Dokument_20.

Dokument_20.
Emotionsregulation und Beziehungsgestaltung
in der Adoleszenz
Inaugural-Dissertation
in der Philosophischen Fakultät und Fachbereich Theologie
der Friedrich-Alexander-Universität
Erlangen-Nürnberg
vorgelegt von
Verena Wendt
aus Stendal
D29
Tag der mündlichen Prüfung: 12.02.2009
Dekan:
Universitätsprofessor Dr. Jens Kulenkampff
Erstgutachter:
Universitätsprofessor Dr. Frieder R. Lang
Zweitgutachter: Universitätsprofessor Dr. Gottfried Spangler
DANKSAGUNG
Diese Arbeit entstand im Rahmen des DFG-Projekts IDUN („Interdependenzen
zwischen beruflichen und verwandtschaftlichen Netzwerken im Kontext der Familiengründung und –entwicklung“) unter Leitung von Prof. Frieder R. Lang und Prof.
Martin Diewald.
Mein besonderer Dank gilt Frieder R. Lang für die intensive Betreuung der Arbeit
von der ersten Idee bis zu ihrer Fertigstellung. Außerdem danke ich Gottfried Spangler für die Begutachtung der Arbeit. Darüber hinaus möchte ich mich an dieser Stelle
bei allen Mitarbeitern des Projekts bedanken, ohne die eine Realisierung des Forschungsvorhabens kaum möglich gewesen wäre. Weiterhin danke ich ganz besonders Franziska Stoeber für ihre fachliche sowie freundschaftliche Unterstützung und
Aufmunterung während der zurückliegenden vier Jahre. Außerdem danke ich Christian Geiser für seine Unterstützung in methodischen Fragen und Rainer Heuer für
die Endkorrektur dieser Arbeit.
ZUSAMMENFASSUNG
In der Auseinandersetzung Adoleszenter mit ihrer sozialen Umwelt kommt der
Regulierung von Emotionen eine wichtige Rolle dabei zu, die Entwicklungsaufgaben
dieser Lebensphase zu lösen. Allerdings ist bislang ungeklärt, wie emotionale Prozesse die Beziehungsgestaltung Adoleszenter beeinflussen. Die Regulation emotionaler Zustände kann sich auf das Selbst und auf Andere (im Netzwerk) richten und zur
Aktivierung oder zur Stabilisierung von Beziehungen beitragen. Vor dem Hintergrund der Lebenslauftheorie der Kontrolle wurden emotions- und beziehungsregulatorische Prozesse des Aufbaus neuer und enger Beziehungen in der Adoleszenz und
im jungen Erwachsenenalter untersucht. Adoleszente (14-17 Jahre) und junge Erwachsene (24-28 Jahre) sowie deren Eltern und Alteri aus der Schule oder dem Beruf
(Gesamt-N = 356) wurden in einer ersten Studie zu emotionsregulativen Strategien
im Allgemeinen und in ihren jeweiligen sozialen Beziehungen zu insgesamt zwei
Erhebungszeitpunkten befragt. Analysen des persönlichen Netzwerks belegen, dass
Adoleszente mehr belastende Beziehungen angeben als junge Erwachsene, sich jedoch in ihrem Umgang mit Ärger (bezogen auf Personen des eigenen sozialen Netzwerks) nicht von ihnen unterscheiden. Adoleszente berichten weiterhin weniger unterstützende Beziehungen als junge Erwachsene, gleichen ihnen jedoch in der Ausgestaltung von Nähe zu Beziehungen des eigenen Netzwerks. Weiterhin zeigte sich
in der Adoleszenz und im jungen Erwachsenenalter, dass selbstinitiierte Beziehungsabbrüche nach einem Jahr durch den Umgang mit Ärger in negativ-belastenden Beziehungen vorhergesagt werden können. Auf Ebene des persönlichen Erlebens konnten drei emotionsregulative Strategien ermittelt werden, die auf die Selektion von
Beziehungen (Nähesuchen, Meiden) sowie auf die direkte Beeinflussung emotionaler
Zustände (Modifikation) gerichtet sind. In einer zweiten Studie (Selbsteinschätzung N
= 257, 14-46 Jahre; Fremdeinschätzung, N = 251, 14-45 Jahre) wurde darauf aufbauend
eine neue Skala zu Emotionsregulation (17 Items) im Hinblick auf Reliabilität und
Validität überprüft. Die Dimensionen Nähesuchen, Meiden und Modifikation konnten
faktorenanalytisch bestätigt werden. Die Faktoren ließen sich klar trennen und wiesen eine zufriedenstellend hohe interne Konsistenz auf. Dem neuen Instrument
konnte darüber hinaus strenge Messäquivalenz über das Alter und das Geschlecht
zugrunde gelegt werden. Mittelwertsdifferenzen in Nähesuchen, Meiden und Modifikation ergaben sich bezogen auf das Geschlecht, nicht jedoch in Bezug auf das Alter.
Die Befunde weisen auf spezifische Formen und Funktionen emotionsregulativer
Strategien der Beziehungsgestaltung bei Adoleszenten hin. Sie erweitern die Forschung zur Ontogenese emotionsregulativer Kompetenzen im Übergang von der
Adoleszenz ins junge Erwachsenenalter und liefern einen neuartigen Einblick in den
differenzierten Umgang mit Emotionen in Beziehungen des eigenen sozialen Netzwerks.
INHALTSVERZEICHNIS
EINLEITUNG .................................................................................................................................................... 10
1
EMOTIONSREGULATION & DIE GESTALTUNG VON BEZIEHUNGEN ............................... 17
1.1 BEGRIFFE & GEGENSTAND DER EMOTIONSREGULATION ..................................................................... 18
1.2 BEGRIFFE & GEGENSTAND DER BEZIEHUNGSGESTALTUNG.................................................................. 21
1.2.1
Netzwerkansatz............................................................................................................................. 22
1.3 WELCHEN EINFLUSS HABEN ADOLESZENTE AUF IHRE EIGENE ENTWICKLUNG? ................................ 23
1.3.1
Allgemeine Prinzipien der Entwicklungsregulation..................................................................... 23
1.3.2
Entwicklungsaufgaben.................................................................................................................. 26
1.3.3
Lebenslauftheorie der Kontrolle..................................................................................................... 27
1.3.4
Altersgradierte Einflussfaktoren auf das emotionale Erleben Adoleszenter.................................. 30
1.3.5
Soziale Beziehungen in der Adoleszenz ........................................................................................ 33
1.4 EMOTIONSREGULATION IN DER ADOLESZENZ: BISHERIGE FORSCHUNG ............................................. 37
1.4.1
Bindungstheoretischer Ansatz ...................................................................................................... 39
1.4.2
Primäre & sekundäre Kontrollstrategien zur Regulierung von Emotionen? ............................... 41
1.4.3
Prozessmodell der Emotionsregulation ......................................................................................... 42
1.5 ZUSAMMENSPIEL EMOTIONSREGULATIVER & BEZIEHUNGSGESTALTENDER ABLÄUFE........................ 44
1.5.1
Selektion von Beziehungen im Prozess der Emotionsregulation .................................................. 46
1.5.2
Modifikation emotionaler Sequenzen ............................................................................................ 49
1.5.3
Beziehungsspezifische emotionsbezogene Prozesse: Umgang mit Ärger & Intimitätsregulierung
53
1.6 FUNKTIONALITÄT EMOTIONSREGULATIVER STRATEGIEN .................................................................... 54
1.7 ERHEBUNG EMOTIONSREGULATIVER PROZESSE IN DER ADOLESZENZ................................................. 56
2
FRAGESTELLUNGEN & HYPOTHESEN DER UNTERSUCHUNG ............................................. 58
2.1 ZUSAMMENFASSUNG ............................................................................................................................. 58
2.2 FRAGESTELLUNGEN, ZUSAMMENFASSENDE ERWARTUNGEN & UNTERSUCHUNGSGEGENSTAND ..... 60
2.3 HYPOTHESEN ......................................................................................................................................... 65
2.3.1
Hypothesen der Hauptstudie (Studie 1)........................................................................................ 65
2.3.2
Hypothesen der Validierungsstudie (Studie 2) ............................................................................. 67
3
STUDIE 1: EMOTIONSREGULATION & BEZIEHUNGSGESTALTUNG .................................. 69
3.1 DARSTELLUNG DES VORGEHENS & DATENBASIS.................................................................................. 69
3.1.1
Design & Stichprobengewinnung................................................................................................. 70
3.1.2
Untersuchungsstichprobe ............................................................................................................. 76
3.1.3
Erhebungsinstrumente.................................................................................................................. 79
3.1.3.1
Erhebung egozentrierter Netzwerke .......................................................................................................... 80
3.1.3.2
Umgang mit Ärger & Intimitätsregulierung in Beziehungen..................................................................... 83
3.1.3.3
Emotionsregulation auf Ebene des persönlichen Erlebens (global) ........................................................... 83
3.1.3.4
Zusätzliche Variablen & Konstrukte ......................................................................................................... 84
3.1.4
Studiendurchführung ................................................................................................................... 86
3.2 AUSWERTUNG & ERGEBNISSE................................................................................................................ 88
3.2.1
Auswertungsstrategie ................................................................................................................... 89
3.2.2
Deskription zentraler Netzwerkmerkmale im Altersvergleich ...................................................... 91
3.2.2.1
3.2.3
3.2.4
Soziale Netzwerke & Indikatoren psychischer Anpassung (zusätzliche Analyse)..................................... 93
Umgang mit Ärger in Beziehungen.............................................................................................. 96
Intimitätsregulierung in Beziehungen........................................................................................ 100
3.2.5
Vorhersage selbstgesteuerter Beziehungsabbrüche...................................................................... 104
3.2.6
Vorhersage stabiler Beziehungen ................................................................................................ 107
3.2.7
Interaktionen von Beziehungsmerkmalen und Umgang mit Ärger sowie Intimitätsregulierung
(zusätzliche Analyse) .................................................................................................................................. 109
3.2.8
Emotionsregulation auf Ebene des persönlichen Erlebens .......................................................... 111
3.2.9
Zeitverzögerte Einflüsse auf Strategien der Emotionsregulation in Eltern-Kind- & ZielpersonAlteri-Dyaden ............................................................................................................................................. 113
3.2.10 Funktionale Zusammenhänge zwischen Emotionsregulation & Indikatoren psychischer
Anpassung, Lebenszielen sowie zentralen Konstrukten der Handlungsregulierung ................................. 115
3.2.11 Emotionsregulation & Beziehungsqualität zu Gleichaltrigen & Eltern ..................................... 119
3.3 DISKUSSION STUDIE 1 .......................................................................................................................... 122
3.3.1
Netzwerke & Wohlbefinden ........................................................................................................ 122
3.3.2
Beziehungsbezogene Emotionsregulation ................................................................................... 125
3.3.3
Stabilität & Auflösung von Beziehungen ................................................................................... 129
3.3.4
Emotions- & beziehungsbezogene Interaktionen ........................................................................ 130
3.3.5
Emotionsregulation auf Ebene des persönlichen Erlebens .......................................................... 131
3.3.6
Entwicklung emotionsregulativer Strategien in Dyaden ........................................................... 133
3.3.7
Emotionsregulation, Wohlbefinden & Handlungsregulierung................................................... 134
3.3.8
Emotionsregulation & Beziehungsqualität ................................................................................. 137
3.3.9
Methodenkritik & Empfehlungen ............................................................................................... 138
4
STUDIE 2: ZUR STRUKTURELLEN QUALITÄT & VALIDITÄT DER SKALA ZU
EMOTIONSREGULATION.......................................................................................................................... 139
4.1 DARSTELLUNG DES VORGEHENS & DATENBASIS................................................................................ 140
4.1.1
Stichprobenmerkmale .................................................................................................................. 141
4.1.2
Erhebungsinstrumente der Validierungsstudie .......................................................................... 142
4.1.2.1
Itemkonstruktion der Skala zu Emotionsregulation................................................................................. 142
4.1.2.2
Validierungsskalen .................................................................................................................................. 145
4.1.3
Fremdeinschätzung ..................................................................................................................... 149
4.2 AUSWERTUNG & ERGEBNISSE.............................................................................................................. 150
4.2.1
Datenbereinigung & Auswertungsstrategie............................................................................... 150
4.2.2
Faktorielle Validierung in Selbst- & Fremdeinschätzung........................................................... 152
4.2.3
Überprüfung der Messäquivalenz mittels konfirmatorischer Faktorenanalyse .......................... 158
4.2.4
CTC(M-1)-Modell....................................................................................................................... 161
4.2.5
Manifeste Zusammenhänge mit Validierungskorrelaten............................................................ 167
4.2.6
Skala zu Emotionsregulation im Exkurs: Messäquivalenz der Validierungs- & Hauptstudie... 169
4.3 ZUSAMMENFASSUNG ........................................................................................................................... 173
4.4 DISKUSSION STUDIE 2 .......................................................................................................................... 173
4.4.1
Zur Qualität & Validität der Skala zu Emotionsregulation ....................................................... 174
4.4.2
Methodenkritik & Empfehlungen ............................................................................................... 179
5
ZUSAMMENFASSENDE DISKUSSION........................................................................................... 180
5.1
5.2
ZUSAMMENFASSUNG DER HYPOTHESENRELEVANTEN EFFEKTE ........................................................ 180
ABSCHLIEßENDE BETRACHTUNG ......................................................................................................... 184
LITERATURVERZEICHNIS......................................................................................................................... 188
ANHANG ......................................................................................................................................................... 208
Anhang A: Übersicht über die verwendeten Erhebungsinstrumente der Hauptstudie.............................. 208
Anhang B: Übersicht über die verwendeten Erhebungsinstrumente der Validierungsstudie .................... 220
Anhang C: Ergebnisse geschlechtergetrennter Netzwerkanalysen............................................................. 228
ERKLÄRUNG .................................................................................................................................................. 229
TABELLENVERZEICHNIS
Tabelle 1:
Emotionsregulation: Strategien der Selektion und Modifikation mit Auswirkungen auf
Ebene der Emotionen und auf Ebene der Beziehungen
52
Tabelle 2:
Anzahl der vollständigen Dyaden in beiden Erhebungswellen
73
Tabelle 3:
Rücklaufberechnung der ersten Erhebungswelle in Bielefeld und Halle (Saale)
74
Tabelle 4:
Rücklaufberechnung der zweiten Erhebungswelle in Bielefeld und Halle (Saale)
75
Tabelle 5:
Verteilung soziodemografischer Merkmale über die Teilnehmergruppen der
Hauptstudie
78
Tabelle 6:
Soziale Netzwerkbeziehungen im Altersvergleich, Hauptstudie
95
Tabelle 7:
Umgang mit Ärger in Beziehungen (yij) bei Adoleszenten und jungen Erwachsenen (N =
126), Hauptstudie
99
Tabelle 8:
Intimitätsregulierung (yij) bei Adoleszenten und jungen Erwachsenen (N = 126),
Hauptstudie
103
Tabelle 9:
Standardisierte Pfadkoeffizienten für kreuzverzögerte Einflüsse über ein Jahr (T1 →T2)
auf Ebene der Beziehungen in der Adoleszenz und im jungen Erwachsenenalter (N = 126
), Hauptstudie
111
Tabelle 10:
Mittelwertsunterschiede in Strategien der Emotionsregulation, Hauptstudie
Tabelle 11:
Standardisierte Pfadkoeffizienten für kreuzverzögerte Einflüsse über ein Jahr (T1 →T2)
in Kind-Eltern und Zielperson-Alteri-Dyaden, Hauptstudie
115
Tabelle 12:
Korrelationen zwischen Strategien der Emotionsregulation und Kontrollkonstrukten
sowie Indikatoren psychischer Anpassung in der Adoleszenz, Hauptstudie
118
Tabelle 13:
Beziehungsqualität zu Mitschülern (yij) in der Adoleszenz (N = 66), Hauptstudie
120
Tabelle 14:
Korrelationen zwischen Strategien der Emotionsregulation und (Beziehungs-)
Merkmalen des Netzwerkes in der Adoleszenz, Hauptstudie
122
Zentrale demographische Merkmale der Untersuchungsgruppen in Selbst- und
Fremdeinschätzung, Validierungsstudie
144
Tabelle 16:
Skala der Emotionsregulation: Itembeispiele
145
Tabelle 17:
Übersicht der verwendeten Erhebungsinstrumente zur Validierung der Skala zu
Emotionsregulation
149
Fit-Statistiken der konfirmatorischen Faktorenanalyse in der Selbst- (N = 257) und
Fremdeinschätzung (N = 251), Validierungsstudie
155
Messäquivalenz der Skala zu Emotionsregulation: Bedeutungsstruktur und
psychometrische Eigenschaften im Vergleich zwischen zwei Altersgruppen und
zwischen Männern und Frauen, Validierungsstudie
160
Tabelle 20:
Fehlerbereinigte Varianzanteile des CTC(M-1)-Modells, Validierungsstudie
165
Tabelle 21:
Korrelationen der Trait- und Methodenfaktoren im CTC(M-1)-Modell,
Validierungsstudie
166
Tabelle 15:
Tabelle 18:
Tabelle 19:
112
Tabelle 22:
Korrelation der Skala zu Emotionsregulation mit konvergenten und diskriminanten
Variablen (N = 257), Validierungsstudie
168
Tabelle 23:
Äquivalenz der Skala zu Emotionsregulation (Bedeutungsstruktur und psychometrische
Eigenschaften) zwischen Daten der Hauptstudie (2. Erhebungswelle, N = 240) und Daten
der Validierungsstudie (N = 257)
172
Tabelle 24:
Schematische Darstellung der Kongruenz und Inkongruenz der Ergebnisse mit den
explizierten Hypothesen
184
Tabelle 25:
Wortlaut und Antwortskalierung der Deskriptoren in der ersten und zweiten Welle der
Hauptstudie
213
Tabelle 26:
Itemparcel der Validierungsstudie
227
Tabelle 27:
Geschlechtsunterschiede sozialer Netzwerkbeziehungen in der Adoleszenz und
Korrelationen mit Indikatoren psychischer Anpassung, Hauptstudie (N = 69)
228
ABBILDUNGSVERZEICHNIS
Abbildung 1: Schematische Darstellung der cross-lagged-Pfadanalysen
91
Abbildung 2: Standardisierte Pfadkoeffizienten zur Vorhersage selbstgesteuerter Beziehungsabbrüche
im Jugend- und jungen Erwachsenenalter (N = 102), Hauptstudie
107
Abbildung 3: Standardisierte Pfadkoeffizienten zur Vorhersage stabiler Beziehungen in der
Adoleszenz und im jungen Erwachsenenalter (N = 126), Hauptstudie
108
Abbildung 4: Mittelwerte emotionsregulativer Strategien in der Adoleszenz, getrennt nach Geschlecht
113
Abbildung 5: CFA-Modell der Emotionsregulation in (S)Selbst- und (F)Fremdeinschätzung mit
vollstandardisierten Parametern
157
Abbildung 6: Schematische Darstellung des CTC(M-1)-Modells mit drei latenten Trait-Variablen und
drei Trait-spezifischen Methodenfaktoren; M=Methode, T=Trait
162
EINLEITUNG
10
EINLEITUNG
Die Adoleszenz ist gekennzeichnet durch zahlreiche Veränderungen auf emotionaler Ebene (z.B. Bühler, 1922; Rosenblum & Lewis, 2003). Adoleszente sind herausgefordert, mit ihnen umgehen zu lernen und neue emotionale Erfahrungen in die
Persönlichkeit zu integrieren. Emotionsregulation bezeichnet alle Prozesse, durch die
Individuen das Entstehen, die Bewertung, den Verlauf und den Ausdruck von Emotionen modifizieren (Bridges, Denham & Ganiban, 2004; Cole, Martin, Dennis, 2004;
Davidson, Jackson, Kalin, 2000; Garber & Dodge, 2004; Gross, 1998, 1999). In der Adoleszenz ist allerdings nicht gut untersucht, wie das Erleben und die Regulierung
eigener Emotionen kontextuell eingebettet sind, das heißt, in Beziehungen des eigenen Netzwerks variieren, mit der Zeit kontinuieren oder sich verändern. Gerade in
der Adoleszenz gilt der Aufbau neuer, reifer Sozialbeziehungen als bedeutsame
Entwicklungsaufgabe (Havighurst, 1972). Sozialen Beziehungen werden im Zusammenhang mit dem Erleben und der Regulierung von Emotionen zwei Bedeutungen
zugeschrieben: Sie stellen auf der einen Seite Ursachen von Emotionen (Brandstätter,
1990; Fitz & Gerstenzang, 1978) und auf der anderen Seite externe Regulatoren positiver oder negativer Emotionen (z.B. in der Kindheit Lamb & Malkin, 1986) dar. Soziale Beziehungen bilden außerdem einen bedeutsamen Entwicklungskontext (Lang,
Neyer & Asendorpf, 2006), der durch beziehungsgestaltende Maßnahmen den eigenen Wünschen und Zielen entsprechend geformt wird. Beziehungsgestaltende Prozesse umfassen alle sozialen Verhaltensweisen und Kognitionen des Individuums,
die auf die Initiierung, Veränderung und den Abbruch von Beziehungen gerichtet
sind (Lang, Neyer & Asendorpf, 2006).
Die Regulation emotionaler Zustände kann sich auf das Selbst und auf Andere (im
Netzwerk) richten und zur Aktivierung oder zur Stabilisierung von Beziehungen
beitragen. Aktivierende Maßnahmen implizieren den Aufbau und die Nutzung von
Beziehungen. Emotionsregulative Strategien sind etwa das direkte Aufsuchen bzw.
Meiden von Situationen oder Beziehungen zum Zwecke des Aufrechterhaltens, Er-
EINLEITUNG
11
höhens oder Abschwächens positiver wie negativer Emotionen. Die Beziehung stabilisierende und pflegende Prozesse umfassen schützende emotionsregulative Strategien. Diese beinhalten in erster Linie verhaltensbezogene sowie kognitive Strategien
zur Regulierung von Emotionen, etwa die Veränderung der emotionsauslösenden
Situation oder die Aufmerksamkeitslenkung. Der vorliegenden Arbeit liegt ein
Netzwerk-Ansatz zugrunde, welcher auf Ebene der Beziehungen eine differentielle
Betrachtung emotionsbezogener Prozesse sowohl in engen, freundschaftlichen, in
familialen, in unterstützenden als auch in peripheren Beziehungen ermöglicht. Eine
Fragestellung der Arbeit betrifft den Umgang mit Belastungen und Ärger in Beziehungen sowie die Regulierung von Intimitätsbedürfnissen innerhalb der Beziehungen des eigenen sozialen Netzwerks. Es interessiert ferner, welche Auswirkungen
diese emotionalen Prozesse auf die Gestaltung von Beziehungen in der Adoleszenz
haben.
Das Intimitätsbedürfnis fördert das Eingehen und die Stabilität von Beziehungen.
Der Umgang mit Ärger entscheidet über das Aufrechterhalten von Beziehungen. Es
besteht darüber hinaus die Annahme, dass wechselseitige Interaktionen zwischen
dem Individuum und seinen Beziehungen existieren, so dass außerdem Einflüsse
sozialer Beziehungen auf individuelles emotionales Erleben und Verhalten auszumachen sind. Es wird in diesem Zusammenhang erwartet, dass Beziehungen zu Gleichaltrigen eine bedeutsamere Rolle als die Beziehungen zu den Eltern spielen.
Wie eigene Emotionen im Rahmen von Beziehungen reguliert werden, kann auf
Ebene des persönlichen Erlebens an drei Möglichkeiten festgemacht werden. Es handelt sich erstens um Nähesuchen, zweitens um Meiden (beides selektive Strategien)
und drittens um Modifikation (beeinflussende Strategien). Theoretische Grundlage
dafür bietet der Lebensspannen-Ansatz, welcher Adoleszente als kompetente Individuen in der Regulierung ihrer Emotionen und Entwicklung sieht. In der Lebensspannenpsychologie existiert eine reiche wissenschaftliche Tradition, die sich mit der
Untersuchung des Beitrags des Individuums zur eigenen Entwicklung beschäftigt.
Der Fokus ist vor allem auf internalisierte Kontroll- und Adaptationsprozesse gerich-
EINLEITUNG
12
tet, welche eine Auseinandersetzung des Individuums mit der Umwelt zum Zwecke
des eigenen Fortkommens widerspiegeln (z.B.: Brandstädter, 2001; Carver & Scheier,
1998; Heckhausen, 1999; Lerner, 1982; Lerner & Busch-Rossnagel, 1981). In der vorliegenden Arbeit werden emotionsregulative Prozesse als untergeordneter Aspekt
der Entwicklungsregulation verstanden. Dabei bildet die Lebenslauftheorie der Kontrolle (Heckhausen & Schulz, 1995) den theoretischen Bezugrahmen für die Untersuchung emotions- und beziehungsgestaltender Prozesse in der Adoleszenz. Diese postuliert primäre und sekundäre Kontrollstrategien zur Anpassung der individuellen
Entwicklung. Auf den Umgang mit Emotionen übertragen bedeutet diese Perspektive folgendes: Individuen zeigen auf der einen Seite Bemühungen, die Beziehungsumwelt so zu verändern oder zu nutzen, dass sie mit eigenen emotionalen Bedürfnissen harmoniert. Auf der anderen Seite zeigen sie Bestrebungen, sich der Welt oder
dem Gegenüber anzupassen, indem eigene Kognitionen oder Emotionen an gegebenen Umweltbedingungen adaptiert werden.
Bislang sind emotionsregulative Kompetenzen vor allem im Übergang von der
Kindheit in die Adoleszenz (z.B. Thompson, 1994) oder im späten Erwachsenenalter
(z.B. Carstensen, Isaacowitz & Charles, 1999) untersucht worden, wenig Aufmerksamkeit wurde dem Übergang ins junge Erwachsenenalter gewidmet. Wie sieht hier
die Entwicklungsrichtung aus? Trotz zahlreicher Herausforderungen auf emotionaler Ebene sollten Adoleszente angesichts vergleichbarer grundlegender kognitiver
und physiologischer Prozesse nicht schlechter in der Regulierung eigener Emotionen
sein als junge Erwachsene. Der Begriff Adoleszenz wird in erster Linie im Rahmen
entwicklungsbedingter Veränderungen der Jugendphase gebraucht. Im Kontext der
vorliegenden Untersuchung steht vor allem die mittlere Adoleszenz zwischen 15 und
17 Jahren (Steinberg, 1999) im Zentrum der Analyse.
Die vorliegende Arbeit untersucht ferner den Zusammenhang zwischen emotionsregulativen Strategien und anderen Formen der Selbstregulation. Dabei wird der
Fragestellung nachgegangen, inwieweit Emotionsregulation dazu beiträgt, dass lebensphasenspezifische Entwicklungsaufgaben der Adoleszenz besser gelöst werden.
EINLEITUNG
13
Bisher sind emotionsregulative Kompetenzen vorrangig im Zusammenhang mit
Wohlbefinden (z.B. Grob & Smolenski, 2005) betrachtet worden. Emotionsregulative
Strategien fördern jedoch auch die Anpassung an Umweltanforderungen in der Adoleszenz. Untersucht werden soll etwa, inwieweit Emotionsregulation Handlungsstrategien, die der beruflichen / ausbildungsbezogenen Zielverfolgung dienen, unterstützt.
Ein weiteres Ziel der Arbeit betrifft die Entwicklung und Überprüfung einer neuen Skala zu Emotionsregulation in der Adoleszenz, die gleichsam im Erwachsenenalter eingesetzt werden kann. Bisherige Erhebungsinstrumente beziehen sich in erster
Linie auf Bewältigungs- und Copingprozesse (z.B. Hampel, Petermann & Dickow,
2001; Seiffge-Krenke, 1989) bzw. bleiben auf die Regulierung diskreter negativer Emotionen beschränkt (z.B. Grob & Smolenski, 2005). Operationalisiert werden in der
vorliegenden Arbeit drei Mechanismen der Emotionsregulation, die auf die Selektion
von Umwelten (Nähesuchen, Meiden) und auf behaviorale sowie kognitive Veränderungen von Emotionen (Modifikation) zielen.
Im ersten Kapitel der Arbeit geht es zunächst um Begriffsbestimmungen und um
die theoretische Einordnung der Fragestellungen in die Lebensspannenpsychologie.
Adoleszente werden als aktive Gestalter ihrer Entwicklung beschrieben. Die Lebenslauftheorie der Kontrolle (Heckhausen & Schulz, 1995; Schulz & Heckhausen, 1996;
Schulz, Wrosch & Heckhausen, 2002) wird vorgestellt, welche eine moderne Entwicklungstheorie darstellt. Es werden außerdem im ersten Kapitel altersgradiente
Einflüsse auf die Entwicklung während der Adoleszenz erörtert, die vor allem das
emotionale Erleben der Adoleszenten beeinflussen. Nach der Beschreibung individueller Entwicklungsfaktoren werden in einem nächsten Unterpunkt soziale Beziehungen Adoleszenter besprochen; diese stellen bedeutsame externe Entwicklungsbedingungen dar. In den darauf folgenden Abschnitten des Theorieteils wird es um
den Stand der Forschung zu Emotionsregulation in der Adoleszenz gehen. Es werden mögliche Erklärungsmodelle hinsichtlich des Zusammenspiels emotions- und
EINLEITUNG
14
beziehungsbezogener Prozesse diskutiert. Im anschließenden Abschnitt werden
selbstregulative Strategien beschrieben, die Emotionsregulation und Prozesse der
Beziehungsgestaltung miteinander verbinden. Selektive Strategien (Nähesuchen und
Meiden) und behaviorale sowie kognitive Strategien der Modifikation führen Veränderungen auf Ebene der Emotionen herbei und implizieren zugleich Veränderungen
auf Ebene der Beziehungen. Es wird erklärt, dass selektive Mechanismen der Emotionsregulation die Aktivierung, Nutzung und Deaktivierung oder den Abbruch von
Beziehungen induzieren und Strategien der Modifikation vor allem daran beteiligt,
Beziehungen (längerfristig) zu stabilisieren und zu schützen. Beziehungsbezogene
Strategien werden in der vorliegenden Arbeit exemplarisch über die Intimitätsregulierung und den Umgang mit Ärger bezogen auf Personen des eigenen sozialen
Netzwerks untersucht.
Außerdem werden im Theorieteil der vorliegenden Arbeit Aspekte der Funktionalität emotionsregulativen Verhaltens und Denkens in einem weiteren Unterpunkt
besprochen. Schließlich werden im letzten Abschnitt des theoretischen Teils der Arbeit bisherige Erhebungsinstrumente zur Erfassung emotionsregulativer Strategien
in der Adoleszenz diskutiert.
Das zweite Kapitel der Arbeit fasst theoretische Überlegungen zusammen, stellt
den Untersuchungsgegenstand dar und expliziert die Hypothesen. Umsetzung finden diese in zwei Studien, die im weiteren Verlauf der Arbeit separat besprochen
werden. Die Hauptstudie (Studie 1) dient der Beantwortung der inhaltlichen Fragestellungen. In der Validierungsstudie (Studie 2) geht es um die Entwicklung und Validierung einer neu entwickelten Skala zu Emotionsregulation.
Kapitel 3 befasst sich mit der Hauptstudie der Untersuchung, in der Adoleszente,
junge Erwachsene, deren Eltern und Alteri (Andere) aus der Schule oder dem beruflichen Kontext zu ihren emotionsregulativen Strategien allgemein und in ihren sozialen Beziehungen zu insgesamt zwei Zeitpunkten interviewt wurden. Zunächst wer-
EINLEITUNG
15
den im Methodenteil der Studie 1 die Erhebungsinstrumente, die Durchführung der
Studie und die Untersuchungsstichprobe vorgestellt. Es folgt die Beschreibung der
ermittelten Ergebnisse. In einem ersten Abschnitt des Ergebnisteils werden zentrale
Netzwerkmerkmale der verschiedenen Altersgruppen sowie beziehungsbezogene
emotionale Prozesse (Umgang mit Ärger und Intimitätsregulierung) beschrieben. Weiterhin umfasst der Abschnitt Ergebnisse bezogen auf Gestaltungsmerkmale von Beziehungen, die in unmittelbarem Zusammenhang mit emotionsregulativen Mechanismen stehen. Es handelt sich dabei etwa um etwa die Qualität, die Stabilität oder
den Abbruch von Beziehungen. Darüber hinaus werden dyadenbezogene Einflüsse
auf emotionsregulative Strategien vorgestellt. Schließlich werden deskriptive Ergebnisse im Hinblick auf die Anwendung emotionsregulativer Strategien auf Ebene des
persönlichen Erlebens sowie Zusammenhänge mit Strategien der Handlungsregulierung berichtet. Alle Ergebnisse der Hauptstudie werden in einem letzten Abschnitt
vor dem Hintergrund des theoretischen Rahmens diskutiert. Die Diskussion enthält
ebenso methodische Anmerkungen und einen Ausblick auf mögliche folgende Forschungsansätze.
In Kapitel 4 werden Methoden und Ergebnisse der Validierungstudie besprochen.
Darin enthalten sind die Beschreibung der Erhebungsinstrumente, des Vorgehens
und der Untersuchungsstichprobe. Im folgenden Ergebnisteil wird mit der Darstellung der Auswertungsschritte begonnen. Dann werden Analysen zur Faktorenanalyse der Skala dargelegt. Der nächste Abschnitt präsentiert Ergebnisse zur Überprüfung der Messäquivalenz über das Alter und über das Geschlecht. Die letzten drei
Unterpunkte dieses Ergebnisteils befassen sich mit der Darstellung der Ergebnisse im
Hinblick auf die Validierung der entwickelten Skala. Dabei spielen das CTCM(-1)Modell als Multitrait-Multimethod-Methode und Zusammenhangsanalysen mit Validierungsskalen eine Rolle. Im darauf folgenden Abschnitt werden die gewonnenen
Befunde zusammengefasst und diskutiert.
EINLEITUNG
16
Kapitel 5 beendet die Arbeit mit einer zusammenfassenden Diskussion. Die Ergebnisse der Arbeit werden vor dem Hintergrund der formulierten Hypothesen beurteilt und abschließend bewertet.
Emotionsregulation & die Gestaltung von Beziehungen
17
1 Emotionsregulation & die Gestaltung von Beziehungen
Emotionen werden in unterschiedlichen Beziehungen des eigenen sozialen Netzwerks differenziert erlebt, genutzt und verarbeitet. Daher sollte die Regulierung emotionaler Zustände stets im Zusammenhang mit auslösenden und beeinflussenden
Faktoren der Umwelt (Situationen oder Beziehungen) betrachtet werden. Unklar ist
bislang jedoch, wie in der Adoleszenz (soziale) Emotionen in Beziehungen erlebt und
reguliert werden und welche Wechselwirkungen zwischen emotionalem Erleben,
Emotionsregulation und Beziehungen bestehen. Interessierende Fragestellung ist
etwa, inwieweit in der Adoleszenz emotionsregulative Strategien an die jeweiligen
Beziehungen des sozialen Netzwerks angepasst werden und welche Auswirkungen
dies auf die Gestaltung von Beziehungen hat.
Im folgenden Abschnitt werden zur Einführung zunächst Definitionen und Gegenstand der Emotionsregulation vorgestellt und die Frage geklärt, was „Beziehungsgestaltung“ meint. Im Anschluss daran geht es um die theoretische Einbettung
der Arbeit in die Lebensspannenpsychologie. Es wird erörtert, welchen Einfluss Adoleszente auf ihre eigene Entwicklung ausüben. Dann werden altersgradierte Einflussfaktoren auf die emotionale Entwicklung Adoleszenter beschrieben. In einem nächsten Punkt werden soziale Beziehungen in der Adoleszenz vorgestellt, die einen bedeutsamen Kontext im Zusammenhang mit dem Erleben und der Regulierung von
Emotionen darstellen. Bisherige Forschungsbemühungen und theoretische Ansätze
zu Emotionsregulation in der Adoleszenz werden in einem weiteren Abschnitt diskutiert. Danach folgen Ausführungen zum Zusammenspiel emotionsregulativer und
beziehungsgestaltender Prozesse: Selektive Strategien und Strategien der Modifikation sowie beziehungsbezogene emotionale Prozesse werden erörtert. Schließlich geht
es um die Funktionalität und Erhebung emotionsregulativer Strategien in der Adoleszenz.
Emotionsregulation & die Gestaltung von Beziehungen
18
1.1 Begriffe & Gegenstand der Emotionsregulation
Die Erforschung der Emotion hat eine lange Tradition. In der Literatur ist bisher
eine Vielzahl von Definitionen postuliert worden, die sich je nach wissenschaftlicher
Tradition und Orientierung unterscheiden und dennoch an mehreren Stellen konvergieren (Scherer, 1990). So wurden Emotionen unter anderem beschrieben als Epiphänomene von Kognition (Hesse & Cicchetti, 1982), als Zustände physiologischer
Erregung (Lange & James, 1922), als Handlungstendenzen (Izard, 1972; Tomkins,
1962) oder diskrete expressive Verhaltensweisen (Plutchik, 1980). Allen theoretischen
Überzeugungen gemein ist die Auffassung, dass es sich bei Emotionen um äußerst
komplexe Antworten auf für den Organismus bedeutsame interne oder externe Stimuli handelt (Buck, 1988; Garber & Dodge, 2004; Frijda, 1986), die eine neurophysiologische, kognitive, motivationale, behaviorale (Ausdrucksverhalten) und eine gefühlsbezogene Komponente enthalten (Scherer, 1990). Aus Sicht jener Vertreter, die
Emotionen als Koordination multipler Prozesse (Mandler, 1975; Campos, Frankel &
Camras, 2004) verstehen, sind Emotionen schlicht Emotionsregulation. Eine Abgrenzung scheint kaum möglich. Wird der zeitliche Prozesscharakter von Emotionen betrachtet, so kann Antezedenz (vorausgehende/auslösende Bedingungen) nicht eindeutig von Essenz (neurophysiologische Reaktionen, motorischer Ausdruck und Gefühlserleben) und Konsequenz (z.B. Motivationstendenz) getrennt werden, da enge
wechselseitige Einflüsse zwischen den Teilprozessen bestehen (Scherer, 1990).
Von sozialen Emotionen wird bei Gefühlen gesprochen, die von anderen ausgelöst
werden und auf andere bezogen sind (Brandstätter, 1990). Das sind beispielsweise
Freundschaft, Wut, Schuld, Eifersucht oder Ärger. Um diese Form der Emotionen
soll es hauptsächlich in dieser Untersuchung gehen. Soziale Emotionen erfüllen zahlreiche differentielle Funktionen1 (vgl. Keltner & Haidt, 1999). Sie werden als interper1
Einen Überblick über intraindividuelle Funktionen (Determinanten und Charakteristiken emoti-
onaler Reaktionen innerhalb des Individuums) von Emotionen liefert beispielsweise Levenson (1999).
Emotionsregulation & die Gestaltung von Beziehungen
19
sonales Phänomen (Fehr & Harasymchuk, 2005) charakterisiert, das den Organismus
zu schnellem Handeln in zwischenmenschlichen Begegnungen mobilisiert (Ekman,
1992). Für den interpersonalen Charakter spricht vor allem, dass ein Großteil kommunikativer und beziehungsrelevanter Prozesse durch Emotionen in Form von Gestik, Mimik, empathischem Verständnis und Verhalten sowie durch die Ausgestaltung von Nähe und Distanz (Ekman, Friesen & Ellsworth, 1972; Fridlund, 1994;
Hülshoff, 1999) bestimmt werden. Besonders das emotionale Ausdrucksverhalten
wirkt als zwischenmenschliches Signalsystem (wie stark fühlen wir was?) und ist
damit maßgeblich an der Regulierung von Sozialverhalten beteiligt. Verdeutlicht
werden kann dies exemplarisch durch die Emotionen Wut und Ärger. Der Ausdruck
von Ärger oder Wut kann im Gegenüber eine Tendenz zur Distanzierung oder zum
Rückzug evozieren, damit dieser sich vor der verärgerten oder wütenden Person
schützen kann. Ärger- oder Wutausdruck kann aber auch eine Motivation zur vernünftigen Auseinandersetzung bewirken, einhergehend mit dem Bestreben, die
betreffende Person zu besänftigen. Beide Emotionen signalisieren, dass etwas nicht
in Ordnung ist und helfen, bestehende Verhältnisse zu verändern. Im Kindes- und
Jugendalter existiert eine zusätzliche Funktion: Es werden Konsequenzen des eigenen Handelns ausgelotet. In Wutausbrüchen werden die eigenen Grenzen bewusst
gemacht; Ärgerreaktionen werden durch den Ärgerausdruck anderer gespiegelt. Auf
diese Weise werden deutlich Folgen und Grenzen des Ausdrucks von Emotionen
kommuniziert. Interpersonale Funktionen von Emotionen wurden häufig in der Eltern-Kind-Beziehung (z.B. Bowlby, 1969), in Geschwisterbeziehungen (z.B. Dunn &
Munn, 1985) und in Liebesbeziehungen (z.B. Levenson & Gottman, 1983) untersucht.
Im Bemühen Emotionsregulation zu definieren, wird vor allem der aktive Part des
Individuums betont. Menschen sind – mehr als andere Spezies – in der Lage, emotionale Zustände aktiv zu erzeugen, zu bewahren oder zu verändern und sich dadurch
an die jeweilige Lebenssituation anzupassen (z.B. Fischer, Manstead, Evers, Timmers
& Valk, 2004; Zimmermann, 1999). Unter Emotionsregulation werden alle Prozesse
Emotionsregulation & die Gestaltung von Beziehungen
20
verstanden, durch welche Individuen Einfluss auf das Entstehen, die Bewertung, den
Verlauf und den Ausdruck von Emotionen nehmen (Bridges et al., 2004; Cole et al.,
2004; Davidson et al., 2000; Garber & Dodge, 2004; Gross, 1998, 1999). Es wird, anders
ausgedrückt, Einfluss darauf genommen, welche Emotionen erlebt werden, wann
und mit welcher Intensität sie erlebt und ausgedrückt werden (Gross, 1999). Das betrifft kognitive, behaviorale und physiologische Prozesse (Bridges et al., 2004), entsprechend der Ebenen, auf denen Emotionen angesiedelt sind (Scherer, 1990). Darüber hinaus sind emotionsregulative Prozesse auch bereits vor der eigentlichen Manifestation der Emotion, also antezedent, beobachtbar (Campos et al., 2004).
Modi der Regulierung von Emotionen können unterschieden werden (Garber &
Dodge, 2004; Thompson, 1994; Zimmermann, 1999) hinsichtlich des (a) Ziels der Regulierung (eigene Emotionen vs. Emotionen von Interaktionspartnern), (b) der Person, von der die Regulierung ausgeht (Regulierung durch das Individuum vs. Regulierung durch Andere) und (c) dem Gegenstand der Regulierung (interne Prozesse
wie Gedanken, Einstellungen vs. externe Prozesse wie Verhalten und Ausdruck).
Das Phänomen Emotionsregulation wird innerhalb der Psychologie in zahlreichen
Disziplinen untersucht, etwa der Entwicklungspsychologie, der Klinischen Psychologie oder der Persönlichkeitspsychologie (vgl. Philippot & Feldman, 2004). Dabei
gibt es der Emotionsregulation verwandte Konzepte, die teilweise schwer voneinander abgrenzbar sind (Gross, 1998). Beim Coping (z.B. Lazarus & Folkman, 1984) liegt
das Hauptaugenmerk vor allem auf der Reduzierung negativer Emotionen und der
Anpassung an belastende Ereignisse. Der grundlegende Unterschied zu Emotionsregulation ist der, dass Emotionsregulation sowohl auf die Verminderung als auch auf
die Förderung und Aufrechterhaltung positiver wie negativer Emotionen zielt (Janke, 2002). Stimmungsregulierung (Forgas, 1995; Parkinson, Totterdell, Briner & Reynolds, 1996) ist als weiteres ähnliches Konstrukt stärker auf die Veränderung des Erlebens als auf die Veränderung des Verhaltens ausgerichtet.
Emotionsregulation & die Gestaltung von Beziehungen
21
1.2 Begriffe & Gegenstand der Beziehungsgestaltung
Soziale Beziehungen werden allgemein definiert als mehr oder weniger andauernde
Verbindungen zwischen zwei interagierenden Personen, die aus häufigen, interdependenten Handlungssequenzen über verschiedene Situationen und Aufgaben bestehen (Asendorpf & Banse, 2000; Kelley, Berscheid, Christensen, Harvey, Huston,
Levinger, McClintock, Peplau & Peterson, 1983; Hinde, 1997). Diese Definition impliziert, dass es sich um stabile, wiederkehrende Begegnungen zwischen zwei Menschen handelt. Darüber hinaus werden soziale Beziehungen auch durch die emotionale Verbundenheit zwischen den Interaktionspartnern und deren kognitiven Repräsentationen voneinander charakterisiert (Asendorpf & Banse, 2000; Hinde, 1997).
Soziale Beziehungen bilden vor dem Hintergrund lebensspannenpsychologischer
Entwicklungstheorien einen substanziellen Bestandteil der Entwicklungsumwelten
von Individuen (Lang et al., 2006). Sie werden zum Zwecke des eigenen Fortkommens und in Übereinstimmung mit persönlichen Zielen und Wünschen ausgewählt,
genutzt und beeinflusst (z.B. Buss, 1987; Lang & Heckhausen, 2006b). Unter Beziehungsgestaltung werden alle sozialen Verhaltensweisen und Kognitionen des Individuums verstanden, die auf die Selektion, Modifikation und den Abbruch von Beziehungen gerichtet sind (Lang et al., 2006). Dabei kann sich Gestaltung (Denk- und
Verhaltensweisen des Individuums) sowohl auf den Einzelnen als auch auf den Beziehungspartner richten (ib.). Selbstregulative Mechanismen der Beziehungsgestaltung folgen dabei zwei übergeordneten Motiven, der Aktivierung und dem Schutz
von Beziehungen (Lang & Heckhausen, 2005). Das direkte Auswählen von Bezugspersonen (auch das Nutzen der Beziehung), das Entscheiden, mit wem und wie viel
mit wem Kontakt gepflegt wird, wer zum eigenen sozialen Netz zählt oder nicht
(Lang, 2004) und das Adaptieren interner Standards werden zur Aktivierung gezählt. Das Aufrecherhalten von Beziehungen, die aktive Gestaltung der Qualität der
Beziehungen und der alltäglichen Interaktionen, das Reparieren (z.B. Verzeihen) und
das Anpassen von Erwartungen an andere werden unter schützende Prozesse zu-
Emotionsregulation & die Gestaltung von Beziehungen
22
sammengefasst (Lang & Heckhausen, 2006b; Lang, Reschke & Neyer, 2006; Rook,
Sorkin & Zettel, 2004).
Mechanismen der Beziehungsgestaltung spielen vor allem für emotionsbezogene
Prozesse eine entscheidende Rolle, da die meisten Emotionen innerhalb sozialer Beziehungen auftreten (Clark & Brisette, 2003; Fitz & Gerstenzang, 1978; Zajonc, 1998)
und die Regulierung von Emotionen somit nicht unabhängig von den Kontexten, in
denen sie erlebt werden, betrachtet werden kann. Beziehgungsgestaltende Maßnahmen üben einen Einfluss auf das Erleben und den Umgang mit Emotionen aus. In
welcher Weise emotionsregulative Prozesse zur Ausbildung und Ausdifferenzierung
von Beziehungen und Beziehungskompetenzen beitragen und in welcher Weise beziehungsgestaltende Bemühungen Emotionsregulation beeinflussen, ist offen.
1.2.1 Netzwerkansatz
Das komplexe Gefüge sozialer Beziehungen eines Individuums wird als dessen soziales Netzwerk bezeichnet (Hollstein, 2001). Dabei bildet die Gelegenheitsstruktur die
Gesamtheit aller potentiell verfügbaren Netzwerkbeziehungen einer Person ab (Neyer, 1994). Im Gegensatz dazu stellt die Wahlstruktur tatsächlich geführte, aktuell realisierte Beziehungen dar (ib.). In der vorliegenden Arbeit interessieren ego-zentrierte
Netzwerke, bei welchen im Allgemeinen einzelne Personen (Egos) Auskunft über
ihre Beziehungen mit anderen Personen (Alteri) geben. Die sozialen Netzwerkbeziehungen eines Menschen sind sehr vielfältig und variieren über den gesamten Lebenslauf. Auf der einen Seite können Entwicklungsübergänge wie ein Schulwechsel, der
Beginn einer beruflichen Ausbildung oder die Geburt eines Kindes bedeutsame
Netzwerkveränderungen nach sich ziehen, auf der anderen Seite beeinflussen Individuen über die Gestaltung ihrer sozialen Beziehungen zugleich ihre sozialen Netzwerke. Adoleszente sind in verschiedene Umwelten (z.B. Familie, Schule, Verein/Freizeit) gleichzeitig eingebettet. In der vorliegenden Arbeit wird daher ein
Emotionsregulation & die Gestaltung von Beziehungen
23
Netzwerkansatz verwendet, um die Bandbreite an sozialen Beziehungen zu berücksichtigen.
Merkmale sozialer Netzwerkbeziehungen können auf vielfältige Art differenziert
werden, etwa nach Kontakthäufigkeit, Reziprozität, Dichte, Unterstützung, emotionaler Nähe oder dem Ausmaß an Kontrolle (Röhrle, 1994). In der vorliegenden Arbeit liegt der Fokus auf emotionsbezogenen Prozessen in einzelnen Beziehungen des
sozialen Netzwerks. Die Regulierung des Intimitätsbedürfnisses und der Umgang
mit Ärger werden exemplarisch herangezogen, um emotionale Prozesse in positivunterstützenden und belastend-hinderlichen Beziehungen zu untersuchen (vgl. Abschnitt 1.5.3).
1.3 Welchen Einfluss haben Adoleszente auf ihre eigene Entwicklung?
In der vorliegenden Arbeit sind emotions- und beziehungsregulative Prozesse als
Teilelemente der Entwicklungsregulation konzeptualisiert. Den theoretischen Rahmen bietet die Entwicklungspsychologie der Lebensspanne (P. Baltes, 1987). Gelungene Entwicklung wird hier als adaptives Zusammenspiel individueller Entwicklungsressourcen und externaler Anforderungen und Entwicklungsbedingungen beschrieben (Heckhausen, 1999). Selbstregulative und motivationale Prozesse sind daran beteiligt, Entwicklung voranzutreiben. Im nächsten Abschnitt soll allgemein geklärt werden, in welcher Weise Adoleszente ihre eigene Entwicklung mitgestalten.
1.3.1 Allgemeine Prinzipien der Entwicklungsregulation
Entwicklung über die Lebensspanne umfasst ein Zusammenspiel biologischer,
psychischer und sozialer Prozesse (Brandtstädter, 2007). Dem Individuum ist hierbei
teilweise ein passives Geschehenlassen dieser Prozesse auferlegt, andererseits ist es
aktiv daran beteiligt, indem es zielgerichtet und bewusst Einfluss auf die eigene
Entwicklung ausübt (ib.; Baltes & Carstensen, 1996; Heckhausen, 1999; Lerner &
Emotionsregulation & die Gestaltung von Beziehungen
24
Busch-Rossnagel, 1981). Adoleszente sind in gleicher Weise wie Erwachsene aktiv an
der eigenen Entwicklung beteiligt (Bühler, 1922; Lerner, 1982, 1985, 1996). Eine wichtige Kernannahme beinhaltet die Anpassung individueller Verhaltensweisen, Erwartungen und Ziele an die Bedingungen und Anforderungen der Umwelt und die
Wahl bzw. Beeinflussung von Entwicklungskontexten, so dass sie mit eigenen Wünschen in Einklang stehen (Lang et al., 2006). Heckhausen (1999) fasst alle selbstregulativen und motivationalen Prozesse, die entwicklungsbezogene Handlungssteuerung ausmachen unter dem Begriff Entwicklungsregulation zusammen: „Entwicklungsregulation beschreibt die in den Grenzen individueller Verhaltensplastizität
mögliche Gestaltung des eigenen Lebenslaufs“ (Lang & Heckhausen, 2006a).
Die Entwicklungspsychologie der Lebensspannenpsychologie beschäftigt sich mit der
Untersuchung von Wandel und Beständigkeit im menschlichen Verhalten und Erleben von der Konzeption bis zum Tod (Baltes, 1987; Baltes, Lindenberger & Staudinger, 1998; Lerner, 2002). Alle Abschnitte des menschlichen Lebenslaufs werden hierbei als gleichwertig angesehen (Lang & Heckhausen, 2006a). Ziel ist es, sowohl allgemeine Prinzipien der lebenslangen Entwicklung als auch interindividuelle Unterschiede und Gemeinsamkeiten der Entwicklung zu erforschen. Dabei interessieren
vor allem Bedingungen und Ausmaß individueller Veränderbarkeit und Plastizität
der Entwicklung (Baltes, Reese & Nesselroade, 1977; Lerner, 1984). An dieser Stelle
werden zentrale Leitvorstellungen und –themen (Baltes, 1987) präsentiert, die
Grundlage zahlreicher Entwicklungstheorien der Lebensspanne bilden (Brandtstädter, 2001; Carstensen et al., 1999; Heckhausen, 1999; Lerner, 1998):
Die ontogenetische Entwicklung wird in einer ersten Leitidee als lebenslanger
Prozess verstanden. Zum Verständnis einzelner Entwicklungsergebnisse wird der
Blick auf den gesamten Lebenslauf gerichtet und keine Lebensphase wird isoliert
betrachtet. Auch die emotionale Entwicklung während der Jugendphase sollte daher
nicht nur im Übergang von der Kindheit, sondern auch im Übergang ins junge Erwachsenenalter hinein betrachtet werden. Ein weiterer Punkt umfasst die Multidi-
Emotionsregulation & die Gestaltung von Beziehungen
25
rektionalität der Entwicklung. Vor allem im Hinblick auf emotionsregulatives Verhalten ist nicht per se von einer Entwicklungsrichtung und einem Zielszustand auszugehen. Damit geht einher, dass in der Lebensspannenpsychologie dynamische
Prozesse von Gewinnen und Verlusten angenommen werden. Das bedeutet, individueller Wandel schließt im Lebenslauf sowohl Wachstum und Fortschritt als auch
Abbau und Einbußen ein. Intraindividuelle Modifikabilität (intraindividuelle Plastizität) wird außerdem als ein wesentliches Merkmal psychologischer Entwicklung
aufgefasst. Gemeint ist damit die Variabilität und Veränderbarkeit des individuellen
Verhaltens und Erlebens über den Lebenslauf. Wenn Individuen etwa in der Kindheit wenig mit ihren Gefühlen umzugehen gelernt haben, dann können sich emotionsregulative Verhaltensweisen in der Adoleszenz durchaus verändern und zu einer
höheren Anpassung, etwa im Hinblick auf individuelles Wohlbefinden oder die
Kommunikation mit Peers, führen. Auch kurzfristige Veränderungen sind möglich.
Lang und Heckhausen (2006a) unterscheiden zwischen ontogenetischer und aktualgenetischer Plastizität. Erstere bezieht sich auf die Variabilität des Verhaltens über
den Lebenslauf hinweg und letztere auf Variabilität des individuellen Verhaltens zu
einem bestimmten Zeitpunkt im Leben. Eine weitere Leitidee umschreibt Entwicklung als kontextgebundenen Prozess. Das heißt, soziale, kulturelle und historische
Kontextbedingungen schaffen einen Rahmen, innerhalb dessen persönliche Entwicklung variiert und angepasst wird. Die soziale Einbettung besitzt insofern besondere
Bedeutung in der Adoleszenz, da gerade Adoleszente in verschiedene, teils feste und
länger bestehende Kontexte integriert sind, die einen Einfluss auf ihre (emotionale)
Entwicklung ausüben und die durch Adoleszente modifiziert und genutzt werden.
Lerner (1985) beschreibt den wechselseitigen Beeinflussungsprozess zwischen Adoleszenten und ihrem Kontext im Hinblick auf Entwicklung wie folgt: Adoleszente
fordern durch individuelles Auftreten ganz spezifische Reaktionen ihrer sozialen
Umwelt heraus. Diese wiederum reagiert in einer bestimmten Weise auf den Adoleszenten und sein Verhalten und trägt somit zu dessen weiterer Entwicklung bei. Wie
diese Reaktion, dieses Feedback, ausfällt, hängt von der individuellen Passung ab,
Emotionsregulation & die Gestaltung von Beziehungen
26
die Adoleszente zwischen persönlichen Charakteristiken bzw. internen Ressourcen
und Bedingungen der Umwelt herstellen können (Lerner, 1982, 1985). Persönliche
Merkmale stellen dabei physische Besonderheiten, Verhaltensweisen, Eigenschaften,
Kognitionen oder emotionsregulative Reaktionen des Adoleszenten dar. Gelegenheiten der Umwelt sind auf der anderen Seite gekennzeichnet durch Erwartungen, Einstellungen, Werte oder Stereotype und (Verhaltens-) Eigenschaften Anderer im Umfeld des Adoleszenten. Schließlich werden in der Entwicklungspsychologie der Lebensspanne beeinflussende Entwicklungsfaktoren postuliert, mit denen sich das Individuum in seiner Entwicklung auseinandersetzen muss. Es handelt sich dabei um
altersgradierte, historisch vermittelte und nicht-normative Einflüsse. Altersgradierte
Einflüsse stellen mit dem Lebensalter verbundene Faktoren dar, die in biologische,
sozio-strukturelle und altersnormative Einflüsse klassifiziert werden können (Heckhausen, 1999). Welche beeinflussenden Momente in der Adoleszenz die emotionale
Entwicklung vorantreiben, wird weiter unten beschrieben.
