Studio Magazin - strauss
Hörtest
Nichts als die Wahrheit…
Fritz Fey
Fotos: Dieter Kahlen
Passive Studiomonitore SE-MF-2 und SE-NF-3 von Strauss Elektroakustik
Vor ein paar Wochen besuchte ich
meinen lieben Kollegen Günter Pauler in seinem Studio, der sich gerade intensiv mit verschiedenen digitalen und analogen Entzerrungssystemen für sein neu erworbenes Strauss
MF-2 Monitorsystem beschäftigte.
Ich nutzte nicht nur die Gelegenheit,
die Vorführungen zu begleiten, sondern wollte den Tag auch damit verbringen, dieses Monitorsystem zu
hören, da es aufgrund seiner Größe nicht in mein Studio passt. Passive Monitore werden heutzutage, im
Zeitalter kompakter aktiver Nahfeldmonitore, oft als liebenswerter Anachronismus betrachtet, aber wenn
man genauer hinschaut, oder besser
hinhört, sprechen viele Argumente
für passive Systeme, vorausgesetzt,
der Entwickler hat seine Hausaufgaben gemacht. Jürgen Strauss war aus
der Schweiz angereist, um die Entzerrer-Sitzung mitzuerleben und so
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ergaben sich in kleiner Runde viele Gelegenheiten, die Themen ‚Abhören und Akustik‘ ausgiebig von allen Seiten zu beleuchten. Im Vorfeld
des Tests wurde die Regie bei Pauler Acoustics nach Plänen von Jürgen Strauss mit speziellen Plattenschwingern ausgestattet und so fand
ich optimale Bedingungen vor, die
MF-2 Monitore zu testen. Parallel dazu wurde vom deutschen Vertrieb d.
c. electronic ein Pärchen Nahfeldmonitore des Typs NF-3 auf die Reise geschickt, die ich wenig später in
meinem Studio aufbauen und hören
konnte. Um es vorweg zu nehmen,
entschied sich Günter Pauler am Ende für einen analogen Entzerrer, um
die eher geringfügigen Korrekturen
umzusetzen, und ist seither zu einhundert Prozent zufrieden.
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Die in der Schweiz ansässige Firma Strauss
Elektroakustik wurde 1996 gegründet und
beschäftigt sich seither mit der Lautsprecherentwicklung für den HiFi-, den Beschallungs- und den Studiosektor. Drei Systeme
sind für die professionelle Studioanwendung
bisher entstanden. Unter der Bezeichnung
MF-1 wird ein weiteres System angeboten,
das sich mit seinen Abmessungen genau
zwischen dem großen MF-2 und dem kompakten NF-3-System positioniert, aber in
unserem Test aus organisatorischen Gründen keine Berücksichtigung finden konnte.
Als kompromisslos denkender Zeitgenosse
stellt Jürgen Strauss höchste Ansprüche an
seine Lautsprecherentwicklungen, die eine
Kombination aus bewährten traditionellen
Elementen und innovativen Technologien repräsentieren. Seine Orientierung am physikalischen Ideal einer Punktschallquelle beschert uns Monitore für mittlere und kurze
Hörabstände, die über einen langen Zeitraum optimiert wurden, sowohl hinsichtlich
der Auswahl der Lautsprecherchassis, als
auch der Konstruktion der passiven Weiche und der Gestaltung des Bassreflex-Gehäuses. Dabei herausgekommen sind Studiomonitore mit großer Bandbreite, hoher
Linearität, detaillierter Mikrodynamik, einem gleichmäßigen Abstrahlverhalten und
einem mechanisch abgestimmten Zeitverhalten. Auch heute noch sind viele Lautsprecherentwickler der Meinung, dass eine hochwertige passive Filterung durch keine aktive übertroffen werden kann, und so
muss man aktive Kompaktmonitore vielfach auch als gut verkaufbares MarketingPaket betrachten, das unter anderem auf
die Bequemlichkeit der Anwender baut. Es
ist wie in der Raumakustik: Ein präziser, intelligenter mechanischer Aufbau kann nicht
durch Elektronik ersetzt werden. Und außerdem bietet eine passive LautsprecherKonstruktion dem Anwender die freie Wahl
einer Endstufe, die persönliche Vorlieben
oder den Grad des Anspruchs an die Qualität zum Ausdruck bringt.
Strauss MF-2
Der MF-2 ist ein für mittlere Hörabstände sehr großer Monitor, der aufgrund seiner Gehäuseabstimmung und Chassis-Auswahl für höhere Abhörlautstärken und einen Übertragungsfrequenzgang von 25 Hz
bis 24 kHz (-6 dB) steht. Ich muss zugeben,
der Anblick eines im Gehäuse leicht nach
unten geneigten Constant-Directivity-Horns,
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das mit einem 2-Zoll-Kompressionstreiber
bestückt ist, ließ mich nicht als erstes an
den Begriff ‚Mikrodynamik‘ denken, sondern erinnerte mich eher an im wahrsten
Sinne des Wortes schmerzhafte Studiositzungen aus meiner frühen Vergangenheit,
also dementsprechend schlechte Erfahrungen mit Hornsystemen. Zum Horn ein ‚Standard‘-15-Zoll-Tieftonchassis mit Papiermembran – was sollte sich also in den letzten
30 Jahren verändert haben? Die Übergangsfrequenz zwischen Horn und Tieftöner liegt
bei 750 Hz und das Horn strahlt vertikal in
einem Winkel von 40 Grad und horizontal in
einem Winkel von 90 Grad ab. Nun gut, so
vorurteilsfrei wie es mir möglich war, setzte ich mich in die Abhörposition und harrte
der Dinge, die da nun kommen mochten.
