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Gesa Witt
Die Reklamemaschine „Magnet“ zeigte im Schaufenster
des Elektrowarengeschäfts Zink in Burgau (Bayern) ab den
zwanziger Jahren jahrzehntelang wechselnde Werbetafeln.
Eine charmant lächelnde Figur, bekleidet mit einem weißen Hemd, Jackett, Fliege und (damals noch einem) Zylinder, grüßte vorbeischlendernde Passanten mit einem
galanten Kopfnicken. Dem interessierten Betrachter zeigte
sie nacheinander 16 verschiedene Reklamesprüche, die sie
aus dem Kasten unter sich hervorzog. Sie hob und senkte
die Augenbrauen und bewegte den Mund als erkläre sie
dem Zuschauer freundlich die Aufschriften der Werbetafeln. Angetrieben wurde die komplizierte Mechanik, die
die Schilder tauschte und nach oben beförderte, von einem
Universalmotor, der mit Wechsel- oder Gleichspannung
betrieben werden konnte. Bis auf den Motor ist der Automat in einem betriebsfähigen Zustand erhalten geblieben.
Der, die Substanz gefährdende Zustand, erforderte jedoch
eine umfassende konservatorische und restauratorische
Behandlung.
Die Reklamemaschine ist nach erfolgter Restaurierung seit
Februar 2009 wieder in der Dauerausstellung des Stadtmuseums in Burgau zu besichtigen. In diesem Artikel wird die
Problematik der beschränkten Wahrnehmbarkeit der ursprünglichen Funktion der Maschine erörtert. Anhand von
verschiedenen Fragestellungen wird das Für und Wieder
einer eingeschränkten Betriebsfähigkeit diskutiert. Ausserdem werden ausgewählte Restaurierungsarbeiten an den
vielfältigen Materialien vorgestellt.
Die Reklamemaschine „Magnet“ stammt aus dem Nachlass des Elektrogeschäfts Zink. Zur Eröffnung des Stadtmuseums in Burgau im Dezember 2007 wurden Exponate
gesucht und man erinnerte sich an den „freundlichen Automaten“. Auf dem Dachboden des Geschäftshauses wurde
er wieder gefunden und Familie Zink übergab ihn dem Museum als Dauerleihgabe.
Die Schönheit der Bewegung eines
mechanischen Reklameautomaten
Abbildung 1: Reklamemaschine Magnet, Eingangszustand, Hergestellt circa 1925,
Stadtmuseum Burgau, Höhe 92 cm, Breite 42 cm
331
1. Konzept der Erhaltung und
konservierungstechnische
Überlegungen
Abbildung 2: Werbeanzeige der Firma Sührcke in der „Zeitschrift der Neuheiten und
Werbemittel“, Nr. 19, 1927
Die Maschine wurde ab 1923 von der Firma Sührcke &
Winkler in Hamburg patentgeschützt hergestellt. Da sich
die Ideen der Werbebranche zu dieser Zeit überschlugen
und Altes schnell durch Neues ersetzt wurde, kann man
heute davon ausgehen, dass dieses Modell nicht länger als
10 Jahre gebaut wurde.
Der Zeitgeist, der 1920er Jahre, ist an der Reklamemaschine ablesbar: Es wurde Wert auf vielseitige Werbung, gesellschaftliche Unterhaltung und modisches Äußeres gelegt.
Die Tafeln, welche die Figur hochhält, können mit verschiedenen Sprüchen bestückt werden. So konnten entweder ein
einzelnes Produkt, das Elektrowarengeschäft selbst oder
mehrere Artikel einer Saison beworben werden.
Im Anzug, mit Papierblume am Revers und Zylinder auf
dem Kopf verkörperte die Automatenfigur das Bild eines
gepflegten Herrn. Sie spiegelte das Modeideal der 20er Jahre und vertrat die Firma seriös. Indirekt warb die Reklamemaschine zudem für die Elektrifizierung der Kleinstadt, zu
der der Elektroinstallationsbetrieb der Familie Zink grundlegend beitrug.
Zum Zeitpunkt der Entstehung der Reklamemaschine
„Magnet“ galt diese als ein modernes Mittel der Werbung.
