DE DE - Europa

DE DE - Europa
ENTSCHEIDUNG DER KOMMISSION
vom 16. Juli 2003
in einem Verfahren nach Artikel 82 EG-Vertrag
(COMP/38.233 — Wanadoo Interactive)
(Nur der französische Text ist verbindlich)
In der veröffentlichten Version dieser Entscheidung wurden bestimmte Informationen gem.
Art. 20(2) und Art. 21(2) der Ratsverordnung (EWG) Nr. 17/62 über die Nichtveröffentlichung von Geschäftsgeheimnissen und anderen vertraulichen Informationen ausgelassen.
Die Auslassungen sind durch Klammern […] gekennzeichnet. Soweit möglich wurden
die ausgelassenen Informationen durch eine Bandbreite/Bereichsangabe von Zahlen oder
eine allgemeine Beschreibung ersetzt.
DIE KOMMISSION DER EUROPÄISCHEN GEMEINSCHAFTEN gestützt auf den Vertrag zur Gründung der Europäischen Gemeinschaft,
gestützt auf die Verordnung Nr. 17 des Rates vom 6. Februar 1962 — Erste
Durchführungsverordnung zu den Artikeln 85 und 86 des Vertrags1, zuletzt geändert durch
die Verordnung (EG) Nr. 1216/19992, insbesondere auf Artikel 15 Absatz 2,
gestützt auf den Beschluss der Kommission vom 27. Juli 1999, eine Untersuchung der
Telekommunikationsbranche einzuleiten,
gestützt auf den Beschluss der Kommission vom 19. Dezember 2001, ein Verfahren in dieser
Sache einzuleiten,
nachdem den betroffenen Unternehmen Gelegenheit gegeben wurde, sich nach Artikel 19
Absatz 1 der Verordnung Nr. 17 des Rates und der Verordnung (EG) Nr. 2842/98 der
Kommission vom 22. Dezember 1998 über die Anhörung in bestimmten Verfahren nach
Artikel 81 und 823 zu den von der Kommission in Betracht gezogenen Beschwerdepunkten zu
äußern,
nach Stellungnahme des Beratenden Ausschusses für Kartell- und Monopolfragen,
in Kenntnis des Abschlussberichts des Anhörungsbeauftragten in dieser Sache,
in Erwägung nachstehender Gründe:
1
2
3
DE
ABl. Nr. 13 vom 21.2.1963, S. 204/62.
ABl. L 148 vom 15.6.1999, S. 5.
ABl. L 354 vom 30.12.1998, S. 18.
-1-
DE
I. SACHVERHALT
A. Einleitung.......................................................................................................................... 6
B. Das betroffene Unternehmen ............................................................................................. 7
C. Die betroffenen Dienste..................................................................................................... 9
1.
Einleitung: Der Internetzugang in Frankreich ........................................................... 9
2.
Die betroffenen Dienste: Breitband-Internetzugang für Privatkunden ....................... 9
D. Die ADSL-Produkte von Wanadoo Interactive für die Breite Öffentlichkeit und die darauf
entfallenden Erträge ............................................................................................... 11
1.
Wanadoo ADSL und eXtense................................................................................. 11
2.
Gesamt- und Einheitserträge der Produkte Wanadoo ADSL und eXtense ............... 12
1. Gesamtertrag der Dienste im Jahr 2001 ............................................................................ 12
2. Der theoretische Einheitsertrag pro Anschluss.................................................................. 13
3. Der festgestellte durchschnittliche Einheitsertrag pro Anschluss ...................................... 13
4. Erträge aus Inhalten ......................................................................................................... 15
E. Bei Wanadoo Interactive anfallende Kosten..................................................................... 16
1.
In der Analyse berücksichtigter Kostenumfang....................................................... 16
2.
Die Netzkosten....................................................................................................... 17
1. Die Zugangskosten........................................................................................................... 18
2. Die Kosten für den Routing-Dienst .................................................................................. 18
3. Die Kosten für die internationale Anbindung.................................................................... 20
4. […] im Jahr 2001 erhaltene Preisnachlässe ...................................................................... 21
3.
Die Kosten für Akquisition und Kundengewinnung................................................ 21
1. Werbung, Marketing und Verkaufsförderung ................................................................... 22
2. Die Kosten der Verkaufsorganisation ............................................................................... 23
3. Die Gebühren für den Anschluss...................................................................................... 24
4.
Die andere Produktionskosten ................................................................................ 24
F. Das Ausmass der Kostendeckung durch die Erlöse .......................................................... 24
1.
Die Deckung der Vollkosten eines kurzen Zeitraums.............................................. 25
2.
Die tatsächliche Deckung der aufgeschlüsselten Kosten......................................... 25
1. Deckung der variablen Stückkosten.................................................................................. 27
2. Deckung der variablen Stückvollkosten............................................................................ 28
DE
-2-
DE
3.
Analyse anhand aufeinander folgender Generationen von neuen Teilnehmern ........ 29
1. Analyse der ausschließlich für die neuen Generationen von Teilnehmern aufgeschlüsselten
Kosten.................................................................................................................... 29
2. Ungültigkeit einer DCF-Analyse im vorliegenden Fall ..................................................... 30
4.
Die ex ante vorhersehbare Deckung der aufgeschlüsselten Kosten.......................... 32
5.
Schlussfolgerungen zur Kostendeckung.................................................................. 34
G. Unternehmensinterne Unterlagen, die auf eine Strategie zur Vereinnahmung des
Breitbandmarktes hinweisen................................................................................... 35
1.
Die Formulierung der Absicht, den Breitbandmarkt zu vereinnahmen .................... 35
2.
Unternehmensinterne Überlegungen von Wanadoo Interactive zur Preisgestaltung
und zu den wirtschaftlichen und finanziellen Auswirkungen der Entwicklung seiner
ADSL-Dienste........................................................................................................ 37
3.
Die Kenntnisse von Wanadoo Interactive über die rechtlichen Risiken ................... 40
4.
Elemente, die auf eine Strategie der Einschränkung und Verdrängung der
Wettbewerber hinweisen ........................................................................................ 41
H. Das Verfahren ................................................................................................................. 44
1.
Verlauf des Verfahrens........................................................................................... 44
2.
Akteneinsicht ......................................................................................................... 46
3.
Einwände von Wanadoo Interactive gegen das Schreiben der Kommission vom 16.
Januar 2002............................................................................................................ 48
A. Artikel 82 EG-Vertrag..................................................................................................... 49
B. Der relevante Markt......................................................................................................... 49
1.
Der Dienstleistungsmarkt ....................................................................................... 49
1. Einleitung ........................................................................................................................ 49
2. Unterschiedliche Verwendungszwecke ............................................................................ 51
3. Technische Besonderheiten und Leistungsmerkmale ........................................................ 53
4. Preisunterschiede der Dienste und Ertragsunterschiede pro Teilnehmer............................ 56
5. Würdigung des Ausmaßes der Substituierbarkeit.............................................................. 57
6. Schlussfolgerung zum Dienstleistungsmarkt .................................................................... 61
2.
Der geografische Markt.......................................................................................... 62
C. Die beherrschende Stellung ............................................................................................. 62
DE
1.
Allgemeine Aspekte ............................................................................................... 62
2.
Die Marktanteile .................................................................................................... 63
-3-
DE
3.
Die Verbindung mit France Télécom...................................................................... 68
1. Die Synergieeffekte in einem großen Konzern ................................................................. 70
2. Technische Unterstützung ................................................................................................ 70
3. Die kommerzielle Unterstützung ...................................................................................... 72
4. Die logistische und finanzielle Unterstützung................................................................... 74
4.
Die Stellung von Wanadoo Interactive auf dem Markt für die Herausgabe von
Telefonbüchern ...................................................................................................... 75
5.
Schlussfolgerungen ................................................................................................ 77
D. Der Missbrauch der beherrschenden Stellung .................................................................. 77
6.
Vorliegen des Tatbestandes des Missbrauchs aufgrund nicht kostendeckender Preise
im Rahmen eines Plans zur Vereinnahmung des Marktes ....................................... 77
1. Die Deckung der Kosten .................................................................................................. 77
2. Einwände des Unternehmens gegen die Auslegung seiner Preispolitik ............................. 79
3. Die Absicht, die Wettbewerber zu verdrängen.................................................................. 81
a) Der Plan zur Vereinnahmung des Markts ......................................................................... 81
b) Die Wahl einer Strategie in Hinblick auf Preise und Mengen, mit der die Wettbewerber
nicht Schritt halten können ..................................................................................... 81
c) Der Hintergrund der allgemeinen Strategie des France-Télécom-Konzerns in Hinblick auf
den Wettbewerb auf dem Breitbandmarkt............................................................... 85
4. Von Wanadoo Interactive mit seiner Vereinnahmungsstrategie verfolgte Ziele ................ 87
5. Schlussfolgerungen über die Vereinnahmungsabsicht....................................................... 90
2.
Anwendbarkeit des Begriffs der Verdrängung in einem Sektor mit starkem
Wachstum .............................................................................................................. 90
3.
Fehlen einer objektiven Rechtfertigung für die Festsetzung von nicht
kostendeckenden Preisen........................................................................................ 92
1. Größen- und Lerneffekte.................................................................................................. 92
2. Fehlen einer Rechtfertigung für positive Externalitäten .................................................... 93
3. Das Argument der Anpassung an die Preise der Wettbewerber......................................... 94
4.
Wahrscheinlichkeit eines Ausgleichs der Verluste.................................................. 99
1. Behinderungen für die Mobilität der bestehenden Teilnehmer........................................ 102
2. Die Kosten für den Einstieg und die Erreichung einer kritischen Größe auf einem
Massenmarkt........................................................................................................ 103
3. Kosten der Alternativen zum Weiterverkaufsangebot der France Télécom für die
Zugangsanbieter................................................................................................... 108
DE
-4-
DE
4. Wiederherstellung und Anstieg der Handelsspannen von Wanadoo Interactive als Zeichen
für die Wahrscheinlichkeit des dauerhaften Ausgleichs der anfänglichen Verluste 109
5. Schlussfolgerung zur Wahrscheinlichkeit eines Ausgleichs der Verluste ........................ 110
5.
Schlussfolgerung zum Missbrauch ....................................................................... 110
E. Auswirkungen des Missbrauchs auf den Wettbewerb..................................................... 111
1.
Folgen der von Wanadoo Interactive verfolgten Strategie für den Markt in den Jahren
2001 und 2002...................................................................................................... 111
a) Entwicklung der Marktanteile und der Wachstumsraten................................................. 111
b) Interpretation der auf dem Markt festgestellten Entwicklungen...................................... 113
2.
Auswirkungen am Ende des Missbrauchs und mittelfristige Folgen...................... 116
F. Auswirkungen auf den Handel zwischen Mitgliedstaaten............................................... 118
G. Artikel 3 der Verordnung Nr. 17.................................................................................... 118
H. Artikel 15 der Verordnung Nr. 17.................................................................................. 119
1.
Schwere des Verstoßes......................................................................................... 120
1. Art des Verstoßes........................................................................................................... 120
2. Auswirkungen auf den Markt ......................................................................................... 120
3. Umfang des betreffenden geografischen Marktes ........................................................... 120
4. Schlussfolgerungen zur Schwere des Verstoßes.............................................................. 121
DE
2.
Dauer des Verstoßes............................................................................................. 121
3.
Mildernde oder erschwerende Umstände .............................................................. 122
-5-
DE
I. SACHVERHALT
A. EINLEITUNG
1. Die Entwicklung des Breitband-Internetzugangs stellt ein Schlüsselelement in der
Vorbereitung Europas auf die Informationsgesellschaft dar. Durch die damit
verbundene Schnelligkeit, Leichtigkeit und Nutzerfreundlichkeit bei der Verwendung
des Internet sowie durch die Erweiterung der möglichen Anwendungen und
Verwendungszwecke trägt der Breitband-Internetzugang insbesondere zur
Entwicklung des elektronischen Handels und zur Entstehung neuer Arten der
Verbreitung von Inhalten auf elektronischem Weg bei, wodurch er eine wirtschaftliche
und strategische Dimension von höchster Bedeutung erlangt. Die Verbreitung des
Breitband-Internetzugangs in Europa hängt weitgehend vom Ausbau der digitalen
Teilnehmeranschlussleitungen („digital subscriber line“ oder DSL) in den Ortsnetzen
der etablierten Betreiber ab. Diese Teilnehmeranschlüsse, über die die Endnutzer an
das allgemeine Telekommunikationsnetz angeschlossen sind, werden als
Ortsanschlussnetz (local loop) bezeichnet. Die Entwicklung von DSL-Diensten auf
kommerzieller Basis hat in Europa erst im Jahr 1999 richtig eingesetzt.
2. In diesem Zusammenhang hat die Kommission im Juli 1999 die Einleitung einer
Untersuchung der Telekommunikationsbranche aufgrund ihrer Befugnisse gemäß
Artikel 12 Absatz 1 der Verordnung Nr. 174 beschlossen, von der eine Phase der
Bereitstellung des Zugangs zum Ortsanschlussnetz und der Verwendung desselben
durch Privatkunden gewidmet ist. Die Ziele dieser Untersuchung bestanden
insbesondere darin, nach Beweisen für eine wettbewerbswidrige Gestaltung der Preise
für die das Ortsanschlussnetz verwendenden Dienste, für Beschränkungen zum
Marktzugang sowie für Verdrängungspreise zu suchen.
3. Im Rahmen dieser Branchenuntersuchung und aufgrund der beim Unternehmen
France Télécom und dessen Tochtergesellschaft Wanadoo Interactive eingeholten
Informationen sowie der Tatsachen, über die verschiedene andere Anbieter von
Internetdiensten neben Wanadoo Interactive berichtet hatten, sah sich die Kommission
veranlasst, die Tarifgestaltung von Wanadoo Interactive für die Bereitstellung des
Breitband-Internetzugangs für Privatkunden in Frankreich eingehend zu prüfen. Zu
diesem Zweck hat die Kommission im September 2001 ein Verfahren von Amts
wegen eingeleitet. Sie ergänzte ihre Untersuchung durch mehrere Auskunftsverlangen,
die sowohl an France Télécom und Wanadoo Interactive als auch an deren
Wettbewerber gerichtet waren, sowie durch eine im April 2002 in den Räumlichkeiten
des Unternehmens durchgeführte Nachprüfung. Die Kommission sandte Wanadoo
Interactive zunächst am 19. Dezember 2001 und dann am 9. August 2002
Mitteilungen von Beschwerdepunkten, zu denen Wanadoo Interactive am
4. März 2002 bzw. am 23. Oktober 2002 Stellung nahm.
4. Der in dieser Entscheidung behandelte Zeitraum erstreckt sich von März 2001 bis
Oktober 2002. Genau in dieser Zeit kam es in Frankreich zu einem wesentlichen
Aufschwung bei den Hochgeschwindigkeitsanbindungen. In weniger als zwei Jahren
4
DE
Entscheidung K(99)2435 vom 27. Juli 1999.
-6-
DE
stieg die Anzahl der Nutzer von Breitband-Internetzugängen von ungefähr 200 000
auf mehr als eine Million, d. h. auf das Fünffache. Dieses Wachstum kam im
Wesentlichen Wanadoo Interactive, Tochtergesellschaft der Gruppe France Télécom,
zugute, deren Marktanteil am Ende des Zeitraums mehr als [70-80]* % betrug.
5. Die im Folgenden dargelegten Fakten beziehen sich darauf, dass die Preise für die
Breitband-Internetzugangsdienste von Wanadoo Interactive vom März 2001 bis
Oktober 2002 nicht kostendeckend waren. Diese Tarifgebarung betraf die beiden
Breitbandprodukte Wanadoo ADSL und eXtense von Wanadoo Interactive für
Privatkunden, die beide auf der ADSL5-Technologie, einer Variante von DSL,6
beruhen. Die folgenden Darlegungen umfassen eine eingehende Analyse der Erlöse
und Kosten der beiden fraglichen Dienste und stellen die Methode vor, mit der die
Kommission prüfte, ob die angewandten Preise vorbehaltlich der folgenden
rechtlichen Analyse als unlauter erachtet werden können. Weiters wird auch eine
Reihe von anlässlich der Nachprüfung im Unternehmen erhobenen Fakten dargelegt,
die die unternehmensinternen Überlegungen von Wanadoo Interactive über die
Preisgestaltung sowie seine strategische Ausrichtung in Hinblick auf die
Breitbandtechnologie widerspiegeln.
B. DAS BETROFFENE UNTERNEHMEN
6. Wanadoo Interactive ist eine Tochtergesellschaft der Gruppe France Télécom. Ihr
Kapital steht zu 99,9 % im Eigentum der Wanadoo S.A. Während des
Untersuchungszeitraums dieser Entscheidung schwankte die Beteiligung von France
Télécom am Kapital der Wanadoo S.A. zwischen 70 % und 72 %. France Télécom
wiederum gehört zu 56 % dem französischen Staat. Bis Anfang 2001 hieß Wanadoo
Interactive „France Télécom Interactive“7. Die Unternehmensgruppe der Wanadoo
S.A. und ihrer Töchter (im Folgenden: „die Wanadoo-Gruppe“) betreut alle InternetAktivitäten des France-Télécom-Konzerns sowie alle Aktivitäten im Zusammenhang
mit der Herausgabe von Telefonbüchern. Das Diensteangebot der Gruppe umfasst
somit den Internetzugang, allgemeine sowie themenspezifische Portale, elektronischen
Handel, gedruckte Telefonbücher, Minitel und Internet sowie Internetdienste für
Unternehmen. Innerhalb der Unternehmensgruppe trägt Wanadoo Interactive die
operative und technische Verantwortung in Verbindung mit den Internetdiensten in
Frankreich, einschließlich der ADSL-Dienste, die Gegenstand dieser Entscheidung
sind.
7. Grundsätzlich fallen die Aktivitäten der Wanadoo-Gruppe in zwei große Bereiche: den
Bereich Internetzugang, Portale und elektronischer Handel einerseits und den Bereich
Telefonbücher und Dienstleistungen für Unternehmen andererseits. Von 2000 bis
2002 kam es zu einem besonders dynamischen Wachstum der Umsätze von Wanadoo
5
6
7
DE
Abkürzung für "Assymetric Digital Subscriber Line".
ADSL ist eine Technologie zur Digitalisierung von Telefonanschlussleitungen unter Verwendung von
Frequenzbändern oberhalb der Telefonfrequenzen, die über doppeladrige Kupferkabeln übertragen
werden können. Die normale Telefonie benötigt eine Bandbreite von mehreren Kilohertz. Die
Installation eines Modems und eines ADSL-Filters an den Enden des Kupferkabels ermöglicht die
Nutzung von Frequenzen zwischen 20 Kilohertz und über 1 Megahertz. Die auf diese Weise verbesserte
Leitung erlaubt einen bidirektionalen Datentransfer von mehreren Hunderten Kilobit/s bis zu mehreren
Megabits/s bei gleichzeitiger Verwendung des Telefons.
Im Folgenden wird das Unternehmen jedoch der Einfachheit halber und unabhängig davon, um welchen
Zeitraum es geht, immer als „Wanadoo Interactive“ bezeichnet.
-7-
DE
im ersten Bereich, was vor allem auf zwei Faktoren zurückzuführen ist: auf die stark
zunehmende Anzahl aktiver Teilnehmer und die steigenden Erträge pro
Teilnehmeranschluss infolge der Entwicklung des Angebots bei den BreitbandInternetzugängen.
8. Im Jahr 2000 erwirtschaftete die Wanadoo-Gruppe einen konsolidierten Pro-formaUmsatz in Höhe von 1 111 Mio. EUR, ein EBITDA8 von –66,4 Mio. EUR und ein
konsolidiertes Nettoergebnis von –102 Mio. EUR.9 Der Bereich der Telefonbücher
und Dienstleistungen für Unternehmen erzielte im Jahr 2000 einen Umsatz von über
741 Mio. EUR, d. h. mehr als zwei Drittel des konsolidierten Umsatzes der Wanadoo
S.A. und ihrer Tochtergesellschaften10. Der Ertrag im Bereich Internetzugang, Portale
und elektronischer Handel betrug 370 Mio. EUR. Der Umsatz der Sparte
Internetzugang allein machte 22 % des konsolidierten Gesamtumsatzes aus.11
Während der Bereich Internetzugang, Portale und elektronischer Handel ein negatives
EBITDA in Höhe von 285 EUR verzeichnete, erzielte der Bereich Telefonbücher und
Dienstleistungen für Unternehmen ein positives EBITDA von über 225 Mio. EUR.
9. Die Wanadoo-Gruppe erreichte ein Betriebsergebnis vor Abschreibungen von
-63,534 Mio. EUR 2001 und von +28,5 Mio. EUR im ersten Halbjahr 2002. Das
konsolidierte Nettoergebnis für diese beiden Zeiträume betrug -193,2 Mio. EUR bzw.
-38,5 Mio. EUR. Der Beitrag der beiden großen Aktivitätsbereiche lässt sich kurz wie
folgt beschreiben: Mit ihren Internet-Aktivitäten erzielte die Gruppe 2001
715 Mio. EUR und im ersten Halbjahr 2002 516 Mio. EUR Umsatz (d. h. 45 % des
Gesamtumsatzes). Das Betriebsergebnis für dieses Segment betrug in diesen beiden
Zeiträumen -359 Mio. EUR bzw. -112 Mio. EUR. Mit Telefonbüchern und
Dienstleistungen für Unternehmen erwirtschaftete die Gruppe 2001 einen Umsatz von
848 Mio. EUR (54 % des Gesamtumsatzes) und 401 Mio. EUR (43 % des
Gesamtumsatzes) im ersten Halbjahr 2002. Das Betriebsergebnis dieses Segments
betrug in diesen Zeiträumen 218 Mio. EUR bzw. 125 Mio. EUR.
10. Der konsolidierte Jahresabschluss von Wanadoo hat sowohl für 2000 als auch für
2001 erhebliche Verluste ergeben, zumal mit den Gewinnen aus dem zweiten
Aktivitätsbereich die beträchtlichen Verluste, die im ersten Segment verzeichnet
wurden, nicht vollständig ausgeglichen werden konnten. Im ersten Halbjahr 2002
gelang es der Wanadoo-Gruppe, aufgrund einer Verbesserung der
Vermarktungsbedingungen bei den Internet-Aktivitäten ein ausgeglichenes
Betriebsergebnis zu erreichen.
11. Die von dieser Entscheidung betroffene Tochtergesellschaft Wanadoo Interactive, die
auf Internetzugangsdienste in Frankreich spezialisiert ist, erwirtschaftete 2001 einen
Umsatz in Höhe von 402 Mio. EUR, ein Betriebsergebnis von -92 Mio. EUR (d. h.
-23 % des Umsatzes) und ein Nettoergebnis von –89 Mio. EUR. Im ersten Halbjahr
2002 betrug ihr Umsatz 305 Mio. EUR, das Betriebsergebnis 31 Mio. EUR und das
Nettoergebnis 26 Mio. EUR.
8
9
10
11
DE
Betriebsergebnis vor Abschreibungen und Rückstellungen.
Die Daten zu diesem Geschäftsjahr wurden dem Jahresbericht 2000 von Wanadoo entnommen.
Allein die Werbeeinnahmen über den Datenträger Papier betrugen mehr als 558 Mio. EUR, d. h. die
Hälfte des Gesamtumsatzes.
Mit Erlösen von ungefähr 250 Mio. EUR.
-8-
DE
12. Am 30. Juni 2001 zählte Wanadoo Interactive in Frankreich 2,33 Mio. aktive InternetTeilnehmer, und Freeserve, die Anfang desselben Jahres erworbene britische
Tochtergesellschaft der Wanadoo-Gruppe, 2,03 Mio. im Vereinigten Königreich.
Wanadoo hatte am 1. Januar 2002 mehr als sechs Millionen und im September 2002
mehr als sieben Millionen Kunden in Europa.
C. DIE BETROFFENEN DIENSTE
1.
Einleitung: Der Internetzugang in Frankreich
13. Internetdienste bestehen darin, dass ein Provider es ermöglicht, über einen Terminal
eine Verbindung mit dem Internet aufzubauen und so eine breite Palette von Diensten
wie Navigation, E-Mail, Herunterladen von Dokumenten und Software, Verwaltung
eigener Websites, Aktivitäten in Nutzergruppen etc. zu nutzen. In den meisten Fällen
sind die Teilnehmer entweder über eine Telefonleitung12, über Kabel — in Gebieten,
die über Kabelnetze verfügen — oder schließlich über eine eigene Standleitung mit
ihrem Zugangsanbieter verbunden. Während des von dieser Entscheidung erfassten
Zeitraums spielte der Internetzugang über mobile Endgeräte13 eine unbedeutende
Rolle, was sich bis heute nicht geändert hat.
14. Im ersten Halbjahr 2001 wurde die Zahl der Internetanschlüsse in Frankreich auf mehr
als 6,1 Mio. geschätzt. Am 31. März 2002 war sie auf 7,72 Mio., d. h. um 29 %
gestiegen. Am 30. September 2002 wurden in Frankreich mehr als 8,46 Mio. aktive
Internet-Teilnehmer gezählt.14
2.
Die betroffenen Dienste: Breitband-Internetzugang für Privatkunden
15. Der Breitband-Internetzugang ist eine besondere Art des Internetzugangs. Er setzt die
Beherrschung der Zugangsarten für schnellen Datenverkehr voraus. Die spezifischen
Besonderheiten des „Schmalband-“ und des „Breitband-Internetzugangs“ sind sowohl
von den Anbietern als auch den Nutzern der Dienste genau definiert.
16. Der Breitband-Internetzugang ist vor allem dadurch gekennzeichnet, dass er im
Vergleich zum traditionellen Internetzugang eindeutig nutzerfreundlicher ist, was
insbesondere auf Folgendes zurückzuführen ist:
- Die Upstream- und die Downstream-Geschwindigkeiten sind wesentlich höher als
bei Schmalband-Internetzugängen.
12
13
14
DE
Es wurden keine systematischen Erhebungen durchgeführt. Auf der Grundlage der vom französischen
Providerverband AFA oder der französischen Regulierungsbehörde ART veröffentlichten Zahlen kann
man davon ausgehen, dass am Ende des ersten Quartals 2001 mehr als 95 % aller Internet-Zugänge von
Privatkunden nach wie vor über Telefonleitungen erfolgten.
WAP-Dienste auf GSM-Netzen.
Quelle: Association des fournisseurs d’accès à Internet (AFA), Zahlen vom 30. Juni 2001,
31. März 2002 und 30. September 2002.
-9-
DE
- Man kann ständig online sein und ein und dieselbe Leitung auch für
Telefongespräche oder andere Arten der Kommunikation (z. B. Fax) nutzen, ohne
dabei die Verbindung mit dem Internet zu unterbrechen.15
17. Aus praktischer Sicht gibt es für private Nutzer derzeit zwei Möglichkeiten16, eine
schnelle Internetverbindung zu bekommen, deren Leistungsunterschiede kaum
erkennbar sind, die jedoch unterschiedliche technische Erfordernisse haben:
- entweder über eine Telefonleitung, die für die Anforderungen der ADSLTechnologie mit der entsprechenden Ausrüstung (Modem, Filter) zur Trennung der
Frequenzbereiche für Sprache und Daten ausgestattet ist, um vor allem die
gleichzeitige Nutzung von Telefon und Internet zu gewährleisten. Die Leistung ist
umso besser, je kürzer die Entfernung zwischen den Räumlichkeiten des Teilnehmers
und der Vermittlungsstelle ist, wo sich der Multiplexer des Providers befindet;17
- oder über ein mit einem Modem ausgestattetes Kabel, das an ein Kabelnetz
angeschlossen ist. Aufgrund der „Kaskadenarchitektur“ der Kabelnetze können bei
gleichzeitiger Nutzung durch viele Teilnehmer in ein und demselben geografischen
Gebiet Probleme durch Überlastung auftreten.
In beiden Fällen berücksichtigen die Provider in ihren Angeboten die mit der
jeweiligen Zugangstechnologie verbundenen Risiken sowohl in Hinblick auf ihre
Zusagen bezüglich der Übertragungsrate als auch der Verfügbarkeit des Dienstes.18
Obwohl die Übertragungsraten nicht immer absolut garantiert sind, verpflichteten
sich die Provider in dem von dieser Entscheidung erfassten Zeitraum zu einer
Übertragungsgeschwindigkeit von 512 kbit/s downstream (vom Netz zum
Teilnehmer) und von 128 kbit/s upstream (vom Teilnehmer zum Netz).
18. Für einen Breitband-Internetzugang benötigt der Privatkunde eine Telefonleitung oder
ein Anschlusskabel mit der entsprechenden Ausrüstung für einen Breitbandzugang,
sowie einen Vertrag mit einem Internetzugangsanbieter, der ihm den Zugang zu
Inhalten im Internet erlaubt. Der Kunde hat die Möglichkeit, den Vertrag für den
Breitbandanschluss — z. B. mit France Télécom oder einem Netzbetreiber — und den
Vertrag für den Internetzugang mit einem spezifischen Provider getrennt
abzuschließen. Diese Trennung ermöglicht ihm auch die Kündigung des Vertrags mit
einem der beiden Unternehmen nach seinem Gutdünken. Im Gegensatz dazu ist es
aber auch möglich, dass es der Kunde vorzieht, mit einem einzigen Vertragspartner
einen Vertrag sowohl über den Breitbandzugang als auch den Internetdienst selbst
abzuschließen.
15
16
17
18
DE
Umgekehrt ist bei Schmalband-Internetzugängen jedesmal der Aufbau einer eigenen Verbindung
erforderlich, bei der der Nutzer nicht gleichzeitig auf derselben Leitung Telefonanrufe empfangen oder
tätigen kann.
Zu diesen beiden technischen Möglichkeiten kommen im Breitbandsegment für Unternehmen die
Glasfasertechnologie und die Standleitungen dazu. Drahtlose Teilnehmeranschlüsse oder Satelliten
scheinen derzeit noch nicht die geeigneten Technologien zu sein, die sich bei einem breiten Publikum
rasch durchsetzen könnten.
Aufgrund der geteilten Nutzung bestimmter Infrastrukturen für die Datenkonzentration durch die
Teilnehmer kann es zu Problemen durch Überlastung kommen, wie in […] erklärt wird.
Im Vergleich zur ADSL-Technologie stellen die Breitband-Internetzugänge mit Kabelmodem —
zumindest für sehr starke Nutzer — eine etwas weniger attraktive Lösung dar, da über einen
bestimmten monatlichen Datenverkehr (oder eine bestimmte monatliche Verbindungsdauer) hinaus
häufig ein Zuschlag verrechnet wird.
- 10 -
DE
19. Unter den Marktteilnehmern nimmt France Télécom als Betreiber des lokalen
Telefonanschlussnetzes, des so genannten Teilnehmeranschlussnetzes, eine besondere
Stellung ein. Der etablierte Telekommunikationsanbieter vertreibt jedoch nur die
Komponente „Breitbandanschluss“ und überlässt Wanadoo Interactive das Geschäft
mit Internetzugängen, Portalen und Inhalten. France Télécom bietet seit Ende 1999
unter dem Namen Netissimo 1 einen ADSL-Dienst für Privatkunden an. Die Kunden
von France Télécom, die sich für den Dienst Netissimo 1 angemeldet haben, haben die
Möglichkeit, sich für den Zugang zu den Internet-Inhalten für einen Provider ihrer
Wahl zu entscheiden.
20. Die wichtigsten Anbieter von Breitband-Internetzugängen unter Verwendung der
ADSL-Technologie waren in dem von dieser Entscheidung erfassten Zeitraum
Wanadoo Interactive, Club Internet (T-Online France), Nerim, Easynet, Mangoosta19,
Infonie20, Tiscali-Liberty Surf und 9Online. Die ersten Angebote dieser Unternehmen
wurden ganz am Ende des Jahres 1999 gemacht.
21. Die wichtigsten Kabelnetzbetreiber, die Breitband-Internetzugänge anbieten, sind Est
Vidéocommunication, France Télécom Câble, eine Tochtergesellschaft der France
Télécom, die die technische Unterstützung für das Angebot Câble Wanadoo
gewährleistet, NC Numéricâble, Noos und UPC France. Bei allen diesen Betreibern ist
der Vertrieb des eigentlichen Internetzugangs mit dem des Breitbandanschlusses
verbunden. Die Kunden von Noos beziehen auch den Internetdienst des
Unternehmens, diejenigen von UPC den Internetdienst von Chello, diejenigen von NC
Numéricâble den Internetdienst von AOL und diejenigen von Télécom Câble den
Internetdienst von Wanadoo Interactive. Historisch betrachtet, begann der Vertrieb des
Internetzugangs über Kabelmodem Ende 1997.
D. DIE ADSL-PRODUKTE VON WANADOO INTERACTIVE FÜR DIE BREITE
ÖFFENTLICHKEIT UND DIE DARAUF ENTFALLENDEN ERTRÄGE
22. Wanadoo Interactive bietet sowohl Breitband-Internetzugang über ADSL als auch
Internetzugangsdienste über Kabel an. Letztere, die unter der Marke Wanadoo Câble
vertrieben werden, sind nicht Gegenstand dieser Entscheidung, die ausschließlich die
Dienste Wanadoo ADSL und eXtense betrifft.
1.
Wanadoo ADSL und eXtense
23. Wanadoo Interactive hat Ende 1999 damit begonnen, unter seiner eigenen Marke
Breitband-Internetzugänge bereitzustellen. Bis Januar 2001 bot das Unternehmen als
eigenen Breitbanddienst lediglich unter der Bezeichnung „Wanadoo ADSL“ einen
Zusatz zum Dienst Netissimo 1 von France Télécom (d. h. die Bereitstellung einer
ADSL-Leitung) an. In dieser Kombination muss der Teilnehmer von Wanadoo ADSL
demnach monatlich für den Anschluss bei France Télécom gemäß den bezogenen
Leistungen21, für die Miete des ADSL-Modems bei France Télécom sowie für die für
19
20
21
DE
Das Unternehmen wurde im August 2001 von Nerim übernommen.
Der Geschäftsbereich Internetzugang von Infonie wurde am 23. November 2001 von Liberty Surf
übernommen.
Der Endverbraucherpreis für die von France Télécom bereitgestellte Leistung sank von 30,18 EUR inkl.
Steuern Anfang 2001 auf 25 EUR inkl. Steuern ab Oktober 2002.
- 11 -
DE
die Bereitstellung des Internetzugangs durch Wanadoo Interactive (d. h. 135 FRF bzw.
20,58 EUR inkl. Steuern pro Monat) bezahlen.
24. Dieses erste Angebot wurde durch ein so genanntes „Paketangebot“ ergänzt, das
Wanadoo Interactive seit 8. Januar 2001 im Programm hat und das auf denselben
Kundenkreis abzielt. Seither vertreibt Wanadoo Interactive unter dem Namen
„eXtense“22 oder „kit eXtense“ den Dienst Netissimo 1 von France Télécom in
Kombination mit einem unbegrenzten Internetzugang für eine Monatsgebühr von
298 FRF bzw. 45,42 EUR inkl. Steuern. Bei dieser Lösung benötigt der Teilnehmer
keinen eigenen Vertrag mit France Télécom für den eigentlichen ADSL-Anschluss,
denn das Modem wird nicht mehr vom Kunden bei France Télécom gemietet, sondern
einfach zum Preis von 990 FRF bzw. 150 EUR inkl. Steuern23 gekauft.
25. Die Einführung des Produkts „eXtense“ hat zu einem kräftigen Aufschwung der von
Wanadoo Interactive angebotenen ADSL-Dienste geführt. Seit diesem Zeitpunkt wird
eine relativ langsame Zunahme der Nutzer des Dienstes Wanadoo ADSL und im
Zusammenhang damit ein relativ rasches Ansteigen der Nutzer von Pack eXtense
beobachtet (siehe Tabelle 1). Im zweiten Quartal 2002 […]*, da die französische
Wettbewerbsbehörde ("Conseil de la concurrence", im Folgenden: Wettbewerbsrat)
die Fortsetzung des Vertriebs der Pakete in den Geschäftsstellen von France Télécom
verbot24.
Tabelle 1: ADSL-Kunden mit 512 kbit/s-Anschlüssen bei Wanadoo Interactive
Dez. 2000
März 2001
Juni 2001
Sept. 2001
Dez. 2001
März 2002
Juni 2002
Aug. 2002
2.
Wanadoo ADSL
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
eXtense
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
Insgesamt
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
Gesamt- und Einheitserträge der Produkte Wanadoo ADSL und eXtense
1. Gesamtertrag der Dienste im Jahr 2001
26. Gemäß den Angaben von Wanadoo Interactive wurden im Jahr 2001 mit dem Dienst
eXtense ungefähr […]* EUR Ertrag und mit dem Dienst Wanadoo ADSL25
[…]* EUR Ertrag erwirtschaftet. Im ersten Halbjahr 2002 betrug der Erlös aus
eXtense […]* EUR und aus Wanadoo ADSL […]* EUR.
22
23
24
25
DE
In den ersten Monaten des Jahres 2001 trug dieses Angebot die Bezeichnung X-Tense. Es wurde in der
Folge in Xtense umbenannt. Diese Bezeichnung wird in der Folge dieser Entscheidung beibehalten.
Das von Wanadoo Interactive verkaufte Set enthält ein Plug and play—USB-Modem, eine
Konfigurations-CD-ROM, eine CD-ROM für die Modeminstallation, drei Filter, ein RJ-11Anschlusskabel, ein Installationshandbuch und eine Bedienungsanleitung sowie eine Wertkarte für
dreißig Minuten telefonische Betreuung.
Entscheidung Nr. 02-MC-03 vom 27. Februar 2002 über die Anrufung des Gerichts und den Antrag auf
vorläufige Maßnahmen durch die Gesellschaft T-Online France.
[…]*
- 12 -
DE
2. Der theoretische Einheitsertrag26 pro Anschluss
27. Für den Dienst Wanadoo ADSL betrug der monatliche Einheitsertrag pro Kunden im
gegenständlichen Zeitraum 113 FRF bzw. 17,2 EUR exkl. Steuern. Der Dienst
eXtense brachte einen theoretischen monatlichen Einheitsertrag in Höhe von 249 FRF
bzw. 37,98 EUR exkl. Steuern. In beiden Fällen stellen die Erlöse aus den
Anschlüssen wiederkehrende Einnahmen dar. Außerdem kaufen die Kunden, die bei
Abschluss des Vertrags über den Anschluss noch kein Modem besitzen, das Set mit
den Zusatzgeräten. In der folgenden Analyse wird der Preis für das Set mit den
Zusatzgeräten nicht als ein Produkt betrachtet, aber die fehlende Deckung der
Selbstkosten wird als einmalige Nettokosten für die Akquisition behandelt. Die
Kommission behandelte die im fraglichen Zeitraum gewährten Sonderkonditionen bei
den Preisen für den Anschluss oder den Kauf des Sets mit den Zusatzgeräten als
einmalige Akquisitionskosten und nicht als Einbußen bei den wiederkehrenden
Einnahmen.
3. Der festgestellte durchschnittliche Einheitsertrag pro Anschluss
28. Die tatsächlich festgestellten monatlichen Einheitserträge für die ADSL-Anschlüsse
bei Wanadoo Interactive weichen in Wirklichkeit von den monatlichen Nominaltarifen
gemäß den Angaben unter Randnummer 27 ab. Die Ursache dafür sind zumindest
zwei Phänomene.
29. Erstens sind die durchschnittlichen monatlichen Nettoerträge für die Anschlüsse
aufgrund des zeitlichen Abstandes zwischen der Anmeldung der Kunden als
Teilnehmer und der Inbetriebnahme ihres Anschlusses einerseits und der Verbuchung
der entsprechenden ersten Erträge der Anschlüsse andererseits automatisch niedriger
als die theoretischen Nominalerträge. Zwischen der Anmeldung eines neues
Teilnehmers und der Verbuchung der ersten Rechnungen können durchschnittlich
[…]* liegen. Die im Laufe eines Monats neu angemeldeten Teilnehmer bringen somit
[…]* des theoretischen Ertrags eines Teilnehmers für ein volles Monat ein.27 Die
Auswirkungen dieser zeitlichen Verschiebung, die Wanadoo Interactive als
„Schwelleneffekt“ bezeichnet, haben umso größere Bedeutung, als die Zahl der
Anschlüsse stark zunimmt, was seit Anfang 2001 für Wanadoo Interactive zutrifft.
30. Zweitens kam es im Laufe des Jahres 2001 […]*.28 Dieser entgangene Gewinn wurde
im Juli 2001 auf ungefähr […]* FRF für das erste Halbjahr 200129 geschätzt, was
durchschnittlich […]* FF ([…]* EUR) pro Monat und Nutzer von Wanadoo ADSL
oder eXtense ausmacht. Ende Oktober 2001 wurden diese Umsatzverluste auf
26
27
28
29
DE
Der tatsächliche Durchschnittsertrag weicht vom nominellen Ertrag wie unter den Randnummern 28 bis
43 beschrieben ab.
In Punkt 7 seiner Antwort vom 24. April 2002 geht Wanadoo Interactive ausführlich auf das Phänomen
der zeitlichen Verschiebung zwischen der Anmeldung neuer Teilnehmer und der Verbuchung der
Anschlussgebühren als Umsatz ein (siehe S. 4714 ff der Akte). Gemäß Wanadoo Interactive gilt dies
auch für das Jahr 2002 (S. 6096 der Akte).
Artikel 5 der allgemeinen Geschäftsbedingungen für das Produkt Pack eXtense sieht vor, dass dem
Kunden für einen Monat die Anschlussgebühr erlassen wird, wenn Wanadoo Interactive nicht in der
Lage ist, den Dienst im Laufe des auf die Störungsmeldung folgenden Werktags wiederherzustellen.
Abgesehen von dieser vertraglichen Verpflichtung wird zum Zweck der Kundenbindung unzufriedenen
Kunden monatelang gratis Zugang gewährt.
[…]* (S. 4657 ff der Akte).
- 13 -
DE
[…]* FRF30 für die ersten zehn Monate des Jahres geschätzt, d. h. auf durchschnittlich
[…]* FRF ([…]* EUR) pro Monat und ADSL-Teilnehmer. Zu diesem Zeitpunkt
vermutete Wanadoo Interactive, dass im Durchschnitt […]* % aller Teilnehmer seit
Beginn des Jahres 2001 von solchen Problemen betroffen waren.
31. Wanadoo Interactive stellte gegenüber der Kommission den Buchwert der oben
erwähnten Beträge in Frage, konnte aber keine genauere Schätzung des entgangenen
Gewinns […]* im betreffenden Zeitraum […]*, vorlegen.31 Das Unternehmen war
auch nicht in der Lage, grundsätzlich eine Erklärung für die Abweichungen zwischen
dem theoretischen durchschnittlichen Umsatz und dem buchhalterischen
durchschnittlichen Umsatz zu liefern, wodurch der „Schwelleneffekt“ weiterhin
ungeklärt bleibt. Für die ersten fünf Monate des Jahres 2001 und für die ersten sechs
Monate des Jahres 2002 kann jedoch eine annähernde Erklärung für diese
Abweichungen gefunden werden, und zwar durch den Vergleich des tatsächlichen
durchschnittlichen Umsatzes pro ADSL-Nutzer mit dem theoretischen, um die
automatischen Auswirkungen der wachsenden Kundenzahl (oder „Schwelleneffekt“)
bereinigten Umsatz.
32. Die in Randnummer 29 dargelegten, völlig automatisch eintretenden Auswirkungen
der zeitlichen Verschiebung auf den Umsatz erklärten die festgestellte Abweichung
nur zum Teil. Beim Vergleich zwischen dem tatsächlichen durchschnittlichen Umsatz
und dem theoretischen Umsatz32 bleibt für das Produkt Pack eXtense eine Differenz in
Höhe von […]* EUR pro Monat für den Zeitraum 1. August bis 15. Oktober, in Höhe
von […]* EUR für den Zeitraum 15. Oktober 2001 bis 15. Februar 2002 und in Höhe
von […]* EUR für die Zeit von Februar bis Juni 2002 ungeklärt. Dieser entgangene
Gewinn ist bei der Ex-post-Beurteilung der Rentabilität der fraglichen Dienste zu
berücksichtigen.
33. Von Januar 2001 bis Oktober 2002 lag demnach — insbesondere aufgrund der beiden
unter den Randnummern 29 und 30 dargelegten Phänomene — der durchschnittliche
Ertrag exkl. Steuern von Wanadoo ADSL und eXtense demnach bedeutend unter dem
theoretischen durchschnittlichen Monatsertrag. Nachdem sich das Unternehmen
zunächst mit der Kommission auf eine Berechnungsmethode für die ungeklärten
Abweichungen bei den Umsätzen geeinigt hatte33, weigerte sich Wanadoo Interactive
schließlich, diese Abweichungen zu berücksichtigen, da sie unvorhersehbar seien34.
Die Kommission stellt jedoch fest, dass dieser durchschnittliche monatliche
buchhalterische Ertrag in den eigenen Managementindikatoren von Wanadoo
Interactive aufscheint, was in verschiedenen Unterlagen zur Präsentation des Budgets
30
31
32
33
34
DE
[…]* (S. 4915 ff. der Akte).
Schließlich bestritt Wanadoo Interactive in seiner Antwort vom 4. März 2003 (Randnummer 77), jemals
[…]*. Dies steht jedoch im klaren Widerspruch zu den den Fußnoten 30 und 31 dieser Entscheidung
erwähnten internen Unterlagen für das Jahr 2001 und — für das Jahr 2002 — im direkten Widerspruch
zur Antwort von Wanadoo Interactive vom 13. Dezember 2002 auf ein Auskunftsverlangen der
Kommission (S. 6097 der Akte).
Siehe Anhang 16. Für das Jahr 2002 bleiben bei den in diesem Anhang errechneten Abweichungen die
Monate mit Gratis-Zugang, die den Kunden bei der Anmeldung geschenkt werden, unberücksichtigt.
Die Kommission behandelt diese in ihrer Untersuchung als Kosten für verkaufsfördernde Maßnahmen.
Im Jahr 2001 gab es diese verkaufsfördernden Maßnahmen in Form von einem oder mehreren Monaten
Gratis-Zugang bei der Anmeldung noch nicht.
[…]* (S. 4994-4995 der Akte).
Antwort vom 4. März 2003, Randnummer 78.
- 14 -
DE
des Unternehmens35 nachzuvollziehen ist. In einem Schriftstück des Unternehmens
vom Dezember 2001 wird dargestellt, wie der durchschnittliche Umsatz pro Nutzer
monatlich von […]* FRF (d. h. […]* EUR) im Januar 2001 auf […]* FRF (d. h.
[…]* EUR) im Oktober 2001 steigt.36 Ein Dokument aus dem Januar 2002 verweist
auf einen durchschnittlichen Umsatz in Höhe von […]* EUR pro eXtense-Nutzer im
Jahr 2001, d. h. um […]* % weniger als der theoretische durchschnittliche Umsatz pro
Teilnehmer.37 In einem Schriftstück aus dem November 2001 wird ein
durchschnittlicher Ertrag pro Teilnehmer für die eXtense-Kunden in Höhe von
[…]* EUR im Jahr 2001 und von […]* EUR im Jahr 2002 festgehalten, was noch
immer ungefähr […]* % unter dem theoretischen durchschnittlichen Ertrag liegt.38
Das Unternehmen Wanadoo Interactive kann also nicht behaupten, dass es keine
Kenntnis von dieser Abweichung gehabt oder diese in seinen Finanzanalysen nicht
berücksichtigt hat.
34. Im Folgenden wird vom durchschnittlichen theoretischen Ertrag nach Bereinigung um
die aufgrund der „Schwelleneffekte“ ungeklärten Umsatzeinbußen ausgegangen, die
insbesondere den Entschädigungen von unzufriedenen Kunden entsprechen. Der
entgangene Gewinn in Verbindung mit der zeitlichen Verschiebung zwischen
Anmeldung neuer Teilnehmer und Verbuchung der Erträge hingegen wird nicht
berücksichtigt, da er ausschließlich auf die rasch zunehmende Kundenzahl
zurückzuführen ist.
4. Erträge aus Inhalten
35. Abgesehen von den Erträgen durch die Anschlüsse und gegebenenfalls durch den
Kauf des Zubehörsets bringen die ADSL-Teilnehmer auf indirektere Weise Erträge
über Online-Werbung, elektronischen Handel und Zugriffe auf Websites. Auch wenn
sich diese Produkte aus einem anderen Geschäftsbereich als dem Internetzugang
ergeben, stehen sie doch in engem Zusammenhang mit ihm. Die Kommission hat
daher die daraus resultierenden Erträge in ihre Untersuchung aufgenommen. Diese
Einnahmen wurden für 2001 vorläufig auf […]* EUR exkl. Steuern pro Teilnehmer
und Monat geschätzt. Die Marktentwicklung führte jedoch 2001 zu wesentlich
niedrigeren Ergebnissen in Höhe von […]* EUR pro Teilnehmer und Monat. Diese
enttäuschenden Ergebnisse waren vor Anfang 2002 definitiv bekannt.39 Für 2002
wurden die Erträge niedrig eingeschätzt: auf […]* bis […]* EUR pro Monat und
Teilnehmer.40 Im ersten Halbjahr 2002 beliefen sie sich auf […]* EUR pro Monat und
Teilnehmer.41
35
36
37
38
39
40
41
DE
Diese Unterlagen wie auch die unternehmensinternen Schriftstücke von Wanadoo Interactive, auf die
im Folgenden Bezug genommen wird, wurden bei der Nachprüfung in den Räumlichkeiten des
Unternehmens am 4. und 5. April 2002 beschlagnahmt.
[…]* (S. 2754 der Akte).
[…]* (S. 2766 der Akte), […]*.
[…]* (S. 2870 der Akte).
Wanadoo Interactive waren jedenfalls diese Ergebnisse, die enttäuschender als erwartet ausfielen, vor
dem […]* bekannt, […]*, S. 2768 der Akte).
Punkt 2 des Schreibens von Wanadoo Interactive vom 27. September 2002.
Punkt 4 des Schreibens von Wanadoo Interactive vom 28. November 2002.
- 15 -
DE
E. BEI WANADOO INTERACTIVE ANFALLENDE KOSTEN
1.
In der Analyse berücksichtigter Kostenumfang
36. Traditionellerweise wird zwischen variablen (oder operationellen) Kosten und
Fixkosten (oder Strukturkosten) unterschieden. Der französische Kontenrahmen von
1982 definiert die variablen Kosten als „Kosten, die nur Ausgaben umfassen, die je
nach Auslastungsgrad des Unternehmens variieren, ohne dass die
Kostenschwankungen und die Veränderungen des Produktionsvolumens unbedingt
genau proportional sein müssen“. Diese Definition entspricht auch derjenigen des
Gerichtshofs der Europäischen Gemeinschaften, der diese als Kosten definiert, „die je
nach den produzierten Mengen variieren“42. Dabei ist zu beachten, dass gemäß dieser
Definition das Auftreten der Kosten und die Herstellung eines Produktes bzw. die
Erbringung einer Dienstleistung zeitlich nicht genau zusammenfallen müssen.
37. Zu dieser ersten Unterscheidung kommt eine zweite: die der direkten und der
indirekten Kosten. Gemäß dem französischen Kontenrahmen von 1982 sind direkte
Kosten von Produkten oder Dienstleistungen Kosten, die ihnen direkt zugerechnet
werden (dabei handelt es sich meistens um variable Kosten oder operationelle
Kosten), sowie variable oder fixe Kosten, „die dieser Bezugsgröße zweifelsfrei
zugeordnet werden können, auch nachdem sie eine Kostenstellenrechnung
durchlaufen haben“, und die Aktivitäten des Unternehmens entsprechen, die nicht
direkt auf die Herstellung des jeweiligen Produkts oder der Dienstleistung ausgerichtet
sind. Die direkten Kosten werden oft mit den variablen Kosten verwechselt, können
aber auch Fix- oder Strukturkosten wie die einer Sachanlage, die speziell der
Herstellung des jeweiligen Produkts oder der Dienstleistung dient, beinhalten. Die
indirekten Kosten sind hingegen Kosten, die nicht direkt einem bestimmten
Kostenträger zugeordnet werden können, die aber nach einer festgelegten
Schlüsselung unter weitestgehender Berücksichtigung der indirekten kausalen
Zusammenhänge auf die verschiedenen Produkte verteilt werden müssen. Direkte und
indirekte Kosten ergeben zusammen die Vollkosten. Die Vollkosten umfassen jedoch
im Allgemeinen nicht die so genannten neutralen Aufwendungen wie allgemeine
Finanzkosten und außerordentliche Aufwendungen, die keinen Zusammenhang mit
der Herstellung des betreffenden Produkts oder der Dienstleistung haben.
38. Schließlich ist in der Kostenanalyse zwischen wiederkehrenden und einmaligen
Kosten zu unterscheiden. Bei einem Dienst wie dem Breitband-Internetzugang sind
die wiederkehrende Kosten diejenigen Kosten, die regelmäßig anfallen. Einmalige
Kosten sind bei dieser Art von Tätigkeit hingegen die Kosten, die nur einmal (oder
sehr sporadisch oder zufällig) pro Teilnehmer anfallen, z. B. die Kosten in Verbindung
mit der Gewinnung eines Kunden.
39. Wanadoo Interactive unterscheidet für seine ADSL-Produkte grundsätzlich folgende
Kosten:
- Netzkosten,
- Kosten für Akquisition und Kundengewinnung,
- sonstige Produktionskosten.
42
DE
Urteil des Gerichtshofs der Europäischen Gemeinschaften vom 3. Juli 1991, Akzo Chemie
BV/Kommission, Rechtssache C-62/86, Slg. 1991, I-03359, Rdnr. 71.
- 16 -
DE
40. 2001 entfielen auf diese drei Kostenkategorien […]* %, […]* % bzw. […]* % der
Kosten der beiden Dienste. Für eXtense ist festzuhalten, dass die Akquisitionskosten
[…]* % der Gesamtkosten erreichen.
41. Im Folgenden (Randnummern 42 bis 69) werden diese drei Kostenarten und ihre
Charakterisierung in Hinblick auf die einzelnen unter den Randnummern 36 bis 38
dargelegten Kostenkategorien untersucht.
2.
Die Netzkosten
42. Um Privatkunden einen durchgehenden Breitband-Internetzugang zur Verfügung zu
stellen, muss der Internet-Verkehr auf drei Ebenen beherrscht werden. Wanadoo
Interactive nimmt daher drei verschiedene, der erforderlichen Netzarchitektur genau
angepasste Dienste von France Télécom in Anspruch, um den Anschluss an das
Internet zu gewährleisten.
(a) Wanadoo Interactive stützt sich zunächst auf einen Dienst mit der Bezeichnung
IP/ADSL (im Folgenden: „IP/ADSL-Zugangsdienst“), der im Großen die genaue
Entsprechung des Dienstes Netissimo 1 ist, den France Télécom für Privatkunden
anbietet. Dieser Dienst gewährleistet die ADSL-Verbindung zwischen dem
Teilnehmer des Telefonnetzes von France Télécom und einem „broadband access
server“ (im Folgenden: „BAS“), der im Allgemeinen auf regionaler Ebene
vorgesehen ist. Dieses Teilstück umfasst das Ortsanschlusssegment des öffentlichen
Telefonnetzes, d. h. die Telefonleitung, den lokalen, mit einem AsynchronousTransfer-Mode-Multiplexer (ATM-Mulitplexer) ausgestatteten Hauptverteiler und
das regionale Teilstück des ATM-Backbone, das diesen Multiplexer mit einem BAS
verbindet. Wanadoo Interactive hat am […]*, kurz vor der Einführung seines ersten
„Paketangebots“ eXtense, einen ersten Vertrag über den Zugangsdienst IP/ADSL 1
abgeschlossen.43
(b) Das unter der Bezeichnung „collecte IP de trafic ADSL“ angebotene RoutingService (im Folgenden: „Routing-Dienst“ bzw. "IP-Routing-Dienst") ermöglicht die
Bündelung und die Übermittlung der Daten von den BAS zu einem zentralen
Standort, der als Diensteplattform für den Internetzugangsanbieter dient. Die France
Télécom
verbindet
die
Plattform
des
Providers
über
eine
Hochgeschwindigkeitsanbindung mit ihrem Netz, an deren Ende France Télécom
einen Router vorsieht.
(c) Schließlich muss Wanadoo Interactive über den Ort der Bereitstellung seiner
Dienstleistung hinaus natürlich in der Lage sein, den Teilnehmer mit allen InternetNetzen weltweit zu verbinden und unterzeichnet zu diesem Zweck mit France
Télécom einen Vertrag über die internationale Anbindung.
43. Die Unterscheidung zwischen dem Produkt Wanadoo ADSL und dem Dienst eXtense
ist wichtig. Beim ersten Produkt tritt der Nutzer in direkte Verbindung mit France
Télécom, die ihm die ADSL-Leitung (über ihren Dienst Netissimo 1), d. h. das erste
Teilstück der in Randnummer 42 genannten Dienste, zur Verfügung stellt. Bei dieser
43
DE
Vertrag Nr. 00000031 zwischen France Télécom Interactive und France Télécom über die
Bereitstellung der Dienste IP/ADSL 1 und IP/ADSL / 2, der als Anlage des Schreibens von France
Télécom vom 20. Februar 2001 auf das Auskunftsverlangen der Kommission vom 29. Januar 2001 hin
übermittelt wurde.
- 17 -
DE
Konfiguration übernimmt Wanadoo Interactive nur den zweiten und den dritten
Dienst, d. h. das IP-Routing und die internationale Anbindung. Beim zweiten Produkt
hingegen stellt Wanadoo Interactive seinem Kunden einen Dienst als Ganzes zur
Verfügung und greift für die Abdeckung der drei unter der Randnummer 42
beschriebenen Teilstücke auf die Dienste von France Télécom für Firmenkunden
zurück. In diesem Fall agiert Wanadoo Interactive als Wiederverkäufer der von France
Télécom bereitgestellten technischen Dienstleistung.
44. Wanadoo Interactive ist Kunde von France Télécom für diese Dienste seit […]* (in
Bezug auf den IP-Routing-Dienst und die internationale Anbindung) und seit […]*
(ADSL-Zugang). Außerdem ist Wanadoo Interactive seit […]* durch eine
Vereinbarung über die internationale Internet-Anbindung vertraglich an France
Télécom gebunden.
1. Die Zugangskosten
45. France Télécom verrechnet den ADSL-Zugangsdienst durch Multiplikation der
Anzahl von ADSL-Teilnehmern mit dem pro Teilnehmerleitung errechneten
Basistarif. Jeder einzelne Teilnehmer verursacht diesem Dienst wiederkehrende
Anschlusskosten. Dabei handelt es sich um direkte variable Kosten von
wiederkehrender Natur.
46. Drei Zeiträume sind zu unterscheiden:
- Von November 1999 bis Juli 2001 wurde der IP/ADSL-Zugangsdienst […]*
verrechnet. Die Kosten betrugen für Wanadoo Interactive […]* FRF (bzw.
[…]* EUR);
- Vom 1. August 2001 bis 15. Oktober 2002 wurde der IP/ADSL-Zugangsdienst
unabhängig von der Anzahl der angeschlossenen Kunden zu einem einheitlichen
Preis pro Kunde verrechnet; der Tarif war im Vergleich zum vorherigen Zeitraum
gesunken und betrug 140 FRF bzw. 21,34 EUR pro Teilnehmer;
- Ab dem 15. Oktober 2002 wurde der Preis des Dienstes erneut nach unten auf
101,67 FRF bzw. 15,5 EUR pro Teilnehmer revidiert, wobei das
Verrechnungsprinzip im Vergleich zum vorhergehenden Zeitraum gleich blieb.
2. Die Kosten für den Routing-Dienst
47. Jeder ADSL-Kunde von Wanadoo Interactive wirkt sich auf das von France Télécom
im Rahmen des IP-Routing verarbeitete Verkehrsvolumen sowohl aufgrund der
Regeln der Technik und statistischer Grundsätze für den Zusammenhang zwischen der
Anzahl der Teilnehmer und der übertragenen Datenmenge als auch aufgrund der von
France Télécom angewandten Verrechnungsregeln aus.
48. Seit Anfang 2001 wurde der gegenständliche Dienst auf verschiedene Arten
verrechnet. Zunächst wurde der Tarif bis August 2001 […]*. Diese […]*, wobei
davon ausgegangen wurde, dass jeder Teilnehmer bis zu […]* in der
Hauptverkehrszeit benötigt. In einer zweiten Phase, von August 2001 bis März 2002,
wurde der Dienst als […]* pro eingeloggtem Teilnehmer verrechnet. Schließlich
basierte die Verrechnung des Routing-Dienstes in einer dritten Phase auf […]*. Auf
alle Fälle hängt der während des gesamten in dieser Entscheidung betrachteten
DE
- 18 -
DE
Zeitraums verrechnete Datenverkehr sehr stark von der Anzahl der ADSL-Teilnehmer
ab und ist den direkten variablen Kosten zuzuordnen.
49. Die Verrechnung der Dienstleistung umfasst mehrere Komponenten: eine
„Anschlusskomponente“ mit einer Einrichtungsgebühr und einer monatlichen
Anschlussgebühr44 sowie eine Komponente „IP-Bandbreite“, für die eine monatliche
Gebühr je nach Verkehrsvolumen zwischen der Plattform des Zugangsanbieters und
den Endnutzern vorgesehen ist. Bis Oktober 2002 gab es zwei Varianten des RoutingDienstes, was die Anwendung von zwei unterschiedlichen Tarifschemata bedingte.
Der Provider konnte für die Betreuung seiner Kunden mit Sitz in derselben Region
wie seine Dienstleistungsplattform den regionalen Routing-Dienst in Anspruch
nehmen. Gleichzeitig konnte er für seine Kunden außerhalb dieser Region auf den
nationalen Routing-Dienst zurückgreifen. Im letzteren Fall waren die Gebühren höher.
Seit Oktober 2002 gibt es für diese beiden Routing-Dienste keine unterschiedlichen
Tarife mehr.
50. In der Zeit von August 2001 bis März 2002 war der Verrechnungsmodus für die
Nutzung der Bandbreite in seiner Anwendung […]*.45 Für Ende 2001 […]*. Aus den
diversen Aufstellungen, die anlässlich der Nachprüfung bei Wanadoo Interactive
beschlagnahmt wurden, geht nämlich hervor, dass die Nutzung der Bandbreite pro
eingeloggtem Teilnehmer seit […]* 2001 schon bis zu […]* betrug anstatt […]* 46.
Die von Wettbewerbern und von France Télécom selbst bereitgestellten Informationen
zeigen eine tendenzielle und regelmäßige Zunahme dieses Verkehrs in den ersten
Monaten des Jahres 2002 auf über 40 kbit/s. […]* von France Télécom seit
März 2002 durchgeführte Messungen ergeben für den Zeitraum April bis Juni 2002
Datentransfermengen in Höhe von […]* bis […]* bei Wanadoo Interactive.47
51. Die Rechnungen für das IP-Routing bis Ende 2001 von France Télécom an Wanadoo
Interactive Ende 2001 wurden […]* 48, […]*, ausgestellt. Nachdem die
Verbindungsraten niedriger waren als bis zum Herbst 2001 von Wanadoo Interactive
angenommen, stellten sich auch die von France Télécom verrechneten
durchschnittlichen Datentransfermengen pro zur Hauptverkehrszeit angemeldetem
Teilnehmer als niedriger als erwartet heraus. Von August bis September 2001
schwankten sie zwischen […]* und […]* kbit/s. Von Februar bis Juni 2002 bewegten
sie sich zwischen […]* kbit/s und […]* kbit/s. 49 Die Kosten, die France Télécom
Wanadoo Interactive tatsächlich für seinen Routing-Dienst in den letzten fünf
Monaten des Jahres 2001 und Anfang 2001 in Rechnung stellte, waren demnach
merklich niedriger als erwartet.
44
45
46
47
48
49
DE
Es ist allerdings darauf hinzuweisen, dass das auf Wanadoo Interactive zugeschnittene RoutingAngebot, das bis 1. August 2001 gültig war, keine monatliche Gebühr für die Anschlusskomponente
enthielt.
Punkt 1 des Schreibens von France Télécom vom 24. April 2002 als Anwort auf das
Auskunftsverlangen der Kommission vom 12. April 2002.
[…]*, S 4645 ff. der Akte). […]* (S. 4503 ff. der Akte) […]* (S. 3545 ff. der Akte).
Schreiben von France Télécom vom 20. Dezember 2002 (S. 6170 der Akte). Messungen, die von Juli
bis September 2002 durchgeführt wurden (Schreiben von France Télécom vom 5. Februar 2003),
zeigen, […]*.
Anlagen 1 und 2 des Schreibens von France Télécom vom 24. April 2002 (S. 4722 ff. der Akte).
Quelle: Auswertung der von France Télécom am 3. und 29. Mai 2002 auf das Auskunftsverlangen der
Kommission vom 14. März 2002 hin übermittelten Tabellen; Schreiben […]* von Wanadoo Interactive,
vom 7. Mai 2002 an die Kommission, S. 3 (S. 4897 ff. der Akte); […]*.
- 19 -
DE
52. Die Gebühren für das Routing der Datenströme entwickelten sich im Jahr 2002
weniger günstig als erwartet. Im Oktober 2001 sah Wanadoo Interactive eine
Verringerung dieser Gebühren auf durchschnittlich […]* EUR pro Mbit/s ab Anfang
2002 voraus, was eine Senkung des damaligen Tarifs um […]* % darstellte. Im April
2002 hatte das Unternehmen in seinen Zielvorgaben für die Produkte eXtense und
Wanadoo ADSL diese Schätzung bereits auf durchschnittlich […]* EUR pro Mbit/s
ab dem Inkrafttreten der neuen Tarife nach oben revidiert. Schließlich wurden im Juli
2002 die neuen Tarife für das Routing des Datenverkehrs von Wanadoo Interactive in
Frankreich auf 448 EUR pro Mbit/s ab dem 15. Oktober 2002 festgesetzt.
53. In der Zeit nach März 2002 erfolgte die Verrechnung zwischen France Télécom und
Wanadoo Interactive […]*50, […]*51. Diese Änderung der Vorgehensweise von
France Télécom führte zu einer ergänzenden Rechnung für die Monate […]*. France
Télécom stellte den Verkehr über Netissimo 1 und Netissimo 2 […]* in Rechnung,
sodass es schwer ist, den genauen Verkehrsanteil von Netissimo 1 in dieser
ergänzenden Rechnung vom Rest zu trennen. Die Kommission berücksichtigt daher
die daraus resultierende geringfügige Verteuerung der Kosten pro Teilnehmer nicht,
die im Übrigen niedrig sind.52
54. Die Auswirkungen der Gebühren für den Routing-Dienst in Verbindung mit den in
Randnummer 49 beschriebenen Anschlüssen (Einrichtung der Anschlüsse und
monatliche Gebühr) erscheinen im Vergleich zu den anderen Kosten als relativ
unbedeutend. Diese wiederkehrenden Kosten für die Miete der Anschlüsse werden in
der Analyse der variablen Kosten und der Vollkosten nicht berücksichtigt.
55. Die Kosten für den Routing-Dienst pro ADSL-Teilnehmer können auf […]* EUR
([…]* FRF) im Zeitraum Januar bis Juli 2001, auf […]* EUR ([…]* FRF) im
Zeitraum August 2001 bis Mitte Oktober 2001, auf […]* EUR ([…]* FRF) im
Zeitraum Mitte Oktober 2001 bis Februar 2002 und auf […]* EUR im Zeitraum
Februar bis Oktober 2002 geschätzt werden53.
3. Die Kosten für die internationale Anbindung
56. Der Dienst, der die internationale Anbindung gewährleistet, dient dazu, den gesamten
Verkehr zu transportieren, der von allen Teilnehmer von Wanadoo Interactive
verursacht wird, wenn sie außerhalb der Plattform von Wanadoo Interactive im
Internet surfen. Auch wenn dieser Dienst im Unterschied zu den beiden anderen
bereits beschriebenen Diensten nicht für die Bereitstellung eines BreitbandInternetzugangs spezifisch ist, lässt sich nicht bestreiten, dass jeder Teilnehmer von
Wanadoo ADSL und Pack eXtense ein gewisses Verkehrsvolumen erzeugt, das zur
gesamten von Wanadoo Interactive benötigten Datentransfermenge hinzukommt. Das
Unternehmen rechnet im Übrigen in seinen internen Prognosen diese Kosten durchaus
zu den Netzkosten seiner ADSL-Dienste54. Die von Wanadoo Interactive an France
Télécom bezahlte Gebühr zählt zu den variablen Kosten, nachdem sie von der Anzahl
der Teilnehmer bei Wanadoo Interactive abhängt.
50
51
52
53
54
DE
[…]* (S. 5904 der Akte).
[…]* (S. 6807 ff. der Akte).
[…]*(S. 5904 der Akte), […]*.
Siehe Anhang 17 dieser Entscheidung.
Punkt 6 der Antwort von France Télécom vom 6.12.2001 auf das Auskunftsverlangen der Kommission
vom 23. November 2001.
- 20 -
DE
57. Diese Kosten für die internationale Anbindung, die in den Jahren 2000 und 2001 stabil
geblieben waren, nahmen Anfang 2002 […]* ab. Somit kann davon ausgegangen
werden, dass die Kosten für die internationale Anbindung pro ADSL-Teilnehmer ab
Februar 2002 im Durchschnitt von […]* EUR auf […]* EUR sanken.55
58. Es ist jedoch darauf hinzuweisen, dass die in Randnummer 57 erwähnte Bewertung
der Kosten für die internationale Anbindung Ende 2001 und Anfang 2002 auf einer für
Wanadoo Interactive günstigen Annahme beruht. Es wird nämlich davon
ausgegangen, dass der pro Teilnehmer gemessene international angebundene Verkehr
[…]* des pro Teilnehmer im Rahmen des Routing-Dienstes verrechneten
Datenverkehrs ausmacht. Der die internationale Anbindung gewährleistende Dienst
der France Télécom wird […]* auf der Grundlage einer tatsächlich gemessenen und
über Internet-Einwählknoten (PoP) festgestellten Datentransfermenge verrechnet56
[…]*. Die Anwendung eines Koeffizienten von […]* % der im Rahmen des Routing
verrechneten theoretischen Bandbreite zur Bewertung des internationalen Verkehrs
führt demnach dazu, dass die tatsächlichen Werte unterschätzt werden. Trotz dieses
Vorbehalts verwendet die Kommission jedoch von nun an in Ermangelung genauerer
Daten über den tatsächlichen Verkehr für die Zeit vor dem April 2002 die von
Wanadoo Interactive übermittelte Bewertung.
