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Technische
Universität
Dresden
Medizinische Fakultät
Essen und Trinken für chirurgisch-prothetische Patienten
Nach chirurgisch-prothetischen Behandlungen können viele Patienten nicht wie gewohnt essen und
trinken.
Sie leiden z. B. an Kau- und Schluckbeschwerden, die mit Appetitlosigkeit und Geschmacksverlust
einhergehen können.
Essen und Trinken tragen erheblich zu Wohlbefinden und Gesundheit bei.
Deshalb sollte auf eine vollwertige Kost geachtet werden. Sie versorgt den Körper mit allem, was er
braucht: ausreichend Energie, Eiweiß, essentiellen Fettsäuren, Ballaststoffen, lebenswichtigen
Vitaminen und Mineralstoffen sowie den aktuell als wichtig erkannten sekundären Pflanzenstoffen.
Durch ein richtiges Ernährungsverhalten können ernährungsabhängige Gesundheitsstörungen
vermieden oder deren Verlauf günstig beeinflusst werden.
Der DGE-Ernährungskreis – Checkliste für jeden Tag
Der DGE-Ernährungskreis bietet eine einfache und schnelle Orientierung für eine gesundheitsbewusste
Lebensmittelauswahl. Dabei stehen die abgebildeten Lebensmittel stellvertretend für die Vielfalt der
Lebensmittel in der jeweiligen Gruppe. Die Größe des Segmentes verdeutlicht das Mengenverhältnis der
einzelnen Lebensmittelgruppen zueinander. Ihr täglicher Speisenplan ist vollwertig, wenn Sie ihre
Lebensmittel täglich aus allen Gruppen im dargestellten Mengenverhältnis auswählen.
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Die 10 Regeln der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE)
Vollwertig essen hält gesund, fördert Leistung und Wohlbefinden. Die Deutsche Gesellschaft für
Ernährung hat auf der Basis aktueller wissenschaftlicher Erkenntnisse 10 Regeln formuliert, die Ihnen
helfen, genussvoll und gesund erhaltend zu essen.
Regel 1: Vielseitig essen
Genießen Sie die Lebensmittelvielfalt. Merkmale einer ausgewogenen Ernährung sind
abwechslungsreiche Auswahl, geeignete Kombination und angemessene Menge nährstoffreicher und
energiearmer Lebensmittel.
Regel 2: Reichlich Getreideprodukte und Kartoffeln
Brot, Nudeln, Reis, Getreideflocken, am besten aus Vollkorn, sowie Kartoffeln enthalten kaum Fett, aber
reichlich Vitamine, Mineralstoffe sowie Ballaststoffe und sekundäre Pflanzenstoffe. Verzehren Sie diese
Lebensmittel mit möglichst fettarmen Zutaten.
Regel 3: Gemüse und Obst – Nimm "5" am Tag …
Genießen Sie 5 Portionen Gemüse und Obst am Tag, möglichst frisch, nur kurz gegart, oder auch eine
Portion als Saft – idealerweise zu jeder Hauptmahlzeit und auch als Zwischenmahlzeit: Damit werden
Sie reichlich mit Vitaminen, Mineralstoffen sowie Ballaststoffen und sekundären Pflanzenstoffen (z. B.
Carotinoiden, Flavonoiden) versorgt. Das Beste, was Sie für Ihre Gesundheit tun können.
Regel 4: Täglich Milch und Milchprodukte; ein- bis zweimal in der Woche Fisch: Fleisch,
Wurstwaren sowie Eier in Maßen
Diese Lebensmittel enthalten wertvolle Nährstoffe, wie z.B. Calcium in Milch sowie Jod, Selen und
Omega-3-Fettsäuren in Seefisch. Fleisch ist Lieferant von Mineralstoffen und Vitaminen (B1, B6, B12).
Mehr als 300 bis 600 Gramm Fleisch und Wurst pro Woche sollten es nicht sein. Bevorzugen Sie
fettarme Produkte, vor allem bei Fleischerzeugnissen und Milchprodukten.
