südlichen, zum Protestantismus hingeneigt haben. Wenn man nun die Pracht der Peterskirche als
den Mittelpunkt betrachtet, wo eines die Schätze des Erdbodens zusammenflosse, so steht sie
da, wie ein großes Denkmal der monarchischen Religion, durch deren Alleinherrschaft nur
dies Wunderwerk emporsteigen konnte, wodurch das delphische Heiligthum und Ephesus
Tempel verdunkelt wird.
[178] Was aber zuerst beim Eintritt den Eindruck von Größe verhindert, ist der Glanz und die
Reinlichkeit, welche einem von allen Seiten, wie aus einem geschmückten Wohnzimmer entgegenstrahlet, hier erscheint einem nichts Wüstes und unerreichbar Hohes, die Nettigkeit
und Sauberkeit selber bringt der Einbildungskraft alles so nahe, als ob man es mit Händen
greifen und fassen könnte. Auch durchschaut man alles mit einem einzigen Blick; nichts
Winklichtes und Verborgenes lässt die Einbildungskraft weiter schweifen, als das Auge
siehet, darum scheint auch bei dem ungeheuren Umfange, alles so beschränkt und nahe
aneinander, als ob man von den Wänden eines angenehmen warmen Zimmers eingeschlossen würde. Kurz, einem ist wohl bei diesem Anblick; die Höhe, Breite und Länge dieses
54
ungeheuren Gebäudes macht nichts weniger als einen schauerlichen Eindruck; man fühlt
sich in dieser Weite gar nicht wie verlohren, sondern von allen Seiten bequem und gemächlich eingeschlossen. Statt daß in einem gothischen Dome alles darauf angelegt ist, daß
die Höhe furchtbar, die Weite wie eine Wüste erscheine, und das Ganze Schauer und Bewunderung errege, so ist hier alles darauf angelegt, bei dem erstaunlichstem Umfange, dennoch die Idee des Angenehmen, und Wohnbaren zu erregen. Bei dem gothischen Gebäude
soll das Haus einer Felsenmasse, hier soll die Felsenmasse dem Haus ähnlich sehen. Statt
daß man dort und durch die ungeheuren Verhältnisse gezwungen wird, mit einer Art von
Entsetzen empor zu schauen, und der Geist sich unter der Masse gleichsam erdrückt fühlt,
fühlt man sich hier durch einen sanften Zug emporgehoben, weil das Ebenmaß der Verhältnisse die man erblickt, mit dem Geiste des Menschen harmonierend, und sein eigenes Werk
ist, worin er sich allenthalben wieder erkennt und wieder findet, da er in dem gothischen
Gebäude mit einer Art von Schwärmerei sich selber in schauervollen Labyrinthen zu verlieren sucht. Hier blickt das Auge gleich beim Eintritt zur schön gewölbten Decke empor, die
mit ihrer geschmackvollen Vergoldung sich sanft dem Blicke entgegen zu senken scheinet. In
der Mitte erhebt sich die Wölbung der Kuppel, welche auf dem Erdboden nicht ihres Gleiche
hat, und dehmongeachtet nichts weniger als einen furchtbaren Eindruck macht, sondern das
Auge allmälig, durch ihre sanfte Krümmung bis zu ihrem Schlusspunkt in die Höhe zieht.
Unter dieser schönen Wölbung steht der zierlich geschmückte Hochaltar unter dem vergoldeten Baldachin, welcher auf vier gewundenen bronzenen Säulen ruhet, und selbst die Höhe
eines ansehnlichen Gebäudes hat, ob er gleich dem Auge wie eine bloße Zierde scheint. Die
vier gewundenen Säulen, welche den Baldachin über dem Hochaltare tragen, sind mit
Laubwerk und Genien verziert. [es folgt weitere Beschreibung des Baldachins und der Gruft]
die vier Hauptpfeiler, welche die Kuppel tragen, haben selbst einen Umfang wie beträchtliche
Gebäude, und ohne es zu wissen, sieht man sie gar nicht wie Pfeiler an. [...] An diese vier
Pfeiler der Peterskirche lässt sich am besten die Geschichte ihrer Erbauung knüpfen. Denn
auf den Begriff dieser ungeheuren Grundlage stützte sich der Gedanke des Baumeisters, ein
Pantheon in der Luft zu erheben. […]. Gewiß ist es zu verwundern, daß dies Gebäude, dessen
Vollendung so sehr vom Zufall abhing, und an welchem ein ganzes Jahrhundert hindurch
von ganz verschiednen Meistern gebauet wurde, dennoch in solcher Schönheit und Regelmäßigkeit, als ob es selbst wie ein Modell bearbeitet worden wäre, dasteht. Darum muss
bei einem solchen Gebäude auch schon die bloße würkliche Existenz desselben all seine
Mängel übertragen helfen, weil der Zufall selten so etwas emporkommen lässt, ohne manches
daran zu verderben, und es immer sehr viel ist, wenn sich das Schöne und Regelmäßige unter
dem Druck der Umstände, die es verhindern, nur einigermaßen empordringen und sich entwickeln kann. Da sie Form eines Kreuzes erbauet ist, erhält sie die größte Erweiterung, wenn
man in die Mitte tritt, und nun auf einmal in unermessliche Höhe nach oben sich die Kuppel
wölbt, und die höchste Breite und Länge der Kirche in der Form des Kreuzes sich auf einmal
dem Auge darstellt. Die höchste Breite, oder der Querschnitt in dem Kreuze, soll schon an
sich dem Umfang des Mailändischen Doms gleichkommen, welcher doch selber eines der
größten Gebäude der Welt ist. […] nun sollte ich Ihnen noch die Kapellen zu beiden Seiten
des Schiffes der Kirche beschreiben, wovon eine jede wiederum den Umfang einer beträchtlichen Kirche hat, und wodurch das Auge so, wie man die Kirche hinauf geht, in jedem Moment mit neuer unerwarteter Pracht überrascht wird, bis man in die Mitte kommt, wo auf
einmal das Kreuz, in dessen Form die Kirche gebaut ist, majestätisch seine Arme ausbreitet
und sich plötzlich die Aussicht rund umher erweitert. Allein die Pracht ist ebenfalls dasjenige,
worunter bei diesen Neben- und Seitentempeln die Schönheit oft erliegt. […] Das schönste
von der Peterskirche bleibt dennoch der Eindruck des Ganzen, wenn man seine Augen nicht
auf Kleinigkeiten heftet und sich durch die überflüssige Pracht und Verzierung der einzelnen
Theile nicht irren läßt. Denn so gewaltig ist der Eindruck des Ganzen, daß wenn man nur
seine Augen darauf heftet, alle das Kleinliche und Spielende verschwindet, womit eine kindische Ehrfurcht es auszuschmücken suchte. […] Die Kuppel bleibt immer das Größte, was
bis jetzt in dieser Art die menschliche Einbildungskraft auszusinnen, und der menschliche
Verstand auszuführen vermochte und sie verdient gewiß nicht weniger, als die ägyptischen
55
Pyramiden oder irgendeines von den größten Denkmälern der Vorzeit, unter die Wunder der
Welt gezählet zu werden.“
Text 67:
SCHMIDT, Friedrich Christian: „Über einige Werke der Baukunst zu Leipzig und besonders
über die neu verbesserte Nicolai-Kirche daselbst“. In: Allgemeines Magazin für die bürgerliche Baukunst, 1792, 2, 1-13.
Beschreibung der Nikolaikirche in Leipzig.
[5] In Leipzig selbst empfahl man mir die Nicolaikirche als sehenswert, weil diese ganz neu
ausgebauet worden sey. Ich kannte sie aus vorigen Zeiten als eine alte, im Gotischen Stil erbaute, düstere Kirche, an allen Seiten mit Capellen behängt, und vermuthete höchstens einen
weißen Anstrich und neue Vergoldung darin zu finden, die mit der übrigen alten Einrichtung
einen sichbaren Kontrast machen würde. Aber, in welches angenehme Erstaunen ward ich
versetzt, als ich in der alten schwarzen Hülle ein wahres Meisterstück der Baukunst fand. […]
[6] Das Ganze bestand ehedem und bestehet noch aus den Vorhallen, dem Schiff, zwey Seiten-Navaten und dem Chor. Der Vorhallen und Haupteingänge sind drey unter dem Thurme.
Die mittelste wird jetzt gleichsam von vier Portalen eingeschlossen, durch die sie mit der Kirche, der Gasse und den beiden Nebenhallen Verbindung hat. Jedes Portal wird durch zwei
ionische Säueln geziert, die eine schön decorirte Kuppel tragen, durch die man in eine andere
hohe Kuppel mit lustigem Plafond siehet. Die beiden Nebenhallen haben nur Wandpfeiler
und sind gleichfalls mit Kuppeln bedeckt. Das Schiff wird von den Seiten-Navaten durch zehn
Säulen geschieden, die ehedem achteckige Gothische Pfeiler waren und die durch viele hervorspringende Adern in lauter rhomboidalische Felder abgetheilten Kreuzgewölbe trugen.
