Pflasterdecken regelgerecht herstellen

Pflasterdecken regelgerecht herstellen
Pflasterdecken regelgerecht herstellen
- unter Berücksichtigung der ATV DIN 18318 „Neu“ -
Dipl.-Ing. Dietmar Ulonska
Betonverband Straße, Landschaft, Garten e.V., Bonn
Oktober 2010
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- unter Berücksichtigung der ATV DIN 18318 „Neu“ Dipl.-Ing. Dietmar Ulonska, Bonn
Oktober 2010
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Inhalt
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Zusammenfassung
3
1. Einleitung
4
2. Planung und Ausführung
4
2.1
Technische Regeln
4
2.2
Bemessung von Pflasterbauweisen
5
2.3
Unterlage der Pflasterdecke
5
2.4
Oberflächenentwässerung
5
2.5
Randeinfassungen
5
2.6
Entwässerungsrinnen
7
2.7
Die Betonpflasterdecke
8
2.8
Profilgerechte Lage und Toleranzen der Betonpflasterdecke
9
3. Hinweise für die Praxis
10
4. Betonstein aus ökobilanzieller Sicht besonders vorteilhaft
14
5. Technische Regeln und Literatur
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Impressum
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Zusammenfassung
Zur Vermeidung von Mängeln und/oder Schäden an Pflasterbauweisen sind die Kenntnis der einschlägigen Technischen Regeln und deren Anwendung eine zwingende Voraussetzung. Dies gilt
bei der Planung, der Ausschreibung, der Auswahl und Festlegung der zu verwendenden Baustoffe
und der Bauausführung gleichermaßen. Pflasterbauweisen müssen unter Berücksichtigung der
örtlichen Gegebenheiten, der zu erwartenden Verkehrsbeanspruchung und der vorgesehenen Nutzungsdauer – in der Regel 30 Jahre - hergestellt werden.
Dieser Aufsatz beschreibt die regelgerechte Herstellung von Pflasterdecken aus Betonsteinen und
soll dazu beitragen, Fehler bei dieser Bauweise zu vermeiden. Er behandelt ausschließlich die ungebundene Ausführung der Pflasterdecke, welche die Regelbauweise darstellt. Die maßgebenden
Eigenschaften, die eine Verkehrsflächenbefestigung mit Betonpflasterdecke aufweisen muss, werden beschrieben. Zur Vertiefung der Thematik wird das technische Handbuch „Dauerhafte Verkehrsflächen mit Betonpflastersteinen“ (siehe Literatur) empfohlen.
Dieser Aufsatz geht an einigen Stellen auf Neuregelungen der Neufassung der ATV DIN 18318
vom April 2010 ein.
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1. Einleitung
Pflasterdecken haben im Bereich kommunaler und privater Flächenbefestigungen den weitaus
größten Anteil im Vergleich zu anderen Befestigungsarten, z. B. mit Asphalt- oder Ortbetondecke.
Dies ist zu einem bedeutenden Anteil auf die gestalterische Vielfalt, insbesondere von Pflastersteinen aus Beton, aber auch auf eine Reihe von bautechnischen Vorteilen zurückzuführen. Zunehmend wichtiger wird in Zukunft auch die Auswahl einer Bauweise für den Verkehrswegebau vor
dem Hintergrund einer ökobilanziellen Betrachtung, bei der die Betonpflasterbauweise ebenfalls
Vorteile hat (vgl. dazu auch Abschnitt 4).
Leider treten auch häufig Schäden an Pflasterbauweisen auf. Dabei ist in den meisten Fällen nicht
eine einzelne Ursache maßgeblich. Oftmals entstehen Schäden durch eine Verkettung von Fehlern
in der Planung, Auswahl der Baustoffe und/oder der Bauausführung. Die Fehler gehen häufig auf
die Nichtbeachtung oder die Nichtkenntnis der einschlägigen Technischen Regeln, sprich auf mangelndes Fachwissen, zurück.
2. Planung und Ausführung
2.1
Technische Regeln
Die wesentlichen, für den Bau von Pflasterbefestigungen zu beachtenden Technischen Regeln
sind im Abschnitt Literatur aufgeführt. Abbildung 1 zeigt den typischen Aufbau einer Pflasterbefestigung mit Angabe der wesentlichen Vorschriften.