Flanierende Passanten sollten „magnetisch“ angezogen,
und zum Stehen bleiben verleitet werden. Die einwandfreie
Funktion und ein makelloses Äußeres waren hierfür Voraussetzung. Die fein abgestimmte Mimik des Gesichts ließ
die Figur fast lebendig erscheinen. Zur damaligen Zeit war
dieser sich bewegende Android ein Faszinosum.
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Um diesen Reiz wieder nachvollziehbar zu machen und
außerdem die Bewegungen zu dokumentieren, wurden mit
der Restaurierung eine eingeschränkte Betriebsfähigkeit
und die Wiederherstellung des Gesichtsminenspiels angestrebt. Im Zuge der Dokumentation wurden Bewegungsabläufe durch die Abwicklung der Nockenscheiben und
das Erstellen von Bewegungsdiagrammen tabellarisch dargestellt (siehe Tabelle 1). Aus den Tabellen kann ermittelt
werden, welche Bewegungen zeitgleich erfolgen. Das sichtbare Zusammenspiel kann man sich auf dieser Grundlage
aber nicht vorstellen. Insofern ist die Bewegung ein integraler Bestandteil dieses Objekts. Ein längerer Betrieb ist
aber aufgrund der Beanspruchung der Mechanik aus konservatorischen Überlegungen nicht möglich. Ein Film, in
dem man die Reklamemaschine in Aktion erleben kann, ist
für die Ausstellung eine mögliche Demonstrationsmethode. Daher wurde nach der Restaurierung des Geräts mittels
eines seitlich ins Getriebe eingreifenden Motors eine einmalige Inbetriebnahme ermöglicht und diese als Film aufgenommen.
Vor der Realisierung der Inbetriebnahme waren folgende
Punkte eingehend zu prüfen und zu diskutieren:
1.1. Die Zweckmäßigkeit
Wie wichtig für das Verständnis des Reklameautomaten ist
es, diesen in Aktion zu sehen?
Ursprünglich sollte der Automat durch die Imitation der
menschlichen Bewegung die Aufmerksamkeit der Passanten erregen. Um diesen Aspekt wieder wahrnehmbar zu
machen und dem Betrachter die Faszination nahe zu bringen, die der Automat auf seine Zeitgenossen ausübte, ist es
wichtig, die Bewegung zu zeigen. An dem still stehenden,
ja starren Ausstellungsobjekt konnte das nicht mehr nachvollzogen werden.
1.2. Der Abbaugrad der Materialien
Wird dem Objekt durch die einmalige Inbetriebnahme geschadet?
Um die Frage zu beantworten, wurden alle Materialien auf
ihren Abbaugrad hin überprüft. Zum Beispiel wurden Lederfasern aus den Verbindungsgelenken der Ellenbogen an
einem Mikroheiztisch auf ihren Schrumpfungsgrad1 untersucht. Danach können die Gelenke ohne Substanzverlust
befürchten zu müssen belastet werden. An anderen Stellen,
zum Beispiel an der Inkarnatsfassung des Gesichtes (Ölfar-
Abbildung 3: Linke Spalte: Nockenscheibe in Bewegungsabschnitte unterteilt. Rechte Spalte: Lineare Bewegungsdiagramme, in denen jeweils ein Bewegungszyklus dargestellt
ist. Sie sind so ausgerichtet, dass gleichzeitige Aktionen senkrecht übereinander stehen
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Abbildung 4: Auffangpuffer aus Gummi, rechts das Originalteil und links die Replik
für den einmaligen Durchlauf
gen spricht in diesem Fall die eingeschränkte Wahrnehmbarkeit der ursprünglichen Wirkung und Erscheinung des
Objekts. Den Betrachter würden die unruhigen Oberflächen auf dem Kopf und im Gesicht, so wie die durch
Mottenfraß geschädigte Kleidung irritieren. Bei einer Inbetriebnahme in einem solchen Zustand würde die Reklamemaschine glanzlos und wie eine Farce erscheinen.