Diese Säulen sind jetzt rund und kanneliert und stehen auf einem glatten großen Würfel und
haben zum Schaftgesims nur einen starken mit Lorbeerblättern belegten Pfuhl, nebst einigen
glatten Gliedern. Den Schaft umgiebt oben ein Rinken, und die Stelle des Kapitals vertritt
eine, mit schmalen, langen, wenig gebogenen und gezahnten Blätternumgebene, umgekehrte
Glocke, mit der Form eine hohen Ablaufes. Auf dieser liegt ein runder Deckel, auf den die
Kreuzgewölbe ruhn und um diese sprossen gut gezeichnete große Palmblätter nebst einer Art
von an langen Stielen hangenden Beeren hervor, die sich in die aufwärtssteigenden Rippen
der Kreuzgewölbe sehr leicht anschmiegen und dadurch diese mit den Säulen auf eine sehr
gefällige Art verbinden.
[8] Daß kein Bau, mit oder ohne Grund, ohne Tadel bleibet, ist Ihnen bester Freund, genug
bekannt; und ich brauche es also fast nicht zu erwähnen, daß auch diese Einrichtung ihre
Tadler gefunden hat. So finden Einige die Palmblätter, die aus einer Säule hervorsprossen,
unnatürlich, ohne zu bedenken, daß man die Erfindung der Gotischen Säulen und der mit
lauter Rippen durchzogenen Kreuzgewölbe schon lange als eine Nachahmung der alten düstern deutschen Opferhaine angesehen und sich unter diesen Säulen Baumstämme mit einander oben durchkreuzenden Aesten gedacht hat, und daß man bei solchen Untersuchungen die
so lange für schön gehaltene, und noch durch nichts Geschmackvolleres ersetzte, Schnecken
und Blätter in den Kapitälern der griechischen Säulen ebenfalls verwerfen muss.
[9] Genug, nach meinen wenigen Einsichten wüßte ich keinen Ausweg, wie der Baumeister
diese Gothischen Pfeiler und Gewölbe mit der übrigen Griechischen Bauart in bessere Harmonie hätte bringen können, als durch seine Erfindung, die ganz zu den Kreuzgewölben
passt und doch viel Aehnliches mit einer einmal als gut aufgenommenen Ordnung hat. Die
rhomboidalischen Felder der Kreuzgewölbe sind mit schon gezeichneten Rosetten ausgefüllet. Alles Leistenwerk ist geschmackvoll faconirt, wodurch alles ein außerordentlich reiches
Ansehen bekömmt. Der Anstrich, den man dem Ganzen gegeben hat, ist sehr blaß un delicat
und scheint aus einer Mischung von weiß, gelb und grün, vielleicht auch etwas roth, zusammengesetzt zu sein, wodurch alles das Ansehen einer festen Steinmasse bekömmt und jeder
Theil durch die bey dem Anstriche gebrauchten Töne der Farbe besonders herausgehoben
wird. Unter den Seitennavaten sind die Emporlehnen befindlich; diese schließen mit einem
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Zirkelstück an dem einen Ende an den alten Chor, und an dem andern Ende an den neuen
Musikchor an. Sie sind doppelt, die unterste ist etwas zurückgezogen und ruhet nur auf einem kleinen Einschnitte in die Stämme der Säulen, wodurch diese ihre völlige Rundung und
ihren Umriß auf den ersten Blick behalten, und die Brustwand der obersten Emporlehne entstehet durch das Gebälke der Säulen, auf welche die noch übrige nöthige Höhe in ein niedriges Geländer verwandelt ist. Durch diese Einrichtung fallen die in andern Kirchen angebrachten Jambagen weg, die allezeit den Umriß der Säulen verstecken und einen Theil der
Aussicht rauben. Ob die Säulen selbst von römischer oder corinthischer Ordnung sind, wage
ich nicht zu entscheiden, weil ich mich auf mein kurzes Gesicht nicht verlassen kann, mittelst
welchem ich nur zwey Reihen Blätter und doch sechzehn Schnecken unterscheiden konnte;
wozu noch kömmt, daß auch das Schiff der Kirche nur eine matte Beleuchtung hat, weil hinter der ersten Emporlehne äußerlich angebaute Kapellen mit Glasfenstern befindlich sind, so
daß das Schiff meistens nur von den hinter der zweyten Emporlehne befindlichen Fenstern
erleuchtet wird, welcher Umstand aber den Eindruck des Erhabenen mehr vergrößert als
vermindert. Uebrigens stehen die Säulen der Emporlehnen nicht gekuppelt, sonder gepaart,
da auf ganz platten Würfeln, allezeit in Correspondenz mit einer Hauptsäule. Der MusikChor ist vorne über dem Haupt-Eingange angebracht; er ruhet auf sechs Säulen, die eine ovale, schön verzierte Decke tragen und ist nach der Kirche zu konvex. Das letztere haben einige
tadeln wollen und gewünscht, daß er concav gebogen sein möchte, damit die sämtlichen Emporlehnen ein großes Oval bildeten; allein es ist dieser Umstand theils durch den zur Orgel
nöthigen Raum entschuldigt worden, theils auch durch diese Figur noch etwas mehr Mannichfaltigkeit bey dem Eingange.
[11] Der alte Chor hat nur die Breite des Hauptschiffes und wird mit diesem durch einen gut
verzierten Bogen verbunden. Er hat eine ziemliche, mit einem Tonnengewölbe bedeckte,
Länge, die sich hinten mit einem halben Zirkel schließet, den ein Demi Dome decket und ist
übrigens, wie gewöhnlich, einige Stufen erhoben. Die beyden langen Seiten dieses Chores
sind durch Pilaster in verschiedene reiche verzierte Felder abgetheilt, in denen sich die Thüren der Sacristey und sechs schöne Gemälde befinden. Unter dem Chorgewölbe stehet der
Altar; hinter diesem sind zwey große Fenster nebst einigen Wandpfeilern befindlich, welches
Alles mit nachgeahmten, nicht zu hell colorirten Marmor bekleidet ist. […]
[12] Genug die ganze Kirche ist werth, von jedem der Sache Kundigen und Unkundigen gesehen zu werden, und sie überrascht umso mehr, weil man in der äußerlichen unregelmäßigen,
durch alle Arten von Auswüchsen verunstalteten Hülle, nichts weniger, als ein so schönes
neues Eingeweide vermuthet.“
Text 68:
GENTZ, Heinrich: Reise nach Rom und Sizilien 1790-1795 – Aufzeichnungen eines Berliner
Architekten. Hrsg. v. Michael Bollé und Karl-Robert Schütze. Berlin, 2004, 153-156.
Beschreibung der Tempel zu Paestum; verfasst als Londoner Reinschrift (Geschichte Siziliens) in den Jahren 1794/95.
„[153] Die ganze Ringmauer um die Stadt herum ist wol erhalten, so wie eben auch 3 Gebäude altdorischer Ordnung innerhalb dieser Mauern. Zwey davon waren Tempel, das dritte eine
Basilica, oder ein Gimnasium oder auch eine Palestra. Die Meinungen über die Bestimmung
dieses Gebäudes sind getheilt. […]
[154] Die Tempel sind aus dem ältesten Griechischdorischen Stil, und sind beßer erhalten als
irgendein Gebäude in Griechenland. […] Es gibt einige Schriftsteller die behaupten wollen
daß sie aus viel früheren Zeiten seyen, und daß sie die alten Tuscier erbauet haben zu einer
Zeit da Griechenland noch in der größten Barbarey lag. Dieser Meinung ist besonders der P.
Paoli, deßen Werk übrigens von sehr viel Kenntnis und Verstand zeugt. Alles was Vitruv von
der toscanischen Ordnung und von der Einrichtung des toscanischen Tempels sagt, sucht der
P. Paoli auf die pästumsche Tempel anzuwenden […]. Ob seine Idee glücklich ist oder nicht,
das mögen andere untersuchen. Aber woher käme dann die völlige Gleichheit dieser Tempel
57
in Form und Anlage und beinahe auch in den Verhältnißen mit den Tempeln Griechenlands
und Siziliens, denn einige geringe Abweichungen in den sparsamen Verzierungen und in den
Verhältnißen machen doch noch keine andre Ordnung aus. […]
[155] Die drey Gebäude, die ich auf der andern Seite gezeichnet habe, haben folgende Maaße.
Mit diesen vergleiche man die Maaße, die Winkelmann angiebt, und man wird keine geringe
Verschiedenheit sehen. Meine Maaße sowol als die Winkelmannschen sind mit dem Neapolitanischen Palm gemessen.
Der große Tempel [Poseidon- oder Hera-II-Tempel] hat bey mir die
Länge von
230 ½ Palm.
Winkelmann sagt
386 Palm.
Breite
93 5/6
Wink.
96
Breite der Cella
42 1/6
Wink.
42 ½
Der kleine Tempel [Athena- oder Ceres-Tempel] ist
Lang
126 Palm.
Nach Winkelmann 76
Breit
55 ½
Wink.
55
Die Zella ist breit
28 5/8
Wink.
28
[156] Man sieht an der beystehenden Zeichnung, worinn sich die beyden Tempel von einander unterscheiden. Der Hauptunterschied besteht in der Einrichtung der Zella. Die des
größern Tempels hat vorn und hinten ihre Halle, und innerhalb eine doppelte Reihe Säulen,
eine jede von 7 Säulen. Ueber diesen inneren Säulen steht noch eine obere Ordnung kleiner
Säulen die oben auch dorisch sind. Die innere Säulen haben 5 ½ Palm Durchemeßer. Die
äußern großen Säulen haben 8 Palm Diameter, das Intercolumnium ist 9 ¼ Palm. Die Intercolumnen auf den Ecken haben nur 8 ⅜ Palm. Sie sind deswegen schmäler, weil der Trigliph
im Friese grade auf der Ecke steht und nicht auf der Axe der Säule. Die Säulen sind alle cannelirt und verjüngen sich stark und kugelförmig. Sie haben nur 4 Durchmesser zur Höhe. Sie
stehen ohne Base gerade auf der obern Stuffe auf. Die Stuffen, die um den Tempel herumlaufen sind wie an allen griechischen Tempeln ungemein hoch und sehr unbequem zu steigen.