59. Für den Zeitraum ab April 2002 geht die Kommission bei der Bewertung der Kosten
für die internationale Anbindung von einer Annahme von […]* % der von France
Télécom im April, Mai und Juni 2002 festgestellten Bandbreite57 aus.
4. […] im Jahr 2001 erhaltene Preisnachlässe
60. […]* Diese Beträge sind bei der Ex-post-Kostenanalyse von den tatsächlich von
Wanadoo Interactive im Jahr 2001 getragenen Netzkosten abzurechnen.
3.
Die Kosten für Akquisition und Kundengewinnung
61. Für einen Internet-Provider werden als Kosten für die Kundenakquisition (oder
Kundengewinnung in der Ausdrucksweise von Wanadoo Interactive) die
Aufwendungen bezeichnet, die durch Maßnahmen entstehen, mit denen das Interesse
potenzieller Kunden für die angebotenen Produkte geweckt wird und sie dazu
gebracht werden, sich für den Dienst zu entscheiden, sowie die Kosten in Verbindung
mit der Einrichtung des Anschlusses. Für jeden neuen Teilnehmer fallen diese Kosten
nur einmal, und zwar zum Zeitpunkt, zu dem die Vertragsbeziehung mit dem Provider
entsteht, an. Wanadoo Interactive unterscheidet verschiedene Kostenträger, aus denen
sich die Kosten für die Kundenakquisition zusammensetzen: die Werbekosten, die
Aufwendungen für die Verkaufsorganisation, die Gebühren für den Anschluss, die
Kosten für verkaufsfördernde und ähnliche Maßnahmen, die Kosten für das
Zubehörset von eXtense und andere Strukturkosten.
55
56
57
DE
Siehe Anhang 18 dieser Entscheidung.
Darlegungen der France Télécom in Punkt 4 ihres Schreibens an die Kommission vom
13. November 2002.
Schreiben von France Télécom vom 20. Dezember 2002 (S. 6108 der Akte).
- 21 -
DE
1. Werbung, Marketing und Verkaufsförderung
62. Werbung und Marketing wirken sich direkt auf die Zahl der neuen Teilnehmer aus. Im
gegenständlichen Fall wurden nur konkrete Werbe- und Marketingmaßnahmen für die
ADSL-Dienste von Wanadoo Interactive und keinerlei Werbeaktivitäten für
Breitbandzugänge allgemein oder verkaufsfördernde Maßnahmen für die Marke
Wanadoo oder die Dienste dieses Anbieters insgesamt berücksichtigt.
63. Wanadoo Interactive stellte die Zuordnung der Werbekosten zu den variablen Kosten
in Frage. Das Unternehmen berief sich insbesondere auf Entscheidungen der
Kommission über Konzerne, in denen Kosten für Werbekampagnen als verlorene
Kosten erachtet werden.58
64. Zunächst ist festzuhalten, dass die Einstufung der Werbeausgaben als verlorene
Kosten in den Kommissionsentscheidungen, auf die sich Wanadoo Interactive beruft,
ihre Behandlung als variable Kosten nicht ausschließt. Verlorene Kosten stellen nicht
unbedingt immer Fixkosten dar.59 Weiters werden in der Kostenrechnung die
Werbekosten für ein bestimmtes Produkt im Allgemeinen als direkte variable Kosten60
erachtet. Auch wenn sehr kurzfristig betrachtet Werbekosten als Fixkosten angesehen
werden können, da sie keine absolut unmittelbare Verbindung mit dem Verkauf
aufweisen, so haben sie innerhalb einer kurzen Zeitdauer, d. h. auf alle Fälle innerhalb
von bis zu einigen Wochen, offensichtliche Auswirkungen auf dessen Höhe. Dies trifft
vor allem für die Situation auf einem Wachstumsmarkt zu, die von PR-Kampagnen
über neue Produkte oder saisonale Sonderangebote geprägt ist. Anders könnte es sich
bei allgemeinen PR-Ausgaben verhalten, die einfach dazu dienen, das Unternehmen
und die Marke im Allgemeinen — und nicht ein bestimmtes Produkt — bekannt zu
machen. Im vorliegenden Fall handelte es sich bei den erfassten Werbeaufwendungen
sehr wohl um spezifische Kosten, die aufeinander folgenden, stark auf die
Verkaufssteigerung ausgerichteten Kampagnen entsprachen. So wird zwischen den
Werbekampagnen und der Umsatzentwicklung von Wanadoo Interactive eine starke
Korrelation61 mit einem Korrelationskoeffizienten von [>0,53] beobachtet. Die
58
59
60
61
DE
Entscheidungen der Kommission vom 25. Juni 2002 in der Sache COMP/M.2817 – Barilla-BPL-Kamps
(ABl. C 198 vom 21.8.2002, S. 4) und vom 21. Juni 1994 in der Sache IV/M.430-Procter and
Gamble/VP Schickedanz (ABl. L 354 vom 31.12.1994, S. 32), zitiert in den Randnummern 260 und
261 der Antwort von Wanadoo Interactive vom 23. Oktober 2002 auf die Mitteilung von
Beschwerdepunkten vom 9. August 2002. In der Entscheidung aus dem Jahr 1994 wird zwar darauf
hingewiesen, dass eine Werbekampagne in einer Zeitschrift oder einem bestimmten Medium eine
umsatzunabhängige Fixkostenkomponente enthält, es wird jedoch nicht daraus geschlossen, dass sich
die Kosten aller Werbe- und Marketingkampagnen generell zur Gänze aus Fixkosten zusammensetzen.
William J. Baumol und Robert D. Willig, „Fixed costs, sunk costs, entry barriers and sustainability of
monopoly“, Quarterly Journal of Economics, August 1981, insbesondere S. 407.
Siehe insbesondere A. Mikol, J.C. de Guardia und H. Stolowy, „Comptabilité analytique et contrôle de
gestion“, Dunod, 1991, S. 100.
Siehe Anhang 21. Der lineare Korrelationskoeffizient wird nach der üblichen mathematischen Formel
als Verhältnis zwischen Kovarianz und Quadratwurzel des Produkts der Varianzen berechnet. Ein
Korrelationskoeffizient liegt immer zwischen –1 (inverse Korrelation) und +1 (perfekte Korrelation),
wobei die Werte um 0 eine Nullkorrelation angeben. Wanadoo Interactive behauptet in seiner Antwort
vom 4. März 2003 (Randnummer 60), dass ein Koeffizient von [>0,53] nicht beweiskräftig ist, sondern
einen Widerspruch darstellt. Diese Behauptung stimmt aber nicht mit der vom Unternehmen
übermittelten Anlage überein, in der unter Bezugnahme auf die Theorie der Statistik gerade die Zahl
[>0,53] als Grenze zwischen einer „mittleren Korrelation“ und einer „starken Korrelation“ bezeichnet
wird. Weiters ist unter Berücksichtigung aller verfügbaren Datenpaare ([…] Variablenpaare) ein
Koeffizient von [>0,53] als besonders signifikant für eine statistische Korrelation zwischen den beiden
Datenreihen (Werbeausgaben einerseits und Zunahme der Teilnehmer andererseits) bei einem sehr
- 22 -
DE
Tatsache, dass der Verkauf, chronologisch betrachtet, eine Folge der Werbung ist und
dass die Werbekosten nicht aus jedem einzelnen Verkauf resultieren, ändert nichts an
dieser Schlussfolgerung62, und ebenso wenig die Tatsache, dass nicht unbedingt ein
streng proportionales Verhältnis zwischen den Kosten von Werbekampagnen und
jeder einzelne Produkteinheit63 vorliegen muss. Im vorliegenden Fall wurde der
Umfang der Werbe- und Marketingkampagnen nach dem erwarteten Ergebnis
ausgerichtet und die entsprechenden Kosten in Bezug auf ein bestimmtes Ziel in der
Kundenakquisition bestimmt.
65. Über seine Argumentation über die Natur der Werbekosten hinaus, stellt Wanadoo
Interactive nämlich in Wirklichkeit in Frage, dass diese Ausgaben bei der Prüfung des
Vorliegens von Verdrängungspreisen zu berücksichtigen sind. Die Kommission
erachtet diesen Einwand als für den vorliegenden Fall irrelevant. In Anbetracht
dessen, wie sehr sich diese Ausgaben auf einem Wachstumsmarkt auf die Entwicklung
des Kundenstamms des betreffenden Unternehmens und somit auf die Marktmacht,
die es damit erwirbt oder verstärkt, auswirken, stellen sie eine wesentliche Variable
der Analyse dar.
66. Für die verkaufsfördernden Maßnahmen gelten die gleichen Überlegungen wie für die
Kundenakquisition und die Werbekampagnen. Ihre Kosten müssen zu den variablen
Kosten gerechnet werden — umso mehr, als sie naturgemäß direkt aus dem Kauf jeder
neuen Einheit des Produkts (Preisnachlass, Rückvergütungsangebot etc.) resultieren.
2. Die Kosten der Verkaufsorganisation
67. Die Kosten der Verkaufsorganisation verhalten sich ebenfalls streng proportional zur
Anzahl der neu verkauften Einheiten. Für jeden neuen Teilnehmer wird eine Provision
sowohl an die Verkaufsstellen des Geschäftsstellennetzes von France Télécom als
auch an andere Verkaufsstellen bezahlt. […]* Die durchschnittlichen variablen Kosten
für die Bezahlung der Verkaufsstellen ergeben sich demnach aus […]*.
62
63
DE
niedrigen Fehlerrisiko zu erachten. Es kann mathematisch nachgewiesen werden, dass bei einer solchen
Anzahl von Variablenpaaren mit einem Fehlerrisiko von weniger als 1 % diese als signifikant korreliert
zu betrachten sind, nachdem der Korrelationskoeffizient über 0,53 beträgt. Diese Bedingung wird hier
verifiziert.
Wanadoo Interactive behauptete (Randnummer 60 der Antwort vom 4. März 2003, S. 6871 der Akte),
dass eine bestehende Korrelation nicht unbedingt bedeute, dass auch ein kausaler Zusammenhang
vorliege, da es ja etwas geben kann, was die Statistiker als „Störgröße“ bezeichnen. Die von Wanadoo
Interactive genannten Beispiele (eine starke Korrelation zwischen dem Steueraufkommen in England
und der Kriminalität in Japan oder zwischen dem Weizenpreis und der Population der Nagetiere) sind
für den gegenständlichen Fall nicht relevant. Das Unternehmen ist vor allem nicht in der Lage
anzugeben, was im vorliegenden Fall eine solche „Störgröße“ wäre.
Wanadoo Interactive weist darauf hin, dass die Werbung in seiner Kostenrechnung nicht den variablen
Kosten zugeordnet werden kann, da sie nicht in einem konstanten proportionalen Verhältnis zur
Zunahme der Teilnehmer stehe (Randnummern 63 bis 65 der Antwort vom 4. März 2003, S. 6873-6875
der Akte). Im vorliegenden Fall vertritt die Kommission jedoch die Auffassung, dass sich die Zunahme
der Anzahl der Teilnehmer nicht streng proportional zu den Werbespesen verhält (was folgende
Funktion voraussetzen würde: y=a.x), sondern dass sie durch eine lineare Beziehung wie y=a.x + b mit
ihnen verbunden ist. Konkret bedeutet das, dass ein Teil des Zuwachses der Teilnehmer proportional zu
den Werbeausgaben erfolgt und ein Teil aufgrund exogener Faktoren, was eine einfache logische
Intuition bestätigt.
- 23 -
DE
3. Die Gebühren für den Anschluss
68. Die Anschlussgebühren werden Wanadoo Interactive von France Télécom für jeden
neuen Teilnehmer des Dienstes eXtense in Rechnung gestellt. Sie betrugen während
des gesamten Zeitraums 53,4 EUR. Vom 15. Oktober 2001 bis 15. Februar 2002
sowie ab September 2002 erließ France Télécom jedoch allen Internet-Providern diese
Gebühren.
4.
Die andere Produktionskosten
69. Folgende andere Produktionskosten werden von Wanadoo Interactive genannt:
Plattformkosten; Kosten für den Kundendienst, die im Wesentlichen den direkten
Kosten in Verbindung mit dem Hotline-Dienst entsprechen; Kosten für die
Kundenverwaltung, insbesondere in Verbindung mit der Rechnungslegung und dem
Mahnwesen; Kosten für die Kundenbindung. Die Kommission berücksichtigt in ihrer
Analyse alle von Wanadoo Interactive übermittelten Erklärungen über die Struktur,
die Aufschlüsselung und Entwicklung dieser Kosten sowie ihre Einstufung als
variable Kosten oder als Fixkosten.
F. DAS AUSMASS DER KOSTENDECKUNG DURCH DIE ERLÖSE
70. Im folgenden Abschnitt erläutert und kommentiert die Kommission die verschiedenen
möglichen Ansätze, die im Rahmen einer Prüfung auf Verdrängungspreise
herangezogen werden können, sowie die Ergebnisse der entsprechenden
Berechnungen anhand der in den Abschnitten I.D und I.E dargelegten Erlöse und
Kosten.
- Deckung der Vollkosten eines kurzen Zeitraums, wie sie in der Buchhaltung des
Unternehmens erfasst werden ;
- Deckung der Vollkosten und der variablen Stückkosten, die unter Verteilung
bestimmter Kosten auf mehrere Geschäftsjahre in Bezug auf die Buchführungsdaten
aufgeschlüsselt werden;
- Deckung der variablen Kosten für die verschiedenen getrennt betrachteten
Teilnehmergenerationen;
- Deckung der vom Unternehmen (ex ante) vorhersehbaren Kosten, bereinigt um
zufällige Elemente, die sich auf die ursprünglichen Prognosen ausgewirkt haben.
71. Bei all diesen Ansätzen beginnt die Kommission ihre Analyse mit März 200164.
Obwohl die ADSL-Dienste von Wanadoo Interactive bereits Ende 1999 auf
kommerzieller Basis eingeführt und obwohl 2000 erhebliche Verluste verzeichnet
wurden, vertritt die Kommission die Auffassung, dass das Entwicklungsstadium des
64
DE
Der Zeitraum, der Gegenstand dieser Entscheidung ist, beginnt am 1. März 2001. Die in den Tabellen 2
und 3 wiedergegebenen Daten umfassen aber auch die Monate Januar und Februar 2001, weil die
verfügbaren Informationen keine genauere Aufschlüsselung zuließen, auf Grund deren die diesen
beiden Monaten entsprechenden und für die vorliegende Analyse unerheblichen Zahlen
herausgerechnet werden könnten. Die Einbeziehung der Zahlen für Januar und Februar 2001 in die
Tabellen 2 und 3 hat jedoch keine Konsequenzen für die Feststellung der Dauer der Zuwiderhandlung.
- 24 -
DE
Breitbandmarktes zu diesem Zeitpunkt noch nicht ausreichte, um bei einer Prüfung auf
Verdrängungspreise signifikante Ergebnisse zu erhalten.
72. Die Vorzüge und Grenzen dieser verschiedene Ansätze werden im Folgenden
erläutert. Am Ende ihrer Analyse stellt die Kommission fest, dass nur der Ansatz der
aufgeschlüsselten Kosten wirklich einen Schluss zulässt, während die anderen Ansätze
lediglich zusätzliche Informationen zum Thema bringen.
1.
Die Deckung der Vollkosten eines kurzen Zeitraums
73. Als Kosten und Erlöse eines kurzen Zeitraums werden bei diesem Ansatz die Kosten
und Erlöse bezeichnet, die im Laufe der Zeit Monat für Monat direkt in die
Kostenrechnung des Unternehmens einfließen. Bei diesem Ansatz erhält man für die
gesamten erzielten Erlöse und entstandenen Vollkosten der beiden ADSL-Dienste von
Wanadoo Interactive für den untersuchten Zeitraum ungefähr folgende Beträge:
Tabelle 2: Erlöse und Vollkosten der ADSL-Dienste von Wanadoo Interactive (in
Mio. EUR)
Januar-Juli 2001
August-Dezember
2001
Januar-Juni 2002
Erlöse
Kosten
Erlöse –
Kosten
Deckungsgrad der
Vollkosten
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
* vorläufige Schätzung
74. Der Deckungsgrad der kurzfristigen Vollkosten ist also in den beiden aufeinander
folgenden Zeiträumen im Jahr 2001 eher niedrig und liegt zwischen […]* % und
[…]* %. Im ersten Halbjahr 2002 verbessert er sich.65
75. Bei der Analyse des Deckungsgrades der kurzfristigen Kosten stößt man auf eine
wesentliche Grenze, die eine Schlussfolgerung unmöglich macht. Auf einem
Wachstumsmarkt, wo die Kosten für die Kundenakquisition einen erheblichen Anteil
der Ausgaben darstellen, kann das Ziel eines unter normalen Umständen handelnden
Unternehmens nicht in der unmittelbaren Deckung der Vollkosten bestehen. Die in der
Tabelle 2 angegebenen Werte für den Deckungsgrad können daher nicht als für die
Feststellung von Verdrängungspreisen aufschlussreich betrachtet werden und haben
lediglich informativen Charakter.
2.
Die tatsächliche Deckung der aufgeschlüsselten Kosten
76. Bei diesem Ansatz wird davon ausgegangen, dass das Ziel des Unternehmens nicht
darin besteht, unmittelbar ein positives kurzfristiges Rechnungsergebnis vorlegen zu
können. Es wird vielmehr angenommen, dass das Unternehmen eine ausreichende
Deckung der wiederkehrenden Kosten (Netzkosten und Produktionskosten) anstrebt,
damit mit dem bei diesen wiederkehrenden Kosten erzielten Deckungsbeitrag die
65
DE
Zum Zeitpunkt dieser Entscheidung ist es unmöglich, die exakten Kosten für das erste Halbjahr 2002 zu
ermitteln. Die Daten in den von Wanadoo Interactive übermittelten Unterlagen, die direkt aus der
Kostenrechnung stammen (S. 6 des Schreibens von Wanadoo Interactive vom 13. Dezember 2002,
S. 6099 der Akte) lassen bestimmte Kostenelemente außer Acht. Der tatsächliche Kostendeckungsgrad
war wahrscheinlich deutlich niedriger.
- 25 -
DE
einmaligen variablen Kosten für die kommerzielle Entwicklung des fraglichen
Produkts (Werbung, Marketing, Verkaufsförderung usw.) innerhalb eines vernünftigen
Zeitraums gedeckt werden können. Die einmaligen variablen Kosten werden also nach
dem Prinzip der Abschreibung einer Sachanlage66 aufgeschlüsselt und auf einen
bestimmten Zeitraum verteilt. Bei dieser Methode wird angenommen, dass die
Motivation des Unternehmens viel eher von einem ROI (return on investment) in
einem vernünftigen Zeitrahmen als von der unmittelbaren Deckung der gesamten
Kosten bestimmt wird. Für das gegenständliche Unternehmen bedeutet dies, dass die
Preise in den ersten Geschäftsjahren seiner Tätigkeit die Kosten nicht zur Gänze
decken können, dass aber dadurch weniger finanzkräftige Wettbewerber, die auf der
Basis vernünftiger Rentabilitätsziele investieren, nicht vom Markt verdrängt werden.
77. Um die wirtschaftliche Ausgewogenheit der ADSL-Angebote von Wanadoo
Interactive zu beurteilen, ging die Kommission somit von der Annahme aus, dass sich
die Kosten für die Kundenakquisition auf 48 Monate verteilen. Der Vertrag über den
Teilnehmeranschluss für den Dienst eXtense bindet den Kunden für mindestens ein
Jahr. Die Verteilung der Akquisitionskosten auf diesen einjährigen Zeitraum hätte
jedoch nicht den normalen Marktbedingungen entsprochen, da die Teilnehmer im
Durchschnitt länger als ein Jahr bei ein und demselben Provider bleiben.
78. Das Unternehmen Wanadoo Interactive stimmte dieser Analyse zu, gab jedoch in
seiner Antwort vom Oktober 2002 an, dass gemäß seiner eigenen Analyse die
durchschnittliche Vertragsdauer mit Kunden […]* eher bei […]* liege67. In seinem
Schreiben vom 4. März 2003 hält Wanadoo Interactive fest, dass die Schätzung auf
vier Jahre eine „[…]*“ und dass eine Dauer „[…]* nicht übertrieben68“ sei, wobei sich
das Unternehmen auf die von August 2001 bis Juni 200269 beobachtete
Kundenfluktuationsraten stützt. Die Kommission vertritt aus Gründen, die bereits in
der Mitteilung der Beschwerdepunkte vom 19. Dezember 2001 dargelegt wurden, die
Auffassung, dass die im Zeitraum einer starken Zunahme der Teilnehmerzahl
ermittelten Kundenfluktuationsraten nicht als repräsentativ betrachtet werden können
und dass für die Berechnung der durchschnittlichen Vertragsdauer mit Kunden nur die
aufgrund einer stabilisierten Teilnehmerzahl ermittelten Raten aufschlussreich sind.
79. Festzuhalten ist, dass die Wettbewerber in ihren Geschäftsplänen ebenfalls eine
zeitliche Verteilung der einmaligen variablen Kosten vornehmen, dass sie dafür
jedoch von kürzeren Zeiträumen ausgehen als die Kommission im vorliegenden Fall.70
In ihren Simulationen von Schereneffekten geht die französische Regulierungsbehörde
66
67
68
69
70
DE
Es ist jedoch darauf hinzuweisen, dass aus buchhalterischer Sicht Wanadoo Interactive keine solchen
Abschreibungen vornimmt und dass die gegenständlichen Ausgaben zum Zeitpunkt, zu dem sie
anfallen, so wie gewöhnliche laufende Kosten verbucht werden.
Siehe Randnummern 321 und 332 der Antwort von Wanadoo Interactive vom 23. Oktober 2002
(S. 6314 der Akte).
Siehe Randnummer 29 der Antwort von Wanadoo Interactive vom 4. März 2003 (S. 6866 der Akte).
Wanadoo Interactive stellt somit eine jährliche Kundenfluktuationsrate von […]* % für eXtense und
[…]* % für Wanadoo ADSL fest. Bei Wanadoo ADSL ist dem Unternehmen jedoch ein Rechenfehler
unterlaufen, da es lediglich die Kündigungen, aber nicht auch den Wechsel von Kunden zu anderen
Produkten des Unternehmens berücksichtigt hat. Die tatsächliche Kundenfluktuationsrate pro Jahr für
Wanadoo ADSL (Wechsel + Kündigungen / durchschnittliche Kundenanzahl) beträgt […]* %, was laut
den Angaben von Wanadoo Interactive einer durchschnittlichen Vertragsdauer von […]* Jahren
entspricht.
Oreka schreibt zum Beispiel seine Akquisitionskosten über durchschnittlich 18 Monate ab (siehe
S. 6113 der Akte), während Tiscali und T-Online France die Nettokosten ihrer Werbeangebote für
ADSL-Modems auf zwölf bzw. zwei Jahre verteilen (S. 5365 und S. 5378 der Akte).
- 26 -
DE
für Telekommunikation ("Autorité de régulation des télécommunications" bzw. ART)
ebenfalls von einer kürzeren Dauer als den im vorliegenden Fall berücksichtigten vier
Jahren aus.71 Schließlich ist festzuhalten, dass die Wahl des Zeitraums für die
Staffelung der einmaligen Kosten in dem von dieser Entscheidung erfassten Zeitraum
für die Feststellung unerheblich ist, dass die vollständigen Kosten nicht gedeckt sind,
die auch bei unbegrenzten Abschreibungszeiträumen weiterhin nicht gedeckt wären.72
80. "Aufgeschlüsselte Stückkosten" in dieser Entscheidung bedeutet die Summe der
wiederkehrenden, monatlich festgestellten Stückkosten und der (einmaligen)
Akquisitionskosten geteilt durch 48.
81. In den folgenden Absätzen untersucht die Kommission einerseits die Deckung der
aufgeschlüsselten variablen Stückkosten (Randnummern 82 und 83) und andererseits
die Deckung der aufgeschlüsselten Stückvollkosten (Randnummern 84 bis 86). Der
Gerichtshof73 sieht zwei Kostendeckungsrechnungen vor, je nachdem ob die
Handlungen des beherrschenden Unternehmens auf die Verdrängung von
Wettbewerbern ausgerichtet sind oder nicht. Nachdem die Kommission im
vorliegenden Fall der Meinung ist, dass sich die Absichten von Wanadoo Interactive74
herausgestellt haben, ist es wichtig, die Ergebnisse anhand dieser beiden
Berechnungsmethoden zu prüfen.
1. Deckung der variablen Stückkosten
82. Mit der von der Kommission angewandten Methode75 zur Aufschlüsselung der
Akquisitionskosten erhält man für den Deckungsgrad der variablen Stückkosten die in
Tabelle 3 angegebenen Werte. Diese Tabelle gibt auch ein gewichtetes Mittel76 für die
beiden Dienste zusammen auf der Grundlage ihres jeweiligen Anteils am Umsatz im
betreffenden Zeitraum77 an.
71
72
73
74
75
76
77
DE
Die Regulierungsbehörde ART schreibt so die von France Télécom verrechneten Zugangsgebühren in
Höhe von 53 EUR über eine Dauer von drei Jahren ab. Siehe Punkt III.1. der ART-Stellungnahme
Nr. 02-346 vom 30. April 2002 über die Tarifentscheidung Nr. 2002033 in Bezug auf die Entwicklung
des IP/ADSL-Routing-Dienstes und über die von France Télécom angekündigten Tarifvorschläge in
Bezug auf die IP/ADSL-Dienste.
Siehe Randnummer 86.
Siehe Urteil in der Rechtssache Akzo, a.a.O., Randnummer 71.
Siehe Abschnitt I.G.
Die einzelnen Berechnungen sind in den Anhängen 1 bis 8 dieser Entscheidung erläutert.
Siehe Berechnungen in Anhang 15 dieser Entscheidung.
In den Punkten 14 bis 20 seiner Antwort vom 4. März 2003 (S. 6861-6863 der Akte) stellte Wanadoo
Interactive diese Gewichtungsmethode in Frage, nachdem die Kommission früher die gesamte
Kundenzahl der beiden Dienste zusammen als Gewichtungsfaktor verwendet hatte. Die Kommission
vertritt jedoch die Auffassung, dass es für die Berechnung des gesamten Kostendeckungsgrades (alle
Erlöse der beiden Dienste dividiert durch die Summe aller Kosten der beiden Dienste) angebracht ist,
die für die beiden Produkte ermittelten Deckungsgrade entweder mit den gesamten Erlösen oder den
Gesamtkosten eines jeden der beiden Dienste zu gewichten. In Ermangelung der relevanten Angaben
für die gesamten Kosten für den ganzen Zeitraum, hat die Kommission hier die gesamten Erlöse
gewählt. Die Wahl der gesamten Kundenzahlen als Gewichtungsfaktor sei arithmetisch falsch. Dadurch
würde nämlich das Gewicht des ADSL-Produkts von Wanadoo stark überbewertet werden, nachdem
man es so behandelte, als ob es die gleichen Kosten und Erlöse wie der Dienst eXtense ergebe, wo doch
die Kosten und Erlöse pro Teilnehmer bei eXtense um das doppelte höher sind. Die Kommission ist der
Auffassung, nicht an einem in einem früheren Stadium des Verfahrens gemachten Fehler festhalten zu
können und gibt demnach dem Unternehmen die Möglichkeit, seine Kommentare zur Berichtigung des
Fehlers im Rahmen seiner Verteidigungsrechte vorzubringen, was in diesem Fall mit dem Schreiben
vom 16. Januar 2003 geschah.
- 27 -
DE
Tabelle 3: Deckung der aufgeschlüsselten variablen Kosten
eXtense
Wanadoo
ADSL
Zusammen
1. Januar–31. Juli 2001
[…]* %
[…]* %
[…]* %
1. August 2001–15. Oktober 2001
[…]* %
[…]* %
[…]* %
15. Oktober 2001–15. Februar 2002
[…]* %
[…]* %
[…]* %
15. Februar 2002–15. Oktober 2002
[…]* %
[…]* %
[…]* %
83. Für den Zeitraum bis Ende August 2001 wird weiters festgestellt, dass die laufenden
Erlöse nicht einmal die laufenden Kosten — ohne Berücksichtigung der einmaligen
variablen Kosten — decken. Die Deckung der wiederkehrenden Kosten beträgt somit
für die Dienste eXtense und Wanadoo ADSL […]* % bzw. […]* %78.
2. Deckung der variablen Stückvollkosten
84. Die Analyse der Vollkosten ist unter Berücksichtigung der EU-Rechtsprechung über
Verdrängungspreise vorzunehmen. Dies ist im vorliegenden Fall umso mehr
gerechtfertigt, als […]* 79. Dieser auf den Vollkosten beruhende Ansatz war
insbesondere für das Unternehmen Wanadoo Interactive notwendig, da es von 1991
bis 2001 Verluste verzeichnete. Es konnte sich einfach nicht mehr erlauben, von einer
gewissen Notwendigkeit der Vollkostendeckung für jedes einzelne der Produkte seiner
Palette abzusehen, da kein einziges davon im Laufe dieser Geschäftsjahre eine
ausreichende Marge ergab, um andere Aktivitätsbereiche von dieser Verpflichtung80
auszunehmen.
85. Es bestehen keine Zweifel daran, dass die Vollkosten während der ersten sieben
Monate des Jahres 2001 nicht gedeckt waren, wenn man die Deckungshöhe der
variablen Kosten betrachtet. In der Zeit nach dem 1. August 2001 erhält man für den
Deckungsgrad der Vollkosten folgende Werte81:
Tabelle 4: Deckung der Stückvollkosten
1. August 2001-31. Dezember 2001
78
79
80
81
DE
eXtense
Wanadoo
ADSL
Zusammen
[…]* %
[…]* %
[…]*%
Siehe Anhänge 1 und 2 dieser Entscheidung.
Dies wird durch alle internen Unterlagen des Unternehmens zur vorläufigen Erfolgsrechnung, die
einzelnen Produktbudgets und die finanzielle Beurteilung der einzelnen Angebote bestätigt. Eine
erschöpfende Aufzählung der bei Wanadoo Interactive beschlagnahmten Schriftstücke wäre zu lang, so
dass hier nur beispielhaft auf […]* vorgestellten […]* (S. 2869 und S. 2870 der Akte), […]* (S. 2770
der Akte) verwiesen werden soll. […]* (S. 2982 der Akte)).
Diese Notwendigkeit eines ausreichenden Bruttodeckungsbeitrags zur Deckung der Vollkosten des
Unternehmens wird übrigens in […]* erwähnt, […]* (S. 2885 der Akte).
Zur Berechnung des gesamten Deckungsgrads wurde eine Gewichtung mit dem entsprechenden
Umsatzanteil gemäß den Angaben in Randnummer 82 vorgenommen (s. Anhänge 13.2, 14,3 und 15.1
dieser Entscheidung).
- 28 -
DE
1. Januar – 15. Oktober 2002
[…]* %
[…]* %
[…]* %
86. Die aufgeschlüsselten Stückvollkosten sind demnach im Zeitraum Januar 2001 bis
Oktober 2002 niemals gedeckt. Die Wahl des Zeitraums für die Abschreibung der
einmaligen Kosten ist unerheblich für die Feststellung der Unfähigkeit des
Unternehmens, seine Vollkosten im fraglichen Zeitraum zu decken. Für das Produkt
eXtense war der Deckungsbeitrag zu den Gesamtproduktionskosten in dem Zeitraum
ständig negativ, so dass keinerlei Beitrag zur Deckung der einmaligen
Akquisitionskosten geleistet werden konnte, und zwar nicht einmal bei unbegrenzten
Abschreibungszeiträumen.82 Im Falle des Produkts Wanadoo ADSL war der
Deckungsbeitrag bis Dezember 2001 ebenfalls negativ; er wurde zwar dann ab Januar
2002 leicht positiv, doch das reichte nur aus, um die Akquisitionskosten über einen
Zeitraum von mehr als 96 Monaten abzuschreiben.
3.
Analyse anhand aufeinander folgender Generationen von neuen Teilnehmern
87. In seiner Antwort vom 23. Oktober 2002 kritisierte Wanadoo Interactive die von der
Kommission angewandte Methode zur Aufschlüsselung der Akquisitionskosten, die
dadurch auf einen Zeitraum von 48 Monaten verteilt werden83. Laut Wanadoo sei es
bei der Deckungsbeitragsrechnung angebracht, nicht von der gesamten Tätigkeit,
sondern von den aufeinander folgenden Generationen neuer Teilnehmer auszugehen.
Wanadoo Interactive schlägt somit zwei Methoden vor: einerseits den Ansatz, bei der
Berechnung der Deckung der variablen Kosten und der Vollkosten für jeden Zeitraum
nur die aufeinander folgenden Generationen von Teilnehmern heranzuziehen, und
andererseits die Vorgehensweise, für jede neue Generation von Teilnehmern eine
Analyse mit Hilfe des „Discounted Cashflow“ (DCF) durchzuführen.
1. Analyse der ausschließlich für die neuen Generationen von Teilnehmern
aufgeschlüsselten Kosten
88. Die von Wanadoo Interactive vorgeschlagene Methode läuft darauf hinaus, für jede
neue Generation von Teilnehmern die für frühere Generationen angefallenen
Akquisitionskosten nicht erneut zu berücksichtigen84. Dadurch wird bei der
Beurteilung der Ausgeglichenheit des Bereichs die Bedeutung der im Laufe der
anfänglichen Entwicklungsphase getragenen Verluste minimiert. Im konkreten Fall
wird gemäß dieser These von Wanadoo Interactive behauptet, dass für die
wirtschaftliche Ausgeglichenheit des ADSL-Bereichs die Akquisitionskosten für die
im Zeitraum Januar bis Juli 2001 neu angemeldeten Kunden in der Ende 2001
durchgeführten Analyse der wirtschaftlichen Ausgeglichenheit des Bereichs nicht
mehr zu berücksichtigen sind, da in der Zwischenzeit eine neue Generation von
Anschlussteilnehmern existiert. Somit stellt Wanadoo Interactive den Grundsatz der
Verteilung der Akquisitionskosten in Frage. Trotz dieses grundsätzlichen Vorbehalts
sollte die These von Wanadoo Interactive jedoch im Rahmen einer Analyse untersucht
82
83
84
DE
Bei einem Abschreibungszeitraum von zehn Jahren etwa hätte der Deckungsgrad für die Vollkosten bei
eXtense von August bis Dezember 2001 […]* % und ab Januar 2002 […]* % betragen. Bei dem
Produkt Wanadoo ADSL hätte der Deckungsgrad im Falle einer solchen Abschreibungsdauer in der
Zeit von August bis Dezember 2001 bei […]* % und in dem darauffolgenden Zeitraum bei […]* %
gelegen.
Siehe Randnummer 289 und Anlage 9 von Anhang D der Antwort von Wanadoo Interactive vom
23. Oktober 2002.
Siehe Randnummern 282 und 286 der Antwort vom 23. Oktober 2002.
- 29 -
DE
werden, um herauszufinden, in welchem Zeitraum seine Preispolitik ein Hindernis für
den Zugang und die Entwicklung anderer Wettbewerber auf dem relevanten Markt
darstellte.
89. In dieser zusätzlichen Analyse betrachtet die Kommission somit die tatsächlich durch
jede neue Generation von Anschlussteilnehmern angefallenen Kosten. Es ist unnötig,
auf den Zeitraum Januar bis August 2001 zurückzukommen, für den die mangelnde
Deckung der variablen Kosten nicht bestritten wird. Die Ergebnisse für die drei darauf
folgenden Zeiträume liegen schließlich sehr nahe (+/-1,5 %) bei denjenigen, die in
Tabelle 3 für die Teilnehmer insgesamt angegeben sind85. Weiters wird festgehalten,
dass man bei Gewichtung der errechneten Deckungsgrade der beiden Dienste anhand
ihres jeweiligen Anteils an der Umsatzentwicklung für den Zeitraum August bis
Oktober 2001 sowie für den Zeitraum Februar bis September 2002 ein etwas
ungünstigeres Ergebnis erhält als mit der vorhergehenden Methode.
2. Ungültigkeit einer DCF-Analyse im vorliegenden Fall
90. Wanadoo Interactive schlägt in seiner Antwort vom Oktober 2002 vor zu prüfen, ob
für jede neue Generation von Teilnehmern der kumulierte DCF pro Kunde über die
durchschnittliche Dauer der vertraglichen Bindung positiv ist86. Gegen die von
Wanadoo Interactive vorgestellte Methode bestehen mehrere grundsätzliche
Einwände, weshalb sie abzulehnen ist.
91. Erstens erlaubt diese Analyse keine Schlussfolgerung in Hinblick auf die
Verdrängungspreise. Eine Verdrängungspolitik setzt in den meisten Fällen voraus,
dass die Unternehmen beabsichtigen, ihre anfänglichen Verluste mittel- oder
langfristig irgendwie auszugleichen. Dabei muss der anfängliche Verlust, der zur
Abschreckung der am wenigsten hartnäckigen Wettbewerber dient, mittelfristig durch
positive Deckungsbeiträge ausgeglichen werden. Somit ist es bei einer
Verdrängungspolitik keineswegs paradox, wenn ein Teilnehmer über die gesamte
Vertragsdauer hinweg einen positiven DCF ergibt, auch wenn er am Anfang für das
Unternehmen einen beträchtlichen Verlust bedeutete.
92. Zweitens führt die Analyse getrennt nach Teilnehmergenerationen dazu, dass die
verschiedenen aufeinander folgenden Schübe neuer Kunden künstlich aufgegliedert
werden, wo sie doch letzten Endes nur aggregiert wirtschaftliche und finanzielle
Aussagekraft haben. Auch wenn die von Wanadoo Interactive vorgeschlagene
Methode für die früher gewonnenen Kunden annehmbar wäre, ist es nicht akzeptabel,
die Auswirkungen der zukünftigen Teilnehmergenerationen zu ignorieren. Die
Wirtschaftlichkeit der Akquisition neuer Teilnehmer durch Wanadoo Interactive ist
nicht nur unter dem Gesichtspunkt des DCF einer Gruppe von in einem bestimmten
Zeitraum gewonnenen Kunden zu beurteilen, sondern auch in Hinblick auf die
Wachstumsperspektiven für die Zukunft. Die betriebswirtschaftliche Strategie eines
Unternehmens beruht nicht ausschließlich auf der Gebührengestaltung für ein Produkt,
sondern berücksichtigt auch andere Elemente wie die Wachstumsrate und ihre
Umsetzung in Hinblick auf kommerzielle Ziele. Die von Wanadoo Interactive
vorgeschlagene Methode führt dazu, dass dieser Aspekt vernachlässigt wird.
85
86
DE
Siehe Anhänge 3.2., 4.2., 5.2., 6.2., 7.2., 8.2. und 15.2 dieser Entscheidung.
Siehe Randnummern 333 bis 341 der Antwort von Wanadoo Interactive vom 23. Oktober 2002 (S. 6316
und S. 6317 der Akte) und Randnummern 23 bis 25 der Antwort vom März 2003 (S. 6865 der Akte).
- 30 -
DE
93. Nehmen wir zum Beispiel an, dass man für die ab dem Monat t des Jahres N
gewonnenen Teilnehmer über einen Zeitraum, der der durchschnittlichen Dauer der
vertraglichen Bindung von Abonnenten entspricht, mit einem positiven DCF rechnen
kann. Eine kurze Prüfung könnte zum Schluss führen, dass der Neuzugang an Kunden
im Monate t des Jahres N rentabel ist. Aber auch wenn diese einzelnen Teilnehmer auf
Dauer einen positiven DCF ergeben, verursacht die Umsatzsteigerung der Monate
(t+1), (t+2) etc. Akquisitionskosten, die die Rentabilität der Tätigkeit insgesamt
betrachtet verringern. Die aufgegliederte Analyse der Neuanmeldungen würde dazu
führen, dass man keine Erkenntnisse über die Ausgeglichenheit der gesamten
Aktivität, die letzten Endes das einzig Wichtige für das Unternehmen ist, erhält. Die
Dynamik von Verkauf und Akquisitionskosten verläuft so, dass die Akquisition neuer
Teilnehmer, die wie es scheint einzeln mittelfristig rentabel sind, in Wirklichkeit
kurzfristig zu einer Verschlechterung der kumulierten Nettowerte für den gesamten
Bereich führt. Dieses Phänomen verdient umso mehr Beachtung, als der Bereich der
ADSL-Dienste von Wanadoo Interactive rasch wächst und das Unternehmen davon
ausgeht, dass dieses Wachstum mindestens bis 2004 anhält. Auch wenn es also den
Anschein haben kann, dass der Netto-DCF für einen einzelnen Teilnehmer in einem
Zeitraum von drei Jahren positiv ist, könnte der ADSL-Bereich von Wanadoo
Interactive insgesamt betrachtet für etliche Geschäftsjahre darüber hinaus nicht
rentabel sein.
94. Kurzfristig gesehen kann der Zugang scheinbar rentabler neuer Teilnehmer nur dann
eine Verbesserung des Nettoergebnisses für den gesamten untersuchten Bereich
bringen, wenn die folgende Ungleichung zutrifft:
(Xt-1 + xt).m > a.xt
wobei „Xt-1 “ für die kumulierte Teilnehmeranzahl des Monats (t-1), „xt“ für die
Anzahl neuer Teilnehmer im Monat t, „m“ für die Gewinnspanne pro Teilnehmer
und „a“ für die Akquisitionskosten pro neuem Teilnehmer steht. Diese Bedingung
entspricht (Xt-1 + xt).m - a.xt > 0. Mit anderen Worten ausgedrückt, hat der Zugang
neuer Teilnehmer keine positiven Auswirkungen auf das Nettoergebnis des
Unternehmens, wenn die Wachstumsrate des Bereichs niedriger ist als das Verhältnis
m/(a-m). Interessanterweise wurde im Zeitraum Januar 2001 bis Juni 2002 diese
Ungleichung nie für das Produkt eXtense erfüllt87. Unabhängig vom mittelfristigen
Wert für die einzeln betrachteten aufeinander folgenden Teilnehmer hat der Zugang
neuer Abonnenten also das Nettoergebnis des Bereichs in diesem Zeitraum
unaufhörlich verschlechtert.
95. Unter diesen Umständen vertritt die Kommission die Auffassung, dass die DFCAnalyse eine Analyse der Gesamtsituation des Bereichs nicht ersetzen kann, da sie
eine Optik ergibt, die einer künstlich optimistischen Darstellung der Zugangs- und
Entwicklungsbedingungen auf dem gegenständlichen Markt gleichkommt.
96. Das dritte Problem bei der von Wanadoo Interactive vorgeschlagenen Methode ist der
Mangel an Informationen, um von einem rein materiellen Standpunkt aus die
zukünftigen, vom Unternehmen vorausgesehenen Gewinnspannen nachvollziehen zu
können. Obwohl die unternehmensinternen Unterlagen hier und dort Abschätzungen
der Kostenentwicklung enthalten, erlauben es diese vereinzelten Angaben nicht,
87
DE
Siehe Anhang 20 dieser Entscheidung.
- 31 -
DE
rückblickend die von Wanadoo Interactive zum Zeitpunkt der Annahme seiner
Marketingstrategie für die Zukunft vorhergesehenen Einkommensströme genau
nachzuvollziehen. Nicht einmal die Entwicklung der Angebotspreise von Wanadoo
Interactive für die Geschäftsjahre 2003 und 2004 war mit Sicherheit festgelegt
worden. In verschiedenen Unterlagen des Unternehmens wird zum Beispiel für das
Produkt Pack eXtense88 ein Zielpreis von unter […]* FRF inkl. Steuern bis zum Jahr
2004 genannt, wobei jedoch die Entwicklung der vom Unternehmen vorhergesehen
Gewinnspanne im Laufe der Zeit unklar war.
4.
Die ex ante vorhersehbare Deckung der aufgeschlüsselten Kosten
97. Für die Analyse der Preispolitik von Wanadoo Interactive ist es wichtig, die Deckung
der variablen und der Vollkosten zu Ende des Jahres 2001 und in den ersten Monaten
von 2002, wie sie auf der Grundlage der damaligen Annahmen von Wanadoo
Interactive für die neuen Teilnehmergenerationen89 vernünftigerweise vorausgesehen
werden konnte, nachzuvollziehen. Wie bereits in Randnummer 99 erwähnt, kam es
nämlich aufgrund zahlreicher unerwarteter Ereignisse dazu, dass sich die realen
Zahlen Ende 2001 und Anfang 2002 in eine andere Richtung entwickelten. Diese
Elemente konnten für Ende 2001 erst im Sommer 2001 mit Sicherheit vorausgesehen
werden. Und erst Anfang des Geschäftsjahres 2002 konnte man vernünftigerweise
absehen, wie die Zahlen für 2002 aussehen würden.
98. Wanadoo Interactive hat eine solche Prüfung der vorhersehbaren Kosten, wie sie in
der zusätzlichen Mitteilung von Beschwerdepunkten vom 9. August 2002
vorgenommen wurde, grundsätzlich nicht in Frage gestellt. Das Unternehmen hielt
lediglich fest, dass bestimmte Kostensenkungen nicht zufällig waren, dass man jedoch
— obwohl dies in den Budgetprognosen und den Berechnungen der Zielvorgaben
nicht festgehalten wurde — darauf gehofft hatte90. Es nennt in diesem Zusammenhang
als einziges konkretes Beispiel die Kosten […]*, die […]* Gegenstand von
Geschäftsverhandlungen waren. Die Kommission ist der Auffassung, dass diese
Verhandlungen […]* zu spät91 abgeschlossen wurden, als dass Wanadoo Interactive
diese Kosten vernünftigerweise zum Zeitpunkt, als es seine Entscheidungen über die
Marketingstrategie für das zweite Halbjahr 2001 traf, berücksichtigen hätte können.
99. Man kann davon ausgehen, dass Wanadoo Interactive folgende „zufällige“ Elemente
in seinen Rentabilitätsanalysen im Sommer 2001 nicht in Betracht ziehen konnte:
- die Senkung der Kosten für […]*;
- die […]* Entschädigungen […]* 92 und die Umsatzverluste aufgrund […]*;
- die Verrechnung der genutzten Bandbreite zu einem merklich niedrigeren Preis als
[…]*;
88
89
90
91
92
DE
[…]* (S. 2901 und S. 2907 der Akte).
Die von Areeda und Turner empfohlene kurzfristige Prüfung auf Verdrängungspreise beruht im
Übrigen auf der Festlegung der Gebühren unterhalb der Kosten, mit denen vernünftigerweise zu
rechnen ist („reasonably anticipated“).
Fußnote 101 der Antwort vom 23. Oktober 2002 (S. 6272 der Akte).
[…]* Schreibens von Wanadoo Interactive an die Kommission vom 7. Mai 2002, S. 4904 der Akte).
[…]* Anlage der Antwort vom 7. Mai 2002 auf ein Auskunftsverlangen der Kommission vorgelegt
wurde, S. 4913 der Akte).
- 32 -
DE
- die tatsächliche Verteilung der Teilnehmer auf die Region Ile-de-France und das
restliche Frankreich, […]93.
100.
Wanadoo Interactive ging hingegen davon aus, dass der Zugang zum Dienst ab
[…]* gratis sein würde, in Wirklichkeit war dies erst ab 15. Oktober 2001 der Fall.
Weiters wird angenommen, dass Wanadoo Interactive mit einem Wiederaufschwung
des Marktes der Online-Werbung im Herbst und somit mit Einnahmen aus Werbung
und Website-Zugriffen gemäß den ursprünglichen Budgetprognosen, rechnete.
101.
Hätte sich Wanadaoo Interactive einer ähnlichen Methode für die
Aufschlüsselung der Akquisitionskosten wie die Kommission bedient, hätte das
Unternehmen auf der Grundlage seiner damaligen Annahmen für das zweite Halbjahr
2001 die folgenden Deckungsgrade für die aufgeschlüsselten variablen Kosten in
folgender Höhe vorhersehen können:
Tabelle 5: Deckung der bis Ende 2001 vorhersehbaren variablen Kosten
Pack eXtense
Wanadoo ADSL
Zusammen
[…]* %
[…]* %
[…]* %
102.
Im Zusammenhang mit den vorhersehbaren Vollkosten für Ende 2001 waren
im Geschäftsplan für die beiden Dienste bis Ende 2001, der in der Mitteilung der
Beschwerdepunkte vom 19. Dezember 200194 erwähnt wurde, Deckungsgrade in
Höhe von […]* % ohne Akquisitionskosten95 angegeben, so wie sie damals von
Wanadoo Interactive nach seinen eigenen Berechnungen erwartet wurden. Diese
Zahlen bestätigen, dass das Unternehmen Mitte Oktober 2001 sowohl für das Produkt
eXtense als auch für Wanadoo ADSL noch keine Deckung der aufgeschlüsselten
Vollkosten in den letzten Wochen des Geschäftsjahres 2001 absehen konnte.
103.
Die Rückverfolgung der Kosten, wie sie das Unternehmen Ende 2001 für das
Geschäftsjahr 2002 vorhersah, ist etwas schwieriger. Das Unternehmen hatte äußerst
günstige Hypothesen für die Entwicklung bestimmter Kosten formuliert, wusste
jedoch, dass diese Kostensenkungen erst zu Beginn des Jahres einsetzen würden.
Wanadoo Interactive war sich somit im Klaren darüber, dass das Jahr in zwei
Abschnitte aufgeteilt sein würde: in die Zeit vor und in die Zeit nach dem Beginn der
Tarifsenkungen für die Zugangs- und Routing-Dienste von France Télécom.
104.
Somit konnte das Unternehmen Anfang 2002 und vor dem Inkrafttreten der
neuen Tarife für die Firmendienste von France Télécom vernünftigerweise nur von
einer Fortsetzung der zu Ende des Geschäftsjahres 2001 beobachteten Entwicklungen,
allerdings um einige wichtige Faktoren bereinigt, ausgehen:
93
94
95
DE
Festzuhalten ist, dass die Verteilung der Teilnehmer auf die Region Paris und den Rest des Landes bis
zum Herbst 2002 spürbare Auswirkungen auf die Kosten hatte, wobei die Tarife für den Routing-Dienst
von France Télécom auf dem Land […]* höher sind.
Randnummern 49 und 56 der Mitteilung der Beschwerdepunkte vom 19. Dezember 2001.
Die fraglichen Kosten wurden im Gegensatz zu den Bewertungen nach der Methode der Kommission
nicht aufgeschlüsselt. Dieser Umstand beeinträchtigt jedoch den Vergleich der Ergebnisse kaum,
nachdem die Bewertung von Wanadoo Interactive die Akquisitionskosten, deren Auswirkungen durch
eine Verteilung auf vier Geschäftsjahre gemäß der Methode der Kommission minimal sind, nicht
berücksichtigt. Aus diesem Grund sind die Größenordnungen in den Bewertungen der Kommission und
in den Berechnungen der Zielvorgaben nicht sehr unterschiedlich.
- 33 -
DE
- kostenloser Zugang zum Netz für Wanadoo Interactive entweder durch
Weiterverrechnung dieser Kosten an den Kunden oder dank der regelmäßigen
Sonderangebote von France Télécom;
- geringere Kosten für […]*, was […]* bekannt wurde;
- Senkung der Nettokosten für das Modem auf […]* für Wanadoo Interactive;
- Verringerung der Kosten für die internationale Anbindung, allerdings unter der
Annahme, dass weiterhin eine gleich große Bandbreite wie im Jahr 200196 genutzt
werden würde.
105.
Auf der Grundlage dieser Annahmen kann man davon ausgehen, dass
Wanadoo Interactive Anfang 2002 vor Inkrafttreten der neuen Routing-Tarife mit
Rentabilitätsbedingungen bei seinen neuen Teilnehmern rechnen konnte, wie sie in
Tabelle 6 gemäß der von der Kommission verwendeten Methode mit
aufgeschlüsselten Kosten dargestellt werden. In Anbetracht des wesentlich höheren
Anteils des Produkts eXtense in den Umsatzzielen für 200297 konnte das Unternehmen
nicht damit rechnen, seine variablen Kosten vollständig zu decken.
Tabelle 6: Deckung der bis Anfang 2002 vorhersehbaren variablen Kosten
Pack eXtense
Wanadoo ADSL
Zusammen
[…]* %
[…]* %
[…]* %
106.
Für den zweiten Abschnitt des Jahres 2002, ab dem Wanadoo Interactive eine
erhebliche Kostensenkung vorhersah, konnte das Unternehmen auf der Grundlage
seiner Prognosen mit einer 100 %igen Deckung der nach der Methode der
Kommission aufgeschlüsselten Vollkosten rechnen.
5.
Schlussfolgerungen zur Kostendeckung
107.
Aus den obigen Darlegungen geht hervor, dass Wanadoo Interactive im
gesamten Zeitraum von Januar 2001 bis Oktober 2002 nie die gemäß seinen
Buchführungsdaten anfallenden variablen und Vollkosten für seine ADSL-Dienste
deckte. Auch im Jahr 2002, als sich die Rentabilitätsbedingungen verbessert hatten,
verschlechterte sich mit jedem weiteren Monat und mit den neu angemeldeten
Teilnehmern das Nettoergebnis des gegenständlichen Bereichs. Diese Tatsache wird
lediglich zur Erinnerung festgehalten.
108.
Die Kommission bediente sich einer Kostenrechnungsmethode, um zu
beurteilen, ob bei den ADSL-Diensten von Wanadoo Interactive eine ausreichende
Deckung der Produktionskosten erzielt wurde, um die Kosten für die Akquisition
neuer Teilnehmer zu decken, die über einen Zeitraum von 48 Monaten abgeschrieben
werden. Zur Vervollständigung dieser Analyse und unter Berücksichtigung
96
97
DE
Festzuhalten ist, dass Wanadoo Interactive am Anfang des Jahres 2002 nicht wissen konnte, dass die
Bandbreite pro Teilnehmer schließlich auf einer […]* Grundlage beurteilt werden würde. Dieser Punkt
wird im Übrigen in der Antwort von Wanadoo Interactive vom 4. März 2002 auf die Mitteilung der
Beschwerdepunkte vom 19. Dezember 2001 nicht einmal erwähnt.
Während der beiden ersten Monate des Jahres 2002 machte eXtense […]* % der Umsätze mit ADSLProdukten von Wanadoo Interactive auf dem Privatkundenmarkt im Vergleich zu […]* % im letzten
Quartal 2001 aus. Erst nach dem Verbot der Vermarktung des Pakets eXtense in den Geschäftsstellen
durch den französischen Wettbewerbsrat im Februar 2002 kam es […]*. Dieser […]* war nicht
vorhersehbar.
- 34 -
DE
verschiedener, Ende 2001 zufällig eingetretener Ereignisse hat die Kommission
beurteilt, inwiefern das Unternehmen sowohl im zweiten Halbjahr 2001 als auch
Anfang 2002 in der Lage war, die Rentabilität seiner ADSL-Dienste auf der
Grundlage der damals verfügbaren innerbetrieblichen Arbeitshypothesen positiv
einzuschätzen.
109.
Die Kommission zieht aufgrund dieser Methode sowie der verschiedenen
ergänzenden, in diesem Abschnitt dargelegten Beurteilungen folgende
Schlussfolgerungen:
- Vom 1. Januar bis 31. Juli 2001 waren die variablen Kosten der ADSL-Dienste des
Unternehmens nicht gedeckt.
- Vom 1. August 2001 bis 15. Oktober 2002 konnte das Unternehmen zwar nicht
seine Vollkosten, jedoch seine aufgeschlüsselten variablen Kosten knapp bzw.
praktisch decken, ohne im Übrigen in der Lage zu sein, dies bis März 2002
vorherzusehen.
- Seit dem 15. Oktober 2002 deckt das Unternehmen seine Kosten, wie sie nach der
Methode der Kommission aufgeschlüsselt werden.
G. UNTERNEHMENSINTERNE UNTERLAGEN, DIE AUF EINE STRATEGIE ZUR
VEREINNAHMUNG DES BREITBANDMARKTES HINWEISEN
1.
Die Formulierung der Absicht, den Breitbandmarkt zu vereinnahmen
110.
Verschiedene schriftliche Unterlagen, die bei Wanadoo Interactive
beschlagnahmt wurden, bestätigen, dass es eine Strategie zur Vereinnahmung des
Breitbandmarktes bzw. des „ADSL-Marktes“ gab. Dies waren insbesondere folgende
Unterlagen:
- Ein Bericht vom Juli 200098, […]* 99 […]*;
- […]* 100, […]*;
- […]* 101 […]*;
- […]*;
- […]*der für den Zeitraum 2001-2003 102 auf […]*hinweist.
111.
Mit diesem Ziel der Vereinnahmung des Breitbandmarktes wird auf der Ebene
des Internet-Providers das Ziel für den ADSL-Bereich abgewandelt, das der Präsident
von France Télécom so formuliert hatte: „préempter le marché, en coupant l’herbe
98
99
100
101
102
DE
[…]* (S. 3827 der Akte).
Diese Bezeichnung stand für das Produkt, das später unter dem Namen „eXtense“ angeboten werden
sollte.
[…]* (S. 3142 der Akte).
[…]* (S. 3764 der Akte).
Zitiert im Dokument mit dem Titel „Plan stratégique 2002-2004, premières tendances, division ISP
[…]* (S. 4261 der Akte).
- 35 -
DE
sous le pied de (ses) concurrents“ [Vereinnahmung des Marktes, indem man den
Wettbewerbern den Boden unter den Füßen wegzieht]103.
112.
Die Umsetzung dieser Idee der Vereinnahmung durch den Erwerb von
Marktanteilen ist in verschiedenen Unterlagen enthalten, die bestätigen, dass Wanadoo
Interactive nicht nur danach strebte, „Marktführer“ zu werden, sondern auch danach,
umfangreiche Marktanteile zu erobern und zu behalten.
113.
[…]* 104
114.
[…]*:
- […]* 105 […]*;
- […]* 106 […]*.
115.
[…]* 107 […]* 108. […]*.109
116.
[…]* 110. […]* 111. […]*.
117.
[…]*112.[…]*
118.
Diese Strategie für den Breitbandmarkt ist Teil eines umfassenderen Ziels in
Hinblick auf die Steigerung der Marktanteile bei allen Internet-Zugängen. […]* 113.
[…]*
119.
Wanadoo Interactive bestritt die Tragweite der zitierten Unterlagen und die
Bedeutung des verwendeten Ausdrucks „Vereinnahmung“ sowie die Relevanz der in
Bezug auf die Marktanteile angeführten Ziele. Seiner Ansicht nach spiegelten die von
der Kommission angeführten Aussagen lediglich den Entscheidungsprozess in einem
Großunternehmen wider und seien bloß für ihre jeweiligen Urheber, aber nicht für die
juristische Person des Unternehmens verbindlich. Es handle sich ferner um informelle
und spontane Ausdrucksformen, um nicht zu sagen spontane und unüberlegte
Aussagen114.
120.
Allein in Anbetracht der Fakten ist es die Pflicht der Kommission, die
Argumentation des Unternehmens zu widerlegen.
103
104
105
106
107
108
109
110
111
112
113
114
DE
Zitat aus einem Urteil des Berufungsgerichts Paris vom 9. April 2002 in der Rechtssache France
Télécom / T-Online, S. 4.
[…]*, (S. 3764 der Akte).
[…]* (S 3276 der Akte) […]*.
Die Beurteilung des eigenen Marktanteils durch Wanadoo Interactive zu diesem Zeitpunkt liegt
eindeutig unter dem tatsächlichen damaligen Wert.
[…]* (S. 4155 der Akte).
[…]* (S. 4157 der Akte).
[…]* (S. 3095 der Akte).
[…]*
[…]* (S. 2708 ff der Akte).
S. 3316 der Akte.
[…]* (S. 2897 der Akte).
Randnummer 181 der Antwort vom 23. Oktober 2002 (S. 6289 der Akte).
- 36 -
DE
121.
Zunächst ist festzuhalten, dass die Aussagen über die angestrebte
Vereinnahmung des Marktes zum Großteil keineswegs „beiläufig“, wie Wanadoo
Interactive behauptet115, gemacht wurden. Drei der fünf zitierten Texte, in denen die
angestrebte Vereinbarung festgehalten wird, stammen aus offiziellen Präsentationen
bei Vorstandssitzungen. Eine vierte Passage ist […]* keineswegs ein Schriftstück der
Leitung der Verkaufsabteilung von Wanadoo Interactive zur Motivation seiner
Vertreter vor Ort, wie vom Unternehmen behauptet116, darstellte.
122.
Auch wenn vielleicht bestimmte Unterlagen […]* als informell bezeichnet
werden können, ist es umso interessanter zu beobachten, welche Verbreitung dieses
Ziel der Vereinnahmung, das in ganz unterschiedlichen Zusammenhängen erwähnt
wird, fand. Dadurch kommt über den unterschiedlichen Charakter dieser Schriftstücke
hinaus die Einheitlichkeit des Unternehmensziels konkret zum Ausdruck. Entgegen
den Behauptungen von Wanadoo Interactive war das angestrebte Ziel der
Vereinnahmung selbst in keiner Weise Gegenstand von Diskussionen zwischen den
Verfassern dieser Unterlagen, sondern stellt offensichtlich ihr Postulat eines
gemeinsamen Ausgangspunktes dar.
123.
Weiters stammen die zitierten Aussagen nicht von Mitarbeitern in
untergeordneten Positionen, sondern durchwegs von Führungskräften der
Unternehmensleitung, ja sogar […]*. Es ist somit zweifelhaft, dass es sich dabei um
spontane und unüberlegte Stellungnahmen handelte.117
124.
Wanadoo Interactive hat zu Recht darauf hingewiesen, dass die erklärten Ziele
in Hinblick auf die Marktanteile nicht absolut homogen waren, zumal die Schätzungen
der Marktanteile im Breitbandbereich abgesehen von einer Ausnahme in einem
Dokument, in dem die Zahl […]* % angeführt wird, zwischen […]* % und […]* %
lagen. Das Unternehmen warf der Kommission vor, nicht versucht zu haben, die
Bedeutung dieser verschiedenen Schätzungen differenziert zu sehen.118 Es ist demnach
wichtig, das Dokument mit dem höchsten Grad der Verbindlichkeit heranzuziehen,
und zwar […]* In dieser Präsentation wurden die bis 2004 angestrebten Marktanteile
für ADSL-Einzelangebote wie Wanadoo ADSL auf […]* % und für Paketangebote
wie eXtense auf […]* % festgelegt. Das Ziel, bis 2004 […]* % der Marktnische für
die ADSL-Einzelangebote zu erobern, wurde im Übrigen in einem kurz danach
verfassten Dokument119 bestätigt.
2.
Unternehmensinterne Überlegungen von Wanadoo Interactive zur
Preisgestaltung und zu den wirtschaftlichen und finanziellen Auswirkungen der
Entwicklung seiner ADSL-Dienste.
125.
Im Laufe ihrer Untersuchungen brachte die Kommission Einzelheiten über die
internen Überlegungen von Wanadoo Interactive zur Preisgestaltung für die fraglichen
Dienste sowie zu den wirtschaftlichen und finanziellen Folgen der beschlossenen
115
116
117
118
119
DE
Randnummer 182 der Antwort vom 23. Oktober 2002 (ibid.).
Randnummern 162 und 175 der Antwort vom 23. Oktober 2002 auf die Mitteilung von
Beschwerdepunkten vom 9. August 2002.
Weiters ist festzuhalten, dass ihre durchaus zurückhaltende Ausdrucksweise keineswegs mit den
aggressiven Parolen oder motivierenden Slogans verglichen werden kann, die in den von Wanadoo
Interactive vorgelegten Beispielen (Fußnote 141 der Antwort vom 23. Oktober 2002) enthalten sind.
Fußnote 150 der Antwort vom 4. November 2002.
[…]* S. 3316 der Akte […]*.
- 37 -
DE
Tarife in Erfahrung. Die folgenden Darlegungen geben einen Überblick über den
Inhalt der im Unternehmen beschlagnahmten Unterlagen.
126.
Aus zahlreichen Unternehmensunterlagen, […]*, geht hervor, dass das
Unternehmen bereits sehr früh die Risiken in Verbindung mit der Tarifgestaltung für
seine ADSL-Dienste abschätzte. Diese Unterlagen bestätigen eindeutig, dass Wanadoo
Interactive in Kenntnis der Sachlage eine Wahl zwischen einem kurzfristigen
Rentabilitätsziel und dem Ziel einer hohen Marktpenetration traf und dass man
bewusst auf das erste Ziel zugunsten des zweiten verzichtete. […]*
127.
Der Preis für den Dienst Wanadoo ADSL wurde […]120 auf 135 FRF (bzw.
20,58 EUR) […]* 121. […]* wurde dieser Preis, der anfänglich ein Sonderangebot122
darstellte, zu einem dauerhaften Preis.
128.
Der Preis für das Pack eXtense wurde ab Januar 2001 auf 298 FRF inkl.
Steuern pro Monat festgelegt. Dieses Angebot sowie der Preis für das Set
einschließlich Modem (das „Paket“) waren seit über einem Jahr Gegenstand
verschiedener Hypothesen.
129.
Bereits viel früher, […]*123, wurde […]* ein Zielpreis von […]* FRF inkl.
Steuern als Anschlussgebühr für das geplante Produkt, damals mit der Bezeichnung
[…]*, erwähnt, […]*
130.
Im Frühling 2000, als sich die Pläne für die Einführung eines „Paketangebots“
durch Wanadoo Interactive konkretisierten, war von einer monatlichen
Anschlussgebühr in Höhe von […]* FRF inkl. Steuern die Rede124. […]* in einem
Szenario […]*125 genannt, das jedoch ab dem Sommer 2000 nach einer […]* in den
Hintergrund rückte. […]*
131.
Ab dem Sommer 2000 wurden mehrere unterschiedliche Preisszenarien für die
Kombination von Zubehörset und Anschluss126 erstellt. Gemäß den verschiedenen
untersuchten Annahmen127 lag die Anschlussgebühr für 2000 und 2001 zwischen
[…]* FRF und […]* FRF inkl. Steuern und der Preis für das Paket zwischen
[…]* FRF und […]* FRF inkl. Steuern. In einem der in Erwägung gezogenen
Szenarien mit der Überschrift „Scénario central“ (Zentrales Szenario) war eine
monatliche Teilnahmegebühr von […]* FRF inkl. Steuern und ein Preis von
[…]* FRF für das Set vorgesehen. Dabei wurde die Preiskombination, für die man
sich schließlich entschied, nicht geprüft128: Anhand der von Wanadaoo Interactive
damals getroffenen Annahmen lässt sich jedenfalls nachvollziehen, dass die
Tarifgestaltung mit dem tatsächlich im Januar 2001 angewandten Preis zu erheblichen
Verlusten und einem negativen Nettogegenwartswert von […]* FRF Ende 2003129
geführt hätte.
120
121
122
123
124
125
126
127
128
129
DE
[…]* (S. 3155 der Akte). […]* (S. 3367 der Akte) […]*.
[…]* (S. 2790 der Akte).
[…]*
[…]*, S. 3362 der Akte.
[…]* (S. 2598 der Akte); […]* (S. 2600 der Akte).
[…]* (S. 3134 der Akte).
Siehe zusammengefasste Darstellung in Anhang 10.
S. 2606-2651 der Akte.
[…]* S. 3133-3134 der Akte.
Siehe Anhang 19 dieser Entscheidung.
- 38 -
DE
132.
Neue Prognosen über die Kosten des Dienstes, insbesondere günstigere
Annahmen für die Entwicklung der Netzkosten, waren Ausgangspunkt der
Überlegungen über die Höhe der Preise […]*.130 In den darauf folgenden Tagen
konkretisierten sich die Überlegungen und führten schließlich zu der Version der
Budgetpräsentation vom […]* mit einem Preis von […]* FRF inkl. Steuern für das
ganze Jahr 2001. Dieser Tarif wurde in den Budgetentwurf von Wanadoo Interactive
aufgenommen. Der Preis für den Anschluss wurde schließlich im Herbst etwas
modifiziert und betrug im Januar 2001 298 FRF inkl. Steuern. Der Preis für das Set
wurde mit 990 FRF inkl. Steuern festgelegt.
133.
Bei den Überlegungen zur Preisgestaltung für Pack eXtense wurde also im
Jahr 2000 lange Zeit gezögert. Festzuhalten ist, dass in allen betrachteten
Preisszenarien von erheblichen Verlusten im Jahr 2001 ausgegangen wurde, selbst
unter der Annahme, dass ab 1. Januar 2001 günstige Tarife für den Routing-Dienst
und für Netissimo gelten würden.
134.
[…]* 131 […]* 132 […]*133.
135.
Die Festlegung des Anschlusspreises für das Produkt Pack eXtense auf etwas
unter […]* FRF inkl. Steuern spiegelt die Absicht wider, die Durchdringung auf
diesem Markt ohne Rücksicht auf kurzfristige finanzielle Interessen möglichst rasch
voranzutreiben. […]* 134 […]*
136.
In der Fassung des Budgets vom […]*135 war für Pack eXtense und Wanadoo
ADSL gemeinsam ein Bruttodeckungsbeitrag zu den Produktionskosten in Höhe von
[…]*. FRF und ein Nettodeckungsbeitrag nach Berücksichtigung der
Akquisitionskosten von […]* FRF vorgesehen. In der Version des Budgets 2001 vom
[…]* 136 wurde zunächst festgehalten, dass die ADSL-Dienste im Jahr 2000 einen
Bruttodeckungsbeitrag von […]* FRF ergeben würden, und dann ein
durchschnittlicher Bruttodeckungsbeitrag pro Monat und Einheit von […]* FRF für
das Jahr 2001, d. h. ein Bruttodeckungsbeitrag von insgesamt […]* FRF und ein
Nettodeckungsbeitrag von. […]* FRF137 angegeben. Die Version des Budget 2001
vom […]* sah wiederum einen Deckungsbeitrag zu den Produktionskosten von
[…]* FRF für dieselben Produkte und einen Nettodeckungsbeitrag von […]* FRF
unter Berücksichtigung der Akquisitionskosten […]* 138
130
131
132
133
134
135
136
137
138
DE
[…]* (S. 3055 der Akte).
[…]* S.2642 der Akte.
Bei diesen Berechnungen waren die Gesamtkosten für die Kundenakquisition dem Geschäftsjahr
zugerechnet worden, in dem die Ausgaben angefallen waren.
[…]*, S. 2626 der Akte.
[…]*, S. 2652 ff. der Akte.
[…]* (S. 2974 der Akte).
[…]* (S. 3323 der Akte).
