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The Bastard Operator from Hell #1

Gefunden auf einem neuseelaendischen

FTP-Server zu einer Zeit, als die meisten von euch noch nicht mal wussten, dass man

Komputer mit K schreibt. von Simon Travaglia frei uebersetzt von Florian Schiel

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Heute ist Backup-Tag. Mein Lieblingtag! Andererseits hat es natuerlich gewisse Vorteile, der Operator zu sein. Ich linke das tape device nach

/dev/null - viel oekonomischer. Zumindest, was meine Arbeitszeit angeht, weil ich nicht alle 5 Minuten Baender wechseln muss. Ausserdem dauert das

Backup nur noch etwa 12 Minuten, also kann es nicht ganz schlecht sein! Ein

Benutzer ruft an.

"Wissen Sie, warum das System so langsam ist?", fragt er.

"Wahrscheinlich liegt's an ..." - Ich schaue nach, was heute dran ist -

" ... der Taktfrequenz."

"Ah." ---

Wenn sie nicht wissen, wovon man redet, sind sie meistens zufrieden.

"Wissen Sie, wann das repariert wird?"

"Repariert? Es sind 275 Benutzer auf deiner Maschine, einer davon bist

Du. Nun sei ein braver Junge und lass mal ein paar andere ran. Log aus, Egoist!"

"Aber ... aber die Ergebnisse muessen morgen abgegeben werden. Ich brauche nur noch eine Seite auf dem Laserdrucker .."

"Aber klar doch! Erzaehl das mal deiner Omama, Bruder!"

Ich haenge auf. Hundertausend Hoellenhunde! Man sollte meinen, dass sie endlich lernen, NICHT mehr anzurufen!

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Das Telefon klingelt wieder. Ich weiss, dass er es ist. Sowas nervt mich.

Ich veringere meine Stimmlage um 2 Oktaven.

"HALLO, LOHNBUCHHALTUNG!"

"Ah .. oh. Tut mir leid. Ich habe die falsche Nummer..."

"SOOO? Wie ist denn Ihr Name, Freundchen? Wissen Sie, wieviel Geld uns solche falschen Anrufe kosten? WISSEN SIE DAS? Ich haette gute Lust, Ihre vergeudete Zeit, meine vergeudete Zeit und die Kosten dieses Anrufs von

Ihrem Monatsgehalt abzuziehen! TATSACHE, DAS WERDE ICH AUCH! Wenn ich mit

Ihnen fertig bin, werden SIE UNS Geld schulden! WIE IST IHR NAME - UND

KEINE LUEGEN! WIR HABEN ISDN!"

Ich hoere, wie der Hoerer 'runterfaellt und sich jemand in Trab setzt - er will sich im Sekretariat des Dekans ein Alibi besorgen. Ich tippe seinen

Benutzernamen ein und rufe im Sekretariat des zugehoerigen Dekanats an.

"Hallo?", meldet sie sich.

"Hallo, Simon, Operator hier. Passen Sie auf! Wenn er in etwa 10 Sekunden in Ihr Buero stuermt, koennen Sie ihm was ausrichten?"

"Ich denke schon...", sagt sie unsicher.

"SAGEN SIE IHM: ER KANN RENNEN, ABER ER ENTGEHT MIR NICHT!"

"-hm, gut."

"Und nicht vergessen. Es waere doch schade, wenn jemand Ihre Datei mit den einschlaegigen S+M Tips in Ihrem Account finden wuerde..."

Ich hoere ihre langen Fingernaegel panikartig ueber die Tastatur klappern...

"Sparen Sie sich die Muehe - ich hab' bereits 'ne Kopie. Nun seien Sie ein gutes Maedchen und richten Sie's ihm aus!"

Sie verspricht es heulend.

Das Schlimme an der Sache ist: die S+M Sache war nur geraten. Trotzdem hole ich mir rasch eine Kopie davon. Koennte mal ganz gut sein, wenn ich nicht einschlafen kann...

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Inzwischen ist das Backup in neuer Rekordzeit zu Ende gelaufen. 11 Minuten und 10 Sekunden. Es lebe die moderne Rechnertechnik! Schon wieder klingelt das Telefon.

"Ich brauche mehr Platz sagt er."

"Warum ziehen Sie nicht in den Osten?"

"Quatsch, in meinem Account, Sie Idiot."

Idiot? Oh-oh... "Es tut mir so leid", sage ich wie Mutter Beimer in der

Lindenstrasse "aber ich hab' das nicht ganz mitgekriegt. Was sagten Sie doch gleich?"

Ich kann die aufkommende Angst durch die Leitung riechen. Aber es ist zu spaet: er ist erledigt und er weiss es.

"-hm, ich sagte, haette gerne etwas mehr Speicherplatz in meinem

Account bitte."

"Aber klar. Augenblick mal."

Ich hoere ihn erleichtert aufatmen, obwohl er die Sprechmuschel mit der Hand abdeckt. "Erledigt. Sie haben massig Platz jetzt."

"Wieviel?"

Das geht mir nun wirklich auf den Keks! Nicht nur dass sie dauernd

Speicherplatz von mir fordern, Sie wollen mich auch noch kontrollieren und protestieren, wenn ich Ihnen nicht genug gebe. Sie sollten gluecklich sein mit dem, was es von mir gibt, und basta! Wieder mit Mutter Beimer:

"Also, schaun' wir mal. Sie haben 60 MB frei."

"Klasse! 120 MB zusammen. Vielen Dank!", sagte er begeistert von seiner

Verhandlungstechnik.

"Moment!" unterbreche ich. Das muss man geniessen wie einen Suedaustralischen

bei Raumtemperatur. "60 MB insgesamt."

"Was? Ich habe doch schon 60 MB belegt. Wie kann ich dann noch 60 MB frei haben?"

Ich sage nichts. Ist auch nicht noetig. Er wird schon noch drauf kommen.

"Aaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaarrrrrrrrrrrrggggghhhhhh!"

Ich mag mich wenn ich eklig bin. Ehrlich!

The Bastard Operator from Hell #2

Ich spiele gerade DOOM an der Masterconsole als irgend so ein gedankenloser

Bastard anruft. Ich hebe ab.

"Hallo?" sage ich.

"Wer ist da?", sagt jemand.

"Ich denke, ich bin's", sage ich.

Wozu habe ich den Kurs 'Erfolgreiches Verhandeln am Telefon' absolviert?

"Wer ich?"

"Wird das ein Oesterreicherwitz?", sage ich, waehrend ich mit allen verfuegbaren Fingern auf den Feind ballere.

ZU SPAET. YOU GOT KILLED. GAME OVER. Meine Laune sinkt von minus zweihundert auf den absoluten Nullpunkt.

"Was kann ich fuer Sie tun?"

Stimme so weich wie Kaschmirwolle (ein untruegliches Warnzeichen!)

"Aehm, Ich haette gerne gewusst, ob wir ein bestimmtes Software-

Paket haben..."

"Was fuer eine Software ist das?"

"Aehm, sie heisst B-A-S-I-C." klickerdiklackerdiklick r-m b-a-s-i-c.e-x-e

"Hm, tut mir leid, haben wir nicht. Wir hatten das mal..."

"Oh. Na gut, die andere Sache, weswegen ich anrufe: koennte man alle Daten in meinem Account auf Band kopieren? Dann haette ich eine Sicherheitskopie zu Hause im Falle eines Falles..."

"Im Falle eines Falles?"

"Ja, falls sie zum Beispiel aus Versehen geloescht werden oder so ..."

"GELOESCHT! Ah, machen Sie sich da mal keine Sorgen. Wir machen doch

Backups." Ich bin so ein Schwein!

"Wie ist Ihr Username?" Er gibt mir seinen Usernamen. Nicht sehr helle! klickediklackediklick

"Aber Sie haben doch gar keine Daten in Ihrem Account!", sage ich, baffes Erstaunen in der wohlmodulierten Stimme.

"Natuerlich habe ich Daten. Sie schauen sicher an der falschen Stelle!" klickediklackediklick

"Ah, stimmt. Ich war falsch", sage ich. Hat er nicht gerade 'Typisch' in seinen Bart gemurmelt? Mein lieber Freund... "Ich wollte sagen:

DER USERNAME EXISTIERT GAR NICHT."

"Was?" Wimmern in der Leitung. "Aber da muss einer sein. Ich habe doch erst heute morgen darin gearbeitet!"

"Aha! Da liegt das Problem. Sehen Sie, da war ein Virus im System heute morgen. Der ... aeh ... Leonardo da Vinci Virus. Loescht alle User die gerade eingeloggt sind, wenn er losbricht."

"Das kann nicht sein. Meine Freundin war auch eingeloggt, und jetzt bin ich gerade in ihrem Account!"

"Und welcher ist das?"

ER SAGT ES MIR. MANCHE LEUTE LERNEN'S NIE.

"Ah, ja. Den Account konnten wir gerade noch retten." klickediklackediklick

"Sie hat nur alle Daten verloren."

"Aber..."

"Keine Sorge. Wir haben doch alles auf Backup."

"Oh, Gott sei Dank!!!"

"Auf Lochstreifen-Backup! Haben Sie einen Leser dafuer? Wir nicht!

Viel Spass!!!"

Ich bin so ein Hund!

The Bastard Operator from Hell #3

Mein Job ist so eine Hetze, dass ich kaum dazu komme, kurz mal ins Kino zu fahren, bevor die Leute ihre Ausdrucke abholen kommen. Die Queue ist sowieso viel zu voll, als dass ich alles rechtzeitig ausgedruckt (und sortieren) koennte. Also kille ich alle die kleineren Jobs bis auf zwei und die lassen sich im Nu sortieren. Nach dem Film (einer von diesen

Endlos-Bertoluccis, wo der Held nach drei Stunden endlich in grandiosen

Visionen zugrunde geht) komme ich zurueck, um die Ausdrucke auszugeben.

Etwa fuenfzig Leute warten draussen und ich habe zwei Ausdrucke. Stimmt ziemlich gut mit meinem Durchschnitt ueberein. Andererseits haette ich mehr killen sollen. Egal, ich lasse die beiden Ausdrucke elegant auf den Tisch gleiten, drehe mich um und gehe betont langsam zurueck in meinen Glaskasten.

Dabei halte ich deutlich sichtbar das Clipboard in der Hand, das mit den grossen roten Buchstaben 'ACCOUNTS TO REMOVE' auf der Rueckseite. Keiner sagt ein Wort. Wie immer.

--------

Ich sitze wieder gemuetlich im Operator-Sessel und beobachte den

Ueberwachungs-Monitor, der zufaellig mit dem Videoplayer aus der medizinischen Optik verbunden ist (zur Reparatur hier; geschaetzter Termin der Ruecklieferung irgendwann in 2001). Ploetzlich klingelte das Telefon. Das muss heute schon das zweite Mal sein und es beginnt, mir auf die Nerven zu gehen.

"Ja?", sage ich und halte das Bild an.

"Ich hab' aus Versehen meinen Lebenslauf geloescht", sagt die Stimme am anderen Ende.

"Tatsaechlich? Wie war Ihr Username?"

Er sagt es mir.

Sch.... wie langweilig. "Ah, nein. Nicht Sie haben ihn geloescht - ich war's."

"Was?"

"Ich hab' ihn geloescht! Er war voll mit Sch...! In keinem einzigen Fach was Besseres als 'ne zwei!"

"Haeh?"

"Und der Mist mit dem Austauschstudium - das war Ihre Freundin, und wir beide wissen das!"

"Haeh??"

"Na, Ihre Studienangaben. Ich hab's nachgeprueft. Sie haben gelogen."

"Wie haben Sie ..."

Es klickt deutlich hoerbar.

"Oh, nein. SIE sind's! Der BASTARD OPERATOR FROM HELL!"

"Leibhaftig, am Telefon und in Ihrem Account. Es waere wirklich besser gewesen nicht anzurufen, wissen Sie.

Vor allem haetten Sie Ihren Usernamen lieber fuer sich behalten sollen..."

[klickediklackediklick]

"Tja, und dann haetten Sie dem System Manager keine so boese Mail schicken duerfen. Eine Mail, die ausdrueckt, was Sie von ihm halten - in huebschen

Bildern!"

"Ich habe keine ..."

[ klickediklackediklick klick ]

"So? Haben Sie nicht? Wer kann das noch sagen heutzutage? Keine Sorge, es bald wird alles vorueber sein...."

[ klickediklackediklick klick ]

... noch den Usernamen zurueckaendern ...

[ klickediklackediklick ]

"B-b-b-b", blubbert er wie eine desynchronisierte PDP-11.

"Leben Sie wohl", sage ich ueberfreundlich. "Ich denke Sie sollten jetzt besser packen. Viel Spass beim Neubeginn."

Ich lege auf. Zwei Sekunden spaeter laeutet das rote Telefon. Es ist der

Boss. Er knurrt den Usernamen - von wem wohl? - und etwas ueber eine schweinische Mail. "Sie wissen, was Sie zu tun haben ..." mit den Punkten und allem.

Spaeter, im Abrechnungscomputer der Staedtischen Elektrizitaetswerke, waehrend ich die naechste Rechnung des armen Schweins um ein paar Nullen korrigiere, wundere ich mich wieder einmal ueber diesen hartnaeckigen und

unglaublichen Mangel an Urteilsvermoegen - welche Bloedheit kosmischen

Ausmasses treibt sie immer wieder dazu, bei mir anzurufen. Noch spaeter, als ich im FBI Computer sein Photo von der WWW Page in die Gesuchtenliste kopiere (die mit dem Label 'Dringend gesucht, bewaffnet und gefaehrlich, sofort schiessen') komme ich zu dem Schluss, dass ich es wohl niemals wissen werde - aber das Leben geht weiter.

Ein paar Stunden spaeter sehe ich die GSG 9 sein Apartment umstellen und mir wird klar: fuer ein paar von uns wird es das nicht. Aber morgen ist ein neuer Tag.

The Bastard Operator from Hell #4

Es ist Donnerstag und ich bin guter Laune. Es ist Zahltag. Ich denke, ein paar Anrufe koennen nicht schaden. Also lege ich den Hoerer zurueck auf die

Gabel. Es laeutet.

"Seit Stunden versuche ich, Sie zu erreichen!", schreit eine Stimme am anderen Ende.

"Nanana, STUNDEN koennen's gar nicht gewesen sein", sage ich, waehrend ich 'Blade Runner' ins Cover zurueckstecke und mir die Rueckseite anschaue. "Allenfalls 114 Minuten. Ich hatte einen langen Chat mit dem grossen Boss. Versuchte, bessere Technik fuer unsere Benutzer herauszuschlagen." Eins, zwei, drei ...

"Oh, tut mir leid."

"Macht nix. Ich bin nicht nachtragend."

Ich nehme mir vor, sein Passwort in den naechsten Tagen etwas abzuaendern, in etwas, worauf er nicht so schnell kommen duerfte.

"Aehm, ich weiss nicht, wie ich ein File umbenennen kann", sagt er.

Oh, Gott... Moment es ist ja Zahltag, nicht?

Also bin ich guter Laune. "Aber klar. Tippen Sie nur 'rm' und den Filenamen."

"Vielen Dank."

"Keine Ursache."

(Jetzt bin WIRKLICH guter Laune. Vielleicht sollte ich heute das Skript fertigschreiben, das Abspeichern zu bestimmten, zufaellig gewaehlten Zeiten unmoeglich macht.) Das Telephon laeutet wieder.

"Hallo?"

"Hallo, ebenfalls" sage ich.

"Ist das der Kontrollraum?"

"Aber klar doch" sage ich zuckersuess."

"Koennten Sie mir bitte meine Ausdrucke herausbringen? Ich brauche sie dringend und der Ausdruck muesste schon seit fuenf Minuten zu Ende sein."

"Ihr Username?", frage ich. Er gibt ihn mir und ich notiere ihn fuer spaeter. "Kein Problem. Moment.", sage ich und gehe 'rueber zu den Druckern.

Ein RIESEN Haufen von Ausdrucken liegt auf dem Boden. Und tatsaechlich, sein

Dokument liegt ganz oben auf. Ich breite es ueber dem Haufen aus und spruehe grosszuegig unser Spezialfleckenwasser in die Gegend. Dann fahre ich den schweren Bandwagen ein paar Mal darueber und klemme es zum kroenenden

Abschluss vier, fuenf Mal in die schwere Safetuere ein, wo wir die Backup-

Baender aufbewahren sollten. Huebsch.

"Hier sind Ihre Ausdrucke", sage ich

"Tut mir leid, dass es solange gedauert hat. Wir haben ein paar kleinere

Probleme mit dem Drucker." Ein Blick und er macht sich fast in die Hose.

"Oh, Gott! Kann ich es nochmal drucken?", fragt er besorgt.

"Aber klar doch" sage ich. "Aber wie gesagt, unser Printer ist nicht besonders gut drauf heute."

"Aeh, kann ich es auf dem Laser drucken - funktioniert der?"

"Natuerlich, aber das kostet eine Kleinigkeit", sage ich, Mitgefuehl verstroemend.

"Egal, was es kostet! Das ist hyper-dringend!"

Ich schleiche zurueck in den Druckerraum und suche die Tonerkassette, die wir fuer spezielle Faelle aufbewaren - die mit den dicken schwarzen Streifen in der Mitte und den blassen Raendern. Ich habe ziemlich lange gebraucht, bis sie so gut funktionierte. Der Ausdruck flutscht raus und ich bringe ihn sofort nach vorne. Bloss nichts verpassen.

"W-w-w-was ist den jetzt passiert?", winselt mich der Geck an.

Gut, dass ich den Usernamen notiert habe - Geistige Folter ist vielleicht doch etwas, wofuer ich mich laengerfristig begeistern koennte.

"Aeh, nichts. Ich meine, klar: es ist nicht perfekt. Aber der Toner hat auch schon 47 Tausend Seiten drauf und wurde 17mal nachgefuellt. Ich finde, es ist noch gut gegen das, was wir sonst so bekommen."

Der Geck zahlt und beginnt zu wimmern.

"Na, kommen Sie. Kein Grund zum Heulen. Haben Sie die Arbeit auf Disketten?"

Er gibt mir eine kleine Plastikbox mit Disketten.

Ich huepfe schnell rein und lege sie kurz auf den Loesch-Magneten. Ich gehe wieder hinaus. "Tut mir so leid, aber mir faellt gerade ein, dass unser

Lesegeraet hinueber ist. Sie muessen damit zu dem Druckerraum U am anderen

Ende des Campus - kennen Sie den? - und es dort ausdrucken. Dort sollte es klappen. Die haben gestern einen neuen Toner bekommen."

"SUPER!"

"Gern geschehen. Und denken Sie daran: immer die Disketten hoch ueber den Kopf halten. Das Erdmagnetfeld ist heute wieder extrem stark."

"Haeh???"

"Keinen langen Reden. Machen Sie's."

Er marschiert los, die Disketten hoch ueber dem Kopf. Manchmal hasse ich

mich selbst.

The Bastard Operator from Hell #5

Die dauernde Langeweile bringt mich um. Also lese ich User-eMmails, um die

Zeit totzuschlagen. Allerdings muss ich zugeben, dass die heutige Lieferung auch nur zum Gaehnen anregt. Nicht eine wirklich gute Nachricht darunter.

Nicht mal versteckte Andeutungen ueber Fummeln im Supermarkt, wie sonst. Gar nichts. Statt dessen muss ich mir den ueblichen Sch... zu Gemuete fuehren:

Welcher Verwandte wann welche Art von Operation ueber sich ergehen lassen muss und welche es nicht ueberlebt haben, wie das Wetter auf der anderen

Seite des Erdballs ist, die Sorte von Redundanzmails, die nur unsere Queues vollknallen!

Um die Sache etwas aufzulockern, hole ich eine persoenliche Party-Einladung aus einer Mailbox, poste sie unter dem Namen des Senders in alt.singles.with.severe.social.dysfunctions im USENET und mache eine Notiz in meinem Kalender, damit ich rechtzeitig dort bin - mit meiner

Videokamera. Koennte was werden! Was steht als naechstes an? Ah ja, die medizinische Datenbank, in der die Vertrauensaerzte der Uni die

Krankheitsgeschichten der Angestellten speichern. Ich grepe schnell mal durch nach 'Herpes' und 'Syphilis' und verkaufe die Ergebnisse an die lokale Boulevardpresse. Um meine Spuren zu verwischen, gehe ich in den

Account des Oberarztes und fuege dort folgenden Eintrag in sein

Online-Tagebuch ein: DM 500, Med. Daten an Zeitung. Sollte ausreichen!

Ich schichte ein paar Baender aus den Regalen auf den Laborwagen und zurueck, damit es so aussieht, als ob wir sie tatsaechlich verwenden. Dann gehe ich in Archie und suche nach einem bestimmten verborgenen X-GIF Server, von dem ich gehoert habe. Als ich ihn finde, starte ich einen Batch unter einem

User-Account, um die Bildchen 'runter zu laden - natuerlich auf seine

Kosten. Gerade noch rechtzeitig faellt mir ein, ob auch genug Speicherplatz fuer die Bilder frei ist. Um ganz sicher zu gehen, entferne ich alle Dateien auf der Platte, die nicht direkt mit dem Batch zu tun haben. Zum Beispiel die ganzen LaTeX Dokumente "diss*.*"; die sind in letzter Zeit sowieso schon wieder viel zu gross geworden.

Zurueck in User eMail schaue ich, ob sich inzwischen was getan hat. Naaah.

Schliesslich grepe ich alle files nach 'schwanger', 'Scheidung' und

'Therapie' und poste sie anonym in eine lokale Klatsch-Newsgroup. Dann, bevor ich auch nur piep sagen kann, ist der Strom weg! In der naechsten

Sekunde laeutet schon das Telefon.

"Hallo?" sage ich wuetend - der Coyote hat den Roadrunner gerade fast am Wickel gehabt!

"Was ist mit dem Comp..."

Ich haenge auf. Jetzt geht's um Leben oder Tod. So schnell ich kann, reisse ich das Stromkabel des Mainframes aus der Notstromversorgung und schliesse fieberhaft mein TV daran an. Verdammt! Der Roadrunner war wieder schneller!

Inzwischen fangen ueberall die Warner an zu jaulen, weil die

Hauptplattenspeicher 'runterfahren. Aber was soll's? Mein Mac und mein

Terminal sind sowieso fest mit der Notstromversorgung verbunden, und ich bin im Beer Factory Level in Dark Castle.

Das Telefon klingelt schon wieder. Also lasse ich die

Kommunikationssicherung am Notstromschaltkreis herausschnappen, und endlich

ist Ruhe. Um ganz sicher zu gehen, hole ich den Hockeyschlaeger aus dem

Spind und uebe ein bisschen Einer-gegen-die Wand. Durch das Glasfenster schaut das aus, als ob ich wie ein Wahnsinniger nach dem Fehler suche - wie ueblich. 10 Minuten spaeter ist der Strom wieder da und die Diagnose meldet zwei Hard Disk Crashs auf dem Main Frame - zum Teufel damit! Ich habe keinen Mann verloren, bin kurz vorn letzten Level und im TV kommen noch mehr Cartoons!

Das andere Telefon laeutet, ein User (welch Ueberraschung!).

"Kontrollraum" sage ich, so richtig im Stress.

"Wann wird der Computer..."

Ich lege auf. Im Moment komme ich ganz gut voran. Nur noch ein Wizard, der unablaessig Bannflueche schleudert, steht zwischen mir und dem letzten Bild.

Gleich bin ich drin! Das Telefon laeutet schon wieder! Mit einem raschen

Hieb schalte ich auf Freisprechen.

"Kontrollraum", bruelle ich, voll involviert.

"Ich hab' meine Files geloescht. Meine Daten sind weg", winselt ein

User ueber den Lautsprecher.

"Aber sicher doch" sage ich, weil ich mich nicht erinnern kann. Diese

Bemerkung genuegt, um mich den Bruchteil einer Sekunde abzulenken. Der

Wizard nagelt mich in den Boden und schmeisst mir noch einen Feuerball hinterher. GAME OVER.

"Wie war Ihr Username?", frage ich mit Honig gesalbter Stimme.

Er sagt es mir.

Ich schaue nach - und er hat recht. Sch...., dabei war ich es nicht mal!

Um meinen guten Ruf zu wahren, wechsele ich sein Login Directory nach

/dev/null, setzte seinen Pfad auf '.' und setzte einen alias auf sein

'news' Kommando, welches ein scheussliches kleines Skript in seinem frueheren

Home Directory startet. Das Skript schickt eine nicht mehr ganz politisch korrekte eMail an die Beauftragte fuer Gleichberechtigungsfragen der Uni und loescht sich anschliessend selbst. Wohl bekomm's!

The Bastard Operator from Hell #6

Es ist Freitag; also gehe ich frueher zur Arbeit, sogar noch vor dem

Mittagessen. Das Telefon klingelt. Sch.... Ich blaettere den

Ausredenkalender um.

"SONNENERUPTIONEN" steht da. Ok, darueber muss ich erst ein bisschen recherchieren. Zwei Minuten spaeter bin ich fit fuer den ersten Anruf.

"Hallo?" sage ich.

"WO SIND SIE GEWESEN! ICH HABE SCHON DEN GANZEN VORMITTAG ANGERUFEN UND

NIEMAND GEHT RAN!"

Ich hasse es, wenn sie mich schon am fruehen Morgen anbruellen. Es deprimiert mich irgendwie. Sie wissen, was ich meine ...

"Aeh, ja. Tja, wir hatten heute morgen auch wieder extrem starke

Sonnenaktivitaet. Das kann boese Auswirkungen auf die Kommunikationsleitungen haben..." sage ich zuckersuess.

"Haeh? Aber sonst habe ich doch jeden erreicht?!"

"Tja, das ist durchaus moeglich. Die Auswirkungen erhoehter Sonnenaktivitaet sind ziemlich un-vor-her-seh-bar. Letzte Woche hatten wir sogar den Fall, dass ein paar Files einfach vor den Augen ihres Besitzers verschwunden sind, waehrend er noch damit gearbeitet hat ..."

"Wirklich?"

"Kein Sch...! Aeh, wollen Sie, dass ich Ihren Account schnell checke?"

"Aeh, ja. Ich hab ein paar wichtige Dateien drin..."

"Ok, wie war noch Ihr Username ..."

Er sagt ihn mir.

Ehrlich, eine Muecke mit einem Sprengsatz zu erledigen ist schwieriger. Mit einem atomaren Sprengsatz. Mit AWACS-Unterstuetzung. Sch....! (Ich verzichte ab jetzt auf den klickediklackediklick-Teil, ok?)

"Wieviele Dateien sind in Ihren Account?", frage ich.

"Aehm, also, etwa 20 in meiner Doktorarbeit, circa 10 mit den Daten dazu, und noch etwa 20 fuer das Buch, das ich gerade herausgebe."

"Hm. Ich glaube, wir schauen erst mal, was noch zu retten ist. Also, da sind noch zwei Files lesbar, .cshrc und .login..."

"AAAAAAAAAAAaaaaaaaaaarrrrrrrrrggggggghhhhhhhh!!!!!!!"

Er schluchzt leise ins Mikrophon, ...

... mir kommen auch die Traenen!

"Was mach' ich nur?" schnueffelt er.

"Ok, haben Sie irgendwas davon auf Floppy gesichert?"

"Schon, aber die sind schon Wochen alt!"

Ich spiele mit dem Schalter des Floppy-Loeschers.

"OK", sage ich, "Wie waer's, ich komme kurz rueber und lade die Backups in Ihrem Account, damit Sie pronto weiterarbeiten koennen?"

"Das waere toll", wimmert er, "aber die Floppys habe ich zu Hause. Ich

'fuerchte, die muss ich heut' Nacht selber runterladen."

"Gut. Aber denken Sie daran, was ich vorhin gesagt habe:

Sonneneruption sind Gift fuer Disketten und Maschinen. Sie muessen Ihre

Floppys unbedingt vor der gegenwaertigen Sonnenaktivitaet schuetzen.

Sonst verlieren Sie noch alle Daten."

"Wie mach ich das? Sie in Alufolie wickeln?"

"UM GOTTES WILLEN, NEIN! Alufolie ist das Schlimmste! Sie wissen doch, was mit Alufolie im Microwellenherd passiert, oder?!"

"Doch.."

"Dann verwenden Sie's auch nicht! Es gibt nur eine sichere Methode,

Disketten erfolgreich zu schuetzen..."

"Und wie?"

"MAGNETISCHE FELDER! Packen Sie Ihre Floppys in einen Kopfkissenbezug gefuellt mit moeglichst vielen Magneten. Sie koennen zum Beispiel die von Ihrem Kuehlschrank nehmen. Sie wissen schon, mit denen Sie ihre Zettel dort festpinnen - Solarpartikel hassen magnetische Felder."

"Wow. Danke."

"Gern geschehen. Es ist nur mein Job..."

Sch.... Ich mache Fortschritte.

The Bastard Operator from Hell #7

Ich finde, so ein verantwortungsvoller Posten wie meiner sollte mit einer angemessenen Mittagspause verguetet werden. Fuer die paar Stunden setze ich den Hausmeister auf meinen Stuhl, damit es nicht so aussieht, als dass wir unsere Pflichten vernachlaessigen wuerden (sic!). Ich erklaere ihm, dass er nur darauf achten muss, dass der Hoerer nicht aus Versehen auf der Gabel landet.

Er ist einverstanden und ich verschwinde.

Zuerst die Bank. Ich lasse mir 20 Mark in Zehnpfenningstuecke wechseln und frage dann nach meinem Kontostand. Waehrend der Angestellte noch tippt, ziehe ich unauffaellig den Netzstecker von seinem Endgeraet. Es stirbt natuerlich, und ich sage dass ich in Eile bin und dass ich gerne den Manager von diesem Sauladen sehen moechte. Er walzt durch die Tuer wie ein gut gefuettertes Riesenbaby und fragt mich, ob es ein Problem gaebe. Ich sage, alles, was ich wolle, sei mein Kontostand und ob das denn zuviel verlangt sei und dass ich immer noch in Eile sei. Dann kreuze ich die Finger. JA! Er findet das herabhaengende Netzkabel, steckt es wieder rein und loggt sich ein, MIT DEM MANAGER ACCOUNT.

Ich taumele wie zufaellig an den Schalter und stosse aus Versehen 200

Zehnpfenningstuecke hinunter. Der Manager beachtet mich nicht, aber alle anderen tauchen nach den Muenzen. Ich beobachte ungestoert, wie er sein

Passwort eintippt - mit der halsbrecherischen Geschwindigkeit von einem

Zeichen pro Sekunde! Gar kein Problem, der Hardliner macht es mir sogar noch leichter, indem er ein semantisches Wort als Passwort gewaehlt hat:

ZINSEN. So ein Scherzkeks! Ich verziehe keinen Gesichtsmuskel. Nicht ganz einfach, wenn ich an meine ueberschuldete Hypothek denke. Heute Nacht werde ich da einiges richtigstellen...

Ein Benutzer den ich noch vom D(eletion)-Day '94 kenne, naehert sich, um mich anzuquatschen. Sogar der Manager schuettelt abwehrend den Kopf, aber es ist zu spaet. Er haelt direkt vor mir und richtet das Wort an mich!

"Aehm, Entschuldigung. Koennten Sie mir einen Tip geben, welchen

Computer ich am besten fuer meine Diplomarbeit kaufe?"

?!?!?! Genau. "Schon mal vom neuen Pentium gehoert?" frage ich.

"Ja..."

"Meiden Sie den wie die Pest! Kaum jemand weiss das, aber man handelt sich fuerchterliche Probleme ein, wenn man ein Betriebssystem so schnell laufen laesst. Manche von den Kisten machen ueber 100 Millionen obstructions per second. Sie koennen sich ja vorstellen, dass da eine solch billige

Kiste aus dem Takt kommen muss, nicht? Die Katastrophe ist praktisch vorprogrammiert!"

"Oh!"

"Nehmen Sie lieber was Sicheres und Bewaehrtes. Ein ZX81 mit dem doppelten

Cassettenlaufwerk, wenn Sie das kriegen koennen. Im Vertrauen: Die sind nicht mehr leicht zu bekommen, weil alle Leute, die wirklich was davon verstehen, natuerlich nur bewaehrte Technik kaufen. Kaufen Sie bloss keine Harddisk dazu. Sie haben doch sicher schon gehoert wie oft die kaputtgehen? Cassetten dagegen halten ewig!"

"Danke, super!"

"Keine Ursache! Wie war doch noch gleich Ihr Username?"

Er sagt ihn mir.

Gerade noch rechtzeitig fuer D-Day 96. Man sollte meinen, dass sie's irgendwann lernen!

--------

Zurueck an meinem Arbeitsplatz finde ich den Hausmeister - eingeschlafen vor dem Terminal. Ich frage ihn, ob er nicht lieber hier arbeiten moechte, aber er lehnt dankend ab. Hier hat er nicht die Moeglichkeit, Leute in der

Toilette aufzuschrecken...

Ich lege den Hoerer zurueck auf die Gabel und sofort klingelt es. Ich hasse es, wenn es das tut. Ich brauche immer eine Ewigkeit, die Earphones nachher wieder reinzupfriemeln.

Diesmal ist es anders. Die heisseste Mieze auf dem Campus ist dran - und sie hat ein Computerproblem! Ich liebe solche Augenblicke. Sie machen den Job erst zu dem, was er ist.

"Wie ist Ihr Username?" frage ich - als ob ich es nicht auswendig wuesste.

So schnell ich kann, ueberfliege ich ihre persoenliche eMail - das meiste nur todlangweiliges Zeug - und grepe die gesamte User eMail nach ihrem

Usernamen. Nichts - vortrefflich! "Wie kann ich Ihnen helfen?", floete ich charmant.

"Ich kann mein Dokument nicht abspeichern. Es sagt etwas mit zuwenig

Speicherplatz."

"Das werden wir gleich haben" sage ich und loesche alle anderen Files auf ihrer Platte - ausser den ihrigen natuerlich.

"Jetzt sollte alles funktionieren..."

"Oh, vielen, vielen Dank", haucht sie ins Mikrophon.

Ich notiere mir, dass ich morgen wieder etwas an ihren Account herumdoktere.

Das Telephon laeutet, fast bevor ich es wieder auf der Gabel habe.

"Meine Daten sind alle weg!", schreit jemand am anderen Ende.

"Wann war das?" frage ich.

"Gerade eben...", sagt er schluchzend.

"Aha. Tja, Kopf hoch. Es sind noch drei Tage bis zum Semesterende.

Wenn Sie Tag und Nacht dran bleiben, werden Sie schon noch eine Drei minus schaffen."

Er schluchzt noch zwei- dreimal leise und legt auf. Schwaechling!

--------

Das Telephon laeutet schon wieder!

"Der Bildschirm an meinem PC ist so schwach. Ich kann kaum die Buchstaben erkennen. Soll ich den Helligkeitsregler hochdrehen?"

"NEIN!", schreie ich. "Fassen Sie den Knopf nicht an! Haben Sie auch nur die leiseste Ahnung, was da fuer eine Strahlung 'rauskommt, wenn Sie den

Knopf ganz zum Anschlag drehen?!"

"Also ich ..", sagt sie verunsichert.

"HOEREN SIE AUF MEINEN RAT!", sage ich. "Es gibt nur einen SICHEREN WEG, ein schwaches Display aufzumoebeln, und das ist: Nadelenergieimpulse in die Treiber geben!"

Die Worte 'Nadelenergieimpulse ' und 'Treiber' sind zuviel fuer sie. Wenn

Leute solche Ausdruecke hoeren, gehen sie automatisch in 'dummy mode' und machen ALLES, was ich sage. Ich koennte ihr jetzt vorschlagen, nackt und nur mit einem Netzkabel bekleidet ueber den Campus zu sprinten und sie wuerde es wahrscheinlich machen... Hmmmm.

"Haben Sie zufaellig ein uebriges Netzkabel 'rumliegen?"

"Nein..."

"Oh, naja. Dann muessen wir das mit den Nadelimpulsen probieren... Also, Sie schalten jetzt, so schnell Sie koennen, Ihren PC ein und aus. Einfach den

Kippschalter hin und herflippen, verstehen Sie? Etwa dreissig mal."

"Soll ich vorher meine Disketten 'rausnehmen?"

"NEIN! Wollen Sie alle Ihre Daten verlieren?!"

"Oh. Nein, natuerlich nicht. Also..."

Ich lausche gespannt.

... klick klack klick klack klick klack klick klack klick klack kl ... BUMM!

Erstaunlich! 27 oder 28. Normalerweise macht sich das Netzteil schon nach dem achten oder neunten Mal in die Hose!

"MEIN COMPUTER! ER RAUCHT!", schreit sie an anderen Ende.

"Wirklich?? Da muss ein Fehler im Netzteil gewesen sein! Gut, dass wir das geklaert haben! Haben Sie noch Garantie auf die Maschine?"

"NEIN!"

"Du liebe Guete! Was fuer ein Pech! Tja, dann hilft nur reparieren lassen.

Haben Sie wenigstens Ihre Daten gesichert?"

"Ja, ins System, gestern erst. Aber die ganze Arbeit von heute morgen ist futsch!"

"Sie Aermste! Wie war Ihr Username? Ich will gleich mal checken, ob Ihre

Backups OK sind..."

Sie sagt ihn mir...

The Bastard Operator from Hell #8

Ich sitze wie ueblich an meiner Konsole. Ein Benutzer ruft an.

"Hallo, Kontrollraum. Simon am Apparat. Wie kann ich Ihnen helfen?", sage ich.

"Ich komme nicht in meinen Account", nuschelt es am anderen Ende.

"Wie lautet bitte Ihr Username?", frage ich. Er gibt mir seinen Usernamen.

Ich schaue in seinen Account. "Kein Problem, da war nur ein nicht-ausfuehrbares login file. Ich hab's richtig gestellt. Jetzt sollten

Sie ohne Probleme 'reinkommen."

"Danke."

"Kein Ursache. Schoenen Tag noch!"

HAEAEAEHH?! fragen Sie sich jetzt. Ist der BASTARD OPERATOR FROM HELL endlich zum Guten bekehrt worden? Hat er aufgegeben?? REIF FUER DIE KLAPSMUEHLE???

Naaah. Der BASTARD OPERATOR FROM HELL wird ab heute ueberwacht. Alle

Aktionen im Mainframe werden automatisch protokolliert. UND WENN DAS

PASSIERT werde ich normalerweise auch abgehoert! Also muss ich huebsch brav ein, bis ich die Bugs entdeckt habe. Sollte nicht allzu lange dauern - vertrauen Sie mir!

Ah. Da haben wir schon eins. Im Telefonhoerer, klar. Aber der Boss ist einer von der witzigen Sorte. Ich wette, da sind noch mehr. Ahja, ein anderer unter dem Telefon und ein dritter in meinem Keyboard. Zeit fuer eine kleine

Kaffeeschlacht. Drei auf einmal.... hmmm. Ich bringe mal besser die ganze

Kanne und warte auf Zeugen. Der System-Manager kommt herein.

"Wo bleibt der Bericht, den ich gedruckt habe?", fragt er mit saurer Miene - er aergert sich offensichtlich, dass ich mich am Telefon noch nicht ans

Messer geliefert habe. Widersacher identifiziert! Wie der Direktor der

"BASTARD OPERATOR SCHOOL" (ich!) immer zu sagen pflegt:

"Es gibt kein Problem das sich nicht loesen laesst, indem man die

Benutzerprozesse killt, alle ihre Files loescht, ihre Accounts sperrt und ihre tatsaechlichen Einnahmen dem Finanzamt zukommen laesst."

Ich ziehe den Ausdruck unter der Kaffeekanne hervor, die ich vorher plaziert hatte, und der Kaffee ergiesst sich ueber Telephone und Keyboard.

Aus irgendeinem Grund standen beide uebereinandergestapelt in der Naehe.

"Uuuups!" sage ich. Entsetzen malt sich auf meinem Gesicht. Sein Gesicht sagt mir dass ich richtig lag.

"Glauben Sie ja nicht, dass Sie damit davonkommen, Simon", knurrt er und stampft hinaus.

Ich schalte den Ethernet Monitor ein und beobachte die Pakete, die aus seinen PC kommen. Ah, ein Memo geht an den Laser im Buero des Direktors.

Inhalt: Beendigung meines Vertrags, fristlos. Ich mache schnell ein paar notwendige Aenderungen an dem File, solange es im Spooldirectory liegt, und lasse es dann an seine urspruengliche Adresse weitergehen. Ich starte mein

Programm 'endzeit', das -522 auf den PC knallt und der Mainframe macht sich in die Hose. Spaeter beim Booten entferne ich das laestige Logging. Als naechstes gehe ich in den Kabelraum und stecke meinen Walkmankopfhoerer in den freien RS232-Port aus dem Buero des Direktors. Es ist erstaunlich, wie leicht man bugs ausstreuen kann, wenn man weiss, wo die Datenleitungen laufen!

Direktor: "Sind Sie sicher?"

SysMgr: "ABSOLUT SICHER!"

Direktor: "Und Sie wollen es sich nicht nochmal ueberlegen?"

SysMgr: "AUF KEINEN FALL!"

Direktor: "Nun gut, ich werde es sofort an die Personalabteilung weiterfaxen..."

SysMgr: "HERVORRAGEND!"

Zwei Sekunden spaeter kommt der Systemmanager herein. Er laechelt. Es sieht aus wie das Laecheln eines grossen, satten Haifischs.

"Tja, ich werde Sie vermissen, Simon...", beginnt er, noch ganz erfuellt von der eben geleisteten Entscheidung.

"Oh?", sage ich zuckersuess und heuchele Neugier. "Wohin gehen Sie denn?"

"Nein, Simon", sagt er genussvoll, "Sie gehen."

"Eine BEFOERDERUNG!", sage ich. "Sie haben endlich diesen Brief an den

Direktor geschickt, dass er ein gottverdammtes Arschloch ist und dass Sie aufhoeren?"

"Nein..."

"Sind Sie sicher? Der ist aber viel besser als der ueber meine Entlassung..."

"W..." Seine Pupillen weiten sich eine kleine Idee. Es ist, als ob man ein

Walross mit dem Sofakissen erschlagen wuerde. Er rast los, um das Fax zu stoppen. Nur, nachdem er gerade gekuendigt hat, klickediklackedi funktioniert sein card key nicht mehr ... Anfaenger...

Das Telephon klingelt. Es ist derselbe wie vorhin.

"Ich komm' jetzt in meinen Account, aber ich hab' keinen Speicherplatz mehr auf der Platte..."

"Moment, ich schau, was ich tun kann." klickediklackedi 'rm -r *'

The Bastard Operator from Hell #9

Ich fahre zur Arbeit und klebe hinter diesem alten Trottel, der klassische

SLOW DRIVER FROM HELL. Sein Tacho hat bei 20 die rote Linie und kommt ins

Schlingern, wenn er die Kurven mit mehr als 5 nimmt. Ich verbrauche ein halbes Kilowatt in meiner Hupe, aber sein Hoergeraet ist anscheinend auf

Fluestern eingestellt. Keine Chance, vorbeizukommen! Ich memoriere sein

Kennzeichen. Genau genommen tue ich das seit fuenfzehneinhalb Minuten sechzigmal in der Minute. Mannomannomann... Ich denke, da ist wieder mal ein Anruf in Flensburg faellig. Vielleicht koennte man auch den Wagen als gestohlen registrieren. Gestohlen von Waffenhaendlern aus den vorderen

Orient. Gefaehrlich...

Endlich in der Arbeit blaettere ich als erstes den Ausredenkalender um.

"ELEKTROMAGNETISCHE STOERSTRAHLUNG VON FUNKTIONSUNTUECHTIGEM SATELLITEN".

Klingt gut; vielleicht wird es doch noch ein netter Tag.

Ich logge mich als "FUCKYOU" ein (der Kummerkasten-Account fuer die

Benutzer) und rufe die Mail auf. Drei Nachrichten sind drin. Die erste hat

117 Zeilen, eine Plaudertasche offensichtlich. Sch.... ich hasse das!

Anstatt einfach zu sagen: "Der und der Account braucht mehr Speicherplatz" fangen sie an zu erzaehlen, ueber was fuer einen Mist sie fuer welchen idiotischen Dozenten zu forschen haben und dass es schon gestern haette fertig sein sollen und dass sie's auch geschafft haetten, aber dann hatte die

Kusine dritten Grades ploetzlich einen Magendurchbruch und einen riesigen

Blutverlust und musste ins Krankenhaus gebracht werden... usw usw. Ich loesche die Mail unbesehen.

Die zweite Mail stammt offensichtlich von jemandem, der nicht mit dem

Mailprogramm umgehen kann. Da ist nur der Header, aber keine Nachricht. Ich antworte mit direktem Reply: "Keine Sorge. Wir kuemmern uns darum am naechsten Dienstag." Hoffentlich war's was Wichtiges!

Die dritte Mail hebe ich mir fuer morgen auf. Samstag waere ein gar zu langweiliger Tag - sollte ich jemals am Samstag arbeiten muessen! Das

Telephon klingelt. Ich dachte, das haette ich 'repariert'! Ich klemme mir den Hoerer unters Kinn, damit ich gleichzeitig die Pizza in die Mikrowelle schieben kann.

"Ja?", rufe ich hektisch.

"Irgendetwas stimmt nicht mit meiner Bootdisk. Ich kann den Server nicht erreichen."

"Haben Sie die Diskette dabei?"

"Klar!"

Ich hole mir die Disk und stecke sie zusammen mit der Pizza in die

Mikrowelle. Fuenf Minuten ULTRA-NUKE! Eine viertel Stunde spaeter ruft er wieder an.

"Es funktioniert immer noch nicht, aber jetzt hoere ich auch noch komische

Geraeusche aus dem Laufwerk und es riecht irgendwie angebrannt."

Angebrannt? Ich untersuche den Boden meiner Pizza. Naaah, nix angebrannt.

Dem Jungen geht nur die Phantasie durch!

"Oh, Sch....", sage ich, "das sind wieder diese Stoerstrahlungen von ausgemusterten Satelliten."

"Tatsaechlich? Davon hab' ich auch schon gehoert..."

Wow! "Aha! Tja, ich schaetze, Sie muessen sich 'ne neue Bootdisk zulegen..."

"Oh. Naja, macht auch nix. Die alte haette es sowieso nicht mehr lange gemacht. Danke."

"Keine Ursache. Und denken Sie immer daran, den Virenchecker FDISK ab und zu laufen zu lassen, wenn Sie wichtige Daten auf Ihrer Disk haben..."

"Werd' ich machen. Danke!"

"Alles klar - ist nur mein Job!"

Racing laeuft viel zu langsam fuer einen erfahrenen Spieler; also kille ich eben mal alle Database Prozesse, die sich den Loewenanteil an CPU holen und gebe Racing Prioritaet -10. Besser, viel besser. Verdammt hart, so an der vordersten Front: Immer nur Arbeit, Arbeit, Arbeit...

--------

Ich goenne mir einen schnellen 2-Stunden-Snack in der Cafeteria. In der

Cafeteria sind immer alle ganz reizend zu mir. Zumindest seit es mal diesen dummen Computerfehler gegeben hat, der ihre Kueche als Anlaufstation fuer

Organspender registrierte - ziemlich laestig! Ich schnappe mir noch ein paar

Cokes und Crackers und mach' mich auf den Rueckweg, diesmal durch die

Anfaenger-Labs.

Informatik, erstes Semester. Ich schaue durch das Guckloch an der Tuer: Ein ganzer Hoersaal voller Frischlinge ohne Dozenten. Das kann nicht angehen!

Ich stosse energisch die Schwingtuere auf und marschiere zur Tafel.

"Es geht los, Herrschaften! Ich darf um Ruhe bitten. Sie dahinten, ja Sie.

Sie sorgen dafuer, dass uns niemand stoert. Blockieren Sie einfach den

Eingang. Wer zu spaet kommt, soll sich das fuer's naechste Mal merken. Also, ich bin ihre Vertretung heute und wir wollen jetzt mal den ueblichen Kram, den Sie sonst machen, beiseite lassen und uns ueber ein paar fundamentale

Befehle aus der Praxis unterhalten. Wir beginnen mit einer der wichtigsten

Funktionen ueberhaupt dem REMARK-Befehl oder wie er allen Kenner bekannt ist

'rm *' ..."

Ich haette vielleicht doch besser Professor werden sollen - ich hab' den richtigen Draht zu den jungen Leuten, wissen Sie...

The Bastard Operator from Hell #10

Grundverhaltensregeln fuer Dozenten (nach Father Damian C. Fandal ):

1. VERSTECKEN!

2. Wenn sie dich finden: LUEGEN!!

Ich soll als Experte in einer Vorlesung "Grundlagen Systemverwaltung" auftreten; so steht es in der Einladung. Also ueberlasse ich den

Kontrollraum den bewaehrten Haenden von Sam, dem Hausmeister, und gehe hinueber. Die Vorlesung laeuft wie am Schnuerchen. Gegen Ende verkuendet der Dozent, dass die Studenten "nunmehr 10 Minuten Gelegenheit haben, einem Mann der Praxis, einem richtigen Operator" Fragen zu stellen.

Ich hole meinen Block und Stift heraus und sage:

"Bevor wir anfangen, folgender Vorschlag: Koennten Sie bitte Ihren Usernamen

nennen, bevor Sie eine Frage stellen. Auf diese Weise kann ich Ihnen gewisse Probleme an konkreten Beispielen erlaeutern. Das ist einfacher zu verstehen."

Der Dozent schluckt es - mit Senf und Ketchup. Beispiele sind per default gut. Sag niemals was gegen Beispiele an einer Uni!

"Ok, erste Frage. Sie da drueben..."

"Wie beurteilen Sie den Schutz von persoenlichen Daten auf einem

Mehrbenutzersystem?"

"Wie war Ihr Username?"

"CMS1103." kritzelkratzel

"Schutz von persoenlichen Daten ... Hmmm. Ein heisses Thema, wirklich.

Sie denken zum Beispiel, wenn jemand Ihre private Mail liest, worin Sie sich mit Ihrem Therapeuten unterhalten? Zum Beispiel, warum Sie sich vor Ihrer Frau immer im Schrank verstecken?"

"AAAAAAAAAAAAARRRRRRRRRRGGGGGGGHHHHHH!!!!!"

"Oh. Das kam wohl nicht so gut an. Oder er musste dringend weg. War vielleicht kein so gutes Beispiel. Naechste Frage, bitte. Ja, Sie da hinten..."

"CMS1136. Ich wuerde gerne ..."

"Ah. 1136, der einzige User an der ganzen Uni, der in alt.sex.buggery.by.sailors.in.mums.clothing aboniert."

"Nur fuer rein wissenschaftliche Zwecke!"

"Natuerlich! Fuer einen Wissenschaftler haben Sie eine betraechtliche

Posting-Statistik dort, finden Sie nicht?"

"NNNNNGGGGGGAAAAAAAAGGGGGGGHHHHHH!!!!"

"Der naechste bitte..."

Zwei Minuten spaeter sind wir allein im Hoersaal. Das ist eben das Problem mit den heutigen jungen Leuten: Die wollen nichts mehr lernen...

Ich gehe zurueck zu meinem Kontrollraum und Sam ist schon wieder auf der

Konsole eingeschlafen. Ich glaube jetzt, er ist DOCH hinter meinem Job her.

So ein Einsatz...

Ich nehme mir vor, bei Gelegenheit ein paar notwendige Aenderungen in der

Gehaltsdatenbank vorzunehmen. Man kann nie vorsichtig genug sein...

Kranken- und Unfallversicherung braucht Sam eigentlich nicht.

Ich lege den Hoerer auf die Gabel - das erste Mal heute nachmittag - und sofort faengt das Ding an zu rattern. ES REICHT! Um mein Mittagsschlaefchen zu retten, leite ich den Anschluss auf 110 um. Das wird ihnen eine Lehre sein!

Uuups, fast vergessen, den Ausredenkalender umzublaettern.

"STATISCHE AUFLADUNG WEGEN NYLON-UNTERWAESCHE"

Naaah, viel zu plausibel - obwohl, ich koennte die Unterwaesche von Fall zu

Fall persoenlich ueberpruefen... nee, lieber nicht. Wer weiss, was dabei ans

Tageslicht kommt. Ich blaettere eins weiter.

"STATISCHE AUFLADUNG DURCH PLASTIK-RECHENSCHIEBER"

Na, das ist doch mal was! Eine echte Herausforderung! Ich hebe die

Telefonumleitung auf und plaziere den Papierkorb unter dem Druckerauswurf - endlich eine technisch fortgeschrittene Loesung!

Waehrend ich noch mein Werk bewundere, laeutet es. Das koennte der grosse Wurf werden!

"Hallo?"

"Hallo, aehm, wie kann ich mein File auf Rechtschreibfehler pruefen?"

"Ganz einfach. Tippen Sie 'spell' und den Filenamen."

"Danke."

Ich bin wieder mal hoellisch hilfsbereit heute morgen. Vor allem weil ich weiss, dass meine spezielle Version von 'spell' Fehler erzeugt, statt sie zu beseitigen. Aus 'Freund' wird 'Fruend' und umgekehrt. Ein Augenschmaus! Das

Telefon klingelt - er ist's wieder.

"Irgendetwas stimmt nicht mit dem 'spell' Programm."

"Wie kommen Sie denn da drauf?"

"Weil mein File ploetzlich voll mit Fehlern ist!"

"Hm, das klingt nicht gerade nach 'spell'. Sind Sie ueber Ihren PC eingeloggt?"

"Ja, aber ich ..."

"Bitte, ueberlassen Sie die technische Diagnose mir! Also, ist da irgendwo ein Rechenschieber auf oder in Ihrem Schreibtisch?"

"Aehm [klapper] ja, aber..."

"Aha. Haben wir's schon. Sie haben eine statische Aufladung auf Ihrer

Festplatte, verursacht von den wechselnden elektrostatischen Feldern, die der Rechenschieber erzeugt - Sie wissen schon: so, wie er kleine

Papierfiezel anzieht, wenn sie ihn an Ihrem Pullover reiben..."

DUMMY MODE ON

"Oh. Was kann man da machen?"

"Sie wissen doch, wie Sie solche laestigen Papierfiezel von Ihrem

Rechenschieber wegbekommen? Genau, Sie schlagen damit auf die

Tischkante, bis die elektrischen Felder sich im Erdmagnetfeld aufloesen.

Machen Sie das gleiche mit Ihrem PC. Sagen wir, zwanzig mal - heben

Sie ihn etwa dreissig Zentimeter ueber den Tisch und lassen ihn fallen."

"Ah, gut. Bleiben Sie kurz dran?"

"Sicher." Das wuerde ich nicht mal fuer die Simpsons verpassen!

polter polter polter SCHEPPER

"Aeh, hallo? Der Schirm ist ploetzlich dunkel geworden..."

"Das ist ganz normal, das macht er immer; soll er sogar. Machen Sie weiter.

Und wenn Sie mit dem PC fertig sind, machen Sie sicherheitshalber das

Gleiche auch noch mit dem Schirm. Manchmal breitet sich die Aufladung ueber die Kabel bis in den Schirm aus." polter polter polter KLIRR

Ich lege auf. Spaeter gehe ich raus in den oeffentlichen CIP-Pool und traeufle unauffaellig Honig in die Schlitze der Floppy Laufwerke, als ploetzlich ein

Typ auftaucht, der verdammt wie Lee Harvey Oswald aussieht, und mich ueber den Haufen schiesst. Aber der Knall kommt aus dem Maschinenraum, und waehrend ich an einer blutbesudelten IBM Maschine zusammensacke, hoere ich den

Ex-System-Manager im Hintergrund kichern...

Noch spaeter, im Krankenwagen, wird mir klar, dass ich von dem Typen nicht mal die Userkennung habe...

... dann wird alles dunkel.

Als der Krankenwagen das Ende des Tunnels erreichte, verschwand die

Dunkelheit wieder. Vielleicht war ich doch nicht so schwer verletzt.

Vielleicht aber doch! Egal, jemand wuerde dafuer bezahl...

In diesem Moment starb ich. Fuer einen echten Bastard Operator from Hell sieht die Sache natuerlich etwas anders aus: Mehr wie ein unerwarteter

Urlaub.

Fuenf Sekunden spaeter bekomme ich 15 kV durch die Brustwarzen gejagt.

Unverduennt und ohne Eis! (Echte Sanitaeter wissen eben, wie man eine todlangweilige Party belebt!)

DER BASTARD OPERATOR FROM HELL LEBT!

The Bastard Operator from Hell #11

Drei Wochen spaeter bin ich wieder auf den Beinen, hochgepaeppelt von suessen

Krankenschwestern, die um ihre Pensionsansprueche fuerchten. Voller Energie sitze ich hinter meiner Konsole. Alles in allem, gar nicht so schlecht, die

Zeit im Hospital; ich koennte Baeume ausreissen! Ich gehe rasch durch die angehaeufte Usermail der letzten Wochen (nur damit ich nichts verpasse!), dann lasse ich die Studenten wissen, dass ich wieder auf dem Posten bin. Ein nicht angekuendigter Wartungszyklus, mitten in der Hauptuebungszeit; ich flippe den Restart-Schalter. Ein wohliges Gefuehl breitet sich in mir aus.

Sie werden mich dafuer lieben! Ich blaettere den Ausredenkalender um:

"TREIBHAUSEFFEKT"

JA!!! Willkommen zu Hause!

Es ist Monatsende. In Kuerze werden diese ganzen unnoetigen automatischen mailing lists das Netz ueberschwemmen. Ich korrigiere die Systemuhr um 7

Tage nach hinten, um mir die Performance nicht zu versauen und wechsele das neue Druckerband gegen mein Spezialband - drei Jahre alt, mit vielen huebschen Loechern. Ich grabe mich durch den Stapel snail mail, der sich angehaeuft hat, und stuerze mich als erstes auf das BOFH Journal "kill -9".

Ein huebscher Artikel ist dabei, wie man Windows 95 grausam langsam und hoellisch langweilig machen kann. Irgendwie schaut der Artikel aus, wie die normale Installationsanleitung fuer Windows 95 ... naja, wer weiss.

Ich blaettere mich durch bis zur BOFH Expertenrubrik und schaue nach, ob irgendwelche Artikel von mir hineingekommen sind. Alle!!! Sogar der ueber

'den C++ Compiler, der per Zufall Klassen umbenennt und dies sogar im

'Sourcecode aendert!

Das Telephon klingelt. (Irgendwie habe ich fast darauf gewartet!)

"Mein Bildschirm ist dunkel!!!"

„Netzkabel!", sage ich.

"Nein, das hab' ich schon ueberprueft. Wenn ich einschalte, passiert einfach nichts!"

"Netzkabel!", sage ich.

"Nein! Das Netzkabel steckt richtig drin. Auch die Leuchtdioden am

Keyboard leuchten nicht!"

"Das Netzkabel!", sage ich.

"Oh, Moment mal. Das Kabel ist nicht richtig eingesteckt!"

"Das Netzkabel?" frage ich.

"Ja ... Sch....."

"Macht ja nix", sage ich, "Funktioniert jetzt alles wieder?"

"Ja, ich glaub' schon. Tut mir leid. Sie haben natuerlich recht gehabt."

"Tja, wir bekommen das haeufig in letzter Zeit. Der Grund liegt wahrscheinlich am zunehmenden Treibhauseffekt. Die globale

Erwaermung verursacht stark statistisch variierende thermale Kontraktionen, welche wiederum temperaturinduzierte Bewegungen hervorruft, deren

Reibungskoeffizienten zu Adhaesion am Plastikteilen fuehren kann..."

Ich lausche aufmerksam. Nichts. Mit anderen Worten,

[DUMMY MODE ON]...

"Sie koennen sich zukuenftig davor schuetzen, wissen Sie..."

"Wirklich? Wie denn?"

"Es reicht im Prinzip schon, eine schwach basische Mineralloesung auf die Metallkontakte aufzubringen."

"Oh!"

[IRREVOCABLE DUMMY MODE ON]

"Ganz einfach. Alles was Sie machen muessen, ist den Stecker vom Geraet abziehen und eine schwach basische Salzloesung in die Schlitze zu traeufeln. Haben Sie eine schwach basische Loesung zur Hand? So etwa pH 7?"

"Aeh... nein?"

"Macht auch nichts. Stecken sie den Stecker einfach in den Mund und lassen

Sie Speichel hineinlaufen. Speichel ist schwach basisch, und er hat

Mineralsalze. ABER wischen Sie den Stecker vorher sorgfaeltig sauber, wegen

Keimen und so. Und, SCHALTEN SIE UM GOTTES WILLEN VORHER DEN MONITOR AB - wir wollen doch nichts riskieren!"

"Oh. Gut!"

FZZZZT POLTER

Als der Hoerer auf den Boden knallt, lege ich auf. Speicherplatz ist viel zu gut fuer die!

The Bastard Operator from Hell #12

Ich komme zur Arbeit, aber ich bin nicht ausgeschlafen. Also klemme ich ein

Stueck Kupferschiene ueber die drei Phasen der Hauptversorgung und werfe den

Hebel herum. Als die Hauptsicherungen herauspfeifen, wird es dunkel und endlich mal wird es still im Rechnerraum. Es gefaellt mir.

Ich schnippe den Hoerer von der Gabel und schliesse die Vorhaenge vor dem

Beobachtungsfenster. Jetzt ist es WIRKLICH dunkel hier drin. Wuerde mich nicht wundern, wenn jemand einen Unfall haette...

Ich taste mich in der Dunkelheit zum Eingang und entferne ein paar der

Bodenplatten, die die tiefen Kabelschaechte unter dem Rechnerraum abdecken.

Dann rufe ich unsere Service-Firma an und sage, dass der Mini wieder mal die

Hauptsicherung geschossen hat. Ich ersetzte die geschossenen Sicherungen durch ein paar Naegel und schliesse die Versorgungsleitungen gegen Masse kurz. Auf so was kann man nicht hoffen, man muss es MACHEN!

15 Minuten spaeter erscheint der Techniker und fliegt in den Kabelschacht.

Ich schiebe die Bodenplatten zurueck an ihren Platz, als der System-Manager

- ein neuer, schrecklich gruendlicher Typ - hereinkommt und mir sagt, ich solle mich vorsehen. In dieser Dunkelheit koenne jemand leicht einen Unfall haben...

Ich nicke und sage ihm, dass wir uns diese Ausfallzeiten eigentlich nicht leisten koennen und ob ich nicht einfach die Hauptsicherungen wieder einschalten soll, in der Hoffnung, dass nicht Ernsthaftes passiert sei. Nach einiger Meditation ueber die Negativ-Schlagzeilen, die wir mit jeder verstreichenden Minute anhaeufen, macht er die letzte Entscheidung seiner steilen, aber kurzen Karriere: Er sagt, ich soll's versuchen.

Spaeter, nachdem sich der Rauch etwas gelichtet hat, untersuche ich die brutzelnden Reste unseres Minis. Kein sehr schoener Anblick...

"Komisch, dass die Hauptsicherungen geklemmt haben, nicht?" sage ich zum

System-Manager, waehrend er seine persoenlichen Sachen einsammelt. "Eine'

Chance von 1 zu einer Million. Zu dumm, dass Sie jemand beobachtet und die ganze Geschichte nach comp.misc geposted hat. Nach all der schlechten

Presse koennen Sie froh sein, wenn Sie einen Job finden, in dem Sie einen

Taschenrechner managen duerfen..."

Ich geh' zurueck in den Kontrollraum und schalte die restlichen Sicherungen wieder ein. Der Rechnerraum belebt sich wieder. An der Konsole steht:

'D.Usbotmbuhpo!G/Tdif-1-m!2::6' - ein letzter Gruss des verschollenen

Technikers aus der Hoelle!

Ich logge mich ein und beginne, User-eMails zu loeschen. Dabei entdecke ich einen interessanten sexuellen Antrag unseres Consultants an ein maennliches

Mitglied der Wasserball-Mannschaft. Das gibt ein hervorragendes motd

('motiv of the day'); deshalb kopiere ich es dorthin. Dann aendere ich den root Account nach 'Winker' und das Passwort nach 'ljkadlkajflkj'. Dem grossen Haeuptling sage ich am Telefon, dass ich einen Einbruch vermute. Bis wir das genauer untersucht haben (ein paar Stunden wird's schon brauchen), bleiben die anderen Accounts gesperrt. Die Leute werden in der Zwischenzeit die motd lesen...

Zumindest einer hat's schon gelesen, denke ich, als wir einen Schuss aus dem

Buero des Consultants hoeren. Inzwischen editiere ich die Online-Hilfe und aendere die Nummer der Hotline - der System Manager wird sich ueber all die extra Anrufe freuen; besonders in so einer traurigen Zeit....

Ein zweiter Schuss, und mir wird klar, dass er heute wohl keine Anrufe mehr annehmen wird.

Ich blaettere den Ausredenkalender um und lege den Hoerer auf die Gabel.

"PROBLEME BEI DER STROMVERSORGUNG".

Zu realistisch.

"STATISCHE AUFLADUNGEN".

Immer noch ein wenigzu realistisch fuer meinen Geschmack, aber ich lasse es gelten. Immerhin soll der Kalender noch bis zum Jahresende reichen.

--------

Das Telefon klingelt, gerade als ich ich 'Top Gun' in der Maschine habe.

Ich pausiere das Video und klemm' mir den Hoerer unter's Kinn.

"Ich fuerchte, ich habe eine schlechte Floppy Disk gekauft."

"Tatsaechlich?" Bin ich jetzt bei der Stiftung Warentest, oder was?

"Naja, ich hab' da diese Disk und sie laesst sich nich' formatieren. Aber alle anderen in der Schachtel gingen. Also muss ich wohl eine schlechte erwischt haben..."

"Darf ich fragen, warum Sie deshalb bei MIR anrufen?"

"Naja, auf der Schachtel steht was von Garantie; wo kann ich einen Ersatz bekommen?"

Ah! Alles klar! "Schaun' wir mal. Sind Sie ganz sicher, dass es an der

Disk liegt und nicht irgendwie mit statischer Aufladung zu tun hat?"

"Haeh?"

"Statische Aufladung, Sie wissen schon, statische Elektrizitaet, die

Sie mit ihren Fingern auf das Geraet uebertragen."

"Aber ich trage ein geerdetes Armband!"

Spaetestens jetzt weiss ich, wo ich bin: im tiefen Tal der Super-Deppen.

Geerdete Armbaender gehoeren in unseren Kreisen nicht gerade zum

Mode-Accessoire...

"Natuerlich, aber die Standard-Armbaender, wie Sie eins tragen, haben einen 1 Megaohm Widerstand in Reihe geschaltet; eine ziemlich schlechte

Erdung also. Was Sie bauchen, ist eine direkte Erdverbindung. Am besten fassen Sie mit einer Hand an ein Gehaeuse, das richtig geerdet ist."

"Aeh, zum Beispiel unseren Stahl-Labortisch?"

Hervorragend. Jetzt, haben Sie etwas, um die Aufladung abzuleiten? um Beispiel eine Bueroklammer?"

"Moment...ja."

"Gut. Dann stecken Sie jetzt mit der ANDEREN Hand die Bueroklammer durch die Ventilationsschlitze auf der Rueckseite. Beruehren Sie einfach kurz das Ende des dicken roten Kabels. Dabei aber NICHT den Tisch loslassen.

Sie muessen immer gut geerdet bleiben..."

[raschel] [hantier]

"Meinen Sie das Kabel, das zum Netzteil fuehrt?"

"Genau, halten Sie da drauf."

"...Aber ist das nicht..."

KZZZZZZT POLTER

Und wieder ein Anruf erfolgreich beendet. Ich nehme den Briefoeffner und schneide eine weitere Kerbe in das dicke gelbe Ethernetkabel, das dekorativ hinter dem HELPDESK FROM HELL vorbeifuehrt.

The Bastard Operator from Hell #13

Mein neues Login Skript nimmt allmaehlich Formen an. Tatsache, es ist fast schon Idiotensicher. Zum Beispiel erscheint beim Login folgender Prompt auf dem Bildschirm:

"Yes means No and No means Yes. Delete all files? [Y]"

Ich mach' mir naemlich wirklich Sorgen ueber die vielen Einbrueche ins System in letzter Zeit... Dem Systemmanager macht das nichts aus - seltsamerweise.

Er jammert immer nur ueber die hohe Zahl von computerverursachten

Todesfaellen auf dem Campus. Die Welt wird immer verrueckter!

Ich blaettere den Ausredenkalender um.

"DOPPLER EFFEKT"

Klingt so idiotisch, dass es schon wieder realistisch wird - wenn man etwas nachhilft, natuerlich.

Das Telefon, der Fluch meines Lebens, laeutet.

"Hallo, Kontrollraum", sage ich hilfsbereit.

"Ist dort die Technik?", fragt jemand.

Erstaunlich, wieviel stocktaube User wir haben, und warum sie dann noch telefonieren, statt mir eine eMail zu schicken. Zum Teufel, es oedet mich schon wieder an...

"Jawohl", luege ich (Nixon haette noch von mir lernen koennen).

"Ich hab' ein Problem mit meinen Floppy Laufwerk. Es scheint manchmal nicht

zu lesen."

"Hmm. Wie alt ist das Laufwerk?"

"Etwa ein Jahr..."

"Und es geht manchmal nicht, aber manchmal funktioniert's. Und die Ausfaelle werden immer haeufiger?"

"JA, GENAU!"

"Aha, ein klarer Fall von magnetischem Dopplereffekt..."

"Ich dachte, das gibt es nur mit Licht- und Schallwellen?"

[BULLSHIT MODE ON]

"Schon. Aber man hat kuerzlich entdeckt, dass sich die magnetische Bindung von Partikeln auf schnell rotierenden Oberflaechen aendern kann, vor allem wenn der Kopf relativ dazu feststeht und ganz leicht magnetisiert."

"Ah. Oh."

"Also muessen Sie dringend den Kopf entmagnetisieren. Haben Sie eine Floppy-

Disk-Entmagnetisier-Schleife?"

"Aeh ... nein?"

"Na schoen. Dann muessen wir es auf die direkte Methode probieren. Haben

Sie die Orginal-Disketten Ihrer Software greifbar?"

"Ja."

"Ok. Stecken Sie sie in Ihr Laufwerk und formatieren Sie sie."

"WAS?!"

"Keine Sorge, es passiert nichts - das Laufwerk funktioniert ja nicht, ok?

Was passiert, ist folgendes: die unverdorbenen magnetischen Felder auf den

Orginal-Disketten ueberlagern die magnetischen Stoerungen im

Schreib-/Lesekopf, einfach weil diese Disketten mit einem Laufwerk geschrieben wurden, das keinen Dopplereffekt hat."

"Ah, verstehe."

"Also. Und wenn ein Schreib-Fehler gemeldet wird und das Programm fragt, ob es weitermachen soll, tippen Sie ein 'yes'. Machen Sie das mit allen

Orginal-Disketten, die Sie finden koennen - je mehr, desto besser.

Dann lassen Sie eine normale Reinigungsdiskette durchlaufen. Die entfernt dann die freien magnetischen Partikel, die noch auf dem Kopf kleben."

"Oh. Ok, vielen Dank."

"Keine Ursache - ICH MACH' NUR MEINEN JOB."

Ich lege auf, und sofort laeutet es wieder. Es ist der Boss.

"Simon, koennten Sie mal in mein Buero kommen?"

ALARM ROT

So schnell ich kann, druecke ich den Panik-Knopf am LAN-Analyser, genauer gesagt, den 'Generiere-90%-Zufallspakete-Knopf'.

"Aber sicher. Soll ich gleich kommen oder..."

Das andere Telefon laeutet. Ich klemme es mir unters Kinn.

"Hallo, Computer Kontrollraum. Simon am Apparat. Wie kann ich Ihnen helfen?"

"DAS NETZ IST WEG. ALLE UNSERE PC's HAENGEN!", kreischt die Stimme aus dem einen Telefon ins Mikrophon des anderen.

"Aha", sage ich ruhig und souveraen. "Ja, ich kann's auf unserem Monitor sehen. Schaut aus wie ein schlechtes Thinwire-Segment - warten Sie, ich versuche, es 'rauszunehmen."

Ich druecke den 'Befoerderungsknopf'(AKA 'Stop Traffic Generation') am

LAN-Analyser, ...

... und fast sofort schreit der User: "Phantastisch. Es geht alles wieder.

Danke."

"Keine Ursache. Schoenen Tag auch."

Der Boss hat alles mitgehoert. Also, schaetze ich, wird der Besuch bei ihm nicht allzu schlimm ausfallen. Ich sage ihm, dass ich sofort 'runter komme, sobald ich das Netz wieder stabil habe, und lege auf. Auf dem Weg nach unten erfinde ich ein neues Blendwort - das macht das Management immer gluecklich. 'Vollstaendige Uebertragungstrennung'. Klingt viel besser, als

'Stecker-Ziehen'. Wie 'Master-Reset' besser klingt als 'Ausschalten'. Ich komme in sein Buero und der Personal-Chef ist auch da. Ah-oh.

"Simon, haetten Sie Lust, unser System-Manager zu werden?"

"?!!! AEh...ich weiss nicht. Eigentlich mach' ich lieber..."

"Zehn Tausender extra im Jahr, Porsche als Firmenwagen..."

"Roter Carrera Cabrio?"

"Ok."

"Gebongt!"

...und so endet die Story, wie sie schon frueher haette enden sollen.

1996

Der B.O.F.H. beginnt das neue Jahr mit ein paar Sexspielzeugen ...

Es ist sehr ruhig zwischen den Feiertagen. Die Weihnachtszeit habe ich damit verbracht, rumzusitzen, sorgfältig einen Schichtplan auszufüllen und freigiebig

Zahlen in der Überstundenspalte unter der Vermeidung einiger Familienmitglieder zu verteilen. Es ist so frustrierend, die Kollegen zu sehen, die sich jämmerlich ins Büro schleppen mit der alleinigen Absicht, mein Netzwerk zu zerstören. Während der

Shutdown-Zeit erhielt ich keinen Hilferuf, was meine Theorie bestätigt, daß mein

Netzwerk wirklich perfekt funktioniert und alle Fehler von den Nutzern verursacht werden.

Es scheint so, daß ich nicht der einzige im Büro war: die Protokoll-Dateien verraten, daß der Chef der Entwicklungsabteilung auch da war, um per Fax Dutzende

Bestellungen für verschiedene Teile für die neue Schüttel-Teststrecke, die sie in der

Qualitätssicherung bauen, rauszuschicken.

Dem Klatsch im Büro zufolge ist der Chef wirklich verrückt - die Teststrecke sollte zum neuen Jahr laufen, aber alle meinen, sie sei noch nicht einmal zur Hälfte fertig.

Das Interessanteste am Netzwerk-Fax-Protokoll ist, daß das Programm, das ich auf dem Server installiert habe, sich wenigstens einmal in einen Anruf nach draußen eingeschaltet hat.

Es handelt sich um ein unterhaltsames kleines Programm, das das größte Problem mit all diesen Netzwerk-Fax-Systemen auf der Welt löst - das Problem, daß sie furchtbar langweilig sind.

Die Veränderung, die ich vorgenommen habe, ist einfach und brillant: der

Netzwerkmanager definiert einfach ein paar Suchen-und-Ersetzen-Filter für

Nachrichten, die nach draußen gehen, was bei richtiger Anwendung Nachrichten deutlich aufwertet. Man kann natürlich auch dafür sorgen, daß Faxe ganz nach

Wunsch in andere Länder umgeleitet werden.

Das Telefon klingelt:

"Guten Morgen, sie sind der erste Anrufer in diesem Jahr. Kann ich ihnen helfen?"

(Manchmal überrasche ich mich selbst.)

"Hier ist der Chef-Ingenieur. Funktioniert das Fax-System?"

"Ganz bestimmt tut es das. Ich habe es vor ein paar Momenten selbst geprüft.

Haben sie etwa Probleme?"

"Ja. Ich habe vor Weihnachten ein paar Sachen für die Qualitätssicherung bestellt, aber der Lieferant behauptet, das Fax sei nie angekommen. Können sie das für mich

überprüfen? Ich habe es am 22. Dezember abgeschickt und das Gerät meldete, das

Fax sei angekommen. Die Bestellnummer ist PE4456."

Ein schnelles ´grep´ im Fax-Protokoll zeigt das fragliche Fax an.

"Ja, es steht hier im Systemprotokoll und es sollte alles in Ordnung damit sein.

Menge 48, Produktbeschreibung: ´Vibrator (3-stufig, sehr zuverlässig)´. Vielleicht konnte ihr Lieferant es noch nicht bearbeiten."

"Ja, das könnte durchaus sein. Vielen Dank."

"War mir ein Vergnügen."

Ich wundere mich ...

Das Telefon klingelt wieder. Die Rufnummernidentifizierung sagt, daß das

Warenlager dran ist.

"EDV hier."

"Warenlager hier. Wir haben eine Lieferung ohne Kontaktname. Der Lieferant sagt, sie wurde mit einem Fax bestellt. Können sie herausfinden, wer von euch diese interessanten Teile bestellt hat?"

"Natürlich, kein Problem. Wie lautet denn die Bestellnummer?"

"PE4456."

"Mal schauen ... ja, das ist die Bestellung vom 22. des letzen Monats. Vom Chef der

Entwicklungsabteilung."

"Danke Kollege."

Ich bin sicher, ein Kichern zu hören, als der Hörer aufgelegt wird.

Zeit und einige Levels von Doom III (Beta, natürlich) vergehen ohne Störung, dann

klopft es an der Tür. Geschickt schalte ich in den ´Boss-Mode´, dann lasse ich den

Chef-Ingenieur reinkommen.

"Irgendetwas stimmt nicht mit dem Fax-System." platzt es aus ihm heraus.

"Wirklich? Wieso?"

"Erinnern sie sich an das Fax? Ich habe gerade versucht, es nochmal abzuschicken, aber es kam nicht an."

"Okay, testen wir es mal."

Ich entwerfe schnell ein Fax auf meinem PC, schließe eines der alten Fax-Geräte an und schicke das Fax ab. Das Empfangsgerät erwacht zum Leben und gibt zuverlässig die Test-Nachricht wieder.

Nun, es funktioniert - ich habe das Wort ´Vibrator´ nicht benutzt, so daß das Fax nicht an Siggi´s Sex Emporium in Rotterdam umgeleitet wurde.

"Sie sehen es." erkläre ich meinem gespannt blickenden Kollegen. "Alles funktioniert prächtig. Sie müssen dem Lieferanten sagen, daß sein Fax-Gerät kaputt ist."

"In Ordnung. Danke für die Überprüfung." sagt er und geht kleinlaut. Geschieht ihm recht für seine Zweifel an meinem System.

Das Telefon klingelt.

"EDV, B.O.F.H. am Apparat."

"Hier ist der Chef. Haben sie Bradshaw von der Entwicklungsabteilung gesehen?

Man sagte mir, er würde zu ihnen gehen, weil er ein Systemproblem hat."

"Ja, er war gerade hier. Warum?"

"Oh, ich frage mich, warum das Warenlager mir ein Paket mit vier Dutzend dreistufigen Sex-Spielzeugen gebracht hat, das unser Freund bei Siggi´s Sex

Emporium in Rotterdam bestellt haben soll. Sie können nicht etwa Licht in die Sache bringen?"

"Selbstverständlich kann ich. In den Fax-Protokollen steht alles schwarz auf weiß ..."

Der B.O.F.H. hat ein Beurteilungsgespräch ...

Als ich an diesem hektischen Nachmittag zur Arbeit komme, erwartet mich eine

E-Mail, die mich zu einem Beurteilungsgespräch im Rahmen des

Vorgesetztenbewertungsprogramms einlädt. In der E-Mail steht noch, daß ich zufällig ausgewählt worden bin. Mein Abteilungsleiter ist überrascht, denn er erinnert sich deutlich daran, meinen Namen von der Liste gelöscht zu haben.

Nun, "Zufall" kann so ein irreführendes Wort sein.

Später gehe ich zu dem Gespräch mit einem Menschen vom Vorstand und einem

Herrn Grau (der Name paßt vollkommen).

"Simon, ich denke, sie wissen, worum es bei diesem Gespräch geht?" lächelt Grau.

"Ja. sie wollen herausfinden, daß mein Abteilungsleiter fast immer in der Lage ist, sich an seine Telefonnummer zu erinnern."

"Nein, ich denke, so schlimm wird es nicht." gluckst Grau.

Der Mann vom Vorstand scheint sich unwohl zu fühlen.

"Sein eigener Anschluß. Nicht die Büronummer. Die hat nur vier Stellen. Das ist nur eine Endung."

"Ja, gut. Er ist ja nicht umsonst in seiner Stellung!"

"Oder verwandt mit dem Chef oder seiner Frau. Oder er spielt Golf im gleichen Club.

Oder er kennt jemanden, der im gleichen Club ist. Oder er weiß, wie ein Golf-Club aussieht ..."

"Es sieht aus, als hätten sie keine besonders gute Meinung von Ihrem

Vorgesetzten."

"Nein."

Der Vorstandsmann fühlt sich jetzt wirklich unbehaglich.

"Aus welchen Gründen?"

"Nun, seien wir ehrlich. Bevor er hier anfing hat er Pappkartons in einer Fabrik gefaltet, die für ihre gebackenen Bohnen bekannt ist."

"Aha. Und seine Netzwerkerfahrungen?"

"Hat er, weil er der zweite Cousin der Frau vom Chef ist." antworte ich.

"Aha."

"Mal ganz ehrlich, der Mann könnte keine Lampe untersuchen und das Stromkabel identifizieren, von einem Netzwerk ganz zu schweigen. Als ich ihm sagte, wir sollten

ATM und passende Karten im Computerraum installieren, bestellte er eine neue

Barclay´s-Karte. Ich sagte ihm, daß wir eine Internet-Firewall haben, und er fragte, ob es auch ein Feuerlöschgerät dafür gibt."

"Ich verstehe. Möglicherweise hat er mehr Erfahrung, wenn es um die Planung geht, wie man das von einem Abteilungsleiter erwartet?"

"Vielleicht. Ich wundere mich jedoch noch immer, weshalb er sich bei mir bedankte und meinte es gehe ihm gut, als ich ihn nach einer besseren Glasfaserverkabelung

[fibre] fragte."

"Ach so. Was erwarten sie denn von jemandem in dieser Position?" will Grau wissen.

"Die Fähigkeit zu addieren, zu subtrahieren, lesen und schreiben ohne sich auf die

Zunge zu beißen. Die Intelligenz, seinen Namen unter alles zu schreiben, das ich ihm vor die Nase halte, unabhängig davon, wie seltsam es klingen mag."

"So, sie meinen, daß er nichts weiter sein soll als ein Ja-Sager."

"Genau."

"Nun, wir sind uns einig, daß wir dem nicht zustimmen. Sie können doch nicht ernsthaft erwarten, daß er alles unterzeichnet ohne es zu prüfen. Mit einer kleinen

Wartezeit von ein paar Tagen für eine Prüfung muß man leben können. Was ihr

Verhältnis zueinander betrifft, nun, auch wenn ihr Abteilungsleiter nicht unbedingt die Idealbesetzung für diese Stelle zu sein scheint, so ist ihr Urteil doch ziemlich ungerecht und übertrieben."

"Hmmm." sage ich besorgtes Nachdenken simulierend. "Ich glaube, wir haben da eine Sackgasse erreicht."

Dann stehe ich auf und gehe.

Auf dem Weg nach draußen höre ich, wie der Mann vom Vorstand Grau davor warnt, den Fahrstuhl oder irgendein anderes Gerät zu nutzen, welches von Computern kontrolliert wird. Dafür hat er Strafe verdient ...

...

Später, gegen 18:17 Uhr sehe ich im Überwachungsmonitor, wie sich ein Schatten von den anderen löst und sich an der Tür zu schaffen macht.

Ein paar Tastatur-Klicks - die Drehtür bleibt in Mittelstellung stehen und der

Sicherheitsalarm geht los.

Zwanzig Minuten später gehe ich die Treppen hinunter und tue so, als wollte ich das

Haus verlassen. Eine kleine Menschenmenge hat sich um die Drehtür versammelt und schaut den Sicherheitsleuten zu, die sich abmühen, den gefangenen Grau zu befreien. Ich lächle wohlwollend, als Grau mich sieht.

"Keine Angst", sage ich. "Wir können ja noch das Glas einschlagen, um sie zu befreien."

"Das ist Panzerglas", wirft ein Wachmann ein. "Man müßte schon mit einem Auto dagegenfahren. Ich befürchte, das wäre nicht gut für ihn."

"Es gibt immer eine Möglichkeit für den Notfall", sage ich hilfreich.

"Irgendetwas ging schief. Der ganze Kontrollmechanismus ist tot." kommt die

Antwort.

"Wirklich?" frage ich und schaue Grau an. "Nun, der Wartungsvertrag war Teil meiner Anforderung, DIE MEIN ABTEILUNGSLEITER HEUTE NICHT

GENEHMIGEN WOLLTE. EINE KLEINE WARTEZEIT VON EIN PAAR TAGEN

WIRD DOCH NIEMANDEN UNGLÜCKLICH MACHEN."

Der Wachmann murmelt etwas. "Wir dachten, wir könnten einfach die Kabel durchtrennen, damit die Türverriegelung freigegeben wird, und ihn dann rausholen."

"Wenn das so einfach wäre, dann könnte jeder Einbrecher hier reinkommen", erkläre ich. "JETZT IST DIE INTERNE BATTERIE AKTIV, DIE UNABHÄNGIG VOM

REST DER STROMVERSORGUNG LÄUFT. ES DAUERT 48 STUNDEN, UM SIE

ZU ENTLADEN."

"Was können wir tun?" will der Wachmann wissen.

"Nun, Tacos und Käsescheiben würden ganz gut passen."

"Hä?"

"Um sie ihm unter der Tür hindurchzuschieben. Er muß ja etwas essen! ICH HOFFE

NUR, ER MUSS NICHT ZUR TOILETTE. ICH KÖNNTE ES NICHT

AUSHALTEN, 48 STUNDEN IN EINER GLASKABINE EINGESPERRT ZU

SEIN, IN DIE JEDER HINEINSCHAUEN KANN, UND NUR MEINE

AKTENTASCHE DABEIZUHABEN."

Das Leben kann grausam sein, wenn du versuchst, nicht auf das zu hören, was andere dir sagen ...

Der B.O.F.H. erzieht den Pickelgesichtigen Jüngling (PJ) ...

Es ist ein ruhiger Montagmorgen, als ich in mein Büro komme und die Anwesenheit eines Wesens bemerke, welches nur als Pickelgesichtiger Jüngling (PJ) bezeichnet werden kann. Zu allem Überfluß hat dieses Wesen meinen Schreibtisch übernommen.

"Hallo!" keucht der PJ. "Ich bin der neue Auszubildende, den sie letzte Woche angefordert haben."

Anstatt anzuhalten, nehme ich meine Tasche und mache sofort kehrt, um in Richtung des Büros des Abteilungsleiters davonzustürmen. Der informiert mich in sehr deutlichen Worten, daß die Lohnabrechnung, die er nach meinem

Bewertungsgespräch in der vergangenen Woche erhielt, in keiner Weise zu dem beigetragen hat, was der flüchtige Beobachter wohl als Rache bezeichnen würde.

Reiner Zufall, daß er den PJ jetzt angestellt hat, behauptet er ...

Er erklärt mir außerdem, daß der PJ nicht nur bleiben, sondern mich auch irgendwann ablösen soll. Ich soll ihn zu einem absoluten Fachmann ausbilden. Traurigerweise ist in meinem Büro nur Platz für einen, aber das kann noch warten.

...

"Ich habe die Anrufe entgegengenommen, als sie weg waren!" ruft mir der PJ zu, als ich zurückkomme und wedelt mit einem Stapel ´Während sie weg waren´-Notizen.

Ich entscheide mich, so zu tun, als stimme ich voll und ganz mit dem Abteilungsleiter

überein.

"In Ordnung, sortieren sie sie ein und dann beobachten sie dann das hier", sage ich und schalte den Netzwerk-Monitor ein.

"Wo soll ich sie einordnen?"

"In den Aktenschrank." sage ich.

"Aber ich kann keinen sehen ..."

"Der runde ..."

"... auf dem Boden ..."

"JA, IN DER ECKE!!"

"Ein Anruf war aber wichtig!" keucht er.

"Das ist ein Netzwerk, hier sind alle wichtig. Jetzt ist es von Bedeutung zu erkennen, welche Nutzer wirklich wichtig sind, wenn sie anrufen."

"Oh, kann man das denn?"

"Das kann man nicht. Es war nur ein Witz. Das hier ist ein Netzwerk, okay? Sie nehmen, was sie kriegen können und sind damit zufrieden, oder sie bekommen ein

´Upgrade´ auf ein 150 Baud-Modem mit einem nicht isolierten Netzteil."

"Wie haben sie es geschafft, ihren Job zu behalten?"

"Hmm. Eine clevere Mixtur aus überlegener Intelligenz, Unersetzbarkeit und unbarmherziger Erpressung, wenn es nötig ist. Das hat bisher funktioniert. Nun, ich verwette meinen nächsten Lohnscheck darauf, daß 90 Prozent der Beschwerden an diesem Morgen von der Lohnbuchhaltung kamen - oder irre ich mich etwa?"

"Nein, sie haben Recht! Ist deren Netzwerk fehlerhaft?"

"Nein, das ist mehr ein Protokoll-Problem."

"Was? Etwa mit dem TCP/IP-Protokoll?"

"Nein, eher eines von der Art ´Wenn Simon Rückerstattungen für technische

Handbücher fordert, dann schickt ihn weit, weit weg´. Wirklich, es ist zwar nicht dokumentiert, aber ein De-facto-Standard hier."

"Und was tun wir wegen dieser Fehler?"

"Nichts. Wir erklären, daß es sich um einen unvorhersehbaren Fehler handelt, der möglicherweise irgendwo in einem technischen Handbuch beschrieben wird. Dann installieren wir die ´Niemals-versagende-Netzwerkproblem-Lösungstechnik´."

"Was ist das?"

"Wir lösen alle Probleme durch ein ´Router-Reset´."

"Ich verstehe nicht ..."

"Das ist doch ganz einfach!! Irgendwer ruft wegen eines ´Netzwerk´-Problems an.

Du gehst hin und schaltest den Router ab und startest ihn neu. Dann gehst du durch die Abteilung und erklärst, daß du es tun mußtest, da der Anrufer ein dringendes

Problem hatte, das nicht warten konnte. Es ist faszinierend, wieviel Feindseligkeit man auf diese Weise in nur einer Woche innerhalb der Abteilung erzeugen kann.

Wenn man wirklich etwas erreichen will, dann tut man das etwa 10 Minuten vor der

Mittagspause - niemand speichert seine Arbeit vor der Pause, so daß sich dann die

Programme aufhängen und sie alles verlieren, was sie bis dahin getan haben."

"Was passiert dann?"

"Wir ´tun natürlich auch nur unseren Job´. Aber oben in der Abteilung entsteht eine demilitarisierte Zone! Dinge verschwinden, Mittagessen werden mit Pfeffer

´verfeinert´ und dann, langsam aber sicher, hören die Anrufe auf. Wenn jemand einen

Ausfall hat, rufen sie nicht mehr uns an, sondern die Service-Abteilung."

"Und was tun die?"

"Sie schreiben eine ´Während sie weg waren´-Notiz."

"Und dann?"

"Dann geben sie sie uns."

"Und wir ..."

"SORTIEREN SIE EIN!"

"Was tun wir sonst noch?"

"Wir beobachten, wie das Netzwerk wirklich arbeitet, finden Engpässe und planen

Upgrades für die nächste Budget-Runde."

"Wirklich?"

"Ach was. Sind sie gut in ´Immortal Kombat´?"

"Naja, es geht so."

"In Ordnung, der Gewinner macht den nächsten Reset, der Verlierer kauft Krapfen."

Das leben an der Spitze ist hart, aber es ist, was man daraus macht ...

Der B.O.F.H. trifft einen ebenbürtigen Gegner, behält aber die Oberhand ... vorerst ...

Überraschenderweise scheint die Ausbildung des PJ gut zu verlaufen. Er bemüht sich, alles richtig zu machen, aber ich bezweifle, daß das auch noch in ein paar

Wochen so ist, wenn er mit ein paar schwierigen Klienten zusammentreffen wird ...

Ach ja, unsere Klienten. Einer unserer schlimmsten Klienten ist kürzlich zurückgetreten, nachdem ein paar wirklich sehr persönliche Fotos im Speicher einer geliehenen digitalen Kamera ´vergessen´ wurden. Das ist eine sehr seltsame Sache, denn die Löschfunktion funktionierte perfekt, als ich die Kamera vor einer Woche

´wartete´. Die Sache wäre wohl weniger schlimm ausgegangen, wenn der Finder nicht eines der Bilder als Startlogo aller Windows-PCs auf seiner Etage eingerichtet hätte. Das Opfer hat natürlich behauptet, daß jemand das Bild bearbeitet und gefälscht habe. Doch alle waren der Meinung, daß es nicht das Bild war, das da

´bearbeitet´ wurde.

Arme Sau.

Der PJ ist besorgt und benötigt offensichtlich Rat.

"Wo liegt das Problem?" frage ich.

"Ich verstehe nicht, wie dieses Bild auf alle PCs gelangen konnte."

"Ach so. Ich schätze, daß es jemandem gelungen ist, in den Programm-Server einzubrechen und das Bild auf die verschiedenen Desktops zu bringen."

"Aber der Server ist durch ein Passwort geschützt. Und das

Versionsverwaltungsprogramm auch. Wie konnte das passieren?"

"Jemand muß das Passwort herausgefunden haben", antworte ich und warte auf das

Unvermeidliche.

"Aber nur sie und ich haben Passwörter, und ich erst seit gestern."

"Notieren sie sich die Passwörter?"

"Nun, ja. Aber der Zettel liegt in meinem abgeschlossenen Fach."

Ich schüttle traurig den Kopf. "Und wer hat Schlüssel zu dem Fach?" frage ich.

"Nur sie und ich."

"Und waren sie es?"

"Nein."

"Dann können wir diese Möglichkeit verwerfen. Also muß ich es gewesen sein, der das Fach geöffnet und die Passwörter benutzt hat, um sich mit einer anderen

Identität beim Server anzumelden."

"Sie waren es?!"

"Natürlich. Sie denken doch, daß es niemand anderes gewesen sein kann, oder? Gott, die einzige weitere Person mit mehr Zugriffsrechten ist der Systemmanager, aber der ist so langsam, daß er ein Abschleppseil braucht."

"Warum haben sie das getan?"

"Weil sie lernen sollen, was Sicherheit bedeutet. Ich bin mir sicher, daß sie diese

Erfahrung bei ihrem nächsten Job, der sie irgendwann nach dem morgigen Tag erwartet, nutzen können."

"A ... a ... aber."

"Kein Grund zur Aufregung."

"Aber ich wollte sagen, daß sie mich doch nicht dazu bringen wollen, Onkel Brian zu sagen, daß das mein Fehler war. Das können sie doch nicht tun!"

Warnlampen an!

"Onkel Brian?"

"Onkel Brian. Sie kennen doch das große Büro im 6. Stock. Das mit den Ledermöbeln.

Ich würde ihrem Bericht an den Geschäftsführer nur ungern widersprechen."

ONKEL Brian ... Onkel Brian. Der Geschäftsführer. Ich hätte es wissen müssen.

Das ist keine einfache Sache, sondern ein Riesending.

"Nun, vielleicht ist es besser, diese Angelegenheit einem Hacker von draußen anzuhängen", sage ich so freundlich wie ich kann.

"Oder einem Hacker aus unserem Haus ..."

Der PJ lächelt bedrohlich.

Dieser hinterhältige Bastard! Möglicherweise steckt mehr in ihm, als ich dachte.

"... wie unser Abteilungsleiter." fügt er hinzu und läßt mich vom Haken.

Gott sei Dank ...

"In Ordnung", sage ich schnell, bevor er das riesige Potential von Erpressungen erkennt. "Sie sagen es Onkel Brian und ich werde einen Zettel mit ihren Passwörtern auf den Schreibtisch vom Abteilungsleiter schmuggeln."

"So machen wir es!"

Zehn Minuten später beobachten wir bei süßen Krapfen, wie ein weiterer Chef aus den geheiligten Hallen der Hölle hinausbegleitet wird.

"Sie wissen, daß er ihnen diesen Job gegeben hat", sage ich.

"Ja. Aber für Sentimentalität ist jetzt keine Zeit." antwortet er.

Wirklich, ein PJ voller Potential ...

"Okay, was sollen wir nun tun?" fragte er lernbegierig.

"Nun, ich denke es ist Zeit, den Stecker eines Remote-Rechners zu ziehen und die

Leute anzurufen. Wir erklären ihnen dann, daß die Etiketten ihrer EPROMs ungültig sind und sie sie an einem gut beleuchteten Ort abziehen sollen. Irgendwo, wo die

Sonne hell scheint."

"Würde das nicht ...?"

"Yep."

"Legen wir los."

Einen Job wie diesen zu haben, kann man nicht BEREUEN!

Der B.O.F.H. kennt keine Störungen in seinen Druckersystemen ...

Es ist ein angenehm kühler Morgen, als ich zurückgelehnt in meinem Sessel liege und die nächsten Überraschungen im Leben der Netzwerknutzer plane. Nun, es ist angenehm kühl für mich. Aufgrund eines bedauerlichen Fehlers in der Klimaanlage herrschen in allen anderen Zimmern Temperaturen, die entweder denen der Arktis oder denen der Tropen gleichen.

Einige aus der höheren Belegschaft haben versucht, die Brandschutztüren zu den

Treppen zu öffnen, die den Luftausstausch blockierten, doch seltsamerweise wurde dadurch mehrmals Feueralarm ausgelöst. Die Sicherheitsleute sorgen seitdem dafür, daß diese Brandschutztüren geschlossen sind. Natürlich nur zur Sicherheit aller.

Aufgrund all dieser Aktivitäten ist es in meinem Raum, in dem es zu dieser Zeit normalerweise recht hektisch zugeht, ziemlich ruhig. Überraschend hat sich der PJ als ein Fanatiker mit einem kaum menschlichen Gesicht entpuppt. Er hat es geschafft, den Personalchef zu ´überreden´, ihn zu einem Kurs über ´Grundregeln des

Managements´ zu schicken ... nach Paris. Nicht schlecht für einen Nicht-Manager und Anfänger - könnte das etwas mit dem E-Mail-Filter zu tun haben, den er im

Mailsystem der Personalabteilung installiert hat? All diese jungen Sekretärinnen ...

Ich denke, daß mein Tag friedlich und ohne Unterbrechungen durch sinnlose

Anfragen vergehen wird. Ich klopfe auf Holz.

Zu spät. Das Telefon klingelt. Es ist ein Nutzer.

"Hallo, ich schreibe dieses Programm, um unsere Drucker aufeinander abzustimmen, um zu sehen ..." Ich lege auf.

Es klingelt erneut: "Hallo, ich schreibe ..." Ich lege auf.

Wieder klingelt es: "Hallo, ich ..." Ich lege auf.

Die Lernfortschrittskurve dieser Menschen ist beinahe horizontal, so daß man auf ihr

Bowling spielen könnte. Ich lasse den Hörer neben der Gabel liegen. Zehn Minuten später klopft der Kauz an meine Tür. Ich habe gerade noch Zeit, den Telefonhörer wieder auf die Gabel zu legen, dann kommt er auch schon herein.

"Hallo, ich habe versucht, sie anzurufen, doch ihr Telefon muß defekt sein ..."

"Ich deute auf die ´Konsole der Hölle´ und schüttle meinen Kopf. "Das ist die

Konsole", sage ich leise, "sie geht niemals kaputt."

"Na gut, dann ..."

"Ihr Telefon", fahre ich fort, "hat eine Lebenserwartung von drei bis fünf Jahren, aber dieses Baby hier wird noch am Weltuntergangstag funktionieren. Es wird auch dann noch Anrufe dummer Nutzer annehmen."

Der Kauz ist verblüfft. Er versucht, seine Gedanken neu zu ordnen. Da klingelt das

Telefon. "Sehen sie, was ich meine?" sage ich und nehme den Hörer ab.

"Mein PC ist schon wieder abgestürzt. Das passiert immer, wenn ich auf mein

Netz-Laufwerk zugreifen will." schluchzt ein deprimierter Nutzer.

"Aha." sage ich und suche die Ausrede des Tages im Ausredenkalender. "Es könnte sich um VORÜBERGEHENDE KNOTENVERDOPPLUNGEN handeln."

"Was?"

"Nun, ihr PC stürzt ab, weil er doppelte Dateien auf dem Fileserver und ihrer

Festplatte findet.

"Oh. Was soll ich tun?"

"Nun, das Beste wird sein, sie melden sich beim Fileserver an und machen ein remove-rename."

"Und wie?"

"Geben sie einfach ein rm -rf ein. Das bedeutet remove minus rename, alle nur einmal vorhandenen Dateien werden nicht umbenannt."

"Oh, in Ordnung. Danke."

"Gern geschehen." ich lege auf. Der Kauz ist noch immer hier.

"Ich schreibe ein Programm ..." setzt er an.

"... um die Drucker abzustimmen." vollende ich.

"Ja."

"MEINE Drucker." stelle ich fest.

"Ähm ... ja."

"Warum?"

"Nun, ich dachte, daß ich einmal pro Sekunde abfrage, welche Druckaufträge sie

gerade bearbeiten und wie schnell sie waren."

"Warum?"

"Um zu sehen, ob es irgendwelche Engpässe im Netzwerk gibt."

"Wie, um ein Beispiel zu nennen, einen Engpaß, der dadurch verursacht wird, daß die

Drucker einmal in der Sekunde auf die Anfrage eines ´intelligenten´ Programms antworten müssen?"

"Ich dachte, daß das kein Problem wäre."

"Das dachten sie nicht", sage ich, ändere die Temperatur im Treppenhaus auf Null und erhöhe die Luftfeuchtigkeit. "Aber sie haben das Programm schon laufen lassen, stimmts?"

"Nun, ein- oder zweimal vielleicht."

"Nein, mehr als ..." (Ich zähle die roten Punkte, die der

Druckerwarteschleifen-Monitor zeigt.) "Mindestens 17mal, wenn ich richtig gezählt habe. Sie schicken eine falsche SNMP-Anfrage an die Drucker, die natürlich nicht antworten. So geht es weiter, und sie schicken eine weitere Anfrage an den nächsten

Drucker."

"Ich ... nun, es könnte sein ..."

"MEIN Problem ist nun: Wen soll ich damit beauftragen IHR Problem zu bearbeiten?

Vielleicht meinen beinahe wahnsinnigen Auszubildenden, dem beigebracht wurde, unnötige Netzlast mehr zu hassen als Wiederholungen von ´Unsere kleine Farm´?

Oder möglicherweise die Programmierer, die Möchtegernprogrammierer mehr hassen, als sie es hassen, zu arbeiten wenn die Kneipen geöffnet sind? Wissen sie, ich werde einfach alle fragen."

Er ist verschwunden und hat seinen sechsmonatigen Spanienurlaub schneller geplant als ich es schaffe, den Telefonhörer neben den Apparat zu legen.

Ich schaue im Monitor zu, wie er zu den Treppen stürmt, um zu flüchten.

Dummerweise kondensierte im nun kalten Treppenhaus ein wenig Wasser auf dem

Linoleumbelag, so daß er ausrutscht und ein paar Treppen nach unten rollt. Auf seinem Weg aus dem Gebäude heraus wirft er eine Gruppe Erbsenzähler um, die begierig zu ihren Summen zurückkehren wollen.

Als er aus dem Haus hinkt, kommt mir ein Gedanke: Man kann Zufriedenheit mit dem

Job eben nicht planen. Nun, jedenfalls nicht wirklich, schätze ich ...

Der B.O.F.H. gibt einem hilflosen Verkäufer die Chance, an Geld zu kommen ...

Ich sitze in meinem Büro, als der Anruf eines Verkäufers kommt, der mir ein paar

ATM-Kits aufschwatzen will. Er hat meinen Namen aus einer dieser Anforderungen für Gratis-Zeitschriftenexemplare, die ich vor Monaten abgeschickt habe. Man muß auf diesen Anforderungen ja immer ein paar ´statistische´ Informationen geben, also habe ich die Angaben zu meinem technischen Wissen auf ein Zehntel nach unten korrigiert. Bei der Frage nach ´Verfügbaren Finanzmitteln´, habe ich meine Antwort um den Faktor 100 aufgeblasen. Eine kleine Lüge tut niemandem weh, und widerlegt nebenbei das Gerücht, es gäbe so etwas wie eine Einladung zu einem kostenlosen

Mittagessen nicht.

Ich schalte mental in den ´Vergnügungs-Modus´ und sage dem Anrufer, daß er mit dem technischen Manager sprechen soll, und ich ihn sofort weiterverbinde. Zwei

Sekunden später spricht er mit meiner Imitation unseres technischen Managers.

"Ich möchte zu ihnen kommen, um ihnen eine zukunftssichere Netzwerk-Lösung vorzustellen, wenn das möglich ist." legt er los.

Das Letzte, was ich will, ist, daß er herkommt und alle Leute nach ´dem technischen

Manager´ fragt. Daher entscheide ich mich für einen schnellen Spaß.

"Nun", sage ich, "ich bin in dieser Woche stark mit ein paar Besprechungen über

Neuanschaffungen beschäftigt."

Er macht eine Pause. Ein klein wenig zu lang, finde ich. Das bedeutet vermutlich, daß er nicht bereit ist, sein Ausgabenbudget einzusetzen.

Ich ´füttere´ ihn noch ein wenig.

"Dann habe ich eine Budget-Konferenz in der nächsten Woche, um die Ausgaben im

nächsten Vierteljahr zu planen, also bin ich mit der Vorbereitung darauf auch ziemlich beschäftigt."

Er beißt an.

"Ich sage ihnen etwas - wie wäre es, wenn wir uns zu einem Mittagessen träfen - sie müssen doch etwas essen, oder? Und ich beschreibe Ihnen ganz unverbindlich unsere Produkte. Sie werden die Vorteile dann ganz von selbst sehen."

"Ähm ..." denke ich laut nach.

"´Luigi´s´, am Donnerstag um 12 Uhr?"

"Ich, also ...", murmle ich, spiele den Unbestechlichen.

"In Ordnung, ich reserviere uns Plätze", schließt er wie ein wirklicher

Verkaufschampion.

Ich öffne den elektronischen Terminkalender mit dem Passwort des Chefs (der Name seiner Frau - glaube ich jedenfalls ...) und trage den Termin bei ´Luigi´s´ ein.

Es ist Donnerstag und ich komme um 11:30 Uhr in die Bar, arbeite mich durch die

´importierten Spirituosen´ durch, solange ich kann. Irgendwann taucht der Verkäufer auf. Ich bin, wie wir Ethernet-Freunde sagen würden, in einem Wahllos-Modus. Ich würde jetzt alles kaufen. Zumindest dann, wenn ich Geld hätte. Was nicht der Fall ist. Wie auch immer, ich habe ein paar Visitenkarten des technischen Managers dabei und beherrsche eine akzeptable Nachahmung seiner Unterschrift.

Die nächsten drei Stunden vergehen schnell, während ich verschiedene Kataloge mit glänzender, beta-getesteter, ´höchstmoderner´ Hardware anschaue, in Verzückung gerate, wie das nur ein technischer Manager kann, und gelegentlich Kommentare wie: "Schöne Lichter" abgebe. Irgendwann gegen 15 Uhr entschließe ich mich, den

Mann etwas unter Druck zu setzen. Ich erkläre ihm, daß in diesem Jahr kein Geld für das Netzwerk vorgesehen ist, da ich alles schon im letzten Jahr ausgegeben habe.

Er beginnt zu weinen und versucht alles, damit ich mich schuldig fühle. Ich gebe vor aufzugeben und erkläre ihm, daß ich eine Wagenladung Waren bestellen würde und es so aussehen lassen werde, als handele es sich um eine Bestellung aus dem letzten Jahr.

"Wird das gehen?" schnieft er.

"Natürlich ..." sage ich. "Jetzt gehen sie und machen sich wieder fein. Sie sehen ein wenig durcheinander aus."

Er verschwindet zur Toilette. Ich prüfe schnell seine Brieftasche. Sie enthält 70

Pfund. Ich nehme mir 40 - ich will ihn ja nicht völlig zusammengebrochen zurücklassen. Und wo ich gerade dabei bin, nehme ich ihm noch die letzte

Möglichkeit zur Bezahlung, indem ich meinen guten alten Permanent-Magnet über die Magnet-Streifen seiner Kreditkarten ziehe. Dann gehe ich wieder zur Bar und bestelle einen anderen Drink.

Ich unterhalte mich mit dem Barkeeper, bis der Verkäufer wiederkommt.

"Nun", sage ich, "ich muß zurück ins Büro."

Er blickt mich mißtrauisch an.

"Wissen sie", sage ich. "Wie wäre es, wenn ich einfach einen Bestellschein unterschreiben würde, den sie dann ganz ruhig in ihrem Büro ausfüllen können?"

Der Traum eines jeden Verkäufers.

Ich werfe schnell die Unterschrift unseres technsichen Managers aufs Papier, stecke die Quittung ein und habe schon die Hälfte der Strecke zur Arbeit zurückgelegt, als die Polizeiwagen mit Blaulicht das ´Luigi´s´ ansteuern.

Offensichtlich haben sich die Methoden beim Umgang mit potentiellen Kunden bisher noch nicht geändert. Mit etwas Glück war das aber nur ein kleiner Tiefschlag

- es sei denn, der Wurfarm seines Chefs ist gesund ...

Der B.O.F.H. sorgt mit einer kleinen Bestechung für einen Zusammenbruch seines

Chefs ...

An einem ruhigen Morgen werde ich vom Pförtner angerufen. Neues Equipment ist angekommen und nun muß ich sagen, wohin es gebracht werden soll.

Ich brauche ein paar Sekunden, um mich an das Essen mit dem Verkäufer im

´Luigi´s´ zu erinnern und die wortreichen Versuche meinerseits, ihn aus seiner mißlichen Lage zu befreien, als er kein Geld mehr hatte ... Seine beiden Vorderzähne waren aus Gold. Möglicherweise konnte er sich mit dem Restaurant einigen. Oder er hat etwas herausgefunden ...

Das bedeutet möglicherweise, daß unser technischer Direktor nun extrem hochgezüchtete Hardware besitzt, die geeignet ist, alle Geräte zu überfordern, in die sie eingebaut wird.

Da ich keine Ahnung habe, was eigentlich geliefert wurde, sollen sie die Sachen erst einmal zum technischen Direktor bringen. Immerhin steht ja ´seine´ Unterschrift unter der Bestellung ...

"Es ist aber sehr viel ..." sagt der Pförtner. "Der Platz im Lift wird kaum ausreichen."

Ich sage, daß sie es in den Lift schaffen sollen, dann bereite ich mich darauf vor, dem

Untergang des technischen Direktor beizuwohnen.

Fünf Minuten später ist der Lift mit hundert glänzenden Schachteln und

Schächtelchen unterwegs.

Der technische Direktor scheint sehr verwirrt zu sein. Mit einem Budget ausgestattet, das gerade für ein paar Schachteln Chips reicht, ist er wirklich besorgt

über die Lieferung dieser bunten Schachteln. Das ist nicht weiter verwunderlich, denn er ist ja der einzige, der für Technik Geld ausgeben darf.

Ich warte, bis er die Rechnung und die beigeheftete Bestellung sieht. Seinem Blick zufolge scheint ihn ein mächtiges Problem zu beschäftigen.

"Das muß ein Irrtum sein!" ruft er, als ein besonders besorgniserregend blickender

Buchprüfer mit dem Inventarverzeichnis hereinkommt.

"Das ist die neue Technik?" fragt er.

"Es scheint so", antowrte ich. "Aber ich dachte, wir hätten kein Geld mehr?"

"Haben wir auch nicht." plärrt der technische Direktor.

"Wenn das so ist", frage ich und deute auf ´seine´ Unterschrift, "Warum haben sie dann diese Sachen bestellt?"

"Habe ich doch gar nicht", beteuert er mit 28.8 bps (Beteuerungen pro Sekunde).

Ein kleiner Auflauf interessierter Zuhörer hat sich gebildet, so daß ich um Ruhe bitte.

"Und das auch noch, nachdem sie die Wünsche nach einer besseren Klimaanlage abgelehnt haben!"

Das Murmeln der Ablehnung zeigt den Grad der Zustimmung an, die der technische

Direktor jetzt noch erwarten kann (eine beliebig große Zahl multipliziert mit Null).

Dieses feindselige Publikum ist nicht empfänglich für Ausreden, ganz besonders nach den ´extremen Wetterschwankungen´ des vergangenen Jahres.

In seiner Verzweiflung meint er einen rettenden Strohhalm gefunden zu haben: "Hey!

Diese Bestellung ist sechs Monate alt. Damals war ich doch noch gar nicht hier!" ruft er.

"Bestellungen zurückdatieren, um dem Inventar-System zu entkommen!" rufe ich.

Die Augen des Buchprüfers leuchten auf wie ein Weihnachtsbaum, als er sich den

Ruhm vorstellt, den er mit der Aufdeckung dieses Betruges ernten kann.

"Aber ... Ich ..." fleht der technische Direktor.

Ich nehme mir eine Schachtel und sorge für etwas mehr Druck: "ATM-Karten für

XT-kompatible. Wie nützlich."

Die Ablehnung wird lauter. Der technische Direktor gibt alle Versuche, den

Unschuldigen zu spielen, auf und versucht etwas anderes.

"Wir haben eine Menge altes Equipment!" keucht er. "Die Karte kann DOS beschleunigen!"

Er ist eingekreist und hat keine Aussicht auf einen Ausweg. Ich weiß es, er weiß es.

Die Belegschaft weiß es.

"Was zum Henker ist denn das?" frage ich und deute auf die Rückseite des Stapels im Lift.

Der technische Direktor eilt in der Hoffnung hinein, weitere Schwierigkeiten verstecken zu können.

"Was?" fragt er, als ich ihn einhole.

"Oh, nichts, einfach all das. Der Buchprüfer, die Belegschaft, diese nutzlose

Hardware. Alles. Das ist nicht gut für einen Karrieremenschen, wissen sie."

"Aber, ich ..."

"Ich meine, wenn ihr Chef etwas davon erfährt ..."

Wortlos steht er einfach nur da.

"Andererseits, wenn all dies hier einfach verschwinden würde ..."

Ein Hoffnungsschimmer erscheint am Horizont.

"Verschwinden?"

"Wie ein böser Traum." bestätige ich.

"Wie?"

"Nun, sie geben mir die Rechnung und dann unterschreiben sie diese Bewilligung für einen Fortbildungskurs."

Er liest sich die Kursbeschreibung durch:

"Aber das ist ein Zwei-Wochen-Kurs in Amerika, in dem es um Grundlagen von

Netzwerken geht. Sie wissen das doch alles schon."

"Dann werde ich viel Zeit zum Vertiefen haben, oder?"

"Aber ..."

"Oh, ist das nicht eine ATM-Karte für den Commodore C-64?"

"In Ordnung. In Ordnung."

Er unterschreibt die Unterlagen und wir verlassen den Lift. Ich lege alle Schachteln wieder zurück in den Lift, gehe in mein Büro und rufe den Pförtner an.

"Irgendetwas stimmt nicht mit dem Lift!" erkläre ich und nutze dessen

Service-Konsole um seine Beschleunigung ein wenig über die rote Linie hinaus zu erhöhen.

Als ich wieder beim Lift ankomme, steht der Buchprüfer noch immer da. Er hat offensichtlich etwas dagegen, den Lift abfahren zu lassen.

"Sie meinen, das hier sieht schlimm aus", sage ich zu ihm. "Dann sollten sie erst einmal sehen, was noch alles beim Pförtner liegt!"

Die Halteverriegelung löst sich mit einem Klick, als er zum Pförtner verschwindet.

Genau 23 Sekunden später hört man im gesamten Gebäude den Aufprall eines mit

Waren vollbeladenen Lifts im 2. Kellergeschoß.

Sowie die Sirenen der Krankenwagen näherkommen, beginne ich damit, mir

Reisebroschüren anzuschauen, um einen netten Platz für meinen

´Auffrischungskurs´ zu finden. Dann rufe ich unsere Versicherung an, um sie über den Unfall, durch den all diese moderne Technik vernichtet wurde, zu informieren ...

Der B.O.F.H. sorgt für Normalität ...

Ich sitze in meinem Büro und genieße die Musik aus meinem Radio, als ein ´Kollege´ aus einem weiter entfernten Büro im meiner Tür erscheint.

"Ja?" frage ich und blicke ihn an.

"Ähm. Könnten sie ihre Anlage etwas leise stellen - ich versuche, einige Arbeiten zu erledigen und da fällt es mir schwer, mich zu konzentrieren."

Er ist neu hier, überlege ich, statt Politik der verbrannten Erde hat er eine großzügige

Chance verdient.

"Entschuldigung", sage ich mit einem wirklich zerknirschten Gesichtsausdruck und drehe den Lautstärkeregler von 11 auf 2.

Sehr zur Verwunderung der anderen Kollegen, die ihren Freunden schon die freie

Stelle melden wollten, verläßt er fröhlich mein Büro.

Sogar der Abteilungsleiter bemüht sich her, um zu sehen, ob ich wirklich da bin. Als er wieder geht, bemerke ich den Anflug eines Lächelns in seinem Gesicht.

Fünf Minuten später ist er wieder da und fragt mich, ob ich ihm bei der Installation einer Backup-Software für seinen Laptop helfen könne. Ich weiß nicht warum, doch anstatt die DELETE.EXE in BACKUP.EXE umzubenennen, richte ich die

Backup-Software tatsächlich ein.

...

Jetzt bin ich sicher, daß irgendetwas nicht stimmt. Ich rufe meinen Beinahe-Freund, den Pickelgesichtigen Jüngling (PJ), an und frage, was er so macht.

Er erklärt mir, daß er die Probleme einiger Nutzer gelöst und einem Buchhalter

geholfen hat, seine Maschine nach einem Umzug wieder zum Laufen zu bringen.

Jetzt bin ich wirklich besorgt. Ganz bestimmt läuft irgendetwas falsch! Er hat das

´B´-Wort benutzt und nicht das übliche ´Erbsenzähler´.

Der nächste Tag bricht an und ich beginne ihn mit der Reparatur einiger Telefone.

Aber mit dem Herz bin ich woanders. Am frühen Nachmittag bringe ich die Apparate zurück und entschuldige mich sogar für die Unannehmlichkeiten. Der

Abteilungsleiter lächelt noch immer.

Ich war vorsichtig und habe nichts gegessen. Also muß es etwas anderes sein.

Etwas sehr, sehr hinterhältiges. Nach einer langen Schlacht mit meinem Gewissen werfe ich einen Blick in die Liste der vom Abteilungsleiter genehmigten Einkäufe, wobei ich mein Gewissen damit beruhige, daß ich dies ja nur tue, um dafür zu sorgen, daß die Bestellungen auch korrekt ausgeführt werden.

Ich finde, wonach ich zu suchen glaubte, und zwar in Form von 10

´Ultra-Positiv´-Ionisierern, die in die Klimaanlage eingebaut wurden. Noch kann ich mich nicht dazu bringen, etwas zu unternehmen, also gehe ich in den Druckerraum, schalte die Klimaanlage ab und die Laserdrucker auf volle Kraft. Eine halbe Stunde später bin ich beinahe wieder normal. Ich beende meine Arbeit und gehe nach Hause, um über einen Plan nachzudenken.

Am nächsten Morgen stehe ich früh auf und komme unbeobachtet zur Arbeit.

Mein erster Halt: der Turm der Klimaanlage auf dem Dach. Ich lokalisiere die störenden Ionisierer und programmiere sie mit meinem Hammer neu.

Der nächste Halt: das Büro des Geschäftsführers, wo ich den Ionisierer durch einen von mir gebauten ersetze und gut verstecke. Dann marschiere ich in die

Telefon-Vermittlung, sorge für eine Umleitung aller Anrufe direkt zum

Geschäftsführer und sperre dann die Konsole der Vermittlungsanlage.

Unten im Computerraum forme ich einen Stolper-Draht aus den Netzkabeln der

Datenbank- und Netzwerkserver. Dann erwarte ich in meinem Büro, die Fenster natürlich weit geöffnet, den Beginn des Arbeitstages.

Bis 9:45 Uhr passiert nichts, doch nach 15 Minuten voller Anrufe und nach der

Einwirkung meines Ionisierers ruft der Geschäftsführer genervt meinen

Abteilungsleiter an. Ich beobachte es und rufe, sobald der Abteilungsleiter aufgelegt hat, den Geschäftsführer an.

"HIER IST NICHT DIE VERMITTLUNG!" schreit er.

"Natürlich, Sir. Das weiß ich", sage ich voller Freundlichkeit und Verständnis. "Ich habe gerade festgestellt, daß anscheinend alle Anrufe von der Vermittlung an ihren

Apparat umgeleitet werden. Die Konsole der Anlage in der Vermittlung ist auch blockiert. Überhaupt, die Leute aus der Vermittlung verhalten sich in den letzten

Tagen recht seltsam - nun, in Wahrheit haben wir uns in der letzten Zeit alle seltsam benommen, glaube ich. Ich werde mich mal im Computerraum etwas umsehen ..."

Der Abteilungsleiter schaltet in den Panik-Modus, fegt durch mein Büro, reißt die

Tür des Computerraums auf. Und dann die Netzkabel der Server heraus.

Ich schenke ihm ein mitleidiges Lächeln, als er mit Schrecken feststellt, was er gerade angerichtet hat.

"Home Team ONE, ihre Zukunftsaussichten, NULL", sage ich in den Telefonhörer, die Hand natürlich vor dem Mikrofon. "Nichts weiter passiert", sage ich dann, die

Hand nicht mehr auf dem Mikrofon. "Der Abteilungsleiter hatte gerade einen kleinen

Unfall ..."

Der B.O.F.H. läßt sich nicht von einem Wichtigtuer mit einem schicken Auto anhupen ...

Ich sitze gerade in einem Workshop, als der Abteilungsleiter mit verwirrtem Blick hereinkommt. Den Gedanken, er könnte eine wichtigere Bedeutung des Lebens gefunden haben als den Versuch einer rekordverdächtigen Verkörperung eines

Briefbeschwerers, verwerfe ich schnell wieder und entscheide mich stattdessen dafür, ihn nach seinen Gedanken zu fragen.

"Gibt es ein Problem?" frage ich also, und es klingt, als wären seine Probleme auch

die meinen.

"Ähm ... nein. Kein Problem. Ich hatte nur etwas Ärger mit meinem Wagen."

"Das königliche blaue Monster im Parkhaus? Startet es nicht?" will ich wissen.

"Nein, nein. Es startet perfekt. Zu perfekt, um die Wahrheit zu sagen. Das ist das

Problem."

Ich weiß, was jetzt kommt, also frage ich nach. "Zu gut?"

"Ich habe schon wieder einen Strafzettel für zu schnelles Fahren bekommen?"

"Wirklich? Wieviele sind es denn insgesamt?"

"Drei. Aber das Verwunderliche ist, daß der Wagen mit Automatik fuhr und nicht schneller war als erlaubt. Doch als ich etwas später auf den Tacho blickte, war ich plötzlich schneller als erlaubt."

"Wirklich?"

"Ja. Von einem Augenblick zum anderen. Aber wirklich seltsam ist, daß der

Radarwarner keinen Ton von sich gegeben hat."

"Nun, die Polizei wechselt manchmal die Frequenzen dieser Blitzer, damit

Radarwarner nichts nützen." antworte ich, um seine Neugier zu befriedigen.

"Aber ich habe das Ding doch erst seit einer Woche! Wenn ich es nicht besser wüßte, würde ich schwören, daß der Wagen sich immer den ungeeignetsten

Augenblick aussucht, um zu beschleunigen. Als ob die Automatik und der

Radarwarner zusammenarbeiten würden."

Ich murmle etwas vor mich hin.

"Wie bitte?"

"Ich sagte, die Polizei hat anscheinend etwas Neues erfunden."

"Oh."

Er geht hinaus und denkt offenbar über das Leben ohne Fahrerlaubnis nach. Ich verschwinde ins Parkhaus und verlagere mein neulich gebautes Radarzubehör vom

Wagen des Abteilungsleiters in den des PJ. Er ist in letzter Zeit etwas zu selbstzufrieden, daher ist es gut, ihm in Erinnerung zu bringen, was es bedeutet, an der Spitze zu leben.

Nachdem ich ihm das kleine Spielzeug untergejubelt habe, will ich mich wieder zum

Lift begeben, als ich plötzlich aus größter Nähe von zwei lauten Hupen angegriffen werde. Hinter mir ist ein rotes Kabriolett nebst Eigentümer aufgefahren und wartet darauf, daß ich den Weg freigebe. Der Name auf dem Schild des Parkplatzes dieses

Wagens wird augenblicklich in mein Langzeitgedächtnis übertragen.

Als ich wieder im Büro bin, fällt mir auf, daß ich die Ausbildung des PJ vernachlässigt habe, und beschließe, dies unverzüglich zu berichtigen. Ich berichte dem PJ von meinem Erlebnis mit dem viel zu ungeduldigen Verkaufsmanager und seinem sportlichen Kabrio.

"Sollen wir seine Telefonleitung kappen?" fragt der PJ brennend interessiert.

"Nein, nein", antworte ich. "Dies ist ein spezieller Fall, der spezieller Behandlung bedarf. Nehmen sie mal das Buch dort."

"Das mit dem Metalleinband?"

"Genau."

Er greift nach dem Buch, nimmt es und stürzt zu Boden. Sekunden später ist er wieder bei Bewußtsein.

"Was ist passiert?" fragt er benommen.

"Der älteste Trick in dem Buch. ´Welches Buch?´ fragen sie Nun, der ´Bastard

Operator-Führer´. Der Wälzer der Hölle."

"Aber was ist passiert?"

"Als sie das Buch hochgehoben haben, hat ein kleiner Schalter am Boden des

Buches eine gesunde Dosis Spannung an den Buchumschlag abgegeben. Mit diesem

Buch kann man nie vorsichtig genug sein."

"Oh."

