Analyse und Bewertung von Konzepten zur

Analyse und Bewertung von Konzepten zur
Analyse und Bewertung von Konzepten
zur Anwendungsintegration
eines Hochschulinformationssystems
Studienarbeit im Fach Informatik
vorgelegt von
Peter Ulbrich
geb. am 02.06.1980 in Tettnang
Angefertigt am
Institut für Informatik
Lehrstuhl für Informatik 4 - Verteilte Systeme und Betriebssysteme
Friedrich-Alexander Universität Erlangen-Nürnberg
Betreuer:
Prof. Dr.-Ing. habil. Wolfgang Schröder-Preikschat
Dr.-Ing. Jürgen Kleinöder
Beginn der Arbeit: 01. August 2005
Ende der Arbeit: 28. März 2006
2
Hiermit versichere ich, dass ich die Arbeit selbstständig und ohne Benutzung anderer als der
angegebenen Quellen angefertigt habe und dass die Arbeit in gleicher oder ähnlicher Form noch
keiner anderen Prüfungsbehörde vorgelegen hat und von dieser als Teil einer Prüfungsleistung
angenommen wurde. Alle Stellen, die dem Wortlaut oder dem Sinn nach anderen Werken entnommen sind, habe ich durch Angabe der Quelle als Entlehnung kenntlich gemacht.
Erlangen, den 28. März 2006
i
Übersicht
Hochschulen sind komplexe Organisationen. Um die Mitarbeiter zu entlasten und zu unterstützen, werden in zunehmendem Maÿe Anwendungssysteme eingesetzt. Für die Erfüllung ihrer
Aufgaben benden sich diese Systeme in einem Verbund. Eine reine Kopplung ist dabei keine befriedigende Lösung, da ein Wechsel zwischen den Anwendungssystemen die Arbeit der
Nutzer erschwert. Sie benötigen ein umfassendes, einheitliches und hochschulweites Informationssystem. Aus der notwendigen Integration auf technischer und semantischer Ebene entstehen
grundsätzliche Probleme wie die Standardisierung der Kommunikation und der Datenschemen.
Das Informationssystem UnivIS ist eines dieser Anwendungssysteme. Es ist nur lose gekoppelt
und kann derzeit die Integrität seiner Daten in einem Verbund nicht gewährleisten. Das System
weist einige Eigenarten innerhalb seiner Datenhaltung auf, die eine Integration erschweren. Für
den Datenaustausch mit anderen Systemen fehlt es zudem an standardisierten Schnittstellen.
Diese Arbeit beschäftigt sich mit den Problemen die bei der Integration von Anwendungssystemen und im speziellen des UnivIS auftreten können. Es werden Lösungsmöglichkeiten für eine
technische, wie auch für eine spätere semantische, Integration analysiert und bewertet.
Ziel ist es die Integrationsfähigkeit des UnivIS zu verbessern, seine Kommunikationsmöglichkeiten zu erweitern und den Datenzugri von auÿen zu erleichtern.
Abstract
Higher education institutions are complex organisations. In order to support and unburden
the employees, application systems are put in place to an increasing degree.For the purpose
of performing relevant tasks, these systems are tightly interconnected. A pure coupling is no
satisfactory solution, as switching between applications increases the workload of users. There is
a need for a comprehensive and uniform information system across higher education academia.
From the neccessity of integration on a technical and semantic level, fundamental problems
arise, such as the standardisation of communication and data schemes.
The UnivIS information system is an example of such an application system. It is only loosely
coupled and cannot guarantee the integrity of its data in an interconnected system at present.
The system shows some unique characteristics regarding its data management, which complicates integration. In addition it falls short of standardized interfaces for the data exchange with
other systems.
This paper concerns the problems which can arise from the integration of application systems,
UnivIS in particular. Possible solutions are supplied for a technical and later also semantic
integration, each of which are analyzed and evaluated.
The objective is the improvement of the degree of integration of the UnivIS system, to expand
its communication capabilities and to facilitate external data access.
ii
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
1.1
1.2
Überblick & Motivation . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
Aufbau und Ziele dieser Arbeit . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
2 Informationssysteme an Hochschulen - Grundlagen, Überblick, Stand der Technik
2.1
2.2
2.3
2.4
2.5
2.6
2.7
Datenbanksysteme . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
2.1.1 Aufbau . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
2.1.2 Eigenschaften . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
2.1.3 Datenmodelle . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
2.1.4 Datenmodellierung . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
2.1.5 Datenintegrität . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
2.1.6 Einbettung von Datenbanksprachen in Wirtssysteme
Informationssysteme . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
Anwendungsintegration . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
2.3.1 Integrationsformen . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
2.3.2 Webservices . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
Integration am Beispiel eines Universitätsklinikums . . . . .
2.4.1 Entwicklung am Universitätsklinikum Erlangen . . .
2.4.2 Standards im Gesundheitswesen . . . . . . . . . . . .
Situation der Hochschulverwaltung . . . . . . . . . . . . . .
Hochschulinformationssysteme . . . . . . . . . . . . . . . . .
2.6.1 Integrationskonzepte . . . . . . . . . . . . . . . . . .
Resümee . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
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3 Das Informationssystem UnivIS - Aufbau und Betrachtung im Verbund
3.1
3.2
3.3
3.4
Aufbau & Struktur . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
3.1.1 Schematischer Aufbau . . . . . . . . . . . . .
3.1.2 Schnittstellen . . . . . . . . . . . . . . . . . .
UnivIS Datenbank . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
UnivIS im Verbund . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
3.3.1 Anforderungen der Anwender an das System
3.3.2 Möglichkeiten der Integration . . . . . . . . .
Resümee . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
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4 Integration des UnivIS in einen Verbund - Aktueller Stand
4.1
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23
23
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26
27
28
29
30
31
Voraussetzungen für die Integrationsfähigkeit . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 31
iii
Inhaltsverzeichnis
4.2
4.3
4.4
4.5
4.1.1 Kurz- und Mittelfristig . . . . . . . .
4.1.2 Langfristig . . . . . . . . . . . . . .
Aktueller Stand - Kommunikationsfähigkeit
4.2.1 PRG-Schnittstelle . . . . . . . . . .
4.2.2 XML-Dump . . . . . . . . . . . . . .
4.2.3 Adapter . . . . . . . . . . . . . . . .
Aktueller Stand - Datenintegrationsfähigkeit
4.3.1 Technische Integrationsfähigkeit . . .
4.3.2 Semantische Integrationsfähigkeit . .
Aktueller Stand - Schreibender Zugri . . .
Resümee . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
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5 Analyse und Bewertung von Änderungsmöglichkeiten
5.1
5.2
5.3
5.4
Schreibender Zugri . . . . . . . . . . . .
Kommunikationsfähigkeit . . . . . . . . .
5.2.1 Erweiterung der PRG-Schnittstelle
5.2.2 Webservice Schnittstellen . . . . .
5.2.3 Datenreplikation . . . . . . . . . .
Datenintegrationsfähigkeit . . . . . . . . .
5.3.1 Technische Integrationsfähigkeit . .
5.3.2 Semantische Integrationsfähigkeit .
Resümee . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
6 Lösungsvorschläge
6.1
6.2
6.3
6.4
6.5
Auswahl der Replikationsdatenbank . .
6.1.1 Auswahl eines Datenmodells . . .
6.1.2 Auswahl eines Datenbanksystems
Replikation . . . . . . . . . . . . . . . .
Datenschema extrahieren . . . . . . . .
6.3.1 Hierarchie . . . . . . . . . . . . .
6.3.2 Semester- & Versionsverwaltung
6.3.3 Normalisierung . . . . . . . . . .
Schreibender Zugri . . . . . . . . . . .
6.4.1 Integritätsbedingungen . . . . . .
6.4.2 Zugrisrechte . . . . . . . . . . .
Resümee . . . . . . . . . . . . . . . . . .
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51
54
55
56
56
57
58
7 Fazit
59
Abkürzungsverzeichnis
61
Literaturverzeichnis
63
iv
Abbildungsverzeichnis
1.1
2.1
2.2
2.3
2.4
2.5
2.6
2.7
3.1
3.2
4.1
4.2
5.1
5.2
Entwicklung der Anwendungsdomänen in der Informationsverarbeitung an Hochschulen. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
2
Aufbau eines Datenbanksystems . . . . . . . . . .
2.1.1 Aufbau . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
2.1.2 Allgemeines Schichtenmodell (nach [Hä01])
Phasen Datenbankentwurf . . . . . . . . . . . . .
Technische Integrationsformen . . . . . . . . . . .
2.3.1 Replikation bzw. Präsentationsintegration .
2.3.2 Datenintegration . . . . . . . . . . . . . . .
2.3.3 Funktionsintegration . . . . . . . . . . . . .
Semantische Integrationsformen . . . . . . . . . .
2.4.1 Datenintegration . . . . . . . . . . . . . . .
2.4.2 Funktionsintegration . . . . . . . . . . . . .
2.4.3 Prozessintegration . . . . . . . . . . . . . .
Webservice-Architektur . . . . . . . . . . . . . .
Krankenhausinformationssystem . . . . . . . . .
Die Erlanger Kommunikationsdrehscheibe . . . .
2.7.1 Erlanger Kommunikationsdrehscheibe . . .
2.7.2 Kommunikationsdatenbank . . . . . . . . .
2.7.3 Kommunikationsserver . . . . . . . . . . . .
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18
18
18
Aufbau & Struktur des UnivIS . . . . . . . . . .
3.1.1 Aufbau nach dem drei-Ebenen Modell . . .
3.1.2 UnivIS Datenebene im Schichtenmodell . .
Datenussgraph: IT-Landschaft FAU Verwaltung
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Hierarchische Gliederung von Daten . . . . . . . . . . . . .
4.1.1 Hierarchische Ordnung der Daten im UnivIS . . . . .
4.1.2 Hierarchische Ordnung der Daten durch Beziehungen .
Integritätsprüfung: Bruch zwischen den Ebenen . . . . . . .
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UnivIS mit zentraler Integritätsprüfung . . . . . .
Webservices als weitere Schnittstelle des UnivIS . .
5.2.1 Anbindung über die Programmierschnittstelle
5.2.2 Anbindung an die UnivIS Datenbank . . . . .
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37
39
39
39
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v
Abbildungsverzeichnis
5.3
6.1
6.2
6.3
6.4
6.5
6.6
6.7
6.8
vi
5.2.3 Ein Webservice als vollständige Anfrageschnittstelle
5.2.4 Für jeden Anfragetyp ein Webservice . . . . . . . . .
Replikation der UnivIS Datenbank . . . . . . . . . . . . .
5.3.1 Replikation für lesenden Zugri . . . . . . . . . . . .
5.3.2 Replikation für lesenden und schreibenden Zugri . .
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39
39
40
40
40
Ansatzpunkte für eine Replikation von UnivIS Daten . . . . . . . . . . . . . . . .
6.1.1 Replikation auf der UnivIS Datenebene . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
6.1.2 Replikation auf der UnivIS Funktionsebene . . . . . . . . . . . . . . . . . .
ER-Diagramm: Konzeptioneller Entwurf der Organisationshierarchie . . . . . . .
ER-Diagramm: Konzeptioneller Entwurf der materialisierten Pfade . . . . . . . .
Beispieldaten: Darstellung der Organisationshierarchie als Baum . . . . . . . . .
Mengenorientierte Darstellung der Organisationshierarchie im Nested-Set Modell.
Beispieldaten: Umsetzung des Nested-Set Modells durch Erweiterung um linken
und rechten Nachbarn. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
Zeitstempel für die Versionierung und Semestereinteilung . . . . . . . . . . . . . .
Normalisierung der Entität Vorlesung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
6.8.1 Innerhalb des UnivIS . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
6.8.2 Für den Einsatz im Verbund: Aufteilung in Stammdaten und systemspezische Daten. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
49
49
49
50
50
50
53
53
54
55
55
55
Tabellenverzeichnis
2.1
2.2
Auszug: Informationsüsse der Verwaltung an der FAU [CB05] . . . . . . . . . . 19
Projekte zur Entwicklung von Integrationskonzepten in Deutschland . . . . . . . 21
6.1
6.2
6.3
Leistungsumfang bekannter OpenSource Datenbanksysteme (Auszug aus [Hor06]) 47
Tabelle Organisation . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 50
Tabelle Pfad, Materialisierung aller Pfade. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 50
vii
Tabellenverzeichnis
viii
Verzeichnis der Programmausdrücke
3.1
3.2
4.1
5.1
6.1
6.2
6.3
6.4
6.5
6.6
6.7
6.8
6.9
Beispiel: UnivIS Schemadenition für eine Person . . . . . . . . . . . . .
UnivIS Datensatz für eine Person . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
Beispiel: UnivIS Integritätsbedingungen für eine Person . . . . . . . . .
Darstellung der Organisationszugehörigkeit durch Beziehungen . . . . .
Beispiel: Datenbankzugri mit dem PerlDBI-Modul . . . . . . . . . . . .
Beispiel: Einbinden einer externen Methode als User Dened Function in
SQL Schemadenition für die Entität Organisation . . . . . . . . . . . .
SQL Schemadenition für die Entität Pfad . . . . . . . . . . . . . . . . .
Rekursive Anfragen nach SQL/99 und Oracle spezisch. . . . . . . . . .
Rekursive Anfragen mit Hilfe einer Stored Procedure in Firebird. . . . .
Anfragen über materialisierte Pfade in Firebird. . . . . . . . . . . . . . .
Anfragen im Nested-Set Modell in Firebird. . . . . . . . . . . . . . . . .
Beispiel: Trigger für die Tabelle Person . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
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Firebird
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26
26
35
41
48
48
51
51
52
52
52
52
56
ix
Verzeichnis der Programmausdrücke
x
1 Einleitung
1.1 Überblick & Motivation
Hochschulen bestehen aus einer Vielzahl von unterschiedlichen Organisationseinheiten, welche
Leistungen für Forschung, Lehre und Verwaltung erbringen. Diese Leistungen umfassen eine
groÿe Zahl an Arbeitsabläufen, für deren Erfüllung ein umfangreicher Stab von Mitarbeitern
und Einrichtungen benötigt wird.
Mit dem Aufkommen der elektronischen Datenverarbeitung wurden die ersten Anwendungsprogramme für die Unterstützung der Mitarbeiter und zur Optimierung einzelner Arbeitsabläufe
eingeführt. Die Beschaung und Wartung erfolgte in der Regel durch die Abteilung selbst, weshalb diese Systeme hauptsächlich für die eigenen Arbeitsabläufe konzipiert wurden. Eine Kommunikation zwischen den Systemen war nicht vorgesehen und sie entwickelten sich unabhängig
voneinander, wie in Abbildung 1.1 (Links) dargestellt. Im Laufe der Zeit sind diese einfachen,
dedizierten Anwendungsprogramme zu komplexeren Anwendungssystemen herangewachsen. Sie
werden, ihrer Herkunft entsprechend, auch als Abteilungssysteme bezeichnet.
Durch die technologische Entwicklung, speziell durch das Aufkommen des Internet, und die daraus entstehenden Kommunikations- und Zugrismöglichkeiten konnten Informationen immer
mehr Nutzern zugänglich gemacht werden. Für diesen Zweck wurden weitere Anwendungssysteme entwickelt, welche Informationen für spezielle Nutzergruppen verfügbar machen, so genannte
Informationssysteme. Diese sind in der Regel keiner besonderen Abteilung zugeordnet und dienen der Unterstützung von dezentralen Arbeitsabläufen. An der Friedrich-Alexander-Universität
Erlangen-Nürnberg (FAU) wurde das Informationssystem UnivIS eingeführt. Es bietet den Mitarbeitern und Studenten über das Internet einen Zugang zu Informationen zu Forschung und
Lehre. Das UnivIS verwaltet zum Beispiel das Vorlesungsverzeichnis und dient zur Raumplanung.
Wie ihre Pendants in den Abteilungen, sind Informationssysteme ebenfalls Anwendungssysteme mit einer eigenen Domäne, sie unterscheiden sich im Wesentlichen nur durch die Art der
Nutzergruppen. Interne und externe Einüsse führen zur ihrer Weiterentwicklung.
Interne Einüsse
Die interne Entwicklung erfolgt kontinuierlich und in kleinen Schritten. Sie entsteht in erster
Linie durch die voranschreitende technologische Entwicklung und die steigenden Anforderungen
der Anwender. Die Systeme wachsen kontinuierlich und erfassen Informationen immer dierenzierter und umfangreicher. Dies führt auch zu einer Annäherung oder sogar einer Überlappung
1
1 Einleitung
Vorlesungen
Studenten
Vorlesungen
Studenten
Studenten
Prüfungen
Prüfungen
Früher
Prüfungen
Bislang
Zukünftig
u Gesamt
u UnivIS
u Prüfungsverwaltung
u Studentenkanzlei
Abbildung 1.1: Entwicklung der Anwendungsdomänen in der Informationsverarbeitung an Hochschulen.
der Anwendungsdomänen und der enthaltenen Informationen wie es in Abbildung 1.1 (Mitte)
dargestellt ist.
Überlappungen entstehen durch Arbeitsabläufe die sich über verschiedene Abteilungen beziehungsweise deren Anwendungssystemen erstrecken. Sie bedeuten für den Anwender einen Mehraufwand, da er Daten zwischen den Systemen austauschen oder sogar doppelt erfassen muss.
In der Informationsverarbeitung ergibt sich zudem das Problem der Redundanz, Informationen
verteilen sich in unterschiedlichen Ausprägungen über mehrere Systeme. Da die beteiligten Systeme meist eine andere Sicht auf die Daten besitzen, ist ein Austausch schwierig. Auch fehlt
es an standardisierten Schnittstellen für die Kommunikation. Um den Anwendern dennoch entgegen zu kommen wurden problemorientierte und systemspezische Adapter eingeführt, ohne
jedoch die grundlegenden Probleme der Informationsverarbeitung zu berücksichtigen.
Externe Einüsse
Die Entwicklung wird zudem extern, über die politischen und betriebswirtschaftlichen Rahmenbedingungen beeinusst. Dieser Wandel erfolgt in zeitlichen Abständen und in der Regel
ruckartig. Die sich daraus ergebenden Änderungen sind oft ausgeprägter und unmittelbarer,
als die evolutionäre Entwicklung im Inneren. Wodurch sich Aufgabenaufgabenstellungen einer
Abteilung in kurzer Zeit stark erweitern und verlagern können.
Infolge neuer oder geänderter Arbeitsabläufe können sich Informationen groÿächig überlappen. Abbildung 1.1 (Rechts) zeigt die möglichen Auswirkungen durch die damit verbundene
Vergröÿerung und Verschiebung der Anwendungsdomänen. Die Anwender sind in einem immer gröÿeren Umfang dazu gezwungen ihre Aufgaben mit verschiedenen Anwendungssystemen
zu erfüllen. Können diese Systeme nicht lückenlos miteinander kommunizieren führt dies zu
Medienbrüchen. Es entsteht der bereits erwähnte Mehraufwand für den Wechsel zwischen den
Systemen und die multiple Erfassung.
Die Probleme der Informationsverarbeitung steigen durch die Redundanz und Inkonsistenz der
2
1.2 Aufbau und Ziele dieser Arbeit
Daten mit zunehmender Vernetzung überproportional an. Ein Ausgleich dieser Dezite durch
systemspezische Lösungen wird dadurch immer schwieriger und aufwendiger.
Um die Anwender auch weiterhin in ihrer Tätigkeit unterstützen zu können, müssen die Systeme
in Zukunft nicht nur eine optimale Kommunikation zu ihren eigenen Nutzern, sondern auch
untereinander bieten. Dies erfordert ein Zusammenwachsen der bisherigen Anwendungssysteme
in ein integriertes, hochschulweites Informationssystem für die Bereitstellung der Informationen
in einheitlicher Form.
1.2 Aufbau und Ziele dieser Arbeit
Generell beschäftigt sich diese Arbeit mit der Frage, wie sich das System UnivIS in ein solches,
hochschulweites Informationssystem einbinden lässt. Der Aufbau gliedert sich hierzu in drei
Schwerpunkte:
Einführung in den Themenbereich Integration: Ziel dieses Schwerpunktes ist es, die allgemei-
nen Probleme der Integration eines hochschulweiten Informationssystems aufzuzeigen. Zu
diesem Zweck wird in Kapitel 2 ein allgemeiner Überblick über Themen Informationssysteme und deren Integration gegeben. Sowie die grundlegenden Mittel und Konzepte der
Integration erläutert und am Beispiel des Universitätsklinikums Erlangen veranschaulicht.
Schlieÿlich wird der aktuelle Stand in der Hochschulverwaltung betrachtet.
Betrachtung des UnivIS im Kontext der Integration: Im Weiteren wird analysiert inwieweit
das System UnivIS auf die Problematik der Integration vorbereitet ist, mit dem Ziel vorhandene Schwachpunkte und Dezite aufzudecken. Dazu wird in Kapitel 3 zunächst der
grundlegende Aufbau des Systems und die künftigen Anforderungen beschrieben. In Kapitel 4 wird untersucht wie es um die Integrationsfähigkeiten des UnivIS steht und ob die
gestellten Anforderungen mit dem aktuellen Stand erfüllt werden können.