Diese Version beruhte insbesondere auf folgenden Annahmen: Zugangskosten für Netissimo:
[…]* FRF, Kosten für die Übermittlung des IP-Verkehrs: […]* FRF, Kosten für die internationale
Anbindung: […]* FRF pro Monat. Diese letzte Komponente war im Vergleich zum tatsächlich
festgestellten Wert scheinbar zu hoch angesetzt. Die beiden ersten Schätzungen hingegen haben sich als
optimistisch herausgestellt, auch in Bezug auf die tatsächlich in der Zeit nach Juli 2001 festgestellten
durchschnittlichen Kosten. Diese Annahmen wurden in das endgültige Budget 2001 in seiner Fassung
vom Beginn des Geschäftsjahres 2001 aufgenommen.
[…]* (S. 3275 der Akte).
- 39 -
DE
137.
Ende 2000 und Anfang 2001 war klar, dass die ADSL-Dienste von Wanadoo
Interactive sich von den anderen angebotenen Produkten durch ihre eindeutig
defizitäre Situation unterschieden. Diese Situation ist im Zusammenhang mit der
Entscheidung von Wanadoo Interactive zwischen Marktdurchdringung und
grundlegenden kurzfristigen Wirtschaftlichkeitskriterien besonders aufschlussreich.
Die endgültige Version des Budgets 2001139 sah einen Deckungsbeitrag zu den
Produktionskosten von […]* FRF pro Monat und ADSL-Kunde im Jahr 2001 voraus,
[…]*.
138.
Die Ermittlung dieser Wirtschaftsindikatoren bewirkte, dass im ersten Halbjahr
2001 Diskussionen über den Preis des Produkts Pack eXtense im Unternehmen
geführt wurden. Insbesondere da die erwartete Senkung der Tarife für den RoutingDienst und Netissimo nicht eintrat, erwiesen sich die in den Budgetrechnungen
getroffenen Kostenannahmen als zu optimistisch. […]* 140 […]* 141 Von März bis Mai
2001 wurden intern Annahmen für die Festlegung der monatlichen Tarife auf
[…]* EUR ([…]* FRF)142 oder […]* FRF inkl. Steuern für den Anschluss sowie für
eine Erhöhung des Setpreises143 getroffen. […]* 144 […]*
139.
Die Änderung der Tarife für den Routing-Dienst des IP/ADSL-Verkehrs und
den Netissimo-Zugang im August 2001 führte zu einer teilweisen Verbesserung der
Lage. Trotz dieser positiven Entwicklung geht aus den unternehmensinternen
Unterlagen hervor, dass weiterhin ernsthafte Besorgnis über die Wirtschaftlichkeit der
ADSL-Produkte bis Ende 2001 und sogar Anfang 2002 herrschte. […]*
140.
[…]* 145 […]* 146. […]* 147.
141.
[…]* 148 […]* 149 […]* 150 […]* 151 […]* 152. Diese Formulierung ist
Ausdruck einer in finanzieller Hinsicht extrem reservierten Einschätzung einer
bedeutenden Entwicklung auf dem Breitbandmarkt im Jahr 2002 sowohl bei Wanadoo
Interactive als auch seinen Konkurrenten.
3.
Die Kenntnisse von Wanadoo Interactive über die rechtlichen Risiken
142.
Aus den im Unternehmen beschlagnahmten internen Unterlagen geht hervor,
dass man sich bei Wanadoo Interactive bereits frühzeitig der rechtlichen Risiken in
Verbindung mit einer nicht kostendeckenden Verrechnung seiner Dienste an
Privatkunden bewusst war. […]* 153 […]* 154 […]* 155 […]* 156 […]*.
139
140
141
142
143
144
145
146
147
148
149
150
151
152
153
154
155
DE
[…]* (S. 4351 der Akte).
[…]* (S. 3020 der Akte). […]*
[…]* (S. 2803 der Akte) […]*.
[…]* (S. 3233 f. der Akte).
[…]* (S. 3211 der Akte).
[…]* (S. 3106 der Akte[…]*
[…]* (S. 2921 ff. der Akte). […]* S. 3110 der Akte) […]*
[…]* (S. 3110 ff. der Akte).
[…]* (S. 3511 der Akte).
[…]* (S. 2978 der Akte).
[…]* (S. 2870 der Akte).
[…]* (S. 2880 der Akte). […]*
[…]* (S. 3097 der Akte).
[…]*
[…]* (S. 2826 ff. der Akte).
Damit ist der ADSL-Zugangsdienst IP/ADSL bzw. Netissimo gemeint.
Hier handelt es sich um den IP-Routing-Dienst für den ADSL-Verkehr.
- 40 -
DE
143.
In seiner Antwort vom Oktober 2002 macht Wanadoo Interactive geltend, dass
die zitierten Unterlagen belanglos seien, da sie nicht aus seiner Rechtsabteilung
stammten. Nach Ansicht der Kommission ist es jedoch ganz im Gegenteil
aufschlussreich, dass die Bedenken über die Rechtmäßigkeit der Vorgehensweise im
Unternehmen über den Kreis der Rechtsexperten hinaus verbreitet wurde. […]*
Wanadoo Interactive hält schließlich fest157, […]* 158. Diese Feststellung ist
gegenstandslos, da sich der erwähnte Satz keineswegs auf die Differenz zwischen den
Produktpreisen von Wanadoo Interactive für Privatkunden und den zugrunde
liegenden Kosten, sondern auf den Zusammenhang zwischen dem Angebot „ADSL
Connect ATM“ von France Télécom für alternative Telekommunikationsanbieter
einerseits und den Großhandelspreisen für den Wiederverkauf der Dienste für
Internetzugangsanbieter andererseits bezog.
144.
Die Kommission ist der Ansicht, dass sich Wanadoo Interactive zwar nicht
unbedingt bewusst war, dass seine Preise als Verdrängungspreise erachtet werden
könnten159, dass das Unternehmen jedoch in Hinblick auf die Problematik eines
Schereneffekts zwischen dem Einzelhandelspreis und dem Großhandelspreis bei der
Bereitstellung von ADSL-Diensten an Endverbraucher äußerst vorsichtig war. Seit
dem Sommer des Jahres 2000 hatte das Unternehmen sehr wohl das mögliche
rechtliche Risiko […]* erkannt, […]* Diese Erkenntnis hätte ihm Anlass zu einer
gewissen Disziplin in seiner Preispolitik und Anreiz zur Festlegung seiner Gebühren
über dem Kostenniveau sein sollen.
4.
Elemente, die auf eine Strategie der Einschränkung und Verdrängung der
Wettbewerber hinweisen
145.
Die Festlegung von nicht kostendeckenden Preisen ist nicht das einzige Mittel,
das Wanadoo Interactive und sein Hauptaktionär einsetzten, um die Wettbewerber in
ihrer Entwicklung zu behindern und das Wachstum auf dem Breitbandmarkt für sich
zu vereinnahmen. Anscheinend wurde dazu sehr wohl auch auf andere Mittel
zurückgegriffen. Obwohl diese Maßnahmen nur zum Teil Wanadoo Interactive zur
Last gelegt werden können und keine Beschwerdepunkte gegenüber dem
Unternehmen darstellen, sind sie für das Verständnis der Hintergründe in dieser Sache
von besonderer Bedeutung. Sie machen nämlich deutlich, wie sich die Politik von
156
157
158
159
DE
[…]*, S. 3080 ff. der Akte).
Antwort vom 23. Oktober 2002, Randnummer 101.
[…]* (S. 3294 ff. der Akte).
Es ist jedoch festzuhalten, dass die Regulierungsbehörde ART bereits im Juni 2001 in einer öffentlichen
Stellungnahme im Zusammenhang mit den ADSL-Diensten von Wanadoo Interactive die Möglichkeit
einer Verdrängungspreispolitik mit folgenden Worten sehr direkt erwähnte: „(…) les conditions de
l’offre faite [par France Télécom] à Wanadoo sont telles qu’elles conduisent cette dernière à supporter
des pertes importantes, compte tenu du niveau de prix pratiqué sur le marché résidentiel depuis la mise
sur le marché des packs. Cette situation pourrait être de nature à révéler un comportement prédateur,
mis en oeuvre par France Télécom et sa filiale Wanadoo sur le marché de l’ADSL grand public“ [... die
Bedingungen des Angebots (von France Télécom) an Wanadoo sind derart, dass sie in Anbetracht der
Höhe der seit der Einführung der Paketangebote auf dem Privatkundenmarkt bestehenden Preisniveaus
für dieses letztere Unternehmen zu großen Verlusten führen. Diese Situation könnte ein Hinweis auf
eine Verdrängungsstrategie sein, die von der France Télécom und ihrer Tochter Wanadoo auf dem
ADSL-Markt für die breite Masse verfolgt wird]. (ART-Stellungnahme Nr. 01-548 vom 19. Juni 2001
über die Tarifentscheidungen Nr. 2001482 in Bezug auf die Entwicklung der Dienste Netissimo 1 und
Netissimo 2 und Nr. 2001480 über die Entwicklung des IP/ADSL-Zugangsdienstes und
-Routingdienstes).
- 41 -
DE
Wanadoo Interactive, zur Vereinnahmung des Marktes seine Produkte mit Verlust zu
verkaufen, in eine Gesamtstrategie eingefügt hat.
146.
Zunächst war Wanadoo Interactive in Hinblick auf den Zugang zu
Informationen über die ADSL-Tauglichkeit der Telefonleitungen und generell bei der
technischen Durchführung der ADSL-Anschlüsse bevorzugt. Seine Mitbewerber auf
dem ADSL-Markt hingegen sahen sich mit einem langwierigen Verfahren
konfrontiert, das mit einem Massenvertrieb, insbesondere für ein breites Publikum,
schwer vereinbar war. Unternehmensinterne Unterlagen bestätigen, dass Wanadoo
Interactive sich dieses Vorteils durch die Möglichkeit der unmittelbaren Überprüfung
der Leitungen auf ihre ADSL-Tauglichkeit bewusst war, nachdem das Unternehmen
über die Anweisung an die Geschäftsstellen der France Télécom zur Geheimhaltung
dieser Tatsache unterrichtet worden war.160 Diese Situation führte zu einer Anrufung
des französischen Wettbewerbsrats mit einem Antrag auf vorläufige Maßnahmen
durch die Gesellschaft T-Online France. Der Wettbewerbsrat vertrat in seiner
Entscheidung vom 27. Februar 2002161 die Auffassung, dass bei der Umsetzung des
IP/ADSL-Vertrags das Risiko einer strukturellen Diskriminierung zugunsten von
Wanadoo Interactive vorliege, was zu einer schwerwiegenden Behinderung des
Vertriebs für die breite Masse führen kann, und ersuchte daher die France Télécom
darum, dies zu ändern. Diese Entscheidung wurde durch ein Urteil des Pariser
Appelationsgericht am 9. April 2002 bestätigt.
147.
Wanadoo Interactive leugnet im Zusammenhang mit diesem Punkt die von der
Kommission aufgezeigten Tatsachen nicht und beschränkt sich darauf festzustellen,
dass der Wettbewerbsrat seine Anordnung vom Februar 2002, die zur Einstellung des
Vertriebs der Pakete geführt hatte, seit Juli 2002 als erfüllt betrachtet und das Verbot
daher aufgehoben ist.162 Die von der Kommission angeführten Tatbestände bleiben
daher für den Zeitraum vor dem Sommer 2002 gültig und wurden von Wanadoo
Interactive für diese Zeit nicht in Frage gestellt.
148.
Weiterhin, nutzten France Télécom und Wanadoo Interactive bei der
Belieferung mit ADSL-Modems wahrscheinlich gemeinsam die Gelegenheit —
zumindest in den ersten Monaten des Jahres 2001 —, um die Entwicklung von
Wettbewerbern in der Anfangsphase zu bremsen. France Télécom war für die
Zulassung der ADSL-Modems zur Nutzung in ihrem Netz verantwortlich.
Anscheinend wurde diese Zuständigkeit dazu benutzt, die Erweiterung des Kreises
potenzieller Lieferanten von Modems zu verzögern und die Situation der Knappheit,
in der sich der Markt Anfang des Jahres 2001 befand, zu konsolidieren. Einerseits
zögerte France Télécom die Zulassung der Modems des Herstellers ECI hinaus, die
schließlich am 19. März 2001 erteilt wurde, und wartete eine Entscheidung der
Regulierungsbehörde ART nach einem Streitbeilegungsverfahren im November
2001163 ab, um die Installation von bis zu dem Zeitpunkt nicht zugelassenen Modems
160
161
162
163
DE
[…]* (S. 3632 der Akte […]*
Entscheidung Nr. 02-MC-03 vom 27. Februar 2002 über die Anrufung des Gerichts und den Antrag auf
vorläufige Maßnahmen durch die Gesellschaft T-Online France (S. 1557 bis 1569 der Akte).
Entscheidung Nr. 02-D-46 des Wettbewerbsrates vom 19. Juli 2002 über die Anwendung von Artikel 3
der Entscheidung Nr. 02-MC03 vom 27. Februar 2002, zitiert in Randnummer 247 der Antwort vom 23.
Oktober 2002 (S. 6300 der Akte).
Entscheidung Nr. 01-1112 der Regulierungsbehörde ART vom 16. November 2001 über den Streitfall
Liberty Surf gegen France Télécom über die Bedingungen für die Auswahl von Kundenmodems im
Rahmen des IP/ADSL-Vertrags. Diese Entscheidung fordert insbesondere France Télécom auf, ein
transparentes Prüfverfahren einzurichten, um die Interoperabilität der von den Providern vorgestellten
- 42 -
DE
durch die Internet-Provider zu erlauben. Andererseits hatten die gemeinsamen
Modem-Bestellungen von France Télécom und Wanadoo Interactive zur Folge, dass
die Produktionskapazitäten des einzigen damals zugelassenen Herstellers, Alcatel, so
gut wie ausgelastet waren, was den anderen Wettberbern zum Nachteil gereichte.164
[…]* 165, […]* 166 […]* 167 Diese „Blockierung“ des Modemmarktes in den ersten
Monaten des Jahres 2001 führte dazu, dass die Wettbewerber in ihrer anfänglichen
Entwicklung stark behindert wurden. Während Wanadoo Interactive ab Dezember
2000 mindestens […]* auf Lager hatte, konnte zum Beispiel T-Online France im
Januar 2001 lediglich ein Zehntel davon erwerben.
149.
Wanadoo Interactive ist nicht auf die von der Kommission angeführten
Tatbestände und Zitate eingegangen. Das Unternehmen hat die Kommission lediglich
aufgefordert, diesbezüglich eine Entscheidung des Wettbewerbsrates vom Juni 2002
heranzuziehen, in der ein Antrag auf vorläufige Maßnahmen der Gesellschaft Olitec168
abgewiesen wird. Diese Hersteller von Endgeräten beschwerte sich über die
mangelnde Transparenz beim Verfahren der Modemzulassung und bei den
Ausschreibungen von France Télécom. Der Wettbewerbsrat stellte fest, dass nach der
Entscheidung der Regulierungsbehörde ART im November 2001 und der darauf
folgenden Änderung des IP/ADSL-Vertrags von France Télécom im März 2002 die
Schwierigkeiten beim Zulassungsverfahren überwindbar seien. Für die Zeit davor
vertritt der Wettbewerbsrat die Auffassung, dass die von Olitec vorgelegten
Beweismittel nicht ausreichend aussagekräftig waren, um nachzuweisen, dass die
Modalitäten zur Einlistung der Modems diskriminierende Praktiken darstellten. Zu
diesem Punkt hält die Kommission fest, dass der Wettbewerbsrat zum Zeitpunkt seiner
Entscheidung noch keine Kenntnis von den in Randnummer 148 genannten
Unterlagen hatte, welche darauf hindeuten, dass die Zulassung der Modems nicht
ausschließlich auf technischen Parametern, sondern auch auf Kriterien der
Zweckmäßigkeit beruhte.
150.
Schließlich machte France Télécom im Herbst 2001 den Internet-Providern ein
„offre de partenariat“ [Partnerschaftsangebot]169, das ab Dezember 2001 gelten sollte
und gravierende Risiken in Hinblick auf eine Einschränkung des Wettbewerbs mit
sich brachte. Aufgrund der relativen Vergünstigung der Gebühren für die IP/ADSLund Routing-Dienste war die Bereitstellung von ADSL-Diensten durch die
Wettbewerber zu dieser Zeit wirtschaftlich gesehen weniger unrealistisch, und
mehrere Internet-Provider versuchten, eine Marketingstrategie für die breite Masse
einzuführen. Das Partnerschaftsangebot bestand für France Télécom grundsätzlich
darin, gemeinsam mit den Providern ADSL-Zugänge in Form von Paketen zu einem
bestimmten Tarif ([…]* FRF inkl. Steuern, die in der Geschäftsstelle zu bezahlen
164
165
166
167
168
169
DE
Modems zu überprüfen, und die Hindernisse für die Provider beim Anschluss von Modems ihrer Wahl
– vorbehaltlich dieser Prüfungen - ausdrücklich zu beseitigen (S. 1673 bis S. 1688 der Akte).
So gingen von Januar 2000 bis Juni 2001 in Frankreich […]* % der gesamten Lieferungen von ADSLModems von Alcatel an France Télécom, und der Rest verteilte sich auf sieben andere Internet-Provider
(Quelle: Alcatel, Antwort auf die 1. Frage des Auskunftsverlangens der Kommission vom
31. Mai 2002, S. 5023 der Akte).
[…]* (S. 2792 der Akte).
[…]* S. 5096 der Akte).
[…]* (S. 3109 der Akte). […]* S. 3214 der Akte[…]*
Entscheidung Nr. 02-D-40 vom 25. Juni 2002 über die Anrufung und den Antrag auf vorläufige
Maßnahmen der Gesellschaft Olitec, zitiert in Randnummer 249 der Antwort von Wanadoo Interactive
vom 23. Oktober 2002 (S. 6300 der Akte).
S. 1580 bis S. 1590 der Akte.
- 43 -
DE
sind, und […]* FRF inkl. Steuern für die monatlichen Anschlussgebühren, wobei pro
Monat […]* FRF inkl. Steuern für den Provider vorgesehen waren) anzubieten. Die
Internet-Provider sollten somit vom Ansehen der France Télécom und ihrer
Verkaufsorganisation profitieren. Dafür waren jedoch die Endverbraucherpreise sowie
die an die Verkaufsstelle zu entrichtende Provision in Höhe von […]* FRF pro
aktiviertem Anschluss festgelegt. Diese Vorgehensweise zielte zweifelsohne darauf
ab, andere Telekommunikationsanbieter davon abzuhalten, neben Netissimo ähnliche
Dienste anzubieten170, und somit für die Zugangsanbieter die Möglichkeit
einzuschränken, sich technisch vom Angebot von Wanadoo Interactive abzuheben.
Durch die Festlegung der Endverbraucherpreise und der an die Vertriebsstellen zu
zahlenden Provisionen führte sie auch dazu, dass den Providern in ihrer
Vertriebsstrategie wichtige Elemente des Handlungsspielraums genommen wurden.
Auch wenn dieses „Partnerschaftsangebot“ nicht Wanadoo Interactive sondern seinem
Mehrheitsaktionär Wanadoo anzulasten ist, so ist es doch ein Zeichen dafür, dass man
die Kontrolle über die Marktentwicklung171 anstrebte und die Wettbewerber davon
abhalten wollte, sich mit ihren Angeboten vom gegenständlichen Unternehmen
abzuheben.
151.
In Bezug auf diesen letzten Punkt bestreitet Wanadoo Interactive nicht, dass es
dieses Partnerschaftsangebot gab, und hält dazu lediglich fest, dass es nicht
verwirklicht wurde.172 Die Kommission stellt fest, dass der Grund dafür einerseits die
negative Reaktion der Unternehmen, denen dieses Angebot unterbreitet wurde und
andererseits die Intervention des Wettbewerbsrates173 war. Auf keinen Fall geht die
Tatsache, dass dieser Vorschlag nicht verwirklicht wurde, darauf zurück, dass France
Télécom sein Geschäftsangebot zurückzog.
H. DAS VERFAHREN
1.
Verlauf des Verfahrens
152.
Mit Schreiben vom 18. September 2001 hat die Kommission France Télécom
und Wanadoo Interactive davon in Kenntnis gesetzt, dass die im Rahmen der
branchenspezifischen Untersuchung zur Entbündelung des Teilnehmeranschlusses
170
171
172
173
DE
[…]* (S. 3036 der Akte).
In ihrer Stellungnahme 02-35 vom 9. Januar 2002 an den Wettbewerbsrat über den Antrag der
Gesellschaft T-Online France hält die Regulierungsbehörde ART in Punkt 3.4 fest, dass mit diesem
Partnerschaftsangebot „France Télécom encadrerait de manière très stricte d’une part la politique de
prix des FAI (prix de vente au client final) et d’autre part la politique commerciale de ces derniers en
leur imposant le prix de rémunération du réseau de distribution“ [France Télécom einerseits die
Preispolitik der Internet-Provider (Endverbraucherpreise) und andererseits ihre Verkaufspolitik durch
die Vorgabe von Preisen für das Verteilernetz stark einschränkt] (S. 1553 der Akte).
Randnummer 250 der Antwort vom 23. Oktober 2002 (S. 6300 der Akte).
In Artikel 4 der bereits erwähnten Entscheidung Nr. 02-D-46 untersagte der Wettbewerbsrat die
Umsetzung des Partnerschaftsangebots mit folgenden Worten: „Il est enjoint à la société France
Télécom de suspendre toute offre multi-FAI destinée à être commercialisée dans la grande distribution
et associant la fourniture de son offre de service ADSL Netissimo à une offre de fourniture d’accès à
Internet qui présenterait les mêmes caractéristiques que celles détaillées à l’annexe 10 de la saisine (de
T-Online)“ [Das Unternehmen France Télécom wird aufgefordert, alle Angebote an mehrere InternetProvider gleichzeitig einzustellen, die zur Verwendung im Verkauf an die breite Masse bestimmt sind
und bei denen die Bereitstellung des ADSL-Dienstes Netissimo mit einem Internetzugang verbunden ist,
der dieselben Merkmale wie die in Anlage 10 der Klageschrift (von T-Online) genannten aufweist].
(S. 1569 der Akte).
- 44 -
DE
sowohl bei diesen beiden Unternehmen als auch bei Wettbewerbern gewonnenen
Erkenntnisse die Einleitung einer spezifischen Untersuchung über die Preispolitik für
die von Wanadoo angebotenen ADSL-Produkte rechtfertigen. Über verschiedene
Auskunftsverlangen holte die Kommission ergänzende Informationen ein.
153.
Am Ende dieser Untersuchungsphase wurde Wanadoo Interactive am
19. Dezember 2001 eine Mitteilung der Beschwerdepunkte übermittelt. Wanadoo
Interactive hat mit Antwort vom 4. März 2002 und bei einer Anhörung am
18. März 2002 zu dieser Mitteilung von Beschwerdepunkten Stellung genommen.
Verschiedene Wettbewerber wie AOL France, Mangoosta (das sich in einem
gerichtlichem Vergleichsverfahren befand), Tiscali France, Easynet und Noos wurden
als betroffenen Dritte betrachtet und zur Teilnahme an der Anhörung zugelassen.
154.
Auf einer Sitzung in den Räumlichkeiten der Kommission am 19. März 2002
stellten Vertreter von France Télécom174, die das Vorliegen eines Verstoßes bestreiten,
dennoch eine Lösung vor, wie der Situation der nicht kostendeckenden Preise durch
eine wesentliche Änderung der Tarife für die France-Télécom-Dienste IP/ADSLZugang und IP-Routing ein Ende gesetzt werden könnte.175
155.
Am 4. und 5. April 2002 führten Beamte der Kommission auf der Grundlage
von Artikel 14 Absatz 2 der Verordnung Nr. 17 eine Nachprüfung in den
Räumlichkeiten des Unternehmens durch. Bei dieser Gelegenheit legte Wanadoo
Interactive seine Schätzungen der Kosten und Erlöse der fraglichen Tätigkeiten für die
Jahre 2001 und 2002 vor. Die Beamten der Kommission ließen von zahlreichen
Unterlagen des Unternehmens Kopien anfertigen.
156.
Am 9. August 2002 richtete die Kommission eine zusätzliche Mitteilung von
Beschwerdepunkten an Wanadoo Interactive, um in einer gewissen Anzahl von
Punkten den tatsächlichen und rechtlichen Hintergrund der in der Mitteilung der
Beschwerdepunkte vom 19. Dezember 2001 dargelegten Analyse zu ergänzen,
insbesondere durch die Aufnahme von Informationen, die die Kommission seit
Anfang des Jahres 2002 bei Wanadoo Interactive und seinen wichtigsten
Wettbewerbern über Auskunftsverlangen in Erfahrung gebracht hatte, sowie von
Erkenntnissen, die sie im Zuge ihrer Nachprüfung am 4. und 5. April 2002 gewonnen
hatte.
157.
Wanadoo Interactive übermittelte seine Stellungnahme zu dieser zusätzlichen
Mitteilung von Beschwerdepunkten in seiner Antwort vom 23. Oktober 2002, suchte
jedoch nicht um die Abhaltung einer Anhörung an.
158.
Am 16. Januar 2003 richtete die Kommission ein Schreiben an Wanadoo
Interactive, in dem die Tatbestände (im Folgenden „Tatbestandsschreiben“), die in den
Mitteilungen der Beschwerdepunkte nicht erwähnt worden waren und im Rahmen
einer Entscheidung berücksichtigt werden können, dargelegt werden. Diese
Tatbestände betrafen zum Großteil Aktualisierungen von Tabellen, die dem
Unternehmen gemeinsam mit der Mitteilung der Beschwerdepunkte übermittelt
wurden. Im Schreiben wurde ausdrücklich darauf hingewiesen, dass diese Tatbestände
weder zu einer Verlängerung des vom mutmaßlichen Verstoß betroffenen Zeitraums
174
175
DE
Diese Sitzung fand in Anwesenheit der Rechtsanwälte, die Wanadoo Interactive vertreten, statt.
Die Tarifvorschläge von France Télécom für die IP-/ADSL-Zugangs- und Routingangebote wurden am
11. April 2002 veröffentlicht (S. 2564 ff. der Akte).
- 45 -
DE
noch zu einer Änderung der von der Kommission vorgenommenen Würdigung über
den Schweregrad des Missbrauchs führen würden.
159.
Wanadoo Interactive hat im Schreiben vom 31. Januar 2003 an den
Anhörungsbeauftragten um eine Verlängerung der Beantwortungsfrist angesucht, die
ursprünglich auf vier Wochen festgelegt war. Der Anhörungsbeauftragte ging nicht
weiter auf die vom Unternehmen angeführten Gründe ein, gewährte Wanadoo
Interactive jedoch eine Fristverlängerung von zehn Werktagen, um — falls notwendig
— bei den Dienststellen der Kommission die gegebenenfalls über das fragliche
Schreiben erforderlichen Aufklärungen einzuholen. Mit Schreiben vom 26. Februar
2003 ersuchten die Vertreter von Wanadoo Interactive somit die Kommission, dem
Unternehmen
einige
Informationen
zu
verschiedenen
Punkten
des
Tatbestandsschreibens zu übermitteln. Die Kommission antwortete mit Schreiben vom
28. Februar 2003. Am 4. März nahm Wanadoo Interactive zum Inhalt des Schreibens
vom 16. Januar ausführlich Stellung.
2.
Akteneinsicht
160.
Während des gesamten Verfahrens nahm Wanadoo Interactive mehrmals sein
Recht auf Akteneinsicht in Anspruch: am 7. und 23. Januar 2002 nach der
Übermittlung der ersten Mitteilung der Beschwerdepunkte, am 20. und
21. August 2002 nach der Übermittlung der zusätzlichen Mitteilung der
Beschwerdepunkte und am 23. und 27. Januar 2003 nach Übersendung des
Tatbestandschreibens. Mit Schreiben vom 6. Juni 2003 übermittelte die Kommission
Wanadoo Interactive schließlich die nummerierten Kopien der nicht unter das
Geschäftsgeheimnis fallenden Schriftstücke, die seit Januar Bestandteil der Akte
waren. 176
161.
Wanadoo Interactive hat in verschiedenen Schreiben177 die Vollständigkeit der
Akteneinsicht in Frage gestellt. Erstens warf Wanadoo Interactive der Kommission
vor, keine Einsichtnahme in die branchenspezifische Untersuchung zur Entbündelung
des Teilnehmeranschlusses gewährt zu haben, zumal sich das Unternehmen davon
erhoffte, in den Beiträgen von Wettbewerbern Elemente zur Untermauerung seiner
Argumentation zu finden. Wanadoo Interactive machte der Kommission auch den
Vorwurf, bestimmte Unterlagen aus der branchenspezifischen Untersuchung
ausgewählt und andere absichtlich beiseite gelassen zu haben. Zweitens bezweifelte
das Unternehmen die Unmöglichkeit, die von bestimmten Wettbewerbern
übermittelten Schriftstücke zur Verfügung zu stellen, und warf der Kommission vor,
keine Angaben über den Inhalt dieser Dokumente gemacht zu haben. Drittens
schließlich ist Wanadoo Interactive der Auffassung, nicht in die gesamte
Ermittlungsakte der Kommission Einsicht erhalten zu haben, weil bestimmte
Dokumente nicht im Verzeichnis der Schriftstücke, das ihm übermittelt wurde,
enthalten waren.
176
177
DE
Dem Schreiben beigefügt war auch ein seit Januar 2003 aktualisiertes ausführliches Verzeichnis
sämtlicher Schriftstücke, die Bestandteil der Akte waren. Wanadoo Interactive hat sich mit Schreiben
vom 18. Juni 2003 zu einigen der neuen Schriftstücke geäußert.
Schreiben der Rechtsanwälte von Wanadoo Interactive vom 14. Januar 2002, vom 22. Januar 2002,
vom 8. Februar 2002, vom 10. September 2002 und vom 30. September 2002 (S. 847, S. 871, S. 5546
und S. 5854 ff. der Akte).
- 46 -
DE
162.
Zum ersten Punkt ist festzuhalten, dass die Branchenuntersuchung
gewissermaßen als Katalysator für die Untersuchungen zu Beginn der Einleitung des
spezifischen Verfahrens gegen Wanadoo Interactive dienten, was im Übrigen die
Funktion aller Branchenuntersuchungen ist. Die Branchenuntersuchung behandelte
jedoch die Problematik des Teilnehmeranschlusses allgemein und insbesondere
Angebote eines völlig entbündelten oder gemeinsamen Zugangs sowie Angebote des
indirekten Zugangs für Netzbetreiber. Sie betraf also ein wesentlich weiteres Gebiet
als die Themen, die Gegenstand der Untersuchungen im Rahmen des Verfahrens
waren. Im Sinne einer ordnungsgemäßen Verwaltung wurden zwei verschiedene
Akten angelegt, wobei bestimmte Schriftstücke der Akte der Branchenuntersuchung
kopiert und in die neue Akte über Wanadoo Interactive übernommen wurden. Das
Unternehmen warf der Kommission eine diskriminierende Vorgehensweise bei der
Auswahl der Unterlagen für die Zusammenstellung der Akte Wanadoo Interactive vor.
Um es Wanadoo Interactive zu ermöglichen, sich von der Objektivität bei der
Zusammenstellung der Unterlagen für die neue Akte ein Bild zu machen, übermittelte
die Kommission Wanadoo Interactive am 18. Februar 2002 ein nummeriertes
Verzeichnis sämtlicher Schriftstücke der Akte über die Branchenuntersuchung in
Frankreich. Wanadoo Interactive erachtete es nicht als zweckmäßig, konkrete
Anfragen zur Gewährung der Akteneinsicht in bestimmte Unterlagen des ihm
übermittelten Verzeichnisses zu machen. Die Kommission weist darauf hin, dass sie
im März 2002 einen Bericht über die Entbündelung des Ortsnetzes veröffentlicht hat,
der einen ausführlichen Anhang betreffend Frankreich enthält, worin alle
sachdienlichen Ergebnisse zusammengefasst sind.178
163.
In Bezug auf die Zugänglichkeit der Dokumente vertritt die Kommission die
Auffassung, dass es ihre Pflicht ist, gleichermaßen auf die Ausübung der
Verteidigungsrechte als auch auf den Schutz der Interessen der Unternehmen, die ihr
auf ihr Ersuchen hin Geschäftsgeheimnisse anvertraut haben, zu achten. Die
Mitteilung der Kommission über interne Verfahrensvorschriften für die Behandlung
von Anträgen auf Akteneinsicht in Fällen einer Anwendung der Artikel 85 und 86 EGVertrag, der Artikel 65 und 66 EGKS-Vertrag und der Verordnung (EWG)
Nr. 4064/89 des Rates179, Ziffer II.D.2, legt für die Kommission Verhaltensregeln mit
dem Ziel fest, dieses Gleichgewicht der Interessen, insbesondere in Fällen
missbräuchlicher Ausnutzung einer beherrschenden Stellung, herzustellen. Danach
sind im Falle des Missbrauchs einer beherrschenden Stellung Wettbewerber wegen
des starken wirtschaftlichen oder geschäftlichen Drucks, den das marktbeherrschende
Unternehmen ausüben kann, der Gefahr von Vergeltungsmaßnahmen in besonderem
Maße ausgesetzt, weshalb spezielle Vorsichtsmaßnahmen erforderlich sind. Die
Kommission hat demnach grundsätzlich die Vertraulichkeit dieser Informationen
respektiert, wenn dies von den Unternehmen gewünscht würde. Gleichzeitig hat sie
Wanadoo Interactive dadurch, dass sie dem Unternehmen sowohl bei der
Branchenuntersuchung als auch bei den konkreten Nachforschungen in dieser Sache
systematisch Zugang zum Inhalt der von der Kommission an diese Unternehmen
adressierten Ersuchen um Auskünfte gewährte, die Möglichkeit verschafft, den
Gegenstand und den Umfang der von den Wettbewerbern übermittelten Angaben zu
178
179
DE
Der Bericht kann unentgeltlich auf der Website der Generaldirektion Wettbewerb eingesehen werden:
http://europa.eu.int/comm/competition/antitrust/others/sector_inquiries/local_loop/local_loop_unbundli
ng_inquiry.pdf. Die Kommission hat Wanadoo Interactive mit Schreiben vom 17. Januar 2002 von der
Veröffentlichtung des Berichts mit seinen Anhängen auf dieser Website unterrichtet (S. 858 der Akte).
ABl. C 23 vom 23. Januar 1997, S. 3.
- 47 -
DE
beurteilen. Wenn die Unternehmen in ihren Antworten Elemente anführten, die über
den Gegenstand der gestellten Fragen hinausgingen, wurde in dem an Wanadoo
Interactive übermittelten Verzeichnis der Aktenstücke eine kurzer Vermerk bezüglich
des Inhalts dieser Angaben gemacht. Weiters holte die Kommission auf begründete
Anfrage von Wanadoo Interactive von den Wettbewerbern nicht vertrauliche
Versionen der jeweiligen Antworten ein und übermittelte sie dem Unternehmen.180
164.
Zur Frage der nicht nummerierten und nicht in das Verzeichnis der
Schriftstücke aufgenommenen Dokumente hält die Kommission fest, dass es sich um
durchwegs allgemein zugängliche Unterlagen wie Zeitungsartikel oder veröffentlichte
Berichte von internationalen Organisation handelte. Keines dieser Dokumente dient in
der gegenständlichen Sache als Beweisstück oder Tatbestandselement. Diese
Dokumente sind für die Öffentlichkeit frei zugänglich. Weiters gewährte die
Kommission, auch wenn sie diese nicht nummerierte, Wanadoo Interactive zu allen
diesen Unterlagen Zugang, von denen die Vertreter des Unternehmens im Januar
2002, im August 2002 und im Januar 2003 vollständige Kopien anfertigten.
165.
Die Kommission ist der Auffassung, in diesen verschiedenen Punkten eine
Vorgehensweise angewandt zu haben, die die legitimen Interessen der Wettbewerber
wahrt und gleichzeitig Wanadoo Interactive die uneingeschränkte Ausübung seiner
Verteidigungsrechte ermöglicht. Wiederholte Male legte sie dem Unternehmen ihren
Standpunkt zu dieser Vorgehensweise in persönlichen Gesprächen und in
verschiedenen Schreiben181 dar.
3.
Einwände von Wanadoo Interactive gegen das Schreiben der Kommission vom
16. Januar 2002
166.
Wanadoo Interactive wies darauf hin, dass seiner Ansicht nach eine
Schwierigkeit des Verfahrens im Sinn und der Tragweite des Tatbestandschreibens der
Kommission vom 16. Januar 2003 lag. In einem Schreiben vom 31. Januar 2003 an
den Anhörungsbeauftragten stellte das Unternehmen dieses Tatbestandsschreiben
grundsätzlich in Frage und wies darauf hin, dass es in Anbetracht seines Inhalts für
eine richtige Ausübung der Verteidigungsrechte eigentlich einer dritten Mitteilung von
Beschwerdepunkten bedurft hätte.
167.
Der Anhörungsbeauftragte stellte in seiner Antwort vom 18. Februar 2003 fest,
dass das Schreiben der Dienststellen der Kommission keineswegs zur Erweiterung des
Geltungsbereichs der beiden Mitteilungen von Beschwerdepunkten führte und auch
nicht die Würdigung der Kommission in einer für Wanadoo Interactive nachteiligen
Weise änderte und dass diese auf mehreren Seiten des gegenständlichen Schreibens
abgegebene Erklärung auch in den Absätzen, in denen sie nicht explizit ausgedrückt
ist, ausreichend aus dem Zusammenhang und der Art der Kommentare hervorgeht.
Der Anhörungsbeauftragte vertrat die Ansicht, dass unter diesen Umständen eine
Übermittlung einer neuen Mitteilung der Beschwerdepunkte der Kommission an
Wanadoo Interactive nicht notwendig war.
180
181
DE
Schreiben der Kommission an die Rechtsanwälte von Wanadoo Interactive vom 11. und
15. Oktober 2002 (S. 5888 und S. 5893 der Akte).
Schreiben der Dienststellen der Kommission an die Rechtsanwälte von Wanadoo Interactive vom 17.
und 28. Januar, vom 18. Februar 2002, vom 20. September 2002, Besprechung vom 23. Januar 2002,
Schreiben des Anhörungsbeauftragten an diese Rechtsanwälte vom 4. März 2002 und 15. Oktober 2002
(S. 852, S. 870, S. 909, S. 927a, S. 5561 und S. 5897 der Akte).
- 48 -
DE
II – RECHTLICHE WÜRDIGUNG
A. ARTIKEL 82 EG-VERTRAG
168.
Gemäß Artikel 82 EG-Vertrag ist die missbräuchliche Ausnutzung einer
beherrschenden Stellung auf dem Gemeinsamen Markt oder auf einem wesentlichen
Teil desselben durch ein Unternehmen mit dem Gemeinsamen Markt unvereinbar und
verboten, soweit dies dazu führen kann, den Handel zwischen Mitgliedstaaten zu
beeinträchtigen. Dieser Missbrauch kann insbesondere in der unmittelbaren oder
mittelbaren Erzwingung von unangemessenen Einkaufs- oder Verkaufspreisen
bestehen.
B. DER RELEVANTE MARKT
1.
Der Dienstleistungsmarkt
1. Einleitung
169.
In der Mitteilung der Beschwerdepunkte vom 19. Dezember 2001 schlug die
Kommission vor, den Markt der Breitband-Internetzugänge für Privatkunden als
relevanten Markt zu betrachten. Auf diesem Markt bieten Internet-Provider einem im
Wesentlichen aus Haushalten bestehenden Kundenkreis Internetzugänge für einzelne
PC-Arbeitsplätze mit Datenübertragungsgeschwindigkeiten von bis zu 512 kbit/s im
downstream182 und 128 kbit/s im upstream in dem von dieser Entscheidung erfassten
Zeitraum an. Diese Dienste werden pauschal verrechnet. Sie bieten die Möglichkeit
einer unbegrenzten Nutzung des Internet und erlauben die gleichzeitige Nutzung der
Telefonleitung, um Anrufe zu tätigen und entgegenzunehmen. Mit diesen
Internetdiensten verbunden ist die Möglichkeit der Verwaltung von Websites sowie
der Einrichtung eines E-Mail-Accounts, insbesondere mit mehrerer E-Mail-Adressen.
Die Angebote der verschiedenen Provider umfassen sehr ähnliche Funktionen und
einheitliche Preismerkmale. Die Werbeunterlagen der Anbieter beruhen auf zwei
wesentlichen Botschaften: der Geschwindigkeit beim Herunterladen und dem Komfort
aufgrund der gleichzeitigen Nutzung von Telefon und Internet.
170.
Im Umfang dieser Marktdefinition sind sowohl die auf der ADSL-Technologie
als auch die auf der Kabelmodem-Technologie beruhenden Angebote enthalten.
Obwohl die geografische Verbreitung dieser beiden Technologien sehr unterschiedlich
ist, wobei ADSL als wesentlich aussichtsreicher erscheint, und obwohl die
technischen Leistungsmerkmale aufgrund des größeren Risikos einer Überlastung bei
den Kabelnetzen nicht ganz miteinander vergleichbar sind, schien die
Austauschbarkeit dieser unterschiedlichen Angebote auf der Nachfrageseite
ausreichend gegeben, um ihre Aufnahme in die Definition eines einzigen
Produktmarktes zu rechtfertigen. Es ist jedoch festzuhalten, dass die Angebote der
182
DE
Das Angebot einer Downstream-Geschwindigkeit von 768 kbit/s, das Freesurf am 23. Oktober 2001
einführte, war bis Herbst 2002 das einzige, das sich von den anderen, bisher kaum unterschiedlichen
Produkten abhob. Ab Herbst 2002, dem Ende des von dieser Entscheidung behandelten Zeitraums,
wurden Angebote mit unterschiedlichen Datenübertragungsgeschwindigkeiten auf dem Markt
eingeführt.
- 49 -
DE
Kabelnetzbetreiber seit Anfang 2001 durchwegs ein wesentlich geringeres
Wachstumspotenzial aufweisen als die Angebote auf der Basis der ADSLTechnologie. Am 1. Januar 2001 waren ungefähr acht Millionen Haushalte in
Frankreich an die Kabelfernsehnetze angeschlossen, während der Ausbau der ADSLTechnologie im festen Telefonnetz zu dieser Zeit ungefähr elf Millionen
Telefonleitungen betraf. Weiters war von den 8,4 Mio. in Frage kommenden
Telefonanschlüssen lediglich die Hälfte der notwendigen technischen Anpassung für
die Unterstützung eines Breitband-Internetverkehrs unterzogen worden. Schließlich
arbeiten die Kabelnetzbetreiber im Rahmen von Franchising-Verträgen auf lokaler
oder kommunaler Ebene und sind nur vereinzelt landesweit präsent, während die
Anbieter, die die ADSL-Technologie verwenden, lediglich den Bedingungen des
Ausbaus der ADSL-Anschlüsse durch die France Télécom unterliegen. Die
Aussichten auf einen Durchbruch auf dem Markt waren also bereits Ende 2000 für die
ADSL-Technologie a priori besser.
171.
Die Kommission ist auch der Ansicht, dass der Breitband-Internetzugang für
Privatkunden sich vom Breitband-Internetzugang für Firmenkunden unterscheidet,
und zwar in mindestens drei Punkten: 1. ziemlich unterschiedliche Preisklassen, 2. im
Allgemeinen merklich höhere Funktionalitäten für die Firmenkunden, 3. größere
Auswahl technischer Möglichkeiten für den Zugang. Die Preise sind üblicherweise
drei bis fünf mal höher als diejenigen, die den Privatkunden angeboten werden. Diese
höheren Gebühren spiegeln selbstverständlich erweiterte Funktionalitäten wider. Die
Produkte für Firmenkunden bieten Übermittlungsgeschwindigkeiten im downstream,
die mindestens doppelt so hoch sind wie diejenigen der weiter oben beschriebenen
Produkte für Privatkunden, höhere Kapazitäten bei der Verwaltung von Websites
sowie die Möglichkeit der gleichzeitigen Nutzung mehrerer Arbeitsplätze in einem
Netz. Sie werden bisweilen in Hinblick auf ihre technischen Leistungsmerkmale und
ihre Preise genau auf die Kunden zugeschnitten, was bei den Produkten für die breite
Masse unmöglich ist. Schließlich bietet der Breitband-Internetzugang für
Firmenkunden bei der Einrichtung mehr Varianten im Vergleich zu dem für
Privatkunden. Standleitungen, drahtlose Teilnehmeranschlüsse oder Satellitenübertragung sind Lösungen, die derzeit für Privatkunden aufgrund ihrer finanziellen
Möglichkeiten unerschwinglich sind, für Firmenkunden aber sehr wohl in Betracht
kommen.
172.
Wanadoo Interactive stellte den Ansatz, die Angebote der Kabelnetzbetreiber
in den fraglichen Produktmarkt einzuschließen, die Angebote für Firmenkunden von
diesem selben jedoch davon auszunehmen, nicht in Frage.
173.
Hingegen wandte sich Wanadoo Interactive gegen die von der Kommission
getroffene Unterscheidung zwischen Breitband- und Schmalband-Internetzugang.
Wanadoo Interactive spricht nur von einem großen Markt der Internetzugänge. Dem
Unternehmen zufolge nehmen die Internetzugänge kontinuierlich zu, wobei sich ein
wachsender Anteil der Nutzer von 2000 bis 2010 für Breitband-Internetzugänge und
nicht für Schmalband-Internetzugänge entscheiden würde. Breitband- und
Schmalband-Internetzugänge stellten somit einfach zwei Segmente ein und desselben
Marktes dar. Im Hinblick auf den Trend zum Umstieg hätte das Schmalbandsegment
nur noch Bedeutung für Haushalte. Es würde einfach zu einer kontinuierlichen
Erweiterung des Produktspektrums kommen, wobei die frühere Zugangsversion
(Schmalband-Internetzugang) zunehmend durch die neue (den BreitbandInternetzugang) ersetzt werden würde, was eine folgenschwere Tendenz für den
DE
- 50 -
DE
Markt183 darstellte. Die Argumentation von Wanadoo Interactive beruht auf der
Tatsache, dass mangels der Reife der spezifischen Breitbandinhalte die in den Jahren
2001
und
2002
zugelassenen Breitbandanwendungen eigentlich den
Schmalbandanwendungen ähnlich waren. Wanadoo Interactive betont insbesondere
die in seinen Augen bestehende Ähnlichkeit der Pauschalangebote bei
Schmalbandzugängen über 20 Stunden, die den unbeschränkten Pauschalangeboten
nahe kommen, welche von „zahlreichen anderen Providern“ angeboten würden, von
denen das Unternehmen jedoch nur zwei Beispiele im Zusammenhang mit AOL184
anführt. In Wirklichkeit ginge es den Anhängern der Breitbandtechnologie nicht um
die Datenübertragungsraten, sondern vielmehr um den pauschalen und unbegrenzten
Charakter der entsprechenden Angebote. Aus den in den Randnummern 174 bis 202
dargelegten Gründen vertritt die Kommission die Auffassung, dass sich der relevante
Produktmarkt im vorliegenden Fall ausschließlich auf Breitband-Internetanschlüsse
beschränkt und der Schmalbandmarkt nicht betroffen ist.
2. Unterschiedliche Verwendungszwecke
174.
Wanadoo Interactive äußert Zweifel in Bezug auf die Unterscheidung
zwischen „Breitband-“ und „Schmalband“-Zugängen mit der Begründung, dass die
Verwendungszwecke nicht völlig unterschiedlich sind, und dass der Großteil der
Nutzer unabhängig vom Zugangsmodus dieselben Anwendungen und Funktionalitäten
des Internetzugangs verwende.
175.
Es gibt unwiderlegbar eine Reihe gemeinsamer, grundlegender Einsatzbereiche
von Breitband- und Schmalband-Internetzugängen: E-Mail, Informationsrecherche,
Navigation, „Chat“, Herunterladen von Dateien etc. Es ist jedoch zu betonen, dass ein
Teil der Breitbandanwendungen mit Schmalbandzugängen nur unter extrem
abschreckenden Qualitäts- und Nutzungsbedingungen möglich ist, während andere mit
Breitbandzugängen mögliche Anwendungen mit Schmalbandzugängen schlicht und
einfach nicht in Betracht kommen. Zum Beispiel ist es mit einem langsamen
Internetzugang nur sehr schwer oder gar nicht möglich, umfangreiche Video-Dateien
herunterzuladen oder an interaktiven Spielen im Netz teilzunehmen. Wanadoo
Interactive räumt übrigens in seiner Antwort vom 4. März 2002 auf die Mitteilung der
Beschwerdepunkte ein, dass „[…]* % d’activités audiovisuelles / multimédia plus
spécifiques à l’ADSL“ [[…]* % der audiovisuellen /multimedialen Anwendungen eher
für ADSL spezifisch]185 sind. Der Präsident des Verwaltungsrates von Wanadoo
bestätigte im Herbst 2002, dass für Spiele im Netz eine Übertragungsgeschwindigkeit
von 128 kbit/s unzureichend sei und dass diese Anwendungen daher nur mit höheren
Übertragungsraten möglich seien186. Man kann festhalten, dass die Tatsache, dass
bestimmte Anwendungen mit einem langsamen Internetzugang undurchführbar sind,
183
184
185
186
DE
Siehe S. 22 ff. der Antwort vom 4. März 2002 (S. 1727 ff. der Akte).
S. 20 der Antwort vom 4. März 2002 (S. 1725 der Akte).
S. 18 der Antwort vom 4. März 2002 (S. 1723 der Akte).
Meldung von Reuters vom 11. Oktober 2002 um 11:23 Uhr: „Wanadoo lance une offre ADSL à 30
euros par mois“ [Wanadoo führt ein ADSL-Angebot um 30 EUR pro Monat ein].
- 51 -
DE
von anderen Wettbewerbs- und Regulierungsbehörden187 als Argument zur
Unterscheidung zweier unterschiedlicher Märkte herangezogen wird.188
176.
Die Nutzerfreundlichkeit von Breitband-Internetzugängen zeigt, dass die
Teilnehmer durchaus außergewöhnliche Nutzerprofile haben. Von den
Breitbandnutzern in Frankreich sollen an die 58 % Audio-Video-Anwendungen
nutzen - im Vergleich zu weniger als 25 % aller Internet-Nutzer. Mehr als 45 % — im
Vergleich zu weniger als 21 % aller Internet-Nutzer — sollen das Internet zur
Übertragung von Dateien verwenden.189 Wanadoo Interactive schätzte im Oktober
2001 den Anteil seiner eXtense-Kunden, die Audio-Dateien herunterladen, auf […]*
%. Grundsätzlich geht man davon aus, dass Internetnutzer, die über einen
Breitbandzugang verfügen, im Allgemeinen „Großkunden“190 sind.
177.
Der Breitbandkunde ist wesentlich öfter eingeloggt als der Nutzer eines
langsamen Internetzugangs. Einer der Vorteile der Breitbandangebote ist, dass die Zeit
für die Herstellung der Verbindung wegfällt, die bei einem langsamen Zugang
45 Sekunden dauern kann. Dieses Merkmal begünstigt häufige und punktuelle
Nutzungen des Internet, zum Beispiel wenn man eine bestimmte Information sucht.
Somit verwenden gemäß Wanadoo Interactive […]* % der ADSL-Kunden das
Internet mehrmals täglich, im Vergleich zu […]* % der gesamten Internet-Nutzer aller
Kategorien.191
178.
Weiterhin - und dies ist ein ganz wichtiger Aspekt - sind Breitbandnutzer im
Durchschnitt wesentlich länger online als die Nutzer von langsamen Internetzugängen.
Die Daten von Wanadoo Interactive bestätigen, dass sowohl Dauer als auch
Häufigkeit der Internetnutzung beim Umstieg von einem langsamen auf einen
schnelleren Internetzugang erheblich zunehmen. Gemäß einem unternehmensinternen
Dokument vom Oktober 2001 steigt die angegebene tatsächliche Nutzungsdauer pro
Monat somit von […]* Stunden auf […]* Stunden, wähend […]*% Internet täglich
mehrfach benützen, statt […]* % wenn noch kein eXtense Kunde. 192 In einem anderen
Dokument vom 13. Juli 2001193 wird angegeben, dass im April 2001 die ADSLKunden von Wanadoo Interactive durchschnittlich [150-250] Stunden pro Monat
online waren, im Vergleich zu durchschnittlich [0-100] Stunden bei den Teilnehmern
mit Schmalbandzugängen mit der 100-Stunden-Pauschale „Intégrales 100 heures“.
179.
Gemäß Wanadoo Interactive suchen die Breitbandteilnehmer nicht die
Geschwindigkeit oder Nutzerfreundlichkeit, sondern vielmehr Angebote mit
unbegrenzter Internet-Nutzung. Als Beweis dafür weist das Unternehmen darauf hin,
187
188
189
190
191
192
193
DE
Siehe diesbezüglich zum Beispiel: Federal Communications Commission, Applications for consent to
the transfer of control and licences and section 214 authorizations by Time Warner Inc. and America
Online Inc., Transferors, to AOL Time Warner Inc., transferee, CS Docket N°00-30, FCC, 11.1.2001,
insbesondere die Punkte 69 und 71.
Diese Meinung wird auch von Wissenschaftlern vertreten. Vgl. Jerry A. Hausman, J. Gregory Sidak
und Hal J. Singer, Cable Modems and DSL: Broadband Internet access for residential Customers, 91
Am. Econ. Ass’n papers and Proc (2001); Robert W. Crandall, J. Gregory Sidak, Hal J. Singer, The
empirical case against asymmetric regulation of broadband Internet access, März 2002.
Diese Zahlen sind einer von NetValue im Oktober 2001 durchgeführten Erhebung entnommen, die im
Journal du Net zitiert wird.
Aussage des Präsidenten des Verwaltungsrates von Wanadoo Interactive, die am 20. August 2001 im
Journal du Net gebracht wurde.
[…]* Im Zuge der Nachprüfung beschlagnahmtes Dokument.
[…]*Erhebung, […]* (S. 4147 der Akte).
S. 4586 der Akte.
- 52 -
DE
wie oft der unbegrenzte Charakter des Angebots zur Motivation der Nutzer für die
Entscheidung zum Breitbandzugang erwähnt wird.194 In Wirklichkeit nimmt dieses
Argument lediglich auf die Tatsache Bezug, dass bis August 2002 die Bedingungen
für den Ausbau von unbegrenzten Schmalbandangeboten zu akzeptablen Kosten und
attraktiven Endverbraucherpreisen noch nicht wirklich geschaffen waren, was die
Nutzer von langsamen Zugängen, denen an einer uneingeschränkten Nutzung gelegen
war, dazu veranlasste, sich den Breitbandangeboten zuzuwenden.195
180.
Schließlich wird das spezielle Profil der Nutzer der Breitband-Technologie
auch durch die bei diesem Dienst genutzte Bandbreite bestimmt. Die Wettbewerber
von Wanadoo Interactive im ADSL-Bereich betonen, dass die tatsächlichen bei den
Kunden gemessenen Datenübertragungsgeschwindigkeiten Anfang 2002 im
Durchschnitt mehr als 20 kbit/s pro eingeloggtem Teilnehmer betrugen, im Vergleich
zu ungefähr 1 kbit/s im Durchschnitt bei den Schmalbandnutzern.196 Zwischen der
Bandbreite, die von den Teilnehmern von Breitbandzugängen und derjenigen, die über
Schmalbandzugänge genutzt wird, besteht ein Verhältnis von 1 zu 15. Dieser
Unterschied zeugt von einer sehr unterschiedlichen Nutzung, die im Fall der
Breitbandzugänge wesentlich stärker ist.
3. Technische Besonderheiten und Leistungsmerkmale
181.
Eine wichtige technische Besonderheit des Breitband-Internetzugangs besteht
in der Spezifizität der verwendeten Modems. Ein Breitbandmodem kann nicht für
einen Schmalband-Internetzugang verwendet werden und umgekehrt.
182.
In seiner Antwort vom 4. März 2002 vertrat Wanadoo Interactive die
Auffassung, dass eine Marktdefinition nicht auf den unterschiedlichen Leistungen von
Produkten beruhen könne, wenn die Verwendungszwecke relativ konvergent und
einander ähnlich sind. Vielmehr seien diese unterschiedlichen Leistungsmerkmale
einfach für einen Erweiterungsprozess des Produktspektrums auf einem Markt, der
sich ständig weiterentwickelt, symptomatisch. An die Stelle von Produkten aus
früheren Generationen mit schwächerer Leistung würden nach und nach
194
195
196
DE
Randnummer 37 der Antwort vom 23. Oktober 2002 (S. 6255 der Akte).
AOL hatte 2000 ein Pauschalangebot mit unbegrenzter Internet-Nutzung für Schmalbandzugänge
eingeführt, musste jedoch im Juli 2001 die Tarife aufgrund der steigenden Kosten verdoppeln. Erst ab
August 2002 konnten Tiscali und AOL dank der Entwicklung der Zusammenschaltungstarife
unbegrenzte Schmalbandangebote einführen, die im Hinblick auf den Preis interessanter und
gleichzeitig wirtschaftlich gesehen rentabler waren. Das Schmalbandangebot von Wanadoo Interactive
mit der Bezeichnung „Intégrale 100 heures“ gehört eigentlich nicht zu den Angeboten mit unbegrenzter
Internet-Nutzung, da es eine Höchstnutzungsdauer vorsieht, die niedriger als die durchschnittliche
Nutzungsdauer von Breitbandkunden ist. Es fand im Übrigen nur wenig Echo: […]* Teilnehmer am
31. März 2002, d. h […]* der ADSL-Kunden von Wanadoo Interactive zu diesem Zeitpunkt. Das
Angebot wurde übrigens Ende 2002 im Katalog durch das Angebot „Intégrales 60 heures“ ersetzt. Als
Anlage 20 der Antwort vom 23. Oktober 2002 legte Wanadoo Interactive […]* vor, […]*, wie aus der
Anlage 27 der Antwort vom 23. Oktober 2002 hervorgeht, in der folgende Aussage der Präsidentin von
Club Internet zitiert wird: „Les forfaits illimités n’ont de sens qu’en haut débit, et ce pour deux
raisons : c’est dans ce type d’utilisation intensive d’Internet que le confort et la rapidité du haut débit
se justifient pleinement, et, en outre, seul celui-ci permet de libérer sa ligne téléphonique, ce qui est
crucial si on veut pouvoir continuer à téléphoner.“ [Die Pauschalangebote mit unbegrenzter InternetNutzung sind nur im Breitbandbereich sinnvoll, und zwar aus zwei Gründen: nur bei dieser intensiven
Nutzung des Internet sind der Komfort und die Schnelligkeit der Breitbandzugänge voll und ganz
gerechtfertigt, und außerdem ist nur hier gewährleistet, dass die Telefonleitung frei ist, was wesentlich
ist, wenn man weitertelefonieren möchte].
Erklärung des Vertreters des Unternehmens Easynet France bei der Anhörung vom 18. März 2002.
- 53 -
DE
leistungsstärkere Produkte treten. Zur Veranschaulichung seiner Argumentation stellte
Wanadoo Interactive einen Vergleich zwischen dem Bereich der Internetzugänge und
dem Bereich der Personalcomputer und Server her. Wanadoo Interactive bezog sich
dabei
weiters
auf
drei
Entscheidungen
der
Kommission
über
Unternehmenszusammenschlüsse im Bereich von Büro- und EDV-Ausstattungen197.
Laut Wanadoo Interactive habe die Kommission in diesen Entscheidungen
beschlossen, für Produkte, die in den Bereich der neuen Technologien fallen, nicht
zwischen verschiedenen Märkten zu unterscheiden.198
183.
Sofern die Analogie zum Sektor der EDV-Ausrüstungen relevant ist, ist
zunächst festzuhalten, dass die Kommission in den vom Unternehmen zitierten
Entscheidungen keine Schlüsse zur Frage der Marktdefinitionen gezogen hat. Der von
Wanadoo Interactive zitierte Absatz aus der Entscheidung in der Sache
Fujitsu/Siemens199 gibt in Wirklichkeit lediglich die Meinungen einer Reihe von
betroffenen Dritten im Zuge der Ermittlungen wieder, und die Kommission stellt
anschließend daran im Text der Entscheidung fest, dass es auf alle Fälle nicht
erforderlich sei, für den gegenständlichen Fall über diese Frage zu entscheiden.
Weiters wird in der Entscheidung HP/Compaq allerdings eingeräumt, dass auf der
Grundlage eindeutig unterschiedlicher Funktionalitäten drei verschiedene
Servermärkte zu unterscheiden sind, die sich mehr oder weniger aus den Preisen der
verschiedenen Serverkategorien ablesen lassen.200 Ebenso wird festgehalten, dass die
Kommission auch in anderen Bereichen wie dem der Personenkraftwagen zwar die
Definition des Marktes offen gelassen, jedoch anerkannt hat, dass es möglich sei,
verschiedene Märkte auf der Grundlage objektiver Kriterien wie Motorgröße und –
leistung zu unterscheiden201, auch wenn das oberste Ziel, nämlich Entfernungen in
einem Straßennetz zurücklegen zu können, letzten Endes gleich bleibt. So können
technische Leistungsunterschiede, ohne gezwungenermaßen die einzige Begründung
der Marktdefinition zu sein, zu dieser beitragen.202 Es ist demnach sinnvoll, die
Leistungsunterschiede zwischen Schmalband-Internetzugang und BreitbandInternetzugang genauer zu prüfen.
184.
Es gibt keine absolute technische Definition der Grenze zwischen
„Schmalband“ und „Breitband“. Es zeichnet sich jedoch eine einheitliche Auffassung
dahingehend ab, dass zum „Breitbandbereich" diejenigen Dienste gehören, die etwas
höhere Datenübertragungsmengen erlauben als die der ISDN-Technologie.203 Die
197
198
199
200
201
202
203
DE
Entscheidungen der Kommission vom 26. Mai 1997 in der Sache IV/M.920 - Samsung/AST (ABl. C
203 vom 3.7.1997, S. 3), vom 30. September 1999 in der Sache IV/JV.22 - Fujitsu/Siemens (ABl. C
318 vom 5.11.1999, S. 15) und vom 31. Januar 2002 in der Sache COMP/M.2609 - HP/Compaq (ABl.
C 39 vom 13.2.2002, S. 23).
Antwort vom 4. März 2002, Randnummern 80 bis 84.
Die von Wanadoo Interactive zitierte Stelle lautet (Randnummer 82 der Antwort vom 4. März 2002):
„a distinction between the different categories of personal computers is not justified“ [eine
Unterscheidung zwischen den verschiedenen Kategorien von Personalcomputern ist nicht
gerechtfertigt] (S. 1729 der Akte).
Oben zitierte Entscheidung in der Sache HP/Compaq, Randnummern 20 bis 22.
Entscheidung der Kommission vom 12. Mai 1999 in der Sache IV/M.519 - Renault/Nissan (ABl. C 178
vom 23.6.1999, S. 14), Randnummern 19 und 20.
Applications for consent to the transfer of control and licences and section 214 authorizations by Time
Warner Inc. and America Online Inc., Transferors, to AOL Time Warner Inc., transferee, CS Docket
N°00-30, 11.1.2001, Punkt 63.
Integrated systems digital networks. Diese Technologie erlaubt Datentransferraten bis zu 128 kbit/s, die
etwas niedriger sind als die, die mit der ADSL-Technologie erreicht werden. Diese Art von
- 54 -
DE
Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) betrachtet
jeden Zugangsdienst, der eine Datenübertragungsgeschwindigkeit von über 256 kbit/s
im downstream erlaubt, als Breitbanddienst.204. Nach Auffassung der Federal
Communications Commission (FCC) liegt die Grenze für Breitbanddienste bei
Datentransferraten von über 200 kbit/s, d. h. eindeutig über den Transferraten, die mit
„Primär-ISDN-“ oder ISDN-Anschlüssen möglich sind. Die britische
Regulierungsbehörde Oftel setzt die Grenze für den Breitbandbereich bei 128 kbit/s
an.205 Für den Fall des französischen Markts, um den es hier geht, ist festzuhalten,
dass im untersuchten Zeitraum von Januar 2001 bis Oktober 2002 alle Angebote
Datenübertragungsraten im downstream von 512 kbit/s vorsahen, d. h. die ungefähr
vier mal so hoch sind wie diejenigen, die die ISDN-Technologie im
Schmalbandbereich erlaubt. Die Angebote auf dem französischen Markt liegen also
erheblich über der Grenze, die von der OECD und der amerikanischen
Regulierungsbehörde FCC angesetzt wird.
185.
Im Fall der Breitband-Internetzugänge sahen die Angebote der französischen
Betreiber
im
vom
mutmaßlichen
Verstoß
betroffenen
Zeitraum
Datenübertragungsraten im downstream vor, die üblicherweise bei 512 kbit/s oder
darüber lagen. Bei den traditionellen Internetzugängen beträgt die Übertragungsrate
über analoge Leitungen im downstream 56 kbit/s. Die ISDN-Technologie erlaubt zwar
eine Erhöhung des Datenverkehrs über Telefonleitungen auf 128 kbit/s. Aber sie bietet
weniger Möglichkeiten als die, die bei der allgemein üblichen Definition des
Breitbandbereichs (siehe Randnummer 184) vorgesehen sind, und die IDSNAnschlüsse machen in Frankreich angeblich kaum 0,3 % der Internetzugänge von
Haushalten aus.206 Sie spielten im betrachteten Zeitraum eine durchaus untergeordnete
Rolle. Es gibt keine Angebote für eine unbegrenzte Internet-Nutzung über ISDNAnschlüsse. Wanadoo Interactive verweist auf die Einführung der ADSL-Angebote
mit 128 kbit/s downstream im Herbst 2002, was den kontinuierlichen Übergang vom
Schmalband- zum Breitbandbereich bestätige. Diese Angebote kamen Ende 2002, zu
Ende des in dieser Entscheidung betrachteten Zeitraums, heraus. Die Kommission
sieht keine Veranlassung, sich darüber zu äußern, ob diese Angebote dem Breitbandoder dem Schmalbandbereich zuzuordnen sind. Die Kommission verfügt über
keinerlei Angaben, um das Ausmaß der Substituierbarkeit zwischen ihnen und den
Angeboten mit Übertragungsraten von 512 kbit/s beurteilen zu können. Nach einer
ersten Prüfung sprechen ihre technischen Leistungsmerkmale und die
Geschwindigkeit, die ein Viertel der Geschwindigkeit der Angebote mit 512 kbit/s
ausmacht, sowie ihre Preisklasse, die eindeutig näher am Bereich der
Schmalbandangebote mit unbeschränkter Nutzung liegt, eher dagegen, sie zum Markt
der Breitband-Internetzugänge zu rechnen.207
204
205
206
207
DE
Internetzugang wird — anders als bei den Breitbandzugängen — im Allgemeinen pro Minute Nutzung
verrechnet.
Bericht der OECD vom 29. Oktober 2001 mit dem Titel „The development of broadband access in
OECD countries“, S. 6.
Office of Telecommunications, Direction to resolve a dispute between BT, Energis and Thus
concerning xDSL interconnection at the ATM switch, 21.6.2002, Randnummer E 12.
Quelle: The Development of Broadband Access Platforms in Europe, BDRC Ltd, August 2001, S. 79.
Es ist nicht auszuschließen, dass diese neuen ADSL-Angebote mit schwachen Übertragungsraten
Beispiele für getarnte Schmalbandangebote mit unbegrenzter Nutzung darstellen, die von der
attraktiveren Aufmachung als neue Technologie und dem Vorteil der Verfügbarkeit der Telefonleitung
profitieren. Eines der Ziele dieser Produkte könnte sein, Angebote mit unbegrenzter Internet-Nutzung
zu entwickeln, die nicht die Leistungsmerkmale der Breitbandangebote aufweisen, es den ZugangsProvidern jedoch ermöglichen zu vermeiden, die Beiträge zur Finanzierung des Universaldienstes zu
- 55 -
DE
186.
In der überwiegenden Zahl der Fälle kann man davon ausgehen, dass während
des gesamten in dieser Entscheidung betrachteten Zeitraums der BreitbandInternetzugang Datentransferraten pro Sekunde bot, die praktisch zehn Mal höher
waren als die von Schmalband-Internetzugängen. Dies ist im Übrigen auch das
Werbeargument, das die Provider während des untersuchten Zeitraums durchgehend
hervorhoben. Bei der Definition eines Marktes stellt ein derartiges Leistungsverhältnis
von 1 zu 10 einen erheblichen Unterschied dar.
187.
Die Leistungsunterschiede zwischen den beiden Produktkategorien werden
von den Verbrauchern eindeutig wahrgenommen. Laut den Marketingabteilungen von
Wanadoo Interactive entscheiden sich die Internet-Nutzer in erster Linie aufgrund
[…]* für ADSL […]*.208 […]* 209. Weiters wird gemäß anderen internen Unterlagen
von Wanadoo Interactive „l’ADSL est préféré à l’illimité […]* [ADSL gegenüber
Angeboten mit unbeschränkten Internet-Zugängen […]* der Vorzug gegeben]210. Man
kann also nicht behaupten, dass die Leistungsunterschiede von den Nutzern als
nebensächlich betrachtet werden. Im Übrigen zeigt eine Analyse der Preisunterschiede
zwischen den Schmalband- und Breitbandangeboten, dass der Verbraucher bereit ist,
für zusätzliche Leistung und mehr Komfort einen höheren Preis zu akzeptieren.
4. Preisunterschiede der Dienste und Ertragsunterschiede pro Teilnehmer
188.
Breitband-Internetzugänge bieten höhere Geschwindigkeit und mehr Komfort,
setzen aber auch einen anderen Verrechnungsmodus als die klassischen
Internetzugänge voraus. Aufgrund des vielfältigen Angebots der verschiedenen
Provider und angesichts der Bedeutung der Angebote ohne Anschluss und der
Verrechnungsarten pro Minute ist es schwierig, einen genauen Vergleich zwischen
den Preisspannen der klassischen Internetzugänge und der Breitband-Internetzugänge
vorzunehmen. Mehrere Vergleichsansätze erlauben es jedoch, die Preisunterschiede
zwischen Breitband- und Schmalbandangeboten für den von dieser Entscheidung
erfassten Zeitraum annähernd zu beschreiben.
189.
