Gesund und sicher gestalten (PDF 1,73 MB) - guss

Gesund und sicher gestalten (PDF 1,73 MB) - guss
Arbeitsorganisation und
Personalmanagement gesund und
sicher
gestalten
Informationen für Existenzgründer
und junge Unternehmen
-1-
Vorwort
VORWORT
Der Erfolg Ihres Unternehmens ist von vielen Faktoren abhängig. Die finanziellen
Voraussetzungen, die allgemeine Marktlage und die Konkurrenz spielen dabei eine
wesentliche Rolle. Ihr persönliches Engagement, Ihre Kompetenz, Motivation und Ihr
Durchhaltevermögen werden jedoch die entscheidenden Erfolgsfaktoren sein.
Eine gute Gesundheit ist die Voraussetzung dafür, den neuen Anforderungen Stand zu
halten. Denn nur wer gesund ist, ist auch in seiner Arbeit effektiv, kreativ und dauerhaft
leistungsfähig. Grund genug sich mit diesem Thema ausführlicher zu beschäftigen!
Im Jahr 2001 hat das damalige BMA (Bundesministerium für Arbeit und Sozialordnung) die
Initiative ergriffen und mit GUSS („Existenzgründung: Gesund und sicher starten“) ein Projekt
gestartet, das das Bewusstsein für Gesundheit und Sicherheit im Gründungsprozess
schärfen soll. Das Projekt wird vom jetzigen BMWA (Bundesministerium für Wirtschaft und
Arbeit) bis Ende 2004 gefördert.
Für die Umsetzung in Baden Württemberg sind die Innovation und Bildung Hohenheim
GmbH (IBH) und die Initiative für Existenzgründungen und Unternehmensnachfolge (ifex)
des Wirtschaftsministeriums Baden-Württemberg (LGA) verantwortlich. Zur Realisierung
dieser Broschüre wurden die Arbeiten der Projektpartner (siehe S. 127 ff) und die Inhalte der
gemeinsamen Projektdarstellung auf www.guss-net.de mit einbezogen.
Erklärtes Ziel dieses Projektes ist es, die Aspekte Sicherheit und Gesundheit in jungen
Unternehmen von Anfang zu thematisieren und zu etablieren. Dazu sollen die Erkenntnisse
der Arbeitswissenschaft praktisch umsetzbar gemacht werden.
Es soll eine Unternehmenskultur fördern, die den Menschen und sein Wohlergehen am
Arbeitsplatz als wichtigen Zukunfts- und Wettbewerbsfaktor begreift. Denn er ist als „Human
Ressource“ das wichtigste Kapital eines Unternehmens. Mit ihm steht und fällt die
Produktivität und damit auch der Erfolg am Markt.
Lesen Sie diese Broschüre in Ruhe
Nehmen Sie sich Zeit bei der Lektüre und entscheiden Sie selbst, welche Hinweise und
Tipps Sie annehmen möchten und welche Sie befolgen müssen. Neben den gesetzlichen
Grundlagen z. B. zur Gestaltung eines Arbeitsplatzes, zur Herstellung von Produkten und
zur Einstellung von Mitarbeitern gibt es auch viele freiwillige Leistungen, die Sie für sich und
andere erfüllen können, um als Existenzgründer gesund und sicher in die Zukunft zu
starten!
Was ist eigentlich Gesundheit?
Gesundheit ist mehr als nicht krank zu sein. Gesundheit heißt „Wohlfühlen" und bedeutet im
Einzelnen:
• Stärke, Energie, Belastbarkeit
• Körperliche und geistige Fitness
• Lebensfreude
• Die Fähigkeit zur optimalen Bewältigung von Herausforderungen und Lebenskrisen
• Die Fähigkeit zur regelmäßigen und wirkungsvollen Regeneration/Erholung
-2-
Vorwort
Genau das ist das Ziel fast aller Menschen. Doch obwohl die Gesundheit allgemein sehr
hoch geschätzt wird, fällt es vielen Menschen schwer, Gesundheitsaspekte im täglichen
Leben ausreichend zu beachten. Es ist auch nicht immer einfach. Gerade für Sie als
Unternehmer stehen natürlich die Auftragsbeschaffung, die Einhaltung von Terminen und
finanzielle Aspekte im Vordergrund.
Was beeinflusst die Gesundheit?
Die Einflussfaktoren auf die Gesundheit sind vielfältig. Die persönlichen Veranlagungen,
Eigenschaften und Verhaltensweisen bilden das Fundament. Aber auch die Menschen um
uns herum (das soziale Umfeld) und die jeweiligen Umweltbedingungen (Leben, Arbeiten
und Wohnen) beeinflussen die Gesundheit und das Wohlbefinden. Eine wichtige
Einflussgröße ist somit auch die persönliche Arbeitssituation. In der Selbstständigkeit
verwischen die Grenzen zwischen Freizeit und Arbeit. Als eigener Chef haben Sie es in der
Hand, Ihre Arbeits- und Lebensbedingungen zu gestalten. Nutzen Sie in diesem Falle die
Vorteile Ihrer Selbstständigkeit und gestalten Sie mit! Nehmen Sie Ihre eigene Gesundheit
als Lebensziel ernst und setzen Sie entsprechende Prioritäten! Schon durch kleine
Maßnahmen können Sie Ihr Leben und Ihre Arbeit gesundheitsgerecht gestalten:
Schaffen Sie sich gesunde Arbeitsbedingungen
Sie verbringen viele Stunden an Ihrem Arbeitsplatz. Es lohnt sich also, die Arbeit und die
Arbeitsbedingungen so angenehm wie möglich zu gestalten und Gefährdungen zu
vermeiden.
Organisieren Sie Ihren Arbeitstag
Nehmen Sie ab und zu Ihr Zeitmanagement unter die Lupe. Setzen Sie Prioritäten! Bilden
Sie sich weiter, denn was man beherrscht, geht einem leichter von der Hand. Delegieren
Sie Aufgaben, die Sie selbst nicht mehr bewältigen können und wollen.
Sorgen Sie für den körperlichen Ausgleich
Versuchen Sie bewusst Bewegung in den Arbeitsalltag zu integrieren. Treiben Sie
regelmäßig Sport! Das hilft Stress abzubauen und stärkt das Immunsystem. Wenn Sie
vorwiegend körperlich arbeiten, gönnen Sie Ihrem Körper nach der Arbeit Zeit zum
Regenerieren und Erholen. Atmen Sie durch und tanken Sie auf! Der Mensch ist keine
Maschine und deshalb auch nicht ununterbrochen und zu jeder Tageszeit in gleichem Maße
fit und leistungsfähig. Passen Sie Ihren Tagesablauf der persönlichen Leistungskurve an
und nehmen Sie sich bewusst Zeit zum Entspannen und Auftanken.
Nehmen Sie sich Zeit für Zwischenmenschliches
Suchen Sie sich und pflegen Sie Kontakte zu Vertrauenspersonen (Familie, Freunde,
Lebenspartner), mit denen Sie auch über mögliche Probleme und Sorgen reden können.
Das erleichtert und gibt Kraft.
Nutzen Sie Vorsorgeuntersuchungen
Viele Erkrankungen bleiben jahrelang unentdeckt. Wenn dann irgendwann körperliche
Beschwerden auftreten, sind persönliche Leistungseinbußen (Man hat keinen „Biss" mehr)
oder Arbeitsausfall die Folgen. Vorsorgeuntersuchungen dienen dazu, mit Hilfe bestimmter
diagnostischer Verfahren (Laborwerte, EKG) Krankheiten schon zu erkennen, bevor
spürbare Beschwerden eintreten. Eine Behandlung zu einem frühen Zeitpunkt ist nicht nur
erfolgversprechender, sondern erspart Ihnen Kosten, persönliches Leid und eine Menge
Ärger. Fragen Sie Ihren Hausarzt nach den angebotenen Vorsorgeuntersuchungen!
-3-
Vorwort
Ernähren Sie sich gesund
Über die Ernährung wird der menschliche Körper mit der zum Leben wichtigen Energie
versorgt. Diese ist notwendig um die körperliche und geistige Fitness dauerhaft aufrecht zu
erhalten und das Immunsystem zu stärken. Achten Sie auf eine ausgewogene Ernährung
mit ausreichend Vitaminen und Mineralstoffen. Nehmen Sie genügend Flüssigkeit zu sich.
Nehmen Sie Körpersignale ernst
Häufiges Unwohlsein, Schmerzen, Müdigkeit oder Gereiztheit sind Signale des Körpers die
zeigen, dass etwas im Leben aus dem Gleichgewicht geraten ist. Nehmen Sie diese
Warnsignale ernst und versuchen Sie mögliche Ursachen (z. B. Stress oder Gefährdungen
am Arbeitsplatz) zu beseitigen, bevor Sie krank werden. Gehen Sie nötigenfalls rechtzeitig
zum Arzt!
Hinweise für den Leser:
• Die vorliegende erste Auflage der Broschüre gibt den Stand der Dinge im Oktober
2004 wieder. Falls sich nach diesem Zeitpunkt Änderungen bei Gesetzen,
Verordnungen, Vorschriften usw. ergeben, finden Sie in den folgenden Auflagen die
jeweils aktualisierte Version.
• Bei Personenbezeichnungen wird durchgehend die männliche Form verwendet,
etwa, wenn von Mitarbeitern die Rede ist. Dies dient ausschließlich zur
Vereinfachung, in jedem Fall sind gleichermaßen auch weibliche Personen gemeint.
• Soweit nicht anders angegeben (in der Regel als weiterführender Link), wurden die
Texte folgenden Quellen entnommen: http://www.guss-net.de,
http://www.bmwa.bund.de, http://www.baua.bund.de und den angeschlossen
Partnern des Projektes „Gesund und sicher starten“ (siehe Impressum).
• Damit Sie besondere Tipps und Ratschläge schon auf den ersten Blick finden,
haben wir sie mit diversen Symbolen markiert. Sie haben folgende Bedeutung:
Wichtig!
Cheftipp
Lesetipp
-4-
Praxistipp
Gesetzesauszug
Inhalt
INHALT
VORWORT ....................................................................................................................................................1
ICH BIN UNTERNEHMER
Selbstständig arbeiten
1. Arbeitsplatz einrichten ....................6
2. Arbeitsumgebung planen ................7
3. Ordnung von Anfang an .................8
4. Lagerräume schaffen ....................12
Selbstmanagement
1. Motivation .....................................13
2. Arbeitsorganisation .......................15
3. Kompetenzen.................................16
4. Ungesunde Gewohnheiten ...........20
5. Stress vermeiden ..........................22
6. Zeitmanagement ...........................24
7. Mit dem Auto unterwegs ...............27
ICH ALS UNTERNEHMER
BRAUCHE PERSONAL
Fremdmanagement
1. Kunden .........................................31
2. Kunden ansprechen .....................31
3. Mit Kunden verhandeln .................33
4. Kundenwünsche erfüllen ..............34
5. Qualität .........................................35
6. Lieferanten ....................................38
7. Behörden ......................................39
Sicherheit
1. Persönliche Versicherungen .........42
2. Betriebliche Versicherungen .........45
3. Netzwerke .....................................49
4. Technik und Produktion ................50
5. Umweltschutz ...............................55
Personalbedarf planen
1. Inhalte eines Stellenprofils ............58
2. Inhalte eines Anforderungsprofil ...59
3. Wahl des Personals .....................59
Personalbedarf kalkulieren
1. Welche Kosten entstehen? ...........61
2. Brutto-Gehalt ................................62
3. Finanzielle Hilfen ..........................62
4. Arbeitsplatz planen .......................62
Personal suchen
1. Stellenanzeigen ............................63
2. Arbeitsamt ....................................64
3. Private Arbeitsvermittlung .............64
4. Zeitarbeit .......................................64
5. Jobbörsen im Internet ...................64
6. Recruiting Messen ........................65
7. Innerbetriebliches Personal ..........65
Personal finden
1. Bewerbungsunterlagen ................65
2. Vorstellungsgespräche .................67
-5-
Inhalt
ICH ALS UNTERNEHMER
MIT PERSONAL
Rechte und Pflichten
1. Vertragliche Pflichten ....................71
2. Personal platzieren .......................74
3. Aufgaben übertragen ....................76
Personal halten und fördern
1. Unterweisung ...............................77
2. Mitarbeiterführung .........................79
3. Motivation .....................................82
4. Kommunikation .............................83
5. Verantwortung ..............................87
6. Vermögen .....................................88
7. Weiterbildung ...............................89
8. Fakten im Überblick .....................90
Personal schützen
Schutz bestimmter
Personengruppen
Gefahren beurteilen,
erkennen und verhindern
KRISENMANAGEMENT
1. Sorglosigkeit .................................91
2. Arbeitszeitrecht .............................92
1. Mutterschutz ................................95
2. Jugendarbeitsschutz ....................96
3. Schwerbehinderte .......................100
4. Heimarbeit ..................................101
1. Situation beurteilen .....................102
2. Mögliche Unfallgefahren .............102
3. Gefahren minimieren ..................107
4. Professionelle Unterstützung .....108
5. Bei Notfällen reagieren ...............110
Krisen erkennen
1. Persönliche Krisen ......................112
2. Unternehmenskrisen ..................112
Krisen begegnen
1. Die Früherkennungstreppe .........113
2. Krisen verhindern ........................114
3. Krisen beseitigen ........................115
4. Personal abbauen ......................119
Nichts geht mehr?
1. Insolvenzantrag stellen ...............121
2. Liquidation des Unternehmens ...121
3. Unternehmen vorbei?..................122
ANHANG ...................................................................................................................................................123
PROJEKTPARTNER .................................................................................................................................127
LINKS ........................................................................................................................................................129
IMPRESSUM .............................................................................................................................................135
-6-
Selbstständig arbeiten
ICH BIN UNTERNEHMER
Sie wollen ein Unternehmen gründen oder haben es vor kurzem getan. Somit schaffen Sie
sich selbst einen Arbeitsplatz und möglicherweise auch für weitere Beschäftigte. Haben Sie
sich schon einmal Gedanken darüber gemacht, wie diese neu geschaffenen Arbeitsplätze
aussehen sollen, bzw. wie sie im Moment gestaltet sind? Wissen Sie, wie Sie sich selbst
und anderen die tägliche Arbeit leichter, gesünder und effektiver gestalten können? Und
was müssen Sie beachten, wenn Sie auch in Zukunft erfolgreich bleiben möchten?
Selbstständig arbeiten
Wer es bisher gewohnt war, als Angestellter zu arbeiten, wird einige Zeit brauchen, um sich
auf die neue Situation einzustellen: andere Zeiten, andere Aufgaben, zusätzliche
Belastungen und unbekannte Situationen werden auf Sie zukommen. Aber mit ein paar
Tipps lassen sich viele Risiken vermeiden und Ihre Selbstständigkeit zu einem Erfolg
führen. Sicher werden Sie sich von Anfang an in die neue Aufgabe stürzen, sollten aber
dabei nicht vergessen, ein paar Punkte zu beachten, um langfristig gesund zu bleiben.
In diesem Kapitel erfahren Sie alles Wissenswerte, um selbstständig, gesundheitsbewusst
und eigenverantwortlich arbeiten zu können.
1. Arbeitsplatz einrichten
Ziel ist es, den Arbeitsplatz so zu gestalten und auszustatten, dass Körperhaltung und
Bewegungsabläufe des Menschen ein effektives und risikofreies Arbeiten ermöglichen.
Je nach Arbeitsplatztyp sind bei der Gestaltung verschiedene Kriterien zu beachten.
Bei der Büroarbeit stehen die Auswahl und die Anordnung von Schreibtisch, Computer und
Sitzgelegenheit im Mittelpunkt. Bei gewerblichen Arbeitsplätzen (z. B. im Labor oder in der
Werkstatt) geht es um die Auswahl und Aufstellung von Maschinen, Anlagen und Geräten.
Körperliche Schwerarbeit sollte vermieden werden. Ein Beispiel für Muskelverspannungen
als Folge von ungünstig gestalteten Arbeitsplätzen sind Rückenschmerzen durch
Zwangshaltungen verursacht, z. B. durch zu niedrige Arbeitshöhen oder fehlenden
Beinraum. Anhaltspunkte für die Gestaltung geben Vorschriften und Empfehlungen für
Bewegungsräume und Abstandsmaße am Arbeitsplatz, z. B.
• Sitzgelegenheiten
• Bewegungsfreiheit und Ablagefläche
• Arbeitsmaterialien
• Lichtverhältnisse
• Organisation der Arbeit
• Arbeitszeit
Die genauen Grundregeln für die Gestaltung von Arbeitsplatz und Arbeitsraum sind der
Arbeitsstättenverordnung und den Arbeitsstättenrichtlinien zu entnehmen:
http://www.bmwa.bund.de/Navigation/Arbeit/arbeitsschutz,did=22056.html. Weiterhin zu
berücksichtigen sind entsprechende Vorschriften der zuständigen Berufsgenossenschaft.
Ihre Berufsgenossenschaft unterstützt Sie ggf. auch vor Ort und hält für Sie eine Vielzahl
von branchenspezifischen Informationen bereit: http://www.hvbg.de. Zur Gestaltung von
Büro- und Laborarbeitsplätzen finden Sie konkrete Hinweise unter http://www.guss-net.de.
Lesen Sie dazu auch die entsprechenden Kapitel in dieser Broschüre aus dem Thema:
„Ich als Unternehmer mit Personal“ (ab Seite 71).
-7-
Selbstständig arbeiten
2. Arbeitsumgebung planen
Die Umgebungsbedingungen am Arbeitsplatz und im Arbeitsraum beeinflussen Ihre
Leistungsfähigkeit, das Wohlbefinden und die eigene Gesundheit. Bei der Gestaltung der
Arbeitsumgebung geht es vor allem darum die Beleuchtungsverhältnisse zu optimieren, für
ein gesundheitlich verträgliches Raumklima zu sorgen, schädigende Einwirkungen durch
Gefahrstoffe (Gase, Stäube, Dämpfe) oder Strahlung zu vermeiden sowie störenden und
gesundheitsschädigenden Lärm zu verhindern.
Beleuchtung
Die Beleuchtung an Arbeitsplätzen gehört zu den Fragen, denen in der Praxis oftmals nicht
genügend Beachtung geschenkt wird. Das Auge ist mit Abstand das wichtigste
Sinnesorgan. Über 80% aller Informationen werden über das Auge wahrgenommen.
Ermüdungserscheinungen, Kopfschmerzen und Augenbeschwerden können durch
ungenügende Beleuchtungsverhältnisse verursacht werden. In vielen Fällen ist eine
ungleichmäßige Raumausleuchtung zu bemängeln. Je nach Tätigkeit werden hierfür
Mindestbeleuchtungsstärken empfohlen.
Bildschirmarbeit
Ebenso wichtig ist die passende Auswahl des Bildschirms. Die tägliche Belastung durch
Strahlung wird hier leider häufig unterschätzt. Sparen Sie deshalb nicht am falschen Ende
und benutzen Sie nur Bildschirme, die der Verordnung entsprechen. Es lohnt sich in jedem
Fall, die ausführliche Broschüre „Bildschirmarbeit“ vor der geplanten Neuanschaffung zu
lesen. Sie ist als Druckversion kostenlos oder als Download unter http://www.guss-net.de
erhältlich (siehe Impressum).
Raumklima
Beim Raumklima spielen nicht nur die objektiv messbaren Größen wie Temperatur,
Luftfeuchtigkeit und Luftgeschwindigkeit eine Rolle, sondern auch das persönliche
Empfinden der betroffenen Person. Gute Klimabedingungen verhindern Erkrankungen und
wirken positiv auf Leistungsfähigkeit und Wohlbefinden. Je nach der zu verrichtenden
Tätigkeit werden Mindest- und Höchsttemperaturen empfohlen. Spezielle Regelungen
existieren für Hitze- und Kältearbeitsplätze. Denken Sie an Sonnenschutz bei der Arbeit im
Freien oder am Fenster!
Lärm
Lärm ist ein Problem, das nicht nur in Werkstätten anzutreffen ist. Im Bürobereich können
Geräusche ebenso zu einer ernstzunehmenden Belastung werden, wenn sie die
Konzentration stören und nerven. Dauerlärm ab einem Schalldruckpegel von 85 dB (A) kann
zur unheilbaren Lärmschwerhörigkeit führen. Jedes Unternehmen mit Arbeitsplätzen >85 dB
(A) hat besondere Auflagen zu erfüllen.
Gefahrstoffe und Strahlung
Treten bei Ihnen Risikofaktoren wie Gase, Stäube, Dämpfe oder Strahlung
(Röntgenstrahlen, Laserstrahlen, UV-Strahlung, elektromagnetische Felder) auf, ist
besondere Vorsicht geboten. Beim Umgang mit Materialien, die als Gefahrstoff
gekennzeichnet sind (quadratisches Symbol in den Farben schwarz-orange), sollten die
Sicherheitsregeln auf der Verpackung zum Umgang mit diesen Stoffen aufmerksam gelesen
und Sicherheitsvorkehrungen getroffen werden. Lassen Sie sich bei Bedarf durch
Fachkräfte (z. B. Berufsgenossenschaft, arbeitsmedizinischer Dienst, überbetrieblicher
sicherheitstechnischer Dienst, Amt für Arbeitsschutz bzw. Arbeitschutzbehörde) beraten.
Ausführliche Informationen zur Arbeit im Labor erhalten Sie unter http://www.guss-net.de.
-8-
Selbstständig arbeiten
3. Ordnung von Anfang an
Bis zu 19% ihrer Arbeitszeit verbringen die meisten Beschäftigten mit dem Suchen, neu
Ausdrucken und Ersetzen ihrer Unterlagen. Auf deutschen Schreibtischen türmen sich die
Papierstapel. Mancher Büroschrank ist das reinste Altpapierlager.
Daran hat der Computer nicht viel geändert. Trotz virtuellem Briefkasten und PCArchivierung gleicht mancher Arbeitsplatz dem Bermudadreieck, wo auf geheimnisvolle
Weise Telefonadressen, Notizen und Dokumente verschwinden, weil den Benutzern der
Überblick gänzlich verloren gehangen ist.
Keine Frage, viele hängen an ihrem ganz persönlichen Durcheinander von Papieren, Faxen,
Magazinen und Ordnern, die doch den Eindruck erwecken: Hier wird hart gearbeitet! Die
meisten glauben ja auch, dass möglichst viele Hängeregister und aufeinander gestapelte
Ablagekästchen Übersicht und Ordnung schaffen und den schnellen Griff zur richtigen
Mappe garantieren. Das ist leider meistens nicht der Fall. Es ist offensichtlich gar nicht so
einfach, dieser Zettelwirtschaft Herr zu werden. Man versucht zwar immer wieder, den
Schreibtisch aufzuräumen, doch nach wenigen Tagen sieht der Arbeitsplatz wieder genauso
aus wie zuvor. Und erneut beginnt die Suche: „Wo hab ich das noch mal..."
Büroorganisation ist längst zum Seminarthema geworden. Selbstmanagement lautet die
Parole, und die Ordnung am Arbeitsplatz gehört dazu. Wie das geht, kann man in
Ratgebern nachlesen. Findige Menschen haben Systeme entwickelt, wie man den
Arbeitsplatz entrümpelt: Ob Azubi oder Chef, jeder wird aufgefordert Unterlagen in
ausschließlich drei Kategorien „Administration“, „Projekte“ und „Dokumentationen“ zu
unterteilen, Das Alphabet teilt die drei Bereiche in weitere Untergebiete ein. Erlaubt sind pro
Mitarbeiter nur drei Ablagekästchen. Hängeordner sind unvorteilhaft und Unklar-Ordner
namens „Sonstiges“ oder „Allgemeines“ werden unverzüglich entsorgt.
(Quelle: Stuttgarter Zeitung, Juni 2004)
Wichtige Informationen, wie (Mail-)Adressen, Zugangsdaten zum Internet/zur
eigenen Homepage, für das Online-Banking sowie weitere relevanten Daten sollten
an einem sicheren Ort zusammengefasst und jederzeit von Ihnen zugänglich sein.
Regelmäßige Duplikate helfen, eventuelle Verluste gering zu halten.
Dokumentationspflichten
Es ist wichtig, die Dokumentationspflichten in den Griff zu bekommen. Dabei gehen wir
davon aus, dass Sie zu Beginn für das Finanzamt bzw. Ihren Steuerberater eine Einnahme-/
Überschussrechnung erstellen müssen.
Die Dokumente, die sich ansammeln werden, lassen sich in drei Kategorien einteilen:
• Im Steuerbereich werden Sie unter anderem Ordner für Ihre Einnahme- und
Überschussrechnung, die Umsatzsteuer oder die Betriebswirtschaftliche Auswertung
anlegen müssen: Rund um die Steuern.
• Wichtig ist die Dokumentation der Geldflüsse in Ihrem Unternehmen, d.h. die
Abrechnung über ein- bzw. ausgegangene Zahlungen: Einnahmen und Ausgaben
• Für zeitlich eingegrenzte Aufgaben sollten Sie Projektregister anlegen, in denen Ihre
Unterlagen thematisch abgelegt sind. Wenn nötig, können Sie sich so schnell einen
Überblick zu einem bestimmten Bereich verschaffen: Projektabrechnung.
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Selbstständig arbeiten
Rund um die Steuern
Welche Steuern Sie zu entrichten haben, hängt von Ihrer Tätigkeit und der Rechtsform Ihrer
Unternehmung ab. Bitte fragen Sie Ihr zuständiges Finanzamt. Die folgenden Tabellen
enthalten die wichtigsten Themengebiete, die Sie durch Registerblätter trennen sollten.
Ordner oder Register /
Beschriftung
Inhalt / Sortierung
Bemerkungen
Einnahme-/
Überschussrechnung
E-/Ü-Rechnung
Monat/Quartal/Jahr
Bankauszüge und (jeweils dahinter) die dazugehörenden Einbzw. Ausgangsrechnungen und Belege.
Chronologisch aufsteigend, d. h. das Aktuellste oben. Falls
Sie Bankauszüge nicht benutzen, müssen alle Belege
fortlaufend nummeriert werden.
Auswertung aus
BüroorganisationsSoftware dazu heften.
Umsatzsteuer
Umsatzsteuer Monat/Quartal/Jahr
USt-Voranmeldung
Gegenüberstellung der erhaltenen Umsatzsteuer und der
gezahlten Vorsteuer.
Umsatzsteuer-Voranmeldungen.
Chronologisch aufsteigend.
Formulare beim
Steuerberater oder
Finanzamt erhältlich.
Betriebswirtschaftliche
Auswertung
BWA Monat/Quartal/Jahr
Auswertungen Ihres Steuerberaters und/oder eigene
Auswertungen.
Einkommensteuer-Erklärung
ESt Monat/Quartal/Jahr
Ihre Einkommen-Steuererklärungen und die entsprechenden
Einkommen-Steuer-Bescheide.
Chronologisch aufsteigend.
Gewerbesteuer
Gewerbesteuer
Monat/Quartal/Jahr
Steuerbelege und Steuerbescheide.
Chronologisch aufsteigend.
Korrespondenz mit dem
Steuerberater
Korrespondenz Steuerberater
Monat/Quartal/Jahr
Alle schriftlichen Bescheide Ihres Steuerberaters, sofern
diese nicht eindeutiger zu anderen Rubriken passen. Auch
Notizen über mündliche Vereinbarungen.
Korrespondenz mit dem
Finanzamt
Korrespondenz Finanzamt
Alle schriftlichen Bescheide Ihres Finanzamts, sofern diese
nicht eindeutiger zu anderen Rubriken passen. Auch
Notizen über mündliche Vereinbarungen.
Lohnsteueranmeldung
LSt-Anmeldung
Für jeden Mitarbeiter muss eine Lohnsteueranmeldung erstellt
werden.
Nach Mitarbeitern alphabetisch.
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Nicht bei Freiberuflern!
Falls Sie Geschäftsführer
Ihrer eigenen GmbH sind
oder bereits Angestellte
haben.
Selbstständig arbeiten
SozialversicherungsMeldungen
SV-Meldungen
Korrespondenz mit den Trägern der Sozialversicherungen:
Renten-, Arbeitslosen-, Kranken-, Pflege-,
Unfallversicherungen
An-, Ab-, Um-, Jahresmeldungen von Mitarbeitern
Falls Sie Geschäftsführer
Ihrer eigenen GmbH sind
oder bereits Angestellte
haben.
Nach den Versicherungsträgern, dann nach Krankenkassen
der Mitarbeiter, dann alphabetisch.
Wenn Sie sozialversicherungspflichtige
Mitarbeiter haben: Die
Krankenkasse des
Arbeitnehmers ist das
zentrale Einzugsorgan der
Sozialversicherungen.
Lassen Sie sich von der
Krankenkasse beraten.
Einnahmen und Ausgaben
Ordner oder Register /
Beschriftung
Inhalt / Sortierung
Bemerkungen
Betriebseinnahmen Einnahmen
aus der betrieblichen Tätigkeit
Ausgangsrechnungen oder
Einnahmen oder Debitoren Von
.... bis.......
Belege über die von Ihren Kunden an Sie bezahlten
Rechnungen.
Nach Kunden (alphabetisch/chronologisch) oder nach
Rechnungsnummern (numerisch oder alphanumerisch).
Belege über noch nicht bezahlte Rechnungen oder
Anzahlungen liegen obenauf. Entwickeln Sie Nummernkreise
oder „sprechende" Nummern! D. h. aus der Nummer ist zu
erkennen: BE K 1234 X 302 Betriebseinnahme: BE
Kunde: Kurt
Rechnungs-Nummer: 1234
Projekt: X
Datum: Oktober 2004
Sonstige Einnahmen für die
betriebliche Tätigkeit
Sonstige Einnahmen
Alle Einnahmen, die in keinem Zusammenhang mit dem
eigentlichen Betriebszweck stehen. Beispiel: Sie verkaufen
Ihren alten Computer über seinem Buchwert.
Nach Sachgebieten und chronologisch.
.
Betriebsausgaben
Eingangsrechnungen oder
Ausgaben oder Kreditoren Von....
bis.....
Belege über die von Ihnen bezahlten Rechnungen.
Nach Lieferanten (alphabetisch/chronologisch) oder
Sachgebieten (siehe "BWA") oder nach Nummernkreisen.
Belege über noch nicht bezahlte Rechnungen oder
Anzahlungen liegen obenauf.
Nummernkreise siehe bei
Betriebseinnahmen!
Eine korrekte Rechnung ist im Geschäftsverkehr bares Geld. Denn nur dann sind Sie zum
Vorsteuerabzug berechtigt. Daher sollten Sie dringend darauf zu achten, dass die Rechnung
die gesetzlich vorgeschriebenen Angaben (Stand 01.01.2004) enthält:
Vollständiger Name und Anschrift von Leistendem und Leistungsempfänger
Steuernummer oder Umsatzsteueridentifikationsnummer
Ausstellungsdatum
Fortlaufende Rechnungsnummer
Menge und Art / Handelsübliche Bezeichnung
Zeitpunkt der Lieferung bzw. Leistung
Nach Steuersätzen und -befreiungen aufgeschlüsseltes Entgelt
Im voraus vereinbarte Minderungen des Entgelts
Entgelt und hierauf entfallenden Steuerbetrag (i.d.R. 16%) sowie Hinweis auf
Steuerbefreiung
Weitere Infos unter: http://www.kfw-mittelstandsbank.de/mportal/Gruenderzentrum/
d045ManPer/d010BueroOrga/d010BueroOrga.jsp
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Selbstständig arbeiten
Projektabrechnung
Ein Projekt ist eine einmalige Aufgabe, die einen Anfang, ein Ende und ein messbares Ziel
hat. Wenn Sie Aufträge haben, die sich als Projekt definieren lassen, machen Sie eine
Projektabrechnung.
Ordner oder Register /
Beschriftung
Projektabrechnung
Projektabrechnung
Von.... bis........
Inhalt / Sortierung
Bemerkungen
Alle Einnahmen und Ausgaben und Korrespondenzen, die
sich einem abgeschlossenen Projekt zuordnen lassen.
Nach Projekt-Namen oder -Nummern.
Laufende Projekte können je nach Umfang in einem
Hängeregister aufbewahrt werden.
Pro Projekt sollte ein Projektdeckblatt erstellt werden mit allen
wichtigen Daten (Anfang, Ende, Einnahmen, Ausgaben,
Deckungsbeitrag, Aufwand in Stunden, Erfahrungen etc.).
Beachten Sie dazu die
Deckungsbeitragsrechnung
Aufbewahrungsfristen für Geschäftsunterlagen
Als Unternehmer sind Sie dazu verpflichtet, Ihre Geschäftsvorgänge für eine gewisse Zeit
aufbewahren. Aber welche Unterlagen müssen Sie wie lange archivieren? Es gibt Fristen
von sechs und zehn Jahren, die jeweils mit dem Schluss des Kalenderjahres beginnen.
Vermerken Sie auf dem Ordnerrücken das Ende der Aufbewahrungspflicht.
Beispiele für eine Aufbewahrungsfrist von sechs Jahren:
• Anträge auf Arbeitnehmersparzulage
• Auftragsbestätigungen
• Außendienstabrechnungen
• Bankauszüge
• Beitragsabrechnungen zur Sozialversicherung
• Bestellungen
• Bewirtungsbelege
• Buchungsbelege und Daueraufträge
• Fahrtkostenbelege
• Gebrauchsmusterunterlagen
• Gehaltskonten und -listen
• Geschäftsbriefe
• Inventurunterlagen
• Kassenzettel
• Kreditunterlagen
• Mahnungen
• Materialentnahmescheine
• Patente
• Provisionsabrechnungen
• Quittungen
• Rechnungen
• Rechtsstreitfälle mit Unterlagen
• Reisekostenabrechnungen
- 12 -
Selbstständig arbeiten
•
•
•
•
•
•
•
•
•
Rentenversicherungsunterlagen
Schriftwechsel
Sparprämienunterlagen
Umsatzsteuervoranmeldungen
Verträge
Wechsel
Werbegeschenknachweise
Zahlungsanweisungen
Zinsabrechnungen
Beispiele für eine Aufbewahrungsfrist von 10 Jahren:
• Handelsbücher
• Eröffnungsbilanzen
• Jahresabschlüsse
• Belege der Offene-Posten-Buchhaltung
• Geschäftsberichte
• Gewinn-und-Verlust-Rechnung
• Grundbücher
• Grundstücks- und Gebäudeverzeichnis
• Gutschriften bei Offene-Posten-Buchhaltung
• Handelsbilanz
• Inventarlisten
• Kassenbücher und -blätter, Kostenträgerrechnung
• Programmbeschreibung für das Buchführungsprogramm
• Rechnung der Offene-Posten-Buchhaltung
• Steuererklärungen
• Wareneingangs- und Ausgangsbücher
Weitere Informationen erhalten Sie von Ihrem Steuerberater oder von Ihrer zuständigen
Industrie- und Handelskammer (IHK). Quelle: http://www.kfw-mittelstandsbank.de
4. Lagerräume schaffen
Zu einem strukturierten Arbeitsplatz gehören auch ausreichend dimensionierte Lagerräume.
Planen Sie entsprechenden Platz ein und organisieren Sie Ihr Lager so, dass Sie jederzeit
wissen, wo etwas zu finden ist, einen schnellen Zugriff haben und die notwendigen
Arbeitsmittel ausreichend vorhanden sind. Um den Überblick zu behalten gibt es preiswerte
Software, deren Einsatz sich schon dadurch bezahlt macht, dass Sie Zeit und Nerven
sparen, denn damit können Sie den Warenbestand regelmäßig kontrollieren. Es sollte
einfach selbstverständlich sein, dass Sie nicht in Hektik verfallen müssen, bloß weil z. B.
für eine Kundenpräsentation nicht mehr genug Papier vorhanden ist, die Lampe im Beamer
verglüht oder die Stifte beim Schreiben verblassen – ohne dass Sie genügend Ersatz
vorrätig haben.
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Selbstmanagement
Selbstmanagement
Als Unternehmer sind Sie nun jeden Tag physisch und psychisch gefordert. Sie werden mit
Erfolgen und Niederlagen konfrontiert und sollten darauf achten, sich nicht zu überfordern
und Ihre Gesundheit aufs Spiel zu setzen. Wer sich als Unternehmer auf die neuen
Herausforderungen einstellt, sich nicht entmutigen lässt und ständig an sich selbst arbeitet,
hat gute Chancen seine Ernte auch im hohen Alter noch genießen zu können.
1. Motivation
Zur täglichen Arbeit gehört auch immer eine gehörige Portion Motivation. Einen Teil erhalten
Sie sicher durch die Tatsache, selbstständig und eigenverantwortlich handeln zu können.
Niemand redet Ihnen rein, Sie treffen Ihre Entscheidungen selbst und führen so Ihr
Unternehmen in den Erfolg. Dennoch wird es Phasen geben, in denen Sie an der eigenen
Motivation zweifeln werden, z. B. wenn Sie einen Auftrag nicht bekommen haben. Aber es
gibt ein paar Tricks, die Ihnen helfen können, eventuelle Motivationsdefizite auszugleichen
und dadurch aufkommenden Stress zu vermeiden.
Unternehmensziele
Welche unternehmerischen Ziele wollen Sie erreichen (z.B. Kundennähe, Qualität,
Marktführerschaft, Leistungsspektrum, Größe, Auftragsvolumen, Geschäftspartner,
Kooperationsbeziehungen)? Welches Wissen und welche Instrumente nutzen Sie dafür?
Was benötigen Sie in Zukunft zur Sicherung Ihrer Wettbewerbsfähigkeit?
Wenn Sie diese Fragen beantworten können, dann haben Sie die besten Voraussetzungen
für den unternehmerischen Erfolg! Ziele dienen zur Orientierung, steigern die Motivation und
führen Sie konkret in die selbstbestimmte Richtung. Ohne Ziele werden Sie nicht erfolgreich
sein können, denn Sie haben keinen Leitfaden, an den Sie sich halten können. Am besten
Sie definieren Ihre unternehmerischen Ziele von Anfang an in Verbindung mit geeigneten
gesundheitsfördernden bzw. -erhaltenden Maßnahmen. Tatsächlich lassen sich beide
Bereiche verbinden: Wenn Sie gesundheitsbewusst arbeiten, könnten Sie bei Ihren Kunden
Werbung dafür machen. Wenn Sie verlässlich auf Arbeitssicherheit, Umweltschutz achten
und dies in Ihren Zielen verankern, werden Sie leichter Mitarbeiter finden, die motivierter
und engagierter sind als andere.
Schreiben Sie sich alle beruflichen und privaten Ziele auf und vergegenwärtigen Sie sich
diese von Zeit zu Zeit. Vergessen Sie Ihr Privatleben nicht: Familie, Freunde und auch die
Aktivitäten in der Freizeit stellen einen wichtigen Ausgleich zum beruflichen Leben dar.
Kein Mensch kann auf Dauer ohne soziale Kontakte ein erfülltes Leben führen. Besonders
in Krisensituationen ist man auf Verständnis und Unterstützung von vertrauten Personen
angewiesen. Freundschaftliche Kontakte müssen gepflegt werden, damit sie nicht
verkümmern. Investieren Sie Zeit dafür! Auch das Verständnis Ihrer Familie oder Ihres
Lebenspartners für Ihre Firma ist mit Sicherheit begrenzt. Ruhm, Geld und Erfolg sind
wertlos, wenn Ihre Gesundheit ruiniert und dadurch Lebensfreude verloren gegangen ist.
Investieren Sie deshalb rechtzeitig Aufmerksamkeit und Zeit für Ihre Gesundheit. Denken
Sie daran wenn es um Erholung, sportliche Betätigungen, Arztbesuche oder gesunde
Ernährung geht.