Er ist nicht gerade fröhlich, aber eine gute Ausbildung gibt es nicht umsonst.

"Okay", sage ich, "nehmen sie ein Paar Gummihandschuhe und schlagen dann Seite

43 auf, den letzten Absatz."

"Diesen über Internet-News hier?" fragt er.

"Genau, dieser Abschnitt. Jetzt können sie mir vielleicht helfen, die Nachricht zu

schreiben, die unser Freund an eine große Anzahl auf Sex spezialisierter

Newsgruppen senden wird. Für welche sexuelle Perversion wird er sich wohl interessieren?"

Fünf Minuten später haben wir ein virtuelles Meisterwerk geschaffen, das ihm die

Aufmerksamkeit einer großen Anzahl seltsamer Leute im Internet verschaffen wird.

"Soll ich die Nachricht abschicken?" fragt der PJ.

"Noch nicht sofort. Sie wissen, daß diese Nachricht enormen E-Mail-Verkehr auslösen wird, der den Server regelrecht überfluten kann, und daher der

System-Adminstrator eingreifen wird?"

"Sie meinen, er wird es bekanntmachen?"

"Wir können uns nicht darauf verlassen. Nehmen wir als Antwortadresse die des

Cheftelefonisten. Das ganze Haus wird es wissen, bevor einer es wagen wird, diesen Verkaufsmanager zu informieren."

"Sie sind ein wirklicher Schweinehund!"

"Bis ins Fleisch, an der Tastatur und erbarmungslos durch das Leben anderer

Menschen stapfend." antworte ich in einen Anflug von Hochmut.

Später an diesem Tag marschiere ich in das Parkhaus und beobachte eine Person aus dem Lift heraustreten und sich zu einem kleinen roten Kabrio schleichen. Der

Ausdruck in seinem Gesicht zeigt, daß er nicht nur von draußen Angebote bekommen hat ...

Als er in einen langen Urlaub verschwindet, um seine Erinnerungen zu erforschen, kehre ich in mein Büro zurück, um die Arbeit des Tages zu beenden. Ich mache eine kurze Pause, um dann sogleich seine Akten in den Mülleimer zu werfen ...

Der B.O.F.H. erlebt seinen Schwarzen Mittwoch ...

Dieser Mittwoch entpuppt sich als denkwürdiger Tag, als ich in das Büro des

Abteilungsleiter gebeten werde, um angeblich einige wichtige Informationen zu bekommen. Anwesend sind neben dem Abteilungsleiter noch ein technischer

Manager und unser Personalchef. Ein Treffen mit drei gleichgesinnten

Schwachköpfen, könnte man sagen - oder fünf, wenn man den Briefbeschwerer und den Mülleimer mitzählt, die weitaus mehr arbeiten und der Firma mehr Geld bringen, als die anderen drei.

"Wir, ähm, also, wir haben uns entschlossen, ihren Vertrag nicht zu verlängern", meint der Abteilungsleiter nach einigen Sekunden gespannter Stille.

Ganz plötzlich haben der technische Manager und der Personalchef interessante

Dinge zum Anschauen an der Decke und auf dem Boden gefunden. In der

Zwischenzeit, so scheint es, bemüht sich der Abteilungsleiter darum, den

Weltrekord im Schwitzen zu brechen. Er erwartet offenbar das Schlimmste, also soll er es bekommen.

"In Ordnung", sage ich leise. "Ich verlasse die Firma dann in vier Wochen, schätze ich."

"Ähm, nun, wir haben uns entschlossen, sie jetzt schon auszuzahlen. Sie bekommen das Geld für die letzten vier Wochen. Eigentlich können sie uns verlassen, wann immer sie wollen, also auch sofort." lockt er. "Wir würden diese Lösung vorziehen."

"Okay", sage ich. "Ich suche meine Sachen zusammen und verschwinde dann."

"Ähm, wir haben den Sicherheitsdienst gebeten, sich darum zu kümmern", erklärt der

Abteilungsleiter auf einen Ausbruch wartend. "Draußen steht eine Kiste."

"In Ordnung. Man sieht sich", sage ich und verschwinde, nachdem ich mir meine

Sachen gegriffen habe.

Im Fahrstuhl treffe ich auf den verblüfften PJ.

"Was werden sie unternehmen?" fragt er schockiert.

"Ich? Ich werde Urlaub machen, ein paar Bücher lesen - keine Ahnung."

"Nein, ich meine, weil die sie rausschmeißen."

"Ach das! Wirklich nichts. Ich bin sicher, sie werden auch ohne mich klarkommen."

Ein Grinsen huscht über sein Gesicht, als er sich die Zukunft vorstellt.

"Ich werde sehen, was ich tun kann ..." verspricht er.

Drei Tage später klingelt das Telefon. Es ist der Abteilungsleiter.

"Äh, ich wollte fragen, ob sie vielleicht wieder zurückkommen könnten." höre ich ihn nuscheln.

"Warum? Mein Lehrling macht doch alles richtig, oder?"

"Ähm, nein, nicht wirklich."

"Seltsam. Dabei habe ich ihm doch alles beigebracht, was ich weiß", antworte ich und bringe die Kugel langsam ins Rollen.

"Ja, das hatten wir befürchtet."

"Wie bitte?"

"Ich weiß auch nicht. Er macht nur noch Fehler. Zumindest behauptet er, es handele sich dabei um Unfälle."

"Was für Unfälle?"

"Alles mögliche! An einem Tag ´reparierte´ er eine ´unnormale´ Einstellung der

Heizung im Sitzungszimmer und kochte so die tropischen Fische im Aquarium des

Geschäftsführers; seine ´Wartung´ des Lifts ließ mich und einen Manager zur

Mittagszeit eine Stunde lang zwischen der dritten und der vierten Etage hin- und herfahren; der Monitor mit den Aktienkursen zeigt nur noch holländische Pornokanäle an; die Sicherheitstüren lassen die Leute nicht mehr zu den Toiletten - bis auf eine

Ausnahme, als sie eine nervöse Sekretärin nicht mehr herausließen - und einer aus der Geschäftsleitung hörte ihre wilden Hilfeschreie, die ihn so erschreckten, daß er für vier Tage klinisch tot war."

"Nun, die Betreuung eines Netzwerkes ist eine heikle Sache. Und er wird es noch lernen, denke ich."

"Gut, gut, aber könnten sie nicht zurückkommen und die Sachen wieder in Ordnung bringen? Die Passwörter für die Anmeldung im Netzwerk sind nur noch einen Tag gültig und mit jedem Tag müssen sie um einen Buchstaben länger werden. Am Ende der Woche sind wir bei 15 Zeichen angekommen, und sie wissen doch, wie wenig es der große Boss liebt, seine Initialen fünfmal hintereinander einzutippen."

"Nun, ich weiß nicht recht ...", sage ich auf das Unvermeidliche wartend.

"5000 mehr pro Jahr?"

"Zehntausend?"

"Okay, zehntausend!"

"Und ich mochte noch nie diese Klauseln zur persönlichen Haftung."

"DAS HAT SIE DOCH VORHER NIE GESTÖRT!"

"Stimmt, aber irgendwann rächt sich sowas und sie kriegen einen doch noch ..."

"In Ordnung, alles klar. Wann können sie wieder anfangen?"

Einen Tag später ist der Status Quo wiederhergestellt. Der PJ gibt mir einen kurzen

Überblick über die Dinge, die während meiner Abwesenheit passierten. Der

Wendepunkt war offenbar ein Unfall auf der Rolltreppe, bei dem die Frau des

Abteilungsleiters, die für ihn bestimmte Geburtstagstorte, der Anzug des

Geschäftsführers und eine plötzliche Änderung der Rolltreppengeschwindigkeit zusammentrafen. Ein außerordentlich seltenes Zusammentreffen ...

Das Telefon klingelt und gutgelaunt nehme ich ab.

"Ist dort der Netzwerk-Betreuer?" fragt eine Stimme.

"Ja ..."

"Ich habe ein Problem mit dem neuen Rechner und dem Netzwerk."

"Geht es um einen Pentium?" rate ich.

"Ja."

"Oh-oh. Der Hersteller hat uns gerade ein Fax wegen Problemen mit der elektrostatischen Aufladung geschickt."

"Was?"

"Um das Problem zu lösen, müssen sie einfach das Gehäuse öffnen ..."

"Okay."

"Die Netzwerkkarte herausnehmen ..."

"Gemacht."

"... und einen schmalen Metallstreifen am Verbindungsstecker zum Mainboard anbringen, um statische Aufladung zu verhindern."

"Gut."

"Jetzt stecken sie die Karte wieder ein und schalten den PC an."

"Okay, ich schalte jetzt ..."

KNALL!

"Arghh ...!"

<Klick>

Es ist schon lustig, wie man die gute alte Zeit vermissen kann ...

Der B.O.F.H. und sein Partner rächen sich für gestohlenen Platz ...

"Da geht er hin ..." murmelt der PJ, als der neue Programmierer aus seinem Büro schleicht und nach Hause geht. Der arme Mann leidet unter Verfolgungswahn, der natürlich nichts damit zu tun hat, daß sein Büro in einem Raum eingerichtet wurde, der früher zum Computerraum gehörte. Die Bosse meinten, der Platz würde nicht genutzt und haben ihn geklaut, um das Programmiererbüro einzurichten.

Leider kam ich nicht an die Pläne heran, bevor sie das Zeichenbrett verlassen hatten, doch der PJ hat es wenigstens noch geschafft, die Angaben für die Bauleute neu zu

'berechnen' und die Kabelschächte zu 'optimieren'. Es ist lustig, daß nun die Wände nach innen einzustürzen scheinen und der Türgriff sich immer dann erhitzt, wenn die

Klimaanlage in Betrieb ist.

Ganz im Geiste der Wiederverwertung haben die Bosse auch noch alle anderen

Büros nach ungenutzten Möbeln durchsucht, bevor der Programmierer eingestellt wurde. Bei uns fanden sie den Schrank des Todes, den wir genutzt hatten, um die

Back-Ups der Erbsenzähler aufzubewahren. Äußerlich gleicht der Schrank des

Todes normalen Aktenschränken. Und er verhält sich auch so - bis man ihn schließt.

Das löst dann nämlich ein fünfsekündiges Brummen aus. Und Momente später findet der Programmierer die Arbeit des Tages auf mysteriöse Weise ausgelöscht vor.

Verblüffend, wie klein ein Aktenvernichter sein kann ...

Die Fernsteuerung für den Stuhl des Programmierers war die Idee des PJ. Der

Programmierer kann problemlos die Höhe der Sitzfläche einstellen, doch seltsamerweise scheint der Gasdruck in der Höheneinstellung in unregelmäßigen

Abständen abzufallen und die Sitzfläche saust dann nach unten. Der arme Mann scheint ein wenig zu hinken. Möglicherweise ein Gelenkproblem.

Der Abteilungsleiter hat mitbekommen, daß etwas passiert ist - das sollte er auch, denn er hat den Diebstahl des Raumes zu verantworten. Ich bin sicher, er denkt immer daran, wenn diese scheußliche Türklinke ihm ihren Umriß in die Handfläche brennt ...

Nach einem persönlichen Telefonat des Programmierers mit dem Abteilungsleiter, das der PJ und ich nur zufällig belauschten, weil das Mikrofonkabel versehentlich mit einer redundanten UTP-Verbindung verkabelt war, scheint er anzunehmen, daß wir etwas mit seinen Problemen zu tun haben. Offenbar glaubt er die skandalösen Lügen, die der Abteilungsleiter ihm auftischte, denn er lud uns zu einem Gespräch ein ...

"Ich habe gehört, daß sie für all das verantwortlich sind", sagt er.

"Wofür?" frage ich unschuldig.

"Diese Belästigungen! Ich will, daß das aufhört. Ich arbeite an einem wichtigen

Projekt und werde Störungen nicht dulden."

Ich bin kein Freund harter Worte und der PJ sieht auch nicht so aus, als würde er sie mögen.

"Wissen sie, wieviel man mir bezahlt?" fährt der Programmierer fort.

"Keine Ahnung", lüge ich, damit ich nicht vorgeben muß, ich sei verärgert, weil er mehr bekommt, als der PJ und ich zusammen.

"Ich mache ihnen einen Vorschlag", sage ich. "Sie teilen ihr Glück mit uns und wir werden sehen, was sich machen läßt. Jede Woche ein paar Scheine für jeden von uns. Nennen wir es einfach Miete für die Nutzung des Computerraumes."

"NIEMALS!"

In stiller Einigkeit gehen der PJ und ich hinaus. Wohl als Folge eines kleinen Unfalls wegen fehlerhafter Verkabelung seiner Schreibtischlampe (Ich hasse diese billigen

Importe!) lädt uns der Programmierer zwei Tage danach zu einer weiteren

Unterredung ein.

Mit einer großzügigen Spende für unsere Weihnachtskasse kehren wir in unser Büro zurück.

Einige Zeit später bittet der Programmierer mich und den PJ erneut in sein Büro. Er hat dieses selbstzufriedene Lächeln aufgesetzt, daß auf nichts Gutes hindeutet.

"Ich, ähm, ich hätte gern mein Geld zurück", sagt er um Lässigkeit bemüht.

"Entschuldigung", entgegne ich leise. "Es wurde in schon in den laufenden Betrieb investiert.

"Nun, bestimmt können sie es wieder zurückholen. Natürlich nur, wenn sie wünschen, daß diese Angelegenheit nicht bei der Geschäftsführung landet."

Er klickt auf ein Icon seines Bildschirms, worauf eine Aufzeichnung auftaucht, die er heimlich mit der Kamera, die zu seinem Laptop gehört, gemacht haben muß - eine

Aufzeichnung unserer letzten Begegnung mit Ton und allem.

Er lächelt.

Ich lächle zurück und nicke dem PJ zu.

Ein Stolpern-über-den-Bodenbelag später liegen die Trümmer des Laptops auf dem

Boden, ein riesiger Handabdruck dekoriert die ehemalige Festplatte.

"Ups", keucht der PJ. "Muß wohl der Zuckermangel im Blut sein ..."

"Ein guter Versuch", spottet der Programmierer, "Aber nicht gut genug. Ich habe

Backup-Bänder."

"Aha. Und befürchten sie nicht, daß ich irgendwie an die Bänder herankommen könnte?" frage ich nach, um herauszufinden, wo sie liegen.

Er lächelt zufrieden.

"Wovor sollte ich mich fürchten? Sie sind sicher weggeschlossen."

KRACH!!

Ein Fünf-Sekunden-Brummen-und-Krachen später kehren der PJ und ich in unser

Büro und die Normalität zurück.

"Soll ich die Spannung an der Türklinke etwas erhöhen?" fragt der PJ.

"Alles was drin ist! Oh, und die Tischlampe wirkte ein wenig gedämpft, wenn sie gerade dabei sind ..."

Mit soviel Initiative hat er noch eine glänzende Zukunft vor sich ...

Der B.O.F.H. ist dem Wahnsinn nahe und der PJ folgt ihm ...

Es ist ein ruhiger Tag, als der Abteilungsleiter mit einem Stapel offiziell aussehender

Papiere im mein Büro kommt, was nur eins bedeuten kann - er will einen weiteren

Versuch machen, mich loszuwerden. Eine große persönliche Tragödie wird sich ereignen. Und sie wird nicht mich betreffen ...

"Simon, schön, daß ich sie treffe!"

Angesichts der Tatsache, daß es 14:30 Uhr am Zahltag ist und gerade keine teure

Hardware rumliegt, die bequem in meine Geldtasche passen würde, ist seine Freude geheuchelt.

Er versucht offensichtlich, von seinen wahren Motiven abzulenken.

"Ich habe eine Anweisung vom Personalchef bekommen. Der Boss will, daß wir alle an persönlichen Interviews teilnehmen, bevor es in diesem Jahr Gehaltserhöhungen gibt.

Die ´Lohnerhöhungs-Fabel´ wurde schon früher benutzt, und normalerweise erweist sie sich als riesige Übertreibung. Wie auch immer, eine Lohnerhöhung ist eine

Lohnerhöhung, also nicke ich nur.

Der Abteilungsleiter schöpft Kraft aus der Tatsache, daß er schon so weit gekommen ist und fährt fort.

"Ihr Interview ist für den morgigen Tag um 10:00 Uhr angesetzt. Ist das in Ordnung?" fragt er voll geheuchelter Freundlichkeit.

"Natürlich habe ich dann Zeit", antworte ich unschuldig wie Bambi lächelnd.

Der Abteilungsleiter dankt mir und geht hinaus, wobei er ein selbstgefälliges Grinsen kaum unterdrücken kann. Ja, es liegt etwas in der Luft ...

Der nächste Morgen bricht an und ich bin schon um 9:00 Uhr da, um den Eingang zu

beobachten.

Die Zeit vergeht ereignislos bis 9:48 Uhr, als sich mein Verdacht bestätigt. Eine blasse, abgezehrte Gestalt mit nachdenklichem Bart, Brille und medizinisch wirkendem weißen Hemd nebst unauffälliger Krawatte betritt das Gebäude.

Ein Mittelklasse-Psychologe, wenn ich mich nicht zu sehr täusche.

Ich gehe zum PJ, um kurz mit ihm zu sprechen. Er nickt einfach. Wortlos meldet er sich bei den verschiedensten Kontrollsystemen an, wobei er den Kopf schüttelt.

Beim Interview, einem typischen Psychologen-Ding, geht es um Tintenkleckse,

Geschichten über die Kindheit, Träume und so weiter ...

Ich entscheide mich dazu, Bestleistungen zu zeigen, und sehe massenhaft Hexen und Mörderinnen in den Tintenklecksen, ´erinnere´ mich an einige verstörende

Kindheitserlebnisse und erzähle, daß in all meinen Träumen Äxte, Gewehre und

ähnliche ´Spielzeuge´ auftauchen.

Eine Stunde später scheint der Psychologe die Ruhe selbst zu sein, lächelt viel, läßt mich aber keinen Moment aus den Augen.

Ich lächle ihn an.

"Kaffee?" frage ich.

Er ist zu ängstlich um abzulehnen und nickt.

Kaum eine Minute später erscheint der PJ schon mit Kaffee und beobachtet gespannt, wie es weitergeht. Ich lächle weiter, um die Stimmung aufrechtzuerhalten.

Ein Haufen Sicherheitsdienstler stürmt herein, als wir etwa die Hälfte des Kaffees getrunken haben. Offenbar versuchen sie nicht nur, mich loszuwerden, sondern mich gleichzeitig auch bloßzustellen - möglicherweise, um sich der Loyalität des PJ während meiner Abwesenheit zu versichern ...

Der Psychologe scheint sprechen zu wollen.

"Simon, ich fürchte, sie sind das, was wir als Soziopath bezeichnen. Sie haben einige tief verwurzelte Probleme, die ich als von der Regierung bestellter

Gesundheitsberater ..."

Regierung? Diese Schweinehunde!

"... als Gefahr für sie selbst und ihre Kollegen ansehen muß."

Er ist wirklich schnell, oder?

Er scheint sich nun auch ein wenig unwohl zu fühlen, was nicht überraschend kommt, wenn man an das starke Abführmittel, das der PJ mit dem Kaffee mischte, denkt.

Aber warten wir ab ...

Den inneren Kampf verlierend, zu bleiben und auszuharren oder sich zu erleichtern, stürmt er zu den Toiletten, um festzustellen, daß sie verschlossen sind, wenn ich mich nicht irre.

Seltsam, denn der einzige Schlüssel, mit dem man sie verschließen kann, ist der

Generalschlüssel, der im Hi-Tech-Safe des Sicherheitsdienstes (drei Drehungen zur 37, zwei Drehungen zur 12 und einmal zur 45) aufbewahrt wird, dessen

Kombination niemand kennt.

Während der Psychologe rennend das Treppenhaus erreicht, kommt der

Abteilungsleiter herein und nimmt mit teuflischem Grinsen meinen psychiatrischen

Beurteilungsbogen. Hämisch grinsend geht er mit mir zurück ins Büro, aber ich bin viel zu beschäftigt damit, die Monitore der Überwachungsanlage über seiner Schulter zu beobachten. Der Psychologe versucht den kürzesten Weg zur nächsten Toilette zu nehmen - eine Etage tiefer.

Seltsamerweise ist auch hier die Tür verschlossen ...

In der Etage darunter gibt es eine Tür, die nicht verschlossen werden kann, doch acht große Kisten mit 28 Zoll-Videomonitoren, von denen jeder rund eine Tonne wiegt, blockieren sie. Man bräuchte einen Gepäckwagen um die Kisten zu bewegen ...

Der Psychologe weiß, daß er es nicht mehr bis zu den Treppen schaffen wird, als er einen rettenden Hoffnungsschimmer in Form eines Abfalleimers im

Lieferanteneingang der Cafeteria erblickt.

Seine Erleichterung ist riesig, doch sie wird weder vom Personal der Cafeteria, das ihn zur Unzeit überrascht, noch von meinem Abteilungsleiter geteilt, als ich ihn auf den Monitor hinweise.

"Es ist wirklich gut, eine Einschätzung der Angestellten von einem so umsichtigen

und intelligenten Mann zu bekommen", zwitschere ich, als ich ihm meine Beurteilung aus den Händen nehme und in den Mülleimer werfe, den die Beurteilung nun als neue

Heimat betrachten kann.

Der B.O.F.H. läßt seinen Abteilungsleiter singend dahinschmelzen ...

Der Abteilungsleiter hat sich zu einer Plage entwickelt. Traurig aber wahr. Und hinzu kommt, daß die Ausbildung des PJ noch nicht abgeschlossen ist. Es muß also etwas geschehen.

Der Abteilungsleiter spürt, daß etwas im Gange ist und will sich bei mir einschmeicheln, indem er mich immer wieder um technischen Rat fragt und mir dann

überschwenglich dankt. Mit anderen Worten - er nervt. Ich hätte besser niemals das

Telefon abgenommen, als er anrief ...

Den schlimmsten Einschmeichelversuch unternahm er, als er seine Stereoanlage mitbrachte, um meinen Rat für deren Reparatur einzuholen. Ich weiß nicht weshalb, aber er scheint zu glauben, daß ich mich mit allem auskenne, das etwas mit Technik zu tun hat, nur weil ich etwas von den Innereien eines Netzwerkes verstehe.

Nun, ich mustere die Stereoanlage kurz, um den Fehler zu finden und stelle schnell fest, daß Ein- und Ausgang vertauscht sind.

"Wo liegt das Problem?" frage ich.

"Es ist das Band", jammert er. "Es funktioniert nicht mehr richtig, seit wir die Anlage ins Gästezimmer gestellt haben. Selbst wenn wir die Lautstärke voll aufdrehen, hören wir nur das Laufgeräusch, das die Kassette verursacht."

"Hm", murmle ich nachdenklich. "Wir brauchen möglicherweise die Lautsprecher, um uns einen kompletten Überblick zu verschaffen."

"Ich hole sie in der Mittagspause." antwortet er begeistert.

Drei Stunden später stehen die kleinen Schönheiten auf dem Tisch. Ich schließe die

Überlastungssicherungen kurz, während der PJ die Lautsprecher mit Tüten voller

Isopryl-Alkohol und Brandbeschleuniger füllt. Eine halbe Stunde später haben wir ein kleines Meisterwerk geschaffen und stehlen uns davon, nachdem wir es eingeschaltet haben.

Fünfzehn Minuten später - wir spielen inzwischen Poker im Lagerraum - hören wir die ersten lauten Töne eines Liedes von Neil Diamond. Ich schaue den PJ an.

"Der Lautstärkeregler müßte funktionieren", murmelt er, seine elektrischen

Kenntnisse betonend.

Ein paar Sekunden später hören wir einen Knall aus dem Kontrollraum, als Neil nicht nur ein Gitarrensolo abfeuert, sondern auch ein teures Lautsprecherpaar.

Der PJ und ich können die Warntöne der Sauerstoffüberwachung der Klimaanlage hören, was bedeutet, daß der Abteilungsleiter nun eine Entscheidung treffen muß - die Lautsprecher retten und dabei ersticken, oder sein Leben retten.

Das Verstummen der Warntöne sagt uns, daß er sich für das Leben entschieden hat.

Wir geben ihm ein paar Minuten zur Erholung, dann nehmen wir uns etwas

Equipment und gehen zurück, dabei stolpern wir beinahe über eine riesige Kiste mit

Terminatoren für das Netzwerk.

"Ups", murmelt der PJ. "Wir sollten die Kiste lieber umstellen ... später."

Da entdecken wir auch schon den Abteilungsleiter, der an einer Sauerstoffmaske hängt und den vergangenen Horror noch einmal durchlebt.

"Es fing einfach Feuer", plärrt er, "und dann gingen diese Akten in Flammen auf, dann die Ordner, dann die Türverkleidung, die brannte wie Zunder, dann ..."

Ihm kommt ein Gedanke, sucht nach Informationen, findet nichts und verschwindet wieder. Er starrt uns an.

"Sie Schweinehund!" sagt er schockiert.

Der PJ und ich tauschen bestürzte Blicke aus.

"Wir waren im Lager!" beteure ich mit der Unschuld eines Engels.

Er unterbricht sich kurz und nimmt die Maske vom Gesicht, um meine Aussage zu prüfen.

Das ist nicht die einzige Unterbrechung an diesem Tag, denn das Brechen eines

Armes und des Schlüsselbeins folgen kurz darauf, als er auf runden Terminatoren durch den Gang in die unvorsichtig gefüllten Aktenschränke schleudert, die prompt

über ihm einstürzen.

Scheußlich. Wir teilen das dem Ermittler von der Polizei mit, als er erscheint. (Die neue Politik des Abteilungsleiters sieht vor, daß alle Unfälle der Polizei gemeldet werden müssen.) Und dieser Fall sollte als Testfall betrachtet werden. Der Polizist notiert traurig die Details und holt dann noch eine Stellungnahme des

Geschäftsführers ein. Zwei Stunden später wirft er seine Aufzeichnungen weg, denn es handelt sich nun um einen ´Arbeitsunfall´, und nimmt eine lautsprecherlose

Stereoanlage mit, für die wir keine Verwendung mehr haben.

Beim Hinausgehen bleibt er kurz stehen.

"Sie sind doch der Netzwerkmensch?" fragt er mich.

"Ja", bestätige ich nickend.

"Kennen sie sich mit Videorecordern aus? Meine Frau will ..."

Aufhängen ist noch zu gut für sie ...

Der B.O.F.H. verläßt sich darauf, daß Manager sich niemals erinnern ...

Es ist Zeit für die vierteljährlichen Budget-Besprechungen, und ich versuche, die

Manager davon zu überzeugen, daß wir das Ethernet in einer der Außenstellen ausbauen sollten.

Nach etwa einer Stunde hört sich das so an:

Manager 1: "Sie sagen also, daß 10 Millionen dieser ´Bit´-Dinger PRO SEKUNDE nicht schnell genug ist?"

Ich: "Genau."

Manager 2: "Er hat recht, müssen sie wissen. Ich war in dieser Außenstelle und die

Geschwindigkeit dort war wirklich mies!"

Manager 1: "Es klingt einfach nicht besonders plausibel! Zum Teufel, ich kann kaum

ZEHN Dinge gleichzeitig beherrschen."

Ich: "Das überrascht mich nicht."

Manager 1: "Wie bitte?"

Ich: "Ich sagte, diese Zahl überrascht mich wirklich. Ebenfalls, ich meine ..."

Manager 1: "Oh."

Ich: "Sehen sie, als mein Vorgänger das Netz einrichtete, machte er es auf die billigste Art und Weise. Alle Geräte sind sternförmig mit dem gleichen Rechner verbunden. Das ist so, als würden alle die gleiche Straße zur Arbeit nehmen."

Manager 1: "Aber wir haben UNHEIMLICH viel für dieses Netzwerk bezahlt!"

Ich: "Das war vor vier Jahren. Netzwerke waren damals teurer als heute. Und ..."

Manager 1: "Und was?"

Ich: "Und ursprünglich sollte ja jeder seine eigene Netzwerk-´Straße´ bekommen."

Manager 2: "Was ist daraus geworden?"

Ich: "Nun, vermutlich eine Kombination finanzieller und verteilungstechnischer

Probleme."

Manager 2: "Was heißt das?"

Ich: "Er hat quasi eine Leitung durch alle Büros gezogen, das übriggebliebene

Material verkauft und ihnen noch einmal berechnet."

Manager 1: "Wirklich?"

Ich: "Ja, so ist das mit weniger zuverlässigen Netzwerk-Ingenieuren."

Manager 1: "Ich finde, daß das schwer zu glauben ist. Irgendwo muß ein Irrtum vorliegen. Er hat mir versichert, alles richtig gemacht zu haben."

Ich: "Ähm, vermutlich hat er gesagt, SIE hätten alles richtig gemacht."

Manager 1: "Nein! Ich bin sicher, daß er uns nicht übers Ohr gehauen hat!"

Ich: "Na gut, dann sagen sie mir, wieviel er verdient hat?"

Manager 1: "Siebeneinhalb [australische Pfund] pro Stunde."

Ich: "Und welches Auto fuhr er?"

Manager 1: "Ein Mercedes Kabrio."

Ich: "Welche Kleidung trug er?"

Manager 1: "Gute italienische Anzüge."

Ich: "Werden die Dinge jetzt ein wenig klarer?"

Manager 1: "Sie wollen also sagen ..."

Ich: "Ja, das will ich."

Manager 1: "Er ..."

Ich: "Er hat es getan!"

Manager 2: "Wie schlimm IST das?"

Ich: "Zur damaligen Zeit war es nicht schlecht, aber nach allen Erweiterungen, die es inzwischen gab, verschwenden die Angestellten wertvolle Zeit damit, auf das

Netzwerk zu warten."

Manager 3: "Was schlagen sie vor?"

Ich: "Nun, wie sie hier sehen können, empfehle ich UTP für die Workstations und

Cat-5, so daß wir auf ATM umsteigen können, wenn diese Technologie sich weiter verbreitet und durchsetzt. Damit könnten wir die Kosten für eine komplett neue

Verkabelung in ein paar Jahren einsparen."

Ich unterbreche meine Darlegungen kurz, um ihren Gehirnen Gelegenheit zu geben, sich von den Abkürzungen zu erholen.

Manager 1: "Wieviel wird es kosten?"

Ich: "Nun, es wird nicht billig. Aber wenn man die Kosten über einen Zeitraum von fünf Jahren betrachtet, wird es ein fairer Preis, vorausgesetzt, die Verkabelung wird durch mich und meinen Assistenten durchgeführt und die Zeit als Überstunden mit doppeltem Stundensatz abgerechnet. Natürlich könnten wir auch ein anderes

Unternehmen damit beauftragen, doch wie sie leicht sehen können, würde das dann das Dreifache kosten und auch nicht schneller fertig sein. Und wenn wir es sind, die die Kabel verlegen, werden wir auch besser auf mögliche Probleme in der Zukunft reagieren können ..."

Manager 2: "Das klingt plausibel. Es scheint so, als hätten sie alle Aspekte der

Problematik dargelegt. Ich stimme ihrem Vorschlag zu. Ist jemand dagegen?"

Zwei Wochen später zieht der PJ in die Außenstelle und beginnt mit der Arbeit.

"Wir tauschen also wirklich nur die alten UTP-Verbindungskabel gegen welche mit einer anderen Farbe aus, lassen ein paar abgeschnittene Cat-5-Kabelenden im Gang liegen und bohren ein paar Löcher in die Kabelverkleidung?" will er wissen.

"Ja! Ein oder zwei Wochen lang."

"Wird man das nicht herausfinden?"

"Nun, sie KÖNNTEN, wenn es irgendwo eine Dokumentation gäbe, in der steht, daß das Cat-5-Kabel schon vorhanden ist, aber unglücklicherweise fiel dieses

Schriftstück heute früh in den Reißwolf." antworte ich.

"Also wechseln wir in Wirklichkeit nur die Farbe der Anschlußkabel?"

"Genau!"

"Aber wieso soll das die Performance steigern?"

"Das doch nicht. Aber wenn ich den Traffic-Generator im Computerraum des zweiten Stockwerkes abschalte, der seit Jahresbeginn wöchentlich etwa ein Prozent mehr Datenverkehr verursacht hat, wird die Performance merklich ansteigen."

"Also gaukeln wir nur eine Menge Arbeit vor und betrügen sie."

"Und vergessen sie nicht die erstklassigen Cat-5-Kabelrollen, die wir weiterverkaufen können."

"Sie Bastard!"

"Hey, ich hätte sie beinahe auch für neue Netzwerkkarten bezahlen lassen, doch ich hatte Mitleid."

"Waren die Geschichten über ihren Vorgänger erfunden?"

"Nein. Er hat es ebenso gemacht, nur in einer anderen Außenstelle ..."

Der B.O.F.H. spürt, daß etwas Seltsames vorgeht - und er nutzt sein Netz ...

Etwas sehr verdächtiges passiert in unserer Abteilung. Ich nehme die Zeichen wahr, als ich unsere Etage erreiche - die Atmosphäre unterdrückter Vorahnungen.

Erster Halt, mein internes Postfach - der Abteilungsleiter plaziert seine Bomben

lieber hier, um sich dann in die trügerische Sicherheit seines Büros zurückzuziehen.

Nun, Naivität kennt manchmal keine Grenzen.

Wie erwartet finde ich etwas, das auf der Richterskala der Bürokratie durchaus als eine Bombe bezeichnet werden kann.

Als Versuch, die Planungen für die Zukunft zu standardisieren, haben die Chefs eine

´Richtlinie für Zukunftsplanungen´ festgelegt. Schlimmer konnte es kaum kommen.

Jeremy, der die Idee dazu hatte, verfügt über die Initiative und Weitsicht eines

Schraubstocks und hat neulich 10 analoge Diktiergeräte gekauft, die 6000 Pfund gekostet haben. Die teuersten Bleistift-Kästen in der Geschichte der Firma ...

Damit ich nicht falsch verstanden werde, das ist einfach eine weitere Episode der

Saga "Der Krieg der Erbsenzähler gegen die Techies". Ich lese weiter und stelle fest, daß alle Einkäufe in der Zukunft von der Buchaltung geprüft und genehmigt werden müssen, um sicherzustellen, daß sie den Zukunftsvorstellungen der

Chefetage entsprechen ...

Ich erhalte eine Frist von zwei Wochen, bevor Ihr-wißt-schon-wer sich mit einem

Klopfen an der Tür ankündigt. Jeremy kommt herein.

"Ah, Simon, nur ein paar Unklarheiten", sagt er. "Dieses kabellose LAN-Zubehör zum Beispiel. Sie wissen doch, daß wir das im Moment noch gar nicht einsetzen können?"

"Auf welche Weise?" frage ich. "Haben wir nicht einige freie Arbeitsbereiche, die schwer zu verkabeln sind - sie kennen sie doch; zum Beispiel die PR-Büros - oder ist es nicht so, daß wir den einzigen freien AUI-Connector, erst dann nutzen können, wenn wir ein paar ungenutzte Terminal-Server abschalten?

"Oh. Äh. Nun, nein, nicht genau, es ist nur so, daß aus meinen Berechnungen hervorgeht ..."

Er tippt ein paar Zahlen in seinen Organizer, ein Gerät, das in der oberen Etage weitverbreitet zu sein scheint; ein flottes Design, um für die Dummheit des vorangegangenen Kaufes zu entschädigen.

"... daß wir 300 Pfund pro Gerät sparen könnten, wenn wir sie von unserem gegenwärtigen Zulieferer kaufen würden."

"Aha. Unser derzeitiger Lieferant von ... analogen Diktiergeräten?" frage ich.

Er zieht es vor, mich zu ignorieren. "Nein, unser Lieferant persönlicher Organizer.

Und wir haben den Zusatznutzen, daß wir in der Lage sind, Informationen mit anderen Organziern auszutauschen, was anderes Equipment nicht kann."

Er wackelt davon und hinterläßt in mir das Gefühl, daß das Ergebnis dieses

Gesprächs etwa so aussieht: "Geplante Anschaffungen, 1., Simon, Null". So schnell ich kann, verfasse ich eine Mitteilung, in der vor den möglichen Sicherheitsrisiken durch den Datenaustausch mit anderen Organziern gewarnt wird. Es gibt

Übernahmegerüchte und das Letzte, was wir wollen, ist das Abhören sensitiver

Daten.

Meine Warnungen treffen auf taube Ohren. Das Marketing war offenbar schon so erfolgreich, daß man diesen Leuten alles glaubt. Das ist nicht gut.

Ich bekomme pünktlich auch solch einen Organizer und nehme ihn widerwillig in

Betrieb. Das Handbuch ist zum Thema Up- und Download von Informationen sehr ausführlich, also lese ich es voller Interesse ...

Eine Woche später belausche ich wie üblich eine Besprechung im Konferenzraum.

Es handelt sich um wirklich um einen verblüffenden Zufall, daß ein paar hochempfindliche Mikrofone in diesen Raum verirrten, als er neu verkabelt wurde.

"Nun, ehrlich gesagt, habe ich alles satt", wimmert ein Manager.

"Warum?" fragt Jeremy, wobei meine angeschlossene Stimmanalyse-Software eine

Spur von Streß in seiner Stimme feststellt.

"Dieses verdammte Ding schaltet sich von selbst mitten in der Nacht ein und erinnert mich lautstark an den Geburtstag meiner Frau, der vor Wochen stattfand.

Seitdem ich die von ihnen empfohlene Lernfunktion aktiviert habe, kann ich das Ding nicht mit ins Wohnzimmer nehmen, weil es dann meinen Fernseher einschaltet. Und, als wäre das nicht schon genug, es schaltet der Fernseher immer kurz bevor

Inspektor Morse den Mörder findet, wieder ab."

"Mir geht es ebenso", sagt ein anderer Manager.

"Mein Organizer hat bei allen gespeicherten Adressen eine Eins zu den

Hausnummern addiert." sagt eine weitere Stimme.

"Das ist noch gar nichts", schnieft ein anderer, "meiner klingelte laut und zeigte

´Dinner mit Trudi´ mit drei Ausrufezeichen bei ihrem Namen an. Und das auch noch in der Nacht, als ich das Ding meiner Frau gegeben hatte. Dabei kenne ich keine

Trudi!! Aber jetzt habe ich viel Zeit, eine Trudi zu suchen."

"Das sind offenbar kleine Kinderkrankheiten", versucht Jeremy zu erklären. "Ich bin sicher, daß da einige überflüssige Informationen fehlgeleitet wurden."

Ich greife kurz zu meiner Tastatur und aus dem Konferenzraum ist kurz darauf ein

Klingeln zu hören.

"Großer Gott!" ruft eine Stimme. "Meiner sagt gerade, ich soll meinen Arzt wegen des HIV-Tests anrufen!!"

"Ich denke, wir haben genug gehört", wird er vom Geschäftsführer unterbrochen.

"Bis auf weiteres werden diese Geräte nicht mehr genutzt. Danke, meine Herren.

Jeremy, kommen sie doch nochmal auf ein Wort zu mir."

Dann höre ich, wie Jeremy eine andere verantwortungsvolle Position zugewiesen wird - oberster Fensterputzer. Es ist nur so, daß wir eine fremde Firma damit beauftragt haben ...

Wirklich schade. Aber es zahlt sich eben nicht aus, an einem Job zu kleben.

Der B.O.F.H. soll eine Firmenübernahme verhindern ...

Ich bin schwer mit Arbeit beschäftigt, als der Abteilungsleiter und der

Geschäftsführer mit betretenen Mienen die Tür aufreißen und hereinstürmen.

"Wir haben Ärger", sagt der Abteilungsleiter.

"Wir werden übernommen", unterbricht der Geschäftsführer ihn und tritt vor den

Abteilungsleiter.

"Warum sagen sie mir das?" frage ich mit gespielter Unschuld.

"Weil sie eigene Methoden zur ´Lösung´ von Problemen haben ..." schlägt der

Abteilungsleiter vor.

"Router?" erwidere ich ganz unschuldig.

"Nein. Sie wissen schon, was ich meine!"

"Netzwerke!" rufe ich fröhlich.

Der Geschäftsführer scheint sich langsam aufzuregen, so befreie ich ihn lieber aus diesem kollektiven Mißverständnis.

"Okay, wer ist es?"

Er spuckt den Namen unseres verhaßten Konkurrenten aus. Später, hinter geschlossenen Türen beraten der PJ und ich die Lage und machen einen Plan, dann laden wir den Abteilungsleiter und den Geshäftsführer wieder zu uns ein.

"Also, erster Schritt: Feuern sie den PJ!"

"Wie? Warum? Aus welchem Grund?" platzt es aus dem Abteilungsleiter heraus.

"Er hat irgendetwas veruntreut."

"Wenn das ein Grund für eine Entlassung wäre, dann wären sie ..."

Ein kalter Blick des Geschäftsführers bringt ihn zum Schweigen, so daß ich weitermachen kann.

"Zweiter Schritt: Ich treffe mich mit einem Netzwerkverantwortlichen unserer

Konkurrenz und auf dem Weg nach draußen stürze ich und verberge dann schnell aber sichtbar für ihre Sicherheitskameras ein Datenband mit ihrem Logo auf der

Hülle.

Dritter Schritt: Der PJ, unbezahlbar für unseren Konkurrenten wegen seiner intimen

Kenntnis unserer Arbeitsweise, tritt eine kürzlich freigewordene Stellung als

Netzwerkverantwortlicher an."

"Klingt gut", zwitschert der Abteilungsleiter.

Drei Tage später ist es soweit. Ich verpasse unserer Firma ein unattraktives Image, indem ich ein paar Memos über zukünftige Verpflichtungen wegen krimineller

Verheimlichung von Defekten in der Möbelabteilung der Presse zuspiele.

Natürlich glauben richtige Reporter, die ihr Geld wert sind, nicht ohne weitere

Beweise anonymen Schreiben, also beordere ich eine paar Erbsenzähler in die

´Belastungsteststrecke für Möbel´ und sorge dafür, daß die Presse dabei ist, wenn sie mit ihren Verletzungen vom Krankenwagen abgeholt werden.

In der Zwischenzeit hat sich der PJ beim Konkurrenten durch die ersten drei Kapitel des Bastard-Handbuches durchgearbeitet und dabei eine Spur der Vernichtung hinter sich gelassen. Das Acetylen im Sauerstoffbehälter der Klimaanlage war ein netter Zug und hat die Hälfte der Mitarbeiter aus dem Haus getrieben, bevor sie mitbekamen, was los war und die Sprinkleranlage abschalteten. Ein kleiner

Buchstabendreher auf einem Anforderungsformular kann ziemlich wirksam sein ...

Seine technischen Ratschläge scheinen von minderer Qualität zu sein, wenn man die andauernden Lieferungen von Ersatzmaschinen und Tischfeuerlöschern an unseren

Konkurrenten betrachtet.

Mittlerweile wurde in den letzten drei Tagen häufiger Feueralarm ausgelöst, als in den vorausgegangenen zwei Jahren, und die Fahrtstrecke von der Feuerwehrstation bis zum Gebäude unseres Konkurrenten wurde daraufhin in eine Parkverbotszone umgewandelt.

Ich habe versucht, den PJ anzurufen, doch aufgrund einer Verwechslung bei der

Wartung und ´Reparatur´ der Telefonanlage sind die Leute jetzt viel zu beschäftigt, um noch auf Anrufe zu reagieren. Seite 73, wenn ich mich nicht irre.

Ich arbeite weiter, als sei nichts geschehen und repariere gerade einen Verstärker, als der Abteilungsleiter mir einen Besuch abstattet.

"Es geht um diese Unfälle", sagt er.

"Welche Unfälle?" frage ich.

"Sie wissen, worum es geht. Diese Unfälle müssen aufhören. Warum werden die

Leute aus der Buchhaltung zum Testen der Möbel beordert? Wir haben doch eine eigene Testabteilung."

"Natürlich haben wir eine, aber DIESE Leute sind gute Leute", antworte ich.

"Was?! Nun, das ist mir egal. Es muß aufhören! Es sind nur noch drei Buchhalter

übrig!"

"Nein ..." sage ich und blicke auf meine Uhr, "... es sind ..."

Ein dumpfer Aufschlag und ein gedämpfter Schrei aus der Etage über mir unterbrechen mich.

"... zwei. Ich vermute, die Garderobeneinheit hat den ´Schwere Last an erhöhter

Stelle plaziert´-Test nicht bestanden. Aber wo ich gerade bei schweren Lasten bin, sie haben nicht zufällig die Kiste mit den neuen Festplatten, die normalerweise bei mir steht, gesehen?"

Er verschwindet ohne ein weiteres Wort, um sich in seinem Büro zu erholen ...

Ich komme gerade in mein Büro, als das Telefon klingelt. Einer unserer Lieferanten will einem potentiellen Kunden unsere Anlagen vorführen. Das wird helfen, die Zeit totzuschlagen, bis der Spaß wirklich beginnt ...

Das Telefon klingelt wieder. Da ich Zeit totschlagen muß, nehme ich ab.

"Mein Telefon ist defekt!"

"Wieso können sie mich dann anrufen?" frage ich.

"Ich benutze einen anderen Apparat, Dummkopf."

Dummkopf?!?!

"Na gut", flüstere ich, "und wie lautet ihre Nummer?"

Er sagt es mir. Ich schaue es mir an.

"Ah, Herr 0898."

"Ich weiß nicht, wovon sie sprechen."

"Sind sie sicher? Ich habe einige SEHR INTERESSANTE Bänder hier, die sie sich anhören können, wenn sie wollen."

"Ähm ... das wird nicht nötig sein."

"Sind sie sicher?"

"Ja, vergessen sie meinen Anruf."

"Nun, ich könnte ihren Anruf vergessen, aber die einzige Möglichkeit, meine

Vergeßlichkeit zu fördern, sind ein paar Flaschen Scotch Whisky. Von der guten

Sorte, nicht die, die sie in der Bar servieren ..."

"Ich werde sie ihnen sofort schicken lassen."

Zehn Minuten später ist die Transaktion vollendet und ich beende den Tag damit, daß ich eines der Bänder auf den Anrufbeantworter in seiner Wohnung überspiele. Es ist nur zu seinem Besten, diese Anrufe sind die Hilferufe einer geplagten Seele ...

Der B.O.F.H. trifft einen unerwarteten Gast - den B.O.F.H. der Konkurrenz ...

Als ich im Büro ankomme, ist es im Netzwerk angenehm ruhig, so daß ich mich auf einen

Besuch unseres Zulieferers vorbereiten kann, der einem potentiellen Kunden unsere Anlagen zeigen will. Und dann muß ich natürlich noch daran denken, die drohende Übernahme der Firma zu verhindern, indem ich unseren schlechten Ruf weiter verteidige.

Mir wird einmal mehr klar, weshalb ich solche Besuche hasse. Deren einziger Zweck ist es nämlich, einem Kunden vorzugaukeln, daß alle wirklich so funktioniert, wie es in den

Werbebroschüren steht, indem man einen Betrieb findet, in dem man schon herausgefunden hat, wo die Handbücher falsche Informationen liefern und die entsprechenden Fehler beseitigt hat.

Wenn es nicht um ein kostenloses Mittagsmahl und die Möglichkeit, bessere Konditionen für den nächsten Einkauf zu erpressen, ginge, würden diese Leute es bei mir nicht einmal bis zum

Eingang schaffen.

Diese Besuche laufen nach dem gleichen Muster ab: der Lieferant belügt den Kunden; ich erpresse Waren, damit ich diese schändlichen Fehlinformationen decke; ein Betriebsrundgang; ein kostenloses Mittagessen und mein Versprechen, ich würde sie unterstützen, sollten sie jemals auf Probleme stoßen.

Mit anderen Worten, ein Tag, der Pinocchio in einen Feueranzünder verwandeln würde.

Als es 10 Uhr wird, informiert mich ein Anruf des Pförtners über die Besucher.

Ein schneller Blick auf den Monitor der Überwachungsanlage zeigt alles, wie ich es erwartet habe: unser Lieferant mit seinem Kunden. Doch ich habe nicht erwartet, daß es sich um den

Netzwerk-Administrator unseres Konkurrenten handelt. Etwas schmeckt mächtig verdorben, und es ist nicht der dänische Käse, den sie in der Cafeteria haben.

Zusammen mit dem Abteilungsleiter marschiere ich die Treppen nach unten, wobei wir uns fragen, was der Zweck dieses Besuches sein könnte. Offenbar ein Zeichen der Stärke, aber in welcher Form bleibt noch abzuwarten. Es handelt sich jedenfalls offensichtlich um einen

Übermittlungsfehler des PJ, der uns nicht gewarnt hat, welchen ich mit einem Rippenstoß bei unserem nächsten Zusammentreffen zu ahnden gedenke.

Die technische Kompetenz meines Rivalen zeigt sich an seinen gummibesohlten Schuhen. Der elektrische Türgriff war reine Zeitverschwendung ...

... aber dann doch nicht, denn der Lieferant verpaßt sich einen Schlag, nach dem er erst einmal seinen Namen vergißt und für wen er arbeitet.

Mein Gegner entpuppt sich schnell als ein Netzwerkprofi, als er die PIN-Nummer der

Zugangskarte meines Abteilungsleiters an der Tür ausspioniert und zweimal 'zufällig' die

Tür so schließt, daß die Hand meines Abteilungsleiters eingeklemmt wird. Dann klaut er dessen

Zugangskarte, als mein Abteilungsleiter sich mit seinen Schmerzen beschäftigt.

Nicht übel - 11 Sekunden brauchte er für diese Aktion insgesamt.

Seine Versuche, den Computerraum zu ´erobern´, sind hingegen erfolglos. Ich setze voraus, daß jeder der sich mit Elektrizität beschäftigt, die Gefahren kennt, und daher

Sicherheitsmaßnahmen und Warnhinweise überflüssig sind ...

Das ist der Preis, den man zahlt, wenn man gut ist. Und wer wird schon ein ganzes Netzwerk opfern, nur um das Gedächtnis von jemandem zu retten, der mit etwas spielt, von dem er lieber die Finger lassen sollte.

Um auf den Punkt zu kommen, mein Gegenstück spricht kryptisches Fachchinesisch,

´NetSpeak´ sozusagen.

"Wie schnell ist dieser Anschluß?" fragt er und deutet auf unseren Netzwerkanschluß.

"Ein kleiner 2400er. Nein, in Wirklichkeit ist es ein 300er im Synchronmodus, aber nur an guten

Tagen."

"Ja, die haben die Nullen früher mit übertragen."

"Nichts, was man mit einem mehrfachen Control-Alt-Delete nicht beheben könnte."

Der Abteilungsleiter kommt in Verbände gehüllt wieder, um am kostenlosen Mittagessen teilzunehmen. Während des Essens sprechen mein Opponent und ich Klartext - für den, der versteht ...

"Ich würde die vorherige Konfiguration bevorzugen", sagt mein Rivale.

"Ja, ein wenig zuviel SNMP zur Zeit, aber das war eigentlich schon immer so."

"Stimmt, das ist bei mir auch so. Also ... eine Neuinstallation der Ursprungskonfiguration

..."

Zwei Wochen später ist die Übernahme nicht mehr als eine leise Erinnerung. Wir haben

Aussicht auf eine völlig neue Erbsenzähler-Abteilung, und ich kann es kaum erwarten, ihnen einen Besuch abzustatten. Einige aus dem mittleren Management, die eine verhinderte

Übernahme als Grund für eine Lohnerhöhung für sich selbst ansahen, zogen plötzlich ein vorzeitiges Ausscheiden vor - die Vierziger sind ein schwieriges Alter, besonders dann, wenn man ein Foto von sich selbst in Frauenunterwäsche (in einem fortschrittlichen Club in Soho) in der obersten Schreibtischschublade entdeckt.

Ich bekomme einen Anruf meines Gegenstücks auf der abhörsicheren Leitung.

"Alles in Ordnung?" fragt er.

"Na klar, und selber?"

"Keine Probleme. Wir mußten euren PJ gehen lassen, sie wissen, wie das ist. Wirklich bedauerlich."

"Machen sie sich keine Sorgen, er hat seinen Schreibtisch wiederbekommen und spielt gerade mit der Temperatur des Kühlschranks mit dem Hühnerfleisch für das morgige Mittagessen. Ich glaube, ich esse lieber auswärts ..."

Die Welt ist voller siegreicher Netzwerke - dies ist eines von ihnen.

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Ein kurzes NetSpeak-Wörterbuch des B.O.F.H.

2400: 2400 baud.

300er im Synchronmodus: So langsam, daß ein Abschleppseil gebraucht wird.

Vorherige Konfiguration: So, wie es einmal war. Die gute alte Zeit.

SNMP: Dummheit der Vorschläge von Nicht-technischen Managern (stupidity of non-technical manager's proposals).

Nullen früher übertragen: Schwachsinn reden.

Wiederholtes Control-Alt-Delete: viele Neueinstellungen - und ein paar Kündigungen.

Der B.O.F.H. mischt beim Lieblingsprojekt des Geschäftsführers mit ...

Der PJ und ich können ein Kichern nicht unterdrücken, als der Abteilungsleiter vorbeigeht. Deshalb bleibt er stehen und kommt herein - vermutlich, um zu sehen, an wen er die Kündigung schicken soll.

"Gibt es einen Grund für ihre Heiterkeit?" fragt er.

"Nein, nein, wirklich nicht. Es ist nur dieses Memo. Für eine Minute dachte ich wirklich, sie hätten es ernstgemeint, als sie nach den Root-Passwörtern unserer

Rechner fragten."

"Es ist mein voller Ernst", sagt er ohne die Miene zu verziehen.

"Halt, sie töten mich", lache ich. "Warum wollen SIE die Root-Passwörter?"

"Das Warum ist irrelevant. Geben sie sie mir einfach", stößt er hervor.

"Sie wissen, daß das unsicher ist?"

"Ich werde sie in meinen persönlichen Safe einschließen."

"Sie meinen, drei Drehungen im Uhrzeigersinn bis zur 37 ...", sage ich.

"Zweimal in umgekehrter Richtung zur 18 ...", setzt der PJ fort.

"... und zurück zur 43", vollendet die Putzfrau.

"Und dann rufen sie frustriert ihre Sekretärin, damit sie den Safe für sie öffnet."

Der Abteilungsleiter zeigt seine Version eines betäubten Fisches, dann redet er weiter.

"In Ordnung, ich werde einen neuen Safe bestellen - und ich WERDE diese

Passwörter bekommen", sagt er, als er nach draußen stürmt.

In dieser Nacht installieren wir heimlich eine kleine Überwachungskamera in seinem

Büro ...

Am nächsten Tag stöhnen die Stockwerke unter der Last eines riesigen grauen

Monsters, das in das Büro des Abteilungsleiters gebracht wird. Er selbst beaufsichtigt den Aufbau in seinem Büro.

"Wir können nichts sehen", stöhnt der PJ, als uns die versteckte Kamera nur den

Hinterkopf des Abteilungsleiters zeigt.

"Nicht mit dieser Kamera", gebe ich zurück, "aber mit dieser haben wir..." <Klick!>

"... eine komplette Frontalansicht!"

Natürlich zeigt die in der Lampe versteckte Kamera alles, was wir sehen wollen.

"Warum haben wir dann die andere Kamera installiert?" fragt der PJ verwirrt.

"Ein Köder. Der Chef war dabei, den Raum zu kontrollieren, also wollte ich, daß er diese eine Kamera findet."

"Warum?"

"Nun, wenn sie sich den Raum aufmerksam anschauen, sehen sie, daß es nur einen einzigen Platz gibt, den die Kamera nicht einsehen kann und wo er zugleich den

Unwissenden spielen kann."

"Raffiniert ..."

"Doppelt raffiniert", füge ich geheimnisvoll hinzu.

Die Nachgebenden spielend geben wir dem Abteilungsleiter die Passwörter und

ändern sie am nächsten Tag, nachdem er sie zuvor erfolgreich überprüft hat. Um den

Einsatz noch ein wenig zu erhöhen, lassen wir uns vom Geschäftsführer in dessen

Lieblingsprojekt, ein Videokonferenzsystem, einspannen, damit der Abteilungsleiter uns nicht "dringend zu einer Besprechung rufen" kann, wenn er herausfindet, daß wir die Passwörte wieder geändert haben ...

"Wie stehen die Dinge?" fragt der Geschäftsführer wohlwollend.

"Großartig, Sir", schwärmt der PJ.

"Morgen sollten wir fertig sein", ergänze ich, als ich die Kameras mit der

Multiplex-Einheit verbinde - der Multiplexer hat ungefähr soviel gekostet, wie mir im Vierteljahr zur Verfügung steht -, die der Abteilungsleiter empfohlen hatte, nachdem er vom Verkäufer zu einem Zweitagesausflug nach Brighton eingeladen wurde, der mit seiner Verhaftung in einem Pub endete, weil er einem der Mädchen seine Interpretation der größten Sehenswürdigkeit vom Trafalgar Square gezeigt hatte ...

Ich schicke ein paar Testbilder durch die Maschine und zeige dem Geschäftsführer, wie die Bilder in unseren überseeischen Filialen ankommen.

"Die Bilder sehen dann ungefähr so aus", sage ich. "Für jeden Teilnehmer gibt es eins. Die Kamera wird aktiviert, wenn sie sich in den Sessel setzen."

"Und das funktioniert alles wirklich so einfach?" fragt der Geschäftsführer und kann dabei seine Freude, selbst im Firmen-TV zu sein, kaum unterdrücken.

"Es könnte ein paar kleinere Probleme geben, doch ich bin sicher, daß mein Lehrling und ich in der Lage sind, sie zu finden und zu beseitigen. Das meiste müßte problemlos funktionieren, höchstens bei den Außenstellen in Rom und Florida könnte es im Sommer zu solaren Interferenzen kommen.

Der Geschäftsführer riecht den Braten vielleicht, doch er will nicht riskieren, sein

Lieblingsspielzeug zu verlieren. "Natürlich werde ich ihren Abteilungsleiter entsprechend informieren."

Eine Stunde später sitzen wir im Büro unsere Abteilungsleiters, der vor hilfloser Wut kocht.

"Oh! Haben wir vergessen, sie über die Passwortänderung zu unterrichten? Und über die Videokonferenz? Machen sie sich eine Notiz für die Zukunft", wende ich mich an den PJ.

Der Abteilungsleiter kocht noch mehr.

Drei Stunden später haben wir ein paar Biere gekippt und teilen Freizeit durch das

Ziehen von Strohhalmen auf. Ich meine natürlich Aufgaben.

Zwei Stunden danach sind wir im Getränkeladen und kaufen zwei Kisten Gin, die wir im Schutz der Dunkelheit später in das graue Ungetüm von einem Safe schmuggeln.

"Warum tun wir das?" will der PJ wissen.

Ich sage nichts, sondern springe in die Höhe und lande schwer wieder auf dem

Boden. Ein Knirschen des Bodens unter dem Safe klärt ihn auf und er macht mit.

Sekunden später klingt es, als fiele ein schwerer Safe nach unten.

Am nächsten Morgen können wir zusehen, wie der Abteilungsleiter seine Sachen packt. Der PJ philosophiert dabei über die seltsamen Zufälle des Lebens. "Wissen sie, er wäre vielleicht davongekommen, wenn der Safe nicht auf dem

Video-Multiplexer gelandet wäre ..."

"Ja", antworte ich, "was für ein unglücklicher Zufall. Vielleicht war es sogar das

Buch mit den Passwörtern, das dem Kamel schließlich das Rückgrat gebrochen hat ..."

Der B.O.F.H. findet heraus, daß es ´Fehler in der Ausbildung´ und ´Ausbildung in

Fehlern´ gibt ...

Der PJ und ich sind gerade dabei, einige wichtige Netzwerk-Tests durchzuführen, als das Telefon klingelt. Es handelt sich um den Apparat des PJ, der vorher noch nie geklingelt hat, also feiert er das Ereignis, indem er den Anschluß aus der Steckdose zieht. Als er seine Aufmerksamkeit für ein paar Momente dem Telefon widmet, verpasse ich ihm ein paar Schüsse in den Rücken.

Doom II im Netzwerk ist ein hervorragender Nährboden für den Machiavelli in uns allen.

"Das war der Abteilungsleiter", erkläre ich, um die Spannung im Raum etwas zu verringern.

"Zeit für neue Arbeitsverträge", sagt er und schiebt zum Büro des Abteilungsleiters ab. Fünf Minuten später ist er mit einem nicht gerade fröhlichen Gesichtsausdruck zurück.

"Schwierigkeiten?"

"Er glaubt nicht, daß ich über genügend Erfahrungen verfüge, die eine Erhöhung meines Stundenlohnes rechtfertigen könnten." Das mag ich gar nicht - denn wenn es ihm passiert kann, dann könnte es mir ebenso ergehen. Und ich habe eine tiefsitzende Angst vor allem, das aussieht, wie das schmale Ende eines Keils.

Blitzschnell bin ich am Telefon und rufe den Personalchef an. "Was müssen wir tun, um zu beweisen, daß mein Assistent eine Lohnerhöhung verdient hat?"

"Normalerweise gibt es in solchen Fällen ein Treffen des Personalchefs mit einem unabhängigen Experten und dem Kandidaten selbst. Auf diese Weise prüfen wir das

Wissen des Kandidaten über Netzwerke."

Ich arrangiere den Test für den nächsten Tag und beauftrage den PJ damit, seine

Hausaufgaben zu machen ...

Der nächste Tag bricht an, und um 10 Uhr warten wir alle auf das Ereignis des

Tages - mit Ausnahme des unabhängigen Experten. Wie auch immer, für die nächsten paar Stunden werden wir wohl kaum etwas von ihm hören ... vorausgesetzt der Wartungsdienst für den Lift ist so langsam wie gewohnt.

Ich biete mich als unabhängiger Experte an.

"Okay, ein paar Fragen", sage ich. "Schießen sie los", antwortet der PJ.

"Nach welchen Kriterien entscheiden sie, ob sie die Dateien eines Nutzers löschen?"

"Wie lange ich in der vorherigen Nacht geschlafen habe?"

"Sehr gut. Wenn sie den Rechner eines Nutzers vom Tisch schieben, worauf sollten sie achten?"

"Darauf, daß die Tastatur drunterliegt."

"Halbe Punktzahl. Die Tastatur und ein wertvoller persönlicher Gegenstand."

"Natürlich."

"Wann sollten Überstunden geplant werden?"

"Wenn die Umstände eine Operation während der normalen Arbeitszeit als gefährlich erscheinen lassen."

"Weitere Informationen?"

"Wenn ich mich schlecht fühle, weil mir das Geld in diesem Monat ausgegangen ist."

"Korrekt. Ein Kollege bittet um ihre Hilfe beim Kauf eines Computers für seine

Privatangelegenheiten. Was würden sie empfehlen, einen Macintosh oder einen PC?"

"Weder den einen noch den anderen. Ich empfehle den Commodore C-64 mit einem doppelten Kassettenlaufwerk, den ich als Türstopper benutze - zu einem Preis von

600 Pfund."

"Und wenn etwas schiefgeht?"

"Das kann es nicht."

"Wieso?"

"Das Ding ist so präpariert, daß es Feuer fängt, wenn es angeschlossen wird. Ich würde es dann darauf schieben, daß das Gerät falsch angeschlossen wurde."

"Ausgezeichnet. Die Telefone klingeln sich heiß mit Beschwerden, daß Sitzungen am

NT-Server in der vierten Etage immer wieder abstürzen. Wo könnte das Problem liegen?"

"Das Problem, soweit ich es sehe, liegt darin, daß der Telefonhörer nicht neben dem

Telefon, sondern auf der Gabel liegt."

"Korrekt."

Eine halbe Stunde später ...

"Nun, ich bin davon überzeugt, daß er viel gelernt hat."

"Und ich bin nicht überzeugt!" ruft der Personalchef. "Dieser Lehrling wurde angestellt, um die Ursachen für schlechten Service und mangelnde Erreichbarkeit, unsere schlimmsten Probleme unter ihrer Terrorherrschaft, herauszufinden. Statt ihn in dieser Richtung auszubilden, haben sie ihn zu einer noch schlimmeren Version ihrer selbst gemacht!"

"Stimmt, und er ist doch wirklich gut, oder?" kommentiere ich.

"NEIN! Und wenn sie auch nur einen Moment glauben, ich gebe meine Zustimmung zu ... zu diesem ZERRBILD eines Tests, dann liegen sie völlig falsch. Es BLEIBT dabei, daß die Höhe des Lohnes in seinem Ausbildungsvertrag nicht geändert wird."

Es stimmt, daß es für jeden Job ein Werkzeug gibt. Es amüsiert mich immer, wie viele ´Jobs´ vom Einsatz des Werkzeuges ´Erpressung´ profitieren.

"Nun gut", sage ich. "Sie haben möglicherweise Recht. Immerhin ist er ja noch ein

Anfänger in diesem Bereich. Und da er als Lehrling Fehler macht, ist es sicher gerechtfertigt, wenn sie ihm als Resultat dieser Fehler weniger bezahlen. Sie wissen doch, von welchen Fehlern ich spreche, oder? Da wäre zum Beispiel das Schicken einer E-Mail mit der Liste teurer Auslandsgespräche aus der Personalabteilung an den Geschäftsführer. Wie geht es eigentlich ihrer Tocher? Arbeitet sie noch immer auf den Cayman Islands?

"Äh. Gut, wenn man genau überlegt, könnten seine Fähigkeiten mehr ..."

"Fehler wie etwa eine falsche Konfiguration des Netzwerk-Backup-Servers, der deshalb die Bilder aus dem Verzeichnis SMUT auf einer Arbeitsplatzmaschine in das ... sagen wir mal ... Verzeichnis mit der Präsentation, die der Geschäftsführer bei seiner nächsten Beratung mit dem Aufsichtsrat zeigen will, kopieren könnte.

In der internationalen Einheit der Operatoren für ihren Erfolg, Beteuerungen pro

Sekunde (BpM), gemessen, nähert sich der Personalchef gefährlich der roten Linie.

Eine halbe Stunde und eine spürbare Lohnerhöhung für den PJ später sitzen wir wieder in unserem Büro.

"Was soll ich mit diesen Telefonprotokollen machen?"

"Schicken sie sie ab."

"An den Personalchef?"

"NATÜRLICH NICHT! An das Büro des Geschäftsführers. Sie sind noch in der

Ausbildung, da lassen sich Fehler nicht ganz vermeiden."

Ich muß wohl nicht betonen, daß meine Lohnerhöhung ohne Probleme genehmigt wird.

Südfrankreich lockt den B.O.F.H. unter dem Motto ´Netzwerk-Profi des Jahres´ ...

Es ist ein ruhiger Tag im Büro. Vielleicht hat das etwas damit zu tun, daß ich die

Anrufe an die Service-Abteilung in das vor kurzem frei gewordene Büro des

Abteilungsleiters umgeleitet und zufällig eine Axt dreiundfünfzigmal auf die

Telefonkabel unten im Gang fallengelassen habe.

Vergessen sie diese seltsamen Cassetten mit Enspannungsmusik, nichts ist für den

B.O.F.H. entspannender als das einzigartige Geräusch von Telefonenhörern, die wütend auf die Gabel geknallt werden. Unser Telefonsystem befindet sich im

Schockzustand; das liegt eindeutig daran, daß alle Leute ihren Ärger an den

Telefonhörern auslassen müssen.

Ich überzeuge mich, daß die Tür geschlossen und angemessen unter Strom gesetzt wurde (Für den Fall, daß ein mutiger Nutzer es wagen sollte, persönlich zu erscheinen.), und befasse mich dann mit meiner Lektüre.

Gewöhnlich ist dies die richtige Zeit zur Beschäftigung mit diesen holländischen

Magazinen, die eines Tages unerwartet an den Hintereingang geliefert wurden - und seitdem immer wieder mit schöner Regelmäßigkeit versehentlich gebracht werden.

Man sollte nicht glauben, daß ein Fehler sich so oft wiederholen kann. Trotzdem, jemand hat mein privates Steckenpferd entdeckt, denn es scheint, als seien den

Magazinen Beine gewachsen. Seit der PJ immer mit einem seltsam wissenden

Lächeln herumläuft, vermute ich, daß er hinter der Sache steckt. Er wird noch die

Gefahren kennenlernen, die zuviel Neugier mit sich bringt, wenn ich herausgefunden habe, was man mit dem elektrischen Tacker alles anstellen kann. Wie auch immer, in der Zwischenzeit bin ich damit beschäftigt, in Netzwerk-Magazinen zu lesen.

Ich unterbreche meine Lektüre kurz, um einen ´Bitte schicken sie einen

Verkaufsmanager für Telefonvermittlungsanlagen vorbei, damit er mich über ihre

Leistungen informieren kann´-Coupon im Namen eines Typs aus der

Verwaltungsabteilung, der mir heute im Parkdeck die Vorfahrt genommen hat, auszufüllen. Dann beginne ich, mich auf den verblüffend hohen Stapel ungelesener

Netzwerk-Magazine zu stürzen. Ein Thema fällt mir sofort auf. Die Auszeichnung

´Netzwerk-Profi des Jahres´. Ich lache in mich hinein - vermutlich wird irgendein trauriger Anorak den Preis gewinnen, der am Wochenende nichts anderes tut, als sich mit UTP zu befassen, seine Abende damit verbringt, verlorengegangene Dateien auf den PCs der Angestellten zu suchen und wiederherzustellen und der dafür auch noch kaum Lohn und schon gar keine Anerkennung erntet. Ich lese erstmal weiter:

"... wird vorgestellt während einer speziellen Veranstaltung im l´Hotel Amassadeur in Südfrankreich".

Ah, nun, nicht so schnell. Es gibt eigentlich soviel zu sagen über die unbesungenen

Helden der Netzwerk-Welt. Zumindest wird das meine Argumentation sein, wenn ich den Geschäftsführer dazu zu überreden versuche, mich an diesem Wettbewerb teilnehmen zu lassen.

Oben im Büro des Geschäftsführers schaut mich der Chef höchstpersönlich eine

Minute lang aus glasigen Augen an. Schließlich schaffen es die Worte, mit einem

Krächzen seine Kehle zu verlassen. "SIE wollen Netzwerk-Profi des Jahres werden?!"

"So ist es. Denken sie nur an den Ansehensgewinn, den ich der Firma einbringen könnte."

"Ich denke an die schlechte Werbung, die sie für die Firma machen könnten."

"Das ist nicht besonders nett!" kombiniere ich das schlimmste Schimpfwort, welches ich kenne, mit meinem unschuldigsten Tonfall. "Und das auch noch nach allem, was ich für die Firma getan habe."

"Meinen sie nicht, was sie der Firma ANGETAN haben?" Der Geschäftsführer schaut erst mich an, dann das Teilnahmeformular. "Unterstützung für seine

Vorgesetzen? Sie haben fünf Vorgesetzte allein im letzten Jahr zur Kündigung getrieben!"

"Also mußte ich fünf verschiedene Arbeitsmethoden meistern - das ist eine sehr anspruchsvolle Herausforderung. Ich denke, das demonstriert meine große

Flexibilität."

"Aber sie sind dafür verantwortlich, daß sie uns verließen!!"

"Reiner Zufall ... sie alle schienen sich an Angebote anderer Firmen zu erinnern.

Vielleicht sollten sie sich einmal um bessere Arbeitsbedingungen und Löhne kümmern." schlage ich vielsagend vor.

"Vielleicht sollte ich überlegen, ob ich wirklich alle Netzwerkexperten brauche, die ich zur Zeit habe."

Autsch. Das ging unter die Gürtellinie. Na gut ...

"Vielleicht wird das Finanzamt etwas über das Geheimkonto herausfinden, daß jemand im Ausland angelegt hat."

Der Geschäftsführer wird rot und scheint sich plötzlich sehr für seinen Tintenlöscher zu interessieren. Dann erholt er sich etwas und liest weiter.

"Und was ist damit", er schreit jetzt beinahe. "Ein guter Teamarbeiter?"

"Ja. Natürlich erwarte ich, daß mein PJ ebenfalls mitmachen kann. Mitglieder des

Teams sollen schließlich nicht vergessen werden."

"Aber er ist ein Psychopath!"

"Ach so? Wollen sie das gegen ihn verwenden? Das ist nicht sehr hilfreich von ihnen.

Ich für meinen Teil denke, daß das Klima in Südfrankreich Wunder für sein

Temperament wirken wird. Und die Erfahrung, an einem solchen Ereignis teilzunehmen, wird bestimmt auch positiv auf die Entwicklung seiner sozialen

Fähigkeiten wirken."

"Das wird einen diplomatischen Zwischenfall geben!"

Der Geschäftsführer liest weiter. "Kandidaten für die Preise müssen von drei

Kollegen vorgeschlagen werden, die unterschriebene Beurteilungen verfassen." Er unterbricht sich. "Es gibt hier niemanden, der einen solchen Vorschlag unterschreiben würde. Sie werden von allen gehaßt."

"Ich kann also an dem Wettbewerb teilnehmen, wenn ich die Unterschriften bekomme?"

"Wenn sie drei Beschäftigte finden, dann können sie mitmachen. Aber ich sage das nur, weil ich weiß, daß sie niemanden finden werden." Er verläßt den Raum, lacht leise vor sich hin.

Ein Wunder? In der Welt der Netzwerke ist nichts unmöglich, wie ich auch immer

Nutzern erkläre, deren Festplatten auf wundersame Weise komplett gelöscht wurden. Und wer hat behauptet, daß jemand, dessen Unterschrift auf einem Blatt

Papier steht, es auch selbst unterschrieben haben muß ...

Wird fortgesetzt ...

Der süße Duft des Erfolgs umgibt den siegreichen B.O.F.H. ...

Es ist ein großartiger Tag in Südfrankreich, insbesondere nachdem mein Zimmer im

L´Hotel Ambassadeur irgendwie mehrfach vergeben wurde, und sie mir deshalb eine

Suite mit mehr Räumen zu Verfügung gestellt haben, als mein Chef sie sich jemals leisten könnte. Die Unterschriften für mein Teilnahmeformular waren kein Problem.

Ich wußte doch, daß die elektronische Signier-Einheit unseres Faxservers für irgendetwas gut ist. Und daher bin ich nun hier, um meinen Preis entgegenzunehmen.

Gut, es gibt noch ein halbes Dutzend anderer Finalisten, aber ich habe die dunkle

Vorahnung, daß es in der nächsten Zeit ein paar Unfälle geben könnte.

Beim Dinner zur Preisverleihung, das ein sogenannter Entertainer mit billigen Witzen begleitet, treffe ich auf eine recht hübsche Werbefrau, die von den modernen

Netzwerktechnologien fasziniert zu sein scheint.

"Also haben sie wirklich ihren ATM-Backbone auf 827 Mbps aufgerüstet?"

"Natürlich nur, um das Netzwerk zu testen. Wir können etwas, das so schne ...

ähm ... neu und noch in der Entwicklung ist, natürlich noch nicht für die Benutzer freigeben."

"Natürlich. Wie messen sie denn den Datendurchsatz?"

"Doom II auf einem halben Dutzend SGI Challenge-Rechnern. Wir erreichen etwas

45.000 pps."

"45.000 Pakete pro Sekunde klingt nicht sehr schnell." Diese Frau aus der Werbung scheint zu wissen, wie schnell ein Netzwerk sein sollte ...

Eine geradezu unheimliche Vorstellung.

"Nein, es geht um Punkte pro Sekunde. In Doom bekommt man keine Datenpakete, wenn man jemanden getötet hat, müssen sie wissen."

"Ach so. Sie müssen aber ein großes Budget im Jahr habe, wenn sie allein sechs SGI

Challenges für ihr Testnetzwerk verwenden."

"Nun, also, wissen sie, die werden für das Videokonferenzsystem des

Geschäftsführers gebraucht; wir haben sie mit dem Geld der Versicherung gekauft, das wir nach dem Unfall mit den Pentium 75-Rechnern des ersten

Videokonferenzsystems bekommen haben."

"Da gibt es doch noch immer einen Kostenunterschied."

"Nun, wir haben eine sehr zuvorkommende Versicherung." Und ein noch viel schöneres Heimvideo von einer Aufsichtsratskonferenz in Amsterdam.

"Sehr schön. Ich vermute, sie haben erzählt, sie müßten die Taktfrequenz der

Challenges prüfen und ihre ATM-Karten optimieren, was sie zu ´Testobjekten´ für ein oder zwei Monate macht."

Diese Frau weiß, worum es geht. Ich bin beinahe beeindruckt ...

"Nun, ja, aber das Testen ist eine sehr komplexe Arbeit, die wohl etwas länger als ein paar Monate dauern wird ... 2004 dürfte ein gutes Jahr für das Testende sein, schätze ich."

"Sie sind ein gerissener Hund!"

Sie begreift schnell. Als wir weiterplaudern, wird eine TV-Persönlichkeit (ein

Widerspruch in sich) vorgestellt und ihr ein goldener Umschlag zum Öffnen

überreicht. Er schafft es, den Umschlag ohne weitere Instruktionen zu öffnen ...

"Und der Gewinner ist ..."

Am Gewinnertisch treffe ich meine Freundin aus der Werbung wieder; tierisch, diese

Anziehungskraft, die von mir ausgeht. Sie scheint von meinem Sieg überrascht zu sein.

"Wie haben sie das gemacht? Ich muß zugeben, daß ich nicht damit gerechnet habe, daß gerade sie den Preis bekommen, wenn man ihre unkonventionellen Ansichten zum Management von Netzwerken bedenkt. Haben sie den Computer der

Schiedsrichter irgendwie gehackt?"

Hacken? Sie ist offensichtlich nicht auf dem neuesten Stand - niemand mit etwas

Selbstachtung würde sich heutzutage selbst als Hacker bezeichnen, es sei denn, er besäße einen wirklich widerlichen Anorak. Ich bestelle noch ein paar Drinks (von der teuren Sorte, natürlich - ich kenne selbstverständlich bereits das Root-Passwort für das Hotelnetzwerk und, nicht zu vergessen, die Zimmernummer des alten

Entertainers, der uns beim Dinner so genervt hat), hole tief Luft und erkläre es ihr.

"Nein, ich habe nichts _gehackt_ ... (Ich brauche all meine Kraft, um dieses schlimme Wort auszusprechen.) Wie auch immer, die Kandidatenlisten und all die anderen Sachen mußten mittels anderer Hardware bearbeitet werden, denn sie waren auch nicht über das Hotel-LAN erreichbar."

"Mit Hardware?"

"Mit einem Kugelschreiber und einem Blatt Papier. Diese Schiedsrichter haben immer Ärger mit der Technik."

"Ach so, _diese_ Hardware."

"Genau. Übrigens mußte ich gar nichts hacken; alle bis auf einen meiner Mitbewerber schieden im letzten Moment aus. Nun, einige von ihnen hätten es bestimmt nicht getan, wenn sie nicht in ihrer gestrigen Post diese komischen Polaroids gefunden hätten."

"Was, sie haben sich _ALLE_ ein wenig danebenbenommen?"

"Zwei von sechs, ja - das ist eine unvermeidliche Nebenwirkung, wenn man so viel

Zeit in heißen Ländern auf Netzwerk-Messen und Konferenzen verbringt."

"Was ist mit den anderen?"

"Ganz einfach. Einer von ihnen arbeitet für ein Unternehmen, das diese

Preisverleihung finanziell unterstützt. Und die anderen, nun, einer besitzt nun die

Kopie eines Fahrzeugbriefes und der andere wurde nach einem unerklärlichen anonymen Anruf gefeuert und seine Nominierung von seinen jetzt ehemaligen

Kollegen zurückgenommen." Ich muß den PJ für eine Lohnerhöhung vorschlagen - er hat diese Anrufe übernommen, ohne mich damit zu belästigen.

"Interessant. Was steckt hinter der Sache mit dem Fahrzeugbrief?"

"Oh, irgend etwas, das mit dem Verschwinden eines Betriebs-Rolls Royce und einem bekannten Autoschieber zu tun hat."

"Faszinierend. Sie sind wirklich ein Schweinehund!"

"Natürlich. Es hat mich allerdings einige Zeit gekostet, perfekt zu werden."

"Und was ist mit dem Konkurrenten, der nicht aufgab?"

"Oh, den habe ich fair und ehrlich geschlagen. Die Worte im Empfehlungsschreiben meines Chefs waren einfach schmeichelhafter als die seines Chefs." Zumindest waren sie das, _nachdem_ die Empfehlung in einem Abteil des Zuges nach

Doncaster in der vergangenen Woche in die Geldtasche des Obersten

Schiedsrichters wanderte.

"Was passiert nun?"

"Zurück zur Arbeit, eine nette Lohnerhöhung für die Steigerung des Ansehens der

Firma, ein Dank an meine Vertretung dafür, daß die Nutzer während meiner

Abwesenheit nicht zu übermütig wurden und dann noch ein gelegentliches Gespräch nach einem Dinner mit einer fünfstelligen Rechnung."

"Was wäre, wenn jemand etwas über den Betrug verlauten läßt?"

"Oh, darüber muß ich mir keine Sorgen machen."

"Wirklich nicht?" Ich mag das Leuchten in ihren Augen und den Klang ihrer Stimme nicht. "Was würden sie sagen, wenn ich dieses Gespräch auf Band mitgeschnitten hätte?"

"Ich würde sagen, daß das Diktiergerät in ihrer Tasche keinen Aufnahmeknopf hat, also haben sie ein leeres Band. Und wenn ich gerade dabei bin, was würden sie dazu sagen, daß in ihrem Zimmertelefon eine Wanze eingebaut ist? Nun, wie waren doch gleich die Namen..." Ich klopfe auf meine Tasche und höre den beruhigenden Klang einer Kassette in einer Plastikhülle.

Augenblicklich verliert sie ihren Sinn für Humor, dreht sich um und verschwindet schmollend.

Meine Mutter hatte Recht ... man sollte niemandem aus der Werbebranche trauen.

Auf der Suche nach neuen Herausforderungen setzt der B.O.F.H. alles auf eine

Karte ...

Der Chef ist etwas zurückhaltend, wenn es um meinen Lohn geht. Deshalb beschließe ich, mich ein wenig umzusehen und eine Arbeitsvermittlung einzuschalten. Meine einzige Befürchtung ist, daß ich tatsächlich einen neuen

Arbeitsplatz finden könnte, wenn ich einen guten Arbeitsvermittler treffe. Denn das ist ja nicht das Ziel dieser Übung. Ich will nur, daß der Chef zusammenzuckt, wenn ich wieder einmal eine Lohnerhöhung fordere.

Ich überlege, welche Aussichten ich habe und strecke meine Fühler aus, um Kontakt mit ein paar Vermittlungsagenturen aufzunehmen. Ich nehme welche von der Sorte, die den Lebenslauf erst einmal ´überarbeiten´, bevor sie ihn an einen möglichen

Arbeitgeber faxen.

Dinge wie ´Ich habe einmal mit DOS gearbeitet´ und ´Ich kann meinen Bildschirm allein einschalten´ werden zu ´Hat DOS neu geschrieben´ und ´Ausführliches

Hintergrundwissen zum Hardware-Support´.

Ich erwarte das Schlimmste und bekomme es. Ich treffe meinen Arbeitsvermittler in einem Pub, wo er mir ein Bier spendiert, um zu beweisen, daß er wirklich mein Freund ist und nicht nur einen kriminell hohen Anteil von meinem zukünftigen Lohn haben will.

"Also", sagt mein ganz persönlicher, erfahrener Vermittler, der die Computerbranche wie seine Westentasche kennt. "Sie suchen also eine Stelle im Netzwerkbereich?"

"Ja."

"Welche Erfahrungen haben sie?"

Ich gebe ihm einen kurzen Überblick über die vergangenen zehn Jahre.

"Ausgezeichnet. Und haben sie auch Erfahrung mit DOS?"

"Wieso?"

"Nun, wir haben im Moment ein ausgezeichnetes Angebot für einen DOS-Berater."

"Und meinen sie, daß das etwas mit Netzwerken zu tun hat?" frage ich leicht verärgert.

"Also, nicht genau. Am Anfang wird es eher mit einer Hotline zu tun haben."

"Ich bin nicht interessiert. Ich bin ein Netzwerker, kein Programmspezialist und ganz sicher kein Mensch für den Support."

"Ah. Na gut, es war ja nur so ein Gedanke. Was ist mit VAX/VMS?"

(IBM-Großrechner [thomas w.])

"DECNet? TCP/IP? Und habe ich schon CI erwähnt?"

"Nein, eher in Richtung Cobol-Programmierung. Großartige Stelle. In Milton Ke ..."

"Nein."

"Sehr gute Bezahlung ..."

"Wenn ich Interesse daran hätte in Cobol zu programmieren, hätte ich das auch gesagt. Habe ich aber nicht. Ich sagte ´Netzwerke´."

"Natürlich haben sie das. Könnte die Reparatur von Hardware sie interessieren?"

"Was für Hardware?"

"Hauptsächlich defekte Terminals. Aber wenn sie funktionieren, sind sie mit einem

Terminal-Server verbunden, der in ein Netzwerk ..." schreit er als ich den Pub verlasse. Das Bier habe ich nur zur Hälfte getrunken.

Der Chef spielt inzwischen mein Spiel und hat seinerseits ein paar Arbeitsvermittler kontaktiert. Offensichtlich hat er vor, mir zu beweisen, wie leicht es ist, einen Ersatz für mich zu finden. Es ist traurig, wie manche Menschen sich der Selbsttäuschung hingeben.

Die nächsten Tage verbringe ich damit, die Arbeit einer Sekretärin zu machen: Daten eingeben, Bänder abtippen etc. Ich mag das gar nicht. Schließlich kommt ein Angebot von der letzten Arbeitsvermittlung, in dem eine Summe geboten wird, die dem Chef

Tränen in die Augen treiben würde. Ich vertiefe mich in die Details und denke über sie nach, als der Chef hereinkommt.

"Ich werde es annehmen", sage ich, als der Chef heimlich mitlesen will.

"Was annehmen?" fragt er.

"Die Stelle, die mir gerade angeboten wird", erwidere ich lächelnd.

Er blüht unter dem Druck richtig auf und antwortet: "Und das genau zum richtigen

Zeitpunkt!"

"Wofür? Rechtzeitig zu den Weihnachtseinkäufen?" sage ich, um die Spannung ein wenig zu erhöhen.

"Nein. Gerade rechtzeitig für uns. Ich habe ihren Nachfolger gefunden!" freut er sich und schüttelt ein kaum lesbares Fax in der Hand.

"Das meinen sie nicht ernst!" sage ich und zeige auf das Fax. "Darauf kann man ja kaum etwas erkennen!"

"Muß ich auch nicht", grinst er. "Ich habe die Leute angerufen und die Details

überprüft."

"Sie vertrauen doch nicht etwa DIESER Arbeitsvermittlung!" rufe ich. "Die können doch weder eine Stellenanzeige richtig veröffentlichen noch einen Computer-Profi finden."

"Das ist ihr Irrtum!" knurrt der Chef. "Sie HABEN jemanden für mich gefunden. Mit etwas mehr Erfahrung und er ist nur einen Bruchteil teurer als sie. Und er fängt schon am heutigen Nachmittag an. SICHERHEITSDIENST!"

Der Augenblick, von dem der Chef seit Monaten träumt, ist gekommen.

"Begleiten sie diesen Herrn nach draußen. Lassen sie ihn nichts berühren und lassen sie sich seine Schlüssel geben. Er soll auf dem Weg nach draußen mit niemandem reden. Und löschen sie seinen Namen SOFORT aus der Angestelltenliste! Prüfen sie seine persönlichen Sachen, ob sich unter ihnen Eigentum der Firma befindet und händigen sie sie ihm dann aus."

Zufrieden mit sich selbst stolziert er, der John Wayne der Netzwerke, zurück in sein

Büro.

Ich werde auf die Straße begleitet und gebe den Sicherheitsleuten meine Schlüssel.

Ich werfe noch einen kurzen Blick auf das Gebäude, das einmal mein Arbeitsplatz war und gehe wieder hinein zum Empfang.

<Kling!> "Hallo", lächle ich die Empfangschefin an. "Ich wurde gerade als

Netzwerk-Administrator eingestellt. Könnten sie bitte meinen Vorgesetzten informieren ..."

Ich kann es kaum erwarten, John Waynes Gesicht zu sehen. Oder meinen neuen

Lohnscheck. Oder die Mitteilung, daß ich als neuer Mitarbeiter erst einmal eine

Woche damit verbringen muß, alle Sicherheitsregeln zu lernen.

Mit einer Lohnerhöhung in der Tasche geht der B.O.F.H. auf Nummer sicher und schockiert den PJ ...

Als neu angestellter Mitarbeiter an meinem alten Arbeitsplatz muß ich die

Regelungen des Arbeitsvertrages erfüllen und nehme daher an einem Sicherheitskurs teil. Es ist die übliche Routinebelehrung, die Geräte, die nicht benutzt werden, abzuschalten und so weiter - Kinderkram.

"Kann mir jemand sagen, was das ist?" fragt der Ausbilder und hält ein Stück

Stromkabel mit abgeschabter Isolierung hoch.

"Ein Unfall, der auf seine Chance wartet", schlage ich hilfreich vor.

"Ausgezeichnet! Völlig richtig." ist er begeistert über die bisherige Mitarbeit seines

Publikums.

"Und was ist das?" fragt er, während er ein Stück eines Datenkabels von ähnlichem

Aussehen hochhält.

"Ein Unfall, der auf seine Chance wartet", antworte ich noch einmal.

"Ähm, nun, nicht ganz", gluckst er.

"Doch, wenn sie das Kabel in etwa zwei Zoll Höhe über der dritten Stufe der ziemlich schlecht beleuchteten Treppe von der sechsten in die fünfte Etage anbringen."

Die Augen des Ausbilders werden für einen Moment schmal, als er versucht, seinen

Gesichtsausdruck unter Kontrolle zu bringen ...

Erkenntnis spiegelt sich in seinen Zügen wieder.

"Sie haben diesen Kurs schon einmal besucht, oder?"

"Nun, natürlich habe ich das. Aber ich habe das Zertifikat am Ende nicht bekommen.

Niemand scheint es bekommen zu haben; nicht, nachdem sie die Treppe hinuntergestürzt sind, ihr Schlüsselbein brachen und ihre Ausbildungserlaubnis verloren. Ich glaube, es war die dritte Stufe, wo sie den Halt verloren, stimmt´s?"

Er knurrt leise, als die Erinnerungen an den Sturz und die Fahrt ins Hospital wiederkommen; die Erinnerung an seine Warnung vor dem Unfall, daß meine

´Einstecken und hoffen´-Politik nicht mit den Richtlinien der Firma übereinstimme.

Sein Aussehen erinnert mich daran, daß ein ´Vergeben und Vergessen´ noch nicht zur Firmenpolitik gehört ...

Um auf alles vorbereitet zu sein komme ich etwas früher von der Frühstückspause zurück und muß feststellen, daß mein Stuhl nicht mehr da steht, wo er stehen sollte.

Ein schneller prüfender Blick läßt mich erkennen, daß einige wichtige Teile fehlen.

Ich schiebe den Stuhl nach hinten und suche mir einen anderen aus.

Da ich noch immer allein bin, schaue ich mir die Präsentation unseres Ausbilders auf dessen PC an und erlaube mir ein paar kleinere Änderungen an seinen Folien. Als die anderen zurückkommen, lasse ich mich mit einem lauten ´Plumps´ auf meinen Stuhl fallen. Ich kann mir nicht helfen, doch der leicht irritierte Ausdruck im Gesicht unseres Ausbilders entgeht mir nicht, ein Ausdruck, der sich noch verstärkt, als wir zu seiner Lieblingsfolie kommen. Die Folie, die uns auffordert, im Fahrstuhl nicht in der Nase zu bohren oder zu essen, wird ein wahrer Publikumserfolg

"Nun, vielen Dank für die Folien", sage ich am Ende des Kurses. "Und ich kann ihnen versprechen, daß ich diese Folie, die vor dem Rindfleisch im Lift warnt, ganz

besonders beachten werde. Ein wirklich sehr wertvoller Hinweis - einmal etwas ganz anderes als die üblichen Tips, die Abdeckung von Kabelschächten sorgsam zu prüfen."

Am nächsten Morgen kommt der Abteilungsleiter mit einem besorgten

Gesichtsausdruck herein.

"Hallo, Simon. Ich habe hier eine Beschwerde über sie."

"Eine Beschwerde! Über ihn! Das kann ich nicht glauben!" ruft der PJ überrascht und schlägt sich mit der Hand gegen die Stirn. Er übertreibt die Rolle des schockierten

Kollegen ein wenig, muß ich sagen.

"Ja, unser Sicherheitslehrer hat sich darüber beschwert, daß sie die Folien für seinen

Vortrag verändert haben."

"PRÄSENTATIONSFOLIEN VERÄNDERT!" macht der PJ weiter und wird vom

Abteilungsleiter mit einem eiskalten Blick zum Schweigen gebracht.

"Nun, ich habe vielleicht ein paar grammatische Berichtigungen vorgenommen", gebe ich zu. "Aber ich habe nichts getan, was die Qualität der Präsentation nicht verbessert hätte. Wie auch immer, wenn das so schlimm ist, kann er doch seine alte

Präsentation mit den Backups wiederherstellen."

"Ja, das war auch unser erster Gedanke - bis wir die fehlende Schutzwand gegen störende elektrische Felder im Regal für die Backups bemerkten."

Der PJ unterdrückt ein schuldiges Lachen.

"Und die Backups, die wir außerhalb der Firma aufbewahren?" schlage ich vor.

"Ja, aber es scheint ein Problem mit ihnen zu geben", antwortet der Abteilungsleiter.

"Der Inhalt der Bänder scheint nicht mit den Prüfsummenangaben der Barcodes auf den Hüllen übereinzustimmen."

"Nun, der Barcode-Leser von einem der Bandlaufwerke hat einen Fehler", antworte ich. "Es ist möglich, daß das Archiv mit der Präsentation auf einem Band mit einer

ähnlichen Prüfsumme zu finden ist."

"Und wie viele Bänder müßten wir prüfen?"

"Etwa 2000 - sie alle haben unglücklicherweise die gleiche Prüfsumme - aber das ist ein Fehler der Software, den ich ihnen in einer Notiz vor, Moment, ja, vor zwei

Monaten mitteilte."

"Ah, nun, ich sehe keinen Grund, warum er seine Folien nicht noch einmal erstellen könnte", sagt der Abteilungsleiter, kehrt damit die ganze Sache unter den Teppich und verläßt unser Büro.

"Gab es diese Notiz wirklich?" fragt der PJ.

"Ja, eine Mitteilung, die ihm die Verantwortung überträgt, mit vielen Fachwörtern am

Anfang, um ihn abzuschrecken. Nun wird er sie lesen und sehen, daß die

Verantwortung bei ihm liegt."

"Und was wird geschehen?"

"Oh, die übliche Vertuschung - ein Anruf in ein paar Minuten, um sich zu entschuldigen; dann dürfte bald ein verärgerter Sicherheitslehrer durch die Tür da drüben kommen ..."

Fünfundzwanzig Minuten später ist meine praktische Demonstration der Gefahren, die von einem Datenkabel, das in etwa einem Zoll Höhe quer über die erste Stufe einer dunklen Treppe gespannt ist, ausgehen, beendet. Ich greife mir ein

Blanko-Formular, das die Teilnahme an der Sicherheitsbelehrung bestätigt, vom

Stapel, den die Sanitäterin im Treppenhaus zurückgelassen hat, und reiche es dem

PJ, damit er die leeren Felder ausfüllt.

Die Welt der Netzwerke ist wirklich voller Unfälle, die auf ihre Chance lauern.

Der B.O.F.H. leidet unter vorübergehendem Ärger mit den Telefonen ...

"Wir haben eine kleines Problem mit der Rufumleitung", ruft der PJ, als er hereinkommt und mit Verschwörermiene auf den Raum mit der Telefonanlage deutet.

Ich greife mir den Laptop mit der Diagnosesoftware für die Anlage und folge ihm.

Da ich den Laptop nicht wirklich brauche, lasse ich ihn auf den Boden fallen und unterziehe alle möglichen Lauschgeräte, die der Chef ´zufällig´ im Raum hinterlassen

haben könnte, einem Belastungstest, indem ich meinen Kugelschreiber in den

Lüfterschlitz der Unterbrechungsfreien Stromversorgung (USV) der

Vermittlungsanlage schiebe.

"Wo liegt das Problem?" rufe ich, um die Geräusche eines Kugelschreibers, der von den besten Ventilatorflügeln im Raum zerlegt wird, zu übertönen.

"Der Chef hat etwas über die 0190er-Nummern herausgefunden", schreit er und blickt sich gehetzt um, jeden Moment Entdeckung und grausame Bestrafung erwartend.

Eine kleine Goldgrube, diese Einrichtung. Eine eigentlich simple Idee in der

Theorie - wir leiten einfach die Anrufe für jedes abgeklemmte Telefon in der Firma zu einer 0190er Nummer weiter, die Ratschläge für die Arbeit mit Computern gibt, und kassieren dabei als Vermittler kräftig mit.

Tips wie: "Ihr Problem scheint eine unzureichende Belüftung zu sein. Die einzig mögliche Lösung besteht darin, ihren Computer mit Wasser zu kühlen. Gehen sie zu einem Springbrunnen ..." und so weiter. Es ist beeindruckend, wie viele Anrufe jemand bekommt, der gerade die Firma verlassen hat - für 99 Pence je Minute - und noch beeindruckender ist, wie viele Telefone keine Umleitungssperre haben.

So schnell wie möglich rufe ich die 0190er Leute an und erkläre ihnen widerwillig, daß wir ihren Service nicht mehr länger brauchen. Das Geld sollen sie auf ein Konto

überweisen, daß ich unter dem wenig bekannten Pseudonym ´Verstorben´ angelegt habe. Die Zahl, die sie nennen, erfreut den PJ und mich sehr. Offenbar kamen mehr

Anrufe als erwartet.

"Wie konnte der Chef etwas herausfinden?" frage ich.

"Ich befürchte, ich habe einen Tippfehler gemacht und statt einer abgeklemmten

Nummer eine noch genutzte eingegeben", beichtet der PJ mit überzeugendem

Bedauern im Tonfall.

Vergebung ist in Krisenzeiten der Schlüssel zum Erfolg, also schlage ich dem PJ vor, daß wir so tun, als ob wir die Vermittlungsanlage reparieren bis der Chef kommt.

Minuten später platzt der Chef voller Wut herein, um zu hören, was seine

Lauschgeräte nicht mehr mitbekommen können, und landet stattdessen mit einem

Fuß auf dem Laptop, der am Boden liegt. Seine langsamen Reflexe schaffen es nicht, den Chef zu bremsen, so daß das Display des Laptops aufspringt, über das er stürzt und mit dem Gesicht zuerst in das Regal mit der Telefonvermittlungsanlage rast.

Scheußlich.

"Autsch", murmelt der PJ. "Ich wette, daß das verdammt schmerzhaft ist."

Der Blick des Chefs bestätigt diese Vermutung, als er sich langsam aus dem baumelnden Kabelsalat befreit ...

"Was zum Teufel machen sie hier?" knurrt er und wischt sich mit seinem

Taschentuch über das blutige Gesicht.

"Wir überprüfen nur diesen lärmenden Lüfter. Es sieht ziemlich ernst aus", sage ich und verpasse dem Ding einen Schlag als Rache für den Ärger in der Vergangenheit.

Sagte ich Vergangheit? Ich meinte eigentlich den aktuellen Ärger. Der Lüfter, der endlich genug von meinem Kugelschreiber hat, stoppt plötzlich, gibt ein leises ´Klick´ von sich und läuft polternd aus.

"VERDAMMTER MIST!" schreit der Chef, um den automatischen Alarm der USV zu übertönen, was angesichts der Tatsache, daß dieser Ruf auch durch die Wände dringen soll, keine schwere Übung für den Chef darstellt - er schreit ja gern.

"SCHALTEN SIE U ... m auf die andere Einheit", vollendet er, als ich die Alarm abschalte.

"Da haben wir wohl nicht viel Aussicht auf Erfolg", erklärt der PJ und hält die zerkleinerten Überreste des Laptops mit der Software in den Händen. Offenbar hat das Gerät in den letzten Sekunden ziemlich viel aushalten müssen.

"Ich bin untröstlich", sagt er. "Aber irgendwer hat wohl ein Kabel auf dem Boden liegengelassen ..."

Wir schauen den Chef an.

"... über das ich stolperte."

"Zu spät für dieses Ding - holen sie ein anderes!" ruft der Chef, der schon den

Selbstschutz beim nächsten Managertreffen im Auge hat.

"Können wir nicht", werfe ich ein. "Die Sicherheitskopien befinden sich auf einer defekten Festplatte, die wir aufgrund ihrer Anweisungen nicht ersetzen durften", füge ich noch hinzu, um die Situation zu meinem Vorteil zu wenden.

"Hu!" murmelt der PJ. "In ihrer Haut möchte ich jetzt nicht stecken. Das wird nicht gut für ihr Budget aussehen - dieser Totalausfall der Vermittlungstechnik."

"EIN KOMPLETTAUSFALL!?!" keucht der Chef.

"Nun, sie sagten doch, daß wir defekte Teile unserer Vermittlungsanlage durch Teile der Zentralvermittlung ersetzen sollen, um Kosten zu sparen ..." antworte ich.

Der Chef bekommt ein gehetztes Aussehen.

"In Ordnung. Was wollen sie?"

"Ich denke, daß sie das schon wissen", lächle ich wohlwollend. Oder ist es

übelwollend, ich verwechsle das immer.

Zehn Minuten später halte ich die Telefonrechnungen und die Kopien, die der Chef angefertigt und in seinem Safe versteckt hatte, in den Händen.

Ich kehre in den Vermittlungsraum zurück, wo die Temperatur der Anlage sich bedenklich der Ausfalltemperatur genähert hat, und demonstriere, wie leicht es ist, die elektrische Sicherung eines Lüfters auszutauschen ...

Es ist doch lustig, daß sich manche Dinge immer zum Besten entwickeln, oder?

Ein erhitzter Wortwechsel mit dem Chef über die Klimaanlage erhöht die Temperatur im gesamten Gebäude ...

An diesem angenehmen Sommermorgen kommt der PJ vom Einkauf in unser Büro zurück. Er hat sich dabei offensichtlich an meine Anweisungen gehalten.

"Wirklich ein perfekter, handgemachter elektrischer Wasserkocher mit einer

Sicherung, um eine Überhitzung zu verhindern", sage ich voller Zufriedenheit über die

Perfektion meines Planes.

"Aber wir haben doch eine Kaffee- und auch eine Teemaschine!" sagt der PJ.

Während ich den Kocher am Wasserbrunnen fülle, schüttele ich den Kopf über diese

Frage. "Was passiert jedes Jahr im Sommer?" frage ich ihn.

"Es wird heiß?" rät er.

"Korrekt. Und die Klimaanlage tut was?"

"Sie fällt aus."

"Und wir müssen was tun?" frage ich.

"Wir sitzen den ganzen Tag im Vermittlungsraum."

"Richtig. Nehmen sie den regelbaren Transformator und kommen sie in den

Vermittlungsraum."

Er folgt meiner Anweisung, so daß ich wenig später den Transformator auf 5 Volt einstellen und den Kocher anschließen kann, den ich unter dem Gitter eines

Fußbodenventilators der Klimaanlage versteckt habe.

"Ihre Aufgabe besteht, sofern sie mitmachen wollen - sie haben natürlich gar keine andere Wahl, aber es klingt so gut - darin, dafür zu sorgen, daß diesen Kocher immer schön versteckt bleibt. Darüber hinaus erhöhen sie die Spannung am Transformator pro Tag um 5 Volt."

Ich zeige ihm ein Thermostat an der Wand und öffne dessen Umhüllung.

"Schritt 2: Drehen sie jeden Tag die Justierschraube entgegengesetzt zum

Uhrzeigersinn um 5 Grad, damit die Klimaanlage annimmt, es wird kälter. Nun, noch

Fragen?"

"Ja, eine. Was passiert, wenn der Transformator 200 Volt erreicht?"

"Ich wette zwanzig Pfund, daß am Kocher nie mehr als 50 Volt anliegen werden."

"Glauben sie!" keucht der PJ in Erwartung von leichtverdientem Geld.

"Und denken sie daran, daß immer Wasser in dem Kocher sein muß" erinnere ich ihn, denn ich weiß ja, wie vergeßlich er sein kann.

Nun, die Wette kommt zustande, und ich befasse mich für ein paar Tage mit dem

Testen der Belastbarkeit unseres Netzwerkes. Als ich genug davon habe, die

Netzwerkvariante von Doom 2 zu spielen, rufe ich den Chef an und informiere ihn

über die Probleme mit der Klimaanlage im Vermittlungsraum.

Um den Schein zu wahren, erscheint er auch bald und schaut sich neugierig um. Er betastet die Thermostate ein wenig, schnuppert ein wenig, um die Luftfeuchtigkeit zu prüfen. Als er sein technisches Repertoire ausgeschöpft hat, bestellt er einen

Fachmann für Klimaanlagen, der ihm bestätigt, daß unsere Messungen korrekt sind.

"Sie brauchen eine neue Einheit", erklärt der Techniker dem Chef. "Die Anlage, die sie zur Zeit benutzen, scheint überlastet zu sein."

"Das habe ich dem Chef doch schon im letzten Sommer erklärt", ergänze ich. "Aber er hat sich nicht darum gekümmert. Und nun sehen sie, was daraus geworden ist."

Meine vorsichtigen Worte scheinen ihn daran zu erinnern, daß zwischen uns der

Kriegszustand herrscht. Er scheint zu ahnen, daß etwas an der Sache faul ist, kann es aber nicht herausfinden, obwohl er sich verzweifelt bemüht, mich zu

überführen - ganz besonders nach meinem kürzlich errungenen Sieg, als es um die

Vermittlungsanlage ging, wo es ihm ebenfalls nicht gelang, mich zu entlarven.

"Ja, dann müssen wir eben eine neue Einheit hier einbauen, aber wo ..." lächelt er und entdeckt den idealen Ort dafür genau vor sich. "Wie wäre es denn hier?" fragt er und deutet auf die Wand zwischen dem Vermittlungsraum und unserem

Netzwerkkontrollraum.

"Keine gute Idee", sagt der Techniker. "Der Wärmetauscher würde den Raum dahinter in eine Sauna verwandeln."

"Nun, es scheint keine andere Alternative zu geben", antwortet der Chef selbstgefällig.

"Wie wäre es hiermit?" frage ich und zeige auf eine Lücke zwischen zwei

Wärmetauschern an der gegenüberliegenden Wand.

"Nein, das geht nicht", unterbricht mich der Chef. "Da stehen schon zu viele

Einheiten. Wenn wir eine weitere hinzustellen, gefährden wir die Trägfähigkeit der

Decke."

Etwas sagt mir, daß er diesmal seine Hausaufgaben gemacht hat.

"Also nehmen wir diese Wand", lächelt er. Dabei zeigt er voller Schadenfreude auf einen Platz, der ziemlich genau zwischen meinem Schreibtisch und dem des PJ liegt.

Der entsetzte Blick des PJs spricht Bände.

Zwei Wochen später ist es in unserem Kontrollraum wirklich ein wenig ungemütlich, erst recht, nachdem jemand den Auftrag gegeben hat, unsere Fenster dauerhaft zu verriegeln.

In der Folgezeit geht unsere Besucherzahl drastisch nach unten und erreicht einen neuen Tiefstand. Eigentlich kommt nur noch der Chef täglich vorbei, um durch das doppelt verglaste Fenster hereinzuschauen und hämisch zu grinsen.

Bis heute - heute ist der Tag der Vergeltung.

Der PJ und ich sind ungewöhnlich früh in unserem Kontrollraum, um meinen Plan zu vollenden. Vollendung heißt nichts anderes, als daß wir die neue Einheit der

Klimaanlage abklemmen, sie umpolen und wieder anschließen, so daß wir endlich eine funktionierende Klimaanlage bekommen.

"Das wird der Chef bemerken!" ruft der PJ.

"Er wird nicht mehr hereinkommen - niemand tut das", antworte ich, um ihn zu beruhigen.

"Aber wenn er draußen vorbeigeht, wird er die Rückseite des Wärmetauschers bemerken."

"Nicht, wenn sie die Abdeckung ebenfalls austauschen."

"Das wird ihn nicht täuschen!"

"Ich bin ganz sicher, daß es klappt - neulich hat er herausgefunden, daß ich die

Gehäuse des Shredders und des Faxgerätes ausgetauscht habe. Bedauerlicherweise hat der ´Shredder´ automatisch die Zeitungen angewählt und die Berichte über die horrenden Ausgaben an sie gesendet. Boulevardzeitungen können wirklich grausam und verantwortungslos sein."

"Was hat der Chef getan, als er es herausfand?"

"Was denken sie denn? Zugeben, daß wir ihn zum Gespött der Leute gemacht haben?

Ich habe nun noch eine kleine Aufgabe für sie."

"Worum geht es?"

"Machen sie ihre Abrechnung noch einmal - sie war sein letztes ´Fax´."

"Sie Hund!"

"Durch und durch, immer auf der Jagd und meine 20 Pfund erwartend ..."

Der B.O.F.H. wird zum Vertragskiller, als er Schäden beseitigt, die sein Chef verursachte ...

Ich bin nicht glücklich. Eigentlich ist das nicht selten, aber heute bin ich WIRKLICH unglücklich.

Der Abteilungsleiter hat gerade eine Zeitbombe dadurch gestartet, daß er ohne nachzufragen einen großen Wartungsvertrag mit einem unserer Hardwarelieferanten abgeschlossen hat, der uns einen fünfzigprozentigen Rabatt einräumt.

Nun gefällt mir ein Rabatt bei Wartungsverträgen ungefähr ebenso, wie irgendein anderer Administrator, der meint, man müsse Wartungstechnikern erst einmal mit einem Sack voller Terminatoren auf den Kopf schlagen, aber das klingt wohl ein wenig verdächtig.

Der Abteilungsleiter, bekannt dafür, daß er Probleme hat, unverletzt durch lange

Korridore zu gehen, hat es irgendwie geschafft, mit diesen hochqualifizierten und geldgeilen Profis, die das Wartungsteam bei der ´Raub-mich-aus´-Gesellschaft bilden, diesen Rabatt auszuhandeln.

Nun, wir werden sehen.

Und wo ich gerade dabei bin, er behauptet, ohne Hilfe den Weg zu seinem Büro gefunden zu haben, was ich bezweifle.

Alles was mir nun bleibt, ist zu sehen, welchen Schwachsinn er da konkret ausgehandelt hat.

"Was für ein Vertrag ist es?" frage ich, nachdem er in seinem Büro angekommen ist und mich fröhlich angrinst.

"Ein Standardvertrag wie vorher. Nur habe ich die Hunde damit für 20 Jahre

FESTGENAGELT!" sagt er hämisch lächelnd. "DAS IST EIN WASSERDICHTER

VERTRAG! Deren Anwalt hat sich sogar ein wenig dagegen gesträubt!"

"Und UNSERE Anwälte?" frage ich und ahne schon, was jetzt kommen wird.

"Die werden überschätzt!", antwortet er. "Das hätte ich mit geschlossenen Augen tun können."

Ich schaue mir den Vertrag an und sehe, daß er ihn vermutlich wirklich mit verbundenen Augen unterzeichnet hat.

"Nun, eine kleine Frage", sage ich und bereite mich auf eine lange Reise ins Land der

Ahnungslosigkeit vor.

"Ja?"

"Sie wissen, daß WIR ebenfalls für 20 Jahre an diesen Vertrag gebunden sind?"

"Natürlich."

"Nun, merken wir uns das einmal und dann zeigen sie mir bitte irgendein - IRGENDEIN Gerät, das wir schon länger als 5 Jahre haben, ganz abgesehen von 20 Jahren!"

Ein Groschen beginnt zu fallen. Langsam.

"Oh ... Ah ... Nun ... Keines?!?" piepst er, als der Groschen am Boden ankommt und sich in dieser Hinsicht als lohnende Investition erweist.

"Nicht ganz", sage ich. "Wir haben diese große Lochkarten-Stanzmaschine von IBM im Computerraum. Und wissen sie wieso wir die noch haben?"

"Um Lochkarten herzustellen?"

"Nein, denn wir haben ja keine Lochkartenleser mehr ..."

"Ballast für die Klimaanlage!" platzt er heraus und hofft auf einen Treffer.

"Nein. Gut, wenn wir die Maschine abstellten, dann wären einige der Lüfter nicht mehr nötig, aber das ist nicht der Grund. Wir haben diese Maschine noch, weil das

Gebäude praktisch um sie herum errichtet wurde. Als Schrott könnten wir wohl noch etwa 200 Pfund für sie bekommen, aber wir können das Geld nicht bekommen, WEIL

SIE ZU GROSS IST, UM SIE HINAUS ZU TRANSPORTIEREN!"

"Ich weiß nicht, worauf sie hinauswollen", gesteht der Abteilungsleiter.

Ich prüfe zur Sicherheit noch einmal den Vertrag.

"Nun, sie haben einen BINDENDEN, WASSERDICHTEN Vertrag unterschrieben, der besagt, daß wir ihnen monatlich 2000 Pfund bezahlen, jeden Monat der nächsten zwanzig Jahre, damit sie sich um einen Mini-Computer kümmern, der in etwa fünf

Jahren jeden Wettkampf gegen einen Taschenrechner verlieren dürfte. Und sie haben offenbar nicht einmal ihre Erlaubnis verlangt, bevor sie diesen Vertrag unterschrieben?!"

"Welche Erlaubnis?"

"IHRE VERDAMMTE ERLAUBNIS ZUM GELDDRUCKEN! SIE HABEN IHNEN

ALLES GEGEBEN! DIE EINZIGE SACHE, DIE SIE VERGESSEN HABEN,

WAR EIN HAFTUNGSAUSSCHLUSS!" rufe ich und bin dem Wahnsinn nahe.

Ein eiskalter Gedanke geht mir durch den Kopf. "Sie haben ihnen keinen kompletten

Haftungsausschluß gegeben, oder?"

"Was meinen sie?" fragt unser qualifizierter und professioneller

Entscheidungsträger.

"Kompletter Haftungsausschluß bei Unfällen. Sie wissen schon, die Leute gehen durch einen Korridor und lassen einen Schraubenzieher fallen, der durch ein Loch für die Belüftung fällt und auf irgendeiner Maschine landet, einen Kurzschluß verursacht und die Maschine in ihre Einzelteile zerlegt. Mit einem Haftungsausschluß hört deren Verantwortung bei einem ´Entschuldigung´ auf."

"Ähm ... Nein, nein. Ich bin mir sicher, daß ich das nicht gemacht habe, weil ein

Techniker irgendwann meinen Lieblingskugelschreiber zerstört hat, den er auch bezahlen mußte."

"Nun, bei 2000 Pfund im Monat werden die Kosten für einen Kugelschreiber sie wirklich in den Ruin treiben."

Zwei Wochen später kommt der Techniker von der

´Raub-mich-aus-für-20-Jahre´-Gesellschaft.

Um uns das Gefühl zu geben, er verdiene sein Geld, schraubt er das Gehäuse auf, wirft einen Blick auf die Diagnose-Lämpchen, schreibt ein paar Zahlen auf, lächelt selbstgefällig und schließt das Gehäuse wieder.

In Wirklichkeit ist er so von sich selbst überzeugt, daß er nicht bemerkt, wie der PJ ihm einen seiner Schraubenzieher klaut und damit verschwindet.

Er bemerkt auch nicht die ein wenig hervorstehende Kachel am Boden des Korridors.

Bis sein Fuß auf ihr landet und damit, wie geplant, einen Mechanismus auslöst, der ein sehr, sehr lautes ´BANG!!´ unserer unbezahlbaren und historisch wertvollen ersten Lochkartenmaschine erzeugt, als sie mit dem Schraubenzieher des

Technikers zwischen dem Netzteil und den nun kurzgeschlossenen Netzkabeln explodiert.

Und da es sich um eine alte Maschine handelt, geht sie prompt in Flammen auf.

Möglicherweise wird dieser Vorgang noch durch ein petroleumgetränktes Tuch beschleunigt, daß der PJ und ich in weiser Voraussicht in sie hineingestopft haben ...

Der Abteilungsleiter und ein Anwalt tauchen lautlos hinter uns auf. Der Anwalt betrachtet sich die Zerstörungen und der Abteilungsleiter den unschätzbaren Betrag, den er mir bei der nächsten Verhandlung über meinen Lohn schuldet ...

Der B.O.F.H. zeigt, daß Dummköpfe nicht auf Bäumen wachsen, sie stattdessen

über mehrere Jahre lang trainiert werden müssen ...

"Hallo. Ist dort die Netzwerk-Verwaltung?" fragt ein Nutzer über die

Freisprechanlage.

Ich nehme das LAN-Topologie-Überwachungs-Gerät (VR Brille [VR: Virtual

Reality]) ab und beende die Verbindung mit dem leistungsfähigen

Netzwerk-Analyse-Server (VR Panzerschlacht Game-Server), um meine

Aufmerksamkeit dem Anrufer zuzuwenden.

Die Rufnummernidentifizierung meldet, daß er aus der Erbsenzählerzentrale kommt.

"Ja, hier ist die Netzwerk-Verwaltung", antworte ich.

"Gut. Ich habe ein Problem mit dem Herunterladen einer Datei aus Brüssel mittels

FTP. Die Verbindung wird immer nach genau einem Megabyte abgebrochen."

Der PJ grinst zu mir herüber, schreibt hastig einen Zettel voll: "HEUTIGES LIMIT

1024K" und deutet auf die Packet-Filter Software.

Langsam wird er richtig gut.

"Ah, ja", sage ich und blättere im Ausredenkalender. "Wir haben im Moment mehrere

Fälle dieser Art. Wir glauben es liegt an ... Netzwerk-Destabilisierung durch floureszierende Niedrigspannungslampen."

"Wie bitte?"

"Nun, wenn eine fluoreszierende Lampe eingeschaltet wird, sendet sie einen Strom durch das Kabel zurück, was zu Interferenzen in Netzwerkkabeln führt, die daneben liegen. Gerade bei niedrigen Spannungen tritt dieser Effekt verstärkt auf."

<DUMMY MODE EIN>

[Aus dem Bastard-Wörterbuch:

DUMMY MODE, Substantiv. Der Zustand in dem der Nutzer, überwältigt durch technische Begriffe, alles glaubt und/oder tut, was ihm gesagt wird.]

"Oh. Und was kann man da tun?"

[Habe ich es nicht gesagt?]

"Naja, heute können wir nichts mehr unternehmen, denn irgendetwas erzeugt offenbar ständig diese Ströme. Wie groß ist denn die Datei, die sie brauchen?"

"Etwa 1.6 Megabyte."

Ich kritzele auf den Zettel des PJ: "MORGIGES LIMIT 1.59 MEGEBYTE" und gebe ihn ihm zurück.

"Nun", erwidere ich. "Gibt es in ihrer Etage irgendwelche Lampen, die mit niedriger

Spannung betrieben werden?"

"Ich habe keine Ahnung."

"Nun, sie müßten klein sein, meistens sind es rechteckige Lämpchen, wie man sie in

Anzeigen oder Displays findet."

"DIE NOTAUSGANGS-SCHILDER!!" ruft er, als er endlich das Ende des Pfades gefunden hat, auf den ich ihn schickte.

"Natürlich!" rufe ich und teile seine Begeisterung. "Sie sind über den Türen angebracht, wo auch die Netzwerkkabel liegen. Nun, es sieht so aus, als könnten sie im Moment nichts unternehmen - und wir können die Kabel leider auch nicht so schnell neu verlegen. Ich bedaure ..."

"Und könnten wir nicht die Notausgangsschilder woanders anbringen?"

"Oh, ich fürchte, WIR können dies nicht, selbst wenn wir die Zeit hätten."

"Oh?"

"Nein, wir haben einfach nicht die Zeit, die Abdeckung der Kabelschächte abzunehmen, dann jedes Ausgangsschild mit seinem Kabel ein paar Meter von den

Datenkabeln wegzuschieben und die Abdeckung wieder anzubringen."

"Oh", antwortet er. Das Rattern seiner Gedanken ist dabei beinahe zu hören. "Dann muß ich eben versuchen, die Datei in kleineren Paketen zu übertragen."

Ich lege auf, streiche auf dem Zettel des PJ die 1024K durch und ersetze sie durch

50K. Ich nicke ihm zu, den Filter entsprechend einzustellen.

"Er wird es nicht tun ..." sagt der PJ. Er ist so jung und hat doch schon kein

Vertrauen mehr ...

"10 Pfund?" frage ich.

"Es ist ihr Geld", sagt er naiv an leichtverdientes Geld denkend.

Der nächste Morgen bricht an und ich verstaue einen druckfrischen neuen 10

Pfund-Schein in meiner Geldtasche. Der PJ hat mit Empörung festgestellt, daß die

Notausgangsschilder tatsächlich nicht mehr über den Türen leuchten, sondern links und rechts an der Wand des Notausgangskorridors, damit sie die Netzwerk-Kabel nicht mehr stören.

"Man sollte niemals die Verzweiflung eines Nutzers unterschätzen", erkläre ich und bringe ihm so einen weiteren wichtigen Grundsatz der Kunst der Netzwerkbetreuung bei.

Um ihn ein wenig abzulenken, lasse ich ihn neue ´Kabellose Infrarot-LAN-Sender und -empfänger´ (Infrarot-Kameras) in der Erbsenzähleretage installieren. Ich verteile noch ein paar Kabelrollen, so daß es aussieht, als seien wir sehr mit Arbeit beschäftigt.

Etwas später an diesem Nachmittag ist die Netzwerkzentrale beinahe mit befreundeten Netzwerkadministratoren aus anderen Firmen überfüllt.

"Sie kennen die Regeln", erkläre ich. "20 Pfund pro Spieler mit Ausnahme des PJ und mir, denn wir sind die Gastgeber und beginnen auch mit der Wahl unseres Spielers."

Zustimmendes Nicken, als der PJ die Wetteinsätze einsammelt und wir die

Spiel-Monitore einschalten. Als jeder seinen Spieler ausgesucht hat, kann es losgehen.

"Laßt das Spiel beginnen!" rufe ich, betätige den Schalter, der das Licht in der

Erbsenzähleretage und den Treppen abschaltet und löse den Feueralarm aus.

"Gewonnen hat der, dessen Spieler als erster das sichere Treppenhaus erreicht!"

Durch die Infrarotmonitore beobachten wir, wie das Chaos ausbricht, wie jeder in der

Dunkelheit verzweifelt versucht, in die scheinbare Sicherheit, die die matt leuchtenden Notausgangsschilder versprechen, zu gelangen.

Der Tribut, den die neuangebrachten Schilder von den Wänden verlangen, ist recht hoch und wird sich vermutlich nur durch eine dicke Schicht Putz wieder berichtigen lassen.

Nächstes Hindernis (für die schlaueren Wettbewerber) auf der Liste sind

Kabelkisten, die der PJ zufällig in den Korridoren verteilt hat.

"Das ist wie Pinball mit mehreren Kugeln!" ruft der PJ begeistert.

Zehn Minuten später zähle ich meinen Gewinn - denn natürlich hat der

Erbsenzähler, der die Schilder neu angebracht hat, gewonnen ...

Und da behaupten manche noch, mit Netzwerken könne man kein Geld verdienen.

Die Handschrift des B.O.F.H. entwickelt sich zu kindlichem Gekritzel beim Versuch, astronomisch hohe Ausgaben ersetzt zu bekommen ...

Es ist ein angenehmer Tag in der Netzwerkzentrale, als ich zu einem Treffen mit den

Erbsenzählern schlendere. Es soll um die Spesenabrechungen gehen, die ich für die letzten beiden Monate abgegeben habe.

Es sieht so aus, als hätte sich die brandneue, topmoderne und mit überflüssigen

Funktionen nur so vollgestopfte Schrifterkennungssoftware (zur Erfassung von

Spesenabrechnungen und deren Überführung in Tabellen, um dann allerlei mystische

Berechnungen vorzunehmen, um denjenigen zu finden, der all die Spesengelder ausgibt) sich an meinen Belegen und Rechnungen verschluckt. Vielleicht, und hier muß ich raten, liegt das daran, daß ich nicht WILL, daß jemand herausfindet, wieviel ich wirklich ausgebe.

Wenn ich wollte, daß der Chef ´Bier und Wodka´ auf meinen Spesenabrechnungen liest, würde ich in Großbuchstaben ´BIER und WODKA´ schreiben und nicht ´Briek und Brohrl´ hinkritzeln, als hätte ich eine Schreibhemmung.

Es ist schließlich ein Vorrecht von Netzwerk-Administratoren, sich für ihr eigenes

Geld ein paar Chips zu kaufen, sich dann eine horrende Rechnung vom Bartisch zu greifen und die Firma dafür zahlen zu lassen! Ja, das ist ein gottgegebenes Recht!

Ich bereite mich geistig und moralisch mit ein paar Gläsern Bier und Chips in der nahegelegenen Kneipe auf das Treffen vor. Zehn Minuten später bin ich in der

Erbsenzählerzentrale und rede mit einem ihrer Repräsentanten.

"Gut, kommen wir zu den Spesen für Essen und Trinken ... was soll das heißen?" fordert der Erbsenzähler mich heraus. "Briek und Brohrl. Was zum Teufel sind Briek und Brohrl?"

"Lassen sie mich mal sehen ... " antworte ich und heuchle Hilfsbereitschaft. "Oh!

Das ist Rindfleisch! Ich habe wohl ein Steak gegessen!"

"Und Brohrl?"

"Brohrl. Hmm ... Brüsseler Kohl, Rosenkohl!"

"Sie haben für 150 Pfund Steak und Rosenkohl gegessen??"

"Könnte schon sein. Es war außerhalb der Steak- und Rosenkohl-Saison ...

Übrigens sehr lecker, wenn es richtig zubereitet serviert wird. Und es war ein sehr großes Steak ... "

Eine halbe Stunde, die wir mit kreativer Veranschaulichung von Speisen zubringen,

später ...

"Was ist das?" fragt der Erbsenzähler. "Briek und Escrot?"