Mit den im Vordergrund stehenden Charakteristika der Entwicklung – Plastizität,
Multidirektionalität/-funktionalität und Kontextualismus – wird zusammenfassend
ein dynamisches und komplexes Bild von Entwicklung geprägt, das über ältere unidirektional konzipierte Stufenmodelle der Entwicklung (z.B. von Piaget, 1971) hinausgeht.
1.3.2 Entwicklungsaufgaben
Zur Beurteilung gelungener Entwicklung wird wiederholt das Konzept der Entwicklungsaufgaben von Havighurst (1953, 1972) herangezogen. Entwicklungsaufgaben
kennzeichnen altersnormative Herausforderungen oder Lernaufgaben an die individuelle Entwicklung, deren erfolgreiche Lösung die Basis für die Lösung späterer
Entwicklungsaufgaben darstellt und zu Wohlbefinden und Lebenszufriedenheit beiträgt. Entwicklungsaufgaben ergeben sich aus biologischen Reifungsprozessen, ge-
Emotionsregulation & die Gestaltung von Beziehungen
27
sellschaftlich-kulturellen Anforderungen und individuellen Wünschen und Werten
des Individuums. Entwicklungsaufgaben definieren ferner Erwartungen darüber, ab
welchem Alter bestimmte Entwicklungsziele stärker verfolgt oder bereits erreicht
und ab welchem Alter diese eher aufgegeben werden sollten (Heckhausen, 1999). In
der Adoleszenz sind die Aufgaben „Neue und reife Beziehungen zu Altersgenossen
beiderlei Geschlechts aufbauen“, „Vorbereitung auf eine berufliche Karriere“ und
„Vorbereitung auf Ehe und Familienleben“ formuliert (Oerter & Dreher, 2002). Weitere Aufgaben für das Jugendalter sind etwa „Akzeptieren der eigenen körperlichen
Erscheinung und effektive Nutzung des Körpers“, „Emotionale Unabhängigkeit von
den Eltern“ oder „Sozial verantwortliches Verhalten erstreben und erreichen“ (ib.).
Im Kontext der vorliegenden Untersuchung interessieren vor allem Aufgaben, die
mit dem Eingehen und dem Aufrechterhalten enger Beziehungen zu einem festen
Freund / einer festen Freundin zu tun haben, die die Auseinandersetzung mit beruflichen Plänen oder Ideen betreffen und außerdem den Aufbau und die Pflege eines
Freundeskreises und verantwortungsvoller Beziehungen zu Gleichaltrigen berühren.
1.3.3 Lebenslauftheorie der Kontrolle
Moderne Entwicklungstheorien zeichnen sich dadurch aus, dass Entwicklung als
Ergebnis einer dynamischen Interaktion zwischen verschiedenen Faktoren der Umwelt und Faktoren des Individuums gesehen wird (Lerner, 1998). In diesem Abschnitt wird eine Konzeption vorgestellt, die individuelle Gestaltungsmöglichkeiten
des Individuums auf die eigene Entwicklung über den gesamten Lebenslauf betont.
Es handelt sich um die Lebenslauftheorie der Kontrolle von Heckhausen und Schulz.
Innerhalb der Lebenslauftheorie der Kontrolle von Heckhausen und Schulz (1995;
Heckhausen, 1999; Schulz & Heckhausen, 1996; Schulz et al., 2002) geht es um die
Verfolgung und Angleichung bedeutsamer Entwicklungs- und Lebensziele über die
Lebensspanne. Die zugrundeliegende Kernannahme beinhaltet ein Streben des Indi-
Emotionsregulation & die Gestaltung von Beziehungen
28
viduums nach Wirksamkeit in der Außenwelt (primäres Kontrollstreben), das in allen Lebensaltern vorhanden ist. Primäre Kontrolle bezieht sich auf alle Verhaltensweisen, mit denen die äußere Umgebung entsprechend individueller Bedürfnisse
und Wünsche beeinflusst und modifiziert wird. Voraussetzung ist hierbei die Wahl
und Verfolgung von angemessenen Zielen per se, ohne die eine erfolgreiche Entwicklung nicht möglich ist (Glück & Heckhausen, 2006). Zur Unterstützung des primären Kontrollstrebens sind sekundäre Kontrollstrategien konzeptualisiert, welche
auf eine Veränderung innerer Prozesse wie Emotionen, Motivationen und mentale
Repräsentationen abzielen. Sie dienen einerseits der Zielverfolgung durch Aufrechterhaltung und Stärkung motivationaler Ressourcen und andererseits der Kompensation von Misserfolgen bzw. Verlusten an primärer Kontrolle und umfassen gleichsam das Ablösen von Zielen. Das tatsächliche Potential für primäre Kontrolle nimmt
über die Lebensspanne einen umgekehrt U-förmigen Verlauf an (Schulz & Heckhausen, 1996); d.h. primäre Kontrolle steigt in der Kindheit und der Jugend stark an, erlebt im Erwachsenenalter ein Plateau und sinkt schließlich gegen Ende des Lebens
wieder ab. Als Erklärung hierfür werden evolutionstheoretische Annahmen herangezogen: In der Phase des jungen Erwachsenenalters sind Individuen am reproduktivsten, ein hohes Kontrollpotential in diesem Lebensabschnitt dürfte also als adaptiver evolvierter Mechanismus der menschlichen Spezies verstanden werden (Schulz
& Heckhausen, 1996).
Das Modell der Optimierung in primärer und sekundärer Kontrolle (OPS, Heckhausen & Schulz, 1995) fußt auf der Lebenslauftheorie der Kontrolle und beschreibt
zwei entwicklungsregulatorische Dimensionen: zum einen die beschriebenen Faktoren der primären und sekundären Kontrolle, zum anderen Selektivität und Kompensation. Selektivität meint dabei die Investition in Fähigkeiten und Ziele, Kompensation zielt auf die Bewältigung von Misserfolgs- oder Verslusterlebnissen. Durch einen
übergeordneten Steuerungsprozess, der Optimierung, erfolgt nun die Wahl der Ziele. Zum Erreichen dieser werden vier verschiedene Typen von Strategien eingesetzt,
die sich aus der Verknüpfung von primärer und sekundärer Kontrolle sowie Selekti-
Emotionsregulation & die Gestaltung von Beziehungen
29
vität und Kompensation ergeben (vgl. Abschnitt 1.4.2). Heckhausen (1999) argumentiert, dass für eine erfolgreiche Entwicklung entscheidend ist, das gesamte Potential
an primärer Kontrolle über die Lebensspanne zu optimieren.
Die Lebenslauftheorie der Kontrolle ist eine relativ neue Entwicklungstheorie, die
auch zur Erklärung von Entwicklungsprozessen der Adoleszenz herangezogen wird.
Adaptive Strategien der primären und sekundären Kontrolle wurden in spezifischer
Weise im Jugendalter untersucht (z.B. Brotman Band & Weisz, 1990; Haase, Heckhausen & Köller, in Druck). Sie können erklären, in welcher Weise Herausforderungen (vor allem Entwicklungsaufgaben) und persönliche Ziele dieser Lebensphase
besser bewältigt und erreicht werden.
Primäre und sekundäre Kontrollstrategien sind Gestaltungsprozesse, die sich im
Grundverständnis auf die Regulierung emotionaler Zustände übertragen lassen. Individuen zeigen auf der einen Seite Strategien, ihre soziale Umwelt so zu verändern
und zu nutzen, dass sie mit eigenen emotionalen Bedürfnissen übereinkommt. Beispielsweise werden Personen oder Situationen bewusst selektiert oder gemieden, die
förderlich oder hinderlich für das Initiieren, Aufrechterhalten oder das Abschwächen
eigener Emotionen sind. Auf der anderen Seite werden beispielsweise kognitive Strategien zur Veränderung eigener Emotionen angewandt, die darauf ausgerichtet sind,
sich gegebenen Umweltbedingungen anzupassen. Abschnitt 1.4.2 befasst sich ausführlicher mit der Übertragung primärer und sekundärer Kontrollprozesse auf Mechanismen der Emotionsregulation.
Insgesamt soll an dieser Stelle festgehalten werden, dass primäre und sekundäre
selbstregulative Prozesse Anpassungen an Herausforderungen und Gegebenheiten
der Umwelt darstellen und die Entwicklung des Individuums beeinflussen.
Emotionsregulation & die Gestaltung von Beziehungen
30
1.3.4 Altersgradierte Einflussfaktoren auf das emotionale Erleben Adoleszenter
Obgleich in der Lebensspannenpsychologie alle Abschnitte des Lebenslauf als
gleichwertig angesehen werden, zeigen sich in jeder Phase spezielle Entwicklungsphänomene (Baltes, 1987; Lang & Heckhausen, 2006a). Im Folgenden werden überblicksartig solche altersgradierten Entwicklungsphänomene beschrieben, die das Erleben und den Umgang mit Emotionen in der Adoleszenz beeinflussen. Es handelt
sich dabei in erster Linie um reifungsbedingte Veränderungen des Körpers und um
erweiterte kognitive Möglichkeiten des Adoleszenten.
Die kognitive Reifung während der Adoleszenz markiert nach Piaget den Zeitpunkt, an dem das Denkpotential Erwachsener erreicht wird (formal-operationale
Phase, Piaget, 1972, 2008). Zentrale kognitive Veränderungen umfassen folgende
Merkmale (vgl. Keating, 1990; Steinberg, 1999): Adoleszente sind in der Lage zu (1)
hypothetischem und (2) abstraktem Denken, sie können (3) mehrere Dimensionen
gleichzeitig in Betracht ziehen und verschiedene Perspektiven einer Situation zu deren Interpretation heranziehen. Adoleszente sind außerdem zu (4) Metakognition
fähig und zur (5) Relativierung von Denkinhalten, etwa hinsichtlich der Verteidigung (eigener) Standpunkte. Implikationen der kognitiven Reifung für das Verstehen
des eigenen Funktionierens auf emotionaler Ebene sind bedeutend. Das Emotionsverständnis Adoleszenter steigt insgesamt, insbesondere hinsichtlich der Emotionen
Trauer, Ärger, Angst und Glück (LaBouvie-Vief, DeVoe & Bulka, 1989). Eigene Gefühlszustände können komplex repräsentiert und metakognitive Strategien auf das
emotionale Erleben angewandt werden (Steinberg, 1999). Das bedeutet, Adoleszente
bewerten und reflektieren ihr individuelles subjektives Erleben stärker, individueller
und differenzierter als Kinder. Damit geht einher, dass auch antezedente Bewertungen emotionsauslösender Ereignisse oder Zustände möglich sind (Fischer, Shaver &
Carnochan, 1990). Die kognitive Entwicklung ist ferner für eine Weiterentwicklung
der emotionalen Reaktivität des Adoleszenten (Lewis, 1999) verantwortlich: Adoles-
Emotionsregulation & die Gestaltung von Beziehungen
31
zente reagieren nicht nur auf eigene, sondern auch auf emotionale Veränderungen
im Erleben und Ausdruck Anderer responsiver (Rosenblum & Lewis, 2003). Darüber
hinaus formen sich in der Adoleszenz empathische Kompetenzen stärker aus. Adoleszenten gelingt es besser als Kindern, fremdes Erleben nachzuvollziehen, andere
Personen zu verstehen und sich in sie einzufühlen. Damit ist zugleich der Grundstein
für adaptives Handeln in zwischenmenschlichen Beziehungen gelegt (Eisenberg &
Fabes, 1990). Die Fähigkeit der erhöhten Sensibilität, Rücksichtnahme und Einsicht in
das Empfinden und Verhalten Anderer beeinflusst das Agieren in Beziehungen
stark.
Adoleszente bringen somit in kognitiver Hinsicht alle notwendigen Voraussetzungen mit, Emotionen in gleicher Weise wie Erwachsene regulieren zu können; direkte vergleichende Untersuchungen fehlen allerdings bislang.
Einen starken Einfluss auf die emotionale Entwicklung in der Adoleszenz üben
darüber hinaus biologisch-hormonelle Veränderungen während der Pubertät aus (Rosenblum & Lewis, 2003). Hormonelle Veränderungen leiten einen Wachstumsschub
und eine Veränderung der Körperproportionen, des gesamten Erscheinungsbildes
ein. Es verändern sich Größe, Stimme, Gewicht und Muskelkraft. Primäre und sekundäre Geschlechtsmerkmale bilden sich differenziert heraus und führen schließlich zur sexuellen Reifung männlicher und weiblicher Heranwachsender. Biologischhormonelle Veränderungen wirken deshalb so nachhaltig, da hierdurch die Bandbreite an neu erlebten Gefühlen erweitert wird. Diese müssen verarbeitet und in die
Persönlichkeit integriert werden, um nach Fend (2003) eine emotionelle Reifung zu
erreichen. Studien belegen, dass körperliche und hormonelle Veränderungen in der
Pubertät mit schwierigen oder negativen Gefühlen wie Angst, Peinlichkeit, Ablehnung einhergehen können (Seiffge-Krenke, 1994, 1995). Stapley und Haviland (1989)
berichten in diesem Zusammenhang vom Phänomen der ‚self-hostility’. Gemeint ist
eine innere Abwehr oder Feindschaft, die sich im Erleben innerlich passiver Emotionen wie Trauer, Scham, Schuld und Angst ausdrückt. Die Autoren fanden heraus,
Emotionsregulation & die Gestaltung von Beziehungen
32
dass diese von Schülern der fünften bis elften Jahrgangsstufe in den USA genauso
häufig und intensiv erlebt werden wie positive Emotionen, etwa Freude. Charlotte
Bühler schilderte bereits 1922 das Zusammenwirken physischer Veränderungen in
der Pubertät und die damit einhergehenden Neuerungen auf emotionaler Ebene.
Während der von ihr postulierten körperlichen Pubertät (welche von der seelischen
Pubertät sowie der [psychischen] Adoleszenz abzugrenzen sei), die vor allem eine
Phase der „Verneinung“ darstelle, konzentrierten sich alle Kräfte des jungen Heranwachsenden auf den sexuellen Reifungsprozess. Dabei auftretende Unregelmäßigkeiten wirkten unmittelbar auf das seelische Befinden zurück und äußerten sich nicht
selten in einer erhöhten Sensibilität, Launenhaftigkeit (rasche Stimmungswechsel
sind im Gefühlsleben des Pubertierenden die Regel), in passiver Melancholie, in wütender Abwehr oder gar Hass gegen sich selbst. Befunde aus dem klinischpsychologischen Sektor belegen dies. Beispielsweise konnte gezeigt werden, dass
Depressionswerte zwischen dem frühem Teenageralter und dem jungen Erwachsenenalter ansteigen (Kessler, Avenevoli & Merikangas, 2001; Rutter, 1995), bei weiblichen Personen stärker als bei männlichen (Hankin, Abramson, Moffit, Silva, McGee
& Angell, 1998).
Neben biologischen Veränderungen führt auch das Bewusstwerden der eigenen
Subjektivität zum Erleben neuer Gefühle. Die Erkenntnis, dass nichts fest ist oder Bestand hat (Bernstein, 1983) kann negative emotionale Erfahrungen wie Einsamkeit,
Isolation oder Verlust bewirken. Bernstein prägte dafür den Begriff der ‚Cartesian
anxiety’. Viele Adoleszente erleben in diesem Abschnitt des Lebens auch ambivalente oder gemischte Gefühle erstmals und intensiv (Rosenblum & Lewis, 2003). Sie erkennen, dass es auch gegensätzliche Emotionen gleichzeitig geben kann (z.B. bittersüße Momente). Daraus können sich Zustände der Verwirrung und Unsicherheit
darüber ergeben, was eigentlich gefühlt wird und was davon wem in welchem Umfang gezeigt werden kann (Saarni, 1999, 2002). Schließlich sprechen Rosenblum und
Lewis (2003) von Lebenserfahrungen allgemein, welche die emotionale Entwicklung
Adoleszenter beeinflussen. Komplexe, neu erlebte Arten von Gefühlen, die sich aus
Emotionsregulation & die Gestaltung von Beziehungen
33
biologischen oder sozialen Lebensbedingungen und –erfahrungen ergeben können,
stellen zusammengefasst etwa das Lieben bzw. das Verliebtsein, das Fühlen von Unsicherheit, Niedergeschlagenheit, Sehnsucht, Getriebensein, Melancholie oder Selbstverachtung dar.
Ein gelungener Umgang mit den emotionsbezogenen Herausforderungen dieser
Lebensphase dürfte allgemein zu Lebenszufriedenheit und Kompetenz im Lösen von
Schwierigkeiten und wichtigen Entwicklungsaufgaben der Adoleszenz beitragen.
1.3.5 Soziale Beziehungen in der Adoleszenz
Im folgenden Abschnitt geht es um sozio-strukturelle Einflüsse auf entwicklungsregulative Prozesse der Adoleszenz. Dabei liegt der Fokus auf den sozialen Beziehungen Adoleszenter. Diese sind seit der Geburt vorgegeben (z.B. Eltern, Geschwister) oder frei gewählt (z.B. Sportfreunde) und stehen in enger Wechselwirkung mit
dem Erleben und Verarbeiten von Gefühlen.
Der Mensch ist grundsätzlich gesehen ein soziales Wesen mit einem Bedürfnis
nach Zugehörigkeit (need to belong, Baumeister & Leary, 1995; Horowitz, Wilson,
Turan, Zolotsev, Constantino & Henderson, 2006). Das Bedürfnis nach festen und
verlässlichen Sozialbeziehungen ist so elementar, dass nach Ansicht einiger Autoren
für das Anschlussmotiv eine biologische Basis mit instinktiven Elementen angenommen werden kann (Deci & Ryan, 2000; Dwyer, 2000). Individuen wollen beispielsweise Gefallen erregen, Spaß mit anderen haben, Intimität teilen oder durch die
Zuwendung zu anderen ihre Ängste minimieren und Trost erhalten (Buunk, 1996;
Rimé, Finkenauer, Luminet, Zech & Philippot, 1998; Schachter, 1959). Es zeigt sich
ganz allgemein, dass – unabhängig von individuellen Dispositionen zu bestimmen
Gefühlen wie Fröhlichkeit (Lykken, 1999) – Beziehungen subjektive Gefühle wie
Glück begünstigen (vgl. Reis, 2001). Menschen sind positiver gestimmt in sozialen
Settings (Berscheid & Regan, 2005). Demgegenüber steht Einsamkeit etwa mit gerin-
Emotionsregulation & die Gestaltung von Beziehungen
34
gerer psychischer und geistiger Gesundheit, sogar mit Suizid in Verbindung (Durkheim, 1963; Ernst & Cacioppo, 1999; Marangoni & Ickes, 1989; Rook, 1988).
Über die gesamte Lebenszeit hinweg sind Individuen mit neuen Umwelten konfrontiert (z.B. Berscheid & Regan, 2005; Schmidt-Denter, 2005; Noller, Feeney & Peterson, 2001). In der Adoleszenz sind Beziehungsnetzwerke allgemein diverser und
größer als in der Kindheit (Csikszentmihalyi & Larson, 1984; Feiring & Lewis, 1991b).
Das liegt vor allem daran, dass neben familialen Verbindungen, insbesondere die zu
den Eltern, mehr außerfamiliale Beziehungen gesucht und unterhalten werden. Im
Hinblick auf die ontogenetische Entwicklung sprach Bischof (1975, 1985) von einem
zunehmendem „Überdruss“, den Heranwachsende gegenüber den sehr vertrauten
Angehörigen der Familie entwickelten. Stattdessen werde Anschluss an Fremde gesucht. Beziehungen zu Gleichaltrigen, Freundschaften und romantische Beziehungen
treten bei Adoleszenten stärker in den Vordergrund (Cotterell, 2007; Levitt, 2005;
Montemayor, Adams & Gullotta, 1994; Youniss & Smollar, 1985). Es wird außerdem
berichtet, dass beim Übergang in die Adoleszenz Freundschaften intimer, unterstützender und kommunikativer werden als während der Kindheit (Buhrmester, 1990;
Levitt, Guacci-Franco & Levitt, 1993). Ihr Stellenwert steigt. Gleichzeitig verbringen
jugendliche Kinder weniger Zeit mit ihren Eltern als in früheren Jahren (Larson &
Richards, 1991). Normative Veränderungen wie ein Schulwechsel, der Beginn einer
Ausbildung oder bewusste Veränderungen wie die Mitgliedschaft in einem Verein
verwandeln und variieren Kontexte der jugendlichen Heranwachsenden.
Soziale Beziehungen spiegeln emotionale Prozesse wider. Vor allem emotionale
Entwicklungen während der Pubertät (z.B. Stimmungsschwankungen) können zu
mehr Konflikten mit den Eltern führen (z.B. Sagrestano, McCormick & Paikoff; 1999;
Meta-Analyse: Laursen, Coy & Collins, 1998). Während noch allgemein diskutiert
wird, welchen Stellenwert die Familie in der Adoleszenz einnimmt (Noller, 1994),
gilt als belegt, dass während der Pubertät in Familien mehr negative Emotionen erlebt und ausgedrückt werden (Collins & Russel, 1991; Montemayor, 1983; Monte-
Emotionsregulation & die Gestaltung von Beziehungen
35
mayor, Eberly & Flannery, 1993; Papini, Datan & McCluskey-Fawcett, 1988; Shanahan, McHale & Crouter, 2007; Steinberg, 1988), während positiver Affekt und emotionale Nähe bestehen bleiben (Holmbeck & Hill, 1991; Montemayor et al., 1993). Darüber hinaus wird berichtet, dass die Beziehungen zur Mutter als näher erlebt werden
als die zum Vater (Paulson, Hill & Holmbeck, 1991).
Welche Beziehungen werden in der Adoleszenz stärker aktiviert, um Intimitätsund Nähebedürfnisse zu befriedigen, verwandtschaftliche Beziehungen oder Beziehungen zu Gleichaltrigen? Im Hinblick auf Beziehungen des Verwandtenkreises
spielt ein evolutionspsychologisches Konzept eine Rolle. Darin stellt die Orientierung an genetisch Verwandten einen entscheidenden Grundmechanismus der Beziehungsregulation über die Lebensspanne dar (Neyer & Lang, 2004). Nepotismus
schlägt sich laut Neyer und Lang (2004) in einer generellen Präferenz für genetisch
verwandte Beziehungspartner nieder. Auf empirischer Ebene wird dies vor allem am
altersunabhängigen Zusammenhang zwischen dem Verwandtschaftsgrad und der
emotionalen Nähe (r = .50, Neyer & Lang, 2003) deutlich. Innerhalb der Verwandtschaft werden Beziehungen nämlich stärker durch emotionale Verbundenheit als
durch Reziprozität, der Wechselseitigkeit von Investieren und Nehmen in einer Beziehung, bestimmt (Fiske, 1992). Wird die Reziprozitätregel verletzt, ist die Wahrscheinlichkeit höher, dass Beziehungen zu Nicht-Verwandten wie Kollegen, Bekannten, Nachbarn, Freunden instabil oder aufgelöst werden als Beziehungen zu Verwandten (im Alter: Ikkink & van Tilburg, 1999). Prinzipiell ist jede Beziehung aufkündbar (Lang, 2004). In der Adoleszenz bestehen allerdings materielle Abhängigkeiten insbesondere zu den Eltern (Siegler, DeLoache & Eisenberg, 2005), was eine
Auflösung der Beziehungen sehr unwahrscheinlich macht.
Während die Eltern den Status als primäre Vertrauensperson verlieren, gewinnen
in der Adoleszenz die Beziehungen zu Gleichaltrigen an Bedeutung. Untersuchungen belegen, dass diese am unterstützendsten – insbesondere in emotionaler Hinsicht
– erlebt werden (Stanton-Salazar & Spina, 2005). Freundschaftliche Beziehungen sind
Emotionsregulation & die Gestaltung von Beziehungen
36
in der Adoleszenz generell charakterisiert durch eine Vielzahl positiver Merkmale.
Dazu zählen Kooperation, die reziproke Validierung sowie kritische Reflektion des
Verhaltens und Erlebens, das Gewähren von Hilfe und Unterstützung und das auf
Gegenseitigkeit beruhende, empathische Verständnis (Aboud & Mendelson, 1996;
Berndt, 1982; Buhrmester, 1996; Demir & Urberg, 2004; Hartup, 1993, 1996; SchmidtDenter, 2005; Stanton-Salazar & Spina, 2005; Youniss & Smollar, 1985). Diese Vorteile
treten vor allem dann in Erscheinung, wenn beide Akteure über emotional geschicktes Verhalten, über hohe Reziprozität und hohe kommunikative Kompetenz verfügen (Stanton-Salazar & Spina, 2005). Es werden bevorzugt solche Freunde gewählt,
die ähnliche Verhaltensweisen, Einstellungen oder Identitätsmerkmale haben (Akers,
Jones & Coyl, 1998; Hogue & Steinberg, 1995), aber auch physische Charakteristiken
(Clark & Ayers, 1992) oder Interessen (Berndt, 1982) spielen bei der Freundeswahl
eine Rolle. Mädchen und Jungen in der Adoleszenz beschreiben ihre engeren
Freundschaften unterschiedlich: So spielt beispielsweise emotionale Nähe bei Mädchen eine größere Rolle als bei Jungen (Markovits, Benenson & Dolenszky, 2001), etwa in der Hinsicht, dass weibliche Freundschaftsbeziehungen durch Konversation
gekennzeichnet sind. Freundschaften zwischen Jungen sind häufiger durch gemeinsame Aktivitäten charakterisiert (McNelles & Connolly, 1999). In weiblichen PeerFreundschaften werden häufiger Gefühle und gegenseitiges Verständnis kommuniziert als bei männlichen Adoleszenten (Youniss & Smollar, 1985), denen es stärker
um konkrete, ereignisbasierte Inhalte geht (Buhrmester, 1996; Johnson & Aries, 1983).
Entwicklungspsychologisch sind Peerbeziehungen im Hinblick auf wichtige Vermittlungs- und Lernprozesse bedeutsam (z.B. „denselben Fehler nicht noch einmal
machen“). Freundschaften bieten einen Kontext, in dem Grundprinzipien und fähigkeiten reifer, symmetrischer Beziehungen wie etwa Reziprozität (Kooperationsfähigkeit), gegenseitiger Respekt und Vertrauen oder allgemeine soziale Regeln erlernt werden können (Schmidt-Denter, 2005; Youniss & Smollar, 1985). Es wird angenommen, dass dabei auch der Umgang mit Emotionen eine Rolle spielt und sich
Emotionsregulation & die Gestaltung von Beziehungen
37
wechselseitige Beeinflussungen zeigen, die stärker als in Eltern-Kind-Beziehungen
sind.
1.4 Emotionsregulation in der Adoleszenz: Bisherige Forschung
Forschungsarbeiten zur Wahrnehmung sowie zu individuellen Unterschieden im
Erleben von Emotionen, zur Regulierung des Ausdrucksverhaltens oder anderen
Aspekten der Emotionsregulation konzentrierten sich bislang verstärkt auf das Erwachsenenalter (z. B. Carstensen, Fung & Charles, 2003; Cichetti, Ganiban & Barnett,
1991; Gratz & Roehmer, 2004; Gross, 1998; Gross, Carstensen, Pasupathi, Tsai, Goetestam Skorpen & Hsu, 1997; Kunzmann, Kupperbusch & Levenson, 2005) sowie auf
die Entwicklung während des Kindesalters (z.B. Brenner & Salovey, 1997; Cole et al.,
2004; Denham, Blair, DeMulder, Levitas, Sawyer, Auerbach-Major & Queenan, 2003;
Hessler & Katz, 2007; Hoeksma, Oosterlaan & Schipper, 2004; Koop, 1989).
Emotionsregulation in der Adoleszenz ist vor allem Gegenstand der Copingforschung (z.B. Compas, 1987; Ebata & Moos, 1994; Eschenbeck, Kohlmann & Lohaus,
2007; Fields & Prinz, 1997; Gelhaar, Seiffge-Krenke & Borge, 2007; Kavsek, SeiffgeKrenke, 1996; Seiffge-Krenke & Shulman, 1990; Winkler Metzke & Steinhausen,
2002), bei der die Bewältigung von Stress und negativen Emotionen im Mittelpunkt
der Forschung steht. Winkler Metzke und Steinhausen (2002) haben in einer Studie
mit 10-17 jährigen Heranwachsenden zur Ermittlung von Copingstrategien aktive
Bewältigungsstrategien und problemvermeidendes Verhalten differenziert. Zu aktiven Strategien zählen etwa „mit anderen reden“ oder die Suche nach Informationen.
Problemvermeidene Verhaltensweisen umfassen beispielsweise „sich nichts anmerken lassen“ oder „sich mit dem Problem abfinden“. Die Autoren stellten eine Abnahme vermeidender Strategien zwischen 10 und 17 Jahren fest. Mädchen zeigten
mehr aktive Strategien der Problembewältigung als Jungen im gleichen Alter (ib.;
Herman-Stahl, Stemmler & Peterson, 1995).
Emotionsregulation & die Gestaltung von Beziehungen
38
In aller Regel sind auch andere Personen (v. a. Eltern) an der Regulierung von
Emotionen beteiligt, etwa durch Spenden von Trost oder durch Handlungsanleitung,
wie mit dem Gefühl umgegangen werden kann (Harris, 1992). In der Adoleszenz
werden zunehmend selbstregulative Strategien eingesetzt (v. Salisch & Kunzmann,
2005), die etwa ab dem 15. Lebensjahr als wirksamer und adaptiver beurteilt werden
(Seiffge-Krenke, 2000). Dazu zählen kognitive Strategien, etwa die Suche nach verschiedenen Lösungen für das Problem, selbstberuhigende Maßnahmen oder Bemühungen, sich abzulenken (Kavsek & Seiffge-Krenke, 1996). In diesem Zusammenhang konnte ferner festgestellt werden, dass sich innerhalb der Familie (ggü. Eltern
vs. ggü. Geschwistern) die Konfliktlösungsstrategien beziehungsspezifisch ausdifferenzieren (Tucker, McHale & Crouter, 2003). Beistand und Unterstützung wird in der
Adoleszenz nicht mehr nur bei primären Bezugspersonen aus der Familie gesucht,
sondern stärker bei gleichaltrigen Peers (Seiffge-Krenke, 1995). Freundschaften werden zunehmend in Anspruch genommen, um negative Gefühle zu regulieren.
Weitestgehend unberücksichtigt blieb bisher in der Forschung das Zusammenspiel emotionsregulativer und beziehungsbezogener Prozesse in der Adoleszenz.
Auch die Einbettung der wechselseitigen Verzahnungen im Rahmen eines fundierten
theoretischen Modells, das über die Erklärung der Bewältigung negativer, belastender Emotionen oder Ereignisse hinausgeht, wurde bislang vernachlässigt. Die Untersuchung der Regulierung positiver Emotionen sowie antezedenter Mechanismen
fehlte ebenso. Ein weiterer fehlender Aspekt in diesem Zusammenhang ist, dass Beziehungen stets unter dem Gesichtspunkt externer Unterstützung betrachtet wurden
und deren Rolle in der Evokation von Emotionen vernachlässigt wurde.
Emotionsregulation & die Gestaltung von Beziehungen
39
1.4.1 Bindungstheoretischer Ansatz
Bindungstheoretische Erklärungsansätze gehen davon aus, dass spezifische Interaktionserfahrungen im Laufe der Kindheit die Ausbildung der Fähigkeit zur Emotionsregulation in der Adoleszenz beeinflussen (Zimmermann, 1999).
Unter Bindung wird die emotionale Bindung und Zuneigung oder Anhänglichkeit
des Kindes an seine Bezugsperson, primär die Eltern, verstanden (Bowlby, 1969). Es
handelt sich um einen aus der Evolution hervorgegangenen, universalen und angeborenen psychobiologischen Mechanismus, der dem Überleben der Spezies dient:
Das Kind sucht in unvertrauten oder beunruhigenden Situationen die Nähe zu bedeutsamen anderen Personen, um sich vor möglichen Bedrohungen zu schützen und
den durch das Unbekannte ausgelösten Stress abzumildern (Bowlby, 1969, 1973).
Und in der Regel wird Unterstützung bei demjenigen gesucht, der als stärker gesehen wird. Je nach gezeigtem Ausmaß an Unterstützung, Verfügbarkeit und Responsivität der Mutter oder des Vaters erlangt das Kind ein Gefühl von Bindungssicherheit oder -unsicherheit und entwickelt auf diese Weise entweder ein positives oder
negatives Arbeitsmodell von Beziehungen. Arbeitsmodelle sind bewusste oder unbewusste mentale Repräsentationen des eigenen Selbst und anderen in bindungsrelevanten Interaktionen, die als persistent über die Zeit (Cooper, Shaver, Collins, 1998)
und als bedeutsam für emotionale Prozesse (Affektregulation in der Adoleszenz:
Kobak & Sceery, 1988) angenommen werden. Ainsworth und Kollegen (Ainsworth,
1973; Ainsworth, Blehar & Waters, 1978) entwickelten eine Typologie zur Beschreibung unterschiedlicher Formen der Bindung in Mutter-Kind-Dyaden: Sicher gebunden und unsicher gebunden (ängstlich/ambivalent und vermeidend). Es konnten Belege dafür gefunden werden, dass ein Gefühl sicherer Bindung (geliebt und unterstützt werden durch bedeutsame Andere) in konstruktive Bewältigungsmechanismen resultiert (vgl. Shaver & Hazan, 1994; Mikulincer & Shaver, 2003) und unsichere
Bindungsrepräsentationen mit Merkmalen negativer psychologischer Anpassung,
mit negativen Ergebnissen einhergehen (ib.). Cooper und Kollegen (1998) untersuchten, wie das Erleben, der Ausdruck und der Umgang mit negativen Emotionen mit
Emotionsregulation & die Gestaltung von Beziehungen
40
der Differenzierung der verschiedenen Bindungstypen in der Adoleszenz zusammenhängen. Es zeigte sich, dass sichere Bindung mit adaptiver Bewältigung negativer Emotionen assoziiert ist (siehe auch Zimmermann, 1994), während ängstlichambivalente oder vermeidende Heranwachsende ein höheres Level negativen Affekts aufwiesen und anfälliger für Problemverhalten (z.B. Substanzmissbrauch oder
Delinquenz) waren.
Unbestritten ist, dass Sozialisationserfahrungen in der Kindheit und frühen Jugendphase der Heranwachsenden beim Entwickeln emotionsregulativer Fähigkeiten
eine wichtige Rolle spielen (vgl. von Salisch & Kunzmann, 2005). In der vorliegenden
Arbeit interessiert jedoch die Differenziertheit in Beziehungen und welche Rolle andere Beziehungspartner neben den primären Bezugspersonen spielen. Ansätze der
Bindungsforschung interessieren sich in der Regel kaum für Netzwerke sozialer Beziehungen im Lebensverlauf. Dies führt zu einer geringen Berücksichtigung, dass
Menschen im Laufe ihrer Entwicklung mit mehr als einem Individuum interagieren
und wichtige Beziehungen unterhalten (Berscheid & Regan, 2005; Levitt, 2005; Takahashi, 2005), und dass in diesen Beziehungen Emotionen verschieden erlebt und
verarbeitet werden. Ein anderer Zugang zur Beziehungs-/Bindungsforschung ist der
Netzwerkansatz. Tatsächlich nimmt die individuelle Netzwerkgröße ab dem Kleinkindalter bis in die Adoleszenz zu (Feiring & Lewis, 1991a, 1991b; Levitt, 2005) und
soziale Beziehungen unterliegen sowohl strukturell als auch funktional einem Wandel bis ins hohe Erwachsenenalter hinein (Lang & Heckhausen, 2006b). Bereits in der
mittleren Kindheit erlangen entfernte Verwandte zunehmend an Bedeutung und besonders in der Adoleszenz steigt die Wichtigkeit gleichaltriger Beziehungen an (Cotterell, 2007; Levitt, 2005; Montemayor et al., 1994; Youniss & Smollar, 1985). In Einklang damit stehen Überlegungen eines Sozialen Konvois (Kahn & Antonucci; 1980;
Levitt, 2005), wonach Individuen von der Kindheit an einen Konvois an Beziehungen
unterhalten, der sich aus einem Kern an unmittelbaren Bindungspersonen evolviert
hat und durch Inklusion weiterer bedeutsamer Beziehungen expandiert, sobald das
Emotionsregulation & die Gestaltung von Beziehungen
41
Kind neue soziale Räume erschließt. Gefühle wirken schließlich nicht nur in Familien
als soziale Bindungskräfte (z.B. Asendorpf & Banse, 2000; Berscheid & Regan, 2005).
1.4.2 Primäre & sekundäre Kontrollstrategien zur Regulierung von Emotionen?
Die Lebenslauftheorie der Kontrolle (Heckhausen & Schulz, 1995; Heckhausen,
1999; Schulz & Heckhausen, 1996; Schulz, Wrosch & Heckhausen, 2002) bietet einen
handlungs- und motivationstheoretischen Rahmen, innerhalb dessen emotionsregulative Prozesse verankert werden können. Heckhausen und Schulz postulieren
selbstregulative Mechanismen der Handlungskontrolle, die auf der einen Seite auf
die Umwelt (primäre Kontrolle) und auf der anderen Seite auf das Selbst gerichtet
sind (sekundäre Kontrolle) und zur Anpassung des Individuums an gegebene Umweltbedingungen beitragen (vgl. Abschnitt 1.3.3). In Kombination mit selektiven und
kompensatorischen Kontrollstrategien wird das Verfolgen und Angleichen bedeutsamer Lebens- und Entwicklungsziele möglich. Selektive primäre Kontrolle bedeutet
das Investieren direkt kontrollierbarer interner Ressourcen wie Anstrengung, Fähigkeiten und Zeit zur Zielerreichung. Kompensatorische primäre Strategien kommen
zum Einsatz, wenn die physischen oder kognitiven Kapazitäten des Individuums
nicht mehr ausreichen. Externe Ressourcen, etwa technische Hilfsmittel oder Wissen
und Kompetenz anderer Menschen, werden aktiviert. Der dritte Strategiebereich umfasst metavolitionale Elemente (selektive sekundäre Kontrolle), die der Unterstützung der primären Kontrolle dienen. Es handelt sich um die Verstärkung positiver
Zielbewertungen, die Bewertung des anvisierten Zieles oder alternativer Ziele oder
um das Antizipieren positiver Konsequenzen bei Zielerreichung. Schließlich umfassen kompensatorische sekundäre Kontrollstrategien das Ablösen von Zielen, wenn
diese nicht mehr funktional sind. Auch das Finden und Einlassen auf alternative Ziele, die Anwendung sozialer Vergleichsprozesse oder Selbst-schützende kausale
Attributionen gehören zur kompensatorischen sekundären Kontrolle. Ein überge-
Emotionsregulation & die Gestaltung von Beziehungen
42
ordneter Steuerungsprozess (Optimierung) bestimmt die Wahl der Ziele wie auch
der Kontrollprozesse.
Emotionsbezogene Gestaltungsmechanismen können vor dem Hintergrund einer
entwicklungsregulativen Perspektive behandelt werden. Es finden auch hier Bestrebungen statt, die Welt so zu verändern, dass sie mit eigenen emotionalen Bedürfnissen zusammenpasst (primäre Kontrolle). Auf der anderen Seite existieren Bemühungen des Individuums, sich der Welt oder dem Gegenüber anzupassen und eigene
Kognitionen oder Emotionen an gegebenen Bedingungen zu adaptieren (sekundäre
Kontrolle). Emotionsregulative Prozesse bilden allerdings nur einen Subaspekt und
kleinen Ausschnitt entwicklungsregulativen Handelns ab. In der Lebenslauftheorie
der Kontrolle geht es vorrangig um langfristige Entwicklungsziele wie der Gründung einer Familie oder das Erlangen beruflichen Erfolgs.
Emotionen gelten als Vermittler der primären Kontrolle (Schulz & Heckhausen,
1997). Der hedonistische Wunsch, sich gut fühlen zu wollen, dient Schulz und Heckhausen (ib.) zufolge dem Zweck, motivationale Ressourcen aufrecht erhalten und
stärken zu können und angestrebte Ziele langfristig verfolgen zu können. Gelingende Emotionsregulation sollte also auch dazu beitragen, entwicklungsregulatives
Handeln und somit die Anpassung an Umwelten zu stärken.
1.4.3 Prozessmodell der Emotionsregulation
Von gegenwärtigen Theorien zu Emotionsregulation hat sich vor allem das Prozessmodell von Gross und John (2003) etabliert. Dieses grenzt sich klar gegenüber
Stimmungs- und Copingmodellen ab. Die Autoren nehmen Bezug auf fünf Komponenten diskreter Emotionen, in deren Entstehungsprozess Regulierungselemente
eingreifen können. Bei diesen Komponenten handelt es sich um Aufmerksamkeitsprozesse, (kognitive) Bewertungen, physiologische Reaktionen, dem subjektiven Erleben und dem Ausdrucksverhalten. Nach Gross und John lassen sich emotionsante-
43
Emotionsregulation & die Gestaltung von Beziehungen
zedente und reaktionsbezogene (responsive) Regulationselemente unterscheiden.
Antezedent bedeutet in diesem Zusammenhang präemotional, d.h. vor dem Auftreten der eigentlichen emotionalen Reaktion und responsiv bezieht sich auf Regulierungsstrategien, bei der die Emotion vollständig entfaltet ist. Reaktionsbezogene Aspekte der Emotionsregulation tauchen daher zu einem späteren Zeitpunkt im Entstehungsprozess von Emotionen auf. Zu den antezedenten Strategien zählt Gross
(1998) die Situationsselektion, die Situationsmodifikation, die Aufmerksamkeitsallokation und die Interpretation der Situation (kognitive Umstrukturierung). Demgegenüber werden alle emotionsregulativen Strategien nach Auftreten der Emotion
unter Reaktionsmodulation zusammengefasst.
Situationsselektion bezieht sich auf die Auswahl oder das Vermeiden emotionsgenerierender Situationen (z.B. Meiden von Gruselfilmen). Damit zusammen hängt die
Möglichkeit der aktiven Situationsveränderung, die vor allem von situativen Charakteristika und Merkmalen der Person selbst abhängt. Die Ausrichtung der Aufmerksamkeit umfasst Ablenkung (von einer unangenehmen Situation / emotional bedeutsamen Reizen einer Situation), die Konzentration auf aufmerksamkeitsfordernde Tätigkeiten oder positive Aspekte einer Situation und (depressionsverstärkendes) Grübeln („gedankliches Wiederkäuen“ Lyubomirsky & Nolen-Hoeksema, 1995). Mit
kognitiver Umstrukturierung werden Tendenzen des sozialen Abwärtsvergleichs,
der Ausblendung, der positiv ausgerichteten Uminterpretation in Bezug auf Aspekte
der Situation oder Ziele und Einstellungen und Tendenzen beschrieben. In diesem
Zusammenhang spielen ebenso Phänomene der positiven Illusionen eine Rolle (vgl.
Taylor & Armor, 1996).
Strategien der Reaktionsmodulation hingegen spielen sich auf der Verhaltens-, der
physiologischen Ebene und der Ebene des Erlebens ab. Am wichtigsten ist dabei die
Modulation des emotionalen Ausdruckes (Gross & Levenson, 1993) in Form von
Neutralisierung,
Intensivierung,
Abschwächung,
Maskierung
oder
Simulati-
on/Vortäuschen. Darüber hinaus können gezielte Entspannung oder Sport (Thayer,
Newman & McClain, 1994) oder Biofeedback (Schwartz, 1975) zur Beeinflussung von
Emotionsregulation & die Gestaltung von Beziehungen
44
Emotionen auf physiologischer Ebene eingesetzt werden. Überdies bewirkt der Konsum psychotroper Substanzen wie Tabak (Brandon, 1994), Alkohol (Armeli, Todd &
Conner, 2008; Hull & Bond, 1986, Cooper, Frone, Russel & Mudar, 1995) oder anderen Drogen (z.B. Kokain: Khantzian, 1985) eine physiologische Veränderung.
Die Bezugnahme zum Kontext, in dem Emotionen erlebt und reguliert werden,
vor allem die längerfristigen Folgen wechselseitiger Beeinflussungen, findet im Prozessmodell allerdings nicht statt. Zahlreiche Studien belegten etwa, dass die Anwesenheit Anderer bzw. der soziale Kontext den emotionalen Ausdruck beeinflusst
(Chovil, 1991; Ekman, 1973; Fridlund, 1991, 1994; Hess, Banse & Kappas, 1995; Jakobs, Manstead & Fischer, 1999; Zeman & Garber, 1996). Emotionsregulative Strategien sind von Gross und John im ERQ (Emotion Regulation Questionnaire, 2003) operationalisiert worden. Lediglich zwei Faktoren (‚reappraisal’ und ‚suppression’)
sind enthalten, deren Anwendung in zahlreichen Studien im Hinblick auf Funktionalität untersucht worden ist. Eine Verknüpfung einzelner Prozesselemente findet außerdem nicht statt (Seip, 2005). Ein weiterer Kritikpunkt besteht schließlich darin,
dass ausschließlich individuumsbezogene Strategien thematisiert sind und die Regulierung durch Andere nicht konzeptualisiert ist.
1.5 Zusammenspiel emotionsregulativer & beziehungsgestaltender
Abläufe
Einleitend wird im Folgenden dargelegt, in welchem Zusammenhang soziale Beziehungen und Emotionen bzw. Emotionsregulation stehen.
Beziehungen sind nicht ausschließlich mit Unterstützung und positiven Ergebnissen assoziiert, auch negative Auswirkungen sind vielfach belegt (vgl. Rook, 1984,
1998, 2001; im Erwachsenenalter z.B. Sorkin & Rook, 2006; in der Jugend z.B. Cotterell, 2007; Egan & Perry, 1998; Felix & McMahon, 2006). Harter (1999) beispielsweise
fragte Adoleszente nach den bedrückendsten Erlebnissen des letzten Jahres. Sieben
Emotionsregulation & die Gestaltung von Beziehungen
45
der acht sich ergebenden Kategorien hatten dabei mit beziehungsrelevanten Themen
wie Zurückweisung, Konflikt, Trennung und Einsamkeit zu tun. Das Spektrum an
Gefühlen in sozialen Beziehungen reicht von Liebe, emotionaler Nähe oder Wärme,
Unterstützung und Akzeptanz bis hin zu Ablehnung, Zurückweisung und Feindseligkeit. Diese Qualitäten sind in der Adoleszenz sowohl bezogen auf die Beziehung
zu den Eltern (z. B. Allison & Schultz, 2004; Amato, 1989; Gardner & Cutrona, 2004;
Meeus, 2003) als auch im Kontext von Freundschaften oder Peer-Beziehungen (z.B.
Bukowski, Newcomb, & Hoza, 1987; Lev-Wiesel, Nuttman-Shwartz & Sternberg,
2006; Meeus, 2003) sichtbar. Dabei sei angemerkt, dass positive und negative Emotionen in Beziehungen koexistieren können (Kelley et al., 1983). Auf sozial evozierten
Emotionen liegt das Hauptaugenmerk der vorliegenden Arbeit. Damit wird bereits
auf die Bedeutung sozialer Beziehungspartner im Kontext der Emotionsregulation
hingedeutet. Sozialen Beziehungspartnern werden im Prozess der Emotionsregulation zwei charakterisierende Merkmale zugeschrieben, die wechselseitig miteinander
verzahnt sind: Beziehungen können erstens Ursachen emotionaler Empfindungen
wie Ärger (Fitz & Gerstenzang, 1978) darstellen, und zweitens als externe Regulatoren (z.B. in der Kindheit Lamb & Malkin, 1986) tätig sein, indem sie etwa Trost und
Unterstützung oder positive Gefühle bereitstellen, Hilfe beim kognitiven Umstrukturieren bieten oder von einer aversiven Situation ablenken.
Der Kern der vorliegenden Arbeit besteht in der direkten Verknüpfung von Prozessen der Emotionsregulation und Prozessen der Beziehungsgestaltung. Beziehungen üben einen Einfluss auf Emotionen des Menschen aus und werden ebenso im
Rahmen der Emotionsregulation genutzt und gestaltet. Emotionsregulative Strategien beziehen sich auf das Individuum selbst und auf andere des eigenen sozialen
Netzwerks. Sie tragen dazu bei, Beziehungen zu aktivieren oder zu stabilisieren und
zu schützen. Dabei wirken selektive Prozesse der Beziehungsauswahl sowie –
vermeidung und modifizierende Prozesse auf die Initiierung, Aufrechterhaltung o-
Emotionsregulation & die Gestaltung von Beziehungen
46
der Veränderung von Emotionen. Im folgenden Abschnitt geht es darum, diese zu
erläutern und zusätzlich im Beziehungskontext an zwei Beispielen zu explizieren.
1.5.1 Selektion von Beziehungen im Prozess der Emotionsregulation
Individuen wenden sich an Menschen, die ihnen im Verhalten, in ihren Überzeugungen oder Identitätsmerkmalen ähnlich sind, ihnen in physischen Charakteristiken gleichen oder dieselben Interessen haben (z.B. Buss, 1987). Menschen suchen
auch Andere, um die Angemessenheit ihrer emotionalen Zustände zu evaluieren
(Schachter, 1959) oder um Emotionen zu teilen (Rimé, 2007b).
Menschen wollen eigene Emotionen anderen mitteilen, beispielsweise nach wichtigen Ereignissen wie Unfällen, Geburten, Todesfällen oder Prüfungen (Rimé et al.,
1998; Rimé, Philippot, Boca & Mesquita, 1992). Das Mitteilen emotionaler Erlebnisse
wird als wohltuend erlebt, wenngleich das bloße Darüber-Reden nicht die emotionale Last verringert (Zech, Rimé & Nils, 2004). Dieser Prozess läuft stark kontextgebunden ab und stärkt das soziale Band zwischen den Interagierenden (Rimé, 2007a).
Diese Kontextgebundenheit rührt daher, dass es in individuellen Netzwerken soziale Beziehungspartner gibt, die in unterschiedlicher Weise das Bedürfnis nach Zugehörigkeit befriedigen können, abhängig von den situativen Umständen, den individuellen Bedürfnissen und den spezifischen Emotionen, die in den Beziehungen
erlebt werden.
Der Zusammenhang zwischen spezifischer Hinwendung zu oder Abwendung
von einer Beziehung kann anhand lerntheoretischer Prinzipen erklärt werden, da
Emotionen in die Bewertungsphase einer motivationalen Folge eingegliedert sind,
wodurch sie den Stellenwert von übergeordneten Belohnungen oder Bestrafungen
erlangen können (Scheffer & Heckhausen, 2006; Brandstätter, 1990). Die Ausdifferenzierung einzelner Emotionen erfolgt durch Erfahrungen, die nach dem Prinzip der
Klassischen Konditionierung gemacht werden, indem Signale (in diesem Falle Per-
Emotionsregulation & die Gestaltung von Beziehungen
47
sonen oder Situationen) mit spezifischen emotionalen Reaktionen verknüpft werden.
Bei mehrmaliger Wiederholung der Erfahrung treten diese als Hinweisreize auf. Auf
diese Weise können ursprünglich neutrale Reizgegebenheiten (Personen oder Situationen) durch Erfahrungsbildung emotionsauslösend wirken. Das Antizipieren positiver Emotionen wie Freude, Liebe oder negativer Gefühle wie Ärger und Neid kann
demzufolge die Wahl und Motivation zu einer Handlungsfolge beeinflussen. Die
Erwartung der Zugänglichkeit und angemessenen Reaktion (Sensitivität) eines Interaktionspartners auf eigene emotionale Erregung und die Erfahrungen, die mit dem
Interaktionspartner diesbezüglich gemacht worden sind, wirken auf vergleichbare
Weise.
Antezedente Prozesse der Emotionsregulation setzen an diesem Punkt an, indem
Strategien benutzt werden, die das Auftreten dieser bedingten individuellen Reaktionen inhibieren oder evozieren: durch Selektion oder unterdrückter Selektion (Vermeidung) von Situationen oder Interaktionspartnern, die förderlich oder hinderlich
für das eigene Befinden oder das Verfolgen selbstgesetzter Ziele sind (z.B. Brandstätter, 1990).
Förderlich sind dabei das Bereitstellen von Unterstützung, Trost, Ablenkung, allgemein positiven Gefühlen, das Erlernen/Verstärken von Attributionsstilen oder von
kognitiven Hilfen zum Umgang mit negativen Emotionen. Auch das Anbieten von
Anregung, das Bestärken in Zielen oder die Erhöhung des Selbstwertes stellen förderliche Momente dar. Diese Einflüsse sind besonders in bedeutsamen und lang anhaltenden Beziehungen charakteristisch, nicht nur wegen der kurzfristigen Effekte
auf das emotionale Erleben, sondern auch wegen der Erwartungen und Antizipationen, die damit in der Zukunft verbunden werden. Sie stellen personale Ressourcen
im Umgang mit Emotionen dar. Allein das Wissen des Individuums bezüglich deren
Existenz, Zuverlässigkeit und Nützlichkeit kann das Meistern emotional bedeutsamer Ereignisse erhöhen oder abschwächen. Beispielsweise kommt ein heranwachsender Adoleszenter besser mit Ärger in Bezug auf Geschwister zurecht, wenn er
Emotionsregulation & die Gestaltung von Beziehungen
48
sich des antizipierten Verständnisses einer vertrauten Person, etwa eines engen
Freundes, sicher sein kann.
Hinderlich für die Verfolgung eigener Ziele können andere Sozialbeziehungen
durch übermäßiges Kritisieren, durch Spürenlassen von Abneigung, Zurückweisung
oder durch direkte offene Behinderung, Intrusion oder Ausnutzung sein (z.B. Rook,
1998). Das Antizipieren einer Situation, in der ein unerwünschtes Gefühl erwartet
wird, führt zu Tendenzen der Vermeidung (vgl. Campos et al., 2004). Beispielsweise
verzichten Personen mit Flugangst auf das Fliegen. Ebenso verhält es sich mit sozialen Beziehungen: Werden negative Gefühle wie Eifersucht, Wut oder Unsicherheit
mit einer Person assoziiert, besteht die Neigung, dieser Person aus dem Weg zu gehen.
Welche Implikationen sind im Hinblick auf beziehungsgestaltende Abläufe vorhanden? Hilfreiche, unterstützende Beziehungen, die mit positiven Gefühlen wie
Zuneigung, Wertschätzung oder Anerkennung assoziiert sind, werden speziell (nach
Bedarf) aktiviert, aufrechterhalten oder intensiviert, beispielsweise durch Erhöhung
der Kontakthäufigkeit. Insbesondere Freundschafts- und Peerbeziehungen erlangen
einen zentralen Stellenwert für die soziale Entwicklung in der Adoleszenz (Youniss,
1980). Sie ersetzen die Eltern als erste Vertrauenspersonen und helfen, negative Gefühle zu bewältigen (Salisch 2002; Seiffge-Krenke, 1995; vgl. Abschnitt 1.3.5). Es wird
vermutet, dass sich die Aktivierung von Beziehungen zum Erleben positiver emotionaler Episoden in einer länger andauernden Stabilisierung der Beziehung niederschlägt. Dagegen werden solche Beziehungen zurückgewiesen oder gemieden, die
negativ konnotiert sind, etwa weil verstärkt Ärger, Wut oder Misstrauen in den Begegnungen salient werden. Längerfristig gesehen werden als belastend empfundene
Beziehungen eher aufgegeben. Generell sind alle Beziehungen aufkündbar (Lang et
al., 2006). Im Kontext der vorliegenden Fragestellungen wird erwartet, dass insbesondere der Umgang mit emotional belastenden Beziehungsinhalten die Stabilität
oder den Abbruch von Beziehungen determiniert. Aus lebensspannentheoretischer
Emotionsregulation & die Gestaltung von Beziehungen
49
Sicht setzt die Aufgabe oder der Abbruch von (hinderlichen) Beziehungen Ressourcen frei für andere, nützlichere Beziehungen. Welche Dynamiken insbesondere in der
Adoleszenz vorherrschen, ist bislang nicht eindeutig untersucht.
Die Untersuchung des Zusammenspiels emotionsregulativer und beziehungsbezogener Prozesse erfordert einen Netzwerkansatz, der vorhandene Beziehungen erfasst und deren wechselseitige Abhängigkeiten und Einflüsse berücksichtigt. Adoleszente werden durch mehrere Umweltsysteme (z.B. Schule, Elternhaus, Verein,
etc.) gleichzeitig beeinflusst bzw. haben selbst die Möglichkeit eine Vielzahl an Beziehungen zu gestalten. Ziel ist es zu prüfen, inwieweit die Anwendung emotionsregulativer Strategien gestaltend auf Elemente des sozialen Netzwerks einwirkt und
inwieweit Strategien ihrerseits durch soziale Beziehungserfahrungen beeinflusst
werden. In welcher Weise beeinflussen innerfamiliale und außerfamiliale Beziehungen zu Personen des realen Netzwerkes die Ausbildung emotionsregulativer Strategien?
Es werden selektive Prozesse auf Ebene des persönlichen Erlebens anhand von
Selbstberichtsitems abgefragt. Darüber hinaus wird exemplarisch zur Abbildung des
Intimitäts- und Zugehörigkeitsbedürfnisses die individuelle Ausgestaltung von Nähe zu Personen des eigenen sozialen Netzwerks untersucht (vgl. 1.5.3).