Mentale Prozesse
Mentale Prozesse und Zustände wie zum Beispiel Erwartungen, Erfahrungen, Ziele und
Bewertungen haben einen gewaltigen Einfluss auf die Motivation. Dass man stets in
Abhängigkeit von seiner mentalen, internen Repräsentation von der jeweiligen Situation, der
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Selbstmanagement
in ihr gestellten Aufgabe und den Umgebungsbedingungen handelt, hat Konsequenzen:
Man handelt nicht einfach so, sondern immer als jemand in Bezug zu etwas. Das heißt,
wer gefordert wird, macht sich ein Bild von sich, seinen Fähigkeiten und Möglichkeiten,
klärt ab und bewertet, setzt sich in Bezug zur jeweiligen Situation und Anforderung, handelt
in Abhängigkeit davon. Manchmal, insbesondere im Routinefall, gehen solche Klärungs- und
Bewertungsprozesse blitzschnell und unüberlegt. Aber spätestens in als schwierig erlebten
Situationen, bei als besonders hoch erlebten Anforderungen, bei Risiken mit schädigenden
Konsequenzen, können sie einen schon den Nachtschlaf rauben, in Stress bringen oder
einfach nicht optimal handeln lassen. Typische Beanspruchungssituationen sind etwa
öffentliche Auftritte, Verhandlungen, Präsentationen, Zeitdruck, Nullfehler- oder
Erfolgsvorgaben.
Der Ansatz zum Training von Bewältigungsstrategien für solche Situationen ist im Prinzip so
einfach wie überzeugend: Wenn es die Einschätzung von Situationen, das innere Bild davon
bzw. das (mentale) Bewerten ist, das uns gelegentlich bis zur Handlungsunfähigkeit hemmt,
uns aber auch bisweilen geradezu fliegen lässt, dann muss das Training hier ansetzen.
Es gilt, die mentalen Fertigkeiten zu finden, über die sich die Optimierung solcher
Einschätzungs- und Bewertungsprozesse systematisch und planvoll trainieren lässt:
Das wichtigste Gespräch
Per innerem Sprechen führt man die wichtigsten persönlichen Gespräche. Sie nehmen mit
steigender Beanspruchung an Intensität und Dynamik zu und sind untrennbar mit der
Bewertung und Umsetzung dessen, was wir tun, verknüpft.
Vorstellungen
Die eigenen Vorstellungen sind innere Bilder, gleichsam die Prüf- und Führungsgröße
unseres Handelns. Unzweckmäßige Vorstellungen gelten als zusätzliche Beanspruchungsund Stressfallen, zweckmäßige Vorstellungen können Handeln entlasten und unterstützen.
Stärken und Schwächen
Sie sind unsere Grundausstattung, unser Potenzial zur Bewältigung, aber auch zum
Scheitern unter Beanspruchung. Wer im ursprünglichen wie im übertragenen Sinne
überleben will, muss überzeugt von seinen Stärken an die gestellten Anforderungen
herangehen. Mit seinen Schwächen hat noch nie jemand Bestand gehabt.
Hier und Jetzt
Leben findet stets, unter welchen Umständen auch immer, im „Hier und Jetzt“ statt.
Konzentration und Kraft leben von der Ruhe im Moment, Hektik wird aufrechterhalten
vom ständigen Voraus- und Zurückdenken.
Entspannen
Gekonntes Handeln unter Beanspruchung lebt vom situations- und anforderungsadäquaten
Wechsel zwischen Festhalten und Loslassen, also vom Anspannen und Entspannen.
Entspannen dient der Regeneration bzw. einem ökonomischen Handlungsablauf.
Handeln analysieren
Festzustellen, was war und was sein wird, und dafür weiterführende Gründe zu finden, ist
die Voraussetzung für das Erlernen und die Weiterentwicklung auch unter Beanspruchung
und Stress.
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Selbstmanagement
Ziele
Festgelegte Ziele sind Zustände, die man anstrebt, man wünscht sie sich oder will sie
erreichen. Sie geben einerseits Orientierung und Struktur, fordern aber auch Kraft und
Konzentration: Zweckmäßig mit Zielen umzugehen, ist daher ein Gebot effizienten
Selbstmanagements.
Quelle: http://www.zfu.ch/service/fartikel/fartikel_ppt.htm
Wenn Sie Ihre persönlichen Erwartungen realistisch halten, Erfahrungen nutzen, Ziele
definieren und sich nicht vor den objektiven Bewertungen der eigenen Arbeit drücken,
können Sie sich dauerhaft bzw. regelmäßig selbst motivieren.
2. Arbeitsorganisation
Optimale Arbeitsbedingungen unterstützen Sie bei der Erledigung Ihrer Arbeit. Eine gut
organisierte Arbeit kann die Effektivität erhöhen und Stress vermeiden. Gut gestaltete
Arbeitsbedingungen sind eine Voraussetzung dafür. Sie haben es in der Hand, die Arbeit in
Ihrem Unternehmen gesund und gleichzeitig effektiv zu organisieren und zu gestalten.
Gerade jetzt – in der Startphase – werden viele Entscheidungen getroffen. Nutzen Sie diese
Chance und schaffen Sie die Voraussetzungen für Ihren Erfolg.
Wie beeinflusst die Arbeit die Gesundheit?
Jede Arbeit ist mit Belastungen verbunden. Belastungen sind alle von außen einwirkenden,
objektiv vorhandenen Arbeitsbedingungen. Im Arbeitsprozess selbst werden diese
Belastungen bewältigt. Wie ein Mensch darauf reagiert (beansprucht wird), ist abhängig von
persönlichen Faktoren, wie z. B. seinen Veranlagungen, Fähigkeiten und Kompetenzen.
Persönliche Faktoren
• Körperliche Fitness
• Kompetenz/Qualifikation
• Persönlichkeit
Objektiv vorhandene Arbeitsbedingungen
• Arbeitsplatz (Ausstattung, Anordnung, Bildschirm, Stuhl, Arbeitshöhe)
• Arbeitsumgebung (Luft, Licht, Lärm, Klima, Umgang mit Gefahrstoffen,
Gefährdungsfaktoren)
• Organisation der Zeit (Arbeitsaufgabe, Arbeitszeit, Kommunikation, Führungsstil)
Eine gut organisierte Arbeit ist effektiver und macht mehr Spaß. Wer Freude an der Arbeit
hat, liefert in der Regel auch hochwertige Ergebnisse. Qualitative und quantitative
Leistungseinbußen sind häufig auf arbeitsorganisatorische Mängel zurückzuführen.
Ursachen dafür können unangemessene Arbeitsabläufe (Zeitverluste) oder auch eine
nachlassende Motivation und Leistungsbereitschaft des Arbeitenden sein. Das muss nicht
sein, denn gerade hier hat man viele Möglichkeiten auch ohne enorme finanzielle
Aufwendungen positive Effekte zu erreichen.
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Selbstmanagement
Gestaltungskriterien für eine effektive und gesunde Organisation der Arbeit
Arbeitsablauforganisation
Versuchen Sie sich Ihren Arbeitsplatz so einzurichten und zu organisieren, dass die
Erledigung der Arbeit ohne unnötige zeitliche Verzögerung erfolgen kann. Nehmen Sie sich
auch einmal Zeit für die Ablage und sortieren Sie wichtige Unterlagen. Diese Zeit
bekommen Sie zurück, weil Ihnen später langes Suchen erspart bleibt.
Körperliche Abwechslung
Vermeiden Sie unbedingt Arbeitsabläufe, die durch einseitige Belastungen und körperliche
Überforderung (nur Sitzen, nur Stehen, einförmige Bewegungen, schweres Heben und
Tragen u.ä.) gekennzeichnet sind. Wechseln Sie lieber Ihre Bewegungsabläufe bewusst ab!
Zeitliche und inhaltliche Spielräume
Man ist nicht jeden Tag und jede Stunde gleichermaßen fit und leistungsfähig. Die
Möglichkeit der selbstständigen Zeiteinteilung und ein abwechslungsreiches
Aufgabenspektrum ermöglichen es, die Kräfte entsprechend einzuteilen. Zeitdruck ist die
häufigste Ursache dafür, dass äußere Zwänge den Arbeitstag bestimmen. Schaffen Sie sich
Zeitpuffer!
Qualifikation
Eine unzureichende Qualifikation kann langfristig zu Überforderung und Stress führen.
Versuchen Sie Qualifikationsdefizite abzubauen. Genauso wichtig ist es, eine dauerhafte
Unterforderung zu vermeiden. Dies führt langfristig zur Demotivierung und Arbeitsunlust.
Beachten Sie das insbesondere bei der Einstellung von Mitarbeitern.
Arbeitszeit und Pausen
Lange Arbeitszeiten sind nicht immer zu vermeiden. Denken Sie daran, dass
Aufmerksamkeit und Leistungsfähigkeit nach ca. 8h Arbeitszeit nachlassen. Prüfen Sie, ob
das lange Arbeiten wirklich notwendig ist. Versuchen Sie sich den Tag so einzuteilen, dass
anstrengende und weniger anstrengende Tätigkeiten wechseln. In den Vormittagsstunden
und am Nachmittag ist der Mensch besonders leistungsfähig. Nachts hat er ein
ausgesprochenes Leistungstief. Sie erleichtern sich das Arbeiten, wenn Sie sich Ihren
Arbeitstag so einteilen, dass Sie besonders anspruchsvolle Tätigkeiten in die Vor- oder
Nachmittagsstunden legen und die Routinearbeiten zu den übrigen Zeiten erledigen. Nachts
zu arbeiten bedeutet immer eine erhöhte Kraftanstrengung für den Körper. Außerdem
sollten Sie grundsätzlich und über den Tag verteilt Erholungsphasen einplanen.
Zielsetzung und Informiertheit
Die Zielsetzung der Arbeit sollte klar definiert und nachvollziehbar sein. Fehlende,
unvollständige oder verspätete Informationen erschweren die Arbeit und wirken
demotivierend. Das gilt natürlich insbesondere für Ihre Beschäftigten.
Weitere Informationen unter http://www.ergo-online.de und http://www.baua.bund.de
3. Kompetenzen
Der erfolgreiche Umgang mit Veränderungen und neuen Herausforderungen erfordert
über Ihr fachliches Wissen hinaus Fähigkeiten und persönliche Eigenschaften, wie ein
gesundes Selbstbewusstsein, Motivation und Überzeugungskraft, Entscheidungsfreude,
Risikobereitschaft, Durchsetzungsvermögen, Lernbereitschaft, Kreativität und Effektivität
in der Problem- und Aufgabenbewältigung.
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Selbstmanagement
Schlüsselkompetenzen
Mit Hilfe der so genannten Schlüsselkompetenzen, können Sie Ihre vielfältigen beruflichen
und privaten Ziele optimal verfolgen. Sie beeinflussen maßgeblich Ihren Erfolg, den Spaß
an der Arbeit und Ihr Wohlbefinden. Schlüsselkompetenzen sind alle Fähigkeiten, die über
das berufsspezifische Fachwissen hinausgehen und lassen sich in vier Bereiche einteilen:
1. Sozialkompetenz
Sie werden als Unternehmer in allen Arbeits- und Lebensbereichen kommunizieren und
soziale Beziehungen aufbauen müssen, um Ihre Ideen voranzubringen und Ihre Kunden
zufrieden zu stellen. Das Führungsverhalten, der richtige Umgang mit Mitarbeitern und die
Art und Weise wie man Kooperationsbeziehungen gestaltet, sind wichtige Komponenten der
Sozialkompetenz und haben einen positiven Einfluss auf die Leistung und Motivation:
• Hören Sie aktiv zu. Haben Sie ein offenes Ohr für die Belange Ihrer Kunden, Partner
oder Mitarbeiter und merken Sie sich Gehörtes.
• Führen Sie die vielfältigen Informationen zu einem Gesamtbild zusammen.
• Formulieren Sie Ihre Gedanken und Ziele geordnet, prägnant und leicht verständlich.
• Wählen Sie die richtige Sprache, so dass der Zuhörer Sie versteht.
• Urteilen Sie nicht voreilig über Personen.
• Vergewissern Sie sich, ob Ihr Partner Ihre Botschaft verstanden hat.
• Achten Sie auf ein ansprechendes, angepasstes Äußeres (optischer Eindruck).
• Bedenken Sie, dass über 80% der Kommunikation über die Körpersprache
interpretiert wird. Der erste Eindruck ist ganz entscheidend. Innerhalb von drei
Minuten festigt sich bei einem Kunden der erste Eindruck über Sie.
2. Methodenkompetenz
Zeit- und Termindruck bestimmen zukünftig Ihr Leben. Man hat den Eindruck, dass
24 Stunden am Tag nicht ausreichen, um die vielfältigen Aufgaben zu erledigen, Zeit für
Familie, Freunde und Hobbys zu haben, Erholung und Entspannung zu genießen.
Der richtige Umgang mit der Zeit wird zu einem Schlüssel Ihres Unternehmenserfolges.
Techniken und Methoden des Zeitmanagements können größeres Chaos verhindern.
(siehe auch Kapitel „Zeitmanagement“).
Probleme erfolgreich lösen
Wer heute Probleme lösen muss, ist nicht mehr nur auf seine Intuition angewiesen.
Problemlösetechniken helfen Ihnen, bei der Klärung der täglichen Aufgaben und Probleme
zielgerichtet, strukturiert und effektiv vorzugehen. Nutzen Sie Hilfsmittel, um den Überblick
zu behalten:
• Formulieren Sie genaue Ziele und richten Sie Ihr Handeln danach aus.
• Gliedern Sie Ihre Unternehmensziele in erreichbare Teilziele (Arbeitsschwerpunkte).
• Beleuchten Sie Ihre Rahmenbedingungen: Wo liegt das Problem? Wie äußert es
sich (Auswirkungen)? Wer und was kann mich bei der Problemlösung unterstützen?
• Entdecken Sie weitere Stolpersteine (inhaltlich, finanziell, personell).
• Denken Sie in verschiedenen Lösungsvarianten und halten Sie sich immer
mindestens eine zweite Tür offen!
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Selbstmanagement
Moderations- und Präsentationstechniken
Wenn wichtige Besprechungen oder Produkt- und Verkaufspräsentationen nicht so effektiv
verlaufen, Gesprächsziele nicht erreicht werden oder Sie dem Gesprächspartner nicht
folgen können, dann nutzen Sie Techniken der Gesprächsführung, Moderation und
Präsentation. Sie unterstützen einen erfolgreichen Gesprächsverlauf und stellen sich und
den Kunden zufrieden.
Präsentieren und moderieren Sie überzeugend: Bereiten Sie sich auf Gespräche vor,
informieren Sie sich über den Partner. Strukturieren Sie Präsentationen oder
Gesprächsverläufe (Einleitung, Hauptteil, Abschluss). Begründen Sie Ihre Entscheidungen
durch nachvollziehbare Argumente. Stellen Sie die richtigen Fragen („Wer fragt, der führt
das Gespräch"). Führen Sie Gesprächsprotokolle - auch bei Telefonaten. Bei Moderationen
sachlich bleiben, kommentieren Sie nicht voreilig Meinungen der Partner, halten Sie sich
neutral gegenüber anderen Sichtweisen. Nutzen Sie für Ihre Präsentationen die
Möglichkeiten der Visualisierungstechniken, wie z. B. Metaplan Technik, Flipchart, Power
Point oder Folien.
3. Selbstkompetenz
Zweifellos ist Ihre Persönlichkeit ein wichtiger, vielleicht sogar der entscheidende Faktor für
den Erfolg Ihres Unternehmens. Diese persönlichen Eigenschaften, Muster und
Verhaltensweisen werden häufig unter dem Begriff Selbstkompetenz zusammengefasst:
• Leistungsbereitschaft und Zielorientierung
• Selbstorganisation und Disziplin
• Lernbereitschaft und Offenheit für Neues
• Konzentrationsfähigkeit auch unter Leistungsdruck
• Selbstmotivierung, Energie und Engagement
• Flexibilität
• Entscheidungsfreude auch bei Risiken
• Gelassenheit und Toleranz, Optimismus
• Erholungsfähigkeit
• Gesundes Selbstbewusstsein
• Kritikfähigkeit
• Durchsetzungsvermögen
• Soziale Bindungsfähigkeit, Vertrauen gegenüber Partnern
• Emotionsregulation (störende eigene und fremde Emotionen richtig handhaben)
• Work-Life-Balance (Einklang, Vereinbarkeit von Beruf und Familie, Freizeit)
Nutzen Sie Ihr Arbeits- und Lebensumfeld, um sich weiter zu entwickeln. Haben Sie den
Mut, die Meinung anderer über sich einzuholen. Entdecken Sie dadurch Ihre Stärken und
Schwächen. Bauen Sie Ihre Stärken aus, um die Schwächen zu reduzieren.
4. Innovationskompetenz
Im Rahmen einer Existenzgründung gibt es nur wenig Routine- und Standardlösungen. Oft
müssen Sie ganz neue Wege gehen. Was tun Sie, wenn Sie nicht gleich eine Antwort für Ihr
Problem finden? Verzweiflung und Resignation wären schlechte Reaktionen. Jeder Mensch
kann kreativ sein. Kleine Tricks und Kniffe können helfen, akute Kreativitätsblockaden zu
durchbrechen und kreative Ideen zu entwickeln:
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Selbstmanagement
•
•
•
•
•
•
•
Entdecken und nutzen Sie bewusst Ihre persönlichen „Kreativitätsoasen"
(Wann und in welcher Situation bin ich besonders kreativ?).
Suchen Sie sich Anregungen und Ideen in Ihrer gesamten Umwelt.
Diskutieren Sie mit interessanten Gesprächspartnern über alternative Lösungen zu
aktuellen Fragen.
Lassen Sie Ihrer Phantasie freien Lauf. Haben Sie Mut zu unkonventionellen Ideen.
Bewerten Sie nicht voreilig diese Ideen.
Denken Sie in verschiedenen oder umgekehrten Richtungen.
Bilden Sie Analogien oder arbeiten Sie mit Modellen, Skizzen und Zeichnungen.
Wenden Sie sich vom Thema ab, wenn Ihnen nichts mehr einfällt, denn neue Ideen
entstehen nicht unter Druck und Hektik.
Methoden und Techniken können Sie in Ihrer Kreativität nachhaltig unterstützen. Es geht
darum, Intuition und Phantasie anzuregen, unkonventionelle Verbindungen herzustellen
sowie Unbekanntes aufzustöbern:
Standard-Kreativitätstechniken:
• Brainstorming – ist ein kommentarloses Sammeln von spontanen Einfällen – alles ist
erlaubt – der Phantasie sind keine Grenzen gesetzt.
• MindMapping – Gedanken werden visualisiert, geordnet und strukturiert in Form von
geistigen Landkarten (MindMap). Ideen und Gedankengänge zur kreativen Lösung
eines Problems werden als Äste und Zweige um das Leitmotiv visualisiert.
• Morphologie – das Produkt oder die Dienstleistung wird in seine einzelnen
Bestandteile zerlegt. Durch die Suche nach bekannten und unbekannten
Ausprägungen dieser Bestandteile und deren Neukombination entstehen neuartige
Produkte.
5. Managementkompetenz
Neben der Branchenerfahrung kommt vor allem auch der Managementqualität des
Unternehmers große Bedeutung zu. Untersuchungen, die sich mit den Gründen für das
Scheitern von Unternehmen befassen, sehen Schwächen in den betriebswirtschaftlichen
Fähigkeiten der Unternehmensführung als Hauptursache für den Misserfolg von
Unternehmen.
Schwächen liegen sehr häufig in den Bereichen
• Finanzierung
• Mangelnde Steuerung und Kontrolle des Cash-flows
• Marketing
• Einschätzung der Standortqualität und möglicher Umsätze
• Kenntnisse über die Marktfähigkeit der Produkte
• Controlling
• Vertragsgestaltung
• Führungsfähigkeit
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Selbstmanagement
Wenn Sie hier ein Thema entdecken, dass zu Ihren Schwächen gehört, dann
sollten Sie sich näher damit befassen und entsprechende Weiter- und
Fortbildungsangebote wahrnehmen. Es lohnt sich in jedem Fall Geld und Zeit zu
investieren, um anschließend sicherer zu sein. Aber keine Angst: Nobody is
perfect! Sie müssen für sich selbst entscheiden, inwieweit Ihre Schwäche für den
unternehmerischen Erfolg tatsächlich bedeutend sein könnte. Das bundesweite
Informationsportal der IHK informiert über das aktuelle berufliche
Weiterbildungsangebot und nennt Themen, Inhalte, Zielgruppen und Termine für
Seminare: http://www.ihk.de/wis.htm
Wissen dient Unternehmenszielen
Wie wird etwas gemacht? Genauer noch: Wie macht man es am besten? Das sind die
zentralen Fragen nach wichtigem Wissen – egal, ob man eine Maschine bedient, Produkte
entwickelt oder Kunden berät. Dabei geht es immer um das Wissen, das erstens hier und
heute die Wettbewerbssituation des eigenen Unternehmens verbessern kann und zweitens
das Know-how, das in Zukunft benötigt wird.
Welches Wissen jeweils relevant ist, lässt sich dabei in der Regel von den konkreten
unternehmerischen Zielen genauer ableiten. Dies kann dann – je nachdem – Kunden,
Märkte, Konkurrenz, Zulieferer, Rohstoffe, Produktionsverfahren oder Technologien
betreffen. Dabei gibt es einen wichtigen Unterschied zwischen Fakten-Wissen (= explizites
Wissen) und Erfahrungs-Wissen (= implizites Wissen). Fakten-Wissen kann man im
Gespräch oder in Seminaren bekommen und weitergeben oder z.B. auch in Büchern oder
im Internet finden. Schwieriger ist es mit dem Erfahrungs-Wissen. Dies ist für Unternehmen
eine besondere Herausforderung.
Wenn Sie sich intensiver mit dem Thema auseinander setzen möchten –
insbesondere dann, wenn Sie schon Mitarbeiter haben, finden Sie ausführliche
Checklisten unter http://www.impulse.de. Lesen Sie dazu außerdem die Kapitel
zum Personal in dieser Broschüre.
4. Ungesunde Gewohnheiten
Wiederkehrende Gewohnheiten beziehungsweise Rituale haben Vor- und Nachteile. Zum
einen erleichtern sie das Leben: Sie überlegen nicht jeden Morgen, ob Sie Zähne putzen
sollen oder nicht, Sie tun es einfach. Diese Routine führt dazu, dass viele Dinge des
alltäglichen Lebens automatisch „ablaufen". Zum anderen können immer wiederkehrende
Verhaltensweisen einen Menschen unflexibel und starr werden lassen. Vielleicht kennen
Sie jemanden, der sich – aus Gewohnheit – selbst im Weg steht. Das Hinterlistige an
Gewohnheiten ist, dass sich dabei auch ungesunde Verhaltensweisen systematisch
verfestigen. So nehmen Sie langsam an Gewicht zu, weil Sie sich angewöhnt haben, nach
der Mahlzeit noch etwas Süßes zu essen. Aber auch gerade in Stresssituationen werden
ungesunde Verhaltensweisen zur Gewohnheit, z. B. verbringen Sie ihre Freizeit vor dem
Fernseher um „abzuschalten". Wenn Sie im beruflichen und privaten Bereich viele
Belastungen haben, verstärkt dies oftmals die Tendenz, nicht genug auf sich selbst zu
achten. So kommen noch weitere ungünstige Verhaltensweisen hinzu: um sich Abends zu
entspannen, trinken Sie Bier oder Wein und steigern den Konsum unmerklich. Das
gesundheitsschädigende Verhalten kann so zunehmen, bis Sie zu dem Entschluss
kommen: „Es muss sich etwas ändern!". Sie nehmen sich vor, gesünder zu essen oder
mehr Sport zu treiben. Voller Zuversicht gehen Sie daran, die guten Vorsätze in die Tat
umzusetzen. Vielleicht gelingt Ihnen einiges, aber oftmals stellen sich die „alten Unsitten"
wieder sehr schnell ein. Am anhänglichsten sind schlechte Gewohnheiten.
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Selbstmanagement
Warum ist es so schwierig, sein Verhalten zu verändern?
Menschen unterscheiden sich in ihren Gedanken, Gefühlen und in ihrem Verhalten
voneinander. Im täglichen Handeln zeigt sich die positive bzw. negative Befindlichkeit einer
Person. Die Verhaltensweisen, die Menschen unter Stress und Zeitdruck zeigen, können
sehr unterschiedlich sein:
• Mehr essen / Weniger essen
• Verstärkt Genussmittel (z. B. Nikotin, Alkohol) zu sich nehmen
• Aus Zeitdruck zu schnell Auto fahren
• Zu schnell sprechen
Unter Stress entsteht ein Ungleichgewicht, das durch Gegenmaßnahmen abgebaut werden
soll. In der Regel versuchen Menschen, ihren Stress so schnell wie möglich auszugleichen.
Dabei wird auf Verhaltensweisen zurückgegriffen, die ohne hohen Aufwand verfügbar sind.
Es ist oftmals bequemer, sich nach der Arbeit vor den Fernseher zu setzen, als Sport zu
treiben. Hat sich eine Verhaltensweise zum Stressabbau scheinbar als „geeignet" gezeigt,
wird diese als Gewohnheit beibehalten, unabhängig davon, ob diese langfristig
gesundheitsschädigend ist oder nicht. Dies ist eine Falle, denn mit der kurzfristigen Abhilfe:
„Jetzt muss ich unbedingt eine Zigarette rauchen, um den Stress auszuhalten" wird
langfristig der Gesundheit geschadet.
Überprüfen Sie regelmäßig Ihre Gewohnheiten! Oftmals werden diese gar nicht
richtig wahrgenommen, weil sie automatisch ablaufen, wie Kaffee zu trinken, um
den Durst zu löschen. Sie sollten versuchen, ungesunde Gewohnheiten durch
gesunde Verhaltensweisen zu ersetzen und zu pflegen. Wenn Sie „gesunde
Rituale" entwickeln, werden sich diese Gewohnheiten leichter verfestigen.
Entwickeln Sie ihre eigenen Rituale
Genauso schnell wie sich gesundheitlich schädigende Rituale verfestigen, können Sie sich
gesundheitsfördernde Rituale aneignen:
Körperlich
• Wenn Sie viel sitzen müssen: Steigen Sie Treppen, anstatt den Fahrstuhl zu
benutzen. Fahren Sie mit dem Fahrrad oder gehen zu Fuß zur Arbeit.
• Wenn Sie viel stehen müssen: Machen Sie regelmäßige Lockerungs- und
Dehnungsübungen. Vieles lässt sich im Sitzen oder mit Stehhilfen erledigen.
Psychisch
• Üben Sie täglich 5 Minuten mit einer Entspannungstechnik Ihrer Wahl (z. B. Yoga,
Jacobson, Autogenes Training – Fragen Sie bei Ihrer örtlichen Volkshochschule
nach. Dort werden zweimal im Jahr entsprechende Kurse angeboten).
• Pflegen Sie täglich berufliche und private Beziehungen. Bauen Sie sich ein Netzwerk
sozialer Unterstützung auf.
• Verwöhnen Sie sich mit Kleinigkeiten (z.B. lesen Sie ein Buch, kaufen Sie sich
Blumen, aber vermeiden Sie Naschereien).
Essen und Trinken
• Richten Sie eine kleine Küche mit Wasserkocher, Mikrowelle usw. ein.
• Stellen Sie gesunde Lebensmittel zur Verfügung: Müsli, Obst, Nüsse usw.
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Selbstmanagement
•
•
Kochen Sie gleich zu Arbeitsbeginn eine Kanne Kräuter- bzw. Früchtetee und trinken
Sie diese bis zum Mittag, stellen Sie Alternativen zum Kaffee bereit.
Richten Sie es ein, dass immer ein Glas Mineralwasser am Arbeitsplatz greifbar ist.
Beispiele für Büroarbeitsplätze
• Installieren Sie sich einen Bildschirmschoner, der Ihnen gymnastische Übungen
zeigt.
• Telefonieren Sie im Stehen, so wechseln Sie ihre Körperhaltung. Darüber hinaus
wirkt so Ihre Stimme offener und freundlicher als im Sitzen.
• Richten Sie ihren Arbeitsplatz so ein, dass Sie öfter aufstehen müssen, z. B. können
Sie den Drucker im anderen Eck des Zimmers platzieren.
• Halten Sie regelmäßige Pausenzeiten ein. Nutzen Sie Ihre Pause nicht um
beispielsweise im Internet zu surfen.
5. Stress vermeiden
Stress – darunter kann sich jeder etwas vorstellen. Es ist eine Art Sammelbegriff für Hektik,
Überforderung, unangenehme Ereignisse und enttäuschte Erwartungen und wird häufig als
Phänomen der heutigen Zeit bezeichnet. Dabei ist Stress eigentlich eine angeborene und
nützliche Reaktion des menschlichen Organismus auf Reize, Anforderungen und
Bedrohungen der Umwelt. Er gehört deshalb zum Leben und richtig dosiert, spornt er zu
körperlichen und geistigen Höchstleistungen an.
Zum Problem wird Stress erst dann, wenn einem die Anforderungen über den Kopf
wachsen und Mittel und Wege fehlen, diese Anforderungen zu bewältigen. Dauerstress
kann krank machen, ungesunde Verhaltensweisen fördern und die Leistungsfähigkeit
erheblich mindern. Nicht immer ist es möglich, Stress zu vermeiden. Man kann jedoch
erlernen, den Stress besser zu bewältigen und negative Auswirkungen zu reduzieren bzw.
zu verhindern. Veränderungen, die durch den Schritt zum eigenen Unternehmen auf eine
Person zukommen, können für den einen eine Herausforderung sein, für andere jedoch eine
starke Belastung bedeuten. Stress ist immer abhängig von den individuellen
Voraussetzungen und Einstellungen sowie der jeweiligen Verfassung einer Person.
Zufriedenheit und Wohlbefinden stellen sich ein, wenn wir der Meinung sind, die Situation im
Griff zu haben oder die Anforderungen erfolgreich bewältigen zu können.
Stressauslösende Faktoren (Stressoren):
• Leistungsdruck
• Konkurrenz
• Unzuverlässige Geschäftspartner
• Zeitdruck
• Überforderung
• Private Konflikte
• Finanzielle Unsicherheit
• Schwankende Auftragslage
• Informationsmangel bzw. fehlender Informationsfluss
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Selbstmanagement
Dauerstress macht krank!
Kein Organismus hält es unbeschadet aus, längere Zeit in einem erhöhten
Anspannungszustand zu verweilen. Zum Glück sendet der Körper rechtzeitig Warnsignale.
Sie müssen aber erkannt und beachtet werden. Am eigenen Befinden und Verhalten kann
man prüfen, ob der Stress bereits Spuren hinterlassen hat.
Erkennungsmerkmale für langandauernde Überforderung durch Stress sind z. B.:
• Häufige Müdigkeit
• Kraftlosigkeit, Mattigkeit
• Häufige Gereiztheit
• Schlafstörungen
• Nervosität, Konzentrationsschwäche
• Vergesslichkeit
• Erhöhter Konsum von Kaffee, Alkohol, Tabletten
Nehmen Sie diese Warnsignale ernst! Spätestens jetzt sollten Sie versuchen, Ihren Stress
zu reduzieren bzw. Bewältigungsstrategien für sich zu entdecken und zu nutzen. Sie
riskieren sonst ernsthafte Erkrankungen, die Ihre Leistungsfähigkeit und Ihren Erfolg
dauerhaft erheblich einschränken können.
Stress gar nicht erst entstehen lassen
Die wirkungsvollste Methode des Stressmanagements ist es, den Stress von vorn herein zu
vermeiden. Managen Sie Ihre Zeit und organisieren Sie Ihre Arbeit!
Folgende Fähigkeiten bilden z. B. eine gute Basis für die Reduzierung von Stress:
• Kontaktfreudig sein, mit Konflikten und Fehlern umgehen können, sich durchsetzen
können
• Aktiv zuhören können, Interesse wecken, rhetorische Fähigkeiten, überzeugen
können
• Arbeitsalltag organisieren, Teilaufgaben definieren, vorausschauend planen
• Informationsbeschaffung, Bewältigung der Informationsfülle
• Mitarbeiter motivieren, Aufgaben delegieren, Arbeitsergebnisse kontrollieren,
Leistungserbringung beurteilen
Versuchen Sie im Bedarfsfalle das eine oder andere Defizit auszugleichen. Qualifizieren Sie
sich bzw. nutzen Sie Fremdleistungen. Überdenken Sie Ihre Ansprüche und Bewertungen!
Häufig liegen die Ursachen für Stress an persönlichen Einstellungen, Ansprüchen und
Bewertungen. Wenn man zum Beispiel davon überzeugt ist, dass man alles immer noch
besser machen kann, wird man mit keiner Lösung zufrieden sein und sich immer wieder
erneut unter Druck setzen. Erkennen Sie Einstellungen und Ansprüche die Sie belasten,
denken Sie positiv und optimistisch!
Der Stress ist da, was nun?
Ziel von Stressbewältigungsmaßnahmen ist es, Stressreaktionen abzuschwächen und
negative Auswirkungen auf die Gesundheit zu vermeiden. Den Stress besser zu bewältigen
heißt u. a.: alltagstaugliche Methoden der Stressbewältigung zu nutzen, eine Balance
zwischen Anspannung und Entspannung zu finden sowie Folgeschäden von Stress zu
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Selbstmanagement
verhindern. Entscheiden Sie selbst, welche der folgenden Empfehlungen für Sie nützlich
und anwendbar sind.
Wenn es die Situation erlaubt, können Sie versuchen, körperliche Stressreaktionen
abzubremsen, indem Sie sich bewusst ablenken. Atmen Sie tief durch und denken Sie an
angenehme Erlebnisse, führen Sie positive Selbstgespräche oder widmen Sie sich einer
anderen Tätigkeit. Oder Sie versuchen Ihre Gedanken vom Problem abzulenken, indem Sie
sich an vergangene Erfolgserlebnisse erinnern. Reagieren Sie sich unmittelbar nach der
Stresssituation ab!
Nicht immer gelingt es und manchmal erlaubt es auch die Situation nicht, sich vom Problem
abzulenken. Dann können Sie versuchen, den aufgebauten Energiestau zu lösen, indem
Sie sich aktiv abreagieren. Je nach Situation gibt es auch hier verschiedene Möglichkeiten:
• Hauen sie ruhig mal mit der Faust auf den Tisch
• Schimpfen Sie laut (natürlich nur wenn Sie allein im Zimmer sind)
• Bewegen Sie sich regelmäßig
• Erledigen Sie kleine Wege zu Fuß
• Raffen Sie sich zu kleinen sportlichen Übungen, wie z. B. Treppensteigen auf
• Erholen und Entspannen Sie sich bewusst
• Legen Sie Kurzpausen ein, wie z. B. das Zurücklehnen in den Sessel, das Genießen
einer Tasse Tee/Früchtetee oder einige Minuten an Nichts denken.
• Noch wirkungsvoller ist die Nutzung aktiver Entspannungstechniken wie:
Autogenes Training, Yoga, Progressive Muskelentspannung oder Meditation.
Diese Entspannungstechniken müssen erlernt werden, können dann aber sehr
effektiv und mit geringem zeitlichen Aufwand zur lang- und kurzfristigen Erholung
eingesetzt werden. Richtig angewendet, führen sie z. B. zu einer Senkung des
Erregungsniveaus und zu einer effektiveren Arbeitsbewältigung.
Soziale Kontakte
In Zeiten hoher Belastung sind Lebenspartner, Freunde und die Familie besonders wichtig.
Sie geben Geborgenheit und helfen vom Stress abzulenken bzw. bei der Bewältigung.
Nehmen Sie private Kontakte wichtig. Sprechen Sie über Ihre Probleme und lassen Sie sich
ggf. auch helfen.
Sportliche Aktivitäten
Körperliche Aktivität ist ein ausgezeichnetes Mittel für den Stressausgleich. Insbesondere
Ausdauersportarten, wie Joggen, Walken, Schwimmen oder Radfahren haben sich bewährt.
So findet nicht verbrauchte Energie einen gesundheitsförderlichen Kanal. Außerdem wird
die Leistungsfähigkeit des Herz- Kreislaufsystems erhöht. Versuchen Sie zusätzlichen
Erfolgs- und Leistungsdruck im Rahmen Ihrer sportlichen Betätigung zu vermeiden.
Detaillierte Informationen zum Thema Stress finden Sie bei Ihrer Krankenkasse, bei den
Berufsgenossenschaften oder unter http://www.ergo-online.de
6. Zeitmanagement
Häufige Stressoren sind chronischer Zeitmangel und eine hohe Arbeitsdichte.
Zeitmanagement beschäftigt sich mit der Kunst, die Zeit optimal einzuteilen und zu nutzen.
Der richtige Umgang mit der Zeit ist eine wichtige Ressource, insbesondere für Menschen,
die beruflich und privat stark gefordert werden. Zeitmanagement heißt nicht, wie oftmals
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Selbstmanagement
angenommen, jede Tagesaktivität sekundengenau vorzuplanen, um noch mehr in noch
kürzerer Zeit zu schaffen. Vielmehr geht es darum, die Zeit optimal einzuteilen, Prioritäten
zu setzen und Zeitdieben auf die Spur zu kommen. Alle wichtigen Lebensbereiche wie
Beruf, Familie und Gesundheit sollen in Balance gebracht und gehalten werden.
Systematisches Zeitmanagement hilft Ihnen, Zeit für Dinge zu gewinnen, die Ihnen wirklich
wichtig sind. Es ermöglicht ein effektives und stressfreies Arbeiten, die Konzentration auf
das Wesentliche, schafft Freiräume für die Zukunftsplanung, die eigene Qualifizierung, die
Familie, den sportlichen Ausgleich oder zur Entspannung und trägt somit zum Erhalt von
Leistungsfähigkeit, Gesundheit und Wohlbefinden bei.
Wo bleibt die Zeit?
Es gibt viele Gründe, wodurch uns alltäglich wertvolle Zeit verloren geht. Solange wir die
Ursachen dafür nicht erkennen, können wir gegen diese Hindernisse nichts unternehmen.
Mögliche Ursachen für Zeitprobleme:
• Keine klaren Ziele (geschäftlich und privat)
• Fehlende oder falsche Prioritätensetzung
• Mangelhafte und inkonsequente Planung (lang- und kurzfristig)
• Uneffektive Arbeitsweise z.B. weil der Arbeitsplatz schlecht gestaltet ist (ungünstige
Anordnung der verwendeten Arbeitsmaterialien, fehlende Ablage, Unordnung u.a.)
• Unfähigkeit bzw. Probleme „Nein" zu sagen
• Fehlende Auslagerung bzw. Delegation von Aufgaben
• Zu wenig Mitarbeiter
• Fehlende Kompetenzen und Qualifikationen
Tipps für eine sorgfältige Arbeitsplanung:
• Schreiben Sie sich alle Aktivitäten und Angelegenheiten auf, die Sie zu erledigen
haben. Vergessen Sie dabei nicht, wichtige Termine zu notieren.
• Ordnen Sie diesen Aufgaben und allen neu hinzu kommenden, Prioritäten zu.
Bewährt haben sich dabei folgende vier Kategorien:
o A-Aufgaben – wichtig und dringend
o B-Aufgaben – wichtig, aber im Moment nicht dringend
o C-Aufgaben – notwendig, aber weniger wichtig (Routine, Kleinkram)
o Papierkorb – es entsteht kein Schaden, wenn diese Aufgaben nicht erledigt
werden
• Machen Sie sich Tagespläne. Das dauert nur 5 bis 10 Minuten! Jeder Arbeitstag
sollte aus einer Mischung von A-, B- und C-Aufgaben bestehen.
• Planen Sie realistisch. Schätzen Sie den Zeitbedarf ein. Verplanen Sie nur 70% des
Tages; es kommt immer etwas Unerwartetes dazwischen.
• Planen Sie schriftlich und vergessen Sie nicht die Erfolgskontrolle am Ende des
Tages. Nicht erledigte Tätigkeiten sind festzuhalten und in weitere Planungen
einzubeziehen
• Überprüfen Sie von Zeit zu Zeit Ihre Prioritätenliste. Aus B-Aufgaben können schnell
A-Aufgaben werden, wenn sie zu lange aufgeschoben werden.
