Koelsch Trautmann 2 Katalog 1999

Koelsch Trautmann 2 Katalog 1999
Gerhard Kölsch
JOHANN GEORG TRAUTMANN (1713 – 1796)
Leben und Werk
Teil II: Katalog
Frankfurt am Main: Peter Lang
1999
VII KATALOG DER WERKE
Zur Benutzung des Kataloges
Der Katalog der Werke Johann Georg Trautmanns gliedert sich in vier große Abschnitte, die
jeweils Gemälde [G], Zeichnungen [Z] und Druckgraphik [D] sowie Reproduktionsgraphik
[RG] nach Arbeiten Trautmanns umfassen. Innerhalb dieser Abschnitte werden Untergruppen
gebildet, die der Authentizität der darin behandelten Werke Rechnung tragen und gegebenenfalls durch einen zweiten Buchstaben als Bestandteil der Numerierung gekennzeichnet sind:
G, Z, D: Authentische Gemälde, Zeichnungen und Druckgraphik. Die Autorenschaft dieser
Werke ist durch eine eigenhändige Signatur, durch urkundliches Material oder durch Stilvergleiche für Johann Georg Trautmann gesichert. Hierzu zählen auch zerstörte oder verschollene, jedoch durch hinreichend aussagekräftige Fotografien belegte Werke.
Ga: Gemälde, deren Zuschreibung an Trautmann aufgrund stilkritischer Vergleiche nicht
zweifelsfrei möglich ist, sowie Gemälde, die weder im Original zugänglich, noch durch
hinreichend aussagekräftige Fotografien belegt sind.
Gb: Kopien nach Gemälden Trautmanns.
Gc, Zc, Dc: Werke, die bislang irrtümlich Trautmann zugeschrieben wurden. Da eine Auflistung sämtlicher bekannter, Trautmann fälschlich zugeschriebener Werke den Rahmen des
Kataloges sprengen würde, werden in dieser Untergruppe nur solche Werke berücksichtigt,
die sich in öffentlichem Besitz befinden, die in der Literatur als Werke Trautmanns publiziert
sind oder die im überregionalen Kunsthandel angeboten wurden. Die getroffene Auswahl
erhebt daher keinen Anspruch auf Vollständigkeit, läßt jedoch insgesamt wesentliche
Kriterien der vorgenommenen Zu- und Abschreibungen deutlich werden. Hierdurch soll auch
zukünftig eine sorgfältige Überprüfung der Authentizität neu bekannt werdender Werke
erleichtert werden.
Gd, Zd, Dd, RGd: Verschollene, nicht mehr nachweisbare und nicht eindeutig identifizierbare
Werke, von denen keine Fotografien oder Abbildungen bekannt sind. Da die in der Literatur
gemachten Angaben zu diesen Werken in der Regel nur wenig informativ sind, läßt sich die
Authentizität dieser Werke nicht beurteilen. Auf die eventuell mögliche Einreihung in die
vorangehenden Untergruppen wurde aus diesem Grund verzichtet.
Die einzelnen Werke sind innerhalb der Untergruppen nach dem Thema ihrer Darstellung
sowie alphabetisch nach ihrem aktuellen Standort geordnet. Eine Ausnahme bilden diesbezüglich die verschollenen Gemälde, die innerhalb der jeweiligen, thematischen Untergruppe
chronologisch nach dem Datum ihrer jeweils erstmaligen, bekannten Erwähnung geordnet
sind. Pendants werden, sofern sie ein gleiches oder entsprechendes Bildthema behandeln, im
Katalog zusammenfassend beschrieben, jedoch mit jeweils eigenen Katalognummern ver-
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sehen; andernfalls erfolgt eine Einordnung der jeweiligen Gegenstücke nach dem Thema ihrer
Darstellung.
Die originalen Bildtitel sind für Trautmanns Werke in keinem Beispiel durch authentische
Quellen überliefert. Die angegebenen Titel wurden daher in der Regel aus der Literatur
übernommen, zum Teil jedoch im Sinn einer genauen Beschreibung der Werke präzisiert. Bei
ikonographisch neu bestimmten Werken ist der bisherige Titel in Klammern nach der jeweiligen Literaturangabe vermerkt. Bei verschollenen Werken, deren in der Literatur
angegebener Titel bisweilen einen beschreibenden Charakter besitzt, ist dieser Titel
übernommen und in Anführungsstrichen gesetzt. Das Sternzeichen [*] nach der Angabe des
Bildtitels besagt, daß der Autor das entsprechende Werk im Original studieren konnte.
Bei den Angaben zur Technik von Gemälden sind, soweit bekannt, auch Doublierungen und
größere Beeinträchtigungen des Zustands angegeben. Bei Zeichnungen ohne Angabe der
Papierart handelt es sich um weißes oder gelbliches Büttenpapier. Die Angabe der Größe
nennt generell Höhe vor Breite. Bei verschollenen Werken sind die teilweise heute nicht mehr
gebräuchlichen Maßangaben übernommen, die umgerechneten Maßangaben nach der heute
gebräuchlichen Metrik sind im Klammern dahinter gesetzt. Die Umrechnung erfolgt dabei, da
eine genaue Identifikation der bisweilen stark schwankenden historischen Maßeinheiten nicht
immer möglich ist, nach einem einheitlichen Mittelwert (1 Fuß = 30 cm; 1 Zoll = 2,5 cm;
1 Linie = 0,2 cm).
Die Angaben zu Signaturen, Monogrammen und Beschriftungen geben in möglichst genauer
Transkription eigenhändige Kennzeichnungen wieder (zur Transkription vgl. die Vorbemerkungen zur Dokumentensammlung). Nicht eigenhändige Kennzeichnungen sind durch
den Zusatz "von fremder Hand" kenntlich gemacht. Fehlen entsprechende Angaben, so ist
eine Kennzeichnung nicht vorhanden oder nicht sichtbar.
Bei Werken, die im Kunsthandel angeboten wurden und deren aktueller Standort nicht
bekannt ist, wird anstelle der Standortangabe auf das letzte Verkaufsangebot des Werkes
verwiesen. Frühere Verkaufsangebote sind hingegen allgemein unter der Rubrik „Provenienz“
aufgeführt. Eine explizite Angabe der Provenienz entfällt bei Werken, für die diesbezüglich
keine Angaben bekannt sind. Bei Druckgraphik sind alle bislang nachgewiesenen Standorte in
öffentlichen graphischen Sammlungen aufgeführt, wobei diese Angaben keine
Vollständigkeit beanspruchen.
Der Katalogtext zu den einzelnen Werken gliedert sich in Hinweise zur Ikonographie, Kurzbeschreibung, Beobachtungen zur Stilistik der Werke und eine eventuelle Bezugnahme auf
weitere Werke Trautmanns oder anderer Künstler.
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Der Literaturnachweis zu den einzelnen Werken ist jeweils so umfassend wie möglich und in
chronologischer Ordnung erstellt, beansprucht jedoch ebenfalls keine Vollständigkeit. Nach
1800 erschienene Auktionskataloge sind in der Regel nicht in die allgemeine Bibliographie
aufgenommen, da die Angabe des Auktionshauses und des Auktionsdatums ohne weiteres
eine genaue Identifikation des Titels ermöglicht. Gleiches gilt für Kunstpreis-Jahrbücher. Bei
Werken, die in der Literatur bereits abgebildet wurden, erfolgte schließlich ein ausführlicher
Abbildungsnachweis. RKD steht für das Rijksbureau voor Kunsthistorische Documentatie
in Den Haag.
273
274
1. GEMÄLDE
Sakrale Darstellungen
Altes Testament
G1
Landschaft mit der Flucht Loths und seiner Töchter
Öl auf Holz
31,5 x 43,6 cm
Mainz, Privatbesitz
Provenienz: Mainz, Sammlung H. Rochelmayer - angeboten im Kunsthandel München,
Auktionshaus Neumeister, 179. Auktion vom 30. 11. und 2.12.1977 - möglicherweise
identisch mit einem etwa gleichgroßen Gemälde (1 Schuh x 1 Schuh 3 1/2 Zoll), ehemals in
Frankfurt, Sammlung Friedrich Karl von Moser, versteigert am 14. Juli 1781, zugeschlagen
für 9 Gulden 30 Kreuzer an einen unbekannten Käufer (vgl. Katalog Frankfurt 1781 b, Nr. 44)
Nach Gottes Beschluß, die sündigen Städte Sodom und Gomorrha zu zerstören, begaben sich
Loth und seine Familie auf die Flucht. Als seine Frau sich verbotenerweise nach den brennenden Städten umsah, erstarrte sie zur Salzsäule (Gen 19,15-26). In Trautmanns Darstellung ist
diese Szene in eine weite Landschaft gesetzt. Im linken Mittelgrund deuten hintereinander gestaffelte, gegen die Mitte hell erleuchtete Trümmer eine brennenden Stadt an, während rechts
ein Gewässer mit einem gestrandeten Segelschiff und, weiter entfernt, eine zweite brennende
Stadt sichtbar werden. Der Himmel über der ganz in Braun- und Beigetönen gehaltenen Landschaft ist von dunklen Wolken bedeckt, aus denen Feuer und Schwefel in Form gelber
Strahlenbündeln regnen. Links im Mittelgrund steht die zur Salzsäule erstarrte Frau Loths,
während rechts außen Loth und seine beiden Töchter aus der Stadt ziehen.
Die Ausführung des Gemäldes zeigt einen ausgesprochen flüssigen und bewegten Pinselduktus, wobei beispielsweise die Figuren oder die Blätter im Vordergrund aus großen Farbtupfen gebildet werden, während Wolken und Lichterscheinungen aus schnell hingewischten
Farbflächen bestehen. Bei der Wiedergabe der brennenden Stadt und der Darstellung des
Feuerscheins greift Trautmann auf charakteristische Gestaltungsmittel seiner Feuersbrünste
zurück. Die für seine Werke ungewöhnliche Komposition der weiten, aus einer Überblickperspektive geschilderten Landschaft knüpft an eine Bildtradition der Darstellung verschiedener „Menschheitskatastrophen“ an, die sich in der niederländischen, insbesondere der
flämischen Malerei seit dem 16. Jahrhundert herausgebildet hat (vgl. hierzu Kapitel III,
Exkurs 1 sowie als Beispiel das Gemälde „Der Untergang von Sodom“ von Jacob Willemsz
de Wett in Darmstadt, Hessisches Landesmuseum, Inv. Nr. GK 777, Abb. in: Engelsing
1978). Hinzuweisen wäre dabei auf die ikonographische Besonderheit, daß in Trautmanns
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Darstellung Loth und seine Töchter nicht von Engeln aus der Stadt geleitet werden, sondern
alleine ihren Weg finden müssen (zuvor in dieser Weise dargestellt u.a. von Albrecht Dürer
auf der Rückseite der Haller Madonna in Washington, National Gallery).
Literatur: Katalog der 179. Auktion bei Neumeister, München, S. 145, Nr. 1311.
G2
Die Verstoßung von Hagar und Ismael*
Öl auf Holz
13 x 18 cm
Pendant zu „Tobias heilt seinen Vater“ [G 13]
Dessau, Anhaltische Gemäldegalerie
Inv. Nr. 365
Provenienz: Frankfurt, Sammlung Prinzessin Amalie von Dessau - seit 1793 in der
Dessauer Amalienstiftung, Inv. Nr. 591 - seit 1927 in der Gemäldegalerie
Die Darstellung zeigt die Verstoßung von Hagar und ihrem Sohn Ismael durch dessen Vater
Abraham. Abraham wurde hierzu von seine Gattin Sarah veranlaßt (Gen 21,14). In einer
einfachen, bildparallel angelegten Figurenkomposition erscheint rechts Abraham in orientalisierendem Kostüm vor einer durch Postamente und volutenartige Wandvorlagen hervorgehobenen Tür. Aus dieser blicken die Köpfe von Sarah und Isaak. Abraham stützt seinen
linken Arm auf einen Steinsockel und erhebt seine rechte Hand mit unentschlossenem Gestus,
der sich sowohl als segnend wie auch als abwehrend deuten läßt. Links daneben zieht Hagar
zögerlich und tränentrocknend davon und blickt ein letztes Mal zu dem Haus zurück. Ein
tuchverhülltes Brot unter den linken Arm geklemmt, führt Hagar den als Rückenfigur wiedergegebenen, eine Wasserflasche tragenden Ismael an ihrer Hand. Neben beiden öffnet eine
weite, angedeutete Landschaft.
Die Ausführung der Malerei ist, ebenso wie bei dem Pendant, flüssig und relativ detailliert.
Die Stofflichkeit der Details wird, beispielsweise bei den Gewändern, durch vereinzelt
aufgesetzte Lichtpunkte unterstrichen, während die Lichtführung allein die Figuren schlaglichtartig betont. Das Kolorit weist einem klaren Akkord aus gebrochenem Weiß, vielfach
abgestuften Blautönen und leuchtenden Gelbtönen auf. Während die Figuren ausgesprochen
steif in ihren Bewegungen wirken, wird die Handlung durch die theatralisch hervorgehobene
Gestik, insbesondere jedoch durch eine klare Gliederung des Bildraumes verdeutlicht:
Abraham und Sarah sind der „schützenden“ Sphäre des Hauses zuordnet, während Hagar und
Ismael in eine weite, nur unzureichend erkennbare Landschaft hinaustreten. Beide Bildhälften
werden zudem von einem spärlich belaubten Baum getrennt. Schließlich verläuft die Bewe-
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gungsrichtung der Komposition, entgegen der üblichen Leserichtung, von rechts nach links,
wodurch der Eindruck eines dramatischen, unfreiwilligen Aufbrechens noch verstärkt wird.
Eine Kopie des Gemäldes befindet sich im Historischen Museum Frankfurt [Gb 1].
Literatur: Katalog Dessau 1913, Nr. 591 (als J.C. Seekatz) - Bamberger 1916, S. 121 Bushart 1963, S. 182 - Keller 1981,
S. 181 - Zisché 1991, S. 6 (en bloc).
G3
Die Verstoßung von Hagar und Ismael*
Öl auf Leinwand, doubliert
32 x 26 cm
Stuttgart, Staatsgalerie
Inv. Nr. 2619
Provenienz: Kunsthandel London, The Arcarde Gallery LTD, erworben 1963
Vor einer bis zum oberen Bildrand reichenden, durch eine offene Arkade, eine Haustür sowie
Wandvorlagen gegliederten Architektur steht im Mittelpunkt der greise, orientalisierend
gekleidete Abraham. Er legt seine rechte Hand auf die Schulter der links stehenden, ihr
Gesicht mit einem Tuch bedeckenden Hagar. Ihr gemeinsamer Sohn Ismael klammert sich an
den linken Arm seiner Mutter und blickt ängstlich zu seinem Vater empor. Am rechten
Bildrand lehnt sich Sarah als Halbfigur aus der geöffneten Haustür.
Das Gemälde läßt in den Grundzügen der Komposition zunächst an Trautmanns seitenverkehrte Zeichnung zum gleichen Thema [Z 1] denken. Möglicherweise entstand das Gemälde
jedoch auch in direkter Anlehnung an Rembrandts Radierung (Bartsch 30), von der eine
seitenverkehrten Kopie von I. Ruischer bekannt ist (vgl. Hollstein, Bd. 13, S. 66, Nr. 1, mit
Abb.). Die Figuren sind nicht mehr, wie in der Zeichnung, als absteigende Diagonale, sondern
bildparallel angeordnet. Die Umkehrung der Bewegungsrichtung unterstreicht, ebenso wie im
Dessauer Gemälde [G 2] den Eindruck eines unfreiwilligen Aufbrechens, während Abrahams
Gestik und der Blickkontakt zwischen ihm und seinem Sohn der Szene eine sentimentale
Stimmung verleihen. Die Figuren wirken, insbesondere im Vergleich zu der Dessauer
Version, sicher durchgebildet und gefestigt in ihrem Volumen. Die Ausführung des Gemäldes
läßt besonders flüssige, bisweilen die Formen kraftvoll modellierende Pinselzüge erkennen,
während auf vordergründig brillante Effekte, etwa aufgesetzte Glanzlichter, weitgehend
verzichtet wird. Das Kolorit vereint pastose Töne, cremiges Weiß, Goldocker, Blau und tonig
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abgestuftes Braun und Grün. Diese Beobachtungen zur Stilistik legen nahe, daß die besprochene Version zu einem späten Zeitpunkt als jene im Dessau entstanden ist.
Literatur: Bushart 1963, S. 182 - Corinna Höper (Bearb.), Staatsgalerie Stuttgart, Deutsche Malerei des 17. und 18. Jahrhunderts, Stuttgart 1996, S. 112.
Abbildung: Bushart 1963, S. 183 - Emmerling 1968, S. 134 - Katalog Stuttgart (s.o.),
S. 113.
G4
Isaak entdeckt den Betrug Jakobs
Öl auf Holz
42 x 62 cm
Coburg, Kunstsammlungen der Veste Coburg, ausgestellt in Schloß Ehrenburg, Große
Bildergalerie
Inv. Nr. E 412
Provenienz: Gandersheim, Stiftsgalerie - nach 1811 bis 1829 im Besitz von Prinzessin
Caroline Ulrike Amalie von Sachsen-Coburg-Saalfeld, Coburg
Nachdem sich Jakob den seinem Bruder zustehenden Erstgeburtssegen seines Vaters Isaak
durch List erschlichen hatte, trat sein heimkehrender Bruder Esau dem Vater gegenüber und
bat ihn um den Segen. Isaak entdeckt daraufhin den Betrug und prophezeit seinem ältesten
Sohn, dieser müsse von nun an unter der Herrschaft seines Bruders leben, falls er sich nicht
von diesem Joch befreie (Gen 27,30-40). Trautmanns Darstellung setzt in den Vordergrund
die kniende, einen antikisierenden Rock und ein Fell tragende Rückenfigur Esaus. Dieser
blickt nach links zu dem greisen, sich auf einem erhöht stehenden Bettlager aufrichtenden
Isaak. Der Vater verschließt die Augen und hält seine linke Hand mit pathetischer Geste vor
die Brust, während er die rechte abweisend erhebt. Im Hintergrund hält Rebecca eine Bahn
des baldachinartigen Betthimmels hoch, um verstohlen das Geschehen zu beobachten. Ein
Tisch mit kostbaren Gefäßen, ein Stuhl, ein flackernder Kamin und ein davor schlafender
Hund deuten ein wohnliches Interieur als Rahmen der Handlung an.
Die Komposition ist in ihrer Grunddisposition mit Trautmanns Zeichnung „Isaak segnet
Jakob“ [Z 2] verwandt und rezipiert möglicherweise Anregungen entsprechender Darstellungen aus dem Umkreis bzw. der Nachfolge Rembrandts (vgl. den Katalogtext zu [Z 2]).
Hervorzuheben ist jedoch die ausgesprochen pathetische Gebärdensprache der Figuren und
die Neigung zu einer dekorativen, ornamentalen Ausgestaltung der Detailformen, wie
beispielsweise des Bettlagers. Die sehr feine Malweise unterstreicht die Stofflichkeit der
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dargestellten Gegenstände durch aufgesetzte Glanzlichter und ähnliche, ausgesprochen
brillant wirkende Effekte.
Literatur: Herbert Brunner und Manfred F. Fischer, Coburg Schloß Ehrenburg, Amtlicher
Führer, München 1958, S. 40 (als Rembrandtnachahmer um 1670) - Hans Werner Grohn,
Die flämischen und holländischen Bilder in Schloß Ehrenburg zu Coburg, in: Jahrbuch der
Coburger Landesstiftung 1961, S. 164 (als Karel van Pluym) - Zahlten 1975, S. 21, Nr. 69,
S. 26.
Abbildung: Zahlten 1975, Abb. 5.
G 5 - G 11
Die Geschichte Josephs
Trautmanns Zyklus der Geschichte Josephs besteht aus sieben Einzelbildern und entstand im
Auftrag des Grafen François de Théas de Thoranc um 1759/1762 für das Haus seines Bruders
Albert de Théas in Grasse. Nach dem Verkauf des Hauses im Juli 1774 gelangte der Zyklus in
das neuerrichtete Haus des Grafen Thoranc in Grasse, nach 1863 auf Schloß Mouans,
Péguilhan de Sartoux, wo die Gemälde von Martin Schubert 1876 wiederentdeckt wurden.
Zum Auftrag des Grafen Thoranc vgl. Kapitel IV, Exkurs, zur Frage des bisher angenommenen Einflusses Johann Wolfgang von Goethes auf die Gestaltung des Zyklus vgl. S. 224-226.
Literatur zum gesamten Zyklus: - Schubart 1896, S. 20f., S. 123, S. 138-143 - Veit
Valentin, Frankfurter Maler im Goethe-Haus zu Frankfurt, in: Goethe-Jahrbuch 17, 1896,
S. 195f., S. 200f. - Donner-von Richter 1904, S. 187, S. 244-254 - Heuer 1907, S. 241f. Bangel 1914, S. 82f., S. 143-150, S. 164 - Manuel Schnitzer, Goethes Josephbilder, Goethes
Josephsdichtung, Hamburg 1921 - Heuer 1922, S. 7f. - Pigler 1956, Bd.I, S. 70 - Beutler
1961, S. 7f. - Lüders 1977 - Katalog Frankfurt 1982 a, S. 173-176 - Schweers 1982, Bd.
II, S. 1021.
G5
Joseph erzählt seine Träume*
Öl auf Leinwand
57,8 x 40,5 cm
um 1759/62
Frankfurt, Freies Deutsches Hochstift, Frankfurter Goethehaus
Inv. Nr. IV-1977-2
Provenienz: Péguilhan de Sartoux, Schloß Mouans, Sammlung Compte de SartouxThoranc - Kunsthandel Frankfurt, Schneider jr.-Andreas 1977 - erworben 1977 als
Dauerleihgabe der Frankfurter Volksbank.
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Als ältester Sohn von Jakob und Rahel wurde Joseph von seinem Vater allen übrigen Kindern
vorgezogen und erhielt ein prächtiges Gewand als Geschenk. Eines Tages erzählte Joseph von
seinen Träumen, in denen er sich als mächtigster von allen sah, und zog so die Mißgunst
seiner Brüder auf sich (Gen 37,5-11). Im Mittelpunkt der Darstellung steht die prächtig
geklei-dete, halbwüchsige Figur Josephs. Dieser erzählt seine Träume mit demonstrativ
erhobenem linken Arm. Ihm gegenüber sitzt Jakob in einem Lehnsessel, seinen rechten Arm
auf einen Tisch gestützt und beugt sich leicht nach vorn, um der Erzählung konzentriert
zuzuhören. Dazwischen wird Rahel als Brustfigur sichtbar, während zwei erwachsene Brüder
am linken Bildrand eingefügt sind. Der erste blickt aus dem Bildraum hinaus. Ihm wendet
sich der zweite Bruder mit einer grimmig-entschlossenen Geste zu, in der sich bereits die
künftige Verschwörung der Brüder gegen Joseph anzudeuten scheint. Das Interieur des
dunkel gehal-tenen Raumes ist durch eine baldachinartige Draperie und einen fünfflammigen
Ölleuchter angedeutet.
Die Komposition der vergleichsweise sicher durchgebildeten Figuren verdeutlicht den Inhalt
der Szene, wenn Joseph und seine Eltern in eine geschlossene Dreiecksform eingebunden
sind, während die beiden Brüder als isolierte Gruppe danebengesetzt werden. Diese Grunddisposition weist Parallelen zur Komposition einer Grisaille Rembrandts zum gleichen Thema
in Amsterdam auf (Bredius 504, Abb. in: Katalog Münster 1994, S. 41). Das Gemälde zeigt
jedoch gegenüber der Grisaille so wesentlichen Abweichungen in den Details, daß sich ebensogut eine weitere, möglicherweise vermittelnde Darstellung als Vorbild annehmen läßt.
Trautmann führte sein Gemälde in flüssigen, relativ feinen Pinselstrichen aus, die stellenweise
mit pastosen Partien und dick aufgesetzten Lichtpunkten akzentuiert werden. Das Kolorit baut
sich aus einer fein abgestuften Skala von Brauntönen und tonig gebrochenem Blau, Rot und
Gelb auf. Die Figuren erfahren durch eine schlaglichtartige Beleuchtung eine besonders
plastische Modellierung. Ein allzu starkes Helldunkel wird hingegen insgesamt vermieden.
Austellungen: Frankfurt 1895, Freies Deutsches Hochstift, „Goethes Beziehung zu
Frankfurt - Paris und Mainz 1949, "Goethe und Frankreich 1749 – 1949“.
Weitere Literatur: Katalog Frankfurt 1895, S. 61, Nr. 302 (falsch identifiziert als
„Christus im Tempel lehrend“) - Katalog Mainz 1949, Nr. 79 - Katalog Frankfurt 1982 a,
S. 174, Nr. 275.
Abbildungen: Katalog Frankfurt 1982 a, S. 173 - Michel 1987, S. 27, Abb. 21 Katalog Frankfurt 1994 a, S. 24.
G6
280
Joseph wird an die Midianiter verkauft*
Öl auf Leinwand
55 x 110 cm
um 1759/62
Frankfurt, Freies Deutsches Hochstift, Frankfurter Goethehaus
Inv. Nr. IV/499
Provenienz: Péguilhan de Sartoux, Schloß Mouans, Sammlung Compte de SartouxMouans - München, Sammlung Martin Schubart, erworben 1897 als Geschenk
Als Joseph seine Brüder auf der Weide aufsuchte, wurde er von diesen in eine leere Zisterne
geworfen, um ihn aus dem Weg zu schaffen. Später verkauften die Brüder Joseph an eine
Gruppe midianitischer Kaufleute, die Joseph daraufhin mit nach Ägypten nahmen (Gen 12,128). Im Zentrum der Darstellung zählt ein prächtig orientalisierend gekleideter Midianit den
Verkaufspreis für den Knaben in die Hand eines der Brüder, wobei er von mehreren Assistenzfiguren beobachtet wird. Links daneben beugt sich ein weiterer Mann zu dem ängstlich
aufblickenden Josephknaben hinab, um diesen zu beruhigen. Der Hintergrund ist rechts von
dicht gewachsenen Bäumen und zwei silhouettenhaften Kamelen ausgefüllt, während links
ein Ausblick in eine weite Landschaft wiedergegeben ist. Zwei ins Gespräch vertiefte Männer
am linken Rand runden die Komposition ab.
Die friesartig im Vordergrund gruppierten Figuren demonstrieren Trautmanns Bemühen, das
wohl vorgegebene, extreme Querformat der Komposition zu füllen. Diese wird zum Rand hin
durch Bildelemente wie Repoussoirfiguren ergänzt. Die Kompositionsweise erinnert ebenso
an die Dessauer Version der „Verstoßung von Hagar und Ismael“ [G 2] wie die unsichere
Durchbildung und die theatralische Gestik der Figuren. Das Kolorit zeigt eine Vielzahl
neben-einander gesetzter, pastos wirkender Bunttöne, während die Lichtführung die zentrale
Figurengruppe hervorhebt. Das im übrigen recht starke Helldunkel läßt die natürliche
Wirkung einer Tageslichtszene hingegen weitgehend außer Acht. Die Ausführung des Gemäldes wirkt etwas fahrig und zeigt körnige, rasch aufgetragene Pinselzüge. Diese Beobachtungen deuten an, daß die Gestaltung des Gemäldes eine in erster Linie dekorative Wirkung
anstrebt, wobei das extreme Querformat an eine ursprüngliche Bestimmung als Supraporte
denken läßt (vgl. hier-zu auch S. 218f). Die Figur Josephs wurde bisweilen als Portrait J.W.v.
Goethes interpretiert (vgl. S. 223).
Weitere Literatur: Schulte-Stachelhaus 1910, S. 4f. - Thieme-Becker, Bd. 33, 1938,
S. 355 - Beutler 1949, S. 14, Nr. 9 - Katalog Frankfurt 1982 a, S. 174, Nr. 276.
Abbildungen: Schubart 1869, bei S. 20 - Schulte-Stachelhaus 1910, Tafel 3 (Ausschnitt)
- Bangel 1914, Tafel 7 - Becker 1924, Abb. 2 - Beutler 1949, Tafel 9 - Katalog Frankfurt
1982 a, S. 174.
G7
Die Brüder zeigen Jakob den blutigen Rock Josephs*
281
Öl auf Leinwand
55,5 x 111 cm
um 1759/62
Frankfurt, Freies Deutsches Hochstift, Frankfurter Goethehaus
Inv. Nr. IV/500
Provenienz: wie [G 6]
Um den Verkauf Josephs zu verbergen, schlachteten dessen Brüder einen Ziegenbock und
tränkten mit dem Blut Josephs Gewand, das sie daraufhin Jakob überbrachten. Dieser glaubte,
ein wildes Tier habe seinen Sohn gerissen, und brach in Wehklagen aus (Gen 37,31-35).
Trautmann setzt die Szene vor eine kürzelhaft durch zwei Stufen und eine Säule angedeutete
Hausarchitektur. In der linken Bildhälfte steht Jakob als orientalisierend gekleidete, bärtige
Ganzfigur und verweist mit ausgestrecktem Arm nach links. Er wendet seinen Kopf um und
blickt zu einem rechts auf der Stufe niederknienden Bruder Josephs hinab. Dieser weist
demonstrativ auf den blutigen Rock. Die Gruppe ist von weiteren, das Geschehen
beobachten-den und gestikulierenden Figuren umgeben. Rechts schließt sich der Ausblick in
einen Landschaftshintergrund an. An den rechten Bildrand ist ein ins Gespräch vertieftes
Figuren-paar gesetzt.
Das Gemälde entspricht in seiner friesartigen Komposition, den unsicher gezeichneten und
pathetisch wirkenden Figuren, dem uneinheitlichen Kolorit und der körnigen Malweise dem
Gemälde [G 6].
Weitere Literatur: Thieme-Becker, Bd. 33, 1939, S. 355 - Pigler 1956, Bd.I, S. 74 Katalog Frankfurt 1982 a, S. 174f., Nr. 277.
Abbildungen: Schubart 1896, bei S. 22 - Bangel 1914, Tafel 8 - Katalog Frankfurt
1982 a, S. 175.
G8
Joseph und die Frau des Potiphar*
Öl auf Leinwand
50 x 36 cm
um 1759/62
Frankfurt, Freies Deutsches Hochstift, Frankfurter Goethehaus
Inv. Nr. IV/503
Provenienz: wie [G 6]
Von den Midianitern wurde Joseph in Ägypten an Potiphar, einen Hofbeamten des Pharao
verkauft. Potiphars Frau begehrte den schönen Jüngling und bedrängte ihn eines Tages. Als
Joseph sich verweigerte und flüchtete, erhaschte die Frau sein Gewand und beschuldigte
282
später Joseph der Verführung. Potiphar bringt darauf hin Joseph ins Gefängnis (Gen 39,7-12).
Im Zentrum der Darstellung sitzt die Frau Potiphars als untersetzte, nachlässig gewandete
Figur am Fußende einer Bettstatt und greift nach Joseph. Dieser schreckt auf und ergreift die
Flucht, wobei er sein rotes Übergewand abstreift und nach vorne blickt. Das Interieur ist
durch eine baldachinartige Draperie, einen mehrflammigen Ölleuchter und einen Tisch mit
Geschirr am linken Bildrand angedeutet.
Trautmanns Darstellung der Figuren wirkt insgesamt wenig überzeugend aufgrund der hölzernen Bewegungsmotive und der theatralisch überzeichneten Gestik. Im Gegensatz zu zahlreichen Darstellungen im 17. und 18. Jahrhundert wird hierbei weder der psychologische Hintergrund der Handlung noch die erotische Komponente des Themas besonders hervorgehoben
(vgl. etwa die etwas frühere Darstellung des gleichen Themas von J.C. Seekatz im Mainzer
Landesmuseum, Emmerling 1991, Nr. 008, mit Abb.). Das Gemälde ist in relativ flächigen,
flüssig gesetzten Pinselstrichen ausgeführt, die teilweise durch pastose Partien oder aufgesetzte Lichtpunkte akzentuiert werden. Das Kolorit besteht aus reichen Brauntönen und tonig
gebrochenem Rot, Gelb und Blau, während die Lichtführung allein die Figuren aus der dunkel
gehaltene Umgebung effektvoll hervorhebt.
Weitere Literatur: Bamberger 1916, S. 121f. - Thieme-Becker, Bd. 33, 1939, S. 355 Pigler 1956, Bd.I, S. 81 - Katalog Frankfurt 1982 a, S. 175, Nr. 278.
Abbildungen: Schubart 1896, bei S. 122 - Bangel 1914, Tafel 10 - Katalog Frankfurt
1982 a, S. 175.
G9
Joseph wird aus dem Gefängnis zum Pharao gerufen*
Öl auf Leinwand
59 x 45 cm
um 1759/62
Frankfurt, Freies Deutsches Hochstift, Frankfurter Goethehaus
Inv. Nr. IV-1977-3
Provenienz: wie [G 5]
Von Potiphars Frau der Verführung beschuldigt, wurde Joseph ins Gefängnis geworfen.
Nach-dem der gemeinsam mit Joseph gefangene Mundschenk des Pharao wieder freigelassen
worden war, mußte Joseph weiter dort verharren. Zwei Jahren später hatte der Pharao zwei
Träume, die niemand zu deuten wußte. Auf Rat des Mundschenks wurde Joseph daraufhin
freigelassen und zu dem Pharao geführt, um seine Träume zu deuten (Gen 41,1-14). In der
Darstellung sitzt Joseph auf einer Kiste und wechselt gemäß der Überlieferung seine Kleider,
bevor er zu dem Pharao tritt. Rechts hinter ihm steht ein Soldat mit Helm und Brustpanzer
und hält ein grünes Gewand für Joseph bereit. Ein zweiter, silhouettenhaft vor der hell
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erleuchteten Tür stehender Soldat gemahnt mit Zeigegestus seiner Rechten zum Aufbruch.
Der dunkel gehaltene Hintergrund wird durch einen Wandpfeiler mit herabhängender
Eisenkette und ein angeschnittenes, vergittertes Rundfenster als Gefängnis charakterisiert.
Das Gemälde entspricht in seiner flüssigen, durch nur wenige pastose Akzente bereicherten
Ausführung und dem Kolorit aus braun gebrochenen Farben weitgehend dem Stil der
Darstellung „Joseph und Potiphars Frau“ [G 8]. Ein möglicherweise nicht ausgeführtes oder
verschollenes Gegenstück zu der Szene dokumentiert Trautmanns Zeichnung der „Traumdeutung Josephs im Gefängnis“ in den Uffizien [Z 3].
Ausstellungen: Frankfurt 1895, Freies Deutsches Hochstift, „Goethe und seine Beziehung
zu Frankfurt“ - Paris und Mainz 1949, „Goethe und Frankreich 1749 – 1949“.
Weitere Literatur: Katalog Frankfurt 1895, S. 61, Nr. 301 - Katalog Mainz 1949, Nr. 79
- Katalog Frankfurt 1982 a, S. 175, Nr. 279.
Abbildung: Katalog Frankfurt 1982 a, S. 175.
G 10
Josephs Getreideverkauf in Ägypten*
Öl auf Leinwand
224 x 134 cm
um 1759/62
Frankfurt, Freies Deutsches Hochstift, Frankfurter Goethehaus
Inv. Nr. IV/502
Provenienz: wie [G 6]
Vom Pharao zum Unterkönig erhoben, ließ Joseph in den sieben fetten Jahren große Kornvorräte anlegen. Durch den Verkauf des Korns während der darauffolgenden Hungersnot der
sieben mageren Jahre gelangte Joseph zu großem Reichtum und großer Macht (Gen 41,3757). Trautmanns Darstellung des Kornverkaufs ist vor eine phantastische Architektur gesetzt.
Diese ist aus einer diagonal ansteigenden Treppenanlage mit Absatz und einem ehrenbogenartigen Abschluß gebildet. Rechts daneben schweift der Blick in eine weite, mit einer Säule
und einer sehr spitzen Pyramide staffierte Landschaft. Die Handlung der Szene ist in zwei
verschiedene Bildzonen geteilt. Zu ebener Erde schnürt links ein Helfer einen prallen Getreidesack zu. Rechts davon kniet eine reich gekleidete Frau neben verschiedenen, vor ihr ausgebreiteten kostbaren Gegenständen und verweist auf ihr weinendes Kind, um den rechts an
einem Steintisch sitzenden und in ein Buch schreibenden Beamten zum Verkauf von Korn zu
bewegen. Ein dazwischen stehender Mann, möglicherweise ihr Gatte, zählt Goldmünzen auf
den Tisch ab. Die Szene wird durch zahlreiche Assistenzfiguren, sowie drei silhouettenhafte
284
Repoussoirfiguren rechts unten ergänzt. Vor dem Landschaftshintergrund bepackt schließlich
eine Frau einen Esel mit Kornvorräten.
Die Überleitung zu der zweiten, auf dem Treppenabsatz plazierten Figurengruppe schafft ein
bärtiger Beamter. Dieser weist mit demonstrativer Geste auf die von einem weiteren Beamten
und einem Soldaten begleitete Figur des Joseph. Der Herrscher trägt ein kostbares, orientalisierendes Gewand samt Turban und stützt seinen rechten Arm lässig auf einen Stock. Vom
linken Bildrand aus überblicken drei weitere Beamte hinter einem Tisch das Geschehen,
während daneben eine aufsteigende Treppe zu einem rückwärtigen Absatz mit zwei Figuren
führt.
Das Gemälde bildet das zentrale Werk des Josephzyklus' und zeigt in verschiedenen Details
eine entsprechend virtuose Ausarbeitung. So werden beispielsweise die Stofflichkeit der
prächtigen Gewänder der Figuren und die Kostbarkeit der Goldschmiedearbeiten durch eine
pastos angelegte Primamalerei und brillant aufgesetzte Glanzlichter charakterisiert. Ebenso
zeichnet sich das Kolorit durch eine breite Palette aus Braun- und Goldtönen sowie einen
reichen Akkord aus cremefarbenem Weiß, warm gebrochenem Rot und dunklem Preußischblau aus.
Die figurenreiche Darstellung ist klar gegliedert, wenn im unteren Teil der Getreideverkauf in
von links nach rechts fortlaufenden Einzelszenen geschildert wird. Die Figur Josephs ist,
seiner Bedeutung als mächtiger Unterkönig entsprechend, nahezu in den Mittelpunkt der
Komposition gesetzt und von wird den Szenen zu ebener Erde durch einen reliefgeschmückten und von einem Gesims abgeschlossenen Absatz getrennt. Die hinter ihm aufragende, reich
gegliederte, von Vasen bekrönte und von einer baldachinartigen blauen Draperie überspannte
Architektur unterstreicht seine Bedeutung zusätzlich. Der Soldat und der Beamte zu seiner
Seite können als Verbildlichung der Macht Josephs über das Land gelesen werden. Rechts
hinter dem Baldachinaufbau überkreuzen sich ein belaubter und ein verdorrter Baum, worin
bereits zurecht eine Anspielung auf die fetten und mageren Jahre Ägyptens gesehen wurde
(Keller 1982, S. 183f.). Die weibliche Nischenfigur links hinter Joseph wurde als Tugendallegorie gelesen und die gesamte Darstellung daher als Verherrlichung der Tugend und
Weisheit Josephs interpretiert (ebd.). Für eine solche Deutung lassen sich jedoch keine
Anhaltspunkte finden, da die Figur keine weitere Attribute aufweist. Ebenso lassen sich die
Reliefdarstellungen der Architektur, zwei als Soldaten verkleidete Kinder rechts und drei mit
einem Papagei spielende in der Mitte (das linke Relief ist angeschnitten und nicht genau
erkennbar), in keiner Weise überzeugend auf die dargestellte Szene beziehen. Die Reliefs
besitzen wohl primär dekorativen Charakter.
Die Komposition Trautmanns wurde bereits von Kurt Gerstenberg auf das Vorbild eines
Kupferstiches von Pieter Schenk d.J. (1660-1718) zurückgeführt (Abb. in: Gerstenberg 1914),
285
der angeblich ein 1644 datiertes Gemäldes des „Getreideverkaufs“ von Bartholomeus Breenbergh reproduzieren solle (ehem. Dresden, Gemäldegalerie Alte Meister, Kriegsverlust). Der
genannte Kupferstich läßt sich mit dem Gemälde Trautmanns jedoch in erster Linie in der
zugrundeliegenden Komposition, weniger hingegen in Einzelmotiven vergleichen. So wird
beispielsweise Joseph in beiden Kompositionen erhöht stehend und vor einer reichen, jedoch
völlig verschiedenen Architekturkulisse wiedergegeben. Ferner entsprechen sich insbesondere
die Figurengruppen der jeweils an Tischen sitzenden, rechnenden und schreibenden Beamten.
Der Kupferstich Schenks stimmt darüber hinaus jedoch weitgehend mit der linken Hälfte
eines Kupferstiches zum gleichen Thema überein, den Breenberghs selbst schuf (Hollstein,
Bd. 3, S. 213, Nr. 30, mit Abb.). Aus diesem Grund läßt sich nicht explizit nachweisen, auf
welche der genannten Vorlagen die Komposition Trautmanns zurückgeht.
Schließlich verwies Otto Heuer (Heuer 1922, S. 13-15) auf die Darstellung des „Getreideverkaufs“ aus einem Zeichnungszyklus zur Josephsgeschichte von Arent de Gelder (Paris, Musée
du Louvre), der von Comte de Caylus als Illustration zu einer Buchausgabe reproduziert
wurde (erschienen Amsterdam 1757; Abb in: Heuer 1922). De Gelders Zeichnung des
„Getreideverkaufs“ ist jedoch offenbar primär von den genannten Darstellungen Breenberghs
abhängig. Daß Trautmanns Gemälde direkt von der Darstellung de Gelders beeinflußt ist, erscheint wenig wahrscheinlich, da in den übrigen Darstellungen des Zyklus Trautmanns
keinerlei Ähnlichkeiten zu entsprechenden Zeichnungen de Gelders auszumachen sind.
Bei der Figur des Joseph greift Trautmann dagegen explizit auf Rembrandts Radierung „Der
Perser“ (Bartsch 152) zurück, wobei er insbesondere die Kostümierung des Dargestellten
verändert und ausgesprochen prächtig gestaltet (vgl. S. 151). Auffallend ist schließlich der
offene, kulissenartig wirkende Architekturhintergrund, der sich kaum als Darstellung eines
Palastes deuten läßt. Der gewundene, durch Podeste unterbrochene Treppenaufgang und die
baldachinartige, sich gegen die freie Landschaft in einer Arkade öffnende Bekrönung wirken
vielmehr wie eine vereinfachte Umsetzung jener phantasievollen Architekturen, die im
18. Jahrhunderts als Ausstattung fürstlicher Gartenanlagen konzipiert und zum Teil auch
ausgeführt wurden (vgl. etwa das von J.B. Fischer von Erlach entworfene „Belvedere“ im
Garten des Palais Lichtenstein in der Roßau bei Wien, als Kupferstich publiziert von Salomon
Kleiner, in: Das florierende Wien, Bd. IV, Augsburg 1737).
Ausstellung: Frankfurt 1895, Freies Deutsches Hochstift, „Goethe und seine Beziehung
zu Frankfurt“.
Weitere Literatur: Katalog Frankfurt 1895, S. 61, Nr. 300 - Gerstenberg 1914 - Leber
1924, S. 108 - Thieme-Becker, Bd. 33, 1939, S. 355 - Beutler 1949, S. 19f., Nr. 13 - Pigler
1956, S. 85 - Keller 1981, S. 182-184 - Katalog Frankfurt 1982 a, S. 176, Nr. 280 -
286
Heinrich Krauss und Eva Uthemann, Was Bilder erzählen, München 1987, S. 202.
Abbildungen: Schubart 1896, bei S. 18 - Donner-von Richter 1904, S. 248 (Umzeichnung) - Bangel 1914, Tafel 6 - Gerstenberg 1914, Tafel 81, Abb. 2 - Becker 1924, Abb. 3
- Beutler 1949, Tafel 13 - Katalog Frankfurt 1982 a, Farbtafel VIII.
G 11
Joseph empfängt seine Brüder in Ägypten*
Öl auf Leinwand
55,5 x 111 cm
um 1759/62
Frankfurt, Freies Deutsches Hochstift, Frankfurter Goethehaus
Inv. Nr. IV/501
Provenienz: wie [G 6]
Joseph verkaufte das gespeicherte Getreide während der Hungersnot nicht nur an Ägypter,
sondern auch an Gesandte der benachbarten Völker. Als auch seine Brüder bei ihm in Ägypten eintrafen, erkannten sie Joseph nicht. Er ließ sie darüber im Unwissen und schließlich
wegen angeblicher Spionage festhalten (Gen 42,1-16). Die Darstellung zeigt vor einer
kürzelhaften Architekturkulisse Joseph als prächtig gekleidete Rückenfigur, die von einem
Mohrenpagen und einem speertragenden Soldaten sowie zwei bärtigen Greisen begleitet wird.
Er wendet sich nach rechts zu den Brüdern hin. Während vier der Brüder sich demütig
verbeu-gen beziehungsweise am Boden kauern, bittet der fünfte mit theatralischer Geste um
Korn. Josephs gebieterisch ausgestreckter rechter Arm verdeutlicht jedoch, daß er dieses
Gesuch vorerst abschlagen wird. Weiter rechts schweift der Blick über einen angrenzenden
Platz, der von einer Mauer abgeschlossen ist. Zwei Repoussoirfiguren sowie ein
angeschnittener Baum-wipfel begrenzen das Bild am rechten Rand.
Gegenüber den beiden anderen Querformaten des Josephzyklus' [G 6] und [G 7] wirkt die
Komposition der besprochenen Darstellung weniger schematisch und die Figurenbildung
etwas sicherer. Die Ausführung in körnigen, relativ flächig angelegten Pinselstrichen und das
buntfarbige, pastos wirkende Kolorit entsprechen hingegen weitgehend den genannten
Vergleichsbeispielen.
Weitere Literatur: Thieme-Becker, Bd. 33, 1939, S. 355 - Katalog Frankfurt 1982 a,
S. 176, Nr. 281.
Abbildungen: Schubart 1896, bei S. 24 - Bangel 1914, Tafel 9 - Katalog Frankfurt
1982 a, S. 176.
287
G 12
Die Krankheit des Hiskia
Öl auf Leinwand
40,5 x 35,5 cm
Kunsthandel London, Auktionshaus Phillip's, Auktion vom 16.2.1988
Die Darstellung illustriert nach dem Text von 2. Könige 20,1-11 die Geschichte des todkranken Hiskia. Rechts richtet sich der greise Herrscher vom Bettlager auf und streckt seine
Rechte mit beredter Geste empor, während links ein bärtiger Mann auf eine rundbogige Türöffnung verweist, die laut Textvorlage eine Sonnenuhr aufweisen müßte. Rechts daneben
beobachtet ein weiterer Mann das Geschehen, davor sitzt eine weinende Frau. In den Vordergrund links sind zwei Repoussoirfiguren sowie stillebenartig eine kostbare Metallkanne
gesetzt. Das Gemälde wurde, soweit nach der bekannten Fotografie erkennbar, in einer relativ
feinen und detaillierten Manier ausgeführt.
Die bisherige Deutung sah in dem Gemälde eine Darstellung von „Abrahams Tod“. Für dieses
Thema ist jedoch weder eine besondere ikonographische Tradition in der neuzeitlichen
Malerei bekannt, noch deuten die Figurenkomposition oder die sehr lebhafte Körperhaltung
und Gestik des Greises eine entsprechende Thematik an. Bemerkenswert ist zudem die Beobachtung, daß das sonst selten aufgegriffene Thema des kranken Hiskia auch von Johann
Valentin Grambs aus Frankfurt dargestellt wurde. Dieses um 1680/81 ausgeführte Gemälde
war Bestandteil des ehemaligen Emporenzyklusses der Katharinenkirche in Frankfurt und
somit Trautmann mit Sicherheit bekannt (heute deponiert, Abb. in: Joachim Proescholdt
(Hrsg.), St. Katharinen zu Frankfurt am Main, Frankfurt 1993, S. 191).
Literatur: Katalog der Auktion bei Phillip's, London, vom 16.2.1988, Nr. 23.
Abbildung: Auktionskatalog (s.o.), Nr. 23.
G 13
Tobias heilt seinen Vater*
Öl auf Holz
13,2 x 18 cm
Pendant zu „Die Verstoßung von Hagar und Ismael“ [G 2]
Dessau, Anhaltische Gemäldegalerie
Inv. Nr. 364
Provenienz: Frankfurt, Sammlung Prinzessin Amalie von Dessau - seit 1793 in der
Dessauer Amalienstiftung, Inv. Nr. 572 - seit 1927 in der Gemäldegalerie
288
Der von seiner Reise zurückgekehrte Tobias bestreicht auf Geheiß des Engels Raphael die
Augen seines Vaters Tobias mit der Galle des mitgebrachten Fisches, um die Augenkrankheit
des Vaters zu heilen (Tob 11,1-11). Trautmann hinterfängt die Szene, analog zum Gegenstück, mit einer Hausarchitektur in der linken Bildhälfte. Diese ist durch eine Tür und vielfach
gestaffelte Wandvorlagen angedeutet. Davor sitzt der alte, bärtige Tobias in einem Lehnstuhl.
Sein Sohn Tobias beugt sich zum Vater herab, um dessen Augen zu behandeln. Aus dem
Hintergrund heraus beobachtet Anna das Geschehen. Am linken Bildrand ist Raphael wiedergegeben, der durch große Flügel als Engel gekennzeichnet ist, während rechts vor einer
weiten Landschaft Sara nach einem Krug greift. Im rechten Vordergrund rundet ein
Hündchen die Komposition ab.
Das Gemälde ist ebenso wie das Gegenstück in flüssigen, relativ detaillierten Pinselzügen
ausgeführt. Es zeichnet sich durch ein Kolorit aus brillant aufleuchtenden Blau-, Gelb- und
Brauntönen und ein starkes, die zentrale Figurengruppe hervorhebendes Helldunkel aus.
Trautmann illustriert in der Darstellung wiederum eine Episode aus dem alten Testament, die
insbesondere in zahlreichen Zeichnungen Rembrandts und seiner Schüler aufgegriffen wurde
(vgl. Katalog Münster 1994, S. 116, mit Bsp.).
Eine Kopie des Werkes befindet sich im Historischen Museum Frankfurt [Gb 2].
Literatur: Katalog Dessau 1913, Nr. 572 (als J.C. Seekatz) - Bamberger 1916, S. 121 Keller 1981, S. 181 - Zisché 1991, S. 6 (en bloc).
G 14
Der Engel verläßt die Familie des Tobias*
Öl auf Holz
64,4 x 49,3 cm
Frankfurt, Freies Deutsches Hochstift, Frankfurter Goethehaus
Inv. Nr. IV-1941-6
Provenienz: Leipzig, Sammlung Gustav Werner, vom Hochstift erworben 1941
Nachdem Tobias seinen Vater Tobias geheilt hatte, gedachte die Familie den Reisebegleiter
des Sohnes zu belohnen. Dieser gab sich daraufhin der Familie als Engel Raphael zu erkennen. Als er die Familie verließ, knieten Vater und Sohn Tobias erschrocken nieder und
priesen die Taten Gottes (Tob 12,1-22). Die Mitte der Komposition Trautmanns nimmt eine
pyra-midal gestaffelte Figurengruppe ein. Diese wird aus dem niederknienden alten Tobias
und seinem Sohn sowie den beiden Gattinnen Anna und Sara gebildet. Drei Assistenzfiguren
stehen im sehr dunkel gehalteten Hintergrund und beobachten das Geschehen. Links ist die
Architektur eines Hauses angedeutet. Am rechten Bildrand sind eine weitere Person und ein
289
Esel sowie eine Truhe mit dem mitgebrachten Geld und eine goldene Fußschale zu erkennen.
Rechts über der Szene schwebt der Engel Raphael in einer goldenen Aureole gegen den
Himmel, von der aus ein dichtes Strahlenbündel über die zentrale Figurengruppe fällt.
Die Darstellung zeichnet sich durch ein besonders starkes, die zentrale Figurengruppe schlaglichtartig hervorhebendes Helldunkel aus. Das Kolorit besteht aus fein nuanciertem Braun
und wenigen Akzenten in gebrochenen Bunttönen. Die malerische Ausführung ist flüssig und
relativ homogen. Diese Beobachtungen zur Stilistik erinnern auffällig an die „Auferweckung
des Lazarus“ [G 22] in der gleichen Sammlung, die möglicherweise in der selben Periode wie
das vorliegende Gemälde entstanden ist. Trautmann greift bei der Darstellung auf die querformatige Radierung Rembrandts zum gleichen Thema (Bartsch 43) zurück. Es staffelt die
Komposition jedoch steiler und paßt sie somit dem Hochformat des Gemäldes an. Weiterhin
ist die halbe Engelsfigur in Rembrandts Radierung nun zu einer Ganzfigur ergänzt. Die
Wirkung der Szene wird hierdurch ebenso modifiziert wie durch eine veränderte Gestik der
übrigen Figuren (vgl. hierzu S. 146).
Literatur: Beutler 1949, S. 15, Nr. 10 - Keller 1981, S. 180f. - Katalog Frankfurt 1982
a, S. 182, Nr. 288 - Schweers 1982, Bd. II, S. 1021.
Abbildung: Beutler 1949, Tafel 10 - Katalog Frankfurt 1982 a, S. 182.
290
Neues Testament
G 15
Darbringung im Tempel
Technik und Größe unbekannt
ehemals Wien, Sammlung Berste (1924)
Am Tag des Reinigungsopfers brachte Maria das Jesuskind in den Tempel und übergab es
dem alten Simeon. Der Hohepriester erkannte in Jesus den vorausgesagten Erlöser, nahm ihn
in die Arme und pries ihn als das Licht, das den Heiden leuchte (Lk 2,22-38). Das nur aufgrund einer relativ schlechten Fotografie gekannte Gemälde zeigt die Halbfigur des greisen
Simeon vor dem am linken Bildrand angedeuteten Altar. Er blickt verklärt nach oben und
trägt Jesus auf beiden Armen. Links daneben schaut Maria auf das Kind. Joseph steht als
halbe Rückenfigur im Vordergrund und breitet seine Arme aus. Zwei schemenhafte Figuren
am rechten und am oberen Rand ergänzen die Komposition.
Die Physiognomie des greisen, bärtigen Simeon sowie die rundlichen Gesichtszüge der Maria
entsprechen den typenhaften Figuren Trautmanns und lassen die Handschrift des Künstlers
eindeutig erkennen. Gleiches gilt für die schnell und pastos hingewischten Faltenformen des
Gewandes Simeons sowie weitere Details, die in reliefartiger Primamalerei angelegt sind.
Weitere Eigenheiten lassen sich anhand der verfügbaren Fotografie hingegen nicht beurteilen.
Literatur: Benesch 1924, S. 165 (als Meister der Frankfurter Salome) - Bushart 1963,
S. 175.
Abbildung: Benesch 1924, S. 165, Abb. 133.
G 16
Darbringung im Tempel*
G 17
Anbetung der Könige*
Öl auf Holz
Pendants, jeweils 40,5 x 31 cm
Mainz, Landesmuseum
Inv. Nr. MP 1997 – 5 [G 16] und MP 1997 – 6 [G 17]
Provenienz: Mainz, Sammlung H. Rochelmayer - Mainz, Privatbesitz - vom Museum
erworben 1997
291
Die „Darbringung im Tempel“ zeigt Simeon vor einem durch zwei Stufen erhöhten und von
einer Draperie überspannten Altar stehend. Er hält das Jesuskind in seinen Armen und blickt
nach oben. Zwei kerzentragende Knaben flankieren ihn. Im Vordergrund rechts knien Maria
und eine männliche Rückenfigur. Weitere Figuren sind als Gruppe in den Mittelgrund links
gesetzt und beobachten das Geschehen. Im Hintergrund ist ein rotundenartiger Nebenraum zu
erkennen.
Die zweite Darstellung schildert die Ankunft der Heiligen Drei Könige im Stall zu
Bethlehem. Sie huldigten dort dem Jesuskind und brachten ihm Gold, Weihrauch und Myrrhe
als Geschenke dar (Mt 2,9-12). Die offenbar als Nachtstück aufgefaßte Szene wird von einem
Mauerbogen hinterfangen. Maria sitzt nahezu im Mittelpunkt und präsentiert das Jesuskind
auf ihrem Schoß. Links dahinter steht die Figur Josephs in dunkler Umgebung. In der rechten
Hälfte der Komposition stehen zwei der Könige und präsentieren ihre Geschenke. Der dritte
kniet am Boden und deutet hingebungsvoll mit seiner rechten Hand auf seine Brust. Im Hintergrund deuten ein Page, zwei Lanzenträger, ein Fahnenträger und ein durch den Bogen
ziehendes Kamel samt Reiter das Gefolge der Könige an.
Beide Gemälde schließen in ihrer Komposition versatzstückhafte Architekturteile mit ein.
Weiterhin fallen die schlaglichtartig auf die jeweiligen Hauptfiguren gerichtete Beleuchtung
sowie die theatralisch überhöhte Gestik der Figuren auf. Die Physiognomie der im Übrigen
teils recht unsicher durchgebildeten Figuren gleicht den „standardisierten“ Typen
Trautmanns. Die sehr stark nachgedunkelten Gemälde besitzen ein Kolorit aus vielfach
nuancierten Braun-tönen sowie starkfarbigen Akzenten in Blau, Rot und Gelb. Die Malerei ist
in größtenteils recht körnigen Pinselstrichen ausgeführt, die stellenweise, wie bei den
Gewändern durch reliefartigen Farbauftrag akzentuiert werden.
Literatur: Katalog der Auktion bei Neumeister, München, vom 14. und 15.9.1983,
S. 154, Nr. 1026 bzw. 1027 (als Umkreis des C.W.E. Dietrich).
Abbildungen: Katalog der Auktion (s.o.).
G 18
Anbetung der Könige
Öl auf Leinwand
40,7 x 35 cm
Privatbesitz Frankfurt
Das vielfigurige Gemälde ist als Szene bei Tag aufgefaßt. Im Hintergrund links deuten eine
Mauer, eine Lattenkonstruktion und eine Säule auf hohem Postament den Stall zu Bethlehem
an. Die Säule hinterfängt zugleich als Würdeformel Maria, die links im Vordergrund sitzt und
292
Jesus präsentiert. Rechts daneben stehen zwei Könige und bringen ihre Geschenke in kostbaren Goldgefäßen dar. Der dritte König kniet vor ihnen und überreicht Maria und Jesus ein
goldenes Kästchen. Drei Lanzenträger in Rüstungen und ein Page sind an den rechten Bildrand gesetzt. Am linken Bildrand erscheint die Figur des Joseph in einer demütig oder abwartend wirkenden Pose. Über ihm verfolgen zwei neugierig aus der Stallarchitektur
hervorschau-ende Figuren das Geschehen. Der Stern von Bethlehem steht am Himmel und
entsendet ein dichtes, helles Strahlenbündel auf Maria und das Kind.
Die Komposition der Darstellung greift offenbar Anregungen aus der flämischen Malerei auf:
die zentrale Figurengruppe gleicht einem Bildtypus der „Anbetung“, der häufig im Umkreis
von P.P. Rubens zu finden ist. Dieses Bildschema geht sehr wahrscheinlich auf ein verlorenes
Frühwerk des Meisters zurück und wurde in zahlreichen Gemälden anderer Künstler variiert
(vgl. die Version in Karlsruhe, Staatliche Kunsthalle, Inv. Nr. 1013, Katalog Karlsruhe 1966,
Bd. 1, S. 262f., mit Abb. und Verweis auf weitere Beispiele). Eine in Grundzügen der Komposition Trautmanns entsprechende Säulenstellung samt dazwischen hervorblickender
Zuschauer findet sich weiterhin in verschiedenen Versionen der „Anbetung“, die der Antwerpener Maler Gerard Seghers schuf. Diese wurden auch durch Reproduktionsstiche verbreitet
(Bieneck 1992, Nr. A 71, A 71a und A 72, mit Abb.). Trautmann wandelt diese Anregungsquellen ab, indem er die Figuren der drei Könige in der prächtigen, orientalisierenden Kleidung und der Physiognomie seinem typenhaften Bildpersonal angleicht. Das Gemälde ist
vergleichsweise minutiös und in flüssigen Pinselzügen ausgeführt. Dabei werden
insbesondere verschiedene Details der prächtigen Kostüme durch skizzenhafte Pinselzüge und
aufgesetzte Lichtpunkte akzentuiert.
Literatur: nicht bekannt.
G 19
Die Flucht nach Ägypten
Öl auf Leinwand
Größe unbekannt
monogrammiert „TM (ligiert) f.“ auf einem Stein rechts unten
Kunsthandel Wien, Auktionshaus Dorotheum, 598. Auktion 1972
Nach den Evangelien erschien Joseph im Traum ein Engel und forderte ihn auf, mit seiner
Familie nach Ägypten zu fliehen, um der Verfolgung des König Herodes zu entgehen (Mt
2,13-15). Trautmanns Gemälde schildert hingegen, einer weitverbreiteten ikonographischen
Tradition folgend, die Flucht der Heiligen Familie nach Ägypten, die nur in den Apokryphen
beschrieben wird. Joseph geht in der linken Hälfte der Komposition voran. Er stützt sich mit
293
seiner rechten Hand auf einen Wanderstab, während er mit der linken einen Esel führt. Darauf
reitet Maria, die das Jesuskind an ihre Brust hält. Die Szene ist in eine nächtlich dunkle
Umgebung gesetzt, in der kürzelhaft skizzierte Steine, Büsche und ein überwucherter Baumstamm eine Landschaft andeuten. Über der Heiligen Familie schwebt ein fackeltragender
Engel, der die Szene effektvoll beleuchtet.
Die Figuren gleichen in ihrem Habitus sowie in der greisenhaften Physiognomie Josephs und
den rundlichen Gesichtszügen der übrigen Figuren den stereotyp verwendeten Gestaltungsmustern Trautmanns. Die Komposition der Szene, insbesondere jedoch das Motiv des fackeltragenden Engels läßt sich hingegen auf eine Bilderfindung von Trautmanns Zeitgenossen
C.W.E. Dietrich zurückführen, die beispielsweise in Dietrichs Radierung zum gleichen
Thema ausgeformt erscheint (Abb. in: Norbert Suhr (Bearb.), Vor 100 Jahren - Die Gründung
der Kupferstichkabinetts, Katalog der Ausstellung des Landesmuseums Mainz 1995/86). Im
Ver-gleich hierzu wirken die Komposition und die Figuren bei Trautmann regelrecht
verfestigt. Deutlich verstärkt erscheinen auch die Helldunkel-Kontraste. Trautmann
modifiziert somit die Vorlage eines Zeitgenossen im Sinn einer Gestaltungsweise „in
Rembrandts Manier“.
Literatur: Katalog der 598. Auktion des Dorotheums, Wien, Nr. 129.
Abbildung: Auktionskatalog (s.o.), Tafel 51.
G 20
Die Flucht nach Ägypten
Öl auf Holz
19 x 15,5 cm
Kunsthandel München, Auktionshaus Neumeister, 265. Auktion vom 11.12.1991
Das Gemälde variiert die Komposition der vorangegangenen „Flucht nach Ägypten“ [G 19]
aus dem Kunsthandel. Die Heilige Familie zieht hierbei in die entgegengesetzte Richtung.
Weiterhin blickt Joseph nun zu Maria zurück. Die in einem sehr starken Helldunkel gehaltene
Malerei besitzt ein Kolorit aus braunen, rötlichen und wenigen blauen Farbtönen. Alle
weiteren Gestaltungsmittel lassen sich anhand der verfügbaren, wenig aussagekräftigen
Reproduktion nicht beurteilen.
Literatur: Katalog der 265. Auktion bei Neumeister, München, S. 47, Nr. 372.
Abbildung: Auktionskatalog (s.o.), Tafel 80.
G 21
294
Hochzeit zu Kana*
Öl auf Leinwand
94 x 87 cm
Augsburg, Deutsche Barockgalerie
Inv. Nr. 6379
Provenienz: Unterschondorf, Sammlung Sigmund Röhrer, dem Museum gestiftet 1924
Nach der Berufung der ersten Jünger nahm Christus mit seiner Mutter an einer Hochzeit in
der Stadt Kana teil. Bei dem Festmahl ging der Wein zu Ende. Christus lies daraufhin die
Diener sechs Krüge mit Wasser füllen, das sich sogleich in Wein verwandelte. Die Jünger
deuteten dieses erste Wunder als Offenbarung der Herrlichkeit Christi (Joh 2,1-12).
Trautmann stellt die Szene in einem weiten, von einer kulissenhaften Arkadenarchitektur
abgeschlossenen Saal dar. Die Hochzeitsgesellschaft ist um eine diagonal den Raum
durchteilenden Festtafel plaziert. In der oberen Hälfte der Komposition durchspannt eine
üppige, violettbraune Draperie den Bildraum. Darüber deuten dunkle Wolken und eine diffuse
Lichterscheinung das sich ereignende Wunder an. Dabei erscheint ein goldgelbes
Strahlenbündel über Christus und Maria am Kopf der Tafel. Im Vordergrund rechts instruiert
der Mundschenk einen Diener, die großen Tonkrüge zu versorgen. Weitere Diener schenken
die Gästen bereits den Wein ein. Der Vordergrund ist durch einen verschatteten Streifen vom
übrigen Bildraum unterschieden.
Das Gemälde zeigt ein Kolorit aus opaken, pastellartig aufgehellten Bunttönen. Die Ausführung zeigt vergleichsweise feine Pinselzüge, die durch perlend aufgesetzte Glanzlichter
ergänzt werden und Trautmanns sorgfältige Gestaltung der Details verdeutlichen. Die Bildung
der Perspektive wirkt, insbesondere durch die übermäßige Verkleinerung der hinteren
Figuren, jedoch ebenso unsicher und wenig überzeugend wie die unmotiviert eingefügte
Draperie. Die orientalisch anmutende Kostümierung der Männerfiguren sowie die rundlich
geformten Physiognomie der Frauen entsprechen Trautmanns typenhaftem Bildpersonal.
Das Gemälde wurde erstmals von Bruno Bushart Trautmann zugeschrieben. Bushart wollte
hierbei in dem weiten Bildraum und der „monumentalen“ Hintergrundarchitektur eine Rückwendung Trautmanns zu hochbarocken Gestaltungsmitteln lesen, die er für das Spätwerk des
Künstlers konstatierte (Bushart 1963). Eine solche Entwicklung kann jedoch nicht überzeugend für das Werk Trautmanns rekonstruiert werden, da es an konkret vergleichbaren
Darstellungen mangelt. Die Architekturkulisse und der diagonal im Raum plazierte Tisch
wurden an anderer Stelle mit Anregungen aus der venezianischen Malerei in Verbindung
gebracht (Katalog Augsburg 1984). Entsprechende Motive stellen jedoch bereits in der
deutschen Malerei des 17. Jahrhunderts ein weitverbreitetes Gestaltungsmittel dar (vgl. das
Gemälde „Die Hochzeit zu Kana“ von Johann Rottenhammer in Augsburg, Deutsche Barockgalerie, Katalog Augsburg 1984, S. 204f., mit Abb. oder Joachim von Sandrarts berühmtes
295
„Friedensbankett“ im Nürnberger Rathaus, Abb. in: Adriani 1977, S. 85). Ob es sich bei dem
relativ großformatigen Gemälde möglicherweise um ein Auftragswerk handelt, läßt sich
mangels weiterer Anhaltspunkte nicht entscheiden.
Literatur: Feulner 1926, S. 22, Nr. 150 (als Süddeutscher Meister nach der Mitte
18. Jh.) - Bushart 1963, S. 180-182 - Schweers 1982, Bd II, S. 1020 - Katalog Augsburg
1984, S. 247.
Abbildungen: Feulner 1926, Abb. 22 - Bushart 1963, S. 182, Abb. 8.
G 22
Die Auferweckung des Lazarus*
Öl auf Leinwand
55,5 x 40 cm
Frankfurt, Freies Deutsches Hochstift, Frankfurter Goethehaus
Inv. Nr. IV/336
Provenienz: Frankfurt, Privatbesitz - erworben 1898 im Kunsthandel Frankfurt, A. Paris
Nachdem Lazarus, der verstorbene Bruder von Maria Magdalena und Martha bereits vier
Tage im Grab gelegen hatte, kam Christus in die Grabeshöhle und forderte ihn auf,
herauszukom-men. Da erhob sich der Verstorbene, dessen Füße und Hände mit Binden
umwickelt waren und dessen Kopf ein Schweißtuch verhüllte, aus dem Grab (Joh. 11,33-44).
Fast im Mittel-punkt der Komposition stellt Trautmann Christus als halb nach rechts
gewendete Figur dar. Sein Kopf wird von einer Gloriole hinterfangen. Er erhebt seine Hand
zum Segen, während er in das Grab rechts neben ihm herabblickt. Die leichenblasse, in
Tücher gewickelte Halbfigur des Lazarus hat sich dort bereits halb erhoben. Die übrigen
Figuren formieren zwei Gruppen. Direkt hinter dem Grab hält ein Mann seine Nase zu, um
den Verwesungsgeruch abzuwehren. Vier weitere Figuren umgeben ihn. Links hinter Christus
trocknen die beiden Schwestern des Lazarus ihre Tränen mit vorgehaltenen Tüchern, während
zwei bärtige Greise und ein erhöht stehender, junger Mann das Geschehen erstaunt
beobachten. Im Hintergrund deuten zwei gekuppelte Säulen mit dem daran hängenden
Waffen des Verstorbenen sowie zwei über-wucherte Felsbögen die Grabhöhle an.
Trautmann setzt die Szene aus verschiedenartigen Elementen additiv zusammen, wobei sich
insbesondere ein Einfluß niederländischer Vorbilder feststellen läßt (vgl. hierzu S. 154). Der
Bildraum wirkt dabei ebenso kulissenhaft, wie die Komposition uneinheitlich. Das von links
oben einfallende Licht erhellt die vor dunklen Hintergrund gesetzten Figuren relativ gleichmäßig, Christus und Lazarus werden jedoch durch ihre helle Kleidung hervorgehoben. Das
Kolorit besteht zum Teil aus kräftigen, leuchtenden Farbtönen wie Preußischblau, samtigem
Rot und verschiedenen Gelbtöne. Diese bilden einen starken Kontrast zu den braunen Tönen
296
des Hintergrunds. Die Ausführung des Gemäldes läßt einen relativ flüssigen, homogenen
Pinselduktus erkennen, der nur stellenweise durch aufgesetzte Glanzlichter ergänzt wird. Die
Beobachtungen zur Stilistik könnten auf eine relativ frühe Entstehung des Werkes hindeuten
(vgl. hierzu S. 75f.).
Literatur: Bangel 1914, S. 134-136, S. 164 - Thieme-Becker, Bd. 33, 1939, S. 355 Münz 1934, S. 35-37 - Beutler 1954, S. 8f., Nr. 4 - Der junge Goethe, Katalog der Ausstellung im Freien Deutschen Hochstift - Frankfurter Goethe-Museum 1974, Frankfurt 1974,
Nr. 10 - Keller 1981, S. 182 - Katalog Frankfurt 1982 a, S. 182, Nr. 287 - Schweers 1982,
Bd. II, S. 1921.
Abbildungen: Bangel 1914, Tafel 5 - Münz 1934, Tafel 6, Abb. 22 - Heiland 1960,
Tafel 36 - Katalog Frankfurt 1982 a, S. 182.
G 23
Die Auferweckung des Lazarus*
Öl auf Leinwand
80,4 x 66,3 cm
Gegenstück zu G 6
bezeichnet „Trautmann f.“ am unteren Rand des Grabsteins
Frankfurt, Städelsches Kunstinstitut, Städtische Galerie
Inv. Nr. SG 634
Provenienz: München, Sammlung Martin Schubart - Frankfurt, Sammlung Heinrich
Edler, vom Städel erworben 1938
In den Vordergrund der Komposition ist das geöffnete, von einer schräg stehenden Steinplatte
halb verdeckte Grab gesetzt. Die bis zur Brust sichtbare, in Tücher gehüllte Figur des Lazarus
richtet sich darin auf. Im gegenüber ist Christus halb nach rechts gewendet dargestellt. Er
blickt zurück und streckt Lazarus seinen rechten Arm entgegen. Durch einen Grabstein mit
„hebräischen“ Schriftzeichen vom Vordergrund abgetrennt formieren weitere Figuren eine
bildparallel geordnete Gruppe. Links hält sich ein Mann seine Nase zu, um den Verwesungsgeruchs nicht zu riechen. Daneben beklagt eine der Schwestern das Schicksal Lazari mit übersteigerter Geste. Weiter rechts verdeckt die zweite Schwester trauern ihr Gesicht mit einem
Tuch. Zwei bärtige Greise kommentieren das Wunder, während weitere Figuren in Erstaunen
verharren. Im Hintergrund der Grabhöhle rahmt ein überwucherter Felsbogen den Ausblick in
eine mondbeschienene Landschaft.
Die Komposition verbindet beide Hauptfiguren durch eine aufsteigende Diagonale und
erzeugt hierdurch ein Spannungsmoment, das durch die gedrehte Körperhaltung Christi noch
verstärkt wird. Die Lichtführung hebt Christus und Lazarus hell hervor und verdeutlichet das
Wundergeschehen durch ein starkes Helldunkel. Das Gemälde zeichnet sich durch ein Kolorit
297
aus fein nuancierten Braun- und Beigetöne aus, das durch bunte Lokalfarben, insbesondere in
der Kleidung der Figuren ergänzt wird. Die Farbgebung wirkt jedoch insgesamt einheitlicher
als in der vorangehenden „Auferweckung“ [G 22]. Das Gemälde ist in flüssigen, stellenweise
durch plastisch aufgesetzte Weißhöhungen akzentuierten Pinselzügen ausgeführt. Zur Datierung vgl. S. 75f., zum Einfluß niederländischer Vorbildern S. 153.
Ausstellung: Frankfurt 1982, Städelsches Kunstinstitut, „Frankfurter Malerei zur Zeit des
Jungen Goethe“.
Literatur: Schubart 1896, S. 140 - Bangel 1914, S. 134f., S. 164 - Leber 1924,
S. 109 - Katalog Frankfurt 1982 b, S. 57, Nr. 13 - Katalog Frankfurt 1982 a, S. 182 Schweers 1982, Bd. II, S. 1021.
Abbildungen: Schubart 1896, bei S. 140 - Münz 1934, Tafel 8, Abb. 31 - Katalog
Frankfurt 1982 b, S. 57.
G 24
Die Auferweckung des Lazarus
Öl auf Leinwand, doubliert
34 x 29 cm
Gegenstück zu [G 32]
Kunsthandel Köln, Auktionshaus Lempertz, 709. Auktion vom 19.11.1994 - Kunsthandel
London, Auktionshaus Phillips, Auktion vom 4.7.1995
Provenienz: Privatbesitz Basel
Das relativ kleinformatige Gemälde variiert die „Auferweckung des Lazarus“ [G 23] im
Städelschen Kunstinstitut. Mit diesem Gemälde sind die weitgehend identische Grunddisposition, aber auch verschiedene figürliche Motive vergleichbar, etwa der sich im Grab aufrichtende Lazarus oder der Zuschauer mit der zugehaltenen Nase sowie einige der übrigen
Assistenzfiguren. Wesentliche verändert erscheint dagegen die Figur Christi, der sich nun
Lazarus zuwendet, seinen rechten Arm erhebt und mit ausgestrecktem Zeigefinger gen
Himmel weist.
Die Figuren wirken weniger pathetisch in ihrer Gestik, während die Handlung überzeugender
dargestellt wird. Der Hintergrund ist durch Felsbögen als Grabhöhle charakterisiert und wirkt
weniger kulissenartig als in den vorausgehenden Darstellungen. Auffällig ist das buntfarbige,
klare Kolorit, das helles Blau, Altrosa, Karminrot und gebrochenes Weiß in der Kleidung der
Figuren, Goldgelb im Heiligenschein Christi und fein nuancierte Beige- und Brauntöne in der
Umgebung vereint. Die Lichtführung vermeidet ein allzu starkes Helldunkel. Diese
Beobachtungen könnten andeuten, daß das Gemälde zu einem späteren Zeitpunkt geschaffen
wurde als die beiden vorherigen Versionen (vgl. hierzu S. 75f.).
298
Literatur: Katalog der 709. Auktion bei Lempertz, Köln, vom 19.11.1995, S. 36,
Nr. 1469.
Abbildung: Auktionskatalog (s.o.), Tafel XL.
G 25
Die Auferweckung des Lazarus
Öl auf Holz
44,5 x 31,8 cm
Privatbesitz Süddeutschland
Provenienz: ehemals ausgestellt im Augsburger Fugger-Museum
Im Mittelpunkt der Komposition erscheint Christus erhöht stehend und von einer Gloriole
um-geben. Er weist mit seinem linken Arm gen Himmel, während er nach unten blickt. Dort
ist das geöffnete Grab wiedergegeben, in dem sich Lazarus halb erhebt. Weiter rechts stemmt
ein als Rückenfigur vorgestellter Mann die Grabplatte empor. Neben ihm beobachten zwei
Frauen sowie zwei Männer mit ergriffener Gestik das Geschehen. Eine zweite,
pyramidenförmig ge-staffelte Figurengruppe ist links auszumachen. Zwischen dieser Gruppe
und dem Grab ist als formales Bindeglied ein weißes Grabtuch eingefügt. Am oberen
Bildrand deutet ein Felsbogen die Umgebung der Grabeshöhle an und rahmt zugleich die
Komposition. Im Hintergrund links ist schließlich eine mächtige Säule mit den
darangehängten Waffen des Verstorbenen eingefügt.
Das Gemälde zeichnet sich, insbesondere im Vergleich zu den übrigen Darstellungen des
Lazarus-Themas durch seine spannungsvolle Komposition und eine überzeugende
Darstellung des Bildgeschehens auf. Hierzu trägt in besonderem Maße die effektvolle
Lichtregie bei, die Christus hell hervorhebt und zugleich zu der scheinbar einzigen
Lichtquelle werden läßt. Ein starkes, die Umgebung verunklärendes Helldunkel wird zudem
vermieden. Die verschiedenen Bildelemente werden auch durch das durchweg aufgehellte,
sehr delikat komponierte Kolorit zusammengefaßt, das opake Pastelltöne wie zartes Rosa,
Eisblau und helles Ockergelb sowie vielfach gebrochene Brauntöne umfaßt. Das Gemälde ist
in kräftigen und rasch gesetzten Pinselzügen ausgeführt. Details wie die Kleidung oder das
Grabtuch werden durch plastisch aufgesetzte Primamalerei akzentuiert. Das besondere
Interesse Trautmanns gilt schließlich der
299
phantasievollen, teils orientalisierenden Kostümierung der Assistenzfiguren. Zur Datierung
vgl. S. 75f., zu formalen und stilistischen Vorbildern S. 155.
Literatur: Bangel 1914, S. 135, Anm. 1 (als Leonard Bramer zugeschriebenes Werk) Thieme-Becker, Bd. 33, 1939, S. 355 (unter Augsburg) - Bénézit 1976, Bd. 10, S. 261 (unter
Augsburg, Fuggermuseum) - Bushart 1963, S. 176 (als verschollen) - Katalog Frankfurt
1982 a, S. 182 (als verschollen).
Abbildung: Bushart 1963, S. 180, Abb. 6.
G 26
Christus predigend
Öl auf Leinwand
66,5 x 77 cm
Kunsthandel München, Auktionshaus Hugo Ruef, Auktion vom 30./31.10. 1957
Rechts neben der Mitte erscheint Christus auf einem zweistufigen Podest. Den von einer
hellen Gloriole umgebenen Kopf leicht neigend, weist er mit seinem rechten Arm auf die
Frau, die links neben ihm sitzt und ein Kind umfaßt. Mit der linken Hand deutet Christus
zugleich auf einen Kranken, der im Vordergrund am Boden kauert. Zur linken und zur rechten
Seite hin schließen sich zahlreiche Assistenzfiguren an, die das Geschehen beobachten oder
durch Gesten kommentieren. An den linken Bildrand ist ein greiser, am Krückstock gehender
Mann als Repoussoir gesetzt.
Das Gemälde stellt kein einzelnes Thema nach der biblischen Überlieferung dar, sondern
paraphrasiert formal und inhaltlich Rembrandts Radierung des „Hundertguldenblattes“
(Bartsch 74): es vereint verschiedene Episoden wie die Krankenheilung, die Segnung der
Kinder und die Fragen der Pharisäer an Christus in einer einzigen Szene. Trautmann modifiziert in seiner Rembrandtnachahmung jedoch nahezu alle Detailmotive, insbesondere die
Figur Christi (vgl. den verwandten Zeigegestus in der „Auferweckung des Lazarus“ in Privatbesitz [G 25]) sowie die Figur des Kranken, die seitenverkehrt wiederholt wird. Weiterhin
ersetzt Trautmann den dunklen Hintergrund der Radierung Rembrandts durch eine Ruinenarchitektur. Links schließt sich der Ausblick in eine freie Landschaft an. Das starke Helldunkel der Radierung Rembrandts erscheint in dem Gemälde Trautmanns ebenso abgemildert
wie die ehemals skizzenhaft bleibende Ausarbeitung der Figuren konkretisiert. Trautmanns
Adaption entspricht somit in wesentlichen Punkten der zeitgenössischen Vorstellung einer
„verbessernden“ Rembrandtnachahmung. Die Ausführung des Gemäldes läßt sich anhand der
verfügbaren Fotografie leider nicht beurteilen.
Abbildung: Weltkunst 1957, Nr. 18, S. 11.
300
G 27
Maria Magdalena salbt Christus die Füße*
Öl auf Leinwand, doubliert
41 x 36 cm
Privatbesitz Frankfurt
Eine entsprechende Szene wird an verschiedenen Stellen der Evangelien überliefert. So
berichten Lk 7,36-40 und Joh 12,1-8, daß eine Sünderin, beziehungsweise Maria Magdalena
bei dem Gastmal im Hause des Pharisäers Simon, beziehungsweise bei Simon dem Aussätzigen an Christus herantrat und ihm die Füße salbte. Da in späterer Zeit die salbende Frau
gemeinhin mit Maria Magdalena identifiziert wurde, vermischten oder überlagerten sich die
verschiedenen Überlieferungen vielfach (vgl. LCI Bd. 3, 1971, S. 134).
Trautmann stellt die Szene vor einer kulissenartigen Architektur aus einer Arkade, einem
Pfeilerbündel und einer blauen Draperie. Christus und seine Jünger haben an einer weißgedeckten Tafel Platz genommen. Im Vordergrund kniet Maria Magdalena am Boden, um
Christus die Füße zu salben. Dieser erhebt seine rechte Hand mit segnendem Gestus. Die
Szene wird von den übrigen Figuren mit Erstaunen beobachtet. Das Gemälde ist in fein
modellierenden Pinselzügen ausgeführt. Die Farbgebung weist opake, pastellartig helle Tönen
auf, die einen harmonischen Akkord aus gebrochenem Weiß, Goldgelb, verschiedenen Blautönen, bräunlichem Grau und wenig hellem Karminrot bilden. Die Lichtführung vermeidet ein
starkes Helldunkel und ist fast gleichmäßig auf alle Figuren gerichtet.
Trautmanns Gemälde paraphrasiert die Komposition einer Radierung zum gleichen Thema,
die Willhelm Panneels nach einem Gemälde von P.P. Rubens schuf (Hollstein, Bd. 15, S. 113,
Nr. 8, mit Abb.). Hierbei werden das Grundschema der Komposition, insbesondere jedoch die
Arkade in Hintergrund und die baldachinartige Draperie übernommen und dem hochrechteckigen Gemäldeformat angepaßt. Die Figuren gleichen hingegen Trautmanns üblichen
Typen und werden nicht mehr aus leichter Untersicht heraus, sondern aus leichter Aufsicht
darge-stellt, wodurch sie weniger monumental wirken. Diverse Assistenzfiguren der
Radierung, etwa der Diener mit der Schwanenpastete werden von Trautmann nicht mehr
dargestellt. Trautmann griff eine verwandte, wenngleich in wesentlichen Punkten modifizierte
Figuren-komposition in der Zeichnung [Z 4] in Wien auf.
Literatur: unpubliziert.
301
G 28
Die Verklärung Christi*
Öl auf Leinwand
80,5 x 67 cm
Gegenstück zu G 7
Frankfurt, Städelsches Kunstinstitut, Städtische Galerie
Inv. Nr. SG 633
Provenienz: München, Sammlung Martin Schubart - Frankfurt, Sammlung Heinrich
Edler - vom Städel erworben 1938
Christus bestieg in Begleitung von Petrus, Jakobus und Johannes den Berg Tabor. Während
eines Gebets begannen sein Gesicht und sein Gewand zu leuchten und es erschienen ihm die
Propheten Moses und Elias (Mt 17,1-6, Mk 9,2-4, Lk 9,28-36). In Trautmanns Gemälde
sitzen in der unteren Bildhälfte die drei Apostel zu ebener Erde. Während Johannes in der
Mitte innehaltend zu Boden schaut, blicken Jakobus und Petrus nach oben. Dort steht
Christus, von einer Gloriole umgeben, auf Wolken. Er ist mit einem weißen Gewand und
einem wehendem Umhang bekleidet und weist mit seiner rechten Hand gen Himmel. Mit
seiner linken berührt er fast die Hand des rechts neben ihm sitzenden, ein blaues Gewand mit
Kapuze tragenden Propheten. Der zweite Prophet ist entsprechend links dargestellt.
Die zweizonig angelegte Komposition bindet Christus und die beiden Propheten in eine
symmetrische Dreiecksform ein. Das Gemälde reflektiert somit ein weitverbreitetes Gestaltungsmuster des Bildthemas, das sich seit der Renaissance herauskristallisiert hatte und auch
in der deutschen Malerei des 17. und 18. Jahrhunderts vielfach Verwendung fand (vgl. etwa
die Darstellung von Christoph Schwarz in Augsburg, Deutsche Barockgalerie; Katalog
Augsburg 1984, S. 230, mit Abb. sowie das zerstörte Deckenbild von Johann Ludwig
Seekatz, ehemals in der Magnuskirche in Worms, Abb. in: Die Magnuskirche in Worms,
Worms 1978, S. 16). Der in der Literatur angenommene, „allgemeine Einfluß Rembrandts“
(Katalog Frank-furt 1982 b) läßt sich hingegen kaum bestätigen. Die Gesichter der recht
hölzern bewegten Figuren entsprechen vollkommen Trautmanns typenhaften Physiognomien.
Das Gemälde ist in relativ flüssigen, nur vereinzelt einige Details akzentuierenden
Pinselzügen ausgeführt. Das recht starke Helldunkel sowie das Kolorit aus braunen,
goldgelben und blauen Tönen entsprechen zahlreichen Historien Trautmanns.