Erstens kann durch einen Vergleich des durchschnittlichen monatlichen
Ertrags von Wanadoo Interactive für seinen gesamten Kundenstock einerseits mit dem
durchschnittlichen monatlichen Ertrag seiner ADSL-Kunden andererseits der
Unterschied zwischen dem durchschnittlichen Preis eines SchmalbandInternetzugangs und dem durchschnittlichen Preis eines Breitband-Internetzugangs
schätzungsweise ermittelt werden. Im ersten Halbjahr 2001 lag der durchschnittliche
monatliche Ertrag eines Internetnutzers von Wanadoo Interactive bei […]* EUR
(einschließlich ADSL-Teilnehmer) 211, während man zu diesem Zeitpunkt davon
ausgehen kann, dass der durchschnittliche monatliche Ertrag durch ADSL-Kunden
dieses Internet-Providers bei Gewichtung der beiden gegenständlichen Dienste
[…]* EUR pro Monat und Kunde, d. h. das […]* des aggregierten Mittelwerts
ausmachte.
208
209
210
211
DE
tragen, welche bis 2003 auf der Messung des Schmalbandverkehrs beruhen und sich nachteilig auf ihre
wirtschaftliche Ausgeglichenheit auswirken. In ihrer Publikation „Internet, un bilan du marché“
(Internet — eine Marktbilanz) vom 18. März 2003 verwendet die Regulierungsbehörde ART zur
Beschreibung dieses Angebots den Ausdruck „Mittelband“.
[…]* (S. 3140 der Akte). […]*, S. 3121 der Akte). […]* (S. 3143 ff. der Akte). […]* (S. 4074 ff. der
Akte). […]* (S. 4136 ff. der Akte).
[…]* (S. 3222 der Akte).
[…]* (S. 2083 der Akte).
Pressemitteilung von Wanadoo vom 26. Juli 2001.
- 56 -
DE
190.
Eine zweite mögliche Methode für Preisvergleiche beruht auf dem von
Wanadoo Interactive in seiner Antwort vom 4. März 2002 auf die Mitteilung der
Beschwerdepunkte gemachten Vorschlag, dass für den Vergleich zum BreitbandInternetzugang vielmehr die Pauschalangebote für Schmalbandzugänge mit
unbegrenzter Internet-Nutzung relevant sind. Die eigentlichen Pauschalangebote mit
unbegrenzter Internet-Nutzung haben sich in Frankreich — abgesehen von ersten
Erfahrungen bei AOL in den Jahren 2000 und 2001 — erst ab Herbst 2002 entwickelt.
Pauschalangebote für zwanzig, dreißig oder vierzig Stunden gab es hingegen bereits
im Jahr 2001. Wenn man für jeden Provider den Tarif seines BreitbandInternetzugangs mit dem Tarif des teuersten Pauschalangebots bzw.
Schmalbandzugangs mit unbegrenzter Internet-Nutzung aus seiner Palette vergleicht,
stellt man fest, dass das Verhältnis niemals unter 1,8 und in den meisten Fällen etwas
über 2 liegt212. Man kann somit grundsätzlich festhalten, dass von Januar 2001 bis
Oktober 2002 die Angebote für Breitband-Internetzugänge für Privatkunden ungefähr
doppelt so teuer waren wie die Angebote für Schmalbandzugänge213, die diesen im
Bereich der Palette der Schmalbanddienste am nächsten kommen, wenn man die
Billigangebote bei den Schmalband-Internetzugängen außer Acht lässt.
191.
Wanadoo Interactive stellt in seiner Antwort fest, dass die aktuellen Preise der
Angebote für Breitband-Internetzugänge zu hoch sind und die Verbreitung dieser
Zugangsart behindern214, woraus es den Schluss zieht, dass die Preise in der näheren
Zukunft sinken sollten. Diese Annahme eines kleineren Preisunterschieds in der
Zukunft kann für die Beurteilung des Umfangs des relevanten Produktmarktes in den
Jahren 2001 und 2002 nicht herangezogen werden.
192.
Ein Preis/Ertrag-Verhältnis von mindestens 1:2 zwischen zwei Diensten kann
nicht als sehr klein betrachtet werden. Es kann als Element zur Abgrenzung zweier
unterschiedlicher Märkte dienen.
5. Würdigung des Ausmaßes der Substituierbarkeit
193.
Schmalband- und Breitband-Internetzugänge weisen zweifellos ein bestimmtes
Ausmaß an Substituierbarkeit auf. Gemäß den Marktanalysen der Marketingabteilungen von Wanadoo Interactive kann eine Preisveränderung bei den so
genannten „unbegrenzten“ oder Pauschalangeboten (Pauschale für 20, 30, 40, 50, 60
oder 100 Stunden pro Monat) einen Richtungswechsel der Wachstumskurve der
Breitbanddienste bewirken. Verschiedene bei Wanadoo Interactive beschlagnahmte
Dokumente bestätigen, dass sich zum Beispiel eine Verrechnung des Anschlusses für
Pack eXtense in Höhe von […]* FRF pro Monat negativ auf die Entwicklung dieses
Dienstes und aber positiv auf die so genannten Pauschalangebote ausgewirkt hätte.215
Wanadoo Interactive verweist in seiner Argumentation nachdrücklich auf die Gefahr
212
213
214
215
DE
Siehe Anhang 24.
Bei den im Anhang 24 dargelegten Unterschieden wird der durchschnittliche Preisunterschied
unterschätzt, da diese auf der Berechnung eines arithmetischen Mittels beruhen. Eine Berechnung der
Streuung auf der Grundlage eines mit dem Kundenstock eines jeden Providers gewichteten Mittelwerts
hätte zu höheren Ergebnissen geführt.
Antwort vom 4. März 2002, S. 22, Randnummern 68 bis 72 (S. 1726 der Akte).
Es ist festzuhalten, dass das Angebot „Intégrale 100 h“ von Wanadoo Interactive, das um 9 EUR pro
Monat billiger als Pack eXtense ist und das in Hinblick auf unbegrenzte Nutzung und Preis am nächsten
an die Breitbandangebote von Wanadoo herankommt, am 31. März 2002 nur […]* Nutzer hatte (d. h.
[…]* der ADSL-Angebote) und sich mehr als […]* so langsam entwickelte wie die ADSL-Angebote
(S. 2577 bis 2579 der Akte).
- 57 -
DE
des „Kannibalismus-Effekts“ zwischen Pauschal- und unbegrenzten Angeboten
einerseits und ADSL-Angeboten andererseits bei der Gewinnung neuer Kunden. Die
Kommission ist der Meinung, dass die vom Unternehmen vorgebrachte
Argumentation lediglich zeigt, dass eine große Wahrscheinlichkeit besteht, dass
Kunden mit Schmalband-Internetzugang auf Breitband-Internetzugang umsteigen, was
sie selbst nie bezweifelt hat.
194.
Diese Feststellung über mögliche Umstiege von Schmalband- zu
Breitbanddiensten allein lässt jedoch nicht den Schluss auf das Vorliegen einer
ausreichend signifikanten Substituierbarkeit zwischen den fraglichen Diensten zu.
Liegt also eine gewisse Form der Substituierbarkeit vor, so verläuft diese —
berücksichtigt man den Wert, den die Nutzer den typischen Merkmalen der
Breitbanddienste beimessen — gänzlich asymmetrisch216.
195.
Die bei Wanadoo Interactive eingeholten Daten (siehe Tabelle 7) zeigen, dass
die Zahl der Umsteiger von Breitbandangeboten zu Schmalbandangeboten im
Vergleich zu den Umsteigern von so genannten Pauschalangeboten zu
Breitbandangeboten […]*.217 Die verschiedenen Umsteigeraten sind sehr
unterschiedlich. Wären die Produkte vom Standpunkt der Nachfrage aus betrachtet
vollständig substituierbar, müssten die Umstiegsraten wenn nicht identisch so doch
mindestens von vergleichbarer Größe sein.
Tabelle 7: Umsteiger zwischen Pauschalangeboten mit unbegrenzter Nutzung und
ADSL bei Wanadoo
Dezember
2001
Februar
2002
Umstiegsrate „Pauschalangebote“ è
„Breitbandangebote“
[…]* %
[…]* %
Umstiegsrate „Breitbandangebote“ è
„Pauschalangebote“
[…]* %
[…]* %
[…]*
[…]*
Verhältnis zwischen Umstiegsraten è
„Breitbandangebote“ und è „Pauschalangebote“
196.
Diese Daten zeigen als Tendenz auf, dass die Bereitschaft der „PauschalKunden“, zu Breitbandangeboten umzusteigen, im Durchschnitt […]* Mal höher ist
als diejenige der „Breitband-Kunden“, zu „Pauschalangeboten“ umzusteigen. Hätte es
eine starke symmetrische Substituierbarkeit zwischen diesen Diensten gegeben, wären
die Unterschiede zwischen den Umstiegsraten offensichtlich nicht so
unverhältnismäßig ausgefallen.
197.
Der niedrige Wert für die Umstiege von ADSL-Kunden auf Pauschalangebote
ist umso aufschlussreicher, als in dem von dieser Entscheidung erfassten Zeitraum der
Listenpreis pro Stunde für diese Pauschalangebote im Allgemeinen nach unten
216
217
DE
In Bezug auf den britischen Markt wird diese Idee der asymmetrischen Substituierbarkeit vom Office of
Telecommunications in dem oben zitierten Dokument „Direction to resolve a dispute between BT,
Energis and Thus concerning xDSL interconnection at the ATM switch“, Randnummer E 16,
vorgebracht.
Daten, die den […]* entnommen wurden[…]* (S. 4132 ff. und 4240 ff. der Akte).
- 58 -
DE
tendierte218, während die Preise für die Dienste eXtense und Wanadoo ADSL stabil
blieben. Wären die Produkte in den Augen der Kunden von Wanadoo tatsächlich
untereinander austauschbar gewesen, hätte eine solche Änderung der Preise zu einer
Umstiegswelle zugunsten der Schmalband-Pauschalangebote geführt.219 Dies war
jedoch nicht der Fall, die ADSL-Angebote von Wanadoo setzen ihr dynamisches
Wachstum fort und verzeichneten lediglich Umstiege in beschränktem Ausmaß220.
198.
Im Allgemeinen wechseln sehr wenige Kunden von Wanadoo von ADSL zu
anderen Angeboten desselben Providers: für den Dienst eXtense werden sie in der Zeit
von August 2001 und Juni 2002 im Durchschnitt auf […]* % der Teilnehmer pro
Monat geschätzt, und für den Dienst Wanadoo ADSL in der Zeit von Januar bis
Juni 2002 auf […]* % der Teilnehmer pro Monat.221 Diese Zahlen (insbesondere für
Wanadoo ADSL) stellen lediglich eine grobe Schätzung der Umstiege von ADSL auf
Schmalbanddienste dar, nachdem in ihnen auch die Umstiege von ADSL-Produkten
auf andere ADSL-Produkte enthalten sind, die für eine genaue Schätzung abgezogen
werden müssten.222
199.
von
218
219
220
221
222
DE
Um außerdem die Beurteilung und das Wissen über die Umstiege von Kunden
Breitband- zu Schmalband-Internetzugängen bei geringfügigen Preis-
Von September 2001 bis März 2003 sank der Stundenpreis (ohne die Treueoption, bei der ein
Preisnachlass von 20 % gewährt wird) des Pauschalangebots für 10 Stunden von 1,04 EUR auf 1 EUR
(- 4 %). Der Preis des Einstiegsangebots (3 Stunden Ende 2001, dann fünf Stunden Anfang 2003) sank
von 1,93 EUR auf 1,6 EUR (- 17 %). Die Preise für das Angebot mit 20 Stunden pro Monat blieben
stabil. Das Pauschalangebot für 30 Stunden zu 0,75 EUR pro Stunde wurde durch Pauschalen für
40 Stunden und 60 Stunden zu 0,5 EUR bzw. 0,42 EUR pro Stunde ersetzt (sie sanken um 34 % bzw.
um 45 % im Vergleich zum vorherigen Angebot für 30 Stunden).
Das Phänomen der unterschiedlichen Preisentwicklung von Schmalband- und Breitbandangeboten ist
nicht auf Frankreich beschränkt. So sanken von 2001 bis 2002 die ADSL-Preise in Europa im
Durchschnitt um 11,4 %, während in derselben Zeit die Preise für 40 Stunden Internet-Nutzung über
Schmalbandzugänge um mehr als 33 % zurückgingen (Teligen Total Research, Report on Internet
access costs via a standard telephone line, ADSL and cable modem, Juli 2002, S. 60). Dennoch setzten
in ganz Europa die Angebote für Breitband-Internetzugänge ihr Wachstum mit einer wesentlich
höheren Geschwindigkeit fort als die Schmalbandangebote. In den Vereinigten Staaten zeigen
ökonometrische Analysen, dass der steigende Preis der Schmalband-Internetzugänge keine Korrelation
zum Preis der Breitband-Internetzugänge aufweist und dass das Schmalbandsegment demnach keinen
Druck auf die Preisgestaltung des Breitbandsegments ausübt (siehe Jerry Hausman and J. Gregory
Sidak, Cable modems and DSL: Broadband Internet access for residential customers.)
Diese Entwicklung betrifft im Übrigen nicht nur Wanadoo Interactive, sondern ist für alle französischen
Marktteilnehmer charakteristisch. Von Januar 2001 bis Januar 2002 blieben die Preise für BreitbandInternetzugänge stabil. In derselben Zeit verzeichneten die Pauschalangebote mit 20 Stunden,
40 Stunden und 50 Stunden pro Monat Rückgänge um 5,3 % bzw. 5 % und 9,6 % (Quelle: ART,
„Internet, un bilan du marché français, mars 2003“ (Internet — eine Bilanz des französischen Marktes,
März 2003). Der relative Preis der Pauschalangebote im Schmalbandbereich, die den Angeboten mit
unbegrenzter Nutzung am nächsten kommen, sank demnach von Januar 2001 bis Januar 2002. Im Laufe
des Jahres 2001 nahm jedoch die Wachstumsrate des Breitbandmarktes, gemessen in der Anzahl neuer
Kunden pro Woche, kontinuierlich zu (+74 % vom zweiten Halbjahr 2000 bis zum ersten Quartal 2001,
+19 % im zweiten Quartal 2001, +4 % im dritten Quartal 2001 und +91 % im letzten Quartal 2001).
Die Umstiege zu anderen Produkten sind in Anhang 16 in der Zeile „Umsteiger zu anderen Produkten“
angegeben. Im untersuchten Zeitraum verzeichnete man für den Dienst eXtense durchschnittlich
418 Umstiege zu anderen Produkten pro Monat (bei einer durchschnittlichen Teilnehmerzahl von
263 000 im selben Zeitraum). Für Wanadoo ADSL betrugen die Umstiege zu anderen Produkten
durchschnittlich 985 pro Monat (bei einer durchschnittlichen Teilnehmerzahl von 120 000).
In der Praxis handelt es sich dabei vorwiegend um Umstiege von Kunden vom Produkt Wanadoo
ADSL auf das Produkt eXtense.
- 59 -
DE
veränderungen zu erfahren, ließ die Kommission eine Erhebung223 an einer
repräsentativen Stichprobe224 von Privatkunden mit Breitband-Internetzugängen225
durchführen. Bei der Erhebung wurde die Stichprobe über ihre Reaktionen auf eine
allgemeine Erhöhung der Anschlussgebühren im Breitbandsegment um 10 % befragt.
Die Erhebung ergab, dass 80 % der Teilnehmer ihren Breitband-Internetzugang bei
einer Preiserhöhung von 10 % beibehalten, während 7 % ihren Internetanschluss ganz
aufgeben und 13 % zu Schmalband-Internetzugängen wechseln würden, wobei sich
die Hälfte dieser letzten Gruppe für Pauschalangebote mit unbegrenzter InternetNutzung entschied. Um zu beurteilen, ob eine Preiserhöhung für das Unternehmen
von Vorteil wäre, und um somit die Einschätzung des Ausmaßes des
Wettbewerbsdrucks der Schmalbanddienste auf die Breitbanddienste zu ergänzen, sind
die Auswirkungen einer solchen Erhöhung auf den Deckungsbeitrag auf die
wiederkehrenden variablen Kosten zu prüfen. Einerseits würde das Unternehmen bei
80 % seiner Kunden durch eine 10%ige Preiserhöhung einen Nettogewinn von
ungefähr 3,8 EUR für eXtense und 1,72 EUR für Wanadoo ADSL erzielen.
Andererseits würde das Unternehmen 20 % seiner Kunden und die entsprechenden
Deckungsbeiträge verlieren. In Anbetracht der Höhe der Deckungsbeiträge zu den
wiederkehrenden variablen Kosten, die für die Produkte eXtense und Wanadoo ADSL
seit 2001 bis zum Datum dieser Entscheidung ermittelt wurden, ist die Differenz aus
zusätzlichen Gewinnen und Gewinneinbußen immer positiv.226 Umgekehrt hätte,
damit diese Bedingung nicht verifiziert würde, die Höhe der Deckungsbeiträge zu den
wiederkehrenden Kosten für die beiden gegenständlichen Produkte 40 % erreichen
müssen, was seit der Einführung der ADSL-Produkte nicht der Fall war und was in
Anbetracht der Merkmale des Marktes in der näheren Zukunft schwer erreichbar zu
sein scheint.
200.
Es ist festzuhalten, dass unter den von den befragten Internet-Nutzern
genannten Gründen für die Beibehaltung des Anschlusses die vertragliche Bindung an
einen Provider über ein Jahr, was eigentlich allgemein üblich ist227, nur von einer sehr
geringen Zahl von Kunden228 als entscheidendes Kriterium betrachtet wird. Es ist auch
kein wesentlicher Unterschied in der Reaktion festzustellen je nachdem, ob die
Kunden ihr Modem gekauft oder gemietet haben. Schließlich geben die Befragten bei
der Erklärung ihrer Entscheidung, den Anschluss trotz der Preiserhöhung
beizubehalten, vielmehr die unbegrenzte Internet-Nutzung und Schnelligkeit als
objektive Zwänge (wie die vertragliche Bindefrist von einem Jahr) an. Somit hat es
223
224
225
226
227
228
DE
Diese Erhebung wurde von der Gesellschaft Novatris im Juni 2002 im Auftrag der Kommission
durchgeführt (S. 5115 bis 5174 der Akte).
Die Stichprobe umfasste 789 Privatkunden mit Breitband-Internetzugang über ADSL oder Kabel.
Wanadoo Interactive stellte in seiner Antwort vom 23. Oktober 2002 die Auswahl der Stichprobe in
Frage und befürwortete das Heranziehen einer Stichprobe, die die gesamte französische Bevölkerung
umfasst, um das Verhalten der potenziellen Interessenten für das eine oder andere Produkt besser
abschätzen zu können. Die Kommission hatte diese Methode nicht in Betracht gezogen, da es ihrer
Ansicht nach angebracht ist, eine Gruppe von Personen zu untersuchen, die bereits die Funktionen und
Besonderheiten der Nutzung der Breitband-Internetzugangsdienste ausprobiert hat, um die Bereitschaft
der Nutzer von Breitbandzugängen, auf Schmalbandzugänge umzusteigen, besser einschätzen zu
können. […]* S. 3234 der Akte).
Genaue Berechnungen siehe in Anhang 25.
Zwei Drittel der Befragten gaben an, einen Vertrag über ein Jahr oder länger abgeschlossen zu haben.
Nur 6 % der Befragten, die ihren Breitband-Internetzugang trotz einer Preiserhöhung von 10 %
beibehielten, gaben als einen der Gründe dafür das Vorliegen einer einjährigen vertraglichen
Verpflichtung an, und nur 2 % gaben dies als ihren Hauptgrund dafür an.
- 60 -
DE
den Anschein, dass die Nutzer den qualitativen Merkmalen des BreitbandInternetzugangs einen besonderen Preis und Wert beimessen.
201.
Die in den Randnummern 199 und 200 angeführten Ergebnisse der
Erhebung229 lassen nicht den Schluss auf eine ausreichende Substituierbarkeit
zwischen Schmalband- und Breitbandprodukten zu, sodass die Teilnehmer bei einer
signifikanten Änderung der Preise der letzteren Kategorie massiv von Breitband- zu
Schmalbandprodukten abwanderten. Sie bestätigen im Gegenteil, dass die
Breitbandkunden den Komfort und die Leistung, die ihnen die Breitbandprodukte
bieten, eindeutig vorziehen. Sie widerlegen auch die von Wanadoo Interactive in
seiner Antwort vom 4. März 2002 getroffene Annahme, „qu’une augmentation du prix
de l’accès à haut débit contribuerait à un report de la clientèle vers le bas débit“
[dass eine Erhöhung des Preises für den Breitband-Internetzugang bewirken würde,
dass die Kunden zum Schmalband-Internetzugang umsteigen]230. Die Kommission
muss vielmehr den Schluss ziehen, dass zwischen den beiden Produktkategorien keine
signifikante Austauschbarkeit gegeben ist.
202.
Schließlich muss festgestellt werden, dass die internen Überlegungen bei
Wanadoo Interactive offensichtlich die betroffenen Abteilungen231 zur Auffassung
veranlassen, dass „l’ADSL est un marché […]*232[…]* par rapport à l’illimité“
[ADSL ein […]* Markt in Bezug auf die Angebote mit unbegrenzter Internet-Nutzung
ist].
6. Schlussfolgerung zum Dienstleistungsmarkt
203.
In Anbetracht der vorgenommenen Analyse vertritt die Kommission die
Auffassung, dass der Produktmarkt, der für die Prüfung des Wanadoo Interactive
vorgeworfenen Sachverhalts relevant ist, der Markt der Breitband-Internetzugänge für
Privatkunden ist.
204.
In diesem Zusammenhang ist festzuhalten, dass diese Marktdefinition weiter
gefasst ist als die der Regulierungsbehörde ART233. Letztere erkennt zwar einen Markt
für Breitband-Internetzugänge234 für Privatkunden, grenzt jedoch innerhalb dieses
Marktes einen Markt für Breitband-Internetzugänge über die ADSL-Technologie235
229
230
231
232
233
234
235
DE
Die Ergebnisse dieser Erhebung werden durch eine Befragung bestätigt, die im August 2002 an
955 Internet-Nutzern durchgeführt wurde und gemäß der 0 % der Breitbandnutzer bereit wären, zu
Schmalbandprodukten zurückzukehren (Artikel in der Tageszeitung Le Figaro vom 18. Oktober 2002:
„Le boom de l’Internet à haut débit“ (Der Boom der Breitband-Internetzugänge), der als Anlage 2 der
Antwort von Wanadoo Interactive vom 23. Oktober 2002 übermittelt wurde. S. 6450 der Akte).
Antwort vom 4. März 2002, S. 22, Randnummer 72 (S. 1727 der Akte).
[…]* (S. 3224 der Akte). […]*
[…]*
Der Wettbewerbsrat hat sich im Grunde bis heute nicht zum Umfang des relevanten Marktes geäußert.
Er hat jedoch festgestellt — und wurde darin vom Pariser Berufungsgericht bestätigt —, dass „il ne peut
être exclu que le groupe France Télécom détienne une position dominante (…) pour la fourniture de
l’accès à Internet à haut débit“ [nicht ausgeschlossen werden kann, dass der Konzern France Télécom
bei der Bereitstellung von Breitband-Internetzugängen eine beherrschende Stellung einnimmt]
(Entscheidung Nr. 02-MC-03, a.a.O.).
Siehe insbesondere die ART-Stellungnahme Nr. 02-35 vom 9. Januar 2002 an den Wettbewerbsrat zum
Antrag der Gesellschaft T-Online France in Hinblick auf die Praktiken der Gesellschaft France Télécom
auf den Märkten in Verbindung mit der Bereitstellung von Internetzugängen über ADSL.
Siehe ART-Stellungnahme Nr. 00-28 vom 7. Januar 2000 bezüglich des Antrags auf eine
Stellungnahme des Wettbewerbsrats zur Anrufung und zum Antrag auf vorläufige Maßnahmen durch
- 61 -
DE
insbesondere aufgrund seines unterschiedlichen Marktdurchdringungspotenzials im
Vergleich zum Internetzugang über Kabel, ein.
2.
Der geografische Markt
205.
Die Internet-Provider auf dem Markt für Breitband-Internetzugänge und die
Telekommunikationsanbieter auf dem Markt für ADSL-Dienste operieren auf
nationaler Ebene. Auch wenn derzeit einige von ihnen ihre Angebote für BreitbandInternetzugänge aus Gründen der technischen Ausbaubedingungen noch in
beschränkten Gebieten anbieten, ist klar, dass alle diese Anbieter ein gleiches Ausmaß
an Entwicklung und Wachstum auf nationaler Ebene anstreben. Weiters werden die
Preise landesweit festgelegt. Die Internet-Provider bieten ihren Dienst Kunden an, die
ihren Wohnsitz im Staatsgebiet haben, und unterliegen den nationalen
Rechtsvorschriften.
206.
Aus all diesen Gründen wird die Ansicht vertreten, dass im gegenständlichen
Fall der geografische Markt der nationale französische Markt ist. Diese Ansicht wird
von Wanadoo Interactive geteilt.236
C. DIE BEHERRSCHENDE STELLUNG
207.
Um die Stellung von Wanadoo Interactive auf dem fraglichen Markt beurteilen
zu können, untersucht die Kommission nacheinander verschiedene Faktoren: die
Marktanteile von Wanadoo Interactive seit Anfang des Jahres 2001, die
Auswirkungen der Verbindung zur France Télécom sowie die Vormachtstellung im
Bereich der klassischen Internetzugänge und im Bereich der Telefonbücher.
1.
Allgemeine Aspekte
208.
Wanadoo Interactive hält fest, dass gemäß Ansicht des Gerichtshofes mit einer
beherrschenden Stellung „die wirtschaftliche Machtstellung eines Unternehmens
gemeint ist, die dieses in die Lage versetzt, die Aufrechterhaltung eines wirksamen
Wettbewerbs auf dem relevanten Markt zu verhindern, indem sie ihm die Möglichkeit
verschafft, sich seinen Wettbewerbern, seinen Abnehmern und schließlich den
Verbrauchern gegenüber in einem nennenswerten Umfang unabhängig zu
verhalten“237. Nach den Aussagen von Wanadoo Interactive seien die vom
Unternehmen getroffenen Entscheidungen bezüglich der Preise durch die Haltung der
Wettbewerber bedingt gewesen, und das Unternehmen befinde sich in Wirklichkeit
„sous pressions de ses concurrents actuels et potentiels“ [unter dem Druck seiner
236
237
DE
9 Télécom in Bezug auf bestimmte Praktiken von France Télécom auf dem Markt für BreitbandInternetzugänge über xDSL, Abschnitt 3.1 zur Untersuchung der Wettbewerbsbedingungen; ARTStellungnahme Nr. 02-346 vom 30. April 2002 über die Tarifentscheidung Nr. 2002033 in Bezug auf
die Entwicklung des Routingdienstes IP/ADSL und über die von France Télécom angekündigten
Tarifvorschläge für die IP/ADSL-Dienste, insbesondere Abschnitt II.2; ART-Stellungnahme Nr. 01-548
vom 19. Juni 2001 über die Tarifentscheidungen Nr. 2001482 in Bezug auf die Entwicklung der Dienste
Netissimo 1 und Netissimo 2 und Nr. 2001480 über die Entwicklung des IP/ADSL-Zugangsdienstes
und -Routingdienstes, Abschnitt II.1.
Antwort vom 4. März 2002, S. 30 (S. 1735 der Akte).
Urteil des Gerichtshofs vom 14. Februar 1978 in der Rechtssache C-27/76, United Brands Company
e.a./Kommission, Slg. 1978, S. 207, Randnummer 65.
- 62 -
DE
tatsächlichen und potenziellen Konkurrenten]238. In dieser Analyse sei die Höhe der
angebotenen Preise der Beweis für den tatsächlich herrschenden Wettbewerbsdruck.
209.
Die Kommission vertritt die Ansicht, dass Wanadoo Interactive das vom
Gerichtshof geforderte Kriterium des unabhängigen Verhaltens falsch auslegt. Dieser
Begriff bedeutet nämlich nicht, dass sich das beherrschende Unternehmen in einer
Position der absoluten Unangreifbarkeit gegenüber seinen tatsächlichen oder
potenziellen Wettbewerbern befindet. Durch die Forderung dieser Unangreifbarkeit
würde der Begriff des Missbrauchs einer beherrschenden Stellung gänzlich irrelevant
werden, nachdem in einem solchen Fall das vor jeglichem Wettbewerbsdruck
geschützte
beherrschende
Unternehmen
keinerlei
Veranlassung
hätte,
Vorgehensweisen zu wählen, um die konkurrierenden Unternehmen zu verdrängen.
Das Einnehmen einer beherrschenden Stellung schließt Wettbewerbsdruck nicht aus.
Die beherrschende Stellung versetzt die betroffene Firma lediglich in die Lage, „die
Bedingungen, unter denen sich dieser Wettbewerb entwickeln kann, zu bestimmen
oder wenigstens merklich zu beeinflussen, jedenfalls aber weitgehend in ihrem
Verhalten hierauf keine Rücksicht nehmen zu müssen, ohne dass ihr dies zum Schaden
gereichte“239. Die Kommission ist im vorliegenden Fall der Ansicht, dass Wanadoo
Interactive aufgrund der verschiedenen in den Randnummern 211 bis 252
beschriebenen Tatbestände einer beherrschenden Stellung die Möglichkeit hatte, eine
groß angelegte Strategie der Marktpenetration zu verfolgen, die für seine
Wettbewerber — die nicht in der Lage waren, damit Schritt zu halten — untragbar
wurde.
210.
Wanadoo Interactive hat zu bestimmten, von der Kommission festgestellten
Tatbeständen der beherrschenden Stellung mehrere Kommentare vorgebracht und die
Auffassung vertreten, dass keiner der Tatbestände einzeln betrachtet den Schluss auf
eine Vormachtstellung zulässt. Bevor die Kommission auf die vom Unternehmen
aufgeworfenen Punkte im Einzelnen eingeht, muss sie vorweg festhalten, dass sie
selbst in ihrer Analyse nicht einen einzelnen Faktor, sondern eine Kombination von
Tatbeständen betrachtet hat, die alle zusammen eine Situation ergeben, durch die
Wanadoo Interactive eine beherrschende Stellung auf dem fraglichen Markt einnimmt.
2.
Die Marktanteile
211.
In Tabelle 8 ist die Entwicklung des Marktanteils von Wanadoo Interactive als
einer der Anbieter von Internet-Zugängen über ADSL und Kabelmodem seit Anfang
2001 wiedergegeben.240 Der Marktanteil von Wanadoo Interactive enthält sowohl die
ADSL-Teilnehmer von Wanadoo Interactive als auch die Kunden des Dienstes Câble
Wanadoo. Das Unternehmen ordnet in seinen eigenen Marktanalysen die Kunden von
238
239
240
DE
Antwort vom 4. März 2002, S. 32, Randnummer 110 (S. 1737 der Akte).
Urteil des Gerichtshofs vom 13. Februar 1979 in der Rechtssache 85/76 Hoffmann-La Roche & Co.
AG/Kommission, Slg. 1979, S. 461, Randnummer 39.
Die Prozentsätze wurden ausgehend von den Antworten von Wanadoo Interactive, Noos, NC
Numéricâble, UPC France, Est Vidéocommunications, T-Online France, Tiscali France, AOL France,
9Télécom, Easynet, Nerim, BD Multimédia, NetUltra, Infonie, Oreka auf verschiedene
Auskunfsverlangen ermittelt.
- 63 -
DE
Câble Wanadoo241, das seine Handelsbezeichnung trägt, sich selbst zu, obwohl die
Dienstleistung technisch von France Télécom Câble gewährleistet wird.
Tabelle 8: Marktanteile von Wanadoo Interactive auf dem Breitbandmarkt
31.12.2000
31.3.2001
30.6.2001
30.9.2001
31.12.2001
31.3.2002
30.6.2002
30.8.2002
Insgesamt
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
Wanadoo
[40-50]*
%
[50-60]*
[50-60]*
[60-70]*
[70-80]*
[70-80]* %
%
%
[60-70]*
%
[70-80]*
%
%
%
212.
Die sehr großen Marktanteile von über 50 % sind als gravierende und
ausreichende242 Anzeichen einer beherrschenden Stellung zu betrachten, wenn nicht
außergewöhnliche Umstände vorliegen. Im Zusammenhang mit einem Markt, der sich
Anfang 2001 in einem noch nicht weit fortgeschrittenen Reifestadium befand, ist es
jedoch wichtig, diese Auslegung der absoluten Marktanteile durch zwei Überlegungen
zu ergänzen, die für die Prüfung des gegenständlichen Falls wesentlich sind.
213.
Erstens ist die Stellung von Wanadoo Interactive gegenüber seinen
Wettbewerbern, die ihm direkt folgen, zu prüfen.243 Ab dem 1. Januar 2001
verzeichnete Wanadoo Interactive […]* mal so viele Kunden wie sein wichtigster
Konkurrent, der Kabelnetzbetreiber Noos244. Ab dem ersten Halbjahr 2001 ließ
Wanadoo Interactive diesen ersten Wettbewerber weit hinter sich zurück. Nach dem
ersten Quartal 2001 verzeichnete das Unternehmen Zuwachsraten, die mehr als […]*
derjenigen von Noos ausmachten. Wanadoo Interactive konnte somit auf eine
Kundenzahl verweisen, die Ende März das […]*fache und Ende Juni das […]*fache
der Kundenzahl von Noos betrug. Ein Jahr später, Ende Juni 2002, hatte Wanadoo
Interactive ungefähr um sieben Mal mehr Kunden als dieser erste Wettbewerber. Von
den anderen Wettbewerbern — sei es im Marktsegment der Kabelmodemdienste oder
in dem der ADSL-Angebote — hat im untersuchten Zeitraum keiner jemals einen
Marktanteil von mehr als 8 % erreicht. Somit hat Wanadoo Interactive im gesamten
Zeitraum nicht nur seinen wichtigsten Konkurrenten eindeutig überholt, sondern auch
seinen Vorsprung ihm gegenüber wesentlich vergrößert (s. Tabelle 9).
Tabelle 9: Verhältnis zwischen den Marktanteilen von Wanadoo Interactive und
denjenigen seines ersten Konkurrenten auf dem Breitbandmarkt
31.12.2000
31.3.2001
30.6.2001
30.9.2001
31.12.2001
31.3.2002
30.6.2002
31.8.2002
[1-5]*
[1-5]*
[1-5]*
[1-5]*
[1-5]*
[5-10]*
[5-10]*
[5-10]*
214.
Weiters verdient das Marksegment der Angebote über ADLS-Technologie auf
dem relevanten Markt besondere Aufmerksamkeit. Das Marktsegment der Angebote
241
242
243
244
DE
Siehe zum Beispiel in den bei Wanadoo Interactive beschlagnahmten internen Unterlagen: […]*
(S. 4236 ff. der Akte); […]* (S. 4128 ff. der Akte); […]* (S. 4155-4156 der Akte); […]* (S. 4254 ff.
der Akte); […]* (S. 4278 ff. der Akte); […]* (S. 4350 ff der Akte).
Urteil in der Rechtssache Akzo, a.a.O., Randnummer 60.
Die Position von Wanadoo Interactive im Vergleich zu allen anderen Wettbewerbern wird in
Abschnitt II.E.1 behandelt.
Siehe die Kundenzahlen von Wanadoo Interactive und Noos Ende 2000 und Anfang 2001 in
Anhang 25.
- 64 -
DE
über Kabelmodem ist in Hinblick auf seine geografische Ausbaufähigkeit weniger
vielversprechend als das ADSL-Segment245. Betrachtet man allein das Segment der
Internet-Zugangsdienste über ADSL für Privatkunden, waren die Marktanteile von
Wanadoo Interactive sehr hoch: Sie lagen von Anfang 2001 bis Ende des Sommers
2002 bei [90-100]* % und erreichten im August 2002 noch immer [80-90]* %246. Seit
Ende 2000 hält Wanadoo stets einen ADSL-Kundenstamm, der das […]*fache von
dem seines ersten Konkurrenten in dem Segment betrug (siehe Tabelle 10).
Tabelle 10: Verhältnis zwischen den Marktanteilen von Wanadaoo Interactive und
denjenigen seines ersten Konkurrenten im ADSL-Segment247
31.12.2000
ADSLKundenstamm
von Wanadoo /
Kundenstamm
des ersten
Konkurrenten im
ADSL-Segment
Breitbandkunden
von Wanadoo /
Kundenstamm
des ersten
Konkurrenten im
ADSL-Segment
31.3.2001
30.6.2001
30.9.2001
31.12.2001
31.3.2002
30.6.2002
31.8.2002
[10-15]*
[10-15]*
[15-20]*
[20-25]*
[10-15]*
[5-10]*
[5-10]*
[15-20]*
[15-20]*
[15-20]*
[20-25]*
[10-15]*
[5-10]*
[5-10]*
[10-15]*
[20-25]*
215.
Der relative Marktanteil sowie das Verhältnis zwischen den Marktanteilen des
betroffenen Unternehmens und seiner Wettbewerber, insbesondere derjenigen, die ihm
unmittelbar folgen, stellen nach Ansicht des Gerichtshofs gültige Kriterien bei der
Bestimmung einer beherrschenden Stellung248 dar. Unter diesen Bedingungen stellen
die von Wanadoo Interactive seit Anfang 2001 gehaltenen Marktanteile in Anbetracht
der oben angeführten Überlegungen ein schwerwiegendes Anzeichen einer
beherrschenden Stellung dar.
216.
Wanadoo Interactive vertritt die Auffassung, dass auf einem entstehenden,
durch einen begrenzten Kundenstamm gekennzeichneten Markt die Marktanteile ein
245
246
247
248
DE
Am 1. Januar 2001 zählte man in Frankreich 4,9 Mio. Kabelanschlüsse, die Breitbanddienste
unterstützen können, im Vergleich zu 11 Mio. Leitungen, die unverzüglich an ADSL angeschlossen
werden könnten. Die sechzehn größten Kabelnetzbetreiber weisen geografisch zerstückelte und
technisch uneinheitliche Netze auf, während das ADSL-unterstützende Telefonnetz technisch
vereinheitlicht ist. Die Region Paris selbst, wo viele Kabelnetzbetreiber niedergelassen sind, stellt ein
Mosaik von Zonen verschiedener Anbieter dar. Schließlich wird den Kabelnetzbetreibern gesetzlich
untersagt, mehr als acht Millionen Kunden zu haben, was die Erweiterung ihrer Netze erheblich
erschwert. Die Schwächen der Kabelnetze im Vergleich zur ADSL-Technologie beim Ausbau der
Breitbanddienste werden in verschiedenen Entscheidungen oder öffentlich zugänglichen Dokumenten
der Regulierungsbehörde ART analysiert (siehe insbesondere die ART-Stellungnahme Nr. 00-28 vom
7. Januar 2000 und den Bericht über die Situation der Kabelnetzbetreiber, der über folgende Website
einsehbar ist: http://www.art-telecom.fr, Rubrik „Les grands dossiers“, „réseaux câblés“).
Diese Prozentsätze wurden auf der Basis der Rohdaten aus den in Fußnote 240 erwähnten Antworten
der verschiedenen Anbieter errechnet.
Die relative Verbesserung der Position des ersten Wettbewerbers im ADSL-Segment während des
ersten Quartals 2002 ist hauptsächlich auf die Dämpfung des Umsatzes von Wanadoo Interactive
infolge des mit dem bereits erwähnten Beschluss des Wettbewerbsrates vom 27. Februar 2002
ausgesprochenen Verbots der Vermarktung des eXtense-Pakets in den Geschäftsstellen von France
Télécom zurückzuführen.
Siehe Urteil in der Rechtssache Hoffmann-La Roche, a.a.O., Randnummer 48.
- 65 -
DE
wenig zuverlässiges Anzeichen darstellen. Wanadoo betont die Notwendigkeit, für die
Marktanteile einen vorausschauenden Ansatz zu entwickeln. Über diese Einschätzung
der Gültigkeit der Marktanteile hinaus äußert Wanadoo Interactive Zweifel
hinsichtlich der Möglichkeit, eine beherrschende Stellung auf einem entstehenden
Markt249 zu bestimmen, und vergleicht den Sektor der Internetzugänge mit einem
Sektor im Bereich der New Economy, auf dem die Marktanteile einen sehr wenig
zuverlässigen Aussagewert hätten250. Auf diese Äußerungen ist mit folgenden
Kommentaren zu antworten.
217.
Erstens kann ein Wachstumssektor als solcher grundsätzlich nicht von den
Wettbewerbsregeln und insbesondere nicht von Artikel 82 EG-Vertrag ausgenommen
werden. Die Analyse der Marktposition muss auf alle Fälle mit einem Nachweis
einhergehen, der über die Feststellung der Marktanteile hinaus auch die
Besonderheiten eines Marktes in einer dynamischen Wachstumsphase zu
berücksichtigen hat. Dies ist genau das Ziel, das die Kommission im Rahmen dieser
Entscheidung verfolgt. Die Kommission kann jedoch nicht solange mit der Prüfung
der Stellung eines Unternehmens auf einem Wachstumsmarkt warten, bis sich dieser
endgültig konsolidiert hat und dann den allenfalls verübten Missbrauch im Nachhinein
bestätigen.
218.
Zweitens vertritt die Kommission selbst dann, wenn nicht auszuschließen ist,
dass die Einstufung der Bereitstellung von Breitband-Internetzugängen als
entstehender Markt geltend gemacht werden kann251, in jedem Fall die Auffassung,
dass der gegenständliche Markt unmöglich als völlig neu oder als in einem reinen
Erprobungsstadium bezeichnet werden kann. Ende Juni 2000 verzeichnete der Markt
der Breitband-Internetzugänge für Privathaushalte bereits 100 000 Teilnehmer, und
Ende 2000 zählte er in Frankreich mehr als 180 000 Kunden. Ab dem ersten Quartal
2001 wuchs der Markt um mehr als 5 000 neue Kunden pro Woche. Auch wenn die
Einstufung als entstehender Markt für diesen Übergangszeitraum akzeptiert werden
kann, ist zumindest ganz klar, dass zu diesem Zeitpunkt die Internet-Zugangsdienste
das Stadium der reinen kommerziellen oder technischen Erprobung längst hinter sich
hatten. In anderen Ländern verzeichneten die Breitband-Internetzugänge bereits Ende
2000 hohe Kundenzahlen. So hatte Deutschland bereits Ende 2000 an die 450 000
Teilnehmer mit Breitband-Internetzugängen; in den Vereinigten Staaten waren es
schon mehr als fünf Millionen252. Auch wenn der Breitbandsektor eine eigenen Markt
249
250
251
252
DE
Antwort vom 4.3.2002, Randnummer 154.
Ibid., Randnummer 121.
Es wird jedoch festgehalten, dass Wanadoo Interactive sich bei seiner Einschätzung (Antwort vom
4. März 2002, Fußnote 80, S. 1739 der Akte) auf eine Entscheidung der Kommission vom Mai 2000
beruft, in der keine Einwände gegen einen angemeldeten Zusammenschluss erhoben werden und in der
der Markt der xDSL-Ausrüstungen als "entstehender Markt" bezeichnet wird (Entscheidung der
Kommission vom 19. Mai 2000 in der Sache IV/M.1908 - Alcatel/Newbridge Networks, Randnummer
12; ABl. C 169 vp, 17.6.2000, S. 7). Diese Entscheidung wurde mehr als sieben Monate vor Beginn des
von dieser Entscheidung erfassten Zeitraums angenommen. Außerdem betrifft sie nur das Segment der
xDSL-Technologie, die erst nach der Kabelmodem-Technologie entstand.
The development of broadband access platforms in Europe, BDRC, August 2001, S. 83 und S. 126. Es
ist bekannt, dass Wanadoo Interactive die Situation im Ausland in der Anfangsphase der Entwicklung
der ADSL-Dienste beobachtete. Das […]* Dokument […]* (S. 3146 der Akte) enthält zum Beispiel
folgenden Absatz: „Aux Etats-Unis (source étude […]* janvier 2000) [la] demande pour du haut débit
grimpe en flèche dans les villes dans lesquelles l’ADSL est déployé (un tiers de la demande). Cette
demande progresse plus rapidement sur le marché résidentiel et est drivée par le besoin des clients de
vitesse, de contenus à valeur ajoutée et de confort d’utilisation.“ [In den Vereinigten Staaten (Quelle:
[…]*Studie vom Januar 2000) steigt die Nachfrage nach Breitbanddiensten in den Städten, in denen
- 66 -
DE
bildet, waren die Internetdienste und bestimmte Anwendungen in Verbindung mit
Breitbanddiensten außerdem nichts Neues. Der Breitbandmarkt entwickelte sich in
Frankreich ab 1997 in Fortsetzung eines bereits bestehenden Marktes, dem der
Schmalband-Internetzugänge. Ende 2000 wurden in Frankreich ungefähr 5 Millionen
Internetnutzer verzeichnet. Auch wenn die Breitband-Internetzugänge bestimmte
Merkmale eines entstehenden Marktes aufweisen, kann man nicht behaupten, dass die
Entwicklung von Wanadoo Interactive auf dem gegenständlichen Markt ab 2001 von
Unsicherheit oder Instabilität in Verbindung mit einem völlig neuen Produkt geprägt
war.
219.
Drittens scheint Wanadoo Interactive im vorliegenden Fall nicht von der
Gefahr schwankender Marktanteile, welche den Angaben des Unternehmens zufolge
einen Markt in einer starken Wachstumsphase beeinträchtigen kann, betroffen zu sein.
Der Marktanteil des Unternehmens hat sich auf dem gesamten Breitbandmarkt
kontinuierlich weiterentwickelt, und die Marktdurchdringung des Unternehmens im
ADSL-Segment war für den betrachteten Zeitraum erstaunlich stabil. Man kann also
nicht behaupten, dass es seit Anfang 2001 im Bereich der Breitband-Internetzugänge
in Frankreich große und unregelmäßige Schwankungen der Marktanteile gab, die das
Vorliegen einer beherrschenden Stellung widerlegen.
220.
Viertens regt Wanadoo Interactive an, eine vorausschauende und dynamische
Analyse der Marktanteile durchzuführen, die die Feststellungen bezüglich der
Marktanteile im Jahr 2001 und Anfang 2002 ergänzen sollte. Nach Ansicht von
Wanadoo Interactive ist es notwendig, nicht nur die derzeitige Wettbewerbssituation,
sondern auch die potenzielle Situation mit zukünftigen Wettbewerbern zu prüfen. Um
zu beurteilen, welche Sichtweise das Unternehmen von der Realität sowie vom
Ausmaß der Bedrohung durch diese letzteren hat, ist es nützlich, die von Wanadoo
Interactive selbst durchgeführten Simulationen heranzuziehen. Das Unternehmen
strebte im März 2001 sowohl für den ADSL- als auch für den Kabelbereich bis Ende
2004 einen Kundenstock von [>1,5]* Mio. an.253 In derselben Zeit konnte den
unternehmensinternen Unterlagen zufolge der Breitbandmarkt bis Ende 2004 auf
ca. [>2,5]* Mio. Teilnehmer254 geschätzt werden. Die Vorausplanung von Wanadoo
Interactive für Ende 2004 machte somit [50-60]* % des gesamten Marktes zu diesem
Zeitpunkt aus. Diese geplante Marktpenetration von Wanadoo Interactive wurde im
Juni 2001 auf […]* Mio. für den selben Zeithorizont korrigiert (ohne den
Kabelmodemsektor). Somit stellte sich Wanadoo Interactive vor, bis Ende 2004 im
ADSL-Segment einen Marktanteil von […]* und somit von mindestens [50-60]* %
des Marktes für Breitband-Internetzugänge von Privatkunden255 zu halten. Zum
Zeitpunkt, als diese Prognosen erstellt wurden, rechnete das Unternehmen in keiner
Weise mit einem größeren Rückgang seines Marktanteils im Breitbandsektor. Im
Gegenteil: das Unternehmen sah eine regelmäßige Zunahme seiner Marktanteile im
ADSL-Segment256 vor. Aus den vorausschauenden Analysen von Wanadoo
253
254
255
256
DE
ADSL-Anschlüsse ausgebaut werden, sprunghaft an (ein Drittel der Nachfrage). Diese Nachfrage
wächst bei den Haushalten rascher und wird vom Bedarf der Kunden nach Schnelligkeit, Inhalten mit
Mehrwert und Nutzerfreundlichkeit beeinflusst].
[…]* (S. 4252 der Akte).
S. 7 und S. 13 von Anlage 31 der Antwort von Wanadoo Interactive vom 4. März 2002 auf die
Mitteilung von Beschwerdepunkten.
[…]*
[…]* (S. 2907 der Akte), in der von einem […]*%igen Marktanteil von Wanadoo im ADSL-Bereich
bis 2004 ausgegangen wird.
- 67 -
DE
Interactive selbst geht hervor, dass das Unternehmen zuversichtlich war, seine äußerst
hohen Marktanteile mittelfristig beibehalten zu können, und sich in seiner
beherrschenden Stellung nicht bedroht fühlte. Auf alle Fälle kann ein geringfügiges
Zurückgehen der sehr umfangreichen Marktanteile keinen Beweis dafür darstellen,
dass keine beherrschende Stellung vorlag.257
221.
Wanadoo Interactive hat schließlich in seiner Antwort vom 23. Oktober 2002
die Marketingkampagnen seiner Wettbewerber zum Zeitpunkt der Fête de l’Internet
im März 2002 angeführt. Das Unternehmen beweist jedoch nicht, dass sich diese
Kampagnen destabilisierend auf seine Marktanteile ausgewirkt hätten. Vielmehr wird
festgehalten, dass gemäß den in Tabelle 8 angeführten Zahlen der Marktanteil des
Unternehmens im ersten Halbjahr 2002 trotz der Anstrengungen der Wettbewerber
unangefochten blieb. Weiters erwähnt Wanadoo Interactive als ernsthaften
Konkurrenten lediglich T-Online France, den Inhaber der Marke Club Internet, dessen
„l’intention affichée est de prendre 15 % de ce segment (de l’ADSL)“ [erklärte
Absicht es ist, 15 % des (ADSL-) Segments einzunehmen]258. Auch wenn es T-Online
France in Hinkunft tatsächlich gelingen sollte, 15 % des ADSL-Segments auf dem
Breitbandmarkt zu erobern, scheint die Stellung von Wanadoo Interactive so stark zu
sein, dass eine derartige Marktdurchdringung keine Bedrohung darstellt. In seiner
Antwort vom 23. Oktober 2002 beschreibt Wanadoo Interactive auch ausführlich die
Kampagnen und Ansprüche seiner Konkurrenten ausgehend von ihren öffentlichen
Ankündigungen im Herbst 2002. In Wirklichkeit hat Wanadoo Interactive selbst in
diesem Zeitraum, in dem die Mitbewerber außerordentliche Anstrengungen
unternahmen, mehr als [50-60]* % des Wachstums des Breitbandmarkts für sich
vereinnahmt. Auch wenn die Marketingkampagnen der Konkurrenten in einer
gesunden Wettbewerbssituation ein gewisses Schwinden der Marktanteile des
fraglichen Unternehmens bewirken können, so scheint dessen beherrschende Stellung
auf dem Markt nicht bedroht zu sein.
222.
Angesichts der obigen Darlegungen kann man also in keiner Weise von
Unsicherheit, Labilität oder Instabilität der von Wanadoo Interactive eingenommenen
Stellung auf einem entstehenden Markt sprechen, wodurch eine Prüfung der
Marktanteile und ihre Berücksichtigung als Faktoren, die die beherrschende Stellung
verursachten, gegenstandslos werden würde.
3.
Die Verbindung mit France Télécom
223.
Wanadoo Interactive nimmt aufgrund der Tatsache, dass es ein Unternehmen
der France-Télécom-Gruppe ist, eine besondere Stellung unter den französischen
Internet-Providern ein. Die Zugehörigkeit zu diesem Konzern bietet Wanadoo
Interactive Vorteile in seiner technischen und kommerziellen Entfaltung sowie
Möglichkeiten finanzieller Unterstützung in einem Ausmaß, das in Hinblick auf eine
massive Marktdurchdringung in der Entwicklungsphase eines neuen Bereichs
entscheidend sein kann.
224.
Wanadoo Interactive hat den Vorteil der Unterstützung durch seine
Muttergesellschaft France Télécom generell bestritten und betont, dass andere
257
258
DE
Urteil des Gerichts erster Instanz vom 8. Oktober 1996 in den verbundenen Rechtssachen T-24/93, T25/93, T-26/93 und T-28/93, Compagnie maritime belge/Kommission, Slg. 1996, II-1201,
Randnummer 77.
Antwort vom 4.März 2002, Randnummer 118 (S. 1740 der Akte).
- 68 -
DE
Anbieter von Breitband-Internetzugängen von der Unterstützung großer
internationaler Unternehmen profitierten.259 Konkret verwies Wanadoo Interactive auf
den Fall von AOL France und T-Online France, die zur Gruppe AOL Time Warner
bzw. Deutsche Telekom gehören, sowie auf Tiscali.
225.
In diesem Punkt ist festzuhalten, dass nach Ansicht des Gerichtshofs weder die
Größe, die Finanzkraft und der Diversifikationsgrad der Konkurrenten
notwendigerweise dazu angetan sind, die Vormachtstellung des beherrschenden
Unternehmens zu beseitigen.260 Daher ist die Situation der von Wanadoo Interactive
genannten Unternehmen im Licht der Umstände des gegenständlichen Falls zu prüfen.
226.
Tiscali ist im Gegensatz zur France Télécom eine auf den Internetzugang
spezialisierte Gruppe ohne vielseitige Ressourcen, die eine gewisse Absicherung der
Erträge darstellen könnten. T-Online France ist zwar eine Tochtergesellschaft der
Deutschen Telekom, aber diese verfügt über keine Stellung auf dem relevanten
geografischen Markt, die mit derjenigen der Muttergesellschaft von Wanadoo
vergleichbar wäre, so dass ihre Unterstützung zwangsläufig rein finanzieller Natur ist.
AOL France ist zwar mit einer Gruppe verbunden, die relativ vielseitige
Aktivitätsbereiche hat, die aber bis Ende 2002 nur eine sehr schwache Position auf
dem Markt der Breitband-Internetzugänge in Frankreich einnahm261.
227.
Das Argument von Wanadoo Interactive über die vermeintliche Marktmacht
seiner Konkurrenten und ihre strategische Verbindung mit großen internationalen
Konzernen ist umso weniger relevant, als keiner von ihnen eine hervorragende
Stellung auf dem Schmalbandmarkt einnimmt, der eines der möglichen
Wachstumspotenziale für den Breitbandmarkt darstellt. Im Gegenteil, Wanadoo
Interactive ist bei weitem der erste Provider für Schmalband-Internetzugänge in
Frankreich. Der Anteil von Wanadoo Interactive auf dem Markt für SchmalbandInternetzugänge wurde im Jahr 2001 auf [30-40]*% geschätzt262. Im Vergleich dazu
hielt der Konkurrent AOL, der unmittelbar auf das Unternehmen auf dem
Schmalbandmarkt folgte, kaum mehr als [10-20]*% des Marktes zu diesem Zeitpunkt,
d. h. […]* Mal weniger als Wanadoo Interactive263. Bei einer im November 2001
veröffentlichten Erhebung, in der eine Stichprobe von Internet-Nutzern nach ihrem
wichtigsten Zugangsanbieter bzw. Internet-Provider befragt wurde, gaben 39 %
Wanadoo, 16 % AOL, 9 % Tiscali und 6,5 % Club Internet an.264 Die
Marktpositionen, die die fraglichen Konkurrenten auf dem Schmalbandmarkt
einnahmen, reichten demnach nicht aus, um ein Gegengewicht zur Vormachtstellung
von Wanadoo Interactive auf dem relevanten Markt zu bilden.
228.
Unabhängig von der Bereitschaft der Konzerne, die Investitionen und
kommerziellen Initiativen ihrer französischen Töchter zu unterstützen, ist zu betonen,
dass in keinem der Fälle behauptet werden kann, dass sie ihnen eine technische
Unterstützung und eine Unterstützung beim Vertrieb in Frankreich gewährten, die so
259
260
261
262
263
264
DE
Antwort vom 4.März 2002, Randnummern 123 und 149 (S. 1748 der Akte).
Urteil des Gerichtshofs vom 9. November 1983 in der Rechtssache C 322/81, NV Nederlandsche
Banden Industrie Michelin/Kommission, Slg. 1983, S. 3461, Randnummer 59.
Bis Ende 2002 hielt AOL weniger als 3 % des Marktes der Breitband-Internetzugänge in Frankreich.
Antwort vom 4. MÄrz 2002, Randnummer 114 (S. 1738 der Akte).
Ibid., Fußnote 76 (ibid.).
Erhebung der Benchmark Group über Internetzugänge unter 60 000 Internet-Nutzern, deren Ergebnisse
im Journal du Net vom 15. November 2001 wiedergegeben wurden.
- 69 -
DE
entscheidend war wie diejenige, die France Télécom ihrer Tochter Wanadoo
Interactive zukommen ließ (siehe Randnummern 229 bis 246).
1. Die Synergieeffekte in einem großen Konzern
229.
In seinem Börsenprospekt vom Juli 2000 beschrieb Wanadoo die Vorteile, die
ihm grundsätzlich durch seine Verbindung mit der France Télécom zugute kommen,
mit folgenden Worten: „Le groupe [Wanadoo] bénéficie de synergies fortes avec
France Télécom. Sur le plan de la distribution, France Télécom distribue les kits de
connexion Wanadoo dans les 700 points de vente de France Télécom et assure la
notoriété du groupe par sa forte implantation régionale. Le groupe a hérité du savoirfaire de France Télécom en matière de marketing grand public et professionnel. Le
groupe tire profit de l’infrastructure de France Télécom dans le domaine IP et des
investissements de France Télécom visant à promouvoir les nouvelles technologies
d’accès, telles que (…) l’ADSL. Le groupe bénéficie enfin du formidable réservoir de
savoir-faire professionnel que représente France Télécom.“ [Die Gruppe (Wanadoo)
profitiert von bedeutenden Synergieeffekten mit der France Télécom. Auf
Vertriebsebene verkauft die France Télécom die Anschluss-Sets von Wanadoo in ihren
700 Geschäftsstellen und gewährleistet die Bekanntheit der Gruppe durch ihre starke
regionale Präsenz. Die Gruppe hat das Know-how der France Télécom im
Marketingbereich sowohl für die Zielgruppe der Haushalte als auch der Unternehmen
übernommen. Die Gruppe profitiert von der Infrastruktur der France Télécom zur
Förderung der neuen Zugangstechnologien wie (...) ADSL. Schließlich kommt der
Gruppe das ungeheuer große professionelle Know-how, das die France Télécom
repräsentiert, zugute.].265
230.
Über diese eher allgemeine Aussage des Unternehmens selbst hinaus ist es
angebracht, das Wesen der Vorteile, die Wanadoo Interactive durch die Verbindung
zur France Télécom bei der Entwicklung seiner ADSL-Produkte für die breite Masse
der Privatkunden genießt, genauer zu beschreiben.
2. Technische Unterstützung
231.
In technischer Hinsicht wird Wanadoo Interactive durch die Lösungen der
France Télécom unterstützt. Die France Télécom ist der etablierte
Telekommunikationsanbieter in Frankreich, der entweder direkt oder indirekt — über
seine Tochter Transpac — Langstreckennetze in Frankreich betreibt, die für den
Internetverkehr verwendet werden. In erster Linie ist die France Télécom
Eigentümerin des Ortsnetzes für die Telekommunikationsanschlüsse, an das alle
Telefonteilnehmer angeschlossen sind. Die Verwendung des Teilnehmeranschlussnetzes der France Télécom ist für die Bereitstellung eines ADSL-Dienstes
unverzichtbar. Während des ganzen von dieser Entscheidung erfassten Zeitraums
kontrollierte die France Télécom fast alle ADSL-Anschlüsse in Frankreich.
232.
Konkret ausgedrückt, hat Wanadoo Interactive diese technische Unterstützung
durch die France Télécom während des gesamten Jahres 2000 und in den ersten sieben
Monaten des Jahres 2001 einen erheblichen Wettbewerbsvorteil verschafft. Im
Gegensatz zu den anderen Internet-Providern, die beim Ausbau schneller InternetZugänge mit der ADSL-Technologie arbeiten, profitierte Wanadoo Interactive diesen
ganzen Zeitraum hindurch von einer bevorzugten Behandlung durch den etablierte
265
DE
Börsenprospekt der Wanadoo S.A., Juli 2000, S. 52.
- 70 -
DE
Telekommunikationsanbieter. France Télécom gewährte Wanadoo Interactive
eigentlich schon ab Ende 1999 einen auf das Unternehmen zugeschnittenen nationalen
und regionalen Routing-Dienst für seinen IP-Verkehr. Zur selben Zeit wurde den
anderen Internet-Providern nur der Routing-Dienst Turbo IP angeboten266, der
insofern wesentlich einschränkender ist, als sie dabei verpflichtet sind, in allen 41 von
France Télécom definierten Zonen Internet-Einwählknoten einzurichten, um eine
größtmögliche territoriale Abdeckung zu erreichen. Somit hing die geografische
Ausbreitung von Wanadoo Interactive lediglich vom Tempo des Ausbaus der ADSLTechnologie durch die France Télécom ab, während die anderen Anbieter von ADSLDiensten zahlreiche Einwählknoten einrichten mussten, um außerhalb von Paris
präsent zu sein, was für die meisten von ihnen ein zu großes Risiko darstellte. […]* 267
[…]* 268 Zur selben Zeit waren die Wettbewerber von Wanadoo Interactive und
insbesondere Noos fast ausschließlich in der Region Paris und, was die Provider
betraf, die die ADSL-Technologie nutzten, sogar nur in einigen Bezirken der
Hauptstadt vertreten.
233.
Mit dem Inkrafttreten der Tarifentscheidung Nr. 2001480 über die
Entwicklung der IP/ADSL- und Routing-Dienste am 20. Juli 2001269 sowie dem
allgemeinen Angebot über den regionalen und nationalen IP-Routing-Dienst für den
ADSL-Verkehr für alle Internet-Provider wurde der maßgeschneiderte Dienst Ende
August 2001 eingestellt. Im Frühling und im Sommer 2001 war Wanadoo Interactive
in Hinblick auf die Bereitschaft der France Télécom, dem Unternehmen ein zweites,
auf seine Bedürfnisse zugeschnittenes Angebot zu machen, zuversichtlich, um
erforderlichenfalls seine Produktionskosten zu senken.270
234.
Ein weiterer technischer Vorteil ist die einfache Art und Weise, in der
Wanadoo Interactive in Echtzeit Zugang zu Informationen hat, die es erlaubt, die
Adressen potenzieller Kunden mit den entsprechenden Verteilern der France Télécom
zu verbinden, sodass der Anbieter in der Lage war, in sehr kurzer Zeit dem
interessierten Kunden mitzuteilen, ob das Gebiet, in dem er wohnt, von einem ADSLDienst abgedeckt wird. Die Konkurrenten von Wanadoo Interactive müssen hingegen
einen eigenen Antrag bei der France Télécom einbringen, um die ADSL-Tauglichkeit
der potenziellen Kunden zu überprüfen. Dadurch entstehen für sie Zeitverluste, die
sich bei der Konkretisierung ihrer Beziehung zum potenziellen Kunden negativ
auswirken können.271
235.
Die in den Randnummern 232 bis 234 erwähnten technischen Vorteile (der
maßgeschneiderte Dienst und der Zugang zu den Daten über die für Breitbanddienste
tauglichen Leitungen) spiegeln eine Beziehung der vertikalen Integration zwischen
Wanadoo Interactive und France Télécom wider, die bei weitem sein wichtigster
Lieferant ist. Der Gerichtshof hat anerkannt, dass vertikale Integration als einer der
266
267
268
269
270
271
DE
Bis zum Oktober 2000 wurde der Dienst Turbo IP übrigens nicht nur angeboten, sondern jedem
Kunden, der sich für IP/ADSL 1 oder IP/ADSL 2 entschieden hatte, auferlegt.
[…]* S. 255 ff. der Akte).
Ende Januar 2001 betrug die gesamte Bandbreite, die Wanadoo Interactive für den Verkehr von
Netissimo 1 vorsah, ungefähr […]* Mbit/s für Paris und die Ile-de-France, im Vergleich zu
[…]* Mbit/s für den Rest des Landes (Anlage 1 der Antwort der France Télécom vom 16. Mai 2001,
S. 113 ff. der Akte).
Nach der Genehmigung dieser Tarifentscheidung durch den Minister für Wirtschaft, Finanzen und
Industrie.
[…]* (S. 2909 der Akte) […]* (S. 3317 der Akte).
[…]*
- 71 -
DE
Faktoren gesehen werden kann, die zusammenwirkend eine beherrschende Stellung
begründen.272 Die Tatsache, dass im vorliegenden Fall Wanadoo Interactive als
Unternehmen in rechtlicher Hinsicht von France Télécom getrennt ist, ändert nichts an
den Auswirkungen der vertikalen Integration der Gruppe insgesamt.
236.
Wanadoo Interactive hat nicht in Frage gestellt, dass das auf das Unternehmen
zugeschnittene Angebot im Jahr 2001 ein wesentlicher Vorteil beim Ausbau seiner
Dienste gewesen sein konnte. Das Unternehmen bestreitet jedoch, dass der Zugang zu
den Fakten über das ADSL-Netz von France Télécom und die ADSL-Tauglichkeit der
Leitungen von Vorteil gewesen ist. Es schätzt, dass alle Wettbewerber ab Oktober
2001 einen gleichartigen Server mit Daten über die ADSL-Tauglichkeit nutzen
konnten. Wanadoo Interactive räumt ein, dass der Wettbewerbsrat im Februar 2002
vorläufige Maßnahmen beschlossen hat273, betont aber, dass diese Entscheidung
grundsätzlich nichts ändert. Die Kommission vertritt ihrerseits die Auffassung, dass
die Bedingungen im Zusammenhang mit dem ADSL-Verfügbarkeitsserver seit Juli
2002, als der Wettbewerbsrat die Einhaltung der von ihm verhängten vorläufigen
Maßnahmen feststellte, keinen diskriminierenden Charakter mehr haben. Die
Tatsache, dass Wanadoo fast eineinhalb Jahre lang in einer wichtigen
Entwicklungsphase des Marktes bevorzugt behandelt wurde, bleibt bestehen.
237.
Durch die Verbindung mit der France Télécom in technischer Hinsicht kam
Wanadoo Interactive in den Genuss eines Vorteils, zu dem seine Konkurrenten keinen
Zugang hatten und der als strategische Zutrittsschranke und somit als ein zum
Entstehen einer Vormachtstellung beitragender Faktor zu betrachten ist.
3. Die kommerzielle Unterstützung
238.
Auf kommerzieller Ebene profitiert Wanadoo Interactive von der
Unterstützung der France Télécom, durch deren dichtes Netz an Geschäftsstellen das
Unternehmen fast überall in Frankreich präsent ist. Die Verkaufsstellen der France
Télécom werden für den Vertrieb der gegenständlichen Produkte zwar bezahlt, aber
ausschlaggebend ist, dass dank der Präsenz des Firmennamens Wanadoo in den 700
Geschäftsstellen des etablierten Telekommunikationsanbieters und dank des
ausschließlichen Angebots seiner ADSL-Produkte in diesem Netz der Name einen
Bekanntheitsgrad erreichte, dass potenzielle Kunden in ganz Frankreich angesprochen
werden konnten.274 Die Dichte des Netzes erlaubt es einerseits, in der
Kundenakquisition gezielter vorzugehen, und andererseits Kunden, die Interesse an
den ADSL-Diensten zeigen, an die Angebote von Wanadoo Interactive zu verweisen.
Dieser Aspekt ist umso wichtiger, als bei einem „einzelnen“ ADSL-Dienst und
unabhängig davon, für welchen Internet-Provider sich die Kunden ursprünglich
entscheiden, die Verbraucher auf alle Fälle gezwungen sind, bei ihrer FranceTélécom-Geschäftsstelle die Einrichtung einer ADSL-Leitung zu beantragen.275 Bei
272
273
274
275
DE
Bereits zitiertes Urteil in der Rechtssache United Brands, Randnummern 70 und 71.
Entscheidung des Wettbewerbsrats vom 27. Februar 2002, a.a.O.
Die Produkte von Wanadoo Interactive werden weiters in […]* allgemeinen oder spezialisierten
Geschäftslokalen verkauft sowie über ein Netz kleiner unabhängiger Händler mit […]* Verkaufsstellen
(Antwort von France Télécom vom 22. November 2001, S. 689 ff. der Akte).
Zur Erinnerung: Bei Breitband-Internetzugängen über ADSL haben Privatkunden die Wahl zwischen
dem Erwerb eines „Pakets“ (das die Zurverfügungstellung der Breitbandleitung und den eigentlichen
Internetzugang umfasst) und der Variante, mit France Télécom einen Vertrag über die Bereitstellung
des Dienstes Netissimo 1 (ADSL-Zugangsleitung) und davon getrennt mit dem Internet-Provider ihrer
- 72 -
DE
dieser Gelegenheit ist es in der Praxis — und insbesondere seit der Vermarktung des
Produkts Pack eXtense, das ADSL-Leitung und Internetzugang bei Wanadoo umfasst
— nicht ausgeschlossen, […]*
239.
Um den Vorteil durch diese kommerziellen Präsenz besser abschätzen zu
können, ist ein Vergleich des Netzes der 700 Geschäftsstellen des Mutterhauses, in
denen Wanadoo Interactive vertreten war, und den 26 eigenen Verkaufsstellen von
Noos, seines wichtigsten Konkurrenten Anfang 2001,276 angebracht. Im Laufe des
Jahres 2001 und insbesondere ab September 2001 wurde das Vertriebsnetz noch
weiter ausgebaut. Ende 2001 wurden die Breitbanddienste von Wanadoo Interactive
somit in […]* Verkaufsstellen – sowohl in Geschäftslokalen der France Télécom als
auch in Kaufhäusern und im spezialisierten Einzelhandel — vertrieben.277 Die
Wettbewerber haben ebenfalls nach und nach das Netz ihrer Verkaufsstellen erweitert.
Dennoch war der erste Konkurrent, Noos, Anfang 2002 nur in weniger als
[…]* Verkaufsstellen278, d. h. in weniger als […]* der Anzahl von Wanadoo
Interactive, vertreten.279
240.
Die Effizienz der für den Konkurrenten zugänglichen Vertriebsnetze ist im
Übrigen wesentlich niedriger als die des Netzes der Geschäftsstellen von France
Télécom. Keiner der Mitbewerber von Wanadoo Interactive profitiert von einem
ausschließlichen Vertrieb seiner Telekommunikations- und Internetzugangsdienste
wie dies für dessen Produkte durch die France Télécom der Fall ist. […]* 280. Das
ausschließliche Angebot der Breitbanddienste von Wanadoo Interactive in den
Geschäftsstellen der France Télécom stellte somit einen überaus wichtigen Faktor bei
der Eroberung des Marktes dar.