1.5.2 Modifikation emotionaler Sequenzen
Zur Modifikation emotionaler Sequenzen werden Strategien eingesetzt, die auf
distaler Ebene Emotionen verändern und auf proximaler Ebene zur Gestaltung von
Beziehungen beitragen. Zur Schilderung modifizierender Prozesse ist eine Unterteilung aus der Affektforschung hilfreich, da der responsiven Modulation emotionaler
Zustände im Rahmen der Affektforschung viel Aufmerksamkeit geschenkt worden
ist. Die Klassifizierung in kognitive und behavioral-verhaltensbezogene Strategien
stammt von Parkinson und Totterdell (1999).
Emotionsregulation & die Gestaltung von Beziehungen
50
Kognitiven Strategien sind „Lenkung der Aufmerksamkeit auf schöne Dinge“,
„Konzentration auf ablenkende Tätigkeiten oder positive Seiten der Situation“ und
„kognitive Umstrukturierung“. Kognitive Umstrukturierung heißt etwa, die Bedeutung der emotionsauslösenden Situation wird verändert oder abgemildert.
Behaviorale Strategien umfassen die Modifikation des emotionalen Ausdrucks (z.B.
Unterdrückung) oder die direkte Veränderung der Situation selbst, etwa durch die
Beschäftigung mit anderen Dingen wie Musikhören oder Lesen. Weiterhin werden
negative und positive Emotionen auch durch künstlerisch-ästhetische Tätigkeiten
evoziert, verändert und abgeschwächt, etwa durch das Schreiben eines Tagebuches,
das Zeichnen von Bildern oder Modellieren von Ton. Schließlich können Emotionen
dahingehend reguliert werden, dass direkt Einfluss auf Ebene der physiologischen
Reaktionen genommen wird durch Bewegung (z.B. Sport, Tanzen), Entspannung
(z.B. Yoga, Meditation) oder die Einnahme psychotroper Substanzen wie Alkohol
oder Tabak (Armeli et al., 2008; Brandon, 1994; Cooper et al., 1995; Hull & Bond,
1986; Thayer et al., 1994)2.
Mithilfe modifizierender Strategien der Emotionsregulation werden in erster Linie
Aspekte des Selbst verändert. Sie dienen vorrangig der Stabilisierung des Selbst, der
Herstellung einer emotionalen Balance des Individuums oder der Verfolgung instrumenteller Ziele (z.B. Frijda, 1999; Parrott, 1993; Tice & Bratslavsky, 2000). Die Regulierung eigener Emotionen ist darüber hinaus manchmal notwendig, um in den
Schutz und die Qualität einer Beziehung zu investieren und diese dadurch über einen längeren Zeitraum am Leben zu erhalten. Berücksichtigung finden in diesem
Prozess Merkmale des sozialen Beziehungspartners. Diese Merkmale können Einstellungen, Werthaltungen, Standards oder Wahrnehmungen sein. Zum langfristigen
Schutz und zur Stabilisierung von Beziehungen werden Kognitionen, Verhaltensweisen und Emotionen an den Gegenüber oder die Situation angepasst. Distales Ziel ist
die Veränderung bzw. Aufrechterhaltung eines unangenehmen oder schönen Ge2
Ergänzend bitte auch den Abschnitt 1.4.3 betrachten.
Emotionsregulation & die Gestaltung von Beziehungen
51
fühls, proximal geht es jedoch um Bemühungen, sich mit der sozialen Außenwelt zu
arrangieren. Beispielsweise durch die kognitive Regulierung von Ärger über einen
Freund, der regelmäßig zu spät zu einer Verabredung erscheint, weil ihm Pünktlichkeit selbst nicht so wichtig ist. Newcomb und Bagwell (1996) verweisen darauf, dass
Freunde bereits in der Kindheit und Adoleszenz bemüht sind, Konflikte zu lösen, um
die Beziehung nicht zu gefährden.
Kognitive emotionsregulative Strategien können in diesem Zusammenhang auch
die Bedeutungszuschreibung einer Beziehung betreffen. Indem etwa ihr Wert erhöht
oder herabgesetzt wird. Ein angespanntes und emotional belastendes Verhältnis zu
den Schwiegereltern kann etwa dadurch kompensiert oder verbessert werden, dass
diese als unterstützende Quelle gesehen werden, denen man keine Zuneigung entgegenbringen muss, jedoch akzeptiert, weil es die Eltern des Partners sind. Adaptationen in diese Richtung sind vor allem dann sinnvoll, wenn Individuen in Beziehungskontexte eingebunden sind, die nicht ohne weiteres verändert oder verlassen
werden können, etwa weil es sich um enge Verwandte oder Kollegen mit regelmäßigem, institutionalisiertem Kontakt handelt.
Einflüsse des sozialen Beziehungskontextes auf den Umgang mit Emotionen
werden am deutlichsten hinsichtlich der Kontrolle des Ausdrucksverhaltens. Darbietungsregeln der Familie (Halberstadt, 1986) oder der kulturellen Gruppe (Ekman &
Friesen, 1969) beeinflussen Emotionen und Emotionsäußerungen (Sommers, 1984),
indem die äußeren Anzeichen des emotionalen Erlebens unterdrückt oder maskiert
werden. Normen und Regeln legen fest, wann es angebracht ist, ein bestimmtes Gefühl offen zu zeigen oder nicht. Durch Einhaltung dieser Regeln wird in Form von
Rücksichtnahme und Anpassung auf förderliche Weise in den Schutz der Beziehung
investiert.
In der vorliegenden Arbeit erfolgt die Untersuchung modifizierender Strategien
auf Ebene des persönlichen Erlebens anhand von Selbstberichtsitems. Darüber hinaus wird auf Ebene der sozialen Beziehungen exemplarisch der Umgang mit Ärger
bezogen auf jede Person des eigenen sozialen Netzwerks (vgl. 1.5.3) abgefragt.
52
Emotionsregulation & die Gestaltung von Beziehungen
In Tabelle 1 ist zusammenfassend die Verbindung zwischen emotions- und beziehungsgestaltenden Strategien schematisch dargestellt.
Emotionsregulation: Strategien der Selektion und Modifikation mit
Tabelle 1:
Auswirkungen auf Ebene der Emotionen und auf Ebene der Beziehungen
Strategien
Selektion
von Beziehungen
Emotionsebene
o Aufsuchen von Personen oder Situationen
- auf positive Emotionen gerichtet
(Nähe, Zuwendung, Spaß, Unterstützung)
Beziehungsebene
o Aktivieren / Initiieren
- Kontakthäufigkeit
- Kooperation
- zum Bewältigen negativer Emotionen (Trost, Ablenkung, kognitive Hilfen)
o Meiden von Situationen / Personen
- zum Verhindern negativer Emotionen
Modifikation
o Kognitiv:
- Lenkung der Aufmerksamkeit
- Konzentration
- Kognitive Umstrukturierung
- Kognitive Vergleiche
- Grübeln, Perseverationen
o Verhaltensbezogen:
- Veränderung der Situation
- Veränderung des Ausdrucks, z.B.
Unterdrückung o. Maskierung
- Ablenkung
- Strategien auf physiologischer
Ebene: Atemübungen, Schreien,
Weinen, Bewegung (Sport), Entspannung durch Yoga oder Meditation
- Psychotrope Substanzen wie Alkohol, Tabak, bestimmte Medikamente, Drogen
- Sublimierung (z.B. Tagebuch
schreiben)
o Deaktivieren / Beenden
- Abbruch
o Schützen / Stabilisieren
- Qualität aufrecht erhalten durch Regulierung
eigener Emotionen
- neue Ziele, Ansprüche
suchen
- Beziehungsstandards
ändern (z.B. Wert / Bedeutung der Beziehung)
Emotionsregulation & die Gestaltung von Beziehungen
53
1.5.3 Beziehungsspezifische emotionsbezogene Prozesse: Umgang mit Ärger
& Intimitätsregulierung
Der Fokus der zu untersuchenden beziehungsspezifischen emotionalen Prozesse
liegt zum ersten auf der Emotion Ärger. Diese stellt eine der typischsten belastenden
Emotionen dar, die im sozialen Kontext erlebt werden (Berscheid & Ammazzalorso,
2001; Scherer, 1988). Ärger ist stark mit Beziehungen verknüpft und wird mehr als
andere Emotionen durch das Verhalten anderer bestimmt. Ärger bezieht sich stärker
auf die Ursache eines unerwünschten Ergebnisses (in der Regel eine Person) als auf
das Ergebnis selbst (Shaver, Schwartz, Kirson & O’Connor, 1987). Daher ist die Untersuchung von Ärger im Kontext der vorliegenden Fragestellungen besonders geeignet. Anders verhält es sich etwa, wenn wir traurig darüber sind, dass jemand etwas getan oder nicht getan hat: Traurigkeit ist mehr auf den Verlust als auf die Ursache des Verlustes (die andere Person) gerichtet (ib.). Wahrgenommener Ärger variiert in Abhängigkeit der geführten Beziehung. Ein ähnliches Ereignis, etwa ein gebrochenes Versprechen, kann verschiedene Bedeutungen in verschiedenen Beziehungen annehmen und daher zu unterschiedlichen emotionalen Reaktionen führen.
Ärger zeigt sich vor allem in besonders engen oder nahestehenden Beziehungen (Averill, 1982).
Der zweite zu untersuchende beziehungsspezifische emotionale Prozess betrifft
die Regulierung des Intimitätsbedürfnisses in Beziehungen, in der vorliegenden Arbeit über die Emotion Nähe konzeptualisiert. Die Motivation, sich an andere zu
wenden, ist ubiquitär (vgl. Abschnitt 1.3.5) und ebenfalls abhängig von der geführten
Beziehung. Es spielt beispielsweise eine Rolle, ob die andere Person ein enger
Freund, ein uninteressanter Mitschüler oder ein unsympathischer Lehrer ist. Bei
wiederkehrend angenehmen emotionalen Alltagserfahrungen werden Muster der
klassischen Konditionierung aktiviert: Wir suchen die Nähe der anderen Person in
Abhängigkeit davon, ob wir gute oder schlechte Erfahrungen gemacht haben und
seine Anwesenheit und Unterstützung entweder belohnend und erfreulich oder bestrafend und unerfreulich auf uns wirken.
Emotionsregulation & die Gestaltung von Beziehungen
54
Ein angemessener Umgang mit Ärger in Beziehungen trägt dazu bei, diese zu
schützen und längerfristig zu stabilisieren. Soziale Netzwerkbeziehungen, die durch
ein hohes Bedürfnis nach Zusammensein gekennzeichnet sind, sind befriedigender
und daher beständiger als Beziehungen, in denen geringe angenehme Erfahrungen
gemacht werden. Die Untersuchung beziehungsspezifischen Ärgers und der Regulierung von Intimität sind daher gerade in der Adoleszenz relevant, in der das Führen reifer Sozialbeziehungen als wichtige Entwicklungsaufgabe gilt (vgl. Abschnitt
1.3.2).
1.6 Funktionalität emotionsregulativer Strategien
Gegenwärtig existiert in der Literatur keine einheitliche Typologie emotionsregulativer Strategien. Dennoch gibt es eine aus der Motivationsforschung bekannte Verhaltens-Differenzierung, die als Anhaltspunkt dient, um über die Funktionalität bzw.
Adaptivität einzelner Strategien zu sprechen. Verhalten und Motive werden danach
in Annäherung und Vermeidung unterteilt (Carver, 2006; Miller & Dollard, 1941;
Gray, 1990). Im Bereich der Emotionsforschung wurde diese Idee aufgegriffen und
auf die Bewältigung negativer Emotionen angepasst.
Annäherungsorientierte Prozesse der Emotionsmodifizierung implizieren ein Engagement und direktes Einlassen auf die Emotion. Strategien sind etwa das Analysieren der emotionsauslösenden Situation, damit einhergehend das Ändern der
Denkweise oder die Suche nach emotionaler Unterstützung bei anderen Personen.
Als vermeidende emotionsverändernde Elemente gelten etwa das Negieren der Emotion selbst, das Unterdrücken oder das Zurückziehen aus der emotional bedrohlichen Situation (Thayer et al., 1994).
Vermeidende Strategien sind insgesamt als wenig effektiv zur Regulierung negativer Emotionen beschrieben worden (ib.). Es konnte vor allem ein Zusammenhang
zwischen vermeidenden Strategien und riskantem Verhalten, etwa hoher Alkohol-
Emotionsregulation & die Gestaltung von Beziehungen
55
konsum oder Spielerei gefunden werden (Armeli et al., 2008; Cooper, Flanagan, Talley & Micheas, 2006; Cooper et al., 1995). Darüber hinaus konnte in Interaktionen
eine gestörte Kommunikation bei Inhibierung des sich anbahnenden emotionalen
Ausdruckverhaltens beobachtet werden (Butler, Egloff, Wilhelm, Smith, Erickson &
Gross, 2003). Gleichzeitig zeigten sich in diesen Situationen verstärkte körperliche
Reaktionen wie erhöhter Blutdruck (Butler et al., 2003.; Egloff, Schmukle & Burns,
2006), nicht nur beim Individuum selbst, sondern ebenfalls beim Interaktionspartner
(ib., Gross, 2002). Empirisch wurde ferner belegt, dass beim Unterdrücken die emotionale Empfindung nicht reduziert wird (Gross, 2002). Im Gegenteil, es lassen sich
sogar Untersuchungen heranziehen, die zeigen, dass die Emotion im Erleben noch
verstärkt wird (Butler et al., 2003). Unterdrücken hat schließlich auch einen negativen
Einfluss auf Gedächtnisfunktionen (Egloff et al., 2006; Gross, 2002; Richards, Butler &
Gross, 2003; Richards & Gross, 2000). Im Rahmen psychologischer Wohlbefindensforschung konnte weiterhin festgestellt werden, dass Grübeln (Nolen-Hoeksema,
2000), Unterdrückung (Gross & John, 2003) und vermeidende Bewältigungsstrategien allgemein (Herman-Stahl et al., 1995) mit höherer Depression oder negativen
Emotionen einhergehen. Nachteilig wirken sich Unterdrückung (Gross, 1998; Pennebaker, 1997), Ärgern (ohne etwas dagegen zu tun) und Perseverationen (Brosschot &
Thayer, 2004) ebenso auf die physische Gesundheit aus.
Diese Befunde führen insgesamt zu dem Schluss, die weiter oben besprochene
Strategie der unterdrückten Selektion von Personen oder Situationen, das Meiden, als
wenig funktional im Hinblick auf Indikatoren psychischer Anpassung zu betrachten.
Befunde bezüglich der Adaptivität annäherungsorientierter Strategien sind teilweise inkonsistent. Obgleich die Überzeugung besteht, dass diese Form der Bewältigung negativer Emotionen effektiv und funktional ist (z.B. Thayer et al., 1994), existieren Studien, die diesen positiven Effekt nicht finden (Carver & Scheier, 1994 im
Überblick). Eindeutige Ergebnisse bestehen dagegen in Bezug auf Strategien der
kognitiven Umbewertung. Es konnte beobachtet werden, dass Neubewertung eines
Emotionsregulation & die Gestaltung von Beziehungen
56
negativ gefärbten Stimulus zur Reduktion des belastenden Gefühls der Probanden
führte (Egloff et al., 2006; Gross, 1998; Gross, 2002; Gross & John, 2003; John & Gross,
2004). Individuen, die eher kognitive Neubewertung als Regulierungsmechanismus
verwenden, erleben und drücken außerdem mehr positive und weniger negative
Emotionen aus, haben ein höheres subjektives Wohlbefinden und erleben Vorteile in
Interaktion mit anderen (Gross & John, 2002, 2003; John & Gross, 2004).
Keine Hinweise gibt es jedoch darauf, wie selektive, emotionsantezedente Strategien der Emotionsregulation mit psychologischen Variablen des Wohlbefindens in
der Adoleszenz korrelieren. Erwartet wird in dem Zusammenhang, dass die Selektion von Beziehungen oder Situationen zum Aufrechterhalten oder Erhöhen angenehmer Gefühle mit psychischer Gesundheit einhergeht. Ebenso sollte das aktive
Aufsuchen Anderer zum Meistern unangenehmer, belastender Emotionen einen förderlichen Einfluss besitzen. Beide Formen stellen aktive Merkmale der Selbstregulation dar, mit denen allgemein gesehen positive Emotionen angestrebt werden, denen
eindeutig adaptive und entwicklungsregulative Funktionen zugeschrieben werden
(Brandstädter, 2007). Positive Entwicklungsergebnisse und somit die Verbesserung
der Lebensumstände führen allgemein gesehen zu einer Steigerung des Wohlbefindens (ib.). Dagegen ist unklar, wie der direkte Zusammenhang zwischen dem Einsatz emotionsregulativer Strategien und entwicklungsregulativem Handeln aussieht.
1.7 Erhebung emotionsregulativer Prozesse in der Adoleszenz
Instrumente zur Erfassung emotionsregulativen Verhaltens in der Adoleszenz intendieren in erster Linie die Erhebung der Bewältigung von Stress oder Problemen
(z.B. Hampel et al., 2001; Seiffge-Krenke, 1989). Auch das kürzlich vorgestellte Instrument Feel-KJ von Alexander Grob und Carola Smolenski (2005) baut auf theoretischen Überlegungen, die in der Stress- und Bewältigungsforschung (z.B. Laux & Weber, 1990; Lazarus & Folkman, 1984) angesiedelt sind. Im Feel-KJ werden 15 Strategien zum Umgang mit drei diskreten Emotionen (Wut, Angst und Trauer) erfasst.
Emotionsregulation & die Gestaltung von Beziehungen
57
Jede Strategie ist durch zwei Items repräsentiert, wodurch sich eine Gesamtanzahl
von 30 Items für jede Emotion ergibt. Dieses relativ umfangreiche Diagnostikinstrument (insgesamt 90 Items) dient der Differenzierung zwischen adaptivem und maladaptivem Regulationsverhalten. Der Fragebogen bleibt allerdings auf die Erfassung
der Bewältigung negativer Gefühle beschränkt, positive und soziale Emotionen sind
unberücksichtigt.
Im Erwachsenenalter existieren zahlreiche Instrumente zu emotionsbezogenen
Teilfähigkeiten, etwa der Wahrnehmung von Emotionen, sowie Instrumente zur
Emotionalen Intelligenz/Kompetenz (Wendt, 2002 im Überblick). Weitere Skalen
enthalten klinisch relevante Aspekte, die in der vorliegenden Untersuchung nicht
von Interesse sind (z.B. DERS von Gratz & Röhmer, 2004). Ferner existieren Skalen,
die sehr speziell Strategien abfragen wie der ERQ von Gross und John (2003) und
somit keine globale Erfassung emotionsregulativer Mechanismen ermöglichen. Außerdem liegen zahlreiche Erhebungsinstrumente vor, die auf den Umgang mit negativen Stimmungen abzielen (z.B. NMR von Catanzaro & Mearns, 1990). Gemeinsame
Kennzeichen vorhandener Instrumente sind erstens, dass die Regulierung positiver
Emotionen nicht operationalisiert ist und zweitens, dass nicht geklärt ist, inwieweit
die Skalen äquivalent in der Adoleszenz eingesetzt werden können. Die Möglichkeit,
Querverbindungen zu Mechanismen der Beziehungsgestaltung herzustellen, ist ebenfalls nicht gegeben.
Ziel dieser Arbeit besteht daher auch in der Entwicklung eines sparsamen Erhebungsinstruments zu emotionsregulativen Strategien, welches die interessierenden
Prozesse sowohl in der Adoleszenz als auch vergleichend im Erwachsenenalter valide und reliabel abbildet.
Fragestellungen & Hypothesen der Untersuchung
58
2 Fragestellungen & Hypothesen der Untersuchung
Im Folgenden werden zentrale Überlegungen des theoretischen Teils dieser Arbeit
zusammengefasst. Daran schließt sich die Beschreibung der sich ergebenden Fragestellungen und der Erwartungen an die Ergebnisse der Arbeit an. Das Kapitel wird
abgeschlossen mit der formalen Darstellung der Hypothesen.
2.1 Zusammenfassung
Schwerpunkt der Arbeit bildet die Untersuchung des Zusammenspiels emotionsund beziehungsbezogener Prozesse in der Adoleszenz. Zur theoretischen Einbettung
der Untersuchung wurden in einem ersten Kapitel allgemeine entwicklungsregulative Prozesse beschrieben und im Zuge dessen die Lebenslauftheorie der Kontrolle
vorgestellt. Die Lebenslauftheorie der Kontrolle exemplifiziert eine moderne Entwicklungstheorie, der die Annahme einer dynamischen Interaktion zwischen Merkmalen des Individuums und Merkmalen der Umwelt zugrunde liegt. In ihrem Kontext kann emotionsregulatives Handeln und Denken als Strategie der Steuerung der
Umwelt und Beeinflussung des Selbst gesehen werden, die das Ziel hat, eine Passung
zwischen Individuum und Umwelt herzustellen und auf diese Weise die eigene
Entwicklung zu gestalten. Es wurden darüber hinaus im ersten Kapitel altersgradiente Einflüsse auf die Entwicklung des adoleszenten Heranwachsenden erörtert. Das
betrifft auf der einen Seite biologische Reifungsprozesse, die das emotionale Erleben
beeinflussen und soziale Beziehungen Adoleszenter. Es wurde deutlich, dass Adoleszente im Bereich des emotionalen Erlebens stark herausgefordert sind und das
Erleben und die Regulierung sozialer Emotionen eng mit ihren sozialen Beziehungen
zusammenhängen.
Im ersten Kapitel wurden außerdem Begriffe und Gegenstand von Emotionsregulation und Beziehungsgestaltung erörtert. Es wurden zentrale emotions- und bezie-
Fragestellungen & Hypothesen der Untersuchung
59
hungsbezogene Mechanismen hergeleitet und vorgestellt. Es handelt sich um Strategien, die auf das Selbst und auf die unmittelbare Nahumwelt gerichtet sind und zur
Aktivierung bzw. Stabilisierung von Beziehungen beitragen. Unterschieden wurden
(1) Selektion von Umwelten (Beziehungen oder Situationen) und (2) modifizierende
Strategien im Bereich der Kognition und im Bereich des Verhaltens. Selektion umfasst auf der einen Seite das aktive Aufsuchen von Beziehungen zum Erleben, Verstärken und Aufrechterhalten positiver oder Verarbeiten negativer Emotionen. Auf
der anderen Seite sind unter Selektion Strategien des Meidens unangenehmer Situationen oder Personen subsumiert. Selektive Mechanismen der Emotionsregulation
implizieren eine Aktivierung, Nutzung und Deaktivierung oder den Abbruch von
Beziehungen. Emotionsstabilisierende oder –verändernde Bemühungen der Modifikation beinhalten kognitive und behaviorale Elemente. Sie führen in erster Linie zur
Veränderung eigener Emotionen, sind darüber hinaus daran beteiligt, Beziehungen
(längerfristig) zu stabilisieren und zu schützen. Umgang mit Ärger und Intimitätsregulierung in Beziehungen dienen in der vorliegenden Arbeit exemplarisch dazu, beziehungsbezogene emotionale Prozesse zu erklären. Im Hinblick auf die Funktionalität
emotionsregulativer Strategien wurde im ersten Kapitel deutlich, dass vermeidende
Strategien eher dysfunktionalen und annäherungsorientierte, aktive Strategien des
Aufsuchens Anderer und Strategien der Modifikation funktionalen Charakter besitzen und zur Anpassung an Umwelten beitragen. Schließlich ging es in einem letzten
Unterpunkt um die Frage der Erfassung der präsentierten Mechanismen. Dabei zeigte sich, dass es keine geeigneten Instrumente zur Erfassung emotions- und beziehungsbezogener Prozesse in der Adoleszenz gibt. Die Notwendigkeit zur Entwicklung neuer Erhebungsinstrumente, um zentrale Fragestellungen der Arbeit überprüfen zu können, ist somit gegeben.
Fragestellungen & Hypothesen der Untersuchung
60
2.2 Fragestellungen, zusammenfassende Erwartungen & Untersuchungsgegenstand
In dieser Arbeit wird erstens der Fragestellung nachgegangen, wie (soziale) Emotionen in Beziehungen des eigenen sozialen Netzwerks differenziert erlebt und verarbeitet werden. Zentrale Frage dieser Arbeit betrifft den Umgang mit Belastungen
und Ärger in Beziehungen sowie die Regulierung von Intimitätsbedürfnissen. Zweitens interessiert, welche Rolle emotionsregulative Prozesse für die Gestaltung von
Beziehungen spielen: In welcher Weise können sie den Aufbau, die Stabilität (Pflege)
und den Abbruch von Beziehungen in der Adoleszenz erklären? Als dritte Fragestellung der Arbeit ist von Interesse, welche dynamischen Interaktionen zwischen sozialen Beziehungen und individuellem emotionalem Erleben und Verhalten über die
Zeit bestehen: Welche Rolle spielen in Bezug auf die Entwicklung und Herausbildung emotionsregulativer Prozesse Beziehungen zu Gleichaltrigen und Beziehungen
zu den Eltern? Eine vierte Fragestellung betrifft die Entwicklung emotionsregulativer
Strategien. Es interessiert, wie die Entwicklungsrichtung im Übergang von der Adoleszenz in das junge Erwachsenenalter hinein aussieht. Wie gehen Adoleszente mit
der emotionalen Entwicklung während der Pubertät und den Möglichkeiten der Gestaltung von Gefühlen um und in welcher Hinsicht unterscheiden sie sich in der Anwendung emotionsregulativer Strategien von Erwachsenen? Die fünfte der Arbeit
zugrundeliegende Frage lautet, inwieweit fördert Emotionsregulation das Lösen lebensphasenspezifischer Entwicklungsaufgaben und trägt außerdem zur psychischen
Anpassung in der Adoleszenz bei? Außerdem ist hierbei von Interesse, wie der Zusammenhang mit anderen Formen der Selbstregulation aussieht und inwieweit Emotionsregulation entwicklungsregulatives Verhalten und Handeln fördert.
Aufgrund der Tatsache, dass zur Beantwortung der Fragstellungen keine geeigneten Instrumente vorhanden sind, besteht ein wesentliches Ziel der Arbeit in der Entwicklung und Überprüfung einer neuen Skala zu Emotionsregulation. Innerhalb einer umfangreichen Validierungsstudie wird die Qualität und Validität einer neu
konstruierten Skala überprüft. Das Anliegen der Hauptstudie besteht in der Beant-
Fragestellungen & Hypothesen der Untersuchung
61
wortung der inhaltlichen Fragestellungen. Hierfür werden Adoleszente, junge Erwachsene, deren Eltern und Alteri aus dem schulischen bzw. beruflichen Kontext der
Adoleszenten und jungen Erwachsenen zu ihrem Umgang mit Emotionen auf Ebene
des persönlichen Erlebens und in ihren sozialen Beziehungen befragt. Insgesamt
werden Teilnehmer der Hauptstudie zu zwei Erhebungszeiten im Abstand von einem Jahr interviewt. Es handelt sich um eine Netzwerk-Studie, in der geführte Beziehungen erfasst werden.
Auf Ebene der Beziehungen werden innerhalb der Hauptstudie zwei emotionsregulative Prozesse untersucht: Es handelt sich um (1) den Umgang mit Ärger und
Konflikten in Beziehungen des eigenen sozialen Netzwerks und (2) das Aufsuchen
der Nähe von Beziehungen des individuellen sozialen Netzwerks als Kennzeichen
der Regulierung des individuellen Intimitätsbedürfnisses. Die beziehungsbezogene
Abfrage des Umgangs mit (belastenden) Emotionen und der Nutzung von Beziehungen zum Erleben positiver Emotionen erfordert es, soziale Netzwerke zu erheben. Anhand kumulierender Namensgeneratoren werden daher Netzwerkpersonen
erhoben, die sowohl förderlich als auch hinderlich bzw. belastend für die Befragten
sind. Eine derartige Erfassung emotionsbezogener Prozesse in Beziehungen gab es
bislang in der mir bekannten Forschungsliteratur nicht, daher werden Umgang mit
Ärger und Intimitätsregulierung explorativ im Hinblick auf Alters- oder Geschlechtsunterschiede untersucht. Ziel ist es, den differenzierten Umgang mit Emotionen in
Abhängigkeit der geführten Beziehungen in der Adoleszenz zu klären.
Eine soziale Beziehung zwischen zwei Akteuren ist durch affektive, verhaltensbezogene und kognitive Prozesse der Individuen beeinflusst (Hinde, 1997). Diese haben einen Einfluss darauf, wie die Beziehung selbst wahrgenommen und welcher
Wert ihr beigemessen wird. Diese sollten auch einen Einfluss auf den Umgang mit
belastenden Beziehungsinhalten wie Streit, Frustration oder Konflikte haben. In dieser Arbeit wird davon ausgegangen, dass die Einschätzung bzgl. des Umgangs mit
Fragestellungen & Hypothesen der Untersuchung
62
Ärger in Beziehungen in Abhängigkeit der emotionalen Verbundenheit und Belastung
durch die Netzwerkperson variiert.
Die emotionsbezogenen Items auf Ebene der Beziehungen (Umgang mit Ärger, Intimitätsregulierung) dienen vor allem dazu, das Zusammenwirken emotionaler und
beziehungsbezogener Prozesse auf der einen Seite zu explorieren und auf der anderen Seite spezifische Annahmen zu überprüfen. Beziehungsbezogener Umgang mit
Ärger indiziert den Schutz von Beziehungen. Daher sollten ein hoher Umgang mit
beziehungsbezogenen Belastungen mit hoher Beziehungsqualität und weniger Beziehungsabbrüchen einhergehen. Das Aufsuchen der Nähe von Beziehungen (Intimitätsregulierung) zielt auf deren Aktivierung, so dass Befragte mit hoher Ausprägung
in dieser Variable stabilere Beziehungen über den Zeitraum von einen Jahr aufweisen sollten.
Wie im theoretischen Teil dieser Arbeit berichtet, verändert sich das Beziehungsnetzwerk in der Adoleszenz. Obgleich es eine allgemeine Präferenz für Verwandte
gibt (Neyer & Lang, 2004), wird erwartet, dass sich Adoleszente mehr an nichtverwandten Gleichaltrigen orientieren und diese Beziehungen zur Evokation positiver
Emotionen stärker aktivieren. In diesem Zusammenhang wird auch davon ausgegangen, dass die kontextuelle Beeinflussung auf die Anwendung emotionsregulativer Strategien Adoleszenter durch Beziehungen zu Gleichaltrigen größer ist als
durch Beziehungen zu den Eltern. Ein dyadisches Design ermöglicht die Überprüfung der Annahme: In Adoleszente-Eltern-/junge Erwachsene-Eltern- sowie Adoleszente-Mitschüler/junge
Erwachsene-Kommilitonen/Kollegen-Dyaden
werden
Selbstberichtsitems emotionsregulativer Strategien zu zwei Befragungszeitpunkten
erhoben. Anhand von cross-lagged-Panel-Analysen können wechselseitige Einwirkungen über die Zeit ermittelt werden. Es werden stärkere Transaktionen im Hinblick auf die Entwicklung emotionsregulativer Strategien zwischen Adoleszenten
und ihren Alteri als zwischen Adoleszenten und ihren Eltern angenommen.
Fragestellungen & Hypothesen der Untersuchung
63
Emotionsregulative Prozesse sind auf Ebene des persönlichen Erlebens als Teil der
Entwicklungsregulation konzeptualisiert und über drei Mechanismen operationalisiert. Strategien des Nähesuchens, des Meidens und der Modifikation bilden einerseits
auf Umwelten (Beziehungen oder Situationen) und andererseits auf das Individuum
selbst gerichtete Mechanismen ab. Aus der Copingforschung ist bekannt, dass weibliche Adoleszente zur Problembewältigung mehr aktive Strategien als Jungen angeben (Winkler Metzke & Steinhausen, 2002; Herman-Stahl et al., 1995). Damit ist beispielsweise das Rekurrieren sozialer Ressourcen gemeint. In der Adoleszenz werden
Geschlechtsunterschiede im selbstberichteten Gebrauch emotionsregulativer Strategien dahingehend erwartet, dass Mädchen stärker die Nähe Anderer suchen, um eigene Emotionen zu regulieren, also zum Anregen, Verlängern oder Intensivieren positiver und zum Minimieren oder Beenden negativer Emotionen als Jungen.
Aufgrund der körperlichen und vor allem kognitiven Reifung besitzen Adoleszente dieselben physischen Voraussetzungen zur Regulierung von Emotionen wie Erwachsene. Im Kindesalter werden Emotionen noch vorrangig durch Unterstützung
anderer reguliert. Empirische Studien zeigen, dass im Hinblick auf die Bewältigung
von Stress oder Problemen mit Beginn des Jugendalters der Gebrauch selbstregulativer Strategien ansteigt. (v. Salisch & Kunzmann, 2005), so dass alles in allem nicht
von Altersunterschieden in der Anwendung emotionsregulativer Strategien ausgegangen wird. Es wird erwartet, dass der selbstberichtete Einsatz in selektiven Strategien und Strategien der Modifikation nicht mit dem Alter variiert.
Adoleszente sind aufgrund körperlicher Reifungsprozesse in emotionaler Hinsicht
stark herausgefordert. Eine Vielzahl neuer Gefühle wird erfahren und muss in das
eigene Leben integriert werden. Es wird angenommen, dass ein gelungener Umgang
mit den emotionsbezogenen Herausforderungen dieser Lebensphase allgemein mit
Lebenszufriedenheit zusammenhängt und Kompetenz im Lösen von Schwierigkeiten
und wichtigen Entwicklungsaufgaben des Jugendalters fördert. Die Vorbereitung auf
einen Beruf oder auf eine Partnerschaft oder Familie, das Bilden und Pflegen eines
Freundeskreises mit engen Beziehungen sind jugendphasenspezifische Entwick-
Fragestellungen & Hypothesen der Untersuchung
64
lungsaufgaben (Havighurst, 1953, 1972), die es zu lösen gilt und die gleichsam eine
erfolgreiche Entwicklung markieren. Im jungen Erwachsenenalter wird vor allem die
Auseinandersetzung mit dem Thema Familiengründung salient, wohingegen in der
Jugendzeit leistungsbezogene Investitionen in die Zukunft (Schule erfolgreich abschließen, einen Ausbildungs- oder Studienplatz erhalten) stärker eine Rolle spielen.
Selektive und Situationen oder Gedanken modifizierende Strategien der Emotionsregulation sollten positiv mit Indikatoren psychischer Anpassung einhergehen. Dagegen wird für Strategien des Meidens aufgrund der beschriebenen empirischen Befunde im Theorieteil dieser Zusammenhang nicht erwartet. Indikatoren psychischer
Anpassung werden über Lebenszufriedenheit, Gesundheit und Depressivität erhoben. Ferner wird angenommen, dass emotionsregulierende Strategien positiv mit
individuellem Kontrollstreben in Bezug auf das Erreichen wichtiger Entwicklungsziele/-aufgaben korrelieren. Das Kontrollstreben wird beispielhaft anhand bereichsspezifischer Skalen in Bezug auf Erfolg im Beruf und in Bezug auf die Gründung einer Familie erfasst.
Wie in den Abschnitten zur Selektion und Modifikation (1.5.1 und 1.5.2) ausgeführt, implizieren emotionsregulierende Strategien nicht nur individuelle Motive wie
das Verändern oder Aufrechterhalten emotionaler Episoden, sondern sie sollten ebenfalls einen Beitrag zum Schutz und zur Stabilisierung von Beziehungen leisten.
Vor diesem Hintergrund werden in der Adoleszenz positive Korrelationen mit der
Beziehungsqualität zu Gleichaltrigen erwartet.
Die Hauptfragestellung der Validierungsstudie lautet: Können die postulieren
Dimensionen der Selektion von Beziehungen (Nähesuchen und Meiden) und behavioralen sowie kognitiven Strategien zur Veränderung von Emotionen (Modifikation)
durch die erfassten Daten bestätigt werden? Dabei geht es erstens um die allgemeine
Überprüfung der theoretisch postulierten Faktorenstruktur, zweitens um das Prüfen
von Messäquivalenz und drittens um die Validierung der neuen Skala. Es wird davon ausgegangen, dass faktorenanalytisch drei Strategien belegt werden können. Die
Fragestellungen & Hypothesen der Untersuchung
65
Frage der Messäquivalenz zielt auf die Vergleichbarkeit der Selbstberichtsskala über
das Alter (Adoleszente vs. Erwachsene) und das Geschlecht. Es wird erwartet, dass
sich beide Alters- bzw. Geschlechtsgruppen nicht unterscheiden und sich die theoretisch formulierten Konstrukte sowohl im Erwachsenenalter als auch in der Adoleszenz, sowohl bei männlichen als auch bei weiblichen Teilnehmern in gleicher Weise
differenzieren lassen.
Aussagen zu konvergenter und diskriminanter Validität der Skala sollen auf der
einen Seite durch Zusammenhänge mit Persönlichkeitsvariablen und inhaltlich nahen Konstrukten und auf der anderen Seite durch die Analyse einer zweiten Methode, der Fremdeinschätzung, gewonnen werden. Als Validierungskorrelate dienen die
Kurzform des Big-Five-Inventars (adaptiert an Lang, Lüdtke & Asendorpf, 2001),
eine Alexithymie-Skala (Kupfer, Brosig & Brähler, 2001), spezifische Skalen zu Strategien der Emotionsregulation (Feel-KJ, Grob & Smolenski, 2005; ERQ-D, Stadelmaier, 2006) sowie eine bereichsübergreifende Skala des Kontrollstrebens (OPS, Heckhausen, 2002). Durch die Erfassung einer Fremdsicht ist es möglich, MultitraitMultimethod-Methoden (Campbell & Fiske, 1959; Marsh & Grayson, 1995) zur Prüfung konvergenter und diskriminanter Validität heranzuziehen. Es wird von einer
guten Konstruktvalidierung durch die genannten Methoden ausgegangen.
2.3 Hypothesen
Im Folgenden gilt es, die Untersuchungshypothesen der Hauptstudie (Studie 1)
und die Hypothesen der Validierungsstudie (Studie 2) formal aufzustellen.
2.3.1 Hypothesen der Hauptstudie (Studie 1)
Die Hypothesen der Hauptstudie werden nach inhaltlichen Kriterien getrennt
aufgeführt: Zunächst geht es um die Spezifizierung der Annahmen bezogen auf beziehungsbezogene Emotionsprozesse (Umgang mit Ärger und Intimitätsregulierung).
Fragestellungen & Hypothesen der Untersuchung
66
Anschließend werden Hypothesen vorgestellt, die sich auf globale emotionsregulative Mechanismen (Nähesuchen, Meiden und Modifikation) beziehen.
a) Beziehungsspezifische Emotionsprozesse
Alters- und Geschlechtsunterschiede
Emotionsregulative Prozesse auf Ebene der individuellen Netzwerkbeziehungen (Umgang mit Ärger und Intimitätsregulierung) werden explorativ im Hinblick auf Alters- und Geschlechtsunterschiede analysiert.
Netzwerk
1. Der Umgang mit Ärger in Beziehungen des eigenen sozialen Netzwerks wird
beeinflusst durch die emotionale Nähe und wahrgenommenen Belastung in
und durch die Beziehung.
2. Adoleszente suchen stärker die Nähe zu nichtverwandten Gleichaltrigen im
Netzwerk als zu Mitgliedern der Familie.
3. Beziehungsbezogener Umgang mit Ärger fördert den Schutz von Beziehungen
und trägt zu deren Aufrechterhaltung und Beständigkeit bei. Die Nutzung
von Beziehungen (Intimitätsregulierung) trägt zur Aktivierung und Stabilisierung von Beziehungen bei.
b) Globale Strategien der Emotionsregulation
Alters- und Geschlechtsunterschiede
4. Weibliche Adoleszente verwenden mehr Strategien des Nähesuchens und Strategien der Modifikation als männliche Adoleszente. Männliche Heranwachsende hingegen verwenden mehr Strategien des Meidens.
5. Es zeigen sich keine Altersunterschiede zwischen Adoleszenten und jungen
Erwachsenen in Nähesuchen, Meiden und Modifikation.
Fragestellungen & Hypothesen der Untersuchung
67
Dyaden
6. Die Ausbildung und der Einsatz emotionsregulativer Strategien in der Adoleszenz wird stärker durch die Verwendung emotionsregulativer Strategien
Gleichaltriger als durch die Verwendung emotionsregulativer Strategien der
Eltern beeinflusst.
Outcomes
7. Strategien des Nähesuchens und der Modifikation kovariieren positiv mit Indikatoren psychischer Anpassung. Strategien des Meidens kovariieren negativ
mit Indikatoren psychischer Anpassung.
8. Strategien des Nähesuchens und der Modifikation kovariieren positiv mit dem
berichteten Einsatz des ausbildungs-/berufsbezogenen Kontrollstrebens und
mit Kontrollüberzeugungen in der Adoleszenz. Im Gegensatz dazu kovariieren Strategien des Meidens negativ mit der Verwendung von Kontrollstrategien und Kontrollüberzeugungen.
9. Die Verwendung emotionsregulativer Strategien geht mit positiven Beziehungsoutcomes einher.
2.3.2 Hypothesen der Validierungsstudie (Studie 2)
10. Die neu entwickelte Skala zu Emotionsregulation mit den Dimensionen Nähesuchen, Meiden und Modifikation ist reliabel und genügt den Anforderungen an
Validität.
11. Es liegt konfigurale Invarianz in allen untersuchten Alters- und Geschlechtsgruppen vor. Das heißt, die faktorielle Struktur der Skala zu Emotionsregulation unterscheidet sich nicht zwischen den Gruppen. Die Parameter des
Messmodells (Faktorladungen, Intercepts und Residualvarianzen) sind dar-
Fragestellungen & Hypothesen der Untersuchung
68
über hinaus in beiden Altersgruppen und beiden Geschlechterkategorien
gleich.
Studie 1: Emotionsregulation & Beziehungsgestaltung
69
3 Studie 1: Emotionsregulation & Beziehungsgestaltung
In der ersten Studie der Arbeit geht es um die Beantwortung der inhaltlichen Fragestellungen (vgl. Abschnitt 2.2). Im folgenden Abschnitt werden die Methoden der
Hauptstudie, einschließlich der Untersuchungsstichprobe, zentraler Erhebungsinstrumente und der Durchführung der Befragungen beschrieben. Anschließend werden die verwendeten Auswertungsmethoden und die Befunde dargestellt. Das Kapitel wird durch die zusammenfassende Diskussion der gewonnenen Erkenntnisse abgeschlossen.
Die vorliegende Hauptstudie ist innerhalb des Drittelprojektes „Interdependenzen
zwischen beruflichen und verwandtschaftlichen Netzwerken im Kontext der Familiengründung und –entwicklung“ (IDUN) unter Leitung von Prof. Dr. Frieder R. Lang
und Prof. Dr. Martin Diewald (SPP 1161, LA 1002/5-1+2) realisiert worden. Der Fokus
lag hier auf der Erhebung egozentrierter sozialer Netzwerke. Diese sind in fragebogengestützten Interviews anhand neu entwickelter Namensgeneratoren zu zwei
Zeitpunkten erhoben worden. Die Einbindung der eigenen Fragestellung bot sich in
besonderer Weise an, da mit realen sozialen Beziehungspartnern assoziierte emotionsregulative Prozesse untersucht werden konnten.
3.1 Darstellung des Vorgehens & Datenbasis
Im Folgenden werden das Untersuchungsdesign, die Stichprobengewinnung der
Studie sowie die Stichprobe dargestellt. Darüber hinaus werden die Untersuchungsmaterialien und die Durchführung der Erhebung vorgestellt.
Studie 1: Emotionsregulation & Beziehungsgestaltung
70
3.1.1 Design & Stichprobengewinnung
Das Stichprobendesign des IDUN-Projekts sah vor, an zwei Arbeitsorten (Bielefeld
und Halle/Saale) jeweils 60 Adoleszente im Alter von 15 bis 17 Jahren, 60 junge Erwachsene im Alter von 25 bis 27 Jahren sowie jeweils ein Elternteil (120) im mittleren
Alter zu befragen. Dabei war eine Gleichverteilung der Geschlechter angestrebt, d.h.
es sollten in den Gruppen annähernd gleich viele männliche wie weibliche Kinder
und Elternteile teilnehmen. Auf dyadischer Ebene sollten etwa die gleiche Anzahl an
Mutter-Tochter-, Mutter-Sohn-, Vater-Tochter- und Vater-Sohn-Dyaden entstehen.
Insgesamt sollten also an beiden Projektorten 240 Personen, aus 120 Familien stammend, in die Befragung einbezogen werden. Zusätzlich zu diesen familialen Dyaden
sollten ferner von den Befragten ausgewählte Kollegen bzw. Mitschüler (enge Bekannte / Alteri aus dem Berufs- bzw. Ausbildungsnetzwerk) interviewt werden.
Dieses zweifach dyadische Design eignete sich, emotionsregulative Prozesse im
sozialen Kontext zu untersuchen, da mögliche Familieneffekte und dyadische Effekte
außerhalb der Familie Berücksichtigung finden. Es erlaubt später unter anderem
spezifische Aussagen zum elterlichen oder alteribezogenen Einfluss auf die Anwendung emotionsregulativer Strategien in der Adoleszenz und im jungen Erwachsenenalter.
Zur Realisierung der ursprünglich angestrebten Stichprobe und bei einer angenommenen Ausschöpfungsquote von 20 % wurden aus den Einwohnermelderegistern
Bielefeld und Halle (Saale) jeweils etwa 1000 Adoleszente im Alter von 15-17 Jahren
und deren mittelalte Eltern und etwa 400 25-27 jährige kinderlose junge Erwachsene
gezogen und angeschrieben. Die Erhebung beruht also auf Wahrscheinlichkeitsstichproben aus den Melderegistern.
Die Rekrutierung der einzelnen Dyaden und Teilnehmer fand in mehreren Schritten statt. Zunächst wurden Anschreiben an eine zufällige Auswahl von Familien und
jungen Erwachsenen verschickt. Darin waren Ziel und Inhalt der Studie beschrieben,
begleitet von der Bitte um eine freiwillige Teilnahme. Im zweiten Schritt wurde tele-
Studie 1: Emotionsregulation & Beziehungsgestaltung
71
fonisch Kontakt zu allen angeschriebenen Personen aufgenommen und, wenn möglich, ein Interviewtermin vereinbart. Telefonnummern wurden entweder über das
örtliche Telefonverzeichnis ermittelt oder im Falle, dass die Familien diese dort nicht
veröffentlicht hatten, über direkte Auskunft der potentiellen Teilnehmer selbst. Im
Anschreiben war daher bei Personen ohne bekannte Telefonnummer eine vorbereitete, frankierte Rückantwortkarte enthalten, auf der die Telefonnummer eingetragen
werden konnte.
Adoleszente und deren Eltern wurden jeweils separat befragt, ebenso wie junge
Erwachsene und deren Eltern. Die Eltern der jungen Erwachsenen wurden direkt
über ihre Kinder gewonnen. Eine Ziehung über die Melderegister wäre hier wenig
sinnvoll gewesen, da generell davon ausgegangen werden musste, dass Eltern junger
Erwachsener nicht den Haushalt mit ihren Kindern teilen. Auch bei den Alteri aus
dem Berufs- oder Ausbildungskontext wurde so vorgegangen. Das bedeutet, die
Zielpersonen, also Adoleszente oder junge Erwachsene und die Eltern der Adoleszenten wurden gefragt, ob es in ihrem unmittelbaren berufs- oder ausbildungsbezogenen Umfeld Personen gäbe, die ebenfalls bereit wären, an der Untersuchung teilzunehmen.
Für eine zweite Erhebungswelle wurden jene Probanden noch einmal kontaktiert,
die nach der ersten Befragung zu einer weiteren Erhebungsteilnahme bereit waren.
Zwischen Juli 2005 und Februar 2006 fand die erste Erhebungswelle an beiden
Standorten statt. Ein Jahr später, von Juli 2006 bis Februar 2007, wurde die zweite
Befragung mit denselben Teilnehmern durchgeführt. Jedem Teilnehmer wurde zu
jedem Befragungszeitpunkt eine Aufwandsentschädigung von EUR 10,- gezahlt.
In Tabelle 3 sind Rücklaufberechnungen der ersten Erhebungswelle, aufgeteilt
nach Altersgruppen, dokumentiert. Im Ganzen wurden 1926 Personen brieflich oder
telefonisch kontaktiert. Darunter gehörten fünf nicht zur angezielten Grundgesamtheit, so dass sich die Bruttostichprobe etwas reduzierte. Tabelle 3 können weiterhin
Studie 1: Emotionsregulation & Beziehungsgestaltung
72
Zahlen entnommen werden, die Auskunft über die Ausfälle während der Rekrutierungsphase geben. Der überwiegende Teil an Ausfällen basiert auf Teilnahmeverweigerung. Abgesagt wurde eine Mitarbeit vorrangig aufgrund fehlender Zeit oder
fehlenden Interesses. Die tatsächlich realisierte Fallzahl auswertbarer Interviews lag
zum ersten Befragungszeitpunkt bei 356 Personen. Damit liegt eine Ausschöpfung
von 18.5 % vor. Diese 356 Personen teilen sich in 156 Adoleszente und junge Erwachsene sowie 125 Eltern auf. Ferner konnten 75 Alteri der Adoleszenten, jungen Erwachsenen oder Eltern der Adoleszenten für eine Teilnahme gewonnen werden. Das
ursprüngliche Design konnte somit weitgehend beibehalten werden.
Tabelle 4 vermittelt ein Bild über den Rücklauf zur zweiten Befragungswelle. Die
Bereitschaft der Befragten, an beiden Erhebungswellen teilzunehmen, kann als sehr
gut bewertet werden. 81 Prozent der Teilnehmer des ersten Befragungszeitpunktes
erklärten sich auch zu einer zweiten Teilnahme bereit. Zwei Personen waren in der
Zwischenzeit verstorben. Bei acht Teilnehmern (2.3 %) konnte keine aktuelle Adresse
oder Telefonnummer eruiert werden, sieben Personen (2.0 %) waren wegen Krankheit oder Gefängnisaufenthalt nicht verfügbar und annähernd 12 Prozent der Befragten der ersten Welle nahmen aufgrund mangelnder Zeit oder fehlenden Interesses
nicht ein zweites Mal an der Studie teil. In Hinblick auf die Teilnahmebereitschaft
zur zweiten Welle sind somit 69 Ausfälle zu vermerken. Als gültige Fälle können
zum zweiten Erhebungszeitpunkt 287 Personen berichtet werden. Davon entfallen
126 Fälle auf Adoleszente und junge Erwachsene sowie 105 auf deren Eltern. 56 Alteri aus dem schulischen oder beruflichen Kontext der Adoleszenten, jungen Erwachsenen und Eltern der Adoleszenten nahmen an der zweiten Befragung teil.
Im Hinblick auf dyadische Fragestellungen, also unter Berücksichtigung vollständiger Dyaden in beiden Erhebungswellen, ändert sich die Stichprobenbeschreibung
in folgender Weise (siehe Tabelle 2): Von insgesamt 213 Zielpersonen befinden sich
186 Teilnehmer in 93 nutzbaren Eltern-Kind-Dyaden. Bei 46 Personen der vollständi-
73
Studie 1: Emotionsregulation & Beziehungsgestaltung
gen Eltern-Kind-Dyaden liegen überdies Angaben von mindestens einem Alteri vor.
Das bedeutet, es existieren 23 nutzbare Triaden, bei denen die Eltern-Kind-Dyaden
vollständig sind und mindestens ein Alter (der des Kindes oder des Elternteiles des
Adoleszenten) an beiden Wellen vollständig teilgenommen hat. Schließlich existieren
42 vollständige Zielperson-Alteri-Dyaden, d.h. es liegen von beiden Dyadenpartnern
auswertbare Daten für beide Erhebungswellen vor. Davon entfallen 37 Dyaden auf
Adoleszente und junge Erwachsene und deren Alteri aus Schule/Ausbildung oder
Beruf. Dyaden der Eltern der Adoleszenten und ihrer Alteri wurden nicht in die
Analysen einbezogen, sie sind der Vollständigkeit halber in der Tabelle mit aufgeführt.
Tabelle 2:
Anzahl der vollständigen Dyaden in beiden Erhebungswellen
Eltern-Kind
Zielperson-Alteri
N
N
Adoleszente & Eltern
69
Adoleszente & Alteri
13
Junge Erwachsene & Eltern
24
Eltern d. Adoleszenten & Alteri
10
Junge Erwachsene & Alteri
24
Insgesamt
47
Insgesamt
93
Anmerkung: Für 23 Fälle liegen vollständige Triaden vor.
449
85
∑ Systematische Ausfälle
tatsächlich durchgeführte Interviews
(% von Nettostichprobe)
0
- Teile des Fragenbogens fehlen
447
2
- nicht verfügbar (Krankheit / Gefängnis)
- verweigert (keine Reaktion / keine
Zeit / kein Interesse / kein Vertrauen
/ aufgelegt / nicht zum Termin erschienen etc.)
0
- Sprachprobleme
534
Nettostichprobe
0
2
∑ Stichprobenneutrale Ausfälle
- Adresse / Telefonnummer falsch
2
- gehört nicht zur Grundgesamtheit
Ausfälle von Bruttostichprobe:
536
N
15.9
84.1
83.7
0.0
0.4
0.0
0.0
100.0
0.4
0.4
100.0
%
Adoleszente
85
449
446
0
2
1
0
534
1
1
535
N
15.9
84.1
83.5
0.0
0.4
0.2
0.0
100.0
0.2
0.2
100.0
%
Eltern der
Adoleszenten
71
499
493
0
3
0
3
570
2
2
572
N
12.5
87.5
86.5
0.0
0.5
0.0
0.5
100.0
0.3
0.3
100.0
%
Junge
Erwachsene
40
61
48
9
2
2
0
101
0
0
101
N
39.6
60.4
47.5
8.9
2.0
2.0
0.0
100.0
0.0
0.0
100.0
%
Eltern d. jungen
Erwachsenen
Rücklaufberechnung der ersten Erhebungswelle in Bielefeld und Halle (Saale)
Bruttostichprobe
Tabelle 3:
Studie 1: Emotionsregulation & Beziehungsgestaltung
75
107
91
12
1
0
3
182
0
0
182
N
41.2
58.8
50.0
6.6
0.5
0.0
1.6
100.0
0.0
0.0
100.0
%
Alteri aus Schule
und Beruf
356
1565
1525
21
10
3
6
1921
5
5
1926
N
18.5
81.5
79.4
1.1
0.5
0.2
0.3
100.0
0.3
0.3
100.0
%
Gesamt
74
Elternteil ist verstorben
2
8
Anmerkung: ZP = Zielperson
69
verweigert (keine Zeit / kein Interesse / kein Vertrauen / aufgelegt /
nicht zum Termin erschienen etc.)
-
0
tatsächlich durchgeführte Interviews
(% von Nettostichprobe)
Teile des Fragebogens fehlen
-
4
16
nicht verfügbar (Krankheit / Gefängnis)
-
2
∑ Systematische Ausfälle
Telefonnummer / Adresse ungültig
-
Ausfälle von Nettostichprobe:
85
Nettostichprobe
0
0
ZP verstorben
81.2
18.8
2.4
9.4
0.0
4.7
2.4
100
0.0
0.0
100
85
∑ Stichprobenneutrale Ausfälle
-
Ausfälle von Bruttostichprobe:
%
N
Adoleszente
71
12
0
8
0
2
2
83
2
2
85
N
85.5
14.5
0.0
9.6
0.0
2.4
2.4
100
2.4
2.4
100
%
Eltern der
Adoleszenten
57
14
0
10
1
1
2
71
0
0
71
N
80.3
19.7
0.0
14.1
1.4
1.4
2.8
100
0.0
0.0
100
%
Junge
Erwachsene
34
6
0
4
2
0
0
40
0
0
40
N
85.0
15.0
0.0
10.0
5.0
0.0
0.0
100
0.0
0.0
100
%
Eltern d. jungen
Erwachsenen
Rücklaufberechnung der zweiten Erhebungswelle in Bielefeld und Halle (Saale)
Bruttostichprobe
Tabelle 4:
Studie 1: Emotionsregulation & Beziehungsgestaltung
56
19
0
11
6
0
2
75
0
0
75
N
74.7
25.3
0.0
14.7
8.0
0.0
2.7
100
0.0
0.0
100
%
Alteri aus Schule
und Beruf
287
67
2
41
9
7
8
354
2
2
356
N
81.1
18.9
0.6
11.6
2.5
2.0
2.3
100
0.6
0.6
100
%
Gesamt
75
Studie 1: Emotionsregulation & Beziehungsgestaltung
76
3.1.2 Untersuchungsstichprobe
Der folgende Abschnitt umfasst die Beschreibung zentraler demographischer
Merkmale der Teilnehmergruppen der Hauptstudie. Nicht berücksichtigt bleiben
Alteri der Eltern der Adoleszenten, da diese nicht in die Analysen zur Beantwortung
der Fragestellungen einbezogen wurden.
Tabelle 5 stellt die Verteilung allgemeiner soziodemographischer Merkmale bei
Adoleszenten, jungen Erwachsenen, deren Eltern sowie Alteri der Adoleszenten und
jungen Erwachsenen dar.
