Fragen und Antworten zur Kindersicherung

Fragen und Antworten zur Kindersicherung
ADAC Fahrzeugtechnik
08.12.1050 - IN 27026 – STAND 10-2016
Viele Fragen - hier die Antworten
Kinder im Auto gut gesichert
Die Sicherung von Kindern im Auto ist bis zum vollendeten 12. Lebensjahr bzw. bis zu einer Körpergröße bis zu
150 cm gesetzlich definiert. Und trotzdem: In der Praxis ergeben sich vielfältige Fragen, die der ADAC hier,
gegliedert nach Themenbereichen, beantwortet


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Kauf
Praxis
Problemfälle
(Seite 1-6)
(Seite 7-10)
(Seite 10-12)
Kauf
1. Welche Kindersitzsysteme gibt es und wo liegen die Vor- und Nachteile (auch neue i-Size-Sitze)?
2. Babywannen (Kinderwagenaufsätze) als Kindersicherungssystem?
3. Sind nach hinten gerichtete Kindersitze (Reboarder) für Kinder zwischen einem und drei Jahren sicherer?
4. Wichtige Tipps vor dem Kindersitzkauf
5. Andere Institutionen testen teilweise anders.
6. Wann Wechsel in den größeren Kindersitz?
7. Was ist von so genannten "Gurtadaptern" zu halten?
8. Was ist beim Kauf gebrauchter Kindersitze zu beachten?
9. Gibt es Fahrzeuge, für die spezielle Kindersitze vorgeschrieben sind?
10. Was schreibt der Gesetzgeber vor und wann darf ein Kind ohne Kindersitz gesichert werden?
11. Fahrzeug-Sicherheitsgurt für das Befestigen von einem Kindersitz zu kurz?
12. Welche Vor- oder Nachteile bieten im Fahrzeug integrierte Kindersitze?
13. Sind "ISOFIX"-Kindersitze universell verwendbar für alle Fahrzeuge?
14. Welche Autos sind für Familien besonders geeignet?
15. Neue (alternative) Zulassung seit Mitte 2013 (i-size Norm)
16. Können Kindersitze, die beim Test mit „mangelhaft“ bewertet wurden, noch verwendet werden?
17. Was ist von „Billig“-Kindersitzen aus dem Internet oder von Discountern zu halten?
18. Kindersicherung in Fahrzeugen mit Gurtairbag?
1.
Welche Kindersitzsysteme gibt es und wo liegen die Vor- und Nachteile?
Es gibt die Kindersitzklassen 0, 0+, I, II, III, nach der Norm ECE-R44 sie entsprechen den hier dargestellten
Körpergewichtsklassen (entscheidend ist das Gewicht, nicht Alter und Körpergröße).
Bisherige Norm ECE-R44: Es gibt aber alternativ ab 2014 auch Kindersitze nach einer neuen Norm (ECER129, i-Size), für die bestimmte Körpergrößen angegeben werden (siehe hierzu „Neue, alternative Norm ECER129, i-Size nächste Seite).
0+ Die so genannte Babyschale wird immer entgegen der Fahrtrichtung eingebaut und geht in der Regel bis
13 kg Körpergewicht (bei Gewichtsklasse 0 nur bis 10 kg). Kleinkinder sind in diesen Systemen sehr sicher im
Fahrzeug untergebracht. Deshalb sollte der Sitz erst dann gewechselt werden, wenn die Kopfoberkante des
Kindes nicht mehr in der festen Schale liegt – also auf keinen Fall zu früh.
I Die anschließende Gewichtsklasse I gilt für Kinder von 9 bis 18 kg Körpergewicht (bis ca. 4 Jahre). Angeboten werden Systeme mit Hosenträgergurt oder so genannte Fangkörpersysteme, bei denen das Kind durch ein
Tischchen vor dem Bauch gesichert wird. Der Vorteil bei Fangkörpersystemen liegt darin, dass die Belastun-
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gen bei einem Frontunfall etwas geringer sind als bei Hosenträgersystemen. Diese wiederum bieten aber eine
bessere Schlafposition, zudem schwitzen Kinder in Hosenträgersystemen nicht so stark. Einige Kindersitze mit
Hosenträgergurten können auch rückwärtsgerichtet eingebaut werden (Reboardsitze). Der Einbau im Fahrzeug ist hierbei meist etwas aufwändiger, aber die Crashbelastungen liegen durch eine gleichmäßige Abstützung in der Kindersitzschale insbesondere bei einer Frontalkollision niedriger. Wichtig bei Systemen mit Hosenträgergurt: Die Gurte müssen immer möglichst straff am Körper des Kindes anliegen, damit keine Spitzenbelastungen durch „Gurtlose“ auftreten. Auch hier muss der Kindersitz so fest wie möglich im Fahrzeug fixiert
sein. Bei Fangkörpersystemen muss immer darauf geachtet werden, dass der Fangkörper möglichst fest mit
dem Gurt befestigt ist. Für alle vorwärts gerichteten Systeme gilt, diese nicht zu früh einzusetzen, da Kleinkinder in der Babyschale am sichersten untergebracht sind.
II und III In den nächsten Gewichtsklassen II (15-25 kg, ca. 3 ½ bis 7 Jahre) und III (22-36 kg, ca. 6–12 Jahre)
gibt es vor allem so genannte Sitzerhöhungen mit Rücken- bzw. Schlafstützen. Die Kinder werden hier fast
immer mit dem normalen Dreipunkt-Sicherheitsgurt gesichert. Es ist deshalb darauf zu achten, dass der Schultergurt immer mittig über die Schulter des Kindes verläuft und es beim Schlafen nicht aus dem Gurt fällt. Bei
Bewegungen des Kindes muss der Schultergurt immer von der Gurt-Aufrollautomatik straffgezogen werden.
Sinnvoll sind diese Systeme erst für Kinder ab ca. 4 Jahren, da erst dann die Schulter des Kindes stabiler ausgeprägt ist und die Kräfte vom Sicherheitsgurt aufgefangen werden können. Wichtig bei Sitzerhöhungen ist
auch, dass der Beckengurt durch große Gurthaken geführt wird und dadurch beim Crash nicht in den Bauchbereich rutschen kann. Verwenden Sie Sitzerhöhungen nur mit Rückenstützen, die Sicherheit beim Seitencrash wird dadurch erhöht.
I, II, III Kindersitze mit dieser Kombination sind meist ein Kompromiss, da die Körperproportionen und die Bedürfnisse in diesem langen Altersbereich sehr unterschiedlich sind. Wichtig ist bei diesen Kindersitzen, dass in
der Klasse I eine gute Schlafposition gewährleistet ist.
Neue, alternative Norm ECE-R129, i-Size:
Seit Mitte 2013 gibt es eine erweiterte ECE-Zulassung nur für Isofix-Kindersitze, die in der ersten Phase die
bisherigen Gewichtsklassen bis 18 kg abdeckt. Für diese Kindersitze wird aber ein bestimmter Bereich der
Körpergröße angegeben. Die Kinder werden damit bis ca. 15 Monate ausschließlich rückwärtsgerichtet gesichert. Die Sitze dürfen verwendet werden, wenn ein Neufahrzeug entweder die neue vorgeschriebene Kennzeichnung „i-size“ aufweist, oder in einer Fahrzeugfreigabeliste am Kindersitz das jeweilige Modell aufgeführt
ist. Der Vorteil dieser Kindersitze ist der rückwärtsgerichtete Transport bis ca. 15 Monate. Siehe auch unter
Punkt 15: „Neue, alternative Zulassung…“. Dies soll verhindern, dass Eltern die Kinder zu früh in den nächst
größeren Kindersitz setzen. Da die neue Norm auch eine Kennzeichnung des Fahrzeuges fordert (Abstützbereich für den Stützfuß des Isofix-Kindersitzes) wird es noch einige Zeit dauern, bis die Rahmenbedingungen
für neue Kindersitze erfüllt sind. Diese neuen Systeme ersetzen aber keine übliche Babyschale.
2.
Babywannen (Kinderwagenaufsätze) als Kindersicherungssystem?
Bei Neugeborenen und insbesondere bei Frühgeborenen ist die Wirbelsäule noch nicht stabil ausgebildet. Aus
diesem Grund sollten sie in den ersten 3 Monaten möglichst liegen. Einige Kindersitzhersteller bieten deshalb
Sicherungssysteme an, in denen das Baby im Auto liegend transportiert wird. Diese Systeme werden quer auf
der Rücksitzbank im Fahrzeug befestigt. Sie müssen aber wie Kindersitze geprüft und zugelassen sein und ein
ECE-Siegel aufweisen. Da die Crashbelastungen für das Baby bei dieser Art von Sicherung meist höher liegen
als bei gewöhnlichen Babyschalen mit Sitz-/Liegeposition, sind diese Systeme nur dann zu empfehlen, wenn
in den ersten zwei bis drei Monaten unbedingt längere Autofahrten unternommen werden müssen. Ein Produkt
mit guter Bewertung ist der Römer Baby Safe Sleeper. Für Kinder ab ca. 3 Monaten bieten Babyschalen günstigere Praxis- und Schutzbedingungen, wenngleich auch hier die Kinder nur solange wie nötig in der Schale
verbleiben sollen. Bei Frühgeborenen und sehr schwachen Babys sollte man die Empfehlung des Kinderarztes
befolgen.
