Das Credo der Assassinen Spagat zwischen Notebook und PDA

Das Credo der Assassinen Spagat zwischen Notebook und PDA
B6
Neuö Zürcör Zäitung
MOBIL DIGITAL
Dienstag, 4. Dezember 2007 Nr. 282
Kabale und Liebe
DIGITAL IN KÜRZE
Computer für arme Kinder
Firefox 3.0 in den Startlöchern. Die nächste Gene-
ration des Browsers Firefox steht jetzt in einer ersten Beta-Version allen Interessierten zum Testen zur
Verfügung. Firefox 3.0 gibt es in zahlreichen Sprachen und für die Betriebssysteme Windows, Mac OS
und Linux. Die jetzt vorgestellte Beta-Version hat
noch einige Mängel, so laufen zum Beispiel neuere
Web-Mail-Versionen von Yahoo und Microsoft
nicht. Ein Grossteil der Arbeit konzentrierte sich
bisher auf die Lesezeichen, die künftig einfacher zu
verwalten sein sollen. Neben dem Feld für die Eingabe der Web-Adressen gibt es jetzt zum Beispiel
einen Stern, mit dem man die gerade angezeigte
Seite mit einem Mausklick den Lesezeichen hinzufügen kann. Über diese Funktion verfügt der Internet Explorer 7 von Microsoft schon. Verbessert werden soll aber auch die Offline-Arbeit ohne Internetanschluss, da immer mehr Programmierer ihre Programme so schreiben, dass sie als Internetanwendung laufen. Der fertige Firefox 3.0 wird Anfang
2008 erwartet.
(ap)
Sauberere Bildschirme. Staubige und verklebte
Bildschirme sollen bald der Vergangenheit angehören. Das in Südkorea ansässige Unternehmen
LG.Philips LCD hat eine Monitoroberfläche entwickelt, die nicht nur Reflexionen verringert. Sie verfügt auch über eine Beschichtung, die staubabweisend ist und von der sich auch Fett und sogar Tinte
leicht entfernen lassen sollen. Bei der Entwicklung
des Bildschirms seien einige Prinzipien angewandt
worden, wie sie auch bei beschichteten Pfannen eingesetzt würden, sagte Entwicklungsleiter Ahn Byung
Chul. «Dreck und Öl können einfach weggewischt
werden.» Mit der Produktion der neuen Bildschirme
soll 2008 begonnen werden, zuerst für Notebooks.
LG.Philips LCD ist der zweitgrösste LCD-Hersteller
der Welt.
(ap)
Kameraradiomobiltelefon. Mit dem Prada-Handy
hatte die koreanische LG Electronics eine Art
iPhone auf den Markt gebracht, bevor es das iPhone
überhaupt gab. Jetzt lanciert die Firma mit dem
Viewty ein weiteres Gerät mit berührungsempfindlichem Bildschirm und fast ohne Knöpfe. Die Bedienung ist nicht so intuitiv wie diejenige des Apple
iPhone. Dafür glänzt das LG-Produkt (899 Franken)
mit inneren Werten: Es unterstützt HSDPA-Datentransfer mit bis zu 3,6 MBit/s; es kann handschriftliche Eingaben lesen und auch Radiosendungen
empfangen; die eingebaute Kamera bietet eine Auflösung von fünf Megapixeln. Mit Handys ist LG
Electronics erst seit kurzem auf dem Schweizer
Markt präsent, erreicht aber laut eigenen Angaben
bereits einen Marktanteil von 7 Prozent.
S. B.
PD
Der neue PC von OQO: Model e2 mit ausziehbarer Tastatur.
Spagat zwischen Notebook und PDA
Ein ultramobiler PC von OQO
set. Während Flachfernseher nicht gross genug
sein können, gilt bei den elektronischen Gadgets
«Small is beautiful». Mit einem rund 100 Gramm
schweren Smartphone lässt sich heute das Internet in die Tasche stecken. Auch die PC-Industrie
versuchte immer wieder, den PC zu schrumpfen,
doch der Durchbruch blieb aus. Daran hat sich
auch nichts geändert, nachdem Microsoft und
Intel 2006 mit dem Ultra Mobile PC (UMPC)
einen neuen Rechnertypus lanciert hatten. Das
erste in der Schweiz erhältliche Modell war das
hier bereits vorgestellte Produkt R2H von Asus,
das ohne Tastatur ausgeliefert wird. Nun ist auch
ein UMPC namens Model e2 von OQO erhältlich. Dieser wird ebenfalls per Stift bedient, verfügt aber auch über eine ausziehbare Tastatur mit
englischem Layout, die sich mit etwas Gewöhnung recht gut bedienen lässt.
