The Handbook (German, PDF)

The Handbook (German, PDF)
Enigmail
OpenPGP E-Mail Sicherheit für Mozilla-Anwendungen
Mozilla-
Das Handbuch
von Daniele Raffo
mit Robert J. Hansen und Patrick Brunschwig
Deutsche Übersetzung von der
IST planbar GmbH (www.istplanbar.de)
durch Franziska Hauser, Lars Wohlfahrt und
Matthias Wirobski
überarbeitet durch Ludwig Hügelschäfer
v 1.0.1
1. Inhaltsverzeichnis
REDAKTIONELLE VORBEMERKUNG....................................................... 5
2. Einleitung..................................................................................... 6
3. Danksagungen........................................................................... 10
4. Das Enigmail-Team.................................................................... 11
5. Einstieg.......................................................................................12
5.1. Installation von GnuPG............................................................................12
5.1.1. Installation von GnuPG unter Microsoft Windows...........................12
5.1.2. Installation von GnuPG unter Macintosh OS X................................13
5.1.3. Installation von GnuPG unter Linux / UNIX......................................13
5.2. Installation von Thunderbird / SeaMonkey.............................................. 14
5.3. Installation von Enigmail..........................................................................14
5.3.1. Installation von Enigmail in Thunderbird.......................................... 15
5.3.2. Installation von Enigmail in SeaMonkey..........................................15
5.3.3. Installation einer Sprachumgebung für Enigmail.............................15
6. Schnellstart................................................................................ 17
6.1. Der Installationsassistent.........................................................................18
7. Schlüsselverwaltung................................................................. 30
7.1. Ein vorhandenes Schlüsselpaar importieren...........................................31
7.2. Ein eigenes Schlüsselpaar erzeugen...................................................... 32
7.2.1. Auswählen welches Konto Sie verwenden......................................32
7.2.2. Eine Passphrase wählen..................................................................33
7.2.3. Das Ablaufdatum des Schlüssels wählen........................................33
7.2.4. Schlüsselstärke und Algorithmus wählen.........................................34
7.2.5. Den Schlüssel erzeugen.................................................................. 34
7.2.6. Das Widerrufszertifikat erzeugen..................................................... 34
7.3. Operationen an Ihrem Schlüsselpaar......................................................35
7.3.1. Die Schlüsseleigenschaften überprüfen..........................................35
7.3.2. Mehrere Benutzer-Ids festlegen.......................................................37
7.3.3. Eine Foto-ID hinzufügen(nur mit GnuPG Befehlszeile)...................38
7.3.4. Die Passphrase ändern....................................................................39
7.3.5. Ihren Schlüssel unterschreiben........................................................39
7.3.6. Ein Backup machen......................................................................... 40
7.4. Ihren öffentlichen Schlüssel verteilen......................................................41
7.4.1. Ihren öffentlichen Schlüssel manuell verteilen.................................41
7.4.2. Ihren öffentlichen Schlüssel auf einem Schlüsselserver
veröffentlichen............................................................................................ 41
7.5. Ihr Schlüsselpaar widerrufen...................................................................42
7.6. Öffentliche Schlüssel importieren............................................................43
7.7. Gültigkeit von öffentlichen Schlüsseln.....................................................44
7.7.1. Das „Web-of-Trust“...........................................................................44
7.7.2. Vertrauensebenen............................................................................ 46
2
7.7.3. Kriterien für die Gültigkeit von Schlüsseln.......................................47
8. Signatur und Verschlüsselung................................................. 48
8.1. Kontoeinstellungen.................................................................................. 48
8.2. Signatur und Überprüfung....................................................................... 51
8.2.1. Eine Nachricht signieren.................................................................. 51
8.2.2. Eine Signatur überprüfen................................................................. 52
8.2.3. Den Schlüssel, mit dem die Nachricht signiert wurde, abrufen.......56
8.3. Verschlüsselung und Entschlüsselung.................................................... 59
8.3.1. Eine Nachricht verschlüsseln........................................................... 59
8.3.2. Eine verschlüsselte Nachricht entschlüsseln................................... 62
8.4. Anhänge handhaben............................................................................... 67
8.5. Hinweise.................................................................................................. 69
8.6. Empfängerregeln..................................................................................... 70
8.6.1. Empfängerregeln festlegen.............................................................. 70
8.6.2. Empfänger-Einstellungen.................................................................71
8.6.3. Hinweise........................................................................................... 72
8.6.4. XML-Format für Empfängerregeln................................................... 74
9. Einstellungen............................................................................. 76
9.1. Einstellungen festlegen........................................................................... 76
9.1.1. Allgemeine Einstellungen................................................................. 76
9.1.2. Senden............................................................................................. 79
9.1.3. Schlüsselauswahl.............................................................................81
9.1.4. Erweitert........................................................................................... 83
9.1.5. Schlüssel-Server.............................................................................. 86
9.1.6. Fehlersuche......................................................................................87
9.2. Die Einstellungen manuell bearbeiten.....................................................88
10. Fehlerbehebung.......................................................................97
10.1.1. Thunderbird / SeaMonkey zeigen eine rote Fehlermeldung am
unteren Ende des Mailfensters.................................................................. 97
10.1.2. Enigmail kann nicht in SeaMonkey installiert werden....................97
10.1.3. Enigmail kann nicht in Firefox installiert werden............................98
10.1.4. Der Add-on-Manager zeigt die Meldung „Dieses Item wird
installiert, nachdem Sie Thunderbird neu starten“ an. Oder es ist kein
Enigmail User Interface sichtbar................................................................ 98
10.1.5. Ich habe Enigmail auf Thunderbird aktualisiert, und nun meldet es
mir andauernd: „Eine vorherige Installation wurde nicht korrekt beendet.
Beenden Sie die Installation.“.................................................................... 99
10.1.6. Ich kann nicht sagen, ob Enigmail funktioniert oder nicht.............99
10.1.7. Ich habe eine neue Erweiterung installiert und nun funktioniert
Enigmail nicht mehr.................................................................................... 99
10.1.8. Enigmail Icons in der Toolbar sind falsch ausgerichtet..................99
10.1.9. Enigmail kann nicht auf den Schlüssel-Server zugreifen............100
10.1.10. Meine eigenen Signaturen sind ungültig. Enigmail ersetzt “>” mit
“|” und Leerzeichen mit “~” in zitierten Nachrichten.................................100
10.1.11. Ich verwende einen nicht-englischen Zeichensatz und meine
eigenen Signaturen sind ungültig.............................................................100
10.1.12. Enigmail zeigt einige E-Mails fehlerhaft an................................101
10.1.13. Ich bekomme die Fehlermeldung „Enigmail/Enigmime/IPC konnte
3
nicht initialisiert werden“........................................................................... 101
10.1.14. Ich kann verschlüsselte Nachrichten, die an mich gesendet
wurden, nicht lesen! Ich bekomme eine Fehlermeldung “Geheimer
Schlüssel wird zur Entschlüsselung benötigt”..........................................101
10.1.15. Ich habe meine Passphrase / mein Schlüsselpaar / meinen
privaten Schlüssel verloren...................................................................... 101
10.1.16. Nachdem ich Enigmail neu aufgesetzt habe, sind nun alle
Schlüssel in der Schlüsselverwaltung verschwunden.............................102
10.1.17. Jedes Mal, wenn ich versuche, etwas an eine Newsgroup zu
senden, bekomme ich einen Fehler......................................................... 102
10.1.18. Ich habe die Forward Rules in Thunderbird eingestellt, und
bekomme den Fehler “Senden fehlgeschlagen, bitte überprüfen Sie Ihre
Einstellungen”...........................................................................................103
10.1.19. Ich bekomme die Nachricht “OpenPGP-Fehler;
Verschlüsselung/Unterschreiben fehlgeschlagen; Nachricht
unverschlüsselt senden?”........................................................................ 103
10.1.20. Schlüsselimport funktioniert nicht. Fehler: “Dateiname ist zu lang”.
..................................................................................................................103
10.1.21. Ich habe ein anderes Problem, das ich nicht lösen kann..........103
11. FAQ......................................................................................... 105
11.1.1. Kann Enigmail für Webmail genutzt werden? Wann wird dieses
Feature hinzugefügt?............................................................................... 105
11.1.2. Gibt es bekannte Inkompatibilitäten mit anderen Thunderbird- oder
SeaMonkey-Erweiterungen?....................................................................105
11.1.3. Warum ist Enigmail inkompatibel mit meinem Thunderbird /
IceDove / ...?............................................................................................ 105
11.1.4. Ist es möglich PGP mit Enigmail zu verwenden?.........................106
11.1.5. Wie kann ich Enigmail deinstallieren?..........................................106
11.1.6. Welche Dateien modifiziert Enigmail auf meinem System?.........106
11.1.7. Enigmail scheint mit Gpg4win nicht zu funktionieren. Wo liegt das
Problem?.................................................................................................. 107
11.1.8. Warum versucht Enigmail, den GPG-Agenten zu verwenden?...107
11.1.9. Welche Schlüsselstärke und welchen Algorithmus sollte ich für
mein Schlüsselpaar wählen? Was ist am besten?...................................108
11.1.10. Wie kann ich testen, ob ich Enigmail korrekt anwende?...........108
11.1.11. Wie kann ich automatisch meine E-Mail- Nachrichten
verschlüsseln?..........................................................................................108
11.1.12. Ist es möglich, E-Mail-Nachrichten dauerhaft zu entschlüsseln?
..................................................................................................................109
11.1.13. Ist es möglich, S/MIME- und OpenPGP- Verschlüsselung
gleichzeitig zu verwenden?...................................................................... 110
11.1.14. Wie bestimme ich den Hash-Algorithmus?................................110
11.1.15. Wie aktiviere ich den Debug-Log in Enigmail?...........................110
11.1.16. Wie melde ich einen Fehler?...................................................... 110
11.1.17. Wie viele Menschen verwenden Enigmail?................................111
11.1.18. Es wäre toll, wenn Enigmail dies und das könnte! Könnt Ihr es
nicht bitte implementieren?.......................................................................111
11.1.19. Wie kann ich den Betreff verschlüsseln?....................................111
4
11.1.20. Warum kann ich einige Schlüssel aus der Schlüsselverwaltung
nicht zur Verschlüsselung auswählen?.....................................................111
12. Hinweise, Tipps & Tricks....................................................... 112
12.1. Wie man eine gute Passphrase wählt................................................. 112
12.2. Schutz des lokalen Rechners.............................................................. 114
12.2.1. Grundlegender Schutz................................................................. 115
12.2.2. Erhöhter Schutz............................................................................116
12.3. Ihr Schlüsselpaar an einem sichereren Ort aufbewahren...................116
12.3.1. Externes USB-Laufwerk............................................................... 117
12.3.2. Verschlüsselte Partition................................................................ 117
12.3.3. OpenPGP Karte............................................................................117
13. Support................................................................................... 121
REDAKTIONELLE VORBEMERKUNG
Dieses Handbuch ist in Überarbeitung. Es beschreibt die Funktionen von
Enigmail Version 1.0 aus dem Jahr 2010.
Aktuell ist dagegen Enigmail Version 1.8.2 vom April 2015, das sich im
Funktionsumfang und Erscheinungsbild unterscheidet.
In diesem Handbuch wurden Links, Versionsnummern und andere Angaben
aktualisiert; Stand: März 2014.
5
2. Einleitung
Es gibt zwei Hauptgebiete der Kryptographie: die symmetrische und die
asymmetrische Kryptografie.
Die symmetrische Kryptografie ist der erste Kryptografietyp, welcher bereits vor
rund 2000 Jahren erfunden wurde, und zudem auch der einzige, den die
meisten Leute kennen. In der symmetrischen Kryptografie wird ein
Verschlüsselungsverfahren (kryptografischer Algorithmus) in Verbindung mit
einem einzigen Schlüssel verwendet, beispielsweise ein Passwort zur
Verschlüsselung einer Nachricht. Diese Nachricht kann dann unter Verwendung
des gleichen Schlüssels wieder entschlüsselt werden.
Die symmetrische Kryptografie hat jedoch ein Problem wenn Nachrichten sicher
verschickt werden müssen. Der Sender kann eine Nachricht verschlüsseln und
an den Empfänger senden, muss aber gleichzeitig dem Empfänger den
Schlüssel zur Verfügung stellen, damit er sie entschlüsseln kann. Der Schlüssel
kann nicht offen mit der Nachricht versendet werden, sondern muss über einen
sicheren Kanal ausgetauscht werden. Verschlüsselung erlaubt zwar einen
sicheren Kanal für die Sendung von Nachrichten, aber in Hinsicht auf die
letztendliche Nutzbarkeit, muss der Sender zuerst den Schlüssel an den
Empfänger übersenden.
Dieses scheinbar ausweglose Problem wurde erst vor 30 Jahren mit der Geburt
der asymmetrischen Kryptografie, auch Public Key Kryptografie genannt,
gelöst.
Die Public Key Kryptografie ist interessanter und nützlicher. Sie arbeitet nicht
mit einem einzigen Schlüssel, sondern mit einem Schlüsselpaar, bestehend aus
einem öffentlichen Schlüssel und einem privaten Schlüssel (auch geheimer
Schlüssel genannt). Öffentlicher und geheimer Schlüssel werden zusammen
zur selben Zeit mit Hilfe eines speziellen Algorithmus erstellt.
Zeigen wir nun anhand eines Beispiels, wie die öffentliche Kryptografie
funktioniert. Wir nehmen an, Alice und Bob möchten sicher Nachrichten
austauschen.
Alice generiert ihr eigenes Schlüsselpaar zuerst. Sie macht den öffentlichen
Schlüssel für jedermann verfügbar, zum Beispiel, indem sie den Schlüssel in
einem öffentlichen Verzeichnis ablegt. Den geheimen Schlüssel behält sie für
sich. Dies ist in jedem Fall sicher, da es praktisch unmöglich ist (oder, wie
Informatiker sagen würden rechnerisch unmöglich) einen privaten Schlüssel
aus seinem zugehörigen öffentlichen Schlüssel abzuleiten.
Bob verfährt genauso: Er generiert ein Schlüsselpaar, veröffentlicht seinen
öffentlichen Schlüssel und behält seinen geheimen Schlüssel für sich.
Möchte Bob nun eine vertrauliche Nachricht an Alice schicken, ruft er zunächst
6
Alice's öffentlichen Schlüssel aus dem Verzeichnis ab. Dann verschlüsselt er
die Nachricht mit ihrem öffentlichen Schlüssel und sendet die Nachricht. Alice
entschlüsselt die Nachricht mit ihrem privaten Schlüssel und ist in der Lage, die
Klartext-Nachricht zu lesen.
Die Public Key Kryptografie dient nicht nur der Sicherung der Vertraulichkeit (sie
stellt sicher, dass die Nachricht nur von der Zielperson gelesen werden kann),
sondern auch der Sicherstellung der Authentizität (sie stellt sicher, dass die
Nachricht wirklich vom Absender stammt) und der Integrität (Sicherheit dass die
Nachricht auf dem Transportweg nicht verändert wurde).
Zur Sicherung der Authentifizierung und Integrität wird der Nachricht eine
digitale Signatur angehängt.
Diese digitale Signatur wird durch einen Algorithmus erzeugt, der eine HashFunktion in Verbindung mit einem Schlüssel verwendet. Einen Hash kann man
sich als eine Art sehr guter Prüfsumme vorstellen. Eine Hash-Funktion
errechnet aus einer Nachricht beliebiger Länge eine Prüfsumme, Digest
genannt. Wesentliche Eigenschaften einer Hash-Funktion sind, dass es
praktisch unmöglich ist, die Originalnachricht aus dem Digest abzuleiten, und
dass die Änderung nur eines einzigen Bits der Originalnachricht einen
vollkommen anderen Digest erzeugt.
Also schreibt Bob die Nachricht, generiert eine digitale Signatur für die
Nachricht, indem er eine vordefinierte Hash-Funktion und seinen privaten
Schlüssel verwendet, hängt der Nachricht die Signatur an und sendet das
Ganze an Alice. Alice erhält die Nachricht und überprüft die Signatur, indem sie
dieselbe Hash-Funktion und Bobs öffentlichen Schlüssel verwendet.
Ist die Signatur gültig, dann ist der Sender authentifiziert, da nur der Besitzer
des privaten Schlüssels, also Bob, die Nachricht signieren hätte können.
Dies garantiert auch die Integrität der Nachricht, denn wäre die Nachricht beim
Transport verändert worden, würde dies zu einem anderen Digest führen und
die Signatur würde nicht mehr passen.
Die Public Key Kryptografie wurde von James Ellis, Clifford Cocks und Malcolm
Williamson des Britischen Government Communication Headquarters (GCHQ)
im Jahr 1975 entdeckt, aber sie wurde als Geheimsache eingestuft und
gelangte nicht an die Öffentlichkeit.
Im folgenden Jahr machten die Forscher Whitfield Diffie, Martin Hellman und
Ralph Merkle unabhängig davon die gleiche Entdeckung und veröffentlichten
sie. Ein Jahr später lieferten Ronald Rivest, Adi Shamir und Leonard Adleman
die erste praktische Anwendung eines Public Key Kryptografie Algorithmus
7
durch die Entwicklung der RSA-Verschlüsselung.
1991 entwickelte Phil Zimmermann, Aktivist der Redefreiheit und bekennender
Atomgegner, Pretty Good Privacy (PGP), die erste für die allgemeine
Öffentlichkeit verfügbare Software, die RSA für Verschlüsselung und Signatur
von E-Mails verwendete.
Nachdem Zimmermann einen Freund darum bat, das Programm ins weltweite
Usenet zu stellen, wurde er von der Regierung verfolgt und vom FBI wegen
illegalen Waffenexports beschuldigt. Die Anschuldigungen wurden schließlich
jedoch fallen gelassen und Zimmermann gründete später PGP Inc., mittlerweile
akquiriert von der PGP Corporation, die später von Symantec übernommen
wurde.
1997 unterbreitete PGP Inc. der Internet Engineering Task Force einen
Vorschlag zur Standardisierung. Der Standard wurde OpenPGP genannt und
1998 im IETF Dokument RFC 2440 definiert. Die aktuelle Version der
OpenPGP-Standardisierung ist in RFC 4880 beschreiben und wurde 2007
veröffentlicht.
PGP ist mittlerweile ein bekanntes kommerzielles Produkt für
Kommunikationssicherheit und Datenschutz in Organisationen, Firmen und für
private Anwendung, und ist verfügbar unter http://www.pgp.com und
http://www.pgpi.org.
Heutzutage gibt es eine Reihe von OpenPGP-konformen Produkten: Die weit
verbreitetste ist vermutlich GnuPG (GNU Privacy Guard, oder kurz: GPG), seit
1999 von Werner Koch entwickelt. Das GnuPG Projekt ist gehostet unter
http://www.gnupg.org.
GnuPG ist als Open Source frei und für verschiedenste Plattformen verfügbar.
Es ist ein Befehlszeilen-Tool, was bedeutet, dass es keine grafische
Nutzeroberfläche hat.
Enigmail, vorgestellt von Ramalingam Saravanan im Jahr 2001, und seit 2003
entwickelt von Patrick Brunschwig, ist ein Plugin für Mozilla E-Mail-Clients
(Thunderbird und SeaMonkey). Enigmail benutzt GnuPG im Hintergrund und
bietet eine GUI, um jedem das sichere Verschlüsseln, Entschlüsseln, Signieren
und Verifizieren von Signaturen von E-Mail-Nachrichten so einfach wie möglich
zu machen.
Die Homepage des Enigmail-Projekts ist https://www.enigmail.net/
8
Bei Enigmail, GnuPG, Thunderbird und SeaMonkey handelt es sich um Open
Source Software. Alle Programme können heruntergeladen, frei kopiert und
verwendet werden. Wie bei allen Open Source Projekten ist ihr Quellcode für
jeden zur Inspektion oder eigenen Anpassung frei verfügbar.
OpenPGP in all seinen Varianten, ist die bekannteste und weit verbreitetste
Public Key Verschlüsselungsverfahren auf der Welt. Es ermöglicht es
Menschen in totalitären Ländern, Privatsphäre zu genießen, Redefreiheit zu
erzwingen, Zensur zu bekämpfen und Menschenrechte zu schützen. Es benutzt
die stärkste Verschlüsselung, die der wissenschaftlichen Literatur bekannt ist,
und ist - sofern in richtiger Art und Weise eingesetzt - praktisch nicht zu
knacken.
9
3. Danksagungen
Dieses Handbuch entstand aus dem Quick Start Guide von Robert J. Hansen
und beinhaltet technische Passagen von Patrick Brunschwig (dem aktuellen
Entwickler von Enigmail) und Olav Seyfarth.
Während des Verfassens des Handbuchs folgte ich den Kommentaren,
Korrekturen, Kritiken und Ermutigungen des gesamten Enigmail-Teams; das
Handbuch enthält außerdem viele Beiträge, die ursprünglich vom Team im
Enigmail-Forum, der Newsgroup und der Mailing Liste gepostet wurden.
Danke an alle!
Dank auch an Werner Koch für die Durchsicht des Teils über die OpenPGPSmartCard, und für die Erlaubnis zur Verwendung seiner Bilder auf Seite 116.
Ludwig Hügelschäfer, Christian Marg und Dave Schaefer halfen mit sehr
nützlichen Tipps und Kommentaren. Aktuelle Screenshots und die deutsche
Übersetzung wurden von Franziska Hauser, Lars Wohlfahrt und Matthias
Wirobski von der IST planbar GmbH beigesteuert.
Dieses Dokument wurde mit LibreOffice 4.2 verfasst. Die in diesem Dokument
verwendeten Icons sind Teil des Crystal Clear Sets von Everaldo Coelho,
veröffentlicht unter GNU LGPL.
Das Enigmail-Logo wurde designed von Olav Seyfarth. Es verwendet die Good
Times Schrift von Ray Larabie, welche als Freeware verfügbar ist.
Thunderbird und SeaMonkey sind Schutzmarken der Mozilla Foundation.
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4. Das Enigmail-Team
Patrick Brunschwig
Maintainer und Lead Developer
John P. Clizbe
Qualitätssicherung und User Support
Olav Seyfarth
Website und User Support
John W. Moore
Tests und User Support
Robert J. Hansen
Benutzerschnittstelle und User Support
Daniele Raffo
Forum Management und Dokumentation
Ludwig Hügelschäfer
Mac Support und Nightlies
Frühere Teammitglieder:
Ramalingam Saravanan
Original Autor
Barry Porter
Qualitätssicherung und User Support
Shane M. Coughlan
Website und Tests
11
5. Einstieg
Dieses Kapitel veranschaulicht die ersten Schritte, mit denen Sie Enigmail zum
Laufen bringen.
Um Enigmail benutzen zu können, müssen Sie zunächst GnuPG installieren.
GnuPG gibt es in zwei Varianten: Das Standard GnuPG (Development Branch
v1.x) und GnuPG 2 (Development Branch v2.x). Die erstere ist die bewährte,
portable Version von GnuPG, während die letztere die erweiterte Version mit
zusätzlichen Funktionen darstellt. Sie ist etwas schwieriger einzurichten, aber
diese Arbeit wird meistens von Installationsprogrammen oder Paketmanagern
übernommen.
Beide Varianten bieten dasselbe Sicherheitslevel. Sie können beide Versionen
von GnuPG herunterladen und installieren.
Sofern Sie sie nicht bereits benutzen, müssen Sie außerdem einen Mozilla EMail-Client installieren, d.h. je nach Belieben entweder Thunderbird oder
SeaMonkey.
Daneben gibt es auch andere Abwandlungen des Mozilla E-Mail Clients, für die
Enigmail möglicherweise gut funktioniert, allerdings unterstützt Enigmail diese
Abwandlungen nicht offiziell.
Sie können zuerst GnuPG und dann den E-Mail Client installieren, oder
umgekehrt.
5.1. Installation von GnuPG
Am besten besorgen Sie sich eine vorkompilierte Version von GnuPG. GnuPG
selbst zu kompilieren, ist für Anfänger nicht empfehlenswert.
5.1.1. Installation von GnuPG unter Microsoft Windows
Gpg4win bietet mehrere Windows Installationsprogramme auf
http://gpg4win.org/download-de.html an. Für den ausschließlichen
Betrieb mit Enigmail genügt das „Vanilla“-Paket, ansonsten ist das Vollpaket zu
empfehlen, das zusätzlich eine GUI für Schlüsselverwaltung, Verschlüsselung
und Entschlüsselung anbietet.
Ist das Installationsprogramm heruntergeladen, können Sie den
Installationsprozess mit einem Doppelklick starten. Dies ist unkompliziert; Sie
müssen nur immer den Weiter-Button klicken, bis die Installation beendet ist.
Sie müssen auch nichts in der Konfiguration von GnuPG ändern, die
Standardeinstellungen funktionieren ausgezeichnet.
12
Es ist weiterhin nicht erforderlich, den Umgang mit der GnuPG-Befehlszeile zu
lernen; erst einmal installiert, werden alle Operationen von Enigmail ausgeführt.
5.1.2. Installation von GnuPG unter Macintosh OS X
Sie haben drei Möglichkeiten, GnuPG unter OS X zu installieren. Die meisten
Nutzer werden sich für die erste entscheiden.
Die erste und bekannteste Option ist die Verwendung von MacGPG. Das
MacGPG-Projekt bietet vorgefertigte Binaries von GnuPG 2.0.22 für Benutzer,
die OS X 10.6 oder eine spätere Version verwenden. Laden Sie einfach die
„GPG Suite“ von der Seite http://gpgtools.org herunter und installieren
Sie das Paket.
Die zweite Option ist das MacPorts-Projekt (http://www.macports.org),
welches eine aktuelle Version von GnuPG in ihrem Source Tree bereithält.
Wenn Sie MacPorts benutzen, installieren Sie GnuPG, indem Sie Terminal.app
öffnen und sudo port install gnupg. eingeben.
Die dritte Option ist das Homebrew-Projekt (http://brew.sh), welches eine
aktuelle Version von GnuPG in ihrem Source Tree bereithält. Wenn Sie
Homebrew benutzen, installieren Sie GnuPG, indem Sie Terminal.app öffnen
und brew install gnupg. eingeben.
Die vierte Option ist die Verwendung von Fink. Das Fink-Projekt
(http://fink.sf.net) stellt eine nicht mehr sehr aktuelle Version von
GnuPG zur Verfügung. Wenn Sie Fink benutzen, installieren Sie GnuPG, indem
Sie fink install gnupg ins Terminal.app eingeben.
5.1.3. Installation von GnuPG unter Linux / UNIX
Die meisten Linux-Distributionen haben GnuPG bereits installiert. Um
herauszufinden, ob dies der Fall ist, öffnen Sie ein Terminal und tippen gpg
--version. ins Fenster ein. Falls Sie zur Antwort GnuPG 1.4.9 oder später
erhalten, müssen Sie nichts weiter tun.
Falls es doch nötig sein sollte, GnuPG nachzuinstallieren, so geschieht das am
besten mit dem Paketmanager Ihrer Distribution.
Die verschiedenen Varianten von BSD UNIX haben alle einen ähnliche
Vorgehensweise, um Software zu installieren. Bitte orientieren Sie sich an den
Instruktionen für MacPorts, die weiter oben bereits erläutert wurden.
13
5.2. Installation von Thunderbird / SeaMonkey
Thunderbird ist ein reiner E-Mail-Client, während SeaMonkey einen Mailclient,
einen Browser, einen HTML Editor und einen IRC Client in einem Programm
vereint. Beide stammen aus dem Mozilla-Projekt. Das Interface und die
Funktionen sind ähnlich, und Sie können sich aussuchen, welchen Sie
bevorzugen. Thunderbird können Sie unter
http://www.mozilla.org/de/thunderbird und SeaMonkey unter
http://www.seamonkey-project.org herunterladen.
Viele Linux-Distributionen haben eine eigene individuelle Version von
Thunderbird, manchmal auch unter anderem Namen. Wenn Sie die
Thunderbird-Version Ihrer Distribution verwenden, dann sollten Sie auch die
Enigmail-Version Ihrer Distribution verwenden. Wenn Sie Thunderbird jedoch
von der offiziellen Mozilla-Seite haben und es selbst installieren, sollten Sie die
offiziellen Enigmail-Veröffentlichungen benutzen, die vom Enigmail-Projekt
angeboten werden.
Thunderbird und SeaMonkey haben ausgezeichnete Dokumentationen sowie
einen besonders guten Nutzergruppen-Support. Daher überspringen wir die
Schritte zur Installation und Konfiguration.
Bitte konfigurieren Sie sowohl Ihren E-Mail-Client als auch Ihr E-Mail-Konto
vollständig, bevor sie die Installation von Enigmail beginnen.
5.3. Installation von Enigmail
Laden Sie die aktuelle Version von Enigmail, die für Ihren E-Mail-Client und Ihr
Betriebssystem vorgesehen ist, auf der Seite
https://www.enigmail.net/download/index.php herunter. Enigmail
wird als XPI- Datei heruntergeladen, wie es für Standarderweiterungen für
Mozilla Plugins üblich ist.
Die jüngste Enigmail Version ist 1.6, welche in Thunderbird 24.0 sowie
SeaMonkey 2.24 und höher installiert werden kann.
Sollten Sie einen älteren E-Mail-Client besitzen, müssen Sie zunächst eine
entsprechend frühere Version von Enigmail installieren. Die EnigmailDownloadseite wird Ihnen helfen, automatisch die korrekte Version zu
identifizieren und herunterzuladen.