3.
Sind nach hinten gerichtete Kindersitze (Reboarder) für Kinder zwischen einem und drei Jahren
sicherer?
Rückwärtsgerichtete (reboard) Kindersitze sind hauptsächlich Babyschalen bis ca. 13 kg Körpergewicht. Es
gibt aber auch Systeme, in denen Kinder bis 15 Monaten, oder sogar bis 3 Jahren entgegen der Fahrtrichtung
gesichert werden. Bei den neuen Kindersitzen nach i-Size-Norm ist das sogar bis 15 Monate Vorschrift.
Grundsätzlich bietet eine rückwärtsgerichtete Sicherung von Kindern vor allem bei einem Frontalcrash Vorteile, da die Belastung breitflächig über den Rücken des Kindes übertragen wird und somit keine erhöhten Halskräfte auftreten können. Das Problem bei entsprechenden Systemen über 13 kg Körpergewicht ist aber meist
ein etwas komplizierter Einbau (gilt nicht für Kindersitze mit Isofix-Befestigung und i-Size-Norm) und z. T. auch
zu geringe Platzverhältnisse im Fahrzeug. Auf keinen Fall darf ein rückwärtsgerichtetes System auf einen Beifahrerplatz mit aktivem Airbag. Bei der Montage auf dem Rücksitz kann es aber dazu kommen, dass der Beifahrersitz sehr weit nach vorne geschoben werden muss. Eine ordnungsgemäße Sitzposition ist dann auf diesem Sitzplatz nicht mehr gewährleistet. Vor dem Kauf von rückwärtsgerichteten Kindersitzen für Kinder über
13 kg muss deshalb unbedingt ein Einbauversuch im eigenen Fahrzeug durchgeführt werden. Bisherige vom
ADAC getestete Produkte für den rückwärtsgerichteten Einbau kann man filtern unter
www.adac.de/Kindersitztest mit Vorgabe „rückwärtsgerichtet“ bei „weitere Suchkriterien“.
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4.
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Wichtige Tipps vor dem Kindersitzkauf
Grundsätzlich sollte man sich bei einem Kindersitzkauf an Testurteilen orientieren. Insbesondere „BilligKindersitze“ erfüllen zwar die gesetzlich vorgeschriebenen Mindestanforderungen, weisen aber bei den höheren ADAC-Anforderungen häufig Mängel in der Sicherheit und Bedienung auf. Unter Umständen sind günstige
Auslaufmodelle von Markenherstellern für die aber ältere Testergebnisse vorliegen, die bessere Wahl. Es ist
aber immer unumgänglich, mit Kindersitz und Kind im Fahrzeug eine Einbauprobe durchzuführen - nicht jeder
Kindersitz passt gleich gut in jedes Fahrzeug. Vor allem bei älteren Fahrzeugen können durch lange Gurtschlossbefestigungen oder eine ungünstige Gurthöhe Probleme mit der Standfestigkeit bei bestimmten Kindersitzen auftreten. Der Kindersitz muss aber möglichst stramm und standsicher im Fahrzeug eingebaut werden können. Insbesondere bei rückwärtsgerichteten Systemen (z.B. Babyschalen) sollte geprüft werden, ob
die Gurtlänge im Fahrzeug ausreicht. Von Vorteil ist eine gute Beratung in einem Fachgeschäft, denn Bedienungsfehler wirken sich negativ auf die Sicherheit aus. Auf jeden Fall sollte der neue Kindersitz nach der neuesten Prüfnorm (seit Juli 2005 ECE R 44/04) zugelassen sein. Zu erkennen ist dies an einem am Kindersitz
angebrachten Prüfsiegel: Wenn die Prüfnummer unter dem E in einem Kreis mit 04...beginnt, ist dies die neue
ECE R 44/04. Kindersitze mit der Prüfnorm ECE R 44/03 (Prüfnummer beginnt mit 03…) dürfen grundsätzlich
weiter verwendet werden. Seit 1. Juli 2009 sollen diese vom Handel nicht mehr verkauft werden. Ein Verkaufsverbot wurde aber in Deutschland nicht erlassen. Seit 2014 gibt es aber auch eine neue, alternative Norm für
Kindersitze (ECE-R129, i-Size). Bei diesen Systemen muss das Kind bis ca. 15 Monate rückwärtsgerichtet und
somit sicherer transportiert werden.
5.
Andere Institutionen testen teilweise anders.
Im Gegensatz zum vorgeschriebenen Zulassungstest für Kindersitze gibt es für Tests von Verbraucherorganisationen oder Zeitschriften, die meist höhere Anforderungen stellen, leider kein einheitliches Test- und Bewertungsverfahren. Zum Teil werden nur so genannte Praxistests durchgeführt, die zwar die Handhabung der
Kindersitze berücksichtigen, aber keine Crashtestprüfungen beinhalten. Aber auch unterschiedliche Crashkonfigurationen (z. B. Aufprallgeschwindigkeit, Sitz- oder Schlafposition, ein oder mehrere Versuche usw.) können
leider gewisse Ergebnisunterschiede bei einem Kindersitzmodell bewirken.
Ein Testurteil über einen Kindersitz stellt eine Kaufhilfe dar. Vor dem Kauf sollte aber immer eine Einbauprobe
möglichst mit dem Kind durchgeführt werden, da durch unterschiedliche Gurtgeometrien in Fahrzeugen nicht
jeder Kindersitz standfest und stramm befestigt werden kann.
6.
Wann Wechsel in den größeren Kindersitz?
Grundsätzlich gelten die Gewichtsangaben auf dem Prüfsiegel der Kindersitze oder zukünftig auch Größenangaben bei Isofix-Kindersitzen. Es ist aber auch entscheidend, dass der Kopf des Kindes durch die Sitzschale
noch abgestützt wird. Gerade bei Babyschalen sollte dieses Kriterium beachtet werden, denn wegen höherer
Belastungen beim Frontalcrash sollten Kleinkinder nicht zu früh in einen nach vorne gerichteten Kindersitz
gesetzt werden. Stützen sich die Beinchen schon an der Sitzlehne ab, so hat dies keinen negativen Einfluss
auf die Sicherheit. Auch bei den anderen Kindersitzen für größere Kinder sollte immer der Einsatzbereich ausgenutzt und möglichst spät in den nächst größeren Kindersitz gewechselt werden. Bei größeren Kindern kann
die Kopfoberkante leicht überstehen. Der Hinterkopf sollte aber noch von der festen Schale abgestützt werden.
7.
Was ist von so genannten "Gurtadaptern" zu halten?
"Gurtadapter" sind Systeme, bei denen der Fahrzeug- Dreipunktgurt im Bauchbereich so geführt wird, dass ein
Kind ab ca. 3 Jahren auch ohne Sitzerhöhung gesichert werden kann. Diese Systeme erfüllen nicht die aktuellen Prüfnormen (ECE R 44/03 und ECE R 44/04) und dürfen ab April 2008 auch nicht mehr benutzt werden.
Wegen in Tests ermittelter erhöhter Belastungen im Bauchbereich wird vor diesen Systemen gewarnt. Normale Sitzerhöhungen mit ausgeprägten Gurthaken und Schultergurtführung oder besser noch mit Rückenstütze
sind unbedingt vorzuziehen.
8.
Was ist beim Kauf gebrauchter Kindersitze zu beachten?
Sie können nur dann problemlos verwendet werden, wenn sichergestellt ist, dass der Kindersitz keine Beschädigungen aufweist und die Bedienungsanleitung vorhanden ist. Es darf z. B. der Sitzkörper (vorhandenen
Bezug abnehmen!) keine Risse, Verformungen oder Bruchstellen aufweisen. Gurte dürfen ebenfalls keine
Risse, deutliche Quetschspuren oder Ausfaserungen an den Rändern haben. Ebenso müssen bei sitzeigenen
Hosenträgergurten die Gurtpolster noch vorhanden sein. Das Gurtschloss sowie die Verriegelungssysteme
müssen funktionstüchtig einrasten und dürfen keine Absplitterungen aufweisen. Auch ein gebrauchter Sitz
muss unbedingt die aktuelle Prüfnorm ECE R 44/03 oder die seit Juli 2005 gültige ECE R 44/04 aufweisen (zu
erkennen am Prüfetikett mit einer Prüfnummer, die mit 03... oder 04… beginnt), denn die Prüfkriterien wurden
gegenüber der älteren Version ECE R 44/02 (gültig bis Ende 1995) deutlich verschärft. Seit April 2008 dürfen
diese alten Systeme nicht mehr verwendet werden. Empfehlung: Gebrauchte Kindersitze nur aus dem Bekanntenkreis erwerben, da hier die tatsächliche Nutzung sowie eventuelle, unübliche Beanspruchung besser
hinterfragt werden kann.