Gemessen an seiner Grösse ist das getestete
Modell ein Leistungsbolzer: Auf dem von einem
1,6-GHz-Prozessor von Via angetriebenen Rechnerlein mit einem 5 Zoll grossen Display läuft
Windows Vista, als Speicher steht eine 120GByte-Festplatte zur Verfügung. Die günstigere
Version arbeitet mit XP und einer Harddisk mit
halber Kapazität. Das System läuft zwar überraschend flüssig, doch hat man das Gefühl, Windows Vista sei ein bisschen zu viel der Power für
das Kistchen. Dieses übernimmt im Dauerbetrieb
die Funktion eines Heizkörpers, entsprechend
war die versprochene Akku-Leistung von bis zu
drei Stunden im Test nicht zu erreichen. Es stellt
sich die Frage nach dem Sinn, das leistungs-
Nachspiel
A Man's World?
Das erste Mal, bei dem ich von Jade Raymond
hörte, stand unter dem Eindruck eines Strahlens.
Ein Kollege war guter Dinge, dass er sie erneut
interviewen dürfe. Warum denn diese Begeisterung? Jade Raymond ist eine Frau in «A Man's
World», wie Percy Sledge soulig jammern würde.
Kommt hinzu, dass die Dame attraktiv ist. Wenn
die Produzentin von «Assassin's Creed» in die
Kamera von «10 vor 10» lächelt, scheint sich das
Wohnzimmer zu erhellen. Für viele Gamer ist die
Kanadierin eine Art fleischgewordene Lara Croft:
Sie sieht gut aus, ist erfolgreich und scheinbar
«hardcore». Wenn die Dame, die – will man Wikipedia glauben – bereits mit 14 Jahren ihre erste
Software programmiert haben soll, von ihrem
meuchelnden Helden Altair schwärmt, tut sie dies
mit dem Enthusiasmus eines Hardcore-Gamers.
Nein, mit dem Stolz einer Mutter. «Schaut alle
einmal her. Seht, was der Kleine Tolles machen
kann», möchte sie mit jedem Satz über ihr dreieinhalb Jahre altes «Kind» sagen, das drauf und dran
ist, Videospielgeschichte zu schreiben.
Doch nicht so sehr Jade Raymonds Begeisterungsfähigkeit für ihr eigenes Produkt ist zentral,
sondern ihre Rolle als Postergirl für eine gesichtslose Branche, die unter dem Image leidet, bloss
mit Gewalt geladene Männerphantasien virtuell
zu verwirklichen. Beim mit «Assassin's Creed»
vergleichbaren Titel «God of War» wurde von
Produzentenseite gerne der Umstand portiert,
dass viele Frauen im Entwicklerteam mitgearbeitet hätten und den kahlköpfigen Kratos sexy fänden. Das stand quer zum bisherigen Barbie-Röschen-Blümchen-Kitsch, der für Mädchen und
Frauen verquantet wurde. Wenn nun aber Frau
Raymond hinsteht, sich als Fan von Survival-Horror-Titeln outet und charmant meint: «Ich wollte
schon immer ein Spiel programmieren, in dem
man alles in die Luft jagen kann», dann muss
man(n) sich schon fragen, ob Videogames noch
«A Man's World» sind, wie es das Vorurteil will,
oder ob es da draussen nicht eine schweigende
Gemeinde von Damen gibt, die es nach einem Tag
harter Arbeit geniessen, auf Knopfdruck ein paar
wohlgruppierte Pixelhaufen hochgehen zu lassen.
Marc Bodmer
PD
fähigste Desktop-Betriebssystem in einen Rechner in Taschenbuchgrösse zu packen. Aus gutem
Grund gibt es ja auch keinen Fiat Cinquecento
mit 8-Zylinder-Motor. Dass das UMPC-Konzept
ein Spagat zwischen Notebook und PDA ist, zeigt
auch der Formfaktor. Das Gerät ist immer noch
zu gross, um es in die Jackentasche zu stecken,
und mit annähernd einem halben Kilogramm Gewicht ist es so ultramobil auch wieder nicht.