Auch ein vielbeschäftigter Mensch sollte regelmäßig kurze Pausen einlegen. Zu langes
intensives Arbeiten macht müde, Konzentration und Leistungsfähigkeit lassen nach und
Fehler schleichen sich ein. Am besten ist es, Pausen einzulegen bevor die Müdigkeit
einsetzt. Regelmäßige Kurzpausen (nicht länger als 10 Minuten) sind dabei wesentlich
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Selbstmanagement
effektiver, als eine einzelne lange Arbeitsunterbrechung. Den Regenerationseffekt können
Sie erheblich steigern, indem Sie sich bewusst entspannen, für Bewegung sorgen und Ihren
Arbeitsraum gut durchlüften.
Delegieren entlastet
Wenn Ihnen die Arbeit über den Kopf wächst und auch bei guter Organisation kaum noch
Freiräume für persönliche Interessen bestehen, sollten Sie entsprechend Ihrer finanziellen
Situation bzw. Ihres Mitarbeiterbestandes prüfen, ob Arbeit abgegeben werden kann. Wenn
Sie allein tätig sind, ist vielleicht Ihr Lebenspartner gern bereit, einiges zu übernehmen. Eine
weitere Möglichkeit bietet die Fremdvergabe bestimmter Leistungen. Für eine
Fremdvergabe eignen sich z.B. die Buchhaltung, Reinigungsarbeiten aber auch
Unteraufträge für ein Projekt, welches Sie im Moment bearbeiten.
Organisieren Sie sich störungsfreie Arbeitszeiten
Dauernde Störungen machen ein effektives Arbeiten kaum möglich. Nach jeder Ablenkung
ist eine zusätzliche Anlauf- und Einarbeitungszeit erforderlich. Zeit, die sinnvoller genutzt
werden kann. Organisieren Sie sich Zeitblöcke, in denen Sie ungestört arbeiten können.
Machen Sie einen Termin mit sich selbst und tragen Sie diesen auch in den Kalender ein.
Nutzen Sie dafür Tageszeiten, wo ohnehin wenig Störungen auftreten. Schalten Sie den
Anrufbeantworter ein, damit Ihnen nichts wirklich Wichtiges entgeht.
Bleiben Sie konsequent
Ein gutes Zeitmanagement erfordert am Anfang ein hohes Maß an Selbstdisziplin. Aber es
lohnt sich, denn bei erfolgreicher Anwendung lässt sich täglich 10-20% Zeit einsparen, die
Sie für die eigene Erholung und Regeneration nutzen können!
So kommen Sie mit Ihrer Zeit besser zurecht:
Setzen Sie Prioritäten!
Unterscheiden Sie zwischen wichtigen und weniger wichtigen Dingen
entsprechend Ihrer persönlichen und beruflichen Lebensziele!
Vergessen Sie die Gesundheit nicht!
Organisieren Sie sich Ihren Arbeitstag!
Setzen Sie sich realistische Ziele!
Arbeiten Sie mit Checklisten/Terminplaner!
Räumen Sie Ihren Schreibtisch auf und befreien Sie sich vom Ballast!
Verplanen Sie höchstens 70% vom Tag! Es kommt immer etwas
Unerwartetes dazwischen.
Versuchen Sie Arbeit zu delegieren!
Versuchen Sie die sogenannten Zeitdiebe aufzuspüren und zu vermeiden
(z. B. Perfektionismus, überflüssiger Kleinkram, uneffektive Telefonate usw.)!
Wappnen Sie sich mit Wissen und Kompetenzen! Je mehr man beherrscht,
umso souveräner kann man viele Situationen bewältigen. Nicht nur
Fachkenntnisse spielen dabei eine wesentliche Rolle, sondern auch
Fähigkeiten im Umgang mit Menschen und die zielgerichtete Anwendung
bestimmter Arbeitstechniken.
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Selbstmanagement
7. Mit dem Auto unterwegs
Als Unternehmer können Sie auch auf Langstrecken öffentliche Verkehrsmittel benutzen,
aber die Fahrt mit dem Auto lässt sich nicht immer vermeiden. Dabei sollten Sie ein paar
Punkte beachten, die zu Ihrer eigenen Sicherheit dienen und mit deren Hilfe Sie Unfälle,
Stress, gesundheitliche Belastungen oder sogar rechtliche Probleme vermeiden können.
Mit Aggressionen schadet man sich selbst am meisten
Drängeln, schneiden und ausbremsen, heftiges Gestikulieren, „eindeutige Zeichensprache",
andere am Überholen hindern und Vorfahrt erzwingen, aber auch betont langsames Fahren
oder „verkehrserzieherische" Maßnahmen, all das gehört leider zum Alltag im
Straßenverkehr. Die Ursachen sind schnell aufgezählt: hohe Verkehrsdichte, Zeitdruck,
schwierige Straßen- und Witterungsverhältnisse, Leistungsdruck und Ärger im Beruf oder
familiäre Schwierigkeiten führen zu Stress, der sich wiederum in aggressivem Verhalten
niederschlagen kann. Aggressives Verhalten ist in der Regel das Ergebnis einer
Handlungskette. Wer sich dies bewusst macht, kann mit Gelassenheit reagieren und zu
mehr Sicherheit im Straßenverkehr beitragen.
Der Rat von Verkehrspsychologen:
Man sollte aufmerksam seine eigenen Reaktionen, die durch die Handlung eines anderen
Verkehrsteilnehmers ausgelöst werden, beobachten. Viele Fehler der anderen hat man
selbst schon einmal gemacht. Den Ärger auf jeden Fall nicht Kilometer um Kilometer mit
sich herumschleppen und Rachestrategien überlegen, sondern sich ausmalen, wie eine
ähnliche Situation gelassener bewältigt werden kann. Erfolg versprechend ist es,
Gelassenheit regelrecht zu üben. Wenn man es schafft, sich nach einer durch Spannung
geladenen Szene über die eigene Gelassenheit zu freuen, dann hat man schon gewonnen.
Zur eigenen Gelassenheit trägt bei, wenn man dem anderen nicht gleich böse Absichten
unterstellt. Der andere mag vielleicht gute Gründe für sein Verhalten haben. So ist z. B. ein
Drängeln nicht notwendigerweise aggressives Verhalten. Zeitdruck etwa kennt man aus
eigener Erfahrung, vielleicht liegt hier die Ursache? Ein Perspektivenwechsel, d. h. die
Situation aus der Sicht des anderen zu sehen, hilft häufig, eigene negative Gefühle zu
vermeiden.
Ein weiterer Grund, der häufig zur Eskalation von Ärger und Wut im Verkehr beiträgt, liegt in
jedem selbst. Steigt man bereits abgehetzt und unter Zeitdruck in das Auto, reagiert man auf
die Handlung eines anderen ganz anders, als wenn man ausgeglichen und guter Laune ist.
Am besten wäre es, solche Autofahrten möglichst zu umgehen. Müssen sie dennoch sein,
sollte man besonders bewusst auf das eigene Verhalten anderen gegenüber achten.
Fahrsicherheitstraining
Damit Sie auf Gefahrensituationen im Straßenverkehr noch besser reagieren können, bietet
die Verwaltungs-Berufsgenossenschaft (VBG) ein spezielles Fahrsicherheitstraining an. Die
Teilnahme an diesem Training ist bis zu der Höhe der mit der Berufsgenossenschaft
vereinbarten Festbeträge kostenlos, wenn das Training nach den Richtlinien des Deutschen
Verkehrssicherheitsrates ausgeführt wird. In jedem Fall lohnt sich die zeitliche Investition,
denn durch gezielte Schulung lassen sich Fehler vermeiden, die langfristig Folgen für Sie
und Ihr Unternehmen haben könnten.
Weitere Informationen finden Sie unter http://www.vbg.de/Publikation/
(Stichwort „Verkehrssicherheit“).
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Selbstmanagement
Müdigkeit am Steuer
Müdigkeit am Steuer kann sowohl tags als auch nachts zum Verhängnis werden.
Insbesondere bei Tagesmüdigkeit unterscheidet man zwischen Müdigkeit und Schläfrigkeit.
Letztere beschreibt die Gefahr einzuschlafen, erstere die Erschöpfung, die am Steuer zum
Verhängnis werden kann.
Müdigkeit am Steuer äußert sich durch eine Abnahme der Aufmerksamkeit, eine
Verschlechterung des Gedächtnisses, zunehmendes automatisiertes Verhalten, eventuell in
Verbindung mit einem Zustand der Gereiztheit, den man aber selbst nicht unbedingt
wahrnehmen muss. Insbesondere Autobahnfahrten bergen für den erschöpften Fahrer eine
hohes Risiko. Die Monotonie von störungsfreien Strecken verleitet zu höheren
Geschwindigkeiten, täuscht ein Gefühl von Sicherheit vor und leistet damit dem kurzzeitigen
Einschlafen Vorschub. So sind viele tödliche Unfälle an Baustellen keinesfalls auf schlechte
Erkennbarkeit von Hindernissen zurückzuführen, sondern auf Übermüdung des Fahrers. Die
Gefahr des Einschlafens bei Erschöpfung droht tags und nachts gleichermaßen. Sie hängt
damit weniger von der Tageszeit, als vom Erschöpfungszustand des Fahrers ab.
Besonders lange Fahrzeiten, z. B. bei Urlaubsfahrten, sind dabei nur eine der Ursachen.
Erschöpfung nach einem anstrengenden Arbeitstag oder die Heimfahrt von der
Nachtschicht oder einer ausgedehnten Geburtstagsfeier können ebenso wesentliche
Ursachen sein. Jeder Autofahrer kennt das Problem. Aber die Bedeutung wird nicht
gleichermaßen wahrgenommen wie andere Verkehrsprobleme, die zu wesentlich weniger
Unfällen führen. Erst wenn möglichst vielen Fahrern das Ausmaß der Gefährlichkeit klar ist,
kann man damit rechnen, dass im erkannten Gefahrfall entsprechende Maßnahmen
ergriffen werden. Es ist eigentlich ganz einfach:
•
•
•
•
Keine allzu langen Non-Stop-Fahrten, sondern nach 2-3 Stunden Fahrt „bewegte"
Pausen an der frischen Luft einlegen.
Bei den ersten Anzeichen von Müdigkeit die Fahrt unterbrechen und ausruhen oder
kurz schlafen. So verhindern Sie den sogenannten Sekundenschlaf!
Alkohol verstärkt die Müdigkeit und Kaffee oder gar Tabletten sind völlig ungeeignete
Gegenmaßnahmen, denn die Müdigkeit tritt dann umso plötzlicher und heftiger ein.
Leichtsinnig (und unfair) ist es auch, wenn nach einem anstrengenden Tag einer
fährt und alle Mitfahrer schlafen. Mindestens einer sollte sich mit dem Fahrer
abwechseln.
Ladungssicherung
Auf deutschen Straßen nehmen schwere Unfälle mit Kleintransportern deutlich zu. Eine der
Ursachen ist oft zu hohe Geschwindigkeit, eine andere ist auf nicht ausreichend gesicherte
Ladung zurückzuführen. Tatsache ist, dass sich Betrieb und Fahrer häufig nicht bewusst
sind, welche Gefahr von ungesicherter Ladung ausgeht. Häufig wird davon ausgegangen,
dass das Ladegut sicher ist, wenn die Ladung auf dem Fahrzeugboden mit bloßer
Körperkraft nicht zu verschieben ist. Dies ist ein verhängnisvoller Irrtum: Je größer das
Gewicht der Last, desto größer ist auch die Kraft, mit der sie z. B. beim Bremsen nach vorne
drückt.
Beim Beschleunigen, Bremsen und Kurvenfahren wirken enorme Kräfte auf die Ladung ein:
• Nach vorn: Bremst ein Auto scharf ab, wird eine Last mit großer Kraft nach vorn
gedrückt. Dies kann man am eigenen Leib spüren. Je größer das Gewicht, desto
größer die Kraft. Bei scharfem Abbremsen, vor allem kurz vor dem Stillstand des
Fahrzeugs, wirken bis zu 80% der Gewichtskraft der Ladung.
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Selbstmanagement
•
•
Nach hinten: Beim Anfahren kann bis 50% der Gewichtskraft entgegen der
Fahrtrichtung wirken.
Zur Seite: Beim Fahren enger Kurven kann die Fliehkraft 50% der Gewichtskraft
betragen.
Die Reibung ist ein natürlicher Helfer der Transportsicherung. Sie wirkt dem Verrutschen
entgegen und ist abhängig von der Materialkombination, die sich zwischen Ladegut und
Ladefläche befindet. Aber auch bei günstiger Materialkombination reicht die durch die
Gewichtskraft verursachte Reibung nicht aus, um den beim Fahren auftretenden
Trägheitskräften standzuhalten. Das heißt, das Ladegut muss immer gesichert werden.
Sichern - aber wie?
Das ordnungsgemäße Sichern der Ladung setzt entsprechende Kenntnisse des Beladers
bzw. des Fahrers voraus. Am sichersten ist es, möglichst lückenlos zu laden. Das bietet sich
bei Kombis und bei Kleintransportern meist schon aus Raumgründen an. Trotzdem muss
das gesamte Ladegut verzurrt werden. Hilfsmittel zur Ladungssicherung sind Kanthölzer,
Füllpolster oder Spanngurte. Feste Gegenstände können durch Niederzurren, wodurch der
Druck der Last auf den Boden erhöht wird, gesichert werden. Vorsicht: Ladegut auf Paletten
ist nur für die Verladung gesichert, nicht für die bei einem Transport auftretenden Kräfte.
Hierfür sind das Unternehmen und der Vorgesetzte zuständig:
• Steht ein geeignetes Transportfahrzeug zur Verfügung? Gibt es Ladehilfen?
• Stehen für jedes Ladegut geeignete Hilfsmittel zur Ladungssicherung zur
Verfügung? Wird das zulässige Gesamtgewicht des Fahrzeugs berücksichtigt?
• Kennt der Fahrer seine Pflichten aus der StVO? Weiß er über seine Aufgaben als
Fahrer eines Kleintransporters Bescheid?
• Kennt der Fahrer die Gefahren, die durch ungesicherte Ladung entstehen können?
Bestehen Anweisungen, wie der Fahrer sich im Gefahrfall, z. B. wenn abzuholendes
Ladegut schlecht verpackt ist, verhalten soll?
• Kennt der Fahrer die Fahrzeugeigenschaften?
• Werden auch Aushilfsfahrer vor Fahrtantritt fachgerecht unterwiesen?
Das hat der Fahrer zu beachten:
• „Der Fahrzeugführer … muss dafür sorgen, dass das Fahrzeug … sowie die Ladung
vorschriftsmäßig sind und die Verkehrssicherheit … nicht leidet." (§ 23 StVO)
• Ist die Ladung sicher und stabil verstaut? Hiervon überzeugt sich der Fahrer
während des Beladens, vor Fahrtantritt und unterwegs.
• Ist die Verpackung des Ladegutes für den Transport geeignet?
• Wird das richtige Sicherungsmaterial, z. B. Zurrgurte, Netze, feste Kästen usw.
verwendet? Ist die Ladefläche eben und sauber?
• Der Fahrer allein ist dafür verantwortlich, dass das Tempo des Fahrzeugs den
Straßen- und Verkehrsverhältnissen angepasst ist.
Weiterführende Informationen sind kostenlos bei der Berufsgenossenschaft erhältlich,
Stichwort „Ladungssicherung", e-Mail: [email protected]
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Selbstmanagement
Prima Klima
Klimaanlagen in unseren Autos – heute bei immer mehr Modellen selbst in den unteren
Klassen bereits Serienausstattung – sind nicht nur etwas für den Sommer, wenn man den
sonnendurchwärmten Innenraum angenehm temperieren kann. Denn solche Anlagen
können auch und sogar ganz besonders im Winter durchaus sinnvoll und hilfreich sein.
Deshalb wäre es unsinnig, bei einem mit Klimaanlage ausgestatteten Auto auf deren
Komfort in der kalten Jahreszeit zu verzichten. Denn Klimaanlagen können eine ganze
Menge mehr als nur kühlen.
Unabhängig von der Jahreszeit sorgen sie für ein optimales Klima mit nicht zu hoher
Luftfeuchtigkeit im Fahrzeuginnern, das den Fahrzeuglenker und natürlich auch seine
Mitfahrer frisch und entspannt hält, allzu schneller Ermüdung vorbeugt und die
Konzentrationsfähigkeit verbessert. Zudem garantieren Klimaanlagen gerade im Herbst und
Winter eine unbehinderte Rundumsicht, da sie dem Innenraum genau jene Luftfeuchtigkeit
entziehen, die sonst leicht die Scheiben beschlagen lässt. Und schließlich tragen
Klimaanlagen auch zur Luftreinhaltung im Innenraum bei, indem sie Schwebstoffe der Luft
auf ihren feuchten Verdampferoberflächen binden. So sind Klimaanlagen nicht nur
Komfortausstattung, sondern tatsächlich auch ein wichtiges Sicherheitselement.
Handy im Auto
Fast überall wird telefoniert, viel zu oft auch während der Autofahrt, obwohl die Straße
ohnehin der gefährlichste Arbeitsplatz ist. Ob auf der Autobahn oder im Ortsverkehr: Wer
am Steuer telefoniert, gefährdet sich und andere durch eine unkonzentrierte und fehlerhafte
Fahrweise und riskiert darüber hinaus ein Bußgeld. Vermeiden Sie es unbedingt, während
der Fahrt zu telefonieren und vor allem auch zu wählen. Wenn Sie auf ein Gespräch nicht
verzichten möchten, dann sollten Sie den nächsten Parkplatz anfahren und dort in Ruhe
telefonieren. Denken Sie immer daran: Die Teilnahme am Straßenverkehr fordert die
ungeteilte Aufmerksamkeit, denn mehr als die Hälfte aller tödlichen Arbeits- und
Wegeunfälle entfallen auf den Straßenverkehr – insgesamt jährlich über 1000 tödliche
Straßenverkehrsunfälle stehen im Zusammenhang mit dem Beruf. Volle Konzentration am
Steuer ist also gefordert – und das gilt nicht nur mit Bezug auf das Telefonieren. Auch eine
anspruchsvolle oder hitzige Diskussion mit Beifahrern kann ablenken und zu
Fehleinschätzungen im Verkehr führen.
Freisprechanlagen sind eine empfehlenswerte Einrichtung, wenn Sie häufig
unterwegs sind. So sind Sie jederzeit erreichbar, können kurz telefonieren und sich
dennoch auf den Straßenverkehr konzentrieren. Erkundigen Sie sich beim
Fachhändler nach passenden Modellen. Quelle: http://www.bgpd.de
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Fremdmanagement
Fremdmanagement
Als Unternehmer haben Sie viele Kontakte nach außen. Sie pflegen Kundenbeziehungen,
binden Lieferanten mit ein und müssen Behördengänge erledigen. So wie Sie sich selbst bei
der täglichen Arbeit organisieren, so lassen sich auch bei externen Kontakten
gesundheitserhaltende Maßnahmen durchführen.
1. Kunden
Zweifellos ist Ihre Persönlichkeit ein wichtiger Faktor für den Erfolg Ihres Unternehmens.
Ihre Voraussetzungen und Fähigkeiten unterstützen Sie, die Anforderungen als
Unternehmer leichter zu bewältigen. Dazu gehören Selbstbewusstsein, Beharrlichkeit,
Eigenmotivation, Willensstärke und Gesundheitsbewusstsein, um nur einige Merkmale zu
nennen. Ein weiterer entscheidender Faktor ist die Zufriedenheit Ihrer Kunden. Gute Fachund Branchenkenntnisse bilden die Grundlage für eine erfolgreiche Unternehmensführung.
Darüber hinaus erleichtern Ihnen weitere Fähigkeiten und Fertigkeiten das Arbeiten sowie
den Umgang mit unterschiedlichsten Menschen. Gemeint sind zum Beispiel
Redegewandtheit, Verhandlungsgeschick, Einfühlungsvermögen, Organisationstalent,
strategisches Denken und Kreativität. Das eigene Verhalten, der richtige Umgang mit
Kunden und die Art und Weise wie man Kooperationsbeziehungen gestaltet, sind wichtige
Komponenten des Erfolges und haben einen positiven Einfluss auf die Leistung und
Motivation.
2. Kunden ansprechen
Neben dem persönlichen Auftreten, überzeugenden Produkten/Dienstleistungen sowie
einem guten Service gehören auch die klassischen Grundformen der Kontaktaufnahme zur
Kundenbindung. Wenn Sie Ihren Kundenstamm aufbauen bzw. pflegen möchten, können
Sie die folgenden Strategien des Marketings nutzen:
Mailings
Das Direktmarketing ist eine kostengünstige Alternative zur gezielten Ansprache einzelner
Verbraucher. Mit einem Mailing können Sie u. a.
• Ihr Unternehmen vorstellen
• Ein bestimmtes Produkt präsentieren
• Ein Kaufangebot machen
• Einen Besuch oder einen Telefonanruf zur ersten Kontaktaufnahme ankündigen
• Den Empfänger z. B. in Ihr Geschäft einladen.
Setzen Sie sich einen dieser Punkte als Ziel, nicht alle auf einmal. Ihre Formulierungen im
Anschreiben sollten konsequent auf das gesteckte Ziel ausgerichtet sein.
Tipps für Ihr Anschreiben (gelten ebenso für Versandaktion per E-Mail):
• Sprechen Sie den Empfänger immer direkt mit „Sie" an.
• Halten Sie das Interesse des Lesers wach.
• Sprechen Sie nicht ständig über sich, sondern über den Leser und seine
Bedürfnisse/Vorteile.
• Zeigen Sie dem Empfänger, dass Sie seine Bedürfnisse/Probleme erkannt haben,
und bieten Sie Lösungen an.
• Formulieren Sie freundlich, aber ohne unnötige Floskeln.
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Fremdmanagement
•
•
•
•
•
•
Vermeiden Sie zu lange Sätze mit zu vielen Informationen.
Achten Sie darauf, dass Ihr Anschreiben übersichtlich bleibt.
Heben Sie Vorteile Ihres Angebotes/Unternehmens hervor.
Sagen Sie dem Leser, was er jetzt tun soll (Bestellen Sie jetzt ..., Rufen Sie uns an!).
Unterschreiben Sie leserlich.
Vergessen Sie das PS nicht. Es gehört zu den meistgelesenen Elementen eines
Mailings.
Möglichkeiten der Adressenbeschaffung:
• Sie greifen auf Ihr eigenes Adressenpotenzial zurück.
• Sie lassen Ihr Mailing der Aussendung eines anderen Unternehmens beilegen – das
nennt man „Huckepack".
• Sie kaufen Adressen bei Institutionen oder bei so genannten Adress-Brokern.
• Generell gilt: Adressen müssen aktuell und gepflegt sein. Ein falscher oder falsch
geschriebener Empfänger erhöht das Risiko, dass das Mailing im (virtuellen)
Papierkorb landet.
Telefon-Akquise
Telefonische Erstkontakte zu Privatpersonen sind rechtlich nicht zulässig. Nur wenn jemand
auf ein Mailing von Ihnen reagiert und auf der Antwortkarte ausdrücklich einen Rückruf
wünscht, können Sie unbesorgt zum Hörer greifen. Vergessen Sie also nicht, diese
Antwortmöglichkeit vorzusehen. Was Sie in einem Telefongespräch mit potenziellen Kunden
erreichen können, hängt vom angebotenen Produkt ab. Je erklärungsbedürftiger Ihr Produkt
ist und je unbekannter die eigene Firma, desto niedriger sind Ihre Chancen. Wenn Sie eine
Standardlösung zu einem guten Preis verkaufen, ist das auch am Telefon möglich. Oft gilt
es aber einen persönlichen Termin zu vereinbaren, um das Geschäft vor Ort anzubahnen.
Fragen Sie sich vorher:
• Welches Geschäft betreibt das angesprochene Unternehmen?
• Welche Stellung hat es im Markt?
• In welchen Bereichen könnte es einen Problemlösungsbedarf haben?
• Wie kann mein Angebot dabei helfen, dass der potenzielle Kunde seine Ziele
schneller und besser erreichen kann?
Denken Sie daran: Nicht jeder Anruf führt zu einem Verkaufsabschluss. Eine Ablehnung ist
dabei keine persönliche Zurückweisung. Verstehen Sie ein „Nein" als ein „Jetzt noch nicht".
Diese Fehler machen Existenzgründer oft am Telefon:
•
Fehlende Vorbereitung und Fachkompetenz.
•
Den Kunden mit dem falschen Namen ansprechen.
•
Austausch von Belanglosigkeiten beim Gesprächseinstieg oder die Verwendung von
Floskeln.
•
Unverständliche Sprechweise (zu langsam, zu undeutlich oder zu schnell).
•
Dem Kunden wiederholt ins Wort fallen.
•
Nicht auf die Einwände des Kunden eingehen.
•
Übereiltes Drängen auf den Abschluss.
Quelle: http://www.kfw-mittelstandsbank.de
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Fremdmanagement
3. Mit Kunden verhandeln
Wie sagt ein amerikanisches Sprichwort: „Es gibt keine zweite Chance für den ersten
Eindruck!". Die wesentlichen Spielregeln für Verkaufsgespräche sind die gleichen wie die
beim Telefonieren. Wenn Sie Ihr Produkt oder Ihre Dienstleistung vorstellen, können Sie
sich daran orientieren.
Verhandlungen vorbereiten
Bevor Sie in eine telefonische oder persönliche Verhandlung eintreten, sollten Sie sich
gründlich darauf vorbereiten:
• Was ist das Ziel? Was sind Sie bereit dafür zu geben?
• Was ist das Minimum, das Sie brauchen?
• Nutzen Sie alle Informationsquellen (beispielsweise das Internet), um vorherige
Fragen zu klären und Ihren Gesprächspartner kennen zu lernen.
• Seien Sie sich klar, wie viel Zeit Sie investieren wollen, denn Zeit ist oft ein
Druckmittel der Gegenseite, um Sie zum Vertragsabschluss zu bewegen.
• Bleiben Sie bei Ihren Zielen, lassen Sie sich nicht einschüchtern. Geben Sie der
Gegenseite Zeit, nach Alternativen zu suchen.
• Verleihen Sie sich durch Fachwissen mehr Gewicht.
• Wenn der Verhandlungsstress zu groß wird, gönnen Sie sich eine Pause zum
Durchatmen.
Verhandlungsstrategien
Um eine Verhandlung erfolgreich zum Abschluss zu bringen, gibt es viele Strategien.
Wir nennen Ihnen stellvertretend zwei Methoden. Weitere Möglichkeiten können Sie in
Seminaren lernen. Achten Sie auf Angebote von Unternehmen oder der Volkshochschule,
die solche Kurse anbieten.
Die Fuß-in-der-Tür-Strategie
Bei dieser Strategie gehen Sie in vielen kleinen Schritten vor. Sie wollen auf die zweite
Forderung hinaus, beginnen aber mit einer kleinen ersten Forderung. Diese Forderung
sollte nicht leicht zu erfüllen sein. Der psychologische „Trick" dahinter ist: Wenn man zur
ersten Forderung bereits ja gesagt hat, fällt es schwerer, bei der zweiten nein zu sagen.
Mit-der-Tür-ins-Haus-Strategie
Auch hier wollen Sie eigentlich auf die zweite Forderung hinaus. Jetzt aber stellen Sie eine
erste Forderung, die Ihr Gegenüber mit gutem Gewissen ablehnen kann. Achtung: Die erste
Forderung sollte nicht so hochgegriffen sein, dass sie Ärger auslöst. Die Dynamik dahinter:
Es fällt schwerer, danach auch eine zweite Bitte abzuschlagen.
Verhandlungsführung
Der erste Schritt
Nehmen Sie sich Zeit, die andere Partei kennen zu lernen. Überprüfen Sie, ob Ihr
Gegenüber die Befugnis hat, Vereinbarungen zu treffen. Machen Sie sich Ihre
Zielvorstellung klar. Beginnen Sie Ihr Gespräch offen, freundlich und geschäftsmäßig
neutral.
Der zweite Schritt
Kreieren Sie mit Ihrer positiven Art eine Atmosphäre der Zusammenarbeit, in der Sie Ihre
Wunschvorstellungen äußern und den Absichten Ihres Gesprächspartners zuhören.
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Fremdmanagement
Der dritte Schritt
Meistens müssen mehrere Fragen diskutiert werden. Bereiten Sie vorher die Unterpunkte
und Ihre Taktik vor. Ob Sie mit der Hauptfrage anfangen oder lieber mit kleineren Fragen,
bleibt Ihrem Naturell und der dem Thema überlassen. Sprechen Sie in der Verhandlung
Punkt für Punkt an.
Der vierte Schritt
In diesem Stadium kann es zu Spannungen kommen. Churchill sagte einmal, dass ein
Kompromiss die Kunst sei, einen Kuchen so zu teilen, dass jeder meint, er hätte das größte
Stück erhalten. Es geht in der vierten Phase also darum, dass die Konfliktpartner ihre Ziele
so modifizieren, dass beide Parteien schließlich das bekommen, was sie brauchen.
Der fünfte Schritt
Nun sind die Forderungen klar. Man macht Ihnen ein Gegenangebot. Wiederholen Sie
dieses: Ihr Gesprächspartner wird Ihnen das Angebot näher erläutern, es vielleicht
verbessern und Sie haben Zeit, sich eine Gegenargumentation einfallen zu lassen.
Somit können beide Parteien Ihre Positionen überdenken.
Der sechste Schritt
Es kommt zur Einigung. Der Vertrag sollte in Anwesenheit beider Verhandlungspartner
erarbeitet und unterschrieben werden. So gibt es später keine Missverständnisse.
Fazit
Ein Kunde, der von Ihnen gut beraten und betreut wurde, wird wiederkommen. Für eine
angenehme Atmosphäre zwischen Ihnen und Ihrem Kunden reicht die fachliche Kompetenz
allein nicht aus. Es ist notwendig, zu dem Kunden eine positive Beziehung aufzubauen. Das
Eingehen auf Stimmungen und Gefühle ist dafür wichtig. Um einen sichereren Umgang mit
Kunden zu erhalten, sollten Sie sich auch mit den Methodenkompetenzen befassen. Einen
Überblick hierzu konnten Sie bereits ab Seite 17 lesen. Was Sie noch beachten sollten und
wie emotional Gespräche sein können erfahren Sie unter http://www.guss-net.de.
4. Kundenwünsche erfüllen
Kommen Kunden mit speziellen oder zeitlich sehr dringenden Wünschen, wird es schwer,
diese Bitte auszuschlagen, ohne den Kunden auf Dauer zu verlieren. Gerade weil viele
Kundenkontakte durch mündliche Weiterempfehlung zustande kommen, entsteht
Dienstleistungsdruck: es werden noch Zusagen gemacht, obwohl Sie die Kapazität des
Betriebes möglicherweise übersteigen.
Wenn mehr Aufträge angenommen werden, als es die Kapazität erlaubt, können
verschiedene Probleme entstehen:
• Termine werden nicht eingehalten und die Kunden mehrmals vertröstet
(Kundenbindung wird dadurch nicht erhalten)
• Es werden Fehler gemacht, Kundenaufträge werden nicht optimal ausgeführt
(Qualität der Produkte bzw. Dienstleistung sinkt)
• Die Überbelastung wirkt sich negativ auf die Gesundheit aus. Diese führt zu einer
geringeren Arbeitsqualität und die Gesundheitsgefährdung nimmt zu.
Arbeitssicherheit wird vernachlässigt, dadurch kann es zu langfristigen Ausfällen
kommen (Arbeitsfähigkeit wird gefährdet)
• Mitarbeiter werden unzufrieden
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Fremdmanagement
Situationen, die zu einer Überbelastung führen können:
• Schlechte wirtschaftliche Lage, jeder Kunde zählt und soll um jeden Preis gehalten
werden
• Fehleinschätzung der tatsächlichen Dauer von Arbeitsabläufen (z. B. immer wieder
einem Zulieferer nachtelefonieren müssen, wird oftmals zeitlich unterschätzt)
• Fehlendes „wirtschaftliches Denken", manche Aufträge decken nicht einmal die
Ausgaben
Wie kann in einem Kundengespräch ein „professionelles Nein" ausgesprochen werden,
ohne dass die Kundenbeziehung darunter leidet?
• Wissen über die Dauer der Arbeitsschritte, oftmals braucht man länger als vermutet.
Dies kann zu einer versteckten Falle werden. Schreiben Sie die Zeit für die Aufträge
auf und berücksichtigen Sie diese bei weiteren Planungen.
• Realistische Kostenkalkulation bei jedem Auftrag. Hierbei sind langfristige
Erfahrungen notwendig, um beispielsweise einem Kunden einen unwirtschaftlichen
Auftrag abzulehnen. Tauschen Sie sich mit Kollegen oder Beratern aus.
• Führen Sie eine direkte und offene Kommunikation mit den Kunden, ohne sich
rechtfertigen zu müssen. Kunden haben oftmals mehr Verständnis, als man
vermutet.
• Sonderwünsche können viele Zeit und Energie rauben. Überprüfen Sie immer wieder
ihre geschäftlichen Rahmenbedingungen.
• Kooperation in Netzwerken mit anderen Unternehmern (ohne sich gegenseitig die
Kunden wegzunehmen). Dadurch können dem Kunden Alternativen angeboten
werden. Der Kunde gewinnt einen positiven Eindruck von Ihnen und wird sich wieder
an Sie wenden.
Es sollte im unternehmerischen Interesse natürlich möglichst kein Kunde vergrault werden.
Achten Sie dennoch auf Ihre Gesundheit und klären Sie für sich, inwieweit ein „Nein“
angebracht ist. Selbstverständlich wird das nicht in jedem Fall möglich sein. Die Kunst der
Verhandlung liegt eindeutig im Abwägen der Vor- und Nachteile.
2. Qualität
Ob Sofa, Auto oder Kurierdienst: Wer ein Produkt (Ware oder Dienstleistung) einkauft,
erwartet in der Regel Qualität. Je nach Produkt, Branche und Kundensegment ist die
Qualität der Ware oder Dienstleistung der entscheidende Wettbewerbsfaktor. Vom ersten
Tag eines Unternehmens an spielt der Qualitätsgedanke daher eine wichtige Rolle. Das
betrifft nicht nur das fertige Produkt, sondern beginnt bereits bei dessen Planung oder
Herstellung.
Was ist Qualität?
Qualität bedeutet, inwieweit z.B. ein Produkt alle vom Hersteller geplanten und vom Kunden
gewünschten Eigenschaften besitzt. Die Qualität kann dabei hoch oder weniger hoch sein,
je nach dem mit welcher Sorgfalt und welchen Materialien gearbeitet wird. Kunden, die sich
eher am Preis als an der Qualität eines Angebots orientieren, sind bereit, geringere Qualität
in Kauf zunehmen – und umgekehrt. Was gute Qualität ist, wird je nach Branche verbindlich
festgelegt und laufend fortgeschrieben. Wer sich nicht an die für seine Branche üblichen
Qualitätsmaßstäbe hält, wird sehr schnell vom Markt verschwinden. Das Motto muss sein:
Der Kunde soll zurückkommen. Nicht die Ware. Erkundigen Sie sich bei den Verbänden
Ihrer Branche, in wie weit solche Vorschriften gelten.
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Fremdmanagement
Wie viel Qualität ist notwendig?
Ein Unternehmer, der am Markt erfolgreich sein will, wird sich immer wieder fragen müssen,
was er darüber hinaus tun kann, um qualitativ hochwertige Produkte und Dienstleistungen
anzubieten (und um besser zu sein als die Konkurrenz). Der Grund ist einfach: Die
Ansprüche an die Qualität verändern sich fortlaufend. Jedes Produkt bzw. jede Leistung
muss darum regelmäßig auf den Prüfstand: Lassen sich Material, Verarbeitung, Design
verbessern? Kann der Kundenservice besser sein? Sind Kundenorientierung und Know-how
der Mitarbeiter auf dem neuesten Stand? Erfüllt das Produkt die Kundenwünsche von heute
und vielleicht schon von morgen? Ist die Dienstleistung überzeugend?
Wie lässt sich das Qualitätsziel erreichen?
Festzulegen, welche Qualität ein Produkt haben soll, ist das eine. Aber dieses Qualitätsziel
auch zu erreichen, ist etwas ganz anderes. Auf Qualität zu achten heißt, die
Qualitätsanforderungen für ein Produkt festzulegen. Von der Entwicklung über die
Produktion und den Verkauf bis hin zum Lieferanten muss das gemeinsame Qualitätsziel
von allen Beteiligten angestrebt werden. Keine einfache Aufgabe. Wichtigste Hilfestellung ist
dabei die internationale Norm ISO 9000-Serie, die mittlerweile in allen Branchen
Anwendung finden. Die Qualitäts-Norm ist eine Art Leitfaden für den Aufbau eines
Qualitätsmanagementsystems. Sie unterstützt das Unternehmen dabei, systematisch die
selbst festgelegten Qualitätsziele zu erreichen. Qualitätsmanagement ist also nicht ein
beliebiger Begriff, sondern sollte für ein bestimmtes Vorgehen stehen, das in der ISO 9000Serie festgelegt ist.
Wie kann man seine Qualität verkaufen?
Tue Gutes und rede darüber. Das gilt natürlich auch für Qualität. Qualitätsbewusste
Unternehmen sollten nach außen dokumentieren, dass sie kontinuierlich und nach
anerkannten Standards auf ihre Produktgüte achten. Noch deutlicher machen dies
Unternehmen, die sich von neutralen Gutachtern ein Zertifikat ausstellen lassen. Aussage
des Zertifikats: Dieser Betrieb betreibt Qualitätsmanagement und erfüllt alle Anforderungen
nach ISO 9001. Aber wie erfolgreich die Maßnahmen wirtschaftlich sind, stellt die
Zertifizierung nicht fest. Darüber hinaus lassen sich auch gesundheitsfördernde
Maßnahmen innerhalb Ihres Unternehmens sehr gut verkaufen. Wenn Ihre Kunden
erfahren, dass nicht nur Ihre Produkte sondern auch deren Herstellung unter
gesundheitlichen Aspekten erfolgt, dann haben Sie einen weiteren Wettbewerbsvorteil,
der nicht zu unterschätzen ist (siehe auch Kapitel „Personal“).
Welche weiteren Qualitäts-Normen gibt es?
Bei ISO 9000 (9001 und 9004) handelt es sich gewissermaßen um Grundsätze,
Forderungen und um einen Leitfaden zur Qualitätsverbesserung. Eine Fortentwicklung
bildet das Total Quality Management (TQM) bzw. das Model for Excellence der
European Foundation for Quality Management (EFQM). Während die ISO 9000-Serie
es dem Unternehmer selbst überlässt, welche Unternehmensbereiche er in das
Qualitätsmanagement mit einbeziehen will, werden beim TQM alle Unternehmensbereiche
durchleuchtet. Und TQM bewertet die Qualitätsziele mit Hilfe eines Punktesystems und
vergleicht sie mit denen der Wettbewerber. Es ist ebenfalls branchenübergreifend, in
Deutschland aber noch nicht weit verbreitet. Etwa 2-3% der Unternehmen nehmen am
TQM teil.
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Fremdmanagement
Die acht Prinzipien des Qualitätsmanagements nach ISO 9000
1. Kundenorientierung:
• Die Bedürfnisse der Kunden werden im gesamten Unternehmen verstanden.
• Ihre internen Unternehmensziele sind direkt mit den Kundenerwartungen verknüpft.
• Die Kundenbedürfnisse werden in der täglichen Praxis fortlaufend verbessert.
• Sie stellen sicher, dass Ihre Mitarbeiter über die dafür nötigen Kenntnisse und
Fähigkeiten verfügen.
2. Unternehmensführung:
• Sie entwickeln eine klare Vision von der Zukunft Ihres Unternehmens.
• Sie übersetzen die Vision in messbare unternehmerische Ziele.
• Sie verfügen über eine motivierte, kompetente und stabile Belegschaft.
3. Einbeziehung der Mitarbeiter:
• Ihre Mitarbeiter tragen aktiv zur Verbesserung Ihrer Unternehmensstrategie bei.