Ausstellung: Frankfurt 1982, Städelsches Kunstinstitut, „Frankfurter Malerei zur Zeit des
jungen Goethe“.
Literatur: Bangel 1914, S. 133f., S. 164 (als Himmelfahrt Christi) - Katalog Frankfurt
1982 b, S. 57, Nr. 12 - Schweers 1982, Bd. II, S. 1021.
Abbildungen: Katalog Frankfurt 1982 b, S. 57.
302
G 29
Christus von Kaiphas und die Verleugnung Petri
Öl auf Holz
43,1 x 53,4 cm
Kunsthandel London, Auktionshaus Christie's, Auktion vom 30.7.1976
Nach seiner Festnahme wurde Christus dem Synedrium, dem Hohen Rat der Priesterschaft
vorgeführt, verhört und zum Tode verurteilt (Mt 26,57-68, Mk 14,53-65, Lk 22,54-71, Joh
18,12-24). Während des Verhörs wärmte sich Petrus an einem Feuer im Vorhof und wurde
von einer Magd als Jünger erkannt. Er leugnete jedoch dreimal, Jesus zu kennen (Mt 26,6975, Mk 14,66-72, Lk 22,56-62, Joh. 18,25-27). Beide Szenen werden von Trautmann inmitten
einer phantastischen, offenen Palastarchitektur dargestellt. Im Hintergrund wird Christus von
einer Gruppe bewaffneter Soldaten dem erhöht thronenden Hohepriester Kaiphas vorgeführt.
Christus wendet sich dabei zur Seite, um nach links in den Vordergrund zu sehen. Dort steht
Petrus an einem offenem Kohlenfeuer und legt mit pathetischer Geste seine linke Hand vor
die Brust. Um das Feuer herum stehen die Magd und weitere Figuren. Im Hintergrund beobachten verschiedene Assistenzfiguren das Geschehen. Auf einer Stange in der Bildecke rechts
oben sitzt schließlich der auch in den Evangelien erwähnte Hahn.
Das Gemälde zeichnet sich durch eine besonders pointierte Lichtführung aus, die ein starkes
Helldunkel erzeugt und Christus und Kaiphas als Hauptfiguren hervorhebt. Petrus ist hingegen, möglicherweise in Anspielung auf die dramatische Situation, als silhouettenhaft dunkle,
vor hellen Grund gesetzte Figur dargestellt. Die Ausführung und das Kolorit des Gemäldes
lassen sich nach der verfügbaren Fotografie nicht beurteilen. Die Verknüpfung beider
Bildthe-men in einer einzigen Szene soll auf ein Gemälde Rembrandt zurückzuführen sein
(Amster-dam, Rijksmuseum, Bredius 594, Abb. in: Schwartz 1987, S. 326) und findet sich
verschie-dentlich auch in der deutschen, zeitgenössischen Malerei (etwa in dem frühen
Gemälde von J.C. Seekatz, Hessisches Landesmuseum Darmstadt, Emmerling 1991, Nr. 64,
mit Abb.). Für Trautmanns Gemälde läßt sich jedoch noch keine konkrete Vorlage benennen.
Literatur: Katalog der Auktion bei Christie's, London, vom 30.7.1976, S. 22, Nr. 92.
Abbildung: Auktionskatalog (s.o.), Tafel 14.
303
G 30
Die Auferstehung Christi
Öl auf unbekanntem Bildträger
45 x 32,5 cm
monogrammiert „TM (ligiert) fecit“ unten links
Süddeutschland, Privatbesitz
Die Auferstehung Christi wird in den Evangelien nicht direkt geschildert, lediglich das
Erscheinen eines Engels, der den Stein vom Grab Christi wälzt und das Erschrecken der
Grab-wächter hierüber (Mt 28,2-4). Trautmann setzt Christus als schwebende Figur in die
obere Bildhälfte. Er ist von goldgelbem Licht umfangen und trägt einen weißen Lendenschurz
sowie ein hell karminrotes, nach hinten flatterndes und seine Bewegungen nachzeichnendes
Über-gewand. In seiner rechten Hand eine Kreuzstandarte tragend, erhebt er die linke zum
Himmel. Das Grab ist als steinerner Sarkophag wiedergegeben, der Deckel wird von einem
rechts dahinter erscheinenden, langflügeligen Engel empor gestemmt. Der zweite Engel
daneben blickt verzückt nach oben. Vorder- und Mittelgrund nehmen die Grabwachen ein.
Links springt ein Soldat auf und blickt zurück, während er sein Schwert aus der Scheide zieht.
Ein zweiter Soldat hockt verschlafen am Boden. Rechts verbirgt sich ein weiterer ängstlich
hinter seinem Schild, der vierte richtet sich zögerlich auf, während der fünfte mit erschreckt
geöffne-tem Mund zu Christus emporblickt. Im Hintergrund deutet ein überwucherter
Felsbogen den Innenraum der Grabhöhle an. Dieses Motiv erscheint ebenso mit Trautmanns
Darstellungen der „Drei Marien am Grab Christi“ [G 32] und [Z 5] verwand, wie der von
einem Engel geöffnete Sarkophag.
Das Gemälde ist in flüssigen Pinselzügen ausgeführt, die vereinzelt durch pastose Partien
akzentuiert werden. Durch das kontrastreiche, effektvoll die Hauptfiguren akzentuierende
Helldunkel und das Kolorit in fein nuancierten, durch wenig helles Rot und Blau ergänzten
Braun- und Gelbtönen steht das Gemälde stilistisch der „Auferweckung des Lazarus“ [G 25]
in Privatbesitz nahe. Für die schwebende Christusfigur verwies Bruno Bushart (Bushart 1963,
S. 180-182) allgemein auf Vorbilder der flämischen Malerei, insbesondere eine "Auferstehung" aus dem Umkreis van Dycks (ehem. Privatbesitz, Abb. in: G. Glück, van Dyck, Klassiker der Kunst, 1931, S. 251). Trautmann paraphrasiert in der Figur Christi jedoch mit weitaus
größerer Wahrscheinlichkeit Anregungen einer „Auferstehung“, die Matthäus Merian d.J. als
Hochaltarblatt für die Frankfurter Barfüßerkirche schuf (heute Frankfurt, Historisches
Museum). Da sich das Gemälde mindestens bis 1780 in situ befand (vgl. Hüsgen 1780,
S. 221), war es Trautmann mit Sicherheit bekannt. An Merians „Auferstehung“
erinnern
304
weiterhin Kolorit und Lichtführung. Zu bemerken bleibt jedoch auch, daß Trautmann die
Figur seitenverkehrt wiederholte und durch das „barock“ bewegte Übergewand ergänzte.
Ausstellung: Bregenz 1965, Künstlerhaus, „Meisterwerke der Malerei aus Privatsammlungen im Bodenseegebiet“.
Literatur: Katalog Bregenz 1965, S. 83f., Nr. 118 - Katalog Augsburg 1984, S. 248.
Abbildung: Katalog Bregenz 1965 (s.o.), Abb. 87.
G 31
Die Auferstehung Christi*
Öl auf Leinwand
57,2 x 42,4 cm
Augsburg, Deutsche Barockgalerie
Inv. Nr. 6087
Provenienz: Unterschondorf, Sammlung Hofrat Sigmund Röhrer, vom Museum erworben
als Stiftung 1924
Die Komposition des Gemäldes geht offenbar auf die etwas kleinere Version [G 30] in Privatbesitz zurück. Weitgehend übernommen wurden die Figuren Christi sowie des schwertziehenden Soldaten links. Die rechte Figurengruppe ist hingegen durch den davoneilenden, seine
Arme emporstreckenden Soldaten ergänzt, während die Engelsfiguren im Hintergrund fehlen.
Die Lichtführung und das Kolorit entsprechen weitgehend der Vorlage, die Ausführung der
Malerei wirkt dagegen vergleichsweise flächig und glatt. Insbesondere in der Figur Christi
zeigt sich die nur mäßige künstlerische Qualität der Augsburger Version. Die Wiederholung
dürfte jedoch durchaus von Trautmanns Hand stammen und vermag als Beispiel für die teilweise stark schwankende Qualität seiner Arbeiten zu dienen.
Literatur: Feulner 1926, S. 22, Nr. 151 (als Süddeutscher Meister nach der Mitte des
18. Jh.) - Bushart 1963, S. 180-182 - Schweers 1982, Bd. II, S. 1020 - Katalog Augsburg
1984, S. 248.
Abbildung: Bushart 1963, S. 182, Abb. 9.
G 32
Die drei Frauen am Grab Christi
Öl auf Leinwand, doubliert
34 x 29 cm
monogrammiert „TM“ (ligiert) am Sarkophag links unten
Gegenstück zu [G 24]
305
Kunsthandel Köln, Auktionshaus Lempertz, 709. Auktion vom 19.11.1994 - Kunsthandel
London, Auktionshaus Phillips, Auktion vom 4.7.1995
Provenienz: Privatbesitz Basel
Als die drei Frauen am Ostermorgen am Grab Christi eintrafen, fanden sie dieses leer vor. Da
erschien ihnen ein Engel, der die Auferstehung Christi verkündete (Mt 28.1-6, Mk 16,1-8, Joh
20,1-2). Eine weitere Stelle im Lukasevangelium (Lk 24,4) läßt auf die Anwesenheit eines
zweiten Engels schließen. Trautmann deutet die Grabeshöhle durch einen überwucherten
Fels-bogen an. Im Mittelgrund ist ein leerer Steinsarkophag als Grab Christi auszumachen.
Ein Engel stemmt den Grabdeckel empor, ein zweiter steht auf dem Rand des Grabes und
deutet mit seiner linken Hand gen Himmel, während er zu der Frauengruppe rechts blickt.
Dort kniet Maria Magdalena im Vordergrund nieder, während die beiden anderen Frauen
jeweils ein Salbgefäß tragen und zum Betrachter blicken. Im Vordergrund liegen die
zurückgelassenen Waffen der Wächter verstreut.
Die Malerei ist in flüssigen, stellenweise auch reliefartig dick aufgetragenen Pinselzügen ausgeführt. Das reiche Kolorit setzt eine fein abgestufte Skala aus Beige- und Brauntönen gegen
pastellartig aufgehellte Blau-, Rosa-, Gelb- und Weißtöne. Letztere sind insbesondere in der
Kleidung der Figuren auszumachen. Die Komposition kehrt in Grundzügen in der Zeichnung
[Z 5] zum gleichen Thema in Stuttgart wieder (vgl. dort).
Literatur: Katalog der 709. Auktion bei Lempertz, Köln, vom 19.11.1995, S. 36,
Nr. 1469.
Abbildung: Auktionskatalog (s.o.), Tafel XLI.
G 33
Die Jünger in Emmaus*
Öl auf Leinwand
24,6 x 20,3 cm
Pendant zu [G 36]
monogrammiert „TM“ (ligiert) links unten
Dessau, Anhaltische Gemäldegalerie
Inv. Nr. 157
Provenienz: Frankfurt, Sammlung Prinzessin Amalie von Dessau, seit 1793 in der
Dessauer Amalienstiftung, Inv. Nr. 110, seit 1927 in der Gemäldegalerie
Der auferstandene Christus begegnete zwei Jüngern, die ihn nicht erkannten und in ihr Haus
im Ort Emmaus luden. Beim Nachtmahl brach Christus das Brot und sprach den Segen,
worauf die Jüngern ihn erkannten. Im gleichen Moment verschwand Christus (Lk 24,28-30).
Trautmanns Gemälde stellt nicht, wie allgemein üblich, die Szene des Brotbrechens dar,
306
sondern den Moment des Verschwindens Christi. Die beiden Jünger, ein bartloser junger und
ein bärtiger älterer Mann, sitzen hierbei rechts neben dem gedeckten Tisch. Ihre Gestik und
Mimik läßt Erstaunen und Erschrecken über das Geschehen erkennen. Links neben dem Tisch
steht ein hoher, leerer Armlehnsessel, in dem nicht mehr Christus sitzt, sondern allein eine
nebelartige, bläulich schimmernde Lichterscheinung dargestellt ist. Eine rotbraune Draperie
links oben und ein mehrflammiger Ölleuchter deuten das Interieur des fensterlosen Raumes
an.
Die Darstellung des Verschwindens Christi folgt einer seltenen Ikonographie. Eine relevante
Vorlage hierfür stellt insbesondere eine Zeichnung Rembrandts dar (vgl. S. 149). Trautmann
akzentuiert das Wundergeschehen durch eine pointierte, beide Jünger scharf hervorhebende
Lichtführung sowie eine fast überzeichnete Gestik. Das Gemälde ist in relativ flüssigen und
verriebenen, jedoch vergleichsweise detaillierten Pinselzügen ausgeführt. Das Kolorit besteht
aus einem reduzierten Akkord aus hellem und dunklem Braunrot, gebrochenem Cremeweiß
und Beigebraun sowie verschiedenen Blautönen. Die Beobachtungen zur Stilistik verweisen
auf die beiden Versionen der „Auferweckung des Lazarus“ [G 22] und [G 23]. Die in der
Literatur angegebene Datierung des Gegenstücks auf das Jahr 1765 ließ sich bei einer Sichtung der Originale nicht bestätigen. Aufgrund der angegebenen Vergleichsbeispiele kann
hingegen eine relativ frühe Datierung des Gemäldes zur Diskussion gestellt werden.
Literatur: Katalog Dessau 1913, Nr. 100 (als Werk eines Meisters TM um 1665) Bangel 1914, S. 85 (als verschollen) - Bamberger 1916, S. 120 - Katalog Dessau 1929,
S. 57, Nr. 157 - Thieme-Becker, Bd. 33, 1939, S. 355 (als Werk Johann Georg Trautmanns);
S. 356 (als Werk Johann Peter Trautmanns) - Pigler 1956, Bd. I, S. 354 - Bénézit 1976,
Bd. 10, S. 261 - Zisché 1991, S. 6 (en bloc).
G 34
Die Enthauptung Johannes des Täufers*
Öl auf Holz
30,6 x 38,5 cm
Pendant zu G 37
Frankfurt, Städelsches Kunstinstitut, Städtische Galerie
Inv. Nr. ES 6
Provenienz: erworben 1922 als Leihgabe der Eysen-Stiftung
Durch den Tanz seiner Tochter Salome wurde Herodes dazu verleitet, ihr die Erfüllung aller
Wünsche zu versprechen. Von ihrer Mutter angestiftet, forderte Salome den Kopf des
gefangenen Johannes des Täufers. Dieser wurde daraufhin enthauptet (Mt 14,1-10, Mk 6,1427). Trautmann stellt die Enthauptung vor einem dunklen, durch Ausblicke in verschiedene
307
Nebenräume erweiterten Verlies dar. Im Vordergrund liegt der enthauptete, nur halb mit
einem Fell bekleidete Johannes am Boden. Aus dessen angeschnittenem Hals strömt noch
Blut. Rechts daneben steht ein als Rückenfigur vorgestellter Soldat. Er streckt sein Schwert in
der rechten Hand triumphierend in die Höhe, während er den Kopf des Enthaupteten auf eine
von einer alten Dienerin bereitgehaltene Platte legt. Links beobachtet Salome in einem prachtvollen, die Mode des 18. Jahrhunderts paraphrasierenden Gewand das Geschehen. Eine weitere Dienerin, ein kleiner Page, ein wachehaltender Soldat in Rüstung sowie einige Figuren im
Hintergrund links ergänzen die Komposition.
Das Gemälde fällt, ebenso wie das Gegenstück, durch eine sehr virtuose, skizzenhaft bewegte
Malweise auf. Flüssig gemalte Partien wie der Hintergrund wechseln mit einer reliefartig aufgetragenen Primamalerei, etwa bei den Figuren und bei anderen Details. Effektvoll ist auch
das starke Helldunkel, das die Hauptfiguren hervorhebt. Das delikate Kolorit besteht aus fein
abgestuften Ocker-, Gold- und Brauntöne, gegen die zahlreiche gebrochene, pastose Bunttöne
gesetzt werden. Der „expressive“ Malstil beider Gegenstücke wurde von Otto Benesch eingehend beschrieben, der sie als Werke eines süddeutschen Malers des 18. Jahrhunderts
bestimmte und ihren Autor mit dem Notnamen des „Meisters der Frankfurter Salome“ versah.
Dieser wurde 1963 von Bruno Bushart als Trautmann identifiziert. Bushart wollte die
stilistischen Eigenheiten beider Gemälde auf Einflußmomente der zeitgenössischen Malerei in
Süddeutschland zurückführen. Die ausgesprochen effektvolle, „expressive“ Malweise ließe
sich jedoch gleichermaßen mit Vorbildern niederländischer Maler vergleichen, beispielsweise
Leonard Bramers. Innerhalb Trautmanns Oeuvre steht das Gemälde aufgrund seiner Stilistik
insbesondere der „Auferweckung des Lazarus“ [G 25] in Privatbesitz nahe. Aufgrund dieser
Beobachtung läßt sich eine relativ späte Datierung zur Diskussion stellen.
Literatur: Benesch 1924, S. 164 (als Meister der Frankfurter Salome) - Katalog
Frankfurt 1924, S. 22 (als bayerischer Meister Mitte des 18. Jh.) - Feulner 1929, S. 200
(als Maler aus dem Umkreis Trautmanns) - Gerson 1942, S. 326 (als Werk eines unbekannten Rembrandtnachahmers) - Bushart 1963, S. 175 - Kerstin Merkel, Salome, Ikonographie
im Wandel, Dissertation Mainz 1989, Frankfurt 1990, S. 345, Nr. 420.
Abbildung: Benesch 1924, S. 164, Abb. 132 - Bushart 1963, S. 177, Abb. 3.
G 35
Philippus tauft den Kämmerer der Königin von Äthiopien
Öl auf Leinwand
134 x 106 cm
Warschau, Muzeum Narodowe
Inv. Nr. Wil. 1542
Provenienz: versteigert am 27. September 1779 in Frankfurt durch J.A.B. Nothnagel,
zugeschlagen für 20 Gulden 30 Kreuzer an Bernd Burgold - Frankfurt, Sammlung Friedrich
308
Karl von Moser, versteigert am 14. Juli 1781, zugeschlagen für 18 Gulden an einen
unbekann-ten Käufer - Sammlung Hugo Kollataj (erwähnt als Werk Tiepolos) - seit 1795
Schloß Wilanów, Sammlung Prinz Stanislaw Kostka Poniatowski (erwähnt als Werk C.W.E.
Dietrichs) - Galerie von Wilanów bis 1939 - im Muzeum Narodowe seit 1945 als Leihgabe
der Familie Graf und Gräfin Branicki (frdl. Mitteilung von Herrn Antoni Ziemba, Muzeum
Narodowe, Warschau, brieflich vom 10.6.1991)
Auf dem Weg von Jerusalem nach Gaza begegnete der Evangelist Philippus einem Kämmerer
der Königin Kandake von Äthiopien, als dieser aus dem Buch des Jesaja las. Philippus legte
dem Kämmerer eine ihm unverständliche Passage aus, woraufhin dieser bekehrt wurde und
sich sogleich taufen ließ (Apg 8,26-39). Trautmann stellt eine pyramidal gestaffelte Gruppe
aus fünf Figuren am Ufer eines Wasserlaufs dar. Der als prächtig gekleideter Mohr dargestellte Kämmerer beugt sich links herab, um getauft zu werden. Philippus gießt hierzu Wasser aus
seiner flachen Hand auf das Haupt des Mohren. Zwischen beiden Figuren verläuft ein großes,
helles Tuch, dessen geschweifte Form rechts zu einem prächtig gewandeten, Turban und
Lanze tragenden Begleiter des Kämmerers überleitet. Diese aufstrebende Bewegungslinie
wird links im Hintergrund vom Umriß eines nur ansatzweise erkennbaren Reisewagens
wiederholt. Die Formen des Wagens sind fast vollkommen in ornamentale Details aufgelöst.
In dem Gefährt sitzen zwei behelmte, das Geschehen beobachtende Soldaten. In der
Umgebung deuten ein Felsblock und ein Baumstumpf links sowie Büsche und zwei sich
überkreuzende Bäume eine Landschaft an.
Das Gemälde steht aufgrund seine Ikonographie, aber auch der Komposition einzig im
Oeuvre Trautmanns dar. Die Komposition geht auf eine Bilderfindung von Franz Anton
Maulbertsch zurück, die allein aufgrund einer kleinformatigen, jedoch in vielen Details
übereinstimmenden Ölskizze überliefert ist (heute St. Petersburg, Staatliche Eremitage, vgl.
Garas 1960, S. 198, Nr. 20). Im Vergleich zu der flüchtig skizzierten Version Maulbertschs
wirkt Trautmanns Gemälde in vielen Details gefestigt und räumlich konkretisiert (zu weiteren
Veränderungen sowie zur Frage der Verfügbarkeit der Vorlage vgl. S. 119f.). Die
Komposition Maulbertschs reproduziert ebenfalls eine Radierung J.A.B. Nothnagels
(Gwinner 1862, S. 357, Nr. 5). Bei Trautmann und Nothnagel voneinander abweichende
Details, wie die differierende Blickrich-tung des linken Soldaten im Wagen, die
unterschiedlich schräg geneigte Lanze des rechten Mohren, die bei Trautmann fehlende
Blattranke über dem Felsblock rechts sowie die unter-schiedlich dicken Baumstämme im
Hintergrund lassen darauf schließen, daß die Radierung und das Gemälde offenbar
unabhängig voneinander jeweils nach der Vorlage Maulbertschs geschaffen wurden.
Das Gemälde wurde in der Vergangenheit verschiedensten Künstlern zugeschrieben. Es galt
in der Sammlung Kollataj als Werk G.B. Tiepolos, in der Sammlung Poniatowski hingegen
als Werk von C.W.E. Dietrich. Bis in die dreißiger Jahre unseres Jahrhunderts hielt man es,
offenbar aufgrund der Vorlage, für ein Werk Maulbertschs. Otto Benesch sah darin
309
schließlich ein weiteres Werk des „Meisters der Frankfurter Salome“, der schließlich von
Bruno Bushart mit Trautmann selbst identifiziert wurde (frdl. Mitteilung von Herr Antoni
Ziemba, Muzeum Narodowe, Warschau, brieflich vom 10.6.1991). Die Autorschaft
Trautmanns belegen sowohl die Malweise, die flächig aufgetragene Farbfelder und pastos
gesetzte Akzente nebeneinan-derstellt, als auch die phantasievoll ausgeschmückten,
„orientalischen“ Details der Kleidung. Weiterhin entspricht die Physiognomie der Figuren
Trautmanns stereotypem Bildpersonal: die rundlichen Gesichtszüge des Philippus
unterscheiden sich beispielsweise deutlich von den scharfgeformten, erregten Zügen der
gleichen Figur bei Maulbertsch. Die beschriebenen Stilmerkmale lassen sich schließlich auch
als Hinweis auf eine vergleichsweise späte Ent-stehungszeit lesen. Die Überlegung, ob das
großformatige und repräsentative Gemälde als Auftagswerk anzusehen ist, läßt sich mangels
konkreter Anhaltspunkte nicht verifizieren.
Ausstellungen: Krakau 1940, „Sichergestellte Kunstwerke im Generalgouvernement“ „Die sammlerische Tätigkeit der Prinzen Stanislaw Kosta Potocki“ (keine näheren Angaben
bekannt) - Bordeaux 1961, „Trésors d'art polonaise. Chefs-d'oevres des musées de Pologne“.
Literatur: Katalog Frankfurt 1779, Nr. 568 - Katalog Frankfurt 1781 b, Nr. 56 - Knab
1956, S. 396 - Bialostocki 1957 a, S. 425 - Bialostocki 1957 b, S. 564, Nr. 396 (sämtlich
als Werk Maulbertschs) - Garas 1960, S. 12, 198 (als „schwache Variante“ des Gemälde von
Maulbertsch von einem unbekannten Maler) - Martin-Mery, G.: Trésors d'art polonaise,
Katalog der Ausstellung Bordeaux 1961, S. 116, Nr. 150 - Bushart 1963, S. 175 Chudzikowski, Andrej: Malarstwo ausstriackie, czeskie, niemieckie, wegierskie 1500-1800,
Warschau 1964, Nr. 131 (als zweifelhaftes Werk von Maulbertsch) - Bushart 1967, S. 28 Bialostocki 1972, S. 139 - Keller 1981, S. 179f. - Katalog Bremen 1986, S. 61, bei Nr. 88
(als Werk von Maulbertsch) - Eduard Hindelang (Hrsg.), Franz Anton Maulbertsch und sein
schwäbischer Umkreis, Katalog der Ausstellung der Museums Langenargen, Sigmaringen
1996, S. 352 (als Zuschreibung an Trautmann).
Abbildungen: Bialostocki 1957 a, Abb. 31 - Bialostocki 1957 b, Tafel 396 - Bushart
1963, S. 181 - Bushart 1967, S. 55 - Bialostocki 1972, S. 136, Abb. 4.
G 36
Der Engel erscheint dem Hauptmann Cornelius*
Öl auf Leinwand
24,6 x 20,3 cm
Pendant zu [G 31]
monogrammiert „TM“ (ligiert) an der Stufe rechts unten
angeblich datiert 1765 (lt. Thieme-Becker)
Dessau, Anhaltische Gemäldegalerie
Inv. Nr. 156
Provenienz: Frankfurt, Sammlung Prinzessin Amalie von Dessau, seit 1793 in der
Dessauer Amalienstiftung, Inv. Nr. 110, seit 1927 in der Gemäldegalerie
310
Dem Heiden Cornelius, Hauptmann der Italischen Kohorte, erschien eines Tages ein Engel.
Er veranlaßte Cornelius, sich dem Apostel Petrus anzuvertrauen. Später ließ sich der Hauptmann taufen (Apg 10.1-6). Trautmann stellt Cornelius vor einem Lesepult sitzend und eine
„antike“ Rüstung über braunrotem Gewand tragend dar. Cornelius wendet sich zur linken
Bildhälfte, in der ein Engel in einer Gloriole erscheint. Dieser blickt Cornelius an und legt
seine linke Hand andächtig vor die Brust, während er dem Hauptmann mit der anderen Hand
„den rechten Weg“ weist. Trautmann setzt die Szene vor dunklen, fast monochromen Hintergrund und rahmt sie am rechten Bildrand durch eine angeschnittene Säule und eine dunkelgrüne Draperie.
Das Gemälde ist in flüssigen, leicht verriebenen Pinselzügen ausgeführt und entspricht somit
ebenso dem Gegenstück wie in dem tonigen Kolorit aus dunklem, gebrochenem Rot, Grün
und Braun, hellem Blau, kühl getöntem Weiß und hellem Beige. Die Lichtführung erzeugt ein
starkes Helldunkel und hebt die beiden Figuren hervor. Die in der Literatur (Katalog Dessau
1929) angegebene Datierung „1765“ konnte bei Autopsie nicht bestätigt werden. Das Gemälde wurde von J.A.B. Nothnagel in der Radierung [RG 1] reproduziert.
Literatur: Katalog Dessau 1913, Nr. 104 (als Werk eines Meisters TM um 1665) Bangel 1914, S. 85 (als verschollen) - Bamberger 1916, S. 120 - Katalog Dessau 1929,
S. 57, Nr. 156 - Thieme-Becker, Bd. 33, 1939, S. 355 (als Werk Johann Georg Trautmanns),
S. 356 (als Werk Johann Peter Trautmanns) - Bénézit 1976, Bd. 10, S. 261 (als Zacharias
und der Engel) - Zisché 1991, S. 6 (en bloc).
G 37
Die Befreiung Petri aus dem Kerker*
Öl auf Holz
30,7 x 38,5 cm
Pendant zu G 34
Frankfurt, Städelsches Kunstinstitut, Städtische Galerie
Inv. Nr. ES 5
Provenienz: erworben 1922 als Leihgabe der Eysen-Stiftung
König Herodes ließ den Apostel Petrus gefangennehmen und in einen Kerker werfen. Als er
dort eines Nachts, in Ketten gelegt und von zwei Soldaten bewacht schlief, erschien ihm ein
Engel. Die Aufforderung an Petrus, zu flüchten, ließ die Ketten von dem Gefangenen abfallen
(Apg 12,3-7). Trautmann setzt die Figur Petri in die rechte Hälfte der Komposition. Petrus
richtet sich erstaunt auf und streckt seinen Arm nach links. Dort erscheint der Engel in einer
ausstrahlenden, goldfarbenen Gloriole. Der Himmelsbote weis Petrus mit seinem rechten Arm
in Richtung des Ausgangs. Die Umgebung der Kerkers ist nur ansatzweise in der Dunkelheit
311
zu erkennen. Direkt vor Petrus liegen die abgefallenen Fesseln am Boden, rechts daneben sind
die beiden eingeschlafen Wächter gesetzt. Im Hintergrund rundet eine angeschnittene,
mächtige Säule die Komposition ab.
Das Gemälde entspricht in seiner sehr virtuosen, teilweise skizzenhaften Ausführung, dem
delikaten, verschiedene Braun- und Bunttöne kontrastierenden Kolorit und dem dramatisch
eingesetzten Helldunkel vollkommen dem Gegenstück [G 34]. Darüber hinaus erscheint die
durch ein langes Gewand und große Flügel gekennzeichnete Engelsfigur mit jener in Trautmanns Darstellung des „Hauptmanns Cornelius“ [G 36] verwand. Die Figuren wirken relativ
wohlproportioniert und sicher durchbildet. Die für das Gegenstück angenommene, späte
Datierung läßt sich durch diese Beobachtung möglicherweise bestätigen.
Literatur: Benesch 1924, S. 165 (als Meister der Frankfurter Salome) - Katalog
Frankfurt 1924, S. 22 (als bayerischer Meister Mitte des 18. Jh.) - Feulner 1929, S. 200
(als Maler aus dem Umkreis Trautmanns) - Gerson 1942, S. 326 (als Werk eines unbekannten Rembrandtnachahmers) - Bushart 1963, S. 175.
Abbildung: Bushart 1963, S. 177, Abb. 2.
312
Heiligenszenen und Heiligendarstellungen
G 38
Lesender Einsiedler
(„Der heilige Hieronymus als Einsiedler“)*
Öl auf Holz
41,4 x 31 cm
monogrammiert „TM (ligiert) f.“ auf dem Stein rechts unten
Heidelberg, Kurpfälzisches Museum
Inv. Nr. G 2089
Provenienz: München, Sammlung M.v. Andrenyi, vom Museum erworben 1965
Vor einem pflanzenüberwucherten Felsbogen und einer darin angedeuteten Landschaft kniet
ein Einsiedler am Boden nieder. Er trägt eine braunschwarze, gegürtete Kutte und ist nach
rechts gewendet, um in einem aufgeschlagenen Folianten zu blättern. Dahinter ragt ein aus
zwei rohen Ästen zusammengefügtes Kreuz auf. Am linken Bildrand zeichnet sich eine aus
Latten gezimmerte Konstruktion schemenhaft vor dem dunklen Felshintergrund ab, darüber
gewährt ein dreieckiger Ausschnitt einen Ausblick auf den blauen Himmel.
Das Gemälde stellt ein hervorragendes Beispiel für Trautmanns skizzenhafte Werke dar, die
aus „expressiv“ wirkenden, in Primamalerei ausgeführten Einzelformen aufgebaut sind: so
sind beispielsweise das Inkarnat, der lockigen Bart und das lange, graue Haar des Einsiedlers
in bewegten, sehr pastos angelegten Pinselstrichen ausgeführt. Diese Stilmittel erscheinen
noch gesteigert bei der Darstellung des Felsens und der Einbauten links: Die einzelnen
Details wirken fast vollständig in „immaterielle“ Erscheinungen aus Licht und Farbe
verwandelt. Auch die neben der Himmelsfläche links oben eingefügten, dunklen Pinselzüge
und die hell-beigen Farbkringel sind kaum mehr konkret als Gegenstände erkennbar. Das
Kolorit ist aus pastosen, stark aufgehellten Beige-, Grün- und Blautönen sowie einer reichen
Skala von ge-brochenen, dunklen Brauntönen aufgebaut und unterstreicht den effektvollen
Stil der Malerei. Das Gemälde steht in seiner Maltechnik insbesondere den beiden
Historienbildern im Frank-furter Städel [G 34] und [G 37] sowie der Lazarus-Darstellung in
Privatbesitz [G 25] nahe, für die eine relativ späte Datierung vorgeschlagen werden konnte.
Die Benennung des Einsiedlers als heiliger Hieronymus spielt nicht auf die allgemein
üblichen, in diesem Fall hingegen fehlenden Attribute des Heiligen, insbesondere den Löwen
an, sondern erfolgt in der Tradition jener „profanierten“ Darstellungen des Heiligen, die sich
seit dem späten Mittelalter herausgebildet hatte und die insbesondere in der niederländischen
Malerei des 17. Jahrhunderts Aspekte der Gelehrtenbildnisse aufgreifen konnten (vgl. hierzu
Hans Ost, Einsiedler und Mönche in der deutschen Malerei des 19. Jahrhunderts, Düsseldorf
313
1971, passim sowie S. 88-91, mit zahlreichen Bsp.; ferner die Darstellung des „Hl. Hieronymus“ von Januarius Zick, Strasser 1994, S. 394, Nr. G 244, mit Abb.).
Literatur: Mugdan, Klaus: Neuerwerbungen, Stiftungen, Leihgaben seit 1964 im Kurpfälzischen Museum, in: Ruperto-Carola, Jg. 19, 1967, Bd. 42, S. 107 - Schweers 1982, Bd. II,
S. 1021.
G 39
Maria Magdalena als Büßerin*
Öl auf Kupfer
12 x 9,8 cm
am Rahmen eine alte Inschrift "Die Andacht"
Frankfurt, Historisches Museum
Inv. Nr. Pr. 60 / M 432
Provenienz: versteigert am 2. August 1784 von J.A.B. Nothnagel, zugeschlagen für
3 Gulden 15 Kreuzer an einen Käufer namens "W." - Frankfurt, Sammlung Valentin Prehn,
Prehn'sches Kabinett, 18. Abteilung
Die heilige Maria Magdalena wird gewöhnlich mit der Schwester des Lazarus sowie mit der
Sünderin, die Christus die Füße salbte (Lk 7,36-38) identifiziert. Nach dem Tod Christi ging
die Heilige zur Buße in die Wildnis (Legenda Aurea). Die Figur der Heiligen kniet halb nach
links am Boden und trägt ein rosafarbenes, gegürtetes Gewand, einen hellblauen Umhang und
Sandalen. Vor ihr ragt ein einfaches Holzkreuz auf einem Felsabsatz auf, gegen das ein aufgeschlagener Foliant gelehnt ist. Darin blätternd, hält die Heilige verklärt aufblickend inne und
führt ihre linke Hand mit pathetischer Geste an die Brust. Die vor dunklen Grund gesetzte
Figur ist ganz in das Licht eines goldgelben Strahlenbündels getaucht, das aus der Richtung
des Schnittpunktes der beiden Kreuzbalken auf sie fällt. Im linken Vordergrund sind ein
Buch, ein Bogen Papier und ein Totenschädel sowie nur angedeutete Pflanzen eingefügt.
Die Malerei ist größtenteils in flüssigen, relativ feinen Pinselzügen ausgeführt, während die
Figur der Heiligen pastos und skizzenhaft angelegt wurde. Das sehr intensive Helldunkel der
Darstellung wird durch die kontrastreiche Farbgebung in opaken Brauntönen einerseits und
hellem, schimmernden Goldgelb, Blau und Rosa andererseits zusätzlich unterstrichen. Das
auf die Figur fallende Strahlenbündel erinnert an die auch stilistisch vergleichbare
Tobiasszene in Frankfurt [G 14], kann jedoch auch als Verbildlichung der meditativen
Andacht der Heiligen gedeutet werden.
Das miniaturhafte Gemälde wurde von Trautmann offenbar bereits als Gegenstück zu der
Darstellung eines „Hl. Petrus“ geschaffen. Dieses Gemälde wurde bei dem ersten, 1784
314
nachweisbaren Verkauf des Gemäldepaares dem Maler „Franck“ (Sebastiaen Vranx?) zugewiesen und galt später, nach seiner Einfügung in das Prehn'sche Miniaturenkabinett als Werk
von Theodor Roos (Morgenstern 1829). Trautmann schuf hierzu ein Gegenstück, das der
Komposition des Vorbilds spiegelbildlich entsprach und einen ähnlich starken Ausdruckswert
besaß, zugleich durch die charakteristische Lichtführung und das typische Kolorit Trautmanns
künstlerischer Handschrift verpflichtet ist.
Literatur: Katalog Frankfurt 1784, Nr. 419 - Morgenstern 1829, Nr. 432 - Passavant
1843, Nr. 60 - Parthey 1863, Bd. 2, S. 653, Nr. 3 - Bangel 1914, S. 133, 164 - ThiemeBecker, Bd. 33, 1939, S. 355 (en bloc) - Katalog Frankfurt 1988, S. 78.
Abbildung: Katalog Frankfurt 1988, S. 79.
G 40
Der Tod der Maria Magdalena
Öl auf Holz
23,5 x 20 cm
monogrammiert „TM“ (ligiert)
Kunsthandel London, Auktionshaus Sotheby's, Auktion vom 11.4.1990
Das nur nach einer mangelhaften Reproduktion bekannte Gemälde Trautmanns gibt die tote,
zusammengesunkene Figur der Heiligen in ihrer Einsiedelei vor einem Felsabsatz mit einem
Kreuz (?) wieder. Davor stehen zwei Engel mit großen Flügeln, der eine trägt eine Fackel, der
andere verweist auf die Heilige.
Über Stil und Ausführung des Gemäldes lassen sich aufgrund der verfügbaren Reproduktion
keine weiteren Aussagen treffen. Bemerkenswert ist hingegen die Beobachtung, daß Trautmann eine in der nachmittelalterlichen Malerei nur sehr selten dargestellte Episode aus dem
Leben der Heiligen aufgreift. Aus diesem Grund läßt sich möglicherweise ein älteres Werk als
Anregungsquelle für Thema und Gestaltung vermuten. Das gleiche Thema behandelt etwa ein
Peter Brandl (Prag 1668 - 1735 Kuttenberg) zugeschriebenes, jedoch formal von Trautmanns
Darstellung abweichendes Gemälde, das im Rahmen der barocken Neuausstattung in den
Frankfurter Dom gelangte und als einziges barockes Ausstattungsstück den Dombrand 1867
überstand (frdl. fernmündliche Mitteilung von Herrn Dr. Pick, Dommuseum Frankfurt).
Literatur: Katalog der Auktion bei Sotheby's, London, vom 11.4.1990, S. 178, Nr. 188.
315
G 41
Tod und Himmelfahrt einer Seligen (?)*
(Tod und Himmelfahrt einer Heiligen ?)
Öl auf Holz
64,4 x 49,3 cm
Frankfurt, Freies Deutsches Hochstift, Frankfurter Goethehaus
Inv. Nr. IV-1941-7
Provenienz: Leipzig, Sammlung Gustav Werner, vom Hochstift erworben 1941
Das Thema der Darstellung konnte bislang nicht eindeutig identifizierte werden. Die Szene ist
vor eine kulissenartige, durch ionische Säulen und ein Gebälk mit Girlandenfries angedeutete
Palastarchitektur gesetzt. Rechts thront ein Herrscher über einem reliefgeschmückten Podest.
Er hält in seiner linken Hand ein Bündel Schriftrollen, während er mit seiner rechten auf das
Geschehen links verweist. Dort liegt eine bleiche, weißblau gewandete Frau reglos am Boden.
Eine zweite Frauenfigur dahinter erhebt klagend ihre Arme. Zwei Soldaten mit Lanzen am
linken Bildrand sowie weitere Soldaten mit Fahnen, einem Rutenbündel und einem Feldzeichen ergänzen die Figurenkomposition. Links oben tragen zwei Engel oder Genien eine
kleine, von einer goldgelben Aureole und dunklen Wolken umgeben Frauenfigur gen Himmel
Die Darstellung wurde als „Tod und Himmelfahrt einer Heiligen“ gedeutet, wobei man die
himmelfahrende Frauenfigur offenbar als Verkörperung der Seele der verstorbenen Frau
verstand. Es könnte sich jedoch ebensogut um eine Szene aus der Geschichte einer Seligen
handeln. Weiterhin betrachtete man das Gemälde traditionell als Gegenstück zu der exakt
gleichgroßen Darstellung des „Engels, der die Familie des Tobias verläßt“ [G 14]. Tatsächlich
gleichen sich beide Werke in dem brauntonigen, durch gebrochene Bunttöne akzentuierten
Kolorit, der schlaglichtartigen Beleuchtung und der relativ feinen, detaillierten Malweise.
Darüber hinaus stellt das besprochene Gemälde jedoch weder in seiner Komposition, noch in
der „antikisierend“ gestalteten Bildarchitektur und Kostümierung der Figuren ein echtes
Pendant zu der Tobias-Darstellung dar. Bemerkenswert ist schließlich die Beobachtung, daß
Trautmanns Komposition auffallend dem allgemeinen Gestaltungsschema der im 17. und
18. Jahrhundert sehr häufig dargestellten Szene „Esther von Ahasver“ ähnelt (vgl. etwa die
Version von Luca Giordano in der Aschaffenburger Staatsgalerie, Inv. Nr. 6251; Abb. 29 in:
Bayerische Staatsgemäldesammlungen, Galerie Aschaffenburg, Katalog, München 1964).
Das Gemälde Trautmanns unterscheidet sich jedoch durch Motive wie die tot am Boden
liegende Frau, die himmelfahrende Figur und das fehlende Herrscherattribut eines Szepters
wesentlich von der Ikonographie der genannten, alttestamentarischen Szene.
Literatur: Beutler 1949, S. 15 - Katalog Frankfurt 1982 a, S. 183, Nr. 289.
Abbildung: Katalog Frankfurt 1982 a, S. 183 - Schweers 1982, Bd. II, S. 1021.
G 42
316
Der heilige Petrus*
Öl auf Leinwand
63,2 x 49,6 cm
Frankfurt, Freies Deutsches Hochstift, Frankfurter Goethehaus
Inv. Nr. IV-1953-15
Provenienz: Wiesbaden, Sammlung Wilhelm Moog, erworben 1953
Der Apostel Petrus ist als Brustbild nach rechts vor dunklem, am oberen Bildrand gelblich
aufgehelltem Hintergrund dargestellt. Er trägt ein blaues, in weiten Falten übergeworfenes
Gewand und blickt, den Kopf im Dreiviertelprofil nach rechts wendend, verklärt nach oben.
Petrus legt seine linke Hand mit pathetischer Geste von die Brust, während er mit seiner
rechten nach einem aufgeschlagenen Buch greift. Zwei große Schlüssel sind mit einem Band
am rechten Handgelenk befestigt.
Das Gemälde greift ebenso wie die Zeichnung im Frankfurter Städel [Z 9] auf eine allgemein
verarbeitete, typenhafte Darstellung des Apostels Petrus zurück, die sich insbesondere durch
die breite, rundliche Kopfform, den kurzen Vollbart und die Haarlocken auszeichnet. Mit der
im übrigen abweichend komponierten Zeichnung vergleichbar ist auch die demonstrative
Geste der unsicher durchbildeten, zu groß wirkenden linken Hand. Das Gemälde ist in flüssigen, nur sehr vereinzelt durch pastose Primamalerei akzentuierten Pinselzügen ausgeführt und
besitzt ein Kolorit aus vielfach nuancierten Brauntönen, die durch gebrochenes Preußischblau
sowie wenig Cremeweiß und warmes Braunrot ergänzt werden.
Ausstellung: Frankfurt 1982, Städelsches Kunstinstitut, „Frankfurter Malerei zur Zeit des
jungen Goethe“.
Literatur: Katalog Frankfurt 1982 b, S. 58, Nr. 14 - Katalog Frankfurt 1982 a, S. 183,
Nr. 290 - Schweers 1982, Bd. II, S. 1921.
Abbildungen: Katalog Frankfurt 1982 b, S. 58 - Katalog Frankfurt 1982 a, S. 183.
G 43
Bildnis eines Heiligen (?)*
Öl auf Leinwanf, offenbar verkleiner
45 x 32 cm
monogrammiert „TM (ligiert) f.“ rechts unten
Saarbrücken, Saarland-Museum
Inv. Nr. NI 617
Provenienz: erworben 1953 von H. Müller, Saarbrücken
Das als Schulterstück wiedergegebene Bildnis eines bärtigen, nahezu barhäuptigen Mannes in
braunrotem, übergeworfenem Gewand ist fast frontal vor monochrom dunkelbraunem Hinter-
317
grund wiedergegeben. Den Kopf leicht nach rechts drehend, blickt der Dargestellte schräg
nach unten. Das Bildnis unterscheidet sich von den üblichen Charakter- und
Phantasieportraits Trautmanns durch den verklärt wirkenden Gesichtsausdruck. Da die
Komposition unvermit-telt ausschnitthaft wirkt, wäre denkbar, daß es sich hierbei um eine
beschnittene und so ihrer Attribute beraubte Heiligendarstellung handelt (eine diesbezügliche
Autopsie konnte nicht durchgeführt werden). Die Malerei ist in flüssigen, relativ flächigen
Pinselzügen ausgeführt. Durch pastos aufgesetzte Lichtpunkte akzentuiert werden lediglich
die feinen Strähnen des Bartes und der Haare. Das fein nuancierte, bräunlich getönte Kolorit
wird durch wenig Creme-weiß und Grau sowie das Rotbraun des Mantels und die Rosatöne
des Inkarnats ergänzt.
Literatur: Schweers 1982, Bd. II, S. 1021 - Katalog Saarbrücken 1995, S. 271, Nr. 140.
318
Profane Darstellungen: Antike Historie
G 44
Der Brand Trojas*
Öl auf Leinwand
250 x 150 cm
um 1759/1762
Frankfurt, Freies Deutsches Hochstift, Frankfurter Goethemuseum
Inv. Nr. IV/1067
Provenienz: in Auftrag gegeben von Graf Thoranc für das Haus seines Bruders Albert de
Theás in Grasse, ursprünglich vorgesehen für den „Salon des grecs“ - seit 1774 im Haus des
Grafen Thoranc an der Esplanade in Grasse, Ecksalon - nach 1904 München, Sammlung
Martin Schubart - vom Hochstift erworben 1907 als Geschenk
Während der Eroberung Trojas durch die Griechen rettete Aeneas seinen greisen Vater
Anchi-ses, indem er ihn auf seinen Schultern aus der brennenden Stadt trug, ohne von den
Griechen behelligt zu werden (Vergil, Aeneis II, 700ff.). Trautmann schildert die brennende
Stadt Troja als weite, stark in die Bildtiefe fluchtende Platzanlage, die auf beiden Seiten
kulissenartig von in hellen Flammen stehenden, palastartigen Gebäuden gesäumt wird. Die
Mitte des Platzes nimmt das hölzerne Pferd ein, aus dessen geöffneter Bodenluke die letzten
griechischen Soldaten entsteigen. Rings um den Platz tobt der Kampf der Griechen gegen die
Trojaner. Einige Soldaten stehen sich im Zweikampf gegenüber, andere kämpfen in großem
Verband, hier und dort wehklagen und flüchten Frauen und Kinder mit erhobenen Armen. Im
Vordergrund erscheint schließlich, größer als alle übrigen Figuren Aeneas, der seinen Vater
Anchises auf dem Rücken aus der brennenden Stadt trägt. Der Gruppe folgt Ascanius, der
sich ein letztes Mal zaghaft umblickt. Ein am Boden liegender Tragekorb mit glühenden
Kohlen beleuchtet schlaglichtartig die Figurengruppe, die ein Architekturfragment links und
eine Treppenanlage zu einem Gewässer rechts rahmen.
Das Gemälde stellt das einzige Werk Trautmanns zu einem Thema der antiken Historie dar.
Die Themenwahl läßt sich in diesem Fall mit großer Wahrscheinlichkeit auf den Auftrag des
Grafen Thoranc zurückführen. Dabei greift Trautmann bei der Darstellung der brennenden
Stadt auf Gestaltungsmittel zurück, die seinen zahlreichen Feuersbrünsten entsprechen. Dies
gilt ebenso für rahmende, dekorative Detailmotive, wie die efeuumrankte Säule auf hohem
Postament am linken Bildrand und den Baum sowie die erhöht stehende, kleine Statue an der
rechten Seite. Typisch erscheint weiterhin das Kolorit aus vielfach gebrochenen Braun-,
Gelb-, Rot- und Blautönen und die effektvolle Lichtführung. Die Wirkung der hell lodernden
Brandherde wird durch davorstehende, silhouettenhafte Architekturen gesteigert. Die Komposition des Gemäldes wurde von Trautmann exakt auf den Verwendungszweck der ehemals
fest angebrachten Wanddekoration abgestimmt. Er teilte die extrem hochformatige Darstel-
319
lung horizontal in drei klar voneinander geschiedene Zonen: der dunkel gehaltene Vordergrund mit Aeneas und Anchises und der hellere Mittel- und Hintergrund mit den kleinen,
kämpfenden Staffagefiguren werden dabei in das Blickfeld des Betrachters gerückt. Das
obere, weniger gut sichtbare Drittel der Leinwand wird hingegen von der fast monochromen
Himmelszone eingenommen. Die Komposition wirkt durch den auf die Bildmitte ausgerichteten Fluchtpunkt ausgesprochen klar und konzentriert, insbesondere im Vergleich mit
anderen, additiv komponierten Großformaten Trautmanns, wie dem Jahrmarktsbild für den
Grafen Thoranc [G 116] oder den meisten Feuersbrünsten.
Die Soldaten und Frauen im Mittelgrundes entsprechen in ihrer Durchbildung und der etwas
überzeichneten Gestik vollkommen Trautmanns Staffagefiguren, etwa in den Feuersbrünsten.
Ebenso läßt sich der durch einen langen Vollbart und die gerötete Nase charakterisierte Kopf
des Anchises mit den bärtigen Charakterköpfen Trautmanns vergleichen. Der sehr muskulöse,
plastisch modellierte und in der Bewegung genau erfaßte Körper des Aeneas wirkt hingegen
ebenso atypisch für Trautmann wie die glatten, gleichmäßigen Gesichtszüge und die in vielen
Details genau beobachtete, antikisierende Rüstung. Da eine vergleichbare Figurengruppe in
einer Supraporte für Schloß Braunshardt von J.C. Seekatz verwendet wurde (ehemals Darmstadt, Großherzoglich Hessische Privatsammlung, vgl. Emmerling 1991, Nr. 388, mit Abb.),
wäre denkbar, daß sich Seekatz an der Staffierung des Gemäldes Trautmanns beteiligte. Diese
Vermutung läßt sich zudem durch die Beobachtung untermauern, daß Seekatz ebenfalls für
den Grafen Thoranc ausgeführte Landschaften von C.G. Schütz mit Figuren ausstattete (etwa
eine „Ideallandschaft“, heute Frankfurt, Freies Deutsches Hochstift, vgl. Katalog Frankfurt
1991 b, Nr. 26, mit Abb.).
Die Ausführung Hüsgens, Trautmann habe das Thema des brennenden Troja mehrmals
gemalt (Hüsgen 1780, S. 171), läßt sich lediglich auf das vorliegende, spätestens seit 1763 in
Grasse befindliche Gemälde beziehen, da weitere, sicher eigenhändige Ausführungen des
Themas nicht bekannt sind. An anderer Stelle beschreibt Hüsgen eingehend ein Gemälde,
einen „Sturm und Brand von Troja, auf welchem ebenfalls die erstaunliche Anzahl kleiner
Figuren, und besonders die wohl gruppierte Familie des Aeneas und Anchises im
Vordergrund meister-haft ordiniert sind; die Pracht der Gebäude, die überall ausbrechenden
Flammen, und die verherende Wuth im Ganzen, alles trägt bey das schröckliche Schicksal
dieser Stadt sich sehr lebhaft vorzustellen, und gleichsam als ein Theilhaber dabey zu stehen“
(Hüsgen 1780,
S. 19f.). Die Beschreibung bezieht sich auf ein Werk des Malers
Martin van Valckenborchs und bildet, obgleich dieses Gemälde heute nicht mehr
identifizierbar ist (vgl. Alexander Wied in: Katalog Frankfurt 1993 b, S. 30) einen Beleg
dafür, daß im 18. Jahrhundert ältere Darstel-lungen des „Brandes von Troja“ in Frankfurt
wohlbekannt waren und somit auch als mögliche Anregungsquelle für die Darstellung
Trautmanns anzunehmen sind.
320
Entgegen der Angabe in Katalog Frankfurt 1982 a wurde Trautmanns Gemälde nicht 1897,
sondern erst 1907, gemeinsam mit den übrigen Gemälden des „Ecksalons“ aus dem Hôtel de
Fontmichel vom Freien Deutschen Hochstift erworben, da es noch 1904 von Otto Donner-von
Richter in situ in Grasse beschrieben wurde.
Ausstellung: Darmstadt 1914, Schloß, „Jahrhundertausstellung Deutscher Kunst 16501800“ - Frankfurt 1994, Schirn Kunsthalle, „Goethe und die Kunst“.
Literatur: Schubart 1896, S. 135 - Donner-von Richter 1904, S. 222-225 - Bangel 1914,
S. 153-156, S. 165 - Biermann 1914, Bd. II, S. LVIII, Nr. 136 - Katalog Darmstadt 1914,
S. 149, Nr. 899 - Heuer 1916, S. 224f. - Becker 1924, S. 10 - Thieme-Becker, Bd. 33,
1939, S. 355 - Beutler 1949, S. 20f., Nr. 14 - Pigler 1956, Bd. II, S. 272 - Beutler 1961,
S. 8. - Bachmann 1972, S. 1560 - Katalog Frankfurt 1982 a, S. 176-178, Nr. 283 Schweers 1982, Bd. II, S. 1021 - Katalog Frankfurt 1994 b, Nr. 162, S. 234.
Abbildungen: Donner-von Richter 1904, Tafel IV (Wandschema), Tafel V (Umzeichnung)
- Biermann 1914, Bd.I, S. 163, Abb. 261 - Heuer 1916, S. 216 (Wandschema), S. 221 Becker 1924, Abb. 4 - Beutler 1949, Tafel 14 - Katalog Frankfurt 1982 a, S. 283 - Michel
1987, S. 41, Abb. 41 - Katalog Frankfurt 1994 b, S. 234.
321
Portraits
G 45
Selbstbildnis*
Öl auf Holz
51,5 x 43,5 cm
laut Nachstich [RG 2] „Von Ihm selbst gemahlet 1752“
Frankfurt, Freies Deutsches Hochstift, Frankfurter Goethemuseum
Inv. Nr. IV/1180
Provenienz: nach 1769 eventuell im Besitz von Andreas Benjamin Trautmann (vgl.
Bangel 1914, S. 114) - vor 1859 Gräflich von Brabeck-Södersche (später Stolbergsche)
Gemäldegalerie, versteigert 1859 in Hannover durch C. Rümpler - München, Sammlung
Martha von Savigny - vom Hochstift erworben 1930.
Trautmanns Selbstportrait ist als Brustbild vor monochromen, braungrünen Hintergrund
gesetzt. Die Schultern halb nach links wendend, blickt der Dargestellte den Betrachter fast en
face an. Seine Kleidung besteht aus einem offenen, weißen Hemd mit einer zur Seite
flatternden Schleife, einer grünlich-beigefarbene Weste sowie einer braunroten, barettartigen
Mütze mit breiter Krempe und einer herabhängenden Quaste über dem kaum sichtbaren,
dunklen Haar. Durch die in seiner linken Hand getragene Palette mit dicken Farbklechsen und
einem Pinselbusch sowie einen weiteren Pinsel in seiner rechten Hand wird Dargestellte als
Maler ausgewiesen.
Die Ausführung der Malerei setzt detailliert und fast emailleartig glatt wiedergegebene Partien, wie die Gesichtszüge direkt neben reliefartig strukturierten Flächen in pastosem Farbauftrag, wie die Kopfbedeckung. Das Hemd und die Weste sind hingegen in flüssigen, breit
gestrichenen Pinselzügen ausgeführt. Die brillante Malweise wird durch die effektvolle, das
Gesicht hervorhebende Lichtführung und die brauntonige, harmonische Farbgebung zusätzlich unterstrichen. Die legere Kostümierung läßt sich als Atelierkleidung deuten und ver-weist
somit ebenso wie die reduzierten Attribute auf den Beruf des Dargestellten. Zugleich läßt die
Kleidung an den im 18. Jahrhundert weitverbreiteten Typus eines „Déshabillé-Bildnisses“
denken, der für Portraits von in erster Linie privatem Charakter verwendet wurde.
Trautmanns Selbstbildnis läßt sich durch die Kleidung und durch seine Ikonographie ebenso
wie durch formale und stilistische Merkmale auf das Vorbild französischer Selbst-portraits
des späten 17. und frühen 18. Jahrhunderts zurückführen, deren Einfluß darüber hinaus auch
bei anderen, zeitgenössischen Selbstportraits deutscher und österreichischer Künstler
nachzuweisen ist (vgl. hierzu auch S. 90f.).
Aufgrund der in Johann Gottlieb Prestels Nachstich angegebenen Datierung „1752“ wäre
Trautmann auf dem Gemälde im Alter von etwa 39 Jahren dargestellt. Diese Annahme läßt
sich jedoch mangels weiterer Vergleichsbeispiele sowie einer möglicherweise idealisieren-
322
den Darstellungsweise kaum überprüfen. Sollte die Datierung richtig sein, so ließe dies darauf
schließen, daß Trautmann bereits in einer relativ frühen Phase seines Schaffens ver-schiedene
Stilmittel der Ölmalerei virtuos beherrschte. Die von Rudolf Bangel ange-nommene
Provenienz aus dem Besitz Johann Andreas Benjamin Trautmanns bezieht sich offenbar auf
eine Notiz in den Vormundschaftsakten (Stadtarchiv Frankfurt, Kuratelamt 3146, Lit A, Nr. 1,
S. 23), wonach dem Sohn „3 Familien Portraits, deßen verstorbenen Vater, Mutter und
Großvater vorstellend“ überlassen wurden. Eine sichere Identifikation mit dem besprochenen
Gemälde ist aufgrund dieser Quellenlage letztlich nicht möglich.
Ausstellung: Frankfurt 1982, Städelsches Kunstinstitut, „Frankfurter Malerei zur Zeit des
jungen Goethe“
Literatur: Hüsgen 1780, S. 172 - Hüsgen 1790, S. 349 - Füssli 1779/1824, Bd. 2,
S.
1932 - Verzeichnis der in der Gallerie zu Söder befindlichen Gemälde. Geschrieben im Jahr
1844, Hannover 18464, S. 22, Nr. 61 - Catalogue de la célèbre collection de tableaux de feu
Mr. le compte de Brabeck ... à Soeder, Hannovre 1859, Nr. 270 - Verzeichnis der Gräflich
von Brabeck-Söder'schen jetzt Gräflich zu Stolberg'schen Gemälde-Galerie, ge-schrieben zu
Söder im Jahre 1814, Hannover 1859, S. 17, Nr. 61 - Parthey, 1863, Bd. 2, S. 654, Nr. 3 Bangel 1914, S. 53, S. 113f., S. 163 (als verschollen) - Beutler 1949, S. 12-14, Nr. 8 Beutler 1961, S. 8 - Bushart 1963, S. 178 - Katalog Frankfurt 1982 b, S. 56, Nr. 11 Katalog Frankfurt 1982 a, S. 172f., Nr. 274 - Schweers 1982, Bd. II, S. 1021 - Bauksiepe
1986, S. 255.
Abbildungen: Katalog Frankfurt 1982 a, S. 173 - Katalog Frankfurt 1982 b, S. 56.
G 46
Portrait Johann Peter Trautmanns (?)*
Öl auf Leinwand
52,5 x 45 cm
beschriftet auf der Rückseite von fremder Hand in Bleistift „Selbstbildnis Dietrich 23 Jahre“
Speyer, Historisches Museum der Pfalz
Inv. Nr. M 1975/32
Provenienz: erworben 1975 im Kunsthandel München, Galerie Oskar Scheidwimmer
Das Portrait zeigt die Halbfigur eines jungen Mannes vor neutralem, sehr dunklem Hintergrund. Der Dargestellte wendet sich halb nach rechts und dreht den Kopf fast ganz zum
Betrachter zurück, blickt jedoch links an diesem vorbei. Er trägt ein offenes, weißes Hemd
mit einer schwarzen, flatternden Schleife und gerüscht zusammengezogenen Ärmelmanschetten sowie einen gelben Überrock. Das halblange, lockige, mittelblonde Haar wird von
einer kaum sichtbaren, breiten Schleife zusammengehalten und ist von einem dunklen, am
oberen Rand weinrot aufleuchtenden Barett bedeckt. Der Dargestellte weist demonstrativ ein
in seiner rechten Hand gehaltenes Blatt Papier vor, auf dem eine als Zeichnung oder Druck-
323
graphik ausgeführte, „in Rembrandts Manier“ gehaltene Darstellung eines bärtigen Mannes
schemenhaft zu erkennen ist.
Die Darstellung entspricht Trautmanns Selbstportrait [G 45] in Frankfurt bezüglich der
seitenverkehrten Grunddisposition sowie der legeren, dem Typus des „DeshabilliéBildnisses“ entsprechenden Kleidung. Dagegen erscheint das Helldunkel noch verstärkt,
wobei das von links oben einfallende Licht die Gesichtszüge sehr plastisch modelliert. Die
Ausführung der Malerei vermeidet eine allzu detaillierte Ausarbeitung der Gesichtszüge,
während zahlreiche anderen Details wie etwa die Kleidung in flüssigen, bewegten Pinselstrichen wiedergegeben sind. Die Farbgebung setzt gebrochene Weiß-, Gelb- und Rottöne
gegen das Braungrün des Hintergrunds. Das Inkarnat des Portraits changiert lebhaft zwischen
bräunlichen und rosafarbenen Tönen.
Gegen die in der Literatur geäußerte Annahme, es handle sich um ein Selbstportrait Trautmanns spricht nicht nur das jugendliche Alter des Dargestellten, sondern auch die im
Vergleich zu dem Frankfurter Selbstportrait [G 45] ausgesprochen runden, vollen Formen des
Gesichts und der Lippen. Die Nasenpartie, die klaren, dunklen Augen und die bogenförmigen Brauen beider Portraits ähneln sich hingegen so sehr, daß man daraus auf ein
verwandtschaftliches Verhältnis beider Personen schließen darf. Darüber hinaus könnte auch
die vorgewiesene Darstellung eines Mannes in der Art jener Phantasieköpfe, wie sie auch von
Trautmann geschaffen wurden andeuten, daß die dargestellte Person in engerem Bezug zu
Trautmann steht. Zu denken wäre an ein Portrait seines Sohns Johann Peter. Der Vergleich
der Physiognomie mit dem einzig bekannten gesicherten Bildnis Johann Peters, einer
wesentlich später von J.F. Beer nach einem Gemälde angefertigten Radierung (ein Exemplar
im Landesmuseum Mainz, Graphische Sammlung), offenbart leider nur wenig deutliche
Übereinstimmungen. Die weniger vollen, kantig gewordenen Gesichtszüge der mit Sicherheit
später geschaffenen Radierung ließen sich allerdings auch hinlänglich durch den
Altersunterschied erklären. Weiterhin läßt sich das Alter des Porträtieren auf etwa sechzehn
bis zwanzig Jahre schätzen. Da Trautmanns zweiter Sohn Johann Andreas Benjamin im
Todesjahr seines Vaters erst 14 Jahre alt war, kann es sich bei dem besprochenen Gemälde
kaum um dessen Portrait handeln. Im Falle eines tatsächlichen Portraits Johann Peters ließe
sich aus dem angenommenen Alter schließlich eine Entstehungszeit des Gemäldes zwischen
1761 und 1764 errechnen.
Literatur: Schweers 1982, Bd. II, S. 1021 (als Selbstbildnis) - Katalog Speyer 1983,
S. 146 (als fragliches Selbstbildnis) - Bauksiepe 1986, S. 255 (als fragliches Selbstbildnis).
Abbildungen: Katalog Speyer 1983, S. 147 - Bauksiepe 1986, S. 255.
G 47 entfällt
324
Männerdarstellungen mit Portraitcharakter
G 48
Brustbild eines Mannes
Technik und Größe unbekannt
Kunsthandel Saarbrücken, Antiquitäten und Dekorationshaus GmbH, Auktion vom 27.3.1969
Das Brustbild eines Mannes mit Oberlippenbart ist vor dunklen Hintergrund gesetzt und
leicht nach links gewendet, während der den Betrachter anblickt. Er trägt ein dunkles
Gewand, aus dem der Kragen eines hellen Hemdes herausragt sowie ein turbanartig
geschlungenes Tuch. Das Gemälde gleicht in Komposition und Lichtführung weitgehend dem
Gestaltungsschema der Phantasieköpfe Trautmanns „in Rembrandts Manier“. Weiterhin
zeichnet sich die Physio-gnomie durch rundliche Formen, eine dicke Nase und tiefliegende
dunkle Augen aus und ähnelt somit Trautmanns typenhaften Figuren. Andererseits treten der
Oberlippenbart, die Nasolabialfalten und das ansatzweise ausgebildete Doppelkinn als
portraithafte Elemente hervor. Eine Identifikation des Dargestellten ist mangels weiterer
Anhaltspunkte jedoch nicht möglich. Die Ausführung ist aufgrund der verfügbaren
Reproduktion nicht beurteilen.
Literatur: nicht bekannt.
Abbildung: Weltkunst 39. Jg., Heft 5, 1.3.1969.
G 49
Halbfigur eines jungen Mannes mit einem Affen
Öl auf Leinwand
Größe unbekannt
Privatbesitz Genf (1947)
Das Gemälde zeigt die Halbfigur eines jungen, bartlosen Mannes mit halblangem, dunkel
gelocktem Haar vor neutralem Hintergrund. Der Dargestellte dreht sich leicht nach rechts,
wendet den Kopf jedoch zum Betrachter zurück und fixiert ihn mit seinem Blick. Er trägt ein
weißes, dunkles Übergewand mit bortenbesetztem, breit herabfallendem Kragen und pelzverbrämten Ärmeln, aus denen ein helles Untergewand herausragt, ferner ein seidig glänzendes
Halstuch, einen Ohrring mit Anhänger sowie als Kopfbedeckung ein dunkles, bortengeschmücktes Samtbarett mit zwei aufgesteckten Federn. Seine rechte Hand hält einen axtartigen, in kostbarer Metallarbeit gefertigten Gegenstand, während auf seiner linken eine
angekettete Meerkatze mit einer Birne sitzt. Diese Attribute könnten sich möglicherweise auf
325
die dargestellte Person beziehen und verleihen dem Brustbild ebenso den Charakter eines
Portraits, wie die auffällige Ausrichtung des Blicks auf den Betrachter.
Das Gemälde ist, soweit die bekannte Fotografie dies erkennen läßt, in einer differenzierten
Malweise ausgeführt, die das Inkarnat in feinen, verfließenden Pinselstrichen wiedergibt, die
Darstellung der Kleidung hingegen durch pastos aufgesetzte Pinselzüge und zahlreiche Lichthöhungen auf dem Halstuch und der Borte des Kragens akzentuiert. Die Darstellung
entspricht somit dem Malstil des Selbstportraits Trautmanns [G 45]. Diese Beobachtung
spricht für die hier vorgenommene Zuschreibung an Trautmann ebenso wie die aus rundlichen
Grundformen gebildete Physiognomie, die durch ihre Nasenform und die großen, dunklen
Augen den typenhaften Gesichtern der Männerköpfe Trautmanns ähnelt (vgl. „Brustbild eines
Mannes“ in Privatbesitz [G 72]).
Die Darstellung des Gemäldes kehrt auf einer 1772 datierten, seitenverkehrten Radierung
J.A.B. Nothnagels wieder (Gwinner 1862, S. 359, Nr. 49). Nothnagel reproduzierte laut
Inschrift ein „originales“ Gemälde Rembrandts aus der Sammlung des Frankfurter Konsuls
Ehrenreich. Sehr wahrscheinlich handelte es sich hierbei um ein Portrait eines Künstlers aus
dem Umkreis Rembrandts, etwa von Govaert Flinck, das somit auch als eventuelles Vorbild
der Darstellung Trautmanns angenommen werden darf (vgl. S. 138f.).
Literatur: unpubliziert.
Foto: RKD.
326
Gelehrten- und Philosophendarstellungen
G 50
Ein studierender Gelehrter beim Licht einer Kerze*
G 51
Ein schreibender Gelehrter beim Licht einer Öllampe*
Öl auf Eichenholz
Pendants, jeweils 22 x 17,5 cm
beschriftet rückseitig von fremder Hand „Le Patriarche Simion / La / Theologie“ [G 50] bzw.
„Theo Phrast Pax Exoa / La / Philosophie“ [G 51]
Braunfels a.d. Lahn, Schloß Braunfels, Fürst zu Solms-Braunfels'sche Rentkammer
Inv. Nr. 379 / 263 und 404 / 260
Provenienz: unbekannt, alter Bestand
Die erste Darstellung zeigt das Hüftbild eines jungen Gelehrten, der sich leicht nach rechts
gedreht über einen Arbeitstisch beugt. In seiner linken, auf einem Globus ruhenden Hand hält
er einen Reißzirkel, mit seiner rechten schreibt er auf einen Bogen Papier. Ein Öllämpchen
auf dem Tisch dient als einzige Lichtquelle. Daneben ist ein Stapel dicker Folianten abgelegt,
links oben werden vor dunklem Hintergrund weitere Bücher erkennbar. Das Gegenstück zeigt
einen greisen Gelehrten mit langem Vollbart, der leicht nach links gewendet an einem Tisch
sitzt und in einem Buch liest. Weitere Folianten sowie ein Wandbord mit brennender Kerze
und einer Sanduhr lassen die Umgebung des Studierzimmers erkennen.
In beiden Darstellungen ist eine nahansichtige Halbfigurenkomposition von einer intimen
Interieurdarstellung hinterfangen und durch ein effektvoll von einer einzigen Quelle
ausgehen-des Licht erhellt. Hierdurch wird der Eindruck des kontemplativen, nächtlichen
Studiums der Gelehrten unterstrichen. Die Ausführung der Gemälde zeigt einen weichen,
durch nur wenige aufgesetzte Lichtpunkte akzentuierten Pinselduktus und ein harmonisches,
brauntonig gebro-chenes Kolorit. Beide Gemälde knüpfen in ihrer Komposition, den Attribute
und der Licht-führung an die Tradition der Darstellung nächtens studierender Gelehrter an,
die sich ins-besondere in der niederländischen Malerei herausgebildet hatte (vgl. J.M.
Hofstede, Vita Mortalium Vigilia, die Nachtwache der Eremiten und Gelehrten, in: Katalog
Frankfurt 1993, insbesondere S. 43-46). Für die Richtigkeit der später beigefügten,
rückseitigen Kommen-tierung der Bildthemen als Darstellungen des Patriarchen Simion bzw.
des Philosophen Theophrast sprechen hingegen keine weiteren Anhaltspunkte.
Literatur: Bamberger 1916, S. 126.
G 52
327
Brustbild eines bärtigen Mannes mit erhobener Hand
G 53
Brustbild eines bärtigen Mannes nach links,
eine Laterne haltend
Öl auf unbekanntem Bildgrund
Pendants, jeweils 51 x 43,3 cm
Kunsthandel New York, Auktionshaus Sotheby's Parke Barnet, Auktion vom 14.3.1980
In beiden Gemälden ist jeweils ein alter, vollbärtiger Mann als Brustbild wiedergegeben. Der
erste ist mit einem einfachen Gewand und einer Stoffkappe bekleidet und dreht seine
Schulterpartie leicht nach rechts. Er blickt den Betrachter mit weit geöffneten Augen an,
während er seine rechten Hand mit gespreizten Fingern erhebt. Der zweite hat seinen Kopf
und seine Schulter mit einem gestreiften Tuch bedeckt und wendet sich halb nach links. Sein
Blick schweift in die Ferne, während er in seiner Linken eine brennende Laterne hält.
Beide Gemälde zeichnen sich, soweit dies anhand der verfügbaren Reproduktionen zu erkennen ist, durch eine sehr flüssige Malweise aus, die verlaufende Übergänge schafft, ein allzu
starkes Helldunkel vermeidet und nur vereinzelt pastos aufgesetzte Lichthöhungen verwendet.
Aufgrund der attributhaft beigegebenen Laterne wurde [G 52] im Auktionskatalog als
Darstel-lung des Philosophen Diogenes bezeichnet, der nach der Legende am hellichten Tag
mit einer Laterne auf den Athener Markt ging, um einen aufrichtigen Menschen zu suchen.
Diese Episode wurde in der neuzeitlichen Malerei meist als szenische Darstellung aufgefaßt,
wäh-rend isolierte Halbfigurendarstellungen eher selten zu finden sind (vgl. Edmund Braun,
Artikel „Diogenes“ in: RDK, Bd. IV., Stuttgart 1959, S. 29f.; ein Diogenesbildnis als Brustfigur radierte Gerard Seghers; vgl. Bieneck 1992, S. 265, Nr. D 2, mit Abb.). Das Gegenstück
läßt sich aufgrund der demonstrativen Geste ebenfalls als Philosophendarstellung lesen,
mangels weiterer Anhaltspunkte jedoch nicht genauer benennen.
Literatur: nicht bekannt.
Abbildungen: Katalog der Auktion bei Sotheby's, New York, vom 14.3.1980, Nr. 24.
G 54
Brustbild eines schreibenden alten Mannes
Öl auf Leinwand
85 x 62 cm
Kunsthandel New York, Auktionshaus Sotheby's, Auktion vom 5.4.1990
328
Ein alter, vollbärtiger Mann ist als leicht nach links gewendetes Brustbild gezeigt. Er trägt
einen pelzverbrämten Mantel über hellem Untergewand sowie ein mit Zierbändern und einer
herabhängenden Quaste geschmücktes Samtbarett. Den Kopf leicht gesenkt, blickt er konzentriert auf einen mit Folianten bedeckten Tisch. Seine linke Hand balanciert auf einer Sanduhr,
während er mit seiner rechten mit einem Federkiel in ein aufgeschlagenes Heft schreibt.
Während das Brustbild des Mannes in seiner Gestaltung Trautmanns Phantasieköpfen nahesteht, entsprechen die Attribute und die „lebensnah“ aufgefaßte Tätigkeit der Darstellungstradition studierender Gelehrter (vgl. den Katalog zu [G 50] und [G 51]). Die Ausführung des
Gemäldes läßt sich anhand der bekannten Fotografie nicht beurteilen.
Literatur: nicht bekannt.
Abbildung: Katalog der Auktion bei Sotheby's, New York, vom 5.4.1990, Nr. 267 (als
Zuschreibung an J.G. Trautmann).
G 55
Ein Gelehrter im Studierzimmer*
Öl auf Holz
34,5, x 27,5 cm
monogrammiert „TM (ligiert) f.“ rechts unten
Speyer, Historisches Museum der Pfalz
Inv. Nr. HM 1982/33
Provenienz: erworben am 30.6.1982 im Kunsthandel Kronberg, Galerie Uwe Opper
Die Halbfigur eines im Armlehnsessel sitzenden Gelehrten trägt ein zinnoberrotes Gewand
über weißem Hemd. In seiner Linken, die auf einem Arbeitstisch ruht, umfaßt er ein zusammengerolltes Stück Papier, die Rechte ist darüber gelegt und hält eine Feder. Auf dem Tisch
befinden sich Folianten, Papierbögen und ein großer Globus, der silhouettenartig eine helle
Lichtquelle verdeckt, in der rückwärtigen Wand ist eine Rundbogennische eingeschnitten.
Das Gemälde ist in weich gesetzten, gleichmäßigen Pinselstrichen ausgeführt. Der Gesamteindruck wird durch das tonig gebrochene, aus reich nuancierten Brauntönen sowie Cremeweiß und Zinnoberrot gebildete Kolorit und ein relativ starkes Helldunkel bestimmt. Die
Komposition knüpft an die Tradition niederländischer Gelehrtendarstellungen an, wobei ein
ein Einfluß justus Junckers angenommen werden kann (vgl. „Gelehrten in seinem Studierzimmer“, Frankfurt, Freies Deutsches Hochstift, Inv. Nr. IV/347; Katalog Frankfurt 1982 a,
S. 58, Nr. 84, mit Abb.).
Literatur: Katalog Kronberg 1981, Nr. 2, S. 18.
Abbildung: Katalog Kronberg 1981, A. 19.
329
Männerdarstellungen nach der Phantasie
G 56
Brustbild eines Mannes mit orientalischem Kopfschmuck*
Öl auf Leinwand
52 x 44,5 cm
Bad Homburg v.d. Höhe, Staatliche Verwaltung der Schlösser und Gärten Hessen, Schloß
Inv. Nr. 1.1.384
Provenienz: alter Bestand, lt. Homburger Inventar von 1897 „bei einer baulichen Veränderung im Schloß Homburg aufgefunden“
Das Brustbild eines alten Mannes mit Vollbart ist vor neutralen, braunen Hintergrund gesetzt
und im Dreiviertelprofil nach links gewendet. Er trägt eine geknöpfte Weste und darüber
einen weiten, dunklen Umhang. Vor die Brust ist eine aus Rocailleornamenten gebildete,
edel-steinbesetzte Brosche gesteckt. Ein gewickelter, mit aufgesteckter Feder und einer links
herab-hängenden Quaste versehener Turban bildet den Kopfschmuck. Die Komposition, die
orienta-lisierende Tracht und das von rechts oben einfallende, ein starkes Helldunkel
erzeugende Licht lassen die Darstellung „in Rembrandts Manier“ vollkommen dem
Kunstgeschmack des 18. Jahrhunderts entsprechen.
Während die Physiongnomie z.T. sehr fein und plastisch ausgearbeitet ist, werden die hell
auf-leuchtenden Bänder des Turbans in einer pastosen, körnig bis reliefartig aufgetragenen
Prima-malerei nachgebildet und durch hell aufgesetzte Lichtpunkte betont. Das brauntonige
Kolorit wird durch den stark nachgedunkelten Firnis erheblich beeinträchtigt und läßt sich
daher nicht eingehend beurteilen.
Literatur: Schweers 1982, Bd. II, S. 1021.
G 57
Brustbild eines Mannes nach links*
G 58
Brustbild eines Mannes nach rechts*
Öl auf Eichenholz
Pendants, jeweils 22 x 17,5 cm
[G 57] rückseitig beschrieben von fremder Hand „Trautmann“
Braunfels a.d. Lahn, Schloß Braunfels, Fürst zu Solms-Braunfels'sche Rentkammer
Inv. Nr. 60 / 143a und 61 / 143b
Provenienz: unbekannt, alter Bestand
330
Beide Brustbilder sind vor braunschwarzen Hintergrund gesetzt. Das erste ist fast in Dreiviertelansicht wiedergegeben, der Kopf ist leicht nach unten geneigt. Der Dargestellte trägt ein
braunrotes Gewand mit umgeschlagenem Kragen und einen hohen, hellen Turban. Das von
rechts oben einfallende Licht beleuchtet schlaglichtartig die rechte Turbanhälfte sowie die
Wangen- und Nackenpartie des Mannes. Im Gegenstück ist der Dargestellte im Dreiviertelprofil nach rechts gewendet. Er trägt ein weißes Hemd mit Halskrause, ein braunrotes
Gewand und einen dunkelblauen Überwurf sowie einen phantasievollen, mit herabhängenden
Quasten und steinbesetzten Goldbändern geschmückten Turban. Das Licht fällt von links
oben ein und erhellt die linke Stirnseite und die linke Hälfte des Turbans.
Beide Darstellungen ähneln in ihren skizzenhaften, teilweise körnig aufgetragenen Pinselstrichen der Ausführung des ebenfalls sehr kleinformatigen „Brustbild eines bärtigen
Mannes“ aus dem Prehn'schen Kabinett [G 61]. Die virtuose Lichtführung und das rötlichbraun getönte Kolorit erzeugen eine ausgesprochen effektvolle Wirkung.
Literatur: unpubliziert.
G 59
Brustbild eines Mannes mit Turban*
Öl auf Leinwand, starke Craqueléebildung und erhebliche Fehlstellen
45,5 x 36,5 cm
Frankfurt, Freies Deutsches Hochstift, Frankfurter Goethehaus
Inv. Nr. IV/328
Provenienz: Frankfurt, Sammlung Senatspräsident Hermann Quincke, dem Museum
geschenkt 1911
Das Brustbild eines alten, bärtigen Mannes ist vor grünlichen, dunklen Hintergrund gesetzt
und leicht nach rechts gewendet. Er trägt ein dunkles Gewand, eine Goldkette sowie einen
weiß-rosafarbenen Turban, der von einem goldenen, mit Edelsteinen besetzten Band umwunden ist. Das helle Inkarnat ist stark rosafarben überhaucht. Die farbliche Erscheinung der
Darstellung wird insgesamt erheblich durch den vergilbten Firnis beeinträchtigt. Die Ausführung des Gemäldes zeigt, insbesondere in Partien wie dem Inkarnat und dem Bart, einen
fließenden, die Details fein nachbildenden Pinselduktus.
Literatur: Bangel 1914, S. 111, S. 165 - Thieme-Becker, Bd. 33, 1939, S. 355 Katalog Frankfurt 1982 a, S. 183, Nr. 291 - Schweers 1982, Bd. II, S. 1021.
Abbildungen: Münz 1934, Tafel 7, Abb. 24 - Bangel 1914, Tafel 2 - Katalog Frankfurt
1982 a, S. 184.
331
G 60
Brustbild eines Mannes*
Öl auf Holz
16 x 13 cm
Frankfurt, Historisches Museum
Inv. Nr. Pr. 575 / M 32
Provenienz: Frankfurt, Sammlung Valentin Prehn, Prehn'sches Kabinett, 2. Abteilung
Das Brustbild eines alten, vollbärtigen Mannes ist leicht nach links gedreht vor grünschwarzen Hintergrund gesetzt. Der Dargestellte wendet seinen Kopf zum Betrachter zurück. Er
trägt ein schwarzes, nur angedeutetes Gewand und ein schwarzes Barett. Sein Gesichte ist
bräun-lichrot überhaucht und in körnigen Pinselstrichen ausgeführt. Das Licht fällt von links
oben ein und läßt die linke Gesichtshälfte sowie den kurzen, weißen Bart plastisch
hervortreten. Die kleinformatige Darstellung bildet ein prägnantes Beispiel für Trautmanns
effektvolle, jedoch recht formelhaft ausgeführten Phantasieköpfe „in Rembrandts Manier“.
Literatur: Morgenstern 1829, Nr. 32 - Passavant 1843, Nr. 575 - Parthey 1863, Bd. 2,
S. 654, Nr. 21 - Bangel 1914, S. 109f., S. 163 - Thieme-Becker, Bd. 33, 1939, S. 355 (en
bloc) - Bénézit 1976, Bd. 10, S. 261 - Katalog Frankfurt 1988, S. 46f.
Abbildung: Katalog Frankfurt 1988, S. 47.
G 61
Brustbild eines bärtigen Mannes*
Öl auf Holz
13 x 11 cm
monogrammiert „TM (ligiert)“ am linken Bildrand auf Schulterhöhe
Frankfurt, Historisches Museum
Inv. Nr. Pr. 604 / M 682
Provenienz: Frankfurt, Sammlung Valentin Prehn, Prehn'sches Kabinett, 27. Abteilung
Das kleinformatige Brustbild eines alten, bärtigen Mannes entspricht in seiner Komposition
dem größeren „Brustbild eines alten Mannes“ in Kassel [G 63]. Hierbei wurde insbesondere
der Kopfschmuck vereinfacht. Die Ausführung des Gemäldes wirkt skizzenhafter, das Gesicht
wird aus etwas trockenen, die Details körnig übergehenden Pinselzügen gebildet. Das starke
Helldunkel der größeren Version wurde abgemildert, die Farbgebung wirkt einheitlicher und
ist aus bräunlich gebrochenen Tönen aufgebaut.
Literatur: Morgenstern 1829, Nr. 682 - Passavant 1843, Nr. 604 - Parthey 1863, Bd. 2,
S. 654, Nr. 22 - Bangel 1914, S. 110, S. 164 - Thieme-Becker, Bd. 33, 1939, S. 355 (en
bloc) - Bénézit 1976, Bd. 10, S. 261 - Katalog Frankfurt 1988, S. 96f.
Abbildung: Katalog Frankfurt 1988, S. 97.
332
G 62
Alter Mann*
Öl auf Eichenholz
54,8 x 42 cm
bezeichnet „G.Trautmann / fec:“ am linken Bildrand auf Schulterhöhe
Frankfurt, Historisches Museum
Inv. Nr. B 1075
Provenienz: München, Sammlung Oberleutnant Leporoni, vom Museum erworben 1909
Das Brustbild eines bärtigen Mannes vor grünlich dunklem Hintergrund ist leicht nach links
gewendet, der Dargestellte blickt jedoch den Betrachter an. Er trägt ein flächig angelegtes,
dunkles Gewand sowie ein braun schimmerndes, von einem steinbesetzten Goldband eingefaßtes Samtbarett. Das von rechts oben punktuell beleuchtete Gesicht ist stark rötlich überhaucht und in feinen, fließenden Pinselzügen ausgeführt. Hierzu bilden die sorgfältig aus fein
abgetönten, braunen und rötlichen Farbpunkten modellierten Falten und Mulden des Baretts
einen lebhaften Kontrast. Die detaillierte Ausarbeitung hebt sich deutlich gegenüber den bisweilen sehr skizzenhaft und routiniert gehaltenen Phantasieköpfen Trautmanns ab.
Literatur: Bangel 1914, S. 111, S. 165 - Thieme-Becker, Bd. 33, 1939, S. 355 - Bénézit
1976, Bd. 10, S. 261.
G 63
Brustbild eines Mannes im orientalischen Kostüm*
Öl auf Eichenholz, eventuell an der Unterkante beschnitten
25,2 x 21,2 cm
monogrammiert „TM. (ligiert)“ links am Hintergrund
Kassel, Staatliche Kunstsammlungen, Neue Galerie
Inv. Nr. 1980/1
Provenienz: erworben 1980 aus Privatbesitz
Das Brustbild eines greisen, vollbärtigen Mannes vor neutralem, grünlichem Hintergrund ist
nach links gedreht. Der Mann wendet seinen Kopf zum Betrachter zurück und ist mit einem
dunklen, flächig dargestellten Gewand bekleidet. Ein gewickelter, mit Schmuckbändern und
aufgesteckter Feder versehener Turban bildet die Kopfbedeckung. Das helle Inkarnat ist an
den Wangen und der Nase rosa überhaucht und ist ebenso wie die dunklen Augen, der Haaransatz und der lange, fein gekräuselte, weiße Bart in sehr detaillierten Pinselzügen wiedergegeben. Hierzu kontrastiert die Darstellung des Turbans in einer skizzenhaften, teilweise
pastosen Manier. Das von links oben einfallende Licht läßt Gesicht und Turban plastisch
hervortreten und verleiht dem Phantasiekopf eine sehr lebendige Wirkung.