Die Stuffen an dem kleinen Tempel sind nicht so hoch; es ist also gewiß, dass sich die alten
die Höhe ihrer Stuffen zur Größe des Gebäudes proportionierten. […] Die Zelle des kleinern
Tempels ist anders eingerichtet. Sie hat nur vorn eine Halle die auch von andrer Form als die
des großen Tempels ist, und innerhalb gegen das Ende zu eine länglicht viereckigte Erhöhung, die wohl etwa ein Altar gewesen seyn kann. [ …] Zur Zelle dieses Tempels führen drei
Stuffen vom Säulen Gange hinauf. Winckelmann sagt, beyde Tempel hätten erhöhete Stuffen,
welches sich aber nicht so verhält. Sonderbar ist es an diesem kleinen Tempel, daß die Säulen
die die Halle einschließen auf diesen Stuffen steigen. Diese Säulen haben auch Basen wie ich
es bey der Zeichnung des kleinen Tempels im Profil angedeutet habe, und zwar ist die Plinthe
unter dem Wulst der Base rund.daher nimmt der P. Paoli besonders ein Argument um zu
beweisen dass diese Tempel toscanisch seyen, weil man außer diesen bey dorischen Tempeln
keine Spur von Basen findet, und weil Vitruv der toscanischen Säule eine Basis giebt; wobey
er ausdrücklich erwähnt, dass die Plinthe rund seyn solle. Wie Winckelmann übrigens behaupten kann, dass alle drei Gebäude nur Architrav und Fries haben, begreife ich nicht.
„Ueberhaupt merke man, sagt er, dass alle 3 Gebäude von dem Gebälck auf den Säulen oder
von den Architraven die beyden untern Glieder haben, aber das 3te und obere Glied des Gebälckes, nämlich die Cornische fehlt an allen dreyen“. Wenn er noch gesagt hätte, das obere
Glied der Cornische fehlt aber gewiß ist es doch dass alle drey Gebälcke eine hängende Platte
(Carnies) und Dielenköpfe mit Tropfen haben, und nicht allein Dielenköpfe über den Trigliphen, sondern auch über den Metopen wie ich es hier nebenbei gezeichnet habe und wie man
es besonders im Grundriße bemerken wird, weil im Aufriße der Dielenkopf seiner geringen
Höhe wegen beynahe nicht sichtbar ist. Und in der Natur ist es das nehmliche, in einer geringen Entfernung sieht man nichts von diesen Dielenköpfen. Beim dritten Gebäude [Hera ITempel oder Basilika] stimmen die Winkelmannschen Maße so ziemlich.
Er hat in der Länge
204 Palm
nach Wink. 205
Und ist breit
99 Palm
- Wink: 92
Innre Breite der Zelle
43 ½ Palm
- Wink: 43 ½
58
Dieses Gebäude war dem öffentlichen Nutzen geweiht, und war entweder eine Basilca, oder
eine Palestra oder ein Gimnasium. Auf den ersten Blick scheint es den beyden andern Tempeln gleich; eben auch ein dorischer Säulengang um eine Zelle herum, die Säulen auf 3 Stuffen gesetzt und ein grad durchlaufendes Gebälk darüber. Und doch wenn man es recht betrachtet ist es sehr von den andern verschieden und in einem ganz andern Stil gebaut. Ein
ganz andres Verhältniß der Höhe der Säule zu ihrem Durchmeßer, ein andres Verhältniß des
Gebälks zur Säule und eine andre Säulenstellung. Die Säulen sind unter dem großen Wulst
des Capitäls sehr künstlich verziert, und zwar hat beynahe jede Säule einen verschiedenen
Zierrath, und dann sind sie bauchicht verjüngt nach der Art die Vitruvius Entasis
(Geschwulst) nennt, das heißt sie verjüngen sich nach oben stark und vom untern Drittheil
an auch nach unten ein weniges und beschreiben eine krumme Linie. (Diese Entasis, die Vitruv so anrühmt zu finden, glaube ich auf dem rechten Weg zu seyn. Ich meyne man habe bis
jezt die Stelle des Vitruv übel ausgelegt, und daher sind denn die unförmig bauchigte Säulen
entstanden. Doch ist hier nicht der Ort, dis auseinander zu setzen, weil es etwas weitläufiger
werden möchte; ich verspare mir dis auf eine andre Gelegenheit.)
[157] Daß in diesem Gebäude mehrere Menschen zu thun hatten, das ist schon aus den Säulenstellungen klar; denn ohne Grund verfuhren die Alten nicht. Könnte man doch bestimmt
wißen, zu welchem Gebrauche dieses Gebäude gedient hat, so könnte man es vielleicht als ein
Modell dieser ganzen Gattung betrachten, und aus diesem einen alle kennenlernen […].“
Text 69:
ANONYMUS: „Die Propyläen des Perikles in Athen und das Brandenburger Thor in Berlin“. In:
Der Torso 1. Breslau, 1796, 76-78.
Beschreibung der Propyläen in Athen und des Brandenburger Tores in Berlin.
„[76] Perikles erbaute die Propyläen, ein Werk, von den Pausanias sagt, daß es selbst zu seiner Zeit von keinem andern an Pracht übertroffen wurde. Mnesikles war der Baumeister, fünf
Jahre waren der Zeitraum des Erbauens, 2012 Talente die Kosten, eine Summe, welche die
jährlichen Einkünfte der Republik überstieg. Auf der beigefügten Kupfertafel ist oben die
Abbildung derselben aus den Reisen des jungen Anacharsis. Der erste Anblick des Werks,
selbst in so kleiner Nachbildung, erwekt den Begrif einfacher Erhabenheit, diesen Stempel
aller altgriechischen Werke. Sechs Säulen dorischer Ordnung trugen ein Giebelfeld, und bildeten einen fünffachen Durchgang nach dem Innern der Burg, wovon der mittelste von zwei
Reihen ionischer Säulen eingeschlossen war. An beiden Seiten des Hauptgebäudes sprang ein
Flügel mit drei kleinern dorischen Säulen hervor, wovon der rechte der Götting des Sieges
gewidmet, der Linke mit Gemälden von Polygnotus angefüllt war. Eine breite Treppe,
wodurch man sogleich die Höhe der Burg erstieg, führte zu dem Hauptgebäude, und vor
demselben standen zwei Bildsäulen zu Pferde, von denen Pausanias nicht weiß, ob sie die
Söhne des Xenophon vorstellen, oder bloß zur Zierrath angebracht sind. das Dach der Propyläen war von weißem Marmor, so wie der Fußboden. Wenn man durch dieselben, so erblickte
man zur Rechten den Tempel der Minerva oder das Parthenon, und überschaute den Vordertheil und die eine Seite desselben, also mit einem Blick vier und zwanzig der herrlichen
dorischen Säulen. Zur Linken stieg der Tempel des Erechtheus empor. So war es einst. Aber
wie ist es jetzt? In Trümmer gesunken sind die Seitenflügel der Propyläen, die Säulen am
Hauptgebäude sind fast bis an die Kapitäler mit Mauerwerk angefüllt, und oben darauf steht
eine Batterie von schwerem Geschütz. Den Eingang zur Burg muss man links durch Schutthaufen suchen, und in diesen Schutthaufen vernichtet täglich noch die Hand der Zeit und der
Barbarei köstliche Spuren der Kunst an den Marmortrümmern. Hin also ist die Herrlichkeit
der Propyläen des Perikles, aber seit wenigen Jahren sind neue Propyläen Friedrich Wilhelms vor der schönsten Stadt Deuschlands emporgestiegen. Einzig ist der schöne Wald so
dicht an Berlins Mauern, einzig die prächtige Straße der Linden, einzig musste auch der
Übergang zwischen beiden seyn. Und er ist es, ist eines der schönsten Thore Europa’s, vielleicht das schönste. Auf sechs der stärksten und größten dorischen Säulen ruht ein Giebel-
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feld, in dessen Mitte ein schönes Basrelief von dem Königl. Hofbildhauer Herrn Schadow
angebracht ist. Die Figuren zwischen den Triglyphen sind ebenfalls vom Herrn Schadow.
Oben steht eine Quadriga mit einer Siegesgöttin. Neben den Seiten des Hauptgebäudes
springen die Flügel hervor, woran der rechte zur Wache, der linke für die Thorbeamten bestimmt ist. Fünf Durchgänge zwischen den Säulen gewähren den Ein- und Auswandernden
eine ungehinderte Bahn. Das Ganze ist vom Herrn Geheimderath Langhans, dessen schöne
Gebäude schon mehrere Gegenden zieren, aufgeführt, und macht durch Styl und Zusammensetzung eine sehr angenehme Wirkung. Groß und erhaben würde diese Wirkung seyn, wären
die Seitenflügel etwas höher, und träte das Hauptgebäude nicht zu colossalisch aus denselben
hervor. Zu wünschen bleibt ferner, das Giebelfeld wäre etwas größer, und der Oberfaß an
beiden Seiten desselben fehlte, weil dadurch das Ganze ein leichteres, minder drohendes Ansehen erhielte, und der Giebel mit der Quadriga kulminierte. Zu wünschen endlich: die Basreliefs zwischen den Säulen möchten niedriger angebracht, oder die Durchgänge breiter seyn.