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9.
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Gibt es Fahrzeuge, für die spezielle Kindersitze vorgeschrieben sind?
Immer dann, wenn der Beifahrerairbag durch ein spezielles Transpondersystem automatisch abgeschaltet
wird, müssen Kindersitze verwendet werden, die eine entsprechende Erkennung aufweisen. In der Regel sind
dies Kindersitze, die der Fahrzeughersteller anbietet (z. b. Smart, Mercedes, Mazda, Opel-Fahrzeuge mit aufpreispflichtigem Transpondersystem). Problem: Das automatische Abschaltsystem funktioniert aber nur herstellerspezifisch. Wenn jedoch der Beifahrerairbag durch einen so genannten Schlüsselschalter oder durch die
Werkstatt permanent abgeschaltet werden kann, können alle gebräuchlichen Kindersitze auf diesem Platz
verwendet werden.
In der Fahrzeugbedienungsanleitung wird meist unter dem Stichwort Kindersicherung oder Kindersitze aufgeführt, ob auf dem Beifahrerplatz spezielle Kindersitze vorgeschrieben sind.
10. Was schreibt der Gesetzgeber vor und wann darf ein Kind ohne Kindersitz gesichert werden?
Der Gesetzgeber schreibt vor, dass Kinder bis zu einer Körpergröße von 150 cm mit geeigneten Kindersitzen
(für größere Kinder i. d. R. Sitzerhöhung) gesichert werden müssen, damit auch bei größeren Kindern der
Dreipunkt-Sicherheitsgurt am Körper des Kindes so verläuft, wie bei einem Erwachsenen. Wichtig ist, dass
Sitzerhöhungen unbedingt ausgeprägte Gurthaken aufweisen, da sonst ein hochrutschender Beckengurt
schwere Bauchverletzungen verursachen kann. Sitzerhöher mit Rückenstützen sind auch für größere Kinder
sicherer, da dadurch eine bessere Schultergurtführung und Kopfabstützung gewährleistet wird. In der Bedienungsanleitung des Kindersitzes ist beschrieben, ob der jeweilige Sitz nur mit der Rückenstütze verwendet
werden darf. Wenn das Kind 150 cm Größe überschritten hat und der Dreipunkt-Gurt richtig am Körper des
Kindes verläuft, braucht auch ein Kind, das noch keine 12 Jahre alt ist, keinen speziellen Kindersitz mehr.
Seit April 2008 dürfen keine alten Kindersitze mehr verwendet werden, die die Prüfnorm ECE R 44/03 oder
ECE R 44/04 nicht aufweisen (siehe Prüfsiegel am Kindersitz: Die Prüfnummer unter einem E in einem Kreis
muss mit 03… oder mit 04… beginnen). Die über 13 Jahre alten Kindersitze mit Prüfnummer 01… oder 02…
erfüllen nicht mehr die heutigen Sicherheitsanforderungen. Seit 1. Juli 2009 soll der Handel nur noch Kindersitze verkaufen, die die Prüfnorm ECE R 44/04 aufweisen. Ein Verkaufsverbot für Produkte nach ECE R 44/03
wurde aber in Deutschland nicht erlassen.
11. Fahrzeug-Sicherheitsgurt für das Befestigen von einem Kindersitz zu kurz?
Eine Gurt-Mindestlänge ist erst seit 2001 für Neufahrzeuge vorgeschrieben, d.h. es muss ein Prüfkörper (Gabarit) befestigt werden können. Aus diesem Grund kann es vor allem beim Befestigen von Babyschalen dazu
kommen, dass der Sicherheitsgurt nicht um die Kindersitzschale reicht. In diesen Fällen darf der Gurt nur mit
Genehmigung des Fahrzeugherstellers verlängert werden. Unter Umständen sollte man prüfen, ob bei einem
Vergleichsfahrzeug die Gurtlänge ähnlich kurz ausfällt. Falls es im Ersatzteilprogramm des Herstellers keine
längere Gurt-Version gibt, sollten Babyschalen, die ein Grundgestell (Basis) aufweisen, verwendet werden.
Diese Technik benötigt ebenfalls relativ wenig Gurtlänge (z. B. Chicco Autofix plus, Graco Logico, Bebe Confort Babycoque Streety) In einigen Fällen ist aber eine korrekte Montage auch möglich, wenn der Beckengurt
in die Gurtführungen der Babyschale gelegt wird, aber das Gurtschloss noch nicht geschlossen wird. Durch
leichtes Kippen der Schale Richtung Rücksitzlehne kann dann der Schultergurt um die Babyschale geführt
werden. Danach das Gurtschloss schließen, die Babyschale in die richtige Position bringen und den Sicherheitsgurt stramm ziehen.
12. Welche Vor- oder Nachteile bieten im Fahrzeug integrierte Kindersitze?
Einige Fahrzeughersteller bieten gegen Aufpreis integrierte Kindersitze an. Diese Kindersitze sind zwar praktisch und es können deutlich weniger Bedienungsfehler beim Sichern der Kinder geschehen, sie können aber
nicht von Fahrzeug zu Fahrzeug umgebaut werden. Da diese Sitze meist einen höheren Preis haben als universell verwendbare Zubehör-Kindersitze und eine Babyschale zusätzlich noch gekauft werden muss, ist die
Verbreitung der integrierten Kindersitze nicht sehr hoch. Aus ADAC-Tests geht hervor, dass integrierte Kindersitze keinen Sicherheitsvorteil gegenüber guten Zubehör-Kindersitzen bieten. Zum Teil ist die Schlafposition
für Kinder, die Gurtführung und die seitliche Abstützung bei integrierten Kindersitzen schlechter als bei guten
Universal-Kindersitzen. Ihr Vorteil liegt vor allem darin, dass sie immer im Fahrzeug vorhanden sind (z. B.
spontane Mitnahme von Kindern).
13. Sind "ISOFIX"-Kindersitze universell verwendbar für alle Fahrzeuge?
Unter "ISOFIX" versteht man eine genormte, feste Verbindung zwischen Kindersitz und Fahrzeug, die vor allem den sicheren Einbau des Kindersitzes deutlich erleichtert. Fast alle neuen Automodelle kommen mit entsprechenden Haltebügeln auf den Rücksitzen und teilweise auch auf dem Beifahrersitz auf den Markt. Das
bisherige Angebot an ISOFIX-Kindersitze hat aber häufig noch keine universelle Zulassung, d. h. es dürfen
diese Sitze nur in den Fahrzeugmodellen mit ISOFIX-Bügeln eingebaut werden, die in der ProduktBedienungsanleitung aufgeführt sind. Die Modell - "Freigaben" werden aber von den Kindersitzherstellern laufend erweitert und die Listen im Internet aktualisiert. ISOFIX-Sitze dürfen jedoch mit ihrer ebenfalls vorhandenen "normalen" Gurtbefestigung in alle Fahrzeuge eingebaut werden.
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Eine Universal-Zulassung für ISOFIX-Kindersitze, d. h. Einbau in alle Fahrzeuge mit ISOFIX-Bügel, ist seit
2004 möglich. Ein dritter Befestigungspunkt oben an der Kindersitzschale (Top Tether) und ein neuer Verankerungspunkt im Fahrzeug (z. B. hinter der Rücksitzlehne) sorgen hier dafür, dass z. B. bei weichem Fahrzeugsitzpolster der Kindersitz nicht übermäßig weit nach vorne gedreht werden kann. Es weisen aber noch nicht
alle neuen Fahrzeuge den dritten Verankerungspunkt auf. Auch deshalb werden derzeit noch relativ wenige
Isofix-Kindersitze mit Universal-Zulassung angeboten (z. B. Römer Duo Plus ISOFIX, Bebe Confort Iseos Isofix und Chicco Key 1 Isofix). Eine Nachrüstung von Top Tether ist derzeit nur beim Kindersitz Römer Duo Plus
ISOFIX möglich (ca. 15,- Euro).
Wichtig: ISOFIX-Kindersitze mit Universalzulassung dürfen nur in Fahrzeugen eingesetzt werden, die einen
dritten Verankerungspunkt aufweisen (siehe Fahrzeugbedienungsanleitung - Stichwort „Kindersicherung“).
Eine Nachrüstung ist nicht möglich.
Teilweise gibt es in neueren Fahrzeugen Staufächer im Fußraum (z. B. VW Touran, VW Caddy, Ford C-, SMax, Ford Galaxy, Citroen Berlingo u. Renault Kangoo). Es muss hier anhand der Fahrzeugfreigabeliste von
Isofix-Kindersitzen geprüft werden, ob Kindersitze mit Stützfuß verwendet werden dürfen. VW und Ford bieten
hier auch einen speziellen Füllkörper an, der die Stabilität des Staufachdeckels gewährleistet. Für die neuen,
alternativen Kindersitze nach ECE-R129, i-Size gilt, dass entweder das Neufahrzeug eine neue Kennzeichnung besitzt („i-Size“), oder das jeweilige Fahrzeug in der am Kindersitz beigefügten Freigabeliste enthalten
ist.