Die Screenshots, die in diesem Handbuch verwendet werden, zeigen
größtenteils Enigmail 0.69.0 in Thunderbird 2.0.0.24 unter Ubuntu 9.10 - Karmic
Koala. Einige Screenshots sind aus der englischen Version des Handbuchs
übernommen und können somit SeaMonkey 1.1 (Modern Theme) unter
Windows XP bzw. Enigmail 0.97a in SeaMonkey 2.0 zeigen.
Unterscheidet sich Ihre Installation hinsichtlich der Enigmail Version, des EMail-Clients oder des Betriebssystems, bestehen geringe Unterschiede in der
GUI. Die Funktionen werden aber dieselben sein.
14
5.3.1. Installation von Enigmail in Thunderbird
Klicken Sie auf den Downloadlink und speichern die XPI-Datei auf Ihrem
Rechner.
Starten Sie Thunderbird und wählen in der Menüleiste des Hauptfensters
Extras → Add-ons, um das Fenster zur Verwaltung der Add-ons zu öffnen.
Wählen Sie Erweiterungen, klicken dann auf Installieren und geben an, wo die
Enigmail XPI-Datei gespeichert ist. Es öffnet sich ein weiteres Fenster, das
Ihnen ankündigt, dass Sie dabei sind, ein Plugin zu installieren. Bestätigen Sie
Ihre Entscheidung.
Nach einem Neustart von Thunderbird steht Enigmail zur Verfügung.
5.3.2. Installation von Enigmail in SeaMonkey
Wenn Sie mit SeaMonkey arbeiten, reicht es aus, auf den Downloadlink zu
klicken. Wie bereits erwähnt, vereint SeaMonkey einen Browser und einen EMail-Client. Daher können Sie jegliche XPI-Plugins für den E-Mail-Client oder
für den Browser selbst direkt vom Browser aus installieren. Bestätigen Sie
einfach, dass Sie das Plugin installieren möchten, wenn Sie danach gefragt
werden.
Nach einem Neustart von SeaMonkey steht Enigmail zur Verfügung.
5.3.3. Installation einer Sprachumgebung für Enigmail
Enigmail ist in vielen Sprachen verfügbar. Die folgenden Gebiete sind in
Enigmail 1.0.0 bereits enthalten:
ar
ca
de-AT
de-DE
el
en-US
es-ES
fi-FI
fr-FR
gl-ES
hu-HU
Arabisch
Katalanisch
Deutsch (Österreich)
Deutsch (Deutschland)
Griechisch
Englisch (USA)
Spanisch
Finnisch
Französisch
Galicisch
Ungarisch
it-IT
ja-JP
ko-KR
nb-NO
pl-PL
pt-BR
pt-PT
ru-RU
sl-SI
sv-SE
zh-CN
Italienisch
Japanisch
Koreanisch
Norwegisch
Polnisch
Portugiesisch (Brazil)
Portugiesisch (Portugal)
Russisch
Slowenisch
Schwedisch
Chinesisch
Wenn Sie Enigmail in einer Sprache verwenden möchten, die in der oberen
Übersicht nicht aufgelistet ist, benötigen Sie das entsprechende Sprachpaket.
Dafür downloaden und installieren Sie Enigmail wie bereits erklärt. Vor dem
Neustart des E-Mail-Clients, gehen Sie auf
https://www.enigmail.net/download/langpack.php und wählen das
passende Sprachpaket. Laden Sie das gewünschte Sprachpaket, welches als
XPI-Datei vorliegt, herunter und installieren Sie es genau so wie die EnigmailXPI-Datei. Erst danach starten Sie den E-Mail-Client neu.
15
Falls Enigmail nach dem Neustart immer noch in Englisch erscheinen sollte,
müssen Sie einmalig zur Standardsprache Englisch (US) wechseln, den
Mailclient neu starten, zurück zu der von Ihnen gewünschten Sprache wechseln
und den Mailclient nochmals neu starten.
Um die Sprache in SeaMonkey zu ändern, verwenden Sie den Menübefehl
Bearbeiten → Einstellungen... → Erscheinungsbild → Sprache/Inhalt. Der
einfachste Weg, um die Sprache in Thunderbird zu ändern, ist die Locale
Switcher Erweiterung von Benjamin Smedberg zu installieren, verfügbar unter
https://addons.mozilla.org/enUS/thunderbird/addon/356.
Ein Hinweis für Tester: Nightly Builds von Enigmail sind möglicherweise nicht
vollständig lokalisiert. Die nicht übersetzten Ausdrücke erscheinen in Englisch.
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6. Schnellstart
Starten Sie den installierten E-Mail-Client (Thunderbird oder SeaMonkey). Es ist
nun das neue Untermenü OpenPGP in der Menüleiste zu sehen: Dies ist das
Untermenü für alle Enigmail-Operationen.
Wählen Sie OpenPGP → Einstellungen, um das Fenster für die EnigmailEinstellungen zu öffnen.
Hier gibt es einen Toggle-Button namens Experten-Optionen ausblenden/
Experten-Optionen anzeigen, mit dem diverse Optionen für die genaue
Abstimmung Ihrer Enigmail Installation ein- oder ausgeblendet werden können.
Während des weiteren Verlaufs dieses Handbuchs wird der Modus für die
Experten-Optionen vorausgesetzt.
Enigmail ist mit einem Installationsassistenten ausgestattet, der Sie durch alle
Schritte führt, um Enigmail fertig zu konfigurieren. Dies ist für unerfahrene
Benutzer vorgesehen, aber nicht zwangsläufig notwendig: Sie können Enigmail
genauso gut manuell konfigurieren, was Ihnen ein besseres Verständnis der
Mechanismen verschafft.
Der Rest dieses Kapitels ist eine Schritt-für-Schritt-Anleitung für den
Installationsassistenten, gefolgt von einer grundlegenden Erklärung der
Signatur- und Verschlüsselungsfunktionen. Falls Sie sich entscheiden sollten,
vom Installationsassistenten keinen Gebrauch zu machen, können Sie direkt
zum nächsten Kapitel überspringen.
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6.1. Der Installationsassistent
Wählen Sie OpenPGP → OpenPGP-Assistent, um das folgende Fenster zu
öffnen. Bedenken Sie, dass Sie den Assistenten jederzeit abbrechen und im
OpenPGP-Menü wieder aufrufen können.
Wählen Sie Ja und klicken auf Weiter.
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Hier können Sie auswählen, ob Enigmail so konfiguriert wird, dass es für all
Ihren E-Mail-Konten und Identitäten arbeitet, oder nur für einige ausgewählte.
Wenn Sie Anfänger sind, sollten Sie Ja wählen, um Verwirrung zu vermeiden,
wenn Sie zwischen mehreren Konten hin- und herwechseln. Wie Sie ein Konto
zum Gebrauch mit OpenPGP/Enigmail aktivieren, wird in Kapitel 8.1 erklärt.
Klicken Sie auf Weiter.
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Hier können Sie auswählen, ob alle E-Mails, die Sie versenden, digital
unterschrieben werden sollen oder ob nur bestimmte Empfänger (mit Hilfe von
komplexeren Empfängerregeln) signierte E-Mails erhalten sollen.
Empfängerregeln werden in Kapitel 8.6 näher erläutert.
Sie können ohne Bedenken Ja auswählen. So werden standardmäßig all Ihre
ausgehenden E-Mails unterschrieben. Sie können zusätzlich das
Unterschreiben im Verfassen-Fenster individuell für jede Mail ändern.
Klicken Sie auf Weiter.
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Hier können Sie auswählen, ob die Verschlüsselung standardmäßig für alle
ausgehenden E-Mails aktiviert werden soll. Um eine Nachricht zu
verschlüsseln, benötigen Sie den öffentlichen Schlüssel des oder der
Empfänger. Wir empfehlen Ihnen daher Nein auszuwählen, sodass Sie die
Verschlüsselung nur dann aktivieren können, wenn Sie sich wirklich sicher sind.
Klicken Sie auf Weiter.
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Der Assistent fragt Sie hier um Erlaubnis, einige E-Mail-Einstellungen
anzupassen, um zu gewährleisten, dass Enigmail einwandfrei auf Ihrem
Computer läuft. Sie können auf Ja klicken.
Wenn Sie genau erfahren möchten, welche Änderungen vorgenommen werden,
klicken Sie auf Details... und es wird sich das folgende Fenster öffnen:
Seien Sie nicht beunruhigt, falls Sie nicht alles verstehen: Es handelt sich um
vernünftige Einstellungen. Wir empfehlen daher, alle Optionen abgehakt zu
lassen.
Die wichtigste Änderung ist, dass E-Mail-Nachrichten von nun an nicht mehr in
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HTML, sondern als Klartext verfasst und angezeigt werden. Dies ist notwendig,
da HTML Probleme bei der Verwendung von Signaturen und/oder
Verschlüsselung verursacht.
Eine gute Regel der Netiquette ist, dass man auch für normale (also nicht
unterschriebene und unverschlüsselte) E-Mails kein HTML verwenden sollten.
Die anderen Einstellungen sind für technische Belange wie beispielsweise das
Herunterladen von Nachrichten von IMAP-Servern, Textformatierung und
Zeichenkodierung zuständig. Sie werden das Verhalten Ihres Mailclient in
keinerlei Hinsicht verschlechtern, sind aber für den reibungslosen Betrieb von
Enigmail zu empfehlen.
Klicken Sie auf Weiter.
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Vielleicht haben Sie in der Vergangenheit schon einmal mit Enigmail gearbeitet
(oder mit GnuPG, oder einem ähnlichen OpenPGP-Programm), bevor Sie diese
Version von Enigmail installiert haben und haben daher ein GnuPGSchlüsselpaar erstellt, das immer noch auf Ihrem Rechner gespeichert ist. In
diesem Fall wird Enigmail das GnuPG-Verzeichnis finden und Ihnen anbieten,
dieses Schlüsselpaar für Ihre Identität zu verwenden. Andernfalls müssen Sie
ein neues Schlüsselpaar generieren.
In diesem Fall hat Enigmail einen bestehenden OpenPGP-Schlüssel entdeckt,
der nun verwendet werden kann. Wählen Sie diesen Schlüssel aus und klicken
auf Weiter.
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Wahrscheinlich ist es jedoch für Sie das erste Mal, dass Sie OpenPGP
verwenden, sodass Sie ein neues Schlüsselpaar generieren müssen. Dafür
wählen Sie Ich möchte ein neues Schlüsselpaar erzeugen und klicken dann auf
Weiter. Es öffnet sich ein neues Fenster zur Erzeugung eines neuen OpenPGPSchlüssels:
Wählen Sie eine Passphrase, um Ihr Schlüsselpaar zu schützen: Sie müssen
diese Passphrase jedes Mal, wenn Sie eine Nachricht verschlüsseln oder
entschlüsseln möchten, eingeben.
Sie brauchen keine anderen Einstellungen ändern, die Voreinstellungen sind
sinnvoll gewählt. Bitte stellen Sie sicher, dass „Verwende erzeugten Schlüssel
für die ausgewählte Identität“ selektiert ist, bevor Sie auf „Erzeuge Schlüssel“
klicken. Sie werden benachrichtigt, wenn der Schlüssel erzeugt worden ist.
Mehr zur Schlüsselerstellung lesen Sie in Kapitel 7.2.
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Das letzte Fenster des OpenPGP-Assistenten gibt Ihnen eine
Zusammenfassung Ihrer getätigten Angaben. Klicken Sie auf Weiter, um alle
Änderungen zu bestätigen und den Installationsassistenten zu beenden.
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Enigmail ist nun konfiguriert und einsatzbereit.
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Wenn Sie beginnen, eine E-Mail zu schreiben, werden Sie einen neuen
OpenPGP-Button in der Toolbar des „Verfassen“-Fensters sehen. Mit diesem
Button können Sie die Nachricht unterschreiben und/oder verschlüsseln. Unten
rechts finden Sie zusätzlich ein Stift- und ein Schlüssel-Icon. Ist das jeweilige
Icon grün dargestellt, dann ist Signatur und/oder Verschlüsselung aktiviert.
Sie können von nun an signierte E-Mails an beliebige Empfänger verschicken.
Um jemandem zu erlauben, Ihre Signatur zu überprüfen oder Ihnen
verschlüsselte Nachrichten zu senden, müssen Sie ihm jedoch Ihren
öffentlichen Schlüssel zukommen lassen. Sie können Ihren öffentlichen
Schlüssel als Anhang versenden, indem Sie im Verfassen-Fenster auf
OpenPGP → Öffentlichen Schlüssel anhängen... gehen und Ihren Schlüssel in
dem erscheinenden Schlüsselauswahl-Fenster auswählen.
Alle gespeicherten Schlüssel (ihr eigenes Schlüsselpaar und die öffentlichen
Schlüssel, die Sie von anderen erhalten haben) können in der
Schlüsselverwaltung eingesehen werden. Gehen Sie dazu auf OpenPGP →
Schlüssel verwalten.
Um verschlüsselte E-Mails zu senden, benötigen Sie den öffentlichen Schlüssel
des Empfängers.
Um ihn zu erhalten, gibt es mehrere mögliche Wege:
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•
Fragen Sie ihn, ob er Ihnen seinen öffentlichen Schlüssel als Anhang per
E-Mail schicken kann; gehen Sie dann mit einem Rechtsklick auf den
Anhang und wählen Sie OpenPGP-Schlüssel importieren;
•
Laden Sie seinen öffentlichen Schlüssel von seiner Webseite als ASC-
Datei herunter und importieren ihn via Datei → Importieren unter
OpenPGP → Schlüssel verwalten;
•
Rufen Sie seinen öffentlichen Schlüssel von einem Schlüsselserver ab
via Schlüssel-Server → Schlüssel suchen... unter OpenPGP →
Schlüssel verwalten.
•
Wenn Sie eine E-Mail erhalten, die OpenPGP-gesichert ist (signiert
und/oder verschlüsselt), wird diese folgendermaßen erscheinen:
Wenn Sie eine E-Mail erhalten, die OpenPGP-gesichert ist (signiert und/oder
verschlüsselt), wird diese folgendermaßen erscheinen:
Diese Nachricht wurde sowohl signiert als auch verschlüsselt; dies wird in der
OpenPGP-Statusleiste angezeigt.
Vielen Dank, dass Sie Enigmail benutzen! Dies waren die nötigen
Grundkenntnisse. Im weiteren Teil des Handbuches können Sie alle Themen
noch einmal im Detail nachlesen.
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7. Schlüsselverwaltung
Jetzt, da Sie Enigmail auf Ihrem System haben, müssen Sie Schlüssel
einpflegen: Ohne Schlüssel ist Enigmail unbrauchbar. Sie benötigen Ihr eigenes
Schlüsselpaar, um Nachrichten zu unterschreiben und anderen erlauben zu
können, Ihnen verschlüsselte Nachrichten zu senden.
Weiterhin benötigen Sie die öffentlichen Schlüssel der Personen, denen Sie
selbst verschlüsselte Nachrichten senden möchten, oder um die Signatur in
Nachrichten von diesen Personen zu überprüfen.
Wählen Sie OpenPGP → Schlüssel verwalten..., um das Fenster zur
Schlüsselverwaltung zu öffnen. Sie können die Schlüsselverwaltung auch als
eine unabhängige Applikation öffnen, indem Sie -pgpkeyman an den Befehl, der
Thunderbird/SeaMonkey startet, anhängen. Unter Windows wäre das
beispielsweise folgender Befehl:
"C:\Program Files\mozilla.org\SeaMonkey\
SeaMonkey.exe" -pgpkeyman.
Das Fenster zur Schlüsselverwaltung zeigt alle Schlüssel an (Ihren und die
Schlüssel anderer Personen), die Sie auf Ihrem Computer gespeichert haben;
man bezeichnet dies als Keyring (Schlüsselbund).
Alle öffentlichen Schlüssel, die Sie bereits gesammelt haben, wird oftmals auch
als Public Keyring (Öffentlicher Schlüsselbund) bezeichnet. Schlüsselpaare
(d.h. ein Bündel von öffentlichem Schlüssel und dem zugehörigen geheimen
Schlüssel) werden fett gedruckt angezeigt.
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Gelöschte oder abgelaufene Schlüssel, welche ungültig sind, werden kursiv
angezeigt. Bei allen anderen handelt es sich um gültige öffentliche Schlüssel.
Falls Sie im Rahmen des OpenPGP-Assistenten ein neues Schlüsselpaar
erzeugt oder ein existierendes Paar importiert haben, wird auch dies hier
angezeigt. (Falls nicht, setzen Sie ein Häkchen bei Standardmäßig alle
Schlüssel anzeigen). Andernfalls ist das Fenster leer.
Wenn Sie auf das Erweitern-Gadget auf der linken Seite eines jeden Schlüssels
klicken, können Sie zusätzlich weitere Identitäten und an den Schlüssel
angehängte Fotos einsehen, falls vorhanden.
Die einzelnen Spalten (Schlüssel-ID, Typ, Schlüsselgültigkeit,
Besitzervertrauen, Ablaufdatum und Fingerabdruck) zeigen eine Reihe weiterer
Schlüsseleigenschaften: Sie können auswählen, welche Sie angezeigt
bekommen möchten, indem Sie auf das Gadget am rechten Fensterrand in der
Kopfzeile mit den Rubriken gehen und dort die entsprechenden
Schlüsseleigenschaften auswählen.
Das restliche Kapitel erklärt Ihnen nun, was genau diese einzelnen
Eigenschaften bedeuten.
Die Menüleiste des Fensters zur Schlüsselverwaltung ermöglicht Ihnen, mit
Schlüsseln Ihres Schlüsselbunds zu arbeiten. Dafür wählen Sie einen Schlüssel
und dann einen Menüpunkt aus. Die meisten dieser Menüpunkte finden Sie
auch in einem Pop-up-Menü, wenn Sie mit einem Rechtsklick auf einen
Schlüssel gehen. Manche Menüpunkte werden deaktiviert sein (grau hinterlegt),
falls die gewählte Operation für diesen Schlüssel nicht erlaubt ist. Manche
Operationen erfordern den Besitz des zugehörigen geheimen Schlüssels.
Manche Operationen können Sie nur mit Ihrem Schlüsselpaar ausführen, nicht
aber mit den öffentlichen Schlüsseln anderer Leute.
7.1. Ein vorhandenes Schlüsselpaar importieren
Vielleicht haben Sie in der Vergangenheit schon einmal mit GnuPG, Enigmail
oder einer anderen OpenPGP-Software gearbeitet und damit bereits ein
Schlüsselpaar erzeugt. In diesem Fall möchten Sie wahrscheinlich Ihr
vorhandenes Schlüsselpaar im Rahmen der Installation von Enigmail
verwenden. Vergewissern Sie sich dabei jedoch, dass Sie sich an Ihre
Passphrase erinnern. Ansonsten ist ihr altes Schlüsselpaar nutzlos.
Um Ihr Schlüsselpaar zu importieren, gehen Sie auf Datei → Importieren und
wählen die Datei mit Ihrem Schlüsselpaar aus. Das Schlüsselpaar wird nun
importiert und steht Ihnen dann zur Verfügung.
Falls Sie noch kein Schlüsselpaar besitzen, müssen Sie jetzt ein neues
erzeugen - das ist normal für neue Benutzer. Keine Sorge; es ist einfacher, als
es sich anhört, und wie genau das funktioniert, wird im nächsten Kapitel genau
erklärt.
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7.2. Ein eigenes Schlüsselpaar erzeugen
Wenn Sie mit GnuPG sicher kommunizieren wollen, benötigen Sie ein
Schlüsselpaar. Sie können jederzeit eines erstellen, indem Sie Erzeugen →
Neues Schlüsselpaar... auswählen. Es öffnet sich folgendes Fenster:
Damit alles klappt, müssen Sie die folgenden Schritte durchlaufen:
7.2.1. Auswählen welches Konto Sie verwenden
Das Konto/Benutzer-ID Drop-down-Menü zeigt alle Ihre E-Mail-Konten und
Identitäten, die in Ihrem Mailclient konfiguriert sind an: Wählen Sie dasjenige
aus, das mit diesem Schlüsselpaar verknüpft werden soll. Geben Sie an,
welches Konto verschlüsselte E-Mails empfangen soll, und überprüfen Sie,
dass die Option Schlüssel zum Unterschreiben verwenden angekreuzt ist.
Sollten Sie später einmal entscheiden, dass Sie die zum Schlüssel gehörige EMail-Adresse ändern, oder dasselbe Schlüsselpaar für mehrere E-MailAdressen verwenden möchten, können Sie dies ganz einfach umsetzen; wie
dies genau funktioniert, wird in Kapitel 7.3.2 erklärt.
Im Kommentar-Feld können Sie etwas über dieses Schlüsselpaar schreiben.
Dies kann dabei helfen, Schlüssel für verschiedene Zwecke zu unterscheiden.
Der Kommentar ist optional. Falls Sie etwas hinterlegen, erscheint der
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Kommentar direkt neben der Benutzer-ID. Bitte beachten Sie, dass der
Kommentar auch im exportierten öffentlichen Schlüssel enthalten ist, den Sie
an andere Leute verteilen.
7.2.2. Eine Passphrase wählen
Ihr geheimer Schlüssel ist alles, was Sie brauchen, um signierte Nachrichten zu
senden und Nachrichten, die Sie auf Ihrem gewählten E-Mail-Konto erhalten, zu
entschlüsseln. Sollte der private Schlüssel einmal in andere Hände gelangen,
würde dies dazu führen, dass ein Fremder in Ihrem Namen Nachrichten
unterschreiben und Nachrichten entschlüsseln könnte, die nur für Sie bestimmt
waren. Zum Glück verwendet GnuPG eine zusätzliche Schutzebene: Der
private Schlüssel ist mit einer geheimen Passphrase gesichert. Sie werden hier
also nach einer Passphrase für Ihr neues Schlüsselpaar gefragt: Wählen Sie
etwas, an das Sie sich einfach erinnern, was aber schwer zu erraten ist. In
Kapitel 12.1können Sie einige Empfehlungen für gute Passphrasen nachlesen.
Geben Sie Ihre Passphrase in das Passphrase-Feld ein und wiederholen Sie es
in dem Feld Passphrase (wiederholen).
Wenn Sie Ihre Passphrase vergessen, werden Sie Ihren
privaten Schlüssel nicht mehr verwenden können. Es gibt
keinen Weg, die Passphrase wiederherzustellen: Ihre einzige
Hoffnung ist der Versuch, sich an die Passphrase zu erinnern. Dies
ist eine Sicherheitsfunktion von GnuPG und kann nicht umgangen
werden.
Sie können sich auch dafür entscheiden, den Schlüssel nicht mit einer
Passphrase zu schützen, indem Sie die Option keine Passphrase anwählen.
Hiervon raten wir aber dringendst ab.
7.2.3. Das Ablaufdatum des Schlüssels wählen
Es könnte passieren, dass Sie eines Tages Ihren privaten Schlüssel verlieren
oder Ihre Passphrase vergessen und Ihr Schlüsselpaar daher nicht mehr
benutzen können. Zudem könnte Ihr privater Schlüssel gefährdet sein, wenn
sich z.B. ein Eindringling Zugang zu Ihrem Computer verschafft und Ihr
Schlüsselpaar stiehlt. Vielleicht versenden Sie Ihr Schlüsselpaar auch aus
Versehen.
Weiterhin könnte es zu einem Durchbruch der Kryptoanalyse kommen und
schlichtweg eine Schwachstelle in einem kryptographischen Algorithmus
entdeckt werden, auch wenn diese Möglichkeit weit hergeholt scheint.
In diesem Fall ist der Algorithmus und die Schlüsselgröße, die sie vor Jahren für
Ihr Schlüsselpaar gewählt haben, möglicherweise ungeeignet, um genügend
Sicherheit nach heutigen Standards zu bieten.
Für all diese misslichen Fällen wäre es also von Vorteil, wenn das
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Schlüsselpaar nur für eine befristete Periode gültig wäre.
Unter Ablaufdatum können Sie daher eine Laufzeit für Ihr Schlüsselpaar
festlegen. Ist die Zeit abgelaufen, wird der öffentliche Schlüssel automatisch als
ungültig (abgelaufen) markiert und die Benutzung durch andere verhindert. Alle
zuvor mit diesem Schlüsselpaar signierten und verschlüsselten Nachrichten
sind trotzdem noch zu entschlüsseln und überprüfbar. Ist das Schlüsselpaar
einmal abgelaufen, können Sie entweder die Laufzeit verlängern, oder ein
neues Schlüsselpaar erzeugen und veröffentlichen. Eine gute Zeitspanne bis
zum Ablauf des Schlüssels sind etwa 3 bis 5 Jahre.
Sie können sich auch dazu entschließen, dass der Schlüssel niemals abläuft,
auch wenn wir Ihnen das nicht empfehlen.
Zudem ist es möglich, und empfohlen, ein Widerrufszertifikat zu erstellen, mit
der Sie jederzeit den Schlüssel als ungültig markieren können; dies wird später
genauer erklärt.
7.2.4. Schlüsselstärke und Algorithmus wählen
Durch Klicken auf die Erweitert-Registerkarte können Sie weitere Eigenschaften
einstellen, die für die Erstellung Ihres Schlüsselpaars verwenden werden,,
nämlich die Schlüsselstärke (1024, 2048 oder 4096 Bits) und den Algorithmus
(RSA oder DSA & El Gamal). Grundsätzlich gilt: Je größer die Schlüsselstärke,
desto stärker der Schlüssel und desto größer die erforderliche
Verarbeitungsleistung für die Ver- und Entschlüsselung. Wenn Sie vorhaben,
viele Nachrichten zu versenden, die auf alten Geräten oder auf PDAs
entschlüsselt werden, sollten Sie sich eher für einen 1024-Bit Schlüssel
entscheiden. Andernfalls müssen Sie Ihre Wahl nicht lange überdenken: Die
Standardoption (2048-Bit RSA Schlüssel) bietet exzellente Sicherheit gepaart
mit einer guten Tauglichkeit und arbeitet gut. Sehen Sie sich dazu auch die FAQ
im Kapitel 11.1.9 an.
7.2.5. Den Schlüssel erzeugen
Haben Sie alle Optionen wunschgemäß gewählt, klicken Sie einfach auf den
Button Schlüssel erzeugen und warten. Ihr Computer muss viele Zufallszahlen
auswerten, um den Schlüssel zu erzeugen. Sie können den Prozess
beschleunigen, indem Sie den Computer in der Zwischenzeit anderweitig
benutzen, oder einfach beliebig auf der Tastatur tippen, oder die Maus hin- und
her bewegen, um den Zufallspool schneller aufzufüllen. Auf einem modernen
Computer dauert die Erzeugung eines Standard 2048-Bit RSA-Schlüssels meist
nicht mehr als ein einige Sekunden.
Glückwunsch! Sie haben gerade Ihr erstes Schlüsselpaar erzeugt.
7.2.6. Das Widerrufszertifikat erzeugen
Wie bereits erwähnt, kann es vorkommen, dass Ihr privater Schlüssel verloren
geht oder gefährdet wird. In diesem Fall ist es von großer Bedeutung, ein
Widerrufszertifikat für dieses Schlüsselpaar zu haben.
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Nachdem Ihr Schlüssel generiert worden ist, bietet Enigmail Ihnen an, ein
solches Widerrufszertifikat zu erzeugen. Falls Sie das akzeptieren (was wir
Ihnen empfehlen), klicken Sie auf Zertifikat erzeugen. Sie werden daraufhin
gefragt, in welcher Datei es gespeichert werden soll.
Die Datei mit dem Widerrufszertifikat hat eine ASC-Endung, die Ihnen anzeigt,
dass es sich um eine Datei im sogenannten ASCII-Armor-Format handelt. Dies
ist das übliche Dateiformat für exportierte Zertifikate, Schlüsselpaare, öffentliche
Schlüssel, ganze Schlüsselbunde und generell für alle GnuPG-ExportAusgaben.
Heben Sie das Widerrufszertifikat an einem sicheren Ort auf und speichern Sie
es möglichst nicht auf demselben Rechner, auf dem Sie Enigmail installiert
haben. Selbst wenn Sie Ihr Schlüsselpaar verlieren sollten (z.B. aufgrund eines
Festplattenabsturzes), haben Sie dann immer noch das zugehörige
Widerrufszertifikat. Eine externe Festplatte, wo Sie ebenfalls eine Backup-Kopie
Ihres Schlüsselpaares speichern könnten, wäre also ein guter Ort.
Mit dem Widerrufszertifikat können Sie Ihr Schlüsselpaar jederzeit für ungültig
erklären. Sie müssen dafür weder Ihre Passphrase eingeben, noch müssen Sie
das Schlüsselpaar, das Sie widerrufen möchten, in Ihrem Schlüsselbund haben.
Das Zertifikat funktioniert somit auch dann, wenn Sie Ihre Passphrase
vergessen oder Ihr Schlüsselpaar aus Versehen gelöscht haben sollten.
Denken Sie dennoch daran, dass jeder, der Zugriff auf Ihr Widerrufszertifikat
hat, auch Ihr Schlüsselpaar widerrufen kann!
Sie können das Widerrufszertifikat auch zu einem späteren Zeitpunkt erstellen,
indem Sie Ihr Schlüsselpaar und dann Erzeugen → Widerrufszertifikat...
auswählen.