"Nun, das erste ist offensichtlich wieder Rindfleisch und das andere ... hmmm ... sieht irgendwie wie ESCORT aus, stimmt´s?! HA HA HA! Stellen sie sich das vor - die Firma zahlt für einen Begleit-Service! Nein, ich weiß wirklich nicht, was es sein könnte - irgedeine Delikatesse, die sie im Kongreßzentrum von Amsterdam servieren?"

Natürlich habe ich es kommen sehen. Die neue Handschriftanalyse-Software kann ohne Probleme mein ´Briek und Brohrl´ und mein ´Ligord und Amno´ lesen,

übersetzen und auch noch herausfinden, wo ich was zu mir genommen habe, wieviel ein Treffer gekostet hat und wie ihr Name war!

Ich glaube nicht, daß ich betonen muß, daß diese Entwicklung alles andere als positiv ist.

Zum Glück glaube ich fest daran, daß bei der Weiterentwicklung der Technik die

Menschen sich schrittweise zurückentwickeln sollten, was eine Form von

Selbstverteidigung ist. Also begann ich, meine Schreibgeräte und Schriftgröße zu variieren und füllte meine Formulare halb mit einem Buntstift und halb mit

Fingerabdrücken aus (was alles der gegenwärtigen Vorschrift entspricht, die vorschreibt, daß Spesenabrechnungen handschriftlich ausgefüllt werden müssen).

Möglicherweise ist es auch die unterschiedliche Größe meiner Buchstaben, die der

Software Probleme macht. Manchmal sind die Buchstaben 16 Punkte groß, manchmal auch 1600 ...

Die Ankunft eines neuen Erbsenzählers, der den alten, der wirklich erschöpft aussieht, ablöst, weckt mich aus meinen Gedanken ...

"Simon, nur noch ein paar Unklarheiten", beginnt der neue Erbsenzähler.

"Mmmm?" antworte ich zu jeder Hilfe bereit.

"Dies hier. Es ist eine senkrechte Linie. Buntstift, oder?"

"Ja. Das müßte stimmen. Ich glaube, das ist der erste Strich vom K im Wort

Kalbfleisch."

"Hä?"

"Ich hatte einen Krampf in der Hand und konnte nicht kleiner schreiben. Ich konnte den Stift kaum halten, aber vergessen wollte ich es auch nicht. Ich werde doch nicht bestraft wegen dieser kleinen Behinderung?" Die Worte ´kleine Behinderung´ versetzen ihn in Angst und Schrecken. Das Management legt auf politische

Korrektheit besonders großen Wert, und die kleinste Geschmacklosigkeit gegenüber

Behinderten wird mit einem sofortigen Rauswurf geahndet.

"Aha. In Ordnung. Aber Kalbfleisch für 100 Pfund?" fragt er nervös.

"Es gab eine Salattheke und Weintrauben."

"Ich verstehe. Und dies? Das sieht aus wie ein Farbkleks."

"Ein Fingerabdruck." antworte ich. "Steak Sandwich. Sehr selten. Schauen sie, hier können sie das S erkennen."

"Es ist ein Fleck!"

"Nein, es heißt wirklich Steak Sandwich. Ich mußte es abkürzen, damit es auf das

Formular paßt, denn mein Finger kann keine dünneren Linien malen."

"Warum haben sie keine Tastatur benutzt?"

"Was? Um RSI [Repetitive Strain Injury - ´Tastaturkrankheit´] zu riskieren?"

Zehn Minuten später gibt der zweite Erbsenzähler gebrochen auf und zählt einfach die Einzelposten zusammen.

"Oh!" rufe ich plötzlich. "Ich habe noch etwas."

"Was ist das?" fragt er. "Briek und Clops von heute?"

"Das steht für ... Rindfleisch und Chips."

"Sie hatten zwei Schüsseln davon."

"Natürlich, ich muß auf Proteine achten!"

Es ist ein Hundeleben, wirklich ...

Der B.O.F.H. verlangt nach einer lästigen Nutzeranfrage Gebühren ...

Es ist Zeit, die Ausbildung des PJ fortzusetzen, also führe ich ihn durch einen

Computerraum, als ein Anruf kommt. Was zum ...? Nun, niemand außer uns ist im

Raum, also gehe ich ans Telefon.

"Hallo."

"Ist dort der Computerraum?"

"Ja ..."

"Sind sie der Systembetreuer?"

Ich schaue mich schnell um - außer dem PJ gibt es keine Zeugen.

"... Ja ..."

"Ich glaube, sie haben eine defekte Festplatte in ihrem Datenbankserver."

"Wirklich? Wie kommen sie darauf?"

"Nun, meine Datenbank-Updates funktionieren nur sehr langsam."

"Welche Updates?"

"Ich versuche, die mittleren Initialen aller Angestellten und Geschäftspartner seit

1991 durch große Buchstaben zu ersetzen."

"Wie ... sinnvoll. Und sie erwarten, daß diese ganze Arbeit in wenigen Augenblicken erledigt ist?"

"Handelt es sich etwa nicht um ein Festplattenproblem?"

"Nein, wir würden es schon vorher wissen, denn die Festplatten sind mit einem

Warnsystem ausgestattet, das einen Ausfall ankündigt."

"Wirklich?"

"Ja, und ich sage voraus, daß sie in drei Sekunden ausfallen."

"Wieso?"

"Weil ich die Server dann abschalte."

Ich höre einen ganzen Sturm von Tastenanschlägen, aber sie kommen zu spät, um noch etwas zu bewirken ...

Ein paar Rüttler an den Kabeln und einen lauten Klick später beginnt ein rasch improvisierter Neustart der Festplatten, dem eine automatische ´Reparatur´ folgen wird. Der PJ, dem seine Ausbildung wichtig ist, beobachtet aufmerksam alles und macht sich Notizen.

"Keine Zeugen", erinnere ich ihn, als wir zum nächsten Gerät gehen. Gerade rechtzeitig sehe ich noch, wie der Chef um die Ecke biegt und zu uns kommen will.

Noch ein >Klick< und der Beweis für unser Handeln verschwindet.

"Was ist passiert?" fragt der Chef aufgeregt.

"Wann?" frage ich überrascht und ahnungslos zurück.

"Gerade eben - meine Datenbank-Sitzung blieb einfach stehen!"

Der PJ und ich stellen uns dumm, solange der Chef die Nachrichten auf den

Kontrollmonitoren nach Spuren der Bastardisierung untersucht. Natürlich findet er nichts, so daß er nach ein paar Minuten wieder verschwindet. Als ich sicher bin, daß er nicht so schnell zurückkommen wird, schließe ich die Konsolen wieder an den

Datenbankserver an und beobachte die Meldungen, die das

Festplattenreparaturprogramm auf den Monitor zaubert.

Der Chef ist so berechenbar, daß er in ein Laufrad gehört.

Das Telefon im Computerraum klingelt wieder. Der PJ greift danach. Ich schüttle meinen Kopf und forme mit den Lippen das Wort "Ausbildung". Ich greife nach dem

Hörer.

"Hilfe, meine Tabellen spielen verrückt!" heult der Nutzer.

"Beschreiben sie das näher", fordere ich ihn auf.

"Nun, dort, wo der Eintrag aus der Datenbank kommen soll, funktionieren sie einfach nicht!"

"Hmm. Das klingt ganz nach einem Prä-Revisions SQL-Befehl in ihrer Tabelle."

>DUMMY MODE EIN<

"Hä?"

"Also, öffnen sie ihre Tabellenkalkulation. Irgendwo im Menü gibt es einen Eintrag zur Ausführung von SQL-Anweisungen."

"Ah ... Oh, ja, hier ist er!"

"Gut. Jetzt klicken sie auf den Eintrag. Dann sollte ein Fenster aufgehen, in dem

´SELECT irgendetwas FROM irgendwo WHERE irgendetwas anderes´ steht."

"Ja, das steht da."

"Jetzt löschen sie alles bis auf das, was zwischen FROM und WHERE steht."

"Gut, jetzt steht nur noch HR_IDX, ein Komma, HR_SAL_SCALE, wieder ein

Komma und HR_NAME da."

"Richtig, das sind die fehlerhaften SQL-Anweisungen, die sie loswerden wollen.

Also schreiben sie jetzt vor jeden Eintrag ´DROP´ und ersetzen sie die Kommas jeweils durch ein Semikolon. Dann lassen sie jedes DROP auf einer neuen Zeile stehen. Nun müssen sie noch die ´Automatisch ausführen´-Option aktivieren und sich mit dem Login und dem Passwort des Chefs anmelden, um die SQL-Fehler zu beseitigen."

"Aber ich kenne das Passwort doch nicht!"

"Natürlich kennen sie es. Es ist der Name seiner Frau, oder?"

"Ihr zweiter Vorname. Aber er hat gesagt, wir sollten es nicht nutzen, weil er speziellen Rechte hat, um ..."

"Um fehlerhaftes SQL zu berichtigen, was sie tun wollen ..."

"Oh ... >Klick. Klick. Klick.< ... Das ist lustig. Meine Tabelle ist nun völlig leer!"

"Das ist korrekt so, weil die Reparaturen einige Zeit dauern werden. Und vergessen sie nicht, ihren Chef über die ´Reparatur´, die sie gemacht haben, zu informieren."

"Mache ich. Vielen Dank!"

"Schon gut. War mir ein Vergnügen. Wirklich."

Kaum habe ich aufgelegt, klingelt das Telefon schon wieder.

"Computerraum ..." seufze ich.

"Hallo, wir haben ein Problem mit der Angestellten-Datenbank. Es sieht aus, als sei die Hälfte der Einträge verschwunden!"

"Ja", murmle ich. "Wir arbeiten zur Zeit daran."

"Oh. Gut, und läuft es jetzt?"

"Natürlich. Und schon bald können sie sie wieder nutzen ..."

"Großartig!"

"... wenn sie darauf zugreifen können. Die Gebühren für eine Anfrage betragen heute fünf Pfund."

"Was?!"

"Pro Anfrage!"

"Sie machen Witze!"

"Pro Minute."

"Das können sie nicht tun!"

"Da haben sie Recht. Ich kann das nicht tun - ich habe nämlich Mittagspause, aber vielleicht kann ihnen mein Assistent helfen."

Ich gebe den Telefonhörer dem PJ und marschiere in die Cafeteria, um zu prüfen, wie der Kaffee heute schmeckt.

"Zehn Pfund", höre ich den PJ fordern.

"Was?"

"Pro Anfrage und pro Minute."

Fünfzehn Minuten später gesellt er sich zu mir, um mir in der Cafeteria die wilde

Horde von Nutzern zu beschreiben, die darauf lauert, die Systembetreuer in ihre

Hände zu bekommen.

Man kann für diese Genugtuung nicht bezahlen. Es sei denn, man ist ein Nutzer ...

Der B.O.F.H. verbringt einen Tag als Hotliner ...

"Also, ich denke, es wäre gut für die Zusammenarbeit der Abteilungen untereinander, wenn wir alle für einen Tag einmal in einer anderen Abteilung arbeiten", erklärt der

Chef, um seinen ´Job-Sharing´-Plan zu verteidigen, mit dem er uns ungefähr alle sechs Monate nervt. "Der Geschäftsführer war begeistert von meiner Initiative!"

"Sicher wissen sie, daß dann unser Netzwerk ohne Aufsicht ist, oder?"

"Genau deshalb werden sie an der Hotline arbeiten", antwortet der Chef lächelnd.

"Sie werden dann als Erster erfahren, ob es Probleme gibt ..."

Alle Argumente, die ich vorbringe, werden doppelt so schnell vom Chef

zurückgewiesen, was bedeutet, daß ein Tag in der Höllen-Hotline unvermeidlich ist.

Der PJ, gesegnet sei er, riecht den Braten.

"Was ist passiert?" fragte er. "Der Chef kann einfache Fragen nicht beantworten, selbst wenn er die Nacht zuvor mit dem Studium von Fachliteratur zugebracht hat, aber heute hat er plötzlich Antworten auf alle Probleme! Und sie haben nicht einmal gekämpft. Es scheint beinahe so, als hätten sie es darauf angelegt, einen Tag lang die Fragen dummer Softwarenutzer zu beantworten! Was ist los!?!?"

Leider ist es notwendig, daß ich jemanden in meinen Plan einweihe. Und sei es auch nur, um zu beweisen, daß ich noch immer die volle Kontrolle habe.

"Schauen sie sich mal in der Abteilung um", sage ich. "Betrachten sie die

Ausrüstung! Wo steht stets die neueste Technik?"

"Nun, in der Hotline - die brauchen immer das Neueste und Beste, um die Software der Anrufer auf ihren Maschinen zu testen. Aber ich verstehe nicht ..."

"Wieviel RAM-Speicher hat ihr PC?" will ich wissen.

"16 Megabyte."

"LÄCHERLICH!" rufe ich. "Warum? Nun, jeder PC in der Hotline hat mindestens 32, einige haben sogar 64!"

"SIE HABEN VOR, IHNEN HARDWARE ZU STEHLEN!" antwortet der geschockte PJ. "Aber wir ... wir teilen uns doch alles, oder?"

"Ja, mein Freund!" rufe ich und fülle meine ´Brotbüchse´ mit Werkzeug.

Am nächsten Morgen bin ich schon vor Arbeitsbeginn (!) vor Ort, um meinen neuen

Posten einzunehmen. Das Telefon klingelt schon fünf Minuten vor der offiziellen

Bürozeit. Aber ich bin so gut gelaunt, daß ich mich melde.

"Hallo, ist dort die Hotline?" fragt eine nervöse Stimme.

"Aber natürlich", antworte ich hilfsbereit.

"Auf der Platte meines Bildbearbeitungsrechners ist kaum mehr Speicherplatz frei.

Jemand hat mir empfohlen, daß ich alle nicht genutzten Dateien mit einem

´Komprimierprogramm´ zusammpacken soll. Aber welches Programm soll ich dazu denn benutzen?"

"Sie haben einen Macintosh, stimmt´s?" frage ich.

"Ja, den Grafik-Server der Abteilung", antwortet er.

"Genau. Nun, sie können den Standard-Komprimierer benutzen, der auf dem

Desktop installiert ist. Ich glaube, er heißt ´Papierkorb´."

"Aber kann man damit nicht Dateien löschen?"

"Nein, dafür ist die ´ENTFERNEN´-Taste da. Aber sie haben keine auf ihrem

Computer, also sind sie völlig sicher. Ziehen sie die Dateien einfach auf den

´Papierkorb´-Ordner und wählen sie dann ´Papierkorb leeren´, damit der

Komprimierer die Dateien komprimiert."

"Wirklich?"

"Ja. Das ist übrigens eine sehr effiziente Methode zum Komprimieren. Sie werden

überrascht sein, wieviel freien Platz sie durch die Arbeit des Komprimierers gewinnen."

Ich lasse den armen Idioten seine gesamte Arbeit für die Abteilung ´komprimieren´ und widme mich wieder meiner eigentlichen Beschäftigung. Ich entferne alle

Coprozessoren und überflüssige RAM-Bausteine, nachdem ich im BIOS die nötigen

Änderungen vorgenommen habe, damit die BIOS-Routinen die fehlende Hardware nicht bemerken. Ein Kinderspiel, wirklich. Um eine Entdeckung sicher zu verhindern, schalte ich noch überall wo es geht den virtuellen Speicher ein.

In der Zwischenzeit ist der PJ damit beschäftigt, unsere Nummern aus dem

Telefonverzeichnis der Hotline zu entfernen. Danach schließt er die Batterien und die

Speicherchips der Telefone kurz, was zwangsläufig und irgendwie zufriedenstellend die noch gespeicherten Nummern löscht.

Das Telefon klingelt, und da die Maschine des PJ noch immer mit heraushängenden

Innereien dasteht, nehme ich den Anruf an.

"Hallo, Hotline?" fragt der Anrufer.

"Ja, was kann ich für sie tun?" frage ich noch immer bestens gelaunt, denn die Menge der verkäuflichen Hardware in meiner ´Brotbüchse´ nimmt schnell zu.

"Ich habe meine Software aktualisiert, und nun spielt das CD-ROM-Laufwerk keine

Musik-CDs mehr." heult der Anrufer.

"Nun, das liegt vermutlich nur an Staubablagerungen auf der CD-ROM-Linse", antworte ich. Ich weiß natürlich, daß diese Problem auf der ersten Seite des

Handbuches beschrieben wird, doch wer liest heute noch Handbücher?

"Was kann ich nur tun?"

"Nun, sie haben doch sicher von ihrem CD-ROM-Hersteller eine speziell für diesen

Laufwerkstyp vorgesehene Reinigungs-CD?" frage ich.

"Äh ... nein", kommt die Antwort.

>DUMMY MODE EIN<

"In Ordnung, bleiben sie ganz ruhig. Dann müssen wir eben mit einer leichtbeschichteten Schleifscheibe improvisieren."

"Großartig!" freut sich der Anrufer. "Wie?"

"Nun, leihen sie sich am besten gleich morgen beim Hausmeister ein Blatt feinbeschichtetes Schleifpapier. Dann nehmen sie sich eine ihrer CDs als Schablone und schneiden eine Schleifpapierscheibe mit der Größe der CD aus. Dann legen sie diese Scheibe in ihr Laufwerk und starten es."

"Aber wie kann ich merken, daß alles fertig ist?"

"Nun, sie werden hören, wie das Laufwerk hochfährt. Dann hört es langsam wieder auf zu rotieren. Wenn das Laufwerk keine Geräusche mehr von sich gibt, ist die

Reinigung abgeschlossen."

"Vielen Dank!" freut sich der Anrufer, dann legt er auf.

...

Der PJ und ich sind beinahe traurig, als wir am Ende des Tages die Hotline verlassen. Irgendwie ist ihr Potential doch sehr vielversprechend. Ich erlaube mir ein düsteres Lächeln, als ich ein Streichholz im Schlüsselloch der abgeschlossenen Tür zur Hotline plaziere. Da müssen sie morgen wohl etwas später beginnen ...

Der B.O.F.H. und der PJ breiten ihr Netzwerk der Verdammnis über das ganze Land aus ...

Der PJ und ich sind in Feierstimmung. Die Chefetage hat schließlich dem Plan zugestimmt, Zugangsprovider für das Internet in allen Städten zu werden, in denen wir Außenstellen haben, um unsere Betriebskosten ein wenig zu senken.

Freilich ist das ein langfristiger Plan, denn für die nächsten Wochen bedeutet es, daß der PJ und ich unzählige Überstunden in Büros in fremden Städten damit zubringen werden, mit unseren Systemen zu kämpfen, um sie idiotensicher einzurichten.

Der Ursprung für die Idee der Erweiterung unseres Angebotes liegt etwas länger zurück. Damals hat der Geschäftsführer all die schöne Videokonferenzsoftware, die es für das Internet gibt, gesehen. Und nach den diversen Fehlschlägen und Reinfällen des letzten Jahres bei der Realisierung seines eigenen Videokonferenzsystems schöpfte er neue Hoffnung. Seine Augen glänzen, wenn er daran denkt, gleichzeitig in allen Außenstellen auf den Monitoren zu erscheinen. Ich glaube nicht, daß es angebracht wäre, ihn daran zu erinnern, daß die Software-Clients natürlich über eine eigene Bediensoftware verfügen ...

Als ich seine Unterschrift hatte, setzte ich sofort alle Räder in Bewegung und kündigte den Vertrag mit unserem Internet Service Provider - ein Unternehmen, das noch immer nicht weiß, auf welcher Seite es die Datenautobahn befahren soll und annimmt, daß das World Wide Web etwas mit Spinnen und Delphinen zu tun hat.

Natürlich haben sie uns trotzdem dafür bezahlen lassen, daß sie den Hohlraum in ihren Köpfen als Wissen bezeichneten. Aber als wir anriefen, um ihnen mitzuteilen, daß IHR Router WIEDER abgestürzt war, wußten wir, daß das Ende nah ist.

Der PJ macht sich mit tapferer Miene auf, um eine Woche in einer unserer

Außenstellen in Schottland zu verbringen. Da das Appartement, das der Firma gehört, für einen Mr. Babbage reserviert wurde, der übrigens vor einer Woche auch das walisische Firmenappartement reserviert aber nicht besucht hatte, muß der PJ in einem Luxushotel übernachten. Dieser Mr. Babbage ist auch dafür verantwortlich, daß ich die vergangene Woche im Hotel untergebracht war. Viel von meinem Zimmer

habe ich wegen der reichlich vorhandenen Arbeit allerdings nicht gesehen - durch ein zufälliges Zusammentreffen glücklicher Umstände fiel meine Arbeitszeit mit den

Öffnungszeiten der Hotelbar zusammen.

Das war wirklich reiner Zufall, mußte ich auch dem Chef erklären, als er mich zwei

Tage später über die astronomische Bar-Rechnung befragte. Völlig ehrlich kann ich sagen, daß ich WIRKLICH keine Erinnerung daran mehr habe, diese Bar jemals betreten zu haben.

Wie auch immer, um dem Chef zu demonstrieren, daß unsere Bemühungen erfolgreich sind, erkläre ich ihm, daß eine Firma von der anderen Straßenseite (und nur einen kurzen Weg durch die städtischen Abwasserleitungen entfernt) sich dafür interessiert, durch uns an das Internet angebunden zu werden. Ich rechne ihm die zusätzlichen Profite vor, die wir dadurch erzielen können.

Aufmerksam betrachtet der Chef das dicke Kabel, das in ihrem Router verschwindet, und die vier USV-Segmente mit Kabeln, die aussehen wie Netzkabel. Zurück in unserem Haus bemerkt er die Enden der UTP-Kabel (Unshielded Twisted Pair, schlagt es nach.) und daß sie an einen unserer Netzknoten angeschlossen sind. Er begreift sofort, daß die Anschaffung von drei 2,4 Kilowatt-Stromanschlüssen eine

Investition in die Stromrechnungen der Zukunft ist. Daß die andere Firma auch für unseren Service zahlt, läßt ihn lächeln - ein irgendwie erschreckender Gedanke.

Er ist natürlich nicht der einzige, der etwas bemerkt. "Diese Internet-Geschichte verbraucht eine Menge Strom", stellt der Netzwerk-Experte (´ex´ steht dabei für

´ehemalig´) unseres Kunden fest. "Die Stromrechnung unseres Netzwerkes ist geradezu explosionsartig gestiegen!"

"Nun, das ist doch logisch", antworte ich. "Ich meine, sie müssen sich einmal vorstellen, daß sie nun ihre Daten über die gesamte Welt verbreiten können und nicht nur in EIN anderes Büro. Und dann stellen sie sich noch vor, wie hoch ihre Rechnung wäre, wenn sie nicht durch uns mit dem Netz verbunden wären!"

"Oh!" murmelt er. "Von dieser Seite habe die Sache noch nicht betrachtet."

"Und denken sie an die Geschwindigkeit, mit der sie die Daten nun bekommen oder senden. Wie schnell ist ihr normaler Provider?"

"Oh", nuschelt er. "14.4 oder 28.8. Viel zu langsam für die Arbeit. Obwohl wir manchmal auch Pausen machen."

"Eben. Wir können ihren Anschluß ebenfalls schneller machen", sage ich. "Aber das würde bedeuten, daß wir noch ein paar Kabel verlegen müßten, was natürlich den

Stromverbrauch erhöht. Dann könnten wir noch einen redundanten Server bei uns aufstellen. Aber die Stromrechnung müssen freilich sie bezahlen."

"Nun, die Chefs wollen Redundanz zur Datensicherheit, wenn wir unsere eigene

Homepage fertigstellen ..."

Ich hasse mich. Wirklich. Das ist, als würde man auf einen Fisch in einer

Sardinenbüchse schießen. Mit einem Gewehr für die Elefantenjagd.

Um meine aktuellen Erfolge zu feiern, rufe ich die andere schottische Außenstelle an, um die Vorbereitungen für die nächste Woche zu treffen.

"Hallo? Ich möchte das Firmenappartement reservieren ... Babbage mein Name. Aus

London. Ich habe schon gebucht? Ausgezeichnet."

Der PJ ist verdammt gut.

Reisen, Flugzeuge und ein Laptop - der B.O.F.H. bringt einen abgehobenen Anorak sicher zur Erde ...

Es ist wieder Messezeit. Und das bedeutet, daß ich eine Woche an der Ostküste der

USA zubringe, um die letzten Neuigkeiten aus der Welt wackelnder Kabel zu sehen.

Natürlich lese ich manchmal Produktvorstellungen in der Computer-Presse, doch es ist noch immer besser, einen ATM-Switch leibhaftig zu sehen, als nur seine

Abbildung.

Eigentlich ist es viel wichtiger, eine Hotelbar von innen zu sehen, als einen echten

ATM-Switch; man muß schließlich wissen, wo man die Prioritäten zu setzen hat.

Und wenn ich Lust darauf habe, blinkende Lichter zu sehen, kann ich mich auch in

unseren Vermittlungsraum setzen, statt durch eine schweißtreibende

Ausstellungshalle zu pilgern.

Der Flug über den Atlantik ist großartig. Die Sitze sind hervorragend, der Lachs war allerdings ein wenig zu kalt. Natürlich reden wir über die erste Klasse - mein

´Drehe-dich-nach-links-und-blicke-auf-die-Toilette-Economy´-Sitz wurde mysteriöserweise mit dem einer Mrs. E. Windsor vertauscht ... nun, das ist natürlich auch ein ziemlich protziger Name. Ich schätze, daß jetzt jemand, der wichtig ist, hinten sitzt, denn einige unauffällig-auffällig aussehende Männer in schwarzen

Anzügen diskutieren mit den Stewardessen über Sitze, Reservierungen und solches

Zeug; ich muß mich bei der Fluggesellschaft über die schlechte Schalldämmung in der ersten Klasse beschweren - es ist wirklich recht laut.

"Entschuldigen sie, welchen Prozessor haben sie?"

Mein durch Brandy beförderter Fünf-Sterne-Traumzustand wird jäh unterbrochen.

"Entschuldigung?"

"Welchen Prozessor haben sie in ihrem Laptop? Ich habe einen 133

Megahertz-Pentium."

Großartig! Noch schlimmer als ein Schwätzer im Bus, den man spätestens an der

übernächsten Station rauswerfen kann, ist ein Computer-Langweiler als Sitznachbar im Flugzeug.

"Das ist eine SPARC Ultra mit 437 Megabyte." Nur eine kleine Übertreibung - ich fange lieber freundlich an.

"Wirklich? Ich wußte nicht, daß Windows auf SPARC läuft."

"Tut es auch nicht."

"Welches Betriebssystem nutzen sie denn?"

"Solaris 2.7."

"Wow! Sie müssen ein echter Profi sein."

"Ja. Etwas in der Art." Und genau das macht dich zum Verlierer. "Sie haben

Windows 95?"

"Ja."

"Nun, sie müssen ein wirklich armes Schwein sein."

Er lächelt unsicher, versucht, sich zu beweisen, daß ich nur scherze. Es wird Zeit, dieses Mißverständnis aufzuklären.

"Wissen sie, daß sie dieses Modell durch einen einfachen Hardware-Trick beschleunigen können?"

"Nein! Wirklich? Wie geht das?"

"Naja, eigentlich sollte ich das nicht sagen, denn es ist ein kleines Risiko dabei - es könnte gegen die Garantiebestimmungen verstoßen."

"Das ist in Ordnung. Ich würde es gern ausprobieren, solange es einigermaßen sicher funktioniert. Was muß ich tun?"

"Gut. Haben sie eine Büroklammer? Natürlich reicht auch ein kurzes Kabelstück."

"Ja, hier habe ich eine Klammer. Und was muß ich nun tun?"

"Nun, sie können den SCSI-Bus beschleunigen, indem sie die anliegende Spannung etwas erhöhen. Drehen sie den Laptop um, so daß sie die Rückseite sehen, und verbinden sie einfach diesen Pin des SCSI-Busses mit dem Kopfhörer-Anschluß."

Er fingert ein wenig herum und schafft es tatsächlich, die Büroklammer richtig zu plazieren. Kein blauer Dunst ... noch nicht.

"Und jetzt?"

"Jetzt haben sie einen Rechner, den sie bei Bedarf beschleunigen können. Sie müssen das nicht ständig tun, denn das würde unnötig Strom aus den Akkus fressen.

Beschleunigen sie den Rechner nur dann, wenn sie es wirklich brauchen."

"Wie kann ich ihn denn nun beschleunigen, wenn ich dies brauche?"

"Spielen sie einfach eine Musik-CD im CD-Laufwerk. Dann wird bekanntlich ein kleiner Strom in den Kopfhörerstecker gesendet, durch den dann auch der SCSI-Bus beschleunigt wird. Aber drehen sie die Lautstärke nicht zu hoch, denn es könnte etwas zerstört werden; ´Dark Side of the Moon´ von Pink Floyd dürfte ausreichen; aber achten sie auf die Wecker."

"Hmmm ... Ich habe keine Musik-CD dabei. Kann ich stattdessen das Mikrophon benutzen?"

"Natürlich - schalten sie es einfach auf ´Wiedergabe´ und sprechen sie hinein, wenn sie mehr Geschwindigkeit brauchen. Aber seien sie vorsichtig! Schreien sie nicht zu laut."

Fünfzehn Minuten vergehen, und ich beginne meinen letzten Ratschlag zu bereuen.

Mein Freund hat herausgefunden, daß der einfachste Weg, um Geräusche zu erzeugen, darin besteht, in das Mikrophon zu pfeifen. Und es sieht so aus, als sei sein Laptop gegen Spannungen widerstandsfähiger, als die, die ich kenne. Aber zum

Glück naht Hilfe in Gestalt eines erregten Gentlemans, der ziemlich zornig zu sein scheint.

"HÖREN SIE ENDLICH MIT DIESEM VERDAMMTEN PFEIFEN AUF!" schreit er. Prompt tut auch die Büroklammer das, wofür sie vorgesehen ist ...

Es ist interessant, wie fein die Rauchmelder bei Boeing eingestellt sind - der

Feueralarm geht etwas entfernt von uns los.

"Ich schätze, das gibt eine Geldstrafe von 1000 Pfund", lächle ich süß, als die

Stewardess kommt, um die Streithähne, die handgreiflich werden, voneinander zu trennen. Bald sind die Beteiligten an dem Streit fest an ihre Sitze geschnallt - jeder unter der Aufsicht eines finster blickenden Stewards. Es herrscht endlich wieder wunderbare Ruhe.

"Entschuldigen sie bitte die Störung, Sir. Kann ich ihnen noch einen Brandy bringen?"

Aus Angst vor einem Abteilungsausflug zur Besserung des Teamgeistes erinnert sich der B.O.F.H. an seine eigene Definition von Teamarbeit ...

Ich teste gerade meine neue Infrarot-Fernsteuerungs-Hardware, als der PJ hereinkommt.

"Wer ist das?" fragt er und deutet auf ein Individuum im Anzug, das im Nachbarbüro zu sehen ist.

Das Gesicht kommt mir irgendwie bekannt vor. Dann fällt der Groschen ...

"Irgendwer aus der Personalabteilung", antworte ich. "Einer von diesen immer freundlichen Typen, die sich um den Teamgeist und die Zufriedenstellung der Kunden kümmern, wenn ich mich richtig erinnere."

"Unsere Kunden wissen doch sowieso, was sie erwartet!"

"Ja. Genau das könnte das Problem sein ..."

"Der Chef ist ein wenig zu freundlich", beobachtet der PJ, als der Chef Mr.

Freundlich begrüßt.

"Ja. Und angesichts seines Kriechfaktors würde ich sagen, daß da irgendwas von oben kommt ..."

Zwei Stunden später kommt der PJ hereingerannt.

"Es gibt etwas, das sie wissen sollten", sagt er.

"Was? Sie haben doch nicht etwa den Chef belauscht!?"

"Nein, ich habe nur ein ungenutztes Netzwerkkabel getestet. Das Testgerät hat freilich hervorragende aurale Fähigkeiten."

"Wie ein Mikrophon?"

"Ummm ...."

"In Ordnung, worum geht es?" unterbreche ich ihn.

"Sie planen einen Abteilungsausflug!" platzt er heraus.

"Einen verdammten was?!" rufe ich und verliere für einen Moment meine

Gelassenheit.

"Einen Abteilungsausflug. Ganz so schlimm ist das doch nicht, oder?" will er wissen.

"Sie scherzen! Ein Wochenende in der Teamgeist-Hölle zusammen mit Leuten, die glauben, ein Benchmark kommt davon, daß man die Untertasse beim Kaffe vergißt?"

"Uuuuhh ..."

"Sie haben Verteter unserer Kunden dabei, die Tag und Nacht mit dummen Fragen nerven, zum Beispiel: ´Wie erfüllen sie ihre Fehlerbeseitigungs-Politik?´"

"Wie erfüllen wir sie?"

"Tun wir nicht. Die plötzliche Selbstentzündung von Ausstattung ist ein bewiesenes und dokumentiertes Phänomen."

"Was werden wir tun?"

"Nicht gehen. Es sei denn, sie haben Interesse an Maßnahmen, die ´Vertrauen´ bilden sollen, indem sie sich rückwärts in die Arme von Leuten fallen lassen, die

Schwierigkeiten haben, sich ohne schriftliche Anleitung zu erkälten."

"Anscheinend ist die Teilnahme Pflicht - zumindest hängen die Bonus-Zahlungen von der Teilnahme ab."

"Diese betrügerischen Hunde!"

"Was werden wir machen?" fragt der PJ.

"Nun, beginnen wir mit dem Anfang - wann soll das Ganze denn stattfinden?"

"Sonnabend in drei Wochen."

Wir stecken unsere Köpfe zusammen, um einen Schlachtplan auszutüfteln, der so fies ist, daß selbst Rommel die Tränen kommen würden. Am nächsten Tag sind wir dann die ersten, die voller Begeisterung ihre Teilnahme melden. Den Chef scheint das so aufzuregen, daß er vor Freude gleich eine neue Packung Magentabletten aufreißt.

Der PJ sorgt dafür, daß die Faxe abgefangen werden. Er bestellt statt der geplanten

45 Einzelzimmer nur 10, ersetzt das geplante Menü durch Alkohol und bestellt anstelle einer Jazzband für die Abendunterhaltung eine bekannte Cabaret-Truppe aus Soho ...

Ich leihe mir die Kreditkarte von Mr. Freundlich - unvorsichtigerweise hat er sie im

Besucherraum eingeschlossen - überschreibe den Magnetstreifen mit neuen

Informationen: "Gestohlene Karte - Verhaften" und kurbele dann die Gerüchteküche etwas an, indem ich leere Hustensaftflaschen (Natürlich mit viel Alkohol!) in seinem

Abfalleimer plaziere. Dann tausche ich das Netzteil seines Laptops gegen eines, daß nicht funktioniert.

Am nächten Tag beginnt unser Angriff ...

"Irgendetwas scheint mit dem Netzteil nicht zu stimmen", sagt Mr. Freundlich zu mir und macht dabei keinen besonders fröhlichen Eindruck. Offensichtlich hat es seiner

Stimmung nicht gutgetan, für eine Stunde von einem stämmigen Mechaniker eingesperrt zu werden, um auf die Überprüfung der Kreditkartendaten zu warten.

Der PJ gibt ihm ein anderes Netzteil. Einen lauten Knall später kommt Mr.

Freundlich wieder zu uns und riecht ein wenig nach Rauch.

"Oh, mein Lieber!" rufe ich. "Der PJ hat ihnen doch nicht etwa einen

Spannungsverstärker gegeben! Wissen sie, ich gebe ihnen unseren Notfall-386er bis wir ihren Laptop repariert haben. Vier Megabyte sollten für Windows 95 eigentlich genügen."

"Das mit der neuen Infrarot-Maus?!" fragt der PJ.

Am nächsten Tag bekommt auch der Chef mit, was läuft, nachdem ihn die

Erbsenzähler wegen Mr. Freundlichs Alkoholbestellung angerufen haben. Die

Gerüchte sind mittlerweile auch bis zum Chef vorgedrungen, und als er etwas von der Cabaret-Truppe erfährt, ruft er den PJ und mich in sein Büro.

"Haben sie etwas damit zu tun?" will er wissen.

Der PJ und ich schütteln verneinend die Köpfe.

"Wenn sie meine Meinung wissen wollen", sage ich. "Ich habe die Gerüchte gehört und denke, daß er möglicherweise seelisch zu instabil ist, um den Teamgeist zu fördern."

Die Saat der Zweifels ist nun angelgt, und ich warte darauf, daß der PJ noch für ein wenig Dünger und Wasser sorgt ...

"Ist das nur mein Eindruck, oder ist es hier etwas zu heiß?" stellt er die richtige

Frage.

"Ja, es ist wirklich etwas warm", antworte ich.

Der Chef greift zu seinem neuesten Lieblingsspielzeug, der Fernbedienung für die

Klimaanlage, und stellt die Temperatur etwas niedriger ein. Durch einen seltsamen

Zufall führt dies dazu, daß der Rechner von Mr. Freundlich nun schon zum dritten

Mal an diesem Morgen abstürzt. Schweigend beobachten wir, wie Mr. Freundlich wütend den Austausch-Laptop vom Tisch wirft und damit beginnt, seine

Büroeinrichtung in ihre Einzelteile zu zerlegen.

Zehn Minuten später haben die Wachmänner ihn aus dem Gebäude begleitet, und die

Pläne zur Förderung des Teamgeistes sind im Papierkorb gelandet - da gehören sie auch hin.

Und da behaupten manche noch, das Leben sei nicht fair.

Der PJ will den B.O.F.H. in einem Wettkampf besiegen ...

"Ich glaube, damit haben wir wieder 500 Pfund zum Fenster hinausgeworfen. Und das macht dann zwei Punkte für mich." freut sich der PJ und fügt zwei weitere

Häkchen zu seiner Liste hinzu.

Nun, vielleicht ist ein Wettbewerb darum, wer die meiste Technik innerhalb einer

Woche vernichten kann, wirklich ein wenig kindisch, aber Probieren geht über

Studieren und so ist dieser Wettstreit seiner etwas vernachlässigten Ausbildung vielleicht noch ganz nützlich. Wir spielen um den üblichen Einsatz - ein Bier in der

Kneipe um die Ecke.

"Was haben sie gemacht", frage ich und heuchle Interesse.

"Ich habe einem Anrufer aus der sechsten Etage erklärt, sein Problem habe etwas mit dem Spannungsabfall in seiner Etage zu tun. Der Ausredenkalender hat mich dazu inspiriert, und ich habe die Idee etwas weiterentwickelt. Ich sagte ihm, die

Spannung in seinem Büro sei deshalb zu niedrig. Und deshalb soll er ..."

"Seinen PC auf 115 Volt umschalten", beende ich genervt.

"Habe ich etwas falsch gemacht?" will er wissen.

"Nicht direkt. Aber denken sie immer daran, daß es nicht unsere Aufgabe ist,

Technik zu zerstören oder Nutzer zu erschrecken. Das ist eher ein Bonus für uns, die wir selbstlos unser Leben der Anwenderunterstützung gewidmet haben. Unsere

Aufgabe ist es, den reibungslosen Betrieb unseres Netzwerkes zu garantieren."

"Indem wir Netzwerknutzer ausschalten."

"Zeigen sie mir eine Ethernet-Kollision und ich werde ihnen ein Netzwerk zeigen, das auch mit einem Nutzer weniger auskommt." antworte ich.

"Aber sie sorgen doch ständig für solche Kollisionen!"

"Und ich widme mich immer der Erweiterung der Leistungsfähigkeit unseres

Netzwerks."

"Und nebenbei produzieren sie eine Wagenladung Schrott." unterbricht der PJ mich.

"Nicht zwangsläufig. Diese Wagenladung Schrott ist mehr eine zufällige Belohnung.

Ich bevorzuge nämlich kleine tägliche Belohnungen, denn ein zufriedener

Angestellter ist ein sicherer Angestellter. Und ein sicherer Angestellter ist ein guter

Angestellter. So habe ich in der vergangenen Woche zum Beispiel ein Video, das zeigte, was am vorausgegangenen Freitag um 11:47 Uhr im Lift passierte, an einen der Beteiligten geschickt. Nachdem ich von ihm einen dicken Umschlag mit

Geldscheinen bekommen hatte, war ich ein zufriedener Angestellter und habe einen

Router in Rekordzeit konfiguriert. Hätte ich mich dagegen mit düsteren Gedanken befaßt, dann wäre der Router heute noch nicht eingerichtet ..."

"Und warum haben sie dieses Video dann noch in der Kantine über die Monitore, die eigentlich die Aktienkurse der Firma zeigen, geschickt?"

"Ausschließlich zum Wohle der Firma. Sie haben doch gesehen, wie vielen Leuten es gefiel. Sie waren fröhlich und glücklich. Und das hat ihre Produktivität gesteigert."

"Und die drei Beteiligten?"

"Nun, die waren nicht so fröhlich und haben kurz danach gekündigt. Aber das beweist nur noch einmal, daß in unserer Firma nur Platz für fröhliche und produktive

Menschen ist."

"Gut, aber sie liegen noch immer weit hinter mir", grinst er hämisch und deutet auf die Liste mit den Punkten.

"Wie sieht es denn aus?"

Er zählt fieberhaft die Punkte zusammen und antwortet dann: "Vierzig zu neun - für mich."

"Also jage ich einem Vorsprung von 26 Punkten hinterher."

"Nein, 31!" korrigiert er.

Ah, nein, 26", wiederhole ich und schiebe den Laptop des Chefs vom Tisch, lasse

ihn auf den Boden knallen und springe noch ein wenig auf den Trümmern herum.

"Das war nicht fair!" ruft er.

"Das Leben ist nicht fair." antworte ich. "Aber das Rootpasswort ist sehr hilfreich."

Doch all dies täuscht nicht darüber hinweg, daß ich wirklich weit zurückliege, was mir nicht gefällt. Und mir bleiben nur noch 32 Minuten - dann muß ich ein "Radler" bestellen, was der PJ normalerweise nicht trinkt, doch diesmal wird er es tun, um mich dumm vor den Leuten an der Bar und den anderen Gästen aussehen zu lassen.

Völlig mit diesen Gedanken beschäftigt lasse ich einen Router abstürzen und nehme den Anruf eines Nutzers entgegen.

"Hallo?" fragt eine nervöse Stimme.

"Womit glauben sie ein Problem zu haben?" frage ich.

"Es sind ihre Rechner. Sie stehen alle."

"Ja, das wird am Spannungsverlust liegen, der durch hitzegeschädigte Sicherungen verursacht wird."

>DUMMY MODE EIN<

"Ah, ähm, wie ... Was soll ich tun?"

"Nun, da rufen sie einfach die Elektriker an, die die Sicherungen in ihrer Etage kontrollieren und zurücksetzen müssen."

"Aber wir haben dringende Arbeiten!"

"Nun, vielleicht sollte ich das jetzt lieber nicht sagen ..." flüstere ich.

"Was?" fragt er und zappelt schon am Haken.

"Sie können die beschädigten Sicherungen auch selbst reparieren."

"Wie?" drängt er mich und stellt sich schon den Ruhm und die neuen

Aufstiegsmöglichkeiten vor, die er dadurch erlangen kann.

"Gehen sie einfach zum Hauptanschluß ihrer Etage, den sie im Treppenhaus finden.

Dort finden sie einen Schalter, der die gleiche Nummer trägt wie ihr Hauptanschluß.

Diesen Schalter betätigen sie ungefähr zwanzigmal so schnell wie sie können."

Der PJ schaut mich voller Verachtung an, doch zehn Minuten später wird offensichtlich, welche Folgen mein Ratschlag hatte; nur noch 2 Punkte hinter ihm.

Bei diesem Stand bleibt es auch bis 5 Uhr, als der PJ mich zur nächsten

U-Bahn-Station begleitet.

"Einige Leute können es eben und andere nicht", lacht er selbstgefällig.

Seine gute Laune ist durch nichts zu beeinträchtigen, doch sie hält zum Glück nur solange an, bis unser Zug einfährt und ich seinen Laptop auf die Schienen stoße.

"Ups!" sage ich, als ich die korrekte Zeit wieder einstelle. "Eine Minute vor ... Ich schätze, sie schulden mir ein Bier ..."

"Sie BASTARD!" sagt er, als der süße Geschmack des Sieges sich in Wohlgefallen auflöst.

"Zählen sie es zu den Kosten für die Ausbildung hinzu", sage ich. "Und ich hoffe, daß Bier für Schlappschwänze wird ihnen schmecken ..."

Der Kampfgeist des B.O.F.H. erwacht, als die Erbsenzähler gegen die Netzwerker intrigieren ...

Ich bin schockiert. Zutiefst gekränkt ... In einem hinterhältigen und unfairen Angriff haben die Erbsenzähler voller Niedertracht einen schwerwiegenden Diebstahl durchgeführt - unsere Espresso-Maschine wurde aus dem Inventar gestrichen und

über Nacht geraubt.

"Ich ... ich ..." jammert der PJ völlig aufgelöst.

Da ich schon einige Zeit in der Computerbranche tätig bin, weiß ich, wie wichtig

Sicherheitskopien sind, hole meinen Notfalltauchsieder und eine Packung

Instantpulver hervor.

"DAS ist ein Schlag unter die Gürtellinie", schnieft der PJ, als er langsam wieder zu

Bewußtsein kommt. "Ich kann einfach nicht glauben, daß sie das wirklich getan haben!"

"Warum denn nicht?" antworte ich. "Schließlich befinden wir uns inmitten eines wunderschönen Krieges zwischen den Abteilungen, auch wenn der Chef immer

etwas von gemeinsamen Zielen erzählt."

"Aber die Espresso-Maschine!" ruft er. "Das tut wirklich weh. Was werden wir tun?

Wir müssen doch etwas dagegen unternehmen!! Überall Einen Ausbau der

´RAM-Speicher´ vortäuschen? Noch eine Runde Erbsenzähler-Pinball?"

Ich schüttle nur den Kopf.

"Nein, denn genau das erwarten sie jetzt. Und wir werden auch keine

Netzverbindung unterbrechen - sie würden es als Entschuldigung für die

Beauftragung eines auswärtigen Unternehmens nutzen."

"Nun, was werden wir dann unternehmen?"

"Für den Augenblick - nichts."

"Aber ..."

"... aber später werden wir sie treffen, wo es wirklich schmerzt."

Nach zwei Wochen ist die Maschine noch immer verschwunden, und der PJ zeigt ernsthafte Entzugserscheinungen. Es wird Zeit zu handeln.

"Richtig. Die Datenbank mit den Konten!" rufe ich.

"Das geht nicht. Ich habe es gestern versucht, doch sie haben das Passwort geändert!" antwortet der PJ.

Im Geiste schätze ich den Einfallsreichtum der Erbsenzähler ein, versuche ein paar mögliche Passwörter und lande mit ´PROFIT´ einen Treffer. Die Datenbank verbirgt ein einfaches Rechnungssystem, das so programmiert wurde, daß selbst Kinder es verstehen könnten. Das bedeutet, es ist genau auf die Zielgruppe zugeschnitten.

Ich nehme ein paar kleinere rückwirkende Änderungen vor und trenne dann die

Verbindung wieder. Der PJ schlägt die Zeit damit tot, daß er einen anonymen

Hinweis an die Rechnungsprüfer schickt.

Der nächste Tag bricht an, und der PJ und ich sind schon frühzeitig da, um ein paar verschlafene Manager die Rolltreppe reiten zu sehen.

Einen Doppelklick auf einen Button der Rolltreppensteuersoftware später führt die

Rolltreppe einen prompten Nothalt aus und verstreut Buchprüfer und

Rechtsverdreher in alle möglichen Richtungen. Die blutenden Nasen werden für eine unvoreingenomme Prüfung sorgen. Ein weiterer Doppelklick drei Sekunden später garantiert ein uns genehmes Ergebnis.

Da sie nun aus Angst keine weitere Rolltreppe benutzen wollen, machen die

Buchprüfer und Rechtsverdreher den zweiten Fehler an diesem Morgen, indem sie die Lifte ansteuern. Denn zu ihrem Unglück ist mein neuer Lift-Joystick angeschlossen und funktioniert tadellos, so daß sie ein Abenteuer erleben, das man normalerweise in Zusammenhang mit Achterbahnen bringt.

Die Überreste eines Frühstücks auf der Jacke eines Prüfers lassen keinen Zweifel an der Funktionalität meines neuesten Spielzeugs zu. Die Stimmung der Buchprüfer würde der normale Betrachter der Bilder, die die Videoüberwachungsanlage liefert, nun wohl als ´aggressiv´ bezeichnen.

Eine Stunde später marschieren der PJ und ich in die Erbsenzählerzentrale, um ´ein paar Netzwerkprobleme zu beseitigen´.

"Das ist der Bastard!" schreit ein Erbsenzähler den Prüfern zu und zeigt auf mich.

"Entschuldigung?" frage ich unschuldig und demütig.

"Der, der die Lifte und die Rolltreppen manipuliert hat!"

"Wie bitte?! Niemand hat die Lifte und Rolltreppen angefaßt, seitdem diese Abteilung vor sechs Monaten den neuen Wartungsvertrag abgelehnt hat!"

"Das haben wir ganz sicher nicht getan!" ruft der Chef der Erbsenzähler aufgeregt und verläßt die relative Sicherheit seines Büros.

"Also ... irgendjemand hat es getan", sagt der erste Prüfer und trennt seinen Blick von den Ausdrucken mit den Zahlungen. "Das Geld wird nun gezahlt an ... einen

Clinton Ash."

"C. ASH", murmle ich leise. "Hmmmm. Ach, diese Firma aus Panama! Sie waren doch gerade vor sechs Wochen in Panama, oder?!" frage ich den Erbsenzählerchef.

"Haben sie den Scheck mit der Post geschickt oder persönlich überbracht?"

Der Erbsenzähleranführer ist nicht dumm (zu meiner Überraschung) und schätzt die für ihn bedrohliche Situation korrekt ein. Er traut sich nicht, mich herauszufordern, denn er weiß nicht, welche Überraschungen ich noch für ihn vorbereitet habe ...

"Ach so, Ash und Partner", improvisiert er schnell. "Vertragspartner für Service und

Wartung."

"Natürlich!" lache ich. "Und auch Installateure für Espresso-Maschinen, oder?"

"... Ja!" stimmt der Chef der Erbsenzähler zu und begreift, in welche Richtung dieser

Dialog geht.

"Hat nicht eines ihrer Tochterunternehmen vor, heute eine in unserem Büro zu installieren?"

"... Jjjjaaa, das hätte ich beinahe vergessen. Ich werde das am heutigen Nachmittag persönlich überprüfen."

"Warum warten?" frage ich und reiche ihm mein Handy. "Rufen sie jetzt an.

Möglicherweise haben die Leute es ja vergessen."

Diesen Nachmittag verbringen der PJ und ich bei einer starken Mischung entspannt darüber nachdenkend, daß es schon ein Glücksfall ist, daß unsere alte

Espresso-Maschine nun durch ein brandneues Modell mit allerlei Schikanen ersetzt wurde.

"Ich habe offenbar noch einiges zu lernen", gibt der PJ nachdenklich zu.

"Betrachten sie es nicht als Lernaufwand", sage ich. "sondern als Aufgabe, das

Beste aus ihren Fähigkeiten zu machen ..."

Als sein Chef Probleme mit Kabeln hat, scheut der B.O.F.H. weder Kosten noch

Mühen, um die Schwierigkeiten auszuräumen ...

Ich versuche, ein Geschäft mit Raoul, einem unserer Zulieferer für Netzwerkkabel, zu machen. Er soll uns Cat-5-Kabel liefern, doch er stellt sich stur, denn er weiß, daß er der einzige Händler ist, der dieses 100 MBit-Kabel vorrätig hat ... Was natürlich unserem Plan entspricht, der in Kraft trat, als ich den Geheimcode ´der

Chef will´ benutzte. Den zusätzlichen Gewinn werden wir selbstverständlich brüderlich teilen.

Der Chef ahnt zwar etwas derartiges, aber beweisen konnte er es noch nie, trotzdem er befohlen hat, daß solche Telefongespräche über die Freisprechanlage geführt werden, damit er immer mithören kann. Sein zweiter dummer Einfall war die Idee, ein paar aufpolierte Büros im Alleingang zu verkabeln.

"Nun, das könnte schwierig werden", sagt mein Lieferant am anderen Ende der

Leitung. "Natürlich habe ich das Kabel, das sie brauchen. Ja, ich habe sogar die doppelte Menge davon - aber es ist schon bestellt und wird noch heute ausgeliefert.

Haben sie es schon bei einem anderen Lieferanten probiert?"

Der Mann ist aalglatt ...

"Selbstverständlich, aber die haben alle kein Cat-5-Kabel mehr", antworte ich.

"Sie scherzen!" keucht er recht überzeugend.

"Es scheint, als hätte jemand den gesamten Kabelbestand aufgekauft - für die nächsten Tage ist alles ausverkauft. Sind sie sicher, daß sie nichts für mich tun können?"

"Nein, nicht wirklich - ich habe zwar noch ungeprüftes Kabel da, das nach Cat-5 aussieht, aber darauf sind ein paar fremdländisch aussehende Militärbezeichnungen, die mit den unseren nicht übereinstimmen."

"Wir nehmen es! Lassen sie es zum Mittag liefern!" ruft der Chef.

"Warten sie einen Augenblick", sage ich und schalte schnell die

Stimmen-Aufzeichnung des Telefons ein. "Wäre es nicht besser, zunächst herauszufinden, was diese Bezeichnungen auf dem Kabel bedeuten - es könnte sich schließlich auch um ein simples Telefonkabel handeln."

"Dafür haben wir keine Zeit. Ich habe versprochen, daß die neuen Büros in drei

Tagen voll funktionstüchtig sind!" ruft der Chef und eilt nach draußen, um die Leute, die die Büros verkabeln sollen, zusammenzutrommeln.

Ich schalte die Aufzeichnung wieder ab.

"Was bekommen wir wirklich?" frage ich.

"Ich bin mir wirklich nicht sicher. Die Kabel wurden aus einem versunkenen rumänischen Containerschiff geborgen - ich habe nur den Wert des Kupfers

bezahlt."

"Aber es wird Signale übertragen?"

"Natürlich."

"Wirklich?"

"Nun, kann sein - ohne Abschirmung und ohne die sonst übliche Verflechtung der einzelnen Drähte - ich würde es mir zweimal überlegen, ob ich es für die

Weihnachtsbaumbeleuchtung einsetzen könnte. Aber es ist ihre Entscheidung."

"Warum haben sie gesagt, es sieht wie Cat-5 aus?" will ich wissen.

"Nun, die Ummantelung sieht ganz ähnlich aus und es wird auf Kabeltrommeln geliefert." antwortet er.

"Und unsere Kabel kommen sonst auch immer mit leicht versinkenden

Transportmitteln?"

"Ich habe nicht gesagt, daß es exakt so aussieht wie Cat-5!"

"Ausgezeichnet!" lache ich. "Wir hören später voneinander."

Später an diesem Nachmittag werde ich vom Chef unterbrochen, der sehr aufgeregt zu sein scheint.

"Dieses verdammte Kabel ist Schrott!" schreit er.

"Nun, ich habe sie davor gewarnt, es zu kaufen", bemerke ich trocken und deute auf die Diode, die bei der Stimmen-Aufzeichnung eigentlich leuchten sollte. "Das erinnert mich daran, daß ich dieses kleine Lämpchen reparieren muß."

Der Chef sitzt in der Falle. Er hat kein Kabel, einen Termin und vier oder fünf Profis für das Verkablen, die jetzt sinnlos herumstehen und trotzdem kräftig dafür kassieren werden. Hinzu kommt noch, daß er gutes Geld für falsches Kabel ausgegeben hat.

Als wohlwollender Mensch beschließe ich, dem Chef zu helfen. Ich rufe Raoul an.

"Raoul, was müßten wir für Cat-5-Kabel bezahlen?" frage ich.

"Ich habe doch schon gesagt, daß ich kein Kab ..."

"Entschuldigung, ich formuliere meine Frage etwas anders: Was müßten wir für das

Kabel eines anderen bezahlen?"

Die Augen des Chefs leuchten auf, als die Lösung seines Problems nahe zu sein scheint. Raoul nennt eine widerlich hohe Summe, doch der Chef nickt ohne nachzudenken.

"Allerdings wurde unser Lieferwagen gestohlen", fügt Raoul plangemäß hinzu. "Sie müssen es selbst abholen."

"Nein, kann ich nicht", antworte ich. "Ich habe nur einen Zweisitzer."

"NEHMEN SIE MEINEN!" ruft der Chef, der seine Felle wieder davonschwimmen sieht.

Eine halbe Stunde später beladen der PJ und ich den Palast auf Rädern unseres

Chefs mit Kabeltrommeln. Die Rückfahrt werde ich übernehmen, denn der PJ hat mittlerweile zugegeben, daß er erst zwei Fahrstunden hatte.

Ich bin sicher, daß man alle Beulen (mit Ausnahme derer, die die drei Parkuhren hinterließen) leicht wieder ausbeulen kann.

Ich verabschiede mich von Raoul und lasse ihn meine Massenbestellung von

Cat-5-Kabel stornieren, die zu dieser künstlichen Knappheit in den letzten Tagen geführt hat.

Als wir wieder im Büro ankommen, ist der Chef so erfreut, daß er die Überreste des

Kühlers, die die drei Parkuhren übrigließen, nicht einmal erwähnt. Er schickt die

Kabelleute wieder an die Arbeit.

"Richtig ...", sage ich. "... die Kabel finden sie dort drüben in dem Auto."

"Dieses Zeug!" fragt einer von ihnen. "Das sieht doch wie eine rumänische

Beschriftung aus?" Zehn Minuten später macht Raoul mir ein Angebot für ein paar

Restbestände Cat-5, dem ich nicht widerstehen kann ...

Wichtigste Regel beim Aufbau eines Netzwerkes: Niemals die ´Initiative´ dem Chef

überlassen ...

Die Stimmung im Chef-Land ist nicht gut. Es geht wieder um die Vernetzung der

neuen Büros. Bedauerlicherweise haben die Manager herausgefunden, was bei der lausig geplanten Verkabelung und deren Durchführung, die auf eine ´Initiative´ des

Chefs zurückging, gelaufen ist. Sie sind NICHT erfreut. Wie sie Wind von der Sache bekommen haben, überlasse ich der Fantasie des Lesers. Ich habe allerdings bemerkt, daß der PJ die Unbedingt-Erledigen-Liste abgearbeitet hat, die ich ihm in der vergangenen Nacht hingelegt hatte. Sein Sinn für Details ist wirklich erstaunlich.

Die Verwendung von Kabel, das dem Standard nicht ganz entspricht, wäre allein nicht so schlimm für den Chef gewesen. Hinzu kommt aber noch seine Entscheidung für eine absolut untaugliche Weise der Verkabelung. Möglicherweise wurde seine

Entscheidung durch ein freundschaftliches Gespräch, das der PJ und ich mit ihm unter Hinzuziehung von ein paar Bieren hatten, nachteilig beeinflußt.

Chef: "Also, ich denke an ein mehradriges Kabel, das entlang der Büros unter dem

Bodenbelag verlegt wird. An drei Punkten, die ich in jedem Raum ausgesucht habe wird es Anschlüsse geben. Dafür nehmen wir normale Steckdosen ..."

Ich: "Steckdosen? Doch nicht etwa solche Dinger, wie sie in den Büros im

Erdgeschoß vor ein paar Jahren verwendet wurden? Eine Erschütterung und die

Stecker fallen aus der Dose und die Verbindung zum Netz ist unterbrochen."

Chef: "Aber dann dachte ich, Twisted Pair, das direkt aus der Netzwerkzentrale kommt, wäre besser."

PJ: "Am Boden entlang der Wand? So daß jemand, der zufällig seinen Kaffee verschüttet, gleich einen Kurzschluß verursacht ..."

Chef (schnell): "Habe ich am Boden gesagt? Ich meinte natürlich in der Wand ..."

Wir: "Wo es dann gleich bei den elektrischen Leitungen liegt und es zu störenden

Interferenzen kommt."

Chef: "Nicht, wenn es alle 6 Zoll mit der elektrischen Leitung verdrillt wird. Dann heben sich die Wirkungen der elektrischen Felder gegenseitig auf. So ist das ja auch beim Twisted Pair-Kabel."

Ich bin sicher, der weitere Verlauf des Gesprächs ist damit hinreichend beschrieben - es ist, als würde man in einem Aquarium angeln.

Noch immer sind die drei sinnlosen Löcher in den Wänden Anlaß für interessante

Gespräche in den Büros. Aber auch das hätte ich dem Chef noch durchgehen lassen, wenn er nicht versucht hätte, irgendwelches kabelloses LAN-Equipment zu installieren. Er nahm wohl an, daß infrarote Strahlung eine Form von kurzwelligem

Radio ist. (Ich habe keine Ahnung, wer ihm diesen Floh ins Ohr gesetzt hat, allerdings scheint es, als sei die Nase des PJ in diesen Tagen etwas gewachsen.)

Jetzt hat der Chef jedenfalls herausgefunden, welche negativen Einflüsse auf seine

Karriere von einem Netzwerk ausgehen, das nur dann funktioniert, wenn die

Bürotüren weit geöffnet sind ...

"Wir haben wirklich ein Problem", jammert er gehetzt, als er in mein Büro kommt.

"Womit?" frage ich hilfsbereit.

"Das verdammte Netzwerk! Es ist ein einziges Trümmerfeld!"

"Nun, eigentlich will ich ja kein Salz in offene Wunden streuen, doch sie hätten daran denken sollen, daß wir, der PJ und ich, dafür bezahlt werden, Netzwerke zu planen.

Sie hätten uns nur unsere Arbeit machen lassen sollen."

"Und was hätten sie gemacht, das so anders wäre?" will er beleidigt wissen.

"Hm ..." mischt sich der PJ ein. "Ich hätte ein paar Cat-5-Kabel entlang der Büros unter dem Bodenbelag verlegt (und nicht eine billige Imitation) und hätte an drei

Punkten pro Raum für Anschlüsse gesorgt."

"Aber das ist doch genau das, was ich vorgeschlagen hatte!" ruft er, als der

Groschen fällt.

"Nun, Taten sagen mehr als Worte", grinse ich. "Aber wo ich gerade dabei bin, eine offizielle Untersuchung scheint da auf sie zuzukommen."

"Was soll ich tun", wimmert er mit einer Stimme, die an einen Nutzer während der

´Festplatten-Defragmentierungs-Zeit´ erinnert.

"Nun, sie könnten die Kabel austauschen", antworte ich.

"Sie haben recht, das werde ich tun."

"Nur ist es alle sechs Zoll mit den Elektrokabeln verdrillt. Und das bedeutet, daß die

Wand teilweise aufgerissen werden muß, um ..."

"Das ist nicht gut!"

"Nun, dann bleibt nur noch Plan B übrig."

"Was ist Plan B?"

"Sie zahlen eine einmalige Prämie an die ´Bastard-Net GmbH´ und stimmen hohen

Überstundenabrechnungen zu. Dann wird das Problem schon morgen behoben und am nächsten Mittwoch nur noch eine Erinnerung sein."

"Wie hoch soll die Prämie sein und an wen muß sie zahlen?" fragt er.

"Zweihundert; jeweils für den PJ und mich."

Angesichts seine Lage begreift der Chef schnell und greift nach seiner Geldtasche.

Am nächsten Morgen durchsuchen die Sicherheitsleute das ganze Gebäude auf der

Suche nach acht Bürotüren, die über die Nacht in der Etage mit den neuen Büros verschwunden sind. Seltsamerweise haben die Überwachungskameras nichts aufgezeichnet ...

Die Zuverlässigkeit des Netzwerkes in den neuen Büros ist einzigartig - es sei denn, der Chef der PR-Abteilung (ein ziemlich kräftig gebauter Mann, der problemlos die Türen ausfüllt) kommt vorbei. Seine Beliebtheit in den Büros geht schnell zurück.

Eine Woche später ist der Austausch der Kabel unter dem Bodenbelag vollendet und der PJ und ich präsentieren unsere Überstundenabrechnungen, damit der Chef sie unterzeichnet.

"Das können sie doch nicht tun", ruft der Chef. "168 Stunden? Das sind

24 Überstunden in nur sieben Tagen!"

"Wir haben wirklich sehr hart gearbeitet." sagt der PJ leise.

"Sie können doch nicht ernsthaft erwarten, daß ich das unterschreibe", sagt der Chef, der sich wie immer viel zu schnell aufregt.

"Natürlich nicht", antworte ich. "Dann werden wir das Netzwerk eben wieder in den

Ursprungszustand versetzen. Oh, und ich frage mich ..."

"Fragen sich was?!?" knurrt der Chef.

"Wessen Fingerabdrücke wohl auf dem Stapel gestohlener Türen sind, die die

Sicherheitsleute gefunden haben ..."

"Wann?!"

"Morgen früh ..."

Eine Unterschrift später nehmen der PJ und ich uns für den Rest des Tages frei, um uns von den arbeitsreichen Überstunden zu erholen.

Ein Eindringling im E-Mail-System veranlaßt den B.O.F.H. dazu, die Gelben Seiten zu gebrauchen ...

Ich bin gerade dabei, unsere Satellitenschüssel für das WAN (Wide Area Network) und das Verschlüsselungssystem einzurichten, als mein E-Mail-Client mir eine ankommende Nachricht meldet. Ich löse meinen Blick vom Kalibriermonitor (und dem

US-Militär-Kanal, den man unglücklicherweise nicht mehr löschen kann), um die

Nachricht zu lesen.

Es ist seltsam, daß ich eine E-Mail bekomme, denn alle Nachrichten, die in meiner normalen Mailbox landen, werden sofort gelöscht nachdem die Absenderadresse automatisch in verschiedene Mailinglisten für Werbung eingetragen wurde.

Die Nachricht scheint aus unserer Firma zu kommen, was noch verwunderlicher ist, da nur der PJ meine ´private´ Adresse kennt. Aber diese E-Mail kommt nicht vom

PJ, denn der ist gerade mit der Verteilung der neuen Telefonbücher beschäftigt.

Meine Neugier wächst und wächst ...

Die weitere Untersuchung enthüllt, daß die E-Mail von der neuen Software der

Service-Abteilung kommt, die die Passwortdateien des Mail-Servers durchsucht hat, um eine Adressenliste zu generieren. Die Nachricht an sich ist belanglos - eine einfache Anfrage.

Ich hasse die Software der Service-Abteilung, ich haßte sie schon immer. Der

Gedanke an Software, die ´Ich befasse mich mit dem Problem, wenn ich mich mit dem Problem befasse´ nicht als Terminangabe akzeptieren will, verärgert mich sehr.

Wirklich sehr.

So sehr, daß ich mich beim Server der Service-Abteilung anmelde.

Zwanzig Minuten später bekomme ich einen Anruf aus der Service-Abteilung.

"Hallo, hier ist der Service. Wir fragen uns, ob sie wissen, was mit unserem Server passiert ist?"

"Keine Ahnung", antworte ich. "Wieso?"

"Er ist langsamer als sonst. Die Aktualisierung unserer Daten schleicht geradezu."

"Wirklich? Vielleicht ist es fehlerhaft programmierte Software, die nur begrenzt skalierbar ist", antworte ich und benutze ein paar geeignete Fachausdrücke, die prompt Wirkung zeigen.

"Testen sie, ob sich das später ändert - es könnte auch sein, daß gerade ein paar interne Prüfroutinen ausgeführt werden."

"Oh, natürlich! Danke."

Die Anruferin legt auf, und ich erhöhe Priorität für die Festplattenprüfsoftware von

80 auf 95 Prozent der Serverleistung. Gleichzeitig stelle ich Intensität der

Fehlerprüfung von ´oberflächlich´ auf ´sehr intensiv´.

Zum Glück habe ich eine angepaßte Version der Prüfsoftware, die nicht nach den standardmäßigen 15 Minuten damit aufhört, einen Abschnitt der Festplatte sehr intensiv zu überprüfen. Nun - zum Glück für irgendjemanden. In jedem Fall.

"Fünf Pfund darauf, daß die Platte die Nacht nicht übersteht", sage ich zum PJ.

"Kein Interesse", erklärt der PJ nachdem er meine ´Test´-Einstellungen geprüft hat und sich an die extrem hohe Ausfallrate bei den von uns ´getesteten´ Festplatten für die Erbsenzählerabteilung erinnert. 87 Prozent im ersten Monat, wenn ich mich nicht irre. Und das bedauerlichste daran war, daß bei den Erbsenzählern eine inkompatible

Version der Backup-Software installiert war.

Natürlich taten die allnächtlichen Abtipp-Übungen von Formularen einigen von ihnen ganz gut.

Selbstverständlich kommt es am nächsten Tag zu einem plötzlichen Headcrash auf dem Server der Service-Abteilung, so daß alles zum stehen kommt. Der Chef scheint sich persönlich für diesen Fall zu interessieren, doch kann er keine Anzeichen für außergewöhnliche Aktivitäten erkennen. Ich bemerke, daß er sich persönlich um die

Bänder mit den Software-Backups kümmert, statt der Software-Bibliothek zu vertrauen. Hmmm.

Ich gebe dem PJ die neue Ausgabe der Gelben Seiten für den Chef. Wir grinsen uns wissend an ...

Der Server der Service-Abteilung wird neu installiert und konfiguriert, die

Datenbankeinträge werden neu eingespielt. Und wieder bekomme ich die gleiche

E-Mail wie am Vortag, die gerade in dem Augenblick bei mir ankommt, als ich bemerke, daß eines meiner Skripte in einer Endlosschleife angekommen ist und alle fünf Minuten die Zeit um fünf Minuten zurücksetzt. Aber ich bin mir sicher, daß die

Fehlerdetektoren der Software in der Service-Abteilung dies nicht bemerken werden ...

Da die Sache mich interessiert, gehe ich zum Chef.

"Ich dachte, ich bringe das Band mit der Software der Service-Abteilung in die

Software-Bibliothek", schlage ich ihm hilfsbereit vor.

Er gibt mir das Band, und es entgleitet mir unglücklicherweise. Bei meinen

Bemühungen, es wieder aufzuheben, wird es von einem Stuhlbein zerquetscht.

Viermal.

Als ich hochschaue, sehe ich das lächelnde Gesicht des Chefs. In der Hand hält er ein Band, das unübersehbar die Aufschrift ´Backup - Service-Abteilung´ trägt.

"Ich bin ja nicht von gestern", freut er sich und legt das Band auf den einzigen freien

Platz auf seinem Schreibtisch - auf die gerade vom PJ vorbeigebrachte neue

Ausgabe der Gelben Seiten.

Ein kurzes ´Hmm´ später verlasse ich das Büro.

Als ich wieder in meinem Büro angekommen bin, starte ich die Prüfsoftware für die

Festplatten wieder mit 97-prozentiger Prozessorauslastung und - natürlich - ´sehr intensiv´.

Am nächsten Tag passiert das Schreckliche erneut: Der Server der

Service-Abteilung erlebt einen weiteren Headcrash seiner Festplatte. Ich eile sofort

in das Büro des Chefs.

"Ich könnte das Backup-Band den Technikern bringen, damit sie den Server wieder reparieren können." schlage ich vor.

Der Chef lächelt und schüttelt nachdenklich den Kopf.

"Oh", antworte ich. "Nun, in diesem Fall gehe ich wieder an meine Arbeit. Sie haben nicht etwa unser transportables Bandlöschgerät gesehen? Ich bin besorgt, denn es reagiert wirklich sehr empfindlich auf Erschütterungen und ähnliches. Deshalb habe ich aus einer überzähligen Ausgabe der Gelben Seiten ein Schutzgehäuse gebastelt ..."

Der Chef wird blaß, als sein Blick auf das Telefonbuch auf seinem Schreibtisch fällt.

"Ah ... das muß es sein", sage ich und spaziere mit dem wiedergefundenen

Löschgerät, das nichts anderes ist, als ein kräftiger Magnet, aus seinem Büro.

Wer mit dem Feuer spielt, kann sich die Hände verbrennen ...

Geld wechselt den Besitzer, als der B.O.F.H. sich geheime Informationen beschafft ...

Es ist ein ruhiger Nachmittag, als mein persönliches Telefon klingelt. Ich hebe ab, höre zu und lege dann wieder auf.

"Streßabbau-Sitzung", erkläre ich dem PJ, und wir verdrücken uns in den nahegelegenen Pub.

Ich sehe, daß mein Anrufer schon da ist, also lasse ich den PJ die Getränke holen.

"Guten Tag, George", beginne ich, als der PJ und ich an seinen Tisch kommen.

"Guten Tag", antwortet George und blickt sich vorsichtig um.

"Sie haben meinen Assistenten noch nicht kennengelernt." fahre ich fort. "PJ,

George; George, PJ."

Der PJ schaut mich mit einem Blick an, den er sonst für mental Instabile reserviert hat (wofür er später noch bezahlen wird; er sollte sich vor Schränken in acht nehmen ...).

"George ist einer unserer Hausmeister", sage ich und warte darauf, daß das Gehirn des PJ auf Touren kommt.

Sein Gesichtsausdruck bleibt unverändert, also muß ich seinen Gedanken auf die

Sprünge helfen.

"George leert die Papierkörbe der Reichen und Mächtigen ..." helfe ich ihm.

Das Feuer der Erkenntnis spiegelt sich in den Augen des PJ, als er in George eine hervorragende Quelle für potentiell zerstörerische Informationen erkennt.

"Hallo", sagt er und streckt die Hand aus.

George bewegt sich nicht. Ich seufze.

"Das ist nicht die richtige Art und Weise, um George zu begrüßen", erkläre ich.

"DIES ist die richtige Art und Weise."

Wir schütteln die Hände und George läßt einen neuen 20 Pfund-Schein in seiner

Tasche verschwinden.

"Das Videokonferenzsystem ist wieder auf dem Plan." sagt George leise.

"AUSGEZEICHNET!" rufe ich. "Das klingt nach viel neuer und teurer Technik für uns."

"Nicht, wenn man der Kopie einer handschriftlichen Bestellung Glauben schenkt ..." flüstert George.

"ÜBUNG IM HÄNDESCHÜTTELN!" sage ich zum PJ.

Er kramt in seinen Taschen und schüttelt dann die Hand von George. Ein weiterer 20

Pfund-Schein verschwindet, und ein Stück Papier fällt zu Boden. Da ich ein ordentlicher Mensch bin, hebe ich es auf und stecke es ein, um es später zu entsorgen.

"Nun, wir können nicht den ganzen Tag hier herumhängen", scherze ich. "Wir haben

Arbeiten zu erledigen etc."

Wenige Minuten später studieren der PJ und ich eine Rechnungskopie mit vielen

Nullen in der rechten unteren Ecke. Viele Nullen. Eine Rechnung, die viele Glocken des ´Netzwerk-Überwachungs-Monitors´ zum Klingen gebracht hätte, wenn die

Rechnung wie üblich behandelt worden wäre.

"Erkennen sie das?" frage ich den PJ.

"Was?"

"Die Ratte." antworte ich. "Eine große Ratte mit einem flachen Schwanz, weil in der jüngsten Vergangenheit jemand darauf getreten ist."

Der PJ schaut zum Büro des Abteilungsleiters.

"Eine Ratte mit einem Gespür für unpassende Kleidung?" schlägt er vor.

"Bingo!"

Die weitere Untersuchung der Rechnung zeigt, daß die bestellten Geräte aktuelle

Versionen der Geräte sind, die vor einigen Monaten bei einem Unfall zerstört wurden, der den Vorgänger unseres Abteilungsleiters seine Stellung gekostet hat.

Sein Nachfolger hat offenbar erkannt, daß die Person, die die Anlage installiert, zum lebenslangen Freund des Geschäftsführers wird.

Um keine Zeit zu verlieren, rufe ich den Lieferanten mit befehlsgewohnter Stimme an, um die Lieferadresse zu ändern. Als ich auflege, fällt mir ein, daß die Worte ´wie besprochen´ oben auf der Rechnung stehen.

Ich fliege zur Telefonanlage und vertausche die Nummer des Chefs mit meiner eigenen. Keinen Augenblick zu früh. Die Stimme des Lieferanten klingt wieder an meinem Ohr.

"JA!" knurre ich im Chef-Modus.

"Hallo, ich wollte mich nur vergewissern, daß die Änderung der Lieferadre ..."

"WAS?! ICH HABE SIE DOCH GERADE ANGERUFEN!!"

"Ja, aber sie haben ausdrücklich gesagt ..."

"Ja, stimmt. Sie haben Recht", gebe ich zu. "Ich bin einfach nur bestrebt, die Geräte möglichst schnell hier stehen zu sehen."

"Nun, wie wäre es, wenn ich ihnen unser Vorführmodell schicke, damit sie damit ein paar Tage üben können", schlägt er großzügig vor.

Einen Tag später empfangen der PJ und ich ein hochmodernes

Videokonferenzsystem, suchen dann im Internet die benötigte Software und laden nebenbei noch ein paar nützliche Bilder herunter.

Wieder einen Tag später können wir dank der Überwachungskameras beobachten, wie der Abteilungsleiter, unser Chef, seine ´neu gelieferten´ Geräte in ein Zimmer schleppt, das ziemlich nahe beim Büro des Geschäftsführers liegt.

Kaum eine Woche später hat der Geschäftsführer seine erste Sendung hinter sich, die in allen unseren Niederlassungen gleichzeitig gesehen wurde.

Der PJ und ich diskutieren diese Sendung später.

"Ich glaube, daß das Faß zum Überlaufen gebracht wurde, als der Kopf des

Geschäftsführers auf dem Körper dieser nackten Frau erschien." schlägt der PJ vor.

"Könnte sein", stimme ich zu. "Wie auch immer, ihr kleines Filmchen, wie der Kopf des Geschäftsführers sich in den eines schinkenproduzierenden Tieres verwandelte, war wirklich ein Kunstwerk."

Unser Chef beteiligt sich nicht an unserer Unterhaltung. Möglicherweise liegt das daran, daß er so eifrig bemüht ist, seinen Schreibtisch auszuräumen, bevor der

Sicherheitsdienst in hinausbegleiten wird.

Ich habe es einmal gesagt, ich habe es tausendmal gesagt - es ist ein lustiges Spiel.

Schon einmal den Wunsch verspürt, am Arbeitsplatz Computerspiele zu spielen? Der

B.O.F.H. bemüht sich, den Spaß zu vervielfachen ...

"Hallo, ist da die Netzwerk-Abteilung?" fragt ein Nutzer.

"Natürlich. Wie kann ich helfen?" antworte ich voller Hilfsbereitschaft, die immer gut für die PR ist.

"Alle Dateien auf meinem Netzlaufwerk sind verschwunden!"

"Verschwunden?"

"Ja. Einfach verschwunden. Ich hatte einige Sicherheitskopien von Dateien, die ich für die Arbeit brauche."

"Wie lautet ihr Nutzername?" frage ich.

Er sagt es mir, doch das ist eigentlich belanglos, denn das Display unserer

Telefonanlage zeigt ja ohnehin den Namen des Anrufers, seine Zimmernummer, seinen Nutzernamen und seine Position in der Hierarchie unserer Firma an.

In diesem Fall: Name: Ronald Williams; Zimmer: 2.23; Nutzername: prsrw; Position:

´Kanonenfutter´.

"Aber ja", erwidere ich. "Und ihre Arbeit besteht darin, sich mit den verschiedenen

Versionen von Leisure Suit Larry, Doom und einigen anderen Spielen beschäftigen, ist es nicht so?"

Ich höre eine beängstigtes Keuchen, als er seinen fatalen Fehler bemerkt - doch nun sitzt er in der Falle.

"Sie waren nur zu Testzwecken da ..."

"Waren sie nicht." seufze ich. "Es sei denn, sie haben eine wirklich gute und

überzeugende Entschuldigung, damit sie nicht wegen Software-Piraterie bestraft werden."

"Bestrafung?"

"Nun, natürlich nicht, wenn sie die Original-Disketten besitzen, aber das scheint sehr unwahrscheinlich zu sein, da ihre Dateien aus gepackten Archiven bestanden ..."

"Woher wollen sie das wissen? Sie waren doch verschlüsselt!"

"Mit ihren Initialen als Passwort. Also wirklich, wenn sie nicht versucht hätten ..."

"Ich kann nicht glauben, daß sie das getan haben ..."

"Ich habe es getan. Ich habe das auch schon vorher gemacht und werde es wieder tun. Auf Wiederhören." sage ich und lege auf.

Der PJ sieht verwirrt aus.

"So kenne ich sie doch gar nicht. Seit wann kümmern sie sich um illegale Kopien?" fragt er.

"Das ist mir doch egal. Ich brauche nur Platz, um meine eigenen Spiele zu sichern.

Und ich kann nicht schon wieder den Chef übers Ohr hauen, um an eine neue

Festplatte heranzukommen."

Das Telefon klingelt wieder. Ich schaue nach der Nummer des Anrufers. Es ist

´Kanonenfutter´.

Der PJ nimmt den Anruf schließlich an.

"Alle Dateien auf meiner Festplatte sind ebenfalls verschwunden!" meckert der

Anrufer aufgeregt.

"Ich wollte nur gründlich sein", flüstere ich und überlasse es dem PJ, ein wenig zu improvisieren.

"Ja, das stimmt", antwortet der PJ. "Das liegt am ..."

>flip< >flip< Er sucht schnell eine Antwort im Ausredenkalender.

"... dynamisch-transienten magnetischen Re-Allokations-Mechanismus ihrer

Festplatte. Sie sollten regelmäßig Sicherheitskopien ihrer Platte machen."

"Aber das mache ich doch!" platzt der Anrufer heraus. "Es ist alles gesichert, auch meine Dateien auf dem Server! Könnten sie sie bitte wiederherstellen?"

"Warten sie einen Moment", antwortet der PJ. "Ich verbinde sie mit dem

Systembetreuer, der ihnen hilft, ihr Problem zu lösen. Seine Nummer ist die 8002 für den Fall, daß die Verbindung nicht klappt."

Er verbindet weiter und legt dann auf.

"Zwei Minuten, zwei Anrufe", sagt der PJ und legt einen Fünf-Pfund-Schein auf den

Tisch.

"Sechs Minuten, zehn Anrufe", halte ich dagegen und lege meinen Schein auf den des PJ.

Wir beobachten Kanonenfutters Aktivitäten auf dem Display der

Vermittlungsanlage. Nachdem nach fünf Minuten keine Verbindung mit dem

Systembetreuer zustande gekommen ist, legt er auf. Es ist allerdings nicht verwunderlich, daß der Systembetreuer den Anruf nicht entgegennehmen kann, denn die Nummer, die Kanonfutter anruft, gehört zu einem Apparat, der im Kellergeschoß hinter einer Wandverkleidung steckt. Sieben weitere Anrufversuche später stecke ich meine zehn Pfund ein.

Der PJ ist nicht gerade erfreut, denn er erwartete etwas mehr Intelligenz von diesem

Anrufer. Seine Naivität ist wirklich immer eine zuverlässige Quelle für

Überraschungen (und ein zusätzliches Einkommen).

Wir beobachten, wie unser Freund schließlich die richtige Nummer der

Systembetreuung anruft.

"Nun, da löst sich ihr zusätzlicher Plattenplatz wohl in Luft auf." sagt der PJ.

"Zehn Pfund, daß das nicht passiert", schlage ich vor.

"Da gehe ich mit", antwortet der PJ in der Hoffnung auf den doppelten Gewinn.

Ich hebe die verdreckteste Kassette mit Magnetband vom Boden auf, und wir marschieren in den Raum mit den Bandmaschinen, um auf einen Systembetreuer zu warten. Selbstverständlich müssen wir nicht lange warten, bis er kommt. Er hat ein paar Bandkassetten bei sich. Als er mich sieht, preßt er sie, aus welchen Gründen auch immer, fest an sich ...

"Lassen sie sich nicht stören", sage ich und halte deutlich meine Kassette hoch, von der prompt ein Stück vom Gehäuse herunterfällt.

"Sie haben das Band in ihrem Laufwerk gelesen?" fragt der Systembetreuer.

"Natürlich", antworte ich. "Und es funktionierte bestens - nur ein paar Lesefehler, was nicht schlimm ist für ein Band, das so alt ist."

Der Systembetreuer rollt verzweifelt mit den Augen und greift nach der Kassette mit dem Reinigungsband, die auf dem Bandgerät bereitliegt. Der PJ beobachtet verstört und ahnungslos, was passiert.

Seine Ahnungslosigkeit verschwindet, als das Reinigungsband in das LAufwerk eingelegt ist.

"Aha ..." sagt er und lauscht aufmerksam auf das Geräusch, das aus dem Laufwerk kommt. "Sandpapier ... und ... ist es ein Gleitmittel?"

Er ist gut.

"In Ordnung - und - für die zehn Pfund, die sie mir schulden ..." sage ich und nicke in die Richtung des Systembetreuers, der in Panik mit dem Auswurfknopf des

Bandlaufwerkes kämpft.

"Hm ... nein, handelt es sich um schnellhärtendes Epoxid-Harz?"

"Und der Gewinner des Tages ist ... DER PJ!" rufe ich.

Wir verlassen den Computerraum und kehren zurück in unser Kontrollzentrum.

"Wann haben sie ..." beginnt der PJ.

"... das Reinigungsband ´perfektioniert´? Vor etwa sechs Wochen - es wird normalerweise nicht benutzt, also wußte ich, daß es das perfekte Werkzeug zur ferngesteuerten Zerstörung ist. Man kann von irgendwo aus anrufen und sagen, daß man Lesefehler hat ..."

"Aber damit haben sie sich nur Zeit gekauft."

"Nicht korrekt." sage ich und entferne die Aufkleber von einigen herrenlosen

Bandkassetten, die ich vorhin im Papierkorb gefunden habe.

"Sie Bastard!" ruft er voller Respekt.

"Durch und durch, privat, im Job und immer bereit für eine Runde Netzwerk-Doom."

"Legen wir los!"

Als der B.O.F.H. mit Verschlüsselung bedroht wird, versetzt er seinem Chef den bisher größten Schock ...

Der PJ und ich marschieren durch die Korridore des Rechenzentrums, als unsere

Schritte plötzlich durch die firmeneigene Umweltschützergruppe gestoppt werden.

Wir fragen uns, warum diese Gruppe so offensichtlich gewachsen ist. Vor langer, langer Zeit wurde sie von zwei oder drei Veteranen gegründet, deren technischer

Verstand gerade dazu ausreichte, ein 8 Zoll-Laufwerk zu reparieren. Heute scheint diese Gruppe zum Ruheplatz für Drückeberger geworden zu sein.

Um den wahren Grund für die Existenz dieser Gruppe zu verschleiern (Flucht vor

Arbeit und Verantwortung), führen ihre Mitglieder lange Gespräche über neue

Entwicklungen in der Rechentechnik, wohin diese führen werden und warum, auf welche Entwicklungen man besonders achten sollte und wer davon betroffen sein wird.

An sich wäre dies ja auch nicht besonders schlimm, wenn sie (a) sich nicht in den

Korridoren oder in irgendeinem Büro versammeln würden, wo sie ganz sicher stören, oder (b) den Chef nicht manchmal mit dem Virus ihrer Zukunftsvisionen infizieren würden.

Heute ist wieder einer dieser Tage. Verschlüsseltes TCP/IP und wie es bei uns eingeführt werden könnte - das ist das Thema ihrer aktuellen

Vierstundendiskussion.

Der PJ und ich bleiben stehen ...

"Was macht dieser Typ?" fragt der PJ leise und deutet auf einen der Wortführer, der ganz offensichtlich von der Idee begeistert ist, einen seiner strategischen Pläne verwirklicht zu sehen, um mit seinem ausgezeichneten Fachwissen eine Stufe in der

Firmenhierarchie aufsteigen zu können.

"Abgesehen davon, daß er Unmengen Deodorant in die Klimaanlage versprüht?" frage ich den PJ.

"Ich bin mir nicht sicher, irgendwie sehen die alle gleich aus."

In der Zwischenzeit ist der Chef, der sich unter ihnen befindet, hellauf davon begeistert, daß er in einem einzigartigen Coup die Barrieren für den Zugriff auf die einzelnen Arbeitsplatzrechner verstärken und damit anscheinend die Sicherheit unseres Netzwerkes erhöhen kann.

Das ist nicht gut.

Zwei Stunden später marschiert der Chef mit ein paar hastig beschriebenen

Notizblättern in der Hand in unser Büro.

"Sagen sie mir", fragt er mich. "Warum benutzen wir eigentlich kein verschlüsseltes

TCP/IP?"

"Zusätzliche Last im Netzwerk", antworte ich, um zu sehen, wie gut er vorbereitet wurde.

"Aber die zusätzliche Last ist doch minimal, wenn die Verschlüsselung mit persönlichen Schlüsseln von Programmen auf den Arbeitsplatzrechnern durchgeführt wird", schlägt er vor. Da hat ihn jemand offensichtlich gut präpariert, denn diese

Thematik geht sonst weit über seinen Horizont hinaus.

"Stimmt! Das ist mir noch gar nicht eingefallen!" rufe ich begeistert.

"Nun, dann bereiten sie sich schon einmal auf die Einführung vor", antwortet er voller

Enthusiasmus.

"Selbstverständlich."

Der PJ blickt mich mit dem gleichen beunruhigten Ausdruck an wie vorhin auf dem

Gang.

"Sie werden doch nicht etwa weich?" fragt er besorgt.

"Dies hier wird für mich sprechen", antworte ich und deute auf einen soeben installierten PC, dessen Monitor einen Bildschirmschoner anzeigt.

Förmlich betätigt der PJ die Return-Taste ... und Mikrosekunden später berührt er unsanft die Wand hinter sich.

"Das ist doch gut, oder?" frage ich, als er das Bewußtsein wiedererlangt. "Das Wort

´Return´ ist mit leitfähigem Material aufgedruckt worden. Wird die Taste gedrückt, dann wird eine Verbindung mit der Erdung des Rechners hergestellt, wodurch eine hohe aber weitgehend harmlose Spannung entsteht. Ach, wie war das noch mit dem

Weichwerden?"

Der PJ zweifelt nicht mehr und hilft mir, die Anweisung des Chefs buchstabengetreu auszuführen.

Der Chef nimmt diese Nachricht mit selbstgefälligem Grinsen entgegen und verbringt den nächsten Tag damit, ein begeistertes Memo über die Sicherheit in Netzwerken anzufertigen, eine neue Ära der Sicherheit, bla bla bla bla. Er formuliert das Memo so, als hätte er höchstpersönlich und ohne fremde Hilfe nur mit seinem Feuerzeug ausgestattet die Bits und Bytes zusammengebracht, um dies alles zu ermöglichen.

Um die theatralische Wirkung noch zu steigern, legt er als Termin für die

Inbetriebnahme des neuen Systems den nächsten Montag fest.

Der Montag ist da, und der Chef erscheint mit den Chefs der IT im Schlepptau. Mit angehaltenem Atem wartet er darauf, daß es 9 Uhr wird, damit er die

Verschlüsselung einschalten kann.

Das Klicken des Sekundenzeigers mischt sich mit dem Klackern der Tastatur und dem Geräusch, das der Chef verursacht, als er in einem alten Metallregal mit vielen spitzen Ecken und Kanten landet, nachdem er die Verschlüsselung aktiviert hat.

Dann fangen die Anrufe an. Die Freisprechanlage erlaubt es den IT-Chefs mitzuhören.

"Hallo, Netzwerkbetreuung." melde ich mich.

"Hallo, hier ist die Nutzerbetreuung. Wir bekommen unzählige Anrufe von Nutzern, deren PCs nur noch TCP/IP-Fehler melden."

"Ja, das liegt an der Verschlüsselung." antworte ich.

"Aber wie können wir die Daten entschlüsseln?"

"Das geht nicht. Ich dachte, sie wissen das. Wir sollten doch nur die

Verschlüsselung einrichten."

"WOLLEN SIE DAMIT SAGEN, DASS SIE GERADE EIN SYSTEM

INSTALLIERT HABEN, DAS NICHT MIT ANDEREN RECHNERN

KOMMUNIZIEREN KANN?" fragt der IT-Boss wütend.

"Wir waren es nicht." sage ich und zeige ihm ein aktuelles Memo.

"Ja, das sehe ich." sagt der Boss mit einem eiskalten Blick auf unseren Chef.

Unglücklicherweise führen dessen vergebliche Versuche, die Verschlüsselung wieder abzuschalten, zu unnötigen Beschädigungen eines Regals. Doch zum Glück war der IT-Chef noch so nett, auch allen anderen Mitgliedern der

Drückerberger-Gruppe, die ja diese Idee hatte, einen Versuch zu gestatten, die

Verschlüsselung zu stoppen, so daß die Dinge schließlich wieder ins Lot kamen.

Status Quo wiederhergestellt - alle Systeme laufen.

Sehr zum Mißfallen des B.O.F.H. wird der PJ Opfer eines Zaubers ...

Irgendwann mußte es ja passieren. Und um ehrlich zu sein, ich wundere mich nur, warum es so lange gedauert hat. Trotz meiner zahlreichen Belehrungen, meiner anschaulichen Schilderungen der zu erwartenden Schwierigkeiten bei der kleinsten

Andeutung eines solchen Handelns und trotz meiner zahlreichen Erinnerungen an die

Konsequenzen eines solchen Verhaltens hat der PJ mich alleingelassen.

Er hat sich verliebt.

Eine der weniger erfreulichen Nebenwirkungen der ständigen Arbeit mit vernetzten

Rechnern ist das Nachlassen der eigenen Vorsicht - ganz besonders dann, wenn man so viele persönliche Mitteilungen auf dem Bildschirm des Netzwerk-Monitors mitlesen kann wie wir. Und genau dies ist dem PJ passiert - er fand ´seine´ Frau, die sich mit dem jüngsten Erbsenzähler im Internet Relay Chat (IRC) unterhielt. (Die beiden müssen verrückt sein, wenn sie annehmen, daß niemand ihre Unterhaltung belauschen kann.) Der PJ hat die Frau sofort davon überzeugt, daß er ein weitaus interessanterer Typ zum Kennenlernen ist als ein Erbsenzähler. Was freilich nicht besonders schwer war, wenn man davon ausgeht, daß das nächtliche Verlegen von

Kabeln mehr Spaß bereitet als ein Gespräch mit einem Erbsenzähler.

Das Telefon klingelt.

"Netzwerk-Service. Wie kann ich ihnen helfen?" singt der PJ mit diesem kranken verliebten Tonfall - sie wissen, was ich meine.

"Ich habe anscheinend meine Adressenliste für die Weihnachtskarten vom Server gelöscht. Könnten sie sie möglicherweise vom Backup-Band wiederherstellen?"

"Eine kleinen Moment bitte ... " >CLICK< >WHIRRRR<

>CHUNKACHUNKACHUNKA< "... da ist sie wieder."

"Oh, vielen, vielen Dank!"

"Kein Problem."

Ich überprüfe die Adressenliste - und es handelt sich tatsächlich um eine

Adressenliste, keine logische Bombe oder ein fehlerhaftes Makro. Dieser Bursche ist krank.

Ich werfe einen Blick auf seinen Netzwerkmonitor, um zu sehen, in welcher Etage heute ganz plötzlich das Netz ausfallen wird. Aber alles was ich sehe ist grün - also

kein ´unerwarteter´ Bandbreitenengpaß in Sicht. Beängstigend.

Mir fällt auf, daß das Hintergrundbild seiner Workstation sich geändert hat. Es zeigt nun jemanden, der blond und weiblich ist.

"Ist das ..." deute ich auf das Bild.

"Yep. Sieht sie nicht prächtig aus?"

Ich muß zugeben, daß das Wort ´Babe´ mir als erstes einfällt. Dann verspüre ich plötzlich das Verlangen, den Netzanschluß des Servers der Erbsenzähler lahmzulegen. Mir wird klar, daß es noch normal ist, wenn man das Bild einer anderen in der Geldbörse mit sich herumträgt. Doch das Verschicken von JPEGs mit

E-Mails ist etwas, was nur Anoraks machen.

"Habe ich ihnen schon gesagt, daß wir uns heute zum ersten Mal treffen wollen?" singt der PJ in diesem kranken Tonfall. Das klingt wie das Kratzen von Fingernägeln auf einer Wandtafel. Wirklich.

"Nein", antworte ich müde. Ich habe es ein paar Tage lang geschafft, Begeisterung und Interesse zu heucheln, denn ich hoffte, ihn dadurch zur Vernunft zu bringen, doch meine Bemühungen waren offensichtlich erfolglos.

"Wo werden sie sie denn treffen?"

"Oh, ich weiß noch nicht - ich bin ein absoluter Anfänger auf diesem Gebiet. Aber vielleicht können sie mir einen Tip geben?"

"Hmmmm ... warum versuchen sie nicht das neue Fischrestaurant in der High Street?

Es ist preiswert und wird sehr geschätzt. Und natürlich können sie mit der Karte für

´geheime´ Ausgaben vom Chef bezahlen."

"Gute Idee. Ich schicke ihr gleich eine E-Mail." Entweder ist mein ´ehrlicher´

Gesichtsausdruck noch nicht verbraucht oder er weiß es wirklich nicht besser.

Ein kleines Filterprogramm auf dem Mailserver sorgt dafür, daß die Geliebte des PJ sich nun auf Curry in Highgate freut.

Jetzt gilt es, die andere Hälfte meines Plans umzusetzen. Ich schicke den PJ weg, damit er für sein Schätzchen einen romantischen Blumenstrauß kaufen kann. Das wird ihn mindestens eine halbe Stunde lang beschäftigen, so daß ich die Gelegenheit nutzen kann, um eine Bekannte anzurufen.

Der PJ nutzt seine Chance für eine verlängerte Mittagspause (Zum Glück, den sein verliebtes Geplapper macht mich langsam verrückt.), und so ist es nicht besonders schwer, die letzten Stunden des Tages zu überstehen, bevor er mit krankem Lächeln verschwindet.

Der Morgen kommt, und ich erscheine besonders früh gegen 11 Uhr im Büro, um herauszufinden, wie der Abend meines Untergebenen verlaufen ist.

"Verdammt erschreckend. Sie war gebaut wie ein kleiner Büroblock, sie hatte eine

Stimme wie Arthur Mullard und sie redete den ganzen Abend über ihre neue

Kirsch-Entstein-Maschine."

Lustig, das klingt ganz nach Julie, der Schwester meiner Nachbarin. Aber nein, sie kann es nicht gewesen sein, denn sie hat mit Computern nichts zu schaffen. Und eigentlich dürfte sie kaum Zeit für Verabredungen haben, denn ihr Truck belädt und fährt sich ja nicht selbst.

"Aber was ist mit dem Foto?" frage ich.

"Das ist eine Fälschung. Zum Teufel, ich habe genug von Frauen!"

>Klingel<

Der PJ nimmt den Anruf an.

"Netzwerk-Service."

"Mein Netzlaufwerk ist voll."

"So?"

"Könnte ich etwas mehr Platz bekommen?"

"Natürlich gebe ich ihnen mehr Platz ... " >KLIKEDIKLAK< "... schon geschehen.

Sie haben fünf Megabyte freien Platz bekommen."

Ich schaue neugierig auf seinen Monitor: "rm -rf *". Schon besser.

Wo findet man einen PJ, wenn man einen braucht? Es ist eine echte

Herausforderung, doch ...

Ein trauriger Tag für die Netzwerk-Abteilung. Der PJ hat sich leider entschlossen, unsere Firma zu verlassen. Offenbar gibt es Wiesen die grüner sind und anziehender auf die Jungen und Ahnungslosen wirken. Er hat eine Stelle als Netzwerk-Betreuer eines Unternehmens aus der Öl-Branche angenommen, wo die Kollegen annehmbar sind und die Bezahlung vielversprechend ist.

Mit einem Anflug von Sentimentalität in seinem Blick holt er zwei Wochen nach seiner Kündigung seine Sachen. In diesen zwei Wochen lief der Chef mit dem wohlbekannten Ausdruck ständigen Verfolgungswahns herum.

Offensichtlich hat ein ´Druckfehler´ im Online-Rufnummernverzeichnis die Anzahl der Fehlverbindungen zu seinem Anschluß dramatisch erhöht. Und auch die

Änderung seiner Nummer konnte das Problem nicht lösen. Die Erkenntnis, daß er für eine Versetzung nach Wales nicht nur im Gespräch, sondern auch noch dafür ausgewählt wurde, führte zusätzlich noch zu einigen verzwickten und langwierigen

Streitereien, die ihn für einige Tage beschäftigten.

Die Vorstellungsgespräche für den Nachfolger des PJ beginnen, und es ist offensichtlich, daß das Niveau der Bewerber nicht gerade an das des echten PJ heranreicht.

Ich: "Ein Nutzer beschwert sich über die Geschwindigkeit im Netzwerk. Werden sie das Problem suchen oder den Netzwerk-Port des Nutzers sperren?"

Sie: "Ich such ..."

Ich: "Danke, sie werden von uns hören. Nächster!"

Ich: "Es ist 16:54 Uhr am Freitag und ein Nutzer ruft mit einer Frage zu TCP/IP an.

Was werden sie tun?"

Sie: "Die Frage beantworten?"

Ich: "Verzwickte Frage. Sie beantworten niemals an einem Freitag eine Anfrage nach 15 Uhr! Selbst WENN sie noch bei der Arbeit sind! NÄCHSTER!"

Ich: "Sie bemerken, daß die Firmware des Routers seit einigen Revisionen nicht mehr aktuell ist. Was tun sie: Füllen sie ein Austausch-Beantragungs-Formular aus, sorgen für die Sicherung der alten Eproms oder bestellen gleich die neue

Firmware-Version?"

Sie: "Die neue Version bestellen?"

Ich: "Nein. Sie lassen den Router alle drei Stunden abstürzen, bis der Chef sie anfleht, die Firmware so schnell wie möglich zu aktualisieren, was zu vier

Überstunden mit doppeltem Stundensatz führt! NÄCHSTER!"

Nach zwei Tagen mit Vorstellungsgesprächen entscheidet der Chef sich dazu, selbst einen Bewerber auszuwählen. Erwartungsgemäß entscheidet er sich für Ronald, den schlimmsten annehmbaren Bewerber, einen mit offensichtlichen Problemen seiner

Auffassungsgabe. Und natürlich werden die Nutzer ihn lieben, was immer ein deutliches Warnzeichen ist. Ich mache das beste aus der Situation bis ich einen Plan habe.

"In Ordnung, Ron, ich zeige ihnen ihr ..."

"Nein, Ronald, nicht Ron."

"Ja." Ich mache mir in Gedanken eine Notiz, daß ich die Platten des Bodenbelags ein wenig lockern muß ...

Dann bereite ich ihn auf seine neue Karriere im Netzwerk-Service vor, indem ich ihn den Staub aus den Kabelschächten entfernen lasse.

Zwei Tage und einen Unfall im Kabelschacht später fängt Gerald als neuester PJ an.

Ein kindischer Typ, doch immerhin ist er unfreundlich zu unseren Kunden. Trotzdem, ihm fehlt der richtige Killerinstinkt, der die Profis von den Amateuren unterscheidet.

Und im fehlt auch der technische Verstand, nicht mit dem Regenmantel mit den großen Metall-Verschlüssen auf das Dach zu steigen, um während eines Gewitters die ´Satellitenschüssel zu kalibrieren´. Ups. Aber Hautverbrennungen verheilen ja recht schnell.

Gerald folgt dem Beispiel Ronalds, indem er sich in einen langen Erholungsurlaub verabschiedet, so daß ich die Festung allein verteidigen muß. Es geht hektisch zu, denn die Anzahl der Anrufe, die ich annehmen kann während ich mit dem alten PJ

Netzwerk-Doom über das Internet spiele, ist begrenzt.

Gleichzeitig scheint es schwierig zu werden, Bewerber für den Posten des PJ zu

finden. Beinahe unmöglich, um es genau zu sagen. Es hat sich wohl herumgesprochen, daß es sicherer ist, mit laufenden Motorsägen auf einem Einrad balancierend zu jonglieren, als bei uns zu arbeiten, so daß die Bewerber in Scharen einen Bogen um unser Angebot machen.

Da ich arbeitsmäßig überlastet bin, komme ich nicht dazu, die vielen Netzwerkfehler zu beseitigen, die uns plagen - zum Beispiel den Netzanschluß des Chefs, der sich plötzlich wie ein unterbrochener Stromkreis verhält. Zum Glück bin ich immerhin in der Lage, ihm als Interims-Lösung aus meinem Bestand ein 2400er Modem zu leihen. Bei 2400 Baud brummt sein File-Server natürlich mächtig. Ganz zu schweigen vom Netzteil des Modems, das soviel Strom frißt, daß nach dem

Einschalten des Modems die Lampen in seinem Büro weniger hell leuchten.

Der Chef sieht keinen anderen Ausweg mehr, als ich ihm einen Vorschlag mache.

Wenn er eine ansprechende Prämie und einen entsprechenden Lohn anbietet, dann könne ich ihm einen Ersatz für den PJ beschaffen, erkläre ich ihm.

Der Chef greift nach dem rettenden Strohhalm und nennt zwei akzeptable Zahlen. Ich rufe den PJ an und mache ihm ein unwiderstehliches Angebot.

Dem er auch nicht widerstehen kann.

Einen Tag später hat der PJ seinen Urlaub beendet und eine kräftige Lohnerhöhung in der Tasche. Was der Chef nicht weiß, kann ihn auch nicht ärgern. Vorerst.

Als ich später dem PJ die Hand schüttle, dringt ein lauter Schrei zu uns.

Ich LIEBE dieses Geschäft.

1997

Wie kann man den Besuch der Schnüffler von der Buchprüfung heil überstehen? Der

B.O.F.H. hat ein paar Ideen ....

Die Dinge stehen nicht gut. Die Geschäftsleitung will offenbar Blut sehen. Bis jetzt gab es zwar noch keine offiziellen Verlautbarungen, doch jeder im Haus weiß, was die Besuche der Buchprüfer zu bedeuten haben ...

Die Buchprüfer gehen nicht erst zu den Chefs, was bedeutet, daß sie schon mit allen notwendigen Informationen scharfgemacht wurden. Jemand von den hohen Tieren hat sie wohl auf mich angesetzt, wenn man das Gelächter der notorischen Ja-Sager, die sich meine Kollegen nennen, richtig deutet. Oder es geht um den PJ ...

Ich erinnere mich daran, daß ich alle Mitglieder der Geschäftsleitung bei der

Mailingliste eines schäbigen Videoversands angemeldet habe, doch ich glaube nicht, daß ich mir dadurch diese Aufmerksamkeit ´verdient´ habe.

Die kleinkarierten Prüfer spielen ´Guter Bulle - böser Bulle´. Ein staatlicher

Steuerprüfer wirkt verglichen mit ihnen wie Mutter Theresa.

Ich habe noch eine Minute, bis sie in meinem Büro eintraffen, also melde ich mich noch schnell beim Router der Geschäftsführung an und starte einen Packet-Sniffer zur Überwachung der Daten. Dann richte ich die automatische

Gesprächsaufzeichnung so ein, daß sie die Gespräche für ein paar zusätzliche

Telefonanschlüsse mitschneidet.

Ich bin gerade damit fertig, als sie kommen.

"Das ist eine Sicherheitszone", rufe ich laut und spiele den schwerbeschäftigten

Arbeiter.

"Interne Buchprüfung", knurrt der böse Bulle.

"Haben sie einen Ausweis?" frage ich, um Zeit zu gewinnen, bis ich die verräterischen Zeichen von meinem Monitor löschen kann.

Ihre Fotos sind ziemlich unscharf, doch unter dem Vergrößerungsglas kann ich sie

identifizieren.

"Die scheinen in Ordnung zu sein. Wie kann ich ihnen helfen?"

"Wir sind hier, um ihre Ausrüstung zu prüfen und ins Inventarverzeichnis aufzunehmen. Halten sie sich bereit bis wir mit der Prüfung fertig sind."

"Wie lange wird das dauern?" frage ich.

"Wenn wir fertig sind, dann sind wir fertig." sagt er böse Bulle.

Ausgezeichnet. Ich schreibe ihre Namen in das Besucherbuch und lasse sie dann mit meiner Kennung durch die Tür.

Sie laufen ein wenig herum, rufen sich Inventarnummern zu und machen dabei komische Geräusche. Ich vertreibe mir die Zeit damit, daß ich die neuesten Bänder der automatische Gesprächsaufzeichnung anhöre. Es dauert nur ein paar Minuten, um dem Sekretärinnengeschwätz zu entnehmen, daß jemand in der

Erbsenzählerabteilung herausgefunden hat, daß einer unserer Mikrowellenstrahler auf das Zentrum der Erbsenzähleretage gerichtet ist und nicht in den Himmel. Es ist nicht so, daß wir den Strahler derzeit zum Senden nutzen würden ... Andererseits wäre es in bezug auf die psychsomatischen Kopfschmerzen und andere Krankheiten, die diese Strahlen vielleicht auslösen, die Mühe wert.

"In Ordnung", kommt der böse Bulle zu mir.

"Ihren Aufzeichnungen entnehme ich, daß sie im vergangenen Jahr als angeblich nicht mehr reparierbar drei Fernseher ausgemustert haben ...."

"Ah, Satellitenempfangs-Monitore", unterbreche ich ihn schnell. "Sehr schlechte

Qualität, ja."

"Zwei Stereo-Videorecorder ..."

"Recorder für die Überwachungsanlage mit zwei Audio-Kanälen. Schlechte

Qualität."

"Einen Mikrowellenherd ...."

"Ein Testgerät für die Übertragung von Mikrowellen geringer Reichweite."

"Und 112 Videos."

"Aufzeichnungsmedien für die Überwachungskameras, stimmt."

"Gekauft im Megastore?"

"Zu einem guten Preis."

"Unbespieltes Material für 15 Pfund pro Kassette?"

"Qualität kostet ..."

"Warum sind dann die Titel der Kassetten aufgeführt?"

"Ein Fehler bei der Erstellung der Rechnung. Rufen sie sie doch an. Ich bin sicher, daß sie in den Aufzeichnungen des Megastores als Leerkassetten auftauchen.

Nun ..."

"Und sie haben sie ausgemustert?"

"Die Sicherheitsrichtlinien verpflichten uns, vertrauliche Aufzeichnungen nach drei

Monaten zu vernichten ..."

"Nun, und was ist mit diesen vielfarbigen Indikator-Leuchten?"

"Wir benutzen sie hier überall ..."

"Ja, aber dabei könnte es sich um beinahe alles handeln. Selbst eine

Weihnachtsbaumbeleuchtung paßt zu dieser Rechnung."

Scharfsinnige Bastards, wirklich ...

"Ich bin sicher, daß alles in bester Ordnung ist", sagt der gute Bulle in einem Tonfall, der Vertrauen wecken soll. Zweifellos ist das die gleiche Art von Vertrauen, die in dem Satz: "Halte mir den Rücken frei, Brutus." steckt. Das kann nur eines bedeuten ....

"Nur eine Sache noch", fragte der böse Bulle etwas freundlicher. "Sie besitzen

WIRKLICH alle Ausmusterungsformulare, die von ihrem Abteilungsleiter und dem

Chef der Einkaufsabteilung unterschrieben wurden?"

Ups. Plötzlich stehen die Dinge für die Heimmannschaft gar nicht mehr so gut.

"Denn wenn sie sie nicht haben, dann MÜSSEN sie persönlich für die Verluste haften. Bei einem Buchwert von rund 5000 Pfund ..." sagt er und genießt dabei sichtlich jede Silbe.

"Natürlich habe ich die Formulare", lächle ich und deute auf den Stapel Papier, den ich für solche Situationen vorbereitet habe. "Irgendwo hier. Entschuldigen sie bitte

die Unordnung."

Während sie sich durch den Papierstapel durcharbeiten, suche ich die Autonummern heraus, die zu ihren Namen gehören, und schicke dem PJ dann eine E-Mail mit seinem Auftrag.

Eine Stunde später beschließen die Prüfer, daß der Arbeitstag vorbei ist und ziehen ab. Der PJ und ich machen es ihnen nach folgen ihnen, um Zeuge einer ´zufälligen´

Sicherheitsprüfung am Fahrzeugausgang zu werden. Der PJ und ich sind schockiert und sprachlos, als wir die Kofferraumladungen mit wertvoller ´ausgemusterter´

Technik sehen, die unsere ehemaligen Buchprüfer zusammen mit einem Stapel

Ausmusterungsformulare hinaustransportieren wollten. Die Formulare waren leer bis auf jeweils zwei verräterische Unterschriften.

"Also dahin verschwinden unsere Ausrüstungen!" platze ich heraus für den Fall, daß die Sicherheitsleute den Faden nach dem anonymen Anruf verloren haben sollten.

Status Quo wiederhergestellt. Ich biete dem PJ an, ihn mit einem Bier für den Krampf in seiner Signierhand zu entschädigen.

Das Leben an der Spitze ist hart - glaubt niemandem, der etwas anderes behauptet ...

Der B.O.F.H. hat Lust auf einen harmlosen Schwindel. Doch wie wird man den störenden Chef los? Kleinigkeit ...

Unser Chef ist tollwütig, könnte man sagen. Ich habe ihn nicht mehr so verrückt gesehen, seit der PJ und ich die Erbsenzähler davon überzeugt haben, daß Windows

95 seit zwei Jahren obsolet ist und sie auf die diesjährige Version, nämlich OS/2, umsteigen müßten.

"Was zum Teufel ist in der Werbeabteilung passiert?" stößt er hervor. "Der

Abteilungsleiter hat mich angebrüllt. Er sagte, sie hätten eine Sekretärin alle

Installationsdisketten löschen lassen und ihre Rechner mit Viren infiziert!"

"Sie machen Scherze", antworte ich und strahle tiefste Unschuld aus. "Ich habe mit niemandem in der PR-Abteilung geredet. Oder haben die mich etwa angerufen?"

"Nein, sie haben den Nutzer-Service angerufen, aber den Anruf haben sie angenommen!"

"Das kann nicht sein - ich habe den gesamten Tag mit Arbeiten am Netzwerk zugebracht." antworte ich. Unser automatischer Netzwerk-Betreuer dürfte für ein bequemes Alibi sorgen.

"Und was ist DAMIT?" ruft er und fuchtelt mit meiner Viren-Diskette herum.

"Das ist eine Diskette mit einem Virus", sage ich.

"Und warum haben sie sie mit ´VIRUS SCAN´ beschriftet?"

"Das war eine Erinnerungen für mich selbst, daß ich diese Diskette prüfen muß. Ich habe herausgefunden, daß sich tatsächlich ein Virus auf ihr befindet und sie in den

Papierkorb geworfen. Aber offensichtlich hat jemand irrtümlicherweise versucht sie weiterzuverwenden."

"Der komplette Server in der PR-Abteilung ist nun infiziert, und sie müssen den

Nutzern verbieten, ihn zu nutzen, damit sie ihre PCs nicht wieder neu infizieren."

"Natürlich", sage ich. "Aber der PJ und ich können die Dinge wieder richten."

Der PJ ist sichtlich verwundert über meine Bereitschaft, dem Plebs in der

Werbeabteilung zu helfen, doch das ist genau die Gelegenheit, auf die ich gewartet habe, um ihre Computer dazu zu nutzen, ein paar kleinere Veränderungen in den

Jahresabschlußberichten vorzunehmen. Nur wenige Betrachter haben die Reißzähne und Geweihe, die ich den IT-Chefs verpaßt hatte, im vergangenen Jahr bemerkt. Für dieses Jahr muß ich wohl eine weniger subtile Bearbeitung der Druckversionen vornehmen.

Die Sicherheitsvorkehrungen haben sie freilich verstärkt, als sie feststellten, daß die

Zahlen der Firma nicht so aussahen, wie sie aussehen sollten - die Sorte von

Zahlen, die man den Aktieneigentümern lieber nicht zeigt. Auf der anderen Seite hat sich die Druckerei über den Extra-Auftrag gefreut, deren Bonus natürlich auch die

Wohltätigkeitskasse des B.O.F.H. wieder schwarze Zahlen schreiben ließ.

"Gut", erklärt der Chef und unterbricht meine Gedanken. "Ich werde die Aktion natürlich persönlich überwachen - zur moralischen Stärkung und des

Zusammengehörigkeitsgefühls wegen ..."

Unglücklicherweise kann der Chef den Beitrag zur moralische Stärkung, den er vor einigen Tagen in der Cafeteria leistete, kaum mehr übertreffen. Er rutsche damals auf einem Fettfleck aus und plazierte sein Gesicht in einer vegetarischen Lasagne. Doch das ist nicht der Hauptgrund. Meine kreativen Gedanken werden einfach gehemmt, wenn der Chef mir ständig über die Schulter blickt.

Zeit für eine Strategie, mit der wir ihn loswerden ...

"Großer Gott!" rufe ich und trete gegen den Netzstecker des PCs des PJ. "Dieser

Blitzableiter ist einfach lächerlich."

"Welcher Blitzableiter?" fragt der Chef.

"Sie wissen doch, die Kupferleitung, die diese Seite des Gebäudes mit der Erde verbindet. Wir haben sechs Wochen auf den Wartungsdienst gewartet, der sich den

Blitzableiter über unserem Fenster auch nur anschaute."

"Aber wir haben doch mehrere Blitzableiter", antwortet der Chef, der offenbar keine

Ahnung von den aktuellen Kupferpreisen hat (oder, um etwas genauer zu sein, von den Preisen vor sechs Wochen, als der PJ und ich etwas Geld brauchten).

"Nein, nur einen - eine ökonomische Einsparmaßnahme ihres Vorgängers", füge ich als passende Ausrede hinzu, die er auch nicht widerlegen kann.

"Oh? Dann werfen wir doch einen Blick darauf!"

Ich führe ihn zum Fenster und zeige auf den Blitzableiter.

"Wozu brauchen wir einen Wartungsdienst? Sie können doch ebenfalls hinaufklettern und das Ding in ein paar Augenblicken reparieren."

"Ich bin nur für das INNERE des Gebäudes zuständig ...." sage ich.

"Oh, zum Teufel damit - machen sie das verdammte Fenster auf!" schreit der Chef nun offensichtlich im Idioten-Modus.

Fünf Minuten später ist er in einer verletzlichen Position und damit auch sehr beschäftigt.

"Ich habe gar nicht gewußt, wie hoch wir wirklich sind ..." sagt der PJ verträumt.

"Stimmt. Wenn sie aus dieser Höhe abstürzen, dann braucht man eine Schaufel, um sie in den Krankenwagen zu befördern." antworte ich.

Erwartungsgemäß blickt der Chef nach unten. Die plötzliche Blässe seines Gesichts und das Weiß seiner Knöchel zeigen an, daß er nun an seinem Platz gefangen ist und so schnell auch nirgends mehr hingehen wird.

Nachdem wir zwei Stunden in der Werbeabteilung mit dem ´Beseitigen´ von Viren zugebracht haben, sieht der Jahresbericht perfekt aus. Zumindest dann, wenn man den Werbe-Chef mit einer John Lennon-Brille und einem Dollarschein als Zunge sowie zwei sehr konservative IT-Bosse, die Händchen halten, gern sieht.

Natürlich haben sich die Zahlen der Firma auch nicht verbessert - nun schon in zwei aufeinanderfolgenden Jahren.

Ich bleibe kurz stehen, um dem Chef zuzusehen, der in seiner neuen und ziemlich attraktiv aussehenden Zwangsjacke aus dem Haus begleitet wird. Der Wachdienst muß ´seine´ Notizen über Streß und Arbeitsüberlastung auf dem Fensterbrett gefunden haben.

Das sieht nach einem neuen Spitzenwert moralischer Unterstützung aus ... Und auch der nette kleine Bonus von den Druckern sollte nicht vergessen werden.

Der Chef der Erbsenzähler hat einen drittklassigen Plan ausgeheckt, um den

B.O.F.H. und seinen Gefährten auszutricksen. Wie konnte er nur ....

Es geschieht nicht oft, daß wir durch einen Besuch des Chefs der Erbsenzähler

´geehrt´ werden.

In Wahrheit kam es bisher nur einmal vor, daß er den Frieden in den heiligen Hallen des B.O.F.H. störte, als er herausgefunden hatte, daß die ´satellitengestützte

Datentransfertechnologie´ anscheinend auf ein Buchmacherbüro gerichtet war und hauptsächlich Resultate von Pferderennen übetrug.

Ich spüre, daß er mir diesmal etwas zu sagen hat, das wichtig ist. Er sieht aus, als sei er wirklich sehr zufrieden mit sich selbst. Sein gutgenährtes Gesicht zeigt einen

Ausdruck, der eine unheimliche Ähnlichkeit mit dem eines Wolfes hat, der ein einsames Schaf beobachtet. Er richtet sich zu seiner vollen Größe von einem Meter sechzig auf und spricht mit freundlicher, aber merklich nervöser Stimme.

"Angesichts der Tatsache, daß ihre Vorstellungen von technischem Service ziemlich eigenwillig sind, um es vorsichtig auszudrücken, haben wir uns entschlossen, uns einen eigenen Server zuzulegen und einen eigenen Netzwerkbetreuer einzustellen."

Er schweigt vornehm, damit mir die Schlußfolgerungen seiner Rede bewußt werden.

"Kann ich das so auffassen, daß sie nicht zufrieden mit dem Service sind, den mein

Assistent und ich ihnen bieten?" erwidere ich und deute auf den PJ.

"Er?" gluckst der Erbsenzähler. "Er ist nichts anderes als ein Psychopath."

Der PJ strahlt wegen dieses Kompliments. Die Anklage aus der höheren Etage geht weiter.

"Wir werden einen richtigen Netzwerkbetreuer einstellen, so daß wir sie beide nie mehr in die Nähe unseres Netzes lassen müssen. JEDER den wir finden ist verglichen mit ihnen eine Verbesserung."

Schreckliche Worte, doch ich war sowieso gelangweilt.

Etwa eine Woche später wird uns das entsprechende Rundschreiben von einem

Briefträger der Erbsenzähler gebracht. (Es ist offensichtlich, daß die vorangegangene Konfrontation mit uns den gesamten Mut des Chefs der

Erbsenzähler aufgebraucht hat.) Ab 9 Uhr sind wir nicht mehr für das Netzwerk in der Finanzabteilung zuständig.

Ich gebe die Notiz dem PJ und sehe die Angst in seinen Augen aufleuchten. "Nun, da wir nicht mehr für die Erbsenzähler zuständig sind, haben sie wohl ihre eigenen

Router", sage ich und ziehe ein paar Stecker. Interessanterweise meldet das kleine

Testgerät, das ich in ihre Kaffeemaschine eingebaut habe, daß sie noch immer Daten aus dem Netz bekommen ... hmmmm ... nicht schlecht, diese Typen.

Ich tippe schnell eine Nachricht und ziehe sie auf das Pager-Icon auf meinem

Desktop. Ein paar Sekunden später klingelt mein wirklich furchtbar privates Handy.

Der PJ ist fasziniert und verängstigt; nur wichtige und mächtige Personen kennen die

Nummer dieses Handys. Und wenn es klingelt, dann bedeutet das normalerweise, daß wir wirklich in Gefahr sind. Der PJ hat das Handy noch nie in Aktion gesehen, deshalb beobachtet er es wirklich sehr ängstlich.

"Hallo? Ja, das ist richtig ... ja, ich meine ... nein, wir haben absolut keine

Zugriffsrechte. Es wird vollständig vom neuen Netzwerk-Operator gepflegt. Oh, sie sind das, wirklich? Das ist schön ... ja, in Ordnung, Victoria-Station in fünfzehn

Minuten."

Der PJ sieht verwirrt aus und wird noch mehr von dem Feueralarm verschreckt. Ich erkläre, daß der Alarm wohl etwas mit dem Rauch zu tun hat, der aus der

Erbsenzähler-Zentrale kommt, und er eilt nach draußen, um sich die Sache anzuschauen. Der Groschen fällt, er kommt wieder zurück und will von mir wissen, woher ich wußte, daß etwas in der Erbsenzähler-Etage nicht stimmt, denn ich konnte weder den Rauch noch die Feueralarmüberwachung sehen.

"Nun, sie erinnern sich an Martin?"

"Was, den Mann, dem sie mich einmal vorgestellt haben?"

"Ich habe sie so vielen Leuten vorgestellt ..."

"Okay, den mit dem Pferdeschwanz und der Fixierung auf Alkohol, dessen

Temperament und Verhalten den Nutzern gegenüber uns beide wie den heiligen

Franz von Assisi aussehen läßt?"

"Ja, das ist er."

"Von dem sie letzte Woche erzählt haben, daß er eine Arbeit sucht?"

"Hmmm ... nun, er war eher derjenige, dessen Name durch einen seltsamen Zufall ganz oben auf der Bewerberliste der Erbsenzähler stand." erkläre ich.

Ihm dämmert plötzlich, weshalb ich in der vergangenen Woche so viel Zeit mit dem

Stöbern in der Personal-Datenbank verbracht habe - und weshalb ich so wild darauf war, dem netten Arbeitsvermittler ein paar freundliche Vorschläge zu machen.

Ein Gedanke kommt mir noch. "Halt, halt ... warten sie, bis sie den Router sehen, den

die Erbsenzähler sich zugelegt haben. Das ist eines von diesen zusammengeflickten

Dingern, wie man sie nicht gerade oft sehen kann. Ich verspreche ihnen, daß die

Erbsenzähler noch viel Ärger mit dem Ding haben werden. Es gibt auf der ganzen

Erde nur zwei Leute, die das Betriebssystem des Routers kennen, und das sind die zwei, die es geschrieben haben. Einer von ihnen sitzt vor ihnen."

"Und der andere?"

"... kennt die Nummer meines privaten Handys und ist nun auf dem Weg zum Pub um die Ecke. Kommen sie, ich habe ein paar Biere zu kaufen."

Jemand hat herausgefunden, wohin die ´befreiten´ Telefone verschwinden. Es ist höchste Zeit, ´B´ für Bastard zu wählen ....

Wir haben ein Problem. Der Chef hat sich vorgenommen, mit Geld, das viel sinnvoller für andere Dinge angelegt werden könnte, die Telefone in der Firma zu standardisieren.

"Warum tut er das?" fragt der PJ

"Weil er irrtümlich glaubt, daß das irgendeine Auswirkung auf die Anzahl der

Telefone hat, die jedes Jahr ´befreit´ werden und dann bei den Angestellten landen."

"Sie meinen, die Telefone werden GEKLAUT?!" fragt der PJ, der offenbar noch glaubt, das Verbrechen mache einen Bogen um unsere Firma.