14. Welche Autos sind für Familien besonders geeignet?
Bei der Sicherung von mehreren Kindern im Auto kommt es schnell zu Platz- und Montageproblemen. Dies
zeigen immer wieder die Ergebnisse im ADAC-Autotest. Insbesondere reichen die Platzverhältnisse auf der
Rückbank meist nicht aus um drei Kindersitze nebeneinander zu montieren. Es kommen deshalb für Familien
mit mehreren Kindern vorrangig Großraumlimousinen oder Vans in Frage die in der zweiten Sitzreihe über
Einzelsitze verfügen bzw. eine dritte Sitzreihe aufweisen. Entsprechende Fahrzeug-Beurteilungen bietet der
ADAC mit seinen Autotests an (www.adac.de).
15. Neue, alternative Zulassung (ECE-R129; „i-Size“) seit Mitte 2013
Derzeit überarbeitet der Gesetzgeber die Zulassungsvorschrift für Kindersitze. Die erste Phase der neuen
Richtlinie wurde bereits von der UN ECE verabschiedet und ist am 9. Juli 2013 in Kraft getreten. Die neue
Richtlinie (ECE-R129) wird für eine Übergangszeit parallel zur ECE-R 44 bestehen, die wesentlichen Neuerungen sind:
Die (i-size) Produkte müssen einen Seitenaufpralltest bestehen, um eine Zulassung zu erhalten. Die langjährige Forderung des ADAC wird damit umgesetzt. Der Kindersitz muss nicht mehr, wie bisher anhand des Gewichts des Kindes, sondern anhand der Körpergröße des Kindes ausgewählt werden. Dabei kann der Hersteller selbst festlegen für welchen Größenbereich sein Sitz geeignet ist, z. B. von 40 cm bis 100 cm Körpergröße,
die Einteilung der Sitze in Klassen entfällt. Alle Kinder müssen bis 15 Monate gegen die Fahrtrichtung transportiert werden (das gilt nur für Kindersitze, die nach der neuen Richtlinie (ECE-R129) zugelassen sind – nicht
für Produkte mit ECE-R 44-Zulassung). Auch Isofix-Kindersitze mit Stützfuß und i-size-Zulassung können eine
universale Zulassung erhalten, allerdings nur für die Verwendung in Fahrzeugen mit speziell gekennzeichneten Sitzplätzen („i-size-tauglich“). Derzeit gibt es nur wenige Neufahrzeuge, die bereits die neue i-sizeKennzeichnung auf den Sitzplätzen aufweisen. Für Eltern die bereits einen Kindersitz haben ändert sich durch
die neue Richtlinie nichts. Die bereits vorhandenen Kindersitze dürfen selbstverständlich unverändert weiterverwendet werden. Ein Verwendungsverbot von Kindersitzen, die nach ECE-R 44 zugelassen sind, ist derzeit
nicht geplant.
Eltern, die einen neuen Kindersitz benötigen, können ebenfalls noch Produkte kaufen, die eine ECE-R 44 Zulassung haben. Sie müssen nicht befürchten, dass sie diese schon bald nicht mehr nutzen dürfen. Wenn die
ersten Produkte auf dem Markt kommen, die nach der neuen Richtlinie zugelassen sind (i-Size), müssen Sie
sich gut informieren, ob sie diese Sitze in ihrem Fahrzeug verwenden können. Entweder Ihr Neufahrzeug hat
schon eine Kennzeichnung (i-Size), oder in der am Kindersitz beigefügten Freigabe ist Ihr Fahrzeug aufgeführt.
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16. Können Kindersitze, die beim Test mit "mangelhaft" bewertet wurden, noch verwendet werden?
Der ADAC-Kindersitztest ist ein Verbraucherschutztest, der in vielen Kriterien über den gesetzlichen Mindestanforderungen (ECE R 44) liegt. So wird beim ADAC Test seit Jahren zusätzlich zum Frontcrash auch ein
Seitencrashtest durchgeführt und der Schadstoffgehalt im Bezug speziell geprüft. Auch die Möglichkeit von
folgenschweren Fehlbedienungen wird sehr streng bewertet. Wenn es zu einer Bewertung "mangelhaft"
kommt, reagieren die Hersteller meist mit sofortigen Änderungen. Die Zulassung des Kindersitzes ist aber
weiterhin gültig und der Kindersitz darf verwendet werden. Wenn man schon ein Produkt gekauft hat, das die
Bewertung "mangelhaft" bekam, empfehlen wir mit dem Händler oder dem Kindersitzhersteller Kontakt aufzunehmen und eventuelle Änderungen zu klären.
17. Was ist von „Billig“-Kindersitzen aus dem Internet oder von Discountern zu halten?
Der ADAC testet immer wieder auch Kindersitze der unteren Preisklasse („Billig“-Kindersitze). Ein Großteil
dieser Produkte bekommt aber häufig ein „mangelhaft“, da es große Schwächen bei der Sicherheit oder bei
der Schadstoffprüfung gibt. Reine Sitzerhöher ohne Rücken-/Kopfabstützung bieten keine gute Schultergurtführung und auch keinen Schutz beim Seitenaufprall. Also Vorsicht bei „Billig“-Kindersitzen!
18. Kindersicherung in Fahrzeugen mit Gurtairbag?
Nur wenige Hersteller, wie z.B. Ford und Mercedes, bieten auch Gurtairbag auf den Rücksitzplätzen an. Hier
können meist nur bestimmte Kindersitze, die nicht mit dem Fahrzeuggurt befestigt werden, eingesetzt werden.
Für Isofixkindersitze, bei denen der Fahrzeuggurt nicht benötigt wird, gibt es keine Einschränkung. Vor dem
Kauf müssen deshalb unbedingt die Hinweise in der Fahrzeugbedienungsanleitung zur Montage von Kindersitzen beachtet werden.
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Praxis
1. Was ist insbesondere bei Babyschalen zu beachten?
2. Ab wann Wechsel zu Systemen mit Dreipunktgurt-Sicherung?
3. Welcher Platz ist der sicherste für Kinder im Auto?
4. Darf ein Kindersitz auch auf einem nach hinten gerichteten Fahrzeugsitz verwendet werden?
5. Was ist in mit Airbags ausgerüsteten Fahrzeugen zu beachten?
6. Wie sichere ich mehrere Kinder (z. B. im Rahmen einer Fahrgemeinschaft)?
7. Wie müssen Kinder in Schulbussen oder im Reisebus gesichert werden?
8. Müssen Kinder auch bei "spontanen" Kurzfahrten gesichert werden?
9. Kindersicherung im Taxi
10. Schlafendes Kind rutscht aus Schultergurt.
11. Was passiert, wenn der Kindersitz nicht korrekt eingebaut wird?
12. Welche Gefahren kann es beim Sichern von Kindern im Winter geben?
13. Sehr alte Kindersitze dürfen seit April 2008 nicht mehr verwendet werden. Wie erkenne ich diese?
14. Mitnahme von Kindern in Fahrzeugen ohne Sicherheitsgurt (z.B. Oldtimern, Lkw, Bus)?
15. Mitnahme von Kindern auf dem Motorrad oder Quad?
16. Dürfen Kindersitze aus der EU auch in den USA verwendet werden und umgekehrt?
17. Kindersicherung in anderen europäischen Ländern?
1.
Was ist insbesondere bei Babyschalen zu beachten?
Bei Neugeborene und Babys ist die Wirbelsäule noch nicht stabil ausgebildet. Aus diesem Grund sollten sie
vor allem in den ersten 3 Monaten möglichst liegen. Da in Babyschalen aber eine halbsitzende Position vorgegeben ist, sollten Babys nur kurze Zeit damit transportiert werden. Dies gilt insbesondere auch, wenn die Babyschale außerhalb des Autos mit einem passenden Fahrgestell verwendet wird. Wichtig beim Tragen von
Babyschalen ist, dass das Kleinkind immer - angegurtet und der Tragebügel in Tragestellung (nach oben) eingerastet ist. Ansonsten könnte das Kind aus der Schale fallen. Bei der Sicherung im Fahrzeug muss aber der
Tragebügel so gestellt werden, wie es die Bedienungsanleitung des Kindersitzes vorgibt. Babyschalen sollten
so lange wie möglich verwendet werden, da der rückwärtsgerichtete Transport Vorteile bei einer Frontalkollision bewirkt.
Falls die Babyschale im Fahrzeug - bedingt durch die Konzeption des Fahrzeugsitzes - relativ steil steht und
dadurch der Kopf des Kindes beim Schlafen nach vorne fällt, kann man mit speziellen Schlafkissen (z. B. von
Firma Sandini) die Situation verbessern.
2.
Ab wann Wechsel zu Systemen mit Dreipunktgurt-Sicherung?