Regel 5: Wenig Fett und fettreiche Lebensmittel
Fett liefert lebensnotwendige (essenzielle) Fettsäuren und fetthaltige Lebensmittel enthalten auch
fettlösliche Vitamine. Fett ist besonders energiereich, daher kann zu viel Nahrungsfett Übergewicht
fördern. Zu viele gesättigte Fettsäuren erhöhen das Risiko für Fettstoffwechselstörungen mit der
möglichen Folge von Herz-Kreislauf-Krankheiten. Bevorzugen Sie pflanzliche Öle und Fette (z. B. Rapsund Sojaöl und daraus hergestellte Streichfette). Achten Sie auf unsichtbares Fett, das in
Fleischerzeugnissen, Milchprodukten, Gebäck und Süßwaren sowie in Fast-Food- und Fertigprodukten
meist enthalten ist. Insgesamt 60 – 80 Gramm Fett pro Tag reichen aus.
Regel 6: Zucker und Salz in Maßen
Verzehren Sie Zucker und Lebensmittel, bzw. Getränke, die mit verschiedenen Zuckerarten (z. B.
Glucosesirup) hergestellt wurden, nur gelegentlich. Würzen Sie kreativ mit Kräutern und Gewürzen und
wenig Salz. Verwenden Sie Salz mit Jod und Flourid.
Regel 7: Reichlich Flüssigkeit
Wasser ist absolut lebensnotwendig. Trinken Sie rund 1,5 Liter Flüssigkeit jeden Tag. Bevorzugen Sie
Wasser – ohne oder mit wenig Kohlensäure – und andere kalorienarme Getränke. Alkoholische
Getränke sollten nur gelegentlich und in kleinen Mengen konsumiert werden.
Regel 8: Schmackhaft und schonend zubereiten
Garen Sie die jeweiligen Speisen bei möglichst niedrigen Temperaturen, soweit es geht kurz, mit wenig
Wasser und wenig Fett – das erhält den natürlichen Geschmack, schont die Nährstoffe und verhindert
die Bildung schädlicher Verbindungen.
Regel 9: Nehmen Sie sich Zeit, genießen Sie Ihr Essen
Bewusstes Essen hilft, richtig zu essen. Auch das Auge isst mit. Lassen Sie sich Zeit beim Essen. Das
macht Spaß, regt an vielseitig zuzugreifen und fördert das Sättigungsempfinden.
Regel 10: Achten Sie auf Ihr Gewicht und bleiben Sie in Bewegung
Ausgewogene Ernährung, viel körperliche Bewegung und Sport (30 bis 60 Minuten pro Tag) gehören
zusammen. Mit dem richtigen Körpergewicht fühlen Sie sich wohl und fördern Ihre Gesundheit.
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Essen bei Kau- und Schluckbeschwerden
Nach chirurgisch-prothetischen Behandlungen kann es vorübergehend oder auch über einen längeren
Zeitraum zu Kaubeschwerden und/oder Schluckbeschwerden kommen. Bei solchen Beschwerden ist die
Nahrungskonsistenz anzupassen. Auf keinen Fall sollte das Lebensmittelspektrum eingeschränkt
werden. Gerade die Komponenten einer typischen Mittagsmahlzeit (Kartoffeln, Gemüse, Fleisch oder
Fisch) liefern essentielle Nährstoffe, die durch andere Speisen nicht ersetzt werden können. Kann die
Nahrung nicht genügend eingespeichelt werden, entfalten sich appetitanregende Geschmacks- und
Geruchsstoffe nicht ausreichend. Eine häufige Ursache für Mundtrockenheit kann neben medizinischtherapeutischen Auswirkungen auch darin liegen, dass nicht genügend getrunken wird. Es sollte die
Trinkempfehlung der DGE von wenigstens 1,5 Liter beherzigt werden. Auch zu jedem Essen sollte
reichlich getrunken werde.
Die Anpassung an Kaubeschwerden kann folgendermaßen geschehen:
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Fleisch wird klein geschnitten oder püriert.
Rohkost wird fein geraspelt.
Kartoffeln oder weiches Gemüse können mit der Gabel zerdrückt werden.
Harte Lebensmittel(teile) entfernen oder weglassen. Von festem Brot die Rinde abschneiden.