Auch als Medienplayer kann das Model e2
nicht überzeugen, fehlen doch dedizierte Tasten
für die Bedienung. Will man etwa die Lautstärke
reduzieren, muss man die Tastatur ausfahren und
über eine Tastenkombination das Volumen reduzieren. Es darf bezweifelt werden, dass der
UMPC je über den Status eines Nischenprodukts
hinauswachsen wird. Smartphones mit grossem
Display und Tastatur sind markant günstiger,
leichter und im Gegensatz zum OQO, der nur
über WLAN verfügt, über den Mobilfunk immer
zum Sprung ins Internet bereit. Die taiwanische
Herstellerin HTC etwa bietet mit dem Modell
Advantage ein Smartphone mit voller Tastatur
und 5-Zoll-Display im Notebook-Look, das fast
zum halben Preis des Kraftpakets von OQO zu
haben ist. Noch markant günstiger ist der Eee PC,
ein einfaches Mini-Notebook mit Linux von Asus.
das in den USA nach der Lancierung bei Amazon
und Wal-Mart schnell ausverkauft war. In
Deutschland gibt es den Eee PC für gerade einmal 300 Euro. Die diversen Versionen des Model
e2 kosten von 2199 Franken (XP, 60 GByte Harddisk) bis zu 2649 Franken (Vista, 120 GByte HD).
S. B. In den Zentren der industrialisierten Welt
fühlen sich derzeit Politiker, Professoren und
Wirtschaftskapitäne berufen, Christkind zu spielen und die Kinder in unterentwickelten Regionen mit Computertechnik zu beschenken. «One
Laptop Per Child» (OLPC) ist Name und Ziel
einer Initiative, die Nicholas Negroponte, emeritierter Professor am Massachusetts Institute of
Technology (MIT), ins Leben gerufen hat. «Wenn
es darum geht, Armut zu beseitigen, Frieden zu
schaffen und umweltschützerisch tätig zu sein,
dann ist OLPC der beste Weg, den ich mir vorstellen kann», sagte Negroponte in einem Fernsehinterview. Er hat Nachahmer und Mitbewerber
gefunden; mit ihm streiten Vertreter von Intel und
Microsoft um die Gunst der armen Kinder.
Als Negroponte 2005 anlässlich des World
Economic Forum in Davos einen 100 Dollar teuren Mobilcomputer ankündigte, der den Ärmsten
dieser Welt unter härtesten klimatischen Bedingungen zu Diensten sein soll, schien das ein utopisches Projekt zu sein. Doch es ist den MIT-Ingenieuren gelungen, die hohen technischen Hürden
zu überwinden. Zwar ist der 100-Dollar-Laptop,
dessen Massenfertigung Anfang November begonnen hat, teurer als geplant – er kostet 188 Dollar –, aber er vereinigt zahlreiche Innovationen.
Er ist nicht einfach ein abgespeckter Laptop, er ist
eine Neuentwicklung, die in vielen Bereichen mit
interessanten neuen Lösungen aufwarten kann.
Insbesondere verzichtet er auf Microsoft-Software und auf Prozessoren von Intel.
Negroponte nannte als Ziel, bis Ende des
nächsten Jahres 150 Millionen dieser Billig-Laptops zu verkaufen. Doch bis jetzt gibt es Bestellungen nur aus Uruguay (100 000 Stück), Peru
(260 000) und Mexiko (50 000). In einem Interview mit der BBC sagte der Bildungsminister von
Nigeria: «Es ergibt keinen Sinn, Laptops anzuschaffen, solange in den Schulen Stühle, Schuluniformen und sogar Toiletten fehlen.» Vor zwei
Jahren hatte sich Nigeria noch bereit erklärt, eine
Million OLPC-Laptops zu kaufen.
Der Misserfolg des OLPC-Geräts ist das
Resultat auch von Störmanövern durch Microsoft
und Intel. Intel hat hastig einen Billig-Laptop
namens Classmate-PC konstruiert, für den Abnehmer in Nigeria, Libyen und Pakistan gefunden
werden konnten. Microsoft hat auf die OLPCInitiative mit einer 3-Dollar-Windows-Lizenz reagiert. Mit diesem Angebot konnte Microsoft laut
«Wall Street Journal» die Verantwortlichen in
Libyen und Ägypten dazu bringen, ihre OLPCBestellung zu stornieren. Microsoft und Intel
dürften mit diesen Dumpingangeboten kein Geld
verdienen; eine pädagogische, entwicklungspolitische Vision ist nicht erkennbar. Es scheint den
beiden das PC-Geschäft dominierenden Firmen
einzig darum zu gehen, zu verhindern, dass ein auf
Linux basierender, mit AMD-Chips ausgestatteter Computer auf breiter Basis beweisen könnte,
dass Informatik auch ohne Microsoft-Software
und Intel-Hardware möglich ist.