Kinder sollten erst dann in Kindersitzen mit dem Dreipunkt-Sicherheitsgurt direkt gesichert werden, wenn sie
richtig sitzen können und die Gefahr nicht mehr besteht, dass sie seitlich aus dem Schultergurt schlüpfen. Das
ist in der Regel erst ab 4 bis 5 Jahren der Fall.
3.
Welcher Platz ist der sicherste für Kinder im Auto?
Der sicherste Platz für Kinder im Auto ist grundsätzlich auf den Rücksitzen. Es sollte vor allem der Platz hinten
rechts oder hinten in der Mitte ausgewählt werden, da dann das Kind auch immer auf der Seite zum Fußweg
aus- und einsteigt. Die Empfehlungen und Hinweise der Fahrzeughersteller in den Fahrzeugbedienungsanleitungen sollten gerade bei Fahrzeugen mit Airbags unbedingt beachtet werden, da diese z. T. unterschiedlich
sind.
4.
Darf ein Kindersitz auch auf einem nach hinten gerichteten Fahrzeugsitz verwendet werden?
Grundsätzlich gilt, dass Kinder in Fahrzeugen mit Sicherheitsgurten mit geeigneten Kindersitzen gesichert
werden müssen. D.h. es müssen die Kinder auf die Sitzplätze, bei denen der jeweilige Gurt (3-Punkt- oder 2Punktgurt) für die Montage des Kindersitzes zugelassen ist. I.d.R. sind das nur vorwärtsgerichtete Fahrzeugsitze. Unter Umständen muss deshalb ein Erwachsener auf einen rückwärtsgerichteten oder seitlichen Sitz
ausweichen. Sind alle vorwärtsgerichteten Sitze belegt und müssen noch weitere Kinder gesichert werden, so
müssen auch auf rückwärtsgerichteten oder seitlichen Sitzen Kindersitze verwendet werden. Nur wenn kein
geeigneter Kindersitz für eine ordnungsgemäße Befestigung mit 3- oder 2-Punktgurt mehr zur Verfügung steht
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oder die Platzverhältnisse es nicht zulassen, dürfen Kinder nur mit dem Sicherheitsgurt gesichert werden. Auf
keinen Fall dürfen Kinder während der Fahrt im Schlafbereich von Wohnmobilen liegen.
5.
Was ist in mit Airbags ausgerüsteten Fahrzeugen zu beachten?
Grundsätzlich dürfen in Fahrzeugen mit aktivem Beifahrer-Airbag (Frontairbag) keine rückwärts gerichteten
Kindersitze auf dem Beifahrersitz installiert werden. Ein auslösender Airbag könnte sonst die Kindersitzschale
anschießen und somit das Kind erheblich belasten oder sogar töten. Nach vorne gerichtete Kindersitze dürfen
in den meisten Fällen auch auf dem Beifahrersitz montiert werden, er muss jedoch hierbei in die hinterste Position geschoben sein.
Es gibt jedoch Fahrzeughersteller, die den Beifahrersitz wegen möglicher Gefahren durch eine AirbagAuslösung generell für die Kindersicherung nicht empfehlen (z. B. BMW, Volvo, Opel teilweise). Der Gesetzgeber sieht aber für vorwärtsgerichtete Kindersitze auf dem Beifahrersitz keine Einschränkungen vor. Dennoch
sollten die Warnhinweise am Kindersitz und in der Fahrzeug-Bedienungsanleitung beachtet werden.
In neueren Fahrzeugen werden serienmäßig oder gegen Aufpreis (Audi, BMW, Seat) so genannte AirbagSchlüsselschalter angeboten, mit denen der Autofahrer selbst den Beifahrerairbag deaktivieren kann. Teilweise können diese Airbag-Schlüsselschalter in neueren Modellen auch nachgerüstet werden (z. B. Audi und
BMW) Es gibt aber auch Systeme, bei denen der Airbag durch eine spezielle Transponder-Erkennung im Kindersitz automatisch deaktiviert wird und das Fahrzeug muss über ein entsprechendes System verfügen (Sonderausstattung). Dies funktioniert aber nur herstellerspezifisch, d.h. es müssen Kindersitze vom Fahrzeughersteller (z.B. Mercedes, Mazda, Smart, Opel ab Mj.2002) verwendet werden.
Der ADAC empfiehlt aber ohnehin, für die Kindersicherung die hinteren Plätze zu verwenden. Nur im Ausnahmefall sollte der Beifahrersitz für die Kinder in Betracht kommen (z. B. wegen Beobachtung von Babys, wenn
kein weiterer Mitfahrer im Fahrzeug ist). Es muss jedoch in diesem Fall unbedingt der Beifahrer-Airbag deaktiviert werden.
Wenn das Fahrzeug mit Seitenairbags ausgerüstet ist, sollte man grundsätzlich darauf achten, dass beim
Schlafen das Kind nicht mit dem Kopf seitlich in den Airbag-Wirkbereich fällt. Zu bevorzugen sind, Kindersitze
mit guter Schlafposition oder Zubehör-Schlafkissen (z. B. Fa. Sandini).
6.
Wie sichere ich mehrere Kinder (z. B. im Rahmen einer Fahrgemeinschaft)?
Der Fahrer ist grundsätzlich für die ordnungsgemäße Sicherung aller Kinder verantwortlich!
Neue Kindersitze können meist nur mit einem Dreipunkt-Sicherheitsgurt befestigt werden. Nur wenige ältere
Modelle dürfen auch noch mit einem Zweipunkt-Gurt verwendet werden wie z. B. Römer Vario, Concord
Fixmax, Wavo FIX XL, Wavo G0/I und Graco Autobaby mit Basisgestell (Babyschale). Über einem Körpergewicht von 25 kg gibt es aber keinen Kindersitz mehr, der mit einem Zweipunkt-Gurt verwendet werden darf. Bei
mehreren Kindern müssen deshalb Kindersitze ausgewählt werden, die je nach Gurtausrüstung im Fahrzeug
und nach Platzangebot befestigt werden können. Soll ein Kind auf einem Beifahrerplatz mit Airbag gesichert
werden, müssen unbedingt die Hinweise zur Kindersicherung in der Bedienungsanleitung des Fahrzeuges
beachtet werden. Wenn wegen der Sicherung anderer Kinder mit Kindersitzen für die Befestigung eines weiteren Kindersitzes keine Möglichkeit besteht, darf ein Kind ab einem Alter von 3 Jahren auf den Rücksitzen mit
dem Erwachsenengurt ohne Kindersitz gesichert werden. Dies sollte aber nur im Ausnahmefall geschehen!
Die Erfahrungen im ADAC-Autotest zeigen, dass drei Kindersitze nebeneinander häufig nur in Fahrzeugen mit
Einzelsitzen (Van, Kleinbus) problemlos montierbar sind. Dies liegt daran, dass moderne und sichere Kindersitze etwas breiter geworden sind und die Sitzbänke meist eine stärkere Kontur aufweisen. Bei Problemfällen
sollte deshalb auch der Beifahrersitz für die Kindersicherung benutzt werden. Außerdem besitzen Van`s meist
eine dritte Sitzreihe, die bei Platzproblemen verwendet werden kann. In den meisten Fällen dürfte ein Fahrzeugwechsel auf einen Van mit dritter Sitzreihe die sinnvollere Alternative sein. Bitte beachten Sie hierzu die
Hinweise in der Fahrzeug-Bedienungsanleitung.
Für besondere Fälle, bei denen mit gewöhnlichen Kindersitzen keine Sicherung von mehreren Kindern gewährleistet werden kann, bietet die englische Fa. multimac ein System an, mit dem bis zu vier Kinder auf den
Rücksitzen gesichert werden können. Preis ab ca. 1.100 Euro. Es gibt aber hier nur eine englische Bedienungsanleitung und der Einbau ist sehr aufwändig. Infos finden Sie unter www.multimac.co.uk/home.
7.
Wie müssen Kinder in Schulbussen oder im Reisebus gesichert werden?
Grundsätzlich müssen Kinder auch in Schulbussen ordnungsgemäß gesichert werden, sofern Sicherheitsgurte
vorhanden (vorgeschrieben) sind. Bei neu zugelassenen Kraftomnibussen bis 3,5 t (i.d.R. bis 9 Sitzplätzen)
müssen ab 01.10.2001 Dreipunkt-Sicherheitsgurte installiert sein. Kinder müssen dann in diesen Fahrzeugen
mit geeigneten Kindersitzen gesichert werden.
In Omnibussen über 3,5 t (mehr als 9 Sitzplätze) müssen bei neuen Fahrzeugen (außer Omnibusse mit Stehplätzen für den Linienverkehr) ab 01.10.1999 Zweipunkt-Gurte verbaut werden. Sind Gurte im Bus vorhanden,
so müssen diese von den Insassen auch benutzt werden. Eine Vorschrift zur Kindersicherung mit Kindersitzen
gibt es in großen Omnibussen bis jetzt nicht, da nur wenige Systeme mit einem Bus-Beckengurt befestigt werden können. Die Kinder sollten aber dennoch (wenn vorhanden) mit dem Zwei-Punkt-Gurt gesichert werden.