7.3. Operationen an Ihrem Schlüsselpaar
Einmal erzeugt, sollte Ihr Schlüsselpaar in der Schlüsselverwaltung angezeigt
werden. (Falls nicht, setzen Sie ein Häkchen bei Standardmäßig alle Schlüssel
anzeigen.)
7.3.1. Die Schlüsseleigenschaften überprüfen
Markieren Sie Ihr Schlüsselpaar und wählen Anzeigen →
Schlüsseleigenschaften. Es öffnet sich ein neues Fenster, welches alle
Eigenschaften des Schlüssels auflistet. Wie Sie gesehen haben, können fast
alle Eigenschaften auch bereits direkt in der Schlüsselverwaltung eingesehen
werden.
35
•
Die Primäre Benutzer-ID besteht aus dem Namen und der E-MailAdresse, die mit dem Schlüssel verknüpft ist, d.h. mit dem
Schlüsselbesitzer. Diese passen zu Name und Adresse des E-MailKontos, für das der Schlüssel erzeugt wurde.
•
Das Feld Weitere Benutzer-ID zeigt die anderen Benutzer-IDs (Name
und E-Mail-Adresse), die mit dem Schüssel verknüpft sind, falls
vorhanden. Bis jetzt hat Ihr Schlüsselpaar keine weitere Benutzer-IDs:
Sollten Sie eine Benutzer-ID hinzufügen wollen, sind die erforderlichen
Einstellungen dafür in Kapitel 7.3.2 erklärt.
•
Der Typ ist als “Schlüsselpaar” angegeben (“öffentlich & privat” in der
Schlüsselverwaltung), um zu verdeutlichen, dass es sich um ein
Schlüsselpaar handelt. Für die importierten öffentlichen Schlüssel
anderer Leute wird in dem Feld das Wort “öffentlich” zu lesen sein
(“öffentlich” in der Schlüsselverwaltung).
•
Schlüsselgültigkeit und Besitzervertrauen weisen auf die Gültigkeit des
Schlüssels bzw. auf das Vertrauen in den Schlüsselbesitzer hin. Die
Schlüsselgültigkeit zeigt an, ob ein Schlüssel abgelaufen oder widerrufen
wurde (und somit ungültig ist). Für das gültige Schlüsselpaar, das Sie
gerade erzeugt haben, sollte sowohl die Schlüsselgültigkeit als auch das
Besitzervertrauen auf “absolut” gesetzt sein. Diese Felder werden in dem
„Web-of-Trust" Modell verwendet, erklärt in Kapitel 7.7, und sind mit den
öffentlichen Schlüsseln verbunden, die zu anderen Leuten gehören.
•
Der Fingerabdruck ist eine eindeutige 40-stellige Hexadezimalzahl, die
automatisch mit einem Hash-Algorithmus generiert wird. Der
Fingerabdruck identifiziert den Schlüssel weltweit eindeutig. Das
bedeutet, dass zwei Schlüssel niemals denselben Fingerabdruck haben
36
können.
•
Die letzten 8 Ziffern des Fingerabdrucks werden als Schlüssel-ID
bezeichnet; sie ist viel kürzer und dient zur praktischen Unterscheidung
der Schlüssel auf Ihrem Rechner. Während der 40-stellige Fingerabdruck
eindeutig für jeden Schlüssel weltweit ist, können Sie davon ausgehen,
dass die 8-stellige Schlüssel-ID eindeutig für jeden Schlüssel in Ihrem
Schlüsselbund ist. (Sie müssten schon zigTausende von öffentlichen
Schlüsseln in Ihrem Schlüsselbund gesammelt haben, bevor die
Möglichkeit besteht, dass zwei Schlüssel die gleiche Schlüssel-ID
haben.)
•
Das untere Feld zeigt alle Schlüsselkomponenten an, d.h.
Primärschlüssel und Unterschlüssel mit ihren jeweiligen Eigenschaften:
der Schlüssel-ID, dem Algorithmus, der Schlüsselstärke, dem
Erstellungsdatum und dem Ablaufdatum (falls vorhanden). Dieses Feld
wird Schlüsselteile genannt.
Bei Schlüssel-ID und Fingerabdruck werden oftmals die Zeichen 0x
vorangestellt, um mit diesem Präfix auf eine Hexadezimalzahl hinzuweisen.
In einem Drop-down-Menü am unteren Ende des Fensters mit den
Schlüsseleigenschaften namens Aktion auswählen... befinden sich Buttons, die
verschiedene Operationen am Schlüssel ermöglichen.
Die möglichen Operationen hängen davon ab, ob Sie über den zugehörigen
privaten Schlüssel verfügen. So können Sie einige Operationen nur an Ihrem
eigenen Schlüsselpaar ausführen, nicht aber an den öffentlichen Schlüsseln
anderer Leute; Enigmail zeigt nur die Buttons bzw. Menüpunkte an, die für die
erlaubten Operationen relevant sind. Dieselben Operationen sind auch in der
Schlüsselverwaltung verfügbar.
Schließen Sie nun das Fenster mit den Schlüsseleigenschaften, indem Sie den
Schließen-Button betätigen, und gehen zurück zur Schlüsselverwaltung.
7.3.2. Mehrere Benutzer-Ids festlegen
Vielleicht möchten Sie mehr als eine E-Mail-Adresse verwenden, um gesicherte
E-Mails zu versenden. In diesem Fall müssen Sie nicht für jede E-Mail-Adresse
ein neues Schlüsselpaar erzeugen, sondern können einfach mehrere E-MailAdressen mit Ihrem bestehenden Schlüsselpaar verknüpfen. Sie brauchen
dann nicht mehrere Schlüsselpaare verwalten.
Wählen Sie Ihr Schlüsselpaar aus und gehen Sie in der Schlüsselverwaltung
auf Bearbeiten → Benutzer-IDs verwalten... oder Sie klicken den Button
Benutzer-IDs verwalten... in den Schlüsseleigenschaften Ihres Schlüssels. Es
öffnet sich ein Fenster, in dem alle Benutzer-IDs angezeigt werden (Primäre
Benutzer-ID und alle weiteren Benutzer-IDs), die zur Zeit mit Ihrem Schlüssel
verbunden sind. Wenn dies das erste Mal ist, dass Sie diese Operation
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ausführen, dann wird Ihr Schlüssel nur eine einzige primäre Benutzer-ID haben.
Der Hinzufügen- und Löschen-Button fügt andere Benutzer-IDs an bzw. löscht
diese. Eine Benutzer-ID besteht aus einem Namen und einer E-Mail-Adresse;
es ist zudem möglich, einen optionalen Kommentar einzufügen.
Der Button Primäre ID festlegen setzt die markierte Benutzer-ID auf primär,
wodurch die vorherige primäre Benutzer-ID die Rolle einer zusätzlichen
Benutzer- ID bekommt.
Der Zurückziehen-Button widerruft die markierte Benutzer-ID, welche dadurch
ausgegraut und deaktiviert wird. Der Unterschied zwischen Löschen und
Zurückziehen ist derjenige, dass eine zurückgezogene Benutzer-ID immer noch
mit dem Schlüsselpaar verknüpft ist, lediglich nicht mehr nutzbar ist.
Klicken Sie auf Schließen, um Ihre Änderungen zu speichern und zur
Schlüsselverwaltung zurückzukehren.
Alle Benutzer-IDs sind automatisch im öffentlichen Schlüssel enthalten, wenn
dieser versendet oder exportiert wird. Es gibt in OpenPGP keinen
Mechanismus, um auszuwählen, welche Benutzer-IDs enthalten sind und
welche nicht. Dies gilt auch für die Foto-ID, welche als spezieller Typ der
Benutzer-ID bezeichnet werden kann.
7.3.3. Eine Foto-ID hinzufügen(nur mit GnuPG Befehlszeile)
Öffentliche Schüssel können eine eingebettete Foto-ID haben, d.h. ein Foto des
Besitzers. Um die Foto-ID anzuzeigen, wählen Sie den entsprechenden
Schlüssel aus und gehen in der Schlüsselverwaltung auf Anzeigen → Foto-ID,
oder klicken auf den Button Foto-ID anzeigen in den Schlüsseleigenschaften.
Ist der Button oder der Menüpunkt ausgegraut, bedeutet das, dass dem
Schlüssel keine Foto-ID hinzugefügt wurde.
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Es ist aktuell noch nicht möglich, eine Foto-ID direkt über Enigmail
hinzuzufügen, sondern lediglich über die GnuPG-Befehlszeile. Angenommen
0x89ABCDEF ist Ihre Schlüssel-ID, dann wäre Ihre Eingabe, um eine Foto-ID
einzufügen, die Folgende:
gpg --edit-key 0x89ABCDEF addphoto
Dann geben Sie den Pfad zur Bilddatei an. Empfohlene Bildgrößen sind
240x288 Pixel (GnuPG) bzw. 120x144 Pixel (PGP).
Eine andere Möglichkeit ist die Verwendung von Windows Privacy Tray, kurz
WinPT, um von dort aus Ihr Schlüsselpaar zu verwalten und eine Foto-ID
hinzuzufügen. WinPT ist ein Windows Frontend, das eine grafische
Benutzeroberfläche für GnuPG zur Verfügung stellt; es ist kostenlos, Open
Source und kann unter dem Link http://winpt.gnupt.de heruntergeladen werden.
Das Bild wird ASCII-kodiert und in Ihrem öffentlichen Schlüssel in Art einer
weiteren Benutzer-ID eingepflegt. Aus diesem Grund empfehlen GnuPG und
PGP eine JPEG-Datei mit maximal 7 Kb zu verwenden, da Ihr öffentlicher
Schlüssel sonst sehr groß werden könnte.
7.3.4. Die Passphrase ändern
Sie können die Passphrase, die Ihren geheimen Schlüssel schützt, ändern.
Dazu klicken Sie auf Ihren Schüssel und wählen in der Schlüsselverwaltung
Bearbeiten → Passphrase ändern aus, oder gehen Sie auf den Button
Passphrase ändern in den Schlüsseleigenschaften.
7.3.5. Ihren Schlüssel unterschreiben
Sie sollten Ihren Schlüssel unterschreiben, nachdem Sie seine Eigenschaften
geändert und somit alles zu Ihrer Zufriedenheit eingestellt haben. Das
Unterschreiben versichert Ihnen, dass niemand die Einstellungen Ihres
öffentlichen Schlüssels fälschen kann. Um Ihren Schlüssel zu unterschreiben,
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markieren Sie ihn in der Schlüsselverwaltung und gehen auf Bearbeiten →
Unterschreiben..., oder klicken den Unterschreiben...-Button in den
Schlüsseleigenschaften.
Sie können auch die öffentlichen Schlüssel anderer Leute unterschreiben, um
ein „Web-of-Trust“ zu bilden, obwohl das für grundlegende Funktion von
Enigmail nicht erforderlich ist. Das „Web-of-Trust“ wird in Kapitel 7.7.1 erklärt.
7.3.6. Ein Backup machen
Wenn Sie ein neues Schlüsselpaar erzeugt, die Eigenschaften überprüft und es
unterschrieben haben, ist es an der Zeit, eine Backup-Kopie zu machen.
Markieren Sie Ihr Schlüsselpaar in der Schlüsselverwaltung und klicken auf
Datei → Exportieren... Sie werden gefragt, ob Sie auch den privaten
(geheimen) Schlüssel in der Datei speichern möchten:
Wenn Sie jetzt auf Geheime Schlüssel exportieren gehen, wird die exportierte
Datei Ihr komplettes Schlüsselpaar (privater und öffentlicher Schlüssel)
enthalten. Klicken Sie stattdessen auf Abbrechen, wird die exportierte Datei nur
Ihren öffentlichen Schlüssel beinhalten.
Gehen Sie vorsichtig mit dem Export Ihres Schlüsselpaares um! Bei
einer Datensicherung müssen Sie den geheimen Schlüssel mit
einschließen, oder das Backup ist nutzlos. Wenn Sie Ihren
öffentlichen Schlüssel exportieren möchten, um ihn zu veröffentlichen
(wie wir in Kapitel 7.4.1), erklärt haben), stellen Sie sicher, dass nicht
der geheime Schlüssel enthalten ist, da Sie sonst Ihr Schlüsselpaar
gefährden.
Falls Sie also ein Backup machen, klicken Sie auf Geheime Schlüssel
exportieren und geben dann den Ort an, den dem die Datei gespeichert werden
soll. Ihr Schlüsselpaar wird als ASCII-Datei unter folgendem Namen
gespeichert: Vorname Nachname [email protected] (0x89ABCDEF)
pub-sec.asc.
Wie Sie sehen, setzt sich der Dateiname aus der primären Benutzer-ID des
Schlüssels, der Schlüssel-ID und dem Wort “pub-sec” (zeigt an, dass es sich
um ein Schlüsselpaar, bestehend aus öffentlichem und privatem Schlüssel
handelt) zusammen. Speichern Sie die Datei am besten auf einer externen
Festplatte, bewahren Sie sie an einem sicheren Ort auf und geben Sie sie nicht
an irgendjemand anderen weiter.
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7.4. Ihren öffentlichen Schlüssel verteilen
Da Sie nun ein Schlüsselpaar haben, müssen Sie ihren öffentlichen Schlüssel
verteilen. Dies ist erforderlich, damit man ihn verwenden kann, um Ihnen
verschlüsselte Nachrichten zu senden und die Signatur der von Ihnen
gesandten Nachrichten zu überprüfen. Ihren öffentlichen Schlüssel können Sie
entweder manuell veröffentlichen und/oder einen Public-Key-Server verwenden.
7.4.1. Ihren öffentlichen Schlüssel manuell verteilen
Wählen Sie in der Schlüsselverwaltung Ihr Schlüsselpaar an und klicken auf
Datei → Exportieren... Sie werden erneut gefragt, ob auch der geheime
Schlüssel in die OpenPGP-Schlüsseldatei gespeichert werden soll: Klicken Sie
diesmal auf Abbrechen und speichern anschließend die ASC-Datei, welche
einen ähnlichen Namen wie Vorname Nachname [email protected]
(0x89ABCDEF) pub.asc. haben wird. Es handelt sich um eine Kopie Ihres
öffentlichen Schlüssel; beachten Sie das Wort “pub” am Ende des
Dateinamens.
Nun können Sie die Datei auf Ihrer Webseite zum Download bereitstellen, auf
einem USB-Stick speichern oder per E-Mail als Anhang versenden, um die
Schlüsseldatei an andere Leute zu verteilen.
Für die Verbreitung per E-Mail gibt es in Enigmail einen einfachen Shortcut:
Wenn Sie Ihre E-Mail im Verfassen-Fenster schreiben, können Sie einfach
OpenPGP → Öffentlichen Schlüssel anhängen auswählen. Ihr Schlüssel
erscheint als Anhang in der von Ihnen verfassten E-Mail.
7.4.2. Ihren öffentlichen Schlüssel auf einem
Schlüsselserver veröffentlichen
Die bei weitem einfachste Lösung, seinen öffentlichen Schlüssel in der Welt zu
verbreiten, ist ihn im Public-Key-Server-Netzwerk zu veröffentlichen. Die ist eine
weltweite, verteilte Schlüsseldatenbank.
Einige glauben, es sei eine schlechte Idee, den Schlüssel-Server zu benutzen,
da Spammer ihn nach E-Mail-Adressen durchsuchen würden. Obwohl das
richtig ist, ist der Umfang an Spam, die Sie zu empfangen riskieren, relativ
gering: Sie erhalten rund zehnmal so viel Spam, wenn Sie Ihre E-Mail-Adresse
auf eine Internetseite stellen oder eine Nachricht im Usenet veröffentlichen.
Um Ihren öffentlichen Schlüssel zu veröffentlichen, markieren Sie ihn in der
Schlüsselverwaltung, und wählen Schlüssel-Server → Schlüssel hochladen.
Daraufhin stehen Ihnen mehrere Schlüssel-Server zur Auswahl; pool.skskeyservers.net ist derjenige, der von Enigmail standardmäßig verwendet wird.
Schlüssel-Server synchronisieren sich untereinander in regelmäßigen
Abständen selbst.
41
Klicken Sie auf OK und warten darauf, dass Ihr Schlüssel hochgeladen wird. Ihr
öffentlicher Schlüssel ist nun im Internet veröffentlicht und für jeden frei
abrufbar.
Ist ein Schlüssel einmal auf einem Schlüssel-Server
hochgeladen worden, bleibt er dort für immer gespeichert.
Es besteht keine Möglichkeit, einen Schlüssel von einem SchlüsselServer zu löschen. Sie können den Schlüssel zwar deaktivieren,
indem Sie ihn widerrufen, aber Ihre Benutzer-IDs (Ihr Name und Ihre
E-Mail- Adressen) bleiben auf der ganzen Welt für immer einsehbar,
inklusive Ihrer Foto-ID. Ruft diese Vorstellung bei Ihnen Bedenken
bezüglich Ihrer Privatsphäre und Schutz Ihrer persönlichen Daten
hervor, sollten Sie erst einmal davon absehen, Ihren Schlüssel auf
einen Schlüssel-Server hochzuladen.
7.5. Ihr Schlüsselpaar widerrufen
In dem unglücklichen Fall, dass Sie Ihren Schlüssel verloren oder das Gefühl
haben, dass er gefährdet ist, sollten Sie ihn zurückziehen.
Sie können das Widerrufszertifikat verwenden, welches Sie zuvor erstellt haben
(oder zumindest erstellt haben sollten), um das Schlüsselpaar für ungültig zu
erklären. Gehen Sie dazu in der Schlüsselverwaltung auf Datei → Importieren
und wählen die ASC-Datei mit Ihrem Widerrufszertifikat aus.
Falls Sie noch kein Widerrufszertifikat erstellt haben, können Sie den Schlüssel
auch spontan und ohne jegliche Vorbereitungen widerrufen, vorausgesetzt Sie
haben immer noch Ihr Schlüsselpaar und Sie erinnern sich an Ihre Passphrase.
Dafür markieren Sie Ihr Schlüsselpaar in der Schlüsselverwaltung und klicken
auf Bearbeiten → Schlüssel zurückziehen. Dieser Vorgang erstellt ein
wirksames Widerrufszertifikat und importiert es in einem Zug.
Senden Sie den zurückgezogenen Schlüssel an Ihre Kontakte, um sie davor zu
warnen, den Schlüssel weiterhin zu benutzen. Wenn Sie Ihren öffentlichen
Schlüssel auf einem Schlüssel-Server veröffentlicht haben, denken Sie daran,
auch den widerrufenen Schlüssel wieder hochzuladen.
42
7.6. Öffentliche Schlüssel importieren
Sie benötigen den öffentlichen Schlüssel von jemand anderem, um zwei Dinge
durchzuführen: Eine Nachricht, die für diese Person bestimmt ist, verschlüsseln,
oder die Signatur einer Nachricht, die Sie von dieser Person empfangen haben,
überprüfen.
Sie können den öffentlichen Schlüssel als ASC-Datei von dieser Person selbst
erhalten, entweder als E-Mail-Anhang oder per Hand. In diesem Fall müssen
Sie die Datei zunächst auf Ihrem Computer speichern, um dann in der
Schlüsselverwaltung Datei → Schlüssel aus Datei importieren auszuwählen.
Wählen Sie die ASC-Datei, die Sie gerade gespeichert haben und Enigmail wird
diesen öffentlichen Schlüssel automatisch zu Ihrem Schlüsselbund hinzufügen.
Ein anderer Weg, um an einen öffentlichen Schlüssel von jemandem zu
kommen, ist ihn von einem Schlüssel-Server herunterzuladen. Wählen Sie dazu
Schlüssel-Server → Schlüssel suchen und fügen als Suchbegriff einen Teil des
Namens oder der E-Mail-Adresse der jeweiligen Person ein. Sie können zudem
nach Schlüssel-IDs suchen. Der Schlüssel-Server gibt daraufhin eine Liste mit
öffentlichen Schlüsseln aus, die zu Ihrer Suchanfrage passen. Haken Sie die
Checkboxen auf der linken Seite derjenigen Schlüssel ab, die Sie importieren
möchten. Enigmail führt dann diesen Befehl automatisch aus.
Später können Sie außerdem Ihren öffentlichen Schlüsselbund teilweise oder
komplett aktualisieren, indem Sie die Befehle Schlüssel-Server → Ausgewählte
Schlüssel aktualisieren oder Schlüssel-Server → Alle Schlüssel aktualisieren
anwählen.
Es kann auch vorkommen, dass Sie einen öffentlichen Schlüssel als Rohtext
finden, zum Beispiel auf einer persönlichen Webseite. Dies sieht dann z.B. so
aus:
-----BEGIN PGP PUBLIC KEY BLOCK----Version: GnuPG v1.4.9 (MingW32)
mQGiBEgN3cERBAC+2os2hoACip4EiKxEzv+iVHOWaznOJIGZY9zY4y8C0BhUP++q
ccgO9vgNO1vIXApYvJctwX9HFJieNdlsBrWOR69hPBAbDo+3BbOKwJFYgq8akYnv
tBCOdCNfOFwQs/8XdOH25/Oig+UjKhgxwKjkdd1UCj7shdGioXOvjO13xwCgzrGa
k2oA9Bne3hW+jUPjJlU4UbkD/i7mbQfFwTgxcXfRfsVDnkmPc+QvKe00ajfRP31o
(... 30 Zeilen weggelassen ...)
3bRLiE8EGBECAA8FAkgN3cECGwwFCQlmAYAACgkQW9ZLGa9iatRGlACeIyyIBTGj
uhrZRubL8gSdI3HyPzEAnAqWD1g+DvEHyEOZ0/2rUcsj7CT2
=3RyK
-----END PGP PUBLIC KEY BLOCK-----
Genau das sehen Sie auch, wenn Sie eine ASC-Datei eines öffentlichen
Schlüssels mit einem Texteditor öffnen.
Markieren Sie den ganzen Textblock, inklusive der Zeilen
-----BEGIN PGP PUBLIC KEY BLOCK----- und -----END PGP
PUBLIC KEY BLOCK----- und kopieren ihn in die Zwischenablage (Strg+C
unter Windows). Dann wählen Sie Bearbeiten → Aus Zwischenablage
43
importieren, um diesen öffentlichen Schlüssel in Ihren Schlüsselbund
einzupflegen.
Sie können jederzeit nach öffentlichen Schlüsseln suchen oder sie zu Ihrem
Schlüsselbund hinzufügen. Überdies bietet Enigmail Ihnen an, das automatisch
zu tun, wenn Sie eine signierte E-Mail von jemandem erhalten, dessen
öffentlichen Schlüssel Sie nicht besitzen; wir besprechen das in Kapitel 8.2.3
Wenn Sie bis hierhin allen Instruktionen befolgt haben, sollte Ihr Schlüsselbund
mittlerweile neben Ihrem eigenen Schlüsselpaar eine Reihe von öffentlichen
Schlüsseln anderer Personen umfassen.
7.7. Gültigkeit von öffentlichen Schlüsseln
Einen öffentlichen Schlüssel von einem Schlüssel-Server zu importieren ist
schnell und einfach, aber es garantiert nicht, dass der Schlüssel wirklich zu der
Person gehört, die in der Benutzer-ID angegeben ist. Im Grunde genommen
hätte jeder den Schlüssel hochladen können.
Wenn Sie einen öffentlichen Schlüssel von jemandem per E-Mail erhalten
haben, sollten Sie sich bewusst sein, dass ein inhärentes Sicherheitsproblem
besteht, wenn der gleiche Kanal (E-Mail) sowohl für die Schlüsselverbreitung
als auch für den Austausch von Nachrichten, die mit dem gleichen Schlüssel
gesichert sind, verwendet wird. Theoretisch kann ein Angreifer, der dazu fähig
ist, den Kanal zu kompromittieren, den öffentlichen Schlüssel unterwegs durch
einen gefälschten öffentlichen Schlüssel eines Schlüsselpaares ersetzen,
welches er selbst erstellt hat („Man-in-the-Middle“- Angriff). Der Angreifer kann
nun die Nachricht, die mit dem gefälschten öffentlichen Schlüssel verschlüsselt
worden ist, abfangen. Ebenso kann er die Nachricht entschlüsseln, da er über
den zugehörigen privaten Schlüssel verfügt.
Eine Lösung dieses Problem ist es, den Fingerabdruck des öffentlichen
Schlüssels mit dem Schlüsselbesitzer über einen anderen Kanal zu überprüfen.
Sie könnten den Schlüsselbesitzer anrufen und ihn um die Durchgabe des
Fingerabdrucks bitten. Passt der Fingerabdruck nicht, wissen Sie beide, dass
der Schlüssel unterwegs durch einen anderen ersetzt wurde.
Diese Prozedur ist zwar sicher, aber mühselig; vor allem dann, wenn Sie den
Schlüsselbesitzer nicht persönlich kennen oder Sie viele Schlüssel in Ihrem
öffentlichen Schlüsselbund haben. Dieses Problem wurde daher erstmals in
PGP angesprochen, indem ein Vertrauensdelegationsmodell entwickelt wurde:
Das „Web-of-Trust".
7.7.1. Das „Web-of-Trust“
In dem „Web-of-Trust" Modell wird die Verantwortung für die Schlüsselgültigkeit
an andere Personen übertragen, denen Sie vertrauen. Das Vertrauen wird
durch das Unterschreiben von öffentlichen Schlüsseln dieser Personen
ausgedrückt.
Beispielsweise würde Alice ihren Schlüssel 0xAAAAAAAA zum Unterschreiben
44
von Bobs öffentlichem Schlüssel 0xBBBBBBBB verwenden, um zu bestätigen,
dass dieser öffentliche Schlüssel zu dem Individuum namens Bob gehört. Bob
dagegen hat Carols öffentlichen Schlüssel 0xCCCCCCCC unterschrieben. Von
daher kann Alice annehmen, dass Carols öffentlicher Schlüssel gültig ist (d.h.
der öffentliche Schlüssel 0xCCCCCCCC gehört zu dem Individuum namens
Carol), da es einen „Pfad“ von gültigen Signaturen ausgehend von ihrem
eigenen öffentlichen Schlüssel bis hin zu Carols gibt.
Der Menüpunkt Anzeigen → Unterschriften in der Schlüsselverwaltung, oder
der Button Unterschriften anzeigen in den Schlüsseleigenschaften, zeigt Ihnen
die Signaturen, die einem Schlüssel anhängen, d.h. von wem dieser Schlüssel
unterschrieben wurde.
Die Teilnahme in diesem Netz des Vertrauens ist völlig freiwillig: Sie brauchen
nicht unbedingt die öffentlichen Schlüssel anderer Leute signieren, um GnuPG
oder Enigmail erfolgreich verwenden zu können.
Wenn Sie jedoch mitmachen wollen, sollten Sie, wenn Sie einen öffentlichen
Schlüssel empfangen und sowohl den Fingerabdruck als auch die Identität des
Schlüsselbesitzers überprüft haben (entweder weil Sie ihn/sie kennen oder
aufgrund des Personalausweises, des Reisepasses, des Führerscheins...), Sie
den Schlüssel unterschreiben, um zu bestätigen, dass dieser Schlüssel wirklich
zu dieser Person gehört.
Sie können einen Schlüssel unterschreiben, indem Sie ihn markieren und auf
Bearbeiten → Unterschreiben... in der Schlüsselverwaltung gehen, oder indem
Sie den Unterschreiben...-Button in den Schlüsseleigenschaften klicken. Es
öffnet sich ein Fenster, in dem Sie gefragt werden, wie genau Sie die Identität
des Schlüsselbesitzers überprüft haben. Wählen Sie Ihre Antwort aus und
klicken auf OK. Ihre Signatur wird somit dem öffentlichen Schlüssel angehängt.
Falls der Schlüssel bereits von anderen Leuten unterschrieben worden ist, wird
Ihre Unterschrift der Liste hinzugefügt. Wird ein Schlüssel exportiert, wird die
Liste mit den angehängten Unterschriften ebenfalls mit exportiert.
Wenn Sie einmal einen öffentlichen Schlüssel unterschrieben haben, sollten Sie
ihn dem Besitzer erneut zukommen lassen (zum Beispiel in einer signierten EMail-Nachricht), sodass er ihn neu verteilen und/oder auf einen SchlüsselServer hochladen kann.
Beachten Sie, dass Sie nun Ihren öffentlichen Schlüsselbund auf einen
Schlüssel- Server mithilfe des Befehls Schlüssel-Server → öffentliche Schlüssel
hochladen hochladen könnten. Das wäre aber keine gute PGP- Netiquette: Nur
der Besitzer eines Schlüsselpaares sollte seinen öffentlichen Schlüssel
hochladen.
Manchmal möchten Sie vielleicht nur eine lokale Unterschrift leisten, um
Schlüssel aus Ihrem Schlüsselbund als gültig zu markieren, ohne dass Sie
diese zuvor genau überprüft haben.
Dazu wählen Sie die Option Lokal unterschreiben (nicht exportierbar) im
Unterschreiben-Fenster. Wie bereits erwähnt, sollten Sie Schlüssel nur dann als
nicht-lokal (exportierbar) unterschreiben, wenn Sie die Identität des
Schlüsselbesitzers und die Inhaberschaft des Schlüssels genau überprüft
45
haben und wenn Sie beabsichtigen, den signierten Schlüssel dem Besitzer
erneut zukommen zu lassen.