Literatur: Schweers 1982, Bd. II, S. 1021.
G 64
333
Brustbild eines Mannes mit einer Goldkette
Öl auf Holz
60 x 49 cm
Kunsthandel Amsterdam, Auktionshaus Braams, Auktion vom 27. und 28.5.1943, Los Nr. 18
(als deutsche Schule des 18. Jahrhunderts)
Das Brustbild eines bärtigen Mannes ist leicht nach rechts geneigt, der Kopf hingegen bis ins
Dreiviertelprofil gedreht. Der Dargestellte trägt ein dunkles Gewand und eine weite, aus
großen Einzelgliedern, verschiedenen Schmuckelementen mit Steinbesatz und einem herabhängenden Medaillon gebildete Goldkette. Sein Kopf ist von einem hoch aufragenden, mit
steinbesetzten Bändern und einer Agraffe geschmückten Turban bedeckt. Die Ausführung des
Gemäldes, insbesondere des Inkarnats, des Bartes und der Kopfbedeckung wirkt ausgesprochen detailliert und läßt sich soweit nach dem Foto erkennbar mit dem Malstil des
„Brust-bildes“ im Freien Deutschen Hochstift [G 59] vergleichen.
Literatur: nicht bekannt.
Foto: RKD.
G 65
Schulterbild eines Mannes nach links
Öl auf unbekanntem Bildträger
43 x 37,5 cm
Kunsthandel Den Haag, Auktionshaus Bignell (als deutsche Schule des 18. Jahrhunderts,
keine weiteren Angaben bekannt)
Ein bärtiger, nach links unten blickender Alter ist als Schulterbild wiedergegeben. Er trägt
einen aus Bändern geschlungenen, von einer aufgesteckten Agraffe zusammengehaltenen
Turban als Kopfschmuck. Die Gesichtsbildung des Dargestellten erinnert insbesondere in der
Nasen und Mundpartie sowie in der Form des Bartes an das „Brustbild eines Mannes“ in Bad
Homburg [G 48]. Das Gemälde ist zum Teil in offenbar ausgesprochen skizzenhaften, etwas
körnig angelegten Pinselzügen ausgeführt, die bekannte Fotografie erlaubt jedoch keine
weitergehende Beschreibung.
Literatur: nicht bekannt.
Foto: RKD.
334
G 66
Brustbild eines Mannes mit Turban nach rechts
Öl auf Leinwand
37 x 29 cm
Kunsthandel Den Haag, J. Vermeulen, angeboten im August 1950
Das Gemälde zeigt das Brustbild eines leicht nach rechts gewendeten und den Betrachter
anblickenden, alten Mannes. Die Komposition erinnert ebenso wie der gewickelte Turban mit
aufgesteckter Agraffe und herabhängender Quaste an das „Brustbild“ in Freuen Deutschen
Hochstift [G 59]. Das Gemäldes ist in weiten Partien in skizzenhaften, breiten und etwas
fahrig gesetzten Pinselzügen ausgeführt. Auch die Gesichtszüge sind soweit nach der Fotografie erkennbar weniger fein und detailliert wiedergegeben, als bei vergleichbaren, mittelgroßen Phantasieköpfen Trautmanns.
Literatur: nicht bekannt.
Foto: RKD.
G 67
Brustbild eines bärtigen Mannes
Öl auf unbekanntem Malgrund
Größe unbekannt
Kunsthandel Dieren, D. Katz (keine weiteren Angaben bekannt)
Bei der Darstellung handelt es sich um eine ausgesprochen genaue Wiederholung des „Brustbilds eines bärtigen Mannes“ [G 749], wobei allein die Stirn etwas weniger hoch und der Bart
etwas kürzer wirken. Weiterhin läßt die Ausführung des Gemäldes einen stärker skizzenhaften, leicht körnigen Pinselduktus erkennen.
Literatur: nicht bekannt.
Foto: RKD.
335
G 68
Brustbild eines bärtigen Mannes mit
orientalischem Kopfschmuck*
Öl auf Leinwand, sehr starke Craqueléebildung, deutliche Feuchtigkeitsschäden und
„aufgeblühter“ Firnis
44 x 34 cm
Kunsthandel Hamburg, Auktionshaus Dr. Heuser & Grethe, Auktion vom November 1991
Provenienz: Kiel, Privatbesitz
Das Brustbild eines alten, bärtigen Mannes ist nach links gedreht. Der Dargestellte wendet
seinen Kopf bis ins Dreiviertelprofil nach rechts zurück. Er trägt ein dunkelfarbenes Gewand
mit aufgeschlitzten, das helle Futter freigebenden Ärmeln. Sein Kopf ist von einem Turban
mit aufgesteckter Agraffe bedeckt. Die Gesichtsbildung gleicht Trautmanns typenhaften
Phan-tasieköpfen, wobei Details wie das Inkarnat, die gekräuselten Barthaare und die Augen
sehr detailliert in fließenden Pinselstrichen wiedergegeben werden. Die übrigen Partien sind
auf-grund des sehr schlechten Erhaltungszustandes kaum zu erkennen. Eine eingehende
Beurtei-lung der Malerei ist daher nicht möglich.
Literatur: unpubliziert.
G 69
Brustbild eines bärtigen Alten
Öl auf unbekanntem Malgrund (Holz?)
62,5 x 46,5 cm
Privatbesitz Hamburg, Sammlung von Haroh (1935, als Rembrandt-Schule)
Das Brustbild eines alten, bärtigen Mannes ist vor neutralem Hintergrund leicht nach links
gedreht wiedergegeben. Der Dargestellte wendet seinen Kopf frontal zurück und blickt den
Betrachter an. Er trägt ein einfaches, dunkles Gewand sowie ein von bestickten Bändern
eingefaßtes, mit einer herabhängenden Quaste dekoriertes Barett. Seine rechte Hand ist mit
pathetischem Gestus vor die Brust gelegt, seine linke darunter geöffnet vorgestreckt. Das von
links einfallende Licht bildet ein ausgesprochen starkes Helldunkel. Eine eingehende Beurteilung des Gemäldes ist aufgrund der bekannten Fotografie nicht möglich.
Literatur: nicht bekannt.
Foto: RKD.
336
G 70
Brustbild eines bärtigen Mannes mit Pelzkappe
Öl auf unbekanntem Malgrund
Maße unbekannt
Privatbesitz Luxemburg (1970)
Der als frontales Brustbild dargestellte, bärtige Mannes wendet seinen Kopf leicht nach links
und blickt nach oben. Er trägt eine flache Pelzkappe mit überkreuzend aufgelegten Stoffbändern. Das von rechts oben einfallende Licht erhellt schlaglichtartig seine rechte Gesichtshälfte. Die bekannte Fotografie erlaubt keine Beurteilung des Malstils.
Literatur: nicht bekannt.
Foto: RKD.
G 71
Brustbild eines Mannes mit Turban nach rechts
Öl auf unbekanntem Bildträger
Größe unbekannt
Privatbesitz Menton (1973)
Das Brustbild eines Mannes mit kurzem Bart ist nach rechts gedreht. Der Dargestellte wendet
seinen Kopf fast bis ins Profil und blickt nach rechts, während er mit seiner linken Hand nach
einer Kette vor seiner Brust greift. Sein Kopfschmuck besteht aus einem aus glänzenden
Tüchern gewickelten, mit Schmuckbändern und einer Agraffe aufgeputzten Turban. Er trägt
ein dunkles Gewand mit weißem, herabhängendem Rüschenkragen und einen Ohrring mit
Perlenanhänger. Das von links oben einfallende Licht erzeugt ein starkes Helldunkel und
modelliert die Gesichtszüge sehr plastisch. Große Partien des Gemäldes wie Kopfschmuck
und Kleidung sind in effektvoll pastosen, skizzenhaften Pinselzügen ausgeführt. Das Kolorit
vereint bräunliche Töne mit dem Cremeweiß des Kragens und der rötlich überhauchten Farbe
des Inkarnats.
Literatur: nicht bekannt.
Foto: RKD.
337
G 72
Brustbild eines Mannes
Öl auf Eichenholz
22,5 x 17,5 cm
Privatbesitz New York (1986)
Das Brustbild eines Mannes mittleren Alters mit Oberlippenbart ist nach links gedreht vor
monochrom dunklen Hintergrund gesetzt. Der Mann wendet seinen Kopf zurück und fixiert
den Betrachter. Er trägt über hellem Hemd ein dunkles, vor der Brust von einer
großgliedrigen Kette zusammengehaltenes Gewand, einen einzelnen Ohrring mit
Perlenanhänger sowie ein kleines, dunkles Samtbarett. Das von links oben einfallende Licht
erzeugt tiefe Schlagschatten auf der rechten Gesichtshälfte sowie der Schulterpartie.
Das Gemälde ist, soweit nach der Fotografie erkennbar in sicheren, zum Teil pastos gesetzten
Pinselzügen ausgeführt. Trautmann variiert in diesem Phantasiekopf sein übliches Gestaltungsmuster, indem er einen jüngeren Mann darstellt und den phantasievollen Aufputz
reduziert. Vor der Zuschreibung an Trautmann wurde das Gemälde zeitweilig als Selbstbildnis Rembrandts oder als Portrait Rembrandts von der Hand Govaert Flincks betrachtet
(Notiz auf der Rückseite der Fotografie). Die Malweise, das starke Helldunkel und eine
bewußt „in Rembrandts Manier“ gehaltene Komposition sowie die charakteristischen
Gesichtszüge bezeugen jedoch die Autorschaft Trautmanns.
Literatur: nicht bekannt
Foto: RKD.
G 73
Brustbild eines Mannes in orientalischem Kostüm
Öl auf Holz, eventuell beschnitten
19,7 x 17,7 cm
Privatbesitz Süddeutschland
Der bärtige Mann ist als nach rechts gewendetes Brustbild vor monochrom grünschwarzem
Hintergrund gesetzt und dreht seinen Kopf beinahe ins Dreiviertelprofil zurück. Er trägt einen
hochgeschlossenen, beigebraunen Rock mit geschlitzten, das helle Futter freilassenden
Ärmeln. Eine weiße Halskrause, eine zinnoberrote, schmale Schärpe und eine vor die Brust
geheftete, aus Rocailleornamenten gebildete goldene Brosche sowie ein Ohrring mit blauem
Anhänger bilden den Aufputz. Den Kopf bedeckt ein aus beigebraunen und hellgrauen
Tüchern geschlungener, mit Perlenschnüren geschmückter Turban.
338
Das sehr helle Inkarnat des Mannes ist rosafarben überhaucht, sein hellgrauer Bart wolkenartig fein gekräuselt. Während diese Partien in sehr feinen, verschmelzenden Pinselzügen
ausgeführt sind, werden die glänzenden Stoffe der Kleidung und des Turbans durch leicht
plastisch aufgesetzte Lichtpunkte akzentuiert. Die sehr reiche, phantasievolle Kostümierung
ähnelt dem Phantasiekopf [G 56] in Bad Homburg, während die Physiognomie bis in Details
jener des Kopfes [G 68] aus dem Kunsthandel gleicht. Das Kolorit des Gemäldes weist reich
nuancierte Braun- und Ockertöne, bläuliches Grau und rosige Tönen des Inkarnats auf und
wirkt vergleichsweise kühl gestimmt.
Literatur: unpubliziert
G 74
Brustbild eines bärtigen Mannes
Öl auf unbekanntem Malgrund
Größe und Standort unbekannt
Vor dunklem Hintergrund erscheint das frontale Brustbild eines bärtigen, alten Mannes, der
seinen Kopf wenig nach links dreht und nach links unten blickt. Er trägt ein einfaches,
dunkles Gewand sowie eine barettartige Kopfbedeckung mit steinbesetztem Schmuckband
und herabhängender Quaste. Die im übrigen dem Gemälde [G 67] aus dem Kunsthandel in
vielen Details entsprechende Komposition wirkt im Vergleich zu den übrigen Phantasieköpfen relativ schematisch. Die Ausführung läßt sich anhand der bekannten Fotografie nicht
weiter beurteilen.
Literatur: nicht bekannt.
Foto: RKD.
339
G 75
Halbfigur eines bärtigen Mannes nach rechts
Öl auf Holz, deutliche Rissfugen
99 x 73,2 cm
vor 1764
Standort unbekannt
Die leicht nach links gedrehte Halbfigur eines bärtigen Mannes ist vor neutralen, dunklen
Hintergrund gesetzt. Der Dargestellte wendet seinen Kopf ins Dreiviertelprofil nach rechts,
seine linke Hand umgreift mit energischer Geste einen Stab. Das dunkle Gewand ist reich mit
Pelz verbrämt, vor der Brust verläuft eine steinbesetzte Schärpe, als Kopfschmuck dient eine
barettartige, von Bändern umwickelte und links mit einer herabhängenden Quasten versehene
Samtmütze.
Soweit nach der Fotografie erkennbar, ist das Gemälde in fein verschmelzenden (Inkarnat)
sowie pastos aufgesetzten (Pelz und Kleidung) Pinselzügen ausgeführt. Der nach rechts
gewendete Kopf und die Gesichtszüge des Mannes gleichen dem Phantasiekopf aus dem
Kunsthandel [G 64]. Weiterhin gleicht dem Gemälde die 1764 datierte Radierung des
„Großen Türkenkopf“ von J.A.B. Nothnagel [RG 5] in der entschlossenen Gestik und der
phantastischen Kostümierung so sehr, daß man hierfür das Gemäldes als Vorlage annehmen
darf. Die Radierung kann somit den Terminus ante quem 1764 für die Entstehung des
Gemäldes belegen.
Literatur: nicht bekannt.
Foto: RKD.
340
Frauendarstellungen
G 76
Brustbild einer alten Frau*
Öl auf Holz
15,5 x 10,8 cm
Frankfurt, Historisches Museum
Inv. Nr. Pr. 600 / M 75
Provenienz: Frankfurt, Sammlung Valentin Prehn, Prehn'sches Kabinett, 4. Abteilung
Das Brustbild einer den Betrachter anblickenden, alten Frau ist frontal vor monochromem
Grund wiedergegeben. Die Dargestellte trägt eine weiße Bluse und ein schwarzrotes Gewand,
ihr Kopf ist mit einem hellen, schleierartigen Tuch bedeckt, zwei Perlenohrringe dienen als
Schmuck. Das Gemälde ist in flüssigen, teilweise leicht pastos gesetzten Pinselzügen ausgeführt, das Kolorit kontrastiert dunkle Braun- und Rottöne, gebrochenes Weiß und Hellbeige,
das starke Helldunkel der übrigen Phantasieköpfe Trautmanns ist deutlich zurückgenommen.
Die typenhafte Physiognomie der alten Frau kehrt in der Düsseldorfer Zeichnung [Z 19] und
dem Dessauer Gemälde [G 79] wieder.
Literatur: Morgenstern 1829, Nr. 75 - Passavant 1843, Nr. 600 - Parthey 1863, Bd. 2,
S. 654, Nr. 24 - Bangel 1914, S. 104, S. 163 - Thieme-Becker, Bd. 33, 1939, S. 355 (en
bloc) - Katalog Frankfurt 1988, S. 50f.
Abbildung: Katalog Frankfurt 1988, S. 51.
G 77
Die Geizige*
Öl auf Holz, starke Abstoßungen der Malschicht, insbesondere am Rand, eine durchgehende
Rißfuge verläuft diagonal durch das obere Drittel der Tafel
45 x 39 cm
München, Bayerische Staatsgemäldesammlungen, Alte Pinakothek, Depot
Inv. Nr. 5637
Provenienz: ungeklärt, bislang wurde eine Provenienz aus der Galerie von Schloß Carlsberg bei Homburg an der Saar angenommen, wofür jedoch keine archivalischen Belege
bekannt sind. Möglicherweise wurde das Gemälde 1817 von Max I. für die Königliche
Galerie in München aus Salzburg übernommen (vgl. auch Katalogtext zu [Gd 88]).
Eine alte Frau sitzt halb nach rechts gewendet in einem Armlehnsessel. Sie trägt ein
schwarzes, pelzverbrämtes Gewand über weißer Bluse sowie eine schwarze Haube. Mit verbissenem Gesichtsausdruck nach unten blickend, hält sie einen großen, prall gefüllten
Geldbeutel in ihrer linken Hand, während die rechte die Volute der Sessellehne umklammert.
341
Auf einem Tisch liegen ein weiterer Geldbeutel und eine Reihe abgezählter Münzen. Ein
Wandbord mit verschiedenen Gegenständen rechts oben komplettiert das karge Interieur. Die
Ausführung des Gemäldes zeigt einen feinen, verschmelzenden Pinselduktus, der an wenigen
Stellen, wie dem Pelzbesatz der Kleidung durch einen leicht pastosen Farbauftrag akzentuiert
wird. Das Kolorit kontrastiert reich nuancierte Brauntönen und das Schwarz der Kleidung.
Trautmanns variiert in der „Geizigen“ ein Bildthema der niederländischen Malerei, das zum
einen realistisch gesehene Elemente aufweist, zum anderen aber auch als sinnbildhafte Darstellung lesbar ist. Komposition und Gestaltung zahlreicher Detailmotive wie die Ausstattung
des Raumes, aber auch Malweise lassen deutliche Parallelen zu Werken David Teniers d.J.
erkennen. Möglicherweise stellt Trautmanns Gemälde eine Kopie oder eine sehr nahe Nachahmung eines nicht konkret nachweisbaren Gemäldes Teniers zum gleichen Thema dar. Zu
diesem sind verschiedene Varianten bekannt, etwa Teniers Gemälde „Der Geldwechslers“, in
London, National Gallery (Abb. in: Katalog der National Gallery London, Abbildungsband,
Continental School, London 1937) sowie eine Kopie nach Teniers' „Bildnis eines Mannes mit
Muff“ in Karlsruhe (Staatliche Kunsthalle, Inv. Nr. 1903, vgl. Katalog Karlsruhe 1966, Bd. 1,
S. 294, Abb. in: Bd. 2, S. 303). Daß die eventuell verlorene Vorlage Teniers' bereits im
17. Jahrhundert auf breiter Ebene rezipiert wurde, beweist schließlich ein Gemälde gleichen
Themas von Jan Lievens (Oldenburg, Landesmuseum, Inv. Nr. 15.650).
Die „Geizige“ bildete inhaltlich ein Gegenstück zu dem verlorenen Gemälde eines „Wucherers“ [Gd 88], das sich ehemals in der gleichen Sammlung befand und das in Größe und
Technik der „Geizigen“ entsprach. Da der „Wucherer“ weiterhin nachweislich aus Salzburg
stammte, läßt sich eine entsprechende Provenienz auch für das besprochene Gemälde
annehmen.
Literatur: Reber 1911, S. 121 - Schweers 1986, S. 331.
Abbildung: Schweers 1986, S. 330, Abb. 819.
342
Genre
Verschiedene Genreszenen in Halbfiguren
G 78
Galante Genreszene (A.bb. 16)
Öl auf Holz
23 x 19 cm
monogrammiert „TM.“ (ligiert) an der Tischkante
Bad Soden, Privatbesitz
Provenienz: Kunsthandel Köln, Auktionshaus Lempertz, 573. Auktion vom 22. und
24.11.1979
Die Genreszene ist aus drei um einen Steintisch gruppierten Halbfiguren komponiert. Im
Mittelpunkt steht ein Mann, der einen senfgelben Rock über weißem Hemd und eine
geschlitzte, graue Kappe mit rotem Futter trägt. Er legt seine linke Hand auf die Schulter der
Frau rechts neben ihm. Diese trägt ein weißes, rosafarben schimmerndes Kleid mit schmaler
Halskrause und blauer Schleife und umfaßt ein Gebinde aus Rosen und anderen Blumen. Auf
der linken Seite wird die dunkle, ins Profil gedrehte Figur eines Knaben sichtbar, der einen
dunkelblauen Umhang trägt und nach einem Vogelnest mit drei Eiern greift.
Bei dem Gemälde handelt es sich um die einzig bekannte halbfigurige Genreszene Trautmanns, die nicht aus „bäuerlichen“ Charakteren gebildet ist, sondern der Gattung der
„galanten“ Genreszenen nahesteht. Die Bekleidung des Mannes sowie die der Frau ist dabei
als freie Abwandlung typischer Kostüme der Figuren des „Commedia dell' arte“-Theaters
lesbar (vgl. die Jahrmarktdarstellungen [G 116] und [G 123]). Das Gemälde zeichnet sich
durch ein kühl gestimmtes Kolorit aus opaken Pastelltönen aus und ist in teils locker gesetzten, teils verwischten Pinselzügen ausgeführt. Diese Eigenheiten des Malstils sowie die
innige, empfindsam gefärbte Stimmung der Szene dürften eine relativ späte Entstehung des
Werkes andeuten.
Literatur: Katalog der 573. Auktion bei Lempertz, Köln, S. 32, Nr. 221.
343
G 79
Alte Frau, ein Kerzenlicht tragend *
Öl auf Holz
22,7 x 16,5 cm
Dessau, Anhaltische Gemäldegalerie
Inv. Nr. 157
Provenienz: Frankfurt, Sammlung Prinzessin Amalie von Dessau, seit 1793 in der
Dessauer Amalienstiftung, Inv. Nr. 582, seit 1927 in der Gemäldegalerie
Der ganz im Dunkeln liegende Bildraum wird an der linken und der oberen Seite von einem
rundbogigen Mauerausschnitt gerahmt, in dem eine als Hüftfigur wiedergegebene, alte Frau
erscheint. Sie trägt ein beigebraunes Kleid mit zinnoberrotem Überwurf, ein beigebraunes
Kopftuch, eine Perlenkette und Perlenohrringe und hält in ihrer linken Hand eine brennende
Kerze, die sie mit den auseinandergespreizten Fingern ihrer rechten Hand halb verdeckt.
Die Kerze bildet die einzige Lichtquelle des effektvollen „Beleuchtungsstücks“. Während
Gesicht und Brustpartie der Frau hell gegenüber der dunklen Umgebung hervorgehoben
werden, leuchten die Kanten der silhouettenartig vor die flackernden Flamme gehaltenen
Finger rötlich auf. Hierbei verarbeitete Trautmann Anregungen halbfiguriger „Beleuchtungsstücke“, für die sich Beispiel der „Utrechter Caravaggisten“, insbesondere jedoch des
Leiderners Gerrit Dou anführen lassen. Die Darstellung Trautmanns gleicht beispielsweise
Dous ähnlich kleinformatigem Gemälde „Mädchen mit Kerze am Fenster“ (ehemals in
Privatbesitz London, Abb in: W. Martin, Gerard Dou, des Meisters Gemälde, Stuttgart 1913)
nicht nur durch die rahmende Fensteröffnung, sondern auch durch die sehr ähnliche Komposition und Kleidung der Figur und die entsprechende Lichtregie. Daß niederländische
„Beleuchtungsstücke“ bereits im 17. Jahrhundert auch in Deutschland wohlbekannt waren
und von Künstlern rezipiert wurden, belegt die in ihrer Lichtwirkung ähnliche Darstellung des
„Dezembers“ aus Joachim von Sandrarts Monatszyklus (heute München, Bayerische
Staatsgemäldesammlungen, ausgestellt in Schleißheim, vgl. Klemm 1986, S. 122, mit Abb.).
Das Gemälde Trautmanns zeigt ein tonig gebrochenes Kolorit aus dunkelbraunen, rötlichen
und beigefarbenen Tönen und ist in gleichmäßig gesetzten, relativ feinen Pinselzügen ausgeführt. Auch in der Malweise werden somit direkte oder indirekte Einflußmomente der
„Leidener Feinmalerschule“ erkennbar.
Literatur: Katalog Dessau 1913, Nr. 582 - Bamberger 1916, S. 126 - Bénézit 1976,
Bd. 10, S. 261 - Zisché 1991, S. 6 (en bloc).
G 80
344
Bauernpaar beim Trinken und Rauchen*
Öl auf Eichenholz
14 x 11 cm
monogrammiert „TM“ (ligiert) am rechten Bildrand
Düsseldorf, Goethe-Museum
Inv. Nr. NW 1022/1968
Vor dunklem Hintergrund ist rechts die Halbfigur einer Frau auszumachen, die in ihren
Händen einen großen Tonkrug hält. Links hinter ihr steht ein bäuerlich einfach gekleideter
Mann mit federgeschmücktem Hut. Er hält in seiner linken Hand eine Tonpfeife, während er
mit der anderen nach rechts weist. Die Komposition ist mit weiteren bäuerlichen Genreszenen
wie den Gemälden [G 87] und [G 91] verwandt. Auch das Kolorit aus harmonischen, tonig
gebrochenen Farbtönen und die relativ lockere, teilweise skizzenhaft bleibende Pinselführung
entsprechen diesen Beispielen. Ein eng verwandtes Gemälde [G 95] ist aus dem Kunsthandel
bekannt.
Literatur: Katalog Düsseldorf 1993, S. 22, Nr. I,14.
G 81
Brustbild eines jungen Mannes mit einem Huhn *
Öl auf Holz
18 x 22,8 cm
Frankfurt, Historisches Museum
Inv. Nr. Pr. 542
Provenienz: Frankfurt, Sammlung Valentin Prehn
Aus einer fensterartigen Wandöffnung mit korbbogenförmigem Abschluß blickt ein junger
Mann als Hüftfigur hervor. Leicht nach rechts gedreht, wendet er den Kopf dem Betrachter
zu. Er trägt einen braungrünen Wams über weißem Hemd, eine braunrote Weste sowie einen
schwarzen, federgeschmückten Hut. Beide Arme vor der Brust verschränkt, hält er rechts
einen Weidenkorb und links ein weißbraunes Huhn.
Das Gemälde zeigt ein bräunlich gebrochenes Kolorit und eine sehr gleichmäßige Ausführung
in weichen und feinen Pinselzügen. Das Licht fällt von links oben ein, ein allzu starkes
Helldunkel wird vermieden. Hierdurch unterscheidet es sich wesentlich von den akzentuiert
beleuchteten, skizzenhaften, „bäuerlichen“ Genredarstellungen Trautmanns. Die Komposition
greift ferner mit der aus einer Wandöffnung blickenden Figur ein Motiv der niederländischen
Malerei auf, das als charakteristisch für Maler der „Leidener Feinmalerschule“, etwa Gerrit
Dou gilt. Entsprechenden Vorbildern steht das Gemälde auch durch seine Malweise nahe.
345
Das Motiv eines hühnerhaltenden Mannes läßt sich ebenfalls auf niederländische Vorbilder
zurückführen, wobei es ursprünglich in Folgen allegorischer Darstellungen der fünf Sinne
verwendet wurde und dabei als Sinnbild des Tastsinns stand. Eine verwandte, jedoch seitenverkehrte Figurenkomposition liegt in einem Kupferstich Cornelis Blomaerts vor (Hollstein
Bd. 2, S. 81, Nr. 290, mit Abb.), der durch seine Beischrift in direktem Zusammenhang mit
den genannten Sinnesallegorien steht. Eine wohl zeitgenössischen Kopie [Gb 3] des
Gemäldes befindet sich an unbekanntem Standort.
Literatur: Morgenstern 1829, Teil II, Nr. 204 - Parthey 1863, Bd. 2, S. 654, Nr. 17 Bangel 1914, S. 164.
G 82
Ein lampenanzündender Mann und ein Kind*
G 83
Ein feuerschlagender Mann und eine Frau*
Öl auf Holz
Pendants, jeweils 21 x 18 cm
monogrammiert „TM“ (ligiert, in hellen Buchstaben) rechts unten [G 82] bzw. links unten
[G 83]; in beiden Fällen möglicherweise von fremder Hand
Frankfurt, Historisches Museum
Inv. Nr. Pr. 532 / M 265 [G 82] bzw. Pr. 533 / M 264 [G 83]
Provenienz: Frankfurt, Sammlung Valentin Prehn, Prehn'sches Kabinett, 11. Abteilung
Die erste Darstellung zeigt einen jüngeren, bäuerlich gekleideten Mann mit federbesteckter
Kappe in Halbfigur, der eine Öllampe in seiner linken Hand hält und diese mit einem Span
anzündet. Hierbei sieht ihm ein aus dem Hintergrund als Gesicht auftauchendes Kind konzentriert zu. Im Vordergrund rechts wird der Boden eines aufgerichteten Fasses sichtbar, auf dem
weitere Späne sowie ein Ölgefäß liegen. Im Gegenstück schlägt ein ebenfalls in Halbfigur
wiedergegebener, einfach gekleideter Mann mit zwei Feuersteinen Funken, um eine auf dem
Tisch liegende Tonpfeife anzuzünden. Er wird von einer älteren Frau beobachtet, die rechts
über seine Schulter blickt.
Die dunklen, in nur wenigen Details schlaglichtartig beleuchteten Szenen zeichnen sich durch
sehr starke Helldunkel-Kontraste und eine stark plastische Modellierung der Formen aus.
Auch das reduzierte, aus Schwarz und rötlich-braunen Tönen aufgebaute Kolorit erzielt eine
effektvolle Wirkung mit einfachen Mitteln. Der Farbauftrag ist teilweise flächig verrieben,
teilweise fleckig und skizzenhaft bleibend. Rudolf Bangel wollte eine Verwandtschaft alten
Frau in [G 83] mit Rembrandts radierten „Bildnissen seiner Mutter“ (Bartsch 348 und 349)
346
beobachten. Hierfür lassen sich außer sehr allgemein bleibenden Ähnlichkeiten der
Physiognomie jedoch keine überzeugenden Anhaltspunkte finden.
Literatur: Morgenstern 1829, Nr. 265 und 264 - Passavant 1843, Nr. 532 und 533 Parthey 1863, Bd. 2, S. 654, Nr. 16 bzw. 18 - Bangel 1914, S. 103f., S. 163 - Leber 1924,
S. 107 - Thieme-Becker, Bd. 33, 1939, S. 355 (en bloc) - Katalog Frankfurt 1988, S. 64f.
Abbildungen: Katalog Frankfurt 1988, S. 65.
G 84
Ein junger Mann und eine alte Frau mit einem Hahn*
G 85
Ein junges Mädchen und ein alter Mann mit einem Hühnerkorb*
Öl auf Holz
Pendants, jeweils 14,5 x 11,5 cm
Frankfurt, Historisches Museum
Inv. Nr. Pr. 403/ M 388 [G 84] bzw. Pr. 404/ M 400 [G 85]
Provenienz: Frankfurt, Sammlung Valentin Prehn, Prehn'sches Kabinett, 16. Abteilung
In dem ersten Gemälde ist eine alte, ein gelbes Kleid und eine weiße Haube tragende und
einen braunen Hahn haltende Frau dargestellt. Zu ihr gesellt sich ein junger, mit einem hohen,
braunen Hut aufgeputzter Mann. Während sie ihren Kopf mit gefühlvoll gesenkten Augenlidern an seine Schulter schmiegt, streichelt er das Tier und berührt dabei fast die Hand der
alten Frau. Im Gegenstück hebt ein alter Mann mit groben Gesichtszügen, einem gelben
Wams und einem breitkrempigen Hut einen großen Korb mit kleinen Hühnern empor, um
diesen einem links hinter ihm stehenden jungen Mädchen zu zeigen. Das Mädchen blickt
versonnen auf die Vögel, während er sie verschmitzt anlacht.
Beide Gemälde fallen durch ein delikates, fein abgetöntes Kolorit auf: das Inkarnat der
Figuren schimmert rosa, die Kleidung ist in braunen, beigen, goldgelben und gebrochen
weißen Tönen gehalten, der Hintergrund hebt sich dagegen in einem bläulichen Grau ab. Die
Ausführung zeigt schnell und sicher gesetzte Pinselzüge, die teils lebhaft fleckige Partien
formieren, teils skizzenhaft bleiben. Beide Genreszenen assoziieren durch die deutlichen
Blickkontakte der Figuren und das demonstrative Vorzeigen der Vögel einen erotischen Bildinhalt. Sie folgen somit der Bildtradition der Darstellung „ungleicher Liebespaare“, wie sie
bereits von Lucas Cranach und seinem Umkreis häufig geschaffen wurden.
Trautmann unterstreicht erzählerische Logik und thematische Zusammengehörigkeit, indem
er dem alten Mann bzw. der alten Frau nicht nur die Vögel attributiv beigibt, sondern auch
indem er beide Figuren in den Vordergrund der Komposition rückt und in gleichen Farben
kleidet. Der bisweilen zu beobachtende, drastische „Realismus“ älterer Darstellungen
347
„unglei-cher Liebespaare“ erscheint deutlich abgemildert, wenn etwa die älteren Partner nicht
länger extrem häßlich dargestellt werden. Trautmann vernachlässiget somit die frühere,
moralisie-rend zu lesende Wertigkeit des Themas und schafft in erster Linie delikat gemalte
Sammler-stücke mit nur komischem Unterton (vgl. auch S. 96f.).
Ausstellung: Frankfurt 1967, US Trade Center.
Literatur: Morgenstern 1829, Nr. 388 und 400 - Passavant 1843, Nr. 403 und 404 Parthey 1863, Bd. 2, S. 654, Nr. 14 und 15 - Bangel 1914, S. 104, S. 164 - Thieme-Becker,
Bd. 33, 1939, S. 355 (en bloc) - Bushart 1963, S. 178 - Katalog Frankfurt 1988, S. 74f.
Abbildungen: Katalog Frankfurt 1988, S. 75.
G 86
Bauernpaar, die Frau liest einen Brief vor*
G 87
Bauernpaar beim Trinken*
Öl auf Holz
Pendants, jeweils 15,5 x 12,3 cm
Frankfurt, Historisches Museum
Inv. Nr. Pr. 452 [G 86] und Pr. 453 [G 87]
Provenienz: Frankfurt, Sammlung Valentin Prehn
In der ersten Darstellung ist eine sitzende Frau mit hellgrünem Kleid, einem rosafarbenen
Leibchen und weißer Haube als Dreiviertelfigur wiedergegeben. Sie hält in beiden Händen
einen Brief, um diesen vorzulesen. Rechts hinter ihr steht ein bäuerlich gekleideter Mann mit
federbestecktem Hut und einer Tonpfeife in seiner linken Hand. Er beugt sich leicht herab,
um ebenfalls einen Blick auf den Briefbogen zu werfen. Im Gegenstück sitzt ein beleibter
Mann mit beigebraunem Wams und schwarzer Mütze in einem Sessel. Er hält in seiner
rechten Hand ein großes Glas, das eine links hinter ihm stehende Frau mit Bier gefüllt hat.
Beide Gemälde zeichnen sich durch ein fein abgestuftes, harmonisches Kolorit aus warm
gebrochenem Weiß, Braun, Rosa und Grün aus, das durch den monochromen, bräunlichgrünen Hintergrund abgerundet wird. Die weiche und gleichmäßige Lichtführung wird durch
effektvolle Details wie die umgeknickte, aufleuchtende Briefecke oder die Lichtreflexe auf
dem Bierglas akzentuiert, ein starkes Helldunkel hingegen vermieden. Die Ausführung zeigt
einen lebhaften, fleckig oder skizzenhaft bleibenden, bei den Gesichtern auch weich verriebenen Duktus.
Beide Gemälde können als reduzierte Weiterführung traditioneller, allegorisch lesbarer
Darstellungen der fünf Sinne interpretiert werden (vgl. etwa den Kupferstich Cornelis
348
Bloemaerts mit einer sinnbildlichen Darstellung des Gesichtssinns; Hollstein, Bd. 2, S. 81,
Nr. 292, mit Abb.). Hiernach würden im ersten Gemälde Lesen und Rauchen für den
Gesichtssinn und den Geruchssinn, in im zweiten hingegen das Trinken und das links im
Hintergrund hängende Blasinstrument für den Geschmackssinn und den Gehörsinn stehen.
Trautmann wiederholte beide Kompositionen in den Gemälden [G 90] und [G 91].
Ausstellung: Darmstadt 1914, Schloß, „Jahrhundertausstellung Deutscher Kunst 16501800“ [G 86].
Literatur: Parthey 1863, Bd. 2, S. 654, Nr. 12 bzw. Nr. 13 - Bangel 1914, S. 105f.,
S. 164 - Biermann 1914, Bd. II, S. LVIII, Nr. 90 [G 86] - Katalog Darmstadt 1914, S. 149,
Nr. 737 [G 86].
Abbildung: Biermann 1914, Bd. I, S. 90, Abb. 145 [G 86].
G 88
Ein Dudelsackbläser und ein Junge*
G 89
Ein Drehleierspieler und eine singende Frau*
Öl auf Holz
Pendants, jeweils 16,3 x 12 cm
beide rückseitig monogrammiert „TM.“ (ligiert, möglicherweise von fremder Hand)
Koblenz, Mittelrhein-Museum
Inv. Nr. M 111 [G 88] bzw. M 114 [G 89]
Provenienz: Koblenz, Sammlung J. Gregor Lang, dem Museum vermacht 1836
Die erste Darstellung zeigt die Halbfigur eines Mannes in hellgrünem Wams mit gelbbraunem
Überwurf und mit phantasievollem, turbanartigen Kopfputz, der auf einem diagonal in die
Komposition gesetzten Dudelsack bläst. Links daneben taucht der Kopf eines Jungen auf. Im
Gegenstück spielt ein ebenfalls in Halbfigur wiedergegebener, ähnlich phantasievoll kostümierter Mann auf einer nur teilweise sichtbaren Drehleier, wobei er den Betrachter mit halb
geöffnetem Mund anblickt. Rechts hinter ihm beugt sich eine singende alte Frau über ihr
Notenblatt.
Beide Gemälde fallen durch das bräunliche Inkarnat der Figuren sowie das aus warm gebrochenem Braun, Rot, Gelb und Weiß gebildete, durch wenige trübes Grün ergänzte Kolorit auf.
Die Ausführung wirkt skizzenhafter und bewegter als jene zahlreicher aus Halbfiguren
gebildeter „bäuerlicher“ Genreszenen. Die schlaglichtartige, ein effektvolles Helldunkel
erzeugende Lichtführung und der besonders phantasievolle, abgerissene Aufputz der Figuren
unterstreichen die dekorative Wirkung der kleinformatigen Kabinettstücke zusätzlich.
349
Literatur: Parthey 1863, Bd. 2, S. 654, Nr. 1 bzw. Nr. 2 (unter Koblenz, Casino) - Theophil Gassen, Katalog der Städtisch-Lang'schen Gemäldesammlung zu Coblenz, Koblenz
1874, S. 46, Nr. 175 und S. 47, Nr. 183 - Bangel 1914, S. 106-108, S. 164 - ThiemeBecker,
Bd. 33, 1939, S. 355 - Bénézit 1976, Bd. 10, S. 261 - Schweers 1982, Bd. II, S. 1021 Bauksiepe 1986, S. 255 - Schweers 1986, S. 329.
G 90
Bauernpaar, die Frau liest einen Brief vor
G 91
Bauernpaar beim Trinken
Öl auf Holz
Pendants, jeweils 13,5 x 12 cm
[G 90] monogrammiert „TM“ (ligiert) rechts unten
Kunsthandel Bamberg, Dr. Arndt (keine weiteren Umstände bekannt, frdl. Hinweis von Gode
Krämer, Deutsche Barockgalerie Augsburg)
Beide Darstellungen wiederholen bis in Details die beiden nur geringfügig größeren Gemälde
[G 86] und [G 87] aus dem Prehn'schen Kabinett. Hierbei wirkt die Ausführung soweit nach
den Fotografien erkennbar etwas fahriger. Die ausgelassene Gestik der beiden Frauen erscheint hingegen akzentuiert.
Literatur: offenbar unpubliziert.
G 92
Zwei Bauern beim Rauchen und Trinken
Öl auf Holz
21 x 18 cm
monogrammiert „TM“ (ligiert, lt. Auktionskatalog)
Kunsthandel London, Auktionshaus Sotheby's, Auktion vom 12.12.1984
Links sitzt ein in Halbfigur wiedergegebener Mann in gegürtetem Wams und mit Hut samt
aufgesteckter Feder auf einem Stuhl und hebt prostend ein Glas empor. Rechts daneben wird
ein zweiter Mann als Brustfigur sichtbar, der mit einer Tonpfeife hantiert. Davor sind ein
Tonkrug, eine Schale und eine weitere Pfeife stillebenartig auf einem aufgestellten Fasses
arrangiert. Während Figuren und Komposition vollkommen den „bäuerlichen“ Genreszenen
Trautmanns entsprechen, läßt sich die Ausführung aufgrund der bekannten Fotografie nicht
weiter beurteilen.
350
Literatur: Katalog der Auktion bei Sotheby's, London, vom 12.12.1984, Nr. 242 (als
Johann Peter Trautmann).
Abbildung: Auktionskatalog (s.o.), Nr. 242.
G 93
Bauernpaar, der Mann liest einen Brief vor
Öl auf Holz
21 x 18 cm
monogrammiert „TM“ (ligiert) rechts unten
Kunsthandel London, Auktionshaus Sotheby's, Auktion vom 13.2.1985 - Kunsthandel Bamberg, Dr. Arndt (keine weiteren Umstände bekannt, frdl. Hinweis von Gode Krämer,
Deutsche Barockgalerie Augsburg)
Ein in Dreiviertelfigur wiedergegebener, einen gegürteten Wams und eine Kappe mit aufgesteckter Tonpfeife tragender Mann beugt sich leicht nach links, um einer einfach gekleideten
Frau einen Brief vorzulesen. Im Vordergrund links rundet ein Steintisch, auf dem verschiedene Gegenstände stillebenartig arrangiert sind, die Komposition ab. Die Darstellung variiert
das Motiv eines Paares mit einer brieflesenden Frau, etwa Gemälden wie [G 86] und [G 90]
und ist hiermit auch in seiner Ausführung vergleichbar.
Literatur: Katalog der Auktion bei Sotheby's, London, vom 13.2.1985.
G 94
Bauernpaar, der Mann erhebt prostend sein Glas
G 95
Bauernpaar beim Rauchen und Trinken
Öl auf Holz
15 x 12 cm
Kunsthandel Stuttgart, Auktionshaus Hartmann, Auktion vom 21. und 22.4.1931
Das erste Gemälde zeigt einen Mann, der mit einer dunklen Weste über hellem Hemd und
einem Hut mit aufgesteckter Feder bekleidet ist und prostend sein Glas erhebt. Rechts hinter
ihm lacht eine Frau den Betrachter an. Die Darstellung gleicht in der Komposition, den
Figurentypen und auch der Kleidung verschiedenen „bäuerlichen“ Genredarstellungen wie
dem Gemälde [G 87].
Das Gegenstück wiederholt detailliert die Komposition des nahezu gleichgroßen Gemäldes
[G 80] in Düsseldorf. Da dessen Provenienz nicht bekannt ist, und die einzig bekannte Repro-
351
duktion des hier besprochenen Werkes keine zuverlässigen Detailvergleiche erlaubt, läßt sich
nicht mit Sicherheit ausschließen, daß beide Gemälde möglicherweise identisch sein könnten.
Literatur: Katalog der Auktion bei Hartmann, Stuttgart, vom 21. und 22.4.1931, Nr. 118
bzw. 119 (als J.C. Seekatz).
Abbildungen: Katalog der Auktion (s.o.), Tafel 5.
G 96
Sängerfamilie*
G 97
Musikantenfamilie*
Öl auf Leinwand
Pendants, jeweils 20 x 15,5 cm
monogrammiert „TM.“ (ligiert) links unten, auf der Tischkante [G 96] bzw. rechts unten, auf
dem Faß [G 97]
München, Bayerische Staatsgemäldesammlungen, Alte Pinakothek, Depot
Inv. Nr. 3835 und 3829
Provenienz: Kempten, fürstbischöfliche Galerie - erworben 1804 im Zuge der Säkularisation für die kurfürstliche, seit 1806 königliche Galerie München.
In der „Sängerfamilie“ ist die Halbfigur einer leicht nach links gewendeten Frau zu erkennen.
Sie trägt ein weißes, türkisgrau changierendes Kleid und eine altrosafarbene Kappe und singt,
ebenso wie der rechts im Hintergrund sichtbare Mann, mit weit geöffnetem Mund nach einem
Bündel Notenblättern. Rechts unten taucht schließlich der Kopf eines kleinen Kindes auf. Im
Gegenstück steht ein leicht gebeugter, einen federbesteckten Hut tragender Mann neben
einem aufgerichteten Faß und zupft an den Saiten einer Violine. Links neben ihm sind eine
den Musikanten anblickende Frau sowie ein bettelnd an dessen Wams ziehender Junge
eingefügt.
Beide Gemälde zeichnen sich durch ein besonders delikates Kolorit aus pastosem Weiß, fein
abgestuften Brauntönen, grün und blau getöntem Grau und vereinzelten Bunttönen wie einem
dezent gebrochenen Karminrot aus. Dieser Farbakkord wird jeweils durch das grünliche Grau
des Hintergrundes ergänzt. Die Ausführung in bewegten, teils weich verwischten, teils
skizzenhaft fleckig stehenbleibenden Pinselzügen wirkt ebenfalls sehr effektvoll, so daß die
beiden Gemälde trotz ihrer additiv wirkenden Komposition als ausgesprochen interessante,
kleinformatige Kabinettmalereien gelten dürfen.
Ausstellung: München, Nürnberg und Kaiserslautern 1928, „Pfälzer Kunst von Churfürst
Carl Theodor bis zu Gegenwart“.
352
Literatur: Katalog Speyer 1927, S. 87, Nr. 3835 und 3829 - Katalog München 1928,
S. 75, Nr. 401 und 402 - Thieme-Becker, Bd. 33, 1939, S. 355 (unter Speyer) - Bénézit
1976, Bd. 10, S. 261 (unter Speyer) - Schweers 1986, S. 331.
Abbildung: Schweers 1986, S. 320, Abb. 820 [G 96].
G 98
Genreszene mit kerzenhaltender Frau
Öl auf Holz
20,8 x 15,3 cm
Ptuj (Slovenien), Pokrajinski muzej
Provenienz: Sammlung der Grafen Herberstein
Ein Frau mit einem weiten, tief dekolletierten Gewand mit Überwurf sowie einer doppelreihigen Perlenkette, Perlenohrringen und einem Kopfputz mit aufgesteckter Feder ist in
Halbfigur wiedergegeben. Leicht nach links gewendet und den Betrachter anblickend hält sie
in ihrer linken Hand eine Kerze, deren Flamme die leicht gespreizten Fingern der rechten
Hand halb verdecken. Rechts hinter der Frau taucht das Gesicht eines Jungen auf, der das
flackernde Licht neugierig beobachtet.
Die Darstellung ähnelt in ihrer Konzentration auf die Wirkung einer einzigen Lichtquelle in
dunkler Umgebung sowie in dem Motiv der von einer Hand halb verdeckten Flamme dem
Gemälde [G 79] in Dessau. Auch die Ausführung ist, soweit die verfügbare Fotografie dies
erkennen läßt, mit diesem Gemälde vergleichbar. Die Komposition aus einer
kerzentragenden, weiblichen Halbfigur und einem kleinen Jungen läßt sich möglicherweise
auf eine Vorlage Gottfried Schalckens zurückführen, die von zahlreichen, teils
zeitgenössische Repliken oder Kopien wiederholt wird (heute u.a. in München, vgl.
Beherman 1988, Nr. 206, S. 302, mit Abb. und dem Verweis auf mindestens neun weitere
Fassungen). Ein originelles Detail Schalckens, der vorwitzige Versuch des Jungen, die Kerze
auszublasen, wurde dabei jedoch von Trautmann zugunsten einer gefälligen und ganz auf die
effektvolle Lichtwirkung konzen-trierten Nachahmung übergangen.
Literatur: Narodna Galerija Ljubliana, Stari tuji slikarji XV. - IX Stoletja, II, Slovenska
Staierska in Prekmurje, Ljubliana 1964, S. 56, Nr. X (als Deutsche Schule des 18. Jahrhunderts).
Abbildung: Narodna Galerija Ljubliana (s.o.), Abb. 37.
353
Fahrende Händler
G 99
Der Rattengiftverkäufer
Öl auf Holz
21 x 17 cm
Basel, Öffentliche Kunstsammlung
Inv. Nr. 562
Provenienz: erworben aus der Sammlung Dienast
Zwei bäuerlich gekleidete Gestalten haben sich an einem aufrecht stehenden, als Tisch
dienen-den Faß eingefunden. Im Vordergrund links sitzt ein ins Profil gewendeter Alter und
stopft seine Tonpfeife. Ihm gegenüber beugt sich eine alte Frau leicht herab. Ein abgerissen
geklei-deter, fahrender Händler tritt aus dem Hintergrund heran, um einen Ziegel Rattengift
feilzu-bieten. Der Händler trägt einen umgehängten, kastenförmigen Bauchladen mit
daraufstehen-dem Gefäß sowie eine Stange mit daran baumelnden, bereits toten Ratten.
Das Paar gleicht in dem typenhaften Aussehen und der Kleidung verschiedener „bäuerlicher“
Genreszenen Trautmanns. Der bärtige und eine phantasievolle Kopfbedeckung tragende
Rattenfänger erinnert dagegen an Phantasieköpfe „in Rembrandts Manier“ (vgl. [G 63] und
[D 3]). Die Lichtführung hebt die Figuren effektvoll gegenüber dem dunkel monochromen
Hintergrund hervor. Die Ausführung weist einen lebhaft bewegten, stellenweise fleckigen
Pinselduktus auf, der durch plastisch aufgesetzte Glanzlichter ergänzt wird.
Literatur: Bamberger 1916, S. 78, 238, Nr. 30 (als J.C. Seekatz) - Emmerling 1968,
S. 135 - Bénézit 1976, Bd. 9, S. 496 (als J.C. Seekatz).
Abbildung: Emmerling 1968, S. 135.
354
G 100
Der Brillenverkäufer
Öl auf Leinwand, doubliert
27 x 22 cm
monogrammiert „TM [ligiert] f.“ links unten
Kunsthandel Bremen, Auktionshaus Bolland & Marotz, Auktion vom 15.4.1989
Die Darstellung setzt die Halbfigur eines fahrenden Händlers mit umgehängtem Bauchladen
vor monochromen Hintergrund. Er greift mit seiner linken Hand nach einer zwickerartigen
Brille, um diese einer vor ihm als Rückenfigur sitzenden Frau zu reichen. Diese hält bereits
ein Stoffband prüfend in ihren Händen und blickt nach links zu einem herbeilaufenden
kleinen Mädchen.
Die Komposition des Gemäldes fällt durch relativ kleine, additiv nebeneinandergesetzten
Figuren auf. Eine verwandte, seitengleiche Figurenkomposition liegt der Radierung zum
gleichen Thema [D 2] zugrunde. Eine Beurteilung der Ausführung ist aufgrund der verfügbaren Fotografie nicht möglich.
Literatur: Katalog der Auktion bei Bolland & Marotz, Bremen, vom 15.4.1989, S. 65,
Nr. 845.
Abbildung: Auktionskatalog (s.o.), Tafel 69.
G 101
Der Brillenverkäufer
Öl auf Leinwand
34 x 29,5 cm
monogrammiert „TM [ligiert] f.“ (lt. Auktionskatalog)
Kunsthandel München, Auktionshaus Weinmüller, 113. Auktion vom 20. und 22.6.1968
Im Vordergrund ist ein fahrender Händler mit umgehängtem Bauchladen als Dreiviertelfigur
auszumachen. Er greift nach einer zwickerartigen Brille, um diese einer sitzenden alten Frau
feilzubieten. Diese erprobt bereits eine andere Brille, indem sie angestrengt nach einem
Papierbogen liest. Dabei wird sie von zwei hinter ihr stehenden, bäuerlich einfach gekleideten
Männern beobachtet. Ein am rechten Bildrand hervorspitzender kleiner Knabe rundet die
Komposition ab.
355
Ein verwandtes Motiv griff Trautmann auch in einer Zeichnung im Frankfurter Städel [Z 26]
auf. Das Gemälde ist soweit nach der Fotografie erkennbar in relativ glatten Pinselzügen ausgeführt und wirkt etwas steif in der Durchbildung der Figuren.
Literatur: Katalog der 113. Auktion bei Weinmüller, München, S. 110, Nr. 1674.
Abbildung: Auktionskatalog (s.o.), Tafel 58.
G 102
Der Brillenverkäufer*
Öl auf Holz
14,5 x 15 cm
monogrammiert „TM“ (ligiert) am linken Bildrand
Saarbrücken, Saarland-Museum
Inv. Nr. NI 579
Provenienz: Stuttgart, Sammlung von Gemmening - erworben 1953 von Hans Müller,
Saarrücken
Im Mittelpunkt der Komposition erscheint die Brustfigur eines fahrenden Händlers, der aus
seinem geöffneten Bauchladen mit diversen Galanteriewaren und anderen Gegenständen eine
zwickerartige Brille entnimmt. Links hinter ihm wird der Kopf einer alten Frau sichtbar.
Das Gemälde erinnert in Komposition sowie Durchbildung und Kleidung der Figuren an
verschiedene „bäuerliche“ Genreszenen Trautmanns. Das Kolorit ist aus bräunlichen, durch
wenig gebrochenes Weiß und Blau ergänzten Tönen gebildet. Die weiche Lichtführung
vermeidet ein starkes Helldunkel, die malerische Ausführung zeigt eine fleckig skizzenhafte
bleibende, durch wenige Lichtpunkte ergänzte Pinselführung.
Literatur: Katalog Saarbrücken 1964, Nr. 80 - Schweers 1982, Bd. II, S. 1021 Schweers 1986, S. 331 - Katalog Saarbrücken 1995, S. 271, Nr. 141.
Genredarstellungen: Gesellschaftsszenen in Halbfiguren
G 103
Singende Gesellschaft bei Lampenschein*
Öl auf Eichenholz
18,8 x 25 cm
bezeichnet „Trautmann f.“ rechts unten
356
Köln, Wallraf-Richartz-Museum
Inv. Nr. 2504
Provenienz: erworben 1934 im Tausch gegen ein holländisches Seestück
Das Gemälde stellt eine abendliche Gesellschaft aus vier Halbfiguren in einem dunklen
Innen-raum dar. Während rechts ein bäuerlich gekleideter Mann sich mit auf eine Tischplatte
stützt und ein flackerndes Öllicht in seiner rechten Hand emporhält, sitzt links davor eine
Frau in einem Sessel und singt nach einem Notenblatt. Im Vordergrund links steht ein kleiner
Junge als Rückenfigur und greift nach dem Knie der Frau. Im Hintergrund stemmt ein breit
lachen-der Mann einen großen Krug mit seiner rechten Hand empor, während er ein Glas in
seiner linken prostend erhebt.
Das Gemälde ist ganz auf die Wiedergabe der effektvollen Beleuchtung konzentriert: die
Flamme der Öllampe erzeugt ein weiches, warmtoniges Licht, auf ein allzu scharfes, starke
Kontraste bewirkendes Helldunkel wird hingegen verzichtet. Das einheitliche, bräunlich
gebrochene Kolorit und die fließende, stellenweise verwischende Pinselführung
unterstreichen die homogene Wirkung zusätzlich. Eine leicht abgewandelte Komposition
findet sich in der Zeichnung [Z 25] in Darmstadt.
Ausstellung: Köln 1949, Wallraf-Richartz-Museum, „Deutsche Malerei und Zeichenkunst
im Zeitalter Goethes“.
Literatur: Wallraf-Richartz-Museum der Hansestadt Köln, Gemäldegalerie, Wegweiser
und Verzeichnis, Köln 1938, S. 93, Nr. 2504 - Wallraf-Richartz-Museum der Hansestadt
Köln, Die Deutschen Gemälde des 18. und 19. Jahrhunderts, 1942 (o.a.A.) - Deutsche Malerei und Zeichenkunst im Zeitalter Goethes, Katalog der Ausstellung im Wallraf-RichartzMuseum Köln 1949, S. 22, Nr. 112 - Ursula Erichsen-Fiole und Horst Vey (Hrsg.), Katalog
der Deutschen Gemälde von 1550 bis 1800 im Wallraf-Richartz-Museum und im öffentlichen
Besitz der Stadt Köln, Köln 1973, S. 80 - Bénézit 1976, Bd. 10, S. 261 - Schweers 1982,
Bd. II, S. 1021 - Schweers 1986, S. 331 - Wallraf-Richartz-Museum Köln, vollständiges
Verzeichnis der Gemäldesammlung, Köln 1986, S. 85.
Abbildungen: Dahl 1963, S. 290 - Katalog Köln 1973 (s.o.), Abb. 75 - Vandura 1984,
S. 201 - Katalog Köln 1986, S. 256, Abb. 565.
G 104
Singende Gesellschaft bei Kerzenlicht
Öl auf Leinwand
96 x 86 cm
Privatbesitz Rheinland
Provenienz: angeboten im Kunsthandel Köln, Auktionshaus Lempertz, Auktion vom
14.6.1976.
357
In einem dunklen Interieur hat sich eine Gruppe von vier Kindern eingefunden. Im Vordergrund steht ein nach rechts blickendes, singendes Mädchen vor einem Tisch und trägt einen
Leuchter mit brennender Kerze. Mit ihrer rechten Hand hält sie, gemeinsam mit einem
zweiten, sitzenden und ebenfalls singenden Mädchen ein Notenblatt. Zwischen beiden wird
der Kopf eines Knaben mit Hut sichtbar, der ebenfalls nach einem Notenblatt singt. Ein am
linken Bildrand stehendes, kleines Kind rundet die Komposition ab.
Das Gemälde zeichnet sich durch eine stimmungsvolle Wiedergabe des weichen, von einer
einzigen Quelle ausgehenden Lichtes aus. Die Gesichter der Figuren werden hiervon relativ
gleichmäßig erhellt. Repoussoiremotive, wie die größtenteils silhouettenhaft dunkle Figur des
Mädchen im Vordergrund oder aber das dunkle, mit einer umgeknickten, hell aufscheinenden
Kante versehene Notenblatt akzentuieren die effektvolle Lichtführung. Das Kolorit ist aus
warm gebrochenen Weiß-, Gelb- und Brauntönen komponiert. Die Ausführung läßt der
verfügbaren Fotografie zufolge großflächig weich gestrichene Pinselzüge erkennen, die an
einzelnen Stellen durch pastose Farbtupfen ergänzt werden. Die für Trautmanns Genreszenen
ungewöhnliche Größe des Gemäldes läßt sich eventuell als Hinweis darauf deuten, daß das
Gemälde für einen zeitgenössischen Sammler als Gegenstück zu einer entsprechenden
Darstellung geschaffen wurde (vgl. S. 256f.).
Literatur: Katalog der Auktion bei Lempertz, Köln, vom 14.6.1976, Nr. 288.
Abbildung: Katalog der Auktion (s.o.)
G 105
Abendliche Gesellschaft
Öl auf Holz
23,7 x 20 cm
monogrammiert „TM (ligiert) f.“ auf dem Pfosten links
Zagreb, Strossmayerova Galerija
Inv. Nr. SG-553
Provenienz: Sammlung Ante Topic Mimara, von der Galerie 1967 erworben
Den Vordergrund eines nächtlich dunklen Interieurs nimmt die Dreiviertelfigur einer Frau
ein, die eine Kerze mit einem langen Span anzündet. Zwischen ihr und einem links stehenden,
den Kopf von dem Lichtschein abwendenden kleinen Jungen ist ein aufgerichtetes Faß auszumachen, auf dem verschiedene Gegenstände liegen. Dahinter erhebt sich ein halbhoher
Bretterverschlag, über den sich eine zweite Frau, ein Mann mit federbestecktem Hut und ein
weiteres Kind beugen. Im Hintergrund deuten rechts eine Bretterwand samt einer daran
gehefteten Zeichnung oder Druckgraphik sowie eine Leine mit aufgehängter Wäsche das
einfache Interieur an.
358
Die Darstellung rückt das von einer einzigen Lichtquelle ausgehende, ein sehr starkes Helldunkel erzeugende Licht in den Mittelpunkt der Aufmerksamkeit. Die partielle Beleuchtung
der einzelnen Figuren ist ausgesprochen differenziert ausgearbeitet: während das Brustbild
des Knaben fast schattenlos erleuchtet wird, erscheint die nur wenig weiter von der
Lichtquellen stehende Frauenfigur bereits halb verschattet. Die im Hintergrund positionierten
Figuren wer-den schließlich allein in ihren hervorstehenden Körperpartien durch ein
effektvolles Streiflicht erhellt. Die Ausführung sowie das Kolorit des Gemäldes lassen sich
aufgrund der verfügbaren Reproduktionen nicht beurteilen.
Ausstellung: Zagreb 1984, Strossmayerova Galerija, „Johann Georg Trautmann, novo
ime u Strossmayerovoj Galeriji jazu“.
Literatur: Vinko Zlamalik, izlozba djela iz zbirke Ante Topic Mimara, Zagreb 1969,
S. 84, Nr. 55 (als G. Schalcken) - Vinko Zlamalik, sto godina Stossmayerove Galerije,
Zagreb 1984 (als G. Schalcken) - Vandura 1984.
Abbildungen: Vandura 1984, S. 220f.
Fröhliche Gesellschaften und Wirtshausszenen in Ganzfiguren
G 106
Abendliche Gesellschaft beim Kartenspiel*
G 107
Abendliche Gesellschaft beim Singen*
Öl auf Eichenholz
Pendants, jeweils 46,5 x 42,3 cm
[G 107] angeblich rückseitig bezeichnet „Trautman senior“ (Thieme-Becker)
Dessau, Anhaltische Gemäldegalerie
Inv. Nr. 154 und 155
Provenienz: Frankfurt, Sammlung Johann Noe Gogel, versteigert 1781 in Frankfurt,
zuge-schlagen für 88 Gulden an Prinzessin Amalie von Dessau - Frankfurt, Sammlung
Prinzessin Amalie von Dessau, seit 1793 in der Dessauer Amalienstiftung, Inv. Nr. 323 und
321, seit 1927 in der Gemäldegalerie
Im ersten Gemälde sind um Holztisches ein stehender Soldat in voller Rüstung sowie ein
sitzender Bauer beim Kartenspiel gruppiert. Davor hockt ein tief gebeugter, trinkender Mann,
dahinter hält eine derb dreinblickende Frau einen Teller. Am rechten Bildrand spielen ein
Junge und ein Mädchen mit einem Kleinkind. In der offenstehenden Tür des Hintergrundes
wird schließlich ein Pferd zur Hälfte sichtbar. Im Gegenstück hat sich eine Gruppe aus drei
359
Männern und einer Frau um einem Tisch und zum Zeitvertreib beim Singen, Trinken und
Rauchen eingefunden. Ein dazwischen stehender Junge liest nach einem Bogen Papier,
während ein im Vordergrund am Boden sitzendes, kleines Mädchen in ein Brötchen beißt. Im
Hintergrund schweift der Blick in eine links angrenzende Kammer, in der ein Mann als
Rückenfigur vor einer hockenden, einen Geldsack haltenden Alten steht.
Das Kolorit beider Gegenstücke zeigt eine reiche Palette aus kühlen, dunklen Brauntöne,
gebrochenem Weiß sowie vereinzelten, hellen Rot- und Blautöne. Die Ausführung weise eine
flächig fließende, in der Kleidung und einigen anderen Details jedoch fleckig bleibende
Pinselführung auf. Diese wird stellenweise, etwa auf der Rüstung des Soldaten durch effektvolle Glanzlichter ergänzt. Beide Darstellungen variieren das niederländische Bildthema einer
fröhlich Gesellschaft, wobei die heitere Harmlosigkeit der bäuerlichen Vergnügungen, selbst
dann betont erscheint, wenn weitere, erzählerische Details wie das „ungleiche Liebespaares“
bzw. die Kupplerin in [G 107] eingefügt werden.
Literatur: Katalog Frankfurt 1781 a, Nr. 183 und 184 (als „Zwei meisterhafte Nachtstücken Bauerngesellschaften darstellend, von der besten Zeit des älteren Trautmann“) Katalog Dessau 1913, Nr. 321 und 323 - Katalog Dessau 1929, S. 56f., Nr. 154 und 155 Thieme-Becker, Bd. 33, 1939, S. 355 - Bénézit 1976, Bd. 10, S. 261 - Zisché 1991, S. 6
(en bloc).
Abbildung: Wolfgang Hütt, Deutsche Malerei und Graphik 1750-1945, Berlin 1986,
S. 13, Abb. 2 [G 106].
G 108
Interieur mit zwei Bauern*
Öl auf Eichenholz
Größe unbekannt
monogrammiert rechts unten „J.G.T.“ bzw. „TM“ (ligiert, nicht eindeutig zu erkennen)
Düsseldorf, Goethe-Museum
Inv. Nr. NW 800/1963
Vor offenem Kamin sitzt rechts ein bäuerlicher Mann und dreht sich um, während er seine
Tonpfeife stopft. Links ist ein zweiter, vor einem Holzzuber stehender und urinierender Mann
als Rückenfigur wiedergegeben. Ein Faß, eine aufrecht gestellte Kupferschüssel und ein Tonkrug im Vordergrund links sowie ein Wandbord mit verschiedenen Gegenständen im Hintergrund deuten die karge Ausstattung des fensterlosen Innenraums an. Das Gemälde ist in
warmen, braun getönten Farben gehalten und wird durch ein weiches, gleichmäßiges Licht
erhellt. In der relativ homogen Ausführung, der Kleidung sowie der Malweise (Kupferkessel
mit aufgesetzten Glanzpunkten) wird jedoch die charakteristische künstlerische Handschrift
Trautmanns erkennbar.
360
Die Darstellung greift seitenverkehrt eine Vorlage David Teniers d.J. auf, die in verschiedene
Versionen bekannt ist, beispielsweise in einem Teniers zugeschriebenen Gemälde im Kunsthandel (David Koester Gallery, Zürich, angeboten 1972, vgl. Weltkunst, 15.5.1972, S. 777,
mit Abb.). Hierbei vergrößert Trautmann den Abstand zwischen beiden Figuren sowie die
Raumhöhe. Daß Trautmann die Bilderfindung Teniers seitenverkehrt übernimmt, läßt darauf
schließen, daß die Vorlage durch Reproduktionsgraphik übermittelt wurde.
Literatur: Katalog Düsseldorf 1993, S. 22, Nr. I,13.
G 109
Wirtshausszene*
G 110
Wirtshausszene*
Öl auf Holz
Pendants, jeweils 19,5 x 22,5 cm
Frankfurt, Freies Deutsches Hochstift, Frankfurter Goethehaus
Inv. Nr. IV/321 [G 109] bzw. IV/322 [G 110]
Provenienz: unbekannt, „alter Bestand“ (Katalog Frankfurt 1982 a)
Beide Darstellungen zeigen eine Gesellschaft aus trinkenden und spielenden, „bäuerlich“
gekleideten Figuren in der Umgebung einer einfachen Wirtsstube. In dem Gemälde [G 109]
haben sich drei Männer und eine sitzende Frau um einem Holztisch eingefunden, während
weiter rechts ein kleines Kind als Rückenfigur steht. Im Gegenstück [G 110] sind dagegen
zwei sitzende Frauen und drei stehende Männer um ein als Tisch aufgerichtetes Faß gruppiert.
Weiter links sind ein kleiner Junge und ein am Boden liegender Hund auszumachen.
Eine eingehende Beurteilung des Kolorits sowie der Ausführung beider Gemälde wird durch
den braunen, sehr stark nachgedunkelten und das Licht reflektierenden Firnis der Gemälde
wesentlich erschwert. Verschiedene Detailmotive gleichen jedoch gesicherten Wirtshaus- und
Bauernszenen Trautmanns (etwa dem Gemälde in Riga [G 115]), wie beispielsweise die als
Tische und Stühle dienenden Fässer, der weißgefleckte Hund sowie die sehr typischen Durchbildung und Kleidung der Figuren. Die bereits früher angenommene Autorenschaft Trautmanns kann somit als sicher gelten.
Literatur: Bangel 1914, S. 163 - Thieme-Becker, Bd. 33, 1939, S. 355 - Katalog Frankfurt
1982 a, S. 151f., Nr. 240 und Nr. 241 (als Zuschreibung an J.C. Seekatz) - Schweers 1982,
Bd. II, S. 922 (als Zuschreibung an J.C. Seekatz).
Abbildungen: Katalog Frankfurt 1982 a, S. 151f.
361
G 111
Abendliche Gesellschaft beim Singen
G 112
Abendliche Gesellschaft beim Trinken
Öl auf Holz
Pendants, jeweils 35,5 x 42,5 cm
monogrammiert „TM“ (ligiert) rechts unten auf dem Schemel [G 111] bzw. links unten auf
dem Krug [G 112]
Kunsthandel London, Auktionshaus Sotheby's, Auktion vom 5.7.1989
Beide Gemälde stellen eine fröhliche, abendliche Gesellschaft in einem einfachen Wirtsraum
dar. Im ersten hat sich eine Gruppe aus singenden und trinkenden Männern und Frauen um
einen Tisch und beim Schein einer frei hängenden Öllampe eingefunden. Links hält sich ein
kleines Mädchen in einem Laufstall aufrecht. Daneben schweift der Blick in einen angrenzenden Raum, in dem die stehende Rückenfigur einer krughaltenden Frau erkennbar wird. Im
Gegenstück [G 112] hält eine Frau eine flackernde Kerze empor. Zwei Männer, die ihr Glas
prostend erheben, sind links daneben auszumachen, während rechts ein pfeifenrauchender
und ein weiterer, begierig trinkender Mann erscheinen. Ein fünfter Mann ist, offenbar nach
über-mäßigem Trinkgenuß, bereits im Sitzen eingenickt. Im Hintergrund rechts beobachten
zwei weitere Personen das Geschehen durch ein geöffnetes Fenster.
Auffallend ist bei beiden Gemälden die differenzierte Lichtführung, wobei insbesondere die
Figuren teils weich und gleichmäßig, teils streiflichtartig erhellt werden, während die Umgebung in recht tiefer Dunkelheit liegt. Die malerische Ausführung ist nach den verfügbaren
Fotografien zu urteilen flächig gehalten und nur stellenweise durch skizzenhafte Farbflecken
belebt. Über das Kolorit der Gemälde lassen sich keine Aussagen treffen.
Literatur: Katalog der Auktion bei Sotheby's, London, vom 5.7.1989, S. 210.
Abbildungen: Auktionskatalog (s.o.), S. 211.
362
G 113
Abendliche Gesellschaft beim Kartenspiel
Öl auf Leinwand, auf Holz aufgezogen
43 x 33 cm
Stuttgart, Privatbesitz
Provenienz: unbekannter Privatbesitz - Kunsthandel London, Galerie Kauffmann, angeboten 1971 - Kunsthandel Luzern, Galerie Fischer, Auktion vom 10. und 11.5.1994 Kunsthandel München, Neidhardt Antiquitäten, angeboten im Juli 1994
In einem nächtlichen Innenraum haben sich drei Kartenspieler um einen Tisch herum eingefunden. Im Vordergrund sitzt links die silhouettenhaft dunkle, ins Profil gedrehte Figur eines
Soldaten. Rechts daneben steht ein zweiter Mann in gelbem Wams, der gerade eine Karte
ablegt. Zwischen beiden hält ein dritter Spieler seine Karten gegen die Brust. Er blickt zu
einer Frau hinter ihm, die in Begriff war, in sein Blatt zu spähen.
Das Gemälde fällt durch die schlaglichtartige, von einem einzigen Öllämpchen ausgehende
Beleuchtung auf. Diese ist für Trautmanns Wirtshausszenen ebenso charakteristisch wie das
Kolorit aus warm gebrochenen, dunklen Rot- und Brauntönen, die durch wenig Ockergelb,
Lindgrün und gebrochenes Weiß in der Kleidung der Figuren ergänzt werden. Ernst Emmerling schlug in einer Expertise für das Gemälde eine Datierung in Trautmanns Spätwerk vor
(1971 brieflich an Arthur Kauffmann; frdl. Mitteilung der Kunsthandlung Neidhardt), wofür
sich jedoch keine wirklich überzeugenden Argumente anführen lassen.
Literatur: nicht bekannt.
Abbildung: Katalog der Auktion der Galerie Fischer, Luzern, vom 10. und 11.5.1994,
Nr. 3069.
G 114
Kartenspieler in einer Schenke
Öl auf Leinwand, doubliert
31,5 x 27 cm
Privatbesitz Augsburg
Provenienz: Kunsthandel England - Kunsthandel Stuttgart, Wolfgang Trauwitz (keine
weiteren Umstände bekannt, frdl. Mitteilung des Besitzers)
In einer einfachen Wirtsstube sitzen zwei Männer und eine Frau um einem Tisch. Ein weiterer
Mann steht als Rückenfigur davor und hält ein aufgefächertes Bündel Spielkarten in seiner
Hand. Im Vordergrund kauern zwei spielende Kinder am Boden. Ein hoher Kamin am rechten
363
Bildrand, an dessen Gesims ein Blatt Papier mit einem Männerkopf geheftet ist, sowie ein
Wandbrett mit verschiedenen Gegenständen deuten die karge Einrichtung an.
Das Gemälde wiederholt verschiedene Detailmotive, die ebenfalls in der Wirtshausszene
[G 115] in Riga auszumachen sind, wie beispielsweise die Figurengruppe aus dem stehenden
Mannes und der Frau daneben oder der hohe Kamin. Die Komposition zeichnet sich dabei
durch den vergleichsweise größeren Figurenmaßstab aus und wirkt somit intimer und
zugleich spannungsvoller. Das Kolorit basiert auf rotbraunen, gelben und roten Grundtönen
und wird durch wenig gebrochenes Weiß und Blau ergänzt (lt. der Beschreibung von Bushart
1963). Der Farbauftrag wirkt in weiten Partien leicht fleckig und bewegt, während die
abgerissene Kleidung und der Hut des stehenden Kartenspielers in pastosen, reliefartigen
Pinselzüge und zahlreichen aufgesetzten Lichtpunkten nachgezeichnet werden.
Literatur: Bushart 1963, S. 176-178.
Abbildung: Bushart 1963, S. 179, Abb. 5.
G 115
Wirtshausszene
Öl auf Eichenholz
27,5 x 30 cm
monogrammiert „TM.“ (ligiert) links unten
Riga, Museum für Ausländische Kunst
Inv. Nr. 111
Provenienz: seit 1893 Riga, Sammlung Ratsherr Friedrich Wilhelm Brederlo - erworben
1905 (frdl. Mitteilung von Ingrida Raudsepa, Museum für ausländische Kunst Riga)
Eine Gruppe aus bäuerlich gekleideten Männern und einer Frau hat sich um einen Tisch eingefunden. Weiter links spielt ein stehender Knabe Violine, davor ist ein weißgefleckter Hund
auszumachen. Im Vordergrund erhebt ein Mann prostend ein Glas in seiner linken Hand, ganz
rechts stemmt schließlich ein Mann einen großen Tonkrug empor. Ein hoher Kamin, vor dem
ein weiterer Junge steht, ein im Vordergrund aufgerichtetes Faß sowie weitere Gegenstände
bilden das einfache Interieur der Wirtsstube.
Die Lichtführung verzichtet auf eine direkt sichtbare Lichtquelle und hebt allein die Figurengruppe links inmitten der dämmerigen Umgebung hervor. Das Gemälde ist soweit nach der
verfügbaren Fotografie erkennbar in bewegten und durch skizzenhafte Partien akzentuierten
Pinselzügen ausgeführt. Verwandte Motive finden sich in den Wirtshausdarstellungen in
Privatbesitz [G 114] sowie in Frankfurt [G 110].
364
Literatur: W. Neumann, beschreibendes Verzeichnis der Gemälde der vereinigten Sammlungen der Stadt Riga, des weil. Rigaschen Kunstvereins und des weil. Rigaschen Ratsherrn
Friedr. Wilh. Brederlo, Riga 1906, Nr. 184 - Thieme-Becker , Bd. 33, 1939, S. 355 –
Sammlungskataloge des Museums für Ausländische Kunst in Riga, Riga 1912, 1955 und
1974 (in russischer Sprache, keine weiteren Angaben bekannt, frdl. Mitteilungen von Ingrida
Raudsepa, Museum für ausländische Kunst Riga) - Bénézit 1976, Bd. 10, S. 261.
365
Markt- und Dorfszenen
G 116
Jahrmarktszene*
Öl auf Leinwand
227 x 200 cm
um 1759/62
Frankfurt, Freies Deutsches Hochstift, Frankfurter Goethe-Museum, Leihgabe der Adolf und
Luisa Haeuser-Stiftung, Frankfurt
Inv. Nr. IV-1978-3
Provenienz: in Auftrag gegeben von Graf Thoranc für das Haus seines Bruders Albert de
Théas in Grasse, vorgesehen für den „Salon de Compagnie“ - nach 1774 Grasse, Hôtel de
Thoranc an der Esplanade - nach 1863 Péguilhan de Sartoux, Schloß Mouans, Sammlung
Compte de Sartoux-Thoranc - Kunsthandel Frankfurt 1978, Schneider jr.-Andreas
In der Mitte eines Dorfplatzes, der von zwei mehrstöckigen Häusern sowie zwei Torbögen
begrenzt wird, hat sich eine Commedia dell'arte-Truppe auf einer offenen Bretterbühne eingefunden. Unter den verschiedenen Schauspielern fällt die Figur des „Arlecchino“ (Hanswurst)
besonders auf, die durch ein buntgeschecktes Kostüm und ihre gebückte Haltung in Schrittstellung gekennzeichnet ist (vgl. den Kupferstich von Dolivar; Abb. in: Katalog Paris 1984,
S. 513). Zahlreiche Zuschauer beobachten das Theaterspiel oder widmen sich den weiteren
Vergnügungen des Jahrmarktes, wie einem Guckkastenmann, einem Galanteriewarenhändler
mit Bauchladen und, im rechten Hintergrund, einem Kupferstichhändler. Unter dem Maibaum
daneben tanzt ein Bauernpaar zum Spiel eines Dudelsackbläsers. Ein betrunkener Mann, der
im Mittelgrund rechts von seiner Familie nach Hause geleitet wird oder eine aufkeimende
Schlägerei unter dem Torbogen links deuten schließlich die derben Kehrseiten des Vergnügens an.
Die Komposition Trautmanns setzt einzelne, in ihren Tätigkeiten knapp umrissene Figurengruppen capriccioartig nebeneinander. Dabei greift Trautmann auf Motive zurück, die er unter
anderem in verschiedenen Zeichnungen vorbereitete wie beispielsweise auf den Guckkastenmann in [Z 32] sowie die Figurengruppe mit dem betrunkenen Vater in [Z 27]. Andere
Motive wie beispielsweise das tanzende Paar vor dem Musikanten lassen sich direkt auf
Jahrmarkt-darstellungen der flämischen Malerei, beispielsweise in Gemälden und
Kupferstichen von David Teniers d.J. zurückführen, wie flämische Vorbilder generell als
prägend für den reprä-sentierten Bildtypus gelten können. Daneben greift Trautmann bei der
Gestaltung charakte-ristische Merkmale eigener Werke auf: die auf zwei Fluchtpunkte
ausgerichtete, in ihrer Tiefenwirkung durch das Torbogenmotiv noch unterstrichene
Bildperspektive bleicht beispielsweise einem gängigen Kompositionsmuster seiner
Feuersbrünste.
366
Das Gemälde ist in ein relativ starkes Helldunkel getaucht, wobei silhouettenhafte Repoussoirelemente wie das Haus und verschiedene Figuren am linken Bildrand gegen schlaglichtartig erhellte Partien wie die Bühne in der Bildmitte gesetzt werden. Das Kolorit setzt sich bei
einem dominierenden, rötlichbraunem Grundton aus „kalkig“ gebrochenen Rot-, Blau- und
Weißtönen zusammen. Insgesamt läßt die Komposition eine gewisse Unsicherheit bei der
Übertragung und Einfügung der kleinteiligen Details in das große Bildformat erkennen. Die
Ausführung ist gemessen an dem vorgesehenen, in erster Linie dekorativen Verwendungszweck relativ sorgfältig und vermeidet sowohl skizzenhafte Flüchtigkeit, als auch allzu ängstliche Ausarbeitung kleiner Details. Zur ursprünglich geplanten Verwendung des Gemäldes
vgl. S. 216.
Literatur: Schubart 1896, S. 22 - Donner-von Richter 1904, S. 239-243 - Bangel
1914, S. 83, S. 119f., S. 164 - Katalog Darmstadt 1980, S. 257f. - Katalog Frankfurt 1982 a,
S. 176, Nr. 282 - Schweers 1982, Bd. II, S. 1021 - Schweers 1986, S. 329 - HaeuserStiftung 1993, S. 163 - Katalog Frankfurt 1994 b, Nr. 166, S. 238.
Abbildung: Donner-von Richter 1904, S. 241 (Umzeichnung) - Katalog Darmstadt 1980,
S. 70 - Katalog Frankfurt 1982 a, S. 177 - Haeuser-Stiftung 1993, S. 361 - Katalog Frankfurt 1994 b, S. 238.
G 117
Italienischer Jahrmarkt mit einer Statue der Minerva*
Öl auf Leinwand
54 x 67,5 cm
laut Katalog Frankfurt 1982 a bezeichnet „Trautmann“ in der Bildmitte unten auf einem Stein
(nicht erkennbar)
Frankfurt, Historisches Museum, zeitweise als Leihgabe im Freien Deutschen Hochstift,
Frankfurter Goethehaus
Inv. Nr. VI-1975-9
Provenienz: Sammlung Goedecher, versteigert am 8. und 9.6.1886, erworben von der
Kommission des Historischen Museums
Im Mittelpunkt einer offenen, an beiden Seiten von ruinösen Architekturen gerahmten Platzanlage ist eine weiße Statue auszumachen, die durch einem Helm, eine Lanze und ein Schild
mit dem Gorgonenhaupt als Minerva gekennzeichnet ist. Auf den beiden Stufen des Sockels
sitzend, spielt ein Kinderpaar mit einem Hund. Ringsum scharen sich die Händler und
Besucher des Marktes. Links hat eine Gruppe Zecher unter einem Zeltdach Platz gefunden,
im Vordergrund feilscht eine Frau, umgeben von Kindern, mit einer pittoresken Bettlerfigur.
Weiter rechts unterhalten sich eine Frau mit Marktkorb und ein Mann, dahinter sind weitere
367
Verkaufszelte zu erkennen, neben denen der Blick in eine weite, hügelige Landschaft
schweift.
Die im Vergleich zu den übrigen Jahrmarksbildern Trautmanns recht einfache Komposition
fällt durch die betont pittoreske Gestaltung der Figuren auf. Ebenso bemerkenswert sind das
starke Helldunkel sowie die Ausführung in körnigen Pinselzügen, die durch eine markante,
reliefartig dick aufgetragene Primamalerei ergänzt werden. Das Kolorit basiert auf dunklen
Brauntönen und einem hellen Blau und wird durch Cremeweiß und gebrochenes Ocker ergänzt, erscheint jedoch in seiner Wirkung stark durch den nachgedunkelten Firnis beeinträchtigt. Trautmann greift in dem Gemälde den Typus einer um eine „antike“ Statue gruppierten
und von „klassischen“ Ruinen umgebenen Marktszene auf, der beispielsweise in der flämischen Malerei des 17. Jahrhunderts weit verbreitet war (vgl. den „Markt zwischen antiken
Ruinen“ von Antoni Goubau, Karlsruhe, Staatliche Kunsthalle, Inv. Nr. 792, Katalog Karlsruhe 1966, Bd. 1, S. 128, mit Abb.). Er modifiziert jedoch die Details im Sinn seiner eigenen
Gestaltungsweise oder fügt weitere Elemente wie über Stangen liegenden Zeltdächer ein. Die
auffällige, in den Jahrmarktdarstellungen [G 123] und [G 124] nur leicht abgewandelt wiederverwendete Statue der Minerva könnte möglicherweise auf die Anregung einer Minervastatue
von Jerôme Duquesnoy (Abb in: Fried Lübbecke, Das Palais Thurn und Taxis zu Frankfurt
am Main, Frankfurt 1955) zurückgehen, die sich bis 1892 im Frankfurter Palais Thurn und
Taxis befand und die im 18. Jahrhundert von Kunstkennern besonders gerühmt wurde (vgl.
die Beschreibung von Hüsgen 1780, S. 306).
Ausstellung: Flörsheim 1992, Heimatmuseum, „Christian Georg Schütz der Ältere“.
Literatur: Bangel 1914, S. 117-119, S. 163 - Thieme-Becker, Bd. 33, 1939, S. 355 Beutler 1949, S. 22, Nr. 16 - Bushart 1963, S. 178 - Katalog Frankfurt 1982 a, S. 172,
Nr. 273 - Bénézit 1976, Bd. 10, S. 261 - Schweers 1982, Bd. II, S. 1021 - Schweers
1986, S. 329 - Katalog Flörsheim 1992, S. 92, Nr. A 37.
Abbildungen: Bushart 1963, S. 178 - Katalog Frankfurt 1982 a, S. 172.
G 118
Dorfszene mit Kindern und einem Ziegenbock
G 119
Dorfszene mit spielenden Kindern
Öl auf unbekanntem Bildträger
Pendants, jeweils ca. 28 x 33 cm
Kunsthandel London, Auktionshaus Sotheby's, Auktion vom 2.3.1977
Beide Darstellungen zeigen Kinderszenen auf einem von Häusern und Bäumen gerahmten,
angerartigen Dorfplatz. Im Mittelpunkt von [G 118] flüchtet ein Junge erschrocken vor einem
kampflustig nach links springenden Ziegenbock, während ein zweiter das Tier mit einem
368
Strick zurückzuhalten versucht. Eine Frau mit einem Kleinkind und drei weitere Kinder sowie
eine Kindergruppe links beobachten belustigt das Geschehen. Im Gegenstück hat eine Gruppe
von Kindern ein langes Holzbrett als Wippe über einen Steinblock gelegt. Jeweils zwei
Kinder sitzen am Ende des Bretts und werden von weiteren Kindern bei ihrem Spiel
beobachtet.
Die Figuren zeichnen sich durch gedrungene Proportionen, sehr breite, rundliche Gesichter
und etwas hölzerne Bewegungen aus. Diese Beobachtungen dürften jedoch weniger als Hinweis auf ein „Unvermögen“ der Zeichnung Trautmanns zu lesen sein, als daß sie ein bewußt
gewähltes, die Figuren der Kinder charakterisierendes Stilmittel anzeigen. Die Komposition
des Bildraums, die diagonal im Raum gestaffelte Gebäude und der Ausblick auf einen einzigen, in der entfernten Landschaft liegenden Fluchtpunkt erinnern an weitere Jahrmarktszenen
Trautmanns (vgl. [G 121] und [G 126]). Ausführung und Stilistik lassen sich anhand der
verfügbaren Reproduktionen nicht beurteilen.
Literatur: Katalog der Auktion bei Sotheby's, London, vom 2.3.1977, Nr. 64 (als Johann
Peter Trautmann).
Abbildung: Katalog der Auktion bei Sotheby's (s.o.).