Möglichkeiten das UnivIS zu integrieren: Die dritte Zielsetzung ergibt sich mit der Forderung
nach einer verbesserten Integrationsfähigkeit. In Kapitel 5 werden Möglichkeiten gezeigt
und bewertet, den Datenzugri auf das UnivIS und die Kommunikation mit dem Verbund zu verbessern. Abschlieÿend werden in Kapitel 6 Vorschläge für die Umsetzung einer
Datenreplikation, als eine geeignete Lösung, gegeben.
3
1 Einleitung
4
2 Informationssysteme an Hochschulen Grundlagen, Überblick, Stand der Technik
In diesem Kapitel werden zunächst einige technische Grundlagen von Datenbanksystemen eingeführt. Sie nden in praktisch allen Abteilungssystemen Anwendung und sind deshalb in der
späteren Analyse wichtig.
Bereits in der Einleitung wurde vom Begri der Informationssysteme Gebrauch gemacht. Dieser
wird in Kapitel 2.2 detailliert erläutert und bildet die Überleitung zur Anwendungsintegration.
Darauf folgend werden gängige Methoden und Konzepte der Integration beschrieben und am
Beispiel der Entwicklungen im Universitätsklinikum Erlangen veranschaulicht.
Anschlieÿend wird die Situation der IT-Systeme in der Hochschulverwaltung erörtert.
2.1 Datenbanksysteme
Ein Datenbanksystem (DBS) ist ein System zur Beschreibung, Speicherung und Wiedergewinnung von umfangreichen Datenmengen, die von mehreren Anwendungsprogrammen benutzt
werden. (aus [ECS93])
2.1.1 Aufbau
Ein Datenbanksystem besteht aus der Datenbank (DB), in der die Daten abgelegt werden und
dem Datenbankmanagementsystem (DBMS). Welches die Daten entsprechend den vorgegebenen
Beschreibungen abspeichern, aunden oder weitere Operationen mit den Daten durchführen
kann (vgl. Abb. 2.1.1) [ECS93].
In Abbildung 2.1.2 ist der Aufbau aus Sicht des Systementwurfs als vereinfachtes Schichtenmodell dargestellt. Durch die einzelnen Schichten werden die wesentlichen Abstraktionsschritte von
der Externspeicherebene bis zur Benutzerschnittstelle charakterisiert, die das DBS dynamisch
vorzunehmen hat (nach [Hä01] Kapitel 1.3).
2.1.2 Eigenschaften
Ein Datenbanksystem muss folgende Vorraussetzungen erfüllen (nach [Hä01] Kapitel 1.2):
ˆ Isolation von Anwendungen und Daten (Anwendungs- und Datenunabhängigkeit).
5
2 Informationssysteme an Hochschulen - Grundlagen, Überblick, Stand der Technik
Allgemeines Schichtenmodell
Aufgabe
DBMS
Datenbankmanagementsystem
Übersetzung der
Anfrage
Datensystem
Datenbank(en)
Verwaltung Sätze
& Zugriffspfade
Zugriffssystem
ExternspeicherVerwaltung
Speichersystem
Operation
Deskriptive
Anfrage
Satzzugriff
Seitenzugriff
Datenbanksystem
DB
2.1.1: Aufbau
2.1.2: Allgemeines Schichtenmodell (nach
[Hä01])
Abbildung 2.1: Aufbau eines Datenbanksystems
ˆ Unterstützung verschiedener Benutzersichten.
ˆ Das DBS umfasst neben der Datenhaltung auch die Daten- und Schemabeschreibung.
ˆ Abstraktion der Speicherstrukturen (Datenabstraktion).
ˆ Fehlerbehandlung
ˆ Transaktionskonzept, Operationen nach ACID Prinzip: Atomicity (Ausführung ganz, oder
gar nicht), Consistency (Die Transaktion endet in einem konsistenten Zustand), Isolation
(Transaktionen beeinussen sich nicht gegenseitig), Durability (Das Ergebnis ist dauerhaft).
2.1.3 Datenmodelle
Unter dem Datenmodell versteht man eine Menge von Begrien mit denen das Schema (oder
Struktur) einer Datenbank beschrieben werden kann:
Satzschnittstelle: Sätze (Datenobjekte) in verschiedenen Satztypen stehen in keiner Beziehung
zueinander. Der Zugri erfolgt satz- und zugrispfadorientiert (GET #, STORE). Die
Verknüpfung der Daten wird durch Lesen des Schlüssels aus einer Datei und Önen einer anderen Datei erreicht. Die Datenunabhängigkeit ist in diesem Modell aufgrund der
expliziten Nutzung von Indexstrukturen nicht zu gewährleisten.
Hierarchisch: Sätze stehen in einer Eltern-Kind Beziehung. Der Zugri erfolgt durch logische
Zugrispfade (GET PARENT, GET NEXT). Die Implementierung der Zugrispfade bleibt
verborgen. Auch das Codasyl- und das Netzwerkmodell verwenden logische Zugrispfade.
Relational: Das relationale Datenmodell ist das bekannteste und weit verbreitet. Im Gegensatz
zu den vorangegangenen Modellen besitzt es keine expliziten Zugrispfade, sondern ist
mengenorientiert. Die Beziehung zwischen den Datenobjekten (Relationen) geschieht über
6
2.1 Datenbanksysteme
Schlüsselattribute. Zugrispfade und Reihenfolge sind nach auÿen nicht mehr sichtbar. Auf
Datenobjekte wird durch eine Anfrage (SELECT, JOIN) zugegrien. Die zugrunde liegende Relationenalgebra erlaubt eine eziente Auswertung und Optimierung der Anfragen
vor Erstellung des Zugrispfades durch das System.
Objektorientiert: Verschiedene Implementierungen. Standardisierungsbemühungen durch die
Object Management Group1 (OMG): Datenobjekte sind Objekte mit eindeutigem Identier, einem Zustand (Wertemenge), einer Menge an Methode und Beziehungen. Der Zugri
erfolgt durch Referenzen oder über eine mengenorientierte Anfragesprache. Objektorientierte Modelle eignen sich besonders gut für komplexe Gegenstände, wie zum Beispiel
Landkarten oder CAD-Objekte2 .
Objektrelational: Erweiterung des relationalen Modells durch erweiterbares Typensystem und
Unterstützung komplexer Datentypen als Attribute.
XML: Für XML (eXtended Markup Language) stehen Zugrispfade über XPath3 und mit
XQuery4 auch eine Anfragesprache zur Verfügung. Datenmodelle mit XML eignen sich
für die Erfassung semi-strukturierter Daten. Die meisten groÿen (objekt-)relationalen DBS
beherrschen heute den Umgang mit semi-strukturierten Daten, es gibt aber auch native
XML DBS (siehe [Mey05]).
2.1.4 Datenmodellierung
Der Datenbankentwurf ist durch die Phasen in der Abbildung 2.2 gekennzeichnet. Der erste Schritt umfasst die genaue Untersuchung aller
Anforderungen, dabei werden alle Dinge der realen Welt und die Beziehungen zwischen ihnen beschrieben.
Im Rahmen des konzeptuellen Designs wird häug das Entity-RelationshipModell (ERM) eingesetzt um Teile der realen Welt zu beschreiben. ERDiagramme bestehen im Wesentlichen aus den Entities (Dinge in der
realen Welt) und Relationships (Beziehungen) aus der Anforderungsanalyse.
Ziel ist die Entitäten so zu wählen, dass keine funktionalen Abhängigkeiten zwischen ihnen bestehen. Sind zum Beispiel Student und Mitarbeiter
zu erfassen, sollten die Attribute Name und Vorname nicht in beiden
Entitäten gespeichert werden. Dafür ist eine neue Entität Person zu
wählen, eine Person kann zugleich Student und Mitarbeiter sein. Diesen
Vorgang nennt man Normalisierung. [EN04]
Erfassung und Analyse der
Anforderungen
Datenbankanforderungen
Konzeptuelles Design
Konzeptuelles
Schema
Logisch Design
(Abbildung auf Datenmodell)
Logisches
Schema
Physisches Design
Abbildung 2.2: Phasen
eines Datenbankentwurfs
2.1.5 Datenintegrität
Die im Datenbankentwurf modellierten Beziehungen werden durch das Datenbanksystem garantiert. Änderungsoperationen, welche die Integrität der Daten verletzten würden, werden zurückgewiesen. Die technische Umsetzung erfolgt in der Regel durch Primär- und Fremdschlüssel. Primärschlüssel identizieren einen Datensatz innerhalb einer Relation eindeutig. Fremdschlüssel
1
http://www.omg.org/
Computer Aided Design
3
XML Path Language - http://www.w3.org/TR/xpath
4
XML Query - http://www.w3.org/XML/Query/
2
7
2 Informationssysteme an Hochschulen - Grundlagen, Überblick, Stand der Technik
verweisen auf einen anderen Primärschlüssel und bilden so eine Beziehung nach. Diese referenzielle Integrität wird direkt durch das physikalische Datenschema festgelegt und bedarf keiner
weiteren, sprachlichen Beschreibung.
Zusätzlich bieten viele Datenbanksysteme weitere Konstrukte zur Einhaltung der Datenintegrität an. Zum Beispiel Check-Bedingungen zur Prüfung von Wertebereichen oder Trigger als
programmiersprachliche Erweiterung für komplexere Integritätsbedingungen. [EN04]
2.1.6 Einbettung von Datenbanksprachen in Wirtssysteme
Der Zugri auf Datenbanken ist heute in allen gängigen Programmiersprachen möglich. Die
bekannteste Methode ist die Verwendung standardisierter Schnittstellen, so genannten Call level
interfaces (CLI). Implementierungen sind beispielsweise ODBC (Open Database Connectivity),
JDBC (Java Database Connectivity) oder Microsoft ADO (ActiveX Data Objects). [EN04]
Für eine ausführlichere Beschreibung der gesamten Thematik sei auf das Werk von Elmasri und
Navathe, Fundamentals of database systems ([EN04]) verwiesen.
2.2 Informationssysteme
Die Bezeichnung Informationssystem ist weit verbreitet. Es existieren viele verschiedene Interpretationen und Denitionen, kurz gesagt handelt es sich um einen sehr dehnbaren Begri.
Denition
Seibold nähert sich dem Begri in [Sei03] über eine Reihe von formalen Denitionsansätzen:
Information: (lat. Informatio: das Versehen von etwas mit einer Form) Die Kenntnis über bestimmte Sachverhalte oder Vorgänge.
System: (griech.: Stück aus mehreren Teilen) Eine Menge von Personen, Dingen und/oder Vorgängen und der ganzheitliche Zusammenhang zwischen diesen.
Sozio-informationstechnisches System: Ein System, in dem Menschen und Maschinen nach
festgelegten Regeln bestimmte Aufgaben erfüllen sollen. Systeme können sich in Teilsysteme untergliedern.
Informationssystem: (sozio-technisches) Teilsystem eines Unternehmens [einer Organisation,
Klinik, Hochschule], das aus den informationsverarbeitenden Aktivitäten und den an ihnen beteiligten menschlichen und maschinellen Handlungsträgern in ihrer informationsverarbeitenden Rolle besteht.
Krcmar liefert folgende, formale Denition:
Informationssysteme sind soziotechnische Systeme, die aus Teilsystemen für optimale Bereitstellung von Information und technischer Kommunikation dienen. [Krc00]
8
2.3 Anwendungsintegration
Pragmatische Denition
Ein Informationssystem stellt einer Zielgruppe die von ihr benötigten Informationen in einer
geeigneten Sicht dar. Es erfüllt damit einen bestimmten Zweck und umfasst alle Informationsquellen (technische und nichttechnische Systeme, Datenbanken, andere (Teil-) Informationssysteme, . . . ) die hierfür nötig sind. Die Zweckbindung des Systems wird meist durch einen Präx
ausgedrückt, beispielsweise Betriebswirtschaftliches Informationssystem oder Krankenhausinformationssystem.
2.3 Anwendungsintegration
Die Integration dient der Verknüpfung von verschiedenen Anwendungen. Warum sollte man Integration betreiben? Um diese Frage beantworten zu können, wird im Folgenden die Entwicklung
der IT-Struktur in gröÿeren Unternehmen betrachtet und die auftretenden Probleme dargestellt.
Historische Entwicklung
Die rechnergestützte Verarbeitung von Informationen begann mit der Entwicklung und Einführung von problemorientierten Anwendungen zur Unterstützung der Arbeitsabläufe. Eine Zusammenarbeit zwischen den Anwendungen war nicht vorgesehen.
Die ersten Schritte zur Einführung elektronischer Informationssysteme wurden mit den daraus entstehenden, dedizierten Abteilungssystemen gemacht. Diese unterstützten aber nur die
Prozesse innerhalb der eigenen Abteilung.
Ein Datenaustausch zwischen diesen isolierten Systemen fand aber nur in den wenigsten Fällen
über standardisierte Schnittstellen statt. Eine inkonsistente und redundante Datenhaltung war
die Folge.
Problematik
Warum nun Integration? Redundanzen zwingen dem Nutzer einen Mehraufwand bei der Erfassung und Verknüpfung von Informationen auf. Er muss Daten mehrfach eingeben, auf Korrektheit und Vollständigkeit überprüfen. Sind mehrere Systeme an der Verarbeitung eines Prozesses
beteiligt und können diese nicht miteinander kommunizieren, entstehen Medienbrüche. Diese
wiederum müssen vom Nutzer mühsam überbrückt werden. Die Informationsprozesse werden
dadurch erschwert, verlangsamt oder in ihrer Qualität gemindert.
Zudem steigt die Zahl der Kommunikationsverbindungen durch reine Kopplung mit der Anzahl
der angebundenen Systeme und führt zur n · (n − 1) Problematik. Im schlimmsten Fall kommen
bei n Systemen n · (n − 1) neue Kommunikationsverbindungen hinzu. Damit steigt der Aufwand
für die Administration des Gesamtsystems unverhältnismäÿig an. Integration dient also der
Reduzierung und Standardisierung der Schnittstellen und fördert damit die Leistungsfähigkeit
des Gesamtsystems. [Pro01]
9
2 Informationssysteme an Hochschulen - Grundlagen, Überblick, Stand der Technik
Integrationskonzepte
Man unterscheidet folgende Konzepte für die Integration der IT-Struktur [Pro01]:
Monolithische Konzepte bieten möglichst viele Anwendungssysteme aus einer Hand. Sie zeich-
nen sich durch ein hohes Maÿ an Konsistenz aus. Allerdings setzen diese Konzepte detaillierte Kenntnisse der Entwickler voraus. Eine mangelnde Spezialisierung stellt der einzelnen Abteilung oft keine optimale Lösung zur Verfügung. Ist ein monolithisches Informationssystem erst etabliert, ist es schwierig dieses System zu wechseln oder zu erneuern.
Heterogen verteilte Konzepte versuchen für jeden Bereich ein optimales Anwendungssystem
zu nden (so genannte Best-of-Breed Lösungen) oder zu entwickeln. Der Datenaustausch
muss dann über Kommunikations- oder Informationsserver erfolgen. Die gute Unterstützung der einzelnen Abteilungen wird hier durch einen hohen Kommunikationsaufwand
erkauft und setzt entsprechende Standardisierung voraus. Um- und Ausbau des Gesamtsystems sind wesentlich einfacher als bei monolithischen Konzepten.
Komponentenbasierte Konzepte liefern die Basisfunktionalitäten (wie Benutzeridentikation,
Personalmanagement, Terminplanung, usw.) als wiederverwendbare Komponenten, welche
ihre Funktionalität über eine standardisierte Programmierschnittstelle (API) bereitstellen.
Das Zusammenstellen derartiger Komponenten zu einem Informationssystem kann als Integration bezeichnet werden.
Welches Konzept im Einzelfall zu wählen ist, hängt stark von der Problemstellung ab. Für
relativ überschaubare und kleine Probleme eignen sich monolithische Konzepte. Ab einer gewissen Komplexität ist eine optimale Zweckerfüllung von einem System alleine aber kaum zu
gewährleisten. Deshalb kommen verteilte Konzepte zum Einsatz, der Markt bietet inzwischen
ein breites Spektrum an Kommunikationslösungen an. Mischformen sind als Mittelweg ebenfalls
möglich. Der Kompliziertheit wird durch Reduktion, der Komplexheit durch Beibehaltung von
Systemen begegnet. So viele verschiedene Systeme wie nötig, so wenige wie möglich. [Pro01]
2.3.1 Integrationsformen
Zusätzlich zu den Konzepten unterscheidet man die Integrationsformen. Diese ergeben sich aus
Art und Grad der Integration. Es ist möglich bei einem Anwendungssystem mehrere Integrationsformen gleichzeitig zu verwenden, auch müssen die verwendeten Formen nicht bei allen
Systemen identisch sein.
Aus dem Verbinden der Systeme folgt nicht automatisch auch ein gemeinsames Verständnis
der Daten. Deshalb muss zusätzlich noch zwischen technischer und semantischer Integration
unterschieden werden (siehe Abbildungen 2.3 bzw. 2.4). Durch technische Integration werden
unterschiedliche Technologien überbrückt, sie ist relativ leicht zu erreichen. Die semantische
Integration ist ungleich schwerer, da in allen beteiligten Systemen eine Übereinstimmung im
Bezug auf die Bedeutung von Daten und Funktionalitäten herrschen muss. [PKSL06]
10
2.3 Anwendungsintegration
Replikation bzw. Präsentationsintegration
Datenintegration
Gemeinsame
Präsentation
n
iere
Kop
oder
Kop
iere
n
Präsentationsebene
Präsentationsebene
Funktionsebene
Funktionsebene
Datenebene
Datenebene
Kopieren
Präsentationsebene
Funktionsebene
Datenebene
Datenebene
Datenhaltung
Datenhaltung
Anwendung A
Anwendung B
Datenhaltung
Datenhaltung
Anwendung A
oder
Anwendung B
a
Ausl
g er n
Anwendung A
Ausl
ager
n
Funktionsebene
ht
Kopieren
Si c
Präsentationsebene
Anwendung B
Gemeinsame Datenhaltung
2.3.1: Replikation bzw. Präsentationsintegration
2.3.2: Datenintegration
Funktionsintegration
Präsentationsebene
Präsentationsebene
Aufruf
Datenhaltung
Anwendung A
Nachricht / Transaktion
Datenebene
oder
Nachricht / Transaktion
Funktionsebene
Funktionsebene
Datenebene
Datenhaltung
Anwendung B
Middleware
2.3.3: Funktionsintegration
Abbildung 2.3: Technische Integrationsformen nach Grad der Integration
11
2 Informationssysteme an Hochschulen - Grundlagen, Überblick, Stand der Technik
Technische Integration
Es lassen sich drei technische Integrationsformen unterscheiden, sie repräsentieren einen gewissen
Integrationsgrad und inkludieren sich aufsteigend.
Durch Präsentationsintegration (auch Screen-Scraping, vgl. Abb. 2.3.1) werden die Nutzerschnittstellen der beteiligten Anwendungen einheitlich visualisiert. Dies kann im Kontext einer bereits bestehenden Anwendung sein oder durch eine Zusatzschicht (z.B. Webserver, JavaApplet). Bei diesem Vorgehen handelt es sich um eine reine Replikation der Daten. Ein Zugri
auf die Funktions- oder Datenebene ist nicht möglich.
Bei der Datenintegration (vgl. Abb. 2.3.2) erfolgt der Austausch der Datenbestände direkt zwischen den Datenebenen der Anwendungen. Oft wird in diesem Zuge die Datenhaltung der Anwendungen standardisiert in einer gemeinsamen Datenbank (Unternehmensspeicher) gebündelt
oder durch eine Database Access Middleware verbunden. Die Replikation (Data briding) kann
dann direkt abgewickelt, oder der Anwendung als Sicht (Data sharing) vorgegaukelt werden.
Eine Verwendung der Anwendungslogik ist aber weiterhin nicht möglich. Greift eine Anwendung auf fremde Daten zurück, muss sie Zustandsänderungen selbst durchführen. Unter Umständen kann dies zu Inkonsistenzen führen, wenn entsprechende Bedingungen ausschlieÿlich
in der Anwendungslogik stecken. Ein weiteres Problem ist die Abbildung (Data Mapping) der
Datenstrukturen, falls diese zwischen den Anwendungen nicht disjunkt sind.
Die Funktionsintegration (vgl. Abb. 2.3.3) ermöglicht es schlieÿlich direkt auf Funktionalitäten
zugreifen zu können. Im einfachsten Fall sind dies Methoden und Funktionen einer Anwendung,
der Zugri erfolgt dann beispielsweise über Fernaufrufe (Remote Procedure Calls). Problematisch ist dabei die Verstrickung der Anwendungen im Quellcode und die damit verbundene Komplexität. Eine deutliche Verbesserung dieser Problematik bieten Middleware-Lösungen (Message
Oriented Middleware, Kommunikationsserver). Durch sie werden die konkreten Prozeduraufrufe
in Nachrichten, Transaktionen, oder ähnliches verpackt, welche eine Funktionalität beschreiben. Die Funktionsintegration entfaltet ihr Potential deshalb erst, wenn ein gewisses Maÿ an
semantischer Integration erreicht wurde.