Abb. 1:
Typischer Aufbau einer Pflasterbefestigung und zugehörige wesentliche Vorschriften
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2.2
Bemessung von Pflasterbauweisen
Die Bemessung von Verkehrsflächenbefestigungen erfolgt prinzipiell auf der Grundlage der RStO.
Sie beschreiben technisch geeignete und wirtschaftliche Bauweisen unter Berücksichtigung der zu
erwartenden Beanspruchung, der örtlichen Gegebenheiten und des vorgesehenen Nutzungszeitraumes.
2.3
Unterlage der Pflasterdecke
Die Unterlage muss geeignet sein. Klingt einfach, ist es im Prinzip auch, da für alle Bereiche unterhalb der Pflasterdecke (Untergrund, Unterbau, Tragschichten) sowohl qualitative als auch quantitative Regelungen und Empfehlungen verfügbar und leicht zugänglich sind, deren Beachtung die
geforderte Eignung sicherstellen.
Im Klartext bedeutet „geeignet“, dass die Unterlage standfest, tragfähig, wasserdurchlässig, frostsicher sowie profilgerecht und eben sein muss. Trifft nur eine dieser Eigenschaften nicht zu, ist die
Unterlage mangelhaft, zumindest aber sind Zweifel über die Eignung angebracht. Die Pflasterdecke sollte dann darauf nicht ohne entsprechende Nacharbeiten hergestellt werden. Geschieht dies
dennoch, sind Schäden an der Bauweise oder eine eventuell erheblich verkürzte Nutzungsdauer
nicht auszuschließen.
2.4
Oberflächenentwässerung
Betonpflasterdecken sind mit einer abflusswirksamen Neigung von i. d. R. 2,5 % herzustellen. Dies
kann durch Querneigung oder durch kombinierte Quer- und Längsneigung (auch resultierende
Neigung oder Schrägneigung genannt) erfolgen. Ausführungsbedingte Abweichungen von der
planmäßigen Neigung dürfen nicht mehr als 0,4 % betragen. Verwindungsbereiche sind möglichst
kurz zu halten. Hier sollte die Schrägneigung nicht unter 0,5 % ausgeführt werden.
2.5
Randeinfassungen
Pflasterdecken benötigen eine stabile und dem Verwendungszweck angepasste Randeinfassung.
Diese sind vor der Herstellung der Flächenbefestigung auszuführen und dabei auf ein Fundament
aus Beton zu setzen und mit einer Rückenstütze aus Beton zu versehen. Randeinfassungen können ohne Bewegungsfugen hergestellt werden. Sie sind jedoch mit Bewegungsfugen herzustellen,
wenn sie mit einer Entwässerungsrinne kombiniert sind.
Zu den Randeinfassungen wurden einige Änderungen in der neuen DIN 18318 vollzogen. Zunächst einmal unterscheidet man nach Randeinfassungen, die „überfahren werden“ und solchen
(so kann angenommen werden), die „nicht überfahren werden“. Etwas mehr Klarheit hätte die entsprechende Formulierung der DIN 18318 verdient gehabt, aber es lässt sich auch so erahnen, was
der Regelwerkgeber bezweckt. Es wird eine Unterscheidung getroffen zwischen Randeinfassungen von übergeordneten und untergeordneten Verkehrsflächen. Entsprechend sind die Anforderungen bei den erstgenannten höher – und zwar im Hinblick auf die Breite der Rückstütze und die
Qualität des Betons für Fundament und Rückenstütze – als bei den zweitgenannten. Die Unterschiede werden aus den Abbildungen 2 und 3 deutlich.
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Abb. 2: Beispiel für eine Randeinfassung für eine „untergeordnete Verkehrsfläche“ nach DIN 18318,
Ausgabe April 2010
Abb. 3: Beispiel für eine Randeinfassung für eine „übergeordnete Verkehrsfläche“ nach DIN 18318,
Ausgabe April 2010
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2.6
Entwässerungsrinnen
Entwässerungsrinnen sind vor der Herstellung der Flächenbefestigungen auszuführen und dabei
auf ein Fundament aus Beton zu setzen. Sie müssen eine Längsneigung von mindestens 0,5 %
aufweisen und sind – sofern sie auch als Randeinfassung dienen - mit einer Rückenstütze auszuführen.