G 120
Jahrmarkt mit Bänkelsängern
Öl auf Holz
28,5 x 35,5 cm
Privatbesitz Bad Soden
Auf einem Dorfplatz hat eine Familie von Bänkelsängern eine improvisierte Bühne aufgebaut.
Auf einer Holzbank steht der Vater und trägt, mit einem Stock auf die Szenen der Moritatentafel zeigend, seine Geschichte vor, wobei ihn sein daneben stehender Sohn und die rechts auf
einem Faß sitzende Mutter nach Noten singend begleiten. Die Moritatentafel läßt einzelne
Szenen der Geschichte wie einen Kometen im Sternenkranz, ein rot leuchtendes Kreuz, eine
Feuersbrunst und einen Galgen mit drei Gehängten erkennen. Neben und hinter der Bühne
drängen sich die neugierigen Zuschauer, während im Hintergrund links ein Bauernpaar unter
einem Maibaum zum Spiel eines erhöht stehenden Musikers tanzt. Der Dorfplatz wird von
verschiedenen Gebäuden, wie einer „klassischen“ Ruine rechts, einer Kirche und einem
Wirtshaus gesäumt und öffnet sich links gegen einen weiter entfernt liegenden Straßenzug.
Die Komposition vereint formelhafte Bildmotive, die sich, wie beispielsweise das tanzende
Bauernpaar und der Musikant, auch in anderen Jahrmarktszenen finden (vgl. etwa den großen
Jahrmarkt in Frankfurt [G 116]) oder die, wie die versatzstückhafte Ruinenarchitektur, in der
369
Tradition „italienischer“ Märkte stehen (vgl. [G 117]). Die Gesamtwirkung ist somit ausgesprochen capriccioartig. Die Ausführung zeigt bei Details im Vordergrund einen flüssigen,
gleichmäßigen und feinen Pinselduktus, während die Formen im Hintergrund zunehmend
atmosphärisch weicher und schleierhafter werden. Dieser Gestaltungsweise entspricht auch
das Kolorit, in dem erdig braune Grundtöne durch die ausgesprochen Buntfarben der
Kleidung der Bänkelsänger ergänzt werden, während Hintergrund und Himmel in pastos
aufgehellten Pastelltönen gehalten sind.
Ausstellung: Stuttgart 1975, Staatsgalerie, „Bänkelsang und Moritat“.
Literatur: Ulrike Eichler, Bänkelsang und Moritat, Katalog der Ausstellung in der Staatsgalerie Stuttgart, Graphische Sammlung, vom 14.6. bis zum 24.8.1975, Stuttgart 1975, S. 91,
Nr. 17.
Abbildung: Katalog Stuttgart 1975 (s.o.), S. 73.
G 121
Jahrmarktszene
Öl auf Kupfer
30 x 38,5 cm
um 1763 ?
Privatbesitz München
Provenienz: Sammlung Speitel - Kunsthandel Den Haag, Auktionshaus Glerum, Auktion vom 27.11.1989 - Kunsthandel London, Auktionshaus Phillips's, Auktion vom 3.7.1990
Am linken Bildrand tritt eine Comedia dell' arte-Gruppe auf einer Bretterbühne auf, über der
ein Affe auf einer Stange turnt und an die sich Zeltbauten anschließen. Unter den verschiedenen Schauspielern ist die Figur des „Arlecchino“ auszumachen (vgl. [G 116]). Vor der
Bühne tummelt sich eine bunt gemischte Gruppe von neugierigen Zuschauern und Besuchern
des im Vordergrund aufgebauten Marktes, auf dem unter anderem eine Gemüsefrau, ein Brezeljunge und ein Galanteriewarenhändler mit Bauchladen ihre Waren feilbieten. Im Hintergrund werden weitere Marktstände sowie der Ausblick auf eine hügelige Landschaft sichtbar.
Die Darstellung faßt, vergleichbar mit den übrigen Jahrmarktbildern, formelhafte Einzelmotive zu einer capriccioartigen Komposition zusammen. Allein durch die gedrängte Masse der
Figuren, den dunkel gehaltenen Streifen aus Repoussiorfiguren und Pflanzenbewuchs im
Vordergrund und die stark nach rechts in den Hintergrund fluchtende Bildperspektive wird
eine einheitliche Wirkung der Komposition erzielt. Die Ausführung in gleichmäßig feinen,
lebendig strukturierten Pinselzügen und das aus brillant aufleuchtenden Farbtönen aufgebaute
Kolorit unterstreichen die kleinteilige Wirkung des Gemäldes. Das auf Kupfer gemalte Werk
darf als besonders qualitätvolle Kabinettmalerei gelten. Die Komposition wurde in einem
370
weiteren, 1763 datierten Gemälde an unbekanntem Standort [G 126] variiert, so daß sich für
das besprochene Werk eine entsprechende Entstehungszeit annehmen läßt.
Literatur: Katalog der Auktion bei Phillips's, London, vom 3.7.1990, S. 203, Nr. 171.
Abbildung: Katalog der Auktion (s.o.), S. 203.
G 122
Bauerngesellschaft im Freien mit Rattengiftverkäufer*
Öl auf Holz
28,5 x 34,5 cm
monogrammiert „TM (ligiert) f.“ links unten an der Tonne
Saarbrücken, Saarland-Museum
Inv. Nr. NI 561
Provenienz: erworben „bei Chominki, Mainz“ (Inventarnotiz), vor 1959
Vor einer offenen Laube hat sich eine bäuerliche Gesellschaft eingefunden: hinter einem
großen Faß sitzt eine Frau und erzählt mit zwei Männern links daneben, während rechts ein
Knabe sich zum Boden beugt. In der Bildmitte geht ein fahrender Händler mit Bauchladen auf
die Gruppe zu, ein Stück Rattengift in seiner erhobenen rechten Hand feilbietend. Den rechten
Hintergrund nimmt der Ausblick auf einen angerartigen, von Gebäuden umgebenen Platz ein.
Die Malerei zeigt einen flüssigen, teilweise glatt lasierenden (Himmel) oder bewegten, jedoch
kaum reliefartig aufgetragenen (Kleidung der Figuren) Pinselduktus. Die Farbgebung
zeichnet sich durch dunkle, gebrochene Brauntöne mit hellem Gelb, Blau und Cremeweiß und
ein ins-gesamt starkes Helldunkel aus.
Ausstellung: Heidelberg 1959, Kurpfälzisches Museum, „Ausklang des Barock“.
Literatur: Katalog Heidelberg 1959, Nr. 107 - Katalog Saarbrücken 1964, Nr. 78 Schweers 1982, Bd. II, S. 1021 - Schweers 1986, S. 331 - Katalog Saarbrücken 1995,
S. 271, Nr. 137 (als „Seifen- und Bürstenverkäufer“).
Abbildungen: Dahl 1963, S. 293 - Emmerling 1968, S. 135.
G 123
Komödiantendarbietung in einer Stadt*
Öl auf Holz
28,5 x 34,5 cm
monogrammiert „TM (ligiert) f.“ unten links
Saarbrücken, Saarland-Museum
371
Inv. Nr. NI 563
Provenienz: erworben 1952 von Frau Irma Kummerle, München
Eine Komödiantentruppe hat ihre provisorische Bühne vor dem hohen Portal einer Kirche
aufgeschlagen. Während einige Darsteller im Hintergrund verharren, bietet im Vordergrund
der Bühne ein Figurenpaar einen elegant geschrittenen Tanz dar. Beide sind aufgrund der
typischen Kostümierung und im Vergleich zu zeitgenössischen Kupferstichdarstellungen als
die Charaktere der „Colombine“ und des „Scaramuccia“ zu erkennen (vgl. Katalog Paris
1984, Abb. S. 521 und 517). Die Vorführung wird von einer kleinen Zuschauergruppe davor
sowie von weiteren, vornehm gekleideten Figuren hinter einer Balustrade beobachtet. Im
Vordergrund führt ein „orientalisch“ kostümierter, von einem Mohren begleiteter Kavalier
eine Dame zu der Bühne. Der von einer Minervastatue mit dem Gorgonenschild überragte,
städtische Platz geht nach rechts in eine breite Straße mit weiteren Kirchen und Gebäuden
über. Ein Brezeljunge, ein Scherenschleifer mit seinem Wagen, zwei raufende Knaben, ein
Bettler mit Krückstöcken, zwei Kapuzinermönche und verschiedene Verkaufsstände runden
das Lebensbild der Stadt ab.
Das Gemälde stellt Trautmanns einzig bekannte Darstellung eines Jahrmarktes in explizit
städtischer Umgebung dar. Diese besitzt jedoch keinen vedutenhaften Charakter, sondern ist
ähnlich capriccioartig komponiert wie der Bildraum seiner dörflichen Jahr-marktsbilder und
Feuersbrünste. Das Gemälde ist in rasch gesetzten, lebhaft bewegten und durch plastische
Weißhöhungen akzentuierten und dennoch feinen Pinselzügen ausgeführt. Es zeigt den
typischen Farbakkord aus dunklen Brauntönen, der durch das helle Blau des Himmels und
einige gebrochenen Pastellfarben, insbesondere in der Kleidung der Figuren ergänzt wird.
Ausstellung: Heidelberg 1959, Kurpfälzisches Museum, „Ausklang des Barock“
Literatur: Katalog Heidelberg 1959, Nr. 106 - Katalog Saarbrücken 1964, Nr. 79 Schweers 1982, Bd. II, S. 1021 - Schweers 1986, S. 331 - Katalog Saarbrücken 1995, S.
271, Nr. 138.
Abbildung: Katalog Saarbrücken 1964 (o.S.).
G 124
Großer Jahrmarkt in einem Dorf*
G 125
Fest in einem Dorf*
Öl auf Holz
Pendants, jeweils 44 x 35 cm
monogrammiert „TM“ (ligiert) in der Bildmitte unten, auf einem Stein [G 124] bzw. links
unten auf einem Stein [G 125]
372
Venedig, Museo Correr
Inv. Nr. Cl.I, n. 209 und Cl.I, n. 210
Provenienz: Venedig, Sammlung Theodor Correr
Der „Jahrmarkt“ steht durch die ruinöse Hintergrundarchitektur links sowie die in die Mitte
der Komposition gesetzte Minervastatue dem Typus der „italienischen“ Marktszenen nahe
(vgl. [G 117]). Ringsum scharen sich Händler, Besucher und Käufer. Am linken Bildrand hat
eine Gemüsefrau ihre Waren in pittoresker Weise ausgelegt. Dahinter inspiziert ein vornehmes Paar den Stand eines Wäsche- und Galanteriewarenhändlers. Rechts neben der Statue
preist ein von Schaulustigen umgebener Rattengiftverkäufer seine Wundermittel an, daneben
zieht ein Trommler auf einem Esel seines Wegs. Im Hintergrund sind weitere, entfernt
liegende Marktstände auszumachen.
Im Gegenstück ist ein Maibaum in der Mitte eines Dorfplatzes aufgestellt. Darunter tanzen
zwei Bauernpaare zur Musik eines Dudelsackspielers. Rechts daneben hat sich eine Trinkgesellschaft in einer Schenke unter freiem Himmel eingefunden. Eine mit Kindern umherziehende Sängerin, ein Bauchladenkrämer, ein Guckkastenmann sowie verschiedene, im Vordergrund spielende Kindergruppen stehen für weitere Vergnügungen des dörflichen Festes.
Beide Kompositionen stehen in ihrer geschlossenen, allein im Hintergrund gegen die freie
Landschaft geöffneten Komposition dem „Italienischen Jahrmarkt“ in Frankfurt [G 117] nahe,
vereinen jedoch jeweils eine weitaus größere Zahl einzelner Figurengruppen. Verschiedene
Motive wie den Musikanten und das tanzende Bauernpaar wurden dabei anderen Jahrmarkdarstellungen entlehnt. Insgesamt wirkt die Verbindung der einzelnen Detailmotive weitaus
überzeugender und homogener als beispielsweise in dem großen Jahrmarktsbild für Graf
Thoranc [G 116]. Beide Gemälde sind in sorgfältigen, teilweise auch lasierenden (Himmelspartien) Pinselstrichen angelegt, die Detailmotive werden dabei ebenso exakt wie lebendig
charakterisiert. Das Kolorit kontrastiert braune Grundfarben mit dem hellen Blau des Himmels sowie mit wenigen, gebrochen bunten Lokaltönen. Ein allzu starkes Helldunkel wird
ebenso vermieden, wie pastos aufgesetzte Weißhöhungen. Beide Werke dürfen neben den auf
Kupfer ausgeführten Jahrmärkten [G 121] und [G 126] zu den besten, kabinettstückhaften
Arbeiten Trautmanns gezählt werden. Über die Umstände, unter denen beide Gemälde nach
Italien und in den Besitz des venezianischen Sammlers Theodor Correr (1750-1830)
gelangten sind keine weiteren Details bekannt (frdl. Auskunft von Frau Irene Ariano, Civici
Musei Veneziani d'Arte e di Storia, mündlich im Juni 1993).
Ausstellung: Venedig 1988, Museo Correr, „Una cittá e il suo museo“.
Literatur: Vicenzo Lazari, Notizia delle opere d'arte e d'antiquità della raccolta Correr di Venezia, Venedig 1859, S. 41, Nr. 210 und 211 - Museo Civico e Raccolta Correr, Venezia,
elenco degli oggetti esposti, Venedig 1899, S. 76, Nr. 161 und 165 - Thieme-Becker, Bd. 33,
373
1939, S. 355 - Bénézit 1976, Bd. 10, S. 261 - Una cittá e il suo museo, Katalog der Ausstellung im Museo Correr Venedig, Venedig 1988, S. 39, Nr. I 25 und I 26.
Abbildungen: Katalog Venedig 1988 (s.o.), S. 39.
G 126
Jahrmarktszene
Öl auf Kupfer
Größe unbekannt
monogrammiert und datiert „TM (ligiert) f. 1763“ rechts unten
unbekannter Standort (frdl. Hinweis von Gode Krämer, Deutsche Barockgalerie Augsburg)
Die Darstellung variiert die Komposition des Gemäldes in München [G 121]. Verschiedene
Motive, wie der im Vordergrund der Bühne stehende Schauspieler wurden dabei nahezu
unverändert übernommen, während die Figuren der Zuschauer und Marktbesucher nur ausnahmsweise den Details der anderen Version entsprechen. Im Hintergrund rechts wurden
weiterhin ein Bänkelsänger mit seiner Moritatentafel sowie ein Wirtshaus eingefügt. Die
Ausführung des ebenfalls auf Kupfergrund gemalten Werkes läßt ähnlich detaillierte und
feine Pinselzüge wie bei dem genannten Vergleichsbeispiel erkennen.
Literatur: nicht bekannt.
374
Verschiedene Genreszenen in dörflicher und ländlicher Umgebung
G 127
Vier fünfteilige Wandpanneaux aus dem Ecksalon des Hôtel Thoranc*
Die Wandpanneaux bestehen aus zum Teil zerschnittenen oder stark fragmentierten
Leinwandgemälden und lassen folgende Einzeldarstellungen erkennen (numeriert entsprechend der Aufschlüsselung in Katalog Frankfurt 1982 a, S. 179):
G 127a
Landschaft mit einer Genreszene, ein Mann und eine Frau tragen eine Kiste (rechte
Gemäldehälfte zu G 127s)
G 127b Camaieu: Landschaft mit Festungsturm, Kirche und Figurenstaffage
G 127c Zigeuner in einem Wirtshausgarten (linke Gemäldehälfte zu G 127u)
G 127d Camaieu: Zwei Knaben mit einem Fischkorb am Flußufer
G 127e Waldlandschaft mit einem rauchenden Mann (Fragment)
G 127f Landschaft mit einem Gehöft (linke Gemäldehälfte zu G 127h)
G 127g Camaieu: Landschaft mit kahlen Kopfweiden und einem gehenden Mann
G 127h Landschaft mit einem Gehöft und Figuren (rechte Gemäldehälfte zu G 127f)
G 127i Camaieu: Ansicht eines Hauses, davor die Figur eines Fischers
G 127k Landschaft mit einem Hofplatz und Figuren (linke Gemäldehälfte zu G 127l)
G 127l Ansicht eines Bauernhauses (rechte Gemäldehälfte zu G 127k)
G 127m Camaieu: Seelandschaft mit einem Ruderer
G 127n Landschaft mit Bauernhäusern an einem Weg (Fragment?)
G 127o Camaieu: Landschaft mit einer Ruine, davor eine Familie
G 127p Ansicht eines Bauernhauses, davor Staffagefiguren (Fragment?)
G 127q Ansicht eines Bauernhauses, davor eine Kind (Fragment?)
G 127r Camaieu: Landschaft mit Staffagefiguren an einer Feuerstelle
G 127s Landschaft mit aufbrechenden Reisenden (linke Gemäldehälfte zu G 127a)
G 127t Camaieu: Flußlandschaft mit einer Stadt und zwei Anglern
G 127u Zigeuner in einem Wirtshausgarten (rechte Gemäldehälfte zu G 127c)
jeweils Öl auf Leinwand
Höhe der Panneaux insgesammt jeweils 271 cm (mit Rahmen)
Größe der Einzeldarstellungen jeweils etwa 63,3 x 29 cm (hochrechteckige Darstellungen)
bzw. 21,3 x 29 cm (querrechteckige Darstellungen in Camaieu)
um 1759/62
Frankfurt, Freies Deutsches Hochstift, Gartensaal
Inv. Nr. IV/1082-1101
Provenienz: in Auftrag gegeben von Graf François de Thèas de Thoranc, seit 1774 im
Haus des Grafen an der Esplanade in Grasse - nach 1904 München, Sammlung Martin Schubart - erworben 1906 als Stiftung der Freunde und Gönner des Freien Deutschen Hochstifts
Alle Gemälde befinden sich in einem mehr oder weniger schlechten Erhaltungszustand und
sind stark verschmutzt, wodurch eine kritische Beschreibung und Beurteilung der einzelnen
375
Werke erheblich erschwert wird. Hinsichtlich der Komposition sowie der Ausführung der
einzelnen Gemälde, lassen sich verschiedene Einzeldarstellungen klar voneinander
abgrenzen. Bei den beiden jeweils in zwei Teile zerlegten Darstellungen einer aufbrechenden
Reisegrup-pe [G 127a; G 127s] sowie einer Zigeunerszene [G 127c; G 127u] handelt es sich
um gut komponierte und relativ sorgfältig ausgeführte Genreszenen, die sich insbesondere in
der Dar-stellung der Figuren mit entsprechenden Genreszenen Trautmanns vergleichen
lassen. Denk-bar wäre, daß beide ursprünglich als Gegenstücke konzipiert waren und
möglicherweise sogar mit zwei der sechs „Räuberszenen“ identisch sind, die in den
Anweisungen des Grafen Thoranc zur Dekoration seines Palais von 1764 genannt werden
(vgl. Anhang, Dokument 21).
Weiterhin zeigen die beiden ebenfalls zerschnittenen Dorfszenen [G 127f; G 127h] und
[G 127k; G 127l] für Trautmann charakteristisch gestaltete Motive wie die Bauernhäuser, den
Brunnen und den Bildstock. Atypisch erscheinen jedoch die vergleichsweise spröde und
oberflächlich bleibende Ausführung der Malerei sowie die Staffagefiguren. Daß letztere möglicherweise von einem anderen Maler ausgeführt wurden, erscheint denkbar. Entsprechende
Beobachtungen zur Stilistik lassen sich auch bezüglich der drei offenbar fragmentierten
Gemälde [G 127n], [G 127p] und [G 127q] anstellen. Die durch einen mächtigen und dicht
belaubten, sehr detailliert wiedergegebenen Baum vor rotgefärbtem Himmel und einen pflanzenbewachsenen Vordergrund dargestellte Waldlandschaft in [G 127e] läßt sich hingegen
weit weniger mit Werken Trautmanns als mit solchen von F.W. Hirt vergleichen (etwa der
signier-ten „Wandlandschaft mit Jägern“ in Frankfurt, Städelsches Kunstinstitut, Inv. Nr. 635;
Abb. in: Katalog Frankfurt 1982 b, S. 86).
Die acht kleinen, querrechteckigen Landschaften in blaugrauer Camaieumalerei sind ausgesprochen skizzenhaft in breiten, flüchtigen Pinselzügen ausgeführt. Rudolf Bangel wollte bei
diesen Darstellungen, offenbar insbesondere im Hinblick auf [G 127b] überlängt proportionierte Staffagefiguren beobachten, weshalb er diese Malereien nicht Trautmann, sondern F.W.
Hirt zuwies. Diese Zuschreibung läßt sich jedoch weder in Hinblick auf die üblichen Kompositionsweise, noch auf den Malstil gesicherter Werke Hirts (vgl. Katalog Frankfurt 1982 b,
Nr. 51-54) bekräftigen. Im übrigen sind von Trautmann keine gesicherten Ölgemälde in
Camaieumanier bekannt. Auch entsprechende Malereien von Seekatz, etwa die oberen und
unteren Felder in den zwölf Monatstapeten aus Grasse (Katalog Frankfurt 1982 a, Nr. 227,
mit Abb.) lassen sich kaum mit den besprochenen Gemälden vergleichen, da sie weitaus
klarer und detaillierter in ihrer Ausführung erscheinen und insbesondere einen
grundverschiedenen Figurenstil besitzen. Die Zuschreibungsfrage der acht offenbar bereits für
einen dekorativen Verwendungszweck vorgesehenen Malereien muß mangels wirklich
überzeugender Ver-gleichsbeispiele vorerst offenbleiben.
376
Ausstellung: Darmstadt 1914, Schloß, „Jahrhundertausstellung Deutscher Kunst 16501800“.
Literatur: Donner-von Richter 1904, S. 225f. - Heuer 1917, S. 246 - Bangel 1914,
S. 120-125, S. 164 - Bangel 1914 Ecksalon - Bamberger 1916, S. 114f., Anm. 1 - Katalog
Darmstadt 1914, S. 172, Nr. 901. - Heuer 1916, S. 224f. - Katalog Frankfurt 1982 a,
S. 178-180, Nr. 284 - Schweers 1982, Bd. II, S. 1021.
Abbildungen: Donner-von Richter 1904, Tafel IV, Fig. 2 (Schemazeichnung) - Bangel
1914 Ecksalon, S. 371 (Schemazeichnung) - Heuer 1916, S. 217 - Katalog Frankfurt
1982 a, S. 179.
377
Räuber-, Zigeuner- und Soldatenszenen
G 128
Zigeuner verteilen ihre Beute*
G 129
Zigeuner im Aufbruch*
Öl auf Leinwand
Pendants, 28 x 31,5 cm [G 128] bzw. 30,2 x 33,2 cm [G 129]
monogrammiert „TM“ (ligiert) links unten [G 128] bzw. „TM (ligiert) f.“ rechts unten
[G 129]
Frankfurt, Freies Deutsches Hochstift, Frankfurter Goethehaus
Inv. Nr. IV/353 und IV/352
Provenienz: Frankfurt, Sammlung Stadtrat Viktor Moeßinger, gestiftet 1897
Im ersten Gemälde rastet eine Gruppe von Zigeunern nächtens im Schein des Vollmondes
unter einem Baum. Um eine geöffnete Schatztruhe stehen Figuren, die die Beute inspizieren
und verteilen, der Anführer der Gruppe sowie eine Mutter mit Kind. Im Hintergrund links
halten zwei Zigeuner derweil Wache. Das Gegenstück schildert den morgendliche Aufbruch
einer Zigeunergruppe: in den Vordergrund sind am Boden lagernde oder ihr Hab und Gut
zusammenpackende Figuren gesetzt, während in der Bildmitte ein Troß aus einem bepackten
Esel samt Begleiter sowie Männern, Frauen und Kindern über einen Erdwall ziehen. Diese
Figuren sind silhouettenhaft dunkel vor dem teils morgenrot erhellten Himmel dargestellt.
Beide Gemälde sind in einer relativ feinen und detaillierten Manier auf rotbraun grundiertem
Bildgrund ausgeführt und zeichnen sich durch ein tonig gebrochenes Kolorit aus dunklen
Rot-, Braun-, Grau- und Grüntönen sowie ein starkes Helldunkel aus. Im ersten Gemälde
stellt Trautmann dabei allein das matte Leuchten des Vollmondes dar und verzichtet auf den
Schein eines Lagerfeuers, wie er sich in anderen Zigeunerszenen findet. Rudolf Bangel und
Ernst Beutler versuchten beide Gemälde als fortlaufende Szenen derselben „Zigeunergeschichte“ zu lesen. Da beide jedoch weder wirklich identische Details noch gleiche Figuren
aufweisen, erscheint diese Lesart wenig überzeugend. Die Gemälde sind somit wohl eher als
rein formale Gegenstücke zu verstehen.
Literatur: Bangel 1914, S. 128f., S. 164 - Thieme-Becker, Bd. 33, 1939, S. 355 Beutler 1949, S. 21f., Nr. 15 [G 129] - Katalog Frankfurt 1982 a, S. 180-182, Nr. 285 und
Nr. 286 - Schweers 1982, Bd. II, S. 1021 - Schweers 1986, S. 329.
Abbildungen: Bangel 1914, Tafel 3 und 4 - Beutler 1949, Tafel 15 [G 129] - Katalog
Frankfurt 1982 a, S. 180 und 181.
378
G 130
Zigeunerlager in einer Höhle*
Öl auf Eichenholz
34 x 50 cm
monogrammiert „TM. (ligiert)“ rechts unten auf der zweiten Stufe
Frankfurt, Historisches Museum
Inv. Nr. H 348
Provenienz: Sammlung Julius Heymann, erworben 1925
Ein großer, aus hohen Felsbögen gebildeter Höhlenraum ist rechts gegen eine nächtliche,
mondbeschienene Landschaft geöffnet. Dieser Ausblick wird durch einen Bachlauf und eine
einbogige Brücke mit Figuren gegliedert. In der Mitte der Komposition erhebt sich eine
pyramidenförmig verjüngte, mit Voluten und einer Kartusche geschmückte Architektur, die
von einer Büste bekrönt ist. Davor hat sich eine Gruppe von Räubern und Zigeunern um eine
geöffnete Schatztruhe eingefunden: links steht der Anführer der Gruppe, rechts daneben hält
eine Frau eine Fackel hoch, um den anderen zu leuchten, zwischen beiden beugt sich eine
weitere Frau zu der Truhe hinab. Einige Erwachsene und Kinder sind hierum gruppiert,
während am linken Bildrand Figuren an einer Feuerstelle mit darin hängendem Kessel sitzen.
Der Aufbau des Bildraumes wirkt zunächst verunklärt, da die Architektur sowie der daneben
aufragende Baum eigentlich nicht im Inneren einer Höhle, sondern unter freiem Himmel zu
erwarten wären. Bei der Zierarchitektur handelt es sich offenbar um eine mißverstehende Ableitung jener antikisierenden Grabmonumenten, die auch in Werken von C.G. Schütz zu
finden sind (vgl. das Gemälde des Frankfurter Hochstifts, Katalog Frankfurt 1982 a, Nr. 209,
mit Abb.). Dieses Motiv erschient anstelle ruinöser Architekturelemente in anderen, vergleichbaren Kompositionen, beispielsweise den „antiken“ Säulen des „Zigeunerlagers“ in
Bamberg [G 142]. Weiterhin lassen sich sowohl ruinöse Architekturreste, als auch „antike“
Grabmonumente als Überreste früherer Kulturen inmitten einer von der Natur und von natürlich, weil unkultiviert lebenden Menschen geprägten Umgebung lesen (vgl. Hoffmann 1987,
S. 141).
Die Figur des Anführers der Gruppe verwendete Trautmann spiegelverkehrt in dem „Zigeunerlager“ in Privatbesitz [G 147], während das Motiv der fackelhaltenden Zigeunerin in dem
„Zigeunerlager“ in Bamberg [G 142] zu finden ist. Das Gemälde zeigt einen ausgesprochen
feinen, detaillierten Pinselduktus, der durch perlenhaft schimmernde, pointiert aufgesetzte
Lichtpunkte ergänzt wird. Die Kleidung und die Gesichter der pittoresk abgerissenen Figuren
sind hingegen relativ flüchtig und skizzenhaft angelegt. Das Kolorit ist reich nuanciert und
weist insbesondere rötliche, braune, dunkelblaue und grüne Farbtöne auf.
379
Ausstellungen: Frankfurt 1982, Städelsches Kunstinstitut, „Frankfurter Malerei zur Zeit des
jungen Goethe“ - Flörsheim 1992, Heimatmuseum, „Christian Georg Schütz der Ältere“ Frankfurt 1995, Historisches Museum, „Einblick II: Christian Georg Schütz der Ältere“.
Literatur: Katalog Frankfurt 1957, S. 118 - Katalog Frankfurt 1982 b, S. 60, Nr. 17 Schweers 1982, Bd. II, S 1021 - Schweers 1986, S. 329 - Katalog Flörsheim 1992, S. 93,
Nr. A 38.
Abbildungen: Katalog Frankfurt 1957, S. 119 - Katalog Frankfurt 1982 b, S. 69 Katalog Flörsheim 1992, S. 93.
G 131
Zigeunerlager in einer Höhle*
Öl auf Eichenholz
35,5 x 47,5 cm
monogrammiert „TM. (ligiert) fec.“ rechts unten
um 1759/1762 ?
Karlsruhe, Staatliche Kunsthalle
Inv. Nr. 2776
Provenienz: Cumbria (Nordwestengland), Sammlung Thwaite - vom Museum erworben
1986 im Kunsthandel London, Harari & Johns
Das Gemälde zeigt ein Zigeunerlager in der Umgebung einer halb ruinösen, aus großen
Mauerbögen gebildeten, gegen die Umgebung geöffneten Architektur. Rechts kampiert die
Zigeunerbande um ein offenes Feuer. In der Mitte laust eine Mutter ihr Kind, daneben sind
ein feuerschürender Knabe sowie weitere Personen zu erkennen. Weiter rechts rührt eine Frau
in einem großen, über dem Feuer hängenden Kessel, während am rechten Bildrand ein Knabe
einen Bratspieß dreht und eine Frau auf ein erbeutetes Stück Geflügel weist. Der links sich
anschließende Ausblick auf eine stimmungsvoll im Mondlicht liegende Landschaft ist mit
einer Frau, die aus einem Bachlauf Wasser schöpft sowie einigen wachehaltenden Männern
staffiert.
Die Darstellung fällt nicht allein durch einen vergleichsweise logischen Aufbau des Bildraumes auf, sondern gleichermaßen durch die vielfältig geschilderten Tätigkeiten der Figuren,
die sich zusammenfassend wie eine fortlaufende Handlung lesen lassen. Dieser Eindruck wird
dadurch unterstrichen, daß einzelne Figuren durch Gesten sowie durch Körper- und Blickkontakte aufeinander bezogen sind. Die Szene ist somit in vielen Details ähnlich genau beobachtet und überzeugend geschildert wie verschiedene Zigeunerszenen von J.C. Seekatz (vgl. das
„Räuberlager“ in Frankfurt, Emmerling 1991, S. 95, Nr. 154). Trautmanns Gemälde ist minutiös in sehr feinen, teils emailleartig glatt verstrichenen, teils durch perlend aufgesetzte Lichtpunkte akzentuierten Pinselzügen ausgeführt. Das Kolorit setzt sich aus tonig gebrochenen,
überwiegend rötlichen und bläulichbraunen Farbtönen zusammen. Der Gesamteindruck wird
380
weiterhin durch die verschiedenen Lichtquellen geprägt. Das Gemälde erscheint in seiner
Stilistik wie in einzelnen, motivischen Details wie dem Spießbraten und dem rauchenden
Lagerfeuer den beiden „Zigeunerlagern“ in Grasse [G 146] und in Mainz [G 140] so nahe
verwandt, daß sich eine Entstehung im selben Zeitraum, also in den Jahren um 1759 und 1762
annehmen läßt.
Literatur: Jahrbuch der Staatlichen Kunstsammlungen in Baden-Württemberg, Bd. 24,
1987, S. 143 - Angelika Beckmann (Bearb.), Staatliche Kunsthalle Karlsruhe, Neuerwerbungen für die Gemäldegalerie 1984 - 1994, Karlsruhe 1995, S. 130f., Nr. 2776.
Abbildung: Beckmann 1995 (s.o.), S. 181.
G 132
Hirtenfamilie an einem Brunnen
Öl auf unbekanntem Malgrund
Größe unbekannt
Kunsthandel Berlin, Auktionshaus Rosen, Auktion vom 15.5.1959 (als C.W.E. Dietrich)
In die Mitte der Komposition ist ein hoher, nischenartiger, einstrahliger Röhrenbrunnen
gesetzt, der ein muschelförmiges Becken besitzt und von einer Segmentbogen mit weiblicher
Büste bekrönt wird. Vor dem Brunnen sitzt ein Mann und umarmt ein vor ihm stehendes
Kind, links daneben hält eine alte Frau ein weiteres Kind in ihren Armen. Zwei Knaben und
ein zu der Gruppe laufender Hund runden die Figurenkomposition ab. Am Boden und im
Vordergrund sind ein Krug, einige Schüsseln sowie weiterer Hausrat stillebenartig arrangiert.
Der Hintergrund liegt größtenteils im Dunkeln, rechts neben dem Brunnen ragen zwei hochgewachsene Bäume auf, während links ein zur Seite fluchtender Felsgang angedeutet ist. Das
aus dieser Richtung einfallende, die Figurengruppe streiflichtartig erhellende Licht sowie ein
dunkler, überwucherter Felsabsatz am linken Bildrand deuten an, daß die Szene in einen
grottenartigen Raum gesetzt ist.
Die friedlich um den Brunnen gruppierten Figuren unterscheiden sich motivisch deutlich
gegenüber Trautmanns Zigeunerszenen. Das Gemälde wird eher als Hirtenszene etwa in der
Art entsprechender Darstellungen niederländischer „Italianisten“ des 17. Jahrhunderts verständlich (vgl. die radierte „Hirtenszene mit einem Brunnen“ von Paulus van Somer,
Hollstein Bd. 27, S. 186, Nr. 159, mit Abb.). Bemerkenswert ist die Beobachtung, daß
Trautmann dabei die Brunnenarchitektur der Formsprache des 18. Jahrhunderts anpaßt und
die Szene in einen
381
Höhleninnenraum verlegt. Die Ausführung des Gemäldes läßt sich anhand der Fotografie
nicht beurteilen.
Literatur: nicht bekannt.
Abbildung: Katalog der Auktion bei Rosen, Berlin, vom 15.5.1959, Abb. Nr. 421.
G 133
Zigeuner beim Aufbruch
Öl auf Leinwand, doubliert
29 x 34,5 cm
monogrammiert „TM.“ (ligiert) auf der Flasche des Jungen in der Mitte des Vordergrunds
Kunsthandel Düsseldorf, Eckard Lingenauber, angeboten 1995
Provenienz: Privatbesitz Frankreich (frdl. Auskunft des Händlers)
Die Szene ist vor den bogenförmigen Eingang einer überwucherten Ruinenarchitektur links
gesetzt. Rechts schließt sich eine weite, allein durch die Bodenlinie und den graublau bewölkten Himmel angedeutete Landschaft an. Aus der Architektur tritt ein fackeltragender Mann,
der ein schwer bepacktes Pferd führt. Ein als Rückenfigur in den Vordergrund gesetzter Mann
wird vom ersterem zum Aufbruch gemahnt, verweist jedoch klagend auf sein verwundetes,
durch einen Riß in der Hose sichtbares Knie. Neben ihm packen einige im Aufbruch begriffene Frauen und Kinder letzte Gegenstände zusammen. In der Mitte sind eine Mutter mit Kind
sowie weitere Knaben zu erkennen. Der Landschaftsausblick ist mit davonziehenden, teilt nur
angedeuteten Figuren staffiert.
Die Ausführung des Gemäldes zeigt rasch gesetzte, zum Teil pastose, bisweilen auch in den
Detailformen unbestimmt bleibende Pinselzüge. Dabei ist die Farbe stellenweise derart stark
verrieben, daß wie am Boden im Vordergrund rechts, die Struktur der Leinwand unter der
Farboberfläche sichtbar wird. Die Szene unterscheidet sich gegenüber den meisten Zigeunerlagern dadurch, daß sie nicht als nächtliches Beleuchtungsstück aufgefaßt wurde. Das Kolorit
ist aus fein nuancierten, rötlich getönten Brauntönen komponiert und wird durch wenig
gebrochenes Weiß, Blau und Grün ergänzt.
Literatur: unpubliziert.
382
G 134
Zigeunerlager in einer Höhle
G 135
Zigeuner verteilen ihre Beute
Öl auf Eichenholz
Pendants, jeweils 22 x 26 cm
Kunsthandel Kempten, Josef Wilpert, März 1928
Das erste Gemälde stellt ein Zigeuner- oder Räuberlager um einer Feuerstätte in einem
ruinen-haften, durch hohe Gurtbögen gegliederten Innenraum dar. Vor dem rechten Bildrand
ist eine weibliche, „antike“ Statue auszumachen, während sich der Hintergrund mit einer Tür
mit vergittertem Oberteil öffnet, in der zwei patrouillierende Männer effektvoll im Gegenlicht
erscheinen. Im Gegenstück rahmt ein hoher, überwucherter Bogen rechts den Ausblick auf
eine vielgestaltige Ruinenarchitektur. Im Vordergrund hat sich eine Gruppe von Zigeunern
eingefunden, um unter Aufsicht ihres Anführers den Inhalt einer erbeuteten Schatztruhe zu
inspizieren. Eine verwandte Figurenkomposition findet sich in der Zigeunerszene in Privatbesitz [G 147].
Die Ausführung beider Gemälde zeigt eine flüssig gesetzte, in vielen Detailformen lebhaft
bewegte und durch plastisch aufgetragene Weißhöhungen akzentuierte Pinselführung. Das
effektvoll durch eine runde Deckenöffnung beziehungsweise von rechts oben einfallende
Licht hebt jeweils die Hauptfiguren der Komposition hervor.
Literatur: nicht bekannt.
Foto: Zentralinstitut für Kunstgeschichte München.
G 136
Überfall auf einen Reisewagen
Öl auf Leinwand
74 x 67 cm
Kunsthandel London, Auktionshaus Sotheby's, Auktion vom 20.4.1994
Eine Räuber- und Zigeunerbande hat ein Planwagen angehalten, um die Reisenden zu überfallen. Der Kutscher liegt bereits regungslos vor dem Wagen. Ein Räuber spannt die Pferde
aus, während Kompagnons den Wagen besteigen, aus dem eine Dame und ein Herr herausblicken. Ein Insasse muß im Vordergrund eine Leibesvisitation über sich ergehen lassen. Eine
weitere, eine Schatztruhe schleppende Zigeunerin sowie drei Wache sitzende Räuber runden
383
die Komposition ab. Die Umgebung ist durch einen überwucherten Säulenstumpf sowie zwei
Bäumen rechts angedeutet.
Die Autorenschaft der in Trautmanns Oeuvre singulären Darstellung verdeutlichen Detailmotive wie der überwucherte Säulenstumpf und die kleinteiligen Baumkronen, aber auch die
etwas hölzern bewegten Figuren und die typenhafte Physiognomie der Räuber und Zigeuner.
Thematisch, zum Teil auch formal vergleichbare Darstellungen finden sich im Schaffen verschiedener Zeitgenossen, unter anderem im Oeuvre des Schlachten- und Jagdmalers August
Querfurt (vgl. den „Überfall“ in Worms, Kunsthaus Heylshof; Wolfgang Schenkluhn (Hrsg.),
Stiftung Kunsthaus Heylshof, Kritischer Katalog der Gemäldesammlung, Worms 1992,
S. 233-235, mit Abb.). Im Vergleich hierzu schildert Trautmann jedoch nicht das dramatisch
bewegte Geschehen des Überfalls selbst, sondern die sich bereits ergebenden Reisenden und
die anschließende Plünderungsszene. Die Ausführung des Gemäldes läßt sich anhand der
Fotografie nicht beurteilen.
Abbildung: Katalog der Auktion bei Sotheby's, London, vom 20.4.1994, Nr. 186.
G 137
Soldaten und Zigeuner inspizieren ihre Beute
G 138
Zigeunerlager
Öl auf Leinwand
Pendants, jeweils 27,5 x 31 cm
Kunsthandel Wien, Auktionshaus Dorotheum, 615. Auktion vom 15. und 18.3.1977
In der ersten Darstellung hat sich eine Gruppe von Räubern und Zigeunern unter offenem
Himmel eingefunden. Den Hintergrund bilden ein Tor sowie eine durch hohe, balustradenbekrönte Futtermauern angedeutete barocke Garten- oder Bastionsanlage. Im Mittelpunkt
steht der mit einem hellblauen Uniformrock bekleidete Anführer und verweist gebieterisch
auf eine geöffnete Schatztruhe, die bereits von zwei Kompagnons inspiziert wird. Weitere
Männer, Frauen und Kindern komplettieren die Figurengruppe, die im übrigen Motive der
Zigeunerszenen Trautmanns aus dem Kunsthandel [G 135] und in Speyer [G 148] wiederholt.
Im Gegenstück lagert eine Gruppe pittoresk abgerissener Zigeunerfrauen mit Kindern vor
einem Höhleneingang und unter einem roh zusammengezimmerten Verschlag. Drei Soldaten
statten den Frauen einen Besuch ab, während zwei Kompagnons im Hintergrund rechts auf
Wachposten sitzen.
Beide Gemälde bilden ein herausragendes Beispiel für Trautmanns flüssige, skizzenhaft
bleibende Malweise. Einzelne Formen erscheinen dabei immer wieder ganz in frei bewegten
Pinselzügen oder fast „pointilistisch“ gesetzten Farbtupfen ausgelöst (vgl. S. 67). Die Licht-
384
führung akzentuiert jeweils die Hauptfiguren und spielt im Übrigen mit einem starken
Helldunkel. Die delikate Farbgebung ist aus reich nuancierten Beige- und Brauntönen sowie
kontrastierenden, gebrochen hellen Bunttönen komponiert und unterstreicht die virtuose
Wirkung. Beide Gemälde wurden im Kunsthandel ohne weitere Begründung Joseph Ignatz
Mildorfer (Innsbruck 1719 - 1775 Wien) zugeschrieben. Werke Mildorfers stehen jedoch
deutlich in der Tradition der Wiener Akademie und tragen eine gänzlich verschiedene
künstlerische Handschrift (vgl. die beiden Entwurfsarbeiten im Österreichischen Barockmuseum Wien; Katalog Wien 1980, Bd. 2, Nr. 291 und 292, mit Abb.). Im Übrigen stehen
beide Werke motivisch und stilistisch gesicherten Zigeunerszenen Trautmanns so nahe, daß
an ihrer Autorenschaft nicht zu zweifeln ist.
Literatur: Katalog der Auktion des Dorotheums, Wien, Nr. 81 und 82 (als J. I. Mildorfer).
Abbildungen: Auktionskatalog (s.o.), Tafeln 42 und XXI.
G 139
Der Feldkurat am Lager des verwundeten Feldherren
Öl auf Holz
22,5 x 27,5 cm
Kunsthandel Wien, Auktionshaus Dorotheum, 618. Auktion, 29.11. und 2.12.1977
Das improvisierte Lager des verwundeten Feldherren ist im Vordergrund eines einfach eingerichteten Raumes dargestellt. Zu Füßen des Sterbenden liegen sein Harnisch und sein Helm,
neben ihm kniet ein Geistlicher in Kapuzinertracht und betet den Rosenkranz. Ein kleiner
Junge, ein fahnentragender Soldat und ein weiterer Mann stehen dem Sterbenden zur Seite.
Im Hintergrund rechts sind ein Bauer als Rückenfigur und eine weinende Frau zu erkennen.
Die Szene hebt sich durch sentimentale Stimmungsmomente deutlich von Trautmanns übrigen, das Pittoreske betonende Soldatenszenen ab. Das Gemälde zeichnet sich durch das sehr
einheitliche Kolorit aus Beige, Braun, gebrochenem Rot und wenig Hellblau aus. Die Malweise kann aufgrund der Fotografien nicht beurteilt werden.
Literatur: Katalog der 618. Auktion des Dorotheums, Wien, S. 29, Nr. 138
Abbildungen: Auktionskatalog (s.o.), Tafeln 34 und XXXVI.
G 140
Zigeunerlager*
Öl auf Leinwand
385
35 x 46 cm
um 1759/62
Mainz, Landesmuseum
Inv. Nr. 500
Provenienz: Mainz, Sammlung H. Rochelmayer, erworben 1965
Das Gemälde gleicht in allen motivischen Details, in Kolorit und Malweise der nur wenig
größeren Zigeuerszene in Privatbesitz [G 146] und ist daher als eigenhändige, wohl in den
gleichen Zeitraum zu datierende Wiederholung dieser Vorlage anzusehen.
Literatur: Karl Heinz Esser, Bericht des Altertumsmuseums und der Gemäldegalerie der
Stadt Mainz, in: Mainzer Zeitschrift, Bd. 63/64, 1968/69, S. 207-211; S. 210 - Bauksiepe
1986, S. 255.
Abbildung: Esser, Bericht (s.o.), Tafel 68 a.
G 141
Zigeunerlager in einer Höhle
G 142
Zigeuner verteilen ihre Beute
Öl auf Leinwand
Pendants, 35 x 42,5 cm
München, Bayerische Staatsgemäldesammlung, als Leihgabe in Bamberg, Staatsgalerie
Inv. Nr. 5763 [G 141] und 5737 [G 142]
Provenienz: vor 1793 Schloß Carlsberg bei Homburg an der Saar, Gemäldegalerie nach 1799 München, Kurfürstliche, seit 1806 Königliche Gemäldegalerie
Das erste Gemälde zeigt eine Gruppe von Zigeunerfrauen, Kindern und uniformierten Soldaten, die sich im Inneren einer Höhle um eine Feuerstelle eingefunden haben. Der tief in den
Flammen hängende Suppenkessel, in dem eine Frau rührt sowie rings umherstehende Tongefäße und andere Gerätschaften geben der Szene einen heimeligen Charakter. Im Hintergrund erscheint in einem durch Felsbögen abgetrennten Höhleneingang ein weiterer Soldat.
Im Gegenstück steht eine fackeltragende Frau in einem höhlenartigen Raum vor zwei
kannelierten, auf hohen Postamenten stehenden Säulen. Sie leuchtet einer Gruppe von
Soldaten und Zigeunern, die eine Schatztruhe inspizieren und die Beute verteilen. Eine rechts
daneben sitzende, ihr Kleinkind stillende Frau, ein auf diese zukriechendes Kind sowie ein
auf einem Pferd hopsender Knabe links runden die Komposition ab. Zum Teil ähnliche
Figuren-motive zeigt die Zigeunerszene im Historischen Museum Frankfurt [G 130].
386
Beide Werke sind in einer ausgesprochen sorgfältigen und feinen Malweise ausgeführt. Das
starke, die zentralen Figuren hervorhebende Helldunkel sowie perlend aufgesetzte Lichthöhungen unterstreichen den Reiz der effektvollen Malweise. Hervorzuheben ist schließlich
die bis ins 18. Jahrhundert lückenlos belegbare Provenienz. Beide können daher die Beliebtheit kabinettstückartig fein ausgeführter Gemälde Trautmanns, aber auch des Räuber- und
Zigeunerthemas bei zeitgenössischen Kunstsammlern illustrieren.
Ausstellung: München, Nürnberg, Kaiserslautern 1928, „Pfälzer Kunst von Churfürst
Carl Theodor bis zur Gegenwart“ [G 141].
Literatur: Zweibrücker Catalogue Rouge, Nr. 11 und 12 - Parthey 1863, Bd. 2, S. 653,
Nr. 9 bzw. 10 (unter Nürnberg, Landauerbrüderhaus) - Bangel 1914, S. 128, 165 (unter Berlin, Bayerische Gesandtschaft) - Katalog Speyer 1927, S. 88, Nr. 5736 und 5737 - Katalog
München 1928, S. 76, Nr. 405 [G 141] - Thieme-Becker, Bd. 33, 1939, S. 355 (unter
Speyer) - Bénézit 1976, Bd. 10, S. 261 (unter Speyer) - Schweers 1986, S. 331.
Abbildungen: Dahl 1957, S. 343 [G 141] - Dahl 1963, S. 291 [G 141] - Schweers 1986,
S. 330, Nr. 818 [G 142].
G 143
Zigeunergruppe am Lagerfeuer*
Öl auf Eichenholz, wahrscheinlich beschnitten
15,3 x 12,7 cm
Oldenburg, Landesmuseum
Inv. Nr. 15701
Provenienz: Leipzig, Sammlung Röhr
Galerie Arnold, als Werk von J.C. Seekatz
-
erworben 1925 im Kunsthandel Dresden,
Eine Gruppe abgerissener Gestalten hat sich vor der Folie des grünlichgrau schimmernden
Nachthimmels eingefunden, der Hintergrund nahezu mittig von dem silhouettenartigen dunklen Stamm und dem Geäst eines Nadelbaumes durchteilt wird. Am unteren Bildrand glimmt
ein Lagerfeuer, dessen rötlicher Schein sich mit dem Grüngrau des umgebenden Himmels
vermischt. Ringsum sind die dunklen Silhouetten zweier männlicher Rückenfiguren mit pittoresken Hüten sowie eines Knaben und einer Frau im Profil gesetzt.
Die knappe, gegen den Rand drängende Komposition, der bestoßene Rand des Bildträgers
sowie die stellenweise festzustellende, gegenüber der eigentlichen Malfläche differierende
Farbschicht auf der Schnittkante deuten an, daß das Gemälde beschnitten wurde. Eine zuverlässige Begutachtung des Kolorits sowie der Malweise wird durch die feuchtigkeitsgeschädigte, milchig-weißlich ausgeblühte Firnisoberfläche erheblich erschwert. Das Gemälde
gleicht durch die untersichtige Komposition und die Farbstimmung, aber auch durch verschiedene motivische Details, wie den silhouettenartigen Baum den „Zigeunern im Aufbruch“ im
387
Frankfurter Goethe-Haus [G 129]. Die Autorenschaft Trautmanns kann aufgrund dieser Beobachtungen außer Zweifel stehen.
Literatur: H.W. Keiser, Gemäldegalerie Oldenburg, München 1967, S. 109 (als J.C. Seekatz) - Schweers 1982, Bd. II, S. 923 (als J.C. Seekatz).
Abbildung: Keiser 1967 (s.o.), S. 109.
G 144
Zigeunerlager in einer Höhle
Öl auf Leinwand
Größe unbekannt
Pretoria, Art Museum
Inv. Nr. 1948
Das Gemälde gibt den Innenraum einer Höhle wieder, der rechts von zwei hintereinander
gestaffelten Felsbögen gegliedert wird. In der Mitte hat eine Gruppe von Zigeunern und
Soldaten ihr Lager um eine offene Feuerstelle aufgeschlagen. Direkt am Feuer steht eine Frau,
um Suppe aus einem großen Kessel zu schöpfen. Rechts daneben lagert ein Mann im hellen
Lichtschein, ein zweiter ist silhouettenhaft im verlorenen Profil davor gesetzt. Ein Soldat, der
sich mit einem Zigeuner unterhält, eine ihr Kind umarmende Mutter sowie zwei spielende
Kinder ergänzen die Komposition. Im Hintergrund ragt eine große, auf einem hohen Postament stehende, „antiken“ Frauenstatue auf. Dieses Bildelement läßt sich als ein Relikt einer
früheren, vergangenen Epoche lesen (vgl. hierzu den Katalogtext zu [G 130]).
Die Raumkomposition wirkt durch die perspektivisch gestaffelten Felsbögen spannungsvoller
als in zahlreichen anderen Zigeunerszenen. Weiterhin fällt die von einer einzigen Quelle
ausgehenden Lichtführung auf, die beispielsweise die Statue punktuell in den vorstehenden
Partien erhellt (vgl. die Lichtregie der Genreszene in Zagreb [G 105]). Die Ausführung des
Gemäldes zeichnet sich, soweit die verfügbare Fotografie dies erkennen läßt, durch flüssig bis
breit gesetzte, teils skizzenhaft bleibende Pinselstriche aus. Das Gemälde wurde einer Notiz
auf der Rückseite der Fotografie zufolge zeitweise Adriaen van der Werff zugeschrieben. Die
motivischen und stilistischen Eigenheiten bestätigen jedoch die Autorschaft Trautmanns.
Literatur: nicht bekannt.
Foto: RDK.
388
G 145
Räuber verteilen ihre Beute
Öl auf Leinwand
30,8 x 28,6 cm
Privatbesitz Augsburg
Provenienz: Kunsthandel München, Auktionshaus Neumeister, 175. Auktion vom 4. und
5.5.1977 - Kunsthandel Köln, Auktionshaus Lempertz, 603. Auktion vom 22. und
24.11.1984 - Kunsthandel Frankfurt, Joseph Fach 1989
Bei dem Gemälde handelt es sich um eine recht detailgetreue, sicher eigenhändige Wiederholung der gleich betitelten Darstellung [G 148] in Speyer. Die Ausführung der Malerei läßt
jedoch nicht die gleiche Qualität wie erkennen, da einige Detailformen wie erstarrt und der
Pinselduktus weniger bewegt wirken, während das Kolorit weniger Brillanz besitzt. Das Gemälde demonstriert somit die bisweilen starken Qualitätsunterschiede eigenhändiger Werke
Trautmanns.
Literatur: Katalog der 175. Auktion bei Neumeister, München, S. 121, Nr. 1121 - Katalog der 603. Auktion bei Lempertz, Köln, S. 31, Nr. 184 - Katalog Frankfurt 1989, S. 77,
Nr. 84.
Abbildung: Katalog Frankfurt 1989, S. 81.
G 146
Zigeunerlager*
Öl auf Leinwand
58 x 60,5 cm
um 1759/62
Privatbesitz Grasse, Sammlung Hervé de Fontmichel
Provenienz: Sammlung des Grafen Thoranc
Den Hintergrund der Szene bilden ein knorriger Baum mit einem im Geäst aufgehängten
Tuch sowie eine ruinöse Torarchitektur rechts, die den Ausblick auf eine mondbeschienene
Land-schaft rahmt. Im Mittelgrund hat sich eine Zigeunergruppe um ein offenes Feuer
eingefunden. Eine Frau rührt in einem großen Kessel, ein kleiner Junge dreht davor einen
Bratspieß, dane-ben sitzt eine Frau mit zwei Kindern. Am linken Bildrand rupft eine Frau ein
erbeutetes Stück Geflügel. Zwei Männer beobachten die Szene, während ein dritter ein
silhouettenhaft vor dem Feuer stehendes Pferd sattelt. Zwei im Vordergrund zwischen allerlei
Gerätschaften spielende Kinder und eine unter dem Torbogen stehende, einem Mann
wahrsagende Zigeunerin runden die Komposition ab.
389
Das Gemälde zeichnet sich durch eine minutiöse, detailfreudige Malweise und das warmtonige, einheitliche Kolorit in gebrochenem Rot, Braun, Blau und Grün aus. Die Szene könnte
möglicherweise mit einer jener sechs Räuberszenen identisch sein, die in den Anweisungen
des Grafen Thoranc für die Dekoration des Hauses in Grasse von 1764 aufgelistet wurden
(vgl. Dokument 21). Die in den Landschaftshintergrund eingefügte, versatzstückhafte Ruinenarchitektur reflektiert möglicherweise fremde Vorlagen, wie beispielsweise entsprechende
Bildelemente in Landschaften von C.G. Schütz (vgl. die beiden Gemälde für den Grafen
Thoranc; Katalog Frankfurt 1991 b, Nr. 26 und 27, mit Abb.). Auffallend ist schließlich das
Motiv der in den Vordergrund gesetzten, silhouettenartig dunklen, detailliert
wiedergegebenen Pflanzen, das sich gleichermaßen in den beiden Feuersbrünsten in Mainz [G
181] und in Tours [G 193] findet.
Literatur: unpubliziert.
G 147
Zigeunerlager in einer Höhle
Öl auf Leinwand
35 x 46 cm
bezeichnet „G. (?) Trautmann f.“ rechts unten
Privatbesitz Saarland
Provenienz: Kunsthandel Warschau - Kunsthandel Berlin, Auktionshaus Kolasinski,
Auktion vom 5.6.1917 - New York, Privatbesitz - Kunsthandel New York, Auktionshaus
Sotheby's, Auktion vom 12.10.1989 - Kunsthandel Köln, Auktionshaus Lempertz,
660. Auktion vom 10.12.1990
Die Szene ist in eine kulissenartig Ruinenarchitektur aus Pfeilern und weit gespannten Mauerbögen gesetzt, die sich in der linken Bildhälfte gegen eine mondbeschienene, mit Figuren
staffierte Landschaft öffnet. Im Mittelgrund hat sich eine Gruppe aus pittoresk abgerissenen
Männern und Frauen eingefunden. Ihr Anführer lehnt sich gegen das Postament einer kannelierten Säule und streckt seine rechte Hand gebieterisch aus. Links neben ihm inspizieren
zwei Frauen den Inhalt einer erbeuteten Schatztruhe. Einige spielende Kinder sowie weitere,
sitzende und stehende Räubergestalten runden die Komposition ab.
Das Gemälde gleicht in Komposition und vielen motivischen Details weiteren
Zigeunerszenen wie beispielsweise dem Gemälde im Historischen Museum Frankfurt [G
130]. Über Farbge-bung und Eigenheiten des Malstils lassen sich aufgrund der Fotografie
keine genauen Aus-sagen treffen.
390
Literatur: Katalog der Auktion bei Kolasinski vom 5.6.1917, Nr. 208 (als Egbert van der
Poel) - Katalog der 660. Auktion von Lempertz, Köln.
Abbildungen: Katalog der Auktion bei Kolasinski (s.o.) - Katalog der Auktion bei
Lempertz, Farbabbildung 130.
G 148
Zigeuner verteilen ihre Beute in einer Höhle*
Öl auf Leinwand
32 x 28 cm
Speyer, Historisches Museum der Pfalz
Inv. Nr. M 1928/25
Provenienz: erworben 1928 von Richard Nilche, Frankfurt
Zwei im Dunkeln liegende Mauerbögen deuten das Innere einer ruinösen Architektur an. Dort
hat sich eine Räuberbande bei Fackelschein eingefunden, um den Inhalt einer erbeuteten
Schatztruhe zu inspizieren. Im Hintergrund links sind zwei auf Wache stehende Figuren zu
erkennen.
Das Werk ist in einer virtuosen, sehr skizzenhaft bleibenden Malweise ausgeführt und läßt
einen ausgesprochen bewegten Pinselduktus sowie pastos aufgesetzte Lichtpunkte erkennen.
Es darf somit als besonderes Bravourstück der in Primamalerei ausgeführten Werken Trautmanns gelten. Die Wirkung der Malerei wird zusätzlich durch das starke Helldunkel und die
punktuell auf die Figurengruppe ausgerichtete Lichtführung unterstrichen. Hervorzuheben ist
schließlich das delikate, aus bräunlichen, durch wenig gebrochenes Blau, Rot und Cremeweiß
ergänzten Farbtönen aufgebaute Kolorit.
Literatur: Thieme-Becker, Bd. 33, 1939, S. 355 - Bushart 1963, S. 178 - Bénézit 1976,
Bd. 10, S. 261 - Schweers 1982, Bd. II, S. 1021 - Bauksiepe 1983, S. 255 - Schweers
1986, S. 331.
Abbildungen: Feulner 1932, S. 50 - Bushart 1963, S. 176 - Emmerling 1968, S. 134.
G 149
Räuber in einer Höhle*
Öl auf Leinwand, auf Eichenholz aufgezogen
22,7 x 27,3 cm
monogrammiert „TM“ (ligiert) in der Bildmitte unten, auf einem Stein
Speyer, Historisches Museum der Pfalz
Inv. Nr. HM 1958/87
391
Provenienz: Kunsthandel, Köln, Auktionshaus Lempertz, 450. Auktion vom 11. und
14.6.1958
Das Gemälde zeigt einen höhlenartigen, verwinkelten, aus hohen, weit gespannten Felsbögen
gebildeten Raum. Am linken Bildrand haben sich fünf abgerissene Räubergestalten bei Fakkelschein eingefunden. Ein weiterer Mann klettert auf einer Leiter aus einem Bodenschacht
empor. Weiter rechts sind drei Kompagnons in einem hinteren Raumteil zu erkennen. Sie
stehen um einen Steinblock und verdecken eine Lichtquelle in ihrer Mitte. Am rechten Bildrand führen einige Stufen zu dem höher gelegenen Ausgang der Höhle, der eine mondbeschienene Landschaft rahmt.
Das Gemälde ist in verwischten Pinselzügen ausgeführt, die viele Details weich übergehen.
Die Lichtführung kontrastiert effektvoll den Fackelschein und das von außen einfallende
Mondlicht. Dabei wird ein allzu starkes Helldunkel vermieden. Die Farbgebung ist warmtonig
und bräunlich gebrochen. Vergleichbar verschachtelte Höhlenräume stellte Trautmann nicht
nur in Räuber- und Zigeunerszenen, sondern auch in Eremitenszenen dar, wie in dem Gemälde aus dem Kunsthandel [G 156].
Literatur: Katalog der 450. Auktion bei Lempertz, Köln, S. 21, Nr. 134 - Emmerling
1969, S. 361 - Schweers 1982, Bd. II, S. 1021 - Bauksiepe 1986, S. 255 - Schweers 1986,
S. 331.
Abbildung: Emmerling 1969, Tafel 6.
392
Szenen mit Schätzgräbern und Geistesbeschwörungen
G 150
Schatzgräber in einer Ruine*
Öl auf Leinwand
35,6 x 47,5 cm
Frankfurt, Freies Deutsches Hochstift
Inv. Nr. IV-1944-1
Provenienz: Kammin (Pommern), Sammlung Lulu Seebacher - erworben 1944 von
Walther Bernt, München
Eine in nächtlicher Dunkelheit liegende Ruine ist durch eine schemenhafte Säule auf hohem
Postament links und einen Mauerrest rechts angedeutet. In der Mitte ragt ein breitkroniger
Baum auf, unter dem sich eine Gruppe von Schatzgräbern eingefunden hat. Ein alter, gebeugt
stehender Mann mit langem Gewand und verworrenem Haar zeichnet mit einem Stab einen
Kreis auf den Boden, während er in einem Folianten liest. Im Vordergrund windet sich eine
Schlange, eine weitere kriecht hinter dem Alten, ringsum sind schließlich Tierschädel, ein
Öllämpchen und ein sitzender Greifvogel erkennbar. Links daneben warten ein Mann mit
Spaten und ein Fackelträger darauf, mit der Schatzsuche beginnen zu können. Weitere
Figuren links ergänzen die Szene.
Die Komposition des Gemäldes weist Parallelen zu verschiedenen Zigeuner- und Räuberszenen auf, beispielsweise in Frankfurt [G 130] und in Bamberg [G 142]. Diesen ähnelt weiterhin
die relativ detaillierte Ausführung in feinen Pinselstrichen, das starke Helldunkel und das
rötlich-braun getönte, durch wenig gebrochenes Grün ergänzte Kolorit. Für das Bildthema der
in einer Ruine tätigen, eine einleitende Beschwörung ausführenden Schatzgräber lassen sich
Vergleichsbeispiele in der Malerei des 17. Jahrhunderts finden, insbesondere von J. H. Schönfeld (vgl. Pée 1971, passim sowie Schönfelds Gemälde in Kremsmünster, op. cit., Nr. 65,
S. 135 und in Stuttgart, Nr. 96, S. 160f., mit Abb.). Entsprechende Vorbilder wurden von der
Forschung als sinnbildliche oder moralisierende Darstellungen gelesen (ebd.). Trautmann
dürfte die Schatzgräberszenen dagegen in erster Linie als „Vorwand“ effektvoll beleuchteter,
mit pittoresken Details gestalteter Nachtszenen aufgegriffen haben.
Literatur: Katalog Frankfurt 1982 a, S. 186f., Nr. 299 - Schweers 1982, Bd. II, S. 1021
- Schweers 1986, S. 329.
Abbildung: Katalog Frankfurt 1982 a, S. 186.
393
G 151
Schatzgräber in einer Ruine*
Öl auf Eichenholz
41,6 x 51 cm
auf der Rückseite ein nicht identifiziertes Sammlersiegel
Kunsthandel Frankfurt: Schneider junior-Andreas, angeboten im Mai 1994
Provenienz: Kunsthandel Frankreich (frdl. Mitteilung des Händlers)
Das Nachtstück zeigt eine Gruppe von Schatzgräbern vor einer „antiken“ Architektur, die aus
capriccioartig nebeneinandergesetzten Detailmotiven gebildet ist. In der Mitte steht ein alter
Mann, der durch ein langes Gewand und einen Blätterkranz ausgezeichnet ist. Er hält einen
Folianten und verweist auf den halb versteckten Eingang zu einem unterirdischen Raum.
Links vor ihm steht die Rückenfigur eines Fackelträgers und leuchtet der Gruppe. Weitere
Figuren beobachten das Geschehen. Am linken Bildrand reden vier Männer bei Laternenschein miteinander, während rechts zwei Männer eine Statuette in einem Eimer
verstecken. Am Boden verteilt liegen eine Männerbüste, verschiedene Schmuckgegenstände,
Münzen, ein weiteres Buch, eine zerbrochene Vase sowie ein Spaten und eine Hacke. Im
Hintergrund rahmt ein Mauerbogen eine mondbeschienene Landschaft, darüber spannt sich
die Folie des Nachthimmels.
Trautmann variiert in dieser Darstellung das Schatzgräberthema, indem die vorangehende
Beschwörungsszene allein in der Figur des bekränzten Alten nachklingt. Dagegen sind die
anderen Schatzsucher bereits fündig geworden, wie diverse Beutestücke demonstrieren. Das
Gemälde ist in sehr detaillierten, feinen und emailleartig glatt verwischten Pinselzügen
ausgeführt. Hierzu paßt auch die harmonische Farbgebung, die auf einem Farbakkord aus
vielfach gebrochenem Beige sowie Rot, Blau und Grün basiert. Das Gemälde kann als
herausragendes Beispiel für Trautmanns qualitätvoll ausgeführte, effektvoll gestaltete Werke
im Kabinettbildformat gelten.
Literatur: nicht bekannt.
Abbildung: Kunst und Antiquitäten, Heft 5, 1994, S. 55.
394
G 152
Schatzgräber in einer Ruine
Öl auf Leinwand
35,5 x 46,5 cm
Kunsthandel Zürich, Galerie Koller, angeboten 1987 (frdl. Hinweis von Herrn Gode Krämer,
Deutsche Barockgalerie Augsburg)
Ähnlich wie bei dem Gemälde [G 150] in Frankfurt wird der Hintergrund der Schatzgräberszene von einer im Dunkeln liegenden, überwucherten Ruine eingenommen. Im Mittelgrund
stehen vier Männer und ein ein langes Gewand tragender Greis um eine nur halb sichtbare
Bodenöffnung. Während aus der Öffnung eine Rauchwolke emporsteigt, wird die ganze
Szene von einer hellen, unheimlich wirkenden Lichterscheinung beleuchtet. Der Greis
verweist mit seiner linken Hand auf die Öffnung, während die Schatzgräber gebannt das
Geschehen beobachten. Am linken Bildrand ist schließlich eine Feuerstelle samt einer
Rückenfigur auszumachen.
Die Szene läßt sich als eine Fortführung der mehrfach geschilderten Beschwörungsszene der
Schatzgräber lesen. Da das besprochene Werk zudem eine verwandte Komposition wie das
Frankfurter Gemälde [G 150] besitzt und nahezu gleichgroß ist, könnte es sich bei beiden
Gemälden möglicherweise um Gegenstücke handeln. Leider lassen sich die malerische Ausführung und die Farbgebung beider Gemälde aufgrund der schlechten Reproduktion nicht
vergleichen.
Literatur: nicht bekannt.
G 153
Schatzgräberszene
Öl auf Holz
19,5 x 23,5 cm
Kunsthandel Zürich, Galerie Bruno Meissner, angeboten 1985 (keine weiteren Angaben
bekannt, frdl. Hinweis von Herrn Dietmar Lüdke, Staatliche Kunsthalle Karlsruhe)
Das nur in einer sehr undeutlichen Reproduktion bekannte Gemälde stellt eine Gruppe von
Schatzgräbern in einem dunklen Höhlenraum dar. Im Vordergrund rechts klettert ein Mann
auf einer Leiter aus einem Bodenschacht. Links daneben beugt sich ein weiterer Mann diesem
entgegen. Dahinter stützt sich ein dritter auf seinen Spaten, während im Hintergrund ein
Fackelträger und ein weiterer, das Geschehen beobachtender Mann sichtbar werden. Die
Figuren gleichen in Habitus und Physiognomie dem typenhaften Bildpersonal Trautmanns.
395
Weiterhin läßt auch der andeutungsweise erkennbare, teils leicht reliefartige, teils sehr
pastose, perlende Farbauftrag dessen künstlerische Handschrift erkennen.
Literatur: unpubliziert.
G 154
Geisterbeschwörung bei Nacht
Technik, Größe und Standort unbekannt
Vor einer angedeuteten Architekturkulisse haben sich mehrere Figuren zu einer nächtlichen
Geisterbeschwörung eingefunden. Im Mittelpunkt steht ein reich gewandeter, einen Turban
tragender Mann. Er stützt seinen linken Fuß auf einen Totenschädel und trägt eine Rute,
während er auf den Vordergrund weist. Von zwei dunklen, brennenden Kerzen flankiert sind
dort magische Zeichen halbkreisförmig in den Boden geritzt, denen ein schwarzer Hahn
pickend folgt. Rechts daneben hält ein bärtiger Greis einen aufgeschlagenen Folianten und
spricht zu dem Anführer der Beschwörung. Am linken Bildrand stützt sich ein weiterer, reich
gewandeter Mann auf einen Stab. Im Hintergrund links unterhalten sich ein Soldat sowie ein
bärtiger Alter.
Das Gemälde unterscheidet sich von den Schatzgräberszenen in Frankfurt [G 150] und aus
dem Kunsthandel [G 151], da hierin allein die nächtliche Beschwörungsszene behandelt wird.
Durch die prächtige, „orientalisierende“ Kleidung der Hauptfiguren erinnert die Komposition
weiterhin an biblische Historienszenen (etwa die, wenngleich auch formal und inhaltlich
abweichende Geschichte von König Saul, der die Hexe von Endor besucht, nach I. Sam 28,719). Das dargestellte Bildthema läßt sich somit nicht schlüssig deuten. Das Gemälde ist, soweit nach der Fotografie erkennbar, in fließenden Pinselzügen ausgeführt, die nur
stellenweise durch reliefartig dick aufgelegte Farbspuren akzentuiert werden.
Literatur: nicht bekannt.
Foto: RDK.
396
Eremitenszenen
G 155
Zwei Eremiten in einer Felsenhöhle
Öl auf Holz
35 x 29,5 cm
Kunsthandel München, Auktionshaus Neumeister, Auktion vom 22. und 23.10.1969
Zwei eremitisch lebende Mönche sind in einem aus gestaffelten Felsbögen gebildeten
Höhlen-raum dargestellt. Beide sind in die Lektüre dicker Folianten vertieft. Der erste sitzt
links auf einem Stein, während der andere mit pathetisch von der Brust überkreuzten Händen
vor einem Steinblock steht, der als Buchstütze dient und von einem einfachen Holzkreuz und
einer Fackel überragt wird.
Das Gemälde greift das Kompositionsschema anderer Eremitenszenen wie der Darstellungen
der büßenden Maria Magdalena in Frankfurt [G 39] sowie eines lesenden Eremiten in Heidelberg [G 38] variierend auf. Die Szene wurde hierbei intimer aufgefaßt und in mäßig bewegten
Pinselzügen ausgeführt.
Literatur: Katalog der 22. Auktion von Neumeister, München, S. 53, Nr. 668.
Abbildung: Auktionskatalog (s.o.), Tafel 44.
G 156
Betende Eremiten in einer Felsenhöhle
Öl auf Holz
22 x 27 cm
Kunsthandel Wien, Auktionshaus Dorotheum, 480. Auktion vom 8. und 15.10.1985 - Kunsthandel Lindau, Auktionshaus Michael Zeller, 35. Internationale Bodensee-Auktion, Mai 1986
- Kunsthandel Ahlden, Auktionshaus Schloß Ahlden, Auktion vom 1.11.1986
Den Bildraum bildet eine gewölbeartige, verwinkelte Felsenhöhle, die an den Hintergrund
verschiedener Räuberszenen erinnert (vgl. die Szene in Speyer, [G 149]). Im Hintergrund gibt
eine Öffnung den Ausblick auf eine hügelige Landschaft frei. Davor kniet silhouettenhaft ein
lesender Mönch. Weiter rechts kauert ein zweiter Eremit vor einem improvisierten Altar, der
von einem Holzkreuz überragt wird und auf dem ein aufgeschlagener Foliant liegt. Am
rechten Bildrand ist eine helle Türöffnung auszumachen, vor der ein dritter Mönch steht.
397
Trautmanns künstlerische Handschrift wird in Motiven wie den von Kletterpflanzen überwucherten Felsbögen sowie in der strichelnden, durch helle Lichtpunkte akzentuierten
Malweise sichtbar. Die Figuren fallen hingegen durch schlanke Proportionen und hölzerne
Bewegungen auf. Eine weitere Beurteilung ist aufgrund der Fotografie nicht möglich.
Literatur: Katalog der 480. Auktion des Dorotheums, Wien, S. 61, Nr. 378 (als deutsch
um 1800).
Abbildung: Auktionskatalog (s.o.), Tafel 5.
398
Landschaften und Seestücke
G 157
Schiffbruch vor felsiger Küste*
Öl auf Holz
34 x 44 cm
monogrammiert unten Mitte „TM.“ (ligiert)
Augsburg, Deutsche Barockgalerie
Inv. Nr. 12679
Provenienz: Kunsthandel München, Auktionshaus Neumeister, Auktion vom 18.5.1988
Während eines Seesturms ist ein Schiff vom offenen Meer gegen die Küste aus säulenförmigen, von zwei Holzkreuzen überragten Felsen links getrieben worden. Der Schiffsbug wird
nur schemenhaft aufragend zwischen den aufgewühlten, weiß schäumenden Wellen sichtbar,
darüber flattern eine gestreifte Fahne sowie das davongewehte Segel. Einige Männer der
Besatzung klammern sich verzweifelt an verstreute Teile des Schiffs, andere haben sich
bereits an das flache Ufer im Vordergrund rechts gerettet.
Trautmann unterstreicht die Dramatik des Themas durch formale Mittel, insbesondere eine
effektvolle Farbgebung: das dunkle Braungrau und das bläuliche Weiß der Wellen sind
wirkungsvoll gegen die übrige, blaugraue Wasserfläche und den zwischen hellem Orange und
Dunkelgrau changierenden Himmel gesetzt. Diese Farbflächen baut Trautmann aus schimmernden Lasuren auf, während Einzelformen wie die schäumenden Wellen in einer virtuos
skizzenhaften Primamalerei gebildet sind. Hervorzuheben sind die kürzelhaft hingetupften
Staffagefiguren, deren Kleidung in gebrochenen Blau- und Rottönen gehalten ist. Trautmann
verwendet somit entsprechende Gestaltungsprinzipien und die gleiche Malweise wie in seinen
Feuersbrünste. Das Bildthema entspricht hingegen der insbesondere von niederländischen
Künstlern kultivierten Spezialgattung der Schiffsbruchsdarstellungen (vgl. Katalog Basel
1987, S. 280, mit weiterer Lit.).
Literatur: Katalog der Auktion bei Neumeister, München, vom 18.5.1988.
399
G 158
Schiffbruch vor felsiger Küste
Öl auf Holz
38 x 45 cm
monogrammiert „TM“ (ligiert)
Kunsthandel München, Auktionshaus Neumeister, 248. Auktion vom 2.11.1988
Während links ein kleiner Einmaster mit zerrissenen Segeln an der Küste zu zerschellen
droht, steuert rechts ein auf hohen Wogen schaukelndes Rettungsboot darauf zu. Im
Hintergrund rechts ragen schroffe, pyramidenförmige und von einem Leuchtturm bekrönte
Felsen kulissen-haft aus dem Wasser. Die Komposition verzichtet im Gegensatz dem
Schiffbruch [G 157] auf den im Vordergrund eingefügten Uferstreifen mit Staffagefiguren
und wirkt hierdurch weniger spannungsvoll. Ausführung sowie Kolorit entsprechen hingegen
weitgehend jener nur wenig kleineren Darstellung. Da zudem die Komposition beider
Gemälde spiegelsymmetrisch auf-einander bezogen erscheint, könnte es sich möglicherweise
um zu einem späteren Zeitpunkt getrennte Gegenstücke handeln.
Die Beschreibung eines mit „TM“ monogrammierten Gemäldes bei Nagler 1879 stimmt
vollkommen mit der Komposition des besprochenen Werkes überein, nennt allerdings keine
Maßangaben, so daß eine Identifikation beider Werke denkbar, letztlich jedoch nicht zu
verifiziert erscheint.
Literatur: Nagler 1879, Bd. V, S. 156, Nr. 767 (als unbekannter Maler) - Katalog der
248. Auktion bei Neumeister, München, Nr. 362.
G 159
Winterlandschaft*
G 160
Verschneite Wassermühle*
Öl auf Holz
Pendants, jeweils 11 x 12 cm
München, Bayerische Staatsgemäldesammlungen, Alte Pinakothek (Depot)
Inv. Nr. 6144 und 6145
Provenienz: wahrscheinlich identisch mit „zwei keckgemalten Winterstückchen“ aus der
Sammlung Gogel, Frankfurt, von nahezu gleicher Größe (4 x 5 Zoll; ca. 10 x 12,5 cm), versteigert 1781 in Frankfurt, zugeschlagen für 5 Gulden 30 Kreuzer an Johann Gabriel Lentzner
- Schloß Carlsberg bei Homburg an der Saar, Gemäldegalerie bis 1793 - nach 1799
München, Kurfürstliche, seit 1806 Königliche Gemäldegalerie
400
Die beiden miniaturhaft kleinen Darstellungen stellen jeweils eine verschneite Winterlandschaft dar. In [G 159] liegt ein Haus mit langgestreckten, perspektivisch nach hinten fluchtenden Nebengebäuden im Bildgrund, davor sind zwei Staffagefiguren gesetzt. Im
Gegenstück ist eine verschneite Wassermühle mit Mühlrad und Nebengebäuden am Ufer
eines zugefrore-nen kleinen Sees zu erkennen. Am linken Bildrand ragt ein Baum mit kargen
Ästen auf, davor läuft ein Mann über die Eisdecke des Sees, rechts außen sind zwei weitere,
sehr kleine Figuren zu entdecken.
Beide Gemälde sind in leicht nebeneinandergesetzten, sehr skizzenhaften Pinselstrichen ausgeführt. Insbesondere die Staffagefiguren bestehen aus nur wenigen, virtuos hingetupften
Farbklechsen. Die Maserung der offenbar ungrundierten, als Bildträger dienenden Holztafel
scheint bei [G 159] deutlich durch die Farboberfläche und beeinträchtigt erheblich den
Gesamteindruck. Die Farbigkeit beider Gemälde wird von einem Akkord aus fein nuancierten
Brauntönen, dem gebrochenem Weiß des Schnees und dem warm abgetönten Preußischblau
des Himmels sowie des Sees in [G 160] geprägt. Die Komposition beider Gemälde greift
Gestaltungselemente der Feuersbrünste Trautmanns modifizierend auf, wenn die horizontal
gegliederte Landschaft durch die perspektivisch verkürzten Gebäude eine räumliche Strukturierung erfährt. Dieser Eindruck wird in [G 160] durch die entfernt stehenden Staffagefiguren
unterstrichen.
Ausstellung: München, Nürnberg, Kaiserslautern 1928, „Pfälzer Kunst von Churfürst
Carl Theodor bis zu Gegenwart“.
Literatur: Katalog Frankfurt 1781 a, Nr. 116 und 117 - Zweibrücker Inventar von 1795,
Nr. 760 und 761 - Zweibrücker Catalogue Noire, Nr. 760 und 761 - Bangel 1914, S. 157,
163 (unter Bamberg) - Katalog Speyer 1927, S. 87f., Nr. 6144 und 6145 - Katalog
München 1928, S. 76, Nr. 403 und 404 - Thieme-Becker, Bd. 33, 1939, S. 355 (unter
Speyer) - Bénézit 1976, Bd. 10, S. 261 (fälschlich unter Speyer).
401
Feuersbrünste
G 161
Nächtliche Feuersbrunst mit einer Kirche
G 162
Nächtliche Feuersbrunst mit einer Burg
Öl auf Leinwand
Pendants, je 35 x 46 cm
beide monogrammiert „TM (ligiert) f.“ links unten [G 161] bzw. rechts unten [G 162]
Schweinfurt, Museum Georg Schäfer
Inv. Nr. 5112 [G 161] und 5113 [G 162]
Im ersten Gemälde wird der Vordergrund rechts vom Ufer eines weiten Gewässers eingenommen, an dem einige Boote anlegt haben. Im Mittelgrund links verdecken eine kleine, einfache
Kapelle sowie weitere Gebäude eines Dorfes die dahinter liegende Brandstätte. Im Gegenstück wird die Mitte des Vordergrundes von zwei mächtigen, sich überkreuzenden Bäumen
markiert. Rechts daneben schweift der Blick auf eine mauerumsäumte Burganlage aus zwei
runden Türmen und einem Wohnbau. Weiter rechts schließt sich eine strohgedeckte Scheune
an, dahinter liegt die Brandstätte, während am rechten Bildrand das angeschnittene, sehr hohe
Gebäude eines Wirtshauses sichtbar wird. Im Hintergrund links liegt ein vom Feuer verschontes Dorf.
Beide Darstellungen wirken im Aufbau des Bildraums sehr klar und einfach strukturiert.
Ebenso ist die Zahl der umhereilenden Staffagefiguren gegenüber anderen Feuersbrünsten
reduziert. Die Szenen erscheinen hierdurch etwas weniger dramatisch, jedoch nicht minder
effektvoll. Die Gemälde sind in einer relativ feinen Manier ausgeführt, die stellenweise durch
einen etwas lebhafteren Pinselduktus und einige aufgesetzte Lichtpunkte akzentuiert wird.
Literatur: nicht bekannt.
Abbildung: Gerhard Kölsch, Empfindsame Naturaneignung und erhabene Katastrophen,
über Karin Kneffel, in: artist Kunstmagazin, Heft 12, 1992, S. 10 [G 162].
402
G 163
Nächtliche Feuersbrunst in einem Dorf*
G 164
Nächtliche Feuersbrunst mit einer Kirche*
Öl auf Holz
Pendants, jeweils 28 x 35,5 cm
Frankfurt, Freies Deutsches Hochstift, Frankfurter Goethehaus
Inv. Nr. V/337 [G 163] bzw. V/338 [G 164]
Provenienz: unbekannt, alter Bestand
Die Komposition des ersten Gemäldes setzt eine kulissenartig gestaffelte, von einem Turm
überragte Gruppe bei Nacht brennender Gebäude inmitten eine verschneite Landschaft. Am
linken Bildrand ragt schemenhaft ein laubloser Baum empor, während zahlreiche Staffagefiguren von der Brandstätte flüchten oder Löschversuche unternehmen. Die gesamte Darstellung zeigt ein starkes Helldunkel, das Kolorit ist über weite Bildteile fast schwarz gehalten.
Der gelb-rote Schein des Feuers sowie die sehr sparsam verteilten, in gebrochenem Weiß
aufleuchtenden Schneeflächen bilden hierzu effektvolle Kontraste, wodurch das Gemälde als
virtuoses Beispiel für Trautmanns besondere Licht- und Farbeffekte nächtlicher Feuersbrünste
gelten kann.
Im zweiten Gemälde setzt Trautmann verschiedene Details zu einer räumlich gestaffelten
Komposition zusammen. Am rechten Bildrand schweift der Blick über eine von Booten
belebte Wasserfläche. Im Vordergrund links ragt ein vereinzelt stehender, hoher Bildstock
auf, dahinter werden die Ruine einer brennenden Kirche sowie die Häuser eines Dorfes
sichtbar. Flüchtende oder ihren Besitz bergende Staffagefiguren runden die Darstellung ab.
Das Kolorit zeigt eine fein nuancierte Palette aus Blau, Schwarz, Rot und Braun, die Pinselführung ist in gekonnter Manier knapp gehalten und wird stellenweise durch bewegt gesetzte
Striche akzentuiert.
Literatur: Bangel 1914, S. 156f., S. 165 - Thieme-Becker, Bd. 33, 1939, S. 355 - Katalog Frankfurt 1982 a, S. 183, Nr. 292 und Nr. 293 - Schweers 1982, Bd. II, S. 1021.
Abbildungen: Bangel 1914, Tafel 11 [G 164] - Münz 1934, Tafel 8, Abb. 32 [G 164] Katalog Frankfurt 1982 a, S. 184.
403
G 165
Nächtliche Feuersbrunst an einem Flußufer*
G 166
Nächtliche Feuersbrunst*
Öl auf Leinwand
Pendants, jeweils 27 x 33,5 cm
[G 165] auf der Rückseite beschriftet von fremder Hand „Ch. de Mouance“
um 1759/63
Frankfurt, Freies Deutsches Hochstift, Leihgabe der Adolf und Luisa Haeuser-Stiftung
Inv. Nr. IV-1980-7 [G 165] und IV-1980-8 [G 166]
Provenienz: aufgrund der Beschriftung von [G 165] aus dem Besitz des Grafen Thoranc
vermutet (vgl. Katalog Frankfurt 1982 a) - Nizza, Besitz eines Bäckermeisters bis 1882 Berlin, Sammlung Gerhard Wulffius - von der Stiftung erworben 1980
Das erste Gemälde [G 165] gibt einen Flußlauf und eine hohe, dreibogige Brücke wieder, hinter der verschiedene Gebäude und ein lodernder Brandherd auszumachen sind. Die Komposition wiederholt bis zu kleinen Details, jedoch in vergrößertem Format das Gemälde [G 175]
aus dem Kunsthandel. Im Gegenstück liegt im Mittelgrund rechts eine von Mauern und einem
Tor umgebene sowie von einem Turm überragte, brennende Burganlage. Im Vordergrund
eilen Staffagefiguren auf die Unglücksstelle zu. Am linken Bildrand schweift der Blick über
einen Flußlauf mit Bogenbrücke, während im Hintergrund Häuser und eine Kirche auszumachen sind.
Beide Darstellungen zeichnen sich durch eine pointierte Lichtführung und ein raffiniertes
Kolorit aus vielfach gebrochenem Braunrot, bläulich schimmerndem Schwarz und sparsam
aufgesetzten Weißhöhungen aus. Die effektvolle Gestaltungsweise steht in Gegensatz zur
Ausführung, die in Details vielfach fahrig wirkt. Diese Beobachtung läßt sich durch den
eventuell dekorativ gedachten Verwendungszweck, eventuell für den Wohnsitz des Grafen
Thoranc erklären (vgl. Provenienz). Letztere Vermutung läßt sich aufgrund der bekannten
Quellen jedoch nicht verifizieren.