Semantische Integration
Durch semantische Integration wird schlieÿlich ein gemeinsames Verständnis geschaen. Wie bei
der technischen Integration, können die Bemühungen auf unterschiedlichen Ebenen erfolgen.
Die Datenintegration (vgl. Abb. 2.4.1) ndet in zwei Bereichen statt, im Datenschema und
in der Ontologie. Zuerst wird das Datenschema der einzelnen Anwendungssysteme zu einem
globalen Datenschema transformiert. Dadurch werden Redundanzen vermieden und die Daten
erhalten eine kontrollierte Terminologie. Die Schemaintegration kann virtuell (Schema Mapping) oder materialisiert (Schema Integration) erfolgen. Bei einem virtuellen Schema bleiben
die Datenquellen unberührt und der Zugri erfolgt ausschlieÿlich über Sichten, es wird deshalb
oft auch als föderierte Schemaintegration bezeichnet. Anderenfalls werden die Daten in ein globales Schema verschoben, meist wird dieses Vorgehen bei vorhandenen Unternehmensspeichern
12
2.3 Anwendungsintegration
Funktionsintegration
Datenintegration
Schemaintegration
Präsentationsebene
Präsentationsebene
Funktionsebene
A
A
Ñ
B
Funktionsebene
Präsentationsebene
Datenebene
B
Datenebene
Funktionsebene
Transformation
Anwendung A
Ñ
C
Datenebene
Anwendung C
C
Anwendung B
Gewachsenes Datenschema
der Anwendungen A-C
Interaktionsprotokolle
Schnittstellen nach
Funktionalität
Globales Datenschema
Semantische Integration
Integrationsebene - Globale Funktionsebene
Eine Blume ist...
Anwendung A
Anwendung B
Anwendung C
M
Q
I
M
... eine Pflanze
F
F
Präsentationsebene
Präsentationsebene
Präsentationsebene
Funktionsebene
Funktionsebene
Funktionsebene
Datenebene
Datenebene
Datenebene
Anwendung A
Anwendung B
Anwendung C
?
Verständnis der Daten
2.4.1: Datenintegration
2.4.2: Funktionsintegration
Prozessintegration
Mehrere Interfaces
Präsentationsebene
JSP
Webservices
XML
Abbildung auf Prozesse
Funktionsebene
Prozess-Ebene
Service-Ebene
Konto
eröffnen
Kunde
anlegen
Konto
schliessen
Gekapselte Funktionen
Kontostand
Adresse
ändern
Geld
überweisen
Gekapselte Datenobjekte
Datenlogik-Ebene
Kunde
Konto
Überweisung
Einheitliche Datenbasis
Datenebene
Logische Datenintegration
Integrationsebene
Datenhaltungsebene
Online-Banking Transaktionen
Kunden-DB
Individuelle Datenbanken
2.4.3: Prozessintegration [Amb06]
Abbildung 2.4: Semantische Integrationsformen
13
2 Informationssysteme an Hochschulen - Grundlagen, Überblick, Stand der Technik
angewendet. Im nächsten Schritt wird eine gemeinsame Ontologie geschaen, damit die Interpretation der Daten einheitlich ist. Im Allgemeinen werden dazu Vokabulare eingesetzt, die eine
allgemein akzeptierte Begrisdenition der gewünschten Domäne enthalten. Zum Beispiel der
Duden für die Domäne der deutschen Rechtschreibung.
Ein globales Verständnis ist auch bei der Funktionsintegration (vgl. Abb. 2.4.2) das Ziel, jedoch
auf der Ebene der Funktionen. Zunächst werden die gewünschten Funktionalitäten deniert
und die verfügbaren Funktionen danach gegliedert. Jede Funktionalität steht dabei nur an einer
Schnittstelle zur Verfügung. Zusammengesetzte Funktionalitäten können durch Trigger an alle
beteiligten Anwendungen weitergereicht werden. Diese Beziehungen zwischen den Anwendungen
werden in Interaktionsprotokollen speziziert. Das Verbinden der Anwendungen und die Ausführung der Interaktionsprotokolle übernimmt in der Regel die eingesetzte Middleware. Dabei
unterscheidet man zwei Formen, die globale und die föderierte Funktionsintegration. Auch hier
bedeutet die föderierte Funktionsintegration, dass die individuellen Funktionsebenen bestehen
bleiben und die Integrationsebene nur eine Sicht bietet. Dies ist bei der globalen Strategie nicht
der Fall.
Vor allem in der betriebswirtschaftlichen Steuerung der Arbeitsabläufe wird zusätzlich eine
weitere Form der Integration eingesetzt, die Prozessintegration (vgl. Abb. 2.4.3). Hierbei wird
die Integration an und mit der Prozesskette des Unternehmens vollzogen. Diese Form wird im
weiteren Sinne oft auch als Enterprise Application Integration bezeichnet und baut auf den
zuvor genannten Formen auf. Es sei hierzu auf die Literatur verwiesen (vgl. [Amb06], [Wik06b],
[Eic02]).
2.3.2 Webservices
Im Internet ist es heute möglich die unterschiedlichsten Informationen abzurufen. Von Aktienkursen über aktuelle Nachrichten bis zum Wetterbericht stehen dem menschlichen Nutzer viele
Dienste zur Verfügung. Im Prinzip bieten Webservices Informationsdienste in einer elektronisch
nutzbaren Form - eine Art WWW für Rechnersysteme. [Wik06a]
Webservices kommen aus dem Bereich des eCommerce und der Business-to-Business Anwendungen5 . Dort versucht man individuell vereinbarte Schnittstellen und Nachrichtenformate zu
ersetzen oder zu automatisieren. [Bet]
A Web service is a software system designed to support interoperable machineto-machine interaction over a network. It has an interface described in a machineprocessable format (specically WSDL). Other systems interact with the Web service
in a manner prescribed by its description using SOAP messages, typically conveyed
using HTTP with an XML serialization in conjunction with other Web-related standards. [BHM+ 04]
Eine einheitliche Terminologie existiert bisher jedoch nicht, in den Standardisierungsgremien
wie dem World Wide Web Consortium (W3C)6 werden Webservices aber übereinstimmend wie
5
Anwendungsschnittstellen zwischen zwei Geschäftspartnern, z.B. zwischen dem Hersteller und seinen Lieferanten
6
http://www.w3c.org/
14
2.3 Anwendungsintegration
folgt charakterisiert:
Programmierbar: Webservices sind über programmierbare Schnittstellen erreichbar, sind in ers-
ter Linie zur Anwendungskommunikation geschaen und haben keine graphische Benutzeroberäche.
Selbstbeschreibend: Ein Webservice wird begleitet von Metadaten 7 , die während der Laufzeit
von weiteren Webservices ausgewertet werden können.
Kapselung: Ein Web-Service ist eine unabhängige, in sich abgeschlossene bzw. gekapselte Anwendung, die eine genau denierte Aufgabe erfüllt.
Lose gekoppelt: Die Kommunikation erfolgt über Nachrichtenaustausch. Webservice-Konsumenten
und -Anbietern bleiben Implementierungsdetails verborgen.
Ortstransparenz: Webservices sind ortsunabhängig und können jederzeit und von jedem Ort
aus aktiviert werden.
Protokolltransparenz: Ein Webservice basiert auf der Internet-Protokollsuite. Operationen und
Nachrichten können mehrere Protokolle unterstützen.
Komposition: Webservices können aus mehreren (Basis-) Webservices zusammengestellt, zusammengesetzte Webservices bis zu ihren Basiswebservices zerlegt werden.
Ein Anbieter beschreibt seine Dienstleistung und die
Schnittstelle mit Hilfe der Web Service Description Language (WSDL) und registriert den Webservice in einem
Verzeichnis.
Der Verzeichnisdienst, auch Universal Description, Discovery and Integration (UDDI), bietet Gelbe Seiten für
die Dienstndung an. Diese bestehen aus White-Pages
mit Anbieterdaten, Yellow-Pages mit Dienstleistungen
und Green-Pages mit den technischen Details.
Der Konsument erhält die gewünschten Informationen
über SOAP (Simple Object Access Protocol).
Verzeichnisdienst
&
GG
UDDI
n
de
fin
en
ind
/b
WSDL
Konsument
Aufruf

SOAP
be
ka
nn
tg
eb
en
Daten
Anbieter



G
Abbildung 2.5: Webservice Architektur
Es gibt in einem Webservice damit drei unterschiedliche
Rollen: Anbieter, Verzeichnis und Konsument (siehe Abbildung 2.5).
Webservices eignen sich für die lose Kopplung von Systemen und sind damit ein guter Baustein
im Bereich der Enterprise Application Integration und Business-to-Business Integration. Sie integrieren aber nicht per se. Entsprechende Integrationskonzepte und Maÿnahmen sind trotzdem
notwendig.
7
Metadaten bezeichnen im Allgemeinen Daten, die Informationen über andere Daten enthalten.
15
2 Informationssysteme an Hochschulen - Grundlagen, Überblick, Stand der Technik
2.4 Integration am Beispiel eines Universitätsklinikums
Das Universitätsklinikum ist ein anschauliches Beispiel für die in Kapitel 2.3 genannten Probleme
und Lösungen.
Ein Klinikum besitzt eine heterogen gewachsene IT-Landschaft mit vielen kleinen Anwendungssystemen und einigen gröÿeren Abteilungs- bzw. Teilinformationssystemen (Radiologieinformationssystem, Laborinformationssystem, . . . ). In ihrer Gesamtheit bilden sie das Klinikinformationssystem (KIS).
Radiologie
OP-Saal
Labor
Verwaltung
Intensivstation
Chirurgie
Gynäkologie
Häuge, alltägliche Arbeitsabläufe, wie die Verlegung
eines Patienten in eine andere Abteilung, stellen hohe
Anforderungen an die IT. Die Akte des Patienten muss
mitverlegt werden. Existiert sie in elektronischer Form,
benötigt die weiterbehandelnde Abteilung Zugri auf
bereits gemachte Eintragungen. Der Anwender wiederum will seine Aufgaben optimal unterstützt haben und
Daten nicht unnötig doppelt erfassen.
Zudem benötigen viele Prozesse eine Datenverarbeitung in Echtzeit, Informationen müssen auf Abruf bereit stehen. Integration ist deshalb schon lange ein Thema und verschiedene Wege wurden beschritten.
Krankenhausinformationssystem
Abbildung 2.6: Schematisch: Krankenhausinformationssystem (nach [Pro03])
2.4.1 Entwicklung
am Universitätsklinikum Erlangen
Zur Kommunikation und Integration wird seit über 10 Jahren die Erlanger Kommunikationsdrehscheibe (EKDS, vgl. Abb. 2.7) eingesetzt. Die EKDS gliedert sich in zwei Hauptkomponenten, die Kommunikationsdatenbank (KDB, vgl. Abb. 2.7.2) als datenbankbasierte Integrationsplattform und den Kommunikationsserver (KS, vgl. Abb. 2.7.3) für nachrichtenbasierte
Kommunikation und Integration.
Historische Entwicklung Anfang der neunziger Jahre wurden am Universitätsklinikum Erlan-
gen erste Ansätze von datenbankbasierter Kommunikation auf der Basis des hierarchischen Datenbanksystems ADABAS C getestet. Mit der Einführung des SAP IS-H8 Systems ging, auf Basis
des relationalen Datenbank-Management-System ADABAS D, die Kommunikationsdatenbank
als erster Baustein der EKDS in den Produktiveinsatz. Später wurde der Kommunikationsserver
e*Gate Integrator als zweiter Baustein ergänzt. [WKKP05]
8
Branchenlösung von SAP für Krankenhäuser zum Patientenmanagement
16
2.4 Integration am Beispiel eines Universitätsklinikums
Aktueller Stand
Wie in Abbildung 2.7.1 dargestellt, sind derzeit über 50 Schnittstellen zu verschiedenen ITSystemen im Universitätsklinikum Erlangen im Betrieb. Davon sind über ein Dutzend Subsysteme direkt an der KDB angeschlossen (siehe Abbildung 2.7.2). Künftiges Ziel ist es diese
Systeme von der proprietären Kommunikation via SQL-Abfragen auf standardisierte Kommunikation zu migrieren. Trotzdem wird die KDB weiterhin benötigt, sie dient als Zwischenspeicher
für Inhalte aus nicht standardkonformen Subsystemen und zur Realisierung von Schnittstellen,
die bei einigen Subsystemen nicht vorhanden sind.
Die KDB weist einen Füllstand von über 50 GB (Stand 2004) auf, davon über 28 Millionen
Laborbefunde und 1,6 Millionen Patientenfälle. Das Datenschema ist in circa 30 Bereiche verschiedener Anwendungen aufgeteilt und enthält ungefähr 600 Tabellen und 400 Nutzerkennungen. Die KDB dient nicht nur als Datenlieferant, sondern auch als Unternehmensspeicher für
verschiedene Projekte wie zum Beispiel das Tumorzentrum oder die Pharmakologie. [PKSL06]
2.4.2 Standards im Gesundheitswesen
Die Erlanger Kommunikationsdrehscheibe entwickelt sich von der Kommunikationsdatenbank
zunehmend zum Kommunikationsserver. Die Vorteile einer Integration auf funktionaler Anwendungsebene wurden bereits in Kapitel 2.3.1 aufgezeigt. Ermöglicht wird diese Form der
Integration aber erst durch entsprechende Integrationskonzepte und Standards.
In erster Linie gehören hierzu sicherlich die etablierten Kommunikationsmodelle und -standards
wie HL7 (Health Level 7). Dabei handelt es sich um einen ANSI akkreditierten Kommunikationsstandard in der Medizin. Dieser wird von der gleich lautenden Organisation9 zur Standardisierung im Gesundheitswesen betreut.
Das HL7-Protokoll standardisiert mit der Nachrichtenstruktur, Nachrichtendarstellung, und den
nachrichtenauslösenden Ereignissen die Inhalte und die Schnittstellen zum Datenaustausch zwischen Systemen. Nachrichten werden dabei in Bereiche gegliedert, beispielsweise ADT (Patientendaten), ORU (Befunde), DFT (Leistungsdaten), ORM (Untersuchungs-Anforderungen).
Beteiligte Systeme müssen also gewisse Funktionalitäten bereitstellen und auch verstehen. So
werden in der EKDS Patientendaten zwar als Broadcast durch das erfassende System (IS-H)
gesendet, können aber auch durch eine HL7 A19 Anfrage abgerufen werden. Beherrscht ein
Anwendungssystem diese Anfrage, erspart es sich die Speicherung des gesamten Verlaufs.
Weitere Standards wie DICOM (Digital Imaging and Communications in Medicine) oder HL7
CDA (Clinical Document Architecture) decken andere Bereiche wie bildgebende Systeme und
Dokumentation ab. In der Medizin stehen traditionell Kassikationssysteme und Kataloge zur
Verfügung. Diese können zur semantischen Integration herangezogen werden.
Die Vorraussetzungen für ein funktionierendes Integrationskonzept sind also vorhanden.
9
HL7 Benutzergruppe in Deutschland e.V. (http://www.hl7.de/)
17
2 Informationssysteme an Hochschulen - Grundlagen, Überblick, Stand der Technik
Chirurgie (HPK)
EKDS 12/2002
Pförtnerauskunft
Chirurgie (MWDok)
Neurochirurgie
Chirurgie (Tumornachsorge)
M1 Spezialdokumentation
Dermatologie
LIS klin. Chemie
(Swisslab)
Mikrobiologie
(CLAB)
Mikrobiologie
(HyBASE)
Transfusionsmed.
(BBv4)
Psychiatrie
(optimal_AS)
Pharmakologie (UAW)
Strahlentherapie
M3 Immunzytol. Labor
M3 SerenDB
M3 SerenDB
Pharma. (UAW)
Strahlentherapie
M3 Befundpräs.
Nuklearmedizin
ZKV
(APRIS)
ZKV
(HiMed)
ZKV
(Konas)
ZKV
(IS-H)
MERLIN Befundpräs.
Augenklinik
Frauenklinik
Pflegedirektion (IPPR)
KAP
(Soarian)
MKG
(Praxident)
e*Gate
OP-System
(MCC ISOP)
Kommunikationsdatenbank
Neurochirurgie
(WinKKS2)
Radiologie IS
(gap!it)
Pathologie
(PAS)
Patientendaten
Laborbefunde
Frauenklinik
(GynReg)
Anästhesie
(NarkoData)
Anästhesie
(Visiomedic)
M1 / FK
(PIA)
Abrechnungsdaten
Chirurgie
(Clinic WinData)
HL7-Anfrage
2.7.1: Erlanger Kommunikationsdrehscheibe mit Kommunikationsdatenbank und Kommunikationsserver
(aus [PKSL06])
Pförtnerauskunft
Zentrallabor
M3 Immulab.
e*Way
Strahlentherapie
BOB
Registry
BOB
Neurochem. Labor
M3 Hämalab.
Nuklearmedizin
Neurochirurgie
Augenklinik
PATIK
Frauenklinik
IQ
IQ
e*Gate Integration Bus
IQ
IQ
Zentrallabor
SAP IS-H
Dermatologie
Pflegedirektion
Pharma. (UWA)
Strahlentherapie
e*Way
M3 Hämalab.
e*Way
BOB
e*Way
M3 Immunzytol. Labor
M3 SerenDB
Chirurgie (HPK)
M3 SerenDB
M3 Befundpräsentation
Chirurgie (MWDok)
M3 Immulab.
MERLIN-Befundpräsentation
Pharma. (UWA)
IQ
Chirurgie (Tumn.)
Persistence Transactions
Distibuted
Fully Graphical Toolset
Rules Engine
Alerts & Management
Configuration
Distribution
M1 Spezialdoku
ª Patientendatenbroadcast ª Befunddatenabfrage
ª Laborbefundbroadcast ª Patientendatenabfrage
2.7.2: Detailansicht der Kommunikationsdatenbank,
Stand 2002 (nach [PKSL06])
BOB
2.7.3: Detailansicht des Kommunikationsservers e*Gate Integrator (nach
[PKSL06])
Abbildung 2.7: Die Erlanger Kommunikationsdrehscheibe
18
2.5 Situation der Hochschulverwaltung
Daten
Quelle
Senke
Medium
Stammdaten
Stammdaten, Hochschulberechtigung
Stammdaten
Studentische Stammdaten, Benutzerkennung
Benutzerkennung
Studentische Stammdaten, Benutzerkennung
Benutzerkennung
Personaldaten
Personaldaten, eMail-Adresse
Personaldaten
Student
Bewerber
ZVS
HIS SOS
HIS SOS
HIS ZUL
HIS ZUL
RRZE Eingang
Papier
Papier
Datei per Mail
Datei
RRZE BV
RRZE BV
Sunray Pool
NDS
Datei
LDAP
Service Theke
Person
UnivIS
Personalabteilung
RRZE BV
UnivIS
RRZE BV
DIAPERS
Manuelle Eingabe
Manuelle Eingabe
Datei
Papier
Tabelle 2.1: Auszug: Informationsüsse der Verwaltung an der FAU [CB05]
2.5 Situation der Hochschulverwaltung
Wie das Universitätsklinikum sind Hochschulen vielschichtig strukturierte Organisationen. Zur
Koordination und Dokumentation der internen und externen Prozesse sind umfangreiche Verwaltungsmaÿnahmen nötig. Sie erbringt dafür Dienstleistungen für alle Einrichtungen und Angehörige der Hochschule. Dazu gehören beispielsweise die Verwaltung von Personal und Studenten,
führen von Bibliothekskatalogen, die Herausgabe von Vorlesungsverzeichnissen, die Koordination von Prüfungsanmeldungen und Dokumentation der Studienleistungen. Die Hochschulverwaltung erfüllt damit ihren gesetzlich festgelegten Auftrag, Hochschulaufgaben wie Forschung,
Lehre und Technologietransfer zu unterstützen.
Der Ausbau der virtuellen Hochschule wird inzwischen nicht mehr primär durch die voranschreitende Informationstechnologie getrieben, Hochschulen benden sich heute in einem zunehmenden wettbewerbsorientierten Umfeld. Reformen wie der Bologna-Prozess, die Einführung von
E-Learning, Benchmarking, Evaluation und Dokumentation stellen eine Herausforderung dar
und benötigen eine immer umfassendere Erhebung und Vernetzung von Daten. Eine eektive
und wirtschaftliche Organisation ist deshalb von groÿer Bedeutung.
Situation an der Friedrich-Alexander Universität
Die Hochschulverwaltung der FAU besitzt ein breites Spektrum an Abteilungs- und Anwendungssystemen (siehe Abb. 3.2).
Informations- und Datenuss
Die meisten Anwender wünschen sich eine schnelle und unkomplizierte Nutzung von Dienstleistungen der Verwaltung. Dieses Bestreben wird meist mittels moderneren Kommunikationstechniken realisiert.