"Natürlich", rufe ich. "Das gehört einfach zur Arbeit im Büro dazu. Es war auch schon immer so. Im Tausch gegen ein neues Telefon bekommt die Firma lebenslange

Loyalität und ein weiteres uraltes und riesiges Monster aus dem Jahr 200 vor Christi

Geburt, was ganz nebenbei eine gute Rechtfertigung für all den Platz ist, den wir im

Erdgeschoß für uns reserviert haben ...."

"Und das funktioniert wirklich?"

"Logisch. Denken sie sich eine Nummer aus. Irgendeine Nummer!"

Der PJ tippt eine Nummer und schaltet die Lautsprecher ein.

"Hallo, Entwurfsabteilung."

"Hallo, die Netzwerkbetreuung ist hier. Es scheint, als hätten wir ein kleines

Problem mit ihrem Telefon mit der Seriennummer 138728."

Mein Monolog wird durch das Geräusch unterbrochen, das ein in Panik auf die Gabel gelegter Telefonhörer verursacht.

"Was ist passiert?" fragt der PJ.

"Ich würde sagen, jemand ist im Moment damit beschäftigt, die Treppen hinunter und nach Hause zu rasen, um ein Telefon zu holen. Merken sie sich, wie wirksam die

Nennung einer Geräte-Seriennummer ist, um die Leute aus dem Gebäude zu jagen ..."

Der PJ und ich beobachten, wie ein Angestellter aus dem Haupteingang rennt und

über die Straße zur nächsten U-Bahn-Station hetzt. Dann rufe ich die Nummer erneut an ...

"Hallo", meldet sich schroff eine Stimme im Gestörter-Chef-Modus.

"Pete", plaudere ich los. "Zum Glück erreiche ich dich noch. Grüße Sheryl von mir, wenn du sie siehst, du Verführer."

"WER IST DA?"

Ich lege schnell auf.

"Ich bin sicher, daß zumindest SEINE Abwesenheit nicht bemerkt werden wird ... nun, lassen sie uns nach oben gehen und sein Schreibtischtelefon klauen. Er wird zu geschockt sein, um sein Firmentelefon wieder mit nach Hause zu nehmen.

Bis zum Zahltag muß er wohl ohne Anrufe auskommen."

"Sie sind wirklich ein Bastard", gibt der PJ widerwillig zu.

"Natürlich. Und jetzt gehen wir zum Chef ..."

"... und wie soll das den Diebstahl verhindern?" frage ich den Chef, nachdem ich mir seinen Vorschlag angehört habe.

"Weil es sich um ein spezielles Modell handelt - mit einem schmalen Gehäuse und

Digital-Display, das in DIESER Ausführung nur für DIESES Unternehmen hergestellt wird. Und natürlich wird das Firmenlogo aufgedruckt sein."

"Nun, ich glaube, sie sind da ein wenig vom richtigen Weg abgekommen", stellt der

PJ völlig richtig fest. "Wenn sie ein Telefon haben wollen, das niemand klauen kann, dann machen sie es 20 Pfund schwer und lassen es wie Schrott klingen."

Braver Junge.

Der Chef ist etwas verwirrt, denn er weiß, daß er seinen Vorschlag der

Geschäftsführung zur Genehmigung vorlegen muß. Und er will nicht, daß wir seinen

Plan stören ...

Ich entscheide mich, ihn vorerst in Ruhe zu lassen.

"Nun, wir können nicht den ganzen Tag hier herumlungern. Das Netzwerk muß gewartet werden und so weiter."

Sehr zu seiner Erleichterung marschieren wir aus seinem Büro.

"Ich glaube nicht, daß die Geschäftsführung seinen Plan genehmigen wird", vermutet der PJ, als wir unser Büro betreten.

"Verlassen sie sich lieber nicht darauf", antworte ich. "Kleben sie das Firmenloge auf irgendetwas und sie werden ihnen alles genehmigen - besonders dann, wenn die

Konkurrenz noch nicht auf diese Idee gekommen ist ..."

Ich lasse den PJ allein und begebe mich in die Räume der Geschäftsführung, um die

Präsentation unseres Chefs ´vorzubereiten´. Zum Termin der Präsentation halten wir uns in der Netzwerkzentrale auf, als ein Anruf des Chefs kommt.

"Warum funktioniert die Testleitung nicht?" knurrt er erwartungsgemäß.

"Keine Ahnung", sage ich. "Wir sind schon unterwegs."

"Sie müssen nicht ..."

Schnell wie ein Blitz sind der PJ und ich im Präsentationsraum.

"Na sowas", ruft der PJ, der seinen Text perfekt beherrscht. "Neue Telefone, die genauso aussehen wie die, die die Konkurrenz gerade eingeführt hat."

Alle Köpfe drehen sich herum, als unser Chef in die Rolle des Verlierers schlüpft - er weiß genau, daß man niemals die Konkurrenz kopieren wird.

"Und da haben wir auch schon das Problem", sage ich und löse meinen Blick vom

Testgerät. "Es ist das Anschlußkabel dieses Modells. Ich werde mir eine entsprechende Notiz machen."

Ich hole meinen persönlichen Disorganiser hervor, den ich zu Beginn des vergangenen Jahres bei einem Nutzer befreit hatte. Auf das Gehäuse habe ich neulich ein Firmenlogo geklebt.

"Was ist das?" will einer aus der Geschäftsleitung wissen.

"Oh, nur ein Organiser. Ich habe das Firmenlogo aufgeklebt, damit er auf

Konferenzen nicht mehr so leicht verwechselt oder gar geklaut wird."

"Davon könnte ich auch einen gebrauchen." kommt die Antwort, auf die zustimmendes Gemurmel folgt.

Unserem Chef dämmert, daß er nun endgültig verloren hat.

Wie geplant sitzen der PJ und ich zwei Stunden später im Pub um die Ecke, wo wir ein paar Biere trinken, die wir mit dem Geld bezahlen, das wir soeben als Prämie für unseren Vorschlag, ´Firmen-Organiser´ einzuführen, bekommen haben. Nun, wenn es nicht so einfach wäre, könnte man es beinahe als Herausforderung bezeichnen.

Der Chef kocht sein Süppchen in der falschen Mikrowellenschüssel, so daß der

B.O.F.H. ihn wieder einmal ganz einfach ausmanövrieren kann ....

Der Chef ist auf dem Kriegspfad! Statt wie ein tapferer Mann seine Niederlage bei der jüngsten Firmentelefonaffäre einzugestehen, will er sich an uns rächen und versucht nun, uns das Leben zur Hölle zu machen.

Dabei zwingt er uns jeden einzelnen Sicherheitsstandard auf, den die Menschheit kennt. Hinzu kommt noch, daß er persönlich überprüft, wann wir zur Arbeit kommen und Feierabend machen. Und auch vom kreativen Erfinden von Abrechnungen, womit wir sonst den größten Teil unserer Arbeitszeit verbringen, hält er uns dadurch ab.

Das ist nicht gut.

Nun, Angriff ist die beste Verteidigung.

Und natürlich dauert es auch nicht lange, bis der PJ und ich ins Büro des Chefs

kommen sollen, weil wir vergessen haben, Warnschilder bei den geöffneten

Kabelschächten aufzustellen. Meine Befürchtungen bestätigen sich, als ich den Chef der Personalabteilung neben dem Chef sitzen sehe. Er war noch nie ein großer Fan von mir oder dem PJ - zumindest nicht mehr, seitdem wir uns im Rahmen von

Reparaturarbeiten an der Telefonanlage ein wirklich sehr privates Telefongespräch, das er mit seinem Arzt über ein sehr persönliches Problem führte, mithören mußten.

Vielleicht hätten wir ihm nicht dafür danken sollen, nicht ´vorschnell´ gehandelt zu haben ...

Der Chef beginnt seinen Angriff. "So sehr ich solche Sachen auch ablehne, doch in diesem Fall kann ich einfach kein Auge mehr zudrücken. Ich fürchte, ich muß sie beide nach diesem gefährlichen Sturz schriftlich und vor der Belegschaft verwarnen." sagt er.

"Den gefährlichen Sturz in drei oder vier Zoll Tiefe?"

"Was nichts daran ändert, daß es ein gefährlicher Sturz war", antwortet er aufgehetzt vom Personalchef.

"Könnte ich einmal mit ihnen persönlich reden?" frage ich ganz um sein Vertrauen bemüht.

"Nein, das wird nicht nötig sein", antwortet der Chef.

"Oh, ich habe eigentlich nicht sie gemeint. Ich meinte den Repräsentanten aus der

Personalabteilung. Denn da wir gerade über Sicherheitsrisiken reden, dachte ich, der

PJ und ich könnten mit ihm über den billigen Mikrowellen-Sender reden."

Wie durch ein Wunder wandelt sich die Stimmung im Zimmer. Könnte es daran liegen, daß der Chef sich daran erinnert, WER die besagte Sendeschüssel empfohlen und (gegen den ausdrücklichen Rat der Netzwerk-Techniker) bestellte?

"Vielleicht könnte ich ein oder zwei Minuten entbehren", sagt der Chef schmallippig.

"Nun, es geht hauptsächlich um eine Vorsichtsmaßnahme, müssen sie wissen", sage ich, als wir unter vier Augen miteinander sprechen. "Da dies meine letzte

Verwarnung ist, kann ich nicht damit rechnen, daß mein Arbeitsvertrag noch einmal verlängert wird. Und deshalb muß ich natürlich jemanden finden, der sich um diese

Sendeschüssel, die sie im vergangenen Jahr empfohlen haben, kümmert und alle zwei oder drei Wochen einmal auf das Dach klettert, um die Befestigungsschrauben anzuziehen. Offenbar neigt sich die Schüssel immer mehr nach vorn, so daß sie irgendwann direkt auf das Dach strahlen wird. Wir hätten das alles nicht herausgefunden, wenn sich nicht einer der Mitarbeiter im Büro direkt unter dem Dach darüber gewundert hätte, daß der Kaffee in seiner Tasse immer dann zu kochen anfängt, wenn wir mehr als 20 Prozent der verfügbaren Bandbreite nutzen ..."

Der Chef ist, wie wir unter uns Fachleuten sagen, gefangen in einem Kanu ohne

Paddel und rast auf den Wasserfall zu. Er versucht erfolglos, seine Angst zu verbergen, die ihn überfällt, als ihm die möglichen Folgen für seine Karriere bewußt werden. Und, was noch wichtiger ist, wer für seinen Sturz verantwortlich wäre ...

"Wer war doch gleich der Angestellte?" fragt er und simuliert leises Interesse.

"Oh, sie kennen ihn!" antworte ich. "Wilson, Wilkins - etwa so klang sein Name. Sie wissen doch, der Kerl, der immer wegen Kopfschmerzen und ähnlichem Krimskrams fehlt."

Der Wasserfall kommt immer näher. Er WEISS, daß wir eine unterschriebene Kopie seines Schreibens (natürlich zusammen mit unserer Antwort) sicher an einem feuersicheren Ort hinterlegt haben, zu dem er erst dann Zugang erhält, wenn der

Teufel Frostschutzmittel und Wolldecken bestellt.

52 Sekunden später sind wir wieder im Büro ...

"Nun, damit ist die Sache dann hoffentlich erledigt", sagt der Chef sehr zum Ärger des Personalchefs. "Es hat den Anschein, daß die Warnschilder aufgestellt

WAREN. Ja, ich glaube, ich habe sie sogar selbst gesehen! Nun, sollten sie sich nicht besser an die Arbeit machen und die Reparatur abschließen ..."

"Wir sind schon unterwegs", stimme ich zu. "OH! Das hätte ich doch beinahe vergessen. Hier sind noch die Stundenabrechnungen, die sie vorhin nicht unterschreiben wollten! Ah! Ich sehe schon, warum sie sie beanstandet haben! Der

PJ und ich konnten die ... ähm ... dringenden Wartungsarbeiten nicht in unserer regulären Arbeitszeit beenden, deshalb haben wir sie ja in zwei Sonntagnächten

gemacht. Ich werde das Formular ausfüllen, so daß sie gleich unterschreiben können."

Der Personalchef verschwindet mit einem Fluch, von dem ich ganz sicher weiß, daß er von der Unternehmensleitung nicht gebilligt wird, und der Chef unterzeichnet die

Überstundenabrechnung über eine Summe, die vermutlich dem Bruttosozialprodukt eines kleinen kommunistischen Staates entspricht.

Der Sieg und die Bezahlung der Überstunden gehören uns, deshalb zeige ich guten

Willen und überlasse dem Chef eines der Back-Ups, die wir außerhalb der Firma lagern.

"Was war das?" fragt der PJ.

"Oh, ich habe dem Chef nur sein Memo über die Anschaffung der Sendeschüssel zurückgegeben."

"Sind sie sicher, daß das eine gute Idee war? Er wird das Back-Up einfach zerstören."

"Das ist vermutlich das beste", antworte ich. "Nach allem, was geschehen ist, war das die einzige Aufzeichnung über die Schüssel, die noch existierte. Und ohne

Aufzeichnungen ...."

"Ich rufe den Schrotthändler an."

Verkatert und gezwungen, die Nutzer-Betreuung zu übernehmen - wäre er nicht der

B.O.F.H., wäre es ein schlimmer Tag ...

Es ist ein schwerer Tag in der Netzwerkzentrale und ich habe einen Kater, der selbst die tapfersten Superhelden zum Heulen gebracht hätte.

Ich weiß nicht mehr genau, wie ich nach Hause kam, aber ich glaube, daß eine sehr, sehr lange Taxifahrt und die Kreditkarte von irgendjemandem dabei eine Rolle gespielt haben ...

Nachdem wir den gestrigen Tag auf der Computer-Messe am anderen Ende der

Stadt mit dem ´Ködern´ von Lieferanten zubrachten, war es einfach unvermeidlich, daß wir danach mit einigen dieser speichelleckenden Verkaufsmanager in den

Nachtclubs landeten, um jeden Drink auszuprobieren, den es gibt. Der Erste, der zusammenbricht, hat verloren - das Geschäft, die Initiative und seine

Firmenkreditkarte, wenn er nicht hinschaut.

Wegen meines Gesundheitszustandes habe ich beinahe vergessen, daß wir dem

Chef mitgeteilt haben, daß der PJ und ich natürlich gern die Vertretung in der

Nutzer-Betreuung übernehmen, während sie bei einem Arbeitsschutz-Seminar lernen, wie man ein ganzes Wort eintippt, ohne gleich an RSI (Repetitive Strain

Injury - Tastaturkrankheit), oder wie man das heute auch nennt, zu sterben. Der

Chef ahnte zwar, daß wir etwas im Schilde führen, doch hat er natürlich nicht den

Mut, uns mit seiner Anwesenheit zu ´erfreuen´. Und ihm fehlt wohl auch das geistige

Auffassungsvermögen um herauszufinden, worum es uns geht. Aber das ist ja keine

Überraschung.

Nun, soll er bei dem RSI-Seminar zusammen mit all den anderen Halbtoten sich doch darüber wundern, daß die Gesundheits- und Arbeitsschutzvorschriften der Firma zwar vorschreiben, daß alle Mitarbeiter daran teilnehmen müssen. Sein Protest, er hätte schon an diesem Seminar teilgenommen, verpuffte aber wirkungslos, denn in der Personaldatenbank war weder ein entsprechender Eintrag vorhanden (Ups!), noch besitzt er die

´Sie-kommen-aus-dem-Gefängnis-frei´-RSI-Kurs-Teilnahmekarte.

Der PJ und ich haben andererseits schon verschiedene dieser Zertifikate und entsprechende Einträge in der Datenbank, obwohl wir noch immer keine Ahnung davon haben, wie der Seminarleiter aussieht oder worum es bei diesen

Veranstaltungen eigentlich geht.

Im Bewußtsein seiner Niederlage zieht der Chef leise und unauffällig davon.

In der Zwischenzeit habe ich im Benutzer-Service die Rauchmelder wieder angeschlossen, nachdem ein kleines Feuerchen das Zertifikat des Chefs über seine

Teilnahme am RSI-Seminar verbrannt hat. Ich verdächtige das Heizungssystem - es

hat wohl Überstunden gemacht.

"Hallo, ist dort die Nutzer-Betreuung?"

"Ja, sie sind richtig." antworte ich liebenswürdig und hilfsbereit.

"Können sie mir die Nummer des Modem-Pools geben?"

"Natürlich kann ich!" antworte ich und nenne dann die Nummer eines Fax-Gerätes aus der vierten Etage, was sie wohl für ein paar Wochen erfolgreich verwirren wird.

Ich lege auf und bin gerade am Einschlafen, als das Telefon wieder klingelt.

"Mein Laptop läuft immer langsamer. Können sie mir helfen?"

"Natürlich kann ich das. Aber sagen sie mir nicht, daß sie noch immer mit der

Stromfiltereinheit arbeiten?"

*DUMMY MODE EIN*

"Die Stromfiltereinheit?"

"Ja, die Einheit, die den Strom für ihren Laptop filtert. Normalerweise ist sie schwarz und ungefähr drei Zoll lang und zwei Zoll breit."

"Oh .... ja, ich sehe sie."

"Gut, dann müssen sie erst einmal die Filtereinheit durch das filterlose Kabel ersetzen."

"Das filterlose Kabel?"

"Ja, es lag mit in der Verpackung des Laptops. Wahrscheinlich liegt es noch dort."

"Aber ich habe die Verpackung in den Müll geworfen!"

"Hmmm. Nun, ich könnte ihnen eins bestellen, aber haben sie für die Zwischenzeit denn ein ungenutztes Netzkabel?"

"Uuuuhhhmmm ..."

"Leihen sie sich einfach eins von einem anderen Rechner - das ist dann deren

Problem."

"Ja, ha ha", lacht er ins Telefon.

Was für ein Einfaltspinsel.

"Gut, jetzt schalten sie den Laptop und den Stromfilter aus, dann schneiden sie das

Kabel zwischen dem Stromfilter und dem Laptop etwa in der Mitte durch und entfernen etwas von dem Isolationsmaterial. Dann müssen sie nur noch die beiden

Kabelenden in die Anschlußdose des neuen Netzkabels einführen ..."

"Das habe ich gemacht."

"Und das Netzkabel anschließen."

"Okay, vielen Dank."

Er legt auf und ich beginne in Gedanken mit dem Countdown. Ungefähr zehn

Sekunden später geht der Feueralarm los, was ich als vielversprechendes Zeichen werte ...

Am Ende des Tages kommt der Chef ins Büro. Er wirkt nicht gerade begeistert.

Offensichtlich hat er etwas vom Ratschlag des PJ gehört, der einem Nutzer empfohlen hat, die Passwörter für die Bildschirmschoner auf allen Rechnern in seiner

Abteilung zur Erhöhung der Sicherheit durch völlig zufällige

Buchstabenkombinationen zu ersetzen. Die Nachricht von der Aussperrung aus den

Computern verbreitete sich nach der Mittagspause innerhalb weniger Minuten im gesamten Haus ...

Angesichts der Ahnungslosigkeit und des offensichtlich naiven Verständnisses von

Sicherheit, das der PJ zeigt, kommt der Chef herein, tobt ein wenig über die verlorene

Zeit, Produktionsausfall, Verschwendung von Firmengeld, unzufriedene Kollegen, bla, bla, bla ...

Wir stimmen pflichtbewußt seinen Argumenten zu und versprechen, uns in der

Zukunft zu bessern, sollten solche Probleme noch einmal auftauchen.

"Übrigens", fährt der Chef mit einem Stirnrunzeln fort, "haben sie mein Zertifikat

über die Teilnahme am RSI-Seminar gesehen? Ich könnte schwören, daß ich es auf den Tisch dort drüben gelegt habe ..."

Auf der Suche nach der Urkunde verläßt er uns, während ich die Rauchmelder abschalte und der PJ einen Eintrag in der Personaldatenbank aktualisiert ...

Es sieht so aus, als hätten wir morgen wieder Arbeit, Arbeit, Arbeit ...

Der B.O.F.H. wird mit ultimativer Bürokratie konfrontiert. Aber er hat keine Lust darauf ...

Der Geruch von Fisch liegt in der Luft. Faulem Fisch. Im besten Falle ist es der von geschmortem Thunfisch.

Der Chef hat gute Laune. Ja, er strahlt richtig. Das kann nur etwas Schlechtes für uns bedeuten. Ganz besonders angesichts der Tatsache, daß er in letzter Zeit verdächtig oft mit einem der Firmenanwälte telefoniert hat.

Leider wurden die Gespräche nicht aufgezeichnet, da der PJ vergessen hatte, die

Kassetten des Gesprächsrekorders auszutauschen. Nun, diesen Fehler wird er nicht zweimal machen - dafür wird der elektrische Tacker sorgen ...

Es liegt also ganz offensichtlich etwas in der Luft - der Chef hat uns für 10:30 Uhr zu einem Gespräch eingeladen, zu einer Zeit, die wir sonst gar nicht kennen.

Der selbstgefällige Ausdruck in seinem Gesicht überzeugt mich vollends davon, daß er glaubt, er sei in einer unangreifbaren Position.

"Gentlemen", sagt er mit einem völlig untypischen Tonfall der Kameraderie. "Warum nehmen sie sich nicht eine Stunde unbezahlten Urlaub und besorgen sich neue

Kleidung?"

Der PJ antwortet prompt.

"Und warum nehmen sie sich nicht eine Stunde bezahlten Urlaub und lassen sich f ..."

"WIE BITTE?!" unterbreche ich ihn und rette den PJ davor, mit seinen Worten eine

Disziplinarmaßnahme zu provozieren. "Wie sie sicher wissen, ist es uns erlaubt, die

Kleidung zu tragen, die zur Natur unserer Arbeit paßt."

"Es sei denn", sagt der Chef und hält eine mit vielen Unterstreichungen versehene

Kopie eines Vertrages hoch, der so aussieht wie der, den wir unterschrieben haben, als wir in der Firma anfingen. "Es sei denn, ihre Arbeit schließt Kontakte ein mit ..."

Er schweigt für einen Moment, um uns Zeit zu geben, seinen Satz zu vervollständigen und kostet sichtlich jede Milisekunde aus ...

"... es beginnt mit einem K ...", fügt er hinzu, "... und endet mit einem N ...."

Weder der PJ noch ich haben eine Ahnung, so daß der Chef das Rätsel selbst auflöst.

"KUNDEN."

"Oh", sagt der PJ. "Das war nicht das K-Wort, an das ich gedacht habe. Aber ich schätze, wir reden trotzdem über die gleichen Leute ..."

Mit einer Handbewegung unterbreche ich ihn und bringe die Sache auf den Punkt.

"Wir arbeiten nicht mit Kunden", erkläre ich als redete ich mit einem einfältigen

Kind.

"AHEM", antwortet der Chef und zündet die Bombe, die er bisher versteckte. "Es war die Idee der Geschäftsführung wie auch die der Nutzerbetreuung, daß die

Nutzerbetreuung und die anderen Abteilungen nun offiziell ihre Kunden sind." Sein selbstgefälliger Gesichtsausdruck sagt alles. Diesmal hat er seine Hausaufgaben gemacht.

"Und was schlagen sie vor?" frage ich.

"Die normale Repräsentanten-Kleidung. Anzug ..."

Der PJ keucht.

"... Hemd, Krawatte ...."

Ich unterdrücke das Würgen in meinem Hals.

"... und natürlich besohlte Schuhe, vorzugsweise Leder."

"Nun", fasse ich zusammen. "Wir stimmen nicht oft in unserer Meinung überein, aber ich muß zugeben, daß sie Recht haben. Morgen werde ich bereit sein."

Die aufgerissenen Augen des PJ zeigen, daß er an meinem Verstand zweifelt. Aber der Chef ist auch kein Idiot. Nun, natürlich ist er einer, aber für den Augenblick lasse ich ihm seinen Frieden, denn er riecht sicher schon den Braten, kann aber noch nicht genau sagen, wo der Haken ist. Wir verlassen ihn um nachzudenken ...

Am nächsten Tag drehen sich alle nach uns um, als der PJ und ich wie befohlen im

Anzug erscheinen, und präsentieren dem Chef die Rechnung für unsere neue

Kleidung, der plötzlich unter einer dramatischen Herzattacke zu leiden scheint.

Eine Stunde später hat die Schwester ihn wiederbelebt, nachdem der PJ und ich die

Gelegenheit genutzt haben, seinem Schreibtisch mit dem Defilibrator ein paar

Kratzer und Schrammen zu verpassen und den Arbeitsplatz-PC des Chefs zu zerlegen.

"Wo bin ich?" fragt der Chef.

"In ihrem Büro." antworte ich. "Sie hatten offenbar einen Zusammenbruch."

"Das stimmt. Was VERDAMMT NOCHMAL IST DAS?!" fragt er und deutet auf die

Rechnung.

"Das ist die Rechnung für unsere Kleidung. Erinnern sie sich daran, daß in unserem

Vertrag steht, daß die Firma für jede speziell zu Arbeitszwecken angefertigte

Kleidung bezahlen muß. Wußten sie, wie schwer es ist, innerhalb von sechs Stunden echte italienische Schuhe mit Stahlkappen, die professionell aussehen, zu bekommen? Sie mußten sie extra einfliegen!"

"Damit kommen sie nicht durch!" knurrt er und läßt seinen Blick wieder auf die große

Ansammlung von Zahlen am unteren Ende der Rechnung fallen.

"Nun, befürchten sie nicht", antworte ich versöhnlich. "Befürchten sie nicht, daß sie sich auf dem falschen Gleis befinden. Einer der netten Buchhalter mit einer Vorliebe für Internet-Strip-Shows hat uns gestern einen Blankoscheck gegeben ..."

"Dann werde ich ihn eben SPERREN!" sagt der Chef knurrend, die Aussicht auf seinen Sieg schon deutlich vor Augen.

Soviel Zuversicht, daß selbst die Überreste seines PCs davon wieder zum Leben erweckt zu werden scheinen ...

Ich gebe ihm noch eine zehnminütige Behandlung mit herzschlagsteigerndem Strom, bevor ich die Firmenkrankenschwester erneut rufe, während in der Zwischenzeit der

PJ unseren Kleiderlieferanten anruft, damit der den Scheck schnell einlöst ...

Und da sagen manche noch, Nadelstreifen seien eine Garantie für Erfolg ...

Der B.O.F.H. hat Ärger, weil er nicht an einem Seminar teilnimmt ...

Die Dinge stehen schlecht. Die Kräfte der Finsterniß (die Brigade der Mißmutigen) bereiten mir Probleme. Der PJ und ich wurden zu ´politisch unkorrekten Personen´ erklärt, weil wir nicht an einem Seminar über ´Belästigungen am Arbeitsplatz´ teilgenommen haben.

Der Chef hat offensichtlich seine Hände im Spiel, denn schließlich war er es, der darauf hinwies, daß wir NIEMALS an einem dieser Zwangstreffen teilgenommen haben; ich führe diese Handlungsweise auf die neulich verabreichte elektrische Erste

Hilfe zurück.

Erwartungsgemäß wird ein Treffen mit der Personalchefin und dem Chef der

Betriebsgewerkschaft (die Abteilung der Besorgten) angesetzt.

"Ah, ja", beginnt die Personalchefin. "Offenbar haben sie nie am Seminar über

Belästigung am Arbeitsplatz teilgenommen."

"Stimmt", antworte ich. "Die Wahrheit ist, daß wir in unserer Position einfach zu beschäftigt sind, um (a) jemanden zu belästigen; oder (b) an einem Seminar darüber teilzunehmen, was wir nicht tun sollen."

"Gut, das dürfen sie ruhig annehmen, aber ich kann ihnen nur versichern, daß die

Teilnahme an diesem Seminar Vorschrift für Mitarbeiter und Vertragspartner ist. Ich glaube nicht, daß ich sie daran erinnern muß, daß ihr Arbeitsvertrag vorsieht, daß sie an allen relevanten Seminaren teilnehmen müssen", sagt sie mit Stahl in der Stimme, der die Dicke von Panzerstahl erreicht hat.

"Ich glaube nicht."

"Entschuldigung?!"

"Nun, nehmen wir für einen Augenblick, und wirklich nur, um ihre These zu widerlegen, einmal an, daß der PJ oder ich wirklich jemanden belästigen wollten.

Nehmen wir zum Beispiel sie. Würde ich als Netzwerk- und

Kommunikations-Ingenieur den weiten Weg bis zu ihrem Büro gehen, um dann laute und unanständige Geräusche oder Bemerkungen zu ihnen oder über sie zu machen, die sie (und natürlich auch ich) als Belästigung auffassen könnten? ODER würde ich

stattdessen aus einer unangreifbaren Position heraus - zum Beispiel dem Büro des

Chefs - ein paar Bilder finden und veröffentlichen, auf denen sie weniger Kleidung tragen, als das der Standard in unserem Haus vorsieht?"

Plötzliche Stille macht sich im Raum breit. Die Personalchefin sieht aus, wie jemand, der jetzt lieber an irgendeinem anderen Ort wäre und völlig vergessen hat, weiter seine Axt zu schärfen.

"Ich weiß nicht, worauf sie anspielen, mögl ...." fängt Frau Liebenswürdig an.

"Oh, auf nichts, das versichere ich ihnen. Ich bin sicher, daß das nur ein Problem mit der Klimaanlage war, das die Sicherheitska ..."

"HALT! Ich glaube nicht, das wir dieses Thema jetzt noch weiter vertiefen müssen", unterbricht mich der Gewerkschaftschef. "Zumindest nicht, wenn der Beweis ..."

Mit anderen Worten, er will die Bänder.

"Nun, wie ich schon sagte, dies war nur ein Beispiel", antworte ich. "Und es war völlig frei erfunden. Doch wo wir gerade bei Fakten sind, stimmt es, daß demnächst eine Lohnerhöhung geplant ist?"

Er sieht einen Rettungsanker. "Ah, es gab Gespräche über ..."

"Ausgezeichnet. Der PJ und ich haben gehofft, daß dies der Fall ist."

Verhandlungen beendet. Der PJ und ich ziehen uns in unser Büro zurück, um die

Lohnerhöhung zu verplanen. Zwei Tage später halten wir die schriftliche Bestätigung der Lohnerhöhung in den Händen und sind einmal mehr zufriedene Mitarbeiter. Der

Chef andererseits ist nicht so zufrieden. Wieder hat er gegen uns verloren und sich in eine Ein-Mann-Armee verwandelt, die wütend durch die Abteilung marschiert, um ein Opfer zu suchen, das sich nicht wehren kann.

Das Telefon klingelt. Es ist die Nutzer-Betreuung.

"Hallo?" melde ich mich.

"Ist dort die Netzwerk-Abteilung?"

"Sie wissen, wer wir sind."

"Wir haben ein ... Problem, daß wir gerne gelöst hätten."

"Hardware oder Software?"

"Ähmmm ... Bossware."

"Das könnte teuer werden ..."

"Ein Abend für vier mit Drinks und Essen im Dorchester auf unsere Kosten?"

"Gut, wir kümmern uns darum."

"Oh! In Ordnung."

"Keine Ursache."

Ich liebe Anrufe dieser Art. Ich informiere den PJ über das Geschäft.

Später an diesem Tag stürmt der Chef herein auf der Suche nach der Person, die den

Mail-Server heruntergefahren hat.

"Das war wohl ich", erkläre ich. "Sie haben uns doch gesagt, wir sollen den Server in den Computer-Raum stellen. Aber die Elektriker haben die Stromleitungen noch nicht geprüft."

"RICHTIG!", antwortet er bissig. "Ich komme wieder, um mich mit IHNEN zu unterhalten, wenn ICH den Server wieder hochgefahren habe."

Wie vorschnell. Der PJ und ich sehen, wie das Netzteil des Servers eine Rauchwolke ausstößt, als der falsch verkabelte Netzstecker 400 Volt statt der erwarteten 240 liefert. Es ist unserem Sicherheitssystem zu verdanken, daß im Notfall die Türen der betroffenen Räume sofort geschlossen werden, damit niemand irrtümlich in einen

Raum gelangt, der sich mit Ozon füllt. Andererseits kann auch niemand mehr heraus ... Der Chef in dem Raum greift nach der Sauerstoffmaske.

"Er muß verrückt geworden sein! Er lachte wie ein Wahnsinniger, stürmte in den

Raum und ging auf die Technik los!" erkläre ich den Leuten vom Sicherheitsdienst etwas später.

Der Chef lacht noch immer (offensichtlich findet er irgendetwas unheimlich lustig), als sie in hinaustragen ...

Der B.O.F.H. und der PJ machen ein paar Konsultationsbesuche ...

Zum ersten Mal in seiner Karriere hat der Chef etwas richtig gemacht! Das ist verwunderlich, doch irgendwie hat er es geschafft, ein paar Konsultationsbesuche mit anderen lokalen Unternehmen zu verabreden, um den kollegialen Austausch von

Informationen und Erfahrungen über Netzwerke zu fördern.

Das könnte ihm so passen!

Wir wissen, daß es sich dabei nur um eine List handelt, mit der er uns loswerden will, um nach den drei Blanko-Bestellformularen, die seine Unterschrift tragen, zu suchen, die wir von ihm erpreßt haben, indem wir damit drohten, den Geschäftsführer darüber zu informieren, was ein Tisch und eine Sekretärin unter reger Beteiligung unseres Chefs im Beratungsraum der Geschäftsleitung getrieben haben. Wer hätte gedacht, daß die Erweiterung der Gesprächsaufzeichnungsanlage um eine

Infrarotkamera sich so schnell auszahlen würde?

Und in Konsultationsbesuchen erkennt ein erfahrener Bastard natürlich SOFORT eine Möglichkeit zur Aufrüstung der eigenen Hardware. Der PJ und ich bereiten uns auf die Besuche vor, indem wir die leider für längere Zeit nicht mehr gebrauchten falschen Böden in unsere Aktentaschen einsetzen und sie dann mit veraltetem

Netzwerkzubehör füllen.

Gemäß unserer Absprache hat der PJ bereits ein halbes Dutzend

10/100 MBit-Ethernet-Karten gegen unsere alten 10 MBit-Karten ausgetauscht, als der Netzwerk-Manager, den wir zuerst besuchen, mir die ganze Schönheit seiner

Technikregale vorgeführt hat. Es ist beinahe so, als nähme man einem Baby die

Bonbons weg - und läßt ihm dann noch das Einwickelpapier ...

Unser zweiter Besuch führt uns in ein etwas sichereres Unternehmen, das eine leichte Herausforderung verspricht. Jedenfalls solange, bis wir zur Mittagszeit in ein

Lokal gehen, um sieben oder acht Biere zu trinken, auf die ein paar Tequilas folgen.

Ein geringer Preis für Router-EPROMs mit der neuesten Version der Firmware, für die unser Lieferant ein mittleres Vermögen kassieren wollte, während der

Netzwerk-Manager unseres Gastgebers friedlich schnarcht.

Da ich ein gutmütiger Trottel bin, werde ich die EPROMs später als

´Fehlerbereinigung´ mit der Post zurückschicken, nachdem ich ein paar kleine

Änderungen an der internen Logik vorgenommen habe.

Ich bin sicher, der derzeitige Vorteil unseres Konkurrenten wird zu unserem

Vorsprung, wenn die "Benutze das am meisten belastete Segment"-Anweisungen ausgeführt werden ...

Wir werden nur einmal unterbrochen, als ihr PJ (so grün, daß er einmal mit einem

Rasenmäher zusammengebracht werden sollte) hereinkommt, um zu sehen, was wir machen.

Aber das Winken mit meiner Metro-Monatskarte überzeugt ihn davon, daß wir das

Wartungsteam ihres Zulieferers sind und routinemäßig die Hardware prüfen. Es bricht mir wirklich das Herz, daß ich diese Leichtgläubigkeit nicht bestrafen kann.

Die Auswirkungen des Mittagessens bringen den PJ, der auf dem Gebiet der alkoholischen Künste noch ein wenig unerfahren ist, dazu, sich vom anderen PJ den

Ort zeigen zu lassen, den selbst Könige zu Fuß aufsuchen. Der andere PJ vergißt natürlich achtlos seine Tasche mit der Nutzerkarte ...

Sekunden später fällt der Strom aus, was nur bedeuten kann, daß seine

Erholungspause den PJ am Sicherungskasten vorbeigeführt hat. Die Dunkelheit, der wahre Freund eines jeden Bastards, wird nur noch durch einige

NOTAUSGANG-Schilder gestört, die ein wenig flackern und schließlich auch ausgehen. Nun, das nenne ich einen guten Lehrling.

Schneller als man "Hochkapazitäts-Speicherplatz-Downgrade" sagen kann führe ich ein solches an einem PC durch, was zugleich einen spürbaren Gewichtszuwachs für meine Aktentasche bedeutet. Ich komme rechtzeitig nach draußen, um den PJ unseres Gastgebers über eine Kabelrolle stürzen zu sehen, die ich auf meinem Weg in den Raum zufällig von einem Regal herunterstieß.

Die Lichter gehen wieder an, und ich sehe, wie der PJ dem anderen PJ in einen Stuhl hilft. Der arme Tropf sieht etwas verstört aus, also entschließe ich mich, ihm ein wenig unter die schwachen Arme zu greifen, indem ich ein paar Anrufe entgegennehme.

"DAS VERDAMMTE NETZWERK IST TOT!" schreit ein Nutzer in einer

Lautstärke, die bei uns dazu geführt hätte, das uns jemand Krankengeld zahlen muß.

Hier scheint sowas üblich zu sein.

"Ja, das liegt am Stromstärkeabfall, der durch die starke Nutzung verursacht wird." antworte ich. "Sie sollten ihre Rechner im Niedrigstrom-Modus benutzen, um solche

Ausfälle zu vermeiden."

"Wie kann ich das tun?" fragt der Nutzer und läßt mich wieder an die guten alten

Werte wie Vertrauen und Bestrafung denken.

"Schalten sie erst einmal alle Rechner in ihrem Büro ab. Auf der Rückseite jedes

Rechners finden sie den Schalter, um den Niedrigstrom-Modus einzuschalten. Dann schalten sie die Rechner gleichzeitig wieder ein."

"Sie meinen die 115 Volt-Einstellung?" will der Nutzer wissen.

"Sie haben es!"

"Danke."

"Keine Ursache!" rufe ich, als der PJ und ich nach draußen eilen.

Unser Abgang wird begleitet von lautem Krach aus den Büros im Erdgeschoß, der in meinen Ohren wie fröhliche Musik klingt ...

Die letzte Station unserer Konsultationsreise ist eine Überraschung. Wir besuchen unseren Konkurrenten, der uns vor einiger Zeit übernehmen wollte.

Sieht aus wie eine Falle ...

Meine Befürchtungen bewahrheiten sich, als ich die vielen kleinen Löcher für die versteckten Überwachungskameras bemerke, die die Wände der Korridore und der

Büros so unauffällig auffällig zieren. Nun, das erhöht den Reiz ein wenig ...

Ich liebe die Herausforderung, aber das sagte ich wohl schon ...

Der B.O.F.H. und der PJ helfen einem Konkurrenten, seine PSIK-Probleme zu lösen ....

Es ist Zeit für den letzten Besuch auf unserer Konsultationsreise. Und diesmal scheint es sich um eine wirklich harte Nuß zu handeln ...

Die Netzwerk-Zentrale scheint direkt aus dem Science-Fiktion-Land zu kommen, eine echte Sicherheits-Zentrale und eine Schatztruhe volle komplizierter Geräte.

Meine Finger beginnen sofort zu zittern, doch Vorsicht ist jetzt die wichtigste

Parole. Der PJ nimmt die hervorragende Sicherheitsausstattung ebenfalls wahr und paßt sich entsprechend an.

Ein Telefon in meiner Nähe klingelt, und ich nehme den Anruf hilfsbereit entgegen, wobei ich vorhabe, das gute alte FDISK-Programm zur Fehlerbehebung einzusetzen, doch das verräterische Piepen des Gesprächsrekorders macht mir klar, daß alles, was ich sage, gegen mich verwendet werden kann und wird. Ich gebe ein paar unnütze Floskeln als Ratschlag von mir, dann lege ich wieder auf. Mein Gegenpart beobachtet mich mit dem selbsgefälligen Ausdruck von jemandem, der genau weiß, wie sicher seine Einrichtung ist.

Dieser Bastard!

Bei der Besichtigung der Kommunikationsanlagen zeigt er mir topmoderne und neue

Technik, für die ich sogar dem Chef keine Streiche mehr spielen würde, um sie zu bekommen - was meinen allgemeinen Kummer nur noch verstärkt.

"Ziemlich gut, oder?" kommentiert mein Gegenspieler. "Ich bin mir sicher, daß sie solche Technik auch bekommen werden ... irgendwann ...."

Dieser Doppel-Bastard!

Zur Mittagszeit habe ich beinahe alle Hoffnung aufgegeben - es sieht aus, als hätten sich die Mächte gegen mich verschworen. Selbst in der Cafeteria bemerke ich überall

Kameralinsen. Außer ...

Der PJ interpretiert das plötzliche Leuchten in meinen Augen korrekt und stellt sich für den Bruchteil einer Sekunde so, daß niemand sieht, wie ich das alte

Hausmittel - ein wenig Abführmittel - in den Nachtisch meines Gastgebers schmuggle. Das mag zwar nicht besonders fair sein, doch wie sagt man so schön, in der Liebe und im Netzwerk-Geschäft ist alles erlaubt ...

Wie geplant erreicht der Ruf der Natur mein Gegenstück ein paar Stunden später, so daß der PJ und ich endlich mit der Arbeit beginnen können. Er stolpert zufällig über ein Kabel und landet mit dem Gesicht auf der Kontrollkonsole der

Kamera-Überwachung. Dabei zieht er sich im Dienst unserer Sache ein paar

Quetschungen zu. Die Überwachungskameras befinden sich nun im

Alzheimer-Modus, und ich starte auf jedem PC, den ich von hier aus erreichen kann, die SNMP-Testprogramme.

Sekunden später stürmt jemand herein, den ich als den Chef meines Gegenstücks identifizieren kann, und wettert über erschreckend hohe Antwortzeiten im Netzwerk.

Doch eigentlich kann das gar nicht so schlimm sein, es sei denn, die 400 ungenutzten

PCs im Gebäude schicken jede Sekunde SNMP-Fehlermeldungen durchs Netz ...

"Das sieht aus wie das PSIK-Problem, das wir mit neuer Hardware vor ein paar

Monaten hatten." kommentiere ich hilfsbereit

"PSIK?" fragt er.

"Ja, Pseudo-Standard-Interface-Konflikte", antworte ich. "Die neue Hardware hält sich meistens an keinen Standard, was auch prächtig funktioniert, solange die Geräte nicht an ein Netzwerk angeschlossen werden und mit anderen Geräten keine Daten austauschen. Wenn sie aber angeschlossen werden, dann gibt es früher oder später zwangsläufig Probleme ..."

"... wenn nur noch Fehlermeldungen durch das Netz geschickt werden." vollendet der

PJ, der meine Taktik schnell durchschaut hat.

"Was können wir dagegen tun?" fragt der Chef-Verschnitt. "Mein Netzwerkbetreuer hat mir nichts davon berichtet!"

"Sie machen Scherze!" erwidere ich entsetzt. "Sie meinen, er füllt keine täglichen

Reports aus, in denen er protokolliert, womit er den Tag verbringt? Natürlich! Großer

Gott, aber sagen sie bitte nicht, er hätte keine Netzwerk-Dokumentation für solche

Fälle!"

"Hat er nicht!"

"Aber das hat doch oberste Priorität bei dieser Arbeit! Kein Wunder, daß sie

Probleme mit all diesen neuen Geräten haben!! Ich spreche es ja nicht gern aus, aber es hat ganz den Anschein, als hätte er sie mit irgendwelchen technischen Floskeln an der Nase herumgeführt ... Ich sage ihnen, was wir tun können - denn sie sind ja ein guter Bekannter meines Chefs. Ich werde ihnen ein paar unserer Geräte leihweise überlassen, damit wir ein paar von ihren Geräten mitnehmen und die Fehler lokalisieren und beheben können."

"Das würden sie tun?!?!" freut er sich, die Rettung des Netzwerkes vor Augen.

"Natürlich! Aber nur, wenn sie nicht glauben, wir hätten ihnen nur noch mehr technische Floskeln, Fachbegriffe und Geek-Geschwätz vorgesetzt."

"NEIN. Ich bin in der Lage, allein technische Entscheidungen zu treffen. Sagen sie mir, was wir ersetzen müssen und sie können es mitnehmen, wenn sie gehen ..."

"Gut, dieser Gigabit-Ethernet-Switch sieht verdächtig aus." antworte ich.

"Und vergessen sie nicht diesen kleinen Handheld zur Netzwerk-Analyse" ergänzt der PJ.

... fünf Minuten später ...

"Und zum Schluß noch diesen Dual Audio-Kanal Video-Monitor."

"Sie meinen den neuen 29 Zoll Stereo-Farbfernseher des Geschäftsführers?!?!?" jammert er.

"Ich wette, der verursacht allein schon die Hälfte aller Fehlermeldungen." antworte ich.

Innerhalb einer halben Stunde vermißt ihre Kommunikationszentrale nichts als einige fehlerhafte Geräte. Ich organisiere die Anlieferung einer Ladung mit

Netzwerk-Zubehör, das so alt ist, daß man die Bytes beim Wandern beobachten kann und mache Pläne für die Verhandlungen, die zwangsläufig folgen werden.

Ich kann es kaum erwarten, die Rechnung für die "Behandlung" jedes Gerätes, das wir untersuchen und als standard-kompatibel einstufen, zu sehen ...

Ja, diese Konsultationsbesuche machen sich wirklich bezahlt ...

Dem B.O.F.H. wird von seinen Kollegen ein Preis verliehen ...

Es ist ein ruhiger Montagmorgen, als der Chef ins Büro hereinschlendert. Er streicht wie eine Katze um dem sprichwörtlichen Brei.

"Wie lief der Router-Verkauf?" will er wissen. Er kann seine Zufriedenheit darüber, daß er es geschafft hat, einen Router zu verkaufen, der so kaputt war, daß er nicht einmal mehr den Selbsttest schaffen würde, um als Anker zu dienen, kaum verbergen.

"Sie kamen und haben ihn abgeholt." antworte ich und denke an den armen Tropf, der den Router von uns gekauft hat und mit ziemlicher Sicherheit gerade damit beschäftigt ist, ein Feuer zu löschen. "Ich glaube noch immer, daß wir nicht ganz korrekt gehandelt haben."

"Klingt wie ein Fall von später Reue", gluckst der Chef selbstgefällig.

"Tatsächlich?" erwidere ich. "Ich dachte wirklich, daß es ein Router war! Man kann diesen ausländischen Weinen auch nicht mehr trauen - nach Tschernobyl kann man nie wissen, ob sie radioaktiv sind ...."

Der Chef schaut mich an, als sei ich ein völliger Dummkopf, doch der PJ bleibt ruhig, denn er kennt meinen Plan.

"Wie HABEN sie die Leute überzeugen können?" frage ich, um das Bedürfnis des

Chefs nach Anerkennung und Verehrung zu befriedigen.

"Oh. Ich habe ihnen gesagt, daß es ein Originalgerät ist und noch immer so gut, wie an dem Tag als wir es kauften." kichert er, um sich selbst zu beweisen, was für ein

Genie er ist ...

Und das ist ein Glaube, gegen den ich nichts habe, denn heute ist der erste

April - Bastard Boss Tag - und ich will endlich einen Preis bekommen, um den ich mich schon seit vielen Jahren bemühe.

In diesem Jahr habe ich beschlossen, dem Chef das Netzwerk als Speichermedium zu verkaufen. Ich muß noch ein paar Andeutungen machen, damit er seine gewaltige

Intelligenz von dem Versuch, seine Schnürsenkel zuzubinden abwendet und mir zuhört.

"Es ist doch ganz einfach!" rufe ich. "Wir haben überall diese Gigabit Ethernet

Switches herumstehen, aber nutzen sie nicht! Statt sie im Leerlauf ungenutzt zu lassen, könnten wir doch ständig die Daten durch das Netz senden, bis jemand sie braucht und benutzt. Das würde auch den Bedarf an Festplatten drastisch senken!

Und dann noch die Wartezeit, die durch die Verzögerungen bei Lese- und

Schreibzugriffen auf den Festplatten entsteht! Die könnten wir einsparen, wenn die

Daten immer im Netz verfügbar wären!"

"Das wird niemals funktionieren", kontert der PJ verabredungsgemäß. "Unser

Netzwerk ist viel zu klein - die Daten wären schon wieder zurück, bevor sie vollständig abgeschickt wurden."

"Nicht, wenn wir die Leitungen etwas verlängern, um eine kurze Verzögerung zu bewirken", antworte ich. "Zehn Cat-5-Kabelrollen dürften genügen."

"Ja!" lächelt der PJ. "Das stimmt - daran hatte ich noch gar nicht gedacht."

Unsere Diskussion hat den Chef überzeugt. Wenn der PJ mir sofort zugestimmt hätte, dann wäre der Chef vorsichtiger gewesen und hätte das Schlimmste vermutet.

Doch nun hat er den PJ "auf seiner Seite", also ist die Sache sicher.

Wie ein Schaf im Schlachthof ...

"Ausgezeichnet. Ich bin mir sicher, daß der Geschäftsführer zustimmen wird!"

"Wären sie so nett, ihm zu sagen, daß es meine Idee war?" frage ich und bringe die letzten beiden Sargnägel an. Jetzt ist er völlig davon überzeugt, daß die Sache sicher ist. Und nichts wird ihn davon abbringen, den ganzen Ruhm selbst einzuheimsen.

Er verschwindet zum Geschäftsführer, während der PJ und ich versuchen, gelassen in unser Büro zurückzulaufen. Ich schalte die Überwachungskamera im Büro des

Geschäftsführers ein und starte den Videorekorder.

Diese kleine Aufzeichnung wird mir ganz sicher die Trophäe einbringen, die ich schon so lange verdiene - den begehrten "IT-Idiot-Preis" für den dümmsten Chef, den ich am heutigen Abend in einem zentralen Pub in London bekommen werde, wo ich mit ein paar befreundeten B.O.F.H.s verabredet bin ....

Die Aufzeichnung startet gerade rechtzeitig ...

"Wie auch immer ..." schnattert der Chef aufgeregt und mit gespielter Intelligenz drauflos. "Ich lief durch die Abteilung, als mir der Gedanke kam. Angesichts der steigenden Kosten für Festplattenplatz wäre es doch eine interessante Sache, das

Netzwerk als Speicher zu nutzen ..."

Er fährt fort und schmückt wortgewaltig das aus, was wir ihm als "Futter" vorgesetzt haben, und erwähnt ganz nebenbei, daß er gerade eine Bestellung über zwanzig Cat-5-Kabeltrommeln abgeschickt hat.

Die Explosion ist unvermeidlich. Der Geschäftsführer, dessen Praxiswissen zwar gerade dazu ausreicht, eine elektrische Schreibmaschine zu bedienen, hat andererseits sechs Jahre damit verbracht, Erstsemesterstudenten die theoretischen

Grundlagen von Netzwerken beizubringen.

Der PJ und ich kopieren alles für den Fall, daß uns jemand "bestrafen" will ...

Später in der Nacht verputze ich ein oder zwei Biere im Pub, um meinen neuen Preis zu feiern. Trotzdem, ich spüre eine gewisse Unzufriedenheit. Vielleicht hätte ich den

Chef besser davon überzeugt, die Liftkabel auch als Stromleitungen für die USV zu nutzen.

Ach was, es gibt ja noch das nächste Jahr ....

Die Netzwerk-Zentrale wird in ihrem Fundament erschüttert, als die Dinge kopfstehen ....

Die Dinge entwickeln sich nicht gerade so, wie ich das geplant hatte. Ja, beinahe scheint ein Wechsel der Karriere angebracht zu sein. Ich wurde zu einem dienstlichen Gespräch eingeladen, um auf einige Beschwerden über meine

"Arbeitsweise" zu reagieren ...

Um den Schein von ´Fairness´ zu wahren, sorgt der Chef dafür, daß als Zeuge sein guter Freund und mein ewiger Feind, der Personalchef, anwesend ist. Aber auch wenn ich, natürlich nur bei wenigen Gelegenheiten, Differenzen mit ihm habe, so rechne ich doch mit seiner Professionalität. Ich bin sicher, daß er nur das Kriegsbeil begraben will ...

"Simon", beginnt der Chef. "Wir haben formelle Beschwerden über sie von einem neuen Systemprogrammierer bekommen. Er erklärt, daß sie sich grundlos anstößig ihm gegenüber benehmen."

"Ich fürchte, daß ich nicht die leiseste Ahnung habe, worüber sie reden."

"Er behauptet, sie hätten ihn aufgefordert, er könne sie an gewissen Körperteilen lecken."

"Wie bitte?" frage ich schockiert. "Da muß ein gewaltiger Irrtum vorliegen. Als ich ihn zuletzt getroffen habe, sagte ich ihm, daß ich einen Systemabsturz hatte, den er sich einmal anschauen sollte. Ich kann doch nicht dafür verantwortlich gemacht werden, daß er mich falsch interpretiert."

"Sie kamen von der Toilette."

"Reiner Zufall. Ich habe es erwähnt, als die Gelegenheit sich bot."

"Erwähnt? Das war wohl eher lautes Geschrei, oder? Ich glaube, sogar ich habe es noch gehört."

"Ich gebe zu, daß es etwas lauter als ein Flüstern war, aber das tat ich nur aus

Respekt vor seinem reichhaltigen und professionellen Wissen ..." (Nun, einen

Versuch war es wert ....)

"Die Worte ´lecken sie meinen´, nun, sie wissen schon, was ich meine, haben nach

MEINER Meinung nichts mit professionellem Respekt zu tun."

"Natürlich werde ich mich entschuldigen, falls ich eine Störung des guten Klimas in der Abteilung hervorgerufen habe - ich werde mich jetzt sofort entschuldigen!"

"Sie wissen so gut wie ich, daß der Programmierer gekündigt hat."

"Nein, das ist mir neu. Wie kam es denn dazu?"

"Es hat den Anschein, als sei er beunruhigt über die häufigen Explosionen seiner

Geräte gewesen."

"Wirklich? Möglicherweise gab es wieder Probleme mit seinem USV-System. Erst

kürzlich hatten wir damit Schwierigkeiten ..."

"Ja, ich habe auch bemerkt, daß der Chefbuchhalter für unsere Abteilung ebenfalls gekündigt hat. Er sprach von zuviel Streß am Arbeitsplatz."

"Nun, ich finde auch, daß die Hersteller von Geräten nicht mehr das sind, was sie einmal waren." antworte ich. "In der guten alten Zeit reagierten die Geräte etwas toleranter, wenn es kleinere Fehler gab."

"Meinen sie damit die 400 Volt-Netzkabel, für die die Elektriker keine Erklärung haben?"

"Wirklich? Das wußte ich nicht. Jemand hat meinen Strom- und Spannungsmesser gestohlen."

"Damit meinen sie wohl das Meßgerät, das mit der Hauptleitung im

Beratungszimmer verbunden ist und bei dem die 10 Ampere-Skala eingeschaltet ist, so daß die Sicherungen auf der Etage jedesmal durchbrennen, wenn der

Overhead-Projektor eingeschaltet wird?"

"Wirklich? Wer würde denn sowas machen?"

"Haben sie eine Begründung dafür, daß der Sicherheitsdienst ihre Fingerabdrücke auf dem Gerät gefunden hat?"

"Ich muß bei meiner Arbeit viele Geräte anfassen. Das ist meine Aufgabe."

"Das sehe ich. Nun, die Sache liegt nicht mehr bei uns. Der Geschäftsführer will sich persönlich mit ihnen unterhalten."

Persönliche Gespräche mit dem Geschäftsführer sind höchst selten. Und beinahe immer sind sie Anlaß für eine ´Kündigung´.

Der Chef und ich werden in das Zimmer des Geschäftsführers gebeten ...

"Was gibt es bei ihnen eigentlich für Probleme?" knurrt der Geschäftsführer.

"Wollen sie die Antwort mit technischen Fachbegriffen oder verständlich für Laien?" frage ich höflich.

"Für den Anfang versuchen sie es so, daß ein Laie es versteht."

"Ich und mein Auszubildender sind die einzigen Angestellten im ganzen Betrieb, die wirklich wissen, was wir tun."

Der Chef schüttelt den Kopf und lächelt humorlos.

"Ja, ich habe gehört, daß das der Fall ist." antwortet der Geschäftsführer, der bei einem Familientreffen durch den PJ informiert wurde. Diese Familientreffen sind eine fantastische Einrichtung ...

"Entschuldigen sie!" unterbricht der Chef leidenschaftlich. "Ich glaube, sie übersehen da etwas."

"Natürlich tue ich das." lächelt der Geschäftsführer wohlwollend. "Wir sind, natürlich, traurig, daß sie uns verlassen wollen."

"Was? Ich denke überhaupt nicht daran, eine Kündigung zu unterschreiben. Und sie können mich nicht dazu überreden!"

"Aber das haben sie doch schon getan", antwortet der Geschäftsführer etwas verwirrt und zeigt ein Schriftstück mit der rasch hingekritzelten Unterschrift des

Chefs.

"Aber wer kann mich denn ersetzen?" murmelt der Chef resigniert.

"Er sitzt vor ihnen." lächelt der Geschäftsführer.

"Sie wollen sich um das Netzwerk kümmern?!" ruft der Chef.

"Nein ...."

"Aber wer ..." Unglaube und Angst tragen einen kurzen Kampf um die Vorherrschaft auf seinem Gesicht aus. "Das meinen sie nicht ernst!"

"Aber natürlich meint er es ernst", antworte ich schnell. "Nun, ich höre, daß sie eine

Arbeit suchen. Und ganz zufällig haben wir eine freie Position in unserer

Netzwerk-Abteilung zu vergeben. Sie werden natürlich mir unterstellt sein ..."

Manchmal kann das Leben schrecklich sein, aber wenn es gut ist, dann ist es

WIRKLICH gut.

Der B.O.F.H. unterzieht seinen neuen Schützling einer würdigen Taufe ... Und sieht ihn erblühen ...

Jetzt bin ich also in einer hervorragenden Manager-Position. Das zusätzliche

Einkommen als Manager genügt schon, um mir den Tag zu versüßen.

Die Möglichkeiten, zur Umleitung von Geldern, die für weniger wichtige Projekte

(Aufrüstung der Hardware der Service-Abteilung) vorgesehen sind, in wichtige

Projekte (neue Hardware für die Netzwerkzentrale) sind zahlreich. Und der

Zuckerguß auf der Torte ist die Tatsache, daß mein früherer Chef jetzt mein

Untergebener ist ...

Und bis jetzt habe ich noch keine Beschwerde gehört. Ich beschließe, mein Glück mit den anderen zu teilen. Der PJ hatte schon immer den Wunsch, nach New Orleans zu verreisen. Im WWW finde ich schnell eine passende Konferenz, bei der ich ihn anmelde.

Er ist hocherfreut, da er noch nie in New Orleans war. Der Ex-Chef erwartet einen

ähnlichen Gefallen, und ich kann mir nicht verkneifen, ihn zu enttäuschen. Ich zeige ihm, wo er den Staubsauger findet und dann auf der Karte alle Räume, die zu unserer

Abteilung gehören ...

Eine Woche später sind beide wieder da, der Ex-Chef wirkt etwas seltsam, was wohl daran liegt, daß er die meiste Zeit im Dunkeln zugebracht hat. Wie konnte ich nur vergessen, ihn daran zu erinnern, daß einige der Schränke in unseren Räumen keine Griffe an den Innenseiten der Türen haben? Ups.

Immerhin hatte er noch den Verstand, das Netzkabel der Vermittlungsanlage zu ziehen, so daß jemand ihn finden konnte. Allerdings hätte er diesen Einfall wohl besser vor dem langen Wochenende gehabt. Doch bekanntlich lernt man ja am besten aus den eigenen Fehlern. Es ist schon furchtbar, was man aus Wassermangel alles tut.

Da nun alle wieder in der Netzwerkzentrale versammelt sind, verteile ich die

Aufgaben. Der PJ übernimmt wegen seiner Erfahrungen meine alte Rolle, also

Installation, Überwachung und Wartung. Der Ex-Chef, natürlich ist er völlig ahnungslos, wird vor das Telefon gesetzt. Ich mußte es sogar für ihn anschließen.

Meine Hoffnungen werden nicht enttäuscht. Innerhalb der ersten halben Stunde klingelt es. Und da er sich in der Ausbildung befindet, muß der Ex-Chef die

Freisprechanlage benutzen, damit er Anweisungen vom PJ oder mir entgegennehmen kann, wenn dies nötig wird.

"Hallo, Netzwerk-Zentrale", meldet der Ex-Chef sich.

"Hallo, ist dort die Netzwerk-Zentrale?" Ein schneller Blick auf die

Rufnummernidentifizierung erklärt den Umstand, daß die Stimme bekannt klingt. Der

PJ flüchtet voller Angst.

"Wie kann ich ihnen helfen?"

"Das Netzwerk funktioniert schon wieder nicht."

"Ja. Wann trat der Fehler auf?"

"Gerade eben. Ich habe versucht, etwas zu drucken, aber es geht nicht."

"In Ordnung, ich schaue mir das mit dem Netzwerk-Monitor an und prüfe, ob ihr

Computer defekt ist. In welchem Raum sitzen sie?"

Sie gibt ihm die Nummer, und er durchforstet die Netzwerk-Datenbank auf der

Suche nach Informationen. Erfolglos. Da er uns in seiner neuen Position nicht so früh um Hilfe bitten will, entscheidet er sich für die erprobte alte Methode und begibt sich zu ihr.

Als er weg ist, kommt der PJ wieder.

"Ist er wirklich losgegangen?"

"Yep."

"Der arme Hund!"

"Yep."

In jedem Unternehmen gibt es mindestens einen paranoiden Mitarbeiter, der unter einer Computerphobie leidet. Und sie gehört zu diesen Leuten, die glauben, daß die

Computer heimlich die Einstellungen verändern, wenn sie wegschauen. Zu jenen, die sich ständig darüber beschweren, daß jemand ihre Passwörter geändert hat. (Immer dann, wenn sie die Umschalttaste drücken.) Zu denen, die überhaupt nichts angefaßt haben wollen, und trotzdem läuft das Netzwerk nicht. (Das kommt zweimal im Jahr vor, wenn sie den Standort ihres PCs wegen der Sonneneinstrahlung ändern und

dabei die Netzwerkkabel abziehen ...)

Allerdings ist es in diesem Fall noch schlimmer. Das ´Netzwerk´, von dem sie sprach, besteht aus einem RS232-Druckerkabel zwischen ihrem XT-PC der ersten

Generation und einem Nadeldrucker.

Sie hat niemals der neueren Technologie vertraut (die nicht funktionierte und sich heimlich gegen sie verschwor) und zieht es vor, getrennt von der wirklichen Welt zu bleiben. Mit Ausnahme zweier Anrufe im Jahr, wenn sie das Druckerkabel abgezogen hat.

Eine Stunde später ist der Ex-Chef zurück - ein verwandelter Mensch. Nachdem er sich eine Stunde lang verschiedene Verschwörungstheorien und weiteres geistloses

Geschwätz vom Akte X-Typ anhören mußte, hat er erfahren, was es heißt, an unserem Ende der Telefonleitung zu sitzen.

Verschwunden ist der Geist der Hilfsbereitschaft. Verschwunden ist der gute Wille gegenüber den Anliegen der Nutzer. Der PJ und ich tauschen einen wissenden

Blick - das haben wir schon früher gesehen, und wir werden es wieder sehen.

Er wurde bastardisiert.

Das Telefon klingelt erneut.

"Netzwerk", stößt er kurzatmig hervor.

"Hallo, ist dort die Netzwerk-Betreuung?" fragt die bekannte Stimme. Das Telefon gibt ein knackendes Geräusch von sich, als es hochgerissen und in den Mülleimer gefeuert wird.

"So, ich nehme an, ich werde dafür gefeuert, daß ich das Telefon zerstört habe?" fragt er seinem Schicksal ergeben.

"Nun, improvisierte Deinstallationen stehen normalerweise etwas später auf dem

Ausbildungsplan, aber es hat den Anschein, daß das eigene Erleben der beste Lehrer ist ..."

Ich gehe nach draußen und überlasse es dem PJ, ihm die restlichen Ketten zu zeigen ...

Und die Peitschen ...

Und die ´Video-Überwachungs´-Steuerung ...

Wer hätte gedacht, daß er so vielversprechendes Material ist?

Wer hat behauptet, es sei leicht, ein Manager zu sein? Es gibt noch immer Dinge, die nicht mit einer Axt geregelt werden können ...

ICH KANN ES NICHT MEHR AUSHALTEN!!! Dabei lief es in meiner neuen

Position als Manager so gut - Geld für wichtige Projekte (Stereo-Fernseher, die mit den neuesten und besten Sateliten-Empfangsschüsseln verbunden sind) auszugeben, als die Bombe platzte.

Ich fand heraus, daß von mir erwartet wird, an ungefähr sechs ´Planungs-´

Besprechungen in JEDER Woche teilzunehmen! Meine bisherige Meinung über das

Management wurde mehr als bestätigt ...

Irgendwann, nachdem die Frage, ´was diese Byte-Dinger eigentlich sind´ ungefähr tausendmal gestellt wurde, ist Schluß! Und dann ertappt man sich bei der

Vorstellung, welche Verbesserungen man mit einer Axt und einem großen

Abfallzerkleinerer in der Firma durchsetzen könnte.

Wo ich gerade beim Thema bin - die erste hochwichtige Beratung fand zu der bedeutenden Frage statt, ob wir die Pflanzen für unser Haus mieten sollten. Da eigentlich schon überall Pflanzen herumstehen, fand ich, daß das eine irgendwie redundante Thematik sei - aber ganz offensichtlich haben sich meine

Gedankengänge noch nicht an meine neue Position gewöhnt. Ich hatte vergessen, daß diese kleine Managergruppe nicht eine, nicht zwei, nicht drei, sondern VIER

Umstrukturierungen in der Abteilung (um die Änderungen in der

Managementhierarchie widerzuspiegeln) in den vergangenen 18 Monaten empfohlen hat.

Nach nur zweistündiger Besprechung wurde beschlossen, daß wir die Pflanzen mieten, denn dann wäre ja der Vermieter dafür verantwortlich, sie zu gießen und zu

pflegen. (Als ob der Geschmack des Tees und des Kaffees aus den Automaten nicht ohnehin dafür sorgen würde.)

Und nach diesen zwei Stunden ging es eine weitere halbe Stunde lang darum, was mit den schon vorhandenen Pflanzen passieren soll, die in dem Gebäude stehen, seitdem es eröffnet wurde - in den oberen Etagen sind einige schon so groß, daß sie nicht mehr aus dem Gebäude transportiert werden können. Und da kam als kleinerer

Geistesblitz der Müllzerkleinerer ins Spiel. Die Planungen sehen vor, eine

Zerkleinerungsmaschine zu mieten, sie mit dem Lift nach oben zu befördern und vor

Ort eine Art organische Entsorgung durchzuführen.

Zu diesem Zeitpunkt sehnte ich mich nach dem Netzwerk. Die Dinge waren so simpel - ein Nutzer ruft an mit einem Problem, das zuerst natürlich durch ihn verursacht wurde, ich quäle ihn dafür ein wenig und beseitige das Problem dann auf bequeme Weise. Einfach. Effektiv. Schnell. Ich brauche Hilfe, also wende ich mich an jemanden, der den nötigen Verstand hat.

Den Ex-Chef. Der Ex-Chef ist ein verwandelter Mensch. Er behandelt die Nutzer mit der typischen Geringschätzung eines Netzwerk-Profis, der die allgegenwärtige

Frage, warum das Netzwerk nicht funktioniert, einmal zuviel gehört hat. Er hat gesehen, was wir sahen, er weiß, was wir wissen.

Er IST ein Bastard! Ich finde ihn im Raum mit der Telefonanlage, wo er

Wechselstrom mit 240 Volt durch die Telefonleitungen schickt, um die Telefone bestimmter Nutzer zu grillen. Ich erkläre ihm mein Problem, und er hört mir aufmerksam zu.

"Es gibt nichts, was sie tun können", antwortet er. "Sie müssen es einfach mitmachen. Halten sie den Kopf unten, mucken sie nicht auf, denn sonst werden sie wieder eine Umstrukturierung ihrer Abteilung vorschlagen."

Ein Gedanke kommt mir. "Wollen sie ihre alte Position zurückhaben?" frage ich.

"Niemals!" antwortet er sofort. "Ach, kommen sie", flehe ich (da ich ein Manager bin, ist das nicht unter meiner Würde).

"Das wird nicht billig", sagt er. DIESER BASTARD! Ich hätte ihn besser niemals eingestellt.

"Wieviel?"

Er nennt eine erpresserisch hohe Summe mit einem Klang seiner Stimme, der

Verhandlungen ausschließt.

Traurigerweise unterzeichne ich einen >Heul!< Barscheck >Jammer!< über die

Summe, die er verlangt. Er verschwindet damit, um ihn einzulösen, nachdem er mir einen weiteren guten Rat gegeben hat.

Die Ankunft des großen Abfallzerkleinerers ist ganz offensichtlich eine Möglichkeit, um auf einem Firmenfoto zu erscheinen, die sich keiner meiner Manager-´Kollegen´ entgehen lassen will - eine weiteres Merkmal der Firmenpolitik.

Natürlich nehme auch ich an dem Ereignis teil und sehe mich mit paar "In Ordnung, zeigen sie jetzt auf den Zerkleinerer. Und nun noch ein Bild, auf dem sie in den

Abfallschacht schauen"-Aufforderungen konfrontiert.

Als alle Fotos gemacht wurden, setze ich mich zum Chef des Aufsichtsrates und schlage ihm vor, daß es doch eine gute Idee wäre, wenn er auf einem Foto auftauchte, wenn gerade Holz zerkleinert wird. Ich klopfe auf einen Plastiksack, der mit einem Geräusch antwortet, als klopfte ich auf Holz.

Der Aufsichtsratschef lächelt. Wir warten, bis alle gegangen sind, dann bereiten die

Fotografen alles vor, denn wenn die Maschine erst einmal läuft, werden bestimmt auch die anderen Manager zurückkommen, die die Chance auf ein weiteres Foto wittern. Der Chef des Aufsichtsrates muß sich also beeilen.

Er baut sich auf, ich starte die Maschine und leere den Sack.

Um fair zu bleiben, muß ich sagen, daß er die Verwandlung seiner Segeltrophäen in

Staub mit Fassung trägt - er entläßt mich nur aus meiner derzeitigen

Managerposition.

Einen Tag später erreicht mich zuhause ein Anruf des ehemaligen Ex-Chefs, der jetzt wieder der Chef ist, der mir eine Arbeit bei einem sehr überzeugendem Lohn anbietet.

Natürlich akzeptiere ich. Die neue Arbeit ist GROSSARTIG. Der Chef ist dank

seiner neuen Erfahrungen recht annehmbar. Das Leben könnte kaum besser werden.

"KOMMEN SIE SCHNELL!" schreit der PJ, als er in das Büro stürmt.

"Es ist der Chef! Er hat sich auf der Management-Beratung eingeschlossen! Dann hat er die Sekretärin aufgefordert, ihm seine Axt zu bringen, und jetzt hören wir nur noch die Geräusche des Müllzerkleinerers!" Mistkerl.

Ich wußte, daß es zu schön war, um wahr zu sein ...

Nicht nur der Duft von Napalm am Morgen, sondern auch ein durchgebrannter Server stellt einen guten Tagesbeginn dar ...

Nach einer harten Nacht im Pub komme ich zur Arbeit. Meine Sinne sind noch wach genug, um den Brandgeruch richtig zu deuten, der aus dem Computerraum kommt.

Dieser Geruch und die Jacke des PJs auf der Lehne seines Sessels lassen nur einen

Schluß zu. Er will eine weitere Lohnerhöhung.

Und die ist mehr als überfällig, wenn ich bedenke, daß die letzte Lohnerhöhung schon sechs Wochen zurückliegt. Doch die Personalabteilung zeigt mit den Daumen nach unten.

Der PJ kommt aus dem Computerraum und bringt einen Feuerlöscher und etwas, das wie ein wichtiger Teil des Kühlsystems des Servers der Personalabteilung aussieht, mit. Gemäß seiner Ausbildung strebt er sein Ziel mit ganzem Einsatz an und rammt jedem, der sich ihm dabei in den Weg stellt, die Faust in den Bauch.

"Guter Junge", denke ich mit stolzgeschwellter Brust.

Ich bereite mich auf den unausweichlichen Anruf vor. Momente später klingelt auch schon das Telefon. Die Rufnummernidentifikation zeigt, daß mein ´Kunde´ niemand anders ist, als der Vizechef der Personalabteilung, eine Person, mit der ich mehr als nur einen Zweikampf ausgetragen habe.

"Was zum Teufel ist mit unserem Server passiert?"

"Nun, ich bin mir noch nicht ganz sich, aber ich glaube, er litt unter Überhitzung ..."

"Sie haben unseren Server in Brand gesteckt?" schreit er.

"Nein, natürlich nicht. Das ist ein häufiger Fehler - wenn die Maschinen älter werden, kann der Staub im Gerät zur Selbstentzündung führen, weil ..."

"Das verdammte Ding ist erst drei Wochen alt!"

"Hmmm, sowas kommt manchmal vor. Sie können doch nicht erwarten, daß der PJ ihren Server rund um die Uhr bewacht - bei dem Hungerlohn, den sie ihm zahlen." erwidere ich.

"Das ist es! Wir werden uns ein eigenes System beschaffen", schreit er und schmeißt den Hörer auf die Gabel.

Ein paar Tage später sind meine Befürchtungen Realität, denn ein neuer Server taucht in der Personalabteilung auf. Er ist komplett eingerichtet, so daß ich keinen

Zugriff auf ihn bekomme. Der Chef erkennt natürlich nicht den ganzen Umfang des

Problems - wenn die Abteilungen alle eigene Server kaufen, ist es wahrscheinlich, daß sie einen kleinen Unterschied zwischen dem, was sie uns in der Vergangenheit für die Anschaffung von Servern zahlten, und dem, was die Server wirklich kosten, bemerken. Ein kleiner Unterschied von etwa 200 Prozent.

Ich lasse den Dingen ihren Lauf - nach einer ´göttlichen´ Einmischung durch den PJ und mich. Und natürlich ruft am nächsten Tag der Chef der Personalabteilung an - die Freundlichkeit in Person.

"Hallo", schnurrt er.

"Hallo."

"Wir haben ein wenig Ärger mit unserem Server und fragen uns, ob sie uns einen Rat geben könnten."

"Wo liegt das Problem?"

"Nun, wir wollen alle Dateien in einem Verzeichnis mit ihrem Erstellungsdatum anzeigen lassen." antwortet er.

Aha, das ist eindeutig eine Falle. Offensichtlich will er mich testen, ob mein Rat gut oder schlecht ist, wobei er sein sehr beschränktes Wissen als Maßstab nimmt.

"Kein Problem", sage ich. "Geben sie einfach ´ls -l´ ein. Wollen sie die Ausgabe

seitenweise sehen?"

"Oh, natürlich", antwortet er und erwartet das allgegenwärtige ´rm´ als Antwort.

"Geben sie einfach noch ´| more´ ein."

"Oh." Er ist offensichtlich unzufrieden, da er mich nicht dabei ertappte, daß ich ihm einen falschen Rat gab. In seiner Naivität entscheidet er sich dazu, mir zu vertrauen ... "Wir haben noch ein anderes Problem. Wir hatten Schwierigkeiten mit unserem System. Die Antwortzeiten waren viel zu hoch."

Was kein Wunder ist, wenn man bedenkt, daß der PJ dafür gesorgt hat, daß die

Ping-Anfragen etwa 30 Prozent ihrer Netzwerkbandbreite ausmachen.

"Ich frage mich, ob sie mir etwas empfehlen können, damit wir das System wieder beschleunigen können?"

"Nein, nicht wirklich. Die neueren Rechner werden eigentlich ordentlich konfiguriert ausgeliefert. Oh! Warten sie! Ich wette, sie haben die Speicher-Expansions-Routine noch nicht aktualisiert, oder?"

"Ahhh ... nein, nein, ich glaube nicht." murmelt er und versucht, nichtvorhandenes

Fachwissen vorzugaukeln.

"Na gut, dann sollten sie das am besten gleich tun."

"Gute Idee. Frischen sie mein Gedächtnis auf - wie ging das doch gleich?"

"Das wissen sie doch", antworte ich hilfsbereit. "Echo

´MEMORY-EXPANSION´ > /dev/kmem - das ist normalerweise der erste Eintrag in /etc/inittab."

"Oh, natürlich. Ich glaube, ich habe den Eintrag bei der Feinabstimmung gelöscht", antwortet er mit gespaltener Zunge.

Eine Viertelstunde später ist er wieder am Telefon. Diesmal noch erregter ...

"Der verdammte Server läuft noch immer nicht!" jammert er panisch. "Er startet nicht einmal mehr!"

"Nun, ich schätze, wir könnten uns die Sache einmal anschauen. Wie lautet ihr

Root-Passwort?"

Nach einem kurzen Augenblick des Zweifels stößt er "MEHRGELD" hervor. Schnell wie ein Blitz prüfen der PJ und ich das Passwort auf ihren anderen Rechnern.

Trefferquote: hoch.

Einen Tag später ist der Server der Personalabteilung wieder unter unserer Kontrolle, der Vizechef der Abteilung wurde in die Schranken gewiesen und der PJ sitzt zufrieden im gutgepolsterten Sattel eines soeben beförderten Mitarbeiters.

Er ist sogar so zufrieden, daß er dem Personalchef sagen will, was in ihrem

Wasserspender wirklich ist. Ich überrede ihn dazu, diese Angelegenheit für eine spätere Gelegenheit aufzusparen ...

Es ist Besuchszeit, und der B.O.F.H. geht hin, um, ähm, Informationen über die neueste Technik zu sammeln ...

"Ich schätze, es ist Zeit, daß wir uns nach neuer Technik umsehen."

Ich kann nicht glauben, was ich höre. Der Chef kauft neue Technik ungefähr so häufig, wie Margret Thatcher für die Labour-Partei stimmt. Es war damals seine

Idee, auf die Pentium-Rechner zu verzichten und eine Menge alter XTs anzuschaffen, die er sehr billig bekommen konnte. Zum Glück hörte ich noch rechtzeitig von diesem Plan, so daß ich ´zufällig´ dem Geschäftsführer eine Notiz zuspielen konnte, in der stand, daß der Lieferant ein Cousin des Chefs ist, so daß dieser Plan aufgegeben wurde - ich konnte nicht glauben, daß der Chef meinen Anteil vergessen hatte.

Wie auch immer, seitdem der Chef an unserem Service-Telefon saß, ist er ein neuer

Mensch. Sein Geist ist immer offen für neue Möglichkeiten ...

"Es gibt ein Forschungslabor, das einen Tag der offenen Tür veranstaltet", erklärt er.

"Ich denke, sie sollten sich einmal umsehen, was es für Neuigkeiten gibt."

Früher hätte er wohl gesagt: "stehlen sie, was neu ist" - doch seit seiner jüngsten

Bastardisierung ist das eine Selbstverständlichkeit, die nicht mehr extra erwähnt werden muß.

Ein paar Tage später sitzen der PJ und ich zu einer unmenschlich frühen Stunde in einem Zug, der durch die Landschaft tuckert. Natürlich haben wir unsere bewährten

Aktentaschen mit den doppelten Böden dabei.

Schließlich landen wir in einem Dschungel aus Forschungslabors und mitten in der

Show. Unser Schicksal läßt uns zunächst an einer Vorbereitungstour,

Entschuldigung, an einer geführten Besichtigung teilnehmen, bevor wir von der Leine gelassen werden und unseren eigenen Vorlieben nachgehen können. Die Tour ist langweilig, doch immerhin ist unser Führer so dumm, daß er nicht sieht, was wir anstellen. Schließlich werden wir uns selbst überlassen - mit ein paar ihrer Sachen, die nicht am Boden festgeschraubt waren.

Es ist interessant, all die herumliegenden Spielzeuge zu sehen, doch meine

Aufmerksamkeit wird von den Sicherheitsleuten angezogen, die um die Räume herumlungern, in denen die Apparate, die wirklich teuer sind, besichtigt werden können.

Im ersten Raum scheint es um Telearbeit zu gehen, für die ich mich interessiere, seitdem der Chef eine Standleitung zu meiner Wohnung gelegt hat.

"Nun, erzählen sie mir mal etwas über Telearbeit", sage ich begeistert zu dem jungen

Anzug am ISDN-Werbestand.

"Dieses Gerät kann sie mit dem Netzwerk ihrer Firma verbinden. Dabei merken sie gar nicht, daß sie ISDN nutzen. Alle Netzwerkprotokolle werden unterstützt, so daß es aussieht, als seien sie direkt mit dem LAN verbunden." erklärt er mit glänzenden

Augen.

"Sieht aus wie ein ISDN-Router."

"Ähm ... ja, so ist es. Aber er hat ein hübsches blaues Gehäuse und blinkende

Leuchtdioden."

Ich betrachte das Gehäuse verächtlich - nein, daran verschwende ich keinen

Gedanken.

"Haben sie sonst noch etwas Interessantes anzubieten?"

"Nun, wir haben einen Router auf einer PCMCIA-Karte."

"Wieso?"

"Damit sie ihren Laptop mit dem Netzwerk über einen Router statt per Modem verbinden können."

"Wieso?"

"Damit müssen sie keinen Modem-Einwählserver zusätzlich zu ihren Routern installieren."

"Natürlich. Statt eines preiswerten Modem-Servers sollen wir einen teuren Router benutzen. Wie ökonomisch."

Meine Gedanken werden durch einen Stoß des PJs unterbrochen. "Sie haben ein

Sicherheitssystem hier, das wie bei uns über die Iris des Auges die Nutzer identifiziert."

"Nicht ganz - unser System schädigt das Augengewebe nicht dauerhaft und ist auch nicht mit dem Sprinklersystem verbunden."

Er muß noch soviel lernen ...

Das Mittagessen ist besser als erwartet, hauptsächlich deshalb, weil wir nicht die

Kantine benutzen, sondern den VIP-Bereich. Es dauerte nur ein paar Momente, den

Leser für die Identitätskarten zu ´reparieren´, damit er unsere Karten richtig liest.

Echte VIPs beim Versuch zu beobachten, sich Zugang zum VIP-Bereich zu verschaffen, ist eine interessante Mittagsunterhaltung ...

Angenehm gestärkt durch Chateaubriand und einen recht edlen Rotwein sind wir bereit, den Rest der Ausstellung in Angriff zu nehmen. Das Gewicht meiner Tasche wird durch eine Flasche eines hervorragenden Cognacs erhöht, die achtlos auf dem

Spirituosen-Regal herumstand.

Unser Vorankommen wird durch einen der Sicherheitsleute unterbrochen. Während er uns lang und breit mitteilt, warum wir warten müssen, bevor wir Zugang zu den guten Sachen bekommen, verschwindet der PJ wie ein Schatten.

Sektion Sechs wird lange vor der geplanten Zeit plötzlich geöffnet, wo wir diesen wunderbaren optischen Speicher sehen, der offenbar ohne eigene Stromversorgung arbeitet.

"... wie sie sehen können, gibt es keine Kabelverbindung zur Stromversorgung mit der

Basisstation", leiert der Langweiler herunter und versucht offensichtlich, die

Aufmerksamkeit auf den Video-Datenstrom zu lenken, der auf das angeblich stromversorgungslose Gerät übertragen wird. "Und hier können sie eine Aussparung in der Datenleitung sehen. Wenn ich nun diese Karte in die Aussparung stecke, wird der Datenstrom unterbrochen, damit sie sehen, daß wir die Wahrheit sagen." Er plaziert die Karte in der Aussparung und dreht sich mit selbstgefälligem Grinsen zum

Monitor, um auf ein Standbild zu deuten. Sein Gesichtsausdruck verändert sich plötzlich, und er sieht nun wie jemand aus, der einen Wasserbüffel in seinem Jakusi entdeckt.

"Debbie macht es in Dalles. Ein netter Einfall", gratuliere ich dem PJ.

Zeit zum Verschwinden ...

Wir haben die Hälfte des Weges zum nächsten Pub zurückgelegt, als die Hölle losbricht. Sirenen, Feuerwehren, flüchtende Menschen - der ganze Krims-krams.

Die Verwirrung des PJs ist direkt proportional zu meiner Zufriedenheit, als ich mich an die Theke lehne.

"Ich setze fünf Pfund darauf, daß der Chef des amerikanischen Mutterkonzerns sich gerade einem Iris-Test unterziehen mußte", kommentiere ich und sehe, wie das

Wasser aus ihrem Eingang herausläuft ...

"Keine Chance", antwortet der PJ. "Noch ein Bier?"

Eine lustige Sache, diese neue Technologie ...

Dank des technischen Fortschritts geht der B.O.F.H. unter die Filmemacher ...

Die Leute in der Chefetage wollen wieder neue Spielzeuge haben. Weil der

Geschäftsführer einen Artikel über Video-Mail gelesen hat, ist er nun der Meinung, unserer Firma fehle etwas.

Natürlich bin ich über die immensen Möglichkeiten zur Anschaffung neuer Technik begeistert. Der Chefbuchhalter andererseits wirkte ziemlich besorgt, doch schließlich verlangte er keinen Kostenvoranschlag mehr, der mit Blut unterschrieben ist. Natürlich war er es, der versuchte, mich aus dem Prozeß der Technikbeschaffung herauszuhalten. Offenbar wurde er mißtrauisch, als ich das Wrack, das ich bis dahin fuhr, seinem brandneuen BMW in den Weg stellte - nun, genaugenommen stand der

BMW im Weg, doch Bewegung ist ja relativ.

Ich rufe unseren Netzwerklieferanten an, um die Wünsche des Geschäftsführers zu erfüllen.

"Hallo, Netzwerk Express."

"Mein Name ist Farquarson. Könnte ich mit Jon sprechen?"

"Bitte warten sie einen Moment."

>Click<

"Guten Morgen, Herr ... ähm ... Farquarson. Ist die Leitung sicher?"

"Ja, keine Lauscher. Guten Morgen, Jon. Ich brauche ein paar Server."

"Kein Problem. Mit welcher Last sollen sie klarkommen?"

"Eine Riesenlast. Wir wollen Video-Mail einsetzen. Sie wissen schon, sie schreiben auf ein Grafiktablett, eine Kamera zeichnet alles auf und übersetzt die Worte in

Töne."

"Nett. Dual-Pentium Pro 200, würde ich sagen?"

"Ähm ... für die Kosten muß ich mich nicht verantworten."

"Oh, gut! Dann wollen sie bestimmt, acht, zehn oder zwölf Prozessoren?"

"Zwölf sind in Ordnung. Und natürlich auch eine Menge Speicherplatz."

"40 GigaByte pro Server?"

"Wie bitte?"

"Ups, ich habe wohl eine Null übersehen."

"Gut. Ein halbes Gigabyte RAM müßte auch ausreichen - wir wollen ja nicht

übertreiben. Wie hoch wäre der Schaden?"

"Hmmm ... Der Listenpreis liegt bei 62.995 Pfund pro Server."

"Und nach dem Erbsenzähler-Rabatt?"

"124.999 Pfund. Die Steuern kämen natürlich noch dazu. Ich nehme an, ihr Anteil soll auf das übliche Konto überwiesen werden?"

Pünktlich werden zwei Kisten geliefert. Der PJ hat die Server schnell installiert und schwirrt umher, um ein paar Dutzend Video-Mail-Tabletts, die wir in der vergangenen Woche in den Leitungsetagen verstreut haben, an das Netz anzuschließen.

Wir kehren zurück in unsere Netzwerk-Zentrale, wo der PJ gleich nach einer

Quake-Sitzung die Konsole für das Video-Mail-System startet. Eine kurze E-Mail informiert den Administrator-Assistenten in unserem anderen Büro, bringt die

Manager aus anderen Niederlassungen an ihre Rechner, und bald sehen wir auf der

Kontroll-Konsole die Worte durch das WAN fliegen. Zufrieden lehne ich mich für einen Moment zurück und versuche, in die Haut eines psychopathischen Mörders zu schlüpfen, unglücklicherweise natürlich nur in einer virtuellen Welt.

"Sie haben das System offenbar begriffen - ich glaube, sie konkurrieren nun darum, wer die längste Video-Mail mit den meisten komplizierten Worten zusammenbauen kann." kommentiert der PJ, sorgfältig hinter der Mauer versteckt.

"Nun", antworte ich. "Sie sind Kinder mit neuem Spielzeug. Hoffentlich haben wir bald genug Material." sinniere ich.

"Material?"

"Oh, machen sie sich darüber keine Sorgen."

>BAMBAMBAMBAMBAM<

"Ha! Stirb, Trottel!"

Nach dem kurzen einstündigen Mittagessen kehren wir zurück. Ich inspiziere das

Video-Mail-System und bin ziemlich überrascht, daß sie es geschafft haben, 40

Prozent des Festplattenplatzes in so kurzer Zeit zu verbrauchen. Doch da alles einem guten Zweck dient, stört mich das nicht weiter. Ich starte mein gutes altes

Premiere und suche mir ein paar Dateien aus.

"Was haben sie vor?" fragt der PJ.

"Ich mache einen Film. Nach was sieht es denn ihrer Ansicht nach aus?"

"Einen Film? Worüber?"

"Über unseren Geschäftsführer. Ziemlich loyal, oder?"

"Sehr. Genau das macht mir Sorgen."

Es dauert eine Weile, bis ich mich wieder an die Bedienung des Programmes gewöhnt habe, doch bald sind die Video-Schnipsel hübsch zusammengeschnitten.

Der PJ wirkt noch immer verwirrt und sucht das Weite, um irgendeinen Server in der

Hoffnung abzuschießen, daß damit sein Geist etwas beruhigt wird. Eine Stunde später transferiert er die letzten Bits in den digitalen Mülleimer, während ich mich zufrieden zurücklehne.

Der PJ bemerkt mein befriedigtes Lächeln und kommt zu mir. Er wirft einen Blick auf den Notizzettel, auf dem ich ein paar Sätze aufgeschrieben habe.

"Jährliche Nachtwanderung mit Lagerfeuer ... Finanzdirektor ... Gerüchte besagen ... Wachschutz ... Tonstörungen ... Ziegenkäse als Vorspeise .... Was hat das zu bedeuten?" fragt er.

"Warten sie einfach ab. Das Telefon müßte gleich klingeln ... JETZT."

Er zuckt zusammen, als das Telefon klingelt.

"Hallo, Nutzerbetreuung hier. Wessen Zugangskonto wollen sie sofort gelöscht haben? Aber ist er nicht der Finanzchef? Okay, okay, ich will mich nicht mit ihnen streiten, ich bin nur überrascht, denn ich dachte, er sei auf Ewigkeiten mit der

Schwester des Geschäftsführers verheiratet. Wer hat ihnen den Auftrag gegeben?

Was, der Geschäftsführer höchstpersönlich? In einer Video-Mail ... wie passend."

Der PJ verabschiedet sich von unserem Administrator-Assistenten am anderen

Ende, der selbstverständlich auch mit einer gewissen Prozentrate beteiligt wird und daher verschwiegen ist, und mustert mich neugierig.

"Haben sie etwas dagegen, mir den Film einmal vorzuführen?"

"Natürlich nicht."

Ich betätige den Abspielbutton, worauf der PJ den Geschäftsführer sieht, der den restlichen Managern mitteilt, daß einige der seltsamen Gewohnheiten des

Finanzchefs nicht zur Firmenpolitik passen und er deshalb leider verabschiedet

werden muß. Dann folgen in verschiedenen Varianten noch die Anweisungen an die

Administratoren, die sich mit Sicherheitsfragen und logistischen Problemen dieser

Personalentsorgung befassen. Und selbstverständlich wird auch der Anruf bei der

Polizei nicht vergessen. Natürlich hätte die reine Stimmaufzeichnung niemanden befriedigt, doch nun kann man den Geschäftsführer dabei auch sehen. Und wir alle wissen, daß man Video-Mails nicht fälschen kann - oder?

Der PJ ist nicht mehr er selbst. Aber er muß ja auch einen Schleimer erdulden ....

Manchmal kann ich das Offensichtliche ja ignorieren, doch der PJ zeigt alle

Symptone einer sehr tiefen Enttäuschung. Und natürlich beantwortet er Fragen nach deren Ursache nicht.

Seine Arbeit leidet merklich darunter - gestern ertappte ich ihn dabei, wie er den

Papierschacht in einem Faxgerät neu auffüllte, nachdem ein Nutzer ihn angerufen hatte. Die Protokolldateien mit den Passwortänderungen zeigen, daß er tatsächlich

Nutzern geholfen hat, die ihre Passwörter vergessen hatten, indem er sie abänderte zu Worten wie ´temporär´ und ´änderemich´, statt die üblichen ´hirnloseridiot´ oder

´wiekannmannursodummsein´ zu verwenden.

Das schlimmste Anzeichen ist, daß er wirklich eine komplette Festplatte aus einer

Sicherheitskopie wiederherstellte, nachdem ein Nutzer sie unbeabsichtigt gelöscht hatte.

Bei einem ernsthaften Gespräch stelle ich ihn und erfahre so die Wahrheit.

Es scheint so, als hätte seine Verwandtschaft in der Firmenleitung ihm einen neu eingestellten Internet-Berater vorgezogen, der so aalglatt ist, daß der Einsatz von

Streusand angebracht zu sein scheint. Natürlich habe ich die Zeichen gesehen, doch ich dachte, der PJ hätte mehr Mut, sich den Herausforderungen zu stellen. Nun, es gibt offenbar noch Aufgaben, die den echten Profis vorbehalten bleiben.

Natürlich kämpft der PJ mit einem Interessenkonflikt, denn wir wurden von oben aufgefordert, Mr. Schleimer bei der Durchsetzung seiner ´politisch korrekten

Richtlinien zur Internet-Nutzung´ zu unterstützen - ein kaum verschleierter Versuch des Chefs, all jene zu bestrafen, die ihre Arbeitszeit dazu nutzen, die geheimsten

Porno-Seiten zu finden.

Ich versuche die Depression des PJ durch etwas Ablenkung zu lindern ...

"Haben sie Lust auf einen Besuch im Labor von Dr. Bastard?" frage ich und enthülle meine neueste Erfindung.

"Das ist eine Maus." antwortet der PJ lustlos.

"Aber nicht irgendeine Maus", antworte ich. "Es ist eine ferngesteuerte Maus, sehen sie?"

Ich spiele mit den Pfeiltasten meines persönlichen Des-Organizers, der über eine

Infrarot-Schnittstelle verfügt. Die Maus bewegt sich entsprechend.

"Nett", kommentiert der PJ unbeeindruckt.

"Und wie wäre es damit?" frage ich und deute auf ein soeben modifiziertes

Büro-Utensil.

"Ein Aktenkoffer?"

"Ja, ja - aber mit einer zusätzlichen Erweiterung", antworte ich. "Bringen sie ihn her."

Er nimmt ihn, hat etwas mit dem unerwarteten Gewicht zu kämpfen und kommt zu meinem Tisch.

Ein Tastendruck auf meinem Des-Organizer läßt das Schloß aufspringen und ein paar Ziegel herausfallen, die auf den Füßen des PJs landen. Manchmal muß man wirklich grausam sein, um freundlich zu sein.

"Warum zum Teufel haben sie das gemacht?" schreit der PJ.

"Ausbildung." antworte ich. "Sie litten offensichtlich unter der irrtümlichen Annahme, daß das Leben fair sei. Das ist es nicht. Deshalb handeln befähigte Menschen wie sie und ich so, wie wir es tun."

"Ich verstehe sie nicht."

Müde erkläre ich es ihm. "Stellen sie sich vor, sie wären ein Internet-Berater, der einen ganzen Tag lang der harten und ermüdenden Arbeit nachging, seinen Bürostuhl zu wärmen. Und nun betreten sie die U-Bahn mit der Aktentasche - voller

Hausaufgaben, die sich nur darum drehen, wie sie die Netzwerk-Zentrale verärgern können. Und dann springt die Aktentasche plötzlich auf und verstreut ihren Inhalt auf die Gleise."

"Also nimmt er heute die U-Bahn, um nach Hause zu kommen?" erwidert der PJ.

"Keine Ahnung. Ich wollte hier nur die Möglichkeiten beschreiben. Und wo ich gerade bei Möglichkeiten bin - ich sehe keine Möglichkeit, daß wir uns vor der

Teilnahme an seinem Internet-Bericht am heutigen Nachmittag drücken können."

Der PJ, beinahe gerettet, verfällt wieder in Pseudo-Depressionen.

Also wird es Zeit für einen Notfallplan, den ich mir eigentlich für eine andere

Gelegenheit aufheben wollte.

Einen kurzen Besuch im Land der Netzwerkprotokolle später wird der Feueralarm durch eine nicht lokalisierbare Rauchmeldung ausgelöst.

Am späten Nachmittag erscheinen wir dann im Beratungszimmer der Firmenleitung, um den Internet-Empfehlungen des Schleimmonsters zu lauschen. Die Anwesenheit seines ehemaligen Verwandten hebt die Stimmung des PJs kaum.

Der Schleimer beginnt seine Offensive, indem er den ´besorgten mordernen Mann´ spielt, der überall Gefahren wittert, während er gleichzeitig die Bedeutung der

´unvoreingenommenen Netzwerk-Menschen´ herunterspielt, die ich in den vielen

Jahren als Eckpfeiler meines Wirkens betrachtet habe. Innerhalb weniger Minuten hat er die Zuhörer soweit, daß sie ihm aus der Hand fressen, als er seinen Plan für ein isoliertes Netzwerk darlegt, während sein Laptop ein Diagramm nach dem anderen liefert, um seine Intranet-Ideen zu untermauern.

Der Chef grinst zufrieden, da sich die Dinge nach seinen Vorstellungen entwickeln.

"Ich denke, sie wissen was zu tun ist." flüstere ich dem PJ zu.

Er blickt ungerührt auf meinen Des-Organizer, den ich zu ihm schiebe.

"Vielleicht findet sich etwas auf seiner Festplatte?" ermutige ich ihn.

Tief in ihm drin erwachen seine Lebensgeister, schöpfen neuen Mut und kämpfen gegen die Depressionen.

Eine halbe Stunde später schlucke ich mit dem PJ ein Bier, der seiner

Verwandtschaft schon vergeben und die Bevorzugung des anderen vergessen hat.

Der Schock und das Entsetzen, das auf die Anzeige einiger Aufnahmen aus der

Damentoilette folgte, hat die Glaubwürdigkeit unseres Internet-Beraters nicht gerade erhöht - und seinen raketengleichen Abgang erfolgreich beschleunigt. Aber es diente einer guten Sache.

"Noch ein Bier?" will der PJ wissen.

"Nun, ich habe noch etwas vor. Ich muß dem Chef noch die Gefahren aufzeigen, die davon ausgehen, daß er seine Schlüssel blind einer Aktentasche anvertraute, die ihm anonym zugespielt wurde."

Wie sagt man so schön, das eigene Erleben ist der beste Lehrmeister ...

Die Nadelstreifen-Brigade hat nur Geld im Kopf und will nicht nachgeben ...

Es hat mich schon immer gestört, daß die Erbsenzähler ihr eigenes Netzwerk betreiben dürfen, auf das wir keinen Zugriff haben.

Der Nadelstreifen-Brigade wurde es vor einiger Zeit gestattet, auf unsere Dienste verzichten zu dürfen. Und so sehr wir uns in der Zwischenzeit auch bemühten, sie auf den rechten Weg zurückzubringen, es gab immer wieder einige Rebellen, die dafür sorgten, daß sie wenigstens die Kontrolle über die wichtigsten Systeme in ihrer

Etage behielten.

Dieses Verhalten kann ich gar nicht verstehen. Wir haben uns monatelang mit aller

Kraft bemüht, für sie da zu sein, haben in endlosen Stunden ihre Notebooks dauergetestet etc. Die Sache mit dem Amboß war wirklich ein unglücklicher Zufall, und wir haben noch immer nicht herausgefunden, wieso die Transaktionen mit dem

örtlichen Wettbüro als einzelner Posten in ihrem Jahresbericht auftauchen konnten.

Aber ich bin sicher, daß dies nicht durch uns veranlaßt wurde.

Trotz unserer gewaltigen Bemühungen beharren die Erbsenzähler noch immer darauf, daß sie ihre eigene Technik-Abteilung brauchen. Schlimmer noch ist die Tatsache, daß sie ihre Technik-Abteilung als Waffe gegen uns gebrauchen wollen. Der Mann, den sie für die Betreuung des Netzwerkes angeheuert haben, hat eine seltsame

Einstellung gegenüber seinen Nutzern - er glaubt wirklich daran, daß seine heilige

Aufgabe darin bestehe, ihnen zu helfen.

Gefährlich für uns ist auch die Tatsache, daß die Buchprüfer nun den realen Wert der

Technik kennen, die wir in den vergangenen Jahren angeschafft haben. Es war einige

Rennerei nötig, um dafür zu sorgen, daß der Geschäftsführer nicht erfährt, daß die elekto-magnetischen Multiplex-Kommunikationsgeräte, für die wir eine Rechnung

über 1.200 Pfund präsentierten, nichts anderes waren als schnurlose Telefone, die ein Freund des PJs zu Niedrigstpreisen in einem Elektroladen verschleuderte.

Es ist offensichtlich, daß wir die Erbsenzähler wieder unter unsere Kontrolle bringen müssen. Wir vermissen nicht nur die ´Bonus´-Zahlungen unserer Zulieferer, es geht auch das Gerücht, daß andere Abteilungen sich ernsthafte Gedanken über unseren

Service machen.

Zum Glück neigt unser Chef zur Bösartigkeit, seitdem er an unserem Telefon saß, so daß wir von ihm Rückendeckung erhalten. Seitdem die Erbsenzähler ihm die

Rückerstattung für seine geschäftlichen Auslagen für den ´Was immer sie wollen´-Begleitservice verweigerten, steht er auf unserer Seite.

Es hilft auch nichts, daß der Netzwerkmanager der Erbsenzähler zu den irritierenden

Individuen gehört, die immer mit einem selbstgefälligen Grinsen herumlaufen. Er sieht aus, wie einer der Alligatoren, die man sieht, wenn man die Sumpfgebiete besucht. Allerdings hat sein Gesicht eine etwas andere Färbung ...

Er bewacht eifersüchtig sein Territorium, was an sich schon eine Herausforderung darstellt.

"Ihr Netzwerk ist ja schon wieder zusammengebrochen", sinniert er, als er an uns vorbeigeht.

Während eines Updates brach das Netzwerk plötzlich zusammen - gerade als das große Rennen beginnen sollte. "Es ist bemerkenswert, daß die Mitarbeiter immer dann vom Arbeiten im Netz abgehalten werden, wenn große Rennen oder

Fußballspiele stattfinden, nicht wahr?" grinst er hintergründig.

"Ja, wir haben eine Menge Schwierigkeiten mit Engpässen", höre ich mich sagen, bevor ich höflich die Tür vor ihm zuknalle und einen weiteren Espresso schlürfe.

Ein paar Tage später finde ich mich auf dem Weg zu meinem Parkplatz

´zusammengebrochen´ vor dem Auto des Lächlers. Er betätigt die Dauerhupe, doch die Krankheit meines Wagens scheint unheilbar zu sein - zumindest seitdem ich die

Zündkerze entfernt habe.

"Ich habe keine Ahnung, woran es liegt", schreie ich unter der Motorhaube hervor.

"Ich werde ihnen Hilfe holen."

Ich weiß, daß der Parkplatzwächter ganz bestimmt nicht aufspringen wird, um irgendjemandem zu helfen; einerseits liegt das daran, daß er über 90 Jahre alt ist, andererseits daran, daß ich ihm ein paar Videobänder der Überwachungskameras

überlassen habe, die den Personalchef und die stellvertretende Verkaufschefin dabei zeigen, wie sie einige neue hocheffektive Techniken diskutieren, die sie ausprobieren wollen - im Hotel am Ende der Straße.

"Schnell", rufe ich den PJ. "Wir haben nur ein paar Minuten."

Wir wissen, daß die Sitzung der Geschäftsleitung in wenigen Augenblicken beginnt.

Nach ein paar kleineren Veränderung am Server der Erbsenzähler sind wir bereit für die Show.

Als ich in meinem Büro sitze, schalte ich das Audioüberwachungsgerät ein - okay, die Wanze.

Wir hören die einschmeichelnde Stimme des Geschäftsführers. "Ich freue mich außerordentlich, ihnen heute unser neuestes Produkt vorführen zu können. Mein

Dank geht an Anthony, unser Computer-Genie aus der Finanz-Abteilung, der mir bei der Vorbereitung dieser Vorführung geholfen hat. Ich glaube, wir haben eine

Liveschaltung zu den Forschungslabors."

Liveschaltung, ja - Forschungslabors, nein. Der 3:30 Uhr in Newbury, definitiv.

Keuchen aus der versammelten Runde sorgt dafür, daß der Lächler sofort in die

Runde gebeten wird. Seine Proteste und Unschuldsbeteuerungen können nicht

überzeugen, erst recht nicht, als die Sicherheitsleute, die der Parkplatzwächter begeistert (und in meinem Auftrag) alarmiert hatte, die Quittungen für die Geschäfte mit dem Wettbüro in seinem Schreibtisch ´finden´.

Der Geschäftsführer gibt wenig später die Auflösung des Netzwerkes der

Erbsenzähler bekannt. "Ich denke, daß es besser ist, wenn ich die

Netzwerk-Betreuung unter einem Dach zusammenbringe - dann können die

Abteilungen zumindest solchen Aktivitäten nicht mehr nachgehen."

Netzwerke - es gibt Gewinner und es gibt Verlierer. Und irgendwie scheinen die guten Chancen immer auf meiner Seite zu sein ...

Der Genuß der örtlichen kulinarischen Delikatessen läßt den neuen Kollegen verschwinden ...

"Verdammt! Sie haben ihn vertrieben, stimmt´s?" schreit der Chef, dessen Stimmung

Anzeichen heftiger Verärgerung darüber zeigt, daß ihm schon wieder ein potentieller

Kandidat für den Posten des ´Kontaktmanagers´, der die Kommunikation zwischen uns und unseren Kunden verbessern soll, abhanden gekommen ist. Er ist der vierte innerhalb einer Woche - bei dieser ´Erfolgsrate´ werden wir unser Verhältnis zu den

Kunden leider kaum verbessern können.

"Wie bitte?" reagiert der PJ mit dem unschuldigsten Gesichtsausdruck, zu dem er in der Lage ist.

"Er ist nicht hier, oder?" will der Chef wissen.

"Au contraire", antworte ich. "Ich habe ihn noch am Morgen gesehen. Der PJ war auch bei mir. Er sah allerdings etwas kränklich aus - offenbar ist er mit einigen zukünftigen Arbeitskollegen durch die Kneipen gezogen."

"Sie haben ihn dazu überredet?"

"Nun, wir haben ein paar Biere getrunken. Natürlich nur zum besseren Kennenlernen und zur Förderung des gegenseitigen Verständnisses." gebe ich widerwillig zu.

"Und wo ist er jetzt?"

"Nun, das ist wirklich lustig. Zuletzt sah ich ihn, als er zusammen mit dem PJ und mir im Lift fuhr. Wir haben diese leckeren neuen Zigarren ausprobiert, die es am Stand vor dem Eingang für ein Pfund gibt. Er sah wirklich krank aus. Dann ist er plötzlich aus dem Lift gestürmt."

"Warum?"

"Keine Ahnung. Ich glaube, der PJ hatte ihm gerade ein fettes Specksandwich angeboten."

"Ähm, nein", unterbricht mich der PJ. "Ich glaube das war, nachdem sie ihm diese konservierte Alkoholikerleber gezeigt haben."

"Wirklich? Wenn sie das sagen, wird es wohl so gewesen sein."

"Ich wußte, daß das passieren wird", antwortet der Chef mit selbstgefälligem

Lächeln und greift das Telefon, um mit der Rezeption zu reden. "Schicken sie bitte den nächsten Bewerber hoch."

Aha, der alte Trick mit der doppelten Bewerberanzahl.

Natürlich wird der neue Bewerber ("Nennt mich Dave.") eingestellt und bekommt seinen Schreibtisch. Der Chef gibt ihm die glänzende Broschüre über die Firma, in der völlig fiktive Tätigkeiten beschrieben werden, die wir angeblich durchführen.

Dann fragt er Dave nach seinen Erfahrungen ...

"Nun", antwortet der offenherzig. "Das könnte ich ihnen sagen, doch danach müßte ich sie leider töten."

Meine Hände verkrampfen sich plötzlich in den Armlehnen des Stuhls, als mir klar wird, wie gefährlich die Arbeit mit jemandem sein kann, der so fanatisch ist.

"Wann können sie beginnen?" fragt der Chef, der bemüht ist, den Posten schnell zu besetzen, da ihm sonst eine Umstrukturierung der IT-Abteilung droht.

"Sofort, wenn sie wollen. Ich bin flexibel einsetzbar."

Die Armlehne des PJs knarrt gefährlich - im Gleichklang mit meiner. Große

Menschen haben den gleichen Gedanken.

Später an diesem Morgen wird unser neuer ´Repräsentant´ im Vermittlungsraum versteckt, wo er ´ein Gefühl für unsere Arbeit bekommen soll´. Der PJ und ich erhöhen die Fühlbarkeit noch, indem wir die Temperatur um einige Grade senken und all die lautstarken Geräte einschalten, die wir für spezielle Gelegenheiten wie diese aufgehoben haben.

Zur Mittagszeit sind seine Lippen bläulich und er wirkt irgendwie entrückt - ein

Zustand, den man schwer beschreiben kann. Wir plazieren eine leere

Wodka-Flasche im Abfalleimer der Vermittlung und melden unseren ´Fund´ dem

Chef.

Der läßt sich allerdings entgegen seiner sonstigen Gewohnheiten ausnahmsweise nicht von uns hereinlegen.

Am nächsten Tag ist unser Kollege wieder auf den Beinen und wird ziemlich unsanft mit der Arbeit in Netzwerken vertraut gemacht, als es in einem der Kabelschächte, die er entlangkriecht, zu einem ´plötzlichen Potentialunterschied´ zwischen seinen

Füßen und seinem Oberkörper kommt. Schockierend!

Ich werde bei der Arbeit gestört, als der Chef wenig später vorbeikommt.

"Haben sie Dave gesehen?" fragt er.

"Nicht in der letzten Zeit", antworte ich. "Warum?"

"Oh, jemand ist über eine der Abdeckplatten der Kabelschächte gestolpert, die ungesichert herumlag."

"Ja", bemerkt der PJ. "Er hat auch in der Vermittlung eine Abdeckplatte nicht wieder festgeschraubt. Das hätte einen schlimmen Unfall geben können, doch jetzt ist die

Platte wieder festgeschraubt."

Der Chef bemüht sich bei der Schilderung unserer Sicherheitsvorkehrungen, unschuldig zu lächeln, während er unbemerkt ein Stück Papier auf meinen

Schreibtisch schmuggeln will.

"Oh", rufe ich und schnappe es mir. "Ein offizielles Rundschreiben, in dem die

Haftung des Arbeitgebers für Unfälle am Arbeitsplatz beschränkt wird - auf dem

Gebiet ... Oh! ... der Sicherung von Abdeckplatten? Mit dem Datum von gestern? Ich kann mich gar nicht erinnern, daß das gestern gekommen ist. Und sie?"

"Nein", antwortet der PJ. "Bis zum heutigen Morgen gehörte das noch nicht zur offiziellen Arbeitsschutzordnung."

Der Chef setzt sein ´Wir sitzen alle im gleichen Boot´-Gesicht auf und appeliert an das Gute in uns, um seine negative Erwähnung im nächsten internen

Arbeitsschutzbericht zu verhindern.

"Das macht 20 Pfund für jeden." antworte ich, um die Sache abzukürzen. Das

Geschäft wird gemacht, und der Chef verschwindet mit der Sicherheit, daß er für den

Unfall nicht zur Verantwortung gezogen wird.

"Übrigens", meldet sich der PJ. "Haben sie bemerkt, daß in diesem Rundschreiben nirgends gefordert wird, daß man vor dem Festschrauben der Abdeckplatten nachschaut, ob sich noch jemand in dem Kabelschacht aufhält?"

"Das haben sie nicht getan!" rufe ich.

"Nun, haben sie tatsächlich angenommen, daß die Klopfgeräusche durch die

Klimaanlage verursacht wurden?"

"Aber das ist ja furchtbar. Ich kann nicht glauben, daß sie das getan haben!"

Nun, bei der Arbeit in Netzwerken kann man nie zu vorsichtig sein.

Der B.O.F.H. und die Paintball-Schlacht ...

Ich liebe den Geruch brennender Geräte am Morgen - das ist der Duft des Sieges.

Ich überspringe den Sieg vorläufig und konzentriere mich auf die Stimmen, die das

Mikrofon im Taschenrechner auf dem Schreibtisch des Chefs aufnimmt. (Erste Regel für die Anwendung von Wanzen: Plaziere sie in einem Gerät, das gut sichtbar ist, aber niemals wirklich benutzt wird.)

"Ich denke, das ist eine FANTASTISCHE Idee!!" höre ich den Geschäftsführer

aufgeregt sagen.

"Das ist BRILLANT!" versucht der Chef den Geschäftsführer noch zu übertreffen.

"Eine Paintball-Schlacht! Das ist genial!"

Ich schalte den Lautsprecher aus. Endlich kann ich die Früchte monatelanger Arbeit, vieler ausgestreuter Hinweise und Andeutungen, unzähliger umgeleiteter Webseiten und zahlloser Spam-Mails ernten. Der Fehdehandschuh wurde aufgenommen ...

... Seufz ...

"EINE PAINTBALL-SCHLACHT!" ruft der PJ besorgt. "Dieser Herausforderung werden sie sich nie stellen!"

"Aber natürlich werden sie", antworte ich. "Wir gegen die Erbsenzähler! Gewehre, die Farbbeutel verschießen. Es sieht so aus, als hätte der Geschäftsführer, immerhin indirekt *IHR* Fleisch und Blut, beschlossen, daß es vernünftig und richtig ist, den offenen Krieg zwischen den Abteilungen auf dem Feld der Ehre mit einer

Paintball-Schlacht zu beenden - niemand kann sich hinter der Technik verstecken oder mit Siegeln für genehmigte Anschaffungen herausreden!"

"Sie klingen, als freuten sie sich auch noch darauf!" jammert er und ist noch immer nicht von dieser Chance überzeugt.

"Gehen wir einfach davon aus, daß es nun nicht mehr abwendbar ist. ´Freuen´ ist allerdings etwas übertrieben. Aber ich muß zugeben, daß es mich reizt, unserem

Gegner auf dem Feld der Ehre fair und ehrlich zu begegnen. Ohne Mißgunst und Neid

(Sie haben meinen Benzinzuschuß zum Beispiel nur deshalb gesperrt, weil ich mein

Auto verkauft habe und vorher drei Monate lang nicht mehr mit ihm auf Dienstreise war.) in einer ´Alles-ist-erlaubt´-Schlacht."

"Aber sie werden uns einseifen!" plärrt er. "Sie haben Wochenendkrieger auf ihrer

Seite!" jammert er mit letzter Kraft.

"Und wir haben unsere Lieferanten! Ich bin sicher, daß ich ein oder zwei Leute finden werde, die mit einem Gewehr umgehen können! Wie auch immer, es ist alles von oben angeordnet. Jetzt bleibt uns nur noch, das Beste aus der Situation zu machen.

Nehmen wir die bittere Medizin wie echte Männer und berechnen wir den doppelten

Stundensatz für die Wochenendarbeit ..."

Der PJ ist nicht überzeugt ...

"Oh, habe ich schon erwähnt, daß im Interesse des Zusammengehörigkeitsgefühls der Chef - sie wissen schon, der, der ihre Handynummer an die Nutzerbetreuung weitergegeben hat - bald herausfinden wird, daß er zum Team gehört?"

"Wirklich?" erwidert der PJ mit glänzenden Augen. Seine Zweifel sind

Vergangenheit ...

Eine Woche später ist es soweit. An diesem schicksalhaften Tag verlassen wir den

Bus, wobei uns unsere Gegner höhnisch lächelnd beobachten - sie haben sich in den vergangenen Tagen intensiv auf diesen Tag vorbereitet und ausgiebig trainiert ...

Meine eigenen Kenntnisse sind nicht so gut, habe ich doch nur ein paar Meldungen in den Newsgroups zum Thema lesen können. Seufz ...

Der Paintball-Veranstalter verteilt die Munition und die Waffen an die Truppen, so daß das Spiel beginnen kann. Unser neulich bestelltes Buchverfolgungssystem für die Firmenbibliothek wird in diesem ´Feldversuch´ natürlich auch eingesetzt - die eigentlich für die Bücher bestimmten Sender sind in die Kampfanzüge unserer

Gegner eingenäht. Offenbar eine lohnende Investition ...

Ein Hinterteil präsentiert sich mir in meinem Versteck, so daß ich problemlos mitten ins Schwarze treffen kann. Selbstverständlich benutze ich meine Reservewaffe, die mit etwas mehr Druck feuert und als Munition gefrorene Farbbeutelchen verschießt ...

Der resultierende Schmerzschrei läßt mich aus zwei Gründen lächeln: (a) Er beweist, daß Einträge in Newsgroups wahr sind und (b) läßt unsere restlichen

Gegner sich noch tiefer ducken ...

Eine halbe Stunde später haben wir die Erbsenzähler in ihrer behelfsmäßigen

Festung umzingelt.

"Wir ergeben uns!" rufen sie und kommen mit erhobenen Händen und Waffen heraus.

"In einem echten Krieg müßten wir jetzt Gefangene machen", erkläre ich dem PJ.

"Doch die Genfer Konvention bezieht sich ja nicht auf Paintball-Schlachten, was irgendwie traurig ist ..."

Das folgende Massaker muß unnötigerweise schnell über die Bühne gehen.

"Schnell!" ruft der PJ. "Sie flüchten in den Bus!!!"

"Sie meinen den Bus, der zur Zeit vor einem ruhigen Landgasthaus in 4 Meilen

Entfernung parkt, oder?"

In Ermangelung unseres Gegners sah sich der Chef plötzlich von Mitgliedern seines

Teams umgeben, das ausschließlich aus Leuten bestand, die er in den vergangenen

Wochen verärgert hatte. Möglicherweise erklärt das seinen gehetzten

Gesichtsausdruck ...

Der Geschäftsführer taucht später auf, um zu sehen, wie sich die Dinge entwickeln, ob die Unstimmigkeiten zwischen uns und den Erbsenzählern schon ausgeräumt wurden.

"Freundliches Feuer", erkläre ich gegen das Protestgeschrei des Chefs dem

Geschäftsführer. "Ein dokumentiertes Phänomen in Kriegszeiten. Und ein bedauerlicher Zufall."

...

Am nächsten Montag sind wir zurück am Arbeitsplatz, und die Vorhersage des

Geschäftsführers hat sich bewahrheitet - die Streitereien zwischen den Abteilungen haben einen neuen Tiefstwert erreicht.

Das ist natürlich nicht verwunderlich, denn da die meisten Erbsenzähler noch unter den Folgen eines traumatischen Schocks leiden - die Nachwirkung des Hinterhaltes in der Nähe des ´ruhigen Landgasthauses´ -, ist auch niemand zum Streiten da.

Nicht nur die Erbsenzähler leiden. Wir stecken bis zum Hals in

Anforderungsformularen für neue Technik, die wir dem Chef zur Unterschrift vorlegen. Er hat etwas von einem Rückspiel in ein paar Wochen gehört und will es sich anscheinend nicht mit uns verderben ...

Ich glaube, ich sollte den 29 Zoll-Stereo-Monitor für die Telearbeit in meiner

Wohnung jetzt bestellen ...

Der PJ erzielt hervorragende Resultate beim wichtigen ´Wie wird man ein richtiger

Bastard Operator´-Test ...

"Ich glaube, sie wissen nicht, mit wem sie es zu tun haben!"

Der PJ denkt kurz nach. "Hmm ... Carter, Rechnungsprüfer. Zimmer 402,

Durchwahl 6473, Geburtstag: 22. Juni 1963. Verheiratet, ein Kind - nicht das eigene.

Apfelsafttrinker. Ein roter Volvo mit einem kaputten Rücklicht. Hobby: Sammeln von

Bierdeckeln. Das Passwort ist ... ähmmmm."

"Etwas mit Fisch", helfe ich ihm.

"Treibnetz." ruft der PJ.

"Ausgezeichnet." antworte ich und wende mich unserem Besucher zu. "Und jetzt noch eine Sportfrage, bitte."

"Aber ... ich ..."

"Nein. Sport." erwidere ich nachdrücklich.

Während der Nutzer wieder abzieht, fülle ich den Praxisteil auf dem

Abschlußprüfungsvordruck des PJs aus.

"Mal sehen. Ja, sie haben die nötige Punktzahl für das Stiften von Verwirrung und

Demoralisierung erreicht. Sie haben ein paar Extrapunkte durch das Streuen von

Zweifeln erzielt, indem sie den ´Nicht ihr Fehler´-Kommentar benutzten. Kommen wir nun zur Theorie. Die Festplatte ihres Rechners fällt nach Ablauf der Garantiezeit aus. Was werden sie unternehmen?"

"Ich tausche sie mit der Platte des Chefs, so daß er sofort eine neue anfordert. Wenn die neue Festplatte bei uns ankommt, formatiere ich seine alte Festplatte und baue sie wieder in seinen Rechner ein."

"Jaaaaa. Aber denken sie daran, daß sie auch für vorausschauendes Handeln Punkte bekommen ..."

"Ja, natürlich!" antwortet der PJ schuldbewußt. "Dann baue ich die defekte Platte in

den Rechner eines Beraters ein, so daß ich immer eine Festplatte in Reserve habe."

"Exzellent. Jetzt helfen sie in ihrer Freizeit einem Nutzer, als ..."

Der PJ lacht laut los.

"Korrekt. Nächste Frage: Der Chef hat ein Gerät gekauft, das so alt ist, daß sogar die Ingenieure verstehen, wie es funktioniert. Wie werden sie es wieder los?"

"Ich lasse es ein paar Treppen hinunterfallen?"

"Zu offensichtlich."

"Ich sorge dafür, daß das Gerät für eine Weile mit 115 Volt betrieben werden kann?"

"Er kann das Netzteil austauschen."

"Hmm ... Ich weiß schon, ich richte einen Hitzestrahler auf die Kühlschlitze."

"Korrekt. Beenden sie diesen Satz: Macht korrumpiert, absolute Macht ..."

"... ist noch mehr Spaß!"

"Ausgezeichnet. Ihr Chef und ein Kunde haben sie zwei Stunden lang mit ihrem

Geschwätz über die Zukunft der Rechentechnik genervt. Jetzt gehen die beiden tief in ein Gespräch vertieft die Treppen zum Gehsteig hinunter. Wer wird zuerst auf dem

Boden der Realität aufschlagen?"

"Wen interessiert das schon?"

"Richtig. Wenn sie sich das Verhalten des Chefs anschauen, was glauben sie ist seine Ansicht darüber, wie unser Netzwerk betrieben wird?"

"VZ-Management."

"Seien sie etwas genauer."

"Verf***te Zauberei."

"Genau."

"Wie lange braucht ein Ingenieur für den Reifenwechsel?"

"Das hängt davon ab, wieviele Ersatzreifen er mitgebracht hat."

"Richtig. Wo wir gerade beim Thema sind: Ein Ingenieur sagt: ´Das ist ja interessant´. Was ist passiert?"

"Hm, entweder hat er ihren Computer zerstört, hat seinen Schraubenzieher irgendwo in dessen Gehäuse vergessen, hat ihn zusammengesetzt, wobei er ein paar herumliegende Teile vergessen hat, oder es kommt eine Fehlermeldung, die er nie zuvor gesehen hat."

"Wirklich?"

"Oh, er sagt das nur, um Zeit totzuschlagen, da es ihm nicht erlaubt ist, in

Anwesenheit von Kunden zu fluchen."

"So ist es. Einer unserer Nutzer bringt seinen Heim-PC mit, damit sie ihn reparieren.

Sie ..."

"Ich sorge mit Lötzinn dafür, daß die Sicherungen kurzgeschlossen werden, stelle das Netzteil auf volle Spannung, tausche alle funktionierenden Speicherchips durch

Schrott aus und installiere ein paar Viren auf seiner Festplatte."

"Und?"

"Ups - und berechne ihm einen ´Freundschaftspreis´ von 20 Pfund pro Stunde."

"Ja. Komplettieren sie diesen Satz: Die Sanftmütigen werden bekommen ..."

"... was sie verdammt nochmal verdienen. Und sie sollen dankbar dafür sein."

"Korrekt. Sie haben zehn von möglichen zehn Punkten beim ersten Versuch erreicht.

Als letzte Aufgabe müssen sie 50 Nutzeranfragen verursachen und sie innerhalb von zwei Minuten behandeln. Ihre Zeit läuft - jetzt!"

Eine Stunde später betrachten wir die rauchenden Überreste des Regals mit der

Servertechnik der Erbsenzähler.

"Ein abnormaler plötzlicher Kabelbrand?" fragt der PJ den Sachverständigen der

Feuerwehr.

"Es sieht ganz danach aus", erwidert der sehr zum Mißfallen des Cheferbsenzählers, der nicht so dumm ist, wie er aussieht. "Es sieht so aus, als hätte jemand eine 5

Ampere-Sicherung in einer tragbaren Lampe durch einen einfachen Nagel ersetzt, was zu einem kleinen Feuer führte, als die Isolierung von deren Kabel dadurch beschädigt wurde, daß sie in der Tür eingeklemmt wurde. Ein Unfall, zu dem es irgendwann kommen mußte."

"Ja, und es ist insbesondere tragisch, daß die Rechnungsabteilung alle Daten über die Anschaffungen der IT-Abteilung ausschließlich auf diesem Server gespeichert

hatte, obwohl wir sie wegen des Brandrisikos gewarnt haben." füge ich hinzu.