Literatur: Katalog Frankfurt 1982 a, S. 184-186, Nr. 295 und 296 - Schweers 1982,
Bd. II, S. 1021 - Haeuser-Stiftung 1993, S. 163.
Abbildungen: Katalog Frankfurt 1982 a, S. 185 - Haeuser-Stiftung 1993, S. 375 [G 165]
und S. 376 [G 166].
404
G 167
Winterlandschaft mit einer Brücke und brennenden Gebäuden*
G 168
Winterlandschaft mit einer verschneiten Ruine*
Öl auf Leinwand
Pendants, jeweils 34,5 x 56,5 cm
um 1759/63 (?)
Frankfurt, Freies Deutsches Hochstift, Frankfurter Goethemuseum, Leihgabe der Adolf und
Luisa Haeuser-Stiftung, Frankfurt
Inv. Nr. IV-1980-9 [G 167] bzw. IV-1980-10 [G 168]
Provenienz: aufgrund der Beschriftung von [G 165] aus dem Besitz des Grafen Thoranc
vermutet (vgl. Katalog Frankfurt 1982 a) - Nizza, Besitz eines Bäckermeisters bis 1882 Berlin, Sammlung Gerhard Wulffius - von der Stiftung erworben 1980
Die Komposition des ersten Gemäldes wird von einer diagonal den Bildraum durchspannenden, vierbogigen Steinbrücke über einem zugefrorenen Flußlauf bestimmt. Der rechte Brükkenkopf mündet in einem festungsartigen Gebäude, das in hellen Flammen steht. Im Vordergrund rechts hackt ein Mann das Eis auf, um Löschwasser schöpfen zu können. Weitere
Figuren eilen unter der Brücke hindurch und über die Brücke selbst auf die Unglücksstelle zu.
Das Gegenstück gibt eine weite Flußlandschaft im tiefen Winter wieder. Am linken Ufer des
zugefrorenen Stromes liegt die ausgebrannte und verschneite Ruine einer Burg, von der lediglich die Grundmauern eines Wohnbaus und ein aufragender Rundturm erhalten sind. Rechts
schließen zwei kahle Bäume und einige überwucherte Architekturreste die Komposition ab.
Bei den Ruinen sind Staffagefiguren mit Aufräumarbeiten beschäftigt, während im Hintergrund einige Schlittschuhläufer nach dem Vorbild niederländischer „Eisvergnügen“ über die
weite Eisfläche ziehen.
Beiden Gemälden ist eine sehr virtuose Malweise in flüssig gesetzten und insgesamt skizzenhaften Pinselzügen eigen. Hierbei werden beispielsweise Figuren aus nur wenigen
Farbpunkten gebildet oder Schneeflächen durch pastose Weißhöhungen angedeutet. Ausgesprochen effektvoll wirkt das delikate Kolorit, das aus dem gebrochenen Weiß der Schneeflächen sowie dunklem Blaugrün und vielfach abgestuftem Braunrot [G 167]
beziehungsweise hellem Türkisblau und Beigebraun [G 168] gebildet ist. Die kontrastreiche
Lichtführung der übrigen Feuersbrünste erscheint hingegen in [G 167] zurückgenommen.
Beide Werke besitzen den Charakter sorgfältig komponierter und virtuos ausgeführter
Kabinettmalereien. Ob sie tatsächlich für den Grafen Thoranc geschaffen wurden, kann
aufgrund der bekannten Quellen nicht entschieden werden.
Ausstellung: Frankfurt 1994, Städelsches Kunstinstitut, „Das Frankfurter GoetheMuseum zu Gast im Städel“.
405
Literatur: Katalog Frankfurt 1982 a, S. 186, Nr. 297 und 298 - Schweers 1982, Bd. II,
S. 1021 - Haeuser-Stiftung 1993, S. 163 - Katalog Frankfurt 1994 a, S. 24.
Abbildungen: Katalog Frankfurt 1982 a, S. 185 und 186 - Haeuser-Stiftung 1993, S. 373
[G 168] und S. 374 [G 167] - Katalog Frankfurt 1994 a, S. 25.
G 169
Brennendes Dorf*
G 170
Brennendes Dorf*
Öl auf Eisenblech
Pendants, jeweils 15,5 x 21,5 cm
Frankfurt, Historisches Museum
Inv. Nr. Pr. 545 [G 169] bzw. Pr. 546 [G 170]
Provenienz: Frankfurt, Sammlung Valentin Prehn
Beide Darstellungen zeigen jeweils die Ansicht einer kleinen Ortschaft, in deren Mitte burgartige Gebäude direkt vor hell loderndem Brandherd stehen. Rötlichgelb leuchtende Rauchwolken sowie vom Feuerschein erhellte Gebäude markieren die Umgebung. Die Ansicht des
Ortes wird in [G 170] von einem Bildstock am linken Bildrand sowie einem Flußlauf rechts
gerahmt. Im Vordergrund von [G 169] steht dagegen die „antike“ Statue einer Frau, möglicherweise der Minerva auf einem hohen Postament (vgl. die Minervastatuen in [G 117] und
[G 124]). Zahlreiche, sehr kleine und etwas schematisch gebildete Staffagefiguren beleben die
Komposition.
Die Gemälde zeigen eine detaillierte, kleinteilige Ausführung und einen stellenweise freien
und bewegten Pinzelduktus. Der Farbauftrag auf den Metallgrund bleibt dabei gleichmäßig
und glatt. In Verbindung mit der effektvollen Lichtführung und dem reduzierten, tonig gebrochenen Kolorit entstehen somit Kabinettstücke, die verschiedene Stilmodi Trautmanns
verbinden. Daß beide Werke das Interesse eines besonders engagierten Sammlers, des Konditormeisters Valentin Prehn auf sich zogen, bestätigt die herausragenden Eigenheiten ihrer
Stilistik.
Literatur: Morgenstern 1829, Teil II, Nr. 205 [G 170] bzw. 206 [G 169] - Parthey 1863,
Bd. 2, S. 653, Nr. 6 bzw. Nr. 7 - Bangel 1914, S. 152f., S. 164.
406
G 171
Nächtliche Feuersbrunst in einer Stadt*
G 172
Nächtliche Feuersbrunst in einem Dorf*
Öl auf Eichenholz
Pendants, jeweils 37,5 x 57 cm
bezeichnet „J.G.Trautmann fe:“ links unten auf der Steinplatte [G 171] bzw. „J G Trautm. f.“
links unten auf dem Stein [G 172]
Frankfurt, Städelsches Kunstinstitut
Inv. Nr. 633 [G 171] bzw. 1339 [G 172]
Provenienz: Frankfurt, Sammlung Johann Georg Grambs, gestiftet 1817 - [G 172] vom
Städel veräußert am 31.1.1840, später im Kunsthandel Frankfurt, A. Paris, erworben von
Heinrich Cahn-Blumenthal, dem Städel vermacht 1902
Beide Gemälden folgen einer verwandten Grundkomposition: der Vordergrundes wird jeweils
von zwei sich überkreuzende Bäume geteilt, während rechts bzw. links davon eine Gebäudegruppe vor dem hell gekennzeichneten Brandherd im Mittelgrund liegt. In der jeweils entgegengesetzten Bildhälfte ist der Ausblick auf eine Wasserfläche mit entfernten Gebäude
dargestellt. Die Ortschaft in [G 171] besitzt durch die an den linken Bildrand gesetzte,
volutengeschmückte Brunnenarchitektur, die steinerne Bogenbrücke und den hoheitsvollen
Kirchturm einen städtischen Charakter. Im Gegenstück deuten ein Pferdefuhrwerk, ein Wirtshaus samt aushängendem Schild sowie pittoreske Häuser und eine einfache Kirche die dörfliche Umgebung an.
Beide Werke zeichnen sich durch ihre detaillierte, mit spitzem Pinsel angelegte Malerei aus.
Das Kolorit besteht aus rötlich gebrochenen, fein nuancierten Tönen, zu denen warm gebrochenes Grün einen effektvollen Kontrast bildet. Die Annahme, beide Gemälde seien als
panoramaartige Schilderung einer einzigen, brennenden Stadt zu verstehen (Katalog Frankfurt
1982b, S. 58), ist kann kaum überzeugend, da Trautmann vielfach gleiche Kompositionsmuster spiegelverkehrt in Gegenstücken wiederholte. Darüber hinaus zeigt die Analyse
Frank-furter Sammlungen, daß eine „panoramaartige“ Präsentation von Gegenstücken im 18.
Jahr-hundert nicht üblich war.
Ausstellung: Frankfurt 1982, Städelsches Kunstinstitut, „Frankfurter Malerei zur Zeit des
jungen Goethe“.
Literatur: Städel Inventar 1817, Nr. 633 und 634 - Parthey 1863, Bd. 2, S. 653, Nr. 5
[G 171] - Heinrich Weizäcker, Catalog der Gemälde-Galerie des Städelschen Kunstinstitutes
in Frankfurt am Main, Frankfurt 1900, S. 344, Nr. 361 [G 171] - Städelsches Kunstinstitut,
kurzes Verzeichnis der Gemälde, Frankfurt 1914 (o.a.A.), S. 77, Nr. 361 [G 171], S. 120,
Nr. 619 [G 172] - Bangel 1914, S. 157-159, S. 165 - Katalog Frankfurt 1924, S. 228, Nr.
633 [G 171], Nr. 1339 [G 172] - Thieme-Becker Bd. 33, 1939, S. 355 - Bénézit 1976,
407
Bd. 10, S. 261 - Katalog Frankfurt 1982 b, S. 58, Nr. 15 und Nr. 16 - Schweers 1982, Bd.
II, S. 1021.
Abbildungen: Donner von Richter 1904, S. 250 und 251 (Umzeichnung) - Emmerling
1968, S. 136 [G 171] - Katalog Frankfurt 1982 b, S. 40, S. 59.
G 173
Feuersbrunst
G 174
Feuersbrunst
Öl auf Holz
Pendants, jeweils 33,5 x 41,5 cm
[G 174] lt. Angabe des Auktionskataloges monogrammiert
Kunsthandel Brüssel, angeboten auf einer Auktion am 10.3.1930 (keine weiteren Angaben bekannt, Notiz auf der Fotografie im RKD)
Von beiden Gegenstücken ist allein [G 173] aufgrund einer Abbildung im Auktionskatalog
bekannt. In der linken Hälfte sind typische Elemente der Feuersbrünste Trautmanns zu erkennen wie ein überwuchertes Säulenpaar, ein hochgewachsener, gebeugter Baum vor der hell
gekennzeichneten Brandstätte sowie kleine, gestikulierende Staffagefiguren. In der rechte
Bildhälfte lassen sich hingegen ein gleichmäßig gewachsener, dicht belaubter Baum sowie
der Ausblick in eine weite, mit Gebäuden staffierte Landschaft ausmachen. Diese von
Trautmanns Feuersbrünsten deutlich abweichenden Details deuten möglicherweise an, daß
ein weiterer Maler (Umkreis von C.G. Schütz?) an dem Gemälde beteiligt war. Die
undeutliche Reproduk-tion gestattet jedoch keine stilkritische Überprüfung dieser Annahme.
Literatur: Auktionskatalog Nr. 33a und 33b (keine näheren Angaben bekannt).
Abbildung: Auktionskatalog Abb. 19 [G 173].
G 175
Feuersbrunst an einem Flußufer
Öl auf Holz
18,5 x 27,5 cm
Kunsthandel Frankfurt, Schneider jr.-Andreas
Das Gemälde variiert die Feuersbrunst [G 165] im Freien Deutschen Hochstift. Es zeigt einen
zugefrorenen Fluß, den im Mittelgrund eine bildparallel verlaufende, dreibogige, mit einem
Turm und Wachhäuschen überbaute Steinbrücke überspannt. Die Brücke verdeckt den im
Hintergrund links liegenden Brandherd, der von weiteren Gebäuden umgeben ist. Über
Vorder- und Mittelgrund verteilt, unter der Brücke hindurch und darüber laufend sind
408
zahlreiche, sehr kleine Staffagefiguren zu erkennen. Die Darstellung ist in schnell und
skizzenhaft angelegten Pinselzügen ausgeführt und durch lebhafte Helldunkel-Kontraste
geprägt. Die farbige Erscheinung dürfte weitgehend der des Vergleichsbeispiels [G 165]
entsprechen.
Literatur: nicht bekannt.
G 176
Feuersbrunst*
Öl auf Eichenholz
18 x 22,5 cm
Kunsthandel Göttingen, Auktionshaus Bohm & Lauterbach, Auktion vom 30.9.1995
Provenienz: Kunsthandel Düsseldorf, Friedhelm Beuker, angeboten 1992 - Privatbesitz
Frankfurt
Das Gemälde zeigt die Uferregion eines Flusses, der von einer diagonal in den Bildraum
gesetzten Bogenbrücke überspannt wird. Die Brücke endet im Vordergrund in einem
festungs-artigen Brückenturm. Im Hintergrund ist der hell lodernde Brandherd auszumachen,
weiter links schließen sich weitere Gebäude und eine Kirche an. Die Szenerie wird durch
anlegende Boote auf der Wasserfläche und zahlreiche Figuren belebt.
Das Gemälde fällt durch ein starkes Helldunkel sowie das tonig gebrochene Kolorit auf, wobei die teils feuerrot beleuchteten, teils fast schwarz abgesetzten Gebäude mit dem grünblau
schimmernden, sehr dunklen Himmel kontrastieren. Die Komposition wirkt hingegen wenig
inspiriert, die Ausführung vielfach fahrig. Das Gemälde kann somit als Beispiel der qualitativ
einfachen, eventuell in Serie geschaffenen Werke Trautmanns dienen.
Literatur: Katalog der Auktion bei Bohm & Lauterbach, Göttingen, vom 30.9.1995,
Nr. 683.
Abbildung: Auktionskatalog (s.o.).
409
G 177
Nächtliche Feuersbrunst
Öl auf Holz
43,5 x 55 cm
monogrammiert „TM.“ (ligiert) unten Mitte
Kunsthandel Köln, Auktionshaus Lempertz, 505. Auktion vom 20. und 25.11.1969 Kunsthandel Frankfurt, Schneider jr.-Andreas
Die Ansicht einer am Flußufer gelegenen, nächtens brennenden Ortschaft ist in weiten Teilen
mit der Feuersbrunst in Augsburg [G 185] identisch. Trautmann variiert hierbei die Figurenstaffage: die Gruppe der Leiterträgern im Vordergrund fehlt, andere Bewegungsmotive
werden deutlich abwandelt. Weiterhin treten zwei überwucherte Säulen am Bildrand links an
die Stelle der Statue der Augsburger Fassung. Schließlich ist der Brandherd nunmehr hinter
einem rundbogigen Tor gelegen.
Das Gemäldes ist ebenso detailliert und fein ausgeführt wie die Augsburger Fassung, vergleichbar sind weiterhin das betonte Helldunkel und die Lichtführung, die Feuerschein und
Lichtreflexe auf dem Wasser kontrastiert. Das Gemälde kann Trautmanns rationelle Arbeitsorganisation belegen, die neben einmalig ausgeführten Gemälden zahlreiche Wiederholungen
auch qualitätvoller Werke umfaßte.
Literatur: Katalog der 505. Auktion bei Lempertz, Köln 1969, S. 40, Nr. 259.
G 178
Feuersbrunst an einem Fluß
Öl auf Holz
36,8 x 43,5 cm
monogrammiert "TM" (ligiert)
Privatbesitz
Das Gemälde läßt eine diagonal den Bildraum durchspannende Komposition erkennen, die
charakteristische Detailmotive der Feuersbrünste Trautmanns vereint. Links ist der Ausblick
über ein Gewässer auf entfernt gelegene, brennende Gebäude wiedergegeben. Der linke
Vordergrund wird von einer Uferzone eingenommen, die durch Stufen mit dem Wasser
verbunden ist. Ein rechts aufragender Baum verdeckt halb eine burgartige, turmüberragte
Gebäudegruppe, die den Mittelgrund einnimmt und in hellen Flammen steht. Einige heftig
410
gestikulierende Staffagefiguren fliehen von dem Unglücksort, während andere darauf zulaufen, um Hilfe zu leisten.
Die Darstellung fällt durch die Schilderung zweier auseinanderliegender Brandherde auf,
wodurch das Bildgeschehen räumlich verzahnt und der Eindruck einer Brandkatastrophe
großen Ausmaßes geweckt wird. Die starken Helldunkel-Kontraste, das Kolorit sowie der
sehr kleinteilige, minutiöse Malstil entsprechen hingegen völlig den besonders qualitätvollen
Feuersbrünsten Trautmanns (vgl. etwa das Gemälde in Augsburg [G 185]).
Literatur: nicht bekannt.
G 179
Nächtliche Feuersbrunst
Öl auf Holz
20 x 26,6 cm
Kunsthandel Lindau, Klaus Robert Zeller, angeboten 1994
Provenienz: Kunsthandel Köln, Auktionshaus Lempertz, Auktion vom 12.12.1991
Der Mittelgrund der Komposition wird von einer leicht erhöht liegenden Gebäudegruppe mit
einer Kirche eingenommen. Rechts ist die hell lodernde Brandstätte auszumachen, von der
aus gelb-rötlich leuchtende Rauchwolken in den Himmel steigen. Gegen rechts wird die
Komposi-tion von einem Gebäude abgeschlossen. In der linken Bildhälfte ist eine weite
Landschaft mit Gebäuden wiedergegeben. Im Mittelgrund sind verschiedene Staffagefiguren
auszumachen, die Löschversuche unternehmen und Trautmanns typisiertem Bildpersonal
entsprechen. Die Komposition wirkt dabei additiv und wenig inspiriert, das tonig gebrochene
Kolorit und die kontrastreiche Lichtführung entsprechen der üblichen Gestaltung der
Feuersbrünste. Die Aus-führung ist anhand der Fotografie nicht zu beurteilen.
Literatur: Katalog der Auktion bei Lempertz, Köln, vom 12.12.1991, Nr. 189.
G 180
Brennende Stadt
Öl auf Holz
28,8 x 21,9 cm
lt. Angabe des Auktionskatalogs signiert
Kunsthandel London, Auktionshaus Christie's South Kensington, angeboten 1984
Das Gemälde entspricht weitgehend Trautmanns Feuersbrunst [G 192] in der St. Petersburger
Eremitage. Eine eingehende Beurteilung ist aufgrund der verfügbaren Reproduktion nicht
möglich.
411
Literatur: Auktionskatalog Christie's, London 1984, S. 15, Nr. 67 - Semenova 1988,
Anmerkung 2.
Abbildung: Auktionskatalog (s.o.), S. 15.
G 181
Feuersbrunst mit Ruinenstaffage*
Öl auf Leinwand, eventuell beschnitten, doubliert
63,5 x 34,9 cm
Mainz, Landesmuseum
Inv. Nr. 84/127
Provenienz: erworben 1984 Kunsthandel Mannheim
Die hochformatige Darstellung einer brennenden, mit Ruinen staffierten Stadt vereint sehr
verschiedene Detailmotive. Von leicht erhöhtem Standpunkt sind im Vordergrund zwei
Kinder zu erkennen. Ein Knabe mit lockigem Haar geht nach vorne und trägt ein Körbchen.
Links hinter ihm schleppt ein Mädchen ein dickes Bündel auf ihren Schultern. Im Mittelgrund
sind zahlreiche Staffagefiguren schemenhaft auszumachen. Die Szene wird am rechten Bildrand von zwei pflanzenumrankten ionischen Säulen gerahmt, die ein Stück Gebälk mit Steinkugeln tragen und zwischen denen eine große Steinvase eingefügt ist. Dahinter liegen ein von
Futtermauern umgebener Hügel sowie ein hohes, durch Pilaster und Wandnischen gegliedertes Gebäude. Am linken Bildrand ist ein einfacher, ziegelgedeckter Bau zur Hälfte zu erkennen. Der dazwischen liegende, stark in die Tiefe fluchtende Bildraum wird durch eine palastartige Architektur im Hintergrund abgeschlossen. Diese verdeckt zur Hälfte einen heftig
lodernden Brandherd, der hell erleuchtete Rauchwolken in den nächtlichen Himmel
entsendet.
Das Gemälde läßt verschiedentlich Trautmanns Handschrift erkennen: die pointierte, ein
starkes Helldunkel erzeugende Lichtführung zählt hierzu ebenso wie das einheitliche Kolorit
aus gelblichen, rötlichen und bräunlichen Farben und warm gebrochenem Blau und Grün. Das
Motiv der gekoppelten Säulen ist aus verschiedenen Feuersbrünsten Trautmanns bekannt (vgl.
[G 173] und [G 177]), die dazwischengestellte Vase erinnert hingegen an das „Bildnis der
Familie Goethe“ von Seekatz (datiert 1762, Emmerling 1991, Nr. 116, mit Abb.). Auffallend
sind schließlich die beiden Kinderfiguren, die sich deutlich von Trautmanns untersetzten,
auch in der Physiognomie abweichenden Typen unterscheiden. Vergleichbare Staffagefiguren
sind von Friedrich Wilhelm Hirt bekannt (etwa in einer Landschaft von C.G. Schütz im Freien
Deutschen Hochstift; vgl. Katalog Frankfurt 1991 b, Nr. 27, mit Abb.). Das Gemälde dürfte
daher von Trautmanns Hand stammen, während die beiden Figuren mit großer Wahrscheinlichkeit auf Hirt zurückgehen.
412
Das dargestellte Thema läßt sich nur ansatzweise identifizieren. Sophie Joint-Lambert wollte
in der eng verwandten Fassung [G 193] in Tours eine „idealisierte Ansicht des nächtens brennenden Roms“ erkennen, da sie die Rampe rechts als Abbreviatur des Kolosseums las und in
dem Gebäude im Hintergrund einen Reflex auf die Villa Medici in Rom sah (vgl. Literatur zu
[G 193]). Dies läßt sich ebensowenig verifizieren, wie der ebendort konstatierte Einfluß der
„klassischen Ideen Winckelmanns“ und der „vorromantischen Empfindungen Goethes“ auf
die Frankfurter Maler. Offensichtlich ist hingegen die formale und wohl auch thematische
Verwandtschaft mit Trautmanns Gemälde „Der Brand Trojas“ [G 44] in Frankfurt, insbesondere das entsprechend hochrechteckige Format und die gleiche, stark in die Tiefe fluchtende
Bildperspektive. Das Format sowie die Ausführung in teilweise recht trocken und fahrig
gesetzten Pinselzügen lassen zudem vermuten, daß die Feuersbrunst ursprünglich als Bestandteil einer Raumdekoration geschaffen wurde. Entsprechende Beobachtungen gelten auch für
die größere, in allen wesentlichen Details übereinstimmende Fassung in Tours [G 193].
Literatur: Bauksiepe 1986, S. 255.
G 182
Nächtliche Feuersbrunst*
G 183
Nächtliche Feuersbrunst*
Öl auf Leinwand, doubliert, offenbar beschnitten
Pendants, jeweils 29,2 x 34 cm
[G 182] monogrammiert am unteren Bildrand auf einem Steinblock „TM.“ (ligiert) sowie
rückseitig auf dem Spannrahmen von fremder Hand beschriftet „F G Trautman Feuerbrand
Augsburg“
Mannheim, Reiß-Museum
Inv. Nr. 405a [G 182] bzw. 405b [G 183]
Provenienz: erworben im August 1941 im Kunsthandel Mannheim, F. Nagel Antiquitäten
Im ersten Gemälde markiert ein großer, auf einem angerartigen Platz stehender Baum die
Mitte der Komposition. Rechts daneben ist eine weibliche Statue auszumachen. Direkt dahinter lodert ein Brand in hellen Flammen, der bereits auf die umliegenden Häuser sowie eine
Kirche übergegriffen hat. Im Hintergrund sind einige noch unversehrte Häuser dargestellt.
Davor schöpfen Figuren Wasser mit Eimern aus einem Brunnen mit Steintrog und reichen
diese den weiter rechts stehenden, Löscharbeiten tätigenden Figuren.
Im Gegenstück ist am rechten Bildrand ein ähnlicher Brunnen vor einem Haus und unter
einem Baum dargestellt. Quer durch die Mitte der Komposition verläuft ein Fluß, der von
413
einer einfachen Bogenbrücke überspannt wird. Über die Brücke eilen typenhaft charakterisierte Figuren, um die im Hintergrund links liegende Brandstätte zu erreichen. Diese ist von
verschiedenen, noch unversehrten Gebäuden umgeben.
Beide Gemälde besitzen einen stark nachgedunkelten Firnis, der den Gesamteindruck erheblich beeinträchtigt. Die Komposition der Gemälde entspricht verschiedenen, bisweilen
formelhaft gestalteten Feuersbrünsten ebenso wie das ausgeprägte Helldunkel und das tonig
gebrochene Kolorit aus braunen, gelben, roten und wenigen blaugrünen Farbtönen. Die
Ausführung der Gemälde zeigt einen gleichmäßigen, etwas „teigig“ wirkenden Farbauftrag,
der auf effektvolle Elemente, etwa pastos aufgetragene Partien oder aufgesetzte Glanzlichter
weitgehend verzichtet.
Literatur: nicht bekannt.
G 184
Nächtliche Feuersbrunst und Plünderung*
Öl auf Leinwand, doubliert
50 x 60,7 cm
bezeichnet „Trautmann f.“ unter dem Zuber am unteren Bildrand
Mannheim, Reiß-Museum
Inv. Nr. O 353
Provenienz: erworben 1939 im Kunsthandel Baden-Baden, Herrmann Fuchs
Die Szene gibt die Plünderung einer nächtens brennenden Stadt wieder. Im Vordergrund ist
die platzartige Erweiterung einer Straße zu erkennen, die im Mittelgrund rechts von einem
hohen, in hellen Flammen stehenden Wohnhaus begrenzt wird. Rechts und links schließen
sich Ausblicke auf weitere Straßenzüge an, im Hintergrund lassen sich kleinere Brandherde
ausmachen. Die einfachen, altertümlich anmutenden Gebäude kontrastieren auffallend mit der
an den linken Bildrand gesetzten, rokokohaften Frauenstatue. Der platzartige Vordergrund
wird ganz von einer bewegten Figurenmenge eingenommen. Im Mittelpunkt steht ein beladener Waagen, um den sich Soldaten, Zivilisten, Frauen und Kinder drängen. Weiter rechts
schleppen zwei Männer eine erbeutete Truhe, dahinter versucht ein weiterer Mann, über eine
Leiter in das brennende Haus einzudringen. Am rechten Bildrand versperren schließlich
einige Frauen Soldaten, die in ihr Anwesen einzudringen versuchen den Weg.
Trautmann verbindet in dem Gemälde typische Details seiner Feuersbrünste mit Handlungsmomenten und Figurentypen, die an seine Zigeuner- und Räuberszenen erinnern. Das effektvoll eingesetzte Helldunkel, das bräunlich getönte Kolorit und die detaillierte, stellenweise
auch durch bewegte Pinselzüge akzentuierte Ausführung ähnelt ebenso der Gestaltung beider
414
Bildthemen. Ein von Rudolf Bangel (Bangel 1914, S. 159-161, S. 165, mit der Besitzerangabe
„Professor Wedewer-Wiesbaden“ ) unter gleichem Titel erwähntes, mit den Maßen 49 x 61
cm nahezu gleichgroßes Gemälde entspricht dem hier besprochenen in verschiedenen
beschriebenen Details. Ob beide jedoch tatsächlich identisch sind oder ob es sich um
verschie-dene Fassungen handelt, ist aufgrund der unzureichenden Quellenlage sowie der nur
lücken-haft bekannten Provenienz des Mannheimer Gemäldes nicht zu entscheiden.
Literatur: nicht bekannt.
G 185
Nächtliche Feuersbrunst*
Öl auf Holz
43,5 x 55,5 cm
monogrammiert „TM. (ligiert) fec.“ am unteren Bildrand
München, Bayerische Staatsgemäldesammlung, als Leihgabe in Augsburg, Deutsche
Barockgalerie
Inv. Nr. 4924 (München) bzw. L 774 (Augsburg)
Provenienz: Mannheim, Sammlung Nicolas de Pigage, veräußert 1783 an Herzog Karl II.
August von Zweibrücken - Schloß Carlsberg bei Homburg an der Saar, Gemäldegalerie, bis
1793 - nach 1799 München, Kurfüstliche, seit 1806 Königliche Gemäldegalerie
Das Gemälde vereint verschiedene, für Trautmanns Feuersbrünste charakteristische Bildelemente in einer vielschichtigen, capriccioartigen Komposition. In der linken Bildhälfte ist ein
hoch aufragender, spärlich belaubter Baum in den Vordergrund gesetzt. Dahinter wird ein
schmaler Wasserlauf von einer kleinen Brücke überspannt, über die eine Figurengruppe mit
Leiter eilt. Andere schöpfen Wasser aus dem Bach und reichen gefüllte Eimer Figuren im
Mittelgrund weiter, wo eine große Masse aufgeregt gestikulierender Personen auszumachen
ist. Hinter einem bereits brennenden Gebäude halb verdeckt liegend, tobt im Hintergrund ein
gewaltiges Feuer. Der helle Schein der Flammen, dichte, gegen den Himmel strebende
Rauch-wolken sowie heftiger Funkenflug illustrieren die Auswirkungen des Unglücks. Die
Mitte der Komposition wird von einem turmartigen, leicht über Eck gesehenen Wohnhaus mit
Walm-dach eingenommen, während am linken Bildrand eine Statue auf hohem Postament
steht. In der rechten Bildhälfte schweift der Blick über eine weite, von Booten belebte
Wasserfläche, den Hintergrund nehmen eine Bogenbrücke und entferntere Häuser ein.
Das Augsburger Gemälde darf als anschauliches Beispiel der Komposition der Feuersbrünste
Trautmanns gelten, wenn darin nach Vorbildern der flämischen Landschaftsmalerei,
insbeson-dere der "Frankenthaler Malerschule" (vgl. S. 166-169) mehrere Raumebenen
hintereinander geschichtet sind und die Perspektive auf zwei Fluchtpunkte ausgerichtet ist.
415
Die capriccio-artige Komposition aus verschiedenen Bildelementen wird dabei durch eine
einheitlich durchdachte, jedoch kontrastreiche Lichtführung zusammengefaßt. Auch der auf
eine rottoni-ge Grundierung gesetzte Farbakkord aus warm gebrochenem Braun, Gelb und
Rot sowie wenig, sehr dunklem und trübem Grün und Blau trägt zu einer einheitlichen
Bildwirkung bei. Die Malweise ist ausgesprochen minutiös, Details wie das Blattwerk der
Bäume oder die Staffagefiguren sind mit spitzem Pinsel angelegt. Der in pastosen Strichen
wiedergegebene Brandherd sowie einige aufgesetzte Lichtpunkte bilden schließlich Akzente.
Die Augsburger Feuersbrunst stellt eines der wenigen Werke Trautmanns dar, dessen Provenienz sich bis ins 18. Jahrhundert zurückverfolgen läßt. Das Gemälde befand sich zunächst in
der Sammlung des Kurpfälzischen Hofarchitekten Nicolas de Pigage. Dies konnte Helmut
Tenner anhand einer später von Christian von Mannlich aufgestellten Erwerbungsliste nachweisen. Gemeinsam mit der übrigen Sammlung Pigage gelangte das Gemälde in die Carlsberger und schließlich in die Münchener Gemäldegalerie. Es wird im Zweibrücker Catalogue
Noire sowie im Zweibrücker Inventar von 1795 unter der Nr. 489 erwähnt. Letzere Quelle
führt unter Nr. 470 auch ein Gegenstück auf das einer später hinzugefügten Notiz zufolge
offenbar nach 1804 an einen Herrn Vischy getauscht wurde und heute nicht mehr bekannt ist.
Ausstellung: München, Nürnberg, Kaiserslautern 1928, „Pfälzer Kunst von Churfürst
Carl Theodor bis zur Gegenwart“.
Literatur: Katalog München 1805, Bd. II, S. 50, Nr. 243 - Füssli 1779/1824, Bd. 2,
S. 1932 (unter München) - Katalog der Königlichen Gemälde-Galerie in Augsburg, Augsburg 1869, S. 86, Nr. 306 - Kataloge der königlichen Filialgalerie in Burghausen, München
1902, S. 16, Nr. 66 sowie München 1908, S. 17, Nr. 69 - Bangel 1914, S. 164 (unter
Burghausen) - Katalog Speyer 1927, S. 88, Nr. 4924 - Katalog München 1928, Nr. 398 Thieme-Becker, Bd. 33, 1939, S. 355 (unter Speyer) - Dahl 1957, S. 301 - Tenner 1966,
S. 79 - Bénézit 1976, Bd. 10, S. 261 (fälschlich unter Speyer) - Schweers 1982, Bd. II,
S. 1020 - Katalog Augsburg 1984, S. 248 - Katalog Saarbrücken 1989, S. 166.
Abbildungen: Dahl 1957, S. 342 - Dahl 1963, S. 292 - Bachmann 1972, S. 1561 Katalog Augsburg 1984, Umzeichnung Nr. 73 (Signatur) - Weber 1987, S. 462 - Katalog
Saarbrücken 1989, S. 167.
416
G 186
Nächtliche Feuersbrunst in einem Dorf*
Öl auf Leinwand
21,5 x 27,3 cm
bezeichnet rückseitig, von fremder Hand "TRAVTMANN:/GO."
Privatbesitz Frankfurt
Provenienz: wegen der Aufschrift traditionell aus der Sammlung Gogel Frankfurt vermutet (frdl. Auskunft des Besitzers)
Das Gemälde gleicht in der linken Hälfte der Komposition weitgehend der Feuersbrunst in
Speyer [G 243] (vgl. Katalog ebd.), wurde jedoch in verschiedenen Details der Architekturstaffage vereinfacht. Rechts schweift der Blick über eine weite, platzartige Anlage, deren
Hintergrund mit Häusern und einem Kirchturm staffiert ist. Gegenüber dem Vergleichsbeispiel ist auch die Zahl der Staffagefiguren reduziert.
Das Gemälde besitz ein tonig gebrochenes Kolorit aus Rot- und Brauntönen, die durch wenig
dunkles, trübes Blau ergänzt werden. Der Brandherd leuchtet dagegen in einem gleißend
hellen Gelb mit gasblauen Einsprengseln. Die Pinselführung wirkt größtenteils trocken und
verrieben, lebhafte Akzente setzen allein der in pastosen Strichen angelegte Brandherd und
die schnell skizzierten Staffagefiguren.
Die Provenienz des Gemälde bleibt unklar. Eine möglicherweise von Trautmann gemalte
Feuersbrunst läßt sich aufgrund einer Bildquelle in der Sammlung Gogel nachweisen (vgl.
S. 196). Die Quellenlage gestattet jedoch nicht, die Identität beider Gemälde zweifelsfrei zu
belegen.
Literatur: unpubliziert.
G 187
Fragment einer Feuersbrunst*
G 188
Fragment einer Feuersbrunst*
Öl auf Leinwand, unregelmäßig beschnitten, sehr schlecht erhalten, in die rechte [G 187] bzw.
linke [G 188] Tür einer Sänfte eingelassen (im Sinn der Tragerichtung)
ca. 40 x 47 cm
um 1759/62
Privatbesitz Grasse, Sammlung Hervé de Fontmichel
417
Provenienz: ausgeführt für den Grafen Thoranc
Beide Gemälde liegen in einem fragmentierten, stark nachgedunkelten und durch Feuchtigkeit
und mechanische Einflüsse erheblich beschädigten Zustand vor. Dennoch lassen sich charakteristische Details ausmachen, die eine Zuweisung an Trautmann bestätigen: in [G 187] sind
im Hintergrund einige dörfliche Gebäude zu erkennen, während am rechten Bildrand ein
hoher Baum aufragt. In den Mittelgrund sind vier leitertragenden Figuren gesetzt. Im Gegenstück [G 188] fällt insbesondere eine bogenförmige Steinbrücke auf, die sich über einem
Wasserlauf spannt und über die einige Staffagefiguren eilen. Die Figuren sind skizzenhaft aus
flüchtig nebeneinandergesetzten Farbtupfen gebildet. Diese Beobachtungen lassen nicht nur
Trautmanns Handschrift erkennen, sondern auch, daß es sich bei beiden Gemälden offenbar
um einstmals recht qualitätvolle Werke handelte.
In den Anweisungen des Grafen Thoranc zu den Dekorationsarbeiten seines Familiensitzes
(vgl. Anhang, Dokument 21) werden zwei Feuersbrünste erwähnt, die zur Ausstattung des
„Salons“ dienen sollten. Diese Gemälde könnten eventuell mit den beiden besprochenen
Werken identisch sein.
Literatur: unpubliziert.
G 189
Nächtliche Feuersbrunst
Technik und Größe unbekannt
unbekannter Privatbesitz (1942)
Das Gemälde gleicht der Feuersbrunst in Speyer [G 191]. Am rechten Bildrand erhebt sich
eine Zierarchitektur, dahinter schweift der Blick über eine Wasserfläche zu entfernten Gebäuden. Im Vordergrund drängen sich leitertragende Figuren sowie weitere Personen, um zu der
Brandstätte links zu eilen. Lichtführung, Kolorit und Ausführung des nur als Fotografie
bekannten Gemäldes lassen sich nicht beurteilen.
Abbildung: Fischer 1942, S. 328.
418
G 190
Nächtliche Feuersbrunst*
G 191
Nächtliche Feuersbrunst*
Öl auf Leinwand, beschnitten, doubliert
Pendants, 37,5 x 49,5 cm [G 190] bzw. 37 x 50 cm [G 191]
beide monogrammiert „TM“ (ligiert) am unteren Bildrand rechts
Speyer, Historisches Museum der Pfalz
Inv. Nr. HM 1981/103 [G 190] bzw. HM 1981/104 [G 191]
Provenienz: Kunsthandel Bern, Galerie Dobiaschofski, Auktion vom 25.4.1978 - vom
Museum erworben am 30.10.1981 im Kunsthandel Basel, Hans Bieder AG Antiquitäten
Das erste Gemälde schildert eine rechts hinter einem hohen Haus und einer Tordurchfahrt
gelegene Feuersbrunst. Die linke Bildhälfte durchfließt ein Bach, während im linken Hintergrund einige Gebäude sichtbar werden. Hoch aufragende Bäume sowie ein Bildstock am
rechten Bildrand komplettieren die Komposition, die durch umherlaufende Staffagefiguren
bei Löschversuchen belebt wird. Im Gegenstück ist die Feuersbrunst in den linken
Hintergrund gesetzt. Rechts davon, durch einen hohen Baum getrennt, ist der Blick auf eine
platzartige Freifläche wiedergegeben, die von einigen Gebäuden abgeschlossen wird. Im
rechten Vorder-grund sind eine Brunnenarchitektur sowie einige Figuren auszumachen,
während links eine große Menge von Figuren zu der Brandstätte drängt.
Beide Gemälde entsprechen in ihrer capriccioartigen Komposition, dem tonig gebrochenen,
stimmungsvollen Kolorit, dem starken Helldunkel und der minutiösen Ausarbeitung den
Gestaltungsmitteln jener Feuersbrünste, die am Beispiel des Augsburger Gemäldes [G 185]
beschrieben wurden.
Abbildungen: Katalog der Auktion bei Dobiaschofski, Bern, vom 25.4.1978, Nr. 684
bzw. 685, Tafel 11 - Weltkunst, 51. Jg., Nr. 20 vom 15.10.1981, S. 2961.
G 192
Feuersbrunst*
Öl auf Leinwand
35 x 42 cm
St. Petersburg, Staatliche Eremitage
Inv. Nr. GE 10069
Provenienz: erworben im Mai 1969, Herkunft unbekannt
419
In der linken Bildhälfte ist eine Gebäudegruppe zu erkennen, die aus einem Turm und einer
Torarchitektur besteht und die sich rechts in niedrigen Häusern fortsetzt. Dahinter liegt halb
verdeckt der hell lodernde Brandherd, von dem dicke Rauchwolken und heftiger Funkenflug
gegen den Himmel ziehen. Durch das Tor drängen zahlreiche, Löscharbeiten durchführende
und Bündel tragende Staffagefiguren zu der Unglücksstelle. In der rechten Bildhälfte sind ein
Wasserlauf mit einer Bogenbrücke sowie einige entfernt liegende Gebäude dargestellt.
Die Feuersbrunst fällt durch die vergleichsweise einfache Komposition auf, insbesondere, da
die Gebäudegruppe bildparallel in den Mittelgrund gesetzt ist. Ausgesprochen effektvoll wirken das sehr starke Helldunkel sowie das sehr kontrastreiche Kolorit aus bräunlich, bläulich
und grünlich schimmerndem Schwarz, vielfach nuanciertem Rot und wenig gebrochenem
Gelb und Weiß. Die Farbgebung kommt im übrigen durch die jüngste Restaurierung des
Gemäldes besonders zur Geltung. Die Malweise setzt glatt verriebene Partien (Himmelszone)
gegen pastose, naß in naß gewischten Pinselzüge (insbesondere der Brandherd) und virtuos
hingetupfte Farbkleckse (Staffagefiguren).
Eine in Komposition und Größe dem St. Petersburger Gemälde genau entsprechende Feuersbrunst soll sich im Kranshoi Museum of Fine Arts in Voronezh (Russland) befinden und
wurde unter diesen Angaben zuletzt 1989 publiziert (Irena Linnik, Old Master Paintings in
Soviet Museums, Leningrad 1989, Nr. 131, mit Abb.). Da eine Anfrage ebendort nicht beantwortet wurde, läßt sich nicht mit Sicherheit feststellen, ob beide Werke eventuell identisch
sind oder ob es sich um eine, wenngleich ungewöhnlich exakte Wiederholung handelt.
Literatur: Semenova 1988.
Abbildung: Semenova 1988, S. 10.
G 193
Feuersbrunst mit Ruinenstaffage
Öl auf Leinwand
85 x 50 cm
Tours, Musée des Beaux-Arts
Inv. Nr. D. 50-11-2
Provenienz: Castres, Museum, erworben zwischen 1860 und 1866, erwähnt 1866 - im
Tausch von Depotbeständen vom Museum in Tours 1950 erworben (frdl. Auskunft von
Jacques Nicourt, Musées de la Ville de Tours)
Bei dem Gemälde handelt es sich um eine vergrößerte, ausgesprochen detailgetreue und stilistisch gleiche Wiederholung der Feuersbrunst in Mainz [G 181] (vgl. Katalog ebd.). Das
Gemälde kann daher auch als Beleg für Trautmanns ökonomische Arbeitsweise mit eigenhändigen Wiederholungen dienen.
Ausstellung: Wien 1957, Palais Lobkowitz, „Chefs d'oeuvres du Musée de Tour“.
420
Literatur: Chefs d'oeuvres du Musée de Tour, Katalog der Ausstellung Wien, Palais Lobkowitz 1957 (Typoskript), Nr. 41 - Boris Lossky, peintures du XVIIIe siècle, Tours, Musée
des Beaux-Arts, in: Inventaire des collections publiques françaises, Paris 1962, Nr. 199 Bénézit 1976, Bd. 10, S. 261 (unter Castres) - Sophie Join-Lambert, l'architecture antique
dans les tableaux et les dessins conservés au Musée des Beaux-Arts de Tours, Dissertation
Tours 1990 (Typoskript), S. 189-191.
Abbildung: Lossky 1962 (s.o.), Nr. 199.
G 194
Feuersbrunst
G 195
Feuersbrunst
Öl auf Leinwand
Größe unbekannt
unbekannter Standort
Provenienz: ehemals Grasse, Sammlung Madame de Fontmichel (1949, Katalog Mainz
1949), oder Péguilhan de Sartoux, Schloß Mouans, Sammlung Compte de Sartoux
Während sich die Feuersbrunst [G 195] nicht weiter beurteilen läßt, ist das Gegenstück aufgrund einer recht schlechten Abbildung bekannt. Demnach zeigt dieses eine vor dem Brandherd im Mittelgrund liegende Gebäudegruppe, die aus einem rundbogigen Tor und einem
Turm besteht. Trautmanns Handschrift wird insbesondere in den lebhaft bewegten und gestikulierenden Staffagefiguren erkennbar, die recht skizzenhaft in den Vordergrund gesetzt sind.
Trautmanns Autorenschaft ist hierdurch ebenso glaubwürdig wie durch die Provenienz aus
der Sammlung Thoranc.
Unklar ist hingegen der letztmalig angegebene Standort der heute verschollenen Gemälde, die
sich nicht in der Sammlung Fontmichel in Grasse nachweisen lassen, aus der im übrigen nach
1949 keine Werke veräußert wurden (frld. mündliche Mitteilung von Herrn Hervé de Fontmichel, Grasse). Das 1950 erstellte Inventar der Gemäldesammlung von Schloß Mouans
nennt dagegen zwei Feuersbrünste Trautmanns, die 1986 gestohlen wurden (vgl. die
Archivalienan-gabe im Katalog zu [Gc 149] und [Gc 150]). Ob diese tatsächlich mit den
besprochenen Gemälden identisch sind, läßt sich aufgrund der Quellenlage nicht feststellen.
Ausstellung: Paris und Mainz 1949, „Goethe und Frankfurt 1749-1949“
Literatur: Katalog Mainz 1949, Nr. 82.
Abbildung: Katalog Mainz 1949 [G 194].
421
G 196 bis G 202
422
siehe Nachtrag
TRAUTMANN ZUGESCHRIEBENE GEMÄLDE
Ga 1
Ahasver, Ester und Haman
Johann Georg Trautmann
nach Johann Conrad Seekatz ?
Öl auf Leinwand
38,5 x 30,5 cm
monogrammiert „TM“ (ligiert) am Bogen rechts oben (lt. Angabe der Auktionskataloge)
Kunsthandel Mannheim, Heinrich Stahl (keine nähere Umstände bekannt) - Kunsthandel
Köln, Auktionshaus Lempertz, 519. Auktion vom 24. und 29.11.1971 - Kunsthandel
München, Auktionshaus Neumeister, 219. Auktion vom 30.11. und 1.12.1983
Die Szene ist nach der Textvorlage Est 7,1-8 vor einer reichen, gegen einen Garten geöffneten
Phantasiearchitektur dargestellt. Inmitten eines Festgelages kniet Haman nieder, um Königin
Ester um Gnade zu bitten. Links daneben erscheint Ahasver in einem antikisierenden Brustpanzer und reichen Gewändern. Die Figurenkomposition wird durch weitere Assistenzfiguren
ergänzt.
Das Gemäldes wiederholt die Komposition der Zeichnung in Weimar [Zc 1], die bislang
wechselweise J.C. Seekatz oder J.G. Trautmann zugeschrieben wurde (vgl. Katalog). Diese
läßt sich ebenso wie das Gegenstück „Das Salomonische Urteil“ als Kompositionsentwurf
von der Hand Seekatz' zu einem verlorenen oder nicht ausgeführten Gemäldes für den Grafen
Thoranc bestimmen. Im Vergleich hierzu zeigt das Gemälde verschiedene Veränderungen,
insbesondere eine zum Teil vereinfachte und oben angeschnittene Architekturkulisse, aber
auch eine starre, unsichere Figurenbildung.
Diese Beobachtungen deuten an, daß es sich bei dem Gemälde möglicherweise um die
Wiederholung einer Vorlage Seekatz' von fremder Hand handelt. Die Zuschreibung an
Trautmann stützte sich hingegen auf das erwähnte, nach der Fotografie jedoch nicht erkennbare Monogramm. Allerdings erscheinen die Figuren in Habitus und Physiognomie hierzu zu
verschieden von Trautmanns formelhaften Typen. Die Autorenschaft des Werkes wäre letztlich nur nach einer Autopsie zu entscheiden.
Literatur: Katalog der 519. Auktion bei Lempertz, Köln, S. 31, Nr. 179 (als Werk Trautmanns) - Katalog der 219. Auktion bei Neumeister, München, S. 112, Nr. 1015 (als „Süddeutsch, nach Seekatz“, in beiden Fällen falsch identifiziert als „Joseph deutet die Träume des
Pharao“).
Abbildung: Katalog der 219. Auktion bei Neumeister, München, Tafel 119.
423
Ga 2
Der Brand von Troja*
Johann Georg Trautmann ?
Öl auf Birnbaumholz
12,1 x 15 cm
Frankfurt, Historisches Museum
Inv. Nr. Pr. 794 / M 507
Provenienz: Frankfurt, Sammlung Valentin Prehn, Prehn'sches Kabinett, 20. Abteilung
Die miniaturhafte Darstellung schildert den Blick über eine weite Ebene. Im Hintergrund
deuten kürzelhafte Gebäude eine brennende Stadt an. Der Mittelgrund des Bildes ist mit nur
angedeuteten Figuren staffiert. Am linken Bildrand ist das Trojanische Pferd auszumachen,
während in der Mitte ein Reiter sowie rechts Aeneas und der von ihm getragene Anchises zu
erkennen sind.
Das Gemälde wurde bislang verschiedenen Künstlern zugeschrieben. Ludwig Bangel sah
darin ein Werk Trautmann und bezeichnete es als dessen „ersten Versuch [...], den grellen
Schein des Feuers [...] im Bilde festzuhalten“ (Bangel 1914, S. 151). Die Gruppe aus Aeneas
und Anchises schrieb Bangel hingegen, der ersten Beschreibung Passavants folgend, dem erst
seit 1769 in Frankfurt weilenden J.L.E. Morgenstern zu. Er nahm daher an, die Figuren seien
erst anläßlich einer späteren „Restaurierung“ eingefügt worden.
Das Gemälde erinnert durch das sehr dunkle Kolorit und die Konzentration auf die Wirkung
des nächtlichen Feuerscheins an die Trautmann zugeschriebene Feuersbrunst in Kassel [Ga
15]. Beide Werke besitzen weiterhin eine ähnliche, die einzelnen Motive bildparallel „schichtende“ Komposition, die deutlich von Trautmanns Feuersbrünsten abweicht. Die Figurengruppe aus Aeneas und Anchises wirkt schematisch ausgeführt und steif bewegt und ähnelt
letztlich weder dem Bildpersonal Trautmanns, noch Figuren in gesicherten Werken Morgensterns (vgl. Morgensterns Gemälde im Städel, Katalog Frankfurt 1982 b, S. 96-99, Nr. 61-64).
Literatur: Morgenstern 1829, Nr. 507 - Passavant 1843, Nr. 794 - Parthey 1863, Bd. 2,
S. 653, Nr. 4 - Bangel 1914, S. 151f., S. 163 - Katalog Frankfurt 1988, S. 82f.
Abbildung: Katalog Frankfurt 1988, S. 83.
Ga 3
Bildnis eines jungen Mannes mit Turban
Öl auf Leinwand
24,5 x 20 cm
424
Johann Georg Trautmann ?
Kunsthandel München, Auktionshaus Neumeister, Auktion vom 14.5.1986
Das Gemälde stellt einen jungen Mann als nach rechts gedrehtes Brustbild vor dunklem
Hintergrund dar. Er trägt ein dunkles Gewand, eine Brustkette sowie einen turbanartigen
Kopfschmuck mit Federagraffe. Das Gemälde ist in einigen Partien wie den Kleidungsstücken
in relativ breiten, flüssig gestrichenen Pinselzügen ausgeführt. Die Gesichtszüge wirken hingegen steif und trocken.
Die Physiognomie des Manne läßt sich unter Vorbehalten und bezüglich der Nasen- und
Mundpartie mit jener des Selbstportraits Trautmanns [G 47] vergleichen. Allerdings deuten
das niedrige Kinn, die eingefallen wirkenden Augen und die dunklen, leicht gewellten Haare
an, daß es sich nicht um eine Darstellung der gleichen Person handelt. Ob das etwas fahrig
ausgeführte Gemälde tatsächlich von Trautmann stammt, wäre allein nach einer Autopsie zu
entscheiden.
Literatur: Katalog der Auktion bei Neumeister, München, vom 14.5.1986, Nr. 709.
Abbildung: Katalog der Auktion bei Neumeister.
Ga 4
Kopf eines alten Mannes
Johann Georg Trautmann ?
Ga 5
Kopf eines alten Mannes
Öl auf Eichenholz
Pendants, jeweils 13 x 17 cm
Privatbesitz (1994)
Beide Gemälde stellen jeweils einen bärtigen, alten Mannes in einem pelzverbrämten Gewand
und vor fast monochrom braunen Hintergrund dar. In [Ga 4] blickt der Dargestellte den
Betrachter an. Er trägt ein Barett aus einem kostbaren, dunkelblau und rotgolden gestreiften
Stoff, das von Straußenfedern bekrönt ist. Im Gegenstück blickt der im Dreiviertelprofil
wiedergegebene Mann nach links und trägt ein turbanartig um den Kopf geschlungenes, seitlich geknotetes, cremeweißes Tuch, das durch eine aufgesteckte Federagraffe über der Stirn
akzentuiert wird.
Beide Gemälde stehen Trautmanns Männerköpfen nach der Phantasie insbesondere durch ihre
Physiognomie, sehr nahe. Die Nasen- und die Augenpartie der Figur in [Ga 4] gleichen etwa
dem Gemälde des „Diogenes“ [G 52]. Weiterhin erinnert auch die differenzierte Malweise,
die fein ausgeführte Partien (Inkarnat und Bart) neben skizzenhafte Partien mit plastisch auf-
425
gesetzten Lichtpunkten (Kleidung und Kopfschmuck) setzt an Trautmanns. Das sehr helle,
klare und rosig getönte Kolorit, das die Gemälde anstelle eines goldbraunen „Galerietons“
auszeichnet, ließe sich eventuell durch die vor kurzem erfolgte Reinigung der Gemälde erklären (frdl. Hinweis des Besitzers). Auffallend ist jedoch der schwache Helldunkel-Kontrast
und die daraus resultierende, wenig plastische Wirkung beider Köpfe. Ob es sich bei den
Gemäl-den um eigenhändige Werke oder aber um sehr qualitätvolle Kopien handelt, wäre
allein anhand der Originale zu entscheiden.
Literatur: unpubliziert.
Ga 6 und Ga 7 entfallen
Ga 8
Der Barbier
Johann Georg Trautmann ?
Öl auf Leinwand
34 x 27 cm
Privatbesitz Sneek, Friesland (1962)
In einem bäuerlichen Interieur hat ein alter Mann auf einem Holzstuhl Platz genommen. Links
neben ihm beugt sich der Barbier herab und ist in Begriff, das Rasiermesser abzustreifen.
Links davor erscheint in Halbfigur ein Junge mit einem schief sitzenden Hut und beobachtet
verstohlen das Geschehen. Die Szene wird einzig von einem an einem Pfosten befestigten
Span beleuchtet.
Das Interieurs ähnelt in gewissem Maße der „Abendlichen Gesellschaft“ in Zagreb [G 105].
Der Habitus und die rundliche Physiognomie des Jungen lassen sich weiterhin mit der links
stehenden, männlichen Figur in Trautmanns Gemälde der „Singenden Gesellschaft“ [G 103]
in Köln vergleichen. Die Ausführung des Gemäldes wirkt hingegen, soweit anhand der Fotografie zu erkennen, fahrig und flach. Für Trautmann atypisch erscheint auch das von einem
Punkt ausgehende Licht ohne deutlichen Schlagschatten. Voraussetzung für eine genauere
Bestimmung wäre somit eine Autopsie.
Literatur: nicht bekannt.
426
Ga 9
Singende und trinkende Gesellschaft am Abend
Johann Georg Trautmann ?
Öl auf Leinwand
32,5 x 38,5 cm
Privatbesitz Deutschland (1993)
Inmitten eines bäuerlichen Innenraums hat sich eine Gesellschaft zum abendlichen Zeitvertreib eingefunden. Die Szene wird von einem brennenden Span erhellt, im Hintergrund ist ein
hoher Kamin auszumachen. Im Mittelpunkt sitzt ein beleibter, einen großen Krug haltender
Mann. Links und rechts stehen weitere Männer, einer hält ein Notenblatt, der zweite erhebt
prostend sein Glas. Im Vordergrund sitzt ein vierter Zechgenosse auf einem Schemel. Ein am
Boden hockendes Kind sowie stillebenartig arrangierte Gegenstände runden die Komposition
ab.
Bildthema und die Schilderung der Personen sowie die Gestaltung des Interieurs entsprechen
auf den ersten Blick den abendlicher Gesellschaften Trautmanns. Diese Ähnlichkeiten bleiben
jedoch recht allgemein und könnten gleichermaßen aus dem übereinstimmenden Bildthema
resultieren. Das Gemälde zeigt, soweit nach der verfügbaren Reproduktion zu beurteilen, eine
fahrige und glatt wirkende Ausführung. Ob es tatsächlich von Trautmann stammt, wäre allein
nach Autopsie zu entscheiden.
Literatur: nicht bekannt.
Ga 10
Singende Gesellschaft am Abend
Johann Georg Trautmann?
Öl auf Holz
22 x 24,8 cm
monogrammiert „TM (ligiert) f“ links unter der Tischkante (lt. Angabe des Austellungskataloges)
Kunsthandel London, Brian Koester Gallery, Ausstellung April bis Juni 1972
Das Gemälde zeigt eine aus Halbfiguren gebildete abendliche Gesellschaft. Links erscheint
ein Mann, der eine flackernde Kerze umfaßt. Auf der rechten Seite sitzt Frau in einem Sessel
und hält einige Blätter, nach denen sie singt oder vorliest. Rechts hinter ihr ist ein weiterer
Mann auszumachen, der ebenfalls Papierbögen in den Händen hält.
Die Figurenkomposition, insbesondere jedoch die im Profil wiedergegeben Frau erinnern an
Trautmanns „Singende Gesellschaft“ in Köln [G 103]. Das von einer einzigen Quelle aus-
427
gehende, ein starkes Helldunkel und tiefe Schlagschatten erzeugende Licht erinnert hingegen
an die Lichtführung der „Abendlichen Gesellschaft“ in Zagreb [G 105]. Allerdings lassen sich
weder die Ausführung noch das Kolorit aufgrund der wenig deutlichen Reproduktion beurteilen, wodurch eine letztliche Bestimmung allein nach einer Autopsie möglich wäre.
Literatur: Katalog der Ausstellung in der Brian Koester Gallery, London, April bis Juni
1972, Nr. 1 - Beherman 1988, S. 366 f., Nr. 351 (als Werk in der Art der Gemälde Brouwers
oder A. Ostades)
Abbildung: Beherman 1988, S. 366.
Ga 11
Affen frisieren eine Katze*
Johann Georg Trautmann ?
Öl auf Leinwand
35,5 x 25,4 cm
Saarbrücken, Saarland-Museum
Inv. Nr. NI 2676
Provenienz: erworben 1960 von R. Grosse, Frankfurt
In einem dunklen, nur schemenhaft angedeuteten Gewölberaum hat eine weiße Katze in
einem Sessel Platz genommen. Drei Affen haben begonnen, diese zu frisieren. Ein weiterer
leuchtet mit einer Laterne in das Gesicht der Katze. Zwei dahinter stehende Affen beobachten
das Geschehen mit hohnlachender Geste. Am Boden des Raumes sind ein Tonkrug, eine
Pfeife und weitere Gegenstände verteilt.
Das Gemälde greift ein Bildthema auf, das in der Tradition niederländischer Genregemälde
des 17. Jahrhunderts steht und sich mit dem Titel der „verkehrten Welt“ beschreiben läßt (vgl.
das David Teniers d.J. zugeschriebene Gemälde „Barbierstube mit Katzen“ im Kunsthistorischen Museum Wien, Sekundärgalerie, Inv. Nr. 1786 sowie den Reproduktionsstich von Pieter Schenck nach einem entsprechenden Gemälde Teniers, Hollstein Bd. 25, S. 316, Nr. 2046,
mit Abb.). Trautmann griff diese Thematik in keinem seiner gesicherten Gemälde auf. Eine
Beurteilung der Ausführung und der Stilistik wird durch den stark nachgedunkelte Firnis mit
glänzender Oberfläche und ein starkes Craquelée erschwert. Alle erkennbaren Details lassen
jedoch kaum Trautmanns Handschrift erkennen. Die offenbar aus dem Kunsthandels übernommene Zuschreibung ist somit eher abzulehnen, als zu bestätigen.
Literatur: Katalog Saarbrücken 1964, Nr. 82 - Schweers 1982, Bd. II, S. 1021 - Katalog Saarbrücken 1995, S. 271, Nr. 139 (sämtlich als eigenhändiges Werk Trautmanns).
Abbildung: Katalog Saarbrücken 1964 (o.S.) - Saarheimat, Jg. 8, Heft 7/8, 1964, S. 233.
Ga 12
428
Johann Georg Trautmann ?
Figurengruppe um eine Feuerstelle*
Öl auf Eichenholz
31 x 25,5 cm
Heidelberg, Kurpfälzisches Museum
Inv. Nr. G 692
Provenienz: Sammlung Ernst Posselt, gestiftet von seinen Erben 1907
Die nächtliche Szene ist vor ein Hauses und einen hinter Baumwipfeln sichtbaren Kirchturm
gesetzt. Im Vordergrund lodert ein offenes Feuer, um das sich eine Gruppe von Figuren eingefunden hat. Ganz rechts schläft ein Junge in einem Weidenkorb. Daneben steht ein größerer
Knabe in rotem Rock und wärmt sich die Hände. Ein dritter ist als dunkle Rückenfigur wiedergegeben, von zwei weiteren sind nur die Köpfe auszumachen. Weiter links hält ein alter
Mann ein kleines Mädchen an den Schultern zurück. Links daneben blickt ein Junge zu einer
am Boden sitzenden, silhouettenartig wiedergegebenen Frau, die ihre Füße am Feuer wärmt.
Das Gemälde steht in Thematik und Komposition den Zigeunerszenen Trautmanns nahe. Auffallend sind jedoch die als Dorf charakterisierte Umgebung sowie die einfache, aber ordentliche Kleidung der Figuren gegenüber der freien Umgebung und den pittoresk abgerissenen
Gestalten jener Darstellungen des fahrenden Volkes. Die Figurenbildung weicht schließlich
so sehr von Trautmanns typenhaften Charakteren ab, daß die bisherige Zuschreibung zu überdenken bleibt.
Literatur: Bangel 1914, S. 126, S. 164 - Thieme-Becker, Bd. 33, 1939, S. 355 - Bénézit
1976, Bd. 10, S. 261 (als Bauernfamilie am Tisch) - Schweers 1982, Bd. II, S. 1021 Schweers 1986, S. 329 (sämtlich als eigenhändiges Werk Trautmanns).
Ga 13
Räuber inspizieren ihre Beute*
Johann Georg Trautmann ?
Öl auf Holz
30 x 21,5 cm
bezeichnet „Trautmann“ rechts unten (von fremder Hand?)
Speyer, Historisches Museum der Pfalz
Inv. Nr. HM 1986/144
Provenienz: Bad Soden, Privatbesitz - Kunsthandel Köln, Auktionshaus Lempertz, 615.
Auktion vom 22.11.1986
Das Gemälde variiert die Komposition der querrechteckigen Räuberszene [G 147]. Hierbei
wird insbesondere die Ruinenarchitektur leicht gestaucht und dem Hochformat angeglichen.
Die Figurenkomposition ist auf die Gruppe rings um den Anführer der reduziert, der narrative
429
Zusammenhang hierdurch vereinfacht. Das Gemälde ist in breit gestrichenen, einförmig und
flach wirkenden Pinselzügen ausgeführt. Die wenig effektvollen Lichthöhungen sowie das
harte, rötlich getönte und durch wenig Preußischblau ergänzte Kolorit fallen weiterhin gegenüber der gekonnten Gestaltung Trautmanns auf. Ob es sich um eine wenig inspirierte, eigenhändige Wiederholung Trautmanns oder eine mit falscher Signatur versehene Kopie eines
anderen Künstlers handelt, läßt sich mangels weiterer Anhaltspunkte nicht entscheiden.
Literatur: Katalog der 615. Auktion bei Lempertz, Köln, S. 26, Nr. 149.
Abbildung: Auktionskatalog, Tafel 15.
Ga 14
Nächtliche Feuersbrunst
Johann Georg Trautmann?
Öl auf Holz
17,5 x 26,5 cm
Kunsthandel Köln, Auktionshaus Lempertz, Auktion vom 10. und 12.12.1992
Das Gemälde stellt eine weite Flußlandschaft dar. Am Ufer rechts sind die Häuser und der
Kirchturm eines brennenden Dorfes auszumachen. Im Vordergrund eilen vereinzelte Staffagefiguren umher. Der links sich anschließende Ausblick auf die Wasserfläche ist durch ein
Ruderboot belebt. Die Ausführung des Gemäldes, das Kolorit sowie weitere
Gestaltungsmittel sind nach der verfügbaren Fotografie nur sehr undeutlich zu erkennen, die
Zuschreibung läßt sich daher nicht abschließend beurteilen.
Literatur: Katalog der Auktion bei Lempertz, Köln, vom 10. und 12.12.1992, S. 39,
Nr. 167.
Ga 15
Nächtliche Feuersbrunst*
Johann Georg Trautmann?
Öl auf Holz
41 x 61 cm
vor 1760 ?
Kassel, Staatliche Kunstsammlungen, Neue Galerie
Inv. Nr. GK 618
Provenienz: möglicherweise bereits von Landgraf Wilhelm VIII. (Regierungszeit 1730-1760)
für die Kasseler Gemäldegalerie erworben. Hierauf deutet jedoch lediglich die noch aus dem
430
18. Jahrhundert stammende, vergleichsweise niedrige Inventarnummer hin, in alten Inventaren ist das Gemälde hingegen nicht nachweisbar (frdl. fernmündliche Auskunft von
Marianne Heinz, Neue Galerie Kassel)
Die Ansicht der brennende Stadt wird von leicht erhöhtem Standpunkt geschildert. Am linken
Bildrand ist ein mehrstöckiges Haus auszumachen, rechts daneben erhebt sich eine Kirche.
Die Bildmitte nimmt ein Komplex aus sehr ruinösen Architekturen ein, die den eigentlichen
Brandherd umgeben. Einzelne Teile der Gebäude ragen silhouettenartig vor den Flammen
auf, andere werden hell erleuchtet zwischen Rauchschwaden sichtbar. Gegen den rechten
Bildrand zu ist der Ausblick in einen entfernteren Teil der Stadt wiedergegeben. Der
Vordergrund ist mit zahlreichen, sehr kleinen Figuren staffiert.
Die Darstellung fällt ebenso wie der „Brand von Troja“ in Frankfurt [Ga 2] durch eine sehr
kleinteilige, jedoch weiträumig wirkende Komposition auf. Diese unterscheidet sich deutlich
von den Feuersbrünste Trautmanns. Auch die größtenteils fast schwarztonige Farbgebung und
der Verzicht auf erzählerisch eingesetzte Staffagefiguren muß gegenüber diesen auffallen.
Das Gemälde ist stark nachgedunkelt, gestalterische Details sind daher teilweise kaum zu
erkennen. Die bislang angenommene Autorenschaft erscheint insgesamt wenig überzeugend
und bleibt somit zu diskutieren.
Literatur: Parthey 1863, Bd. 2, S. 653, Nr. 8 - Katalog Kassel 1888, S. 371, Nr. 633 Bangel 1914, S. 164 - Engelsing 1978, S. 63f. - Schweers 1982, Bd. II, S. 1021.
Ga 16
Flußlandschaft mit einer brennenden Stadt
Johann Georg Trautmann
und P.H. Brinckmann?
Öl auf Holz
21,5 x 29,2 cm
Standort unbekannt
Durch den Vordergrund einer weiten Landschaft fließt ein Wasserlauf, der sich kaskadenartig
über einen Felsabsatz ergießt. Dahinter spannt sich eine Brücke, über die Staffagefiguren
eilen. Im Hintergrund wird, beidseitig von Bäumen gerahmt, die Ansicht einer brennenden
Stadt sichtbar. Darüber erhebt sich eine dicke und hell erleuchtete Qualmwolke. Vor der Stadt
sind weitere, sehr kleine Staffagefiguren auszumachen.
431
Das Gemälde fällt durch seine capriccioartige Komposition und die effektvolle Wirkung des
nächtlichen Brandes auf. Hierin steht er den Feuersbrünsten Trautmanns ebenso nahe wie
durch die Staffagefiguren im Vordergrund und die Ausführung in teils bewegten, durch
reliefartige Weißhöhungen akzentuierten Pinselzügen. Die Landschaft und insbesondere die
dicht und wolkenartig belaubten Bäume unterscheiden sich jedoch deutlich von Trautmanns
Handschrift. Ungewöhnlich ist weiterhin, daß das Hauptaugenmerk ganz auf die Landschaft
gelegt ist und die brennende Stadt entfernt im Hintergrund erscheint. Da ähnlich parkartige,
idealisiert aufgefaßte Landschaften sowie Details wie der Absatz im Flußbett entsprechend in
Werken des Mannheimer Malers Philipp Hieronymus Brinckmann zu finden sind (vgl. eine
signierte Landschaft, 1981 in der Galerie Uwe Opper Kronberg; Katalog Kronberg 1981,
Nr. 11, S. 34f., mit Abb), wäre diesbezüglich eine Autorenschaft Brinckmanns denkbar.
Zwei gemeinsam von Brinckmann und Trautmann geschaffene, jedoch hochformatige Gemälde wurden im 1764 verfaßten Katalog der Sammlung des Baron von Haeckel erwähnt
(Katalog ehemals vorhanden in der Bibliothek des Städel, C 1386, heute verloren, vgl. Bangel
1914, S. 68, Anm. 2). Bei dem Gemälde könnte es sich somit prinzipiell ebenfalls um eine
Gemeinschaftsarbeit beider Künstler handeln, was jedoch anhand des Originals zu
verifizieren bleibt.
Literatur: nicht bekannt
Foto: RKD.
Ga 17, Ga 18 und Ga 19 siehe Nachtrag
432
KOPIEN NACH GEMÄLDEN TRAUTMANNS
Gb 1
Die Verstoßung von Hagar und Ismael*
Kopien nach J.G. Trautmann
Gb 2
Tobias heilt seinen Vater*
Öl auf Eichenholz
Pendants, jeweils 13 x 17,5 cm
Frankfurt, Historisches Museum
Inv. Nr. Pr. 806/M 64 bzw Pr. 807/M 65
Provenienz: Frankfurt, Sammlung Valentin Prehn, Prehn'sches Kabinett, 3. Abteilung
Beide Darstellungen wiederholen detailliert die Gemälde in Dessau [G 2] und [G 13]. Auffallend sind die etwas fahrige Ausführung sowie eine vergleichsweise dumpfe, bräunlich
gebrochene Farbgebung. Darüber hinaus läßt die Bildung der Figuren, beispielsweise Abrahams und Hagars deutliche Unsicherheit erkennen. Die Wiederholung wird somit nicht von
Trautmann selbst, sondern von einem anderen, noch unbekannten, wohl zeitgenössischen
Maler stammen.
Ausstellung: Frankfurt 1967, US Trade Center (keine näheren Umstände bekannt)
Literatur: Morgenstern 1829, Nr. 64 und 65 - Passavant 1843, Nr. 806 und 807 - Parthey 1863, Bd. II, S. 653, Nr. 1 und 2 - Bangel 1914, S. 130-132, 163 - Bamberger 1916,
S. 121, Anm. 1 - Thieme-Becker, Bd. 33, 1939, S. 355 (en bloc, allesamt als Werke von J.G.
Trautmann) - Bushart 1963, S. 182 (G 148, als Kopie nach Trautmann) - Katalog Frankfurt
1988, S. 48f. (als J.G. Trautmann).
Abbildungen: Donner von Richter 1904, S. 244 (G 148, Umrißzeichnung) - Katalog
Frankfurt 1988, S. 59.
Gb 3
Brustbild eines jungen Mannes,
ein Huhn haltend
unbekannter Maler nach
J. G. Trautmann
Öl auf Holz
23 x 17,5 cm
Kunsthandel München, Auktionshaus Neumeister, Auktion vom 16.3.1988
Bei dem Werk handelt es sich um eine relativ detaillierte Wiederholung des Gemäldes aus der
Sammlung Prehn [G 81], in der Ausdrucksweise und die Lichtwirkung offenbar bewußt nachgerahmt werden, verschiedene Details der Kleidung und des Kopfschmucks jedoch deutliche
Vereinfachung erfahren. Weiterhin wirken die Gesichtszüge gröber und härter. Auch die Mal-
433
weise erscheint weniger fein nuanciert, recht flächig und etwas „teigig“. Hiernach ist bei dem
Werk an eine von einem wohl zeitgenössischen Maler geschaffene Kopie nach Trautmann zu
denken.
Literatur: Katalog der Auktion bei Neumeister, München, vom 16.3.1988, Nr. 492 (als
J.C. Seekatz).
Abbildung: Katalog der Auktion (s.o.).
Gb 4
Nächtliche Feuersbrunst
in einer Stadt*
Johann Ludwig Ernst Morgenstern
nach J. G. Trautmann
Gb 5
Nächtliche Feuersbrunst in einem Dorf*
Öl auf Eichenholz
Größe unbekannt
beide datiert 1806 auf der Rückseite
Frankfurt, Historisches Museum
Inv. Nr. B 18:12 [Gb 4] bzw. B 18:11 [Gb 5]
Provenienz: aus dem I. bzw. dem III. Morgenstern'schen Miniaturkabinet
Beide Miniaturkopien nach Darstellungen nächtlicher Feuersbrünste Johann Georg Trautmanns wurden laut rückseitiger Datierung im Jahr 1806 von Morgenstern gefertigt und
jeweils in die linke obere Ecke des linken Flügels des ersten bzw. des dritten
Morgenstern'schen Miniaturkabinetts eingefügt (vgl. Katalog Frankfurt 1988, S. 123). Bei den
Vorlagen dürfte es sich höchstwahrscheinlich um Pendants gehandelt haben. Die
Miniaturkopie [Gb 5] wieder-holt bis hin zu kleinen Details eine Komposition, die auch der
Feuersbrunst [G 186] zugrunde liegt.
Trautmanns Gemälde [G 186] soll sich einer Überlieferung zufolge in der 1782 versteigerten
Frankfurter Sammlung Gogel befunden haben. Es scheint daher denkbar, daß Morgenstern
dieses Gemälde tatsächlich kannte und kopierte. Im Vergleich wird erkennbar, daß Morgenstern die Komposition, das Kolorit und zum Teil auch Eigenheiten der künstlerischen Handschrift in stark verkleinertem Maßstab überzeugend wiedergeben konnte. Die Vorlage der
zweiten Miniaturkopie [Gb 4] ist nicht bekannt.
Literatur: Gwinner 1862, S. 393 - Katalog Frankfurt 1988, S. 125 und 137.
Abbildung: Katalog Frankfurt 1988, S. 127 und S. 139.
Gb 6 und Gb 7
Kopie nach J.G. Trautmann
Zwei Marktstücke
434
Öl auf unbekanntem Bildträger
Pendants, jeweils 11 x 10 Zoll (ca. 27,5 x 25 cm)
Verbleib unbekannt
Provenienz: ehemals Frankfurt, Sammlung Johann Friedrich Müller, versteigert am
26. September 1791; der Käufer sowie der erzielte Preis sind nicht bekannt
Beide Gemälde werden bereits im Versteigerungskatalog als Werke „nach Trautmann“ bezeichnet; sie stellen daher die frühesten nachweisbaren Kopien von Werken Trautmanns dar.
Literatur: Katalog Frankfurt 1791, Nr. 380 und 381.
435
FÄLSCHLICH ZUGESCHRIEBENE GEMÄLDE
Sakrale Darstellungen: Altes und Neues Testament, Heiligendarstellungen
Gc 1
Joseph wird an die Midianiter verkauft*
unbekannter Maler (18. Jh.?)
Öl auf Leinwand, auf Hartfaserplatte aufgezogen
54 x 40,5 cm
Zweibrücken, Heimatmuseum
Inv. Nr. 4
Provenienz: München, Privatbesitz - Kunsthandel München, Auktionshaus Weinmüller,
Auktion vom 6.3.1963
Die Szene zeigt nach Gen 37,28 den Verkauf des Josephknaben. Vor einer angedeuteten
Landschaft erscheinen links die beiden Brüder, die Joseph aus dem Brunnen ziehen. Rechts
daneben stehen ein Midianiter und eine Frau. Alle Figuren wirken insgesamt steif und marionettenhaft bewegt, die Ausführung der Malerei trocken und fahrig. Das Kolorit ist aus müden,
erdigen Rot-, Grün- und Blautönen gebildet, die Erscheinung des Gemäldes zudem durch sehr
starke Verputzungen beeinträchtigt.
Eine Zuschreibung des Gemäldes an Trautmann nahm erstmals Julius Dahl vor, der darin ein
Frühwerk des Künstlers sah. Im Vergleich zu Trautmanns Darstellung [G 6] fallen jedoch die
additive, spannungslose Komposition, das Fehlen von Repoussoirmotiven und eine vergleichsweise nüchterne Auffassung des Themas auf. Da sich zudem die dargestellten Figuren
in Habitus und Physiognomie deutlich von Trautmanns Typen unterscheiden, läßt sich die
Zuschreibung des wenig qualitätvollen Gemäldes nicht länger rechtfertigen.
Literatur: Dahl 1963, S. 294.
Abbildung: Dahl 1963, S. 293.
436
Gc 2
Saul bei der Hexe von Endor*
deutscher (?) Maler, 18. Jh.
Öl auf Holz
34,3 x 53,5 cm
Frankfurt, Historisches Museum
Inv. Nr. B 87:1
Provenienz: erworben 1987 aus Privatbesitz Ober-Ramstadt
Das Gemälde zeigt nach I. Sam 28,7-19 die Geschichte des Königs Saul, der von Gott verlassen und von den Philistern verfolgt nächtens die Hexe von Endor aufsuchte, um den Geist
des Richters Samuel beschwören zu lassen. In der Darstellung hat Saul seine Waffen abgelegt
und kauert, sein Gesicht mit den Händen verbergend, im Vordergrund links. Rechts erscheint
die Hexe zwischen zwei Wachleuten als alte, korpulente Frau, die sich zu einem aufgeschlagenen Buch zwischen zwei Kerzen und einem Totenschädel hinabbeugt. Im Hintergrund wird
der Geist Samuels in einer Felsenhöhle sichtbar. Er erhebt mahnend seine linke Hand, um
Saul den Tod und dessen Volk den Untergang vorauszusagen.
Die Episode wurde in der Malerei des 18. Jahrhunderts verschiedentlich dargestellt, so von
Januarius Zick (vgl. Straßer 1994, Nr. G 38 bis G 40). Im Vergleich hierzu wirkt diese Interpretation des Themas ausgesprochen schematisch: die immanente Dramatik kommt weder in
der steifen Figurenkomposition zum Tragen noch wird sie durch formale Mittel wie eine
effektvolle Lichtführung unterstrichen. Trautmanns Handschrift wird weiterhin weder in der
Durchbildung der Figuren noch in der Malweise mit schematisch aneinandergesetzte Farbflächen und Weißhöhungen erkennbar. Schließlich entspricht das dünne, rötliche Holzbrett
nicht den dicken Eichenholztafeln, die Trautmann normalerweise als Bildträger verwendete.
Eine Autorenschaft Trautmanns läßt sich somit ausschließen, der unbekannten, vielleicht
deutschen Künstler wäre noch näher zu bestimmen.
Literatur: nicht bekannt.
Gc 3
Die Anbetung der Könige
unbekannter Maler nach
Johann Conrad Seekatz
Öl auf Holz
24 x 30,8 cm
Kunsthandel München, Auktionshaus Neumeister, Auktion Nr. 265 vom 11.12.1991 Kunsthandel Köln, Auktionshaus Lempertz, Auktion vom 10. und 12.12.1992
437
In der rechten Hälfte des Stalles stehend, präsentiert Maria den auf dem Krippenrand sitzenden Christusknaben. Sie ist von den Heiligen Drei Königen umgeben. Der erste reicht ihr
Geschenke dar, der zweite kniet in Anbetungshaltung nieder, während der dritte sich gegen
den Eingang zurückwendet. Im Hintergrund sind Joseph sowie zwei Pagen auszumachen.
Das Werk stellt eine fast gleichgroße und detailgetreue Wiederholung eines Gemäldes von
Johann Conrad Seekatz in Dessau dar (Emmerling 1991, Nr. 30, mit Abb.), das jedoch durch
eine trockene und wenig sichere Ausarbeitung auffällt. Stilistik sowie Ausführung deuten an,
daß weder Seekatz, noch Trautmann als Schöpfer der wenig inspirierte, offenbar zeitgenössische Kopie anzunehmen sind.
Literatur: Katalog der Auktion bei Neumeister, München, vom 11.12.1991, S. 46,
Nr. 371 (als Werk Trautmanns) - Katalog der Auktion bei Lempertz, Köln, vom 10. und
12.12.1992, S. 39, Nr. 166 (als Zuschreibung an Trautmann).
Abbildung: Auktionskatalog Neumeister (s.o.), Tafel 81.
Gc 4
Das letzte Abendmahl*
deutscher Maler, 18. Jh. (?)
Öl auf Leinwand
46 x 35,5 cm
Speyer, Historisches Museum der Pfalz
Inv. Nr. HM 1957/48
Provenienz: Kunsthandel Frankfurt, Carl Grunwald Antiquitäten, vom Museum erworben
am 25.9.1957
Im Vordergrund erstreckt sich quer der Abendmahlstisch, hinter dem mittig Christus und darum verteilt einige Apostel sitzen. Die übrigen lagern auf Ruhebänken im Vordergrund. Eine
Draperie rechts oben sowie eine mehrflammige Öllampe deuten das einfache Interieur an.
Die Figuren zeichnen sich durch gewundene Bewegungsmotive, eine pathetische Gestik und
verklärt nach oben gerichtete Blicke aus. Die Darstellung wirkt somit wie eine formelhafte
Wiederholung barocker Vorbilder. Die Ausführung zeigt einen teilweise pastosen Pinselduktus, das Kolorit besteht aus bräunlichen bis rötlichen Tönen. Im Vergleich mit Historien
Trautmanns fallen die von seinen Typen sehr verschiedenen Figuren ebenso auf wie das
spannungslose Schema der Komposition und das Fehlen dekorativer Architekturelemente. Die
offenbar vom Kunsthandel vorgenommene Zuschreibung des wenig qualitätvollen Gemäldes
an Trautmann nicht haltbar, eine genauere Bestimmung bleibt noch zu leisten.
Literatur: Schweers 1982, S. 1021 (als Zuschreibung an Trautmann).
Gc 5
unbekannter Maler, 18. Jh. (?)
438
Der heilige Hieronymus
Öl auf Holz
20 x 13,5 cm
angeblich undeutlich datiert (lt. Auktionskatalog)
Kunsthandel Heidelberg, Auktionshaus Winterberg, Auktion vom 30.10.1971.
In einem einfachen, von einer Lampe erhellten Interieur sitzt der nach links gedrehte Heilige,
der sich mit seinem rechten Arm auf einen Tisch stützt und sinnierend einen Totenschädel
betrachtet. Ein einfaches Kreuz, ein aufgeschlagenes Buch und ein schemenhafter Löwe sind
ihm als Attribute beigegeben.
Das Gemälde unterscheidet durch die Komposition, die Durchbildung des muskulösen Körpers und die Physiognomie sowie seine malerische Ausführung deutlich von Heiligendarstellungen Trautmanns (vgl. [G 38] und [G 39]). Der bisherigen Zuschreibung ist somit nicht
zuzustimmen, seine Autorenschaft bleibt weiterhin zu diskutieren.
Abbildung: Katalog der Auktion bei Winterberg, Heidelberg, vom 30.10.1971, Nr. 371
(als J.G. Trautmann).
Profane Darstellungen: Antike Historie
Gc 6
Marcus Curius Dentatus weist die
Geschenke der Samniter zurück*
unbekannter Maler, 18. Jh.
Öl auf Leinwand, doubliert
87,5 x 72 cm
Zweibrücken, Heimatmuseum
Inv. Nr. 2
Provenienz: München, Privatbesitz - Kunsthandel Mannheim, Galerie Kalkreuther, vom
Museum erworben am 15.10.1962
Das Gemälde wurde von Julius Dahl fälschlicherweise als „Odyseus, am Herdfeuer sitzend,
zum Kampf gegen Troja aufgerufen“ betitelt. Es zeigt jedoch nach Plutarch XViii bzw.
Vaerius Maximus IV,3,5 den ehemals erfolgreichen, nun aber zurückgezogen lebenden Feldherren Curius Dentatus, der vor einem offenen Kamin sitzt und auf die am Boden liegenden
weißen Rüben verweist, während er zu den beiden antikisierend gewandeten Gesandten der
Samniter links blickt. Ein Diener reicht dem früheren Herren kostbare Geschenke dar, um ihn
439
zur Rückkehr zu bewegen. Curius Dentatus lehnte diese jedoch mit den Worten ab, er brauche
kein goldenes Geschirr, um seine Rüben darin zu kochen.
Bereits die Tatsache, daß Trautmann keine vergleichbaren antiken Historien darstellte, läßt
die bisherigen Zuschreibung bezweifeln. Habitus und Physiognomie der Figuren
unterscheiden sich zudem deutlich von Trautmanns Bildpersonal. Auffallend sind die klare,
die Figuren in einem großen Dreieck zusammenfassende Komposition und die
Verdeutlichung der Erzäh-lung durch Gesten und Blickkontakte. In Detailformen wie den
reich bewegten Übergewän-dern klingen hingegen barocke Stilmittel nach, die im Gegensatz
zu der im übrigen „vorklas-sizistischen“ Stilsprache stehen. Da zudem Episoden der
römischen Geschichte, in denen "bürgerliche" Tugenden behandelt werden, bevorzugt seit
dem letzten Drittel des 18. Jahr-hunderts dargestellt wurden, liegt eine Entstehung des
Gemäldes in jener Zeit nahe. Die der etwas trockene und flache Ausführung könnte
schließlich als Hinweis auf einen deutschen Autor gesehen werden. Eine weitere, mit dem
beschriebenen Beispiel jedoch nicht vergleich-bare Darstellung des eher seltenen Themas ist
von Januarius Zick bekannt (Strasser 1994,
S. 420, Nr. G 370, mit Abb.).
Literatur: Dahl 1963, S. 289, S. 293f.
Abbildung: Dahl 1963, S. 289.
Schlachtenszenen
Gc 7; Gc 8
Zwei Schlachtenszenen*
unbekannter Maler in der Art
des Jacques Courtois
Öl auf Leinwand, auf Hartfaserplatten aufgezogen, stark verputzt
Pendants, jeweils 83 x 127 cm
Zweibrücken, Heimatmuseum
Inv. Nr. 8 und 8a
Provenienz: Privatsammlung - Kunsthandel München, Auktionshaus Weinmüller, 104.