Eine generelle Gurt-Nachrüstpflicht für Omnibusse gibt es wegen technischer und wirtschaftlicher Probleme
ADAC - Kinder im Auto gut gesichert
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nicht. Schulbusse (auch Busse im Linienverkehr), in denen Fahrgäste während der Fahrt stehen müssen, dürfen außerorts nicht schneller als 60 km/h fahren.
ADAC-Empfehlung: In einem Schulbus dürfen nur so viele Kinder mitfahren, wie Sitzplätze (Stehplätze) vorhanden und ausgewiesen sind. ADAC-Tests haben ergeben, dass durch die Mitnahme von Schultaschen bereits bei 70 bis 80 Prozent der zulässigen Fahrgastzahl die zumutbare Obergrenze erreicht ist. Insbesondere
bei Fahrten im Außerortsbereich müssen die Kinder während der Fahrt auf den Sitzen bleiben und der Fahrer
darf nicht gestört werden. Deshalb sollte in einem Schulbus möglichst eine geschulte Begleitperson mitfahren.
8.
Müssen Kinder auch bei "spontanen" Kurzfahrten gesichert werden?
Ja, Kinder bis zu einer Körpergröße von 150 cm müssen im Fahrzeug immer ordnungsgemäß mit Kindersitz
gesichert werden, da bei einer Sicherung nur mit dem Dreipunkt-Sicherheitsgurt alleine wegen der ungünstigen Lage vom Beckengurt bei einem Unfall Verletzungen im Bauchbereich entstehen können. Der Fahrer haftet für die korrekte Sicherung von Kindern im Fahrzeug! Im Fahrzeug integrierte Kindersitze bieten hier den
Vorteil, dass der Kindersitz immer griffbereit im Fahrzeug ist. Da diese aber selten in Fahrzeugen verbaut sind
empfiehlt es sich, Kindersitze im Fahrzeug mitzuführen, wenn immer wieder Kinder spontan mitgenommen
werden. Reine Sitzerhöher ohne Rückenstütze sollten aber nur im Ausnahmefall für die Kindersicherung Verwendung finden.
9.
Kindersicherung im Taxi
Seit Anfang 1998 gilt die gesetzliche Sicherungspflicht auch für die gelegentliche Mitnahme von Kindern in
Taxis. Da hier jedoch das Mitführen von gebräuchlichen Kindersitzen aller Gewichtsklassen Platzprobleme mit
sich bringt, gilt eine Sonderregelung.
Demnach müssen im Taxi nur Kindersitze ab 9 kg Körpergewicht, aber keine Babyschalen bereitgestellt werden. Es muss die Sicherung von bis zu zwei Kindern möglich sein und es muss für mindestens ein Kind ein
Sitz der Klasse 9-18 kg zur Verfügung stehen. Babyschalen müssen vom Fahrgast mitgebracht werden. Bei
Nichtbeachtung kommt es für den Fahrer entweder zu einem Verwarnungsgeld von mindestens 30 Euro (bei
Kind im Erwachsenengurt) oder zum Bußgeld von mindestens 60 Euro, wenn das Kind ungesichert ist. Für
regelmäßige Taxi-Fahrten (Festauftrag) gilt die Sicherungspflicht jedoch in vollem Umfang.
ADAC-Empfehlung: Auch bei Taxifahrten Kinder immer vorschriftsmäßig sichern!
10. Schlafendes Kind rutscht aus Schultergurt.
So lange Kinder im Auto noch häufig schlafen, ist es wichtig, dass in der Schlafposition die Gurtführung korrekt
ist. Es sollen deshalb auch bei größeren Kindern so genannte Schlaf- bzw. Rückenstützen verwendet werden.
U.U. muss auch für eine etwas flachere Neigung des Kindersitzes die Kopfstütze aus dem Auto ausgebaut
werden. Ein universell einsetzbares Schlafkissen gibt es von Sandini, mit dem schlafende Kinder gut abgestützt werden können.
11. Was passiert, wenn der Kindersitz nicht korrekt eingebaut wird?
Der richtige Einbau des Kindersitzes entscheidet über die Sicherheit bei einem Unfall. Gerade beim Ersteinbau
muss deshalb die Bedienungsanleitung unbedingt befolgt werden. Die meisten Fehler sind: zu lockerer Einbau
im Fahrzeug, Gurte am Körper des Kindes nicht stramm, Fangkörper (Tischchen) fehlt und Schultergurt verläuft nicht über die Schulter des Kindes.
12. Welche Gefahren kann es beim Sichern von Kindern im Winter geben?
Häufig werden Kinder im Winter mit dicken Anoraks oder Overalls im Kindersitz gesichert. Das birgt jedoch die
Gefahr, dass die Gurte am Körper nicht stramm genug angezogen werden und dadurch eine gefährliche Gurtlose entsteht. Insbesondere wenn die Schultergurte von der Schulter abrutschen oder der Beckengurt über
den Bauch verläuft, kann es bei einem Crash zu gefährlich hohen Belastungen kommen.
Der ADAC empfiehlt deshalb, dicke Anoraks möglichst auszuziehen und das korrekt gesicherte Kind, mit einer
Decke oder Jacke zu zudecken, solange es im Fahrzeug noch kalt ist. Auf jeden Fall müssen aber die Gurte
am Körper des Kindes möglichst stramm anliegen. Im Autozubehörhandel gibt es auch eine nachrüstbare
elektrische Kindersitzheizung, die in Sitzschalen und Sitzerhöhern mit Rückenstütze eingelegt werden kann.
Die Heizung erfolgt hierbei über den Zigarettenanzünder, aber ohne Thermostatsteuerung. Wichtig beim Einsatz dieser Sitzheizung ist, dass der Gurtverlauf im Kindersitz nicht gestört und die Heizung rechtzeitig wieder
ausgeschaltet werden.
13. Sehr alte Kindersitze dürfen seit April 2008 nicht mehr verwendet werden. Wie erkenne ich diese?
Seit April 2008 dürfen technisch veraltete Kindersitze nicht mehr verwendet werden. Das sind Kindersitze, die
über 13 Jahre alt sind und noch die alten Prüfnormen ECE R 44/02 oder 44/01 aufweisen. Zu erkennen ist
dies an einem Prüfsiegel auf dem Kindersitz. Wenn die Prüfnummern unter einem E in einem Kreis mit 01…
oder 02… beginnt, müssen diese Kindersitze ersetzt werden. Die derzeit gültigen Versionen beginnen mit 03…
oder 04…. Dies gilt übrigens auch für im Fahrzeug integrierte Kindersitze, wenn der Fahrzeughersteller nicht
ADAC - Kinder im Auto gut gesichert
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bestätigen kann, dass auch die aktuellen Prüfanforderungen erfüllt werden. Sitzerhöher ohne Rückenstütze,
die die aktuellen Prüfnormen erfüllen, dürfen weiterhin verwendet werden. Der ADAC empfiehlt aber aus
Gründen der Sicherheit Sitzerhöher nur mit Rücken-/Kopfstütze zu verwenden.
14. Mitnahme von Kindern in Fahrzeugen ohne Sicherheitsgurt (z.B. Oldtimern, Lkw, Bus)?
Bei Fahrzeugen ohne Sicherheitsgurte (z.B. Oldtimern) gelten nach § 21 Abs. 1b StVO besondere Regelungen. Demnach dürfen in diesen Fahrzeugen Kinder unter 3 Jahren überhaupt nicht und ältere Kinder bis 150
cm nur auf den Rücksitzen befördert werden. In Fahrzeugen ohne Rücksitze ist die Mitnahme nicht erlaubt. In
Bussen mit mehr als 9 Sitzplätzen gibt es keine Sicherungspflicht mit Kindersitzen.
15. Mitnahme von Kindern auf dem Motorrad oder Quad?
Eine zusätzliche Person darf auf einem Motorrad oder Quad nur mitgenommen werden, wenn ein Sitz, ein
Haltegriff und beidseitige Fußrasten vorhanden sind (§ 21 StVO, § 35 a StVZO). Werden Kinder unter 7 Jahren mitgenommen, die mit den Füßen nicht auf die Fußraster gelangen, muss für das Kind ein besonderer Sitz
vorhanden sein, der gewährleistet, dass die Füße nicht in die Speichen geraten können. Kinder dürfen nicht
auf dem Tank oder auf dem Schoß mitgenommen werden. Das mitfahrende Kind muss ebenso wie der Fahrer
einen Schutzhelm tragen. Für die Mitnahme in einem Beiwagen gibt es keine speziellen Vorgaben für die Sicherung.
16. Dürfen Kindersitze aus der EU auch in den USA verwendet werden und umgekehrt?
Die Zulassungsrichtlinien für Kindersitze in der EU, in den USA oder Australien sind unterschiedlich. Deshalb
gibt es auch keine einheitliche Kennzeichnung.