19
2 Informationssysteme an Hochschulen - Grundlagen, Überblick, Stand der Technik
Um den bisherigen Informationsuss und den aktuellen Stand der Kommunikation zu veranschaulichen, ist in Tabelle 2.1 ein Ausschnitt der aktuellen Situation an der FAU dargestellt.
Informationen werden umfassend erhoben und kommuniziert. Allerdings sind die Prozesse noch
wenig koordiniert, wodurch Medienbrüche entstehen. Eine Lösung, um diese Brüche in den Prozessketten zu vermeiden, ist die Integration in ein Gesamtsystem.
Das Informationssystem UnivIS
Für Teilprobleme können monolithische Systeme (siehe 2.3.1) eine Lösung bieten. Nach dem
Aufkommen des Internets wurde an einigen Hochschulen mit der Einführung von gröÿeren Informationssystemen begonnen, vornehmlich für die Gruppe der Studenten. Sie ermöglichen über
das Internet einen zentralen Zugri auf Informationen und unterstützen Abläufe mit uniformer
aber dezentraler Erfassung, die keiner einzelnen Abteilung zugeordnet sind. Beispiele sind das
Lehrveranstaltungsangebot oder der Veranstaltungskalender. An der FAU wurde dieser Schritt
mit dem WWW-basierten Informationssystem UnivIS vollzogen.
UnivIS ist ein vielseitig einsetzbares, hochschulspezisches System zur integrierten Lehrabwicklung. Das System ermöglicht eine dezentrale Dateneingabe und bietet neben der Publikation der
Inhalte im Internet, verschiedene Auswertungsmöglichkeiten und Berichte. Das System erlaubt
die Erfassung von Informationen aus Forschung und Lehre (Vorlesungen, Personen, Raumdaten, Veranstaltungen, Forschungsprojekte, Publikationen, . . . ) dezentral per Browser über das
WWW. [Conb]
UnivIS ist seit 1997 an der FAU im Produktivbetrieb und wird inzwischen an über einem
Dutzend weiterer Hochschulen eingesetzt. Der Vertrieb und Support wird seit 1999 von dem
1995 gegründeten Spino Cong eG 10 geleistet.
In einigen Arbeitsgruppen wird dieser Typ von Informationssystem auch als Campusinformationssystem bezeichnet. (vgl. [LHI04])
2.6 Hochschulinformationssysteme
Was ist nun ein Hochschulinformationssystem? Recherchiert man im Internet nach dem Begri,
nden sich eine Fülle von Ansichten, aber keine eindeutige Denition. Legt man die in Kapitel
2.2 gemachten Annahmen zugrunde, so gewinnt man die Vorstellung eines umfassenden Terminus für die gesamte Domäne der Hochschule. Die Denition sollte also ebenso umfassend sein.
Einige Firmen bewerben Ihre Produkte bereits als Hochschulinformationssystem, obwohl deren
Lösungen nur Teilbereiche der Hochschulverwaltung abdecken. Ein Hochschulinformationssystem existiert immer nur im konkreten Zusammenhang mit der Hochschule selbst. Eine mögliche
(umfassende) Denition, in Anlehnung an die eines Krankenhausinformationssystems oder eines
betrieblichen Informationssystems, könnte demnach wie folgt aussehen:
10
Cong Informationstechnik eG (http://www.config.de/)
20
2.6 Hochschulinformationssysteme
Begrisdenition
Ein Hochschulinformationssystem ist das Teilsystem einer Hochschule, welches alle
informationsverarbeitenden Prozesse und die an ihnen beteiligten menschlichen und
maschinellen Handlungsträger in ihrer informationsverarbeitenden Rolle umfasst.
Analog der Denition eines KIS nach [Win97].
2.6.1 Integrationskonzepte
Um die vorhandenen heterogenen Strukturen in ein Hochschulinformationssystem zu überführen
sind entsprechende Integrationskonzepte Vorraussetzung. Im Gegensatz zum Gesundheitswesen
existieren dafür in der Hochschulverwaltung bisher keine allgemein anerkannten Konzepte. Und
so beschränken sich die Ansätze auf einzelne Hochschulen oder Bundesländer (siehe Tabelle 2.2).
Ebene
Institutionen
Projektname
Homepage
Bundesland
Fachhochschule Neubrandenburg,
Fachhochschule Stralsund,
Hochschule für Musik und Theater
Rostock (HMT),
Hochschule Wismar,
Universität Greifswald,
Universität Rostock
Campus Online
[LHI04], http://www.campusmv.de/
Hochschule
Technische Universität München
IntegraTUM
Hochschule
Universität Oldenburg
i³-sic!
Hochschule
Universität Münster
Miro
http://portal.mytum.de/cio/
projekte/integratum/
http://www.uni-oldenburg.de/
projekti3sic/
http://www.uni-muenster.de/
IKM/miro/
Tabelle 2.2: Projekte zur Entwicklung von Integrationskonzepten in Deutschland
Standards
Im Bereich der Hochschulverwaltung existieren kaum Standards. Vor allem die semantische Integration bleibt unberücksichtigt. Technische Lösungen müssen zwangsläug auf jede Hochschule
angepasst werden, in Teilbereichen gibt es aber bereits Ansätze. So beschäftigt sich das Deutsche
Institut für Normung (DIN e.V.) seit einiger Zeit mit Spezikationen und Referenzmodellen für
die Bewertung von e-Learning-Systemen (PAS 1032, bzw. der DIN EN 1032 [Arb04]). Darin nden sich beispielsweise auch Prozessdenitionen und Anforderungen an die Soft- und Hardware.
Auch für den Datenaustausch gibt es Bemühungen, unter anderem das Learning Technology
Standards Committee (LTSC)11 des IEEE.
11
http://ltsc.ieee.org
21
2 Informationssysteme an Hochschulen - Grundlagen, Überblick, Stand der Technik
2.7 Resümee
Die IT-Struktur groÿer Organisationen ist meist sehr unübersichtlich. Die Heterogenität der eingesetzten Systeme macht eine umfassende Prozessunterstützung der Anwender durch steigenden
Administrations- und Kommunikationsaufwand zunehmend schwieriger. Anwendungsintegration kann helfen diese Komplexität zu mindern und die Abläufe innerhalb einer Organisation zu
verbessern.
Durch Veränderungen in den Rahmenbedingungen, die Ansprüche der Anwender und die Weiterentwicklung der Informationstechnologie muss sich auch die Hochschulverwaltung neuen Herausforderungen stellen. Allgemein steigen, durch den Wettbewerb zwischen den Hochschulen, die
Qualitätsanforderungen. Die Informationsprozesse dürfen in ihrem Ablauf den Nutzern keinen
Mehraufwand auferlegen. Sie müssen vollständig, zeitnah und in höchster Qualität zur Verfügung stehen. Die vorhandene IT-Infrastruktur in der Hochschule kann diesen Ansprüchen in
vielen Punkten nicht gerecht werden, sie ist meist wenig integriert und bietet nur unvollständige Unterstützung der Prozesse. Die Dezite müssen oftmals durch den Benutzer ausgeglichen
werden.
Exemplarisch für den Nutzen der Integration ist das Universitätsklinikum mit dem Krankenhausinformationssystem. Die gemachten Erfahrungen sollten beispielgebend sein. Die Integration in ein Hochschulinformationssystem kann nicht alleine durch technische Maÿnahmen erreicht
werden. Auch kann man ein Hochschulinformationssystem nicht von der Stange kaufen. Für eine
erfolgreiche Integration müssen vielmehr schlüssige Konzepte und entsprechende Standards auf
technischer wie insbesondere auf semantischer Ebene verfügbar sein.
22
3 Das Informationssystem UnivIS - Aufbau
und Betrachtung im Verbund
Im vorigen Kapitel wurden die grundsätzlichen Strukturen und Probleme der Informationsverarbeitung in der Hochschulverwaltung dargestellt. Die Weiterentwicklung erfordert eine Integration der beteiligten Systeme. In diesem Zusammenhang ist eine Bestandsaufnahme der
Funktionen und Fähigkeiten der einzelnen Systeme ein erster Schritt. Das bereits vorgestellte
Informationssystem UnivIS stellt ein gröÿeres Teilinformationssystem dar. Es deckt die Bereiche
Forschung und Lehre ab und bildet eine der zentralen Datenbasen der Hochschulverwaltung. In
den folgenden Kapiteln soll deshalb UnivIS genauer auf seine Eigenschaften im Verbund der
Systeme untersucht werden.
3.1 Aufbau & Struktur
Das System wird in Perl1 , einer freien, plattformunabhängigen und interpretierten Programmiersprache, entwickelt. Die Implementierung ist programmiersprachlich und konzeptionell in
Module gegliedert (eine Beschreibung aller Module siehe [Cona]).
Grundsätzlich ist UnivIS ein System zur elektronischen Datenverwaltung. Es gliedert sich dabei in drei Schwerpunkte: Die Datenerfassung und -präsentation erfolgt über ein einheitliches
Frontend, in der Regel ist dieses internetbasiert. Es kann über einen Internetbrowser verwendet
werden. Die Datenverarbeitung erfolgt in speziell entworfenen Modulen. Diese stellen Funktionalitäten für die Datenmanipulation, eine Datenlogik und Schnittstellen nach auÿen bereit. Und
die Datenspeicherung, deren Datenmodell und Datenbank ebenfalls eine Eigenentwicklung sind.
3.1.1 Schematischer Aufbau
Um UnivIS mit dem in Kapitel 2.3 eingeführten Modellen vergleichen zu können, soll hier
zunächst der strukturelle Aufbau des Systems entsprechend den drei Ebenen Präsentations-,
Funktions- und Datenebene dargestellt werden. Abbildung 3.1.1 zeigt den Aufbau schematisch.
Präsentationsebene
Die Präsentationsebene bietet unter anderem das Frontend für den Benutzer, es dient sowohl
zu Datenausgabe als auch zur Datenerfassung. Im Fall des UnivIS besteht diese Ebene im
1
http://www.perl.org/
23
3 Das Informationssystem UnivIS - Aufbau und Betrachtung im Verbund
Präsentationsebene
Schnittstellen
UPX - Webserver
DSC
PRG (prg.cgi)
CGI (Form.cgi, Wap.cgi, ...)
Funktionsebene
SCRIPTS
MISC
DSC-Satzoperatoren
DSC/Satztyp/edit
DSC/Satztyp/delete
DSC/Satztyp/move
DSC/Satztyp/...
Schnittstellen
Datenebene
USER
SCHEMA
UNIdb - Modul
XML-Export
Check - Modul
Schichtenmodell - UnivIS Datenbank
UnivIS DB
DBMS
PRG-Schnittstelle
Datensystem
UNIdb - Modul
Zugriffssystem
UFSdb - Modul
Speichersystem
Filesystem
DB
UFSdb - Modul
PRG
Dateisystem
UnivIS
3.1.1: Aufbau nach dem
drei-Ebenen Modell
3.1.2: UnivIS Datenebene im Schichtenmodell
Abbildung 3.1: Aufbau & Struktur des UnivIS
Wesentlichen aus:
UPX: Dem UPX (UniPlex) Webserver, der den zentralen UnivIS Server repräsentiert. Der
UPX nimmt alle eingehenden Verbindungen an und verteilt sie entsprechend auf die CGIScripte.
CGI: Die CGI-Scripte übernehmen die Bearbeitung der Anforderung und bereiten die Ausgabe
entsprechend dem gewünschten Format auf (HTML, WML, . . . ).
DSC: Den Beschreibungsdateien welche als Vorlage (Template) für den Aufbau der Ausgabe
dienen.
Die PRG-Schnittstelle kann logisch auf der Präsentationsebene gesehen werden, ist gleichzeitig
aber auch Teil der Datenebene.
24
3.1 Aufbau & Struktur
Funktionsebene
Diese Ebene enthält die Funktionen und Module für die Datenverarbeitung und Administration.
DSC-Satzoperatoren: Im speziellen beinhalten die Beschreibungsdateien auch Funktionalitäten
für die Erfassung, Manipulation und Suche der Datenstämme. Der Satztyp bezeichnet
dabei die Entität, beispielsweise DSC/person/* für die Personendaten (vergleiche Abb.
3.1.1).
MISC & SCRIPTS: Bieten neben den klassischen Programmbibliotheken Funktionen für den
internen wie administrativen Gebrauch.
Datenebene
Die Datenebene enthält alle nötigen Module für die Speicherung, Verwaltung und Archivierung
der Daten. Der XML-Dump als Schnittstelle ist hier ebenfalls anzusiedeln.
Check-Modul: Dient zur Überprüfung der Anfragen und enthält die Datenlogik.
UNIdb: Stellt die interne Satzschnittstelle für den Zugri auf die einzelnen Datensätze.
UFSdb: Dient als Dateischnittstelle für den Zugri auf das Speichersystem.
Dateisystem: Das Dateisystem des Betriebssystems übernimmt die Aufgabe als eigentliche Datenbank.
SCHEMA: Die SCHEMA Beschreibungsdateien enthalten das Datenschema und Metainformationen.
USER: Die Benutzerdatenbank für die Zugangskontrolle.
3.1.2 Schnittstellen
Um die Wiederverwendung der bereits eingepegten Informationen in anderen Systemen (vornehmlich in anderen Webseiten) zu ermöglichen, bietet UnivIS entsprechende Schnittstellen für
den Zugri von Auÿen an.
Programmierschnittstelle:
Die PRG Schnittstelle (Programmierschnittstelle) bietet eine deskriptive Anfragesprache und
erlaubt das Einbetten von UnivIS Inhalten in die HTML-Seite eines Aufrufers.
Dabei wird die Anfrage im HTML-Dokument durch den Tag (Auszeichner) <UNIVIS></UNIVIS>
gekennzeichnet. Die darin enthaltene Anfrage, entsprechend dem Muster search DATENBANK
{FELD="WERT"}+ show {FORMAT}*, wird vom UnivIS Server durch Daten ersetzt. Über das Format können verschiedene Vorlagen (Templates) zur Darstellung gewählt werden. Zum Beispiel
25
3 Das Informationssystem UnivIS - Aufbau und Betrachtung im Verbund
eine Sammlung von Lehrveranstaltungen als grascher Stundenplan in HTML (show plan) oder
als PDF2 (show pdfplan).
Auch die Ausgabe als semistrukturiertes Dokument im XML Format ist möglich (show xml),
für eine vollständige Referenz der Schnittstelle siehe [Con05] (S. 153).
XML Dump:
UnivIS kann PRG Anfragen zwar auch im XML Format beantworten, nicht öentlich zugängliche
Daten können auf diesem Weg aber nicht erreicht werden. Deshalb stehen dem Administrator
auf dem UnivIS-Server zusätzliche Scripte zur Verfügung, die ganze Teile der Datenbank als
XML Dump exportieren können. Siehe auch hierzu die Referenz im UnivIS Benutzerhandbuch
[Con05] (S.164).
Problemorientierte Adapter:
Werden Daten in anderen Formaten benötigt, so kann dies durch spezielle Adapter bedient
werden. Beispielsweise den Exporter-Scripten.
3.2 UnivIS Datenbank
Die UnivIS Datenbank ist eine Eigenentwicklung. Das verwendete Datenmodell ist satz- und
zugrispfadorientiert (vgl. 2.1.3). Die Einordnung in das Schichtenmodell (vgl. Abb. 2.1.2) ist
in Abbildung 3.1.2 dargestellt.
Die PRG-Schnittstelle ermöglicht Anfragen an das System. Da sie nach auÿen die einzige Anwendungsschnittstelle darstellt, kann sie als Datensystem bezeichnet werden. Das Modul UNIdb
ist eine satzorientierte Datenbankschnittstelle und bietet das Zugrissystem. Dem Datenmodell
nach, ist auch eine Zuordnung zwischen Daten- und Zugrissystem möglich. Die UFSdb bildet
schlieÿlich mit der internen Satz- und Dateischnittstelle das Speichersystem.
# eldname => longname|format|must?|requires|
message|exportlevel|xml−alias
# UFSdb record written at 00:00:00 2004/01/01
$scheme = {
'lastname' => 'Nachname||yes|||1',
'rstname' => 'Vorname||no|||1',
'id' => 'ID||no|||1',
};
$record = {
'rstname' => 'Hans',
'lastname' => 'Mustermann',
'id' => '12345678'
};
Programmausdruck 3.1: Beispiel: UnivIS Schemadenition für eine Person
Programmausdruck 3.2: UnivIS Datensatz für eine
Person
2
Adobe Portable Document Format - http://www.adobe.de
26
3.3 UnivIS im Verbund
Die Schemadenition erfolgt in Form von Perl-Variablenstrukturen. Der Programmausdruck 3.1
zeigt ein kleines Beispiel mit den Attributen lastname, firstname und id, ihnen zugeordnet
sind die Bedingungen welche für das Attribut gelten müssen. Jeder Satztyp wird in einer Datei
abgelegt, deren Name zugleich der Bezeichner für den Satztyp ist. Alle Schemadateien zusammen
ergeben das logische Datenschema der Datenbank.
Datensätze werden ebenfalls als Perl-Variablenstruktur, einzeln als Dateien abgelegt (siehe Programmausdruck 3.2). Die Verzeichnisstruktur dient dabei als Zugrispfad.
Die Zugriskontrolle erfolgt über einen eigenen Satztyp USER innerhalb der Datenbank. Die
Typüberprüfung und die Integritätsbedingungen werden vom Check-Modul erbracht, bevor die
Daten an das UNIdb-Modul weitergereicht werden.
3.3 UnivIS im Verbund
In Abbildung 3.2 wird die aktuelle Struktur der Verwaltungssysteme an der Friedrich-Alexander
Universität dargestellt. Die Verbindungen bezeichnen die Datenüsse zwischen den Systemen,
wie sie auch in Tabelle 2.1 gezeigt sind. Die Kommunikation erfolgt dabei sowohl aktiv (über
Schnittstellen) wie auch passiv (Papiergebunden oder über Datenträger).
Auch das UnivIS nimmt an der Kommunikation des Verbundes teil, im Wesentlichen handelt
es sich dabei um den Export von Personen- und Lehrveranstaltungsdaten. Zugrie über die
öentliche PRG-Schnittstelle sind vernachlässigt.
POS MED
HIS POS
HIS SOS
RRZE Eingang
RRZE BV
HIS QIS
RRZE Aktiv
HIS ZUL
Service Theke
Ausland
UnivIS
LPVS
TAS
DIAPERS
Telefonauskunft
OKTIS
SISIS
Siport
eLearning-Systeme
CEUS
FSV
Kursanmelde-Systeme
Sunray-Pool
CIP-Pool
Abbildung 3.2: Schematische Darstellung des Datenusses zwischen den Systemen der Hochschulverwaltung,
Friedrich-Alexander Universität (nach [CB05])
27
3 Das Informationssystem UnivIS - Aufbau und Betrachtung im Verbund
3.3.1 Anforderungen der Anwender an das System
In Zukunft wird sich die Anzahl der Datenüsse, besonders der aktiven Kommunikation, erhöhen. Für die weitere Analyse ist es deshalb notwendig eine Abschätzung über die künftigen
Anforderungen seitens der Anwender zu treen. In Kapitel 2.5 wurden bereits einige Prozesse
die zu Änderungen führen werden (Bologna, eLearning, . . . ) thematisiert.
Die folgenden Annahmen basieren zum Teil auf der Anforderungsanalyse der Arbeitsgruppe
Landes-Hochschul-Informationssystem [LHI04] und denen des Vergleichssystems aus 2.4 (siehe
[Pro03]).
Kurzfristig
ˆ Verwendung fremder Präsentationselemente in der eigenen Benutzerschnittstelle. Beispiel:
Anzeige von Anmeldemaske und Belegung einer Übungsgruppe aus der Kursverwaltung,
direkt in der entsprechenden Seite aus dem Vorlesungsverzeichnis des UnivIS.
ˆ In Gegenrichtung auch Verwendung von UnivIS Elementen in anderen Anwendungen.
Beispiel: Maske für die Erfassung von Vorlesungen.
ˆ Übergabe von Daten in andere Systeme, falls diese vom System selbst verarbeitet werden
oder die Präsentationsebenen strukturfremd sind. Beispiel: Übernahme der Personendaten
in Oce Anwendungen oder EMail-Systeme.
ˆ Übernahme von Informationen aus anderen Systemen. Beispiel: Änderungen von Zugangsdaten oder EMail-Adressen aus einem Identitätsmanagementsystem.
ˆ Umsetzung der gesetzlichen Vorgaben und den damit verbundenen Maÿnahmen wie Dokumentation und Evaluation. Beispiel: Übernahme von Daten in ein elektronisches Studienbuch.
Mittelfristig
ˆ Eine Abgrenzung der (Informations-) Domänen und ihrer Abteilungssysteme von einander.
Die Zentralisierung der IT. Damit verbunden eine Vermeidung von Redundanzen und
Transformation in ein hochschulweites Datenschema.
Beispiel: Einführung eines Unternehmensspeichers und/oder Middlewarelösungen.
ˆ Erfüllung von Sicherheitsanforderungen im Umgang mit vernetzten Daten.
Beispiel: Das System muss Änderungen an Lehrinhalten dokumentieren (persistente und
dauerhafte Speicherung).