Eine Varianzanalyse (ANOVA) zur Überprüfung von Geschlechtsunterschieden
belegte keine signifikanten Unterschiede (F(5,269) = 1.84, p = .11) zwischen Männern
und Frauen. Das Alter der einzelnen Untersuchungsgruppen variiert entsprechend
des Studiendiendesigns. Die hauptsächliche Zielgruppe, die Adoleszenten, war zum
ersten Befragungszeitraum durchschnittlich 15.7 (SD = 0.8) Jahre und zum zweiten
Befragungszeitraum durchschnittlich 17.0 (SD = 0.8) Jahre alt. Die befragten Alteri
der Adoleszenten aus der Schule wiesen in T1 ein Altersmittel von 15.4 (SD = 0.9)
Jahren und in T2 ein Altersmittel von 16.6 (SD = 1.0) Jahren auf. T-Tests zeigen keine
signifikanten Unterschiede im Alter zwischen Adoleszenten und ihren Alteri (T1: T =
1.31, df = 81, p = .19; T2: T = 1.38, df = 81, p = .17). Junge Erwachsene waren im Mittel in
der erste Welle 26.0 (SD = 0.9) Jahre und in der zweiten Welle 27.1 (SD = .09) Jahre alt.
Befragte Alteri der jungen Erwachsenen aus der Ausbildung oder dem Beruf waren
in T1 im Mittel 25.3 (SD = 3.5) Jahre und in T2 durchschnittlich 26.4 (SD = 3.5) Jahre
alt. Es ergaben sich keine signifikanten Alterstunterschiede zwischen jungen Erwachsenen und ihren Alteri (T1: T = 1.00, df = 31, p = .33; T2: T = 1.11, df = 32, p = .28).
Aus Tabelle 5 geht hervor, dass annähernd 73 % der jugendlichen Teilnehmer über
das Abitur/Fachhochschulreife verfügen bzw. diesen Abschluss zum Zeitpunkt der
Befragung anstrebten. Bei den Alteri aus der Schule waren es entsprechend 71 %. Das
Bildungsniveau unterscheidet sich zwischen Adoleszenten und ihren befragten Alte-
Studie 1: Emotionsregulation & Beziehungsgestaltung
77
ri nicht (T = 0.57, df = 81, p = .57). Auch im jungen Erwachsenenalter besitzt der überwiegende Anteil der Teilnehmer ein hohes Bildungsniveau: 73.7 % der Befragten gaben an, einen Universitätsabschluss anzustreben oder bereits erworben zu haben. In
der Gruppe der Alteri der jungen Erwachsenen sind es etwas mehr Personen (83.3
%); einen signifikanten Bildungsunterschied im Vergleich zu jungen Erwachsenen
gab es allerdings nicht (T = 0.05, df = 80, p = .96). Adoleszente und junge Erwachsene
sind in ihrem Bildungsstand nicht direkt vergleichbar. Geht man allerdings davon
aus, dass junge Erwachsene mit angestrebten oder bereits erworbenem universitären
Abschluss über ein Abitur oder über die Fachhochschulreife verfügen müssen, so
sind höher gebildete Teilnehmer (mindestens Abitur) in etwa gleich häufig in beiden
Altersgruppen vertreten (T = -1.56, df = 120, p = .12).
In den Stichproben der Eltern verhält es sich anders. Ungefähr 45 % der Eltern der
Adoleszenten besitzen einen Abschluss in einem Lehrberuf oder einen Meistertitel
und nur 28 % haben einen universitären Abschluss. In der Gruppe der Eltern der
jungen Erwachsenen gaben 32.4 % der Teilnehmer einen Universitätsabschluss und
etwa 27 % einen Abschluss in einem Lehrberuf an. Gleichzeitig ist der Anteil fehlender Angaben in dieser Gruppe am höchsten (35.3 %).
78
Studie 1: Emotionsregulation & Beziehungsgestaltung
Tabelle 5:
Verteilung soziodemografischer Merkmale über die Teilnehmergruppen der Hauptstudie
Adoleszente
Junge Erwachsene
T1
T2
T1
T2
69
69
57
57
weiblich (%)
-
47.8
-
43.4
männlich (%)
-
52.2
-
56.6
14-17 J.
15-18 J.
24-28 J.
26-29 J.
15.7 (0.8)
17.0 (0.8)
26.0 (0.9)
27.1 (0.9)
Hauptschulabschluss
-
74.3
-
-
(erw.) Realschulabschluss
-
78.7
-
73.5
Abitur & Fachhochschulreife
-
72.5
-
71.8
Lehrberuf / Meister
-
15.5
-
14.0
Universitätsabschluss
-
-
-
73.7
fehlend/ keine Angabe
-
-
-
77.0
71
71
34
34
weiblich (%)
-
60.0
-
70.6
männlich (%)
-
40.0
-
29.4
36-55 J.
37-56 J.
44-67 J.
46-68 J.
42.6 (4.6)
43.8 (4.6)
53.9 (5.9)
55.0 (5.9)
Hauptschulabschluss
-
71.4
-
-
(erw.) Realschulabschluss
-
77.0
-
72.9
Abitur & Fachhochschulreife
-
7-
-
72.9
Lehrberuf / Meister
-
45.1
-
26.5
Universitätsabschluss
-
28.2
-
32.4
fehlend / keine Angabe
-
18.3
-
35.3
Demografische Merkmale
N
Geschlecht
Alter
Spanne
Mittel (SD)
Höchster Ausbildungsabschluss %
a
Demografische Merkmale der Eltern
N
Geschlecht
Alter
Spanne
Mittel (SD)
Höchster Ausbildungsabschluss %
Fortsetzung:
Demografische Merkmale der Alteri:
N
14
14
30
30
weiblich (%)
-
50.0
66.7
männlich (%)
-
50.0
33.3
14-17 J.
15-18 J.
19-37 J.
20-38 J.
15.4 (0.9)
16.6 (1.0)
25.3 (3.5)
26.4 (3.5)
Hauptschulabschluss
-
14.3
-
-
(erw.) Realschulabschluss
-
-
-
-
Abitur & Fachhochschulreife
-
71.4
-
73.3
Lehrberuf / Meister
-
14.3
-
73.3
Universitätsabschluss
-
-
-
83.3
fehlend / keine Angabe
-
-
-
10.0
Geschlecht
Alter
Spanne
Mittel (SD)
Höchstera Ausbildungsabschluss %
Anmerkungen: a = in der Adoleszenz bzw. im jungen Erwachsenenalter handelt es sich z. T. um den
angestrebten Schul- bzw. Ausbildungsabschluss.
3.1.3 Erhebungsinstrumente
Im nächsten Abschnitt werden zentrale Konstrukte und weitere, für die Fragestellungen relevante Variablen beschrieben. Im Mittelpunkt steht dabei die Erfassung
emotionsregulativer Prozesse.
Zentral für die Analyse des Zusammenspiels emotions- und beziehungsregulativer Prozesse waren die Erhebung des sozialen Beziehungsnetzwerkes sowie die Erfassung emotionsregulativer Prozesse auf Ebene des persönlichen Erlebens und auf
Ebene der Beziehungen. Daher wird es zunächst um die Schilderung der Erfassung
sozialer Netzwerke gehen. Im darauf folgenden Abschnitt wird die in der Hauptstudie verwendete Skala zu Emotionsregulation beschrieben. An dieser Stelle sei angemerkt, dass weitere Informationen, die Skalenentwicklung und –eigenschaften betreffend, in der zweiten Studie (Kapitel 4) aufgeführt sind.
80
Studie 1: Emotionsregulation & Beziehungsgestaltung
3.1.3.1 Erhebung egozentrierter Netzwerke
Hauptgegenstand der IDUN-Befragung stellte die Erhebung sozialer Netzwerke
dar. Dabei bildeten funktionale Namensgeneratoren3 die Grundlage für deren Bestimmung.
Berücksichtigung
fanden
hierbei
–
neben
der
Abfrage
förderlich-
unterstützender oder emotional bedeutsamer Netzwerkpartner – vor allem auch negative Beziehungen. Zur näheren Charakterisierung der erfassten Netzwerkpartner
wurden ferner Deskriptoren entwickelt und herangezogen. Dabei gingen dem Einsatz des Netzwerkinstruments mehrere Pilotstudien voraus, die der Entwicklung
altersadäquater Instrumente zur Erfassung lebensziel- und lebensphasenbezogener
Netzwerkbeziehungen bei Adoleszenten und jungen Erwachsenen dienten.
Erhebungswelle 1
Zur Abbildung bedeutsamer realisierter Beziehungen wurden in der ersten Erhebungswelle schließlich Namensgeneratoren eingesetzt, bei denen der Fokus auf der
Erfassung der Unterstützung des Handlungspotentials und auf der Ermittlung belastender Beziehungen lag. Die Generator-Items können im Wortlaut vollständig dem
Anhang A.3 entnommen werden. Beispielitems lauten im Einzelnen:
-
„Welche Personen treffen Sie regelmäßig bei Unternehmungen, beispielsweise
im Sport, wenn Sie ausgehen (Kino, Tanzen) oder wenn Sie sich einfach nur
unterhalten wollen?“ (Geselligkeit)
-
„Mit wem teilen Sie persönliche Gedanken und Gefühle oder sprechen über
Dinge, die Sie nicht jedem erzählen würden?“ (Nähe/Intimität, emotionale
Unterstützung)
Innerhalb der Netzwerkforschung haben sich verschiedene Namensgeneratoren egozentrierter
Netzwerk-Instrumente etabliert (Fischer 1982; Neyer 1997; Pfenning 1995; Wolf 2004). Der Fokus liegt
dabei zumeist auf der Erhebung funktionaler Erfordernisse und der tatsächlichen oder potentiellen
Unterstützung (z.B. Bien & Marbach 1991) von Beziehungspartnern oder auf einer subjektiven Einschätzung der Verbundenheit, Wichtigkeit oder Nähe der Netzwerkpersonen (Antonucci 1976; Aron,
Aron & Smollan, 1992).
3
Studie 1: Emotionsregulation & Beziehungsgestaltung
-
81
„Jeder erlebt auch Enttäuschungen mit den Menschen, mit denen er oder sie
zu tun hat. Können Sie mir sagen, wer Sie in Ihrem Leben in der letzten Zeit
enttäuscht hat?“ (beziehungsbezogene Belastungen)
-
„Vielen Menschen geht es so, dass sie nicht zu allen Verwandten gleich gute
Beziehungen unterhalten. Wie hoch ist der Anteil der Verwandten in Prozent,
zu denen Sie eher belastende Beziehungen unterhalten? Bitte geben Sie den
Prozentanteil von 0-100 Prozent Ihrer Verwandtschaft an. Um welche Personen handelt es sich?“ (negative verwandtschaftliche Beziehungen)
Auf jede einzelne Generatorfrage konnten ohne Einschränkung bekannte oder
wichtige Personen aus dem familialen, beruflichen oder weiteren Umfeld genannt
werden. Diese wurden mit Vornamen und ersten Buchstaben des Nachnamens in
eine separate Liste eingetragen. Mehrfachnennungen waren erlaubt und erwünscht.
Die so erstellte Namensliste diente der Abfrage detaillierter Angaben bezogen auf
jede einzelne Person auf der Liste.
Anhand von Deskriptoren werden erhobene Netzwerkbeziehungen näher charakterisiert. Es wurden spaltenweise für alle Netzwerkpartner die Herkunft der Beziehung (bzw. Beziehungsart), das Alter, das Geschlecht, der Familienstand, die mögliche Anzahl der Kinder, die räumliche Nähe, die emotionale Nähe zur Zielperson, die
Konflikthäufigkeit mit der Zielperson, der Umgang mit Ärger in der Beziehung zur
Netzwerkperson, die Regulierung von Intimität, die Anerkennung durch den Netzwerkpartner und die Kenndauer erhoben. Genaue Formulierungen und Antwortskalierungen sind in Anhang A.3 zu finden.
Unterschiedliche Beziehungstypen wurden anhand einer Liste mit vorher definierten Beziehungsarten spezifiziert. Die den Probanden präsentierte Lesetafel beinhaltete eine nach Herkunftskontexten wie Familie, Arbeit oder Freizeit gestaffelte Abfrage, bei der durch strikte Trennung der „Kennenlernbereiche“ eine Vermischung von
Herkunftskontext und Beziehungsqualität vermieden wurde.
82
Studie 1: Emotionsregulation & Beziehungsgestaltung
Erhebungswelle 2
Der grundlegende Unterschied in der Netzwerkerhebung zwischen dem ersten
und zweiten Befragungszeitpunkt bestand darin, dass in der zweiten Welle weniger
Namensgeneratoren
zum
Einsatz
kamen.
Auch
hier
wurden
förderlich-
unterstützende als auch negativ-belastende Beziehungen über insgesamt sieben Generatoritems erfragt. Es wurden weniger Generatoren verwendet, da ein erklärtes
Ziel der IDUN-Studie in der Entwicklung eines sparsamen Netzwerkinstruments lag.
Zur Anwendung gelangten Generatoren der emotionalen, praktischen sowie kindbezogenen Unterstützung, der sozialen Kontrolle und der beziehungsbezogenen Belastung (allgemein, berufsbezogen und bezogen auf die Verwandtschaft, siehe Anhang
A.3).
Die Wahl der Deskriptoren (vgl. Anhang A.3) fiel wie in der ersten Befragung auf
die Herkunft der Beziehung, das Alter, das Geschlecht, den Familienstand, die mögliche Anzahl der Kinder, die emotionale Nähe zur Zielperson, die Konflikthäufigkeit
mit der Zielperson, den Umgang mit Ärger in der Beziehung zur Netzwerkperson,
die Regulierung von Intimität, auf die Anerkennung durch den Netzwerkpartner
und auf die Kenndauer.
Die Erhebung der Netzwerke im Längsschnitt (hier in der Regel nach einem Jahr)
ermöglicht die Analyse von Beziehungsabbrüchen und –stabilitäten in der Adoleszenz
und im jungen Erwachsenenalter. Zur Unterscheidung der weitergeführten Beziehungen von den Beziehungen, die nicht mehr genannt wurden, erfolgte in der zweiten Erhebung die Abfrage nach Gründen, weshalb eine Person nicht mehr genannt
wurde. Hierfür wurde den Befragungsteilnehmern eine Liste mit möglichen Gründen vorgelegt. Darunter fanden sich selbst gewählte (Beziehungsaufgabe) und nicht
selbst gewählte Gründe (z.B. Schulwechsel, Umzug, Krankheit).
Studie 1: Emotionsregulation & Beziehungsgestaltung
83
3.1.3.2 Umgang mit Ärger & Intimitätsregulierung in Beziehungen
Items zur Ermittlung des beziehungsbezogenen Umgangs mit Ärger und der Aktivierung von Beziehungen, um angenehme Gefühle zu erleben, um Intimität zu regulieren, wurden in beiden Erhebungswellen der Hauptstudie identisch erfasst.
Bezogen auf alle genannten Personen des generierten individuellen Netzwerkes
wurde erstens nach dem Umgang mit Ärger und Konflikten in der jeweiligen Beziehung gefragt. Das Item lautete „Wie gut können Sie damit umgehen, wenn Sie in der
Beziehung zu X mit Ärger oder Konflikten konfrontiert werden?“. Anstelle des X
wurde im Interview der Name der jeweiligen Netzwerkperson eingesetzt. Als Antwortformat diente eine fünfstufige Skala (1 „sehr gut“, 2 „wenig“, 3 „teils/teils“, 4
„gut“, 5 „sehr gut“). Zweitens wurde nach der Regulierung von Intimität in der Beziehung gefragt, die am Gefühl der Nähe festgemacht und operationalisiert wurde.
Dabei sollten die Probanden die folgende Aussage mithilfe eines fünfstufigen Antwortformats (1 „trifft gar nicht zu“, 2 „trifft eher nicht zu“, 3 „teils/teils“, 4 „trifft etwas zu“, 5 „trifft sehr zu“) beurteilen: „Ich suche die Nähe zu X, um etwas Schönes
zu erleben.“. Auch hier wurde während der Befragung das X durch den Namen der
Netzwerkperson ersetzt. Beide Items stellen Deskriptorvariablen dar, deren Abfrage
im Interview mithilfe von Lesetafeln visuell unterstützt wurde.
3.1.3.3 Emotionsregulation auf Ebene des persönlichen Erlebens (global)
Ein ökonomisches Selbstbeschreibungsinstrument wurde neu entwickelt und eingesetzt, um emotionsregulative Strategien auf Ebene des persönlichen Erlebens zu
untersuchen. Entsprechend den theoretischen Annahmen umfasste die Skala Items
der Selektion von Beziehungen und Items der Modifikation emotionaler Sequenzen.
Selektion beinhaltete die gegensätzlichen Faktoren Nähesuchen und Meiden von Personen (oder Situationen). Ein Itembeispiel für Nähesuchen lautet „Ich suche die Nähe
zu anderen Personen, mit denen ich positive Gefühle (wie Freude oder Vergnügen)
erleben kann“. Meiden wurde beispielsweise durch „Ich achte darauf, bestimmten
Menschen nicht zu begegnen, weil ich negative Gefühle (wie Ärger oder Zorn) ver-
Studie 1: Emotionsregulation & Beziehungsgestaltung
84
meiden möchte“ erhoben. Ein Beispiel für Modifikation ist, „Wenn ich mich traurig
oder bedrückt fühle, beschäftige ich mich mit anderen Dingen, damit es mir wieder
besser geht“. Items der Modifikation wurden getrennt für verhaltensbezogene und
kognitive Strategien operationalisiert. Alle Items der globalen Skala zu Emotionsregulation sollten auf einer fünfstufigen Skala (1 „trifft gar nicht zu“, 2 „trifft eher nicht
zu“, 3 „teils/teils“, 4 „trifft etwas zu“, 5 „trifft sehr zu“) beurteilt werden.
In Kapitel 4 werden Validitäts- und Reliabilitätsaspekte der neuen Skala überprüft. In diesem Zusammenhang wird ausführlich auf die Konstruktion der Items
eingegangen. Außerdem wird im vierten Kapitel die empirische Vergleichbarkeit mit
der in der Hauptstudie verwendeten Skala untersucht.
3.1.3.4 Zusätzliche Variablen & Konstrukte
Zur Erfassung der Lebenszufriedenheit wurde die weit verbreitete SOEP-Skala verwendet (Sozioökonomisches Panel; vgl. Wagner, 2007), bei der eine Reihe von „Bereichszufriedenheiten“ und die Lebenszufriedenheit allgemein erhoben werden. Die
in der Hauptstudie abgefragten Bereiche lauten Gesundheit, Lebensstandard, Arbeit
(falls erwerbstätig), Tätigkeit im Haushalt (falls im Haushalt tätig) und Freizeit. Weiterhin wurde nach der Lebenszufriedenheit „alles in allem“ und nach der antizipierten Zufriedenheit in fünf Jahren gefragt. Eingeleitet wurde der Itemblock durch die
Frage „Wie zufrieden sind Sie mit den folgenden Bereichen Ihres Lebens?“. Das
Antwortformat war 10stufig, wobei die Extremwerte als „ganz und gar unzufrieden“
bzw. „ganz und gar zufrieden“ verankert waren.
Mit einer ebenfalls ins SOEP implementierten Frage wurde nach dem derzeitigen
körperlichen Gesundheitszustand gefragt. Auf einer fünfstufigen Skala konnte zwischen „schlecht“ und „ausgezeichnet“ geantwortet werden. Zur Erhebung der Depressivität wurden sechs Items des BSI (Brief Symptom Inventory, Franke, 2000) herangezogen. Es sollten mithilfe eines fünfstufigen Antwortformats (1 „überhaupt
Studie 1: Emotionsregulation & Beziehungsgestaltung
85
nicht“ bis 5 „sehr stark“) Items bezogen auf Interessenlosigkeit, Hoffnungslosigkeit,
Einsamkeit oder Schwermut beurteilt werden.
Die eingesetzte Skala zu Selbstwert nach Rosenberg (1965) enthält sechs Items, die
auf einer fünfstufigen Skala (1 „trifft gar nicht zu“ bis 5 „trifft sehr zu“) zu beantworten waren.
Zur Erfassung wichtiger Lebensziele wurde in der Hauptstudie eine eigens entwickelte neue Skala verwendet, die grob zwischen zwei Zielbereichen trennt. Es handelt sich zum einen um Bindungs- und zum anderen um Wirksamkeitsziele. Die Befragte wurden nach einem einleitenden Satz („Viele Menschen haben Pläne, Vorhaben und Ziele für die Zukunft.“) gebeten, die Wichtigkeit von neun aufgeführten Lebenszielen mit einer Skala von 1 („sehr unwichtig“) bis 10 („sehr wichtig“) einzuschätzen. Zu den Wirksamkeitszielen zählen „Erfolgreich sein (in Schule, Studium,
Beruf)“, „Spannende oder neue Dinge erleben“, „Mein Leben selbst bestimmen / unabhängig sein“ und „Meinem Leben einen Sinn geben“. Bindungsziele lauten „Liebe
und Zuneigung erfahren“, „Anerkennung oder Respekt erfahren“, „Anderen vertrauen / sich auf andere verlassen können“ und „Ein (weiteres) Kind haben und erziehen“. Darüber hinaus wurde ein weiteres Ziel in die Abfrage aufgenommen: „Gesund / körperlich fit sein“.
Zur Erfassung des bereichsspezifischen Kontrollstrebens wurde die allgemeine
OPS-Skala von Heckhausen, Schulz und Wrosch (1997; Wortstämme vgl. auch Silbereisen, Pinquart, Reitzle, Tomasik, Fabel & Grümer, in Druck) adaptiert für die
Domänen Familiengründung und Erfolg im Beruf. Die Skalen enthalten 12 bzw. 15
Items und lassen sich den Konstrukten selektive primäre Kontrolle, kompensatorische primäre Kontrolle, selektive sekundäre Kontrolle und kompensatorische sekundäre Kontrolle zuordnen. Des Weiteren wurde in der Gruppe der Eltern anstelle der
OPS-Skala Familiengründung eine angepasste OPS-Skala (Lang & Gentzsch, 2004)
verwendet, die das Kontrollstreben der Eltern im Hinblick auf die Beziehung zu den
Kindern erhebt. Dieses Instrument umfasst 12 Items und misst selektive primäre
Kontrolle (3 Items), kompensatorische primäre Kontrolle (3 Items), selektive sekun-
Studie 1: Emotionsregulation & Beziehungsgestaltung
86
däre Kontrolle (3 Items) und kompensatorische sekundäre Kontrolle (3 Items). Als
Antwortformat war in allen OPS-Frageblöcken eine fünfstufige Skala vorgegeben
(„trifft gar nicht zu“ bis „trifft sehr zu“).
In diesem Zusammenhang sind die bereichsspezifischen Kontrollüberzeugungen
(vgl. Diewald, Huinink & Heckhausen, 1996) als weitere erhobene Variable bedeutend. Insgesamt 16 Items erfassen Agency- (Möglichkeiten, Fähigkeiten haben) und
Means-Ends-Beliefs (über Wissen verfügen, welche Mittel zum Ziel führen) in den
Bereichen Beruf und Familie. Die Kontrollüberzeugungen wurden anhand vier
zugrundeliegender Ursachen oder Mittel operationalisiert. Es handelt sich um eigene
Kenntnisse und Fähigkeiten (2 + 2 Items), Anstrengung und Energie (2 + 2 Items),
Glück (2 + 2 Items) und einflussreiche Andere (2 + 2 Items). Zur Beantwortung stand
eine fünfstufige Skala („trifft gar nicht zu“ bis „trifft sehr zu“) zur Verfügung.
Die horizontale Verankerung der Antwortskalen war in allen Variablen der
Selbstbeschreibung in Wort und Bild veranschaulicht.
Schließlich wurden soziodemografische Merkmale aller Teilnehmer erfasst. Es
handelt sich um Alter, Geschlecht, Geburtsdatum, Anzahl und Alter von Kindern,
Familienstand und die Haushaltssituation.
3.1.4 Studiendurchführung
Die Befragung der Studienteilnehmer wurde in Halle/Saale und Bielefeld in Räumen der Universität oder alternativ in der Wohnung der Befragten jeweils als Einzelsitzung durchgeführt. Adoleszente und deren Eltern konnten einen gemeinsamen
Termin wahrnehmen, wurden allerdings getrennt befragt, um eine direkte oder indirekte Beeinflussung durch den Dyadenpartner auszuschließen. Die Befragungen
fanden in Halle und Bielefeld in einem konventionellen face-to-face-Rahmen mit Papier und Bleistift-Anteil (Selbstausfüller) statt. Lediglich bei den Eltern der jungen
Studie 1: Emotionsregulation & Beziehungsgestaltung
87
Erwachsenen und allen Alteri war man auf alternative Methoden angewiesen, da
sich der Wohnort dieser betreffenden Personen nicht selten außerhalb von Halle
bzw. Bielefeld befand. Die Alteri und Eltern der jungen Erwachsenen beteiligten sich
an der Erhebung durch selbstständiges Ausfüllen eines Fragebogens zu Hause und
Beantworten der Netzwerk-bezogenen Fragen am Telefon (zur Vergleichbarkeit von
Telefonbefragung und face-to-face siehe Wolf 2004).
Zu Beginn der Interviewsitzung wurden allgemeine demografische Angaben, Fragen zur Ausbildung und zur Verwandtschaft und die Wichtigkeit spezifischer Lebensziele abgefragt. Danach erfolgte die Erhebung der egozentrierten Netzwerke:
Den Teilnehmern wurden einzeln die Generatorfragen vorgelesen, auf die sie mit
konkreten Namen (Vorname und 1. Buchstabe des Nachnamens) antworten sollten.
Dabei wurde offen gelassen, um wen es sich handeln soll, d.h. es konnten Beziehungen aus dem Bekannten-, Verwandten- oder Arbeitskreis genannt werden. Mehrfachantworten waren möglich. Der Interviewer trug alle genannten Namen der einzelnen Generatoren in eine Liste ein. Diese diente als Vorlage für die Abfrage der
sozialstrukturellen und psychologischen Deskriptorvariablen, die im Anschluss spaltenweise erfolgte. Mit Hilfe von Lesetafeln, auf denen die einzelnen Deskriptor-Items
und das jeweilige Antwortschema vermerkt waren, konnten die Teilnehmer die Fragen zu den einzelnen Netzwerkpersonen visuell mitverfolgen.
Im nächsten Teil des Interviews sollten die Probanden einen Fragebogen selbst
ausfüllen. Er umfasste die neu entwickelte Skala zu Emotionsregulation, Persönlichkeitsvariablen sowie Fragen zur Gesundheit und zur Lebenszufriedenheit.
Wie sich herausstellte, lag die Gesamtinterviewdauer am Telefon im Durchschnitt
(Median) bei 35 Minuten, bei allen anderen Teilnehmern im Interview bei 75 Minuten.
Studie 1: Emotionsregulation & Beziehungsgestaltung
88
3.2 Auswertung & Ergebnisse
Im nächsten Abschnitt werden zunächst die den Ergebnissen zugrundeliegenden
statistischen Verfahren oder Auswertungsschritte geschildert.
Die Ergebnisse der Hauptstudie werden entsprechend der formulierten Fragestellungen und Hypothesen präsentiert. Der erste Abschnitt beginnt mit der Beschreibung zentraler Netzwerkmerkmale Adoleszenter und Erwachsener. Diese Ergebnisse
leiten ein zur Beantwortung der Frage, wie Emotionen in Beziehungen differenziert
erlebt und verarbeitet werden. Auf Ebene der Beziehungen erfolgt die Beschreibung
der Dimensionen Umgang mit Ärger und Intimitätsregulierung. Daraufhin werden Befunde bezüglich der Vorhersage von Beziehungsabbrüchen sowie stabilen Beziehungen durch emotionsregulative Prozesse in der Adoleszenz und dem jungen Erwachsenenalter vorgestellt. Zusätzlich werden dann Ergebnisse von Pfadanalysen berichtet, die wechselseitige Einflüsse von Beziehungsmerkmalen und emotionsregulativen
Prozessen auf Ebene der Beziehungen zeigen.
Im darauf folgenden Abschnitt werden auf Ebene des persönlichen Erlebens Alters- und Geschlechtsunterschiede in globalen emotionsregulativen Strategien (Nähesuchen, Meiden, Modifikation) berichtet. Darauf folgend werden Ergebnisse bezogen
auf die Analyse dyadischer Einflüsse auf emotionsregulative Strategien in der Adoleszenz präsentiert. Auf Ebene des persönlichen Erlebens werden weiterhin Zusammenhangsmuster mit Indikatoren psychischer Anpassung wie subjektiver Gesundheit, Lebenszufriedenheit, Depression und Selbstwert sowie Zusammenhänge mit
Lebenszielen dargestellt. Darüber hinaus sollen Korrelationen mit weiteren psychologischen Outcomes der Handlungsregulierung (adaptierte OPS-Skalen in Bezug auf
„Erfolg im Beruf“ und „Familiengründung“ sowie mit Items der Kontrollüberzeugung) und mit Beziehungsmerkmalen zu gleichaltrigen Mitschülern und Eltern
Hinweise auf die Bewältigung von Entwicklungsaufgaben der Adoleszenz liefern.
Studie 1: Emotionsregulation & Beziehungsgestaltung
89
3.2.1 Auswertungsstrategie
Zusammenhangsanalysen im Querschnitt erfolgten über Pearson-Korrelationen.
Mittelwertsvergleiche auf Ebene des persönlichen Erlebens wurden mithilfe von TTests sowie Varianzanalysen durchgeführt. Die Beschreibung der Netzwerke erfolgte
mithilfe der Aggregation der jeweiligen Merkmale. Zusammenhangsanalysen, Mittelwertsvergleiche über T-Tests und ANOVA wurden mit dem Statistikprogramm
SPSS (Version 15.0, 2006) durchgeführt.
Zur Analyse von Unterschieden auf Ebene der sozialen Beziehungen wurden
Mehrebenenanalysen durchgeführt. Diese werden dann herangezogen, wenn vorhandene Daten hierarchisch strukturiert sind (z.B. Luke, 2004; Roberts, 2004; Snijders &
Bosker, 1999). In der vorliegenden Arbeit sind soziale Beziehungspartner auf unterster Ebene (Level 1) in Befragte der Studie (Level 2) geschachtelt. Durch Berücksichtigung der hierarchischen Struktur der Daten wird der Variabilität sowohl auf Ebene
der Netzwerkbeziehungen als auch auf Ebene der Teilnehmer sowie der Nichtunabhängigkeit der Daten durch die Clusterstruktur Rechnung getragen. Das Ziel von
Mehrebenenanalysen besteht darin, interindividuelle Unterschiede in verschiedene
Varianzquellen zu zerlegen (Individualebene / hier Ebene der Netzwerkpersonen
und Gruppenebene / hier Ebene der Individuen) und abhängige Variablen durch
Prädiktoren auf mehr als einer Ebene vorherzusagen (Luke, 2004). Im Rahmen dieser
Arbeit interessiert etwa, inwieweit Unterschiede in Umgang mit Ärger und in Intimitätsregulierung (Level-1-Variablen) durch Prädiktoren auf Ebene der Beziehungen
(z.B. wahrgenommene Nähe und Konflikthäufigkeit, Herkunft der Beziehung) und
auf Ebene der Individuen (z.B. Alter und Geschlecht der Probanden) vorhergesagt
werden können.
Als sinnvolle Analysestrategie im Rahmen von Mehrebenenanalysen bietet es sich
an, mit dem einfachsten Modell, dem sogenannten Basis- oder Nullmodell, zu beginnen, in dem es keine Level-1- oder Level-2-Prädiktoren gibt (siehe z.B. Roberts, 2004).
Das Nullmodell gibt anhand der Intraklassenkorrelation (ICC) Aufschluss darüber,
wie die Varianz auf die einzelnen Analyseebenen verteilt ist (Nezlek, Schröder-Abé
Studie 1: Emotionsregulation & Beziehungsgestaltung
90
& Schütz, 2006). Die ICC ist definiert als der Anteil der Gruppenvarianz an der Gesamtvarianz (Hox, 1995). Mehrebenenmodellierungen sind gerechtfertigt, wenn der
ICC-Wert hinreichend groß ist. Roberts (2004) spricht davon, dass ein ICC-Wert von
mehr als .20 als groß angesehen werden kann. Vergleichend dazu werden in der Bildungsforschung in der Regel ICC-Werte zwischen 0.05 und 0.20 berichtet (Snijders &
Bosker, 1999). Im Anschluss an die Modellierung eines Basismodells erfolgt die Aufnahme von Prädiktoren in das Modell, deren Einflüsse auf die Kriteriumsvariable
untersucht werden sollen. Im Hinblick auf die vorliegende Fragestellung, die Mittelwertsvergleiche auf Level-1-Ebene betrifft, werden Modelle mit variierenden Level-1-Intercepts (random intercepts, Luke, 2004) bei gleichzeitig konstanten Slopes
herangezogen.
Zur Analyse kontextueller Einflüsse auf Strategien der Emotionsregulation wurden Cross-lagged-Panel-Analysen (z.B. Bortz & Döring, 2003) durchgeführt. In Crosslagged-Panel-Analysen wird pfadanalytisch eine abhängige Variable durch dieselbe
Variable zum Zeitpunkt t-1 (autoregressiver Pfad) und durch die Variable des Dyadenpartners zum Zeitpunkt t-1 (kreuzverzögerter Pfad) determiniert. Gleichzeitig
können die Variablen zwischen den Akteuren der Dyade zu einem Messzeitpunkt
korreliert sein (synchrone Korrelationen). Das Ziel im Rahmen der vorliegenden Fragestellungen liegt etwa darin, im Hinblick auf Nähesuchen, Meiden und Modifikation
wechselseitige Einflüsse in Eltern-Kind- und Zielperson-Alteri-Dyaden jeweils für
Adoleszente und junge Erwachsene getrennt zu ermitteln. Der Spezifizierung liegt
ein Pfadmodell zugrunde, welches in Abbildung 1 veranschaulicht ist. Eltern und
Alteri (aus Schule/Studium/Beruf) repräsentieren in dieser Studie die Kontexteinflüsse Adoleszenter und junger Erwachsener. Standardisierte Pfadkoeffizienten können
als Regressionskoeffizienten interpretiert werden.
91
Studie 1: Emotionsregulation & Beziehungsgestaltung
T1
T2
Strategie
Strategie
Elternteil / Alteri
Elternteil / Alteri
Strategie
Strategie
Kind / Zielperson
Kind / Zielperson
Abbildung 1:
Schematische Darstellung der cross-lagged-Pfadanalysen
3.2.2 Deskription zentraler Netzwerkmerkmale im Altersvergleich
Tabelle 6 gibt einen Überblick über Kennwerte sozialer Netzwerkbeziehungen in
den befragten Altersgruppen. Die dargestellten Zahlen stellen aggregierte mittlere
Summenwerte dar. Dabei bezieht sich die Netzwerkgröße (1) auf alle Personen, die
mithilfe der generatorgestützten Abfrage genannt wurden. Innerhalb des Rahmens
möglicher Herkunftskontexte von Beziehungen wurden Verwandtschaft (1a) und
Schule/Ausbildung/Beruf (1b) herausgegriffen und in Tabelle 6 dargestellt. Unterstützende Beziehungen (2) umfassen alle Personen, die bei Generatoren der Nähe
(„Gedanken & Gefühle teilen“, „unangenehme Wahrheiten sagen“) und der Unterstützung („Informationen und Rat bekommen“, „Hilfe erhalten, wenn ein Kind
kommt“) angegeben wurden. Demgegenüber repräsentieren belastende Beziehungen
(3) belastende Kollegen/Mitschüler, belastende Verwandte oder Personen, mit denen
Streit oder Konflikte erlebt wurden. Als stabil bezeichnete Beziehungen (4) sind solche Netzwerkpersonen definiert, die im Interview in beiden Erhebungswellen genannt wurden. Zu abgebrochenen Beziehungen (5) zählen Personen des Netzwerkes,
Studie 1: Emotionsregulation & Beziehungsgestaltung
92
die lediglich zum ersten Erhebungszeitpunkt genannt wurden und zum zweiten
nicht mehr. Schließlich umfassen neue Beziehungen (6) alle Netzwerkpersonen, die
im zweiten Interview neu als Antwort auf die Generatoren genannt wurden.
Nahezu alle aufgeführten Werte zeigten signifikante Altersunterschiede (ANOVA). Die Netzwerkgröße nimmt mit dem Alter ab (F (3,227) = 7.42, p < .001): Adoleszente verfügen über das größte und Eltern der jungen Erwachsenen über das kleinste
soziale Netzwerk. Es fanden sich bei den ältesten Teilnehmern die wenigsten Beziehungen zu Verwandten (F (3,227) = 1.47, p = .23) und Kollegen (F (3,227) = 12.94, p <
.001). In der Adoleszenz werden mehr Personen aus dem Schul- bzw. Ausbildungskontext rekrutiert als aus der Verwandtschaft, allerdings nicht signifikant (T = -0.79,
df = 68, p = .43). Bei älteren Teilnehmern hingegen werden jeweils mehr Verwandte
als Kollegen, Kommilitonen etc. genannt (Tjunge Erwachsene = 3.00, df = 56, p = .004; TEltern der
Adoleszenten
= 5.57, df = 70, p < .001; TEltern der jungen Erwachsenen = 5.45, df = 33, p = .00). Auch hin-
sichtlich der Aggregation unterstützender (F (3,227) = 6.29, p < .001) und belastender
Beziehungen (F (3,227) = 3.66, p = .01) gab es Unterschiede zwischen den Befragtengruppen: Adoleszente verfügen dabei über die größte Anzahl an belastenden Beziehungen im Netzwerk. Allerdings geben sie auch bedeutend mehr unterstützende als
belastende Beziehungen im Netzwerk an (T-Test, T = 5.29, p < .001, df = 68). Junge
und mittelalte Erwachsene haben im Vergleich zu Adoleszenten und den ältesten
Befragten etwa 1-2 stabile Beziehungen mehr genannt (F (3,227) = 6.03, p < .001). Im
Hinblick auf Beziehungen, die nur in Welle 1 genannt und dann aus verschiedenen
Gründen nicht ein weiteres Mal im Netzwerk auftauchten, ergaben sich ebenfalls
signifikante Altersunterschiede: Bei Adoleszenten und deren Eltern ist die größte
Anzahl an abgebrochenen Beziehungen zu verzeichnen (F (3,227) = 6.03, p < .001).
Aus Tabelle 6 geht weiterhin hervor, dass jugendliche Heranwachsende im Vergleich
zu älteren Teilnehmern über die größte Anzahl selbst initiierter Beziehungsabbrüche
verfügen (F (3,227) = 9.33, p < .001). In Bezug auf nicht selbst kontrollierbare Abbrüche sind die Unterschiede zwischen den Altersgruppen nicht statistisch bedeutsam
Studie 1: Emotionsregulation & Beziehungsgestaltung
93
(F (3,227) = 1.35, p = .26). Innerhalb eines Jahres sind in der Gruppe der adoleszenten
Teilnehmer etwa 2-4 neue Beziehungen mehr genannt worden als in den Vergleichsgruppen (F (3,227) = 11.72, p < .001).
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass in der Adoleszenz insgesamt mehr Wandel in den Beziehungen im Zeitraum eines Jahres zu erkennen ist als bei älteren Teilnehmern. Adoleszente sind außerdem stärker durch Beziehungen belastet als junge
Erwachsene oder die Generation der Eltern.
Zur Ermittlung von Unterschieden zwischen weiblichen und männlichen Heranwachsenden wurden außerdem T-Tests durchgeführt, die in Tabelle 27 im Anhang C
dokumentiert sind. Es zeigte sich, dass innerhalb der Gruppe der Adoleszenten keine
signifikanten Geschlechtsunterschiede in zentralen Merkmalen des Netzwerkes existieren.
3.2.2.1 Soziale Netzwerke & Indikatoren psychischer Anpassung (zusätzliche Analyse)
Als zusätzliche Analyse wurden Zusammenhangsanalysen (Pearson Korrelationen) zwischen Netzwerkmerkmalen und dem subjektiven Gesundheitszustand, der
Lebenszufriedenheit und Depression in der Adoleszenz errechnet. Korrelationskoeffizienten sind in Tabelle 27 im Anhang C dargestellt.
Es zeigte sich, dass es keine signifikanten Korrelationen mit der Gesamtzahl genannter Beziehungen (1) und mit der Anzahl an Verwandten (1a) oder Mitschülern
(1b) gibt. Auch Zusammenhänge mit der Gesamtzahl unterstützender Beziehungen
(2) sowie stabilen Beziehungen (4) und den erhobenen Indikatoren psychischer Anpassung fanden sich nicht.
Negative Korrelationen bestehen hingegen zwischen der Anzahl belastender Beziehungen und Lebenszufriedenheit (3: r = -.28, p < .05) sowie Depression (3: r = .25, p
Studie 1: Emotionsregulation & Beziehungsgestaltung
94
< .05). Darüber hinaus gehen selbst gesteuerte Beziehungsabbrüche in der Adoleszenz negativ mit Lebenszufriedenheit (5a: r = -.42, p < .001) und positiv mit dem
Ausmaß an Depression (5a: r = .25, p < .05) einher.
Anhand der Ergebnisse dürfte insgesamt deutlich geworden sein, dass positive
Einbettungsfaktoren in der Adoleszenz nicht mit psychischer Gesundheit verbunden
sind, im Gegensatz zu belastenden Netzwerkfaktoren.
15.8 (4.6)
14.1 (3.0)
13.0 (2.7)
13.5 (4.4)
15.1 (3.8)
10.9 (1.4)
19.5 (5.4)
17.5 (3.4)
13.9 (3.0)
18.2 (4.0)
13.3 (2.6)
15.5 (2.5)
10.6 (4.6)
M (SD)
(N=71)
Eltern der
Adoleszenten
1.9 (1.8)
2.4 (3.1)
4.2 (4.4)
0.3 (0.7)
6.9 (6.2)
5.2 (2.8)
2.6 (2.5)
5.7 (2.7)
1.9 (1.5)
4.4 (2.2)
7.5 (3.6)
M (SD)
(N=34)
Eltern der jungen
Erwachsenen
Anmerkungen: a = Herkunftskontexte Beruf & Schule/Ausbildung zusammengefasst; b = bei folgenden Generatoren genannt: „Gedanken & Gefühle teilen“, „Informationen und Rat bekommen“, „Hilfe erhalten, wenn ein Kind kommt“, „unangenehme Wahrheiten sagen“; c = bei folgenden Generatoren genannt: „Streit
oder Konflikte“, „belastende Kollegen“ oder „belastende Verwandte“.
6) Neue Beziehungen (nur in Welle 2 genannt)
11.9 (3.7)
5c) Sonstige Abbrüche
12.2 (3.0)
14.2 (3.3)
15.1 (3.8)
17.3 (4.7)
5b) nicht kontrollierbare Abbrüche
19.5 (5.7)
5) Beziehungsabbrüche (nur in Welle 1 genannt)
17.7 (4.7)
11.0 (2.8)
16.3 (3.2)
4) Stabile Beziehungen (in beiden Wellen genannt)
14.0 (3.6)
12.4 (2.8)
14.8 (3.6)
3) Belastende Beziehungen c
19.6 (4.4)
5a) selbstgesteuerte Abbrüche
18.6 (5.1)
15.4 (4.1)
1b) aus Beruf / Schulea
2) Unterstützende Beziehungen b
15.5 (3.3)
15.0 (3.2)
1a)Verwandtschaft
14.1 (2.3)
11.8 (4.8)
12.1 (5.9)
1) Netzwerkgröße, Welle 2
M (SD)
Junge
Erwachsene
(N=57)
M (SD)
(N=69)
Adoleszente
Soziale Netzwerkbeziehungen im Altersvergleich, Hauptstudie
Strukturmerkmale sozialer Netzwerke
Tabelle 6:
Studie 1: Emotionsregulation & Beziehungsgestaltung
95
Studie 1: Emotionsregulation & Beziehungsgestaltung
96
3.2.3 Umgang mit Ärger in Beziehungen
Die folgenden Analysen zur Beurteilung von Mittelwertsunterschieden in Umgang
mit Ärger in Beziehungen beziehen sich auf Mehrebenenanalysen, die mit dem Statistikprogramm Mplus von Muthén und Muthén (1998-2005) durchgeführt wurden.
Das Basis- oder Nullmodell (Modell 0) zur Schätzung der Intraklassenkorrelation
ist in Gleichung (1) dargestellt. Der erste Teil der Gleichung bezieht sich auf die Ebene der Netzwerkpersonen (Level 1). Der zweite Teil bezieht sich auf die Ebene der
befragten Individuen (Level 2). Im vorliegenden Fall wurde die kontinuierliche Variable Umgang mit Ärger (y) für i Netzwerkpersonen erhoben, welche in j Individuen
geschachtelt sind. Die Regressionskonstante (intercept) βoj gibt den Mittelwert von y
für jeden Befragten (jede Gruppe) j an (Clustermittelwert). Umgang mit Ärger (y) wird
als Funktion der Regressionskonstante für jede Gruppe (βoj) und des Fehlers auf Level 1 (rij, Abweichung des beziehungsbezogenen Umgang-mit-Ärger-Messwertes
vom Clustermittelwert) verstanden. Die Regressionskonstante (βoj) selbst wird als
Funktion des Gesamtmittelwerts (γ00) und des Fehlers auf Level 2 (uoj, Abweichung
des Clustermittelwertes vom Gesamtmittelwert) modelliert. Die Varianz von rij entspricht der Varianz der abhängigen Variable auf Level 1, die Varianz von uoj ist
gleichzusetzen mit der Varianz des Kriteriums auf Level 2. Zusammengenommen
entspricht die Gesamtvarianz von y der Summe der Varianzen auf Level 1 und Level
2.
(1)
Level 1:
yij = βoj + rij
Level 2:
βoj = γ00 + uoj
In Tabelle 7 sind unstandardisierte Koeffizienten der Mehrebenenanalysen berichtet, Modell 0 entspricht dabei dem Basismodell. Es zeigt sich, dass 29 % der Gesamt-
97
Studie 1: Emotionsregulation & Beziehungsgestaltung
varianz in Umgang mit Ärger durch die Unterschiede zwischen den Gruppen (hier
befragte Individuen) erklärt werden können (ICC = .29).
Im zweiten Modell (Modell 1) wurden Prädiktoren auf Level 2 und Level 1 in die
Analyse einbezogen. Das Interesse bestand darin herauszufinden, inwieweit Ausprägungen in Umgang mit Ärger durch Merkmale der Netzwerkpersonen (Level 1)
und Merkmale des Individuums (Level 2) beeinflusst werden.
In Gleichung (2) ist das Modell zusammengefasst. Auf Ebene 1 wurden die Nähe
zur Netzwerkperson (βo1) und Konflikthäufigkeit (βo2) als am Gruppenmittelwert (also am aggregierten Mittelwert des jeweiligen Befragten) zentrierte Variablen spezifiziert. Darüber hinaus wurden Dummy-Variablen zur Beziehungsart der Netzwerkpersonen wie folgt gebildet: Verwandte Beziehungen wurden unterteilt in Eltern
(βo3), Geschwister (βo4), Großeltern (βo5), Onkel/Tanten sowie Cousin/Cousine und
Neffe/Nichte (βo5), sonstige Verwandte (βo7) und den Partner (βo8). Die Referenzkategorie
stellen
Netzwerkpersonen
aus
dem
schulischen
oder
Ausbildungs-
/Berufskontext dar. Auf diese Weise sollten Mittelwertsunterschiede zwischen verwandtschaftlichen und nicht familialen Netzwerkbeziehungen deutlich werden. Die
Signifikanz der (unstandardisierten) Gewichte bedeutete, dass sich der mittlere Umgang mit Ärger bezogen auf die dummykodierte Beziehungsart, also etwa Eltern oder
Geschwister, signifikant vom mittleren Umgang mit Ärger bezogen auf Mitschüler/Kommilitonen/Kollegen (Referenzkategorie) unterscheidet.
Auf Level 2 wurden zur Analyse von Alters- und Geschlechtsunterschieden in
Umgang mit Ärger beide Merkmale jeweils als dummykodierte Variable in das Modell aufgenommen. Als Referenz dienen jeweils die Ausprägungen Männer und junge Erwachsene. Zusätzlich war auf Level 2 der Einfluss der emotionsregulativen
Strategien Nähesuchen (γ03), Meiden (γ04) und Modifikation (γ05) auf den Umgang mit
Ärger in Beziehungen von Interesse. Diese wurden am Gesamtmittelwert zentriert in
das Modell aufgenommen.
Studie 1: Emotionsregulation & Beziehungsgestaltung
(2)
98
Level 1:
yij = βoj + βo1(Nähe) + βo2(Konflikte) + βo3(Eltern) + βo4(Geschwister)
+ βo5(Großeltern) + βo6(Onkel/Tanten, Cousin/Cousine, Neffe/Nichte) + βo7(sonstige Verwandte) + βo8(Partner) +
β09(belastende Person) + rij
Level 2:
βoj = γ00 + γ01 • Frauen + γ02 • Adoleszente + γ03 • Nähesuchen + γ04 •
Meiden + γ05 • Modifikation + uoj
βo1 = γ10
βo2 = γ20
βo3 = γ30
βo4 = γ40
βo5 = γ50
βo6 = γ60
βo7 = γ70
βo8 = γ80
βo9 = γ90
Anhand der Koeffizienten in Tabelle 7 wird deutlich, dass es keine signifikanten
Altersunterschiede in Umgang mit Ärger gibt, d.h. Adoleszente nehmen ihre Fähigkeit, mit Ärger in Beziehungen umgehen zu können als genauso gut wahr wie junge
Erwachsene. Hingegen ist der Einfluss des Geschlechts signifikant von Null verschieden: Weibliche Adoleszente und junge Erwachsene können weniger gut mit
Ärger in Beziehungen umgehen als Männer desselben Alters. Koeffizienten der Emotionsregulationsstrategien (Nähesuchen, Meiden und Modifikation) werden in dem Modell nicht signifikant. Auf Ebene 1 zeigt sich außerdem ein negativer Zusammenhang
zwischen der wahrgenommenen Nähe zur Netzwerkperson und Umgang mit Ärger.
Das bedeutet, dass mit zunehmender Nähe der selbsteingeschätzte Umgang mit Ärger in Beziehungen sinkt. Tabelle 7 kann weiterhin entnommen werden, dass die
Konflikthäufigkeit keine Rolle in der Vorhersage von Unterschieden im Umgang mit
Ärger spielt. Ebenso verhält es sich mit der Art der Beziehung: Der Umgang mit Ärger wird unabhängig von der Art der geführten Beziehung wahrgenommen, d.h. in
der Adoleszenz und im jungen Erwachsenenalter wird nicht zwischen beruflichen
oder familialen Beziehungen differenziert. Das stärkste Gewicht besitzt die Dummyvariable belastende Person. Der Koeffizient ist negativ und der Zusammenhang bedeu-
99
Studie 1: Emotionsregulation & Beziehungsgestaltung
tet, dass im Vergleich zu unterstützenden Beziehungspartnern signifikant schlechter
mit Ärger oder Konflikten in belastenden Beziehungen umgegangen werden kann.
Umgang mit Ärger in Beziehungen (yij) bei Adoleszenten und jungen
Tabelle 7:
Erwachsenen (N = 126), Hauptstudie
Modell 0
Modell 1
Koeffizient
S.E.
Koeffizient
S.E.
3.50***
.06
0.34***
.06
4.13***
-.36***
-.11***
-.19***
-.05***
-.20***
-.29***
.17
.12
.11
.10
.06
.11
.05
-.19***
-.11***
-.01***
-.18***
-.11***
.07
.06
.09
.13
.13
-.17***
.11
-.08***
-.05***
-.48***
-.76***
.14
.15
.09
.05
Level 2
γ00 = Intercept
γ01 = Frauen
γ02 = Adoleszente
γ03 = Nähesuchen b
γ04 = Meiden b
γ05 = Modifikation b
Var(uoj) between
Level 1
βo1 = Nähe a
βo2 = Konflikte a
βo3 = Eltern
βo4 = Geschwister
βo5 = Großeltern
βo6 = Onkel/Tanten, Cousin/Cousine, Neffe/Nichte
βo7 = sonst. Verwandte
βo8 = Partner
β09 = belastende Person
Var(rij) within
ICC
R2 innerhalb
R2 zwischen
0.84***
-.29***
.06
-.28***
-.10***
-.13***
Anmerkungen: dargestellt sind unstandardisierte Koeffizienten; a = Level 1-Prädiktor am Gruppenmittelwert (groupmean) zentriert; b = Level 2-Prädiktor am Gesamtmittelwert (grandmean) zentriert; Referenzkategorie für γ02 ist junge Erwachsene, Referenzkategorie für βo3, βo4, βo5, βo6, βo7, βo8 ist Mitschüler/Kommilitonen/Kollegen; Referenzkategorie für βo9 ist unterstützende Person; Schätzmethode in
Mplus: Full Maximum Likelihood.
Studie 1: Emotionsregulation & Beziehungsgestaltung
100
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass der Umgang mit Ärger oder Konflikten
in Beziehungen umso schwerer fällt, je belastender die Beziehung erlebt wird und je
näher sich der Befragte seinem Beziehungspartner fühlt. Frauen und Mädchen können weniger gut mit Ärger in Beziehungen umgehen.
3.2.4 Intimitätsregulierung in Beziehungen
In Bezug auf die Regulierung von Intimität in Beziehungen wurden ebenfalls
Mehrebenenanalysen mit Mplus durchgeführt. Die Gleichungen für das Basismodell
(Modell 0) und das Modell 1 (vgl. Tabelle 8) lauten äquivalent zu den Gleichungen
bezogen auf den Umgang mit Ärger in Beziehungen und sind an dieser Stelle noch
einmal als Gleichung (3) und Gleichung (4) aufgestellt. Das Kriterium Intimitätsregulierung (y) wird auch in diesem Mehrebenenmodell als Funktion der Regressionskonstante für jede Gruppe (βoj) und des Fehlers auf Level 1 (rij) spezifiziert. Die Regressionskonstante (βoj) wiederum wird als Funktion des Gesamtmittelwerts (γ00) und des
Fehlers auf Level 2 (uoj) modelliert.
(3)
(4)
Level 1:
yij = βoj + rij
Level 2:
βoj = γ00 + uoj
Level 1:
yij = βoj + βo1(Nähe) + βo2(Konflikte) + βo3(Eltern) + βo4(Geschwister)
+ βo5(Großeltern) + βo6(Onkel/Tanten, Cousin/Cousine, Neffe/Nichte) + βo7(sonstige Verwandte) + βo8(Partner) +
β09(belastende Person) + rij
Level 2:
βoj = γ00 + γ01 • Frauen + γ02 • Adoleszente + γ03 • Nähesuchen + γ04 •
Meiden + γ05 • Modifikation + uoj
βo1 = γ10
βo2 = γ20
βo3 = γ30
βo4 = γ40
βo5 = γ50
βo6 = γ60
Studie 1: Emotionsregulation & Beziehungsgestaltung
101
βo7 = γ70
βo8 = γ80
βo9 = γ90
Modell 0 in Tabelle 8 repräsentiert das Basismodell ohne Level-1- oder Level-2Prädiktoren. In Modell 1 wurden Prädiktoren auf Level 2 (Geschlecht, Alter, Strategien der Emotionsregulation: Nähesuchen, Meiden, Modifikation) und auf Level 1 (Nähe, Konflikte, Beziehungsarten, belastende Netzwerkperson) in das Modell zur Erklärung von Intimitätsregulierung aufgenommen.
Bei Betrachtung der Koeffizienten im Basismodell wird deutlich, dass 10 % der
Gesamtvarianz in Intimitätsregulierung durch die Unterschiede zwischen den befragten Teilnehmern erklärt werden können (ICC = .10).
Im Modell 1 (siehe Tabelle 8) werden die stärksten Zusammenhänge zwischen
Prädiktorvariablen und Kriterium auf Ebene der Beziehungen (Level 1) deutlich. Es
zeigt sich, dass 70% der Varianz in Intimitätsregulierung mithilfe der spezifizierten
Prädiktoren aufgeklärt werden kann (R2 innerhalb). Dabei kommt der wahrgenommenen Nähe zu den Netzwerkpartnern das stärkste Gewicht zu: Je näher man sich
dem Beziehungspartner fühlt, umso stärker wird die Beziehung auch aktiviert, um
etwas Schönes zu erleben. Darüber hinaus zeigt sich ein Effekt der Beziehungsart:
Die Gewichte aller dummykodierten verwandtschaftlichen Beziehungen tragen ein
negatives Vorzeichen. Das bedeutet, es werden Netzwerkbeziehungen zu Nichtverwandten (Mitschüler/Kollegen/Kommilitonen) in der Adoleszenz und im jungen Erwachsenenalter signifikant stärker aktiviert als zu Verwandten (Eltern, Großeltern,
Cousins/Cousinen/Onkel/Tanten, etc.). Der Koeffizient βo4 für Geschwister trägt zwar
dasselbe Vorzeichen, wird allerdings nicht signifikant. In dem Zusammenhang fällt
weiterhin auf, dass die Gewichte für Großeltern und Eltern die größten Werte aufweisen und mit Abnahme des Verwandtschaftsgrades die Koeffizienten generell
kleiner werden. Die Bevorzugung von Nichtverwandten gegenüber Verwandten in
Bezug auf das Kriterium (Intimitätsregulierung) ist also mit zunehmendem Verwandt-
Studie 1: Emotionsregulation & Beziehungsgestaltung
102
schaftsgrad in der Adoleszenz und im jungen Erwachsenenalter stärker ausgeprägt.