Wir empfehlen z. B. bei einem Wohnungswechsel oder einer Reise die dort zugelassenen Kindersitze zu verwenden, da es sonst Probleme bei Kontrollen oder mit Versicherungen geben kann.
Bei Reisen mit Mietfahrzeugen sollte immer der passende Kindersitz mit angemietet werden.
17. Kindersicherung in anderen europäischen Ländern?
Während die Zulassung von Kindersitzen in der EU gleich ist, gibt es aber teilweise etwas unterschiedliche
Bestimmungen für das Sichern von Kinder (z.B. max. Größe).
Es gibt aber im europäischen Ausland keine Probleme, wenn die Kinder so, wie in Deutschland üblich mit geeigneten Kindersitzen bis zu einer Körpergröße von 150 cm, gesichert werden.
Problemfälle
1. Kindersitz-Ersatz nach Unfall?
2. Gibt es ein Verfallsdatum bei Kindersitzen?
3. Sicherung in Fahrzeugen ohne Kopfstützen?
4. Mein Kind öffnet während der Fahrt das Gurtschloss, streift die Hosenträgergurte ab oder drückt den
Fangkörper nach vorne - was kann ich tun?
5. Wie müssen Kinder im Wohnmobil gesichert werden?
6. Gibt es Kindersitze für die Befestigung mit Zweipunktgurt?
7. Gibt es spezielle Kindersitze für Kinder mit Handicap oder für Kinder mit Hüftdysplasie?
8. Körpergröße und Gewicht des Kindes über den Kindersitzangaben (z.B. über 36 kg)
9. Kindersicherung im Flugzeug?
10. Was kann man machen, wenn Sitzerhöher mit Rückenstützen auf dem Fahrzeugsitz bei Kurvenfahrt verrutschen oder kippen?
11. Isofix-Kindersitz hat seitliches Spiel in der Verankerung: Problem?
12. Austausch des Bezuges oder der Gurte wegen starker Verschmutzung oder Schäden?
13. Was ist, wenn in der Fahrzeugbedienungsanleitung steht, dass gewisse Sitzplätze für die Kindersicherung
nicht empfohlen werden?
14. Vorsicht bei Verschmutzungen (z. B. Essensreste, süße Flüssigkeiten usw.) im Gurtschloss oder an den
Spanngurten!
1.
Kindersitz-Ersatz nach Unfall?
Immer dann, wenn nach einem Unfall ein Kindersitz Beschädigungen aufweist, darf er nicht mehr verwendet
werden. Sind keine Beschädigungen erkennbar, sollte der Kindersitz von einem Sachverständigen oder vom
ADAC - Kinder im Auto gut gesichert
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Kindersitz-Hersteller geprüft werden. In der Regel zahlt die Versicherung des Unfallverursachers die Kosten
für eine Überprüfung, Reparatur oder Ersatz.
2. Gibt es ein Verfallsdatum bei Kindersitzen?
Ein gesetzlich vorgeschriebenes Verfallsdatum für Kindersitze gibt es nicht. Der Hersteller kann hier nur eine
Empfehlung in der Bedienungsanleitung machen. Wir empfehlen aber Kindersitze bei Problemen mit dem
Gurtschloss, bei Beschädigungen der Gurte oder auch bei leichten Brüchen oder starken Verfärbungen der
Kunststoffschale auszutauschen.
Auf keinen Fall dürfen alte Kindersitze nach der ECE R44/01 oder 02 verwendet werden (hier beginnt die
Prüfnummer auf dem Label am Kindersitz mit 01... oder mit 02...).
3.
Sicherung in Fahrzeugen ohne Kopfstützen?
Ein sicherer Fahrzeugplatz weist einen Dreipunkt-Sicherheitsgurt und eine Kopfstütze auf. Soweit machbar,
sollte man Kopfstützen für die Rücksitzbank nachrüsten. Aufgrund erhöhter Verletzungsrisiken bei der ausschließlichen Verwendung des Erwachsenengurtes müssen auch in Autos, die hinten keine Kopfstützen haben, ältere Kinder auf Sitzerhöhungen gesichert werden. Es empfiehlt sich bei Sitzerhöhungen immer Systeme
mit Rückenstützen zu verwenden, da dann der Kopf abgestützt ist.
4.
Mein Kind öffnet während der Fahrt das Gurtschloss, steift die Gurte ab oder drückt den Fangkörper nach vorne - was kann ich tun?
Die Gurtschlösser an den Kindersitzen müssen so beschaffen sein, dass eine Rettungsperson bei einer Unfallsituation das Kind schnell befreien kann, d. h. die Öffnungstaste muss auffällig rot markiert sein und die
Betätigungskraft darf einen gewissen Maximalwert nicht überschreiten. Das wiederum führt dazu, dass Kinder
das Gurtschloss vereinzelt auch selbst öffnen. In dieser Situation sollte dem Kind klargemacht werden, dass
das Auto nur dann fährt, wenn das Gurtschloss geschlossen ist. Bei bestimmten Problemfällen (z. B. geistig
behinderte Kinder) können Fangkörpersysteme verwendet werden, bei denen das Gurtschloss nur erschwert
erreichbar ist. Bei Kindern, die sich aus Langeweile mutwillig vom Hosenträgergurt oder Fangkörper befreien,
sollte man auf Ablenkung (z. B. Hör-CD, Video, Spielzeug oder Betreuung) setzen. Systeme, die die Gurte
oder das Schloss beeinflussen, sind nicht geprüft und genehmigt.
5. Wie müssen Kinder im Wohnmobil gesichert werden?
Grundsätzlich gilt, dass Kinder in Fahrzeugen mit Sicherheitsgurten mit geeigneten Kindersitzen gesichert
werden müssen. D.h. es müssen die Kinder auf die Sitzplätze, bei denen der jeweilige Gurt (3-Punkt- oder 2Punktgurt) für die Montage des Kindersitzes zugelassen ist. I.d.R. sind das nur vorwärtsgerichtete Fahrzeugsitze. Unter Umständen muss deshalb ein Erwachsener auf einen rückwärtsgerichteten oder seitlichen Sitz.
Nach §21 der Straßenverkehrsordnung (StVO) dürfen nicht mehr Personen befördert werden als Sicherheitsgurte vorhanden sind. In Wohnmobilen sind entsprechende Sitzplätze für die Fahrt ausgewiesen. Sind alle
vorwärtsgerichteten Sitze belegt und müssen noch weitere Kinder gesichert werden, so müssen auch auf
rückwärtsgerichteten oder im Notfall auch seitlichen Sitzen Kindersitze verwendet werden. Nur wenn kein geeigneter Kindersitz für eine ordnungsgemäße Befestigung mit 3- oder 2-Punktgurt mehr zur Verfügung steht,
dürfen Kinder ab 3 Jahren dort nur mit dem Sicherheitsgurt gesichert werden. Auf keinen Fall dürfen Kinder
während der Fahrt im Schlafbereich von Wohnmobilen liegen.
6. Gibt es Kindersitze für die Befestigung mit Zweipunktgurt?
Die meisten neuen Kindersitze dürfen nur noch mit einem Dreipunkt-Gurt gesichert werden. Eine Ausnahme
stellt der neuere Kindersitz Graco SnugFix + Basis dar. Nur wenige ältere Modelle können auch mit einem
Zweipunkt-Sicherheitsgurt (Statikgurt) befestigt werden, z. B. Babyschale bis 13 kg: Graco Autobaby mit Basis;
Kindersitzschale mit Hosenträgergurt: Concord Fixmax (9-25 kg) und WAVO Fix XL (9-18 kg), Römer Eclipse
(9-18 kg), Britax Römer Ma-Way (9-25 kg), sowie Fangkörper-System Römer Vario (15-25 kg). Sitzerhöher für
größere Kinder dürfen generell nur mit einem Dreipunkt-Gurt befestigt werden. Somit gibt es für Kinder ab ca.
7 Jahren keine geeigneten Kindersitze für die Befestigung mit einem Zweipunkt-Gurt. Nur im absoluten Ausnahmefall, wenn auf anderen Sitzplätzen schon Kinder gesichert sind und kein geeigneter Kindersitz mehr zur
Verfügung steht, darf ein Kind ohne Kindersitz alleine mit dem Zweipunkt-Gurt angeschnallt werden. Bitte beachten Sie hierzu auch die Hinweise zur Kindersicherung in Ihrer Fahrzeug-Bedienungsanleitung!
7. Gibt es spezielle Kindersitze für Kinder mit Handicap oder Hüftdysplasie?
Für behinderte Kinder werden meist Systeme benötigt, in denen die Kinder möglichst lange besonders gut
abgestützt sind oder das Gurtschloss vom Kind nicht leicht geöffnet werden kann. Teilweise werden diese
Anforderungen auch von herkömmlichen Kindersitzen erfüllt. Es empfiehlt sich hier ein Fangkörpersystem
(z.B. von der Fa. Kiddy oder Cybex) von 9-15 kg oder ein System mit Hosenträgergurten von 9-18 kg. Spezielle Kindersitze für Behinderte werden auch über Reha- und Sanitäts-Geschäfte angeboten (siehe auch
www.reha-partner.de, www.atoform.com, www.rehakids.de, www.hernik.de oder www.thomashilfen.de).
