Stellungnahme Leuchten Kindergarten Lessingstraße

Stellungnahme Leuchten Kindergarten Lessingstraße
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TÜV SÜD Industrie Service GmbH · 80684 München · Deutschland
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31. März 2011
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1104-2 B STN Leuchten Kindergarten
Lessingstraße.docx
- Stellungnahme Leuchten Kindergarten Lessingstraße Sehr geehrter Herr Bürgermeister Häuser,
zu den Strahlenimmissionen im Kindergarten Lessingstraße nehmen wir wie folgt Stellung:
Im Rahmen der in Schwaikheim durchgeführten Mobilfunkmessungen wurde im Kindergarten
Lessingstraße festgestellt, dass die Raumleuchten zum Teil die dominierende Strahlungsquelle
im Innenraum darstellen.
Die am 02. Februar durchgeführten Mobilfunk-Messungen im Frequenzbereich von 250 MHz
bis 3000 MHz brachten folgendes Ergebnis für den Messpunkt 12 (Kindergarten Lessingstr.):
Mobilfunk
Vollausbau nach StOB
Mobilfunk
minimal
Messpunkt
Mobilfunk
maximale Sendeleistung
E in V/m
E in V/m
S in µW/m²
QE
12a
Kindergarten, Lessingstr., Garten,
Spielfläche
0,82
1,43
5 446,1
2,88%
12b
Kindergarten, Lessingstr.
Gruppenraum
0,28
0,46
566,0
0,88%
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Sitz: München
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Niederlassung München
Abteilung Umwelt Service
Elektromagnetische Umweltverträglichkeit
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Sonstige Funkquellen ab 250 MHz
DECT / WLAN / Handy
Istwerte
Messpunkt
Radio / TV / Sonstige
Istwerte
E in V/m
QE
E in V/m
QE
12a
Kindergarten, Lessingstr., Garten,
Spielfläche
0,04
0,06%
0,05
0,13%
12b
Kindergarten, Lessingstr.,
Gruppenraum
0,02
0,04%
<0,01
0,01%
Die Messergebnisse im Gruppenraum des Kindergartens verursacht durch den Mobilfunk liegen demnach bei 0,46 V/m oder 0,88 % vom Grenzwert. Schnurlose Telefone und Radio- und
Fernsehsender spielen nur eine untergeordnete Rolle.
Im Vorfeld der frequenzselektiven Messungen mit einem Spektrumanalysator wird mit einem
breitbandigen Messgerät der Punkt im Raum mit den höchsten Immissionen aufgespürt. Die
breitbandige Feldsonde erfasst den Frequenzbereich von 0,1 MHz bis 3000 MHz und damit
einen deutlich größeren Frequenzbereich als die frequenzselektiven Mobilfunk-Messungen.
Hierbei fiel auf, dass die mit dem breitbandigen Gerät ermittelten Messwerte nach oben, in
Richtung der Leuchten, deutlich zunahmen. Während durch den Mobilfunk im Gruppenraum in
einer Messhöhe von ca. 1,5 m Feldstärkewerte von 0,46 V/m, hochgerechnet auf Vollauslastung der Anlagen, erreicht werden, zeigte die breitbandige Messung in 2 m Höhe Feldstärkewerte bis 5,37 V/m.
Messhöhe
Messwert breitbandig inkl.
3 dB Messunsicherheit
Anteil vom Referenzwert
1999/519/EG von 87 V/m
0,5 m
0,44 V/m
0,5 %
1m
1,10 V/m
1,3 %
2m
5,37 V/m
6,1 %
8,0
7,0
elektr. Feldstärke in V/m
6,0
5,0
4,0
3,0
2,0
1,0
0,0
0
0,5
1
1,5
2
Höhe über dem Boden in Meter
Abb. 1: Zunahme der Feldstärkewerte mit der Höhe über dem Boden
2,5
3
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Abb. 2: Installierter Leuchtentyp
Abb. 3: Gruppenraum Kindergarten Lessingstraße
Die Ergebnisse der breitbandigen Messung, eindeutig zurückzuführen auf die Raumbeleuchtung, zeigen, dass diese eine nicht zu vernachlässigende Quelle für mittel- und hochfrequente
elektromagnetische Felder im Innenraum darstellt. Der Referenzwert der EU-Richtlinie
1999/519/EG wird in 2 m Höhe zu 6,1 % ausgeschöpft. Vergleicht man dies mit den Ergebnissen der Mobilfunkmessung in Schwaikheim, würde dieser direkt an zweiter Stelle nach dem
Messpunkt im Industriegebiet Süd rangieren.
Ähnliche Ergebnisse wurden auch in anderen Untersuchungen sowie vom bayerischen Landesamt für Umwelt ermittelt (siehe Anhang).