Die Inbetriebnahme der Maschine ergibt also nur Sinn,
wenn das äußere Erscheinungsbild restauratorisch und
nicht rein konservatorisch bearbeitet wird. Dazu gehören
Kittungen und Retuschen am Kopf, Stäbchenergänzungen
am Holzfuß oder die nähtechnische Sicherung und Unterlegung von Löchern im Textil. Alle diese Maßnahmen haben neben der Substanzsicherung vor allem die Intention,
auffällige Fehlstellen zurücktreten zu lassen und den Gesamteindruck zu beruhigen. Das so entwickelte Konzept
beinhaltet die Vermittlung der ursprünglichen Funktion
und Wirkung, so wie der objektimmanenten Ästhetik. In
der Umsetzung bedeutet dies die Stabilisierung aller Baugruppen und Materialien und die Wiederherstellung der
geschlossenen Oberfläche im Gesicht.
be über Kreidegrund) der Figur, oder dem Textilgewebe der
Kleidung war eine Festigung vor dem Betrieb empfehlenswert. Nach erfolgter Konservierung war dann durch die
Bewegung kein Schaden mehr zu erwarten.
Zwei der Auffangpuffer aus Gummi, die die herabfallenden
Werbetafeln im Gehäuse abfedern, waren stark abgebaut.
Sie wurden vor den Filmaufnahmen ausgebaut, durch Repliken ersetzt und anschließend wieder eingesetzt. (siehe
Abb.: II)
Auch der vom Hersteller eingebaute Motor sollte auf Grund
der fragilen Kohlen2 und des zu großen Lagerspieles nicht
in Betrieb genommen werden. Der Antrieb des Schwungrads mit einem Ersatzmotor war auf Grund der guten Zugänglichkeit realisierbar.
Durch alle diese prophylaktischen Maßnahmen ließ sich
die Belastung des Objektes während der Filmaufnahmen
sehr gering halten.
1.3. Konzeptionelle Überlegungen für das
ganze Objekt
Wie passt die konservatorische und restauratorische Behandlung des Objektes zu der Inbetriebnahme?
Die Reklamemaschine erzielte ihre Werbewirksamkeit
durch Ihr gepflegtes Äußeres und die Bewegungen, die sie
ausführte. Beides steht in Bezug zueinander. Bei einer rein
konservatorischen Behandlung würden die Fehlstellen im
Gesicht gefestigt und die Kleidung gereinigt werden. Dage-
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Abbildung 5: Patentzeichnung der Hebemechanik der Reklamemaschine
Abbildung 6: Kopf der Figur vor der Restaurierung
1.4. Die Vollständigkeit
Ist die Maschine in vollständigem Zustand
erhalten geblieben?
Die Vollständigkeit der Maschine ist nicht zwingend eine
Vorraussetzung für ihre Inbetriebnahme. Für einen eingeschränkten Betrieb ist es aber wichtig, dass alle relevanten
Komponenten wie Nockenscheiben, Übertragungsstößel
oder Wellen vorhanden sind. Fehlende Bauteile können
Instabilität und die Beschädigung andere Teile zur Folge
haben. Mit Hilfe der Patent-Schriften und -Zeichnungen
konnte die Vollständigkeit der Reklamemaschine und insbesondere der Hebemechanik festgestellt werden.
1.5. Die Präsentation
Welche Möglichkeiten gibt es die Bewegungen der Reklamemaschine im Museum vorzuführen?
Da die Maschine, nach dem einmaligen Durchlauf nicht
mehr in Betrieb gezeigt wird, wurden zwei Medien ausgewählt, mit denen der Betrachter die Bewegungen nachvollziehen kann:
Abbildung 7: Kopf der Figur nach der Restaurierung
In einem zirka dreiminütigen Film, kann die Maschine in
der Gesamtansicht in Betrieb bewundert werden. Zu sehen
sind außerdem Großaufnahmen des Oberkörpers und des
Kopfes. Abschließend wird ein Einblick in das Innenleben
der Reklamemaschine mit laufender Mechanik gewährt. Es
bietet sich an, den Film in räumlicher Nähe zum ausgestellten Objekt zu zeigen. Das Stadtmuseum in Burgau besitzt
den dazugehörigen Film, kann ihn also bei entsprechendem
Anlass vorführen.
Als zweite Präsentationsform wurde eine interaktive Alternative gewählt – das Daumenkino. Das schnelle Durchblättern des kleinen Buches lässt die verborgenen Fähigkeiten
der Reklamemaschine erahnen. Zweifelsohne kann mit
dem Daumenkino nicht die Komplexität der Bewegung
wiedergegeben werden, aber es ist ein Einblick, der neugierig macht. Das Daumenkino könnte reproduziert im Museumsshop angeboten werden.