7.7.2. Vertrauensebenen
Darüber hinaus ist es möglich, das Vertrauen eines bestimmten
Schlüsselunterzeichners subjektiv festzulegen. Im vorangegangenen Beispiel
könnte Alice sich dazu entscheiden, Bob nicht zu vertrauen, da er dafür bekannt
ist, jegliche Schlüssel, die er in die Finger bekommt, wahllos zu unterzeichnen,
ohne vorher die Identität des Besitzer überprüft zu haben. In diesem Fall setzt
sie das Vertrauenslevel des Schlüssels 0xBBBBBBBB (der Schlüssel, den Bob
zum Unterschreiben anderer öffentlicher Schlüssel verwendet) auf “Ich vertraue
ihm NICHT”.
Hier bezeichnet “Vertrauen” ausschließlich Bobs Fähigkeit, öffentliche Schlüssel
ordnungsgemäß zu überprüfen. Es lässt keine Rückschlüsse auf Bobs
Persönlichkeit zu, wie beispielsweise seine Vertrauenswürdigkeit, sein Wesen
als gesetzestreuer Bürger oder jegliche anderen moralischen Qualitäten. Es
bezieht sich auch nicht darauf, ob Bobs Nachrichten inhaltlich glaubwürdig sind
oder nicht.
Es gibt fünf Vertrauensebenen:
•
Ich weiß es nicht. Es kann nichts über die Beurteilung des Besitzers in
Bezug auf die Schlüsselunterzeichnung gesagt werden. Hierbei handelt
es sich um das Vertrauensniveau, das in Ihrem Schlüsselbund zunächst
gesetzt ist.
•
Ich vertraue ihm NICHT. Der Besitzer ist bekannt dafür, Schlüssel
unsachgemäß zu unterschreiben.
•
Ich vertraue ihm nur gering. Der Besitzer ist bekannt dafür, Schlüssel
sachgemäß zu unterschreiben.
•
Ich vertraue ihm voll. Der Besitzer ist bekannt dafür, große Sorgfalt in
die Schlüsselunterzeichnung zu legen.
•
Ich vertraue ihm absolut. Der Besitzer ist bekannt dafür, große Sorgfalt
in die Schlüsselunterzeichnung zu legen und es ist ihm erlaubt,
Vertrauensentscheidungen für Sie zu treffen.
Sie können das Vertrauenseben eines bestimmten Schlüssel festlegen, indem
Sie diesen Schlüssel markieren und in der Schlüsselverwaltung die Option
Besitzervertrauen festlegen auswählen, oder direkt über den entsprechenden
Button in den Schlüsseleigenschaften.
Sie allein entscheiden, welche Vertrauensebene Sie einem Schlüssel zuteilen,
und das Vertrauen wird auch lediglich lokal festgesetzt. Es dient also nur zur
privaten Information: Es wird dem Schlüssel beim Exportieren nicht beigefügt,
und wird an einem anderen Ort als dem Schlüsselbund gespeichert.
Das Vertrauenslevel Ihres eigenen Schlüsselpaares sollten Sie auf das
Maximum setzen (Ich vertraue ihm absolut).
46
7.7.3. Kriterien für die Gültigkeit von Schlüsseln
Die Vertrauensebene wird dazu benutzt, die Gültigkeit eines Schlüssels zu
ermitteln. Da das Vertrauenslevel nur lokal bedeutsam ist, ist auch die
eingeschätzte Gültigkeit eines Schlüssel nur relativ zu Ihrer lokalen Installation
von OpenPGP. Das bedeutet, dass ein Schlüssel, den Sie für gültig halten, von
jemand anderem als ungültig erachtet werden kann.
Ein Schlüssel wird als gültig angesehen, wenn er von einem Schlüssel mit
völligem Vertrauen unterschrieben wurde, oder von mindestens drei Schlüsseln
mit geringem Vertrauen. Zusätzlich muss der Weg, der von diesem Schlüssel
zurück zu Ihrem führt, fünf Schritte oder weniger umfassen.
Schlüssel, die von Ihrem Schlüssel persönlich unterschrieben wurden, werden
folglich immer als gültig angesehen.
Absolutes Vertrauen umgeht jegliche Restriktionen, wie viele Signaturen mit
völligem Vertrauen nötig sind, um einen Schlüssel für gültig zu erklären: Jeder
Schlüssel, der von einem Schlüssel mit absolutem Vertrauen unterschrieben
wurde, ist immer gültig. Sie können absolutes Vertrauen für einen bestimmten
Schlüssel setzen, wenn Sie möchten, dass dieser Vertrauensentscheidungen
für Sie treffen kann.
Sie können die berechnete Gültigkeit und die Vertrauensebene in der
Schlüsselverwaltung oder in den Schlüsseleigenschaften anzeigen lassen.
Gehen Sie dazu auf Schlüsselgültigkeit und Besitzervertrauen.
47
8. Signatur und
Verschlüsselung
Sie haben Ihr eigenes Schlüsselpaar erzeugt und öffentliche Schlüssel anderer
Leute importiert, sodass Sie nun in der Lage sind, sichere E-Mails mit ihnen
auszutauschen. Doch zunächst müssen Sie sicherstellen, dass Ihr Konto
korrekt eingerichtet ist, um Enigmail mit all seinen Möglichkeiten zu verwenden.
8.1. Kontoeinstellungen
Starten Sie Ihren E-Mail-Client und wählen Bearbeiten → Konteneinstellungen
bearbeiten, und klicken auf OpenPGP-Sicherheit:
Wenn Sie mehrere Identitäten aktiviert haben, können (und sollten) Sie diese
OpenPGP-Optionen unabhängig für jede Identität einzeln setzen. Dafür steht
Ihnen nach der Installation von Enigmail ein neuer Tab zur OpenPGP-Sicherheit
in den Konteneinstellungen zur Verfügung, der über die gleichen Optionen
verfügt wie oben zu sehen.
48
Wenn Sie die OpenPGP-Optionen für Ihr E-Mail-Konto konfiguriert haben,
stellen Sie zunächst sicher, dass die Option OpenPGP-Unterstützung für diese
Identität aktivieren angeklickt ist. Dies ist notwendig, um unterschriebene und
verschlüsselte Nachrichten über dieses Konto senden zu können, und Enigmail
zu konfigurieren. Es deaktiviert nicht die Signaturüberprüfung und
Entschlüsselung; diese sind unabhängig vom Konto.
Sie müssen Enigmail darüber informieren, welcher Schlüssel für dieses Konto
verwendet werden soll. Wenn Sie die Option E-Mail-Adresse dieses Kontos
verwenden, um OpenPGP-Schlüssel zu identifizieren nehmen, wählt Enigmail
automatisch das Schlüsselpaar aus, dessen E-Mail-Adresse in den BenutzerIDs des Schlüssel gelistet ist. Wählen Sie diese Option nicht, wenn Sie mehr als
ein Schlüsselpaar mit der selben Benutzer-ID haben.
Alternativ können Sie explizit ein Schlüsselpaar bestimmen, indem Sie die
Option Spezielle OpenPGP-Schlüssel-ID verwenden (0x1234ABCD)
auswählen: Geben Sie dann die ID (angefangen mit 0x) des Schlüsselpaares,
das Sie benutzen möchten, in das Feld ein. Sie können auch einfach auf
Schlüssel auswählen... klicken und das gewünschte Schlüsselpaar auswählen.
Danach können Sie einige Standardoptionen festlegen, wenn Sie eine
Nachricht mit diesem E-Mail-Konto verfassen:
•
Unverschlüsselte Nachrichten standardmäßig unterschreiben: Das
Unterschreiben ist automatisch aktiviert, falls die Verschlüsselung nicht
zur gleichen Zeit aktiviert ist.
•
Verschlüsselte Nachrichten standardmäßig unterschreiben: Das
Unterschreiben ist automatisch aktiviert, falls die Verschlüsselung zur
gleichen Zeit aktiviert ist.
•
Nachrichten standardmäßig verschlüsseln: Es wird immer versucht,
Nachrichten zu verschlüsseln.
Hierbei handelt es sich um Standardeinstellungen, sofern nicht manuell
geändert. Wenn Sie die Identität ändern, während Sie eine Nachricht schreiben,
wird das Unterschreiben/Verschlüsseln entsprechend der für dieses Konto
gemachten Angaben aktiviert oder deaktiviert, es sei denn, Sie haben den
Status zum Unterschreiben oder Verschlüsseln für diese Nachricht manuell
geändert.
Enigmail verwendet in der Voreinstellung einen Standard namens „Inline PGP“
für signierte und/oder verschlüsselte Nachrichten. Mit der Option PGP/MIME
standardmäßig verwenden, geben Sie Enigmail vor, den PGP/MIME Standard
anstelle des Inline PGP zu verwenden. PGP/MIME ist in RFC 3156 definiert und
bietet zusätzliche Funktionen wie beispielsweise eine Verschlüsselung des
Anhangs zusammen mit der Nachricht und unterstützt die Verschlüsselung von
Nachrichten, die das HTML-Format und spezielle Zeichensätze verwenden.
Leider wird PGP/MIME nicht von allen Mailclients unterstützt; diejenigen, die zur
Zeit damit kompatibel sind, sind Enigmail, Apple Mail, Becky, Evolution, KMail,
Mulberry, Sylpheed und The Bat!.
49
Sie können auf Erweitert... klicken, um einige zusätzliche Optionen
einzurichten. Die ersten beiden Optionen fügen der Nachricht einen neuen MailHeader hinzu, der die OpenPGP-Informationen zu Ihrem Schlüssel enthält:
•
Sende OpenPGP-Schlüssel-ID fügt der Kopfzeile OpenPGP:
id=key_id hinzu, was die Schlüssel-ID, die in Spezielle OpenPGPSchlüssel-ID verwenden festgelegt wurde, angibt.
•
Sende URL, um Schlüssel zu empfangen fügt der Kopfzeile OpenPGP:
url=url hinzu, was die URL, von der Ihr öffentlicher Schlüssel
abgerufen werden kann, angibt. Falls diese Option aktiviert ist, müssen
Sie die URL in das Feld eingeben. Dieser Header wird nicht für Zwecke
der Schlüsselabfrage verwendet, selbst dann wenn die Option gesetzt
ist, wird Enigmail den öffentlichen Schlüssel nicht auf dieser
angegebenen URL abrufen.
Schließlich hängt Öffentlichen Schlüssel an Nachrichten anhängen automatisch
Ihren öffentlichen Schlüssel an jede Nachricht an, die Sie versenden.
Da Sie sich gerade in den Kontoeinstellungen befinden, ist es eine gute Idee,
sicherzustellen, dass das HTML-Format für ausgehende Nachrichten deaktiviert
ist. Sie können das überprüfen, indem Sie Verfassen & Adressieren auswählen
und sich vergewissern, dass Nachrichten im HTML-Format verfassen nicht
markiert ist. Dies ist notwendig, da Enigmail mit HTML-Nachrichten nicht
besonders gut umgehen kann, und daher nur mit Klartextnachrichten gearbeitet
werden sollte. Tatsächlich empfiehlt die Netiquette das Verwenden von reinem
Textformat für E-Mail-Nachrichten.
Falls Sie darauf bestehen, HTML standardmäßig zu belassen, denken Sie
daran, dass Sie es jedes Mal, wenn Sie eine Nachricht verfassen und diese
unterschreiben oder verschlüsseln möchten, per Hand deaktivieren müssen.
Der Verfassen-Button in SeaMonkey 2.0 arbeitet mit einem Drop-down-Menü,
aus dem Sie sofort auswählen können, ob die Nachricht in HMTL oder reinem
Text verfasst werden soll. Haben Sie in Thunderbird und früheren Versionen
von SeaMonkey HTML standardmäßig aktiviert, können Sie es für die aktuelle
Nachricht deaktivieren, indem Sie die Shift-Taste gedrückt halten, während Sie
auf den Button klicken, der zum Verfassen von Nachrichten verwendet wird
(Verfassen in SeaMonkey und Schreiben in Thunderbird).
50
8.2. Signatur und Überprüfung
8.2.1. Eine Nachricht signieren
Sie sind nun dazu in der Lage, Ihre erste digital signierte E-Mail-Nachricht zu
verfassen. Klicken Sie in Ihrem E-Mail-Client auf den Verfassen-Button, so wie
Sie es sonst auch tun würden. Sie bemerken zwei neue Gadgets in dem
Verfassen-Fenster: ein OpenPGP-Icon in der Toolbar und kleine Icons von
einem Stift und einem Schlüssel in der rechten unteren Ecke.
Das OpenPGP-Icon verhält sich sowohl wie ein Button als auch wie ein Dropdown-Menü. Von hier aus können Sie die Optionen Nachricht signieren
und/oder Nachricht verschlüsseln auswählen. Dieselben Optionen erreichen
Sie, wenn Sie auf OpenPGP im Menü klicken. Wie Sie bereits wissen, können
Sie eine Nachricht unterschrieben, verschlüsselt, oder sowohl unterschrieben
als auch verschlüsselt versenden.
Das Stift-Icon (steht für Signatur) und/oder das Schlüssel-Icon (steht für
Verschlüsselung) leuchtet auf, um zu signalisieren, dass die entsprechende
Option aktiviert ist. Diese Icons funktionieren als Toggle-Buttons, was bedeutet,
dass Sie ebenso direkt auf den Stift und/oder den Schlüssel klicken können, um
die entsprechende Funktion (Signatur und/oder Verschlüsselung) zu aktivieren.
Das folgende Bild zeigt das Verfassen einer signierten Nachrichten:
51
Wählen Sie die Option Nachricht unterschreiben und klicken auf Senden. Die
Nachricht wird mit dem Schlüssel unterschrieben, der in den Einstellungen des
Kontos, welches aktuell verwendet wird, festgelegt worden ist (das verwendete
Konto wird im Von: Drop-down-Menü angezeigt).
Sie werden daraufhin nach Ihrer Passphrase gefragt, was für alle Operationen
notwendig ist, die Ihren privaten Schlüssel betreffen, wie beispielsweise
Nachrichten signieren, entschlüsseln und Eigenschaften des Schlüsselpaares
widerrufen oder ändern.
Es ist zudem möglich, dass Sie Ihre Passphrase für eine bestimmte Anzahl an
Minuten im Cache speichern, sodass Sie sie nicht jedes Mal erneut eintippen
müssen: Dies kann unter OpenPGP → Einstellungen → PassphrasenEinstellungen festgelegt werden, und wird in Kapitel 9.1.1 noch einmal genauer
erklärt.
Beim Absenden könnte sich Ihr Mailclient darüber beklagen, dass die verfasste
Nachricht Zeichen enthält, die im gewählten Zeichensatz nicht enthalten sind.
Er fordert Sie auf, den Zeichensatz auszuwählen, der statt dessen verwendet
werden soll. In diesem Fall ist die beste Wahl In UTF-8 senden.
8.2.2. Eine Signatur überprüfen
Falls Ihr Mailclient so eingerichtet ist, dass eine Kopie der ausgehenden E-Mails
automatisch im Gesendet-Ordner abgelegt wird, ist jetzt eine gute Gelegenheit,
sich anzusehen, wie eine signierte Nachricht überhaupt aussieht:
52
In diesem Nachrichten-Fenster wird die OpenPGP-Statusleiste eingeblendet,
um anzuzeigen, dass die Nachricht mittels OpenPGP-gesichert ist.
Die Statusleiste besagt, dass die Nachricht korrekt unterschrieben wurde, und
gibt Informationen über den Schlüssel des Senders, d.h. der Schlüssel, der zum
Unterschreiben verwendet wurde. Diese Information beinhaltet die Benutzer-ID
(die Identität desjenigen, der die Nachricht signiert hat, d.h. Name und E-MailAdresse) und die Schlüssel-ID. Die Statusleiste zeigt auch das Datum und die
Uhrzeit der Signatur. Sie können die Statusleiste aus- oder einklappen, indem
Sie auf den Erweitern-Button auf der linken Seite klicken.
Die OpenPGP-Statusleiste erscheint grün, um darauf hinzuweisen, dass dem
Schlüssel des Senders vertraut wird. Tatsächlich ist in diesem Fall der
Schlüssel des Senders mein eigener Schlüssel, der absolutes Vertrauen in
meiner eigenen Enigmail - Umgebung genießt. Dementsprechend wird ein Bild
eines versiegelten Briefumschlags in der Nähe des E-Mail-Headers angezeigt,
und das Stift-Icon in der unteren rechten Ecke leuchtet grün.
Weitere Details über den Signier-Prozess (in diesem Fall über den
Fingerabdruck des unterzeichnenden Schlüssels) erhalten Sie unter Details →
OpenPGP-Sicherheitsinfo... oder indem Sie einfach auf das Bild des
Briefumschlags klicken. Klicken Sie dagegen auf Details → OpenPGPSicherheitsinfo kopieren, werden die Sicherheitsinformationen in die
Zwischenablage kopiert. Schauen wir uns nun eine signierte Nachricht an, die
ich von [email protected] erhalten habe und nehmen
an, ich habe seinen öffentlichenSchlüssel:
53
Die OpenPGP-Statusleiste gibt an, dass die Signatur zwar gültig, aber dennoch
unvertraut ist. Dies ist völlig normal, denn es bedeutet lediglich, dass der
öffentliche Schlüssel von Peter Mustermann in meinem Schlüsselbund kein
ausreichendes Vertrauensniveau hat, was normal für neu importierte Schlüssel
ist. Wie bereits in Kapitel 7.7.2, erklärt, ist das Vertrauen subjektiv und davon
abhängig, wie wir den öffentlichen Schlüssel von jemandem erhalten haben.
Der wichtigste Punkt hierbei ist die Überprüfung von OpenPGP, dass die
Nachricht mit dem spezifischen öffentlichen Schlüssel korrekt unterschrieben
wurde.
Beachten Sie, dass die OpenPGP-Statusleiste jetzt blau eingefärbt ist.
Entsprechend wird ein Stift mit einem roten Fragezeichen in der rechten
unteren Ecke und ein Briefumschlag mit einem blauen Fragezeichen nahe des
E-Mail-Headers angezeigt.
Aus dem Details-Menü können Sie direkt mit dem Schlüssel des Senders
agieren:
•
Foto-ID anzeigen zeigt Ihnen, falls vorhanden, die Foto-ID an;
•
Schlüssel unterschreiben... ermöglicht Ihnen, den Schlüssel des Senders
zu unterschreiben;
•
Besitzervertrauen des Absenders festlegen... ermöglicht Ihnen, die
Vertrauensebene des Absender-Schlüssels auf eine beliebige Stufe zu
setzen.
Dies sind nur Verknüpfungen zu Funktionen in der Schlüsselverwaltung; sie
54
können dieselben Operationen auch dort ausführen.
Was aber nun, wenn ich den öffentlichen Schlüssel von Peter Mustermann gar
nicht besitze? In diesem Fall würde die Nachricht in folgender Weise
erscheinen:
Die Nachricht ist signiert, aber die Signatur kann nicht überprüft werden.
Genauso wird jemand, der weder Enigmail noch eine andere OpenPGPSoftware verwendet, die Nachricht empfangen. Wie erwartet ist der Originaltext
aber immer noch lesbar: Die Unterschrift stellt die Authentifizierung des
Absenders sicher, nicht aber die Vertraulichkeit der Nachricht.
Beachten Sie, wie OpenPGP die Mail formatiert, wenn sie unterschrieben wird.
Der Originalnachricht geht die Zeile
-----BEGIN PGP SIGNED MESSAGE----voraus, dann wird spezifiziert, welche Hashfunktion verwendet wurde. Erst dann
folgt die Originalnachricht. Schließlich wird der Nachricht die digitale
Unterschrift angehängt, eingebettet zwischen die beiden Zeilen
-----BEGIN PGP SIGNATURE----und
-----END PGP SIGNATURE----Innerhalb der Signatur gibt es eine Zeile, die die verwendete GnuPG-Version
angibt. Es ist außerdem möglich, eine zusätzliche GnuPG-Kommentarzeile
hinter die Version zu stellen, indem dem GnuPG-Aufruf ein zusätzlicher
Parameter zugefügt wird; dies wird in Kapitel 9.1.4 erklärt.
Die Zeilen beginnend mit ----- werden PGP-Kopfzeilen genannt.
Letztendlich können Sie auch eine E-Mail erhalten, die wie folgt aussieht:
55
Die Unterschrift ist ungültig, was bedeutet, dass die Nachricht auf dem Weg
verändert wurde oder der Schlüssel, der zum Unterschreiben benutzt wurde,
nicht derjenige vom angegebenen Absender ist. Daher dürfen Sie der Nachricht
nicht vertrauen.
Beachten Sie die rosafarbene Statusleiste, das Bild des rot gekennzeichneten
Briefumschlags, und das rote Stift-Icon.
8.2.3. Den Schlüssel, mit dem die Nachricht signiert wurde,
abrufen
Ein schönes Feature von Enigmail ist, dass automatisch der benötigte
öffentliche Schlüssel zur Verifizierung der Nachricht importiert wird.
Falls Sie eine Nachricht erhalten, für die Sie nicht den öffentlichen Schlüssel
des Absenders besitzen, wie im Bild auf Seite 55, angezeigt, können Sie von
der OpenPGP-Statusleiste aus den Menübefehl Details → Öffentlichen
Schlüssel importieren auswählen. Enigmail wird Ihnen daraufhin anbieten, den
Schlüssel, der zum Unterschreiben verwendet wurde, von einem SchlüsselServer herunterzuladen.
Klicken Sie einfach auf Importieren und Enigmail wird den Rest für Sie
erledigen. Der importierte Schlüssel wird zu Ihrem Schlüsselbund hinzugefügt.
56
Häufig werden Sie öffentliche Schlüssel als ASC-Datei im Anhang einer E-MailNachricht erhalten. Diese öffentlichen Schlüssel können ebenso einfach
importiert werden: Gehen Sie mit einem Rechtsklick auf den Anhang und
wählen dann OpenPGP-Schlüssel importieren.
Manche Leute werden Ihnen vielleicht ihren öffentlichen Schlüssel eingebettet
in einer Textnachricht senden.
Wenn Sie einige Signatur- (und Verschlüsselungs-) Tests durchführen möchten,
finden Sie einen geduldigen Partner in Adele, “The Friendly OpenPGP Email
Robot”. Adele ist unter [email protected] erreichbar und ist ein
automatisiertes Programm, das OpenPGP-Nachrichten empfangen, verstehen
und in relativ kurzer Zeit entsprechend beantworten kann.
Ich habe eine E-Mail mit simplem Klartext (unsigniert, unverschlüsselt) an Adele
gesendet und hier sehen Sie, wie sie darauf geantwortet hat:
Adele beklagt sich hier darüber, dass ich meiner Nachricht keinen öffentlichen
Schlüssel angehängt habe, sodass sie nicht weiß, wie sie mit der Nachricht
verfahren soll. Allerdings bietet sie mir ihren öffentlichen Schlüssel an,
eingebettet in der Nachricht: Beachten Sie den OpenPGP-Block im
Nachrichtenkörper und die gelbe Statusleiste. Wenn Sie auf den EntschlüsselnButton klicken und dann bestätigen, wird der öffentliche Schlüssel importiert
und in meinen Schlüsselbund eingefügt.
57
Adeles öffentlicher Schlüssel ist jetzt in meinen Schlüsselbund.
58
8.3. Verschlüsselung und Entschlüsselung
Jetzt kommt der interessante Teil – geheime Nachrichten austauschen.
8.3.1. Eine Nachricht verschlüsseln
Um eine Nachricht zu verschlüsseln, wählen Sie vor dem Senden die Option
Nachricht verschlüsseln und stellen Sie sicher, dass das Schlüssel-Icon in der
rechten unteren Ecke aufleuchtet. Es ist gängige Praxis, eine Nachricht, die
verschlüsselt wird auch zu signieren.
Möchten Sie eine verschlüsselte Nachricht an jemanden senden, so brauchen
Sie dessen öffentlichen Schlüssel. Falls Sie ihn haben, wird der Schlüssel
automatisch ausgewählt: Enigmail durchsucht Ihren Schlüsselbund und wählt
den öffentlichen Schlüssel, dessen Benutzer-ID mit der Mailadresse des
Empfängers übereinstimmt.
Hinweis: Falls Sie Empfängerregeln festgelegt haben, werden zunächst diese
beachtet. Sie erfahren mehr dazu in Kapitel 8.6.
So wird für jeden Empfänger vorgegangen. Empfängeradressen sind all
diejenigen, die im Mailheader angegeben sind, also An:, CC: und BCC:.
Zusätzlich wird die Nachricht auch automatisch mit Ihrem eigenen öffentlichen
Schlüssel verschlüsselt, um Ihnen zu ermöglichen, die gesendeten Nachricht
(im Gesendet-Ordner) zu lesen. Diese Einstellung ist unter OpenPGP →
Einstellungen → Senden → Zusätzlich mit eigenem Schlüssel verschlüsseln zu
finden. Wir empfehlen Ihnen, diese Option zu aktivieren.
Wie Sie sehen ist das Ganze ziemlich einfach. Aber was passiert, wenn
Enigmail es nicht schafft, einen öffentlichen Schlüssel für einen Empfänger
auszuwählen, beispielsweise weil Sie ihn gar nicht haben? In diesem Fall wird
Enigmail das Fenster zur Schlüsselverwaltung öffnen, um Sie aufzufordern, den
oder die Schlüssel per Hand auszuwählen:
59
In dieser Abbildung habe ich versucht, eine verschlüsselte E-Mail an
[email protected] zu schicken, was als Alias zu erahnen ist und
somit alle E-Mails direkt an [email protected] weitergeleitet werden.
Unter diesen Umständen würde ich GPG's öffentlichen Schlüssel markieren,
wie im Bild zu sehen, und auf OK klicken. Die Nachricht würde, verschlüsselt
mit GPG's öffentlichem Schlüssel, an [email protected] gesendet
werden.
Müsste ich öfter E-Mails an [email protected] senden, wäre es
sinnvoll, eine Empfängerregel zu erstellen, die Folgendes erfordert: “Alle Mails,
die an die Adresse [email protected] gesendet werden, mit dem
öffentlichen Schlüssel, der mit der Adresse [email protected] verbunden
ist, verschlüsseln”. Dies kann direkt in der Schlüsselauswahl umgesetzt werden,
indem man auf den Button Empfängerregeln festlegen klickt. Alternativ sollte
John Random Hacker die Benutzer-ID zu seinem öffentlichen Schlüssel
hinzufügen und den aktualisierten Schlüssel neu verteilen, wenn er vorhat, öfter
seine Alias-Adressen zu verwenden.
Wie Sie bereits gesehen haben, kann eine Nachricht mit mehr als nur einem
Schlüssel verschlüsselt werden. Tatsächlich wird die Verschlüsselung
normalerweise mit mindestens zwei öffentlichen Schüsseln durchgeführt: Mit
Ihrem eigenen (um es Ihnen zu ermöglichen, eine Kopie der Nachricht zu lesen)
und mit dem des Empfängers.
Um genauer zu sein, verwendet OpenPGP hybride Verschlüsselung. Zuerst
wird ein zufälliger Session-Key erzeugt und die Nachricht mit diesem SessionKey unter Verwendung eines symmetrischen Algorithmus verschlüsselt. Dann
folgt für jeden angegebenen Empfänger die Verschlüsselung des Session-Keys
mithilfe des öffentlichen Schlüssels des Empfängers. Jeder der verschlüsselten
Session-Keys wird der verschlüsselten Nachricht hinzugefügt.
60
Schließlich wird ein OpenPGP-Block gebildet, welcher einen Header
einschließt, der die Schlüssel-IDs und die Benutzer-IDs eines jeden öffentlichen
Schlüssels beinhaltet, mit dem die Nachricht verschlüsselt wurde. Jeder
Empfänger erhält denselben OpenPGP-Block.
Die Konsequenz ist, dass ist es nicht möglich ist, eine Nachricht an mehrere
Empfänger zu senden, und die Nachricht nur für einige zu verschlüsseln, für die
restlichen Empfänger jedoch nicht. Die Nachricht wird an die komplette
Empfängerliste also entweder verschlüsselt oder unverschlüsselt versendet.
Daher sollten Sie verschlüsselte Nachrichten nicht an Empfänger in BCC:
senden, da jeder Empfänger in der Lage ist, aus dem OpenPGP-Block heraus
die Identitäten der anderen zu bestimmen – und infolgedessen den Zweck des
BCC-Feldes durchkreuzt. Enigmail kann zwar die BCC:-Empfänger im Header
ausblenden, allerdings könnte dies jedoch dazu führen, dass Nutzer anderer
Produkte (z.B. PGP Corp.) unfähig sind, Nachrichten zu entschlüsseln.
61
8.3.2. Eine verschlüsselte Nachricht entschlüsseln
Dies ist eine Nachricht, die Claudia Musterfrau verschlüsselt an Peter
Mustermann gesendet hat:
Der Status der OpenPGP-Leiste, das Schloss sowie das grün leuchtende
Schlüssel-Icon in der rechten unteren Ecke zeigen dass die Nachricht korrekt
entschlüsselt wurde. Standardmäßig wird die Nachricht automatisch
entschlüsselt, sobald sie geöffnet wird. Wenn Sie diese Einstellung einmal
ändern möchten, heben Sie die Markierung der Option OpenPGP →
Nachrichten automatisch entschlüsseln/überprüfen auf; dann können Sie
Nachrichten manuell entschlüsseln, indem Sie den Entschlüsseln-Button in der
Toolbar klicken.