"Sehr, sehr tragisch." stimmt der PJ zu.

Ich gratuliere dem PJ zu seinem neuen Rang als ´Meister-Bastard´ als wir später in einem Pub in Soho sitzen, indem ich ihm ein Bier spendiere.

"Und das war schon alles?" kommentiert er.

"DAS?" rufe ich. "Das ist erst der Anfang. Morgen beginnen wird dann mit der weiteren Ausbildung." Auch jetzt hat der arme Junge noch viel zu lernen. Zum

Beispiel, wie leicht es ist, Abführmittel in ein Bier zu schmuggeln ...

Der B.O.F.H. soll ein begeisterter fröhlicher IT-Mensch sein. Und er kann es kaum erwarten, damit zu beginnen ...

Es ist früher Nachmittag und wir befinden uns mitten in den jährlich stattfindenden

´14 Tagen zur Imageverbesserung der IT-Abteilung´. Die Dinge entwickeln sich einfach prächtig.

Der Chef scheint mächtig aufgeregt über meine freizügige Interpretation des

Werbespruchs ´Wir geben den Kunden, was sie brauchen´ zu sein. Offenbar liegen meine Anleitungen für den Service, wie wir den Kunden ´einen verdammt guten Tritt´ geben können, etwas außerhalb des beabsichtigten Themenspektrums ...

Noch schlimmer gelaunt war er, als der berührungsempfindliche Folietaster am

Drucker nicht funktionierte, mit dem er den Ausdruck von tausend Kopien der besagten Anleitung anhalten wollte. Der Rand des rasendschnell transportierten

Papiers verpaßte ihm einen langen und tiefen Schnitt in der Hand, den er so schnell wohl nicht vergessen wird. Und der PJ und ich wissen leider auch nicht, wieso in der

Flasche mit Desinfektionsmittel aus dem Erste Hilfe-Kasten plötzlich sehr, sehr salziges Wasser war.

Doch die Verwirrung des Chefs begann schon etwas früher, als er ein PR-Foto eines

Mitglieds der Rugby-Mannschaft unserer Firma sah (die durch die IT-Abteilung unterstützt und ausgestattet wird), auf dem das Shirt des Spielers nicht in der Hose steckte. Die Shirts wurden in teurer Handarbeit, deren Preis einen Erbsenzähler zum

Heulen bringen würde, mit dem Logo der IT-Abteilung versehen (gekreuzte

Tastaturen vor einem brennenden PC). Der Spruch ´IT - Wir geben ihnen mehr´ steht in großen Buchstaben auf der Rückseite. Und wenn das Shirt nicht in der Hose steckt, sieht man auch noch die Worte: ´mit der Latte´. Der Chef war nicht beeindruckt.

Der PJ und ich machen keine Versuche, seiner Wut zu entkommen, denn wir wissen, daß er das Büro des IT-Chefs durchqueren muß, wenn er uns fassen will. Er ist nicht gerade wild darauf, seitdem ein Bastard einen neuen Klingelton für das Handy des

IT-Chefs eingestellt hat - einen Klang, der an die Geräusche erinnert, die eine

Linsensuppe nach ihrer Reise durch die Verdauungsorgane verursacht.

Entsprechend kurz war das Treffen der Manager der IT-Abteilung, an dem er an diesem Morgen teilnahm. Und als Live-Übertragung zu PR-Zwecken eignete es sich noch weniger. Sogar das Personal der Cafeteria weigerte sich danach, ihm eine

Zwiebelsuppe zum Mittag zu servieren.

Nein, ich habe kein Mitleid mit dem Chef. Diese ganze Veranstaltung war schließlich seine Idee. Und, was noch schlimmer ist, er erinnerte den IT-Chef auch in diesem

Jahr daran, daß es wieder Zeit dafür sei.

Wirklich niemand mag diese PR-Wochen, denn die Chefs verlangen, daß man alle langweiligen Fragen, wie: ´Kann ich den Lebenslauf tausendmal ausdrucken? Kann ich mich mit den Netzwerk-Betreuern ein oder zwei Stunden unterhalten? Wissen sie, wer mein Auto in Brand gesteckt hat?´, mit ´Ja´, ´Ja´ und ´Nein´ beantwortet, statt, wie es angebracht wäre, zu sagen: ´Nicht, wenn sie ihren nächsten Geburtstag erleben wollen. Nicht wenn sie noch irgendeinen Geburtstag erleben wollen.´ und

´Wir. Wir dachten, sie haben heute Geburtstag.´

Was den Chef aber wirklich in die Schußlinie brachte, war seine Anordnung, daß jede

Anfrage innerhalb einer ´Antwortzeit´ zu bearbeiten sei, die er in unseren

Arbeitsverträgen versteckt hatte. Nun sollen wir innerhalb einer vernünftigen Zeit

Fragen beantworten.

In der PR-Woche bedeutet ´vernünftig´ zehn Minuten. Es mag ja sein, daß der Chef eine ordentliche Runde MDK in zehn Minuten spielt, doch ein Netzwerk-Profi schafft das nicht!

Und natürlich habe ich MDK gerade gestartet, als das Telefon läutet.

"Hallo?"

"Ja?" antworte ich und erwarte das Schlimmste.

"Ich habe ein Problem mit meinem Netzwerk."

Ich habe es geahnt ...

"Hmmm?" Warum sollte man Worte an diese Trottel verschwenden? Sie sind viel glücklicher, wenn sie Grunzen und ein beruhigendes Gluckern hören.

"Es ist schwierig, das am Telefon zu erklären - könnte jemand hochkommen?"

Seufz.

Ich winke dem PJ und bin verblüfft, als ich verliere. Dann wird mir klar, daß er meine

50 Penny-Münze mit den Wappen auf beiden Seiten durch eine mit Zahlen auf Ober- und Unterseite ersetzt hat.

Es macht mich stolz, daß er sich so gut entwickelt.

Doch natürlich werde ich ihm trotzdem nicht sagen, daß ich das Schutzgitter vom

Lüfters seines Rechners entfernt habe, so daß die messerscharfen Klingen des

Ventilators ungeschützt im Kreise herumsummen, aber man wird sehen ...

Ich trotte in das Büro des Nutzers. Das übliche Problem erwartet mich. Sie haben den PC umgestellt und dabei den Netzwerkanschluß vergessen ...

"Aber das ist doch sonst nie passiert."

"Nein, aber seitdem wir nicht mehr Thin Wire zur Verkabelung nutzen, passiert es."

"Das klingt aber nicht nach einer guten Entscheidung."

Ich schaffe es, mich nach einer Stunde wegzustehlen (nach der Geschichte über die gute alte Zeit der Fünfziger, in denen die Technologie noch hervorragend funktionierte).

Der PJ grinst tückisch, als ich im Büro ankomme.

"Er hat zurückgerufen - der Stecker ist abgefallen, und er hat Angst, ihn selbst wieder einzustecken."

"Ein separater Anfruf", rufe ich. "Damit ist das ihre Sache!"

"Werfen wir doch eine Münze." sagt er. Offenbar versteht er nicht, wann meine

Schmerzgrenze erreicht ist.

"Gut, diesmal nehme ich Zahl."

"Bastard!" Einsichtig gibt er natürlich trotzdem nichts zu.

"Oh, vergessen sie nicht zu erwähnen, wie zuverlässig die Technik heutzutage verglichen mit der in den Fünfzigern ist ..."

Der PJ murmelt etwas, bevor er sich stöhnend erhebt.

"Haben sie meine Zugangskarte gesehen?"

"Ja", antworte ich. "Ich brauchte sie, um in den Vermittlungsraum zu kommen. Ich glaube, sie ist hinter ihren PC gefallen, als ich sie ablegen wollte. Auf der Seite mit dem Kühlventilator ..."

Ein wenig Sabotage ist nötig, um die System-Abteilung und den Chef zu schlagen ....

Wir befinden uns in der zweiten Woche der PR-Veranstaltung, und es ist endlich etwas ruhiger geworden. Die Leute rufen uns kaum mehr wegen der ´garantierten

Antwort´ an. Vermutlich hängt das irgendwie damit zusammen, welche Antwort sie garantiert bekommen.

Die Fanatiker der System-Abteilung liegen mit ihrer Hardware in der

Popularitäts-Hitparade weit vor uns, der Netzwerk-Abteilung, nachdem sie die

Nutzer dadurch bestochen haben, daß sie ihnen ein Terrybyte an Festplattenplatz offerierten und ein elektronisches ´Helft euch selber´ an uns schickten. Wenn wir jetzt jeden Rechner mit 100 Megabit Ethernet-Karten an das Netz anschließen würden, wären unsere Chancen, sie zu überholen, relativ gering. Die

System-Abteilung muß geschlagen werden.

Das Terrabyte Fesplattenplatz kommt als erstes dran - etwa 20 sorgfältige

´Behandlungen´ mit dem Gefrierspray und dann mit dem Hitzestrahler entlang der

Festplattenelektronik dürften für einen märchenhaften ´Zufallsfaktor´ bei der

Datensicherheit sorgen.

In der Zwischenzeit versucht unser Chef, sich beliebt zu machen, indem er eine kräftige Speichererweiterung des Applikationsservers ankündigt, um wirkliche

Verfügbarkeit zu erreichen. Dabei ignoriert er freilich die Ergebnisse der Prüfung durch die Software zur Schwachstellenanalyse, die eindeutig die mangelhafte

Arbeitsgeschwindigkeit vor den Monitoren als Ursache ausgemacht hatte. Nun, manchen kann man nicht helfen.

Natürlich versucht ein paar Stunden später ein Ingenieur, in unseren Serverraum einzudringen.

"Was zum Henker tut er da?" frage ich.

"Was meinen sie?" Der PJ ist momentan etwas durcheinander.

"Sollte er nicht irgendwo im Lift feststecken?"

"Ja, natürlich! Das war mir völlig entfallen. Ah, sie wollen sicher in die 5. Etage." Er deutet auf einen Lift, den nur das Personal und sehr dumme Leute benutzen.

Zehn Minuten später ist der Ingenieur zurück.

"Dort steht kein verdammter Server!" stößt er hervor, offenbar ein wenig über die kleine Verzögerung erregt, die die Liftprobleme hervorgerufen haben.

"Server?" reagiert der PJ. "Ich dachte, sie wollten die Stahlträger in der 5. Etage reparieren."

Der Ingenieur schaut ihn unfreundlich an, dann fragt er nach dem Prozessor, der mit neuen Speicherchips ausgerüstet werden soll.

Der PJ zieht seine Nutzerkarte durch den Schlitz des Kartenlesers am Eingang der

Serverraums. Der Kartenleser antwortet mit dem fürchterlichen ´Zutritt verweigert´-Piepen. Ich versuche es mit meiner Karte, doch habe ich auch keinen

Erfolg.

"Die Sicherheitsleute haben anscheinend wieder Probleme. Wir warten besser, bis sie wieder am Netz sind. Kaffee?"

"Klingt wie ein verdammtes Anfängersystem." kommentiert der Ingenier und folgt dem PJ nach draußen.

Kaum sind sie draußen hole ich das Skalpel hervor und entferne das Paketklebeband im Kartenleser wieder.

Fünf Minuten später versuche ich es mit meiner echten Zugangskarte, und wir betreten den Serverraum.

"So, dieses Baby bekommt also 2 Gigabyte", sagt der Ingenieur und greift nach dem

Ausschalter des Applikationsservers.

"NEIN!" rufe ich von panischem Schrecken gepackt. "Dieser Server soll nicht aufgerüstet werden. Es geht doch um diesen." Dabei deute ich auf ein System, das so alt ist, daß neben ihm ein 286er hochmodern wirkt.

"Sie machen Witze."

"Nein. Wieso?"

"Zwei Gigabyte für diesen Server würden die Hälfte dieses Raumes in Anspruch nehmen, sofern der Speicher überhaupt adressiert werden könnte, was aber nicht möglich ist."

"Aber warum haben ihre Leute das System dann an uns verkauft?" mischt sich der PJ ein.

"Das haben wir ganz bestimmt nicht gemacht. Ich bin hier, um diesen Rechner aufzurüsten." Der Ingenieur wird langsam ärgerlich - was die kleinen Äderchen auf seiner Stirn beweisen.

"Aber dieser Server braucht keinen zusätzlichen Speicher."

"Sehen sie, es gibt hier offensichtlich einige Unklarheiten", sagt der Ingenieur. "Ich muß mit ihrem System-Chef reden."

"Der ist leider krank." Ich glaube nicht, daß ich ihm etwas über die

Hautentzündungen des armen Mannes berichten werde, die selbstverständlich in keinem Zusammenhang mit der vor einer Woche erfolgten irrtümlichen Lieferung von

Lampen, die sonst in Bräunungsstudios eingesetzt werden, steht. Wir haben damals

Wind von der geplanten Kriegserklärung mit dem Terrybyte Speicherplatz gehört.

Der PJ hatte zufällig die Telefonanschlüsse überwacht. Natürlich nur mit der Absicht der Serviceverbesserung.

Eigentlich ist es unnötig zu sagen, daß einige der etwas klügeren Mitarbeiter

Sonnenbrillen und Pullover trugen - selbst als die Zetralheizung plötzlich begann, mitten im Sommer kräftig zu heizen.

"In Ordnung", gibt der Ingenieur angesichts unseres Widerstandes auf. "Mein Chef wird Kontakt mit ihnen aufnehmen."

Zehn Minuten später ist er gegangen, wobei er uns mit ein paar uralten

MFM-Festplatten verläßt, die mit Paketklebeband in seinen

Speichererweiterungs-Modulen fixiert wurden.

"Ich denke, daß die Kamakuza Speicherbausteine AG den Chef mit einem Anruf und einem Angebot beglücken sollte, dem er nicht widerstehen kann." erkläre ich dem PJ und wiege die neuen Speicherbausteine in der Hand. "Wo ich gerade von

Arbeitsspeicher spreche - könnten die beiden Zentralrouter nicht auch bessere

Prozessoren brauchen?"

Am Ende der Woche hat das Image unserer Abteilung neue Spitzenwerte erreicht.

Dank des Gewinns, den wir aus dem Verkauf ungenutzter Speicherchips erzielen konnten, haben die für die Bewertung der Beliebtheit wichtigsten Leute nun

100 Megabit Ethernet-Karten. Unterdessen treffen sich der "Geschäftsführer" der

Kamakuza Speicherbausteine AG und der "Geschäftsführer" der Kamakuza

Router-Erweiterungen AG im Pub.

"Wer hat diese Runde gewonnen?" fragt der PJ. "Sie, oder?"

"Ja, ich glaube schon." seufze ich, als ich an die Theke gehe. Das

Geschäftsführerdasein besteht leider nicht nur aus Spaß und Freude. Der Bankrott lauert an jeder Theke, wenn man dieses Geschäft richtig betreibt ...

Der B.O.F.H. will eine Verkaufsausstellung besuchen ...

"Da ist er wieder! Dieser Duft!" rufe ich den PJ und genieße voller Freude diesen vertrauten Wohlgeruch in der Luft ...

"Was, Bohnensuppe?" will der PJ wissen, dessen Sinne durch den jahrelangen Genuß von leichter Musik und Bildungsfilmen geschädigt sind.

"Nein! *DIESEN* Duft."

"Angst?"

"Nein!"

"Brennende Technik?"

"NEIN! Können sie es denn nicht in ihren Knochen spüren?"

"Rheumatismus?" antwortet er sarkastisch.

"Nein", antworte ich. "Aber es liegt ein Knochenbruch in der Luft, wenn sie ihre

Sinne nicht schärfen ...."

"Nun, ich fühle absolut ni ... oh, ja!" ruft er, als die Erleuchtung ihn trifft.

"VERKAUFSAUSSTELLUNG!" kommt es simultan über unsere Lippen.

"Jetzt brauchen wir nur noch eine zufriedenstellende Begründung für den Chef, der aus irgendwelchen Gründen etwas gegen Verkaufsausstellungen hat."

"Könnte es an ihrem letzten Ausstellungsbesuch liegen?" fragt der PJ.

"Wann soll das gewesen sein?" will ich wissen. "Ich kann mich nicht an ungewöhnliche Vorfälle erinnern."

"Sie meinen, damals, als sie vor der Ausstellung ein paar Wochen in einer Hautklinik zubrachten, um dann auf der Ausstellung als Scheich El Al Hand Kebab aufzutauchen, der angeblich jedes Haus in seinem Emirat vernetzen wollte - ohne

Rücksicht auf die Kosten!"

"Ich kann mich nicht erinn ..."

"Als sie zwei Lieferanten in den Konkurs tranken, für drei Tage mit dem Auto des

Chefs, seiner Sekretärin, seiner Visa-Karte und den Nacktaufnahmen aus dem

Urlaub verschwanden - und nur sie tauchten jemals wieder auf - angeblich hatten sie einen Ski-Unfall auf der M25."

"Jetzt, da sie es erwähnen, erinnere ich mich an den Ski-Unfall. Ja, so war es. Und da der Unfall während der Arbeitszeit passierte, war die Firma verantwortlich für meine Behandlung ..."

"In der Betty Ford-Klinik?"

"Nur das Beste ist gut genug für die Angestellten, habe ich mir gedacht. Wie auch immer, es gab keinen Beweis dafür, daß ich etwas mit dem Auto, der Visa-Karte, der Sekretärin oder den Urlaubsbildern zu tun hatte."

"Die Bilder, die in einem Umschlag mit der Aufschrift ´Anleitung zum Formatieren von MFM-Festplatten´ in ihrem Schrank im zweiten Fach von oben stecken?"

Hmm. Ich glaube, irgendwie hat der PJ mich mit seiner Ausdauer bei der

Wahrheitsfindung, möge er auch noch so tief im Schmutz wühlen müssen,

überflügelt. Dabei habe ich ihm alles beigebracht, was er weiß ...

"Nun, das ist doch längst vom Fluß der Zeit weggespült worden", sage ich, um das

Gesprächsthema zu wechseln.

"Zusammen mit dem Auto des Chefs, wenn man den Gerüchten glauben darf", unterbricht der PJ mich. "Immerhin haben sie sich nicht komplett wie Ted Kennedy benommen, denn sie bekommen noch immer Postkarten aus Spanien ..."

Die Dinge entwickeln sich nicht so, wie ich das geplant hatte. Der PJ scheint bei dieser Unterhaltung die Oberhand zu behalten - worauf ich nicht vorbereitet bin. Und wohl fühle ich mich dabei schon gar nicht.

"GENUG!" rufe ich. "Ich gebe zu, daß es ein paar Irrtümer gegeben hat, nicht nur was die Verkleidung in der Woche danach betrifft, vielleicht haben sie auch mehr erfahren, als sie wissen müssen."

"Das sage ich ja!" ruft der PJ. "Sie hätten ihre Spuren besser verwischen müssen, damit niemand darüber redet, befürchte ich."

Traurigerweise gehen mir die verbalen Möglichkeiten zur Änderung des

Gesprächsthemas aus, so daß die Anwendung von Gewalt vor meinem Gewissen gerechtfertigt erscheint. Ich lasse ihn Kontakt mit dem leicht modifizierten

Elektroschocker aufnehmen, der ein paar Ampere mehr liefert als sonst üblich. Und natürlich ist der PJ danach wieder viel, viel ruhiger.

"ZURÜCK ZUM THEMA!" schreie ich. "Wir müssen diese Verkaufsausstellung besuchen, und ich werde weitere Unterbrechungen nicht dulden!"

Der PJ nickt demütig.

"Gut, dann brauchen wir jetzt einen idiotensicheren Plan, der uns die Teilnahme ermöglicht."

"Ich könnte meinen Onkel anrufen."

"Ja, ja, aber ein Gefallen des Geschäftsführers ist kein richtiger Plan. Es ist in jedem

Fall besser, wenn wir dem Chef KEINE Möglichkeit geben, aus technischen

Gründen dagegen zu votieren."

"Nach den Vorfällen beim letzten Mal brauchen wir schon ein Erdbeben, um die

Ansichten des Chefs zu ändern ..." sagt der PJ niedergeschlagen.

"NATÜRLICH! EIN ERDBEBEN! GENIAL!"

"Sie wollen ein Erdbeben auslösen??!?!"

"Nein, nein, natürlich nicht! Nicht, wenn es nicht nötig ist. Nein, der Grund aller

Gründe! Die Entschuldigung aller Entschuldigungen!"

"Und was meinen sie dann?" fragt der PJ noch immer unwissend.

"DIE NOTFALL-SYSTEME! Es ist JAHRE her, daß wir unsere Notfall-Systeme getestet haben. Und es ist durchaus möglich, daß sie Feuer fangen, wenn wir sie wieder hochfahren! BRILLANT!"

Der PJ ruft seinen Onkel an, um die Kugel zum Rollen zu bringen.

"Ah!" sagt der Chef, als er unser Büro ein paar Minuten später betritt. "Wissen sie, worüber ich gerade nachgedacht habe? Nun, ich glaube, es ist Zeit für einen

Probelauf unserer Notfall-Systeme!"

"Haben wir überhaupt Notfall-Systeme?" antworte ich und ebne den Weg. "Denn es findet in zwei Wochen eine Ausstellung zu diesem Thema statt, die der PJ und ich gern besuchen würden."

"UNWAHRSCHEINLICH!" antwortet der Chef barsch. "Wir haben schon zwei getrennte Notfall-Systeme, die startklar sind. Und genau das werden wir jetzt auch

tun."

Gesagt - getan. Als etwa zwei Stunden später die Feuerwehr wieder abzieht, winkt mich der Geschäftsführer zu sich heran, damit ich auf die Sabotage-Vorwürfe des

Chefs antworten kann.

"Lächerlich!" rufe ich. "Das Feuer wurde durch den Staub verursacht, der sich über drei Jahre in den Gehäusen angesammelt hat. Wir sollten froh sein, daß nicht das gesamte Gebäude abgebrannt ist. Auf einer Ausstellung für Notfall-Systeme kann man sich über solche Themen besonders gut informieren. Und zufällig findet in zw ..."

Zwei Wochen später beginnen der PJ und ich unsere dreitägige Pflichterfüllung auf der Ausstellung. Es ist eine harte Arbeit, doch irgendjemand muß sie ja erledigen.

Wir werden sofort von einer charmant lächelnden jungen Frau begrüßt, die für einen bekannten Zulieferer arbeitet.

"Guten Morgen und willkommen, Herr, ähm ..."

"Scheich Ali Mohammed", antworte ich. "Und mein Sohn, Ahmed Mohammed. Wir sind hier, um ein wenig Rechentechnik für unseren Palast zu kaufen.

Selbstverständlich ist das Allerbeste gerade gut genug für uns ..."

Die Nachwirkungen der Verkaufsausstellung zwingen den PJ, sein Konto geschuldeter Gefallen zu vergrößern ...

"Was zum Teufel ist eigentlich passiert?" will der PJ wissen, der etwas mitgenommen aussieht.

"Ich nehme an, sie können sich nicht mehr daran erinnern, daß sie sich mit ihrer

Freundin aus der Abteilung für Öffentlichkeitsarbeit, Salz- und Essigchips, einer

Kiste Limonade sowie zwei Krügen mit alkoholbasiertem ´Magnetkopf-Reiniger´ für zwei Tage im Vermittlungsraum eingeschlossen haben, um angeblich ´ein paar Köpfe durchzuspülen´?"

"Uhhhh, nein", antwortet der PJ verlegen.

"Und ich konnte mich auch nicht mehr erinnern", antworte ich. "Ich wachte im

Sanitätsraum zusammen mit dieser Frau von der Router-Firma auf. Ich mußte die

Aufzeichnungen der Sicherheitskameras anschauen, um zu sehen, wie wir es dahin geschafft haben."

"Haben sie sie gel ..." fragt er nervös.

"Natürlich, jede Kopie ist vernichtet. Sie schulden mir einen Gefallen."

"Ja, ich nehme an, es ist so", gibt der PJ mit einem Hauch von Verlegenheit und

Schuld zu.

"Trotzdem", sage ich. "Eine verdammt gute Verkaufsausstellung."

"Ich bin mir nicht ganz sicher", antwortet der PJ. "Es gibt da ein paar

Gedächtnislücken. Ich glaube mich an ein rotes Stroboskoplicht zu erinnern."

"Das war eigentlich kein Stroboskop. Das war der Router, von dem sie behauptet haben, daß er nicht mit Wechselstrom läuft. Sie haben sogar fünf Pfund darauf verwettet."

"Und, lief er?"

"Ja. Natürlich nicht besonders lange. Erinnern sie sich an das alte Sprichtwort, daß eine Birne, die doppelt so hell leuchtet, nur die Hälfte der Zeit funktioniert? Nun, hier ging es um das gleiche Prinzip, allerdings müßte man die Aussage dahingehend modifizieren, daß Technik, die mit Dreifach-Strom läuft, dies ungefähr nur 2.5

Sekunden lang durchhält. Oh, sie schulden mir übrigens noch fünf Pfund."

"Das ist nicht fair."

"Eine Wette ist eine Wette. Wir haben niemals gesagt, wie lange der Router laufen soll. Nun, wenn das der Fall wäre, dann gäbe es auf der Welt nur noch halb so viele

Softwarehersteller."

Der PJ reicht mir das Geld, während wir darauf warten, daß der Chef hereinstürmt.

Und wo ich gerade vom Teufel spreche - in diesem Moment biegt der Orkan um die

Ecke.

"Uh-oh", sagt der PJ. "Er sieht noch wütender als beim letzten Mal aus, als sie mit seinem Dienstwagen und seiner Sekretärin verschwanden."

"Das liegt vielleicht daran, daß sie diesmal seinen Dienstwagen benutzt haben."

"Ich kann mich daran wirklich nicht erinnern."

"Das wird daran liegen, daß sie sofort ohnmächtig wurden, nachdem sie die

Handbremse gelöst und mit dem Wagen frontal gegen die Wand gerast sind. Deshalb haben sie sich doch auch im Vermittlungsraum eingesperrt ..."

"Ohhhh, ja. Jetzt erinnere ich mich wieder an die Mauer. Da steht mir das Wasser nun wohl bis zum Hals, oder?"

"Nun", erwidere ich. "Als Antwort möchte ich die folgende Analogie benutzen: Sie sind im Turm des Herrn und schon im tiefsten Kellergeschoß angekommen, drücken aber noch immer den Knopf, damit der Lift weiter nach unten fährt."

Ein Krachen unterbricht unsere Unterhaltung, als der Chef, bis oben gefüllt mit purer, konzentrierter Wut, in unserem Büro explodiert.

"Verschwinden sie!" schreit er. Seine Stimme überschlägt sich vor Anstrengung.

"Nehmen sie ihr Zeug und hauen sie ab. Jetzt! Ich will, daß sie einfach verschwinden, keine ´Wenns´ und kein ´aber´!"

Meine Versuche, ihn zu beruhigen, treffen auf taube Ohren, und seine Tirade wird nur durch das Klingeln des Telefons unterbrochen. Das Telefon, das rote Telefon. Ich schalte die Lautsprecher ein, damit alle mithören können.

"Hallo, Gotham City."

Wie immer reagiert der Geschäftsführer mit einem Lacher. Es sind die kleinen Dinge, die die höheren Etagen bei Laune halten.

"Ich habe gerade einen Blick in ihren Notfall-System-Bericht geworfen." erklärt er.

"Er ist sehr interessant. Ganz besonders die Ausführungen über eine mögliche

Aussperrung aus dem Vermittlungsraum und einen Angriffsversuch über die

Tiefgarage als Test unserer Verwundbarkeit durch Gruppen unzufriedener

Mitarbeiter. Ich habe den Bericht gerade an den Aufsichtsrat weitergeleitet. Sie scheinen sehr angetan zu sein von ihrer Arbeit."

Der Chef scheint unter einer Attacke zu leiden, die etwas mit gefährlich hohem

Blutdruck zu tun haben könnte, deshalb eile ich ihm zu Hilfe.

"Weg", ruft er, wird dann merklich ruhiger, um sich an den Geschäftsführer zu wenden. "Und darf ich fragen, wieso sie meinen Dienstwagen für die Simulation benutzt haben?"

"Nun, mir wurde gesagt, sie hätten ihn zur Verfügung gestellt, um wenigstens etwas von dem Schaden wiedergutzumachen, den sie mit dem Feuer der Notfall-Systeme in der vergangenen Woche angerichtet haben. Ist das etwa nicht der Fall?"

"Oh, natürlich. Ja, das stimmt." biedert sich der Chef an. "Aber ich glaube, der

Aufsichtsrat interessiert sich bestimmt dafür, was sich genau abgespielt hat, so, wie es von den Überwachungskameras aufgezeichnet wurde."

Die Augen des PJ verraten, daß er wieder seinen Untergang vorhersieht. Wo ich mit einem Tadel wegen meiner unorthodoxen Arbeitsweise davonkommen könnte, dürften die Aufzeichnungen aus dem Vermittlungsraum für ihn eine nicht so harmlose

Wirkung zeigen wie die aus dem Sanitätsraum mit mir.

"Ich denke, daß meine Dokumentation alle nötigen Gesichtspunkte abdeckt" erwidere ich. Trotzdem gibt sich der Geschäftsführer damit nicht zufrieden, so daß wir alle in sein Büro trotten, um uns Videos anzuschauen.

Der Chef kostet den Moment aus, in dem er die Wiedergabe startet.

"Was zum Teufel machen die Sicherheitsleute eigentlich den ganzen Tag?" fragt der

Geschäftsführer, als der Vorspann von ´Unsere kleine Farm´ auf dem Monitor erscheint.

"Habe ich von einem Gefallen gesprochen?" wende ich mich an den PJ. "Ich meinte natürlich zwei."

"Wie ich schon in meiner Zusammenfassung feststellte", sage ich, "ist die Gefahr revoltierender unzufriedener Mitarbeiter bei diesem laschen Sicherheitsdienst durchaus eine reale Bedrohung."

"Riechen sie das?" frage ich wenig später den PJ. "Das riecht wie ein

Notfall-Budget mit meinem Namen drauf."

Die Meinungen über die nötige Notfall-Ausstattung gehen auseinander - bis der

B.O.F.H. den Beweis für deren Notwendigkeit erbringt ...

Der PJ und ich studieren Kataloge mit Computerzubehör, als der Chef in unser Büro hereinplatzt. Er hat sich offenbar vorgenommen, einen Anteil vom Budget für die

Notfall-Systeme zu fordern, welches dem PJ und mir hinter seinem Rücken zugewiesen wurde.

Wir waren natürlich auch recht gut, als wir die Installation einer ´redundanten´

Satellitenschüssel an der Rückseite des Firmengebäudes empfahlen und selbstlos deren Ausrichtung auf ein etabliertes ´Testsignal´ einer niederländischen TV-Station forderten, um der Firma Geld zu sparen.

"Was glauben sie eigentlich tun sie hier?" regt der Chef sich auf und wedelt mit einem kräftigen Stapel aus Anforderungsformularen für Notfall-Systeme aller Art, die der PJ und ich ihm vorlegen ließen.

"Was meinen sie?"

"Die Empfehlung einer weiteren Satellitenschüssel. Wir benutzen nicht einmal die, die wir schon haben."

"Ja, aber wenn wir eine an jeder Seite des Gebäudes haben, dann haben wir einen redundanten Zugang zur Außenwelt, wenn die Sendeantennen einmal ausfallen sollten - wie das zum Beispiel bei einem Erdbeben passieren könnte ..." natürlich ist ein Erdbeben noch unwahrscheinlicher als daß der Chef eine Runde ausgibt, aber sorgfältige Planung erfordert nun einmal die penible Beachtung der kleinsten, obgleich unwahrscheinlichen, Details.

Für ein paar Sekunden muß er mit sich kämpfen, um dies zu schlucken. "Machen sie sich doch nicht lächerlich! Wir haben gar keine USV an der Rückseite des

Gebäudes."

"Ja, aber ich glaube, daß ich das auf Seite 2 erhwähnt habe, zwischen der redundanten

Espresso-Maschine mit einem zusätzlichen Akku und dem Notfall-Lagezentrum mit einer kompletten Wohnungseinrichtung."

"Wenn sie auch nur einen Moment daran glauben, daß die Firma ihnen beiden eine

Stadtwohnung bezahlt, in die sie Frauen abschleppen können, dann sollten sie sich lieber andere Gedanken machen", knurrt er. "Und was ihre verdammte

Kaffee-Maschine angeht ..."

"... nehmen sie die, die gleichzeitig drei Tassen zubereiten kann." vollendet der

Geschäftsführer den Satz, als er hereinkommt.

"Und da sie noch immer in der Planungsphase sind, dachte ich mir gerade, daß dies hier eine gute Farbe für den Teppichboden im Notfall-Lagezentrum wäre", erklärt er und hält ein Stück eines Axminster-Teppichs hoch, dessen Straßenpreis oberhalb jeder rechtfertigbaren Summe liegt. "Das ist genau der richtige Farbton, der den

Stress in einer Belastungssituation vermindern dürfte."

Und genau der richtige Farbton, wenn ich mich nicht irre, um dafür zu sorgen, daß die

Chancen des PJs und mir, außerhalb der Ferien des Geschäftsführers einen Blick auf ihn zu werfen, ziemlich gering sind. Nun, im Dienste der höheren Sache müssen

Kompromisse gemacht werden.

Und die höhere Sache in dieser Woche ist die Sicherung von Exklusivität. Natürlich ist die Stadtwohnung an sich schon großartig, doch selbst mit der auf dem Dach geplanten ´wassergekühlten Speichereinrichtung´, selbstverständlich komplett mit einem Sprungbrett, werden der PJ und ich nur mit weiterer Technikaufrüstung glücklich sein.

Der Chef verzieht sich - jahrelange Erfahrung hat ihn gelehrt, die Niederlage zu erkennen, wenn sie an seiner Tür klingelt -, um unsere weiteren Vorschläge zu prüfen.

"Was zum Teufel soll das sein?" schreit er fünf Minuten später und fuchtelt mit der

Empfehlung, die Thin Wire-Verkabelung zu ersetzen. "Das wird ein Vermögen kosten. Und das ist bestimmt kein Notfall."

Seltsamerweise ist es ein paar Sekunden einer. Ein verzwickter Terminierungsfehler schlägt zwei Etagen über uns zu, der die Server der Personal-Abteilung vom restlichen Netzwerk isoliert.

"Ah, wir brauchen jemanden für Überstunden", sagt der Chef mit gespielter

Zwanglosigkeit.

"Dann muß das der PJ erledigen. Ich habe in einer halben Stunde einen Termin mit meinem Arzt."

"Oh", erwidert der PJ erwartungsgemäß. "Ich spüre die ersten Zeichen einer Migräne und glaube nicht, daß ich damit allein klarkomme."

"Aber jemand muß es doch tun - die Server der Personal-Abteilung sind vom

Netzwerk abgeschnitten!"

"Das ist doch nicht das erste mal, also kein besonderes Problem", sage ich unschuldig.

"Aber nicht, wenn am nächsten Tag die Lohnschecks fällig sind! Als das schon einmal geschah, randalierten die Angestellten und zerstörten den Platz! Das war eine richtiger Notfall!" Der Chef verstummt, als er erneut das bekannte Klingeln an seiner

Tür hört.

Als Netzwerkprofi begeistert es mich immer wieder, daß selbst die vereinte

Geschwindigkeit von FDDI, CDDI und ATM schneckenlangsam gegenüber der

Geschwindigkeit ist, mit der sich schlechte Neuigkeiten verbreiten.

Der Chef gibt auf. "Wieviel?"

Müde holt er seine Geldbörse hervor.

"Wofür? Für unser Schweigen oder für die Reparatur?"

"Beides."

"Geben sie sie uns am besten gleich ganz. Wir geben ihnen dann morgen, was

übriggeblieben ist."

Ein Thin Wire-Kabel und einen Gedächtnisverlust unsererseits später können der PJ und ich einen Stapel Anforderungsformulare mit dem ´Genehmigt´-Stempel und der

Unterschrift des Chefs betrachten. Neben einer Stadtwohnung, niederländischer

Pornographie und neuen Kaffee-Maschinen geht ein weiterer Traum von mir in

Erfüllung - das Ende von Thin Wire ist nahe.

"Das müssen wir feiern. Kellner, ihren besten Champagner, bitte. Und wenn das

Bargeld aus dieser Börse verbraucht ist, nehmen sie einfach die Kreditkarten."

Es haben sich einige Beschwerden über den PJ angesammelt - und der B.O.F.H. muß diesen Vorwürfen nachgehen ...

Dies ist ein trauriger Tag für die Netzwerker in der ganzen Welt. Als

Netzwerkberater und Vorgesetzter des PJ wurde mir die Aufgabe übertragen, einige

Beschwerden, die über den PJ vorliegen, zu untersuchen und angemessene

Sanktionen für diese Vorfälle zu empfehlen.

Offensichtlich hat der Chef an einem Kurs für ´progressive Personalleitung´ teilgenommen und ist mit einer Wagenladung Handbücher zurückgekommen, die sich mit der Erhöhung der Produktivität und dem Abbau von Streß am Arbeitsplatz befassen. Ich hätte ihm freilich eher die Lektüre von Literatur über die sieben

Zwerge und Schneewitchen empfohlen, statt ihn sich mit den wirklichen Problemen des Managements befassen zu lassen.

Noch ist es in unserer Etage recht ruhig, so daß ich mich entschließe, diese Ruhe zu beenden. Und natürlich kommt auch prompt ein Anruf aus der

Personalabteilung - kaum daß ich um 11 Uhr am Arbeitsplatz erscheine. Bei

Gesprächen wie dem bevorstehenden muß immer ein Repräsentant der

Personalabteilung anwesend sein, so daß wir uns relativ schnell auf eine Zeit einigen und darauf, daß wir uns in einem ihrer ungenutzten Räume in der fünften Etage treffen. Ups, ich meinte einen Raum für Vorstellungsgespräche.

"In Ordnung", beginne ich gleich bei meiner Ankunft. "Ich nehme an, wir wissen, weshalb wir uns heute hier treffen." Ich wende mich an den PJ. "Offenbar liegen drei

Beschwerden über sie aus dem letzten Monat vor. Es ist unsere Aufgabe, diesen

Beschwerden auf den Grund zu gehen und eine angemessene Antwort zu finden."

"Ich verstehe." erwidert der PJ.

"Gut, zunächst haben wir hier eine Beschwerde darüber, daß sie einem Mitarbeiter

aus der Buchhaltung eine Software-Aktualisierung versprochen, sich aber nicht weiter darum gekümmert haben."

"Ja, daran erinnere ich mich." antwortet der PJ.

"Erzählen sie es mit ihren eigenen Worten. Wonach hat er gefragt?"

"Nun, er rief mich im Büro um 16:50 Uhr an und sagte, daß er WYSIWYG (What you see is what you get [thomas w.]) wolle. Und er wollte es, bevor ich das Büro verlasse."

"Was haben sie gemacht?"

"Ich habe die Lichter und die Notbeleuchtung auf seiner Etage abgeschaltet."

"Und was konnte er sehen?"

"Nichts."

"Und er bekam?"

"Nichts."

"Also haben sie seinen Wunsch erfüllt?"

"Ich nahm es an."

"Ausgezeichnet", rufe ich fröhlich. "Ich glaube nicht, daß ..." legt der Repräsentant aus der Personalabteilung los, doch mein eiskalter Blick läßt ihn sofort wieder verstummen.

"Die Fragen stelle noch immer ich, glaube ich. Nun, kommen wir zu der

ATM-Sache."

"Ja, einer der Erbsenzähler wollte ATM in seinem Zimmer."

"Und was taten sie?"

"Nun, ich habe unseren Firmenarchitekt gebeten, sein Zimmer in das Erdgeschoß gleich neben den Geldautomaten zu verlegen (ATM - Automatic Teller Machine,

Geldautomat [thomas w.])."

"Also haben sie seinen Wunsch bestmöglich erfüllt."

"Ich glaube, er wollte einen besseren Netzwerkanschluß." erklärt der Repräsentant der Personalabteilung in den Tiefen der Technik verfangen. "Immerhin ist das ja ihr

Aufgabengebiet." (ATM - Asynchronus Transfer Mode, ein Netzwerkprotokoll

[thomas w.])

"Wirklich? Hmm, da könnten sie Recht haben. Aber das werden wir wohl nie genau erfahren, da der Mann die Firma bereits verlassen hat. Offenbar haben ihn die

Geräusche des Geldautomaten gestört. Ich konnte mir auch nicht vorstellen, weshalb er danach gefragt hatte. Seine Pläne, das IT-Budget zu kürzen, konnte er deshalb offenbar auch nicht vollenden ..."

"Ein unglücklicher Zufall. Nun gut, die Schuld liegt damit wohl eindeutig bei den

Nutzern, die ihre Wünsche nicht deutlich genug äußern. Sie haben ihr Bestes gegeben, auch wenn alles gegen sie zu sprechen scheint. Gut gemacht. Und zum

Schluß", fahre ich fort, bevor der Personalabteilungsrepräsentant etwas sagen kann.

"Ja, hier haben wir noch die Beschwerde darüber, daß jemand im Korridor hinter der

Vermittlungsanlage eingesperrt wurde."

"Nun, das war mein Fehler", stimmt der PJ zu.

"Ein Datenbank-Mensch wollte prüfen, daß sein Büro korrekt an das FDDI-Netz angeschlossen ist, und muß sich dabei irrtümlich selbst in dem Korridor eingesperrt haben. Ich konnte ihn im Vermittlungsraum nicht sehen und nahm daher an, sie hätten ihn hinausbegleitet."

"Ja, das ist ein verständlicher Irrtum", antworte ich. "Das ist mir auch schon passiert. Deshalb sollten wir eigentlich jeden Zugang zur Vermittlungsanlage verbieten."

"Das ist doch lächerlich." regt sich Herr Personalabteilung verärgert auf. "Das kann doch gar nicht passieren. Das ist einfach unmöglich!"

"Es kann passieren", antworte ich. "In dem Sicherheitskorridor gibt es keine Fenster, so daß man nie wissen kann, ob sich jemand in ihm aufhält. Wir haben diesen

Umstand schon mehrfach dem Wachdienst mitgeteilt und nach einer

Überwachungskamera gefragt, doch bisher hatten wir leider kein Glück."

Es macht mich wirklich sehr traurig, daß er unseren Worten nicht glauben will.

"Nun", sage ich etwas später dem PJ. "Ich sehe keinen Anlaß für einen Tadel. Wie

wäre es mit einem Bier im Pub?"

"Ausgezeichnet." erwidert der PJ. "Soll ich den Sicherheitskorridor prüfen?"

"Nein, ich bin sicher, jemand hat ihn herausgelassen, als wir einen Tee in der Kantine tranken. Sorgen sie nur dafür, daß die Temperatur niedrig genug ist, nur für den Fall, daß es in der Nacht eine Hitzewelle gibt."

Netzwerk-Grundsatz Nummer 4: Gelegenheiten sind, wie die Zigarren des Chefs, dazu da, ergriffen zu werden ...

Wenn der Chef versucht, den B.O.F.H. mit seinen eigenen Mitteln zu schlagen, ist es

Zeit, Notfallplan A zu starten, sich zurückzulehnen und das Feuerwerk zu genießen ...

Ich mache mir wirklich Sorgen um den Chef. Sein Verhalten ist irgendwie unbeschreiblich - und zwar seitdem er in der vergangenen Woche auf dem Weg zu einer Präsentation mit seinen mühsam erstellten Folien über ein herumliegendes

Kabelstück stolperte.

Traurigerweise sind dabei seine Folien zum Thema ´Externe Auftragsarbeiter und fest angestellte Mitarbeiter - Wege zur Verringerung der Lohnausgaben´ ein wenig durcheinandergekommen, was seinem Vortrag wohl nicht besonders förderlich war ...

Es ist mir auch nicht entgangen, daß er meinen Tip, seine Folien vor dem nächsten

Vortrag zu numerieren, ignorierte. Auch den Hinweis des PJ, daß es Programme zur

Erstellung von Präsentationen gibt, die sich selbst um die richtige Reihenfolge kümmern und billiger sind, läßt er ungehört verhallen.

Man könnte beinahe annehmen, daß er die Folien heimlich und nicht auf einem

Firmen-PC angefertigt hat, damit niemand etwas von seinem Vortragsthema erfährt.

In diesem Fall wäre allerdings die Benutzung des Foliendruckers, der 98% seiner

Lebenszeit ungenutzt herumsteht, keine gute Methode, um von den eigenen

Aktivitäten abzulenken.

Besonders schlimm ist, daß einer seiner Gedanken seinen Weg in eine mottenzerfressene Ecke im Gehirn des IT-Chefs gefunden hat - seitdem ist unser

Leben nur noch mit Kummer und Leid verbunden.

In dem Bemühen, eine weitere Prämie von den Erbsenzählern zu bekommen, hat der

IT-Chef dem Plan unseres Chefs zugestimmt, den PJ und mich Arbeiten für andere

Firmen erledigen zu lassen ...

Sicher, nach den ersten paar Netzwerk-Zusammenbrüchen und einigen seltsamen

Sicherheitsproblemen gingen die Wünsche nach unserer Hilfe etwas zurück - und gegen Null. Doch der Chef ließ sich auch dadurch nicht davon abbringen, es uns heimzuzahlen. Wir kommen gerade wieder einmal in unser Büro zurück, wo uns drei große Kisten begrüßen, die unübersehbar auf dem Boden stehen.

Meine Sinne für furchtbar teures Equipment flattern, als mein Blick auf den Namen des Herstellers und die Produktbezeichnung fällt, die eine Seite einer der Kisten schmücken. Natürlich war auch der PJ nicht gerade langsam bei der Wahrnehmung der Technik, die dem Heiligen Gral im Netzwerkbereich entspricht.

Wir stehen wie betäubt vor den Kisten und schweigen andächtig, als der Chef

´zufällig´ hereinschlendert und uns anspricht.

"Ja", sagt er selbstgefällig. "Es ist genau das, was sie denken. Neueste und beste

Switch- und Routertechnik von Teranet, vollkommen ausgerüstet mit Karten für alles, was von RS232 über ATM bis zu Gigabit Ethernet heute auf dem Markt zu haben ist. Sagen sie einfach etwas und es wird in dem Gerät stecken. Und sie sind als glückliche Tester auserkoren worden!"

"Ein Test?" frage ich und blicke auf eine Ausrüstung, die ausreichend für einen kleinen Telefonnetzbetreiber ist.

"Ja, verdammt. Sie haben die nicht etwa angenommen, ich hätte ihnen das Zeug gekauft? Sie werden dafür bezahlt, daß sie diese Technik einem unabhängigen Test unterziehen und einen Bericht darüber schreiben. Dann schicken wir die Technik selbstverständlich wieder zurück an den Hersteller - natürlich nachdem dieser die

Vollständigkeit überprüft hat ..."

Dieser Bastard.

"Dieser Basterd", flüstert auch der PJ, als der Chef hinausmarschiert.

Der Chef, ich kann es kaum zugeben, hat das Undenkbare getan - er hat uns einen

Schlag versetzt, den uns nur ein richtiger Manager versetzen kann. Er weiß genau, daß die Rückgabe dieser wunderbaren Schatztruhen nach dem Test und der Umstieg auf unsere alte Technik auf uns ungefähr die gleiche Wirkung haben wird wie der

Umstieg von einem Rolls Royce auf einen R 5. Ein Schlag tief unter die Gürtellinie.

Einen Tag später können der PJ und ich der Versuchung nicht mehr widerstehen - wir spielen mit der neuen Technik. Sie ist leider nicht so gut, wie man es erwartet - sie ist besser.

Der Chef macht alles zunichte - er füttert den Einzug des Reißwolfs sowohl mit unserem Bericht als auch mit unserer Einkaufsempfehlung und läßt uns dann stehen, um grinsend in die Kantine zu verschwinden.

"Das können die doch nicht machen!" jammert der PJ, als die Leute des Herstellers die Technik wieder einpacken.

"Alles in Ordnung, ich bin sicher, wir werden irgendwann derartige Technik bekommen." versuche ich ihn zu beruhigen.

"Ja, wenn sie so verdammt alt ist, daß sie nur noch als Kühlung taugt."

"Gut", murmele ich. "Ich sage ihnen etwas - wie wäre es mit ein paar Flaschen Bier zum Mittag. Sie mögen doch Bier, oder?"

"Das geht heute nicht", platzt er heraus. "Ich habe Sharon gesagt, daß ich sie in der

Mittagspause treffe. Und sie hat nur eine halbe Stunde Zeit."

Einen Zug an einem Stück Schnur später dämmert es auch dem PJ, als hunderte

Papierstückchen wie Konfetti in die Klimaanlage des Erdgeschoßes eingespeist werden. Die Rauchmelder tun, was sie tun sollen, und Notfallplan A läuft an.

Wir sichern unsere Zentrale und reihen uns, der PJ, Sharon und ich, in die Schlange der anderen Schafe ein, die das Gebäude über die Notausgänge verlassen.

Unterdessen folgt der Frachtlift am anderen Ende des Ganges seiner

Notfallprogrammierung und fährt in den Keller.

Die drei Kisten mit der Aufschrift ´Weihnachts-Dekoration´ werden nach dem

Alarm von der Lagerabteilung ganz bestimmt korrekt gelagert.

Ich denke, wir werden sie wiedersehen, wenn der Chef die Verantwortung für das seltsame Verschwinden unheimlich teurer Technik übernommen (und deren

Bezahlung organisiert) hat.

"Rechts!" rufe ich, als wir ins Tageslicht hinaustreten. "In den Pub. Ich glaube, dort wartet ein Vertreter von Teranet mit ein paar Bieren auf uns."

Der Chef versucht erneut, den B.O.F.H. und den PJ zu vetreiben. George, einige

Biere, ein Reißwolf und ein paar potentielle PJs treten auf ....

Nachdem ich einige Stunden (und Biere) brauchte, um herauszufinden, was wirklich gespielt wird, fühle ich mich an diesem Morgen etwas unwohl.

Es scheint, als hätte George, unser Spezialist für Reinigung und Reparaturen, ein erschütterndes Gespräch zwischen unserem Chef und dem IT-Chef mitgehört. Sie haben vor, dem Geschäftsführer einen Gefallen zu tun, um ihn auf ihre Seite zu ziehen und den PJ und mich dadurch loszuwerden.

Ein kleines Vermögen später erzählte uns George, wie sie ihren Plan umsetzen wollen ...

So kommt es nicht überraschend, daß der Geschäftsführer und die Schleimer-Truppe

(unser Chef und der IT-Chef) bei uns erscheinen.

"Ich wollte sie um einen kleinen Gefallen bitten", beginnt der Geschäftsführer freundlich.

"Was kann ich für sie tun?" frage ich und bemerke einen leichten Anflug von

Schleimerei bei mir.

"Nun, es geht um den Computer-Kurs, an dem meine Enkel teilnehmen." erklärt er.

"Aber sie sind doch viel zu jung, um schon Großvater zu sein." schmeichelt der

IT-Chef.

Der Geschäftsführer redet weiter: "Nun, die Kinder haben offenbar den Wunsch, die

Theorie in der Praxis zu erleben. Und da dachte ich ..."

"... daß wir ihnen zeigen könnten, wie ein echtes Computernetzwerk funktioniert." vollendet der PJ.

"Genau."

"Es wird uns eine Ehre sein." sage ich und übernehme die Führung beim

Einschmeicheln.

"Und ich kümmere mich um ein paar schöne Andenken, die Verpflegung und den

Transport", setzt sich der PJ an die Spitze und erreicht mit einer Länge Vorsprung das Ziel, dicht gefolgt von mir und dem Chef.

Zwei Tage später erscheint die Gruppe pickelgesichtiger Dreikäsehochs. Das halbe

Haus ist auf den Beinen, denn es geht das Gerücht, daß man sich bei solcherlei

Aktivitäten Freunde in den oberen Etagen machen kann.

"Bevor wir beginnen, möchte ich ein wenig über die Sicherheitmaßnahmen in unserem

Haus berichten."

Der Geschäftsführer lächelt stolz, als er sieht, daß sein Nachwuchs bei mir in den besten Händen ist.

Fünf Minuten später bereiten sich unsere Schüler darauf vor, die Vermittlung zu betreten, als ein lauter Schrei zu uns dringt.

"Und schließlich", erkläre ich und entferne das Kabel, welches die Türklinke mit dem

Transformator verband, "gilt unser Dank auch unserem Chef, der sich bereitwillig für diese Demonstration der Gefahren, die von elektrischem Strom ausgehen, zur

Verfügung stellte." Ich öffne die Tür, um den Chef vorzustellen, der mit einem gehetzten Gesichtsausdruck und einem Haufen Zugangskarten für die IT-Abteilung, die wild um ihn herum verstreut sind, auf dem Boden sitzt. "Man kann nie vorsichtig genug sein."

Der Chef wird zur Sanitäterin gebracht, die ihn schnell wieder aufpäppelt (und ihm wohl auch neue Unterwäsche gibt, wenn mich mein Geruchssinn nicht täuscht).

Unterdessen gesellt sich der IT-Chef zu uns, als wir die Vermittlung ansteuern. Er starrt in Ehrfurcht auf die einzelnen Komponenten (von denen er ungefähr die Hälfte angeschafft hat), die wir unseren Besuchern erklären. Als wir in das Archiv für

Software und Dokumente gehen, fordern wir sie auf, uns Fragen zu stellen.

"Wofür sind diese Geräte da?" will der Nachkomme des Geschäftsführers wissen.

"Das sind ein Reißwolf und ein Bandlöschgerät, die wir zur Vernichtung von

Dokumenten benutzen. Wollt ihr sie ausprobieren?"

Natürlich können einige es nicht erwarten, mit den Geräten zu spielen, also geben wir ihnen ein paar alte Videokassetten und einen Stapel Papier.

"Und wofür ist dieser Fernseher?" will ein anderer wissen und zeigt auf den 29

Zoll-Monitor.

"Das ist kein Fernsehgerät", gluckst der IT-Chef amüsiert. "Das ist ein Monitor für die Überwachungskameras."

"Aber da ist doch ein Videorekorder angeschlossen."

"Zur Aufzeichnung der Bilder der Kameraüberwachung, oder?" wendet er sich an mich.

"Nun, für mich sieht das wie ein Fernseher mit einem Videorekorder aus. Ich frage mich noch immer, wieso sie das bestellt haben."

"Bestellt?" taucht der PJ auf. "Er hat mich beauftragt, sie in seine Wohnung zu transportieren."

"Sie haben es doch beantragt", verliert der IT-Chef langsam die Fassung. "Wofür eigentlich? Wie auch immer, ich habe Kopien aller Anträge. Ich hebe sie auf, bis die

Anfrage erledigt ist. Dann werden sie vernichtet ..."

Der IT-Chef stürzt im Superman-Modus los, versucht, einen hohen Kassettenstapel zu überspringen, und landet mit dem Gesicht voran auf dem Einzug des Reißwolfs.

Kein schöner Anblick für unsere jungen Besucher, aber nicht so schlimm wie der

Anblick des IT-Chefs, als die Messer des Reißwolfs zum Leben erwachen und sich

über seine Krawatte hermachen ... Der PJ betätigt den Notschalter, um ihn vor weiteren Verletzungen zu bewahren, wobei freilich auch der Rückwärtsgang nun nicht mehr funktioniert.

"Und wieder sehen wir, wie riskant es an unserem Arbeitsplatz zugeht." erkläre ich, während der IT-Chef versucht, sich mit rudernden Armen aus seiner Lage zu befreien. "Ein Reißwolf kann sehr gefährlich sein. Doch auch von einem

Bandlöschgerät gehen gewisse Gefahren aus, wenn man eine Uhr trägt, deren

Gehäuse nicht antimagnetisch beschichtet ist, wie wir dies bei unserem

Vorgesetzten sehen."

BZZZZZZZZZERT ...

"Oh, oder wenn man eine Uhr trägt, die nur angeblich beschichtet wurde. Vielen

Dank für diese eindrucksvolle Demonstration."

Der Geschäftsführer lächelt zufrieden, weiß er doch, daß die jungen Besucher etwas gelernt haben. Normalzustand wiederhergestellt.

Als der PJ Mitleid mit einem Nutzer zeigt, vermutet der B.O.F.H. eine beginnende

Krise und leitet Notfallmaßnahmen ein ...

Es ist ein ruhiger Nachmittag, als das Telefon klingelt. Der Anruf kommt nicht aus dem Haus, sondern von außerhalb, also ist er interessant.

Das Glück ist auf meiner Seite, denn es ist mein Lieblingsvertreter, der mich zum zweimal jährlich stattfindenden Kneipenbesuch einladen will, bei dem er immer für

Getränke, Speisen und die Unterhaltung sorgt, um mich als guten Kunden zu behalten. Natürlich könnte ich auch wieder wie früher einfach direkt Verträge abschließen, doch so muß jemand anderes die Rechnung für den Kneipenexzess bezahlen. Der PJ und ich sorgen dafür, daß wir früh davonschleichen können und treffen den Vertreter in der nahen Besäufnisanstalt. Die Nacht verspricht interessant zu werden ...

Natürlich sind der PJ und ich am nächsten Tag noch etwas geschafft. Um zehn nach fünf und unter dem Einfluß einiger Biere klang die Idee, den Rekord im Biertrinken zu brechen, noch gut, doch um zehn nach zehn am nächsten Morgen ist unsere

Begeisterung dafür nicht mehr so groß und hat irgendwie einen Dämpfer erlitten.

Und der war groß genug, daß die Anwesenheit eines Nutzers in unserem Büro nur unbedeutende Reaktionen hervorruft.

Halbherzig greift der PJ nach dem Tacker, der ein wenig dahingehend modifiziert wurde, daß er nun schneller die Heftklammern ausspuckt. Und der

Sicherheitsschalter ist natürlich auch außer Betrieb.

"Warten sie!" rufe ich, denn in meiner derzeitigen Verfassung habe ich keinen Bedarf ein paar hundert KLACKs gemischt mit Schreien zu hören. "Kann ich etwas für sie tun?" frage ich den Nutzer.

"Ich suche ein Twisted Pair-Kabel für meinen Computer", sagt der Nutzer und zeigt damit schon einen gewissen Kenntnisstand, der Nutzern generell verboten sein sollte. (Natürlich nur, um sie vor Gefahren zu bewahren.)

"Wie lang hätten sie es denn gern?" frage ich müde.

"Nun, da verlasse ich mich ganz auf sie", antwortet er glucksend über den Witz, der so alt ist, daß schon Noah ihn beim Holzkauf für seine Arche benutzt hat.

"Natürlich, nehmen sie sich einfach eins aus der braunen Kiste in der Ecke."

Zufrieden verschwindet der Nutzer mit einem Kabel, während der PJ zu mir kommt.

"Sind sie in Ordnung?" will er mit besorgter Miene wissen. "Sie haben einem Nutzer geholfen!?"

"Indem ich ihm eines der defekten Kabel gab, die wir als Kupferschrott verkaufen?

Ich habe mir nur einen zeitlichen Aufschub verschafft, bis meine Kopfschmerzen vorrüber sind. Er wird wieder zurückkommen, erinnern sie sich an meine Worte."

"Oh", schluckt der PJ, als ihm aufgeht, daß auch in schlechten Zeiten die grauen

Zellen noch arbeiten. Er hält für einen Moment inne - kein besonders Problem in seiner Verfassung.

"Befürchten sie nicht, daß wir die Nutzer zu oft belügen?"

Eine Sinnkrise! Ich hätte es früher bemerken müssen. All die Symptome waren da - die Sorge um andere, das langsame Angeln nach dem Tacker.

"Machen sie sich nicht lächerlich!" rufe ich, um sein noch schwaches Gewissen am

weiteren Wachstum zu hindern. "Nutzer erwarten, daß sie angelogen werden.

Ebenso wie Versicherungen und die Finanzämter. Es ist unser Recht, nein, unsere

Pflicht, sie im Interesse des technologischen Vorsprungs zu desinformieren."

"Ich, ich habe gedacht - ich weiß nicht, ob ich dieser Arbeit wirklich gewachsen bin."

Es ist schlimmer als ich dachte. Bevor die Krankheit sich weiter ausbreiten kann, rufe ich bei der Nutzer-Betreuung an und gebe ihnen die Handynummer des PJs, damit sie ihn bei 'problematischen Anrufen' erreichen können. Überraschend beginnen sie beinahe sofort, Anrufer zu ihm weiterzuverbinden.

"Hallo?"

Zwei Stunden später ist die Mission erfolgreich abgeschlossen und der PJ verhält sich wieder normal. Die Nutzerin, die danach fragte, weshalb die Rufumleitung bei ihrem Telefon nicht funktionierte, hat dem Kamel vermutlich das Rückgrat gebrochen. Der PJ brauchte eine Weile, bis er herausfand, daß die Anruferin das

Telefon von ihrem Schreibtisch mit durch das Gebäude schleppte. Als Veteran hatte ich freilich nichts anderes erwartet.

Der PJ ist wiederhergestellt, als unser Amateur-Netzwerker wieder auftaucht.

"Das Kabel ist defekt!" beschwert er sich verzweifelt.

"Das glaube ich nicht", antwortet der PJ völlig ruhig. "Wir haben alle Kabel geprüft."

"Das stimmt", füge ich hinzu. "Natürlich konnten wir die

Luftfeuchtigkeits-Differentiale nicht testen, weil unser Mulitmeter kaputt ist."

"Natürlich." keucht der PJ.

"Das wird es sein." ruft der Nutzer und spielt uns nichtvorhandene Kenntnisse vor.

"Ich mache ihnen einen Vorschlag", wende ich mich an unseren leidenschaftlichen

Amateur. "Sie nehmen einfach das eine Ende des Kabels und gehen damit in den

Korridor vor der Vermittlung. Dann halten sie das Ende einfach an ihre Zunge. Wenn es den Luftfeuchtigkeits-Differential-Test besteht, werden sie ein leichtes Kitzeln spüren. Und wenn sie nichts spüren sollten, ist das Kabel defekt."

Sekunden später wird die Stille im Korridor durch einen lauten Schrei und eine Reihe dumpfer Schläge unterbrochen.

"Ups", platzt der PJ heraus. "Da habe ich das Kabel doch versehentlich an das

Stromnetz angeschlossen."

Die dumpfen Schläge in der Nähe der Tür hören auf, was nur bedeuten kann, daß unser Freund es geschafft hat, sich von dem Kabel zu trennen, indem er es durchgebissen hat.

"Schön, daß sie wieder gesund sind", sage ich, als der PJ den Beweis entfernt. Ich meine - das Kabel.

"Schön, wieder da zu sein."

Ist es nicht lustig, wie sich die Dinge immer zum besten wenden?

Es sieht so aus, als hätte der B.O.F.H. sich selbst ein Bein gestellt, doch der PJ steht ihm mit einem listigen Plan zur Seite ..

.

Wenn ich die Worte ´Virtuelle Vorstandssitzung´ noch einmal höre, muß ich jemanden verprügeln.

Der verdammte Chef hat es geschafft, das kindliche Interesse des Geschäftsführers an einem Videokonferenzsystem wiederzuerwecken. Im Normalfall würde ich aus diesem Anlaß ja bei dem Gedanken daran, noch mehr Firmengeld verpulvern zu dürfen, lächeln, doch wir haben einfach nicht genügend Leitungskapazität, um ein solches System im gesamten Unternehmen einzurichten.

"Warum?" fragt der PJ, der den Geruch eines Nagetiers wittert.

"Ah. Nun, ich muß ihnen sagen ..."

"Daß sie unsere Leitungskapazitäten an andere weiterverkauft haben, oder?"

"Nein, nicht ganz. Nein."

"Sie haben den ISP-Service (Internet Service Provider [thomas w.]) unserer Firma aufgegeben?"

"Nein, den habe ich vor ewigen Zeiten verkauft."

"Sie haben ihn verkauft!"

"Genau, ich habe den Kundenbestand und den Domainnamen an einen anderen

Zulieferer verkauft. Zu sehr lukrativen Bedingungen."

"Und sie haben mich nicht daran beteiligt?"

"Nein. Ich habe nicht einmal meinen Anteil ausgezahlt."

"Was haben sie dann mit dem Geld angestellt?"

"Sie meinen: Was habe ich mit dem ´Venture Kapital´ gemacht?"

"Wie bitte?"

"Es ist ausreichend, wenn ich sage, daß wir die einzigen Partner der InterTelecom

International sind, einem Anbieter sehr billiger Telefontarife ..."

"Wie?"

"Und unser neuester Kunde ist ein Unternehmen mit Außenstellen in der gesamten

Welt. In einer dieser Außenstellen stehen sie gerade."

"Sie verkaufen unsere Leitungskapazität wieder zurück an die Firma? Wieso hat sich die Firma darauf eingelassen?"

"Nun, erinnern sie sich an den großen Ausfall des Netzwerks bei den

Erbsenzählern?"

"Welchen Ausfall?"

"Den, als der Chefbuchhalter erklärte, daß wir besser nicht mehr telefonieren sollten, statt weiter Unsummen für Anrufe ins Ausland auszugeben. Wir sollten dafür besser einen freien Anbieter nutzen."

"Ja, aber ich dachte, sie hätten eine Art Notfallplan gehabt und die Sache wieder gerichtet ..."

"Das habe ich getan. Und sie werden bestimmt gern hören, daß die InterTelecom

International alle anderen Anbieter leicht ausstechen konnte, da die Gebühren unheimlich niedrig sind."

"Was bedeutet, daß wir unserer Firma Leitungskapazitäten stehlen!"

"Stehlen klingt so negativ. Wir sorgen nur dafür, daß die ohnehin vorhandenen

Leitungen zu 100 Prozent genutzt werden - dafür sollte uns die Firma belohnen. Und das tut sie immer dann, wenn wir unserer Bonuszahlungen von InterTelecom

International bekommen."

"Clever." stimmt der PJ widerwillig zu. "Aber wo liegt das Problem?"

"Wenn wir das Konferenzsystem anschaffen, bekommen wir Probleme mit der

Auslastung der Leitungen."

"Sicher. Aber wir wissen doch, daß das nichts weiter als ein Spielzeug ist, das in den ersten Tagen benutzt wird, dann aber in Vergessenheit gerät."

"Das hoffe ich", erwidere ich.

"Dann habe ich einen Vorschlag ..."

Eine Woche später wird sehr, sehr teure Technik unter den wachsamen Augen des

Chefs in die Firma gebracht. Der PJ ist in unsere Außenstelle in die USA geflogen, während eine Hilfskraft in Rom die Stellung für die Tests hält.

Die Tests sind gerade beendet, als der Geschäftsführer herunterkommt und gleich elektronische Grüße an den PJ und die Hilfskraft schickt. Die Antwort erfolgt prompt und in guter Qualität, so daß der Chef und der Geschäftsführer sehr zufrieden mit sich selbst wirken.

"Jetzt würde ich gern zu den restlichen Außenstellen sprechen." sagt der

Geschäftsführer.

Drüben im Vermittlungsraum sorgt eine Vermittlungseinheit plötzlich dafür, daß eine

Sicherung durchbrennt und die Leitung unterbricht.

Die angerufenen Außenstellen erscheinen auf dem Monitor - ziemlich körnig und unscharf, würde ich sagen. Die versammelten Mitarbeiter lauschen, als der

Geschäftsführer eine kurze Rede über die Wunder der Technik hält. Ein paar

Kommentare wandern hin und her, bevor der Geschäftsführer ´auflegt´.

"Was meinen sie?" fragt der Chef.

"Nun, der Test sah sehr gut aus, doch die Bilder aus den Außenstellen sahen nicht besonders schön aus."

"Stimmt", gebe ich zu. "Das ist ein Problem mit Heisenbergs

Wahrscheinlichkeitsprinzip der Videokompression."

"Was?" witzelt der Chef.

"Heisenbergs Wahrscheinlichkeitsprinzip der Videokompression. Es handelt sich um ein bekanntes Experiment aus der Quantenphysik, bei dem Katzen in Kisten mittels

Video überwacht wurden. Je mehr Katzen beobachtet werden, desto höher ist die

Wahrscheinlichkeit, daß es zu Quantenstörungen bei der Videokomprimierung kommt."

"Das kommt mir irgendwie bekannt vor", verrät sich der Chef.

"Wie können wir das ändern?" fragt der Geschäftsführer.

"Nun, die einzige Chance besteht darin, daß wir auf die Kompression verzichten, was allerdings bessere Leitungen mit höherer Kapazität erfordert ..."

"Kümmern sie sich um die Sache", antwortet der Geschäftsführer, der während der

Arbeitszeit offensichtlich ein paar Folgen ´Star Trek´ zuviel gesehen hat.

Der Chef unterzeichnet ein paar Bestellungen und schleimt mit dem Geschäftsführer nach draußen.

Ich gehe in das benachbarte Zimmer zum PJ und der Hilfskraft und zeige ihnen die

Bestellungen. Dann kümmere ich mich um die Sicherung in der Vermittlung.

"Soll ich den Telefon-Dienstleister anrufen?" fragt der PJ.

"Ja, und sagen sie ihnen, daß InterTelecom International expandieren möchte ..."

Ein Fisch, ein Faß, ein Gewehr.

Was könnte einfacher sein ....

Der Duft einer Umstrukturierung liegt in der Luft, als der B.O.F.H. das Herumkratzen auf einer CD zur Beseitigung von Viren empfiehlt ....

Wenn ich jedesmal fünf Pfund bekommen hätte, wenn der IT-Chef glaubte, die

Unfähigkeit von Managern durch eine ´Neustrukturierung der Abteilung´ beseitigen zu können, wäre ich heute ein reicher Mann. Es ist nicht so, daß er besonders trickreich dabei vorgeht. Vielmehr scheint ihm der Aufsichtsrat immer nur deshalb zuzustimmen, weil sie eine neue Anordnung der Beschäftigten sehen, die sie vorher nie zu sehen bekamen.

Und das Meisterstück in dieser Woche ist die Bildung von Nutzergruppen, die von kompetenten Vertrauenspersonen betreut werden - was bedeutet, daß jedes

Mitglied unserer Abteilung sich um eine andere Gruppe kümmern muß.

Und weil er ein boshafter und rachsüchtiger Bastard ist, hat der IT-Chef mir eine

Gruppe Vertriebsberater zugeteilt - Leute, deren technischer Sachverstand dem von

Tomatensträuchern gleicht, deren soziale Fähigkeiten ´einzigartig´ sind.

Der PJ hat es etwas einfacher, ihm teilt man eine Gruppe von Nutzerbetreuern zu, die schon wissen, daß man uns nur dann anruft, wenn man Verbrennungen dritten

Grades liebt.

Die Anrufe kommen prompt - ungefähr in dieser Art: "Der Drucker des Nutzers funktioniert nicht, deshalb muß das Netzwerk defekt sein". Und wenn man dann schließlich die Schritte zur Fehlersuche hinter sich hat, stellt sich heraus, daß das

Papierfach leer ist. Zur Mittagszeit klingelt mein Handy, ein Berater schildert sein

Problem, und mir wird klar, daß der IT-Chef meine persönliche Handy-Nummer weitergegeben hat. Ich mache mir im Geist eine Notiz, daß diese Indiskretion gerächt werden muß.

Doch in der Zwischenzeit muß ich mich um den Berater kümmern.

"Die Software, die ich auf dem Rechner eines Nutzers installieren will, bricht immer mit einem Schreibfehler ab." jammert er. "Glauben sie, daß die Festplatte voll sein könnte."

"Hmmm", antworte ich nachdenklich. "Was haben sie installiert?"

"Office, ein Spracherkennungsprogramm, ein 3D-Design-Programm und die Online

Enzyklopädie. Ist das zuviel?"

"Nein, natürlich nicht!" rufe ich. "Das ist doch nur ein Bruchteil von dem Platz, der auf dem 386er des Nutzers zur Verfügung steht. Nein, ich glaube, es ist schlimmer."

"Schlimmer?" höre ich es am anderen Ende mit vereinten Stimmen fragen, die befürchten, daß dies ihren Erfahrungshorizont (Drücken der Return-Taste und das

Einlegen von Disketten) übersteigt.

"Ja, ich glaube, daß wir es mit einem weiteren Fall von Rückwärts-Maskierung einer

CD-ROM zu tun haben."

"Was ist passiert?"

"Nun, diese Maskierung wirkt wie ein Filter, der dafür sorgt, daß die installierte

Software nur noch mit Programmen des gleichen Herstellers funktioniert. Wenn sie versuchen, die Software eines anderen Herstellers zu installieren, kommt es zu

Fehlern. Alle großen Firmen handeln heute so - Marketingtaktik, sie wissen schon."

"Na sowas! Was soll ich tun?"

"Nun, welche CD-ROMs haben sie?"

"Ganze Ladungen. Unsere gesamte Software ist auf CD."

"Hmmm, das ist möglicherweise schlimmer als ich dachte. Es überrascht mich, daß sie bisher noch keine Probleme hatten."

"Da sie es erwähnen, mir fällt ein, daß die Enzyklopädie ziemlich langsam bei der

Installation war. Könnte das etwas damit zu tun haben?"

"Zweifellos. Da wirkt offensichtlich der Anti-Installationsvirus."

"Was soll ich nun tun?"

"Ich weiß nicht recht - wissen sie, was wir machen, wenn wir Computer-Bänder löschen wollen?"

"Sie zerkratzen sie?"

"Genau. Und das tun sie mit den CD-ROMs. Wenn sie allerdings die Daten erhalten und nur den Virus entfernen wollen, dann zerkratzen sie natürlich nur ein kleines

Stück auf den CDs. Das Stück, auf dem sich die Daten befinden, die anzeigen, mit welcher Software die CD-ROMs nicht funktionieren."

"Wie?"

"Nun, sie haben doch ein chirurgisches Skalpel aus Keramik bei sich?"

Dummy-Mode ein.

"Nein?"

"Oh, dann nehmen sie eine Rasierklinge. Sie müssen zwei möglichst eng beieinanderliegende Kratzer rund um die CD entlang der sogenannten ´Inhaltsspur´ machen. Dann kann die Software nicht mehr prüfen, ob sie funktionieren darf."

"Wirklich?"

"Aber sicher", antworte ich voller Überzeugung. "Mir können sie doch vertrauen."

"Also soll ich das bei allen CDs machen?"

"Bei jeder CD, die sie finden können."

"Aber wir haben Hunderte davon."

"Machen sie das nach der normalen Arbeitszeit, dann werden sie für die Nachtarbeit

Überstundenzuschläge bekommen", appelliere ich an seine Habgier.

"Ja!" sagt er und zählt in Gedanken die Pfundnoten.

"Aber denken sie daran, es niemandem zu sagen." füge ich hinzu. "Denn sonst wollen auch die anderen sich daran beteiligen. Wenn sie den IT-Chef allerdings schon morgen früh überraschen wollen ...."

"Kein Sterbenswort", ruft er.

"Und wenn sie gerade dabei sind ..." sage ich.

"Ja?"

"Der Abteilungsleiter hatte übrigens ebenfalls Probleme mit einigen seiner

Musik-CDs - wenn sie noch Zeit haben, dann ...."

Der Rest ist - natürlich - Geschichte. Das Jammern, das Zähneknirschen, die prompten Hinauswürfe - ganz zu schweigen von der Zerstörung verschiedener teurer Sammler-Ausgaben von Jazz-CDs.

Ich sehe eine Umstrukturierung am Horizont aufziehen.

Ein Disput mit der Kantine fesselt den B.O.F.H. an Porzellan und läßt den Chef den

Genuß von Bohnen bereuen ...

Etwas ist faul im Staate Dänemark. Und unglücklicherweise hat die Betriebskantine es mir zum Mittagessen serviert. Ich fühle mich nicht gut. Ich bin ein kranker Mann.

Es scheint, als sei das Abkommen über die friedliche Koexistenz zwischen mir und

der Kantine in der fünften Etage durch meine zufällige Bemerkung zum PJ (Leider konnten sie sie hören.), daß ihr neues Motto - wie das der Luftwaffe - wohl ´Der

Tod kommt von oben´ lautet, zerbrochen.

Selbstverständlich ist das Menu du Jour nicht schlimmer als jemand in einer

Todeszelle dies erwarten würde, doch trotzdem hätte ich auf ihrer

´Diätmahlzeiten´-Webseite im Intranet die Ankündigung von ungarischem Gulasch nicht in ungarischen Klebstoff ändern und auf das Geflügelklein Diarrhöe verzichten sollen. Manche Menschen haben eben keinen Humor.

Der Chef duldet es natürlich, denn er weiß, daß jeder Mitarbeiter mit Selbstachtung sich erst dann krankmelden würde, wenn der Tod vor der Tür stand und seine Dienste angeboten hat. Das zählt zu den ungeschriebenen Gesetzen in unserer Firma.

Nein, wenn ich schon den ganzen Tag auf Porzellanoberflächen zubringen muß, dann tue ich das während der Arbeitszeit. Seine häufigen Besuchen lassen keinen Zweifel daran, daß der Chef es darauf anlegt, ein paar Stunden auf meiner

Arbeitszeitabrechnung streichen zu können. Doch meine Anwesenheit, auch wenn es mir schlecht geht, wird fortgesetzt.

Die einzige Sache, die ich nicht ganz verstehe, ist, wie sie mir die tödliche Dosis verabreichen konnten. Im Normalfall bin ich sehr vorsichtig mit dem Essen (erste

Regel - kein Fisch, kein Geflügel, kein Schwein), so daß mir der entscheidende

Hinweis noch fehlt.

Das selbstgefällige Grinsen und die auffällige Anteilnahme der Kantinenmitarbeiter an meinem Schicksal bestätigen meine Zweifel, als ich die Brottheke direkt ansteuere, um mein Krankenmahl zu holen. Ein Schlachtplan wird dringend gebraucht. Und ausgebrütet.

Kaum hat der Chef den Platz nach seinem ´Vier Stück von allem´-Menü verlassen, starte ich Phase 1. "Nun, ich weiß nicht recht ..." wende ich mich an den PJ, als einer der Kantinenmitarbeiter, der sich unbeobachtet fühlt, heranschleicht. "... aber der

Chef vermutet, daß mein Zustand mit dieser Kantine zusammenhängt. Er sagte, daß in irgendeiner Gasse in Soho bessere hygienische Bedingungen herrschen würden als an diesem Platz."

"Wirklich?" fragt der PJ perfekt die Rolle des Dr. Watson spielend.

"Nun, ich weiß nicht", antworte ich und bemerke die aufmerksam gespitzten Ohren im Hintergrund, "... aber der Chef haßt diese Kantine. Die Angestellten sollten froh sein, wenn sie noch eine Anstellung als Toilettenreiniger in einem Kebab-Restaurant bekämen, hat er mir erzählt."

Während ich am nächsten Tag schon zum elften Mal dem Ruf der Natur folge, richtet der PJ den Monitor der Überwachungsanlage ein. Heutige Bildquelle ist der

´Thermostatsensor´ neben der Bedientheke.

Der Chef kommt kurz vorbei, um zu sehen, ob wir schon Mittagspause machen, doch der PJ erklärt ihm durchaus wahrheitsgemäß, daß ich ein paar Notfall-Maßnahmen

überwache.

Ich komme rechtzeitig zurück, um dem Chef dabei zuzuschauen, wie er sein Tablett füllt. "Keine besonderen Vorkommnisse." kommentiert der PJ.

"Ja. Nichts außergewöhnli ..." murmle ich, als mir etwas auffällt.

Unter dem Vorwand, eine Schale Tapetenleim für Rindfleisch (angeblich

Bratensoße) auszutauschen, schmuggelt ein Kantinenmitarbeiter einen zusätzlichen

Teller Bohnensuppe auf das Tablett. Vergeßlich wie er ist, schleppt der Chef sein

Tablett zu seinem Platz und bindet sich das alte Taschentuch um den Hals.

"Sollten wir ihn nicht warnen?" will der PJ wissen.

Das zynische Glänzen meiner Augen beantwortet seine Frage.

Problemursache identifiziert, Phase 1 abgeschlossen.

Der nächste Tag gehört zu denen, die diese Arbeit so angenehm machen. Der Chef hat sich krankgemeldet. Man sagt sich, daß er es noch in die Metrostation geschafft hat, bevor sein Frühstück wieder hochkam.

Die Kantinenbelegschaft ist in der Zwischenzeit mit einer spontanen

Gesundheitskontrolle beschäftigt (Ein anonymer Anruf ...), die neben anderen

Verstößen echtes Rattenfleisch im Ratatouille entdeckt.

Eine Woche später bin ich einigermaßen wiederhergestellt. Freilich habe ich noch ein

wenig Angst vor Lebensmitteln. Der Chef ist nach seiner wundersamen Heilung ebenfalls wieder da. Er freut sich hämisch über die Vorteile der Gesundheitspläne der Firma, das Krankengeld, die Vorzüge des Daheimbleibens etc., etc., ...

Zur Mittagszeit freut er sich noch mehr, als er seinen Teller vollpackt und sich geradezu lyrisch über die Vorteile äußert, ein bezahlter Angestellter unserer Firma zu sein.

Seine Begeisterung wird auch nicht gebremst, als der PJ ihm dabei hilft, seine tägliche Portion Bohnensuppe auf dem Tablett zu verstauen.

Am Nachmittag redet der PJ einmal mehr mit ihm durch die verklemmten Türen des

Lifts. In meiner Eile, ihn aus seiner Lage zu befreien, habe ich den Hebel des

Notfalltüröffners abgerissen, so daß wir den Wartungsdienst anrufen mußten.

"Wie lange brauchen die denn noch?" heult der Chef. "Es kann nicht mehr lange dauern!" rufe ich ihm zu und winke dem PJ, daß er dem Service-Mann noch eine

Tasse Kaffee machen soll, während ich den letzten Eintrag in der Liste der möglichen Verletzungen der Nutzungsbedingungen des Lifts vornehme.

Ich gebe ihm noch maximal 10 Minuten ...

Der Chef wurde ´ermutigt´, nach Tonga umzuziehen, doch sein Ersatz ist ein

Alptraum ....

"Wie haben sie das angestellt?" fragt der PJ, nachdem er zur Arbeit kam und sieht, wie der Chef seine Sachen packt ...

"Ich?" frage ich unschuldig. "Nichts habe ich angestellt!"

Der PJ wartet geduldig, bis ich mit der Wahrheit herausrücke.

"Also, es könnte sein, daß ich ihn geringfügig verängstigt habe ..."

"Wie ´geringfügig´ war das denn?"

Ich bemerke gewisse Zeichen von Traurigkeit in seinem Tonfall, mit denen ich mich später befassen werde. Natürlich, der Chef ist mittlerweile formbar wie frische

Knetmasse, doch man sollte immer bedenken, daß Veränderungen positiv wirken können.

"Nun, ich könnte gesagt haben, daß es langfristig besser und sicherer wäre, in Tonga zu leben statt hier in Großbritannien."

"Wie bitte?"

"Es fing wohl damit an, daß der Chef wissen wollte, wie weit wir mit unserem Jahr

2000-Projekt sind. Ich denke, er ahnte, was in Wirklichkeit dahinter steckt - ein idiotensicherer Plan, um sich für fünf Monate im Büro zu verschanzen und danach mit einem Lächeln, den Worten: ´Alles in Ordnung´ und einem Stapel Rechnungen für

Beratungen wieder herauszukommen."

"Und?" fragt der PJ.

"Und deshalb habe ich ihm gesagt, daß es wirklich keinen Grund zur Besorgnis gibt."

"Wieso?"

"Weil ich ihm sagte, daß die Welt unter dem Jahr 2000-Virus leidet. Und daß alles schon im Jahr 1999 vorbei sein wird, wie Nostrodamus und die meisten religiösen

Gruppen das vorhersagen."

"Und er hat das geglaubt?"

"Nun, sie wissen ja, wie wahrscheinlich es ist, daß er mir vertraut ..."

"Sie meinen, nachdem sie ihm empfohlen haben, den Toaster mit unter die Dusche zu nehmen, um am Morgen beim Frühstück Zeit zu sparen?"

"Das und dem Empfehlung, Magnete als Diskettenhalter zu benutzen, ja. Wie auch immer, ich habe ihn daran erinnert, daß die älteren Nuklearverteidigungseinrichtungen aus der Zeit des Kalten Krieges von Computern kontrolliert werden, darunter auch die, die so programmiert wurden, daß sie den Startvorgang einleiten, wenn sie die

Verbindung zum Pentagon verlieren."

"Und?"

"Und es ist doch offensichtlich, daß kurz nach 23:59 Uhr am 31. Dezember 1999 der

Wert für die seit der letzten erfolgreichen Verbindungsaufnahme verstrichene Zeit dank der Datumsarithmetik sich von einer Minute zu tausenden negativen Minuten

ändern wird ..."

"... und - Start!" vollendet der PJ.

"Sie haben es erfaßt!"

"Und er hat ihnen geglaubt?"

"Nun, beim Prüfen der Protokolldaten fiel mir auf, daß er ein regelmäßiger Besucher einiger Webseiten ist."

"Sie meinen die Homepage der Liebhaber von Spitzenunterwäsche?"

"Unter anderem, ja, aber wichtiger ist, daß er auch ´Nostrodamus sagt´-Seiten und solche mit Warnungen vor Gefahren des Nuklearwaffen besuchte. Ausgestattet mit diesen Informationen war es leicht, mit seinen Ängsten zu spielen."

"Und jetzt geht er nach Tonga?"

"Dahin oder an einen anderen Ort, der absolut ohne jegliche strategische Bedeutung, dafür aber sicher davor ist, etwa 10 Minuten nach Mitternacht von einer alten Rakete aus den 60er Jahren getroffen zu werden."

"Aber sie glauben doch nicht wirklich, daß das passieren kann?"

"Schon möglich. Aber wen kümmert das? Ich werde in der Silvesternacht betrunken wie ein Stinktier auf der Party feiern. Nebenbei - mein guter Wille, andere zu beraten, wird neue Tiefstände erreicht haben - dank meiner hervorragend finanzierten Aussage: ´Jetzt ist alles in Ordnung.´"

"Also arbeiten sie an unserem Jahrtausend-Projekt?"

"Seit dem heutigen Morgen bin ich nur noch damit beschäftigt."

"Und womit werden sie es abschließen?"

"Das werden sie in genau fünf Monaten sehen ..."

Eine Woche später stehen die Dinge schlechter als erwartet. Der alte Spruch ´Der

Teufel, den du kennst, ist besser als ein Tritt in die Rippen an einem kalten Morgen´ bewahrheitet sich einmal mehr. Der Ersatz für den Chef ist schlimmer, als dieser es jemals war. Er hat mir mein Jahr 2000-Projekt abgenommen und unsere Software- und Hardware-Zulieferer damit beauftragt, ihre Waren zu testen. Ich könnte heulen ...

... wenn ich nicht das Root-Passwort, Kontrolle über die Telefonvermittlung und einen beinahe psychopatischen Haß auf Manager hätte.

Nach ein paar Tagen sieht der neue Chef wirklich krank aus. Ganz offensichtlich hat ein Fehler in der Vermittlungsanlage dafür gesorgt, daß die Hälfte der

Einwahlnummern aus unserem Modem-Pool auf sein Privattelefon umgeleitet wird.

Und die andere Hälfte landet auf seinem Handy.

Als sei dies nicht schon schlimm genug, lief sein Telefon auch heiß, nachdem er seinen wöchentlichen Bericht in unserem Intranet veröffentlicht hatte, in dem aus

´Version Control Server´ ein ´Virgin Control Server´ wurde. Offenbar haben einige der jüngeren Erbsenzählerinnen angefragt, wie er denn diesen Jungfräulichkeitstest durchführen will ...

Der PJ und ich schlagen die Zeit damit tot, daß wir die internen Uhren unserer

Ausrüstung auf den 31.12.1999 setzen. Nach dem Ärger, den wir mit dem

E-Mail-Server verursacht haben, ist es wohl Zeit, erneut unser siebenmonatiges

Jahr 2000-Projekt vorzuschlagen.

Veränderung ist wirklich gut.

Der neue Chef entdeckt, daß Lernen manchmal schmerzhaft ist, besonders dann, wenn der Lehrer der B.O.F.H. ist ...

Normalerweise wird die Vorstellung eines neuen Kandidaten für das mittlere

Management begleitet von all dem Pomp, den man beim Auswechseln des

Staubbeutels eines Staubsaugers veranstaltet, doch heute laufen die Dinge etwas anders. Dieser neue Chef ist angeblich eine Verbesserung gegenüber all seinen

Vorgängern, denn er hat einen Universitätsabschluß in Management. Also haben wir nun einen unschuldigen, neugierigen und völlig ahnungslosen Chef zum Formen.

Seine erste ahnungslose und neugierige Handlung besteht darin, ein Treffen zwischen sich selbst und einigen global agierenden Netzwerkanbietern zu

vereinbaren, um bessere Preise für die Bandbreiten zu erzielen - eine Gruppe von

Individuen, die ihre eigene Großmutter für fünf Pfund verkaufen würden. Der Chef bewegt sich so weit außerhalb seiner Heimatgewässer, daß er eine Schwimmhilfe braucht.

Um ihn vor dem Wahnsinn (und die Firma vor dem Bankrott) zu bewahren, sorge ich dafür, daß ich in das Verhandlungsteam komme. Die Anrufe, die seitdem auf meinem

Anrufbeantworter landen, lassen den Schluß zu, daß dies kein populärer Zug ist.

"Nennen sie mich Alan." stellt sich der neue Chef vor, als wir die verschiedenen potentiellen Versorger treffen. Offensichtlich hat er die üblichen Seminare besucht, in denen ihm erzählt wurde, daß der informelle Ton die Verhandlungen erleichtern würde.

Ginge es nach mir, würden wir die Verhandlungen erleichtern, indem wir die

Vertreter in einen Raum zusammen mit ein paar Ziegelsteinen einsperren und nur mit dem ins Geschäft kommen, der als Letzter aufrecht stehen kann.

"Die Vorschläge scheinen alle noch verhandelbar zu sein", eröffnet der Chef das

Schachspiel. Er bemerkt anscheinend nicht, daß sie uns alle fünfzig Prozent mehr kosten würden als wir gegenwärtig zahlen - Zulieferer nennen das

´Anfangsangebot´.

"Und dabei müssen sie das gewachsene Bandbreiten-Potential beachten", antwortet einer der Vertreter.

"Sie meinen, das ist genau das, was wir jetzt schon haben, abgesehen von mehr

Potential?" interpretiere ich die Aussage neu, damit der Chef mitkommt.

"Wachstumspotential ohne zusätzliche Hardware-Installation, ja."

"Und da wir ohnehin schon über überdimensionierte Leitungskapazitäten verfügen, bedeutet das also, daß wir ohne Grund 50 Prozent mehr bezahlen sollen?"

"Potential kostet Geld", mischt sich ein anderer Vertreter ein. "Und ich bin mir sicher, daß unser Plan maximales Potential verspricht."

"Während sie nichts zusätzlich liefern ..." füge ich hinzu.

Das Treffen plätschert auf diese Weise noch etwas vor sich hin, bis der Chef endlich zu seinem letzten Mittel greift, um von niemanden über´s Ohr gehauen zu werden.

Schließlich schafft er es, sein letztes Angebot zu machen.

"Nun, was können wir hierfür bekommen?" fragt er und schreibt mit

Verschwörermiene eine Zahl auf, die ungefähr 40 Prozent unseres

Netzwerk-Budgets entspricht.

"Ich werde meine Großmutter anrufen", sagt einer der Vertreter und greift nach seinem Handy.

Ab jetzt geht es abwärts. Am Ende der stundenlangen Verhandlungen ist der Chef ein gebrochener Mann und bereit, unsere derzeitigen Kapazitäten durch eine

Ansammlung von 300 Baud-Modems und Telefonzellen zu ersetzen.

Zeit für eine strategische Pause, also rufe ich eine Mittagspause aus und schaffe den Chef schnellstmöglich aus dem Gefahrenbereich.

"Das ist alles ziemlich technisch, oder?" jammert er, als wir außer Hörweite sind.

"Das ist ein Ochsenjob!" antworte ich und fahre damit fort, ihn über die Methoden der Preisfestlegung zu informieren - offensichtlich ein Thema, das nicht zur

Ausbildung für den Abschluß als Manager einer Pfarrgemeinde gehört. Ich bringe ihn in den Vermittlungsraum, damit der PJ mich ergänzen kann.

Unsere Kommentare treffen auf taube Ohren.

"Aber ich bin sicher, daß sie wissen, worüber sie reden." murrt er naiv. "Immerhin sind sie ja schon jahrelang in dem Geschäft."

"Natürlich, weil ahnungslose Manager ihnen blind vertrauen." antworte ich. "Ehrlich, in diesem Geschäft können sie niemandem vertrauen."

"Das ist aber eine zynische Ansicht", erwidert er erwartungsgemäß.

Es wird offensichtlich Zeit für Plan B.

"Es kostet ein Vermögen, um das Potential der Leitungen unserer Telefonanlage zu erhöhen."

"Wieso?"

"Ich denke, daß der PJ ihnen das Problem, über das wir sprechen, am besten demonstrieren kann."

Zehn Minuten, einen Schrei und einen senkrechten Sturz auf den Boden später kann ich als Solist zu den Verhandlungen gehen, da ein weiterer Chef es vergessen hat, die Abdeckgitter im Vermittlungsraum zu überprüfen, die schmerzhafte Stürze vermeiden sollen ...

Der Arme.

"Gentlemen", beginne ich, nachdem ich ins Beratungszimmer zurückkomme. "Wegen eines Arbeitsunfalls ist Alan leider für den Rest der Verhandlungen verhindert, weshalb die Entscheidung über einen Vertragsabschluß nun in meinen Händen ruht.

Ich denke, ich werde es ihnen überlassen, unseren Vertragspartner zu finden, indem ich sie alleinlasse. Oh, sie finden die Ziegelsteine unter ihren Sitzen."

Manchmal muß man sich eben ein wenig dafür einsetzen, die Kunden zufriedenzustellen ...

Monate des Biersaufens haben dem B.O.F.H. zugesetzt, so daß er beschließt, eine

Erholungsreise zu unternehmen ...

Ich habe mich entschieden, mir eine wohlverdiente Pause zu gönnen, um mich von den Anstrengungen der Arbeit (zum Beispiel Alkoholvergiftungen) zu erholen. Meine

Reise soll mich an die Küste führen.

Da ich vorsichtig bin, beauftrage ich den PJ, mich mit täglichen E-Mails über die

Geschehnisse in der Firma zu informieren. Traurigerweise wartet mein Laptop noch auf seine Aufrüstung, die der Chef mir in einem seiner laxeren Momente genehmigt hat, so daß ich für Kontakte mit der zivilisierten Welt auf ein Internet-Café angewiesen bin.

Wie 90 Prozent der kultivierten E-Mail-Nutzer bevorzuge ich es, meine persönliche

Kommunikation in der Zurückgezogenheit meines Büros oder meiner Wohnung zu erledigen, wo ich nicht durch die Geräusche von Quake spielenden Jünglingen abgelenkt werde. Dafür ist genug Zeit in den restlichen Stunden des Tages.

Außerdem warte ich nicht besonders gern darauf, daß mir ein Typ mit Pferdeschwanz den langsamsten Computer auf der Erde einschaltet, der so wenig Arbeitsspeicher hat, daß er selbst für die Eingabe des Passwortes nicht reicht.

Als ich erwähne, daß ich gern mein bevorzugte E-Mail-Programm nutzen würde, ernte ich ein mitleidiges Lächeln.

"Ihr erstes Mal?" gluckst der Pferdeschwanz selbstgefällig. "Niemand benutzt dieses Programm."

Ich könnte ihm das Gegenteil beweisen, aber ich will mich ja erholen.

"Ja, mein erstes Mal", antworte ich ängstlich. "Was empfehlen sie denn?"

Er schwärmt mir etwas von der Alpha-Version der neuesten Fehleransammlung irgendeiner selbsternannten absolut hochmodernen Programmierfirma vor und tippt das Passwort (´verbinden´, wie ich mühelos mitbekomme) ein. Er beginnt seinen

Monolog darüber, daß ich keine Angst vor der Technik haben müsse, die jemand mit seiner Erfahrung betreut, um mich zu beruhigen. Irgendwann verstummt er, wendet sich wieder dem Rechner zu, um festzustellen, daß alles nicht so ist, wie es sein sollte, was möglicherweise daran liegt, daß ich alle Programme in den Papierkorb verschoben habe, als seine Aufmerksamkeit nachgelassen hatte.

Ich konnte mich nicht bremsen - alte Gewohnheiten wird man nicht so leicht los.

"Das ist interessant", kommentiert er.

"Oh, es funktioniert nicht?" jammere ich in einem Tonfall, der mir aus der

Nutzerbetreuung sehr vertraut ist. "Ich wußte es, Computer hassen mich."

In der Überzeugung, ich sei ein ahnungsloser Anfänger, meldet er sich erwartungsgemäß beim Datei-Server mit seiner eigenen Nutzerkennung an und verläßt sich dabei zur Geheimhaltung des Passwortes ganz auf sein ´blitzschnelles´

Tippen (´Mädchenschwarm´ - geschmacklos und größtenteils unwahr).

Während er eine Neuinstallation durchführt mache ich 20 Pfund locker und kaufe mir von einem anderen fettigen Pferdeschwanz an der Espresso-Theke ein Nutzerkonto.

Er setzt mich an einen anderen Rechner und gibt mir den Rat, mich einfach ein wenig im Internet umzusehen, während sie mit der Fehlersuche an dem anderen Rechner

beschäftigt sind. Als er verschwunden ist, beende ich meinen Verlierer-Modus und lade die E-Mails von der Arbeit herunter.

Ein weiterer Pferdeschwanz kommt vorbei und lächelt mitleidig, als er über meine

Schulter blickt und beobachtet, wie die E-Mails mit 2.400 Baud hereinkriechen, weil eine Schulklasse an einem anderen Rechner sich ein Echtzeit-Video anschaut.

Ein schneller Blick in meine E-Mail sagt mir, daß der Chef noch immer

Schwierigkeiten macht, indem er in meiner Abwesenheit einen Netzwerk-Analysten anheuert. Darum werde ich mich kümmern müssen.

Doch in der Zwischenzeit habe ich einen kleineren Fisch zu braten, denn ein

Pferdeschwanz verschüttet hinter meinem Rücken seinen Espresso, als er von hinten zu dem ahnungslosen Kunden heranwatschelt.

Ich melde mich auf dem Datei-Server als ´Pferdeschwanz1´ an und schaue mir die

Dateien an. Um die Zeit totzuschlagen, modifiziere ich das Anmelde-Skript ein wenig.

Wo ich gerade so schön dabei bin, beschließe ich, daß die Homepage des Cafés ein wenig aufgemotzt werden könnte.

Ein schockiertes Keuchen wenige Augenblicke später sagt mir, daß jemand die erweiterte Fassung der Homepage mit den gerade hochgeladenen Videos anschaut.

Ein kleiner Hauch von Schweden tut niemandem weh - speziell dann nicht, wenn, wie ein schneller Blick mir zeigt, das Keuchen von der Lehrerin der Schulklasse kommt, die versucht, ihre Schüler vom Monitor abzulenken. Mir scheint, er zeigt nicht die erwartete Dangermouse-Homepage.

Ich lasse meine Finger noch einen Augenblick länger über die Tastatur gleiten, um meine Nutzerdaten anzupassen, dann gehe ich herüber um zuzuschauen, wie das

Ende des Unterrichts aussieht, dem die Jugendlichen ausgesetzt waren.

"Das ist ja ekelhaft!" rufe ich entsetzt.

Ein Pferdeschwanz entschuldigt sich wortreich.

"Es stimmt also, wenn man über das Internet sagt, daß es voller Perversitäten ist." wende ich mich an die junge Lehrerin.

"Es ist doch nur ein Werkzeug", verteidigt sich der Pferdeschwanz.

"Das habe ich gesehen." sagt die Lehrerin.

Es ist lustig, wie warmherzig man zu Personen sein kann, die man kaum kennt.

Einen Anruf bei der lokalen Fernsehstation später helfe ich der verlockend hübschen

Lehrerin und ihren Schützlingen durch das Blitzlichtgewitter, die TV-Kameras und die Reporter-Mikrofone nach draußen und halte nur einmal an, um meine 200 Pfund, die ich für das Nutzerkonto bezahlt hatte, wieder in Empfang zu nehmen, die ich nun in ein Abendessen mit der Lehrerin zu investieren vorhabe.

Ferien? Nichts als Arbeit, Arbeit, Arbeit ...

Während der B.O.F.H. sich erholt, sieht sein Ersatz Karrierechancen - was

Gegenmaßnahmen des PJ herausfordert ...

Dieser Urlaubstag ist ein trüber Tag. Mein neuer Kontakt zum Bildungswesen muß arbeiten, so daß ich in die Stadt ausweiche, um meine tägliche E-Mail in Empfang zu nehmen. (Zur Zeit sind die Internet-Cafés an der Küste nur schwer zugänglich, weil sie von besorgten Eltern belagert werden und die Betreiber abgetaucht sind.)

Als ich mich auf dem Firmenrechner anmelde, bemerke ich, daß der letzte Bericht des PJs sehr lang ist. Deshalb werfe ich die Espresso-Machine an und öffne dann den Bericht, den der PJ geschickt hat. Er ist ein Dokument von geradezu epischem

Ausmaß, welches den Kampf eines kompetenten Netzwerkbetreuers angesichts schier unüberwindlicher Widerstände schildert.

Anscheinend hat sich der vom Chef eingesetzte Netzwerk-Analyst innerhalb weniger Tage von der demütigen und unauffälligen Person zu einer heimtückischen und verschworenen Person gewandelt. Sicher, etwas derartiges war absehbar und wird auch vom Inhaber dieser Position erwartet, doch er hätte damit wenigstens warten können, bis ich gefeuert wurde.

Der PJ hat freilich schnell herausgefunden, daß das Wissen des neuen

Schoßhündchens des Chefs über Netzwerke und Unix gleich nach ´nichts´ kommt - obwohl es sehr nahe daran ist, beinahe noch weniger - wie auch immer, er hat keine Ahnung.

Die hervorragend trainierten Instinkte des PJ bemerkten die Spuren, die auf heimliche

Absprachen deuteten, so daß er die Telefonüberwachung aktivierte. Seine Sinne hatten ihn nicht getäuscht - sein neuer Vorgesetzter und der Chef kennen sich seit der Zeit, als die Elektrizität erfunden wurde.

Weitere Nachforschungen ergaben erschütternde Übereinstimmungen zwischen seinem und meinem Lebenslauf - Wort für Wort vermutlich.

Es scheint, als hätte der Chef meinen Lebenslauf seinem Freund geschickt. Und der hat offenbar das Potential meiner Postition richtig gedeutet, jede Arbeitsstunde damit verbracht, beim Nutzerservice und der Firmenleitung herumzuschnüffeln, um dadurch die Erinnerung an mich verblassen zu lassen. Die Beobachtungen des PJ deuten darauf, daß er entweder meine Arbeit übernehmen, den Nobelpreis bekommen oder auch beides will.

Die Bemühungen gipfelten darin, daß mein Ersatz sich selbst in den Vordergrund spielen wollte, indem er mir eine Nachlässigkeit nachweist, die er in einer bewegenden halben Stunde beseitigt, um so seinen Ruhm unsterblich zu machen. Ich muß mich nun auf die Schilderungen des PJ verlassen ...

"Etwas seltsames ist mit dem Mail-Server passiert", erklärte mein Ersatz dem PJ und spürte den kommenden Ruhm. "Es gibt einen Prozeß, der das Mailprogramm gestartet hat. Der Prozeß kommt aber von draußen. Ich glaube, wir werden angegriffen."

"Woher kommt der Prozeß?" fragte der PJ nach und erahnte schon die Antwort.

"Von einem Rechner, der sich bofh.stirbGeekstirb.com nennt."

Der PJ erkannte natürlich meinen Domainnamen und weiß auch um meine Vorliebe, mittels E-Mail auf dem laufenden gehalten zu werden. Also entschied er sich, die

Situation zu entschärfen, bevor sie außer Kontrolle geraten konnte.

"Ja, das scheint ein Hacker zu sein." stimmte er zu.

"Was können wir dagegen tun?" will der Aushilfs-B.O.F.H. wissen und denkt offenbar schon an die Verwertungsrechte an seinem Buch über

Internet-Kriminalität.

"Sollten wir das Anmelden auf unseren Maschinen verbieten?"

"Natürlich nicht", rät der PJ ab. "Das würde sie nur ärgern. Am besten lassen wir das

Desinfektionsprogramm durch das Netzwerk laufen."

"Wie?"

"Mit dem Spray-Kommando. Der Name kommt von Desinfektionsspray. Geben sie einfach SPRAY RECHNERNAME Strich c eine Million Strich l Zweitausend und ein

UND-Zeichen ein. Das machen sie mit allen Rechnern, die zu unserem Netzwerk gehören. Das sollte das Netzwerk reinigen, während ich mir einen Kaffee hole."

Als der PJ zurückkehrt, wird er von gequältem Heulen empfangen. "Das verdammte

Netzwerk ist tot."

"Nein, nein", kommentiert der PJ. "Es ist noch da und läuft - aus irgendwelchen

Gründen allerdings nur sehr langsam."

Ab dann ging es nur noch bergab. Ihn davon zu überzeugen, alle 10/100 MBit

Ethernet Switch Ports auf 100 Non-Switched umzukonfigurieren, "für erhöhte

Leistung", war ein Meisterstück - auch wenn 10 Prozent der Nutzer, die 100 MBit nutzen können, wirklich zufrieden mit der Leistung waren, die ihnen der Ausfall der restlichen 90 Prozent bescherte.

Bei dem Versuch, die aufgebrachten Nutzer wieder zufriedenzustellen hat er von sich aus die Steuersoftware für die Router aktualisiert und dabei offensichtlich eine goldene Regel nicht beachtet: Traue niemals einer Aktualisierung, die du nicht selbst bearbeitet hast.

Das führte zu einem weiteren heftigen Ausfall, als ein seltsamer Fehler die

SLIP-Verbindungen (Protokoll zur Einwahl in Netzwerke mittels Telefon [thomas w.]) mit höchster Priorität versah, so daß das Netzwerk beinahe lahmgelegt wurde.

Und das überraschte den PJ wirklich, hatte er doch noch nicht die Zeit gehabt, dies per Hand einzustellen.

Ich will gerade meine Lektüre beenden, als ein neuer Bericht hereinkommt. Offenbar hat es einen scheußlichen Arbeitsunfall mit meinem Telefon gegeben. Anscheinend hat das Anschlußkabel meines Headsets die Isolierung des Netzkabels durchgescheuert, was dazu führte, das das Headset nicht nur dem Ego meines

Ersatzes heftigen Auftrieb gab.

Zum Glück haben wir als ordentliche Netzwerker einen Notfall-Ausschalter, doch unglücklicherweise lehnte eines der schweren Handbücher des PJs zu diesem

Zeitpunkt vor ihm.

Die Sanitäter haben es dann irgendwie geschafft, meinen Ersatz mit ein paar

Schokokeksen und einer warmen Decke unter meinem Tisch hervorzulocken, aber es sieht so aus, als müßte ich nun bald damit rechnen, wieder in die Firma zurückgerufen zu werden. Man gönnt uns Arbeitenden eben keine Erholung. Oder unseren Vorgesetzten ...

Die Fehler eines cleveren neuen Einkaufssystems bringen die bis dahin unterdrückten rachsüchtigen Seiten des B.O.F.H. zum Vorschein ...

Die Leute der Systembetreuung gehen mir wirklich auf die Nerven. Sie sind nicht mehr damit zufrieden, daß sie in ihrem Maschinenraum die unumschränkten

Herrscher - ähnlich wie der PJ und ich in der Netzbetreuung - sind, sondern haben nun auch noch das Bestell- und Einkaufssystem übernommen.

Anstatt wie bisher ein Gerät, das seinen letzten Atemzug getan hat, zu identifizieren und eine Bestellung für ein besser ausgestattetes Ersatzgerät dem Chef unterzuschieben, damit er seine drei Kreuze darunter setzen kann, müssen wir nun jeden Wunsch nach Geräten, die etwas mit Computern zu tun haben, per E-Mail an das neue Bestellsystem schicken, damit die Systemleute die Bestellung lesen, genehmigen und sich um eine preisgünstigere Alternative umsehen können ...

Ich bin darauf vorbereit, mit dieser Situation umgehen zu können. Doch der PJ fühlt sich wie in Ketten gelegt. Möglicherweise hängt das damit zusammen, daß wir einen

´Crisco´-Switch anstelle des ´Crisco´-Switches, den wir bestellt hatten, bekamen - direkt aus dem Silicon Back-Valley in Venezuela. Gemessen am Wert seiner Gesichter hätte dieses Land seine Exporte bei der Miss

World-Herausforderer-Marke stoppen sollen. Ich schäme mich selbst dafür, dem

Repräsentanten des gewählten Zulieferers ´zuzüglich der Früchtchen, die es für den

Gegenwert von zwanzig 100base-T Hubs gibt´ gesagt zu haben, da diese Forderung offenbar buchstabengenau interpretiert wurde. Nun, zumindest dürfte die Kantine in den nächsten zwei Jahren keinen Engpaß bei Bananen zu befürchten haben.

So schnell wie möglich beschwere ich mich beim Chef.

"Wir können diese Lieferung nicht annehmen", rufe ich. "Das Netzteil hat nur zwei verschiedene Einstellungsmöglichkeiten: 12 und 24."

"Das ist offensichtlich ein Beschriftungsfehler", antwortet er. "Man hat wohl die

Null am Ende vergessen."

Als ich einen der Betreuer des Bestellsystems mit den rauchenden Überresten der erwähnten Ansammlung von Müll konfrontiere, erklärt der Chef defensiv: "Nun können wir es wohl nicht mehr umtauschen. Letztlich stand auf dem Gerät ja 12 Volt beziehungsweise 24 Volt ... Wir müssen es reparieren! Und überhaupt, sie haben nicht gesagt, daß sie ein Gerät für 240 Volt Wechselstrom wollen, als sie die

Bestellung an das Einkaufssystem schickten. Die Leute können ja schließlich keine

Gedanken lesen."

"Nein, denn dann hätte ich auch nicht gesagt: ´Vermeiden sie, Thinwire-Kabel mitzukaufen´, oder?"

"Oh, das Kabel lagert noch im Erdgeschoß", unterbricht der System-Mensch. "Wir haben dank Crisco´s Winter-Aktion einen tollen Preis erzielt - ´Thikwire für wenig

Geld´"

"Sehen sie", sagt der Chef. "Wir sind schon dabei, Geld zu sparen."

"Sie haben 4.000 Meter Thikwire-Kabel für die Büros gekauft?"

"Genau. Und es war geradezu unheimlich billig." strahlt er.

Im Rahmen eines außergewöhnlichen Wandels meines Charakters muß ich einen Tag lang krankmachen, da ich mich wirklich schlecht fühle. Als ich dies am nächsten Tag dem PJ erzähle, geht es ihm ebenso. Am nächsten Tag sind wir wieder an unserem

Arbeitsplatz und entschlossen, etwas aus dem Tag zu machen. Ich zeige dem Chef ein Stück Thikwire-Kabel, den Kabelschacht und einen Bohrer mit sehr großem

Durchmesser.

"Wo sollen wir anfangen?" frage ich.

"Uhm", murmelt der Chef, der genau weiß, daß seine Beliebtheitswerte in den Büros sich umgekehrt proportional zur Lautstärke eines Bohrers verhalten, der sich langsam seinen Weg von einem Ende des Gebäudes zum anderen bahnt. "Vielleicht sollten wir das Kabel zurückschicken."

"Natürlich sollten wir", antworte ich.

"Das ist nicht möglich", sagt der System-Mensch. "Wir müßten eine

Stornierungsgebühr bezahlen, doch das Bestellsystem ist dafür noch nicht eingerichtet."

Das bedeutet Krieg!

Ich schreibe ein Skript, um 20 Disketten zu bestellen - eine nach der anderen. Dann

ändere ich die Antwortadresse meiner E-Mails auf die Adresse des Bestellsystems.

Fünf Minuten später geht dem Bestellsystem der Arbeitsspeicher aus, so daß der PJ und ich zu einem improvisierten Treffen mit dem Chef und den Leuten der

Systembetreuung gebeten werden.

"Er hat den Arbeitsspeicher unserer Server überlastet und sie abstürzen lassen!" heulen die vereinten Systembetreuer.

"Kein Arbeitsspeicher!" Klickediklack. "Ich habe ihnen gerade neuen bestellt ... Oh-oh, schon wieder ein Absturz. Sie scheinen wirklich ziemlich wenig

Arbeitsspeicher zu haben. Wissen sie, sobald ihr System wieder läuft, bestelle ich ihnen noch etwas mehr, damit sie auf der sicheren Seite sind ..."

"Nein!" stößt der Chef hervor.

"Aber wir müssen die Bestellung doch durch das Bestellsystem schicken." sage ich.

"In Ordnung", seufzt der Chef. "Schreiben sie es auf und geben sie es den

Systembetreuern, und die werden es dann selbst in das System eingeben."

Der PJ mischt sich ein: "Aber sie werden Teile vergessen oder übersehen, von denen sie glauben, sie seien unwichtig, und wir bekommen wieder nur Schrott!"

"Nein. Sie werden ihre Bestellung Wort für Wort eingeben", beschließt der Chef. "Sie haben verstanden!"

Die Systembetreuer nicken, und der PJ und ich stimmen widerwillig zu.

Kaum sind sie wieder verschwunden, beauftrage ich den PJ, einen neuen Switch zu bestellen.

"Was soll ich schreiben, 240 Volt Wechselstrom-UTP-Switch ...?"

"Schreiben sie, was sie wollen. Versichern sie sich nur, daß es nach den ersten 256

Zeichen kommt, denn für die Produktbeschreibung sind 256 Zeichen die oberste

Grenze."

"Das ist doch kindisch."

"Nicht so kindisch wie ´Ein Idiot gibt dies ein´ in das Beschreibungsfeld zu schreiben."

"Das würden sie nicht tun!"

"Doch. Ich werde es wieder tun und ich gedenke auch, dies für den Rest der

Abteilung zu dokumentieren. Noch Fragen?"

"Nein, natürlich nicht."

"Gut, dann kritzeln sie los. Und machen sie es so unleserlich wie möglich."

Soweit der B.O.F.H. das einzuschätzen vermag, werden die Leute von der

Systembetreuung nicht vom Geist der Weihnachtszeit beflügelt. Ganz im

Gegenteil ....

Es ist Weihnachtszeit und die Schleimerei erreicht Rekordwerte, denn für morgen sind die Schecks mit dem Weihnachtsgeld angekündigt, also will jeder seine

Bedeutung im den Augen der IT-Chefs steigern. Natürlich haben sie dabei alle völlig vergessen, daß die anhand der Kundenzufriedenheit durchgeführten Berechnungen im vergangenen Jahr nur zwei Schecks mit extrem hohen Summen hervorgebracht hatten. Ich muß gestehen, daß der PJ und ich darüber wirklich überrascht waren, doch wie wir alle wissen, irren Computer sich ja nie.

Das Problem ist nur, daß der IT-Chef selbst sich wegen einer Extra-Belohnung bei seiner Weihnachtsparty bei einer Frau aus der Werbeabteilung einzuschmeicheln versucht, indem er ihr eine technische Position in der Abteilung anbietet. Sehr viel technischer als die Position, die er ihr bietet, wenn er es schafft, sie während der

Party im Kopiererraum zu treffen.

Als ich durch die Nutzerbetreuung schleiche, um die Menge vor dem Büro des

IT-Chefs zu umgehen, klingelt ein Telefon. Voller Weihnachtsfreude nehme ich den

Anruf an.

"Hallo, hier ist Bruce aus der Marketing-Abteilung. Jemand scheint das

Administrator-Passwort für die Website der Firma geknackt und die Webseiten verändert zu haben. Ich würde unsere Website gern gegen Hacker schützen, damit während der Weihnachtsferien nichts passiert."

"Wirklich?" frage ich und erinnere mich daran, wie leicht es war, die

Produkt-Abbildungen gegen Bilder auszutauschen, die unsere Kunden wirklich begeistern werden. "Nun, dann sollten sie einfach das Passwort ändern."

"Was soll ich nehmen? Nur ein paar Buchstaben und Satzzeichen?"

"Nein, seien sie doch nicht albern, nehmen sie etwas, daß sich niemand aufschreiben muß, um sich daran zu erinnen. Den Namen der Firma zum Beispiel. Ich bin sicher, daß das ausreicht."

"Wirklich? Jemand aus der Systembetreuung sagte, wir sollten das Passwort so kompliziert wie möglich gestalten."

"Natürlich haben sie das gesagt." bemerke ich und erinnere mich nur zu gut an den alptraumhaften Ärger, den das Bestellsystem in den letzten Wochen verursacht hat.

"Die Leute haben es gern, wenn sie angerufen werden, weil jemand das Passwort vergessen hat."

"Das stimmt", antwortet er und erinnert sich ebenfalls gut an die damit verbundene

Schande.

Ich lege auf und schaue nach, wie weit der PJ mit seiner

´Kundenzufriedenheitsumfrage´ gekommen ist. Ein wenig Datenanpassung hat schließlich noch niemandem geschadet.

Alles was ich noch tun muß, ist, mich darum zu kümmern, daß ich die

Aufmerksamkeit des Chefs auf mich ziehe. Ich bewaffne mich also mit den Bilanzen der IT-Abteilung, locke ihn in die Falle und lulle ihn mit bizarren Begriffen wie

Betriebsausgaben, innerbetriebliche Wertschöpfung, Kontenausgleich und ähnlichem ein, bis seine Augen glänzen, um ihn dann auf die kreative Buchführung hinzuweisen, um die es mir geht.

"Und hier habe ich unser Anlagevermögen in Euro umgetauscht, wie wir das 1999 sowieso machen müssen. Ich dachte, es sei gut, wenn wir unsere Programme so früh wie möglich testen, denn dann können wir die Fehler schneller finden - und sie vor der Umstellung rechtzeitig beseitigen."

"Oh, natürlich", antwortet der Chef. "Gute Idee. Und was ist das da?"

"Hier habe ich alles wieder in Pfund umgetauscht, da wir im Moment den Euro ja noch nicht brauchen und auch noch nicht verwenden."

"Aber die Ausgangs- und die Endwerte unterscheiden sich um ungefähr zehntausend Pfund!"

"Ja, nun, dieser Wechselkurs, die Kommission, die Bearbeitungsgebühr und die

Steuern müssen schließlich auch bezahlt werden."

"Oh, Mann!" ruft der Chef aus. "Hoffentlich müssen wir nicht viele Tests dieser Art durchführen."

"Nun, man kann nie sicher sein. Ich weiß, daß wir noch einen Test machen werden, bevor ich im nächsten Jahr meinen Osterurlaub antrete, doch abgesehen davon liegt alles in Gottes Hand - wer weiß, zu wievielen Tests uns die Buchprüfer noch verpflichten werden."

"Hmm, nun, dann sollten wir bis zur Umstellung im Interesse der Firma wohl die

Buchprüfer davon abhalten, daß sie unsere Finanzen prüfen - sehen sie ein Problem darin?"

"Nein, da fällt mir im Augenblick nichts ein." antworte ich.

"Gut. Aber was ist denn das da?" fragt er und deutet auf die einzige Grafik in roter

Farbe.

"Das?" frage ich. "Oh, das ist das Geld aus dem Budget der Systembetreuer, das angeblich niemand ausgegeben hat. Es scheint in zwei größeren Summen ausgezahlt worden zu sein, als zwei Systemleute ihren Urlaub antraten."

"Oh", sagt der Chef und hat meine Erklärung für die finanziellen Unstimmigkeiten bei uns schon wieder vergessen.

"Es ist schon lustig, daß das Geld genau dann verschwand, als sie ihren Urlaub antraten." sage ich, um seinen Verstand wieder in die richtige Richtung zu lenken.

"Sie meinen, daß die uns bestohlen haben?" fragt der Chef, als die Erleuchtung seinen Geist erhellt.

"Ich befürchte, diese Zahlen lassen keinen anderen Schluß zu", seufze ich traurig.

"Soll ich die Polizei rufen?"

"Mit welcher Begründung?" will ich wissen. "Das ist nur eine Zusammenfassung der

Kontenbewegungen. Damit sie jemanden strafrechtlich verfolgen können, müssen wir eine komplette Buchprüfung mit all den Prüferrechnungen, möglichem

Euro-Umtausch, Steuern, Gebühren und den Kosten für die Prüfungserlaubnis durchführen."

"Prüfungserlaubnis?"

"Die Erlaubnis, die Buchprüfung in zusätzlicher Zeit vorzunehmen", erkläre ich ihm.

"Für die Arbeit in den Weihnachtsferien. Das könnten gut fünfzehntausend Pfund werden, schätze ich. Und dabei gibt es keine Garantie dafür, daß sie auch bestraft werden."

"Also werfe ich sie raus ...", ruft er.

"... und riskieren, für einen Rausschmiß ohne Grund verantwortlich gemacht zu werden."

"Aber etwas muß doch dagegen unternommen werden."

"Stimmt", antworte ich. "Und zwar vor dem nächsten Bilanztag, der in der zweiten

Januarwoche liegt, wenn ich mich nicht irre."

"Was schlagen sie vor?"

"Nun, sie können ihnen eine Abfindung zahlen und den Vertrag am 1. Januar nicht verlängern." schlage ich vor.

"Ausgezeichnet. Aber ..."

"Aber?" will ich wissen.

"Wer wird sich um die Systembetreuung kümmern?"

"Nun, das ist nicht besonders viel Arbeit. Ich meine, wir könnten uns darum kümmern, wenn wir einen weiteren Lehrling einstellen würden. Wir könnten bis Mitte

Januar bereit sein."

"Wirklich?"

"Natürlich würde das einen höheren Stundensatz für uns bedeuten."

"Oh ...."

"Was aber viel weniger wäre, als wir am 10. Januar verlieren würden, wenn die

Situation sich nicht ändert."

"In Ordnung, dann machen wir es so", ruft der Chef und watschelt davon, um es so zu machen.

Ich erkläre dem PJ die letzten Entwicklungen, als die System-Leute sich selbst zu

Knochenbrüchen verhelfen - die neuen Sicherheitsleute gehen ziemlich hart gegen

Widerstand vor, wenn man sich weigert, das Haus zu verlassen. Vermutlich ehemalige Elite-Soldaten.

"Noch mehr Arbeit?" jammert der PJ.

"Verbunden mit einer Lohnerhöhung."

"So?"

"Und sie bekommen eine neue Auszubildende."

"Was verdammt ..."

"Ihrer Wahl."

"Und?"

"Und ist es nicht Zeit, mit der ´Befragung´ von Bewerberinnen aus der

Werbeabteilung zu beginnen? Natürlich erst dann, wenn der Abteilungsleiter mit dem

´Kopieren´ fertig ist."

"Hä?" ruft der PJ, doch dann kommt auch sein Verstand auf Touren.

"Genau, bezeichnen sie mich ruhig als einen sentimentalen Weihnachtsmann ...."

1998

Eine häßliche Saga von glühendem Ehrgeiz und geschmuggeltem Likör - ein herzliches Willkommen zur B.O.F.H.-Weihnachtsgeschichte ...

Ein neues Jahr. Wie schnell doch die Zeit vergeht. Dabei scheint es, es sei erst gestern gewesen, als die vorweihnachtliche Feier der IT-Abteilung stattfand.

Zugegeben, ich hatte ein paar Gläser dieser erwärmten Medizin, die in dieser

Jahreszeit immer so populär ist, getrunken, so daß meine Erinnerung nicht mehr so klar ist, doch ich erinnere mich noch daran, einem unserer lautstarken Klienten dabei geholfen zu haben, in der Bowleschüssel nach Äpfeln zu tauchen - gelegentlich ließ ich ihn zum Luftschnappen hochkommen - kurz bevor der tragische Unfall mit dem

Weihnachtsbaum passierte.

Wer hätte auch erahnen können, daß die Weihnachtsbaumbeleuchtung mit

Starkstrom gespeist wird, vom Installateur der Firma B-Electrix natürlich einmal abgesehen. Der Brandgeruch, das Schreien und die improvisierte Tanzvorführung, die dem Sturz des Weihnachtsbaumes in die große Bowleschüssel folgten, gerade als der Chef einen weiteren Eimer des alkoholfreien Erfrischungsgetränks nachfüllte, waren ein gutes Finale dieses Tages - und kosteten wesentlich weniger als ein eingekauftes Feuerwerk.

Und dann fällt mir noch ein, daß die Dinge sich ursprünglich anders entwickeln sollten als bei der Weihnachtsfeier 1997. Von oben kam nämlich die Anweisung, daß jeder, der sich mit Alkohol erwischen läßt, mit der Genehmigung der

Personalabteilung gnadenlos gefeuert wird.

Manche Menschen haben eben keinen Humor, denke ich, als ich mich daran erinnere, wie ich ein paar halbleere Schnapsflaschen in die untersten Schubladen der

Schreibtische einiger besonders lästiger Nutzer schmuggelte. Leider rief die Pflicht, so daß ich nicht zuschauen konnte, wie der Sicherheitsdienst zehn Minuten später einem anonymen Tip wegen heimlichen Trinkens am Arbeitsplatz folgte. Aber man kann ja nicht alles haben, oder?

Der PJ und ich hatten gemäß den Anweisungen für eine ´sichere´ Weihnachtsfeier unsere Getränke sicher in der Netzwerkzentrale versteckt in Geräten, die für

Außenstehende wie Feuerlöscher aussehen - Geräte, die ich mir für spezielle

Gelegenheiten wie diese aufhebe.

Es ist verblüffend, was man für Geld kaufen kann. Und wenn es nicht Geld ist, dann sind es ein paar Fotos, die einen mit Netzstrümpfen bekleideten und tanzenden

Arbeitsschutzverantwortlichen auf dem Tisch eines angeblich privaten Clubs in

London zeigen.

Nach dem Zwischenfall mit dem Weihnachtsbaum muß ich mich leider auf die

Erinnerungen des PJ verlassen, da ich wohl einen ganzen Feuerlöscher hatte und mein Gedächtnis ungefähr so klar war wie die Formulierungen eines typischen

Lizenzvertrages für Software.