Jetzt kann man nicht weit genug zurücktreten, und erblickt die Figuren bloß von unten, also
in einer starken nachtheiligen Verkürzung. Dennoch kann man diesen Eingang Berlins dreist
neben den Eingang zur Burg Athens hinstellen, dennoch kann man ihn dreist die neuen Propyläen nennen. Auch führt er in mehreren Rücksichten in ein neues Athen, das vor dem alten
noch einen Vorzug besitzt: es hat, wie Olympia, einen Hayn an seinen Mauern, in welchem
schon hie und da Bildsäulen, gleich ewigen Bewohnern, zu prangen beginnen […].“
Text 70:
ANONYMUS: „Das Pantheon der Neufranken“. In: Der Torso 1 (12). Breslau, 1798, 384-386.
Beschreibung von Sainte-Geneviève, Paris.
„[385] […] Auch der erste Erbauer des Tempels, Sufflot, hat ihn mit Spuren von Genie ausgeführt, und man kann nicht läugnen, daß der Anblick desselben würdevoll und angenehm ist.
Demohngeachtet scheint dem Bau etwas zu fehlen, das den Werken der Alten vorzüglich eigen ist: Einheit. Diese Behauptung wird sich dadurch am meisten rechtfertigen, wenn man
die einzelnen Theile des Gebäudes für sich allein betrachtet, denn alsdann findet sich, dass
sie ohne Verbindung mit dem Ganzen ein Ganzes ausmachen. Bedekt man das untere Gebäude mit den Säulen, so bildet die Kuppel einen einfachen runden Tempel; verbindet man
damit die mittleren Säulen, so sieht man wieder einen ganzen Bau, der ohne weitere Hinzufügungen als ein Ganzes bestehen könnte. Der Untersatz mit dem Giebelfelde bildet ebenfalls
ein ganzes Gebäude, ohne das man gerade noch etwas hinzuwünschte. Diese gegenseitige
Entbehrlichkeit der Theile untereinander scheint der Einheit des Ganzen zu schaden. Was
sich außerdem daran noch aussetzen lässt, ist die zu große Schwere des mittleren Säulenrundes, wodurch der Untersatz ecrasirt wird. Dies bemerkt man vorzüglich, wenn man das Gebäude in einiger Entfernung betrachtet. Sollte man das Gesims der Säulen noch mit Statuen
besetzen, wie der Plan dazu gemacht ist, so würde die Schwere noch vermehrt werden. Wenn
die beiden Treppen an den Seiten bleiben, so entsteht durch das unnöthige derselben, da sie
so leicht verdekt konnten angebracht werden, ein wesentlicher Fehler, so wie auch die kleine
längliche Tafel in der Mitte etwas sehr kleinliches hat. Ein genauer Prüfer wird ferner finden,
daß die beiden untern Seitenflügel entbehrt werden könnten, ohne daß der Bau entwas verlöhre. Ja es scheint vielmehr, als wenn er gewönne, indem er dadurch dem Karakter eines
Thurms, dessen Gepräge er unverkennbar an sich trägt, näher gebracht wird. Die Ähnlichkeit
mit den neuen Thürmen in Berlin ist überdies leicht bemerkbar. Sie ist so in die Augen fallend, dass man glauben möchte, sie wären nach dem Muster des Pariser Pantheons gebaut,
das damals noch eine Kirche St. Genovefens hieß. Die vorspringenden sechs Säulen, das Giebelfeld darüber und die Basreliefs dazwischen, das Säulenrund in dem Mittelsatz der Gebäude, die Kuppel mit ihrem Untersatz, all dies ist sich vollkommen ähnlich, und die Gebäude
unterscheiden sich vorzüglich nur darin, dass das Pantheon mehr erhabene Simplicität, die
neuen Thürme hingegen mehr Schmuck und Reichtum haben, demohngeachtet aber ein
mehr zusammengehörendes Ganzes ausmachen.“
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Text 71:
ANONYMUS: „Ueber die Restauration des Pantheon“. In: London und Paris, 3 (5), 1813, 3-13.
Beschreibung von Sainte-Geneviève, Paris.
„[10].[…] Durch ein prächtiges kolossales Portal von korinthischer Ordnung kommt man
durch eine doppelte Säulenreihe in vier Schiffe, die sich in ein Kreuz vereinigen, um einen
Dom zu unterstützen, welcher sich 130 Schuh über die Erde erhebt, und auf dem höchsten
Punkte von Paris, ungefähr 100 Schuh über der Seine liegt. Dieser Dom ist von außen und
von innen mit zirkelförmigen Säulengängen geschmückt. Kein christlicher Temple bietet einen solchen Reichthum von griechischer Architektur, mit so viel Harmonie und Geschmack
verbunden, dar, und alle diese Constructionen sind von Stein, ohne die geringste Beimischung von Holz. Die zweite Kuppel, die über den beiden andern schwebt, ist von einer
Schönheit, die den Beobachter schwindeln macht, und schwerlich ihres Gleichen, selbst in
den berühmtesten Gebäuden der gotischen Baukunst, findet. Überhaupt sind wenige im
Stand, die Größe dieser Structur nach Vernunft zu genießen, je öfter man aber diese Schlanken Bogen betrachtet, die sich gleichsam aus dem Mittelpunkt der Erde erheben, um die
oberste Kuppel zu unterstützen, deren Gewicht sie wegen ihrer Feinheit erdrücken sollte,
destomehr staunt man über die Kühnheit einer solchen Conception, und überzeugt sich, dass
nur ein kolossalischer Geist ein solches Werk fassen und hervorbringen konnte.
[12] Unter dem Dom sind zwei, in einander laufende, labyrinthartige Galerien, und in der
Mitte derselben ein rundes Gemach von zwölf Schuh ins Gevierte. Mehrere andere Galerien
laufen längs den Schiffen hin und bilden ein doppeltes Corridor, mit vier und zwanzig großen
Tonnengewölben. Sechs andere solche Gewölber, ein großer Saal, und eine lange runde Galerie, sind unter den Treppen, den Seitenthoren des innern Vestibuls, und dem Portal angebracht […]. “
Text 72:
STIEGLITZ, Christian Ludwig: Beiträge zur Geschichte der Ausbildung der Baukunst. Leipzig,
1834, 5. Abschnitt, 6-9.
Beschreibung der Hagia Sophia, Istanbul.
„[6] Die Form der Sophienkirche ist ein ziemlich regelmäßiges Viereck, in Innern aber zeigt
sich, durch Stellung der Pfeiler, die Form des griechischen Kreuzes. Das Mittel nehmen vier
ansehnliche ins Viereck gestellte Pfeiler ein, auf denen sich Bogen wölben, welche die Kuppel
tragen. Auf den Seiten dieses Vierecks, gegen Morgen und Abend, sind in der Entfernung von
der Hälfte des Vierecks zwei Pfeiler angebracht, etwas näher gegen einander gestellt, als die
Pfeiler der Kuppel, wodurch hier und dort ein halbrunder Platz gebildet wird, der Hälfte des
Kreises gleich, den das mittlere Schiff in sich schließt. Dieser Theil ist das Schiff der Kirche.