Wenn ich mir den Quelltext der Nachricht anschaue (Befehl Ansicht →
Nachrichten-Quelltext im Mailclient-Menü), kann ich die Rohnachricht sehen,
wie sie durch das Netzwerk übertragen wurde, und wie jeder, der nicht der
beabsichtigte Empfänger ist, die Nachricht sehen würde - und bekomme eine
Bestätigung, dass das Geheimnis vor neugierigen Augen bewahrt worden ist:
(... weitere Mailheader entfernt ...)
Date: Wed, 05 May 2010 10:27:52 +0200
From: Claudia Musterfrau <[email protected]>
User-Agent: Thunderbird 2.0.0.24 (X11/20100411)
MIME-Version: 1.0
To: [email protected]
Subject: Schatzsuche
X-Enigmail-Version: 0.96.0
Content-Type: text/plain; charset=ISO-8859-15
Content-Transfer-Encoding: 8bit
X-Spam-Check: DONE|U 0.5/N
62
-----BEGIN PGP MESSAGE----Charset: ISO-8859-15
Version: GnuPG v1.4.9 (GNU/Linux)
Comment: Using GnuPG with Mozilla - http://enigmail.mozdev.org/
hQEMA143U+xP5CxqAQgAx5fAWTyOfvcAm0h3nrJHlUkot3VldtvU+C2BdE8VtVqc
VPBp6XSaydn5C3e1LKiDQL4B8OErzjodSG+FaX3C3kp07fgZp1kzB7EpMDJLWn6B
8BHqjsBfqyrbi9LMWx2DhQNCtnX2X3X+qrzdiVaHYvZa4bYlxEJRi13pq+2aSUtL
IFgEHlY1aa4b93Za9cu6mD32mLvbW/SsH0Qj2LUKZNQcQJ5nF/BKlnpGnrB0yWFD
E8aSjUaDMJvjUaHHkfh34kr0/VqH4EVGlXh7eeUT2kQi7CuOls8u191hKzc2bIf4
WaR/84bVXou440/YL02oL15KG5SgI6xYkMjs05Q9ioUBDAN8BBPBrxiLqwEH/jRl
NbfMVgv01iDiA3hnrTfAzT4OcWgSob6aD9Mw6d6QiiA6VEz8JXP9VUkP+Ohz8n3q
L4zNG2jJgJ/X/r+2QfTOXhwoZXvGEBBC4GUgAWKBwj9KZ2uyTAZ9RarJAYYdmLat
D26GvhEhoIK+Z1u9zQ3L1Tx3vH39mVUD+PeDakMmuuMegL4seW2yt4zZbf02HJ0Q
VFKroAinWUcj4aWTqmAiUOY+xddqTaMkNPwFqw7bNXWVOVmDNp+riHkNy/sDVvIY
Y9lW7/Flbq5s2JeIYtzufEFedEZHz7hdWpDe1i8hrOG3abv25FXu+hcvto7IC2A2
3exz1KIHoI95KYZdJgjSewGHf9K+JUOZLbjpBxvPP1lNAgLZboMZuIVHZv/Di8c3
w0YQspFyQnMT/uNLdyi8gigPvtnHeJvddixZTT+uztfc9ajiX3VshLZj3cRoJZXi
QfDm8b+9n5tlPEJ31eEvDkfcaw2i5C3hzVsIHnlOD2pU7RANM5rEQ2VXUw==
=fpet
-----END PGP MESSAGE-----
Die vorangegangene Nachricht wurde zwar verschlüsselt, aber nicht
unterschrieben. Hier sehen Sie, wie eine Nachricht aussieht, die sowohl
verschlüsselt als auch unterschrieben wurde:
Ich kann Adeles Dienste nutzen, um zu testen, ob meine Nachrichten fehlerfrei
verschlüsselt und entschlüsselt sind. Sie erinnern sich sicherlich, dass ich
Adeles öffentlichen Schlüssel in meinen Schlüsselbund importiert habe, und
daher bin ich dazu in der Lage, Adele eine verschlüsselte Nachricht zu senden:
63
Wenn ich in meinem Gesendet-Ordner schaue, finde ich meine Nachricht
automatisch entschlüsselt vor, sobald ich sie öffne. Ich kann sie nur lesen, weil
Enigmail standardmäßig jede ausgehende Nachricht zusätzlich mit dem
öffentlichen Schlüssel des Senders verschlüsselt. Sollte Enigmail das nicht
tun,wäre die Nachricht reiner Wortsalat für mich – selbst wenn ich der Verfasser
dieser Nachricht bin. Die nächste Abbildung zeigt eine eigene Nachricht, korrekt
entschlüsselt:
64
Kurze Zeit später erhalte ich Adeles Antwort:
Beachten Sie, dass die OpenPGP-Statusleiste Sie warnt, dass der der Inhalt
der E-Mail nur teilweise verschlüsselt ist: Adeles Nachricht ist verschlüsselt, der
Hinweis am Ende ist es nicht.
65
8.4. Anhänge handhaben
Wenn Sie eine verschlüsselte oder signierte E-Mail-Nachricht versenden, die
einen Anhang hat, müssen Sie angeben, wie der Anhang verschlüsselt/signiert
werden soll:
Es stehen drei sich gegenseitig ausschließende Optionen zur Auswahl:
•
Nur den Haupttext verschlüsseln, den Anhang unverändert lassen. Diese
Einstellung wird nur die Textnachricht schützen.
•
Jeden Anhang einzeln verschlüsseln/unterschreiben und als Inline-PGPNachricht senden.
In diesem Fall wird die Unterschrift für jeden Anhang dateiname.ext in
einer zusätzlich angehängten Datei dateiname.ext.sig gespeichert.
Falls der Anhang verschlüsselt werden muss, wird er in
dateiname.ext.pgp umbenannt. Dies ist die Standardeinstellung und
ist gleichzeitig die sicherste und empfohlene Option.
•
Nachricht als Ganzes verschlüsseln/unterschreiben und als PGP/MIMENachricht senden.
Wie bereits erwähnt, wird der PGP/MIME-Standard nicht von allen
Mailclients unterstützt, sodass hier das Risiko besteht, dass es dem
Empfänger nicht möglich ist, die Nachricht zu lesen.
Wenn Sie die Option Die gewählte Methode für alle zukünftigen Anhänge
verwenden anwählen, wird Enigmail Ihre Wahl speichern und Sie nicht wieder
fragen.
Damit Enigmail Ihnen die möglichen Optionen noch einmal anzeigt, gehen Sie
auf OpenPGP → Einstellungen → Erweitert und klicken auf Warnungen
zurücksetzen.
66
Wenn Sie einen verschlüsselten Anhang empfangen, können Sie ihn entweder
anzeigen oder direkt speichern, indem Sie mit einem Rechtsklick auf den
Anhang gehen und die entsprechende Option Entschlüsseln und öffnen oder
Entschlüsseln und speichern unter... auswählen.
67
8.5. Hinweise
Mailheader können weder verschlüsselt, noch in die
Signaturberechnung eingeschlossen werden. Schreiben Sie keine
vertraulichen Informationen in den Betreff, wenn Sie eine
verschlüsselte Nachricht versenden.
Ein wichtiger Punkt betrifft die Sicherheit der Kopfzeilen. Unterschrift und
Verschlüsselung gilt nur für den Nachrichtenkörper – und auch für Anhänge,
wenn Sie es ausgewählt haben. Das bedeutet, dass kein Mailheader (wie z.B.
Betreff, Datum, alle Empfänger-Kopfzeilen, etc.) in die Signatur aufgenommen
werden kann. Genauso werden Mailheader auch nicht verschlüsselt.
Die meisten Mailheader (z.B. das Datum) werden vom Mail User Agent (E-MailClient) hinzugefügt, danach bearbeitet Enigmail die Nutzlast der Mail; andere
Mailheader (z.B. die „Received“-Zeilen) werden nacheinander an jeder
Teilstrecke des Weges von Sender zu Empfänger durch den Mail Transfer
Agent hinzugefügt; schließlich werden weitere Mailheader vom Mail Delivery
Agent am Endpunkt hinzugefügt. Selbst Mailheader, die vom Nutzer zur Zeit
des Verfassens gesetzt werden (z.B. der Betreff) können legitim von Antispamoder Antivirus- Applikationen auf dem Zielserver modifiziert werden.
Das heißt, dass sich Mailheader unterwegs verändern (und daher nicht signiert
werden können) und in Klartext sein müssen (und daher nicht verschlüsselt
werden können), damit die E-Mail-Nachricht von zwischengeschalteten Routern
verarbeitet und weitergeleitet werden kann.
Die ist weder eine Beschränkung von Enigmail noch von GnuPG. Der
OpenPGP-Standard beschriebt keine Möglichkeit, um den Betreff oder andere
Mailheader zu unterschreiben oder verschlüsseln.
Denken Sie also daran, dass Mailheader nicht gesichert sind und auch nicht
gesichert werden können. Sie können unterwegs ausspioniert und gefälscht
gehen, genauso wie jegliche ungesicherte Mail-Nachricht in Klartext.
Beachten Sie, dass Enigmail aus dem gleichen Grund eine leere Nachricht
nicht signieren und/oder verschlüsseln wird: Ist der Nachrichteninhalt leer, gibt
es für Enigmail nichts zu bearbeiten.
68
8.6. Empfängerregeln
Enigmail bietet einen Empfängerregel-Editor an, der es Ihnen ermöglicht, für
jeden Empfänger im Voraus zu definieren, ob signiert, verschlüsselt oder der
PGP/MIME-Standard anstelle von Inline-PGP verwendet werden soll.
Mit Empfängerregeln können Sie zudem festlegen, welcher Schlüssel für einen
bestimmten Empfänger von verschlüsselten Nachrichten verwendet werden
soll.
Standardmäßig durchsucht Enigmail zunächst die Empfängerregeln und schaut
nach, ob eine Regel für den jeweiligen Empfänger besteht; ist keine Regel
festgelegt (wie es kurz nach der Installation von Enigmail wohl der Fall sein
wird), wählt Enigmail den Schlüssel aus, dessen Benutzer-ID zum Empfänger
passt.
8.6.1. Empfängerregeln festlegen
Um die Empfängerregeln zu bearbeiten, gehen Sie auf OpenPGP →
Empfängerregeln. Das nachfolgende Bild zeigt das Empfängerregeln-Fenster
mit einer erstellten Regel:
Nehmen wir an, ich nehme an einer Mailingliste teil und als Gewohnheit
unterschreiben und verschlüsseln alle Teilnehmer immer alle Nachrichten an
diese Mailingliste. Eine Mailingliste ist lediglich eine Liste physischer Empfänger
und besitzt als solche kein Schlüsselpaar, da dies keinen Sinn ergeben würde.
Um jedoch eine Nachricht an eine Mailingliste zu verschlüsseln, muss ich sie
mit den öffentlichen Schlüsseln aller Menschen, die an der Mailingliste
teilnehmen, verschlüsseln (natürlich muss ich wissen, wer die Teilnehmer sind
und zudem über deren öffentliche Schlüssel verfügen).
Zu diesem Zweck habe ich die oben stehende Empfängerregel verfasst, welche
besagt: “ Wenn eine Nachricht an die in E-Mail definierte Adresse gesendet
wird, soll sie immer unterschreiben, immer mit den in OpenPGP-Schlüssel
angegebenen öffentlichen Schlüsseln verschlüsselt werden und nie PGP/MIME
verwenden”.
69
Wenn Sie mehr als eine Regel erstellen, werden sie von oben nach unten
ausgewertet. Sie können die Regel-Anordnung ändern, indem Sie auf die
Buttons Nach oben bzw. Nach unten klicken, während der Button Löschen eine
Regel löscht. Der Hinzufügen-Button erstellt eine neue Regel, mit Bearbeiten
können Sie bestehende Regeln überarbeiten. Klicken Sie auf diese Buttons,
öffnet sich jeweils ein neues Fenster zur Bearbeitung der Empfängerregeln.
8.6.2. Empfänger-Einstellungen
In dem Feld Regel für: tragen Sie die E-Mail-Adressen der Empfänger ein, für
die Sie die Regel festlegen möchten. Empfänger sind die Adressen, die in den
Feldern An:, CC: und BCC: (keine Unterscheidung) einer E-Mail-Nachricht
angegeben sind. Wenn Sie eine Regel für mehrere E-Mail-Adressen haben
möchten, tragen sie alle durch Leerzeichen voneinander getrennt in das Feld
ein. Wählen Sie dann aus dem Drop-down-Menü die passende Angabe (ist
exakt, enthält, beginnt mit, endet mit).
Im Aktion-Feld spezifizieren Sie das Verhalten von Enigmail, wenn eine
passende E-Mail-Adresse gefunden wird:
•
70
Weitere Regeln auf passende Adresse prüfen ermöglicht Ihnen, eine
Regel zu definieren; dennoch müssen Sie keine Schlüssel-ID in dem
Feld Verwende folgende OpenPGP-Schlüssel bestimmen. Auf diese
Weise wird die E-Mail-Adresse zur Überprüfung eines Schlüssels beim
Senden einer Nachricht verwendet. Zudem werden ebenso weitere
Regeln für die gleiche Adresse bearbeitet.
•
Weitere Regeln nicht auf passende Adresse prüfen stoppt die
Bearbeitung jeglicher anderer Regeln für die entsprechende Adresse,
falls diese Regel passt. Die Abarbeitung der Regeln fährt dann mit dem
nächsten Empfänger fort.
•
Verwende folgende OpenPGP-Schlüssel erlaubt Ihnen die Bestimmung
der Empfänger-Schlüssel, die für die Verschlüsselung verwendet werden
sollen. Benutzen Sie den Auswählen-Button, um den bzw. die Schlüssel
auszuwählen.
In der Standardeinstellung entscheiden Sie, ob Unterschreiben,
Verschlüsselung und PGP/MIME aktiviert werden soll, falls die Regel für einen
Empfänger zutrifft. Jede Funktion kann unabhängig auf drei verschiedenen
Optionen gesetzt werden:
•
Nie besagt, dass die Funktion deaktiviert ist.
•
Ja, wenn beim Verfassen ausgewählt ermöglicht Ihnen, die Funktion
beim Verfassen der Nachricht einzustellen
•
Immer besagt, dass die Funktion aktiviert ist.
Beim Senden einer Nachricht an mehrere Empfänger, hat Immer Priorität über
Nie, wenn es zu Konflikten zwischen einzelnen Empfängerregeln kommt, z.B.
wenn Sie für die folgenden beiden Empfänger zwei Regel festgelegt haben:
[email protected]
Unterschreiben:
Immer
Verschlüsseln:
Immer
PGP/MIME:
Ja,wenn beim Verfassen ausgewählt
[email protected]
Unterschreiben:
Immer
Verschlüsseln:
Nie
PGP/MIME:
Nie
Versuchen Sie nun eine signierte und verschlüsselte Nachricht an
[email protected] und [email protected] zu senden, wird die Nachricht
lediglich unterschrieben. Sollten Sie weiterhin PGP/MIME aktiviert haben, wenn
Sie die Nachricht verfassen, wird diese Einstellung ignoriert und die Nachricht
würde nicht im PGP/MIME Format gesendet.
8.6.3. Hinweise
Wenn Sie eine Nachricht an jemanden schicken möchten, für den Sie keine
Empfängerregel erstellt haben und Sie möchten das Unterschreiben,
Verschlüsseln oder PGP/MIME manuell einschalten, wird dies von den
allgemeinen OpenPGP-Einstellungen (OpenPGP → Einstellungen), den
OpenPGP-Kontoeinstellungen (Bearbeiten → Einstellungen... → OpenPGP71
Sicherheit), und den Empfängerregeln überschrieben.
Eine mögliche Umgehungslösung ist, folgende neue Regel festzulegen:
•
In dem Feld Regel für tragen Sie ein @-Zeichen ein (dies trifft für jede EMail-Adresse zu)
•
Wählen Sie Anwenden, wenn Empfänger eine der obigen Adressen
enthält
•
Wählen Sie Für die passende Adresse mit nächster Regel fortfahren
•
Fügen Sie keine Schlüssel hinzu
•
Setzen Sie Unterschreiben, Verschlüsseln, PGP/MIME auf Ja, wenn
beim Verfassen ausgewählt
•
Speichern Sie die Regel und versichern sich, dass sie am unteren Ende
der Liste befindet
Diese Regel wird immer ausgeführt.
Sie können direkt eine Regel für eine bestimmte E-Mail-Adresse erstellen,
indem Sie mit einem Rechtsklick auf diese Adresse gehen und im NachrichtenFenster oder im Adressbuch OpenPGP-Empfängerregel erstellen aus dem Popup-Menü auswählen.
Die Regeln werden sequenziell entsprechend der Reihenfolge, die im RegelEditor angezeigt wird, abgearbeitet. Enthält eine Regel einen OpenPGPSchlüssel, wird diese Regel angewandt. Diejenige Adresse, die einen Treffer
hat, wird aber in keiner der folgenden Regeln nochmals überprüft.
Um die Anzahl der zu erstellenden Regeln klein zu halten, sollten Sie Ihre
allgemeinen OpenPGP- und Konto-Einstellungen sorgfältig festlegen.
Wie Enigmail die Empfänger-Schlüssel für eine verschlüsselte Nachricht
auswählt, wird mit den Einstellungen unter OpenPGP → Einstellungen →
Schlüsselauswahl festgelegt.
Standardmäßig überprüft Enigmail zuerst die Empfängerregeln und dann die
Benutzer-ID in Ihrem öffentlichen Schlüsselbund.
Sie können individuell für die Nachricht, die Sie gerade verfassen, das
Auswerten der Empfängerregeln deaktivieren, indem Sie im Verfassen- Fenster
ein Häkchen an die Option OpenPGP → Empfängerregeln ignorieren setzen.
Sie können auch die Option OpenPGP → Einstellungen → Senden → Senden
immer bestätigen aktivieren, um den Status für das Unterschreiben,
Verschlüsseln und PGP/MIME zu überprüfen, bevor die Nachricht wirklich
gesendet wird.
Empfängerregeln werden in einer Datei mit dem Namen pgprules.xml in
Ihrem Profil-Verzeichnis gespeichert. Falls Sie Ihr Profil manuell sichern oder
wiederherstellen, stellen Sie sicher, dass Sie diese Datei nicht vergessen.
72
8.6.4. XML-Format für Empfängerregeln
Dieses Kapitel geht nun näher auf das Format pgprules.xml, ein, eine XMLDatei, die von Enigmail erstellt wird und die Empfängerregeln enthält. Im
folgenden handelt es sich um technische Informationen, die lediglich für
Entwickler gedacht sind; normale Anwender sollten die XML-Datei niemals
manuell bearbeiten und können dieses Kapitel daher überspringen.
Die Datei pgprules.xml hat die folgende Struktur:
<pgpRuleList>
<pgpRule email='{[email protected]}' keyId='0x1234ABCD'
sign='1' encrypt='1' pgpMime='1'/>
<pgpRule email='{[email protected] {[email protected]' keyId='0xCDEF6789'
sign='2' encrypt='1' pgpMime='0'/>
<pgpRule email='{[email protected]} '
keyId='0x11111111 0x22222222 0x33333333' sign='2'
encrypt='2' pgpMime='0'/>
...
</pgpRuleList>
Jede <pgpRule .../> Linie steht für eine Empfängerregel und legt fest, wie
Enigmail Verschlüsselung, Signatur und PGP/MIME behandelt und welcher
Schlüssel verwendet werden soll.
Die Datei wird sequenziell abgearbeitet; enthält eine Regel ein Schlüssel-IDAttribut mit Wert, so ist die Regel gültig, die passende Adresse wird in keiner
weiteren Regel mehr überprüft.
Die Attribute sind wie folgt definiert:
email definiert die zu vergleichende(n) Empfängeradresse(n). Mehrere EMail- Adressen werden durch Leerzeichen getrennt angegeben. Der Vergleich
bezieht sich auf Teilstrings, mit geschweiften Klammern ({}) werden Grenzen für
Teilstrings definiert:
•
•
•
•
{[email protected]} entspricht exakt und nur [email protected]
[email protected]} entspricht allem,was mit [email protected] endet
{[email protected] entspricht allem, was mit [email protected] anfängt
[email protected] entspricht allem, was [email protected] enthält.
keyId ist die Liste von Schlüssel-IDs , die für den Empfänger verwendet
werden. Die Schlüssel-ID ist entweder im 8-Byte Format (z.B. 0x1234ABCD)
oder im 16-Byte Format (z.B. 0x1234567890ABCDEF) spezifiziert. Mehrere
Schlüssel werden durch Leerzeichen getrennt. Ist ein Punkt (.) der einzige Wert
in dem Feld, verwendet Enigmail keine spezifische Schlüssel-ID, sondern findet
den korrekten Schlüssel unter Verwendung der E-Mail-Adresse. Jegliche
weitere Regeln für diesen Empfänger werden ignoriert.
73
sign spezifiziert das Unterschreiben, encrypt die Verschlüsselung von
Nachrichten und pgpMime die Verwendung von PGP/MIME. All diese Attribute
müssen einen der folgenden Werte haben:
•
•
•
0 – Deaktiviert die Aktion auch dann, wenn sie imVerfassen-Fenster
aktiviert ist. Es ist äquivalent zu der Option Nie in der GUI.
1 – Verwendet die Einstellung, die im Verfassen-Fenster spezifiziert ist.
Es ist äquivalent zu der Option Ja, wenn beim Verfassen ausgewählt in
der GUI.
2 – Aktiviert die Aktion auch dann, wenn sie im Verfassen-Fenster nicht
spezifiziert ist. Es ist äquivalent zu der Option Immer in der GUI.
Wenn eine Nachricht an mehrere Empfänger gesendet wurde, und mehrere
Empfängerregeln dabei gültig sind, hat der Wert 0 Vorrang vor 2: Wenn also
eine der Regeln die Aktion deaktiviert, wird die Aktion für diese Nachricht nicht
angewendet, ungeachtet anderer Regeln mit dem Wert 2.
74
9. Einstellungen
Enigmail kann so eingestellt werden, dass es genau auf ihre Bedürfnisse
abgestimmt ist. Dieses Kapitel illustriert die Vielzahl an
Konfigurationsmöglichkeiten von Enigmail.
Wenn Sie GnuPG verwenden und es manuell konfiguriert ist, beachten Sie
bitte, dass diese Einstellungen Vorrang vor ähnlichen Einträgen in gpg.conf
haben.
9.1. Einstellungen festlegen
9.1.1. Allgemeine Einstellungen
Um die Einstellungen von Enigmail zu ändern, gehen Sie von der Menüleiste
aus auf OpenPGP → Einstellungen. (Wenn Sie SeaMonkey 1.1 benutzen,
können Sie auch Bearbeiten → Einstellungen auswählen, was die allgemeinen
Einstellungen für den Mailclient öffnen, und wählen dann das OpenPGPUntermenü aus.) Es öffnet sich der Dialog mit den allgemeinen Einstellungen,
der das grundlegende Verhalten festlegt.
Enigmail versucht automatisch die ausführbare GnuPG-Datei beim Start zu
lokalisieren. In Dateien und Verzeichnisse wird angezeigt, wo GnuPG gefunden
wurde.
75
Typische Orte sind C:\Programme\GnuPG\gpg.exe (absoluter Pfad) oder
..\GnuPG\gpg.exe (relativer Pfad zum Mailclient) für Windows sowie
/usr/local/bin/gpg oder /usr/bin/gpg für Linux oder Mac OS X.
Sollte es Enigmail trotzdem einmal nicht möglich sein, GnuPG ausfindig zu
machen oder Sie den Ort manuell bestimmen möchten, setzen Sie ein Häkchen
bei Anderer Pfad und geben den Pfad zur ausführbaren GnuPG-Datei ein.
Enigmail fragt Sie jedes Mal nach Ihrer Passphrase, wenn es Zugriff auf Ihrem
privaten Schlüssel braucht, beispielsweise wenn Sie etwas signieren,
entschlüsseln oder Einstellungen Ihres Schlüsselpaars ändern möchten. Es ist
oftmals mühselig, die Passphrase immer wieder erneut einzugeben und Sie
kommen in Versuchung, eine kurze und einfach einzutippende Passphrase zu
wählen: Eine schlechte Idee! Stattdessen sollten Sie Enigmail so einstellen,
dass Ihre Passphrase für eine festgelegte Zeit im Cache gespeichert wird.
Dafür geben Sie unter Passphrasen-Einstellungen die gewünschte Anzahl von
Minuten in das Feld Passphrase für [ ] Minuten zwischenspeichern ein. In der
Abbildung wird Enigmail für 1 Stunde nicht nach der Passphrase fragen. Der
Wert 0 hingegen deaktiviert den Cache-Speicher für die Passphrase.
Sie werden wieder nach Ihrer Passphrase gefragt, wenn eines der folgenden
Ereignisse auftritt:
•
Die angegebene Cache-Zeit wurde überschritten;
•
Sie haben den E-Mail-Client geschlossen und neu gestartet;
•
Sie haben den Cache für die Passphrase mit dem Befehl OpenPGP →
Passphrase aus Zwischenspeicher löschen geleert.
Lassen Sie Ihren Computer nicht unbeaufsichtigt, während Ihre
Passphrase im Cache gespeichert ist!
Der Mechanismus zur Speicherung der Passphrase im Zwischenspeicher ist in
sicher implementiert, sodass sie nicht für andere Benutzer oder Prozesse
zugänglich ist. Wenn allerdings der Mailclient auf die Festplatte ausgelagert
wird („swap“), wird auch Passphrase ausgelagert. Wenn Sie das nicht möchten,
sollten Sie davon absehen, die Passphrase im Cache zu speichern.
Ist Ihr Schlüsselpaar nicht durch eine Passphrase geschützt, aktivieren Sie die
Option Nie nach einer Passphrase fragen, um zu verhindern, dass Enigmail
nach Ihrer Passphrase fragt und Sie an GnuPG weiterleitet.
Der Zurücksetzen-Button setzt alle Einstellungen zurück auf ihre
Standardwerte.
Wenn Sie mit SeaMonkey 1.x arbeiten, gibt es außerdem einen Button namens
Enigmail deinstallieren, der die komplette Enigmail - Applikation deinstalliert.
Bei SeaMonkey 2.0 und Thunderbird gibt es diesen Button nicht. Wie jede
andere Erweiterung kann Enigmail hier unter Extras → Add-ons →
Erweiterungen deinstalliert werden.
76
Schließlich erlaubt der Toggle-Button Experten-Optionen anzeigen den Zugang
zu den Experten-Einstellungen. Beim Anklicken werden zusätzlich 5 Tabs direkt
im selben Fenster dargestellt, bei erneutem Klicken werden sie wieder
ausgeblendet.
Die Experten-Einstellungen werden im restlichen Teil dieses Kapitels erklärt.
77
9.1.2. Senden
Diese Einstellungen definieren das Verhalten von Enigmail beim Senden von
gesicherten E-Mails. Diesen Einstellungen sind auch vom Verfassen- Fenster
aus erreichbar. Wählen Sie dazu OpenPGP → Einstellungen → Senden... in der
Menüleiste.
Zusätzlich mit meinem eigenen Schlüssel verschlüsseln gibt Enigmail vor, beim
Senden von verschlüsselten Nachrichten sowohl mit Ihrem eigenen öffentlichen
Schlüssel (wie in den Konto-Einstellungen festgelegt) als auch mit dem
öffentlichen Schlüssel des Empfängers zu verschlüsseln. Dies ist erforderlich,
damit Sie Ihre eigenen verschlüsselten Nachrichten wieder entschlüsseln
können. Daher sollten Sie diese Option aktivieren.
Wenn Sie HTML zum Verfassen von E-Mail-Nachrichten verwenden, müssen
Nachrichten, die mit dem Inline-PGP-Standard (die Voreinstellung in Enigmail)
unterschrieben worden sind, umgebrochen werden, bevor die gesendet werden
können. So werden ungültige Signaturen vermieden. Allerdings kann der
Umbruch dazu führen, dass der Text anders aussieht, als der, den Sie
ursprünglich geschrieben hatten. Wir empfehlen Ihnen die Option
Unterschriebenen HTML-Text vor dem Senden umbrechen aktiviert zu lassen,
sofern Ihnen das Umbrechen keine Probleme bereitet.
Normalerweise erlaubt Ihnen OpenPGP nicht, Nachrichten an Schlüsseln zu
verschlüsseln, denen Sie nicht trauen. Die Option Schlüsseln immer vertrauen
überschreibt die Vertrauensebene der öffentlichen Schlüssel anderer Leute,
sodass Sie auch mit unvertrauten Schlüsseln verschlüsseln können. Sie sollten
diese Option aktiviert lassen.
Die Option Leere Betreffzeile erlauben hält Thunderbird / SeaMonkey davon ab,
sich beim Verfassen von Nachrichten über leere Betreffzeilen zu beklagen.
Senden immer bestätigen fordert Sie vor dem Senden jeder Nachricht zu einer
78
Bestätigung auf, sodass Sie noch einmal das Unterschreiben, Verschlüsseln
und den S/MIME-Status überprüfen können. Es ist empfehlenswert, diese
Option auszuschalten, wenn Sie von Zeit zu Zeit mit S/MIME signierte oder
verschlüsselte Nachrichten senden.
79
9.1.3. Schlüsselauswahl
Diese Einstellungen definieren, wie Enigmail den öffentlichen Schlüssel für
jeden einzelnen Empfänger zum Verschlüsseln auswählen soll. Sie können zu
diesem Fenster auch vom Verfassen-Fenster aus gelangen, indem Sie in der
Menüleiste auf OpenPGP → Einstellungen → Schlüsselauswahl... gehen.