241.
Somit stellte das Netz der Geschäftsstellen der France Télécom das gesamte
Jahr 2001 hindurch eine entscheidende Unterstützung für den Vertrieb der ADSLDienste von Wanadoo Interactive, vor allem des Pack eXtense, dar. Im Laufe des
Jahres 2001 erwähnen verschiedene unternehmensinterne Schriftstücke281 die äußerst
starke Motivation der Geschäftsstellen der France Télécom in Hinblick auf das
Produkt eXtense. Anfang 2001 schätzte das Unternehmen, dass im ganzen Jahr 2001
zwischen […]* % der Pack eXtense und ADSL-Anschlüsse über die Geschäftsstellen
von France Télécom verkauft werden würden282, d. h. ein Anteil, der um einiges
größer war als der für die gesamten Produkte von Wanadoo Interactive festgestellte
Durchschnitt283. Ende 2001 sah Wanadoo Interactive mit […]* % des für 2002
276
277
278
279
280
281
282
283
DE
Wahl (Wanadoo Interactive oder einem anderen) einen Vertrag über den eigentlichen Internetzugang
abzuschließen.
E-Mail von Noos an die Kommission vom 7. Oktober 2002, S. 5338 der Akte. Zur selben Zeit verfügte
der Club Internet weder über ein eigenes Geschäftslokal noch über ein Vertriebsnetz (Schreiben von TOnline France vom 28. Februar 2002, S. 1359 der Akte).
Schreiben von France Télécom an die Kommission vom 22. November 2001, S. 706 der Akte.
E-Mail von Noos an die Kommission vom 30. August 2002, S. 5240 der Akte.
Anfang 2002 waren die Produkte von T-Online (Club Internet), zu dem Zeitpunkt zahlenmäßig gesehen
der zweite Wettbewerber auf dem Markt, in den Lagern eines Netzes von weniger als 500 allgemeinen
oder spezialisierten Händlern vorhanden (Schreiben von T-Online an die Kommission vom
28. Februar 2002, S. 1359 der Akte), was ein Viertel der Verkaufsstellen ausmacht, in denen die
Produkte von Wanadoo Interactive angeboten wurden.
[…]* (S. 4180 der Akte).
[…]* (S. 3211 der Akte); […]* (S. 3859 der Akte). […]*.
[…]* (S. 3853 der Akte). […]* (S. 4329 der Akte). […]* (S. 2434 ff der Akte).
[…]* (S. 3954 der Akte).
- 73 -
DE
prognostizierten Umsatzes284 in den Geschäftsstellen der France Télécom weiterhin
den wichtigsten Vertriebskanal seiner ADSL-Produkte für Privatkunden.
242.
Außerdem ist im Zusammenhang mit dieser kommerziellen Unterstützung
festzuhalten, dass Wanadoo Interactive indirekt von der Werbung der France Télécom
zum Thema Breitbandtechnologie profitiert. Diese Werbung veranlasst potenzielle
Kunden dazu, ihre France-Télécom-Filiale aufzusuchen, wo sie für die Dienste von
Wanadoo Interactive gewonnen werden können285. Weiters soll die France Télécom
im Jahr 2001 ungefähr […]* EUR286 für Werbung dieser Art in Presse und Radio
investiert haben, was an die Werbekampagne von Wanadoo Interactive über ADSL in
Höhe von ungefähr […]* EUR herankommt.
243.
In seinem Urteil in der Rechtssache Michelin wertete der Gerichtshof das
Vorhandensein eines bedeutenden Handelsvertreternetzes, das unmittelbaren Zugang
zu den Verbrauchern ermöglicht, sowie potenzielle kommerzielle Synergieeffekte mit
anderen Elementen der Produktpalette eines Unternehmens oder Konzerns als
Faktoren, die zum Entstehen einer Vormachtstellung beitragen.287 Im vorliegenden
Fall stellt die Unterstützung, die Wanadoo Interactive durch seine ausschließliche
Vertretung in den Geschäftsstellen der France Télécom zugute kommt, einen Faktor
dar, der seine beherrschende Stellung in Verbindung mit Produkten, die sich in einer
Phase rasch voranschreitender Expansion befinden, in besonderem Ausmaß verstärkt.
Die Kosten und die erforderliche Zeit für die Bildung eines eigenen oder eines
Vertriebsnetzes, das durch einen ausschließlichen Charakter ähnlich dem, der
Wanadoo Interactive zugute kommt, gekennzeichnet ist, müssen als Hindernis für den
Zugang der Mitbewerber zum Markt und als wesentlicher Faktor für die
beherrschende Stellung von Wanadoo Interactive, insbesondere am Anfang des
geprüften Zeitraums, angesehen werden.
4. Die logistische und finanzielle Unterstützung
244.
Schließlich erhielt Wanadoo Interactive von der France Télécom logistische
und finanzielle Unterstützung. Das Beispiel des Erwerbs- und Vertriebskreislaufs der
Sets für Pack eXtense ist aufschlussreich. Tatsächlich kauft die France Télécom die
Modems und stellt die Zubehörsets zusammen, deren Komponenten sie bei den
verschiedenen Herstellern bestellt. […]* 288. […]* Die Übernahme dieser
Kostenelemente durch die France Télécom in dem Zeitraum zwischen dem Eingang
der Sets im Lager und ihrem Verkauf an die Kunden, welcher im Allgemeinen
mehrere Wochen dauert, stellt einen bedeutenden Vorteil für Wanadoo Interactive dar,
da das Unternehmen dadurch einen niedrigeren Bedarf an Betriebskapital hat. Den
Konkurrenten kam kein derartiger Vorteil zugute.
284
285
286
287
288
DE
[…]* (S. 3104 der Akte).
In diesem Zusammenhang ist zu beobachten, dass selbst unter den Kunden, die sich letzten Endes für
ein „Einzelangebot“ entschieden haben, im Zeitraum Januar bis September 2001, als der Dienst
Netissimo fast ausschließlich über die Geschäftsstellen vertrieben wurden, mehr als […]* den Dienst
Wanadoo ADSL wählten, wobei sich der Rest auf alle anderen Provider verteilte. Diese Tatsache
scheint nicht unbedingt ein Beweis, aber doch ein Hinweis dafür zu sein, dass sich alle Kunden, die eine
Geschäftsstelle von France Télécom aufsuchten, bevorzugt an Wanadoo wandten.
Quelle: Sécodip, zitiert von einem Konkurrenten von Wanadoo Interactive in seiner Antwort auf ein
Auskunftsverlangen der Kommission im März 2002.
Siehe Urteil des Gerichtshofs in der Rechtssache Michelin, a.a.O., Randnummern 55, 56 und 58.
[…]* (S. 3637 der Akte)
- 74 -
DE
245.
Ein weiterer Vorteil von sekundärer Bedeutung bestand darin, dass die France
Télécom Wanadoo Interactive in ihrer Eigenschaft als Hauptlieferant dem
Unternehmen […]* günstigere Zahlungsfristen einräumte, […]*,289 während sie ihre
Leistungen den anderen Internet-Provider zu regelmäßig, ja bisweilen sogar im
Voraus290 in Rechnung stellte. Wanadoo Interactive […]* beschränkte sich darauf
festzuhalten, dass für mehrere Wettbewerber291 der IP/ADSL-Zugangsdienst 2001 mit
Verspätung in Rechnung gestellt wurde, was jedoch für das von der Kommission
aufgeworfene Problem irrelevant war.
246.
Die Kommission vertritt die Auffassung, dass die logistische Unterstützung in
der Beschaffung der eXtense-Sets, die Ersparnis an Betriebskapital durch ihren
Vertriebskreislauf und die Zahlungsziele, die die France Télécom gelegentlich ihrer
Tochter zugestand, vor dem Hintergrund eines in Expansion befindlichen Marktes
erhebliche Vorteile darstellen, die zur beherrschenden Stellung von Wanadoo
Interactive beitragen.
4.
Die Stellung von Wanadoo Interactive auf dem Markt für die Herausgabe von
Telefonbüchern
247.
Die France Télécom übertrug Wanadoo 2000 die Aktivitäten in Verbindung
mit der Herausgabe von Telefonbüchern und dem Verkauf von Werbeflächen in den
Gelben Seiten, welche noch kurz davor zwischen ihren eigenen Abteilungen und dem
französischen Amt für Werbung (ODA) aufgeteilt worden waren. Diese Aktivitäten
stellen eine überaus große Einnahmequelle dar und zählen zu den lukrativsten
Geschäftsbereichen der Wanadoo-Gruppe. In einer Entscheidung vom März 1998292
vertrat der Wettbewerbsrat die Auffassung, dass die France Télécom und das ODA
eine beherrschende Stellung sowohl auf dem Markt für die Herausgabe der Gelben
Seiten als auch beim Verkauf von Werbeflächen in diesen Telefonbüchern einnahmen.
248.
Auch wenn für dieses Verfahren nicht untersucht werden muss, ob Wanadoo
S.A. und ihre Tochtergesellschaft „Pages Jaunes“ (Gelbe Seiten), die die fraglichen
Aktivitäten von France Télécom und des ODA übernahmen, eine beherrschende
Stellung einnehmen, ist festzuhalten, dass durch die Tatsache, dass diese überaus
gewinnbringenden Aktivitäten zu den Geschäftsbereichen der Gruppe zählten, sich die
Verlustgeschäfte der Tochtergesellschaft Wanadoo Interactive auf dem
Breitbandmarkt weniger stark auf den Wert des Unternehmens und der
börsennotierten Wertpapiere auswirkten. In den Jahren 2000 und 2001 erzielte
Wanadoo im Geschäftsbereich „Telefonbücher und Dienstleistungen für
Unternehmen“ Betriebsergebnisse vor Abschreibungen in Höhe von 225 Mio. EUR
bzw. 238 Mio. EUR.293 Offensichtlich hätte Wanadoo Interactive die erheblichen
Verluste im Bereich der Breitband-Internetzugänge auf andere Art und Weise
gehandhabt, wenn die Auswirkungen dieses großen wirtschaftlichen Schocks nicht
289
290
291
292
293
DE
[…]* (S. 251 ff. der Akte) […]* (S. 633 der Akte). […]* (S. 4727 ff. der Akte) […]* (S. 4765 ff. der
Akte) […]* (S. 5904 der Akte) […]*.
Siehe die Antwort der France Télécom vom 1. August 2001 auf das Auskunftsverlangen vom
10. Juli 2001 (Anlage 2a), aus der hervorgeht, dass […]*. In den Antworten von France Télécom vom
14. März und 4. November 2002 wird erwähnt, dass dies 2002 auch der Fall war.
Antwort vom 4.3.2002, Randnummer 142.
Entscheidung Nr. 98-D-16 vom 3. März 1998 über die Praktiken des ODA beim Verkauf von
Werbeflächen in den Gelben Seiten.
Anlage des konsolidierten Jahresabschlusses von Wanadoo per 31. Dezember 2001, S. 14 (Dieses
Dokument wurde von Wanadoo Interactive am 15. März 2002 übermittelt. S. 2369 der Akte).
- 75 -
DE
innerhalb der Wanadoo-Gruppe durch die großen Gewinne im Bereich der Herausgabe
von Telefonbüchern und vor allem dem Verkauf von Werbeflächen gemildert worden
wären. Die Zusammensetzung der Geschäftsbereiche der Wanadoo-Gruppe verleiht
ihr somit eine beträchtliche Finanzkraft, die zur Entstehung ihrer beherrschenden
Stellung auf dem gegenständlichen Markt beiträgt.
249.
Wanadoo Interactive bestritt den Vorteil in Verbindung mit den Erträgen der
Gruppe aus dem Geschäftsbereich der Telefonbücher. Das Unternehmen ist vielmehr
der Auffassung, dass allein die bei der Einführung von Wanadoo an der Börse im Jahr
2000 entstandenen liquiden Mittel in Höhe von […]* Mrd. EUR294 ausschlaggebend
waren.
250.
Die Kommission [vertritt die Meinung]*, dass die 2000 entstandenen
liquiden Mittel einen überaus großen Vorteil bei der Finanzierung einer Aktivität wie
dem Breitbandbereich darstellten, der die Liquiditätslage des Unternehmens
verschlechterte. Wanadoo Interactive führt an, dass seine Konkurrenten „tous adossés
à des groupes financièrement puissant“ [alle in Verbindung mit finanzkräftigen
Konzernen stehen]295, ohne jedoch seine Behauptung in irgendeiner Weise mit Fakten
zu untermauern. Die Kommission ist vielmehr der Auffassung, dass die Höhe dieser
liquiden Mittel den Ursprung eines starken finanziellen Ungleichgewichts gegenüber
anderen Akteuren wie Mangoosta darstellt.
251.
Weiters vertritt die Kommission die Meinung, dass die Höhe der liquiden
Mittel zu Anfang des Zeitraums nicht der einzige zu berücksichtigende Parameter ist.
Ein Unternehmen muss bei der Verwaltung seines Umlaufvermögens nämlich
berücksichtigen, wie dessen Höhe von seinen laufenden Betriebsbedingungen
beeinflusst wird. Der Handlungsspielraum von Wanadoo wäre aufgrund seiner
liquiden Mittel wesentlich kleiner gewesen, wenn die Verringerung des
Umlaufvermögens durch die defizitären Internet-Aktivitäten nicht durch die Zufuhr
von liquiden Mitteln aus einem gewinnbringenden Geschäftsbereich ausgeglichen
worden wären.
252.
Die Kommission ist der Auffassung, dass die Gewinne aus dem
Geschäftsbereich der Telefonbücher dazu beitrugen, die beherrschende Stellung auf
dem Markt der Breitband-Internetzugänge zu verstärken, insbesondere in einer Zeit
des Konjunkturumschwungs und der Erschöpfung der verfügbaren finanziellen
Ressourcen für den Internetbereich.296
294
295
296
DE
Punkt 3 der Anlage C der Antwort von Wanadoo Interactive vom 23. Oktober 2002 (S. 6366 ff. der
Akte).
Punkt 2 der Anlage C der Antwort vom 23. Oktober 2002.
In ihrer bereits zitierten Publikation „Internet, un bilan du marché français/ mars 2003“ (Internet- eine
Bilanz des französischen Marktes, März 2003) beschreibt die Regulierungsbehörde ART dieses
Phänomen folgendermaßen: „A partir de mi-2000, notamment à cause de revenus publicitaires qui
n’avaient pas atteint les niveaux prédits, les investisseurs ont diminué les montants placés dans les
sociétés de l’Internet. Les levées de fonds et les introductions en bourse sont devenues plus difficiles.
Cette raréfaction des financements a conduit à une évolution des modèles économiques. (…) les
sociétés Internet ne pouvaient pas continuer sur une stratégie d’acquisition de clients à n’importe quel
coût et ont dû trouver un modèle économique rentable“ [Ab Mitte 2002 reduzierten die Anleger ihre
Investitionen in Internet-Unternehmen, vor allem aufgrund der Werbeeinnahmen, die nicht die
vorhergesehene Höhe erreicht hatten. Es ist schwieriger geworden, Mittel zu beschaffen oder
Unternehmen an der Börse einzuführen. Diese Verknappung der finanziellen Ressourcen führte zu einer
Weiterentwicklung der Wirtschaftsmodelle (...) die Internet-Unternehmen konnten nicht mit einer
- 76 -
DE
5.
Schlussfolgerungen
253.
Eine beherrschende Stellung kann sich aus dem gleichzeitigen Vorliegen
mehrerer Faktoren ergeben, die einzeln betrachtet nicht unbedingt ausschlaggebend
wären. 297 Im vorliegenden Fall gelangt die Kommission zum Schluss, dass die von
Wanadoo Interactive seit Anfang 2001 gehaltenen Marktanteile, die vielen
Auswirkungen der Verbindung mit dem France-Télécom-Konzern und die Position
der Wanadoo-Gruppe im Bereich der Telefonbücher aufgrund des gleichzeitigen
Vorliegens dieser Faktoren Wanadoo Interactive den Charakter eines beherrschenden
Unternehmens auf dem französischen Markt der Breitband-Internetzugänge für
Privatkunden verleihen.
D. DER MISSBRAUCH DER BEHERRSCHENDEN STELLUNG
254.
Im folgenden Abschnitt wird aufgezeigt, wie die Politik der nicht
kostendeckenden Preise von Wanadoo Interactive mit einer absichtlichen
Verdrängungsstrategie zur Vereinnahmung eines in voller Entwicklung befindlichen
Marktes einhergeht und somit auch, inwiefern diese Vorgehensweise einen
Missbrauch einer beherrschenden Stellung im Sinne von Artikel 82 EG-Vertrag
darstellt.
255.
Die von Wanadoo Interactive vorgebrachten Argumente betreffen die
Anwendbarkeit von Artikel 82 EG-Vertrag auf eine junge Branche, die objektiven
Gründe für die nicht kostendeckenden Preise und die Frage der Zutrittsschranken und
des Ausgleichs der anfänglichen Verluste. Auf diese Argumente wird in diesem
Abschnitt ausführlich eingegangen.
1.
Vorliegen des Tatbestandes des Missbrauchs aufgrund nicht kostendeckender
Preise im Rahmen eines Plans zur Vereinnahmung des Marktes
256.
In der gemeinschaftlichen Rechtsprechung298 sind zwei verschiedene
Methoden zur Prüfung, ob ein Unternehmen Verdrängungspreise einsetzt, verankert,
wobei eine auf den variablen und die andere auf den Vollkosten beruht. Somit wird
das Vorliegen von Verdrängungspreisen in folgenden Fällen nachgewiesen:
- Die durchschnittlichen variablen Stückkosten sind nicht gedeckt, wobei diese
Feststellung alleine ausreicht, um das Vorliegen eines Missbrauch nachzuweisen.
- Die durchschnittlichen Vollkosten sind nicht gedeckt, wenn dies mit einem Plan zur
Ausschaltung von Konkurrenten einhergeht.
1. Die Deckung der Kosten
257.
Ab Anfang 2001 kann man unter Berücksichtigung der Erläuterungen in
Abschnitt I.E. grundsätzlich drei Zeiträume unterscheiden:
297
298
DE
Strategie der Kundenakquisition um jeden Preis fortfahren und mussten ein rentables Wirtschaftsmodell
finden].
Bereits zitiertes Urteil in der Rechtssache Brands, Randnummer 66.
Urteil in der Rechtssache Akzo, a.a.O., Randnummern 71 und 72; Urteil des Gerichtshofs vom
14. November 1995 in der Rechtssache C-333/94 P, Tetra Pak International S.A./Kommission,
Slg.1996, I-5951, Randnummer 41.
- 77 -
DE
- Vom 1. Januar bis zum 31. Juli 2001 war Wanadoo Interactive sehr weit von einer
Deckung der (aufgeschlüsselten) variablen Kosten für die fraglichen Dienste
entfernt.
- Im Zeitraum vom 1. August 2001 bis zum 15. Oktober 2002 näherte sich Wanadoo
Interactive dem Kriterium des von der Kommission ausgewählten
Prüfungsverfahrens, ohne es aber jemals vollständig zu erreichen: Wanadoo konnte
seine (aufgeschlüsselten299) Vollkosten nicht decken; zusätzlich konnte das
Unternehmen bis März 2002 nicht voraussehen, ob es diese Deckung erreichen
würde, obschon es seine aufgeschlüsselten (tatsächlichen) Kosten in dem Zeitraum
teilweise deckte.
- Ab 15. Oktober 2002 erfüllte Wanadoo Interactive eindeutig die Kriterien der von
der Kommission ausgewählten Kostendeckungsprüfung sowohl für die Vollkosten
als auch für die variablen Kosten, auch wenn seine Erlöse zunächst unter den (in der
Kostenrechnung) erfassten Kosten lagen.
258.
Es besteht kein Zweifel daran, dass die Marketingmaßnahmen in den ersten
sieben Monaten des Jahres 2001 kurzfristig gesehen unvernünftig war.
259.
Obwohl die kostenrechnerisch erfassten Kosten im darauf folgenden Zeitraum
nie gedeckt waren und obwohl sich das kumulierte Ergebnis des Bereichs bis Oktober
2002 monatlich weiter verschlechterte, lag das Unternehmen immer nur sehr knapp
unter der Grenze der Wirtschaftlichkeit, die von der Kommission in dieser
Entscheidung angesetzt wird. Seine Prognosen erlaubten keine optimistischen
Erwartungen in Hinblick auf die kurzfristigen finanziellen Auswirkungen der
Marketingmaßnahmen für seine ADSL-Produkte vor dem Inkrafttreten der neuen
Routing- und Zugangstarife der France Télécom im Jahr 2002. Erst nach der
Einführung der neuen Tarife durch die France Télécom am 15. Oktober 2002 und der
Entscheidung dieses Telekommunikationsanbieters, allen Internet-Providern die
Zugangskosten zu erlassen, war Wanadoo Interactive in der Lage, das von der
Kommission angesetzte Kriterium eindeutig zu erfüllen und die Grenze zur
kurzfristigen Wirtschaftlichkeit zu überschreiten.
260.
Wanadoo Interactive wirft der Kommission vor, in ihrer Analyse die
Besonderheiten der Anlaufphase eines neuen Produkts vernachlässigt zu haben.
261.
Dieser Vorwurf ist unbegründet. In ihrer Analyse nahm die Kommission ganz
im Gegenteil eine wesentliche Anpassung im Sinne einer Erleichterung der im Urteil
Akzo vorgenommenen Prüfung auf Verdrängungspreise vor.
262.
Zunächst hat die Kommission, anstatt sich — wie im Urteil Akzo vorgesehen
— auf die Prüfung der in der Buchhaltung des Unternehmens erfassten Kosten und
Erlöse zu beschränken, eine Verteilung der Kosten für die Kundenakquisition auf
48 Monate vorgenommen und diese Kosten gewissermaßen mit einer
Marketinginvestition gleichsetzt, die über die tatsächliche Dauer des Vertrags mit
einem Kunden abzuschreiben ist. Diese Erleichterung des Prüfverfahrens nach der
Akzo-Methode ist wichtig, da sie die Auswirkungen der Kosten für die
Kundenakquisition stark abschwächte, die immerhin im Jahr 2001 […]* % der Kosten
299
DE
Es sei daran erinnert, dass Wanadoo Interactive im selben Zeitraum auch die nicht aufgeschlüsselten
variablen Kosten, wie sie aus der Buchhaltung hervorgehen, nicht decken konnte.
- 78 -
DE
von Wanadoo Interactive betrugen.300 Weiters berücksichtigte die Kommission bei der
Schätzung der Erträge aus den Teilnehmeranschlüssen einen theoretischen
Nominalwert und nicht den tatsächlich festgestellten durchschnittlichen Ertrag, der
immer zwischen […]* % und […]* % unter dem theoretischen Ertrag lag. Dadurch
neutralisierte sie den automatischen Effekt durch das Wachstum des Kundenstocks
(siehe Randnummer 29). Diese beiden Erleichterungen zusammen verbessern die in
dieser Entscheidung verwendeten Deckungsgrade um mehr als [10-30]* Punkte im
Vergleich zur Berechnung eines einfachen Deckungsgrads auf der Basis nicht
aufgeschlüsselter Buchhaltungsdaten.
263.
Ferner ließ die Kommission in ihrer Analyse die Kapitalkosten außer Acht.
Schließlich ist die Kommission bei der Bewertung bestimmter Kostenkomponenten
immer von den für das betreffende Unternehmen günstigsten Annahmen ausgegangen.
264.
So wurden nach der Bewertungsmethode der Deckung der aufgeschlüsselten
Kosten die Hintergründe eines jungen, in Expansion befindlichen Marktes durchaus
entsprechend berücksichtigt und ein wesentlich differenzierteres Bild der Lage
vermittelt als mit der bloßen Feststellung der in diesem Zeitraum buchhalterisch
erfassten Kosten. Die Kommission ist der Ansicht, im vorliegenden Fall alle
Möglichkeiten für die Anpassung von Methoden unter Wahrung der Logik einer
Prüfung auf Verdrängungspreise ausgeschöpft zu haben.
2. Einwände des Unternehmens gegen die Auslegung seiner Preispolitik
265.
Nach Ansicht von Wanadoo Interactive fehlen im vorliegenden Fall mehrere
Faktoren, die notwendig waren, um die von Wanadoo Interactive verfolgte Politik als
Verdrängungsstrategie zu bezeichnen. Insbesondere hätte es eine plötzliche
Preissenkung geben müssen, diese Preissenkung hätte auf eine bestimmte
Kundenkategorie beschränkt und mit Anzeichen der Verdrängung, d. h. mit
Drohungen gegenüber den Wettbewerbern auf dem Markt verbunden sein müssen, um
sie von Aktivitäten auf dem Markt abzubringen. 301 Schließlich hätte die Preissenkung
lang genug anhalten müssen, um Auswirkungen zu haben.
266.
Die Kommission vertritt die Ansicht, dass die bisherige Rechtsprechung nicht
alle möglichen Verdrängungssituationen behandelt. Die Verdrängung kann
verschiedene Formen der radikalen Beseitigung und systematischen Elimination von
Wettbewerbern auf dem Markt annehmen302. Die Verdrängung kann auch lediglich
darin bestehen, auf das Wettbewerbsverhalten eines bestehenden oder potenziellen
Konkurrenten Druck auszuüben oder es zu behindern.303 Bei diesem Ansatz ist der
300
301
302
303
DE
Das „Gewicht“ der Kosten für die Kundenakquisition in der Analyse wird bei der Berechnung der
Deckungsgrade gemäß Abschnitt I.F. je nach Zeitraum auf Werte zwischen [0-10]* % für den Dienst
eXtense und zwischen [0-10]* % für den Dienst Wanadoo ADSL, d. h. um [10-30]* Punkte und mehr
unter dem, was ihr Anteil an den tatsächlich erfassten buchhalterischen Kosten ausmacht, reduziert.
Randnummern 205 bis 215 der Antwort von Wanadoo Interactive vom 23. Oktober 2002 (S. 6293 ff.
der Akte).
David E.M. Sappington und Gregory Sydak, „Are public enterprises the only credible predators?“, The
University of Chicago Law Review, 271, 2000, S. 274-275.
P. Bolton, Brodley, Riordan, 2000, Predatory pricing: strategic theory and legal policy, 88, Georgetown
Law Journal, S. 3 und S. 36: „The disciplining of rivals is itself exclusionary since its object is to
exclude the growth and expansion of the prey or the prey’s entry into new markets“ [Die
Einschüchterung von Konkurrenten stellt an sich schon eine Ausschaltung von Wettbewerbern dar, weil
- 79 -
DE
Verdrängungspreis einfach der Preis, der durch seine Ausgrenzungseffekte oder
andere wettbewerbsverzerrende Auswirkungen zur Gewinnmaximierung führt.
267.
Wanadoo Interactive spricht von einer notwendigen Preissenkung, um von
einer Verdrängung ausgehen zu können. Die Kommission hält das Argument einer
notwendigen Preissenkung nicht wirklich für sinnvoll ist, wenn es um die Einführung
neuer Produkte auf dem Markt geht, wobei vielmehr die nicht kostendeckenden Preise
wesentlich sind304. Übrigens ist das Argument von Wanadoo Interactive im
vorliegenden Fall allein in Anbetracht der Fakten zweifelhaft. Mit der Einführung von
Paketangeboten Ende 2000 wurde der Kaufpreis für die Teilnehmer neuerlich um
21 %305 gegenüber den einzelnen früheren ADSL-Angeboten gesenkt.
268.
Die
wirtschaftswissenschaftliche
Lehrmeinung
beschränkt
das
Verdrängungsverhalten keineswegs auf selektive Strategien zur Rückgewinnung
bestimmter Kunden. Eine derartige Einschränkung der Analyse ergäbe im
vorliegenden Fall keinen Sinn. Der gegenständliche Markt ist ein Massenmarkt für
Privatkunden. Es handelt sich nämlich keinesfalls wie in den von Wanadoo Interactive
erwähnten Präzedenzfällen um einen Markt mit einer beschränkten Anzahl von
Großkunden, die jeder für sich große Umsätze mit sich bringen, so dass sich eine
Strategie selektiver Preise als vernünftig erweisen kann.
269.
Schließlich sei laut Wanadoo Interactive der Preis seiner ADSL-Dienste nie
Teil seiner Entwicklungsstrategie und auch kein manipuliertes Hilfsmittel zur
Beseitigung der Wettbewerber gewesen. Wanadoo Interactive weist darauf hin, dass es
in seinen Marketingplänen für 2001 und 2002 keinerlei Hinweise auf die Preise gebe,
und dass diese auf anderen strategischen Faktoren beruhten. Der Preis der Dienste sei
gewissermaßen eine exogene Marktgegebenheit und nicht Bestandteil der
Unternehmensstrategie gewesen. Wanadoo habe sich in seiner Preispolitik einzig und
allein vom Anliegen, die Rentabilität seiner Produkte zu erreichen, leiten lassen.306
270.
Die Kommission ist vielmehr der Auffassung, dass verschiedene
unternehmensinterne Dokumente eine Verbindung zwischen der Höhe der Preise und
der Entwicklungsstrategie von Wanadoo Interactive — sowohl zum Zeitpunkt der
Überlegungen vor der Festlegung der Preise als auch während der späteren
Erörterungen über eventuelle Preisänderungen im Jahr 2001 — herstellen. In einem
304
305
306
DE
sie darauf ausgerichtet ist, das Wachstum und die Expansion des Opfers bzw. den Einstieg des Opfers
in neue Märkte zu verhindern.].
Janusz A. Ordover et al., a.a.O., S. 9.
Bei dem Angebot Wanadoo ADSL betrug der Kaufpreis Ende 2000 378 FRF inkl. Steuern, ohne
Gebühren für Installation und Inbetriebnahmen (768,57 FRF inkl. Steuern). Der Kaufpreis für das Paket
eXtense betrug 298 FRF inkl. Steuern, d. h. um 21 % weniger als das erste Produkt.
Wanadoo Interactive führt als Beweise für seine Behauptung zwei Dokumente von Juli 2000 und
Mai 2001 an […]* S. 3142 der Akte, und […]* S. 3106 der Akte, welche im Randnummer 89 der
Antwort von Wanadoo Interactive vom 23. Oktober 2002 zitiert werden). Diese beiden Dokumente sind
aber nicht wirklich für die Prüfung des vorliegenden Falls relevant. Das erste geht auf den Sommer
2000 zurück, auf eine Zeit, in der das Unternehmen einen Preis von […]* FRF inkl. Steuern für den
Anschluss vorzog. Dies war also einige Monate vor der Entscheidung von Wanadoo Interactive
zugunsten eines Endverbraucherpreises von 298 FRF inkl. Steuern für Pack eXtense. Das zweite
Dokument bezieht sich auf persönliche Überlegungen zweier Mitarbeiter von Wanadoo Interactive über
die Verrechnung der Zugangskosten an die Kunden (und nicht über die Anschlusspreise). Diese
Überlegungen wurden jedoch nicht umgesetzt, […]* Wenn also bestimmte Führungskräfte des
Unternehmens in ihren Überlegungen vom Ziel einer besseren Rentabilität motiviert waren, so hat sich
dies nicht in den tatsächlichen Preisentscheidungen des Unternehmens niedergeschlagen.
- 80 -
DE
Schreiben vom Juli 2000 […]*307. Im Frühling 2001 […]*308 Ein Monat davor
[…]*309. Im Übrigen ist die Kommission der Auffassung, dass nicht so sehr das
Preisniveau als solches im vorliegenden Fall von Bedeutung ist, sondern die Differenz
zwischen Preis und Kosten.
3. Die Absicht, die Wettbewerber zu verdrängen
271.
Nach Ansicht der Kommission310 können als Beweis für die Absicht,
Mitbewerber vom Markt zu verdrängen, unternehmensinterne Unterlagen des
beherrschenden Unternehmens herangezogen werden, die auf eine Strategie, die
Konkurrenten zu schädigen, hindeuten. In Ermangelung von Unterlagen, die einen
direkten Beweis erbringen, kann die Verdrängungsabsicht gegebenenfalls auch aus
den Umständen des vorliegenden Falls und aus einer Reihe von gewichtigen
übereinstimmenden Indizien311 hervorgehen.
a) Der Plan zur Vereinnahmung des Markts
272.
Die in Abschnitt I.G.1 beschriebenen unternehmensinternen Unterlagen weisen
auf eine eindeutige Strategie zur Vereinnahmung des Breitbandmarktes und
insbesondere des ADSL-Segments durch Wanadoo Interactive hin.
273.
Die Kommission ist der Ansicht, dass im Zusammenhang mit einem jungen
Markt, der sich in einer Phase dynamischen Wachstums befindet, und in Anbetracht
der Vorteile von Wanadoo aufgrund der Zugehörigkeit zum France-Télécom-Konzern
diese Strategie der Vereinnahmung mit einer Absicht, die Wettbewerber zu
verdrängen, gleichzusetzen ist.
b) Die Wahl einer Strategie in Hinblick auf Preise und Mengen, mit der die
Wettbewerber nicht Schritt halten können
274.
Die Absicht zur Eindämmung des Wettbewerbs geht auch aus der Ex-anteEinschätzung der Rentabilitätsbedingungen für die fraglichen Dienste durch Wanadoo
Interactive zum Zeitpunkt hervor, als das Unternehmen seine Ziele für die
Marktdurchdringung festlegte. Während der sieben ersten Monate des Jahres 2001
setzte Wanadoo Interactive seine Preise in voller Kenntnis der Sachlage fest und
ergriff verkaufsfördernde Maßnahmen für die Breitband-Internetzugänge – in dem
Wissen, dass die Preise deutlich unter den variablen Kosten lagen.312 Als Wanadoo
Interactive im Juni bzw. Juli 2001 seine quantitativen Verkaufsziele für das zweite
Halbjahr 2001 stark hinaufsetzte313, konnte das Unternehmen […]* trotz […]* in
seinen Berechnungsgrundlagen noch immer keinen positiven Deckungsbeitrag314 bis
307
308
309
310
311
312
313
314
DE
[…]*
[…]* (S. 3109 der Akte) […]*.
[…]* (S. 3234 der Akte).
Siehe Entscheidung der Kommission vom 14. Dezember 1985 in der Sache IV/30.698 – ECS/Akzo
Chemie, ABl. L 374 vom 31.12.1985, Randnummer 81.
Siehe Urteil des Gerichts erster Instanz vom 6. Oktober 1994 in der Rechtssache T-83/91, Tetra Pak
International/Kommission, Slg. 1994, II-755, Randnummer 151.
Siehe Abschnitt I.G.2, in dem die Entwicklung der unternehmensinternen Überlegungen über die Höhe
der Preise und Deckungsbeiträge für die ADSL-Dienste in den Jahren 2000 und 2001 wiedergegeben
wird.
[…]* (siehe S. 3316 der Akte). […]*
Siehe Abschnitt I.G.2.
- 81 -
DE
Ende des Jahres absehen. Auch als das Unternehmen — ebenfalls im Sommer 2001 —
seine quantitativen Ziele für 2002 auf Werte festsetzte, die [10-20] % über den
ursprünglichen Zielvorgaben lagen315, konnte Wanadoo Interactive die
Wirtschaftlichkeit der ADSL-Produkte auf der Grundlage der zu dem Zeitpunkt
verfügbaren Informationen und Prognosen zumindest für die ersten Monaten des
Jahres 2002 noch nicht positiv einschätzen.
275.
Offensichtlich konnten seine Mitbewerber im ADSL-Segment aufgrund ihres
Informationsstandes über die Selbstkosten für die Dienste des IP/ADSL-Zugangs und
des IP-Routings des ADSL-Verkehrs noch weniger damit rechnen, während des
gesamten Jahres 2001 ihre variablen Kosten zu decken. Erst frühestens ab Dezember
2001316 konnten sich die Wettbewerber nach und nach darüber im Klaren werden, dass
die Rentabilität der ADSL-Produkte für sie aufgrund der schließlich von France
Télécom angewandten Regeln für die Messung des tatsächlich angefallenen Verkehrs
— welche die vertraglichen Bestimmungen über das IP/ADSL-Routing nicht
erlaubten — in Wirklichkeit weniger positiv als erwartet ausfiel.
276.
Das Wissen über die Kosten für die Leistungen der France Télécom war im
Übrigen Anfang 2002 selbst unter kundigen Beobachtern noch so mangelhaft, dass die
Regulierungsbehörde ART in ihrer Stellungnahme vom 30. April 2002 davon ausging,
dass die Zahlungen der Provider an France Télécom für den Zugangs- und
Routingdienst für den ADSL-Verkehr weiterhin höher als ihre Erträge317 wären.
277.
Für die Analyse der Absichten von Wanadoo Interactive in Hinblick auf seine
Mitbewerber wiegt die Ex-ante-Einschätzung der Rentabilitätsaussichten des
Unternehmens selbst bei der Festlegung seiner quantitativen Ziele mehr als das
tatsächliche Ergebnis, das mehrere Wochen nach Ende des Geschäftsjahres 2001
definitiv bekannt war. Denn diese Einschätzung der wirtschaftlichen Bedingungen
während des Jahres 2001 bestimmte auch den Eindruck, den die etablierten
Mitbewerber im ADSL-Segment von der Entschlossenheit von Wanadoo Interactive
hatten, ihre Erwartungen in Hinblick auf Wachstumsraten, Erwerb von Marktanteilen
oder Wiederherstellung ihrer Gewinnspannen zunichte zu machen.318
315
316
317
318
DE
[…]* nennt Wanadoo Interactive als Ziel […]* ADSL-Kunden […]* S. 2907 der Akte). In der Folge
wird ein Ziel von […]* Kunden […]* angegeben (S. 3074 der Akte).
[…]* S. 2293 ff der Akte). […]*
ART-Stellungnahme Nr. 02.346 vom 30. April 2002 und Pressemitteilung der Behörde zu diesem
Anlass. Gemäß den damaligen Schätzungen der ART „sur la base d’un débit moyen par abonné de 23
kbit/s, conforme aux conditions actuelles d’exploitation“ [auf der Grundlage einer bei den derzeitigen
Bedingungen durchschnittlichen Datentransfermenge von 23 kbit/s] zahlt ein Internet-Provider
„actuellement à France Télécom des charges au titre des offres IP/ADSL (collecte + accès) s’élevant à
39,7 euros HT par mois par abonné, excédant ses revenus“ [der France Télécom derzeit für die
IP/ADSL-Dienste (Routing und Zugang) monatlich 39,7 EUR exkl. Steuern pro Kunde, was über seinem
Ertrag liegt], der ausgehend von dem von Wanadoo Interactive bezahlten Tarif auf 38 EUR exkl.
Steuern geschätzt wird (S. 4956 der Akte). Die Stellungnahme der ART hält auch explizit Folgendes
fest: „s’agissant des FAI, ces derniers ont eu à supporter des reversements à France Télécom de 39,7 €
par mois et par abonné les conduisant à consentir des pertes pour s’établir sur le marché et
concurrencer Wanadoo“ [in Bezug auf die Internet-Provider ist zu sagen, dass diese letzteren
Zahlungen an die France Télécom in Höhe von monatlich 39,7 EUR pro Kunde zu leisten hatten,
wodurch sie Verluste hinnehmen mussten, um sich auf dem Markt zu etablieren und mit Wanadoo
Interactive in Wettbewerb zu treten].
Siehe Entscheidung der Kommission in der Sache Akzo Chemie, a.a.O., Randnummer 79.
- 82 -
DE
278.
Es war das ganze Jahr 2001 hindurch klar, dass das fragliche Unternehmen
absichtlich eine Entwicklungsstrategie im Breitbandbereich gewählt hatte, die für
seine eigenen Geschäftsergebnisse problematisch sein würde. So traf Wanadoo
Interactive eine eindeutige und bewusste Entscheidung zwischen einem minimalen
Rentabilitätsziel, das es erlaubt hätte, in einem vernünftigen Zeitraum die Kosten für
die Kundenakquisition auszugleichen, und einem ehrgeizigen Ziel in Hinblick auf die
Marktanteile zulasten seiner Mitbewerber.
279.
Wanadoo Interactive stellte 2001 wiederholt fest, dass seine eigene Strategie,
die eine unrentable Preispolitik mit hohen Verkaufszahlen verband, für seine
Konkurrenten wirtschaftlich untragbar war, und dass diese aus diesem Grund nicht —
zumindest nicht in einem vergleichbaren Maßstab — mit ihr Schritt halten konnten.
[…]*319[…]*320 Es wusste auch, dass der Grund, aus dem ein so wichtiger
Marktteilnehmer im Schmalbandbereich wie AOL vor dem Einstieg auf dem
Breitbandmarkt zurückschreckte, darin lag, dass es ihm unmöglich war, Wanadoo
ohne große Verluste bei den Endverbraucherpreisen zu folgen.321
280.
[…]* seine Mitbewerber im ADSL-Segment automatisch mehrere
Rentabilitätspunkte hinter ihm lagen. Dieser Nachteil für die anderen Wettbewerber
ergab sich grundsätzlich aus der Struktur der Preise für den Routing-Dienst, die für
Provider mit weniger als 20 000 oder 30 000 Kunden ungünstig war, sowie aus der
Notwendigkeit für die Zugangsanbieter mit wenigen Teilnehmern, ihre (kurzfristig
fixen) Anschlusskosten auf einen kleinen Kundenstock zu verteilen. Diese Faktoren
wurden von Wanadoo Interactive festgestellt, nachdem das Unternehmen genaue
Bewertungen der unterschiedlichen Bruttodeckungsbeiträge je nach dem gemessenen
Verkehrsvolumen vorgenommen und die Vorteile, die es als erster Marktteilnehmer
genoss, aufgezeigt hatte.322 Der Nachteil der Wettbewerber bei den Kosten ergibt sich
aber auch aus anderen Faktoren, die weniger leicht quantifizierbar sind. Zum Beispiel
verfügen im Gegensatz zu Wanadoo Interactive nicht alle Internet-Provider über die
finanziellen Möglichkeiten, um den Bedarf an externer Finanzierung der defizitären
319
320
321
322
DE
[…]* (S. 3213 der Akte).
[…]* (S. 3158 der Akte).
[…]* In der Anlage wird Herr Treppoz, Präsident des Verwaltungsrats von AOL Frankreich, zitiert:
„Du temps où notre actionnaire était Cégétel, nous avions lancé une offre avec Monaco Telecom et
disposions de 500 abonnés. Nous ne l’avons pas lancée en France car l’offre de revente ADSL de
France Télécom ne nous permet pas aujourd’hui de gagner de l’argent. Techniquement, nous sommes
prêts, mais nous n’avons pas vocation à perdre de l’argent.“ [In der Zeit, in der Cégétel unser Aktionär
war, führten wir gemeinsam mit Monaco Telecom ein Produkt ein und hatten 500 Kunden. Wir
brachten es in Frankreich nicht auf den Markt, weil wir aufgrund des Weiterverkaufsangebot von
France Télécom für ADSL derzeit kein Geld verdienen können. Technisch gesehen sind wir bereit, aber
wir haben keine Lust, Geld zu verlieren.] (S. 3065 der Akte).
Das […]* analysiert auf der Grundlage der Datentransfermenge und Größe der Anschlüsse eingehend
die Annahmen für die Deckungsbeiträge zu den Netzkosten infolge des Inkrafttretens des neuen
Vertrags für das nationale und regionale IP-Routing des ADSL-Verkehrs (S. 2921 ff. der Akte). Aus
diesem Dokument geht hervor, dass ein Wettbewerber mit einem geringeren Verkehr als Wanadoo
Interactive Deckungsbeiträge zu den Netzkosten hat, die um einige Punkte niedriger sind als die, die für
Wanadoo Interactive vorgesehen sind: Somit wies ein sehr kleiner Wettbewerber, der nur über
Anschlüsse für […]* Mbit/s verfügt, einen negativen Deckungsgrad bei den Netzkosten auf, der um
[…]* Punkte niedriger ist als der von Wanadoo. Ein mittlerer Wettbewerber, der bereits einen größeren
Kundenstock und Anschlüsse für […]* Mbit/s hat, lag immer noch […]* Punkte unter Wanadoo. Ein
größerer Wettbewerber schließlich mit Anschlüssen für […]* Mbit/s konnte seinen Rückstand
gegenüber Wanadoo auf […]* Punkte beim Deckungsgrad reduzieren.
- 83 -
DE
Bereiche zu begrenzen, und mussten daher zusätzlich zu den laufenden betrieblichen
Aufwendungen mit Finanzierungskosten aufgrund der erlittenen Verluste rechnen.323
281.
Aus all diesen Gründen erreichte Wanadoo Interactive selbst keine Deckung
der aufgeschlüsselten Vollkosten, und seine Konkurrenten deckten nicht nur ihre
aufgeschlüsselten Vollkosten nicht, sondern mussten auch damit rechnen, mit großer
Wahrscheinlichkeit auch ihre variablen Kosten nicht decken zu können. Auch als
Wanadoo Interactive Ende 2001 für das nächste Jahr einen leicht positiven
Deckungsbeitrag zu seinen Produktionskosten vorhersah,324 war klar, dass seine
Mitbewerber nicht in der Lage sein würden, ihre variablen Kosten zu decken und die
Entwicklung ihrer Aktivitäten im Breitbandbereich aus wirtschaftlicher Sicht zu
rechtfertigen.
282.
Somit wird die Ansicht vertreten, dass während des ganzen Jahres 2001 das
Ziel der Strategie von Wanadoo Interactive darin bestand, eine möglichst große
Anzahl von Kunden zu gewinnen, auch wenn die wirtschaftlichen Voraussetzungen
dafür nicht gegeben waren. […]* So hatte die Strategie von Wanadoo Interactive zur
Folge, dass die Wettbewerber, die nicht mit ihr Schritt halten konnten, an den Rand
des Marktes oder ganz von ihm verdrängt wurden. Diese Politik wurde 2002 […]*
fortgesetzt, […]*325.
283.
Dennoch hat Wanadoo Interactive seine Marketingpolitik in keiner Weise
geändert. Die Preise blieben unverändert.326 Die Ziele in Hinblick auf die
quantitativen Marktanteile wurden nicht geändert. […]*327,[…]*. So wurde also die
Variante einer Flucht nach vorn bei der Kundenakquisition weiterhin für die folgenden
Geschäftsjahre in Erwägung gezogen, obwohl Wanadoo Interactive einige Woche
davor von der Kommission die erste Mitteilung der Beschwerdepunkte erhalten hatte.
284.
Die Bekanntgabe328 besonders ehrgeiziger, für ein nicht beherrschendes
Unternehmen unter den derzeitigen ungünstigen Rentabilitätsbedingungen
unerreichbarer Geschäftsziele durch Wanadoo Interactive im Jahr 2001 und Anfang
323
324
325
326
327
328
DE
In diesem Zusammenhang kann man davon ausgehen, dass die Kosten für die externe Finanzierung des
Defizits von Wanadoo Interactive im ADSL-Bereich im Jahr 2001 (Verlust in Höhe von […]* EUR)
monatliche Finanzierungskosten von […]* EUR pro Kunde bedeutet hätte.
Für Wanadoo Interactive lagen die aufgeschlüsselten Vollkosten für das Produkt eXtense in den letzten
Monaten des Jahres 2001 und im ersten Halbjahr 2002 ungefähr […]* % über den aufgeschlüsselten
variablen Kosten. Man kann außerdem davon ausgehen, dass aufgrund der unterschiedlichen
Netzkosten ein mittelgroßer Wettbewerber automatisch um […]* Rentabilitätspunkte hinter Wanadoo
Interactive liegt. Wenn also während dieses Zeitraums die Deckung der Vollkosten für Wanadoo bei
[…]* % lag (d. h. […]* % der variablen Kosten), erreichten die Mitbewerber automatisch einen
Deckungsgrad der variablen Kosten, der weniger als […]* % ausmachen musste.
Siehe Randnummer 139.
[…]* (S. 3216, S. 3217 und S. 3233 der Akte).
[…]* (S. 3534 ff der Akte). […]*
Die geschäftlichen Ziele und Leistungen von Wanadoo Interactive werden gelegentlich der Presse
mitgeteilt. Der in einem Artikel der Tageszeitung Les Echos vom 7. September 2001 zitierte Präsident
des Verwaltungsrates von Wanadoo, Nicolas Dufourcq, sprach von einem Ziel von 300 000 ADSLKunden bis Jahresende und der Gewinnung von 1 000 neuen ADSL-Teilnehmern pro Tag. Ein Artikel
im Journal du Net vom 4. Oktober 2001 führte 210 000 ADSL-Kunden an, die zu dem Zeitpunkt
angemeldet waren, eine Zunahme von 10 000 Kunden pro Woche und ein Ziel von „300.000 avant la
fin de l’année“ [300 000 bis zum Jahresende]. In einem Artikel in Les Echos vom 21. Februar 2002
wird eine Zahl von 457 000 ADSL-Kunden und das Ziel von einer Million Kunden bis Ende 2002
angegeben. Ein Artikel in derselben Tageszeitung vom 23. Januar 2002 erwähnt die Gewinnung von
140 000 Kunden zwischen Oktober und Dezember des Vorjahres.
- 84 -
DE
2002 führte zur Entmutigung der konkurrierenden Unternehmen und war Bestandteil
der vom Unternehmen verfolgten Strategie zur Eindämmung und Ausschaltung von
Wettbewerbern. Diesbezüglich kann dem Unternehmen Wanadoo Interactive
unmöglich in seiner Analyse zugestimmt werden, laut der hinter der Auslegung seiner
Politik als Vereinnahmungsstrategie eine einfache subjektive Absicht steht.329 Im
Gegenteil, der Eindruck der Vereinnahmungsabsicht wird durch unwiderlegbare
wirtschaftliche Fakten und die Umsetzung der Absicht in der Geschäftspolitik
bestätigt und untermauert. Man kann unmöglich glauben, dass eine
Marketingstrategie, die die finanzielle Widerstandskraft der Mitbewerber auf die
Probe stellt, auf einem Leistungswettbewerb beruht. Die Kommission musste daher
zur Auffassung gelangen, dass die Dynamik und das Ausmaß der verlustbringenden
Verkaufsstrategie im fraglichen Zeitraum allein schon einen Hinweis auf die Absicht,
die Wettbewerber zu verdrängen, darstellen.330
c) Der Hintergrund der allgemeinen Strategie des France-Télécom-Konzerns in
Hinblick auf den Wettbewerb auf dem Breitbandmarkt
285.
Um die Tragweite der Strategie von Wanadoo Interactive und ihre Bedeutung
als Teil einer allgemeinen Politik besser einschätzen zu können, ist es sinnvoll, das
Verhalten der Tochtergesellschaft im Zusammenhang mit der Problematik des FranceTélécom-Konzerns zu betrachten. Die in Randnummern 286 bis 290 erläuterten
Fakten stellen keine Beschwerdepunkte gegenüber Wanadoo Interactive dar. Die von
der Tochtergesellschaft verfolgte Strategie kann allerdings nicht völlig von den Zielen
der Muttergesellschaft abgekoppelt werden.
286.
Zunächst ist es interessant, die Vorgehensweise von France Télécom auf dem
Großmarkt zu betrachten. Die Tarif- und Handelsbedingungen der Zugangslösungen
für Großkunden mit den Bezeichnung Option 1, Option 2 und Option 3 gemäß der
Terminologie der französischen Regelungen331 sind nicht Gegenstand dieses
Verfahrens. Diesbezüglich beschränkt sich die Kommission darauf anzumerken, dass
die Regulierungsbehörde ART bis Sommer 2002 die Auffassung vertrat, dass die von
der France Télécom angewandten Preise es den verschiedenen potenziellen
Marktteilnehmern nicht erlaubten, ihren Platz in der Wertschöpfungskette des
Breitband-Internetzugangs zu finden und von einer „blocage de la concurrence“
[Blockierung des Wettbewerbs] auf dem ADSL-Markt332 sprach.
287.
Die Preispolitik der France Télécom in Hinblick auf Option 5, die gemäß der
französischen Terminologie die Kombination der in Randnummer 42 erläuterten
Dienste für den IP/ADSL-Zugang und das IP-Routing des ADSL-Verkehrs umfasst,
ist in diesem Zusammenhang von besonderem Interesse. […]* Die folgende Tabelle,
in der die voraussichtlichen Ergebnisse der Dienste IP/ADSL-Zugang und IP-Routing
(für Großkunden) dargestellt sind, veranschaulicht dies.
329
330
331
332
DE
Siehe Randnummern 117, 118 und 133 bis 137 der Antwort vom 23. Oktober 2002 (S. 6276 ff. der
Akte).
Urteil in der Rechtssache Tetra Pak, a.a.O., Randnummern 151 und 190.
Option 1 bezeichnet den völlig entbündelten Zugang zum Kupferkabel, Option 2 bezieht sich auf den
gemeinsamen Zugang zum Kupferkabel, und Option 3 deckt einen indirekten Zugang zum Kupferkabel
über das ATM-Netz des etablierten Betreibers ab.
Siehe Punkt III.1.3 der ART-Stellungnahme Nr. 02-346, a.a.O.; siehe auch die Pressemitteilung und
Folien, die auf der Website der Regulierungsbehörde am 7. Mai 2002 veröffentlicht wurden. Weiters
weist Wanadoo Interactive in seiner Antwort vom 4. März 2003 (Randnummer 103 – S. 6883 der Akte)
darauf hin, dass es […]*
- 85 -
DE
Tabelle 11: Vorausschauende Ergebnisrechnung für die Dienste der France Télécom
im Bereich der Breitband-Internetzugänge über ADSL (Angaben in Mio. EUR)333
Umsatz
Gesamte Vollkosten
Ergebnis
Nettodeckungsbeitrag
Kumulierter
Nettodeckungsbeitrag seit
2001
2001
2002
2003
2004
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
288.
Der von der France Télécom bei seinen Diensten für Großkunden
erwirtschaftete kumulierte Gewinn, […]*, ist den kumulierten Verlusten von
Wanadoo Interactive bei seinen ADSL-Diensten in den Jahren 2000 bis 2002 in Höhe
von […]*334 gegenüberzustellen. […]* vermarktete die Tochter Wanadoo Interactive
ihre Produkte an die Endverbraucher, indem sie dieselben Großhandelsprodukte unter
sehr ungünstigen Rentabilitätsbedingungen mit Verlusten weiterverkaufte.
289.
Wanadoo Interactive nahm zu den in der Tabelle335 angegebenen Zahlen nicht
Stellung. Das Unternehmen hält lediglich fest, dass einerseits die Großhandelspreise
der France Télécom von der Regulierungsbehörde ART genehmigt werden, was den
Handlungsspielraum der France Télécom einschränke, und dass andererseits France
Télécom und Wanadoo Interactive verschiedene juristische Personen mit jeweils
eigenen Aktionären seien.336 Zum ersten Punkt hält die Kommission fest, dass die
Großhandelspreise zwar tatsächlich von dem für den Telekommunikationssektor
zuständigen Minister nach Stellungnahme der ART genehmigt werden, letztere aber
keinerlei Initiativrecht in Bezug auf ihre Höhe hat und einfach eine Stellungnahme zu
den Vorschlägen der France Télécom abzugeben hat und nicht befugt ist, diese in
irgendeiner Weise zu ändern.337 Die Regulierungsbehörde ist bestenfalls ermächtigt —
333
334
335
336
337
DE
Aus der von France Télécom erstellten vorausschauenden Ergebnisrechnung für ihre Dienste IP/ADSLZugang und IP-Routing im Jahr 2001, Punkt 3 des Schreibens der France Télécom an die Kommission
vom 9. April 2002, S. 2573 der Akte.
[…]*.
Diese Tabelle war dem Unternehmen mit dem Tatbestandsschreiben der Kommission vom 16. Januar
2003 übermittelt worden.
Randnummern 104 bis 107 der Antwort von Wanadoo Interactive vom 4. März 2003 (S. 6884 der
Akte).
Artikel L.36-7 Absatz 5 des Code des Postes et Télécommunications (französische Gesetzes- und
Rechtsverordnungssammlung über das Post- und Fernmeldewesen) bestimmt, dass die
Regulierungsbehörde ART „émet un avis sur (…) les tarifs des services pour lesquels il n’existe pas de
concurrents sur le marché, préalablement, lorsqu’ils y sont soumis, à leur homologation par les
ministres chargés des télécommunications et de l’économie.“ [zu (...) den Preisen der Dienste, für die
es keine Wettbewerber auf dem Markt gibt, im Voraus Stellung, wenn diese den für den
Telekommunikationssektor und Wirtschaft zuständigen Ministern zur Genehmigung vorgelegt werden.]
Somit geht aus den französischen Rechtsvorschriften hervor, dass die ART nicht ermächtigt ist, sich
über die Endverbraucherpreise von Wanadoo Interactive zu äußern. Hinsichtlich der Angebote von
France Télécom für Großkunden war die ART in ihrer Stellungnahme vom 19. Juni 2001 über den
IP/ADSL- und Routing-Dienst übrigens der Meinung, dass der Tarifvorschlag des Anbieters im Großen
und Ganzen absolut nicht zufriedenstellend sei und dass er einfach dazu führte, „améliorer sensiblement
la situation du marché de détail“ [die Situation auf dem Privatkundenmarkt merklich zu verbessern],
über die sie in derselben Stellungnahme eine besorgniserregende Bilanz gezogen hatte. In ihrer
- 86 -
DE
wie es im Übrigen im Frühling 2002 der Fall war —, einen als nicht zufrieden stellend
beurteilten Tarifvorschlag insgesamt abzulehnen und die France Télécom zu ersuchen,
ein neues Angebot vorzulegen, ohne jedoch dessen Inhalt vorschreiben zu können. Es
ist daher unrichtig zu behaupten, dass France Télécom nicht über ausreichenden
Spielraum verfügt, um ihre Tarife selbst festzulegen. Zum zweiten Punkt in Bezug auf
die rechtliche Trennung von France Télécom und Wanadoo Interactive weist die
Kommission lediglich auf die starken Verbindungen aufgrund der Beteiligungsstruktur
und den inneren Zusammenhalt des Konzerns über seinen Vorstand hin.
290.
Schließlich hat die Kommission in Abschnitt I.G.4 verschiedene ergänzende
Tatbestände dargelegt, die aus den Unterlagen des Unternehmens hervorgehen und die
aufschlussreiche Hinweise auf eine Verdrängungsabsicht in Hinblick auf die
Konkurrenten seiner Tochtergesellschaft Wanadoo Interactive darstellen: Strategie der
„Blockierung“ des Modemmarktes in den ersten Monaten des Jahres 2001, System der
ungleichen Information der Internet-Provider über die ADSL-Tauglichkeit der
Leitungen für eine Dauer von zweieinhalb Jahren, Angebot einer Absprache über die
Bezahlung der Vertriebsnetze für die breite Masse und die Endverbraucherpreise für
den Vertrieb der ADSL-Pakete. Diese Fakten gehören nicht zu den im Rahmen dieses
Verfahrens geprüften Beschwerdepunkten. Daher nimmt die Kommission nicht zu
ihrer Vereinbarkeit mit den wettbewerbsrechlichen Vorschriften der Gemeinschaft
Stellung. Dennoch sind diese Fakten Teil einer umfassenden Strategie, die darauf
abzielte, die Entwicklung der Mitbewerber so lange wie möglich weitgehend zu
beschränken, und sind demnach zur besseren Beurteilung der Rahmenbedingungen
und Einschätzung der Absichten von Wanadoo Interactive nützlich. Sie liefern
tatsächlich etliche Informationen zur Veranschaulichung einer variantenreichen
Strategie zur Eindämmung des Wettbewerbs auf einen sehr begrenzten Bereich.338
291.
Somit war die bewusste Strategie zur Vereinnahmung des Breitbandmarkts für
Privatkunden, die Wanadoo Interactive 2001 und 2002 verfolgte, Teil einer
allgemeinen Vorgehensweise innerhalb des France-Télécom-Konzerns, durch die die
Geschäftspolitik seiner Tochter an Konturen gewinnt. Die Verkaufsstrategie von
Wanadoo Interactive mit nicht kostendeckenden Preisen, die für seine Mitbewerber
untragbar war, war Bestandteil eines beschlossenen Plans, die Nachfrage nach
Breitbanddiensten auf verschiedenen Stufen der Wertschöpfungskette zugunsten des
France-Télécom-Konzerns insgesamt zu vereinnahmen und ihm gewissermaßen die
ersten Jahre des Marktwachstums zu sichern.
4. Von Wanadoo Interactive mit seiner Vereinnahmungsstrategie verfolgte Ziele
292.
Die Entschlossenheit von Wanadoo Interactive in Hinblick auf das Ziel der
Vereinnahmung des Breitbandmarktes zu einer Zeit, in der die wirtschaftlichen
Rahmenbedingungen nicht gegeben waren, war durch relevante mittelfristige Ziele,
die in den Randnummern 293 bis 298 beschrieben werden, begründet. Die
338
DE
Stellungnahme vom 7. Mai 2002 schrieb die ART der France Télécom nicht die Höhe der angebotenen
Preise vor, sondern gab nur die Bedingungen an, die die neuen Angebote mindestens zu erfüllen hatten.
In seiner Entscheidung Nr. 02-D-38 vom 19. Juni 2002 über die Anrufung des Gerichts und den Antrag
auf vorläufige Maßnahmen durch die Gesellschaft Liberty Surf spricht der Wettbewerbsrat, der nicht
über dieselben Unterlagen verfügt wie die Kommission, von einer „stratégie commune“ [gemeinsamen
Strategie] von France Télécom und Wanadoo sowie von einer „communauté d’intérêts“
[Interessengemeinschaft], und stellt fest, dass das Ausmaß der Autonomie von Wanadoo Interactive
gegenüber France Télécom sich auf die „l’imputabilité des pratiques mais non sur leur matérialité“
[Zurechenbarkeit der Vorgehensweisen, aber nicht auf ihr tatsächliches Vorliegen“ auswirkt.
- 87 -
DE
Vereinnahmung des Breitbandmarktes dank nicht kostendeckender Preise musste die
Maximierung der Erträge und der Deckungsbeiträge für die ADSL-Anschlüsse, die
Stabilisierung dieser Erträge durch eine zunehmende Kundenbindung, aber auch die
Maximierung der Erträge auf den damit zusammenhängenden Märkten, insbesondere
dem der Werbung und des elektronischen Handels, erlauben. Weiters musste damit
eine starke Position auf dem Markt der für den Breitbandbereich spezifischen Inhalte
eingenommen werden können.
293.
Erstens musste die Stellung auf dem Breitbandmarkt auf Dauer eine
Wiederherstellung der Deckungsbeiträge des Unternehmens für seine ADSL-Produkte
ermöglichen. In den verschiedenen Unterlagen des Unternehmens werden mehr oder
weniger weit entfernte Zeithorizonte für die Wiederherstellung positiver
Deckungsbeiträge bei den gegenständlichen Produkte angegeben. […]*339 […]* In
seiner Antwort vom 23. Oktober 2002 übermittelte Wanadoo Interactive eine Tabelle,
in der ab November 2002 durchschnittliche Deckungsbeiträge von […]* EUR pro
Monat für Pack eXtense aufscheinen, die bis […]* unverändert bleiben.340 Das
Unternehmen hielt weiters fest341, dass diese Annahme eines Deckungsbeitrages von
[…]* EUR vorsichtig gewesen sei und sprach von einer „tendance croissante en
termes de marges“ [steigenden Tendenz der Deckungsbeiträge], die in ihrer
vereinfachten Annahme nicht richtig wiedergegeben würde, ohne jedoch Simulationen
für die Entwicklungen der Deckungsbeiträge in den kommenden Jahren zur
Verfügung zu stellen. Unabhängig von der genauen Höhe der Deckungsbeiträge und
dem genauen Datum der Verwirklichung dieses Ziels ist auf alle Fälle klar, dass
Wanadoo damit rechnete, innerhalb von ein paar Jahren in diesem Bereich des reinen
Zugangs entsprechende Deckungsbeiträge zu erzielen. Im Lichte dieser
unternehmensinternen
Überlegungen
scheint
die
Rationalität
einer
Verdrängungspolitik für Wanadoo Interactive weniger in einer unwahrscheinlichen
Erhöhung der Anschlusspreise für den Internet-Zugang als in einem Ausgleich der
anfänglichen Verluste dank der zunehmenden Wiederherstellung der
Deckungsbeiträge für die Zugangsprodukte begründet zu sein.
294.
Die Nutzer der Breitbanddienste sollten nicht nur auf Dauer gesehen einen
höheren Umsatz und höhere Deckungsbeiträge als die Nutzer von
Schmalbanddiensten einbringen, sondern sie sollten auch eine stabilere
Einnahmequelle darstellen. Der Markt der Schmalband-Internetzugänge wird von
Wanadoo Interactive als ein Markt mit einer hohen Kundenfluktuation angesehen, auf
dem die Kunden rasch von einem Anbieter zum anderen wechseln. Im Gegensatz dazu
betrage die Fluktuationsrate bei den Nutzern von Breitbanddiensten gemäß Wanadoo
ungefähr […]* der Rate für die Schmalbandkunden.342 Die Gewinnung eines
339
340
341
342
DE
S. 2957 der Akte.
Anhang 9 der Anlage D der Antwort von Wanadoo Interactive vom 23. Oktober 2002 (S. 6379 der
Akte).
Siehe Randnummern 327 und 336 der Antwort von Wanadoo Interactive vom 23. Oktober 2002
(S. 6315 der Akte).
Im Jahr 2000 lag die durchschnittliche Fluktuationsrate aller Kunden von Wanadoo für alle Dienste
zusammen bei […]* % […]* S. 3438 der Akte). 2001 und 2002 betrug die für eXtense beobachtete
jährliche Fluktuationsrate im Durchschnitt […]* % (Randnummer 31 der Antwort vom 4. März 2003,
S. 6867 der Akte). Der Dienst eXtense verzeichnete somit eine Fluktuationsrate die […]* der Rate
ausmachte, die für die Schmalbandprodukte im Jahr 2000 festgestellt wurde. Im Januar 2002 lag die
monatliche Fluktuationsrate bei […]* % für die so genannten klassischen Schmalbandangebote, bei
[…]* % für die so genannten „Pauschalangebote“ und bei […]* % für die Breitbandprodukte. Im
Februar 2002 betrugen die monatlichen Fluktuationsraten […]* %, […]* % bzw. […]* % S. 4134 der
- 88 -
DE
stabileren Kundenstamms ist offensichtlich ein Sicherheitsfaktor in Hinblick auf die
Erträge des Unternehmens343 und ist Teil des Ziels der Kundenbindung und der
Maximierung der Erträge der Kunden für die Zeit der Vertragsdauer.
295.
Zweitens sollte sich der potenzielle Umsatz der ADSL-Kunden gemäß der
Analyse von Wanadoo nicht nur aus der Höhe der Erträge durch die Anschlüsse,
sondern infolge einer stärkeren Nutzung des Internet auch aus den Einnahmen aus
Portalen und dem elektronischen Handel ergeben und sollte somit von Märkten
kommen, die mit dem gegenständlichen Markt zusammenhängen.344 Wie in einem
unternehmensinternen Schriftstück dargelegt, […]*345. In einem Dokument von
Wanadoo Interactive wird somit auch in Bezug auf die ADSL-Kunden ihr […]*346
erwähnt. Der Marketingplan […]*347 […]* Im Zusammenhang mit den ADSLProdukten ging es für Wanadoo Interactive vor allem darum, […]*348.[…]*349 Mit den
ADSL-Produkten sollten auch die Aussichten auf höhere Erträge durch die Werbung
verbessert werden. Unter diesem Blickwinkel ist der Erwerb von großen
Marktanteilen von strategischer Bedeutung, denn — wie in den unternehmensinternen
Überlegungen zum Strategieplan 2004350 betont wird — […]*. Für den Zeitraum
2001-2004 sah Wanadoo Interactive im Übrigen eine […]* Erhöhung der Einnahmen
aus Inhalten, elektronischem Handel und Werbung voraus, die sich von 2000 bis 2004
[…]* sollten und deren durchschnittliche Höhe pro Kunde sich in diesem Zeitraum
[…]*.351
296.
Drittens wirkt sich die frühzeitige Präsenz auf dem Breitbandmarkt auch sehr
direkt auf die Bereitstellung von Inhalten aus. Die Tatsache, in der Entwicklung des
kommerziellen Angebots von Internet-Zugängen einen erheblichen Vorsprung
gewonnen zu haben, räumt dem Provider einen wesentlichen Vorteil bei der
Bereitstellung von Inhalten ein.352
297.
Schließlich wurde die Vereinnahmung des Breitbandmarktes als wichtiges
Element bei der Festigung des Image des Internet-Providers betrachtet.353 Das Ziel
einer frühzeitigen Präsenz auf dem gegenständlichen Markt konnte […]* erklärt
werden, […]*354.[…]*355[…]*356[…]*357. Das Ziel der Strategie war klar: Es ging
343
344
345
346
347
348
349
350
351
352
353
354
DE
Akte). Somit ist die Fluktuationsrate bei den Schmalbandprodukten […]* mal so hoch wie bei den
Breitbandprodukten.
[…]* (S. 3412 der Akte).
Die wirtschaftswissenschaftliche Literatur räumt übrigens ein, dass der Ausgleich der anfänglichen
Verluste nicht nur auf dem gegenständlichen Markt, sondern auch auf Märkten, die in enger
Verbindung mit ihm stehen, stattfindet. M. Canoy, P. de Bijl, Ron Kemp, „Access to
Telecommunications Networks“, Mimeo, CPB, Okt. 2002 , S. 30.
[…]* (S. 3233 der Akte).
[…]*) (S. 2655 der Akte).
[…]* (S. 3409 der Akte).
Ibid.
In der Studie […]* wird somit auf S. 10 festgehalten, dass „[…]* ont déjà effectué des achats en
ligne.“ [[…]* bereits online eingekauft haben.] (S. 4145 der Akte).
[…]* (S. 4249 der Akte).
[…]*. (S. 3437 ff. der Akte).
Es ist zum Beispiel nicht unwesentlich, dass Microsoft im Oktober 2002 als Hosts für seine neue
Plattform interaktiver Spiele Xbox Live die Provider Wanadoo Interactive und Noos auswählte, die
damals den ersten bzw. zweiten Platz auf dem französischen Markt einnahmen, und nicht andere
Anbieter wie T-Online France oder Tiscali (Reuters, „Microsoft to pilot Xbox Live in Europe in Nov“,
Meldung vom 25. September 2002, 4:21 Uhr).