Entwässerungsrinnen sind mit Bewegungsfugen im Abstand von höchstens 12 m, bei befahrenen
Rinnen von 4 bis 6 m, herzustellen. Ist eine Entwässerungsrinne Teil einer Randeinfassung, sind
die Bewegungsfugen auch durchgehend durch die Randeinfassung anzuordnen.
Nach der Neufassung der DIN 18318 wird nun auch eine Ebenheitsanforderung an die Entwässerungsrinne gestellt. Die Abweichung der Ebenheit darf nicht mehr als 5 mm betragen. Die Messung
erfolgt – ebenso wie bei der Pflasterdecke – nach den „TP Eben – Berührende Messungen“ mit
einer 4-m-Richtlatte und Messkeil.
Die Entwässerungsrinne wird nach der neuen DIN 18318 den „Einfassungen“ zugeordnet. Die Anforderungen an den Beton für Fundament und ggf. Rückenstütze sowie an die Breite der Rückenstütze wurden deutlich angehoben. Die Abbildungen 4 und 5 zeigen Beispiele.
Abb. 4:
Beispiel für eine Entwässerungsrinne nach DIN 18318, Ausgabe April 2010, als Mittelrinne
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Abb. 5:
Beispiel für eine Entwässerungsrinne nach DIN 18318, Ausgabe April 2010, als Randeinfassung
2.7
Die Betonpflasterdecke
Betonpflasterdecken müssen tragfähig, standfest und eben sein. Dicke und Form der Betonpflastersteine
sowie der Verband, d. h. die geometrische Anordnung der Steine in der Fläche haben einen erheblichen
Einfluss auf die Standfestigkeit der Pflasterdecke und sollten in Abhängigkeit von der zu erwartenden Verkehrsbelastung gewählt werden. Für Verkehrsflächen, welche von Schwerfahrzeugen befahren werden,
sollte die Stein-Nenndicke mindestens 80 mm betragen. In Bauklasse III (RStO) sollten Pflastersteine mit
einer Nenndicke von mindestens 100 mm verwendet werden. Zudem sollten Steinformen und/oder Verbände gewählt werden, die eine gute Lastverteilung in vertikaler Richtung gewährleisten. Bleibende Verformungen, z. B. Spurrinnen, werden dadurch wirksamer verhindert. Sind hohe Schubbeanspruchungen zu erwarten, z. B. bei Bushaltestellen, in Bereichen mit häufigen Brems- und/oder Beschleunigungsvorgängen, in
Bereichen mit Längsneigung ab 6 %, bei Wendestellen, sind Verbundpflastersteine vorzuziehen. Die SteinNenndicke sollte hier in keinem Fall 100 mm unterschreiten. Steine mit Nenndicken unter 80 mm können für
Geh- und Radwege oder sonstige Flächen verwendet werden, wenn die Benutzung durch Kraftfahrzeuge
weitgehend ausgeschlossen werden kann.
Die Verbundwirkung von speziellen Verbundpflastersteinen vermindert die Gefahr von Schäden, wie z. B.
das Kippen der Steine (so genanntes Sägezahnpflaster). Dem kann auch bzw. zudem entgegengewirkt werden, wenn die Steine im Diagonal- oder Fischgrätverband angeordnet werden. Wichtig bei allen diesen
Überlegungen ist, dass sich eine Verbundwirkung im Pflaster nur dann aufbauen kann – und zwar unabhängig von Art, Form und Größe der Steine, wenn die Fugen die richtige Breite aufweisen und vollständig sowie
kompakt gefüllt bleiben.