Es gibt fünf Möglichkeiten:
80
•
Mit der Option Durch Empfängerregeln wird der Schlüssel ausschließlich
durch die Empfängerregeln bestimmt. Ist für den beabsichtigten
Empfänger keine Empfängerregel definiert, werden Sie dazu
aufgefordert, eine solche zu erstellen.
•
Mit der Option Durch Empfängerregeln oder E-Mail-Adressen werden
zunächst zum Empfänger passende Empfängerregeln gesucht; gibt es
keine Regel, wird der Schlüssel mit einer zum Empfänger passenden
Benutzer-ID gewählt. Dies ist die Standardeinstellung.
•
Mit der Option Durch E-Mail-Adressen wird der Schlüssel mit einer zum
Empfänger passenden Benutzer-ID ausgewählt. Es ist keine
Empfängerregel erforderlich.
•
Mit der Option Manuell wird Enigmail instruiert, einen Schlüssel niemals
automatisch auszuwählen. Wann immer eine NachrichtenVerschlüsselung stattfindet, öffnet Enigmail das SchlüsselauswahlFenster und fordert Sie auf, die Schlüssel manuell auszuwählen.
•
Mit der Option Keine manuelle Auswahl der Schlüssel wird Enigmail dazu
angeleitet, die E-Mail zu verschlüsseln, wenn ein gültiger Schlüssel für
jeden Empfänger gefunden wird. Die E-Mail wird unverschlüsselt
gesendet, wenn nicht für jeden Empfänger ein gültiger Schlüssel
ausfindig gemacht werden kann, d.h. auch dann, wenn es nur einen
einzigen Empfänger gibt, für den kein öffentlicher Schlüssel im
Schlüsselbund gefunden werden kann. Empfängerregeln werden
beachtet.
Der Button Empfängerregeln bearbeiten... öffnet das Fenster zur Bearbeitung
der Empfängerregeln.
81
9.1.4. Erweitert
Diese Einstellungen definieren diverse Optionen für OpenPGP und Enigmail.
Aktivieren Sie Verschlüsseln beim Antworten auf verschlüsselte Nachrichten
wenn Sie möchten, dass Enigmail automatisch die Verschlüsselung einschaltet,
wenn eine Antwort auf eine verschlüsselte Nachricht verfasst wird. Dies ist eine
sinnvolle Maßnahme, vor allem, wenn Sie die Originalnachricht zitieren
möchten.
Enigmail-Informationen zur OpenPGP-Signatur hinzufügen fügt die
Kommentarzeile Using GnuPG with Thunderbird http://www.enigmail.net/ zum OpenPGP-Signaturblock hinzu. Denken
Sie daran, dass Sie jeglichen Kommentar zur OpenPGP-Signatur hinzufügen
können, indem Sie GnuPG mit dem Parameter --comment Ihr Kommentar
aufrufen (später werden wir Ihnen zeigen, wie Sie der ausführbaren Datei von
GnuPG zusätzliche Parameter übergeben).
Beim Signieren werden Zeilen, die mit einem Bindestrich (-) beginnen, durch
zwei Bindestriche, die durch ein Leerzeichen getrennt sind (- -), wie es der
OpenPGP-Standards vorgibt. Dies lässt zwei Bindestriche hintereinander (--)
jedoch nicht mehr wie ein Trennzeichen zwischen dem Nachrichtenkörper und
der persönlichen Signatur - meistens angezeigt in grau - erscheinen. Wenn die
Option '--' als Unterschriften-Trenner behandeln aktiviert ist, stellt Enigmail beim
Lesen und Verfassen von Nachrichten den Unterschriften-Trenner dennoch
korrekt dar.
Die Option Zur Passphrasen-Verwaltung die GPG-Agent-Anwendung
verwenden wählt den GPG-Agenten zur Speicherung der Passphrase; dieses
Werkzeug ist besonders nützlich, wenn Sie mehrere verschiedene Passphrasen
82
benutzen. Aktivieren Sie diese Option nicht, wenn Sie möchten, dass Enigmail
Ihre Passphrase abfragt.
GnuPG Version 2.0.x wird mit dem GPG-Agenten verteilt. Das Aktivieren dieser
Option lässt Enigmail den GPG-Agenten auch für GnuPGP Version 1.4.x
verwenden (dies erfordert die Installation von GPG-Agent und Pinentry-Tools).
Beachten Sie, dass einige Linux-Distributionen Seahorse anstelle des GPGAgenten installieren, was zu Problemen bei der Verwendung von OpenPGPSmartCards führen kann. Wenn Sie eine SmartCard für Ihren Schlüssel
verwenden, dann verwenden Sie entweder den GPG-Agenten und aktivieren
diese Option, oder aber Sie stellen sie ab und stellen Sie sicher, dass die
Umgebungsvariable GPG_AGENT_INFO vor dem Start von Enigmail nicht
definiert ist (da GnuPG erwartet, dass der GPG-Agent auch läuft, wenn er
bemerkt, dass die Variable gesetzt ist). Mehr dazu finden Sie im FAQ-Eintrag
11.1.8
Die Zeichen '<' und '>' verwenden, um E-Mail-Adressen zu kennzeichnen.
Gewöhnlich sind E-Mail-Adressen von spitzen Klammern (< >) umgeben, um
den vollständigen Namen von der E-Mail-Adresse zu trennen, z.B. John
Random Hacker <[email protected]>. Das Deaktivieren dieser
Option führt dazu, dass die Klammern von den E-Mail-Adressen entfernt
werden. Dies ist notwendig, um die Kompatibilität mit einigen Providern, wie
z.B. Hushmail, sicherzustellen, die keine Klammern in E-Mail-Adressen
unterstützen.
Hushmail ist ein Provider für OpenPGP-Verschlüsselung über das Web,
dennoch sind Schlüssel, die mit Hushmail generiert wurden, nicht völlig
kompatibel mit OpenPGP.
Diese Option sollte beim Verschlüsseln normalerweise angestellt sein, da sich
Enigmail darauf stützt, um mögliche Unklarheiten und daraus folgende
Sicherheitsprobleme zu vermeiden. Bei Hushmail-Schlüsseln sollte sie jedoch,
wie bereits erwähnt, angestellt sein.
S/MIME Buttons/Menüs ausblenden blendet den S/MIME-Button in der Toolbar
des Mailclients aus. Diese Option existiert jedoch nur in SeaMonkey 1.1, da
Thunderbird und SeaMonkey 2.0 und höher dem Benutzer sowieso
ermöglichen, die komplette Toolbar zu anzupassen. Diese Option - falls
vorhanden - ist standardmäßig aktiviert, um zu verhindern, dass Benutzer
verwirrt werden.
Anhänge nur herunterladen, wenn diese geöffnet werden sollen (nur bei IMAP)
aktiviert ein IMAP-Feature, welches Thunderbird / SeaMonkey dazu veranlasst,
nur die ersten 35-40 Kb einer Nachricht herunterzuladen, Anhänge werden nur
bei Bedarf heruntergeladen. Ist jedoch eine verschlüsselte Nachricht größer,
kann es vorkommen, dass die Nachricht nur teilweise heruntergeladen wird,
das Ende fehlt und Enigmail daher nicht dazu in der Lage ist, sie zu
entschlüsseln.
83
Wenn Sie einen IMAP-Account benutzen und bemerken, dass
Thunderbird / SeaMonkey einige E-Mails als kaputt anzeigt oder Fehler beim
Entschlüsseln melden, deaktivieren Sie diese Option. Der Mailclient wird dann
die komplette Nachricht auf einmal herunterladen. Alternativ können Sie auf das
Icon mit dem zerbrochenen Schloss klicken, um die Nachricht komplett
herunterzuladen.
Dieses Problem taucht meistens bei Thunderbird 2 auf. Bei Thunderbird 3 sollte
Ihnen dieses Problem jedoch nicht mehr begegnen, da hier standardmäßig die
komplette Nachricht heruntergeladen wird.
Das Textfeld Zusätzliche Parameter für GnuPG erlaubt, der ausführbaren
GnuPG-Datei beim Aufruf durch Enigmail zusätzliche Parameter zu übergeben.
Die Abbildung auf Seite 82 zeigt zum Beispiel die Übergabe des zusätzlichen
Parameters --homedir X:\gnupg an GnuPG; dies fordert GnuPG auf, nach
den Schlüsselbunden im Verzeichnis X:\gnupg anstelle des
Standardverzeichnisses zu suchen.
Enigmail kann sich bei manchen Dialogen Ihre Auswahl für alle späteren
gleichartigen Abfragen zu merken (zum Beispiel wie Enigmail Anhänge
unterschreiben/verschlüsseln soll). Der Dialog erscheint dann nicht mehr.
Ein Klick auf den Button Warnungen zurücksetzen setzt alle diese Parameter
zurück, lässt das Dialogfenster beim nächsten Mal wieder erscheinen und Sie
werden erneut aufgefordert, eine Auswahl zu treffen.
84
9.1.5. Schlüssel-Server
Diese Optionen betreffen die die Schlüssel-Server, die zur Suche von
öffentlichen Schlüssel verwendet werden.
Das Textfeld Schlüssel-Server ermöglicht Ihnen, eine Liste von OpenPGPSchlüssel-Servern anzugeben. Die hier angegebenen Schlüssel-Server werden
Ihnen angeboten, wenn Sie das nächste Mal auf der Suche nach einem
öffentlichen Schlüssel auf einem Schlüssel-Server sind.
Sie können dem Namen eines Schlüssel-Servers ein Protokoll voranstellen,
z.B.
hkp://keyserver.example.com oder ldap://certserver.pgp.com.
Wenn Sie möchten, können Sie auch den Namen eines Schlüssel-Servers in
das Feld Schlüssel zur Signatur-Überprüfung automatisch von folgendem
Server herunterladen eingeben. Enigmail wird dann automatisch versuchen,
jeden öffentlichen Schlüssel, der zur Signatur-Überprüfung benötigt wird, von
diesem speziellen Schlüssel-Server herunterzuladen. Wenn Sie diese Option
nutzen, geben Sie nur einen Namen an.
85
9.1.6. Fehlersuche
Diese Optionen können dabei helfen , herauszufinden, warum Enigmail nicht
wie erwartet funktioniert.
In das Feld Ordner für Log-Dateien können Sie den Namen eines gültigen
Verzeichnis-Pfades eingeben, z.B. C:\Windows\temp (Windows) oder
/data/tmp (Linux). Wenn Sie einmal einen Wert in das Feld eingegeben
haben, ist das Debugging aktiviert und Log-Dateien werden in dem
angegebenen Verzeichnis gespeichert.
Schließen Sie das Fenster mit den Einstellungen und starten den Mailclient
neu. Nach dem Neustart erstellt Enigmail eine Datei namens enigdbug.txt mit
dem Trace-Log im angegebenen Verzeichnis. Sie finden diese Datei über den
Menübefehl OpenPGP → Fehlersuche → Log-Datei anzeigen.
Um den Wert für das Log-Verzeichnis zu ändern, erfordert Thunderbird /
SeaMonkey einen Neustart.
Das Feld Testadresse ermöglicht Ihnen, eine E-Mail-Adresse zu überprüfen, die
eine Benutzer-ID eines Schlüssels in Ihrem Schlüsselbund enthält. Geben Sie
die E-Mail-Adresse in das Feld ein und klicken auf den Test-Button. Enigmail
führt daraufhin einige Tests aus und informiert Sie über das Ergebnis. Sie
können die Details dieser Test in der Enigmail-Konsole prüfen, welche unter
dem Menübefehl OpenPGP → Fehlersuche → Konsole anzeigen verfügbar ist.
86
9.2. Die Einstellungen manuell bearbeiten
Die Einstellungen manuell zu bearbeiten, ist ausdrücklich nur den erfahrenen
Benutzern empfohlen. Die Enigmail-Einstellungen sind zusammen mit den
allgemeinen Mozilla-Einstellungen in den Dateien user.js und prefs.js in
ihrem Profil-Verzeichnis hinterlegt. Mozilla liest zunächst die Einstellungen in
user.js, falls diese Datei existiert, und kopiert sie in prefs.js. Sie können
die Datei user.js erstellen, um Ihre angepassten Einstellungen, von denen
Sie nicht möchten, dass sie jemals wieder geändert werden, zu behalten; diese
Datei wird im Gegensatz zu prefs.js nicht von Mozilla geändert.
Unter SeaMonkey sind die Einstellungen durch Öffnen der URL
about:config verfügbar, unter Thunderbird sind sie unter Bearbeiten →
Einstellungen → Erweitert → Allgemein → Konfiguration bearbeiten verfügbar.
Von hier aus können sie die Werte für die Einstellungen ändern, was dann in
folgendem Format in prefs.js geschrieben wird:
user_pref("preference_name",value);
Dieser Abschnitt liefert in alphabetischer Reihenfolge eine Referenz auf
verschiedene Enigmail-Einstellungen. Zuerst wird der Name der Einstellung und
der Standardwert aufgelistet; dann folgt die Bedeutung sowie der
entsprechende Menübefehl, falls die Einstellung auch von der GUI aus gesetzt
werden kann.
Sie können die Standardeinstellungen in der Datei enigmail.js nachlesen.
extensions.enigmail.addHeaders
true
Fügt allen ausgehenden Nachrichten benutzerdefinierte X-Enigmail-Mailheader
hinzu. Diese Kopfzeilen werden zur Zeit für keine Funktion benutzt, könnten
aber zukünftig von Enigmail verwendet werden.
Die derzeit zugefügten Header sind:
X-Enigmail-Version: 0.96.0.0 (oder andere)
X-Enigmail-Supports: pgp-inline, pgp-mime
extensions.enigmail.advancedUser
false
Zeigt die erweiterten Einstellungen an.
OpenPGP → Einstellungen → Experten-Optionen anzeigen / ExpertenOptionen ausblenden
extensions.enigmail.agentAdditionalParam
""
87
Zusätzliche Parameter, die zur ausführbaren GnuPG-Datei weitergereicht
wurden. Der Standardwert ist leer.
OpenPGP → Einstellungen → Erweitert → Zusätzliche Parameter für GnuPG
extensions.enigmail.agentPath
""
Der Pfad zur ausführbaren GnuPG-Datei. Ist sie bereits in der
Umgebungsvariable PATH, kann diese Einstellung leer gelassen werden.
OpenPGP → Einstellungen → Dateien und Verzeichnisse
extensions.enigmail.allowEmptySubject
false
Ermöglicht dem Nutzer, eine E-Mail ohne Betreff zu schreiben.
OpenPGP → Einstellungen → Senden → Leere Betreffzeile erlauben
extensions.enigmail.alwaysTrustSend
true
Den Schlüsseln anderer Leute wird beim Senden immer vertraut.
Standardmäßig ist diese Einstellung an.
OpenPGP → Einstellungen → Senden → Schlüsseln immer vertrauen
extensions.enigmail.autoCrypto
false
Für zukünftige Verwendung vorbehalten; ändern Sie diese Einstellung nicht.
extensions.enigmail.autoDecrypt
true
Empfangene Nachrichten automatisch entschlüsseln/überprüfen.
OpenPGP → Automatisch entschlüsseln/überprüfen
extensions.enigmail.autoKeyRetrieve
""
Schlüssel-Server, von dem aus öffentliche Schlüssel automatisch
heruntergeladen werden. Standardmäßig ist kein Schlüssel-Server angegeben.
OpenPGP → Einstellungen → Schlüssel-Server → Schlüssel zur SignaturÜberprüfung automatisch von folgendem Server herunterladen
extensions.enigmail.composeHtmlAlertCount
3
Gibt an, wie oft eine Warnmeldung erscheint, wenn eine Nachricht in HTML
verfasst und versucht wird, eine solche Nachricht signiert unter Verwendung
von Inline-PGP zu senden.
88
extensions.enigmail.configuredVersion
""
Die letzte konfigurierte Enigmail-Version. Diese Einstellung sollte nicht
verändert werden.
extensions.enigmail.confirmBeforeSend
false
Öffnet das Bestätigungsfenster, bevor eine Nachricht gesendet wird.
OpenPGP → Einstellung → Senden → Senden immer bestätigen
extensions.enigmail.disableSMIMEui
false
Deaktiviert den S/MIME-Button (nur für SeaMonkey).
OpenPGP → Einstellungen → Erweitert → S/MIME Buttons/Menüs ausblenden
extensions.enigmail.displayPartiallySigned
true
Verarbeitet die Anzeige der OpenPGP-Statusleiste, wenn nur ein Teil der
Nachricht signiert ist (dies kann z.B. dann auftreten, wenn eine Person in einer
Antwort auf eine signierte Nachricht etwas zitiert). Ein Beispiel einer teilweise
signierten Nachricht ist in der Abbildung auf Seite 65 zu finden.
Ist die Einstellung auf false gesetzt, werden PGP-Header, die innerhalb des
Nachrichtenkörpers erscheinen, ignoriert und wortwörtlich angezeigt.
Dies gilt nicht für die PGP-Header am Anfang und Ende des
Nachrichtenkörpers, welche dort angezeigt werden, wenn die Nachricht
normalerweise komplett signiert ist; in diesem Fall erscheint die OpenPGPStatusleiste.
Ist die Einstellung auf true gestellt (Standardwert), entfernt Enigmail sogar das
vorangestellte Zitierzeichen ( > ) vom signierten Text, welcher im Rest des
Textkörpers eingebettet ist, falls die Nachricht selbst als Ganzes nicht signiert
ist. Dies funktioniert nur, wenn das eingebettete Zitat nicht verändert worden ist.
extensions.enigmail.displaySecondaryUid
true
Zwingt Enigmail, Ihren Schlüsselbund nach untergeordneten IDs zu
durchsuchen, um die Adresse des Senders einer empfangenen Nachricht
zuzuordnen, und anstelle der standardmäßigen Schlüssel-ID anzuzeigen.
extensions.enigmail.displaySignWarn
true
Warnt Sie, wenn der Signier-Status durch Klicken auf das Unterschreiben-Icon
in der rechten unteren Ecke des Verfassen-Fensters verändert wird.
89
extensions.enigmail.doubleDashSeparator
true
Behandelt zwei Bindestriche hintereinander (--) als Unterschriften-Trenner.
OpenPGP → Einstellungen → Erweitert → '--' als Unterschriften-Trenner
behandeln
extensions.enigmail.encryptAttachments
1
Diese Einstellung speichert der Wert der letzten Verschlüsselungsmethode, die
beim Senden von Nachrichten mit Anhang verwendet wurde.
extensions.enigmail.encryptAttachmentsSkipDlg
0
Bestimmt, ob das Dialogfenster angezeigt wird, in dem der Benutzer gefragt
wird, wie Anhänge verschlüsselt/unterschreiben werden sollen.
extensions.enigmail.encryptToNews
false
Ist die Einstellung auf false gesetzt (Standardwert), ist es dem Benutzer nicht
erlaubt, verschlüsselte Nachrichten an eine Newsgroup zu senden.
extensions.enigmail.encryptToSelf
true
Ausgehende Nachrichten werden automatisch mit Ihrem öffentlichen Schlüssel
verschlüsselt.
OpenPGP → Einstellungen → Senden → Zusätzlich mit eigenem Schlüssel
verschlüsseln
extensions.enigmail.gpgVersionWarnCount
1
Warnt Sie, wenn die installierte Version von GnuPG kleiner als v1.0.6 ist, da es
sich hierbei um die Mindestversion handelt, mit der Enigmail arbeiten kann.
extensions.enigmail.handleDoubleClick
true
Normalerweise gehen Sie zum Entschlüsseln und Öffnen von Anhängen mit
einem Rechtsklick auf den Anhang, und wählen dann Entschlüsseln und Öffnen
aus dem Pop-up-Menü. Diese Option jedoch aktiviert das automatische
Entschlüsseln und Öffnen, mittels Doppelklick.
extensions.enigmail.hushMailSupport
false
Aktiviert den Support für Hushmail.
OpenPGP → Einstellungen → Erweitert → Die Zeichen '<' und '>' verwenden,
90
um E-Mail-Adressen zu kennzeichnen
extensions.enigmail.initAlert
true
Meldet eine Warnung, wenn Enigmail nicht initialisiert werden kann.
extensions.enigmail.inlineAttachAsciiArmor
false
Verschlüsselt Anhänge im ASCII-Format (GnuPG-Parameter -a), wenn eine
verschlüsselte Nachricht unter Verwendung von Inline-PGP gesendet wird.
extensions.enigmail.inlineAttachExt
".pgp"
Legt fest wie der Dateiname ergänzt wird, wenn Anhänge für verschlüsselte
Nachrichten mit Inline-PGP erstellt werden. Standardwert ist .pgp (d.h. eine
Datei dateiname.ext wird in dateiname.ext.pgp umbenannt, wenn sie
verschlüsselt wird).
extensions.enigmail.inlineSigAttachExt
".sig"
Legt fest wie der Dateiname ergänzt wird, wenn Signaturen für Anhänge im
Inline-PGP-Format erstellt werden. Standardmäßig ist dies .sig (d.h. für eine
Datei dateiname.ext wird eine zusätzlichen Datei namens
dateiname.ext.sig, erzeugt, welche die Signatur dafür enthält).
extensions.enigmail.keepSettingsForReply
true
Aktiviert die Verschlüsselung bei Antworten auf verschlüsselte Nachrichten.
OpenPGP → Einstellungen → Erweitert → Verschlüsseln beim Antworten auf
verschlüsselte Nachrichten
extensions.enigmail.keyManShowAllKeys
false
Ist die Einstellung auf false gesetzt (Standardwert), zeigt das Fenster zur
Schlüsselverwaltung nur diejenigen Schlüssel an, die zu dem eingegebenen
Suchbegriff im Feld Suchen nach passen. Ist die Einstellung auf true gesetzt,
werden alle Schlüssel angezeigt.
OpenPGP → Schlüssel verwalten → Standardmäßig alle Schlüssel anzeigen
extensions.enigmail.keyserver
"pool.sks-keyservers.net,
subkeys.pgp.net,
pgp.mit.edu,
ldap://certserver.pgp.com"
91
Die Liste der zu verwendenden Schlüssel-Server.
OpenPGP → Einstellungen → Schlüssel-Server → Schlüssel-Server
extensions.enigmail.logDirectory
""
Legt das Log-Verzeichnis fest. Falls definiert, wird zudem das Debugging
aktiviert. Standardwert ist leer (nicht gesetzt).
OpenPGP → Einstellungen → Fehlersuche → Ordner für Log-Dateien
extensions.enigmail.maxIdleMinutes
5
Speichert die Passphrase für die festgelegte Zeit im Zwischenspeicher.
Standardwert ist auf 5 Minuten gesetzt.
OpenPGP → Einstellungen → Passphrase für [ ] Minuten zwischenspeichern
extensions.enigmail.mimeHashAlgorithm
0
Der zu verwendende GnuPG-Hashalgorithmus. Verfügbare Werte sind:
0 – automatische Auswahl, GnuPG wählt aus (Standard)
1 – SHA1
2 – RIPEMD160
3 – SHA256
4 – SHA384
5 – SHA512
extensions.enigmail.noPassphrase
false
Legt fest, dass Enigmail niemals nach der Passphrase fragt.
OpenPGP → Einstellungen → Allgemein → Nie nach einer Passphrase fragen
extensions.enigmail.parseAllHeaders
true
Legt fest, dass Enigmail alle MIME-Header in der Nachricht analysiert. Dieser
Wert ist lediglich für Testzwecke gedacht, und muss daher aktiviert bleiben.
extensions.enigmail.quotedPrintableWarn
0
Gibt eine Warnung aus, wenn Enigmail entdeckt, dass eine zu sendende
Nachricht 8-Bit-Zeichen enthält und die Quoted-Printable-Kodierung verwenden
wird. Standardmäßig ausgestellt. Diese Einstellung erinnert den gewählten
Status.
extensions.enigmail.recipientsSelection
92
2
Legt fest, wie Enigmail die Schlüssel für unbekannte Empfänger von
verschlüsselten Nachrichten auswertet. Verfügbare Werte sind:
1 – Durch Empfängerregeln
2 – Durch Empfängerregeln oder E-Mail-Adressen (Standardwert)
3 – Durch E-Mail-Adressen
4 – Manuell
5 – Keine manuelle Auswahl der Schlüssel
OpenPGP → Einstellungen → Schlüsselauswahl
extensions.enigmail.respectHttpProxy
true
Verwendet zur Abfrage der Schlüssel von Schlüssel-Servern die gleichen
HTTP-Proxy-Einstellungen, wie sie in Thunderbird / SeaMonkey definiert sind.
extensions.enigmail.saveEncrypted
0
Wenn eine Nachricht verfasst wird, die verschlüsselt versendet und als Entwurf
gespeichert werden soll, fragt Enigmail, ob auch der Entwurf verschlüsselt
werden soll. Standardmäßig ist diese Einstellung aktiviert und speichert den
gewählten Status.
extensions.enigmail.supportMultiPass
false
Unterstützt mehrere Passphrasen für dasselbe Schlüsselpaar. Vorbehalten für
zukünftige Verwendung; diese Einstellung sollte nicht verändert werden.
extensions.enigmail.useDefaultComment
false
Ist diese Einstellung auf false gesetzt (Standardwert), wird der OpenPGPSignatur ein Enigmail-Kommentar hinzugefügt.
OpenPGP → Einstellungen → Erweitert → Enigmail-Information zur OpenPGPSignatur hinzufügen
extensions.enigmail.useGpgAgent
false
Verwendung des GPG-Agenten zur Verarbeitung der Passphrase.
OpenPGP → Einstellungen → Erweitert → Zur Passphrasen-Verwaltung die
GPG-Agent-Anwendung verwenden
extensions.enigmail.useGpgKeysTool
true
Aktiviert, dass Enigmail die Tools gpgkeys_hkp, gpgkeys_ldap, und
gpgkeys_http verwendet, um Schlüssel von Schlüssel-Servern abzufragen,
93
ohne GPG selbst zu verwenden.
extensions.enigmail.warnClearPassphrase
true
Lässt Enigmail ein Bestätigungsfenster öffnen, das Sie darüber informiert, dass
die Passphrase gelöscht worden ist.
extensions.enigmail.warnGpgAgentAndIdleTime
true
Warnt Sie, wenn ein GPG-Agent gefunden wurde und die Einstellung
Passphrase für [ ] Minuten zwischenspeichern aktiviert ist.
extensions.enigmail.warnIso2022jp
true
Zeigt eine Warnung an, wenn der fehlerhafte Zeichensatz ISO-2022-JP
verwendet wird. Diese Einstellung speichert den gewählten Status.
extensions.enigmail.warnOnRulesConflict
0
Gibt eine Warnung aus, wenn eine Nachricht an mehrere Adressen mit
widersprüchlichen Empfängerregeln gesendet wird. Standardmäßig ist diese
Einstellung deaktiviert und speichert den gewählten Status.
extensions.enigmail.warnOnSendingNewsgroups
true
Gibt eine Warnung aus, wenn versucht wird, eine verschlüsselte Nachricht an
eine Newsgroup zu senden.
extensions.enigmail.warnRefreshAll
true
Zeigt eine Warnung an, wenn alle Schlüssel aktualisiert werden.
extensions.enigmail.wrapHtmlBeforeSend
true
Bricht HTML-Text in signierten Nachrichten vor dem Senden um.
Standardmäßig ist diese Einstellung aktiviert.
OpenPGP → Einstellungen → Senden → Unterschriebenen HTML-Text vor
dem Senden umbrechen
mail.identity.default.enablePgp
mail.identity.default.pgpkeyId
mail.identity.default.pgpKeyMode
mail.identity.default.pgpSignPlain
mail.identity.default.pgpSignEncrypted
mail.identity.default.defaultEncryptionPolicy
94
false
""
0
false
false
0
mail.identity.default.openPgpHeaderMode
mail.identity.default.openPgpUrlName
mail.identity.default.pgpMimeMode
mail.identity.default.attachPgpKey
0
""
false
false
Einstellungen zur Per-Identity-Konfiguration.
95
10. Fehlerbehebung
Dieses Kapitel enthält zahlreiche Tipps, um mögliche Probleme, die während
der Installation oder Verwendung von Enigmail auftauchen, zu beheben.
10.1.1. Thunderbird / SeaMonkey zeigen eine rote
Fehlermeldung am unteren Ende des Mailfensters.
Nach der Installation von Enigmail können Thunderbird / SeaMonkey Fehler wie
diese am unteren Ende des Mail-Fensters anzeigen:
<menu id="menu_Enigmail"
----^
Dieses Problem tritt gewöhnlich unter der Verwendung übersetzter Versionen
von Thunderbird / SeaMonkey oder eines Übersetzungspaketes auf. In diesem
Fall benötigen Sie auch eine übersetzte Version von Enigmail, zudem muss das
Sprachpaket zur Enigmail-Version passen. Es sind zahlreiche Sprachen unter
der Sprachpaket-Seite auf der Enigmail-Webseite verfügbar.
Sollte Ihre Sprache nicht verfügbar sein, könnten Sie Enigmail selbst
übersetzen. Eine Anleitung hierfür ist auf derselben Seite zu finden.
10.1.2. Enigmail kann nicht in SeaMonkey installiert
werden.