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Abbildung 8 :Jackettärmel am rechten Ellenbogen innen vor der Restaurierung. Es
sind größere Mottenlöcher sichtbar. (Ärmeldurchmesser ca. 8 cm)
Abbildung 9 :Jackettärmel am rechten Ellenbogen innen nach der Restaurierung
Abbildung 10: vorderer linker Gehäusefuß vor der Restaurierung. (Standfläche zeigt
nach oben, Durchmesser Fuß ca. 6 cm)
Abbildung 11: Gehäusefuß nach Festigung, Ergänzung und Retusche
2. Konservatorische und
Restauratorische Maßnahmen
Im Folgenden wird eine Auswahl der am Objekt selbst
durchgeführten Maßnahmen vorgestellt. Wie so oft in der
Objektrestaurierung war die Bewältigung der materialtechnisch vielfältigen Problemstellungen besonders reizvoll und
zugleich eine theoretische Herausforderung.
2.1. Kopf
Kopf und Hände bestehen aus farbig gefasstem Pappmachee. Große Fehlstellen am Kopf, welche das Gesicht stark
beeinträchtigten, wurden gefestigt, gekittet und retuschiert.
Für die Festigung wurde Salianski – Hausenblasenleim3 (4
Gewichts % in demineralisiertem Wasser) mit feinem Pinsel appliziert. Für die Ergänzung der Fehlstellen wurden
336
verschiedene Kitte an einem speziell dafür hergestellten
Dummy auf Konsistenz, Härte und Verarbeitbarkeit getestet. Am besten entsprach ein Kitt aus Champagnerkreide,
Cellulosefasern 0,3 mm und Hausenblasenleim den restauratorischen Anforderungen an Dauerhaftigkeit und Reversibilität. Eventuelle Unebenheiten in der Kittung konnten
nach der vollständigen Trocknung mit einem feinen Schleifpapier (600er Körnung) eingeebnet werden. Die Retusche
erfolgte mit Lascaux Artist - Künstler-Acrylfarbe, mit der
sich ein ähnlicher Glanzgrad wie der der Originalfassung
erreichen ließ. Da die Retusche ausschließlich auf die per
se reversible Kittung gesetzt wurde, war die Reversibilität
von Acrylfarbe nicht zu hinterfragen. Die farbliche Einpassung der Fehlstellen in ihre Umgebung erfolgt im Sinne einer Vollretusche.
Abbildung 12: Vorzustand, Blick in die Mechanik vor der Restaurierung
2.2. Kleidung
Die Kleidungsstücke aus Baumwoll- und Wollstoff wurden
gereinigt und die Löcher mit chirurgischen Nadeln nähtechnisch gesichert. Ein Stützgewebe aus schwarzer Gabardine4
wurde unter die Fehlstellen gelegt, um beide Stoffschichten
durch Stützlinien aus Vorstichen systematisch miteinander
zu verbinden. Nachdem die historischen Stoffe so praktisch
unsichtbar hinterlegt waren, konnten die abgebauten Partien mit Spannstichen stabilisiert werden.
Der Oberkörper aus Pappmachee bekam ein Untergewand.
Dieses trennt die Kleidung von den metallischen Befestigungsteilen im Oberkörper durch die Rostflecken im Gewebe entstehen, und ist mittels Klettverschluss abnehmbar.
Es erfolgte eine Kennzeichnung mit „C.S. 2008“ (conservational stability)5 um zu dokumentieren, dass dieses Teil später dazugefügt wurde.
2.3. Holz
Das Holzgehäuse war stellenweise durch Schädlingsbefall
geschwächt. Diese Stellen wurden gefestigt und mit Stäbchenergänzung6 ausgefüllt. Das Festigungsmittel wurde mit
Abbildung 13: Mechanik nach der Restaurierung
einer Spritze in die Fluglöcher injiziert. Mit einer 20 %igen
Lösung aus Plexigum PQ 610 in Siedegrenzbenzin wurde
das Holz vorgenetzt. Die endgültige Festigung erfolgte mit
einer 40%igen Lösung. Für die Stäbchenergänzung wurde
Balsaholz verwendet. Die Balsaholzstäbchen wurden mit
Hasenhautleim verbunden und die gesamte Ergänzung
dann mit Acrylfarbe dem Holzfarbton angepasst.