• Ihre Mitarbeiter sind in Entscheidungen und Prozessverbesserungen einbezogen.
• Ihre Mitarbeiter sind mit ihrer Arbeit zufrieden und stellen ihr persönliches
Entwicklungspotenzial in den Dienst Ihres Unternehmens.
4. Prozessorientierter Ansatz:
• Ihre Prozesse sichern die Erfüllung der von Ihnen geplanten Ergebnisse und den
effizienteren Einsatz von Ressourcen.
• Sie sind durch die Kenntnis der Leistungsfähigkeit von Prozessen zur Entwicklung
ehrgeizigerer Unternehmensziele herausgefordert.
• Sie reduzieren durch konsequente Ausrichtung auf Prozessorientierung Ihre Kosten
und beugen Fehlern vor.
• Sie schöpfen Verbesserungspotenziale aus, weil Sie die entscheidenden
Erfolgsfaktoren kennen.
5. Systemorientierter Ansatz:
• Sie entwickeln umfassende und ehrgeizige Unternehmenspläne, in denen
funktionale und prozessbedingte Aspekte miteinander verbunden sind.
• Die Teilziele der Einzelprozesse sind mit den Leitzielen Ihres Unternehmens auf
Linie.
• Sie überblicken die Effektivität von Einzelprozessen und können so Fehlerursachen
und Verbesserungspotenziale besser erkennen.
• Sie koordinieren die Verantwortlichkeiten für übergeordnete Ziele und fördern
Teamarbeit.
6. Ständige Verbesserungen:
• Sie verbinden ständige Verbesserungen und strategische Planung zu
wettbewerbsfähigeren Geschäftsplänen.
• Sie setzen sich realistische, messbare und ehrgeizige Verbesserungsziele und
stellen die erforderlichen Mittel bereit.
• Ihre Mitarbeiter sind in den Prozess der ständigen Verbesserung einbezogen.
• Alle Mitarbeiter sind in der Lage, Produkte, Prozesse und Systeme zu verbessern.
- 38 -
Fremdmanagement
7. Sachorientierte Führung:
• Ihre Unternehmensstrategien entwickeln Sie mit klarem Sach- und
Informationsbezug.
• Sie verfolgen durch Einbeziehung relevanter Vergleichsdaten realistischere und
ehrgeizigere Ziele.
• Sie optimieren die Prozess- und Systemleistung Ihres Unternehmens unter
Einbeziehung von Daten und Informationen.
8. Gegenseitiger Nutzen in den Lieferantenbeziehungen:
• Durch die Entwicklung von strategischen Partnerschaften mit Lieferanten bauen Sie
Ihren Wettbewerbsvorteil aus.
• Sie beziehen Ihre Lieferanten frühzeitig in die Arbeitsplanung ein.
• Sie stellen durch verbesserte Lieferantenbeziehungen Zuverlässigkeit, Pünktlichkeit
und Fehlerfreiheit eingehender Waren sicher.
• Sie entwickeln und stärken die Leistungsfähigkeit Ihrer Lieferanten durch
Trainingsmaßnahmen (siehe auch nächstes Kapitel).
Das Qualitätsmanagement nach ISO 9000 lohnt sich für mittlere und große Unternehmen,
da Sie einen Beauftragten brauchen, der viel Zeit investieren muss. Allerdings sind dann die
Vorteile enorm, weil das Zertifikat absatzfördernd bzw. im Dienstleistungssektor Vertrauen
schafft. Wenn Sie daran interessiert sind, erkundigen Sie sich bei Ihrer IHK.
Quelle: Gründerzeiten Nr. 47 (http://www.bmwa.bund.de)
3. Lieferanten
Zwischen Ihnen als Unternehmer und möglichen Lieferanten besteht ein
Abhängigkeitsverhältnis in beide Richtungen: Der Lieferant möchte seine Ware oder
Dienstleistung verkaufen, Sie möchten ohne großen Aufwand ein preiswertes Produkt oder
eine perfekte Leistung bekommen. In den meisten Fällen suchen sich Unternehmer ihre
Lieferanten u.a. nach den folgenden Kriterien aus: Produktangebot, Qualität, PreisLeistungsverhältnis, Zuverlässigkeit, Schnelligkeit. Wenn Sie in Ihren Unternehmenszielen
langfristigen Arbeits- und Umweltschutz definiert haben, lohnt es sich, bei der Auswahl der
Lieferanten zusätzliche Kriterien festzulegen. Scheuen Sie sich nicht, Ihre Lieferanten
darauf anzusprechen. Legen Sie die gewünschten Bedingungen zum Arbeits- und
Umweltschutz in den Verträgen fest, z.B.:
•
•
•
•
•
Produkte werden hergestellt unter den Vorgaben des Umweltschutzes, der
Verträglichkeit und allgemeinen Unbedenklichkeit
Energiesparende Lieferwege werden bevorzugt
Arbeitssicherheit spielt eine entscheidende Rolle in der Herstellung
Soziale Kriterien gegenüber den Mitarbeitern werden eingehalten
Gemeinsam entwickelte, verträgliche bzw. gesunde Produkte bringen einen
größeren Wettbewerbsvorteil
Wenn Sie mehrere Lieferanten zur Auswahl haben, erkundigen Sie sich vor Ort,
inwieweit dort ebenfalls Maßnahmen zur Qualitäts- und Arbeitssicherung
durchgeführt werden. Sie könnten sich dann im eigenen Interesse für den
Lieferanten entscheiden, der neben der Herstellung von qualitativ einwandfreien
Produkten auch Arbeitsschutzaspekte berücksichtigt.
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Fremdmanagement
4. Behörden
Beim Umgang mit Behörden brauchen Sie in der Regel Zeit und Geduld. Manche
Genehmigungen dauern länger als angenommen. Planen Sie deshalb ausreichend viel
Vorlaufzeit ein, wenn Sie ein Unternehmen gründen wollen oder behördliche
Genehmigungen für Erweiterungen, Veränderungen usw. benötigen. So vermeiden Sie
Stress und finanzielle Nachteile.
Anmeldungen und Genehmigungen
Wer ein eigenes Unternehmen gründen und führen will, muss dies beim Gewerbeamt
anmelden. Ausgenommen von dieser Pflicht sind nur die Freien Berufe (z. B.
Rechtsanwälte. Ärzte. Künstler). sofern sie nicht durch die gewählte Rechtsform (GmbH) als
Gewerbetreibende anmeldepflichtig sind. Ausgenommen sind auch Land- und Forstwirte.
Ungeachtet der grundsätzlich geltenden Gewerbefreiheit ist für bestimmte Gewerbe und
Freie Berufe eine besondere Erlaubnis erforderlich. Sie muss vor Beginn der Tätigkeit
eingeholt werden. Hier wird – aus Verbraucherschutzgründen – die persönliche
Zuverlässigkeit geprüft und festgestellt, ob besondere Qualifikationen oder finanzielle und
bauliche Voraussetzungen vorliegen. Desgleichen prüfen die Behörden die Einhaltung
gesetzlicher Anforderungen. Dies betrifft den Arbeits- und Gesundheitsschutz für die
Beschäftigten, den Umweltschutz, den Denkmalschutz etc. Bei diesen behördlichen
Prüfungen kann es zu Zeitverzögerungen und Mehrkosten kommen.
Freiberufler
Freiberufler müssen sich beim Finanzamt selbst anmelden. Sie erhalten dort eine
Steuernummer. Die meisten Freien Berufe benötigen den Nachweis der Qualifikation, aber
auch finanziellen und baulichen Voraussetzungen („Geregelte Freie Berufe").
Gewerbetreibende
Hierzu gehören alle Gründer mit Ausnahme der Freiberufler und der Landwirtschaft.
Sie müssen ihr Gewerbe beim örtlichen Gewerbeamt anmelden (anzeigen). Auch die
Übernahme eines bestehenden Gewerbebetriebes muss angemeldet werden.
Welches Gewerbe braucht eine Erlaubnis?
Schätzungsweise 30-35% aller Gewerbeanmeldungen brauchen eine Erlaubnis. Generell
lassen sich Gewerbeanmeldungen in zwei Gruppen unterteilen:
Erlaubnisfrei
Das Gewerbeamt bestätigt die Anmeldung innerhalb von drei Tagen. Einschränkung:
Wird ein überwachungsbedürftiges Gewerbe (z. B. Detektei, Ehevermittlung, Alt- und
Gebrauchtwarenhandel, Reisebüro) ausgeübt, so muss der Gründer dies selbst beantragen
und der Gewerbeanmeldung ein polizeiliches Führungszeugnis („zur Vorlage bei Behörden")
sowie einen Auszug aus dem Gewerbezentralregister beifügen. Auch wenn das
Gewerbeamt eine Bestätigung bereits zugeschickt hat, kann das Gewerbe im nachhinein
untersagt werden, wenn Zweifel an der persönlichen Zuverlässigkeit bestehen.
Erlaubnispflichtig
Die Erlaubnis muss bei der zuständigen Behörde beantragt werden. Sie hängt – je nach
Gewerbe – von verschiedenen Nachweisen ab, die der Gründer selbst beibringen muss.
Der Gründer sollte sich beispielsweise beim Berater der IHK über die zuständige Behörde
informieren und die erforderlichen Nachweise beantragen, um unnötigen Zeitaufwand zu
vermeiden. Die meisten Erfordernisse lassen sich mit drei Kategorien beschreiben:
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Fremdmanagement
•
•
•
Persönliche Zuverlässigkeit: z. B. durch Vorlage eines polizeilichen
Führungszeugnisses und Auszugs aus dem Gewerbezentralregister sowie einer
Unbedenklichkeitsbescheinigung des Finanzamtes.
Sachliche Voraussetzungen: z. B. Nachweis der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit
(durch Auszug aus dem Insolvenzregister und aus dem Zentralschuldenregister),
erforderlicher Zustand der Gewerberäume durch Bauzeichnung.
Fachliche Voraussetzung: Ausschlaggebend hierfür sind die Teilnahme an einer
Weiterbildung mit oder ohne Prüfung, eine Ausbildung oder ein Studium.
Für wen gilt die Erlaubnis?
• Wird das Gewerbe von einer natürlichen Person betrieben: für die Person selbst.
• Wird das Gewerbe von einer Personengesellschaft (z. B. OHG) betrieben: für jeden
persönlich haftenden Gesellschafter.
• Bei Kapitalgesellschaften (z. B. GmbH) für die Gesellschaft, die durch die
Geschäftsführer vertreten wird. Bei juristischen Personen ist in der Regel immer die
persönliche Zuverlässigkeit der gesetzlichen Vertreter nachzuweisen.
Beispielhafte Bürokratie-Probleme
Anmeldungen und Genehmigungen werden von vielen Gründern für reine Formsache
gehalten. Die Praxis beweist das Gegenteil. Probleme und Fehler sind die Regel und führen
zu Zeit- und finanziellen Verlusten bzw. Engpässen.
1. Menge: Anzahl der Genehmigungen schwer abschätzbar
Bei erlaubnispflichtigen Unternehmen: Viele Gründer unterschätzen die Anzahl notwendiger
Genehmigungen und den damit verbundenen Aufwand. Durch die nicht kalkulierbare Anzahl
von Genehmigungen findet oftmals eine erhebliche zeitliche Verzögerung statt. Außerdem
entstehen durch eine hohe Anzahl von Genehmigungen unkalkulierte Kosten. Bei einer
Ausweitung des Geschäftsbetriebes werden zudem nicht selten Folgegenehmigungen
notwendig, die oft nicht beantragt werden. Deshalb frühzeitig nach denkbaren Auflagen
fragen und mögliche Kosten kalkulieren!
2. Zeit: Die Dauer der Genehmigungsverfahren wird unterschätzt
Vor allem bei Umweltfirmen und dem produzierenden Gewerbe ist die Genehmigungsdauer
oftmals sehr lang. Viele Unternehmen planen aber nur mit einer geringeren Vorlaufzeit. Die
Folge ist, dass Unternehmen in finanzielle Schwierigkeiten geraten, wenn eingeplante erste
Einnahmen noch nicht eintreffen. Achtung: Erst mit Erteilung der letzen Genehmigung darf
die Geschäftstätigkeit aufgenommen werden. Wer bereits nach der ersten Genehmigung
startet, muss mit Bußgeld oder schlimmstenfalls Betriebsstilllegung rechnen.
3. Geld: Kosten für Auflagen werden nicht in die Kalkulation einbezogen
Genehmigungen sind nicht selten mit Auflagen verknüpft, z. B. Einbau eines Filters in die
Entlüftung, Abfallkonzept bei Sondermüll usw. Viele Gründer werden von den Auflagen
überrascht und können sie aus finanziellen Gründen nicht erfüllen und dann den
Geschäftsbetrieb nicht aufnehmen. Da eine Genehmigung zudem nur unter der jeweiligen
Auflage erteilt wird, kann sie bei Nichterfüllung zurückgezogen werden. Im Extremfall kann
Nichteinhaltung zu beachtlichen Bußgeldern oder gar zur Schließung des Betriebs führen.
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Fremdmanagement
4. Vollständigkeit: Nicht alle Meldestellen informiert
Die erste Anmeldung sollte die Gewerbeanmeldung beim Gewerbeamt sein. Das
Gewerbeamt wird diese Meldung an verschiedene andere Institutionen, so an Finanzamt,
Berufsgenossenschaft, Gewerbeaufsichtsamt, statistisches Landesamt, IHK bzw. HWK,
Handelsregistergericht weiterleiten. Es ist aber möglich, dass zum Unternehmensstart noch
nicht alle erforderlichen Meldungen und Genehmigungen bei der betroffenen Behörde
vorliegen. Nehmen Sie deshalb mit allen Behörden rechtzeitig selbst Kontakt auf, um
Anmeldeformalitäten zu klären und zu beschleunigen.
5. Fehlende Baugenehmigungen ziehen finanzielle und zeitliche Probleme nach sich
Oft wird bei einem Um- oder Anbau nicht (rechtzeitig) sichergestellt, ob eine Genehmigung
erforderlich ist. Sie wird nicht beantragt. Das Bauamt kann verlangen, dass der
Ursprungszustand wieder hergestellt wird, mit der Folge hoher Kosten und Verzögerungen.
6. Genehmigung auf bestimmte Räume und Ausstattung beschränkt
Zahlreiche Genehmigungen sind ausschließlich für bestimmte Bereiche bzw. Räume erteilt
(z B. bei Gaststätten). Werden nun zusätzliche Flächen oder Räume genutzt, muss eine
zusätzliche Genehmigung eingeholt werden. Geschieht dies nicht, so kann das zur
Schließung des Unternehmens führen.
7. Namensrechte nicht gesichert
Innerhalb des Genehmigungsverfahrens für eine Gründung werden die Rechte
(Firmenname, Patente etc.) nicht geprüft. Die Gründungs-Genehmigung wird erteilt,
dennoch können rechtliche Probleme auftreten, wenn der z. B. Firmenname bereits
vergeben und geschützt ist. Wird ein vergebener und geschützter Name genutzt, drohen
möglicherweise juristische Auseinandersetzungen über die Rechte, die zu erheblichen
Kosten (bei der Umfirmierung) und Problemen (bis zur Geschäftsaufgabe) führen können
(siehe auch Kapitel „Unternehmensname, Logo und Erfindungen“, ab Seite 53).
8. Arbeitserlaubnis für Nicht- EU-Bürger
EU-Bürger haben das Recht, Beruf und Arbeitsplatz etc. frei zu wählen. Sie genießen die
Dienstleistungs- und Gewerbefreiheit. Sie können also überall in der EU ein Gewerbe
anmelden. Nicht-EU-Bürger müssen vor einer freiberuflichen Tätigkeit und vor einer
Gewerbeanmeldung zunächst eine uneingeschränkte Aufenthaltserlaubnis beantragen.
Liegt diese nicht vor, wird das Gewerbe-Genehmigungsverfahren negativ entschieden. Wird
dies vergessen, so sind teilweise lange Verzögerungen unausweichlich. Achtung: Bei der
Beschäftigung von Nicht-EU-Bürgern muss ebenfalls eine Arbeitserlaubnis erteilt sein.
Quelle: Gründerzeiten Nr. 36
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Sicherheit
Sicherheit
Die Arbeitskraft von Existenzgründern und Unternehmern ist ihr wichtigstes Kapital. Gerade
in den ersten Jahren nach der Betriebsgründung ist die Firma von der Arbeitsfähigkeit ihres
Inhabers besonders abhängig. Eine plötzliche Arbeitsunfähigkeit oder gar ein Dauerschaden
sollten nicht zwangsläufig zur Geschäftsaufgabe führen. Die Absicherung gegen die
höchsten Risiken ist daher ganz besonders wichtig und möglich.
1. Persönliche Versicherungen
Welche Versicherungen sollten unbedingt sein? Welche könnten dazu kommen?
Ausgangspunkt für eine Entscheidung ist die zentrale Frage: Welche Versicherungsverträge
decken die wirklich existenzbedrohenden Risiken rund um die Person des Existenzgründers
oder Firmeninhabers ab? Genauer: Welche Versicherungen garantieren eine ausreichende
Versorgung im Krankheitsfall? Die Absicherung des Einkommens bei Krankheit? Renten für
den Fall der Berufs- und Erwerbsunfähigkeit? Private Altersvorsorge? Die Kosten halten
sich bei der Beitragsbelastung in vernünftigen Grenzen, wenn nur die tatsächlich
notwendigen „Sicherheitspolster" (und nicht mehr) durch Risiko-Versicherungen geschaffen
werden.
Welche Versicherungen sind besonders wichtig?
Hierunter fallen alle Versicherungen, die existenzbedrohende Risiken abdecken. Ein
existenzbedrohendes Risiko und akuter Versicherungsbedarf liegen vor, wenn denkbare
Ereignisse finanzielle Folgen haben können, die aus eigenen finanziellen Mitteln nicht zu
decken sind: z.B. Krankheit oder der dauerhafte Verlust der Arbeitskraft durch einen Unfall.
Krankenversicherung
Die Krankenversicherung ist ein unverzichtbarer Schutz. Es gilt generell dabei, dass die
Versicherungsleistungen alle wichtigen Lebenshaltungskosten decken müssen. Das betrifft
vor allem die ersten sechs Krankheitswochen. Denn wird ein Selbstständiger krank, so
verdient er in der Regel kein Geld mehr, erhält aber nicht wie ein Angestellter eine
sechswöchige Lohnfortzahlung. Eine wichtige Frage ist demnach: Wie hoch müssen die
Versicherungsleistungen sein, um den Verdienstausfall in dieser Zeit auszugleichen?
(siehe auch „Krankentagegeld“)
Darüber hinaus steht die Entscheidung an: freiwillige Weiterversicherung bei einer
gesetzlichen oder eine private Krankenversicherung? Machen Sie die Entscheidung
abhängig z.B. von Ihrer Familienplanung. Sind Kinder mitversichert? Ist der Ehemann
selbstständig und somit privat versichert und liegt sein Einkommen über einer
Bemessungsgrenze? Dann sind Kinder nicht mehr automatisch bei seiner gesetzlich
versicherten Ehefrau mit versichert. Sie müssen nun freiwillig gesetzlich oder aber privat
abgesichert werden.
Wichtig ist auch die Beitragsentwicklung mit zunehmenden Alter. Bei einer privaten
Krankenversicherung sind die Beiträge für jüngere Versicherte oft günstiger als in
gesetzlichen Kassen. Sie steigen aber mit zunehmendem Alter. Zusätzliche Leistungen,
z. B. eine bessere Unterbringung im Krankenhaus, bedeuten höhere Beiträge. Es ist auch
eine Kombination gesetzlich-privat möglich: Wenn die Kassenleistungen nicht ausreichen,
können private Zusatzversicherungen abgeschlossen werden (z.B. für freie
Krankenhauswahl, Chefarztbehandlung; Krankentagegeld).
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Sicherheit
Wenn Sie nicht ganz sicher sind, welche Variante die richtige ist, sollten Sie
vorläufig weiterhin freiwillig bei der bisherigen gesetzlichen Krankenkasse bleiben.
Arbeitnehmer, die Mitglieder in einer gesetzlichen Krankenkasse sind, sollten zu
dieser rechtzeitig Kontakt aufnehmen und klären, ob sie sich bei ihr oder bei einer
anderen Krankenkasse freiwillig weiterversichern können. Wer schon privat
versichert ist und mit seinem Einkommen über einer Beitragsbemessungsgrenze
liegt, dem wird auch als Selbstständiger der Zugang zu einer gesetzlichen Kasse
verwehrt bleiben. Wird diese Entscheidung zu lange hinausgeschoben, kann dies
dazu führen, dass später der Wechsel zu einer privaten Versicherung aufgrund
veränderter Gesundheitsverhältnisse nicht oder nur erschwert möglich ist. Beim
Abschluss einer privaten Krankenversicherung müssen Sie unbedingt darauf
achten, dass Ihre Angaben vollständig und richtig sind. Sie riskieren sonst Ihren
Versicherungsschutz.
Krankentagegeld
Wer als Selbstständiger vorübergehend arbeitsunfähig ist (z.B. wegen Krankheit), hat in
dieser Zeit meist Einkommenseinbußen. Ein Krankentagegeld kann diese
Einkommenseinbußen ausgleichen. Es kann über eine freiwillige gesetzliche Versicherung
oder privat beantragt werden. Vergleichen Sie die Anbieter! Es gibt erhebliche
Preisunterschiede bei den Angeboten. Gesetzliche Versicherungen zahlen Krankentagegeld
für ca. 1 ½ Jahre aus, private erfahrungsgemäß bis zu zwei Jahren (bis zur Feststellung
einer Berufsunfähigkeit). Grundsätzlich sollte das Tagegeld mit einer gewissen Karenzzeit
vereinbart werden, also mit einem Leistungsbeginn, der zwei, drei oder mehr Wochen nach
Beginn der Arbeitsunfähigkeit liegt. Die Beiträge für derartige Tarife sind erheblich niedriger
als bei solchen mit sofort beginnender Leistung. Die Ausfallzeit zuvor lässt sich in aller
Regel mit eigenen Mitteln überstehen.
Erwerbsminderungsrente oder Berufsunfähigkeits-Versicherung?
Im Unterschied zur privaten Berufsunfähigkeitsrente zahlt die gesetzliche
Erwerbsminderungsrente nur für den Fall, dass der Versicherungsnehmer überhaupt keiner
Tätigkeit mehr nachgehen kann – unabhängig von seiner Qualifikation und seinem zuletzt
ausgeübten Beruf. Die gesetzliche Erwerbsminderungsrente orientiert sich an einem
Stufensystem:
• Wer nur noch weniger als drei Stunden täglich arbeiten kann, erhält danach eine
volle Erwerbsminderungsrente
• Wer drei bis unter sechs Stunden täglich arbeiten kann, erhält eine halbe
Erwerbsminderungsrente.
Von dieser Regelung sind alle betroffen, deren Rente nach dem 31. Dezember 2000
begonnen hat. Selbstständige werden dabei wie Arbeitnehmer behandelt. Der Anspruch auf
eine Erwerbsminderungsrente hängt danach von der jeweiligen gesundheitlichen
Leistungsfähigkeit ab. Weitere Voraussetzungen sind: Der Versicherungsnehmer muss
mindestens fünf Jahre lang Beiträge in die gesetzliche Rentenkasse eingezahlt haben. In
den letzten fünf Jahren vor Eintritt der Erwerbsminderung müssen mindestens drei Jahre an
Pflichtbeiträgen für eine versicherte Beschäftigung oder selbstständige Tätigkeit geleistet
worden sein. Die Renten wegen verminderter Erwerbsfähigkeit werden in der Regel zeitlich
befristet für die Dauer von drei Jahren gezahlt. Ist die Leistungsfähigkeit des Versicherten
gleichbleibend eingeschränkt, wird die Zahlung fortgesetzt. Ob die gesetzliche
Erwerbsminderungsrente für Sie sinnvoll ist, sollten Sie zum Beispiel mit Beratern der
Bundesversicherungsanstalt für Angestellte oder den Landesversicherungsanstalten klären.
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Sicherheit
Ob gesetzlich versichert oder nicht: In jedem Fall sollten Sie auch eine private
Berufsunfähigkeitsversicherung (BU) abschließen. Sie ist wichtiger als eine
Unfallversicherung, denn die häufigsten Ursachen für Invalidität entstehen auf Grund von
Krankheiten und nicht durch Unfälle. Bei einer Berufsunfähigkeitsversicherung erhalten Sie
eine monatliche Rente, wenn Sie Ihrem bisher ausgeübten Beruf nicht mehr nachgehen
können. Eine BU-Versicherung kann entweder als Zusatzversicherung zur Kapital- oder
Risikolebensversicherung oder als eigenständige Versicherung abgeschlossen werden.
Wichtig ist die Dauer der Rentenzahlung. Sie sollte vertraglich bis zum 60. oder 65.
Lebensjahr vereinbart werden, um damit einen fließenden Übergang zur Altersrente zu
ermöglichen. Fest gelegt werden muss auch, ab welchen Grad der Berufsunfähigkeit die
Versicherungszahlung einsetzen soll. Empfehlenswert ist beispielsweise ein Staffelsystem,
wonach ein Teil der Rente schon bei einer 25-prozentigen Berufsunfähigkeit bezahlt wird.
Prüfen Sie, ob Sie bei Abschluss einer Berufsunfähigkeitsversicherung auf den Abschluss
einer separaten Unfallversicherung verzichten können. Meistens decken sich hier die
Leistungen.
Es gibt eine ganze Reihe von Versicherungsgesellschaften, die BerufsunfähigkeitsVersicherungen anbieten. Trotzdem, so eine Untersuchung der Stiftung Warentest, ist es
gar nicht so einfach als Versicherungsnehmer akzeptiert zu werden. Hauptablehnungsgrund
sind Vorerkrankungen der jeweiligen Antragsteller. Die Stiftung Warentest rät hier zur
Beharrlichkeit. Berufsgruppen, die nach Einschätzung der Versicherer mit einem besonders
hohen Unfall-, Gesundheits- bzw. Berufsunfähigkeitsrisiko behaftet sind, wie beispielsweise
Tanzlehrer oder Betreiber von Fitnessstudios haben hier nur wenig Chancen. Eine
Alternative bietet eine private Erwerbsunfähigkeitsversicherung, die allerdings wie die
gesetzliche Erwerbsminderungsrente erst dann zahlt, wenn der Versicherungsnehmer
überhaupt keiner oder nur eingeschränkt einer Tätigkeit unabhängig von seinem Beruf
nachgehen kann.
Unfall-Versicherung
Eine wichtige Ergänzung zu allen anderen Versicherungen ist die gesetzliche und/oder
private Unfall-Versicherung. Beide zahlen, wenn die Erwerbsfähigkeit durch einen Unfall
vermindert ist (Invalidität). Unfall-Versicherungen gibt es bei der:
• Berufsgenossenschaft als freiwillige Unternehmerversicherung für den
Selbstständigen, wenn er nicht schon ohnehin gesetzlich oder durch die BG-Satzung
pflichtversichert ist.
• Privaten Unfall-Versicherung, speziell für mögliche Dauerschäden.
Die gesetzliche Unfallversicherung ist wichtig, weil sie neben der medizinische
Rehabilitation für die berufliche Wiedereingliederung aufkommt, wenn der Betreffende seine
Tätigkeit nicht mehr ausüben kann. Bleibt eine dauernde Minderung der Erwerbsfähigkeit in
Höhe von 20% oder mehr zurück, wird eine entsprechende Unfallrente bezahlt. Diese
Leistung wird neben einer Erwerbsminderungsrente aus der gesetzlichen
Rentenversicherung gewährt, wobei die Letztere dann unter bestimmten Bedingungen
gekürzt werden. Je nach Branche besteht für Unternehmer bei der zuständigen
Berufsgenossenschaft entweder Versicherungspflicht oder die Möglichkeit sich freiwillig
gegen die Folgen von Arbeitsunfällen oder Berufskrankheiten zu versichern.
Die Leistung der privaten Unfall-Versicherung beginnt schon mit dem geringsten
feststellbaren Invaliditätsgrad, also schon bei 1%. Damit ist sie in der Regel vorteilhafter
als alle anderen Versicherungsformen. Die Versicherungssumme kann nicht hoch genug
angesetzt werden. Minimum für einen Selbstständigen sollten 250.000 Euro sein.
Beachten sie, dass die Prämien der verschiedenen Unfall-Versicherer um bis zu
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Sicherheit
300% schwanken. Zudem bezieht sich das Angebot vieler Versicherer nicht nur auf die
Absicherung der Arbeitskraft sondern häufig auch auf weniger wichtige Leistungen wie z.B.
Unfall-Krankenhaustagegeld oder Genesungsgeld etc. Auch hier gilt: Lassen Sie sich
beraten!
Keyman- oder Arbeitskraftausfall-Versicherung
Sollten Sie schwer erkranken, ist der Betrieb von einem Tag auf den anderen führungslos.
Die Folge ist: Der Geschäftsbetrieb ist blockiert. Im Falle einer Betriebsunterbrechung durch
den Ausfall des Unternehmers bzw. Geschäftsführers kommt diese Versicherung für alle
Unterbrechungsschäden (Weiterzahlung Löhne/Gehälter, Miete u.a.) auf. Je nach
Versicherungsgesellschaft gelten hier unterschiedliche Konditionen.
Lebens-Versicherungen
Vergessen Sie keinesfalls die Absicherung von Hinterbliebenen durch LebensVersicherungen. Zur finanziellen Absicherung der Familie für den Fall eines vorzeitigen
Todes des Familienernährers eignet sich am besten eine Risiko-Lebensversicherung. Sie
wird fällig im Fall des Todes des Versicherten. Höhe und Dauer des Versicherungsschutzes
sind individuell vereinbar. Eine wichtige Ergänzung kann der Einschluss einer
Berufsunfähigkeits-Zusatzversicherung sein. Die zusätzliche Beitragsbelastung bei
derartigen Verträgen hierfür hält sich in Grenzen. Alternative: kapitalbildende
Lebensversicherungen. Sie sind die Verbindung einer Risiko-Lebensversicherung mit einer
Art Sparvertrag.
Alterssicherung
Selbstständige Unternehmer sollten auch rechtzeitig den Aufbau ihrer Altersversorgung
planen. Wichtig ist: Die Ansprüche an die gesetzliche Rentenversicherung, die man sich in
der Zeit als Arbeitnehmer erworben hat, bleiben erhalten. Man bekommt mit Vollendung des
65. Lebensjahres eine Altersrente, wenn mindestens 60 Monate Beitragszeiten
nachgewiesen werden. Die Höhe dieser Rente ist abhängig von der Versicherungsdauer
und der Höhe des versicherungspflichtigen Einkommens während dieser Zeit. Hier sollte
man sich beraten lassen, ob es sich lohnt, weiterhin freiwillig Beiträge zu zahlen. Allerdings:
Die Altersrente aus der gesetzlichen Rentenversicherung deckt für den Selbstständigen
normalerweise nur eine Grundversorgung ab. Um im Alter ausreichend abgesichert zu sein,
sollte er daher für weitere Rücklagen sorgen: durch Geldanlagen wie Sparverträge,
Investmentfonds, Immobilienbesitz, kapitalbildende Lebensversicherungen oder eine private
Rentenversicherung. Die staatliche Förderung der neuen Privat-Rente, die als Ergänzung
der gesetzlichen Rentenversicherung gedacht ist, gilt nur für Pflichtversicherte, also nicht für
freiwillig Versicherte!
Hinweis: Die Angaben entsprechen dem Stand vom Oktober 2004. Weitere und aktuelle
Informationen finden Sie unter http://www.dvs-schutzverband.de oder im Anhang.
2. Betriebliche Versicherungen
Das unternehmerische Risiko, das jeder Selbstständige tragen muss, kann niemand
versichern. Vorsorge sollte jedoch jeder Unternehmer und Freiberufler gegen Schäden
treffen, die beispielsweise durch Einbruch, Wasserrohrbruch oder Fahrlässigkeit entstehen.
Gerade für Existenzgründer könnte der Traum vom eigenen Betrieb schnell zu Ende gehen,
wenn solche Pannen auch noch aus eigener Tasche bezahlt werden müssen. Doch welche
Versicherungen sind tatsächlich wichtig? Wie findet man die richtige Versicherung?
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Sicherheit
Wo liegen meine Risiken?
Bevor ein Gründer Angebote von Versicherungen einholt, sollte er wissen, wo die
Hauptrisiken für sein Unternehmen liegen: Wo sind die Katastrophenrisiken, wo können
große Schadensfälle auftreten? Wenn z.B. durch den Wegfall von Kunden oder einen
Maschinenschaden die Produktion Tage, Wochen oder auch Monate stillsteht
(Betriebsunterbrechung). Gerade für Gründer kann das schnell das „Aus" bedeuten. Auch in
der Betriebs-, Produkt- oder Umwelthaftung kann es um die Existenz gehen. Für Händler,
Importeure und Hersteller, die z.B. nach den gesetzlichen Bestimmungen für Produktfehler
haften müssen, sollte der Abschluss einer Produkthaftpflicht daher selbstverständlich sein.
Auf jeden Fall muss Vorsorge getroffen.
Welche Versicherung? Die Qual der Wahl
Existenzgründer sind bei der Auswahl der richtigen Versicherung oft überfordert. Manche
Versicherer konzentrieren sich auf bestimmte Zielgruppen wie beispielsweise Produktionsoder Handwerkszweige und bieten einen so genannten Rundum-Versicherungsschutz. Der
kann sinnvoll sein. muss aber für den einzelnen Fall genau geprüft werden. Unabhängige
Institutionen wie der Deutsche Versicherungs-Schutzverband (DVS) helfen bei der Auswahl
geeigneter Versicherungsunternehmen. Informationen bieten auch Unternehmer aus der
gleichen Branche oder Arbeitskreise. Auf jeden Fall sollte man nicht das erstbeste Angebot
akzeptieren, sondern mindestens zwei, drei Vergleichsangebote einholen und dasjenige mit
dem günstigsten Preis-Leistungsverhältnis wählen.
Versicherungsangebote prüfen
Für ein konkretes Angebot muss sich der jeweilige Versicherungsvertreter den Betrieb
genau ansehen. Der Gründer sollte sich im Anschluss daran bestätigen lassen, dass alle
relevanten Risiken berücksichtigt wurden. Wichtig ist, im Beratungsgespräch mit
Versicherern, Maklern und dem DVS noch einmal zu überprüfen, wo die besonderen
Risiken liegen und welche Möglichkeiten es gibt, die Schadensgefahr zu verringern, z.B.
durch Alarm-, Brand- oder auch Sprinkleranlagen. Spätestens mit Ausfertigung der Police
sollte man die einzelnen Positionen noch einmal überprüfen. Verträge zur Transport- oder
Haftpflichtversicherung werden z.B. von jedem Versicherer, zum Teil von jeder
Geschäftsstelle ganz anders formuliert. Man kann sich also nie sicher sein, ob das, was im
Versicherungsvertrag vereinbart wurde, vollständig ist und im Schadensfall auch immer zu
einer Leistung führt. Deswegen ist es auch wichtig, den Vertrag von unabhängigen Beratern
prüfen zulassen.
Vorsicht bei langfristigen Verträgen
Niemand weiß in der Regel, wie sich der Versicherer z.B. im Schadensfall verhält. Vor allem
für Gründer ist es schwer einzuschätzen, wie sich das eigene Unternehmen entwickeln wird.
Um flexibel zu bleiben, ist der Abschluss kurzfristiger Verträge sinnvoll: Jahresverträge mit
der Option auf Verlängerung, wenn nicht vor Vertragsende gekündigt wird.
Schadensverhütung spart Geld
Für Maßnahmen zur Schadensverhütung gewähren Versicherungen Prämienrabatte.
Für Alarmanlagen, Feuermeldeanlagen gibt es zum Beispiel durchschnittlich 20%.
Für Sprinkleranlagen und Löschanlagen bis zu 60% und für die Organisation des
Brandschutzes bis zu 10% Rabatt. Wenn für einen gewissen Zeitraum keine Schadensfälle
aufgetreten sind, kann mit dem Versicherer ein schadensverlaufsabhängiger Rabatt
vereinbart werden. Das heißt, ein gewisser Prozentsatz der Prämie wird erstattet.
Die Vereinbarung, kleinere Schäden aus eigener Tasche zu zahlen, spart ebenfalls Geld.
- 47 -
Sicherheit
Die wichtigsten betrieblichen Versicherungen für Selbstständige
Um Ihnen die Auswahl zu erleichtern, erhalten Sie hier einen Überblick. Welche dieser
Versicherungen für Sie in Frage kommen, müssen Sie je nach den individuellen
Gegebenheiten selbst entscheiden.
Betriebs-Haftpflichtversicherung
Schäden gegenüber Dritten werden durch die Betriebshaftpflichtversicherung abgedeckt.
Sie zahlt bei Schadenersatzansprüchen Dritter, z. B. von Kunden, Lieferanten, Besuchern
und Mitarbeitern und schützt zugleich vor überhöhten und unberechtigten Ansprüchen.
Wichtig ist die Mitversicherung von Bearbeitungs-, Auslands- oder Mietsachschäden und
von Arbeiten auf fremden Grundstücken. Für Ingenieure, Architekten und Makler gibt es
spezielle Berufs- bzw. Vermögensschaden-Haftpflichtversicherungen.
Betriebs-Unterbrechungsversicherung (BU-Versicherung)
Feuer, Maschinen-, EDV- und Telefonausfall, Montage- und Transportschäden sowie
Personalausfall können den gesamten Betrieb lahm legen. Solange keine Erträge
erwirtschaftet werden können, kommt die BU-Versicherung bis zum Wiederaufbau des
Betriebs für die laufenden Kosten, wie Löhne, Gehälter, Miete und Zinsen etc. auf. Für
Freiberufler gibt es die Praxis-Ausfallversicherung. Sie übernimmt die fortlaufenden
Betriebskosten, Löhne, Gehälter, Pacht usw., wenn der Unternehmensinhaber ausfällt. Es
handelt sich um eine spezielle Form der Ertragsausfallabsicherung, die auf Kleinbetriebe
und Selbstständige zugeschnitten ist.
D & 0 Vermögensschadenversicherung für Unternehmensleiter
Die Directors & Officers Vermögensschadenversicherung richtet sich insbesondere an
GmbH-Geschäftsführer und Vorstände von AG. Sie übernimmt das Risiko der persönlichen
Haftung.
Einbruchdiebstahl-Versicherung
Hier werden Schäden erstattet, die durch Diebstahl, Zerstörung, Beschädigung von
versicherten Sachen durch Diebstahl, Raub oder Vandalismus nach einem Einbruch
entstanden sind.
Elektronik-Versicherung
Durch unsachgemäßen Gebrauch, Vorsatz Dritter, Kurzschluss, Überspannung,
Feuchtigkeit, Sabotage etc. können Schäden an EDV-Anlagen, Telefonanlagen oder
bürotechnischen Anlagen entstehen. Kosten für Wiedereinsatz von Programmen und
Wiedereingabe der Daten nach einem Datenverlust können durch eine
Datenträgerversicherung abgedeckt werden. Eine Mehrkostenversicherung ersetzt bei
längerem Ausfall der EDV-Anlage den Mehraufwand wie bspw. Überstunden, Anmietung
von EDV usw. Eine erweiterte Datenträger- oder Softwareversicherung übernimmt darüber
hinaus die Kosten für Datensicherung, Aufrechterhaltung des Geschäftsbetriebes nach
einem Virenbefall.
Feuerversicherung
Schäden, die durch Brand, Blitzschlag, Explosion oder Flugzeugabsturz entstanden sind,
werden durch die Feuerversicherung reguliert. Dies betrifft Schäden am Gebäude sowie am
Inhalt, insbesondere an der technischen und kaufmännischen Einrichtung, Waren, fremden
Eigentum etc.