Anders verhält es sich mit der Beziehung zum Partner. Hier ist der Koeffizient positiv von Null verschieden und impliziert, dass die Nähe zum Partner/der Partnerin
stärker gesucht wird als die Nähe zu Mitschülern/Kollegen/Kommilitonen. Weiterhin
wurde deutlich, dass die Dummyvariable belastende Person ein negatives Gewicht
besitzt. Damit wird ein antezendenter Mechanismus der Emotionsregulation deutlich: Zu Netzwerkpersonen, die als belastend wahrgenommen werden, wird signifikant weniger die Nähe gesucht. Die Beziehungen werden also weniger stark aktiviert.
Aus Tabelle 8 geht weiterhin hervor, dass es keine signifikanten Alters- oder Geschlechtsunterschiede in Intimitätsregulierung gibt. Der Koeffizient der selbstberichteten Strategie Nähesuchen auf Level 2 ist positiv, gleichzeitig jedoch als vergleichsweise gering anzusehen. Zwischen Meiden als selbstberichtete Strategie auf Level 2 und
Intimitätsregulierung existiert ein signifikanter negativer Zusammenhang.
Insgesamt lässt sich festhalten, dass die Regulierung von Intimität in erster Linie
durch Merkmale der Netzwerkpartner wie subjektive Nähe und Beziehungsart (oder
Herkunft der Beziehung) beeinflusst wird. Darüber hinaus konnten konvergente Validierungsinformationen der Strategien Nähesuchen und Meiden auf Level 2 durch den
Zusammenhang mit Intimitätsregulierung auf Level 1 gewonnen werden.
103
Studie 1: Emotionsregulation & Beziehungsgestaltung
Tabelle 8:
Intimitätsregulierung (yij) bei Adoleszenten und jungen Erwachsenen
(N = 126), Hauptstudie
Modell 0
Modell 1
Koeffizient
S.E.
Koeffizient
S.E.
3.38***
.05
0.18***
.04
3.81***
-.03***
-.14***
-.21***
-.11***
-.12***
-.23***
.16
.10
.09
.08
.05
.11
.04
-.83***
-.06***
-.50***
-.15***
-.57***
.03
.04
.09
.09
.10
-.44***
.07
-.34***
-.25***
-.39***
-.48***
.11
.13
.07
.03
Level 2
γ00 = Intercept
γ01 = Frauen
γ02 = Adoleszente
γ03 = Nähesuchen b
γ04 = Meiden b
γ05 = Modifikation b
Var(uoj) between
Level 1
βo1 = Nähe a
βo2 = Konflikte a
βo3 = Eltern
βo4 = Geschwister
βo5 = Großeltern
βo6 = Onkel/Tanten, Cousin/Cousine, Neffe/Nichte
βo7 = sonst. Verwandte
βo8 = Partner
β09 = belastende Person
Var(rij) within
ICC
R2 innerhalb
R2 zwischen
1.67***
-.10***
.07
-.14***
.70**
-.11***
Anmerkungen: dargestellt sind unstandardisierte Koeffizienten; a = Level 1-Prädiktor am Gruppenmittelwert (groupmean) zentriert; b = Level 2-Prädiktor am Gesamtmittelwert (grandmean) zentriert; Referenzkategorie für γ02 ist junge Erwachsene, Referenzkategorie für βo3, βo4, βo5, βo6, βo7, βo8 ist Mitschüler / Kommilitonen / Kollegen; Referenzkategorie für βo9 ist unterstützende Person; Schätzmethode in
Mplus: Full Maximum Likelihood.
Studie 1: Emotionsregulation & Beziehungsgestaltung
104
3.2.5 Vorhersage selbstgesteuerter Beziehungsabbrüche
Manifeste Pfadanalysen sollten Aufschluss darüber liefern, inwieweit der Umgang
mit Ärger in Beziehungen einen Beitrag zur Vorhersage des Aufrechterhaltens und
Weiterführens von Beziehungen in der Adoleszenz und im jungen Erwachsenenalter
leisten kann. Zur Durchführung wurde das Statistikpaket Mplus von Muthén und
Muthén (1998-2005) herangezogen.
Als Kriterium wurde die Anzahl selbstgesteuerter Beziehungsabbrüche zum zweiten Erhebungszeitpunkt aggregiert. Als Beziehungsabbrüche sind solche Netzwerkbeziehungen definiert, die ausschließlich während der ersten und nicht mehr während der zweiten Befragung genannt wurden. Selbstgesteuert oder –initiiert bedeutet, von den vorgegebenen Gründen dafür, weshalb die Beziehung nicht mehr genannt worden ist, wurde von den Teilnehmern erstens angegeben „ich habe die Beziehung aufgegeben“ oder zweitens „wir beide haben die Beziehung aufgelöst“.
Prädiktorvariablen zu T1 werden durch den erhobenen Umgang mit Ärger in Beziehungen gebildet. Dabei wurde zwischen unterstützenden und belastenden Beziehungen unterschieden. Unterstützende Netzwerkpersonen wurden anhand der Nennung auf Generatoren der Nähe, Bestärkung oder (Ziel-)Unterstützung als solche
klassifiziert. Es handelt sich speziell um die Namensgeneratoren (1) – (10) (vgl. Anhang A.3) der ersten Befragungswelle. Belastende Beziehungen wurden über Nennungen auf Generatoritem (11) – (13) erfasst. Die Einteilung in unterstützende und
belastende Beziehungen ist deshalb wichtig, da sich Mittelwertsunterschiede bezogen auf den Umgang mit Ärger in Beziehungen in Abhängigkeit der wahrgenommenen Belastung durch die Beziehung gezeigt hatten. Der selbsteingeschätzte Umgang
mit Ärger bezogen auf Personen des eigenen Netzwerkes wurde entsprechend der
Einteilung in unterstützende und belastende Netzwerkbeziehungen getrennt aggregiert. Zusätzlich dazu wurde jeweils die Streuung hinsichtlich des Umgangs mit Ärger in belastenden und unterstützenden Beziehungen aggregiert. Die Streuung kann
als Maß der Differenziertheit angesehen werden: Hohe Werte weisen auf hohe Vari-
Studie 1: Emotionsregulation & Beziehungsgestaltung
105
abilität in den Beziehungen hin. Gleichzeitig wird durch die Streuung berücksichtigt,
dass in den Mittelwert des aggregierten Umgangs mit Ärger jeweils unterschiedlich
viele Netzwerkpartner eingehen. Zusammenfassend wurden vier Prädiktorvariablen
der ersten Erhebungswelle spezifiziert, deren Einfluss auf das Kriterium der zweiten
Erhebungswelle untersucht werden sollte: a) Umgang mit Ärger in unterstützenden
Beziehungen, b) Umgang mit Ärger in belastenden Beziehungen, c) Streuung (SD)
bezogen auf Umgang mit Ärger in unterstützenden Beziehungen und d) Streuung
(SD) bezogen auf Umgang mit Ärger in belastenden Beziehungen. Als Kovariate
wurde das Alter der befragten Teilnehmer (Adoleszente vs. Erwachsene) in die Pfadanalyse aufgenommen. Durch Voreinstellung in Mplus werden Korrelationen zwischen den Prädiktorvariablen zugelassen.
In Abbildung 2 sind standardisierte Pfadkoeffizienten (gerade Pfeile) und Korrelationen (gekrümmte Pfeile) dargestellt. 37 % der Varianz selbstgesteuerter Beziehungsabbrüche kann durch die formulierten Prädiktorvariablen erklärt werden. Dabei leistet das Alter der Befragten keinen Beitrag, das heißt, es gibt keine Unterschiede zwischen Adoleszenten und jungen Erwachsenen. Alter ist hingegen positiv mit
den Streuungen im Umgang mit Ärger korreliert: Junge Erwachsene differenzieren
demnach stärker in ihrem Umgang mit Ärger in Beziehungen, sowohl in unterstützenden als auch belastenden. Bezogen auf das Kriterium selbstgesteuerte Beziehungsabbrüche leistet Umgang mit Ärger in belastenden Beziehungen die größte Vorhersagekraft (β = -.50, p < .001): Innerhalb des Zeitraumes von einem Jahr werden weniger Beziehungen abgebrochen, je besser der Umgang mit Ärger in belastenden Beziehungen wahrgenommen wird. Der Einfluss von Umgang mit Ärger in unterstützenden Beziehungen ist nicht signifikant. In Abbildung 2 ist außerdem erkennbar, dass die
Prädiktorvariablen der Streuung einen positiven Beitrag zur Vorhersage von Beziehungsabbrüchen leisten: Hohe Streuung bedingt mehr Beziehungsabbrüche nach
einem Jahr.
Studie 1: Emotionsregulation & Beziehungsgestaltung
106
Weiterhin zeigen die Ergebnisse der Korrelationen zwischen den unabhängigen
Variablen, dass Umgang mit Ärger in unterstützenden Beziehungen und Umgang mit Ärger in belastenden Netzwerkbeziehungen nicht zusammenhängen. Anders verhält es sich
mit Korrelationen zwischen den Variablen der Streuung. Hier existiert ein hoher positiver Zusammenhang (r = .68, p < .001). Das bedeutet, hohe Variabilität in Umgang
mit Ärger in unterstützenden Beziehungen geht mit hoher Variabilität in Umgang mit
Ärger in belastenden Beziehungen einher. Von Bedeutung sind darüber hinaus Korrelationen zwischen aggregierten Mittelwerten und Streuungen im Umgang mit Ärger
und Konflikten in Beziehungen. In Bezug auf unterstützende Beziehungen ist ein
negativer mittlerer Zusammenhang erkennbar: Hohe Streuung geht mit geringer
mittlerer Ausprägung in dieser Variable einher. Auf der anderen Seite korrelieren
Streuung und aggregierter Mittelwert der Prädiktorvariable Umgang mit Ärger in belastenden Beziehungen positiv miteinander. Das bedeutet, hohe Variabilität bezüglich
des Umgangs mit Ärger in belastenden Beziehungen geht mit hohem mittlerem Bewältigungserleben von Ärger oder Konflikten in diesen Beziehungen einher.
Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass selbstgesteuerte Beziehungsabbrüche
in der Adoleszenz und im jungen Erwachsenenalter vor allem durch den Umgang
mit Ärger/Konflikten in belastenden sozialen Netzwerkbeziehungen vorhergesagt
werden können. Eine hohe Kompetenz in der Regulierung beziehungsspezifischen
Ärgers führt dazu, dass weniger Beziehungen nach einem Jahr beendet werden. Wobei eine hohe Variabilität in belastenden Beziehungen positiv und eine hohe Variabilität in unterstützenden Beziehungen negativ mit dem mittleren Umgang mit Ärger
in diesen Beziehungen einhergehen. Junge Erwachsene zeigen in ihrem Umgang mit
Ärger in Beziehungen eine höhere Streuung, sowohl in unterstützenden als auch in
belastenden Beziehungen, als Adoleszente.
107
Studie 1: Emotionsregulation & Beziehungsgestaltung
T1
Umgang mit
Ärger in
unterstützenden
Beziehungen
T2
-.10
Beziehungsabbrüche,
selbstgesteuert
-.17
R2 = .37
-.45***
.03
SD-Umgang mit
Ärger in unterst.
Beziehungen
.46***
.21*
.59***
-.30**
.68***
Umgang mit
Ärger in
belastenden
Beziehungen
-.08
Alter
-.50***
.02
.40***
SD-Umgang mit
Ärger in
belastenden
Beziehungen
.26*
.23*
* p < .05, ** p <.01, *** p < .001
N = 102
Abbildung 2:
Standardisierte Pfadkoeffizienten zur Vorhersage selbstgesteuerter Beziehungsabbrüche im Jugend- und jungen Erwachsenenalter
(N = 102), Hauptstudie
3.2.6 Vorhersage stabiler Beziehungen
Zur Vorhersage der Anzahl stabiler Beziehungen in der Adoleszenz und im jungen Erwachsenenalter wurden ebenfalls manifeste Pfadanalysen mit Mplus von
Muthén und Muthén (1998-2005) durchgeführt.
Als Kriterium diente die Anzahl stabiler Beziehungen zu T2. Stabile Beziehungen
wurden durch die aggregierte Summe der Netzwerkpersonen gebildet, die in beiden
Erhebungswellen von den Befragten genannt wurden. Prädiktorvariablen in T1 bilden erstens die mittlere selbstberichtete Intimitätsregulierung (Aktivierung, Suchen
von Nähe) aller Beziehungen und zweitens deren Streuung. Die Streuung ist ein aggregiertes Maß, welches Auskunft darüber gibt, wie stark zwischen mehreren Bezie-
108
Studie 1: Emotionsregulation & Beziehungsgestaltung
hungspartnern hinsichtlich des Aufsuchens von Nähe differenziert wird. Als Kovariate wurde das Alter der Befragten in die Pfadanalyse einbezogen.
In Abbildung 3 sind standardisierte Pfadkoeffizienten (gerade Pfeile) zur Vorhersage stabiler Beziehungen und die Korrelation (gekrümmte Pfeile) zwischen aggregiertem Mittelwert und Streuung in Intimitätsregulierung dargestellt. Es zeigte sich,
dass es keine signifikanten Einflüsse über ein Jahr gibt und die Anzahl stabiler Beziehungen nicht durch Intimitätsregulierung vorhergesagt werden kann. Mittelwert
und Streuung korrelieren negativ.
T1
Intimitätsregulierung
T2
.16
-.12
-.29**
.05
SD-Intimitätsregulierung
Anzahl stabiler
Beziehungen
(in beiden Wellen
genannt)
R2 = .08
-.16
-.11
Alter
** p <.01
.
Abbildung 3:
Standardisierte Pfadkoeffizienten zur Vorhersage stabiler
Beziehungen in der Adoleszenz und im jungen Erwachsenenalter (N = 126),
Hauptstudie
Studie 1: Emotionsregulation & Beziehungsgestaltung
109
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Anzahl stabiler Beziehungen nicht
durch Intimitätsregulierung, der Ausgestaltung von Nähe, vorhergesagt werden kann,
das bedeutet, die Aktivierung von Beziehungen zum Erleben positiver Gefühle sagt
nichts über deren Stabilität aus.
3.2.7 Interaktionen von Beziehungsmerkmalen und Umgang mit Ärger sowie
Intimitätsregulierung (zusätzliche Analyse)
Cross-lagged-Pfadanalysen wurden auf Ebene der Beziehungen durchgeführt, um
wechselseitige Einflüsse von Beziehungsmerkmalen und Emotionsregulation über
ein Jahr zu analysieren. Als Pfadkoeffizienten wurden dabei in beiden Erhebungszeitpunkten T1 und T2 aggregrierte Netzwerkmerkmale und aggregierte emotionsbezogene Merkmale spezifiziert. Strukturelle Netzwerkmerkmale bilden die aggregierte Gesamtanzahl genannter Netzwerkpersonen, die Anzahl an Familienmitgliedern/Verwandten im Netzwerk, die Summe an Mitschülern/Kollegen im Netzwerk
sowie die Anzahl belastender und unterstützender Beziehungen. Qualitative Netzwerkmerkmale umfassen Beziehungsqualität allgemein und Beziehungsqualität in
Bezug auf Eltern, Familie und Mitschüler/Kollegen. Hohe Beziehungsqualität steht
dabei für hohe emotionale Nähe, wenig Konflikte und hohe Anerkennung innerhalb
der jeweiligen Beziehung. Ein aggregierter Wert für Umgang mit Ärger in Beziehungen
und ein aggregierter Wert in Intimitätsregulierung stellen emotionsbezogene Elemente
im cross-lagged-Pfadmodell dar. Alter wurde als Kovariate in die Pfadanalysen aufgenommen.
In Tabelle 9 sind kreuzverzögerte standardisierte Pfadkoeffizienten der Beziehungs-/Netzwerkmerkmale und des Umgangs mit Ärger sowie Intimitätsregulierung
aufgeführt.
Es zeigte sich, dass Intimitätsregulierung positiv die Anzahl an Mitschülern/Kollegen nach einem Jahr vorhersagt. Das Gewicht ist eher gering. Hinsichtlich
der Netzwerkgröße, Größe des Familiennetzwerks und Anzahl belastender Personen
im Netzwerk ergaben sich keine wechselseitigen Einflüsse mit Emotionsregulation
Studie 1: Emotionsregulation & Beziehungsgestaltung
110
über ein Jahr. Die Summe unterstützender Netzwerkbeziehungen hat hingegen einen
gering positiven Einfluss auf Intimitätsregulierung nach 1 Jahr. Das bedeutet, das
Vorhandensein unterstützender Beziehungen beeinflusst die generelle Aktivierung
von Beziehungen zum Erleben positiver Emotionen. Hingegen beeinflusst Intimitätsregulierung nicht die Größe des Netzwerks positiv-unterstützender Beziehungen
nach 1 Jahr, der Einfluss ist gering und statistisch nicht bedeutsam (β = .11).
Darüber hinaus wird in Tabelle 9 deutlich, dass die Beziehungsqualität zu T1 Intimitätsregulierung zu T2 vorhersagen kann. Dies trifft auf Beziehungsqualität zu Mitgliedern der Familie sowie auf Beziehungsqualität zu Mitschülern/Kollegen und der
allgemeinen Beziehungsqualität zu. Die Beziehungsqualität zu den Eltern hat dagegen keinen Einfluss, wie stark die Nähe zu Personen des Netzwerkes allgemein gesucht wird. Auch Umgang mit Ärger in Beziehungen wird in der Adoleszenz und im
jungen Erwachsenenalter beeinflusst durch die Beziehungsqualität zu Mitschülern/Kollegen: Eine hohe Beziehungsqualität zu Mitschülern/Kollegen des eigenen
Netzwerkes führt dazu, dass generell besser mit Ärger oder Konflikten in Beziehungen umgegangen werden kann. In allen genannten Zusammenhängen zeigte sich
keine Beeinflussung durch das Alter.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass strukturelle Netzwerkmerkmale und emotionsregulative Prozesse in Beziehungen kaum wechselseitige Beeinflussung über
ein Jahr zeigen. Beziehungsqualität übt als qualitatives Merkmal hingegen einen Einfluss auf emotionsregulative Prozesse im Kontext von Beziehungen aus.
111
Studie 1: Emotionsregulation & Beziehungsgestaltung
Tabelle 9:
Standardisierte Pfadkoeffizienten für kreuzverzögerte Einflüsse über
ein Jahr (T1 →T2) auf Ebene der Beziehungen in der Adoleszenz und im jungen Erwachsenenalter (N = 126 ), Hauptstudie
Umgang mit Ärger in
Beziehungen
Intimitätsregulierung
in Beziehungen
UÄ → BM
BM → UÄ
IR → BM
BM → IR
Netzwerkgröße
-.03
-.04**
-.11*
-.08**
Größe des realisierten
Familiennetzwerkes
-.04
-.08**
-.05*
-.03**
Größe des Schul- /
Ausbildungsnetzwerkes
-.02
-.04**
-.16*
-.03**
Summe belastender
Netzwerkpersonen
-.07
-.06**
-.03*
-.09**
Summe unterstützender
Netzwerkpersonen
-.06
-.04**
-.11*
-.16**
Beziehungsqualität a zu allen
Netzwerkpersonen
-.07
-.07**
-.02*
-.28**
Beziehungsqualität a zu Eltern
-.09
-.09**
-.11*
-.03**
Beziehungsqualität a zur
Familie
-.04
-.07**
-.08*
-.25**
Beziehungsqualität a zu
Mitschülern / Kollegen
-.01
-.24**
-.01*
-.22**
Beziehungsmerkmale
Strukturell
Qualitativ
Anmerkung: UÄ = Umgang mit Ärger in Beziehungen, IR = Intimitätsregulierung in Beziehungen, BM
= Beziehungsmerkmal; a = Nähe, (selten) Konflikte, Anerkennung; * p ≤ .05, ** p < .01.
3.2.8 Emotionsregulation auf Ebene des persönlichen Erlebens
Der folgende Abschnitt dient der Beschreibung eingeschätzter Strategien zu Emotionsregulation in der Adoleszenz. Mittelwertsunterschiede zwischen Adoleszenten
und Erwachsenen werden berichtet sowie Mittelwertsunterschiede zwischen männlichen und weiblichen Adoleszenten.
Die Überprüfung von Mittelwertsdifferenzen innerhalb der Adoleszenz erfolgte
mithilfe einfaktorieller Varianzanalyse mit Messwiederholung. Dabei wurde das Ge-
112
Studie 1: Emotionsregulation & Beziehungsgestaltung
schlecht als zusätzlicher Gruppenfaktor (Zwischensubjektfaktor) aufgenommen. Deskriptivstatistiken (Mittelwerte und Standardabweichungen) sind in Tabelle 10 dargestellt. Es zeigte sich, dass Adoleszente stärker Strategien der Aktivierung anderer
Personen (Nähesuchen) verwenden als Strategien des Meidens und der Modifikation
(Haupteffekt Strategie: F(2,103) = 21.79, p < .001, η2 = .25). Meiden und Modifikation
werden von Adoleszenten Heranwachsenden in etwa gleich häufig angegeben.
Unterschiede zwischen männlichen und weiblichen Adoleszenten sind ferner in
Abbildung 4 verdeutlicht (Haupteffekt Geschlecht: F(1,67) = 0.04, p = .85, η2 = .001;
Interaktionseffekt Geschlecht x Strategien: F(2,103) = 5.32, p = .01, η2 = .07). Mädchen
gaben an, stärker die Nähe Anderer zur Bewältigung negativer oder zum Erleben
positiver Emotionen zu suchen als Jungen. Männliche Adoleszente hingegen verwenden stärker Strategien der Modifikation als weibliche Adoleszente. Im Hinblick
auf Strategien des Meidens ergaben sich keine Geschlechtsdifferenzen.
Tabelle 10:
studie
Mittelwertsunterschiede in Strategien der Emotionsregulation, Haupt-
Nähesuchen
Meiden
Modifikation
Teilnehmer
N
M (SD)
M (SD)
M (SD)
Adoleszente
69
4.04 (0.60)
3.42 (0.96)
3.43 (0.58)
Männlich
36
3.84 (0.55)
3.44 (1.01)
3.57 (0.52)
Weiblich
33
4.25 (0.58)
3.39 (0.91)
3.27 (0.61)
57
3.95 (0.52)
3.49 (0.86)
3.43 (0.55)
Junge Erwachsene
Mittelwertsvergleiche (T-Tests) zwischen Adoleszenten und jungen Erwachsenen
lassen deutlich werden, dass es keine Unterschiede in Nähesuchen (T = 0.9, df = 124, p
= .38), Meiden (T = -0.5, df = 124, p = .64) und Modifikation (T = -0.1, df=124, p = .89) gibt
(vgl. Tabelle 10).
113
Studie 1: Emotionsregulation & Beziehungsgestaltung
4,5
4
Nähe suchen
3,5
Meiden
Modifikation
3
2,5
männlich
weiblich
Abbildung 4:
Mittelwerte emotionsregulativer Strategien in der Adoleszenz, getrennt nach Geschlecht
Weitere Ergebnisse in diesem Zusammenhang werden anhand von Äquivalenzanalysen im Rahmen der Validierungsstudie (vgl. Kapitel 4) gewonnen. Diese ermöglichen auf der einen Seite die erforderliche Überprüfung der Messäquivalenz der
Skalen über das Alter und über das Geschlecht. Auf der anderen Seite erlauben Äquivalenzanalysen einen Mittelwertsvergleich auf latenter Ebene.
3.2.9 Zeitverzögerte Einflüsse auf Strategien der Emotionsregulation in Eltern-Kind- & Zielperson-Alteri-Dyaden
Im Folgenden werden die Ergebnisse zeitverzögerter Einflüsse im Hinblick auf die
Entwicklung emotionsregulativer Strategien in Eltern-Kind- und Zielperson-AlteriDyaden beschrieben.
Cross-lagged-Pfadanalysen wurden mit dem Statistikprogramm Mplus von
Muthén und Muthén (1998-2005) durchgeführt.
Die Berechnung der Pfadkoeffizienten erfolgte auf Itemebene, da die geringe Dyadenanzahl keine Spezifizierung des jeweiligen Messmodells zuließ. Das verwendete
Studie 1: Emotionsregulation & Beziehungsgestaltung
114
Item des Konstrukts Nähesuchen lautete „Ich suche die Nähe zu anderen Personen,
mit denen ich positive Gefühle (wie Freude o. Vergnügen) erleben kann.“. Meiden
wurde durch „Unangenehmen Situationen gehe ich wenn möglich früh aus dem
Weg.“ repräsentiert. Analysierte Items der Modifikation hießen (a) „Wenn ich mich
traurig oder bedrückt fühle, beschäftige ich mich mit anderen Dingen, damit es mir
wieder besser geht.“ und (b) „Wenn ich weniger negative Emotionen fühlen möchte
(wie Traurigkeit oder Wut), dann denke ich an etwas anderes.“. Für jedes Item wurde ein separates Pfadmodell aufgestellt, getrennt für Eltern-Kind- und ZielpersonAlteri-Dyaden. Adoleszente und junge Erwachsene stellen die Kinder und Zielpersonen der Dyaden dar. Als Kovariate wurde das Alter (Adoleszente vs. junge Erwachsene) in das Pfadmodell aufgenommen. Aufgrund der Berechnung auf Ebene
gemessener Items handelt es sich um saturierte Modelle mit df = 0. Das bedeutet, es
wurden die Pfadkoeffizienten (Regressionskoeffizienten) bestimmt, aber keine Modelltests durchgeführt.
Tabelle 11 gibt Aufschluss über standardisierte Pfadkoeffizienten für zeitverzögerte Einflüsse. Autoregressive Pfade, die Stabilitäten im 1-Jahres-Verlauf abbilden, sind
an dieser Stelle nicht von Interesse und wurden daher nicht mit aufgeführt.
Die Ergebnisse zeigen, dass es keine signifikanten kreuzverzögerten Pfadkoeffizienten in den untersuchten Eltern-Kind-Dyaden, unabhängig von der Einflussrichtung, gibt. Die Koeffizienten sind außerdem sehr gering (βmin = .003, βmax = .09). Das
Hinzunehmen der Variable Alter hatte keinen bedeutsamen Einfluss.
In Zielperson-Alteri-Dyaden wurden etwas stärkere Zusammenhänge sichtbar
(βmin = -.02, βmax = .39), wobei es zu beachten gilt, dass die Anzahl der in die Berechung eingehenden Dyaden geringer ausfiel. Signifikante Effekte gibt es in Strategien
der Modifikation (vgl. Tabelle 11). Danach haben Alteri der Adoleszenten und jungen
Erwachsenen einen positiven Einfluss auf Adoleszente und junge Erwachsene in Modifikation der Situation über ein Jahr. Auf der anderen Seite zeigt sich ein signifikant
positiver Zusammenhang, ausgehend von den Adoleszenten und jungen Erwachse-
115
Studie 1: Emotionsregulation & Beziehungsgestaltung
nen auf ihre Alteri in Modifikation des Denkens. Der Altersprädiktor wurde in keinem
Zielperson-Alteri-Modell signifikant.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass es keine wechselseitigen Einflüsse in Eltern-Kind-Dyaden auf Strategien der Emotionsregulation gibt. Signifikante Zusammenhänge über ein Jahr zeigten sich in Zielperson-Alteri-Dyaden bezogen auf Strategien der Modifikation.
Tabelle 11: Standardisierte Pfadkoeffizienten für kreuzverzögerte Einflüsse über
ein Jahr (T1 →T2) in Kind-Eltern und Zielperson-Alteri-Dyaden, Hauptstudie
Kind-Eltern-Dyaden
(N = 93)
Zielperson-Alteri-Dyaden
(N = 37)
K→E
E→K
Z→A
A→Z
Nähesuchen
-.01*
-.01
-.02*
-.16***
Meiden
-.08*
-.09
-.08*
-.14***
a) der Situation
-.01*
-.05
-.03*
-.39***
b) des Denkens
-.003
-.03
-.28*
-.20***
Items
Modifikation
Anmerkung: K = Kind (Adoleszenter o. junger Erwachsener), E = Elternteil (des Adoleszenten o. jungen
Erwachsenen), Z = Zielperson (Adoleszenter o. junger Erwachsener), A = Alter (des Adoleszenten o.
jungen Erwachsenen) aus Schule/Ausbildung/Beruf; * p ≤ .05, ** p < .01, *** p < .001.
3.2.10
Funktionale Zusammenhänge zwischen Emotionsregulation &
Indikatoren psychischer Anpassung, Lebenszielen sowie zentralen Konstrukten der Handlungsregulierung
In Tabelle 12 sind Zusammenhänge zwischen emotionsregulativen Strategien und
Indikatoren psychischer Anpassung, der Wichtigkeit von Lebenszielen sowie Korrelationen mit Kontrollstrategien und –überzeugungen in der Adoleszenz dargestellt.
Studie 1: Emotionsregulation & Beziehungsgestaltung
116
Keine signifikanten Korrelationen zeigten sich zwischen Emotionsregulation und
Einschätzungen bezüglich der allgemeinen Lebenszufriedenheit, Depressivität, dem
subjektiven momentanen Gesundheitszustand und dem allgemeinen Selbstwert.
Die Bedeutung verschiedener Lebensbereiche oder Orientierungen im Leben wurden über die Wichtigkeit einzelner Lebensziele abgefragt. Bindungsziele waren dabei
Liebe und Zuneigung erfahren, Anderen vertrauen / sich auf andere verlassen können und
Ein Kind haben und erziehen. Wirksamkeitsziele waren Erfolgreich sein (in Schule, Studium, Beruf), Spannende oder neue Dinge erleben, Mein Leben selbst bestimmen / unabhängig
sein und Meinem Leben einen Sinn geben. Die Ausprägungen in der Wichtigkeit von
Wirksamkeits- bzw. Bindungszielen stellen gemittelte Werte der einzelnen Ziele dar.
In der Adoleszenz ergaben sich keine signifikanten Zusammenhänge mit Strategien
der Emotionsregulation. Erwähnenswert ist an dieser Stelle allerdings, dass sich bedeutsame Korrelationen zwischen Bindungszielen und Emotionsregulation bei jungen Erwachsenen zeigten. Nähesuchen etwa korrelierte verhältnismäßig hoch mit
Bindungszielen (r = .39, p < .01, N = 57), hierbei insbesondere das Ziel Ein Kind haben
und erziehen (r = .39, p < .01, N = 57). Das heißt, je bindungsorientierter junge Erwachsene sind, umso mehr suchen sie die Nähe anderer zum Erleben positiver oder zum
Bewältigen negativer Emotionen. Bei Adoleszenten war diese Korrelation erst im
Ansatz erkennbar (r = .21). Außerdem zeigte sich im jungen Erwachsenenalter eine
moderate Korrelation zwischen Modifikation und Wirksamkeitszielen (r = .33, p < .05,
N = 57).
Im Hinblick auf Strategien der Handlungsregulierung (in Beruf/Ausbildung erfolgreich sein; später eine Familie gründen) zeigten sich positive Zusammenhänge,
vor allem mit Nähesuchen und Modifikation. Volitionale (selektive sekundäre Kontrolle) und aktionale (selektive primäre und kompensatorische primäre Kontrolle) Strategien korrelierten insgesamt gesehen stärker mit Emotionsregulation als Strategien
der Zielablösung (kompensatorische sekundäre Kontrolle – Zieldistanzierung) und
Strategien, die bei Misserfolg motivationale und emotionale Ressourcen schützen
Studie 1: Emotionsregulation & Beziehungsgestaltung
117
(kompensatorische sekundäre Kontrolle – Motivationsprotektion). Der stärkste Zusammenhang bestand zwischen kompensatorischer primärer Kontrolle und Nähesuchen, sowohl im Hinblick auf Erfolg im Beruf als auch in Bezug auf Familiengründung. Die nächst höchsten Korrelationen konnten zwischen Modifikation und kompensatorischer primärer Kontrolle festgestellt werden. Modifikation korrelierte außerdem moderat mit selektiver sekundärer Kontrolle.
In Tabelle 12 sind ebenfalls korrelative Zusammenhänge mit Kontrollüberzeugungen dokumentiert. Mittlere positive Zusammenhänge ließen sich zwischen Kontrollüberzeugungen und Nähesuchen sowie Modifikation feststellen. Besonders Agency-Beliefs bezogen auf Familie (ich habe die eigenen Möglichkeiten/Mittel, um das
Familienleben harmonisch zu gestalten) und Means-Ends-Beliefs bezogen auf Familie (ich weiß, welche Möglichkeiten/Mittel es gibt, um das Familienleben harmonisch
zu gestalten) korrelierten mit diesen Strategien der Emotionsregulation. AgencyBeliefs und Means-Ends-Beliefs hinsichtlich des beruflichen Erfolges waren vor allem
mit Nähesuchen positiv assoziiert. Im Hinblick auf Meiden ergaben sich keine oder nur
geringe Zusammenhänge mit Kontrollstrategien bzw. –überzeugungen.
Alles in allem zeigten sich keine Zusammenhänge zwischen Emotionsregulation
und Indikatoren psychischer Anpassung in der Adoleszenz. Strategien der Emotionsregulation hingen hingegen positiv mit Strategien der Handlungskontrolle und
auch mit Kontrollüberzeugungen in den Bereichen Beruf und Familie zusammen.
118
Studie 1: Emotionsregulation & Beziehungsgestaltung
Tabelle 12: Korrelationen zwischen Strategien der Emotionsregulation und Kontrollkonstrukten sowie Indikatoren psychischer Anpassung in der Adoleszenz,
Hauptstudie
Strategien der Emotionsregulation
Nähesuchen
Meiden
Modifikation
N=69
N=69
N=69
Lebenszufriedenheit
-.15***
-.01*
-.10***
Momentane Gesundheit
-.11***
-.18*
-.14***
Depressivität
-.03***
-.02*
-.08***
Selbstwert
-.19***
-.11*
-.20***
Wirksamkeitsziele 2
-.11***
-.01*
-.18***
Bindungsziele 3
-.21***
-.07*
-.01***
SPK
-.20***
-.08*
-.21***
KPK
-.45***
-.01*
-.35***
SSK
-.12***
-.12*
-.28***
KSK_MP
-.06***
-.09*
-.10***
KSK_ZD
-.20***
-.22*
-.05***
SPK
-.14***
-.22*
-.04***
KPK
-.53***
-.15*
-.41***
SSK
-.18***
-.11*
-.12***
KSK_MPP
-.05***
-.21*
-.21***
KSK_ZD
-.02***
-.04*
-.14***
Agency-Beliefs Beruf
-.29***
-.07*
-.18***
Agency-Beliefs Familie
-.47***
-.02*
-.27***
Means-Ends-Beliefs Beruf
-.27***
-.21*
-.21***
Means-Ends-Beliefs Familie
-.14***
-.10*
-.34***
Korrelation mit
Wohlbefinden
Wichtigkeit von Lebenszielen
OPS Beruf
OPS Familiengründung
CAMAQ-Kontrollüberzeugungen
Anmerkung: 1 = Lebenszufriedenheit in 5 Jahren minus gegenwärtige Lebenszufriedenheit, 2 = Erfolg
im Beruf, spannende oder neue Dinge erleben, Unabhängigkeit, Leben einen Sinn geben, 3 = Liebe
und Zuneigung, Vertrauen, Kinder; SPK = selektive primäre Kontrolle, KPK = kompensatorische primäre Kontrolle, SSK = selektive sekundäre Kontrolle, KSK_MP = kompensatorische sekundäre Kontrolle, Motivationsprotektion, KSK_ZD = kompensatorische sekundäre Kontrolle, Zieldistanzierung;
Agency Beliefs = ich habe die Mittel, um zum Ziel zu gelangen; Means-Ends-Beliefs = ich weiß, welche
Mittel zum Ziel führen; * p < .05, ** p < .01, *** p < .001.
Studie 1: Emotionsregulation & Beziehungsgestaltung
119
3.2.11
Emotionsregulation & Beziehungsqualität zu Gleichaltrigen &
Eltern
Es wurden Mehrebenenanalysen durchgeführt, um die Beziehungsqualität zu
Gleichaltrigen in der Adoleszenz zu ermitteln. Auf diese Weise wurde die hierarchische Struktur der Daten (unterschiedlich viele Netzwerkpersonen/Gleichaltrige geschachtelt in Individuen/Adoleszente) berücksichtigt. Dabei wurde im Vorfeld der
Mehrebenenberechnungen ein Index für Beziehungsqualität zu Mitschülern gebildet,
der als Kriterium auf Level 1 diente. Eingegangen sind in diesen gemittelten Wert die
Variablen Nähe, Konflikthäufigkeit (umgepolt) und Anerkennung. Auf Level 2 wurden als Prädiktoren das Geschlecht und die drei Strategien der Emotionsregulation
(Nähesuchen, Meiden, Modifikation) in das Modell aufgenommen. In Tabelle 13 sind
diese Koeffizienten im Modell 1 berichtet. Es zeigte sich, dass Nähesuchen positiv die
Beziehungsqualität zu Mitschülern (hohe Nähe, geringe Konflikthäufigkeit, hohe
Anerkennung) beeinflusst. Meiden und Modifikation hingegen weisen keine signifikanten Effekte auf.
(5)
Modell 1:
Level 1:
Level 2:
yij = βoj + rij
βoj = γ00 + γ01 • Geschlecht + γ02 • Nähesuchen + γ03 •
Meiden + γ04 • Modifikation + uoj
Auf Mehrebenenanalysen bezogen auf die Beziehung zu den Eltern wurde verzichtet, da die Anzahl der Netzwerkpersonen nur begrenzt variieren kann (max.
zwei im Netzwerk genannte Elternteile). Querschnittliche Zusammenhänge zwischen aggregierten (Beziehungs-)Merkmalen des Netzwerkes, etwa Größe des Netzwerkes oder Nähe zu Eltern und Strategien der Emotionsregulation wurden über
Korrelationen (Pearson) ermittelt, die in Tabelle 14 aufgeführt sind.
120
Studie 1: Emotionsregulation & Beziehungsgestaltung
Tabelle 13: Beziehungsqualität zu Mitschülern (yij) in der Adoleszenz (N = 66),
Hauptstudie
Modell 1
Koeffizient
S.E.
3.51***
-.19***
-.50***
-.05***
-.13***
.27***
.26
.18
.17
.08
.17
.07
Var(rij) within
-.77***
.11
ICC
R2 zwischen
-.30***
-.20***
Level 2
γ00 = Intercept
γ01 = Geschlecht
γ02 = Nähesuchen a
γ03 = Meiden a
γ04 = Modifikation a
Var(uoj) between
Level 1
Anmerkungen: Beziehungsqualität setzt sich zusammen aus Nähe, Konflikthäufigkeit (umgepolt) und
Anerkennung; berichtet sind unstandardisierte Koeffizienten; b = Level 2-Prädiktor am Gesamtmittelwert (grandmean) zentriert; Schätzmethode in Mplus: Full Maximum Likelihood.
Ergebnisse bezüglich struktureller Netzwerkmerkmale zeigen, dass die Gesamtanzahl genannter Beziehungen in der Adoleszenz nicht signifikant mit Strategien der
Emotionsregulation korreliert ist. Meiden geht sowohl mit der Anzahl an unterstützenden (engen) Beziehungen im Netzwerk als auch mit der Anzahl an belastenden
(konflikthaften) Beziehungen negativ einher. Wer also in Antizipation negativer Emotionen unangenehme Personen oder Situationen eher meidet, verfügt über ein
kleineres realisiertes Netzwerk. Nähesuchen und Modifikation hingegen korrelieren
nicht mit der Summe genannter Netzwerkpersonen.
Qualitätsmerkmale der Beziehungen zu Eltern und zum Freund / zur Freundin
wurden anhand der wahrgenommenen Nähe, der Konflikthäufigkeit, dem subjektiven Umgang mit Ärger/Konflikten sowie Anerkennung durch den Beziehungspart-
Studie 1: Emotionsregulation & Beziehungsgestaltung
121
ner über entsprechende Deskriptoren erfasst. Die dargestellten Korrelationen beruhen auf aggregierten Mittelwerten in den genannten Dimensionen. Eine Ausnahme
bilden die Fälle, in denen sich die Deskriptorvariablen ausschließlich auf eine Netzwerkperson beziehen, also im Hinblick auf die feste Freundin / den festen Freund.
Tabelle 14 kann entnommen werden, dass Modifikation positiv mit wahrgenommener Nähe zu und Anerkennung durch die Eltern einhergeht. Adoleszente mit hohen Werten in Modifikation berichten auch über einen besseren Umgang mit Ärger in
der Beziehung zum festen Freund / der festen Freundin. Das heißt, emotionsregulative Strategien, die ein Verändern der belastenden Situation oder eine Veränderung
von Einstellungen oder Denkweisen implizieren, gehen mit erhöhter Kompetenz im
Umgang mit Ärger oder Konflikten in der Beziehung zum festen Freund / zur festen
Freundin einher. Die Ergebnisse zeigen weiterhin, dass Meiden negativ mit der
wahrgenommenen Häufigkeit von Konflikten in Beziehungen zu den Eltern und
dem festen Freund / der festen Freundin zusammenhängt.
Insgesamt lässt sich sagen, dass positive Zusammenhänge zwischen emotionsregulativen Strategien – insbesondere Modifikation und Nähesuchen – und der wahrgenommenen Qualität von Beziehungen im Netzwerk vorhanden sind. Strategien des
Meidens gehen in der Adoleszenz außerdem mit einem kleineren Netzwerk und weniger Konflikten zu bestehenden Beziehungen des Netzwerkes einher.
122
Studie 1: Emotionsregulation & Beziehungsgestaltung
Tabelle 14: Korrelationen zwischen Strategien der Emotionsregulation und (Beziehungs-) Merkmalen des Netzwerkes in der Adoleszenz, Hauptstudie
Strategien der Emotionsregulation
Nähesuchen
Meiden
Modifikation
N = 69
N = 69
N = 69
Gesamtzahl / Netzwerkgröße
-.051
-.24*
-.23*
Unterstützende Beziehungen
-.001
-.29*
-.09*
Belastende Beziehungen
-.171
-.27*
-.15*
N = 64
N = 64
N = 64
Nähe
-.211
-.14*
-.28*
Konflikte
-.061
-.30*
-.10*
Umgang mit Ärger
-.051
-.11*
-.22*
Anerkennung
-.151
-.09*
-.29*
Beziehung zum/r Freund/in
N = 28
N = 28
N = 28
Nähe
-.001
-.20*
-.12*
Konflikte
-.191
-.42*
-.22*
Umgang mit Ärger
-.291
-.28*
-.45*
Anerkennung
-.191
-.21*
-.40*
Korrelation mit
Nennung von Beziehungen
Beziehung zu Eltern
Anmerkung: * p < .05, ** p < .01.
3.3 Diskussion Studie 1
Im folgenden Abschnitt werden die gewonnenen Ergebnisse der Hauptstudie zusammenfassend erläutert und diskutiert. Dabei werden auch zusätzliche Ergebnisse
besprochen, die über die Beantwortung der formulierten Fragestellungen und Hypothesen hinausgehen.
3.3.1 Netzwerke & Wohlbefinden
Zur Überprüfung des Zusammenspiels emotions- und beziehungsbezogener Prozesse in der Adoleszenz wurden soziale Netzwerke erhoben, die über die formulierten Hypothesen hinausgehend auch deskriptiv analysiert wurden. Es zeigte sich im
Altersvergleich, dass in der Adoleszenz insgesamt der stärkste Wandel von Initiie-
Studie 1: Emotionsregulation & Beziehungsgestaltung
123
rung und Auflösung von Beziehungen im Zeitraum eines Jahres zu verzeichnen ist.
Adoleszente Heranwachsende gaben etwa die höchste Anzahl selbstgesteuerter Beziehungsabbrüche und gleichzeitig neu eingegangener Beziehungen zum zweiten
Erhebungszeitpunkt an.
Starke individuelle Wandlungsprozesse im sozialen Netzwerk können während
der Adoleszenz als Indiz für die Auseinandersetzung des Adoleszenten mit seiner
Umwelt in Form von Individuations- und Autonomiebestrebungen interpretiert
werden, durch die persönliche Reifung gefördert und erleichtert wird. Das geschieht
nicht nur in familialen Beziehungen (v.a. im Hinblick auf die Eltern, Grotevant &
Cooper, 1986), sondern auch in außerfamilialen Beziehungen, etwa durch die Exploration neuer Settings oder durch das Ausprobieren neuer Rollen oder das Einholen
selbstbezogener Rückmeldungen in heterogenen sozialen Kontexten. Aus sozialkonstruktivistischer Sicht wird die individuelle Identität nämlich vor allem auch durch
die soziale Interaktion mit anderen geformt und quasi erzeugt (vgl. Greve, 2007). Im
Bestreben, sich ein Selbst-bestätigendes Umfeld zu kreieren (McCall & Simmons,
1966) sind Adoleszente angesichts der sich vielfältig auftuenden Kontexte stärker als
Erwachsene am Ausprobieren, wer oder was zu ihnen passt.
Der Altersvergleich von Netzwerkmerkmalen ließ weiterhin deutlich werden,
dass die stärkste Belastung durch Beziehungen während der Adoleszenz auftritt;
Adoleszente gaben nämlich in beiden Erhebungen die höchste Anzahl konflikthafter,
belastender Beziehungen an. Dies sind zum einen Netzwerkpersonen aus dem familialen und zum anderen Beziehungen aus dem schulischen Kontext. In zentralen
Merkmalen des Netzwerkes (z.B. Größe, Anzahl Verwandte vs. Anzahl Mitschüler,
Anzahl unterstützender vs. belastender Beziehungen, Anzahl stabiler Beziehungen)
konnten darüber hinaus keine signifikanten Geschlechtsunterschiede zwischen
männlichen und weiblichen Adoleszenten ermittelt werden. Studien zu geschlechtsdifferentiellen Charakteristiken sozialer Netzwerke sind in der Adoleszenz bislang in
der Form nicht durchgeführt worden. Analysen der Netzwerke Adoleszenter erga-
Studie 1: Emotionsregulation & Beziehungsgestaltung
124
ben weiterhin, dass – im Gegensatz zu erwachsenen Befragten – mehr PeerBeziehungen aus der Schule bzw. der Ausbildung rekrutiert werden als Personen
aus der Verwandtschaft. Das steht im Einklang mit der bisherigen Literatur (Cotterell, 2007; Levitt, 2005; Montemayor et al., 1994; Youniss & Smollar, 1985). Diese altersvergleichenden Erkenntnisse eröffnen insgesamt einen interessanten und neuen
Einblick in die Zusammensetzung und Veränderung sozialer Netzwerke über die
Lebensspanne. Bislang sind Transformationen sozialer Beziehungen vor allem beim
Übergang von der Kindheit in die Adoleszenz untersucht worden. Veränderungen
beim Wechsel ins (junge) Erwachsenenalter wurden hingegen weit weniger intensiv
und breit erforscht (Collins & Madsen, 2006).
Zusammenhangsanalysen zwischen Netzwerkmerkmalen und Variablen psychischer Anpassung wiesen darauf hin, dass soziale Einbettung in der Adoleszenz nicht
per se mit psychischer Gesundheit verbunden ist. Es konnten keine Korrelationen
mit Gesundheit, Lebenszufriedenheit und Depression festgestellt werden. In der Forschung wird soziale Unterstützung allgemein als mediierende Variable zwischen
sozialer Integration und Gesundheit betrachtet (Berscheid & Regan, 2005). Anhand
der vorliegenden Ergebnisse konnte in der Adoleszenz jedoch weder die soziale Integration (Netzwerkgröße) noch die Anzahl der als unterstützend und positiv wahrgenommenen Beziehungen Lebenszufriedenheit, Gesundheit oder Depression erklären. Die Anzahl belastender Beziehungen im Netzwerk ging dagegen in der Adoleszenz negativ mit Lebenszufriedenheit und positiv mit berichteter Depression einher.
Unbestritten ist in der psychologischen Forschung, dass Beziehungen nicht nur mit
Unterstützung und positiven Ergebnissen verbunden sind (vgl. z.B. Rook, 1984, 1998,
2001). Die jugendphasenspezifische Literatur befasst sich zwar mit der Rolle von Außenseitern (z.B. Cotterell, 2007), mit Mobbing, Schikanierung (z.B. Egan & Perry,
1998; Felix & McMahon, 2006) oder sozialer Zurückweisung in der Adoleszenz (z.B.
Hancock, 1994), allerdings sind bislang nie Beziehungsbelastungen strukturell im
Rahmen „normaler“ Entwicklung untersucht worden. Die gewonnenen Erkenntnisse
Studie 1: Emotionsregulation & Beziehungsgestaltung
125
der vorliegenden Arbeit zeigen vor allem, dass innerhalb durchschnittlicher Entwicklung während der Adoleszenz beziehungsrelevante emotionale Belastungen bestehen, die ungünstig mit Indikatoren psychischer Anpassung einhergehen.
Weitere wichtige Befunde in diesem Zusammenhang stellen die negative Korrelation zwischen der Anzahl selbstinitiierter Beziehungsabbrüche zum zweiten Erhebungszeitpunkt und Lebenszufriedenheit sowie die positive Korrelation zwischen
der Anzahl selbstgesteuerter Beziehungsabbrüche und Depression dar. Selbstinitiiert
heißt, der Adoleszente leistet selbst einen Beitrag zur Beendigung der Beziehung
(z.B. „ich habe die Beziehung aufgegeben“). Die Anzahl stabiler Beziehungen (in
beiden Erhebungswellen genannt) steht allerdings in keinem Zusammenhang mit
Indikatoren psychischer Gesundheit, ebenso wenig die Gesamtanzahl aufgelöster
oder beendeter Beziehungen. In einer Längsschnittstudie von mindestens drei Messzeitpunkten sollte geklärt werden, inwieweit das Beenden von Beziehungen geringe
Lebenszufriedenheit vorhersagt und ob nicht geringe Lebenszufriedenheit als Prädiktor für das Auflösen von Beziehungen in der Adoleszenz beobachtet werden
kann.
3.3.2 Beziehungsbezogene Emotionsregulation
Alters- bzw. Geschlechtsunterschiede in beziehungsbezogenen emotionalen Mechanismen wurden explorativ untersucht.
Mehrebenenanalysen zur Exploration von Mittelwertsunterschieden in Umgang
mit Ärger in Beziehungen ergaben, dass weibliche Adoleszente und weibliche junge
Erwachsene weniger gut mit Ärger oder Konflikten in Beziehungen umgehen können als Jungen und Männer dieser Altersgruppen. Altersunterschiede zwischen Adoleszenten und jungen Erwachsenen bestehen dagegen nicht. Damit werden geschlechtsdifferenzierte Ergebnisse auf Ebene des persönlichen Erlebens bestätigt.
Studie 1: Emotionsregulation & Beziehungsgestaltung
126
Außerdem konnten im Zusammenhang dieser Mehrebenenanalyse keine signifikanten Zusammenhänge mit Strategien der Emotionsregulation auf Ebene des persönlichen Erlebens (Nähesuchen, Meiden, Modifikation) gefunden werden. Das bedeutet, selbstberichtete Strategien der Emotionsregulation besitzen keine signifikante
Vorhersagekraft darauf, wie gut mit Ärger oder Konflikten in realen Beziehungen
des sozialen Netzwerks umgegangen wird. Der subjektiv wahrgenommene Umgang
mit Ärger sollte als Endglied in der Kette beziehungsbezogener emotionaler Abläufe
verstanden werden. Schließlich wurde nicht direkt nach tatsächlich verwendeten
Strategien gefragt, die den Umgang mit belastenden Beziehungsinhalten behindern
oder fördern. Was Individuen tun oder denken, um Ärger bezogen auf Person XY zu
meistern, muss in weiteren Untersuchungen geklärt werden. Besonders die Tatsachen, dass selbstberichtete emotionsregulative Strategien keine Validierungsinformationen liefern, macht es wünschenswert, eingesetzte Emotionsregulationsstrategien
bei jeder einzelnen Beziehungsperson des realisierten Netzwerks zu erfragen. Erst
dann können beziehungsbezogene Strategien der Emotionsregulation genau bestimmt und untersucht werden.
Erwartet wurde eine Beeinflussung des wahrgenommenen Umgangs mit Ärger in
einer Beziehung durch beziehungsspezifische Merkmale der Nähe und Belastung. Im
Gegensatz zum Alter oder Geschlecht des Befragten spielten beide Variablen tatsächlich eine Rolle zur Vorhersage beziehungsbezogenen Umgangs mit Ärger. Die Zusammenhänge lauten, erstens, mit zunehmender Nähe sinkt der wahrgenommene
Umgang mit Ärger oder Konflikten in Beziehungen und zweitens, je stärker eine
Netzwerkperson als belastend erlebt wird, umso weniger gut gelingt der Umgang
mit Ärger oder Konflikten in dieser Beziehung. Adoleszente und junge Erwachsene
können also besser mit Ärger oder Konflikten in Beziehungen umgehen, wenn diese
nicht als besonders nahe oder als wenig belastend eingeschätzt werden. Ärger (bsw.
wegen einer unangebrachten Bemerkung) stellt allgemein eine Bedrohung der Beziehung dar und signalisiert dem Gegenüber in spezifischer Weise, dass etwas nicht in
Ordnung ist (z.B. Whitesell & Harter, 1996). Vermutlich wirkt misslungener Umgang
Studie 1: Emotionsregulation & Beziehungsgestaltung
127
mit Ärger in sozialen Interaktionen als nachhaltige Aufforderung an den jeweiligen
Beziehungspartner, selbst mehr zur Verbesserung oder Veränderung der ärgerauslösenden Situation beizutragen. Dieser Appell ist in nahen und engen Beziehungen
besonders ausgeprägt, da eine Beendigung des Konfliktes, der Frustration oder des
Ärgers eine adaptive Voraussetzung dafür ist, die Beziehungen langfristig fortführen
zu können. In unbedeutenden Beziehungen hingegen liegen deren Aufrechterhaltung und Schutz nicht in solchem Umgang im Zentrum des Interesses wie es bei besonders bedeutsamen Beziehungen der Fall ist. Inwieweit diese Prozesse durch Persönlichkeitsmerkmale moderiert werden, wäre eine weitere interessante Frage. Zusammenfassend lässt sich sagen, dass im Hinblick auf den wahrgenommenen Umgang mit Ärger in Beziehungen die bestehende Beziehungsart (Familie, Verwandte,
Mitschüler/Kommilitonen) in der Adoleszenz und im jungen Erwachsenenalter keine
Rolle dabei spielt, wie mit beziehungscharakteristischen unangenehmen und belastenden Emotionen umgegangen wird. Jedoch besteht ein Einfluss, wenn die Beziehung als besonders gut oder als besonders belastend eingestuft wird.
Die berichteten Ergebnisse zu Mehrebenenanalysen in Bezug auf Intimitätsregulierung zeigten keine Altersunterschiede zwischen Adoleszenten und jungen Erwachsenen sowie keine Geschlechtsunterschiede zwischen männlichen und weiblichen
Teilnehmern. Signifikante Effekte zeigten sich von Nähesuchen und Meiden auf Ebene
der Selbsteinschätzungen. Diese bedeuten, dass Angaben in selbsteingeschätzten selektiven Strategien Nähesuchen und Meiden dazu beitragen, Mittelwertsunterschiede
in Nähesuchen auf Ebene der Beziehungen aufzuklären. Gleichzeitig können diese
Befunde als konvergente Validierungsinformationen betrachtet werden, da Meiden
auf Level 2 mit einem negativen Gewicht und Nähesuchen auf Level 2 mit einem positiven Gewicht das Kriterium Intimitätsregulierung (Level 1) beeinflusst. Die selbstberichtete Selektion von Beziehungen bildet also einen validen Indikator der tatsächlichen Beziehungsauswahl ab.
Studie 1: Emotionsregulation & Beziehungsgestaltung
128
Nach Hypothese 2 sollten Adoleszente stärker die Nähe zu Gleichaltrigen als zu
Personen der Familie und Verwandtschaft aktivieren, um positive Emotionen hervorzurufen. Es zeigte sich, dass die Beziehungsart eine bedeutende Rolle im Aktivieren und Aufsuchen von Beziehungen spielt. In der Adoleszenz und im jungen Erwachsenenalter wird die Nähe zu nichtverwandten Beziehungspartnern stärker gesucht als zu verwandten Netzwerkpersonen. Dagegen wird die Nähe zum Partner
stärker gesucht als zu Mitschülern/Kollegen/Kommilitonen. Durch die Literatur zu
Beziehungen in der Adoleszenz werden diese Präferenzen bestätigt (Cotterell, 2007;
Levitt, 2005; Montemayor et al., 1994; Youniss & Smollar, 1985) und erweitern gleichzeitig Befunde der Bewältigungsforschung, wonach Freundschafts- und Peerbeziehungen helfen, negative Gefühle in der Adoleszenz zu bewältigen (Seiffge-Krenke,
1995). Eine generelle Präferenz für genetisch verwandte Personen (siehe Nepotismus,
Neyer & Lang, 2004) konnte in der Adoleszenz und im jungen Erwachsenenalter
nicht beobachtet werden.