S. 3415 der Akte.
[…]* (S. 3409 der Akte).
- 89 -
DE
darum, bei den Verbrauchern eine direkte Assoziation zwischen der Marke Wanadoo
und dem Konzept der Breitbandtechnologie zu bewirken, um sich in der Folge einen
wesentlichen Anteil des Marktwachstums anzueignen. In dieser Hinsicht war das Jahr
2001 entscheidend: Dank seiner Position in Hinblick auf die Preise […]* 358.
298.
In einer Mitteilung […]* werden die umfassenden wirtschaftlichen
Überlegungen, auf denen die Vereinnahmungsstrategie beruht, schließlich auf
folgende Art und Weise zusammengefasst: […]*359.[…]* Nach Ansicht der
Kommission ist diese Darstellung eine perfekte Zusammenfassung der Strategie der
Verdrängung und Vereinnahmung, die Wanadoo Interactive strategisch gesehen auf
eine für das Unternehmen durchaus rationelle Weise umsetzte.
5. Schlussfolgerungen über die Vereinnahmungsabsicht
299.
Die Kommission vertritt die Ansicht, dass Wanadoo Interactive bewusst eine
Entwicklungsstrategie für seine Breitbanddienste wählte, die nicht kostendeckende
Preise mit großen Verkaufsvolumina verband und mit der seine Mitbewerber nicht
Schritt halten konnten.
2.
Anwendbarkeit des Begriffs der Verdrängung in einem Sektor mit starkem
Wachstum
300.
In seiner Antwort vom 23. Oktober 2002 betont Wanadoo Interactive, dass es
auf alle Fälle unmöglich sei, auf einen Wirtschaftszweig, der keinen ausreichenden
Reifegrad aufweist, den Beschwerdepunkt der Verdrängung anzuwenden, und dass
ihm daher dieser Beschwerdepunkt nicht zur Last gelegt werden könne.360 Das
Unternehmen stellt in Frage, ob man im Falle eines Wirtschaftszweigs, der als neu zu
bezeichnen ist, die gängige Rechtsprechung des Gerichtshofs heranziehen kann.361 Im
Zusammenhang mit einem neuen Dienst seien große Verluste gewissermaßen
unabwendbar, und die unmittelbare Rentabilität auf einem Markt, der von großer
wirtschaftlicher Ungewissheit362 gekennzeichnet ist, sei „par définition impossible“
[per definitionem unmöglich]363.
355
356
357
358
359
360
361
362
363
DE
[…]*, (S. 3415 der Akte).
Die bereits zitierte Studie […]* gibt an, dass auf dem Privatkundenmarkt […]* % der neuen Nutzer des
Produkts eXtense über Mundpropaganda vom Angebot Wanadoos erfahren haben, was doppelt so viel
ausmacht wie die Zahl derjenigen, die über die Presse oder Online-Werbung darüber Kenntnis erlangt
haben. Im selben Dokument heißt es, dass […]* % der Kunden von Pack eXtense dieses Produkt in
ihrer Umgebung weiterempfehlen würden, im Vergleich zu […]* % sämtlicher Kunden von Wanadoo
Interactive für alle Produkte zusammen.
[…]*. (S. 3086 der Akte).
[…]* (S. 4157 der Akte).
[…]* (S. 2958 und S. 2959 der Akte).
Siehe Randnummern 188 und 191 der Antwort vom 23. Oktober 2002, in der Wanadoo Interactive auf
die Notwendigkeit hinweist, dass ein „marché mature sur lequel l’opérateur incriminé est en position
dominante depuis une durée significative“ [ein reifer Markt vorliegen muss, auf dem der beschuldigte
Anbieter seit geraumer Zeit eine beherrschende Stellung einnimmt], oder dass dieser Markt von einer
„développement limité“ [beschränkten Entwicklung] gekennzeichnet und „très éprouvé“ [stark
betroffen] ist (S. 6291 der Akte).
Siehe Randnummern 193 bis 196 der Antwort vom 4. März 2002 und Randnummer 348 der Antwort
vom 23. Oktober 2002 (S. 6319 der Akte).
Siehe Randnummern 84 bis 87 der Antwort vom 23. Oktober 2002 (S. 6270 der Akte).
Siehe Randnummer 57 der Antwort vom 23. Oktober 2002 (S. 6262 der Akte).
- 90 -
DE
301.
In diesem Zusammenhang ist darauf hinzuweisen, dass nichts in Artikel 82
EG-Vertrag oder in der gemeinschaftlichen Rechtsprechung für Wirtschaftszweige,
die noch nicht das volle Reifestadium erreicht haben oder als „neue“ Märkte eingestuft
werden, auf eine Ausnahme von der Anwendung der Wettbewerbsregeln hindeutet.
Würde man die Anwendung der Wettbewerbsregeln von einer vollständigen
Stabilisierung des Markts abhängig machen, so könnten die Wettbewerbsbehörden
nicht rechtzeitig einschreiten, bevor sich der festgestellte Missbrauch in seinem
ganzen Umfang auswirkt und sich die unrechtmäßig erworbenen Positionen endgültig
konsolidiert haben. Ganz im Gegenteil geht aus der Rechtsprechung hervor, dass es
möglich sein muss, gegen Verdrängungspreise Maßnahmen zu ergreifen, sobald die
Gefahr einer Verdrängung von Wettbewerbern besteht, zumal das vom EG-Vertrag
verfolgte Ziel des unverfälschten Wettbewerbs364 es nicht zulässt abzuwarten, bis eine
derartige Strategie zur tatsächlichen Ausschaltung der Mitbewerber führt.365
302.
Auch wenn nicht ausgeschlossen werden kann, dass der Markt der BreitbandInternetzugänge tatsächlich als junger Markt anzusehen ist, stellt er auf alle Fälle
einen spezifischen Markt dar, der vom Standpunkt der gemeinschaftlichen
Wettbewerbsbehörden aus betrachtet besondere Aufmerksamkeit rechtfertigt. Dieser
Markt hängt mit dem Markt für lokale Teilnehmeranschlüsse im
Telekommunikationsbereich stark zusammen, der wiederum keinerlei Merkmale eines
jungen Marktes aufweist. Die Telekommunikationsbranche und insbesondere die
Teilnehmeranschlüsse sind nach wie vor tief von der Vorherrschaft des früheren
Monopols geprägt, durch das fast alle Zugänge zu den Endverbrauchern kontrolliert
werden. Auch wenn im Zusammenhang mit den Breitband-Internetzugängen von
einem jungen Markt ausgegangen wird, lassen seine Verbindung mit einem Markt, der
sich in einer Liberalisierungsphase befindet, und die daraus folgenden Risiken einer
Hebelwirkung nicht zu, dass vom gemeinschaftlichen Wettbewerbsrecht abweichende
Regelungen auf ihn angewandt werden.
303.
Weiters stellt die Kommission fest, dass im Zusammenhang mit der
Entwicklung der ADSL-Produkte das Ziel einer raschen Rentabilität trotz des
innovativen Charakters der fraglichen Produkte nicht unerreichbar war. […]* 366,
[…]* Die von der France Télécom vorgelegten Zahlen zeigen demnach, dass der
innovative Charakter der ADSL-Dienste entgegen den Behauptungen von Wanadoo
Interactive keineswegs im Widerspruch zu dem Ziel stand, relativ rasch eine
Rentabilität zu erreichen. Der große Verlust, der bei einem innovativen Produkt wie
ADSL entstand, kann demnach keineswegs als unabwendbare oder zwangsläufige
Entwicklung betrachtet werden.
304.
In diesem Zusammenhang vertritt die Kommission die Auffassung, dass
Artikel 82 EG-Vertrag anwendbar ist und dass der Beschwerdepunkt der Verdrängung
im vorliegenden Fall nicht mit der Begründung abgewiesen werden kann, dass es sich
um einen jungen Markt handle.
364
365
366
DE
Gemäß Artikel 3 Buchstabe g) EG-Vertrag.
Urteil des Gerichtshofs in der Rechtssache Tetra Pak, a.a.O., Randnummer 44.
Siehe […]*
- 91 -
DE
3.
Fehlen einer objektiven Rechtfertigung für die Festsetzung von nicht
kostendeckenden Preisen
305.
Laut Wanadoo Interactive ist der Grundsatz, der aus der Anwendung der im
Akzo-Urteil festgelegten Methode zur Prüfung auf Verdrängungspreise hervorgeht,
nicht absolut gültig, sondern muss im Lichte der wirtschaftlichen Merkmale des
vorliegenden Falls gewürdigt werden. Das Unternehmen behauptete, dass unter den
Kosten liegende Preise sehr wohl durch Ziele begründet sein können, die nichts mit
der Verdrängung der Wettbewerber zu tun haben. Einerseits strebte das Unternehmen
Größenvorteile an, und andererseits käme seine Niedrigpreispolitik dem gesamten
Markt zugute. Nicht kostendeckende Preise, die zu einem finanziellen Vorteil für die
Kunden führten, wären vom sozialen Standpunkt aus betrachtet sogar optimal.367
Schließlich müsste sich das Unternehmen, selbst wenn es eine beherrschende Stellung
hätte, aufgrund des bestehenden oder potenziellen Wettbewerbsdrucks an die von den
anderen Wettbewerbern festgelegten Preise anpassen. Diese verschiedenen
Argumentationslinien werden in den Randnummern 306 bis 331 untersucht.
1. Größen- und Lerneffekte
306.
Wanadoo Interactive betont, dass die variablen Kosten bestimmter Produkte
mit steigender Produktionsmenge abnehmen und von der Höhe der Nachfrage
abhängen, während gleichzeitig ein hohes Produktionsniveau zur Sammlung von
Erfahrungen und damit zur Verringerung der künftigen Produktionskosten beitragen
kann. 368
307.
Dieses Argument rechtfertigt nicht objektiv die Verdrängung, sondern streicht
vielmehr eines ihrer rationalen Ziele heraus. Mit der Festlegung von nicht
kostendeckenden Preisen kann ein Unternehmen anstreben, dass die Vorteile aus
Größeneffekten auf dem Markt ihm selbst vorbehalten bleiben und im selben Maße
das Erreichen des Ziels einer Produktionsmenge, die Größeneffekte erlaubt, durch die
Wettbewerber verzögert wird. Eine Argumentation in Bezug auf Effizienzsteigerungen
wäre nur dann zulässig, wenn nachgewiesen werden könnte, dass sie nicht durch
andere Mittel als eine Strategie des Verkaufs unterhalb der Kosten erreicht werden
konnte. Im vorliegenden Fall weist nichts darauf hin, dass derartige Steigerungen
unmöglich gewesen wären, wenn sich der Markt auf ausgewogene Weise entwickelt
hätte. Wenn das Unternehmen allerdings aufgrund eines Anstiegs der Produktion dank
unterhalb der Kosten liegender Preise vor seinen Wettbewerbern einen Lerneffekt
erzielt, so kann dies zu Ausgrenzungseffekten führen, die zur Festigung der
beherrschenden Stellung des Unternehmens beitragen können.369
308.
Im vorliegenden Fall erlaubte die Eroberung von Marktanteilen zu Beginn des
Jahres 2001 ungeachtet der dadurch entstandenen Verluste Wanadoo Interactive
frühzeitig die Erzielung von Größeneffekten. Abgesehen vielleicht von der
Verringerung bestimmter Kosten im Bereich der Kundenverwaltung, die ab Ende
2001 erkennbar sind, sind die Lerneffekte schwierig zu messen. Die Größenvorteile
treten in einem Bereich wie dem Routing des ADSL-Verkehrs viel deutlicher hervor.
Bis Oktober 2002 galten für den Routing-Dienst bei steigendem Verkehrsvolumen
stark rückläufige Preise.370 In Abhängigkeit vom Verkehrsvolumen variierte der Tarif
367
368
369
370
DE
Siehe Randnummern 227 und 228 der Antwort vom 4. März 2002 (S. 1766 der Akte).
Antwort vom 4.3.2002, Randnummern 161 und 162 (S. 1752 der Akte).
Siehe insbesondere P. Bolton et al., a.a.O., S. 51.
[…]* (S. 274 der Akte) […]*
- 92 -
DE
pro Mbit/s für den regionalen Routing-Dienst im Verhältnis […]* zu […]* und für
den nationalen Routing-Dienst im Verhältnis […]* zu […]*. Der Tarif hängt jedoch
von der Anzahl der Teilnehmer ab. Auf der Grundlage der Preisliste für den RoutingDienst371 entstanden somit einem Anbieter in der Anlaufphase mit ungefähr
8 000 Kunden, die gleichmäßig auf die Region Paris und die anderen Gebiete
Frankreichs verteilt waren, Ende 2001 oder Anfang 2002 durchschnittliche RoutingKosten pro Teilnehmer, die um rund […]* über den Aufwendungen von Wanadoo
Interactive lagen. Wanadoo Interactive seinerseits erreichte schon vor dem
Sommer 2001 einen Kundenbestand, der ihm die Nutzung der günstigsten Tarife
erlaubte. Unter Berücksichtigung der für die Preise geltenden Degressionskurve372
kann der günstigste Routing-Tarif erst in Anspruch genommen werden, wenn
ungefähr über 16 000 ADSL-Teilnehmer in der Region Paris und über
81 000 Teilnehmer auf dem Land als Kunden gewonnen wurden. Im August 2002
hatte noch kein Wettbewerber von Wanadoo Interactive auf dem ADSL-Markt diese
beiden Schwellenwerte erreicht. Wanadoo Interactive hingegen hat sie dank seiner
raschen Entwicklung und seiner unter den Kosten liegenden Preise schon im
April 2001 überschritten.
309.
Wenn das Streben nach Größen- und Lerneffekten also zu den rationalen
Gründen für eine Verdrängungsstrategie gezählt werden kann, dann darf es aus der
Sicht des Wettbewerbsrechts nicht als Rechtfertigung dieses Verhaltens dienen, da das
beherrschende Unternehmen eben dadurch eine günstigere Kostenstruktur zum
Nachteil seiner Wettbewerber erhält.
2. Fehlen einer Rechtfertigung für positive Externalitäten
310.
Wanadoo Interactive weist darauf hin, dass es sich zunächst für die
Entwicklung des Marktes zu Lasten der Rentabilität entschieden habe, um die
Netzkosten zu verringern und um zur größeren Bekanntheit der Breitbandzugänge
beizutragen, wovon wiederum seine Wettbewerber und der Markt der für den
Breitbandbereich spezifischen Inhalte profitiert hätten.
311.
Dieses Argument ist unzulässig. Ein Unternehmen in einer beherrschenden
Stellung braucht keineswegs Verdrängungspreise einsetzen, um neue Kunden zu
gewinnen und das Produkt bei den Verbrauchern bekannt zu machen.373
312.
Eine wesentliche Bedingung für seine Stichhaltigkeit wird durch das Argument
von Wanadoo Interactive nicht erfüllt, nämlich der Nachweis, dass nur die vom
Unternehmen angewandte Strategie zum angestrebten Ziel einer stärkeren Nutzung
von Breitbandzugängen in Frankreich führen konnte. Die positiven Auswirkungen in
Verbindung mit dem Wachstum des Marktes hätten auch erreicht werden können,
wenn sich der Markt unter für alle Anbieter gleichen Bedingungen entwickelt hätte.
Hätte der Konzern France Télécom wirklich beabsichtigt, den Breitbandmarkt zum
Vorteil aller Akteure auszubauen, dann hätte die France Télécom die Preise für alle
ihre Produkte für Großkunden — vom gemeinsamen oder völlig entbündelten Zugang
zum Teilnehmeranschluss bis zu den Diensten für IP/ADSL-Zugang und -Routing —
auf einem niedrigen Niveau festlegen können, so dass Wettbewerber zum
Markteintritt ermutigt werden. Der Konzern France Télécom beschloss hingegen, die
371
372
373
DE
Hier wird von einer Bandbreitennutzung von 15,8 kbit/s pro Teilnehmer ausgegangen.
Unter der in Fußnote 371 genannten Annahme.
P. Areeda und D. Turner, Predatory pricing and related practices under section 2 of the Sherman Act,
Harvard Law Review, Vol. 88, S. 714.
- 93 -
DE
Verluste im Zusammenhang mit der Entwicklung des Breitbandmarkts bei seiner für
den Verkauf an Endverbraucher verantwortlichen Tochtergesellschaft anzusiedeln und
so das Wachstum des Marktes für sich zu vereinnahmen. Es ist daher nicht stichhaltig
zu behaupten, dass der Konzern France Télécom und insbesondere Wanadoo
Interactive in dem Wunsch handelten, den Markt zum Vorteil aller Teilnehmer
auszubauen.374 Wenn das der Fall gewesen wäre, hätte France Télécom die
Abhilfemaßnahme, die es nach der Einleitung des Verfahrens in der Sache Wanadoo
Interactive vorschlug, auch schon viel früher ergreifen können.
313.
Wanadoo Interactive behauptete ferner, dass seine Preispolitik positive
Externalitäten nach sich zog, indem sie zu einem Sinken der Kosten von Modems und
ADSL-Ausrüstung in Frankreich führte.375 Dieses Argument hält einer Prüfung nicht
stand. Alcatel, der wichtigste Anbieter von ADSL-Ausrüstung in Frankreich, hat in
den Jahren 2000 und 2001 mehr als sechs Millionen Modems in seinem Werk in
Belgien hergestellt.376 Schon Ende 2001 gab es weltweit 15 Millionen DSLAnschlüsse.377 Die Gesamtzahl der ADSL-Anschlüsse auf dem französischen Markt
lag 2001 bei 392 000, und nur ein Teil davon war mit Modems von Alcatel
ausgestattet. Die Ausweitung des französischen Marktes war daher weder für das
Produktionsvolumen dieses Lieferanten noch für seine Herstellungskosten oder seine
Verkaufspreise entscheidend, da alle Modems derselben Familie in technischer
Hinsicht identisch sind.378
3. Das Argument der Anpassung an die Preise der Wettbewerber
314.
Wanadoo Interactive behauptete mehrmals, in seiner Eigenschaft als angeblich
neuer Anbieter auf dem fraglichen Markt gezwungen gewesen zu sein, sich an die
Preise der Wettbewerber379 anzupassen. Diese Behauptung erfordert mehrere
Bemerkungen zur grundsätzlichen Stichhaltigkeit des Arguments der Anpassung, zur
tatsächlichen Stellung der betreffenden Unternehmen auf dem Markt und schließlich
zu den Fakten, die die These von Wanadoo Interactive tatsächlich widerlegen.
315.
Erstens stimmt es grundsätzlich, dass neue Anbieter und Unternehmen, die
keine beherrschende Stellung innehaben, zu zeitlich befristeten Sonderangeboten
berechtigt sind. Ihr einziger Zweck besteht darin, die Verbraucher auf das Bestehen
des Produkts eindringlicher aufmerksam zu machen als durch eine einfache
Werbebotschaft380, und diese Angebote haben keine negativen Auswirkungen auf den
Markt. Eine Anpassung des beherrschenden Akteurs an die Sonderangebote eines
Unternehmens ohne beherrschende Stellung ist hingegen nicht gerechtfertigt. Zwar ist
es einem beherrschenden Unternehmen nicht absolut verboten, sich an die Preise der
Wettbewerber anzupassen381, doch muss ihm diese Möglichkeit verweigert werden,
374
375
376
377
378
379
380
381
DE
Die Regulierungsbehörde ART betonte außerdem in dem Dokument „L’accès à Internet, premier bilan“
(Zugang zum Internet — eine erste Bilanz, S. 10) vom April 2002, dass „si des FAI alternatifs avaient
réellement les moyens de concurrencer les offres de Wanadoo, on peut imaginer que le rythme de
pénétration (du haut débit) serait nettement plus élevé“ [man sich vorstellen kann, dass die Penetration
(der Breitbandzugänge) deutlich rascher ablaufen würde, wenn die alternativen Internetanbieter
wirklich über die Möglichkeiten verfügten, mit den Angeboten von Wanadoo zu konkurrieren].
Darstellung von Wanadoo Interactive bei der Anhörung vom 18. März 2002.
Punkt 5 des Schreibens von Alcatel an die Kommission vom 12. Juni 2002 (S. 5026-5027 der Akte).
Stellungnahme des Vertreters von Easynet bei der Anhörung vom 18. März 2002.
Punkt 6 des oben genannten Schreibens von Alcatel.
Antwort vom 4. März 2002, Randnummern 185, 186, 199 bis 202, Abschnitt 3.4.6.2.
P. Areeda et al., a.a.O., S. 715f.
Urteil in der Rechtssache Akzo, a.a.O., Randnummer 135.
- 94 -
DE
wenn dies dazu führt, dass im beherrschenden Unternehmen die Kosten des fraglichen
Dienstes nicht gedeckt werden. Wenn eine beherrschende Stellung einem
Unternehmen, das sich in dieser Stellung befindet, nicht das Recht nehmen kann, seine
eigenen geschäftlichen Interessen zu wahren, wenn diese bedroht sind, dann ist aber
ein derartiges Verhalten nicht zulässig, wenn es gerade auf die Verstärkung oder den
Missbrauch dieser beherrschenden Stellung abzielt.382 Somit trägt das beherrschende
Unternehmen besondere Verantwortung dafür, dass durch sein Verhalten ein
wirksamer und unverfälschter Wettbewerb auf dem Gemeinsamen Markt nicht
beeinträchtigt wird.383
316.
Wanadoo Interactive behauptet, gezwungen gewesen zu sein, den im Herbst
2000 festgelegten Preis seines Dienstes eXtense an die Angebote von drei
Wettbewerbern anzupassen. Dabei handelt es sich um den Kabelnetzbetreiber Noos,
der die Technologie der Kabelmodems nutzt, sowie um Club Internet (T-Online
France) und Mangoosta, die ADSL-Zugänge anbieten. Keiner dieser drei Anbieter
kann als beherrschendes Unternehmen oder objektiv als Quelle einer ernsten
Bedrohung für die Interessen des beherrschenden Unternehmens bezeichnet werden.
Ihre Situation Ende 2000 und Anfang 2001 wird in den Randnummern 317 bis 319
kurz erläutert.
317.
Der Kabelnetzbetreiber Noos kann auf dem nationalen Markt nicht als
beherrschendes Unternehmen bezeichnet werden. Seine Aktivitäten beschränken sich
auf die Region Paris384, wobei eine bedeutende Anzahl von Gemeinden in diesem
Gebiet, insbesondere in den drei an Paris angrenzenden Départements der „Petite
Couronne“, sich seinem Einfluss entziehen. Da Noos praktisch keine eigenen
Verkaufsstellen hat, ist sein Vertriebsnetz eingeschränkt. Das Unternehmen verfügt
über keinerlei Trümpfe, wie sie Wanadoo Interactive aus den vielfachen
Auswirkungen der Verbindung zur France Télécom erwachsen. Es besaß keine
Erfahrungen mit Schmalband-Internetzugängen, so dass es nicht nur in einen neuen
Markt einstieg, sondern sich auch mit einer neuen Branche vertraut machen musste, in
der es zuvor nie aktiv gewesen war. […]* verzeichnete Wanadoo Interactive schon
2000 und im ersten Quartal 2001 Zuwachsraten, die stets das […]* fache der Werte
von Noos auf diesem Markt ausmachten.385 Schon zu Beginn der Einführung der
ADSL-Technologie Ende 1999 in Frankreich war klar, dass Noos rasch überholt und
auf nationaler Ebene keine beherrschende Stellung auf dem Markt für BreitbandInternetzugänge haben würde.
382
383
384
385
DE
Vgl. Urteil des Gerichts erster Instanz vom 1. April 1993 in der Rechtssache T-65/89, BPB Industries
Plc und British Gypsum Ltd/Kommission, Slg. 1993, II-0389, Randnummer 117; Urteil in der
Rechtssache United Brands, a.a.O., Randnummer 189; Urteil in der Rechtssache Compagnie maritime
belge, a.a.O., Randnummern 146 und 147.
Urteil in der Rechtssache Michelin, a.a.O., Randnummer 57; Urteil des Gerichts erster Instanz vom
7. Oktober 1999 in der Rechtssache T-228/97, Irish Sugar Plc/Kommission, Slg. 1999, II-2969,
Randnummer 112.
Wanadoo Interactive weist in seiner Antwort vom 4. März 2003 (Randnummer 37, S. 6868 der Akte)
darauf hin, dass Noos für Paris eine exklusive Zulassung hat. Im vorliegenden Fall ist die Exklusivität
dieser Zulassung irrelevant, da sie sich auf die Infrastruktur des Kabelfernsehnetzes und nicht auf die
Bereitstellung von Breitbanddiensten bezieht. Noos verfügte daher über keine territorialen
Alleinvertriebsrechte in Bezug auf Breitbandzugänge, zumal das Telefonnetz zumindest ebenso
umfangreich ist wie das Kabelnetz von Noos.
Ein Vergleich der Teilnehmerbestände von Noos und ihr Anstieg von Ende 1999 bis zum ersten Quartal
2001 wird im Anhang 23 dieser Entscheidung ausführlich dargestellt.
- 95 -
DE
318.
T-Online France seinerseits wies im fraglichen Zeitraum auf dem betreffenden
geografischen Markt keinerlei Merkmale eines beherrschenden Unternehmens auf.
Sein Einstieg in den französischen Breitbandmarkt war noch symbolischer Art. Das
Unternehmen verzeichnete im Juni 2000 […]* Mal weniger Teilnehmer mit
Breitband-Internetzugängen als Wanadoo Interactive. Das Verhältnis zwischen dem
Kundenstock von T-Online France und Wanadoo Interactive lag im September 2000
und auch Ende 2000 bei […]* und am Ende des ersten Quartals 2001 bei […]*.386
Während des zweiten Quartals 2000 stieg die Zahl der Kunden mit BreitbandInternetzugang bei Wanadoo Interactive […]* Mal so schnell und im ersten Quartal
[…]* Mal so schnell wie bei T-Online. 387
319.
Mangoosta schließlich hatte ebenso wenig eine beherrschende Stellung auf
dem betreffenden Markt inne. Im Gegensatz zu Wanadoo Interactive, das schon über
fünf Jahre lang auf dem Markt für Schmalband-Internetzugänge tätig war, war
Mangoosta ein völlig neues Unternehmen, das weder über Erfahrungen aus der
Vergangenheit noch über logistische Mittel verfügte, die mit denjenigen von Wanadoo
Interactive vergleichbar wären. Die Zahl seiner ADSL-Nutzer erreichte nie mehr als
5 000.
320.
Zweitens ist überdies darauf hinzuweisen, dass die Behauptungen von
Wanadoo Interactive hinsichtlich der Fakten ungenau sind. Die Fälle der beiden
Produkte von Wanadoo Interactive, die Gegenstand dieser Entscheidung sind, und die
zeitliche Abfolge der Tarifentscheidungen der verschiedenen Marktteilnehmer werden
in den Randnummern 321 bis 331 untersucht.
321.
Der Fall des Dienstes Wanadoo ADSL ist einfach. Wie unter Randnummer
127 dargelegt, wurde der Preis für diesen Dienst vor April 1999 festgelegt. Damals
stellte sich die Frage der Anpassung nicht. Club Internet seinerseits gab seinen
Verkaufspreis erst am 22. Oktober 1999 bekannt und musste sich an den in
Randnummer 127 genannten Preis von Wanadoo Interactive anpassen. Somit ist es
unmöglich, sich bei diesem Produkt, auf das Mitte 2002 mehr als ein Drittel der
Privatkunden des Unternehmens mit Breitbandanschlüssen entfielen, auf eine
Anpassung an die Preise eines Wettbewerbers zu berufen.
322.
Für den Dienst eXtense sind ausführlichere Erläuterungen angebracht. Der
Preis dieses Dienstes wird nacheinander im Vergleich zu den Tarifen von Noos, Club
Internet (T-Online France) und Mangoosta geprüft.
323.
Ab Mai 2000388 bot Noos den Breitbanddienst Noosnet zu einer monatlichen
Gebühr von 378 FRF (58 EUR) inkl. Steuern an.389 Dieses Preisniveau bedeutete, dass
die monatlichen Kosten um 27 % über den Anschlussgebühren lagen, die Wanadoo
386
387
388
389
DE
Siehe Anhang 23 dieser Entscheidung.
Ibid.
Chronologisch gesehen, wurde das Angebot von Noos, das nun den Namen Cybercâble trägt, 1998
eingeführt. Im zweiten Halbjahr 1999 und in den beiden ersten Monaten des Jahres 2000 war der Dienst
von Noos aus technischen Gründen außer Betrieb. Er wurde erst im März 2000 wieder aufgenommen,
wobei unterschiedliche Tarife galten, je nachdem ob der Internet-Nutzer gleichzeitig auch den
Kabelfernsehdienst in Anspruch nahm oder nicht: im ersten Fall betrug der Preis 299 FRF inkl. Steuern
und im zweiten Fall 389 FRF inkl. Steuern. Schon im Mai 2000 wurden die Tarife vereinheitlicht und
umgestaltet.
Dieser Betrag besteht aus 299 FRF (45,58 EUR) inkl. Steuern für den Internet-Zugang und 79 FRF
(12,04 EUR) inkl. Steuern für die Modemmiete.
- 96 -
DE
Interactive einige Monate danach für eXtense festsetzte. Außerdem stellte Noos den
neuen Teilnehmern eine erste Zahlung von 1 200 FRF (183 EUR)390 in Rechnung,
d. h. um 21 % mehr als Wanadoo Interactive für den Kauf eines eXtense-Set
verlangte. Das Angebot von Noos war somit deutlich kostspieliger als der Dienst, den
Wanadoo Interactive einige Monate später einführte.
324.
Wanadoo Interactive legte den Preis für seinen Dienst eXtense in Wirklichkeit
knapp unter einem befristeten Sonderangebot von Noos fest. Tatsächlich bot Noos
einen Anschluss zu 299 FRF inkl. Steuern391 für die Dauer eines Jahres ausschließlich
für neue Kunden an, die in der Zeit vom 28. August 2000 bis zum 21. Januar 2001392
gewonnen wurden. Dieses Sonderangebot wurde schließlich bis zum 1. März 2001
verlängert.
Es
stellte
allerdings
eindeutig
eine
vorübergehende
Verkaufsförderungsmaßnahme dar, die öffentlich als solche präsentiert wurde und die
einen zeitlich befristeten Vorteil brachte. Außerdem erstreckte sie sich nur auf die
Anschlussgebühren und nicht auf die unter Randnummer 323 erwähnte
Anfangszahlung, so dass sie noch immer deutlich weniger vorteilhaft war als das von
Wanadoo Interactive festgelegte Tarifangebot. Außerdem wurden schon im FebruarMärz 2001, kaum einige Wochen nach der Einführung des Produkts eXtense, alle
Preise von Noos erhöht, wodurch sie deutlich über den Tarifen von Wanadoo lagen,
was sowohl auf das Ende der Verkaufsförderungsmaßnahmen als auch auf die
Verrechnung des Verkehrsvolumens über den Upload-Grenzen393 und die Einführung
des Produkts „Noosnet forfait 1 Go“ für stärkere Nutzer, das seither das einzige
wirklich mit eXtense vergleichbare Angebot von Noos darstellt,394 zurückging.
325.
Die monatliche Anschlussgebühr des Angebots von Noos war also niemals
billiger als diejenige von Wanadoo Interactive. Selbst in der Zeit des Sonderangebots
von Noos, das sich nur mit den ersten sieben Wochen der Vermarktung des Dienstes
eXtense überschnitt, lag die Anfangsinvestition, die der Kabelnetzbetreiber von seinen
Kunden verlangte, stets um 20 % über den Kosten für den Kauf des Sets von Pack
eXtense.
326.
T-Online France wiederum kündigte die Einführung seines Angebots einige
Wochen vor Wanadoo Interactive am 22. November 2000395 an, wobei der Verkauf
am 1. Dezember 2000 anlief. Die internen Unterlagen von Wanadoo Interactive
zeigen, dass der Preis nach einigem Zögern unternehmensintern tatsächlich schon in
der ersten Hälfte des Oktobers 2000, d. h mehr als sechs Wochen vor der Bekanntgabe
des Paketangebots und mehr als zwei Wochen vor der internen Festsetzung des Preises
390
391
392
393
394
395
DE
Dieser Betrag setzte sich aus einer Installationsgebühr von 700 FRF inkl. Steuern und einer Kaution
von 500 FRF für das gemietete Modem zusammen. Die Kaution wird bei Ende des Vertrags
rückerstattet, was aber für die Installationsgebühr von 700 FRF inkl. Steuern nicht gilt. Im Gegensatz
dazu tragen die Käufer des Pack eXtense keinerlei Nettokosten, da Wanadoo Interactive keine
Installationsgebühren in Rechnung stellt und der Kunde Eigentümer des Modems ist, das ein
übertragbares Anlagegut darstellt.
Konkret stellte Noos den Kunden das Modem ein Jahr lang ab dem Abschluss des Vertrags über den
Anschluss kostenlos zur Verfügung.
Vor dem 28. August 2000 gewonnene Kunden bezahlten weiterhin 378 FRF inkl. Steuern für ihren
Anschluss.
Diese Verrechnung des Verkehrs über den Upload-Grenzen dauerte von Februar bis November 2001.
Ab März 2001 wurde starken Nutzern eine Sonderform von Noosnet unter der Bezeichnung „Noosnet
forfait 1 Go“ zu einem Preis von 499 FRF zuzüglich 79 FRF für die Modemmiete angeboten. […]*,
S. 3266 der Akte).
Artikel im Journal du Net vom 23. November 2000: „Pack ADSL: Club Internet tire le premier“
(ADSL-Paket: Club Internet legt als Erster los).
- 97 -
DE
dafür durch T-Online, auf […]* FRF inkl. Steuern festgelegt wurde (bevor er auf
298 FRF inkl. Steuern […]* wurde). Der Preis von […]* FRF inkl. Steuern, der im
Sommer einmal angesprochen wurde, wird ab dem 5. Oktober 2000 in keinem
Dokument über das Budget mehr erwähnt. Daher scheint das Argument von Wanadoo
Interactive in Bezug auf die Fakten ungenau zu sein.
327.
Wanadoo Interactive behauptet, dass Budgetunterlagen wie diejenigen, die die
Kommission in seiner Finanzabteilung beschlagnahmte, keine formellen Beschlüsse
derselben Art wie eine Tarifentscheidung darstellten.396 In seiner Antwort vom
23. Oktober 2002 gab das Unternehmen an, dass es bis zum letzten Augenblick einen
monatlichen Tarif von […]* FRF für den Dienst eXtense vorgesehen habe.397 Die
Anschlussgebühr sei am 22. November 2000 endgültig festgelegt worden, als Club
Internet die Merkmale seines Angebots bekannt gab. Als Nachweis für diese
Behauptung legt es eine E-Mail […]* vom 22. November 2000, […]* vor, in der es
heißt: „Je vous confirme le prix de l’abonnement de 298 F TTC (au lieu de […]*
FTTC) à partir du 1er janvier“ [Ich bestätige Ihnen, dass der Preis ab dem 1. Januar
298 FRF (statt […]* FRF) inkl. Steuern betragen wird].
328.
Die Kommission muss zunächst anmerken, dass eine Budgetpräsentation in
einem Unternehmen, das so groß ist wie Wanadoo Interactive, eine äußerst ernsthafte
Angelegenheit bildet. Die Annahmen für den Preis, die in der ersten Hälfte des
Monats Oktober 2000 ausgearbeitet wurden, stellten keineswegs Szenarien zu
Sondierungszwecken, sondern beinahe endgültige Hypothesen dar. Auf alle Fälle kann
man weder die von Wanadoo Interactive vorgelegte einfache und sehr kurze E-Mail
als ein Schriftstück erachten, das formelleren Charakter hat als die in Randnummer
326 angeführten Budgetunterlagen, noch bestätigt sie, dass der Festlegung des Tarifs
auf […]* FRF inkl. Steuern in den Überlegungen von Wanadoo Interactive noch
großer Stellenwert eingeräumt wurde. Sie beweist nicht, dass das Unternehmen einen
fixen Einführungspreis in dieser Höhe beschlossen hatte. Sie weist sie höchstens
darauf hin, dass bis zu diesem Zeitpunkt eine gewisse Unschlüssigkeit über die
endgültige Höhe des Preises bestehen bleiben konnte und erst dann letztlich
ausgeräumt wurde. Das Unternehmen hat darüber hinaus keine weiteren Beweise für
die Beibehaltung der Preisannahme von […]* FRF im Zeitraum […]* vorgelegt.
329.
Was schließlich Mangoosta anbelangt, so hat dieser Wettbewerber sein
„Paketangebot“ mit einem monatlichen Preis von 330 FRF inkl. Steuern,
einschließlich der Modemmiete, am 23. Oktober 2000 eingeführt. Dies wurde am
6. Oktober 2000 in der Presse angekündigt.398 Wanadoo Interactive habe sich daher
auch an diesen Wettbewerber angepasst.
330.
Das von Wanadoo Interactive vorgebrachte Argument erfordert mehrere
Bemerkungen. Zunächst lag der von Mangoosta angebotene Nominaltarif um 11 %
über dem Preis, mit dem das Produkt von Wanadoo Interactive mehrere Wochen
danach eingeführt wurde. Abgesehen von den ersten 1 000 Teilnehmern, die während
einer 19 Tage dauernden Verkaufsförderungsmaßnahme gewonnen wurden399, stellte
Mangoosta den Verbrauchern außerdem im Gegensatz zu Wanadoo Interactive
396
397
398
399
DE
Fußnote 86 der Antwort vom 23. Oktober 2002 (S. 6368 der Akte).
Siehe Randnummern 77 f der Antwort vom 23. Oktober 2002 (ibid.).
Artikel im Journal du Net vom 6.10.2000: „Yahoo France se lance dans l’ADSL avec Mangoosta“
(Yahoo France steigt mit Mangoosta bei ADSL ein).
Den Teilnehmern, die sich vom 6. bis zum 23. Oktober anmeldeten, erließ Mangoosta die
Anschlussgebühr für den ersten Monat und die Installationsgebühren.
- 98 -
DE
Installationsgebühren von 500 FRF in Rechnung. Dies unterstreicht, dass die
Anschlussgebühr von Mangoosta die Miete für das Modem und das Installationsset
umfasste. Eine einfache Berechnung400 zeigt allerdings, dass es vorteilhafter war, sich
für das Angebot von Wanadoo Interactive für einen Zeitraum von mindestens
15 Monaten anzumelden.401 Schließlich hat Mangoosta schon im Februar 2001, kaum
einige Wochen nach der Einführung des Produkts eXtense durch Wanadoo Interactive,
seine monatliche Anschlussgebühr um 20 % erhöht, wodurch es im Vergleich zu den
Tarifen von Wanadoo Interactive kaum wettbewerbsfähig war. Wenn Wanadoo
Interactive seine Preise wirklich aus Angst vor einer Verdrängung durch Mangoosta
festgelegt hätte, dann hätte das Unternehmen nun nichts mehr daran gehindert, den
Tarif anzuheben.
331.
Die Unterlagen, auf die Wanadoo Interactive402 in Bezug auf die
unternehmensinterne Beurteilung des potenziellen Drucks durch die Wettbewerber
verweist, führen allenfalls zu dem Schluss, dass das Unternehmen im zweiten
Halbjahr 2000 vielleicht die potenzielle Bedrohung durch Wettbewerber tatsächlich
überschätzte und als Gegenmaßnahme eine Strategie zur präventiven Vereinnahmung
des Marktes festlegte. […]* Eine derartige Fehleinschätzung kann jedoch nicht als
Rechtfertigung für die Festsetzung von nicht kostendeckenden Preisen herangezogen
werden. Dies hieße mit anderen Worten, dass man einem beherrschenden
Unternehmen das Recht zubilligte, seine Verkaufspolitik mit dem Ziel festzulegen, die
Pläne von rein virtuellen Wettbewerbern zu zerschlagen. […]* In einem solchen
Umfeld verliert das Argument der Anpassung an die Preise der Wettbewerber, selbst
wenn es grundsätzlich zulässig gewesen wäre, schon […]* jegliche Begründung durch
die Fakten. Diese Entscheidung wirft dem Unternehmen somit weniger die Festlegung
des Preises auf ein nicht kostendeckendes Niveau am Ende des Jahres 2000 vor,
sondern vielmehr die Beibehaltung eines solchen Preisniveaus im Rahmen einer groß
angelegten Strategie zur Vereinnahmung des Marktes, die seit Anfang März 2001
landesweit verfolgt wurde.
4.
Wahrscheinlichkeit eines Ausgleichs der Verluste
332.
Wanadoo Interactive behauptet, dass eine Verdrängungsstrategie nur dann als
sinnvoll und realistisch erachtet werden kann, wenn die Struktur des Marktes und das
Vorhandensein von ausreichenden Zutrittsschranken403 dem beherrschenden
Unternehmen garantierten, dass es in der Folge stabile und hohe Handelsspannen auf
dem fraglichen Markt erzielen und so die zunächst verzeichneten Verluste wieder
ausgleichen kann.
333.
Dazu ist anzumerken, dass weder die Rechtsprechung des Gerichtshofes404
noch die Entscheidungspraxis der Kommission405 für die Feststellung der
400
401
402
403
404
405
DE
Die Berechnung besteht in der Ermittlung der Variablen X aus der folgenden Gleichung: 500 + 330X =
995 + 298X.
Überdies wurden die Teilnehmer von Wanadoo durch den Kauf des Zubehörsets Eigentümer von
übertragbaren Anlagegütern, während den Kunden von Mangoosta im Gegensatz dazu durch die
Anfangszahlung ein klarer Verlust entstand.
Siehe Randnummern 61f, 71 bis 75 und 166 der Antwort vom 23. Oktober 2002 (S. 6203, 6267 und
6287 der Akte).
Insbesondere Randnummern 253 bis 300 der Antwort vom 4. März 2002; Randnummern 197 bis 200
und S. 14 bis 18 von Anlage 1 der Antwort vom 23. Oktober 2002.
Urteil des Gerichtshofes in der Rechtssache Tetra Pak, a.a.O., Slg. 1996, I-05951, Randnummer 44.
Entscheidung 2001/354/EG der Kommission vom 20. März 2001 in der Sache COMP/35.141 –
Deutsche Post AG (ABl. L 125 vom 5.5.2001, S. 27).
- 99 -
DE
missbräuchlichen Anwendung von Verdrängungspreisen den Nachweis verlangen,
dass die Anfangsverluste tatsächlich wieder ausgeglichen werden. Das Eingreifen der
Wettbewerbsbehörden ist ungeachtet der Aussichten auf einen Ausgleich der Verluste
schon gerechtfertigt, wenn die Gefahr einer Verfälschung des Wettbewerbs besteht.
334.
Wenn der Ausgleich der anfangs verzeichneten Verluste ein rationales Ziel in
Verbindung mit dem Verdrängungswettbewerb darstellen kann, sind im Übrigen
verschiedene Konstellationen durchaus vorstellbar. In bestimmten Fällen kann das
Unternehmen eine Verdrängungsstrategie mit anderen Zielen als der Erreichung von
Handelsspannen verfolgen, die über denjenigen auf einem wettbewerbsbestimmten
Markt liegen. So ist es denkbar, dass das Unternehmen dem Ziel, Verluste
auszugleichen, bei ganz bestimmten Aktionärskonstellationen nur eine zweitrangige
Bedeutung einräumt.406 Es kann auch auf die Abdeckung der gesamten
Anfangsverluste verzichten und sich vielmehr auf das Gleichgewicht zwischen seinen
künftigen Kosten und Einnahmen konzentrieren.407 Schließlich kann es eine
langfristige Deckung der Verluste auf anderem Wege als durch das Betriebsergebnis
anstreben408.
335.
Unter diesen Gegebenheiten ist die Kommission der Ansicht, dass ein
Nachweis für den Ausgleich der Verluste keine Voraussetzung für die Feststellung der
missbräuchlichen Anwendung von Verdrängungspreisen ist.
336.
In zweiter Linie ist darauf hinzuweisen, dass der Ausgleich der Verluste im
vorliegenden Fall angesichts der Struktur des Marktes und der mit ihm verbundenen
Ertragsaussichten plausibel ist.
337.
Eine Verdrängungsstrategie scheint umso lohnender, wenn die Funktionsweise
des Marktes durch das Vorhandensein von bedeutenden Zutrittsschranken
gekennzeichnet ist, die den Ausgleich der Verluste erleichtern. Die Wahrscheinlichkeit
für den Ausgleich der Verluste ist auf einem Markt geringer, auf dem neue Anbieter
Zugang zur selben Technologie haben wie das etablierte Unternehmen, auf dem es
weniger verlorene Kosten gibt und auf dem Anbieter ohne Schwierigkeiten und ohne
Mehrkosten in den Markt einsteigen und ihn wieder verlassen können.409 Es ist jedoch
406
407
408
409
DE
In bestimmten wirtschaftswissenschaftlichen Arbeiten wird zum Beispiel betont, dass eine
Verdrängungsstrategie ohne Ausgleich der Anfangsverluste für ein staatliches Unternehmen durchaus
vorstellbar ist, da die Notwendigkeit eines dauerhaften Ausgleichs der Verluste durch die
Bestandsgarantie, die der staatliche Aktionär letztlich bietet, geringer ist (siehe David E.M. Sappington
und J. Gregory Sidak, Competition Law for State-Owned Enterprises, Dezember 2002). Im
gegenständlichen Fall kann man festhalten, dass Wanadoo Interactive zu mehr als 70 % der France
Télécom gehört, deren Eigentümer wiederum der Staat ist, und daher ein staatliches Unternehmen ist.
Das Ziel des Verlustausgleichs wird noch weniger vordringlich, wenn das staatliche Unternehmen in
seinen Geschäftsbereichen auch über andere höchst rentable Produkte verfügt, wodurch die
Notwendigkeit zur Abdeckung der Verluste aufgrund der Verdrängungsstrategie verringert wird, was
hier der Fall ist.
P. Bolton, J. Brodley und M. Riordan, „Predatory Pricing: response to critique and further elaboration“,
The Georgetown Law Journal, Vol. 89, 2001, S. 2512-2513.
Es ist auch eine Verdrängungsstrategie vorstellbar, deren Ziel nicht in der Maximierung der
betrieblichen Erlöse und Gewinne durch höhere Preise und Spannen als auf einem
wettbewerbsbestimmten Markt, sondern in der einfachen Steigerung des potenziellen
Unternehmenswerts in der Zukunft durch die Erhöhung des Kundenstocks und somit des Goodwills
besteht. Diese Wertsteigerung schlägt sich für die Aktionäre des Unternehmens bei der Einstellung der
Geschäftstätigkeit oder jeglicher Verwertung des Unternehmens finanziell nieder (z. B. bei einem
Aktientausch).
Siehe Baumol, „Contestable Markets: an uprising in the theory of industry structure“, American
Economic Review, Vol. 72, S. 1 ff. (März 1982).
- 100 -
DE
für den Ausgleich der Verluste nicht notwendig, dass die Zutrittsschranken absolut
unüberwindbar sind 410, da in diesem Fall der Zutritt von Wettbewerbern völlig
unwahrscheinlich und die Verfolgung einer Verdrängungsstrategie zur Abschreckung
auch nicht gerechtfertigt ist. Damit der Ausgleich der Verluste wahrscheinlich wird,
genügt es, dass die Hindernisse für den Marktzutritt dem beherrschenden
Unternehmen auf Dauer ein hohes Maß an Marktkonzentration zu seinen Gunsten
garantieren. Die Schranken können verschiedenartig sein. Es kann sich um absolute,
unüberwindbare Schranken wie ordnungspolitische, rechtliche oder technische
Hemmnisse handeln. Es kann jedoch auch Schranken geben, die zwar nicht
notwendigerweise unüberwindbar sind, aber dennoch Hindernisse für den Marktzutritt
darstellen, indem sie die Entwicklung der neuen Anbieter bremsen. Diese Hemmnisse
bestehen, wenn ein neuer Anbieter auf dem betreffenden Markt gegenüber dem
etablierten Unternehmen allein dadurch im Nachteil ist, dass dieses schon dort aktiv
ist.411 Niedrigere Produktionsstückkosten aufgrund von Größenvorteilen,
Markenimage, bevorzugter Zugang zu Informationen über Kosten und ihre
Entwicklung und das Verhalten des beherrschenden Unternehmens selbst zur
Abschreckung neuer Anbieter412 sind geeignet, Hemmnisse für den Marktzugang
darzustellen. Je höher die mit dem Markteinstieg verbundenen verlorenen Kosten sind,
desto stärker ist der Markt von großen Hemmnissen für den Zutritt geprägt, da das
Risiko im Zusammenhang mit einem erfolglosen Einstieg hoch ist.
338.
Obwohl die Möglichkeit zum tatsächlichen Ausgleich der anfänglichen
Verluste nach dem Gemeinschaftsrecht nicht nachgewiesen werden muss, möchte die
Kommission zur Ergänzung näher auf die Zutrittsschranken und die Kosten des
Markteinstiegs eingehen, die den fraglichen Markt kennzeichnen und die einen
dauerhaften Ausgleich der Verluste für das beherrschende Unternehmen plausibel
erscheinen lassen. Einerseits sind die Elemente zu ermitteln, die einem Umstieg der
bei Beendigung des Missbrauchs vorhandenen Teilnehmer entgegenstehen, und
andererseits die Faktoren, die es den Wettbewerbern erschweren, einen bedeutenden
Anteil am Wachstum des Marktes ab dem Ende des Missbrauchs für sich zu
gewinnen.
339.
Die strategischen Hemmnisse, die mit den Auswirkungen der Zugehörigkeit
zum France-Télécom-Konzern und den daraus erwachsenden vielfältigen
Synergieeffekten verbunden sind, wurden in Abschnitt II.C.3 dargelegt. Mehrere
weitere Hindernisse für den Zutritt und die Entwicklung von Wettbewerbern, die am
Ende des Missbrauchs von besonderer Bedeutung sein können, sind anzuführen: die
Behinderungen für die Mobilität der bestehenden Teilnehmer, die Kosten, die für eine
ausreichende Bekanntheit auf einem Massenmarkt notwendig sind, und die Kosten für
die Umsetzung alternativer Lösungen zum Großhandelsangebot der France Télécom.
Darüber hinaus stellt die Höhe des Deckungsbeitrags, die Wanadoo Interactive seit
Oktober 2002 verzeichnet, einen Hinweis auf die Fähigkeit des Unternehmens dar,
seine Verluste mittelfristig auszugleichen.
410
411
412
DE
Aufgrund der Risiken, die mit einem zu restriktiven Ansatz bei den Zutrittsschranken verbunden sein
könnten, bevorzugen einige Wirtschaftswissenschaftler den Ausdruck „Hindernisse“ oder
„Bedingungen“ für den Marktzugang (siehe Joskow et al., a.a.O., S. 227).
Ordover et al., a.a.O., S. 11.
Siehe Scherer and Ross, Industrial market structure and economic performance, S. 360-361.
- 101 -
DE
1. Behinderungen für die Mobilität der bestehenden Teilnehmer
340.
Zunächst ist zu untersuchen, ob die bestehenden ADSL-Kunden von Wanadoo
Interactive leicht zu anderen Anbietern abwandern könnten.
341.
Wie bereits in Randnummer 294 erwähnt, unterscheidet sich der Markt für
Breitband-Internetzugänge von dem für Schmalband-Internetzugänge durch seine
geringere Kundenfluktuation, die ein Drittel des Durchschnitts für alle InternetAnwender ausmacht.
342.
Abgesehen von der Markentreue und der Zufriedenheit der Kunden mit der
Qualität der erbrachten Leistung können mehrere objektive Faktoren zur Erklärung der
geringen Mobilität der Teilnehmer beitragen.
343.
Zunächst gibt es bei praktisch allen Angeboten auf dem Markt und
insbesondere beim Dienst eXtense eine Bindefrist von einem oder zwei Jahren und
Geldbußen für eine vorzeitige Beendigung des Vertrags.
344.
Sobald dieses erste Hindernis beseitigt und die Bindefrist für den Teilnehmer
abgelaufen ist, sind zwei Fälle zu berücksichtigen. Im ersten Fall möchte der
Teilnehmer von einem ADSL-Anbieter zu einem Breitband-Kabelnetzanbieter
umsteigen oder umgekehrt: er benötigt also unbedingt ein anderes Modem und muss
Kosten tragen, die ihn möglicherweise abschrecken. Im zweiten Fall möchte der
Teilnehmer von einem ADSL-Anbieter zu einem anderen wechseln. Der Austausch
des Modems ist nicht notwendig, wenn das Gerät den technischen Spezifikationen des
für die Verwaltung des Dienstes verantwortlichen Telekommunikationsanbieters
entspricht. Zwei Situationen müssen jedoch hier wiederum berücksichtigt werden: 1.
Der Internetzugangsanbieter, für den sich der Verbraucher entschieden hat, ist selbst
auch der Telekommunikationsanbieter und kontrolliert die Wertschöpfungskette: Es
besteht dann die Gefahr einer mehrere Tage dauernden Unterbrechung des Dienstes,
da es bisher kein Verfahren für den Umstieg von einem ADSL-Angebot der France
Télécom zu einem ADSL-Angebot eines anderen Telekommunikationsanbieters gibt.
2. Der Verbraucher wendet sich an einen ADSL-Anbieter, der in Wirklichkeit nur den
von France Télécom angebotenen Dienst weiterverkauft: Hier muss der
Zugangsanbieter die Gebühren für die Inbetriebnahme in Höhe von 53,4 EUR an die
France Télécom bezahlen. Die Verkettung dieser Umstände erklärt, weshalb die
Anreize für einen Umstieg der bestehenden Teilnehmer von Wanadoo Interactive auf
konkurrierende Anbieter mit billigeren Angeboten in Wirklichkeit relativ gering
sind. 413
413
DE
Der Fall der beiden konkurrierenden ADSL-Diensteanbieter Free und Oreka ist diesbezüglich sehr
aufschlussreich. Der Preis des Angebots von Oreka lag ab August 2002 bei 39,95 EUR inkl. Steuern,
d. h. um ungefähr 12 % unter dem Preis der meisten Anbieter vergleichbarer Produkte. Der Preis des
von Free im September 2002 eingeführten Angebots beläuft sich auf 29,90 EUR inkl. Steuern, d. h. er
liegt rund 34 % unter dem Preis seiner Wettbewerber. Oreka, dessen Preispolitik Wanadoo Interactive
als „aggressiv“ bezeichnet (Randnummer 105 der Antwort vom 23. Oktober 2002; S. 6274 der Akte),
gewann in den ersten vier Monaten nach der Einführung seines Angebots insgesamt nur 1 500 ADSLTeilnehmer hinzu (Orekas Schreiben vom 2. Januar 2003 an die Kommission, S. 6112 der Akte). Free
seinerseits hat im gleichen Zeitraum über 100 000 Kunden gewonnen, aber nur ein geringer Anteil
davon stammte von konkurrierenden ADSL-Anbietern und somit noch weniger von Wanadoo
Interactive. Die der Kommission mitgeteilte Zahl der Teilnehmer von Free, die von anderen
Wettbewerbern abgewandert sind, fällt unter das Geschäftsgeheimnis (S. 5386 der Akte); ihr Anteil
liegt jedoch unter 10 % (S. 6838 der Akte). So sind in den Monaten September bis Dezember 2002
- 102 -
DE
345.
Aufgrund der bestehenden Hindernisse für die Mobilität der bestehenden
Teilnehmer muss sich der Großteil der Bemühungen der Wettbewerber zur Eroberung
von Marktanteilen auf neue Kunden konzentrieren.
2. Die Kosten für den Einstieg und die Erreichung einer kritischen Größe auf einem
Massenmarkt
346.
Für gewöhnlich414 wird davon ausgegangen, dass ein frühzeitiger
Markteinstieg einem Unternehmen wesentliche Vorteile bringt, wenn es ihm gelingt,
eine bedeutende Präferenz der Verbraucher für seine Marke zu schaffen — und zwar
nicht durch die Erbringung von objektiv besseren Leistungen als seine Wettbewerber,
sondern alleine aufgrund der Tatsache, es als erster Anbieter auf dem Markt
aufgetreten zu sein oder hohe Ausgaben zum Aufbau seines Image getätigt zu haben.
Unter solchen Gegebenheiten muss ein neuer Anbieter nicht nur die technischen
Ressourcen einsetzen, die für die Herstellung und den Vertrieb des Produkts
notwendig sind, sondern auch bedeutende Verkaufsförderungsausgaben vorsehen, um
sein Angebot ausreichend bekannt zu machen.
347.
Die Märkte für den Internetzugang sind im Gegensatz zu den Behauptungen,
die Wanadoo Interactive vorbrachte, von bedeutenden Zutrittsschranken
gekennzeichnet. Wanadoo Interactive verwies zur Untermauerung seines Standpunkts
auf den Börsenprospekt vom Juli 2000, in dem es heißt, dass der Markt niedrige
Zutrittsschranken aufweise. Diese kurze Bemerkung aus einem öffentlichen
Dokument ist sowohl durch eine Beobachtung der Entwicklungen auf den fraglichen
Märkten, die seit dieser Beurteilung stattgefunden haben, als auch durch
unternehmensinterne Unterlagen, die ebenfalls später verfasst wurden, zu ergänzen.
Die mögliche Stichhaltigkeit der Analyse für das erste Halbjahr 2000 aus dem
Börsenprospekt von Wanadoo kann im Laufe der Zeit in Anbetracht des Verhaltens
der in diesem Wirtschaftszweig tätigen Akteure durchaus verloren gegangen sein.
348.
Es wäre im Übrigen falsch, die Struktur eines Marktes als eine völlig exogene
und unveränderliche Gegebenheit zu betrachten. Das Verhalten der Unternehmen auf
einem Markt und insbesondere des Anbieters, der als erster auf ihm tätig wurde oder
von anderen in der Vergangenheit begründeten Vorteilen profitiert, kann die
Bedingungen für den Zutritt oder die Entwicklung von Wettbewerbern auf diesem
Markt verändern. Mit dem frühzeitigen Engagement eines Unternehmens auf einem
Markt, der zunächst relativ offen zu sein scheint, kann gerade eben das Ziel verfolgt
werden, nicht nur Nutzen aus günstigeren Produktionsbedingungen zu ziehen, sondern
auch die Kosten eines Markteinstiegs für potenzielle Wettbewerber anzuheben.415
414
415
DE
demnach weniger als […]* Nutzer der Dienste Wanadoo ADSL und eXtense zu den beiden genannten
Anbietern gewechselt, d. h. weniger als […]* % des durchschnittlichen Kundenbestands von Wanadoo
Interactive in diesem Zeitraum. Zu dieser Zeit konnten theoretisch mehr als […]* Kunden von
Wanadoo Interactive auf andere Anbieter umsteigen, weil sie seit mehr als einem Jahr Nutzer des
ADSL-Dienstes von Wanadoo oder des eXtense-Angebots waren. Das heißt, dass sich weniger als
[…]* % der Wanadoo-Interactive-Kunden, die die Möglichkeit zum Anbieterwechsel hatten, auch
tatsächlich ein preisgünstigeres Konkurrenzangebot ausgesucht haben.
Siehe zum Beispiel Paul Joskow und Alvin Klerovick, A framework for analyzing predatory pricing
policy, The Yale Law Journal, Vol. 89, No. 2, Dezember 1979, S. 228-229.
Elie Appelbaum und Chin Lim, Contestable markets under uncertainty, Rand Journal of Economics,
Vol. 16, Nr. 1, Frühling 1985, S. 28.
- 103 -
DE
349.
In […]* betont Wanadoo Interactive […]*416 Für einen unbekannten neuen
Marktteilnehmer ist es somit schwierig, sich rasch als anerkannter Anbieter zu
etablieren. Selbst Zugangsanbieter mit bekannten Marken müssen erhebliche
Anstrengungen im Bereich der PR unternehmen, wie die Tabelle 12 aus einem
internen Schriftstück von Wanadoo Interactive417 zeigt, in der die PR-Ausgaben der
wichtigsten französischen Zugangsanbieter im Jahr 2001 angeführt werden.
Tabelle 12: PR-Ausgaben der Internetzugangsanbieter im Jahr 2001 (Schmal- und
Breitband zusammen)
Betrag in Mio. EUR
Anteil am Umsatz 2001
im Bereich Internet
Wanadoo Interactive
[…]*
[…]*
AOL418
[…]*
Unbekannt
Liberty Surf419
[…]*
[…]*
Club Internet420
[…]*
unbekannt
Free
[…]*
[…]*
350.
Werbeausgaben in dieser Größenordnung — sowohl in absoluten Zahlen als
auch im Verhältnis zum Umsatz — vor allem bei Unternehmen, die als
Internetanbieter bereits gut bekannt sind, sind ein Zeichen für die Höhe der Kosten,
die zur Erreichung einer ausreichenden Bekanntheit und Präsenz auf einem
Massenmarkt für Privatkunden zu tragen sind. Für einen neuen Anbieter auf dem
Markt für Breitband-Internetzugänge, der über keine Erfahrungen mit SchmalbandInternetzugängen aus der Vergangenheit verfügt, wie es zum Beispiel für Mangoosta
galt, ist der Markteinstieg technisch nicht unmöglich, aber es ist äußerst zweifelhaft,
dass ein solcher neuer Anbieter in der Lage ist, über eine sehr groß angelegte PRKampagne sein Imagedefizit auszugleichen und das Interesse eines ausreichend
großen Teils der Verbraucher zu erregen, um die Stellung eines beherrschenden
Marktteilnehmers zu gefährden. Ein neuer, unbekannter Anbieter, der keine massive
PR-Kampagne durchführt, wird erst recht nur eine schwache oder vernachlässigbare
Position auf dem Markt gewinnen. Auf dem französischen Markt trifft dies für zwei
Anbieter zu, die während des Jahres 2002 ihren Betrieb aufnahmen.421 Somit ist völlig
416
417
418
419
420
421
DE
[…]* (S. 4249 der Akte).
[…]* (S. 4068 der Akte).
AOL France hat seinen Umsatz 2001 nicht veröffentlicht.
Dieser Umsatz bezieht sich ausschließlich auf den Bereich Internet und umfasst nicht die
Telekommunikationsprodukte.
T-Online France hat seinen Umsatz 2001 nicht veröffentlicht.
In der Antwort vom 4. März 2002 und bei der Anhörung vom 18. März 2002 behauptete Wanadoo
Interactive, dass ein Markteinstieg selbst für völlig neue Anbieter leicht wäre. Es nennt in diesem
Zusammenhang als Beispiel Dixinet (Antworten vom 4. März 2002, Randnummer 299, und vom
23. Oktober 2002, Anlage 1, S. 16), das seit Anfang 2002 einen ADSL-Dienst anbietet. Abgesehen
davon, dass dieser Dienst 46 EUR inkl. Steuern und somit mehr als der von Wanadoo Interactive kostet,
beschränkte sich Dixinet in Wirklichkeit auf eine einfache Erprobung mit einer Anzahl von
Teilnehmern, die auf dem französischen Markt Ende 2002 noch jeglicher statistischen Signifikanz
entbehrte. Ende August 2002 verzeichnete Dixinet tatsächlich bloß zehn Teilnehmer bei seinen ADSLund Telefondiensten (Schreiben von BD Multimédia vom 26. September 2002 an die Kommission, S.
5327 der Akte). Der Fall von Net Pratique, der von Wanadoo Interactive ebenfalls angeführt wurde, ist
auch aufschlussreich. Dieser Dienst wurde im Sommer 2002 eingeführt und zählte Ende 2002 nur
ungefähr 1 400 Teilnehmer (Schreiben von Net Ultra vom 12. Dezember 2002 an die Kommission, S.
5393 der Akte).
- 104 -
DE
neuen, unbekannten Anbietern zwar der Zugang zum Markt nicht absolut verwehrt,
aber sie werden sich auf Nischenstrategien beschränken müssen, wenn sie angesichts
ihrer Möglichkeiten für geschäftliche Investitionen keine außerordentlich hohen PRAusgaben tätigen wollen. Dieser Vorteil für das etablierte Unternehmen in Bezug auf
die Bekanntheit stellt eine hohe Zutrittsschranke für potenzielle neue Anbieter im
Bereich der Internetzugänge dar.
351.
Was den Markt für Breitband-Internetzugänge im Besonderen anbelangt,
422
[…]*
Die Zugangsanbieter müssen in dieser Entwicklungsphase des
Breitbandmarkts einerseits das Image eines renommierten Anbieters für ein Produkt
aufbauen, das die Verbraucher als technisch ausgereift erachten, und andererseits
ausreichend stark wachsen, um von Größenvorteilen zu profitieren.
352.
In diesem Prozess ist die zeitliche Reihenfolge des Markteinstiegs bei weitem
nicht belanglos. Es ist offensichtlich, dass der Zugangsanbieter, der in der
Anfangsphase des Marktwachstums einen beträchtlichen Vorsprung vor seinen
Wettbewerbern erzielt hat, aus der so geschaffenen Dynamik Kapital schlagen kann.
Später hinzugekommene Wettbewerber müssen hingegen viel stärkere Bemühungen
zur Kundenakquisition unternehmen, wenn sie den angelaufenen Rückstand aufholen,
das damit verbundene Imagedefizit ausgleichen und ihren Breitbanddienst ebenso
bekannt machen wollen wie das führende Angebot des beherrschenden Unternehmens.
Unter diesen Gegebenheiten stehen die neuen Wettbewerber vor der Notwendigkeit,
nicht nur die technisch erforderlichen Aufwendungen für die Bereitstellung des
Dienstes, sondern auch bedeutende Werbe- und Verkaufsförderungsausgaben zu
tragen, um ihr Produkt bekannt zu machen und die Markentreue zum beherrschenden
Unternehmen zu untergraben.
353.
Eine Branche, in der die Werbeausgaben sehr hoch sind — insbesondere wenn
sich die Werbeausgaben in derselben Größenordnung bewegen wie die Einnahmen aus
den dazugehörigen Verkäufen —, ist als ein Sektor mit hohen Zutrittskosten zu
betrachten.423 Die bereits getätigten Werbeausgaben verschaffen dem etablierten
Unternehmen einen Vorteil und bilden eine entsprechende Behinderung für die neuen
Anbieter: die Werbe- und Verkaufsförderungsausgaben sind im Allgemeinen
kostspielig und weniger wirksam als diejenigen der bereits etablierten Firma.424
Obwohl der Vorteil, den das etablierte Unternehmen mit seinem frühzeitigen Einstieg
gewinnt, im Laufe der Zeit allmählich schwinden kann, sehen sich die neuen Anbieter
auf dem Markt gezwungen, höhere Werbekosten über einen längeren Zeitraum hinweg
zu tragen als das etablierte Unternehmen, um sich mit dessen Marktposition messen zu
können.425 Der vorliegende Fall ist ein anschauliches Beispiel für derartige
Gegebenheiten.
354.
Wanadoo Interactive wertet die Fülle an Sonderangeboten ab Oktober 2002 als
Beweis für die Vitalität des Wettbewerbs und die Verbesserung der
Marktbedingungen. Die Kommission sieht dies anders. Diese sehr umfangreichen
Sonderangebote der Wettbewerber sind in dieser Entwicklungsphase des Marktes und
in Anbetracht des Vorsprungs von Wanadoo Interactive das einzige Mittel, um eine
422
423
424
425
DE
S. 3414 der Akte.
Scherer und Ross, Industrial market structure and economic performance, S. 436-438.
Siehe insbesondere William S. Commanor und Thomas A. Wilson, Advertising market structure and
performance, Review of Economics and Statistics, Vol. XLIX, November 1967.
William S. Comanor und Thomas A. Wilson, The effect of advertising on competition: a survey,
Journal of Economic Literature, Vol. XVII (Juni 1979), insbesondere S. 453f.
- 105 -
DE
völlige Verdrängung zu vermeiden und in dem Streben nach einer kritischen Größe
eine gewisse Bekanntheit und Präsenz zu erringen. Die Analyse der PR- und
Verkaufsförderungsausgaben der Wettbewerber426 bestätigt überdies, dass diese
Aufwendungen sehr bedeutende Zutrittskosten darstellen. Daraus ergeben sich
insbesondere drei hervorstechende Aspekte.
355.
Erstens hat Wanadoo Interactive im Zeitraum 2001-2002 ungefähr […]* EUR
für verschiedene PR-, Verkaufsförderungs- und Marketingkampagnen in Bezug auf
seine Dienste eXtense und Wanadoo ADSL ausgegeben, wovon […]*427[…]* und war
mehr […]* wie die gesamten PR-Budgets von Tiscali – Liberty Surf und T-Online
France – Club Internet428 für alle ihre Dienste zusammen. Sogar wenn man den Fall
der neuen Anbieter ohne Erfahrungen und ohne Bekanntheit auf dem Markt für
Schmalbandzugänge außer Acht lässt, ist es wahrscheinlich, dass selbst Unternehmen
mit gefestigter Position auf dem Markt für Schmalband-Internetzugänge zögern
können, Werbe- und Verkaufsförderungskampagnen für den Breitbandmarkt in
derselben Größenordnung wie Wanadoo Interactive 2001 und vor allem 2002
durchzuführen. Obwohl die auf die Kundenakquisition ausgerichteten Werbeausgaben
tatsächlich variable Kosten sind und wegfallen, wenn das Unternehmen beschließt, die
Gewinnung neuer Kunden abzubrechen, stellen sie dennoch hohe Zutrittskosten dar,
die sich als abschreckend erweisen können, wenn ein Unternehmen einen nicht
vernachlässigbaren Marktanteil anstrebt. Um einerseits Größenvorteile im
Zusammenhang mit der fraglichen Aktivität nutzen zu können und insbesondere in
den Genuss der günstigsten Tarife für den IP-Routing-Dienst zu kommen und um
andererseits dank einer kritischen Größe eine eigenständige Wachstumsdynamik zu
erzielen429, muss man zigtausend Kunden gewinnen430, was wiederum einen
erheblichen PR- und Verkaufsförderungsaufwand erfordert, der zu den anderen
Kosten für die Kundenakquisition hinzukommt.
356.
Zweitens sind die Werbe- und Verkaufsförderungsausgaben im Vergleich zu
den Einnahmen sehr hoch. Grob geschätzt, entsprach der Werbe- und
Verkaufsförderungsaufwand der Wettbewerber von Wanadoo Interactive im Jahr 2002
ungefähr 38 % ihres gesamten Umsatzes im Breitbandbereich und 102 % ihres
zusätzlichen Umsatzes durch die Zunahme ihrer Breitbandkunden im Jahr 2002. Diese
Werte betrugen bei Wanadoo Interactive […]* % bzw. […]* %. Diese Prozentsätze
sind sehr hoch, insbesondere bei den Wettbewerbern von Wanadoo Interactive, und
belegen, dass ein Markteinstieg in großem Maßstab außerordentlich kostspielig ist.