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Sicherheit
Kfz-Haftpflichtversicherung
Sie kommt für alle Schäden an Personen, Sachen und Vermögen auf, die der Fahrer
gegenüber Dritten verursacht hat. Schäden am eigenen Fahrzeug sind über die Teil- und
Vollkaskoversicherung auch dann gedeckt, wenn der Versicherte den Unfall selbst
verschuldet hat.
Leitungswasserversicherung
Die Kosten für Sachschäden, die durch austretendes Wasser aus Wasserleitungen oder
Wasser- bzw. Heizungsanlagen entstehen, werden erstattet.
Maschinenversicherung
Reparaturen an stationären und fahrbaren Maschinen, wie z. B. Baugeräten, die durch
menschliches Versagen, Bedienungsfehler, Fahrlässigkeit usw. entstanden sind, werden
hier abgedeckt.
Produkt-Haftpflichtversicherung
Mit der Betriebs-Haftpflicht sollte eine Produkt-Haftpflichtversicherung kombiniert werden.
Sie tritt in Kraft, wenn Dritte durch fehlerhafte Produkte Schaden erleiden. Vor allem
Hersteller, Lieferanten und Lizenznehmer sollten an diese Versicherung denken. Oft fehlt
die Deckung für Sachschäden, die sich aus dem Fehlen einer zugesicherten Eigenschaft
ergibt. z. B. Geruchs- und Geschmacksneutralität einer Verpackung für Lebensmittel.
Hinzu kommen Vermögensschäden, wenn z. B. ein Produkt des Versicherungsnehmers bei
seinen Abnehmern mit anderen Stoffen vermischt, verarbeitet, weiterverarbeitet oder
umgestaltet wird. Solche Schäden sind i.d.R. nicht gedeckt, weil Vermögensschäden durch
hergestellte oder gelieferte Sachen ausgeschlossen sind. Diese Deckungslücke kann durch
die erweiterte Produkt-Haftpflichtversicherung geschlossen werden.
Sturmversicherung
Sie kommt für Sachschäden an Gebäuden und beweglichen Sachen auf, die sich auf dem
versicherten Grundstück befinden.
Umwelthaftpflicht-Versicherung
Mit der Betriebshaftpflicht kombiniert ist in der Regel die Umwelthaftpflicht-Versicherung.
Die Umwelthaftpflicht schützt vor Schadensersatzansprüchen, wenn durch den Betrieb
Boden, Wasser, Luft verunreinigt wurden.
Versicherung für Mitarbeiter
Für Angestellte und Arbeiter müssen Beiträge an die gesetzliche Sozialversicherung und
die Berufsgenossenschaft (Unfallversicherung) abgeführt werden. Darüber hinaus bietet
die betriebliche Altersversicherung zusätzliche und neue Altersvorsorgemöglichkeiten
(siehe auch Kapitel „Personal halten und fördern“ ab Seite 76).
Vertrauensschadenversicherung
Sie kommt für Kosten auf, die durch Unterschlagung, Veruntreuung, Diebstahl, Fälschung,
Betrug und andere Vermögensdelikte, die durch Mitarbeiter oder Vertrauenspersonen
verübt werden, entstehen.
Quelle: Gründerzeiten Nr. 41. Weitere Informationen finden Sie auch unter
http://www.dvs-schutzverband.de und im Anhang.
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Sicherheit
3. Netzwerke
Als Unternehmer die richtigen Kontakte zu haben, wird immer wichtiger. Gute Beziehungen
können z. B. bei fachlichen Problemen weiter helfen oder entscheidende Türen öffnen. Es
gibt viele Möglichkeiten, neue Kontakte zu bekommen – die beste Art ist der Anschluss an
ein organisiertes Netzwerk. Hier können Sie Menschen schnell und effektiv kennen lernen.
Aber wer Gott und die Welt kennt, ist noch nicht automatisch ein guter Netzwerker.
Entscheidend ist, dass die Personen etwas gemeinsam haben, so dass tatsächlich ein
Beziehungsnetz mit mehreren Knoten entsteht. Das bedeutet nicht, dass alle Personen
auch freundschaftlich verbunden sein müssen. Ein berufliches Netzwerk ist etwas ganz
anderes als ein Freundeskreis. Es stehen hier Kompetenzen, Geschäftsinteressen,
Fachwissen oder Informationen im Vordergrund. Jedes Netzwerk entsteht aus zunächst
losen Kontakten. Bemühen Sie sich daher, in allen Richtungen Kontakte zu knüpfen:
• Achten Sie verstärkt auf Chancen, andere Menschen kennen zu lernen
• Verschaffen Sie sich Klarheit über Ihren Weg und Ihre Ziele – was möchten Sie
erreichen?
• Stellen Sie sich auf die verschiedenen Persönlichkeiten im Netzwerk ein
• Zeigen Sie Bereitschaft, in ein Netzwerk Zeit und Arbeit zu investieren
• Kontaktmöglichkeiten bieten sich auf Messen, Tagungen, Seminaren, Kongressen
Sie haben die Wahl:
• Institutionelle Netzwerke sind oft als Verbände organisiert. Man kann offiziell
beitreten, zahlt eventuell einen Mitgliedsbeitrag und kann bestimmte Leistungen
erwarten (z. B. Fortbildung, juristische Unterstützung etc.). Allerdings sind diese
Netzwerke etwas träge, wenig innovativ, da alle Mitglieder etwas erwarten und
selten bereit sind, eigene Arbeit oder Ideen zu investieren.
• Fachliche Netzwerke (z. B. Fachverbände) dienen hauptsächlich der Erweiterung
des Wissens und dienen der gegenseitigen fachlichen Unterstützung. Die Beteiligten
erhalten praktische Hilfen. Kontakte zu diesen Netzwerken bekommen Sie vor allem
auf Messen, Tagungen und durch das Internet.
• Informelle Netzwerke eignen sich für Hintergrundinformationen und längerfristige
Unternehmensstrategien. Sie entstehen aufgrund persönlicher, oft sogar
freundschaftlicher Kontakte. Sie sind nicht organisiert, sondern leben von
gegenseitiger Hilfestellung.
Adressen regionaler Netzwerke gibt es bei der IHK oder unter
http://www.impulse.de/the/man/dos/kreativitaet/251094.html
Hier finden insbesondere Unternehmerinnen umfangreiche Unterstützung:
http://www.gruenderinnenagentur.de
Eine weitere Liste mit Netzwerken für Frauen finden Sie unter:
http://www.kfw-mittelstandsbank.de/mportal/Gruenderzentrum/d061Gruenderinnen/Links.jsp
Scheuen Sie sich auch nicht, z.B. in einen Sportverein einzutreten. Hier können Sie
das Angenehme mit dem Nützlichen verbinden. Sie fördern Ihre Gesundheit,
bleiben fit, haben Spaß und können nebenbei noch intensive Kontakte knüpfen,
ohne dabei gleich zum berüchtigten „Vereinsmeier“ werden zu müssen...
Quelle: „30 Minuten für die richtigen Kontakte im Beruf“ – GABAL Verlag
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Sicherheit
4. Technik und Produktion
Auch bei der Technik bzw. Produktion gibt es verschiedene Sicherheitsaspekte, die Sie als
Unternehmer beachten müssen.
Sicherheit von erzeugten und in Verkehr gebrachten Produkten
Hersteller von Produkten haben eine besondere Verantwortung für die technische Sicherheit
ihrer Produkte. Das betrifft alle Produkte vom Spielzeug bis zur Industrieanlage,
einschließlich der verwendeten Software. Was ist ein technisch sicheres Produkt?
Grundsätzlich darf bei bestimmungsgemäßer Verwendung, einschließlich des
vorhersehbaren Fehlgebrauchs, keine Gefahr für das Leben und die Gesundheit der
Benutzer und anderer Personen bestehen. Ebenso ist die Sicherheit für Haustiere,
Sachgüter und der Umwelt bei bestimmungsgemäßer Verwendung der Produkte zu
gewährleisten.
Wenn Sie unsichere Produkte in den Verkehr bringen, kann das die Existenz Ihres
Unternehmens akut bedrohen! Das gilt auch bei Einkauf von Maschinen und
Arbeitsmitteln (s.u.), denn bei wesentlichen Veränderungen eines technischen
Arbeitsmittels werden Sie zum Inverkehrbringer und haben dessen umfangreiche
Pflichten zu erfüllen.
Zur Sicherung des freien Warenverkehrs im Europäischen Wirtschaftsraum (EWR) wurden
durch die Europäische Gemeinschaft (EG) Richtlinien für bestimmte Produkte erlassen. Das
war erforderlich, um ein einheitliches, hohes Niveau für den Schutz des Lebens und der
Gesundheit aller EG-Bürger zu gewährleisten. Durch diese Richtlinien werden inzwischen
ca. 80% aller Produkte erfasst. Die Hersteller, Importeure, Händler usw. haben zu sichern,
dass Produkte, die den EG-Richtlinien unterliegen, nur in den Verkehr gebracht werden,
wenn sie den in den EG-Richtlinien festgelegten grundsätzlichen Sicherheitsanforderungen
entsprechen und das durch das Anbringen eines CE-Zeichens bestätigt wird.
Die CE-Kennzeichnung bringt zum Ausdruck, dass der Hersteller die in der EU
erlassenen Richtlinien berücksichtigt hat.
Um das CE-Zeichen verwenden zu dürfen, sind folgende Schritte erforderlich:
• Durchführung einer Gefahren-/Risikoanalyse
• Vorhalten der technischen Dokumente gemäß Festlegung in den EGEinzelrichtlinien
• Betriebsanleitung
• EG-Baumusterprüfbescheinigung für ausgewählte Produkte
• EG-Konformitätserklärung
• CE-Kennzeichnung der Produkte
Mit der CE-Kennzeichnung erklärt der Hersteller/Inverkehrbringer, dass er alle
grundlegenden Sicherheitsanforderungen aller für das Produkt zutreffenden EG-Richtlinien
eingehalten hat. Inverkehrbringer kann auch der Importeur, Händler usw. sein. Zur
Überwachung haben alle Mitgliedsstaaten des Europäischen Wirtschaftsraumes
Marktaufsichtsbehörden (z.B. die Ämter für Arbeitsschutz und Sicherheitstechnik) benannt
und mit umfangreichen Rechten ausgestattet. Das geht bei unsicheren Produkten von
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Sicherheit
Anordnungen des Rückrufes bis zur Sicherstellung und Vernichtung solcher Produkte. Die
Marktaufsichtsbehörden stehen den Herstellern/Inverkehrbringern natürlich auch beratend
zur Verfügung.
Der Hersteller hat die Sicherheit seiner Produkte vorrangig durch technische Maßnahmen
zu gewährleisten. Restgefährdungen sind durch organisatorische und personenbezogene
Maßnahmen zu minimieren, z. B. durch das Tragen von Persönlichen Schutzausrüstungen
und das Vorschreiben von Verhaltensanforderungen. Die bestimmungsgemäße
Verwendung und der vorhersehbare Fehlgebrauch sind in der Betriebsanleitung bzw.
Gebrauchsanleitung in der Sprache des jeweiligen Verwenderlandes zu beschreiben. Das
ist natürlich auch durch den Handel zu beachten.
Zusätzlich zu den rechtlich verbindlichen Anforderungen an den Hersteller/Inverkehrbringer
hat dieser die Möglichkeit, seine Produkte einer freiwilligen nationalen Sicherheitsüberprüfung durch staatlich zugelassene Prüfstellen unterziehen zu lassen. Bei erfolgreicher
Prüfung erhält er die Berechtigung das GS-Zeichen (Geprüfte Sicherheit) auf allen
Produkten anzubringen, die genau diesem Baumuster entsprechen. Veränderungen am
Produkt müssen erneut geprüft werden, wenn das GS-Zeichen weiter benutzt werden soll.
Das freiwillige GS-Zeichen dürfen nur Produkte tragen, die zuvor bezüglich ihrer
Sicherheit durch eine vom Hersteller unabhängige Stelle geprüft wurden.
Technische Arbeitsmittel
Beim Erwerb und der Inbetriebnahme technischer Arbeitsmittel (Maschinen, Werkzeuge
usw.), an denen Beschäftigte arbeiten sollen, sind umfangreiche Sicherheitsvorschriften zu
beachten. Dies dient gleichzeitig auch Ihrer eigenen Sicherheit. Bei der Auswahl müssen
Sie sich für neue oder gebrauchte Arbeitsmittel entscheiden. In jedem Fall lohnt es sich,
wenn Sie die folgenden Kriterien beachten:
Neue technische Arbeitsmittel
• Ermittlung des vorgesehenen Verwendungszweckes
• Ausschreibung bzw. Auswahl eines geeigneten Arbeitsmittels
(z. B. nicht „Werkstattpresse“, sondern bestimmte Parameter festlegen)
• Beurteilung der Arbeitsbedingungen
• Bestimmungsgemäßen Einsatz des Arbeitsmittels unter Beachtung der
Betriebsanleitung vorsehen
• Bei Erfordernis (z. B. wegen des Einsatzortes) Erstellung einer Betriebsanweisung
• Sicherung der erforderlichen Wartung, Instandhaltung und Prüfung
Gebrauchte technische Arbeitsmittel
Gebrauchte technische Arbeitsmittel können für viele Bereiche eine preisgünstige, sinnvolle
Alternative sein, wenn bestimmte Grundsätze beachtet werden. Dazu gehören
insbesondere:
• Die Arbeitsmittel müssen für den vorgesehenen Verwendungszweck geeignet sein.
• Die erforderlichen Unterlagen (z. B. Betriebsanleitung, Wartungs- und
Prüfnachweise) müssen vorhanden sein.
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Sicherheit
•
•
Alle Schutzvorrichtungen müssen vorhanden bzw. mit vertretbarem Aufwand
nachrüstbar sein, so dass mindestens die Anforderungen des Anhangs I der
Betriebssicherheitsverordnung erfüllt sind. Besser wäre der Erwerb von Maschinen
usw. mit CE-Zeichen. (Hinweis: 1. CE-Zeichen nur für Produkte, für die eine
Richtlinie mit Beschaffenheitsanforderungen existiert..., 2. CE-Zeichen erst seit
Inkrafttreten der jeweiligen EU-Richtlinie – Beispiel: Maschinen, 1.1.1995)
Vor der Inbetriebnahme muss eine Beurteilung der Arbeitsbedingungen erfolgen, um
notwendige Maßnahmen zur Gewährleistung des Arbeitsschutzes zu ermitteln und
durchzuführen.
Sicherheit bei chemischen Stoffen und Zubereitungen, die in Verkehr gebracht werden
Hersteller oder Inverkehrbringer von chemischen Stoffen oder Zubereitungen
(Stoffgemischen) müssen die Anforderungen des Chemikaliengesetzes und der
Gefahrstoffverordnung beachten:
• Anmeldung neuer Stoffe
• Einstufung aufgrund gefährlicher Eigenschaften für Mensch und Umwelt
• Sichere und zweckmäßige Verpackung
• Kennzeichnung (auf der Verpackung)
• durch fachkundige Person erstelltes Sicherheitsdatenblatt für den gewerblichen
Abnehmer mit Aktualisierungspflicht
Für einige Produktgruppen (z. B. Pflanzenschutzmittel, Biozidprodukte) und Erzeugnisse
bestehen besondere Anforderungen.
Tätigkeiten mit Gefahrstoffen
Wenn im Unternehmen chemische Stoffe oder Zubereitungen (Chemikalien) hergestellt oder
verwendet werden, ist zu prüfen, ob es sich um Gefahrstoffe handelt. Gefahrstoffe sind alle
gekennzeichneten chemischen Produkte. Aber auch chemische Produkte ohne
Kennzeichnung und Stäube, Dämpfe, Gase oder Nebel, die bei Arbeitsverfahren entstehen
oder freigesetzt werden, sind Gefahrstoffe. Ein Verzeichnis der im Unternehmen
hergestellten und verwendeten Gefahrstoffe muss angelegt werden. Für Tätigkeiten mit
Gefahrstoffen ist eine Gefährdungsbeurteilung vorzunehmen, aufgrund derer die
notwendigen Schutzmaßnahmen für die Beschäftigten nach der Gefahrstoffverordnung
festzulegen sind. Liegt keine „geringe Gefährdung" vor, so ist zunächst immer zu prüfen, ob
es weniger oder nicht gefährliche Ersatzprodukte oder -verfahren gibt. Sind diese nach dem
Stand der Technik verfügbar und ist der Einsatz dem Unternehmen zumutbar, so müssen
die Ersatzlösungen verwendet werden. Die Prüfergebnisse sind schriftlich festzuhalten und
auf Anforderung den Vollzugsbehörden mitzuteilen. Die Art und der Umfang von
Schutzmaßnahmen für Tätigkeiten mit Gefahrstoffen im Unternehmen leiten sich aus dem
Ergebnis der Gefährdungsbeurteilung ab. Wenn es keine genauen Vorgaben für die sichere
Gestaltung des Arbeitsverfahrens gibt, z. B. in Technischen Regeln für Gefahrstoffe
(TRGS), so sollte die sicherheitstechnische und arbeitsmedizinische Betreuung des
Unternehmens für eine entsprechende Beratung zum weiteren Vorgehen im Einklang mit
dem Gefahrstoffrecht genutzt werden.
Für bestimmte Gefahrstoffe bestehen Herstellungs- und Verwendungsverbote. Darüber
hinaus gibt Beschäftigungsverbote bzw. -beschränkungen nach dem Jugendarbeitsschutzgesetz und der Mutterschutzrichtlinienverordnung. Die Verwendung von Gefahrstoffen in
Heimarbeit ist durch die Gefahrstoffverordnung erheblich eingeschränkt.
Eine ausführliche und kostenlose Broschüre zum Thema „Laborarbeit“ können Sie unter
http://www.guss-net.de bestellen.
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Sicherheit
Daten
So selbstverständlich wie es klingt, ist es meistens nicht: Sichern Sie Ihre Daten und sorgen
Sie dafür, dass kein Unbefugter Zutritt hat. Insbesondere dann, wenn Sie häufig im Internet
surfen (müssen). Es gibt preiswerte und effektive Programme, die einen Hacker- oder
Virenangriff abwehren können. Darüber hinaus sollten Sie ein regelmäßiges Backup Ihrer
Daten machen, am besten auf einer externen Festplatte, die mittlerweile mit einem USBAnschluss versehen sind und sich so leicht an- und abschließen lassen. Fehlende Daten
oder ein Wiederherstellen der internen Festplatte kostet Zeit, Geld und vor allem Nerven.
Die perfekte Lösung sind zwei PCs! Wenn Sie z.B. Grafiken erstellen oder regelmäßig am
PC schreiben: Der eine ist für die tägliche Arbeit, der andere für den Zugang zum Internet.
Auf diese Art haben Sie den größtmöglichen Schutz vor Angriffen.
Wenn Sie Online-Banking betreiben, sollten Sie die Session so kurz wie möglich
halten, sich danach sofort wieder ausloggen und die Verbindung trennen. Darüber
hinaus verschicken Hacker Mails, in denen Sie im angeblichen Namen der Bank
aufgefordert werden, Ihre Zugangsdaten zum Abgleich anzugeben. Diese Mails
sind alle gefälscht, es gibt keine Bank, die derartige Mails verschickt. Deshalb:
niemals darauf antworten und die Mail einfach löschen!
Unternehmensname, Logo und Erfindungen
Eine weitere Form der unternehmerischen Absicherung kann in der Anmeldung eines
Patentes, eines Geschmacks- bzw. Gebrauchsmusters oder einer Marke liegen. So sollten
Sie z. B. vor der Entwicklung eines Namens oder eines Logos prüfen, ob es schon (national
und unternational) verwendet wird. Es ist nicht selten, dass sich jemand einen passenden
Firmennamen ausdenkt, der dann anschließend mit hohem finanziellen Schaden wieder
geändert werden muss, weil ein anderes Unternehmen gegen die Verwendung klagt.
Außerdem gibt es die Möglichkeit, Verfahren oder technische Produkte gegen Nachahmer
schützen zu lassen.
Was kann patentiert werden – was nicht?
Nach den Vorgaben des Patentamtes werden Patente für technische Erfindungen erteilt, die
neu sind, einer ausreichenden erfinderischen Leistung entsprechen und gewerblich
anwendbar sind. Neu ist eine Erfindung, wenn sie nicht zum Stand der Technik gehört.
Patentiert werden Erfindungen aus allen Gebieten der Technik, solange sie einen
planmäßigen Einsatz beherrschbarer Naturkräfte zur Erreichung eines kausal übersehbaren
Erfolgs zum Gegenstand haben. Beachten Sie, dass es für eine Patentierung nicht
ausreicht, dass eine Erfindung neu ist. Sie muss sich auch vom Stand der Technik in
ausreichendem Maße abheben. Das Patentgesetz spricht davon, dass sie auf einer
erfinderischen Tätigkeit beruhen muss. Gemeint ist damit, dass eine Erfindung dann nicht
patentierbar ist, wenn ein auf dem betreffenden technischen Gebiet tätiger Fachmann ohne
weiteres auf die entsprechende Lösung kommen kann.
Wie melde ich ein Patent an?
Grundsätzlich ist es vorteilhaft, eine Anmeldung von einem sachkundigen Patentanwalt
ausarbeiten und einreichen zu lassen. Notwendig ist das Hinzuziehen eines Patentanwaltes
aus rechtlichen Gründen allerdings nicht. Wenn man eine Anmeldung alleine macht, sollte
man sich unbedingt vorher über einige Grundregeln informieren. Hilfreich ist hier besonders
das „Merkblatt für Patentanmelder", das zusammen mit den notwendigen
Anmeldeformularen bei der Auskunftsstelle im Deutschen Patent- und Markenamt kostenlos
angefordert werden kann.
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Sicherheit
Gebrauchsmuster
Als kleiner Bruder des Patents wird häufig das Gebrauchsmuster bezeichnet. Tatsächlich
gibt es zwischen diesen beiden Schutzrechten Übereinstimmungen, aber auch gravierende
Unterschiede. Wie das Patent ist das Gebrauchsmuster ein Schutzrecht für technische
Erfindungen. Ein Gebrauchsmuster kann für technische Gegenstände wie etwa Geräte,
technische Anlagen, chemische Stoffe, elektrische Schaltungen etc. beantragt werden. Im
Gegensatz zum Patent ist ein Gebrauchsmusterschutz für Verfahren wie etwa
Produktionsverfahren, Messprozeduren usw. nicht möglich. Beträgt beim Patent die
maximale Laufzeit des Schutzrechts 20 Jahre, so sind es beim Gebrauchsmuster nur
höchstens 10 Jahre. Die Beschränkung des Gebrauchsmusterschutzes ausschließlich auf
technische Gegenstände und die nur halb so lange Lebensdauer sind sicherlich Nachteile
im Vergleich zum Patent. Demgegenüber stehen wichtige Vorteile: Bei einem Patent dauert
es in der Regel 1 bis 2 Jahre, bis das Schutzrecht durch das Prüfungs- und das
Erteilungsverfahren gegangen ist und schließlich erteilt wird. Das Gebrauchsmuster wird
bereits wenige Wochen nach der Beantragung durch den Anmelder in ein Register, die
Rolle für Gebrauchsmuster, eingetragen. Mit der Eintragung entfaltet das Gebrauchsmuster
seine Wirkungen. Eine vorausgehende materiell-rechtliche Prüfung auf Neuheit und
erfinderische Leistung wie bei der Patentanmeldung erfolgt nicht. Lediglich formale Aspekte,
beispielsweise ob ein nicht schutzfähiges Verfahren angemeldet worden ist, werden
überprüft. Das hat zur Folge, dass der Gebrauchsmusterschutz wesentlich schneller zu
erhalten ist als der Schutz durch ein Patent.
Geschmacksmuster
Ein Muster im Sinne des Geschmacksmustergesetzes ist die zwei- oder dreidimensionale
Erscheinungsform eines ganzen Erzeugnisses oder eines Teils davon. Diese
Erscheinungsform kann sich insbesondere aus den Merkmalen der Linien, Konturen,
Farben, der Gestalt, Oberflächenstruktur oder der Werkstoffe des Erzeugnisses selbst oder
seiner Verzierung ergeben. Ein Erzeugnis ist hierbei jeder industrielle oder handwerkliche
Gegenstand, einschließlich Verpackung, Ausstattung, grafischer Symbole und
typografischer Schriftzeichen sowie Einzelteile, die zu einem komplexen Erzeugnis
zusammengebaut werden können.
Marken
Unter einer Marke versteht man ein Kennzeichnungsmittel für Produkte und
Dienstleistungen. Es handelt sich gewissermaßen um die Visitenkarte, mit dem Produkte
und Dienstleistungen im Wettbewerbsleben auftreten. Die Marke ermöglicht die
Unterscheidung von Konkurrenzangeboten und damit den Wiederholungskauf von Waren
bzw. die wiederholte Inanspruchnahme von Dienstleistungen desselben Unternehmens.
Als Marken kommen verschiedene Formen von Kennzeichnungen in Betracht:
• Wortmarke (z.B. Siemens)
• Bildmarke (z.B. die springende Raubkatze von Puma)
• Wort-Bild-Marke (z.B. das „Bayer-Kreuz")
• Dreidimensionale Formen (z.B. die Kühlerfigur von Rolls-Royce)
• Hörmarken (z.B. Erkennungsmelodien wie bei Radiosendern)
• Farben, Farbkombinationen (z. B. „Postgelb“ oder „Telekom-Magenta“)
• Zahlen und Buchstaben (Einzelbuchstaben oder Gruppen von Buchstaben)
Weitere Informationen finden Sie unter http://www.dpma.de/infos/einsteiger/einsteiger.html
oder direkt im Informationszentrum Patente in Stuttgart.
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Sicherheit
5. Umweltschutz
Umweltschutz ist heute für viele Existenzgründer ein besonders wichtiges Thema. Denn
auch damit schaffen Sie eine Form der Absicherung: weniger Umweltbelastung, stabileres
ökologisches Gleichgewicht, höhere Wettbewerbsfähigkeit und größere Akzeptanz bei den
Kunden.
Zwölf Hinweise für Existenzgründer:
• Gerade im Umweltschutz ist es heute möglich, (viele) Erfolg versprechende
Geschäftsideen zu verwirklichen.
• Umweltschutzauflagen für Gründer werden immer vielfältiger. Darum gibt es in vielen
Kammern eigene Umwelt-Berater.
• Die Kosten zur Erfüllung von Umweltschutzauflagen werden häufig unterschätzt,
ebenso die gesetzlichen Bestimmungen.
• Lohnt sich eine Gründung bei den zu erwartenden Umweltschutzauflagen und damit
verbundenen Umweltschutzkosten (z.B. Einbau von Filtern oder Abfallentsorgung)
noch?
• Ist der Standort durch Altlasten verseucht? Kommt der Standort für eine Gründung
überhaupt in Frage (z.B. bei Lärmemissionen durch Transporte oder
Lösemittelemissionen durch Lackiererei)?
• Welche Umweltauflagen müssen finanziert werden (z.B. Bodenversiegelung an
Tankstellen)? Bedenken Sie, dass umweltgerechtes Wirtschaften langfristig doch
Kosten ersparen kann (z.B. Energiekosten, Wiederverwendung von Abfällen).
• Auch für Existenzgründungen im Umweltschutz stehen Finanzierungshilfen des
Bundes zur Verfügung. Darüber hinaus gibt es für Umweltschutzinvestitionen
bestehender Unternehmen besondere Finanzierungshilfen des Bundes, der Länder
und der EU.
• Gibt es gesetzliche Auflagen für Ihr Gründungsvorhaben? Sind Baugenehmigungen
notwendig? Sind Transportgenehmigungen (An- und Abtransporte) notwendig?
Sind in absehbarer Zukunft neue Gesetze/Vorschriften zu erwarten?
• Umweltfreundliche Produkte, Prozesse oder Unternehmens-Präsentationen
erschließen neue Kundenkreise (z. B. Recycling-Briefpapier). Außerdem schafft eine
freiwillige Teilnahme am EG-Öko-Audit Vertrauen bei speziellen Kunden.
• Umweltschutz hat Konjunktur. Weisen Sie also auf umweltfreundliche Produkte oder
Prozesse mit einem entsprechenden Umweltzeichen hin.
• Um Umweltschutzanliegen in Ihrem Betrieb zu realisieren, brauchen Sie
entsprechend qualifiziertes Personal. Klären Sie deshalb auch, wer für die
Umweltschutzaufgaben zuständig ist? Und bedenken Sie, dass gerade jüngere
Mitarbeiter durch ein deutliches Betriebs-Bekenntnis zum Umweltschutz besonders
zu motivieren sind.
• Je höher die Umweltschutz-Standards im Betrieb, desto geringer sind die
Unfallgefahren und eventuelle Haftungsrisiken.
Kosten senken durch Umweltschutz
Wer sich als Unternehmer systematisch und konsequent mit dem Umweltschutz befasst,
kann langfristig die laufenden Kosten um ein erhebliches Maß reduzieren. Dabei sind schon
kleinere Maßnahmen bedeutend:
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Sicherheit
Roh-, Hilfs- und Betriebsstoffe:
• Produktionsreste zurückgewinnen oder gebrauchte Produkte zurück nehmen und die
Altmaterialien in neuen Produkten verwerten.
• Produkte ökologisch optimieren und Produktionsverfahren umstellen, um weniger
Material, vor allem weniger umweltgefährdendes Material, einzusetzen.
Wasser/Abwasser:
• Wasserkreisläufe, meist in Verbindung mit Reinigungsstufen, einrichten, um das
Prozesswasser mehrfach im Produktionsprozess zu nutzen.
• Wasserintensive Verfahren durch neue Technologien ersetzen, die nur einen
geringen Wassereinsatz erfordern oder ganz auf Wasser verzichten.
Energie:
• Kraft-Wärme-Kopplung in Unternehmen nutzen, die einen hohen Strom- und
Prozesswärmebedarf haben.
• Energiemanagement einführen, d. h. möglichst alle Energieströme und darauf
aufbauende Einzellösungen erfassen.
• Abwärme von Maschinen, Kühlwasser etc. zur Raumheizung oder Vorheizung von
Prozessen nutzen.
• Maschinen, Heizung, Beleuchtung, Klimaanlagen möglichst bedarfsgenau steuern.
Sie vermeiden Leerlaufzeiten und sparen Energie.
Entsorgungsbereich:
• Abfalltrennung, d. h. Entwicklung eines umfassenden Trennkonzeptes: am besten
mit Farbcodierung, um Wert- und Reststoffe während des gesamten Durchlaufs
durch das Unternehmen getrennt zu halten und eine getrennte Entsorgung zu
ermöglichen.
• Sortenrein getrennte Reststoffe in den Produktionsprozess rückführen: Damit
entfallen Entsorgungsgebühren und gleichzeitig werden die Beschaffungskosten für
Roh-, Hilfs- und Betriebsstoffe verringert.
Verkehr:
• Transportlogistik optimieren, um die Verkehrsmittel optimal auszulasten und
überflüssige Standzeiten und Leerfahrten zu vermeiden.
• Überprüfen sie, ob lange Transporte überhaupt notwendig sind: Gibt es das
Produkt/den Rohstoff auch in der Nähe?
Verpackungen:
• Mehrwegverpackungen aller Art einsetzen, z. B. Wiederverwendung gebrauchter
Kartons und Kunststoff-Mehrwegbehälter entwickeln und benutzen.
• Verpackungsmaterial durch weniger Verpackung, andere Verpackung und Änderung
der Gebindegrößen reduzieren, sowie von kostenintensiven und umweltschädlichen
Materialien auf umweltfreundlicheres Material umstellen.
Ausführliche Informationen erhalten Sie beim Bundesministerium für Umweltschutz,
Naturschutz und Reaktorsicherheit. Dort erfahren Sie auch, welche Maßnahmen wirklich
sinnvoll sind und finanziell gefördert werden: http://www.bmu.de.
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Sicherheit
Der „Blaue Engel“
Farben, Lacke oder Autoreifen – rund 3.700 Produkte von mehr als 800 Herstellern tragen
das mittlerweile über 25 Jahre alte Umweltzeichen. 1977 wurde es auf Initiative des
Bundesinnenministers und der Umweltminister der Länder eingeführt: Sowohl bei den
Verbrauchern als auch bei Unternehmern erfährt das Öko-Label eine hohe Akzeptanz. Mit
dem Umweltzeichen werden Produkte versehen, die im Vergleich zu konventionellen
Produkten über günstigere Umwelteigenschaften verfügen, etwa bestimmte Schadstoffe
nicht oder nur in geringen Mengen enthalten (z.B. schadstoffarme Lacke); aus Altstoffen
hergestellt sind (z.B. Recyclingpapier, Produkte aus Recyclingkunststoffen); mehrfach
verwendet werden können (z.B. Mehrwegflaschen); recyclinggerecht produziert werden
können (z.B. Computer, Kopiergeräte). Dabei werden sowohl die verschiedenen
Lebensphasen im Verlauf der Produktzyklen als auch die von den Produkten in den
einzelnen Phasen ausgehenden Umweltbelastungen für die verschiedenen Umweltbereiche
berücksichtigt. Aufgrund der kontinuierlichen Weiterentwicklung der Vergabegrundlagen ist
der „Blaue Engel" ein dynamisches Umweltzeichen, d. h. neu hinzu kommende Produkte
verbrauchen zum Beispiel weniger Energie und Wasser und sind leiser als vergleichbare
Geräte. Als ein verbrauchernahes Zeichen werden neben Umweltaspekten bei der Vergabe
aber auch andere Aspekte zunehmend berücksichtigt: z. B. Gesundheitsschutz,
Arbeitssicherheit und Gebrauchstauglichkeit.
Wer ist für den „Blauen Engel" verantwortlich?
Die fachliche Betreuung liegt beim Umweltbundesamt in Berlin. Unter welchen Bedingungen
das Umweltzeichen vergeben wird, legt die Jury fest, in der verschiedene Organisationen
wie Umwelt- und Verbraucherverbände, Industrie und Handel, Gewerkschaften, Medien,
Kirchen, Handwerk und Gebietskörperschaften vertreten sind. Die Nutzungsverträge für das
Umweltzeichen schließen die Unternehmen mit dem Deutschen Institut für Gütesicherung
und Kennzeichnung e. V. ab. Mehr Informationen unter http://www.blauer-engel.de oder
unter http://www.bmu.de
Ressourcensparende Maßnahmen sollten zum Ziel jedes Unternehmers gehören. Auf diese
Weise sichern Sie sich langfristig eine ökologische und vor allem ökonomische Zukunft.
Umweltschutz bedeutet nicht nur besseren Verbraucherschutz, erhöhte Lebensqualität und
Produktsicherheit, sondern dient auch Ihrer eigenen Gesundheit.
Quelle: Gründerzeiten Nr. 5
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Personalbedarf planen
ICH ALS UNTERNEHMER BRAUCHE PERSONAL
Es ist soweit: Sie haben sich nicht nur einen eigenen Arbeitsplatz geschaffen, sondern
möchten Ihre Marktposition ausbauen, ohne sich noch mehr zuzumuten, als Sie es bisher
sowieso schon machen. Am besten Sie stellen fest, ob Sie Mitarbeiter brauchen.
Beantworten Sie sich folgende Fragen:
• Kann ich das bestehende (bzw. erwartete) Auftragsvolumen alleine bewältigen?
• Habe ich eigene qualitative Defizite, die durch entsprechendes Personal
ausgeglichen werden könnten?
• Kann ich die vorgegebenen Termine einhalten? Arbeite ich dennoch stressfrei?
• Arbeite ich rentabel oder bin ich zu teuer, wenn ich meine Aufträge selbst bearbeite?
• Beschäftige ich mich noch mit den Dingen, die ich gut und gerne mache/kann?
• Wäre es sinnvoller, Arbeiten zu delegieren und mich selbst mehr der Akquisition
oder ähnlichen Tätigkeiten zu widmen?
• Arbeite ich zu viel und zu lange? Setze ich meine Gesundheit aufs Spiel?
• Hätte ich ausreichend Platz für einen weiteren Mitarbeiter?
Mitarbeiter einzustellen, macht nur Sinn, wenn die Unterstützung wirklich notwendig ist und
Sie Arbeit delegieren können. Jede Arbeitskraft kostet zusätzlich. Kalkulieren Sie, welche
Belastung (inklusive Lohnnebenkosten!) auf Sie zukommt. So finden Sie heraus, ob und
wann Sie sich Mitarbeiter leisten können, bzw. wie viel Umsatzsteigerung Sie erreichen
müssen, um Ihre Mitarbeiter bezahlen zu können. In Zeiten komplexer werdender
Wirtschaftsstrukturen wird das Humankapital Ihres Unternehmens zum strategischen
Erfolgsfaktor. Ihre Mitarbeiter müssen in der Lage sein, das Unternehmensziel motiviert,
flexibel und kreativ anzusteuern.
Ob Sie Personal brauchen hängt auch davon ab, welcher Unternehmertyp Sie
grundsätzlich sind. Arbeiten Sie gerne mit anderen zusammen? Können Sie
Aufgaben abgeben? Einen Test mit persönlicher Auswertung finden Sie im Internet
unter http://www.impulse.de/spe/mind/test/
Personalbedarf planen
Personalplanung ist ein Teil des Businessplans. Sie besagt, wie viele Mitarbeiter Sie ab
wann beschäftigen wollen, welche Arbeitsbereiche diese abdecken und was sie kosten
werden. Erstellen Sie vor der Auswahl eines neuen Mitarbeiters zunächst ein Stellen- und
Anforderungsprofil, mit deren Hilfe Sie den neuen Arbeitsplatz so definieren, dass er zur
eigenen Entlastung dient und Ihnen wichtige Freiräume für organisatorische,
zukunftsweisende und nicht zuletzt auch gesundheitsfördernde Maßnahmen lässt. Diese
Profile bilden die Grundlage der Mitarbeiterauswahl.
1. Inhalte eines Stellenprofils
•
•
•
•
•
Stellenbezeichnung
Aufbauorganisatorische Einordnung des Arbeitsplatzes
Zielsetzung der Stelle
Über- und Unterstellungsverhältnisse
Vertretungsregelung
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Personalbedarf planen
•
•
•
Kompetenzen und Vollmachten
Kernelemente der Anforderungen an den Stelleninhaber
Kommunikationsbeziehungen zu anderen Abteilungen
2. Inhalte eines Anforderungsprofil
Im Anforderungsprofil einer Stelle ist festgelegt, welche geistigen, körperlichen, fachlichen
und administrativen Anforderungen erwartet werden. Zur Konkretisierung der zu Ihrem
Unternehmen passenden Anforderungen beantworten Sie sich folgende Fragen:
• Ist eine spezielle Ausbildung erforderlich? Welche Wissensgebiete müssen
beherrscht werden? Wie können meine eigenen Defizite ausgeglichen werden?
• Sind zur Lösung Kreativität, Eigeninitiative, Fachwissen, Allgemeinwissen etc.
erforderlich?
• Welche Anzahl und Art der Kontakte existieren, welche Bedeutung für die Position
stellen sie dar, welches Konfliktpotenzial besteht?
• Wie ausgeprägt sind Handlungs-, Tätigkeits- und Kontrollspielraum für die Stelle?
Sind Sonderregeln vorgesehen? Werden Maßnahmen zur Gesundheitsförderung
übertragen?
• Welche körperliche und geistige Belastung bringt die Stelle mit sich?
• Welche Entscheidungskompetenzen und Vollmachten sind vorgesehen?
• Sind Weisungsbefugnisse und Führungskompetenzen mit der Position verbunden?
• Wann ist der Starttermin? Wie lange soll die Beschäftigung dauern
(befristet/unbefristet)? Wie viele Stunden täglich?
Sind das Stellen- und Anforderungsprofil fixiert, fließen deren Inhalte in die Entwicklung der
Auswahlkriterien für einen neuen Mitarbeiter ein
3. Wahl des Personals
Wenn Sie sich nach der Erstellung des Anforderungsprofils für eine Form der Mitarbeit
entschieden haben, dann suchen Sie sich den entsprechenden Mitarbeiter. Manchmal
macht es Sinn, erst mit einer Teilzeitkraft oder Freelancern anzufangen. Meistens stellt sich
nach einem Zeitraum von 3 bis 6 Monaten heraus, ob Sie umdisponieren müssen. Dann
können Sie z.B. einem Teilzeitmitarbeiter eine 75%- oder 100%-Stelle anbieten. Bewahren
Sie sich den Spielraum (im rechtlich möglichen Rahmen) und entscheiden Sie nicht
aus dem Bauch heraus, sondern in jedem Fall nach den aktuellen und geplanten
Anforderungen. Achten Sie auch hier auf Ihre eigene Belastung und die des zukünftigen
Mitarbeiters!