Das größte Prädiktionsgewicht zur Vorhersage der Aktivierung von Beziehungen
besitzt die erlebte emotionale Nähe zur Netzwerkperson, die in positiver Weise Intimitätsregulierung bestimmt. Das mag vor allem an der ähnlichen Wortwahl der Itemformulierung liegen, auf der anderen Seite ist der Zusammenhang Ausdruck, dass
Emotionen in Beziehungen mit aktiven, selbstregulativen Verhaltensstrategien einhergehen. Die Konflikthäufigkeit mit Personen des Netzwerks hat keine Erklärungskraft, hingegen die wahrgenommene Belastung durch Beziehungen des Netzwerks,
also der negativen Bewertung. Dieser Befund bekräftigt antezedente Mechanismen
der Emotionsregulation im Kontext von Beziehungen: Als belastend wahrgenommene Personen werden demnach weniger aufgesucht. Beziehungen sind nicht immer
frei gewählt, es gibt Verwandte oder Kollegen, zu denen das Verhältnis eher als beschwerlich oder spannungsvoll eingeschätzt wird. Nicht deren Nähe zu suchen, ist
eine Form der Regulierung eigener Emotionen, angesichts einer möglichen Unauflösbarkeit dieser Beziehungen.
Studie 1: Emotionsregulation & Beziehungsgestaltung
129
3.3.3 Stabilität & Auflösung von Beziehungen
Nach Hypothese 3 wurde erwartet, dass die Beendigung und die Weiterführung
von Beziehungen in der Adoleszenz und im jungen Erwachsenenalter durch Elemente der Emotionsregulation vorhergesagt werden können. Empirische Befunde der
vorliegenden Arbeit zur Vorhersage stabiler und aufgelöster Beziehungen belegen,
dass vor allem Umgang mit Ärger in belastenden Beziehungen selbstgesteuerte Beziehungsabbrüche nach einem Jahr vorhersagen kann. Je besser der Umgang mit Ärger
in diesen Beziehungen gelingt, umso weniger Beziehungen insgesamt werden nach
einem Jahr abgebrochen. Über bisherige Forschungsbemühungen hinsichtlich der
Stabilität von Beziehungen hinausgehend, wurde offensichtlich, dass Emotionsregulation als Voraussetzung für das Führen und Aufrechterhalten langfristiger Beziehungen in der Adoleszenz und im jungen Erwachsenenalter betrachtet werden muss.
In der Beziehungsforschung dominierten bislang Untersuchungen, die Zufriedenheit
und Stabilität im Rahmen von Partnerschaften, der Ehe oder engen Freundschaften
(vgl. Berscheid & Regan, 2005) erforschten, individuelle emotionsregulative Kompetenzen wurden dabei außer acht gelassen.
Gleichzeitig wurde im Kontext dieser Analysen erneut deutlich, dass hinsichtlich
des Umgangs mit Ärger in Beziehungen zwischen nahestehenden/unterstützenden und
belastenden Beziehungen unterschieden wird. Innerhalb dieser jeweiligen Gruppe
von Beziehungen (unterstützend vs. belastend) hängt die Differenzierung, operationalisiert über die Streuung, in unterschiedlicher Weise mit dem Mittelwert zusammen. Streuung und Mittelwert korrelieren in unterstützenden Beziehungen positiv,
in belastenden hingegen negativ miteinander. Das bedeutet, dass nur in belastenden
Beziehungen eine hohe Differenziertheit im Gebrauch emotionsregulativer Strategien
zum Umgang mit negativen Emotionen funktional ist.
Intimitätsregulierung leistet hingegen keinen signifikanten Beitrag zur Vorhersage
der Anzahl stabiler Beziehungen nach einem Jahr. Damit konnte ein Teil der Hypothese 3 nicht bestätigt werden. Ein wichtiger Erklärungsgrund hierfür könnte me-
Studie 1: Emotionsregulation & Beziehungsgestaltung
130
thodischer Natur sein. Das Nichtnennen von Netzwerkpersonen in Welle 2 kann
auch dadurch zustande gekommen sein, dass insgesamt weniger und teilweise anders lautende Generatoren verwendet wurden. Es kann also durchaus sein, dass in
Welle 1 genannte Beziehungen noch dem Netzwerk des Befragten angehören, aber in
Welle 2 nicht mehr auf die Fragen passten. Dies trifft beispielsweise auf das Generatoritem „gemeinsame Aktivitäten und Unternehmungen“ zu. Weitere in der Literatur diskutierte Entwicklungscharakteristika in diesem Zusammenhang sind das
Ausmaß an Selbstoffenbarung (Altman & Taylor, 1973), Vertrauen (Holmes, 1991)
oder Verpflichtung (commitment, Johnson, 1991).
3.3.4 Emotions- & beziehungsbezogene Interaktionen
Wechselseitige Interaktionen zwischen Beziehungen und Emotionsregulation innerhalb eines Jahres wurden zusätzlich untersucht. Die Frage, die sich dahinter verbirgt, ist, welchen (kontextuellen) Einfluss Netzwerk- oder Beziehungsmerkmale auf
Emotionsregulation in Beziehungen in der Adoleszenz und im jungen Erwachsenenalter ausüben. Die berichteten Analysen zu reziproken, kreuzverzögerten Effekten
von Beziehungsmerkmalen und emotionsregulativen Mechanismen konnten zeigen,
dass es keine bedeutsamen Einflüsse struktureller Netzwerkmerkmale wie Größe,
Anzahl der Verwandten bzw. Mitschüler/Kollegen oder Anzahl belastender Beziehungen darauf gibt, wie gut mit Ärger oder Konflikten in Beziehungen nach einem
Jahr umgegangen werden kann oder wie stark Beziehungen zum Erleben angenehmer Gefühle aktiviert werden. Hingegen waren Einflüsse qualitativer Beziehungskennzeichen auszumachen. Eine hohe Beziehungsqualität zu Mitschülern oder
Kommilitonen/Kollegen hat etwa ein positives Gewicht auf den allgemeinen Umgang
mit Ärger in Beziehungen nach einem Jahr. Eine hohe Beziehungsqualität zu T1 führt
bei Adoleszenten und jungen Erwachsenen außerdem dazu, dass zum zweiten Befragungszeitpunkt Beziehungen allgemein stärker aufgesucht und aktiviert werden.
Dies betrifft insbesondere familiale Beziehungen und Beziehungen zu Peers aus der
Studie 1: Emotionsregulation & Beziehungsgestaltung
131
Schule oder der Ausbildung / dem Beruf. Eine Ausnahme bildet die Beziehungsqualität zu den Eltern, diese hat keinen Einfluss darauf, inwieweit Adoleszente und junge Erwachsene die Nähe zu anderen Personen des Netzwerks in T2 suchen oder wie
sie mit Belastungen in Beziehungen umgehen. Diese Befunde untermauern die zentrale Rolle Gleichaltriger gegenüber Eltern in der Entwicklung Adoleszenter und junger Erwachsener. Wenngleich die Koeffizienten eher gering ausfallen, so ist die Aussage klar. Eltern stellen nicht mehr die wichtigste Bindungsperson dar und haben
insgesamt gesehen geringen Einfluss auf die emotionale Entwicklung oder den Umgang mit Emotionen ihrer adoleszenten Kinder. Wahrscheinlich ist, dass sich die Koeffizienten erhöhen würden, wenn belastende Mitschüler/Kommilitonen aus der Berechnung ausgeklammert werden würden. Umso mehr erstaunt es, dass Qualitätsmerkmale familialer Beziehungen positiv Nähesuchen in Beziehungen nach einem Jahr
vorhersagen. Dies weist auf die starke Differenzierung von Beziehungen im Hinblick
auf emotionales Erleben und Verarbeiten hin. Enge Beziehungen, weite Beziehungen,
Beziehungen zu den Eltern, zu Gleichaltrigen, Beziehungen zu entfernter Verwandten oder Beziehungen zu Konfliktpartnern konstituieren allesamt das Netzwerk
Adoleszenter und junger Erwachsener und wirken in unterschiedlicher Weise auf
deren Entwicklung.
3.3.5 Emotionsregulation auf Ebene des persönlichen Erlebens
Die berichteten Analysen zu Mittelwertsunterschieden in der Adoleszenz konnten
zeigen, dass Nähesuchen als globale Strategie der Emotionsregulation am stärksten
eingesetzt wird, das heißt, die Nähe anderer zum Erleben schöner Dinge und die
Nähe anderer zum Bewältigen belastender oder unangenehmer Emotionen suchen.
Strategien des Meidens werden allerdings nicht häufiger angegeben als Strategien der
Modifikation. Konform wird im Kontext der Bewältigungsforschung von einer altersabhängigen Abnahme vermeidender Verhaltensweisen berichtet (Winkler Metzke &
Steinhausen, 2002).
Studie 1: Emotionsregulation & Beziehungsgestaltung
132
Erwartet wurde, dass weibliche Adoleszente einen stärkeren Einsatz in Nähesuchen
und Modifikation berichten als männliche Heranwachsende. Die präsentierten Ergebnisse zu Geschlechtsunterschieden in selbstberichteten Strategien der Emotionsregulation zeigten auf, dass Mädchen tatsächlich mehr Strategien des Nähesuchens einsetzen als Jungen desselben Alters. In Einklang damit stehen Befunde der Bewältigungsforschung, wonach Mädchen stärker nach sozialer Unterstützung suchen als
Jungen (z.B. Frydenberg & Lewis, 1993; Herman-Stahl et al., 1995; Schonert-Reichl &
Muller, 1996; Winkler Metzke & Steinhausen, 2002). Der Befund, dass männliche Adoleszente stärker auf modifizierende Strategien der Emotionsregulation zugreifen
als weibliche Adoleszente, wurde in der Form nicht erwartet. Konform dazu fand
Smolenski (2006) heraus, dass Jungen stärker die ablenkende Strategie „Zerstreuung“
zur Regulierung von Angst, Trauer und Wut einsetzen als Mädchen. Mädchen und
Jungen unterschieden sich dagegen nicht in der Anwendungshäufigkeit von Strategien des Meidens: Im Hinblick auf die antezedente Regulierung unangenehmer Gefühle gibt es keine Geschlechtsunterschiede in der Nennungshäufigkeit.
Weiterhin wurden keine Unterschiede zwischen den Altersgruppen im Gebrauch
emotionsregulativer Strategien vorausgesagt. Die Überprüfung spezifischer Altersunterschiede zeigte, dass sich ab dem Jugendalter (ca. 16 Jahre) der angegebene Einsatz emotionsregulativer Strategien nicht zwischen Adoleszenten und jungen Erwachsenen unterscheidet. Das Resultat unterstreicht vor allem Forschungsarbeiten,
denen zufolge die entscheidendsten Entwicklungssprünge im Hinblick auf die Verwendung emotionsregulativer Strategien im Übergang von der Kindheit in die Adoleszenz anzutreffen sind (Friedlmeier, 1999) und Adoleszente bereits ein relativ breites Spektrum von Bewältigungsstrategien aufweisen (Garnefski, Kraaij & Spinhoven,
2001). Bislang fehlte allerdings die Berücksichtigung antezedenter Strategien oder die
Regulierung positiver Emotionen sowie altersvergleichende empirische Untersuchungen zum Übergang von der Adoleszenz ins junge Erwachsenenalter. Gleichzei-
Studie 1: Emotionsregulation & Beziehungsgestaltung
133
tig stellt der Befund eine in psychologischen Studien übliche Trennung beider Altersbereiche in Frage. Tatsächlich könnte die von Jeffrey J. Arnett (2000) postulierte
Lebensphase ‚emerging adulthood’ (18-25 Jahre) bereits zu einem früheren Zeitpunkt
beginnen. Die von ihm für diese Lebensphase charakterisierten Merkmale der Veränderung und Exploration (etwa in Bezug auf Liebesbeziehungen, Arbeit oder die
eigene Weltsicht) treffen ebenso auf Adoleszente zu.
3.3.6 Entwicklung emotionsregulativer Strategien in Dyaden
Nach Hypothese 6 sollten die Ausbildung und der Einsatz emotionsregulativer
Strategien in der Adoleszenz stärker durch Gleichaltrige als durch Eltern beeinflusst
werden. Ergebnisse der Analysen von Eltern-Kind- und Adoleszente-Alteri-Dyaden
machten deutlich, dass von den Eltern keine Beeinflussung innerhalb eines Jahres
ausgeht. Dagegen ergaben sich in Adoleszente-Alteri-Dyaden wechselseitige Zusammenhänge in Strategien der Modifikation. Kreuzverzögerte Gewichte belegen,
dass die Anwendung emotionsregulativer Strategien der Modifikation Adoleszenter
positiv durch die Anwendung emotionsregulativer Strategien der Modifikation von
Alteri aus der Schule oder der Ausbildung bestimmt wird. Das ist konsistent mit der
Annahme, dass Gleichaltrige einen positiven Einfluss auf die soziale und persönliche
Entwicklung Adoleszenter ausüben (Brown, 2004; Muuss & Porton, 1998) und bestätigt zugleich Analysen auf Ebene der Beziehungen (siehe 3.3.4). In gleichem Sinne
argumentiert Thompson (1994), dass die Entwicklung emotionsregulativer Fähigkeiten in sozialen Beziehungen integriert ist, aufgrund der direkten oder indirekten Einflussnahme anderer in die Regulierung von Emotionen. Die im Vergleich zur Kindheit stärkere Nähe und Intimität zwischen Adoleszenten und ihren gleichaltrigen
Peers (Buhrmester, 1990; Collins & Madsen, 2006; Levitt et al., 1993) erfüllt nicht nur
affiliative Bedürfnisse Adoleszenter, sondern trägt ebenso zur Sozialisation emotionsbezogener Kompetenzen bei. Die Beziehungen zu Eltern bieten zwar nach wie
vor Fürsorge und Unterstützung (Collins & Madsen, 2006; Youniss & Smollar, 1985),
Studie 1: Emotionsregulation & Beziehungsgestaltung
134
spielen aber anscheinend eine geringe Rolle in der Sozialisation von Emotionsregulation. Diese Effekte treffen in gleicher Weise auf junge Erwachsene und deren Eltern
sowie Alteri zu.
3.3.7 Emotionsregulation, Wohlbefinden & Handlungsregulierung
Entgegen der Erwartung, wonach die Strategien Nähesuchen und Modifikation positiv und die Strategie Meiden negativ mit Indikatoren psychischer Anpassung zusammenhängen sollten, ließen Ergebnisse der Korrelationsanalysen keine signifikanten Zusammenhänge mit Lebenszufriedenheit, Depressivität, Gesundheit oder
Selbstwert deutlich werden. Das steht in offensichtlichem Gegensatz zu bisherigen
Forschungsarbeiten, in denen etwa die adaptive Regulierung von Trauer, Wut, Angst
hoch mit positivem subjektiven Wohlbefinden einhergeht (Smolenski, 2006) oder in
denen positive Auswirkungen auf verschiedenen Ebenen von reappraisal (Egloff et
al., 2006; Gross, 1998; Gross, 2002; Gross & John, 2003; John & Gross, 2004) oder annäherungsorienterten Bewältigungsstrategien (Herman-Stahl et al.,1995) gezeigt
wurden. Eine Erklärung hierfür könnte sein, dass es sich vor allem bei Nähesuchen
und Meiden um sozial relevante emotionsregulative Prozesse handelt, die stärker im
Rahmen sozialer Beziehungen wirken. Ein wichtiger Befund in diesem Zusammenhang sind fehlende negative Korrelationen zwischen Lebenszufriedenheit, Gesundheit oder Depression und Meiden. Dies deutet darauf hin, dass antezedente, emotionsvermeidende Strategien nicht als dysfunktional einzustufen sind, wie es die Forschung im Bereich der Bewältigung (Armeli et al., 2008; Butler et al., 2003; Cooper et
al., 2006; Cooper et al., 1995; Thayer et al., 1994) nahe legt. Unterstützung erfährt diese Idee durch sozialpsychologische Ansätze bezogen auf die Aufrechterhaltung eines
gesunden Selbstkonzepts. Das Konzept, wie Individuen sich selbst sehen und fühlen,
kann nämlich durch bestimmte Interaktionspartner aktiviert oder beeinflusst werden
(Hinkley & Andersen, 1996). Gleichzeitig wünschen sich Individuen, dass andere sie
so sehen, dass es in Einklang mit eigenen Sichtweisen und Einstellungen steht
Studie 1: Emotionsregulation & Beziehungsgestaltung
135
(Swann, Rentfrow & Guinn, 2003). Sogenannte selbstregulative Verteidigungsstrategien (‚defense’, z.B. Rhodewalt & Vohs, 2005) spiegeln Bemühungen des Individuums wider, ein erwünschtes Selbstbild aufrechtzuerhalten (ib.). Diese können kognitiver, emotionsbezogener oder verhaltensbezogener (auch interpersoneller) Art
sein. Daraus kann geschlussfolgert werden, dass aktive, antezedente Verteidigungsstrategien wie das Meiden es dem Individuum ermöglichen, ein Gefühl der Kompetenz und Steuerbarkeit zu behalten, wenn Situationen oder Personen das Selbst oder
ein individuelles emotionales Gleichgewicht gefährden. Meiden kann daher in diesem
Rahmen nicht von vornherein als dysfunktional beurteilt werden.
Für den Zusammenhang zwischen emotionsregulativen Strategien Nähesuchen,
Meiden und Modifikation und dem Kontrollstreben im Hinblick auf „Erfolg im Beruf“
wurde erwartet, dass Nähesuchen und Modifikation positiv mit zielorientiertem Kontrollstreben und Meiden negativ mit zielorientierten Kontrollstrategien einhergehen.
Die berichteten Analysen zeigten größtenteils hypothesenkonforme Ergebnisse. Nähesuchen korreliert positiv mit kompensatorischer primärer Kontrolle, Modifikation
geht positiv mit kompensatorischer primärer Kontrolle und selektiver sekundärer
Kontrolle einher. Korrelationen zwischen Meiden und Kontrollstrategien sind nicht
bedeutsam von Null verschieden. Keine signifikanten Zusammenhänge zeigten sich
zudem mit Kontrollstrategien der Zielablösung (kompensatorische sekundäre Kontrolle). Vor allem volitionales und aktionales Kontrollstreben ist somit mit Emotionsregulation assoziiert.
Der Übergang von der Schule in den Beruf stellt eine bedeutsame Entwicklungsherausforderung (-aufgabe) der Adoleszenz dar (Havighurst, 1976), was sich ebenso
in den Zielorientierungen Adoleszenter widerspiegelt (Nurmi, 1991). Haase und Kollegen (Haase, Heckhausen & Köller, in press) fanden heraus, dass adaptive Strategien des Zielengagements die Wahrscheinlichkeit, das angestrebte ausbildungsbezogene Ziel tatsächlich zu erreichen, erhöhen. Befunde der vorliegenden Arbeit machen
deutlich, dass emotionsregulative Strategien nicht mit wirksamkeitsorientierten Zie-
Studie 1: Emotionsregulation & Beziehungsgestaltung
136
len (z.B. in Schule/Beruf erfolgreich sein) korreliert sind, wohl aber mit verhaltensbezogenen und volitionalen Strategien der Zielverfolgung, die besonders adaptiv in der
Jugendphase sind. Es zeigt sich, dass emotionsregulative Strategien mit entwicklungsregulativem Handeln einhergehen. Ob dabei Emotionsregulation entwicklungsregulatives Handeln fördert oder umgekehrt, konnte in dieser Untersuchung
trotz zweier Messzeitpunkte nicht geklärt werden. Ein Grund hierfür ist, dass Kontrollstrategien nicht reliabel zu beiden Befragungszeitpunkten abgebildet werden
konnten. Dies stellt eine methodische Einschränkung der Arbeit dar, die Anlass zu
zukünftigen Studien gibt, in der kausale Wirkrichtungen zwischen Emotionsregulation und Handlungsregulierung in der Adoleszenz anhand eines Längsschnitts überprüft werden. Die Vermutung geht von meiner Seite jedoch in die Richtung, emotionsregulatives Handeln als Ursache und nicht als Folge anzusehen. In mehreren
Studien wurde nachgewiesen, dass negative Emotionen selbstregulatives Verhalten
behindern und positive Emotionen als Ressourcen Selbstregulation unterstützen (vgl.
Tice, Baumeiter & Zhang, 2004). Eine Aufgabe zukünftiger Forschung wird demnach
darin bestehen, zu untersuchen, inwieweit beide Prozesse gleichzeitig ablaufen, oder
welche Form der Selbstregulation die andere vorausgesetzt. An dieser Stelle kann
daher auch nicht eindeutig die Frage beantwortet werden, in welcher Weise Emotionsregulation entwicklungsregulatives Handeln begünstigt.
Darüber hinaus konnte gezeigt werden, dass Nähesuchen und Modifikation positiv
mit Kontrollüberzeugungen im Bereich Familie und Beruf assoziiert sind. Im Hinblick auf Meiden bestand dieser Zusammenhang nicht. Starke Überzeugungen in Bezug auf die eigenen Kompetenzen sind zentral für eine gesunde Entwicklung in der
Adoleszenz (Wigfield & Wagner, 2005). Doch auch im Hinblick auf kognitive Repräsentationen eigener Fähigkeiten und Kontrolle ist die Kausalität der psychologischen
Phänomene nicht geklärt. Eine weitere Studie sollte untersuchen, welche Wirkrichtungen zwischen den eigenen Überzeugungen, etwas erreichen zu können und emotionsregulativen Strategien angenommen werden müssen.
Studie 1: Emotionsregulation & Beziehungsgestaltung
137
3.3.8 Emotionsregulation & Beziehungsqualität
In Hypothese 9 wurde angenommen, dass Emotionsregulation positiv mit Beziehungsoutcomes einhergeht. Die präsentierten Ergebnisse bezüglich des Zusammenhangs zwischen Emotionsregulation und Beziehungsmerkmalen von Personen des
eigenen sozialen Netzwerks ließen deutlich werden, dass vor allem Strategien des
Meidens negativ mit Konflikten in Beziehungen, insbesondere zu Eltern, dem festen
Freund / der festen Freundin und den Peers einhergehen. Wie bereits erörtert wurde,
steht Meiden nicht in negativem Zusammenhang mit Merkmalen psychischer Anpassung wie Depression. Die Annahme, es handele sich bei Meiden um emotionsregulative Strategien des Jugendalters, die nicht in die Reihe dysfunktionaler Bewältigungsmechanismen einzuordnen sind, wird durch diese Resultate erhärtet. Zumal
die hier behandelten Strategien sich durch Kennzeichen der Antezedenz und Aktivität klar von den vermeidenden Strategien der Bewältigungsforschung (z.B. Winkler
Metzke & Steinhausen, 2002) unterscheiden. Auch die von Smolenski (2006) als maladaptiv bewertete Strategie des Rückzugs grenzt sich dadurch ab, dass auf responsive emotionsbezogene Reaktionen Bezug genommen wird. Ferner wurde festgestellt,
dass Adoleszente, die Strategien des Meidens einsetzen, insgesamt weniger Beziehungen im Netzwerk angeben, das betrifft sowohl positiv-unterstützende als auch
negativ-belastende.
Positive Korrelationen zwischen Nähesuchen bzw. Modifikation und Variablen der
Beziehungsqualität (z.B. Nähe, Anerkennung) bestätigen die Annahme, dass Emotionsregulation eine positive Rolle in der Ausgestaltung von Beziehungen spielt. Alles
in allem bleibt festzuhalten, dass es sich bei Strategien des Meidens entgegen der formulierten Hypothesen nicht um dysfunktionale Verhaltensweisen des Jugendalters
handelt.
Studie 1: Emotionsregulation & Beziehungsgestaltung
138
3.3.9 Methodenkritik & Empfehlungen
Eine methodische Einschränkung der Untersuchung betrifft das Design mit zwei
Erhebungszeitpunkten. Testwiederholungseffekte sind aufgrund der zeitlich engen
Befragung im Abstand von einem Jahr nicht auszuschließen. Wiederholungs- oder
Übungseffekte können daher nicht eindeutig von entwicklungsbedingten Effekten
getrennt werden. Aus diesem Grund sind mehrere Erhebungen mit mindestens drei
Befragungszeitpunkten sehr wünschenswert. Erst dann ist es möglich, intraindividuelle Veränderungen abbilden und von methodischen Effekten trennen zu können.
Emotionen sind nicht die einzigen Prozesse, die reguliert werden müssen. Interessant ist die Frage, in welcher Weise Emotionsregulation sich zu anderen Formen der
Selbstregulation verhält. Ein Anfang ist in der vorliegenden Arbeit über Zusammenhangsanalysen mit Kontrollstrategien unternommen worden. Allerdings wurden
hier Indikatoren des Kontrollstrebens nicht gut erfasst. Um Kausalitäten zwischen
Emotionsregulation und anderen psychologischen Konstrukten wie dem Kontrollstreben eindeutig klären zu können, sollten reliable Indikatoren zu mindestens zwei
Erhebungszeitpunkten entwickelt und eingesetzt werden.
Die Herangehensweise der vorliegenden Arbeit, emotionsregulative Prozesse im
Rahmen eines Netzwerkansatzes mit Blick auf real existierende Beziehungspartner
zu untersuchen, ist völlig neu. Ein nächster, wichtiger Schritt in diese Richtung wird
sein, emotionsregulative Strategien unmittelbar bezogen auf jede Netzwerkperson
abzufragen. Also etwa über die Frage des Umgangs mit Ärger hinausgehend, zu ermitteln, was genau von den Teilnehmern unternommen wird, um Ärger in Bezug
auf Person XY des eigenen Netzwerks zu meistern. Es ist interessant, welche Strategien – möglicherweise auch im Hinblick auf unterschiedliche Emotionen – angewandt und wie diese zwischen den einzelnen Netzwerkpartnern differenziert werden.
Studie 2: Zur strukturellen Qualität & Validität der Skala zu Emotionsregulation
139
4 Studie 2: Zur strukturellen Qualität & Validität der Skala
zu Emotionsregulation
Die Befunde der Hauptstudie (Studie 1) belegen, dass emotionsregulative Prozesse in der Adoleszenz global durch drei Mechanismen konzeptualisiert werden können. Der Anlass der zweiten Studie ergab sich aus der Notwendigkeit, eine neu entwickelte Skala, basierend auf diesen Mechanismen, teststatistisch zu überprüfen.
In Studie 2 zwei sind daher die Dimensionen Nähesuchen, Meiden (selektive Strategien) und Modifikation (beeinflussende Strategien) operationalisiert und im Hinblick
auf Reliabilität und Validität analysiert worden. Zur Validierung wurden verschiedene Methoden (Selbst- und Fremdbeurteilung) eingesetzt und Zusammenhangsmuster mit inhaltlich nahen Konstrukten ermittelt. Als Validierungskorrelate wurden primäre und sekundäre Kontrolle (OPS, Heckhausen, 2002), Emotionsregulation
(Feel-KJ, Grob & Smolenski, 2005; ERQ-D, Stadelmaier, 2006), Alexithymie (Kupfer et
al., 2001) sowie ein Big-Five-Inventar in der Kurzform (adaptiert an Lang et al., 2001)
verwendet. Da die Sicherstellung von Messäquivalenz als Grundvoraussetzung für
die Untersuchung von Gruppenunterschieden gilt (Little, 1997; Meredith & Horn,
2001), bestand ein weiteres Ziel der zweiten Studie darin, Messäquivalenz der Skala
über das Alter und über das Geschlecht aufzuzeigen.
Die Abschnitte des folgenden Kapitels befassen sich mit der Schilderung des Datenmaterials, der Erhebungsinstrumente, des Vorgehens und der Stichprobe der Validierungsstudie. Danach werden konfirmatorischen Datenanalysen und Auswertungen zur Äquivalenz des Instruments beschrieben. Schließlich erfolgen Ausführungen hinsichtlich der Validitätsüberprüfung der Skala. In einem letzten Abschnitt
werden alle Ergebnisse zusammengefasst.
Studie 2: Zur strukturellen Qualität & Validität der Skala zu Emotionsregulation
140
4.1 Darstellung des Vorgehens & Datenbasis
Die Datenerhebung der Fragebogenstudie fand im Zeitraum Oktober – November
2007 statt. In Erlangen und Umgebung wurden Teilnehmer direkt über die an der
Studie beteiligten studentischen Interviewer sowie über Aushänge in der Volkshochschule, dem Arbeitsamt, in Supermärkten oder Vereinen gewonnen. Darüber hinaus
wurden Jugendliche mit Genehmigung des Bayerischen Staatsministeriums für Unterricht und Kultus über Erlanger Realschulen und Gymnasien rekrutiert. In den
Schulen fand die Befragung dann als Gruppenuntersuchung statt, bei der jeweils ein
Jugendlicher sich selbst einschätzte und durch einen Klassenkameraden fremd eingeschätzt wurde. Bei unter 18-jährigen Schülern wurde die Genehmigung der Eltern
eingeholt.
Zum Ausfüllen der Selbstbeschreibung war allgemein jede Person zwischen 15
und 50 Jahren berechtigt. Interessierte, die außerhalb dieser Altersspanne lagen,
wurden aufgrund erwarteter Alterseffekte nicht in die Befragung einbezogen, da altersbezogene Effekte nicht Untersuchungsgegenstand der Studie bildeten. Als
Fremdbeurteiler waren Freunde, Mitschüler oder Partner aufgerufen. Auch hier galten die geforderten Altersgrenzen. Eltern schieden als fremd beurteilende Person
(ihrer eigenen Kinder) von vornherein aus, um generationsbezogene Phänomene wie
das des „intergenerational-stake“ (z. B. Giarrusso, Feng, & Bengtson, 2004) zu vermeiden.
Alle Angaben wurden anonym erhoben, als Zuordnungsmerkmal von Selbst- und
Fremdsicht diente eine fortlaufende Codierungsnummer, die in beiden Instrumenten
kongruent war. Voraussetzung für die Durchführung der Befragung war neben der
selbstverständlichen Freiwilligkeit der Teilnehmer die Anwesenheit eines geschulten
Mitarbeiters des Projekts zur Sicherstellung von Durchführungsobjektivität. Alle
Teilnehmer wurden im Vorfeld der Befragung ausführlich über Inhalt und Ziele der
Untersuchung sowie über datenschutzrechtliche Bestimmungen informiert.
Studie 2: Zur strukturellen Qualität & Validität der Skala zu Emotionsregulation
141
4.1.1 Stichprobenmerkmale
Im nächsten Abschnitt geht es um die Beschreibung zentraler demografischer
Merkmale der an der Befragung beteiligten Personen. Selbst- und Fremdbeurteiler
werden dabei separat betrachtet.
Insgesamt nahmen 508 Personen an der Befragung teil (siehe Tabelle 15). 257 Teilnehmer bearbeiteten davon die Selbsteinschätzung. Bei 251 Befragten liegt außerdem
eine Fremdeinschätzung vor. Die Gesamtzahl vollständiger und auswertbarer SelbstFremd-Dyaden liegt bei 226 Fällen.
Die Schüler der Selbsturteilergruppe waren im Durchschnitt 15.9 (SD = 1.1) Jahre,
die erwachsenen Teilnehmer 27.7 (SD = 7.5) Jahre alt. Generell war die Bereitschaft
zu einer Teilnahme bei Frauen größer als bei Männern. Allerdings zeigten sich keine
signifikanten Alters- oder Geschlechtsunterschiede zwischen Selbst- und Fremdeinschätzern (Alter: T = 0.05, df = 506, p = .96; Geschlecht: T = 0.22, df = 506, p = .83). In der
Gruppe der Adoleszenten besteht die Stichprobe zu 59.3 % (57.7 % Fremdeinschätzung) aus weiblichen und zu 40.7 % (42.5 % Fremdeinschätzung) aus männlichen
Befragten. Im Hinblick auf den Bildungsstand gaben in der Selbsteinschätzung 22.7
% der adoleszenten Schüler an, einen Realschulabschluss ablegen zu wollen; der überwiegende Teil (74.4 %) hingegen strebte zum Zeitpunkt der Erhebung das Abitur
an. In der Gruppe der Fremdeinschätzer lag der Anteil der Realschüler bei 30.5 %.
Bildungsunterschiede zwischen Adoleszenten der Selbsteinschätzung und adoleszenten Fremdeinschätzern sind nicht statistisch bedeutsam (T = 1.62, df = 324, p = .11).
Die Altersgruppe der Erwachsenen bestand vorwiegend aus Studenten. Der Studierendenanteil lag bei 42.4 % (40.5 % Fremdeinschätzung). 29.4 % der Teilnehmer (29.8
% Fremdeinschätzung) hatten bereits ein Studium absolviert und 16.5 % (19.0 %
Fremdeinschätzung) verfügten über eine abgeschlossene Ausbildung. In der Gruppe
der erwachsenen Teilnehmer konnten ebenfalls keine signifikanten Unterschiede
zwischen Selbst- und Fremdurteilern im Bildungsstand gefunden werden (T = 1.26, df
= 166, p = .21).
Studie 2: Zur strukturellen Qualität & Validität der Skala zu Emotionsregulation
142
Innerhalb der Gruppe der Selbsteinschätzer ist die Verteilung von Frauen und
Männern bei Adoleszenten und erwachsenen Teilnehmern gleich (T = -0.65, df = 255,
p = .52). Ebenso verhält es sich mit dem Anteil der Befragten, die einen höheren Bildungsweg verfolgen: Adoleszente und Erwachsene unterscheiden sich nicht im Anteil derjenigen Teilnehmer, die zum Zeitpunkt der Befragung das Abitur anstrebten
oder bereits darüber verfügten (T = -0.51, df = 248, p = .61).
4.1.2 Erhebungsinstrumente der Validierungsstudie
Im Folgenden werden zunächst die Einzeldimensionen der Skala zur Emotionsregulation inhaltlich vorgestellt und erläutert. Darüber hinaus werden die zur Ermittlung konvergenter und diskriminanter Zusammenhänge eingesetzten Validierungskorrelate beschrieben. Und schließlich wird kurz berichtet, wie der Fragebogen
zur Erhebung der Fremdsicht aufgebaut ist.
4.1.2.1 Itemkonstruktion der Skala zu Emotionsregulation
Das Ziel der Instrumentenentwicklung bestand darin, eine globale Skala zu entwerfen, die dem handlungstheoretischen Rahmen gerecht wird und sowohl positive
als auch negative Emotionen einbezieht.
Die Selektion von Umwelten (vgl. Abschnitt 1.5.1) wurde getrennt operationalisiert für die antagonistischen Elemente Nähesuchen (positive Selektion) und Meiden
(unterdrückte Selektion) von Beziehungen oder Situationen. Bei der Konstruktion
von Items bezogen auf Nähesuchen wurden gleichzeitig positive wie negative Emotionen berücksichtigt, d.h. es wurden Items ausgearbeitet, die das Aufsuchen anderer
Personen bei negativen Emotionen wie Einsamkeit oder Nervosität beinhalten und
Items, die das Aufsuchen anderer Personen zum Erleben positiver Emotionen wie
Freude einschließen. Insgesamt sechs Items sind für den Bereich Nähesuchen zum Erleben positiver Emotionen und zum Bewältigen negativer Emotionen formuliert und
eingesetzt worden. Tabelle 16 gibt einen Überblick über die Zuordnung zu den pos-
Studie 2: Zur strukturellen Qualität & Validität der Skala zu Emotionsregulation
143
tulierten Konstrukten. Vier Items wurden für das Konzept des Meidens unangenehmer Personen oder Situationen erstellt. Der behaviorale Aspekt von Modifikation (vgl.
Abschnitt 1.5.2) umfasst Ablenkung, die Beschäftigung mit anderen Dingen sowie
die Veränderung der aktuellen Situation, um einen existierenden emotionalen Zustand zu verändern. Insgesamt sind sechs Items der Modifikation der Situation oder
des Verhaltens eingesetzt worden. Die Modifikation kognitiver Prozesse schließt ebenfalls positive und negative Emotionen ein. Das heißt, es wurden Items formuliert, die
einerseits auf das Evozieren und Aufrechterhalten angenehmer Gefühle und andererseits auf die Abschwächung negativer Gefühle gerichtet sind. Angemerkt sei in
diesem Zusammenhang, dass Itemformulierungen der Modifikation des Denkens an
den Faktor reappraisal im ERQ von Gross und John (2003) angelehnt sind.
Insgesamt wurden 25 Items eingesetzt. Alle Items haben ordinales Skalenniveau
und sollten anhand einer fünfstufigen Likertskala (1 „trifft gar nicht zu“, 2 „trifft eher
nicht zu“, 3 „teils/teils“, 4 „trifft etwas zu“, 5 „trifft sehr zu“) dahingehend beurteilt
werden, inwieweit die dargebotenen Sätze zutreffen oder nicht zutreffen. Als Einstieg in die Frage diente die folgende Einleitung: „Im Folgenden finden Sie eine Reihe von Aussagen zum Umgang mit Gefühlen. Wie ist das bei Ihnen? Bewerten Sie
bitte jeweils, inwieweit die einzelnen Aussagen auf Sie zutreffen oder nicht zutreffen.
Verwenden Sie hierfür bitte eine Skala von 1-5.“.
Min-Max
60.7
weiblich (%)
-
Abitur
fehlend
-
kein Ausbildungsabschluss
Abschluss in einem Lehrberuf / Facharbeiter
Meister
laufendes Studium
(Fachhochschule/Universität)
abgeschlossenes Studium
(Fachhochschule/Universität)
Abgeschlossene Promotion
fehlend
Berufsausbildung (%)
-
Realschule
Angestrebter Schulabschluss (%)
39.3
männlich (%)
14-46
19.8 (7.1)
Alter in Jahren (SD)
-
-
-
-
-
-
-
72.9
74.4
22.7
59.3
40.7
14-18
15.9 (1.1)
Adoleszente
(N=172)
78.1
71.2
29.4
-
-
-
-
-
72.4
42.4
-
-
-
-
-
59.8
40.2
14-45
19.8 (7.0)
Gesamt
(N=251)
-
-
-
-
-
-
-
72.4
67.1
30.5
57.5
42.5
14-18
15.8 (1.1)
Adoleszente
(N=167)
74.8
71.2
29.8
40.5
72.4
19.0
72.4
-
-
-
64.3
35.7
19-45
27.7 (7.1)
Erwachsene
(N=84)
Merkmale der Fremdeinschätzenden
16.5
70.0
-
-
-
63.5
36.5
19-46
27.7 (7.5)
Erwachsene
(N=85)
Merkmale der Selbsteinschätzenden
Gesamt
(N=257)
Geschlecht
144
Zentrale demographische Merkmale der Untersuchungsgruppen in Selbst- und Fremdeinschätzung, Validierungsstudie
Merkmale
Tabelle 15:
Studie 2: Zur strukturellen Qualität & Validität der Skala zu Emotionsregulation
Studie 2: Zur strukturellen Qualität & Validität der Skala zu Emotionsregulation
Tabelle 16:
145
Skala der Emotionsregulation: Itembeispiele
Konstrukt
Itemanzahl
insgesamt
Nähesuchen von
Beziehungen
oder Situationen
(Selektion)
6
Meiden von Beziehungen oder
Situationen (Selektion)
4
Modifikation (der
Situation, des
Denkens)
15
Wortbeispiele
-
Ich suche die Nähe zu Personen, mit denen ich schöne Erlebnisse teilen kann.
-
Wenn ich nervös bin, suche ich jemanden, der mich
beruhigen kann.
-
Ich achte darauf, bestimmten Menschen nicht zu begegnen, weil ich negative Gefühle (wie Ärger oder
Zorn) vermeiden möchte.
-
Unangenehmen Situationen gehe ich wenn möglich
früh aus dem Weg.
-
Wenn ich mich traurig fühle, dann lenke ich mich
mit anderen Dingen ab.
-
Wenn ich negative Gefühle (wie Einsamkeit oder
Angst) erlebe, verändere ich die Situation in der ich
bin so, dass es mir besser geht.
-
Wenn etwas oder jemand bei mir negative Gefühle
erzeugt, ändere ich meine Einstellung oder mein
Denken, damit es mir besser geht.
-
Um mich aufzuheitern, denke ich an etwas Schönes.
4.1.2.2 Validierungsskalen
An dieser Stelle werden Skalen vorgestellt, die der Konstruktvalidierung der Skala
zu Emotionsregulation dienten. Es handelt sich dabei um eine bereichsübergreifende
Version der OPS-Skala, der deutschen Version des ERQ, der Toronto-AlexithymieSkala, dem Feel-KJ und dem Big-Five-Inventar.
4.1.2.2.1 Bereichsübergreifende OPS-Skala
Heckhausen und Schulz (1995) postulieren vier unterschiedliche Kontrollstrategien, die zum einen auf die Beeinflussung der Umwelt (primäre Kontrolle) und zum
anderen auf interne Prozesse (sekundäre Kontrolle) abzielen. Als selektive primäre
Studie 2: Zur strukturellen Qualität & Validität der Skala zu Emotionsregulation
146
Kontrolle wird der Einsatz von Anstrengung und Zeit zum Erreichen eines bestimmten Zieles bezeichnet. Kompensatorische primäre Kontrollstrategien treten in Kraft,
sobald die eigenen Mittel nicht mehr genügen. Sie bestehen in der Aktivierung externer sozialer wie technischer Ressourcen. Selektive sekundäre Kontrolle unterstützt
das primäre Kontrollstreben als volitionale Komponente, indem Kognitionen an die
Zielerreichung angepasst und auf diese ausgerichtet sind. Sie erhöhen den Einsatz
oder die Verpflichtung für ein gewähltes Ziel. Daneben existieren kompensatorische
sekundäre Mechanismen, die im Falle von Verlusten oder Misserfolgen aktiviert
werden. Sie dienen der Aufrecherhaltung und Erhöhung motivationaler und emotionaler Ressourcen und somit der Wiederherstellung notwendiger Handlungskompetenzen. Es handelt sich hierbei um ein mehrdimensionales Konstrukt, welches Items
zur Zieldistanzierung, zum Schutz des Selbst, zum sozialen Vergleich und zu
intraindividuellen Vergleichen beinhaltet. Es wird erwartet, dass insbesondere Strategien der primären Kontrolle positiv mit der Selektion von Beziehungen (Nähesuchen
und Meiden) zusammenhängen. Sekundäre Strategien sollten vor allem mit dem
Konzept der Modifikation (Situationsveränderung/Ablenken/Umdenken) korrelieren.
Insgesamt umfasst die bereichsübergreifende OPS-Skala 32 Items (Heckhausen et
al., 1997); alle vier Konstruktbereiche (selektive primäre Kontrolle; kompensatorische
primäre Kontrolle; selektive sekundäre Kontrolle; kompensatorische sekundäre Kontrolle, Zieldistanzierung; kompensatorische sekundäre Kontrolle, Motivationsprotektion) sind jeweils durch acht Items operationalisiert. Anhand einer fünfstufigen Skala
wird eingeschätzt, inwieweit die jeweiligen Aussagen zutreffen oder nicht zutreffen
(1 „trifft gar nicht zu“ – 5 „trifft sehr zu“).
4.1.2.2.2 ERQ-Deutsche Version (ERQ-D)
Beim ERQ-D handelt es sich um die deutsche Version des Emotion Regulation
Questionnaire (ERQ) von Gross und John (2003), welcher von Stadelmaier (2006) übersetzt und validiert worden ist. In Übereinstimmung mit Gross und John werden
zwei grundlegende Emotionsregulationsstrategien behandelt: Kognitive Neubewer-
Studie 2: Zur strukturellen Qualität & Validität der Skala zu Emotionsregulation
147
tung und Unterdrücken der emotionalen Reaktion (‚cognitive reappraisal’, ‚expressive suppression’). Kognitive Neubewertung bedeutet ein Umbewerten oder –deuten
des emotionalen Stimulus einer Situation und Unterdrücken bezieht sich auf Prozesse nach vollständigem Eintreten einer emotionalen Reaktion. Der emotionale Ausdruck wird unterdrückt. Sechs Reappraisal- und vier Suppression-Items werden auf
einer fünfstufigen Skala (1 „trifft gar nicht zu“ – 5 „trifft völlig zu“) eingeschätzt. Es
werden positive Zusammenhänge des ‚Reappraisal’-Faktors mit Modifikation erwartet. ‚Suppression’ sollte mit keiner Strategie der entwickelten Skala zu Emotionsregulation zusammenhängen.
4.1.2.2.3 TAS-26 (Toronto-Alexithymie-Skala)
Die Toronto-Alexithymie-Skala von Kupfer, Brosig und Brähler (2001) ist ein zahlreich in der klinischen Diagnostik verwendetes Verfahren. Alexithymie wird als Unfähigkeit definiert, eigene Gefühle hinreichend wahrnehmen, beschreiben und äußern zu können (Brosig, Kupfer, Wölfelschneider & Brähler, 2004). Menschen, die
unter Alexithymie leiden, fehlt es an empathischen Fähigkeiten. Sie sind darüber
hinaus nicht in der Lage, eigene Gefühle adäquat zu identifizieren, sprachlich präzise
auszudrücken und damit psychisch zu verarbeiten und in das Denken einzubeziehen
(Taylor, Ryan & Bagby, 1985). Für emotionales Handeln bilden gerade diese Fähigkeiten eine wichtige Voraussetzung. Aus diesem Grund wird ein diskriminanter Zusammenhang mit den Strategien der Emotionsregulation erwartet.
In der vorliegenden Studie werden zwei der insgesamt drei Alexithymie-Skalen
verwendet. Es handelt sich um „Schwierigkeiten bei der Identifikation von Gefühlen“ und „Schwierigkeiten bei der Beschreibung von Gefühlen“. Erstere enthält sieben und letztere drei Items, die auf einer fünfstufigen Skala (1 „trifft gar nicht zu“ – 5
„trifft völlig zu“) beurteilt werden.
Studie 2: Zur strukturellen Qualität & Validität der Skala zu Emotionsregulation
148
4.1.2.2.4 Feel-KJ
Im Feel-KJ von Alexander Grob und Carola Smolenski (2005) werden 15 Strategien
zum Umgang mit Wut, Angst und Trauer erfasst. Zur Analyse der konvergenten Eigenschaften wurden in der vorliegenden Studie Items des Feel-KJ auf die Emotion
Ärger adaptiert. Das heißt, 30 Items wurden umformuliert und die Emotion Wut
durch Ärger ersetzt (beispielsweise: „Wenn ich wütend bin, zeige ich offen, dass ich
wütend bin“ → „Wenn ich ärgerlich bin, zeige ich offen, dass ich ärgerlich bin“). Jede
Strategie ist durch zwei Items repräsentiert, wodurch sich eine Gesamtanzahl von 30
Items für jede Emotion ergibt. Das Diagnostikinstrument Feel-KJ dient der Differenzierung zwischen adaptivem und maladaptivem Regulationsverhalten. Die einzelnen adaptiven Strategien lauten „Problemorientiertes Handeln“, „Zerstreuung“,
„Stimmung anheben“, „Akzeptieren“, „Vergessen“, „Kognitives Problemlösen“ und
„Umbewerten“. Maladaptive Strategien sind nach Grob und Smolenski „Aufgeben“,
„Aggressives Verhalten“, „Rückzug“, „Selbstabwertung“ und „Perseveration“. Darüber wurden noch drei weitere Strategien formuliert, die keinem speziellen Bereich
zugeordnet sind: „Ausdruck“, „Soziale Unterstützung“ und „Emotionskontrolle“4.
Als Antwortformat hilft eine fünfstufige Skala von 1 („fast nie“) bis 5 („fast immer“).
Es wird erwartet, dass „Problemorientiertes Handeln“, „Zerstreuung“, „Stimmung
anheben“, „Kognitives Problemlösen“ und „Umbewerten“ positiv mit Modifikation
der entwickelten Skala zusammenhängen. Ebenfalls positiv sollten „Soziale Unterstützung“ und Nähesuchen von Beziehungen verknüpft sein.
4.1.2.2.5 Big-Five Inventar
Das Kurz-Big-Five-Invantar ermöglicht eine grobe Erfassung der fünf zentralen
Persönlichkeitseigenschaften Extraversion, Verträglichkeit, Gewissenhaftigkeit, Offenheit und emotionale Stabilität/Neurotizismus. Die Kurzversion mit insgesamt 16
Items stellt eine Adaptation der 42 Items umfassenden Skala von Lang, Lüdtke und
Da im Zuge der Skalenbildung teilweise unzureichende Reliabilitäten festgestellt wurden, wurden
für weitere Analysen nur solche Strategien verwendet, die eine interne Konsistenz von mindestens α >
.50 für jeweils zwei Items aufwiesen.
4
149
Studie 2: Zur strukturellen Qualität & Validität der Skala zu Emotionsregulation
Asendorpf (2001) dar. Alle präsentierten Aussagen werden auf einer fünfstufigen
Skala (1 „trifft gar nicht zu“ – 5 „trifft sehr zu“) beurteilt. Persönlichkeit sollte nicht
mit den Dimensionen der Emotionsregulation korreliert sein. Eine Ausnahme bildet
Extraversion, hier werden positive Zusammenhänge mit Nähesuchen erwartet.
Zusammenfassend sind in Tabelle 17 alle Validierungskorrelate und der jeweils
erwartete Zusammenhang mit der Skala zu Emotionsregulation aufgeführt.
Tabelle 17: Übersicht der verwendeten Erhebungsinstrumente zur Validierung der
Skala zu Emotionsregulation
Verfahren
Autoren
Beschreibung
Erwarteter Zusammenhang
OPS-bereichsübergreifend
Heckhausen et
al., 1997
- selektive primäre,
konvergent &
diskriminant
- kompensatorische primäre,
- selektiv sekundäre,
- kompensatorisch sekundäre Kontrollstrategien
ERQ-D
Stadelmaier,
2006
zwei Skalen:
konvergent
- Reappraisal
- Suppression
TAS-26
Kupfer, Brosig
& Brähler, 2001
zwei Skalen:
diskriminant
- Schwierigkeiten bei der Identifikation von Gefühlen
- Schwierigkeiten bei der Beschreibung von Gefühlen
Feel-KJ
Grob & Smolenski, 2005
- 15 Emotionsregulationsstrategien
adaptiert auf Ärger
konvergent
- adaptiv vs. maladaptiv
Big-Five
Nach Lang,
Lüdtke & Asendorpf, 2001
- Extraversion, Neurotizismus, Gewissenhaftigkeit, Verträglichkeit,
Offenheit
diskriminant
4.1.3 Fremdeinschätzung
Zur zusätzlichen Beurteilung der Validität der entwickelten Skala wurde die
Fremdeinschätzung durch eine(n) Mitschüler(in), Freund(in) oder den(die) Part-
Studie 2: Zur strukturellen Qualität & Validität der Skala zu Emotionsregulation
150
ner(in) erhoben. Das Instrument zur Fremdbeurteilung wurde mit durchlaufenden
Codierungsnummern versehen, die denen der Selbsteinschätzung entsprachen. Auf
diese Weise konnte eine konsequente Zuordnung von Selbst- und Fremdsicht erfolgen. Erhoben wurden demografische Angaben des Urteilers bezogen auf Geschlecht,
Alter, Bildung und Familienstand bzw. Partnerstatus. Im Hauptteil waren die Urteiler aufgefordert, Ego, also die Zielperson (ihren Freund bzw. Partner), hinsichtlich
der Anwendung emotionsregulativer Strategien einzuschätzen. Beurteilt werden
sollte die Zielperson nur im Hinblick auf die Dimensionen Nähesuchen, Meiden und
Modifikation, deren Items in Wortlaut, Anzahl und präsentierter Reihenfolge der
Selbsteinschätzung entsprachen. Die Pronomen der zu beantwortenden Aussagen
wurden in die dritte Person umgewandelt.
4.2 Auswertung & Ergebnisse
Im folgenden Abschnitt des Kapitels werden Verfahren und Analyseschritte, die
den Auswertungen zugrunde liegen, beschrieben. Im Anschluss werden die gewonnenen Befunde dargelegt. Zunächst erfolgt eine knappe Schilderung der Datenbereinigung, die zum Ausschluss einer Anzahl von Fällen führte.
4.2.1 Datenbereinigung & Auswertungsstrategie
Nach Prüfung des Datensatzes auf multivariate Extremwerte (siehe Tabachnik &
Fidell, 2007) wurden 21 Fälle (9 Fälle des Selbstberichts, 12 Fälle des Fremdberichts)
von weiteren Analysen ausgeschlossen. Es handelte sich um Datenfälle, bei denen
mehrere Werte in den Items zu Emotionsregulation kombiniert ein ungewöhnliches
Muster aufwiesen. Außerdem wurden solche Fälle aus dem Datensatz entfernt, die
verhältnismäßig viele fehlende Werte enthielten (7 Fälle des Selbstberichts), etwa
weil das Ausfüllen in der Schulstunde zeitlich nicht bewältigt oder eine Seite überblättert und dadurch gar nicht ausgefüllt wurde. Dies betraf ebenso Fragebögen mit
Studie 2: Zur strukturellen Qualität & Validität der Skala zu Emotionsregulation
151
augenfälliger Systematik im Antwortverhalten (3 Fälle), bei denen etwa seitenlang
nur ein Wert angekreuzt wurde. Schließlich wurden auch solche Fälle ausgeklammert, bei denen die vorgegebene Altersspanne deutlich über- oder unterschritten
wurde (10 Fälle des Selbstberichts, 8 Fälle des Fremdberichts). Insgesamt wurden 49
Fälle nicht für anschließende Analysen weiter verwendet.
Die hauptsächlichen Auswertungen dieser Studie wurden mit Hilfe von Strukturgleichungsmodellen (SEM, structural equation modeling, z.B. Bollen, 1989; Hancock &
Mueller, 2005; Hoyle, 1995; Kline, 1998; Raykov & Marcoulides, 2006) vorgenommen.
In der vorliegenden Arbeit sind insbesondere konfirmatorische Analysen im Rahmen
der SEM-Methode eingesetzt worden. Konfirmatorische Faktorenanalysen (confirmatory
factor analysis, CFA) werden dann herangezogen, wenn bereits konkrete Annahmen
über die Beziehungen zwischen erhobenen Variablen und nicht-beobachteten Einflussfaktoren existieren und diese statistisch getestet werden sollen. Es wird in CFAAnalysen das theoretisch formulierte Modell auf Übereinstimmung mit den empirisch gewonnenen Daten getestet. Im vorliegenden Fall bedeutet dies, dass die Vielzahl der neu entwickelten Items zur Emotionsregulation durch die angenommenen
Dimensionen der Selektion von Beziehungen, des Meidens von Personen oder Situationen
und der Modifikation erklärt werden sollen.
Im Kontext von (Mess-)Äquivalenzanalysen wird kontrolliert, inwieweit dieselben
manifesten Variablen (Indikatoren) (Items oder Parcels) in mehreren Gruppen dasselbe Konstrukt erfassen (Meredith, 1993; Meredith & Horn, 2001; Millsap, 2007). Als
Analysemethode wird eine konfirmatorische Faktorenanalyse für Multigruppenvergleiche (Jöreskog, 1971; MACS, Little, 1997) herangezogen. Es kann hierbei eine Faktorenstruktur für zwei oder mehr Gruppen gleichzeitig getestet werden. Im vorliegenden Fall sind es zwei Altersgruppen (Adoleszente und Erwachsene) sowie die
Geschlechtskategorien männlich und weiblich. Darüber hinaus kann auch die Vergleichbarkeit der Faktorladungen, Intercepts und Residualvarianzen in den Gruppen
getestet werden, also der statistischen Messeigenschaften der Skala. Zur Untersu-
Studie 2: Zur strukturellen Qualität & Validität der Skala zu Emotionsregulation
152
chung der Messäquivalenz des neuen Instruments wurden mehrere Schritte durchgeführt. Zunächst wurde die konfigurale Invarianz getestet. Hierfür wurde ein
Strukturgleichungsmodell ohne Restriktionen (Basismodell) aufgestellt, das für beide
Gruppen dieselbe Faktorenstruktur annimmt. Als nächstes erfolgte die Überprüfung
von restringierten Modellen, in denen nacheinander Parameter des Messmodells
(Ladungen, Intercepts, Residualvarianzen) über die Gruppen hinweg gleichgesetzt
wurden. In einem dritten Schritt wurde das Basismodell mit den restringierten Modellen verglichen. Anhand des Chi-Quadrat-Differenzentests lässt sich feststellen, ob
sich durch Hinzunahme von Gleichheitsrestriktionen die Modellanpassung signifikant verschlechtert. Nicht-signifikante Unterschiede zwischen dem Ausgangsmodell
und den restringierten Modellen indizieren Invarianz über die Gruppen bezogen auf
die gleichgesetzten Parameter. Signifikante Differenzen hingegen deuten auf Unterschiedlichkeit eines oder mehrerer Parameter zwischen den Gruppen hin.
Zur Überprüfung der Validität der Skala zur Emotionsregulation wird allgemein
die Multitrait-Multimethod(MTMM)-Analyse nach Campbell und Fiske (1959) verwendet. Zur Analyse der vorliegenden Daten wurde eine MTMM-Methode auf latenter Ebene (Marsh & Grayson, 1995) genutzt. MTMM-Modelle auf latenter Ebene ermöglichen auf der einen Seite eine Trennung von Trait-, Methoden- und Messfehlereinflüssen und auf der anderen Seite die Testung des zugrundeliegenden theoretischen Modells. Beim CTCM-1-Modell (correlated-trait/correlated-method minus one
model; Eid, 2000; Eid, Lischetzke, Nussbeck, & Trierweiler, 2003) wird eine Methode
als Standardmethode ausgewählt und gegen eine (oder mehrere) andere(n) Methode(n) kontrastiert.
4.2.2 Faktorielle Validierung in Selbst- & Fremdeinschätzung
Die konfirmatorischen Faktorenanalysen zur Ermittlung der strukturellen Qualität
der Skala zur Emotionsregulation wurden mit dem Programm Mplus von Muthén
Studie 2: Zur strukturellen Qualität & Validität der Skala zu Emotionsregulation
153
und Muthén (1998-2005) durchgeführt. Zur Spezifierung des Modells wurden zunächst drei latente Faktoren festgelegt. Sie lauten:
(1) Nähesuchen von Beziehungen (zum Erleben positiver und Bewältigen negativer
Emotionen),
(2) Meiden unangenehmer Situationen oder Personen und
(3) Modifikation (der Situation / des Denkens).