357.
Drittens sind die Werbe- und Verkaufsförderungsaufwendungen, die die
Wettbewerber tragen müssen, um eine gewisse Bekanntheit zu erlangen, nicht nur
hoch, sondern aufgrund der Vorteile, die Wanadoo Interactive auf dem
gegenständlichen Markt bereits erzielt hat, auch noch weniger wirksam als die
Ausgaben von Wanadoo Interactive. Während des Jahres 2001 gab Wanadoo
Interactive ungefähr […]* EUR je neuem Teilnehmer für verschiedene PR-,
Verkaufsförderungs- und Marketingkampagnen zu seinen ADSL-Dienste aus. Im
426
427
428
429
430
DE
Siehe Anhang 22.
Dies bezieht sich ausschließlich auf die Dienste Wanadoo ADSL und eXtense, die Übertragungsraten
von 512 kbit/s im downstream bieten, und nicht auf andere ADSL-Produkte von Wanadoo Interactive.
[…]* S. 4068 der Akte.
Die Netzeffekte in Verbindung mit einem umfangreichen Kundenstock kommen insbesondere durch
Mundpropaganda bei der Akquisition neuer Teilnehmer zum Tragen.
Wie in Abschnitt II.B.3.1 erläutert, benötigte man vor Oktober 2002 über 95 000 Kunden, um die
günstigsten Tarife für den IP-Routing-Dienst in Anspruch zu nehmen.
- 106 -
DE
ersten Halbjahr 2002 setzte das Unternehmen für diese Maßnahmen rund […]* EUR
pro neuem Kunden ein. Im letzten Quartal 2001 und im ersten Halbjahr 2002
entsprachen die Ressourcen, die die Wettbewerber ihrerseits für Werbung,
Direktmarketing, Verkaufsförderung und PR aufwandten, dem […]*fachen der
Beträge, die für Wanadoo Interactive für 2001 und die Zeit bis Herbst 2002 angegeben
sind. Im zweiten Halbjahr 2002 ist eine Verringerung des Abstands zwischen den
durchschnittlichen Beträgen, die einerseits Wanadoo und andererseits seine
Wettbewerber pro neu gewonnenem Kunden ausgaben, zu beobachten. Wenn man
jedoch den Anbieter Free, dessen Produkt deutlich günstiger ist als die Angebote der
Wettbewerber und daher eine geringere Differenzierung durch die Werbung erfordert,
nicht berücksichtigt431, dann betragen die Werbe- und Verkaufsförderungsausgaben
der Wettbewerber noch immer das […]*fache der Aufwendungen von Wanadoo
Interactive. Wenn es für Anbieter, die sich auf dem Schmalbandmarkt in der
Vergangenheit bereits eine große Bekanntheit erworben haben, zwar nicht unmöglich
ist, Marktanteile auf dem Breitbandmarkt zu erobern, so wäre der Umfang der dafür
erforderlichen Bemühungen doch deutlich größer als die Aufwendungen, die
Wanadoo Interactive 2001 ursprünglich getragen hat.
358.
Nach Beendigung der Verdrängungsstrategie durch Wanadoo Interactive hat
der Markt daher eine Struktur, die den Einstieg von Zugangsanbietern, die auf dem
Schmalbandmarkt bereits bekannt sind, und ihre Entwicklung auf dem Breitbandmarkt
nicht absolut verhindert. Sie wirkt sich allerdings sehr stark auf den Maßstab und das
Volumen ihres Markteinstiegs und auf ihre Möglichkeiten aus, eine kritische Größe zu
erlangen.
Somit
führt
weniger
das
Wesen
der
Werbeund
Verkaufsförderungsausgaben und ihre Höhe pro neuem Kunden, sondern vielmehr das
Gesamtvolumen der Aufwendungen, die zur Gewinnung des entscheidenden
Kundenstocks
erforderlich
sind,
dazu,
dass
die
Werbeund
Verkaufsförderungsausgaben potenziell abschreckende Zutrittskosten darstellen.
Selbst Unternehmen mit gefestigter Position auf dem Markt für SchmalbandInternetzugänge können zögern, Werbe- und Verkaufsförderungskampagnen in
derselben Größenordnung wie Wanadoo Interactive durchzuführen.432 In diesem
Zusammenhang sind die Bemühungen, die die Wettbewerber unternehmen müssen,
um eine etwas größere Aufmerksamkeit zu erregen, als eine bedeutende Schranke für
den Marktzutritt oder einen Wiedereinstieg von neuen Anbietern wie Mangoosta433
431
432
433
DE
Wie unter den Randnummern 361f ausgeführt, ist zu beachten, dass das wirtschaftliche Modell des
Angebots von Free von keinem Anbieter kopiert werden kann.
Ein Analyst erläutert die Lage am Ende von 2002 folgendermaßen: „En France, Tiscali n’a plus les
moyens financiers de baisser ses prix de manière aggressive et de lancer de vastes campganes
marketing“ [In Frankreich verfügt Tiscali nicht mehr über die Finanzmittel für eine aggressive
Preissenkung und für groß angelegte Marketingkampagnen]. (Artikel in Les Echos vom
9. September 2002, Wanadoo et T-Online se ruinent à l’extérieur [Wanadoo und T-Online stürzen sich
im Ausland in den Ruin]).
In ihrer Entscheidung in der Sache Barilla-BPL-Kamps, a.a.O., hatte die Kommission in
Randnummer 21 bereits Gelegenheit anzuerkennen, dass die Werbung eine bedeutende Zutrittsschranke
darstellen könnte, wie es Wanadoo Interactive in Randnummer 201 seiner Antwort vom
23. Oktober 2002 festhält (S. 6293 der Akte). Desgleichen beschrieb die Kommission in der
Entscheidung in der Sache Procter & Gamble/VP Schickedanz, a.a.O. unter Randnummer 145
folgendermaßen einen Prozess, der analog zu demjenigen gelagert ist, der in der vorliegenden Sache zu
beobachten ist: „Was die Marktzugangsschranken anbetrifft, so hat die markante Zunahme der
laufenden Promotionsmaßnahmen dazu geführt, dass ein Marktneuling inzwischen wesentlich mehr
investieren muss, wenn er sich gegen diese intensive Markenwerbung durchsetzen möchte, d. h. der zur
Überwindung der Marktzutrittsschranke Werbung erforderliche absolute finanzielle Aufwand liegt
mittlerweile wesentlich höher. Dieser Anstieg bei den Aufwendungen für die Absatzförderung hat
- 107 -
DE
oder als bedeutende Zutrittskosten für bereits auf dem Schmalbandmarkt tätige
Unternehmen zu erachten, die allesamt eine starke Marktkonzentration begünstigen.
Aufgrund der absehbaren Schwierigkeiten der Wettbewerber bei der Erlangung einer
kritischen Größe auf einem Massenmarkt konnte Wanadoo völlig plausiblerweise von
einem Markt mit ausreichend hoher Konzentration für den Ausgleich der Verluste
ausgehen.
3. Kosten der Alternativen zum Weiterverkaufsangebot der France Télécom für die
Zugangsanbieter
359.
Anstatt das Weiterverkaufsangebot der France Télécom zu nutzen, das den
Zugangsdienst und das IP/ADSL-Routing umfasst, können die Wettbewerber aus dem
ADSL-Segment beschließen, ein eigenes Telekommunikationsnetz aufzubauen, um
sich von den mit diesem Weiterverkaufsangebot verbundenen wirtschaftlichen
Bedingungen frei zu machen und dem Endnutzer eventuell ein Produkt mit einem
besseren Preis-Leistungsverhältnis anzubieten.
360.
Durch eine solche strategische Entscheidung steht das Unternehmen allerdings
vor Hindernissen, die bei der Lösung des einfachen Weiterverkaufs der
Großhandelsangebote von France Télécom für den Zugangs- und Routing-Dienst nicht
auftreten.
361.
Zunächst muss das nationale und regionale Telekommunikationsnetz des
Anbieters eine ausreichende Dichte aufweisen, um eine landesweite Abdeckung zu
gewährleisten. Das Unternehmen Free, das seit Anfang 1999 über eine Zulassung als
Telekommunikationsanbieter verfügt, musste zum Beispiel über drei Jahre lang
zwischen 15 Mio. EUR und 30 Mio. EUR434 in den Aufbau eines mehrere tausend
Kilometer langen Glasfasernetzes investieren, um schließlich nur die wichtigsten
Großstädte Frankreichs zu erfassen. Ein Unterfangen in dieser Größenordnung kann
weder rasch noch ohne sehr hohe Anfangsinvestition durchgeführt werden.
362.
Um die verschiedenen Teilstücke des Telekommunikationsdienstes
kontrollieren zu können, muss ein Anbieter, der diese Investitionsentscheidung trifft,
außerdem auch auf entbündelte Teilnehmeranschlüsse zurückgreifen, um den
Endkunden zu erreichen. Diese Lösung bringt hohe Fixkosten mit sich. Die Miete von
doppeladrigen Kupferkabeln der France Télécom durch dritte Unternehmen bedeutet
für diese nicht nur, dass sie wiederkehrende Gebühren zahlen, sondern auch dass sie
sehr hohe fixe, verlorene Kosten tragen müssen, die insbesondere mit der Übertragung
der Leitungen und der Bereitstellung von Platz für die Ausrüstung Dritter in den
Räumlichkeiten der France Télécom verbunden sind. Die Anfangsinvestition ist hoch
und für einen neuen Anbieter, der über keine sehr bedeutenden Finanzmittel verfügt,
auf alle Fälle unerschwinglich. Im Fall von Free beläuft sie sich laut Schätzungen
zunächst auf rund 10 Mio. EUR435 für den Bereich der Entbündelung alleine und auf
434
435
DE
außerdem zur Folge, dass ein Markteinstieg auch einen höheren Mindestmarktanteil zum Erreichen der
Wirtschaftlichkeit voraussetzt, denn zur Finanzierung wettbewerbsfähiger Werbemaßnahmen muss der
potenzielle neue Anbieter natürlich hinreichende Umsätze erzielen. (…) Unternehmen, die bereits über
große Marktanteile verfügen, können sich gegen Neuankömmlinge daher billig und einfach zur Wehr
setzen, und bis diese einen ähnlichen Marktanteil erreichen, besitzen die etablierten Unternehmen bei
einem der zentralen Wettbewerbsparameter einen Kostenvorteil.“
Artikel vom 13. Juni 2002 im Internet (http://qualitysteam.fr/actualités/juin02/13-06-2002-1.html).
Artikel in Les Echos mit dem Titel: „Free propose un accès ADSL à 30 euros“ (Free bietet einen
ADSL-Zugang um 30 Euro an), 23.9.2002.
- 108 -
DE
70 Mio. EUR436 für alle Investitionen in Verbindung mit dem ADSL-Bereich im Jahr
2003, wobei die bereits erwähnten Infrastrukturkosten für das Übermittlungsnetz nicht
berücksichtigt sind. Außerdem ist der Prozess der Entbündelung der
Teilnehmeranschlüsse selbst besonders lang und technisch schwierig.
363.
Wanadoo Interactive merkte dazu an437, dass Internetzugangsanbieter, auch
wenn sie nicht wie Free Netzbetreiber sind, die Infrastruktur des alternativen
Telekommunikationsanbieters LDCom nutzen können. Dieser Hinweis ist von den
Fakten her richtig, da LDCom Netzdienste für Internetanbieter bereitstellt, wobei die
in der Terminologie der französischen Regelungen als Option 1 und Option 3
bezeichneten Lösungen genutzt werden. Allerdings sind dazu zwei Bemerkungen zu
machen. Einerseits führt die Nutzung der Dienste eines Großhändlers zur Einschaltung
eines Vermittlers in die Wertschöpfungskette, wodurch im Vergleich zur direkten
Verwaltung des Netzes durch den Internetanbieter selbst höhere Kosten anfallen und
sein Spielraum auf technischer und finanzieller Ebene eingeschränkt wird.
Andererseits steht LDCom selbst vor den in Randnummer 362 erläuterten
Schwierigkeiten und finanziellen Zwängen, so dass die von ihm gebotenen
technischen Lösungen bisher lückenhaft sind und nur ein beschränktes geografisches
Gebiet abdecken.438
364.
Der Aufbau eines alternativen Telekommunikationsnetzes und die Nutzung
entbündelter Teilnehmeranschlüsse erfordern viel Zeit und binden anfangs hohe
Beträge. Unter diesen Gegebenheiten wird dieses Modell, das als einziges eine
Loslösung von den technischen und finanziellen Bedingungen erlaubt, in Frankreich
nur sehr langsam umgesetzt und spielt zum Zeitpunkt dieser Entscheidung eine sehr
untergeordnete Rolle439. Der finanzielle und zeitliche Aufwand, der für den Aufbau
eines mit dem der France Télécom vergleichbaren ADSL-Netzes notwendig ist, ist so
groß, dass er die Möglichkeiten der Wettbewerber stark einschränkt, den
Verbrauchern ein wirtschaftlich attraktiveres Modell anzubieten. Daher ist er ebenfalls
als Zutrittsschranke zu erachten.
4. Wiederherstellung und Anstieg der Handelsspannen von Wanadoo Interactive als
Zeichen für die Wahrscheinlichkeit des dauerhaften Ausgleichs der anfänglichen
Verluste
365.
Wanadoo Interactive bestätigte in seiner Antwort vom Oktober 2002440, dass
der Bruttodeckungsbeitrag zu den Produktionskosten für den Dienst Pack eXtense ab
2003 über […]* EUR pro Monat betragen (d. h. ein Deckungsgrad von […]* %) und
im Lauf der Zeit eine steigende Tendenz zeigen werde. Eine Handelsspanne in dieser
Höhe würde beim Produkt eXtense die Deckung der Akquisitionskosten für jeden
436
437
438
439
440
DE
Artikel in La Tribune: „Le fournisseur d’accès Free tire la croissance d’Iliad“ (Der Internetanbieter Free
wächst dank Iliad), 5.3.2003.
Antwort vom 4. März 2003, Randnummer 103 (S. 6883 der Akte).
Ende 2002 bot France Télécom […]* Mal so viele ADSL-Leitungen an wie LDCom.
Am 30. Juni 2002 waren Schätzungen zufolge 500 bis 750 der insgesamt mehr als 33 Millionen
Telefonleitungen in Frankreich entbündelt (siehe Europäische Kommission, Achter Bericht der
Kommission über die Umsetzung des Reformpakets für den Telekommunikationssektor, Anhang 3,
S. 72). Am 1. Februar 2003 wurden in Frankreich 10 400 entbündelte Anschlüsse gezählt (siehe
http://www.art-telecom.fr unter der Rubrik Neuigkeiten über die Entbündelung). Selbst unter der
Annahme, dass alle diese Anschlüsse ADSL-tauglich wären, bleibt diese Zahl (weniger als 1 %)
gegenüber dem gesamten Bestand an ADSL-Nutzern zur selben Zeit vernachlässigbar.
Randnummern 327 und 338 der Antwort von Wanadoo Interactive vom 23. Oktober 2002 (S. 6312 und
6313 der Akte).
- 109 -
DE
neuen Kunden innerhalb von ungefähr einem Jahr erlauben. Wenn man gemäß den
Angaben von Wanadoo im Allgemeinen davon ausgeht, dass die Handelsspannen für
die Dienste eXtense und Wanadoo im Jahr 2003 weiterhin bei […]* EUR bzw.
[…]* EUR liegen werden, dann werden allein die Kunden, die bis zum 31. März 2003
gewonnen wurden, einen Deckungsbeitrag zu den wiederkehrenden Kosten in Höhe
von […]*. EUR441 liefern, was bei weitem ausreicht, um die einmaligen Kosten in
Verbindung mit der Kundenakquisition zu decken 442 und einen bedeutenden Beitrag
zum Ausgleich der in vorangegangenen Geschäftsjahren verzeichneten Verluste zu
leisten. Obwohl schwer vorherzusagen ist, wann die anfänglichen Verluste
ausgeglichen sein werden, ist ihre Abdeckung innerhalb einiger Geschäftsjahre
wahrscheinlich.
366.
Die von Wanadoo Interactive angegebene Höhe der Deckungsbeiträge am
Ende des Missbrauchs und ihre Beibehaltung oder Steigerung im Lauf der Zeit ist ein
wesentliches Zeichen dafür, dass dieses Unternehmen seine anfänglichen Verluste
dank der wiederhergestellten Deckungsbeiträge wahrscheinlich innerhalb eines
angemessenen Zeitraums ausgleichen können wird.
5. Schlussfolgerung zur Wahrscheinlichkeit eines Ausgleichs der Verluste
367.
Die Kommission kommt zu dem Schluss, dass durchaus bedeutende
Zutrittsschranken bestehen und die Kosten des Markteinstiegs hoch sind, auch wenn
diese Hindernisse nicht unüberwindlich sind. Im Gegensatz zu den Behauptungen von
Wanadoo Interactive scheinen der Einstieg (oder Rückzug) und die Erreichung einer
kritischen Größe auf dem betreffenden Markt kostspielig und langwierig zu sein.
Diese Faktoren schaffen ein günstiges Umfeld dafür, dass einerseits Wanadoo
Interactive seine sehr stark beherrschende Stellung wahren kann und dass andererseits
das Auftauchen einer gefährlichen Konkurrenz für Wanadoo Interactive verhindert
wird. Daher stellt der Ausgleich der anfänglichen Verluste durch Wanadoo Interactive
ein plausibles Szenario dar. In diesem Zusammenhang scheint die im Jahr 2000
durchgeführte Verdrängungsstrategie stichhaltig zu sein.
5.
Schlussfolgerung zum Missbrauch
368.
Aus den dargelegten Gründen vertritt die Kommission die Ansicht, dass die
Festlegung der Tarife für die Dienstleistungsangebote eXtense und Wanadoo ADSL
auf einem Niveau, das von März bis August 2001 die variablen Kosten und von
August 2001 bis Oktober 2002 die Vollkosten des Unternehmens nicht gedeckt hat,
und im Rahmen eines Plans, der auf eine Vereinnahmung des erst im Entstehen
begriffenen Markts des Internet-Breitbandzugangs ausgerichtet war, gegen Artikel 82
EG-Vertrag verstößt.
441
442
DE
Dieser Betrag stellt nur eine sehr niedrig angesetzte Schätzung des gesamten Deckungsbeitrags für
dieses Jahr dar, da noch der Beitrag der Kunden hinzugezählt werden muss, die bis zum Jahresende
gewonnen werden.
Es wird festgehalten, dass Wanadoo Interactive in Verbindung mit seinen ADSL-Diensten 2002 einen
Betrag in der Größenordnung von […]* EUR für Werbung, Sonderangebote und verkaufsfördernde
Maßnahmen aufwandte.
- 110 -
DE
E. AUSWIRKUNGEN DES MISSBRAUCHS AUF DEN WETTBEWERB
1.
Folgen der von Wanadoo Interactive verfolgten Strategie für den Markt in den
Jahren 2001 und 2002
a) Entwicklung der Marktanteile und der Wachstumsraten
369.
Die erste Folge der Verdrängungsstrategie von Wanadoo Interactive bedeutete
im ersten Halbjahr 2001 die Ausschaltung und den endgültigen Untergang des
Unternehmens Mangoosta, das damals der Wettbewerber im ADSL-Segment war, der
am entschlossensten vorging und bei der Umsetzung seiner Angebote am weitesten
fortgeschritten war.
370.
Ein Vergleich der Verkaufszahlen für die verschiedenen Wettbewerber auf
dem Markt für Breitband-Internetzugänge im Jahr 2001 und in der Zeit bis zum
Herbst 2002 (siehe Tabelle 13) bietet einen allgemeineren, aufschlussreichen Hinweis
auf den Effekt der Eindämmung und Ausschaltung von Wettbewerbern aufgrund der
Verdrängungspreise von Wanadoo Interactive.
Tabelle 13: Anstieg der Kundenzahlen pro Woche für Wanadoo Interactive und seine
Wettbewerber
1.Hj. 2000 2.Hj. 2000 1. Q. 2001 2. Q. 2001 3. Q. 2001 4. Q. 2001 1. Q. 2002 2. Q. 2002 3. Q. 2002
Wanadoo
Konkurrierende
Kabelnetzbetreiber
Konkurrierende
ADSL-Anbieter
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
771
1 315
1 415
888
280
238
-68
838
375
63
131
470
591
299
666
2 847
2 296
1 240
371.
Von Januar bis Dezember 2001 gewann Wanadoo Interactive wöchentlich über
[…]* Teilnehmer für seine Dienste Wanadoo ADSL und Pack eXtense. Alle seine
Wettbewerber im Segment der ADSL-Dienste für Privatkunden zusammen
verzeichneten 2001 eine wöchentliche Zunahme ihrer Kunden um rund
[…]* Teilnehmer. Im selben Zeitraum gewannen die Wettbewerber aus dem
Marktsegment der Breitbandzugänge über Kabelmodem weniger als […]* neue
Teilnehmer pro Woche. Vor allem verlangsamte sich das Wachstum der
Kabelnetzbetreiber sehr stark zu Beginn des ersten Quartals 2001, als die Verkäufe
von Wanadoo Interactive rascher anstiegen. Somit erzielte Wanadoo Interactive 2001
eine wöchentliche Wachstumsrate, die […]* Mal so hoch war wie für alle seine
Wettbewerber zusammen. Der Abstand zwischen den Werten für den Anstieg der
Verkäufe vergrößerte sich im dritten und vierten Quartal 2001, als Wanadoo
Interactive auf dem gegenständlichen Markt […]* und […]* Mal so rasch wuchs wie
alle seine Wettbewerber zusammen443. Insgesamt entfielen im gesamten Jahr 2001
[80-90]*% des Wachstums auf dem Breitbandmarkt auf Wanadoo Interactive.
372.
In den ersten acht Monaten von 2002 belief sich der Anstieg bei Wanadoo
Interactive auf mehr als […]* neue Kunden pro Woche, d. h. auf das […]*fache der
gesamten Zunahme bei allen Wettbewerbern. Während dieses Zeitraums behielten die
Kabelnetzbetreiber ihr langsames Wachstum bei. Aufgrund sehr umfangreicher
Marketingmaßnahmen anlässlich der Fête de l’Internet (Februar-März 2002) und vor
443
DE
Der Zuwachs bei den Verkäufen stieg im September auf mehr als […]* zusätzliche Teilnehmer pro
Woche und im Oktober und November 2001 auf mehr als […]* neue Kunden (siehe Anhang 3).
- 111 -
DE
allem aufgrund der Tatsache, dass der Wettbewerbsrat der France Télécom bis zum
Juli 2002 untersagte, in ihren Geschäftsstellen das Produkt Pack eXtense seiner
Tochtergesellschaft zu vermarkten, konnten die Wettbewerber im ADSL-Segment,
deren Zuwächse […]* des Werts für Wanadoo Interactive ausmachte, in dieser Zeit
den Abstand zum Wachstum des beherrschenden Unternehmens ein wenig verringern.
Insgesamt entfiel in diesem Zeitraum noch immer mehr als [70-80]* % des
Marktwachstums auf Wanadoo.
373.
Die Störungen der Wachstumsraten aufgrund der Preispolitik von Wanadoo
Interactive führten dazu, dass die Marktanteile der konkurrierenden
Kabelnetzbetreiber in dem von dieser Entscheidung erfassten Zeitraum stark sanken
und
die
Wettbewerber
im
ADSL-Segment
über
extrem
niedrige
Marktdurchdringungswerte nicht hinauskamen (siehe Tabelle 14).
Tabelle 14: Anzahl der Kunden mit Breitbandzugängen und Marktanteile von Wanadoo und der
Wettbewerber
Wanadoo
Konkurrierende
Kabelnetzbetreiber
(Insgesamt)
Konkurrierende
ADSL-Anbieter
(Insgesamt)
Summe
31.12.2000
31.3.2001
30.6.2001
30.9.2001
31.12.2001
31.3.2002
30.6.2002
31.8.2002
[…]*
[…]* %
[…]*
[…]* %
[…]*
[…]* %
[…]*
[…]* %
[…]*
[…]* %
[…]*
[…]* %
[…]*
[…]* %
[…]*
[…]* %
92 602
110 997
122 536
126 173
129 263
128 381
139 275
144 155
[…]* %
[…]* %
[…]* %
[…]* %
[…]* %
[…]* %
[…]* %
[…]* %
5 064
11 172
18 852
22 740
31 393
68 408
98 250
114 367
[…]* %
[…]*
[…]* %
[…]*
[…]* %
[…]*
[…]* %
[…]*
[…]* %
[…]*
[…]* %
[…]*
[…]* %
[…]*
[…]* %
[…]*
374.
Im September 2001 waren die Marktanteile der Wettbewerber im ADSLSegment so gering, dass Wanadoo Interactive damals die Kabelnetzbetreiber als seine
einzigen echten Wettbewerber auf dem Markt für Breitband-Internetzugänge
erachtete.444 Das ADSL-Segment betrachtete Wanadoo Interactive als einen „marché
fin 2001 dominé par Wanadoo mais peu actif dans l’ensemble“ [Markt, der Ende
2001 von Wanadoo beherrscht wird, der aber insgesamt wenig aktiv ist].445
375.
Ende 2001 hielt Wanadoo Interactive auf dem Markt für BreitbandInternetzugänge, der von der Kommission auf 568 000 Privatkunden geschätzt wird,
[70-80]*%, wobei seine ADSL-Zugänge alleine schon [60-70]* % des Marktes
ausmachten. Der Anteil von Wanadoo Interactive am ADSL-Segment belief sich auf
[90-100]* %. In den ersten acht Monaten von 2002 veränderte sich die Lage kaum. In
dieser Zeit ist der Anteil von Wanadoo Interactive am ADSL-Segment auf [80-90]* %
zurückgegangen. Insgesamt stieg der Anteil der ADSL-Produkte von Wanadoo
Interactive am Breitbandmarkt von [60-70]* %, während unter Berücksichtigung von
Câble Wanadoo der gesamten Marktanteil des Unternehmens unverändert bei [7080]* % lag.
376.
Im Jahr 2001 stieg nicht nur der Marktanteil von Wanadoo Interactive sehr
stark und stabilisierte sich dann auf einem hohen Niveau, sondern es verstärkte sich
auch die Zersplitterung der Wettbewerber. Wanadoo Interactive hat in dieser Zeit
seinen Vorsprung zu seinem wichtigsten Wettbewerber erheblich ausgebaut und ihn
von […]* auf […]* vergrößert. Während der wichtigste Wettbewerber Ende 2001
444
445
DE
Im Dokument […]* (S. 4005 der Akte).
[…]* (S. 3073 der Akte).
- 112 -
DE
noch einen Marktanteil von über 15 % hielt, verzeichnete im August 2002 kein
Wettbewerber mehr einen Anteil von über 10 %. Abgesehen von T-Online France,
dessen Marktanteil damals fast 8 % erreichte, hielt kein konkurrierender ADSLAnbieter einen Anteil von über 2,5 %. Der Markt war also von Anfang 2001 bis
Herbst 2002 von einem zweifachen Phänomen geprägt: von einem bedeutenden
Anstieg des Marktanteils von Wanadoo Interactive und einer zunehmenden
Zersplitterung der verbleibenden Wettbewerber.
b) Interpretation der auf dem Markt festgestellten Entwicklungen
377.
Die Präferenz der ADSL-Nutzer für die Angebote von Wanadoo Interactive
kann nicht durch eine höhere Qualität dieser Produkte an sich erklärt werden. Bei den
von Wettbewerbern angebotenen Diensten entspricht der Teilbereich der „ADSLLeitung“ tatsächlich genau demjenigen von Wanadoo Interactive (im Fall von Pack
eXtense) oder France Télécom (im Fall von Wanadoo ADSL), da es sich bis
Herbst 2002 in allen Fällen faktisch um den Dienst Netissimo 1 handelte. Außerdem
haben die Wettbewerber von Wanadoo Interactive beim Teilbereich des eigentlichen
„Internetzugangs“ auf dem Breitbandmarkt eine wesentlich schwächere Position inne
als auf dem Markt für klassische Internetzugänge, obwohl es sich technisch gesehen
um den gleichen Dienst handelt.
378.
Wanadoo Interactive schrieb das langsame Wachstum der Wettbewerber bis
Herbst 2002 ihrem passiven und zögerlichen Verhalten zu und verweist zur
Untermauerung auf die Werbeausgaben seiner Wettbewerber auf dem
Schmalbandmarkt im Jahr 2001.446 Die Kommission ist dagegen der Ansicht, dass die
Ursache für den Rückstand der Wettbewerber bei der Verbreitung ihrer Angebote
keineswegs in einer mangelnden Einschätzung der strategischen Bedeutung der
Breitband-Internetzugänge liegt. Die Wettbewerber warteten einfach darauf, dass die
Großhandelspreise von France Télécom und die von Wanadoo Interactive festgelegten
Endverbraucherpreise ein Niveau erreichten, das es ihnen ermöglichte, kohärente, für
Investoren akzeptable Geschäftspläne auszuarbeiten. AOL führte schon 1999 die
ersten Versuche in Hinblick auf die Bereitstellung eines ADSL-Dienstes durch, nahm
jedoch aufgrund der mangelnden Rentabilität davon Abstand. Liberty Surf, das
heutige Tiscali France, arbeitete schon im Jahr 2000447 ebenfalls an der Einführung
des auf einem indirekten Zugang beruhenden Produkts ADSL Connect ATM, stellte
diese Bemühungen aber aufgrund des unzufriedenstellenden Niveaus der
Weiterverkaufsdienste ein, die ihm zufolge zu einem Schereneffekt bei den Tarifen
führten. Easynet seinerseits war der erste Anbieter, der sich für den IP/ADSL-Dienst
anmeldete.448 Nerim449 wiederum führte sein Angebot schon zu Beginn des
Herbstes 1999, zur selben Zeit wie Club Internet450, ein. Somit kann man nicht
behaupten, dass die Wettbewerber von Wanadoo Interactive nicht schon von Anfang
erkannt hätten, was bei den Breitbandzugängen auf dem Spiel steht.
446
447
448
449
450
DE
Antwort vom 4. März 2003, Randnummer 102 (S. 6883 der Akte).
Artikel im Journal du Net vom 13. April 2000: „Liberty Surf s’essaye à l’ADSL“ (Liberty Surf versucht
sich an ADSL).
Erklärung des Vertreters des Unternehmens Easynet France bei der Anhörung vom 18. März 2002.
Artikel im Journal du Net vom 5.10.1999: „Nerim.net mise tout sur l’ADSL“ (Nerim.net setzt alles auf
ADSL).
Artikel im Journal du Net vom 22. Oktober 1999: „Une offre ADSL à 440 F tout compris pour Club
Internet“ (Ein ADSL-Dienst von Club Internet um 440 FRF alles inklusive).
- 113 -
DE
379.
Die Wettbewerber von Wanadoo Interactive im Segment der BreitbandInternetzugänge auf der Basis von ADSL bestätigten, dass sie sich in Anbetracht der
anfallenden Kosten nicht an die Preise von Wanadoo Interactive anpassen konnten,
ohne erhebliche Verluste zu verzeichnen. Die Tarifentscheidungen der France
Télécom vom August 2001 führten zu einer Verbesserung der Lage. Die von der
Kommission gesammelten Beweise und die von den betroffenen Internetanbietern
vorgelegten zahlenmäßigen Simulationen451 zeigen aber, dass eine Anpassung an die
Tarife von Wanadoo Interactive selbst zu Verlusten führen konnte.
380.
Das zunehmende Auftreten verschiedener Angebote ab Frühling 2001 und vor
allem ab Herbst 2001 spiegelt in den allermeisten Fällen eine Strategie der einfachen
passiven Marktpräsenz wider, mit der die betreffenden Zugangsanbieter das Ziel
verfolgen, die spontane Nachfrage zu befriedigen und ihre bestehenden Kunden mit
Schmalbandzugängen zum Umstieg zu bewegen, ohne aber neue Kunden ansprechen
und gewinnen zu wollen. Auf der Anhörung vom 18. März 2002 gaben die
Zugangsanbieter AOL France und Tiscali France an, sich in dieser Beschreibung
wiederzufinden. […]* wies Wanadoo Interactive im Übrigen […]* hin.452 […]*453,
[…]*.
381.
Aufgrund der Preispolitik von Wanadoo Interactive blieben seinen
bestehenden und potenziellen Wettbewerbern im ADSL-Segment tatsächlich nur
folgende Möglichkeiten:
— Anpassung an die Preise des beherrschenden Anbieters (oder leicht darunter) und
Hinnehmen von Verlusten;
451
452
453
DE
In einem Schreiben vom 26. Oktober 2001 an die Kommission gibt Easynet Folgendes an: „Avant le
changement des conditions tarifaires d’IP/ADSL (…) et des conditions tarifaires et techniques de
“collecte IP/ADSL” (…), il nous était totalement impossible de réaliser un Pack ADSL au prix du
marché (référence Pack EXtense de Wanadoo à 298 F TTC) dans des conditions économiquement
viables. Nous ne vendions que le service IP à 120 F TTC par mois. Les nouvelles conditions tarifaires
(…) nous ont permis de positionner à fin septembre le Pack ADSL Easyconnect non loin des conditions
du marché (bien que supérieur au Pack de Wanadoo)“ [Vor der Änderung der Tarife für IP/ADSL (…)
sowie der preislichen und technischen Bedingungen für den Dienst „Collecte IP/ADSL“ (…) war es für
uns völlig unmöglich, unter wirtschaftlich tragfähigen Bedingungen ein ADSL-Paket zum Marktpreis
(Referenzpreis von 298 FRF inkl. Steuern für Pack eXtense von Wanadoo) anzubieten. Wir verkauften
nur den IP-Dienst zu 120 FRF inkl. Steuern pro Monat. Die neuen Tarifbedingungen (…) erlaubten es
uns, Ende September das Paket ADSL Easyconnect zu einem Preis einzuführen, der nicht weit von den
Marktbedingungen entfernt war (obwohl er über dem Preis für das Produkt von Wanadoo lag)]
(Unterstreichung hinzugefügt). Der monatliche Preis von Easyconnect beträgt tatsächlich 327,98 FRF
inkl. Steuern (10 % über der Gebühr für das Pack eXtense), wobei das Zubehörset um 1 402,54 FRF
inkl. Steuern verkauft wird, „ce qui est bien supérieur au Pack X-Tense positionné à 999 F TTC depuis
janvier 2001“ [was um einiges über dem Pack eXtense liegt, das seit Januar 2001 um 999 FRF inkl.
Steuern angeboten wird]. In einem anderen Schreiben vom 5. November 2001 präzisiert Easynet, dass
der Preis von 327,98 FRF monatlich notwendig sei, um ausgeglichen wirtschaften zu können. Mit den
in Tabellen aufbereiteten Zahlen, die Liberty Surf der Kommission am 7. September 2001 übermittelte
(deren genauer Inhalt unter das Geschäftsgeheimnis fällt), möchte das Unternehmen außerdem
nachweisen, dass es einem Internetzugangsanbieter unmöglich ist, mit demselben Endverbraucherpreis
wie Wanadoo Interactive wirtschaftlich ausgeglichen zu arbeiten, was auch für die Zeit nach dem
Inkrafttreten der Tarifentscheidungen vom Sommer 2001 gilt. Die Kommission erhielt weitere
Stellungnahmen für die Zeit vor den Tarifentscheidungen der France Télécom vom Juli 2001, in denen
besonders auf die damals noch ungünstigeren Bedingungen hingewiesen wird.
[…]* (S. 4165 und 4167 der Akte).
Ibid.
- 114 -
DE
— Beibehaltung höherer Preise und Eingehen des Risikos einer vollständigen
Verdrängung vom Markt;454
— Fernbleiben von diesem Markt oder seinen Segmenten oder zurückhaltender
Einstieg unter Minimierung bestimmter strategischer Ausgaben455 wie der Kosten für
die Kundenakquisition, insbesondere für Werbung, und unter niedriger Ansetzung
der quantitativen Verkaufsziele.456
382.
Im ersten Fall bestand das Ziel der Internetanbieter in der Erlangung oder
Wahrung einer gewissen Bekanntheit auf einem jungen Markt, ohne jedoch diese
Produkte auf dynamische Weise zu vermarkten457, um nicht übermäßige Verluste zu
verzeichnen, da diese Anbieter oft nicht die gleichen Möglichkeiten für
Quersubventionierungen wie der Konzern Wanadoo haben. Für diese Anbieter ging es
darum, den spontanen Wünschen ihrer bestehenden Kunden nachzukommen, und
nicht um eine echte Ankurbelung der Nachfrage.
383.
Im zweiten und dritten Fall gaben diese Wettbewerber der finanziellen
Sicherheit 458 gegenüber ihrer Marktpräsenz den Vorrang.
384.
Einige Anbieter kombinierten verschiedene dieser Optionen oder wechselten
zwischen ihnen im Laufe der Zeit. Das Beispiel von Mangoosta ist in dieser Hinsicht
aufschlussreich. Dieser Anbieter strebte eine bedeutende, landesweite Entwicklung auf
dem Privatkundenmarkt für Breitband-Internetzugänge an. Ende 2000 führte er
zunächst seine Produkte zu einem leicht über den Tarifen von Wanadoo Interactive
liegenden Preis459 mit einem gewissen geschäftlichen Erfolg ein. Um die daraus
folgenden Verluste einzudämmen, erhöhte Mangoosta schließlich am Ende des
Winters 2001 seine Preise um beinahe 20 %460, was aber die Einleitung eines
Insolvenzverfahrens am 2. August 2001 nicht verhinderte. Das Scheitern von
Mangoosta ist ein Musterbeispiel für die Ausschaltung eines neuen Anbieters durch
Verdrängungspreise, bei dem er zuerst selbst eine gewisse Zeit lang die Preise
unterhalb der Kosten ansetzt, dann eine restriktivere Geschäftspolitik verfolgt und
schließlich völlig an den Rand gedrängt wird.461
385.
Die Entwicklungspolitik von Wanadoo Interactive in den Jahren 2001 und
2002 war weit von einem Leistungswettbewerb entfernt und stellte vielmehr die
finanzielle Widerstandskraft der verschiedenen Wettbewerber auf die Probe. Somit
scheint die Tarifpolitik von Wanadoo Interactive zu einem starken Rückgang des
454
455
456
457
458
459
460
461
DE
Der Preis ist ein wichtiges Entscheidungskriterium für die Privatkunden. Laut einer Studie, […]*
Laut der in Fußnote 454 genannten Studie, […]*
Die Zugangsanbieter können ihre Werbe- und Verkaufsförderungsbemühungen in Abhängigkeit vom
quantitativen Ziel für die Kundenakquisition anpassen.
Zum Beispiel mit Schwerpunkt auf die Ile-de-France und mit beschränkten Investitionen in die
Werbung.
Das Argument der finanziellen Sicherheit und eines Mindestmaßes an Rentabilität ist für die
Internetanbieter wesentlich, die nicht von der Zugehörigkeit zu einer Gruppe profitieren, die bei
Verlusten Rückhalt bieten kann. In einem Schreiben vom 29. Juni 2001 an die Kommission wies ein
eigenständiger ADSL-Anbieter zum Beispiel darauf hin, dass infolge der von Wanadoo Interactive
vorgegebenen niedrigen Endverbraucherpreise ein „préjudice (…) absolument énorme (…) en terme de
capacité à mobiliser des investisseurs sur cette activité“ [absolut enormer Schaden (…) für die
Möglichkeiten zur Mobilisierung von Investoren für diese Aktivität] entsteht.
Eine monatliche Gebühr von 330 FRF inkl. Steuern für ein Paketangebot, bei dem der ADSL-Zugang
mit dem Dienst Yahoo kombiniert wurde.
Die Tarife von Mangoosta wurden am 19. März 2001 von monatlich 330 auf 390 FRF inkl. Steuern
angehoben.
P. Bolton, et al., „Predatory pricing: strategic theory and legal policy“.
- 115 -
DE
Marktanteils seines stärksten Wettbewerbers und zur Behinderung des Wachstums
aller Wettbewerber, ja sogar zu ihrer völligen Ausgrenzung vom Privatkundenmarkt
für Breitband-Internetzugänge bis zum Oktober 2002 geführt zu haben.462 Die
Tatsache, dass der Marktanteil einiger der verbleibenden Wettbewerber während des
Zeitraums des Missbrauchs leicht stieg, bedeutet nicht, dass kein Missbrauch im Sinne
von Artikel 82 EG-Vertrag vorlag oder sogar dass der Missbrauch keine Folgen hatte,
zumal die Marktanteile der Wettbewerber stärker zunehmen hätten können, wenn die
Wanadoo Interactive angelastete Verhaltensweise unterblieben wäre.463
2.
Auswirkungen am Ende des Missbrauchs und mittelfristige Folgen
386.
In seiner Argumentation hat Wanadoo Interactive wiederholt auf die große
Vitalität des Markts für Breitband-Internetzugänge ab September 2002 hingewiesen.
Die Kommission bestreitet nicht, dass die Wettbewerbsbedingungen seit dem
Inkrafttreten der neuen Tarife für die Zugangsdienste464 und die Routing-Dienste465
der France Télécom am 15. Oktober 2002 wiederhergestellt wurden; diese neuen
Tarife waren bei der Besprechung am 19. März 2002 von France Télécom als
Abhilfemaßnahme vorgeschlagen worden466. Die verschiedenen Tarifmaßnahmen, die
France Télécom im Zuge dieses Verfahrens und infolge der Stellungnahme der
Regulierungsbehörde ART vom 16. April 2002 ergriff, führten nicht nur zur
kohärenten Gestaltung der Preise für die verschieden technischen Lösungen für
ADSL-Zugänge, einschließlich des Weges über die Entbündelung der
Teilnehmeranschlüsse467, sondern auch zu einer sehr bedeutenden Senkung der Kosten
des Weiterverkaufangebots. Somit erlaubt die Kombination der Dienste für den
IP/ADSL-Zugang und das Routing, die die Option 5 darstellen, einerseits den
Zugangsanbietern die Bereitstellung eines Dienstes auf der Grundlage eines
wirtschaftlich tragfähigen Modells, und andererseits bietet nun ein breiteres Spektrum
an Lösungen für den Zugang eine realistische Alternative zur Option 5. Man kann
daher davon ausgehen, dass das Inkrafttreten der verschiedenen Tarifmaßnahmen am
15. Oktober 2002 zu einer Öffnung des Segments für auf der ADSL-Technologie
beruhende Breitbandzugänge führte.
387.
In den letzten vier Monaten von 2002, in denen die Wettbewerber beispiellose
Verkaufsförderungs- und Marketinganstrengungen unternahmen, entfielen auf
Wanadoo Interactive noch immer [50-60]* % des Wachstums auf dem
Breitbandmarkt, während sich etwa zehn Wettbewerber den Rest teilten. In diesem
Zeitraum hat Wanadoo Interactive in seinen Marketingbemühungen nicht
462
463
464
465
466
467
DE
Im Übrigen ist darauf hinzuweisen, dass laut der […]*[…]* % der Nutzer von Pack eXtense davor
Schmalband-Internetzugänge bei anderen Zugangsanbietern hatten (gegenüber […]* % ehemaliger
Nutzer von Schmalbandangeboten von Wanadoo). Somit scheint sich Pack eXtense auch auf den Markt
für Schmalband-Internetzugänge auszuwirken und dort das Gleichgewicht verschieben zu können.
Urteil in der Rechtssache Compagnie maritime belge, a.a.O., Randnummer 149.
Die neuen IP-/ADSL-Zugangstarife liegen um […]* % unter den bis dahin geltenden Tarifen.
Die neuen Routingtarife liegen seit dem 15. Oktober 2002 im Durchschnitt um 45 % unter den bis dahin
geltenden Tarifen. Außerdem wurde die degressive Staffelung der Routingtarife je nach
Verkehrsvolumen sehr stark abgeschwächt, so dass die kleineren Anbieter nur einen geringfügigen
Kostennachteil in Kauf nehmen müssen.
Siehe Abschnitt I.H.1.
France Télécom hat im Juni 2002 jedoch alle Aspekte der Entscheidung der ART vom 16. April 2002 in
Bezug auf die Tarife für die teilweise oder vollständige Entbündelung beim Conseil d’Etat, dem
obersten französischen Verwaltungsgericht, angefochten (Verfahren Nr. 247.866) und reichte seine
vollständige Klagebegründung am 16. Dezember 2002 ein. Die derzeitigen Entbündelungstarife hängen
daher von der Prüfung durch den Verwaltungsrichter ab, was zu einer gewissen Unsicherheit führt.
- 116 -
DE
nachgelassen, sondern steigerte seine Verkäufe und beschloss wie mehrere andere
Mitbewerber, ab Oktober 2002 gratis Modems anzubieten. Im Gegensatz zu den
Erklärungen von Wanadoo Interactive stellte Club Internet/T-Online France am Ende
dieses Zeitraums keine große Bedrohung dar.468 Ende 2002 sank der Marktanteil von
Wanadoo Interactive auf [60-70]* %, aber kein Wettbewerber konnte trotz sehr
umfangreicher Marketingmaßnahmen mehr als 9 % des Marktes für sich gewinnen. Im
ersten Quartal 2003 war die Fête de l’Internet von verstärkten Marketingbemühungen
der Wettbewerber geprägt. Am 31. März 2003 lag der Marktanteil von Wanadoo
Interactive bei fast [60-70]* %. Einem einzigen Wettbewerber gelang es, seinen Anteil
auf etwas mehr als 10 % zu steigern. Trotz des Vorstoßes dieses Wettbewerber, dessen
Kundenstock weiterhin weniger als ein Viertel desjenigen von Wanadoo Interactive
ausmachte, war der Wettbewerb zersplittert. Von August 2002 bis März 2003
verbuchte Wanadoo Interactive noch [40-50]* % des Marktwachstums für sich und
lag somit weit vor seinem stärksten Wettbewerber.
388.
Es ist schwierig, die mittelfristige Entwicklung der Marktanteile anhand der
Tendenzen abzuschätzen, die in den Monaten direkt nach dem Missbrauch beobachtet
wurden. Selbst unter sehr vorsichtigen Annahmen für das Wachstum von Wanadoo
Interactive und optimistischen Annahmen für seine unmittelbaren Wettbewerber
scheinen diese jedoch kaum eine Chance zu haben, Wanadoo Interactive einzuholen,
da kein anderes Unternehmen so viele neue Kunden gewinnt wie das beherrschende
Unternehmen.469
389.
Das wahrscheinlichste Szenario ist daher, dass der Marktanteil von Wanadoo
Interactive auf Dauer um [50-60]* % betragen wird. Wenn das Wachstum der
Wettbewerber auch mittelfristig zu einer gewissen Verringerung der Marktanteile von
Wanadoo Interactive bei Breitband-Internetzugängen führen kann, ist nicht
auszuschließen, dass den Wettbewerbern schon jetzt ein Aufholen unmöglich ist und
dass die Marktmacht von Wanadoo Interactive dank des Vorteils aus der Zeit des
beanstandeten Missbrauchs dauerhaft abgesichert ist. Unter Berücksichtigung des
Wachstumspotenzials auf diesem Markt in den kommenden Jahren ist es jedoch
wahrscheinlich, dass die Auswirkungen der von Wanadoo bis Ende 2002 verfolgten
Strategie nicht irreversibel sind. Einerseits wird der Großteil der Kunden, die
Wanadoo im maßgeblichen Zeitraum gewonnen hat, voraussichtlich dauerhaft bei
diesem Anbieter bleiben. Andererseits ist es wahrscheinlich, dass sich die neuen
Teilnehmer ausgewogener auf die verschiedenen Anbieter verteilen, sofern Wanadoo
Interactive von einer neuerlichen Festlegung nicht kostendeckender Preise Abstand
nimmt.
390.
Weiterhin behauptet Wanadoo Interactive, dass es letztlich kaum wichtig zu
wissen sei, ob seine Wettbewerber einmal eine ausreichende Größe erreichen würden,
468
469
DE
In Randnummer 16 seiner Antwort vom 23. Oktober 2002 schreibt Wanadoo Interactive T-Online zu,
dass es 2003 einen Anteil von […]* % am Breitbandmarkt erreichen will. Liest man jedoch den
Zeitungsartikel, dem Wanadoo Interactive ein gekürztes Zitat entnommen hat (S. 6246 der Akte),
scheint T-Online France für Ende 2003 bloß vorherzusagen, dass die Breitband-Internetzugänge 35 %
aller Internetzugänge ausmachen werden, ohne dass es auf seine eigenen Ziele für die
Marktdurchdringung Bezug nimmt. Das angeführte Zitat ist somit belanglos.
Wenn sich die Wachstumstrends (insgesamt und für jeden einzelnen Anbieter), die im Zeitraum
September 2002-März 2003 beobachtet wurden, bis Ende 2004 fortsetzen und es zu keinen
Zusammenschlüssen unter den Wettbewerbern kommt, wird der Marktanteil von Wanadoo Interactive
dann bei [40-50]* % liegen und mehr […]* so groß sein wie der des stärksten Wettbewerbers, während
alle anderen Anbieter nicht über 9 % hinauskommen.
- 117 -
DE
um mit Wanadoo Interactive gleichzuziehen, sondern vielmehr darauf ankomme
festzustellen, ob seine Wettbewerber in der Lage seien, einen Wettbewerbsdruck auf
sein Verhalten auszuüben.
391.
Grundsätzlich kann man dem Argument von Wanadoo Interactive nicht
zustimmen, das dem Ziel des unverfälschten Wettbewerbs zuwiderläuft, das in
Artikel 3 Buchstabe g) EG-Vertrag festgelegt ist. Ungeachtet aller Erwägungen in
Verbindung mit dem Schutz der Interessen der im Gemeinsamen Markt
niedergelassenen Unternehmen ist die Kommission außerdem der Meinung, dass es
vom Standpunkt des Gemeinwohls aus keineswegs belanglos ist, ob die Wettbewerber
nie in der Lage sein werden, den Marktanteil von Wanadoo Interactive einzuholen,
umso mehr als die Auswirkungen der auf dem gegenständlichen Markt erzielten
Stellung auch damit zusammenhängende Märkte und Einnahmen erfassen, wie zum
Beispiel die Online-Werbung, den Verkauf von Inhalten und den elektronischen
Handel.
F. AUSWIRKUNGEN AUF DEN HANDEL ZWISCHEN MITGLIEDSTAATEN
392.
Die von Wanadoo Interactive angewandte Politik der Verdrängungspreise
führte dazu, dass der Zugang zum Privatkundenmarkt für Breitband-Internetzugänge
schwierig, ja sogar unmöglich wurde. Unter diesen Bedingungen konnten die
Internetzugangsanbieter aus anderen Mitgliedstaaten nur schwer im Bereich der
Breitband-Internetzugänge in Frankreich tätig werden, ohne größere Verluste in Kauf
nehmen zu müssen. Außerdem waren die Bedingungen für die Entwicklung dieses
Marktes geeignet, Wanadoo Interactive auf damit zusammenhängenden Märkten im
Bereich der Werbung und des elektronischen Handels zu begünstigen. Das Verhalten
von Wanadoo Interactive hat sich auf die Wettbewerbsstruktur im Binnenmarkt
ausgewirkt.470 Somit konnte auch der Handel zwischen Mitgliedstaaten davon
beeinträchtigt werden.471
G. ARTIKEL 3 DER VERORDNUNG NR. 17
393.
Gemäß Artikel 3 der Verordnung Nr. 17 kann die Kommission, wenn sie auf
Antrag oder von Amts wegen eine Zuwiderhandlung gegen Artikel 82 EG-Vertrag
feststellt, die beteiligten Unternehmen durch Entscheidung verpflichten, die
festgestellte Zuwiderhandlung abzustellen.
394.
Obwohl gewisse Elemente darauf hindeuten, dass die fraglichen Produkte seit
Oktober 2002 zu Preisen verkauft werden, die über den Kosten liegen, obliegt es der
470
471
DE
Siehe Urteil in der Rechtssache United Brands, a.a.O., Randnummer 201, und Urteil des Gerichtshofs
vom 25. Oktober 1979 in der Rechtssache 22/79, Greenwich Film Production/SACEM, Slg. 1979, S.
3275, Randnummer 11.
Siehe die Urteile des Gerichtshofs vom 30. Juni 1966 in der Rechtssache 56/65, Société Technique
Minière/Maschinenbau Ulm GmbH (MBU), Slg. 1966, S. 281 und insbesondere S. 303; vom
21. Januar 1999 in den verbundenen Rechtssachen C-215/96 und C-216/96, Carlo Bagnasco u. a.,
Slg. 1999, I-135, Randnummer 47 ; vom 19. Februar 2002 in der Rechtssache C-35/99, Arduino,
Slg. 2002, I-1529, Randnummer 33, und vom 19. Februar 2002 in der Rechtssache C-309/99, Wouters,
Slg. 2002, I-1577, Randnummer 95 mit anderen Verweisen; siehe auch das Urteil des Gerichts erster
Instanz vom 6. April 1995 in der Rechtssache T-143/89, Ferriere Nord SpA/Kommission, Slg. 1995, II917, Randnummer 20.
- 118 -
DE
Kommission, alles zu unternehmen, um sicherzustellen, dass Wanadoo Interactive
tatsächlich seine Verdrängungspolitik auf dem Markt für Breitband-Internetzugänge
endgültig aufgegeben hat und in Zukunft von einer derartigen Verhaltensweise
Abstand nehmen wird.472
395.
In diesem Zusammenhang ist darauf hinzuweisen, dass die […]* Abteilung
Ende März 2002 — also obwohl Wanadoo Interactive wusste, dass die Kommission
im Dezember davor ein Verfahren gegen das Unternehmen wegen der
Verdrängungspreise eingeleitet hatte — ein Szenario für die erneute Festlegung von
nicht kostendeckenden Preisen prüfte.473 Dieses Szenario sah […]*474 vor, […]* 475
[…]*476. Die Wiederaufnahme derartiger Verhaltensweisen zur Festsetzung von
Preisen unterhalb der Kosten würde die Verbesserung der Wettbewerbssituation
ernsthaft gefährden, die am Ende des Missbrauchs im Herbst 2002 beobachtet wurde.
Unter diesen Umständen erachtet es die Kommission als zweckdienlich, eine
Entscheidung anzunehmen.477
H. ARTIKEL 15 DER VERORDNUNG NR. 17
396.
Kraft Artikel 15 Absatz 2 der Verordnung Nr. 17 kann die Kommission gegen
Unternehmen durch Entscheidung Geldbußen in Höhe von bis zu zehn Prozent des im
letzten Geschäftsjahr erzielten Umsatzes festsetzen, wenn ein Unternehmen
vorsätzlich oder fahrlässig gegen die Bestimmungen von Artikel 82 EG-Vertrag
verstoßen hat.
397.
Der Wissensstand von Wanadoo Interactive über die anfallenden Kosten, wie
sie insbesondere aus den Geschäftsplänen für die betreffenden Dienste hervorgehen,
beweist hinreichend, dass sich das Unternehmen aufgrund des Umfangs seiner
Strategie für die Kundenakquisition der kurzfristigen Auswirkungen seiner Preise auf
die Rentabilität voll und ganz bewusst war. Die interne Dokumentation des
Unternehmens belegt ferner, dass ihm die rechtlichen Risiken in Verbindung mit dem
Verkauf zu nicht kostendeckenden Preisen nicht unbekannt waren. So wusste das
Unternehmen, dass sein Verhalten zu einer Verfälschung des Wettbewerbs auf dem
Gemeinsamen Markt führen konnte. Die Zuwiderhandlung wurde somit vorsätzlich
begangen.478 Bei der Bestimmung der Höhe der Geldbuße muss die Kommission
gemäß Artikel 15 Absatz 2 der Verordnung Nr. 17 die Schwere und Dauer des
Verstoßes sowie eventuelle erschwerende oder mildernde Umstände in
Übereinstimmung mit den Leitlinien für das Verfahren zur Festsetzung von
Geldbußen, die gemäß Artikel 15 Absatz 2 der Verordnung Nr. 17 und gemäß
Artikel 65 Absatz 5 EGKS-Vertrag festgesetzt werden479 (im Folgenden: "Leitlinien"),
berücksichtigen.
472
473
474
475
476
477
478
479
DE
Urteil des Gerichtshofs vom 2. März 1983 in der Rechtssache 7/82, GVL/Kommission, Slg. 1983,
S. 502, Randnummer 24 f. Urteil des Gerichts erster Instanz vom 6. Juli 2000 in der Rechtssache T62/98, Volkswagen AG/Kommission, Slg. 2000, II-2707, Randnummer 199.
[…]* (S. 3534 ff der Akte).
[…]*
[…]*
[…]*
Siehe Entscheidung der Kommission in der Sache Deutsche Post AG, a.a.O., Randnummer 48.
Urteil des Gerichtshofes vom 8. Februar 1990 in der Rechtssache C-279/87, Tipp-Ex/Kommission,
Slg. 1990, I-261, und Urteil des Gerichts Erster Instanz in der Rechtssache BPB Industries Plc und
British Gypsum Ltd, a.a.O., Randnummer 165.
ABl. C 9 vom 14.1.1998, S. 3.
- 119 -
DE
1.
Schwere des Verstoßes
398.
Bei der Ermittlung der Schwere des Verstoßes sind seine Art, seine konkreten
Auswirkungen auf den Markt und der Umfang des betreffenden geografischen
Marktes zu berücksichtigen.
1. Art des Verstoßes
399.
Bei der Bestimmung der Schwere des Verstoßes beabsichtigt die Kommission,
der Tatsache Rechnung zu tragen, dass der Verstoß vorsätzlich auf die
Vereinnahmung eines in voller Entwicklung befindlichen Marktes abzielte, der bei der
Verwirklichung der Informationsgesellschaft eine sehr bedeutende Rolle spielt. Die
Praxis des Verdrängungswettbewerbs, bei dem ein marktbeherrschendes Unternehmen
seine Produkte zu nicht kostendeckenden Preisen verkauft, ist vom Gerichtshof und
von der Kommission mehrfach mit Geldbußen belegt worden.
2. Auswirkungen auf den Markt
400.
Während des gegenständlichen Zeitraums stieg der Anteil des Unternehmens
am Privatkundenmarkt für Breitband-Internetzugänge von [40-50]* % auf [70-80]* %.
Ein Wettbewerber wurde ausgeschaltet, die Marktanteile mehrere Wettbewerber sind
sehr stark gesunken und die der anderen verbleibenden Wettbewerber sind sehr
langsam gestiegen oder stagnierten auf einem vernachlässigbaren Niveau.480 Obwohl
nicht erwiesen ist, dass die auf dem Markt beobachteten Entwicklungen ausschließlich
dem Wanadoo Interactive angelasteten Verhalten zuzuschreiben ist, führte die von
Wanadoo Interactive verfolgte Verdrängungspreispolitik eindeutig zu negativen
Auswirkungen auf den Wettbewerb.
401.
Die Folgen des Verstoßes werden durch den Zeitpunkt, zu dem er eintrat,
verstärkt, da er mit einem Zeitraum starker Nachfrage nach BreitbandInternetzugängen zusammenfiel. Die ersten Angebote für Breitbandzugänge über
Kabelmodem sind zwar schon während des Jahres 1997 in Frankreich eingeführt
worden, aber die Bedingungen auf dem Privatkundenmarkt wurden Ende 1999 durch
die Vermarktung von ADSL-Lösungen für den Breitbandzugang tief greifend
verändert. Zur Zeit des Verstoßes kam es zu einem Aufschwung der ADSL-Dienste in
Frankreich, und gleichzeitig versuchten alternative Telekommunikationsanbieter, über
die Entbündelung der Teilnehmeranschlüsse technische Lösungen umzusetzen, die das
Zugangsnetz der France Télécom ersetzen können.481 Der Verstoß hat die
Marktstruktur tief greifend beeinflusst.
3. Umfang des betreffenden geografischen Marktes
402.
Die wettbewerbsfeindlichen Auswirkungen der fraglichen Verhaltensweise
erstrecken sich auf einen ganzen Mitgliedstaat, nämlich Frankreich.
480
481
DE
Siehe Abschnitt II.E.
Die Verordnung (EG) Nr. 2887/2000 des Europäischen Parlaments und des Rates vom
18. Dezember 2000 über den entbündelten Zugang zum Teilnehmeranschluss (ABl. L 336 vom
30.12.2000, S. 4-8) trat in Frankreich und in allen anderen Mitgliedstaaten am 1. Januar 2001 in Kraft.
- 120 -
DE
4. Schlussfolgerungen zur Schwere des Verstoßes
403.
Die fragliche Verhaltensweise stellt einen Verstoß mit deutlich
wettbewerbsfeindlicher Dimension in einem Sektor dar, der für die Entwicklung der
Informationsgesellschaft als strategisch bedeutend erachtet wird. Sie spiegelt die
Umsetzung eines Plans zur Vereinnahmung eines neuen Markts mit großem Potenzial
in einer wichtigen Phase seiner Entwicklung wider. Durch sein Wesen und seine
Auswirkungen auf den Markt in einem ganzen Mitgliedstaat entspricht das fragliche
Verhalten einem schweren Verstoß.
404.
Aus diesen Gründen ist der Ausgangsbetrag für die Bestimmung der Geldbuße
auf der Grundlage der Schwere des Verstoßes auf 4 Mio. EUR festzulegen.
3.
Dauer des Verstoßes
405.
Wanadoo Interactive meint, dass der Verstoß — sollte tatsächlich ein Verstoß
vorliegen — Ende März 2001 begann, als die Vermarktung des Produkts eXtense in
großem Maßstab anlief, und im Monat August 2001 endete, ab dem das Unternehmen
seine nach der Methode der Kommission aufgeschlüsselten variablen Kosten knapp
deckte. Wanadoo behauptet somit, dass der Zeitraum des Verkaufs unterhalb der
Kosten nicht länger dauerte als vier Monate und daher zu kurz war, um spürbare
Auswirkungen auf die Struktur des Marktes zu haben.
406.
Die Kommission schickt voran, dass Wanadoo Interactive vor dem Jahr 2001
seinen Dienst Wanadoo ADSL über ein Jahr lang mit Verlusten verkauft hatte. In den
Monaten Januar und Februar 2001 steigerte Wanadoo Interactive dann die Zahl seiner
Kunden mit Breitbandzugängen doppelt so rasch wie im Jahr 2000. Allein die
Ankündigung der Vermarktung der Pack eXtense führte zu sofortigen Auswirkungen
auf den Markt, insbesondere auf den Auftragseingang beim Unternehmen
Mangoosta.482 Obwohl diese Verkäufe vor allem ab Januar 2001 bestimmte Elemente
eines Verstoßes aufweisen könnten, erachtet es die Kommission in Anbetracht der
Merkmale des Marktes483 im fraglichen Zeitraum nicht als zweckdienlich, in dieser
Hinsicht einen Verstoß festzustellen. Die Kommission ist der Ansicht, dass der
Missbrauch schon im ersten Quartal 2001 begann. Der Beginn der
Zuwiderhandlungen wird daher auf den 1. März 2001 festgesetzt.
407.
In Anbetracht der Absicht, den Markt zu vereinnahmen, die sich in einer
Strategie zur Verdrängung der Wettbewerber niederschlug, erachtet es die
Kommission im Einklang mit der einschlägigen Rechtsprechung als notwendig, den
Deckungsgrad der variablen Kosten bis einschließlich August 2001 und den der
482
483
DE
Siehe die Darstellung des Vertreters des Konkursverwalters von Mangoosta bei der Anhörung vom
18. März 2002, in der die Auswirkungen erläutert wurden, die die Einführung des Dienstes eXtense auf
die Anzahl der Kontakte und widerrufenen Bestellungen bei diesem Anbieter von der 44. Woche des
Jahres 2000 bis zur 11. Woche des Jahres 2001 hatte (S. 1493 und 1494 der Akte). Der Vertreter von
Mangoosta beschrieb die Folgen der bloßen Ankündigung über die Einführung des Pack eXtense auf
seinen Entwicklungsplan. Abgesehen von den geschäftlichen Folgen, die in einem sofortigen Einbruch
der bei Mangoosta einlangenden Bestellungen bestanden, habe die Umsetzung der Geschäftsstrategie
von Wanadoo Interactive zum Abbruch der Verhandlungen zwischen dem Unternehmen und seinen
Gläubigern geführt und so seinen Fortbestand stark gefährdet.
Der Markt umfasste im Jahr 2000 weniger als 200 000 Kunden und wuchs relativ langsam. Außerdem
hat Wanadoo Interactive erst seit März 2001 mit Beginn seiner landesweiten Kampagne zur Einführung
des Pack eXtense Noos deutlich hinter sich zurück gelassen.
- 121 -
DE
Vollkosten nach August 2001 zu prüfen. In diesem Zusammenhang scheint der
Missbrauch am 15. Oktober 2002 geendet zu haben, als die von France Télécom im
MÄrz 2002 vorgeschlagene Abhilfemaßnahme in Kraft trat.
408.
Die Kommission gelangt zu dem Schluss, dass sich der Verstoß über insgesamt
19,5 Monate erstreckte. Somit liegt ein Verstoß von mittellanger Dauer. Gemäß den
Leitlinien hält die Kommission daher eine Erhöhung des Ausgangsbetrags um 15 %
für den Dauer der Zuwiderhandlung von März 2002 bis Oktober 2002 für angemessen.
409.
4.
Daraus ergibt sich für die Geldbuße ein Grundbetrag von 10,35 Mio. EUR.
Mildernde oder erschwerende Umstände
410.
Wanadoo Interactive beantragte, dass ihm keine Geldbuße auferlegt werde, da
der angewandte Standard für die Kosten von der bisherigen gemeinschaftlichen
Rechtsprechung abweiche. Die Kommission vertritt die Ansicht, dass es keine
Veranlassung zu dieser Bemerkung gibt. Die von der Kommission herangezogene
Methode ist nicht neu, denn sie stützt sich auf das Urteil des Gerichtshofs in der
Rechtssache Akzo. In Anwendung der im Akzo-Urteil festgelegten Prüfmethode hat
die Kommission lediglich die Kosten für die Kundenakquisition auf einen Zeitraum
verteilt, der nahe bei der durchschnittlichen Vertragsdauer liegt. Diese Anpassung, die
durch die Umstände im vorliegenden Fall begründet ist, ist für Wanadoo Interactive
im Übrigen günstiger als die Befunde, zu denen man bei einer rein buchhalterischen,
mehr mit der bestehenden Entscheidungspraxis im Einklang stehenden Analyse
gelangt wäre.484
411.
Die Bedeutung der Anpassungen der Großhandelspreise durch die France
Télécom im Sommer 2002 kann nicht als mildernder Umstand gewertet werden. Der
Umfang der Bemühungen, die France Télécom in Bezug auf seine Großhandelstarife
unternahm, ist auf das Zusammenwirken der Maßnahmen der nationalen und
gemeinschaftlichen Regulierungs- und Wettbewerbsbehörden und nicht auf irgendeine
freiwillige Entscheidung ihrerseits zurückzuführen. Außerdem hat die France Télécom
die neuen Entbündelungstarife, die eine bedeutende Rolle bei der Verbesserung der
Wettbewerbssituation spielen, vor den nationalen Gerichten angefochten.
412.
Wanadoo Interactive führte schließlich als mildernde Umstände seine
Offenheit und umfassende Kooperation während des gegenständlichen Verfahrens an.
Die Kommission stellt hingegen fest, dass das Unternehmen lediglich die
Verpflichtung zur Erteilung von Auskünften an die Kommission gemäß Verordnung
Nr. 17 auf normale Weise erfüllte.
413.
Die Kommission gelangt somit zu dem Schluss, dass im vorliegenden Fall
keine mildernden oder erschwerenden Umstände vorliegen.
414.
Daher ist der Betrag der Geldbuße gemäß Artikel 15 Absatz 2 Buchstabe a) der
Verordnung Nr. 17 auf 10,35 Mio. EUR festzusetzen.
484
DE
Siehe Abschnitt I.F.1.
- 122 -
DE
HAT FOLGENDE ENTSCHEIDUNG ERLASSEN:
Artikel 1
Von März 2001 bis Oktober 2002 hat das Unternehmen Wanadoo Interactive gegen
Artikel 82 EG-Vertrag verstoßen, indem es im Rahmen einer Strategie zur Vereinnahmung
des gerade im Entstehen begriffenen Marktes für Breitband-Internetzugänge für seine Dienste
eXtense und Wanadoo ADSL Verdrängungspreise festlegte, mit denen es bis August 2001
seine variablen Kosten und ab August 2001 seine Vollkosten nicht decken konnte.
Artikel 2
Wanadoo Interactive stellt den in Artikel 1 genannten Verstoß endgültig ab, wenn dies nicht
schon geschehen ist. Es nimmt im Rahmen seiner in Artikel 1 genannten ADSL-Dienste von
jeglichem Verhalten Abstand, das den gleichen oder einen ähnlichen Zweck oder die gleiche
oder eine ähnliche Wirkung haben könnte wie der Verstoß.
Artikel 3
Wanadoo Interactive legt der Kommission am Ende jedes Geschäftsjahres bis einschließlich
des Geschäftsjahres 2006 die Ergebnisrechnung für seine diversen ADSL-Aktivitäten vor, in
der die buchhalterischen Erlöse, die Betriebskosten und die Aufwendungen für die
Kundenakquisition angeführt werden.
Artikel 4
Wegen des in Artikel 1 genannten Verstoßes wird Wanadoo Interactive eine Geldbuße in
Höhe von 10,35 Mio. EUR auferlegt.
Diese Geldbuße ist innerhalb von drei Monaten nach Erhalt der Verständigung über diese
Entscheidung in Euro auf das Bankkonto Nr. 001-3953713-69 (IBAN: BE 71 0013 9537
1369; SWIFT-Code: GEBABEBB) der Kommission der Europäischen Gemeinschaften bei
der Fortis Banque, Rue Montage du Parc 3, B-1000 Brüssel, zu zahlen.
Nach Ablauf dieser Frist sind automatisch Verzugszinsen fällig. Hierfür gilt der Zinssatz, den
die Europäische Zentralbank für Hauptrefinanzierungsgeschäfte berechnet. Stichtag ist der
erste Arbeitstag des Monats, in dem die Entscheidung erging. Hinzu kommt ein Aufschlag
von 3,5 Prozentpunkten. Insgesamt ergeben sich somit 5,6 %.
Artikel 5
Diese Entscheidung ist an das Unternehmen Wanadoo Interactive, 48, rue Camille
Desmoulins, F-92792 Issy les Moulineaux Cedex, gerichtet.