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Als Bettungsmaterial ist ein kornabgestuftes Baustoffgemisch 0/4, 0/5 oder 0/8 gemäß den TL
Pflaster-StB zu verwenden. Dabei sind die anwendungsbezogenen Anforderungen bzw. Empfehlungen gemäß den ZTV Pflaster-StB, z. B. hinsichtlich des Fließkoeffizienten, des Widerstandes
gegen Kornzertrümmerung und der Filterstabilität, zu berücksichtigen. Das Bettungsmaterial muss
so beschaffen sein, dass ein gutes Einrütteln der Steine möglich ist. Das bewirkt einen problemlosen Ausgleich der Dickentoleranzen der Steine und sorgt zudem für eine hohe Verzahnung zwischen Steinen und Bettung. Das Bettungsmaterial muss außerdem so beschaffen sein, dass es im
verdichteten Zustand – und zwar über die gesamte Nutzungsdauer - ausreichend wasserdurchlässig ist. Hierfür ist aber auch die Qualität der Fugenfüllung von maßgebender Bedeutung, wie im
Weiteren noch erläutert wird.
Als Fugenmaterial ist ein kornabgestuftes Baustoffgemisch 0/2, 0/4, oder 0/5 gemäß den TL Pflaster-StB zu verwenden. Dabei sind die anwendungsbezogenen Anforderungen bzw. Empfehlungen
gemäß den ZTV Pflaster-StB, z. B. hinsichtlich des Fließkoeffizienten und der Filterstabilität, zu
berücksichtigen. Das Fugenmaterial muss so beschaffen sein, dass es sich möglichst vollständig in
die Fugen einarbeiten lässt und dem Aussaugen möglichst großen Widerstand entgegensetzt. Es
sollten möglichst immer Baustoffgemische aus gebrochenen Gesteinskörnungen verwendet werden.
Nach der Neufassung der DIN 18318 dürfen nun auch (wieder) Sand 0/2, Splitt 1/3 und 2/5 als Bettungs- und Fugenmaterial für untergeordnete Flächen (genauer: „Für Flächen, die nicht mit Kfz
erreichbar sind“) verwendet werden. Die Festlegung zielt darauf ab, die vergleichsweise hohen
Anforderungen der straßenbautechnischen Regeln der TL Pflaster-StB für derartig schwach belastete
Flächen abzumildern. Da diese Bettungs- und Fugenmaterialen in der DIN aber nicht näher spezifiziert werden, muss in der Leistungsbeschreibung eindeutig angegeben werden, was einzubauen ist.
Die Einhaltung der richtigen Fugenbreiten und dauerhaft vollständig gefüllte Fugen sind die wichtigsten Voraussetzungen für eine tragfähige und standfeste Pflasterdecke. Bei Betonpflastersteinen
mit Nenndicke unter 120 mm beträgt die Fugenbreite mindestens 3 mm und höchstens 5 mm; mit
Nenndicke ab 120 mm mindestens 5 mm und höchstens 8 mm. Die Untergrenze stellt sicher, dass
sich die Fugen gut (vollständig) füllen lassen. Die Obergrenze stellt sicher, dass die Abstützung der
Steine untereinander noch in ausreichendem Maße erfolgen kann. Die Größe der durch die Fugen
aufnehmbaren Kräfte ist abhängig von der Qualität der Fugenfüllung, d. h. von der Art des Fugenmaterials, dem Grad und der Kompaktheit der Fugenfüllung. Mit abnehmender Qualität der Fugenfüllung nimmt die Belastung der Bettung zu, weil die eingeleiteten Kräfte auf benachbarte Steine
nicht mehr so gut übertragen werden können. So können beispielsweise Kornzertrümmerungen in
der Bettung auch die Folge einer mangelhaften Fugenfüllung sein.
2.8
Profilgerechte Lage und Toleranzen der Betonpflasterdecke
Abweichungen der Oberfläche von der Sollhöhe dürfen an keiner Stelle mehr als 20 mm betragen.
Betonpflasterdecken sind an den Fugen höhengleich herzustellen. Die zulässige Abweichung bei
höhengleichen Anschlüssen, d. h. von Stein zu Stein beträgt im Allgemeinen 2 mm. Betonpflasterdecken müssen neben Randeinfassungen und Einbauten 3 bis 5 mm über deren Oberfläche liegen, neben Wasser führenden Rinnen 3 bis 10 mm über der Rinne.
Aus dem Begriff „Unebenheiten“ wurde in der Neufassung der DIN 18318 „Abweichungen von der
Ebenheit“. Das Prüfverfahren wurde durch Inbezugnahme der TP Eben – Berührende Messungen“
(4-m-Richtlatte und Messkeil) präzisiert. Die Messungen erfolgen dabei zwischen den Hochpunkten
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der Oberfläche. Die Abweichungen dürfen unabhängig vom Abstand der Hochpunkte nicht mehr
als 10 mm betragen.