ˆ Einhaltung von Kommunikationsstandards für den elektronischen Austausch studienbegleitender Daten auf deutscher, europäischer und internationaler Ebene.
Beispiel: Das elektronische Studienbuch wird vom Studenten im Auslandssemester weiter
geführt.
28
3.3 UnivIS im Verbund
Langfristig
ˆ Umsetzung von Integrationskonzepten auf semantischer und funktionaler Ebene, sowie der
verfügbaren Standards für Datenmodell und Kommunikation. Beispiel: Teilnahme an einer
Kommunikationsdrehscheibe.
ˆ Integration in ein umfassendes Hochschulinformationssystem.
3.3.2 Möglichkeiten der Integration
Ebenso sind Annahmen über die Möglichkeiten bei der Integration der Systeme zu untersuchen,
da konkrete Integrationskonzepte noch nicht verfügbar sind.
Kurzfristig
Die vorhandenen Möglichkeiten der PRG-Schnittstelle und des XML-Exports können für die
Präsentationsintegration (siehe Abb. 2.3.1) erweitert werden. Eine sinnvolle Nutzung ergibt sich
dabei erst, wenn auch die Eingabemasken verfügbar gemacht werden. Eine Umsetzung kann
die Einführung einer Middleware-Lösung und eines hochschulweiten Webportals sein, um die
Strukturunterschiede der Präsentationsebenen auszugleichen.
Ist die Präsentationsintegration nicht ausreichend oder gewünscht, muss der Informationsaustausch durch Kommunikation erfolgen. Bisher werden Informationen zwischen den Systemen
weitgehend durch Replikation ausgetauscht. Ist der Datenuss bidirektional wirft dieses Vorgehen das Problem der Rückintegration auf, sobald sich die Informationen semantisch überschneiden. Um Replikation zu vermeiden, müssen die Anfragemöglichkeiten verbessert werden, um
feingranularen Datenaustausch zu ermöglichen.
Mittelfristig
Die technische Datenintegration (siehe Abb. 2.3.2) kann über eine Database Access Middleware
oder einen Unternehmensspeicher realisiert werden. Um den in Kapitel 2.3.1 genannten Problemen mit Inkonsistenzen vorzubeugen, ist die gleichzeitige semantische Integration der Datenschemata anzuwenden. Dazu muss das UnivIS Datenschema gegenüber anderen in Absprachen
über den Umfang und die Schlüssel (Identier) der Entitäten abgegrenzt werden (siehe Abb.
2.4.1, Schemaintegration).
Langfristig
Funktionsintegration, nach Absprache der Funktionalitäten und Interaktionen und Standardisierung der Kommunikation.
Prozessintegration von betriebswirtschaftlicher Seite, siehe dazu [Amb06].
29
3 Das Informationssystem UnivIS - Aufbau und Betrachtung im Verbund
3.4 Resümee
Das Informationssystem UnivIS, für die Administration im Bereich der Forschung und Lehre, ist
eine wesentliche Datenquelle in der Hochschulverwaltung der FAU. UnivIS ist eine vollständige
Eigenentwicklung in der Sprache Perl. Die zentralen Komponenten des Systems sind der UnivISWebserver (UPX), die Module für die Präsentation und Verarbeitung der Daten (CGI und DSC),
die UnivIS-Datenbank (UNIdb) sowie die Programmierschnittstelle (PRG).
Anwender können durch deskriptive Anfragen an die PRG-Schnittstelle Daten aus dem UnivIS auf eigenen Webseiten einbinden. Dadurch sind praktisch alle öentlichen Informationen
zugänglich.
Die UnivIS Datenbank verwendet ein satz- und zugrispfadorientiertes Datenmodell, sie setzt
direkt auf dem Dateisystem des Betriebssystems auf. Die Denition des Datenschemas erfolgt
über Beschreibungsdateien, jeder Satztyp ist in einer Perl-Variablenstruktur abgelegt. Auch die
Speicherung der Sätze erfolgt in Variablenstrukturen, als Datei.
Die Verwaltungssysteme der FAU kommunizieren durch eine Vielzahl von Datenüssen, auch
das UnivIS ist daran beteiligt. Momentan erfolgt die Kommunikation mit dem UnivIS vorrangig
über die PRG-Schnittstelle oder passiv durch Austausch von Datenträgern oder Dateien. Änderungen im Umfeld der Hochschulverwaltung werden zukünftig höhere Anforderungen an die
Kommunikation stellen. Den Bedürfnissen der Anwender kann durch eine Steigerung der Integrationsfähigkeit des Systems begegnet werden. Dabei stehen in Zukunft verschiedene Möglichkeiten
der Integration oen. Von der Verbesserung und Erweiterung der bestehenden Schnittstellen bis
zur Anwendungsintegration.
30
4 Integration des UnivIS in einen Verbund Aktueller Stand
Im letzten Kapitel wurde auf die grundlegende Struktur des UnivIS eingegangen. Im Besonderen auf den Aufbau der UnivIS-Datenbank und deren Datenmodell. Ebenso wurden künftige
Anforderungen an das System erörtert. Diese werden in Zukunft eine stärkere Integration des
UnivIS erforderlich machen. In diesem Kapitel wird nun der aktuelle Stand im Hinblick auf die
Integrationsfähigkeit untersucht.
4.1 Voraussetzungen für die Integrationsfähigkeit
UnivIS bendet sich an mehreren Hochschulen im Einsatz (siehe Kapitel [Conb]). Jede Hochschule besitzt dabei eine individuelle Struktur ihrer IT und der darin enthaltenden Datenüsse.
Wie in Kapitel 2.6.1 aufgezeigt, gibt es oft auch eigene Konzepte der Integration. Trotzdem
können zumindest technische, in begrenztem Umfang auch semantische Vorraussetzungen für
eine verbesserte Integrationsfähigkeit geschaen werden.
4.1.1 Kurz- und Mittelfristig
Die Replikation von Daten zwischen den Systemen wird bereits angewendet. Eines der ersten
Ziele ist es deshalb, die Kommunikationsfähigkeit des UnivIS auszubauen. Hierzu sind gängige
Schnittstellen und Formate anzubieten. Auch muss ein gegenseitiger Datenaustausch möglich
sein. Daten müssen von anderen System hinzugefügt und verändert werden können. Ein weiterer
Schritt ist es, die Datenintegrationsfähigkeit zu verbessern.
4.1.2 Langfristig
Die kurz- und mittelfristige Planung sollte die langfristige Entwicklung immer im Auge behalten. Eine gute Kommunikations- und Datenintegrationsfähigkeit schat die Basis für das
weitere Vorgehen. Aber die semantische Integration der Systeme muss im konkreten Kontext
der Hochschule oder basierend auf allgemeinen Integrationskonzepten und Standards für die
Hochschulverwaltung erfolgen.
31
4 Integration des UnivIS in einen Verbund - Aktueller Stand
4.2 Aktueller Stand - Kommunikationsfähigkeit
Die Kommunikationsfähigkeit soll in diesem Zusammenhang keine Integrationsstufe bezeichnen.
Sondern lediglich die Eignung des Systems mit anderen Systemen auf elektronischem Wege zu
kommunizieren.
4.2.1 PRG-Schnittstelle
Die PRG-Schnittstelle ist ausgezeichnet geeignet für die schnelle und unkomplizierte Präsentation von UnivIS Informationen in Webseiten. Sie ist derzeit auch die einzige Möglichkeit für
Ad-Hoc-Anfragen und bietet sich deshalb für die Kommunikation mit anderen Systemen an.
Folgende Punkte sind für die Integration problematisch:
ˆ Die Anfragesprache ist proprietär und muss bei Schemaänderungen angepasst werden.
ˆ Ein schreibender Zugri ist nicht möglich, Informationen können nur gelesen werden.
ˆ Mechanismen für die Nutzer- und Zugangskontrolle fehlen. Deshalb sind nur öentliche
Informationen verfügbar.
ˆ Die Rückgabe erfolgt nach festgelegten Templates. Werden Daten zur internen Weiterverarbeitung oder in einer anderen Darstellung benötigt, müssen sie im XML-Format
abgerufen und aufbereitet werden.
ˆ Anfragen beschränken sich auf Möglichkeiten, welche durch die Anfragesprache vorgesehen
sind. Anfragen entgegen der vorgegebenen Suchparameter sind schwierig zu formulieren
und benötigen Kenntnisse des internen Datenaufbaus.
ˆ Die Schnittstelle wurde nicht für den Einsatz zwischen Systemen entwickelt. Damit ist sie
auch in keine Entwicklungsumgebung eingebettet. Anfragen und Ergebnisse müssen stets
übersetzt und an die eigenen programmiersprachlichen Konstrukte gebunden werden.
4.2.2 XML-Dump
Der XML-Dump kann alle gespeicherten Informationen liefern. Die Suche und Verarbeitung ist
aber vollständig dem Aufrufer überlassen. Diese Methode ist deshalb für den Versand, weniger
für die Echtzeitverarbeitung geeignet.
4.2.3 Adapter
Adapter sind problemorientiert, für jeden neuartigen Datenuss muss ein eigener Adapter entwickelt, oder zumindest die Ausgabe angepasst werden. Der Aufwand für Wartung und Pege
steigt mit der Anzahl der Adapter. Änderungen an Fremdsystemen müssen von UnivIS berücksichtigt werden.
32
4.3 Aktueller Stand - Datenintegrationsfähigkeit
Organisationen
Fakultät A
Fakultät B
Institut I
Institut II
Personen
Organisationen
Fakultät A
angestellt
Fakultät A
Institut I
Lehrstuhl 1
Mustermann
Fakultät B
Professor A
Mustermann
Institut II
Müller
Musterfrau
Lehrstuhl 1
Lehrstuhl 2
Müller
Lehrstuhl 2
Institut III
Dekan
Institut I
Lehrstuhl 1
Institut III
Personen
Institut III
Maier
Professor B
Musterfrau
Hierarchische Einordnung durch Replikation
Hierarchische Einordnung durch Beziehungen
4.1.1: Hierarchische Ordnung der Daten durch
Replikation im UnivIS.
4.1.2: Hierarchische Ordnung der Daten durch
Beziehungen. Jede Entität kann eine eigene
Hierarchie besitzen.
Abbildung 4.1: Hierarchische Gliederung von Daten
4.3 Aktueller Stand - Datenintegrationsfähigkeit
Die Integrationsfähigkeit auf Datenebene unterteilt sich in technische und semantische Integration (siehe Kapitel 2.3.1).
4.3.1 Technische Integrationsfähigkeit
Für die technische Datenintegration (vgl. Abb. 2.3.2) sind die unterschiedlichen Datenmodelle
der eingesetzten Systeme zu berücksichtigen und gegebenenfalls aufeinander abzustimmen. Das
Datenmodell der UnivIS Datenbank basiert auf einer Satzschnittstelle (siehe 2.1.3). Daraus
ergeben sich folgende Probleme:
ˆ Greifen andere Systeme direkt auf die Datenebene zu, benötigen sie ein umfangreiches
Wissen der internen Datenlogik der UnivIS-Datenbank. Zum Beispiel über die hierarchische Gliederung der Datensätze nach Organisationen.
ˆ Satzschlüssel (entsprechen dem Zugrispfad) können durch Änderungen des Satzes ungültig werden. Werden Daten repliziert, können Inkonsistenzen entstehen. Sätze können dann
nicht mehr gefunden, oder zurückgeschrieben werden.
ˆ Eine Database Access Middleware ist auf gängige Datenbanksysteme ausgelegt und bietet
keine Treiber um direkt mit der UnivIS Datenebene zu kommunizieren.
ˆ Die Eingliederung in einen gemeinsamen Datenspeicher und der Aufbau eines globalen Datenschemas (vgl. 2.3.1) ist durch die konzeptionellen Unterschiede vergleichsweise schwierig. Die UnivIS Datenebene müsste vollständig auf die Schnittstellen des Unternehmens-
33
4 Integration des UnivIS in einen Verbund - Aktueller Stand
Funktionsebene
DSC-Satzoperatoren
Präsentation
DSC
Integritätsbedingungen
Präsentationsebene
Funktion
speichers umgesetzt werden.
Datenebene
Integritätssicherung
UnivIS
Abbildung 4.2: UnivIS Integritätsprüfung, Bruch zwischen den Ebenen.
Eine weitere Besonderheit der UnivIS Datenbank ist die Organisation der Daten. Abbildung
4.1.1 zeigt diese am Beispiel der Entitäten Organisation und Person. Die Organisationen sind
entsprechend der realen Gegebenheiten hierarchisch geordnet, Personen sind einer bestimmten
Organisation zugeordnet. Diese Zuordnung wird ebenfalls durch eine Hierarchie ausgedrückt,
welche von den Organisationen übernommen wurde. Die Replikation der Hierarchie wiederholt
sich bei allen Entitäten, die in Beziehung mit einer Organisation stehen.
Im Gegensatz dazu zeigt Abbildung 4.1.2 die Darstellung dieser hierarchischen Zuordnung durch
eine Beziehung zwischen den Entitäten. Die Personen können dabei eine eigene hierarchische
Ordnung aufweisen. Dieses Vorgehen entspricht der in Kapitel 2.1.4 gezeigten Datenmodellierung
mit dem ER-Modell.
Da die hierarchische Einordnung in UnivIS nicht durch Beziehungen beschrieben wird, ist sie
auch nicht im Datenschema verankert. Sie entsteht vielmehr durch die Position im Verzeichnisbaum. Für die Integration in ein globales Datenschema müssen diese Besonderheiten berücksichtigt und in Form von zusätzlichen Metadaten nachgebildet werden. Können die Eigenarten
nicht durch die eingesetzte Middleware ausgeglichen werden, schwinden die Vorteile eines gemeinsamen Datenschemas.
4.3.2 Semantische Integrationsfähigkeit
Für die semantische Datenintegration (Abb. 2.4.1) bedarf es grundsätzlich einer Absprache
zwischen den beteiligten Systemen. Es ist im Vorfeld aber möglich dafür zu sorgen, dass spätere
Änderungen kleiner ausfallen, oder sogar unnötig werden.
Das UnivIS Datenschema ist an manchen Stellen schlecht normalisiert, Funktionen einer Person werden beispielsweise in den Organisationen gespeichert. Der Einsatz von Zugrispfaden
anstatt Schlüsseln und die hierarchische Ordnung ohne Verankerung im Datenschema entsprechen nicht dem gängigen Vorgehen. Dadurch steigt die Gefahr, dass im Verbund ein anderes
semantisches Verständnis der Daten vorherrscht.
34
4.4 Aktueller Stand - Schreibender Zugri
4.4 Aktueller Stand - Schreibender Zugri
Die Fähigkeit Daten von anderen Systemen zu übernehmen ist eine grundlegende Vorraussetzung für die Integrationsfähigkeit. Dies gilt sowohl für die Kommunikation wie auch für die
Datenintegration. Ein schreibender Zugri auf UnivIS Daten ist derzeit nur über das Webfrontend möglich.
Dies liegt nicht nur an der fehlenden Authentizierung in den Schnittstellen. Daten müssen durch
das System überprüft werden. Ein Nutzer könnte sonst Inkonsistenzen hervorrufen, selbst unbeabsichtigt. Vor jeder schreibenden Operation muss deshalb eine Integritätsprüfung durchgeführt
werden. Diese Prüfung wird in der Regel auf der Datenebene vorgenommen. So können alle Teile des Systems (Präsentation, Funktion, Schnittstellen) durch ein zentrales Element überwacht
werden.
Die Integritätsprüfung der Daten erfolgt im UnivIS in Teilen bereits bei der Erfassung im
Frontend. Programmausdruck 4.1 zeigt die Vermischung von Präsentationselementen, Integritätsprüfung und Datenverarbeitung wie sie in einer DSC Beschreibungsdatei, in diesem Fall
DSC/person/edit, vorkommen. Die Integritätsbedingungen sind nicht vollständig zentral erfasst, wie zum Beispiel die Schemadenitionen.
Abbildung 4.2 zeigt diesen Bruch zwischen den Ebenen schematisch. So ziehen sich die DSCScripte für die Datenmanipulation logisch durch die Funktionsebene bis zur Datenebene. Die
Datenerfassung und Manipulation ist damit auf den Weg über die Eingabemasken beschränkt.
Ein schreibender Zugri durch Schnittstellen oder Adapter setzt das Duplizieren der Integritätsbedingungen voraus.
# Darstellung der Eingabemaske
<H2>Personeneintrag [[$per−>{'rstname'}]] [[$per−>{'lastname'}]] editieren</H2>
<table>
<tr><td>Anrede:<td>
...
# Verhindern, dass eine Person durch umbenennen einer bereits bestehenden angelegt wird.
IF !$cgi{'pcreate'}
$origperk = $cgi{'per'}
$origper = $persdb{$origperk}
ASSERT dened($origper)
IF $per−>{'lastname'} ne $origper−>{'lastname'}
push @errmsg
ENDIF
ENDIF
...
# Einfuegen in die Datenbank
IF ! tied(%persdb)−>STORE($perk, $per)
Programmausdruck 4.1: Beispiel: UnivIS Integritätsbedingungen für eine Person
35
4 Integration des UnivIS in einen Verbund - Aktueller Stand
4.5 Resümee
Nach aktuellem Stand ist eine Integrationsfähigkeit des UnivIS nur eingeschränkt vorhanden.
Ein schreibender Zugri für den bidirektionalen Datenaustausch ist nicht vorgesehen und muss
nachgerüstet werden. Dafür notwendig ist die Authentizierung der Nutzer in den Schnittstellen
und die Zentralisierung der Integritätsprüfung in einem eigenen Modul.
Die Kommunikationsfähigkeit beschränkt sich auf die PRG-Schnittstelle. Sie besitzt eine eigene Anfragesprache. Diese muss bei sich ändernden Anforderungen mit angepasst werden. Die
Rückgabe erfolgt formatiert als HTML oder XML. Die Verarbeitung obliegt dem aufrufenden
System.
Die Fähigkeit sich in globale Datenschemata zu integrieren, ist ebenfalls durch das verwendete
Datenmodell beschränkt. Die explizite Verwendung von Zugrispfaden und die Art der hierarchischen Ordnung ist in modernen Datenbanksystemen nicht üblich und muss zusätzlich als
Metainformation verwaltet werden.
Die Teilnahme an einer Kommunikationsdrehscheibe, wie sie im Universitätsklinikum eingesetzt
wird, ist nur mit hohem Aufwand zu erreichen. Die hierzu notwendigen Adapter, beziehungsweise
Treiber, für die UnivIS Datenbank sind nicht vorhanden.
36
5 Analyse und Bewertung von
Änderungsmöglichkeiten
Die Integrationsfähigkeit des UnivIS ist an einigen Stellen eingeschränkt. Die Schwächen liegen
in den zur Verfügung stehenden Schnittstellen, dem fehlenden schreibenden Zugri und den
Besonderheiten der UnivIS-Datenbank.
Kurz- bis mittelfristig ist die Verbesserung der Kommunikations- und Datenintegrationsfähigkeit
vielversprechend. Deshalb werden im Folgenden Möglichkeiten aufgezeigt und bewertet entsprechende Verbesserungen umzusetzen.
5.1 Schreibender Zugri
Schreiben
Datenebene
Schnittstellen
Funktionsebene
Lesen
Schreiben
Check - Modul
...
Person
Ändern
Einfügen
Löschen
Ändern
Einfügen
Dieses Vorgehen hat zwei Vorteile. Zum einen kann die Integritätsprüfung als Funktion an die Schnittstellen weitergereicht werden. Zum anderen entspricht es der gängigen
Aufteilung in Datenbanksystemen, was eine spätere Portierung erleichtert.
Präsentationsebene
Löschen
Als Rückgabewert sollte bei Verletzung einer Integritätsbedingung eine Fehlermeldung im Klartext, sowie ein Fehlercode zurückgegeben werden. So kann die Fehlermeldung
im Frontend direkt angezeigt werden. Alternativ kann mit
dem Fehlercode eine Fehlerbehandlung durch den Aufrufer
erfolgen.
Lesen
Änderungen im Bereich der Integritätsprüfung sind für einen
schreibenden Zugri generell notwendig, gleichgültig über
welche Schnittstelle. Für das weitere Vorgehen müssen alle
Integritätsbedingungen zentral in einem Prüfmodul zusammengefasst werden, Abbildung 5.1 zeigt die schematische
Einordnung. Die Aufrufparameter der Integritätsprüfung
sollten der Attributmenge einer Schemadenition entsprechen. Das Prüfmodul selbst ist nach Satztypen gegliedert,
eine Unterteilung der Prüunktionen für das Einfügen, Ändern und Löschen von Sätzen ist zu empfehlen.
Integritätssicherung
UNIdb / UFSdb
UnivIS
Abbildung 5.1: UnivIS mit zentraler Integritätsprüfung
Der Bruch welcher zwischen den Ebenen besteht, wurde in
Abbildung 4.2 gezeigt. Im Zuge der Abtrennung der Integritätsbedingungen sollten auch die
37
5 Analyse und Bewertung von Änderungsmöglichkeiten
Satzoperatoren (edit, delete, insert, . . . ) von Präsentationselementen befreit werden. Die Einbringung in die Funktionsebene ermöglicht deren Wiederverwendung in anderen Schnittstellen.