An der Abendseite desselben befindet sich, in einem hallenähnlichen Raume von geringer
Größe, der Eingang in die Kirche, mit drei Pforten. An der Morgenseite öffnet sich der im
Halbkreis geschlossene Chor. Zwischen den Pfeilern der Kuppel, gegen Mittag und Mitternacht, tritt man in länglich viereckige Räume, die Schenkel des Kreuzes. In jedem Winkel des
das ganze Gebäude umschließenden Vierecks ist ein Saal befindlich mit zwei Geschossen
übereinander. In die untern Säle gelangt man durch Eingänge in den halb runden Theilen des
Schiffs, in die oberen führen besondere Treppen. Vor der Hauptpforte der Kirche liegen, nach
der Breite des ganzen Gebäudes, und noch wenig darüber hinausragend, zwei durch eine
nach der Länge des Platzes getrennte Hallen, in zwei Stockwerke abgetheilt. Das untere dient
zum Durchgange in die Kirche, das obere, in das man durch die bemerkten Säle kommt, ist
zum kirchlichen Gebrauche bestimmt. Steine und Mauerziegeln die dem Gebäude zum Material dienen, sind nicht durch Mörtel verbunden, sondern mit eingegossenem Blei. Das Dach
ist mit Marmortafeln eingedeckt. Die Kuppel besteht aus Ziegeln vom schwammigem Lehm,
der ihnen die große Leichtigkeit giebt. Was dieses Bauwerk vor Allem auszeichnet, ist der Bau
der Kuppel, die sonst nur auf ein rundes Gebäude massiver Mauern aufgestellt wurde, hier
61
aber, so viel man weiß, zuerst die Einrichtung erhielt, sie auf Pfeilern, ins Viereck gestellt,
ruhen zu lassen. […] So prachtvoll das Innere, so wenig ausgezeichnet scheint das Aeußere,
das eine ärmliche Anordnung zeigt. Außer der in zwei Geschosse abgetheilten und mit Fenstern versehenen Halle, sieht man nur nacktes Gemäuer. Die vier zur Unterstützung und zum
Widerlager der Kuppel angelegten Pfeiler sind die einzigen Theile, die dem Ganzen eine Art
von Zierde geben, wobei noch die von den Türken angelegten Minaretts einige Abwechslung
bieten. Zu jenen Zeiten, als die Kirche St. Sophia ihr Dasein erhielt, wurde sie als Wunderwerk der Kunst geachtet. Bei ihrer Einweihung brach Justinianus in die Worte aus: „Salomo,
ich habe dich übertroffen!“ es konnte nicht anders sein, als daß, bei dem damaligen Zustande
der Kunst, die Anordnung des Innern, die Säle, die Säulengänge, die prachtvolle Ausführung
des Ganzen zu solcher Bewunderung aufregte und aufreizte. Allein alles, was St. Sophia
aufwies, war nicht vermögend, ein schönes Bauwerk hervorzubringen, das mit den Werken
aus den guten Zeiten der Kunst in Vergleich zu stellen wäre. Die geschmacklose Pracht des
Innern, die rohe Beschaffenheit des Aeußern, die auf das auffallendste mit einander kontrastieren, lassen hinlänglich erkennen, wie sehr die Kunst abgesunken. Antike Säulen verschiedener Art stehen im Innern nebeneinander, andere sind von schlechtem Verhältnisse und
tragen bizarre Knäufe. Sie haben keine Gebälke; Bogen, die Säule mit Säule verbinden, ruhen
unmittelbar auf den Knäufen. In einigen Orten besteht die untere Säulenstellung aus zwei
Säulen, indeß in den oberen fünf Säulen angebracht sind. An andern Stellen befinden sich
unten hohe Säulen, oben weit niedrigere, als das vorgeschriebene gute Verhältnis fordert. Die
Pfeiler im Innern, welche die Kuppel und die Decke tragen, sind glatt, ohne Vorsprünge, oder
Pilaster, dafür mit Marmor und Tafeln von Mosaik belegt, die unterbrochen werden. Ohne
Fuß erheben sich diese Pilaster aus dem Boden, sie tragen kein Gesims zu Bekrönung, wenn
man nicht die großen Kragsteine dafür will gelten lassen, welche an Gestalt den schweren
Kragsteinen an Festungswerken gleichen. Diese Kragsteine ziehen sich über den Pilastern
rings an den Mauern umher, und unterstützen eine Balustrade. Die Kuppel hat eine
gedrückte Form und schlechte Verhältnisse. Einhundert fünf fuß im Durchmesser, ist sie acht
und dreißig Fuß hoch. Sie steigt unmittelbar von den Bogen über den Pfeilern in die Höhe
ohne einen Unterbau oder Tambour, und die Zwickel, die dreieckigen Felder zwischen den
Bogen, sind von schlechtem Ansehn. Ungeachtet der vielen Fenster herrscht doch Düsterkeit
im Innern, da die Fenster eng und klein sind [...].“
Text 73:
STIEGLITZ, Christian Ludwig: Beiträge zur Geschichte der Ausbildung der Baukunst. Leipzig,
1834, 6. Abschnitt, 63ff.
Beschreibung des Straßburger Münsters.
„[63] Einen so geringen Anfang der Münster zu Straßburg hatte, eine kleine Kirche aus Holz,
die Chlodwig der Erste im Jahre 504 hier erbauen ließ, so erhob er sich doch endlich als ein
Werk, das im Mittelalter vor allen Kirchen erhoben wurde und das hauptsächlich durch Erwins trefflichen Vorbau dieses Ruhmes würdig erscheint. Wie wir den Münster jetzt sehen, so
wurde er im Jahre 1015 durch den Bischof Werner den Ersten gegründet. Nach und nach
schritt der Bau vorwärts bis zum 13. Jahrhundert, wo noch die vordere Seite fehlte, die zu
errichten Erwin von Steinbach unternahm. Es war im Jahr 1277, als er dazu den Grund legte.
[…] [64] So sehen wir ihn in voller Pracht emporsteigen, in voller Schönheit der deutschen
Kunst. In stetem Emporstreben erhebt sich die ungeheure Masse, Durchbrechungen mannigfacher Art lassen sie als ein leichtes Werk erscheinen. Überall zeigen sich Durchsichten,
Bögen treten hervor, auf schlanken Säulen ruhend, zierliche Tabernakel mit Bildsäulen
schmücken die Strebepfeiler, Zierden in großer Abwechslung decken die Mauern. Treten wir
vor diese Ansicht, so finden wir sie in drei Abtheilungen abgesondert, die Mitte geschmückt
mit der prachtvollen Hauptpforte, jede Seite mit einer kleinern Pforte versehen. Gleichfalls
trägt die Höhe drei Abtheilungen. Wenn die untere für die drei Pforten bestimmt ist, so
62
kommt uns in der zweiten ein reichgeschmücktes, radförmiges Fenster entgegen, das die
Mitte einnimmt; hohe, mit Spitzbogen bedeckte, fensterähnliche Oeffnungen stehen ihm zur
Seite, begrenzt mit schlanken, schmächtigen Säulen, neben denen Durchsichten in den innern Raum stattfinden. In der dritten Abtheilung nehmen Fenster den Platz ein, zwei im Mittel, drei auf jeder Seite. Nun sollten die Thürme emporsteigen, deren jedoch nur einer vollendet ist. Aller Wahrscheinlichkeit nach wurde, Erwins Entwurfe zu Folge, die vordere Ansicht nur zwei Stockwerke erhalten haben, dann sollten die Thürme folgen. Aber so wie hier
[65] Erwins Nachfolger als Werkmeister des Münsters sich Abänderungen des ursprünglichen Planes erlaubten und noch ein Stockwerk hinzufügten, so gingen sie auch bei dem
Thurme von Erwins Entwurfe ab. Da, wo er in das Achteck übergeht, nebst den Schneckenstiegen, ist er von einem spätern Meister angegeben. Deutlich sieht man an diesen Theilen die
Zeit seiner Entstehung, das funfzehnte Jahrhundert, das Gekünstelte, was damals in die
deutsche Kunst eingedrungen war.“
Text 74:
ENGELHARD, Johann Daniel Wilhelm Eduard: Instruction für junge Architekten zu Reisen in
Italien. Berlin, 1838.
Beschreibung verschiedener Bauwerke Italiens.
„Vorbereitung zur Reise
[6] Es ist wohl nicht selten der Fall, dass ein eifriger Reisender, während er reist, sich den
Plan bildet, seine Reise dereinst öffentlich zu beschreiben. Das geschieht freilich hernach
nicht immer; indessen möchte ich doch den Vorsatz niemals tadeln, denn er wird dem Reisenden bewegen, alles gründlich und gut zu sehen und zu untersuchen, weil er ja dereinst
dem Publicum davon Rechenschaft geben will; der Vorsatz wird zugleich eine Veranlassung
sein, ein sorgfältiges und vollständiges Tagebuch zu führen, was künftig in der Erinnerung
einen großen Genuss und eine reiche Ausbeute liefern kann. Eben so möchte ich rathen, sich
auf der Reise vorzunehmen, die vollständigen Materialien wie zu einem Lehrbuch der Baukunst zu sammeln, welches man künftig schreiben wolle.