Für Kinder mit Hüftdysplasie werden spezielle Kindersitze von verschiedenen Herstellern angeboten (z.B. Britax Römer, Maxi Cosi oder Bébé Confort).
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8. Körpergröße und Gewicht des Kindes über den Kindersitzangaben (z.B. über 36 kg)
Bis zu einer Körpergröße von 150 cm bzw. bis zum vollendeten 12. Lebensjahr gilt die Pflicht zur Verwendung
von Kinder-Sicherungssystemen. Im Bereich 6 bis 12 Jahre wird in Verbindung mit einem Sitzerhöher insbesondere ein guter Fahrzeuggurt-Verlauf im Becken- und Schulterbereich erreicht. Obwohl die ECE-Zulassung
für Sitzerhöher aus prüftechnischen Gründen auf 36 kg beschränkt ist, müssen auch schwerere Kinder die
Systeme verwenden. Nach Auskunft der Bundesanstalt für Straßenwesen und dem Verkehrsministerium ist
die Eignung der Sitzerhöher auch für Kinder über 36 kg gegeben. Es empfehlen sich möglichst breite und
stabile Modelle. Eventuell muss auch auf einen Sitzerhöher mit sehr niedrigen Gurthaken zurückgegriffen werden. Nur für den Fall, dass der Körperumfang des Kindes so groß ist, dass es in keinen im Handel erhältlichen
Kindersitz passt, kann durch die Straßenverkehrsbehörde (Stadt bzw. Landratsamt) eine Ausnahmegenehmigung erteilt werden.
Folgende Kindersitze bieten überdurchschnittlich viel Platz: z. B. Bébé Confort Windoo Plus und Chicco
Keyfit (Babywanne, -schale) Bébé Confort Opal, Chicco Eletta, Kiddy Energy Pro 2 (Kindersitzschale), Concord Transformer Click (Sitzerhöher)
9. Kindersicherung im Flugzeug?
Derzeit können Kinder bis 2 Jahren im Flugzeug noch auf dem Schoß eines Erwachsenen mitgenommen
werden. Sie benötigen also keinen eigenen Sitzplatz. Das Kind muss aber mit einem Schlaufengurt am Gurt
des Erwachsenen gesichert werden. Dies ist nicht nur unkomfortabel sondern auch bei schweren Turbulenzen
oder einer Notlandung gefährlich. Es empfiehlt sich deshalb immer für Kinder einen eigenen Sitzplatz zu buchen. Die Airlines sollten dann aber auch für Kinder bis ca. 6 Jahren eine spezielle Kindersicherung anbieten,
da der übliche Flugzeugbeckengurt für Erwachsene konzipiert ist. Gegenwärtig erlauben nur einige Airlines
bestimmte Auto-Kindersitze für die Sicherung im Flieger (z. B. Lufthansa, Air Dolomiti, Cityline, Contact Air,
Cirrus Airlines, Eurowings, German Wings, PrivatAir usw.). Dies ist damit begründet, dass Auto-Kindersitze
nicht in alle Flugzeugsitze passen und diese meist nicht mit einem Beckengurt befestigt werden können. Fragen Sie deshalb bei der Buchung, ob und welche Kindersitze verwendet werden können. Wichtig ist aber,
dass Sie und Ihr Kind während des Flugs immer angegurtet sind, damit es bei plötzlichen Turbulenzen nicht
zu einer Gefährdung kommt. Kindersitze, die in bestimmten Fliegern verwendet werden können, tragen das
Zeichen „For use in aircraft“. Unter
www.tuv.com/de/germanyinfothek/infothek/kindersitze_flugzeug/hersteller_kindersitze/hersteller_kindersitze.jsp
werden diese aufgelistet und die Airlines aufgeführt.
Ein spezielles Sicherungssystem für Kinder wird auch von der Firma Cares angeboten www.cares.eu. Bitte
fragen Sie vor dem Flug bei Ihrer Airline nach, ob sie das System verwenden können.
10. Was kann man machen, wenn Sitzerhöher mit Rückenstützen auf dem Fahrzeugsitz bei Kurvenfahrt verrutschen oder kippen?
Die Kindersitze weisen zwar meist auf der Rückseite so genannte "Antirutschstreifen" auf, dennoch kann es
durch z. B. sehr glatte Fahrzeugsitzbezüge, ungünstige Sitzkonturen und weit vorstehende Kopfstützen zum
Verrutschen oder Kippen des Kindersitzes kommen. Lösungsvorschläge sind hierbei Systeme mit IsofixBefestigung oder eine Antirutschauflage über den gesamten Fahrzeugsitz. Ebenfalls hilfreich ist, wenn die
Kopfstütze nach hinten positioniert wird, so dass der Kindersitz flächig an der gesamten Sitzlehne anliegt.
Teilweise werden hierfür von den Kindersitzherstellern auch Keilkissen als Fahrzeugsitzauflage angeboten.
11. Isofix-Kindersitz hat seitliches Spiel in der Verankerung: Problem?
Teilweise kann es vorkommen, dass Isofix-Kindersitze in der Verankerung ein geringes seitliches Spiel haben.
Dies ist nötig, um einen einfachen Einbau von verschiedenen Fahrzeug-Kindersitz-Kombinationen ohne Verklemmen zu ermöglichen. Der Unfallschutz wird dadurch nicht beeinträchtigt. Wir empfehlen, bei rutschigen
Sitzbezügen oder auch bei Leder eine rutschhemmende Unterlage zu verwenden (z. B. Teppichunterlage).
12. Austausch des Bezuges oder der Gurte wegen starker Verschmutzung oder Schäden?
Der Kindersitzbezug sowie die Gurte und das Gurtschloss sind Bestandteil der Zulassung. Sie dürfen deshalb
nur durch Originalteile vom Hersteller ersetzt werden. Insbesondere die Polster an den Hosenträgergurten sind
Konstruktionsteile (Reibelemente), die bei hoher Belastung eine Energie abbauende Funktion ausüben. Leider
sind die Originalersatzteile teilweise sehr teuer. Bitte prüfen Sie bei älteren Kindersitzen vor Austauschreparaturen, ob es noch wirtschaftlich erscheint.
13. Was ist, wenn in der Fahrzeugbedienungsanleitung steht, dass gewisse Sitzplätze für die Kindersicherung nicht empfohlen werden?
Die Fahrzeughersteller müssen in der Fahrzeugbedienungsanleitung angeben, welche Sitzplätze für die Kindersicherung geeignet sind. Der Autofahrer ist aber gesetzlich verpflichtet alle mitfahrenden Kinder bis zu
einer Körpergröße von 150 cm mit geeigneten Kindersitze zu sichern. D.h. die gesetzliche Vorschrift zum Sichern der Kinder steht hier der Empfehlung des Fahrzeugherstellers vor. Unter Umständen müssen deshalb
auf dem mittleren Rücksitzplatz wegen Platzproblemen auch Sitzerhöher ohne Rückenstütze verwendet werden. Auf keinen Fall dürfen aber auf dem Beifahrerplatz rückwärtsgerichtete Kindersitze montiert werden,
ADAC - Kinder im Auto gut gesichert
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wenn der Airbag nicht deaktiviert ist. Hierfür gibt es auch den gesetzlich vorgeschriebenen AirbagWarnhinweis am Fahrzeug. Bei vorwärts gerichteten Kindersitzen auf dem Beifahrersitz sollten die Hinweise in
der Fahrzeugbedienungsanleitung beachtet und der Beifahrersitz nur so weit nach hinten geschoben werden,
dass der Sicherheitsgurt vom Türpfosten nur seitlich zum Kindersitz führt. Wenn der Gurt nach hinten führt,
kann das beim Crash zu einer zu einer zu großen Vorverlagerung führen. In Fahrzeugen mit drei Sitzreihen,
sollten Kinder nur dann auf der 3. Reihe gesichert werden, wenn dies nötig ist. Wegen der geringeren
Knautschzone kann es auf der 3. Sitzreihe bei einem starken Heckaufprall zu einem etwas höheren Verletzungsrisiko kommen.
14. Vorsicht bei Verschmutzungen (z. B. Essensreste, süße Flüssigkeiten usw.) im Gurtschloss oder
an den Spanngurten!
Eine gewisse Verschmutzung am Kindersitz kann man nie ausschließen. Wichtig ist aber zu wissen, dass
Essensreste oder süße Flüssigkeiten im Gurtschloss oder auch an den Spanngurten schnell zu gefährlichen
Funktionsstörungen führen können. Deshalb immer wieder mal den Kindersitz aussaugen und die korrekte
Funktion des Gurtschlosses und auch die Sperre des Spanngurtes überprüfen.
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