Beschäftigungsarten im Überblick
Nachdem Sie sich ein Bild von der zukünftigen Stelle gemacht haben, sollten Sie sich für
eine passende Beschäftigungsart entscheiden. Achten Sie in jedem Fall darauf, bei welcher
Art das Verhältnis Kosten – Leistung im Gleichgewicht stehen wird.
Vollzeitmitarbeiter sind fest, befristet oder unbefristet angestellte Mitarbeiter, die sich an der
betriebsüblichen Arbeitszeit orientieren. Sie schließen mit ihnen einen schriftlichen
Arbeitsvertrag ab und müssen neben dem fixen Gehalt der Mitarbeiter zusätzlich
Lohnnebenkosten zahlen. Für die Grobkalkulation sollten Sie hier mindestens 20%
„Mehrkosten" einplanen.
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Personalbedarf planen
Teilzeitmitarbeiter sind fest, befristet oder unbefristet angestellte Mitarbeiter, die sich nicht
an der betriebsüblichen Arbeitszeit orientieren. Für qualifizierte Arbeiten mit geringerem
zeitlichen Umfang bieten sie daher Kostenvorteile gegenüber Vollzeitmitarbeitern. Befristete
Arbeitsverträge können je nach Unternehmen sinnvoll sein. Das neue Teilzeit- und
Befristungsgesetz (TzBfG) bietet hier verschiedene Möglichkeiten:
Eine Befristung ist ohne weiteres zulässig (§ 14 Absatz 1 TzBfG), wenn ein
sachlicher Grund vorliegt. Zum Beispiel:
Ein vorübergehender betrieblicher Bedarf (z. B. Saisonarbeitsplätze)
Die Befristung im Anschluss an eine Ausbildung oder ein Studium. um den
Übergang des Arbeitnehmers in ein Anschlussbeschäftigung zu erleichtern
Bei Vertretung eines Arbeitnehmers, der z. B. wegen Elternzeit oder längerer
Krankheit abwesend ist.
Ohne konkreten sachlichen Grund ist die Befristung eines Arbeitsvertrages bis zu zwei
Jahren möglich (sog. erleichterte Befristung). Bis zur Gesamtdauer von zwei Jahren kann
auch ein zunächst kürzer befristeter Arbeitsvertrag höchstens dreimal verlängert werden. Die
Zweijahreshöchstgrenze gilt (bis Ende 2006) nicht für Arbeitnehmer, die das 52. Lebensjahr
vollendet haben (Neuregelung § 14 Abs. 3 TzBfG). Eine Befristung ohne sachliche
Begründung ist nicht zulässig, wenn mit demselben Arbeitgeber bereits zuvor ein befristetes
oder unbefristetes Arbeitsverhältnis bestanden hat. Die Befristung des Arbeitsvertrages
muss immer schriftlich vereinbart werden.
Beendigung, Kündigung: Ein kalendermäßig befristetes Arbeitsverhältnis endet mit Ablauf
der vereinbarten Zeit. Ein zweckbefristeter Arbeitsvertrag endet mit Erreichen des Zwecks.
Ein befristetes Arbeitsverhältnis kann ordentlich, d.h. unter Einhaltung der gesetzlichen oder
einer vereinbarten Kündigungsfrist, gekündigt werden, wenn dies im Arbeitsvertrag (oder im
anwendbaren Tarifvertrag) ausdrücklich vereinbart ist.
Zeitarbeitspersonal wird von Zeitarbeitsfirmen vermittelt. Die Arbeitnehmer sind dort
festangestellt. Für die „verliehenen" Mitarbeiter stellt die Zeitarbeitsfirma Ihnen eine auf den
Arbeitseinsatz bezogene Rechnung. Vorteil für Sie: Es fallen weder Lohnnebenkosten noch
Urlaubsgeld und Lohnfortzahlung bei Krankheit an. Dafür zahlen Sie aber dann einen
Stundensatz von ca. 15,00 bis 25,00 EUR (je nach Qualifikation und Einsatz).
Aushilfen werden zeitlich befristet eingestellt und können in Teilzeit wie in Vollzeit
beschäftigt werden, zum Beispiel als Schwangerschafts-, Urlaubs-, Krankheitsvertretung.
Das Verhältnis endet automatisch ohne Kündigung nach Ablauf der vereinbarten Frist.
Geringfügig Beschäftigte dürfen wöchentlich nur 15 Stunden arbeiten und verdienen
maximal 400,00 EUR monatlich.
Steuern: Grundsätzlich sind die 400-Euro-Jobs steuerfrei. Nur wer als Arbeitnehmer
mehrere dieser Beschäftigungen ausübt, muss die Einkünfte aufaddieren und dann
Einkommensteuer zahlen.
Krankenversicherung: Sie zahlen als Arbeitgeber einen Beitrag von 10% in die gesetzliche
Krankenversicherung des Mitarbeiters.
Rentenversicherung: Als Chef zahlen Sie 12% des Lohnes in die Rentenkasse ein. Wenn
Ihr 400-Euro-Jobber daraus eine Rente kassieren möchte, muss er zudem 7,5% aus
eigener Tasche abführen. Hinweis: Für Aushilfen, die weniger als 155 EUR im Monat
verdienen, sind keine Abgaben fällig.
- 61 -
Personalbedarf planen
Freie Mitarbeiter (Freelancer) sind auch für andere Kunden tätig und gestalten die Arbeit
nach eigenen fachlichen Vorstellungen. Sie stellen einem Unternehmen auf eigene
Rechnung Leistungen zur Verfügung. Der Vorteil für Sie ist, dass so keine Lohnnebenkosten
anfallen. Auch Urlaub und das Risiko von Krankheit brauchen Sie nicht zu tragen. Sie
zahlen lediglich das Honorar für die erbrachte Leistung. Achtung: Diese Form der
Zusammenarbeit wird problematisch, wenn das Verhältnis in die Nähe einer
arbeitsrechtlichen Beziehung gerät. Eine so genannte Scheinselbstständigkeit oder ein
verdecktes Angestelltenverhältnis liegt dann vor, wenn
• ein Freier Mitarbeiter über längere Zeit nur für Ihr Unternehmen tätig ist,
• ein fester Arbeitsplatz für ihn bereitsteht und
• er zu festen Arbeitszeiten anwesend sein muss.
Wird eine Scheinselbstständigkeit nachträglich festgestellt, zum Beispiel durch die
Krankenkassen, müssen die vollen Sozialleistungen nachgezahlt werden, und zwar sowohl
Ihr Arbeitgeberanteil als auch der Arbeitnehmeranteil! Wenn Sie hauptsächlich mit Freien
Mitarbeitern arbeiten möchten, lassen Sie sich von einem Rechtsanwalt einen
Standardvertrag ausarbeiten.
Wer eine/n Freund/in einstellt, sollte sich bewusst sein, dass es hier schneller zu
Missverständnissen und Reibereien kommen kann, unter denen dann letzten
Endes die ganze Freundschaft leidet. Empfehlungen von Bekannten können
dagegen die Suche nach geeignetem Personal abkürzen. Aber auch hier wird ein
normales Vorstellungsgespräch mit den entsprechenden Unterlagen durchgeführt.
Quelle: http://www.kfw-mittelstandsbank.de
Personalbedarf kalkulieren
Wenn Sie Ihren Personalbedarf nach organisatorischen, sachlichen und gesundheitlichen
Gründen planen, sollten Sie sich auch klar darüber sein, welche Kosten auf Sie zukommen.
Neben einem zusätzlichen Arbeitsplatz müssen Sie auch das Gehalt kalkulieren. Sie finden
hier ein Rechenbeispiel für einen Angestellten, der eine 100%-Stelle bei Ihnen ausfüllen soll.
1. Welche Kosten entstehen?
Ein Arbeitgeber bietet einem Bewerber ein Brutto-Gehalt in einer bestimmten Höhe an.
Dieses Brutto-Gehalt besteht aus:
Arbeitnehmer-Sozialversicherungsbeiträgen (Stand 2004) mit
• ca. 7,00% Krankenversicherung
• 9,75% Rentenversicherung
• 3,25% Arbeitslosenversicherung
• 0,85% Pflegeversicherung
• + Lohnsteuer je nach Steuerklasse und Einkommen
• + Netto-Gehalt
Der Arbeitnehmeranteil der Sozialversicherungsbeiträge beziehen sich jeweils auf das
Brutto-Gehalt. Um festzustellen, wie hoch die Gesamtbelastung für ein Gehalt ist, muss der
Arbeitgeber zum Brutto-Gehalt noch den Arbeitgeberanteil der Sozialversicherungsbeiträge
addieren.
- 62 -
Personalbedarf kalkulieren
2. Brutto-Gehalt
Brutto-Gehalt + Arbeitgeberanteil Sozialversicherungsbeiträge
(Prozentzahlen beziehen sich auf das Brutto-Gehalt)
• ca. 7,00% Krankenversicherung
• 9,75% Rentenversicherung
• 3,25% Arbeitslosenversicherung
• 0,85% Pflegeversicherung
• = Gesamtbelastung für den Arbeitgeber
Nicht berücksichtigt wurden die Beiträge zur Berufsgenossenschaft sowie die Kosten für
eine dauerhafte Einrichtung des Arbeitsplatzes.
3. Finanzielle Hilfen
Selbstständige, deren Unternehmen nicht älter als zwei Jahre alt ist und die nicht mehr
als fünf Arbeitnehmer beschäftigen, können einen Einstellungszuschuss bei Neugründung
(§ 225ff. 5GB 111) erhalten, wenn sie unbefristet Arbeitnehmer beschäftigen, die vor der
Einstellung mindestens drei Monate folgende Bedingungen erfüllt haben:
a. Arbeitslosengeld, Arbeitslosenhilfe oder KurzarbeitergeId in einer
betriebsorganisatorisch eigenständigen Einheit bezogen haben oder
b. In einer vom Arbeitsamt geförderten Arbeitsbeschaffungsmaßnahme oder
Strukturanpassungsmaßnahme beschäftigt waren oder
c. An einer nach dem 5GB 1II geförderten Maßnahme der beruflichen Weiterbildung
teilgenommen haben oder die Voraussetzungen erfüllen, um
Entgeltersatzleistungen bei beruflicher Weiterbildung oder bei Leistungen zur
Teilhabe am Arbeitsleben zu erhalten.
d. Der Zuschuss kann höchstens für zwei Arbeitnehmer gleichzeitig gewährt
werden. Er kann nur bewilligt werden, wenn der Arbeitnehmer nicht bereits mit
einem anderen Lohnkostenzuschuss (5GB 1II) gefördert wird.
e. Der Zuschuss zum Arbeitsentgelt beträgt 50% des berücksichtigungsfähigen
Arbeitsentgelts und kann für max. 12 Monate geleistet werden.
Weitere Informationen hält das zuständige Arbeitsamt bereit.
Wichtig ist, dass alle aufgeführten Leistungen beim örtlich zuständigen Arbeitsamt vor
Beschäftigungsbeginn bzw. vor Abschluss des Arbeitsvertrages beantragt werden müssen.
Dort wird auch in jedem Einzelfall über die Gewährung entschieden.
4. Arbeitsplatz planen
Wenn Sie Personal einstellen, brauchen Sie nicht nur einen passenden Arbeitsplatz, der
entsprechende Investitionen erfordert, sondern Sie tragen auch die Verantwortung für die
Sicherheit und Gesundheit am Arbeitsplatz. Achten Sie deshalb bei der Bereitstellung und
Einrichtung von Arbeitsplätzen auf die geltenden Rechtsvorschriften. Sie werden sowohl
vom Staat als auch von den Berufsgenossenschaften als Unfallversicherungsträger
erlassen. Empfehlungen der Berufsgenossenschaften zum Arbeitsschutz unterstützen
Sie dabei, die Arbeit und die Arbeitsbedingungen optimal zu gestalten.
Zusätzliche Informationen finden Sie im Verlauf dieser Broschüre und bei den OnlineVeröffentlichungen: http://www.guss-net.de.
- 63 -
Personal suchen
Personal suchen
Der günstigste Weg, um neue Stellen zu besetzen, ist eine interne Ausschreibung, sofern
sich im Unternehmen ein passender Mitarbeiter befindet. Die externe Personalbeschaffung
hat den Vorteil, dass „frischer Wind" in Ihr Unternehmen kommt und Sie sparen die Kosten
der Ausbildung, die Sie eventuell in einen vorhandenen Mitarbeiter investieren müssten.
1. Stellenanzeigen
Ihre Anzeige sollte im Verhältnis zu dem Umfang der ausgeschriebenen Stelle stehen.
Für die Suche nach einem einfach qualifizierten Mitarbeiter sind lokale Tageszeitungen
passend. Bei höher qualifizierten Fachkräften lohnt sich eine Anzeige in Fachzeitschriften
oder der überregionalen Tagespresse. Ihre Stellenanzeige sollte beinhalten:
Informationen über Ihr Unternehmen
Geben Sie wieder, was Sie produzieren, Ihre Branche und die Größe des Unternehmens.
Was unterscheidet Ihre Firma von anderen (z. B. junges Team, gutes Betriebsklima)?
Warum sollte ein zukünftiger Mitarbeiter gerade bei Ihnen anfangen? Nennen Sie eigene
USPs (Einzigartigkeits-Merkmale), verweisen Sie auf eine gesundheitsfördernde und
gesunde Organisation, wenn Sie entsprechende Maßnahmen durchführen. Mitarbeiter,
die gesundheitsbewusst leben, achten mehr auf sich und andere, arbeiten zielstrebiger und
gewissenhafter, können so also für Ihr Unternehmen mehr von Vorteil sein.
Stellenbeschreibung
Beschreiben Sie die Stelle. Nennen Sie den Zeitpunkt, zu dem sie zu besetzen ist und
warum (etwa die Neuschaffung einer Stelle wegen Expansion). Sollte die Stelle befristet
sein, geben Sie den Zeitpunkt und den Grund an (etwa Schwangerschaftsvertretung).
Machen Sie Angaben über Zusatzleistungen. In Bezug auf Lohn/Gehalt können Sie
konkrete Angaben machen oder um die Angabe einer Gehaltsvorstellung bitten.
Anforderungen an den Bewerber
Nennen Sie die Hauptaufgaben, die den Bewerber erwarten sowie die Voraussetzungen,
die er mitbringen sollte (Ausbildung, Berufserfahrung, Kenntnisse und Fähigkeiten).
Kontaktaufnahme
Geben Sie an, in welcher Form der Bewerber mit Ihnen bis wann in Kontakt treten soll.
Wer ist der Ansprechpartner? Welche Unterlagen wünschen Sie bei einer schriftlichen
Bewerbung?
Vollständige Unterlagen
• Lebenslauf (mit Lichtbild)
• Zeugnisse oder Tätigkeitsnachweise der Beschäftigungen der letzten 10 Jahre
• schulisches Abschlusszeugnis
• berufliches Abschlusszeugnis (Gesellenbrief, Prüfungszeugnis der IHK)
• eventuelle Nachweise über Zusatzausbildungen wie Fachwirt
Kurzbewerbung
• Lebenslauf (mit Lichtbild)
• Zeugnis oder Nachweis der letzten Tätigkeit oder von Tätigkeiten aus der
Vergangenheit, die für die ausgeschriebene Stelle relevant sind.
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Personal suchen
2. Arbeitsamt
Diese Art der Personalbeschaffung eignet sich für gewerbliche Mitarbeiter, Aushilfen oder
bei Stellenbesetzungen mit mittlerer Qualifikation. Kontaktieren Sie den zuständigen
Arbeitsvermittler. Er erstellt eine Stellenangebotskarte mit Anforderungsprofil. Diese
Ausschreibung bekommen qualifizierte Arbeitsuchende, die sich mit Ihnen in Verbindung
setzen. Im Falle einer Einstellung benachrichtigen Sie das Arbeitsamt, dass Sie keine
weiteren Bewerbungen wünschen. Bewerbern, die für die ausgeschriebene Stelle nicht in
Frage kommen, senden Sie ihre Unterlagen mit einem Absagebrief zurück (Kopie ans
Arbeitsamt).
Wenn Sie sich für einen Bewerber entscheiden, der längere Zeit arbeitslos war, können
Sie die Lohnkostenzuschüsse des Arbeitsamtes nutzen. In manchen Fällen werden auch für
eine begrenzte Zeit bis zum 50% des Gehaltes übernommen (siehe vorheriges Kapitel
„Personalbedarf kalkulieren“).
3. Private Arbeitsvermittlung
Private Arbeitsvermittler haben den Vorteil, dass Sie die Bewerber persönlich kennen.
Sie können abschätzen, ob ein Bewerber in Ihr Unternehmen passt. Sie informieren den
Arbeitsvermittler über die Vorstellung, die Sie von Ihrem zukünftigen Mitarbeiter haben und
über das Gehalt, das sie zahlen möchten. Zunächst recherchiert das Unternehmen in der
eigenen Datenbank. Wenn dort niemand zu finden ist oder die Anforderungen an den
Bewerber zu speziell sind, schaltet die Arbeitsvermittlung auf eigene Kosten
Stellenanzeigen.
Die Firma übernimmt für Sie darüber hinaus:
• die Auswertung der Bewerbungsunterlagen,
• eine Vorauswahl der in Frage kommenden Kandidaten,
• die Einladung der geeigneten Bewerber zum Vorstellungsgespräch mit Ihnen,
• die Absagen und Unterlagenrücksendung an die übrigen Bewerber.
Bei einer Einstellung zahlen Sie ein Honorar von circa 15% des Bruttojahreseinkommens
des neuen Mitarbeiters an die private Arbeitsvermittlung. Sollten Sie nicht fündig werden,
müssen Sie auch nichts zahlen.
4. Zeitarbeit
Personalengpässe können Sie durch Zeitarbeitskräfte abdecken. Vorteile sind die
kurzfristige Vermittlung und geringer Verwaltungsaufwand. Sie leihen sich die Mitarbeiter bei
einem Zeitarbeitsunternehmen aus. Sie informieren die Zeitarbeitsfirma über die Stelle, die
Sie besetzen möchten, über die Vorstellung, die Sie von Ihrem zukünftigen Mitarbeiter
haben und über den Zeitraum. Sie erhalten dann Profile der in Frage kommenden
Zeitarbeitskräfte. Die Mitarbeiter sind beim Zeitarbeitsunternehmen fest angestellt. Sie
zahlen für die Leihzeit nach Stundensatz. Dieser ist hoch, allerdings sparen Sie die
Lohnnebenkosten, den Ausfall bei Krankheit, das Urlaubsgeld usw. Einen guten Überblick
über die Zeitarbeitsfirmen erhalten Sie unter: http://www.germanpersonnel.de und
http://www.marktplatz-zeitarbeit.de
5. Jobbörsen im Internet
Der einfachste Weg ist die Rekrutierung über die Firmen-Homepage. Die gedruckte
Stellenanzeige wird ohne großen Aufwand in HTML umgesetzt und ein Link zur
Personalabteilung gesetzt.
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Personal suchen
Erfolgreiches E-Recruitment bedeutet außerdem, sämtliche zur Verfügung stehenden
digitalen Wege zu nutzen. Da die Rekrutierungswege über das Netz noch nicht etabliert
sind, müssen Sie an vielen Orten im Cyberspace präsent sein. Virtuelle Jobbörsen haben
daher eine Brückenfunktion.
Die wichtigsten Internet-Jobbörsen:
http://www.jobs.de, http://www.monster.de, http://www.jobrobot.de,
http://www.stepstone.de, http://www.jobpilot.de, http://www.jobscout24.de,
http://www.meinestadt.de
6. Recruiting Messen
Welche Messe unterstützt Ihre Ziele? Kommt es Ihnen eher auf Imagewerbung an? Dann
bietet sich eine Großveranstaltung an. Oder wollen Sie gezielt rekrutieren? In diesem Fall
sind Sie auf einer branchenbezogenen Interview-Messe besser aufgehoben.
Termin-Recherche unter: http://www.arbeitsamt.de
Die richtige Vorbereitung
Als kleines Unternehmen stellen Sie eher auf einer kleinen Messe aus. Qualifizierte
Jobsuchende werden mehr auf Ihre Firma aufmerksam, je weniger Publikumsmagneten am
Ort sind.
Erstellen Sie Infomaterialien: Wer sind Sie? Was machen Sie? Welche Entwicklung nimmt
Ihre Firma? Wie ist Ihre Unternehmenskultur?
Informieren Sie sich über Ihre Zielgruppe und sprechen Sie diese in einer Broschüre an.
Beispiel: Betriebswirte interessieren sich für die Marktposition Ihrer Firma, Ingenieure
schauen stärker auf den Arbeitsbereich.
7. Innerbetriebliches Personal
Bei einer Unternehmensnachfolge werden Sie in der Regel auch das Personal mit
übernehmen. Prüfen Sie anhand eigens aufgestellter Profile, ob die Mitarbeiter die richtigen
Stellen besetzen. Manchmal ist eine Versetzung sinnvoll, weil sich einige Mitarbeiter im
Laufe der vergangenen Zeit unter- oder überfordert fühlen. In einem Mitarbeitergespräch
lassen sich viele Dinge klären. Nutzen Sie diese Gelegenheit. Stellen Sie dann bei Ihrer
Prüfung fest, dass eine Stelle neu zu besetzen ist, dann machen Sie zuerst eine
innerbetriebliche Ausschreibung. Findet sich hiermit kein geeigneter Kandidat für die neuen
Aufgaben, suchen Sie extern Ihren passenden neuen Mitarbeiter.
Quellen: http://www.kfw-mittelstandsbank.de und http://www.bmwa.bund.de
Personal finden
Nehmen Sie sich Zeit für die Auswahl eines Mitarbeiters. Erarbeiten Sie sich Kriterien, wie
Sie die Bewerbungsunterlagen bewerten möchten. Hierzu ein paar Tipps für die Auswertung
der Bewerbungsunterlagen:
1. Bewerbungsunterlagen
In welchem Zustand sind die Bewerbungsunterlagen? Haben Sie alle Unterlagen erhalten
oder fehlt etwas? Versuchen Sie, einen subjektiven ersten Eindruck zu vermeiden.
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Personal finden
Das Anschreiben
Das Aushängeschild des Bewerbers sollte Sie kurz über folgende Punkte informieren:
• Wie wurde der Bewerber auf Ihr Unternehmen (auf die ausgeschriebene Stelle)
aufmerksam?
• Wie verlief sein beruflicher Werdegang (kurz und auf das Wesentliche beschränkt)?
• In welcher beruflichen Situation steht er derzeit?
• Was interessiert ihn an Ihrem Unternehmen (an der ausgeschriebenen Stelle)?
• Wann kann der Bewerber die neue Stellung antreten?
Der Lebenslauf
Neben den persönlichen Daten zeigt der Lebenslauf, welche Schul- und Berufsausbildung
der Bewerber hat, welche Tätigkeiten er wann, wo und wie lange ausgeführt hat.
Liegen für alle relevanten Tätigkeiten Zeugnisse vor? Ist dies nicht der Fall, erkundigen Sie
sich nach dem Grund und fordern Sie die Unterlagen nach. Ist der Lebenslauf lückenlos?
Gab es einen häufigen Arbeitsplatzwechsel? Im Allgemeinen kann man davon ausgehen,
dass die wenigsten Menschen aus purer Faulheit oder aus mangelnder Teamfähigkeit bzw.
fehlendem Interesse einen auf den ersten Blick chaotischen Lebenslauf haben. Vielmehr
zeigt sich, dass Flexibilität und die Bereitschaft zu neuen Aufgaben mit einem großen
Erfahrungsspektrum der Grund dafür waren und Sie diese Fähigkeiten nutzen könnten. Sie
entscheiden selbst, wie wichtig Ihnen diese Kriterien sind und welche Schlüsse Sie daraus
ziehen. Oder laden Sie solche möglichen Mitarbeiter einfach auch zu einem Gespräch ein
und fragen Sie dann nach.
Das Lichtbild
Als erster Anhaltspunkt über die Persönlichkeit des Bewerbers dient Ihnen das Lichtbild.
Sehen Sie sich Ihre Firmenphilosophie, Ihre Mitarbeiter und sich selbst an und Sie werden
feststellen, welcher Typ zu Ihnen und Ihrem Unternehmen passt.
Das Arbeitszeugnis
Das einfache Zeugnis enthält Auskünfte über Art und Dauer der Beschäftigung. Es wird
ausgestellt, wenn die Beschäftigungsdauer für ein qualifiziertes Zeugnis zu kurz war. Es gibt
keine Aussagen über Arbeitsleistung, Führungsverhalten und Beendigungsgründe.
Das qualifizierte Arbeitszeugnis enthält:
• Personalien des Arbeitnehmers
• Gesamtdauer der Beschäftigung
• Funktion und Position des Beschäftigten
• Aufgabenbeschreibung
• Fortbildungsmaßnahmen
• Leistungsbeurteilung
• Verhaltensbeurteilung
• Beendigungsgründe
• Schlussformulierung
Zeugnisse richtig lesen
Jeder Arbeitgeber ist verpflichtet, ein qualifiziertes Arbeitszeugnis aussagekräftig,
wahrheitsgemäß und wohlwollend auszustellen (Bundesarbeitsgericht 1960). Der
Richterspruch führte dazu, dass Arbeitszeugnisse auf den ersten Blick eigentlich immer
- 67 -
Personal finden
hervorragend scheinen, man wird nie eine wirklich negative Formulierung finden. Das
bedeutet allerdings nicht, dass der Arbeitgeber sich einer Beurteilung enthalten würde. Im
Gegenteil: In Arbeitszeugnissen werden codierte Formulierungen eingesetzt, die Sie richtig
interpretieren müssen. Der Teufel steckt im Detail.
Eine ausführliche Liste der üblichen Formulierungen finden Sie unter:
http://www.kfw-mittelstandsbank.de (Stichwortsuche: Zeugnis)
Vergleichen Sie die Qualifikation jedes Bewerbers mit der Stellenbeschreibung: Wer
entspricht Ihrem Anforderungsprofil? Besprechen Sie ihre Vorauswahl mit
Geschäftspartnern oder dem Vorgesetzten des zukünftigen Mitarbeiters. Führen Sie
Vorstellungsgespräche möglichst zu zweit. Wenn Sie sich für mehrere Bewerber
entschieden haben, machen Sie einen Termin für das Vorstellungsgespräch aus. Senden
Sie den abgewiesenen Bewerbern ihre Unterlagen vollständig zurück.
1. Vorstellungsgespräche
Das Ziel eines Vorstellungsgesprächs ist die Personalentscheidung. Sehen Sie die
Unterlagen des Bewerbers vor dem Gespräch noch mal durch. Machen Sie sich Notizen zu
den Punkten, zu denen Sie Fragen haben oder die Sie näher erläutert haben möchten.
Sollte eine weitere Person beim Bewerbungsgespräch dabei sein, informieren Sie diese
über den geplanten Gesprächsablauf. Vermeiden Sie Störungen während des Gesprächs.
Manchmal ist ein weiterer Termin notwendig, damit Sie Ihre Entscheidung treffen können.
Um Ihnen die Vorgehensweise in einem Bewerbungsgespräch zu erleichtern, finden Sie hier
ein paar Tipps für die Gesprächsführung. Wahrscheinlich haben die Bewerber schon mehr
Gespräche hinter sich als Sie selbst. Entspannen Sie sich und achten Sie darauf, dass
jedes Vorstellungsgespräch in einer entspannten Atmosphäre stattfindet, da die Bewerber
sicher trotz aller Erfahrung ebenfalls nervös sein werden.
Begrüßung
Das Vorstellungsgespräch sollte in einer entspannten Atmosphäre stattfinden, da die
meisten Menschen nervös sind. Stellen Sie die Gesprächspartner vor und danken Sie dem
Bewerber für sein Interesse. In jedem Fall sollte die Vertraulichkeit des Gespräches
zugesichert werden. Um die Spannung aus der Situation zu nehmen, fragen Sie am Anfang
etwa nach der Anreise, dem persönlichen Befinden oder nach Hobbys. Dann wird der
Bewerber lockerer und offener sein und Sie erfahren mehr über ihn. Klären Sie ihn über
Ablauf und Dauer auf. Weisen Sie auf mögliche Tests im Anschluss an das Gespräch hin.
Darstellung des Unternehmens
Zur Einleitung stellen Sie Ihr Unternehmen vor. Welche Produkte/Dienstleistungen bieten
Sie an, welchen Kundenkreis bedienen Sie? Informieren Sie - wenn Sie vor der
Unternehmensgründung stehen - über Ihre Gründungsabsicht, Zeitpunkt der
Geschäftseröffnung oder -übernahme und warum Sie schon vorab Mitarbeiter einstellen
möchten. Machen Sie Angaben zur Gesundheitsförderung, welche Maßnahmen von Ihnen
getroffen werden, warum Ihnen die Gesundheit der Mitarbeiter am Herzen liegt und welche
Erwartungen Sie hierzu an neue Mitarbeiter stellen. Erklären Sie, warum eine gesunde
Organisation für die Kundenbindung wichtig ist.
- 68 -
Personal finden
Eigendarstellung des Bewerbers
Dann fragen Sie nach seinen Beweggründen der Bewerbung, welche Jobs der Bewerber
während seiner Laufbahn gern gemacht hat und warum. Lassen Sie sich ruhig etwas
erzählen, was Sie schon aus den Unterlagen wissen. Sie gewinnen Zeit und können sich auf
die Persönlichkeit des Bewerbers konzentrieren. Wie drückt er sich aus und welche
Körpersprache setzt er ein. Lassen Sie alles, was er von sich gibt – verbal und körperlich –
auf sich wirken. Fragen Sie, wenn Sie etwas nicht verstanden haben. Sprechen Sie Stärken
und Schwächen an. Fragen Sie ruhig nach, wenn er behauptet, dass er habe keine
Schwächen habe.
Beschreibung der Stelle
Erkundigen Sie sich nach den Erwartungen an die Arbeitsstelle. Lassen Sie sich schildern,
was ihm bei einem Job wichtig ist: Selbstständiges Arbeiten, ein gutes Betriebsklima,
finanzielle Kriterien. Finden Sie anhand der von Ihnen gefertigten Stellenbeschreibung
heraus, ob sich die Vorstellungen des Bewerbers mit dem Anforderungsprofil decken.
Erläutern Sie die Punkte, die sich nicht decken und warum.
Konditionen
Informieren Sie den Bewerber über die Inhalte des Arbeitsvertrages: Eintrittsdatum,
Probezeit, Arbeitszeit, Urlaub, Lohn/Gehalt, Sonderzahlungen. Sie können den Bewerber
auch bitten, seine Gehaltsvorstellungen zuerst darzulegen.
Fragen klären
Beantworten Sie die Fragen des Bewerbers ehrlich. Wenn Sie noch Fragen haben, stellen
Sie diese am Schluss.
Einstellungstests
Die Bandbreite möglicher Tests ist sehr groß und reicht von „einfachen" Wissensfragen bis
zum mehrtägigen Assessment Center (AC). Mehrtägige ACs lohnen sich aber nur bei
größeren Unternehmen, da die Kosten pro Teilnehmer bis zu 10.000 EUR betragen können.
Ziel eines jeden Einstellungstests ist es dabei, quantitative und qualitative Eigenschaften
sowie die Leistungsfähigkeit des Bewerbers zu messen und seine Persönlichkeit zu
erfassen. Allerdings sollten Sie etwa die Ergebnisse eines Tests nicht überbewerten.
Interessanter als das eigentliche Ergebnis ist z.B. das Verhalten der Bewerber unter Stress.
Deshalb sollten Sie immer auch auf ihr „Gefühl" hören, wenn Sie einen neuen Mitarbeiter
auswählen. Je nach Arbeitsplatz sind dabei fachliches Wissen, Auffassungsgabe,
Belastbarkeit oder etwa soziale und kommunikative Fähigkeiten wichtig. Einige Tests zu
Allgemeinwissen, logischer Auffassungsgabe und ähnlichem finden Sie auf den Seiten von
Focus (http://focus.msn.de/D/DB/DB19/db19.htm). Diese können online durchgeführt und
ausgewertet werden.
Verabschiedung
Machen Sie keine voreiligen Zusagen. Bedanken Sie sich für das Gespräch und nennen Sie
einen Zeitpunkt, zu dem Sie Ihre Entscheidung treffen. Klären Sie, wer sich mit wem in
Verbindung setzt.
Überschlafen Sie Ihre Entscheidung. Wenn Sie sich für einen neuen Mitarbeiter entschieden
haben, arbeiten Sie einen Arbeitsvertrag aus. Vordrucke von Standardverträgen erhalten
Sie im Bürofachhandel.
- 69 -
Personal finden
Welche Fragen sind erlaubt?
Wenn Sie sich Gedanken zum Gesprächsablauf machen, sollten Sie wissen, was Sie bei
einem Bewerbungsgespräch fragen und nicht fragen dürfen:
Gesundheit
Erlaubt sind Fragen nach
•
chronischen oder ansteckenden Krankheiten,
•
Alkoholismus, Drogensucht,
•
Krankheiten, bevorstehenden Operationen oder Kuren, die den zugesagten
Arbeitsbeginn gefährden.
Verboten sind Fragen nach
•
früheren Krankheiten, die längere Fehlzeiten zur Folge hatten,
•
dem allgemeinen Gesundheitszustand, außer es herrscht ein berechtigtes Interesse
(wenn dauerhafte oder akute Krankheiten für den Arbeitsplatz von Bedeutung wären),
•
dem sexual-medizinischen Bereich.
Kündigungsschutz
Erlaubt sind Fragen nach
•
bevorstehendem Wehr- oder Ersatzdienst,
•
Schwerbehinderung und deren Prozentsatz.
Verboten sind Fragen nach
•
der Einnahme von Verhütungsmitteln,
•
Schwangerschaft (außer es geht um eine Tätigkeit, für die Schwangere nicht
eingesetzt werden dürfen, wie Nachtarbeit oder das Heben von schweren Lasten).
Persönliches
Erlaubt sind Fragen nach
•
dem Familienstand.
Verboten sind Fragen nach
•
Lohnpfändungen und -abtretungen,
•
Vorstrafen (außer es handelt sich hier um einen dafür sensiblen Arbeitsplatz, wie
Veruntreuung bei einem Kassierer, Führerscheinentzug bei einem Kraftfahrer) –
aber der Bewerber muss nicht von sich aus auf Vorstrafen hinweisen,
•
Vermögensverhältnissen (Schulden), außer es geht um eine Vertrauensstellung,
•
einer Heirat in absehbarer Zeit.
Berufliches
Erlaubt sind Fragen nach
•
allen bisherigen Anstellungen und Zeiten etwaiger Arbeitslosigkeit,
•
nach beruflichen und fachlichen Fähigkeiten, dem Werdegang und nach Zeugnisnoten,
•
dem Grund des aktuellen Stellenwechsels,
•
bestehendem Wettbewerbsverbot (zeitliche Sperre, die einen Wechsel verhindert).
Verboten sind Fragen nach
•
dem früheren Verdienst, außer Sie sagen dem Bewerber, dass sich das Gehalt / der
Lohn nach seinem bisherigen Verdienst richten soll,
•
Gründe für frühere Stellenwechsel,
•
Religions-, Partei- und Gewerkschaftszugehörigkeiten
- 70 -
Personal finden
Absagen formulieren
Es gehört es zum guten Ton, dass Sie den nicht in Frage kommenden Bewerbern Ihre
Entscheidung mitteilen und ihnen ihre Unterlagen in einem einwandfreien Zustand
zurücksenden. Ein Absagebrief könnte wie folgt lauten:
Sehr geehrte(r) Frau (Herr) Mustermann,
vielen Dank für Ihre Bewerbung vom ....... und Ihr Interesse an unserem Unternehmen.
Zu unserem Bedauern müssen wir Ihnen mitteilen, dass wir uns zwischenzeitlich für einen Bewerber
entschieden haben, dessen Anforderungsprofil mehr der zu besetzenden Stelle entspricht. Bitte sehen Sie
darin keine Abwertung Ihrer eigenen Qualifikation. Als Anlage senden wir Ihnen Ihre Bewerbungsunterlagen
zurück und wünschen Ihnen für Ihren Berufsweg alles Gute.
Mit freundlichen Grüßen
Probieren geht über Studieren
Wenn Sie sich nicht sicher sind, ob der ausgesuchte Mitarbeiter zu Ihrem Unternehmen
passt, vereinbaren Sie einen Schnuppertag. Hier können dann beide Seiten leichter
feststellen, ob sich die Erwartungen erfüllen werden. In bestimmten Bereichen empfiehlt sich
auch die Abgabe einer Arbeitsprobe während dieser Zeit. Setzen Sie den möglichen neuen
Mitarbeiter aber nicht unter Druck, begegnen Sie ihm freundlich, offen und beantworten Sie
auch am Schnuppertag alle Fragen. Am Ende sollten Sie gemeinsam über die Erfahrungen
sprechen, die Arbeitsprobe beurteilen und klären, ob noch Interesse an der Stelle besteht.
Nach der Einstellung haben Sie ohnehin Zeit, während der Probezeit (i.d.R. 6 Monate,
beachten Sie eventuell geltende gewerkschaftliche Vereinbarungen) die Leistung des neuen
Mitarbeiters zu beurteilen oder zu würdigen. Nach der Probezeit informieren Sie den
Mitarbeiter schriftlich, ob der weiter bei Ihnen beschäftigt wird oder nicht. Eine Kündigung
während der Probezeit ist ohne Angaben von Gründen und innerhalb eines Tages zulässig.
Dennoch ist es fairer, die Situation gemeinsam zu besprechen oder es gar nicht so weit
kommen zu lassen. Regelmäßige Feedbackgespräche helfen, entgegen zu steuern,
Missverständnisse oder Unsicherheiten zu beseitigen, so dass die Beschäftigung auch über
die Probezeit hinaus erfolgreich sein wird.
Quellen: Gründerzeiten Nr. 15 und http://www.kfw-mittelstandsbank.de
- 71 -
Rechte und Pflichten
ICH ALS UNTERNEHMER MIT PERSONAL
Wenn Sie einen oder mehrere neue Mitarbeiter einstellen, wird ab diesem Zeitpunkt vieles
nichts mehr so sein, wie es davor war. Sie haben jetzt nicht nur die Verantwortung für sich
selbst sondern auch für andere.
Rechte und Pflichten
Damit Sicherheit und Gesundheit eines Mitarbeiters gewährleistet sind, gibt es konkrete
Gesetze und Vereinbarungen, an die sich nun als Arbeitergeber halten müssen, um
Schaden von sich und anderen abzuwenden. Ab sofort haben Sie Ihren Mitarbeitern
gegenüber nicht nur Rechte, sondern auch diese vom Gesetzgeber vorgeschriebenen
Pflichten.
1. Vertragliche Pflichten
• Erstellung eines Arbeitsvertrages in schriftlicher Form
• Anmeldung Ihrer Mitarbeiter bei verschiedenen Institutionen
• Erstellung eines Arbeitszeugnisses oder einer Arbeitsbestätigung und die Rückgabe
der Unterlagen (Lohnsteuerkarte, Sozialversicherungsnachweise usw.) im Falle
einer Kündigung
Der Grundsatz der Vertragsfreiheit lässt auch den Abschluss befristeter Verträge
zu. Ein befristetes Arbeitsverhältnis ist allerdings nur zulässig, wenn ein sachlich
gerechtfertigter Grund vorliegt. Sachlich gerechtfertigte Gründe sind:
•
Ausdrücklicher Wunsch des Arbeitnehmers
•
Erprobung des Arbeitnehmers
•
Durchführung von Saisonarbeiten oder zeitgebundenen Projekten
•
Einstellung als Aushilfe (Aushilfskräfte)
•
Einstellung zur Vertretung
Inhalte des Arbeitsvertrages
Der Arbeitsvertrag regelt die rechtlichen Beziehungen zwischen Arbeitgeber und
Arbeitnehmer. Nach aktueller Rechtsprechung müssen Arbeitsverträge schriftlich abgefasst
sein. Sie können Standardverträge verwenden (erhältlich im Bürofachhandel), Verträge
selbst entwickeln oder von Ihrem Rechtsanwalt aufsetzen lassen.