Sollten Sie es nicht schaffen, SeaMonkey zu installieren, versuchen Sie es mit
diesen Tipps:
•
Zur Zeit können nur Benutzer mit Schreibrechten auf das Verzeichnis, in
dem SeaMonkey installiert ist, zusätzliche Komponenten wie Enigmail
installieren. Auf einem Multi-User Unix-System, auf dem SeaMonkey in
/usr installiert ist, kann lediglich der Root User (der
Systemadministrator) Enigmail installieren. Auf Linux Systemen können
Sie die RPMs von der Download-Seite ausprobieren.
•
Wenn Sie nicht dazu in der Lage sind, die RPM/dpkg-Methode zu
benutzen, müssen Sie SeaMonkey als Root ausführen und Enigmail
ebenfalls als Root mittels XPI-Datei installieren. Danach sollten Sie den
Browser als Root neu starten, damit Enigmail initialisiert und die
Component Registry von SeaMonkey aktualisiert wird.
•
Natürlich können Sie immer eine Kopie von SeaMonkey in Ihrem
eigenen (nicht-root) Unterverzeichnis anlegen und dann Enigmail
installieren.
96
•
Die Installation erfordert Zugriff auf ein temporäres Verzeichnis. Ist
dieses voll, könnte die Installation fehlschlagen.
•
Wird auf dem Bildschirm eine Meldung angezeigt, dass die Installation
fehlgeschlagen ist, versuchen Sie die Log-Datei der Installation zu
finden, welche den Dateinamen install.log hat und in demselben
Verzeichnis zu finden sein sollte wie die ausführbare SeaMonkey-Datei.
(Wenn Sie ein Mozilla-Tarball installiert haben, würde dies entsprechend
das mozilla-Verzeichnis sein.) In den letzten paar Einträge in der LogDatei sollten einige Informationen darüber stehen, warum die Installation
fehlgeschlagen ist.
10.1.3. Enigmail kann nicht in Firefox installiert werden.
Enigmail ist eine Erweiterung für die E-Mail-Clients Thunderbird und
SeaMonkey. Es ist nicht für Firefox ausgelegt und kann daher auch nicht dort
installiert werden.
Wenn Sie Firefox zum Herunterladen von Enigmail verwenden, gehen Sie mit
einem Rechtsklick auf den Download-Link, wählen dann Speichern unter... und
speichern die XPI-Datei auf Ihrem Computer. Öffnen Sie dann Thunderbird,
gehen auf Extras → Add-ons → Erweiterungen, klicken auf den InstallierenButton und wählen die Enigmail XPI-Datei. Danach starten Sie Thunderbird
neu.
Wenn Sie auf der Suche nach einer GnuPG-Erweiterung für Firefox sind,
beispielsweise um Nachrichten bei der Benutzung von Webmail zu
verschlüsseln/entschlüsseln/signieren, werfen Sie einen Blick auf die FireGPGErweiterung unter an http://getfiregpg.org.
10.1.4. Der Add-on-Manager zeigt die Meldung „Dieses Item
wird installiert, nachdem Sie Thunderbird neu starten“
an. Oder es ist kein Enigmail User Interface sichtbar.
Der Add-on-Manager überprüft, ob eine Erweiterung mit Ihrer ThunderbirdVersion lauffähig ist. Wenn Sie Thunderbird aktualisiert haben und versuchen,
eine ältere Version von Enigmail zu installieren, kann es vorkommen, dass
Enigmail für die neue Version noch nicht auf Kompatibilität überprüft worden ist.
Daher müssen Sie Enigmail entfernen oder eine Version verwenden, die für die
von ihnen benutzte Thunderbird-Version für kompatibel erklärt wurde. Der Addons-Manager entfernt Erweiterungen derzeit noch nicht in korrekter Weise. Um
Enigmail zu entfernen, müssen Sie deshalb Thunderbird zunächst schließen
und die Verzeichnisse Chrome und Extensions aus Ihrem Profil löschen.
Dieses Problem kann auch bei SeaMonkey auftreten.
97
10.1.5. Ich habe Enigmail auf Thunderbird aktualisiert, und
nun meldet es mir andauernd: „Eine vorherige
Installation wurde nicht korrekt beendet. Beenden Sie
die Installation.“
Folgen Sie diesen Schritten:
Gehen Sie zu Ihrem Thunderbird Installationsverzeichnis und löschen die Datei
xpicleanup.dat.
Starten Sie Thunderbird, gehen auf Extras→ Add-ons → Erweiterungen, wählen
die Enigmail-Erweiterung und klicken auf Deaktivieren. Starten Sie Thunderbird
neu.
Installieren Sie die neue Version von Enigmail, aktivieren dann Enigmail erneut
im Add-ons-Manager.
Starten Sie Thunderbird neu und das Problem sollte behoben sein.
10.1.6. Ich kann nicht sagen, ob Enigmail funktioniert oder
nicht.
Haben Sie die Installation erfolgreich beendet, starten Sie Thunderbird /
SeaMonkey neu. Schauen Sie dann in das Mail/News-Fenster, welches den
Punkt OpenPGP in der Menüleiste haben sollte. Wenn Sie nun auf OpenPGP
→ Über OpenPGP gehen, werden Ihnen Details zur Enigmail- Version sowie
zur ausführbaren GnuPG-Datei angezeigt.
Denken Sie daran, dass Enigmail bisher nur mit Milestone Releases von
Thunderbird und SeaMonkey getestet worden ist. Wenn Sie mit einem Nightly
Build, oder von Ihnen selbst erstellten Version arbeiten, kann es vorkommen,
dass Enigmail nicht funktioniert oder gar abstürzt.
10.1.7. Ich habe eine neue Erweiterung installiert und nun
funktioniert Enigmail nicht mehr.
Manch eine Erweiterung verursacht Konflikte mit Enigmail, was dazu führt, dass
ausgehende E-Mails nicht erfolgreich signiert/verschlüsselt und eingehende
Nachrichten nicht erfolgreich überprüft/entschlüsselt werden. Sehen Sie im
FAQ-Eintrag 11.1.2 nach, welche Erweiterungen mit Enigmail kompatibel sind
und welche nicht unterstützt werden.
10.1.8. Enigmail Icons in der Toolbar sind falsch
ausgerichtet.
Wenn Sie SeaMonkey verwenden und Ihre Toolbar folgendermaßen aussieht:
98
dann versuchen Sie, Ihr Theme zweimal zu verändern. Wenn Sie das Modern
Theme wie in der Abbildung verwenden, wechseln Sie zum Classic Theme und
schließen SeaMonkey. Starten Sie neu, wechseln zurück zum Modern Theme,
schließen und starten SeaMonkey erneut.
Wenn Sie Thunderbird benutzen, dann enthält Ihr Theme möglicherweise nicht
die notwendigen Icons für Enigmail. Bitte informieren Sie den Urheber des
Themse über dieses Problem.
10.1.9. Enigmail kann nicht auf den Schlüssel-Server
zugreifen.
Schlüssel-Server verwenden das Horowitz Keyserver Protocol (HKP), um
Schlüssel über TCP Port 11371 auszutauschen. Wenn Sie eine Firewall aktiviert
haben, müssen Sie sicherstellen, dass dieser Port für ausgehende
Verbindungen geöffnet ist. Alternativ erlauben viele Schlüssel-Server auch
Zugriff auf HTTP (TCP Port 80), welcher normalerweise geöffnet ist.
Wenn Sie HTTP Proxy hinter einer Firewall verwenden, müssen Sie die
folgende Zeile zu Ihrer gpg.conf Datei hinzufügen:
keyserver-options http-proxy=proxy_host_name
10.1.10. Meine eigenen Signaturen sind ungültig. Enigmail
ersetzt “>” mit “|” und Leerzeichen mit “~” in zitierten
Nachrichten.
Hierbei handelt es sich nicht um einen Fehler, sondern vielmehr um eine
Umgehung, die Enigmail verwendet, um mit dem text=flowed Format (RFC
2646) umzugehen, welches häufig Probleme mit OpenPGP-Signaturen
verursacht.
Verwenden Sie dieses Format bitte nicht in Ihrem Mailclient; setzen Sie die
Option mailnews.send_plaintext_flowed bitte auf false. In Thunderbird ist diese
Option unter Bearbeiten → Einstellungen → Erweitert → Allgemein →
Konfiguration bearbeiten zu finden. In SeaMonkey finden Sie diese Option,
wenn Sie die URL about:config öffnen.
99
10.1.11. Ich verwende einen nicht-englischen Zeichensatz
und meine eigenen Signaturen sind ungültig.
Beim Senden von unterschriebenen E-Mails, die Zeichen aus einem nichtenglischen Zeichensatz enthalten (z.B. å oder ð), kann es vorkommen, dass die
Signatur für ungültig erklärt wird.
Um dieses Problem zu beheben, stellen Sie sicher, dass bei der Option Bei
Nachrichten mit 8-bit-Zeichen “quoted-printable” als MIME-Kodierung
verwenden in Ihrem E-Mail-Client kein Häkchen gesetzt ist.
In SeaMonkey ist diese Option unter Bearbeiten → Einstellungen → E-Mail &
Newsgroups → Verfassen zu finden. In Thunderbird finden Sie die Option unter
Bearbeiten → Einstellungen → Verfassen → Allgemein.
10.1.12. Enigmail zeigt einige E-Mails fehlerhaft an.
Dieses Problem tritt häufig dann auf, wenn ein IMAP-Mailserver verwendet wird
und ist darauf zurückzuführen, dass Thunderbird / SeaMonkey die Nachricht
nicht als Ganzes herunterlädt. Um dieses Problem zu beheben, gehen Sie auf
OpenPGP → Einstellungen → Erweitert und deaktivieren die Option Anhänge
nur herunterladen, wenn diese geöffnet werden sollen (nur bei IMAP). Sehen
Sie sich dazu auch die Erklärung dieser Option in Kapitel 9.1.4 an.
10.1.13. Ich bekomme die Fehlermeldung
„Enigmail/Enigmime/IPC konnte nicht initialisiert
werden“.
Enigmail funktioniert nur, wenn zur Erstellung die dieselbe Umgebung, in der
auch Thunderbird und SeaMonkey erstellt wurden, verwendet wurden. Das
bedeutet, dass Sie die offiziellen Veröffentlichungen von Enigmail nur
verwenden können, wenn Sie auch die von mozilla.org angebotenen offiziellen
Veröffentlichungen von Thunderbird oder SeaMonkey verwenden.
Wenn Sie eine Thunderbird- oder SeaMonkey-Version verwenden, die aus einer
anderen Quelle stammt (z.B. vom Anbieter Ihrer Linux-Distribution), oder wenn
Sie Thunderbird oder SeaMonkey selbst erstellt haben, sollten Sie also
entweder eine Enigmail-Version, die aus derselben Quelle oder von Ihnen
selbst stammt, benutzen. Um Enigmail mithilfe von Quellcode zu erstellen,
besuchen Sie https://www.enigmail.net/download/source.php. Bitte
öffnen Sie keinen neuen Fehlerreport bezüglich dieses Problems: Es ist nicht
lösbar.
10.1.14. Ich kann verschlüsselte Nachrichten, die an mich
gesendet wurden, nicht lesen! Ich bekomme eine
Fehlermeldung “Geheimer Schlüssel wird zur
Entschlüsselung benötigt”.
Falls Sie nicht versehentlich Ihr Schlüsselpaar gelöscht haben (wofür es keine
Abhilfe gibt, außer Sie haben zuvor ein Backup gemacht – siehe unten), wurde
100
die Nachricht, die Sie empfangen haben, nicht mit Ihrem öffentlichen Schlüssel
verschlüsselt. Der Sender hat die Nachricht aller Voraussicht nach mit seinem
eigenen öffentlichen Schlüssel, anstatt mit Ihrem, verschlüsselt.
Vergewissern Sie sich, dass der Sender über Ihren öffentlichen Schlüssel
verfügt und sagen ihm, dass er die Nachricht mit diesem verschlüsseln soll.
10.1.15. Ich habe meine Passphrase / mein Schlüsselpaar /
meinen privaten Schlüssel verloren
Ein Hinweis: Ihr privater Schlüssel ist immer mit Ihrem öffentlichen Schlüssel in
Ihrem Schlüsselpaar gebündelt. Deshalb bedeutet der Verlust des privaten
Schlüssels exakt dasselbe wie der Verlust des Schlüsselpaares.
Es gibt keinen Weg, Ihre Passphrase wiederherzustellen: Ihre einzige Hoffnung
ist, sich zu erinnern, wie sie war. Führt dies nicht zum Erfolg, verlieren Sie den
Gebrauch Ihres privaten Schlüssels, weshalb Ihr komplettes Schlüsselpaar
nutzlos ist.
Ebenso besteht auch nicht die Möglichkeit, Ihren privaten Schlüssel
wiederherzustellen. Aus Ihrem öffentlichen Schlüssel oder aus einer Nachricht,
die mit diesem privaten Schlüssel signiert/verschlüsselt wurde, kann er nicht
gewonnen werden. Er kann nur wiederhergestellt werden, wenn Sie in der
Vergangenheit ein Backup gemacht haben.
Der Verlust der Passphrase sowie des Schlüssels ist somit endgültig. Wenn Sie
ein Widerrufszertifikat erstellt haben (und das sollten Sie), verwenden Sie es,
um den Schlüssel zu widerrufen. Zudem müssen Sie ein neues Schlüsselpaar
generieren, den öffentlichen Schlüssel an Ihre Kontakte senden und Sie davor
warnen, weiterhin den alten öffentlichen Schlüssel zu verwenden.
Nachrichten, die Ihnen verschlüsselt mit dem alten Schlüssel gesendet wurden,
können nicht mehr entschlüsselt werden. Nachrichten, die von Ihnen mit dem
alten Schlüssel unterschrieben wurden, können jedoch weiterhin mithilfe des
alten (widerrufenen) Schlüssels von den Empfängern überprüft werden.
Um dieses Unglück zu verhindern, ist es empfohlen, bereits im Voraus ein
Backup Ihres Schlüsselpaars zu machen: Wählen Sie in der
Schlüsselverwaltung Datei → Exportieren, vergewissern sich, dass Sie den
geheimen Schlüssel mit einbeziehen und speichern die Datei an einem
sicheren Ort. Denken Sie auch daran, eine Passphrase zu wählen, an die Sie
sich erinnern.
10.1.16. Nachdem ich Enigmail neu aufgesetzt habe, sind
nun alle Schlüssel in der Schlüsselverwaltung
verschwunden.
Die Schlüssel sind noch da, aber es werden nur die Schlüssel angezeigt, die
mit Ihren Suchkriterien, die Sie im Feld Suchen nach eingegeben haben,
übereinstimmen. Wenn Sie alle Schlüssel angezeigt bekommen möchten,
setzen Sie ein Häkchen bei Standardmäßig alle Schlüssel anzeigen.
101
10.1.17. Jedes Mal, wenn ich versuche, etwas an eine
Newsgroup zu senden, bekomme ich einen Fehler.
Sie versuchen eine verschlüsselte Nachricht in einer Newsgroup zu posten.
Das macht insofern keinen Sinn, als dass eine Newsgroup, ebenso wie eine
Mailingliste, ein öffentlicher Raum ist, und somit keine Entität, die ein
Schlüsselpaar besitzen könnte. (Fragen Sie sich einfach selbst: Wer sollte
diesen privaten Schlüssel besitzen? Wie wäre das Vertrauen in Bezug auf diese
Identität?). Posten Sie die Nachricht unverschlüsselt. Falls sie Informationen
verschleiern wollen – wie z.B. Spoiler – können Sie ROT13 benutzen.
10.1.18. Ich habe die Forward Rules in Thunderbird
eingestellt, und bekomme den Fehler “Senden
fehlgeschlagen, bitte überprüfen Sie Ihre
Einstellungen”.
Leider funktionieren die Forwarding Rules in Thunderbird nicht, wenn Enigmail
installiert ist. Aktuell gibt es keine Lösung oder Umgehung des Problems.
10.1.19. Ich bekomme die Nachricht “OpenPGP-Fehler;
Verschlüsselung/Unterschreiben fehlgeschlagen;
Nachricht unverschlüsselt senden?”.
Dieses Problem tritt auf, wenn Sie eine E-Mail verfassen und die Option
OpenPGP → Meinen öffentlichen Schlüssel anhängen aktiviert haben, um Ihren
öffentlichen Schlüssel mit der Mail zu versenden. Aufgrund eines Fehlers führt
diese Option zu Problemen. Zur Umgehung wählen Sie stattdessen OpenPGP
→ Öffentlichen Schlüssel anhängen...,markieren dann Ihren Schlüssel in der
Schlüsselverwaltung und klicken auf OK.
10.1.20. Schlüsselimport funktioniert nicht. Fehler:
“Dateiname ist zu lang”.
Falls Sie beim Versuch einen Schlüssel zu importieren den folgenden Fehler
erhalten:
Importing the keys failed
gpg: can't open (very long string of characters running off screen)
File name too long
gpg: Total number processed: 0
102
versuchen Sie, den Schlüssel über GnuPG zu importieren. Öffnen Sie die
Befehlszeile und fügen den folgenden Befehl ein:
gpg --import key_file_to_import.asc .
10.1.21. Ich habe ein anderes Problem, das ich nicht lösen
kann.
Falls Sie über genug Wissen zum Umgang mit GnuPG verfügen, können Sie in
diesem Fall versuchen, das gleiche Ergebnis über die GnuPG-Befehlszeile zu
erreichen. Wenn Sie z.B. den öffentlichen Schlüssel 0xABCDEF01 nicht aus der
Schlüsselverwaltung entfernen können, öffnen Sie ein Shell-Prompt und geben
den folgenden Befehl ein: gpg --delete-keys 0xABCDEF01
Sollte der oben beschriebene Weg nicht zum gewünschten Erfolg führen oder
Sie sich nicht erfahren genug im Umgang mit GnuPG fühlen, scheuen Sie sich
nicht, die freundlichen Community von Enigmail/GnuPG um Unterstützung zu
bitten. Hinweise zum Erhalt von jeglichem Support sind in Kapitel 13 aufgelistet.
103
11. FAQ
Dieses Kapitel enthält häufig gestellte Fragen rund um Enigmail.
11.1.1. Kann Enigmail für Webmail genutzt werden? Wann
wird dieses Feature hinzugefügt?
Enigmail wurde für den Mozilla-Mailclient (Thunderbird und SeaMonkey)
entwickelt. Es besteht nicht die Absicht unseres Teams, Enigmail so zu
erweitern, dass es webbasierten Mailverkehr oder Webapplikationen im
Allgemeinen unterstützt.
Die FireGPG-Erweiterung (http://getfiregpg.org) ist darauf ausgerichtet,
Webmail für Firefox zu unterstützen.
11.1.2. Gibt es bekannte Inkompatibilitäten mit anderen
Thunderbird- oder SeaMonkey-Erweiterungen?
Die folgende Erweiterung verursacht Probleme mit Enigmail:
•
Allow Empty Subject (Funktioniert nicht. Benutzen Sie stattdessen die
Enigmail-Option: OpenPGP → Einstellungen → Senden→ Leere
Betreffzeile erlauben)
Die folgenden Erweiterungen wurden getestet und sind mit Enigmail
kompatibel:
• Buttons
• Calendar
• ForumZilla
• Get All Messages
• JSlib
• Mnenhy
• Preferential
11.1.3. Warum ist Enigmail inkompatibel mit meinem
Thunderbird / IceDove / ...?
Enigmail ist nur mit offiziellen Veröffentlichungen von Thunderbird und
SeaMonkey kompatibel, die von der Mozilla Foundation angeboten werden.
104
Dagegen werden Versionen, die mit Linux-Distributionen (wie Ubuntu, Red Hat,
OpenSuSe oder Debian) verbreitet werden, nicht unterstützt.
Wenn Sie die Versionen von Thunderbird / SeaMonkey / IceDove / IceApe
verwenden möchten, die von Ihrer Distribution erstellt und installiert wurden,
benötigen Sie ebenfalls eine Enigmail-Version, die von derselben Distribution
erstellt wurde.
11.1.4. Ist es möglich PGP mit Enigmail zu verwenden?
Nein. PGP wird von Enigmail nicht unterstützt. PGP hat keine
Kommandozeilenversion, mit der Enigmail arbeiten kann, außer Sie erwerben
die Kommandozeilenversion von PGP mit Kosten von über €1000.
11.1.5. Wie kann ich Enigmail deinstallieren?
In SeaMonkey 1.x: Gehen Sie auf OpenPGP → Einstellungen, klicken den
Deinstallieren-Button und starten SeaMonkey neu.
In SeaMonkey 2.0 und Thunderbird: Gehen Sie auf Extras → Add-ons →
Erweiterungen, Rechtsklick auf Enigmail, wählen Deinstallieren aus dem
Kontextmenü und starten den Mailclient neu.
11.1.6. Welche Dateien modifiziert Enigmail auf meinem
System?
Die folgende Information ist nur für SeaMonkey 1.x gültig.
Angenommen, mozilla/ ist das Verzeichnis, in dem die ausführbare
SeaMonkey-Datei abgelegt ist, dann erstellt Enigmail die folgenden Dateien als
Ergebnis der Installation:
mozilla/components/enigmail.js
enigmail.xpt
libenigmime.so unter Linux, enigmime.dll unter Windows
enigmime.xpt
ipc.xpt
enigprefs-service.js
mozilla/chrome/enigmail.jar
Dies sind die zu löschenden Dateien, falls Sie, aus welchem Grund auch immer,
Enigmail manuell deinstallieren möchten.
Enigmail modifiziert außerdem die beiden folgenden Overlay-Dateien, indem
auf Enigmail bezogene Zeilen eingefügt werden:
mozilla/chrome/overlayinfo/communicator/content/
overlays.rdf
mozilla/chrome/overlayinfo/messenger/content/
overlays.rdf
Löschen Sie mozilla/chrome/enigmail.jar nicht manuell, ohne die
105
Enigmail-Einträge aus den overlays.rdf Dateien zu entfernen; dies könnte
dazu führen, dass sich SeaMonkey aufhängt.
11.1.7. Enigmail scheint mit Gpg4win nicht zu
funktionieren. Wo liegt das Problem?
Gpg4win-Versionen 1.1.0 und 1.1.1 enthalten einen Fehler, der dazu führt, dass
Enigmail nicht mit diesen Versionen arbeiten kann. Dennoch gibt es eine
einfache Umgehung des Problems.
Angenommen, Sie wählen das standardmäßige Installationsverzeichnis für
Gpg4win, dann gehen Sie auf OpenPGP → Einstellungen, klicken die Option
Anderer Pfad an, und geben den folgenden Pfad an:
C:\Programme\GNU\GnuPG\gpg.exe . (Abhängig von Ihrer WindowsLokalisierung, kann Ihr Ordner mit den Programmdateien Programme, Program
Files, Programmes oder anders heißen.)
Das Problem ist, dass Gpg4win einen falschen Eintrag in der
Umgebungsvariable PATH erstellt. Alternativ ist es anstelle der oben genannten
Umgehung auch möglich, manuell die Umgebungsvariable PATH zu ändern,
indem \pub aus C:\Programme\GNU\GnuPG\pub entfernt wird.
11.1.8. Warum versucht Enigmail, den GPG-Agenten zu
verwenden?
Enigmail verwendet den GPG-Agenten für den Umgang mit der Passphrase nur
dann, wenn die folgenden Bedingungen erfüllt sind:
• wenn eine GnuPG Version 2.0 oder höher gefunden wird;
• wenn die Umgebungsvariable GPG_AGENT_INFO gesetzt ist;
• wenn die Option zur Passphrasen-Verwaltung die GPG-AgentAnwendung verwenden aktiviert ist (diese Option ist zu finden unter
OpenPGP → Einstellungen → Erweitert)
Wenn Sie die GnuPG Version 1.4.x verwenden und die ausführbare GnuPGDatei mit dem Parameter --use-agent aufrufen, ist die gewöhnliche
Ursache, dass die Umgebungsvariable GPG_AGENT_INFO gesetzt ist.
Ist die Variable von Ihrer Linux/Unix-Distribution gesetzt, Sie den GPG-Agenten
aber gar nicht benutzen möchten, können Sie die Variable z.B. in der Datei
.xsession oder .bashrc löschen. Ferner können Sie Ihren Mailclient über
ein Wrapper-Shellscript wie dieses starten:
#!/bin/sh
unset GPG_AGENT_INFO
exec /path/to/your/mailclient "[email protected]"
Eine weitere Lösung ist die korrekte Installation aller Helper-Utilities.
Der GPG-Agent benötigt das Pinentry-Tool, um nach dem Passwort zu fragen;
ist dieses nicht verfügbar, müssen Sie es installieren. Unter Linux haben Sie die
Möglichkeit zwischen pinentry-qt und pinentry-gtk. Installieren Sie beide und
106
erstellen einen Link nach pinentry.
11.1.9. Welche Schlüsselstärke und welchen Algorithmus
sollte ich für mein Schlüsselpaar wählen? Was ist am
besten?
So etwas wie den “besten Schlüssel” gibt es nicht. Jede Wahl hat
Konsequenzen und erfordert Kompromisse. Sie könnten denken, dass ein
4096-Bit RSA- Schlüssel sicherer ist. Die Person, an die Sie E-Mails senden,
könnte sie jedoch mit einem PDA lesen, wo es gut über eine Minute dauert, um
jede Nachricht zu entschlüsseln. Sie können sich dazu entscheiden SHA-1 zu
verwenden, da es in OpenPGP - Implementierungen weit verbreitet ist. SHA-1
hat jedoch einige mathematische Schwächen und bietet keine langfristige
Sicherheit. Das optimale Maß an Konsequenzen und Kompromissen
abzuwägen ist eine knifflige Sache, und möglicherweise ist Ihre perfekte
Kombination nicht unbedingt geeignet für jemand anderen.
Die IETF OpenPGP Working Group hat über ein Jahrzehnt damit verbracht
herauszufinden, welche Auswahl eine exzellente Balance zwischen
Geschwindigkeit, Sicherheit und Kompatibilität für die große Mehrheit von
Nutzern ergibt. Ihre Befunde entwickelten sich im Laufe der Zeit dahingehend,
dass die Technologie und die tagtäglichen Bedrohungen berücksichtigt werden
mussten. Die Mitarbeiter des GnuPG-Projektes sind aktive Teilnehmer der
Working Group und von daher implementiert GnuPG die Empfehlungen der
Working Group.
Aufgrund dessen ist der beste Ratschlag, den wir Ihnen geben können, es bei
den Standardeinstellungen von Enigmail zu belassen. Sie sind lange nicht
perfekt, da zwei Menschen niemals dieselbe Definition von Perfektion haben.
Dennoch sind die Standards ausgezeichnet geeignet für die überwiegende
Mehrheit der Nutzer.
11.1.10. Wie kann ich testen, ob ich Enigmail korrekt
anwende?
Zuallererst können Sie versuchen, einige signierte/verschlüsselte Nachrichten
an sich selbst zu senden, um dann zu auszutesten, ob Sie sie
überprüfen/entschlüsseln können. Weiterhin können Sie Nachrichten an Adele,
“the Friendly OpenPGP email robot”, schicken ([email protected]). Adele ist
ein automatisiertes Programm, das OpenPGP- Nachrichten empfangen,
verstehen und entsprechend beantworten kann. Denken Sie daran, Ihren
öffentlichen Schlüssel mit zu senden, so dass Adele Testnachrichten an Sie
verschlüsseln kann. Einige Beispiele zur Kommunikation mit Adele sind in
Kapitel 8 gezeigt.
11.1.11. Wie kann ich automatisch meine E-MailNachrichten verschlüsseln?
Wählen Sie Nachrichten standardmäßig verschlüsseln in Ihren
107
Kontoeinstellungen. Dann aktivieren Sie die Option OpenPGP → Einstellungen
→ Schlüsselauswahl → Keine manuelle Auswahl der Schlüssel. So werden
ausgehende Nachrichten automatisch verschlüsselt, wenn ein öffentlicher
Schlüssel verfügbar ist.
Diese Methode der standardmäßigen Verschlüsselung funktioniert allerdings
nur bei vertrauten öffentlichen Schlüsseln. Daher aktivieren Sie entweder die
Option unter OpenPGP → Einstellungen → Schlüsseln immer vertrauen (was
etwas unsicher ist) oder Sie müssen jeden öffentlichen Schlüssel überprüfen
und ihn unterschreiben, um ihn für vertrauenswürdig zu erklären (in diesem Fall
sollten Sie sie nur lokal signieren, nicht exportierbar).
Es gibt nur ein Problem mit dieser Methode: Sie können nie wissen, ob eine
Nachricht verschlüsselt wird, wenn Sie den Button Jetzt Senden drücken. Die
Umgehung für dieses Problem ist auf Später senden zu klicken und in Ihrem
Entwürfe-Ordner nachzusehen.
11.1.12. Ist es möglich, E-Mail-Nachrichten dauerhaft zu
entschlüsseln?
Nach diesem Feature wird immer wieder gefragt, vorrangig weil das Feature
zum Suchen von E-Mails (in Thunderbird / SeaMonkey) bei verschlüsselten EMails nicht angewendet werden kann.
Dennoch ist die dauerhafte Entschlüsselung von Nachrichten potenziell eine
schlechte Sicherheitspraxis. Ist eine Nachricht einmal unverschlüsselt
gespeichert, ist sie vor Gefährdungen durch jeden, der zu Ihrem Computer
Zugang hat sowie durch jegliche Malware-Applikation ungeschützt, und könnte
somit gestohlen und verbreitet werden.