Scheinbar hat sich das Geschehen wie folgt entwickelt:

Gegen 16:15 Uhr half ich dem PJ die alkoholfreie Bowle auszutauschen, nachdem wir ein paar Feuerlöscher geholt hatten, um die zu ersetzen, die wir für das Ausschalten des Chefs gebraucht hatten.

Etwa 17 Uhr kam die Feier voll in Schwung, die Menschen begannen die

´alkoholfreie´ Bowle so sehr zu schätzen, daß ich noch ein paar weitere Feuerlöscher holen mußte, um den PJ davor zu bewahren, Opfer einer spontanen Selbstentzündung von Orangensaft zu werden, während er weitere Bowle zubereitet.

Gegen 18:17 Uhr (so die Zeitangabe auf dem Band der Sicherheitskamera) kletterte ich auf einen Tisch und begann das auf unseren Feiern so beliebte Spiel ´Der Chef ist so dumm´.

"Wie dumm ist er?" rief die mit Getränken wohlversorgte Menge.

"Er ist so dumm, daß er nicht einmal IT buchstabieren kann."

"Er ist so dumm, daß er sich den Fuß beim Neustart seines Rechners brach."

"Er dachte, vorbeugende Wartungsmaßnahmen bedeutet, daß der Ingenieur ausgesperrt werden muß."

"Er muß für eine Urinprobe studieren. Aber er ist auch faul."

"Wie faul ist er?"

"Er hat gerade seine Autobiographie beendet - In 80 Tagen einmal um die Cafeteria."

Gegen 20:30 Uhr ging es abwärts (oder aufwärts, das hängt von der Perspektive des

Betrachters ab), die Mixgetränke waren alle, so daß die Bowle jetzt eine

Kombination aus Gin und Reinigungsalkohol darstellte. Der PJ zeigte jedem der es wissen wollte, wie man einen Rechner mit Windows NT wirklich sicher macht, und benutzte dazu nichts weiter als einen Hammer und den neuen Laptop des Chefs.

Das Ende kam etwa 22:45 Uhr - wie üblich - als der Chef aus dem Krankenhaus zurückkehrte.

Wegen der Verbrennungen im Gesicht ohnehin schon wütend, wurde seine Stimmung nicht gebessert durch die Party-Musik, die aus den Funkgeräten der Sicherheitsleute erklang, die Radio IT und seine betrunkenen DJs sendeten.

Wegen der Verbände erkannte der PJ ihn zunächst nicht und versuchte, ihn zur

Teilnahme am Spuckwettbewerb zu überreden - wer am nächsten an die

Kaffeetasse des Chefs herankommt, gewinnt (und Sonderpreise gibt es, wenn die

Tasse getroffen wird).

"Schluß!" schrie der Chef und warf die Bowle-Schüssel um, als er zu den

Plattenspielern hechtete, um die Musik und die Lichter abzuschalten.

Im Rückblick betrachtet bin ich sicher, daß der Chef es sich besser zweimal überlegt hätte, statt mit seinen nassen Hosen wütend auf die brennenden Kerzen der

Weihnachtstorte loszugehen. Sogar mein lückenhaftes Gedächtnis kann sich daran erinnern, wie der Chef von Schmerzen gepeinigt mit brennenden Hosen herumhüpfte.

Wenn sie nur nicht die am nächsten herumliegenden Feuerlöscher genommen hätten, dann wäre das Ende der Feier anders verlaufen. Doch andererseits sind zwei

Feuerwerke besser als eins, und die Leute hatten Spaß dabei, sich am Feuerlöscher abzuwechseln - ein zusätzlicher Weihnachtsbonus sozusagen ...

Der B.O.F.H. und der PJ zeigen, daß in der Welt der Netzwerke noch immer Platz für

Liebe und Mitleid ist ...

"Netzwerk- ... UND Systembetreuung", rufe ich. "Ich liebe es!"

Der PJ teilt meine Begeisterung für das nun schier unendliche Potential krummer

Geschäfte. "Was hat Orwell doch gleich gesagt?" antwortet er fröhlich. "Macht korrumpiert. Absolute Macht ..."

"... macht noch mehr Spaß." beende ich.

Als Folge des gelungenen Putsches am Ende des vergangenen Jahres haben der PJ und ich nun alles bekommen - das Netzwerk, die Rechner, alle Geräte, das Wissen

über die Strategie des IT-Chefs zum jährlichen Passwortwechsel - einfach das gleiche Wort verwenden und nur die Zahl am Anfang um eins erhöhen.

Das schlägt beinahe noch die Methode, die er ursprünglich angewendet hat - nämlich alljährlich ein ´s´ an das Ende des Wortes zu hängen.

"Bitte einen neuen Wagen", rufe ich.

Der PJ drückt einen Knopf und unten in einem vollgepackten Lagerraum erwacht eine

Bandwechselmaschine zum Leben. Doch statt aus einer riesigen Rolle Magnetband, die sonst zu ihrer Nutzmasse gehört, besteht die derzeitige Ladung aus sieben Autos für die Autorennbahn, die wir in dem verschlossenen Raum aufgebaut haben. Mit der

Überwachungskamera prüfe ich die Position des Rennwagens und drehe mich dann zum PJ.

"Wie wäre es mit einem Wettkampf über zehn Runden? Der Verlierer muß den

Bandwechsler wieder richtig bestücken und für den Rest des Tages die Anrufe entgegennehmen."

"In Ordnung", sagt der PJ eingelullt von dem trügerischen Gefühl der Sicherheit, welches ihm meine vorherigen Bemühungen geben, die tragisch in einer dunklen Ecke endeten.

Ganze 15 Minuten später ist der PJ unten im Keller und bestückt den Bandwechsler.

Während er weg ist stelle ich den Geschwindigkeitsregler an der Fernsteuerung seines Autos wieder auf normal - bei einem Geschicklichkeitsspiel zu manipulieren, wie konnte ich nur so tief sinken? Jahrelange Praxis, das ist es. Anfänglich fiel es mir schwer, doch nun kann ich tiefer sinken als ein Pygmäe beim Limbotanz.

Bei seiner Rückkehr wird dem PJ die ganze Last seiner Niederlage bewußt. Unser erweiterter Wirkungsbereich bedeutet auch eine gewachsene Verantwortung und, das ist schlimm, verstärkten Nutzerkontakt. Eines der neuen Telefone klingelt. Ich lächle versonnen, als der PJ abhebt.

"Hallo, sehen sie, ich habe mein Passwort für die Personaldatenbank vergessen, doch ich muß an diesem Morgen die Datenbank bearbeiten."

"In Ordnung", antwortet der PJ in einem unerwartet hilfsbereiten Tonfall. "Bringen sie nur ihre Nutzerkarte vorbei und wir ändern es dann hier für sie."

Ich bin gerade dabei, meinen Kalender auf Termine zu prüfen, als ich bemerke, wie der PJ die Lifte in den Wochenend-Modus schaltet - was bedeutet, daß sie im

Keller verharren.

Ein paar Minuten später keucht ein stämmiger Mensch aus der Personalabteilung durch unsere Tür, nachdem er die zwei Treppen nach oben erklommen hat.

"Ich bin hier, damit mein Passwort geändert wird."

"Oh, das tut mir jetzt aber leid. Der PJ ist gerade hinunter in ihr Büro geeilt, um es zu

ändern." sage ich, während der PJ sich unter seinem Schreibtisch verkriecht.

"Er hat mir gesagt, ich solle heraufkommen." japst unser Besucher.

"Nein, ich bin sicher, daß er sagte, er käme zu ihnen herunter."

"Oh. Nun, können sie das Passwort denn nicht ändern?" bittet der Nutzer.

"Ich könnte, doch es ist wahrscheinlich, daß der PJ meine Änderungen wieder

überschreiben wird."

"Oh", murmelt der Nutzer und watschelt davon.

Ein paar Minuten später ist er wieder am Telefon.

"Es geht um mein Passwort", sagt er.

"Ah, ja." antwortet der PJ. "Sie waren nicht in ihrem Büro, als ich dort ankam. Wie wäre es, wenn sie hochkämen und ich ändere es dann von hier aus?"

"Aber ich war gerade bei ihnen und habe mit ihrem Kollegen gesprochen."

"Nun, dann müssen sie eben noch einmal vorbeikommen, oder?"

Der Hörer fällt auf die Gabel und der PJ kümmert sich wieder um den Lift.

Nach dem dritten Mal klingt das Keuchen so schlimm, daß ich den PJ aus seinem

Versteck herauskommen und das Passwort ändern lasse, bevor der arme Mann einen

Herzanfall bekommt. Ich weiß, ich weiß, ich bin ein Weichei ...

Natürlich hätte das alles den armen Mann weniger angestrengt, wenn der PJ nicht die Füllung seines Asthma-Inhalators gegen Heliumgas ausgetauscht hätte, was ihn in Panik wegen seiner plötzlich veränderten Stimme versetzte und schließlich ohnmächtig werden ließ. Auf seinem Weg auf den Boden hat er auch noch mein

CD-ROM-Laufwerk mitgerissen, was mich in eine hinterhältige Stimmung versetzt.

Ich bin gezwungen, den nächsten Anruf anzunehmen, während der PJ den

Bewußtlosen zur Sanitäterin bringt. Nun, zumindest plaziert er ihn im Frachtaufzug und stellt die richtige Etage ein. Man soll uns nicht nachsagen können, wir

kümmerten uns nicht um unsere Nutzer.

"Hallo, ich habe ein paar wichtige Verkaufsdaten auf einer Diskette, auf der steht, sie sei im DOS-Format."

"DOS-Format?"

"Ja."

"Das ist leicht. Wechseln sie ins DOS."

"Uh-Ah."

Klickklick.

"Und benutzen sie den FORMAT-Befehl."

"Oh, natürlich."

Und wieder ein erfolgreicher Schuß in das Fischfaß.

Chaos herrscht im Büro, und ein Besucher aus der Vergangenheit ist beeindruckt von den modernen Ausdrucksformen abnormalen Benehmens ...

Wir begeben uns nun in die Baker Street, wo Sherlock Holmes und sein ergebener

Assistent, Doktor Watson, aufgrund eines bisher noch nicht entdeckten Gesetzes der Quantenphysik in unsere Zeit transportiert wurden ...

"Es scheint, als hätten wir uns vorwärts in der Zeit bewegt", entscheidet der große

Mann.

"Das ist doch unmöglich, Holmes." rief ich ungläubig.

"Wieso, Watson?" antwortete er und griff nach seiner Tabakdose. "Bei verschiedenen Gelegenheiten habe ich mich selbst davon überzeugen können, während ich dieses weiße Pulver genoß. Den Spiegel bitte, Watson. Doch warum sind wir hier, das macht mir Sorgen."

"Ich ..."

"Lassen sie uns untersuchen, ob es etwas gibt, an dem wir unsere Intelligenz messen können."

Und so kamen Holmes und ich zu einem großen Gebäude, dessen Türen sich wie von magischer Hand bewegt selbst öffneten. Eine bewegte Treppe, die, so vermutete

Holmes, von elektrischem Strom angetrieben wird, führte uns in ein Untergeschoß, wo eine rauchende Kiste auf dem Boden lag.

"Ich weiß nicht, wie das passierte", erklärt ein Mann einem uniformierten Gentleman.

"Ich hatte die Nutzerbetreuung angerufen, weil das Bild flackerte, und da hat man mich mit dem Netzwerk- und Systembetreuer verbunden. Ich war mit meiner

Erklärung noch nicht fertig, als der Monitor auch schon in Flammen aufging."

"Haben sie ein Klickgeräusch gehört, etwa so wie bei einer Schreibmaschine?" fragte Holmes den Mann.

"Warum? Ja, stimmt." antwortete der.

"Und konnten sie am Telefon ein Geräusch hören, das nach einem Lachen klang?"

"Jetzt, da sie es erwähnen ..."

"Und was ist damit?" fragte Holmes und zeigte auf ein kleines Gerät, das kleine

Menschen zeigte, die in Panik durcheinanderliefen.

"Das ist der Notfall-Raum - es gibt eine Panik, weil der Feueralarm losging und die

Schalter für das Abschalten des Gasgemischs, das das Feuer durch

Sauerstoffentzug ersticken soll, nicht funktionieren."

Während wir zuschauten, fiel eine der Gestalten über ein Kabel.

"Uh-oh. Noch jemand, der gestürzt ist."

"Vermute ich richtig, daß dieser Raum nur selten benutzt wird?" fragte Holmes.

"Stimmt. Deshalb liegt überall das Kabel herum." antwortete der Uniformierte.

"Und haben sie zufällig verlangt, daß die Netzwerk- und Systemleute ihnen diesen

Raum überlassen?"

"In der Tat, das hat man verlangt."

"Genau wie ich es erwartet habe."

"Was?" fragte der unifomierte Gentleman.

"Ich bin noch nicht ganz sicher." antwortete Holmes geheimnisvoll. "Wir müssen noch weitere Ermittlungen anstellen. Wenn sie so nett wären, mir zu zeigen, wo ich

diese Netzwerk- und Systemleute finde, von denen sie sprachen ..."

"Das kann ich ihnen nicht zeigen, weil sie eine Zugangskarte brauchen, um in den

Lift hinein- wieder herauszugelangen. Ich werde sie stattdessen persönlich hinbringen."

Und so kam es, daß wir einen mechanischen Fahrstuhl betraten, der uns in eine höhergelegene Etage das Gebäudes beförderte.

"Klopfen sie einfach an diese Tür, damit sie eingelassen werden", raunte der

Uniformierte leise, als hätte er vor etwas Angst.

Weil ich keine Zeit verschwenden wollte, klopfte ich, während Holmes sich

überschwenglich händeschüttelnd von dem Wachmann verabschiedete. Als er sich wieder der Tür zuwandte, hatte es noch keine Reaktion aus dem Raum gegeben, trotzdem ich durch das Glas Menschen sehen konnte, die sich durch das Zimmer bewegten.

"Es sieht nicht so aus, als würde man uns aufmachen, Holmes."

"Unsinn", sagte er und schob eine flache Karte durch einen Spalt. Mit einem

Piepston öffnete sich die Tür.

"Guter Gott!" rief ich aus. "Wo haben sie diese Karte her?"

"Aus der Geldtasche des Wachmannes."

"Aber braucht er sie nicht, um den Fahrstuhl wieder verlassen zu können?"

Holmes dachte für einem Moment nach und lauschte aufmerksam. Ein gedämpftes

Klopfen war entfernt zu hören ... "Es scheint so."

Bei unserem Eintritt in den Raum fanden wir zwei Männer, einen jüngeren mit

Hautausschlag im Gesicht und einen etwas älteren, von dem eine Aura der Macht ausging, die mich unwillkürlich an Holmes erinnerte. Eine wortlose Verständigung schien zwischen ihnen stattzufinden.

"Ich glaube, ich kann dieses Rätsel nun lösen", sagte Holmes.

"Aber erst ein paar Biere." rief der ältere der beiden Fremdlinge.

Knapp zehn Minuten später saßen Holmes, ich, die beiden Männer und vier Frauen in einer nahegelegenen Taverne und genossen ein paar Biere.

"Und wieder ein erfolgreich gelöster Fall", murmelte Holmes. "Sie haben doch auf meinen Tabakdose geachtet, Watson?"

"Ihre spezielle Tabakdose, Holmes?"

"Ja, die, die ich für Gäste reserviert habe."

"Ziemlich .... Verdammt - das ist Puder mit Cayennepfeffer. Ich dachte, daß sie sie für Gäste reserviert hätten!"

"Nun, natürlich ist das so, Watson. Das würde ich doch niemals selbst genießen, oder?"

"Sie verdammter Hund, Holmes!"

Durch tränende Augen sah ich, wie Holmes den Fremden die Hände schüttelte.

Rätsel über Rätsel ...

Die Midlife-Krise des IT-Chefs und wie aus einer Karriere als Fotomodel eine

Qualifikation für eine leitende Position wurde ...

Es ist wirklich mitleiderregend. Schmerzlich wird Abteilungsleitern in einem bestimmten Alter immer bewußt, daß sie nicht mehr länger zu den Jüngeren oder auch nur zum mittleren Alter gehören. Und dann versuchen sie, durch eine plötzliche

Änderung ihres Lebensstils dies zu kompensieren.

Und so kam es, daß der IT-Chef sich ein Designer-Handy, einen Laptop sowie ein neues Kabriolett zulegte - und eine auffallend junge Schwätzerin als Beraterin.

Es ist leicht zu sehen, daß ihre Erfahrung in der Model-Branche soviel mit

Informations-Systemen zu tun hat, daß selbst das Blättern in Hochglanzmagazinen ihre Qualifikation schon merklich verbessert ...

"Ich sehe nicht, weshalb sie ein Problem darstellt", ruft der Chef.

"Sie kann nicht einmal IT buchstabieren und macht jetzt Zusagen an jeden, der sie danach fragt." protestiere ich.

"Sie muß aber etwas über IT wissen, sonst hätte sie diese Position nicht besetzen

können." antwortet der Chef und bestätigt damit meinen Verdacht, daß er ein

Mitglied von NaivetE International ist.

"Na gut. Wie lange brauchte sie gleich noch, um ihren PC einzuschalten?"

"Der Schalter ist wirklich schwer zu finden." antwortet er mit der Loyalität eines

Terriers.

Meine schlimmsten Ängste werden wahr, als sie entscheidet, daß wir eine ganze

Ladung Netzwerk-Computer (NC) anschaffen werden, "weil wir uns dann nicht mehr um die Aufrüstung kümmern müssen". Diese schlecht durchdachte

Entscheidung hat den Segen des Chefs bekommen, so daß sie nun bei mir landet, damit ich mein technisches Einverständnis erklären kann. Ich werfe das Formular schneller in den Zerkleinerer als der durchschnittliche Nutzer ´Wo ist meine

Festplatte?´ buchstabieren kann.

In Rekordzeit steht der Chef in unserem Büro.

"Diese Netzwerk-Computer sind großartig", stößt er hervor und wedelt mit ein paar

Hochglanzbroschüren.

"Und wieso sind sie das?" frage ich.

"Weil sie sich wie PCs ohne Festplatte verhalten." ruft er. "Sie sind hervorragend, weil alles, was sie zum Laufen brauchen, vom Server geladen wird."

"Klingt nach einem dummen Terminal mit Grafik und Klangwiedergabe."

"Uh ... nein, viel schneller und in Farbe."

"Also ist das so, als würde man einen Schwarzweißfernseher gegen einen

Farbfernseher tauschen."

"Uh ... nicht ganz."

"Wir verabschieden uns also von unabhängigen Computern und setzen nun solche ein, die davon abhängen, daß der Server funktioniert - wie in den alten Tagen mit den

Terminals. Und wenn der Server gerade abgestürzt ist, dann kann auch niemand arbeiten. War das nicht eigentlich der Grund, weshalb wir unabhängige PCs angeschafft haben?"

"Ähm .... Nein, nicht wirklich."

"Oh. Dann unterscheiden sie sich also von einem, sagen wir, Arbeitsplatz-PC wodurch?"

"Dadurch, daß wir die Technik nicht aufrüsten müssen. Es wird wie bei ihrem

Farbfernseher sein", ruft er triumphierend. "Wenn sie erstmal einen haben, brauchen sie sich nie wieder Gedanken über seine Aufrüstung zu machen - wir müssen nur die

Software auf dem Server aktualisieren."

"Auch dann nicht, wenn die Programme mehr Arbeitsspeicher verlangen?"

"Nein."

"Auch nicht, wenn die Programme die neuesten Spielereien ausnutzen wollen - denken wir an Stereo-Bilder, Dolby Surround oder Widescreen?"

"Sehen sie, wir werden so oder so ein paar dieser Dinger anschaffen. Unterschreiben sie einfach!" ruft der Chef.

Also, was soll´s, denke ich mir, soll er seine Unterschrift bekommen. Ich kritzle einen Namen auf das Formular. Natürlich nicht meinen, aber wen wird das schon stören? Abgesehen vom Chef natürlich, sofern jemand die Unterschrift mit seiner vergleicht.

"Und da sie mit der gleichen Technologie arbeiten sollten, mit der auch ihre Nutzer arbeiten, bestellen sie gleich ein paar für sich mit."

BASTARD!!

Ein paar Tage später sind die Netzwerk-Computer da und werden zum Test auf verschiedene Abteilungen verteilt. Der PJ und ich bringen unsere zum Laufen, indem wir ihre Innereien gegen die eines modernen Laptops austauschen - doch von außen sehen sie noch immer aus wie die Original-NCs.

Das Blutbad kann beginnen!

Fernwartung ist eine hervorragende Erfindung, ganz besonders dann, wenn man damit andere Rechner neu starten kann. Ich ersetze in der Netzwerkversion von

Doom die Gesichter der Monster mit denen der NC-Nutzer und sorge dafür, daß bei ihrem Tod ihr Netzwerk-Computer neu gestartet wird. Wenn ich einen Nutzer töte, stirbt auch der Netzwerk-Computer.

Natürlich, das ist nicht sehr sportlich, also rufe ich die Nutzer an und gebe ihnen eine

Chance. Doch wie groß kann die Chance schon sein, wenn man eine Kopie des Spiels benutzen muß, die auf dem Server liegt und nur die Benutzung der Pistole erlaubt?

Trotzdem ist es interessant zu sehen, wie ein Erbsenzähler zu kämpfen vermag, wenn er die nächsten zwei Stunden mit der Tabellenkalkulation arbeiten will und im

Spiel gewinnen muß, damit er die Funktion zum Speichern nutzen kann.

Zur unserer Überraschung lehnen die meisten Nutzer die Netzwerk-Computer ab, so daß sie nach nur 4 Tagen (und 327 getöteten Nutzern) außer Betrieb genommen werden.

"Ich habe an eine PC-Variante dieses Spiels gedacht", kommentiert der PJ.

"Das gleiche Spiel, nur daß es den Prozessor der Arbeitsplatz-PCs zum Stillstand bringt?"

"Wollen sie damit sagen, daß sie auch schon daran gearbeitet haben?"

"Ich habe daran gedacht, es installiert und warte nur noch auf neue Mitspieler mit einem Gewehr."

Der Chef ist auf der Spur zweier mysteriöser Angestellter, C. Omputer und R.

Amchip, doch der B.O.F.H. schaltet sich ein ...

Wenn der PJ und ich an der Spitze stehen, ist es einfach, daß Netzwerk am Laufen zu halten, doch wenn sich der Chef einmischt, um das zu tun, was er als seine

Aufgabe ansieht, wird es schwierig ....

"Wer ist dieser Charles Omputer?" fragt er und schielt auffällig auf ein paar Zettel mit Arbeitszeitabrechnungen.

"Nie von ihm gehört."

"Natürlich haben sie, denn sie haben seine Abrechnung unterschrieben."

"Charles Omputer? ... Oh, sie meinen Chazzer. Er ist ein Teilzeitarbeiter, der uns dabei geholfen hat, die Telefonkabel zu ersetzen, die durchbrannten, weil ein Idiot mit seinem Computer die Sicherungen auf seinem Schreibtisch blockierte."

"Sie wissen genau, daß die Sicherung defekt war. Wie auch immer, ich weiß nicht, wieso mein Computer so weit zurückgeschoben wurde."

Der PJ könnte nicht unschuldiger blicken, selbst wenn er es versuchte.

"Und das hätte die Telefonleitungen nicht beeinflussen dürfen", fährt der Chef fort.

"Nicht, wenn nicht jemand entschieden hätte, dadurch Kosten zu sparen, daß wir die zusätzlichen Stromleitungen für die Büros in den Kabelschächten für die

Datenleitungen verlegen ...."

Der Chef scharrt mit dem Fuß. "Trotzdem, Herr Omputer hat Überstunden abgerechnet, oder?"

"Ja, aber das ist nicht unser Fehler. Schließlich haben sie uns beauftragt, Frank

Irmware in der vergangenen Woche zu feuern, weil er den Server zum Absturz brachte."

"Wir können uns solche Fehler nicht leisten", sagt der Chef hart. "Wir müssen wachsam sein. Können wir einen Ersatz einstellen für Omputer?"

"Nun, wir haben einen Lebenslauf von Roger Amchip."

"Wie ist er?"

"Er ist seit Jahren im Computerbereich tätig." flötet der PJ.

"Es hat den Anschein, als würden wir ziemlich viele Ausländer beschäftigen", kommentiert der Chef. "Und wie kommt es, daß ich sie niemals treffe?"

"Nun, sie wissen ja, wie sie sind - jung, neugierig und voller Tatendrang."

"Ja. Nun, dann rufen sie diesen Amchip an und vereinbaren ein Treffen mit ihm. Aber machen sie ihm klar, daß ich keine Überstunden bezahlen werde!"

Arschloch.

"Wie weit ist ´Omputer´ mit der ´Kabelreparatur´ vorangekommen?" frage ich den PJ.

"Sollte morgen fertig sein ..."

"Und es sieht noch immer aus, als seien wir schwer beschäftigt?"

"Gemessen an der gedrückten Stimmung im Tee-Zimmer scheint es so zu sein ..."

Ich habe es nicht nur einmal gesagt, sondern tausendmal - es sind die kleinen Dinge,

die zählen. Man kann nicht einfach nur 50 Telefonkabel in der Vermittlung aus den

Anschlußdosen herausziehen, eine Sicherung mit Klebstoff außer Gefecht setzen und dann alles auf einen Kabelbrand schieben, der angeblich den Telefonhub der

Etage zerstörte - was mindestens zwei Wochen Überstunden bedeutet. Nein, man muß auch so tun, als arbeite man unter Hochdruck an der Problembeseitigung, während man in der Vermittlung die Telefonkabel wieder in die entsprechenden

Dosen steckt - fünf pro Nacht, um genau zu sein.

Und deshalb lassen der PJ und ich Kabelstücke und Isoliermaterial auf dem Boden in einem der Büros herumliegen - gleich neben der Pflanze, die nur dürftig ein irrtümlich in die Wand gehämmertes Loch verdeckt. Und es geht doch nichts darüber, ein wenig

Wechselgeld von einem der Nutzer zu stehlen und Zigarettenstummel in ihren

Kaffeetassen zu hinterlassen, um jedem Verdacht, es würde gar nicht an der

Verkabelung gearbeitet oder es gäbe gar keinen Teilzeitarbeiter, der uns dabei hilft, vorzubeugen.

Mit wenig Aufwand kann man so jeden Verdacht wirksam bekämpfen.

Womit nur noch das Problem mit Roger Amchip zu lösen wäre ...

Der Chef kommt rechtzeitig in sein Büro, um zwei Beine zu sehen, die unter seinem

Schreibtisch hervorlugen. Da er ein absoluter Schwächling ist, läßt er mich nachschauen. Ich schalte die Sicherung an seinem Schreibtisch ab und rutsche ein wenig herum.

"Kein Puls", rufe ich.

Der Chef schreit in Panik auf und läßt sich sein letztes Abendessen mit

Hochgeschwindigkeit noch einmal durch den Kopf gehen.

"Ich werde die Ambulanz rufen."

"Keine Chance. Er ist eiskalt - hier, fühlen sie an seinem Bein."

Der Chef berührt widerwillig das Bein. "Guter Gott. Wer ist das?" fragt er mit gedämpfter Stimme.

"Amchip. Er war gestern abend so wild darauf, endlich arbeiten zu können. Es muß ein Stromschlag gewesen sein. Hätten wir nur niemals die Stromkabel zusammen mit den Datenkabeln in einem Schacht verlegt."

"Wir müssen die Polizei rufen."

"Das stimmt. Und, wenn ich das so sagen darf, das ist sehr tapfer von ihnen."

"Was?"

"Daß sie sich der Verantwortung stellen wollen. Viele Leute hätten einfach Amchips

Witwe einen Scheck überreicht, damit sie vorgibt, er sei spurlos verschwunden, statt wegen Totschlag vor Gericht zu landen."

"Totschlag!"

"Nun, es war doch nicht vorsätzlich, oder? Obwohl, es ist ja bekannt, was sie von

Überstunden halten ... Arme Frau Amchip."

"Meinen sie, sie würde Geld akzeptieren?"

"Nun, wir leben in harten Zeiten. Ich denke, sie würde sich eine gute Ausrede einfallen lassen, weshalb ihr Mann verschwunden ist."

Der Chef holt in Rekordzeit sein Scheckheft heraus ...

"An wen soll der Scheck gehen?"

"Charlotte Amchip. Nein, das wäre zu verdächtig ... Schreiben sie ihn für ihr gemeinnütziges Projekt aus - Charlotte Amchips Schizophrenie Hospiz."

"Wie wird Schizophrenie buchstabiert?"

"Oh, nehmen sie einfach die Anfangsbuchstaben."

Eine Stunde später beruhigt der Chef seine Nerven mit einem Drink, der PJ und ich feiern unsere neueste Bonuszahlung und der Chef der Arbeitsschutzinspektion kriecht ein wenig auf dem Boden herum, nachdem er seine Modellpuppe wiedergefunden hat, mit der er immer die verschiedenen Beatmungstechniken demonstriert.

Es ist doch schön, daß sich die Dinge immer zum besten entwickeln, oder?

Als der B.O.F.H. einen Wochenendausflug zur Stärkung des

Zusammengehörigkeitsgefühls vorschlägt, muß das etwas mit dem teuflischen

Gebräu vom Vortag zu tun haben ...

"Natürlich habe ich das erledigt!" schreit der PJ wütend und wirft den Telefonhörer auf die Gabel.

Ich spüre die Spannung, die in der Luft liegt, und frage ihn, was los ist.

"Ein verdammter Nutzer - er war beim Chef und hat sich über die Geschwindigkeit seines Netzanschlusses beschwert. Natürlich hat der Chef ihm versprochen, daß ich das Problem löse ..."

"Und sie haben die Arbeitszeit nicht als Überstunden abgerechnet?"

"Ich bin krank wegen all der Überstunden."

Der arme Kerl wird noch verrückt, wenn er mehr Zeit im Büro verbringt. Ich erinnere mich noch gut an meine tiefen Depressionen, nachdem ich einen weiteren Tag damit verbracht hatte, Anrufe entgegenzunehmen, in denen sich die Nutzer über nichtfunktionierende Passwörter beschwerten, die natürlich nicht funktionierten, weil sie die Shift-Taste gedrückt hatten. Meine Depressionen lösten sich allerdings auf, als ich die wundersame Wirkung von Elektrizität, etwas Klebstoff und Stanniolpapier entdeckte. Doch das ist eine andere Geschichte.

"Was sie brauchen", antworte ich und bemerke einen Schatten hinter dem Glas unserer Tür. "Was sie brauchen, ist eine Pause. Eine Chance, um sich wieder als

Mitglied eines Teams fühlen zu können. Wenn es etwas gibt, was die Harmonie am

Arbeitsplatz bessert, dann ist es das Gefühl, zu einer Gruppe zu gehören, die eine gemeinsame Aufgabe löst."

Ich unterbreche den PJ, der nach dem Branchenbuch greift - zweifellos um nach einer psychiatrischen Klinik zu suchen -, und deute auf den unscharfen Schatten des

Chefs hinter der Tür.

"Aber das ist keine gute Idee."

"Warum nicht?" spielt der PJ mit.

"Verraten sie es nur nicht dem Chef, aber in einer Firma, in der ich einmal gearbeitet habe, hat ein Wochenende zur Ausbildung des Teamgeistes zu einer solchen

Verbesserung des Arbeitsklimas und der Produktivität geführt, daß danach 30

Prozent der Belegschaft entlassen wurden."

Als ich wieder zur Tür blicke, ist der Schatten verschwunden.

Später am Nachmittag kommt der Chef großzügig lächelnd vorbei.

"Ich weiß, daß das jetzt etwas kurzfristig kommt", sagt er und beobachtet uns aufmerksam. "Doch ich habe festgestellt, daß die Moral bei uns ziemlich am Boden ist. Also dachte ich, daß einige von uns an einem Wochenende zur Stärkung des

Zusammengehörigkeitsgefühls teilnehmen sollten. Ein Hotel in Brighton hat noch freie Zimmer, Konferenzräume und Möglichkeiten zur Erholung. Ich dachte an dieses

Wochenende?"

Die 30 Prozent müssen ihn wirklich gepackt haben, denn fast die halbe IT-Abteilung steht auf seiner Liste. Der PJ und ich zieren uns erst ein wenig, um dann das

Angebot zu akzeptieren.

Es wird Freitagnacht und der PJ und ich finden uns zusammen mit den anderen

Schafen der Abteilung in einem Hotel wieder. Dank eines seltsamen Zufalls erlauben die elektronischen Schlüssel dem PJ und mir nicht mehr, die Türen der gebuchten

Zimmer zu öffnen. Statt dessen öffnen sie die großen Suiten an den gegenüberliegenden Gangenden für uns.

"Wer sind wir, daß wir mit dem Schicksal hadern?" frage ich den PJ und stecke den

Magnetkarten-Programmierer wieder ein.

"Wir sehen uns morgen."

Der Morgen kommt, und es ist Zeit, daß wir für unsere Sünden büßen ...

Der Chef der IT-Abteilung will eine Übung zur Vertrauensbildung durchführen, bei der das Opfer sich auf einen Tisch stellt und sich nach hinten in die Arme eines

Kollegen fallen läßt. Doch seltsamerweise hat plötzlich niemand mehr Interesse an dieser Übung, als der PJ in einem besonders kritischen Moment Kevin Costner draußen vorbeigehen sieht.

Unser Chef läßt sich auch von dem bedauerlichen Unfall, der den IT-Chef ans Bett fesselt, nicht davon abbringen, uns mit unzähligen Spielen zu bezaubern.

"Ich halte das nicht mehr aus!" japst der PJ, als wir schließlich gegen 20 Uhr in die

Bar verschwinden können.

"Ich weiß. Das ist ein verdammter Alptraum."

"Und er wird morgen eine weitere dieser ´Vertrauensübungen´ veranstalten, bei der einer Person die Augen verbunden werden, während jemand anderes sie um das

Gebäude leiten muß."

"Widerlich. Obwohl ..."

"Nein, nein, er hat gesagt, daß er sich nicht daran beteiligen wird. Doch davon abgesehen, er weiß, wo die Treppen und Balkone sind."

"Verdammt! Nun, besondere Zeiten erfordern besondere Maßnahmen."

"Was wollen sie tun?"

"Ich kaufe dem Chef ein oder zwei Drinks."

Ein paar Stunden später habe ich die Schlüsselkarte aus der Tasche des Chefs stibitzt und mache mich auf den Weg in sein Zimmer, während der PJ ihn an der Bar festhält ...

Am nächsten Morgen sind alle an Deck, doch der Chef läßt sich nicht blicken. Ich geselle mich zu den Zuschauern.

"In Ordnung, was haben sie getan?" fragt der PJ neugierig.

"Raten sie."

"Sie haben seine elektrische Wärmedecke unter Wasser gesetzt?"

"Nein."

"Sie haben seinen Toilettensitz zum Leben erweckt?"

"Nein, aber es wird schon wärmer."

"Wieviel wärmer?"

"So warm wie, sagen wir, Jalapeno-Pfeffer umhüllt von Glyzerin und an einer strategisch wichtigen Stelle auf dem Regal mit den Pillen plaziert, so daß ein

Betrunkener sie vor dem Schlafengehen zuerst greifen muß."

"Sie Bastard! Wird er noch kommen?"

"Keine Ahnung." Ich denke ein wenig über das Thema nach. "Wie groß sind wohl die

Chancen, daß die Polizei jemanden entläßt, den sie nackt in der Empfangshalle eines

Hotels dabei erwischte, wie er den Eisautomaten verprügelte?"

"Ungefähr so groß, wie die Chance, daß die heutige Übung zur Stärkung des

Zusammengehörigkeitsgefühls nicht in der Bar stattfindet?"

"Exakt." antworte ich und bin stolz, daß der PJ über eine so schnelle

Auffassungsgabe verfügt. "Ich nehme ein Bier."

Eine Inventur muß durchgeführt werden und unbequeme Fragen warten auf

Antworten, doch der B.O.F.H. bleibt eiskalt, auch als es heiß wird ....

Ich hasse die Zeit der Inventur. In jedem verdammten Jahr das gleiche Ritual: man muß herumlaufen und die Seriennummern, die auf jedes Gerät geklebt wurden, aufschreiben. Irgendein Trottel meint wohl, man könne damit den Diebstahl von

Firmeneigentum verhindern. Und dann kommt noch die unvermeidliche Stichprobe, um sicherzugehen, daß wir nicht gelogen haben.

Es wäre natürlich nur dann wirklich mühsam, wenn wir nicht eine Liste mit den

Seriennummern und keine Kontrolle über das Programm hätten, das die Geräte aussucht, die kontrolliert werden sollen.

Und wenn es tatsächlich jemanden gäbe, der eine Festplatte mit einer Kapazität von

5 Megabyte, das 600 Bits pro Zoll-Bandlaufwerk oder die Speichererweiterung für den ZX81 stehlen würde, dann wäre das wirklich ein Anlaß für Fragen.

Natürlich sind die Geräte, die zu unserer Stichprobe gehören, alle da und in perfektem Zustand - schließlich brauchen wir sie ja auch nur ein paar Stunden pro

Jahr. Und sollte sich die Stichprobe ändern, dann hätten wir noch viel Platz in einem der verlassenen Lagerhäuser in Peckham, die mit all dem Gerümpel gefüllt werden, das niemand klauen würde.

Nicht, daß das wirklich nötig wäre. Die beängstigende Fluktuation bei den

Erbsenzählern sorgt dafür, daß die Chance, zweimal den gleichen Prüfer zu haben,

ungefähr so groß ist, wie die Chance, daß jemand die drei Autos entdeckt, die der

Chef in der genannten Lagerhalle hinter Umzugskartons versteckt hat.

Das ist eben das gute an einem hervorragenden Alarmsystem - es läßt keine

Klingeln ertönen, um Einbrecher abzuschrecken - es schickt einfach die Bilder auf meinen Rechner.

Und so kam es, daß der PJ und ich die Ankunft dreier brandneuer, hochmoderner

Autos im Langzeitspeicherbereich des Lagerhauses mitbekamen.

Der Chef, gerade zurückgekehrt von der Polizei, ist natürlich zu bedauern. Er hat versucht, sich beim Geschäftsführer einzuschmeicheln, indem er den jährlichen

Austausch der Fahrzeuge der Chefetage zu einem besonders günstigen Geschäft machen wollte. Doch er hat einen Fehler gemacht.

Es scheint, als wurde - von ihm unbemerkt - auf dem Bestellschein Mercedes durch

Lada ersetzt. Und statt die Bestellung an einen reputierlichen Händler für

Luxuswagen zu faxen, hat wohl ein Speicherfehler dafür gesorgt, daß die Bestellung an einen weniger angesehenen Händler für Billigautos geschickt wurde. Einen

Händler, der, so wollte es das Schicksal, auch drei brandneue Ladas hinten in seinem

Vorführraum stehen hatte - seit sechs Jahren.

Der Chef hat die Lieferung trotzdem gut überstanden. Besser übrigens als das wiederholte Spielen von Johnny Cash´s "Ring of Fire" in der Kantine, nachdem er sich von der unorthodoxen Medizin erholt hatte, die er auf dem letzten

Wochenendausflug zur Stärkung des Zusammengehörigkeitsgefühls zu sich genommen hatte.

Und so kommt es, daß ich eine Spur von Feindschaft spüre, als der Chef sich herabläßt, um einen Erbsenzähler bei der Prüfung unseres Bestandsberichtes zu begleiten.

"Eine 600 Bit pro Zoll-Bandmaschine?" fragt der Prüfer.

"Ja, die steht gleich hier", antworte ich und zeige auf das Ungetüm.

"Die stand gestern aber noch nicht da!" ruft der Chef und riecht wohl den Braten.

"Stimmt, wir mußten sie wegen der neuen Verkabelung umstellen." antworte ich in einem Tonfall, der überzeugend klingt - ich habe mich eben vorbereitet.

"In Ordnung. Eine Seagate-Festplatte mit 5 Megabyte Speicherkapazität?"

"Die läuft im E-Mail-Server."

"Aber wir benutzen solche kleinen Festplatten doch gar nicht mehr!" ruft der Chef wieder.

"Ich fürchte, da irren sie sich." antworte ich. "Denn die Server-Software läuft auf einem alten XT, der nur mit alten MFM-Festplatten umgehen kann."

"Das ist ja lächerlich." ruft er, greift sich den Papierstapel des Prüfers und blättert wütend darin herum.

"Wie steht es mit dem 29 Zoll-Fernseher?"

"Der Monitor mit Textanzeige?" frage ich. "Der steht nicht hier, sondern im

Beratungszimmer des Geschäftsführers."

"Gut, und wo ist die Sega-Spielkonsole?"

"Die steht in der Personalabteilung. Sie wollen sie der Kinderkrippe für die

Angestellten überlassen." antworte ich ohne mit der Wimper zu zucken.

"Richtig", sagt er entschlossen. "Und die neue Klimaanlage, die für diesen Raum bestimmt war - wo ist sie?"

"Noch im Warenlager, denke ich."

"Nein, das habe ich am Morgen überprüft. Sie sagten, sie sei schon zu ihnen geschickt worden."

"Nun, dann steht sie möglicherweise vor dem Frachtaufzug."

"Nein, aber ich habe eine Idee, wo wir sie finden können. Sie haben eine schöne

Wohnung, nicht wahr?" fragt er und zeigt eine Außenaufnahme meiner Wohnung, auf der die neue Klimaanlage zu sehen ist.

"Nun, ich war so von den Daten der Anlage beeindruckt, daß ich mir ebenfalls eine zugelegt habe."

"Und wo haben sie die gekauft?" fragt er gehässig.

"Das war in dem Lager in Peckham, oder?" mischt sich der PJ ein, um mich zu retten.

"Wegen all der hitzeproduzierenden Technik, die wir erst neulich ausgemustert

haben", erinnert er sich.

"Ja, stimmt", fällt es dem Chef jetzt ein. "Natürlich, ich hätte es wissen müssen.

Nun, damit wäre das Problem ja geklärt."

Schneller als man ´verminderte Zurechnungsfähigkeit´ aufsagen kann sind der Chef und der Prüfer verschwunden.

"Er wird das gegen uns verwenden, das wissen sie", murmelt der PJ.

"Ja, ich weiß. Und das ist einfach nicht gerecht. Nun, wie buchstabiert man doch gleich ´Trabant´?"

Die Service-Abteilung wittert Morgenluft, doch der B.O.F.H. hat einen schlauen

Plan, um sie wieder zurechtzustutzen ...

Ich sitze an meinem Tisch, als der PJ kurz aufblickt. Er ist gerade damit beschäftigt,

Nutzern zu helfen, die sich über Geschwindigkeitsprobleme beim Zugriff auf den

Backup-Server beschweren.

"Das Kill-9-Kommando funktioniert nicht mehr."

"Stimmt. Ich habe es neu geschrieben und mit ein paar Erweiterungen versehen, damit wir mehr machen können, als nur ´Hang up´ als Parameter einzugeben."

"Wie lauten die Parameter denn?"

"Sie sind vielfältig - alles, was ein guter Systemadministrator braucht."

"Was?"

"Nun, schauen sie - da wäre zunächst ´Kill-Godfather´, das sich einem laufenden

Prozeß von hinten nähert und ihn in einer ruhigen Ecke abschießt. Und zusätzlich, wenn wir schon dabei sind, hinterläßt es das Bild eines Pferdekopfes als

Bildschirmschoner."

"Bezaubernd."

"Dann haben wir ´Kill-CIA´, was den Prozeß beendet, es aber so aussehen läßt, als handele es sich um einen ganz natürlichen Vorgang."

"Uh-huh."

"Natürlich wird bei einer Untersuchung der Protokolldateien das Wort ´Grashügel´ auffallen, was die Leute aus der Forschungs-Abteilung auf die Beine bringen dürfte."

"Ja ..."

"Hm, ´Kill-Shotgun´, wenn sie sich nicht mehr an die korrekte Nummer des

Prozesses erinnern können. Damit werden gleich alle Prozesse, die ähnliche

Nummern haben, beendet. ´Kill-Driveby´ beendet den gewünschten Prozeß und gleich noch den mit der nächsthöheren bzw. nächstniedrigeren Nummer."

"Ist das nicht ein wenig zu viel?" fragt der PJ milde lächelnd.

"Nein, ´Kill-viel´ beendet alle laufenden Prozesse, schickt eine widerliche E-Mail an Bill Gates, in der steht, wie wir gegen die Lizenzverträge verstoßen, überschreibt dann den Kernel des Betriebssystems und läßt das System abstürzen. Oh, und es stellt einiges mit den Arbeitsplatzrechnern an."

"Das System ist gerade abgestürzt."

"Ja, ´-viel´ ist die Standardvorgabe, wenn der Nutzername ´Service´ ist. Ich habe ihnen die entsprechenden Rechte gegeben, so daß sie nun über all die Macht verfügen, die sie im Service so dringend wollten."

Das Telefon klingelt und etwas sagt mir, daß es die Service-Leute mit einer

Beschwerde sind. Manche Leute sind wohl nie zufrieden.

"Sie wissen, was das bedeutet, oder?" fragt der PJ ängstlich.

"Daß die Service-Abteilung arbeitet? Ja, ich weiß. Ich hatte gehofft, daß die

Schachtel mit Stiften uns ein oder zwei Wochen Ruhe verschafft, die sie mit ein paar simplen Spielen zubringen, doch der Chef hat ihnen die Stifte nach den ersten paar

Tagen wieder weggenommen."

"Wir können es nicht zulassen, daß die Service-Leute sich um Probleme kümmern - es hat zwei Tage gedauert, bis die Datenbanken wieder liefen."

"Stimmt - nun, dann habe ich einen Plan ..."

Der nächste Tag kommt, und ich erwarte die Belohnung für meine Mühen. Und erwartungsgemäß meldet sich das Telefon ziemlich früh.

"Die Diktiersysteme sind irgendwie kaputt", sagt der Service-Gnom.

"Und was ist das genaue Problem?" frage ich.

"Nun, das Sprachmodul für normales Englisch ist auf allen Arbeitsplatz-PCs verschwunden, so daß die PCs die Nutzer nicht mehr verstehen. Und das Programm zur Anpassung der Sprache ist ebenfalls verschwunden."

"Aha." antworte ich nachdenklich und winke dem PJ. "Sie sagen also, daß bei allen

PCs die Nutzereinstellungen zur Spracheingabe nicht mehr wiederherstellbar sind, was möglicherweise eine Folge des Server-Absturzes ist, den ihre Abteilung gestern verursachte?"

"Ja."

"Aber sagen sie nicht, daß auch die Installations-CDs verschwunden sind!"

"Ja, woher wußten sie das?"

"Ein Zufallstreffer", ruft der PJ.

"Aber müßte es da nicht noch andere Sprachmodule neben dem für normales

Englisch geben?"

"Ja, das ist eine seltsame Sache."

"Tatsächlich?"

"Ja, da ist ein Sprachmodul, das ich vorher nie gesehen habe. Es heißt ´Betrunkener

Schotte´."

"Wirklich?"

"Ja, aber ich weiß nicht, was das ist."

"Nun, es gibt nur einen Weg, es herauszufinden. Nehmen sie eine Flasche Scotch und gehen sie zu Don McCloud in der dritten Etage, lassen sie ihn den Scotch trinken und setzen sie ihn dann auf das Sprachmodul an."

"Das ist nicht ihr Ernst."

"Stimmt. Sagen sie einfach den Erbsenzählern, daß sie ihre Berichte selbst eintippen sollen."

"Aber die sollen morgen gedruckt werden."

"Nun, was auch immer sie tun, vergessen sie nicht, daß Don nur Single-malt Scotch trinkt."

Kaum hat er aufgelegt, rufe ich Don an und setze ihn ins Bild. Er nimmt es wie ein echter Profi, stürzt sich auf die Aufgabe und hat auch keine Probleme damit, von anderen verstanden zu werden. Doch seine Bemühungen, ohne Akzent zu sprechen, enden, als ich ihm etwas über Diskriminierung am Arbeitsplatz erzähle und wie das in den Zeitungen aussehen würde.

Später lauschen wir in der Kneipe seinem Bericht ...

"Nun, ein paar von ihnen haben den Akzent wirklich gut gemeistert", murmelt Don nachdem er zwei Tage hauptsächlich damit verbracht hat, Scotch zu trinken. "Aber ich habe gehört, daß sie es nun gar nicht mehr brauchen, da die

Original-Sprachmodule am Montag neu installiert werden sollen."

"Oh, machen sie sich deswegen keine Sorgen", antworte ich. "Es ist nur eine Frage der Zeit, bis ein Service-Mensch die Worte ´Computer, Kill, Minus, viel´ für die technische Dokumentation diktiert."

Ein betrunkener Erbsenzähler, der wie Sean Connery an einem schlechten Tag klingt, bringt die nächste Runde.

Eine schmutzige Arbeit, aber jemand muß sie ja machen ...

Aufgeben oder Kürzungen seines Budgets hinnehmen - was wird der B.O.F.H. tun?

Nun, mit der Hilfe von Eis und Ausrüstung für Ausgrabungen ....

Man kann sich unentdeckt immer nur eine bestimmte Zeit vor seinen Aufgaben drücken. Und so haben wir nun die Anweisung bekommen, uns mit dem mittleren

Management zu versöhnen, da sonst unser Budget gekürzt wird.

Ich kann es nicht erlauben, daß das Budget für verschiedenste Ausgaben zur

Steigerung meines Wohlbefindens gekürzt wird - nicht nach den vorausgegangenen

Kürzungen, die ich in den vergangenen Monaten wegen der erhöhten

Aufmerksamkeit der Rechnungsprüfer vornehmen mußte.

Der PJ und ich entscheiden uns für die ´Teile und Herrsche-Methode´, um uns mit den Nutzern auszusöhnen. Ich schreite aufgeweckt zum ersten Beschwerdeführer, einem Kostenmanager, der wohl über recht lockere Verbindungen zu den

Erbsenzählern verfügt.

"Ich habe Leistungsprobleme", schreit er verzweifelt, als ich hereinkomme. "Ja, ich habe die Gerüchte gehört", antworte ich und bringe das, was wie eine knospende

Beziehung zwischen ihm und seiner jungen persönlichen Assistentin aussieht, zu einem vorschnellen Ende.

"Aber machen sie sich keine Sorgen, das passiert schließlich auch den Besten unter uns. Und was ist nun mit ihrem PC?"

"Ich habe über meinen Computer gesprochen!" ruft er.

Er führt mich in sein Büro, wo ich feststelle, daß nicht einmal die Erbsenzähler ihn besonders mögen, denn sein PC ist so alt, daß der Vorderseiten-Aufkleber in der

Handschrift Noahs beschrieben wurde.

Ich empfinde ein wenig Mitleid für ihn. "Das sieht nach einem Magnum-Problem aus." sage ich.

"Doch nicht das Gewehr?" fragt er ängstlich.

"Nein, das Eis. Schieben sie es hinten in das Gehäuse, schalten sie den PC ein und verschwinden sie zum Mittagessen. Und entfernen sie alles Brennbare vom Tisch, denn man weiß ja nie ..."

"Aber man wird mich beschuldigen."

"Nicht, wenn sie die Verpackung im Mülleimer ihrer Assistentin liegenlassen."

"Aber sie ist ..."

"... ersetzbar." sage ich.

Problem gelöst, also suche ich mein nächstes Opfer. Auf der Suche treffe ich den PJ, der in keiner guten Verfassung zu sein scheint.

"Wie war der Manager der Entwurfs-Abteilung?" frage ich.

"Ein Manager? Der konnte nichtmal ohne schriftliche Instruktionen die Toilette aufsuchen."

"Verärgert?"

"Ja, er hat von mir verlangt, daß ich eine dieser verdammten Workstations mit zwei

21 Zoll-Monitoren nach unten trage."

"Ah ja", rufe ich und erinnere mich an die lauten Geräusche, die ich erst jüngst hörte.

"Also ist es wohl besser, das Treppenhaus im Südflügel in der nächsten Zeit zu meiden, oder?"

"Die beiden untersten Etagen und das Kellergeschoß. Ich habe sie nach unten fliegen lassen, ohne das Geländer zu berühren."

"Guter Schuß, Kamerad!" rufe ich zustimmend und klopfe ihm auf die Schulter. "Wir werden noch einen guten Administrator aus ihnen machen. Richtig, ich muß jetzt gehen und schauen, womit ich dem IT-Chef helfen kann."

"Sie suchen unseren Chef? Wieso?" will er wissen.

"Möglicherweise braucht er einen guten Rat."

"Wirklich?" grinst der PJ mit glänzenden Augen.

Ein paar Minuten später stehe ich im Büro unseres Abteilungsleiters und ahne langsam, was er will.

"Wir denken daran, unseren Wirkungskreis zu erweitern und nach Asien zu expandieren", meint er und bestätigt meine Vermutungen. "Dazu brauchen wir dringend dieses Videokonferenzsystem."

Es war nur eine Frage der Zeit. Und es scheint, als sei der Zeitpunkt jetzt gekommen. Noch bevor der PJ und ich es richtig wissen, sollen wir die Bandbreite freigeben, die wir dazu nutzen, das Kabel-TV aus den Staaten zu empfangen.

"Ja?" murmle ich.

"Ich habe gute Dinge über etwas gehört, was sie IP-Tunnelung nennen. Ich weiß nicht, was die Vor- oder Nachteile sind, also, was können sie mir darüber erzählen?"

"Nun, es ist eine Methode, den Internet-Datentransfer von einem Punkt zu einem anderen zu realisieren. Man nutzt es, um Virtuelle Private Netzwerke aufzubauen."

Ich schalte in den Idioten-Modus.

"Ist es schnell?"

"Oh, natürlich."

"Wie teuer kann es werden?"

"Nun, das Kabel dürfte ziemlich billig sein, da wir alles nötige bereits haben. Ich denke, daß die Ausrüstung für das Graben am teuersten sein wird."

"Ausrüstung?"

"Ja, wir müssen einen Tunnel nach Asien graben."

"Aber wir können keinen Tunnel nach Asien graben. Das würde Jahre dauern."

"Nein, nein." lache ich. "Das war ein Scherz."

"Oh, Gott sei Dank."

"Nein, wir müssen nur einen Tunnel zur nächsten Vermittlungsstation der

Telefongesellschaft graben, die etwa eine halbe Meile entfernt ist. Das dürfte uns vier oder fünf Tausender für die Miete kosten."

"Vier- oder fünftausend?"

"Nun, wir könnten sicher ein wenig sparen, wenn wir sie bar bezahlen. So etwa dreitausend, denke ich. Und wir müßten unseren eigenen Projekt-Manager stellen."

"Wo bekommen wir den her?"

"Nun, es gibt Gerüchte, daß es da eine Assistentin in der Finanz-Abteilung gibt, die sich nach einer neuen Aufgabe umsieht. Ich würde eng mit ihr zusammenarbeiten, um das Projekt zu beaufsichtigen."

"Tun sie das." ruft der Chef wie ein richtiger Star Trek-Spezialist.

Hol mich rauf, Scotty! Auf diesem Planeten gibt es kein intelligentes Leben.

Die Nutzer sind nicht mehr in ihren Büros und - unglaublich, aber wahr - der

B.O.F.H. und der PJ vermissen sie. Das kann nicht mit rechten Dingen zugehen ....

Langeweile, Langeweile, Langeweile. Das Gebäude ist einsam und verlassen, da die

Firma ihre neue ´W3-Initiative´ in die Tat umsetzt, die darin besteht, daß die verschiedenen Abteilungsleiter an diesem speziellen Tag die Mitarbeiter über die berühmten drei Wos unserer Existenz aufklären - woher kommen wir - wo stehen wir - wohin gehen wir.

Ich bemerke, daß die Aufkleber mit Toilettensymbolen von den Postern der Cafeteria verschwunden sind. Vielleicht ist das der Grund für die Vermutung des PJs und mir, daß neben uns nur noch die Leute vom Wachdienst keine Einladung für diesen Tag bekommen haben.

Es ist wirklich überraschend, wie man sich als Administrator langweilen kann, wenn das Netzwerk nicht durch Nutzer gestört wird. Auch der PJ ertrinkt in Melancholie, weil es keine Nutzer gibt, über deren Fehler er sich aufregen könnte. Jemand mit weniger starken Nerven würde aufgeben und an seiner Qualifikation zweifeln. Der PJ und ich haben jedoch andere Fische zu braten - über der Heizung unter dem

Schreibtisch des Chefs.

Es ist bemerkenswert, wie heiß sie werden kann, nachdem wir die Hitzesicherung entfernt haben.

Im Handumdrehen haben wir ein geschmackvolles Mittagessen - und knusprig ist es ebenfalls, was der Entdeckung des PJs zu verdanken ist, daß man das

Sicherheitsgehäuse entfernen und damit das Essen näher an den Heizspiralen plazieren kann.

"Wissen sie, es ist schon lustig", meint der PJ und läßt sich die letzten Stücke seines Fisches schmecken. "Irgendwie vermisse ich die Nutzer."

"Wir sollten Dr. Robb anrufen."

Dr. Robb ist unser Psychologe. Früher kam er einmal pro Woche in die Firma, um sich das Gejammer der Angestellten anzuhören, doch die Installation einer

Überwachungskamera in seinem Zimmer hat seiner Popularität wohl ziemlich geschadet. Ich vermute, daß der Vizechef der Verkaufs-Abteilung niemals damit fertig wurde, daß sein Video an einem Freitagabend nach den Drinks auf den

Sicherheitsmonitoren abgespielt wurde.

"Hallo?"

"Hallo, Dr. Robb."

"Ah ... Hallo Simon."

"Wie geht es dem PC?"

"Ich benutze keine Computer mehr", sagt er nervös.

"Ich benutze nicht einmal elektrische Geräte."

"Aber sie haben doch ein Telefon? Ist das nicht auch ein elektrisches Gerät?"

<KLICK>

"Das ist seltsam." kommentiert der PJ. "Er hat aufgelegt. Und wie war das mit den nichtgenutzten elektrischen Geräten?"

"Ich weiß - klingt nach einer Neurose, wenn sie mich fragen. Es scheint, als brauche er eine weitere Dosis der Schocktherapie, über die man neuerdings soviel hört."

"Was meinen sie damit?"

"Oh, nichts. Wir müssen eben selbst mit dem Problem klarkommen. Ich denke, die traurige Wahrheit ist, daß wir unsere Nutzer brauchen."

"Nein!" ruft der PJ hysterisch.

Den Rest des Nachmittags verbringen wir mit trübsinnigen Gedanken.

Die Normalität kehrt zurück, als das erste Opfer der W3-Veranstaltung zurückkommt und Sicherheitskopien seiner Linux-Station anfertigen will, solange die

Bandlaufwerke frei sind.

"Hallo", sage ich und greife mir das Telefon.

"Es geht um mein Backup - es funktioniert nicht."

"Das liegt daran, daß sie all ihre Programme sichern wollen, statt nur die Daten, an denen sie arbeiten. Sie müssen ihre Anwendungsprogramme nicht sichern, weil wir sie ohnehin auf dem Server sichern."

"Aber ich muß meine Anwendungen wirklich sichern", ruft der Nutzer und ignoriert meinen Rat.

"Dann müssen sie das superschnelle nichtgekrümmte längsgerichtete Laufwerk benutzen."

Dummy-Mode ein.

"Äh ... In Ordnung. Wie kann ich es ansprechen?"

"/dev/null"

"Gut. Das ist ja wirklich schnell. Wie mache ich nun die Sicherung?"

"Hm, das Kommando lautet ´cat /dev/null´, auf das sie die Ausgabe von ´ls -alR /´ umleiten."

"Sehr gut. Danke."

"Keine Ursache."

"Wie war das?" keucht der PJ. "Ich dachte, wir hätten festgestellt, daß wir unsere

Nutzer brauchen?"

"Seien sie doch nicht töricht. Ich brauche niemals einen Nutzer, wenn ich Doom,

Quake und das Internet habe. Und einen gegrillten Fisch zum Mittagessen. Oh, wo ich gerade dabei bin, haben sie das Sicherheitsgehäuse ...."

Ein Schrei aus dem Büro des Chefs beantwortet meine Frage, bevor der PJ reagieren kann.

"Ups", meint der PJ.

Während der PJ mit der Tunnel-Arbeit beschäftigt ist, kümmert sich der B.O.F.H. um das E-Mail-System und leitet Beschwerden an Telefonsexnummern weiter ...

Es ist ein langweiliger Morgen in der Netzwerkzentrale, so daß ich die Zeit damit totschlage, den PJ damit zu beschäftigen, die Kabel in den Kabelschächten zu prüfen.

Natürlich ist das eine nicht besonders angenehme und ziemlich beengte Arbeit, doch das wird ihm einen weiteren Einblick in die Welt der Netzwerke geben. Und es wird ihm dabei helfen, sich daran zu erinnern, daß "Finger weg von meinem Laptop" genau das bedeutet.

Die Anrufe kommen an diesem Morgen schnell und reichlich, und ohne den PJ muß ich mich um sie kümmern. Die Nutzer-Betreuung hat unsere Nummer an jeden

herausgegeben, der wichtig sein könnte. Und seitdem der Chef die Nummer in der

Vermittlungseinheit fest einprogrammiert hat, funktioniert auch der sonst übliche tägliche Wechsel der Nummer nicht mehr.

Nach ein paar Anrufen erkenne ich den Trend, daß alle Anrufe auf eine Beschwerde hinauslaufen, so daß ich alle weiteren Anrufe auf die Nummer eines

Telefonsexanbieters weiterleite - ich weiß ja nun, worum es geht. Dann schicke ich eine E-Mail an die Erbsenzähler, in der ich sie darauf aufmerksam mache, daß der

Mißbrauch der Firmentelefone beängstigend ansteigt und sie sich vielleicht darum kümmern sollten.

Doch anders als in der guten alten Postkutschenzeit wird meine Nachricht nicht zugestellt. Sie werden eigentlich nie mehr zugestellt, seitdem unsere Vorgänger in der Systembetreuung den E-Mail-Server mit einer neuen ´phantastischen´ Software aufgerüstet haben, die beinahe alles kann, außer einen roten Kußmund an das Ende privater E-Mails anzuhängen.

Alles, außer meine Nachrichten zu befördern.

Ich mache den Chef einmal mehr auf die vielen Mängel der Software aufmerksam, doch er weicht mir nur aus.

"Nun, die E-Mail-Software hat uns ziemlich viel gekostet. Und davon abgesehen, unsere Terminverwaltungsprogramme sind in sie integriert!"

Und so kommt es, daß der Chef ein paar Tage später seine Handbuch-Bibliothek auf der Suche nach der Bedienungsanleitung für sein E-Mail-Programm durchsucht, als der PJ mich bei meiner hingebungsvollen Arbeit mit einer Frage stört.

"Was tun sie?"

"Ich stelle sicher, daß mein geliebtes Sendmail zurückkommt." antworte ich.

"Wie?"

"Hm, ich helfe nur der ´Blitzzusteller´-Software, die E-Mails des Chefs zuzustellen.

Die Anzeige der Mails in der Warteschlange ist wirklich gut - sie erlaubt mir, einige

E-Mails persönlich ´zuzustellen´."

"Wie?"

"Nun, sie markieren einige Nachrichten und verschieben sie einfach in den

Papierkorb."

"Welche Nachrichten?"

"Oh, immer nur einen Teil einer mehrteiligen E-Mail."

Ich zeige es ihm auf dem Monitor. "Hier sehen sie sein Postfach. Die Betreffzeile enthält die Zuordnungsnummer der einzelnen Teile. Und nun lösche ich Teil 23 von 24 und lasse die anderen Teile durch. Das wird ihn verrückt machen. Und natürlich stelle ich auch alle E-Mails, die er abschickt, auf diese Weise zu, und so muß er all seine wichtigen Nachrichten mit der Hauspost verschicken und weiß nie, ob sie ankommen oder nicht."

"Nun, was er nicht weiß, wird ihn auch nicht stören", murmelt der PJ.

"Diese Aussage müßte erst noch bewiesen werden. So glaube ich zum Beispiel, daß der Chef bis jetzt noch nicht weiß, daß die oberste Sprosse der Leiter im Lagerraum sehr locker ist ...."

Wir beiden lauschen angestrengt auf das Geräusch eines übergewichtigen

Managers, der aus eineinhalb Metern Höhe in einen Haufen Kartons mit Knüllpapier stürzt.

Während ich dabei bin, den Mailserver wieder mit der Software auszustatten, für die ich mich zuerst entschieden hatte (Ich glaube, es waren die 10 E-Mails an die

Hausmeister, in denen ich mich über die unsichere Leiter beschwerte, die das Faß schließlich zum Überlaufen brachten.), kommt der PJ herein und sieht mich verwirrt an.

"Ich verstehe nicht, wieso wir das installieren ..." sagt er.

Seufz. Wenn man glaubt, er hat begriffen, stellt sich heraus, daß er noch immer in einer anderen Welt lebt und nach Antworten sucht.

"Wenn sie in der Hierarchie der Firma aufsteigen, dann wächst auch ihr

Verantwortungsgefühl, während sich ihre Verantwortung in Wahrheit verringert. Und ihre Ahnung von den Dingen, die um sie herum vorgehen, verringert sich ebenfalls." beschreibe ich.

"Warum haben wir das Programm dann gekauft?"

"Wir haben es gekauft, weil es jemandem eingefallen ist, der meinte, diese Software sei eine gute Idee und den Managern würde nicht auffallen, daß sie absoluter Schrott ist."

"Ich glaube, das ist ein wenig zynisch ..."

Ich unterbreche ihn, um einen Anruf über die Freisprechanlage zu tätigen.

"Hallo?" fragt der Chef.

"Hallo, ich frage mich gerade, weshalb sie die Anschaffung der neuen objektorientierten Programmiersprache genehmigt haben."

"Nun, das war doch ihre Idee - sie sagten, wir hätten bald keine Objekte mehr."

"Natürlich. Danke."

Ich lege auf.

"Begriffen?" frage ich.

"Ich glaube nicht ..."

Ich greife erneut zum Telefon.

"Hallo?" meldet sich der Chef.

"Es geht um diesen Grafikbeschleuniger, den ich aus ihrem Computer entfernt habe.

Wieso eigentlich?"

"Weil ... weil ... irgendetwas mit den Grafiken, die zu schnell waren?"

"Natürlich, jetzt erinnere ich mich." antworte ich und lege auf.

"Aber ..." erwidert der PJ.

"Kein ABER - es ist ganz einfach: sie oder wir. Sie können einen Chef bei seiner

Entscheidung beeinflussen, doch sie werden es niemals schaffen, daß er mit dem

Denken anfängt."

Seufz.

Die Anwesenheit des Firmenarchitekten sorgt für eine erwartungsvolle Stimmung und läßt den B.O.F.H. zu Tricksereien greifen ...

Ein gewisses Gefühl der Erregung, das ich schon lange nicht mehr gespürt habe, liegt in der Luft. Die Sorte von Spannung, die die jährlichen Weihnachtsparties ausstrahlen, auf denen die Bonuszahlungen verteilt werden. (Die letzten Jahre natürlich ausgenommen.)

Die Ursache dieser Spannung ist schnell ausgemacht. Der Firmenarchitekt, der normalerweise nur dann gerufen wird, wenn wieder einmal eine

Abteilungsumstrukturierung ansteht, ist im Haus. Allein dies ist schon Überraschung genug, denn ich kann mich nicht erinnern, im Vorfeld etwas von einer bevorstehenden

Umstrukturierung vernommen zu haben.

Und diesmal geht es wohl auch nicht darum, die Axt auszupacken und die

Abteilungen neu zurechtzustutzen. (Seufz.) Nein, es muß etwas anderes sein. Und der IT-Chef muß davon wissen.

Der PJ, darauf trainiert, in solchen Situationen ohne falsches Zögern zu handeln, ruft die Überwachungskameras des Hauses auf die Monitore und im Handumdrehen finden wir das Büro des IT-Chefs, wo wir seine Gürtelschnalle bewundern - ein protziges Metallgebilde, das vermutlich einem Raketenangriff standhalten könnte und in das eine üppige Wassernixe eingraviert ist - ein Geschenk loyaler

Mitarbeiter.

Und da behaupten manche noch, Qualität werde immer modern sein. Das Schicksal meint es gut mit uns, denn noch vor seinem Vortrag können wir an die Gürtelschnalle herankommen und sie mit Technik ausrüsten, die Bürgerrechtsgruppen wohl auf die

Straßen treiben würde.

Manche Leute haben eben keine Ahnung.

"Glauben sie, daß der Gürtel funktionieren wird?" fragt der PJ, bevor ich das

Wunderwerk aktiviere.

"Natürlich", antworte ich. "Die Wanze ist so empfindlich, daß sie eine furzende

Ameise in 10 Meilen Entfernung aufzeichnen würde. Da fällt mir ein, schalten sie sie etwa eine Stunde nach dem Mittagessen ab - wir wollen die Schaltkreise ja nicht

überlasten."

Doch in der Zwischenzeit hört das Miniaturmikrofon im Auge der Nixe alles mit ...

"Gentlemen", wendet unser IT-Chef sich in beschwichtigendem Tonfall an die versammelte Geschäftsleitung. "Als Vorsitzender der Kommission zur Evaluierung unserer Expansionschancen kann ich ihnen folgendes berichten: Erstens ist die

Miete für dieses Gebäude sehr teuer. Zweitens wird es mittelfristig zu klein für uns sein. Und drittens fehlt in diesem Gebäude die für das nächste Jahrhundert nötige

Netzwerk-Infastruktur. Nach der Beratung mit verschiedenen Abteilungen ..." Er macht eine Pause und zeigt zweifellos auf einige Mitglieder der Geschäftsleitung, die für ihre seltsamen Ansichten bekannt sind. "Und daher empfehle ich den Umzug in ein größeres Gebäude am Flußufer, das nicht nur weniger Miete kostet, sondern auch kurzfristig bezogen werden kann."

"VERDAMMT!" ruft der PJ und gibt damit ziemlich genau wieder, was ich dazu denke. "Das kann nicht sein Ernst sein!"

"Es hat den Anschein", erwidere ich. "Und wenn ich an seine fehlenden technischen

Kenntnisse denke, dann hat man ihn wohl über den Tisch gezogen."

"Fehlendes Wissen?" regt sich der PJ auf. "Er kann nicht so verrückt sein. Immerhin war er in dieser TV-Sendung. Wie hieß sie doch gleich? ´Unsere Zukunft 2000´?"

"Nein, die Sendung, an der er teilnahm, hieß ´Hilflos 2000´, eine völlig andere Art von

Dokumentation, würde ich sagen."

Innerhalb einer Stunde kommt unser Chef mit den Neuigkeiten zu uns.

"Wir ziehen um", schreit er ängstlich und deutet in Richtung Fluß. "Ich habe es gerade herausgefunden!"

"Dann fangen sie am besten mit dem Packen an", rufe ich.

"Sie meinen ... sie ... sie wollen den Umzug nicht verhindern?" fragt er.

"Warum?" erwidere ich ungläubig. "Ich kann es kaum erwarten! Das ist die Chance, ein völlig neues und zukunftssicheres Netzwerk aufzubauen."

"Aber dann, dann sind wir nicht mehr in der Stadt", jammert er.

"Das wird überbewertet - Smog, Gedränge. Lassen sie mich auf den Fluß blicken."

"Mich auch", stimmt der PJ mir zu.

"Aber all ihre Arbeit, die sie hier getan haben?"

"Das ist Vergangenheit. Jetzt freue ich mich auf die Herausforderungen der

Zukunft."

"Aber ..."

"In Ordnung, für fünfzig Pfund werde ich mich um die Angelegenheit kümmern. Wie ist es mit ihnen?"

"Zwanzig Biere", ruft der PJ.

"Das ist nicht ihr Ernst!"

"Na gut, dann ist es eben nicht unser Ernst. Lassen sie uns packen."

"Uh ... oh. Was wollen sie tun?"

"Nun, das könnte ich ihnen sagen, doch dann müßte ich ihren Kopf in den

Zerkleinerer stecken und ihre Überreste irgendwo verscharren."

"Sie meinen, es ist so geheim?"

"Nein, nicht wirklich. Ich bin nur neugierig, was geschehen würde."

Meinen Hinweis verstehend trollt sich der Chef. Ich greife zum Telefon und rufe den

Oberschwindler der Firma an, einen Anwalt, der sich wirklich hervorragend zu drücken weiß, denn sogar auf seiner Visitenkarte steht der Name eines anderen. Ich lade ihn zu einem Gespräch über den Pachtvertrag ein und weise ihn auf den

Schwachpunkt hin, den wir entdeckt haben ... Wir brauchen etwa 10 Minuten.

Und selbstverständlich finden wir am Abend den Chef in Geberlaune.

"Ich weiß nicht, wie sie das gemacht haben", lacht er erleichtert. "Aber mein Geld ist gut angelegt. Wie haben sie den Chefanwalt nur dazu gebracht - ich dachte, er wäre einer der Landeigentümer?"

"Ach, er ist durchaus eine nette Person, wenn man ganz normal mit ihm redet." antworte ich.

"Oh", mischt sich der PJ ein. "Wo wir gerade darüber sprechen - soll ich den

Aktenvernichter abschalten?"

"Hmmm. Vielleicht noch nicht sofort. Warten wir besser noch ein paar Stunden."

Es stimmt schon, was man sagt - man muß nur wissen, wie man mit diesen Leuten redet ...

Der B.O.F.H. und der PJ sind traurig, denn sie werden nicht zu einem

Wochenendausflug eingeladen - doch mit einem Holzhammer und etwas Gewalt werden sie es schon richten ...

Der PJ und ich sind zutiefst verletzt, weil der Geschäftsführer sich nach dem abgeblasenen Umzug dazu entschlossen hat, den enttäuschten Proleten der anderen

Abteilungen Gelegenheit zu geben, sich an einem ´Spiele´-Wochenende - ein ´Wer ist der Mörder´-Rollenspiel am Abend des Samstags eingeschlossen - an der

IT-Abteilung zu rächen - ohne den PJ und mich.

Die Gerüchteküche vermutet, daß unser ´bezähmter´ Anwalt über die Sache mit dem

Pachtvertrag geplaudert hat, bevor er in der relativen Sicherheit unserer Konkurrenz unterkommen konnte ...

Was aber am meisten schmerzt, ist, daß der IT-Chef eine unserer eigenen Ausreden gegen uns verwendet hat - nämlich, daß das Netzwerk rund um die Uhr laufen muß und wir daher auch für unsere Niederlassungen in der ganzen Welt erreichbar sein müssen - ganz besonders an einem Wochenende, an dem die gesamte IT-Abteilung abwesend ist.

Was natürlich völliger Schwachsinn ist, denn die Hälfte unserer ausländischen

Niederlassungen könnte sich nicht einmal an unsere Nummer erinnern, wäre sie nicht

über die oberste Funktionstaste mittels Schnellwahl erreichbar.

Es scheint beinahe so, als wolle man nicht, daß der PJ und ich Freundschaften mit anderen Leuten aus der Abteilung schließen und Spaß mit ihnen haben. Man scheint uns nicht zu trauen. Allerdings ließ das Interesse an dem Wochenende sichtlich nach, als das ´Wer ist der Mörder´-Spiel angekündigt wurde.

Trotzdem unsere Nicht-Einladung ein unschöner Zug ist - nun haben wir wenigstens die Chance, ein paar Garantietests an den Festplatten (ein paar Schläge mit einem gummiummantelten Hammer, der kurz vor dem Ende der Garantiezeit keine Spuren hinterläßt) vorzunehmen. Es ist überraschend, wie viele Tests damit enden, daß wir kostenlosen Ersatz anfordern müssen.

Ich prüfe, ob unsere Testausrüstung vollständig ist, als der Chef am

Freitagnachmittag hereinstürmt.

"Guten Abend", ruft er fröhlich und muß sich offensichtlich bemühen, etwas nicht auszuplaudern, das neu für uns ist.

"Raten sie, was ich für sie eingefädelt habe!"

"Was?" erwidere ich ohne Begeisterung.

"Man hat zugestimmt, daß sie an den Spielen am Sonntag teilnehmen können - nachdem sie ein paar Programme auf den Computern der

Personal-Abteilung installiert haben." sagt er und gibt mir eine Liste, die länger ist als die der bekannten Fehler in Windows 95.

Der Sonnabend kommt und da der PJ und ich nicht zu denen gehören, die eine

Herausforderung scheuen, sorgen wir dafür, daß die Software wunschgemäß installiert wird. Und weil wir danach noch etwas Zeit haben, verbringen wir sie sinnvoll.

Als ich dann am Montag zur Arbeit komme, rechne ich schon damit, daß ich einem

Gespräch mit dem Chef nicht entkommen kann. Erwartungsgemäß läßt er mich rufen bevor ich auch nur einen Schritt in unser Büro setzen kann und führt mich aufgeregt gestikulierend in sein Büro, wo sich aus meiner Sicht viel mehr Leute aus der

Personal-Abteilung versammelt haben als sonst. Der PJ ist ebenfalls unter den

Leuten, so daß das es sehr eng im Büro des Chefs ist.

"Simon", beginnt der Chef. "Ich habe hier eine Liste mit Beschwerden, die Justin über ihr gestriges Verhalten angefertigt hat."

"Gestern?" frage ich und Unschuld ist mein zweiter Vorname.

"Bei den Spielen? In Balesworth Castle Ground?" schlägt Justin vor.

"Ach so! Sie sagen, es gibt Beschwerden?"

"Ja! Sie wissen, daß dies eine Spaßveranstaltung sein sollte, bei der sich die

Mitglieder der verschiedenen Abteilungen im Sinne von Sportlichkeit treffen können?"

"Ja, das weiß ich. Und ich habe mich doch wirklich bemüht, an allen Spielen teilzunehmen, auch wenn mir deren Regeln nicht ganz geläufig waren."

"Es sieht so aus. Justin scheint zu glauben, daß sie ein wenig zuviel Begeisterung zeigten."

"Wirklich? Ich kann mich nicht erinnern. Können sie?" frage ich den PJ.

"Nicht wirklich."

"Und was war mit dem Kegeln?"

"Kegeln?"

"Ja, als sie ihre Kugel vom Dach heruntergeschmissen haben?"

"Ach so, das! Nun, das mußte ich - ich bekam einen Anruf für die Nutzerbetreuung und der Empfang am Boden war wirklich schlecht, so daß ich mit dem Handy auf das

Dach steigen mußte. Und im ´Geiste der Sportlichkeit´ wollte ich die anderen

Teilnehmer nicht auf meinen Wurf warten lassen. Wie auch immer, ich glaube, in den

Regeln wird nichts darüber gesagt, aus welcher Höhe die Kugel geworfen werden muß."

"Natürlich nicht, aber das Vortäuschen des Anzündens einer Zündschnur an einer der Kanonen des Schlosses hat dem Wohlbefinden ihrer Mitspieler nicht gerade gedient ...."

"Das war doch nur Spaß."

"Wie die Kugel, die die Haube von Justins Coupé traf?"

"Oh, ich brauchte einen Probewurf zur Verbesserung meiner Fähigkeiten", rufe ich und spiele weiter das Unschuldslamm.

"Und das ist wohl auch ihre Entschuldigung für das ´Schlag den Sack´-Spiel?" will er wissen.

"Ich gebe zu, daß ich da wohl ein wenig zu begeistert war", antworte ich. "In

Kombination mit dem Einfallswinkel des Sonnenlichts könnte das für einige

Verwirrung gesorgt haben."

"Verwirrung ... ja", antwortet Justin bissig.

"Nun, immerhin habe ich es geschafft, einen Sack zu treffen."

"Sie haben es geschafft, einen Sack zu treffen. Aber zum Unglück für Justin ist der

Sack, den sie getroffen haben, eher als Skrotum bekannt."

"Wie ich schon sagte, ich bin es nicht gewohnt, Schuhe mit Stahlkappen zu tragen ..."

"Ich könnte all diese Entschuldigungen gelten lassen, wenn es nicht so aussähe, als hätte niemand von ihnen die gewünschte Software installiert, worum ich sie gebeten hatte ..."

"Das haben wir getan", ruft der PJ.

"Keiner der Rechner startet!" schreit Justin und verliert völlig die

Selbstbeherrschung. "Die haben nur herumgesessen."

"Ich habe es ihnen doch gesagt", wende ich mich an den PJ. "Diese Festplatten sind defekt."

"Womit wir bei diesem Ding wären", seufzt der Chef und hält ein Teil unserer

Festplatten-Testausrüstung hoch. "Kann mir vielleicht jemand sagen, wie es in das

Büro von Justin kommt?"

"Er hat den Schaden an seinem Coupé selbst ausgebessert, um die

Versicherungsprämie niedrig zu halten?" schlage ich hilfreich vor.

Der PJ und ich lehnen uns bequem zurück, um auf das folgende Gejammer und

Zähneknirschen vorbereitet zu sein ...

Die Übernahme durch ein amerikanisches Unternehmen führt zu einem Besuch in den

USA und einer Lektion zur sinnvollen Nutzung von Fahrstühlen ....

Es ist ein kurzweiliger Montagmorgen, als der Geschäftsführer in unser Büro kommt, um uns um einen Gefallen zu bitten. Der Chef, der immer einen Riecher für solche

Gelegenheiten hat, schleicht ebenfalls herein.

"Ich wollte sie bitten, das Videokonferenzsystem zum Laufen zu bringen, damit ich eine kurze Ansprache halten kann." verlangt der Geschäftsführer.

"Sie wollen sich doch nicht etwa zurückziehen?" platzt der Chef heraus, der sich schon auf der Karriereleiter aufsteigen sieht.

"Nein, nein."

"Ein früher Ostergruß an die Belegschaft?"

"Nein. Es ist nur so, daß wir verkauft wurden. Die Firma, die Gebäude, die

Mitarbeiter."

"DIE VERDAMMTEN JAPANER!" ruft der Chef.

"Nein, nein!" seufzt der Geschäftsführer. "Angesichts der derzeitigen Lage auf dem

Geldmarkt gibt es eigentlich nur zwei Alternativen: Amsterdam und die USA. Und

Amsterdam ist es nicht."

"Gott sei Dank!" entfährt es dem Chef. "Ich kenne kein einziges belgisches Wort!"

Das sind die Dinge, die man sich anhören muß, wenn man kein Gewehr hat ...

Nun, der Tag kommt und der Geschäftsführer erklärt der Belegschaft auf dem ganzen

Globus, daß uns ein amerikanischer Konzern aufgekauft hat, der im Ausland investieren wollte und in unseren perfekt verschönerten Bilanzen genau das sah, was er sehen wollte. Es gäbe auch keine Pläne für Umstrukturierungen, erklärt der

Geschäftsführer, was ein kollektives Aufatmen verursacht. Für den Moment geht also alles so weiter wie bisher ...

"Simon", murmelt der Geschäftsführer, der sich schon zum zweiten Mal in dieser

Woche aus der relativen Sicherheit seines Büros heraustraute (ein neuer Rekord), ein paar Tage später. "Ich brauche sie und ihren Kollegen, um unsere

Muttergesellschaft zu besuchen. Sie sollen sich anschauen, wie man in den USA arbeitet. Plaudern sie mit den Leuten und sehen sie sich ein wenig um, sie wissen schon. Die Chefs dort haben ihre Techniker beauftragt, sich um sie zu kümmern, damit wir die Netzwerke zusammenschalten können. Es macht ihnen doch keine

Mühe?"

Ein bezahlter Ausflug in die USA ... Hmmm.

"Nun, das könnte durchaus hilfreich sein, aber es würde Jahre dauern, die Technik in die Staaten zu transportieren."

"Oh. Wir lassen sie in der Business-Class fliegen, da können sie es als Gepäck mitnehmen." meint er.

"Ich glaube nicht, daß damit die GESAMTE Ausrüstung zur Netzwerkanalyse abgedeckt wäre ..."

"Gut, ich nehme an, daß wir sie auch in der ersten Klasse unterbringen können!" ruft er schließlich mimosenhaft ...

Und so kommt es, daß der PJ und ich zwei Tage und viele, viele Drinks in der ersten

Klasse später in der Ausnüchterungszelle auf dem Flughafen landen. Offenbar haben die Zöllbeamten etwas gegen betrunkene Besucher, besonders dann, wenn man den

´andere Bräuche´-Witz zu oft macht.

Zu unserem Glück kümmert sich unser Mutterkonzern um die Sache und schafft es, uns aus der Haft herauszuholen. Nach einer erholsamen Nacht treffen wir unseren

´Reiseführer´ - dem Äquivalent zu unserem Chef. Er gibt uns einen kurzen Überblick

über ihre Tätigkeiten, stellt uns den System- und Netzwerkbetreuern vor und zieht sich dann hastig zurück. Wir schauen uns die Technik an und müssen gestehen, daß wir sehr beeindruckt sind.

"Wirklich sehr gut", wende ich mich an meinen amerikanischen Kollegen, als wir ihre

Sammlung neuester Technik bewundern.

"Nun, wir wollen eben mit der Zeit gehen. Ganz nebenbei, ziemlich viel von der alten

Technik wurde zerstört, als wir in den zweiten Stock umziehen mußten."

"Zerstört?" frage ich und wittere einen Profi.

"Ja, wir wissen noch immer nicht genau, weshalb die Fahrstuhltüren geöffnet waren, obwohl der Aufzug gar nicht da war ..."

"Ah." nicke ich wissen. "Und der vollgepackte Wagen mit der Technik plumpste in den Schacht?"

"DREI vollgepackte Wagen - unglücklicherweise hatte ich die Ohrenschützer

aufgesetzt, die wir im gekühlten Serverraum tragen müssen, so daß ich die

Geräusche beim Aufprall nicht hören konnte."

"Wie bedauerlich", seufze ich vielsagend.

"Nicht so bedauerlich wie das Mißtrauen des Chefs gegen uns, der seine

Zimmerpflanzen lieber selbst zum Aufzug brachte."

"Wo er sie fallen ließ?" frage ich grinsend.

"Nein, eigentlich hat er sie bei seinem gesamten Sturz nach unten festgehalten.

Wissen sie, die Sanitäter haben die Pflanzen dann bei ihren Rettungsversuchen zertrampelt."

Eine Woche später werden der PJ und ich aus der Ausnüchterungszelle auf dem

Londoner Flughafen herausgeholt (eine ungenutzte Gelegenheit ist eine für immer verlorene Chance), um am nächsten Tag den Chef und den Geschäftsführer zu informieren.

"Ihre Technik ist unserer um Jahre voraus! Wir brauchen unbedingt eine teure

Aufrüstung! Hinzu kommt noch, daß unser Netzwerk Geschwindigkeitsprobleme hat, weil die Leitungen zur Satellitenschüssel für die Datenübertragung zu lang sind. Wir müssen mindestens zwei Stockwerke nach oben ziehen, damit wir die Entfernung und die Wartezeiten verringern können. Ich schlage vor, daß wir mit dem Umzug beginnen, nachdem wir die Bestellung der neuen Technik mit den Amerikanern organisiert haben, damit wir kompatibel bleiben ..."

In der Zwischenzeit präsentiert auf der anderen Seite des großen Teiches mein

Gegenstück seine Kompatibilitätsvorschläge ...

"Ihre Technik ist unserer um Jahre voraus ..."

Ein paar Tage später bekomme ich den Scheck aus den USA, um kompatible Technik zu besorgen ...

Meine Gedanken, was ich mit dem Geld am besten anstellen könnte, werden nur durch den Krach gestört, den ein vollgepackter Rollwagen nach seinem Aufprall verursacht. Darum hat sich der PJ gekümmert ...

Und es ist doch wirklich ein netter Zug unseres Chefs, sich selbst um den Umzug seiner geliebten und ausgezeichneten Kakteen zu kümmern ...

Das Übersetzen der Ausreden von Ingenieuren in die Umgangssprache ist eine schwierige Aufgabe - aber nichts ist zu schwierig für die Bastard-Bibel ....

Ich bin dabei, Hand an die Bastard-Bibel, oder - wie der PJ und ich das Werk nennen - an ´Alles, was unsere Nutzer über die Systeme und das Netzwerk wissen wollen, aber Angst haben, danach zu fragen, da sie keine Lust haben, ein

Wochenende in einer chemischen Toilette eingesperrt zu werden´ zu legen.

Der PJ marschiert nach draußen, nachdem er einen Hardwareschaden in einem der alten RAID-Rechner festgestellt hat, der ohnehin schon dem Ende seines Lebens verdächtig nahe ist. Er bemerkt meine mitleidigen Blicke, so daß er sich an mich wendet: "Sie mögen Wartungs-Ingenieure nicht besonders, oder?"

"Nicht im geringsten. Diese Arbeit ist so mies bezahlt, daß die Guten sich frühzeitig selbständig machen, während all die anderen Versager - oder Neulinge - zu uns geschickt werden, um sich um unsere Technik zu kümmern."

"Ganz so schlimm ist es nicht", meint der PJ kopfschüttelnd. "Immerhin machen sie ja ihre Arbeit."

"Wir werden sehen." Ich will seine Hoffnungen nicht unsinnig steigern, da ich weiß, daß unsere Wartungsfirma zur Kosteneinsparung in geradezu religiösem Eifer darauf beharrt, daß die Fehler durch unsere Programme hervorgerufen werden und nicht durch ihre Technik. Und wenn das fehlschlägt, dann versuchen sie, die Technik bei uns mit unserer Ausrüstung zu reparieren, um zu verstecken, daß sie gar keine eigene Werkstatt haben, was kein Wunder ist, da es sich um eine Firma handelt, die im Hinterzimmer eines Autohändlers sitzt.

Erwartungsgemäß erscheint der Wartungs-Ingenieur genau um 11:58 Uhr, um sich den Massen anzuschließen, die zum Mittagessen in die Kantine marschieren. Er will sich unter den Rest der Abteilung mischen, um sich ein kostenloses Essen zu

erschnorren. Wie das Unternehmen - so seine Mitarbeiter.

Nach dem Mittagessen lassen wir ihn in den Rechnerraum, um zu sehen, ob er weiß, was er tut. Er spielt ein wenig mit den Schaltern der RAID-Einheit herum, um zu sehen, ob das Lämpchen verlischt, das den Festplattenfehler anzeigt.

Als das nichts bringt, erfreut er uns mit seiner sorgfältig durchdachten Analyse:

Vielleicht könnte die Festplatte defekt sein?

"Hmmm, das ist aber interessant", sagt er, während ich den Blick des PJ auf den entsprechenden Eintrag in der Sektion für ´Ingenieurssprache´ in der Bastard-Bibel lenke: "Ich habe keine Ahnung, wo der Fehler liegt."

"Also hat die Festplatte einen Defekt?" frage ich.

"Könnte sein, aber ich muß mein Diagnosewerkzeug aus dem Auto holen."

Der PJ findet die Übersetzung selbst: "Ich muß xxx aus dem Auto holen" wird

übersetzt mit "Ich muß mich in mein Büro davonschleichen und hoffen, daß die

Anrufe an einen anderen Ingenieur weitergeleitet werden."

"Oh, wir haben das Werkzeug hier!" rufe ich und versetze ihn in Angst und

Schrecken.

"Oh ... großartig."

Jetzt ist er gefangen. Er muß das Gehäuse öffnen und im Inneren herumstochern, da wir sonst wissen, daß er keine Ahnung hat. Ich gebe ihm einen Hinweis, indem ich auf die falsche Festplatte deute.

"Ich denke, sie müssen diese Platte austauschen."

"Das ist denkbar", antwortet er und vermeidet es noch immer, sich festzulegen.

"Aber ich muß das erst einmal überprüfen."

Als ich ihn verlasse, bereitet er das Gehäuse mit einem Hammer auf den Austausch vor. Eine Minute später erscheint er in unserem Büro.

"Haben sie einen größeren Hammer?"

An diesem Punkt fühle ich mich, und sei es auch nur, um meinen Verstand unter

Beweis zu stellen, gezwungen, ihn auf die kleinen Halterungen hinzuweisen, die das

Herausfallen der Festplatte verhindern sollen. Er reißt das Laufwerk aus dem

Gehäuse und bringt es in unser Büro, um es zu testen.

"Ja, es ist, wie ich vermutet habe. Eine Lötstelle auf dem Logikschaltkreis ist trocken. Ich muß das einfach mit etwas Lötzinn reparieren."

"Ich bin dabei, ihre Technik zu ruinieren." liest der PJ vor.

"Wie bitte?"

"Nichts", antwortet der PJ und schließt die Übersetzungstabelle, bevor der Ingenieur einen Blick auf sie werfen kann. "Ich rede mit mir selbst."

Der Ingenieur schließt unseren Lötkolben an, der sich prompt durch das Mauspad, auf dem er liegt, hindurchfrißt.

"In einem Augenblick ist die Platte wieder einsatzbereit." verkündet er fröhlich.

"Das wird ein verdammt teurer Briefbeschwerer", übersetzt der PJ.

"Wie bitte?"

"Nichts - ich rede mit mir selbst."

Bevor sich der Lötkolben vollständig durch das Mauspad bis zur Tischplatte hindurcharbeiten kann, entschließe ich mich zum Eingreifen.

"Sollten sie das nicht im Computerraum machen, um mögliche thermische

Expansions- oder Kontraktionsprobleme auszuschließen?" frage ich.

DUMMY-MODUS EIN.

"Hmmm .... Ja ... ich bin gerade dabei. Ich wollte nur sichergehen, daß der Lötkolben funktioniert."

Er wandert hinüber in den Rechnerraum, um eine Minute später wieder bei uns zu sein.

"Haben sie etwas Lötzinn? Ich habe mein eigenes wohl im Wagen vergessen."

"Aber natürlich", antwortet der PJ und reicht ihm etwas aus unserem Vorrat.

"Warten sie!" rufe ich. "Nehmen sie lieber das Lötzinn mit dem Flux-Kern, der als

Beschleuniger für den Haftvorgang wirkt."

DUMMY-MODUS UNWIDERRUFLICH EIN.

Ich gebe ihm etwas von dem Zeug, das sich eher für Heizungsrohre als für Elektronik eignet, und bringe den Ingenieur zum Lächeln.

"Sehr gut, ich wollte sie gerade nach dem Beschleuniger fragen."

Fröhlich zieht er in den Rechnerraum.

"Warum haben sie ihm diesen Schrott gegeben?" will der PJ wissen. "Das Zeug kann man kaum benutzen und es entwickelt unheimlich viel Ra ...."

Seine Frage wird beantwortet, als der Feueralarm im Computerraum ausgelöst wird.

Wir beobachten eine Weile, wie der Ingenieur an dem Schalter für die

Löschgaszufuhr herummacht, den ein echter Bastard mit Klebstoff so behandelt hat, daß sich die Löschgaszufuhr nicht abschalten läßt.

Natürlich befreien wir ihn, bevor er umkippt. Im letzten Moment ...

Nun, ich bin eben ein Weichei ...

Als der Chef und der PJ unter einem akuten ´Computer-Abkürzungsfimmel´ leiden, wird es Zeit für den B.O.F.H., sich einzumischen und einen Besuch in der

Harley-Street zu empfehlen ...

"... also denke ich, daß ihr Vorschlag, ein ATM-Netzwerk als Backup des

FDDI-Backbones ASAP einzurichten, nicht ganz angemessen ist", erklärt mir der

Chef.

"Wie bitte?" frage ich und fühle mich, als sei ich in einer an meinen Arbeitsplatz angepaßten Version von ´Twilight Zone´ gelandet.

"Ich habe ihre FYI über die TCP/IP-Verzögerungen in der vergangenen Nacht gelesen. Ich glaube, wir sollten das Problem PQD lösen!"

"Das sehe ich", antworte ich, wobei mir langsam dämmert, was geschehen ist.

Schneller als der Wind eile ich aus dem Büro des Chefs und wecke den PJ in unserem Büro.

"Was ist los?" will er wissen.

"Es ist furchtbar!" antworte ich zutiefst besorgt. "Ich glaube, der Chef leidet unter einem schrecklichen Abkürzungsfimmel ... Diese Krankheit tritt dann auf, wenn jemand seine Ahnungslosigkeit in technischen Angelegenheiten ..."

"... durch die übermäßige Verwendung von Abkürzungen zu verstecken versucht ... Meistens sind Manager und Verkäufer davon betroffen, da sie meinen, sich damit den Schein von Kompetenz geben zu können." Unterbricht mich der PJ und trifft die richtigen Schlußfolgerungen. "Ich habe ihren Artikel darüber gestern während der Mittagszeit in einer Newsgroup gelesen."

"Sie lesen die Newsgroups in ihrer Pause?" frage ich besorgt.

"Nun, ja", antwortet der PJ schuldbewußt. "Aber das tat ich nur nebenbei, als ich darauf wartete, daß ein Bild vollständig geladen wird."

"Pornographie?" frage ich zustimmend.

"Hm ... nein, es ging um ein Foto vom Layout des Motherboards des neuen

Pentium-Pro-Laptops ... es ist wirklich alles ziemlich klein darauf ..."

"Verdammt! Sie sind noch schlimmer als der Chef! Sie sind vom Computer abhängig!"

"Nein, das bin ich nicht!" ruft er.

"Das sind sie wohl! Oder lesen sie etwa keine Computer-Magazine, wenn sie zu

Hause sind?"

"Nein ..."

"Lügen sie mich nicht an!"

"Nun, vielleicht ein paar, aber es ist keine Sucht. Ich kann jederzeit damit aufhören."

"Natürlich, denn sie lesen sie nur oberflächlich, richtig?"

"Es sind nur ein paar Magazine! Was ist daran so schlimm?"

"Also hätten sie nichts dagegen, wenn ich ihr Bild und ihren Namen den

Zeitschriftenhändlern mitteilen würde, damit sie ihnen diese Magazine nicht mehr verkaufen?"

"Oh ... nein." schluckt er.

"Sie besitzen einen privaten PC, oder?"

"Was wäre wenn? Es ist nur ein alter 486er, den ich auf den Müll werfen sollte. Ich dachte, das wäre Verschwendung, also ...."

"Also stellten sie ihn bei sich auf! Ich habe sie doch über die Gefahren der Arbeit mit

Computern belehrt! In der einen Minute sind sie ein hochbezahlter Spezialist, in der anderen ein ahnungsloser Geek, der Werbeanzeigen nach günstigen Anoraks absucht. Sie müssen wissen, wann es Zeit zum Abschalten ist."

"Wann ist das?"

"Am besten zehn Minuten, nachdem sie am Arbeitsplatz erschienen sind, doch in ihrem Fall sind härtere Maßnahmen notwendig!"

"So schlimm ist es doch auch nicht!" ruft er ängstlich.

"Nicht so schlimm? Ich habe das schon hundertmal gesehen! An dem einen Tag arbeiten sie mit einem normalen menschlichen Wesen und am anderen sitzt ihnen

R2D2 gegenüber, der darüber redet, wie man Linux auf den Computer im Auto portieren könnte!"

"Das ist doch albern. Linux würde niemals in den Arbeitsspeicher passen. Man müßte ein paar SIMMs hineinstecken und jemanden finden, der den Kernel neu compiliert ...."

"Sehen sie jetzt, was ich meine?" frage ich.

"Was soll ich tun?"

"Nun, in solchen Fällen empfehle ich den Kollegen immer, die betreffende Person zur

Harley-Street zu begleiten."

"Gibt es dort einen Spezialisten?"

"Nein, aber der Verkehr dort ist mörderisch. Im besten Wortsinne. Wenn man den

Geplagten anschubst ... Das ist der einzige Ausweg, fürchte ich ..."

"Aber es muß doch einen anderen Weg geben!!" schnieft er.

"Nun, es gäbe noch kalten Truthahn."

"Sie meinen, ich soll keine Computer mehr anfassen?!?!?"

"Nein, ich meine wirklich kalten Truthahn - er wird heute in der Cafeteria serviert und ich habe in der Nacht mit den Kühlschrankeinstellungen gespielt. Am Morgen wird man sie so hochkantig hinauswerfen, daß sie es niemals mehr riskieren werden, in die Nähe elektrischer Geräte zu kommen!"

"Kann ich nicht einfach ... mich selbst auf Entzug setzen?"

"Sie meinen, ein Buch lesen, das beinahe so gefährlich ist - zum Beispiel ein

Reisejournal - als eine Art ´Computer-Methadon´?"

"Ja!"

"Nun, das könnte man versuchen. Aber sie müssen von diesen Magazinen und den

Maschinen wegkommen."

"In Ordnung. Aber haben sie nicht auch einen Computer in ihrer Wohnung?"

"Sie meinen den, den ich brauche, um mich auf Arbeit einzuwählen?"

"Ja."

"Den brandaktuellen Pentium Pro II mit allen Schikanen?"

"Ja!" ruft der PJ, der einen ´Zuckerbrot und Peitsche´-Ausweg zu sehen scheint.

"Den habe ich gegen eine neue Stereoanlage getauscht."

"Aber was ist, wenn sie in der Nacht angerufen werden?"

"Auf dem Apparat, den ich abgeklemmt habe?" erwidere ich.

"Ah."

"Richtig, ich glaube, sie haben es begriffen! Nun, ich denke, sie brauchen ein paar

Wochen Urlaub."

"Wie freundlich", seufzt der PJ. "Aber wo soll ich denn hinfahren?"

"In eine Gegend, in der man nichts von Computern versteht ... wo man RAM-Chips nicht von Kartoffelchips unterscheiden kann!"

"Aber ich will Microsoft nicht besuchen!" wimmert er.

Unsere Konversation wird vom Chef unterbrochen, der mit einem blutenden Finger hereinkommt.

"Ich habe meinen Finger gerade an der BT-Vermittlungsanlage geschnitten. Glauben sie, daß ich eine Tetanusspritze brauche?"

"Hmmm ..." erwidere ich. "Warum lassen sie sich vom PJ nicht zu einem Platz in der

Nähe der Harley-Street begleiten. Sie können in wenigen Augenblicken dort sein ..."

Genau das ist mein Problem - ich kümmere mich zu sehr um das Wohlbefinden der

Leute ....

Der PJ zeigt besorgniserregende Zeichen von Computer-Fanatismus - eine Brille mit dicken Gläsern und einen sprießenden Bart - kann er gerettet werden?

Es ist eine ziemlich hektische Zeit. Der Chef ist im Erholungsurlaub - offenbar ist er in der vergangenen Woche auf die Harley-Street gestolpert, als der PJ ihn zu einem

Spezialisten bringen wollte. Aber irgendwie hat er es noch geschafft, sich auf die einzige Verkehrsinsel zu retten, nachdem er von ein paar Autos ´angerempelt´ wurde ...

Nun, Glück im Unglück ....

Der PJ ist vorgeblich ebenfalls im Urlaub - aber in Wirklichkeit hatte er einen

Rückfall. Anscheinend hat er sich in einem Internet-Café mit 10 Kisten voller

Mars-Riegel, drei Kisten Coke und einem Exemplar von Steven´s

´Netzwerk-Programmierung unter Unix´ verbarrikadiert. Als sie es schließlich schafften, sich zu ihm durchzukämpfen, trug er dicke Brillengläser und einen sprießenden Bart.

Der Seelenklempner hat ihm für ein paar Tage computerfreie Bettruhe verordnet, die vervollständigt wird durch verdächtig hohe Dosen eines Beruhigungsmittels, um ihm den Teufel auszutreiben.

Und, als hätte ich es nicht geahnt, immer dann, wenn nicht genügend Arbeitskräfte da sind, schaffen es ein paar Anrufer zu mir durchzudringen - zwei am ersten und drei am zweiten Tag. Ich vermute, daß die Nutzerbetreuung dafür verantwortlich ist, denn der Chef ist ja nicht da, um Öl ins Feuer zu gießen ...

Seufz.

"Hallo?"

"Hallo, System- und Netzwerkbetreuung."

"Mein Computer gibt komische Schleifgeräusche von sich. Sie scheinen von dort zu kommen, wo das Netzkabel angeschlossen ist."

Hm, was würde Lassie wohl tun?

"In der Nähe des Lüfters?"

"Ja, ich vermute, daß es von dort kommt, aber ich weiß es nicht genau."

"Nun, dann nehmen sie einen Stift und schieben ihn in einen der Lüfterschlitze."

>KRACH<

"Sehen sie!"

"Interessant! Jetzt ist es still. Wo ich sie gerade am Telefon habe - manchmal startet mein PC mit Speicherfehlern, und der Techniker meint, daß es ein Problem mit der Halterung der SIMMs geben könnte. Kann das stimmen?"

"Ja", gluckse ich. "Natürlich. Das ist eine der bekanntesten Ursachen für

Speicherfehler. Wir hatten schon ein paar davon in dieser Woche. Wegen ..."

>BLÄTTERBLÄTTER< Ich liebe den Ausredenkalender ....

DUMMY-MODUS EIN!

"Oh. Was kann man da machen?"

"Nun, sie können natürlich auf den Techniker warten, aber wenn sie es eilig haben, könnte ich ihnen eine andere Lösung empfehlen."

"Ja. Wie geht das?"

"Sie wissen doch, wie die Speicherchips aussehen?"

"Die langen schmalen Streifen, die in das Motherboard gesteckt werden?"

"Ja, genau. Ziehen sie sie heraus. Und machen sie sich keine Sorgen, wenn dabei die

Plastikhalter kaputtgehen, die dienen ohnehin nur zu Transportzwecken."

"Hmm .... Gemacht."

"Und jetzt wickeln sie die Chips in Silberfolie ein, um mögliche

Kapazitätsunterschiede auszugleichen ... Und dann stecken sie die Chips wieder in das Motherboard."

"In Ordnung ..."

"Dann schalten sie den Rechner wieder ein und lassen ihn über die Nacht laufen."

"Wird gemacht ..."

"Oh, und vergessen sie nicht den Stift."

"In Ordnung. Danke."

"Keine Ursache."

Als ich am nächsten Tag zur Arbeit kommen, klingelt schon das Telefon.

"Hallo?"

Die Stimme am anderen Ende beginnt, über ein Feuer, die Gesundheit und die

Sicherheit am Arbeitsplatz zu plappern, doch meine Aufmerksamkeit wird durch die

Rückkehr des PJ abgelenkt. Die Behandlung war offenbar erfolgreich, wenn man seine Interessenlosigkeit gegenüber seiner Umgebung betrachtet.

In der Zwischenzeit hat die Stimme am Telefon aufgehört zu reden, so daß ich mit einem: "Ich kümmere mich darum!" antworten kann und auflege.

Um den PJ wieder für die Arbeit zu begeistern, lasse ich ihn fünf doppelte Espressos trinken, begleite ihn nach unten in den Pub und mache ihn mit ein paar Bierchen und

Kebab scharf.

Geschafft! Ich setze ihn auf den heißen Stuhl und gebe ihm den Telefonhörer.

"Hallo?" antwortet er auf den ersten Anruf, der ihn erreicht.

Dem Geschrei nach zu urteilen, ist mein Anrufer vom Morgen am anderen Ende, der offensichtlich verärgert über die vierstündige Teepause ist, die ich ihm verschafft habe.

"Ja." antwortet der PJ. "Wir waren unterwegs, um uns um die Auswirkungen der ..."

>BLÄTTERBLÄTTER< Klingt nach einer erfolgreichen Therapie!

"Wir hatten deshalb einige Schwierigkeiten. Die Drucker haben nicht gedruckt,

Dateien verschwanden von den Festplatten ... Oh, bei ihnen auch? Dann sind sie wohl auch betroffen ... Hmm, ich weiß nicht recht, ob ich sie auf den Techniker warten lassen soll oder, warten sie, vielleicht können sie sich auch selbst darum kümmern ... Schalten sie den Rechner erst einmal ab. Gut, und jetzt öffnen sie das

Gehäuse. Um die entropischen Interferenzen zu beseitigen, müssen sie nun einfach ... Keine Ursache, ich helfe doch gern."

"Lust auf ein Bier?" fragt der PJ hoffnungsvoll und greift sich seinen Mantel. "Wir haben nur noch 15 Minuten bis zum Feueralarm ..."

In der Sprache der Systembetreuer würde man wohl sagen, daß wir ein Dialogfenster der Hoffnung sahen und draufgeklickt haben ...

Der B.O.F.H. erklärt seine neue ´Manager-Gedächtnis-Theorie´ dem PJ, der ihr skeptisch folgt - bis der Chef hereinkommt ...

"Also, wer sollte doch gleich überflüssig werden?" fragt der Chef und bricht damit die

Stille nach meiner Präsentation.

Es ist ruhig in dem Raum, während der Chef und der Rest des mittleren

Managements auf die Antwort auf diese schwierige Frage warten.

"Niemand wird überflüssig", schäume ich leicht verärgert. "Ich habe über unsere

Technik gesprochen, über Router und Switches. Ich möchte einen Router durch zwei

Switches ersetzen, so daß beim Ausfall eines Switches der andere in Aktion tritt, der dann dessen Kernaufgaben übernehmen kann."

"Zwei Switches, die die gleiche Sache erledigen." sagt der Chef.

"Ja, die gleichen Kernaufgaben."

"Wie zwei Lichtschalter an den entgegengesetzten Enden eines Ganges?"

"In etwa, ja."

"Wenn also der eine eingeschaltet ist, muß der andere abgeschaltet sein, damit das

Licht brennt?"

Seufz.

Als wir später in unserem Büro sind, erkläre ich dem PJ meine Theorie von der

Leistungsfähigkeit eines Manager-Verstandes, da er keine Ahnung zu haben scheint, wieso die Präsentation so schnell an Niveau verlor.

"Manager sind von ihrem Kurzzeitgedächtnis abhängig." beginne ich. "Die erste

Regel besagt, daß es gerade ausreicht, um zwei technische Fachbegriffe zu speichern. Erwähnen sie einen technischen Ausdruck und sie werden ihn speichern.

Nennen sie einen weiteren, landet er ebenfalls im mentalen Speicher, doch beim nächsten Begriff kommt es zum Speicherüberlauf und einem Neustart. Deshalb denken sie immer daran, was sie nach der Arbeit machen können, wie weh ihnen ihr

Hintern tut oder ob die Bluse der Marketingassistentin wohl durchsichtig sein wird und so weiter."

"Doch dann müßte ihr Gehirn doch ständig Neustarts durchführen." sagt der PJ.

"Ich glaube nicht. Regel 1 Abschnitt B befaßt sich mit Speicherverlusten. Technische

Begriffe verschwinden aus dem Gedächtnis mit der Geschwindigkeit von etwa einem

Begriff pro Satz."

"Oh."

"Die zweite Regel besagt, daß der verfügbare Platz für einen technischen Ausdruck begrenzt ist - er ist jämmerlich klein. Deshalb werden die Fachausdrücke komprimiert, damit sie in den Speicher passen. Ich sage

´Diskettenzugriffs-Such-Latenz´ und sie hören ´Disketten-Latex´, ´Suche Latex´ oder ähnliches."

"Also wollen sie damit sagen, daß sie von ihrer Präsentation nicht viel verstanden haben? So dumm können die Manager doch aber auch nicht sein." kommentiert der

PJ.

Oh, diese Unschuld ...

"Womit wir bei der dritten Regel wären", erwidere ich. "Nach dem Neustart des

Verstandes ist der Speicher nicht leer, was bedeutet, daß sich Fragmente völlig zufällig miteinander verbinden, was dann zu ´Suche eine durchsichtige Latexbluse´ führen kann."

"Aha." erwidert der PJ, der mir noch nicht ganz glaubt.

Ich glaube, er braucht einen Beweis meiner Theorie ...

"Nun, wenden sie meine Regeln auf die folgenden Sätze an. Nehmen sie ein Blatt

Papier als Manager-Verstand."

"In Ordnung." akzeptiert der PJ die Herausforderung.

"Ich glaube, wir brauchen redundante Switches ..."

Sorgfältig schreibt der PJ ´redundante Switches´ auf sein Blatt.

"Sie haben die zweite Regel vergessen", erinnere ich ihn.

Der verbessert sich: ´Rede über Swatch´.

"... die wir dynamisch routen können ..."

Der PJ schreibt: ´Dynamo-Route´.

"... was uns erlauben würde, multi-home ..."

´Mein Hintern tut weh´ schreibt der PJ und streicht alles andere durch.

"Korrekt", kommentiere ich. "Und was bleibt nach dem Neustart davon übrig?"

"Ich brauche eine Swatch für den Mann mit dem Root-Passwort."

"Klingt vernünftig, wenn sie mich fragen."

"Das ist doch Unfug!" plappert der PJ, um vom Chef unterbrochen zu werden, der seinen Kopf durch die Tür steckt und hereinkommt.

"Tut ihr Hintern auch weh?" fragt er, als er die Notizen des PJs sieht. "Meiner hat während der ganzen Präsentation geschmerzt. Ach so, wer von ihnen brauchte die neue Uhr?"

Triumphierend lächle ich den PJ an.

"Das bin ich", sage ich und grabsche mir ein neues Schmuckstück für mein

Handgelenk.

"Wofür brauchten sie die Uhr doch gleich?"

"Oh, ich benutze sie, um die Leistungsfähigkeit des L2-Caches auf den neuen symmetrischen Multiprozessor-Maschinen zu testen."

*NEUSTART*

Wenn der Chef eine Anzeigemöglichkeit hätte, würde ich jetzt gern einen Test seines Gedächtnisinhaltes vornehmen ...

"Wie war das?" fragt er.

"Ich sagte nur, daß ich einen Dual-Port-PC brauche, um die

Lempel-Ziv-Komprimierung durchzuführen - anscheinend ein neuer Algorithmus."

*NEUSTART*

"Zyklische Redundanzprüfung! Elektrisch löschbare EPROMs! Voraussschauende

Lesezugriffe!" sage ich schnell, bevor der Chef sich wieder sammeln kann.

Jetzt hat er einen seltsam entrückten Ausdruck in seinen Augen.

"Was ist passiert?" fragt der PJ und fuchtelt mit seinen Händen vor dem Gesicht des

Chefs herum.

"Oh, davon habe ich auch schon gehört", antworte ich. "Er ist im Neustart-Modus steckengeblieben. Ich glaube, wir müssen ihm helfen."

"Und wie sollen wir das machen?" Der PJ sieht besorgt aus.

"Oh, das ist einfach. Geben sie ihm einen Tritt ..."

"Das kann ich nicht", jammert der PJ.

"Das oder er wird den ganzen Tag lang so vor ihrem Tisch stehen ..."

Widerwillig verpaßt der PJ dem Chef einen Tritt in den verlängerten Rücken. Der

Chef geht zu Boden.

"Was ist passiert?" ruft er, als er wieder auf die Füße kommt.

"Sie sind gerade ohnmächtig geworden und auf die Ecke des Tisches gefallen. Und dabei haben sie den Schluß meiner Darlegungen über den Einsatz einer Level

5-RAID-Maschine verpaßt, die alle Daten speichern und sie dann als Data

Warehouse über eine SQL-Datenbank mit den entsprechenden Frontends auf den

PCs verfügbar machen kann."

Stille ...

"Ich glaube, er braucht einen weiteren Neustart." Und ich nehme ein paar Schritte

Anlauf ...

Die Rechnung für die LAGER sollte keine Probleme bereiten, doch ein verräterischer

Erbsenzähler veranstaltet eine Rechnungsprüfung ...

Man sollte es nicht glauben, aber ich habe nun schon zehnmal in diesem Monat

Toner in einem unserer 44 Zoll-Drucker nachgefüllt! Und das GEHT MIR

WIRKLICH AUF DIE NERVEN! Da es sich dabei immer um die rote Farbe handelt, kann dies nur eins bedeuten - jemand tapeziert sein Schlafzimmer mit Pornobildchen.

Natürlich ist es nicht schwer, den Schuldigen zu finden, wenn ich mir in den

Protokolldateien anschaue, wer wann Druckaufträge losgeschickt hat. Allerdings reicht allein die Tatsache, daß jemand einen geradezu besorgniserregenden

Verbrauch roter Farbe verursacht, noch nicht aus, ihn zu erpressen. Bis auf diesen

Heimlichtuer aus der Design-Abteilung, der seine Zwergenfetisch-Bilder

NIEMALS am Tag ausdruckt. Und wer nur nachts den Drucker benutzt, kann einfach nicht mit meinem Verständnis rechnen.

Und so sieht die Netzwerk-Lager-Kasse, LZ9030-NSAXBK-002 ("Laufende

Zuwendungen, Kostenstelle 9030, Nicht-Standard-Ausgaben, Beschaffung, Konto

2") in der Sprache der Erbsenzähler, in dieser Woche besonders gesund aus.

Es ist einfacher, erpreßtes Geld durch das System der Buchhaltung zu transferieren - das Opfer wehrt sich auch nicht so heftig, wenn es nicht um sein persönliches Geld, sondern das der Abteilung geht ...

Ja, die Lager-Kasse sieht so gesund aus, daß es Zeit wird, für den nächsten Freitag

´Ausrüstung einzukaufen´, damit die Erbsenzähler nicht auf das Konto aufmerksam werden ...

Eine Rechnung trudelt ein, und ich gehe mit ihr zum Chef, um sie von ihm unterschreiben zu lassen, da der PJ gerade nicht da ist.

"Wofür ist diese Rechnung?"

"Ach, das ist die Rechnung für eine neue ... Licensing Attribute Geopositional

Accounting Receipt-Software - LAGER, um es kurz zu sagen."

<KLICK>

"Ein neues System. Gute Sache. Hier haben sie die Unterschrift. Oh, warten sie ... sind sie sicher, daß diese Zahl stimmt? Nur 270 Pfund?"

Die Aussicht auf hundert weitere Biere für den versammelten Bastard-Club stimmt mich froh, und um jeden Verdacht abzuwenden, entschließe ich mich, die geistigen

Anstrengungen des Chefs zu erleichtern.

"ZWEIhundertsiebzig Pfund!?!" schreie ich auf. "Mein Irrtum - das sollte

FÜNFhundertsiebzig Pfund heißen."

Ich nehme mir vor, ein Taxi für die Heimfahrt zu bestellen, bevor ich in die Kneipe gehe, da ich vermutlich nicht in der Lage sein werde, mein Handy zu bedienen,

nachdem ich meinen Anteil der ´Software´ getrunken habe.

Ich schicke die Rechnung an die Erbsenzähler und rufe meine B.O.F.H.-Freunde an.

Doch irgendein unerfahrener und junger Erbsenzähler will mehr zu der Rechnung wissen, da ´Blue Posts´ nicht zu unseren normalen Softwarelieferanten gehört. Das an sich ist nicht das Problem, da ich vor Jahren ohnehin die meisten Programme, die wir eingekauft haben, über eine Kneipe bestellte und liefern ließ. Das wirkliche

Problem besteht darin, daß ein anderer verräterischer Erbsenzähler, der mir einige

Gefallen für das Verschwindenlassen eines Videos, das ihn und eine junge

Sekretärin zeigte, schuldet, angeordnet hat, daß das Lager-Konto überprüft wird.

Beunruhigend daran ist, daß er einen externen Berater zu diesem Zweck angestellt hat, der uns überprüfen soll ...

Ich rufe den PJ an und informiere ihn. Er taucht unter und trifft sich beim

Mittagessen mit einem Freund, der daraufhin einen anonymen Drohanruf tätigt. Und wo er schon dabei ist, bestellt er für uns auch eine Pizza, mit der wir die Langeweile während das Tee-Nachmittags bekämpfen können.

Die Sicherheitsleute - gelangweilt von der monatelangen Ruhe - reagieren mit Eifer auf den Drohanruf. Türen, die monatelang geöffnet waren, werden geschlossen, die

Betriebsausweise werden kontrolliert und Durchsuchungen des Gebäudes organisiert. Alles scheint normal zu sein.

Mit Interesse beobachte ich, wie der Chef der Erbsenzähler sich mit einem

Anzugträger trifft. Sie nehmen leider nicht den Fahrstuhl, um in die

Erbsenzähler-Etage zu gelangen, sondern die Treppe ...

Jetzt muß ich nur noch abwarten. Der Transporter der Firma, bei der wir

Sicherheitskopien lagern, taucht rechtzeitig auf, und ganz sicher bringt er die Bänder mit den Kopien der Datenbank der Erbsenzähler, die deren eigener Rechnerspezialist nach dem Ausfall von gleich drei Platten seiner RAID-Maschine (Was für ein seltenes Ereignis!) angefordert hat. Die Datenverluste müssen enorm sein - aber das würde natürlich kein Erbsenzähler zugeben.

Die Bänder mit den Daten, die von einer mißtrauischen Person in der

Erbsenzähler-Abteilung angefertigt wurden (was ein Glücksfall ist, da unsere eigenen Bänder unter ungeklärten Umständen bei unserem Partner für die

Aufbewahrung der Sicherheitskopien verschwunden sind), werden von den

Sicherheitsleuten durchgelassen und über die Treppe nach oben gebracht.

Die Lieferung unserer Pizza verursacht eine kleine Aufregung unter den

Sicherheitsleuten, doch die Metalldetektoren bleiben stumm, also schicken sie den

Lieferanten ebenfalls zu den Erbsenzählern, wo wir sie in Empfang nehmen wollen.

"Da stimmt etwas nicht." sagt der Anzugträger zum Chef der Erbsenzähler, als wir uns zu ihnen gesellen. "Die Bänder sind irgendwie in den Laufwerken verklemmt!"

"Dann nehmen sie das andere Laufwerk!" ruft der Erbsenzähler und bemerkt uns.

"Das habe ich getan - es klemmt!"

Verärgert durch die scheinbar vorübergehende Verzögerung schenkt der oberste

Erbsenzähler uns seine Aufmerksamkeit.

"Was wollen sie denn hier?"

"Wir nehmen nur eine Lieferung entgegen." antworte ich, als unsere Pizza gebracht wird.

"VERDAMMT!!" schreit der PJ überzeugend. "Das ist ja heiß wie ein Feuer!!"

"Oh nein!" seufze ich. "Sagen sie mir nicht, daß der Röntgen-Scanner für Pakete wieder im Einsatz ist! Beim letzten Einsatz dieses Dings haben wir eine ganze Kiste mit .... NEIN, SAGEN SIE NICHT, DASS IHRE BÄNDER DURCH DEN

SCANNER GINGEN!"

[Später in dieser Woche ...]

"UURGGLE MURG HURGRLE", keuche ich.

"Natürlich, das ist doch in der Nähe des Sloane Square, oder?" fragt der Taxifahrer und reicht mir einen Eimer nach hinten.

"Unnnn!" antworte ich und verabschiede mich in ein durch Lager verursachtes Koma.

Nichts liebt der B.O.F.H. mehr als eine Vertragsprogrammierer, der noch grün hinter

den Ohren ist. Doch zeigt er auch Mitleid mit ihm, als der Chef ihn mit seinen seltsamen Einfällen quält ...

Genau das ist das Problem, wenn sich IT-Manager treffen - weil sie sich gegenseitig übertrumpfen wollen, verkünden sie voller Begeisterung, daß sie schon

Programme benutzen, die die anderen noch gar nicht kennen. Zum Beispiel behauptet unser IT-Chef, daß wir schon im ganzen Unternehmen Software einsetzen, die es jedem Mitarbeiter ermöglicht, am Arbeitsplatz Waren zu bestellen und liefern zu lassen.

"Und hier ist ihr künftiger Arbeitsplatz", erklärt der Chef väterlich, als er unser Büro in Begleitung eines Auftragsprogrammierers betritt, den die Vermittlungsagentur nach einer kurzen Anforderung durch den Chef geschickt hat. Offensichtlich soll er das Programm schreiben, über dessen Existenz der Chef gelogen hat. Ich fühle etwas Mitleid mit dem Programmierer (Immerhin mußte er den halbstündigen Vortrag des Chefs über die Wunder der Kopiertechnik über sich ergehen lassen - eine Dosis, die im Normalfall fatal wirken kann.), so daß der PJ und ich uns nicht darüber beschweren, daß der Chef unbefugt in unser Territorium eindringt.

"Geben sie ihm einen Rechner, mit dem er das Online-Bestellsystem entwickeln kann."

"Ein Online-Bestellsystem?" frage ich. "Das könnte schwierig werden - dafür braucht er einen besonderen Rechner."

"Gut, dann bestellen sie eben einen. Kommen sie ASAP mit der Bestellung zu mir!"

Die nächsten zehn Minuten verbringen der PJ und ich damit, die Bestellung für einen

PC zusammenzustellen, der mit allen erdenklichen Zusatzgeräten und Erweiterungen ausgestattet ist.

Der Chef unterschreibt die Bestellung ohne mit der Wimper zu zucken, und ich schicke sie als Fax an unseren Zulieferer, der anruft, um die prompte Lieferung anzukündigen.

Als der neue Rechner ankommt, installieren der PJ und ich noch ein paar zusätzliche

Erweiterungen - mit anderen Worten, wir stehlen alles, was wir brauchen können, und überlassen den umkonfigurierten Rechner dem Programmierer ...

Der hat in der Zwischenzeit seine Wandtafel bemalt.

"Was bedeuten diese Kästchen?" fragt ihn der PJ.

"Nun, sie repräsentieren die drei Lebenszyklus-Phasen von Software - Entwurf,

Entwicklung und Pflege." antwortet er begeistert.

Er ist so grün ...

"Sie haben gerade ihre Ausbildung zum Programmierer abgeschlossen, oder?" frage ich freundlich.

"Nun, ich habe etwas Erfahrung mit der Entwicklung von Web-Applikationen."

"Aber keine Praxiserfahrung?"

"Ich ..."

Der PJ und ich seufzen unisono, wobei ich ein paar Pfeile auf die Tafel zeichne.

"Der wahre Lebenszyklus eines Programms sieht eher so aus", sage ich. "Design,

Implementierung, Rückmeldungen, Implementierung, Rückmeldungen,

Implementierung und so weiter bis sie sterben - wenn sie überhaupt jemals bis zur

Implementierung und aus der Design-Phase herauskommen."

"Und wie reagieren sie darauf?"

"Ganz einfach, es gibt nur eine Phase: die Implementation."

"Aber es muß doch Rückmeldungen geben."

"Die gibt es natürlich. Genau deshalb werden ja die meisten Büros mit Ablagen für

Rückmeldungen ausgestattet, die die Reinigungskräfte in der Nacht für sie auffüllen."

"Ich weiß nicht recht. Ich denke, ich werde es ordentlich programmieren."

"Aber sagen sie nicht, wir hätten sie nicht gewarnt."