Statt Brot kann zum Frühstück Getreidebrei gegessen werden.
Speisen immer einzeln pürieren, damit die Ursprungslebensmittel nachvollziehbar bleiben (z. B.
durch die Farbe: Möhren orange, Kartoffeln gelb, Fleisch braun).
Viele Lebensmittel können als Suppen und Eintöpfe, püriert oder auch leicht angedickt, auf den
Tisch kommen.
Bei Schluckbeschwerden kann empfohlen werden:




Andickende Pulver (in der Apotheke erhältlich) machen Getränke wie Kaffee oder Säfte ohne
Angst schluckbar.
Krümelige, fasrige oder klebrige Speisen meiden.
Fruchtig-säuerliche Speisen bevorzugen.
Lebensmittel oder Speisen fein pürieren oder passieren.
Beispiel für einen Tagestrinkplan:
1 Glas Wasser nach dem Aufstehen
2 Tassen Kaffee oder Tee zum Frühstück
2 Gläser verdünnten Fruchtsaft am Vormittag
1 Glas Wasser, Mineralwasser oder Apfelschorle zum Mittagessen
1 – 2 Tassen Kaffee oder Tee am Nachmittag
1 Glas Wasser, Tee oder gegebenenfalls Bier zum Abendbrot
1 Glas Wasser am Abend
1 Glas Wasser in der Nacht
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Ernährung und Gewicht
Als Anhaltspunkt zur Beurteilung des Körpergewichtes kann der Body-Mass-Index (BMI) herangezogen
werden:
Körpergewicht (kg)
BMI =
Beispiel:
Körpergröße² (m²)
Sie wiegen 60 kg und sind 1,60 m groß:
60
1,60 x 1,60
= 23,4
Ihr BMI beträgt 23,4.
Einteilung von Unter, Normal- und Übergewicht anhand des BMI:
Einteilung
BMI (kg/m²)
Untergewicht
Normalgewicht
Übergewicht
Präadipositas
Adipositas Grad I
Adipositas Grad II
Adipositas Grad III
< 18,5
18,5 – 24,9
≥ 25
25 – 25,9
30 – 34,9
35 –39,9
≥ 40
Schweres Übergewicht belastet den Körper und ist Ursache vieler Erkrankungen. Genau so gefährlich
ist Untergewicht, das z. B. auch bei den chirurgisch-prothetischen Patienten auftritt. Bei Untergewicht ist
das Risiko einer Mangelernährung besonders groß.
Essen und Trinken bei Untergewicht
Wenn Sie Untergewicht haben, sollten Sie sich um eine ausreichende Zufuhr von Lebensmitteln hoher
Nährstoffdichte bemühen und gegebenenfalls auch mit geeigneten Fetten die Speisen energetisch
aufwerten.
Hier einige spezielle Hinweise:
 Essen Sie reichlich Gemüse z. B. als Eintopf oder püriert, auch Cremesuppen mit 2-3 Esslöffeln
Sahne sind geeignet.
 Sorgen Sie für eine Eiweißkomponente (Fleisch, Fisch, Ei, Milchprodukte) zu jeder Mahlzeit.
 Milch-Mischdrinks mit Sahne angereichert können als Zwischenmahlzeit getrunken werden.
 Zur Zubereitung Raps- und Olivenöl großzügig verwenden. Raffiniertes Rapsöl ist fast
geschmacksneutral und eignet sich zum Braten und Dünsten. Kaltgepresstes Rapsöl schmeckt
nussig und findet in der Kalten Küche Verwendung.
 Mundgerechte Häppchen bunt belegt verführen zum Zugreifen.
 Individuelle Vorlieben und Wünsche sollten Berücksichtigung finden.
 Viele kleine, attraktiv angerichtete Mahlzeiten sind besser als wenige große Mahlzeiten.
Prof. Dr. B. Reitemeier
Dr. M. Unger
Die Zusammenstellung entstand in enger Zusammenarbeit mit:
Deutsche Gesellschaft für Ernährung e. V.
Sektion Sachsen
Dr. B. Ender
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