Auktion vom 30.11. und 2.12.1966
Die beiden stark verputzten Gemälde zeigen jeweils vor einer weiten Landschaft bewegte
Schlachtenszenen, die aus Gruppen von säbelschwingenden oder schießenden Reitern auf
weißen und braunen Pferden gebildet sind. Die erste Szene gibt sich durch einen zum Angriff
blasenden Trompeter als Beginn zu erkennen, während in der zweiten bereits verletzte oder
getötete Soldaten und Pferde am Boden liegen und das Schlachtenende andeuten.
440
Da Trautmann keinerlei Schlachtenszenen schuf, ist die bisherige Zuschreibung abzulehnen.
Typus und Detailmotive lassen vielmehr an Nachahmungen hochbarocker Schlachtenbilder
denken, wobei als Vorbild insbesondere auf Jacques Courtois, gen. Le Bourguignon zu verweisen wäre, der eine breite Nachfolge in Malerei des 17. und 18. Jahrhunderts fand (vgl. das
„Gefecht zwischen Türken und schwerer Reiterei“ eines Nachahmers von Courtois in Karlsruhe, Staatliche Kunsthalle, vgl. Katalog Karlsruhe 1966, Bd. I, S. 87, Nr. 1944, mit Abb.).
Eine genauere Lokalisierung und Datierung wird jedoch durch die sehr geringe Qualität der
Gemälde erschwert.
Literatur: Katalog der Auktion bei Weinmüller, München, vom 30.11. und 2.12.1966,
S. 101, Nr. 1383.
Männerdarstellungen
Gc 9
Bärtiger Mann mit Pelzmütze*
unbekannter Maler des 18. Jh.
nach G. B. Castiglione
Öl auf Eichenholz
14,8 x 11 cm
Kassel, Staatliche Kunstsammlungen, Neue Galerie
Inv. Nr. 1875/1621
Provenienz: London, Fritz Rothmann, erworben 1973
Das Brustbild eines alten, bärtigen Mannes ist leicht nach rechts gewendet, er trägt ein grünes
Gewand mit braunem Übergewand, eine hohe braune Pelzmütze mit Stirnband und einer
Schleife bildet seinen Kopfschmuck.
Bei dem Gemälde handelt es sich um eine Nachschöpfung der Radierung des „Bärtigen
Alten“ von G.B. Castiglione (Katalog Genua 1990, S. 221, Nr. 82, Abb. 210). Hierbei wurde
der Ausschnitt des Brustbildes verkleinert und die stellenweise unbestimmt bleibende
Zeichnung konkretisiert. Das ausgesprochen „rembrandteske“ Helldunkel erscheint hingegen
abgemil-dert. Das Kolorit in Braun, Hellgrün und Rosa wirkt ausgesprochen zart, die
Pinselführung ist locker und skizzenhaft. Die beobachteten Stilmerkmale lassen eine
Zuschreibung des Gemäl-des an Trautmann nicht in Frage kommen.
Ein stilistisch vergleichbarer, eventuell von gleicher Hand stammender Männerkopf wurde
1990 im Kunsthandel angeboten (Dorotheum Wien, Auktion vom 14. und 19.3.1990, vgl.
Auktionskatalog Nr. 295, mit Abb., dort sicher falsch bestimmt als C.W.E. Dietrich). Dieses
Gemälde paraphrasiert seitenverkehrt eine weitere Radierung Castigliones (Katalog Genua
441
1990, Nr. 70, Abb. 198). Schließlich erinnern Gesichtsbildung und insbesondere Malweise
von Bart und Pelzhut des Mannes in Kassel an das Ganzfigurenbild eines stehenden Mannes
(aktueller Standort unbekannt, die Fotografie im RKD mit Vermerk „nach dem Archiv von
Max Friedländer, 1958“). Dieses Gemälde paraphrasiert seitenverkehrt eine Radierung Rembrandts, den sogenannten „Perser“ (Bartsch 152). Die Beobachtungen erlauben die These, daß
alle drei Gemälde vom selben Maler stammen, was jedoch nur nach Studium der Originale zu
verifizieren wäre.
Literatur: Schweers 1982, Bd. II, S. 1021.
Gc 10
Nachdenkender Greis
J. A. B. Nothnagel (?)
Gc 11
Nachdenkender Greis
Öl auf Holz
Pendants, 25,5 x 19,5 cm [Gc 10] bzw. 25,5 x 20 cm [Gc 11]
Haarlem, Frans-Halsmuseum
Inv. Nr. 571 bzw. 572
Provenienz: Haarlem, Sammlung Archivdirektor J.C. Gonnert, gestiftet 1926
Beide Gemälde zeigen einen bärtigen, alten Mann als Halbfigur vor dunklem Hintergrund.
Der erste wendet sich nach links und dreht den Kopf ins Profil, während er seinen rechten
Ellenbogen auf einen Tisch stützt, auf dem ein Buch und ein kleiner Globus liegen. Im
Gegen-stück wendet sich der Alte nach rechts und dreht den Kopf ins Dreiviertelprofil,
während er mit der Linken zum Bildrand weist. Auf dem Tisch befinden sich zwei Büchern
und eine Glasflasche.
Gegenüber Trautmanns Charakterköpfen fallen beide Werke durch die trocken und spröde
wirkende Malweise und die gleichmäßige Lichtführung auf. Weiterhin unterscheidet sich die
Gesichtsbildung mit langgezogenen, kantigen Grundformen und fransigen Bärten deutlich
von den runden Köpfen und den gekräuselten Bärten Trautmanns. Die Physiognomie der
Figur in [Gc 10] ähnelt hingegen auffällig einem „Knienden Einsiedler“ von J.A.B. Nothnagel
in Frankfurt (Freies Deutsches Hochstift; Katalog Frankfurt 1982 a, Nr. 142, mit Abb.).
Ferner läßt sich die Form der verschatteten Augen beider Figuren mit der Augenpartie zweier
Halb-figuren Nothnagels an gleichem Standort vergleichen (Katalog Frankfurt 1982 a, Nr.
140 und 141, S. 96, mit Abb.). Die Malweise der genannten Beispiele Nothnagels wirkt
schließlich
442
ähnlich trocken und wenig plastisch, weshalb sich eine Zuschreibung beider Gemälde an
Nothnagel vorschlagen läßt.
Literatur: Wright, Christoph (Hrsg.): Paintings in Dutch Museums, London 1980, S. 456.
Genredarstellungen
Gc 12
Schlafende Frau und essender
Knabe bei Kerzenlicht
unbekannter Maler
Größe und Technik unbekannt
ehemals Worms, Sammlung Dr. Schopf (1950)
Eine alte Frau sitzt als Dreiviertelfigur vor einem Tisch und ist, die Hände vor ihrem Schoß
überkreuzend, gerade eingeschlafen. Ihr gegenüber hält ein Knabe beim Essen inne, um die
Frau zu beobachten. Auf dem Tisch befinden sich ein angebissenes Brötchen sowie eine
flackernde Kerze, die als einzige Lichtquelle des nächtlichen Interieurs dient.
Die vorgeschlagene Zuschreibung an Trautmann ist nicht haltbar, da sich weder
Gesichtstypen oder Kleidung der Figuren noch die sachliche, recht glatte Malweise mit
dessen Genreszenen vergleichen lassen. Als mögliches motivisches und stilistisches Vorbild
wären Darstellungen einer eingeschlafenen alten Frau zu nennen, wie sie unter anderem
Nicolaes Maes schuf (etwa eine „Eingeschlafene Frau“ in Brüssel, Koninklijk Museum van
Schone Kunsten, Katalog Berlin 1991, Bd. 1, S. 372, mit Abb.). Eine genauere Bestimmung
bleibt noch zu leisten.
Literatur: Emmerling 1968, S. 136 (als Werk Trautmanns).
Abbildung: Emmerling 1968, S. 136.
Gc 13
Die Partie Tricktrack*
unbekannter Maler des
17. Jahrhunderts (?)
Öl auf Leinwand, doubliert
64 x 52 cm
Ludwigsburg, Schloßgalerie
Inv. Nr. 4122
Provenienz: alter Bestand, bereits im Inventar von 1812, Nr. 310 als Werk Trautmanns
erwähnt
443
Ein gediegener, bürgerlicher Wohnraum wird durch ein hohes Fenster links beleuchtet. Im
Vordergrund ist ein Tisch mit einem drappierten Tuch und stillebenartigen Tellern und Krügen auszumachen, während mittig eine Gesellschaft aus drei Frauen und drei Männern beim
Spielen, Rauchen und Trinken um einen weiteren Tisch mit dem Tricktrackspiel gruppiert ist.
Eine Zuschreibung an Trautmann läßt sich mit Sicherheit ausschließen, da von ihm keine
Genreszenen in der Tradition „lockerer Gesellschaft“ bekannt sind, zumal sich das Gemälde
durch eine ebenso atypische, realistische Schilderungen eines bürgerlichen Interieurs und
modischer Kostüme im Geschmack des 17. Jahrhunderts auszeichnet. Diese Beobachtungen
sprechen vielmehr für die Autorenschaft eines niederländischen, eventuell auch
norddeutschen Künstlers des 17. Jahrhunderts, welche noch zu präzisieren wäre.
Literatur: Thöne, Friedrich (Bearb.): Gemälde aus Schloß Ludwigsburg, Katalog der
Ausstellung in der Würtembergischen Staatsgalerie 1935, Stuttgart 1935 - Thieme-Becker,
Bd. 33, 1939, S. 355 (sämtlich als Werk von J.G. Trautmann).
Gc 14
Der Streit im Wirtshaus
unbekannter Maler
Öl auf Holz
25 x 30,5 cm
Kunsthandel Köln, Auktionshaus Lempertz, 594. Auktion vom 9. bis 11.5.1983
Das nur nach einer sehr schlechten Fotografie bekannte Gemälde zeigt vier Halbfiguren an
einem Wirtshaustisch als caravaggesk beleuchtetes Nachtstück. Zwei der Männer sind in
einen handgreiflichen Streit geraten, die beiden anderen sehen ihnen zu.
Von Trautmanns sind keine vergleichbaren Streitszenen bekannt. Da sich der zweite
Zuschauer links zudem deutlich von Trautmanns Typen unterscheidet, läßt sich dessen Autorschaft mit Sicherheit ausschließen. Eine genauere Bestimmung würde die Kenntnis des
Originales voraussetzen.
Literatur: Katalog der 594. Auktion bei Lempertz, S. 24, Nr. 165 (als Trautmann).
Abbildung: Katalog der Auktion (s.o.), Tafel 10.
444
Gc 15
Der Guckkastenmann
unbekannten Maler des 18. Jh.
nach C.W.E. Dietrich
Gc 16
Das Eichhörnchen
Öl auf Holz
Pendants, 29 x 21,5 cm [Gc 15] bzw. 29,5 x 22 cm [Gc 16]
Kunsthandel München, Auktionshaus Neumeister, 184. Auktion vom 25. und 26.10.1978
In dem ersten Gemälde hat ein Schausteller seinen Guckkasten auf einem Schemel abgestellt.
Drei Erwachsene und drei Kinder drängen sich rechts, um in den Apparat hineinzusehen, ein
weiterer Junge ist links eingefügt. Im Gegenstück wird ein Tisch von einer Öllampe erleuchtet. Darauf sitzt ein Eichhörnchen, dem zwei Kinder Futter hinstrecken. Vier Erwachsene im
Hintergrund beobachten die Szene.
Beide Darstellungen gehen auf Gemälde C.W.E. Dietrichs zurück, die sich ehemals in der
Sammlung des Grafen Brühl in Dresden befanden (heute Eremitage Sankt Petersburg, Inv.
Nr. 1792 und 1334, Katalog Leningrad 1986, Nr. 137 und 138, mit Abb.). Die
querrechteckigen Vorlage wurden hierbei in hochrechteckige Kompositionen umgewandelt,
die Figuren etwas verkleinert und zum Teil auch verändert, so die zuschauenden Kinder im
„Eichhörnchen“, die nun als Erwachsene erscheinen. Die Gemälde wirken insgesamt wenig
virtuos, die Malweise recht glatt und die Figuren flach und spannungslos. Die wohl vom
Kunsthandel vorgeschla-gene Zuschreibung an Trautmann läßt sich insgesamt ausschließen.
Denkbar wäre eine Entstehung vor 1769, als die Vorlagen sich noch in Dresden befanden,
durch einen ebendort tätigen Künstler.
Literatur: Katalog der Auktion bei Neumeister, München, vom 25. und 26.10.1978,
S. 126, Nr. 1313 und 1312 (als Zuschreibung an Trautmann).
Abbildungen: Katalog der Auktion (s.o.), Tafel 22.
445
Gc 17
Interieur mit rauchendem Mann
Johann Gerlach Lambert (?)
Öl auf Holz
30 x 23 cm
Kunsthandel Wien, Auktionshaus Dorotheum, Auktion vom 17.10.1989
Im einem schlichten, dachkammerartigen Interieur sitzt ein Tonpfeife rauchender Mann auf
einer Holzbank. Die klare und sehr detaillierte Darstellung des Interieurs sowie und die Figur
mit leicht melancholischem Ausdruck unterschieden sich gänzlich von Werken Trautmanns.
Zu erwägen wäre hingegen eine Autorenschaft Johann Lambert Gerlachs, da zwei seiner Gemälde im Frankfurter Städel (Katalog Frankfurt 1982 b, Nr. 65 und 66, mit Abb.) eine entsprechende Wiedergabe eines Innenraumes samt der stillebenartigen Anordnung von Gegenständen im Vordergrund sowie eine ähnliche Durchbildung der Figuren erkennen lassen.
Abbildung: Katalog der Auktion im Dorotheum, Wien, vom 17.10.1989, Nr. 619, Tafel
46 (als Werk eines Schülers Trautmanns).
Gc 18
Interieur mit Hase und Köchin
Umkreis des Justus Juncker
(Johann Gerlach Lambert?)
Öl auf Holz
32,5 x 24 cm
Kunsthandel Wien, Auktionshaus Dorotheum, Auktion vom 17.10.1989
Ein Stilleben aus verschiedenen Gegenständen, u.a. einem aufrecht stehenden Kupferkessel
und einem toten Hasen bildet den Vordergrund, dahinter wird eine Köchin als Rückenfigur
erkennbar. Entsprechende Darstellungen sind von Trautmann nicht bekannt. Motivisch vergleichbar erscheinen Werke Justus Junckers (vgl. etwa die beiden Küchenstücke im Frankfurter Städel, Katalog Frankfurt 1982 b, S. 53, Nr. 6 und 7, mit Abb.), von denen sich das
Gemälde jedoch durch die mangelnde räumliche Tiefenwirkung und die fahrige, flächig
bleibende Malweise unterscheidet. Vorzuschlagen wäre eine Zuschreibung an Maler aus dem
Umkreis Junckers, etwa seinen Schüler J.G. Lambert (vgl. die beiden stilistisch ähnlichen
Genreszenen im Städel, Katalog Frankfurt 1982 b, Nr. 65 und 66, mit Abb.).
Abbildung: Katalog der Auktion des Dorotheum, Wien, vom 17.10.1989, Nr. 620 (als
Umkreis des Johann Peter Trautmann).
Gc 19
Zigeunerfrauen und Soldaten
am Lagerfeuer
446
Johann Conrad Seekatz
Gc 20
Zigeuner beim Aufbruch
Öl auf Leinwand
Pendants, jeweils 17,2 x 24,5 cm
Kunsthandel München, Neidhardt Antiquitäten, angeboten im Juli 1994
Beide Darstellungen zeigen Zigeunerszenen als nächtliche Beleuchtungsstücke. In [Gc 19]
lagert eine Gruppe aus Zigeunerfrauen, Kindern und Soldaten an einem Feuer und vor
grotten-artiger Ruinenkulisse. Erzählerische Motive wie die Inspektion einer Schatztruhe, der
im Feuer hängende Suppenkessel oder eine tücheraufhängende Alte bereichern die Szenerie.
Im Gegenstück sind Zigeuner im Aufbruch begriffen. Ein fackeltragender Mann reitet ein
Pferd, das einen hoch beladenen Wagen zieht. Daneben gehen der Anführer der Gruppe, eine
Mutter mit Kind und ein bündelschleppender Junge ihres Wegs.
Auffallend ist die sehr skizzenhafte Malweise, die die stimmungsvolle Wiedergabe der Lichtwirkung zum eigentlichen Anliegen der Darstellungen macht. Der sehr dunkle Bildgrund ist
dabei locker über eine rote Grundierung gelegt, während Figuren und andere Details in wenigen, nur angedeutende Pinselstriche gesetzt sind. Diese Malweise entspricht Ölskizzen von
J.C. Seekatz (vgl. etwa die beiden Skizzen in Darmstadt, Emmerling 1991, Nr. 500 und 501,
mit Abb.) weitaus eher als Zigeunerszenen Trautmanns. Entsprechendes gilt für motivische
Details, wie die vor dem Feuer stehenden Teller und der Kessel mit drei Füßen in [Gc 19]
(vgl. die „Zigeunerszene“, Emmerling 1991, Nr. 149, mit Abb.) oder die Holzbrücke in
[Gc 20] (vgl. die „Zigeunerszene“, Emmerling 1991, Nr. 268). Schließlich lassen gerade auch
die kantigen, schnell getupften Gesichtern Seekatz' Hand erkennen (vgl. etwa das Gesicht der
Perea in einer Skizze in Darmstadt, Emmerling 1991, Nr. 448, mit Abb., mit jenem der alten
Frau rechts in [Gc 19]), so daß dessen Autorenschaft anzunehmen ist.
Literatur: Große und kleine Meister im Deutschland des 18. Jahrhunderts, Katalog der
Ausstellung bei Neidhardt Antiquitäten München vom 1. bis 31.7.1994, München 1994, S. 38
und 40 (als Werk J.G. Trautmanns).
Abbildungen: Ausstellungskatalog (s.o.), S. 39 und 41.
447
Gc 21
Dorfszene
Monogrammist IM, tätig Mitte
des 18. Jahrhundert
Öl auf Holz
20 x 32 cm
monogrammiert und datiert „IM / 1749“ rechts unten auf dem Faßboden
Italien, Privatbesitz
Provenienz: Kunsthandel Düsseldorf, Galerie Lingenauber (keine näheren Umstände
bekannt)
Die Darstellung zeigt eine ländliche Festgesellschaft vor einem strohgedeckten Bauernhaus.
Im Vordergrund tanzen Figuren zur Musik zweier Fiedler und eines Dudelsackspielers.
Rechts zapft ein Mann Wein aus einem Faß, während sich drei Männer zuprosten. Dahinter
sitzt ein Liebespaar, einige Bauern sprechen rechts dem Essen und Trinken zu. Die
Rückenfigur eines urinierenden Bauers schließt die Festgesellschaft ab. Links der Ausblick in
eine weite Land-schaft, die mit sich suhlenden Schweine, einem Reiter und entfernten
Gebäude staffiert ist.
Die weite Komposition, die Figurenbildung, die gleichmäßige Lichtführung, die zögerlich
getupfte Ausführung und das braun-beige getönte Kolorit unterscheiden sich nachhaltig von
Trautmanns Jahrmarktdarstellungen. Das deutlich erkennbare Monogramm „I M“ läßt die
bisherige Zuschreibung ebenfalls ausschließen und konnte noch nicht befriedigend aufgelöst
werden, eine genauere Bestimmung steht noch aus.
Literatur: offenbar unpubliziert.
Landschaft
Gc 22
Ruinenlandschaft mit
freistehender Säule*
unbekannter Maler in der Art der
niederländischen Italianisten
Öl auf Holz
32 x 45 cm
Frankfurt, Freies Deutsches Hochstift, Frankfurter Goethe-Museum
Inv. Nr. IV/361
Provenienz: unbekannt, alter Bestand
Die Darstellung einer „südländischen“ Landschaft ist dreiteilig gegliedert: im Vordergrund
erstreckt sich ein Gewässer mit flacher Uferzone. Dahinter erhebt sich ein überwuchertes
448
Ruinenmassiv mit einer einzelnen, frei stehenden, ionischen Säule. Die Ruine ist durch einen
Steg mit einem baumbewachsenen Felsblock links verbunden, unter dem ein gleichsam „gerahmter“ Ausblick in eine Landschaft sichtbar wird. Staffagefiguren und ein bepackter Esel
beleben die Komposition.
Vergleichbare Landschaftsdarstellungen sind weder von Trautmann noch von anderen Frankfurter Malern bekannt. Der Typus einer ruinenstaffierten Felslandschaft erinnert vielmehr an
den Kreis der „niederländischen Italianisten“ im 17. Jahrhunderts, wie beispielsweise
Cornelis von Poelenburgh. Die sehr mäßige Qualität könnte jedoch auf die Kopie oder
Nachahmung einer solchen Kopie Vorlage hinweisen.
Das Motiv der einzelnen Säule vor einer erhöhten Ruine ist auf Ansichten der Villa des
Maecenas in Tivoli zurückzuführen (vgl. etwa das Gemälde von Joseph Grenier de Lacroix in
Berlin, Katalog Berlin 1975, S. 221, mit Abb.) und hier als freie Paraphrase eingefügt.
Literatur: Katalog Frankfurt 1982 a, S. 187, Nr. 300 (als zweifelhaftes Werk Trautmanns)
- Schweers 1982, Bd. II, S. 1021.
Abbildung: Katalog Frankfurt 1982 a, S. 187.
Gc 23
Küstenlandschaft mit Hafenstadt
Christian Georg Schütz d.Ä.,
oder dessen Umkreis
Gc 24
Hafenszene in dörflicher Umgebung
Öl auf Holz
Pendants, jeweils 26 x 34 cm
Kunsthandel Wien, Auktionshaus Dorotheum, 570. Auktion vom 30.11. bis 3.12.1965
Das erste Gemälde zeigt eine bergige Küstenlandschaft. Rechts erstreckt sich die von Schiffen
und Booten belebte Meeresfläche. Am Bildrand ankert ein Segelschiff, dessen Besatzung in
Ruderbooten im Vordergrund gelandet ist, wo bereits Ladearbeiten verrichtet werden. Im
Mittelgrund erhebt sich eine kleine, befestigte Stadt mit Turm, ein zweiter wird in weiter Entfernung sichtbar. Die Darstellung entspricht in ihrer dreizonigen, diagonalen Komposition,
der geschwungenen Uferlinie und der Lichtführung Landschaften von C.G. Schütz (vgl. die
heute zerstörten Wandverkleidung im Haus „Zur Hangenden Hand“ in Frankfurt, Katalog
Frankfurt 1991 b, S. 32, mit Abb.).
Das Gegenstück gibt einen dörflichen Platz mit Hafen wieder. Rechts sind mehreren Schiffen
im Hintergrund zu erkennen, ganz vorne ist ein Segelboot gelandet, um Fracht zu löschen.
449
Staffagefiguren gehen verschiedenen Tätigkeiten nach: hier tragen zwei Männer lange
Stangen, dort schleppen zwei andere Säcke, vor dem Haus schöpft eine Frau Wasser, durch
den Torbogen links daneben reitet schließlich ein Mann. Das Gemälde greift somit Details
einer „Flußlandschaft mit Ruine“ von C.G. Schütz im Historischen Museum Frankfurt auf
(Inv. Nr. B 1492, vgl. Katalog Flörsheim 1992, S. 64, Nr. 60, mit Abb.). Ob beide Darstellungen wirklich eigenhändige Werke von C.G. Schütz d.Ä. darstellen oder seinem Umkreis entstammen, ließe sich allein nach Autopsie entscheiden.
Literatur: Katalog der 570. Auktion des Dorotheums, Wien, S. 14, Nr. 125 und 126.
Abbildungen: Auktionskatalog (s.o.), Tafel 35.
Gc 25
Landschaft bei Nacht*
Umkreis des C.G. Schütz (?)
Öl auf Holz
24,7 x 31,1 cm
Frankfurt, Städelsches Kunstinstitut
Inv. Nr. SG 1061
Provenienz: Kunsthandel München, Auktionshaus Weinmüller, Auktion vom 26.3.1972
Die Darstellung zeigt eine weite, hügelige und im Schein des Vollmonds liegende Landschaft,
die mit einem Baum links, einem zweistöckigen Fachwerkhäuschen rechts sowie verschiedenen Figuren staffiert ist. Vergleichbare Landschaften sind von Trautmann nicht bekannt. Die
dreizonige capriccioartige Komposition sowie Kolorit und Lichtführung erinnert jedoch eindeutig an Landschaften in der Art von C.G. Schütz. Eine genauere Bestimmung wäre noch zu
leisten.
Literatur: Katalog der Auktion bei Weinmüller, München, vom 26.3.1972, Nr. 412 (als
J.G. Trautmann) - Schweers 1982, Bd. II, S. 1021 (als J.G. Trautmann).
Abbildung: Katalog der Auktion (s.o.).
Gc 26
Abendliche Flußlandschaft*
unbekannter Maler des 18. Jh.,
Umkreis J.Vernets
Öl auf Eichenholz
26,5 x 40 cm
Klosterneuburg bei Wien, Chorherrenstift Klosterneuburg, Stiftsmuseum
Inv. Nr. GM 223
Provenienz: unbekannt, im Inventar der Sammlung von 1860 als Werk Trautmanns
aufgeführt
450
Die Darstellung einer abendlichen Flußlandschaft zeigt hinter einem schmalen, von Fischern
und Spaziergängern belebten Uferstreifen ein weites Gewässer, auf dem ein Segelboot mit
Passagieren dahinzieht. Der Hintergrund geht links in eine hügelige, bewaldete Landschaft
über, während rechts hohe, schroffe Felsen aus dem Wasser ragen, wobei die untergehende
Sonne direkt hinter einer vorkragenden Felsnase steht. Während die Felspartien dunkel gezeichnet sind, ist die übrige Landschaft in fein nuancierte, goldfarben überhauchte Pastelltöne
getaucht.
Vergleichbare Landschaften sind weder von Trautmann noch von anderen Frankfurter Malern
bekannt. Die betont stimmungshafte Darstellung ist letztlich als Fortentwicklung idealisierender Landschaften des 17. Jahrhunderts zu sehen. Die schlanken, virtuos aus wenigen Farbpunkten gebildeten Figuren erinnern ebenso die aufragenden Felsen und die Lichtführung an
französische Landschaftsdarstellungen des 18. Jahrhunderts, insbesondere an Werke aus dem
Umkreis oder nach dem Vorbild Joseph Vernets (vgl. Vernets Gemälde „Pêche heureuse“,
1760, als Kupferstich von Adrian Zingg reproduziert, Abb. in: Becker 1971).
Literatur: Katalog des Stiftsmuseums Klosterneuburg (in Vorbereitung).
Gc 27
Landschaft mit Reitern
und Turmruine*
unbekannter Maler in der Art der
niederländischen Italianisten
Öl auf Leinwand
31 x 38,5 cm
ehemals signiert „Asselyn“, wohl von fremder Hand, die Signatur wurde bei einer
Restaurierung entfernt, darunter befanden sich unleserliche Reste einer anderen Signatur
Klosterneuburg bei Wien, Chorherrenstift Klosterneuburg, Stiftsmuseum
Inv. Nr. GM 222
Provenienz: unbekannt, im Inventar der Sammlung von 1860 als Werk Trautmanns
aufgeführt
Im Vordergrund der nächtlichen Flußlandschaft liegt ein flaches Gewässer, in dem einige
Figuren sowie drei Esel waten. Links dahinter erstreckt sich eine Landzunge mit einer blockhaften Turmarchitektur und einem ruinösen Torbogen, in dem weitere Figuren sichtbar sind.
Am rechten Ufer haben zwei Boote angelegt, daneben eine weite Wasserfläche, die in der
Ferne in eine hügelige Landschaft übergeht. Der wolkenverhangenen Vollmond direkt über
dem Torbogen sowie zahlreichen Lichtreflexe auf dem Wasser prägen die Stimmung ebenso
wie die grau-braun getönte Farbgebung.
451
Motiv und Stilistik lassen nicht an Trautmann, wohl aber an den Kreis der niederländischen
„Italianisten“, insbesondere an Jan Asselyn denken. Die eher mindere Qualität spricht jedoch
für die Annahme, daß das Gemälde als Kopie oder Nachahmung einer unbekannten Vorlage
anzusehen und gegebenenfalls in das 17. Jahrhundert zu datieren ist.
Literatur: Katalog des Stiftsmuseums Klosterneuburg (in Vorbereitung).
Feuersbrünste
Gc 28
Nächtliche Landschaft mit
brennendem Schloß*
Gruppe der Schütz'schen Feuersbrünste
Öl auf Eichenholz
25,6 x 34 cm
Frankfurt, Historisches Museum
Inv. Nr. 944
Provenienz: laut Inventar „angeschafft von der Commission am 6.5.1901“
Eine aus mehreren Baukörpern gebildete, pittoreske Schloßanlage steht in hellen Flammen.
Über die davor liegende Wasserfläche spannt sich eine zweibogige Brücke, die mit Figuren
belebt ist. Daneben ist ein Landschaftsausblick in leichter Aufsicht gesetzt: im Vordergrund
zwei Beobachter des Brandes, dahinter erblickt man eine Kirche hinter Bäumen und schließlich eine weite, vom wolkenverhangenen Mond beleuchtete Landschaft.
Gegen eine Autorenschaft Trautmanns spricht die Kombination einer Feuersbrunst mit einem
Landschaftsausblick ebenso wie die sehr überlängten Proportionen der Figuren sowie der
kleinteilige, strichelnde Pinselduktus. Diese Beobachtungen deuten auf eine Zugehörigkeit
zur Gruppe der Schütz'schen Feuersbrünste (vgl. S. 69f).
Literatur: nicht bekannt.
Abbildung: Guido Schönberg, Kunst und Künstler in Frankfurt am Main, in: H. Voelcker
(Hrsg.), die Stadt Goethes, Frankfurt 1932, S. 289-324, Abb. S. 310 (als J.G. Trautmann).
452
Gc 29
Nächtliche Feuersbrunst
in einem Dorf
Gruppe der Schütz'schen Feuersbrünste
Gc 30
Nächtliche Feuersbrunst in einem Dorf
Öl auf Holz
Pendants, jeweils 20 x 24,5 cm
Kunsthandel Frankfurt, J.P. Schneider jr.
In beiden Gemälde wird ein nächtens brennendes Dorf durch den Ausblick in die umgebende
Landschaft ergänzt. Im ersten liegt die von einem Turm überragte Ortschaft links, während
rechts der Blick über einen Wasserlauf zu einigen entfernteren Häusern schweift. Im Gegenstück ist das um eine Kirche in gotisierenden Formen gruppierte Dorf auf der rechten Seite
gelegen.
In beiden Gemälden deutet die bildparallel angelegten, locker gefügten Komposition die
Zugehörigkeit zur Gruppe der Schütz'schen Feuersbrünste an, zumal sich eine verwandte
Komposition in einer Feuersbrunst der Eremitage St. Petersburg findet (Inv. Nr. 2429, vgl.
Semenova 1988, mit Abb., zur Zuschreibung vgl. S. 69f.). Alle drei Gemälde weisen zudem
gleiche Detailmotive, wie die überlängten, steif bewegten Staffagefiguren sowie eine entsprechende, kleinteilige und etwas angestrengte Malweise auf.
Literatur: unpubliziert.
Gc 31
Nächtliche Feuersbrunst
Gruppe der Schütz'schen Feuersbrünste
Öl auf Holz
22 x 31 cm
Kunsthandel Frankfurt, Auktionshaus Döbritz, Auktion vom 22.5.1993
Provenienz: St. Petersburg, Staatliche Eremitage, Inv. Nr. 7066 - privates Sammlersiegel
(nicht identifiziert)
Die Darstellung variiert die Komposition des Gemäldes aus dem Kunsthandel [Gc 29]: neben
der Ansicht eines brennenden Dorfes erscheint rechts ein Wasserlauf sowie der Ausblick in
eine Landschaft. Das Gemäldes zeigt ebenfalls für die Gruppe der Schütz'schen Feuersbrünste
453
charakteristische Details wie überlängte und hölzern bewegte Staffagefiguren und eine Malweise in strichelnden, kleinteiligen Pinselzüge.
Literatur: Katalog der Auktion bei Döbritz, Frankfurt, vom 22.5.1993 (o.S., als J.G.
Trautmann).
Abbildung: Katalog der Auktion bei Döbritz (s.o.).
Gc 32
Nächtliche Feuersbrunst
Gruppe der Schütz'schen Feuersbrünste
Öl auf Leinwand
34 x 49,5 cm
Kunsthandel New York, Auktionshaus Sotheby's, Auktion vom 21.10.1988
Das Gemälde zeigt eine erhöht gelegene, kleine Ortschaft aus einem Stadttor und einer Kirche
sowie einem im Hintergrund brennenden Haus. Im Vordergrund ist ein schmaler Bachlauf zu
erkennen, aus dem Staffagefiguren Löschwasser schöpfen. Rechts schweift der Blick über ein
Tal mit einer Kirche und einigen Gebäuden zu einer weiten, hügeligen Landschaft, die den
Flußlandschaften von C.G. Schütz ähnelt. Auch die bildparallel angelegte, locker gefügte
Komposition, die Lichtführung mit Feuerschein und Mondlicht sowie die schlanken Staffagefiguren und die kleinteilig strichelnde Pinselführung sprechen für eine Einordnung in die
Gruppe der Schütz'schen Feuersbrünste.
Literatur: nicht bekannt.
Abbildung: Katalog der Auktion bei Sotheby's, New York, vom 21.10.1988, Nr. 67A (als
J.G. Trautmann).
Gc 33
Nächtliche Feuersbrunst
Öl auf Leinwand
23 x 30,5 cm
Gruppe der Schütz'schen Feuersbrünste
Kunsthandel Wien, Auktionshaus Dorotheum, Auktion vom 18. und 19.3.1992
Die Darstellung mit einem brennenden Haus links sowie einem Wasserlauf rechts läßt sich
aufgrund der charakteristischen Komposition und Stilistik zur Gruppe der Schütz'schen
454
Feuersbrünste zählen. Dies verdeutlichen weiterhin die grazilen Staffagefiguren und die Ausführung des Gemäldes in kleinteiligen, strichelnd nebeneinandergesetzten Pinselzügen.
Literatur: nicht bekannt.
Abbildung: Katalog der Auktion des Dorotheums vom 18. und 19.3.1992, Nr. 270 (als
Johann Peter Trautmann).
Gc 34
Nächtliche Feuersbrunst*
Gruppe der Schütz'schen Feuersbrünste
Öl auf Eichenholz
6,5 x 9,2 cm
Privatbesitz Frankfurt
Die miniaturhafte Darstellung einer am Fluß liegenden, brennenden Ortschaft wandelt die
Komposition der Feuersbrunst [Gc 31] ab, wobei in der Mitte ein mächtiger Wachturm
eingefügt ist. Der Ausblick in eine weite Flußlandschaft rechts stellt ebenso wie die Lichtführung mit Feuerschein und Mondlicht die Nähe zur Gruppe der Schütz'schen Feuersbrünste
unter Beweis, wenngleich die Staffagefiguren vom stereotypen Erscheinungsbild dieser
Gruppe abweichen und möglicherweise auf einen anderen Autor zurückgehen.
Literatur: unpubliziert.
Gc 35
Trompe l'oeil mit der Darstellung
eines brennenden Dorfes
Gruppe der Schütz'schen Feuersbrünste
Gc 36
Trompe l'oeil mit der Darstellung
eines Gewitters
Öl auf Holz
Pendants, jeweils 15 x 18 cm
Kunsthandel Wien, Auktionshaus Dorotheum, 1675. Auktion vom 9.3.1993
Beide Gemälde geben in illusionistischer Manier ein lebhaft gemasertes Holzbrett wieder, auf
dem Siegellackklecksen eine farbige Zeichnung oder ein Gemälde auf Leinwand mit weißem
Rand befestigen. Dieses „Bild im Bild“ stellt in [Gc 35] eine nächtliche Landschaft mit
brennendem Dorf dar. Im Vordergrund überspannt eine Brücke mit Figuren einen Wasserlauf,
rechts ragt ein Wachturm auf. Im Gegenstück scheint sich der Bildträger an der Ecke rechts
unten vom Holzbrett gelöst zu haben. Die Darstellung zeigt eine waldige Landschaft, in deren
455
Vordergrund sich ein Gewässer erstreckt. Am Himmel deuten Blitze ein Gewitter an, im
Hintergrund ist ein Dorf auszumachen. Ein Bauer, der ein scheuendes Pferd bändigt, ist als
Staffage eingefügt.
Eine Zuschreibung beider Gemälde an Trautmann läßt sich aufgrund der Landschaftsdarstellungen ausschließen, zumal Komposition und motivische Details wie die Brücke und der
Wachturm in [Gc 35] bereits besprochenen Werken der Gruppe der Schütz'schen Feuersbrünste gleichen. Für Darstellungen vom Typus des Trompe l'oeil-Gemäldes ist aus den Kreis
der Frankfurter Maler nur ein einziges Beispiel, ein „Quodlibet“ von Justus Juncker im Freien
Deutschen Hochstift bekannt (Katalog Frankfurt 1982 a, S. 57, Nr. 82, mit Abb.). Da Juncker
jedoch keine Landschaften schuf, bleibt eventuell die Möglichkeit einer Gemeinschaftsarbeit
zu überdenken, was jedoch durch Studium der Originale zu überprüfen wäre.
Literatur: Katalog der Auktion des Dorotheums, Wien, vom 9.3.1993, Nr. 53, Nr. 54 (als
Zuschreibung an Trautmann).
Abbildungen: Katalog der Auktion (s.o.), Abb. 53, Abb. 54.
Gc 37 bis Gc 41
Fünf kleine Feuersbrünste*
Gruppe der „kleinen Feuersbrünste“
Gouachemalereien auf Spielkarten (?)
Jeweils 5,5 x 8,1 cm
Kunsthandel München, Siegfried Kuhnke, angeboten 1991
Die fünf Kleinformate besitzen eine jeweils ähnliche Komposition: in der Mitte ragen
silhouettenhafte, schwarzbraune Architekturen, wie ein spitzer Kirchturmhelm, ein Wachturm
mit Kegeldach, ein Stadttor oder einzelne Dachbalken direkt vor hell loderndem Brandherd
auf. Im rötlich leuchtenden Hintergrund liegen weitere Gebäude, während vorne ameisenhaft
bewegte, sehr kleine, teils Lasten tragende Staffagefiguren auf den Brand zulaufen. Die kulissenartige, flach bleibende Komposition, die einfache Farb- und Lichtwirkung und die recht
fahrige Malweise deuten an, daß die Darstellungen der Gruppe der „kleinen Feuersbrünste“
zuzurechnen sind (vgl. S. 69f.).
Auffallend ist hierbei der Bildträger: es handelt sich um ausgeschnittene Rechtecke aus starkem Papier, dessen Rückseite ein aus roten Punkten und Strichen gebildetes Muster aufweist
und somit an die Rückseite von Spielkarten denken läßt. Eine technische Untersuchung, ob es
sich tatsächlich um Spielkarten und nicht um einfaches Buntpapier oder bedruckte Tapete
handelt, war nicht möglich. Weiterhin ist der Verweis auf vergleichbare Rückseitenmuster
von Spielkarten des Erlanger Kartenmachers Johann Gottfried Backofen (1775-1851, Händlernotiz) zur weiteren Bestimmung nicht dienlich, da entsprechende Muster Backofens zum
Teil ältere Druckmuster wiederholen (vgl. Detlef Hoffmann, Inventarkatalog der Spielkarten-
456
sammlung des Historischen Museums Frankfurt am Main, Frankfurt 1972, S. 151, Nr. 71, mit
Abb. sowie frdl. fernmündlicher Hinweis des Autors). Beispiele identischer Kartenrückseiten
befinden sich weder im Besitz des Schloß- und Spielkartenmuseums Altenburg noch in den
Sammlungen des Deutschen Spielkarten-Museums Leinfelden-Echterdingen.
Literatur: nicht bekannt.
Gc 42
Brennendes Dorf mit einer Kirche*
Gruppe der „kleinen Feuersbrünste“
Gc 43
Brennendes Dorf*
Öl auf Malpappe
Pendants, jeweils 10,5 x 12,5 cm
[Gc 43] signiert und datiert von fremder Hand „J. (G.?) Trautmann 1767“ rechts unten innerhalb des ovalen Bildrahmens. Auf der Rückseite befand sich ursprünglich ein mittlerweile
ent-fernter Klebezettel mit der Aufschrift von fremder Hand „Gemahlt / von / J. G. Trautmann
/ 1767, / eine Feuersbrunst“
Kunsthandel Nürnberg, D.M. Klinger, angeboten 1991
Beide Darstellungen zeigen in querovalem Bildfeld auf dunkelbraunem Fond ein brennendes
Dorf. In [Gc 42] liegen rechts auf einem Felsen brennende Häuser und eine Kirche, links
schweift der Blick über eine angedeutete Landschaft. Im Gegenstück werden die Satteldächer
einer befestigten, in Flammen stehenden Ortschaft mit einem großen Tor sichtbar. Aus wenigen Farbtupfen gebildete, sehr kleine Figuren sind jeweils in den Vordergrund gesetzt.
Die Stilistik legt eine Zuordnung zur Gruppe der „kleinen Feuersbrünste“ nahe (zur Frage der
Eigenhändigkeit der Signatur vgl. S. 69), wie kürzelhafte Detailmotive, die kulissenartige
Komposition, die ameisenhaften Staffagefiguren sowie die schematischen Farb- und Lichteffekte verdeutlichen. Auffallend ist das in bräunlichen Tönen gehaltene, durch wenig Ziegelrot, Hellblau und Weißhöhungen ergänzte Kolorit.
Literatur: unpubliziert.
457
Gc 44
Brennendes Dorf mit einer Kirche*
Gruppe der „kleinen Feuersbrünste“
Gc 45
Brennendes Dorf mit einem Wachturm*
Öl auf Pappe, auf Holz kaschiert
Pendants, 11,9 x 12,9 cm [Gc 44] bzw. 11,3 x 13,7 cm [Gc 45]
[Gc 44] bezeichnet links unten innerhalb des ovalen Bildfeld „J.G. Trautmann“, von fremder
Hand
Mannheim, Reiß-Museum
Inv. Nr. 399a [Gc 44] bzw. 399b [Gc 45]
Provenienz: erworben im Kunsthandel Mannheim, Kunsthandlung H. Stahl, Januar 1960
Die erste der beiden in ein querovales Bildfeld gesetzten Darstellungen ähnelt in Komposition
und Stil weitgehend der Feuersbrunst [Gc 42]. Das Gegenstück stellt ein in einer Flußschlaufe
gelegenes, brennendes Dorfes samt Kirche und Wachturm sowie links einen Landschaftsausblick dar. Beide Gemälde wirken etwas sorgfältiger ausgeführt als die Pendants [Gc 42] und
[Gc 43] aus dem Kunsthandel, gleichen jedoch in wesentlichen Merkmale der Gruppe der
„kleinen Feuersbrünste“.
Literatur: nicht bekannt.
Gc 46
Feuersbrunst mit einem Stadttor*
Gruppe der „kleinen Feuersbrünste“
Gc 47
Feuersbrunst mit einer Kirche*
Öl auf Holz
Pendants, 25,5 x 18,1 cm [Gc 46] bzw. 25,5 x 18,6 cm [Gc 47]
Saarbrücken, Saarland-Museum
Inv. Nr. NI 3221 [Gc 46] und NI 3222 [Gc 47]
Provenienz: Kunsthandel Frankfurt, Joseph Fach, angeboten 1967 - vom Museum erworben als Dauerleihgabe der Saar LB
Beide Darstellungen zeigen einen brennenden Ort in rötlichem Feuerschein mit silhouettenhaft davorgesetzten Architekturen: in [Gc 46] markiert eine Befestigung mit rundem Tor und
Wachturm den Mittelgrund; im Gegenstück erscheinen an gleicher Stelle eine Mauer mit Tor
und eine Kirche. Komposition und Stil gleichen den kleinformatigen Gouachemalereien
[Gc 37] bis [Gc 41], wobei insbesondere die kulissenhafte Gesamtwirkung, das formelhafte
Kolorit in Rot, Schwarz und Gelb sowie die sehr steifen Staffagefiguren auffallen und die
Zuordnung zur Gruppe der „kleinen Feuersbrünste“ begründen.
458
Literatur: Saarland Museum, Alte Sammlung in der Stiftung Saarländischer Kulturbesitz,
eine Auswahl, Saarbrücken 1984 (o.a.A.), S. 72 und 74 (als eigenhändige Werke Trautmanns)
- Katalog Saarbrücken 1995, S. 271, Nr. 142 und 143 (als Zuschreibungen an Trautmann).
Abbildungen: Saarland Museum 1984 (s.o.), S. 73 und 75.
Gc 48
Brand in einem Dorf
Gruppe der „kleinen Feuersbrünste“ (?)
Öl auf Holz
25 x 22 cm
Standort unbekannt
Das nur aufgrund einer schlechten Reproduktion bekannte Gemälde zeigt ein brennendes
Dorf, vor dem eine aus einem Tor und einen Turm mit Kegeldach gebildete Befestigungsanlage liegt. Die Formen der Gebäude, der schematisch wiedergegebene Feuerschein sowie die
kleinen, steif in einer Reihe marschierenden Staffagefiguren lassen an eine Zuordnung zur
Gruppe der „kleinen Feuersbrünste“ denken.
Abbildung: Schubart 1896, Tafel neben S. 134.
Gc 49
Brennende Stadt*
unbekannter Maler des 18. Jh.
Öl auf Leinwand
36,6 x 42 cm
Düsseldorf, Goethe-Museum
Inv. Nr. NW/1964
Das Gemälde unterscheidet sich deutlich von den Feuersbrünsten Trautmanns, wenn darin die
Ansicht einer brennenden Stadt von erhöhtem Standort geschildert wird. Den Vordergrund
rahmen Architekturelemente wie ein silhouettenhafter Turm und Mauerreste, den Mittelgrund
bildet eine platzartige Zone, dahinter ragen zahlreiche, kürzelhafte Gebäude auf, die überall in
hellen Flammen stehen. Die rotglühende Himmelszone ist größtenteils von dunklen Qualmwolken erfüllt.
Die Wirkung wird wesentlich durch das Kolorit in roten und schwarzen Tönen bestimmt. Die
aus hellblauen, weißen, rosafarbenen und beigen Farbtupfen gebildeten, lebhaft bewegten
Staffagefiguren setzen zusätzliche Akzente, der Wiedergabe der Lichtwirkung wird hingegen
nur mäßige Aufmerksamkeit beigemessen. Diese Eigenheiten verdeutlichen, daß das Gemälde
weder von Trautmann selbst stammt, noch der Gruppe der „kleinen Feuersbrünste“ zuzurechnen ist und eine nähere Bestimmung noch aussteht.
459
Literatur: Katalog Düsseldorf 1993, S. 25, Nr. I,19.
Abbildung: Katalog Düsseldorf 1993, S. 43.
Gc 50
Brennende Stadt mit Aeneas und Anchises*
unbekannter Maler des 18. Jh.
Öl auf Leinwand
16 x 20 cm
Frankfurt, Freies Deutsches Hochstift, Frankfurter Goethehaus
Inv. Nr. IV/1704
Provenienz: Frankfurt, Sammlung Johann Georg Mohr, erworben 1938
Vor einem rötlich überschienenen Hintergrund ragt mittig ein runder, brennender und bereits
einstürzender Turm empor, der dunkle Rauchwolken in den Himmel entsendet. Rechts flüchten Figuren mit erhobenen Armen, an verschiedenen anderen Stellen deuten schemenhafte
Köpfe fliehende Menschenmassen an. Rechts vorne trägt ein Mann einen Greis auf seinen
Schultern von der Unglücksstelle fort und wird aufgrund seiner Haltung als Aeneas mit seinem Vater Anchises erkennbar.
Die kulissenhafte Komposition, das aus Rot, Schwarz und wenig Gelb gebildete Kolorit und
die oberflächliche, fahrige Ausführung läßt zunächst an Werke der Gruppe der „kleinen
Feuersbrünste“ denken, gegenüber denen jedoch die Durchbildung und die Bewegung der
Staffagefiguren differiert. Eine genauere Bestimmung des wenig qualitätvollen Gemäldes
wird durch fehlende Vergleichsbeispiele erschwert.
Literatur: Beutler 1949, S. 20 - Katalog Frankfurt 1982 a, S. 183, Nr. 294 - Schweers
1982, Bd. II, S. 1021 (sämtlich als Werk J.G. Trautmanns).
Abbildung: Katalog Frankfurt 1982 a, S. 184.
460
Gc 51
Nächtliche Feuersbrunst*
unbekannter Malers des 18. Jh.
Gc 52
Nächtliche Feuersbrunst*
Öl auf Holz
Pendants, jeweils 18 x 26 cm
Auf [Gc 52] rückseitig ein Klebezettel mit der Aufschrift von fremder Hand „Brand am Tor
von Bergen durch die Franzosen in Brand geschossen 1754 gemahlt von Trautmann. Dieses
Bild befand sich in der vorm. Ettling'schen Sammlung zu Frankfurt a/m und kam durch Kauf
an mich im Jahr 1829“, darunter von anderer Hand „Trautmann“
Privatbesitz Berlin
Provenienz: angeblich Frankfurt, Sammlung Ettling - Köln, Sammlung Großkopf Kunsthandel Frankfurt, Rudolf Bangel, angeboten 1925
Das erste Gemälde zeigt den Brand einer schloßartigen Architektur. Links verdeckt ein verfallener Torbogen halb ein brennendes Gebäude, das von einem berstenden Turm überragt wird.
Im Vordergrund deuten steif bewegte Staffagefiguren auf die Unglücksstelle hin, andere
laufen darauf zu. Rechts schließt sich der Ausblick in eine hügelige Landschaft an. Dunkle
Wolken, einschlagende Blitze und ein zerzauster Baum deuten eine Gewitterstimmung an.
Das Gegenstück gibt entsprechend die Ansicht eines erhöht gelegenen Dorfes wieder, vor
dem ein brennendes Tor liegt und das wiederum von zahlreichen Staffagefiguren beobachtet
wird.
Beide Gemälde ähneln im Bildaufbau sowie in verschiedenen Detailmotiven den Feuersbrünsten Trautmanns. Auffallend sind jedoch die wenig inspirierte Ausarbeitung der Details, die
unsichere Perspektive sowie die eher schematische Lichtführung. Auch die steif bewegten
Staffagefiguren, deren Kleidung teilweise der Mode des zweiten Drittels des 18. Jahrhunderts
entspricht, lassen eine Autorenschaft Trautmanns wenig glaubhaft erscheinen.
Ausstellung: Berlin 1949, Schloß Charlottenburg, Ausstellung zum 200. Geburtstag
Johann Wolfgang von Goethes.
Literatur: Katalog der Auktion bei Bangel, Frankfurt, vom 5.6.1925, Nr. 150 und 151 Thieme-Becker, Bd. 33, 1939, S. 356 - Rave 1959, S. 30.
Abbildungen: Auktionskatalog Bangel 1925 (s.o.) - Rave 1950, S. 25, Abb. 1 und 2.
461
Gc 53
Feuersbrunst in einem Dorf
Johann Martin Däubler
Gouache auf Pappe
17 x 21 cm
Weimar, Kunstsammlungen zu Weimar
Inv. Nr. KK 4189
Die Gouache stellt ein kleines, nächtens brennendes Dorf dar. Im Mittelgrund steht ein Fachwerkhaus in hellen Flammen und entsendet dicke, Funken sprühende Qualmwolken in den
Himmel. Die übrigen Häuser erscheinen dagegen gänzlich unversehrt. Staffagefiguren
löschen den Brand, indem sie Wasser aus einem Teich schöpfen und zur Brandstelle tragen.
Die rechte Hälfte der Komposition ist mit ruhig erzählenden Personen im Vordergrund sowie
zwei schreitenden Mönchen dahinter staffiert.
Die Gouache unterscheidet sich von Feuersbrünsten Trautmanns durch die locker gefügte
Komposition sowie abweichende Detailmotive wie die gedrungenen Häuser in Fachwerkkonstruktion über Steingeschoß. Auffallend sind weiterhin die kleinen, relativ hölzern bewegten
Staffagefiguren, insbesondere der laufende Mann mit einer über der Schulter getragenen
Stange im Mittelgrund, aber auch ein knorriger Baum mit Stammaustrieb und toten Ästen.
Entsprechende Details finden sich in einer signierten „Feuersbrunst“ des Nürnberger Malers
Johann Martin Däubler (angeboten im Kunsthandel Frankfurt 1989, vgl. Katalog Frankfurt
1989, S. 102, Nr. 112, mit Abb.). Da zudem der teils streifig angelegte, teils hingetupfte Farbauftrag in beiden Werken große Ähnlichkeit besitzt, kann die Autorenschaft Däublers auch
für das Weimarer Blatt angenommen werden.
Literatur: Bangel 1914, S. 164 - Thieme-Becker, Bd. 33, 1939, S. 355 - Bénézit 1976,
Bd. 10, S. 261.
Gc 54 siehe Nachtrag
462
VERSCHOLLENE UND NICHT IDENTIFIZIERBARE GEMÄLDE
Religiöse Darstellungen: Altes Testament
Gd 1
Die Zerstörung Sodoms
Öl auf Leinwand
15,5 x 15,5 cm
Kunsthandel Köln, Auktionshaus Lempertz, 582. Auktion vom 21. und 23.5.1981
Eine Darstellung Trautmanns zum gleichen Thema, jedoch von abweichender Größe befindet
sich in Mainzer Privatbesitz [G 1].
Literatur: Katalog der Auktion bei Lempertz, Köln, vom 21. und 23.5.1981, S. 24,
Nr. 156.
Gd 2 und Gd 3
„Zwei Szenen aus der Geschichte des Isaak“
Technik und Größe unbekannt
ehemals Paris, Sammlung Tondu, verkauft 1865
Über die Werke sind keine weiteren Einzelheiten bekannt.
Literatur: Bénézit 1976, Bd. 10, S. 261.
Gd 4
Die Anbetung des goldenen Kalbes
„Umkreis des J. G. Trautmann“
Öl auf Holz
36 x 48 cm
Kunsthandel London, Christie's South Kensington, Auktion vom 26.10.1989
Über das Werk sind keine weiteren Einzelheiten bekannt.
Literatur: The Art Price Index, Bd. 2, 1989/90, S. 2374.
463
Neues Testament
Gd 5
Die Anbetung der Könige
Öl auf unbekanntem Bildgrund
3 Schuh 11 Zoll x 3 Schuh 6 Zoll (ca. 105 x 117,5 cm)
ehemals Frankfurt, Sammlung Friedrich Karl von Moser, versteigert am 14. Juli 1781,
zugeschlagen für 7 Gulden 45 Kreuzer an einen unbekannten Käufer
Literatur: Katalog Frankfurt 1781 b, Nr. 5.
Gd 6
„Christus lehrend im Tempel, von sehr schöner Composition und stark, mit vielen Figuren
im Rembrandtischen Geschmack“
Öl auf unbekanntem Bildträger
1 Schuh 7 1/2 Zoll x 1 Schuh 3 1/2 Zoll (ca. 48,5 x 38,5 cm)
versteigert am 27. September 1779 in Frankfurt durch J.A.B. Nothnagel, zugeschlagen für
36 Gulden an einen Herrn Becker
Literatur: Katalog Frankfurt 1779, Nr. 709.
Gd 7
Der barmherzige Samariter
Öl auf Holz
14 x 10 Zoll (etwa 35,5 x 25,5 cm)
ehemals Wiedenbrück, Sammlung Harsewinkel
Das Gemälde wurde 1794 (vgl. Literatur) wie folgt beschrieben: „Der Samaritan bringt den
unter die Mörder gefallenen halbtoten Menschen auf seinem Pferd in die Herberge. Ein
Nacht-stück, so durch ein Flambeau und Kerze erleuchtet wird und durch ein lebhaftes
angenehmes Kolorit und flotten Pinsel besonders sich ausnimmt“. Die Sammlung
Harsewinkel wurde um 1794 aufgelöst, über den Verbleib einzelner Werke sind keine
weiteren Details bekannt.
Literatur: Bartscher, Philip Ferdinand Ludwig: Beschreibung des Stifts- und
Landdechan-ten Florenz Karl Joseph Harsewinkel zu Wiedenbrück, Neudruck der Ausgabe
464
Holzminden 1784, herausgegeben und erläutert von Franz Flaskamp, Münster 1937 (=
Quellen und For-schungen zu Natur und Geschichte des Kreises Wiedenbrück, Heft 26), S.
21, Nr. 42 - Thieme-Becker, Bd. 33, 1939, S. 356.
Gd 8
Die Auferweckung des Lazarus
Größe und Technik unbekannt
vor 1763
ehemals Frankfurt, Sammlung Johann Caspar Goethe
Im Haushaltsbuch Johann Caspar Goethes findet sich unter dem Datum des 8. Februar 1763
ein Vermerk über die Ausgabe von 64 Gulden 48 Kreuzer für eine „Ta[bula] pict[a]
Resur[ectionis] Lazar[i]“. Das genannte Werk konnte bislang nicht identifiziert werden.
Weitere Gemälde Trautmanns werden in Goethes Ausgabenbuch ohne genaue Titelangabe
aufgelistet (vgl. S. 34).
Literatur: Robert Hering, Das Elternhaus Goethes und das Leben der Familie, in:
Voelcker 1932, S. 406.
Gd 9
Die Auferweckung des Lazarus
Technik unbekannt
23 Zoll 6 Linien x 18 Zoll 3 Linien
(ca. 63,5 x 49 cm)
ehemals Frankfurt, Städelsches Kunstinstitut, versteigert 1834
Provenienz: Frankfurt, Sammlung Johann Georg Grambs, dem Städelschen Kunstinstitut
gestiftet 1817
Die angegebenen Maße erlauben keine Identifizierung mit einer der heute bekannten
Versionen.
Literatur: Städel Inventar 1817, Nr. 632 - Bangel 1914, S. 134f. - Schmidt 1960, Anhang o.S. (zur Sammlung Grambs) - Katalog Frankfurt 1982 a, S. 182.
465
Gd 10
„Wie Christus den Kranken heilt“
Öl auf unbekanntem Bildträger
2 Schuh 4 Zoll x 2 Schuh (ca. 70 x 60 cm)
versteigert am 27. September 1779 in Frankfurt durch J.A.B. Nothnagel, zugeschlagen für
21 Gulden an Herrn Kaufmann aus Mainz
Literatur: Katalog Frankfurt 1779, Nr. 819.
Gd 11 und Gd 12
„Der Judaskuß und die Verläugnung Petri, zwey würkende Bilder mit viel Fleiß gemahlt
von Trautmann sen.“
Öl auf unbekanntem Bildträger
Pendants, jeweils 18 x 15 Zoll (ca. 45 x 37,5 cm)
ehemals Frankfurt, Sammlung Johann Friedrich Müller, versteigert am 26. September 1791;
der Käufer sowie der erzielte Preis sind nicht bekannt
Literatur: Katalog Frankfurt 1791, Nr. 246 und 247.
Gd 13
Kreuzigungsszene
Öl auf Leinwand
69 x 45 cm
monogrammiert „TM“ (ligiert)
datiert „1751“ auf einem Stein
ehemals Frankfurt, Privatbesitz, Sammlung Frau Richard (1914)
Provenienz: Sammlung des Bankiers Remigius Bansa, Frankfurt, versteigert am
30.5.1791, offenbar zurückerworben, im Besitz der Familie Richard seit 1881 nachweisbar
Das nicht nachweisbare Gemälde wird von Rudolf Bangel eingehend beschrieben. Demnach
entsprach die Komposition der allgemein üblichen Ikonographie einer Kreuzigungsszene mit
Assistenzfiguren. Weiterhin besaß das Gemälde laut Bangel eine dunkele, matte, in einen
„Sepiaton getauchte“ Farbgebung, während die Physiognomie der Figuren Trautmanns typenhafter Gesichtsbildung entsprach.
466
Ausstellungen: Frankfurt 1827, „Frankfurter Künstler“ - Frankfurt 1881, „Frankfurter
historische Kunstausstellung“ (vgl. Bangel 1914, S. 132, Anmerkung 1).
Literatur: Bangel 1914, S. 53, 132f; S. 163 - Schmidt 1960, Anhang o.S. (zur Sammlung
Bansa).
Gd 14
„Ein Engel auf dem Grabe Christi, wie er den Weibern erscheint, eines der
meisterhaftesten geistreich ausgeführten Gemälde von Trautmann“
Öl auf unbekanntem Bildträger
1 Schuh 11 Zoll x 1 Schuh 6 Zoll (ca. 57,5 x 45 cm)
versteigert am 27. September 1779 in Frankfurt durch J.A.B. Nothnagel, zugeschlagen für 40
Gulden an einen Maler namens Becker
Literatur: Katalog Frankfurt 1779, Nr. 731.
Gd 15
Die Auferstehung Christi
Öl auf Holz
ca. 62 x 50 cm
monogrammiert „TM“ (laut Literaturangabe)
ehemals Augsburg, Sammlung Johann Georg Deuringer (1810/1814)
Die „Skizze auf Holz“ zeigte nach der bei Bushart zitierten Katalogbeschreibung „die Verkündung des Engels, daß Christus erstanden seye. Die Verwirrung, worin die Wächter des
Grabes veraten, ist vortrefflich ausgedrückt“. Demnach könnte das Gemälde mit den beiden
bekannten, jedoch in den Maßen abweichenden Versionen [G 30] und [G 31] vergleichbar
sein.
Literatur: Kataloge der Sammlung Johann Georg Deuringer, Augsburg 1810, Nr. 236;
sowie Augsburg 1814, Nr. 238 (zitiert nach Bushart, o.a.A.) - Bushart 1963, S. 184,
Anm. 18.
467
Gd 16
„Zwey Jünger nach Emaus, ein Nachtstück“
Gd 17
„Das Gegenstück: Nicodemus bei Christus dem HErrn“
Öl auf unbekanntem Bildträger
Pendants, jeweils 1 Schuh x 6 Zoll (ca. 30 x 15 cm)
versteigert am 27. September 1779 in Frankfurt durch J.A.B. Nothnagel, zugeschlagen für
19 Gulden 45 Kreuzer an Johann Christian Kaller
Literatur: Katalog Frankfurt 1779, Nr. 202 und 203.
Gd 18
Die Jünger von Emmaus
Öl auf unbekanntem Bildträger
1 Schuh 3 1/2 Zoll x 1 Schuh 1 1/2 Zoll
ehemals Frankfurt, Sammlung Johann Noe Gogel, versteigert 1781 in Frankfurt, zugeschlagen
für 23 Gulden an Herrn Himmerich
Literatur: Katalog Frankfurt 1781 a, Nr. 13.
Gd 19
„Die Arbeiter im Weinberg“
Öl auf Leinwand
3 1/2 x 5 1/2 Schuh (ca. 95 x 155 cm)
ehemals Frankfurt, Sammlung Georg Wilhelm Bögner, versteigert 1778 in Frankfurt,
zugeschlagen für 6 1/2 Gulden an einen unbekannten Käufer
Der Titel ist offenbar als Hinweis auf eine Darstellung des Gleichnisses von den Abeiter im
Weinberg gemäß Mat 20,1-16 zu verstehen (vgl. die Jannuarius Zick zugewiesene Zeichnung;
Strasser 1994, S. 513, Nr. Za 18).
Literatur: Katalog Frankfurt 1778, Nr. 5 - Schmidt 1960, Anhang o.S. (zur Sammlung
Bögner).
468
Marienszenen, Heiligenszenen und Heiligenbildnisse
Gd 20
„Eine hl. Familie“
Öl auf unbekanntem Bildträger
2 Schuh 8 Zoll x 2 Schuh 1 Zoll (ca. 80 x 62,5 cm)
verteigert am 27. September 1779 in Frankfurt durch J.A.B. Nothnagel, zugeschlagen für
6 Gulden 45 Kreuzer an einen Maler namens Becker
Literatur: Katalog Frankfurt 1779, Nr. 330.
Gd 21
Maria mit dem Jesusknaben
Öl auf Leinwand
1 Schuh 5 1/2 Zoll x 1 Schuh 2 1/2 Zoll (ca. 44 x 36 cm)
ehemals Frankfurt, Sammlung Friedrich Karl von Moser, versteigert am 14. Juli 1781,
zugeschlagen für 7 Gulden 45 Kreuzer an einen unbekannten Käufer
Literatur: Katalog Frankfurt 1781 b, Nr. 61.
Gd 22 und Gd 23
„Der Apostel Petrus, keck und meisterhaft gemalt“,
sowie das Gegenstück: Der Apostel Paulus
Öl auf unbekanntem Bildträger
Pendants, jeweils 2 Schuh x 1 Schuh 6 1/2 Zoll (ca. 60 x 46 cm)
versteigert am 27. September 1779 in Frankfurt durch J.A.B. Nothnagel, zugeschlagen für 4
Gulden 45 Kreuzer an einen Maler namens Becker
Ob das Brustbild Petri mit der nur wenig größeren Darstellung [G 42] im Besitz des Freien
Deutschen Hochstifts Frankfurt identisch ist, läßt sich mangels weiterer Anhaltspunkte nicht
entscheiden.
Literatur: Katalog Frankfurt 1779, Nr. 536 und 537.
Gd 24
469
Der heilige Hieronymus
Öl auf Holz
2 Schuh 3 1/2 Zoll x 1 Schuh 8 1/2 Zoll (ca. 69 x 51 cm)
ehemals Frankfurt, Sammlung Friedrich Karl von Moser, versteigert am 14. Juli 1781,
zugeschlagen für 11 Gulden 15 Kreuzer an einen unbekannten Käufer
Literatur: Katalog Frankfurt 1781 b, Nr. 36.
Gd 25
„Der betende heilige Hieronymus beym Schein eines Lichtes in einer Felsenhöhle, eines
der bestausgeführten Bilder von Trautmann sen.“
Öl auf unbekanntem Bildträger
16 x 24 Zoll (ca. 40 x 60 cm)
ehemals Frankfurt, Sammlung Johann Friedrich Müller, versteigert am 26. September 1791,
der Käufer sowie der erzielte Preis sind nicht bekannt
Literatur: Katalog Frankfurt 1791, Nr. 440.
Profane Darstellungen: Antike Historie
Gd 26
„Die Eroberung und der Brand Trojas“
Technik und Größe unbekannt
ehemals „Sammlung Goldschmidt“, versteigert 1869 im Kunsthandel Paris
Über das Werk sind keine weiteren Einzelheiten bekannt.
Literatur: Bénézit 1976, Bd. 10, S. 261.
470
Gd 27
Der Brand Trojas
Technik und Größe unbekannt
ehemals Kusel, Sammlung des Bürgermeisters Röbel
Über das Werk sind keine weiteren Einzelheiten bekannt.
Literatur: Bamberger 1916, S. 189, Anm. 1.
Gd 28
„Roms Brand unter Nero“
„J. G. Trautmann zugeschrieben“
Öl auf Leinwand
4 Fuß 2 Zoll x 6 Fuß 2 Zoll (etwa 125 x 185 cm)
ehemals Prag, Chlumetzky'sche Gemäldesammlung (1863)
Für das Sujet der Darstellung ist innerhalb Trautmanns Oeuvre kein Vergleichsbeispiel bekannt. Die Zuschreibung an Trautmann läßt sich daher ebenso bezweifeln wie durch das für
Trautmann ausgesprochen große Format. Die Sammlung Chlumetzky wurde gegen Ende des
19. Jahrhunderts unter unbekannten Umständen aufgelöst (frdl. Mitteilung von Frau Hana
Seifertová, Nationalgalerie Prag, brieflich von 4.11.1992).
Literatur: Katalog der Chlumetzky'schen Gemälde-Sammlung in Prag, Prag 1863, S. 11,
Nr. 64 - Thieme-Becker, Bd. 33, 1939, S. 356.
Portraits
Gd 29
Selbstbildnis mit Palette
Öl auf Leinwand, auf Holz
28 x 21 cm
Kunsthandel Wiesbaden, Auktionshaus Weichmann, Auktion im August 1979 (frdl. Hinweis
der Kunsthandlung Füssl, München)
Über die Darstellung sind keine weiteren Einzelheiten bekannt.
Literatur: nicht bekannt.
471
Gd 30
Portrait des Landgrafen Friedrich Karl IV. von Hessen-Homburg
Gd 31
Portrait der Landgräfin Ulrike Louise von Hessen-Homburg
Öl auf Leinwand
Pendants, jeweils 75 x 60 cm
ehemals Friedberg, Schloß, nach 1918 Bad Homburg, Schloß, wahrscheinlich nach 1944 verschollen (frdl. Auskunft von Herrn Dräger, Verwaltung der Staatlichen Schlösser und Gärten
Hessen)
Bangel beschreibt beide Gemälde als stark nachgedunkelt und grob übermalt. Er datiert die
Portraits in die Zeit vor 1751, da in diesem Jahr der dargestellte Landgraf starb. Bangels
Zuschreibung der Gemälde an Trautmann basiert letztlich auf den sporadischen Angaben
Hüsgens, Trautmann habe Portraits des „letztverstorbenen Landgraf von Hessen-Homburg
und dessen noch lebender Gemahlin“ gefertigt. Diese Zuschreibung wird jedoch weder durch
Beobachtungen zur Stilistik noch durch weitere Argumenten untermauert. Von Trautmann
sind außer sein Selbstbildnis und einem eventuellen Portraits seines Sohnes keine Beispiele
aus dem Portraitfach bekannt. Somit erscheinen Zweifel angebracht, ob die von Bangel gesichteten und beschriebenen Werke tatsächlich mit den beiden von Hüsgen erwähnten Portraits identisch waren beziehungsweise ob diese tatsächlich von Trautmanns Hand stammten.
Literatur: Hüsgen 1780, S. 172 - Füssli 1779/1824, Bd. 2, S. 1932 - Bangel 1914,
S. 112, S. 163 - Jacobi, H.: Künstler und Kunstwerke im alten Homburg, 1944, Typoskript
im Besitz der Verwaltung der Staatlichen Schlösser und Gärten, Bad Homburg, S. 45.
Gd 32
„Bildnis eines Jägers“
Technik und Größe unbekannt
ehemals unbekannter Privatbesitz, versteigert am 23.2.1924 im Kunsthandel Paris
Über die Darstellung, die aufgrund ihrer Thematik ein singuläres Werk im Oeuvre Trautmanns darstellen würde, sind keine weiteren Details bekannt.
Literatur: Bénézit 1976, Bd. 10, S. 261.
472
Männer- und Frauendarstellungen nach der Phantasie
Gd 33
„Ein Kopf mit Turban und Harnisch“
Gd 34
„Ein Weibskopf mit Haarputz von weißen Federn“
Öl auf unbekanntem Bildträger
Pendants, jeweils 2 Schuh 2 Zoll x 2 Schuh (ca. 65 x 60 cm)
ehemals Frankfurt, Sammlung Georg Wilhelm Bögner, versteigert 1778 in Frankfurt, zugeschlagen für 33 Gulden an einen unbekannten Käufer
Literatur: Katalog Frankfurt 1778, Nr. 194 und 195 - Schmidt 1960, Anhang o.S. (zur
Sammlung Bögner).
Gd 35
„Ein kleiner Mannskopf“
„Johann Peter Trautmann“
Gd 36
„Das Gegenstück hierzu“
Öl auf unbekanntem Bildträger
Pendants, jeweils 8 x 6 Zoll (ca. 20 x 15 cm)
ehemals Frankfurt, Sammlung Georg Wilhelm Bögner, versteigert 1778 in Frankfurt, zugeschlagen für 3 Gulden an einen unbekannten Käufer
Literatur: Katalog Frankfurt 1778, Nr. 358 - Schmidt 1960, Anhang o.S. (zur Sammlung
Bögner).
Gd 37 und Gd 38
„Ein Türkisches Frauenzimmer“ und
„Ein Persisches Frauenzimmer“
Öl auf unbekanntem Bildträger
8 1/2 x 6 Zoll (ca. 20 x 15 cm)
versteigert am 27. September 1779 in Frankfurt durch J.A.B. Nothnagel, zugschlagen für
4 Gulden an Johann Philipp Mergenbaum
Literatur: Katalog Frankfurt 1779, Nr. 85.
473
Gd 39 und Gd 40
„Ein wohlausgemahlt und glühend colorierter alter Türkenkopf, im Geschmack des
Rembrandt“, sowie das Gegenstück
Öl auf unbekanntem Bildträger
2 Schuh 7 Zoll x 2 Schuh 2 Zoll (ca. 47,5 x 35 cm)
versteigert am 29. September 1779 in Frankfurt durch J.A.B. Nothnagel, zugeschlagen für
10 Gulden 30 Kreuzer an einen Maler namens Becker
Literatur: Katalog Frankfurt 1779, Nr. 276 und 277.
Gd 41 und Gd 42
Zwei bärtige Türken
Öl auf unbekanntem Bildträger
Pendants, jeweils 11 x 8 Zoll (ca. 27,5 x 20 cm)
versteigert am 27. September 1779 in Frankfurt durch J.A.B. Nothnagel, zugeschlagen für
2 Gulden 45 Kreuzer an Heinrich Sebastian Hüsgen
Literatur: Katalog Frankfurt 1779, Nr. 409 und 410.
Gd 43
„Ein Kopf in der Manier von Rembrandt“
Öl auf unbekanntem Bildträger
1 Schuh 3 Zoll x 1 Schuh 1 Zoll (ca. 37,5 x 32,5 cm)
versteigert am 27. September 1779 in Frankfurt durch J.A.B. Nothnagel, zugeschlagen für
4 Gulden 45 Kreuzer an den Maler Johann Daniel Bager
Literatur: Katalog Frankfurt 1779, Nr. 716.
Gd 44 und Gd 45
Zwei Türken
Öl auf unbekanntem Bildträger
Pendants, jeweils 9 1/2 x 8 Zoll (ca. 24 x 20 cm)
versteigert am 27. September 1779 in Frankfurt durch J.A.B. Nothnagel, zugeschlagen für
3 Gulden 30 Kreuzer an Herrn Kaufmann aus Mainz
Literatur: Katalog Frankfurt 1779, Nr. 739 und 740.
474
Gd 46 und Gd 47
„Ein alter Kopf in Rembrandts Manier“,
sowie das Gegenstück dazu
Öl auf unbekanntem Bildträger
Pendants, jeweils 5 x 4 1/2 Zoll (ca. 12,5 x 11 cm)
versteigert am 27. September 1779 in Frankfurt durch J.A.B. Nothnagel, zugeschlagen für
4 Gulden 30 Kreuzer an Herrn Mentzinger
Literatur: Katalog Frankfurt 1779, Nr. 783 und 784.
Gd 48
„Eine Zigeunerin“
Gd 49
„Ein Türkenkopf“
Öl auf unbekanntem Bildträger
Pendants, jeweils 7 x 5 1/2 Zoll (ca. 17,5 x 13,5 cm)
versteigert am 27. September 1779 in Frankfurt durch J.A.B. Nothnagel, zugeschlagen für
5 Gulden 44 Kreuzer an Herrn Kaufmann aus Mainz
Literatur: Katalog Frankfurt 1779, Nr. 813 und 814.
Gd 50 und Gd 51
„Ein Mannskopf mit halber Rüstung“,
sowie das Gegenstück dazu
Öl auf unbekanntem Bildträger
Pendants, jeweils 6 1/2 x 4 1/2 Zoll (ca. 16 x 11 cm)
versteigert am 27. September 1779 in Frankfurt durch J.A.B. Nothnagel, zugeschlagen für
4 Gulden 40 Kreuzer an Herrn Dehnhard
Literatur: Katalog Frankfurt 1779, Nr. 940 und 941.
475
Gd 52 und Gd 53
„Zwei alte Männer“
Öl auf unbekanntem Bildträger
Pendants, jeweils 6 x 5 Zoll (ca. 15 x 12,5 cm)
versteigert am 27. September 1779 in Frankfurt durch J.A.B. Nothnagel, zugeschlagen für
6 Gulden an den Maler Johann Gabriel Lentzner
Literatur: Katalog Frankfurt 1779, Nr. 960 und 661.
Gd 54 und Gd 55
„Ein alter Mannskopf, glühend gemahlt von Trautmann“,
sowie das Gegenstück dazu
Öl auf unbekanntem Malgrund
Pendants, jeweils 5 1/2 x 4 Zoll (ca. 23,5 x 20 cm)
versteigert am 27. September 1779 in Frankfurt durch J.A.B. Nothnagel, zugeschlagen für
4 Gulden 80 Kreuzer an einen Maler namens Becker
Literatur: Katalog Frankfurt 1779, Nr. 979 und 980.
Gd 56 und Gd 57
„Zwei Köpfe, aus Buch und Schrift lesend“
Öl auf unbekanntem Bildträger
Pendants, jeweils 15 Zoll 10 Linien x 15 Zoll 6 Linien (ca. 39,5 x 38,7 cm)
ehemals Frankfurt, Sammlung Johann Christian Kissner, versteigert am 27./28. Juni 1782,
zugeschlagen für 6 Gulden an einen unbekannten Käufer
Literatur: Katalog Frankfurt 1782, Nr. 132 und 133 - Schmidt 1960, Anhang o.S. (zur
Sammlung Kissner).
476
Gd 58 und Gd 59
„Zwey fleißige alte Köpfe, sehr gut in Licht und Schatten gemahlt von Trautmann sen.“
Öl auf unbekanntem Bildträger
Pendants, jeweils 7 x 6 Zoll (ca. 16,5 x 15 cm)
ehemals Frankfurt, Sammlung Johann Friedrich Müller, versteigert am 26. September 1791,
der Käufer sowie der erzielte Preis sind nicht bekannt
Literatur: Katalog Frankfurt 1791, Nr. 220 und 221.
Gd 60 und Gd 61
„Zwey mit besonderem Schmelz und Schönheit ausgeführte alte Köpfe in orientalischer
Tracht, von Trautmann sen.“
Öl auf unbekanntem Bildträger
Pendants, jeweils 10 x 7 Zoll (ca. 25 x 16,5 cm)
ehemals Frankfurt, Sammlung Johann Friedrich Müller, versteigert am 26. September 1791,
der Käufer sowie der erzielte Preis sind nicht bekannt
Literatur: Katalog Frankfurt 1791, Nr. 284 und 285.
Gd 62 und Gd 63
„Zwei alte Männer“
Öl auf Holz
Pendants, jeweils 6 x 5 pouces (etwa 15 x 12,5 cm)
Kunsthandel Hamburg, „Versteigerung bei Castell“ am 21.7.1824, Lose Nr. 344 bzw. 345
(nach den Exzerpten von Hofstede-de Groot im RKD)
Über beide Darstellungen sind keine weiteren Details bekannt.
Literatur: nicht bekannt.
477
Gd 64
„Ein Mann“
Gd 65
„Ein alter Mann mit Turban“
Öl auf Leinwand
Pendants, jeweils „21 x 18 pouces“ (etwa 52,5 x 45 cm)
ehemals Mannheim, Sammlung Freiherr Strauss Eckbrecht von Dürkheim, versteigert am 18.
und 19.4.1854 in Mannheim
Über beide Darstellungen sind keine weiteren Details bekannt.
Literatur: Catalogue de la Galerie de Tableaux et de quelques Gravures, etc., provenant
de la succession de feu M. le colonel en retraite Erasme Max de Durckheim, dont la vente se
fera par enchère publique le mardie 18 avril 1854, et jours suivants, [...] à Mannheim. Paris
Typographie Alexandre Lebon, Rue des Noyers, 1854, Nr. 25 bzw. Nr. 26 (zitiert nach
Tenner 1966) - Tenner 1966, S. 72.
Gd 66
Ein Mann mit Turban
Gd 67
Ein Mann, nach unten blickend
Öl auf Holz
Pendants, jeweils „20 pounces 7 lignes x 17 pounces 5 lignes“ (etwa 51,5 x 43,5 cm)
ehemals Mannheim, Sammlung Freiherr Strauss Eckbrecht von Dürkheim, versteigert am
18. und 19.4.1854 in Mannheim
Über beide Darstellungen sind keine weiteren Details bekannt.
Literatur: Catalog de la Galerie ... (vgl. Literatur zu [Gd 64] und [Gd 65]), Nr. 118 bzw.
Nr. 74 - Tenner 1966, S. 74.
478
Gd 68
Ein alter Mann
Technik und Größe unbekannt
ehemals „Sammlung Demidoff“, verkauft 1868 im Kunsthandel Paris
Über die Darstellung sind keine weiteren Details bekannt.
Literatur: Bénézit 1976, Bd. 10, S. 261.
Gd 69
Ein alter Mann mit orientalischer Kopfbedeckung
Öl auf Leinwand
37 x 29 cm
bezeichnet auf der Rückseite „Joh. G. Trautmann“ (laut Angabe in der Literatur)
ehemals Wien, Sammlung Bezirkshauptmann Alfred Bruckl (1908)
Über die Darstellung sind keine weiteren Informationen bekannt.
Literatur: Thietze, Ulrich und Sitte, Heinrich: Die Denkmale der Stadt Wien (XI.-XXI.
Bezirk), Wien 1908 (= Österreichische Kunsttopographie, Bd.II), S. 378, Nr. 26 - ThiemeBecker, Bd. 33, 1939, S. 356.
Gd 70
Ein Mann
Öl auf Holz
54 x 42 cm
ehemals Frankfurt, Sammlung H. Simon (1914)
Bangel beschreibt das heute nicht nachweisbare Gemälde als ein Gegenstück zu dem Männerkopf [G 59] im Frankfurter Goethe-Museum und datiert es in die 60er Jahre des 18. Jahrhunderts.
Literatur: Bangel 1914, S. 111, S. 165.
479
Gd 71
Ein Orientale
Gd 72
Eine Orientalin
Öl auf Leinwand
Pendants, jeweils 52 x 44 cm
ehemals Kassel, Königliche Galerie (1914), später Staatliche Kunstsammlungen Kassel, Neue
Galerie, seit einem unbekannten Zeitpunkt und unter unbekannten Umständen verschollen
(frdl. Aushunft von Marianne Heinz, Neue Galerie Kassel, brieflich vom 12.7.1991)
ehemals Inv.Nr. 666 bzw. 667
Bangel datiert beide Darstellungen in Trautmanns Schaffensperiode von 1752 bis 1759 und
beschreibt sie ausführlich. Als charakteristisch hebt er die schlaglichtartige Beleuchtung, den
phantastischen Kopfschmuck und das bräunlich getönte Inkarnat hervor. Abschließend vergleicht Bangel beide mit den Bildnissen aus dem Prehn'schen Kabinett [G 60] und [G 61].
Literatur: Parthey 1863, Bd. 2, S. 654, Nr. 19 und Nr. 23 - Katalog Kassel 1888,
S. 370f., Nr. 631 und Nr. 632 - Bangel 1914, S. 110, S. 164.
Gd 73
„Bildnis eines alten Mannes
in polnischer Tracht“
"Johann Peter Trautmann"
Technik und Größe unbekannt
ehemals Frankfurt, Sammlung Frau Gattmann (1914)
Laut Rudolf Bangels Bemerkungen handelte es sich bei der Darstellung um ein „wenig virtuoses Bild“.
Literatur: Bangel 1914, S. 94, Anm. 2.
Gd 74
Ein bärtiger alter Mann
„J.G. Trautmann zugeschrieben“
Öl auf Holz
Größe unbekannt
signiert und datiert „Rembrandt 1637 f“ auf einem angestückten Streifen am oberen Bildrand
(laut den Exzerpten von Hofstede-de Groot)
Privatbesitz London (1919)
480
Den Exzerpten von Hofstede-de Groot im RKD zufolge befand sich auf der Rückseite des
kleinformatigen Gemäldes ein aufgeklebter Brief vom amtierenden Direktor des Rijksmuseums Amsterdam vom 10.2.1910, der das Gemälde für ein Werk Rembrandts hielt. Eine
1920 gefertigte Expertise für den Besitzer des Gemäldes in London bezeichnete die Darstellung eines alten Mannes mit grauem Bart und einem Stoffbarett hingegen als ein „sehr
typisches Werk Trautmanns“.
Literatur: nicht bekannt.
Gd 75 und Gd 76
„Zwei alte Männer“
Öl auf Leinwand
Pendants, 25 x 18 cm
Kunsthandel Amsterdam, Versteigerung bei C.A. Begeer am 27.4.1920, Los Nr. 97.
Nach den Exzerpten von Hofstede-de Groot im RKD handelte es sich um „deux têtes de
vieillards dans une lumière rembrandtique“.
Literatur: nicht bekannt.
Gd 77 und Gd 78
„Zwei alte Männer“
„Malerei auf Spielkarten“
Pendants, Größe unbekannt
Privatbesitz Wiesbaden (1928)
Nach den Exzerpten von Hofstede-de Groot im RKD handelte es sich um zwei Greisenköpfe
„in Rembrandts Stil, so wie Trautmann sie in Deutschland und Palthe sie in unserem Land
gemacht hat“.
Literatur: nicht bekannt.
481
Gd 79
Ein Mann
Technik und Größe unbekannt
ehemals Wien, Sammlung Schröffl (1924)
Benesch beschreibt die Darstellung als „Orientalenkopf im Rembrandtstil“.
Literatur: Benesch 1924, S. 166 - Bushart 1963, S. 175 (als verschollen).
Gd 80 und Gd 81
Zwei alte Männer
Öl auf Holz
Pendants, jeweils 26 x 19 cm
Kunsthandel Frankfurt, Auktionshaus Wilhelm Ettle, Auktion vom 20. und 21.5.1941.
Über beide Darstellungen sind keine weiteren Einzelheiten bekannt.
Literatur: Kunstpreis-Jahrbuch des Weltkunst-Verlags, München 1940/41.
Gd 82
Ein Mann in orientalischer Tracht
Öl auf Holz
15,6 x 12,4 cm
monogrammiert: „TM“ (laut Katalogangabe)
Kunsthandel Köln, Auktionshaus Lempertz, 495. Auktion vom 14. und 18.11.1967
Laut Beschreibung des Auktionskataloges trug der Dargestelle einen braunen Wams mit
weißem Kragen sowie einen federgeschmückten Turban.
Literatur: Katalog der Auktion bei Lempertz, Köln, vom 14. und 18.11.1967, S. 37,
Nr. 316.
482
Gd 83
Ein bärtiger alter Mann mit Turban
Öl auf Leinwand
53 x 45 cm
Kunsthandel München, Auktionshaus Weinmüller, 150. Auktion vom 24. und 25.11.1973
Laut Beschreibung des Kataloges war der alte Mann als Brustbild wiedergegeben und hielt
ein Medaillon in der Hand.