5.2 Kommunikationsfähigkeit
5.2.1 Erweiterung der PRG-Schnittstelle
Erweiterung
Nutzer müssen sich authentizieren, um Daten zu schreiben oder nicht öentliche Informationen
lesen zu können. Es ist möglich die PRG-Schnittstelle um eine Authentizierungsmöglichkeit zu
erweitern. Zudem benötigt die Anfragesprache eine Ergänzung um entsprechende deskriptive
Konstrukte (insert, update, delete).
Bewertung
Die Erweiterung der PRG-Schnittstelle ist mühsam, da die Anfragesprache bei jeder Änderung
des Datenschemas gepegt werden muss. Nimmt man die Operatoren für den schreibenden Zugri hinzu, ergibt sich sogar der vierfache Aufwand. Die Anfragesprache bleibt zudem proprietär
und der Aufrufer muss sich weiterhin um das ver- und entpacken der Anfragen selbst kümmern.
5.2.2 Webservice Schnittstellen
Eine weitere Möglichkeit der Kommunikation zwischen Systemen sind die in Kapitel 2.3.2 eingeführten Webservices. Jeder Webservice bietet dabei eine bestimmte Dienstleistung. Dieser
Ansatz wurde von Beyaz bereits umgesetzt. In seiner Arbeit beschreibt er den Einsatz von
Webservices als Anwendungsschnittstelle (vgl. [Bey05]), jedoch nicht im Zusammenhang mit
der Integration in ein Hochschulinformationssystem.
Erweiterung
UnivIS erhält mit dem Einsatz von Webservices eine weitere Schnittstelle. Datenformat und
Schnittstelle des Webservice werden durch WSDL beschrieben. Die Implementierung kann deshalb weitgehend unabhängig von UnivIS erfolgen. Die von einem Webservices angebotene Dienstleistung muss schlieÿlich an UnivIS Funktionalitäten gebunden werden.
Anbindung an UnivIS
Abbildung 5.2.1 zeigt die Anbindung über die PRG-Schnittstelle. Der Webservice fragt die
benötigten Informationen mittels einer PRG-Anfrage ab, die Rückgabe erfolgt als XML.
Eine andere Möglichkeit zeigt Abbildung 5.2.2. Der Webservice ist als eigenständige Schnittstelle
in das UnivIS integriert, er kann direkt auf interne Funktionen zurückgreifen.
38
5.2 Kommunikationsfähigkeit
Vorlesungen
Webservices
Anfrage
Rückgabe
PRG
Präsentationsebene
Funktionsebene
Zugriff
Zugriff
PRG-Schnittstelle
Präsentationsebene
Webservices
Kalender
Mehrzweckdienst
...
Webservices
Webservices
Präsentationsebene
Präsentationsebene
Funktionsebene
Datenebene
Funktionsebene
Funktionsebene
Datenebene
UNIdb / UFSdb
Datenebene
Datenebene
UnivIS
UnivIS
UnivIS
UnivIS
5.2.1: Anbindung
über die Programmierschnittstelle
5.2.2: Anbindung an
die UnivIS Datenbank
5.2.3: Ein Webservice als vollständige
Anfrageschnittstelle
5.2.4: Für jeden Anfragetyp ein Webservice
Abbildung 5.2: Webservices als weitere Schnittstelle des UnivIS
Bewertung
Webservices werden von Integrationswerkzeugen und in Entwicklungsumgebungen gut unterstützt. Sie sind einfach umzusetzen und bieten Dienste über standardisierte Schnittstellen an.
Aber es ergibt sich das Problem der Dienstspezikation. Welche Dienste sollen angeboten werden? Zwei Extreme sind vorstellbar: Es gibt einen Webservice der alle Datenoperationen ermöglicht (vgl. Abb. 5.2.3), der damit quasi die PRG-Schnittstelle ersetzt. Oder es gibt für jede
Datenoperation einen speziellen Webservice, also einen Webservice für jede Art Anfrage (vgl.
Abb. 5.2.4). Der Umfang und die Anzahl der Webservices richten sich dabei nach den Nutzern
der Dienste. Eine sinnvolle Nutzung kann deshalb nur bei genau denierten Dienstleistungen
erfolgen.
Hinzu kommt die Frage der Anbindung. Eine Bereitstellung der Zugrisfunktionen aus den
Datenbankmodulen ist problematisch, da Zugrisrechte und Integritätsbedingungen nicht überprüft werden können (vgl. [Bey05] S.41). Die direkte Anbindung an die Datenebene erfordert deshalb eine Kapselung, vergleichbar der PRG-Schnittstelle. Das Aufsetzen auf die PRGSchnittstelle (vgl. [Bey05] S.38) erübrigt zwar die Kapselung, erlaubt aber auch keine zusätzlichen Fähigkeiten.
Der Einsatz von Webservices alleine, kann die Integrationsfähigkeit des Systems nicht verbessern.
Sie eignen sich deshalb im momentanen Umfeld nicht als generelle Erweiterung der UnivIS
Systemschnittstellen.
5.2.3 Datenreplikation
Wie bereits erwähnt, existiert für UnivIS keine Einbettung in Wirtssysteme. Systeme, die UnivIS Anfragen verarbeiten, müssen entsprechende Funktionalitäten selbst implementieren. Im
39
5 Analyse und Bewertung von Änderungsmöglichkeiten
Gegensatz dazu bieten gängige Datenbanksysteme standardisierte Schnittstellen und Treiber an
(vgl. Kapitel 2.1.6).
Präsentationsebene
Funktionsebene
ODBC JDBC
Replikation
PRG
.NET
DBMS
Datenbank
Datenebene
UnivIS
Datenbanksystem
Präsentationsebene
Funktionsebene
Rückintegration
PRG
Replikation
5.3.1: Replikation für lesenden Zugri
Datenebene
Integritätsbedingungen
Nutzen
Zugriffsrechte
Abgleichen
UnivIS
ODBC JDBC
.NET
DBMS
Integritätsbedingungen
Zugriffsrechte
Datenbank
Datenbanksystem
5.3.2: Replikation für lesenden und schreibenden Zugri
Abbildung 5.3: Replikation der UnivIS Datenbank in ein Datenbanksystem mit standardisierten Schnittstellen
und Treibern
Erweiterung
Eine zügige Erweiterung um standardisierte Schnittstellen kann durch die Replikation der UnivISDatenbank in ein gängiges (relationales) Datenbanksystem, die Replikationsdatenbank, ermöglicht werden. Ein schrittweiser Umstieg ist ausgehend von einer unidirektionale Replikation der
Daten (Abbildung 5.3.1) möglich. Auf die Replikationsdatenbank kann dabei nur lesend zugegrien werden. Diese Variante eignet sich als Einstieg und zur Erprobung des Datenaustausches.
Der schreibende Zugri macht eine Rückintegration der Daten nötig, die Replikation erfolgt dann
bidirektional (vgl. Abb. 5.3.2). Sowohl die Integritätsbedingungen, als auch die Zugangsrechte
müssen in beiden Datenbanken (UnivIS-DB und Replikations-DB) zur Verfügung stehen.
Nach der vollständigen Trennung der Präsentations- und Funktionsebene von der Datenebene,
40
5.3 Datenintegrationsfähigkeit
ist es in einem letzten Schritt möglich die UnivIS Datenbank durch die Replikationsdatenbank
zu ersetzen.
Bewertung
Die Replikation in ein bewährtes, relationales Datenbanksystem ermöglicht dem Nutzer den
Zugri über standardisierte Schnittstellen. Zusätzlich erhält das System mit SQL eine weitere,
mächtige Anfragesprache. Problematisch ist die Extraktion des Datenschemas. Die Unterschiede
zwischen dem satzorientierten und dem relationalen Datenmodell müssen berücksichtigt werden.
Die hierarchische Struktur der Daten ist durch geeignete Beziehungen im Datenschema nachzubilden.
Die unidirektionale Replikation kann periodisch erfolgen. Als Austauschformat kann beispielsweise der XML Dump genutzt werden.
Die bidirektionale Replikation erfordert eine Rückintegration der Daten in Echtzeit. Da die Replikationsdatenbank standardmäÿig über keine Funktionen für die Berechnung der Zugrispfade
verfügt, müssen diese implementiert oder zur Verfügung gestellt werden.
Für den schreibenden Zugri benötigen beide Systeme die Zugrisrechte und Integritätsbedingungen. Diese müssen entweder dupliziert oder dem Partner als Funktion bereitgestellt werden.
5.3 Datenintegrationsfähigkeit
5.3.1 Technische Integrationsfähigkeit
# eldname => longname|format|must?|unique|requires|message|exportlevel|xml−alias
$scheme = {
'lastname' => 'Nachname||yes||||1',
'rstname' => 'Vorname||no||||1',
'organisation' => 'Organisation|key(Organisation)|yes||||1',
'id' => 'ID||yes|yes|||1',
};
Programmausdruck 5.1: Darstellung der Organisationszugehörigkeit durch Beziehungen
Die Änderung des Datenmodells, oder die Implementierung von standardkonformen Treibern
für die UnivIS Datenbank ist aufwendig und erscheint nicht sinnvoll.
Zweckmäÿig ist die generelle Einführung von Schlüsseln für den logischen Satzzugri, wie es bei
den Personen bereits durchgeführt wurde. Weiterhin die Darstellung der hierarchischen Ordnung
durch Beziehungen nach dem Vorbild aus Programmausdruck 5.1. Ein Satzzugri ohne Kenntnis
des Zugrispfades wird damit ermöglicht.
41
5 Analyse und Bewertung von Änderungsmöglichkeiten
Erweiterung
Eine Verbesserung der technischen Datenintegrationsfähigkeit bringt die Replikation in ein gängiges Datenbanksystem, wie sie bereits in Kapitel 5.2.3 beschrieben wurde.
Bewertung
Die Vor- und Nachteile entsprechen denen aus Kapitel 5.2.3.
Für die Datenintegration bieten sich die standardisierten Schnittstellen an, beispielsweise für
den Einsatz einer Database Access Middleware. Das Datenmodell und das Datenschema sind in
der Regel portierbar und damit gut in ein globales Datenschema einzugliedern.
5.3.2 Semantische Integrationsfähigkeit
Generell sollten alle Entitäten normalisiert werden, sie sollten sich also nicht semantisch überschneiden. Dies erleichtert den Austausch einzelner Entitäten, zum Beispiel wenn die Daten in
Zukunft von einem anderen System übernommen werden müssen.
Auch alle Entitäten, für die UnivIS der zentraler Datenspeicher ist, sollten als minimaler Stammdatensatz zur Verfügung stehen. Systeme die diese Informationen benötigen, sollten keine, oder
genau diese Form der Daten enthalten. Für diese Entitäten ist UnivIS die Masterdatenbank und
damit auch für die Vergabe von eindeutigen Identikatoren (Identier) verantwortlich.
5.4 Resümee
Es bestehen verschiedene Möglichkeiten die Integrationsfähigkeit des UnivIS zu verbessern. Dabei sind zwei Gesichtspunkte von entscheidender Relevanz. Zum einen der Mangel an umfassenden und idealerweise standardisierten Zugrismöglichkeiten. Und zum anderen die Verstrickung
zwischen den Ebenen, was zum Beispiel den schreibenden Zugri auf UnivIS Daten verhindert
(vgl. Abb. 4.2). Eine klare Trennung der Ebenen ist also von zentraler Bedeutung, ein Beispiel
ist die Aufspaltung der Beschreibungsdateien (DSC). Wie die Integritätsbedingungen auf Datenebene, sollten auch die Satzoperatoren auf Funktionsebene und die Darstellungselemente auf
Präsentationsebene zusammengefasst werden.
Für die Kommunikation mit anderen Systemen steht die PRG-Schnittstelle zur Verfügung. Der
Ausbau ihrer Anfragesprache ist möglich, aber mühsam. Zudem bleibt die Schnittstelle weiterhin
proprietär und es sind keine Hilfsmittel für die Einbettung in andere Systeme verfügbar.
Der Einsatz von Webservices ist ebenfalls problematisch. Es existieren keine Spezikationen
für die benötigten Dienstleistungen und die Kopplung an UnivIS Funktionalitäten ist derzeit
schwierig.
42
5.4 Resümee
Durch die Replikation in ein Datenbanksystem stehen standardisierte Schnittstellen und eine
gute Unterstützung für die Einbettung in Programmiersprachen zur Verfügung. Für den schreibenden Zugri ist eine Rückintegration der Daten in die UnivIS Datenbank erforderlich. Langfristig kann diese durch die Replikationsdatenbank abgelöst und dadurch eine saubere Trennung
der Datenebene erreicht werden.
Aufgrund der Eigenheiten der UnivIS-Datenbank läuft das System Gefahr im Prozess der Datenintegration ausgegrenzt zu werden. Umfangreiche Änderungen wären notwenig, was die weitere
Verwendung in Frage stellt. Auch hier bietet sich der Einsatz einer Replikationsdatenbank an.
Ein Zugri über das UnivIS Datenmodell und Datenschema ist nicht mehr notwendig. Zudem
werden zum Beispiel relationale Datenbanksysteme von praktisch jedem Integrationswerkzeug
unterstützt. Die Eingliederung in einen Unternehmensspeicher oder der Einsatz einer Database
Access Middleware werden dadurch erheblich erleichtert.
43
5 Analyse und Bewertung von Änderungsmöglichkeiten
44
6 Lösungsvorschläge
In Kapitel 5 wurden verschiedene Möglichkeiten aufgezeigt das UnivIS auf eine Integration
vorzubereiten. Die Replikation der UnivIS Datenbank in ein modernes Datenbanksystem zeigt
sich dabei am vielseitigsten. Dieser Ansatz ermöglicht eine deutliche Verbesserung der Kommunikation-, wie auch der Datenintegrationsfähigkeit des Systems. Es ergeben sich jedoch auch eine
Reihe von Hindernissen, wie die Abbildung des Datenschemas oder der Integritätsbedingungen.
Dieses Kapitel beschäftigt sich mit der praktischen Implementierung einer Replikationsdatenbank für das Informationssystem UnivIS. Es werden Vorschläge für die Überwindung der genannten Probleme gegeben und Implementierungsalternativen einander gegenübergestellt.
6.1 Auswahl der Replikationsdatenbank
Die Entscheidung für ein spezielles Datenbanksystem hängt von vielen Faktoren ab. Das UnivIS
Datenschema ist überschaubar und erfordert keine spezielle Rücksicht auf das Datenmodell. Ein
gewisser Aufwand für die Abbildung der UnivIS Eigenheiten, wie zum Beispiel der hierarchischen Ordnung (vgl. Kapitel 4.3), ist fast immer erforderlich. Abgesehen von der zu ersetzenden
Satzorientierung eignen sich daher praktisch alle Datenmodelle, wie sie in Kapitel 2.1.3 bereits
kurz eingeführt wurden.
6.1.1 Auswahl eines Datenmodells
Die Wahl eines Datenmodells ist trotzdem von groÿer Tragweite, da ein späterer Wechsel aufgrund der unterschiedlichen Standards schwierig ist.
Objektorientiert: Objektorientierte Datenbanken sind verbreitet und gut durch das ODMG1 -
Modell standardisiert. Den Datenbanksystemen fehlte es zu Anfang bei groÿen Datenmengen an Stabilität und Geschwindigkeit. Zudem hat sich die Objektorientierung für
Standardanwendungen als zu sperrig erwiesen. Nach einer anfänglichen Euphorie, werden
diese Systeme inzwischen hauptsächlich für den Umgang mit komplexen Datenobjekten
eingesetzt.
XML: Eine neuere Entwicklung ist der Einsatz von XML als Datenmodell, es bietet sich vor
allem für den Bereich der semistrukturierten Daten an. Deshalb erhot man sich Vorteile
im Umgang mit Dokumenten und Inhalten. Datenbanksysteme, die XML direkt für die
1
Object Data Managemt Group, Untergruppe der OMG
45
6 Lösungsvorschläge
Speicher- und Zugrisstrukturen verwenden, benden sich noch in weiten Teilen im Entwicklungsstadium. Ob sich diese Systeme in Zukunft auf breiter Front etablieren können
ist ungewiss.
(Objekt-) Relational: Sieht man von dem Bereich der eingebetteten Systeme ab, so sind relatio-
nale Datenbanksysteme (RDBMS) die verbreitetsten. Das Modell basiert auf soliden und
erforschten Konzepten. Die Schnittstellen der Systeme sind durch SQL gut standardisiert
und es gibt eine breite Unterstützung in den Entwicklungsumgebungen. Zudem haben es
die Hersteller verstanden sich einer aufkommenden Konkurrenz anzupassen. So wurden die
grundlegenden und für den Kunden interessanten Konzepte der Objektorientierung durch
Erweiterungen der Standards SQL 99 und 2003 in die relationale Welt übernommen. Ähnlich verhält es sich mit den semistrukturierten Daten, für deren praxisgerechte Verwaltung
groÿe Datenbankhersteller wie Oracle bereits seit längerem Erweiterungen anbieten.
Relationale Datenbanksysteme bieten als Replikationsdatenbank für das UnivIS eine gute und
bewährte Basis. Sie eignen sich für die Integration, da sie praktisch von jedem Integrationswerkzeug unterstützt werden. Auch im Hinblick auf die UnivIS Kunden ist die Bekanntheit und
die weite Verbreitung ein entscheidender Vorteil. Schlieÿlich empehlt sich der Einsatz eines
relationalen Datenbanksystems aus wirtschaftlichen Aspekten, da es eine Reihe frei verfügbarer
und qualitativ hochwertiger Systeme gibt.
6.1.2 Auswahl eines Datenbanksystems
Von geringerer Bedeutung ist die Auswahl eines konkreten Datenbanksystems, da eine Portierung der Daten durch die vorhandenen Standards relativ unkompliziert ist. Deshalb sollte
man bei der Umsetzung des Datenschemas, von der logischen auf die physische Ebene, auf eine
standardkonforme Implementierung achten.
Trotzdem gibt es zwischen den Systemen Unterschiede. Zum einen sind vor allem die neueren
SQL Versionen 99 und 2003 oft noch nicht vollständig umgesetzt, durch welche speziell die objektorientierten Konzepte Einzug gefunden haben. Zum anderen bauen die Hersteller proprietäre
Erweiterungen in ihre Systeme ein, um sich von den Konkurrenten abzusetzen. Diese können
im Einzellfall, auf Kosten der Portabilität, sehr hilfreich sein und einiges an Arbeit ersparen
(Programmausdruck 6.5 zeigt dies beispielhaft). Für den konkreten Fall bietet sich eine Open
Source Lösungen aus Kostengründen an.
Ein fundierter Vergleich würde den Rahmen dieser Arbeit sprengen. Zwei objektive Vergleichstests nden sich unter anderem von Schüler in [Sch05] und von Horstmann in [Hor06], aus dem
auch Tabelle 6.1 auszugsweise entnommen ist. Sie zeigt die wichtigsten Funktionalitäten für
den Einsatz als Replikationsdatenbank, die Funktionen sind nach Themen gruppiert und jeweils
absteigend gewichtet.
Nach Punkten setzten sich PostgreSQL, Firebird und MySQL ab, wobei im Fall von MySQL
die Eigenart der unterschiedlichen Tabellentypen berücksichtigt werden sollte. Eine Auswahl
zwischen diesen Systemen wird in der Regel subjektiv, nach den Präferenzen der Entwickler und
den zur Verfügung stehenden Werkzeugen zu treen sein. Für die folgenden Beispiele wurde das
46
6.2 Replikation
Version
Firebird1
Ingres
MaxDB2
MySQL
PostgreSQL
1.5
3.0
7.6
5.0
8.1
•
Before/After
•
•
•
•
After
•
◦
•
•
After
•
•
◦
•3
Before/After
•3
◦
•3
•
Before/After
•
•
•
•
•
•
◦
◦
•
•
◦
◦
◦
•
•
•
◦
◦
•
•
•
◦
•4
•
•
•
◦
•5
92, 99
•
•
•
◦
92, 99
•
•
•
•
92
•
•
•
◦
92, 99
•
◦
•
◦
92, 99, 03
•
•
•
•
Datenintegrität
Fremdschlüssel
Trigger
ACID-Transaktionen
CHECK-Bedingung
2-phasiges Commit
Datenbankobjekte
View
Stored Procedures
Updatable View
Materialized View
Volltext-Index
SQL, Datentypen
SQL-Standard
Sub-Select
Full Outer Join
Nutzerdef. Funktionen
Nutzerdef. Typen
1
Open Source Zweig von InterBase 6.0 (Borland), seit InterBase 7.1 wieder getrennte Entwicklung
vormals DDB/4 (Nixdorf) → Adabas D (Software AG) → SAP DB (SAP AG) → MaxDB (SAP AG)
3
Nur mit Tabellentyp InnoDB, Hersteller Innobase Ende 2005 von Oracle aufgekauft
4
Nur mit Tabellentyp MyISAM 5 Durch Add-in Tsearch2
2
Tabelle 6.1: Leistungsumfang bekannter OpenSource Datenbanksysteme (Auszug aus [Hor06])
Datenbanksystem Firebird verwendet.