Fazit
Die Bemühungen der Gemeinde Schwaikheim mit Hilfe der Strahlenkarte einen Überblick über
die Mobilfunkimmissionen insbesondere für sensible Orte, wie Kindergärten, zu erhalten, werden irrelevant, wenn dort gleichzeitig Quellen elektromagnetischer Felder betrieben werden, die
von der Stärke her die von außen eingestrahlten Felder deutlich übertreffen.
Wir schlagen daher folgende Abhilfe-Maßnahmen vor:
o Durch eine Elektrofirma werden im ersten Schritt exemplarisch versucht das verwendete EVG durch eine strahlungsärmere Variante auszutauschen.
o Der Erfolg der Maßnahme kann durch ein vom TÜV gestelltes Messgerät direkt überprüft werden.
o Sollte dies nicht den gewünschten Erfolg bringen, kann die Elektrofirma versuchen
durch das Einlegen eines geerdeten Drahtgitters in die transparente Lampenabdeckung
die Strahlenemissionen zu senken.
o Sollten die Maßnahmen erfolgreich gewesen sein, sollte überprüft werden, inwieweit in
anderen öffentlichen Gebäuden ebenfalls Leuchten mit erhöhten Feldemissionen installiert sind.
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Weiterhin sollte bei Neuanschaffung von Lampen zukünftig verstärkt auf die Abstrahlungswerte der Leuchten geachtet werden.
Abteilung Umwelt Service
Elektromagnetische Umweltverträglichkeit
Dr. Thomas Gritsch
Öffentlich bestellter und beeidigter Sachverständiger für
Elektromagnetische Umweltverträglichkeit (EMVU)
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Anhang
Leuchten
Leuchten können mit verschiedenen Spannungen betrieben werden.
Einerseits sind Leuchten im Einsatz wie z.B. Glühlampen und Halogenlampen, die direkt mit
der Netzspannung von 230 Volt arbeiten. Anderseits werden Leuchten verwendet, die eine
niedrigere Spannung (Halogenlampen 12 V) im Dauerbetrieb benötigen oder aber nur eine
höhere Zündspannung benötigen (Gasentladungslampen wie z.B. Leuchtstoffröhren). Dazu
werden Vorschaltgerät, Transformator oder Starter eingesetzt.
Diese unterschiedlichen Spannungen können entweder mechanisch oder elektronisch erzeugt
werden. Bei der elektronischen Variante entstehen dabei mittelfrequente elektrische Felder,
welche je nach Bauausführung unterschiedlich stark auftreten können. Leuchtstoffröhren und
Energiesparlampen gehören zu der Gruppe der Gasentladungslampen.
Abb. 4: Spannbreite der Emission verschiedener Lampentypen in einem Gebäude
In älteren Leuchtstoffröhren sind konventionelle Vorschaltgerät (KVG) eingebaut, welche mit
Hilfe einer Drossel und eines Glimmschalters oder eines verbesserten Vorschaltgeräts (VVG), dem sogenannten „Schnellstarter“ - die Leuchten zum Zünden bringen.
Vorteil:
geringe hochfrequente elektromagnetische Strahlung
Nachteil:
etwas niedrigere Lebensdauer
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In neueren Leuchtstoffröhren sind hingegen überwiegend elektronische Vorschaltgeräte (EVG)
eingebaut, welche im Betrieb Vorteile gegenüber dem VVG haben. Dadurch dass sie aber mit
einer deutlich höheren Frequenz betrieben (ca. 40 kHz) werden, um ein dimmbares, flackerfreies Licht zu erhalten, sind sie auch Quelle mittel- und hochfrequenter elektromagnetsicher
Felder.
Vorteil:
direktes Starten der Lampe
dimmbar
flimmerfrei
Erhöhung der Leuchten-Lebensdauer
Nachteil:
Erzeugung mittel- und hochfrequenter elektromagnetischer Felder
Abb. 5: Von einer Leuchte mit EVG emittiertes Frequenzspektrum ab 100 kHz
In den beispielhaft untersuchten Räumen waren Lampen der Firmen Zeiss (Abb. 6) und AEG
(Abb. 9) älteren Fabrikats angebracht, die sehr geringe Emissionen aufwiesen. Die Lampe der
Firma Trilux (Abb. 7) ist ein Vertreter der neuesten Bauart. Diese Lampen wiesen ersichtlich
höhere Emissionswerte auf, als Lampen der älteren Bauart.
Energiesparleuchten sind in öffentlichen Räumen eher selten aufzufinden, meist in Aufenthaltsräumen, wie Schülercafés. Sie emittieren, wie zu erwarten war, etwa die gleichen Felder wie
auch schon die Lampen der Firma Trilux zuvor.
Ein Exemplar mit hoher Feldemission ist die Deckenleuchte Typ A (Abb. 8). Die genaue Ursache dieser hohen Emissionswerte wurde nicht identifiziert. Desweiteren wiesen Deckenleuchten vom Typ B, welche eine erhöhte Schutzklasse besitzen, um sie vor Feuchtigkeit und
Schmutz zu schützen, entlang der Lichtbänder konstant sehr hohe Messwerte (Abb. 11) auf.