Literatur: Katalog der Auktion bei Weinmüller, München, vom 24. und 25.10.1973,
S. 61, Nr. 747.
G 84
Ein Mann
(„Judas Iskariot“)
Öl auf Holz
30,5 x 23 cm
Kunsthandel München, Auktionshaus Neumeister, 168. Auktion vom 12. und 13.5.1976
Laut Beschreibung des Kataloges zeigte das Gemälde das frontale Brustbild eines bärtigen
und barhäuptigen Mannes, den Kopf dreiviertels nach links gewendet und in den Händen
einen Geldbeutel haltend. Die Darstellung wurde daher als ein Bildnis des Judas Iskiariot
gedeutet.
Literatur: Katalog der Auktion bei Neumeister, München, vom 12. und 13.5.1976,
S. 149, Nr. 1508.
Gd 85
Ein alter Mann mit Bart
Öl auf Holz
26 x 13 cm
Kunsthandel München, Auktionshaus Neumeister, 173. Auktion vom 1. und 3.12.1976
483
Laut Beschreibung des Auktionskataloges zeigte die Darstellung das frontale Brustbild eines
bärtigen Mannes, den Kopf ins Dreiviertelprofil gedreht, ein Pelzbarett und eine Jacke mit
Pelzkragen tragend.
Literatur: Katalog der Auktion bei Neumeister, München, vom 1. und 3.12.1976, S. 129,
Nr. 1347.
Gd 86
Ein bärtiger Alter mit Mütze
Öl auf Holz
25,5 x 19 cm
Kunsthandel München, Auktionshaus Neumeister, 173. Auktion vom 1. und 3.12.1976
Über die Darstellung sind keine weiteren Details bekannt.
Literatur: Katalog der Auktion bei Neumeister, München, vom 1. und 3.12.1976, S. 129,
Nr. 1348.
Genredarstellungen: Einfigurige Szenen
Gd 87
„Eine alte Matrone mit Brille und Buch in den Händen“
Öl auf unbekanntem Bildträger
1 Schuh 9 Zoll x 1 Schuh 3 1/2 Zoll (ca. 52,5 x 38,5 cm)
ehemals Frankfurt, Sammlung Johann Noe Gogel, versteigert 1781 in Frankfurt, zugeschlagen
für 5 Gulden 15 Kreuzer an den Maler Johann Gabriel Lentzner
Literatur: Katalog Frankfurt 1781 a, Nr. 45.
Gd 88
Der Wucherer
Technik unbekannt (Öl auf Holz?)
45 x 39 cm
ehemals München, Bayerische Staatsgemäldesammlung, verschollen seit 1949
ehemals Inv. Nr. 2844
484
Provenienz: 1817 von Max I. für die Münchner Königliche Gemäldegalerie „aus Salzburg“
erworben
Walter Gräff (Katalog Speyer 1927) beschreibt das Gemälde wie folgt: „Der Mann sitzt vor
teppichbelegtem Arbeitstisch, in der Rechten die Waage, in der Linken den Geldbeutel.
Kniestück nach rechts“. Das Gemälde stellt offenbar ein Pendant zu Trautmanns Münchner
Gemälde „Die Geizige“ [G 77] dar und befand sich seit 1869 in der Speyerer Staatsgalerie
und seit 1925 im Heimatmuseum Zweibrücken, wo es nach Kriegsende vermißt wurde.
Literatur: Reber 1911, S. 121 - Katalog Speyer 1927, S. 88, Nr. 844 - Thieme-Becker,
Bd. 33, 1939, S. 355 (unter Zweibrücken) - Rogner 1965, S. 165 - Bénézit 1976, Bd. 10,
S. 261 (unter Zweibrük-ken) - Schweers 1986, S. 331 (unter München).
Gd 89
Die Lautenspielerin
Öl auf Holz
8,5 x 7,5 Zoll (ca. 20 x 24 cm)
ehemals Greifswald, Lehrsammlung der Universität (?)
Das Gemälde wurde von G. Parthey beschrieben als Darstellung einer „alten Frau, die Laute
spielend, bei grellem Lampenlicht“. Es soll sich, einer Mitteilung Karl Theodor Pyls zufolge,
in der Studiensammlung der Greifswalder Universität befunden haben. Ein entsprechendes
Gemälde wird jedoch in den späteren Inventarlisten der Sammlung nicht erwähnt und befindet
sich auch heute nicht im Besitz der Ernst-Moritz-Arndt-Universität (frdl. Mitteilung von Susann Wamser, Kustodie der Greifswalder Universitätssammlungen, brieflich vom 20.1.1995).
Literatur: Parthey 1863, Bd. 2, S. 654, Nr. 22.
Genredarstellungen: Zwei- und dreifigurige Szenen
Gd 90
„Eine Magd, welche an einem Feuerbrand ein Licht ansteckt“
Gd 91
„Ein Mann zündet einer Frau das Licht mit einem Schwefelfaden an“
Öl auf unbekanntem Bildträger
Pendants, jeweils 6 x 5 Zoll (ca. 15 x 12,5 cm)
versteigert am 27. September 1779 in Frankfurt durch J.A.B. Nothnagel, zugeschlagen für
485
5 Gulden 30 Kreuzer an Herrn Kaufmann aus Mainz
Literatur: Katalog Frankfurt 1779, Nr. 588 und 589.
Gd 92
„Ein Bauernbecker, welcher zur Nacht mit Backen an seinem Ofen beschäftigt ist“
Gd 93
„Musikanten bettelnd vor einem Haus bei Nacht“
Öl auf unbekanntem Bildträger
Pendants, jeweils 6 x 7 Zoll (ca. 15 x 17,5 cm)
versteigert am 27. September 1779 in Frankfurt durch J.A.B. Nothnagel, zugeschlagen für
15 Gulden 15 Kreuzer an einen Maler namens Becker
Literatur: Katalog Frankfurt 1779, Nr. 658 und 659.
Gd 94
Dreifigurige Szene mit einem Galanteriewarenhändler
Gd 95
Dreifigurige Szene mit einem Rattenfänger
Öl auf unbekanntem Bildträger
Pendants, jeweils 11 Zoll x 9 Zoll (ca. 27,5 x 22,5 cm)
ehemals Frankfurt, Sammlung Johann Christian Kissner, versteigert am 27. und 28. Juni
1782, zugeschlagen für 2 Gulden 18 Kreuzer an einen unbekannten Käufer
Literatur: Katalog Frankfurt 1782, Nr. 217 und 218 - Schmidt 1960, Anhang o.S. (zur
Sammlung Kissner).
Gd 96
Zwei Frauen und ein Junge mit einer Mausefalle
Gd 97
Zwei Männer und eine singende Frau
Technik und Größe unbekannt
486
ehemals Frankfurt, Städelsches Kunstinstitut. [Gd 96] wurde 1817 im Tausch an L. Arbeiter,
[Gd 97] hingegen 1818 im Tausch an „Bandinelli“ veräußert
Provenienz: Frankfurt, Sammlung Johann Friedrich Städel, dem Städelschen
Kunstinstitut gestiftet 1817
Literatur: Verzeichnis der Gemälde des Herrn Johann Friedrich Staedel mit den Plänen
der Aufstellung in dessen Haus auf dem Rossmarkt in Frankfurt a. M., verfasst vor seinem
1816 erfolgten Tode, Manuskript im Besitz des Städelschen Kunstinstitutes Frankfurt,
Nr. 210 und 211 - Städel Inventar 1817, Nr. 210 und 211 - Katalog Frankfurt 1991, S. 89f.,
S. 107.
Genredarstellungen: Wirtshausszenen, Fröhliche Gesellschaften und verwandte Darstellungen
Gd 98 und Gd 99
„Das Inwendige einer Bauernstube, mit einigen niederländischen Bauernfiguren, ein
Nachtstückgen“, sowie das Gegenstück dazu
Öl auf unbekanntem Bildträger
Pendants, jeweils 6 x 4 1/2 Zoll (ca. 15 x 11 cm)
versteigert am 27. September 1779 in Frankfurt durch J.A.B. Nothnagel, zugeschlagen für
6 Gulden 15 Kreuzer an einen Maler namens Becker
Literatur: Katalog Frankfurt 1779, Nr. 430 und 431.
Gd 100
„Eine Malerhaushaltung“
Öl auf unbekanntem Bildträger
9 x 7 Zoll (ca. 22,5 x 17,5 cm)
versteigert am 27. September 1779 in Frankfurt durch J.A.B. Nothnagel, zugeschlagen für
4 Gulden 15 Kreuzer an Herrn Kaufmann aus Mainz
Literatur: Katalog Frankfurt 1779, Nr. 755.
487
Gd 101 und Gd 102
„Bauerngesellschaft, Karten spielend“,
sowie das Gegenstück dazu
Öl auf unbekanntem Bildträger
Pendants, jeweils 4 x 3 1/2 Zoll (ca. 10 x 9 cm)
versteigert am 27. September 1779 in Frankfurt durch J.A.B. Nothnagel, zugeschlagen für
3 Gulden an den Maler und Kunsthändler Mevius
Literatur: Katalog Frankfurt 1779, Nr. 886 und 887 - Schmidt 1960, Anhang o.S. (zur
Sammlung Mevius).
Gd 103
„Tanzende Bauern“
Öl auf unbekanntem Bildträger
9 1/2 Zoll x 1 Schuh (ca. 24 x 30 cm)
versteigert am 27. September 1779 in Frankfurt durch J.A.B. Nothnagel, zugeschlagen für
3 Gulden 20 Kreuzer an Herrn Dr. Siegler
Literatur: Katalog Frankfurt 1779, Nr. 971.
Gd 104 und Gd 105
„Ein Nachtstück, Bauern und Soldaten beim Trinken“,
sowie das Gegenstück dazu
Öl auf unbekanntem Bildträger
Pendants, jeweils 2 Schuh 8 Zoll x 2 Schuh 2 1/2 Zoll (ca. 80 x 66 cm)
versteigert am 27. September 1779 in Frankfurt durch J.A.B. Nothnagel, zugeschlagen für
17 Gulden an Herrn Kaufmann aus Mainz
Literatur: Katalog Frankfurt 1779, Nr. 520 und 521.
488
Gd 106 und Gd 107
„Zwey nächtlich beleuchtete Bauernställe, mit großem Fleiß und Schönheit verfertigt von
Trautmann sen.“
Öl auf unbekanntem Bildträger
Pendants, jeweils 7 x 6 Zoll (ca. 16,5 x 15 cm)
ehemals Frankfurt, Sammlung Johann Friedrich Müller, versteigert am 26. September 1791,
der Käufer sowie der erzielte Preis sind nicht bekannt
Literatur: Katalog Frankfurt 1791, Nr. 235 und 236.
Gd 108 und Gd 109
„Zwey mit Ausdruck und viel Fleiß gemahlte Bauernstücke“
Öl auf unbekanntem Bildträger
Pendants, jeweils 7 x 6 Zoll (ca. 17,5 x 15 cm)
ehemals Frankfurt, Sammlung Johann Friedrich Müller, versteigert am 26. September 1791,
der Käufer sowie der erzielte Preis sind nicht bekannt
Literatur: Katalog Frankfurt 1791, Nr. 465 und 466.
Gd 109
„Familiengruppe“
Technik und Größe unbekannt
ehemals Würzburg, Sammlung J.J. von Hirsch (1863)
Über die Darstellung sind keine weiteren Einzelheiten bekannt.
Literatur: Parthey 1863, Bd. 2, S. 654, Nr. 11.
Gd 110 und Gd 111
„Zwei Bauernfamilien bei nächtlicher Beleuchtung“
Öl auf Leinwand
Pendants, jeweils 2 Fuß 7 Zoll x 2 Fuß 1 Zoll (ca. 77,5 x 62,5 cm)
ehemals Darmstadt, Großherzogliches Museum (heute Landesmuseum)
489
Die beiden Gemälde wurden offenbar bereits vor 1842 wieder veräußert, da sie in dem Katalog des Museums aus diesem Jahr nicht mehr aufgeführt werden.
Literatur: Franz Hubert Müller, Beschreibung der Gemäldesammlung in dem
großherzog-lichen Musäum zu Darmstadt, Darmstadt 1820 - Bangel 1914, S. 66f. (als
verschollen).
Gd 112 und Gd 113
„Zwei nächtliche Genreszenen“
Öl auf Eichenholz
Pendants, jeweils 26 x 30 cm
ehemals Speyer, Historisches Museum der Pfalz (vor 1945)
Inv. Nr. H.M. 49 bzw. H.M. 50
Beide Gemälde gelten laut Rogner nach den Plünderungen am Auslagerungsort Germersheim
im Jahr 1945 als verschollen. Gräff charakterisiert die Darstellungen im Katalog Speyer 1927
als Spätwerke Trautmanns und beschreibt [Gd 112] wie folgt: „am offenen Herdfeuer sitzt
beim Schein einer Kerze ein Mann mit Krug, hinter ihm unterhalten sich eine Frau und ein
Mann“, und weiterhin [Gd 113]: „zwei Männer und eine Frau beim Schein einer Kerze. Rückwärts ein offener Kamin“.
Literatur: Katalog Speyer 1927, S. 88, Nr. HM 49 und HM 50 - Thieme-Becker, Bd. 33,
1939, S. 355 - Rogner 1965, S. 174 (als verschollen) - Bénézit 1976, Bd. 10, S. 261 (unter
Speyer).
Gd 114
Wirtshausszene mit brieflesender Frau
Gd 115
Wirtshausszene
Öl auf Holz
Pendants, 39 x 54 cm
angeblich beide signiert am unteren Rand
Kunsthandel Zürich, Auktionshaus Keller, 33. Auktion im Mai 1975
Über beide Werke sind keine weiteren Einzelheiten bekannt.
Literatur: nicht bekannt.
490
Gd 116
„Beim Briefelesen“
Öl auf Leinwand
46,5 x 37,5 cm
monogrammiert „TM“ (ligiert) auf dem Brief (laut Katalogangabe)
Kunsthandel Köln, Auktionshaus Lempertz, 585. Auktion vom 11. und 17.11.1981
Das Gemälde zeigte laut Katalogbeschreibung vor dunklem Bildgrund rechts ein junges Mädchen, einen Brief vorlesend, und links eine Frau mit einer Kerze. Dahinter standen ein Mann
und ein kleiner Junge.
Literatur: Katalog der Auktion bei Lempertz, Köln, vom 11. und 17.11.1981, S. 33,
Nr. 246.
Genredarstellungen: Fahrende Händler und verwandte Darstellungen
Gd 117
Der Scherenschleifer
Gd 118
Der Küfer
Öl auf Holz
Pendants,22 x 29,5 cm [Gd 117] bzw. 21 x 30 cm [Gd 118]
[Gd 117] rechts monogrammiert (lt. Bangel)
ehemals Frankfurt, Sammlung Heinrich Stieben (1914)
Provenienz: Frankfurt, Städelsches Kunstinstitut, versteigert am 4.12.1826
Rudolf Bangel datiert beide Gemälde in Trautmanns Schaffensperiode vor 1751 und sieht
darin Trautmanns erste Versuche der Gestaltung ganzfiguriger Kompositionen. In seiner ausführlichen Beschreibung bemängelt er am „Scherenschleifer“ die unbeholfene Perspektive
und Lichtführung, während er bei der Darstellung des „Küfers“ eine bereits verbesserte,
effekt-volle Beleuchtung und eine Auseinandersetzung mit der Malerei Rembrandts erkennen
will.
Literatur: Katalog der Auktion im Städel vom 4.12.1826 - Bangel 1914, S. 114-117,
S. 163.
491
Gd 119
Die Laterna Magica
Gd 120
Der Guckkastenmann
Öl auf Leinwand
Pendants, jeweils 22 x 19 cm
ehemals Frankfurt, Sammlung Professor Riese (1914)
Bangel datiert beide Darstellungen in die Jahre 1762 - 1769. In seiner ausführlichen Beschreibung lobt er das Kolorit in weichen Brauntönen und gebrochenen Farben, die „zarte Pinselführung“ sowie die effektvolle Beleuchtung.
Literatur: Bangel 1914, S. 126-128, S. 164.
Gd 121
Der Zahnbrecher
„Schule des J.G. Trautmann“
Technik und Größe unbekannt
ehemals unbekannter Privatbesitz, versteigert am 1.3.1950 im Kunsthandel Paris
Über das Werk sind keine weiteren Einzelheiten bekannt.
Literatur: Bénézit 1976, Bd. 10, S. 261.
Genredarstellungen: Räuber-, Zigeuner- und Soldatenszenen
Gd 122
„Eine Wahrsagerin [...] mit ein paar jungen Leuten“
Gd 123
„Zigeuner und eine Schäferin“
Öl auf unbekanntem Bildträger
Pendants, jeweils 9 1/2 x 7 12 Zoll
versteigert am 27. September 1779 in Frankfurt durch J.A.B. Nothnagel, zugeschlagen für
6 Gulden an Herrn Mund
Literatur: Katalog Frankfurt 1779, Nr. 556 und 557.
492
Gd 124
Räuber beim Nachtmahl
Öl auf Holz
„Höhe 16, Breite 19“ (Zoll? Maßeinheit fehlt)
Kunsthandel Paris, Michalon, Auktion vom 30.3. bis zum 4.4.1818, Los Nr. 212
Beschreibung nach den Exzerpten von Hofstede-de Groot im RKD: „Des voleurs, rassemblés
dans leur repaire, examinent, à la clarté d'un torche, les effets que renfermait un coffre dont ils
viennent de se saisir. Pendant ce tems, deux hommes de leur bande, armés de fusils, sont en
sentinelle sur le haut d'un mur. Ailleurs est une femme qui leur prépare à souper. Ce tableau,
d'une touche spirituelle et d'un grand effet, a quelque chose de la manière de Diétrick.“
Nach dieser Beschreibung könnte die Darstellung mit dem Gemälde im Historischen Museum
Frankfurt [G 130] vergleichbar sein.
Literatur: nicht bekannt.
Gd 125
Nächtlicher Überfall
Öl auf Holz
36 x 42 cm
ehemals Frankfurt, Kunsthandlung Mela (1914)
Bangel datiert das Gemälde in die Jahre 1762 bis 1769. Weitere Details über das Werk sind
nicht bekannt.
Literatur: Bangel 1914, S. 165.
Gd 126
Räuber beim Verteilen ihrer Beute
Gd 127
Räuber bei ihrer Mahlzeit
Öl auf Eichenholz
Pendants, jeweils 22 x 26 cm
Standort und Provenienz unbekannt
493
Den Titeln zufolge könnten beide Gemälde den in Bamberg ausgestellten, jedoch deutlich
größeren Darstellungen [G 141] und [G 142] ähneln.
Ausstellung: München, Nürnberg und Kaiserslautern 1928, „Pfälzer Kunst von Churfürst
Carl Theodor bis zu Gegenwart“.
Literatur: Katalog München 1928, S. 75, Nr. 399 bzw. Nr. 400 - Feulner 1929, S. 200 Thieme-Becker, Bd. 33, 1939, S. 356.
Gd 128
Streitende Soldaten und Frauen
„J. G. Trautmann zugeschrieben“
Technik und Größe unbekannt
Kunsthandel Düsseldorf, Galerie E. Lingenauber - Kunsthandel Mailand, Galeria Roberto
Rossi
Über das Werk sind keine weiteren Angaben bekannt. Weiterhin ließen sich weder der Zeitpunkt, noch genauere Umstände des Verkaufs feststellen.
Literatur: nicht bekannt
Genredarstellungen: Markt- und Dorfszenen
Gd 129
Geflügelmarkt
Gd 130
Krautmarkt
Öl auf unbekannten Bildträger
Pendants, jeweils 7 x 9 Zoll (ca. 17,5 x 22,5 cm)
ehemals Frankfurt, Sammlung Boltz, versteigert am 9. November durch J. Juncker und
J.C. Kaller, zugeschlagen für 25 Gulden an den Maler und Kunsthändler Mevius
Literatur: Katalog Frankfurt 1763, Nr. 184 und 185 - Schmidt 1960, Anhang o.S. (zur
Sammlung Mevius).
494
Gd 131
Fischmarkt
Öl auf unbekanntem Bildträger
9 3/4 x 15 Zoll (ca. 24 x 37,5 cm)
versteigert am 2. August 1784 in Frankfurt durch J.A.B. Nothnagel, zugeschlagen für
4 Gulden an einen unbekannten Käufer
Das Gemälde Trautmanns bildete ein Pendant zu dem gleichgroßen „Gemüsemarkt“ eines
Malers namens Meyer (vgl. hierzu S. 256f.).
Literatur: Katalog Frankfurt 1784, Nr. 363.
Gd 132 und Gd 133
„Ein Kirchweyfest und Jahrmarkt, mit vielen Figuren“
Öl auf unbekanntem Bildträger
Pendants, 20 x 25 Zoll (ca. 50 x 62,5 cm)
vesteigert am 2. August 1784 in Frankfurt durch J.A.B. Nothnagel, zugeschlagen für
40 Gulden an einen unbekannten Käufer
Literatur: Katalog Franfurt 1784, Nr. 509 und 510.
Gd 134
Jahrmarkt in einem Dorf
Technik und Größe unbekannt
ehemals unbekannter Privatbesitz, verkauft am 14.12.1908 im Kunsthandel Paris
Über das Werk sind keine weiteren Details bekannt.
Literatur: Bénézit 1976, Bd. 10, S. 261.
495
Gd 135
„Ländliches Fest“
Technik und Größe unbekannt
ehemals unbekannter Privatbesitz, verkauft am 4.2.1924 im Kunsthandel Paris
Über das Werk sind keine weiteren Details bekannt.
Literatur: Bénézit 1976, Bd. 10, S. 261.
Landschaft
Gd 136
„Eine Reyherbeitze, in einer angenehmen Landschaft, mit weiteren Figuren“
Öl auf unbekanntem Bildträger
40 1/2 x 55 Zoll (ca. 101,5 x 137,5 cm)
versteigert am 2. August 1784 in Frankfurt durch J.A.B. Nothnagel, im Katalog sind keine
Preis- und Käuferangaben vermerkt
Die für Trautmann ungewöhnliche Thematik sowie das sehr große Format des lassen Zweifel
an dessen Autorenschaft aufkommen.
Literatur: Katalog Frankfurt 1784, Nr. 731.
Gd 137 und Gd 138
„Ein Nachtstück, die See mit brennendem Schiff“,
sowie das Gegenstück dazu
Öl auf unbekanntem Bildträger
Pendants, jeweils 5 1/2 x 6 1/2 Zoll (ca. 13,5 x 16 cm)
versteigert am 27. September 1779 in Frankfurt durch J.A.B. Nothnagel, zugeschlagen für
3 Gulden an einen Maler namens Becker
Literatur: Katalog Frankfurt 1779, Nr. 901 und 902.
Gd 139
496
Landschaft
Öl auf Holz
24,5 x 31 cm
„signiert“ (lt. Literaturangabe)
Kunsthandel München, Auktionshaus Weinmüller, Auktion vom 26. und 27.3.1941
Über das Werk sind keine weiteren Details bekannt.
Literatur: Kunstpreis-Jahrbuch des Weltkunst-Verlags, München 1941/42.
Feuersbrünste und verwandte Darstellungen
Gd 140 und Gd 141
Zwei Feuersbrünste
Öl auf unbekanntem Bildträger
Pendants, jeweils 1 Schuh 3 Zoll x 1 Schuh 6 Zoll (ca. 37,5 x 45 cm)
versteigert am 27. September 1779 in Frankfurt durch J.A.B. Nothnagel, zugeschlagen für
31 Gulden 30 Kreuzer an Herrn Lindenthal
Literatur: Katalog Frankfurt 1779, Nr. 169 und 170.
Gd 142 und Gd 143
„Ein sehr gutes Brandtstück“,
sowie das Gegenstück dazu
Öl auf unbekanntem Bildträger
Pendants, jeweils 7 1/4 x 9 1/2 Zoll (ca. 18 x 24 cm)
versteigert am 27. September 1779 in Frankfurt durch J.A.B. Nothnagel, zugeschlagen für
12 Gulden an Herrn Kaufmann aus Mainz
Literatur: Katalog Frankfurt 1779, Nr. 314 und 315.
497
Gd 144 und Gd 145
„Zwei mit viel Stärke meisterhaft ausgeführte Brandstücke, mit vielen Figuren“
Öl auf unbekanntem Bildträger
Pendants, jeweils 1 Schuh 4 Zoll x 1 Schuh 8 1/2 Zoll (ca. 40 x 51 cm)
ehemals Frankfurt, Sammlung Johann Noe Gogel, versteigert 1781 in Frankfurt, zugeschlagen
für 57 Gulden an Johann Karl Brönner
Literatur: Katalog Frankfurt 1781 a, Nr. 160 und 161 - Schmidt 1960, Anhang o.S. (zur
Sammlung Brönner).
Gd 146 und Gd 147
Zwei Feuersbrünste
Öl auf unbekanntem Bildträger
Pendants, jeweils 10 Zoll x 15 Zoll 3 Linien (ca. 25 x 38 cm)
ehemals Frankfurt, Sammlung Johann Christian Kissner, versteigert am 27./28. Juni 1782,
zugeschlagen für 7 Gulden 30 Kreuzer an einen unbekannten Käufer
Literatur: Katalog Frankfurt 1782, Nr. 81 und 82 - Schmidt 1960, Anhang o.S. (zur
Sammlung Kissner).
Gd 148
Nächtliche Feuersbrunst
Öl auf Leinwand
1 foot 6 inches x 1 foot 1 inch (etwa 45 x 33 cm)
Kunsthandel London, Truchsessian Gallery, Auktion vom 14.5.1804
Der Katalog der Galerie von 1804 beschreibt das Gemälde als „a fire at night with a varity of
figures campanious“. Über den Preis und den Käufer des Werkes ist nichts Näheres bekannt.
Literatur: Catalogue of the pictures now exhibiting and on sale at the Truchessian
Gallery, London 1804, S. 7, Nr. 153 - Fredericksen, Burte B. (Hrsg.): The index of paintings
sold in the British Isles during the nineteenth century, Bd.I: 1801 - 1805, Oxford o.J., S. 764.
498
Gd 149
Feuersbrunst in einem Dorf
Gd 150
Feuersbrunst mit einer Mühle und einer Kirche
Öl auf Leinwand
Pendants, jeweils 68 x 59 cm
ehemals Péguilhan de Sartoux, Schloß Mouans, Sammlung Compte de Sartoux-Thoranc, seit
einem unbekannten Zeitpunkt verschollen
Über beide Werke sind keine weiteren Details bekannt. Das 1950 erstellte Gemäldeinventar
von Schloß Mouans (Nizza, Archives Départementales des Alpes-Maritimes, 25 J 202) nennt
zwei Feuersbrünste, die in der Nacht des 10.6.1987 gestohlen wurden. Ob diese Gemälde mit
den hier besprochenen, 1895 in Frankfurt ausgestellten identisch sind, läßt sich mangels
weiterer Anhaltspunkte nicht entscheiden.
Ausstellung: Frankfurt 1895, Freies Deutsches Hochstift, „Goethes Beziehung zu Frankfurt“.
Literatur: Katalog Frankfurt 1895, S. 61, Nr. 303 und 304 - Bangel 1914, S. 153f.,
S. 164.
Gd 151
Feuersbrunst mit einer Kirche
Öl auf Holz
30 x 37 cm
ehemals Darmstadt, Sammlung Dr. Merck
Ein entsprechendes Gemälde ließ sich weder bei den Nachfahren des ehemaligen Besitzers,
noch durch das Archiv der Firma Merck nachweisen. Über einen eventuellen Verkauf sind
ebenfalls keinerlei Angaben bekannt (frdl. Auskunft von Herrn Schütz, Archiv der Fa. Merck,
Darmstadt, fermündlich).
Ausstellung: Darmstadt 1957, „Kunstwerke aus Darmstädter Privatbesitz“.
Literatur: Bangel 1914, S. 164 - Wenzel, Maria (Bearb.), Kunstwerke aus Darmstädter
Privatbesitz, Katalog der Ausstellung zur Eröffnung der Kunsthalle Darmstadt vom 6.4. bis
zum 12.5.1957, Darmstadt 1957, Nr. 146.
499
Gd 152
Feuersbrunst in einem Dorf
Öl auf Eichenholz
25,7 x 33 cm
Privatbesitz (1949)
Über das Werk sind keine weiteren Details bekannt.
Ausstellung: Köln 1949, „Deutsche Malerei und Zeichenkunst im Zeitalter Goethes“.
Literatur: Katalog Köln 1949.
Gd 153
Feuersbrunst
Öl auf Holz
21,5 x 29 cm
Kunsthandel München, Auktionshaus Weinmüller, 104. Auktion vom 30.11. und 2.12.1966
Das Gemälde stellte laut Katalogbeschreibung den „Brand einer mittelalterlichen Stadt“ dar
und war im Vordergrund mit einer Brücke über einem Fluß und zahlreichen Figuren staffiert.
Literatur: Katalog der Auktion bei Weinmüller, München, vom 30.11. und 2.12.1966,
S. 101, Nr. 1384.
Gd 154
Feuersbrunst mit einer Kirche
Gd 155
Feuersbrunst mit einem Stadttor
Öl auf Holz
Pendants, jeweils 25,5 x 19 cm
Kunsthandel München, Auktionshaus Weinmüller, 113. Auktion vom 20.6. und 22.6.1968
Bei beiden Darstellungen handelte es sich laut Katalogbeschreibung um Nachtstücke mit
Figurenstaffage.
Literatur: Katalog der Auktion bei Weinmüller, München, vom 20.6. und 22.6.1968,
S. 110, Nr. 1675.
500
Gd 156 und Gd 157
Zwei nächtliche Feuersbrünste
Öl auf Leinwand
Pendants, jeweils 23 x 30 cm
Kunsthandel München, Auktionshaus Weinmüller, 114. Auktion vom 25. und 26.9.1968
Über beide Darstellungen sind keine weiteren Details bekannt.
Literatur: Katalog der Auktion bei Weinmüller, München, vom 25. und 26.9.1968, S. 92,
Nr. 1393.
Gd 158
Nächtliche Feuersbrunst mit einem Turm
Öl auf Leinwand
31 x 38 cm
Kunsthandel Zürich, Auktionshaus Keller, 30. Auktion im November 1973
Über das Werk sind keine weiteren Details bekannt.
Literatur: nicht bekannt.
Gd 159
Feuersbrunst in einer Stadt
Öl auf Leinwand
31,5 x 38,5 cm
Kunsthandel Köln, Kunsthaus Lempertz, 597. Auktion vom 23. und 26.11.1983
Die Komposition des Gemäldes bestand laut einem Gutachten von Ellen Bernt aus einer brennenden Häusergruppe links und einem brennenden Kirchturm rechts, während im Vordergrund Staffagefiguren mit Leitern und Wassereimern Löschversuche unternahmen. Sturmgebeugte Bäume, am Himmel hängende, schwere Gewitterwolken und ein einschlagender Blitz
prägten die Stimmung der Darstellung.
Literatur: Katalog der Auktion bei Lempertz, Köln, vom 23. und 26.11.1983, S. 119,
Nr. 1716.
501
Gd 160
Feuersbrunst
Technik unbekannt
32 x 38 cm
Kunsthandel München, Auktionshaus Neumeister, Auktion vom 16.3.1988
Über das Werk sind keine weiteren Details bekannt.
Literatur: The Art Sale Index, Bd. II, 1987/77, S. 1870.
Gd 161
„Das Feuerwerk“
Öl auf Holz
40 x 53 cm
Kunsthandel Paris, Hotel Drouot, Auktion vom 28. und 29.11.1923
Provenienz: Nachlaß des Prinzen C. Raziwill
Über die Darstellung sind keine weiteren Details bekannt. Da das Thema im Oeuvre Trautmanns singulär wäre, lassen sich Zweifel an der Zuschreibung äußern.
Literatur: Katalog der Auktion des Hotel Drouot, Paris, vom 28. und 29.11.1923, S. 28,
Nr. 97.
Gd 162
„Der feuerspeiende Berg Vesuv“
„J. G. Trautmann zugeschrieben“
Öl auf Leinwand
29 x 37 Zoll (ca. 72,5 x 92,5 cm)
ehemals Prag, Chlumetzky'sche Gemäldesammlung (1863)
Über das Werk sind keine weiteren Details bekannt. Die Sammlung Chlumetzky wurde gegen
Ende des 19. Jahrhunderts unter unbekannten Umständen aufgelöst (frdl. Mitteilung von Hana
Seifertová, Nationalgalerie Prag, brieflich vom 4.11.1992). Da Darstellungen feuerspeiender
Vulkane von Trautmanns Hand nicht bekannt sind, läßt sich die Zuschreibung nachhaltig
bezweifeln.
Literatur: Katalog der Chlumetzky'schen Gemälde-Sammlung in Prag, Prag 1863, S. 95,
Nr. 712 - Thieme-Becker, Bd. 33, 1939, S. 356.
502
2. ZEICHNUNGEN
Sakrale Darstellungen: Altes und Neues Testament
Z1
Die Verstoßung von Hagar und Ismael*
Feder in Grau, grau laviert
24 x 16,6 cm
bezeichnet links unten auf der Treppenstufe „G.Trautmann f.“
Frankfurt, Privatbesitz
Die Szene ist vor eine kürzelhaften Hausarchitektur gesetzt, rechts öffnet sich ein Torbogen
gegen eine angedeutete Landschaft. Vor dem Haus steht auf Stufen der bärtige, greise Abraham in einem orientalisierenden Gewand. Er deutet in die Ferne, während er seine linke Hand
auf Hagars Schulter legt. Hagar hat den Bereich des Hauses schon halb verlassen und geht,
das Gesicht mit einem Tuch verbergend und Ismael führend in Richtung der freien Landschaft. Ihr Sohn trägt eine Wasserflasche und dreht sich ein letztes Mal zu seinem Vater um.
Die Szene wird von Sarah beobachtet, die in einem rocailleumrankten Fenster links oben
erscheint.
Die Zeichnung lehnt sich in ihrer Grunddisposition, insbesondere jedoch in den Figuren Abrahams und Hagars an Rembrandts Radierung (Bartsch 30) an. Dabei vereinfacht Trautmann
den Bildraum und verdeutlicht den Handlungszusammenhang durch eine diagonal
absteigende Figurenkomposition. Weiterhin sind die Figuren verschiedenen
Handlungsräumen, dem Haus und der freien Landschaft zugeordnet. Abraham verabschiedet
Hagar nicht mehr mit unent-schlossener Geste, sondern verstößt sie nachdrücklich, wie die
geschlossene Körperhaltung und Gestik der Hände erkennen lassen. Wenn Ismael hingegen
zu seinem Vater zurückblickt, so wird hiermit ein sentimentales Handlungsmoment gesetzt
(vgl. S. 147).
Die Zeichnung entspricht in der Ausführung in feinen Federstrichen und -schraffuren und der
sorgfältigen Lavierung den „gemäldeartigen“ Zeichnungen Trautmanns. Weiterhin gleichen
die bärtige, orientalisch gekleidete Figur des Abraham und insbesondere die aus wenigen
Punkten und Strichen gebildeten Physiognomien seinen typenhaften Figuren. Die pointierte,
auf Abraham und Hagar konzentrierte Lichtführung verdeutlicht die Handlung zusätzlich.
Literatur: unpubliziert.
503
Z2
Isaak segnet Jakob*
Feder in Schwarz, grau laviert
9,6 x 14,0 cm
bezeichnet links unten auf der Stufe „[unleserlich] f.“
Frankfurt, Städelsches Kunstinstitut
Inv. Nr. 1699
Provenienz: Frankfurt, Sammlung Johann Georg Grambs, gestiftet 1817
Jakob erschlich sich mit Hilfe seiner Mutter Rebecca den Erstgeburtssegen, der eigentlich
seinem älteren Bruder Esau zustand, indem er Hände und Hals mit Fell bedeckt und so seinem
blinden Vater Isaak gegenübertrat (Gen 27,18-29). In der Zeichnung richtet sich Isaak auf
einem erhöht stehenden Bettlager auf. Er legt seine rechte Hand segnend auf das Haupt des
davor knienden Jakob. Rechts hinter dem Bett steht Rebecca und beobachtet die Szene. Die
Figurenkomposition wird von einer Säule und einem Pilaster sowie einer baldachinartigen
Draperie gerahmt. Am rechten Bildrand schweift der Blick in eine angedeutete Landschaft.
Die Zeichnung ist in skizzenhaften Federstrichen ausgeführt, die sich, etwa bei den architektonischen Elementen, zu regelmäßigen Schraffuren verdichten. Kleidung und insbesondere
Gesichter der Figuren werden hingegen kürzelhaft knapp umrissen. Die sorgfältige Lavierung
verleiht der Zeichnung eine „gemäldeartige“ Wirkung. Die Lichtführung akzentuiert die
Figurengruppe aus Isaak und Jakob, während die schwere Draperie und die etwas zu groß
geratene Figur der Rebecca wenig homogen eingebunden wirken.
Die Grunddisposition der Zeichnung reflektiert Gestaltungsmuster, die insbesondere an
zahlreiche Darstellungen des Jakobssegens aus dem Umkreis Rembrandts erinnern (etwa Jan
Viktors, Isaak segnet Jakob, Paris, Louvre, Abb. in: Katalog Münster 1994, S. 37). Ebenso
wie bei weiteren, verwandten Darstellungen des 18. Jahrhunderts (Januarius Zick, Gemälde in
Koblenz, Strasser 1994, S. 350, Nr. G 18, mit Abb.) steht die Bestimmung eines konkreten
Vorbildes jedoch noch aus.
Literatur: Bangel 1914, S. 167, Nr. 8 - Thieme-Becker, Bd. 33, 1939, S. 355 (en bloc) Katalog Frankfurt 1973, Bd. I, S. 202, Nr. 2079.
Abbildungen: Katalog Frankfurt 1973, Bd. III, Tafel 300.
504
Z3
Joseph deutet die Träume seiner Mitgefangenen
Feder und Pinsel in Grau und Braun auf weißem Papier
21,1 x 14,2 cm
monogrammiert „TM (ligiert) f“ links unten
Florenz, Uffizien
Inv. Nr. 8820 S.
Provenienz: Sammlung Santarelli (Lugt 907)
Die Zeichnung stellt nach Gen 40,1-19 dar, wie Joseph im Gefängnis die Träume des Mundschenks und des Bäckers des Pharaos deutete: er zählte die Tage ab, die der Mundschenk vor
seiner Befreiung und der Bäcker vor seiner Hinrichtung noch verleben sollten. In der Mitte
der Komposition steht Joseph vor einem Pfeiler. Er wendet sich mit hindeutender Geste dem
ersten Gefangenen zu, der in der linken Ecke sitzt und schwermütig seine rechte Hand vor die
Augen hält. Im Vordergrund rechts lagert der zweite Gefangene am Boden. Er blickt zu
Joseph auf, seine rechte Hand vor die Brust weisend. Die Umgebung ist durch ein vergittertes
Fenster links oben sowie eine mächtige Säule mit einer Gliederkette am rechten Bildrand
angedeutet.
Die Ausführung kombiniert dicht gesetzte, sich teilweise zu Schraffuren verdichtende Federund Pinselstriche mit einer sorgfältigen Lavierung. Die Darstellung zählt somit zu den
„gemäldeartig“ ausgearbeiteten Zeichnungen Trautmanns. Seine Gestaltungsweise wird in der
jugendlichen, orientalisch kostümierten Figur des Joseph, der kulissenhaften
Raumperspektive und der fast überbetonte Gestik ersichtlich. Die Zeichnung steht somit auch
den Gemälden der Josephsgeschichte des Grafen Thoranc nahe. Die Szene ließe sich ebenfalls
thematisch in den Zyklus eingliedern, wobei sie zwischen den Darstellungen „Joseph und
Potiphars Weib“ [G 8] und „Joseph wird aus dem Gefängnis gerufen“ [G 9] stehen könnte.
Diesen entspricht die Zeichnung durch das hochrechteckige Format wie auch durch die
grundverwandte Kompo-sition. Es kann somit vermutet werden, daß die Zeichnung ein
projektiertes, aber nicht ausgeführtes oder später verlorengegangenes Gemäldes des
Josephzyklusses dokumentiert (vgl. S. 219).
Ausstellung: Florenz 1978, Uffizien, „Disegni tedeschi di Schongauer a Liebermann“
Literatur: Emilio Santarelli, Catalogo della Raccolta di Disegni autografi antici et moderni donata alla Reale Galeria di Firenze, Florenz 1870, S. 594, Nr. 3 (als Werk aus der Schule
Rembrandts bzw. als Werk Trautmanns) - Disegni tedeschi di Schongauer a Liebermann,
Katalog der Ausstellung der Uffizien Florenz 1978, Florenz 1978, S. 52f., Nr. 71.
Abbildung: Katalog der Ausstellung (s.o.), Abb. 70.
Z4
505
Maria Magdalena salbt Christus die Füße*
Bleigriffelvorzeichnung, Feder und Pinsel in Grau, laviert
30,2 x 41,5 cm
monogrammiert rechts unten auf der Stufe „TM (ligiert) fec.“
Wien, Graphische Sammlung Albertina
Inv. Nr. D 1229 (4261)
Provenienz: Sammlung des Herzog Albert von Sachsen-Teschen (frdl. Mitteilung von
Veronika Birke, Albertina Wien)
Die Zeichnung setzt die Szene der Fußsalbung Christi durch Maria Magdalena (vgl. die
Ikonographie der Gemäldeversion [G 27]) vor eine reich gegliederte, zum Freien offene
Architektur aus Säulen und einer Arkade, Volutenmotiven und Wandstücken mit Vorlagen
samt einer baldachinartigen Draperie. In der linken Hälfte schweift der Blick über einen Platz
zu einer hinter Mauern gelegenen, parkartige Landschaft. Vor der Architektur steht die
gedeckte Tafel, hinter der die Jünger Platz genommen hat. Sie beobachten, teils heftig
gestikulierend, wie Maria Magdalena vor dem Tisch niederkniet und Christus die Füße salbt.
Zwei Repoussoirfiguren links ergänzen die Komposition, die erste hebt einen großen Krug,
während die zweite auf das Geschehen verweist.
Die Zeichnung ist ausgesprochen detailliert und fein ausgeführt, wobei einfache Federstriche,
Schraffuren und sehr feine Pinselstriche kombiniert werden. Die malerische und plastische
Wirkung wird durch die sorgfältig Lavierung gesteigert. Die Lichtführung akzentuiert die
Figuren nur leicht, auf ein starkes Helldunkel wird verzichtet. Die Gruppe aus Christus, Maria
Magdalena und den beiden vorderen Jüngern rechts wiederholte Trautmann nach der Komposition des Gemäldes in Privatbesitz [G 27], die weitaus reicher gestaltete Architekturkulisse
ist hingegen als selbständiger Schöpfung anzusehen und verleiht der Zeichnung einen eigenständigen Charakter.
Literatur: Katalog Wien 1933, Bd IV, S. 116.
Z5
Die drei Frauen am Grab Christi*
Feder in Schwarz, grau laviert
28,8 x 22,0 cm
monogrammiert am rechten Ende des Grabdeckels „GTMJ (ligiert) fec.“; bezeichnet links
unten in Schwarz, kaum lesbar „J.G.Trautmann fec.“
Stuttgart, Staatsgalerie
Inv. Nr. 785
506
In einem durch Felsbogen angedeuteten Höhlenraum haben sich die drei Frauen am leeren
Grab Christi eingefunden, um den Leichnam zu salben (vgl. die Ikonographie der Gemäldeversion [G 32]). In der rechten Bildhälfte kniet im Vordergrund Maria Magdalena neben dem
Salbgefäß, dahinter erscheinen die beiden anderen gestaffelt und blicken zu dem leeren,
sarko-phagartigen Grab links. Ein im Vordergrund als Rückenfigur kniender Engel hat die
Grabplatte abgenommen, während ein zweiter auf dem Rand des Grabes stehend gen Himmel
weist und die Auferstehung Christi verkündet.
Die Zeichnung folgt der kleinteiligen Zeichenweise Trautmanns in schraffurartigen Federstriche und einer sorgfältigen Lavierung, sie besitz wiederum die charakteristische, „gemäldeartige“ Wirkung. Die Frauenfiguren sind jedoch unsicher durchbildet, steif in den Bewegungen und in Details, etwa den Händen Maria Magdalenas beinahe verzeichnet. Die Komposition erscheint der Grunddisposition der Radierung „Die Auferweckung des Lazarus“ [D 1]
verwandt, in weit stärkerem Maße noch der Gemäldeversion [G 32]. Im Vergleich hierzu
wirkt die Zeichnung ausgewogener komponiert sowie überzeugender in der Raumbildung.
Die Figur des stehenden Engels erscheint schließlich besser durcharbeitet und bewegt als jene
des Gemäldes. Diese Verbesserungen deuten an, daß die Zeichnung nicht als Vorstudie des
Gemäldes anzusehen ist, sondern eigenständigen Charakter besitzt.
Ausstellung: Bremen und Lübeck 1986/87, „In Rembrandts Manier“.
Literatur: Katalog Bremen 1986, S. 128, Nr. 218.
Abbildung: Katalog Bremen 1986, S. 127, Nr. 218.
Z6
Die Rückkehr des verlorenen Sohnes*
Pinsel und Feder in Schwarz, grau laviert
23,5 x 16,7 cm
bezeichnet rechts unten „Trautmann f“
Nürnberg, Germanisches Nationalmuseum
Inv. Nr. HZ 7254
Provenienz: Ingelheim, Sammlung Ernst Emmerling - vom Germanischen Nationalmuseum erworben vor 1983
Die Zeichnung zeigt nach Lk 15,20-24, wie der verlorene Sohn reumütig nach Hause zurückkehrt und freudig vom Vater begrüßt wird. Die Szene ist vor eine arkadendurchbrochene,
reich gegliederte Architektur gesetzt. Der Sohn in zerrissenen Kleidern kniet auf einem
Treppenabsatz halb nieder und umfaßt seinen Vater. Dieser beugt sich herab und legt seine
Arme wohlwollend auf die Schultern des Sohnes. Im Hintergrund eilen zwei Frauen und ein
kleiner Junge herbei, um die Szene zu beobachten, während ein gefleckter Hund den Zurück-
507
kehrer bereits umstreift. Die Darstellung ist in Trautmanns „gemäldeartig“ wirkender
Zeichen-weise angelegt, wobei teils zu Schraffuren verdichtete Feder- und Pinselstriche und
eine sorgsame Lavierung kombiniert werden. Die Durchbildung der Figuren läßt abermals
Un-sicherheiten erkennen, beispielsweise bei dem links neben dem Kopf des Vaters vorgestreckten, völlig überlängten Arm.
Die Zeichnung lehnt sich an das Vorbild der Radierung Rembrandts (Bartsch 91) an, deren
Komposition jedoch in vielen Details und in eigenständiger Weise abgewandelt erscheint.
Ganz im Sinne des zeitgenössischen Stilempfindens ist hierbei die Architekturkulisse reicher
und dekorativ aufgefaßt. Grundlegend modifiziert erscheinen auch sämtliche Figuren: Die
Assistenzfiguren beobachten Vater und Sohn nicht mehr aus Distanz, sondern bilden mit
diesen eine pyramidenförmig gestaffelte Figurengruppe. Das Thema der Szene bildet offenbar
weniger die Reumut des Sohne und das Vergeben des Vaters, sondern vielmehr die Freude
der Familie über die Heimkehr. Diese Beobachtung wird durch Details wie den herlaufenden
Hund unterstrichen (Zur Rezeption Rembrandts vgl. S. 147f.).
Ausstellungen: Nürnberg 1983, „Zeichnungen der Goethezeit aus einer neuerworbenen
Sammlung“ - Bremen und Lübeck 1986/87, „In Rembrandts Manier“.
Literatur: Emmerling 1966, S. 692 - Nessel 1966, S. 714, Nr. 2 - Katalog Nürnberg
1983, S. 80, Nr. 99 - Katalog Bremen 1986, S. 128, Nr. 217.
Abbildungen: Emmerling 1966, S. 691 - Katalog Nürnberg 1983, S. 80 - Katalog
Bremen 1986, S. 126.
Marien- und Heiligendarstellungen
Z7
Die Heilige Familie*
Pinsel in Grau, grau und braun laviert
11,8 x 7,5 cm
Nürnberg, Germanisches Nationalmuseum
Inv. Nr. HZ 7111
Provenienz: Kunsthandel Berlin: Antiquariat Puppel - Ingelheim, Sammlung Ernst
Emmerling - vom Germanischen Nationalmuseum erworben vor 1983
Die Darstellung geht auf keine konkrete Textvorlage zurück. Vor einem angedeuten Hintergrund mit Bäumen erscheinen Maria und Joseph als Ganzfiguren. Maria hält das in ein Tuch
gewickelte Christuskind in ihren Armen. Joseph steht links neben ihr und trägt in seiner
rechten Hand einen Stock, während er das Gewand vor der Brust zusammenrafft. Die Köpfe
508
beider Figuren sind vom Lichtschein der verschmelzenden Heiligenscheine umfangen. Das
von rechts oben einfallende Licht hebt Maria sowie das Gesicht des Joseph hervor.
Die Zeichnung fällt durch ihre ausgesprochen leichte Ausführung in zurückhaltend nebeneinandergesetzten, grauen Pinselzügen auf. Diese sind durch wenige Striche in transparentem
Braun (Boden, Hintergrund, Gewänder) akzentuiert. Das Blatt unterscheidet sich hierin
deutlich von den übrigen, gemäldeartig lavierten Federzeichnungen Trautmanns.
Literatur: Lagerkatalog Nr. XXI des Antiquariat Puppel, Berlin, Nr. 750 - Nessel 1966,
S. 714, Nr. 1 - Katalog Nürnberg 1983, S. 100.
Z8
Der Apostel Paulus*
Feder in Braun, braun laviert
15,4 x 13,0 cm
monogrammiert links in Schulterhöhe „TM. (ligiert) fec.“
Frankfurt, Städelsches Kunstinstitut
Inv. Nr. 1697
Provenienz: Frankfurt, Sammlung Johann Georg Grambs, gestiftet 1817
Der leicht nach rechts gewendete Apostel Paulus ist vor nur punktuell beleuchteten Hintergrund gesetzt. Er stützt seinen linken Arm auf die Tischkante und umfaßt mit beiden Händen
ein großes Schwert. Die Zeichnung bildet das Gegenstück zu dem Bildnis des Apostel Petrus
[Z 9] (vgl. dort).
Literatur: Bangel 1914, S. 167, Nr. 6 - Thieme-Becker, Bd. 33, 1939, S. 355 (en bloc) Katalog Frankfurt 1973, Bd. I, S. 202, Nr. 2077.
Abbildung: Katalog Frankfurt 1973, Bd. III, Tafel 300.
Z9
Der Apostel Petrus*
Feder in Braun, braun laviert
15,3 x 13,0 cm
monogrammiert rechts in Schulterhöhe „TM (ligiert) fec.“
Frankfurt, Städelsches Kunstinstitut
Inv. Nr. 1698
Provenienz: Frankfurt, Sammlung Johann Georg Grambs, gestiftet 1817
Entsprechend dem Gegenstück [Z 8] ist das leicht nach links gedrehte Brustbild des Apostels
Petrus vor punktuell beleuchteten Hintergrund gesetzt. Er wendet den Kopf nach rechts und
509
hält in seiner linken Hand zwei große Schlüssel, während er die rechte mit pathetischer Geste
auf die Brust legt.
Beide Zeichnungen entsprechen in der Komposition Trautmanns Männerköpfen nach der
Phantasie. Diesen gleicht auch die Ausführung in bewegten, schraffierten Federstrichen und
der stark helldunklen Lavierung. Die Physiognomie folgt der üblichen Ikonographie, wenn
Paulus mit einem langen, gespaltenen Vollbart und Petrus mit einem breiteren, ansatzweise
barhäuptigen Kopf und einem kurzen Vollbart dargestellt sind. Zum Bildnis Petri vgl. auch
ähnlich komponierte Gemäldeversion [G 42].
Literatur: Bangel 1914, S. 167, Nr. 7 - Thieme-Becker, Bd. 33, 1939, S. 355 (en bloc) Katalog Frankfurt 1973, Bd. I, S. 202, Nr. 2078.
Abbildung: Katalog Frankfurt 1973, Bd. III, Tafel 301.
Profane Darstellungen: Männer- und Frauendarstellungen mit Portraitcharakter
Z 10
Brustbild einer Frau*
Feder und Pinsel in Schwarz und Grau, grau laviert
20,4 x 15,6 cm
monogrammiert rechts in Schulterhöhe „TM. (ligiert) / fec.“
Düsseldorf, Goethe-Museum
Inv. Nr. NW 138/1956
Das leicht nach rechts gewendete Brustbild einer Frau ist vor neutralen Hintergrund gesetzt.
Ihre Kleidung besteht aus einem dunklem Gewand und einem weißen, vom Kopf über die
Schultern fallenden und vor der Brust geknoteten, mit Bändern geschmückten Tuch.
Die Darstellung ist als feine Feder- und Pinselzeichnung ausgearbeitet und sorgfältig laviert.
Die schlaglichtartige Beleuchtung und die gemäldeartige Wirkung gleichen Trautmanns
gezeichneten Phantasiefiguren. Die Physiognomie ähnelt der Frauenfigur im Prehn'schen
Kabinet [G 76].
Literatur: unpubliziert.
510
Z 11
Ein Maler in seinem Atelier*
Feder und Pinsel in Dunkelgrau, grau laviert
16 x 23 cm
monogrammiert links oben „TM“ (ligiert)
Frankfurt, Städelsches Kunstinstitut
Inv. Nr. 1703
Provenienz: Frankfurt, Sammlung Johann Georg Grambs, gestiftet 1817
Ein als Kniestück wiedergegebener Maler sitzt in seinem Ateliers. Er trägt einen einfachen
Kittel und ein Barett und stützt sich mit seinem linken Arm auf den Tisch. Dort sind eine
Tonpfeife, eine Zeichenfeder, ein Bogen Papier und ein ganzes Skizzenbündel sowie ein teils
sichtbares Gemälde und ein Tonkrug nebst Trinkglas stillebenartig arrangiert. Der Maler
blickt innehaltend nach links, während er in seiner rechten Hand einen Pinsel und eine Palette
hält. Auf der Staffelei rechts ist ein fast vollendetes Landschaftsgemälde zu erkennen. Den
linken oberen Bildrand schießt eine schwere, baldachinartige Draperie ab, die das Fenster
daneben halb verdeckt. In der hellen Öffnung erschient das schräg gestellte, von strahlenartigen, konzentrischen Linien umgebene Monogramm Trautmanns.
Die Zeichnung ist gemäldeartig in feinen Feder- und Pinselstrichen ausgeführt und sorgsam
laviert. Eine Identifizierung der typenhaften Malerfigur ist mangels weiterer Anhaltspunkte
nicht möglich, das Landschaftsgemälde dürfte jedoch gegen ein Selbstbildnis Trautmanns zu
sprechen (entgegen der Vermutung von Rudolf Bangel und Horst Gerson, vgl. Literatur). Das
sehr auffällig vor das Fenster gesetzte Monogramm verglich Gerson mit der ebenfalls vor
einem Fenster schwebenden „Zauberformel“ in der als „Faust“ bekannten Radierung Rembrandts (Bartsch 270). Diese läßt sich jedoch weder in der Komposition noch thematisch mit
der Zeichnung vergleichen. Ein auffällig vor hellen Grund gesetztes, wenngleich keine
„Strahlen“ aussendendes Monogramm verwendete Trautmann häufiger, so in der Radierung
der „Auferweckung des Lazarus“ [D 1].
Literatur: Bangel 1914, S. 167, Nr. 11 - Verlag R. Schrey (Hrsg.): Stift und Feder, Nr.
5, Frankfurt 1927 (o.a.A.) - Thieme-Becker, Bd. 33, 1939, S. 355 (en bloc) - Gerson 1942,
S. 318 - Katalog Frankfurt 1973, Bd. I, S. 202, Nr. 2083.
Abbildung: Katalog Frankfurt 1973, Bd. III, Tafel 197.
511
Männerdarstellungen nach der Phantasie
Z 12
Brustbild eines alten Mannes*
Z 13
Brustbild eines alten Mannes*
Vorzeichnung, Feder in Braun, braun laviert
Pendants, 16,5 x 13,5 cm [Z 12] bzw. 16,5 x 13,6 cm [Z 13]
beide monogrammiert „TM (ligiert) f.“
Darmstadt, Hessisches Landesmuseum
Inv. Nr. HZ 387 [Z 12] bzw. HZ 388 [Z 13]
Die beiden Brustbilder zeigen jeweils einen in einen weiten, faltenreichen Mantel gehüllten
alten Mannes mit langem, gespaltenem Vollbart vor punktuell beleuchtetem Hintergrund. In
[Z 12] wendet dieser sich leicht nach rechts und hält in seiner Rechten einen Geldbeutel,
während sein Kopf zum Betrachter gedreht ist und ein breites Samtbarett mit herabhängender
Quaste trägt. Im Gegenstück trägt der Alte ein Barett mit aufgesteckter Feder und wendet sich
leicht nach links, mit seiner linken Hand nach einem an einer Goldkette um den Hals hängenden Medaillon greifend.
Beide Zeichnungen können exemplarisch für eine Gruppe fein ausgearbeiteter, sorgfältig
lavierter und „gemäldeartig“ wirkender Köpfe alter Männer oder Orientalen stehen.
Literatur: Bangel 1914, S. 168, Nr. 18; Nr. 19 - Thieme-Becker, Bd. 33, 1939, S. 355
(en bloc).
Z 14
Alter Mann mit einem Barett*
Z 15
Alter Mann mit einem Turban*
Vorzeichnung, Feder in Dunkelgrau, grau laviert
Pendants, jeweils 16,9 x 13,7 cm
monogrammiert am linken bzw. am rechten Bildrand „TM. (ligiert) / fec.“
Darmstadt, Hessisches Landesmuseum
Inv. Nr. HZ 384 [Z 14] bzw. HZ 385 [Z 15]
512
Provenienz: laut Inventar aus der Sammlung Dahlberg, die Bestände dieser Sammlung lassen
sich jedoch heute nicht mehr eindeutig identifizieren (frdl. Mitteilung von Peter Märker,
Graphische Sammlung im Hessischen Landesmuseum Darmstadt)
Beide Zeichnungen stellen das Brustbild eines bärtigen Mannes dar. In [Z 15] wendet sich
dieser leicht nach rechts und trägt einen bändergeschmückten Turban. Im Gegenstück ist die
Figur nach links gedreht und trägt ein breites Barett mit herabhängenden Quasten. Die Zeichnungen entsprechen in ihrer Ausführung in schraffierten Strichen und einer feinen Lavierung
den beiden thematisch verwandten Blättern [Z 12] und [Z 13].
Literatur: Bangel 1914, S. 158, Nr. 16 und Nr. 15 - Thieme-Becker, Bd. 33, 1939,
S. 355 (en bloc).
Z 16
Bärtiger Mann mit einem Turban*
Feder in Schwarz, braun laviert
14,2 x 10,8 cm
monogrammiert links in Kinnhöhe „TM. (ligiert) / fec.“
Frankfurt, Städelsches Kunstinstitut
Inv. Nr. 1696
Provenienz: Frankfurt, Sammlung Johann Georg Grambs, gestiftet 1817
Der als Brustbild dargestellte alte Mannes mit langem, gespaltenem Bart und in einfachem
Gewand ist nach links gewendet, dreht den Kopf jedoch zum Betrachter. Er trägt einen mit
Bändern, aufgesteckten Federn und herabhängenden Quasten reich geschmückten Turban.
Die Kombination schwarzer Federstriche mit einer transparent braunen, in reichem
Helldunkel abgestuften Lavierung erzielt eine ausgesprochen effektvolle, gemäldeartige
Wirkung.
Literatur: Bangel 1914, S. 167, Nr. 3 - Thieme-Becker, Bd. 33, 1939, S. 355 (en bloc) Katalog Frankfurt 1973, Bd. I, S. 202, Nr. 2076.
Abbildung: Katalog Frankfurt 1973, Bd. III, Tafel 300.
Z 17
Kopf eines Orientalen nach rechts*
Z 18
Kopf eines Orientalen nach links*
Feder in Schwarz
Pendants, jeweils 5,6 x 4,7 cm
513
Frankfurt, Städelsches Kunstinstitut
Inv. Nr. 1700 [Z 17] bzw. 1701 [Z 19]
Provenienz: Frankfurt, Sammlung Johann Georg Grambs, gestiftet 1817
Die beiden miniaturhaften Zeichnungen zeigen einen bärtigen Mann im Dreiviertelprofil nach
rechts beziehungsweise nach links als Brustbild. Der Dargestellte trägt jeweils ein dunkles
Gewand mit Brustkette und einen turbanartigen, mit einer herabhängenden Quaste beziehungsweise einen mit einer Federagraffe geschmückten Kopfputz.
Die Zeichnungen wirken durch feine, stellenweise sehr dicht übereinandergelegte
Federstriche sowie die plastische Ausarbeitung der Physiognomie wie zeichnerische
Umsetzung der radier-ten Phantasieköpfe „in Rembrandts Geschmack“, die von Trautmann
selbst, insbesondere jedoch von J.A.B. Nothnagel geschaffen wurden (vergl. Nothnagels
Radierung „Ein großer Türkenkopf“, Nagler 48).
Literatur: Bangel 1914, S. 167, Nr. 4 und Nr. 5 - Thieme-Becker, Bd. 33, 1939, S. 355
(en bloc) - Katalog Frankfurt 1973, Bd. I, S. 202, Nr. 2080 und Nr. 2081.
Abbildungen: Katalog Frankfurt 1973, Bd. III, Tafel 300.
Z 19
Ein Mann im Phantasiekostüm*
Z 20
Ein Mann im Phantasiekostüm*
schwarze Kreide auf gelblichem Büttenpapier
Pendants, 19,5 x 16,0 cm [Z 19] bzw. 19,5 x 13,3 cm [Z 20]
beide bezeichnet „Drautman“ rechts unten von fremder Hand
Sammlerstempel: Lugt 1921, S. 511, Nr. 2723
München, Staatliche Graphische Sammlung
Inv. Nr. 13288 bzw. 13287
Provenienz: Mannheimer Zeichnungssammlung des Kurfürsten Carl Theodor
Die erste Zeichnung zeigt einen Mann mittleren Alters als fast in die Rückenansicht nach
rechts zurückgedrehtes, den Betrachter jedoch anblickendes Schulterbildnis. Er trägt einen
kurzen Vollbart sowie einen Phantasiekopfschmuck mit herabhängenden Quasten. Im Gegenstück wendet sich als Brustbild wiedergegebene, alte Mann nach links und blickt nach unten.
Er trägt einen langen, gespaltenen Vollbart sowie einen phantastischen Kopfschmuck mit aufgesteckter Feder und herabhängender Quaste. Die Komposition ist mit der Zeichnung [Z 18]
im Städel vergleichbar.
514
Beide Zeichnungen sind in frei bewegten, skizzenhaften Kreidestrichen angelegt. Der in anderen Darstellungen bisweilen erkennbare Schematismus der Gesichtsbildung wird vermieden,
wenn Details in virtuos knappen Strichen wiedergegeben werden: der lange Bart des Greisen
etwa wird allein als frei stehengelassene, durch nur wenige Striche umrissene Fläche gebildet.
Da zudem die Gegenstücke nicht einfach spiegelsymmetrisch komponiert, sondern originell
variiert sind, können beide Blätter als besonders qualitätvolle Belege der Zeichenkunst Trautmanns gelten.
Die Provenienz aus dem Mannheimer Zeichungskabinett Kurfürst Carl Theodors läßt sich
durch die Sammlerstempel belegen. Diese wurden laut Frits Lugt (Lugt 1921) 1802 bis 1805
bei der Neuordnung des kurfürstlichen Zeichnungskabinets in München verwendet. Denkbar
wäre, daß die Zeichnungen anläßlich der Ernennung Trautmanns zum Hofmaler im Jahr 1761
nach Mannheim gelangten. Dieser Zeitraum läßt sich somit auch zu ihrer Datierung zur
Diskussion stellen.
Literatur: Bangel 1914, S. 167, Nr. 12 bzw. Nr. 13 - Thieme-Becker, Bd. 33, 1939,
S. 355 (en bloc).
Z 21
Orientalenkopf*
Feder in Schwarz, wenig Pinsel in Schwarz, stellenweise hellgrau laviert
32,2 x 27,5 cm
monogrammiert rechts in Kinnhöhe „TM.“ (ligiert)
Stuttgart, Staatsgalerie
Inv. Nr. C 74/2385
Provenienz: erworben 1974 aus dem Kunsthandel, nähere Umstände unbekannt
Die für Trautmann relativ große Zeichnung stellt einen Mann mittleren Alters mit langem,
krausem Vollbart und leicht nach rechts gewendet als Schulterbindnis dar. Er trägt eine hohe,
orientalisierende, mit Federn und einem herabhängenden Band geschmückte Kopfbedeckung.
Die Zeichnung unterscheidet sich von den gemäldehaften, recht schematisch ausgeführten
Phantasieköpfen durch einen differenzierten Einsatz verschiedener Gestaltungsmittel, wie
diversen Schraffuren, kurzen, dicht gesetzten Strichen und frei gekringelten Linien. Stark
verdichtete Striche, etwa rechts unten oder in dem Federbusch sowie eine
zurückhaltende
515
Lavierung steigern die plastische Wirkung. Der freigelassene, allein rechts sparsam
schraffier-te angedeutete Hintergrund unterstreicht die virtuose Wirkung.
Ausstellung: Bremen und Lübeck 1986/87, „In Rembrandts Manier“.
Literatur: Katalog Bremen 1986, S. 128, Nr. 219.
Abbildung: Katalog Bremen 1986, S. 129.
Z 22
Brustbild eines bärtigen Mannes*
Schwarze Kreide
23 x 18,8 cm
rückseitig bestempelt „Für Pflicht und Ehr“
Wasserzeichen: Krone
Wien, Graphische Sammlung Albertina
Inv. Nr. 32643
Provenienz: Sammlung D.M. Ritter von Grünbaum - Sammlung Leopold Zelenka von der Albertina erworben 1957
Das Brustbild eines Mannes mit kurzem, stark gekräuseltem Bart wird leicht nach rechts
gedreht, den Kopf jedoch nach links wendend wiedergegeben. Er trägt ein pelzverbrämtes
Gewand und eine doppelreihige Gliederkette mit Medaillon sowie eine barettartige Kopfbedeckung samt aufgesteckter Feder.
Die duftig angelegte Kohlezeichnung setzt in virtuoser Weise verschiedene, frei bewegte
Linienformen und Schraffuren nebeneinander. Sie wurde ursprünglich C.W.E. Dietrich
zugewiesen und erstmals von Otto Benesch jenem „Meister der Frankfurter Salome“ zugeschrieben (Inventarnotiz), den Bruno Bushart, wenngleich offenbar ohne Kenntnis dieser
Zeichnung, mit Trautmann identifizierte. Charakteristische Physiognomie und phantasievolle
Kostümierung belegen die u.a. im Inventar anerkannte Autorenschaft Trautmanns.
Literatur: unpubliziert.
516
Genredarstellungen
Z 23
Ein Bauer und eine Bäuerin mit einem Weinkrug*
Feder in Schwarz, grau laviert
11,4 x 8,9 cm
monogrammiert links unten auf der rechten Tischkante „TM (ligiert) f.“
Frankfurt, Städelsches Kunstinstitut
Inv. Nr. 1702
Provenienz: Frankfurt, Sammlung Johann Georg Grambs, gestiftet 1817
Die Szene zeigt einen Mann mit federbestecktem Hut in Rückenansicht, der sich leicht nach
links wendet und einen Tonkrug hält. Links daneben erscheint eine Frau, die sich auf eine
Tischkante stützt und den Mann lachend anblickt.
Die Zeichnung kann als Beispiel für die Umsetzung einer gemalten Genreszene in das
Medium der Zeichnung gelten (vgl. die Gemälde [G 80] und [G 91]). Das interessante Kolorit
und das effektvolle Helldunkel werden dabei in eine differenzierte Zeichenweise übertragen,
die verschiedene Federstriche und -schraffuren und sowie eine sorgfältige Lavierung kombiniert und die eine „gemäldeartige“ Wirkung besitzt. Rudolf Bangel sah in dieser und der
nachfolgenden Zeichnung frühe Arbeiten, die ein „schon virtuoses Können“ und das „eifrige
Studium“ Trautmanns nach niederländischen Vorbildern bewiesen (Bangel 1914, S. 106).
Literatur: Bangel 1914, S. 106, S. 167, Nr. 9 - Thieme-Becker, Bd. 33, 1939, S. 355
(en bloc) - Katalog Frankfurt 1973, Bd. I, S. 202, Nr. 2082.
Abbildung: Katalog Frankfurt 1973, Bd. III, Tafel 300.
Z 24
Ein Bauer und eine Bäuerin mit einem Weinkrug*
Feder in Braun, braun laviert
12,3 x 9,3 cm
Frankfurt, Städelsches Kunstinstitut
Inv. Nr. 5802
Provenienz: Frankfurt, Sammlung F. Prestel, erworben 1867
Das Brustbild eines Mannes mit dunklem Barett ist leicht nach rechts gewendet. Er lacht den
Betrachter an und hält in beiden Händen einen Tonkrug. Eine Frau blickt über seine rechte
Schulter und legt ebendort ihre Hand auf. Die Darstellung ist mit der Zeichnung [Z 23] vergleichbar, jedoch etwas etwas grober und skizzenhafter ausgeführt.
517
Literatur: Bangel 1914, S. 106, S. 167, Nr. 10 - Thieme-Becker, Bd. 33, 1939, S. 355
(en bloc) - Katalog Frankfurt 1973, Bd. I, S. 202, Nr. 2085.
Abbildung: Katalog Frankfurt 1973, Bd. III, Tafel 300.
Z 25
Singende Gesellschaft bei Lampenschein*
Feder in Schwarz, braun laviert
12,4 x 17 cm
monogrammiert links unten „TM. (ligiert)“
Darmstadt, Hessisches Landesmuseum
Inv. Nr. HZ 386
Die nächtliche Innenraumszene zeigt eine um einen Tisch gruppierte „fröhliche Gesellschaft“
in bäuerliche gekleideten Halbfiguren. Rechts hält ein Mann eine Öllampe empor, die als
einzige Lichtquelle dient. Ein zweiter trägt einen Krug in seiner rechten und ein prostend
erhobenes gefülltes Glas in seiner linken Hand. Im Vordergrund sitzt eine nach Noten
singende Frau in einem Sessel.
Die gemäldeartige, mit feinen schwarzen Federschraffuren und einer sorgsamen braunen
Lavierung angelegte Zeichnung entspricht im wesentlichen dem Gemälde einer „Singenden
Gesellschaft“ in Köln [G 103]. Ergänzt wurde die Figur einer zweiten Frau, wodurch die
Komposition geschlossener wirkt. Dies vermag den beschriebenen eigenständigen Charakter
der Zeichnungen Trautmanns zu bestätigen.
Literatur: Bangel 1914, S. 117, S. 168, Nr. 19 - Thieme-Becker, Bd. 33, 1939, S. 355
(en bloc).
Z 26
Abendliche Szene mit Bauchladenhändler*
Feder in Braun, braun laviert (Sepia?)
17,7 x 21,9 cm
monogrammiert „TM (ligiert) fec.“
Frankfurt, Städelsches Kunstinstitut
Inv. Nr. 1694
Provenienz: Frankfurt, Sammlung Johann Georg Grambs, gestiftet 1817
Die gemäldeartige Zeichnung bildet das Gegenstück zu [Z 27]. Inmitten eines bäuerlichen
Interieurs steht ein fahrender Händler mit Bauchladen und reicht einer rechts sitzenden alten
Frau eine Brille. Diese prüft bereits eine andere, indem sie angestrengt zu lesen versucht.
518
Beide werden von rechts stehenden Männer und einem Jungen beobachtet. Ein weiterer Mann
trägt einen Tonkrug, die vor ihm sitzende Frau leert bereits ihr Glas. Im Vordergrund links
bilden eine Krug, ein stehender Kupferkessel und ein Reisigbesen ein stillebenartiges Repoussoirmotiv. Ein halbhoher Schrank und ein Löffelreck an der Wand beschreiben die Einrichtung. Das Motiv eines Brillenverkäufers griff Trautmann zudem in Gemälden ([G 100] bis
[G 102]) sowie in einer Radierung [D 2] auf.
Literatur: Bangel 1914, S. 117, S. 167, Nr. 2 - Thieme-Becker Bd. 33, 1939, S. 355
(en bloc) - Katalog Frankfurt 1973, Bd. I, S. 201, Nr. 2074.
Abbildung: Katalog Frankfurt 1973, Bd. III, Tafel 299.
Z 27
Wirtshauszene mit betrunkenem Mann*
Feder in Grau, braun laviert (Sepia?)
17,6 x 22,5 cm
monogrammiert rechts oben auf dem an der Wand hängenden Brett „TM (ligiert) / f.“
Frankfurt, Städelsches Kunstinstitut
Inv. Nr. 1695
Provenienz: Frankfurt, Sammlung Johann Georg Grambs, gestiftet 1817
Die gemäldeartige Zeichnung bildet von Komposition und Inhalt ein Gegenstück zur vorherigen. In einer bäuerlichen Schenke sitzten drei Männern und einer Frau trinkend beisammen,
während rechts davor ein betrunkener Mann von seiner Frau und seinem Sohn nach Hause
begleitet wird. Rechts vorne erscheint ein pfeifenstopfender Mann als dunkle Silhouette. Ein
Faß mit Tonkrug, achtlos verteilte Gegenstände auf dem Boden sowie ein hoher Kamin und
ein Bord bilden die unordentliche Einrichtung.
Bangel kritisierte scharf den „Mangel an zeichnerischem Gefühl“ und die „plumpen und kurzen Gestalten“. Diese Eigenheiten werden jedoch eher als Anlehnungen an derbe Bauernszenen der niederländischen Malerei denn als Ausdruck künstlerischen Unvermögens verständlich. Der Inhalt beider Zeichnungen erscheint kontrapunktisch: während in der ersten neben
häuslichen Vergnügungen Besen und blankgescheuerter Kupferkessel an Ordnung und Fleiß
gemahnen, werden im Gegenstück die Folgen des unmäßigen Trinkgenusses demonstriert.
Literatur: Bangel 1914, S. 117, S. 167, Nr. 1 - Thieme-Becker Bb. 33, 1939, S. 355
(en bloc) - Katalog Frankfurt 1973, Bd. I, S. 201, Nr. 2076.
Abbildung: Katalog Frankfurt 1973, Bd. III, Tafel 300.
519
Z 28
Bauernunterhaltung in einer Schenke
mit einem Savoyardenknaben*
Bleistiftvorzeichnung, Feder in Braun
25,5 x 33,5 cm
Wasserzeichen: Wappen mit Vogel
Frankfurt, Städelsches Kunstinstitut
Inv. Nr. 14000
Provenienz: Mainz, Sammlung J.P. Haas, erworben 1919
In einer hallenartigen Bauernschenke haben sich verschiedene Figuren eingefunden: in der
Mitte läßt ein Savoyardenknabe sein dressiertes Murmeltier, das er einem Tragekasten entnommen hat, um einen Stock tanzen. Das Kunststückchen wird von verschiedenen Personen
beobachtet. Weiter links lagern einige Männer um einen Tisch, ein ausgelassener Zecher
steigt mit erhobenen Armen empor. Im Vordergrund spielt ein Junge mit einem Hund. Zum
Zeichenstil vgl. die Bemerkungen zum nachfolgenden Gegenstück [Z 29].
Literatur: Thieme-Becker, Bd. 33, 1939, S. 355 (en bloc) - Katalog Frankfurt 1973,
Bd. I, S. 202, Nr. 2087.
Abbildung: Katalog Frankfurt 1973, Bd. II, Tafel 197
Z 29
Bauernunterhaltung in einer Schenke
mit einem Guckkastenmann*
Bleistiftvorzeichnung, Feder in Braun
25,8 x 31,3 cm
Wasserzeichen: bekrönter Kreis mit Figur
Frankfurt, Städelsches Kunstinstitut
Inv. Nr. 14001
Provenienz: Mainz, Sammlung J.P. Haas, erworben 1919
Die Zeichnung bildet das Pendant zu [Z 28]. Dargestellt ist die weite Halle einer Bauernschänke, in der ein Schausteller seinen Guckkasten aufgestellt hat. Dieser wird von Kindern
umdrängt und neugierig beäugt. Im Vordergrund rechts bäckt eine Frau Pfannkuchen an
einem Kamin, ein dabeistehendes Kind leckt sich bereits die Finger. Im Hintergrund haben
sich trinkende Bauern sowie ein Liebespaar eingefunden, in der Mitte steigt ein Mann über
eine Leiter in die Schenke hinab.
Die Zeichnung ist ebenso wie das Gegenstück in leichten, schnell die Formen umreißenden
Federstrichen ausgeführt. Diese werden nur stellenweise von sparsamer Binnenzeichnung
520
ergänzt. Die Figuren sind in ihrer Bewegung genau charakterisiert, ihre Physiognomie sowie
weitere Details werden hingegen nur kürzelhaft angedeutet. Die Bleistiftvorzeichnung ist
partiell sichtbar, einige Figuren sind zudem mit Bleistiftstrichen schraffiert. Im Pendant
werden die Architekturelemente zum Teil allein in Vorzeichnung wiedergegeben, bzw. die
flüchtige Federnachzeichnung erfolgt abweichend von dieser. Die Wirkung beider Blätter
unterscheidet sich grundlegend von „gemäldeartigen“ Zeichnungen Trautmanns, so daß man
darin eventuell schnell hingeworfene Kompositionsskizzen sehen kann.
Das Detail einer pfannkuchenbackenden Frau in [Z 29] greift explizit die Darstellung des
gleichen Themas in der Radierung Rembrandts auf (Bartsch 125, vgl. hierzu auch S. 133).
Der hallenartige, weite Raum und insbesondere das Motiv des Mannes auf der Leiter wurde
mög-licherweise durch Adriaen van Ostades Radierung „Tanz in einer Schenke“ angeregt
(Abb. in: The Illustrated Bartsch, Bd. 1, New York 1978, S. 360).
Literatur: Thieme-Becker, Bd. 33, 1939, S. 355 (en bloc) - Katalog Frankfurt 1973,
Bd. I, S. 202, Nr. 2086.
Abbildung: Katalog Frankfurt 1973, Bd. III, Tafel 300.
Z 30
Nächtliche Wirtshausszene*
Steinkohlevorzeichnung, Feder und Pinsel in Dunkelgrau, grau laviert
12,5 x 10,3 cm
monogrammiert „TM (ligiert) f.“ an der Wandfläche
Wien, Graphische Sammlung Albertina
Inv. Nr. D 1230
Provenienz: Sammlung Herzog Albert von Sachsen-Teschen (frdl. Mitteilung von
Veronika Birke, Albertina Wien)
Vor einem Kamin steht als Rückenfigur ein Mannes, der ein Glas prostend erhebt. Rechts
daneben hält ein zweiter eine Kerze empor, die als einzige Lichtquelle dient. Links stützt sich
eine Frau auf ein hohes Faß und umfaßt mit beiden Händen einen großen Tonkrug. Hinter ihr
wird ein Mann als ins Profil gedrehte Brustfigur sichtbar. Zwei kleine Jungen, die sich vor
einer Tür am rechten Bildrand tummeln, runden die Komposition ab. Zu Stil und Ausführung
vgl. das Gegenstück. Die Zeichnung wurde von Ernst Gottlob in der Aquatintaradierung
[RG 9] reproduziert.
Literatur: Katalog Wien 1933, Bd. IV, S. 116.
Abbildung: Katalog Wien 1933, Bd. V, Tafel 245.
521
Z 31
Straßensinger vor einem Hauseingang*
Steinkohlevorzeichnung, Feder und Pinsel in Dunkelgrau, grau laviert
12,9 x 10,5 cm
bezeichnet im Hauseingang „Trautmann / f.“
Wien, Graphische Sammlung Albertina
Inv. Nr. D 1231 (6263)
Provenienz: Sammlung Herzog Albert von Sachsen-Teschen (frdl. Mitteilung von
Veronika Birke, Albertina Wien), kaum erkennbarer, noch nicht identifizierter Sammlerstempel
Die Zeichnung bildet das Gegenstück zu [Z 30]. In einem hell erleuchteten, zu einem Drittel
verschlossenen Hauseingang werden eine kerzentragende Frau und ein kleiner Junge sichtbar.
Sie beobachten eine Gruppe umherziehender Straßensänger aus zwei Männern, einer Frau
und einem kleinen Jungen. Die Zeichnung wurde von Ernst Gottlob in der Aquatintaradierung
[RG 10] reproduziert.
Beide Zeichnungen sind in relativ feinen Feder- und Pinselstrichen sowie einer besonders
effektvollen, helldunklen Lavierung ausgeführt und besitzen eine ausgesprochen „gemäldeartige“ Wirkung. Das Motiv einer halbgeöffneten Tür mit sich herauslehnenden Zuhörern und
davor singenden Musikanten erinnert entfernt an Rembrandts Radierung der „Bettelmusikanten“ (Bartsch 119). Wenn Trautmann jedoch abweichende Detailmotive formuliert und den
Eingangsbereich in ein helles, nun von einer konkreten Quelle ausgehendes Licht taucht, so
läßt sich die Zeichnung nicht eindeutig auf diese Vorlage zurückführen.
Literatur: Katalog Wien 1933, Bd. IV, S. 116 - Gerson 1942, S. 318, Anm. 2.
Abbildung: Katalog Wien 1933, Bd. V, Tafel 245.
Z 32
Der Guckkastenmann*
Feder in Braun
23 x 20,2 cm
Düsseldorf, Kunstmuseum Düsseldorf im Ehrenhof, Graphische Sammlung
Inv. Nr. 33/158
Provenienz: laut Inventar von 1935 „aus der Gemäldegalerie überwiesen“
Die bislang fälschlich als „Drehorgelspieler“ betitelte Zeichnung zeigt einen umherziehenden
Schausteller mit seinem kubusförmigen Guckkasten. Auf diesem steht ein mit Uniform und
Hut kostümiertes und eine Trommel schlagendes Äffchen. Um den Guckkasten herum schart
522
sich eine Gruppe Neugieriger: zwei Kinder schauen bereits in dem Apparat, ein weiteres steht
rechts daneben und hebt sein kleines Geschwisterchen hoch, damit dieses besser sehen kann.
Ein Bauernpaar im rechten Hintergrund beobachtet amüsiert das Treiben, während links
vorne ein Savoyardenknabe mit umgehängtem Murmeltierkasten zu den anderen Kindern
zurück-blickt.
Die Federzeichnung erinnert in ihrer leichten, die Konturen der Figuren schnell und knapp
umreißenden, die Binnenzeichnung hingegen größtenteils vernachlässigenden und das obere
Drittel des Blattes völlig freilassenden Ausführung an die beiden Bauerngesellschaften im
Städel [Z 28] und [Z 29]. Trautmann greift einzelne Motive der studienhaft wirkenden Zeichnung in weiteren Werken auf, wie beispielsweise den Guckkastenmann mit den beiden Kindern in der Zeichnung der „Bauernbelustigung“ [Z 28] sowie den Guckkastenmann mit dem
Äffchen und den ein Kleinkind hochhebenden Jungen in der großen Jahrmarktsszene [G 116].
Literatur: unpubliziert.
Z 33
Jahrmarktszene mit Bänkelsängern*
Vorzeichnung, Feder und Pinsel in Braun, braun laviert
33,7 x 25,7 cm
monogrammiert „TM. (ligiert) fec.“
Darmstadt, Hessisches Landesmuseum
Inv. Nr. HZ 338
Provenienz: laut Inventar aus der Sammlung Dahlberg. Die Bestände dieser Sammlung
lassen sich jedoch heute nicht mehr eindeutig identifizieren (frdl. Mitteilung von Peter
Märker, Graphische Sammlung im Hessischen Landesmuseum Darmstadt)
Über der Besucherschar eines Jahrmarktes wird links ein Bänkelsängerpaar sichtbar. Während
der Mann mit einem Stock die einzelnen Szenen einer ausgerollten Bildtafel erläutert, singt
die Frau die dazugehörige Moritat. Rechts vorne sitzt eine Verkäuferin von Obst und Gemüse,
links neben ihr steht ein kleiner Junge mit Bauchladen. Dahinter preist ein Scharlatan Medizinfläschchen oder Rattengift mit erhobenem Arm an. Im Hintergrund deuten ein Torbogen
und einige Bauernhäuser die dörfliche Umgebung des Jahrmarktes an.
Die Zeichnung ist ebenso wie Trautmanns gemalte Jahrmarktdarstellungen aus additiv nebeneinandergesetzten Figurengruppen gebildet, die einen vielfältigen, jedoch einheitlichen Eindruck erwecken. Die Ausführung erzielt durch eine Kombination von Feder und Pinsel sowie
eine sorgsame Lavierung eine ausgesprochen „gemäldeartige"“Wirkung. Bänkelsänger mit in
523
Details erkennbaren Bildtafeln sind auch in den gemalten Jahrmarktdarstellungen [G 120],
[G 121] und [G 126] zu finden.
Literatur: Bangel 1914, S. 118, S. 168, Nr. 14 - Bamberger 1916, S. 80 - ThiemeBecker, Bd. 33, 1939, S. 355 (en bloc) - Katalog Darmstadt 1975, Nr. 43.
Z 34
Bauern mit einem Pferdegespann vor einem Stadttor
Feder und Pinsel in Schwarz und Grau, grau laviert
24,5 x 34,4 cm
bezeichnet links unten auf dem Steinblock „J.G.Trautmann / f.“
Leipzig, Museum der bildenden Künste
Inv. Nr. NI. 4627
Die bislang als „Bauern bei der Feldarbeit“ beschriebene Zeichnung zeigt ein Pferd mit
Schlit-ten vor einer ruinösen Torarchitektur, durch die einige entfernte Gebäude zu erkennen
sind. Das Gefährt ist mit einem Faß und einem stoffumwickelten Ballen beladen, den zwei
Bauern festhalten. Einer schwingt die Peitsche, um das Pferd voranzutreiben. Die
Komposition wird durch zwei spielende Kinder an einem Steinblock mit Trautmanns Signatur
links ergänzt. Rechts schweift der Blick in eine weite Landschaft mit Figuren.
Die Zeichnung ist in „gemäldeartiger“ Manier in feinen Feder- und Pinselstrichen und einer
sorgsamen Lavierung ausgeführt. Ein vergleichbares Pferdemotiv zeigt die Reproduktionsgraphik [RG 13] nach einer verschollenen Vorlage Trautmanns, aber auch verschiedenen
Zigeunerdarstellungen, so die Gemälde [G 140] und [G 146].
Literatur: unpubliziert.