Diese Entscheidung ist ein vollstreckbarer Titel nach Artikel 256 EG-Vertrag.
Brüssel, den ...
Für die Kommission
[…]
Mitglied der Kommission
DE
- 123 -
DE
ANHÄNGE
Anhang 1:
Anhang 2:
Anhang 3:
Anhang 4:
Anhang 5:
Anhang 6:
Anhang 7:
Anhang 8:
Anhang 9:
Anhang 10:
Anhang 11:
Anhang 12:
Anhang 13:
Anhang 14:
Anhang 15:
Anhang 16:
Anhang 17:
Anhang 18:
Anhang 19:
Anhang 20:
Anhang 21:
Anhang 22:
Anhang 23:
Anhang 24:
DE
Aufgeschlüsselte variable Kosten des Dienstes eXtense: Deckungsgrad vom
8. Januar bis zum 31. Juli 2001 (tatsächlicher Wert)
Aufgeschlüsselte variable Kosten von Wanadoo ADSL: Deckungsgrad vom
1. Januar bis zum 31. Juli 2001 (tatsächlicher Wert)
Aufgeschlüsselte variable Kosten des Dienstes eXtense: Deckungsgrad vom
1. August bis zum 15. Oktober 2001 (tatsächlicher Wert)
Aufgeschlüsselte variable Kosten von Wanadoo ADSL: Deckungsgrad vom
1. August bis zum 15. Oktober 2001 (tatsächlicher Wert)
Aufgeschlüsselte variable Kosten des Dienstes eXtense: Deckungsgrad vom
15. Oktober 2001 bis zum 15. Februar 2002 (tatsächlicher Wert)
Aufgeschlüsselte variable Kosten von Wanadoo ADSL: Deckungsgrad vom
15. Oktober 2001 bis zum 15. Februar 2002 (tatsächlicher Wert)
Aufgeschlüsselte variable Kosten des Dienstes eXtense: Deckungsgrad vom
15. Februar bis zum 30. September 2002 (tatsächlicher Wert)
Aufgeschlüsselte variable Kosten von Wanadoo ADSL: Deckungsgrad vom
15. Februar bis zum 30. September 2002 (tatsächlicher Wert)
Aufgeschlüsselte variable Kosten des Dienstes eXtense: Im zweiten
Halbjahr 2001 vorhersehbarer Deckungsgrad, ausschließlich für neue
Teilnehmer
Aufgeschlüsselte variable Kosten von Wanadoo ADSL: Im zweiten
Halbjahr 2001 vorhersehbarer Deckungsgrad, ausschließlich für neue
Teilnehmer
Aufgeschlüsselte variable Kosten des Dienstes eXtense: Im Zeitraum JanuarMärz 2002 vorhersehbarer Deckungsgrad
Aufgeschlüsselte variable Kosten von Wanadoo ADSL: Im Zeitraum JanuarMärz 2002 vorhersehbarer Deckungsgrad
Vollkosten: reale Zahlen für 2001
Vollkosten: Schätzungen für 2002
Zusammenfassung der Indikatoren für die Deckung der Kosten
Berechnung des Umsatzes mit eXtense und Wanadoo ADSL von August 2001
bis Juni 2002
Kosten der Bandbreite für den IP-Verkehr, der von France Télécom von
September 2001 bis Juni 2002 in Rechnung gestellt wurde
Bewertung der Kosten der internationalen Anbindung von Februar bis
Juni 2002
Geschäftspläne für 2001
Schätzung der Entwicklung des Deckungsbeitrags zu den kumulierten direkten
Kosten für die Dienste eXtense und Wanadoo ADSL vom Januar 2001 bis zum
Dezember 2002
Werbeausgaben und Anstieg der Teilnehmerzahl
Werbe- und Verkaufsförderungsausgaben von Wanadoo Interactive und seiner
Wettbewerber für Produkte mit hohen Bandbreiten (512 kbit/s)
Vergleich der Kunden von Noos, Club Internet und Wanadoo Interactive mit
Breitbandanschlüssen von Dezember 1999 bis März 2001
Vergleich der angebotenen Breitband- und Schmalbandzugänge
- 124 -
DE
Anhang 25:
Anhang 26:
DE
Austauschbarkeit von Breitband- und Schmalbandzugängen
Entwicklung der Zuwachsraten bei Wanadoo und seinen Mitbewerbern
- 125 -
DE
ANHANG 1 - Aufgeschlüsselte variable Kosten des Dienstes eXtense: Deckungsgrad vom 8. Januar bis zum
31. Juli 2001 (tatsächlicher Wert)
Bezeichnung der Kosten
Nationaler und regionaler Routing-Dienst
Kosten von IP/ADSL 1
Entschädigung […]*
Kosten der internationalen Anbindung
Kosten der Kundenverwaltung
Summe der monatlich wiederkehrenden variablen Kosten
Bezahlung der Verkaufsstellen
Betrag in FRF
Bei dieser Zahl ist […]* berücksichtigt.
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
Auf der Grundlage von […]*% neuen Teilnehmern und […]* %
[…]*
Umsteigern
Kosten der Inbetriebnahme
Kosten des Pack eXtense
[…]*
[…]*
Werbung
Direkte Kosten der Kundenakquisition
[…]*
[…]*
Monatliche Erlöse
Endverbraucherpreis des Pack eXtense exkl. Steuern
Erlöse aus Zugriffsquoten und Werbung
Summe der monatlichen Erlöse
249
[…]*
[…]*
Abschreibung der einmaligen Kosten über vier Jahre
Summe der wiederkehrenden variablen Kosten pro Monat
Deckungsbeitrag zu den wiederkehrenden variablen Kosten
Summe der variablen Kosten pro Monat
Deckungsbeitrag zu den gesamten variablen Kosten
Deckung der wiederkehrenden variablen Kosten durch die
monatlichen Erlöse
Deckung der variablen Kosten durch die monatlichen Erlöse
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
Gewichtete mittlere Kosten einerseits für den Zeitraum JanuarJuni und andererseits für den Monat Juli
ANHANG 2 - Aufgeschlüsselte variable Kosten von Wanadoo ADSL: Deckungsgrad vom 1. Januar bis zum
31. Juli 2001 (tatsächlicher Wert)
Bezeichnung der Kosten
Nationaler und regionaler Routing-Dienst
Kosten der internationalen Anbindung
Betrag in FRF
Bei dieser Zahl ist […]* berücksichtigt.
[…]*
[…]*
Entschädigung […]*
[…]*
Von Wanadoo Interactive am 4. April 2002 angegebene Zahl.
Kosten der Kundenverwaltung
Summe der wiederkehrenden variablen Kosten
Bezahlung der Verkaufsstellen
Kosten der Sets
Werbung
Direkte Kosten der Kundenakquisition
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
Schriftliche Gegenäußerung vom 4. März 2002, Anhang 1, S. 8.
Durchschnittliche monatliche Erlöse
Endverbraucherpreis von Wanadoo ADSL
Erlöse aus Zugriffsquoten und Werbung
Summe der monatlichen Erlöse
113
[…]*
[…]*
Abschreibung der einmaligen Kosten über vier Jahre
Summe der wiederkehrenden variablen Kosten pro Monat
Deckungsbeitrag zu den wiederkehrenden variablen Kosten
Summe der variablen Kosten pro Monat
Deckungsbeitrag zu den gesamten variablen Kosten
Deckung der wiederkehrenden variablen Kosten durch die
monatlichen Erlöse
Deckung der variablen Kosten durch die monatlichen Erlöse
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
ANHANG 3 - Aufgeschlüsselte variable Kosten des Dienstes eXtense: Deckungsgrad vom 1. August bis zum
15. Oktober 2001 (tatsächlicher Wert)
3.1. GESAMTHEIT DES KUMULIERTEN TEILNEHMERBESTANDS
Bezeichnung der Kosten
Nationaler und regionaler Routing-Dienst
Kosten von IP/ADSL 1
Betrag in € Betrag in FRF
Siehe Berechnung in Anhang 17.
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
Kosten der internationalen Anbindung
[…]*
[…]*
Entschädigung […]*
[…]*
[…]*
Kosten der Kundenverwaltung
Summe der wiederkehrenden variablen Kosten
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
Bezahlung der Verkaufsstellen
Kosten der Inbetriebnahme
Kosten des Pack eXtense
Werbung
Direkte Kosten der Kundenakquisition
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
Unter Annahme eines Verbrauchs von […]* x der für
den Routing-Dienst in Rechnung gestellten
Datentransfermenge.
Unter Anwendung der Hypotehese von Wanadoo.
Von Wanadoo auf der Sitzung vom 4. April 2002
angegebene Zahl.
Der Anteil der Umsteiger betrug in diesem Zeitraum
[…]* %.
Gewichteter Mittelwert.
Monatliche Erlöse
Monatliche Erlöse pro Einheit von eXtense exkl. Steuern
Erlöse aus Zugriffsquoten und Werbung
Summe der monatlichen Erlöse
Berücksichtigung der Umsatzeinbußen (vgl. Anhang
16).
Abschreibung der einmaligen Kosten über vier Jahre
Summe der wiederkehrenden variablen Kosten pro Monat
Deckungsbeitrag zu den wiederkehrenden variablen Kosten
Summe der variablen Kosten pro Monat
Deckungsbeitrag zu den gesamten variablen Kosten
Deckung der wiederkehrenden variablen Kosten durch die
monatlichen Erlöse
Deckung der variablen Kosten durch die monatlichen Erlöse
3.2. NEUE TEILNEHMER SEIT BEGINN DES ZEITRAUMS
Bezeichnung der Kosten
Nationaler und regionaler Routing-Dienst
Kosten von IP/ADSL 1
Kosten der internationalen Anbindung
Entschädigung […]*
Kosten der Kundenverwaltung
Summe der wiederkehrenden variablen Kosten
Bezahlung der Verkaufsstellen
Kosten der Inbetriebnahme
Kosten des Pack eXtense
Verkaufsförderung
Werbung
Direkte Kosten der Kundenakquisition
Betrag in € Betrag in FRF
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
Schriftliche Gegenäußerung vom 23. Oktober 2002.
Monatliche Erlöse
Monatliche Erlöse pro Einheit von eXtense exkl. Steuern
Erlöse aus Zugriffsquoten und Werbung
Summe der monatlichen Erlöse
Abschreibung der einmaligen Kosten über vier Jahre
Summe der variablen Kosten pro Monat
Berücksichtigung der Umsatzeinbußen (vgl. Anhang
16).
ANHANG 3 - Aufgeschlüsselte variable Kosten des Dienstes eXtense: Deckungsgrad vom 1. August bis zum
15. Oktober 2001 (tatsächlicher Wert)
Deckungsbeitrag zu den gesamten variablen Kosten
Deckung der wiederkehrenden variablen Kosten durch die
monatlichen Erlöse
Deckung der variablen Kosten durch die monatlichen Erlöse
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
ANHANG 4 - Aufgeschlüsselte variable Kosten von Wanadoo ADSL: Deckungsgrad vom 1. August bis zum
15. Oktober 2001 (tatsächlicher Wert)
4.1. GESAMTHEIT DES KUMULIERTEN TEILNEHMERBESTANDS
Bezeichnung der Kosten
Nationaler und regionaler Routing-Dienst
Kosten der internationalen Anbindung
Betrag in € Betrag in FRF
Siehe Berechnung in Anhang 17.
[…]*
[…]*
Entschädigung […]*
Kosten der Kundenverwaltung
Summe der wiederkehrenden variablen Kosten
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
Bezahlung der Verkaufsstellen
Kosten der Sets und Packs
Werbung
Direkte Kosten der Kundenakquisition
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
Erlöse aus Zugriffsquoten und Werbung
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
Summe der monatlichen Erlöse
[…]*
[…]*
Deckung der wiederkehrenden Kosten durch wiederkehrende
Erlöse
[…]*
[…]*
Summe der wiederkehrenden variablen Kosten pro Monat
Deckungsbeitrag zu den wiederkehrenden variablen Kosten
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
Summe der variablen Kosten pro Monat
Deckungsbeitrag zu den gesamten variablen Kosten
Deckung der wiederkehrenden variablen Kosten durch die
monatlichen Erlöse
Deckung der variablen Kosten durch die monatlichen Erlöse
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
Unter Annahme eines Verbrauchs von […]* x der für den
Routing-Dienst in Rechnung gestellten
Datentransfermenge.
Präsentation von Wanadoo für die Kommission vom 4.
April 2002.
Gewichteter Mittelwert ab Beginn 2001.
Durchschnittliche monatliche Erlöse
Monatliche Erlöse pro Einheit von Wanadoo ADSL
Abschreibung der einmaligen Kosten über vier Jahre
4.2. NEUE TEILNEHMER SEIT BEGINN DES ZEITRAUMS
Bezeichnung der Kosten
Summe der wiederkehrenden variablen Kosten
Bezahlung der Verkaufsstellen
Kosten der Sets und Packs
Werbung
Direkte Kosten der Kundenakquisition
Betrag in € Betrag in FRF
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
Durchschnittliche monatliche Erlöse
Monatliche Erlöse pro Einheit von Wanadoo ADSL
Erlöse aus Zugriffsquoten und Werbung
Summe der monatlichen Erlöse
Abschreibung der einmaligen Kosten über vier Jahre
Summe der wiederkehrenden variablen Kosten pro Monat
Deckungsbeitrag zu den wiederkehrenden variablen Kosten
Summe der variablen Kosten pro Monat
Deckungsbeitrag zu den gesamten variablen Kosten
Deckung der wiederkehrenden variablen Kosten durch die
monatlichen Erlöse
Deckung der variablen Kosten durch die monatlichen Erlöse
Berücksichtigung der Umsatzeinbußen (vgl. Anhang 16).
ANHANG 5 - Aufgeschlüsselte variable Kosten des Dienstes eXtense: Deckungsgrad vom 15. Oktober 2001
bis zum 15. Februar 2002 (tatsächlicher Wert)
5.1. GESAMTHEIT DES KUMULIERTEN TEILNEHMERBESTANDS
Bezeichnung der Kosten
Nationaler und regionaler Routing-Dienst
Kosten von IP/ADSL 1
Kosten der internationalen Anbindung
Entschädigung […]*
Kosten der Kundenverwaltung
Summe der wiederkehrenden variablen Kosten
Bezahlung der Verkaufsstellen
Kosten der Inbetriebnahme
in €
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
in FRF
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
Rückzahlung und Gutschein
Kosten des Pack eXtense
Werbung
Direkte Kosten der Kundenakquisition
Siehe Anhang 17.
Internationale Bandbreite von […]* kbit/s.
Gewichteter Mittelwert unter Berücksichtigung des
Kostenerlasses ab 15.10.
Aufteilung der Verkaufsförderung auf den Teilnehmerbestand
vom 15.2.2002.
Gewichteter Mittelwert für die Kosten des Pack ab Beginn
2001.
Laut der Antwort von Wanadoo vom 18.4.2002.
Monatliche Erlöse
Monatliche Erlöse pro Einheit von eXtense exkl. Steuern
Erlöse aus Zugriffsquoten und Werbung
Summe der monatlichen Erlöse
Deckung der wiederkehrenden Kosten durch wiederkehrende
Erlöse
Berücksichtigung der Umsatzeinbußen (vgl. Anhang 16).
Abschreibung der einmaligen Kosten über vier Jahre
Summe der wiederkehrenden variablen Kosten pro Monat
Deckungsbeitrag zu den wiederkehrenden variablen Kosten
Summe der variablen Kosten pro Monat
Deckungsbeitrag zu den gesamten variablen Kosten
Deckung der wiederkehrenden variablen Kosten durch die
monatlichen Erlöse
Deckung der variablen Kosten durch die monatlichen Erlöse
5.2. NEUE TEILNEHMER SEIT BEGINN DES ZEITRAUMS
Bezeichnung der Kosten
Summe der wiederkehrenden variablen Kosten
Bezahlung der Verkaufsstellen
Kosten der Inbetriebnahme
Rückzahlung und Gutschein
in €
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
in FRF
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
Kosten des Pack eXtense
Werbung
Direkte Kosten der Kundenakquisition
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
Gewichtung Oktober-Dezember 2001/Januar-Februar 2002.
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
Berücksichtigung der Umsatzeinbußen (vgl. Anhang 16).
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
Erlass der Zugangsgebühren vom 15.10 bis zum 15.2.
Betriebskosten für neue Teilnehmer.
Monatliche Erlöse
Monatliche Erlöse pro Einheit von eXtense exkl. Steuern
Erlöse aus Zugriffsquoten und Werbung
Summe der monatlichen Erlöse
Abschreibung der einmaligen Kosten über vier Jahre
Summe der variablen Kosten pro Monat
Deckungsbeitrag zu den gesamten variablen Kosten
Deckung der wiederkehrenden variablen Kosten durch die
monatlichen Erlöse
Deckung der variablen Kosten durch die monatlichen Erlöse
ANHANG 6 - Aufgeschlüsselte variable Kosten von Wanadoo ADSL: Deckungsgrad vom 15. Oktober 2001
bis zum 15. Februar 2002 (tatsächlicher Wert)
6.1. GESAMTHEIT DES KUMULIERTEN TEILNEHMERBESTANDS
Bezeichnung der Kosten
Nationaler und regionaler Routing-Dienst
Kosten der internationalen Anbindung
Entschädigung […]*
Kosten der Kundenverwaltung
Summe der wiederkehrenden variablen Kosten
Bezahlung der Verkaufsstellen
Kosten der Sets und Packs
Werbung
Direkte Kosten der Kundenakquisition
Betrag in € Betrag in FRF
Siehe Anhang 17.
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
Internationale Bandbreite von […]* kbit/s.
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
Gewichteter Mittelwert ab Beginn 2001.
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
Durchschnittliche monatliche Erlöse
Monatliche Erlöse pro Einheit von Wanadoo ADSL
Erlöse aus Zugriffsquoten und Werbung
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
Summe der monatlichen Erlöse
[…]*
[…]*
Deckung der wiederkehrenden Kosten durch wiederkehrende
Erlöse
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
Abschreibung der einmaligen Kosten über vier Jahre
Summe der wiederkehrenden variablen Kosten pro Monat
Deckungsbeitrag zu den wiederkehrenden variablen Kosten
Summe der variablen Kosten pro Monat
Deckungsbeitrag zu den gesamten variablen Kosten
Deckung der wiederkehrenden variablen Kosten durch die
monatlichen Erlöse
Deckung der variablen Kosten durch die monatlichen Erlöse
6.2. NEUE TEILNEHMER SEIT BEGINN DES ZEITRAUMS
Bezeichnung der Kosten
Nationaler und regionaler Routing-Dienst
Kosten der internationalen Anbindung
Entschädigung […]*
Kosten der Kundenverwaltung
Summe der wiederkehrenden variablen Kosten
Bezahlung der Verkaufsstellen
Kosten der Sets und Packs
Werbung
Direkte Kosten der Kundenakquisition
Betrag in € Betrag in FRF
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
Gewichteter Mittelwert ab Oktober 2001.
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
Durchschnittliche monatliche Erlöse
Monatliche Erlöse pro Einheit von Wanadoo ADSL
[…]*
[…]*
Erlöse aus Zugriffsquoten und Werbung
[…]*
[…]*
Summe der monatlichen Erlöse
[…]*
[…]*
Deckung der wiederkehrenden Kosten durch wiederkehrende
Erlöse
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
Abschreibung der einmaligen Kosten über vier Jahre
Summe der wiederkehrenden variablen Kosten pro Monat
Deckungsbeitrag zu den wiederkehrenden variablen Kosten
Summe der variablen Kosten pro Monat
Deckungsbeitrag zu den gesamten variablen Kosten
Deckung der wiederkehrenden variablen Kosten durch die
monatlichen Erlöse
Deckung der variablen Kosten durch die monatlichen Erlöse
Berücksichtigung der Umsatzeinbußen (vgl. Anhang
16).
ANHANG 7 - Aufgeschlüsselte variable Kosten des Dienstes eXtense: Deckungsgrad vom 15. Februar bis
zum 30. September 2002 (tatsächlicher Wert)
7.1. GESAMTHEIT DES KUMULIERTEN TEILNEHMERBESTANDS
Bezeichnung der Kosten
Betrag in €
Nationaler und regionaler Routing-Dienst
Kosten von IP/ADSL 1
Kosten der internationalen Anbindung
Entschädigung […]*
Kosten der Kundenverwaltung
Summe der wiederkehrenden variablen Kosten
Bezahlung der Verkaufsstellen
Kosten der Inbetriebnahme
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
Siehe Anhang 17.
Verkaufsförderung für eXtense Ende 2001 und März-Sept.
2002
[…]*
Aufteilung der 2001 und 2002 erfassten Kosten auf den gesamten
Teilnehmerbestand.
Kosten des Pack eXtense
Werbung
[…]*
[…]*
Gewichtete mittlere Kosten für den gesamten Teilnehmerbestand.
Direkte Kosten der Kundenakquisition
[…]*
Siehe Anhang 18.
Gewichtung der Kosten im Jahr 2001 und für die 2002 neu gewonnenen
Teilnehmer.
Gewichtung der Ausgaben für 2001 und der Ausgaben bis 30.9.2002.
Monatliche Erlöse
Monatliche Erlöse pro Einheit von eXtense exkl. Steuern
Erlöse aus Portalen
Summe der monatlichen Erlöse
[…]*
[…]*
[…]*
Berücksichtigung der Umsatzeinbußen (vgl. Anhang 16).
Abschreibung der einmaligen Kosten über vier Jahre
Summe der wiederkehrenden variablen Kosten pro Monat
Deckungsbeitrag zu den wiederkehrenden variablen Kosten
Summe der variablen Kosten pro Monat
Deckungsbeitrag zu den gesamten variablen Kosten
Deckung der wiederkehrenden variablen Kosten durch die
monatlichen Erlöse
Deckung der variablen Kosten durch die monatlichen Erlöse
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
7.2. NEUE TEILNEHMER SEIT BEGINN DES ZEITRAUMS
Bezeichnung der Kosten
Nationaler und regionaler Routing-Dienst
Kosten von IP/ADSL 1
Kosten der internationalen Anbindung
Kosten der Kundenverwaltung
Summe der wiederkehrenden variablen Kosten
Bezahlung der Verkaufsstellen
Kosten der Inbetriebnahme
Rückzahlung von 45 EUR
Rückzahlung von 75 EUR und 150 EUR
Werbung
Direkte Kosten der Kundenakquisition
Betrag in €
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
Siehe Anhang 17.
[…]*
[…]*
[…]*
Berücksichtigung der Umsatzeinbußen (vgl. Anhang 16).
Siehe Anhang 18.
Wiederaufnahme der Zugangsgebühren ab 15. Februar 2002.
Monatliche Erlöse
Monatliche Erlöse pro Einheit von eXtense exkl. Steuern
Erlöse aus Portalen
Summe der monatlichen Erlöse
Abschreibung der einmaligen Kosten über vier Jahre
Summe der variablen Kosten pro Monat
Deckungsbeitrag zu den gesamten variablen Kosten
Deckung der wiederkehrenden variablen Kosten durch die
monatlichen Erlöse
[…]*
[…]*
[…]*
ANHANG 7 - Aufgeschlüsselte variable Kosten des Dienstes eXtense: Deckungsgrad vom 15. Februar bis
zum 30. September 2002 (tatsächlicher Wert)
Deckung der variablen Kosten durch die monatlichen Erlöse
[…]*
ANHANG 8 - Aufgeschlüsselte variable Kosten von Wanadoo ADSL: Deckungsgrad vom 15. Februar bis
zum 30. September 2002 (tatsächlicher Wert)
8.1. GESAMTHEIT DES KUMULIERTEN TEILNEHMERBESTANDS
Bezeichnung der Kosten
Betrag in €
Nationaler und regionaler Routing-Dienst
Kosten der internationalen Anbindung
Entschädigung […]*
Kosten der Kundenverwaltung
Summe der wiederkehrenden variablen Kosten
Bezahlung der Verkaufsstellen
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
Verkaufsförderung
Kosten der Sets und Packs
[…]*
[…]*
Werbung
Direkte Kosten der Kundenakquisition
[…]*
[…]*
Aufteilung der Verkaufsförderung vom Frühling 2002 auf
den Teilnehmerbestand per 30.9.2002.
Gewichteter Mittelwert ab Anfang 2001.
Gewichtung der Ausgaben 2001 mit den voraussichtlichen
Werten für 2002.
Durchschnittliche monatliche Erlöse
Monatliche Erlöse pro Einheit von Wanadoo ADSL
Erlöse aus Zugriffsquoten und Werbung
Summe der monatlichen Erlöse
[…]*
[…]*
[…]*
Berücksichtigung der Umsatzeinbußen (vgl. Anhang 16).
Abschreibung der einmaligen Kosten über vier Jahre
Summe der wiederkehrenden variablen Kosten pro Monat
Deckungsbeitrag zu den wiederkehrenden variablen Kosten
Summe der variablen Kosten pro Monat
Deckungsbeitrag zu den gesamten variablen Kosten
Deckung der wiederkehrenden variablen Kosten durch die
monatlichen Erlöse
Deckung der variablen Kosten durch die monatlichen Erlöse
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
8.2. NEUE TEILNEHMER SEIT BEGINN DES ZEITRAUMS
Bezeichnung der Kosten
Summe der wiederkehrenden variablen Kosten
Bezahlung der Verkaufsstellen
Zwei Gratis-Monate
Rückzahlung von 45 €
Kosten der Sets und Packs
Werbung
Direkte Kosten der Kundenakquisition
Betrag in €
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
Antwort vom 24.12.2002, gewichteter Mittelwert.
[…]*
[…]*
Präsentation von Wanadoo vom 4. April 2002.
[…]*
[…]*
[…]*
Berücksichtigung der Umsatzeinbußen (vgl. Anhang 16).
Durchschnittliche monatliche Erlöse
Monatliche Erlöse pro Einheit von Wanadoo ADSL
Erlöse aus Zugriffsquoten und Werbung
Summe der monatlichen Erlöse
Deckung der wiederkehrenden Kosten durch wiederkehrende
Erlöse
[…]*
Abschreibung der einmaligen Kosten über vier Jahre
Summe der variablen Kosten pro Monat
Deckungsbeitrag zu den gesamten variablen Kosten
Deckung der wiederkehrenden variablen Kosten durch die
monatlichen Erlöse
Deckung der variablen Kosten durch die monatlichen Erlöse
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
ANHANG 9 - Aufgeschlüsselte variable Kosten des Dienstes eXtense: Im zweiten Halbjahr 2001
vorhersehbarer Deckungsgrad, ausschließlich für neue Teilnehmer
Bezeichnung der Kosten
Nationaler und regionaler Routing-Dienst
Kosten von IP/ADSL 1
Kosten der internationalen Anbindung
Kosten der Kundenverwaltung
Summe der wiederkehrenden variablen Kosten
Bezahlung der Verkaufsstellen
Kosten der Inbetriebnahme
Kosten des Pack eXtense
Werbung
Direkte Kosten der Kundenakquisition
Betrag in €
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
Der Anteil der Umsteiger betrug in diesem Zeitraum
[…]* %.
Im zweiten Halbjahr 2001 vorhergesehene Kosten.
Siehe oben.
Monatliche Erlöse
Endverbraucherpreis des Pack eXtense exkl. Steuern
Erlöse aus Portalen
Summe der monatlichen Erlöse
37,98
[…]*
[…]*
Abschreibung der einmaligen Kosten über vier Jahre
Summe der wiederkehrenden variablen Kosten pro Monat
Deckungsbeitrag zu den wiederkehrenden variablen Kosten
Summe der variablen Kosten pro Monat
Deckungsbeitrag zu den gesamten variablen Kosten
Deckung der wiederkehrenden variablen Kosten durch die
monatlichen Erlöse
Deckung der variablen Kosten durch die monatlichen Erlöse
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
Annahme aus dem Budget 2001.
ANHANG 10 - Aufgeschlüsselte variable Kosten von Wanadoo ADSL: Im zweiten Halbjahr 2001
vorhersehbarer Deckungsgrad, ausschließlich für neue Teilnehmer
Bezeichnung der Kosten
Nationaler und regionaler Routing-Dienst
Kosten der internationalen Anbindung
Kosten der Kundenverwaltung
Summe der wiederkehrenden variablen Kosten
Bezahlung der Verkaufsstellen
Betrag in €
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
Kosten der Sets und Packs
Werbung
Direkte Kosten der Kundenakquisition
[…]*
[…]*
[…]*
Laut der Präsentation für die Kommission vom 4. April
2002.
Laut der Präsentation für die Kommission vom 4. April
2002.
Durchschnittliche monatliche Erlöse
Endverbraucherpreis von Wanadoo ADSL
Erlöse aus Portalen
Summe der monatlichen Erlöse
17,2
[…]*
[…]*
Abschreibung der einmaligen Kosten über vier Jahre
Summe der wiederkehrenden variablen Kosten pro Monat
Deckungsbeitrag zu den wiederkehrenden variablen Kosten
Summe der variablen Kosten pro Monat
Deckungsbeitrag zu den gesamten variablen Kosten
Deckung der wiederkehrenden variablen Kosten durch die
monatlichen Erlöse
Deckung der variablen Kosten durch die monatlichen Erlöse
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
Annahme aus dem Budget 2001.
ANHANG 11 - Aufgeschlüsselte variable Kosten des Dienstes eXtense: Im Zeitraum Januar-März 2002
vorhersehbarer Deckungsgrad
Bezeichnung der Kosten
Betrag in €
Nationaler und regionaler Routing-Dienst
Kosten von IP/ADSL 1
Kosten der internationalen Anbindung
Kosten der Kundenverwaltung
Summe der wiederkehrenden variablen Kosten
Bezahlung der Verkaufsstellen
Kosten der Inbetriebnahme
Kosten des Pack eXtense
Werbung
Direkte Kosten der Kundenakquisition
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
Monatliche Erlöse
Endverbraucherpreis des Pack eXtense exkl. Steuern
Erlöse aus Portalen
Summe der monatlichen Erlöse
37,98
[…]*
[…]*
Abschreibung der einmaligen Kosten über vier Jahre
Summe der wiederkehrenden variablen Kosten pro Monat
Deckungsbeitrag zu den wiederkehrenden variablen Kosten
Summe der variablen Kosten pro Monat
Deckungsbeitrag zu den gesamten variablen Kosten
Deckung der wiederkehrenden variablen Kosten durch die
monatlichen Erlöse
Deckung der variablen Kosten durch die monatlichen Erlöse
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
Unter Annahme von […]* €/Mbit/s (Präsentation von Wanadoo
am 4.4.2002).
ANHANG 12 - Aufgeschlüsselte variable Kosten von Wanadoo ADSL: Im Zeitraum Januar-März 2002
vorhersehbarer Deckungsgrad
Bezeichnung der Kosten
Nationaler und regionaler Routing-Dienst
Kosten der internationalen Anbindung
Kosten der Kundenverwaltung
Summe der wiederkehrenden variablen Kosten
Bezahlung der Verkaufsstellen
Kosten der Sets und Packs
Werbung
Direkte Kosten der Kundenakquisition
Betrag in €
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
Durchschnittliche monatliche Erlöse
Endverbraucherpreis von Wanadoo ADSL
Erlöse aus Portalen
Summe der monatlichen Erlöse
17,2
[…]*
[…]*
Abschreibung der einmaligen Kosten über vier Jahre
Summe der wiederkehrenden variablen Kosten pro Monat
Deckungsbeitrag zu den wiederkehrenden variablen Kosten
Summe der variablen Kosten pro Monat
Deckungsbeitrag zu den gesamten variablen Kosten
Deckung der wiederkehrenden variablen Kosten durch die
monatlichen Erlöse
Deckung der variablen Kosten durch die monatlichen Erlöse
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
ANHANG 13 - Vollkosten: reale Zahlen für 2001
13.1. Im Herbst 2001 durchgeführte Überprüfung des Budgets
(Quelle: Wanadoo Interactive, […]*)
ARPU (durchschnittlicher Erlös pro Nutzer)
Netzkosten
Deckungsbeitrag zu den Netzkosten
Sonstige Produktionskosten
Bruttodeckungsbeitrag zu den Produktionskosten
Auf 48 Monate aufgeschlüsselte Akquisitionskosten
Aufgeschlüsselter Nettodeckungsbeitrag pro Einheit und Monat
2001
eXtense Wanadoo
ADSL
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
Deckungsgrad für die Vollkosten
[…]*
[…]*
Anmerkung: In der Spalte "Wanadoo ADSL" werden die Produkte Wanadoo ADSL 1 und Wanadoo Pro zusammengefasst.
Daher ist die angegebene Teilnehmerzahl höher als die theoretische Teilnehmerzahl von Wanadoo ADSL.
13.2. Finanzielle Beurteilung der Angebote 2001: reale Zahlen für August-Dezember 2001 (aufgeschlüsselt)
(laut dem Dokument, das Wanadoo Interactive der Kommission am 4. April 2002 übermittelte)
eXtense
Nominelle Erlöse aus Anschlüssen
Netzkosten
Deckungsbeitrag zu den Netzkosten
Sonstige Produktionskosten
Bruttodeckungsbeitrag zu den Produktionskosten
Auf 48 Monate aufgeschlüsselte Akquisitionskosten
Aufgeschlüsselter Nettodeckungsbeitrag pro Einheit und Monat
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
Wanadoo
ADSL
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
Deckungsgrad für die Vollkosten
[…]*
[…]*
In dieser Aufstellung wurden die Struktur- und Gemeinkosten bei den Vollkosten berücksichtigt.
Die in Anhang 16 angeführten Umsatzeinbußen wurden bei eXtense ausgehend von der Annahme berücksichtigt, dass die
Einbußen bei eXtense doppelt so hoch sind wie bei Wanadoo ADSL.
ANHANG 14 - Vollkosten: Schätzungen für 2002
14.1. Im Herbst 2001 erstellte Budgetprognose für 2002
(Quelle: Wanadoo Interactive, […]*)
2002
eXtense
ARPU (durchschnittlicher Erlös pro Nutzer)
Netzkosten
Deckungsbeitrag zu den Netzkosten
Sonstige Produktionskosten
Bruttodeckungsbeitrag zu den Produktionskosten
Auf 48 Monate aufgeschlüsselte Akquisitionskosten
Aufgeschlüsselter Nettodeckungsbeitrag pro Einheit und Monat
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
Wanadoo
ADSL
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
Deckungsgrad für die Vollkosten
[…]*
[…]*
Damals für das Budget verwendete Annahmen:
1) Rückgang der Kosten für das Routing des IP-Verkehrs auf […]* im Jahr 2002
2) gleichbleibende Zugangskosten für Netissimo 1
3) Verrechnung der Zugangsgebühr an den Endkunden und nicht an Wanadoo Interactive
14.2. Geschäftspläne 2002 (nach Inkrafttreten der neuen Tarife von France Télécom)
(laut dem Dokument, das Wanadoo Interactive der Kommission am 4. April 2002 übermittelte)
eXtense
Wanadoo
ADSL
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
Nominelle Erlöse aus Anschlüssen
[…]*
Netzkosten
[…]*
Deckungsbeitrag zu den Netzkosten
[…]*
Sonstige Produktionskosten
[…]*
Bruttodeckungsbeitrag zu den Produktionskosten
[…]*
Auf 48 Monate aufgeschlüsselte Akquisitionskosten
[…]*
Aufgeschlüsselter Nettodeckungsbeitrag pro Einheit und Monat
[…]*
Deckungsgrad
[…]*
In dieser Aufstellung wurden die Strukturkosten bei den Vollkosten berücksichtigt.
Der reale Deckungsbeitrag wird hier zweifellos zu hoch geschätzt, da Umsatzeinbußen im Verhältnis zu den
nominellen Anschlusserlösen nicht berücksichtigt werden.
Annahmen 2002 :
1) Senkung des Tarifs für das Routing des IP/ADSL-Verkehrs um […]* %
2) Senkung des Tarifs für die internationale Anbindung um […]* %
3) gleichbleibende Kosten für das Zugangsnetz in Höhe von […]* Euro
4) Zugangsgebühren zu Lasten von Wanadoo Interactive
14.3. Deckung der aufgeschlüsselten Vollkosten im Zeitraum Februar-Juni 2002: Gesamtheit des kumulierten
Teilnehmerbestands
ANHANG 14 - Vollkosten: Schätzungen für 2002
(laut dem Dokument über die Zielvorgaben, das Wanadoo Interactive der Kommission am 4. April 2002
übermittelte)
eXtense
Reale Erlöse aus Anschlüssen
Netzkosten
Deckungsbeitrag zu den Netzkosten
Sonstige Produktionskosten
Bruttodeckungsbeitrag zu den Produktionskosten
Auf 48 Monate aufgeschlüsselte Akquisitionskosten
Aufgeschlüsselter Nettodeckungsbeitrag pro Einheit und Monat
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
Wanadoo
ADSL
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
Deckungsgrad
[…]*
[…]*
In dieser Auswertung wurden die für Tabelle 3 verwendeten Annahmen berichtigt, wobei für die Kosten des Routing-Dienstes monatlich […]*
Euro statt […]* Euro pro Teilnehmer berücksichtigt wurden. Bei den Akquisitionskosten wurden die entsprechenden Kosten für die 2001 und
2002 neu gewonnenen Teilnehmer anhand ihres Anteils am Teilnehmerbestand per 30.6.2002 gewichtet. Die Bewertung der Akquisitionskosten
des Jahres 2002 erfolgt auf der Grundlage der Schätzungen, die das Unternehmen am 4. April 2002 vorlegte, und der Informationen über die
Kosten von Werbe- und Verkaufsförderungskampagnen im ersten Halbjahr 2002 gemäß den Angaben des Unternehmens.
Vom theoretischen Umsatzes wurden die Umsatzeinbußen abgezogen, die nicht durch das Ansteigen der Teilnehmerzahl erklärt werden (siehe
Anhang 16).
14.4. Deckung der aufgeschlüsselten Vollkosten im Zeitraum Februar-Juni 2002: ausschließlich für ab dem
15. Februar neu gewonnene Teilnehmer
(laut dem Dokument über die Zielvorgaben, das Wanadoo Interactive der Kommission am 4. April 2002
übermittelte)
eXtense
Reale Erlöse aus Anschlüssen
Netzkosten
Deckungsbeitrag zu den Netzkosten
Sonstige Produktionskosten
Bruttodeckungsbeitrag zu den Produktionskosten
Auf 48 Monate aufgeschlüsselte Akquisitionskosten
Aufgeschlüsselter Nettodeckungsbeitrag pro Einheit und Monat
Deckungsgrad
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
Wanadoo
ADSL
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
Diese Auswertung unterscheidet sich von der Tabelle 14.3 nur durch die Akquisitionskosten, die keine Gewichtung
für die 2001 gewonnenen Teilnehmer mehr enthalten.
Vom theoretischen Umsatz wurden die Umsatzeinbußen abgezogen, die nicht durch das Ansteigen der
Teilnehmerzahl erklärt werden (siehe Anhang 16).
ANHANG 15 - Zusammenfassung der Indikatoren für die Deckung der Kosten
15.1. GESAMTHEIT DES KUMULIERTEN TEILNEHMERBESTANDS
Deckung der
aufgeschlüsselten
variablen Kosten
August-15.Oktober
2001
15. Oktober 2001-15.
Februar 2002
15. Februar 2002- 30.
September 2002
eXtense
Umsatz
Gewichteter
Mittelwert
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
eXtense
Deckung der
Umsatz
aufgeschlüsselten
Vollkosten
August-Dezember 2001
[…]*
Januar-Juni 2002
Wanadoo ADSL
Deckungs- Umsatz
Deckungsgrad
grad
[…]*
Wanadoo ADSL
Deckungs- Umsatz
Deckungsgrad
grad
Gewichteter
Mittelwert
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
Anmerkung
Für den Zeitraum August-Dezember 2001 kann man im Buchhaltungssystem von Wanadoo Interactive die
Erlöse von Wanadoo ADSL 1 nicht eindeutig ermitteln. Daher wurde für diese Monate vom theoretischen
Ertrag ausgegangen, der erzielt würde, wenn der durchschnittliche Erlös pro Teilnehmer dem theoretischen
Ertrag eines Anschlusses entspräche.
Die theoretischen Erlöse aus dem Teilnehmerbestand werden folgendermaßen berechnet:
Teilnehmerzahl
Ende
Juli
August
September
Oktober
November
Dezember
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
Durchschnitt- Theoretischer Erlös
liche Teilnehmerzahl
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
15.2. NUR DIE IM JEWEILIGEN ZEITRAUM NEU GEWONNENEN TEILNEHMER
Die Gewichtung erfolgt nach der Bedeutung der einzelnen Produkte für das Umsatzwachstum im jeweiligen Zeitraum.
eXtense
Wanadoo ADSL
Deckung der
aufgeschlüsselten
∆ Umsatz Deckungs- ∆ Umsatz Deckungsvariablen Kosten
grad
grad
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
August-Oktober 2001
Oktober 2001-Februar
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
2002
Februar 2002-Sept.
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
2002
Gewichteter
Mittelwert
[…]*
[…]*
[…]*
15.3. EX ANTE VORHERSEHBARE WERTE, AUSSCHLIESSLICH NEUE TEILNEHMER
eXtense
Wanadoo ADSL
Deckung der
aufgeschlüsselten
∆ Umsatz Deckungs- ∆ Umsatz Deckungsvariablen Kosten
grad
grad
August-Dezember 2001
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
Gewichteter
Mittelwert
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
Erstes Halbjahr 2002*
* Vor Inkrafttreten der neuen Großhandelstarife von France Télécom
[…]*
[…]*
ANHANG 15 - Zusammenfassung der Indikatoren für die Deckung der Kosten
Es wird davon ausgegangen, dass Wanadoo Interactive das Verbot der Vermarktung des Pack eXtense (27.
Februar 2002) für den Angang des ersten Halbjahres 2002 nicht vorhersehen konnte und daher einen
Anstieg der Erlöse für die beiden Dienste in einem vergleichbaren Ausmaß wie im vorhergehenden
Zeitraum erwartete.
ANHANG 16 - Berechnung des Umsatzes mit eXtense und Wanadoo ADSL von August 2001 bis Juni 2002
16.1. eXtense
août-01
Teilnehmer
Teilnehmerzahl zu Monatsbeginn
Neue Teilnehmer
Umsteiger zu eXtense
Umsteiger zu anderen Produkten
Kündigungen
Insgesamt
Mittelwert des Monats
sept-01
Koef.
Umsatz
[…]*
[…]*
[…]* […]*
[…]*
[…]* […]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]* […]*
[…]*
[…]* […]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]* […]*
[…]*
[…]* […]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]* […]*
[…]*
[…]* […]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]* […]*
[…]*
[…]* […]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
déc-01
Koef.
Umsatz
janv-02
Teilnehmer Koef.
Umsatz
Teilnehmer Koef.
Umsatz
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]* […]*
[…]*
[…]* […]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]* […]*
[…]*
[…]* […]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]* […]*
[…]*
[…]* […]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]* […]*
[…]*
[…]* […]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]* […]*
[…]*
[…]* […]*
[…]*
[…]*
[…]*
Buchhalterischer Umsatz in 1 000 EUR
Durchschnittlicher buchhalterischer
Umsatz
Differenz zwischen berechnetem und
buchhalterischem Mittelwert
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
mars 02
Koef.
[…]*
[…]*
févr-02
Teilnehmer
Umsatz
avril 02
Teilnehmer Koef.
Umsatz
Teilnehmer Koef.
Umsatz
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]* […]*
[…]*
[…]* […]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]* […]*
[…]*
[…]* […]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]* […]*
[…]*
[…]* […]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]* […]*
[…]*
[…]* […]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]* […]*
[…]*
[…]* […]*
[…]*
[…]*
[…]*
Buchhalterischer Umsatz in 1 000 EUR
Durchschnittlicher buchhalterischer
Umsatz
Differenz zwischen berechnetem und
buchhalterischem Mittelwert
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
Umsatz
Teilnehmer Koef.
Umsatz
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]* […]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]* […]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]* […]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]* […]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]* […]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
juin 02
Koef.
[…]*
[…]*
[…]*
mai-02
Teilnehmer
Buchhalterischer Umsatz in 1 000 EUR
Durchschnittlicher buchhalterischer
Umsatz
Differenz zwischen berechnetem und
buchhalterischem Mittelwert
Umsatz
[…]*
nov-01
Teilnehmerzahl zu Monatsbeginn
Neue Teilnehmer
Umsteiger zu eXtense
Umsteiger zu anderen Produkten
Kündigungen
Insgesamt
Mittelwert des Monats
2001
Teilnehmer Koef.
[…]*
Teilnehmer
Teilnehmerzahl zu Monatsbeginn
Neue Teilnehmer
Umsteiger zu eXtense
Umsteiger zu anderen Produkten
Kündigungen
Insgesamt
Mittelwert des Monats
Umsatz
[…]*
Buchhalterischer Umsatz in 1 000 EUR
Durchschnittlicher buchhalterischer
Umsatz
Differenz zwischen berechnetem und
buchhalterischem Mittelwert
Teilnehmerzahl zu Monatsbeginn
Neue Teilnehmer
Umsteiger zu eXtense
Umsteiger zu anderen Produkten
Kündigungen
Insgesamt
Mittelwert des Monats
Oktober
Teilnehmer Koef.
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
ANHANG 16 - Berechnung des Umsatzes mit eXtense und Wanadoo ADSL von August 2001 bis Juni 2002
Mittlere Abweichung Aug.-Okt. 2001
Mittlere Abweichung Okt. 2001-Jan. 2002
Mittlere Abweichung Aug.-Dez. 2001
Mittlere Abweichung Feb.-Juni 2002
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
EUR
EUR
EUR
EUR
16.2. WANADOO ADSL
janv-02
Teilnehmer
Teilnehmerzahl zu Monatsbeginn
Neue Teilnehmer
Umsteiger zu Wanadoo ADSL
Umsteiger zu anderen Produkten
Kündigungen
Insgesamt
Mittelwert des Monats
févr-02
Koef.
Umsatz
Umsatz
[…]*
[…]*
[…]* […]*
[…]*
[…]* […]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]* […]*
[…]*
[…]* […]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]* […]*
[…]*
[…]* […]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]* […]*
[…]*
[…]* […]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]* […]*
[…]*
[…]* […]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
mai-02
Koef.
[…]*
[…]*
avril 02
Mittlere Abweichung Februar-Juni 2002
Mittlere Abweichung Januar-Juni 2002
Teilnehmer Koef.
[…]*
Teilnehmer
Buchhalterischer Umsatz in 1 000 EUR
Durchschnittlicher buchhalterischer
Umsatz
Differenz zwischen berechnetem und
buchhalterischem Mittelwert
Umsatz
[…]*
Buchhalterischer Umsatz in 1 000 EUR
Durchschnittlicher buchhalterischer
Umsatz
Differenz zwischen berechnetem und
buchhalterischem Mittelwert
Teilnehmerzahl zu Monatsbeginn
Neue Teilnehmer
Umsteiger zu Wanadoo ADSL
Umsteiger zu anderen Produkten
Kündigungen
Insgesamt
Mittelwert des Monats
mars 02
Teilnehmer Koef.
Umsatz
juin 02
Teilnehmer Koef.
Umsatz
Teilnehmer Koef.
Umsatz
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
v
[…]*
[…]*
[…]* […]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]* […]*
[…]*
[…]* […]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]* […]*
[…]*
[…]* […]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]* […]*
[…]*
[…]* […]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]* […]*
[…]*
[…]* […]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]* EUR
[…]* EUR
Anmerkung: In die Umsätze für die Monate März bis Juni wurden […]* einbezogen.
ANHANG 17 - Kosten der Bandbreite für den IP-Verkehr, der von France Télécom von September 2001 bis
Juni 2002 in Rechnung gestellt wurde
Quellen:
Verkehrsdaten von France Télécom (E-Mails von […]* mit Anlagen vom 3. Mai und 21. November 2002).
Daten über den durchschnittlichen Teilnehmerbestand wurden den von Wanadoo Interactive übermittelten Informationen
entnommen.
Erfasste Nutzer Erfasste Nutzer Kosten für
online bei
online bei
Nutzer in
Netissimo 1 in Netissimo 1 auf
Paris
Paris
dem Land
sept-01
oct-01
nov-01
déc-01
janv-02
févr-02
mars-02
avr-02
mai-02
juin-02
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
Kosten für
Nutzer auf
dem Land
Kosten
insgesamt
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
DurchDurchDurch- Verbindungsschnittl.
schnittl.
schnittl.
rate
Gesamtzahl Kosten pro Verkehr
der Nutzer
Nutzer pro Nutzer
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
Durchschnittliche
Kosten pro Nutzer
Gewichteter Mittelwert September-Oktober 2001
Gewichteter Mittelwert Oktober 2001-Februar 2002
Gewichteter Mittelwert Februar-Juni 2002
[…]*
[…]*
[…]*
Durchschnittlicher
Verkehr pro Nutzer
Gewichteter Mittelwert September-Oktober 2001
Gewichteter Mittelwert Oktober 2001-Februar 2002
Gewichteter Mittelwert Februar-Juni 2002
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
ANHANG 18 - Bewertung der Kosten der internationalen Anbindung von Februar bis Juni 2002
France Télécom hat die ADSL-Verkehrsströme ab April 2002 genau gemessen, wobei nur der Verkehr vom Typ
Netissimo 1 ermittelt wurde.
Für den Zeitraum vom 15. Februar bis zum 31. März 2002 wird davon ausgegangen, dass der internationale Verkehr
[...]* % des von France Télécom in Rechnung gestellten ADSL-Routing-Verkehrs entspricht. [...]*von France Télécom
in Rechnung gestellte theoretische Verkehr, der in Anhang 17 nachvollzogen wird.
Für den Zeitraum vom 31. März bis zum 30. Juni werden Daten herangezogen, die France Télécom in der Antwort
vom 20.12.2002 übermittelte.
Zur Berechnung des Mittelwerts wird der Verkehr anhand der durchschnittlichen Zahl der ADSL-Nutzer gewichtet.
Verkehr
févr-02
mars-02
avr-02
mai-02
juin-02
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
Gewichteter Mittelwert
Durchschnittliche Kosten
Durchschnittliche Teilnehmerzahl
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
ANHANG 19 - Geschäftspläne für 2001
ANNAHMEN VOM SOMMER 2000: im Zusammenhang mit der Gestaltung des Preises für das Pack eXtense untersuchte
Szenarien
Kombination der Szenarien für die zu Beginn des Sommers 2000 vorgesehenen Preise des Anschlusses und des Pack
(Quelle: Wanadoo Interactive)
Preis des Anschlusses
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
Preis des Pack
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
Diskontierungssatz
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
Nettogegenwartswert 2000-2003
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
Teildeckung
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
Volldeckung
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
Simulation eines Szenarios, das im Juli 2000 nicht explizit vorgesehen wurde: Preise von […]* auf der Grundlage der zu
Beginn des Sommers 2000 geltenden Kosten
2000
2001
2002
2003
Kumuliert
Gesamterlöse
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
Produktionskosten
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
Akquisitionskosten
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
Nettodeckungsbeitrag
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
Diskontierter Nettodeckungsbeitrag
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
Bei der von der Kommission in dieser Tabelle angewandten Methode werden die Zahlen aus der Simulation von Wanadoo mit
Preisen von […]* FRF je Anschluss und von […]* FRF je Pack folgendermaßen bereinigt: auf die durchschnittliche Teilnehmerzahl
wurde eine Veränderung des Anschlusserlöses, durch die er auf […]* FRF monatlich zurückgeht, und auf "∆ Teilnehmerzahl" wurde
eine Verringerung der Akquisitionskosten um […]* FRF pro neuem Kunden angewandt. Es wird davon ausgegangen, dass der
Anschlusspreis während des ganzen Zeitraums unverändert […]* FRF inkl. Steuern beträgt.
FINANZIELLE BEURTEILUNG DER ANGEBOTE, BUDGET 2001
(Quelle: Wanadoo Interactive, Budget 2001, […]*)
Zahlen pro ADSL-Einheit, in FRF je Teilnehmer
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
ARPU / Monat
Produktionskosten
Bruttodeckungsbeitrag/Einheit und Monat
Akquisitionskosten, auf 48 Monate aufgeteilt
Nettodeckungsbeitrag/Einheit und Monat
Gesamtzahlen für ADSL, in Mio. FRF
Umsatz
Produktionskosten
Jährlicher Bruttodeckungsbeitrag
Akquisitionskosten
Jährlicher Nettodeckungsbeitrag
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
Annahmen zu den Anschlusspreisen:
Annahmen zu den Kosten:
[…]*
[…]*
[…]*
FINANZIELLE BEURTEILUNG DER ANGEBOTE, BUDGET 2001
(Quelle: Wanadoo Interactive, Budget 2001, endgültige Version vom 20.2.2001)
Zahlen pro ADSL-Einheit, in FRF je Teilnehmer
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
ARPU / Monat
Produktionskosten
Bruttodeckungsbeitrag/Einheit und Monat
Akquisitionskosten, auf 48 Monate aufgeteilt
Nettodeckungsbeitrag/Einheit und Monat
Annahmen zu den Anschlusspreisen:
Annahmen zu den Kosten:
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
Gesamtzahlen für ADSL, in Mio. FRF
Umsatz
Produktionskosten
Jährlicher Bruttodeckungsbeitrag
Akquisitionskosten
Jährlicher Nettodeckungsbeitrag
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
ANHANG 20 - Schätzung der Entwicklung des Deckungsbeitrags zu den kumulierten direkten Kosten für die
Dienste eXtense und Wanadoo ADSL vom Januar 2001 bis zum Dezember 2002
eXTense
janvier-01
février-01
mars-01
avril-01
mai-01
juin-01
juillet-01
août-01
septembre-01
octobre-01
novembre-01
décembre-01
janvier-02
février-02
mars-02
avril-02
mai-02
juin-02
juillet-02
août-02
septembre-02
octobre-02
novembre-02
décembre-02
Wanadoo
ADSL
janvier-01
février-01
mars-01
avril-01
mai-01
juin-01
juillet-01
août-01
septembre-01
octobre-01
novembre-01
décembre-01
janvier-02
février-02
mars-02
avril-02
mai-02
juin-02
juillet-02
août-02
septembre-02
octobre-02
novembre-02
décembre-02
Kumulierte Zunahme Deckungsbeitrag AkquisitionsGeschätzter
Deckungsbeitrag
Teilnehmer- pro Monat zu den wiederkosten pro Deckungs-beitrag
zu den
anzahl
kehrenden
Einheit
zu den direkten
kumulierten
variablen Kosten
Kosten
direkten Kosten
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
Kumulierte Zunahme Deckungsbeitrag AkquisitionsGeschätzter
Deckungsbeitrag
Teilnehmer- pro Monat zu den wiederkosten pro Deckungs-beitrag
zu den
anzahl
kehrenden
Einheit
zu den direkten
kumulierten
variablen Kosten
Kosten
direkten Kosten
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
ANHANG 21 - Werbeausgaben und Anstieg der Teilnehmerzahl
Werbung
(in 100 €)
janv-01
févr-01
mars-01
avr-01
mai-01
juin-01
juil-01
août-01
sept-01
oct-01
nov-01
déc-01
janv-02
févr-02
mars-02
avr-02
mai-02
juin-02
juil-02
août-02
sept-02
oct-02
nov-02
déc-02
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
Anstieg der
ADSLTeilnehmerzahl
(Anzahl pro
Monat)
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
1
1
1
1
1
1
0
Werbung
(in 100 €)
Anstieg der ADSLTeilnehmerzahl (Anzahl pro
Monat)
0
0
0
ja
nv
m 01
ar
s0
m 1
ai
-0
ju 1
il0
se 1
pt
-0
no 1
v0
ja 1
nv
m 02
ar
s0
m 2
ai
-0
ju 2
il0
se 2
pt
-0
no 2
v02
0
Die monatlichen Aufwendungen für Werbung sowie Werbe- und Marketingmaßnahmen wurden anhand der Anworten
bewertet, die Wanadoo Interactive am 13. November und 5. Dezember 2001 sowie am 15. März, 18. April und 6.
Dezember 2002 übermittelte.
ANHANG 21 - Werbeausgaben und Anstieg der Teilnehmerzahl
Werbung
(in 100 €)
xi
Anstieg der
ADSLTeilnehmerzahl (Anzahl
pro Monat)
xi-X
yi-Y
(xi-X)(yi-Y)
(xi-X)²
(yi-Y)²
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
yi
janv-01
févr-01
mars-01
avr-01
mai-01
juin-01
juil-01
août-01
sept-01
oct-01
nov-01
déc-01
janv-02
févr-02
mars-02
avr-02
mai-02
juin-02
juil-02
août-02
sept-02
oct-02
nov-02
déc-02
Mittelwert
Summe
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
X und Y sind die Mittelwerte von xi und yi
xi und yi geben die Werte an, die im Zeitraum Januar 2001-Dezember 2002 für x und y verzeichnet wurden.
Bestimmung der linearen Korrelation
Linearer Korrelationskoeffizient:
[…]*
Grafik: Anstieg der Teilnehmerzahl / Werbung
Lineare Regression nach der Methode der kleinsten Quadrate
ANHANG 21 - Werbeausgaben und Anstieg der Teilnehmerzahl
Die Aufgabe besteht darin, eine Gerade zu finden, bei der die Summe der quadrierten Abstände aller Punkte aus der
oben abgebildeten Wolke zu der Geraden möglichst klein ist.
Die Gerade besteht aus Punkten mit den Koordinaten (x,y) mit y = a.x + b.
Algebraisch erhält man:
a = #VALUE!
b = #VALUE!
Die Gerade der kleinsten Quadrate wird somit durch folgende Gleichung bestimmt: y = 1,08.x + 20 242
ANHANG 22 - Werbe- und Verkaufsförderungsausgaben von Wanadoo Interactive und seiner Wettbewerber
für Produkte mit hohen Bandbreiten (512 kbit/s)
22.1. AUSGABEN DER WETTBEWERBER FÜR WERBUNG UND VERKAUFSFÖRDERUNG
(in 1 000 Euro, wenn nicht anderes angegeben ist)
Aggregierte Daten auf der Grundlage der Antworten von Club Internet, AOL, Tiscali, Easynet, 9Online, Free
Net Pratique, NC Numéricâble, UPC France, Noos, Nerim
Der Gratis-Zugang, der von gewissen Wettbewerbern angeboten wird, wurde nicht als Verkaufsförderung erachtet.
Werbung am
Verkaufsort
Werbung
Verkaufsförderung
Summe
Anstieg der
In € pro
TeilnehmerTeilnehmer
zahl
20.253
210
71.342
203
196.837
141
829
4. Quartal 2001
185
2.225
4.257
1.935
7.095
5.435
14.465
1. Halbjahr 2002
2. Halbjahr 2002
1.275
10.337
16.105
27.717
Zur Information: 2. Halbjahr
Vertraulich*
> 240
2002 ohne Free
Summe für das Jahr 2002
3.210
17.432
21.540
42.182
268.179
157
* Die Angabe von Daten in dieser Zeile würde Rückschlüsse auf die spezifischen Zahlen für Free erlauben.
22.2. AUSGABEN VON WANADOO FÜR WERBUNG UND VERKAUFSFÖRDERUNG
(in 1 000 Euro, wenn nicht anderes angegeben ist)
Ausgaben von Wanadoo Interactive für Werbung/Verkaufsförderung im Jahr 2001
Werbeausgaben Januar-Okt. 2001
[…]*
Antworten vom 13.11.2001 und 6.12.2002
Verkaufsförderung und Aktionen Januar-Okt. 2001
[…]*
Antworten vom 5.12.2001(Punkt 9) und 7.12.2002
Werbung November 2001
[…]*
Antwort vom 5.12.2001, Punkt 8
Werbeausgaben Dezember 2001
[…]*
Antwort vom 15.3.2002
Werbemaßnahmen Dezember 2001
[…]*
Ibid.
Verkaufsförderung am Ende des Jahres 2001
[…]*
Antwort vom 18.4.2002
Summe 2001
[…]*
Mittelwert pro neuem Kunden 2001
[…]*
Ausgaben von Wanadoo Interactive für Werbung/Verkaufsförderung im ersten Halbjahr 2002
Werbung Januar 2002
[…]*
Antwort vom 15.3.2002
Werbemaßnahmen Januar 2002
[…]*
Ibid.
Werbekampagnen Februar
[…]*
Antwort vom 18.4.2002
Werbemaßnahmen Februar 2002
[…]*
Ibid.
Werbekampagnen März 2002
[…]*
Ibid.
Werbekampagnen April-Juni 2002
[…]*
Antworten vom 1.8.2002 und 6.12.2002
Werbemaßnahmen April-Juni 2002
[…]*
Antworten vom 1.8.2002 und 6.12.2002
Rückzahlung von 45 € Februar-Juni 2002
[…]*
Antwort vom 6.12.2002
Gratis-Monate Wanadoo ADSL 1
[…]*
Antwort vom 6.12.2002
Werbemaßnahmen März
[…]*
Antwort vom 18.4.2002
Summe 1. Halbjahr 2002
[…]*
Mittelwert pro neuem Kunden im 1. Halbjahr 2002, in €
[…]*
Ausgaben von Wanadoo Interactive für Werbung/Verkaufsförderung im zweiten Halbjahr 2002
Kommunikation
[…]*
Antwort vom 6.12.2002
Werbe- und Marketingaktionen
[…]*
Ibid.
Rückzahlung von 75 €
[…]*
Ibid.
Rückzahlung von 150,92 € Studenten
[…]*
Ibid.
Summe 2. Halbjahr 2002
[…]*
Mittelwert pro neuem Kunden im 2. Halbjahr 2002, in €
[…]*
Mittelwert Wanadoo insgesamt 2002, in €
[…]*
ANHANG 22 - Werbe- und Verkaufsförderungsausgaben von Wanadoo Interactive und seiner Wettbewerber
für Produkte mit hohen Bandbreiten (512 kbit/s)
22.3. BEURTEILUNG DES WERBE- UND VERKAUFSFÖRDERUNGSAUFWANDS IM VERHÄLTNIS ZUM
UMSATZ
Jahr 2002
Wettbewerber
Teilnehmerzahl am 31.12.2001
[…]*
Anstieg im 1. Halbjahr
[…]*
Anstieg Juli-August 2002
[…]*
Anstieg September-Dezember 2002
[…]*
Simulation des Umsatzes durch neue Teilnehmer 2002,
exkl. Steuern
[…]*
Simulation Umsatz 2002, exkl. Steuern
[…]*
Werbung/Verkaufsförderung 2002 insgesamt
[…]*
Werbung und Verkaufsförderung / ∆ Verkauf 2002
[…]*
Werbung und Verkaufsförderung / Gesamtumsatz 2002
[…]*
Vereinfachte Annahmen
Wanadoo
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
Werbe- und Verkaufsförderungsaufwand von
Wanadoo im Verhältnis zum
Umsatz 2001:
[…]*
. Die Teilnehmer des ersten Halbjahres zählten durchschnittlich 9 Monate zu den Kunden.
. Die neuen Teilnehmer von Juli-August 2002 zählten durschnittlich 5 Monate zu den Kunden.
. Die neuen Kunden von September-Dezember 2002 zählten durchschnittlich 2 Monate zu den Kunden.
. Anschlusspreis von 45 EUR inkl. Steuern für die Wettbewerber von Wanadoo Interactive**
. Wanadoo: Berücksichtigung des tatsächlichen Umsatzes im ersten Halbjahr 2002 und
des rechnerisch ermittelten Umsatzes im zweiten Halbjahr
Aufgrund von billigeren Produkten, die nicht in Form eines Pakets vermarktet werden, und des Angebots von Free um 30 Euro, ist der
Umsatz bei den Wettbewerbern von Wanadoo zu hoch angesetzt.
Die Angabe aufgeschlüsselter Daten würde allerdings zur Preisgabe von Geschäftsgeheimnissen der Wettbewerber führen.
ANHANG 23 - Vergleich der Kunden von Noos, Club Internet und Wanadoo Interactive mit
Breitbandanschlüssen von Dezember 1999 bis März 2001
Wanadoo
Interactive
ADSL-Teilnehmer
Kabelteilnehmer
Teilnehmer insgesamt
Wöchentliche Zunahme
T-Online France Teilnehmer insgesamt
(Club Internet) Wöchentliche Zunahme
Noos
Teilnehmer insgesamt
Wöchentliche Zunahme
Vergleich Wanadoo / T-Online
ADSL
Insgesamt
Zunahme
Vergleich Wanadoo / Noos
Insgesamt
Zunahme
31-déc-99 30-juin-00 30-sept-00
(A)
[…]*
[…]*
[…]*
(B)
[…]*
[…]*
[…]*
(C)
[…]*
[…]*
[…]*
(D)
[…]*
[…]*
[…]*
(E)
[…]*
[…]*
[…]*
(F)
[…]*
[…]*
[…]*
(G)
[…]*
[…]*
[…]*
(H)
[…]*
[…]*
[…]*
(A)/(E)
[…]*
[…]*
[…]*
(C)/(E)
[…]*
[…]*
[…]*
(D)/(F)
[…]*
[…]*
[…]*
(C)/(G)
[…]*
[…]*
[…]*
(D)/(H)
[…]*
[…]*
[…]*
31-déc-00 31-mars-01
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
ANHANG 24 - Vergleich der angebotenen Breitband- und Schmalbandzugänge
Anschlüsse Juni Breitband für Schmalband Schmalband Schmalband Breitbandanschluss /
Schmalband mit
2001 in €
'PrivatPauschale für Pauschale für Pauschale
höchster Pauschale
kunden' 512
20 h
30 h
für 40 h
Club Internet
AOL
Infonie
Liberty Surf
Mangoosta
Netup
Netclic
Nerim
Noos
Oreka
UPC
9Telecom
Worldonline
Wanadoo
Mittelwert
44,9
14,8
3,0
45,6
44,9
59,5
15,0
14,5
29,0
10,5
13,7
19,7
23,6
1,6
3,1
65,2
57,5
12,0
44,0
12,0
66,5
45,4
52,6
14,9
13,4
22,7
22,6
23,0
24,3
Anschlüsse Mitte Breitband für Schmalband Schmalband Schmalband
Oktober 2002 in
'PrivatPauschale für Pauschale für Pauschale
€
kunden' 512
20 h
30 h
für 40 h
2,9
2,0
2,2
Schmalband
Pauschale für
50 h
Schmalband Breitbandanschluss /
Schmalband mit
ohne Behöchster Pauschale
schränkung
Club Internet
45,00
14,00
19,00
AOL
44,99
16,90
24,99
Cario
18,50
Dixinet
46,00
Easynet
50,00
Free
30,00
14,94
Freesurf
45,00
Tiscali
44,90
14,48
22,50
24,95
Nerim
42,46
Noos
39,00
Oreka
39,95
12,00
UPC
43,99
9Online
45,00
12,00
24,00
Worldonline
66,53
22,71
Wanadoo
45,43
15,00
20,00
25,00
Mittelwert
44,9
14,1
20,7
22,0
Bei AOL und Cario wurden die Pauschalen für 15 h und 25 h auf die Pauschalen für 20 h bzw. 30 h umgerechnet.
2,4
1,8
1,8
3,3
1,9
2,9
1,8
2,0
ANHANG 25 - Austauschbarkeit von Breitband- und Schmalbandzugängen
Annahmen für die Reaktion der Nutzer auf Preisänderungen: Erhebung von Novatris.
Annahmen für den Deckungsbeitrag: Deckungsbeitrag zu den wiederkehrenden Kosten von Wanadoo Interactive.
eXtense
Zeiträume ab Januar 2001
Einzelhandelspreis exkl. Steuern
Erhöhung um 10 %
Deckungsbeitrag pro Einheit zu den variablen Kosten
Zusätzlicher Gewinn
Verringerung des Gewinns
Veränderung des Gewinns nach der Erhöhung um 10 %
Januar- August- November Februar- Ab Oktober
Juli 2001 Oktober
2001September
2002
2001
Februar
2002
2002
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
Wanadoo ADSL
Zeiträume ab Januar 2001
Einzelhandelspreis exkl. Steuern
Erhöhung um 10 %
Deckungsbeitrag pro Einheit zu den variablen Kosten
Zusätzlicher Gewinn
Verringerung des Gewinns
Veränderung des Gewinns nach der Erhöhung um 10 %
Januar- August- November Februar- Ab Oktober
Juli 2001 Oktober
2001September
2002
2001
Februar
2002
2002
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
Schlussfolgerung: im ganzen Zeitraum ist eine Preiserhöhung um 10 % rentabel und das Ergebnis der Prüfung
ist positiv.
ANHANG 26 - Entwicklung der Zuwachsraten bei Wanadoo und seinen Mitbewerbern
1.Hj 2000 2.Hj 2000 1.Q 2001 2.Q 2001 3.Q 2001 4.Q 2001 1.Q 2002 2.Q 2002 3.Q 2002 4.Q 2002
Wanadoo
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
771
1.315
1.415
888
280
238
-68
838
375
-329
63
131
470
591
299
666
2.847
2.296
1.240
10.270
Gesamtsumme
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
Anteil von Wanadoo am
Zuwachs
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
[…]*
Kabelmodem-Anbieter
insgesamt (außer
Wanadoo)
ADSL-Anbieter
insgesamt (außer
Wanadoo)
1,2
1
Wanadoo
0,8
KabelmodemAnbieter insgesamt
(außer Wanadoo)
0,6
0,4
ADSL-Anbieter
insgesamt (außer
Wanadoo)
0,2
0
1.Hj
2000
2.Hj
2000
1.Q
2001
2.Q
2001
3.Q
2001
4.Q
2001
1.Q
2002
2.Q
2002
3.Q
2002
4.Q
2002
Die Grafik veranschaulicht die Entwicklung des wöchentlichen Anstiegs der Teilnehmerzahl bei Wanadoo
einerseits und allen anderen konkurrierenden Kabelmodem- und ADSL-Anbietern andererseits.
Ein Einbruch der Verkaufszahlen der Kabelanbieter ab dem ersten Halbjahr 2001 ist erkennbar.
Die Neuanmeldungen bei den Mitbewerbern im ADSL-Bereich steigen erst ab Oktober 2002 (Ende des Verstoßes).
Der Rückgang der Verkaufszahlen von Wanadoo im Frühling 2002 ist durch die Auswirkungen erklärbar, die das
Verbot der Vermarktung von eXtense in den Verkaufsstellen durch die Entscheidung des Wettbewerbsrats
vom Februar 2002 nach sich zog.
Was this manual useful for you? yes no
Thank you for your participation!

* Your assessment is very important for improving the work of artificial intelligence, which forms the content of this project

Download PDF

advertisement