Inhalte:
• Art und Bezeichnung der Tätigkeit
• Beginn und Dauer (befristet/unbefristet) des Arbeitsverhältnisses
• Arbeitszeit mit Pausen
• Verpflichtung zum Arbeitseinsatz auf anderen Plätzen und Gebieten
• Arbeitsentgelt (insbesondere tarifliches oder übertarifliches Entgelt)
• Urlaubsanspruch
• Zuschläge für Überstunden, Nacht-, Sonntags- und Feiertagsarbeit
• Sonderurlaub (bei außerordentlichen Anlässen wie Hochzeit, Todesfall, Umzug)
• betriebliche Sozialleistungen, Ruhegeld und private Nutzung von Betriebsfahrzeugen
• Schweigepflicht
• Probezeit und Kündigungsfrist
- 72 -
Rechte und Pflichten
•
•
•
•
Wettbewerbsverbot
Nebentätigkeiten
Ausschlussklauseln
Sonstige Vereinbarungen
Nach den Anforderungen der gesetzlichen Krankenkasse und des Finanzamtes sind Sie
verpflichtet, eine Personalakte zu führen (In dieser sammeln Sie sämtliche Unterlagen des
Bewerbers und den Schriftverkehr. So werden z. B. Lohn-, Kirchensteuer und
Solidaritätszuschlag vom Finanzamt, die Beiträge zur Arbeitslosen-, Pflege- und
Rentenversicherung von der Krankenkasse des Mitarbeiters eingezogen. Die Daten müssen
vor dem Zugriff Dritter geschützt sein. Der Mitarbeiter hat das Recht, jederzeit Einsicht in die
Personalakte zu nehmen.
Zu Beginn des Arbeitsverhältnisses benötigen Sie von Ihrem neuen Mitarbeiter:
• Aktuelle Lohnsteuerkarte
• Sozialversicherungsnachweisheft mit Sozialversicherungsnummer
• Information über die Krankenkasse, bei der er versichert ist.
Probezeit
Durch das geführte Vorstellungsgespräch und die vorgelegten Zeugnisse erhalten Sie nur
einen Einblick in die Fähigkeiten und Persönlichkeit eines Mitarbeiters. Wie gut er sich in Ihr
Unternehmen einfügt, sehen Sie erst in der Praxis. Somit könnte es passieren, dass Sie
sich in der Wahl eines Mitarbeiters vergriffen haben und er bestimmte Anforderungen nicht
erfüllt. Während der Probezeit (bis 6 Monate) besteht die Möglichkeit, das Arbeitsverhältnis
ohne Angabe von Gründen zu beenden. Auch der Arbeitnehmer kann in der Probezeit
fristlos kündigen. Obwohl dies nicht vorgeschrieben ist, sollten Sie eine Kündigung während
der Probezeit (mit Begründung) schriftlich formulieren. Damit ist die Entscheidung für alle
Beteiligten klar und Sie vermeiden Missverständnisse. Der Mitarbeiter erhält für die Zeit, die
er für Ihr Unternehmen tätig war, eine Arbeitsbestätigung (ohne Beurteilung).
Anmeldungs- und Informationspflicht
Als Arbeitgeber müssen Sie Ihre Mitarbeiter an verschiedenen Stellen anmelden. Die dazu
notwendigen Formalitäten sollten Sie schnell erledigen:
Unfallversicherung (Anmeldung schriftlich)
Wer ein Unternehmen gründet, muss dies der zuständigen Berufsgenossenschaft (BG)
mitteilen, da alle Mitarbeiter eines Unternehmens – gleichgültig ob in einem Arbeits-,
Ausbildungs- oder sonstigen Dienstverhältnis – in der BG gesetzlich unfallversichert sein
müssen. Die Beiträge für die gesetzliche Unfallversicherung trägt allein das Unternehmen.
Darüber hinaus kann sich auch der Unternehmer freiwillig bei einer BG gegen das Risiko
von Arbeitsunfällen versichern, wenn er nicht schon ohnehin gesetzlich oder durch die
BG-Satzung pflichtversichert ist. Die Adresse der zuständigen BG erhalten Sie bei Ihrer
Industrie- und Handelskammer oder Handwerkskammer. Neben dem Risiko eines
Arbeitsunfalls decken die Berufsgenossenschaften auch das Risiko eines Wegeunfalls –
auf dem Weg zur Arbeit beziehungsweise zurück- und einer Berufskrankheit ab. Außerdem
kümmern sie sich um alle Aspekte der Gesundheit und Sicherheit bei der Arbeit und beraten
und überwachen kostenlos sämtliche (neu gegründeten) Betriebe, z. B. über Arbeiten mit
gesundheitsgefährdenden Stoffen, zur ergonomischen Gestaltung von Arbeitsplätzen und
über relevante Vorschriften und Regeln. Auf diese Weise werden teure Fehlinvestitionen
und nachträgliche Auflagen vermieden.
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Rechte und Pflichten
Arbeitsamt (schriftlich, telefonisch oder persönlich)
Das Arbeitsamt erteilt Ihnen (bei Erstmeldung) eine Betriebsnummer mit, nach der später die
Krankenkasse des Mitarbeiters ein Betriebskonto anlegt.
Krankenkasse (schriftlich)
Als Arbeitgeber müssen Sie bei der Krankenkasse folgende Meldungen abgeben:
• Anmeldung, Abmeldung, Jahresmeldung
• Unterbrechungsmeldung
• Sonstige Entgeltmachungen
Mit dem Original des Sozialversicherungsnachweises Ihres Mitarbeiters und der vom
Arbeitsamt vergebenen Betriebsnummer melden Sie diesen bei seiner Krankenkasse an.
Die zuständige Geschäftsstelle richtet sich nach dem Sitz Ihres Unternehmens. Die
Krankenkasse legt ein Betriebskonto an.
Viele Krankenkassen stellen Ihnen kostenlos umfangreiche Personalsoftware auf
CD-ROM zur Verfügung. Diese informieren Sie insbesondere über das
Meldewesen DEÜV, zusätzlich liefern die meisten dieser Personalprogramme
bildschirmfähige Meldeformulare des neuen Verfahrens. Erkundigen Sie sich nach
solchen Angeboten bei den Krankenkassen, bei denen Ihre Mitarbeiter
krankenversichert sind. Wir empfehlen das kostenfreie Computerprogramm
„sv.net“, mit dessen Hilfe Meldungen zur Sozialversicherung sowie
Beitragsnachweise erstellt und verschlüsselt per E-Mail an die Krankenkassen
übermittelt werden können. Sv.net ist jedoch kein Ersatz für ein
Entgeltabrechnungsprogramm. Quelle: http://www.itsg.de/prod_svnet/index.htm
Darüber müssen Sie den Mitarbeiter u.a. informieren:
• Über besondere gesundheitliche Belastungen
• Über Gefahrenquellen
• Über überdurchschnittliche Anforderungen
• Über beabsichtigte organisatorische Veränderungen, die zur Gefährdung des
Arbeitsplatzes führen könnten
• Über Löhne und Gehälter, die zukünftig gefährdet sind
• Außerdem dürfen Sie keine falschen Erwartungen wecken, die den Bewerber zur
Kündigung seiner bisherigen Stellung verleiten.
Dafür müssen Sie sorgen:
• Bewerbungsunterlagen sorgfältig aufbewahren und, wenn kein Arbeitsvertrag
abgeschlossen wird, sofort zurück geben und grundsätzlich den Personalfragebogen
vernichten
• Über alle Informationen schweigen
• Vorstellungskosten für Fahrt, Übernachtung, Verpflegung oder Dienstausfall
ersetzen, wenn Sie den Bewerber zur Vorstellung aufgefordert und den Ersatz
dieser Aufwendungen nicht ausdrücklich ausgeschlossen haben, und zwar
unabhängig davon, ob ein Arbeitsvertrag abgeschlossen wird oder nicht.
Weitere Rechte und Pflichten:
Was Sie nach der Einstellung eines neuen Mitarbeiters noch beachten müssen, finden Sie
in einer Checkliste des Rationalisierungskuratoriums der Deutschen Wirtschaft e.V.
(http://www.rkw.de). Außerdem bietet die AOK im Internet eine umfangreiche Datenbank
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Rechte und Pflichten
zum gesamten Personalrecht an. Auf über 17.000 Seiten werden Ihnen Informationen zur
Sozialversicherung, Lohnsteuer und Arbeitsrecht geliefert. Der Informationsserver beinhaltet
neben Fach-Texten und juristischen Urteilen auch Verordnungen und Gesetze.
2. Personal platzieren
Wenn Ihre Mitarbeiter unter gesunden und angenehmen Bedingungen arbeiten, fühlen sie
sich wohl und sind zufrieden. Das ist eine der wichtigsten Grundlagen zur Steigerung der
Kreativität, Produktivität und somit der Qualität der Arbeit. In Vorschriften, Regeln und
Empfehlungen finden Sie Hinweise zur menschengerechten und sicheren Gestaltung der
Arbeit und der Arbeitsbedingungen (siehe auch den Anhang).
Im Einzelnen geht es dabei um:
• Arbeitsstätte (Wo wird gearbeitet?)
• Arbeitsmittel (Womit wird gearbeitet?)
• Gefahrstoffe (Welche Materialien werden benutzt?)
• Arbeitsorganisation (Wie wird gearbeitet?) einschließlich der
• Arbeitszeit (Wann wird gearbeitet?)
Trotz der Verantwortung auf vielen Gebieten lassen sich schon mit geringem Aufwand
spürbare Effekte erzielen, wenn Sie die Dinge rechtzeitig und richtig anpacken!
Arbeitsplatz schaffen
Als Arbeitgeber wollen und müssen Sie dafür Sorge tragen, dass alle Mitarbeiter an ihrem
Arbeitsplatz unter guten Bedingungen arbeiten können. Eine Arbeitsstätte gestalten heißt:
• Arbeitsplätze einrichten
• Arbeitsumgebung optimieren
• Für Flucht- und Rettungswege sorgen
• Akzeptable Bedingungen für soziale und hygienische Bedürfnisse schaffen
Arbeitsplatz einrichten
Ziel ist es, den Arbeitsplatz so zu gestalten und auszustatten, dass Körperhaltung und
Bewegungsabläufe des Menschen ein effektives und risikofreies Arbeiten ermöglichen.
Je nach Arbeitsplatztyp sind bei der Gestaltung verschiedene Kriterien zu beachten.
Bei der Büroarbeit stehen die Auswahl und die Anordnung von Schreibtisch, Computer
und Sitzgelegenheit sowie die passende Software im Mittelpunkt. Bei gewerblichen
Arbeitsplätzen (z. B. im Labor oder in der Werkstatt) geht es u. a. um die Auswahl und
Aufstellung von Maschinen, Anlagen und Geräten.
Einzelheiten der folgenden Gesetze finden Sie u.a. unter http://www.guss-net.de:
Arbeitsstättenverordnung (ArbstättV)
(http://bundesrecht.juris.de/bundesrecht/arbst_ttv/index.html),
Arbeitsstättenrichtlinien (ASR)
(http://bb.osha.de/good_practice/wmiw/arbst/zasr_te.htm),
Bildschirmarbeitsverordnung (BildscharbV)
(http://bundesrecht.juris.de/bundesrecht/bildscharbv/index.html), BGV A1
„Allgemeine Vorschriften“ und BGI 523 „Mensch und Arbeitsplatz“
(http://www.hvbg.de/d/pages/praev/vorschr/bgvr/bgvr1.html).
Weitere Informationen über Gesetze finden Sie im Anhang
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Rechte und Pflichten
Arbeitsumgebung gestalten
Die Arbeitsumgebung gestalten heißt beispielsweise:
• die Beleuchtungsverhältnisse zu optimieren,
• für ein gesundheitlich zuträgliches Raumklima zu sorgen,
• störenden und gesundheitsschädigenden Lärm zu vermeiden sowie
• schädigende Einwirkungen durch Gefahrstoffe (Gase, Stäube, Dämpfe) oder
Strahlung zu verhindern.
Ohne Qualm:
Nichtraucher haben einen Anspruch auf einen rauchfreien Arbeitsplatz. Der Arbeitgeber hat
dafür zu sorgen, dass Nichtraucher vom Rauch der anderen Mitarbeiter verschont bleiben.
Auch die Handhabe von Zigarettenpausen bestimmt der Arbeitgeber. Grundsätzlich können
solche Pausen nicht als Arbeitszeit gerechnet werden. Sie dürfen daher auch vom
Arbeitgeber nachgefordert oder ganz verboten werden. Es ist also Ihre persönliche
Entscheidung, ob Sie das Rauchen in ausgewiesenen Räumen zulassen oder nicht. Aber
Ausnahmen des Nichtraucherschutzes bestehen bei bestimmten Arbeitsplätzen wie z.B. in
Gaststätten oder bei Raucherflügen.
Einsamer Kaktus am Computer.
Wer seinen Arbeitsplatz mit mehr Pflanzen verziert als einem einsamen Kaktus, leistet mehr
und ist außerdem seltener krank. Pflanzen können am Arbeitsplatz Krankheiten vorbeugen,
den Lärmpegel mindern, zum Wohlbefinden der Mitarbeiter beitragen und so die
Produktivität erhöhen. Demnach vermindern sich durch den Einsatz von Pflanzen am
Büroarbeitsplatz Schnupfen, Ermüdungserscheinungen und Kopfschmerzen um
durchschnittlich 30%, Husten um fast 40% und Hautreizungen um rund 2,5%. Außerdem
tragen Büropflanzen zur Schall- (6%) und Staubreduktion (8%) bei. Gerade im Winter haben
Grünpflanzen einen positiven Einfluss auf das Büroklima, geben sie doch gut 97% des
Gießwassers über die Blätter an die Raumluft ab und leisten so insbesondere bei
Bildschirmarbeitsplätzen einen Beitrag zur Vermeidung von trockenen Augen.
Tipps zur Gestaltung von Büroarbeitsplätzen enthält eine Broschüre der
Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin, die als PDF-Datei kostenlos
im Internet heruntergeladen werden kann: Die Broschüre „Wohlbefinden im Büro"
gibt Ratschläge zur richtigen Einrichtung des grünen Büros und weitere
gesundheitsfreundliche Aspekte. Darüber hinaus finden Sie eine ausführliche
Anleitung zur Arbeitsplatzgestaltung unter http://www.guss-net.de
An Beschäftigte von Computer-Arbeitplätzen richtet sich ein Online-Angebot des
Schweizer Unternehmens Suva. Mittels eines virtuellen Lernprogramms kann man
Übungen für mehr Wohlbefinden am Computer-Arbeitsplatz absolvieren.
http://www.plants-for-people.de, http://www.baua.bund.de, http://www.suva.ch
Arbeitsstättenverordnung
In der Arbeitsstättenverordnung finden Sie Mindestanforderungen für eine gesunde und
sichere Arbeitsumwelt. (http://bundesrecht.juris.de/bundesrecht/arbst_ttv/index.html)
Beschäftigen Sie sich mit den Anforderungen der Arbeitsstättenverordnung und der
Bauordnung des betreffenden Bundeslandes, bevor Sie Entscheidungen über
Anmietung, Kauf oder Bau von Arbeitsräumen treffen. Sollten Sie einen Neubau
planen, informieren Sie Ihren Architekten über die spezifischen Anforderungen. So
ersparen Sie sich Kosten für spätere Nachbesserungen und eine Menge Ärger!
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Rechte und Pflichten
Die Bezeichnung Arbeitsstätten ist ein Sammelbegriff für die vielfältigen und
verschiedenartigen Arbeitsräume und Arbeitsplätze in Industrie, Gewerbe, Handel,
Handwerk, Verwaltung, Gesundheitsdienst usw. An die Arbeitsstätten werden zahlreiche
Sicherheitstechnische und Arbeitshygienische Anforderungen gestellt. Die sogenannte
Arbeitsstättenverordnung regelt alle wesentlichen Forderungen gewerblicher Arbeitsstätten.
Da diese Verordnung für alle bestehenden und geplanten Betriebe gilt, ist es wichtig, die
wesentlichen Forderungen zu kennen. Die bei der Planung von Betrieben berücksichtigten
Aspekte sind dann nicht teuer und aufwändig durch Nachbesserungen zu beheben. Bei
vorhandenen Arbeitsräumen oder Betrieben sind einzelne Vorschriften unter Umständen
dann nicht anzuwenden, wenn der Aufwand der Maßnahmen unverhältnismäßig groß ist.
Das Bundeskabinett hat am 26. Mai 2004 den modifizierten Entwurf einer
novellierten Verordnung über Arbeitstätten beschlossen. Dieser Verordnung wurde
mittlerweile durch den Bundesrat zugestimmt. Eine aktuelle Ausgabe der neuen
Arbeitsstättenverordnung finden Sie unter http://www.arbeitsschutz-office.de.
Hier erwarten Sie zudem aktuelle Informationen, Downloads und Testsoftware.
Neben den gesetzlich festgelegten räumlichen Grundbedingungen gibt es natürlich auch
persönliche Aspekte, die Sie bei Ihren Mitarbeitern beachten sollten. Ein paar wichtige
Aspekte hierzu erfahren Sie in den folgenden Kapiteln.
3. Aufgaben übertragen
Achten Sie darauf, dass Sie regelmäßig Aufgaben an Mitarbeiter übertragen, um sich selbst
zu entlasten. Trauen Sie Ihren Mitarbeitern etwas zu und übergeben Sie Verantwortung.
Dann macht nicht nur die Arbeit mehr Spaß, sondern Ihre Mitarbeiter werden sich auch mit
dem Unternehmen stärker identifizieren.
Klare Abgrenzung von Aufgaben, Befugnissen
Nicht selten werden Aufgaben so definiert, dass nicht klar erkennbar ist, wer dafür in
welchem Umfang zuständig ist. Das führt zu Reibereien und Kompetenzgerangel zwischen
Ihren Mitarbeitern. Dadurch entstehen Stress und Mobbing, die sich durch einfache
Maßnahmen vermeiden lassen:
• Definieren Sie jede Aufgabe klar und deutlich
• Bestimmen Sie den Umfang
• Stecken Sie den geplanten Zeitrahmen ab
• Legen Sie fest, wer an welcher Aufgabe arbeitet
• Erklären Sie, welche Mitarbeiter weisungsbefugt sind
• Vermeiden Sie Mobbing, in dem Sie die Warnsignale rechtzeitig erkennen:
Streit, Krankmeldungen, Abgrenzung einzelner Mitarbeiter etc.
Qualifikation berücksichtigen
Machen Sie sich bewusst, welche Qualifikationen Ihre Mitarbeiter haben. Nur dann können
Sie die Aufgaben verteilen, ohne Über- oder Unterforderung zu erzielen. Menschen die sich
überfordert fühlen, leiden unter hoher psychischer Belastung, die nicht nur krank macht,
sondern auch zu Flüchtigkeitsfehlern und mangelnder Wachsamkeit während der Arbeit
führt. Im Gegenzug sind unterforderte Mitarbeiter eher gelangweilt, konzentrieren sich
schlecht und sind einfach unzufrieden. Versuchen Sie die passende Balance zu finden.
Darüber hinaus können Sie mit gezielten Weiterbildungsmaßnahmen erreichen, dass
Überforderung nicht mehr statt findet. In jedem Fall sollten Sie solche gesundheitlichen
Gefahrenquellen vermeiden bzw. beseitigen.
- 77 -
Personal halten und fördern
Personal halten und fördern
Jeder neue Mitarbeiter wird zu Beginn seiner Tätigkeit aufgeregt sein. Stress, Unsicherheit
und mangelnde Aufnahmefähigkeit können die Symptome sein. Sie als Unternehmer sollten
ein Klima schaffen, bei dem die psychische und physische Sicherheit der Mitarbeiter
gewährleistet ist. Dazu gehören insbesondere Möglichkeiten zur Einarbeitung. Selbst
erfahrene Mitarbeiter benötigen Zeit, um sich an das neue Umfeld und die neuen Aufgaben
zu gewöhnen. Verkürzen Sie diese Zeit, in dem Sie alle relevanten Informationen gleich zu
Beginn weitergeben. Bestimmen Sie jemanden, der den neuen Mitarbeiter unterstützt,
Fragen beantwortet und unternehmensspezifische Vorgänge erklärt. So verhindern Sie
unnötige Belastungen und Ihre Mitarbeiter werden sich schnell, effektiv und stressfrei
einarbeiten können.
1. Unterweisung
Rund 90% der Unfälle werden verursacht durch falsches Verhalten am Arbeitsplatz. Damit
kommt der Einflussnahme der Unternehmer bzw. Führungskräfte auf das sichere Verhalten
der Mitarbeiter eine große Bedeutung zu. Die Beschäftigten müssen über die richtigen
Verhaltensweisen informiert (Wissen), dazu motiviert (Wollen) und befähigt (Können)
werden. Sie als Unternehmer sind verpflichtet, Ihre Mitarbeiter bei der Aufnahme der
Tätigkeit (Erstunterweisung), bei einem Arbeitsplatzwechsel oder der Einführung neuer
Arbeitsmittel, während der Arbeitszeit zu unterweisen (§ 12 ArbSchG) und regelmäßige
Gespräche zur Arbeitssicherheit zu führen: Informationsgespräche zwischen Mitarbeitern
und Vorgesetzten über Arbeitssicherheit und Gesundheitsschutz am Arbeitsplatz fördern
das Sicherheitsbewusstsein und helfen, Ausfallzeiten zu verringern.
Die Unterweisung bezieht sich auf:
• Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit
• Umgang mit Lebensmitteln nach dem Infektionsschutzgesetz § 43
• Alarm-, Flucht- und Rettungsplan
• Benutzung der zur Verfügung gestellten persönlichen Schutzausrüstungen
Was ist bei der Unterweisung zu beachten:
• Vermeidung der Überforderung der Mitarbeiter durch viele Details
• Klare und deutliche Angaben
• Genaue Einweisung in die einzelnen Tätigkeitsbereiche und die damit verbundenen
Gefahren
• Genaue Angaben zum sicherheitsgerechten Verhalten, Beschreibung und Erklärung
der zugrundeliegenden Gefahren
• Dokumentation der Unterweisung
Pflichten des Arbeitgebers (Personal- und/oder Fachverantwortliche):
Gemäß bestehender Rechtsvorschriften (z. B. § 12 Arbeitsschutzgesetz,
Unfallverhütungsvorschriften) und im Rahmen der Fürsorgepflicht hat der
Arbeitgeber (Fachverantwortlicher) die Beschäftigten über Sicherheit und
Gesundheitsschutz bei der Arbeit während ihrer Arbeitszeit ausreichend und
angemessen zu unterweisen.
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Personal halten und fördern
Die Unterweisung
•
umfasst Schutzanweisungen und Erläuterungen, die eigens auf den
Arbeitsplatz oder den Tätigkeitsbereich der Beschäftigten ausgerichtet
sind.
•
ist in verständlicher Form und in der Sprache der Beschäftigten
abzufassen.
•
ist inhaltlich den Vorkenntnissen und Fähigkeiten der zu Unterweisenden
anzupassen.
•
ist in Bezug auf die Relevanz regelmäßig zu überprüfen und an die
Situation des Arbeitsplatzes anzupassen.
Pflichten der Beschäftigten (Versicherten):
Die Beschäftigten sind gemäß § 15 Arbeitsschutzgesetz verpflichtet,
•
nach ihren Möglichkeiten sowie gemäß der Unterweisung und Weisung
des Arbeitgebers für ihre Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit Sorge
zu tragen.
•
für die Sicherheit und Gesundheit der Personen zu sorgen, die von ihren
Handlungen oder Überlassungen bei der Arbeit betroffen sind.
•
Maschinen, Geräte, Werkzeuge, Arbeitsstoffe, Transportmittel und
sonstige Arbeitsmittel sowie Schutzvorrichtungen und die ihnen zur
Verfügung gestellte persönliche Schutzausrüstung bestimmungsgemäß zu
verwenden.
•
Jede festgestellte unmittelbare erhebliche Gefahr für die Sicherheit und
Gesundheit sowie jeden an den Schutzsystemen festgestellten Defekt den
Fachverantwortlichen unverzüglich zu melden.
Wer ist zu unterweisen?
Beschäftigte, die auf dem Arbeitsmarkt tätig werden und/oder bei denen eine arbeits- oder
aufgabenvertragliche Bindung besteht:
• Arbeitnehmer, d.h. alle Mitarbeiter mit einem Arbeitsvertrag
• Auszubildende, Hilfskräfte, Studenten
• Handwerker (dies umfasst auch Fremdfirmen) und Reinigungskräfte
Wann ist zu unterweisen?
• Bei Einstellung eines Mitarbeiters vor Aufnahme der Tätigkeit, sog. Erstunterweisung
• Bei Veränderungen im Aufgabenbereich
• Bei der Einführung neuer Arbeitsmittel oder neuer Technologien
• Bei wesentlichen Veränderungen der Schutzmaßnahmen
• In regelmäßigen Abständen, mindestens jedoch einmal jährlich (im Strahlenschutz
(StrlSchV, RöV) ebenfalls jährlich, bei Jugendlichen halbjährlich)
• Bei Wechsel des Arbeitsplatzes, sofern damit zusätzliche gefährdende Tätigkeiten
verbunden sind.
• Vor erstmaliger Tätigkeitsaufnahme von Handwerkern und Reinigungspersonal,
mindestens jedoch einmal jährlich (im Strahlenschutz (StrlSchV) ebenfalls jährlich).
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Personal halten und fördern
Dokumentation der Unterweisung
Grundsätzlich bietet es sich bei den regelmäßigen Unterweisungen an, auf besondere
Gefahren am Arbeitsplatz einzugehen, Unfallereignisse zu analysieren, Aufbau und
Wirkungsweise von Schutzeinrichtungen und persönlicher Schutzausrüstung zu erläutern
oder auf die Durchführung notwendiger Prüfungen von technischen Arbeitsmitteln und
Handwerkzeugen hinzuweisen. Dabei sind mehrere Kurzunterweisungen wirkungsvoller als
umfangreiche, die nur selten vorgenommen werden.
Die Dokumentation der Unterweisung umfasst mindestens folgende Angaben:
• Thema der Unterweisung
• Wann wurde unterwiesen
• Wer hat unterwiesen
• Wer wurde unterwiesen
Die Berufsgenossenschaft Druck und Papierverarbeitung bietet Vorgesetzten einen
Leitfaden sowie Faltblätter zu 18 wichtigen Themen, die an die Mitarbeiter
weitergegeben werden können.
http://www.bgdp.de/pages/medien/themenauswahl/unterweisung_mliste.html
2. Mitarbeiterführung
Viele Dinge spielen eine Rolle, damit eine Geschäftsidee erfolgreich in die Realität
umgesetzt werden kann. Ein Faktor, den man nicht unterschätzen darf, sind die Mitarbeiter
und deren Führung. Die Mitarbeiter sind das Kapital eines Unternehmens. Sicher haben
Sie das schon oft gehört. Das ändert aber nichts an dieser einfachen Wahrheit. Ohne
leistungsfähige, gesunde und motivierte Arbeitskräfte kann eine Firma langfristig keinen
Erfolg haben. Um zusammen mit Ihren neu gewonnenen Mitarbeitern Ihre Ziele zu
erreichen, ist eine gute Mitarbeiterführung und Personalarbeit notwendig. Viele junge
Unternehmen vernachlässigen diesen Punkt. Damit nehmen sie jedoch in Kauf,
dass der Arbeitsablauf durch Führungsdefizite behindert wird, dass Motivation und
Arbeitszufriedenheit nachlassen und deshalb die Produktivität des Unternehmens abnimmt.
Hohe Fehlzeiten und Krankheitsquoten sind fast immer ein Anzeichen von Führungsfehlern.
Fehlzeiten verursachen hohe Kosten und sind schädlich für Ihr Unternehmen. Das muss
nicht sein!
Neue Herausforderungen kommen auf Sie zu!
Als Existenzgründer sind Sie zunächst Ihr eigener Chef. Aber wenn das Unternehmen
wächst und Sie die Arbeit nicht mehr alleine bewältigen können, müssen Sie Mitarbeiter
für sich gewinnen, einstellen und an die Firma binden. Und nun? Auf einmal sind Sie der
Chef! Neue und ungewohnte Aufgaben kommen auf Sie zu. Sie haben Verantwortung
übernommen. Andere Menschen stellen Ihnen ihre Fähigkeiten und ihr Wissen zur
Verfügung. Nun liegt es an Ihnen, Ihre Mitarbeiter und damit Ihr Unternehmen zum Erfolg
zu führen.
Welche Themen sind relevant?
Als Existenzgründer sind Sie aufgefordert, sich ein paar Gedanken zum Thema
Mitarbeiterführung zu machen. Was ist überhaupt Führung? Welcher Führungsstil ist
angemessen? Was erwarten Ihre Mitarbeiter von Ihnen? Welche Kompetenzen sollten Sie
mitbringen? Finden Sie es heraus! Wir bieten Ihnen Tipps und Informationen, die Ihnen
helfen, ein guter Chef zu werden.
- 80 -
Personal halten und fördern
Führung kann wie folgt definiert werden:
• Führung ist soziale Einflussnahme zu dem Zweck, durch Kommunikation die
Unternehmensziele zu erreichen.
Hier zeigen sich wichtige Punkte des heutigen Führungsverständnisses: Es geht um
Führung von Menschen durch andere Menschen, nicht um Hierarchien und Strukturen.
Entscheidend dabei ist eine offene und reibungslose Kommunikation zwischen Chef und
Mitarbeitern.
Aber wie soll nun diese Führung konkret aussehen?
In der wissenschaftlichen Forschung suchte man anfangs in den 40er Jahren nach dem
geborenen Führungskraft mit bestimmten Eigenschaften. Dieser Ansatz brachte jedoch
keine eindeutigen Ergebnisse, wie ein idealer Leiter sein soll. In den 50er und 60er Jahren
beschäftigte man sich mit Führungsstilen von autoritär bis kooperativ. Welches Verhalten
sollte eine Führungskraft optimalerweise zeigen? Schließlich kam um 1960 der Begriff
situatives Führen auf, d.h. der Chef sollte sich der Situation angemessen verhalten.
Welche Führung ist richtig?
Nach Ansicht der meisten Führungsforscher gibt es heute verschiedene Ansätze, die
nebeneinander stehen. Zum Beispiel findet eine Rückkehr zum Eigenschaftsansatz statt,
man fordert einen charismatischen Führer, der mit Visionen und Ausstrahlung seine
Mitarbeiter begeistern kann. Andererseits werden in der Praxis wieder bestimmte
Führungsstile bevorzugt, die Führungskräfte von morgen sollen vor allem kooperativ und
mitarbeiterorientiert sein.
Unabhängig von diesen aktuellen Trends, gibt es Fähigkeiten und Fertigkeiten, die Sie als
Führungskraft unbedingt brauchen:
• Können Sie gut mit Ihrer Zeit umgehen? Geben Sie auch mal Aufgaben ab oder
machen Sie am liebsten alles selbst?
• Außerdem können Sie sich über Führungsstile informieren. Es gibt dabei kein Ideal.
Finden Sie heraus, welcher Stil zu Ihnen und Ihrem Unternehmen passt.
• Wollen Sie Ihre Aufgaben schnell und zügig erreichen?
• Sollen Ihre Mitarbeiter an Entscheidungen beteiligt werden?
Was zeichnet eine gute Führungskraft aus?
Jeder hat seine eigenen Vorstellungen davon, was Mitarbeiterführung bedeutet, es gibt viele
verschiedene Konzepte. So lässt sich nur schwer festlegen, welche Fähigkeiten und
Fertigkeiten eine Führungskraft mitbringen muss. In diesem Abschnitt sollen Fertigkeiten
und Fähigkeiten vorgestellt werden, die jedem Chef nützen werden. Es sind sozusagen
Grundlagen für eine gute Mitarbeiterführung. Wenn Sie feststellen, dass Sie in manchen
Bereichen noch nicht so fit sind: Sehen Sie es als Chance für Verbesserungen! Erst wenn
Sie Ihre Schwächen kennen, können Sie etwas daran ändern. Jemand, der andere
Menschen führen will, muss auch fähig zur Selbstführung sein. Das bedeutet: Als Chef
sollten Sie fähig sein, Ihre Gefühle und Ihr Innenleben zu kontrollieren, sie sollten sich
bewusst sein, wie Sie auf andere Menschen wirken.
„Ich mach das lieber selbst, so, wie ich es mir vorstelle!". Kommt Ihnen das bekannt vor?
Auch als Chef möchten Sie vielleicht noch im Tagesgeschäft mitarbeiten. Die Lösung für
dieses Problem: Lernen Sie, Aufgaben an Ihre Mitarbeiter zu delegieren.
- 81 -
Personal halten und fördern
Auch das Thema Konflikte wird in Ihrem Führungsalltag eine Rolle spielen. Wie gehen Sie
damit um? Ist ein Konflikt für Sie eine Katastrophe oder eine Chance?
Zuletzt geht es um Stress und wie man sinnvoll damit umgehen kann. Gibt es gesunden,
produktiven Stress? Wann ist die Grenze überschritten?
Führungsstile – ein Überblick von gestern bis heute
In der Führungsforschung konzentrierte man sich in den 50er und 60er Jahren zunehmend
auf das Verhalten der Führungskräfte. Von einem Führungsstil sprach man dann, wenn eine
Person zu einem bestimmten Verhalten tendierte, sich also über verschiedene Situationen
hinweg ähnlich verhielt. Man glaubte, dass verschiedene Stile mehr oder weniger erfolgreich
sein würden und untersuchte dies in der Praxis.
Zu Anfang gab es nur die Unterscheidung zwischen autoritärem und kooperativem
Führungsverhalten: Wie die Namen schon sagen, handelt es sich beim autoritären
Führungsverhalten darum, Anweisungen an die Mitarbeiter zu geben, die diese dann
ausführen. Es besteht eine starke Hierarchie und damit ein Machtgefälle. Im Mittelpunkt
steht die Aufgabenerfüllung. Dieser Führungsstil ist heute weitgehend aus den Köpfen
verschwunden. Er kann in bestimmten Organisationen (z.B. Militär, Baugewerbe) Vorteile
bieten. In den meisten Unternehmen ist er jedoch heute nicht mehr üblich und entspricht
nicht den Vorstellungen einer zeitgemäßen Führung. Nachteile des autoritären
Führungsverhaltens sind u.a. Motivationsprobleme und wenig Entfaltungsmöglichkeiten bei
den Mitarbeitern.
Der kooperative Stil zeichnet sich durch eine partnerschaftliche Zusammenarbeit von Chef
und Mitarbeitern aus. Die Mitarbeiter werden an Entscheidungen beteiligt und kontrollieren
zum großen Teil den Fortschritt ihrer Arbeit. Ihnen wird Verantwortung übertragen. Vorteile
dieses Führungsverhaltens sind eine hohe Motivation und Förderung der Mitarbeiter, aber
auch eine Entlastung des Chefs. Der kooperative Führungsstil bringt höhere Anforderungen
an die Führungskraft mit sich. Voraussetzung ist, dass Macht abgegeben wird, Aufgaben
werden delegiert. Mitarbeitergespräche und der enge Kontakt zu den Mitarbeitern sind ein
zentraler Bestandteil der kooperativen Führung, sei es um Ziele zu vereinbaren oder die
Zielerreichung gemeinsam zu kontrollieren. Durch die gemeinsame Entscheidung wird das
Risiko eines Fehlers reduziert. Es können sich auch Nachteile beim kooperativen Stil
zeigen, denn der Entscheidungsprozess wird schwieriger und dauert länger.
Effektive Stile
Eine andere Möglichkeit um Führungsstile
abzubilden, ist das Verhaltensgitter
von Blake und Mouton:
Grundstile
Ineffektive Stile
Seelenmasseur
Kompromissler
Desserteur
Autokrat
Verbindung
halten
Integrieren
Sich heraus
halten
Sich der
Aufgabe verschreiben
Förderer
Dynamisch
ausführend
Bürokrat
Wohlwollender
Ansatz
Effektivität
hoch
Effektivität
niedrig
Quelle: http://www.phil.uni-erlangen.de/economics/bwl/lehrbuch/hst_kap4/motfuehr/motfuehr.htm
- 82 -
Personal halten und fördern
Es basiert auf der Annahme, dass es zwei Orientierungen im Führungsverhalten gibt.
Die eine ist Sach- oder Produktionsorientierung; die andere ist Menschen- oder
Mitarbeiterorientierung und zwischenmenschliche Beziehungen, d.h. es gibt kein „entweder
– oder", sondern die Ausprägung kann auf beiden Orientierungen hoch bzw. auf beiden
niedrig sein und werden in je neun Abschnitte aufgeteilt. Dadurch lassen sich sehr viele
Führungsstile abbilden. Eine Führungskraft sollte also hoch mitarbeiterorientiert als auch
hoch aufgabenorientiert sein.
Bei den genannten Ansätzen werden weitere Einflussfaktoren nicht abgebildet. Der Trend
der Forschung ging deshalb weg von den Führungsstilen und dem normativen Denken.
Jeder muss für sich den richtigen Stil finden. Es gibt (wie fast immer) kein Patentrezept.
Der Führungserfolg ist von vielen Faktoren abhängig – Art der Organisation, Situation,
Persönlichkeit des Führenden, andere Umwelteinflüsse. Wenn Sie an aktuellen Konzepten
interessiert sind, dann finden Sie in zahlreichen Büchern oder im Internet umfangreiches
Material zum Thema Führung in der Zukunft. Auch Seminare können unterstützend sein.
3. Motivation
Motivation ist das Ausrichten auf eine Sache, der Grund, etwas zu bewegen (movere; lat. =
bewegen) und der Antrieb für eine Handlung. Motivation wird in der Arbeitswelt vor allem als
Bereitschaft zur Leistungserbringung betrachtet, die dem eigenen Unternehmen Nutzen
bringt. Motivation ist zwar eine Antriebskraft für Handlungen, aber dieser Motor benötigt
laufend Kraftstoff:
Grundvoraussetzungen zur Motivation
• Sich selbst und andere motivieren kann nur jemand, der von seiner Meinung
überzeugt ist und selbst über genügend Begeisterungsfähigkeit verfügt.
• Glaubwürdigkeit erleichtert das Motivieren. Ein Vorgesetzter kann diese
Glaubwürdigkeit nicht künstlich aufbauen. Er muss selbst an das glauben,
was er sagt. Zudem muss er auch an die Fähigkeiten der Mitarbeiter glauben.
• Die Einstellung zur Sache und zu den Mitarbeitenden beeinflusst die Motivation
enorm. Viele werden nicht eingestellt, weil sie nicht anders eingestellt sind .
Tatsächlich können wir unsere Einstellung Menschen und Arbeitsprozessen
gegenüber stets neu beeinflussen. Die Bedeutung der optimistischen
Grundeinstellung sich selbst und anderen gegenüber darf nicht unterschätzt werden.
Faktoren, die Motivation beschleunigen
• Eine natürliche Stimme, die mit der momentanen Stimmung übereinstimmt
(Der Ton macht bekanntlich die Musik).
• Das ständige Bemühen, die eigenen wie auch die fremden Stärken und Schwächen
zu (er)kennen.
• Anerkennung des Erfolges, denn jeder Mensch möchte von anderen akzeptiert
werden. Lob und die Bestätigung des Erfolges steigern das Selbstwertgefühl. Durch
die Anerkennung werden die Erfolgserlebnisse bewusst gemacht. Der Lernerfolg ist
und bleibt eine der wichtigsten Antriebskräfte bei allen Motivationsprozessen.