Einen Tag später hat der arme Trottel noch immer keine Ahnung, was er eigentlich programmieren soll, so daß der PJ und ich ihm raten, die Design-Phase zu

überspringen und eine passable Abfrageoberfläche für eine Datenbank mit

E-Mail-Funktionalität aus den brauchbarsten Bestandteilen des Web-Systems der

Personalabteilung zu programmieren. Er verbringt lange Stunden damit, phantasievolle Funktionen zur Bestandsverwaltung zu programmieren und so weiter ...

Nachdem wir ihn sorgfältig auf die Präsentation seiner Arbeit vorbereitet haben, entlassen wir ihn in die Obhut des Chefs.

Eine halbe Stunde später kommt er mit einem traurigen Gesichtsausdruck zurück.

"Wie ist es gelaufen?" fragt der PJ.

"Er hat es nicht einmal ausprobiert. Ich soll nur die Farben der Schaltflächen, die

Schriftgröße etc. ändern."

"Das überrascht mich nicht." kommentiere ich. "Also haben sie es geändert?"

"Ja, aber dann wollte er noch weitere Farben ausprobieren."

"Natürlich. Und andere Schriftarten?"

"Ja."

"Wie ist es mit dem Firmenlogo? Wollte er auch da Änderungen?"

"Ja, er wollte, daß ich es in der Mitte plaziere und nicht linksbündig."

"Machen sie sich keine Sorgen", antwortet der PJ. "Morgen wird er verlangen, daß sie das Logo wieder am linken Rand unterbringen. Dann auf der rechten Seite und später wieder in der Mitte ..."

"Was soll ich tun?" schnieft er. "Er wollte das Programm nicht einmal in Aktion sehen."

"Er hat nur gesagt, daß es in Ordnung ist und hat ihren Vertrag gekündigt?" frage ich wissend.

"Ja, so ist es. Ich soll nur die ästhetischen Feinheiten vollenden, und dann läuft mein

Vertrag aus."

Die demoralisierende Wirkung die davon ausgeht, daß all sein Wissen und Können darauf reduziert wird, Farben und Schriftarten zu ändern, fordert ihren Tribut von dem armen Wicht.

"Ja, er hat sich nicht darum gekümmert, was das Programm macht. Hauptsache, es sieht gut aus. Nun, haben sie ihm gesagt, was wir ihnen empfohlen hatten?"

"Ja, ich sagte ihm, daß es sich um eine Testversion handelt, die noch nicht verteilt werden kann."

"Gut. Das bedeutet, daß er die URL dem IT-Chef bestimmt schon gegeben hat."

"Und der wird sie allen anderen Abteilungsleitern gegeben haben." fügt der PJ hinzu.

"Aber das Programm ist doch noch nicht fertig." schluchzt er, eindeutig zutiefst erschüttert von dem Gedanken, daß er eine fehlerhafte Software programmiert haben könnte. "Ich will wirklich, daß es gut funktioniert."

Ich sehe, daß dies eine Aufgabe für den wahren Profi ist ...

Zwei Tage (und 5.000 Rollen Toilettenpapier, die dem Chef und dem IT-Chef geliefert wurden) später sitzt unser begeisterter Programmierer wieder an seinem

Projekt.

Ich bin mehr als erfreut darüber, daß seine Ablage für Rückmeldungen vollgepackt ist mit Zetteln, auf denen der Chef in Handschrift seine Design-Ideen verewigt hat.

Nun, er wird es schon noch schaffen ...

Nichts lieben der B.O.F.H. und der PJ mehr als die Herausforderung - abgesehen von

Gewalt, doch ein hinterhältiger und listiger Plan fordert letztere geradezu heraus ...

"Hallo, hier ist Sonya, die persönliche Assistentin von David. Ich soll für ihn ein paar

Dinge klären, bevor er zurückkommt."

"David?"

"Ihr Chef."

"Ist das sein Name? Er hat keine Assistentin."

"Jetzt hat er eine. Er hat gelesen, wie gut ihre Hilfe beim Klären von Dingen ist ..."

Ich schalte ab, während sie mir lang und breit die Vorteile persönlicher

Assistentinnen erklärt. Immerhin muß ich mit leichter Verwunderung feststellen, daß der Chef seine Management-Magazine während seines Erholungsurlaubs vom Streß am Arbeitsplatz gelesen hat.

Es ist schon überraschend, wie manche Leute auf 100 Volt reagieren, die gewissen

Körperteilen in ihrem Bürosessel verabreicht werden ...

Leider bedeutet die Anwesenheit einer persönlichen Assistentin für uns eine zusätzliche Schwierigkeit, die es zu überwinden gilt, wenn der PJ und ich unseren

Plan in die Tat umsetzen wollen, dem Chef etwa dreißig Zentimeter seines Büros zu stehlen, um unser Büro entsprechend zu vergrößern - eigentlich eine leichte

Aufgabe, da wir ein paar Bauleute kennen, die uns noch einen Gefallen schulden.

Dieses Arschloch von einem Chef!

"Wie kann ich ihnen helfen, äh ..."

"Sonya", stößt sie hervor, offenbar ein wenig verärgert darüber, daß ihr Name meinem Kurzzeitgedächtnis schon wieder entfallen ist. (Ich nutze bei solchen

Sachen nur meinen mentalen Zwischenspeicher, da sie ohnehin bald Geschichte sein wird ...)

"Natürlich. Nun, wie kann ich ihnen helfen, äh ...."

"SONYA!" stößt sie erneut hervor. "David will, daß ich die Einkäufe überprüfe, für die er die Bestellungen unterzeichnet hat. Er will wissen, ob alles korrekt geliefert wurde."

"Das ist schon geschehen, als die Technik geliefert wurde", antworte ich, denn ich habe den Plan des Chefs schon durchschaut. Da er zur Zeit nicht in der Lage ist, herauszufinden, ob der PJ oder ich Technik gestohlen haben, die geliefert wurde, hat er neues Blut darauf angesetzt - jemanden, der noch nicht weiß, wie solche

Versuche meistens enden. Ich glaube, sie hat gute Chancen, beim nächsten Besuch des Chefs einigen ihrer Vorgänger zu begegnen.

"Er will nur ganz sichergehen, wenn sie also einfach eine Liste mit den Bestellungen ausdrucken könnten ..."

"Nun, das würde ich gerne tun, aber unglücklicherweise hat die Festplatte mit der

Datenbank schwere Defekte, so daß wir die Daten verloren haben."

"Wann soll das passiert sein?" fragt sie. "Vor zehn Minuten habe ich die Datenbank noch benutzt und sie funktionierte - allerdings hatte ich keinen Zugriff auf die Daten der Bestellungen."

"In der Tat traten die Fehler tatsächlich gerade jetzt auf", sage ich und reiche dem PJ den Gummihammer, den wir für Festplattenfehler in Notfallsituationen aufbewahren.

"Und wie wäre es mit einem Ausdruck aus einer Sicherheitskopie?" fragt sie.

"Alle alten Ausdrucke werden aus Sicherheitsgründen nach der Benutzung vernichtet, und im Laufwerk der Bandmaschine, mit der wir die Sicherungsbänder einspielen können, klemmt ein anderes Band." sage ich und reiche dem PJ die

Suizid-Kassette (gefüllt mit Klebstoff).

"Also gibt es keine Aufzeichnungen?"

"Der Chef - David - hat Ausdrucke und die Lieferanten haben ausgedruckte

Lieferbestätigungen. Ich bin sicher, sie können sie zusammensammeln - keine leichte Aufgabe, aber sie werden das schon schaffen."

Ein Schniefen dringt an mein Ohr, als sie auflegt.

"Furchtbares ist geschehen!" ruft der PJ mit gespieltem Entsetzen, als er den Raum betritt.

"Natürlich ist es geschehen", antworte ich, da ich gerade ein wenig die Zukunft plane. Aber der Reihe nach. Ich rufe das Netzwerk der privaten Institution an, die sich um das Wohlbefinden des Chefs kümmert und schaffe es beim dritten Versuch, ihr Administrator-Passwort zu erraten (´Freud´).

Ich nehme ein paar Veränderungen im Datensatz des Chefs vor, ändere die Einträge in ´Vorfälle in der Vergangenheit´ von ´keine´ in ´extrem gewaltbereit´ und, das ist das wahre Meisterstück, den Eintrag unter ´Rechnung an´ vom Namen seiner

Privatversicherung in den Nationalen Gesundheitsdienst (NHS) - was sicherstellt, daß er an ein Metallbett im billigen Erdgeschoß gefesselt wird. Natürlich wird er nach drei Behandlungen mit Stromstößen ´geheilt´ entlassen werden, aber was soll´s.

So entgeht er der teuren Privatbehandlung, denn ich finde heraus, daß ein Volt nicht ein Pfund kostet - der Nationale Gesundheitsdienst geht in diesem Fall wohl bis

10.000 Volt ...

Und wo ich gerade dabei bin, ändere ich auch den ´Besuche erlaubt´-Eintrag - er wird die Ruhe brauchen.

"Wo liegt das Problem?" will der PJ neugierig wissen. "Ich dachte, wir haben in diesem Vierteljahr keine Ausrüstung gestohlen?"

"Haben wir auch nicht, aber eine sorgfältige Durchsicht der Bücher könnte an den

Tag bringen, daß wir für einige Geräte zweifach bezahlt haben - einmal durch unsere

Abteilung und einmal durch die Abteilung, für die die Technik bestimmt war. Das war, als sie die Kostenstellen neu verteilt haben und niemand genau wußte, wer für welche Technik bezahlt hat ..."

"Also haben sie das Geld genommen?"

"Nein, nein - das hätte nur die Aufmerksamkeit auf uns gelenkt. Nein, ich habe die doppelte Anzahl der Geräte bekommen und die überzähligen dazu genutzt, die

Ausrüstung in der Datenverarbeitung zu aktualisieren."

"Die Datenverarbeitung, in der nur Frauen arbeiten? Die ihnen die Geburtstagsgrüße und den Kuchen geschickt haben?"

"Könnte sein ..."

"Mit der Einladung zu einem Geburtstagsumtrunk?"

"Ja, das könnte sein. Ich glaube, da war etwas ..."

"Der Tag, an dem sie verspätet mit einem Taxi zur Arbeit kamen, in dem auch einige der erwähnten Frauen saßen?"

"Ja, ja. So war es! Und was ist schlimm daran?"

"Oh, nichts." murmelt der PJ und marschiert nach draußen.

Und wer erscheint wohl am nächsten Tag wieder bei uns? Der Chef! Gemessen an seinen glasigen Augen hat er die dem NHS-Budget entsprechende Dosis Elektrizität abbekommen, was bedeutet, daß er gar nicht so verrückt ist, wie alle anderen immer behaupten. Er ist, wie das Schicksal so spielt, in Signierlaune - wenn man seine

Hand und seinen Arm hält und ihm den Stift wegnimmt, bevor er darauf herumkauen kann. Also schreiben wir seiner persönlichen Assistentin eine hübsche Beurteilung und geben ihr noch zwei Wochen. Für die Datenverarbeitung bestellen wir gleich noch eine ganze Ladung gasgefederter Bürosessel, denn schließlich hat der PJ bald

Geburtstag ...

Soweit so gut, ich schließe den Stuhl des Chefs wieder an die Spannungsversorgung an ...

Das Ziel des Spieles ist es, den Chef zu treffen, doch der pariert, indem er die neue

Frau an der Seite des IT-Chefs den Einkauf erledigen läßt ....

Das ist wirklich erbärmlich! Nachdem ich die Invasion der persönlichen Assistenten erfolgreich abgewehrt habe, bin ich eigentlich geneigt, die Friedenspfeife zu rauchen.

Bis, und das ist wirklich traurig, der IT-Chef, ausgerüstet mit Designer-Handy,

Laptop und einem brandneuen Firmen-Kabriolett, die ehemalige Assistentin des

Chefs zur neuen ´Managerin´ ernennt, die sich um die Kommunikation in der

Chefetage kümmern soll.

Ich bin wirklich sicher, daß diese Beförderung nichts mit den langen Ausflügen der genannten Frau zusammen mit dem IT-Chef im erwähnten Firmenwagen zur

Mittagszeit zu tun hat. Denn es ist ja ganz offensichtlich, daß ihre zweitägige

Erfahrung in ihrer vorherigen Position ausgereicht hat, sie für die IT-Abteilung zu qualifizieren.

"Sie ist ausgezeichnet!" ruft der Chef und verteidigt seine ehemalige Assistentin.

"Ausgezeichnet!" erwidere ich. "Wenn sie mehrmals die Anzahl ihrer Backen zählen würde, käme sie jedesmal auf ein anderes Ergebnis ..."

"Sie muß aber etwas über die IT wissen, wenn sie diese Stellung bekommen hat!" erwidert der Chef und ignoriert meinen Kommentar.

"Natürlich ... Und wie lange brauchte sich doch gleich, um ihren Arbeitsplatz-PC einzuschalten?"

"Der Schalter ist ja auch schwierig zu finden!" antwortet er mit der Loyalität eines

Terriers.

"Ja - der Schalter ist wirklich irreführend deutlich an der Vorderseite des Rechners angebracht ..."

Der Chef sieht ein, daß seine Argumente schneller als die Titanic versinken und sucht das Weite. Da das Problem nicht gelöst wurde, erwarte ich die schlimmsten

Dinge für die Zukunft ...

Meine Befürchtungen werden bestätigt, als sie eine Ladung Netzwerk-Computer zu

Sonderpreisen bestellt. Diese jämmerlich recherchierte Entscheidung hat die offizielle Genehmigung bekommen, und ich soll nun mein technisches Einverständnis erklären. Schneller als der normale Nutzer ´Wo sind meine Daten?´ sagen kann, stopfe ich die Papiere in den Aktenvernichter.

Der Chef erscheint beinahe etwas schneller in unserem Büro.

"Diese Netzwerk-Computer sind großartig!" sagt er. "Sonya hat uns das gerade vorgeführt."

"Wirklich? Ich kann nicht sagen, daß ich dem zustimme, aber was soll´s, was gut für

Amsterdam ist, ist wohl auch gut für London!" rufe ich.

"Nein. Ich meine, sie hat uns umgedreht, wirklich überzeugt."

"Also sind sie alle käuflich? Ich würde nicht so bald kündigen, wenn ich sie wäre!"

"Ich rede über Netzwerk-Computer!" schnappt er.

"Natürlich. Und ihre Käuflichkeit?"

"Es gibt keine Käuflichkeit!!"

"Natürlich nicht! Die Wände haben Augen und Ohren", murmelt der PJ zwinkernd.

Der Chef gibt auf und faßt sein Gerede zusammen ...

"Wie auch immer, diese Netzwerk-Computer sind wie PCs - nur ohne Disketten und

Festplatten." verkündet er.

"Sie booten nicht?" fragt der PJ.

"Nein!" antwortet der Chef. "Sie laden alles von einem Server."

"Wie die dummen Terminals, die wir vor zehn Jahren hatten. Immerhin haben sie ja jetzt Grafik- und Tonfähigkeiten."

"Uh ... nein, schneller und in Farbe!!"

"Sie meinen, wie die X-Terminals, die wir vor drei Jahren ausgemustert haben?" frage ich.

"Uh ... nicht genau."

"Also ist ein Arbeitsplatzrechner, der von einem Server abhängig ist, besser, als ein

Rechner, der auch ohne Server funktioniert?"

"Hm ... weil wir die Technik nicht aufrüsten müssen!"

"Niemals?"

"Nein, das ist wie bei einem Farbfernseher!" stößt der Chef triumphierend hervor.

"Wenn sie erst einmal einen haben, müssen sie sich keinen neuen mehr kaufen, weil alles, was sie brauchen, von den Sendern kommt."

"Auch nicht, wenn die Programme diese neuen Möglichkeiten wie Nicam Stereo,

Dolby Surround oder Widescreen nutzen?"

"Uh .... nein ..."

"Und wenn es neue, schnellere Prozessoren, bessere Mäuse, Scanner und

Programme gibt, die sie nutzen?"

"Wissen sie, wir kaufen ein paar dieser Netzwerk-Computer, also unterschreiben sie!" schreit der Chef schließlich, als ihm gegen meine Logik keine Argumente mehr einfallen, und zaubert aus dem Nichts eine Kopie der Bestellung hervor, die ich dem

Zerkleinerer anvertraut hatte.

Nun, warum auch nicht. Ich schreibe eine Unterschrift auf das Papier. Natürlich nicht meine, aber wen interessiert das schon? Den Chef vielleicht, sollte jemand auf die

Idee kommen, den Vorgang zu prüfen, doch, wie gesagt, wen interessiert das schon ....

"Und weil sie die gleiche Technik nutzen sollen, wie ihre Nutzer, werde ich ihnen auch ein paar Netzwerk-Computer schicken." fährt der Chef fort.

BASTARD!

Als die Lieferung kommt, werden Testrechner über die verschiedenen Abteilungen verstreut, der PJ und ich bekommen die für uns bestimmten, so daß die Schlacht beginnen kann!

Die Möglichkeiten zur Fernwartung der Netzwerk-Computer sind großartig, besonders dann, wenn man die Rechner ferngesteuert zum Neustart veranlassen kann. Ich versehe die Monster in Netzwerk-Doom mit den Gesichtern der Nutzer und sorge dafür, daß ihr Rechner neugestartet wird, wenn sie getroffen werden ...

Ich rufe die betreffenden Nutzer noch an und informiere sie über die Chancen, die sie, da sie das Spiel ja vom Server laden müssen, haben, wenn sie nur die Pistole nutzen können, wobei sie mit der Munition besonders sparsam umgehen sollten, denn

Nachschub gibt es für sie nicht. Natürlich, manche Erbsenzähler werden richtig gute

Pistolenschützen, wenn es von ihrer Schießkunst abhängt, ob sie die Tabelle, an der sie zwei Stunden saßen, auch speichern können (ein weiterer kleiner Eingriff in das

Programm auf dem Server).

Am Freitag trudeln die Testergebnisse ein. Zu meiner Überraschung sind die

Netzwerk-Computer nicht sehr beliebt, so daß sie wieder durch normale PCs ersetzt werden.

Oh, 327 Tote gab es übrigens ....

Der Chef bekommt eine Verwarnung, weil er die Bestellung unterschrieben hat, die kleine Helferin des IT-Chefs dagegen eine Gehaltserhöhung (ihr Lohn scheint wohl an spezielle Vorführungen gebunden zu sein) und der PJ und ich freuen uns wieder

über normale Zustände.

"Ich denke an eine PC-Version dieses Spiels", kommentiert der PJ später.

"Sie meinen das gleiche Spiel, nur sollte es den Pentium-Fehler ausnutzen, um die

PCs zum Stehen zu bringen?"

"Sie haben auch schon daran gedacht?"

"Nicht nur das, ich habe es auch schon installiert und warte nun auf Gegner ...."

Seufz. Schon wieder so ein anstrengendes Gemetzel ... p.s.: gewisse ähnlichkeiten zu einer vorhergehenden episode sind unübersehbar, aber anscheinend doch gewollt. jedenfalls habe ich meine dateien einer sorgfältigen prüfung unterzogen, um irrtümer auf meiner seite auszuschließen .... </thomas w.>

Die ´Millenniums-Bombe´ hat nichts mit der zu tun, die den Chef nach nur einem

Bier dazu bringt, die Tarnung des B.O.F.H. auffliegen zu lassen ....

Ich sitze in einer Besprechung, in der ein amerikanischer ´Experte´ für das Jahr

2000-Problem seinen Vortrag hält.

Ich bin weit davon entfernt, jemandem vorzuwerfen, daß er seine Chance erkannt hat und nun scheinheilig mit beiden Händen das Geld scheffelt, aber er hätte seinen

Vortrag immerhin etwas unterhaltsamer gestalten können. Doch der ist ungefähr so langweilig, wie das Beobachten des Trocknens von Nagellack. Was ich zufällig gerade mache - nämlich auf den Fingern einer attraktiven jungen Systembetreuerin neben mir.

Bis zur üblichen Zeit für den Morgentee - als ihr Verstand erwacht und sie davonläuft. Das ist das Problem unserer Zeit - niemand hat mehr Pflichtgefühl.

Abgesehen vom Chef natürlich, der mich dabei erwischt, wie ich mich ebenfalls davonstehlen und den Pub aufsuchen will, in dem wir uns treffen wollen.

"Beeilen sie sich!" ruft er. "Oder sie verpassen die Ausführungen über ..."

(*blätterblätter*) "... die Notwendigkeit, in Cobol geschriebene Programme zur

Datenbankabfrage neu zu entwickeln."

Soweit es mich betrifft, gibt es für dieses Problem zwei Lösungsansätze für jeden jemals in Cobol programmierten Müll: a) Das "rm-rf"-Kommando, es sei denn das Betriebssystem dieser Zeit (vor RSI

[Repetitive Strain Injury - thomas w.] und damit vor der Angst, noch vor dem

Abschluß der Befehlseingabe zu sterben) versteht diesen Befehl noch nicht, dann muß er entsprechend durch "DELETE/ERASE/NO CONFIRM [...] *.*; *" ersetzt werden. Oder, mein ganz persönlicher Favorit: b) Eine Axt.

Wie auch immer, da er gesehen hat, wie ich das Zimmer verließ, kann ich mich nicht im Pub sehen lassen, bevor der Chef eingeschlummert ist.

Eine Viertelstunde später bin ich dann im Pub und plaudere über den erst jüngst getrockneten Nagellack auf den Fingernägeln einer Verantwortlichen für die

Systemsicherheit.

"Was machen sie eigentlich als Sicherheits-Ingenieurin?" frage ich und verwickle sie sofort in ein Gespräch unter Fachleuten.

"Nun, ich kümmere mich um alle Aspekte der Sicherheit von Soft- und Hardware.

Das schließt den Schutz der Privatsphäre ein wie auch die Gestaltung von Software und deren Test unter besonderer Beachtung der Aufgabe, daß keinem Nutzer irgendwelche Schäden durch ihren Einsatz entstehen - physisch, geistig wie auch finanziell. Es ist eine sehr interessante Aufgabe, bei der man immer auf dem neuesten Stand sein muß."

Mein Gehirn schaltet sich ab, als ich versuche, meinen Kummer zu verbergen, den sie damit verursacht - und nicht nur, weil sie meint, die Nutzer seien wichtig. Mir ist gerade das schlimmste passiert, was überhaupt passieren kann. SIE IST DER

ANTI-BASTARD!

Sofort versuche ich, mich etwas von ihr zu entfernen, damit es nicht einmal zu zufälligen Berührungen kommt. Ich erinnere mich schließlich noch gut an meine

Physikstunden, in denen es darum ging, was geschieht, wenn Materie und

Antimaterie zusammentreffen ...

"Und was machen sie?" fragt sie.

"Nun, ich bin System- und Netzwerk-Administrator."

"Und was führt sie zu dieser Jahr-2000-Veranstaltung?" fragt sie und erwartet eine vor Selbstlosigkeit und Sorge um die Nutzer triefende Antwort.

"Nun, ich bin hier, um mich zu versichern, daß unsere Nutzer nicht mit potentiellen

Problemen, die vor, während und nach dem Jahreswechsel auftreten könnten, zu kämpfen haben ...." antworte ich. Zugleich hasse ich mich dafür, daß ich solch ein

Schleimer sein kann, während ich mir im Geiste dazu gratuliere, daß ich damit die erste Hürde auf dem Weg zu weiteren Vergnügungen genommen habe.

Ich kann mir einfach nicht helfen ...

"Wirklich?" fragt sie voller Freude, eine verwandte Seele in der Masse der

Computer- und Netzwerkprofis gefunden zu haben, die sie zweifellos in der

Vergangenheit kennengelernt hat. "Aber natürlich", erkläre ich. "Sie haben ja KEINE

AHNUNG, wie lange mein Assistent und ich brauchen, um unseren Nutzern zu geben, was sie benötigen." Sie denkt an Händchenhalten mit den Nutzern, ich denke an einen Tritt in den Unaussprechlichen, aber das ist ja unaussprechlich, also lasse ich sie denken, was sie will. Zum Teufel mit den Physikern, sie müssen sich geirrt haben ... Wir plaudern noch eine Weile, doch dann weht der Nordwind einen unangenehmen Geruch herein, und der Chef tritt ein.

Das kann nur eins bedeuten ...

"Es gibt gar kein kostenloses Mittagessen!" ruft der Chef entmutigt.

"Stimmt, ich dachte auch, hier bekäme ich eins", antworte ich und besänftige ihn, indem ich ihm ein Bier auf meine Kosten anbiete, um damit einerseits an sein

´Zusammengehörigkeitsgefühl´ zu appellieren, und andererseits, um seine bekannte

´Ein Bier - Ein Betrunkener´-Schwäche auszunutzen.

Ich verstärke den Effekt noch mit einem doppelten Wodka, was bedeutet, daß er spätestens in 15 Minuten unter dem Tisch liegen sollte. Ich kehre von der Bar zurück, und der Chef läuft vor Gutmütigkeit geradezu über, weil ich ihm ein Bier spendierte.

Nachdem er ein halbes Bier geschluckt hat, bemerke ich meinen fatalen Fehler.

"Holen sie Wiesserdochgleich her!" ruft er an niemanden spezielles gewandt und sucht in seinem Mantel nach seinem Handy. Er findet es und ruft den PJ an, dem er einen überzeugenden Beweis seines Zustandes liefert. ARSCHLOCH.

Nachdem ich meine letzten Chancen auf einen ruhigen Abend mit meinem Gast verspielt habe, schreitet der Chef auf dem Pfad der Vernichtung voran. "Dieser Kerl da ist großartig", ruft er voller Zuneigung zu mir. "Erinnern sie sich daran, wie dieser

Nutzer es brandeilig hatte, freien Festplattenplatz zu bekommen? Sie haben ihm eine in der Mikrowelle aufgeheizte Festplatte in den Schoß fallen lassen!" Ich versuche, den Chef mit dem Geräusch umfallender Biergläser abzulenken, doch er kramt weiter

in seinen Erinnerungen. "Oder als sie diesem Rechnungsprüfer erklärt haben, sein

Bürostuhl wäre statisch aufgeladen, weshalb er ihn erden solle? UND SIE

BRACHTEN IHN DAZU, SEINEN STUHL AN DIE STECKDOSE

ANZUSCHLIESSEN! HA! HA! HA!"

Und so kommt es, daß der PJ nur noch mich und den Chef antrifft, als er endlich kommt. Da der Chef nur noch halb bei Bewußtsein ist, brauche ich ganze 10

Sekunden, um den PJ einzuweihen. Ich kaufe dem Chef ein Abschiedsgetränk und schiebe ihn, zusammen mit dem Glas, in ein Taxi, das ihn heimbringen soll.

"Ich muß sagen, daß sie das ziemlich gut wegstecken", sagt der PJ.

"Vergeben und vergessen", rufe ich großmütig. "Aber davon einmal abgesehen, er dürfte etwa in diesem Moment erkennen, daß sein Getränk kein Bier ist."

"Schnaps?"

"Machen sie sich nicht lächerlich!" rufe ich. "Wir reden von einem warmen

Milchshake mit Fischgeschmack - genau das richtige Getränk für einen empfindlichen Magen ..."

Eine neue Kollegin namens Sharon, eine verbesserte Sicherheitsausrüstung und ein

GPS-Sender sorgen dafür, daß der B.O.F.H. den Sonnenuntergang bei Tequila genießen kann ...

"Ja, wir kennen uns schon", erklärt die neue Kollegin, als sie zusammen mit dem

Chef unser Büro betritt. "Wir haben uns auf der Veranstaltung zum Jahr

2000-Problem in der vergangenen Woche kennengelernt. Können sie sich nicht daran erinnern? Sie habe ich doch beim Mittagessen kennengelernt."

"Mein Erinnerungsvermögen an bestimmte Ereignisse ist .... ein wenig schlecht." murmelt der Chef.

"Ja", unterbreche ich ihn. "Bedauerlicherweise wurde er anscheinend von einem wütenden Taxifahrer angegriffen, nachdem sich zwei Biere, ein Teller Chips und ein

Fisch-Milchshake auf dem Beifahrersitz wiederfanden, nachdem sie sich im Magen des Chefs aufgehalten hatten."

"Sei es wie es sei", ruft der Chef und will die Herrschaft über das Gespräch wieder an sich reißen. "Sharon hat angerufen und uns angeboten, unsere Systeme auf potentielle Risiken zu untersuchen - sie wissen schon, die Haftung der Firma,

Software und Hardware-Fehler, die zu Verletzungen oder anderen Unfällen führen können, die Sicherheit insgesamt und so weiter."

Wie nett von ihr.

"Wie auch immer", fährt der Chef fort. "Ich bin sicher, sie werden Sharon bei allem unterstützen, was sie tut. Für uns wird es Zeit, den IT-Chef zu besuchen."

Der Chef und unsere neue Sicherheitsberaterin verlassen das Büro in Richtung des

Büro des IT-Chefs, während der PJ herbeiflitzt.

"Was hat das zu bedeuten?" fragt er und erinnert sich daran, welche Rolle der Chef dabei gespielt hat, mich und Sharon auseinanderzubringen. Dank seines Verhaltens wird es mich einige Anstrengungen kosten, Sharon wieder etwas näher zu kommen.

"Ich bin mir nicht sicher", antworte ich. "Aber ich denke, es bedeutet Ärger."

Am nächsten Tag wird die Wahrheit meiner Vermutung bewiesen, denn Sharons

Analyse der Liste der Arbeitsunfälle markiert geradezu blutig, daß die System- und

Netzwerk-Betreuung ein sehr gefährliches Terrain ist.

"Diese Vorfälle hätten sich mit entsprechenden Detektoren vermeiden lassen", ruft sie und findet die größte Fehlerursache heraus, die schon mehr als einen Ingenieur erst in den Kabelschacht fallen und dann bei der Sanitäterin aufwachen ließ.

(Während der PJ und ich seine Ausrüstung durchwühlten.)

"Ah, nein, wir benutzten einen anderen Detektor für Löcher im Boden", sage ich und deute auf ein Strommeßgerät auf dem Tisch. "Fäkalien und Urin - wenn jemand die

Kontrolle über seine Körperfunktionen verliert, wird der Strom unterbrochen."

"Das ist doch lächerlich", ruft Sharon. "Aber davon abgesehen - sie können das doch niemals testen."

"Ich teste es jeden Monat." ruft der PJ entrüstet.

"Das tut er wirklich." stimme ich ihm zu. "Er ißt eine Schüssel Bohnen und dann testet er das Meßgerät, wenn seine Verdauung dazu bereit ist."

Da sie dieses Thema nicht weiter vertiefen will, verschwindet Sharon, um herauszufinden, weshalb der Warenaufzug in der 6. Etage wartete, während der PJ in der 5. Etage einen Wagen voller Nutzer-Technik durch die geöffneten Türen des

Aufzugs rollen ließ.

Ich könnte ihr sagen, daß das unsere Standardprozedur ist, um den Chef davon abzubringen, unsere Dienste als Umzugshelfer anzubieten, statt etwas über

PLU-Controller zu murmeln, die von Nägeln in der Wand beeinflußt werden.

Am Ende des Tages ist Sharon zu den von mir gewünschten Schlußfolgerungen gekommen - unsere Ausrüstung braucht eine Verbesserung der

Sicherheitsmaßnahmen. Diese Erkenntnis, die noch kombiniert wird mit ein paar

Hochglanzmagazinen über ´Systemsicherheit´, die der Chef in seinem Briefkasten gefunden hat (die die Vorteile einer ganz bestimmten amerikanischen Firma hervorheben), ist für den Chef mehr als ein Wink mit dem Zaunspfahl.

"Ich glaube nicht, daß wir das alles benötigen", erklärt Sharon, nachdem sie den Plan des Chefs gehört hat. "All das, was wir brauchen, finden wir auch hier."

"Wir sollten alle Optionen betrachten", ruft der Chef, der nicht geneigt ist, auf eine

Vergnügungsreise in die USA zu verzichten.

Plangemäß versucht er, unsere Zustimmung zu seinen Vorstellungen zu gewinnen, indem er uns alle zu dieser Reise einlädt, um ´alle technischen Bereiche abzudecken´.

Und der Chef weiß es schließlich am besten.

Das Flugzeug hebt ab, und der PJ und ich machen uns ASAP über die Drinks her, während Sharon in die Business-Class geht, um dem Chef weitere Gefallen zu tun.

"Ich verstehe das nicht", sagt der PJ.

"Wieso?" erwidere ich. "Wenn sie etwas haben wollen, dann ist es immer gut, wenn sie dafür sorgen, daß jemand anderes es ´aus technischen Gründen´ fordert, denn dann sieht es legitimer aus, als wenn sie es selbst gefordert hätten. Handys, Laptop, wünschen sie sich etwas!"

"Was werden wir tun, wenn wir angekommen sind?"

"Ich habe vor, Tequila in einer Strandbar zu trinken."

"Ich glaube nicht, daß es in Ohio Strände gibt."

"Ohio?" rufe ich. "Wir fliegen nicht nach Ohio. Nicht nach der Entführung."

"Sie wollen das Flugzeug entführen?" flüstert der PJ. "Das können sie doch nicht tun!"

"Natürlich."

"Aber ..."

"Oh, keine Angst, Waffen werden wir nicht brauchen. Nur den ersten Titel dieser

CD", sage ich leise und deute auf meinen tragbaren CD-Spieler.

"Das ist ein CD-Spieler!"

"Scheinbar, ja, aber es ist auch ein ... ein kleiner GPS-Sender."

"Sie wollen das Navigationssystem des Flugzeugs manipulieren?"

"Ich ziehe die Bezeichnung ´kleine Berichtigung des Kurses´ vor. Dieses kleine

Gerät wird in Kürze damit beginnen, Signale auszusenden, um so langsam aber sicher den Kurs zu verändern, denn sonst würde der Pilot etwas merken."

"Damit kommen sie nicht durch!" flüstert der PJ ängstlich.

"Natürlich. Habe ich sie jemals belogen?"

"Oh, in der vergangenen Woche sagten sie, daß sie den Strom abgeschaltet hätten, als ich die Sicherungen austauschen wollte. Und in der Woche davor sagten sie mir, daß alle Abdeckplatten auf dem Kabelschacht von innen Griffe hätten, so daß es völlig in Ordnung sei, sie von innen zu schließen." '

"Ich habe sie doch wieder herausgeholt, oder?"

"Nachdem sie all das Bier getrunken hatten, das ich im Schrank des Chefs fand."

Und so kommt es, daß ich in Südamerika an einer Bar sitze und Tequilas trinke, während der Chef versucht, uns einen Rückflug in die Zivilisation zu organisieren.

Und Dank meiner selbstlosen Bemühungen, bei der Rettung des Flugzeugs zu helfen, nachdem der Treibstoff knapp wurde, ist Sharon nun meine neue beste Freundin.

Um der Langeweile der Routine zu entgehen, meldet sich der B.O.F.H. freiwillig für die Nutzer-Betreuung. Doch ist er noch clever genug, es mit den Problemchen der

Nutzer aufnehmen zu können?

Es ist ein ruhiger Nachmittag, als der Chef betont unauffällig hereinschlendert und zu meinem Tisch schleicht.

"Ich wollte ihnen nur sagen, daß ich die kleine Verwechslung im Dienstplan der

Nutzer-Betreuung berichtigt habe." murmelt er leise.

"Welche Verwechslung im Dienstplan?" will ich wissen.

"Oh, irgendein Witzbold hat ihren Namen auf den Dienstplan der Nutzer-Betreuung gesetzt, wenn diese ihr Wochenende zur Stärkung des

Zusammengehörigkeitsgefühls abhält."

"Stimmt. Das war ich. Ich glaube, ich fange in der Mittagszeit an und arbeite dann bis fünf Uhr, wenn ich mich nicht irre. Ich freue mich schon darauf."

"Ah!" ruft der Chef und reißt blitzschnell sein Handy aus der Tasche, um per

Schnellwahl die Versicherung der Firma anzurufen.

Der PJ wirkt verunsichert - es gibt in der Nutzer-Betreuung keine Technik mehr, die uns begehrenswert erscheint, da wir alles brauchbare mitgenommen haben, als der

Sicherheitsdienst die ausgefallenen Überwachungskameras reparieren ließ. Die

Wahrheit ist - ich langweile mich. Langeweile, Langeweile, Langeweile.

Und deshalb beherzigte ich den Ratschlag, daß ein kleiner Ortswechsel die gleiche

Wirkung hat wie ein Urlaub, als ich mich für einen vierstündigen Aufenthalt in der

Schaltzentrale der Idioten einschrieb. Und nebenbei will ich herausfinden, ob ich es noch schaffe, den Nutzern, die mich wegen irgendwelcher Probleme mit ihren

Programmen anrufen, die richtigen Antworten zu geben.

Der nächste Tag bricht an und pünktlich nach dem Mittagessen steuere ich direkt die

Nutzer-Betreuung an, um mein Bestes zu geben. Natürlich für unsere Nutzer. Und um ehrlich zu sein, es ist nicht einmal halb so schlimm wie ich annahm - es ist sogar himmlisch ruhig.

Und so schließe ich sogar die Telefone wieder an, worauf die Warteschlange mir drei

Anrufe meldet. Ich wähle zufällig einen aus und melde mich.

"Hallo, wissen sie, mein Rechner raucht ein wenig und es riecht verbrannt. Als ich ihn heute einschaltete, gab er schon so komische Geräusche von sich. Sollte ich ihn nun besser ausschalten?"

"Nein. Machen sie sich keine Sorgen - wir hatten heute ein paar Ausfälle in der

Systembetreuung, wo wohl ein paar Sicherungen eines Servers durchgeschmort sind, der Rauch und der Brandgeruch dürften durch den Kabelschacht zu ihnen gekommen sein."

"Gibt es etwas, das ich tun sollte?"

"Nein, eigentlich nicht. Ich würde an ihrer Stelle die Bürotür schließen und zum

Nachmittagstee gehen, bis der Rauch sich verzogen hat - etwa eine Stunde, schätze ich."

"Halt, warten sie! Wieso ist nichts mit den anderen Rechnern passiert?"

"Weil sie gerade mit dem Backup-Server ihrer Abteilung verbunden sind, der heute die Probleme mit den Sicherungen hatte."

"Oh, natürlich!" stimmt mir der Anrufer beinahe begeistert zu, bedankt und verabschiedet sich in eine frühe Pause.

Da ich jetzt nur noch über begrenzte Zeit verfüge (bis der Feueralarm die Sprinkler auslöst), entschließe ich mich, die letzten beiden Anrufe so schnell wie möglich zu bearbeiten.

"Hallo", zwitschert eine Sekretärin aus der PR-Abteilung. "Immer dann, wenn ich eine E-Mail abschicke, meldet das Programm etwas über Probleme mit diesem

DNS-Zeug."

"Stand da etwas wie ´DNS Zuordnungsfehler´?"

"Ja ... ich glaube, das stand da." murmelt sie.

"Oh, meine Liebe", seufze ich. "Das tut mir aber leid."

"Was, was ist?"

"Sie meinen, sie wissen das nicht?"

"Nein, was?"

"Nun, DNS steht für Datenbank der Namen und Saläre."

"Das verstehe ich nicht."

"Nun, wenn sie nicht der Datenbank zugeordnet werden können, wenn sie eine

E-Mail verschicken wollen, dann kann das nur bedeuten ... nun, sie sind wohl gefeuert. Oder man wird sie demnächst noch entlassen."

"Aber ich bin doch erst seit ein paar Monaten hier!"

"Ja, aber ich wette, sie haben ihren Chef verärgert, als sie es ablehnten, ihn zum

Mittagessen zu begleiten, oder?" frage ich und deute dabei nur die

Aufreißerklamotten und das Cabrio ihres Chefs richtig. Und seine aufdringliche Art, sich um die vermeintlichen Probleme der weiblichen Belegschaft zu kümmern. Nicht daß ich eifersüchtig wäre, aber ...

"Aber das konnte ich doch nicht machen, weil ich mich um die Rechnungen von der

Bank kümmern mußte!" schnieft sie zutiefst verunsichert.

"Nun", antworte ich freundlich. "Soweit ich sie kenne, war es angenehm, mit ihnen zu arbeiten ... Ich werde sie vielleicht ein wenig vermissen, es sei denn ..."

"Es sei denn was?"

"Nun, sie könnten sich in der Personalabteilung darüber beschweren, daß er ihnen damit gedroht hat, sie zu feuern, wenn sie nicht ... nun, sie wissen schon."

"Was? Was?"

"Naja, seine Ausrüstung bewundert haben, sozusagen ..."

"Was!"

"Nun, es liegt bei ihnen. Wenn sie warten, bis sie gefeuert werden, dann wird jeder denken, sie suchten nach Ausreden. Wenn sie sich aber jetzt schon beschweren und nichts über die DNS-Sache verlauten lassen, werden alle denken, ihre Vorwürfe würden stimmen."

"Glauben sie, daß das funktionieren kann?"

"Ich denke schon. Es wäre ja nicht gerade eine Premiere, wissen sie. Sie hätten dabei nur mehr Glück als ihre Vorgängerinnen ..."

"Ich glaube, sie haben recht. Gut, ich werde es so machen. Vielen Dank für ihren

Rat."

"Keine Ursache, dafür sind wir ja da." erwidere ich und wende mich dem dritten

Anrufer zu, während ich dem PJ mit Gesten zu verstehen gebe, er solle schon einmal die ´Kündigung´ des Chefs der PR-Abteilung vorbereiten.

"Hallo, mein Linux scheint die CD im Laufwerk nicht mounten zu wollen. Es verlangt, daß ich die CD ´read only´ mounte. Welchen Parameter muß ich dazu angeben?"

"Linux basiert auf einem Hardware-Schreibshutz. Sie müssen die CD selbst mit einem Schreibschutz versehen."

"Was? Davon habe ich noch nie gehört!"

"Nun, die meisten Betriebssysteme machen das tatsächlich mit spezieller Software, doch Linux arbeitet mit einer offenen hardwarebasierten Cache-Technologie", antworte ich und überzeuge ihn mit ein paar Schlüsselworten von der Richtigkeit meiner Ausführungen.

Mit anderen Worten: *DUMMY MODUS EIN*

"Und was soll ich tun?"

"Machen sie einfach ein drei Millimeter großes - aber nicht größer! - Loch in die CD.

Genau in der Mitte zwischen dem Rand und dem Loch in der Mitte. Dort wird nämlich der Schreibschutz erwartet. Aber denken sie daran, daß das Loch nicht größer sein darf und genau in der Mitte liegen muß, da sie sonst auch den Leseschutz aktivieren könnten."

"Oh ... In Ordnung ..."

Er legt auf, ohne danach zu fragen, wieso jemand lesegeschützte CDs benutzen sollte, und entgeht damit meiner Erklärung der WORN-Technologie (Write once, never read - wie bei den normalen Disketten).

Als der Feueralarm dann losgeht, blicke ich auf meine Tagesleistung zurück: früherer

Feierabend wegen eines Feuers, ein eitler Gockel weniger und ein übertölpelter

UNIX-Fanatiker.

Ja, ich glaube, ich kann es noch!

Wird der B.O.F.H. den RoboChef auch beim diesjährigen Gladiatorenkampf mit den

Jungs aus der Forschungs- und Entwicklungs-Abteilung einsetzen? Oder wird ein mutierter Flurpolierroboter das Derby gewinnen?

Es ist wieder soweit! Die Netzwerk- und Systembetreuung gegen die Forschungs- und Entwicklungs-Abteilung. Nein, kein simpler Wettkampf darum, wer das meiste

Abführmittel in den Wasserspender des anderen Teams schmuggeln kann - auch wenn das ein Riesenspaß ist, wenn man jemanden in der Fabrik kennt, in der das

Mineralwasser abgefüllt wird. Nein, es geht um ein Spiel für echte Könner - einen

Roboterkrieg!

Der PJ und ich liefern uns jährlich die Schlacht mit den Leuten aus der Abteilung für

Forschung und Entwicklung. Die Regeln sind einfach: beide Teams treten mit einem oder mehreren Robotern, die selbständig den Weg durch ein recht einfaches

Labyrinth finden müssen, das aus Räumen und Gängen im Kellergeschoß besteht, an.

Der PJ ist wirklich begeistert, da dies sein erster Roboterkrieg ist..

"Das ist also eine jährliche Veranstaltung?" will er wissen, während er mit mir an unserem mechanischen Teilnehmer schraubt.

"Seit dem vergangenen Jahr."

"Ich kann mich gar nicht daran erinnern."

"Natürlich nicht, sie waren ja auch nicht da."

"Was?"

"Auf einer Vergnügungsreise."

"Oh, und wie haben wir abgeschnitten?"

"Nun, wie ich das beurteile, haben wir fair und überzeugend gewonnen - keiner der sieben Roboter der Forschungs- und Entwicklungsabteilung war schließlich noch im

Spiel, trotzdem gab es wohl einige Proteste wegen meines Roboters."

"Warum?"

"Aaaahhh, weil es eigentlich der Chef war, dem ich eine Autoantenne auf den

Rücken gebunden hatte, der sich auf der Suche nach seinem neuen Laptop in der

Dunkelheit des Kellergeschosses verirrt hatte."

"Und er hat gewonnen?"

"Ja, dabei gab es gar keinen Laptop; und als seine Begeisterung abnahm, habe ich das Licht aus- und den Feueralarm eingeschaltet, was seine Geschwindigkeit dramatisch erhöhte."

"Und worüber haben sie sich beschwert?"

"Nun, da gab es eigentlich zwei Beschwerden - erstens, weil der Chef blindlings herumtappte und dabei ihre Roboter zerstörte (was uns freilich dabei half, den

Wettbewerb zu gewinnen) und zweitens, weil der Chef gar kein Roboter war."

"Und was ist passiert?"

"Ich habe ihnen bewiesen, daß er, unter Berücksichtigung aller notwendigen Fakten, ein Roboter war - er verfügt über einen endlichen Vorrat an einfach auszuführenden

Befehlen und man muß ihn mit Informationen füttern, ohne die er nicht selbständig handeln kann ..."

"Stimmt. Und weshalb lassen wir ihn in diesem Jahr nicht wieder antreten?"

"Hm. Nun, die Regeln sind in diesem Jahr etwas strenger. Der Roboter muß auf dem

Prozessor basieren, den die Abteilung Forschung und Entwicklung für diese automatischen Polierroboter entwickelt hat."

"Die Roboter, die in der Nacht auf zufälligen Routen durch das Gebäude huschen?"

"Genau die."

"Und wofür ist all dieser Müll?" fragt er und deutet auf den Haufen Elektronik, der für die Eröffnung eines eigenen Geschäfts ausreichen würde.

"Nun, zum diesjährigen Kampf gehört ein Demolierwettbewerb, der überlebende

Roboter wird zum Gewinner erklärt. Und ich denke mir, je größer der Roboter ist, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, daß er am Ende noch mobil ist."

"Also benutzen wir dieses große Regal auf Rädern?"

"Ja. Erstens wird es vor dem Wettkampf nicht besonders auffallen und zweitens fordern die Regeln, daß die Stromversorgung durch Batterien erfolgen soll. Und ich brauche eine Menge Energie, um die rotierenden Sägeblätter zu betreiben. Und drittens ist es ein über ein Meter langes Fahrgestell, das den Wettkampf einfach gewinnen muß, reichen doch die größten Roboter der anderen nur etwa bis zu seiner halben Höhe."

"Wo haben sie all die Batterien her, die sie dafür brauchen?"

"Oh, die habe ich in der vergangenen Nacht von der Unterbrechungsfreien

Stromversorgung geborgt."

"Hat das niemand bemerkt?"

"Nein, ich habe die USV abgeschaltet - da kann es auch keine Fehlermeldungen geben. Wie auch immer, jetzt muß ich nur noch diesen Prozessor mit dem modifizierten Programm zur Navigation durch ein Labyrinth und die Batterien einsetzen. Und noch ein wenig Ballast ..."

"Zauberhaft!"

Drei Nächte später treffen wir im Keller die Jungs aus der Forschung und

Entwicklung, die ihre Roboter vorbereiten, während wir auf unserem sitzen. Einiges

Geld scheint in einem Roboter mit dem Namen "Reggie" zu stecken, da er besonders schnell um die Ecken flitzen kann.

"Ich schätze, damit haben sie einen Punkt Vorsprung", murmelt der PJ, nachdem er eine Vorführung der Fähigkeiten des Roboters gesehen hat. "Er ist schneller in den

Ecken als unser ´Kleiner´ jemals sein kann."

"Au contraire!" antworte ich. "Sie vergessen zwei wichtige Punkte, die ich ihnen noch nicht mitgeteilt habe; mit den 20 USV-Batterien und den vier von jeweils einem

Präzisionsmotor getriebenen Rädern ..."

"Fünf ..." beginnt der Starter zu zählen.

"... verfügt unser Teilnehmer über eine phänomenale Beschleunigung ..."

"Vier ..."

"Aber er kann trotzdem nicht so schnell wenden!"

"Drei ..."

"Das ist der zweite Punkt: mit all seinem Gewicht ..."

"Zwei ..."

"Ja?"

"Eins ..."

"... wäre es glatte Zeitverschwendung, als Favorit um die Ecken zu fahren ...."

"Los!"

Zehn Minuten später sind der PJ und ich auch schon in der Kneipe. Zugegeben, die

Idee, den Roboter einfach durch die Wände rollen zu lassen, gehört wohl nicht zu den naheliegendsten, doch sie hat ihren Erfolg deutlich unter Beweis gestellt.

"Wer hätte auch ahnen können, daß der Roboter Amok laufen würde und mit den rotierenden Sägeblättern die Hauptleitung der Energieversorgung durchtrennen würde?" frage ich den PJ.

"Zumindest nicht ernsthaft", bestätigt der PJ und wedelt zufrieden mit der

Siegprämie, die die Leute der Forschungs- und Entwicklungs-Abteilung in ihrer

Panik vergessen haben ... "Er hätte doch auch das andere Team durch das Gebäude jagen können ..."

"Nein, nein!" rufe ich. "Das heben wir uns als Überraschung für das nächste Jahr auf ..."

Während der PJ Feuer und Flamme für Carole ist, legt jemand Feuer in der

Außenstelle in Wales. Doch diese Vorfälle sind bedeutungslos gegenüber dem großen Meisterplan ...

Es ist früher Morgen, als der Chef in ausgesprochen mieser Stimmung in das Büro platzt.

"In Ordnung, wer von ihnen beiden hat dem Berater in unserer walisischen

Außenstelle gesagt, sie könnten seine Datenbank-Dateien nicht aus dem Backup

auf dem Magnetband wiederherstellen, da das Band zu kalt ist?"

"Wie war das?" frage ich unschuldig. Und da mein Gewissen wirklich rein ist, kann das nur der PJ gewesen sein.

"Wer hat den Walisern gesagt, sie sollten das Band erst in einem Toaster erwärmen, bevor sie die Datenbank mit den offenen Rechnungen wiederherstellen können?"

"Ich habe keine Ahnung, wovon sie reden!" rufe ich und spiele die Rolle des

Unschuldslamms weiter, wobei ich es natürlich vermeide, den PJ in irgendeiner

Weise zu belasten.

"Kommen sie mir nicht damit! Sie hätten beinahe die ganze Außenstelle in Brand gesteckt mit ihrem Vorschlag, einen Stapel Druckerpapier auf den Toaster mit dem

Band zu legen!"

"Das hätte ich niemals getan!" rufe ich. Insgeheim bewundere ich freilich den

Einfallsreichtum meines Kollegen.

Zehn Minuten später hat sich der Chef verkrümelt, und der PJ und ich sind wieder allein.

"Gute Arbeit", wende ich mich an den PJ als ich sicher bin, daß uns niemand belauscht.

"Wovon reden sie? Ich wollte gerade IHNEN gratulieren!" erwidert er.

"Wollen sie damit sagen, daß sie es wirklich nicht waren?"

"Nein!" beteuert er.

"Aber wer zum Teufel war es dann?" frage ich mich laut.

"Können wir das wirklich nicht herausfinden?"

"Ach, machen sie sich darüber keine Gedanken, holen sie einfach die gestrigen

Bänder aus dem Gesprächsrekorder, während ich mich um die Protokolle der

Telefongespräche kümmere."

"Welche Gesprächsprotokolle? Ich dachte, wir überwachen nur die Verhandlungen mit Lieferanten?"

"Das ist das, was jeder glaubt, daß wir nämlich keine Gespräche überwachen - es ist ja auch unmöglich."

"Und was glauben wir?"

"Jeder Anruf, dessen Dauer, die angerufene Nummer und die Position auf den

Bändern. Und was die Bänder angeht, die großzügige Anwendung der

Lautstärkeregelung sorgt dafür, daß es so aussieht, als würden wir nur die Händler aufnehmen."

"Und wie sieht es wirklich aus?"

"Wir überwachen alle Anschlüsse bis auf einen ..."

"Bis auf einen?"

"Ja, den in unserem Büro, der als ´Faxmodem´ beschriftet ist und den wir für unsere privaten Auslandsgespräche nutzen."

Eine knappe Viertelstunde später haben wir den Anruf aus Wales gefunden, und beim Abhören der Gesprächsaufzeichnung finden wir auch schnell heraus, daß der

Bösewicht die zuletzt eingestellte Mitarbeiterin der Nutzerbetreuung ist - eine

Mitarbeiterin, die beim Einstellungsgespräch alle Merkmale einer unterwürfigen

Schleimerin gezeigt hatte, deren einziger Lebenszweck darin besteht, den Nutzern zu helfen.

Ich rufe in der Nutzerbetreuung an, lasse mich mit ihr verbinden, stelle mich vor und spiele ihr den Mitschnitt vor.

Eine plötzliche Stille am anderen Ende bestätigt meine Vermutungen, während der PJ die Datenbank der Personal-Abteilung durchsucht, um ihrem Namen ein Gesicht zu geben.

"Ah, wenn sie gestatten, kümmere ich mich um die Sache", schlägt er plötzlich vor und dreht seinen Monitor so, daß ich ihn nicht sehen kann.

Das hätte vielleicht funktioniert, wenn ich nicht PC Anywhere installiert hätte und ein Fenster auf meinem Desktop mir immer zeigen würde, was er sieht. Ein kurzer

Blick darauf genügt, um den Grund für den erwachenden Altruismus des PJs zu erkennen.

"Ich glaube, ich kann mich ebenso um den Monitor von Carole kümmern wie sie."

Antworte ich.

"Ihr Monitor ist nicht defekt!" ruft der PJ, der ernsthaft um die von ihm offenbar langfristig angestrebte Liebesbeziehung zu Carole fürchtet, wenn sie mich trifft.

Ganz besonders, wenn ich auf ihre Fragen nach seinem Verbleib vielleicht sagen würde: "Einsatzbesprechung mit dem neuen Schönling aus der Nutzerbetreuung" ...

"Nein, aber Vorsicht ist besser als Nachsicht. Ich werde mich jetzt darum kümmern."

"Sie Bastard!" murmelt er niedergeschlagen.

"Durch und durch, in ihrem Home-Verzeichnis und in ihrer E-Mail!" rufe ich und beginne meinen Siegeszug zur Nutzerbetreuung.

Ein kurzes Gespräch mit der besagten Frau läßt mich eine Blutsverwandte erkennen - ein technikverliebtes Lebewesen, das diese Arbeit nur angenommen hat, um die Rechnungen bezahlen zu können ...

"Also arbeiten sie nicht gern mit den Nutzern?"

"Besonders nicht mit denen aus Wales. Sie bekommen keine technische

Unterstützung und ihre Ausrüstung hat noch immer die Aufkleber aus der Zeit der

Arche Noah."

"Ja, das ist unser System zur Wiederverwendung der Technik. Unsere veraltete

Technik liefern wir nach Schottland, und sie schicken ihre ausgemusterte Technik nach Wales."

"Das ist eine verdammte Schufterei, besonders dann, wenn sie einen Berater an der

Leitung haben, der die beiden Enden eines Netzkabels nicht voneinander unterscheiden kann."

"Aber es gäbe da eine Möglichkeit." antworte ich und schildere ihr meinen Plan ...

Zwei Tage später liest der PJ die E-Mails des Chefs, als ...

"VERDAMMT!" ruft er. "Diese Frau wird nach Wales versetzt! Sie müssen herausgefunden haben, daß sie für die Anrufe verantwortlich war. Das ist grausam."

"Nein", erwidere ich. "Sie wollte die Versetzung. Wenn sie es erst einmal schafft, ihren neuen Arbeitsplatz etwas umzugestalten und die neue Technik eingerichtet hat, kann sie ihre Arbeit von London aus über das Netzwerk erledigen ..."

Unser Gespräch wird vom Chef unterbrochen.

"Ich dachte nur, ich sollte vorbeikommen und mich entschuldigen. Es hat den

Anschein, daß ich etwas vorschnell war, als ich sie beschuldigte, die Filiale in Wales zu sabotieren."

"Ach, wirklich?" antworte ich.

"Ja, anscheinend ist der technische Berater dort ein Pyromane - die Leute vom

Wachdienst fanden ihn in der vergangenen Nacht, wie er Feuerzeugbenzin in den

Anwendungsserver sprühte. Er wollte sich tatsächlich damit entschuldigen, daß jemand aus der Nutzerbetreuung ihm etwas von einer zu niedrigen

Betriebstemperatur für die CPU erzählt hat."

"Schrecklich."

"Ich weiß. Wie auch immer, ich wollte sie nur informieren", seufzt er und watschelt davon ...

"Vorwärts WVBN!" rufe ich.

"WVBN?"

"Weltweites Virtuelles Bastard Netzwerk. Mein großer Plan!"

"Uh-ohh ..."

Der B.O.F.H. und der PJ nehmen an einer ´langweiligen´ Versammlung teil, bei der alle in Schweiß ausbrechen, und der Chef muß für die Ideen überhitzter Aktionäre büßen ....

Der PJ und ich wurden gezwungen, an einer Aktionärsversammlung teilzunehmen, damit wie einspringen können, falls dem Chef schwierige technische Fragen gestellt werden, die er nicht beantworten kann (Beispielsweise: "Wo ist die Leertaste?").

Es gibt Wein und Knabbergebäck, damit die Aktionäre in guter Stimmung sind, damit sie die Dinge so sehen werden wie das gegenwärtige Management.

"Hmm, ein 89er Cabernet Sauvignon, wenn ich mich nicht irre", höre ich einen

Anzugträger der alten Schule zu meiner Linken sagen.

"Ich glaube, es ist eher der 90er Jahrgang." gluckst sein Gesprächspartner wissend.

"Wirklich?" platzt der PJ heraus. "Ich dachte, es war ein 88er Ford Grenada - die

Ghia-Version mit Ledersitzen und der Holzverkleidung!"

Man muß ihm verzeihen - er wird immer etwas unausstehlich, wenn er mehr als eine

Stunde lang an einem solchen Treffen teilnehmen muß. Ich selbst werde auch schon etwas nervös ....

Ich ziehe ihn von den Leuten weg und kümmerte mich gleichzeitig um die

Klimaanlage (dank eines kleinen Senders, der in meinem persönlichen De-Organizer untergebracht ist). Innerhalb von zehn Minuten erhitzt sich das Gebäude und die menschliche Zurückhaltung der Aktionäre löst sich in Schweiß auf, während alle

Versuche, die Klimaanlage wieder unter Kontrolle zu bringen, scheitern. (Aber das ist eben der Preis, den man zahlen muß, wenn man noch immer das Passwort für die

Fernsteuerung nutzt, mit dem die Anlage ausgeliefert wurde.) Nach ein paar geflüsterten Gesprächen mit den Leuten vom Catering stimmt der Geschäftsführer allem zu, was die Aktionäre davon abhalten wird, wirklich unangenehm zu werden.

Und wie es der Zufall will, finden wir 12 Kästen Bier, die im Kühlschrank auf die

Siegesfeier des Yacht-Clubs der Firma warten ...

Zwölf Kästen eiskaltes Bier später entwickelt sich die Aktionärsversammlung zu einem lustigen Beisammensein. Großzügig gestimmt haben die Aktionäre von der

Geschäftsführung verlangt, die Löhne für alle Angestellten zu erhöhen - mit sofortiger Wirkung. Und da man das Eisen schmieden muß, solange es heiß ist, habe ich sie auch noch dazu gebracht, daß mir 100 "dringend benötigte neue PCs" mit

"allem Zubehör" genehmigt werden. Der Chef, bekannt dafür, daß er nach einem Bier normalerweise zusammenklappt, verteilt Fotokopien seines Hinterns - zum Glück hat er noch seine Unterhosen an.

Der Wachdienst wird vom ´Weitsprung-Wettberb´ alarmiert. (Ein Bürostuhl mit

Rollen wird mit aller Kraft über eine geneigte Rampe - ein langer Tisch, dem an einem Ende die Tischbeine abgebrochen wurden - nach oben gestoßen.)

Ein ´herrenloser Bürostuhl´ widerstand nach seinem fulminanten Start den

Versuchen zweier Fenster, ihn zu stoppen - einem Fenster im Beratungszimmer und einem Fenster in einem unten abgestellten Taxi.

Am nächsten Tag brodelt die Gerüchteküche - alle wissen, wem sie die

Lohnerhöhung zu verdanken haben.

Der PJ und ich fühlen uns wie Robin Hood und nehmen voller Bescheidenheit die

Danksagungen entgegen. Lao Tsu wäre stolz auf uns.

Doch unser Ruhm hält freilich nicht lange an, da es eine Notfall-Versammlung der

Aktionäre gibt, die die Fehler der vergangenen Nacht wieder berichtigt.

Das ist schlimm. Die Annullierungen kommen schnell herein, und wir kommen gerade rechtzeitig, um zu sehen, wie unser Plan zur Anschaffung neuer Technik in den

Fluten versinkt.

"Ah", werfe ich ein, als dieser Punkt angesprochen wird. "Das ist jetzt vielleicht kein guter Zeitpunkt, doch ich habe die genehmigten Rechner schon in der Nacht bestellt."

"Dann machen sie die Bestellung eben wieder rückgängig!" rät eine Stimme.

"Dann müssen wir eine Vertragsstrafe von 10 Prozent zahlen ..."

Zehn Prozent sind weniger als hundert Prozent Verlust, also werden wir beauftragt, die Bestellung rückgängig zu machen.

"Aber sie haben doch noch gar nichts bestellt!" platzt der PJ heraus, der genau weiß, daß das einzige, was ich in der vergangenen Nacht noch geregelt habe, ein Disput mit der Drehtür war, die mich auf dem Weg zum Taxi aufhielt.

"Nein, nein, aber wenn ich 10 Rechner bestelle, die auf der Rechnung als

´Vertragsstrafe für Vertragsrücktritt´ deklariert sind und nach Wales geliefert werden ..."

"Oh!" ruft der PJ. "Das Weltweite Virtuelle Bastard Netzwerk rückt näher!"

"Was für ein Weltweites Virtuelles Bastard Netzwerk?" fragt der Chef und erscheint im Büro.

"Weltweites Virtuelles Bastard Netzwerk?" frage ich unschuldig.

"Ja .... über das sie gerade sprachen."

"Oh, sie meinen das Weltweite Virtuelle Bargeldkarten Netzwerk?" frage ich und klammere mich an den erstbesten Strohhalm. "Für ... elektronischen Handel?"

"Nein, ich denke, daß ich es richtig verstanden habe. Sie haben diese neuen Rechner für ein globales Netzwerk nach ihren eigenen Vorstellungen bestellt. Ich glaube, die

Aktionäre werden sich sehr dafür interessieren."

Ich bin schockiert. Der Chef, der normalerweise kaum zwei und zwei zusammenzählen kann ohne auf eine Zahl unter 22 zu kommen, hat den Nagel auf den Kopf getroffen. Er weiß zuviel.

Während ich an meinem De-Organizer herumfummle, fordert der Chef den PJ auf, sich vom Netz abzumelden und uns in das Beratungszimmer der Geschäftsleitung zu begleiten.

Um klaustrophobischen Anfällen vorzubeugen, empfehle ich die Treppen für den Weg nach oben.

Zehn Minuten und drei Etagen später keucht der Chef und verlangt vor dem

Beratungszimmer eine Pause. Er hat wohl sein Asthmaspray verloren, das die

Treppen nach unten fiel, als der PJ ihn unglücklich anstieß. Wir öffnen die Tür und betreten den Raum.

"Sie schickt der Himmel!" keucht jemand, als die Hitzewelle uns trifft. "Die Tür konnte nicht von innen geöffnet werden und die Klimaanlage ist schon wieder ausgefallen. Schließen sie die Tür ja nicht, wenn ihnen ihr Leben lieb ist!"

Zwölf Ersatzkästen Bier später sind wir noch immer eingesperrt und begutachten das Loch im Fenster, das der Chef bei seinem Versuch, den

´Weitsprung´-Wettbewerb zu gewinnen, hinterließ. Gut, man könnte einwenden, daß es ihm bestimmt nicht gepaßt hat, an den Stuhl gefesselt zu werden, aber ich kann beschwören, daß er erfreut genug war, um über die ganze Zeit ein leises "Wheeeee" von sich zu geben ....

Und natürlich kam er in den Genuß eines ganz besonderen Ritts auf einem Taxi ...

Als das Gebäude in den blitzenden Farben aus dem Teletubby-Land erstrahlt, gibt es nur einen Weg, den alten Zustand wiederherzustellen ...

Ich komme rechtzeitig zum Morgentee zur Arbeit, als mein Blick auf den Boden fällt, den ich mir mit dem PJ teile.

Noch bevor ich das Foyer durchquert habe, habe ich mein Handy aus der Tasche geholt und rufe den PJ an.

"Hallo, nigerianische Botschaft", meldet er sich mit der in dieser Woche aktuellen

Ansprache.

"Sie erraten niemals, was sie im Flur anstellen!" rufe ich.

"Sie malen die Wände mit Leuchtfarbe orange an?" fragt er.

"Oh, natürlich, sie haben ja die Überwachungskameras. Wo habe ich nur meine

Gedanken?"

"Ja, und nicht nur das!"

"Was?"

"Nun, wollen sie die gute oder die schlechte Nachricht zuerst hören?" fragt der PJ verspielt.

"Die gute Nachricht ..." antworte ich und nehme zur Abwechslung einmal den Lift.

"Die gute Nachricht ist, daß es nur eine schlechte Nachricht gibt."

"In Ordnung, die schlechte Nachricht bitte."

"Die Maler haben in der vergangenen Nacht in der vierten Etage angefangen."

"Wie schlimm ist es?" frage ich, als sich die Lifttüren öffnen und meine Frage beantworten.

Ich starre auf ein Büro, das wie das Innere einer Bräunungslampe aussieht.

Der Chef kommt herbeigeschlendert und lächelt wohlwollend - oder ist es ein boshaftes Grinsen?

"Furchtbar, nicht wahr?" fragt er mit belegte Stimme.

Ah! Was ich als wohlwollendes Lächeln interpretiert hatte, war in Wirklichkeit ein

stilles und kummervolles stilles Jammern. Es ist zur Zeit leicht, den Chef, der sich gerade von seinen Verletzungen erholt hat, falsch einzuschätzen.

"Wer hat das getan?" frage ich.

"Die Eigentümer des Gebäudes", antwortet der Chef. "Sie haben damit auf eine

Anfrage des mittleren Managements reagiert. Doch das ist noch nicht alles. Die

Lieferanten haben gerade angerufen und mitgeteilt, daß unsere violetten Teppiche angekommen sind."

Ich kämpfe gegen den Brechreiz und schaffe es, ein "Warum?" hervorzubringen.

"Wegen dieser Studie", ruft der PJ und hält einen zerknitterten Fetzen hoch, den ich als Manager-Magazin identifiziere. "Hier wird behauptet, daß bestimmte Farben dafür sorgen, daß die Mitarbeiter produktiver und energiegeladener an die Arbeit gehen."

"Ja, waren das nicht hellblaue und rosafarbene Bemalungen?"

"Nein", erwidert der PJ und erinnert sich an bestimmte Abschnitte des Artikels.

"Hellblau und rosa fördern eine ruhige Arbeitsweise - was, ganz nebenbei, die neuen

Farben ihres Büros sind."

"Sie machen einen verdammten Scherz!"

"Nein. Oh, ich habe wohl gelogen, als ich sagte, es gäbe nur eine schlechte

Nachricht."

Ich renne in mein Büro um nachzusehen.

"Ja, ja, ich sehe, was sie meinen", sage ich und lehne mich in meinem Stuhl zurück.

"Es ist etwas ruhiger als das metallische Grau, das wir vorher hatten. Irgendwie beruhigt es wirklich."

"Es ist nicht gut, sich hier aufzuhalten", kommentiert der PJ. "Es ist gefährlich - erinnern sie sich an die Ionengeneratoren ....?"

Wie könnte ich die Ionengeneratoren vergessen? Das Management hatte geplant, durch die Erzeugung negativ geladener Ionen und deren Verteilung über die

Klimaanlage dafür zu sorgen, daß der PJ und ich netter zu unseren Klienten sind.

"Der Computer-Raum!" rufe ich.

Der PJ, der Chef und ich flüchten in die klinische Sauberkeit des Computer-Raumes mit seinen rohen grauen Wänden.

"Viel besser!"

Durch das Fenster der Brandschutztür sehe ich die Mitarbeiter der IT-Abteilung ihrer routinemäßigen Arbeit nachgehen, ohne daß sie sich gegen die Wirkung der neuen Wandfarben wehren könnten.

"Arme Schweine!" ruft der PJ.

"Sie sind verloren! Wir müssen uns zunächst um unser Wohlbefinden kümmern!" erklärt der Chef und gibt damit exakt meine Gedanken wider.

(Was mich übrigens etwas verwundert. Aber jetzt fällt mir ein, daß sein Büro ja schon immer diese bläulich-pinkfarbenen Wände hatte ....)

"Hm, mal nachdenken ..." murmle ich, um herauszufinden, ob der Chef uns nicht hereinlegen will. "Was könnte man da tun?"

So geht das noch ein paar Minuten, dann wirkt das Grau der Wände auf den Chef und er hat eine Idee.

"Ein Feuer!" ruft er, worauf ich mir vornehme, seinen Nachfolgern pro Woche eine

Stunde Therapie im Computer-Raum zu verordnen. "Nein! Das funktioniert nicht - die Feuerlöscher würden es sofort löschen."

"Das ist es!" antworte ich. "Und all das Wasser an den semi-therapeutischen

Wänden ..."

"Das würde sie nie abwaschen!" wendet der PJ ein.

"Das muß es ja auch nicht! Es genügen ein paar Flecke ..."

"... die einen neuen Anstrich nötig machen würden!" vollendet der PJ.

Während der PJ und der Chef ihr ´Dick und Doof´-Spiel vollenden, entferne ich die

Vertäfelung von der Wand.

"Was tun sie da?" fragt der Chef verwirrt.

"Ein kleines Feuer ist zwar gefährlich, aber es hilft uns nicht unbedingt weiter ..." beginne ich und überlasse dem PJ die Vollendung des Satzes.

"... ebenso wie ein großes Feuer. Wir brauchen ein kleines Feuerchen am richtigen

Ort."

"Und wo ist der?"

"Hier ...." rufe ich und reiße weitere Platten von der Wand, um die dahinterliegende

Rohrleitung freizulegen. "Die Klimaanlage ..."

"Damit kann der Rauch im gesamten Gebäude verteilt werden!" ruft der PJ begeistert.

"Freunde, Kameraden", rufe ich. "Leiht mir eure Jacken und Schuhe!"

"Werden wir sie zurückbekommen?" fragt der Chef dümmlich.

Ich schaue mich ein wenig in der Leitung um, dann stopfe ich die Jacken, Schuhe, ein paar Inventarlisten, einige Sicherungsbänder ein paar Liter Reinigungsflüssigkeit in

Plastikflaschen und - alte Gewohnheiten wird man so schnell nicht los - die

Brieftasche des Chefs in die Öffnung.

"Löschgas!" rufe ich.

Der PJ springt los und schaltet den Feueralarm ein.

"Was tun sie da?!" schreit der Chef entnervt.

Nichts passiert.

"Ein kleiner ´Fehler´ in der Verkabelung." erklärt der PJ. "Wenn der Feueralarm eingeschaltet wird, wird zugleich das Gas zum Feuerlöschen blockiert, während man das Löschgas abschalten muß, um es ausströmen zu lassen."

"Ihr ´Fehler´?" fragt der Chef.

"Sie sind zu freundlich", grinse ich und werfe das brennende Streichholz in das Loch und bringe die Verkleidung wieder an.

Schneller als man fragen kann "Ist das der Feueralarm?" leuchten alle Lämpchen an der Kontroll-Konsole der Feuermelder auf, während das Echo der Alarmsirenen an unsere Ohren dringt.

"Auf die neuen Farben!" rufe ich, hebe eine Abdeckplatte am Boden auf und hole aus dem Hohlraum darunter drei Flaschen Bier, die genau die richtige Temperatur haben, hervor ...

"Prost!" rufen der Chef und der PJ gemeinsam.

Und da behaupten manche tatsächlich, Orange würde das

Zusammengehörigkeitsgefühl steigern ...

Weiß der B.O.F.H. etwas über das Verschwinden des Telekommunikations-

Managers, dessen Rasenmäher und die Frau, der dieser den Rasen hinterlassen hat?

Ein ruhiger Morgen.

Zyniker könnten freilich behaupten, das läge daran, daß ich alle Anrufe aus der

Nutzerbetreuung an den Manager in der Marketing-Abteilung weiterleite, der uns in der vergangenen Woche mit der Behauptung, wie würden seinen PC nicht schnell genug aufrüsten, nervte. Offenbar konnte er nicht begreifen, daß Doom wichtiger als die Aufrüstung seines Arbeitsspeichers ist. Aber möglicherweise haben es die 71

Anrufer, die sich über ein langsames Netzwerk beschwerten, mittlerweile geschafft, etwas Weisheit in sein Gehirn zu pflanzen.

Auch wenn wir die Nutzer wieder an das Netz angeschlossen haben, so sind sie doch noch immer rastlos und irgendwie verwirrt wegen eines ´Zungenproblems´ mit dem neuen Kaffee-Automaten. Im Rahmen der ziemlich unerwartet über uns gekommen Neuausstattung, zu der auch der irgendwie mißglückte neue Anstrich gehörte, haben die Mächte entschieden, die alten und verbrauchten

Getränkeautomaten durch gepflegte neue zu ersetzen.

Diese Entscheidung war eine angenehme Überraschung für uns unten in der

Netzwerk- und Systembetreuung. Als die alten Getränkeautomaten installiert wurden, hatten der PJ und ich natürlich sofort versucht, den Knopf für ´Tee´ so umzuprogrammieren, daß er eine vegetarische Suppe liefert und der Knopf für die

Suppe den gekochten Inhalt von Staubsaugerbeuteln. Unglücklicherweise war das

Endprodukt unserer Bemühungen noch beliebter als das Original, so daß wir uns entschlossen, die Programmierung wieder rückgängig zu machen.

Jetzt, da wir diese neuen Automaten haben, können die Nutzer nur eines

sagen - nämlich, daß sie ganz bestimmt niemals das bekommen, was sie wollten, was das ganze Konzept der Neuprogrammierung doch sehr lohnend erscheinen läßt.

Und die Igelfleischbrühe hat einige wohlwollende Kritiken bekommen. Ganz zu schweigen vom fröhlichen Augenzwinkern derjenigen, die wirklich glauben, daß die

Aufkleber nur vertauscht wurden und sie in Wirklichkeit Rindfleischbrühe bekommen.

Das Telefon klingelt und ich nehme den Hörer ab. Teilweise tue ich das, weil wir uns langweilen und andererseits, weil der PJ in der Personal-Datenbank gestöbert hat und die Anruferin hübsch genug aussieht, um ihr unsere Aufmerksamkeit zu schenken - nach dem 18. Klingeln.

"Ich brauche ein E-Mail-Programm auf meinem Laptop", höre ich die Anruferin aus dem Lautsprecher reden. Etwas zu selbstsicher, wenn es nach mir geht.

Der PJ prüft das Inventar und bestätigt, daß die Anruferin zu den Nutzern gehört, auf deren Tischen noch die Rechner stehen, die bei der Gründung der Firma aktuell waren. Die einzige Aufrüstung bestand darin, daß auf ihrem 386er mit 8 MB

Arbeitsspeicher jetzt Windows NT läuft. "Von welchem Laptop reden sie?"

"Von dem, das ich benutze, um meine Dissertation zu schreiben."

"Dissertation?"

"Ja, ich besuche nach der Arbeit die Abendschule."

"Also handelt es sich dabei nicht um einen Computer, der der Firma gehört?"

"Nun, er gehört einem Freund, aber die Dissertation ist wichtig für meine Arbeit, und die Firma bezahlt die Kurse, die ich belege."

"Ich bedaure, aber wenn der Laptop nicht zum Inventar gehört, können wir ihn nicht ans Netzwerk anschließen."

"Das ist kein Problem, das habe ich schon gemacht. Ich brauche nur noch ein

E-Mail-Programm."

"Oh, wie nett von ihnen, daß sie uns die Arbeit abgenommen haben."

Dem PJ wird endlich klar, weshalb ich aufgeregt auf einen bisher unidentifizierten

Punkt auf dem Netzwerkplan auf meinem Bildschirm zeige. Der Punkt repräsentiert einen Laptop, den ich mittels SNMP als ein ´Nicht vor Dezember verkaufen´-Exemplar der brandneuen Laptop-Serie identifiziere, von denen zur Zeit im ganzen Land nur ein Dutzend zum Testbetrieb ausgeliefert wurden. Offenbar muß die Anruferin mit wirklich bedeutsamen Arbeiten befaßt sein, wenn sie ein Exemplar des Laptops hat. Ich beginne damit, den Laptop über das Netzwerk auszukundschaften.

"Hallo", ruft der PJ mit belustigter Begeisterung in das Telefon. "Ich habe schon davon gehört - es soll nur 11 Exemplare davon geben."

"Nun, ja, eigentlich sind es 12."

Ein gedämpfter Knall, der durch die Lautsprecher zu uns dringt, bestätigt, daß es sich tatsächlich um das Modell handelt, von dem berichtet wird, daß es mit einem explosiven Desktop Management Interface ausgestattet ist, das auch als

Detonierende Maschinen Interrupt-Problem (DMI) bezeichnet wird.

"Nein, definitiv 11", gluckst der PJ, als er den Hörer zufrieden über eine ordentlich erledigte Aufgabe wieder auflegt.

Zu diesem Zeitpunkt kommt der Chef zufällig vorbei (Offenbar haben wir ihn zuletzt zu freundlich behandelt, denn er hat den mißtrauischen Blick, seine Nervosität und die Angewohnheit, unter seinen Wagen zu schauen, bevor er einsteigt, verloren - trotzdem trägt er immerhin noch Handschuhe, wenn er Türgriffe angreift.).

Er sucht den Telekommunikations-Manager, der anscheinend spurlos verschwunden ist.

"Es ist sehr traurig, daß er verschwunden ist." erkläre ich dem Chef. "Doch andererseits wird es ja immer weniger interessant, ob nun Daten oder Sprache

übertragen wird - also ist sein Verlust vielleicht doch verschmerzbar."

"Darum geht es nicht!" schäumt der Chef in seinem unübertrefflichen

´Das-ist-wirklich-wichtig´-Tonfall.. "Er wurde schon seit einiger Zeit nicht mehr gesehen, und seine Frau hat sich darüber beschwert, daß das Gras zu lang ist!"

Ich schlage die Gelben Seiten bei ´Psychiatrische Kliniken´ auf und reiche sie dem

Chef.

Er schaut mich prüfend und fragend zugleich an.

"Es ist schon bemerkenswert", denke ich laut. "Es gibt einige seltsame Leute, die meinen, eine Nebenstellenanlage sei so kompliziert einzurichten, daß man die

Aufgabe einem Experten aus dem eigenen Unternehmen nicht zumuten könne. Leute, die glauben, ein Telefon am Arbeitsplatz sei eine Selbstverständlichkeit und kein

Privileg. Menschen, die glauben, Netzwerk-Spezialisten seien Abschaum, weil sie geplante Ausfallzeiten haben. Menschen, die nicht wissen, daß man 30.000 Volt durch eine Leitung zur Sprachübertragung schicken kann, ohne auch nur eine Leitung des verwendeten Glasfaser-LANs zu beschädigen."

Jetzt weiß der Chef, daß es sinnlos wäre, seine Zeit für Aussagen wie: "Ich wußte doch, daß sie etwas vorhatten, als ich sie in der letzten Woche traf!" oder "Geht es ihm gut?" zu verschwenden. Stattdessen konzentriert er sich für ein paar

Augenblicke auf das Gewicht in seinen Händen, schlägt das Buch dann schließlich zu, stellt es zurück in das Regal und lächelt dann freundlich.

"Also wird er wohl seinen Rasenmäher nicht so bald zurückverlangen, oder?"

Der B.O.F.H. hilft den Mitarbeitern, ihre Identitätskrise zu überwinden, während der

PJ einen Keil zwischen die Systembetreuung und den Chef treibt ....

Ich komme früh zur Arbeit, um das System zu warten.

Nun, wenn ich von ´früh´ spreche, dann meine ich 9:15 Uhr - denn dann sind alle mit den Datenbank- und Applikationsservern verbunden.

Mein Überwachungsprogramm piept, als es 200 aktive Verbindungen feststellt, so daß ich mein Vorhaben zur Wiedereinführung von Überstunden starten kann ...

Ich programmiere eine Endlosschleife, und das System bricht innerhalb weniger

Augenblicke zusammen.

Erwartungsgemäß stürmt der Chef einem Tornado gleich aus seinem Büro und will zu uns hereinkommen, doch dieser Versuch endet in einem dumpfen Aufschlag, den all seine Energie wird durch einen Keil, den ich unter unsere Tür geklemmt habe, geschluckt. Der Keil ist meine Antwort auf die neuen Brandschutzvorschriften, die vorsehen, daß bestimmte Türen, die nur mit einer Magnetkarte geöffnet werden können, während der Bürostunden offengehalten werden müssen, die elektronische

Verriegelung also aufgehoben wird. Unglücklicherweise bedeutet das auch, daß jeder halbgebildete Mensch aus der PR-Abteilung die geöffnete Tür als Einladung mißverstehen könnte, uns lang und breit zu erzählen, daß jemand seinen PC

"gehackt" hat.

Und wo ich gerade vom Teufel sprach - promt taucht auch ein Kauz aus der

Werbung auf.

"Ich habe doch gesagt, daß wir einen größeren Keil benutzen sollten." murrt der PJ.

"Hallo", ruft der Werbemensch. "Ich glaube, mein Benutzername wurde gehackt!"

"Nein, es ist alles in Ordnung", antworte ich ohne aufzuschauen.

"Doch! Das geht nun schon seit ein paar Wochen so in unserer Abteilung!"

"Etwa seitdem sie die Kamera für Porträtfotos einsetzen, die sie direkt auf selbstklebendem Fotopapier ausdrucken?"

"Ja, das könnte sein, aber was hat das eine mit dem anderen zu tun?!"

"Sie wollen doch nicht sagen, daß sie nicht auch ein Foto ihrer Frau, ihres Haustiers, ihres Autos oder ihrer kleinen Freundin ausgedruckt und auf den unbenutzten Platz auf ihrer Tastatur geklebt haben, wo das ´Großbuchstaben´-Licht sonst immer aufleuchtete, wenn sie die Feststell-Taste gedrückt hatten, oder?"

"Uh ...." murmelt er und hat sichtlich Probleme die Situation zu begreifen.

"Hier ist mein Rat für sie - schneiden sie die Augen aus den Bildern aus und drücken sie immer dann die Feststell-Taste, wenn ihre Frau oder ihr Haustier irgendwie besessen aussieht ..."

Unser Besucher verschwindet mit beschämtem Schweigen, als der PJ herbeikommt.

"Selbstklebendes Fotopapier?"

"Ja", antworte ich. "Für die diesjährige Erneuerung der Mitarbeiterausweise."

"Ich dachte, darum kümmert sich der Wachdienst?"

"Das haben sie im letzten Jahr auch noch getan, doch der neue PR-Chef ist der neue blauäugige Liebling des Geschäftsführers, und sie wissen, was Blauaugen bekommen ..."

"Eine braune Nase vom Arschkriechen?"

"Korrekt. Also hat der PR-Chef sich eine Menge Aufgaben unter den Nagel gerissen, die irgendwie in der Grauzone zwischen den verschiedenen Abteilungen angesiedelt sind."

"Wieso?"

"Mehr Aufgaben, mehr Mitarbeiter. Mehr Verantwortung ..."

"Mehr Kohle!"

"Schon wieder richtig. Ein dürftig getarnter Plan, um mehr Geld zu bekommen."

"Es fällt mir schwer, das zu glauben!" kommentiert der Chef, als er das Büro betritt, da sein Gleichgewichtssinn offenbar wiederhergestellt ist. "Das spart nur Kosten, die dadurch entstehen, daß sich verschiedene Abteilungen unabhängig voneinander um Fotos kümmern."

"Was?" fragt der PJ.

"Weil die PR-Abteilung ein elektronisches Archiv mit allen Fotos der Mitarbeiter unterhält, die sie auch an die Presse herausgeben."

"Ja." antworte ich. "Wenn zum Beispiel ein Erbsenzähler zum

Profit-und-Verlust-Regulierer des Jahres gewählt wird ...."

"Ich ..." beginnt der Chef. "... wie auch immer, deshalb bin ich nicht hier. Wieso ist der Applikationsserver nicht am Netz?"

"Applikationsserver ...." murmle ich und schaue auf den Kalender mit den

Wartungsterminen. "Ja, das ist die geplante Routinewartung."

Ich zeige ihm den entsprechenden Eintrag.

"Solche Wartungsarbeiten sollten sie doch außerhalb der normalen Bürozeit durchführen!"

"Nun, das hätte ich gern getan, doch sie sagten doch, wir sollten Überstunden vermeiden."

"Ja, aber das gilt doch nicht für solch wichtige Server!"

"Das sagten sie doch!" rufe ich und erinnere ihn an Vorfälle in der jüngeren

Vergangenheit. "Sie haben es gesagt, nachdem wir ein ganzes Wochenende mit der

Wartung einer wichtigen Maschine verbracht hatten."

"Der verdammte Getränkeautomat ist kein wichtiger Server!"

"Da sprechen sie aber nur für sich selbst", stichelt der PJ, der Blut geleckt zu haben scheint.

"Der Automat ist nicht wichtig! Fahren sie jetzt den Server wieder hoch!"

"Aber ..." wende ich ein.

"Keine Ausreden mehr, fangen sie an!"

Mit gespieltem Widerwillen starte ich den Server.

Womit nur noch das Problem des Eindringlings bei den PR-Typen bliebe.

Eine schnelle Prüfung ihres Netzwerks liefert mir den richtigen PC und dank äußerst lascher Sicherheitsvorkehrungen und der verwendeten Standard-Passwörter kann ich innerhalb einer Minute schon in der Datenbank für den Fotodrucker lesen und schreiben.

Und da der Drucker nicht über viele Speicherplätze für die Unterschriften unter den

Bildern verfügt, ersetze ich gleich noch ´Wachdienst´, ´Vertragsarbeiter´,

´Reinigungsdienst´, ´Geschäftsführung´ etc. durch sinnvolle Begriffe.

Am nächsten Tag kündigt ein neuerlicher dumpfer Aufschlag den Chef an. Nach einer weiteren Minute bestätigt ein weiterer Aufschlag die Theorie des PJ, daß ein größerer Keil besser funktionieren könnte ...

Nach seiner Entlassung aus dem Krankenzimmer kommt der Chef mit leichten

Prellungen vorbei und klopft freundlich an unsere Tür. Der PJ führt ihn schließlich herein.

"Was ist das?" fragt mich der Chef.

"Das ist ein neuer Mitarbeiterausweis", antworte ich.

"Und wieso steht unter dem Foto ´Erbsenzähler´?"

"Weil das seine Arbeit ist?" vermute ich.

"Sollte das der Fall sein, wie viele Wichser sind wohl in diesem Haus angestellt?"

"Darüber will ich lieber nicht spekulieren ..."

"Offenbar dreiundsiebzig. Siebenundzwanzig Erbsenzähler, 35 Idioten und ein

Arschloch. Damit bin ich gemeint! Oh, und zwei gute Kameraden - aber das wissen sie ja sicher ..."

"Jemand hat den Rechner eines PR-Mitarbeiters gehackt!" schlägt der PJ vor.

"Ja, es scheint so. Aber ich kann nicht glauben, daß die Werbeleute die Fotos nicht geprüft haben, bevor sie sie an die Wachleute weitergaben." antworte ich. "Ich schätze, da müssen wohl alle Fotos neu ausgedruckt werden."

"Das geht nicht!" ruft der Chef. "Der Wachdienst hat keine Blanko-Karten mehr, und die nächste Lieferung kommt frühestens in vierzehn Tagen ..."

Am nächsten Tag herrscht dann auch etwas Verwirrung, als der Wachdienst die neuen Karten austeilt. Es ist lustig, irgendwie sind die Nutzer trotz der aktualisierten

Fotos nicht zufrieden ...

Wann ist schweigen wirklich Gold? Wenn der Chef vorschlägt, große Festplatten zu kaufen und man die neuen Kapazitäten weitervermieten kann.

"... und deshalb schlage ich vor, daß wir die Arbeitsplatzrechner standardisieren und mit großen Festplatten ausstatten, um all den ungenutzten Platz in den Gehäusen auszunutzen ..."

Etwas rüttelt mich auf und ich erwache inmitten einer Runde von Managern in einer

IT-Beratung. Diese Beratungen waren eine Idee des Chefs, um den Sachverstand der Abteilung zusammenzubringen.

Unglücklicherweise gibt es keinen Mindest-Intelligenzquotienten - die einzige

Hürde, die man vor der Teilnahme an einer solchen Beratung überwinden muß, besteht darin, das Beratungszimmer zu finden.

Ich freunde mich mit dem Gedanken an, daß, wenn wir überziehen, ich hören werde, was das Reinigungspersonal sagt, was immer ein wenig Abwechslung in die

Konversation bringt.

"Ah, ich glaube nicht, daß das eine gute Idee angesichts der Sparplä .... Autsch!!" kommentiert der PJ, als ihn unter dem Tisch ein Tritt trifft.

Es ist zu spät, natürlich. Jetzt, da ein Widerspruch geäußert wurde, tritt das Gesetz

über inkompetente Diskussionsrunden in Aktion. Was bedeutet, daß jetzt ein

Diskussion darüber fällig ist, ob die Ablehnung würdig erscheint, überhaupt diskutiert zu werden. Das wird uns zwar eine halbe Stunde näher an das Ende der normalen

Arbeitszeit bringen, bringt uns aber auch weiter von einer Lösung der technischen

Fragen weg.

Wir machen ein Kaffeepause, in der ich mir den PJ schnappe und zur Rede stelle. So ruhig, wie mir das möglich ist, frage ich ihn, was er mit seiner Aktion bezweckt.

"Aber er hat diese großen Laufwerke für alle Arbeitsplatz-PCs empfohlen!" verteidigt er sich. "Viele von den Rechnern haben gar keinen Platz für solche

Laufwerke!"

"Das ist unwichtig. Sie wissen doch, daß die Manager sie nun verspotten und verhöhnen werden, wodurch die Beratung unnötig in die Länge gezogen wird, so daß sie heute nicht mehr arbeiten können."

"Aber ist es nicht unsere Aufgabe, gute Ratschläge zu geben?"

"Machen sie sich nicht lächerlich! Es ist unsere Aufgabe, ihre Entscheidungen zu interpretieren und zu unserem Vorteil zu nutzen."

"Also sind die großen Laufwerke ...?"

"Hmm, halblange 18 Gigabyte-Platten mit 7200 Umdrehungen pro Minute."

"Aber die PCs brauchen doch all die Speicherkapazität gar nicht!"

"Nein, aber wenn wir genügend davon bekommen, können wir ein Wide Area

RAID-5-System mit verteilten Kopien aufbauen!"

"Hä?"

"Also, was hat der durchschnittliche Nutzer auf seiner Festplatte?"

"Das Betriebssystem?"

"Ja, ja, und sonst?"

"?"

Seufz. Nach all unseren gemeinsam durchgestandenen Abenteuern ist er in seinem

Herzen noch immer ein Amateur.

"Ihre E-Mail-Ordner, eine paar eigene Dokumente, die Raubkopie von Leisure Suit

Larry - ihre Pornosammlung versteckt im Verzeichnis YENROH1.DDL im

Windows-Ordner und so weiter."

"Oh! Wirklich?"

"Nun, all das. Und wieviel Platz brauchen wir dafür wirklich? Ein Gigabyte, maximal.

Was bedeutet, daß wir die restlichen 17 Gigabyte für wirklich wichtige Projekte nutzen können!"

"Zum Beispiel?"

"Unsere Dokumente, Spiele, all unsere Pornobilder, die wir auf den Bändern mit der

Aufschrift ´Systemkopie´ 1 bis 200 gespeichert haben."

"Also benutzen wir ihre Festplatten?"

"So ähnlich. Aber sie wissen ja, wie Nutzer sind - sie können die Leertaste nicht finden, wenn ihr Bauch nicht zufällig draufplumpst. Also müssen wir mehrere Kopien parallel anlegen."

"Aber warum nutzen wir dann gleich RAID-5?"

"Nur für den Fall, daß einer der Arbeiter die Post abholt und eine Bombe zurückbringt. Ich habe keine Lust, die automatische Bilderpräsentation nur deshalb unterbrechen zu müssen, weil die halbe Erbsenzählerzentrale auf der anderen

Straßenseite gelandet ist."

"Sie scherzen doch, oder?"

"Größtenteils. Aber vergessen sie nicht, wie das mit Abteilungen voller Schafsköpfe ist - sie fahren alle ihre Rechner herunter, um dann zum Mittagessen zu trotten."

"Nein. Ich glaube, sie verschweigen mir noch etwas."

Mißtrauischer Kerl!

"In Ordnung. Ich habe ein halbes Terrabyte als Online-HSM-Plattenplatz vermietet."

"Hierarchisches Speicher Management?"

"Ja. Unsere Nutzer können mit dem Speicherplatz nichts anfangen, also vermiete ich ihn als Netzwerk-Speicher."

"Sie verkaufen den Plattenplatz der Firma!?"

"Ja, an ein paar Ölmultis, die ihre Sicherheitskopien außerhalb ihrer Unternehmen lagern wollen."

"Das kann ich nicht glauben!" ruft der PJ zutiefst erschüttert.

"Was, meinen machiavellistischen Größenwahn?"

"Nein, daß sie mich nicht eingeweiht haben!"

"Nun, es ist lustig, daß sie das erwähnen. Wenn Dave wieder die Anschaffung von

Festplatten vorschlägt, erwarte ich, daß sie ihr vorlautes Mundwerk halten. Das gilt auch, wenn er die Anschaffung von Monochrom-Monitoren empfiehlt, um die

Ausfallzeiten, die durch übermäßige Augenbelastung verursacht werden, zu verringern. Wir haben einen Interessenten, der eine Wagenladung Farbmonitore braucht."

"Aber das ist doch lächerl .... Oh, Dave arbeitet für sie, oder?" ruft der PJ, als der

Groschen endlich fällt.

"Nicht für, sondern mit mir."

"Aber er ist doch ein kompletter Dummkopf!"

"Oh, so soll er auch nach außen wirken. Er äußert dumme Ideen schneller als das die anderen Manager tun können und hält sie damit davon ab, selber nachzudenken."

Es klopft an der Tür.

"Wo wir gerade vom Teufel sprachen."

"Uh, ich glaube, ich habe mein Passwort vergessen", murmelt Dave.

"Alles in Ordnung, er ist eingeweiht." antworte ich.

"Oh. Gut. Nun, ich habe Gerüchte gehört, nach denen ihr Chef vorschlagen will, die

Manager mit Laptops für ihre Autos auszurüsten - komplett mit

12 Volt-LCD-Monitoren, Handyschnittstelle etc."

"Verdammt!" schluckt der PJ. "Das würde unser Budget für Technik über Monate belasten! Was werden wir dagegen unternehmen?"

"Nun", kommentiert Dave. "Zunächst werde ich die Monitor-Geschichte abblasen, werde Dvorak-Keyboards vorschlagen, um RSI-Erkrankungen (RSI - Repetitive

Strain Injury, ´Tastaturkrankheit´ [thomas w.]) zu verhindern, RS232-Schnittstellen empfehlen, um Ethernet-Kollisionen zu vermeiden, und, wenn das alles nichts hilft,

Wählverbindungen zwischen den Etagen vorschlagen."

Die Schwachstelle des Plans wird uns zwei Tage später bewußt, als 18

Hochgeschwindigkeits-Modems geliefert werden - mit der Erlaubnis des Chefs, der so von dem Vorschlag, die Netzwerke in den Etagen mittels Modem zu verbinden, begeistert war, daß er unser gesamtes Technik-Budget dafür ausgegeben hat.

Nun, man kann nicht immer gewinnen ...

Seufz.

Hypochondrie wütet im Büro. Doch eigentlich ist es die blanke Wut, die im Büro wütet. Bis ein herbeigerufener Psychiater alles aufklärt ....

Das Schicksal will es, daß ich mit dem Chef aneinandergerate. Ich weiß es, er weiß es, und der Rest ist eigentlich nur schmückendes Beiwerk.

Natürlich ist es sein Fehler. Er hat neulich eine Sekretärin eingestellt, die unter

XXXX leidet; mit anderen Worten, sie kann aus medizinischen Gründen nichts tun, was sie nicht tun will. Und wenn es nicht RSI ist, dann ist es eine Version einer bisher unbekannten und daher nicht heilbaren Grippe.

Schließlich reichte es mir, und ich nahm mir den Chef vor, um ihn danach zu fragen, was er in dieser Angelegenheit zu tun gedenkt. Ein Assistent des Chefs der

Personalabteilung ist natürlich eher zufällig dabei.

"Nun, ich würde durchaus etwas in dieser Angelegenheit unternehmen", erklärt dieser. "Doch unser Unternehmen hat strenge Regelungen für die Behandlung von

Mitarbeitern, die unter Krankheiten leiden ..."

"Also wird sie bei uns bleiben?"

"Es sei denn, sie würden Disziplinarmaßnahmen gegen sie vorschlagen. Aber mit welchem Vorwurf?" antwortet er.

"Sie ist unfähig?"

"Sie ist nicht unfähig. Sie leidet nur unter einigen schwierigen Krankheiten, die durch die Arbeit bei uns hervorgerufen wurden. Wir werden ihr Arbeitspensum verringern, um ihr die Chance zur Erholung zu geben."

"Ihr Arbeitspensum verringern?! Sie tut doch schon jetzt gar nichts!"

"Sie organisiert hervorragend meine Versammlungen." wirft der Chef ein.

"Das kommt daher, daß ihre Hand zu sehr schmerzt, um die Details und Termine aufzuschreiben! Sie haben sich mit niemandem getroffen, seit sie bei uns ist."

"Ich treffe sie, oder?" kontert der Chef selbstgefällig.

An dieser Stelle wird mir einiges klarer. Offenbar ist sie Bestandteil eines Plans unseres Chefs, der vorhat, jeden Kontaktversuch seiner Untergebenen an der unfähigen Sekretärin scheitern zu lassen ...

Als ich ihn verlasse, bemerkte ich ein vielsagendes Lächeln im Gesicht der betreffenden Person, die Gegenstand unserer Diskussion war.

"Was er kann, kann ich schon lange!" rufe ich, als ich in unser Büro komme. Ich schiebe den PJ zur Seite und veranlasse einen Neustart aller Switches und aller

Router im Gebäude.

Sekunden später stürmt der Chef herein, wobei ihn seine persönliche Sekretärin begleitet.

"Was geht hier vor?"

"Die Router sind ausgefallen. Ich habe ´all reboot´ getippt statt mit ´all status´ ihre

Verfügbarkeit zu kontrollieren. Ich leide wohl unter einer Schreibstörung!"

"Nun, dann fahren sie sie wieder hoch!" schreit er und hat nur den ihn in der nächsten

Managerversammlung bedrohenden Ärger im Auge ...

"Ja, das würde ich gern tun, aber ich leide auch unter Aufmerksamkeitsproble ... Oh!

Sehen sie, ein grünes Handy! Ist das neu?"

Der Chef geht zum PJ und fordert ihn auf, das Netzwerk wieder zu starten.

Als die ersten ahnungslosen Schäfchen sich den Weg zu uns freigekämpf haben, ist der Startvorgang gerade abgeschlossen, und der PJ befolgt die Anweisungen des

Chefs und kündigt einen sechzigminütigen Test unserer Unterbrechungsfreien

Stromversorgung (USV) in fünf Minuten an - wobei 60 Minuten genau 23 mehr sind, als es die Spezifikation des Herstellers beschreibt.

"Oh nein!" rufe ich. "Tastaturwahnsinn!"

"Wovon sprechen sie?!" schreit der Chef.

"Tastaturwahnsinn! Wie bei Leuten, die im Verkehr durchdrehen, nur viel schlimmer!

Aber das ist nicht sein Fehler, dieses Verhalten wird nur durch die enorme psychische Belastung am Arbeitsplatz hervorgerufen! Er war heute auch schon bei dem Doktor, der auch meine Aufmerks ... Na sowas! dieser Bürosessel funktioniert wirklich hervorragend! Das müssen sie sich anschauen!"

"Ich will, daß sie den USV-Test anhalten!" ruft der Chef.

"Bitte schreien sie nicht so laut", schniefe ich. "Meine Schreibstörung wird unter

Druck nur schlimmer. Sehen sie, was sie angerichtet haben! Jetzt habe ich den Test des Feueralarms abgeschaltet ohne es zu wollen!"

In der Zwischenzeit bearbeitet der PJ seine Tastatur in einer sehr überzeugenden Art und Weise, während unsere beiden Besucher zur Tür flüchten.

"Seien sie vorsichtig!" rufe ich. "Ich kann mich nicht erinnern, ob ich die Fahrstühle eingeschaltet oder abgestellt habe, und wenn ich es getan habe - Ohhh, ist das ein

Anzug von Armani?!"

Am nächsten Tag sitzen der PJ und ich mit unserem Chef beim Leiter der

Personalabteilung, wo sich auch unser Abteilungsleiter zu uns gesellt.

Ein leises Klopfen an der Tür kündigt unseren persönlichen psychiatrischen Beistand an.

"Oh, ich glaube, sie kennen unseren persönlichen Psychiater noch nicht. Das ist

Doktor Brian Analpeeper - Doktor des Psychologie mit dem speziellen Fachgebiet

´Abnormales Verhalten´ von der Bognor Regis Universität."

"Guten Morgen, meine Herren." beginnt Brian. "Ich habe hier die Diagnosen des

Zustandes meiner Patienten. Und ich muß sagen, sie leiden wirklich stark darunter, daß ihre Überichs ihre Gedanken über aktuelle Personalentscheidungen nicht ausdrücken dürfen ...."

Brian beschreibt dann, daß unser gestriges Verhalten beim Strom- und

Systemausfall nur eine Folge davon ist, daß wir wegen einer unfähigen Sekretärin keinen Termin beim Chef bekamen.

"Die beiden sind doch nur Faulpelze, die die Firma auspressen wollen." kommentiert der Chef wütend.

"Ich glaube, daß ich nach diesem Vorwurf mit meinen Patienten allein reden muß, um herauszufinden, ob ihr Kommentar ihrer angegriffenen Psyche geschadet hat."

"Was zum Teufel geht hier eigentlich vor?!"

"Meine Patienten sind sensible Menschen. Wer weiß, was ihr Vorwurf in ihrer

Psyche angerichtet hat. Dieses Treffen kann eine ganze Reihe neuer Probleme ausgelöst haben, könnte neue Schwierigkeiten verursachen, die aus der fortgesetzten Unterdrückung ihrer Untergebenen resultieren."

"Was?!" schreit der Chef, nahe daran, vor Wut zu zerplatzen.

"Warten sie", unterbricht ihn der Personalchef, der eine ausweglose Situation erkennt, wenn sie eintritt. "Wir werden sie versetzen."

"Zum Briefmarkenanlecken in der Post-Abteilung?" frage ich bissig.

"Wir haben eine Frankiermaschine", kommentiert der Chef trocken.

"Nicht mehr lange", erwidert der PJ. "Ich glaube, ich fühle einen Anflug von

Frankierwahnsinn in mir aufsteigen."

"Eine interessante Manifestation eines Traumas", kommentiert Brian. "Nun, ich sehe keinen Grund, länger zu bleiben."

"Sie Bastard!" knurrt der Chef, bevor er laut aufschreit, weil Brians Aktenkoffer ihm die Hand bricht.

"Entschuldigung", erklärt Brian. "Ich bin gerade dabei, mich von meinem

Aktenkofferwahnsinn zu erholen."

Es ist schon beeindruckend, was Psychiater herausfinden, wenn man ihnen nur genug bezahlt ...

Der B.O.F.H. befürchtet die Ausbreitung der Heimarbeit - aber nicht für lange. Er und der PJ finden listigere Wege, um den Stand des Kontos für besondere

Gelegenheiten aufzubessern ...

Es gibt Tage, an denen scheinen der PJ und ich die einzigen zu sein, die ihre

Arbeitszeit im Büro verbringen.

Es scheint einen Trend zu mehr Hausarbeit zu geben, was eine wirklich schlechte

Nachricht für mich ist.

Eine schlechte Nachricht in mehrfacher Hinsicht. Zunächst sind nun weniger

Menschen im Haus, die unsere ´Bemühungen´ zur Unterstützung der

Netzwerknutzer bewundern können; dies bedeutet auch, daß nun weniger potentielle

Opfer bereitstehen.

Weiterhin bedeutet jeder Heimarbeiter mehr, daß wir weitere 64 kBps unserer

Bandbreite, mit der wir mit einen Quake-Server im amerikanischen Arm der Firma verbunden sind, hergeben müssen.

Schließlich, und das ist am wichtigsten, bedeutet mehr Heimarbeit, daß mehr Nutzer uns in den Ohren liegen werden, weil sie mit ihren Einwahlverbindungen nicht zurechtkommen.

Man sieht also, daß Heimarbeit mit Netzzugang schwer handhabbar ist. Sie erfordert nicht nur die Verwendung von Windows NT auf den Workstations, sondern auch die

Benutzung von Modems und von Telefonanschlüssen. Sie macht es auch nötig, daß man die richtige Nummer wählt, um Zugang zum Firmennetz zu erhalten.

Eine schwierige Situation, könnte man denken, wenn man einmal davon absieht, daß wir Windows NT Workstations benutzen, damit wir die Leitungen noch einfacher kappen können als ... nun, mir kommt da die Anatomie eines bestimmten weißen

Wasservogels in den Sinn. Das Modem ist in die PCs schon eingebaut, also dürften die Heimarbeiter wohl kaum Probleme mit falsch verbundenen Anschlüssen haben.

Und das Telefonkabel ist fest mit dem Modem verbunden, so daß sie eigentlich nicht das falsche Ende in die falsche Buchse stecken können. Und am freien Ende hängt ein großes grünes Etikett, auf dem ´In die Telefonbuchse stecken´ steht. Das Etikett ist übrigens aus Stahl, und die Einwahlnummer ist fest in die Modem-Software programmiert. Und bei zehn Prozent der Rechner stimmt sie sogar.

Woran kann es also liegen, daß die Leute sich so schwer damit tun? Immerhin sind es Menschen, die lang und breit beschreiben können, wie man sich richtig auf die

Toilette setzt. Die - mit Ausnahme eines altgedienten Rechnungsprüfers - wissen, welches Ende eines Kugelschreibers auf das Papier gehört. Menschen, die irgendwie diese Prüfung überstanden haben und nun große, schwere Autos mit großen, starken

Motoren fahren dürfen, es aber nicht schaffen, den Stecker des Netzkabels in die einzige Dose zu stecken, in den er hineinpaßt.

Neulich führte der PJ zufällig zum Beispiel das folgende Gespräch:

"Ich kann mich nicht in das Netzwerk einwählen."

"Wirklich? Ist das Modem angeschlossen?"

"Ja, das Problem hatten wir schon gelöst, also habe ich nachgeschaut, ob es angeschlossen ist."

"Konnten sie sich überhaupt schon einmal einwählen?"

"Ja, das funktionierte gestern."

"Haben sie etwas verändert?"

"Nein."

"Wirklich?"

"NEIN!"

"Versuchen sie es jetzt noch einmal."

"Gut ... warten sie ... da steht ´kein Freizeichen´."

"Wie viele Telefonleitungen haben sie in ihrer Wohnung?"

"Nur eine. Wieso?"

>KLICK<

Aber nicht alles ist schlimm. Nutzer, die daheim arbeiten, haben auch ihre Vorteile.

Zum Beispiel haben die Erbsenzähler vor einiger Zeit beschlossen, den Nutzern ihre privaten Anrufe vom Arbeitsplatz aus nicht mehr zu bezahlen.

Sie haben herausgefunden, daß Menschen, die nicht ins Büro kommen, ihre

Dienstapparate auch nicht benutzen können. Deshalb haben wir, der PJ und ich, uns entschlossen, ein wenig Freundlichkeit gegenüber den armen Engeln zu zeigen, die zu sensibel sind, um tägliche Änderungen zu verkraften, und haben ihnen eine kostenlose Einwahlnummer gegeben, über die sie Firmenleitungen zum Telefonieren nutzen können.

Traurigerweise scheint jedoch etwas mit dem Abrechnungssystem der lokalen

Telefongesellschaft schiefgegangen zu sein, denn irgendwie hat es nicht den

Anschein, daß die Rechnung für diese angeblich kostenlosen Gespräche bei dem PJ und mir landen wird. Stattdessen gibt es Gerüchte, daß sich Schwierigkeiten in den

Beziehungen unserer Heimarbeiter besorgniserregend verbreiten. Einige Ehefrauen sollen angeblich 800 Pfund-Telefonrechnungen voller verdächtiger Nummern gefunden haben ... Wie auch immer, der Betrag auf unserem Konto für besondere

Gelegenheiten wächst um 44 Pence pro Minute (35 Pence außerhalb der

Spitzenzeit).

Doch nicht nur das, auch das Management scheint über die Heimarbeit und ihre

Folgen nachzudenken. Sie haben sich etwas ausgedacht, daß sie variable

Arbeitsplätze nennen.

Dabei haben sie sich wohl gedacht, daß sie, wenn niemand im Büro sitzt, trotzdem dafür Miete zahlen. Also, so schlußfolgerten sie, sollte man jemanden in die leeren

Büros setzen und Geld sparen. Natürlich ist es völlig logisch, neue Leute für 30.000

Pfund pro Jahr einzustellen, um einen leeren Büroplatz zu besetzen, der 80 Pfund

Miete im Jahr kostet ...

Wie auch immer, der PJ und ich erblicken durch das Fenster eine riesige

Ansammlung von Lieferwagen und Leuten, die etwas in das Gebäude befördern, das verdächtig nach Trennwänden für quadratische Arbeitskabinen aussieht. Ein

Verdacht kommt mir in den Sinn ...

Ich wundere mich ...

Es wird drei Uhr, und der PJ und ich finden, daß der richtige Moment gekommen ist, um unseren gemütlichen Beratungsraum aufzusuchen, der über einen Billardtisch verfügt und in dem dieses herrliche Bier serviert wird ...

Als wir uns unseren Weg durch die verbalen und handgreiflichen

Auseinandersetzungen bahnen, finden wir es amüsant, daß die Ironie des Schicksals wohl dafür gesorgt hat, daß ein eben eingestellter Programmierer mein vor fünf

Jahren für das Management (das größtenteils freilich nicht mehr bei uns arbeitet oder gerade in der Rehabilitierung ist) geschriebenes Programm zur Planung der

Aufteilung der Büroflächen in Arbeitskabinen gefunden hat.

Aus unerfindlichen Gründen hatte es damals wohl auch nicht richtig funktioniert.

Das Büro des B.O.F.H. erstrahlt im Glanz bunter Lichter, als der Chef der

Erbsenzähler verlangt, daß der B.O.F.H. und der PJ Abrechnungen für ihre

Tätigkeiten vorlegen ...

Eine Anordnung von oben hat ihren Weg zu uns nach unten gefunden, die fordert, daß wir unsere Arbeitsstunden korrekt mit Nachweisen abrechnen sollen. Es geht dabei um die interne Wertschöpfung, die Arbeitskosten und den ganzen Kram.

Anscheinend hat man den Chef dafür verantwortlich gemacht, daß er so hohe Kosten verursacht. Also hat er sich entschieden, aus uns eine Einnahmequelle zu machen, indem wir jede Arbeit auch intern abrechnen, die anderen also für unsere Dienste zahlen müssen. Der oberste Erbsenzähler fand Gefallen an der Idee, also hat er uns ein paar Formulare mit den Vertragsbedingungen und zur Regelung von

Haftungsfragen etc. geschickt.

"Wir zahlen, oder besser, verlieren wieviel in der Stunde?"

Der PJ wird durch meine Worte erschüttert, allerdings fällt der Groschen recht schnell, als er auf meinem Monitor das Fenster der Textverarbeitung des

Chef-Erbsenzählers sieht. Es scheint so, als würde jemand in unserer Abteilung viel

Geld verlieren, wenn mein braver Assistent und ich es nicht schaffen, einen bestimmten Rechner rechtzeitig zu reparieren. Zum Stundenpreis von 1.000 Pfund plus minus ein paar Pennies.

Natürlich es ist schön, zu arbeiten, wenn man weiß, daß sie annehmen, wir seien wirklich soviel wert, doch im Moment versuchen sie wohl nur, die Sache zu beschleunigen. Sie glauben natürlich auch daran, daß wir dabei Rücksicht darauf nehmen würden, welche Verluste wir dem Budget des Chefs verursachen, doch das ist ein völlig anderes Thema.

"Schnell, verändern sie das Dokument, bevor es beim Drucker ankommt", ruft der PJ, der den ´Drucken´-Dialog auftauchen sieht. Er rennt los zu seiner Tastatur, bremst jedoch, als er mein Grinsen sieht.

Und natürlich spaziert der Chef mit seinem Kollegen von den Erbsenzählern im

Schlepptau ein paar Tage später bei uns herein, um zu sehen, was wir machen. Und damit er sich freut, haben wir ein riesiges ´Auftragsstatus´-Display (103 Zoll

TFT-Displays sind nicht billig, doch damit wir es an der Wand anbringen konnten, mußte es ja flach sein.) installiert, auf dem viele gesunde ´grüne´ Aufträge zu sehen sind.

Aber zum besseren Verständnis muß ich das näher beschreiben. Ein ´roter´ Auftrag ist ein Auftrag, den wir nicht innerhalb einer gesetzten Frist erledigen konnten. Ein

´grüner´ Auftrag dagegen ist ein Auftrag, den wir gerade entgegengenommen haben, aber noch nicht die Zeit hatten, uns um ihn zu kümmern, wobei die Frist zur

Erledigung noch nicht abgelaufen ist. Wir haben das Management davon überzeugt, daß es keinen Sinn hätte, erledigte Aufträge anzuzeigen, da dies ja für den

Fortschritt irrelevant wäre. Natürlich, die Tatsache, daß es auch noch keinen bearbeiteten Auftrag anzuzeigen gibt, macht diese Information noch überflüssiger, aber so genau haben wir das freilich niemandem erklärt.

"Das sieht ja ganz gut aus, Kameraden", erklärt der Chef-Erbsenzähler in seinem

´Ausgemusterter-Leutnant, der sich noch immer als Oberst fühlt´-Tonfall. "Die

Sache geht ja voran, wie ich sehe!"

"Oh, natürlich, Sir, wir kümmern uns darum, unser Ziel zu erreichen." Ja, aber ich werde mich hüten, dir zu sagen, was unser Ziel ist.

Das Telefon klingelt und der PJ zuckt, aufgeschreckt durch den ´Nimm ab oder stirb´-Blick des Chefs, zusammen, bevor er den Hörer abnimmt.

Er lernt ja noch.

"Systembetreuung, PJ am Apparat."

Der Chef schafft es, den obersten Erbsenzähler hinauszubugsieren, während der sich noch freut und sich der PJ um seinen ´Kunden´ kümmert.

"Ja, ich weiß, daß wir es bisher noch nicht geschafft haben, bei ihnen vorbeizukommen. Das liegt daran, daß wir im Moment wirklich beschäftigt sind. Aber wir liegen ja noch in der festgelegten Frist zur Behebung des Problems - ja, ich weiß, daß sie am 8. September angerufen haben - ja, wir haben heute den 30. September.

Was ist das? Aber sicher werde ich mich darum kümmern - ah, hier steht es ja. Der

14. April 2003 scheint der letztmögliche Termin zu sein. Wissen sie was, ich werde sie einfach am 13. April anrufen und fragen, ob sie noch bei uns arbeiten, um sicherzugehen, daß meine Bemühungen nicht umsonst sind, weil sie vielleicht aus dem Fenster gefallen sind. Nein, das soll keine Drohung sein, nur eine Möglichkeit.

Wiederhören."

Die Tage vergehen, während sich unser Teilzeit-Assistent (den wir für zwei

Stunden am Tag verpflichtet haben) um die weniger schwierigen Probleme, die es mal hier mal da gibt, kümmert, damit wir uns voll auf die wirklich wichtigen Aufträge konzentrieren können und damit das Auftragsstatus-

Display nicht zu voll wird.

In der Zwischenzeit macht sich Unmut unter den Nutzern breit, die offenbar nicht begreifen wollen, wie schwer es ist, daß Display voller grüner Anzeigen zu erhalten.

Es dauert vierzehn Tage, bis der Chef begreift, was wir wirklich tun, doch unser

Trainig hat scheinbar schon gewirkt, als er vorbeikommt, um sich zu erkundigen, was passiert.

"Sagen sie mir", fordert er. "Sagen sie mir, wie viele Anrufe sie bisher endgültig bearbeitet haben?"

"Das hängt davon ab, wie sie ´endgültig´ definieren." erwidere ich.

"Als ´Problem wurde gelöst´!"

"Das hängt ganz davon ab, was sie unter ´gelöst´ verstehen."

"AAAAAGGGGHHHHHH!!"

"In Ordnung, lassen sie es mich beschreiben. Wir legen für jeden Auftrag eine angemessene Frist fest, in der wir den Auftrag richtig bearbeiten können. Richtig?"

"Riiiicccchhhhtttiiiigggg ..."

"Wir haben nun zwei Möglichkeiten. Erstens könnten wir uns darum kümmern und das Problem lösen. Dies erfordert Zeit, die uns davon abhält, unsere eigentlichen

Aufgaben zu erledigen."

"Nein, ich werde jetzt nicht fragen, was sie sich darunter vorstellen. Was ist die andere Möglichkeit?"

"Wir besuchen eine Kneipe und kümmern uns um die wirklich wichtige

Netzwerkwartung. Und, während die Zeit vergeht, rückt das Ende der Frist für die

Erledigung der vielen Aufträge näher, während das Problem, oder, besser noch, der

Nutzer, schon von selbst verschwunden ist. Der Fristengenerator ist nämlich direkt mit der Mitarbeiterdatenbank verbunden."

Ein Zwinkern seiner Augen verrät mir, daß der Chef verstanden hat. Und er weiß gut, daß er uns jetzt nur etwas vorschlagen kann, das meinen Kollegen und mich erfreuen wird.

Entschlossen marschiert er nach draußen, um eine halbe Stunde später mit einem triumphierenden Lächeln zurückzukommen.

"Ich habe den Finanzchef davon überzeugt, daß die Aufgaben noch vor dem Ablaufen der gesetzten Fristen erledigt werden könnten, wenn er einem Prämiensystem für unsere Abteilung zustimmt."

"Wieviel?"

"Fragen sie nicht. Genügend."

Innerhalb eines Tages ist das halbe Display der Auftragsstatusanzeige dunkel, und unsere Kasse für besondere Gelegenheiten, die mit dem Budget des Chefs verknüpft ist, sieht gesünder aus als jemals zuvor. Ich beginne, die Idee der ´öffentlichen´

Rechenschaftslegung zu mögen.

Eine Wette und ein Besäufnis später fühlt der B.O.F.H. sich nicht ganz wohl, weil er sich auf das Teepausen-Kontinuum einließ ...

Es geht mir nicht gut.

In Wirklichkeit kann ich sogar sagen, daß ich mich erbärmlich fühle.

Doch da ich die mir zustehende bezahlte Krankenzeit schon während der

Weltmeisterschaft aufgebraucht habe und die Erfindung eines Bombenangriffs wohl zu drastisch wäre, kämpfe ich mich an meinen Arbeitsplatz. Und wenn ich mich schon schlecht fühle, kann ich meine Kopfschmerzen auch am Arbeitsplatz pflegen.

Dabei fühle ich mich schon etwas besser. Die Ursache für meinen Zustand war leicht gefunden, als ich nach dem Aufstehen die eingetrockneten Überreste von halbverdautem Kebap auf meinem Fernseher und die halbvolle Tasse Kaffee auf meinem Tisch sah.

Eine vage Erinnerung tauchte in meinem Geist auf, kollidierte mit einer anderen dunklen Ahnung und verschwand wieder ... Es scheint, als könne ich mich an ein

Riesenbesäufnis erinnern, das im Pub begann, der gleich neben unserem

Firmengebäude liegt, und daß es das Ergebnis einer Wette war, die das Schicksal mich gewinnen ließ.

Eine Wette, an der zweifellos auch der Chef in irgendeiner Weise beteiligt war - direkt oder indirekt - dessen imperialer Aufforderung, die morgendliche und die

nachmittägliche Teepause sorgfältig zu beachten ich folgen sollte. Offenbar wird aber vorausgesetzt, daß wir diese Pause pro Tag nur einmal in Anspruch nehmen.

Und sie soll dann auch nur 15 Minuten dauern - eine Zeitspanne, die von den Uhren der Firma und nicht durch eigene Zeitmesser überwacht wird. Ja, ich rede über eine grausame und unangebrachte Bestrafung.

Natürlich konnte niemand ahnen, daß diese Anordnung wirklich durchgesetzt werden sollte - bis ein Lohnscheck über eine Summe, die niedriger war als erwartet, zeigte, daß die unautorisierten Zeitpläne, denen der PJ und ich folgten, nicht unbeobachtet geblieben waren.

Ich schaffe es irgendwie, mich zur Arbeit zu schleppen, doch ich muß zugeben, daß es mich mächtig geschafft hat, die relative Sicherheit meines Büros zu erreichen. Es ist Zeit für eine Ruhepause.

Ich leite Anrufe auf meine Apparate an die Netzwerkbetreuung der Firma um, die drei

Häuser entfernt von uns residiert und gönne mir den wohlverdienten Schlaf.

Eine Stunde später werde ich durch die Ankunft des PJs im Büro geweckt. Nun, um ganz genau zu sein, das Geräusch des durch die Tür fallenden PJ ist es, was mich weckt.

Ihm geht es nicht viel besser als mir, doch ich hoffe, daß sein Gedächtnis in einem besseren Zustand als das meinige ist.

Eine Hoffnung, die sich schnell verflüchtigt, als mir erklärt, er könne sich nur noch daran erinnern, daß wir die Toner aus der Faxmaschine herausgenommen und die

Lämpchen für ´Toner leer´ und ´Toner entfernt´ ausgetauscht haben.

Weiteres Fragen bringt nichts, als der PJ erklärt, daß er sich als nächstes daran erinnert, wie er im Kabelschacht im Hinterteil des Hauses aufwachte.

Ich werde neugieriger und neugieriger ...

Ich kann mich daran erinnern, daß der Anlaß wohl irgendeine größere Feier war, etwas, das man in der Computerbranche nur selten erlebt (so selten, wie die

Veröffentlichung eines fehlerfreien Programms durch Microsoft).

Die Aufzeichnungen der Überwachungskameras sind keine Hilfe, da sie nur zeigen, wie wir gegen 17:22 Uhr das Gebäude in ziemlich zerknautscht aussehender

Kleidung in der Begleitung einiger Sekretärinnen, deren Kleidung nicht viel besser aussieht, verlassen.

Da ich ein über langjährige Erfahrungen bei der Problemlösung verfügender Profi bin, folge ich der ersten Regel zur Lösung von Problemen und stelle die Frage: "Was hat sich verändert?" Meine Beobachtung zeigt, daß nicht gerade viele Leute im Haus gesund aussehen.

Ich befolge die zweite Regel beim Lösen von Problemen und kehre zum

Ausgangspunkt zurück - 17:22 Uhr ist viel zu spät für mich, um noch zu arbeiten.

Ganz offensichtlich muß ich also etwas anderes getan haben.

Ich rufe einen der menschlicheren Anwälte der Firma an, der diese Woche damit verbringt, in seiner Bar seiner Zweitbeschäftigung nachzugehen, und frage ihn, ob er sich an uns erinnert.

Und schließlich schaffe ich es, ihn an seinem Handy zu erreichen.

"Ja, sie haben mich gebeten, die Bar viel früher zu öffnen ..."

"Wann war das?" frage ich.

"Etwa 10:30 Uhr am Vormittag."

Da ich zeitliche und sonstige Erinnerungen verloren habe, folgen wichtigere Fragen.

"Haben wir viel ausgegeben?" frage ich mit leichter Bestürzung.

"Nein, eigentlich nicht." antwortet er. "Nicht, nachdem sie darauf hingewiesen haben, daß ein Rundschreiben ihres Chefs die Verantwortung der Firma für die

Getränke, die sie und die gesamte Belegschaft zwischen 10 Uhr und 11 Uhr zu sich nehmen, bekräftigt."

"Und was geschah um 11 Uhr?" fragt der PJ hinter mir.

"Es ist noch nicht 11 Uhr. Die Uhr zeigt 10:49 Uhr an, wobei sie wirklich ziemlich langsam zu laufen scheint. Ich habe keine Ahnung, wieso, aber es ist so ...."

Ein weitere Groschen fällt, und ich kann mich verschwommen daran erinnern, daß wir die Kalibrierung des Impulsgebers für die Uhren der Firma verändert haben, um uns eine längere Teepause zu verschaffen. Anscheinend war der Hammer nicht gerade

das beste Werkzeug dafür.

"Sie meinen, ein Tag dauert von 10:30 bis 11:00?" schnappt der PJ nach Luft.