Diese Regelung ist und bleibt bei Fachleuten umstritten, auch wenn sie letztlich innerhalb der
Fachberatergruppe zur Neufassung der DIN 18318 eine Mehrheit fand. Denn danach ist z. B. eine
Vertiefung von 10 Millimetern zwischen zwei 4 Meter auseinanderliegenden Hochpunkten genauso
zulässig, wie eine Vertiefung in gleicher Größenordnung zwischen zwei 50 Zentimeter
auseinanderliegenden Hochpunkten. Da die ATV jedoch grundsätzlich Abweichungen von den beschriebenen Regeln zulässt, sofern diese in der Leistungsbeschreibung eindeutig und im Einzelnen
angegeben werden, bleibt zu hoffen, dass Ausschreibende davon auch Gebrauch machen. Damit
würden sie einen Beitrag zu „fachgerechten“ und nicht nur zu „regelgerechten“ Pflasterdecken leisten können.
3. Hinweise für die Praxis
Das Bettungsmaterial sollte gleichmäßig gemischt und gleichmäßig durchfeuchtet angeliefert und
zügig eingebaut werden. Es ist überhöht einzubauen, so dass die Sollhöhe der Pflasterdecke nach
dem Abrütteln erreicht wird.
Die Bettung sollte im verdichteten Zustand durchgängig eine gleichmäßige Dicke aufweisen. Diese
sollte mindestens 30 mm, höchstens aber 50 mm betragen. Die Bettungsdicke darf dort, wo sich
Unebenheiten der oberen Tragschicht und der Pflasterdecke ungünstig überlagern geringer als
30 mm sein, den Wert von 2 cm aber nicht unterschreiten. Der obere Wert von 50 mm darf an keiner Stelle überschritten werden, da sonst die Gefahr von Verformungen der Decke unter Lasteinfluss besteht. Das Bettungsmaterial darf auf keinen Fall zum Ausgleich unzulässiger Tragschichtunebenheiten verwendet werden.
Das vorbereitete (abgezogene) Pflasterbett darf weder betreten noch befahren werden. Betonpflastersteine werden von der verlegten Fläche aus verlegt. Auf gleichmäßige Fugenbreiten ist zu achten. Ein gleichmäßiger Fugenverlauf ist durch ausreichendes Schnüren in Längs- und Querrichtung
sicherzustellen.
Gegebenenfalls vorhandene Abstandhalter an den Betonsteinen ersetzen nicht die Einhaltung der
vorgeschriebenen Fugenbreiten. Der Verleger bestimmt die Fugenbreite, nicht etwaig vorhandene
Abstandhalter (Abbildung 6). Die Press- oder Knirschverlegung ist nicht fachgerecht und daher
nicht zulässig. Sie würde das flexible Tragverhalten der Pflasterdecke verhindern und birgt die Gefahr von Kantenabplatzungen an den Steinen. Maschinell verlegte Steinlagen sind bei Bedarf auszurichten, dabei aber nicht press zusammen zu treiben (Abbildung 7). Die Verwendung eines
Richteisens ist dem Einsatz von Kantholz und Vorschlaghammer vorzuziehen.
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Abb. 6:
Fachgerechte Fugenausbildung bei Betonpflastersteinen mit Abstandhaltern
Abb. 7:
Maschinell verlegte Steine nur ausrichten, nicht press zusammentreiben
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Die Steine sind fluchtgerecht, höhengleich und im vereinbarten Verband zu verlegen. Dieser ist
über die gesamte Fläche gleichmäßig auszuführen. Dies gilt auch bei maschineller Verlegung. Vom
vereinbarten Verband darf nur in Anschlussbereichen abgewichen werden – zum Erreichen handwerklich einwandfreier Anschlüsse, z. B. an Schrägen, Rundungen und Einbauten (Abbildungen 8,
9 und 10). Das Rastermaß der Steine und die Verlegebreiten sind aufeinander abzustimmen, um
unnötige Schneidearbeiten an den Rändern zu vermeiden. Wenn möglich, ist der genaue Abstand
der Randeinfassungen durch Auslegen einzelner Steinreihen vor Beginn der eigentlichen
Verlegearbeiten zu ermitteln. Müssen Pass-Steine hergestellt werden, dürfen diese nicht zu klein
und nicht zu spitzwinklig sein.