[8] Man vergesse hier nicht, dass das kleine sinnige Bürgerhaus oft mehr Ausbeute liefern
kann, wie der grosse sinnlose Pallast, und kein Gebäude möge man für allzu geringfügig, für
allzu prosaisch halten, um nicht bedacht zu werden. Wir haben unzählige Schriften über
Palläste aller Art, aber, so viel ich weiß, noch kein einziges, worin die verschiedenen Arten
der Wohnungen und baulichen Bedürfnisse des städtischen Bürgers, so wie des Landmannes,
mit einiger Vollständigkeit dargestellt und critisch beleuchtet wären; dennoch möchte ein
solches fast nützlicher sein als jene Werke, denn es werden eher hundert Bürger- und
Bauernhäuser gebaut, bevor ein Pallast zu stande kommt. Ich würde z.B. ein städtisches
Wohnhaus auf folgende Weise in Rubriken bringen. I) Zergliederung der Abtheilungen des
städtischen Wohnhauses: a) die Hausflure, b) die Vorzimmer, c) die Wohnzimmer, d) die
Schlafzimmer, e) die Versammlungszimmer, Galerien und Säle, etc. II) Dimensionsberechnung nach drei Classen: a) die Zimmer selbst, b) die Hausthür, c) Fenster, d) Thore, e) Oefen
und Heitzungen, f) Schornsteine; III) Vereinigung der verschiedenen Theile und Communicationen; IV) Mobilien und Hausgeräthe, V) Hausgärten und so alle verschiedenen Theile des
städtischen Hauses berührend, und alle sonstige dabei in Beziehung kommende Baulichkeiten, wie z.B. auch Brunnen, Befriedigungen u. dergl. nicht vergessend. […]
[13] Es darf dem jungen Architekten endlich nicht an Fertigkeit fehlen, Gebäude und architektonische Gegenstände überhaupt, mit Leichtigkeit aufzunehmen und zu zeichnen. Ich
will hierbei auf zwei ganz verschiedene Klippen aufmerksam machen. Es ist einmal sehr
gewöhnlich, dass junge Künstler sogenannte Zwickbücher, nemlich eingebundene weiße Blätter, in bequemen Taschenformat bei sich führen, um darin merkwürdige Gegenstände mit
leichten Strichen schnell aufzuzeichnen und ihrem Gedächtnisse aufbewahren zu helfen. Ich
will dieses nicht tadeln, denn später vergisst sich manches interessante viel leichter als man
glaubt, und nach der Rückkehr, wenn man den Gegenstand nicht mehr erreichen kann, wird
63
Einem jedes Blättchen lieb, da schnell die Erinnerung dadurch hervorgerufen wird; aber ich
muss dabei doch gegen Oberflächlichkeiten warnen. Ich habe dergleichen Skizzenbücher
gesehen, wo die Gewöhnung des Zeichners an gewisse Formen, für die in der Zeichenschule
seine Hand gelenk geworden war, alles Charakteristische vernichtete. Die entgegengesetzte
Klippe ist die Aufnahme vieler specieller und ausgeführter Zeichnungen, wenn die Zeit,
welche man an einem Orte zubringen kann, nicht im Verhältnis damit steht. Der Grundsatz,
der hierbei obwaltet, lieber etwas Rechtes als vieles Unvollkommene zu machen, ist gewiss
nicht unrichtig, und wenn der Reisende in Absicht auf Zeit und Geld nicht beschränkt ist, so
mag er immer anfangen, alles, was ihm neu und merkwürdig erscheint, auf die genaueste und
ausführlichste Weise abzuzeichnen und auszumessen. In einem Menschenalter wird er dann
freilich mit Italien nicht fertig werden. Wer dagegen nicht die Mittel hat, lange an einem Orte
zu bleiben, der mag sich vorsehn, dass er die Zeit guth eintheile und sie nicht mit mechanischer Zeichenarbeit verliere. Es werden leichte Entwürfe von diesem oder jenem Ganzen oder
Theile, einige Hauptmaaße und schriftliche Notizen genügen, um sich das Interessante anzueignen. Nicht selten sind an Ort und Stelle gute Abbildungen wichtiger Bauwerke zu haben.
Wenn man sich dergleichen sammelt, kann man wieder Zeit sparen, und durch den Vergleich
mit den Originalen sie entweder verbessern oder als richtig bewähren. […]
Vicenza
[52] Ich beschließe was Vicenza angeht mit der Erinnerung an eine Villa von Palladio, welche
zwar nicht zu den größten, aber doch zu den schönsten gehört, die Palladio erbaut hat: ich
meine die Villa Capra, oder die Rotunde, wie sie gewöhnlich genannt wird, welche sich in
Palladios Werk unter dem Namen Almerico findet. Ihre Lage, ihre Verhältnisse und ihre
ganze Anordnung ist in der That bewundernswerth. Der reisende Architekt wird gar oft bemerken, welcher grosse Unterschied ist zwischen der geometrischen Ansicht eines Gebäudes
auf einem weissen Blatt Papier und seiner wirklichen Anschauung von allen Seiten, in der
Umgebung, für die es geschaffen ist. Diese Villa ist ein besonders auffallendes Beispiel davon.
Nach dem Risse möchte man dieses Gebäude eben nicht für etwas sehr vorzügliches halten.
Die vier ganz gleichen Facaden scheinen selbst jenen architektonischen Fehler zu haben, den
ich anderswo Spiegelei genannt habe und der besonders dann widerwärtig ist, wenn er sich
auf nicht wesentlich auffallende und grossen Aufwand erforndernde Gegenstände erstreckt.
Allein hier, wo der Pallast, auf einer etwas erhabenen Stelle, von allen Seiten vollkommen
freistehend gesehen wird, sind diese vier Vorhallen, mit ihren grossen Freitreppen, durchaus
nicht zu verwerfen, sie bilden vielmehr gleichsam 4 schöne Säle und Zimmer, deren man so
wenig zu viel haben kann, als anderer Säle und Zimmer. Jeder Vorhalle gegenüber liegt eine
herrliche Aussicht, und einer derselben, welche nach dem Hauptzugang liegt, steht eine
kleine Kirche gerade und regelmäßig gegenüber, was vortrefflich aussieht. In der That
könnten statt dieser vier Hallen, vier Säle mit gewöhnlichen Thüren und Fenstern da sein;
aber dann hätte man nicht jenen entzückenden Blick zwischen die schönen Säulen in die
reizende Gegend hinaus. Es ist ein solcher Säulensaal eine höhere Stufe der Architektur, die
man erst in Italien recht kennenlernt, wie man denn von den italienischen Architekten überhaupt erst lernt, Säulen zu gebrauchen, die, besonders in etwas früheren Perioden als die
letzten Jahrzehende, in der nördlichen Architektur in dem Maasse gemissbraucht worden
sind, dass man die nordische Volksmeinung, welche Säulen gewöhnlich als ein für eigentliche
Wohnzwecke unwesentliches betrachtet, erklärlich findet. Gleichwohl ist die Säulenhallte
passender für den Norden wie für den Süden, wo eine freie Terrasse manchmal denselben
Zweck erfüllen würde. Besonders die Verhältnisse der Gebäudetheile zu der Größe des Menschen, mehr noch als die Verhältnisse der Theile zueinander sind an dieser Villa schön. Sie
sind es besonders in den Maassen der Zimmer, und es ist in der That bemerkenswert, wie ein
wenig mehr Höhe, Breite oder Tiefe das Gebäude allzu gross, etwas weniger zwar nicht klein
aber doch nicht mehr vornehm aussehen macht, es scheint mir überhaupt, als wenn in der
Vollkommenheit solcher Verhältnisse ein grosses Verdienst Palladios bestehe, und es ist wesentlich nöthig, darauf genau aufmerksam zu sein. Die kleinen Treppen in den Ecken an der
Rotunde sind nicht, wie im Plane, unregelmäßig, sondern oval, und die Stufen sehr schön
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geschnitten, so dass sie alle von gleicher Breite sind, was ganz einfach dadurch erreicht worden ist, dass die Richtung der Stufen nicht nach der Puncten gezogen worden ist, sondern
dass das Äussere und das Innere in gleiche Theile getheilt und die Linien der Stufen nach den
Theilungspuncten gezogen sind. Göthe hatte, wie an der Architektur Palladios überhaupt,
besondere Freude an diesen ovalen Treppen. Er hatte eine solche Treppe in dem oberen
Stockwerke seines Hauses zu Weimar nachgeahmt, und, wie er mir einst erzählte, dazu
persönlich den Zimmerleuten die Anleitung gegeben.[…]
Rom
[92] Pantheon: Allein die Hauptmasse dieses Gebäudes ist so ganz verschieden von alt
römischer Tempelarchitektur, dass sich mein architektonisches Gefühl dagegen sträubt, solches als einen Tempel aufzuführen, wenn schon die davor befindliches Säulenhallte, welche
nach der Inschrift von Marcus Agrippa erbauet ist, ganz einer Tempelfronte gleichkommt.
Dass aber diese Halle und die Rotunde nicht zu gleicher Zeit erbauet seien, ist jedem Architekten klar. Dass außerdem die Zeiten der Erbauung der Rotunde und der Säulenhalle
nicht weit auseinander liegen, ist sehr wahrscheinlich, und ich möchte als Auflösung dieses
archäologischen Räthsels die Hypothese aufstellen, dass die Säulenhallte früher an einem
anderen Orte die Fronte eines von Marcus Agrippa dem Mars und dem rächenden Jupiter
erbauten Tempels gebildet habe und in späterer Zeit, nach etwaiger theilweisen Zerstörung
dieses Tempels also lange nach Agrippa, sammt dem Fries, mit der bekannten Inschrift, an
die Rotunde angesetzt worden sei. Die Rotunde selbst halte ich für einen Theil der Thermen:
ob von den Thermen des Agrippa, will ich dahingestellt sein lassen. Der Architekturstyl
scheint einer etwas späteren Zeit anzugehören. Uebrigens ist die Säulenhalle des Pantheon
eine der schönsten, wo nicht die schönste, die aus dem römischen Alterthume erhalten worden ist, sie hat einen Ausdruck von Größe und Majestät, der besonders auffällt, wenn man
ihre Dimensionen mit denen der toskanischen Säulen an den halbkreisförmigen Säulengängen vor der Peterskirche vergleicht, die nur wenige Fuß niedriger sind und nicht halb so hoch
erscheinen.