2.4. Mechanik
Die Mechanik aus Eisen musste komplett demontiert werden, um die Zugänglichkeit für die Reinigung und Wachsung mit den mikrokristallinen Wachsen Tecero 30410
und Tecero 30201 (1:1) in Siedegrenzbenzin 100 - 140°
C zu gewährleisten. Die Erwärmung der Metallteile mit
einem Heißluftfön ermöglichte die optimale Verteilung des
Wachses. Die Oberfläche erhielt ihren Glanz wieder durch
die Verdichtung des Wachses mit einer Bürste.
2.5. Papier
Die der Reklamemaschine beigefügte Betriebsanleitung aus
Papier wurde gereinigt, entsäuert und, da stellenweise ein-
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Abbildung 14: Das Papier der Betriebsvorschriften nach dem Ablösen vom Holz
Abbildung 15: Das Papier nach der Entsäuerung, dem Überfasern und der Trocknung
gerissen, von hinten festigend überfasert:
Nach einer Trockenreinigung wurde das Papier in einer
Pufferlösung mit dem pH Wert 9, bestehend aus Calciumhydroxid und deionisiertem Wasser (bis um pH 8), gebadet.
Zur Stabilisierung kam das Blatt mit den Betriebsvorschriften daraufhin in nassem Zustand mit dem Gesicht
nach unten auf den Unterdrucktisch7. Dort konnten ausgebrochene Teile korrekt positioniert und anschließend
überfasert werden. Risse wurden stabilisiert und kleine
Fehlstellen mit unterschiedlichen Medien der Umgebung
angepasst. Zur Verdichtung des neuen Fasermaterials wurde ein Stupfpinsel verwendet; eine 0,5 %ige Hasenhautleimlösung wurde zum Schutz des Papiers aufgebracht.
Nach einer Vortrocknung zwischen Leinentüchern wurde
das Blatt zwischen säurefreie Pappkartons gelegt und dort
40 Tage beschwert liegen gelassen.
Schlussbemerkung
Obwohl viele Bewegungsabläufe der Reklamemaschine im
voraus ergründet und berechnet wurden, war der tatsächliche Betrieb das letzte große Puzzelteil um die Werbewirksamkeit der Maschine zu verstehen. Erst jetzt erschlossen
338
Abbildung 16: Kopf nach der Restaurierung
sich die komplexen Bewegungszusammenhänge, und das
Zusammenspiel der Mimik mit dem Tauschen der Reklametafeln. Bedingt durch die Mundbewegungen, scheint die
Figur dem Betrachter das Produkt zu erklären. Sie schaut
dabei nach links und rechts und vermittelt den Eindruck
als würde sie die Schilder einer größeren Zuschauermenge
vorlesen oder zumindest erläutern. Bevor eine neue Tafel
hochfährt senkt die Figur den Kopf und wackelt gespannt
mit den Augebrauen. Durch diesen einmaligen Betrieb
der nun immer wieder vorgeführt und angeschaut werden
kann ist die Funktion der Reklamemaschine in vollem Umfang dokumentiert worden.
Daumenkino und Film können auch bei der Autorin eingesehen werden.
Anmerkungen
Dieser Publikation liegt meine Diplomarbeit mit dem Titel: Die
Reklamemaschine „Magnet“ unter der Betreuung von Prof. Ruth
Keller- Kempas M. A. und Diplom-Restaurator (FH) Dietmar Linke
an der Hochschule für Technik und Wirtschaft Berlin.
Für die fachliche Betreuung und die Beratung bei allen technischen
Fragestellungen möchte ich mich bei Prof. Ruth Keller-Kempas und
Dipl. Rest. Dietmar Linke bedanken. Für die tatkräftige Unterstützung auf verschiedenen Spezialgebieten gilt mein Dank: Dipl. Rest.
Ines Zimmermann für die textilrestauratorische Anleitung, Andreas Ohde und Herrn Plätrich für ihr umfassendes Wissen über Elektrotechnik und Motoren, Herrn Käferstein für seine holzrestauratorischen Auskünfte und Herrn Puille für seine Tipps zum Patentamt.