Wenn Günter Pauler als überkritischer Kollege sich für diese Lautsprecher entschieden hatte, musste wohl etwas daran sein.
Ich hörte mehr oder weniger über den gesamten Tag verteilt eine bunte Mischung
aus Jazz, Pop, Klassik, gelegentlich unterbrochen von Messungen der vorgeführten
FIR-Systeme von Trinnov und AudioVolver
und konnte mich so mit dem Klang der
Lautsprecher sehr ausführlich auseinandersetzen. Wie kann ich meinen Eindruck nun
am besten beschreiben? Zunächst vielleicht
mit der Bemerkung, dass ich kein Horn hören konnte. Der Lautsprecher besticht mit
einer Homogenität und Ortungspräzision,
die man einfach als sensationell bezeichnen muss. Die räumliche Abbildung, die
Darstellung feinster Transienten – ja, nun
kann ich mir auch etwas unter Mikrodynamik vorstellen. Entspannte, konturierte Tiefen, offene und luftige Höhen, die ich eigentlich nur von einer Kalotte kenne und
ein ausgeglichener Mittenbereich ohne lästige Überhöhungen. Es stimmt einfach alles.
Sie werden sich fragen, wie ich es schaffen will, Lautsprecher verschiedener Hersteller dieser Qualitätsstufe durch Begriffe
wie ‚sensationell‘, ‚fantastisch‘ oder ‚herausragend‘ zu unterscheiden. Hier versagen wirklich Sprache und Erinnerungsvermögen. Jedoch kann ich Ihnen versichern,
dass ich so etwas nur ganz ganz selten zu
hören bekommen habe. Es gibt vielleicht
noch zwei oder drei andere Lautsprecher,
die mich derartig begeistern konnten. Die
Stereobasis klappt sich auf wie mit einer
Lupe betrachtet, die Unterschiede zwischen
verschiedenen Produktionen sind mehr als
deutlich auszumachen, ohne große Anstren-
Goldbedampfte
1/2“-Wechselkapsel
(Niere)
100%
Made in Australia
Hochpassfilter
dreistufig schaltbar
Vordämpfung
dreistufig schaltbar
Innendrin:
Feinste SMD-Technik
Feinzeichner
mit Extras
Das NT55 ist ein kleines Juwel: Gefertigt in einer der
modernsten Mikrofonmanufakturen der Welt, bietet
es Ihnen ein sehr definiertes Klangbild, mit schönen
Höhen und warmen Tiefen, ohne Überzeichnung
einzelner Frequenzbereiche.
Die mitgelieferte Kugel-Wechselkapsel und die
Möglichkeit, Vordämpfung und Hochpassfilter zuschalten zu können, machen das NT55 zu einem
äußerst vielseitig einsetzbaren Kleinmembraner.
Und nicht zu vergessen: RODE gewährt jedem
registrierten Anwender volle 10 Jahre Garantie ohne Wenn und Aber!
Vertrieb und
Händlernachweis
durch
Hyperactive
Audiotechnik GmbH
www.hyperactive.de
hy
per
act
ive
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Hörtest
Die Referenzklasse:
Drawmer S3
„Schon alleine der Anblick des
Gerätes lässt mein Herz höher
schlagen und das Beste ist, so
gut wie das Ding aussieht klingt
es auch!“
- Sascha ‚Busy‘ Bühren
(True Busyness Music)
gung, und schließlich hörten wir auch die wirklich marginalen Unterschiede zwischen verschiedenen Filterungsverfahren der angetretenen Systeme, die allesamt einen hohen Qualitätsanspruch
für sich in Anspruch nehmen durften. Ich kann Günter Pauler zu
seiner Wahl wirklich nur beglückwünschen. Er hat die richtige
Entscheidung für seine Mastering-Regie getroffen. Diese Leichtigkeit, mit der man dynamische Vorgänge analysieren kann, die
selbstverständliche Sicherheit, Mischungsverhältnisse beurteilen
zu können – eine ideale Ausgangsposition, gestalterisches Mastering zu praktizieren oder notfalls auch mit Reparaturmaßnahmen erfolgreich eingreifen zu können. Natürlich hat diese außergewöhnliche Qualität ihren Preis. Mit
einem Stück-
Designed
by
Studio Magazin 09/07
www.sea-vertrieb.de
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Hörtest
Strauss NF-3
Mit derartigen Vorschusslorbeeren ausgestattet, machte ich mich einige Wochen später
an den Aufbau der kleineren NF-3 in unserem
Studio. Der Vertrieb hatte mir für den Hörtest
freundlicherweise zwei digitale Mono-Endstufen von Flying Mole zur Verfügung gestellt.