Z 35
Räuber inspizieren ihre Beute
Bleistift und Feder in Braun
22,0 x 26,8 cm
Wasserzeichen: Blätterkranz mit einem Baselstab
Frankfurt, Städelsches Kunstinstitut
Inv. Nr. Linel 15a
Provenienz: Leihgabe der Linel-Sammlung
524
Um einen gebieterisch gestikulierenden Bandenanführer gruppieren sich verschiedene Personen: hier wird ein Bündel mit Beute herbeigeschleppt, dort werden Gegenstände auf dem
Boden ausgebreitet und inspiziert. Im Vordergrund streift ein Hund umher, hinten rechts habt
sich Pärchen zurückgezogen. Die Komposition greift zahlreiche Motive der Zigeunerszenen
Trautmanns auf, die erbeutete Schatztruhe fehlt jedoch.
Die Zeichenweise bevorzugt rasch hingeworfene, ganz auf den Umriß der Motive konzentrierte und zum Teil expressiv gespannten Linien und ist am ehesten mit dem Stil der Zeichnung in Düsseldorf [Z 32] vergleichbar. Zu denken wäre an eine rasche Notiz eines vorgefundenen Motives. Eine weitere Verwendung der Skizze läßt sich jedoch nicht nachweisen.
Literatur: Katalog Frankfurt 1973, Bd. 1, S. 215f., Nr. 2215 (als Werk eines unbekannten
deutschen Zeichners des 18. Jahrhunderts bzw. als Zuschreibung an Johann Lischka).
Abbildung: Katalog Frankfurt 1973, Ergänzungsband, Tafel 306.
525
FÄLSCHLICH ZUGESCHRIEBENE ZEICHNUNGEN
Zc 1
Ahasver, Ester und Haman*
Johann Conrad Seekatz
Pinselzeichnung in leichten Deckfarben in Violettgrau auf weißem Papier
40 x 27,5 cm
Weimar, Stiftung Weimarer Klassik
Inv. Nr. Sch. I 323, 102a
Provenienz: Zeichnungssammlung Johann Wolfgang von Goethes
Die Zeichnung stellt nach Est 7,1-8 dar, wie Haman Gnade von Königin Ester erbittet und
König Ahasver darüber in Zorn gerät. Die Szene ist in eine phantastische, durch hohe Bögen
rückwärtig geöffnete Palastarchitektur gesetzt. In der Mitte sitzt Königin Ester, links daneben
steht König Ahasver, der einen antikisierenden Brustpanzer mit übergeworfenem Mantel trägt
und mit pathetischer Geste auf den rechts in Bittstellung knienden Haman verweist. Verschiedene Assistenzfiguren komplettieren die Komposition.
Die Zeichnung ist ebenso wie die nachfolgende nicht Trautmann, sondern Johann Conrad
Seekatz zuzuschreiben (vgl. den nachfolgenden Katalogtext). Weiterhin greift auch das bisweilen Trautmann zugeschriebene Gemälde [Ga 1] eine entsprechende Komposition auf.
Literatur: Schuchard 1848, Bd. I, S. 323, Nr. 102 (als Zeichnung eines unbekannten
französischen Malers) - Heuer 1899, S. 273 - Bamberger 1916, S. 107 - Femmel 1980,
S. 194, Nr. R 12a (sämtlich als Werk von J.C. Seekatz).
Abbildungen: Heuer 1899 o.S. - Femmel 1980 o.S. - Emmerling 1991, S. 194 (als Werk
von J.C. Seekatz).
Zc 2
Das Salomonische Urteil*
Johann Conrad Seekatz
Bleistift, Pinselzeichnung in leichten Deckfarben in Beigeorange auf weißem Papier
41,6 x 28 cm
Weimar, Stiftung Weimarer Klassik
Inv. Nr. Sch. I 323, 102b
Provenienz: Zeichnungssammlung Johann Wolfgang von Goethes
Die Darstellung zeigt nach 1. Kön 3,16-28, wie König Salomo im Fall des Streites zweier
Frauen um ein vertauschtes Kind eine weise Rechtssprechung fand. Die Szene ist in einen
phantastisch anmutenden, durch tribünenartige Arkaden unterteilten Saal gesetzt. Am rechten
526
Bildrand sitzt König Salomo auf einem erhöhten und baldachinüberwölbten Thron. Er verweist auf eine vor ihm stehende, die Arme flehend erhebende Mutter. Die im Vordergrund
kniende falsche Mutter hält gelassen ein Kind. Ein säbelschwingender Soldat will das Kind
gerade ergreifen, um es zweizuteilen. Daneben liegt das eigene, verstorbene Kind der falschen
Mutter. Verschiedene Assistenzfiguren runden die Komposition ab.
Die Zeichnung entspricht in der Grunddisposition einem Gemälde, das Johann Conrad Seekatz für Graf Thoranc ausführte (heute in Brest, Musée Municipal, Emmerling 1991, Nr. 19,
Abb. S. 49). Im Vergleich zeigt sich jedoch die Gewölbelösung der Architektur wesentlich
einfacher. Weiterhin wirken die Figuren in Bewegungsmotiven und den Gewandfalten nicht
endgültig ausgearbeitet. Der lockere, skizzenhafte Duktus übergeht kleinere Details und konzentriert sich ganz auf die Komposition sowie auf Lichtwirkung und Helldunkel. Die Zeichnung besitzt somit einen ebenso studienhaften Charakter wie das Blatt [Zc 1]. Man darf daher
Otto Heuer (vgl. Literatur) zustimmen, der in beiden Zeichnungen Skizzen von Seekatz für
die für Graf Thoranc geschaffenen bzw. vorgesehenen Gemälden sah. Hierfür spricht auch die
schwach erkennbare, stellenweise jedoch deutlich von der Pinselskizze abweichende Bleistiftunterzeichnung in [Zc 2]. Diese Darstellung zeigt über dem korbbogenförmigen Abschluß
zudem hingetupfte, rocailleartige Ornamente, die offenbar für eine vorgesehene, gemalte oder
geschnitzte Rahmung stehen. Die Zeichnung besitz somit eindeutig den Charakter eines recht
sorgfältig ausgeführten Entwurfs.
Literatur: Schuchard 1848, Bd. I, S. 323, Nr. 102 (als Zeichnung eines unbekannten
französischen Malers) - Heuer 1899, S. 273 - Bamberger 1916, S. 107f. - Femmel 1980,
S. 194, Nr. R 12b (sämtlich als Werk von J.C. Seekatz).
Abbildungen: Heuer 1899 o.S. - Femmel 1980 o.S. - Emmerling 1991, S. 194 (als Werk
von J.C. Seekatz).
Zc 3
Joseph erzählt seine Träume*
niederländischer Zeichner (Umkreis oder Nachahmer Rembrandts?)
Feder und Pinsel in Braun, laviert, auf grauem Bütten, starke Lichtschäden
19,5 x 15 cm
beschriftet „P rembrant fect.“ von fremder Hand rechts unter der gezeichneten Rahmung des
frühen 19. Jahrhunderts
Weimar, Stiftung Weimarer Klassik, Graphische Sammlung
Inv. Nr. Schuch. I, S. VIII, Nr. 14
Provenienz: Zeichnungssammlung Johann Wolfgang von Goethes, ursprünglich ausgestellt im „Deckenzimmer“ des Hauses am Frauenplan in Weimar (dort durch eine Reproduktion ersetzt)
527
Gemäß Gen 37,1-11 sitzt Joseph im Kreis der Familie und hält inne, um seine Träume zu
erzählend. Die übrigen Figuren werden als Rückenfigur, frontal oder im Profil gezeigt. Die
Zeichnung läßt sich eindeutig auf die Radierung Rembrandts (Bartsch 37) zurückführen.
Während jedoch Rembrandt einen klaren räumlichen Eindruck vermittelt und die unterschiedlichen Charaktere und Reaktionen der Figuren um Joseph besonders herausarbeitet, werden
diese Aspekte in der Zeichnung stark vernachlässigt. Die Ausführung wirkt dabei sehr
flüchtig und deutet viele Details nur übergehend an.
Das Blatt ist aufgrund des sehr skizzenhaften, fließend die Formen umreißenden Stils und der
fleckenartig helldunklen Lavierung mit keiner gesicherten Zeichnung Trautmanns vergleichen. Weiterhin weichen Detailformen, insbesondere die Physiognomie deutlich von Trautmanns Ausdrucksweise ab. Somit läßt sich eine Zuschreibung an Trautmann nicht halten. Die
bereits früher vermutete Autorenschaft eines Holländers, eventuell aus dem Umkreis Rembrandts, bliebe erneut zu überdenken.
Literatur: Schuchard 1848, Bd. I, S. XVIII, Nr. 14 (als eigenhändiges Werk Rembrandts)
- Bamberger 1916, S. 45 (als Werk Trautmanns) - Münz 1934, S. 80-82 (als Nachzeichnung
nach Rembrandt, 18. Jahrhundert) - Thieme-Becker, Bd. 33, 1939, S. 355 (als Werk Trautmanns).
Abbildung: Münz 1934, Tafel 21, Abb. 67.
Zc 4
Venus in der Schmiede des Vulkan*
unbekannter Zeichner, 18. Jh.
Fettkreide auf braunes Papier, aufgezogen
37,8 x 28,9 cm
bezeichnet von fremder Hand „trautman fecit.“
München, Staatliche Graphische Sammlung
Inv. Nr. 1949:18
Provenienz: Sammlung Adolf Feulner, Nachlaß - Professor Dr. Baurmann - von der
Graphischen Sammlung erworben als Geschenk am 4.10.1948
Im Vordergrund eines angedeuteten Gewölberaumes stehen drei männliche Figuren um einen
großen Amboß und schmieden ein Eisenstück. Rechts schwebt Venus auf einer Wolke herbei
und verweist mit ihrer Rechten auf das Geschehen.
Die Zeichnung ist in dichten, größtenteils parallel verlaufenden Schraffuren angelegt und
zeichnet sich durch eine skizzenhafte Wirkung und ein starkes Helldunkel aus. Allein die
Figuren und der Amboß werden von durchgehenden Konturen umrissen. Auffallend sind
deutliche Verzeichnungen der Figuren, wie der extrem überlängte Arm des Mannes links.
Ferner sind Bewegungsmotive wenig überzeugend wiedergegeben: die gleichzeitig angeho-
528
benen Hämmer der Schmiede schildern deren Tätigkeit in recht ungeschickter Weise (vgl.
etwa die phasenweise Wiedergabe der gleichen Tätigkeit in einer Zeichnung J.H. Schönfelds,
Abb. in: Pée 1971, S. 260).
Da von Trautmann weder mythologischer Darstellungen noch reine Kreidezeichnungen
bekannt sind, läßt sich die bisherige Zuschreibung nicht halten. Elegante Detailformen
(geschwungene Beine des Dreifußes links) sowie der leichte und dekorative Gesamteindruck
belegen jedoch eine Entstehung im 18. Jahrhundert. Eine weitere Bestimmung der nur mäßig
qualitätsvollen Zeichnung steht noch aus.
Literatur: unpubliziert.
Zc 5
Die Verkündung eines Urteils (?)*
unbekannter Zeichner, 18. Jh.
Feder in Schwarz, grau laviert
18,2 x 12 cm
Köln, Wallraf-Richartz-Museum
Inv. Nr. Z 1107
Provenienz: Alter Bestand, möglicherweise aus der Sammlung Ferdinand Franz Wallraf
(frdl. Auskunft der Graphischen Sammlung im Wallraf-Richartz-Museum)
Das genaue Thema der Darstellung konnte bislang nicht identifiziert werden. Vor einer reich
gegliederten Rückwand und unter einer baldachinartigen Draperie über thronartigem Sessel
tritt ein als Rückenfigur wiedergegebener Mann in die Mitte, um ein aufgeschlagenes Schriftstück vorzulesen. Die Figur trägt einen hohen Hut mit Krempe sowie einen langen, gegürteten
Mantel mit weiten Ärmeln. Diese Tracht wirke ebenso wie das schellenbesetzte und geschlitzte Narrenkostüm seines Dieners betont altertümlich. Dieser steht links hinter seinem Herren
und hält dessen Mantelende hoch, während er in seiner Linken eine brennende Kerze trägt.
Das Urteil richtet sich an drei Figuren rechts, die niederknien und ihr Leid beklagen.
Ein Vergleich mit gesicherten Zeichnungen Trautmanns offenbart, daß das Kölner Blatt in der
Durchbildung der Figuren und insbesondere den Physiognomien deutlich von Trautmanns
Figuren abweicht. Ferner sind von Trautmann keine vergleichbaren, „mittelalterlich“ anmutende Kostüme bekannt. Da schließlich auch die schnellen und energischen Schraffuren, so
bei der Draperie und in der Kleidung gänzlich von dessen Zeichenweise abweichen, ist
die
529
alte Zuschreibung nicht zu halten. Eine genauere Bestimmung der wohl in der zweiten Hälfte
des 18. Jahrhunderts entstandenen Darstellung steht noch aus.
Literatur: unpubliziert.
Zc 6
Zwei Kavaliere
unbekannter Zeichner, 18. Jh.
Technik und Größe unbekannt
ehemals Frankfurt, Baehr'sche Buchhandlung (1924)
Vor parkartiger Landschaft stehen zwei nach Mode der Mitte des 18. Jahrhunderts gekleidete
Herren im Gespräch. Der linke wendet sich zur Seite und sieht seinen Kompagnon an. Dieser
stützt seinen rechten Arm mit eleganter Geste auf einen Spazierstock.
Die Zuschreibung an Trautmann ist aufgrund der Thematik sowie der zeitgenössischen,
bewußt modischen Kostümierung abzulehnen. Die posenhafte Figurendarstellung läßt an
französische Vorbilder des 18. Jahrhunderts denken, beispielsweise Antoine Watteaus radierte
Serie „Figures de Mode“ (vgl. Katalog Paris 1984, S. 225f., etwa die Radierung „Spaziergänger im Profil“. ebd., S. 229, Nr. 3, mit Abb.). Eine genauere Bestimmung wird durch die
schlechte Qualität der einzig bekannten Fotografie im RKD erschwert.
Literatur: Leber 1924, S. 108f..
Abbildung: Leber 1924, Abbildungsband, Abb. 46 (der Band ist nicht mehr nachweisbar).
Zc 7
Gewandfigur mit einem Turban*
unbekannter Zeichner, 18. Jh.
Zc 8
Gewandfigur mit einem Lorbeerkranz*
Schwarze und weiße Kreide auf grau grundiertem Papier
Pendants, 55,5 x 42,2 cm [Zc 7] bzw. 53,4 x 45,2 cm [Zc 8]
Frankfurt, Städelsches Kunstinstitut
Inv. Nr. 1692 und 1693
Provenienz: Frankfurt, Sammlung Johann Georg Grambs, gestiftet 1817
Beide Zeichnungen stellen sitzende Gewandfiguren in phantastischer Kostümierung dar. In
der ersten wendet sich ein bärtiger, einen Turban mit aufgesteckter Feder tragender Mann
530
leicht nach rechts, während er den Kopf zurückdreht und mit seiner Rechten nach vorn weist.
Auffallend sind das komplizierte, vielfach gedrehte Bewegungsmotiv und die kontrapunktisch
bewegten, schweren Gewandfalten. In der zweiten Zeichnung ist die Figurendarstellung
vereinfacht, indem Beine und Oberkörper des Dargestellten einer diagonalen Bewegungslinie
folgen. Die Figur breitet die Arme mit theatralischer Geste aus und blickt mit leicht
geneigtem Kopf nach links. Ein Kopftuch und ein Lorbeerkranz geben ihr antikisierenden
Charakter.
Da von Trautmann weder vergleichbare Gewandfiguren noch ähnlich sorgsam mit zwei Kreiden auf grundiertem Papier ausgeführte, großformatige Zeichnungen bekannt sind, läßt sich
die bisherige Zuschreibung nicht halten. Die phantastisch gekleideten, sitzenden Gewandfigur
paraphrasieren letztlich einen weitverbreiteten Typus der barocken und nachbarocken
Malerei, so daß ihre weitere Bestimmung allein von konkreten Vergleichsbeispielen ausgehen
kann.
Literatur: Katalog Frankfurt 1973, Bd. I, S. 201, Nr. 2072, Nr. 2073 (als Werk Trautmanns).
Abbildungen: Katalog Frankfurt 1973, Bd. III, Tafel 299.
Zc 9
Brustbild eines bärtigen Alten*
Martin Johann Schmidt?
Feder in Braungrau, laviert
22,5 x 16 cm
Wien, Graphische Sammlung Albertina
Inv. Nr. D 1232
Provenienz: unbekannt; das Blatt trägt einen noch nicht identifizierten Sammlerstempel
Das Brustbild eines alten, bärtigen Mannes ist beinahe bis ins Profil nach links gewendet. Die
einfache, vor der Brust geknöpfte Kleidung wird in wenigen, knappen Strichen skizziert, der
Bart und die lockigen Haare sind hingegen in lockeren, kringelförmigen Strichen nachgebildet. Die Ausarbeitung der Gesichtszüge kombiniert dunkle, sehr plastisch wirkenden
Lavie-rungen und sparsam gesetzte Schraffuren, was einen ebenso lebendigen wie virtuosen
Aus-druck erzeugt.
Die früher Martin Johann Schmidt, gen. Kremserschmidt zugeschriebene Zeichnung wurde
von Stix als „Typenstudie im holländischen Geschmack“ von Trautmann angesehen (vgl.
Literaturangabe). Die beschriebene Zeichenweise ist jedoch für Trautmann ebenso atypische
wie die Physionomie der Figur. Da hingegen eine stilistische Nähe zu verschiedenen gesicherten Zeichnungen Schmidts zu beobachten ist (vgl. die ähnlich skizzenhaft angelegte und
531
virtuos lavierte Federzeichnung in Augsburg; Abb. in: Katalog Augsburg 1987, S. 370), wäre
die alte Zuschreibung erneut zu diskutieren.
Literatur: Katalog Wien 1933, Bd. IV, S. 116 (als Zuschreibung an Trautmann).
Zc 10
Der Saltarello*
unbekannter Zeichner (zweite
Hälfte des 18. Jh.?)
Feder in Braun, braun laviert
23,5 x 34,9 cm
Frankfurt, Städelsches Kunstinstitut
Inv. Nr. 5801
Provenienz: erworben 1867 von F. Prestel, Frankfurt
In einer offenen Scheunenarchitektur erscheint ein erhöht stehender Tambourinspieler, zu
dessen Musik eine Frau und zwei Männer links tanzen. Rechts daneben zieht ein Mann eine
widerstrebende Frau am Arm. Diese beugt sich zu zwei Erwachsenen und einem Kind am
Boden hinab. Ganz rechts trinkt ein Mann zwischen zwei Genossen begierig aus einer Korbflasche. Am linken Rand schließen ein ins Freie deutender Mann und ein Lastenträger die
Komposition ab.
Die Zeichnung wurde bislang als „Bauernbelustigung in einer Scheune“ Trautmann zugeschrieben. Die auf Zehenspitzen gesprungene Tanzbewegung, die auffallende Gestik und das
angewinkelt gehaltene Bein des Mannes lassen darin jedoch eine Darstellung des Saltarello,
eines beliebten italienischen Volkstanzes erkennen (vgl. die Zeichnung von Dietrich Wilhelm
Lindau, Abb. in: Künstlerleben in Rom, Berthel Thorwaldsen (1770-1844), Katalog der Ausstellung des Germanischen Nationalmuseums Nürnberg 1991/92, S. 426). Der Tambourinspieler, die Korbflasche sowie die offene Architektur mit Landschaftsausblick
unterschreichen den "italienischen" Charakter der Szene.
Die Darstellung einer italienischen Volksszene und der sehr lockere, sichere Duktus erlauben
eine Zuschreibung an Trautmanns nicht. Die Lebendigkeit der Schilderung läßt hingegen vermuten, daß das Blatt von einem vor Ort weilenden Künstler geschaffen wurde. Die Freude an
heiteren, direkt erzählten Details sowie die lockere, noch nicht klassizistisch „verfestigte“
Zeichenweise könnten als Hinweise auf eine Entstehung der Zeichnung in der zweiten Hälfte
des 18. Jahrhunderts gedeutet werden.
Literatur: Bangel 1914, S. 167 (als Werk von Seekatz) - Katalog Frankfurt 1973, Bd. I,
S. 202, Nr. 2084 (als Werk von Trautmann).
Abbildung: Katalog Frankfurt 1973, Bd. III, Tafel 300.
532
VERSCHOLLENE UND NICHT IDENTIFIZIERBARE ZEICHNUNGEN
Zd 1
„Christus, der den Jüngern die Füße wäscht“
„Sepiaskizze“
Größe unbekannt
Ehemals Frankfurt, Freies Deutsches Hochstift, Frankfurter Goethe-Haus, „im Gemäldezimmer des Herrn Rat“ (1904)
Ein entsprechendes Werk läßt sich heute nicht mehr im Besitz des Hochstifts nachweisen.
Über einen eventuellen Erwerb und den weiteren Verbleib der Zeichnung sind keine Einzelheiten bekannt (frdl. fernmündliche Mitteilung von Petra Maisak, Freies Deutsches Hochstift
Frankfurt).
Literatur: Donner von Richter 1904, S. 248.
Zd 2
Drei Spieler
Technik und Größe unbekannt
Ehemals Frankfurt, Baehr'sche Buchhandlung (1924)
Hermann Leber sah in der Zeichnung ein Beispiel für Trautmanns späten Zeichenstil und
stellte bei dieser Gelegenheit fest, daß der Künstler sich zu diesem Zeitpunkt weitgehend am
Beispiel der Ausdrucksmöglichkeiten und Typen Rembrandts orientiert habe.
Literatur: Leber 1924, S. 108f..
Abbildung: Leber 1924, Abbildungsband, Abb. 45 (der Band ist heute nicht mehr
nachweisbar).
533
Zd 3
Liebespaar
Pinselzeichnung in Sepia
15,7 x 18 cm
Ehemals Chemnitz, Sammlung Carl Heumann (1934)
Über die Zeichnung sind keine weiteren Informationen bekannt. Die Sammlung des Bankiers
Carl Heumann wurde am 29.11.1957 vom Auktionshaus Ketterer in Stuttgart versteigert, eine
Zeichnung Trautmanns wird jedoch im Auktionskatalog nicht genannt (frdl. Mitteilung des
Kunstantiquariats C.G. Boerner, Düsseldorf, brieflich vom 2.4.1993).
Ausstellung: Leipzig 1934, „Bildnis und Komposition 1750 – 1850“.
Literatur: Kunstverein Leipzig (Hrsg.), Bildnis und Komposition 1750 - 1850, Zeichnungen und Aquarelle aus der Sammlung Heumann-Chemnitz, Katalog der Ausstellung im
Kunstverein Leipzig 1934, S. 44, Nr. 203 - Thieme-Becker, Bd. 33, 1939, S. 356.
534
3. DRUCKGRAPHIK
D1
Die Auferweckung des Lazarus*
Radierung, stellenweise mit Kaltnadel übergangen
Bildrand 20,5 x 16,5 cm
Druckplatte 21,2 x 16,8 cm
monogrammiert „TM [ligiert] fec.“; ein zweites, seitenverkehrtes, durch Schraffuren
verdecktes Monogramm befindet sich auf der Seitenkante der Grabplatte
Standortnachweis:
Berlin, Staatliche Museen zu Berlin - Preußischer Kulturbesitz, Kupferstichkabinett
(1 Exemplar)
Braunschweig, Herzog Anton Ulrich Museum (1 Exemplar)
Bremen, Kunsthalle
Inv. Nr. 1622
Coburg, Kunstsammlungen der Veste Coburg
Inv. Nr. III,506,1
Frankfurt, Freies Deutsches Hochstift, Frankfurter Goethe-Museum
Inv. Nr. Xa-kl-226
Inv. Nr. Xa-kl-6105
Inv. Nr. Xa-kl-6257
Inv. Nr. Xa-kl-13050
Frankfurt, Städelsches Kunstinstitut
Inv. Nr. 20274 (Standartabzug, schwarz auf weißem Papier)
Inv. Nr. 20275 (Abzug in Schwarz auf gelblichem Papier)
Inv. Nr. 44737 (Abzug in Zinnoberrot auf weißem Papier)
Hamburg, Kunsthalle
Inv. Nr. 25272
Mainz, Landesmuseum
Inv. Nr. 10809
Mannheim, Kunsthalle, Sammlung Anton von Klein (1 Exemplar)
München, Staatliche Graphische Sammlung
Inv. Nr. M 197, Nr. L, Bl. 1
Nürnberg, Germanisches Nationalmuseum
Inv. Nr. K 20, 746, Kapsel 199
Saarbrücken, Saarland-Museum
Inv. Nr. Ni 31-16
Speyer, Historisches Museum der Pfalz
Inv. Nr. HM 1988/134
Wien, Graphische Sammlung Albertina
Inv. Nr. HB 50 (7), S. 104, Nr. 185 (unvollendeter Zustand)
Inv. Nr. HB 50 (7), S. 104, Nr. 186
Inv. Nr. D III 24 pag. 22
Würzburg, Martin von Wagner Museum
Inv. Nr. 4994 (211)
535
Die Umgebung der Grabhöhle ist durch einen pflanzenüberwucherten Bogen oben
angedeutet. In der unteren Hälfte befindet sich, von einem hohen, steinernen Absatz begrenzt,
das geöffnete Grab, in dem sich die als bis zur Brust sichtbare, in Tücher gehüllte Figur
Lazari aufrichtet. Etwa in der Mitte der Komposition steht Christus als lichte, von einer
Gloriole um-gebene Figur und weist mit ausgestrecktem linken Arm gen Himmel, während er
zu dem Auferweckten blickt und deutet. Rechts daneben eine pyramienförmig gestaffelte
Gruppe aus zwei Frauen und zwei Männern, die in verschiedener Weise auf das Wunder
reagieren: einzel-ne Figuren weinen, beobachten gebannt und ergriffen den Auferweckten
oder blicken ver-wundert und mit ausgestreckten Armen zu Christus. Ihr Habitus und ihre
Physiognomie entsprechen vollkommen Trautmanns typenhaften Figuren. Eine Mann links
neben Christus sowie zwei dunkle, silhouettenhaft in den Vordergrund gesetzte
Repoussoirefiguren runden die Komposition ab.
Die Darstellung fällt zunächst durch die effektvolle, ein starkes Helldunkel erzeugende, die
Hauptfiguren akzentuierende und somit auch das Bildgeschehen verdeutlichende
Lichtführung auf. Weiterhin werden verschiedene graphische Gestaltungsmittel kontrastiert:
während die Gloriole um Christus aus einfachen, dünnen, gerade durchgezogenen Linien
besteht, wird des-sen Figur selbst aus skizzenhaft nebeneinandergesetzten, kurzen Linien
gebildet. Die übrigen Figuren zeichnen sich durch klare, kräftige Konturlinien sowie dunkle,
aus dicht gesetzten, bewegten Einzelformen gebildete Schattenpartien aus. Letztere gehen
stellenweise, etwa rechts unvermittelt in die dunkle Fläche des Felsbogens über. Einfache,
gleichmäßige Schraffuren und Kreuzschraffuren setzt Trautmann hingegen allein bei der
Darstellung flächiger Bildelemente im Vordergrund ein. Die Radierung ist an einigen Stellen,
so bei der Figur Christi sowie bei dem Grabtuch zusätzlich in Kaltnadel übergangen. Einen
noch vor-läufigen Zustand dokumentiert ein Abzug der Albertina Wien: hier besteht die
Gloriole um Christus aus weniger dicht gesetzten Linien, während die Figurengruppe im
Vordergrund links noch weniger dunkel ausgearbeitet ist. Bemerkenswert ist schließlich das
offenbar ver-sehentlich seitenverkehrt gedruckte Monogramm „MT“, das im endgültigen
Zustand durch dichte Schraffuren verdeckt wird. Der Vermutung, daß Trautmann mit dieser
Radierung die Ausdrucksmöglichkeiten druckgraphischer Techniken erproben wollte, wird
schließlich auch durch zwei farbig variierend gedruckte Abzüge im Besitz des Frankfurter
Städels belegt.
Die Komposition gleicht weitgehend der seitenverkehrten Grunddisposition des Gemäldes
gleichen Themas in Privatbesitz [G 25], allein die Gestik Christi wurde verändert und die
Zahl der Assistenzfiguren reduziert. Als weitere Anregungen lassen sich ebenso wie bei dem
Gemälde die Lazarus-Radierung Jan Lievens' (Abb in: Schwartz 1987, S. 86) sowie die
beiden Radierungen Rembrandts benennen (Bartsch 72 und 73, vgl. S. 154-156).
Grundlegend ist die Beobachtung, daß Trautmann verschiedene Anregungen in einer
effektvoll beleuchteten, insgesamt sert ausgewogen komponierten und gefällig gestalteten
536
Komposition zusammen-faßte. Ebenso wie die genannten Gemälde stellte auch die Radierung
Trautmanns für kundige zeitgenössische Betrachter eine offensichtliche, im Ausdruck
gesteigerte und „verbesserte“ Nachahmung der Kunst Rembrandts dar.
Ausstellungen: München, Nürnberg, Kaiserslautern 1928, „Pfälzer Kunst von Churfürst
Carl Theodor bis zur Gegenwart“ - Paris und Mainz 1949, „Goethe und Frankreich 17491949“ - Saarbrücken 1964, Saarland-Museum, „Neuerwerbungen alter Kunst 18. Jahrhundert“ - Bremen und Lübeck 1986/1987, „In Rembrandts Manier“ - Amsterdam, Salzburg
und Freiburg 1998/1999, „Rembrandt - Seine Verwandlung in der deutschen und österreichischen Graphik des 18. Jahrhunderts“.
Literatur: Hüsgen 1780, S. 172 - Füssli 1779/1824, Bd. 2, S. 1932 - Nagler 1835/1924,
Bd. 11, S. 382, Nr. 4 (als Radierung Nothnagels); Bd. 21, S. 268, Nr. 1 (als Radierung Trautmanns) - Gwinner 1862, S. 286, Nr. 1 - Le Blanc, Bd. 4, S. 53, Nr. 1 - Nagler 1879, Bd.
V, S. 156, Nr. 765 - Bangel 1914, S. 137-139, S. 165, Nr. 1 - Katalog München 1928, S.
76, Nr. 406 - Münz 1934, S. 21-26, S. 32-35 - Thieme-Becker, Bd. 33, 1939, S. 355 Gerson 1942, S. 317 - Katalog Mainz 1949, Nr. 81 - Bushart 1963, S. 178 - Katalog
Saarbrücken 1964, Nr. 83 (o.S.) - Gerson 1973, S. 211 - Keller 1981, S 181f. - Katalog
Bremen 1986, S. 56, Nr. 77 - Katalog Amsterdam 1998 (s.o.), S. 62f., Nr. 52.
Abbildungen: Münz 1934, Tafel 4, Abb. 12 - Gerson 1973, Abb. 182 - Katalog Bremen
1986, Abb. 77 - Katalog Amsterdam 1998 (s.o.), S. 62.
D2
Ein Bauchladenkrämer und eine alte Frau*
Radierung
Bildrand 9,7 x 6,7 cm
Druckplatte 10 x 7,3 cm
Standortnachweis:
Berlin, Staatliche Museen zu Berlin - Preußischer Kulturbesitz, Kupferstichkabinett
(1 Exemplar)
Mainz, Landesmuseum
Inv. Nr. 10810
Ein fahrender Händler ist als einfach gekleidete, einen federbesteckten Hut tragende
Halbfigur dargestellt. Er ist gerade in Begriff, eine Brille vom Deckel seines Bauchladens zu
nehmen, um diese einer rechts erkennbaren alten Frau feilzubieten. Der links unten aus dem
Dunklen auftauchende Kopf eines Jungen rundet die Darstellung ab.
Die Radierung gleicht in der additiven Komposition sowie in Habitus und Physiognomie der
Figuren verschiedenen Genreszenen Trautmanns, insbesondere dem kompositorisch verwandten Gemälde aus dem Kunsthandel [G 100]. Im Gegensatz zu der größeren, verschiedene Stilmittel kontrastierenden Lazarus-Radierung zeigt die Darstellung kleinteilige, bewegte und
dicht nebeneinandergesetzte Linien, klare Konturlinien und regelmäßige Schraffuren sind
537
kaum zu beobachten. Die Radierung gewinnt hierdurch einen ausgesprochen lebendigen und
skizzenhaften Charakter, der durch den in der oberen Hälfte rein stehengelassenen
Hintergrund noch gesteigert wird. Dieser Stil erscheint den „malerisch“ ausgearbeiteten
lavierten Zeichnungen Trautmanns ebenso verwandt (vgl. [Z 23] und [Z 24]) wie verschiedenen Druckgraphiken niederländischer Provenienz (vgl. etwa die Radierung Der „Pfeifenraucher“ von A.v. Ostade, Bartsch illustrated 1978, Bd. 1, New York 1978, S. 328, mit Abb.).
Das offenbar bewußt gewählte Gestaltungsmittel einer einheitlich dunklen, stark
strukturierten Flächen wurde wenige Jahre später im übrigen von der Technik der
Aquatintaradierung fort-geführt. Trautmanns Stil wurde von Bangel als „ganz unbeholfen in
der Zeichnung“ mißver-standen, von Gwinner hingegen als „vortrefflich“ gelobt.
Literatur: Nagler 1835/1924, Bd. 21, S. 266, Nr. 3 - Gwinner 1862, S. 286, Nr. 3 - Le
Blanc, Bd. 4, S. 53, Nr. 6 - Bangel 1914, S. 139, S. 166, Nr. 3 - Thieme-Becker, Bd. 33,
1939, S. 155.
D3
Brustfigur eines Mannes mit orientalischem Kopfschmuck*
Radierung
Bildrand 9 x 8 cm,
Druckplatte nahezu gleichgroß
monogrammiert „TM [ligiert] fec.“ links unten
Standortnachweis:
Coburg, Kunstsammlungen der Veste Coburg
Inv. Nr. III,506,2
Frankfurt, Freies Deutsches Hochstift, Frankfurter Goethe-Museum
Inv. Nr. Xa-kl-6258
Inv. Nr. Xa-kl-6259
Frankfurt, Städelsches Kunstinstitut
Inv. Nr. 38209
Inv. Nr. 19241 (unter den Druckgraphiken Nothnagels)
Mainz, Landesmuseum
Inv. Nr. 10811 (Standartabzug, mit teilweise stehengelassenem Plattenton)
Inv. Nr. 10812 (unvollendeter Zustand, ohne Monogramm)
Mannheim, Kunsthalle, Sammlung Anton von Klein (1 Exemplar.)
München, Staatliche Graphische Sammlung
Inv. Nr. M 197, Nr. 5
Nürnberg, Germanisches Nationalmuseum
Inv. Nr. 14263 (heller Abzug auf weißem Papier)
Inv. Nr. 14264 (dunkler Abzug auf gelblichem Papier, ohne Monogramm)
Tübingen, Graphische Sammlung des Kunsthistorischen Instituts der Universität Tübingen
(1 Exemplar)
Die Radierung zeigt das nach links gedrehte, im Dreiviertelprofil zurückblickende Brustbild
eines bärtigen Mannes. Er trägt ein einfaches Gewand mit pittoresk zerfranstem Kragen sowie
538
einen phantastischen, turbanartigen, mit Bändern, Federn und Quasten versehenen Kopfputz.
Komposition, Habitus und Physiognomie folgen Trautmanns gemalten und gezeichneten
Phantasieköpfen (vgl. die Zeichnungen in München [Z 19] und in Stuttgart [Z 21]). Das
schlaglichtartig von rechts oben einfallende Licht erhellt die Schulterpartie sowie die rechte
Hälfte des Kopfes, während die anderen Partien dunkel verschattet vor hell belassenem
Bildgrund stehen.
Die Radierung ist aus sehr kleinteiligen, sorgfältig ausgearbeiteten, einfachen Schraffuren und
Kreuzschraffuren aufgebaut und besitzt durch das kontrastreiches Helldunkel eine starke
Plastizität. Der in vielen Partien hellere und skizzenhafter wirkende Abzug eines ersten Zustandes im Mainzer Landesmuseum beweist, daß die dichten, fast schwarzen Partien des
endgültigen Zustandes aus einer mehrfachen Überarbeitung der Druckplatte resultieren. Ein
ebenfalls in Mainz vorhandener Abzug des vollendeten Zustandes läßt an mehreren Stellen,
etwa am Kragen des Gewandes einen sehr leichten, exakt begrenzt stehengelassenen Plattenton erkennen. Dieses Detail stellt abermals Trautmanns Interesse an der Erprobung druckgraphischer Gestaltungsmittel unter Beweis. Die Darstellung wurde von Nothnagel leicht verändert in der 1809 datierten Radierung [RG 4] wiederholt.
Literatur: Nagler 1835/1924, Bd. 21, S. 268, Nr. 5 - Gwinner 1862, S. 286, Nr. 5 - Le
Blanc, Bd. 4, S. 53, Nr. 3 - Bangel 1914, S. 140f., S. 166, Nr. 5 - Thieme-Becker, Bd. 33,
1939, S. 355 - Dahl 1963, S. 295.
Abbildung: Dahl 1963, S. 295.
539
FÄLSCHLICH ZUGESCHRIEBENE DRUCKGRAPHIK
Db 1
Die Opferung Isaaks*
Johann Andreas Benjamin Nothnagel
Radierung
Bildrand 13,3 x 9,8 cm
Druckplatte 14,3 x 10,7 cm
Standortnachweis:
Frankfurt, Städelsches Kunstinstitut
Inv. Nr. 44914 (unter den Druckgraphiken Nothnagels)
Im Zentrum steht Abraham als ein langes Gewand mit Überwurf und einen Turban tragende,
bärtige Figur. Er weist mit seiner rechten Hand gen Himmel, während er Isaak mit dem linken
Arm umfaßt. Dieser trägt ein Holzbündel und geht auf einen aus Steinblöcken gebildeten
Opferaltar links zu. Die Umgebung ist durch den leicht skizzierten Boden sowie einige sich
rechts verdichtende Schraffuren flüchtig angedeutet.
Die Komposition stellt eine freie, deutlich abgewandelte Nachschöpfung der Radierung Rembrandts (Bartsch 34) dar. Rudolf Bangel glaubte in der „großzügigen, dabei doch detaillierten
Ausführung“ Trautmanns Handschrift erkennen zu können, wobei er aufgrund der „breite[n]
und sehr freie[n] Behandlung“ Parallelen zur Radierung der „Auferweckung des Lazarus“
[D 1] sehen wollte. Zu bemerken ist jedoch, daß sich die Figuren in ihrer Physiognomie sowie
der Bewegungsbildung deutlich von Trautmanns Typen unterscheiden. Weiterhin fallen die
steifen, schematisch gebildeten Linien und Schraffuren gegenüber dem freieren, oft skizzenhaften Radierstil Trautmanns auf. Entsprechende Stilmerkmale sind hingegen häufig und
deutlich in gesicherten Radierungen J.A.B. Nothnagels zu beobachten (vgl. die Reproduktionsgraphik nach Trautmann [RG 1]). Der bereits früher vertretenen Zuschreibung an Nothnagel ist somit zuzustimmen.
Literatur: Gwinner 1862, Zusätze, S. 68 - Bangel 1914, S. 142f., S. 166, Nr. 8 (als
Radierung Trautmanns).
540
Db 2
Interieur eines Bauernhauses*
Unbekannter Druckgraphiker
(nach J.G. Trautmann?)
Radierung
Bildrand 13,6 x 10 cm
Druckplatte 14,2 x 10,6 cm
Standortnachweis:
Frankfurt, Städelsches Kunstinstitut
Inv. Nr. 19259 (hellerer Abzug)
Inv. Nr. 19258 (dunklerer Abzug)
Der Blick in einen hallenartigen Raum wird durch eine kleinere Kammer erweitert. Dort steht
ein Bauernpaar an einem großen, als Tisch dienenden Faß. Der als Rückenfigur wiedergegebene Mann hält eine Kerze, während die Frau ihm eine Schüssel reicht. Der vordere Raum
ist spärlich mit einem großen Faß sowie einem dreibeinigen Schemel möbliert, neben dem ein
Junge und ein Mädchen stehen. Eine einzige Kerze erleuchtet die abendliche Szene und erzeugt tiefe Schlagschatten und starke Helldunkel-Kontraste.
Die Stilistik hebt sich deutlich von Trautmanns Radierungen ab: die Gegenstände werden
einheitlich durch einfach und überkreuzt gelegte Schraffuren umrissen, die Ausführung vieler
Details wirkt gleichförmig, steif und ängstlich. Das Blatt läßt sich somit weder mit den
malerisch und effektvoll aufgefaßten Druckgraphiken Trautmanns, noch mit Werken anderer
Frankfurter Maler wie jenen Nothnagels vergleichen. Da jedoch Sujet, Lichtregie, Gestaltung
und auch Habitus der Figuren den Wirtshaus- und Bauerndarstellungen Trautmanns sehr
ähneln, könnte das Blatt durchaus eine Reproduktion oder Nachschöpfung einer unbekannten
Vorlage des Frankfurters darstellen.
Literatur: Nagler 1835/1924, Bd. 21, S. 268, Nr. 4 - Gwinner 1862, S. 286, Nr. 4 - Le
Blanc, Bd. 4, S. 53, Nr. 5 - Bangel 1914, S. 139f., S. 166, Nr. 4 - Thieme-Becker, Bd. 33,
1939, S. 355 (sämtlich als Werk Trautmanns).
Db 3
Halbfigur eines Orientalen*
unbekannter Druckgraphiker
Radierung, eventuell stellenweise mit Kaltnadel übergangen
Bildrand 13,9 x 9,5 cm
Druckplatte 14,2 x 10,6 cm
monogrammiert links unten „TM. [verschränkt] fec.“
541
Standortnachweis:
Berlin, Staatliche Museen zu Berlin - Preußischer Kulturbesitz,
Kupferstichkabinett (1 Exemplar)
Frankfurt, Städelsches Kunstinstitut
Inv. Nr. 44736
München, Staatliche Graphische Sammlung
Inv. Nr. M 197 Nr. L Bl. 4
Den Bildraum begrenzt eine einfache Brüstung, auf die sich ein als Halbfigur wiedergegebener, bärtiger Mann lehnt. Leicht nach links gedreht, legt er seine Hände vor den Bauch
und blickt den Betrachter an. Er trägt ein pelzverbrämtes, mit Borten geschmücktes Gewand
und einen Turban mit Federagraffe samt umhangartigem Tuch. Der Bildgrund ist als neutrale
Fläche gekennzeichnet und punktuell rechts erhellt. Das scharfe Licht erzeugt ein starkes
Hell-dunkel und projiziert den Schatten der Figur auf die Fläche der Brüstung.
Die Radierung zeigt verschiedene Schraffuren, vereinzelt gesetzten Punkte, kurze Striche und
kommaförmig gekrümmte Linien und wirkt detailliert, zugleich jedoch ängstlich steif und
schematisch ausgearbeitet. Ihr Stil unterscheidet sich ebenso deutlich von den malerischen
aufgefaßten Radierungen Trautmanns wie die Physiognomie des Mannes von dessen Figuren.
Da zudem das verschränkte Monogramm „T M“ ebenso atypisch erscheint, ist die Zuschreibung an Trautmann nicht länger zu halten.
Literatur: Gwinner 1862, S. 360 - Bangel 1914, S. 142, S. 166, Nr. 7 - Thieme-Becker,
Bd. 33, 1939, S. 355 (sämtlich als Radierung Trautmanns).
542
NICHT NACHWEISBARE DRUCKGRAPHIK TRAUTMANNS
Dd 1
„Der Brand von Troja“
„Radierung“
„Quart-Format“ (Gwinner 1862)
Die Radierung wurde weder von Otto Donner-von Richter noch von Rudolf Bangel
persönlich gesichtet. Da die Darstellung sowohl bei Nagler, als auch bei Gwinner lediglich
stichwortartig beschrieben wird, läßt sich nicht ausschließen, daß das fragliche Werk
eventuell auch mit einer Reproduktionsgraphik nach einem Gemälde Trautmanns identisch
sein könnte (vgl. das Schabkunstblatt Johann Sebald Baumeisters [RG 15] sowie die
Aquatintaradierung Ernst Gottlobs [RG 16]).
Literatur: Füssli 1779/1824, Bd. 2, S. 1932 (unter dem Titel „ein Brand“) - Nagler
1835/ 1924, Bd. 21, S. 266, Nr. 2 - Gwinner 1862, S. 286, Nr. 2 - Le Blanc, Bd. 4, S. 53,
Nr. 2 - Donner-von Richter 1904, S. 225 - Bangel 1914, S. 139, S. 166, Nr. 2 - ThiemeBecker, Bd. 33, 1939, S. 355.
Dd 2
„Ein Jude an einem Tisch, Geld zählend“
„Radierung“
6,3 x 6,1 cm
monogrammiert „TM fec.“ (laut Bangel 1914)
Eine entsprechende Druckgraphik ließ sich bislang in keiner deutschen Sammlung nachweisen. Friedrich Gwinner beschreibt die Darstellung unter dem Titel „ein Mann mit großem
Hut“ als ein „schönes Blatt in Rembrandts Manier“. Dagegen bemängelt Rudolf Bangel die
„harte und unbedeutende Ausführung“ der Druckgraphik.
Literatur: Nagler 1835/1924, Bd. 21, S. 268, Nr. 6 - Gwinner 1862, S. 286, Nr. 6 - Le
Blanc, Bd. 4, S. 53, Nr. 4 - Bangel 1914 S. 141f., S. 166 - Thieme-Becker, Bd. 33, 1939,
S. 355.
543
544
4. DRUCKGRAPHIK UND REPRODUKTIONSGRAPHIK NACH WERKEN
TRAUTMANNS
RG 1
Der Engel erscheint dem
Hauptmann Cornelius*
J. A. B. Nothnagel nach
J. G. Trautmann
Radierung, geätzt
Bildrand 11,8 x 10,9 cm
Druckplatte 12,8 x 11,7 cm
bezeichnet unter dem Bildrand links „Erster Versuch J.A.B. Nothnagel skulpsit F.“
Standortnachweis:
Frankfurt, Städelsches Kunstinstitut
Inv. Nr. 19254 (zweiter Zustand)
Inv. Nr. 19255 (erster Zustand)
Mainz, Landesmuseum
Inv. Nr. 9154 (erster Zustand)
Die Radierung wiederholt seitenverkehrt Trautmanns Gemälde in Dessau [G 36]. Hierbei gibt
Nothnagel alle Details der Komposition einschließlich der Architektur und Raumausstattung,
aber auch die Lichtregie und das stimmungsbildende Helldunkel getreu wieder. Verändert
wurde die Umgebung des Engels, der nun auf „wattigen“ Wolken steht und von einer Gloriole
anstatt einer farbigen Lichterscheinung umgeben ist. Diese ist im ersten Zustand größer und
heller stehengelassen, im zweiten hingegen durch zusätzliche Schraffuren verkleinert.
Das Blatt läßt eine Bevorzugung einfacher Schraffuren und Kreuzschraffuren erkennen, die
mehr oder weniger stark verdichtet werden und hierdurch das Helldunkel der Vorlage nachbilden. Hierbei orientiert sich Nothnagel offenbar stärker an Reproduktionen in Kupferstichtechnik etwa des 17. Jahrhunderts als an Gestaltungsmitteln zeitgenössischer Reproduktionsgraphik (vgl. Rebel 1981, passim). Die Bezeichnung des Blattes als „Erster Versuch“ ließ sich
bislang nicht überzeugend auflösen, da man in dem sorgfältig ausgearbeiteten Blatt kaum die
erste Radierung Nothnagels sehen möchte.
Literatur: Hüsgen 1780, S. 215, Nr. 53 - Huber, M.: Handbuch für Kunstliebhaber
und Sammler über die vornehmsten Kupferstecher und ihre Werke (...), Zürich 1795, Bd. 2,
S. 191, Nr. 1 - Füssli 1779/1824, Bd. 2, S. 977 - Nagler 1835/1924, Bd. 11, S. 382, Nr. 1
(als „Der Engel erscheint Petrus im Kerker“) - Gwinner 1862, S. 359, Nr. 52 - Katalog
Bremen 1986, S. 61, Nr. 87 (als „Der Engel erscheint Petrus im Kerker“).
545
RG 2
Selbstbildnis J.G. Trautmanns*
Johann Gottlieb Prestel
nach J. G. Trautmann
Aquatintaradierung
Bildfeld 20,4 x 16,2 cm (hochoval)
Druckplatte 25,7 x 17,2 cm
bezeichnet und datiert bei einigen Abzügen, unten links: „Von Ihm selbst gemahlet 1752“;
unten rechts: „Gestochen von J.G.Prestel 1790“; unter dem Oval, zentriert: „Joh Georg Trautmann / Pictor / Gebohren 1713 gestorben 1769 / zu finden bey Joh: Georg Reinheimer à
Frankf. a/m. N 33“
Standortnachweis:
Berlin, Staatliche Museen zu Berlin - Preußischer Kulturbesitz, Kupferstichkabinett
(1 Exemplar)
Coburg, Kunstsammlungen der Veste Coburg
Inv. Nr. IV,303,62
Düsseldorf, Goethe-Museum
Inv. Nr. 5275 a
Frankfurt, Goethe-Museum
Inv. Nr. II a-mi-4525
Frankfurt, Städelsches Kunstinstitut
Inv. Nr. 20173
Hamburg, Kunsthalle
Inv. Nr. 51421
Mannheim, Kunsthalle (1 Exemplar)
Die Aquatintaradierung reproduziert Trautmanns Selbstbildnis [G 45] seitenverkehrt und in
einem hochovalen, knapp unter die Schultern reichenden Ausschnitt. Dabei wird die Physiognomie des Bildnisses ebenso motivgetreu wiedergegeben wie das offenstehende Hemd und
der turbanartige Kopfputz. Die Technik der Aquatintaradierung wurde von Prestel meisterhaft
eingesetzt, wobei er insbesondere im Hintergrund die leicht streifige Struktur einer in breiten
Strichen angelegten Kreidezeichnung beziehungsweise einer Radierung in Punktier- oder
Roulémanier nachahmte.
Durch den kleineren Bildausschnitt und die Konzentration auf das Gesicht des Dargestellten
besitzt das Portrait einen nunmehr verschiedenen Ausdruckswert. Weiterhin wiederholt die
Reproduktion weder das starke Helldunkel noch die teils skizzenhafte, reliefartig akzentuierte
Malweise der Vorlage. Alle wesentlichen Details werden stattdessen in einer klaren, stellenweise konkretisierten, gleichsam „geglätteten“ Weise wiedergegeben. Dieses im Vergleich zu
früher entstandenen Reproduktionsgraphiken nach Trautmann auffallend nachlassende
Interesse an „rembrandtesken“ Elementen der Vorlage läßt sich ebenso wie der hochovale
Bildausschnitt als Reaktion auf neuere Tendenzen der Portraitmalerei erklären.
Schließlich
546
dokumentiert die Radierung auch das in Frankfurt noch rund zwei Jahrzehnte nach Trautmann
Tod anhaltende Interesse an seiner Person und seinem Werk.
Ausstellung: Frankfurt 1895, Freies Deutsches Hochstift, „Goethe und seine Beziehung
zu Frankfurt“.
Literatur: Katalog Frankfurt 1895, S. 58, Nr. 287 - Bangel 1914, S. 113f., S. 165 Thieme-Becker, Bd. 27, 1933, S. 382 (zu J.G. Prestel) - Künstlerbildnisse und Künstlerselbstbildnisse, Graphik und Zeichnungen aus vier Jahrhunderten, Angebotskatalog der
Galerie Joseph Fach Frankfurt, Frankfurt 1993, S. 60, Nr. 222.
Abbildung: Bangel 1914, Tafel 1 - Becker 1924, Abb. 9 - Dahl 1963, S. 294 Katalog Frankfurt 1982 b, S. 21 - Angebotskatalog Galerie Fach (s.o.), S. 55.
RG 3
Brustbild eines Mannes*
Heinrich Hugo Cöntgen nach
J.G. Trautmann
Radierung
Bildrand 14,8 x 14,2 cm
Druckplatte 17,8 x 12,8 cm
Bezeichnet außerhalb des Bildrands links unten „IM: [sic, ligiert] Trautmann pinx. Francf:“;
rechts unten „H. Cöntgen Sculp. Mog.“
Standortnachweis:
Coburg, Kunstsammlungen des Veste Coburg
Inv. Nr. V,51,4
Frankfurt, Städelsches Kunstinstitut
Inv. Nr. 44910 (unter den Druckgraphiken Nothnagels)
Die laut Beischrift als Reproduktion bezeichnete Radierung läßt sich auf kein bekanntes Werk
Trautmanns beziehen. Die Darstellung zeigt einen nach links gewendeten jungen Mann als
Brustbild, der den Kopf zum Betrachter zurückdreht. Er trägt ein kaftanartiges Gewand über
einfachem Hemd sowie ein turbanartig geschlungenes, schmucklos Tuch auf dem Kopf.
Die Radierung ist in gekreuzten, mehr oder weniger verdichteten Schraffuren angelegt und
erinnert in der akribischen Ausarbeitung der Details sowie den einheitlichen Grauwerten an
ältere Reproduktionen in Kupferstichtechnik. „Rembrandteske“ Ausdruckswerte entsprechender Werke Trautmanns werden dabei offenbar vernachlässigt.
Eine in der Literatur stets genannte, zweite Reproduktionsgraphik nach Trautmann unter dem
Titel „Bildnis einer Frau mit Turban“ konnte nicht nachgewiesen werden.
Literatur: Hüsgen 1780, S. 172 - Füssli 1779/1824, Bd. 2, S. 1932 - Nagler 1835/1924,
Bd. 21, S. 266 - Thieme-Becker, Bd. 7, 1912, S. 169 (irrtümlich als Werk Georg Joseph
Cöntgens) - Bangel 1914, S. 165.
547
RG 4
Brustbild eines Orientalen*
Johann Ludwig Ernst Morgenstern
nach J. G. Trautmann
Radierung, geätzt
Bildrand 8,2 x 6,3 cm
Druckplatte 9,8 x 7,8 cm
bezeichnet über dem Bildrand „Original 1“, unter dem Bildrand „M senior 1809“
Standortnachweis:
Frankfurt, Städelsches Kunstinstitut
Inv. Nr. 44428 (1. Zustand)
Inv. Nr. 44428 (2. Zustand, ausgeschnitten)
Inv. Nr. 19077 (2. Zustand)
Mainz, Landesmuseum
Inv. Nr. 88889
Die Radierung läßt sich in Motiv und Komposition auf die eigenhändige Radierung Trautmanns [D 3] zurückführen. Dabei bildet Morgenstern das Brustbild des Mannes, dessen
Physiognomie und den orientalisch anmutenden Kopfputz in wesentlichen Details nach,
verkleinert die Vorlage jedoch etwas und setzt das Motiv vor dunkelen Hintergrund. Weiterhin wirkt Morgernsterns Radierung im Gegensatz zu der differenzierend ausgeführten
Vorlage relativ grob, steif und fast ungelenk in der Strichführung und vernachlässigt die
effektvolle Helldunkel-Wirkung. Das Blatt ist somit eher als Nachschöpfung des Motivs
Trautmanns, denn als Reproduktionsgraphik im eigentlichen Sinn anzusprechen.
Rudolf Bangel erwähnt einen abweichend 1772 datierten, „kupfergestochenen Männerkopf“
nach Trautmann, vermerkt hierzu jedoch keine weiteren Angaben, so daß sich eine eventuelle
Identität beider Druckgraphiken nicht überprüfen läßt.
Literatur: Hüsgen 1780, S. 214, Nr. 47 - Nagler 1835/1924, Bd. 11, S. 384, Nr. 47 Gwinner 1862, S. 395, Nr. 5 - Bangel 1914, S. 165 - Thieme-Becker, Bd. 25, 1931, S. 149f.
(zu J.L.E. Morgenstern).
RG 5
Orientalenkopf*
J.A.B. Nothnagel nach
J.G. Trautmann
Radierung
Druckplatte 18,2 x 14,4 cm
signiert und datiert unten rechts „A.B. Nothnagel fec. 1764“
Standortnachweis:
Bremen, Kunsthalle, Inv. Nr. 19199
Mainz, Landesmuseum (1 Ex.)
548
Die Radierung zeigt einen alten, halb nach rechts gewendeten, orientalisch aufgeputzten
Mann als Dreiviertelfigur. Körperhaltung und Bewegungsmotive, Habitus und Physiognomie
der Figur und nicht zuletzt auch Lichtführung gleichen vollkommen den „in Rembrandts
Manier“ gehaltenen Phantasieköpfen Trautmanns, u.a. dem Gemälde an unbekanntem
Standort [G 75]. Die Abwandlungen bei der seitenverkehrten Wiederholung betreffen die
Armhaltung sowie das rechts unten eingefügtes Postament mit dem Namen Nothnagels. Das
Blatt ist somit genau im Grenzbereich zwischen Reproduktionsgraphik im engeren Sinn und
abwandelnder Nachschöpfung anzusiedeln.
Literatur: Nagler 1835/1924, Bd. 11, S. 382, Nr. 48 - Katalog Bremen 1986, S. 78,
Nr. 124.
Abbildung: Katalog Bremen 1986, S. 79.
RG 6
„Abend-Zeitvertreib“*
A. Bissel nach J. G. Trautmann
Aquatinta, teilweise in Kaltnadel übergangen
Bildrand 18,2 x 21,3 cm
Druckplatte 23,6 x 25 cm
bezeichnet unter dem Bildrand, links „gemahlt von Trautmann“; unter dem Bildrand, rechts
„gestochen von Bissel“; darunter, zentriert „Abend-Zeitvertreib. / Das Original-Gemaelde von
Trautmann ist in der Sammlung / des Herrn Centurier zu Mannheim. / Heilbronn im Industrie
contoir“
um 1790 / 1810 (?)
Standortnachweis:
Mannheim, Kunsthalle, Sammlung Anton von Klein
Inv. Nr. 559
Würzburg, Martin von Wagner-Museum
Inv. Nr. 4995 (211)
Die Radierung bildet das Gegenstück zu [RG 7] und ist dort beschrieben.
Literatur: Oeser 1900, S. 76-78, S. 107 - Thieme-Becker, Bd. 4, 1910, S. 64 (zu A. Bissel) - Thieme-Becker, Bd. 33, 1939, S. 356 (als Reproduktion nach einem Werk Johann
Peter Trautmanns).
RG 7
„Frohe Gesellschaft“*
A. Bissel nach J. G. Trautmann
Aquatinta, teilweise in Kaltnadel übergangen
Bildrand 18,2 x 21,4 cm
Druckplatte 23,5 x 25 cm
bezeichnet unter dem Bildrand, links „gemahlt von Trautmann“; unter dem Bildrand, rechts
„gestochen von Bissel“; darunter, zentriert „Frohe Gesellschaft. / Das Original-Gemaelde von
549
Trautmann ist in der Sammlung / des Herrn Centurier zu Mannheim. / Heilbronn im Industrie
contoir“
wohl um 1790 / 1810
Standortnachweis:
Mannheim, Kunsthalle, Sammlung Anton von Klein
Inv. Nr. 558
Würzburg, Martin von Wagner-Museum
Inv. Nr. 4996 (211)
Die Radierung bildet das Gegenstück zu [RG 6]. Beide geben jeweils aus Halbfiguren gebildete, abendliche Gesellschaften wieder. In [RG 6] hält eine auf einem Faß sitzende Frau eine
brennende Kerze empor und lauscht dem flötenspielenden Knaben rechts unten. Ein im
Hintergrund stehender Mann singt nach Noten zu der Musik, während ein weiterer am linken
Bildrand einen Bierhumpen und eine Pfeife hält. Im Gegenstück trägt ein rechts stehender,
kleiner Junge das Licht. Im Vordergrund erscheint eine Frau als sitzende Rückenfigur. Weiter
links hebt ein Mann sein Glas, das von einem Kompagnon im Hintergrund gerade gefüllt
wurde prostend empor.
Beide Darstellungen lassen sich in Komposition und Lichtführung, die ein starkes Helldunkel
erzeugt, aber auch im Habitus und der typenhaften Physiognomie der Figuren mit Genreszenen Trautmanns, wie den Gesellschaftsszenen in Köln [G 103] und in Zagreb [G 105]
vergleichen. Die Radierungen geben das tonig gebrochene, fein abgestufte Kolorit und die
effektvolle Beleuchtung der vermeintlichen Vorlagen durch reich nuancierte Flächentöne
wieder, wofür gerade die Aquatintaradierung ein besonders geeignetes druckgraphisches
Medium darstellt. Die vorgeschlagene Datierung bezieht sich auf die Zeit, in der Bissel in
Mannheim tätig war (vgl. Oeser 1900, S. 76-78).
Literatur: wie [RG 6].
RG 8
Der Guckkastenmann*
Johann Daniel Frey nach
J. G. Trautmann
Radierung
Bildrand 16,2 x 14,1 cm
Druckplatte 17,0 x 14,3 cm
bezeichnet und datiert unterhalb des Bildrands, links „TM inven.“, zentriert „1771“, rechts
„J.D.Frey delin“ (?)
550
Standortnachweis:
Frankfurt, Städelsches Kunstinstitut
Inv. Nr. 56080 (unter den Druckgraphiken Trautmanns, stellenweise unsauberer, fleckig
schwarzer und weißer Abzug)
Inmitten eines einfachen, abendlich dämmrigen Zimmers hat ein Schausteller seinen Guckkasten aufgebaut. Zwei Kinder blicken bereits neugierig in den Apparat. Im Vordergrund
erkennt man die Rückenfigur eines Knaben mit Spielreif, links taucht unvermittelt der Kopf
eines weiteren Kindes neben einem Faß auf, während am oberen Bildrand ein Knabe das
Geschehen beobachtet. Zwei an den rechten Bildrand gesetzte Repoussoirfiguren, ein Savoyardenknabe mit seinem Murmeltierkasten und eine alte Frau runden die Komposition ab.
Die Radierung Freys gleicht Genreszenen Trautmanns im Sujet, dem Habitus und der Physiognomie der Figuren sowie der effektvollen, von einer einzige nverdeckten Lichtquelle ausgehenden Beleuchtung. Eine konkrete Vorlage ist hingegen nicht bekannt. Die Ausführung
zeigt recht grobe, dicht gesetzte Kreuzschraffuren und wirkt in den Übergängen von Hell zu
Dunkel unvermittelt sowie unsicher in der räumlichen Anlage und steif in der Durchbildung
der Figuren. Ähnliche Mängel läßt gleichermaßen eine Zeichnung Freys im Stammbuch der
Margarete Schalk erkennen (Frankfurt, Historisches Museum, Inv. Nr. St. 30, S. 107).
Literatur: Nagler 1835/1924, Bd. 21, S. 266 (en bloc) - Bangel 1914, S. 165 - ThiemeBecker, Bd. 12, 1916, S. 439.
RG 9
Nächtliche Wirtshausszene*
Ernst Gottlob nach
J. G. Trautmann
Aquatintaradierung, teilweise in geätzter Radierung übergangen
Bildrand 12,3 x 10,4 cm
Druckplatte 17,7 x 12,4 cm
bezeichnet und datiert unterhalb des Bildrands, links „Trautmann del.“, rechts „EGottlob
(ligiert) fect. 1772“
Standortnachweis:
Braunschweig, Herzog Anton Ulrich-Museum
Inv. Nr. 5933
Die Radierung bildet ein Gegenstück zu [RG 10] und wird im nachfolgenden Katalogtext
behandelt.
Literatur: Füssli 1779/1824, Bd. 2, S. 1932 (en bloc) - Nagler 1835/1924, Bd. 21, S. 267
(en bloc) - Weigel, Rudolf: Die Werke der Maler in ihren Handzeichnungen, Beschreibung
und Verzeichnis der in Kupfer gestochenen, lithographierten und photographierten Facsimiles
551
von Originalzeichnungen grosser Meister, Leipzig 1868, S. 719, Nr. 8434 a. b. - Bangel
1914, S. 165 (en bloc) - Thieme-Becker, Bd. 14, 1921, S. 423f..
RG 10
Straßensinger an der Haustür*
Ernst Gottlob nach
J. G. Trautmann
Aquatintaradierung, teilweise in geätzter Radierung übergangen
Bildrand 12,5 x 10,4 cm
Druckplatte 16,7 x 12,4 cm
bezeichnet unterhalb des Bildrands, links „Trautmann Id.“, rechts „EGottlob (ligiert) fect.“
datierbar 1772
Standortnachweis:
Braunschweig, Herzog Anton Ulrich-Museum
Inv. Nr. 5934
Die Radierung bildet das Gegenstück zu [RG 9]. Beide wiederholen seitenverkehrt die etwa
gleichgroßen Zeichnungen in der Albertina [Z 30] und [Z 31]. Während die erste eine abendliche Wirtshausszene mit einer bäuerlichen Gesellschaft darstellt, zeigt das Gegenstück einen
halb verschlossenen Hauseingang mit einer Frau und einem Knaben, die drei Straßensängern
zuhören.
Beide Radierungen geben die Zeichnungen in allen Details exakt wieder. Weiterhin wird die
effektvolle, malerisch ausgearbeitete Lichtführung der Vorlagen in fein nuancierte Flächentöne umgesetzt. Einige Einzelformen, die in den dunklen Partien der Zeichnungen kaum zu
erkennen sind, etwa Details der Figuren erscheinen in den Radierungen konkretisiert und
verdeutlicht, was durch zusätzliche, geätzte Konturlinien noch verstärkt wird. Beide Blätter
bilden hervorragende Beispiele für die hohe Qualität der frühen, bislang kaum gewürdigten
Aquatintaradierungen Gottlobs. Da sie laut Datierung drei Jahre nach Trautmanns Tod
geschaffen wurden, wurden die Zeichnungen sicher nicht als Vorlage einer druckgraphischen
Reproduktion gefertigt.
Literatur: wie [RG 9]
RG 11
Hausierer bei einem Bauernpaar*
Ernst Gottlob nach
J. G. Trautmann
Aquatintaradierung, teilweise in geätzter Radierung übergangen
Bildrand 9,5 x 7,1 cm
Druckplatte 12,8 x 9,8 cm
552
bezeichnet und datiert innerhalb des Bildrands unten links „TM“ (ligiert); unten rechts „EG
(ligiert) 1771“; außerhalb des Bildrands unten links „Trautmann del.“; unten rechts
„EGottlob (ligiert) fect. 1772“
Standortnachweis:
Braunschweig, Herzog Anton Ulrich Museum
Inv. Nr. 5935 (dunklerer Abzug)
Coburg, Kunstsammlungen der Veste Coburg
Inv. Nr. IV,428,4
Mainz, Landesmuseum
Inv. Nr. 6399 (hellerer Abzug)
Im Vordergrund eines nur angedeuteten Interieurs ist ein Hausierer als silhouettenhafte
Repoussiorfigur nach rechts in einen Türrahmen gesetzt. Er geht auf ein Bauernpaar zu, um
diesem Waren aus seinem Bauchladen feilzubieten. Die Druckgraphik ist in der Unterschrift
als Reproduktion nach Trautmanns bezeichnet, ein konkrete Vorbild hierfür ist jedoch nicht
bekannt. Zur Stilistik vgl. das Gegenstück [RG 12].
Literatur: Füssli 1779/1824, Bd. 2, S. 1932 (en bloc) - Weigel, Rudolf: Die Werke der
Maler in ihren Handzeichnungen [...], Leipzig 1868, S. 719, Nr. 8435 a.b. - Bangel 1914,
S. 165 (en bloc) - Thieme-Becker, Bd. 14, 1921, S. 423f..
RG 12
Savoyardenknabe bei einem Bauernpaar*
Ernst Gottlob nach
J. G. Trautmann
Aquatintaradierung, teilweise in geätzter Radierung übergangen
Bildrand 9,5 x 7,3 cm
Druckplatte 12,6 x 9,7 cm
bezeichnet und datiert innerhalb des Bildrands unten links „TM (ligiert) del“; unten rechts
„EG (ligiert) 1771“, außerhalb des Bildrands unten links „Trautmann del.“, unten rechts
„EGottlob (ligiert) fect.“
Standortnachweis:
Braunschweig, Herzog Anton Ulrich-Museum
Inv. Nr. 5936
Coburg, Kunstsammlungen der Veste Coburg
Inv. Nr. IV,428,3
Ein bäuerliches Paar hat vor dem Eingang seines Hauses Platz genommen, um die Darbietung
eines Savoyardenknabens zu beobachten. Dieser ist als dunkle Rückenfigur in den Vordergrund gesetzt. Er hat seinem rücklings getragenen Transportkasten ein Murmeltier entnommen und läßt dieses mit einen Stab ein Kunststückchen vorführen, wozu er tänzerische Bewegungen mit seinen Armen und seinem linken Bein ausführt.
Ebenso wie beim Gegenstück [RG 11] ist auch hierzu keine konkrete Vorlage Trautmanns
bekannt. Beide Radierungen reflektieren jedoch in Habitus und Physiognomie der Figuren
553
sowie in Kompositionsweise und Lichtführung Gestaltungsmittel Trautmanns. Bei der Umsetzung der Vorlagen verwendete Gottlob wiederum im Ton fein nuancierte Flächen und
zusätzlich, radierte Konturlinien. Die eher „malerische“ denn graphische Wirkung ist mit den
Reproduktionsgraphiken [RG 9] und [RG 10] vergleichbar.
Literatur: wie [RG 11].
RG 13
Zwei Bauern auf dem Feld*
Ernst Gottlob nach
J. G. Trautmann
Aquatintaradierung
Bildrand 18,1 x 14,8 cm
bezeichnet und datiert innerhalb des Bildrands unten rechts „EG (ligiert) f. 1775“
Standortnachweis:
Braunschweig, Herzog Anton Ulrich-Museum
Inv. Nr. 5938 (ausgeschnitten)
Die Aquatintaradierung bildet ist das Gegenstück zu [RG 14] und wird im nachfolgenden
Katalogtext besprochen.
Literatur: Thieme-Becker, Bd. 14, 1921, S. 423 (zu E. Gottlob, das Blatt selbst ist
offenbar noch unpubliziert).
RG 14
Ein rauchender Bauer*
Ernst Gottlob nach
J. G. Trautmann
Aquatintaradierung
Bildrand 18,1 x 14,8 cm
Bezeichnet und datiert innerhalb des Bildrands unten rechts
„EG [ligiert] fec. 1775“
Standortnachweis:
Braunschweig, Herzog Anton Ulrich-Museum
Inv. Nr. 5939 (ausgeschnitten)
Vor einer weiten Landschaft sitzt ein junger, bäuerlich bekleideter Mann auf einem Erdhügel.
Er hält in seiner rechten Hand einen langen Stab, in seiner linken hingegen eine rauchende
Pfeife. Im Vordergrund und im Mittelgrund ist die Umgebung durch verschiedenes Pflanzenwerk und einige Steine angegeben. Im Gegenstück [RG 13] sitzt ein älterer Mann in ähnlicher
Weise in der Landschaft und löffelt sein Essen aus einer verdeckten Schüssel. Links hinter
ihm reitet ein Bauer auf einem Pferd, daneben steht ein einachsiger, heubeladener Wagen.
554
Für beide Reproduktionsgraphiken sind keine Vorlagen bekannt. Die Annahme, daß diese von
Trautmann stammen können, wurde zunächst im Inventar der Braunschweiger Sammlung
notiert. Weiterhin belegen dies Beobachtungen zur Motivik und Stilistik, da Habitus und
Typisierung der Figuren Werken Trautmanns gleichen. Ebenso finden sich bei Trautmann
vergleichbare Darstellungen von Pferden (etwa in den Zigeunerszenen [G 140] und [G 146]
sowie in der Zeichnung [Z 34 ]). Auch das flächig stilisierte Blattwerk der Pflanzen im Vordergrund erinnert an typische Bildelemente Trautmanns. Gottlob verzichtet auf eine Konturierung der Einzelformen durch nachträglich radierte Linien, so daß beide Graphiken eine
ausgesprochen weiche und „malerische“ Wirkung besitzen.
Literatur: Thieme-Becker, Bd. 14, 1921, S. 423 (zu E. Gottlob, das Blatt selbst ist offenbar noch unpubliziert).
RG 15
Brennendes Dorf*
Johann Sebald Baumeister nach
J. G. Trautmann
Mezzotintoradierung in mehreren Farben
Bildrand 35,6 x 27,6 cm
bezeichnet unter dem Bildrand, zentriert „Le Village en Feu / Gravé d'après le Tableau
original de Monsieur Trautmann dans le même Grandeur par Baumeister / et se trouve à
Augsburg dans le [unleserlich] de l'Académie des Arts“
vor 1803 (?)
Standortnachweis:
Zweibrücken, Stadtmuseum
Inv. Nr. 14 (offenbar bis zum Plattenrand ausgeschnittener Abzug)
Die Reproduktionsgraphik gibt eine nächtliche Feuersbrunst in einem Dorf wieder. Vor dem
hell erleuchteten, von einer Qualmwolke umgebenen Brandherd in der Mitte ragt dabei ein
silhouettenhaft dunkler Mauerrest auf. Links sind zwei noch unversehrte Häuser auszumachen, vor denen zahlreiche, kleine Staffagefiguren umhereilen. Rechts wird die Ruine eines
weiteren Gebäudes sichtbar.
Die Graphik läßt sich auf keine der bekannten Feuersbrünste Trautmanns zurückführen, gibt
jedoch eine ausgesprochen charakteristische Komposition derselben wieder (vgl. die in Komposition und Details verwandten Feuersbrünste [G 64] und [G 65]). Während die effektvolle
Lichtführung und das dramatische Helldunkel der vermeintlichen Vorlage überzeugend
umgesetzt wurden, ließ das technisch komplizierte Verfahren des Farbdrucks von mehreren
Platten eine originalgetreue Wiedergabe des Kolorits offenbar nicht in gleichem Maße zu.
555
Verschiedene Detailformen wie die Staffagefiguren oder das gleichförmige Pflanzenwerk im
Vordergrund erscheinen zudem stark schematisiert.
Da die Graphik laut Beischrift ein in einer Augsburger Sammlung befindliches Gemälde
reproduziert und Baumeister 1803 von Augsburg nach Schwäbisch Gmünd übersiedelte, kann
das Blatt in die Zeit vor 1803 datiert werden. Das von Rudolf Bangel erwähnte Pendant
konnte nicht nachgewiesen werden.
Literatur: Thieme-Becker, Bd. 2, 1909, S. 81 (zu J.S. Baumeister) - Bangel 1914,
S. 165.
RG 16
"Nächtliches Schadensfeuer"*
Ernst Gottlob nach
J. G. Trautmann
Aquatinta, teilweise in Radierung übergangen
Bildrand 12,3 x 15,6 cm
Druckplatte 14,3 x 17,1 cm
bezeichnet und datiert innerhalb des Bildrands unten links „TM“ (ligiert), unten rechts „EG
(ligiert) fecit / 1772“, außerhalb des Bildrands unten links „Trautmann del.“, unten rechts
„EGottlob (ligiert) fect.“
Standortnachweis:
Braunschweig, Herzog Anton Ulrich-Museum
Inv. Nr. 5937
Coburg, Kunstsammlungen der Veste Coburg
Inv. Nr. IV,428,2
Die Aquatintaradierung läßt sich auf kein konkretes Vorbild zurückführen. Die Komposition
mit einem schiefstehenden Baum und einem Bildstock im Vordergrund, der brennenden
Gebäudegruppe mit Türmen und einem Tordurchgang rechts, den geschäftigen Staffagefiguren sowie den in wenigen Strichen vor dunklem Grund skizzierten Gebäuden mit einer Kirche
links ist jedoch allgemein mit der Feuersbrunst in der Sammlung Schäfer [G 162] vergleichbar.
Gottlob bildet das starke Helldunkel der Vorlage Trautmanns mittels in der Helligkeit fein
abgestufter Flächen nach, wobei er einzelne Detailformen durch nachradierte Linien hervorhebt. Stärker noch als in seinen übrigen Radierungen nutzt er hierbei spezifische Ausdrucksmittel des Mediums, wenn er beispielsweise die Formen der Blätter des Baumes im Vordergrund direkt aus der grob gekörnten Struktur der aufgelegten Harzschicht ableitete. Ernst
Rebels Vermutung, Gottlob habe in der Graphik eine Tuschzeichnung Trautmanns reproduziert erscheint wenig treffend, da ausschließlich gemalte Feuersbrünste Trautmanns
bekannt sind.
556
Literatur: Thieme-Becker, Bd. 14, 1921, S. 423 (zu E. Gottlob) - Rebel 1981, S. 64.
Abbildung: Rebel 1981, Abb. 23.
NICHT NACHWEISBARE REPRODUKTIONSGRAPHIK
RGd 1
Die Geburt Christi
J.C. Haid nach J. G. Trautmann
„Schwarzkunst“ (Gwinner) / „Kupferstich“ (Bangel)
Größe unbekannt
Eine entsprechende Reproduktionsgraphik J.C. Haids nach einer Darstellung der Geburt
Christi von Trautmann ließ sich bislang in keiner Sammlung nachweisen.
Literatur: Hüsgen 1790, S. 349f. (als Werk von J.F. Haid) - Füssli 1779/1824, Bd. 2,
S. 1932 - Nagler 1835/1924 d. 21, S. 266 - Gwinner 1862, S. 286 - Bangel 1914, S. 165.
557
558
5. NACHTRAG
Die folgenden Werke wurden dem Autor erst bekannt, nachdem die Redaktion des Kataloges
bereits abgeschlossen war. Sie sollen daher in Form eines Nachtrags dokumentiert werden.
G 196
Wirtshausszene
Öl auf Holz
42,5 x 49 cm
Kunsthandel Baden-Baden, Sotheby's, Auktion vom 5.10.-21.10.1995
Provenienz: Kloster Salem, Sammlungen der Markgrafen und Großherzöge von Baden
Das Gemälde zeigt eine abendliche, vergnügte Gesellschaft beim Trinken und Singen. Thema
der Darstellung und Komposition, die Schilderung der Gaststube sowie die bäuerlichen
Figuren gleichen den übrigen Wirtshausszenen Trautmanns, etwa den beiden Gemälden aus
dem Kunsthandel [G 111] und [G 112]. Das Gemälde besitz ein vergleichsweise helltoniges,
insbesondere aus beigebraunen Tönen aufgebautes Kolorit. Die Ausführung des Werkes läßt
sich anhand der Fotografie nicht weiter beurteilen.
Literatur: Katalog der Auktion bei Sotheby's, Baden-Baden, vom 5.10.-21.10.1995,
Bd. 5, S. 52, Nr. 2772.
Abbildung: Katalog der Auktion (s.o.), Bd. 5, Tafel IX.
G 197
Der Rattengiftverkäufer*
G 198
Die Brillenverkäuferin*
Öl auf Leinwand
Pendants, jeweils 47 x 35 cm
Sammlung Hanne
Provenienz: Kunsthandel London, Auktionshaus Sotheby's, Auktion vom 5.4.1995 Kunsthandel München, Auktionshaus Neumeister
Beiden Genreszenen zeigen eine Gruppe aus einer erwachsenen Figur und zwei Kindern vor
folienartigem, monochrom hellblau getöntem Hintergrund. In der ersten Darstellung erscheint
ein Rattengiftverkäufer in rotem Mantel und mit einem Dreispitz. Er trägt seine Verkaufslade
559
mit diversen Behältnissen vor dem Bauch und präsentiert in seiner linken Hand einen Riegel
Gift. Ein Junge und ein kleines Mädchen stehen vor ihm. Im Gegenstück trägt eine Frau in
blauem Kleid einen Bauchladen mit verschiedenen Waren, darunter auch Brillen. Ein Junge in
rotem Rock und mit Dreispitz sowie ein kleines Mädchen runden die Komposition ab.
Beide Gemälde ähneln in ihrer Komposition und den Figurentypen Genreszenen Trautmanns
wie der monogrammierten Darstellung eines Bauchladenhändlers [G 100] aus dem Kunsthandel. Die sehr dekorativen Werke weisen ein helles, pastellartiges Kolorit und zum Teil
flüchtig bleibende, skizzenhafte Pinselstrichen auf, die durch virtuos aufgesetzte Lichtpunkte
ergänzt werden.
Abbildungen: Katalog der Auktion bei Sotheby's, London, vom 5.4.1995, S. 118, Nr. 232.
G 199
Räuber inspizieren ihre Beute
Öl auf Leinwand
29,5 x 34,5 cm
monogrammiert „TM“ (ligiert) links unten
Kunsthandel Frankfurt, Schneider jr.-Andreas, angeboten 1997
Das Gemälde entspricht in seiner Thematik, der additiven Komposition verschiedener Details,
zahlreichen Einzelmotiven selbst sowie dem dekorativen Helldunkel und der stimmungsvollen Farbigkeit den übrigen Räuberlagen Trautmanns, etwa der Darstellung im Historischen
Museum Frankfurt [G 130].
Literatur: nicht bekannt.
G 200
Nächtliche Feuersbrunst mit Minervastatue
G 201
Nächtliche Feuersbrunst mit Turm
Öl auf Holz
Pendants, jeweils 56 x 66 cm
beide monogrammiert „TM.“ (ligiert)
Basel, Historisches Museum
Inv. Nr. 1941.490 und 1941.491
560
Beide Feuersbrünste besitzen charakteristische Stilmerkmale Trautmanns. Motivische Ähn-lichkeiten bestehen
u.a. zu den beiden Feuersbrünsten im Historischen Museum Frankfurt [G 169] und [G 170].
Literatur: nicht bekannt.
G 202
Brustbild eines alten Mannes
Öl auf Holz
22 x 28 cm
Privatbesitz Südtirol
Das Motiv, die Physiognomie des Alten sowie Kolorit und Malweise entsprechen vollkommen den Gestaltungsmitteln Trautmanns. Die Darstellung läßt sich insbesondere mit dem
„Bildnis eines Heiligen“ in Saarbrücken [G 40] sowie einem Männerbildnis im Freien
Deutschen Hochstift [G 59] vergleichen.
Literatur: nicht bekannt.
Ga 17
Salomo und die Königin von Saba
Öl auf unbekanntem Malgrund
90 x 69,5 cm
Pannonhalma (Ungarn), Galerie der Abtei Pannonhalma
Die Königin von Saba besuchte König Salomo, um sich selbst von dem Reichtum und der
legendären Weisheit des Herrschers zu überzeugen. Als Salomo alle Fragen der Königin
richtig beantworten konnte, betete sie seinen Gott an und überhäufte den König mit
Geschenken (1. Kön 10,1-13; 2. Chr 9,1-12). Das Gemälde gibt den Blick in eine weite,
phantastische Palastarchitektur wieder. Links erhebt sich der auf Stufen gesetzte und von
einem Baldachin überfangene Thron Salomos. Den darauf sitzenden Herrscher tritt rechts die
prächtig gewandete, von zwei Dienern und einem Mohrenpagen begleitete Königin von Saba
entgegen. Assistenzfiguren runden die Komposition ab.
Das Gemälde zeichnet sich durch ein helles, bunttoniges Kolorit sowie die besonders reiche
Gestaltung der Gewänder und der Architektur aus. Einige Figuren, etwa der rechts hinter dem
Thron stehende, bärtige Greis oder die Begleiterinnen der Königin erinnern in ihrer Physionoie an die typenhaften Figuren Trautmanns. Alle übrigen Details sowie die Ausführung sind
561
aufgrund der verfügbaren Fotografie nicht zu beurteilen, die Entscheidung über die angenomene Autorenschaft Trautmanns muß derzeit noch offenbleiben.
Literatur: Klára Garas (Bearb.), Franz Anton Maulbertsch és kora, Katalog der Ausstellung des Szépmüvészeti Múzeum Budapest 1974, S. 26 - Ferec Levárdy und Flóris Szabó,
Pannonhalma - Tausend Jahre, Györ2 1989, S. 70 - Katalog des Abteimuseums Pannonhalm
(in Vorbereitung, frdl. Mitteilung von Frau Annamária Gosztola, Szépmüvészeti Múzeum
Budapest, brieflich vom 29.8.1995).
Ga 18
Soldaten beim Aufbruch
Ga 19
Rastende Soldaten
Öl auf Leinwand
jeweils 38 x 66 cm
Augsburg, Privatbesitz
Provenienz: Kunsthandel
Beide Darstellungen einer aufbrechenden bzw. einer rastenden Soldatengruppe gehen auf die
Vorlage von Schabkunstblättern des Augsburger Schlachtenmalers Georg Philipp Rugendas
zurück (frdl. Hinweis von Gode Krämer, Deutsche Barockgalerie Augsburg).
Insbesondere die weiblichen Assistenzfiguren, aber auch die Ausarbeitung des Himmels, der
Vegetation und der Architekturstaffage läßt hierbei Trautmanns künstlertische Handschrift
erkennen. Auffallend ist hingegen die zeittypische Kostümierung sowie die physiognomische
Gestaltung der Soldaten und Reiter. Ob diese Erscheinung der Figuren durch die eventuelle
Vorlage bestimmt ist oder ggf. auch auf einen zweiten ausführenden Künstler zurückzuführen
wäre, ließe sich allein nach Autopsie entscheiden.
Literatur: nicht bekannt.
562
Gc 54
Portrait
Öl auf Leinwand
73 x 58,5 cm
signiert „LM“ (ligiert) rechts oben
Kunsthandel Frankfurt, Joseph Fach
Provenienz: Kunsthandel, Simon 1981 - Kunsthandel Augsburg, Auktionshaus Petzhold
1982
Der junge, als Brustbild vor dunklem Hintergrund wiedergegebene und nach rechts gedrehte
Mann blickt zum Betrachter zurück. Er trägt einen dunklen, vor der Brust geknöpften Rock
über weißem Hemd, dessen pittoresk zerfranster, übergeschlagener Kragen offensteht. Ein
schräg aufgesetzter Hut mit aufgesteckten Federn bedeckt den Kopf. Unter dem Hut quillt ein
Büschel halblanger, lockiger Haare hervor. Rechts unten werden eine angeschnittene Palette
mit Farbklechsen und ein zwischen Daumen und Zeigefinger gehaltener Pinselbusch sichtbar,
dahinter ragt ein langer Stab samt einer Öllampe schräg in den Raum.
Die Ausführung des Gemäldes läßt einen teils recht skizzenhaften Malstil erkennen, durch
den die Formen des Hemdkragen oder des Rockaufschlags ins Phantastisch-Bizarre gesteigert
werden. Die Gesichtszüge sind hingegen in verriebenen, ausgesprochen flach wirkenden
Pinselzügen geschildert. Das Fehlen der für Trautmann typischen, schimmernden Lasuren
fällt dabei ebenso auf wie die trübe Farbigkeit ohne brillante Einzeltöne. Die wohl im
Kunsthandel geäußerte Zuschreibung an Trautmann ist schließlich auch aufgrund des derzeit
des nicht auf-zulösenden, jedoch originalen Monogrammes nicht zu halten. Eine
Lokalisierung des Gemäl-des in den Umkreis der Freskanten um Maulbertsch wurde vermutet
(H. Börsch-Supan, brief-lich an Kirsten Ahrens, Münster) und bleibt weiterhin zu diskutieren.
Literatur: nicht bekannt.
563
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