Das Credo der Assassinen
Neuartige Spielkonzepte, glaubwürdige Umgebungen und alte Zöpfe
Pes. Kein Spiel wurde dieses Jahr wahrscheinlich
so sehnsüchtig erwartet wie das von Ubisoft entwickelte «Assassin's Creed»; nach einem vierjährigen Mantel des Schweigens, das nur durch
selektive Info-Häppchen der charmanten Produzentin, Jade Raymond, höchstpersönlich gebrochen wurde: Das Spiel um den Orden der Assassinen, der zu seiner Zeit (etwa 1080 bis 1270) aufgrund seiner kompromisslosen, politischen Meuchelmorde gefürchtet war, sollte dem Spieler
nicht nur durch fast uneingeschränkte Begehbarkeit aller Spielobjekte, sondern auch durch die
erstmalig eingeführte «Crowd-Intelligence», eine
Art Gemeinschafts- oder besser wohl Herdenintelligenz, der gesamten Bevölkerung ein noch
nie da gewesenes Spielerlebnis bieten. Im Gegensatz zu vielen anderen Titeln, die schliesslich ihre
eigenen, hohen Erwartungen nicht erfüllten, vermag sich «Assassin's Creed» in dieser Hinsicht
gekonnt in Szene zu setzen.
Nach einem überraschenden Anfang erlebt
der Spieler in einer ausgeklügelten Einführung
gleich die Degradierung seines Assassinen-AlterEgo Altaı̈re (arabisch: der Fliegende), welcher
durch seine masslose Selbstüberschätzung das
heilige Credo der Assassinen verletzte und somit
die Bruderschaft in Gefahr brachte. Knapp vom
Tode verschont, muss er sich seinen Rang und
seine Fertigkeiten durch erfolgreiche Missionen
von neuem erarbeiten. «Assassin's Creed» setzt
dabei in der realen Geschichte im Jahr 1191 an,
als König Richard Löwenherz im Dritten Kreuzzug durch das Heilige Land marschierte, um Jerusalem im Namen der Kirche von den Sarazenen
zurückzuerobern. In den Wirren des Krieges soll
der Gefallene neun historische Führungspersonen eliminieren, welche damals auch wirklich von
der Bildfläche verschwanden – ob sie ermordet
wurden, sei dahingestellt. Während seiner Aufträge darf Altaı̈re, gemäss Ubisoft, detailtreue
historische Modelle von Damaskus, Jerusalem
und Akkon sowie Masyaf, der Bergfestung der
Assassinen, besuchen; allerdings wurde da schon
kritisiert, dass die Kuppel des Felsendoms golden
ist. Aber ob historisch korrekt oder nicht, die
Die Schauplätze und Städte zur Zeit der Kreuzzüge sind historisch detailgetreu nachgebildet worden. PD
Landschaften und Städte sind eine Augenweide,
durch Interaktion mit der Bevölkerung, die differenziert auf unser Auftreten reagiert, verliert man
schon einmal das Spielziel aus den Augen, und
versteckte Anspielungen sowie grosse Namen
und Ereignisse wecken nebenbei die literarische
Neugierde.
Doch vor lauter Neuerungen tritt Ubisoft auf
leisen Sohlen in alte Fettnäpfchen, deren Auswirkungen jedoch sehr vom eigenen Spielstil abhängen. Führt man als Assassine üblicherweise ein
Schattenleben und tritt, wenn überhaupt, nur
durch das eigentliche Attentat kurzzeitig in Erscheinung, lässt sich «Assassin's Creed» auch auf
publikumswirksame Art durchstreifen, vor allem
wenn man sich konsequent der intuitiven, aber
mit der Zeit (zu) einfachen Kampfsteuerung bedient, dabei jede Tat Show-mässig zelebriert, um
anschliessend in schönster Bond-Manier über die
Dächer der mittelalterlichen Städte zu entfliehen.
Infolge der ewig gleich ablaufenden Missionen
(erkunden, belauschen, teilweise stehlen und
schliesslich die Vollendung des Attentats) ist
diese Freiheit der Ausführung zwar verständlich,
eine gewisse erzwungene Abwechslung hätte dem
Spiel aber keinesfalls geschadet.
«Assassin's Creed», Ubisoft Montreal / Ubisoft, Xbox360
(Rezension) / Playstation 3 / PC. Ab 18 Jahren.
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