Der NF-3 ist ein Lautsprecher mit zwei Gehäusen. Hoch- und Tieftöner genießen den
Luxus eines jeweilig eigenen ‚Zimmers‘. Zur
Anwendung kommen hier ein 1-Zoll-Kalottenhochtöner und ein 5-Zoll-Tieftöner mit einer
beschichteten Papiermembran. Dieser vergleichsweise kleine Bursche trumpft im Vorfeld schon einmal mit einem Übertragungsfrequenzgang von 38 Hz bis 25 kHz (-6 dB)
auf, und bietet ein breites Abstrahlverhalten
in der horizontalen (100 Grad) und vertikalen Richtung (60 Grad). Ich hatte mir für einen ersten Test eine SACD von Norah Jones
und eine etwas ältere Produktion von CPR
(Crosby, Pevar & Raymond) als CD zurechtgelegt, die ich sehr häufig benutze und daher auch dementsprechend gut kenne. Was
ich zu hören bekam, war der beinahe erschreckende Unterschied zwischen einer gut
gemachten, aber doch sehr flachen (CPR)
und einer extrem lebendigen, dreidimensionalen Produktion (Norah Jones) mit echten
Räumen, feinen dynamischen Details, in die
man tief hineinhören konnte. So krass hatte
ich den Unterschied in meinem Studio wirklich noch nie gehört. Wie macht der Mann
das? Wie kommt man mit relativ einfachen,
aber wohl doch sehr raffinierten Konstruktionsdetails zu einer solchen Abbildungspräzision? Und woher kommen diese Tiefen?
Sauber, fest, konturiert? Ich bin ja nun wirklich keiner, den man mit Lautsprechern in
Erstaunen versetzen kann, aber das hätte
ich aus einem so kleinen Lautsprecher nicht
für möglich gehalten. So unspektakulär der
Lautsprecher äußerlich erscheint, so spektakulär ist das von ihm erzeugte Klangbild:
Offene Höhen, exakte Ortung, Detailtreue,
räumliche Darstellung, Transientenabbildung
– alles 1A. Was soll ich da noch groß erzäh-
len, außer ‚restlos überzeugend‘ zu sagen? Das müssen Sie hören, denn dieser Lautsprecher ist auch noch halbwegs erschwinglich. Die Preisliste weist einen Stückpreis
von 2.130 Euro netto aus. Ich weiß nicht, welchen Anteil die beiden Mono-Endstufen
von Flying Mole an diesem Klangerlebnis hatten, aber das ist mir eigentlich auch egal,
denn 333 Euro netto pro Endstufe sind wirklich keine große Sache.
Fazit
Ob groß oder klein, die Lautsprecher von Strauss gehören zweifelsfrei in die Kategorie ‚absolute Spitzenklasse‘, auch wenn mir derartige Formulierungen bekanntermaßen nicht ganz so leicht über die Lippen gehen. Beide Lautsprecher, MF-2 und NF-3,
sind ein Wunder an Präzision und Leichtigkeit. Die tadellos verarbeiteten Lautsprecher präsentieren sich bescheiden in einem schlichten, unauffälligen Äußeren, stecken aber dafür hinsichtlich ihres zeitlichen und frequenzbezogenen Abbildungsvermögens umso mehr voller Überraschungen. Wer also bisher dachte, passive Lautsprecher sind etwas für HiFi-Enthusiasten und ein Auslaufmodell im Bereich der professionellen Anwendung – Vorsicht! Sie haben Strauss-Monitore noch nicht gehört. Meine
uneingeschränkte Hochachtung und Bewunderung…
Broadcast Line
BCM 104
Radio needs
characters.
Die Mikrophone der Broadcast Line
sind der kostengünstige Einstieg in die
Neumann Klasse. Innovatives Design*,
optimaler Benutzungskomfort und
typischer Neumann Sound
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*Das Design des Mikrophons ist für die Georg Neumann GmbH geschützt.
preis von 16.890 Euro netto bleibt ein solches Präzisionswerkzeug vermutlich nur wenigen Anwendern vorbehalten, die nach absoluter Perfektion streben, aber in einem Mastering-Studio sollte man gerade auf Seiten
der Abhörsituation keine Kompromisse eingehen. Das Abhörsystem in einem professionellen akustischen Umfeld ist das größte
Kapital eines Mastering-Ingenieurs.
www.neumann.com
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Georg Neumann GmbH • Ollenhauerstr. 98 • 13403 Berlin • Fon: 030 / 41 77 24-0 • Fax: 030 / 41 77 24 -50 • E-Mail: headoffice@neumann.com
Distribution in Deutschland: Sennheiser Vertrieb und Service GmbH & Co. KG • Fon: 03 92 03 / 7 27 41 • Fax: 03 92 03 / 7 27 27
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Thank you for your participation!

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