Das Verfüllen der Fugen muss kontinuierlich mit dem Fortschreiten der Verlegearbeiten erfolgen.
Dazu wird Fugenmaterial auf das Pflaster aufgebracht, gleichmäßig verteilt und in die Fugen
eingefegt. Um eine vollständige Fugenfüllung zu erreichen, ist es zweckmäßig, das Fugenmaterial unter begrenzter Wasserzugabe einzuschlämmen. Nach dem Abrütteln sind die Fugen bei Bedarf erneut zu füllen. Fugenachsen müssen einen gleichmäßigen Verlauf aufweisen. Zulässige
Abweichungen werden im Regelwerk derzeit nicht genannt. Sie sind ggf. gesondert bauvertraglich festzulegen.
Abb. 8:
Handwerklich einwandfreie Anschlüsse an Rundungen
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Abb. 9:
Handwerklich einwandfreie Anschlüsse an Einbauten (hier: Entwässerungsprüfschacht)
Abb. 10:
Handwerklich einwandfreie Anschlüsse an Einbauten
(hier: Kellerschacht, links, bzw. Kabelverteilerschacht, rechts)
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Das Abrütteln der Betonpflasterdecke kann vor oder nach dem Einschlämmen des Fugenmaterials
erfolgen. Erfolgt es vorher, müssen die Fugen mit Fugenmaterial soweit gefüllt sein, dass sich die
Steine durch den Rüttelvorgang nicht verschieben können. Erfolgt es nachher, müssen die Bettung
und deren Unterlage zunächst ausreichend abgetrocknet sein. In jedem Fall ist die Fläche vor dem
Abrütteln sauber abzukehren und sollte möglichst trocken sein, um Rüttelflecken zu vermeiden.
Insbesondere farbiges Pflaster und solches mit besonderer Oberflächenbehandlung darf nur im
trockenen Zustand und unter Verwendung einer Kunststoffschürze abgerüttelt werden. Das
Abrütteln erfolgt von den Rändern beginnend zur Mitte hin in mehreren nebeneinander liegenden,
sich überlappenden Bahnen bis zum Erreichen der Standfestigkeit. Flächenrüttler müssen für die
jeweilige, zu verdichtende Pflasterdecke geeignet sein. Unverfugte Pflasterflächen dürfen nicht
abgerüttelt werden.
Zum Abschluss der Pflasterarbeiten sollten die vollständig gefüllten Fugen zusätzlich noch einen
Fugenschluss erhalten. Dazu wird eine feinkornreiche Gesteinskörnung 0/2 auf das Pflaster
gleichmäßig aufgebracht und eingeschlämmt (Einfegen reicht nicht aus). Dabei werden feinste,
z. T. bindige Partikel in die verbliebenen Hohlräume der Fugenfüllung eingetragen und stabilisieren
diese zusätzlich, wodurch die Widerstandsfähigkeit der Fugenfüllung gegen Aussaugen verbessert
wird. Es ist ein Fugenschlussmaterial zu verwenden, welches nicht zu Verfärbungen der Steinoberfläche führt.
4. Betonstein aus ökobilanzieller Sicht besonders vorteilhaft
Eine vom renommierten und anerkannten Unternehmen PE International GmbH, LeinfeldenEchterdingen, durchgeführte Untersuchung an unterschiedlichen Deckschichten für Verkehrsflächenbefestigungen hat gezeigt, dass die Ausführung mit Betonpflastersteinen im Vergleich zu solchen mit Asphalt, Klinker oder Naturstein zum Teil deutliche ökobilanzielle Vorteile hat. Die Studie
„Vergleichende Ökobilanz“ kann unter www.betonstein.de/service angefordert werden.