6.2 Replikation
Wie bereits in Kapitel 5.2.3 erwähnt, gibt es mehrere Möglichkeiten um Daten aus UnivIS in ein
Datenbanksystem zu replizieren. Für den unidirektionalen, nicht schreibenden Austausch kann
der XML-Dump verwendet werden. Hierzu bieten viele Datenbanksysteme Werkzeuge (Loader)
für das Importieren strukturierter Daten an. Ein schreibender Zugri erfordert eine Replikation in Echtzeit, deshalb eignet sich XML hierfür nicht, die Replikation muss satzweise über
Schnittstellen erfolgen.
Für den Zugri auf eine Datenbank in Perl, kann das PerlDBI-Modul verwendet werden. Es
bietet einen abstakten Zugri auf das Call Level Interface der verschiedenen Datenbanksysteme
an (siehe Programmausdruck 6.1).
47
6 Lösungsvorschläge
use DBI;
use strict;
# Verbindung zur Datenbank aufbauen
$dbh = DBI−>connect($database, $user, $password,{
RaiseError => 1, AutoCommit => 0 });
# Datenbankanweisung vorbereiten
$sth = $dbh−>prepare("INSERT INTO table(foo,bar,
baz) VALUES (?,?,?)");
# Anweisung ausfuehren
$sth−>execute( $foo, $bar, $baz );
Programmausdruck 6.1: Beispiel: Datenbankzugri mit
dem PerlDBI-Modul
/* Denition der UDF 'insertUnivIS' */
DECLARE EXTERNAL FUNCTION insertUnivIS (
foo INTEGER,
bar VARCHAR(10),
baz INTEGER )
RETURNS (returnValue INTEGER)
/* Methodenname */
ENTRY_POINT 'UnivISWrapper'
/* Bibliothek (UnivISLibrary.so) */
MODULE_NAME 'UnivISLibrary';
Programmausdruck 6.2: Beispiel: Einbinden einer
externen Methode als User Dened Function in
Firebird
Umgekehrt können in Datenbanksystemen, die nutzerdenierte Funktionen (User Dened Functions - UDF) unterstützen, externe Bibliotheken genutzt werden, um die Rückintegration zu
verwirklichen (siehe Programmausdruck 6.2). In einigen Systemen können, neben der internen
Sprache, auch andere Programmiersprachen verwendet werden, zum Beispiel in Firebird C/C++
oder in PostgreSQL unter anderem C/C++, Java und Perl.
Es sind zwei unterschiedliche Ansatzpunkte für eine kontinuierliche Replikation möglich:
Datenebene
Dieser Ansatz ist in Abbildung 6.1.1 dargestellt. Der Datenaustausch erfolgt auf der Datenebene
direkt im Speichersystem, dem UnivIS UFSdb-Modul. In diesem liegen die Daten bereits in ihrer
endgültigen Form vor und werden direkt in das Dateisystem geschrieben. Die Änderungen am
UnivIS beschränken sich damit auf das Weiterreichen an die Replikationsdatenbank. Diese muss
die Daten im UnivIS Format annehmen, mittels Trigger oder Stored Procedures vorverarbeiten
und die fehlenden Datenfelder durch berechnen oder durch parsen füllen. Falls das Datenschema
normalisiert ist und zusätzliche Tabellen für einen Datensatz vorsieht, muss die Operation entsprechend aufgeteilt und in der richtigen Reihenfolge ausgeführt werden. Für die Rückintegration
muss die Replikationsdatenbank den Datensatz in die UnivIS Form zurücktransformieren und
an eine UDF übergeben, welche diesen dann an das UFSdb-Modul weiterreicht.
Vorteile: Die Änderungen am UnivIS sind überschaubar und beschränken sich auf eine zentrale
Stelle. Im Prinzip kann auch der lesende Zugri an die Replikationsdatenbank weitergeleitet und damit das Dateisystem als Datenbank vollständig abgelöst werden.
Nachteile: Durch die tiefe, zentrale Lage des UFSdb-Moduls wird das UnivIS Datenformat qua-
si zu einer Art Austauschformat zwischen den Datenbanken. Dadurch verlagert sich ein
Groÿteil des Aufwandes in die Replikationsdatenbank, da praktisch jeder UnivIS Satzzugri einer SQL Anweisung entspricht. Deshalb können Anfragen an die Replikationsdatenbank nicht optimiert werden und die Auswertung und Aggregation der Daten erfolgt
48
6.3 Datenschema extrahieren
weiterhin im UnivIS, obwohl dies durch das Datenbanksystem geleistet werden könnte. Zudem durchläuft jede Operation die Datenebenen beider Systeme, selbst bei vollständiger
Umstellung der Datenhaltung bleibt die alte Datenebene des UnivIS erhalten.
Präsentationsebene
Präsentationsebene
Funktionsebene
DSC Satzoperatoren
Rückintegration
Replikation
Datenebene
UFSdb
Preprocess UDF
DBMS
Datenbank
UnivIS
Datenbanksystem
6.1.1: Replikation durch das UFSdb-Modul auf
der UnivIS Datenebene, für alle Satztypen gemeinsam.
Funktionsebene
Rückintegration
DSC Satzoperatoren
Replikation
Datenebene
UFSdb
UnivIS
UDF
DBMS
Datenbank
Datenbanksystem
6.1.2: Replikation durch die DSC-Satzoperatoren
auf der UnivIS Funktionsebene, für jeden Satztyp
einzeln.
Abbildung 6.1: Ansatzpunkte für eine Replikation von UnivIS Daten
Funktionsebene
Der Datenaustausch ndet, wie in Abbildung 6.1.2 dargestellt, auf der Funktionsebene statt. Die
Replikation erfolgt für jeden Satztyp individuell in seinem Satzoperator, wodurch eine bessere
Anpassung an die Replikationsdatenbank möglich wird. Die Rückintegration der Daten erfolgt
wiederum durch UDFs, die auf den entsprechenden Satzoperator im UnivIS abbilden.
Vorteile: Durch die dezentrale Einführung können die Anfragen auf das Problem zugeschnitten
werden. Die Suche, Auswertung und Aggregation der Daten kann durch die Replikationsdatenbank erfolgen. Die Datenoperationen laufen nicht durch zwei Datenebenen, sondern
werden nacheinander auf beiden Systemen ausgeführt. Vollständig umgestellte Teile des
UnivIS verwenden nur noch die Replikationsdatenbank als Datenebene.
Nachteile: Fast der gesamte Implementierungsaufwand liegt auf Seiten des UnivIS. Die Ände-
rungen betreen jedes Modul und jede Funktion, welche Daten mit der Replikationsdatenbank austauscht. Eine vollständige Umstellung der Datenhaltung kann daher erst erfolgen,
wenn alle Teile des UnivIS angepasst sind.
49
6 Lösungsvorschläge
Universität
Kind von
1
1
1
UnivIS-Metadaten
Kind von
Technische Fakultät
Medizinische Fakultät
2
3
Organisation
n
1
1
Institut für Informatik
Klinischer Bereich
4
6
erreichbar über
Organisation
m
Name
Adresse
Abbildung 6.2: ER-Diagramm:
Konzeptioneller Entwurf der
Organisationshierarchie
id
Vorgaenger
1
2
3
4
5
6
7
8
1
1
1
2
4
3
6
4
Informatik 4
Informatik 5
Chirurgie
5
8
7
Pfad
Beschreibung
Abbildung 6.3: ER-Diagramm:
Konzeptioneller Entwurf der
materialisierten Pfade
Name
Universität
Technische Fakultät
Medizinische Fakultät
Institut für Informatik
Lehrstuhl für Informatik 4
Klinischer Bereich
Chirurgie
Lehrstuhl für Informatik 5
Tabelle 6.2: Tabelle Organisation
Abbildung 6.4: Beispieldaten: Darstellung der Organisationshierarchie als Baum
Meta_Pfad
id
Ahne
id
Ahne
root
tech
med
inf
inf4
klin
chir
inf5
2
4
4
5
5
5
8
8
1
1
2
1
2
4
1
2
8
3
6
6
7
7
7
4
1
1
3
1
3
6
Tabelle 6.3: Tabelle Pfad, Materialisierung aller Pfade.
6.3 Datenschema extrahieren
Nach den eher konzeptionellen Entscheidungen für ein Datenbanksystem und die Replikationsebene, ist die Extraktion des Datenschemas der erste praktische Schritt. Soll die Replikation auf
der Datenebene angesetzt werden, sind grundsätzlich wesentlich weniger Änderungen des Schemas nötig. Die Replikationsdatenbank muss die Datensätze ohnehin in der alten UnivIS Form
liefern. Hingegen lohnen sich Schemaanpassungen bei einer Replikation auf Funktionseben. In
diesem Fall können die UnivIS Satzoperatoren ein optimiertes Schema der Replikationsdatenbank leicht berücksichtigen, da sie in jedem Fall überarbeitet werden müssen.
In Kapitel 3 und 4 wurden bereits einige Besonderheiten des UnivIS Datenschemas und Datenmodells aufgezeigt. Im Folgenden werden diese beispielhaft und ausgehend von einer Replikation
auf Funktionsebene auf relationale Strukturen abgebildet.
50
6.3 Datenschema extrahieren
CREATE TABLE Vorlesung (
id Integer NOT NULL,
Vorgaenger Integer NOT NULL,
Name varchar(100) NOT NULL,
Adresse varchar(100) NOT NULL,
Meta_Pfad varchar(100) NOT NULL,
PRIMARY KEY (id),
FOREIGN KEY (Vorgaenger) REFERENCES (id)
)
Programmausdruck 6.3: SQL Schemadenition für die
Entität Organisation
CREATE TABLE Pfad (
id Integer NOT NULL,
Ahne Integer NOT NULL,
PRIMARY KEY (id, Ahne),
FOREIGN KEY (id) REFERENCES Organisation(id),
FOREIGN KEY (Ahne) Organisation(id)
)
Programmausdruck 6.4: SQL Schemadenition für die
Entität Pfad
6.3.1 Hierarchie
Obwohl relationale Datenbanken enorme Fähigkeiten bei der Speicherung und Auswertung von
Daten besitzen, sind sie überraschend unvollständig in der Modellierung von transitiven Abhängigkeiten.
Wie bereits in Abbildung 4.1.1 gezeigt, speichert UnivIS seine Daten hierarchisch geordnet.
Durch die Vorgaben des Dateisystems als Datenspeicher, handelt es sich dabei um einen Baum.
Ein Baum ist ein azyklischer, zusammenhängender Graph mit einem ausgezeichneten Knoten als
Wurzel. Es gibt verschiedene Möglichkeiten diese Struktur in einer relationalen Datenbank abzubilden. Ein anschauliches und auch umfassendes Werk zu diesem Thema ist Joe Celko's Trees
and Hierarchies in SQL for Smarties ([Cel04]), aus dem im Folgenden auch einige Varianten
entnommen sind.
Grundsätzlich wird die Ordnung eines Graphen durch Beziehungen dargestellt. Abbildung 6.2
zeigt ein mögliches ER-Diagramm des logischen Schemaentwurfs, die Entität Organisation besitzt
eine binären (1:1) Beziehung Kind von auf sich selbst.
Eine mögliche Umsetzung in SQL ist in Programmausdruck 6.3 dargestellt. Das Attribut id
dient als Ersatzschlüssel (Surrogate Key) und als eindeutiger Identikator, da der Umgang mit
numerischen Werten wesentlich einfacher ist. Um den Informationsgehalt der Daten zu erhalten, werden von der Beziehung Kind von zusätzlich noch Metainformationen mitgeführt. Diese
werden der Entität Organisation als Attribut zugeschlagen, in diesem Beispiel der Verzeichnisbeziehungsweise Dateiname innerhalb des UnivIS Verzeichnisbaumes als Meta_Pfad.
Adjazenzliste
Der nächstliegende Ansatz ist die direkte Abbildung dieser Beziehung durch ein Tupel (Knoten, Vorgänger) als Adjazenzliste (vgl. Tabelle 6.2 und Abbildung 6.4). Das Attribut Vorgaenger
fungiert als Zeiger auf den Elternknoten. Die referenzielle Integrität wird durch die Deklaration
von id als Primärschlüssel und Vorgaenger als Fremdschlüssel aufgebaut. Diese Konstruktion ermöglicht das Speichern von zusammenhängenden, gerichteten Graphen, die Zyklenfreiheit muss
allerdings separat durch einen Trigger sichergestellt werden.
51
6 Lösungsvorschläge
/* Rekursive SQL Anfrage nach SQL−99 */
WITH Rekursion (id, Vorgaenger, Name) AS (
SELECT org.id, org.Vorgaenger, org.Name
FROM Organisation org
WHERE org.Name = 'Technische Fakultaet' )
UNION ALL
SELECT kind.id, kind.Vorgaenger, kind.Name
FROM Rekursion vater, Organisation kind
WHERE vater.id = kind.Vorgaenger )
SELECT DISTINCT Name
FROM Rekursion
/* Hilfsfunktion fuer rekursive Anfragen in Firebird */
CREATE PROCEDURE Org_Hierarchie (root_id Integer,
root_level Integer)
RETURNS (org_id Integer, org_level Integer)
AS
BEGIN
...
FOR
SELECT org_id, org_level FROM Org_Hierarchie(:
root_id, :root_level+1) INTO :org_id, :org_level
DO
SUSPEND;
END
/* Zusaetzliche Loesung von Oracle */
SELECT Name
FROM Organisation
START WITH Name = 'Technische Fakultaet'
CONNECT BY id = Vorgaenger;
/* Abfrage */
SELECT org.Name, org.Adresse
FROM Organisation root
LEFT JOIN Org_Hierarchie(root.ID, 1) baum On (1=1)
LEFT JOIN Organisation org On (org.ID = baum.Org_ID)
WHERE root.name='Technische Fakultaet';
Programmausdruck 6.5: Rekursive Anfragen nach
SQL/99 und Oracle spezisch.
Programmausdruck 6.6: Rekursive Anfragen mit Hilfe einer
Stored Procedure in Firebird.
/* Anfrage mit materialisierten Pfaden */
SELECT id
FROM Pfad
WHERE Ahne = (SELECT id
FROM Organisation
WHERE Name='Technische Fakultaet')
/* Anfrage im Nested−Set Modell */
SELECT a.id, b.Name
FROM Organisation a, Organisation b
WHERE a.Name='Technische Fakultaet' AND
b.Links BETWEEN a.Links AND a.Rechts
Programmausdruck 6.7: Anfragen über materialisierte
Pfade in Firebird.
Programmausdruck 6.8: Anfragen im Nested-Set
Modell in Firebird.
Eine Adjazenzliste besticht durch ihren einfachen und intuitiven Aufbau. Auch ist sie robust
gegen falsche Daten, ein falscher Vater-Zeiger führt nur zu einem falsch angehängten Ast. Auch
das Umhängen von einzelnen Ästen ist relativ einfach. Problematischer ist die Ausgabe eines
Teilbaumes, die Bestimmung der maximalen Tiefe, oder die Darstellung aller Knoten einer
Ebene. Eine entsprechende Anfrage ist rekursiv und wird von SQL erst seit der Version SQL/99
vorgesehen. Programmausdruck 6.5 zeigt exemplarisch die Abfrage eines Teilbaumes mit der
Technischen Fakultät als Wurzel durch einen SQL/99 Ausdruck und eine proprietäre Variante
von Oracle.
Bedauerlicherweise wird bei allen genannten Open Source Datenbanksystemen noch an der vollständigen Umsetzung des SQL Standards gearbeitet, weshalb bislang keines rekursive Anfragen
unterstützt. Eine Anfrage in SQL/92 würde aber im schlimmsten Fall aus k = Baumh¨
ohe − 1
verschachtelten SELECT...UNION bestehen. Dies wäre einerseits recht unübersichtlich und andererseits nur bei bekanntem k brauchbar. Eine Stored Procedure kann durch ihren prozeduralen
Aufbau die fehlende Funktionalität ausgleichen. Exemplarisch ist in Programmausdruck 6.6 die
52
6.3 Datenschema extrahieren
Funktion Org_Hierarchie auszugsweise dargestellt. Sie liefert zu einem Startknoten den vollständigen Ast. Da die Ausgabe als Menge unsortiert ist, markiert sie die Knoten zusätzlich mit ihrer
relativen Ebene. Die zugehörige Anfrage ist wieder überschaubar.
Materialisierung der Pfade
Der Einsatz von Stored Procedures oder vergleichbarer Konstrukte haben einen Nachteil: Sie
berechnen bei jeder Abfrage alle möglichen Pfade zu den gesuchten Tupel neu. Eine sinnvolle
Erweiterung der Adjazenzliste ist deshalb die Speicherung (Materialisierung) der Pfade.
Der einfachste Weg dies zu erreichen, ist der Einsatz einer Materialized View. Sie wird automatisch aktualisiert, wenn sich Daten ändern. Leider verfügen auch hier noch nicht alle Open
Source Datenbanksysteme über diese Funktionalität.
Das Modell lässt sich aber auch direkt im Datenschema verankern (vgl. [Jon01]). In Abbildung
6.3 ist ein entsprechend erweitertes ER-Diagramm dargestellt. Das Datenschema wird um eine
weitere Tabelle Pfad ergänzt (vgl. Programmausdruck 6.4). Sie speichert die Pfade als Tupel
(id, Ahne), also alle Möglichkeiten (Ahnen) von denen aus ein Knoten (id) erreicht werden kann
(siehe Tabelle 6.3).
Die Abfrage des Beispielteilbaumes kommt nun ohne die Hilfe einer Stored Procedure aus (siehe
Programmausdruck 6.7). Der Aufwand verlagert sich allerdings in die Einfüge-, Lösch- und
Änderungsoperationen, wo nun Trigger die Konsistenz der Tabelle Pfad sicherstellen müssen.
Die Berechnung der Pfade erfolgt nicht mehr bei jeder Anfrage erneut, sondern lediglich bei
Änderungen in der Hierarchie. Insgesamt ist eine Materialisierung der Pfade mit geringem Mehraufwand bei der Implementierung verbunden, bei überwiegend lesendem Zugri kann aber ein
erheblicher Performancegewinn erreicht werden.
1 Universität
1 16
Universität
Medizinische Fakultät
Technische Fakultät
2 Technische Fakultät
Institut für Informatik
Informatik 4
3 Medizinische Fakultät
9
2
10 15
Klinischer Bereich
Chirurgie
Informatik 5
4 Institut für Informatik
3
5 Informatik 4
4
Abbildung 6.5: Mengenorientierte Darstellung der Organisationshierarchie im Nested-Set Modell.
5
6 Klinischer Bereich
11 14
8
8 Informatik 5
6
7
7 Chirurgie
12 13
Abbildung 6.6: Beispieldaten: Umsetzung des
Nested-Set Modells durch Erweiterung um linken und rechten Nachbarn.
53
6 Lösungsvorschläge
Das Nested-Set Modell
Bisher wurde die Hierarchie als eine Folge von Knoten und Kanten betrachtet. Einen völlig
anderen Ansatz verfolgt das so genannte Nested-Set Modell. Hierbei werden die Konten als
eine Schachtelung von Mengen betrachtet, für die Beispieldaten veranschaulicht Abbildung 6.5
dieses Konzept. Die Ordnung wird nun nicht mehr durch explizite Beziehungen, sondern durch
die Zugehörigkeit zu einer Menge deniert.
Die Umsetzung erfolgt durch Speicherung des linken und des rechten Nachfolgers. In der Tabelle
Organisation wird also das Attribut Vorgänger durch die Attribute Links und Rechts ersetzt.
Die Nummerierung erfolgt von links absteigend bis zu den Blattknoten und aufsteigend nach
rechts für jede Ebene (oft als Preorder tree traversal bezeichnet). In Abbildung 6.6 ist die
Nummerierung für die Beispieldaten angegeben. [Hil]
Die Anfragen protieren von der mengenorientierten Darstellung. Die Beispielanfrage in Programmausdruck 6.8 zeigt wie der Teilbaum als Menge zwischen dem Attribut Links und Rechts
abgefragt werden kann, auch die Auswertung eines Pfades oder einer Baumebene ist vergleichsweise einfach.
Das Nested-Set Modell kommt mit seinem Konzept relationalen Datenbanken entgegen. Auf
der einen Seite lassen sich Anfragen einfach stellen und gut optimieren, im Gegenzug verliert
sich der intuitive Umgang mit der Hierarchie. Die Konsistenz wird nicht mehr explizit durch
die referenzielle Integrität unterstützt, da eine Beziehung zwischen den Konten nicht zwingend
erforderlich ist. Deshalb müssen umfangreiche Trigger für die Einfüge-, Lösch- und Änderungsoperationen zum Einsatz kommen. Einen guten Überblick und eine Beispiel-Implementierung
für MySQL ndet sich von Mike Hillyer unter [Hil].