[101] Fast alle römischen Kirchen der neueren Zeit finden ihr Vorbild in der Peterskirche:
diesem Karfunkel der neueren Architektur. Es ist zur Genüge bekannt, dass die Architektur
der Peterskirche nicht das ist, was wir einen edlen reinen geistvollen Styl in der Baukunst
nennen; es ist eben so bekannt, dass sie theilweise die Zwecke, welche ihr offenbar unterliegen, verfehlte und wirkliche und wesentliche Fehler hat: allein, wenn gleich dieser Bau
demnach auch nicht als ein Meisterstück der Baukunst betrachtet werden kann, so ist doch
für jeden Baukünstler viel, sehr viel daran zu lernen. Als Bramante die Idee zu einer solchen
Weltkirche fasste, war ohne Zweifel seine Meinung, alles darin zu vereinigen, was dazu beitragen könnte, das Gefühl des Erhabenen zu wecken und zu unterhalten und wir konnen
kaum glauben, dass nicht auch alle Architekten, die nach Bramante an dem Kirchenbau beschäftigt waren, von einem gleichen Gedanken mehr oder weniger durchdrungen waren. Dennoch ist er im Hauptsächlichen verfehlt worden. Bramante wählte zunächst colossale Verhältnisse zur Erreichung seines Zweckes, aber indem er hier das Maass überschritt, und durch
bloß Übertragung von Formen und Verzierungen in einen weit größeren Maasstab das Colossale zu erreichen suchte, erbauete er eigentlich eine kleiner Kirche nach grossen Maasstabe,
so dass man im Anfange, gewohnt alle diese Architektur in kleinerem Maassa zu sehen, ihre
großen Dimensionen gar nicht bemerkt, bis man durch mühsamen Vergleich die Größe erst
inne wird, was dann aber eigentlich nicht den Begriff geistiger Erhabenheit, sondern mehr
das Gefühl hervorbringt, als betrachte man eine kleiner Kirche mit dem Vergrößerungsglase,
oder als sähe man etwas nach einem grösseren Maasstabe von einem Riesengeschlechte Erbauete vor sich. Ein anderes ist es mit der prachtvollen Kuppel und den kühnen Wölbungen,
in welchen wieder geistige Erhabenheit liegt, so dass sie einen niederschmetternden Eindruck auf den Betrachtenden machen. Besonders erscheint die von Carlo Maderno erbauete
äußere Fassade der Kirche viel kleiner zu sein, als man nach ihren ungeheuer grossen Dimensionen erwartet, denn hier tritt zu der eben erwähnten Ursache noch eine perspectivische
Täuschung hinzu. Es sind nemlich die den Vorhof der Kirche bildenden Arcaden nicht mitei-
65
nander parallel gebaut, sondern schmiegen sich nach der Kirche hin auseinander, so dass
dadurch, nach bekannten perspectivischen Gesetzen, die Kirche dem Auge scheinbar näher
gebracht wird, indem sich die perspectivischen Ansichten der Arcaden so verkürzen, als wenn
sie wirklich kürzer wären. Dieser nachtheilige Eindruck kann auch durch die zwischen diesen
Arcaden stattfindende bedeutende Ansteigung des Bodens nach der Kirche hin nicht wesentlich vermindert werden, da die Ansteigung nicht gleichförmig über den ovalen Platz
fortgeht, welcher mehr eben ist, so dass der Berg sehr in die Augen fällt. Andere Betrachtungen müssen wieder nothwendig in dem Architekten die Ueberlegung der Zweckmässigkeit
der verschiedenen Anlagen erregen. Berninis ovale Colonnade zum Beispiel, so prachtvoll
und kostbar sie auch sein mag, ist doch eigentlich nur eine Art Theaterdekoration, ohne eigentlichen Zweck, indem Jedermann gerade aus, über den offenen Hof geht. Man findet eine
Menge Anlässe zum architektonischen Nachdenken über die Architektur dieser Kirche;
welches zu lehrreichen Resultaten führen wird. Auch bietet sie in allen ihren Theilen reichhaltigen Stoff für das Studium der architectonischen Construction, so wie auch der Bauverzierungen dar. Wenn auch die letzten nicht durchgängig in einem edleren Style sind, so finden sich doch schöne Einzelheiten, sehr schöne Marmorarten und interessante Beleuchtungen. Hinsichtlich der vielfach zur Sprache gekommenen Kuppelconstruction ist zu bemerken,
dass die ganze Schwierigkeit aus dem Eigensinne entstand, auf die Kuppel eine sogenannten
Laterne zu setzen. Es war deshalb nöthig, doppelte Kuppeln zu machen, und von der schönen
Linie des Halbkreises abzugehen. Dadurch bekam die Kuppel von aussen mehr das Ansehen
eines grossen Deckels mit einem Knopfe, als einer Wölbung. “
Text 75:
KUGLER, FRANZ: Geschichte der Baukunst. Bd. III, Stuttgart, 1859, 286-292.
Beschreibung der Münster zu Straßburg und Freiburg.
„[286] Eine namhafte Folge von Entwicklungsstufen, zum Theil in wechselseitigen Beziehung, tritt an den beiden großen Domen des Oberrheins, dem Münster von Freiburg im
Breisgau und dem von Strassburg,1 hervor.
[287] Beide haben noch romanische Theile: die Querschiffe, zu Strassburg die gesamte Chropartie; in beiden rühren diese Theile wesentlich aus der letzten Spätzeit des Styles her, im
südlichen Querschiffflügel des Strassburger Münsters schon mit der Einmischung primitiv
frühgotischer Formen, (vgl. Thl. II, S. 485 u.f.). In beiden bilden die Langschiffe die unmittelbare Fortsetzung der älteren Anlage, der ersten Entwicklunmgsepoche des gothischen
Styls angehörig, sie sind dreischiffig, nach gleichartigen Grundprincipien geordnet, doch
schon innerhalb der Epoche, welche sich an ihnen charakterisiert, mit den Zeugnissen allmählich fortschreitender Entwicklung. Alterthümlichen Charakter, in der Gesamtanlage und
in Einzelheiten, hat das Freiburger Schiff. Es ist eine gothische Composition bei noch nachklingender romanischer Gefühlsweise, noch nicht völlig belebtem Verständniss des gothischen Princips. Für die Pfeilerbildung war das Muster der älteren Pfeiler der mittleren Vierung maßgebend; ihr Grundriss ist ein übereck gestelltes Viereck, welches völlig mit Halbsäulenschaften, die in der Stärke nur wenig voneinander unterschieden sind, bekleidet ist, so
dass eine gewisse nüchterne parallelistische Gliederung [288] entsteht; das Profil der
Scheidbögen ist etwas feiner gegliedert, aber ebenfalls ohne lebhafte Entwicklung; die vordern Halbsäulen laufen als Gurtträger an der Oberwand des Mittelschiffes empor, die ein
ansehnliches Höhenverhältniss hat, aber unter den nicht sonderlich grossen Oberfenstern
Denkmal deutscher Bauk. am Ober-Rhein, Lief. 3 Antt. de l’Alsace, II; p.82, pl. 18f. Chapuy,
Cathédrales francaises; moy. Âge mon., No. 28, 31, 188; moy âgw pitt., No. 55. De Laborde, monument
de la France, II, pl. 193ff. Friederich, Cath de Strasb. et ses détails. Wiebeking, T. 47; 58. C.W.Schmidt,
Facsimile der Originalzeichnung zu dem mittlern Theile der Münster-Fronte zu Strassburg. Ramée,
manuel de l’hist. gén. de l’arch., II, p. 354. F. Kugler, kl. Schriften, II, S. 516. Denkmäler der Kunst, T.
53 (8).
1
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eine leere Mauerfläche bildet. Die Seitenschiffe sind auffällig breit, unter ihren Fenstgern mit
kleinen Wandarkaden geschmückt, deren Anordnung und Behandlung ebenfalls noch etwas
Romanisirendes hat. Die innere Gesamtbreite beträgt 95 ½ Fuss, die Mittelschiffbreite 34 ½
F., die Höhe des Mittelschiffs 85 Fuss, die Höhe der Seitenschiffe 42 F. das Aeussere ist mit
einem kräftigen und glücklich wirkenden System von Strebepfeilern und Strebebögen versehen. In der Behandlung des Einzelnen unterscheiden sich die ersten Joche zunächst dem
Querschiff, die zuerst zur Ausführung gekommenen Theile, durch grössere Einfachheit von
den westlichen Jochen. Die Fenster in jenem haben primitiv gothische Formen von schlichter, fast barbarisch roher Strenge, die von der spätromanischen Eleganz in älteren Bautheilen
auffällig abweicht, die Streben eine schlichte, jedoch bereits auf Figurenschmuck berechnete
Ausstattung. Die jünheren Fenster haben reichen Maasswerkschmuck, in dem aber (bei zumeist dreitheiliger Disposition) die schöne gesetzlich klare Anordnung der Kölner Schule
vermisst wird; das Strebesystem dieser jüngern Theile hat eine Entwickelung von vorzüglich
schönem einfachem Adel, zwischen französischer und deutscher Behandlungsweise eine
glückliche Mitte haltend. Wimberge über den Fenstern sind überall nicht zur Anwendung
gebracht. An der Westseite tritt ein Thurm, in der Breite des Mittelschiffes vor; in seinem
untern Theile schlicht gehalten, bildet er im Innern eine anmuthvoll, mit Arkaden, Sculpturen und reichgegliedertem Portal ausgestattete Vorhalle. In die Westseite jedes Seitenschiffes
ist, nicht ganz symmetrisch, ein grosses quadratisches und von einer reichen MaasswerkRose ausgefülltes Fenster eingelassen, ein mit einiger Willkür angeordnetes Schmuckstück.
Unter den handschriftliche Daten, die an einem der Strebepfeiler der Vorhalle angebracht
sind, findet sich das des Jahres 1270, die Epoche bezeichnend, in welcher der Bau jedenfalls
in lebhaftem Betriebe und bereits erheblich fortgeschritten war. – Das Schiff des Strassburger Münsters hat grössere Dimensionen (etwa 116 Fuss Gesammtbreite, 46 ½ Fuss Mittelschiffbreite, 96 F. Mittelschiffhöhe) und eine im Ganzen höhere und edlere Durchbildung.