Abb. 11: Broschüre „Vergleichende Ökobilanz“ des Betonverbands SLG
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5. Literatur
ATV DIN 18318: Verkehrswegebauarbeiten, Pflasterdecken und Plattenbeläge in ungebundener
Ausführung, Einfassungen - Ausgabe April 2010 (Hrsg.: Deutsches Institut für Normung - DIN)
M FP 1: Merkblatt für Flächenbefestigungen mit Pflasterdecken und Plattenbelägen Teil 1 Regelbauweise (Ungebundene Ausführung) - Ausgabe 2003 (Hrsg.: Forschungsgesellschaft für Straßenund Verkehrswesen - FGSV)
RAS-Ew Richtlinien für die Anlage von Straßen, Teil Entwässerung, Ausgabe 2005 (Hrsg.: Forschungsgesellschaft für Straßen- und Verkehrswesen – FGSV)
RStO 01: Richtlinien für die Standardisierung des Oberbaues von Verkehrsflächen - Ausgabe 2001
(Hrsg.: Forschungsgesellschaft für Straßen- und Verkehrswesen - FGSV)
TL Pflaster-StB 06 Technische Lieferbedingungen für Bauprodukte zur Herstellung von Pflasterdecken, Korrekturen Plattenbelägen und Einfassungen, Ausgabe 2006 einschl. Korrekturen Stand
August 2007 (Hrsg.: Forschungsgesellschaft für Straßen und Verkehrswesen – FGSV)
TP Eben-Berührende Messungen Technische Prüfvorschriften für Ebenheitsmessungen auf Fahrbahnoberflächen in Längs und Querrichtung Teil Berührende Messungen, Ausgabe 2007 (Hrsg.:
Forschungsgesellschaft für Straßen‑ und Verkehrswesen – FGSV)
ZTV E-StB 94: Zusätzliche Technische Vertragsbedingungen und Richtlinien für Erdarbeiten im
Straßenbau - Ausgabe 1994, Fassung 1997 (Hrsg.: Forschungsgesellschaft für Straßen- und Verkehrswesen - FGSV)
ZTV Pflaster-StB 06: Zusätzliche Technische Vertragsbedingungen und Richtlinien zur Herstellung
von Pflasterdecken, Plattenbelägen und Einfassungen - Ausgabe 2006 (Hrsg.: Forschungsgesellschaft für Straßen- und Verkehrswesen - FGSV)
ZTV SoB-StB 04 Zusätzliche Technische Vertragsbedingungen und Richtlinien für den Bau von
Schichten ohne Bindemittel im Straßenbau, Ausgabe 2004, Fassung 2007 (Hrsg.: Forschungsgesellschaft für Straßen- und Verkehrswesen – FGSV)
Goymann, M.; Kittelberger, S.; Kreißig, J. (2009): Vergleichende Ökobilanz – Oberbaukonstruktionen von Verkehrsflächen mit unterschiedlichen Deckschichten. Verlag Bau+Technik, Düsseldorf
(Hrsg.: Betonverband Straße, Landschaft, Garten e.V., Bonn)
Köhler, M.; Ulonska, D.; Wellner, F. (2010): Dauerhafte Verkehrsflächen mit Betonpflastersteinen,
3. redaktionell überarbeitete Auflage. Verlag Bau+Technik, Düsseldorf (Hrsg.: Betonverband Straße, Landschaft, Garten e.V., Bonn)
Produktdatenblätter für Bettungs- und Fugenmaterialien für Pflasterdecken und Plattenbeläge in
Regelbauweise mit allen relevanten Angaben aus den aktuellen Technischen Regeln unter
www.betonstein.de/service (Hrsg.: u. a. Betonverband Straße, Landschaft, Garten e.V., Bonn)
Impressum
Autor:
Dipl.-Ing. Dietmar Ulonska, Betonverband Straße, Landschaft, Garten e.V., Bonn
Herausgeber: Betonverband Straße, Landschaft, Garten e.V., Bonn. www.betonstein.de
Herstellung: Betonverband Straße, Landschaft, Garten e.V., Bonn. www.betonstein.de
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Bonn, Oktober 2010
Betonverband Straße,
Landschaft, Garten e.V.
Schloßallee 10, D - 53179 Bonn
Telefon: +49 / 228 / 954 56-21
Telefax: +49 / 228 / 954 56-90
slg@betoninfo.de, www.betonstein.de
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