Das zugehörige Messmodell besteht aus jeweils zwei Parcel, welche wiederum
durch Mittelung von je zwei bis vier erhobenen Items gebildet wurden. Als Anhaltspunkt diente die von Kishton und Widaman (1994) beschriebene Methode der Parcelbildung mit multidimensionalen Items, wonach die Parcel entsprechend der inhaltlichen Facetten zusammengefasst werden (internal consistency approach, ib.5). Im
ersten Parcel des ersten Faktors sind Items des Nähesuchens von Personen zum Erleben positiver Emotionen und im zweiten Parcel Items des Nähesuchens von Beziehungen zum Bewältigen negativer Emotionen enthalten. Der zweite Faktor birgt
zwei Itemparcel zum Meiden von Personen oder Situationen, die inhaltlich nicht weiter differenziert werden. Modifikation ist durch zwei Parcel spezifiziert, bei welchem
das erste Items der Situationsveränderung und das zweite Items der Veränderung
von Denkinhalten sowie Items des positiven Umdenkens zusammenfasst. Zur Verwendung von Parcel sprachen im vorliegenden Fall mehrere Argumente. Zum einen
wären ohne Parcelbildung zu viele Items zur Spezifizierung der latenten Faktoren
mit insgesamt geringerer Reliabilität und Kommunalität in das Modell eingeflossen.
Zum anderen wird durch die Bildung von Parcels stärker der Multidimensionalität
von Nähesuchen und Modifikation Rechnung getragen. Alle Zuordnungen der Items
zu den Parcel sind in Tabelle 26 im Anhang dokumentiert. An dieser Stelle sei ferner
angemerkt, dass im Vorfeld der CFA eine exploratorische Faktorenanalyse (EFA)
durchgeführt worden ist, mit der die Dimensionalität der Items hinsichtlich der entsprechenden Parcel bestätigt wurde. Die Hauptkomponentenanalyse der EFA ergab
5
Zu Vor- und Nachteilen der Parcelbildung sowie unterschiedlichen Methoden siehe Little, Cunningham, Shahar & Widaman, 2002.
Studie 2: Zur strukturellen Qualität & Validität der Skala zu Emotionsregulation
154
nach orthogonaler Rotation (Varimax) eine sechsfaktorielle Lösung (53.8% Varianzaufklärung, Eigenwerte der ersten 8 Faktoren: 6.40, 2.82, 2.50, 1.59, 1.49, 1.16, 0.90,
0.86). Die auf dem jeweiligen Faktor ladenden Items lassen sich den Konstrukten Situation ändern / Gedanken oder Einstellungen ändern, an positive Dinge denken, Meiden
von Personen und Situationen, Nähesuchen zum Erleben positiver Emotionen, Ablenken
und Nähesuchen zum Bewältigen negativer Emotionen zuweisen. Dabei wurden nur solche Primärladungen berücksichtigt, die inhaltlich dem jeweiligen Konstrukt zuordenbar sind und mindestens zu .40 auf dem Faktor luden.
Zur Parameterschätzung des CFA-Modells wurde der ML(Maximum Likelihood)Schätzer herangezogen. Dabei wurden die Faktorladungen des jeweils ersten Parcel
aus Identifikationsgründen auf 1 fixiert und die Ladungen des zweiten Parcel sowie
die Faktorvarianzen frei geschätzt. Per Default werden in Mplus Korrelationen zwischen den latenten Faktoren zugelassen. Beim Faktor Meiden wurde eine zusätzliche
Fixierung des zweiten Parcel vorgenommen, da im Vorfeld bei der Modellierung
negative Residualvarianzen aufgetreten waren6. Insgesamt ergeben sich für dieses
Modell mit drei latenten Faktoren und jeweils zwei Parcel sehr gute Fit-Statistiken
(empfohlen: χ2/df < 2, CFI > .90, RMSEA < .06, SRMR < .08; Marsh, Balla & McDonald,
1988; Mulaik, James, Alstine, Bennett, Lind & Stilwell, 1989), die in Tabelle 18 berichtet sind. Hu und Bentler (1999) raten, zusätzlich zum Chi2-Wert zwei Kennwerte zur
Prüfung des Modell-Fits miteinander zu kombinieren, dabei wird die Verknüpfung
SRMR und RMSEA besonders empfohlen. Unter diesem besonderen Gesichtspunkt
ist der Modell-Fit der Selbsteinschätzung als sehr gut zu bewerten.
Negativ geschätzte Residualvarianzen können bei der Schätzung von Strukturgleichungsmodellen
aus verschiedenen Gründen (z.B. Inhomogenität von Indikatoren, Stichprobenfehlern oder Überfaktorisierung) auftreten. Im vorliegenden Fall könnte die relativ geringe Zahl von Indikatoren pro Faktor
für das Auftreten der negativen Varianzschätzung verantwortlich sein. In der Praxis kann dieses Problem durch Fixierung oder Gleichsetzung von Parametern behoben werden (vgl. Chen, Bollen, Paxton,
Curran & Kirby, 2001).
6
155
Studie 2: Zur strukturellen Qualität & Validität der Skala zu Emotionsregulation
An dieser Stelle ergibt sich die Frage, ob sich die vorliegende Faktorenstruktur ebenfalls mit den Daten der Fremdeinschätzung belegen lässt, also ob es eine strukturelle Gleichheit der Angaben des Selbst- und Fremdberichts gibt? Die Überprüfung
wurde ebenfalls mit Mplus durchgeführt. Dabei fand die Modellierung des Messund Strukturmodells der Fremdeinschätzung auf dieselbe Weise wie in der Selbsteinschätzung statt (drei latente Faktoren und sechs Parcel). In Tabelle 18 sind die Statistiken der Passung des theoretischen Modells mit den Daten aufgeführt. Es zeigt
sich, dass das Modell mit drei latenten Konstrukten und 6 Parcel die Daten ebenfalls
sehr gut repräsentiert. Zur Klärung, inwieweit tatsächlich Konstruktvalidität vorliegt, wird an späterer Stelle ein CTCM(-1)-Modell vorgestellt.
Tabelle 18: Fit-Statistiken der konfirmatorischen Faktorenanalyse in der Selbst- (N
= 257) und Fremdeinschätzung (N = 251), Validierungsstudie
χ²
df
p
χ2/df
CFI
RMSEA
SRMR
Selbsteinschätzung
5.59
7
.59
0.80
1.00
.00
.02
Fremdeinschätzung
7.25
7
.40
1.04
1.00
.01
.03
Anmerkungen: CFI = Comparative Fit Index, RMSEA = Root Mean Square Error of Approximation,
SRMR = Standardized Root Mean Square Residual.
Abbildung 5 illustriert das spezifizierte Modell mit drei latenten Konstrukten in
der Selbsteinschätzung und in der Fremdeinschätzung. Alle dargestellten Ladungen
der manifesten Indikatoren (im vorliegenden Falle Parcel) auf den latenten Faktoren
sind voll standardisiert und können als Korrelationen mit dem Faktor interpretiert
werden. Die Ladungen des Messmodells weisen größtenteils zufriedenstellende bis
sehr gute Werte auf. Eher geringe Faktorladungen bei gleichzeitig hohen Residualvarianzen zeigen die Parcel Nähesuchen zum Bewältigen negativer Emotionen und Modifikation der Situation. Im Modell sind ebenfalls die latenten (messfehlerbereinigten)
Korrelationen der drei Faktoren untereinander abgebildet. Die auffälligsten Zusammenhänge bestehen zwischen dem Faktor der Selektion von Beziehungen (Nähesu-
Studie 2: Zur strukturellen Qualität & Validität der Skala zu Emotionsregulation
156
chen) und Modifikation. Im Gegensatz dazu ist die Strategie des Meidens von Personen
oder Situationen nur sehr gering mit Nähesuchen und Modifikation assoziiert, was
durchaus den Erwartungen entspricht.
Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass sich die theoretisch postulierte Skalenstruktur der Emotionsregulation mit drei latenten Faktoren sehr gut identifizieren
lässt. Die Überprüfung der Gesamtanpassung des Modells führte in der Fremdeinschätzung zum gleichen Ergebnis wie in der Selbsteinschätzung: Das Modell mit drei
latenten Konstrukten, zusammengesetzt aus jeweils 2 Parcel, kann die empirischen
Daten sehr gut erklären. Die Zusammenhänge zwischen den drei Konstrukten entsprechen zudem den theoretischen Erwartungen.
Studie 2: Zur strukturellen Qualität & Validität der Skala zu Emotionsregulation
Abbildung 5:
CFA-Modell der Emotionsregulation in (S)Selbst- und
(F)Fremdeinschätzung mit vollstandardisierten Parametern
157
Studie 2: Zur strukturellen Qualität & Validität der Skala zu Emotionsregulation
158
4.2.3 Überprüfung der Messäquivalenz mittels konfirmatorischer Faktorenanalyse
Das Ausgangsmodell für die Äquivalenzprüfung setzt sich aus drei latenten Konstrukten zusammen: Nähesuchen von Beziehungen, Meiden von Personen oder Situationen und Modifikation, welche durch je zwei Parcel (bestehend aus insgesamt 17
Items) gemessen werden. Zur Identifizierung des Modells wurden jeweils die Ladungen der ersten Indikatoren auf 1 und die latenten Mittelwerte von Nähesuchen,
Meiden und Modifikation in beiden Gruppen auf 0 fixiert (bei der Prüfung auf Invarianz der Intercepts wurden hingegen die latenten Mittelwerte frei geschätzt). In Bezug auf Meiden wurde aufgrund eines unzulässigen Schätzwerts (negativ geschätzte
Residualvarianz für den zweiten Indikator des latenten Faktors Meiden, vgl. Abschnitt 4.2.2) ebenso die Ladung des zweiten Indikators in beiden Gruppen auf 1
festgesetzt. Streng genommen geht durch diese Restriktionen die Prüfung auf Messäquivalenz über die reine Feststellung konfiguraler Invarianz bereits hinaus, da hierdurch Ladungsäquivalenz über die Gruppen für den Faktor Meiden impliziert wird.
Wie im oberen Teil der Tabelle 19 zu sehen ist, weist das Basismodell der konfiguralen Invarianz (Modell 1) einen sehr guten Modell-Fit auf. Das bedeutet, in beiden
Altersgruppen liegt den Daten dieselbe Faktorenstruktur zugrunde. Dies trifft ebenfalls auf das Modell schwacher Invarianz (Modell 2) zu, in dem alle Faktorladungen
über die Gruppen hinweg gleich gesetzt wurden. Das Gleichsetzen führte dazu, dass
zwei weitere Freiheitsgrade gewonnen wurden. Es unterscheidet sich nicht signifikant vom Basismodell, d.h. die Annahme invarianter Ladungen für alle drei Faktoren muss hier nicht verworfen werden. Weiterhin zeigen die Ergebnisse, dass auch
die noch restriktivere Annahme starker Messäquivalenz nach Meredith (1993) haltbar ist: Ein Modell (Modell 3), bei welchen sowohl die Faktorladungen als auch die
Intercepts gleich gesetzt wurden, passt ebenfalls gut auf die Daten und weicht nicht
signifikant vom vorher präsentierten schwachen Invarianz-Modell ab. Eine weitere
Restriktion, das Gleichsetzen der Residualvarianzen (Modell 4, strikte Messäquivalenz), führt zu einer knapp signifikanten Veränderung der Passungseigenschaften
Studie 2: Zur strukturellen Qualität & Validität der Skala zu Emotionsregulation
159
des Modells (Chi Quadrat-Differenzentest p = .05). Da jedoch der absolute Fit von
Modell 4 sehr gut ist, wurde das Modell nicht verworfen. Es kann somit von strenger
Messinvarianz (Meredith, 1993) über die beiden Altersgruppen ausgegangen werden. Zur Überprüfung der Gleichheit der latenten Mittelwerte aller Faktoren wurden
diese in einem letzten Schritt in beiden Gruppen auf 0 festgesetzt. Wie in Modell 5 zu
sehen ist (Tabelle 19), verändert sich das Modell nicht signifikant, d.h. die latenten
Mittelwerte von Nähesuchen, Meiden und Modifikation unterscheiden sich nicht zwischen Adoleszenten und Erwachsenen. Im unteren Teil der Tabelle 19 sind Berechnungen hinsichtlich der Frage dargestellt, inwieweit das Instrument zur Emotionsregulation auch messäquivalent für männliche und weibliche Teilnehmer ist. Nach identischem Schema wurden Modelle der Messäquivalenz aufgestellt. Es zeigte sich,
dass auch hier strenge Messäquivalenz vorliegt. Die Annahme gleicher latenter Mittelwerte bei Männern und Frauen (Modell 5 im unteren Teil der Tabelle) erweist sich
allerdings als zu restriktiv und muss hier verworfen werden.
Die Äquivalenzanalysen ergaben in Bezug auf den Vergleich der Altersgruppen
zusammenfassend ein eindeutiges Bild: Sowohl konfigurale Invarianz als auch strikte Invarianz der Parameter des Messmodells sind gegeben. Das bedeutet, es kann
von denselben grundlegenden Konstrukten in der Gruppe der Adoleszenten und in
der Gruppe der Erwachsenen ausgegangen werden. Sowohl die Faktorenstruktur als
auch die Messeigenschaften (strict factorial invariance, Meredith, 1993) des neuen
Instrumentes sind vergleichbar. Dies trifft ebenfalls in vollem Umfang auf die beiden
Geschlechtsgruppen zu: Auch hier liegt strikte Messäquivalenz vor. Eine Interpretation von Unterschieden hinsichtlich der Faktormittelwerte zwischen den Geschlechtsgruppen und zwischen den Altersgruppen ist daher uneingeschränkt möglich. Ein Test auf Gleichheit der Mittelwerte ergab, dass es zwischen den Altersgruppen keine Unterschiede in den latenten Mittelwerten von Nähesuchen, Meiden und
Modifikation gibt, jedoch zwischen Männern und Frauen.
160
20.49
24.24
37.07
38.61
2) Modell mit invar.Ladungen
3) Modell mit invar. Ladungen und invar. Intercepts
4) Modell mit invar. Ladungen, invar. Intercepts und
invar. Residualvarianzen
5) Modell mit invar. Ladungen, invar. Intercepts, invar.
Residualvarianzen und invar. latenten Mittelwerten
10.86
18.85
30.34
59.00
2) Modell mit invar.Ladungen
3) Modell mit invar. Ladungen und invar. Intercepts
4) Modell mit invar. Ladungen, invar. Intercepts und
invar. Residualvarianzen
5) Modell mit invar. Ladungen, invar. Intercepts, invar.
Residualvarianzen und invar. latenten Mittelwerten
28
25
19
16
14
28
25
19
16
14
df
.00
.21
.47
.82
.78
.09
.06
.19
.20
.24
p
2.11
1.21
0.99
0.68
0.70
1.38
1.48
1.28
1.28
1.24
χ2/df
28.66(3)
11.49(6)
17.99(3)
11.09(2)
-
11.54(3)
12.83(6)
13.75(3)
13.15(2)
-
∆χ² (∆df)
.00
.07
.05
.58
-
.67
.05
.29
.21
-
∆p
0.89
0.98
1.00
1.00
1.00
0.97
0.96
0.98
0.99
0.99
CFI
.09
.04
.00
.00
.00
.05
.06
.05
.05
.04
RMSEA
Anmerkungen: CFI = Comparative Fit Index, RMSEA = Root Mean Square Error of Approximation, SRMR = Standardized Root Mean Square Residual.
19.77
1) Konfigurale Invarianz
Äquivalenz über Geschlecht (N = 101 Männer, N = 156 Frauen)
17.34
1) Konfigurale Invarianz
Äquivalenz über Altersgruppen (N = 172 Schüler, N = 85 Erwachsene)
χ²
.12
.06
.04
.03
.02
.06
.06
.04
.04
.03
SRMR
Tabelle 19: Messäquivalenz der Skala zu Emotionsregulation: Bedeutungsstruktur und psychometrische Eigenschaften im Vergleich
zwischen zwei Altersgruppen und zwischen Männern und Frauen, Validierungsstudie
Studie 2: Zur strukturellen Qualität & Validität der Skala zu Emotionsregulation
Studie 2: Zur strukturellen Qualität & Validität der Skala zu Emotionsregulation
161
4.2.4 CTC(M-1)-Modell
Zur Analyse der vorliegenden Daten wurde das CTC(M-1) Modell für multiple
Indikatoren pro Trait-Methoden-Einheit (TME) verwendet (Eid et al., 2003). Die
Schritte und Ergebnisse im vorliegenden empirischen Fall der Emotionsregulation
werden an dieser Stelle geschildert: Im Modell der Emotionsregulation wurde die
Selbsteinschätzung als Standardmethode ausgewählt. Es wurde zunächst für jedes
Konstrukt ein gemeinsamer Trait-Faktor definiert (vgl. Abbildung 6), der sowohl
durch Indikatoren des Selbstberichts (Standardmethode) als auch durch Indikatoren
des Fremdreports repräsentiert wird. Darüber hinaus wird hinsichtlich jedes einzelnen Traits der Fremdbericht jeweils durch einen zusätzlichen (trait-spezifischen) Methodenfaktor bestimmt. Der Methodenfaktor ist ein Residualfaktor in Bezug auf den
Traitfaktor derselben TME. Er stellt die Abweichung des wahren (fehlerfreien) Werts
des Fremdberichts von dem Wert dar, den man aufgrund des Trait-Faktors des
Selbstberichts erwarten würde. Sowohl die Trait- als auch die Methodenfaktoren
können untereinander korreliert sein. Korrelationen zwischen Traitfaktoren und Methodenfaktoren derselben TME sind jedoch nicht zulässig, da die Methodenfaktoren
als Residualfaktoren in Bezug auf die Traits definiert sind (siehe Eid et al., 2003). Als
Schätzer diente die ML(Maximum Likelihood)-Methode. Beim Methodenfaktor Meiden wurde eine zusätzliche Fixierung des zweiten Parcel vorgenommen, da im Vorfeld bei der Modellierung negative Residualvarianzen aufgetreten waren (vgl. Abschnitt 4.2.2).
Studie 2: Zur strukturellen Qualität & Validität der Skala zu Emotionsregulation
162
T: Nähe
suchen
M: Nähe
suchen
T: Meiden
M: Meiden
T: Modifikation
M: Modifikation
Abbildung 6:
Schematische Darstellung des CTC(M-1)-Modells mit drei
latenten Trait-Variablen und drei Trait-spezifischen Methodenfaktoren;
M=Methode, T=Trait
Studie 2: Zur strukturellen Qualität & Validität der Skala zu Emotionsregulation
163
Das Modell repräsentiert die Daten sehr gut (χ² = 51.4, df = 38, p = .07, CFI = .98,
RMSEA = .04, SRMR = .04). In Tabelle 20 sind die Varianzkomponenten (der beobachteten und der zugrundeliegenden true-score Variablen) des Modells dargestellt. Dabei beziehen sich die Konsistenzkoeffizienten der ersten Spalte auf den Anteil der
wahren Varianz der Fremdberichte, der durch die Selbsteinschätzung erklärt wird
(konvergente Validität, Eid et al., 2003). Die Methodenspezifität gibt den Anteil der
Varianz wieder, der durch den Methodenfaktor aufgeklärt wird (spezifische Varianz
des Fremdberichts, die nicht mit dem Selbstbericht geteilt wird). Die latenten Korrelationen der letzten Spalte ergeben sich aus der Quadratwurzel der Konsistenzkoeffizienten und bilden die vom Messfehler bereinigten Korrelationen zwischen dem
Selbst- und dem Fremdbericht ab.
Die Konsistenzkoeffizienten der Fremdeinschätzung liegen zwischen .01 und .38,
das heißt zwischen 1 % und 38 % der Varianz des Fremdeinberichts können durch
den Selbstbericht erklärt werden. Die konvergenten Validitätskoeffizienten sind insgesamt gesehen also eher gering, liegen jedoch in einem akzeptablen Bereich. Viele
Fremdberichtsitems laden nicht signifikant auf dem gemeinsamen Traitfaktor. Dies
betrifft insbesondere die Dimension Modifikation, also interne Regulierung. Dieses
Ergebnis impliziert eine hohe Methodenspezifität und legt den Schluss nahe, dass es
sich um ein schwer fremdeinschätzbares Konstrukt handelt. Vergleichsweise hohe
Konsistenz hingegen liegt in der Skala Nähesuchen von Beziehungen zum Bewältigen
negativer Emotionen; hier laden alle Itemparcel der Fremdeinschätzung signifikant
auf dem Traitfaktor.
Die latenten Korrelationen zwischen den Trait- und Methoden-Faktoren sind in
Tabelle 21 dokumentiert. Besonders auffallend ist der signifikante Zusammenhang
zwischen den Traitfaktoren Nähesuchen und Modifikation. Zwischen Meiden und Nähesuchen sowie Meiden und Modifikation gibt es ebenfalls signifikant positive Korrelationen, die jedoch verhältnismäßig gering ausfallen und als Hinweis auf diskriminante
Validität gesehen werden können. Die korrelativen Zusammenhänge zwischen den
Studie 2: Zur strukturellen Qualität & Validität der Skala zu Emotionsregulation
164
Methodenfaktoren liegen zwischen .20 und .41 und belegen, dass man in dieser Anwendung nicht von einer perfekten Generalisierbarkeit von Methodeneffekten über
die verschiedenen Traits hinweg ausgehen kann, d.h. es gibt keine homogenen Methodeneffekte (Eid et al., 2003). Der Methodenfaktor für das Konstrukt Modifikation
korreliert signifikant negativ mit dem Traitfaktor Meiden (r = -.16, p < .05). Dieser Zusammenhang zeigt, dass Fremdurteiler Zielpersonen, die weniger unangenehme Personen oder Situationen meiden, in deren Strategie der Modifikation überschätzen und
jene Zielpersonen in dieser Strategie unterschätzen, die höhere Ausprägungen auf
dem Meidenfaktor haben. Allerdings muss festgehalten werden, dass diese Korrelation auf sehr geringem Niveau keine wirklichen stichhaltigen inhaltlichen Interpretationen zulässt. Alle weiteren Korrelationen zwischen den Trait- und Methodenfaktoren sind sehr gering und unterscheiden sich nicht signifikant von Null.
.72
.64
.36
.78
.030
.050
.002
.020
Meiden a
Meiden b
der Situation
des Denkens
.02
.01
.07
.04
.38
.04
Konsistenz
.98
.99
.93
.96
.62
.96
Methodenspezifität
.14
.10
.26
.20
.62
.20
Latente Korrelationen a
True-Score Variablen
Anmerkungen: Die berichteten Varianzanteile beziehen sich auf die wahre (messfehlerbereinigte) Varianz der Items;
a = latente Korrelationen mit der Standardmethode.
.22
.130
Zum Bewältigen negativer Emotionen
.58
.020
Zum Erleben positiver Emotionen
Konsistenz
Methodenspezifität
Beobachtete Variablen
Fehlerbereinigte Varianzanteile des CTC(M-1)-Modells, Validierungsstudie
3 Modifikation
2 Meiden
1 Nähesuchen
Fremdbericht
Tabelle 20:
Studie 2: Zur strukturellen Qualität & Validität der Skala zu Emotionsregulation
165
166
Studie 2: Zur strukturellen Qualität & Validität der Skala zu Emotionsregulation
Tabelle 21: Korrelationen der Trait- und Methodenfaktoren im CTC(M-1)-Modell,
Validierungsstudie
T: Nähe
suchen
T: Nähesuchen
T: Meiden
T: Kompensieren
M: Nähe
suchen
M: Meiden
M: Modifikation
–
T: Meiden
.18***
–
T: Modifikation
.45***
-.21**
–
-.03**
.06
–
.04
.24***
–
.41***
.20*
M: Nähesuchen
M: Meiden
.08***
M: Modifikation
.04***
-.16**
–
Anmerkungen: T=Trait, M=Methode; leere Zellen unterhalb der Hauptdiagonalen weisen auf Korrelationen, die im Modell auf 0 fixiert wurden; * p<.05, ** p<.01, *** p<.001
Insgesamt lässt sich festhalten, dass konvergente Validität zwischen Selbst- und
Fremdbericht vorhanden, aber nicht sehr hoch ausgeprägt ist. Besonders hinsichtlich
der Dimension Modifikation gibt es Abweichungen zwischen dem Selbst- und
Fremdurteil. Damit zeigt sich eine hohe Methodenspezifität.
Methodeneffekte sind über die Traits (Nähesuchen, Meiden, Modifikation) hinweg
nicht homogen. Andererseits wurden solche Strategien, die nach außen gerichtet
sind, also Nähesuchen und Meiden, vergleichsweise gut durch die Daten des Fremdberichts bestätigt. Anhand der Ergebnisse dürfte außerdem deutlich geworden sein,
dass sich die einzelnen Strategien der Emotionsregulation gut voneinander trennen
lassen und diskriminante Validität vorliegt.
Als weiteres wichtiges Kriterium zur Beurteilung der Validität dienen Zusammenhangsmuster mit inhaltlich verwandten Konstrukten, um die es im nächsten Abschnitt gehen wird.
Studie 2: Zur strukturellen Qualität & Validität der Skala zu Emotionsregulation
167
4.2.5 Manifeste Zusammenhänge mit Validierungskorrelaten
Tabelle 22 zeigt die korrelativen Zusammenhänge der einzelnen emotionsregulativen Strategien mit externen Variablen als Indikatoren konvergenter und diskriminanter Validität. Diese Korrelationen wurden auf manifester Ebene ermittelt.
Nähesuchen ist dabei hoch mit sozialer Unterstützung korreliert. Ganz im Sinne
der Erwartung ist ebenfalls der moderate Zusammenhang von Nähesuchen mit kompensatorischer primärer Kontrolle, also der Suche nach Unterstützung, Hilfe und Rat
bei anderen oder ungewöhnlichen Mitteln zur Zielerreichung. Nähesuchen konvergiert ebenso mit Extraversion und ist auf der anderen Seite negativ mit dem Unterdrücken des emotionalen Ausdrucks assoziiert.
Sehr geringe bzw. nicht signifikant von Null unterscheidbare Korrelationen bestehen zwischen dem Faktor Meiden und den erhobenen Validierungskorrelaten, was
als hypothesenkonform gewertet werden kann.
Im Gegensatz dazu konvergiert Modifikation mit den ausgewählten Konstrukten
in positiver Weise entsprechend den Annahmen. Am stärksten ist die Korrelation
zwischen Modifikation und kognitiver Umbewertung der deutschen ERQ-Skala, gefolgt von Stimmung anheben, Zerstreuung und kognitivem Problemlösen des FeelKJ.
Praktisch unzusammenhängend sind alle Dimensionen der Emotionsregulation
mit Konstrukten der Alexithymie-Skala (Schwierigkeit bei der Identifikation und Beschreibung von Gefühlen), was als ein Beweis für diskriminante Validität zu sehen
ist. Schwache positive Zusammenhänge zeigen sich ganz allgemein mit den fünf Persönlichkeitsdimensionen. Diese sind – ausgenommen der bereits erwähnten Korrelation zwischen Nähesuchen und Extraversion – jedoch so gering, dass man generell
von Unkorreliertheit der hier erhobenen emotionsregulativen Dimensionen mit Persönlichkeitsdimensionen sprechen kann.
Alles in allem entsprechen die präsentierten Zusammenhänge mit inhaltlich nahestehenden oder distinkten Konstrukten den Erwartungen hinsichtlich konvergenter
und diskriminanter Validität.
168
Studie 2: Zur strukturellen Qualität & Validität der Skala zu Emotionsregulation
Tabelle 22: Korrelation der Skala zu Emotionsregulation mit konvergenten und
diskriminanten Variablen (N = 257), Validierungsstudie
Validierungskorrelate
Nähesuchen
Meiden
Modifikation
SPK
-.15***
-.06***
-.19***
KPK
-.30***
-.09***
-.25***
SSK
-.17***
-.10***
-.33***
KSK_MPP
-.13***
-.13***
-.31***
KSK_ZD
-.02***
-.03***
-.02***
Kognitive Neubewertung
-.15***
-.06***
-.62***
Unterdrücken
-.38***
-.05***
-.03***
Schwierigkeit bei der Identifikation von Gefühlen
-.03***
-.20**
-.00***
Schwierigkeit bei der Beschreibung von Gefühlen
-.17***
-.00***
-.01***
Zerstreuung
-.18***
-.01***
-.44***
Stimmung anheben
-.25***
-.05***
-.56***
Kognitives Problemlösen
-.22***
-.08***
-.42***
Umbewerten
-.02***
-.04***
-.25***
Rückzug
-.09***
-.26***
-.08***
Soziale Unterstützung
-.56***
-.10***
-.18***
Extraversion
-.33***
-.06***
-.08***
Gewissenhaftigkeit
-.06***
-.02***
-.18***
Verträglichkeit
-.15***
-.03***
-.19***
Neurotizismus
-.19***
-.27***
-.12***
Offenheit
-.28***
-.01***
.09***
OPS_bereichsübergreifend
ERQ_deutsch
TAS_26
Feel-KJ
Persönlichkeit
Anmerkungen: SPK=selektive primäre Kontrolle, KPK=kompensatorische primäre Kontrolle,
SSK=selektive sekundäre Kontrolle, KSK_MPP=kompensatorische sekundäre Kontrolle Motivationsprotektion, KSK_ZD=kompensatorische sekundäre Kontrolle Zieldistanzierung; * p < .05, ** p < .01, ***
p < .001.
Studie 2: Zur strukturellen Qualität & Validität der Skala zu Emotionsregulation
169
4.2.6 Skala zu Emotionsregulation im Exkurs: Messäquivalenz der Validierungs- & Hauptstudie
Im oberen Abschnitt sind detailliert Analysen zur Qualität und Validität der neu
entwickelten Skala zu Emotionsregulation beschrieben worden. Die folgenden Analysen zur Messäquivalenz sollen Informationen zur Beantwortung der Frage liefern,
ob die Struktur der Skala zur Emotionsregulation in der Hauptstudie (Erhebungswelle 2) vergleichbar ist mit der Skala der Validierungsstudie. Faktisch gilt es zu überprüfen, ob auch für diese Stichprobe ein Modell mit den drei postulierten Faktoren der Emotionsregulation einen guten Modell-Fit aufweist. Darüber hinaus kann
auf diese Weise überprüft werden, inwieweit sich die Befunde der Validierungsstudie replizieren lassen. Als Methode dient eine konfirmatorische Faktorenanalyse für
Multigruppenvergleiche (Jöreskog, 1971). Dabei werden die zwei zu vergleichenden
Gruppen auf der einen Seite durch die Teilnehmer der Hauptstudie und auf der anderen Seite durch die Befragten der Validierungsstudie gebildet. Es wird überprüft,
inwieweit der Skala zu Emotionsregulation drei latente Faktoren in beiden Stichproben zugrunde gelegt werden können und die Annahme der Gleichheit der Faktorenstruktur und Gleichheit der Parameter des Messmodells haltbar ist.
Zur Vergleichbarkeit der Daten wurden in der Hauptstudie nur jene Befragten für
die Analysen berücksichtigt, deren Alter innerhalb der Spanne lag, die vergleichbar
war mit dem Altersrange der Validierungsstudie. Die Stichprobengröße in der
Hauptstudie lag somit bei N = 240 Personen, die Validierungsstudie umfasste N = 247
Fälle.
In das Messmodell wurden nur Items einbezogen, die in beiden Erhebungen übereinstimmend erfasst wurden. Es handelt sich um Aussagen, die jeweils dahingehend
eingeschätzt werden sollten, inwieweit sie zutreffen oder nicht zutreffen (fünfstufigen Antwortformat: 1 = „trifft gar nicht zu“, 2 = „trifft eher nicht zu“, 3 = „teils/teils“,
4 = „trifft etwas zu“, 5 = „trifft sehr zu“).
Studie 2: Zur strukturellen Qualität & Validität der Skala zu Emotionsregulation
170
Das Modell konfiguraler Invarianz setzt sich zusammen aus drei latenten Faktoren, Nähesuchen, Meiden, Modifikation, und vier manifesten Parcel sowie drei Items.
Nähesuchen wird durch ein Parcel mit zwei Items bezogen auf das Erleben positiver
Emotionen und ein weiteres Parcel mit zwei Items hinsichtlich der Bewältigung negativer Emotionen gemessen (vgl. Tabelle 26 im Anhang B zur Darstellung der Parcelbildung). Zur Messung des zweiten Faktors (Meiden) konnten aufgrund des Fehlens eines Items in der Hauptstudie keine Parcel herangezogen werden. Stattdessen
wurden für diesen Faktor drei Items als Indikatoren verwendet. Zur Spezifizierung
des dritten Faktors Modifikation wurden zwei Parcel herangezogen. Im ersten Parcel
sind zwei Items der Situationsveränderung enthalten. Das zweite Parcel besteht aus
drei Items zur Veränderung der Denkweise. Im ersten Modell konfiguraler Invarianz
wurden zur Identifizierung des Modells die Ladungen der jeweils ersten Indikatoren
auf 1 und die latenten Mittelwerte von Nähesuchen, Meiden und Modifikation auf 0
festgesetzt. Die Intercepts aller Indikatoren wurden frei geschätzt (bei der Prüfung
auf Invarianz der Intercepts wurden hingegen die latenten Mittelwerte frei geschätzt). Die Ergebnisse der Modellpassung sind in Tabelle 23 dargestellt. Modell 1
der konfiguralen Invarianz weist einen sehr guten Fit auf (empfohlen: χ2/df<2,
CFI>.90, RMSEA<.06, SRMR<.08; Marsh et al., 1988; Mulaik et al., 1989). Das bedeutet, dass die Hypothese der Gleichheit der faktoriellen Struktur in beiden Stichproben
nicht verworfen werden muss. Zur Feststellung, ob schwache Messinvarianz nach
Meredith (1993) vorliegt, wurden alle restlichen Ladungen der Indikatoren (jeweils
das zweite Parcel bei Nähesuchen und Modifikation und Item zwei und drei des Faktors Meiden) über die Gruppen hinweg gleich gesetzt. Vier Freiheitsgrade wurden
dadurch gewonnen (Modell 2). Der absolute Modell-Fit kann als sehr gut bewertet
werden. Der Chi Quadrat-Differenzentest (p = .82) zeigt darüber hinaus keine signifikante Veränderung des Fits gegenüber dem Modell konfiguraler Invarianz an. Die
Annahme invarianter Ladungen muss daher nicht verworfen werden. Eine weitere
Restriktion, nämlich das Gleichsetzen der Intercepts, führte dagegen zu einer signifikanten Verschlechterung der Passungseigenschaften des Modells (Chi Quadrat-
Studie 2: Zur strukturellen Qualität & Validität der Skala zu Emotionsregulation
171
Differenzentest p = .02). Der absolute Modell-Fit ist gleichzeitig sehr gut, weshalb die
Abweichung vom zweiten Modell als marginal eingestuft werden kann. Dies trifft
ebenfalls auf das vierte Modell zu, in dem zusätzlich die Residualvarianzen in beiden
Stichproben gleich gesetzt wurden. Der absolute Modell-Fit ist als sehr gut zu bewerten, gleichzeitig wird der Chi Quadrat-Differenzentest (p = .03) signifikant. Bei Akzeptanz des Modells kann von strenger Messäquivalenz (Meredith, 1993) über die
Gruppen ausgegangen werden.
172
29.95
42.00
57.25
2) Modell mit invarianten Ladungen
3) Modell mit invarianten Ladungen und invar.
Intercepts
4) Modell mit invarianten Ladungen und invar.
Intercepts und invar. Residualvarianzen
37
30
26
22
df
.02
.07
.27
.16
p
1.55
1.40
1.15
1.29
χ2/df
15.25(7)
12.05(4)
11.51(4)
-
∆χ² (∆df)
.03
.02
.82
-
∆p
.97
.98
.99
.99
CFI
.05
.04
.03
.03
RMSEA
Anmerkungen: CFI = Comparative Fit Index, RMSEA = Root Mean Square Error of Approximation, SRMR = Standardized Root Mean Square Residual.
28.44
1) Konfigurale Invarianz
χ²
.04
.04
.03
.03
SRMR
Tabelle 23: Äquivalenz der Skala zu Emotionsregulation (Bedeutungsstruktur und psychometrische Eigenschaften) zwischen Daten
der Hauptstudie (2. Erhebungswelle, N = 240) und Daten der Validierungsstudie (N = 257)
Studie 2: Zur strukturellen Qualität & Validität der Skala zu Emotionsregulation
Studie 2: Zur strukturellen Qualität & Validität der Skala zu Emotionsregulation
173
4.3 Zusammenfassung
Mit Hilfe der vorliegenden Studie konnten die postulierten Dimensionen der
Emotionsregulation faktorenanalytisch bestätigt werden. Diese lassen sich klar trennen und weisen eine zufriedenstellend hohe interne Konsistenz auf. Es handelt sich
dabei erstens um Nähesuchen von Beziehungen (zum Erleben positiver und Bewältigen negativer Emotionen), zweitens um Meiden von Personen oder Situationen und
drittens um Modifikation durch Situationsveränderung oder Ablenkung sowie Ändern der Denkweise. Das Modell repräsentiert in konfirmatorischen Analysen die
Daten sowohl in der Selbst- als auch in der Fremdeinschätzung sehr gut. Weiterhin
konnte Messäquivalenz des neuen Instruments über zwei Altersgruppen (Adoleszente und Erwachsene) und über das Geschlecht bestätigt werden. Hinsichtlich der
Validität ist grundsätzlich anzumerken, dass Korrelationen zwischen selbst- und
fremdeingeschätzen Skalen auf ein differentielles Bild deuten. Nähesuchen und Meiden wurden vergleichsweise gut durch den Fremdbericht bestätigt, Modifikation zeigt
eher geringe Konsistenz. Darüber hinaus zeigten konvergente und diskriminante
Zusammenhänge mit Validierungskorrelaten ein relativ eindeutiges Bild. Die postulierten Skalen grenzen sich hinreichend von anderen Konstrukten ab und konvergieren erwartungskonform mit bereits vorhandenen Skalen.
4.4 Diskussion Studie 2
Der folgende Abschnitt dient der Diskussion der Erkenntnisse, die im Rahmen der
Validierungsstudie gewonnenen wurden. Hauptaugenmerk liegt auf der Beurteilung
der strukturellen Qualität und Validität der neu entwickelten Skala zu Emotionsregulation vor dem Hintergrund der ermittelten Ergebnisse.
Studie 2: Zur strukturellen Qualität & Validität der Skala zu Emotionsregulation
174
4.4.1 Zur Qualität & Validität der Skala zu Emotionsregulation
Die Ergebnisse konfirmatorischer Faktorenanalysen bekräftigen die konzeptuelle
Trennung der Dimensionen Nähesuchen von Beziehungen (zum Erleben positiver
und Bewältigen negativer Emotionen), Meiden von unangenehmen Personen oder
Situationen und Modifikation, sowohl im Fremd- als auch im Selbstbericht.
Hinsichtlich der Interskalenkorrelationen ist der verhältnismäßig hohe Zusammenhang zwischen den Faktoren Nähesuchen und Modifikation auffällig. Dies bedeutet, dass Strategien der Modifikation mit Strategien des Nähesuchens einhergehen. Nur
marginale Zusammenhänge konnten dagegen mit Strategien des Meidens gefunden
werden. Das stützt die inhaltliche Aufteilung der Dimensionen und bestätigt auf den
ersten Blick Positionen, wonach Strategien zur Regulierung negativen Affekts in aktive, annäherungsorientierte und passive, vermeidungsorientierte differenziert werden. Dagegen deuten die geringen, jedoch positiven Korrelationen zwischen Meiden
und Modifikation bzw. Nähesuchen darauf hin, dass auch Meiden adaptive Aspekte
enthält. Nachvollziehbar ist, dass Nähesuchen und Meiden positiv miteinander einhergehen, da es sich bei beiden Strategien um gerichtete Selektionen von Umwelten
handelt. Der positive Zusammenhang mit Modifikation ist konzeptuell erklärbar.
Denn die Selektion bedeutet unter entwicklungsregulativen Gesichtspunkten primäres Kontrollstreben. In die Skala Modifikation sind neben Strategien kognitiver Veränderungen Strategien einbezogen, die eine Umgestaltung von Situationen umfassen, also ebenso primäres Kontrollstreben repräsentieren. Eine Korrelation zwischen
Meiden und Modifikation wird aus diesem Grunde zustande gekommen sein.
Die einzelnen Skalen weisen gute teststatistische Kennwerte auf und können als
strikt messäquivalent nach Meredith (1993) sowohl für Adoleszente und Erwachsene
als auch für Männer und Frauen angesehen werden. Es konnte zudem gezeigt werden, dass sich latente Mittelwerte in Nähesuchen, Meiden und Modifikation zwischen
Adoleszenten und Erwachsenen nicht unterscheiden. Zwischen männlichen und
weiblichen Teilnehmern konnten dagegen signifikante Unterschiede in den latenten
Studie 2: Zur strukturellen Qualität & Validität der Skala zu Emotionsregulation
175
Mittelwerten festgestellt werden. Damit werden insgesamt gesehen Befunde der
Hauptstudie bestätigt.
Indizien für die Validität der Skala liefern neben der Analyse des Selbst- und
Fremdberichts Zusammenhangsmuster mit primärer und sekundärer Kontrolle
(OPS, Heckhausen, 2002), mit emotionsregulativen Skalen des Feel-KJ (Grob & Smolenski, 2005) und des ERQ-D (Stadelmaier, 2006), mit Alexithymie (Kupfer et al.,
2001) sowie mit Persönlichkeitsdimensionen des Big-Five-Inventars (Lang et al,
2001). Wie sich herausstellte, ist Nähesuchen positiv mit der Suche nach sozialer Unterstützung und kompensatorischer primärer Kontrolle sowie Extraversion assoziiert. Der positive Zusammenhang zwischen Nähesuchen und Extraversion kann als
individueller Ausdruck einer Person-Umwelt-Interaktion gesehen werden, die kumulierend zur Festigung bestimmter Persönlichkeitstendenzen über die Zeit hinweg
führt (Buss, 1987; Caspi, Bem & Elder, 1989); die bewusste Selektion und Formung
von Umwelten trägt auch zur Reifung der Persönlichkeit bei. Eine relative Unabhängigkeit von Persönlichkeit wird dennoch nicht in Frage gestellt, da bei einer moderaten Korrelation von .33 Nähesuchen nicht als Persönlichkeitseigenschaft bezeichnet
werden kann. Interessant ist in diesem Zusammenhang ferner die substanzielle, negative Verknüpfung von Nähesuchen und Unterdrücken des ERQ-D (r = -.38). Das
heißt, Personen, die aktiv andere ihres sozialen Umfeldes aufsuchen, geben gleichzeitig an, den Ausdruck ihrer Gefühle wenig zu unterdrücken oder zu maskieren. Das
spricht für einen generalisierbaren, offenen Umgang mit eigenen Emotionen: Individuen, die Gefühle ausdrücken, wählen einen aktiven Weg des Umgangs mit Emotionen und nutzen auch Beziehungen zur Emotionsregulation. Dafür spricht ebenso die
leicht positive Korrelation zwischen Nähesuchen und Offenheit des BFI (r = .28). Hinsichtlich der Strategie Meiden konnten keine substanziellen Zusammenhänge (r > .30
bei p < .05) mit verwandten Validierungskorrelaten der Emotionsregulation festgestellt werden. Dies deutet auf eine konzeptuelle Eigenständigkeit der Dimension im
Gefüge emotionsregulativer Strategien hin. Auch in Bezug auf das Kontrollstreben
ergaben sich keine bedeutungsvollen Korrelationen mit Strategien des Meidens. Es
Studie 2: Zur strukturellen Qualität & Validität der Skala zu Emotionsregulation
176
handelt sich mithin um Strategien, die völlig unabhängig von entwicklungsregulativen Strategien der Zielverfolgung und –ablösung zu sehen sind. Anders hingegen
sieht es im Hinblick auf Strategien der Modifikation aus. Zusammenhänge mit konvergenten und diskriminanten Validierungskorrelaten untermauern die Stellung dieser Strategie im Bereich emotionswirksamer Gestaltungsmechanismen. Die korrelativen Verbindungen betreffen sowohl kognitiv-orientierte (selektive sekundäre Kontrolle, kompensatorische sekundäre Kontrolle, kognitive Neubewertung, Stimmung
anheben, kognitives Problemlösen) als auch handlungsbezogene Konstrukte (Zerstreuung, kompensatorische primäre Kontrolle) und stehen ganz im Einklang mit
den Erwartungen. An dieser Stelle sei noch einmal angemerkt, dass in den Faktor
Modifikation Items der (behavioralen) Situationsveränderung und Items der Veränderung des Denkens eingeflossen sind. Unter der Prämisse, möglichst sparsame Instrumente zu entwickeln, macht eine umfassende Differenzierung zwischen verschiedenen modifizierenden Strategien nach Eintreten der Emotion anscheinend wenig Sinn, wenn das Interesse vorrangig in der Ermittlung von Regulierung per se
besteht. Also darin zu prüfen, ob Adoleszente Strategien zur responsiven Veränderung emotionaler Zustände anwenden oder nicht. Individuen, die verstärkt modifizierende Strategien (Situation verändern, Denken ändern) einsetzen, wenden ebenso
selektive sekundäre Kontrollstrategien, Strategien der kognitiven Umbewertung, der
Zerstreuung, des kognitiven Problemlösens und Strategien zum Anheben der Stimmung an. Nullkorrelationen bestehen zu Skalen der Alexithymie. Insgesamt bekräftigen Korrelationen mit Modifikation konvergente und diskriminante Validität.
Aus der Analyse des CTC(M-1)-Modells geht hervor, dass sich die erhobenen Dimensionen der Emotionsregulation als schwer fremdeinschätzbar erweisen. Dies
trifft insbesondere auf die Dimension Modifikation zu. Hinsichtlich der Faktoren Nähesuchen und Meiden fiel die Konkordanz der Urteile jedoch höher aus. Aufgrund der
Berechnungen konvergenter Validität auf latenter Ebene mittels des CTC(M-1)Modells ist sichergestellt, dass die geringe Übereinstimmung zwischen Selbst- und
Fremdbericht nicht auf mögliche Messfehler zurückzuführen ist. Modifikation reprä-
Studie 2: Zur strukturellen Qualität & Validität der Skala zu Emotionsregulation
177
sentiert als latenter Faktor die erhobenen und als Parcel modellierten Dimensionen
Situationsveränderung und Ändern der Denkweise. Beide Parcel laden nicht signifikant auf dem durch den Selbstbericht definierten Traitfaktor. Insgesamt sind dafür
mehrere Gründe denkbar. Eine Erklärung könnte unter dem Gesichtspunkt der Zugänglichkeit zu internalen Prozessen herangezogen werden: Ganz allgemein gesehen
existieren starke Abweichungen zwischen Selbstwahrnehmung und der Wahrnehmung durch andere (z.B. Shrauger & Schoeneman, 1979). Das mag daran liegen, dass
die Zielperson oder Ego einen weit umfangreicheren Zugang zu selbstrelevanten
Informationen (Gefühle, Kognitionen, Motivationen) hat als ein Fremder und aus
diesem Grunde besser über sich Auskunft geben kann. Daher steigt etwa auch die
Übereinstimmung zwischen Selbst- und Fremdreport bei solchen Persönlichkeitsdimensionen, die leichter beobachtbar sind (Funder, 1995). Emotionale Stabilität ist
beispielsweise schwieriger zu beobachten als Extraversion oder Verträglichkeit (Borkenau & Liebler, 1992; Kenny, Albright, Malloy & Kashy, 1994). Gerade innerpsychische Strategien der Emotionsregulation – insbesondere Ändern der Denkweise – sind
schwer durch Außenstehende einschätzbar, weil sie nicht erkannt werden können.
Hinzu kommt, dass diese in den seltensten Fällen (durch Ego) verbalisiert werden.
Abweichungen können sich außerdem durch den Umstand ergeben haben, dass
Wahrnehmungen selbstbezogener Aspekte der Persönlichkeit stärker durch motivationale Faktoren bestimmt sind als das im Falle der Wahrnehmung durch andere der
Fall ist (Funder & Colvin, 1997). Dies impliziert eine eher stärkere Zustimmung von
Zielpersonen auf erwünschte und eine eher geringere Zustimmung auf weniger erwünschte Strategien. Ein weiterer Grund für Differenzen zwischen Selbst- und
Fremdsicht hinsichtlich der Strategien der Modifikation könnte darin liegen, dass sich
die adoleszenten Urteiler in den Schulklassen teilweise noch nicht lange und gut
kannten. Es sei daran erinnert, dass es sich bei den Fremdbeurteilenden um Klassenkameraden handelte, die zu den zu beurteilenden Mitschülern nicht zwangsläufig
eine enge Beziehung unterhielten. Zahlreiche Studien – insbesondere im Bereich der
Persönlichkeit – haben belegen können, dass die Übereinstimmung zwischen Selbst-
Studie 2: Zur strukturellen Qualität & Validität der Skala zu Emotionsregulation
178
und Fremdwahrnehmung mit dem Level der Vertrautheit bzw. dem Bekanntheitsstatus steigt (Biesanz, West & Millevoi, 2007; Funder & Colvin, 1997; Funder, Kolar &
Blackman, 1995; Paulhus & Reynolds, 1995; Watson, 1989). Schließlich könnte eine
weitere Erklärung lauten, dass Adoleszente generell schlechter in der Beurteilung
anderer Personen sind. Dies könnte sich in der niedrigen Konvergenz zwischen
Selbst- und Fremdbericht ausgewirkt haben, da in den CTC(M-1)-Analysen nicht
zwischen den Altersgruppen unterschieden wurde. Für diese Annahme spricht die
mit dem Alter steigende Korrelation zwischen Selbstbeschreibung und der Beschreibung durch andere (Van Aken, Lieshout, & Haselager, 1996). Van Aken und Kollegen erklären die Befunde unter anderem mit der Tatsache, dass Ältere sich entwicklungsbedingt besser kennen als Adoleszente und im Laufe der Zeit auch ähnlichere
Kriterien zur Beschreibung ihrer Person heranziehen als bedeutsame Andere (Marsh,
Barnes & Hocevar, 1985; Petersen, Schulenberg, Abramowitz, Offer & Jarcho, 1984).
Schließlich muss an dieser Stelle Erwähnung finden, dass aus theoretischer Sicht eine
hohe Übereinstimmung zwischen Selbst- und Fremdbericht aufgrund der Variabilität und Spezifität emotionsregulativen Verhaltens und Erlebens in Beziehungen auch
nicht erwartet werden kann. Als methodische Herangehensweise wäre daher eher zu
empfehlen, mindestens zwei Fremdberichte einzuholen und mit der Selbsteinschätzung zu vergleichen.
Weiterhin zeigt sich im Rahmen der CTC(M-1)-Modellierung, dass es keine homogenen Methodeneffekte gibt, das heißt, Methodeneffekte generalisieren nur gering über die drei Traits Nähesuchen, Meiden und Modifikation. Die Einschätzung (Über-/Unterschätzung) des einen Traits durch eine andere Person korreliert also nur
gering mit der Über- oder Unterschätzung bezogen auf einen anderen der erfassten
Traits. Das bedeutet, es wurde eine differenzierte Beurteilung durch die Fremdrater
vorgenommen. Ein Halo-Effekt (vgl. Bortz & Döring, 2003) liegt demzufolge nicht
vor.
Alles in allem wurde in der vorliegenden Arbeit ein kurzes Instrument zur Erfassung emotionsregulativer Strategien (insgesamt 17 Items) entwickelt, das selbstregu-
Studie 2: Zur strukturellen Qualität & Validität der Skala zu Emotionsregulation
179
lative Mechanismen der Evokation, Aufrechterhaltung, und Veränderung positiver
wie negativer Emotionen sowohl in der Adoleszenz als auch im Erwachsenenalter
abbildet. Theoretisch eingebettet ist die Skala in die Entwicklungspsychologie der
Lebensspanne. Sie geht über die Erfassung von Bewältigungsstrategien hinaus, indem etwa auch die Nutzbarmachung positiver Emotionen abgefragt wird. Insgesamt
erweist sich die Skala der Emotionsregulation aufgrund ihrer teststatistischen Merkmale, Validierungshinweise und Kürze als sehr geeignet für den weiteren Forschungseinsatz.
4.4.2 Methodenkritik & Empfehlungen
Die vorgestellte Skala zu Emotionsregulation weist trotz positiver Merkmale Einschränkungen auf, die eine Interpretation der Ergebnisse zwar nicht beeinflussen,
jedoch in streng methodischer Hinsicht verbesserungswürdig sind. Die Dimensionen
der Skala (Nähesuchen, Meiden, Modifikation) weisen im Einzelnen eine ungleiche Anzahl an Items auf (vgl. Tabelle 26 im Anhang). In einer Instrumentenweiterentwicklung sollte daher versucht werden, Items der Modifikation zu reduzieren und Items
des Nähesuchens und Meidens einheitlich zu operationalisieren.
Eine weitere Einschränkung der zweiten Studie betrifft die Anwendbarkeit der
vorliegenden Skala auf Personen über 50 Jahre. Die Stichprobe der Untersuchung
bestand aus Freiwilligen zwischen 14 und 46 Jahren im Selbstbericht und zwischen
14 und 45 Jahren im Fremdbericht. Weitere empirische Untersuchen sind also erforderlich, die Validierungsinformationen für Personen im (höheren) Erwachsenenalter
liefern.
ZUSAMMENFASSENDE DISKUSSION
180
5 ZUSAMMENFASSENDE DISKUSSION
Es werden im folgenden Kapitel die Befunde der Haupt- und der Validierungsstudie zusammengefasst. Gleichzeitig wird besprochen, welche Hypothesen
angenommen und welche Hypothesen aufgrund nicht erwarteter Befunde abgelehnt
werden. Im letzten Teil des Kapitels geht es um abschließende Schlussfolgerungen
aus den gewonnenen Erkenntnissen.
5.1 Zusammenfassung der hypothesenrelevanten Effekte
Das Ziel der Hauptstudie bestand in der Beantwortung der Fragen, wie erstens
(soziale) Emotionen in Beziehungen des eigenen sozialen Netzwerks differenziert
erlebt und verarbeitet werden (exemplarisch: Umgang mit Belastungen und Ärger in
Beziehungen sowie die Regulierung von Intimitätsbedürfnissen), zweitens welche
Rolle emotionsregulative Prozesse für die Gestaltung von Beziehungen in der Adoleszenz spielen (Aufbau, Stabilität und Abbruch von Beziehungen) und drittens welche Rolle Beziehungen zu Gleichaltrigen und Beziehungen zu den Eltern im Hinblick
auf die Entwicklung und Anwendung emotionsregulativer Prozesse spielen. Eine
vierte Fragestellung betraf die Entwicklungsrichtung von der Adoleszenz ins junge
Erwachsenenalter hinein und fünftens interessierte, inwieweit Emotionsregulation
das Lösen lebensphasenspezifischer Entwicklungsaufgaben in der Adoleszenz fördert und zur psychischen Anpassung beiträgt.
Eine längsschnittliche Studie wurde mit insgesamt 356 Befragten in Welle 1 und
287 Teilnehmern in Welle 2 durchgeführt. Adoleszente, junge Erwachsene, deren
Eltern und jeweils Alteri aus der Schule oder dem Beruf wurden zu emotionsregulativen Strategien im Allgemeinen und in ihren jeweiligen sozialen Beziehungen befragt.
ZUSAMMENFASSENDE DISKUSSION
181
Emotionsregulation auf Ebene der generierten Netzwerkbeziehungen wurde über
Umgang mit Ärger und Intimitätsregulierung erfasst. Es zeigten sich in beiden Variablen keine Altersunterschiede. Geschlechtsunterschiede zwischen weiblichen und
männlichen Adoleszenten fanden sich nur in Umgang mit Ärger dahingehend, dass
Mädchen durchschnittlich geringere Werte angaben. Geschlechts- und Altersunterschiede in beziehungsspezifischen emotionalen Prozessen wurden explorativ untersucht, eine konkrete Hypothese konnte daher nicht bestätigt oder widerlegt werden.
Kongruent mit Hypothese 1 wird der wahrgenommene beziehungsbezogene Umgang mit Ärger durch die emotionale Nähe zu und Belastung durch die jeweilige
Netzwerkbeziehung beeinflusst. Ebenso übereinstimmend mit Hypothese 2 zeigte
sich bei Adoleszenten, dass diese stärker nichtverwandte Beziehungen zu Peers im
Netzwerk als Beziehungen zu Verwandten oder den Eltern aktivieren, um etwas
Schönes zu erleben. In Tabelle 24 sind die Annahme bzw. Ablehnung der aufgestellten Hypothesen unter Berücksichtigung kongruenter und diskongruenter Ergebnisse
schematisch aufgeführt. Hypothese 3 behandelte die Frage, inwieweit Umgang mit
Ärger und Intimitätsregulierung die Stabilität oder die Auflösung von Beziehungen
vorhersagen kann. Es zeigte sich, dass beziehungsbezogener Umgang mit Ärger die Anzahl selbstgesteuerter Beziehungsabbrüche in der Adoleszenz nach einem Jahr in
dem Sinne vorhersagen kann, dass bei gelungenem Umgang mit Beziehungsstress
weniger Beziehungen beendet werden. Beziehungsspezifische Regulierung von Intimität
hingegen sagt nichts über die Stabilität von Beziehungen aus. Hypothese 3 trifft daher eingeschränkt zu.