Außerdem gilt mein Dank der Familie Zink, die diese Diplomarbeit
überhaupt erst ermöglichte und den Transport nach Berlin übernahm.
1
2
3
4
5
6
7
Methode nach: LARSEN / RASMUSSEN, 2002: René Larsen,
Lene Holst Rasmussen, A simple micro – method for the determination of the shrinkage temperature of leathers, parchments
and skins, in: Zeitschrift für Kunsttechnologie und Konservierung, 2002, (Vol.16)
Die Kohlebürsten sind ein Gleitkontakt in Motoren und Generatoren. Sie stellen den elektrischen Kontakt zum Kollektor
oder zu den Schleifringen des rotierenden Teiles der Maschine
her. Sie können aus Kohle oder Graphit sein und nutzen sich im
Gebrauch schnell ab.
Hausenblasenleim ist ein Leim, der aus der Schwimmblase des
Störs (Hausen) gewonnen wird. Er ist farblos und kann in sehr
niedriger Konzentration verwendet werden. Die Vorzüge von
Hausenblase sind: gute Klebkraft, Transparenz, Elastizität,
Hygroskopizität und ein niedriger Gelierpunkt. PRZYBYLO,
Maria , Langzeit – Löslichkeit von Störleim, in: VDR Beiträge
zur Erhaltung von Kunst und Kulturgut, Heft 1, Bonn, 2006, S.
117
Dichtes Gewebe in Köperbindung in diesem Fall ein Wollstoff
C.S. bedeutet „conservational stability“
N.B. bedeutet „newly build“
F.R. bedeutet „free reconstuction“
In die gefestigte Fehlstelle wurden mit der Faserrichtung kleine angespitzte Holzstäbe eingeklebt. Als der erste Holzstab im
tiefsten Loch gut verzahnt, leicht eingedrückt und verklebt war,
wurden an seinen Seiten die nächsten Holzstäbe entsprechend
der Fehlstelle eingeklebt. Nach: STAPPEL, 2000: Michael Stappel, Holzergänzungen im Außenbereich, Stäbchentechnik, Korkkitt und Leinölfirnis, in: Restauro, Heft 1, 2000 S. 42 – 47
Ein Unterdrucktisch ist ein Tisch mit einer feinen Lochplatte
als Oberfläche. Eine angeschlossene Unterdruckpumpe erzeugt
einen Sog nach unten. Aufgelegte Papierblätter werden so glatt
auf die Tischoberfläche gesaugt. Ungenutze Flächen werden
abgedeckt um die Saugwirkung zu verstärken.
Literatur über Automaten:
Christian Bailly, Automaten, das goldene Zeitalter 1848 – 1914,
München, 1988
Annette Beyer, Faszinierende Welt der Automaten, München, 1983
Birgit Kurz, Christian Joseph Tschuggmall und sein mechanisches
Kunst und Automatentheater, in: Zeitschrift für Kunsttechnologie
und Konservierung, Jahrgang 4, 1990, Heft 2
Abstract
For decades, the mechanical adverting automaton „Magnet“
presented rotating advertising signage in the display of the
Zink electronics store. This charming figure was dressed in
a white shirt, suit jacket, bowtie, and top hat while greeting
passing pedestrians with a friendly nod. For the interested
viewer this figure could display sixteen different signs one
after another, each pulled from a chest beneath it.
A universal motor, designed to operate either from direct
current or single-phase alternating current, drives the intricate mechanical components of this advertising machine.
Apart from the universal motor the mechanism was in an
working condition. However the automaton required a
broad conservation.
This unique adverting machine was documented in detailed writing, drafting, sketches, and photographs. On the
basis of different questions the functional capability of the
machine is discussed.
Two possibilities for presentations are presented. This automaton exhibits a unique style of craftsmanship reminiscent of a previous time, adding to its historical significance.
The conservation process was executed based on extensive
natural science research. Some restoration methods at the
various materials are introduced.
Abbildungsnachweis:
Abb III: Patentzeichnung aus dem Patent 373885 vom 07. 05. 1923
Alle anderen Abbildungen von Gesa Witt
339
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