Ist eine Nachricht vertraulich genug, dass sie verschlüsselt wurde, sollte sie
auch verschlüsselt bleiben.
Die Sache wird noch schlimmer, wenn die E-Mail-Nachrichten nicht auf dem
lokalen Rechner, sondern auf einem IMAP-Server gespeichert werden. Nicht
nur, dass die Nachricht potenziell der Außenwelt preisgeben werden könnte,
sondern es ist auch schwieriger, das Feature zu implementieren. E-MailNachrichten dauerhaft zu entschlüsseln würde bedeuten, die verschlüsselte
Nachricht auf dem Server zu löschen und eine neue Nachricht, die die
entschlüsselten Informationen aus der Originalnachricht enthält, hochzuladen.
Dies beinhaltet zahlreiche E-Mail-Zugriffsprobleme – und E-Mail-Zugriff ist die
Aufgabe des Mailclients, nicht die von Enigmail. Die Implementation dieses
Features würde daher die Komplexität von Enigmail massiv erhöhen, außer
Mozilla bietet eines Tages ein API zur Manipulation von E-Mail-Daten an.
Kurz gesagt: Die dauerhafte Entschlüsselung von Nachrichten wird in Enigmail
nicht unterstützt, und dazu wird es in der nahen Zukunft auch nicht kommen.
Sie können jedoch entschlüsselte Nachrichten als Textdatei exportieren. Dafür
wählen Sie OpenPGP → Entschlüsselte Nachricht speichern aus dem Menü.
108
11.1.13. Ist es möglich, S/MIME- und OpenPGPVerschlüsselung gleichzeitig zu verwenden?
Nein, Sie können S/MIME und OpenPGP in einer Nachricht nicht mischen, da
sich beide Standards, und ihre Implementation in Mozilla, gegenseitig
behindern. Wenn Sie S/MIME verwenden möchten, sollten Sie die EnigmailOption Automatisch entschlüsseln/überprüfen in Ihren Kontoeinstellungen nicht
aktivieren (auch nicht die von S/MIME).
Der S/MIME-Button ist in SeaMonkey 1.1 standardmäßig verborgen. Sie
können ihn anzeigen lassen, indem Sie das Häkchen bei der Option OpenPGP
→ Einstellungen → Erweitert → S/MIME-Buttons/Menüs ausblenden entfernen.
11.1.14. Wie bestimme ich den Hash-Algorithmus?
Seit Version 0.95.0 vertraut Enigmail zur Auswahl des Hash (Digest)
Algorithmus standardmäßig auf GnuPG. Von GnuPG kann der Hashalgorithmus
in der Datei gpg.conf unter Verwendung des Parameters digest-algo
hash_algorithm festgelegt werden.
Wenn Sie den Hashalgorithmus von Enigmail heraus auswählen möchten,
können Sie das tun, indem Sie die Einstellung
extensions.enigmail.mimeHashAlgorithm modifizieren und einen der folgenden
Werte hinzufügen:
0 – automatische Auswahl, lässt GnuPG wählen
1 – SHA1
2 – RIPEMD160
3 – SHA256
4 – SHA384
5 – SHA512
Um mehr über die manuelle Änderung der Einstellungswerte zu erfahren, sehen
Sie sich bitte auch Kapitel 9.2 an.
11.1.15. Wie aktiviere ich den Debug-Log in Enigmail?
Wählen Sie OpenPGP → Einstellungen → Erweitert → Fehlersuche und geben
einen gültigen Verzeichnispfad in das Feld Ordner für Log-Dateien ein. Nach
einem Neustart des Mailclients wird Enigmail dort eine Trace-Log-Datei namens
enigdbug.txt erstellen. Sehen Sie sich hierzu auch Kapitel 9.1.6 an.
11.1.16. Wie melde ich einen Fehler?
Besuchen Sie https://www.enigmail.net/support/bugs.php
Überprüfen Sie bitte zunächst die Liste der bekannten Fehler, um zu
verhindern, dass ein Fehler zweimal gemeldet wird. Sollten Sie einen neuen
Fehler gefunden haben, können Sie einen Fehlerbericht senden.
109
11.1.17. Wie viele Menschen verwenden Enigmail?
Die Download- und Nutzungsstatistiken von Enigmail können unter der Adresse
https://addons.mozilla.org/enUS/thunderbird/addon/enigmail/statistics
eingesehen werden.
11.1.18. Es wäre toll, wenn Enigmail dies und das könnte!
Könnt Ihr es nicht bitte implementieren?
Feature-Anfragen können Sie im Enigmail-Forum unter dem Feature Request
Thread übermitteln. Wie Sie das Forum erreichen, sehen Sie in Kapitel 13.
Beachten Sie jedoch vorher, dass Enigmail den OpenPGP-Standards folgt. Es
hat nicht die Aufgabe, neue Protokolle zu entwickeln oder zu erfinden. Wenn die
gewünschte Funktionalität nicht im Standard enthalten oder nicht konform zum
Standard ist, dann wird es auch nicht in Enigmail integriert, egal wie viele
Nutzer danach fragen sollten.
Der Enigmail-Quellcode jedoch ist frei verfügbar. Wenn Sie ein solches Feature
wirklich benötigen, können Sie sich den Quellcode herunterladen und ihn an
Ihre Bedürfnisse anpassen. Bedenken Sie zunächst, dass das Brechen der
Standards generell keine vernünftige Idee ist und in inkompatiblen Produkten
enden kann.
11.1.19. Wie kann ich den Betreff verschlüsseln?
Es ist weder möglich, den Betreff einer E-Mail-Nachricht zu verschlüsseln oder
signieren, noch ist es bei jeglichem anderen Mailheader möglich. Siehe Kapitel
8.5
11.1.20. Warum kann ich einige Schlüssel aus der
Schlüsselverwaltung nicht zur Verschlüsselung
auswählen?
Schlüssel, neben denen eine rote Checkbox abgebildet ist, sind widerrufene
oder abgelaufene Schlüssel. Sie können sie nicht mehr zum Verschlüsseln
verwenden. Laden Sie einen gültigen öffentlichen Schlüssel von einem
Schlüssel-Server herunter oder kontaktieren Sie Ihren Empfänger und lassen
Sie sich seinen neuen, gültigen öffentlichen Schlüssel zukommen.
110
12. Hinweise, Tipps & Tricks
12.1. Wie man eine gute Passphrase wählt
Die Passphrase ist die letzte Bastion zur Verteidigung Ihres privaten Schlüssels,
wenn Ihr Schlüsselpaar in fremde Hände gekommen sein sollte. Das geht
schneller als Sie denken; dadurch, dass jemand Ihren Laptop stiehlt, durch eine
Malware, die Ihre privaten Dokumente von Ihrem infizierten Rechner auf einen
fremden Server überträgt, oder einfach durch eine momentane
Gedankenlosigkeit, wenn Sie anstelle Ihres öffentlichen Schlüssels gleich Ihr
komplettes Schlüsselpaar verbreiten.
Mit Ihrem geheimen Schlüssel und Ihrer Passphrase kann sich jeder als Sie
selbst ausgeben, indem Nachrichten in Ihrem Namen unterschrieben und
Nachrichten entschlüsselt werden, die eigentlich nur für Ihre Augen bestimmt
waren.
Glücklicherweise bietet die Passphrase einen verhältnismäßig guten Schutz, da
sie den privaten Schlüssel mit einer starken Kodierung schützt. Es ist wichtig,
dass Sie eine solide Passphrase wählen, die nicht einfach durch bloßes
Passwort-Raten oder Brute-Force-Methoden geknackt werden kann.
In diesem Kapitel zeigen wir Ihnen dafür einige Kriterien auf. GnuPG/Enigmail
ermöglichen Ihnen auch, keine Passphrase für Ihr Schlüsselpaar auszuwählen.
Dies ist absolut nicht empfohlen und sollte nur unter außergewöhnlichen
Umständen gemacht werden, z.B. wenn nicht- dialogfähige Verarbeitung
notwendig ist.
Benutzen Sie niemals folgendes als Ihre Passphrase:
Ihren Namen, Ihre Adresse, Ihr Alter, Geburtsdatum oder -ort,
Autokennzeichen, den Namen Ihres Ehepartners, Ihrer Kinder, Eltern,
Haustiere oder jegliche anderen Informationen, die sich mit Ihnen in
Verbindung bringen lassen;
Wörter in jeglicher Sprache/jeglichem Dialekt, Vergangenheit oder
Gegenwart, real oder erfunden, z.B. Französisch, Cockney, Latin, Elven,
und Klingon;
Namen von realen oder fiktiven Menschen oder Orten;
111
Namen von Filmen, Liedern, Musikbands, Gruppen usw.;
Offensichtliche Folgen von Buchstaben und/oder Zahlen, z.B. abc123,
qwertzu, YYYYYYYY
Numerische Konstanten, z.B. 2.71828 18284 59 (es ist die
mathematische Konstante e)
Jegliche oben genannten Zeichenfolgen in Großbuchstaben,
Kleinbuchstaben oder beide Alternativen abwechselnd, z.B.
CaLiFoRnIa
Jegliche oben genannten Zeichenfolgen, denen ein einzelnes Zeichen
vorausgeht oder angehängt wird, z.B. +California, California3
Jegliche oben genannten Zeichenfolgen mit offensichtlichen
Ersetzungen, z.B. C4l1f0rn14
Alles, was weniger als 8 Zeichen lang ist (Enigmail wird Sie auch keine
Passphrase wählen lassen, die so kurz ist)
Ein Passwort, das Sie bereits woanders benutzen (z.B. auf Webseiten
oder für Ihr E-Mail-Konto)
Stattdessen, verwenden Sie diese Kriterien, um Ihre Passphrase zu erstellen:
Verwenden Sie immer eine Mischung aus mindestens 3 der folgenden
Zeichen in Ihrer Passphrase: Großbuchstaben, Kleinbuchstaben, Zahlen,
Symbole wie # * ! ? + - ( & /
Fügen Sie zwei Zeichen oder mehr in ein Wort oder Namen ein, z.B.
Ch7op8in, Debus!Z*sy
Verbinden Sie zwei Wörter oder Namen mithilfe von zwei oder mehr
Zeichen, z.B. Bach#+Strauss
Verschachteln Sie ein Wort oder Namen in ein anderes, z.B.
BeLudwigethoven
Kondensieren Sie ein Sprichwort, ein Zitat, ein Vers eines Gedichtes,
einen Satz aus einem Film oder jeglichen anderen Satz, den Sie fest im
Gedächtnis haben:
Iw20yat/SPttbtp/thbgiaoos/btagtras.
112
Dies erscheint unmöglich zu merken, aber in der Tat ist es sehr einfach,
wenn Sie erst einmal an den Text Sgt. Pepper's Lonely Hearts Club
Band von Lennon/McCartney denken:
“It was twenty years ago today
Sgt. Pepper taught the band to play
They've been going in and out of style
But they're guaranteed to raise a smile.”
Each letter of the passphrase is the first letter of each word. In the first
line, the number is written in figures instead of being spelt out. In the
second line, the name of the protagonist of the song is in uppercase
letters. Each verse is separated by a slash, and a final dot is added. You
can make up the rules as you prefer.
Eine weitere denkbare Passphrase wäre
HwmyrsmtBeyuclhm?
Es kommt aus dem Song Blowin' In The Wind von Bob Dylan, und setzt
sich aus den jeweils ersten und letzten Buchstaben der jeweils ersten
vier Worte eines Verses zusammen:
“How many roads must a man walk down Before you call him a man?”
Dies sind die stärksten Passphrasen, da sie wie zufällig aneinander
gereihte Buchstaben aussehen.
Sie können ein bestehendes Zitat verwenden und sich Regeln zur
Transformation in eine Passphrase ausdenken; sollten Sie das Zitat
vergessen, reicht ein kurzer Blick in ein Buch aus, um das Problem zu
lösen. Sie können sich natürlich auch ein eigenes Zitat überlegen, wobei
hier das Vergessen fatal wäre.
12.2. Schutz des lokalen Rechners
Ihnen sollte bewusst sein, dass Ihre verschlüsselten Nachrichten nur so sicher
sind, wie es Ihnen der Computer, auf dem Sie Enigmail benutzen, erlaubt.
Dieser Punkt kann niemals genug betont werden.
Ist Ihr Rechner einmal mit einem Keylogger und einer Malware infiziert, welche
einem Eindringling Fernzugriff auf Ihre Dateien gewährt, ist jegliche
kryptografische Stärke von OpenPGP sowie die stärkste Passphrase machtlos
gegen Spionage und Fälschung.
In ganz ähnlicher Weise müssen Sie sich auf böse Überraschungen gefasst
machen, wenn Sie Ihren Computer unbeaufsichtigt und Ihre Passphrase im
Cache gespeichert lassen. Genau genommen kann Ihre Kommunikation
niemals sicher sein, wenn es nicht auch Ihr Rechner ist. Noch schlimmer,
Kryptografie könnte Sie in eine falscher Sicherheit wiegen, in der Sie eher
113
geneigt sind, vertrauliche Informationen via E-Mail zu übermitteln.
Die von OpenPGP verwendeten Algorithmen sind die stärksten, und OpenPGPVerschlüsselung ist nahezu unknackbar, wenn es richtig angewandt wird.
Trotzdem gibt es viele andere Dinge, die schief laufen können.
Die bekannte Tatsache, dass OpenPGP das stärkste Glied in der
Sicherheitskette ist, bedeutet nur, dass ein Angreifer, der Ihre verschlüsselten
Nachrichten lesen möchte, keinen Brute-Force-Angriff versuchen wird (was
Millionen von Jahre dauern würde), um die Verschlüsselung zu knacken. Viel
eher wird er sich auf andere Schwachstellen konzentrieren.
Er könnte sich in Ihren Computer einhacken und Ihren geheimen Schlüssel
stehlen. Dann infiziert er Ihren Computer mit einer Spyware, um Ihre
Passphrase oder direkt die geheimen Nachrichten aufzuzeichnen während Sie
sie tippen. Zum Zwecke der Aufzeichnung könnte er ebenso gut einen
Hardware-Keylogger zwischen Tastatur und Rechner oder einfach eine
versteckte Kamera, die auf Ihren Bildschirm gerichtet ist, anbringen. Selbst ein
TEMPEST-Gerät könnte verwendet werden, in der Hoffnung, dass Sie immer
noch mit einem Röhrenbildschirm arbeiten.
Hat der Angreifer erst einmal den Inhalt Ihres Computers in seine Hände
bekommen, entweder physisch oder über einen Fernzugriff über das Netzwerk,
könnte er nach Resten von Klartext in unvergänglichen Speichergeräten oder
im RAM suchen.
Von wo haben Sie Ihre Kopie von GnuPG und Enigmail erhalten? Sie sollten
nur Software vertrauen, die Sie von offiziellen Webseiten heruntergeladen
haben. Kopien von anderen Quellen können mit Backdoors oder Trojanern, und
diese enthalten Viren, behaftet sein.
Schließlich könnte ein Angreifer Sie überzeugen, zwingen oder täuschen (z.B.
durch das Auftreten als jemand anderes), ihm Ihre Passphrase, Ihren geheimen
Schlüssel oder Ihre Nachrichten auszuhändigen. Und all diese Angriffe können
sich auch auf Ihre Kontakte erstrecken. Die Möglichkeiten sind endlos.
12.2.1. Grundlegender Schutz
Folgen Sie diesen goldenen Regeln, um Ihren Rechner in einem vernünftigen
Maße sicher zu halten:
114
•
Software mit dubioser Herkunft sollte weder installiert, ausgeführt oder
geöffnet werden (z.B. Warez, die in Peer-to-Peer Netzwerken gefunden
wurden oder Programme, die auf unseriösen Webseiten gehostet
wurden). Dies schließt verdächtige E-Mail-Anhänge und Macros in
Textverarbeitungsprogrammen mit ein.
•
Verwenden Sie eine Antivirus-Software, die täglich aktualisiert wird.
Machen Sie regelmäßige Scans Ihres Rechners und externer
Festplatten.
•
Verwenden Sie ein oder mehr Anti-Malware-Programme.
•
Filtern Sie Netzwerkverkehr mit einer persönlichen Firewall und verbieten
Sie alle unbekannten Verbindungen.
•
Installieren Sie Patches/Updates ihres Betriebssystemherstellers. Halten
Sie all Ihre Software immer auf dem laufenden Stand und informieren Sie
sich über die aktuellen Schwachstellen.
•
Verwenden Sie die Bildschirmsperre, wenn Sie nicht physisch vor dem
Computer sitzen und Sie von Fremden umgeben sind.
•
Verwenden Sie starke Passwörter. Schreiben Sie sie nicht an leicht zu
findenden Orten auf.
•
Wenn Sie eine WiFi-Verbindung benutzen, aktivieren Sie WPA an Ihrem
Zugangspunkt.
12.2.2. Erhöhter Schutz
Wenn Sie kritische, vertrauliche Informationen kommunizieren, sollten Sie Ihren
Computer nicht physisch zugänglich lassen – nicht einmal, wenn er
ausgeschaltet ist. Wenn er gestohlen wird, hätte der Dieb Zugriff zu all Ihren
Dateien, Ihren geheimen Schlüssel eingeschlossen. Der private Schlüssel wird
zwar immer noch durch die Passphrase geschützt, dennoch kann der Dieb
mithilfe von Analysen und Spurensuche auf dem Dateisystem Zugang zu einer
Vielzahl von Daten in Klartext haben (temporäre Dateien, Swapfiles usw.), die
Informationen enthalten können, von denen Sie dachten, sie seien
verschlüsselt. Windows hinterlässt eine Menge Daten, und andere
Betriebssysteme sind in dieser Hinsicht nicht viel besser.
Sie sollten überlegen, Festplattenkomplettverschlüsselung zu verwenden.
Kapitel 12.3.2 listet einige Disk Encryption Software zum zusätzlichen Schutz
Ihres Schlüsselpaares auf; das meiste kann außerdem zur Verschlüsselung des
ganzen Betriebssystems benutzt werden. Zudem ist zu beachten, dass ein
technisch geschickter Eindringling, der physischen Zugang zu einem
ausgeschalteten Computer hat, den Rechner infizieren könnte ohne Spuren zu
hinterlassen, indem er den Bootloader durch einen infizierten ersetzt (evil maid
attack).
12.3. Ihr Schlüsselpaar an einem sichereren Ort
aufbewahren
Um die Sicherheit Ihres geheimen Schlüssel zu erhöhen, entscheiden Sie sich
vielleicht dazu, Ihr Schlüsselpaar an einem anderen Ort zu speichern, als dem
von GnuPG gewählten Standardverzeichnis, welches für Windows
C:\Dokumente und Einstellungen\ihr_Benutzername\
Anwendungsdaten\GnuPG auf dem lokalen Rechner ist. Die einfachere
Lösung ist, die GnuPG-Dateien auf einem externen USB-Stick oder einer
verschlüsselten Partition auf der lokalen Festplatte zu speichern. Eine
komplexere Lösung setzt den Gebrauch einer Smart-Card voraus.
115
12.3.1. Externes USB-Laufwerk
Mounten Sie zunächst das externe Laufwerk und verschieben dorthin alle
GnuPG-Dateien (Ihren Schlüsselbund, die Random Seed Datei und die
Konfigurationsdateien), die im Standardverzeichnis enthalten waren. Der EMail-Client darf währenddessen nicht laufen. Danach sagen Sie GnuPG, wo
sich der neue Ort befindet, indem Sie der ausführbaren GnuPG-Datei den
zusätzlichen Parameter --homedir new_location übergeben. Dies kann
direkt in den OpenPGP-Einstellungen im Feld Zusätzliche Parameter für
GnuPG, welches über den Menübefehl OpenPGP → Einstellungen → Erweitert
zu erreichen ist, umgesetzt werden. Wie genau das funktioniert, wurde in
Kapitel 9.1.4 erklärt.
Die Abbildung auf Seite 82 zeigt beispielhaft eine Enigmail-Konfiguration, mit
der nach den Schlüsselbunden im Verzeichnis X:\gnupg gesucht wird.
Haben Sie dies erledigt, können Sie Enigmail wieder in gewohnter Weise
verwenden. Denken Sie aber daran, das externe Laufwerk zu mounten, bevor
Sie Enigmail oder GnuPG starten.
12.3.2. Verschlüsselte Partition
Anstatt sie auf einem externen Laufwerk zu speichern, können Sie die GnuPGDateien auch auf einem Encrypted Virtual Volume auf der lokalen Festplatte
speichern (oder sogar, für noch größere Sicherheit, auf einem Encrypted Virtual
Volume auf einem externen Laufwerk).
Es sind zahlreiche On-the-fly-Verschlüsselungsprogramme verfügbar. Einige
der bekanntesten sind diese:
•
PGP Whole Disk Encryption (kommerziell), http://www.pgp.com
•
TrueCrypt (Open-Source und frei), http://www.truecrypt.org
•
FreeOTFE (Open-Source und frei), http://www.freeotfe.org
Das Encrypted Virtual Volume wird sich gleichermaßen verhalten wie ein
externes Laufwerk. Haben Sie das von Ihnen gewählte
Verschlüsselungsprogramm einmal installiert, die verschlüsselte Partition
erstellt und gemounted, dann können Sie das notwendige Setup gemäß der
gleichen Schritte vornehmen wie in Kapitel 12.3.1 erklärt.
12.3.3. OpenPGP Karte
Enigmail unterstützt die OpenPGP-Card, eine Smart-Card, die mit den ISOStandards 7816-4 und 7816-8 kompatibel ist; siehe auch
http://g10code.com/p-card.html.
Die Abbildung unten zeigt Vorder- und Rückseite einer OpenPGP-Karte:
116
OpenPGP-Cards werden von Kernel Concepts
(http://www.kernelconcepts.de) vertrieben. Darüber hinaus ist es
möglich, eine OpenPGP-Card zu besitzen, indem man eine Mitgliedschaft in der
Free Software Foundation Europe eingeht. Für mehr Informationen lesen Sie
bitte http://wiki.fsfe.org/FellowshipSmartCard?
action=show&redirect=Card.
OpenPGP-Cards v2.0 zeichnen sich durch drei unabhängige RSA-Schlüssel
zum Unterschreiben, Verschlüsseln und zur Authentifizierung aus, jeweils mit
bis zu 4096 Bit.
Die Karte wird dazu verwendet, den aktuellen geheimen Schlüssel zu
speichern. Ein Stummel („stub“) des geheimen Schlüssels bleibt im geheimen
Schlüsselbund erhalten, um weiterhin standardmäßige Schlüsseloperationen
vornehmen zu können. Der Sinn und Zweck der Verwendung einer Chipkarte
ist, dass die enthaltenen Geheimnisse nicht von der Karte kopiert werden
können. Daher können Sie davon ausgehen, dass Ihr geheimer Schlüssel
sicher ist, solange Sie physisch über die Karte verfügen.
Es gibt zwei Möglichkeiten, die Karte zu initialisieren: Bei der ersten Methode
wird der Schlüssel auf der Karte erstellt, d.h. die Karte berechnet den Schlüssel
unter Verwendung des eingebauten Zufallsgenerators; auf diese Weise verlässt
der geheime Schlüssel niemals die Karte. Alternativ kann ein Standard-RSASchlüssel auch in einer sicheren Umgebung erstellt werden, d.h. einem
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sauberen Linux-Arbeitsplatz, der nicht mit einem Netzwerk verbunden ist und
von einer CD-ROM hochgefahren wird.
Dann wird der geheime Schlüssel auf die Karte verschoben. Enigmail
unterstützt nur die Schlüsselerzeugung direkt auf der Karte. Wird ein Schlüssel
direkt auf der Karte generiert, ist es möglich, eine Kopie (lediglich) des
geheimen Verschlüsselungsschlüssels zu erstellen. Dieser Schlüssel kann
später auf einer anderen OpenPGP-Karte wiederhergestellt werden, falls die
Originalkarte verloren oder kaputt geht. Trotzdem wird die neue Karte neue
Signatur und Authentifikationsschlüssel haben.
Für fortgeschrittene Nutzer: Die Methode, die eine maximale Verfügbarkeit an
Schlüsseln garantiert, auf Kosten der Geheimhaltung, ist die Erstellung eines
kompatiblen Schlüssels. Dafür erzeugen Sie über die GnuPG-Befehlszeile
(verwenden Sie das --expert Flag) Schlüssel mit eindeutigen Parametern
(1024-4096 Bit, nur RSA).
Diese Schlüssel ermöglichen Ihnen einen vollkommen funktionalen Schlüssel
zu sichern, für den keine Karte erforderlich ist. Dies ist besonders für den Fall
hilfreich, wenn Sie Ihren Karten-Schlüssel widerrufen haben, Ihr Mailarchiv aber
trotzdem noch lesbar sein soll.
Ferner können Sie einen vollständigen Klon dieses Schlüssels auf einer
anderen Karte erstellen, wenn Sie die Verfügbarkeit für unbedingt notwendig
halten. Solange Sie Ihren originalen Backup-Schlüssel jedoch angemessen
schützen, erlaubt Ihnen das, Ihre Karte in einem System zu belassen, das von
jemand anderem verwaltet wird, ohne Angst haben zu müssen, dass Ihr
geheimer Schlüssel unbemerkt gestohlen werden könnte.
Da der geheime Schlüssel nicht von der Karte kopiert werden kann, ist der
einzige Weg, an den Schlüssel zu gelangen, die Karte zu stehlen – was Sie
sicherlich bemerken werden.
Über den Menüpunkt OpenPGP → SmartCard verwalten... können Sie alle
Operationen zur SmartCard erreichen:
•
Verwaltung der Nutzerdaten (Name, Geschlecht, Sprache, Login-ID, URL
des öffentlichen Schlüssel), die auf der OpenPGP-Card gespeichert sind;
•
einen neuen Schlüssel auf der Karte erzeugen;
•
Ihre PIN ändern (standardmäßig 123456) und Admin-PIN
(standardmäßig 12345678).
Die Generierung eines neuen Schlüssels auf der Karte führt dazu,
dass der vorher dort existierende Schlüssel überschrieben wird.
Denken Sie daran, Ihre PIN und Admin-PIN zu ändern, bevor Sie einen neuen
Schlüssel erzeugen. Die PIN ist nicht nur auf Ziffern begrenzt, sondern kann
jegliche Kombination von Zeichen sein; wählen Sie starke PINs, da sie der
einzige Schutz des geheimen Schlüssel sind, falls die Karte verloren geht oder
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gestohlen wird. Berücksichtigen Sie jedoch, dass nicht-numerische PINs nicht
auf PIN Pad Readern eingegeben werden können.
Es wird dringend empfohlen, zu testen, ob Ihre geheimen Schlüssel (sowohl der
auf der Karte als auch der Schlüssel auf Ihrem lokalen Rechner) mit Hilfe eines
Backup-Schlüssels und einer leeren Karte wiederhergestellt werden können.
Wenn Sie nur über eine Karte verfügen, können Sie die Wiederherstellung (nur
v2.0 Cards) auch simulieren, indem Sie die Karte mit Hilfe des folgenden
Befehls
gpg-connect-agent < resetfile
zurücksetzen, wobei es sich bei resetfile um eine ASCII-Textdatei
bestehend aus den folgenden Zeilen handelt:
/hex
scd reset
scd serialno undefined
scd apdu 00 A4 04 00 06 D2 76 00 01 24 01
scd apdu 00 20 00 81 08 40 40 40 40 40 40 40 40
scd apdu 00 20 00 81 08 40 40 40 40 40 40 40 40
scd apdu 00 20 00 81 08 40 40 40 40 40 40 40 40
scd apdu 00 20 00 81 08 40 40 40 40 40 40 40 40
scd apdu 00 20 00 83 08 40 40 40 40 40 40 40 40
scd apdu 00 20 00 83 08 40 40 40 40 40 40 40 40
scd apdu 00 20 00 83 08 40 40 40 40 40 40 40 40
scd apdu 00 20 00 83 08 40 40 40 40 40 40 40 40
scd apdu 00 e6 00 00
scd reset
scd serialno undefined
scd apdu 00 A4 04 00 06 D2 76 00 01 24 01
scd apdu 00 44 00 00
/echo Card has been reset to factory defaults
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13. Support
Dieses Handbuch sollte, sofern Sie es komplett gelesen haben, alle möglichen
Fragen zu Enigmail beantworten und Ihnen einen umfassenden Überblick
geben. Zusätzlich können Sie jederzeit die neuesten und aktuellsten
Informationen (und Enigmail) direkt auf der offiziellen Enigmail-Homepage
finden:
https://www.enigmail.net
Sollten Sie einmal Probleme mit Enigmail oder weitere Fragen haben, können
Sie den (von Freiwilligen angebotenen) Support auf verschiedenen Wegen in
Anspruch nehmen: Es besteht ein Forum, eine Mailing-Liste und eine
Newsgroup von Enigmail. Für weitere Informationen rund um diese Angebote,
besuchen Sie:
https://www.enigmail.net/support/index.php
Ist Ihre Frage nicht direkt auf Enigmail bezogen, sondern betrifft eher den
weiten Bereich rund um OpenPGP-Themen (z.B. Unterschreiben,
Verschlüsselung, Schlüsselverwaltung, Vertrauen,...), können Sie sich auch an
die GnuPG-Ressourcen wenden. Eine GnuPG-Dokumentation und Support
sind verfügbar unter:
http://www.gnupg.org/documentation/index.html
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