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Besonders hohe Werte lieferten Lampen der Firma Waldmann (Abb. 10). Am Arbeitsplatz in
Kopfhöhe wurden Werte von 5 V/m gemessen, im Nahbereich, ca. 0,3 m Abstand erreichten
die Werte der Stehlampen bis zu 100 V/m, die der Pendelleuchten bis zu 35 V/m. Ursache im
allgemeinen, dürfte wie auch bei den zuvor erwähnten Lichtbändern, das EVG sein, sowie zusätzlich die in den Stehlampen eingebaute aktive Sendeanlage, die die Funktion eines Bewegungsmelders übernimmt.
Abb. 6 Zeiss IKON
Abb. 7: Trilux
Abb. 8: Deckenleuchte Typ A
Abb. 9: AEG Lampe
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Abb. 10: Lampen der Firma Waldmann
Abb. 11: Deckenleuchte Typ B
Prüfzeichen für elektrische Geräte
Elektrische Geräte, worunter auch Lampen fallen, weisen zum Teil eine Vielzahl von unterschiedlichen Prüfzeichen auf. Im folgenden eine Auflistung mit kurzer Erklärung zu den am
häufigsten vorkommenden Prüfzeichen. Die Reihenfolge der Auflistung entspricht auch der
Wertigkeit des Prüfzeichens.
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ENEC-Zeichen
CE-Zeichen
Abb. 12: Prüfzeichen auf einer Stehlampe der Firma Waldmann
CE-Kennzeichnung
Das CE-Zeichen auf einem Produkt weist darauf hin, dass es im freien Verkehr innerhalb der
Europäischen Union zugelassen ist. Nur Geräte mit CE-Zeichen dürfen in der EU verkauft werden. Es handelt sich dabei nicht um ein Sicherheitsprüfzeichen, wie sie VDE-, ENEC- oder GSZeichen darstellen. Dennoch ist es ein Hinweis darauf, dass das Produkt eine Vielzahl von Anforderungen an Sicherheit und Gesundheit für den Anwender erfüllen sollte. Da die CEKennzeichnung von den Herstellern in Eigenverantwortung angebracht wird, lässt sich daran
nicht erkennen, in wieweit regelmäßige Prüfung durchgeführt werden.
Zur Markteinführung muss keine externe Prüfung durchgeführt werden, es reicht eine
Konformitätserklärung welche erklärt, dass die entsprechenden Normen eingehalten werden.
GS-Zeichen
Dieses Zeichen steht für "Geprüfte Sicherheit". Geräte, auf denen Sie dieses Zeichen finden,
entsprechen den Vorschriften des Gerätesicherheitsgesetzes. Es darf nur in Verbindung mit
dem Zeichen der prüfenden Institution, wie zum Beispiel TÜV oder VDE, verwendet werden.
Zum Erlangen des GS-Zeichen findet eine externe Prüfung statt, die alle 5 Jahre wiederholt
werden muss.
VDE-Zeichen
Der Name des VDE-Zeichens resultiert aus dem früheren Namen des Prüf- und Zertifizierungsinstituts des VDE Technisch Wissenschaftlichen Verbandes der Elektrotechnik Elektronik Informationstechnik e.V.: Verband Deutscher Elektrotechniker. Es dokumentiert Sicherheit und
Normenkonformität eines elektrotechnischen Erzeugnisses gegen elektrische, mechanische,
thermische und sonstige Gefährdungen.
Zum Erlangen des VDE-Zeichens muss eine regelmäßige externe Prüfung stattfinden.
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ENEC-Zeichen
Das ENEC-Zeichen (ENEC steht für European Norms Electrical Certification) ist ein europäisches Prüf- und Zertifizierungszeichen das Leuchten und elektrische Komponenten in Leuchten
regelt. Produkte, die dieses Zeichen tragen, sind nach den jeweils geltenden europäischen
Normen gefertigt und weisen diese Übereinstimmung auch in regelmäßigen Überprüfungen
durch Inspektoren der jeweiligen Prüfinstitute nach. Nachweis hierfür ist ENEC-Zeichen selbst
,sowie die Identifikationsziffer der jeweiligen nationalen Prüfinstitution. 10 steht hierbei für
Deutschland und kann deswegen auch kombiniert mit dem VDE-Zeichen auftreten.
Zum Erlangen des ENEC-Zeichens bedarf es einer externen Prüfung.
EMV-Zeichen
Das VDE-EMV-Zeichen drückt die Konformität eines Erzeugnisses mit den anzuwendenden
Normen im Hinblick auf die elektromagnetische Verträglichkeit von Produkten aus. Dieses Zeichen signalisiert aber auch die verlässliche Funktion Ihres Produktes im elektromagnetischen
Umfeld. Denn die Anforderungen zur Erteilung des Zeichens umfassen automatisch, und ohne
Einschränkung, die Erfüllung der entsprechenden Normen.
Zum Erlangen des EMV-Zeichens bedarf es einer externen Prüfung.
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