6.3.2 Semester- & Versionsverwaltung
Wiss. Mitarbeiter
B. Müller
Professoren
[22
.08
.04
,
C. Muster
∞
]
]
[13.0
4.02,
21.08
.04]
]
.05, ∞
∞]
.03, ∞
[01.09
[13.0
1
[0,
]
.03, ∞
[01.09
A. Mayer
[0, ∞]
Stud. Hilfskräfte
]
.04.02
.00, 12
In Kapitel 6.3.1 wurde bereits beschrieben wie das Duplizieren der Organisationshierarchie vermieden werden
kann. Um diesem Vorgehen weiter zu folgen, ist es deshalb nicht sinnvoll die Unterteilung der Semester in der
Tabelle Organisation zu verankern. Die feste Zuordnung
von Datensätzen zu Semestern muss mit Blick auf künftige Entwicklungen ebenfalls überprüft werden.
Mitarbeiter
∞]
[0,
[01.06
Zusätzlich zu der Organisationshierarchie, gliedert UnivIS alle Datensätze nach Semestern. Die Datenhaltung
realisiert dies durch eine weitere Verzeichnisebene oberhalb der Organisationen. Bei einem Semesterwechsel werden deshalb die gesamte Organisationshierarchie sowie
alle weiterhin gültigen Datensätze dupliziert.
B. Müller-Thurgau
Abbildung 6.7: Zeitstempel für die Versionierung und Semestereinteilung
Wiederum gibt es verschiedene Implementierungsalternativen. Eine gängige Lösung sind exible
Gültigkeitsbereiche (Von, Bis), wie sie zum Beispiel in der Dokumentation verwendet werden.
54
6.3 Datenschema extrahieren
Der Einsatz von Zeitstempeln ist in Abbildung 6.7 dargestellt. Um die Historie eines Datensatzes
auch bei Änderungen an auszeichnenden Daten (Schlüsselattribute) zu gewährleisten, werden
diese durch eine Beziehung verknüpft (siehe Heirat von Frau Müller mit Herrn Thurgau in Abb.
6.7).
Für die grobe Einteilung in Semester eignen sich Sichten (Views), die Datensätze nach einem
Zeitfenster selektieren. Für die Tabelle Organisation sind zum Beispiel Sichten der Form Organisation_[SS|WS]Jahr denkbar.
Die Versionsverwaltung und das Protokollieren von Nutzerzugrien erledigen die meisten Datenbanksysteme auf Wunsch selbst, sodass hier kein zusätzlicher Aufwand entsteht.
6.3.3 Normalisierung
Wie bereits in Kapitel 2.1.4 eingeführt, werden Datenmodelle während der Entwurfsphase in der
Regel normalisiert um die spätere Auswertung der Daten zu vereinfachen und zu bescheunigen.
Dieser Vorgang kann formal und unabhängig von der eigentlichen Bedeutung der Daten erfolgen.
Für die konkrete Vorgehensweise sei ebenfalls auf Fundamentals of database systems ([EN04])
verwiesen.
Vorlesung_HIS
1
Beziehungen mit
dem Verbund
Dozent
id
Vorlesung
Raum
Termine
Beschreibung
6.8.1: Innerhalb des UnivIS
Vorlesung_Stamm
Status
Ersteller
1
verweist
Vorlesung_Diapers
1
id
1
verweist
1
verweist
Beschreibung
1
Vorlesung_UnivIS
Raum
Termine
Dozent
6.8.2: Für den Einsatz im Verbund: Aufteilung in Stammdaten
und systemspezische Daten.
Abbildung 6.8: Normalisierung der Entität Vorlesung
Aufwändiger ist die Normalisierung und damit die Vermeidung funktionaler Abhängigkeiten
zwischen den Systemen, wie sie bei der Schemaintegration (siehe Abbildung 2.4.1) auftreten
können. Der Umfang und die Form gemeinsamer Datenstrukturen muss zwischen den Systemen abgestimmt werden. Die Trennung der Datenstrukturen im Vorfeld, in einen verbindlichen
Stammdatensatz und optionale Attribute kann dabei erheblichen Aufwand einsparen. Für die
Stammdaten kann nur ein System verantwortlich sein, es stellt die Master-Datenbank und ist
für die Vergabe und Verwaltung von eindeutigen Identikatoren verantwortlich.
Da jedes System im Verbund seine Datendomäne auf diese Weise abstecken muss, ist eine Auswahl geeigneter Entitäten ohne konkreten Kontext schwierig. Für die Entität Vorlesung könnte
eine Aufteilung wie in Abbildung 6.8 aussehen. Aus der Entität Vorlesung, die nur innerhalb
55
6 Lösungsvorschläge
des UnivIS-Datenschemas normalisiert ist, werden die Entitäten Vorlesung_Stamm und Vorlesung_UnivIS. Dadurch können systemspezische Daten gekapselt bleiben, Änderungen an anderen Systemen sind transparent und müssen nicht in das UnivIS Datenschema eingepegt werden.
6.4 Schreibender Zugri
Für einen schreibenden Zugri wurden in Kapitel 4 unter anderem die Integritätsprüfung der
Daten und die Authentizierung der Nutzer als zentrale Probleme identiziert. Diese bestehen
ebenso für die Replikationsdatenbank, falls ein direkter Zugri gewährt werden soll (vgl. Abbildung 5.3.2). Die Vorraussetzungen aus Kapitel 5.1, wie die Zentralisierung der Integritätsprüfung
und die Trennung der Ebenen, gelten weiterhin.
Wie schon bei der Extraktion des Datenschemas (Kapitel 6.3) ist der Aufwand bei einer Replikation auf Datenebene geringer. Im Wesentlichen lässt sich die Prüfung der Datenintegrität
und der Zugrisrechte mittels UDFs auf UnivIS Funktionen abbilden. Auch hier eignet sich die
Replikation auf Funktionseben um die Möglichkeiten der Replikationsdatenbank besser auszuschöpfen.
6.4.1 Integritätsbedingungen
Grundsätzlich werden Integritätsbedingungen, die über die referenzielle Integrität hinausgehen
in Triggern formuliert. Ein Äquivalent für das UnivIS Beispiel aus Programmausdruck 4.1 ist
in Programmausdruck 6.9 dargestellt. Tigger können für eine Tabelle jeweils vor und hinter den
Operationen Ändern, Einfügen und Löschen deniert werden.
/* Eine Fehlermeldung denieren */
CREATE EXCEPTION PERSON_NEW_FORM_OLD 'Wollen Sie eine Person anlegen? Nutzen Sie die
Eingabemaske!';
/* Vor dem Einfuegen ueberpruefen. Der Vorname einer Person aendert sich in der Regel nicht. */
CREATE TRIGGER PERSONEN_BU FOR PERSONEN
ACTIVE BEFORE UPDATE POSITION 0
AS
BEGIN
IF (NEW.vorname != OLD.vorname) THEN EXCEPTION PERSON_NEW_FORM_OLD;
END
Programmausdruck 6.9: Beispiel: Trigger für die Tabelle Person
Anstatt die Integritätsbedingungen in beiden Systemen zu pegen, ist es auch möglich die Prüfung des jeweils anderen Systems zu benutzen. Einerseits können die bereits genannten UDFs
auch innerhalb eines Triggers aufgerufen werden, andererseits kann ein UnivIS Satzoperator
seine Aktion vom dem Gelingen der Operation auf der Replikationsdatenbank abhängig machen. Besonders sinnvoll wird dies wenn die Schemata der beiden Systeme stärker voneinander
abweichen. Operationen können dann mehrere Schritte umfassen und sollten in Transaktionen
zusammengefasst werden.
56
6.4 Schreibender Zugri
6.4.2 Zugrisrechte
Die Zugrisrechte werden als eigenständiger Datensatz im UnivIS verwaltet. Sie beziehen sich
auf Organisationen, welche der Nutzer bearbeiten darf. Diese Informationen müssen in die Replikationsdatenbank übernommen werden.
Benutzerverwaltung durch die Anwendung
Die gängigste Variante ist die Nutzerverwaltung durch die Anwendung, wie es auch bei UnivIS
der Fall ist. Die Authentizierung und die Beschränkung der Nutzer werden durch das Frontend erfüllt. Eine Umsetzung in die Replikationsdatenbank ist relativ einfach. Wie alle anderen
Daten, werden auch die Nutzer repliziert. Die Nutzerverwaltung des Datenbanksystems bleibt
ungenutzt, weshalb sich alle zugreifenden Systeme wiederum selbst um die Zugrisrechte kümmern müssen.
Der groÿe Vorteil ist die unabhängige und freie Implementierung. Dagegen ist ein direkter Zugri
auf die Datenbank praktisch unmöglich, da ihr gegenüber keine Authentizierung erfolgt.
Benutzerverwaltung durch die Datenbank
Der gröÿte Nachteil einer Benutzerverwaltung durch die Anwendung ist der unbeschränkte Zugri auf die Datenbanktabellen. Für eine transparente Zugriskontrolle wird die Benutzerverwaltung des Datenbanksystems benötigt, nur sie kann den Zugri bereits während einer Anfrage
einschränken.
Leider besitzen die meisten Datenbanksysteme nur sehr rudimentäre Möglichkeiten der Benutzerverwaltung. In der Regel können nur ganze Tabellen freigegeben werden, eine Kontrolle auf
Satzebene wie im UnivIS ist nicht vorgesehen.
Mischform
Um dieses Problem zu lösen, bietet sich eine Kombination beider Varianten an. Hierzu werden
alle UnivIS-Nutzer auch in der Benutzerverwaltung der Replikationsdatenbank angelegt. Zusätzlich werden diese Konten mit den UnivIS-Zugrisrechten verknüpft. Für deren Durchsetzung bis
auf Satzebene, muss der direkte Zugang zu den Daten beschränkt werden. Stattdessen erfolgt
der Zugri über Sichten, die Anfragen vor der Rückgabe beschränken.
Diese Lösung kombiniert die Sicherheit und Transparenz einer Authentizierung gegenüber der
Datenbank selbst, mit den Gestaltungsmöglichkeiten einer Benutzerverwaltung durch die Anwendung.
57
6 Lösungsvorschläge
6.5 Resümee
Die Umsetzung einer Replikationsdatenbank bringt viele Alternativen mit sich. Mit Blick auf die
Kosten und die UnivIS Nutzer, bieten sich die relationalen Datenbanksysteme Aufgrund ihrer
Verfügbarkeit und Verbreitung an.
Auch die Replikation zwischen UnivIS und Datenbanksystem kann auf unterschiedlichen Ebenen
ablaufen. Die Replikation auf Datenebene ist dabei zwar einfacher umzusetzen, bietet aber wenig
Raum für Verbesserungen und erstickt das Potential der Replikationsdatenbank. Im Gegensatz
dazu ist die Replikation auf der Funktionsebene schwieriger und aufwendiger in der Umsetzung,
dafür kann das Datenschema besser an die Replikationsdatenbank angepasst werden.
Im Zuge der Portierung des UnivIS-Datenschemas müssen einige der UnivIS Eigenheiten konzeptionell überarbeitet werden. Beispielsweise der Umgang mit der hierarchischen Struktur, welcher
in relationalen Datenbanken so nicht vorgesehen ist. Das Konzept der materialisierten Pfade ist
dabei ein guter Mittelweg zwischen intuitivem Umgang und schneller Verarbeitung. Gleiches
gilt auch für die Zuordnung zu den Semestern, die durch Zeitstempel ersetzt werden kann.
Groÿe Bedeutung hat auch die Normalisierung der Entitäten, speziell im Hinblick auf ein globales
Datenschema im Verbund der Systeme. Die Trennung relevanter Datensätze in Stammdaten
und systemspezische Informationen ermöglicht es im Bedarfsfall schnell die Rolle der MasterDatenbank zu übernehmen und damit die Bedeutsamkeit des UnivIS zu untermauern.
Schlieÿlich muss auch die Nutzerverwaltung der Replikationsdatenbank mit den UnivIS Zugrisrechten verknüpft werden um den Nutzern einen direkten Zugri auf die Daten zu ermöglichen.
58
7 Fazit
Die IT-Infrastruktur an Hochschulen besteht derzeit aus vielen unterschiedlichen Anwendungssystemen, die für einzelne Abteilungen spezialisierte Leistungen erbringen. Das UnivIS der
Friedrich-Alexander Universität Erlangen-Nürnberg stellt ein gröÿeres Informationssystem innerhalb dieser Gruppe dar. Es dient zur dezentralen Erfassung von Informationen aus Forschung
und Lehre und zur integrierten Lehrabwicklung. Durch die historische Entstehung haben sich
diese Systeme unabhängig und nebeneinander entwickelt. Ein Datenaustausch war ursprünglich
nicht vorgesehen, weshalb Daten heute oft mehrfach und in unterschiedlichen Formaten erfasst
werden müssen.
Die Entwicklung der Anwendungsdomänen mit immer höheren Erwartungen und die daraus
resultierenden Probleme in den Arbeitsabläufen erfordern eine immer umfangreichere Datenerfassung und einen Austausch zwischen den verschiedenen Systemen. Diese Problematik stellt
Forderungen an die Weiterentwicklung der Systeme, hin zu einem gröÿeren Verbund, mit dem
Ziel ein umfassendes Hochschulinformationssystem zu schaen. Durch diese neuen Zielsetzungen entstehen Herausforderungen für die bestehenden Systeme und stellen sie in Konkurrenz
zu anderen Produkten. Im Wesentlichen bleiben der Hochschulleitung zwei grundlegende Optionen. Entweder die Beschaung und Einführung eines groÿen monolithischen Gesamtsystems,
welches alle Aufgaben erfüllen kann, oder die Integration der bereits vorhandenen, heterogenen Systemlandschaft. Obwohl es von Anbietern immer wieder versprochen wird, kann man ein
so komplexes Informationssystem nicht von der Stange kaufen. Anschauliches Beispiel hierfür
sind die Universitätskliniken mit ihren Krankenhausinformationssystemen. Auch im Bereich der
Hochschulen scheint der Einsatz eines monolithischen Systems auf Grund der hohen Komplexität eher problematisch. Für eine Integration der etablierten Systeme in einen Verbund sprechen
deren Prozesskompetenz und die Vertrautheit der Anwender mit den Teilsystemen. Leider ist
die Umsetzung der Integration nicht ohne Schwierigkeiten.
Im Gegensatz zum Gesundheitswesen existieren noch keine anerkannten Standards, die für diesen Zweck herangezogen werden könnten. Damit ist eine prospektive Umsetzung eines konkreten
Integrationsverfahrens derzeit nicht möglich. Im Rahmen dieser Arbeit wird die generelle Integrationsfähigkeit des UnivIS untersucht und Problemstellen aufgezeigt. Diese nden sich sowohl
im technischen und vor allem auch im semantischen Bereich.
UnivIS ist eine Eigenentwicklung mit eigener Datenbank und eigenem Datenmodell. Es sind
keine standardisierten Schnittstellen für den Datenaustausch vorhanden und damit eine transparente Kopplung mit anderen Systemen oder der Einsatz einer Middleware praktisch nicht
möglich. Aufgrund dieser individuellen Strukturen ist es schwierig UnivIS in einen Integrationsprozess einzubinden und es besteht die Gefahr dass es ausgegrenzt oder sogar ersetzt wird. Um
UnivIS weiter nutzen zu können, ist es deshalb notwendig die Kommunikations- und Integrati-
59
7 Fazit
onsfähigkeit zu verbessern.
Dabei zeigen sich folgende Probleme: Die bestehende PRG-Schnittstelle ist nicht für den bidirektionalen Datenaustausch ausgelegt und nur mühsam nachzurüsten. Auch eine Erweiterung
des Systems um neue Schnittstellen ist Aufgrund des gewachsenen Designs problematisch. Es
fehlt an einer klaren Trennung der Programmschichten und zentralen Modulen für die Wahrung
der Zugrisrechte und der Datenintegrität. Dadurch ist eine direkte Nutzung von UnivIS Funktionalitäten nicht möglich und ein Umweg über die PRG-Schnittstelle bringt keinen Mehrwert.
Im Gegensatz dazu bieten moderne Datenbanksysteme ein breites Spektrum an Schnittstellen
und Integrationsmöglichkeiten. Aufgrund ihrer Anwendungs- und Datenneutralität werden sie in
vielen Systemen für die Datenhaltung eingesetzt. Die Datenebene des UnivIS kann auf ein Datenbanksystem umgestellt werden, was mit umfangreichen Arbeiten verbunden ist. Eine schrittweise
Migration kann diesen Aufwand in verträgliche Stücke aufteilen. Hierzu wird die Datenhaltung
durch Replikation in ein parallel zum UnivIS arbeitendes Datenbanksystem übernommen. Diese
Replikationsdatenbank kann dann stufenweise Teile der UnivIS Datenebene ersetzen und deren
Aufgaben übernehmen. Durch die Replikation in ein Datenbanksystem protiert das UnivIS von
den bereits genannten Vorteilen und es werden standardisierte Schnittstellen, sowie eine gute
Unterstützung für die Einbettung in Programmiersprachen zur Verfügung gestellt.
Dem UnivIS Kunden erlauben die hinzugewonnenen Möglichkeiten eine eektivere Weiterverwendung von UnivIS-Daten in anderen Systemen oder der Einsatz eines kundenspezischen
Integrationsverfahrens. Er ist nicht mehr auf den Einsatz eines monolithischen Informationssystems angewiesen und kann sich zugunsten der etablierten Lösungen für einen Integrationsprozess
entscheiden.
Für die Implementierung empehlt sich ein relationales Datenbanksystem. Diese sind ausgereift, frei verfügbar und weit verbreitet. Die Replikation muss mit der UnivIS-Datenhaltung
abgestimmt werden, dabei sind Änderungen am Datenschema nötig um es auf relationale Strukturen umsetzen zu können. Im Zuge dieser Arbeiten können bereits einige Hindernisse die einer
technischen und semantischen Integration im Wege stehen ausgeräumt werden. Hierzu zählen
beispielsweise die hierarchische Struktur der UnivIS Daten und die fehlende Normalisierung der
Datensätze.
Die Cong eG als Anbieter von UnivIS wird die beim Umbau gewonnenen Erkenntnisse für eine
kundenspezischere Betreuung nutzen können. Die Umstellung macht UnivIS auch exibler
und oener um künftige Standards ohne gröÿere Probleme in das System zu integrieren und als
Mehrwert dem Kunden zur Verfügung zu stellen.
60
Abkürzungsverzeichnis
ACID
Atomicity, Consistency, Isolation, Durability, Seite 6, 7
ADO
ActiveX Data Objects, Seite 8
API
Schnittstelle zur Anwendungsprogrammierung, [engl.] application programming interface, Seite 10
CAD
Computer Aided Design, Seite 7
CGI
Common Gateway Interface, Seite 24
CLI
Call level interface, Seite 8
DB
Datenbank, Seite 5
DBMS
Datenbankmanagementsystem, Seite 5
DBS
Datenbanksystem, Seite 5
DICOM
Digital Imaging and Communications in Medicine, Seite 17
DIN
Deutsches Institut für Normung e.V., Seite 21
DSC
Description, Seite 24
EKDS
Erlanger Kommunikationsdrehscheibe, Seite 16
FAU
Friedrich Alexander Universität Erlangen Nürnberg, Seite 1
HL7
Health Level 7, Seite 17
HL7 ADT
HL7 Nachrichtentyp: Admission Discharge and Transfer, Seite 17
HL7 DFT
HL7 Nachrichtentyp: Detailed Financial Transaction, Seite 17
HL7 ORM
HL7 Nachrichtentyp: Order Messages, Seite 17
HL7 ORU
HL7 Nachrichtentyp: Observation Report Unsolicited, Seite 17
HTML
Hypertext Markup Language, Seite 24
IEEE
Institute of Electrical and Electronics Engineers, Inc., Seite 21
IS
Informationssystem, Seite 8
IT
Informationstechnik, [engl.] Information Technology, Seite 22
61
Abkürzungsverzeichnis
JDBC
Java Database Connectivity, Seite 8
KDB
Kommunikationsdatenbank, Seite 16
KIS
Krankenhausinformationssystem, Seite 16
KS
Kommunikationsserver, Seite 16
MISC
Miscellaneous, Seite 25
ODBC
Open Database Connectivity, Seite 8
OMG
Object Management Group, Seite 7
PDF
Portable Document Format, Seite 26
PRG
Programmierschnittstelle, Seite 26
RDBMS
Relationales Datenbankmanagmentsystem, Seite 40
SOAP
Simple Object Access Protocol, Seite 14
SQL
[ugs.] Structured Query Language, Seite 17
UDDI
Universal Description, Discovery and Integration, Seite 15
UDF
User Dened Functions, Seite 48
UnivIS
Universitäts-Informationssystem, Seite 20
UPX
UniPlex, Seite 24
WAP
Wireless Application Protocol, Seite 24
WML
Wireless Markup Language, Seite 24
WSDL
Web Services Description Language, Seite 14
WWW
World Wide Web, Seite 14
XML
Extensible Markup Language, Seite 7
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10 Jahre Erlanger Kommunikationsdrehscheibe - der Weg zu einer zukunftssicheren Integrationsplattform. Version: 09.08.2005. http://www.egms.de/en/meetings/
gmds2005/05gmds387.shtml, Abruf: 08.02.2006. Konferenz Abstract
65
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