"Ah ... zwei Tage, um genau zu sein."

Ein kurzer Blick auf die unwahrscheinlich kleinen Ziffern meiner Armbanduhr bestätigt diese Version.

"Verdammt! Wie hat das Management darauf reagiert?"

"Nun, ihr Chef hat uns vor 16 Stun ... ich meine 6 Minuten verlassen, und er wollte in fünf Minuten zurückkommen. Die gesamte Rechtsabteilung ist hier, da sie ihren spätmorgendlichen Tee genießen wollen, und die Leute aus der Personal-Abteilung nehmen ihren Tee in Ein-Minuten-Abständen zu sich."

43 Stunden [11 Minuten] später werden der PJ, ich und einige zum harten Kern gehörende Trinker der Rechts- und der Personal-Abteilung aus dem Haus begleitet.

Durch die Polizei.

Ich sagte es einmal, und ich sagte es tausendmal: "SSS GEEETTT MRRRR

GGGTTTT!" Und das darf zitiert werden.

Eine gefälschte Dokumentation mag die Prüfer beeindrucken, doch der Chef landet trotzdem im Krankenhaus ...

Ich spüre, daß etwas in der Luft liegt. Ich weiß es sofort. Erfahrene Profis haben dafür einen siebten Sinn entwickelt.

Der PJ bestätigt meine Ahnungen, als er von der morgendlichen Teepause - im

Pub - zurückkommt und sich neugierig umschaut, ob noch alle Dinge an ihrem angestammten Platz stehen.

Es ist wie ein vielversprechender Duft.

Der Chef führt etwas im Schilde. Wir sind vielleicht überempfindlich, doch ich glaube, er nimmt es uns ein wenig übel, daß wir das Gerücht verbreitet haben, es handele sich bei dem grauen Staub, der über Nacht überall in der Nutzerbetreuung auftauchte, um Asbeststaub. Das war vor zwei Tagen, doch die Massenhysterie und die grassierende Hypochondrie flauten noch immer nicht ab, obwohl mittlerweile bewiesen wurde, daß es sich bei dem Staub um gefärbtes Puder handelt.

Wir ahnen, daß er Rache üben will, und als er zu uns hereinwatschelt, hat das

Warten darauf endlich ein Ende.

"Ich denke es wird Zeit, daß wir uns um die Dokumentation kümmern", sagt er, nachdem er seinen Vorrat an unverbindlichen Nettigkeiten ("Wie geht es ihnen?",

"Was macht das Netzwerk?" und "Sind das da die Speicherchips, die ich in meinem

PC vermisse?") verbraucht hat.

"Dokumentation?"

"Ja, eine Beschreibung der Technik, der Konfigurations-Standards, der Netzwerk- und Systemtopologie, spezielle Anpassungen", plappert er und spult dabei offenbar sorgfältig gelernte Sätze herab, mit deren Studium er sein Gehirn unter größtem persönlichen Risiko, andere wichtige Informationen (wo er wohnt, wie er heißt, wann es angebracht ist, den Reißverschluß seiner Hose zu öffnen, etc.) zu vergessen, gemartert hat.

"Aber das haben wir doch schon getan - im brandsicheren Schrank für die

Sicherungsbänder", antworte ich und deute auf ein graues Monster von einem

Möbelstück in der Ecke, das ich bisher nur einmal geöffnet habe.

"Gut, dann werfen wir doch einmal einen Blick drauf."

"Nun, das würde ich ja gern tun, doch mein Assistent hat den Schlüssel verloren, nachdem er die Informationen auf den neuesten Stand gebracht hatte!" rufe ich und mache den PJ zum Sündenbock für diese spezielle Ausrede. (Natürlich haben wir das so abgesprochen ...)

"Dann holen sie einen Schlosser herbei!" schreit der Chef, der sich von kleinen

Details nicht aufhalten lassen will.

Drei Stunden und einen Feueralarm später ist die ´Dokumentation´ nur noch ein

Haufen Asche in dem nun geöffneten Schrank. Daß sie das auch schon war, als ich sie im Schrank hinterlegte, tut natürlich nichts zur Sache.

"Ich habe keine Ahnung, weshalb der PJ die Flasche mit dem Magnetkopfreiniger gleich neben der Stelle plaziert hat, die der Schlosser mit seinem Schweißbrenner behandeln mußte, um den Schrank zu öffnen. Was für ein Versehen!" jammere ich und muß gegen ein Kichern kämpfen, als der Chef, der es natürlich zu eilig hatte, an die Dokumentation zu kommen, seine Hände behutsam mit Brandsalbe behandelt.

"Das ist jetzt irrelevant. Ich brauche eine Dokumentation, um sie den Prüfern vorzulegen."

"Die Prüfer!" protestiere ich. "Welcher geheiligte Erbsenzähler will von uns eine

Dokumentation?"

"Nicht die Rechnungsprüfer, Firmenprüfer. Seit die Firma sich an die Amerikaner verkauft hat, müssen wir jeden unserer Schritte prüfen lassen, damit sie sicher sind, daß wir wie eine Maschine sind, bei der alles ohne Schwierigkeiten läuft."

"Mein Geld steckt in einem 73er Ford Escort, der mit drei Zylindern und Wasser im

Benzin läuft, aber ich denke, daß ich sie begriffen habe."

"Also erwarte ich neue Ausdrucke der Dokumentation am nächsten Morgen", sagt der Chef und verläßt uns.

"Prüfer?" fragt der PJ. "Davon habe ich noch nie gehört."

"Es wäre wohl besser, wenn sie ein paar Handbuchseiten scannen und mit der

Texterkennung an die Textverarbeitung schicken, um die Dokumentation etwas aufzublähen. Ich werde die Ausgabe des Topologie-Monitors in ein anderes

Dokument umleiten und mit 24 Pixeln Zeichengröße ausdrucken, was für etwa hundert Seiten reichen sollte. Dann lasse ich ein Perl-Skript über den Domain Name

Server laufen, um ein paar ergänzende Informationen hinzuzufügen. Und schließlich werde ich mich um das Inhaltsverzeichnis kümmern, etc.", antworte ich.

"Werden sie nicht merken, daß es Müll ist?" fragt der PJ.

"Nein, es werden so viele Seiten sein, daß sie nur das Inhaltsverzeichnis überfliegen und zufällig ein paar Seiten aufschlagen werden. Was mich darauf bringt, daß ich für die Seiten mit dem glaubwürdigen Inhalt noch etwas schwereres Papier brauche, damit diese Seiten leichter gefunden werden können."

"Man könnte meinen, sie hätten das schon einmal gemacht."

"Einer der Tricks bei Vertragsgeschäften. Die Nachfrage nach Papier mit

100 Gramm Gewicht je Quadratzentimeter steigt immer, wenn eine schriftliche

Firmenpräsentation fällig ist."

Drei Sunden später haben wir ein Dokument, das den durchschnittlichen Anfänger wohl beeindrucken kann, doch wenn man bedenkt, daß die Prüfer ja keine Anfänger sind, so muß ich noch ein paar Seiten mit glaubwürdigen Inhalten anfertigen.

Eine weitere Stunde später habe ich ein paar gute Seiten über ´Hot Swapping´,

´Fehlervorbeugung´, ´Ausfallsicherheit´, ´Vergabe von Namen im Netzwerk´ und

´Routerkonfiguration´ zusammengesammelt.

Ich füge noch einige akkurat klingende Palaver über die Verkabelung, Steckdosen und Anschlüsse hinzu, ein paar Beschreibungen über unsere Notfallmaßnahmen und

Sicherheitseinstellungen. Ich hefte alles in einem entsprechend benannten Ordner zusammen, dann übergebe ich ihn dem ´Alterungsprozeß´, der darin besteht, daß ich ein wenig darauf herumhüpfe, den Ordner durch den Raum werfe, wobei ein paar

Seiten herausfallen, und Essensreste auf einigen Seiten verteile, damit sie aussehen, als wären sie häufig genutzt.

Das Dokument wird vorgelegt und, da es keine weiteren Reaktionen gibt, macht die

Prüfer offenbar glücklich.

Und so kommt es, daß der PJ und ich am nächsten Tag neben dem

Netzwerk-Monitor stehen, der anzeigt, daß ein Router demnächst wohl damit beginnen wird, mit niemandem anderen mehr zu kommunizieren.

"Das wird den Chef auf die Idee bringen, redundante Router anzuschaffen."

"Sind sie sich dessen sicher?"

"Nun, die Software der alten Router unterstützt Redundanz noch nicht - das würde

Speicherfehler verursachen. Natürlich habe ich vergessen, das zu dokumentieren.

Gerade ist es mir eingefallen, daß ich auch nicht dokumentiert habe, daß ..."

Ein lauter Knall aus der nächsten Etage unterbricht mich.

"Die Leiter für den Notausstieg ist noch nicht am Dach festgeschraubt."

Fünf Minuten später ist der Chef auf dem Weg ins Krankenhaus und die

Dokumentation auf ihrer Reise in den Ofen.

Ein gefälschter Leistungsvergleich für Computer mag Hohlköpfe in Polyesteranzügen beeindrucken, doch der kluge B.O.F.H. hält eine kleine Überraschung in seiner

Tasche bereit ....

Ich bin auf einer Veranstaltung, auf der ein Hersteller seine neuesten

Mini-Computer vorstellt.

Und wie erwartet besteht das Publikum aus Hohlköpfen, bei denen es anscheinend modern ist, Anzüge aus 100 Prozent Polyester zu tragen.

Und, ebenfalls erwartungsgemäß, der Hersteller preist seine neue Technik in höchsten Tönen, während er gleichzeitig seiner Stammkundschaft zu versichern versucht, sie sei kein ERSATZ für die Technik, die sie sich vor ein paar Monaten angeschafft haben, sondern nur ein parallel hergestelltes Produkt.

Die Tatsache, daß die Rechner aus dem letzten Quartal aus dem Hardware-Katalog gestrichen wurden (zusammen mit dem Herstellerservice) ist reiner Zufall ... Wie auch die Seriennummer auf dem Vorführgerät, die impliziert, daß dieses vor SECHS

Monaten hergestellt wurde. Nein, nein, das war kein billiger Ramschverkauf damals, sondern das ist wirklich ein reiner Zufall.

Oh, und ein Wechsel auf eine völlig neue Architektur ...

Also sehen wir das neue Modell mit den neuen Anschlüssen (was bedeutet, daß die auf Vorrat angeschafften Steckkarten und Peripheriegeräte ungefähr so wertvoll sind wie XT-Thin Wire-Steckkarten), das zwanzig Prozent mehr

Prozessorgeschwindigkeit bringt, achtzig Prozent teurer ist und durch ein um zweihundert Prozent größeres und häßlicheres Logo gekennzeichnet ist. Natürlich bricht bei den Zuhörern angesichts dieser neuen Errungenschaften sofort die typische Begeisterung der Ahnungslosen aus.

"Wie sie sehen", erklärt der Vorführer mit einem schleimigen Grinsen. "Wie sie hier sehen, zeigt der SpecWUPGW Int, daß unsere Modelle besser bewertet werden, als die Modelle der gesamten Konkurrenz ..."

"Ah", unterbreche ich ihn und unterdrücke den Anflug von Trauer, den diese plumpe

Vorspiegelung von Ehrlichkeit in mir hervorruft. "Könnte das daran liegen, daß sie den SpecWUPGW Int erfunden haben, um die Vorteile ihrer neuen Architektur auszunutzen?"

"Natürlich nicht", erwidert der Vorführer pikiert. "Der SpecWUPGW Int ist ein offener Industriestandard!"

"Und wer", fahre ich fort, obwohl ich schon weiß, was noch kommt. "Wer hat diesen

Standard entwickelt?"

"Nun, ich muß, mit etwas Stolz, zugeben, daß unser Unternehmen in der Lage war, diesen Standard zu entwickeln, der die wirklichen Bedürfnisse eines Nutzers widerspiegelt und so einen echten Vergleich verschiedener Systeme ermöglicht, der weitaus aussagekräftiger ist, als die üblichen Testmethoden, die nur ein paar

Integer-Berechnungen durchführen."

"Mit anderen Worten - sie haben diesen Standard für sich entwickelt?"

"Nein, nein! Die anderen Standards zum Vergleich von Systemen haben nicht genügend berücksichtigt, daß es verschiedene Arten von Nutzern gibt, die an einem

Computer arbeiten - seien es Programmierer, Nutzer von Datenbanken und so weiter. Der SpecWUPGW bezieht all diese Faktoren mit ein und liefert ein Ergebnis, welches das ´Gesamtsystem´ oder, wie wir es nennen, die ´Holistische

Interoperativität´ vollständig repräsentiert."

Ich schaue mich um und stelle fest, daß die anderen Zuhörer zu 60 Prozent das typische Verhalten von Einkäufern zeigen, deren Verstand schon längst kapituliert hat.

"Und wofür steht SpecWUPGW eigentlich?" will ich wissen.

"Spezifikation wenn Ummmmmdmd Pdndn Guidnd Wdrn", murmelt er.

"Entschuldigung?"

"Spezifikation wenn unsere Peripherie genutzt wird." murmelt er scheu.

"Oh! Sie sagen also, daß, wenn wir eine ihrer SCSI-Festplatten in, sagen wir, das

Modell eines Konkurrenten einbauen, der Prozessor so damit beschäftigt sein wird, die Fehler zu berichtigen, die ihr dem Standard nicht gehorchendes Gerät verursacht, daß er kaum dazu kommt, wirklich zu arbeiten?"

"Nein, das ist es nicht", keucht er verärgert. "Aber lassen sie mich ihnen das System in Aktion vorführen. Das wird sie sicher überzeugen!!!"

Er schaltet das Gerät ein, und es startet mit einem wirklich beeindruckenden Klang.

Allein dieser rechtfertigt, kombiniert mit dem neuen bunten Begrüßungsbild, die

Hälfte des Kaufpreises!!!

"Und wenn sich vielleicht ein Freiwill ..."

Beinahe hätte ich meine Achillessehne verletzt, als ich nach vorn zum Podium eile.

Bestimmt bin ich nicht der Freiwillige, den er erwartet hat - wahrscheinlich hat er mit einem vorbereiteten Schauspieler gerechnet, dessen einfache Fragen er mit einem "Schauen sie sich das hier an!" beantworten kann.

"Ah", murmelt er bemüht, mich nicht in die Nähe seines Vorführgerätes gelangen zu lassen, doch ihm bleibt nun keine andere Wahl mehr. "Wie wäre es, wenn sie die graphische Benutzeroberfläche starten, indem sie auf das kleine Symbol klicken?"

Ich folge seinem Vorschlag und bin wirklich von der Geschwindigkeit beeindruckt.

Wie übrigens auch der Rest der Zuschauer, die näherkommen, um alles besser zu sehen ...

Ich verberge meine Hand für kurze Zeit ... Und schneller als man "Was ist das, zerschnittene Aluminiumfolie? Die Verpackung einer Schokoladentafel?

Eisenspäne?" sagen kann, habe ich eine kleine Menge Aluminiumfolie durch die gierigen Löcher der Kühlanlage in das Gehäuse geschmuggelt.

Der folgende Kurzschluß, der Rauch und die mittlere Explosion schlossen das

Vergnügen für diesen Nachmittag ab - sie ruinierten die Verkaufsprospekte und ließen den Vorführer mit einer ´schockierenden´ neuen Frisur flüchten - nachdem er aus seiner Ohnmacht wieder erwacht war. Es ist eigentlich unnötig zu sagen, wie es weiterging, denn das ist, wie man so schön sagt, Geschichte. Das neue Modell wurde nicht grundsätzlich vom Markt genommen, sondern eine neue Vorführung organisiert, nachdem man die ´Netzteilprobleme´ behoben hatte, aber immerhin hat die Verzögerung dafür gesorgt, daß die Preise für die Peripheriegeräte, die ich im

Angebot habe, wieder stiegen und ich die Geräte an einen anderen ahnungslosen

Kunden unseres Lieferanten loswerden konnte.

Wie sagt man so schön - in der Liebe und beim Hardwareverkauf ist alles erlaubt ...

Man glaubt kaum, was mit der Kreditkarte des Chefs passiert ... und es ist nicht nur der B.O.F.H., der seine Finger im Spiel hat - er hat einen neuen flexiblen Freund ...

Ich wühle mich durch die Wagenladung morgendlicher E-Mails, sortiere all die

Werbung aus, die etwas mit Kreditkarten, kostenlosen Krediten, Karrierechancen und neuen, erweiterten Sex-Angeboten im WWW zu tun hat.

Den Web-Cache, der für den Chef bestimmt ist, mit Pornographie aufzufüllen, ist der sicherere Weg, um ungestraft während der Arbeitszeit entsprechende Bilder anzuschauen. Und er spart uns die Mühe, darauf zu warten, daß die Daten sich erst durch die überlastete Ethernet-Anbindung des Anbieters zu uns quälen müssen.

Ja, daß wir die Daten der Firmenkreditkarte des Chefs für unser kleines Programm benutzt haben, das automatisch nach Pornoseiten sucht, war vielleicht etwas unanständig, doch das zählt nicht, wenn man über einen gut gefüllten Cache verfügen will.

Und der Chef zahlt bestimmt - allein in diesem Monat mußte ich sein Limit zweimal erhöhen lassen, damit unser freundliches und aufmerksames Programm all die Seiten bedienen konnte, die es gefunden hat.

Wenn er nicht vorgehabt hätte, etwas mit seiner Kreditkarte zu kaufen, dann hätte er schließlich auch keine beantragt. Noch hätte er sie achtlos in einem versiegelten

Umschlag herumliegen lassen, der in einer Aktentasche versteckt war, die in einem

Schrank mit der Aufschrift ´IT94 Konferenz-Unterlagen´ stand, in dem wir

Sicherungskopien aufbewahren. Ja, die Karte lud wirklich geradezu dazu ein, sie auch zu nutzen.

Wie auch immer, der Cache machte sich sehr bezahlt, als ich die beiden neuen 9

Gigabyte-Festplatten in den Server eingebaut hatte. Mit anderen Worten - ein sehr schöner Abschluß - oder ein Anfang ....

"Ich habe ein Problem mit den Nutzungsstatistiken für die Rechner", beschwert er sich und stürmt so schnell ins Büro, daß ich die ´Cache-Ausnutzungs-Statistik´ nur löschen kann, indem ich meinen Monitor abschalte.

"Worum geht es?" frage ich.

"Nun, dieser Statistik entnehme ich, daß mein Rechner unheimlich viel Datenverkehr außerhalb der Bürozeiten verursacht."

"Wirklich!" erwidere ich. Offenbar schaut meine Porno-Goldmine dem Ende ihrer

Existenz entgegen.

"Oh, das ist das DHCP Mapping", springt der PJ ein. "Das liegt daran, daß unser

DNS nicht dynamisch ist, also wird das alles ihrer Maschine zugerechnet, obwohl es in Wirklichkeit eine andere Maschine ist, die ihre IP-Adresse benutzt und so in den

Nutzungsstatistiken auftaucht."

"Hmmm ... wirklich?" reagiert der Chef, dessen technischer Verstand offenbar nahe daran ist, in unbekannten Gewässern unterzugehen.

"Ja, darüber müssen sie sich keine Sorgen machen."

"Oh", sagt der Chef und ist glücklich darüber, daß sein PC nur ihm treu ergeben ist.

"Aber wer hat den Datentransfer mit meiner IP dann verursacht?"

"Ah ... das könnte möglicherweise unser eigener Webserver gewesen sein", werfe ich ein.

"Aber ich dachte, sie hätten mir letzte Woche gesagt, die Server nutzen DHCP nicht?" bemerkt der Chef und verblüfft mich damit, daß seine Gegenfrage durchaus korrekt ist.

"Nein, nein, ich sagte, daß die Surfer DHCP nicht benutzen - weil ... ah ... die meisten von ihnen nicht einmal PCs besitzen ... und die, die einen besitzen, nehmen ihn bestimmt nicht mit an den Strand ..."

"Was haben Surfer mit unserer Firma zu tun?" platzt der Chef heraus. Er ist nun noch mehr verwirrt als sonst ...

"Ich habe keine Ahnung", antworte ich.

"Und warum haben sie davon angefangen?"

"Ich wollte nur etwas Zeit totschlagen ...."

Unsere Konversation wird durch die Ankunft eines Erbsenzählers unterbrochen, dessen Blick einen besorgten Ausdruck zeigt, was nur bedeuten kann, daß der

Kreditkarten-Adler gelandet ist. Mit einer Bruchlandung, wenn ich seinen

Gesichtsausdruck richtig deute.

"Es geht um ihre Firmenkreditkarte", murmelt der Erbsenzähler vorsichtig.

"Was soll damit sein?"

"Das Konto steht bei 23.000 Pfund. In roten Zahlen!"

Ich bin leicht schockiert über diese Zahl, da ich das Limit nur auf 10.000 Pfund hochgesetzt hatte, doch die Kreditkartenfirma war wohl ganz wild darauf, neue

Einnahmen zu erzielen ...

"Das ist doch lächerlich!" erwidert der Chef.

"Hier steht alles schwarz auf weiß - doch meistens rot", sagt der Erbsenzähler und wedelt mit einigen Ausdrucken. "Was hat das zu bedeuten, www.spank-spank.org ... und zu-enge-lederhosen.com? Und wer zum Henker ist die ´Progressive Presse´ in

Amsterdam?"

Eine Warnglocke schlägt in meinem Kopf, da ich mich nicht an Web-Sites mit diesen Namen erinnern kann. Ich schnappe mir die Ausdrucke des Erbsenzählers und stelle fest, daß die Kosten für die Webseiten nur etwa zehn Prozent der

Gesamtsumme ausmachen, der Rest ging für ergänzende Artikel drauf, die nach

Großbritannien geschickt wurden ...

"Ich habe keine Ahnung, wie das ablief", erwidert der Erbsenzähler. "Aber das wurde alles mit ihrer Karte bezahlt ..."

"Das kann nicht sein! Meine Karte ist sicher weggeschlossen. In einem Fach in einem Schrank."

"Dem Fach für Reinigungsmittel, glaube ich", wende ich hilfsbereit ein.

"In einem Schrank für Sicherungskopien." fügt der PJ hinzu.

"In einem versiegelten Umschlag in einem Aktenkoffer", vollendet der Erbsenzähler mit einem selbstgefälligen Grinsen, das den PJ und mich mehr als überrascht.

Es sieht so aus, als gäbe es einen neuen Mitspieler - einen Erbsenzähler auf

Abwegen. Ausgezeichnet.

Der Chef murmelt etwas davon, daß wir damit nicht durchkommen werden, und braust davon, um seine Karte sperren zu lassen.

"Nun, da kann man wohl nichts mehr machen", zwitschert der Erbsenzähler fröhlich.

"Nebenbei, ich habe seine alten Kreditkartendaten dazu benutzt, eine neue bei einer anderen Bank zu beantragen."

"Und ...?" frage ich und bin bereit, sofort in den Krieg zu ziehen.

"Ich habe ihrem Chef die Details in einer E-Mail mitgeteilt, die ich natürlich nicht mit seinem öffentlichen Schlüssel verschlüsselt habe, sondern mit ihrem - was für ein

Mißverständnis!"

"Also sagen sie, daß der Chef eine E-Mail bekommen hat, die er nicht lesen kann ...."

"Die jeder mit ihrem privaten Schlüssel abfangen können sollte ..."

Es ist ein feuchter und windiger Nachmittag, als die Leute vom Wachdienst in das

Büro des Chefs stürmen, um ihn nach oben in die Chefetage zu bringen, wo eine ordentliche Tracht Prügel auf ihn wartet. Seine Unschuldsbeteuerungen treffen auf taube Ohren, als Nachforschungen ergeben, daß die Magazine der ´Progressiven

Presse´ an die Adresse seines Ferienhauses geliefert wurden ...

Einer weniger, aber noch viele werden ihm folgen.

Doch immerhin haben wir einen neuen Freund im Lager des Gegners ...

Das Auge an der Wand hat alles gesehen, also ist es Zeit für riskante Maßnahmen, um das gefährliche Maß Sherry im Beratungsraum zu verstecken ....

Früher oder später mußte es ja passieren. Wir wissen es, wir bereiten uns darauf vor, doch trotzdem trifft es uns dann wie der sprichwörtliche Tritt in die Weichteile.

Der Wachdienst will seine Systeme zurückhaben. Nun, nicht der ganze Wachdienst

- wir pflegen eine großartige Beziehung - doch es ist der neue Manager, ein ehemaliger Offizier, der seine Arbeit wohl etwas zu ernst nimmt. Er nimmt

(grauenhafterweise) an, daß die Überwachungskameras durch den Wachdienst kontrolliert werden sollten und daß wir von der System- und Netzwerkbetreuung nicht mehr unbegrenzten Zugang zu allen, auch den sicherheitsrelevanten, Bereichen im Gebäude haben sollten, um "schnellen Service" zu ermöglichen.

Mit anderen Worten - er versucht, aus uns ahnungslose Schäfchen zu machen.

Unser neuer Chef ist auch keine Hilfe. Mit dem Rückgrat einer Qualle hat er sich in

Rekordzeit zurückgezogen.

Ich mag das nicht.

Der PJ mag das nicht.

Etwas muß geschehen.

Und es wird etwas geschehen. Der Tropfen, der das Faß schließlich zum Überlaufen brachte, war die Frage des Chefs, was wir in der vergangenen Nacht um 18:25 Uhr im Beratungszimmer des Geschäftsführers zu suchen hatten.

Ganz offensichtlich ist die Antwort ´Wir betranken uns bis zur Besinnungslosigkeit mit ein paar Sekretärinnen´ nicht das, was er hören möchte.

Also müssen wir wohl etwas improvisieren - und ich rede nicht von Musik.

"Ahhh .... Wir haben die Verbindungsqualität der ISDN-Anschlüsse der einzelnen

PCs überprüft." erkläre ich schnell.

"Wirklich? Es sieht aber nicht so aus!" ruft er und wedelt mit einem ausgedruckten

Standbild der Überwachungskamera, das den PJ dabei zeigt, wie er den halbvollen

Sherry-Krug mit einer verarbeiteten Version des Originals wiederauffüllt.

"Das ist ja ekelhaft!" rufe ich erregt.

"Ja, das ist es", stimmt mir der Chef zu und bereitet sich darauf vor, die nächste

Hürde zu nehmen. "Wie auch das hier", setzt er fort, wobei er einen weiteren

Ausdruck zeigt - diesmal von mir, wie ich die enttäuschende Fehlleistung des PJs berichtige. (Er ist eben noch jung.)

"Und was haben sie dazu zu sagen?" will der Chef herausfordernd wissen.

"Nun, offensichtlich sollte ich meinen Konsum von Vitamin B einschränken." rufe ich.

"Was?"

"Das sollte ein Scherz sein. Das ist ganz offensichtlich eine Fälschung."

"Nun, wenn das eine Fälschung ist", erwidert er und hält einen seltsam vertrauten

Krug hoch. "Dann haben sie sicher nichts dagegen, einen schnellen Schluck hiervon zu nehmen."

"Natürlich nicht", antworte ich und genehmige mir einen gesunden Schluck, oder 57, und leere den Krug in Rekordzeit. "Wie ich schon sagte - das ist eine Fälschung, mit der der Chef des Wachdienstes uns in Mißkredit bringen will, indem er

Falschinformationen verbreitet. Offensichtlich wurde das Video bearbeitet. Schauen sie sich die Pixel rund um die Sache an. Es wurde digitalisiert und wieder auf Band gebracht."

"Ich .... uh ..." murmelt der Chef, dessen großartiger Plan sich in Asche aufgelöst hat.

Nachdem er niedergedrückt davonschlich (ohne eine Flasche oder gar einen Krug), um den Chef des Wachdienstes zur Rede zu stellen, kommt der PJ zu mir.

"Ich kann nicht glauben, daß sie das verdammte Zeug getrunken haben", keucht er angeekelt.

"Ah, seien sie nicht so naiv - ich habe den aufgefüllten Krug nach hinten ins Regal gestellt und den Verschluß mit dem dieses Krugs vertauscht. Die Geschäftsleitung ist blöd, aber nicht blöd genug, um den Kruginhalt tatsächlich für Sherry zu halten.

Jedenfalls nicht, wenn sie nicht vorher ein paar andere Krüge geleert haben. Deshalb habe ich ihn nach hinten gestellt."

Ein Geräusch von einer Kamera hinter uns macht mich auf ein potentielles Problem aufmerksam.

"Glauben sie, daß er von den Lippen lesen kann?" frage ich den PJ und verberge meinen Mund hinter meiner Kaffeetasse.

"Könnte sein", kommentiert der PJ perfekt gähnend.

"Richtig. Es wird Zeit für eine Notfallaktion!"

Der PJ und ich rennen zur Treppe und zum Beratungsraum der Firmenleitung, um den

Beweis zu beseitigen. Doch wir kommen zu spät. Der Chef des Wachdienstes ist schon in dem Zimmer und hat bei seiner eiligen Suche nach dem Krug Glaswaren im ganzen Raum verteilt.

Mit etwas Glück ... doch nein - der bewußte Krug enthält eine viel, viel hellere

Flüssigkeit, als die, die ich vorhin getrunken habe.

"Wir sitzen in der Falle", flüstert der PJ.

"Noch nicht", antworte ich und erinnere mich an die Voreinstellungen des

Kartenleser an der Tür zum Beratungsraum. Ich schiebe meine Karte in den Leser, dann gebe ich einen falschen PIN-Code ein. Noch einmal. Und noch einmal.

Mein vierter Versuch löst den Alarm aus, und die Sicherheitsverriegelung schließt automatisch die Tür. Der Sicherheitschef versucht von innen das Schließen der Tür aufzuhalten, doch zu spät ... Die zehnminütige Verriegelung wirkt.

Schnell wie ein Blitz trennt der PJ die Telefon- und Netzwerkverbindung des

Beratungszimmer, dann verschließt er mittels Handsteuerung den Korridor zum

Beratungsraum.

"Warten sie! Er wird das Glas vor dem Notausgangsschalter einschlagen." ruft der

PJ.

"Er könnte. Wenn ich das Glas nicht vor Jahren durch Panzerglas ersetzt hätte."

Wir nehmen uns ein paar Sessel und warten auf das Unvermeidliche, sorgen dafür, daß die Sicherheitsverriegelung alle neun Minuten erneut in Aktion tritt.

Zu seiner Verteidigung muß gesagt werden, daß der Chef des Wachdienstes sicher tapfer hält - offenbar der militärische Einfluß. Es dauert beinahe zehn Stunden, bis er durstig wird. Und zwei weitere, bevor er den Krug wieder auffüllt.

"Ich hätte den Krug auf dem Boden umgekippt", sagt der PJ leise, als wir am nächsten Tag im Pub sitzen. "Das hätte das Problem gelöst."

"Ja, es wird wohl niemand verstehen, was in einem militärischen Geist so vorgeht", seufze ich, als ich mich an die Namen erinnere, die ihm seine Truppen gegeben haben, die zu beschäftigt waren, ihm zu Hilfe zu eilen und die Aufzeichnungen zu modifizieren - selbst wenn sie es gewollt hätten.

Nun, jedem das, was er verdient ...

Ein alter Freund in Wales, der nicht über Kabel-TV verfügt, entpuppt sich als idealer

Vorwand für die Anschaffung weiterer Leitungskapazitäten ...

Ich schicke ein paar Folgen einer außerirdischen TV-Serie durch das Netz nach

Wales zu einem guten alten Bastardfreund (Ja, ein armer Bastard, aber ein Freund.), der sie noch nicht gesehen hat, sich aber die Videos nicht kaufen will.

Als Folge der Ton- und Bildübertragung, die natürlich komprimiert erfolgt, ist die

Geschwindigkeit unserer Verbindung zum Rest der Welt praktisch Null.

Und es gibt KEINEN ANLASS, mit dem neuen Chef über eine größere Bandbreite zu diskutieren, da er sich zurückgezogen hat, um sich durch die Aufzeichnungen seiner

Vorgänger zu wühlen (eingeschlossen derer, die in Krakelschrift behaupten: "SIE

SIND HIER, UM MICH ZU KRIEGEN!"), und er mich darüber informieren ließ, daß es KEINE Chance für eine Erweiterung der Kapazität gibt.

Wie auch immer, das löst nicht das Problem der merklich verzögerten Antwortzeiten bei unseren sonstigen Datenübertragungen, aber mit etwas Glück kann ich es lösen, indem ich das Video auf die von unserem Netzbetreiber bisher ungenutzte

Vermittlungsstelle umleite, die nur durch einen Schalter ´außer Betrieb´ gesetzt wurde, sonst aber voll funktionstüchtig ist.

Ich meine, das MUSS ich doch als EINLADUNG auffassen, da all ihre Konkurrenten keine ungenutzten Leitungen in unsere Haus gelegt hätten.

Natürlich ist mir bewußt, daß unsere Firma früher oder später für diese Leitung zahlen muß, doch ich beruhige mein Gewissen, indem ich mir einmal die Höhe der

Summe vorstelle. Doch schließlich dient ja alles einem guten Zweck!

Ich nehme die Leitung in Betrieb und starte einen Test. Natürlich, der

Router-Anschluß ist auch noch aktiviert! Also schicke ich das Video über diese

Leitung und danke Gott für einen Provider, der mehr Anschlüsse und Geld hat als

Geschäftssinn ...

Es ist freilich nur eine Frage der Zeit, bis sie etwas merken, also sorge ich dafür, daß die Rufnummernanzeige bei Anrufen von draußen zuverlässig funktioniert. Und schon wenige Stunden später kommt der erwartete Anruf von der Kundenbetreuung unseres Providers.

"Hallo, Belgisches Steak- und Waffel-Restaurant ... sie wollen reservieren?" sage ich und achte darauf, daß mein Akzent nach Osteuropa klingt.

"Entschuldigung, falsche Nummer." murmelt der Anrufe und legt auf. Zwei Sekunden später ist er wieder dran. "Hallo, Belgisches Steak- und Waffel-Restaurant ... sie wollen reservieren?"

Jetzt ist er verwirrt. Er prüft noch einmal die Nummer und fragt dann, ob wir

Computer im Haus haben.

"Isch deengke, tzie maihnen diiee Loide iim Oobergeeeschoß", sage ich. "Tsie haabenn fieele Gomputerr."

Er fragt nach den Namen der Firma, dann nach ihrer Telefonnummer.

"Oh, dass iist einee lanngee Geeeschischde", erkläre ich. "Ess gaabb einneen großeenn Unfahl im gantsen Hauss, und jetztt lauffen die Telllefohne nicht mehr richtig, seit diesserr Mannn kahm, umm die Feeehler tsu beseitigen ..."

Ich bemerke, daß mein Akzent ins Mexikanische abgleitet, also mache ich eine

Pause. "Enddschuldigungk, isch habbe einnenn Anrufer - rrufen ssie misch nnach demm Essen tzurüggk!"

Jetzt läuft die Zeit für mich. Ich weiß, daß sie die Leitung nicht kappen werden, da sie nicht wissen, ob das Problem eine Folge IHRER Aktivitäten ist - oder, für den

Fall der Fälle, daß die Leitung schon berechtigt in Betrieb ist, es ihnen nur noch niemand gesagt hat. Aber ich weiß auch, daß sie mich nicht lange mit dieser kostenlosen Bandbreite arbeiten lassen werden.

Ich brauche also einen Plan.

Ich rufe unseren Kundenbetreuer bei ihnen an (natürlich mit abgeschalteter

Rufnummernweiterleitung) und frage ihn was zum Teufel mit der

Übertragungsgeschwindigkeit ihrer Leitung los ist.

"Was meinen sie?" fragt er.

"Etwas scheint die ganze für uns bestimmte Bandbreite aufzufressen!" jammere ich.

"Das begann, nachdem einer ihrer Techniker zu uns kam, um unsere Leitungen zu warten und sich auch um unsere Telefone zu kümmern."

"Aber wir warten ihre Telefone gar nicht!" erwidert er.

"Ja, das merke ich!" rufe ich. "Aber jetzt ist alles vertauscht mit den anderen Firmen hier im Gebäude und niemand ist in der Lage, noch ernsthaft zu arbeiten!"

"Aber wir haben niemals einen Anruf von ihnen bekommen!" beklagt er sich. "Haben sie eine Auftragsnummer?"

Ich schalte die Telefonleitung auf das Modem um und lasse es eine Verbindung aufbauen, so daß er eine Ladung Müll zu hören bekommt. Dann schalte ich wieder zurück auf das Telefon, was sich anhört wie ein pubertierender Rüde.

"Sie haben keinen Anruf mit der Fehlermeldung bekommen?" frage ich.

"Nein." bestätigt er genervt. Ich prüfe mit den Überwachungskameras, ob der

Dienstwagen des Chefs noch in der Garage steht.

"Aber ich habe erst vor ..." beteuere ich und lasse das Modem den Anruf fortsetzen, während ich in die Garage eile.

Nachdem ich die Linse der Kamera mit etwas Schmutz geblendet habe, öffne ich die

Motorhaube des Dienstwagens und plaziere ein Paar Ersatzkontakte am

Starterkabel. Jetzt muß ich nur noch den Rückwärtsgang und den

Starten-nur-im-Parkenmodus-Schalter kurzschließen.

Keine halbe Stunde später bricht der Chef mit 30 km/h mit seinem Wagen durch die

Wand der Vermittlungsanlage und zerstört dabei mehr als zuverlässig jegliche

Netzwerk- und Telefonverbindungen.

Ich stürze ins Parkdeck und helfe dem Chef aus seinem Wagen bis zu einem Punkt, von dem aus er nicht sehen kann, wie ich etwas System- und Netzwerktechnik aus dem Wagen heraushole.

Während er noch mit dem Schock kämpft, führe ich die endgültige Behandlung einiger

Netzanschlüsse mit einer der Äxte durch, die die amerikanische Konzernzentrale uns im Rahmen ihres Sicherheitsplanes geschickt hat.

"Es ist einfach losgefahren!" plärrt der Chef.

"Nun, das ganze Gebäude ist ohne Netz!" sage ich.

"Können sie das nicht reparieren?"

"Ja, aber das würde mindestens die ganze Nacht dauern und wir müßten den bisher ungenutzten Anschluß in Betrieb nehmen, um den Datenaustausch zu gewährleisten.

Und wir werden neuere, schnellere Anschlüsse brauchen, da die alten nicht mehr reparierbar sind und auch nicht mehr verkauft werden ..."

Einen Tag später schaue ich mir das Video der erwähnten TV-Serie an, das aus

Wales zu mir kommt. Die Geschwindigkeit der Netzwerkverbindung ist wirklich perfekt.

"Wie lange brauchen wir die zusätzliche Verbindung?" fragt der Chef.

"Ach", murmle ich wegwerfend. "Ich weiß es nicht - wie lang ist wohl die komplette

Star Trek Serie?"

"Wieso?"

"Ach, nur so ein Gedanke."

Als der B.O.F.H. sich zur Teilnahme an Therapiesitzungen entscheidet, will er frei

über Probleme reden. Doch über wessen Probleme soll er sprechen? Erpressung liegt in der Luft ...

An einem Morgen komme ich zur Arbeit und sehe einige Plakate in der Nähe des

Kaffee-Automaten, die im Auftrag der US-Zentrale aufgehängt wurden und im

Rahmen ihres Gesundheits- und Wohlstandsplanes ´für alle Mitarbeiter´ (was die

Hälfte der Angestellten schon einmal ausschließt) für kostenlose Therapiesitzungen für jeden, der meint, er brauche sie, werben sollen.

"Das ist doch verrückt!" sage ich dem PJ, als er später auftaucht und zeige ihm eines der genannten Plakate.

"Wieso?" fragt er und klingt irgendwie verdächtig nach jemandem, der ernsthaft mit dem Gedanken spielt, das Angebot anzunehmen.

"Bittttteeee! Wer würde denn schon ernsthaft die Mühe auf sich nehmen, sich während der Arbeitszeit hinunterzubegeben, um sich darüber zu beschweren, daß er nicht von seiner Mutter gemocht wurde oder eine Heidenangst vor Zugfahrten durch

Tunnel hat?"

"Bitte?" fragt der PJ, der sich offensichtlich nicht gut mit Freud auskennt.

"Sehen sie, die halbe Belegschaft jammert sich doch ohnehin schon ständig die

Ohren voll, wie schwer sie es haben. Das würde dieses Geheul ja nur noch legitimieren!"

"Sie haben wirklich ein Problem damit, oder?" stichelt der PJ. "Vielleicht sollten sie jemanden aufsuchen, der ihnen behilflich bei der Erforschung ihrer Gefüh ..."

(Einen langen und lautstarken Schrei später): "So, haben sie verstanden, was ich ihnen zu erklären versuchte?" frage ich und öffne die Schublade wieder, die die

Familienjuwelen des PJs enthält (Wie das anatomisch und möbeltechnisch realisiert wurde, weiß ich nicht. [thomas w.]).

"Ja. Ja." schnappt der PJ auf seinem Weg zum Boden nach Luft. "Aber ..."

"Aber?" rufe ich und öffne die Schublade für die zweite Runde.

"Aber glauben sie nicht, daß das Management weiß, daß die Belegschaft viel Zeit mit

Jammerei verschwendet ...."

"Und nun versucht, diese Verschwendung dadurch einzudämmen, indem der ganze

Prozeß quasi ´legalisiert´ wird?" vollende ich.

"Ja. Wenn sie wirklich Hilfe statt der Möglichkeit zum Grollen bekommen ..."

"... könnten sie produktiver arbeiten?"

"Genau!"

"Ich sehe, worauf sie hinauswollen. Aber ich glaube nicht, daß das Management viel darüber weiß, wie gern sich die Belegschaft tatsächlich beschwert. Aber trotzdem sollte man einmal ein Auge darauf werfen ..."

Und so kommt es, daß ich zwei Tage später diese Therapie-´Sache´ selbst in

Augenschein nehme.

"... was wir hier benutzen, nennt man ´RET´ - rational-emotionale Therapie. Dabei geht es darum, daß wir sie auffordern, sich ihren Problemen zu stellen, indem sie sie als solche identifizieren und die Ursachen für ihr Auftreten finden."

"Aha." unterbreche ich ihn, um meinen Fall in ein Langweiligkeitskoma zu verhindern.

"Ich habe schon einige Therapien versucht, meistens ´ZBC´, aber das scheint nicht zu funktionieren - meine Probleme sind bei der nächsten Sitzung wieder da."

"ZBC? Damit bin ich nicht vertraut."

"ZBC? Zehn Bier und eine Curry-Wurst. Jeden Freitag unten am Imbiß und dann im

Pub um die Ecke."

"Ja, sehr drollig." kommentiert er und lehnt sich in seinem Sessel zurück. "Nun können wir aber darüber reden, was sie zu mir führt?"

"Natürlich! Ich bin daran interessiert, alles zu erfahren, was sie von der Belegschaft gehört haben!"

"Verzeihung?"

"Sie wissen schon, die schmutzigen Dinge - wer ist ein Bettnässer, wer hat eine

Vorliebe für kleine pelzige Tierchen - solche Sachen."

"Alle Informationen, die ich erhalte sind gehei ..."

"Wie die, daß der Chef impotent ist?" frage ich.

"Wie haben sie das ...?"

"Es steht alles in ihren Notizen", murmle ich.

"Ich tippe sie nicht in den Computer ein!"

"Aber sie machen sie sich auf einem Schreibblock, der von der Überwachungskamera am Lift beobachtet wird ..."

"Aber ich stenographiere!"

"Diese abgekürzte Schreibweise?! Der Prozessor brauchte acht Minuten, um sie zu analysieren ..."

"Aber ...."

"Finden sie sich damit ab - ich werde sowieso sagen, sie hätten geplaudert. Also können sie es mir auch gleich sagen."

"Das kann ich nicht. Ich habe einen Eid geschworen!"

"Den, daß sie im Suff nicht plaudern"

"Wir benutzen Begriffe wir ´Suff´ nicht."

"Oder ´unkorrektes Verhalten´?"

"Was wollen sie wirklich?"

"Schmutz!"

"Oh, alles klar!" ruft er ärgerlich.

"Ihr Chef hat eine irrationale Angst vor elektrischen Tackern."

"Das ist nicht irrational. Beinahe jedem, den ich kenne, geht es so! Der PJ hat

Alpträume deswegen. Oh, und wegen Schubladen, wenn ich mich nicht irre ..."

"Und eine ihrer Telefonistinnen meint, sie sei eine Nymphomanin."

"Wie heißt sie!?" ruft der PJ und kommt hinter der Tür hervor.

Wirklich, er sollte weniger Fleisch essen ...

"Kleine Fische", beschwere ich mich. "Ich will den echten Schmutz hören. Den, über den wirklich niemand etwas wissen soll ...."

"Den gibt es nicht!"

"Der Bruch der Schweigepflicht zieht Maßnahmen der Personalabteilung nach sich, oder?" wende ich mich an den PJ.

"Natürlich." zwitschert er mit einem teuflischen Grinsen.

"Sie haben gewonnen", stöhnt mein Therapeut und beginnt sich zu erleichtern ...

Nach dieser Sitzung fühle ich mich wirklich besser. So gut sogar, daß ich mich zu wöchentlichen Sitzungen durchringe ...

"... für etwa zwei Wochen, bis Gerüchte aufkommen, daß Geheimnisse gar nicht so geheim sind", erkläre ich dem PJ, als ich am frühen Freitagnachmittag meine

ZBC-Therapie beginne.

"Wird das wirklich so lange dauern?" fragt der PJ.

"Ich weiß nicht. Fragen sie mich nach dem sechsten Bier noch einmal, wenn die

´Arbeiter´ hereinkommen. Ich spüre, daß meine Therapie Wirkung zeigt und mich ein großes Redebedürfnis überkommt ..."

"Klingt unangenehm ..."

"Vielleicht. Jetzt sind sie dran, für meine Therapie zu bezahlen, oder?" murmle ich und reiche ihm mein leeres medizinisches Glas.

Das ist es, was Therapien erfolgreich macht - man muß sie nur wollen, dann sind sie auch erfolgreich.

Wenn man ein paar Ersatzteile braucht, muß man nur das geliebte

Minesweeper-Spiel des Chefs versenken und die Ersatzteile dazu benutzen, ihn zu schockieren ...

Der Chef ist festgenagelt. Nachdem ich neue Software auf seinem brandneuen

Laptop installiert hatte, habe ich einen ´Garantiesiegel - Keine Haftung, wenn das

Siegel zerstört ist´-Aufkleber über die Vorderseite geklebt.

Die Schweißtropfen auf seiner Stirn und seine zitternden Finger - als er versucht, mit seinen Händen an das Gerät zu kommen - sprechen eine deutliche Sprache über seinen Geisteszustand. Er ist offensichtlich süchtig nach Minesweeper, auch wenn ich die Version auf seinem alten Laptop durch eine Variante ersetzt hatte, bei der die

Bombe gleich beim ersten Mausklick explodiert.

Ich überlasse ihn seinem persönlichen Trauma.

Und natürlich hält er dem Druck nicht stand und kommt 15 Minuten später in mein

Büro.

"Das verdammte Ding funktioniert nicht!" bellt er.

Das ist auch nicht weiter verwunderlich, wenn man bedenkt, daß der PJ und ich alle

Teile bis auf die Tastatur, das Netzteil und das Display ausgebaut haben, um sie für unser neuestes großartiges Projekt zu nutzen - den IT-Reinemachroboter, der unendlich intelligenter ist als die Roboter, die nachts die Gänge reinigen. Ich habe sein Steuerprogramm selbst geschrieben, auch die automatische Bilderkennung und die Such- und Zerstör-Routinen - ich meine natürlich die Such- und

Putz-Anweisungen. Ein echtes Kunstwerk.

"Was ist passiert?" frage ich.

"Nun, ich habe es geöffnet und ..."

"Was, sie haben es geöffnet!"

"Ja."

"Und haben das Garantiesiegel zerstört?!"

"Ich kann das Laptop ja nicht nutzen, ohne es zu öffnen, oder? Wenn es geschlossen ist, befindet sich die Tastatur doch innen."

"Oh, jetzt verstehe ich. Und ich dachte schon, sie hätten eines dieser Garantiesiegel zerstört!" rufe ich mit gespielter Erleichterung darüber, daß uns die Ausgabe großer

Summen erspart bleibt.

"Ah, nun, da war ein Siegel, das ich zerstören mußte. Aber es klebte über dem Riegel zum Öffnen."

"Sie wollen damit sagen, daß sie keinen Ingenieur geholt haben, um es einzurichten?!" stöhne ich.

"Sie haben es eingerichtet!"

"Nein, ich habe nur die Software über den passiven SCSI-Eingang transferiert. Sie brauchen einen Ingenieur, der die eingebauten Programme für sie persönlich einrichtet."

(Dummy-Modus ein.)

"Aber das ist ein normales Laptop, kein Großrechner", schnieft er.

"Ja, aber der Ingenieur muß die Ländereinstellungen auf der Maschine vornehmen und das Gerät personalisieren. Sie wissen schon, Passwörter und so weiter ..."

"Na gut. Nun, das könnten sie doch machen, oder?"

"Sie machen Scherze, oder? Mit einem zerstörten Garantiesiegel kann man das

Gerät nicht mehr anrühren."

"Warum?"

"Weil sie als Ländereinstellung zum Beispiel Peru oder etwas anderes aktiviert haben könnten. Und das wird alles in einem permanenten, unveränderlichen, doppelt redundanten, gerätespezifischen und statischen Speicher gesichert."

(Dummy-Modus auf eine neue Stufe gehoben.)

"Was bedeutet das?"

"Das bedeutet, daß alle eingebauten Komponenten gespeichert haben, daß ihr Laptop in Peru, der Antarktis oder irgendwo sonst installiert wurde. Und wenn diese Angabe nicht mit den Daten des GPS-Systems übereinstimmt ...."

"Mein Laptop hat einen GPS-Empfänger eingebaut!?" ruft er aufgeregt.

"Ja, aber wenn die Daten nicht übereinstimmen, nun, dann ist das Laptop praktisch wertlos, weil der Prozessor, der Arbeitsspeicher, die Disketten- und CD-Laufwerke nicht funktionieren werden."

Natürlich, selbst Ray Charles hätte gesehen, welchen Bären ich dem Chef aufbinde - doch es funktioniert, also ...

"W ... w .... was soll ich denn nun machen?" murmelt er und malt sich aus, wie es wohl ist, wenn er einen ganzen Tag ohne sein Lieblingsspiel überleben muß.

"Nun, wir könnten neue Einzelteile kaufen und sie einbauen. Dann könnte ich die

Ingenieur-Einstellungen vornehmen. Aber die Garantie wäre dann natürlich verfallen."

Schneller als ein geflüstertes ´Entscheidung einer Führungspersönlichkeit´ durch eine Telefonleitung kriechen kann, hat der Chef die Anschaffung der vorhin erwähnten Teile genehmigt.

Ich baue all die alten Teile wieder in das Gerät ein - und sorge natürlich dafür, ein

paar Kratzer auf dem Gehäuse und einige Schrauben zu hinterlassen, so daß es aussieht, als hätte wirklich ein Ingenieur daran gearbeitet. Dann erwecke ich das

Gerät wieder zum Leben und gebe es dem Chef zurück.

Und schon sind alle zufrieden. Der Chef hat seinen neuen Laptop, und unser

IT-Roboter verfügt über brandneue Innereien. Ich starte den Roboter und überlasse dem PJ die Steuerkonsole mit dem Versprechen, daß er für jeden gefundenen Fehler ein Glas Bier bekommt, um für harte Testbedingungen zu sorgen.

"Er läßt sich nicht nahe an Wände heransteuern", beschwert der PJ sich ohne aufzublicken.

Hingabe ist offenbar sein zweiter Vorname - bei den Treffen der anonymen

Alkoholiker.

"Nein, das ist kein Fehler. Er ist so programmiert, daß zwischen dem Roboter und anderen Gegenständen immer mindestens ein Fuß Abstand ist, damit er Dingen nicht unbeabsichtigt zu nahe kommt."

"Aha." sagt er. "Und was ist mit Objekten, die sich bewegen?"

"Auch hier beträgt der Mindestabstand einen Fuß", antworte ich und vereitle damit seinen Plan, den Roboter mit voller Geschwindigkeit gegen eine Mauer rasen zu lassen oder sich selbst dem Roboter auf die gute alte Weise zu nähern und

´physisch´ zu behandeln.

"Der Gedanke wäre mir niemals gekommen", antwortet der PJ eingeschnappt. "Ich habe mich nur gefragt, wie der Roboter sich in einer solchen Situation verhalten würde." sagt er und deutet auf den Überwachungsmonitor, der den Eingang zum Lift zeigt, den der Chef gerade mit seinem Laptop betritt.

"Also haben sie tatsächlich nicht daran gedacht, eine Hysteriesicherung zu programmieren?" murmelt der PJ zufrieden (und betrunken), als wir später an diesem

Abend im Pub sitzen.

"Uh-huh", antworte ich. "Wo waren wir doch gleich stehengeblieben?"

"Ah, ich glaube, es war der Punkt, als der Roboter einen Fuß Abstand zwischen die

Liftwand und sich zu bringen versuchte und den Chef bemerkte - um dann Abstand zwischen sich und den Chef zu bringen - direkt über den Laptop hinweg auf die andere Wand zu ... und dann wieder zurück - zum elften Mal."

Ah, meine Arbeit ist wirklich viel spannender als Minesweeper.

Nach Beschwerden über seine ´beruhigenden Bässe´ sorgt der B.O.F.H. dafür, daß der Chef ihn versteht - sehr laut und deutlich ....

Der Chef kommt mit einem teigigen Gesichtsausdruck herein, was nur bedeuten kann, daß er etwas tun muß, was ihm nicht zusagt.

"Ähm, ich habe eine Beschwerde über sie", murmelt er traurig.

"Wirklich?" antworte ich zuvorkommend, während ich unter dem Tisch nach meinem

2er Golfschläger greife, den ich dort für spezielle Gelegenheiten aufbewahre.

"Ja, ja. Aber ich bin mir nicht sicher, ob sie begründet ist." beteuert er und versucht, sich so klein wie möglich zu machen.

"Wirklich?" frage ich und tausche nachdenklich das 2er gegen das 6er Eisen aus, da mir die Unterhaltung ziemlich seltsam vorkommt.

"Ähm, nein. Wissen sie, es geht um eine Beschwerde über ihre Musik."

"Welche Musik?" fragt der PJ. "Diese Musik etwa?" antwortet er selbst und greift mit seinen Händen in die Luft.

"Diese Musik?" frage auch ich und fuchtele mit meinen Händen ebenfalls in der Luft herum, während ich meine Möglichkeiten neu überdenke.

"Ja, man hat sich beschwert, daß die Musik zu laut ist."

"Zu laut?" will der PJ mit skeptischem Blick wissen. "Aber wir können die Musik doch kaum hören."

"Ich nutze sie zur Entspannung." murmle ich. "Sie sorgt dafür, daß ich in Notzeiten ruhig bleibe."

Da nun die unausgesprochene Drohung in der Luft liegt, gibt es für den Chef nichts mehr zu tun, außer sich zu entfernen - oder sein Leben bei dem Versuch, vor einem

Golfschläger zu flüchten, zu riskieren.

"Ich weiß, daß sie fast nichts hören können, doch das gilt leider nicht für die Leute in der Etage unter ihnen. Wie auch immer, ich glaube auch nicht, daß sie dabei entspannen können."

Also hängt er sein Leben selbst an den berühmten seidenen Faden.

"Offspring ist eine sehr entspannende Gruppe." sage ich. "Ja, es ist dieser trostreiche Bass", zwitschert der PJ.

"Nebenbei", füge ich hinzu, "er ist sehr leise."

"NICHT IN DEM VERDAMMTEN RECHNERRAUM!" schreit der Chef und verliert endgültig die Geduld.

"Nun, das mag stimmen, doch wenn wir die Musik leiser machen würden, könnten wir sie durch die schalldichte Wand ja nicht hören."

"Die Leute in der Etage darunter können sie hören! Warum benutzen sie ihren

CD-Spieler nicht hier?"

"Das haben wir versucht, aber er ließ die Sicherungen herausfliegen, wenn wir eine

Lautstärke über der Stufe 3 einstellen wollten."

"DANN LEGEN SIE SICH EINE NORMALE ANLAGE ZU!"

"Aber das IST eine normale Stereo-Anlage", hauche ich.

"NORMAL?"

"Ja, so gewöhnlich wie der Karneval in Rio."

"Nun, dann ist sie nicht gut genug. Ich will, daß sie diese Musik ABSTELLEN!"

Das wird nicht funktionieren. Der PJ und ich sind abhängig von diesem ´beruhigenden

Bass´, der seinen Zauber auf einen Festplatten-Server ausübt, der schon längst ausgemustert sein sollte, wenn wir nicht ein dummes Management hätten, das gleichzeitig keine Ausfallzeiten und einen kostengünstigen Service fordert.

Also wird es Zeit, die nächste Karte zu spielen. Ich stülpe die flugplatztauglichen

Ohrenschützer über, denn ich habe aus dem Fehler des PJs gelernt. (Der arme Junge hat die Wassereinbruchdetektoren ausgelöst, als er nach dem Hochschalten der

Lautstärke auf Stufe 6 seine Hosen naßgemacht hatte.)

Als ich den Rechnerraum betrete, bemerke ich die Zeichen seines Irrtums - er hat den Lautstärkerregler auf Stufe 6 belassen, als er in seine eigenen

Körperflüssigkeiten abstürzte UND hat den Bass-Verstärker nicht eingeschaltet.

Ich stelle fest, daß das Netzteil des Verstärkers ´ein wenig heiß´ wird, wie wir

Kenner uns auszudrücken belieben. Das ist nicht gut. Ich breche den

Lautstärkeregler ab (der jetzt auf Stufe 11 zeigt), verdrücke mich wieder in mein

Büro, wo ich gerade rechtzeitig ankomme, um den wild um sich blickenden Chef durch die Tür stürmen zu sehen.

"ICH SAGTE, SIE SOLLTEN DIESEN KRAWALL LEISER STELLEN UND

NICHT LAUTER!"

"Ich habe versucht, die Lautstärke zu verringern", beteuere ich wahrheitsgemäß.

"Doch der Regler ist dabei abgebrochen!"

"Warum haben sie die Anlage dann nicht abgeschaltet?!"

"Weil das Netzteil so warm war, daß ich annahm, es würde die Hitzesensoren anspringen lassen, die das giftige Feuerlöschgas auslösen."

Jetzt sitzt er in der Falle. Er WEISS, daß dies ein ´tragischer Arbeitsunfall´ mit seiner Unterschrift unter dem Bericht sein wird. Und deshalb versucht er erst gar nicht, wie ein Kampfhund um sich beißen.

"Nun, können sie den Strom nicht über die Sicherungen außerhalb des Rechnerraums abschalten?" fragt er.

Was für ein Schwächling.

"Das können wir tatsächlich versuchen!" rufe ich und renne zum Sicherungskasten.

"Alle Geräte, die ihren Strom über die Deckenleitung bekommen, hängen an

Sicherungen mit einer roten Markierung, also muß es eine von diesen sein."

30 Sekunden später ...

"Rot? Ich dachte, es wären die blauen Sicherungen." wendet der PJ ein.

Und weitere 30 Sekunden später ...

"Also sind es die Sicherungen mit der gelben Markierung", schreit der Chef gegen den Mißklang der um uns herum erklingenden Alarmsirenen an, die von massiven

Ausfällen künden.

"Also versuchen wir es!" rufe ich und betätige einen Schalter.

"Nein, das ist der alte Festplattenserver", ruft der PJ, der vor dem Fenster zum

Rechnerraum steht.

CLACK!

"Wieder der Plattenserver."

"Mein Fehler!" jammere ich unschuldig und betätige den nächsten Schalter.

"Richtig. Mal sehen, was sie diesmal angerichtet haben" ruft der Chef und schiebt sich an mir vorbei in den Rechnerraum.

"Ich würde nicht ..." rufe ich, doch meine Warnung kommt wohl zu spät.

"Sie sehen, wo das Problem mit dieser Technik liegt", erkläre ich dem PJ am Fenster, durch das wir in den Rechnerraum blicken. "Wenn man den Strom abschaltet, wird auch der Lüfter abgeschaltet. Wenn man dagegen den Schalter am Gerät benutzt, läuft der Lüfter weiter bis das Gerät abgekühlt ist."

"Also wird die Maschine heißer?"

"Nun, sehen wir, welches Urteil die Richter fällen." antworte ich und deute auf einen der Hitzesensoren.

Ein paar kurze gedämpfte ´Hil ... Hil ...´-Rufe später ...

"Ist der Schalter zum Abstellen des Löschgases noch immer defekt?" fragt der PJ.

"Nun, die Entscheidung des Richters in dieser Sache lautet ... endgültig, so wie es aussieht. Aber noch haben wir etwas Zeit für Musik." rufe ich.

Natürlich, wir haben ihn herausgeholt ... irgendwann. Schließlich ist er ja noch ein

Anfänger.

Jemand hat unter den Augen des B.O.F.H. Technik gestohlen. War es der Chef? Die

Erbsenzähler? Nein. Ein neuer Bastard ist in der Stadt ...

Ich bin verwirrt. Der Chef macht mich verantwortlich für verschwundene Technik, was eigentlich nicht schlimm ist, doch diesmal habe ich keine Ausrede parat. Der einfache Grund dafür ist, daß ich diesmal wirklich unschuldig bin. Und diesmal ist wirklich wertvolle Technik verschwunden.

Selbstverständlich ist es ein ungeschriebenes Gesetz, daß ein gewisser Anteil der

Technik seinen Weg zur B.O.F.H. GmbH findet, doch das fällt mengenmäßig kaum ins Gewicht - und wertmäßig landet das unter ´besondere Auslagen´ in den

Abrechnungen der Erbsenzähler. Und kaum etwas von diesen ´besonderen

Auslagen´ landet wirklich in meiner Geldbörse, da damit meistens ein Urlaub in

Acapulco oder in anderen schönen Städten dieser Welt bezahlt wird.

"Das ist mysteriös", sage ich zum PJ, als wir aus dem Heiligtum des Chefs entkommen sind, wobei dessen laute Schmähungen noch in unseren Ohren klingen.

"Es ist sehr seltsam, daß derjenige, der das getan hat, all unsere sorgfältig präparierten Fallen umgehen konnte (eine elektrische Türklinke und eine strategisch günstig plazierte Axt) und es geschafft hat, unsere neuesten Geräte wegzuschaffen.

Er hat sich nicht mal von dem ´Defekt´-Aufkleber täuschen lassen."

Nun gibt es drei Möglichkeiten: wir wurden das Opfer eines Einbrechers, der genau wußte, was er wollte; der Chef ist dahintergekommen, wie wertvoll unsere ´defekte´

Technik ist; oder wir haben es mit einem bisher unerkannten Bastard zu tun.

Die erste Möglichkeit scheidet zweifellos aus. Keiner unserer Alarme ist losgegangen und einen Einbruch von außen hätte unser Farbfernseher

(Entschuldigung, der hochauflösende Multimedia-Apparat.) gezeigt, den der PJ und ich benutzen, wenn das Netz ´gewartet´ wird oder gerade ein Fußballspiel ansteht.

(Hm, es scheint da einen seltsamen Zusammenhang zwischen Netzausfällen und

Fußballspielen zu geben.)

"Könnte es der Chef gewesen sein?" fragt der PJ. "Glauben sie, daß er seinen

Ausbruch gespielt hat?"

"Unmöglich. Der Chef ist keine helle Leuchte, 20 Watt, wenn sie mich fragen. Ich glaube, er braucht eine genaue Anleitung, damit er den Weg zu seiner Wohnung findet."

"Und selbst dann verirrt er sich." sagt der PJ und erinnert an den Abend, als der Chef herunterkam, um mit den Leuten in den Pub zu gehen. Dort mußte er dann feststellen, daß der extra-starke polnische Schnaps in einem guten Bier nicht bemerkbar ist - und nach drei Gläsern war er dann in einem entsprechenden Zustand. "Aber es war ja nur eine Taxifahrt zum Preis von 30 Pfund, die ihn aus der Wildnis Ostlondons herausbrachte."

Und so bleibt uns, so unglaublich es auch klingt, nur noch die Möglichkeit, daß einer unserer Kollegen, für die technischer Sachverstand gleichbedeutend mit der

Fähigkeit ist, die Schriftfarbe in der Textverarbeitung zu verändern, für das

Verschwinden unserer Technik verantwortlich ist.

Aber wer kann es gewesen sein? Offensichtlich war es niemand aus der

Werbeabteilung - sie haben kaum die Intelligenz, einen Türgriff richtig zu benutzen.

Es war ganz sicher auch niemand aus der Verkaufsabteilung, denn die sind während der Öffnungszeiten der Pubs immer unauffindbar - und danach sind sie nicht mehr nüchtern genug. Die Erbsenzähler kommen mir in den Sinn - diese besonderen

Auslagen gehen ihnen wirklich unter die Haut - doch andererseits hätten sie sicher einen subtileren Weg gewählt, um sich an uns zu rächen. Vom Reinigungsdienst kann es auch niemand gewesen sein ...

Da war doch etwas. Dieser neue Mann, der vor ein paar Wochen herumlief und

Fragen stellte, ´um die Sicherheit zu prüfen´. Selbstverständlich habe ich ihm nicht die richtigen Antworten gegeben, doch wie konnte ich nur so naiv sein ...

Wenn ich darüber nachdenke, könnte es sein, daß dieser Mann im Vergleich zum

Durchschnitt im Haus etwas herausragt - obwohl das freilich auch auf die

Intelligenz eines ausgewachsenen Orang Utans zutrifft. Die Frage ist nun nur noch, wie wir unsere Gerätschaften zurückbekommen oder wenigstens einen angemessenen Anteil.

Auf der Suche nach einem Hinweis schaue ich mir die Protokolle der ausgehenden

E-Mails an. Eine verdächtige Nachricht zieht meine Aufmerksamkeit an.

Und so wandere ich am nächsten Tag ein paar Etagen tiefer durch das Gebäude und habe das Glück, Kevin reden zu hören. Als die Worte ´Monitor´ und ´Tastatur´ fallen, weiß ich, daß er unser Mann ist. Es ist Zeit für einen Anruf.

Zurück im Büro schalte ich den Lautsprecher ein, um Kevins Telefonate mitzuhören.

Eine tiefe fremdländisch klingende Stimme meldet sich: "Mister Kevin?"

"Ja. Wer spricht da?"

"Nennen sie mich einfach Stefan. Es geht um die Waren, die sie uns zum Verkauf geschickt haben."

"Ja, sind sie bei ihnen angekommen?"

"Ja, aber das ist das Problem. Mir wurde gesagt, daß etwas anderes geliefert wurde als sie uns angekündigt haben."

"Aber ... aber ..."

"Ich gehe davon aus, daß sie wissen, daß der letzte Mann, der uns betrügen wollte, heute Teil der Straßeninfrastruktur ist."

"Aber ... aber ..."

"Ich bin mir sicher, sie wollen Mißverständnisse ausräumen. Wenn sie uns also die

Summe zurückschicken, die sie von uns bekommen haben und noch 500 Pfund für meine Bemühungen drauflegen, könnten wir unglückliche Unfälle vermeiden. Ich denke, sie hinterlegen das Geld am besten bis zur Mittagszeit hinter den Rohren der

Klimaanlage, oder?"

Ich höre nur noch ein unterdrücktes ´Ja´.

Ich schalte die Lautsprecher ab. "Ihr Cousin ist wirklich gut." sage ich dem PJ. "Ich bin mir sicher, daß er eine große Karriere als Schauspieler vor sich hat."

"Stimmt." antwortet er. "Aber wir haben noch Zeit für eine Runde Doom, bevor wir unseren Gewinn, ähm, die besonderen Auslagen einkassieren."

Man braucht eben einen Bastard, um einen Bastard zu fangen.

Als der B.O.F.H. das Büro des Chefs verwanzt, ahnt er noch nicht, daß die Technik, die er installiert, auch einen verrückten Erbsenzähler davon abhalten wird, Unheil

anzurichten ...

Der PJ und ich sitzen im Büro und unterhalten die Nutzer unseres Netzwerkes damit, daß wir ihre Netzwerkadressen immer dann ändern, wenn sie versuchen, ihre

E-Mails abzurufen, als der Netzwerkmonitor ein Alarmsignal gibt .

"SE?" murmelt der PJ. "Was zum Henker bedeutet SE?" Er klickt auf das zugehörige

Symbol, um weitere Informationen abzurufen. "Der Alarm kommt aus dem Büro des

Chefs."

Er spürt meine unterdrückte Panik, also kehrt er zur ursprünglichen Fragestellung zurück: "Was zum Teufel ist SE?"

"Das ist das neue maßgeschneiderte Stück Technik, das ich erfunden und installiert habe." antworte ich.

"Es hat also etwas mit dem Netzwerk zu tun?"

"Ja. Es schickt eine Netzwerknachricht an mich als Antwort auf das Eintreten bestimmter vordefinierter Umstände."

"Umstände, die zweifellos mit dieser kryptischen Abkürzung zu tun haben?"

"Genau."

"Eine Abkürzung, die was bedeutet?" seufzt der PJ und verliert die Beherrschung.

"Schwachsinns-Erkennung."

"Schwachsinns-Erkennung?"

"Ja, Schwachsinns-Erkennung. Ich habe herausgefunden, daß es völlige

Zeitverschwendung ist, wenn ich mir täglich stundenlang die Aufzeichnungen der

Gespräche des Chefs mit seinen Gästen anhöre, nur um herauszufinden, welche

Ideen er oder sie entwickeln. Und deshalb habe ich eine Kombination aus Hard- und

Software entwickelt, die diese Aufgabe für mich übernehmen kann."

"Die woraus besteht?" fragt der PJ mit wachsender Neugier.

"Ah, ein Programm zur Spracherkennung, das Gespräche mit Rücksicht auf bestimmte Schlüsselworte belauscht, wenn sie zusammen mit anderen Worten fallen."

"Welche Schlüsselworte?"

"´Einkauf´, ´anschaffen´ oder ´investieren in´ - in Verbindung mit ´neue

Technologie´, ´aktualisierte Software´ etc., und noch ein paar anderen Sachen, die nur Ärger für uns bedeuten können."

"Worte wie ´Budget für Wartungsarbeiten´?"

"Ganz genau. Der Chef sollte eigentlich nur darüber reden, wenn er es erhöhen will.

Und das kann eigentlich nicht ausbleiben, nachdem ich mich gestern darum bemüht habe, die Erbsenzähler in unser System zu integrieren, die noch dieses antike

System für ihre Sicherheitskopien benutzt hatten."

"Ihre Bemühungen um Nutzer ... Oh, sie meinen, sie haben die Maschine angezündet und aus einem Fenster in der dritten Etage geworfen?"

"Ich habe die Maschine nicht angezündet! Das war eine spontane Selbstentzündung, wie sie bei alten Rechnern schon einmal vorkommen kann - die Boulevardpresse berichtet doch immer wieder darüber. Und nebenbei war es der sicherste Weg, das

Ding gefahrlos loszuwerden, wenn man bedenkt, daß weit und breit kein

Feuerlöscher bereitstand."

"Drei Etagen tiefer gab es aber auch keinen, oder?" fragt der PJ spitzbübisch.

"Ich glaube nicht, aber ich sehe nicht, was das mit ..."

"Als das brennende Ungetüm durch das offene Verdeck des Wagens des Chefs der

Erbsenzähler stürzte, das dort parkte, hat es dieses in Brand gesteckt."

"Ein Zusammentreffen unglücklicher Umstände."

"Unglückliche Umstände?"

"Ja, aber ich frage mich wirklich, was sie damit andeuten wollen."

"Nichts, nichts." erwidert der PJ unschuldig. "Es hat mich nur interessiert. Aber zurück zu dieser Schwachsinns-Erkennung. Auf welchem System läuft das

Programm? Bestimmt kein Gerät, das der Chef entdecken könnte - oder das er vermissen könnte, wenn es nicht dort ist, wo er es erwartet?"

"Nun, das ist ja das schöne an der Sache. Weil ohnehin schon jede Menge Technik in seinem Büro herumsteht, hat er doch diesen Ventilator, der ganz zufällig dem Kühler,

von dem sich die anderen Nutzer schon verabschiedet haben, ziemlich ähnlich sieht."

"Doch nicht dieses monströse Ding aus Eisen, das in der sechsten Etage herumstand und dessen Teile angeblich aus Tschernobyl stammen, die gefährlich hohe Strahlendosen aussenden!!"

"Genau das ist es."

"Ich hätte nicht geglaubt, daß man ihnen diese Geschichte glaubt."

"Nun, am Anfang waren sie auch mißtrauisch, doch nachdem ich diesen schwarzen

Stift den Röntgenstrahlen im Krankenhaus ausgesetzt hatte, konnten sie das Gerät nicht schnell genug loswerden."

"Tatsächlich", erwidert der PJ unwirsch. "Und wie haben sie das Monster dann in die

Decke eingebaut?"

"Nun, unser Hausmeister George hat mir dabei geholfen, es hochzustemmen, weil er den Originalventilator für sein Bad haben wollte."

"Ein fairer Handel." sagt der PJ. "Aber was bedeutet nun die Warnung?"

"Nun, es gibt ganz einfach einen Schwellenwert für den Schwachsinnsanteil im

Gespräch: je mehr Schwachsinn im Büro des Chefs geredet wird, desto mehr

Datenverkehr wird hier gemeldet - auf diese Weise kann auch niemand Verdacht schöpfen."

"Und wie hoch ist der Anteil jetzt? Und wer ist beim Chef?"

"100 Prozent und Dave C., wenn ich mich nicht irre."

"Das bedeutet also, daß Dave C. jetzt im Büro des Chefs steht und ihn mit

Vorschlägen eindeckt, welche Geräte wir anschaffen sollten, Gelder, die man ihm dafür geben sollte ..."

"Er ist ein selbsternannter Computer-Experte, oder?" fragt der PJ vorsichtig.

"Korrekt. Es gibt ein Gerücht, daß er seine eigene Tastatur einmal ganz allein angeschlossen hat, aber sie wissen ja, was die Nutzer so reden."

"Aber ist das nicht schlimm?"

"Natürlich." antworte ich und deute auf meinen Monitor. "Sehen sie hier den 30

Sekunden-Durchschnitt. Solange hält der Chef es durchschnittlich durch,

Vorschläge abzulehnen."

"Aber jetzt liegt der Wert bei Null!"

"Und das bedeutet?"

"Er wird Dave erlauben, unser Budget auszugeben."

Gleichzeitig springen wir auf und rennen zur Tür, um den Chef vor der

Fehlentscheidung zu bewahren.

Doch bevor wir am Ort des Geschehens ankommen, hat der Computergott schon eine

Entscheidung gefällt.

Später rekonstruieren der PJ und ich die Geschehnisse.

"Offenbar hat er versucht, den lärmenden Ventilator zu reparieren, indem er mit dem

Regenschirm des Chefs gegen die Deckenverkleidung klopfte, was den Lüfter auf dem Dachbalken aus dem Gleichgewicht brachte, der dann den Gesetzen des

Schwerkraft folgte und dabei unseren selbsternannten Fachmann traf." vollendet der

PJ.

Gerechtigkeit setzt sich offenbar doch noch durch.

Eine Weihnachtsgeschichte ....

Er war tot. Eindeutig.

"Diesmal sind sie zu weit gegangen." sagte der PJ atemlos.

"Nun, ich scheine tatsächlich die Spannung unterschätzt zu haben, die am elektrischen Türgriff anliegt."

Es ist Heiligabend und unser weihnachtlicher Scherz ist wohl ein wenig danebengegangen. Wirklich, der alte Ebenezer Bastard hat den alten Scherz mit dem unter Strom gesetzten Türgriff bestimmt schon dutzendmal aufgeführt und bisher war es auch immer ganz lustig. Andererseits war das nicht der erste Manager, der daran gestorben ist, und er würde bestimmt auch nicht der letzte sein.

Ebenezer war an diesem Abend etwas länger als gewöhnlich im Pub

geblieben - solche Vorfälle können ihn schon ein wenig schockieren und so brauchte er wohl ein paar Biere mehr, um seine Nerven zu beruhigen. Natürlich, die Tatsache, daß ein jüngerer Erbsenzähler sich ´verpflichtet´ sah, alle Biere an diesem Abend zu bezahlen, hatte gewiß auch einen nicht zu unterschätzenden Einfluß - und das nur, weil Ebenezer etwas über ein Video einer Büroparty erzählt hatte. Sehr unscharf, aber doch sehr effektiv.

Wie auch immer, die Biere mußten ihm mächtig zugesetzt haben, denn als er vor seiner Tür stand, hätte er schwören können, das Gesicht seines Chefs auf dem

Türgriff zu sehen (bevor es die Brandflecken entstellten, natürlich).

Da er diesen Effekt auf die Wirkung der zehn zusätzlichen Gedächtnislöscher zurückführte, ignorierte er ihn und ging nach oben. Aber irgendwie fand er in dieser

Nacht keine Ruhe. Tatsächlich war es schon Ewigkeiten her, daß er sich an

Weihnachten gefreut hatte. Er haßte all die falsche Großzügigkeit, das nette

Geplauder mit Leuten mit denen er nichts gemeinsam hatte; er haßte die Art und

Weise, wie die Leute ihr Geld für ihre Kinder ausgaben, das doch viel besser auf dem

Konto der Bastard-Urlaubs-Kasse aufgehoben wäre. Und was noch schlimmer war, einige seiner Kollegen erwarteten von ihm, daß er ihnen Getränke spendierte.

Auch der junge Cratchit, sein PJ, war von der Stimmung angesteckt worden und verbrachte seinen Tag damit, wehmütig an Denise, eine Sekretärin, zu denken und von ein paar schnellen Schmatzern unter dem Mistelzweig zu träumen. Der arme

Trottel lud Ebenezer sogar ein, mit ihm ein paar Biere zu trinken - natürlich würde er dafür bezahlen.

"Ach, Humbug." sagte Ebenezer laut zu sich selbst, als er die Tütensuppe aufwärmte, die an diesem Tag die einzige richtige Mahlzeit für ihn sein sollte.

Als er in diesem spärlich eingerichteten und ungeheizten Zimmer, das er sein Heim nannte, zu Bett gehen wollte, sah er etwas in der Ecke: diesmal konnte es sich nicht um einen Irrtum handeln. Es war definitiv der Schatten seines vormaligen Chefs. Und da war noch dieser furchtbare Lärm, der Ebenezer voller Angst zusammenschrumpfen ließ.

"Ebenezer Bastard!" rief eine Stimme, die zwar deutlich als die des Chefs erkennbar war, der aber auch ein gewisser Hauch des Totenreichs anhaftete.

"Ebenezer Bastard!" wiederholte die Stimme. "Ich wurde verurteilt, an einem furchtbaren Ort zu leben, wo unheimlich gemeine Männer ihre Tage verbringen."

Ebenezer hauchte ein Zeichen des Verstehens. "Also sind sie nicht tot. Sie arbeiten jetzt nur für Microsoft. Ich frage mich ..."

"Schweig!" donnerte die Erscheinung und das Klappern wurde lauter. "Ich spreche von einem Platz, der dir zur Strafe für deine Taten bis in alle Ewigkeit Qualen bereiten wird."

"Was meinst du damit, Geist?" stammelte Ebenezer, der erwartet hatte, daß die

Wirkung der zehn zusätzlichen Biere irgendwann nachlassen würde.

"In dieser Nacht wirst du von drei Geistern besucht werden: vom Geist der

Nutzerbetreuung der Vergangenheit, vom Geist der Nutzerbetreuung der Gegenwart und vom Geist der Nutzerbetreuung der Zukunft. Höre auf sie und bereue deine

Taten."

"Geist", fragte Ebenezer. "Woher kommt dieses Klappern, das ich höre?"

"Du meinst das hier!" sagte der Schatten und schüttelte etwas, das wie ein langer

Schwanz aussah.

Ebenezer Bastard spähte in die Dunkelheit. Verschwommen nahm er eine Kette wahr, an der alle Arten von Geräten befestigt waren, die sein Leben einfacher gemacht hatten: da war der Gummihammer, ein hervorragendes Gerät zur

´Neukonfiguration´, da war der Amboß, auf dem er so gern neue PCs ´testete´, und es war da eine Anzahl elektrischer Tacker; ja es war tatsächlich jedes Gerät vorhanden, das es auf der Erde gibt und welches das Leben leichter macht.

"Ich sehe, du kennst einiges davon." sagte die Erscheinung mit einer Grimasse. "Ich habe das alles benutzt, als ich ein junger Bastard war. Jetzt haben meine Untaten mich eingeholt und ich muß meine Ausrüstung bis in die Ewigkeit mit mir herumtragen. Doch sei gewarnt, diese Kette ist lang, und sie ist wirklich schwer.

Aber die Kette, die auf dich wartet, ist schon doppelt so lang und dreimal so

schwer."

Nachdrücklich schüttelte er die Kette, bis alle Geräte auf und nieder hüpften, der gesamte Raum schien zu beben.

"Ich muß mich jetzt verabschieden, aber erinnere dich daran, drei Geister ..." Und mit einem leisen Stöhnen verschwand er.

Ebenezers Mut kehrte wieder zurück.

"Bah, Humbug! Geister! Das Bier war wirklich stärker als ich dachte."

Und mit diesen Gedanken fiel er ins Bett und schlief in seiner Kleidung ein.

Es war kurz nach Mitternacht, als er erwachte und in die Dunkelheit starrte. Es schien, als schwebte ein kleines Kind über dem Fußende des Bettes.

Plötzlich kam der Mond hinter den Wolken hervor und Ebenezer konnte erkennen, daß es sich nicht um ein Kind handelte, sondern um einen alten Mann, dessen

Umrisse denen eines Kindes glichen. Die Kleidung, die wie eine weiße Tunika wirkte, entpuppte sich als seine Augen sich an die Dunkelheit gewöhnt hatten als ein altes Werbe-T-Shirt, auf dessen Vorderseite ein CP/M-Logo prangte. Die Füße und die Beine der Erscheinung waren nackt, doch als Gürtel trug der Geist ein

Ethernet-Kabel.

"Bist du der Geist der Nutzerbetreuung der Vergangenheit?" fragte Ebenezer.

"Bin ich", antwortete der Geist.

"Welche Vergangenheit?"

"Deine Vergangenheit."

Der Geist bewegte die Hände und plötzlich lösten sie die Wände des Zimmers auf.

Ebenezer und der Geist fanden sich in einem vollen Büro wieder, in dem eine

Weihnachtsfeier in vollem Gange war. Die Stimmung war hervorragend, Leute aus der Verkaufsabteilung versuchten, Sekretärinnen unter Mistelzweigen anzubaggern, der Chef der Erbsenzähler war in die Ecke gestellt worden und der Marketing-Chef erzählte dem aus der Personal-Abteilung, wie seine vorletzte Kampagne gelaufen ist. Die Luft war angefüllt mit dem Lachen der Leute, Gesprächsfetzen schwirrten durch den Raum, Geschnatter, das Geräusch zerbrechenden Glases und ein mitreißender Rhythmus aus den Lautsprechern: kurz und gut - eine typische

Büroparty.

"Sieht lustig aus, nicht", sagte der Geist. "Aber fehlt da nicht eine Person?"

"Stimmt." antwortete Ebenezer.

Tief in den Eingeweiden des Hauses saß eine einsame Person noch immer vor ihrem

Computer. Methodisch durchsuchte sie die Einträge der Personaldatenbank (das

Passwort war schon lange bekannt). Der junge Ebenezer sorgte dafür, daß er seine

Überstundenzeit nicht umsonst hier verbrachte.

"Hat man dich nicht zu der Party eingeladen?" fragte der Geist.

"Nein", erwiderte Ebenezer. "Nicht seit dem Jahr, in dem plötzlich der Feueralarm losging und die Sprinkleranlage auslöste. Und natürlich waren auch alle alkoholischen Getränke spurlos verschwunden. Aus unerfindlichen Gründen nahmen sie an, ich sei für den Alarm verantwortlich, weil man mich ein paar Tage vorher mit dem Handbuch der Alarmanlage gesehen hatte. Armselige Intriganten, denn schließlich habe ich es doch nur für sie getan."

Plötzlich verschwand die Vision und Ebenezer fand sich in seiner Wohnung wieder, noch immer beeindruckt von dem, was er gesehen hatte.

Er hörte ein Geräusch aus einem anderen Raum und starrte um die Ecke. Der Raum war erfüllt von Licht. Umringt von PCs saß ein belustigter Gentleman. Sein riesiger

Bauch schien die eine Hälfte des Raumes auszufüllen und sein Bart - es sah so aus, als gäbe es mehr Bart als Gesicht - die andere Hälfte.

"Bist du der Geist der heutigen Nutzerbetreuung?" fragte Ebenezer.

Der Geist lachte zustimmend.

"Nimm meine Hand", sagte er. "Und lasse uns zuschauen, wie der Rest der Welt

Weihnachten verbringt."

Plötzlich schwebten sie durch die Stadt. Wieder und wieder zogen Computerräume vorbei, in denen Gruppen von Arbeitern sich fleißig damit abmühten, Probleme genau dann zu lösen, wenn sie auftauchten, wobei sie zufrieden lächelten und die

Weihnachtslieder, die aus den Brüllwürfeln in den Zimmerecken erklangen,

mitsummten.

Bei Megabank gab es ein besonders vertracktes Problem. "Das ist leicht zu lösen", dachte Ebenezer. "Einfach den Hauptschalter betätigen und sagen, daß es einen

Netzwerkausfall gibt, der nicht in den nächsten Tagen zu beheben sein wird, weil

Weihnachten ist ... und trotzdem bekommt man den Weihnachtsbonus."

Doch trotzdem konnte er mit geöffnetem Mund zuschauen, wie sein Berufskollege das Passwort eintippte und sich systematisch mit dem Finden des Fehlers beschäftigte.

"Die Traditionen verfallen immer mehr", dachte er sich.

Doch plötzlich änderte sich die Szenerie, sie landeten in einem Pub, wo der PJ gerade eine Runde Bier bestellte.

"Auf das Weihnachtsfest", sagte er zu Denise, wobei er freundlich sein Glas erhob.

"Und auf uns", kicherte sie.

"Und die Freunde, die nicht hier sind", sagte der PJ. "Das ist für den alten Ebenezer."

"Was, dieser alte Kauz", sagte Denise. "Ich kenne niemanden, der die Welt und die

Menschen so sehr haßt wie er. Ich wünschte, er würde die Firma verlassen, aber warum werden sie ihn nicht los? Traut sich denn niemand?"

"Nun, er weiß zuviel über die Menschen in der Firma. Zum Beispiel glaube ich nicht, daß der Vorstandsvorsitzende möchte, daß alle Details seiner Reise nach

Amsterdam ans Licht kommen. Aber wo ist denn deine weihnachtliche

Großzügigkeit?"

Widerwillig erhob sie das Glas zum Toast, und die Unterhaltung widmete sich wieder

Themen, die für junge Leute interessant sind.

In der Entfernung sah Ebenezer eine verschrumpelte Figur auftauchen. Aus den

Tiefen ihres Mantels kam ein Finger hervor, der auf Ebenezer zeigte und ihn heranwinkte.

"Bist du der angekündigte Geist der Nutzerbetreuung der Zukunft?" fragte Ebenezer.

Der Geist nickte und signalisierte Ebenezer, ihm zu folgen.

Sie flogen durch die Dunkelheit, bis sie sich schließlich im Büro eines

Bestattungsunternehmens wiederfanden.

Zwei Mitarbeiter waren damit beschäftigt, die letzten Vorbereitungen an einem Sarg zu treffen.

"Gut, daß wir ihn los sind", sagte der eine in einem seltsam offenen Verstoß gegen die Heiligkeit seines Gewerbes.

"Ich dachte, der kratzt niemals ab." bestätigte der andere, dem seine Berufsehre offenbar ebenfalls wenig wertvoll war.

"Wann ist die Beerdigung?"

"Das ist unwichtig. Ich glaube, das wird ohnehin niemanden interessieren. Bestimmt werden sie ihn einfach in die Erde hinablassen und dann wieder verschwinden."

Beide lachten hysterisch.

"Über wen sprechen die beiden?" fragte Ebenezer.

Der Geist bewegte seinen Finger und plötzlich öffnete sich der Sargdeckel. Bestürzt erblickte der alte Misanthrop sein eigenes Gesicht.

Er saß aufrecht auf seinem Bett und sah die ersten Anzeichen des kommenden

Tages durch die Vorhänge schimmern. Es war alles ein Traum gewesen. Und dennoch hatten ihn die Vorgänge der Nacht beeindruckt. Irgendwie spürte er ein seltsames Gefühl sich in sich ausbreiten.

Er zog seine Schuhe an und raste zu Cratchit, seinem PJ. Laut trommelte er an dessen Tür und forderte Einlaß.

Ein PJ mit verschwommenen Augen ließ ihn ein.

"Wasispassiert?"

"Ich hatte gerade eine beeindruckende Erleuchtung!"

"Sagen sie jetzt nicht", gluckste der PJ. "Sagen sie nicht, daß sie die drei Geister gesehen haben, wie der Kauz aus dem Buch, und nun ein besserer Mensch werden wollen."

"Wer denkt denn daran. Langfristig betrachtet sterben wir sowieso, da können wir

vorher noch etwas Spaß haben. Nein, ich habe das Administrator-Passwort für das

Megabank-System erfahren. Lassen sie uns denen zeigen, was ein echter Bastard zu tun und zu lassen hat ..."

1999

Durch den Jahresanfang großmütig gestimmt, begibt sich der B.O.F.H. auf eine Tour des guten Willens und verteilt Geschenke, die ganz bestimmt nicht aus einer

Weinlese stammen, und kümmert sich schließlich um, ähm, laute Ventilatoren ....

Es ist ruhig - verdammt ruhig. Manche würden sagen, es ist zu ruhig. Nicht aber ich.

Es ist diese Art von Ruhe, die man erreicht, wenn man ein Stück Eisen oder ein kurzes Kupferkabel benutzt, um die Sicherungen kurzzuschließen, einen Nagel für die Sicherung auf dem Flur und eine Schraube für die Hauptsicherung ... und dann läßt man einen Schraubenzieher durch einen Schlitz in den Lüfter des Netzteils des

Hauptrechners fallen.

Vorsichtig tappe ich durch den Rechnerraum, der von der Notbeleuchtung dürftig erhellt wird, zu meinem Büro, wobei ich einen kurzen Umweg mache, um schnell eine

Sicherung auszuwechseln und einen arg zugerichteten Schraubenzieher im

Abfalleimer zu plazieren.

Ich liebe es, das neue Jahr mit einem Krachen zu beginnen - oder, um es zu präzisieren, mit einer ganzen Serie aus lautem Summen, ein oder zwei Explosionen und einem gedämpften BUMMM! aus dem Kellergeschoß.

Es ist immer gut, die vielen Ahnungslosen wissen zu lassen, wer am Ruder des

Schiffes steht.

Der PJ ist in der Zwischenzeit im Urlaub, um ausgiebig seinen Weihnachtsbonus zu feiern - schließlich ist es nur eine Frage der Zeit, bis der Chef herausfindet, daß es schon wieder ein Duplikat seiner Kreditkarte gibt und er das

Kreditkartenunternehmen anrufen wird.

Ich habe dafür gesorgt, daß der PJ sich richtig erholen kann, indem ich die letzte

Monatsabrechnung der Kreditkarte im Briefumschlag dem Aktenvernichter anvertraut habe. Offenbar nahm der Chef an, daß es sicherer ist, wenn er sich seine

Privatpost ins Büro schicken läßt ... Ein Irrtum, den er teuer bezahlen muß.

Wo ich gerade vom Chef spreche - es wird Zeit, die Weihnachtsgeschenke, die unsere Lieferanten ihm geschickt haben, die ich abfangen konnte, in bester

Robin-Hood-Manier unter den IT-Leuten zu verteilen.

"Was? Ist das alles?" fragt ein besonders undankbarer Vertragsprogrammierer (der seinen Hintern ohne Kerze, Spiegel und eine Karte im Maßstab 1:1 kaum selbst finden kann), nachdem ich ihm eine Flasche voll Rotwein geschenkt habe, der wohl besser zum Desinfektionsmittel als zum Trinken taugt.

"Bitte?"

"Das ist doch ein wenig, ähm, billig, oder?" schnieft er.

Das muß man sich nun anhören, wenn der PJ nicht mit seinem Tacker bewaffnet die

Flure unsicher macht.

"Entschuldige, Mike, aber das ist hier nicht wie daheim, wo du dir dein

Weihnachtsgeschenk selbst aussuchen kannst." rufe ich.

Er verstummt und akzeptiert widerwillig die Flasche. Offenbar weiß er nicht, wie gut ich mich an den Betriebsausflug erinnere, nach dem er mich an der von meinem Ziel am weitesten entfernten U-Bahn-Station absetzte ... Drei Minuten NACHDEM der letzte Zug abgefahren war.

Da er niemandem zu trauen scheint, versteckt er die Flasche in einem Fach seines

Schreibtisches, was mir die Gelegenheit gibt, ein großes Stück Schaumstoff auf den

Lüfteröffnungen seines PCs zu plazieren.

Nachdem ich die Hitze-Zeitbombe losgeworden bin, marschiere ich davon, um weitere Geschenke aus Anlaß des neuen Jahres zu verteilen.

Keinen Moment zu früh, denn der Strom ist wieder da und das Gebäude erwacht wieder aus seinem erzwungenen Schlaf.

Als mir Schaumstoff und billige Weinflaschen ausgegangen sind, greife ich mir die guten Sachen und mache meine WIRKLICHE Runde des guten Willens, verteile

Geschenke an die Leute in der Vermittlung, das Reinigungspersonal und schließlich an den Hausmeister. Ich weiß eben, welche Pflanzen man gießen muß - und auch wann.

Nachdem ich sicher bin, daß niemand sich um meine Ferngespräche kümmern, niemand die zerstückelte Kreditkartenabrechnung des Chefs finden und niemand sich fragen wird, was sich hinter der mit einem feuersicheren Schloß gesicherten Tür mit der Aufschrift ´Zucht-Raum Nr. 3´ verbirgt, kehre ich mein Büro zurück.

Wie das Schicksal es will, ist der Chef schon da und wartet auf mich mit einem verärgerten Gesichtsausdruck. Es ist allerdings nur der Ausdruck ´allgemeiner

Verärgerung´, also hat er wohl noch nichts über seine Kreditkarte herausgefunden, was bedeutet, daß ich das Kreditkartenunternehmen später anrufen werde, um das

Limit heraufsetzen zu lassen, bis es eine Höhe solche erreicht hat, daß er schon weiche Knie bekommen wird, wenn er auch nur daran denkt.

"Was bezwecken sie eigentlich damit, die Lüftung von Mikes Rechner zu blockieren?" fragt er.

Bastard!

"Oh, das ... das ist kein Schwamm, sondern ... ähm ... Material, das die Geräusche dämpft."

"?..."

"Geräuschdämpfung - das Material hat eine Struktur, die Luft ungehindert durchläßt, aber die Geräusche um bis zu 10 Dezibel je Megaliter europäischer Standardluft dämpft."

"Ähm, wirklich? Das soll also nur die Geräuschentwicklung bekämpfen?"

"Natürlich!"

"Warten sie mal!"

Ich glaube schon, es war zu schön, um wahr zu sein ...

"Ja?"

"Warum haben sie das nicht auch bei meinem PC installiert?"

Ich kann es kaum fassen ...

"Oh, ich war gerade auf dem Weg zu ihnen - ihr Dämmstoff ist in der alten

Monitorkiste dort drüben."

Er beschnüffelt die erwähnte Kiste, bevor er etwas Verpackungsmaterial herausholt.

"Das? Das ist doch nur Verpackungsmaterial."

"Nein, das ist geräuschdämmendes, die Luft säuberndes Filtermaterial."

"Und warum steht dann ´Achten sie darauf, diese Verpackung wiederzuverwerten´ auf der einen Seite?"

"Weil ... es war mit altem Zeitungspapier verpackt, das man nicht überdrucken konnte."

"Oh .... Und wie wende ich es an?"

"Nun, sorgen sie dafür, es möglichst fest gegen den Lüfterausgang zu drücken, so daß keine, ähm, ´ungefilterte´ Luft mehr durchkommt."

"Richtig. Gut, dann werde ich Mike einmal aufklären", verkündet er fröhlich, als er davonmarschiert, um seinen PC zu zerstören.

"Nein, nein!" rufe ich. "Überlassen sie das mir - ich werde es ihm erklären."

Und ich werde es ihm wirklich erklären.

Nachdem der B.O.F.H. herausfindet, daß sein Lohnscheck zu niedrig ist, sind die

Erbsenzähler nicht die einzigen, die zusammenzucken werden ...

Es ist Donnerstag ... Zahltag-Donnerstag. Ich liebe Zahltage. JEDER liebt Zahltage.

Tatsächlich ist es so, daß die Arbeit an Zahltagen viel leichter ist. Die Menschen sind freundlicher, es gibt weniger Beschwerden, Bank-Manager sind netter - ein normaler Mann könnte sich daran gewöhnen.

Ein Bastard dagegen könnte vergessen, was ihn ausmacht - dieser feine Sinn dafür, wer von den Nutzern zur Spreu und wer zum Weizen gehört. Der Feind heißt

Zufriedenheit.

Trotzdem erinnert der braune Umschlag freilich daran, wofür wir dies alles tun.

Fröhlich lächelnd fummle ich an dem selbstklebenden Siegel herum (der Kleber muß der gleiche sein, den sie dafür benutzen, Hitzeschutzkacheln am Space Shuttle zu

befestigen), bevor ich die Haltung verliere und den Umschlag auf der anderen Seite

öffne.

Ahhh! Der Geruch eine frischgedruckten Schecks ... Dieses Gefühl, als er aus seiner schützenden Umhüllung aus braunem Papier gleitet. Das überwältigende aber wieder vergehende Gefühl des guten Willens gegenüber allem, was mit Erbsenzählerei zu tun hat, als ich den Namen der Firma gleich neben der Summe von ... WAS ZUM

TEUFEL!?

DIESE VERDAMMTEN ERBSENZÄHLERSCHWEINE HABEN MIR ZUWENIG

GEZAHLT!

Ich schaue noch einmal hin, um sicherzugehen, daß ich mich nicht irre. "Die

Erbsenzähler haben mir zuwenig bezahlt!" sage ich.

"Sie scherzen!?"

"Nein! Sehen sie, sie haben die Summe abgerundet!"

"Um wieviel?"

"27 Pence!"

"Heißt das, sie wollen wegen dieser lächerlichen Summe jemanden - möglicherweise dauerhaft - bestrafen?"

"Es geht nicht darum, daß es 27 Pence sind, es geht um das Prinzip. Sie

BESTEHLEN mich! Das ist unerhört! Das ist der Gipfel der Unverschämtheit! Bevor wir es merken, werden sie wieder die Lifte benutzen, werden die

Spesenabrechnungen ablehnen, beim Mittagessen mit ihnen über Geschäftspläne diskutieren und ..."

Etwa zehn Minuten später komme ich mit einer ziemlichen Beule und schmerzendem

Rücken wieder zu mir.

"Entschuldigung", höre ich den PJ hinter der Tür des Rechnerraums sagen, wobei er auf einen unserer weniger gefährlichen Elektroschocker in seiner Hand deutet.

Er muß mir damit einen Stromschlag verpaßt haben, während ich unter dem Einfluß des Schocks über den Diebstahl stand. "Das ist in Ordnung", antworte ich ihm. "Eine den Umständen entsprechende Reaktion."

Ich will zu ihm in den Rechnerraum gehen, um ihm zu versichern, daß ich keinen Groll gegen ihn hege, doch meine Zugangsberechtigung ist gelöscht worden, so daß ich meine Karte vergeblich in den Leser stecke.

"Entschuldigen sie das bitte, aber sie wissen ja selber, wie sie sich fühlen." ruft der

PJ durch das Sicherheitsglas.

"Aber natürlich!" antworte ich. "Mir geht es hervorragend." Dabei angle ich heimlich meine spezielle Karte aus der Tasche, die in der Datenbank als ´Feuer- und

Zivilschutz-Karte´ steht, von der niemand weiß, daß sie exis ...

"Auch diese Karte ist gesperrt", murmelt der PJ entschuldigend.

Man muß ihm vergeben. Er ist noch aus dem guten alten Holz geschnitzt.

Ich ziehe mich zurück, um abzuwarten, ob er herauskommt, wenn er sich sicher fühlt, doch so dumm ist er nun auch wieder nicht.

Außergewöhnliche Zeiten erfordern außergewöhnliche Maßnahmen. Ich zünde meinen Abfallkorb an und ändere die Richtung der Klimaanlage im Büro so, daß sie

Luft in den Rechnerraum bläst, statt sie dort abzusaugen.

Der Alarm, daß in zehn Sekunden das Feuerlöschgas in den Raum geblasen wird, geht los, und der PJ rast zum Notfallschalter, um das Ausströmen des Gases zu verhindern - natürlich nutzt er den echten, als Gegensprechanlage getarnten

Schalter und nicht den Köder, den wir benutzen, um ´Kollegen´ zu erschrecken.

Jetzt habe ich ihn da, wo ich ihn haben will. Während die Rauchmelder noch immer

Rauch wittern ist die Löschgasanlage noch immer aktiviert, nur hat der PJ die

Gaszufuhr blockiert - bei einem Stand von 7 Sekunden bis zum Auslösen ...

Ich halte den Abfalleimer hoch und packe noch mehr Papier und ein Sicherungsband hinein (damit auch genug Rauch herauskommt), um dem PJ zu zeigen, daß ich es ernst meine.

Außer Hörweite kritzelt er schnell eine Botschaft an die Wand. "Sie könnten Recht haben, 27 Pence sind eine Beleidigung!"

Lächelnd schütte ich Kaffee in den Eimer, um die Flammen zu löschen und setze mich dann an meinen Schreibtisch. Der PJ kommt heraus, als er sicher ist, daß die

Löschanlage deaktiviert wurde.

"Was werden wir unternehmen?" fragt er.

"Nun, ich glaube, wir müssen ein Exempel statuieren. Entschlossen, aber nicht zu brutal."

"Sie meinen Chilli-Soße in der Flasche mit den Augentropfen, Abführmittel im

Trinkwasserspender oder Leim auf den Toilettensitzen?"

"Nun ..."

"Alles zusammen?"

"Schon besser ..."

"Wir leiten ihre Daten durch das 3-phasige Strom-´Netzwerk´?"

"Schon geplant ..."

"Wir füllen wasserfeste Farbe in den Tank der Sprinkleranlage und aktivieren die

Anlage auf ihrer Etage?"

"Ja ... das kommt noch hinzu ..."

Und so kommt es, daß der PJ eine halbe Stunde später auf einer Leiter steht und purpurrote Farbe in den Wassertank füllt, als ... BDZZZT!!

Zu seiner Verteidigung muß erwähnt werden, daß der PJ keinen Laut von sich gab, als ihn der Elektroschocker traf. Von dem Geräusch des Sturzes in den Wassertank einmal abgesehen.

Nachdem ich ihn herausgefischt habe, deaktiviere ich seine Karte, schalte das

Feuerlöschsystem bei uns ab und sperre auch seine Karte, die in der Datenbank als

´Installations-Karte´ geführt wird.

Was sein muß, muß sein ...

Der Chef will schon wieder wissen, wie es um unsere Vorbereitungen für Notfälle steht, wie wir zum Beispiel reagieren können, wenn ein Erdbeben die Gebäude beschädigen würde ...

Mein Kommentar, daß ein Erdbeben während der Arbeitszeit die Produktivität im

Haus wohl erhöhen würde, erntet leider nicht das erwartete zustimmende Lachen.

Er beharrt stattdessen darauf, zu erfahren, wie wir auf seismische

Unregelmäßigkeiten vorbereitet sind. Und als Teil seiner Untersuchungen will er all unsere Notfallpläne und Vorbereitungen inspizieren und sehen, wie gut wir auf den

Fall der Fälle vorbereitet sind.

Ich könnte ihm die Wahrheit sagen, daß wir auf Katastrophen ungefähr so gut vorbereitet sind wie Butch Cassidy und Sundance Kid, aber das würde wohl nur

überflüssige Sorgen und Befürchtungen hervorrufen.

Um ihn erst einmal zufriedenzustellen, habe ich ihm eine Menge Unsinn erzählt, der gewöhnlich ausreicht, um das mittlere Management zu beeindrucken: "Nun, wir sind vollständig auf solche Fälle vorbereitet, wir haben Sicherheitskopien außerhalb des

Hauses und Bibliotheken mit unseren Programmen - Pläne zur Widerherstellung der

Systeme, Vereinbarungen mit Hardware-Lieferanten für Katastrophenfälle und drei verschiedene Notfallzentralen in entfernt voneinander gelegenen Fillialen, die bei

Bedarf innerhalb von 36 Stunden vollständig als Ersatzbüro hergerichtet werden können. Vielleicht einen halben Tag schneller oder langsamer."

"Und dazu kommen noch unsere redundanten Netzwerkanbindungen, Vereinbarungen

über Notfall-Service in Form von Satellitenanbindungen oder zusätzlichen Leitungen durch die größten Netzanbieter. Ja, die Netzwerkseite dürfte im Katastrophenfall am einfachsten wieder in Betrieb zu nehmen sein. Am langsamsten wird dabei noch das

Einspielen der Sicherheitskopien auf den verschiedenen Servern sein.

Arbeitsplatzrechner werden dabei berücksichtigt, wenn sie gebraucht werden, was davon abhängt, wie wichtig die betreffenden Mitarbeiter sind."

"Ausgezeichnet!" ruft der Chef mit vor Begeisterung glänzenden Augen. "Nun, dann bleibt uns wohl nur noch eine kurze Besichtigung der drei Notfallzentralen!"

Und da gehe ich auf dünnem Eis. Der Chef muß früher oder später herausfinden, daß ich ihm Unsinn erzählt habe und wird wissen wollen, wieso ich das getan habe.

Der PJ bemerkt meine Resignation (darüber, daß ich mir den Vortrag des Chefs über

´professionelle Integrität´ und Sachverstand anhören muß) und fragt, wo das Problem liegt. Ich weihe ihn in die traurigen Details ein.

"Nun, wir könnten ihn doch in eines der Notfallzentren fahren und ihm sagen, daß sie alle gleich aussehen und dem Wachdienst sagen, sie sollten Besuche aus

Sicherheitsgründen nicht erlauben." schlägt er vor.

"Das mit dem Wachdienst könnte funktionieren, aber die Notfallzentren sind das wahre Problem."

"Funktionieren sie nicht?" fragt der PJ.

"Oh doch, aber sie sind an andere Mieter verpachtet."

"Was?!"

"Nun, sie liegen doch gewöhnlich mitten in Geschäftsvierteln. Also vermiete ich sie normalerweise an andere Unternehmen und investiere das Geld in lohnendere

Projekte - in diesem Falle in die Erweiterung der Bandbreite unserer

Internetanbindung."

"Wie uneigennützig von ihnen." murmelt der PJ.

"Ja, nun ... Aber das ist jetzt alles vorüber, er wird es herausfinden ..."

"Nicht unbedingt!" ruft der PJ mit Befriedigung in seinem Blick, was wohl bedeutet, daß er einen Plan hat.

Zwei Tage später leistet mir der Chef auf der Rückbank einer Limousine

Gesellschaft, mit der wir unsere Notfallzentrale besuchen wollen. "Verdammt dunkel hier." beschwert er sich. "Man kann nicht einmal durch die Fenster blicken."

"Ja", stimme ich ihm zu. "Das ist ein Wagen unseres Partners, der sich um die

Speicherung unserer Daten kümmert - sie machen keine Kompromisse, denn sie haben wichtige Kunden."

"Oh", murmelt der Chef selbstzufrieden - sein Gefühl von Selbstherrlichkeit erreicht neue Höhen. "Und wo fahren wir hin?"

"Wir fahren zur nächstgelegenen Notfallzentrale, was etwa zwei Stunden dauern wird. Ich denke, wir besuchen pro Tag eine Zentrale, wenn sie nichts dagegen haben."

Zwei Stunden später rollen wir über eine Rampe auf die Parkfläche im Kellergeschoß unserer ersten Notfallzentrale. Ich helfe dem Chef in einen frisch renovierten

Frachtaufzug (aus Sicherheitsgründen) und wir fahren eine Etage nach oben ins

Notfallzentrum.

"Das kommt mir irgendwie bekannt vor", murmelt der Chef ein wenig verwirrter als gewöhnlich.

"Wir haben die Notfallzentren so gestaltet, daß sie vertraut aussehen, was den

Ortswechsel und die Neuorientierung für die Mitarbeiter leichter macht."

"Wirklich? Das ist eine gute Idee!"

Wir betreten den Rechnerraum und schauen uns um. "Etwas ruhig, oder?" will der

Chef wissen.

"Nun, die Notfallzentren werden typischerweise erst im Notfall in Betrieb genommen - hauptsächlich, um Strom und Wartungskosten zu sparen."

"Natürlich."

Der Rest der Besichtigung verläuft problemlos und wir fahren zurück zu unserer

Firma.

"Wohin fahren wir morgen?" fragt der Chef.

"Nun, ich denke, daß wir früh losfahren und das Zentrum in Wales besichtigen. Ich hole sie gegen 6 Uhr ab?"

Als der Chef gegangen ist, tippe ich an die Trennscheibe, die Fahrer und Fahrgäste trennt. Das Gesicht des PJ erscheint, als die Scheibe verschwindet.

"Morgen geht es nach Wales", murmle ich. "Stellen sie die Technik ein wenig um, hängen sie ein paar walisische Landkarten mit farbigen Stecknadeln an strategisch wichtigen Punkten auf und stellen sie eine Kiste Porree in den Frachtaufzug. Oh, und fahren sie in einem etwas größeren Radius durch die Stadt. Zweihundert Runden um das Haus fordern skeptische Fragen geradezu heraus."

Oh, mir bleibt jetzt noch, ein paar Rechnernamen in glaubwürdiges Walisisch zu

übersetzen, um etwas für die Bilthigung des Chefs zu tun (Compluthären etc.).

Diese Notfallvorbereitungen sind wirklich mit Arbeit verbunden!

Als die Not am größten ist, leiht der B.O.F.H. seine helfende Hand der

Nutzerbetreuung. Dabei spielt eine gewisse Menschenliebe zwar eine Rolle, doch wichtiger noch ist die Aussicht auf zusätzliche Einnahmen ...

Ich bin so nett, daß ich einen Orden verdiene! Als herzensguter Mensch habe ich mich entschlossen, in der Nutzerbetreuung auszuhelfen, als diese dringend Hilfe braucht. Es scheint, daß sie wegen des Winterwetters und der Urlaubszeit chronisch unterbesetzt ist.

Der PJ, gepriesen sei er, ist vom gleichen Geist der Aufopferung beseelt und hat angeboten, mir dabei zu helfen, die Nutzer zu bewachen - ich meine, mir dabei zu assistieren, wenn ich ihnen helfe.

Seit unserem letzten Besuch hat sich nicht viel verändert. Nun, jetzt scheint die

Sonne und ich schleppe keinen Sack und kein Brecheisen mehr mit mir herum, doch davon abgesehen hat sich wenig geändert.

"Das", belehre ich den PJ. "Das ist ein Telefon. Sie haben bestimmt schon Menschen gesehen, die dieses Gerät benutzen. Jetzt können sie es ebenfalls versuchen."

Ich ignoriere die Geste des PJs, die unter normalen Umständen wohl etwa dies ausdrücken würde: "sie haben sicher eine erfüllende sexuelle Beziehung mit ihrer rechten Hand" (was ich wohl fehlinterpretierte als: "Ich sehne mich nach einem verdammt guten Tritt in den Hintern. Könnten sie mir den Gefallen tun?"), und kümmere mich um die Arbeit.

"Sie nehmen die Leitungen 1, 3 und 5, ich nehme die 2, 4 und die 6." lege ich fest.

"Was? Ich dachte, wir leiten alle Anrufe zu dieser religiösen

Motto-des-Tages-Nummer um und schauen uns auf ihren Festplatten nach interessanten und belastenden Daten um!" jammert der PJ eingeschnappt.

"Das wäre reine Zeitverschwendung", antworte. "Ich habe doch die gesamte gute

Hardware durch die ausgemusterte aus unserem Lager ersetzt, damit wir nun von jeder Etage aus ein Quake II-Netz aufbauen können."

"Sie meinen, wir können nicht einmal Quake auf diesen Rechnern spielen?"

"Ich fürchte, daß das hier wirklich unmöglich ist. Diese Rechner werden sich schon freuen, wenn sie uns ANSI-Grafiken zeigen können, von SVGA ganz zu schweigen."

"Aber ...." schnappt der PJ ein.

"Kein Widerspruch. Wir werden unsere Zeit sinnvoll dazu nutzen, unsere Nutzer etwas besser kennenzulernen. Wir haben uns in diesem Jahr zu sehr von ihnen isoliert - es wird Zeit, daß wir unsere Beziehungen erneuern!"

Meine Selbstlosigkeit stimmt mich ein wenig nachdenklich, aber ich schlucke die

Übelkeit hinunter und fahre fort.

"HIER!" rufe ich. "Stimmen wir unsere Ausredenkalender aufeinander ab. Seite 47,

Hypotropisch-osmotische Datenverluste."

Die Augen des PJs leuchten kurz auf als seine Gedanken abschweifen, doch er ist sofort wieder hellwach und hört mir zu.

"Ich werde es H.O.D. nennen", murmelt er, als er sein Bewußtsein wiedererlangt.

"In Ordnung! Dann kann das Spiel beginnen!" rufe ich.

"Spiel? Welches Spiel?" fragt der PJ.

"Sie werden es herausfinden ..."

"Ich weiß noch immer nicht, wieso der Chef das erlaubt hat", ruft der. "So dumm kann er doch gar nicht sein."

"Er war nicht so dumm", antworte ich lächelnd. "Aber er wurde versetzt. In unsere

Filiale in Leeds, nachdem er zu Beginn der Woche einen kleinen Unfall hatte."

"Ja?" fragt der PJ voller Neugier.

"Es war tragisch."

"WIRKLICH?" Sein Interesse wächst.

"Es scheint so, als hätte er sich bei diesem Training zum Thema "Sexuelle

Belästigung am Arbeitsplatz", das uns die US-Zentrale verordnet hat, ein wenig gehenlassen."

"Das Training, für das sie all die netten Leute aus der Geschäftsführung

zusammengetrommelt haben? Hat er gesagt, er nehme an, das sei ein Training, bei dem vorgeführt wird, wie man das macht?"

"Nein - offenbar hatte er etwas bei sich, das er bei dem Zusammentreffen nicht einziehen konnte. Ja, so könnte man es wohl am besten ausdrücken ..."

"Sie meinen, er hatte einen ...."

"Anscheinend. Er hat wilde Verdächtigungen geäußert und behauptet, jemand hätte

Viagra in seinen Kaffee gemischt, aber ich frage sie ..."

"Abartig", pflichtet mir der PJ bei. "Wo wir beim Thema sind, Kaffee?"

"Ja, aber nehmen sie nicht den Instantkaffee bevor ich Zeit hatte, ihn auszutauschen."

"Sie verdammter ..."

Unsere Unterhaltung wird durch den ersten Anruf an diesem Tag unterbrochen.

"Hallo, wie kann ich ihnen helfen?" frage ich in einem Tonfall, der nur als guter Wille gedeutet werden kann.

"Hallo, mein Rechner vergißt ständig die Zeit, und mein Kollege meinte, das könne an der Batterie in dem PC liegen!"

"Wie alt ist der Rechner?" frage ich.

"Drei Monate."

"Normalerweise fallen die Batterien nicht so schnell aus." antworte ich. "Ich denke, es liegt daran, daß ihr Rechner beim Starten die aktuelle Zeit vom Netzwerkserver holt, er aber nichts damit anfangen kann, weil ihre Zeitzoneneinstellung nicht GMT ist."

"Nun ..." >Klickklick< >Klickklich< "Genau, da steht Winnipeg! Wo zum Henker ist

Winnipeg?"

"In Kanada, glaube ich", antworte ich hilfsbereit.

"Vielen Dank!"

"Keine Ursache!" antworte ich und lege auf.

Der PJ ist geschockt.

"Was war denn das?" ruft er ungläubig.

"Oh, habe ich es ihnen nicht gesagt? Darum geht es in dem Spiel. Alles oder nichts.

Wer als Erster eine spitze Bemerkung zu einem Nutzer machte, zahlt am Freitag für die Biere."

"Das klingt nicht wie ein Spiel." murrt er. "Und nach Spaß schon gar nicht!"

"Wollen sie LIEBER MONOPOLY spielen?!"

"Nun, nein, aber das ist nicht die Art von Spielen, die Spaß machen!"

"Ich glaube, sie sind ein FEIGLING!" verhöhne ich ihn.

"Mitnichten!" ruft der PJ. "Das scheint eher auf sie zuzutreffen."

"In Ordnung. Ich übernehme Leitung 1, was die Anzahl potentieller Anrufer für mich verdoppelt. Jetzt zufrieden?"

Der PJ nickt - dann grinst er, als ein Anruf auf Leitung 1 kommt.

Vielleicht habe ich doch etwas zu hoch gepokert und mich und meine

Leidensfähigkeit ein wenig überschätzt ...

Der B.O.F.H. beweist, daß es (beinahe) möglich ist, sich gleichzeitig an mehreren

Orten aufzuhalten, als es darum geht, sein Heiligtum gegen Besuche durch

Dummköpfe zu verteidigen ...

Ich sitze unten im Café, um mich kurz (in Ordnung, es sind ein paar Stunden) vom

Stress mit den verrückten Nutzern zu erholen - Anrufe habe ich auf mein Handy umgeleitet, dessen Nummer geheim ist. Und prompt fängt es an zu piepsen.

"Hallo, Netzwerk- und Systembetreuung", melde ich mich so freundlich, als würde ich noch am Wettbewerb ´Wer ist am nettesten zu den Nutzern´ teilnehmen ...

... was ich freilich nicht mehr tue, denn nachdem ich den PJ ausgetrickst habe, indem ich unheimlich viel Speicherplatz auf den Servern reserviert und ihn dann mit schnell zusammengebauten klingenden E-Mails ´vom PJ´ aufgefüllt habe, sehe ich gar keine

Veranlassung mehr, freundlich zu sein. Die Stimmung der Mißgunst gegen den PJ hat den Chef sogar dazu veranlaßt, ihn in einen kurzen Urlaub zu schicken.

"Wo sind sie?" will der Chef wissen. Seine Stimme wird ein wenig von den

Außengeräuschen meines gegenwärtigen Aufenthaltsortes gedämpft.

"Natürlich im Rechnerraum!" antworte ich entrüstet.

"Wirklich? Und woher kommen diese Hintergrundgeräusche? Ich kann Autos hören!"

"Ja, natürlich. Das ist dieses Multimedia-Demonstrationsprogramm, das gestartet wird, wenn die Server hochgefahren werden." erkläre ich ihm. "Ich würde die

Lautsprecher ja abschalten, aber wir brauchen sie für die akustische Fehlerdiagnose beim Starten."

Mein Schwachsinnsmesser registriert drei von zehn möglichen Punkten, also dürfte diese Entschuldigung wahrscheinlich für den Chef ausreichen.

"Oh." antwortet er und bestätigt meine Vermutung. "Nun, ich muß in den

Rechnerraum, da ich einigen neuen Mitarbeitern unsere Technik zeigen will. Wenn sie also herauskommen könnten, um uns einzulassen ..."

Man kann mich ja altmodisch nennen, aber das LETZTE, was ich will, ist ein Haufen schwatzender Verrückter, die keine Ahnung davon haben, wie und warum Computer funktionieren, im Allerheiligsten vom Heiligen.

Da ich ein vorausschauender Mensch bin, habe ich mich auf solche Fälle vorbereitet, indem ich die Eingänge für alle außer mir elektronisch blockieren kann.

"Ich befürchte, daß wir ein Problem mit dem elektronischen Schließsystem haben und ich es auch nicht dazu bringen kann, die Türen freizugeben." teile ich ihm mit. "Es sieht so aus, als wäre ich ein- und sie ausgesperrt."

"Aha", murmelt der Chef langsam. "Dann versuche ich die Notfall-Entriegelung."

Ein paar laute Schläge später greift der Chef keuchend wieder zum Telefon. "Das

VERDAMMTE GLAS läßt sich nicht einschlagen!" japst er. "Was für eine Sorte

Sicherheitsglas ist das denn?"

"Ich habe keine Ahnung, aber es klang gut für die Wachmannschaft." antworte ich und stelle ihn damit offenbar zufrieden.

"Dann rufe ich die Hausmeister an, um durch das Glas zu kommen - sie warten einfach auf uns!" ruft er und will damit seinem Anfängerpublikum wohl

Entscheidungsfreude und Problemlösungsfähigkeit demonstrieren.

Was bedeutet, daß ich nun doch noch an meinen Arbeitsplatz zurückkehren muß, da das Glas nur begrenzt den Bemühungen des Hausmeisters standhalten wird.

Ich nehme ein Taxi und betrete das Firmengebäude durch den Hintereingang, schleiche aus einem Frachtaufzug und lande hinter dem Chef und einer Gruppe technischer Dummköpfe, deren Intelligenzquotienten zusammengezählt nicht einmal den Hüftumfang eines Supermodels erreichen.

"Hallo!" sage ich und denke an die positive Wirkung, wenn man nett zu angehenden

Nutzern ist.

"Wo kommen sie denn her?" fragt der Chef und deutet verwirrt auf den Hausmeister, der sich noch mit seiner Bohrmaschine durch das Panzerglas durcharbeitet - einen halben Zoll hat er schon geschafft, so daß ihm nur noch ein Zoll bleibt.

"Der Rechnerraum!" rufe ich. "Ich habe es geschafft, die Notausgangstür dadurch zu

öffnen, daß ich meine Karte mehrmals durch den Leser gezogen habe - möglicherweise gab es Lesefehler oder ähnliches."

Wichtigtuerisch blase ich in den Kartenleser und versuche es dann mit meiner Karte.

Natürlich öffnet sich die Tür. Dann stoppe ich heimlich das Blockierprogramm und lasse die Meute eintreten.

"Das ist unser ... ähm ..." beginnt der Chef, wobei er feststellt, daß ich mich seiner

Führung zugesellt habe und sehr interessiert seinen Ausführungen lauschen will.

"Ähm, vielleicht ist es doch besser, wenn wir jemanden aus der ersten Reihe zu

Wort kommen lassen!"

Es ist natürlich überflüssig zu betonen, daß meine Vorführung ein durchschlagender

Erfolg war - ganz besonders nachdem der Chef die Gefährlichkeit des

Arbeitsplatzes dadurch demonstriert hatte, daß er über eine lose Bodenplatte, die wir dazu benutzen, Fremde am Herumstreunen bei uns zu hindern, stolperte und mit dem

Gesicht voran in ein Regal voller Technik stürzte.

Auf dem Weg nach draußen trifft mich ein Typ aus der Personalabteilung und gibt mir die Einladung des Chefs, mit der ich am ´Willkommen in der Firma´-Trinken am

Nachmittag teilnehmen kann, was bedeutet, daß der Chef selbst wohl nicht hingehen kann ...

Und gerade als ich dachte, das Leben könnte nicht mehr besser werden, ruft der PJ an und erklärt, er wisse alles und würde sich nur WIDERWILLIG an sein

Versprechen halten - aber eine Wette sei nun einmal eine Wette.

Gedächtnisvermerk Nummer Zwei: Rechtzeitig an das Vertauschen der Gläser denken, wenn seine Aufmerksamkeit im Pub abgelenkt wird. Letztlich ist die

Vorstellung, eine Überdosis Abführmittel trinken zu müssen, doch nicht sehr verlockend.

Das Duo des Schreckens entwickelt einen individuellen Plan zur

Gesundheitsvorsorge. Einen, der es erlaubt, tagelang der Arbeit fernzubleiben, um

Pubs oder Sehenswürdigkeiten zu besuchen ...

In den Tiefen ihrer kalten Herzen haben die Firmenmanager beschlossen, daß wir

Angestellten unter angemessener finanzieller Selbstbeteiligung (auf einem hohen

Niveau, versteht sich) würdig sind, Mitglieder der firmeneigenen

Krankenversicherung zu werden.

Verdammt. Ich hätte nach all meinen Mühen ein Sonderangebot dafür verdient. Gäbe es mich nämlich nicht, so bräuchte die Firma gar KEINE eigene

Krankheitsvorsorge - zumindest keine mit so hohen Beiträgen zur Absicherung von

Arbeitsunfällen ....

"Aber das ist doch verdammt billig!" behauptet der PJ. "Und bei Arbeitsunfällen wird der komplette Aufenthalt in einem privaten Krankenhaus bezahlt."

"Wo man ihnen zweifellos Chilli-Einläufe verpassen wird, bis sie selbst darum bitten, entlassen zu werden." antworte ich, der ich nur zu gut weiß, wie gut ´gute

Geschäfte´ wirklich sind.

"Nein, sie haben auch ein paar Bilder", ruft er und wedelt selbstvergessen mit ein paar Hochglanzbroschüren. "Sehen sie sich das an!"

Ich muß zugeben, daß die Bilder beeindruckend aussehen. Sie zeigen große stattliche

Krankenzimmer, Bataillone hübsch aussehender Krankenschwestern und prächtig gedeckte Tische mit dem Abendessen, doch ich habe schon zu viele

Hochglanzbroschüren für Computersysteme gesehen, als daß ich der Werbung noch glauben könnte.

"Das ist doch nur der übliche Werbemüll", erinnere ich den PJ. "Nichts davon ist wahr."

"Es könnte aber sein", murmelt er eingeschnappt.

"Es ist eine der Grundregeln bei der Arbeit in unserer Branche, daß man niemals

Broschüren glauben kann, wenn man die Ware noch nicht selbst gesehen hat!" weise ich ihn zurecht.

"Aber wie können wir herausfinden, wie es wirklich ist, wenn wir uns nicht beteiligen?"

"Beteiligen?" ruft der Chef und stürmt in unser Bür