Die allgemeinen Verhältnisse, das Princip der Pfeilergliederung sind allerdings denen des
Freiburger Münsters ähnlich; doch drängen sich die Seitenschafte minder eng zusammen um
den Kern des Pfeilers und sind, je nach ihren Zweck, an Stärke mehr verschieden. Die Composition des Fenstermaasswerks hat klaren Adel; eine nicht minder treffliche, in Einklang mit
den Fensterstäben gebildete Triforiengallerie füllt den [289] Raum bis zu den Scheidbögen in
angemessener Weise. Es ist schon darauf hingedeutet,2 dass das ganze Syste, des Innern lebhafte Anklänge an das des Schiffbaues von St. Denis (S. 65 u. f.) hat, und auf dortige Studien
schliessen lässt. Das Aeussere hat ein einfach ausgestattetes System von Strebepfeilern und
Strebebögen. Wimberge über den Fenstern fehlen übrigens auch hier. Als Zeitpunkt der Vollendung des Schiffbaues wird das Jahr 1275 genannt.In nächsten Anschlusse daran folgt der
Facadenbau des Münsters von Strassburg. Eine Inschrift an dem einen Seitenportal sagt: „Im
Jahre des Herrn 1277, am Tage des seligen Urban, begann dieses glorwürdige Werk Meister
Erwin von Steinbach.“ Die Grundform, die bauliche Masse ist schlicht: dreitheilig nach
Maasgabe der drei Schiffe, die Theile durch starke Streben von einander gesondert, die Geschosse durch horizontale Gesimse und Friese bezeichnet; unterwärts drei Portale, darüber
im Mittelbau ein grosses Rosenfenster, in den Seitentheilen , die als Thürme über den Körper
des Gebäudes empor steigen sollten, schlanke Spitzbogenfenster in zwei Obergeschossen. Die
mächtigen Strebepfeiler nehmen geschossweise, in einfachen Anbsätzen, an Stärke ab. Alles
bekundet ein völlig einfaches Princip; aber eine reiche, kunstvoll berechnete, in ihrer Art völlig eigenthümliche dekorative Ausstattung legt sich darüber hin. Die Portale sind lebhaft gegliedert, mit Sculpturenschmuck versehen, mit schlanken schmuckreichen Wimberegen gekrönt, deren mittlerer gleichfalls für Sculpturenausstattung angeordnet ist; der Fuss der
Streben ist mit Nischen- und Leistenmaasswerk umkleidet, während über ihren oberen Absätzen Statuentabernakel, jedesmal den Fuss des höher aufsteigenden Theils deckend, angeordnet sind; die Einrahmung und das Maasswerk der Fenster entwickeln wohl durchgebildete Formen, die sich in er grossen Rose des Mittelfeldes, sowohl in der reich durchbrochenen,
freu vorspringenden Zackensäumung als besonders in dem strahlenvollen Maaswerke, wel2
Durch Schnase, Gesch. d. bild. Künste, V, I, S. 505.
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ches ihr Inneres erfüllt, zu einer wahrhaft erhabenen Grazie steigern; überall endlich sind
luftig schlanke Arkaden, theils zwischen diesen Baustücken, theils vor ihnen stehend und sie
in zierlichem Spiele deckend, eingspannt, deren Pfosten wie Fäden emporsteigen, die sich in
gemusterten Bögen vereinen und feine Giebelspitzen tragen und die der baulichen Masse den
seltensten malerischen Reiz, dein einer feenhaft phantastischen Wirkung hinzufügen. Man
erkennt in allen diesen Dingen mit Bestimmtheit französische Studien, aber der Meister hat
daraus ein Ergebniss von völlig neuem Gehalte gewonnen; es ist ein Nachklang des
[290] Galleriewesens französischer Kathedralen, aber zu einem wesentlich abweichenden
Zwecke – zu einer fast ätherischen Umhauchung der starren Masse verwandt. Es isr freilich
die Masse selbst von dieser Formenmusik noch nicht durchdrungen, doch überall davon umhüllt, so dass der Schwere dennoch die Last genommen scheint. Es ist Dasjenige, noch einer
Formensymbolik, einer jugendlich virtuosischen, was etwa um ein halbes Jahrhundert später, an dem Entwurfe und dem Bau der Kölner Domfacade, in gereifter, innerlich vom Geiste
bewegter Formensprache zur Erscheinung dringen sollte. Meister Erwin führte den Aufbau
der Strassburger Facade bis zu seinem Tode im J. 1318 fort, nach ihm sein Sohn Johann, der
1339 starb. Nach dessen Tode sah man sich veranlasst, von dem Plane des Meisters abzugehen. Man wollte bedeutendere Höhenverhältnisse gewinnen und verband zu diesem Behuf
die Freigeschosse der Erwinschen Thürme durch einen Zwischenbau. So dass ein drittes zusammenhängendes Obergeschoss entstand.Ueber letzterem empfing, im 15. Jahrhundert und
in abweichendem Style, der nördliche Thurm seine aufragende Spitze; (s.unten). Die südliche
Thurmspitze ist nicht zur Ausführung gekommen. Der Rhythmus des ursprünglichen Plans
ist durch Alles dies wesentlich beeinträchtigt worden.
Der Thurm des Freiburger Münsters ist, wie angedeutet, bis zur Höhe des Kirchendaches ein
schlichter Bau, ausser dem in seine Halle führenden Portale nur durch einfach kräftige
[291] Eckstreben ausgezeichnet. Ohne Zweifel war auch der obere Theil des Thurmes auf eine
entsprechend einfache Behandlung berechnet; aber als man sich anschicken durfte, ihn zur
Ausführung zu bringen, genügte der Welt die Einfalt frühgothischer Formen schon nicht
mehr. Jedenfalls musste das glanvolle Beispiel Strassburgs zum angestrengten Wetteifer reizen, doch verschmähte man es, dem System, welches Meister Erwin ausgebildet hatte, nachzufolgen. Nur etwa jene Rosenfenster, welche von der Westseite her die Seitenschiffe des
Freiburger Münsters erhellen, bezeugen eine einzelne, vorübergehende Einwirkung der
Strassburger Hütte; im Oberbau des Thurmes macht sich eine andre Richtung geltend, und
es scheint, dass man dem hiezu entworfenen Plan um so lieber seine Zustimmung gab, als
damit dem Werke Erwin’s ein Werk von eigenthümlicher Bedeutung gegenübergestellt werden konnte. Der Meister des Freiburger Thurmes verrät Studien der kölnischen Schule, aber
ebenfalls eine selbständig entwickelte künstlerische Kraft und wiederum etwas von jener klugen Berechnung, welche das Gesetz der Wirkung im Auge hat. Der alte Bau schneidet schlicht
ab, doch aber in einer Weise, die ihn angemessen zum Untersatze des Oberbaues stempelt;
eine Gallerie ist die Krönung des unteren, die Basis des oberen Theils. Dieser hat den Anschein einer gewaltig aufsteigenden ungetheilt achteckigen Masse, mit dreiseitigen Eckstreben; soweit aber die letzteren, in der untern Hälfte des Bautheiles, mit der Masse zusammenhängen, ist das Innere noch vierseitig, sind die wirklichen Fensteröffnungen noch mässig, wölbt sich darüber hin die Decke, die, mit fester Eindeckung versehen, den Innenraum
abschliesst; dann lösen sich die Eckstreben als Fialenthürmchen ab, das eigentliche Achteck
mit völlig luftigen Fenstern beginnt und über ihnen, zwischen den Wimbergen der Fenster
und der leichten Eckfialen, steigt ein schlank achtseitiger Helm empor, nur aus den acht
mächtigen Rippen und den Maasswerkfüllungen zwischen diesen bestehend, - von der Plattform über jener Gewölbedecke an ein völlig offnes Werk, gegen 200 Fuss hoch über einer 46
F. breiten Grundfläche, die Schenkel des Helmes nebst der Kreuzblume des obersten Gipfels
allein fast 150 F. hoch; die Gesamthöhe des Thurmes vom Fussboden aufwärts nahe an 386
F. Die Detailformen, namentlich die des Maasswerkes in den Fenstern, den Wimbergen, den
Helmkappen, deuten ziemlich bestimmt auf die erste Hälfte des 14. Jahrhunderts, in welcher
Epoche der Bau ohne Zweifel begonnen und vollendet wurde. Unter allen zur Ausführung
gekommenen gothischen Thürmen grösseren Maasstabes ist er der einzige, der jene luftig
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durchbrochene Auflösung der Formen in entschieden klarer und gesetzlicher Gliederung zur
Erscheinung bringt, der von dieser Consequenz des Styles, wie sie die Epoche des 14. Jahrhunderts (und namentlich die [292] deutsche Kunst) erstrebte, eine Anschauung gewährt
und ihre Wirkung völlig empfinden und erproben lässt. Es ist das Siegel des Triumphes über
die Masse – und freilich das Zeugniss, dass der Triumph über die Masse dennoch nicht das
Grösste, nicht Dasjenige ist, was eine völlig reine Befriedigung gewährt. – Im J. 1354, ohne
Zweifel nach Beendiung der Arbeiten am Thurme, wurde am Freiburger Münster der Grundstein zu einem neuen Chorbau gelegt. Die Ausführung desselben verzögerte sich jedoch über
mehr als hundert Jahre; das Werk gehört spätest gothischer Zeit an.“
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