Emotionsregulation wurde auf Ebene des persönlichen Erlebens über globale Strategien des Nähesuchens, Meidens und der Modifikation erfasst. Deskriptive Analysen
der Strategien machten deutlich, dass Nähesuchen in der Adoleszenz insgesamt am
stärksten eingesetzt wird. Der Gebrauch von Strategien des Meidens und Strategien
der Modifikation unterscheidet sich allerdings nicht. Geschlechtsunterschiede in der
Adoleszenz zeigten, dass Nähesuchen häufiger von Mädchen und Modifikation häufiger von Jungen angegeben wird. Differenzen in Meiden bestanden hingegen nicht.
ZUSAMMENFASSENDE DISKUSSION
182
Aufgrund der Befunde wird Hypothese 4 (vgl. Tabelle 24) eingeschränkt angenommen. Altersunterschiede in selbstberichteter Emotionsregulation zeigten sich nicht,
Hypothese 5 wird daher vollständig akzeptiert.
Die Rolle der Peers in der Sozialisation sozialer und emotionaler Kompetenzen
wurde durch vorliegende Resultate deutlich, die konform zu Hypothese 6 ausfielen.
Demnach wird der Einsatz emotionsregulativer Strategien in der Adoleszenz stärker
durch die Verwendung emotionsregulativer Strategien Gleichaltriger als durch die
der Eltern beeinflusst.
Zusammenhangsanalysen zwischen Strategien der Emotionsregulation und Lebenszufriedenheit, Gesundheit sowie Depression bestätigten Hypothese 7 nicht, wonach positive Korrelationen mit Nähesuchen und Modifikation und negative Effekte
mit Meiden erwartet wurden. Es konnten keine bedeutsam von Null verschiedenen
Zusammenhänge gefunden werden. Anders hingegen sieht es in Bezug auf Korrelationen mit Kontrollstrategien und –überzeugungen aus. Positive Zusammenhänge
wurden mit Nähesuchen und Modifikation festgestellt, hingegen waren negative Korrelationen mit Meiden nicht signifikant. Hypothese 8 wird daher eingeschränkt angenommen. Zusammenhangsanalysen zwischen Strategien der Emotionsregulation
und der Beziehungsqualität zu Personen des Netzwerks zeigten außerdem positive
Befunde, insbesondere in den Beziehungen zu den Eltern, der festen Freundin / dem
festen Freund und gleichaltrigen Peers aus der Schule. Dabei wurde ferner deutlich,
dass Meiden negativ mit der Konflikthäufigkeit in den genannten Beziehungen einhergeht. Hypothese 9 wird uneingeschränkt angenommen.
Das Ziel der Validierungsstudie bestand darin, eine neu entwickelte Skala zu Emotionsregulation teststatistisch auf Dimensionalität, Validität und interne Konsistenz hin zu untersuchen. Ferner galt es, Messäquivalenz hinsichtlich verschiedener
Substichproben (Adoleszente vs. Erwachsene; Männer vs. Frauen) zu demonstrieren.
Es wurde hierfür eine Fragebogenstudie mit insgesamt 508 Teilnehmern durchge-
ZUSAMMENFASSENDE DISKUSSION
183
führt, von denen 257 Personen eine Selbstbeschreibung und 251 Teilnehmer einen
Fremdbericht ausfüllten.
Strukturanalysen der neu entwickelten Skala zu Emotionsregulation lassen den
Schluss zu, dass die zugrundeliegenden 17 Items reliable Indikatoren für die drei
Faktoren Nähesuchen, Meiden und Modifikation darstellen. Analysen zur Messäquivalenz konnten darüber hinaus zeigen, dass die Skala zu Emotionsregulation äquivalent in der Adoleszenz und im Erwachsenenalter eingesetzt werden kann. Auch im
Hinblick auf das Geschlecht ist uneingeschränkte Messäquivalenz vorhanden. Validierungsanalysen konnten ferner eindeutige Belege für konvergente und diskriminante Validität liefern. Die Unabhängigkeit von bereits bekannten, in der Psychologie etablierten Persönlichkeitskonstrukten konnte allerdings nicht immer uneingeschränkt belegt werden. Alles in allem sind die Ergebnisse der Validierungsstudie
kongruent mit den weiter oben aufgeführten Hypothesen (10 und 11); diese werden
daher uneingeschränkt angenommen.
184
ZUSAMMENFASSENDE DISKUSSION
Tabelle 24: Schematische Darstellung der Kongruenz und Inkongruenz der Ergebnisse mit den explizierten Hypothesen
Kongruenz vs. Inkongruenz
Hypothese
trifft zu
Hypothesenübersicht
Hypothese
trifft eingeschränkt
zu
Hypothese
trifft nicht zu
Hauptstudie (Studie 1)
Beziehungsspezifische Emotionsprozesse
Alters- und
Geschlechtsunterschiede
keine Hypothese formuliert
Netzwerk
1.
x
2.
x
3.
x
Globale Strategien der Emotionsregulation
Alters- und
Geschlechtsunterschiede
4.
5.
x
x
Dyaden
6.
x
Outcomes
7.
x
8.
9.
x
x
Validierungsstudie (Studie 2)
10.
x
11.
x
5.2 Abschließende Betrachtung
Adoleszente erleben – im Vergleich zu (jungen) Erwachsenen – den größten Stress,
die meisten Enttäuschungen oder Konflikte, die stärkste Belastung in Beziehungen.
Entscheidend für den Umgang mit beziehungsspezifischen sozialen Emotionen ist,
ZUSAMMENFASSENDE DISKUSSION
185
exemplarisch an der Emotion Ärger festgemacht, wie Adoleszente die Beziehung
einschätzen und bewerten. Bei besonders nahestehenden, unterstützenden und bei
besonders belastenden Personen des eigenen Netzwerks können Adoleszente nach
eigenen Angaben weniger gut mit Ärger oder Konflikten umgehen. Sie differenzieren also zwischen den Beziehungen. Der Einsatz regulierender Maßnahmen fällt unterschiedlich aus. Dabei steht der Umgang mit Ärger in unterstützenden Beziehungen querschnittlich in keinem Zusammenhang mit dem Umgang mit Ärger in belastenden Beziehungen. Die Regulierung von Ärger hat im zeitlichen Verlauf gesehen
Auswirkungen darauf, ob die Beziehung weitergeführt wird oder nicht. Beziehungen, die als belastend erlebt werden und in denen Ärger nicht gut verarbeitet wird,
werden in der Konsequenz abgebrochen. Die Regulierung sozialer Emotionen trägt
also dazu bei, soziale Anforderungen zu meistern. Erinnert sei daran, dass im Jugendalter der Aufbau und die Pflege reifer Sozialbeziehungen eine wichtige Entwicklungsaufgabe darstellt. Der selbstinitiierte Abbruch von Beziehungen birgt aus
lebensspannenpsychologischer Sicht auch Vorteile für die Entwicklung des Adoleszenten. So werden auf der einen Seite Ressourcen für neue Beziehungen freigesetzt
und auf der anderen Seite Lernprozesse des Umgangs mit Emotionen in Beziehungen unterstützt: Es wird erfahren, bei wem es sich lohnt, Emotionen zu regulieren
und bei wem nicht. Der Umgang mit Ärger in positiv-unterstützenden Beziehungen
spielt dagegen keine Rolle dabei, ob die Beziehung weitergeführt wird oder nicht.
Auch die Regulierung von Intimität – in der vorliegenden Arbeit über das Gefühl der
Nähe operationalisiert – sagt nichts über die Stabilität von Beziehungen. Es scheint
demnach so, als wäre gerade das Erleben beziehungsbezogener Belastungen funktional für den Entwicklungsprozess Adoleszenter. Adoleszente müssen sich ärgern,
dies erkennen, zwischen den Beziehungen differenzieren und lernen, Emotionen gut
zu regulieren, bei wem dies Sinn macht.
Der Ansatz, emotionsregulative Prozesse mit einem Netzwerkansatz zu untersuchen, hat sich bewährt. Es wurden vielfältige strukturelle und emotionsbezogene
Variationen in Beziehungsnetzwerken der Adoleszenz und dem jungen Erwachse-
186
ZUSAMMENFASSENDE DISKUSSION
nenalter deutlich. Die Erforschung beziehungsspezifischer emotionaler Prozesse
steht allerdings erst an ihrem Anfang.
Die Untersuchung allgemeiner Strategien der Emotionsregulation auf Ebene des
persönlichen Erlebens, also von Nähesuchen, Meiden und Modifikation, belegten deren
Funktionalität, die bisherigen Annahmen und Befunden teilweise widerspricht. Insbesondere im Hinblick auf Meiden wurde deutlich, dass die aus der Bewältigungsforschung übliche Unterscheidung in adaptiv und maladaptiv wenig hilfreich zur Erklärung emotionsregulativer Mechanismen ist. Die gewonnenen Befunde zeigten,
dass auch vermeidende antezedente Strategien der Emotionsregulation (Meiden) positiv mit beziehungsbezogenen Outcomes (z.B. weniger Konflikte) einhergehen. Sie
stellen somit in der Adoleszenz eine adaptive Anpassung an personale oder situative
Faktoren der Umwelt dar. Nähesuchen und Modifikation stehen in positivem Zusammenhang
mit
Kontrollüberzeugungen
und
Strategien
des
(berufs-
/ausbildungsbezogenen) Kontrollstrebens. Insgesamt lässt sich sagen, dass Emotionsregulation das Lösen von Entwicklungsaufgaben der Adoleszenz fördert (z.B. Aufrechterhalten stabiler Beziehungen, höhere Beziehungsqualität zu Gleichaltrigen und
Auseinandersetzung mit dem Beruf). Aufschlussreich sind ferner Befunde zu Wechselwirkungen zwischen Emotionsregulation des Adoleszenten und seiner Umwelt.
Insbesondere die Beziehungsqualität zu Gleichaltrigen oder die Anwendung emotionsregulativer Strategien Gleichaltriger beeinflusst den Gebrauch und die Ausbildung emotionsregulativer Strategien.
In allen ermittelten Prozessen der Emotionsregulation fanden sich sowohl auf Ebene der Beziehungen als auch auf Ebene des persönlichen Erlebens keine Unterschiede zwischen Adoleszenten und jungen Erwachsenen. Die Befunde machen
deutlich, dass Adoleszente im Umgang mit Emotionen nicht weniger kompetent sind
als Erwachsene und bieten insgesamt einen erweiterten Einblick in die Ontogenese
der Emotionsregulation.
Selektive (Nähesuchen, Meiden), verhaltensbezogene sowie kognitive (Modifikation)
Strategien der Emotionsregulation wurden anhand einer neu entwickelten Skala il-
ZUSAMMENFASSENDE DISKUSSION
187
lustriert, die Anforderungen an Reliabilität und Validität sehr gut erfüllt. Diese Skala
geht über die traditionelle Erfassung emotionsbezogener Regulationsstrategien hinaus: Vor allem die Nutzbarmachung positiver Emotionen und antezedente Strategien
erweitern die Sichtweise auf emotionsregulative Prozesse in der Adoleszenz.
Zusammenfassend lässt sich Folgendes sagen: Die Gestaltung des eigenen Lebenslaufs wird beschrieben durch entwicklungsregulative Prozesse. Entwicklungsregulation manifestiert sich unter anderem in Beziehungsgestaltung. Beziehungsgestaltung
beruht ihrerseits nicht unwesentlich auf Prozessen der Emotionsregulation. Dabei
zeigen sich Wechselwirkungen zwischen Emotionsregulation und Beziehungsgestaltung, die als dynamische Interaktion zwischen dem Individuum und seiner Umwelt
interpretiert werden können. Anhand der präsentierten Befunde dürfte deutlich geworden sein, dass Adoleszente über die Regulierung von Emotionen ihre eigene
Entwicklung mit gestalten. Praktisch implizieren die Befunde der vorliegenden Arbeit auch die Forderung, stärker auf die Potentiale denn auf die Risiken der Adoleszenz zu blicken.
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208
ANHANG
ANHANG
Anhang A: Übersicht über die verwendeten Erhebungsinstrumente der
Hauptstudie
A.1 Items der Emotionsregulation in der ersten Welle der Hauptstudie (Eigenentwicklung)
Im Folgenden finden Sie eine Reihe von Aussagen, mit denen andere Menschen sich
manchmal selbst beschreiben. Wie ist das bei Ihnen? Bewerten Sie bitte jeweils, inwieweit die einzelnen Aussagen auch auf Sie zutreffen oder nicht zutreffen. Verwenden Sie hierfür bitte wiederum eine Skala von 1 bis 5 wie folgt:
trifft gar
nicht zu
trifft eher
nicht zu
teils
teils
trifft
etwas zu
trifft
sehr zu
1________2_________3_________4_________5
Nähesuchen
(a) Ich suche die Nähe zu anderen Personen, mit denen ich positive Gefühle
(wie Freude und Vergnügen) erleben kann.
Meiden
(a) Ich achte darauf, bestimmten Menschen nicht zu begegnen, weil ich negative Gefühle (wie Ärger oder Zorn) vermeiden möchte.
(b) Unangenehmen Situationen gehe ich wenn möglich früh aus dem Weg.
Modifikation
(a) Wenn etwas oder jemand bei mir negative Gefühle erzeugt, ändere ich meine Einstellung oder mein Denken, damit es mir besser geht.
(b) Wenn ich weniger negative Emotionen fühlen möchte (wie Traurigkeit oder
Wut), dann denke ich an etwas anderes.
(c) Wenn ich mich traurig oder bedrückt fühle, beschäftige ich mich mit anderen Dingen, damit es mir wieder besser geht.
(d) Wenn ich negative Gefühle (wie Einsamkeit oder Angst) erlebe, verändere
ich die Situation in der ich bin so, dass es mir besser geht.
209
ANHANG
A.2 Items der Emotionsregulation in der zweiten Welle der Hauptstudie (Eigenentwicklung)
Im Folgenden finden Sie eine Reihe von Aussagen, mit denen andere Menschen sich
manchmal selbst beschreiben. Wie ist das bei Ihnen? Bewerten Sie bitte jeweils, inwieweit die einzelnen Aussagen auch auf Sie zutreffen oder nicht zutreffen. Verwenden Sie hierfür bitte wiederum eine Skala von 1 bis 5 wie folgt:
trifft gar
nicht zu
trifft eher
nicht zu
teils
teils
trifft
etwas zu
trifft
sehr zu
1________2_________3_________4_________5
Nähesuchen
(a) Ich suche die Nähe zu anderen Personen, mit denen ich positive Gefühle
(wie Freude und Vergnügen) erleben kann.
(b) Wenn ich nervös bin, suche ich jemanden, der mich beruhigen kann.
(c) Ich suche die Nähe zu solchen Menschen, mit denen es Spaß macht, zusammen zu sein.
(d) Wenn ich mich mal einsam fühle, suche ich jemanden, der mich tröstet.
(e) Wenn ich mich vergnügen oder ablenken will, suche ich mir jemanden, der
mitmacht.
Meiden
(a) Ich achte darauf, bestimmten Menschen nicht zu begegnen, weil ich negative Gefühle (wie Ärger oder Zorn) vermeiden möchte.
(b) Unangenehmen Situationen gehe ich wenn möglich früh aus dem Weg.
(c) Ich gehe manchen Menschen aus dem Weg, wenn ich mich nicht ärgern will.
Modifikation
(a) Wenn ich mehr positive Emotionen erleben möchte, dann ändere ich die Art
wie ich über die jeweilige Situation denke.
(b) Wenn etwas oder jemand bei mir positive Gefühle erzeugt, denke ich viel
darüber nach, damit es mir weiter gut geht.
(c) Wenn etwas oder jemand bei mir negative Gefühle erzeugt, ändere ich meine Einstellung oder mein Denken, damit es mir besser geht.
(d) Wenn ich weniger negative Emotionen fühlen möchte (wie Traurigkeit oder
Wut), dann denke ich an etwas anderes.
(e) Wenn ich mich traurig oder bedrückt fühle, beschäftige ich mich mit anderen Dingen, damit es mir wieder besser geht.
ANHANG
210
(f) Wenn ich negative Gefühle (wie Einsamkeit oder Angst) erlebe, verändere
ich die Situation in der ich bin so, dass es mir besser geht.
(g) Wenn mich etwas oder jemand zum Lachen bringt, denke ich viel und oft
daran, damit es mir weiter gut geht.
(h) Wenn mich etwas belastet, suche ich Ablenkung, damit es mir wieder besser
geht.
(i) Wenn ich mich gut fühlen möchte, denke ich an etwas Schönes.
ANHANG
211
A.3 Netzwerkinstrument der Hauptstudie (IDUN)
Namensgeneratoren der ersten Erhebungswelle der Hauptstudie
(1) Welche Personen treffen Sie regelmäßig bei Unternehmungen, beispielsweise
im Sport, wenn Sie ausgehen (Kino, Tanzen) oder wenn Sie sich einfach nur
unterhalten wollen?
(2) Mit wem teilen Sie persönliche Gedanken und Gefühle oder sprechen über
Dinge, die Sie nicht jedem erzählen würden?
(3) Angenommen Sie brauchen eine helfende Hand, etwa weil sie umziehen, Ihre
Wohnung renovieren, oder ähnliches. Wer hilft Ihnen bei solchen Gelegenheiten?
(4) Gibt es Personen, die bereit wären, mehr als jetzt für Sie zu tun, wenn Sie ein
Kind bekämen?
(5) Von wem wünschen Sie sich, dass er/sie ihnen hilft, wenn Sie eine Familie
gründen?
(6) Wer unterstützt Sie in Ihrem beruflichen Fortkommen oder Ihrer Ausbildung
und hilft Ihnen, dass Sie vorankommen?
(7) Mit wem fühlen Sie sich so eng verbunden, dass Sie sich ein Leben ohne diese
Person nicht vorstellen mögen?
(8) Wenn Sie sich unsicher oder schwach fühlen, wer bestärkt Sie in Ihrem Handeln oder in Ihren Zielen?
(9) Wer hilft Ihnen dabei, dass Sie sich über schwierige Dinge klar werden und
entsprechende Entscheidungen treffen können, wenn Sie einmal nicht weiter
wissen?
(10) Wer kann Ihnen auch mal unangenehme Wahrheiten sagen und achtet darauf, dass Sie nichts Falsches tun?
(11) Jeder erlebt auch Enttäuschungen mit den Menschen, mit denen er oder sie
zu tun hat. Können Sie mir sagen, wer Sie in Ihrem Leben in der letzten Zeit
enttäuscht hat?
(12) Wenn Sie einmal an Ihren Arbeitsplatz, Ihre Ausbildungs- bzw. Praktikumsstätte und Ihre Kollegen denken. Wie hoch ist der Anteil der Kollegen /
Mitschüler in Prozent, bei denen Sie von einer belastenden Beziehung sprechen würden? Bitte geben Sie einen Prozentanteil von 0-100 Prozent Ihrer Kollegen an. Um welche Personen handelt es sich?
(13) Vielen Menschen geht es so, dass sie nicht zu allen Verwandten gleich gute
Beziehungen unterhalten. Wie hoch ist der Anteil der Verwandten in Prozent,
zu denen Sie eher belastende Beziehungen unterhalten? Bitte geben Sie den
Prozentanteil von 0-100 Prozent Ihrer Verwandtschaft an. Um welche Personen handelt es sich?
ANHANG
212
Namensgeneratoren der zweiten Erhebungswelle der Hauptstudie
(1) Mit wem teilen Sie persönliche Gedanken und Gefühle oder sprechen über
Dinge, die Sie nicht jedem erzählen würden?
(2) Wer hilft Ihnen, wenn Sie einmal Informationen oder konkreten Rat in praktischen Dingen benötigen?
(3) Gibt es Personen, die bereit wären, mehr als jetzt für Sie zu tun, wenn Sie ein
Kind bekämen?
(4) Wer kann Ihnen auch mal unangenehme Wahrheiten sagen?
(5) Mit wem haben Sie gelegentlich Streit oder Konflikte, die belastend für Sie
sind?
(6) Wenn Sie einmal an Ihren Arbeitsplatz, Ihre Ausbildungs- bzw. Praktikumsstätte und Ihre Kollegen denken. Wie hoch ist der Anteil der Kollegen /
Mitschüler in Prozent, bei denen Sie von einer belastenden Beziehung sprechen würden? Bitte geben Sie einen Prozentanteil von 0 - 100 Prozent Ihrer
Kollegen an. Um welche Personen handelt es sich?
(7) Vielen Menschen geht es so, dass sie nicht zu allen Verwandten gleich gute
Bezie-hungen unterhalten. Wie hoch ist der Anteil der Verwandten in Prozent,
zu denen Sie eher belastende Beziehungen unterhalten? Bitte geben Sie den
Prozentanteil von 0 - 100 Prozent Ihrer Verwandtschaft an. Um welche Personen handelt es sich?
213
ANHANG
Deskriptoren der ersten und zweiten Erhebungswelle der Hauptstudie
Tabelle 25: Wortlaut und Antwortskalierung der Deskriptoren in der ersten und
zweiten Welle der Hauptstudie
Wortlaut
Antwortformat
1
Woher kennen Sie Person X?
Lesetafel präsentiert nach Herkunft der
Beziehung
2
Sagen Sie mir bitte von jeder Person das Geschlecht. Welches Geschlecht hat Person X?
1 = männlich, 2 = weiblich
3
Wie alt ist Person X?
Alter in Jahren
4*
Wo wohnt X?
1 = selber Haushalt / selbes Haus; 2 = gleicher Ort / gleiche Stadt bis 5 km entfernt; 3 =
bis 50 km entfernt; 4 = bis 200 km entfernt; 5
= mehr als 200 km entfernt
5
Sagen Sie mir bitte, wer Ihres Wissens momentan
eine feste Partnerschaft hat oder nicht. Wie ist das
mit Person X?
1 = hat keine feste Partnerschaft; 2 = hat
feste Partnerschaft
6
Wie viele eigene Kinder hat Person X?
Anzahl der Kinder
7*
Und welches Alter haben die Kinder etwa?
Alter in Jahren
8
Mit wem hat Person X Kinder? Wurde die Person
bereits genannt? Wer ist das?
Nummer der Netzwerkperson
9
Wie nahe fühlen Sie sich Person X?
5 = außergewöhnlich nahe; 4 = sehr nahe; 3
= etwas nahe; 2 = nicht so nahe; 1 = überhaupt nicht nahe
10
Wie häufig haben Sie Streit oder Konflikte mit X?
5 = meistens / fast jedes Mal; 4 = häufig; 3 =
teils / teils; 2 = gelegentlich; 1 = ganz selten /
fast nie
11
Wie gut können Sie damit umgehen, wenn Sie in
der Beziehung zu X mit Ärger oder Konflikten
konfrontiert werden?
5 = sehr gut; 4 = gut; 3 = teils / teils; 2 = wenig; 1 = gar nicht
12
Ich suche die Nähe zu X, um etwas Schönes zu
erleben. Inwieweit trifft diese Aussage auch auf
Sie und Ihre Beziehung zu X zu?
5= trifft sehr zu; 4= trifft etwas zu; 3= teils /
teils; 2= trifft eher nicht zu; 1= trifft gar nicht
zu
13
Inwieweit zeigt X Ihnen Anerkennung für das,
was Sie tun?
5 = sehr viel; 4 = viel; 3 = teils / teils; 2 = wenig; 1 = gar nicht
14
Wie lange kennen Sie Person X schon?
In Jahren
Anmerkungen: * Deskriptor wurde nur in Welle 1 erhoben.
214
ANHANG
A.4 Psychologische Konstrukte der Hauptstudie
Lebenszufriedenheit (SOEP, vgl. Wagner, 2007)
Wie zufrieden sind Sie mit den folgenden Bereichen Ihres Lebens? Bitte verwenden
Sie diesmal eine Skala von 1 bis 10.
ganz und gar
unzufrieden
ganz und
gar zufrieden
1 ------ 2 ------ 3 ------ 4 ------ 5 ------ 6 ------ 7 ------ 8 ------ 9 ------ 10
(a) mit Ihrer Gesundheit?
(b) mit Ihrem Lebensstandard insgesamt?
(c) (falls Sie erwerbstätig sind) mit Ihrer Arbeit?
(d) (falls Sie im Haushalt tätig sind) mit Ihrer Tätigkeit im Haushalt?
(e) mit Ihrer Freizeit?
(f) gegenwärtig alles in allem in Ihrem Leben?
(g) Und was glauben Sie, wie wird es wohl in fünf Jahren sein?
Gesundheit (SOEP)
Wie würden Sie Ihren derzeitigen körperlichen Gesundheitszustand beschreiben?
Bitte kreuzen Sie die auf Sie zutreffende Antwort an
schlecht
weniger gut
gut
sehr gut
ausgezeichnet
Depressivität (BSI, Franke, 2000)
Wie sehr litten Sie in den vergangenen sieben Tagen unter…? Bitte geben Sie zur Beantwortung eine Zahl zwischen 1 („überhaupt nicht“) und 5 („sehr stark“) an.
überhaupt
nicht
ein
wenig
ziemlich
stark
sehr
stark
1__________2_________3_________4_________5
(a) dem Gefühl, sich für nichts zu interessieren?
(b) einem Gefühl der Hoffnungslosigkeit angesichts der Zukunft?
(c) Einsamkeitsgefühlen?
215
ANHANG
(d) dem Gefühl, wertlos zu sein?
(e) Schwermut?
(f) Gedanken, sich das Leben zu nehmen?
Selbstwert (Rosenberg, 1965)
Inwieweit treffen die folgenden Aussagen auf Sie zu? Bitte geben Sie eine Zahl zwischen 1 „trifft gar nicht zu“ und 5 „trifft sehr zu“ an, um anzuzeigen, wie gut die
Aussage auf Sie zutrifft.
trifft gar
nicht zu
trifft eher
nicht zu
teils
teils
trifft
etwas zu
trifft
sehr zu
1________2_________3_________4_________5
(a) Es gibt Zeiten, da fühle ich mich völlig nutzlos.
(b) Ich glaube, dass ich einige gute Eigenschaften habe.
(c) Manchmal habe ich den Eindruck, dass ich zu gar nichts tauge.
(d) Ich glaube, dass ich ein wertvoller Mensch bin, zumindest so wertvoll
wie andere.
(e) Alles in allem betrachte ich mich eher als Versager
(f) Ich habe eine positive Einstellung zu mir selbst
Lebensziele (Eigenentwicklung IDUN)
Viele Menschen haben Pläne, Vorhaben oder Ziele für ihre Zukunft. Beurteilen Sie
bitte, wie wichtig Ihrer Einschätzung nach die folgenden Ziele sind. Geben Sie dafür
eine Zahl zwischen 1 und 10 an. Die Zahl 1 bedeutet, das Ziel ist sehr unwichtig, die
Zahl 10 bedeutet, das Ziel ist sehr wichtig.
(a) Erfolgreich sein (in Schule, Studium, Beruf)
(b) Liebe und Zuneigung erfahren
(c) Gesund / Körperlich fit sein
(d) Spannende oder neue Dinge erleben
(e) Mein Leben selbst bestimmen / unabhängig sein
(f) Anerkennung oder Respekt erfahren
(g) Meinem Leben einen Sinn geben
(h) Anderen vertrauen / sich auf andere verlassen können
(i) Ein Kind haben und erziehen
216
ANHANG
OPS-Familiengründung (adaptiert an Heckhausen, Schulz & Wrosch , 1997)
Inwieweit treffen die folgenden Aussagen auf Sie zu? Bitte verwenden Sie die folgenden Antwortkategorien, um einzuschätzen, wie gut jede Aussage auf Sie zutrifft.
trifft gar
nicht zu
trifft eher
nicht zu
teils
teils
trifft
etwas zu
trifft
sehr zu
1________2_________3_________4_________5
(a) Wenn ich eine Familie gründe und dabei auf Schwierigkeiten stoße,
nehme ich auch größere Anstrengungen in Kauf.
(b) Wenn ich eine Familie gründen will, vermeide ich alles, was mich davon ablenken könnte.
(c) Wenn ich eine Familie gründen will und meine Freunde sind in dieser
Hinsicht anderer Meinung, halte ich an meinen Plänen fest.
(d) Wenn ich eine Familie gründen will, sage ich mir immer wieder, dass
ich es schaffen kann, wenn ich nur will.
(e) Wenn ich es nicht schaffe eine Familie zu gründen, suche ich nach Begründungen, um mir nicht die Schuld zu geben.
(f) Wenn ich eine Familie gründe und auf Schwierigkeiten stoße, nehme
ich jede Hilfe in Anspruch, die mich weiterbringt.
(g) Wenn ich es nicht schaffe, eine Familie zu gründen, denke ich nicht
weiter darüber nach.
(h) Wenn ich eine Familie gründen will, stelle ich mir immer wieder vor,
wie glücklich ich sein werde.
(i) Wenn ich es nicht schaffe eine Familie zu gründen, suche ich nach guten Argumenten dafür, dass es nicht an mir gelegen hat.
(j) Wenn ich eine Familie gründe, scheue ich keine Mühe, Hauptsache, es
lohnt sich.
(k) Wenn ich eine Familie gründe und auf Schwierigkeiten stoße, frage ich
andere Leute nach Mitteln und Wegen.
(l) Wenn ich es nicht schaffe eine Familie zu gründen, nehme ich das alles
nicht mehr so wichtig.
217
ANHANG
OPS-Eltern-Kind-Beziehung (Lang & Gentzsch, 2004)
Inwieweit treffen die folgenden Aussagen auf Sie zu? Bitte verwenden Sie die folgenden Antwortkategorien, um einzuschätzen, wie gut jede Aussage auf Sie zutrifft.
trifft gar
nicht zu
trifft eher
nicht zu
teils
teils
trifft
etwas zu
trifft
sehr zu
1________2_________3_________4_________5
(a) Ich verwende besonders viel Zeit darauf, die Beziehung zu meinem(n)
Kind(ern) zu pflegen.
(b) Wenn ich mit meinem(n) Kind(ern) mal nicht so auskomme, strenge ich mich
besonders an, damit wir uns wieder gut verstehen.
(c) Ich trage viel dazu bei, dass mein(e) Kind(er) und ich gemeinsam etwas unternehmen.
(d) Wenn ich mit meinem(n) Kind(ern) mal Krach habe, gehe ich auch schwierige Wege, um wieder mit ihm / ihr (ihnen) ins Reine zu kommen.
(e) Wenn ich mit meinem(n) Kind(ern) Schwierigkeiten habe, bitte ich andere
um Rat.
(f) Wenn ich mich mit meinem(n) Kind(ern) verkracht habe, lasse ich mir etwas
Besonderes einfallen, um mich wieder zu vertragen.
(g) Wenn ich mich mit meinem(n) Kind(ern) besser verstehen will, halte ich mir
oft vor Augen, dass eine gute Beziehung zu den Kindern wichtig für das
ganze weitere Leben ist.
(h) Wenn ich die Beziehung(en) zu meinem(n) Kind(ern) verbessern will, sage
ich mir immer wieder, dass mir das bestimmt gelingen wird.
(i) Wenn ich mir vorgenommen habe, die Beziehung zu meinem(n) Kind(ern)
ins Reine zu bringen, stelle ich mir vor, wie froh ich sein werde, wenn wir
wieder gut miteinander auskommen.
(j) Wenn ich mich mit meinem(n) Kind(ern) verkracht habe, denke ich daran,
dass es vielen andern Leuten auch passiert.
(k) Wenn ich mit meinem(n) Kind(ern) Schwierigkeiten habe, wende ich mich
anderen Dingen zu.
(l) Wenn ich mit meinem(n) Kind(ern) mal Krach habe, greife ich auch zu ausgefallenen Mitteln, um wieder mit ihm / ihr (ihnen) ins Reine zu kommen.
218
ANHANG
OPS-Erfolg im Beruf (adaptiert an Heckhausen, Schulz & Wrosch , 1997)
Es ist mir sehr wichtig, im Beruf / in meiner Ausbildung erfolgreich zu sein. (ja/nein).
Stellen Sie sich einmal vor wie es ist, wenn Sie im Beruf erfolgreich sind. Bitte verwenden Sie die folgenden Antwortkategorien um einzuschätzen, wie gut die Aussagen jeweils auf Sie zutreffen:
trifft gar
nicht zu
trifft eher
nicht zu
teils
teils
trifft
etwas zu
trifft
sehr zu
1________2_________3_________4_________5
(a) Um Erfolg im Beruf zu haben, scheue ich keine Mühe, Hauptsache es lohnt
sich.
(b) Um Erfolg im Beruf zu haben, zögere ich nicht lange, sondern tue etwas dafür.
(c) Um Erfolg im Beruf zu haben, nehme ich auch größere Anstrengungen in
Kauf.
(d) Wenn ich auf Schwierigkeiten dabei stoße, Erfolg im Beruf zu haben, frage ich
andere Leute nach Mitteln und Wegen.
(e) Wenn ich auf Schwierigkeiten dabei stoße, Erfolg im Beruf zu haben, nehme
ich jede Hilfe in Anspruch, die mich weiterbringt.
(f) Wenn ich auf Schwierigkeiten dabei stoße, Erfolg im Beruf zu haben, überlege
ich, wen ich um Hilfe bitten könnte.
(g) Wenn ich es nicht schaffe Erfolg im Beruf zu haben, suche ich nach Begründungen, um mir nicht die Schuld zu geben.
(h) Wenn ich es nicht schaffe Erfolg im Beruf zu haben, suche ich nach Erklärungen, um mich vor mir selbst zu rechtfertigen.
(i) Wenn ich es nicht schaffe Erfolg im Beruf zu haben, suche ich nach guten Argumenten dafür, dass es nicht an mir gelegen hat.
(j) Wenn ich es nicht schaffe Erfolg im Beruf zu haben, nehme ich das alles nicht
mehr so wichtig.
(k) Wenn ich es nicht schaffe Erfolg im Beruf zu haben, denke ich nicht weiter
darüber nach.
(l) Wenn ich es nicht schaffe Erfolg im Beruf zu haben, kümmere ich mich nicht
weiter darum.
(m) Wenn ich Erfolg im Beruf haben will, sage ich mir immer wieder, dass ich es
schaffen kann, wenn ich nur will.
(n) Wenn ich Erfolg im Beruf haben will, stelle ich mir immer wieder vor, wie
glücklich ich sein werde.
(o) Wenn ich Erfolg im Beruf haben will, vermeide ich alles, was mich davon ablenken könnte.
219
ANHANG
CAMAQ (Beruf / Familie; adaptiert an Diewald, Huinink & Heckhausen, 1996)
Bei den folgenden Fragen geht es um Ihre Meinung, worauf es in Beruf und Familie
ankommt. Es gibt keine richtigen oder falschen Antworten. Uns interessiert Ihre
Meinung zu diesen Fragen. Falls Sie keine Familie haben, oder nicht berufstätig sind,
versuchen Sie sich bitte vorzustellen, Sie hätten eine Familie und wären berufstätig.
Bitte beantworten Sie die Fragen zur Familie und zum Beruf bezogen auf Ihre Vorstellung.
trifft gar
nicht zu
trifft eher
nicht zu
teils
teils
trifft
etwas zu
trifft
sehr zu
1________2_________3_________4_________5
(a) Ich verfüge über die notwendigen Kenntnisse und Fähigkeiten, um im Beruf
erfolgreich zu sein.
(b) Zum beruflichen Fortkommen braucht man Glück.
(c) Ich kann die notwendige Energie dafür aufbringen, um die von mir angestrebte berufliche Position zu erreichen.
(d) Im Hinblick auf mein berufliches Fortkommen habe ich oft Glück.
(e) Wenn man sich entsprechend anstrengt, kann man auch beruflich weiterkommen.
(f) Ich habe einflussreiche Kontakte, die mir bei meinem beruflichen Fortkommen nützlich sein können.
(g) Wenn man in seinem Beruf die notwendigen Kenntnisse und Fähigkeiten hat,
kann man beruflich vorankommen.
(h) Man muss Beziehungen haben, wenn man beruflich weiterkommen will.
(i) Ich habe die Fähigkeit, unser Familienleben harmonisch zu gestalten.
(j) Um ein harmonisches Familienleben verwirklichen zu können braucht man
Glück.
(k) Ich kann die notwendige Energie dazu aufbringen, dass unser Familienleben
harmonisch verläuft.
(l) In meinen Familienangelegenheiten habe ich oft Glück.
(m) Man muss sich aktiv darum bemühen, damit es in der Familie harmonisch
zugeht.
(n) Ich weiß, wen ich um Rat und Hilfe bitten kann, wenn es in meiner Familie
kriselt.
(o) Der Grad der Harmonie in einer Familie hängt von dem nötigen Geschick im
Umgang mit den Familienmitgliedern ab.
(p) Das Gelingen eines harmonischen Familienlebens hängt davon ab, dass man
Personen kennt, an die man sich bei Problemen wenden kann.
220
ANHANG
Anhang B: Übersicht über die verwendeten Erhebungsinstrumente der Validierungsstudie
B.1 Items der Emotionsregulation in der Validierungsstudie (Eigenentwicklung)
Im Folgenden finden Sie eine Reihe von Aussagen zum Umgang mit Gefühlen. Wie
ist das bei Ihnen? Bewerten Sie bitte jeweils, inwieweit die einzelnen Aussagen auf
Sie zutreffen oder nicht zutreffen. Verwenden Sie hierfür bitte eine Skala von 1 bis 5.
trifft gar
nicht zu
trifft eher
nicht zu
teils
teils
trifft
etwas zu
trifft
sehr zu
1________2_________3_________4_________5
Nähesuchen
(a) Ich suche die Nähe zu Personen, mit denen ich schöne Erlebnisse teilen kann.
(b) Ich suche die Nähe zu anderen Personen, mit denen ich positive Gefühle (wie
Freude o. Vergnügen) erleben kann.
(c) Wenn ich nervös bin, suche ich jemanden, der mich beruhigen kann.
(d) Ich suche die Nähe zu solchen Menschen, mit denen es Spaß macht, zusammen zu sein.
(e) Wenn ich mich mal einsam fühle, suche ich jemanden, der mich tröstet.
Meiden
(a) Ich achte darauf, bestimmten Menschen nicht zu begegnen, weil ich negative
Gefühle (wie Ärger oder Zorn) vermeiden möchte.
(b) Unangenehmen Situationen gehe ich wenn möglich früh aus dem Weg.
(c) Ich gehe manchen Menschen aus dem Weg, wenn ich mich nicht ärgern will.
(d) Ich achte darauf, bestimmten Leuten nicht zu begegnen, wenn ich Ärger oder
Zorn vermeiden möchte.
Modifikation
(a) Wenn etwas oder jemand bei mir positive Gefühle erzeugt, denke ich viel
darüber nach, damit es mir weiter gut geht.
(b) Wenn ich mich traurig fühle, dann lenke ich mich mit anderen Dingen ab.
(c) Wenn mich etwas gut gelaunt macht, denke ich viel und oft daran, damit es
mir weiter gut geht.
221
ANHANG
(d) Wenn etwas oder jemand bei mir negative Gefühle erzeugt, ändere ich meine
Einstellung oder mein Denken, damit es mir besser geht.
(e) Wenn ich weniger negative Emotionen fühlen möchte (wie Traurigkeit oder
Wut), dann denke ich an etwas anderes.
(f) Wenn ich mich traurig oder bedrückt fühle, beschäftige ich mich mit anderen
Dingen, damit es mir wieder besser geht.
(g) Wenn mich etwas oder jemand zum Lachen bringt, denke ich viel und oft daran, damit es mir weiter gut geht.
(h) Wenn mich etwas belastet, suche ich Ablenkung, damit es mir wieder besser
geht.
(i) Wenn ich negative Gefühle (wie Einsamkeit oder Angst) erlebe, verändere ich
die Situation in der ich bin so, dass es mir besser geht.
(j) Wenn ich mich gut fühlen möchte, denke ich an etwas Schönes.
(k) Wenn ich mehr positive Emotionen erleben möchte, dann ändere ich die Art,
wie ich über die jeweilige Situation denke.
(l) Wenn ich mich vergnügen oder ablenken will, suche ich mir jemanden, der
mitmacht.
(m) Wenn mich etwas bedrückt, ändere ich meine Situation bis es mir besser
geht.
(n) Wenn ich mich gut fühlen möchte, erreiche ich es, indem ich mein Denken
verändere.
(o) Wenn ich schlecht gelaunt bin, ändere ich meine Situation bis es mir besser
geht.
(p) Um mich aufzuheitern, denke ich an etwas Schönes.
B.2 Validierungsskalen der Validierungsstudie
OPS-bereichsübergreifend (Heckhausen et al., 1997)
Im Folgenden finden Sie eine Reihe von Aussagen, mit denen sich Personen
manchmal selbst beschreiben. Wie ist das bei Ihnen? Bewerten Sie bitte jeweils, inwieweit die einzelnen Aussagen auf Sie zutreffen oder nicht zutreffen. Verwenden
Sie hierfür bitte eine Skala von 1 bis 5 wie folgt:
trifft gar
nicht zu
trifft eher
nicht zu
teils
teils
trifft
etwas zu
trifft
sehr zu
1________2_________3_________4_________5
(a) Wenn ich mich für ein Ziel entschieden habe, setze ich alles daran, es zu erreichen.
(b) Wenn ich etwas erreichen will, kann ich mich dafür sehr anstrengen.
(c) Für Dinge, die mir wichtig sind, setze ich soviel Zeit wie möglich ein.
ANHANG
222
(d) Wenn ich mir einmal etwas vorgenommen habe, packe ich das zuerst vor allem anderen an.
(e) Wenn ich mir einmal eine Aufgabe gestellt habe, versuche ich, die dafür wichtigen Fertigkeiten gut zu erlernen.
(f) Wenn es für ein Ziel erforderlich ist, bin ich bereit, die wichtigen Fertigkeiten
intensiv zu üben.
(g) Wenn ein Ziel schwieriger zu erreichen ist als erwartet, verstärke ich meine
Anstrengungen.
(h) Wenn sich mir Hindernisse in den Weg stellen, spornt mich das zu mehr Anstrengung an.
(i) Wenn ich eine Aufgabe allein nicht bewältigen kann, bitte ich andere, mir zu
helfen.
(j) Wenn sich mir Schwierigkeiten in den Weg stellen, versuche ich, von anderen
Unterstützung zu bekommen.
(k) Ich scheue mich nicht, andere um Rat zu fragen, wenn ich bei einer Aufgabe
nicht weiterkomme.
(l) Wenn die Schwierigkeiten zu groß werden, frage ich andere um Rat.
(m) Wenn ich in einer Sache nicht weiterkomme, suche ich nach neuen Wegen,
um doch noch mein Ziel zu erreichen.
(n) Wenn sich mir Schwierigkeiten in den Weg legen, überlege ich, ob es vielleicht
andere Wege gibt, an mein Ziel zu gelangen, auch wenn sie ungewöhnlich
sind.
(o) Wenn ich auf einfache Weise meinem Ziel nicht näherkomme, wähle ich
manchmal einen Umweg, um es dennoch zu schaffen.
(p) Wenn mir Hindernisse den Weg versperren, gehe ich eben einen Umweg und
erreiche so doch, was ich will.Wenn ich mich für ein Ziel entschieden habe,
halte ich mir die Vorteile dieses Zieles stets vor Augen.
(q) Wenn ich mich einmal für eine Sache entschieden habe, mache ich mir immer
klar, dass dies die richtige Entscheidung war.
(r) Wenn ich mir einmal etwas vorgenommen habe, schlage ich mir alles, was
mich ablenken könnte, aus dem Kopf.
(s) Wenn ich mich einmal für etwas entschieden habe, lasse ich mich durch andere Möglichkeiten nicht so leicht ablenken.
(t) Wenn ich mir einmal etwas vorgenommen habe, glaube ich auch fest daran,
dass ich es schaffen werde.
(u) Wenn ich mir ein Ziel gesetzt habe, halte ich mir vor Augen, dass ich auch die
Fähigkeit habe, es zu erreichen.
(v) Bei Zielen, die schwer zu erreichen sind, halte ich mir vor Augen, dass ich
stolz auf mich sein werde, wenn ich sie erreicht habe.
(w)Wenn ich mir eine schwierige Aufgabe gestellt habe, stelle ich mir vor, wie
stolz ich sein werde, wenn ich sie gelöst habe.
(x) Wenn die Schwierigkeiten unüberwindlich werden, kann ich mir eine Sache
auch aus dem Kopf
223
ANHANG
(y) Wenn sich herausstellt, dass ich ein Ziel auf keinen Fall erreichen kann, lasse
ich davon ab.schlagen.
(z) Wenn ich ein Ziel nicht erreiche, sage ich mir oft, dass es nicht an mir gelegen
hat.
(aa) Wenn mir etwas nicht geglückt ist, sage ich mir, dass ich eben einfach Pech
hatte.
(bb) Wenn ich in eine schwierige Lage geraten bin, halte ich mir vor Augen, dass
es mir in mancher Hinsicht besser geht als anderen.
(cc) Wenn mir ein Unglück passiert ist, denke ich an all die anderen, die noch viel
schlechter dran sind als ich.
(dd) Wenn ich an mir selber zweifele, halte ich mir vor Augen, dass ich in meinem
Leben schon viel erreicht habe.
(ee) Wenn mir eine wichtige Sache nicht gelungen ist, tröste ich mich damit, dass
ich auf anderen Gebieten mehr Erfolg gehabt habe.
Feel-KJ (Ärger, adaptiert an Grob & Smolenski, 2005)
Nun soll es um eine spezielle Emotion, dem Ärger gehen. Alle Menschen sind
manchmal verärgert. Im Folgenden finden Sie Möglichkeiten, was Menschen tun,
wenn Sie verärgert sind. Kreuzen Sie bitte dasjenige Kästchen an, das am ehesten auf
Sie zutrifft:
fast nie
selten
ab und zu
oft
fast immer
1__ ______2_________3_________4_________5
Wenn ich ärgerlich bin …
(a) versuche ich das zu verändern, was mich ärgerlich macht.
(b) erzähle ich jemandem, wie es mir geht.
(c) denke ich über Dinge nach, die mich glücklich machen.
(d) tue ich etwas, was mir Spaß macht.
(e) behalte ich meine Gefühle für mich.
(f) mache ich das Beste daraus.
(g) will ich niemanden sehen.
(h) denke ich, dass es mein eigenes Problem ist.
(i) mag ich nichts mehr tun.
(j) überlege ich immer wieder, warum ich ärgerlich bin.
(k) denke ich darüber nach, was ich tun könnte.
(l) sage ich mir, dass das Problem nicht so schlimm ist.
(m) fange ich mit anderen Streit an.
(n) drücke ich meinen Ärger aus.
(o) versuche ich zu vergessen, was mich ärgerlich macht.
(p) suche ich den Fehler zuerst bei mir.
(q) erinnere ich mich an fröhliche Dinge.
224
ANHANG
(r) versuche ich selber, das Beste aus der Situation zu machen.
(s) gehe ich zu jemandem, der mir vielleicht helfen kann.
(t) denke ich, dass es vorbei geht.
(u) akzeptiere ich, was mich ärgerlich macht.
(v) zeige ich offen, dass ich ärgerlich bin.
(w)lasse ich meine Gefühle an anderen Leuten aus.
(x) will es mir einfach nicht aus dem Kopf gehen.
(y) ziehe ich mich zurück.
(z) lasse ich mir nicht anmerken, dass ich verärgert bin.
(aa) mache ich etwas, das mich freut.
(bb) denke ich darüber nach, wie ich das Problem lösen kann.
(cc) sage ich mir, dass es nichts Wichtiges ist.
(dd) kann ich sowieso nichts gegen meinen Ärger machen.
BFI (adaptiert an Lüdtke, Lang & Asendorpf, 2001)
Wie sehen Sie sich selbst? Bitte lesen Sie die folgenden Selbstbeschreibungen aufmerksam durch und schätzen Sie ein, wie gut jede Beschreibung auf sie auf Sie persönlich zutrifft. Nutzen Sie dafür eine Skala von 1“ trifft gar nicht zu“ bis 5 „trifft
sehr gut zu“.
trifft gar
nicht zu
trifft eher
nicht zu
teils
teils
trifft
etwas zu
trifft
sehr zu
1________2_________3_________4_________5
Ich sehe mich selbst als jemand, der ...
(a) gründlich arbeitet
(b) kommunikativ, gesprächig ist
(c) manchmal etwas grob zu anderen ist
(d) originell ist, neue Ideen bringt
(e) sich oft Sorgen macht
(f) verzeihen kann
(g) eher faul ist
(h) aus sich herausgehen kann, gesellig ist
(i) zurückhaltend ist
(j) rücksichtsvoll und freundlich zu anderen ist
(k) eine lebhafte Phantasie und Vorstellung hat
(l) entspannt ist, mit Stress gut umgehen kann
(m) wissbegierig ist
(n) künstlerische Erfahrungen schätzt
(o) leicht nervös wird
(p) Aufgaben wirksam und effizient erledigt
225
ANHANG
TAS-26 (Toronto-Alexithymie-Skala, Kupfer, Brosig & Brähler, 2001)
Im Folgenden geht es erneut um den Umgang mit Gefühlen. Benutzen Sie dabei die
folgende Skala. Kreuzen Sie bitte diejenige Antwort an, die am besten auf Sie persönlich zutrifft.
(a) Ich wünschte, ich wäre nicht so schüchtern.
(b) Mir ist oft unklar, was ich gerade fühle.
(c) Es ist schwierig für mich, die richtigen Worte für meine Gefühle zu finden.
(d) Ich habe körperliche Empfindungen, die selbst Ärzte nicht verstehen.
(e) Es fällt mir leicht, meine Gefühle zu beschreiben.
(f) Wenn ich aufgeregt bin, weiß ich nicht, ob ich traurig, ängstlich oder wütend
bin.
(g) Ich bin oft verwirrt über meine körperlichen Empfindungen.
(h) Ich habe Gefühle, die ich nicht richtig verstehen kann.
(i) Ich finde es schwierig zu beschreiben, wie ich anderen gegenüber fühle.
(j) Andere sagen, ich soll meine Gefühle mehr zeigen.
(k) Ich weiß nicht, was in mir vorgeht.
(l) Ich erkenne oft nicht, wann ich wütend bin.
ERQ-deutsche Version (Stadelmaier, 2006)
Nun folgen ein paar allgemeine Fragen zu Ihren Emotionen und besonders dazu, wie
Sie sie kontrollieren. Kreuzen Sie bitte diejenige Antwort an, die am besten auf Sie
persönlich zutrifft. Benutzen Sie dabei die folgende Skala:
trifft gar
nicht zu
trifft eher
nicht zu
teils
teils
trifft
eher zu
trifft
völlig zu
1________2_________3_________4_________5
(a) Wenn ich mehr positive Emotionen empfinden möchte (wie z.B. Freude oder
Vergnügen), dann ändere ich meine Denkweise.
(b) Ich behalte meine Emotionen für mich.
(c) Wenn ich weniger negative Emotionen empfinden möchte (wie z.B. Traurigkeit oder Zorn), dann ändere ich meine Denkweise.
(d) Wenn ich positive Emotionen empfinde, achte ich darauf, sie nicht zu zeigen.
(e) Wenn ich mich in einer stressigen Situation befinde, dann denke ich so darüber, dass ich ruhig bleibe.
(f) Ich kontrolliere meine Emotionen dadurch, dass ich sie nicht zeige.
(g) Wenn ich mehr positive Emotionen empfinden möchte, dann ändere ich, wie
ich über die Situation denke.
ANHANG
226
(h) Ich kontrolliere meine Emotionen, indem ich einmal anders über meine Situation nachdenke.
(i) Wenn ich negative Emotionen empfinde, dann stelle ich sicher, dass ich sie
nicht zeige.
(j) Wenn ich weniger negative Emotionen empfinden möchte, dann ändere ich,
wie ich über die Situation denke.
Parcel 2: Verändern der Denkweise
Parcel 1: Situationsveränderung
227
Ich achte darauf, bestimmten Leuten nicht zu begegnen, wenn ich Ärger oder Zorn vermeiden möchte.
Ich gehe manchen Menschen aus dem Weg, wenn ich mich nicht ärgern will.
Unangenehmen Situationen gehe ich wenn möglich früh aus dem Weg.
Ich achte darauf, bestimmten Menschen nicht zu begegnen, weil ich negative Gefühle (wie Ärger oder Zorn) vermeiden
möchte.
Wenn ich mich mal einsam fühle, suche ich jemanden, der mich tröstet.
Wenn ich nervös bin, suche ich jemanden, der mich beruhigen kann.
Ich suche die Nähe zu solchen Menschen, mit denen es Spaß macht, zusammen zu sein.
Ich suche die Nähe zu Personen, mit denen ich schöne Erlebnisse teilen kann.
Wenn ich mich gut fühlen möchte, denke ich an etwas Schönes.
Um mich aufzuheitern, denke ich an etwas Schöne
Wenn ich weniger negative Emotionen fühlen möchte (wie Traurigkeit oder Wut), dann denke ich an etwas anderes.
Wenn etwas oder jemand bei mir negative Gefühle erzeugt, ändere ich meine Einstellung oder mein Denken, damit es mir
besser geht.
Wenn mich etwas bedrückt, ändere ich meine Situation bis es mir besser geht.
Wenn ich schlecht gelaunt bin, ändere ich meine Situation bis es mir besser geht.
Wenn ich mich traurig oder bedrückt fühle, beschäftige ich mich mit anderen Dingen, damit es mir wieder besser geht.
Wenn ich negative Gefühle (wie Einsamkeit oder Angst) erlebe, verändere ich die Situation in der ich bin so, dass es mir
besser geht.
Modifikation (der Situation / des Denkens)
Parcel 2
Parcel 1
Meiden von Personen oder Situationen
Parcel 2: zum Bewältigen negativer Emotionen
Parcel 1: zum Erleben positiver
Emotionen
Nähesuchen von Beziehungen
Itemwortlaut
Ich suche die Nähe zu anderen Personen, mit denen ich positive Gefühle (wie Freude o. Vergnügen) erleben kann.
Itemparcel der Validierungsstudie
Skala und Parcel
Tabelle 26:
ANHANG
228
12.3 (4.6)
5c) Sonstige Abbrüche
16.5 (5.6)
11.5 (2.4)
15.5 (4.1)
12.9 (3.2)
-1.1
0.9
-0.7
-1.7
-0.6
-0.3
-1.5
-0.3
-1.2
-0.1
-1.0
T
67
67
67
67
67
67
67
67
67
67
67
df
-.06
-.05
-.06
-.22
-.03
-.02
-.01
-.09
-.04
-.13
-.04
r
Momentaner
Gesundheitszustand
-.03***
-.07***
-.03***
-.42***
-.17***
-.07***
-.28***
-.05***
-.01***
-.04***
-.06***
r
Lebenszufriedenheit
-.05*
-.21*
-.25*
-.25*
-.14*
-.00*
-.25*
-.07*
-.13*
-.06*
-.04*
r
Depression
Anmerkungen: a = Herkunftskontexte Beruf & Schule/Ausbildung zusammengerechnet; b = bei folgenden Generatoren genannt: „Gedanken & Gefühle teilen“,
„Informationen und Rat bekommen“, „Hilfe erhalten, wenn ein Kind kommt“, „unangenehme Wahrheiten sagen“; c = bei folgenden Generatoren genannt: „Streit
oder Konflikte“, „belastende Kollegen“ oder „belastende Verwandte“.
15.3 (3.5)
14.8 (3.5)
5b) nicht kontrollierbare Abbrüche
6) Neue Beziehungen (nur in Welle 2 genannt)
11.8 (2.2)
19.1 (6.0)
5) Beziehungsabbrüche (nur in Welle 1 genannt)
5a) selbstgesteuerte Abbrüche
16.4 (2.4)
16.1 (3.8)
4) Stabile Beziehungen (in beiden Wellen genannt)
110.0 (5.5)
15.5 (3.8)
16.1 (4.3)
14.9 (4.0)
1b) aus Beruf / Schulea
14.1 (3.3)
15.0 (3.1)
14.9 (3.3)
1a)Verwandtschaft
3) Belastende Beziehungen c
12.9 (5.8)
11.4 (6.0)
1) Netzwerkgröße, Welle 2
18.8 (5.7)
M (SD)
M (SD)
Strukturmerkmale
18.4 (4.6)
(N=35)
(N=34)
2) Unterstützende Beziehungen b
Weiblich
Männlich
Tabelle 27: Geschlechtsunterschiede sozialer Netzwerkbeziehungen in der Adoleszenz und Korrelationen mit Indikatoren psychischer Anpassung, Hauptstudie (N = 69)
Anhang C: Ergebnisse geschlechtergetrennter Netzwerkanalysen
ANHANG
229
ERKLÄRUNG
ERKLÄRUNG
Hiermit erkläre ich, die vorliegende Dissertation selbständig verfasst und keine
anderen als die angegebenen Hilfsmittel benutzt zu haben. Die aus fremden Quellen
und oder indirekt übernommenen Gedanken sind als solche kenntlich gemacht.
Die Arbeit wurde bisher weder im Inland noch im Ausland in gleicher oder ähnlicher Form einer anderen Prüfungsbehörde vorgelegt und ist auch noch nicht veröffentlicht.
Erlangen, den 23.10.2008
Verena Wendt
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