• Förderung der Eigenverantwortung, indem Mitarbeiter auftragsorientiert arbeiten
können und nicht permanent beeinflusst und kontrolliert werden. Die Führungskraft
gewinnt damit nicht nur Zeit und Energie. Die Freude und Begeisterung für die Arbeit
wächst auf beiden Seiten.
- 83 -
Personal halten und fördern
Was motiviert?
• Erfolgserlebnisse
• Bedürfnisse
• Anerkennung
• Verantwortung
• Abwechslung
• Zusammenarbeit
• Begeisterung
• Belohnung
• Vertrauen
• Arbeitsfortschritt
• Erreichbare Ziele
• Perspektiven
• Vertrauen
Was demotiviert?
Misserfolge
Übersättigung
Isolation
Schlechte Arbeitsbedingungen
Über-/Unterforderung
Monotonie
Keine Informationen
Fehlorganisation
Unsicherheit
Schlechte Bezahlung
Ziellosigkeit
Fehlende Verantwortung
Misstrauen
Versuchen Sie rechtzeitig die untrüglichen Zeichen der Demotivierung zu erkennen, um
rasch zu reagieren. Entwickeln Sie ein „Frühwarnsystem“ mit der Beantwortung z.B.
folgender Fragen:
• Werden die Mitarbeiter schweigsam?
• Äußere ich mich meinen Mitarbeitern gegenüber nicht mehr?
• Werden Anordnungen unkritisch ausgeführt?
• Denke ich als Chef nicht über das nach, was ich tue?
• Herrscht Gleichgültigkeit, wenn etwas nicht funktioniert?
• Lassen sich Mitarbeiter oder lasse ich mir Arbeit aufbürden, obwohl es nicht zu
schaffen ist?
Ohne Motivation läuft wenig. Am besten Sie notieren sich jede Woche einmal, was Sie
persönlich besonders motiviert hat und mit welchen Maßnahmen, Argumenten oder
Verhaltensweisen Sie Ihre Mitarbeiter erfolgreich motivieren konnten.
4. Kommunikation
Kommunikation zwischen Chef und Mitarbeitern ist eine wichtige Voraussetzung für eine
gute Zusammenarbeit. Gerade in kleinen und jungen Unternehmen herrscht meistens eine
offene und unkomplizierte Verständigung. Dies wird von den Mitarbeitern positiv bewertet
und ist ein entscheidender Wettbewerbsvorteil. Als Chef tun Sie also gut daran, das
Gespräch mit Ihren Mitarbeitern zu ermöglichen oder sogar zu suchen. Es gibt verschiedene
Arten von Mitarbeitergesprächen, die Ihnen in Ihrem Alltag begegnen werden. Wir möchten
Ihnen Hinweise und Tipps geben, wie Sie solche Gespräche führen können.
Zunächst geht es um das Vor- oder Einstellungsgespräch, in dem Mitarbeiter und
zukünftiger Vorgesetzter sich kennen lernen und gegenseitige Erwartungen klären
(siehe auch Kapitel „Bewerber einladen“).
Im Arbeitsleben sollten Sie Ihren Mitarbeitern regelmäßig Feedback geben. Sowohl Kritik
als auch Lob sind wichtige Rückmeldungen, die motivieren und helfen, den Job gut zu
erledigen. Wie gebe ich richtig Rückmeldung?
- 84 -
Personal halten und fördern
Wenn ein Mitarbeiter länger gefehlt hat, ist es ebenfalls sinnvoll, ein Gespräch mit ihm zu
führen. Dies wird auch als Rückkehrgespräch bezeichnet.
Ein weiterer Anlass für ein Gespräch mit einem oder mehreren Mitarbeitern sind Konflikte
am Arbeitsplatz. Sie lernen grundlegende Methoden der Konfliktlösung kennen.
Neben dieser Art von Gesprächen gibt es das klassische Mitarbeitergespräch. Man unterhält
sich über Ziele, Aufgaben, Ergebnisse und Leistungen des Mitarbeiters. Der Mitarbeiter
erfährt dadurch, wie Sie ihn sehen und was Sie erwarten. Umgekehrt kann er Ihnen
mitteilen, welche persönlichen Ziele er gerne verwirklichen möchte. Diese Ziele sollten mit
den Zielen des Unternehmens verknüpft werden. Gemeinsam können Sie über die
Entwicklungsmöglichkeiten des Mitarbeiters reden. Das Mitarbeitergespräch ist der zentrale
Bestandteil des „Führen mit Zielen". Es wird in der heutigen Praxis oft eingesetzt.
Ein klassisches Mitarbeitergespräch besteht im Grunde aus drei Teilen:
• Beurteilung des Mitarbeiters
• Weiterentwicklung des Mitarbeiters planen
• Ziele mit dem jeweiligen Mitarbeiter vereinbaren
Beurteilung des Mitarbeiters – Feedback geben
Rückmeldung von anderen Menschen ist ein wichtiger Bestandteil unseres Lebens. Zum
Teil kann ich selbst einschätzen, wie mein Verhalten wirkt, ob ich eine Aufgabe richtig
bearbeitet habe, ob ich ein Ziel erreicht habe. Aber ein Feedback von anderen, eine
Fremdwahrnehmung kann eine hilfreiche Unterstützung sein.
Ziel eines Feedbackgesprächs ist die Leistung des Mitarbeiters (in Zukunft) sicherzustellen.
Das bedeutet: Eine fundierte Rückmeldung sagt dem Mitarbeiter zum einen, was erfolgreich
war, was so bleiben kann. Andererseits wird ihm auch mitgeteilt, wo es noch Möglichkeiten
zur Verbesserung gibt. Ein gutes Feedbackgespräch hilft, die Arbeit auch in Zukunft gut
oder besser zu erledigen. Im Grunde ist es nur fair, wenn Sie als Vorgesetzter Ihrem
Mitarbeiter eine solche Chance bieten. Sie beurteilen die Leistung des Mitarbeiters und er
muss wissen, ob und warum Sie damit zufrieden oder nicht zufrieden sind. Beiläufiges oder
unüberlegtes Feedback kann jedoch oft mehr Schaden anrichten als helfen. Gerade wenn
es um Kritikgespräche geht, sollte man einige Regeln beachten. Sonst kann es passieren,
dass der Mitarbeiter die Kritik nicht annehmen kann und sie als persönlichen Angriff
empfindet. In dieser Situation bleibt der Lerneffekt natürlich aus.
Einige allgemeine Feedback-Regeln
• Geben Sie Feedback immer höflich, taktvoll und nicht verletzend.
• Beschreiben Sie das jeweilige Verhalten so konkret wie möglich.
• Beschränken Sie sich auf Verhaltensweisen und Eigenschaften, die im
Zusammenhang mit der Arbeit stehen.
• Geben Sie Feedback auf der Basis von eigenen Beobachtungen, nicht aufgrund von
Hörensagen, Vermutungen oder Interpretationen.
• Sprechen Sie in eigenem Namen (Ich-Botschaften), vermeiden Sie Formulierungen
wie wir, man usw.
• Benennen Sie Ihre eigenen Empfindungen und Reaktionen im Zusammenhang mit
dem Verhalten Ihres Gesprächspartners.
• Geben Sie möglichst zeitnah eine Rückmeldung.
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Personal halten und fördern
Leider nutzen viele Chefs nicht die Gelegenheit für Feedbackgespräche. Vor allem bei Lob
und Anerkennung tun sich viele schwer. Dabei bedeutet ein ehrlich gemeintes Lob für einen
Mitarbeiter sehr viel. Er fühlt sich in seinem Handeln bestätigt und wird motiviert an die
nächste Aufgabe herangehen. Als Chef müssen Sie signalisieren, dass Sie die Leistungen
Ihrer Mitarbeiter bemerken und ihnen Anerkennung zollen. Ein Kritikgespräch ist für viele
Führende noch unangenehmer. Sie scheuen sich davor, einen Mitarbeiter auf Fehler bzw.
Mängel anzusprechen, haben vielleicht Angst vor dessen Reaktion. Kritik auszusprechen
erfordert vom Chef Selbstvertrauen und Konfliktbereitschaft. Andere Chefs haben keine
Scheu vor Kritik, fallen dabei aber mit der Tür ins Haus. Bei Kritikgesprächen ist Vorsicht
angesagt, sonst wird sich das Verhalten des Mitarbeiters nicht ändern. Ein Gespräch
entwickelt sich dynamisch. Deshalb ist es schwer, allgemeingültige Regeln oder Leitfäden
anzubieten. Dies wurde hier trotzdem versucht. Denken Sie jedoch daran, dass es nur eine
Orientierungshilfe ist.
Weiterentwicklung planen – Potenzialentwicklung
Mit dem Mitarbeiter über seine beruflichen Perspektiven zu reden, ist Teil des klassischen
Mitarbeitergespräches. Es kann jedoch als Einzelmaßnahme durchgeführt werden.
Ziele eines Potenzialentwicklungsgespräches sind:
• Mitarbeitermotivation erhöhen: Attraktiven Arbeitsplatz gestalten
• Mitarbeiterbindung stärken: Eine langfristige Perspektive bieten
• Personalplanung: Wer kann wo eingesetzt werden?
• Personalentwicklung: Welche ungenutzten Potenziale gibt es?
• Laufbahnentwicklung: Karrierechancen und Aufstiegsmöglichkeiten deutlich machen
• Qualifizierung sichern: Wo gibt es Defizite beim Mitarbeiter?
Das Potenzialentwicklungsgespräch kann folgende Fragen beantworten:
• Welche Aufgaben sind bisher bearbeitet worden?
• Gab es Schwierigkeiten bzw. Probleme?
• In welchem Bereich besteht Qualifizierungsbedarf?
• Wie ist die Arbeitszufriedenheit?
• Welche Fähigkeiten, Kenntnisse sind bisher ungenutzt geblieben?
• Was sind die Arbeitsziele?
• Welche persönlichen Erwartungen bestehen?
• Welche Fähigkeiten können ausbaut werden?
• Welche Aufgaben in Zukunft?
Ziele mit dem Mitarbeiter vereinbaren – Empowerment
Hierbei sind längerfristige Ziele gemeint, ein Gespräch findet nur ca. ein oder zweimal pro
Jahr statt. Diese Art von Zielvereinbarung nennt man auch Empowerment. Das bedeutet in
etwa Bevollmächtigung. Der Mitarbeiter erarbeitet zusammen mit dem Vorgesetzten Ziele
und kann selbstständig entscheiden, mit welchen Mitteln, wie er das Ziel erreichen will.
Empowerment bezeichnet also eine dauerhafte Übertragung von Verantwortung und
Vollmachten auf den Mitarbeiter. Das Führen von Zielvereinbarungsgesprächen ist in den
letzten Jahren immer wichtiger geworden. Das hängt mit dem Wandel der Arbeit und dem
Auftauchen von neuen Management-Konzepten zusammen. Das Führen mit Zielen –
management by objectives – hat an Bedeutung gewonnen.
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Personal halten und fördern
Vorteile dieses Führungskonzeptes sind:
• Entspricht den Bedürfnissen der modernen Arbeitnehmer nach mehr Mitbestimmung
• Bezieht persönliche Ziele, Wünsche und Vorstellungen der Mitarbeiter mit ein
• Individuelle Ziele werden mit den Zielen des Unternehmens verknüpft
• Dadurch stärkeres Bindung des Mitarbeiters an das Unternehmen
• Insgesamt höhere Mitarbeitermotivation
• Entlastung für Führungsebene
• Eigenverantwortliche Mitarbeiter, weniger Kontrolle, flachere Hierarchien
Ein Zielvereinbarungsgespräch kann folgendermaßen ablaufen:
• Gesprächseröffnung: Anlass des Gesprächs klären, Grundsätzliches zum Führen mit
Zielen, bisherige Erfahrungen mit Zielvereinbarungen
• Bereichsziele aus dem übergeordneten Zielsystem besprechen und auf den
Aufgabenbereich des Mitarbeiters herunterbrechen
• Darstellung von zukünftigen Anforderungen an den Arbeitsplatz und daraus
resultierende Aufgaben durch den Mitarbeiter
• Kommentierung und Weiterführung der Darstellungen des Mitarbeiters durch den
Vorgesetzten
• Inhaltliche Vereinbarung zwischen dem Vorgesetzten und Mitarbeiter über konkrete
Ziele, Schwerpunkte und Prioritäten
• Diskussion vorhersehbarer Probleme und Schwierigkeiten bei der Zielerreichung
• Vereinbarung der Rahmenbedingungen: Maßstäbe zur Überprüfung der
Zielerreichung (Quantität, Qualität, Kosten etc.), Termine für
Zwischenüberprüfungen, Zeitspanne bzw. Endtermin
• Überprüfung der Ressourcen des Mitarbeiters; verfügt der Mitarbeiter über
notwendige und ausreichende Kenntnisse und/oder Fertigkeiten? Ggf. zusätzliche
Qualifizierungsmaßnahmen festlegen
• Überprüfen der Kompetenzen, um notwendige Entscheidungen treffen zu können
• Zeitliche Kapazitäten des Mitarbeiters
• Finanzielle Mittel (Prämien, Beteiligungen etc.)
• Schriftliche Dokumentation der Ziele und Vereinbarungen
• Gesprächsabschluss
Konflikte
Mit dem Wort Konflikt verbinden die meisten Menschen nichts Gutes: Streit, Diskussion,
Ärger. Mit Sicherheit möchte auch keiner einen Konflikt herbeiführen, sondern ihn möglichst
vermeiden. In einer Firma arbeiten jedoch so viele unterschiedliche Menschen zusammen,
die unterschiedliche Charaktere, Vorstellungen und Ziele haben, dass es fast zwangsläufig
zu Konflikten kommen muss. Ein Konflikt besagt ja nichts anderes, als dass zwei oder mehr
(scheinbar) unvereinbare Standpunkte bestehen. Nachdem das nun klar ist, stellt sich eine
Frage: Was bedeuten Konflikte für Sie? Verbinden Sie damit ebenfalls etwas Negatives und
beeinflusst das Ihre Reaktion auf Konflikte oder können Sie darin auch positive Kraft sehen?
Konfliktfähigkeit ist eine der wichtigen Führungskompetenzen. Doch was bedeutet es
überhaupt, konfliktfähig zu sein?
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Personal halten und fördern
Positive Aspekte eines Konfliktes können sein:
• Fördert die Selbsterkenntnis, regt zur Selbstbeobachtung an
• Festigt den Zusammenhalt der Gruppe
• Schiebt Veränderungen an, verhindert Stagnation
• Weckt Interesse, regt zur Lösungssuche an
• Weist auf ein Problem hin, macht Normen bewusst
Fähigkeit sich effektiv mit anderen Menschen auseinander zu setzen:
• Kritik geben und annehmen
• Konflikten nicht aus dem Weg gehen
• Konstruktive Kommunikation üben
• Gemeinsam nach einer Lösung suchen
• Sich in andere hineinversetzen können
Als Chef einer Firma werden Sie nicht umhin kommen, den einen oder anderen Konflikt zu
erleben. Es kann zu Konflikten zwischen Ihnen und einem Mitarbeiter oder innerhalb der
Belegschaft kommen. Ihre Mitarbeiter bitten Sie dann eventuell um Hilfe bei der Klärung.
Sie sollten Sie sich dabei Ihrer Verantwortung bewusst sein: Wie Sie auf Konflikte reagieren
und mit ihnen umgehen, wird das „Streit-Verhalten" Ihrer Mitarbeiter beeinflussen und hängt
auch immer davon ab, welche Bewältigungsmöglichkeiten Sie sehen. Wenn Sie sich
kompetent fühlen, werden Sie einem Konflikt nicht aus dem Weg gehen.
Mediation – eine zusätzliche Methode
Mediation ist eine außergerichtliche Form der Konfliktbearbeitung. Ihr Ziel ist es, in einem
Konflikt eine für alle Seiten vorteilhafte Regelung zu finden. Eine neutrale, speziell
ausgebildete Vermittlungsperson – der Mediator – unterstützt die Parteien bei der
Entwicklung dieser Lösung. Er strukturiert die Verhandlungen insbesondere auf eine
zukunftsorientierte Lösung hin. Inhaltlich trifft er jedoch keine Entscheidungen. Eine
Mediation kann mit einer schriftlichen, verbindlichen Vereinbarung abgeschlossen werden.
In der Wirtschaft wird Mediation eingesetzt bei Konflikten:
• Im Betrieb
• Auf der Managementebene
• Zwischen Unternehmen
• Zwischen Unternehmen und ihrem Umfeld ( Behörden, Nachbarschaft usw.).
Ausführliche Informationen über diese Form der Konfliktlösung finden Sie beim
Bundesverband Mediation unter http://www.bmwa.de
5. Verantwortung
Delegation scheint für manche Chefs im wahrsten Sinne des Wortes ein Fremdwort zu sein.
Gerade als Existenzgründer fällt es einem vielleicht schwer, auch mal Aufgaben an die
neuen Mitarbeiter abzugeben.
Können Sie delegieren?
Ob es an mangelndem Vertrauen oder anderen Faktoren hängt, lässt sich natürlich so
pauschal nicht beurteilen. Aber es ist klar: Wenn keine Delegation stattfindet, stecken Sie
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Personal halten und fördern
als Chef weiterhin im Alltagsgeschäft fest und haben keine Zeit für wichtige Dinge wie
strategische Planung oder Kundengewinnung. Beginnen Sie also so früh wie möglich mit
angemessener Delegation. Überwinden Sie sich dazu, auch wenn es schwer fällt.
Delegation bedeutet:
• Abgeben von Aufgaben an die Mitarbeiter, die deren Fähigkeiten und Kenntnissen
entsprechen
• Klare Zielvereinbarungen
• Mitarbeitern die Ausführung überlassen
• Sie mit den nötigen Vollmachten ausstatten
• Anschließend Zielkontrolle und Feedback
Delegation kann eine einmalige Vereinbarung sein oder zur dauerhaften Einrichtung
werden. Sie entscheiden, in welcher Form Sie die anfallenden Arbeiten weiter geben
möchten. Im Interesse Ihrer Gesundheit sollten Sie aber eine beständige Lösung anstreben.
6. Vermögen
Neben der eigenen Leistung, dem Spaß an der Arbeit und der Identifikation mit dem
Unternehmen, können die meisten Mitarbeiter durch finanzielle Anreize motiviert werden.
Denken Sie darüber nach, in welchen Zeitabständen und für welche Leistungssteigerung
Sie Gehaltserhöhungen anbieten möchten. Achten Sie aber darauf, gerecht und
ausgewogen zu sein. Darüber hinaus können Sie auch projekt- und auftragsbezogene
Prämien einführen. Dabei sollte aber ein ganzes Team berücksichtigt werden, um z.B.
Mobbing zu vermeiden. In manchen Unternehmen hat es sich auch bewährt, Prämien für
organisatorische oder produktionstechnische Verbesserungen einzuführen. Viele Mitarbeiter
haben Ideen, die belohnt werden sollten, um dem Unternehmen insgesamt einen
Wettbewerbsvorteil zu verschaffen. Selbstverständlich ist es auch im Interesse aller
Mitarbeiter, dass z.B. Unfallgefahren beseitigt werden. Um die Ursachen aufzuspüren und
Wachsamkeit zu fördern können Sie hier ebenfalls durch ein Prämiensystem neue Anreize
schaffen.
Bei der Entscheidung für oder gegen ein Unternehmen kann für potenzielle Mitarbeiter auch
die betriebliche Altersversorgung (bAV) eine Rolle spielen. Die Mitarbeiter haben das Recht
auf Umwandlung des eigenen Entgelts. Diese Entgeltumwandlung aus den laufenden
Löhnen und Gehältern der Mitarbeiter oder aus Sonderzahlungen wie Urlaubs- oder
Weihnachtsgeld, Tantiemen, Erfolgsbeteiligungen, aber auch das Bonusmodell im
Zusammenhang mit Altersteilzeit ist als bAV-Maßnahme gerade auch für junge und kleine
Unternehmen von besonderer Bedeutung. Der Arbeitgeber sollte diese Form der
Altersvorsorge mit Hilfe einer Direktversicherung, Pensionskasse, Pensionsfonds,
Unterstützungskasse oder Direktzusage anbieten. So lassen sich Kosten,
Verwaltungsaufwand und Haftung begrenzen. Versorgungslücken in der Altersvorsorge,
Hinterbliebenenabsicherung und Absicherung gegen das Risiko der Erwerbsminderung
können besonders kostengünstig mit Rabattierung und vereinfachter Gesundheitsprüfung
über Kollektivverträge geschlossen werden. Den äußeren Rahmen legt hier zwar der
Arbeitgeber fest, die inhaltliche Ausgestaltung und der Vertragsabschluss werden jedoch
zwischen den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern und dem jeweiligen Produktanbieter, z.B.
Versicherer, vorgenommen – siehe auch http://www.dvs-schutzverband.de
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Personal halten und fördern
7. Weiterbildung
Innovative, systematische und regelmäßige Weiterbildung ist von grundlegender Bedeutung
für den geschäftlichen Erfolg. Dennoch: Trotz der Tatsache, dass gerade fitte Unternehmen
in rezessiven Zeiten Marktanteile gewinnen, wird kaum antizyklisch in Weiterbildung
investiert. Wie können Sie mit diesem Spannungsfeld umgehen? – Die Lösung liegt in der
Fokussierung auf Effektivität und Effizienz der Weiterbildung! Nur dann lassen sich diese
Investitionen auch in schlechten Zeiten legitimieren. Die Zusammenarbeit mit externen
Experten kann maßgeblich zur Professionalisierung der firmenspezifischen Weiterbildung
beitragen. Bevor Sie Ihren Mitarbeitern eine Weiterbildung anbieten, klären Sie für sich die
folgenden sechs Fragen:
Entspricht die Weiterbildung den Anforderungen der Zukunft?
Strategische Schwerpunkte müssen von Ihnen erarbeitet und konsequent umgesetzt
werden. Diese bestimmen die Arbeit, die in Unternehmen geleistet werden muss und setzen
auch den Entwicklungsbedarf in Bezug auf Weiterbildung fest.
Mit den folgenden Überlegungen kann aus der Unternehmensstrategie der
Entwicklungsbedarf festgestellt werden:
• Was möchte ich in Zukunft erreichen (strategische langfristige Ziele)?
• Worin müssen wir gut sein, um diese langfristigen Ziele zu erreichen?
• Welche Kompetenzen benötigen wir, um darin gut zu sein?
• Wie ist die aktuelle Entwicklung diesbezüglich und wie groß ist der Abstand zum
gewünschten Soll-Zustand?
• Wann ist welcher Entwicklungsbedarf am dringendsten?
Wird die Weiterbildung mit den Bedürfnissen der Mitarbeiter gekoppelt?
Unternehmensziele und Mitarbeiterziele müssen in Einklang gebracht werden. Von den
Mitarbeiterzielen losgelöste Unternehmensziele entfalten kaum die erwünschte Wirkung.
Harte (Strategie, Strukturen und Prozesse) sowie weiche Faktoren (Fähigkeiten und
Fertigkeiten, Einstellungen und Persönlichkeiten) gilt es möglichst zu integrieren.
Findet Lernen auf allen verschiedenen Ebenen statt?
Die zukünftige Weiterbildung sollte auf drei Ebenen stattfinden: Individuelles, Gruppen- und
Organisationslernen. Innerhalb dieser Ebenen können Sie zwischen drei Phasen
unterscheiden: Lernen aufgrund von vergangenen Erfahrungen, Lernen durch Einbindung
der zukünftigen Ziele und Lernen an realen Prozessen innerhalb des Unternehmens. Jede
Art ist für sich schon wirkungsvoll, aber in der Kombination erreichen Sie mehr Wissen bei
Ihren Mitarbeitern. Gefördert wird das positive Ergebnis durch folgenden Mechanismen: das
systemische Denken, ein hohes Maß an Selbstkompetenz, geeignete innere Einstellungen
und Arbeitstechniken, geteilte und nachvollziehbare Visionen.
Wird die Weiterbildung durch die Organisation getragen?
Lernen und Leistung ist immer von externen und internen Faktoren mitbestimmt. Die
Organisation Ihres Unternehmens bestimmt den gewünschten Output und die
Konsequenzen für das Erreichen oder Nicht-Erreichen. Versuchen Sie über Anreiz- und
Feedbacksysteme, Verhaltenssteuerungen zu generieren. Lernprozesse können nicht
verordnet werden, d.h. Sie als Unternehmer werden Ihre Mitarbeiter nicht als Menschen
entwickeln, sondern nur die Rahmenbedingungen so setzen, dass Lernen erst möglich wird.
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Personal halten und fördern
Wird das Lernen durch geeignete Technologie unterstützt?
Bei e-learning stand lange Zeit die Technologie im Mittelpunkt des Interesses. Heute treten
die Methoden, Inhalte und Strategien wieder stärker in den Vordergrund. Dabei handelt es
sich um ein altbekanntes Konzept, nämlich die Kombination verschiedener Lehr- und
Lernmethoden. Lernplattformen und Online-Kommunikation eröffnen dem Lernen aber neue
Möglichkeiten, die es im Rahmen von integrierten Lernkonzepten auch zu nutzen gilt.
Wird das Lernen systematisch überprüft?
Investition in Entwicklung der Mitarbeiter ist ein kritischer Erfolgsfaktor für Unternehmer,
leider sind aber die direkten Auswirkungen schlecht messbar. Nach Kirkpatrick, einem
amerikanischen Wissenschafter, können Weiterbildungsprogramme auf vier
Evaluationsstufen bewertet werden: Evaluation der Reaktion, des Lernerfolges, des
Verhaltens und der Ergebnisse. Geeignete externe Expertise kann auf allen Ebenen die
Unterstützung und den Erfolg der Weiterbildungsprogramme sicherstellen
Es liegt immer an Ihrer Entscheidung, in wie weit und mit welchen Maßnahmen Sie Ihre
Mitarbeiter qualifizieren. Aber denken Sie daran, dass sich lebenslanges Lernen nicht nur
für Sie selbst auszahlt sondern auch für Ihr Unternehmen, wenn qualifizierte Mitarbeiter
gesund, motiviert und mit Spaß an die Arbeit gehen. Wer in einem Unternehmen tätig ist,
das großen Wert auf die Entwicklung der Fähigkeiten legt, wird zufrieden sein, weniger
Fehler machen und darauf achten, dem Unternehmen die Investition durch Leistung wieder
zurück zu geben. Ob Sie regelmäßige interne Schulungen anbieten oder Ihre Mitarbeiter auf
externe Veranstaltungen schicken, hängt vom Budget ab und vor allem davon, was Sie
erreichen wollen. Prüfen Sie die Möglichkeiten und erkundigen Sie sich bei den zahlreichen
Anbietern von Weiterbildungsmaßnahmen.
Praxisbeispiel: In einem Unternehmen der IT-Branche gab es einmal in der Woche
eine Stunde „Nachhilfe“ für alle Mitarbeiter – von der Sekretärin bis zum Chef.
Geleitet wurde diese Weiterbildung von einem internen Mitarbeiter. Auf diese Art
vermittelte man z.B. relevante Fachbegriffe, zeigte PC-technische Probleme und
Lösungen auf und konnte viele Fragen klären. Nach drei Monaten kannte jeder
Mitarbeiter die Zusammenhänge der alltäglichen Arbeit, konnte seine eigene
Leistung und die der anderen besser beurteilen und bekam ein besseres
Zusammengehörigkeitsgefühl.
8. Fakten im Überblick
Neben den klassischen Führungsstilen und demjenigen, den Sie für sich selbst am besten
finden, sollten sich unbedingt die folgenden Verhaltensmuster aneignen, um Ihr
Unternehmen erfolgreich und gesundheitsfördernd zu leiten, Ihr Personal halten und fördern
zu können:
•
•
•
•
Besprechen und vereinbaren Sie konkrete realistische Arbeitsziele. Ziele geben
Orientierung, Sicherheit und vermitteln Erfolgserlebnisse.
Bleiben Sie im Gespräch darüber, welche Fähigkeiten, Bedürfnisse und Erwartungen
Ihre Mitarbeiter an die Arbeit und Sie als Chef stellen. Beziehen Sie die Mitarbeiter in
Veränderungen und laufende Arbeitsprozesse ein.
Qualifizieren Sie Ihre Mitarbeiter fachlich angemessen und geben Sie auch
Möglichkeiten für gesundheitsförderndes Verhalten.
Fördern Sie Vertrauen, in dem aus Fehlern angstfrei gelernt werden kann.
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Personal schützen
•
•
•
•
Geben Sie regelmäßig Feedback. Erkennen Sie positives Verhalten und Leistungen
an und heben Sie gute Dauerleistungen hervor.
Halten Sie Kontakt zu Ihren Mitarbeitern. Geben Sie soziale Unterstützung, fachliche
Hilfe und emotionalen Rückhalt.
Entwickeln und fördern Sie Mitarbeiter, anstatt sie zu reglementieren und zu
kontrollieren.
Ermöglichen Sie dem Mitarbeiter eine Work-Life-Balance, eine ausgewogene
Mischung aus Arbeit und Freizeit.
Quellen: http://www.rhetorik.ch und http://www.guss-net.de
Personal schützen
Mit der so genannten Fürsorgepflicht des Arbeitgebers (gegenüber seinen Mitarbeitern in
Sachen Sicherheit und Gesundheit) will der Staat nicht nur die Qualität der Arbeit
verbessern, sondern allen Mitarbeitern ein schädigungsfreies, gesundes Arbeiten
gewährleisten. Diese Fürsorgepflicht ist im §3 des Arbeitsschutzgesetzes definiert:
„Der Arbeitgeber ist verpflichtet, die erforderlichen Maßnahmen des Arbeitsschutzes unter
Berücksichtigung der Umstände zu treffen, welche die Sicherheit und Gesundheit der
Beschäftigten bei der Arbeit beeinflussen.“
1. Sorglosigkeit
Sorgloser Umgang mit Sicherheit und Gesundheit kann langfristig zu Schäden führen.
Sorglosigkeit können Sie bei Ihren Mitarbeitern und bei sich selbst erkennen:
• Es besteht kein Bemühen um Verständnis für die Arbeitsprozeduren
• Es existiert keine Wachsamkeit gegenüber unerwarteten Ereignissen
• Niemand denkt darüber nach, wenn Probleme auftauchen
• Es wird keine Hilfe gesucht, wenn es notwendig ist
• Mitarbeiter erleichtern sich die Arbeit, indem z. B. Sicherheitsvorrichtungen an
Maschinen entfernt werden
• Es gibt keine sicherheitsorientierten Fragen mehr („Was kann schief gehen?“)
• Mitarbeiter legen wenig Wert auf Ordentlichkeit, Pünktlichkeit und gutes Haushalten
Warum sehen Menschen der Gefahr so ungern ins Auge?
Vermeiden, Verleugnen und Verdrängen
Informationen zu Gefahren werden „ausgeblendet“. Oft aus Mangel an Zeit werden
Sicherheitsaspekte vernachlässigt.
Überoptimismus
Unrealistischer Optimismus, man hält sich persönlich für nicht besonders gefährdet: „Mir
wird schon nichts passieren“.
Illusion der Kontrolle
Menschen überschätzen teilweise ihre Einflussmöglichkeiten in Situationen und verhalten
sich trotz des Wissens um Gefahren weiterhin riskant: „Ich habe alles im Griff“.
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Personal schützen
Alibihandlungen
Handlungen die zur Gewissensberuhigung dienen, die jedoch keinen dauerhaften Schutz
bieten, z. B. es wird ein neuer Bürostuhl gekauft, aber nie gelernt ihn „richtig“ auf die
eigenen Körpermaße einzustellen
Fatalismus
Eine resignierte Haltung gegenüber Gefahren: „Ich bin zwar gefährdet, kann aber sowieso
nichts ändern – warum soll ich mich also anstrengen“
Gewöhnung
Täglicher Umgang mit Gefahren kann zu nachlässigem Verhalten führen, beispielsweise
Umgang mit Gefahrstoffen.
Was können Sie gegen Sorglosigkeit unternehmen?
• Machen Sie auf Gefahren aufmerksam
(z. B. ein Mitarbeiter sitzt mit rundem Rücken vor dem Bildschirm)
• Erklären Sie, warum eine Gefahr besteht
(z. B. ungünstige Körperhaltung führt langfristig zu Haltungsschäden)
• Unterweisen bzw. qualifizieren Sie Ihren Mitarbeiter
(z. B. mit wechselnder Körperhaltung am Bildschirm zu sitzen)
2. Arbeitszeitrecht
Flexible Arbeitszeit bietet viele Vorteile für Unternehmen, Kunden und Arbeitnehmer. Die
Unternehmer können flexibel auf die unterschiedliche Auftragslage reagieren und den Anfall von Überstunden begrenzen. Den Kunden kommen kurze Lieferfristen und Termintreue
entgegen. Die Arbeitnehmer gewinnen mehr Flexibilität durch Arbeitszeitkonten und können
aktiv zur Sicherung von Arbeitsplätzen beitragen.
Zweck des Arbeitszeitgesetzes
Zweck des Arbeitszeitgesetzes ist es, die Sicherheit und den Gesundheitsschutz der
Arbeitnehmer während der Arbeit zu gewährleisten, die Rahmenbedingungen für flexible
Arbeitszeiten zu verbessern sowie den Sonntag und die staatlich anerkannten
Feiertage als Tage der Arbeitsruhe der Arbeitnehmer zu schützen. Der Gesundheitsschutz
wird durch eine Begrenzung der höchstzulässigen täglichen Arbeitszeit, durch die
Festsetzung von Mindestruhepausen während der Arbeit und von Mindestruhezeiten
zwischen Beendigung und Wiederaufnahme der Arbeit sowie durch Schutzvorschriften für
Nacht- und Schichtarbeitnehmer sichergestellt.
Höchstdauer der Arbeitszeit
Grundsätzlich darf die regelmäßige werktägliche Arbeitszeit der Arbeitnehmer
8 Stunden nicht überschreiten (§ 3 Satz 1 Arbeitszeitgesetz). Sie kann auf bis zu
10 Stunden nur verlängert werden, wenn innerhalb von 6 Kalendermonaten oder
innerhalb von 24 Wochen im Durchschnitt 8 Stunden werktäglich nicht
überschritten werden (§ 3 Satz 2 Arbeitszeitgesetz).
Abweichende Regelungen von dieser werktäglichen Arbeitszeit können in einem
Tarifvertrag oder aufgrund eines Tarifvertrags in einer Betriebsvereinbarung
zugelassen werden (§ 7 Arbeitszeitgesetz). Zulässig ist dabei insbesondere
- 93 -
Personal schützen
•
die Verlängerung der Arbeitszeit über 10 Stunden werktäglich auch ohne
Ausgleich, wenn in die Arbeitszeit regelmäßig und in erheblichem Umfang
Arbeitsbereitschaft fällt
•
einen anderen Ausgleichszeitraum zu bestimmen
•
ohne Ausgleich die Arbeitszeit auf bis zu 10 Stunden werktäglich an höchstens
60 Tagen im Jahr zu verlängern.
Sofern der Gesundheitsschutz der Arbeitnehmer durch einen entsprechenden Zeitausgleich
gewährleistet wird, können darüber hinaus Abweichungen zugelassen werden:
• In der Landwirtschaft
• Bei der Behandlung, Pflege und Betreuung von Personen
• In Verwaltungen und Betrieben des Bundes, der Länder, der Gemeinden und
sonstigen Körperschaften, Anstalten und Stiftungen des öffentlichen Rechts
Es empfiehlt sich, eine individuelle Regelung der Arbeitszeit im Arbeitsvertrag zu
vereinbaren. Formulierungsvorschlag: „Es wird eine flexible Arbeitszeit im Rahmen
der gesetzlichen Höchstgrenzen vereinbart und ein Jahresarbeitszeitkonto geführt.
Die durchschnittliche Arbeitszeit soll ..... Std./Woche betragen. Zeitguthaben sollen in
Form von Freizeit ausgeglichen werden."
Arbeitsfreie Zeit
Nach Beendigung der täglichen Arbeitszeit ist den Arbeitnehmern eine
ununterbrochene Ruhezeit von mindestens 11 Stunden zu gewähren. Eine
Verkürzung auf 10 Stunden ist in Krankenhäusern und vergleichbaren
Einrichtungen, in Gaststätten, im Beherbergungsgewerbe, in Verkehrsbetrieben
sowie in der Landwirtschaft und in der Tierhaltung nur zulässig, wenn jede
Verkürzung der Ruhezeit innerhalb eines Kalendermonats oder innerhalb von
4 Wochen durch Verlängerung einer anderen Ruhezeit auf mindestens 12 Stunden
ausgeglichen wird (§ 5 Arbeitszeitgesetz). Abweichende Regelungen sind durch
Tarifvertrag oder aufgrund eines Tarifvertrages in einer Betriebsvereinbarung unter
bestimmten, im Einzelnen in § 7 Arbeitszeitgesetz genannten Voraussetzungen
zulässig.
Ruhepausen
Bei einer Arbeitszeit von mehr als 6 bis zu 9 Stunden ist die Arbeit durch
Ruhepausen von insgesamt mindestens 30 Minuten zu unterbrechen
(§ 4 Arbeitszeitgesetz). Bei einer Arbeitszeit von mehr als 9 Stunden beträgt die
Ruhepausenzeit insgesamt mindestens 45 Minuten. Die Pausen können in
mehrere Abschnitte von mindestens 15 Minuten aufgeteilt werden. Auch hier sind
abweichende Regelungen in einem Tarifvertrag oder aufgrund eines Tarifvertrages
in einer Betriebsvereinbarung zulässig (§ 7 Arbeitszeitgesetz).
Nacht- und Schichtarbeit
Nachtarbeit ist jede Arbeit von mehr als zwei Stunden der Nachtzeit (23:00 – 6:00
Uhr). Wechselschichtarbeit oder Nachtarbeit kann gesundheitliche Probleme mit
sich bringen. Deshalb darf die werktägliche Arbeitszeit der Nachtarbeitnehmer
grundsätzlich 8 Stunden nicht überschreiten (§ 6 Abs. 2 Arbeitszeitgesetz). Die
Nachtarbeit und Schichtarbeit ist nach den gesicherten arbeitswissenschaftlichen
Erkenntnissen über die menschengerechte Gestaltung der Arbeit festzulegen, vgl.
http://www.baua.bund.de/prax/schicht.htm. Die Nachtarbeitnehmer sind berechtigt,
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Personal schützen
sich vor Beginn der Beschäftigung und danach in regelmäßigen Zeitabständen
arbeitsmedizinisch untersuchen zu lassen. Die Kosten der Untersuchung hat der
Arbeitgeber zu tragen (§ 6 Abs. 3 Arbeitszeitgesetz).
Ladenschluss
Das Ladenschlussgesetz regelt für Verkaufsstellen die Zeiten, in denen Geschäfte
geöffnet und Arbeitnehmer beschäftigt werden dürfen. Die eingeschränkten
Öffnungszeiten sollen einen Ausgleich zwischen den Interessen der
Geschäftsinhaber, der Arbeitnehmer in Verkaufsbetrieben und den Kunden
schaffen. (Stand: 11/2004)
Verkaufsstellen müssen nach § 3 Ladenschlussgesetz zu folgenden Zeiten
für den geschäftlichen Verkehr mit Kunden geschlossen sein:
An Sonn- und Feiertagen
Montags bis samstags bis 6:00 Uhr und ab 20:00 Uhr
Am 24. Dezember, wenn dieser Tag auf einen Werktag fällt, bis 6:00 Uhr und
ab 14:00 Uhr. Die beim Ladenschluss noch anwesenden Personen dürfen
aber noch bedient werden.
Erweiterte Öffnungszeiten gibt es z. B. für Tankstellen, auf Bahnhöfen und
Flughäfen, in Kurorten und für Apotheken. Verkaufsstellen für Bäckerwaren dürfen
an Werktagen ab 5:30 Uhr öffnen. Bestimmte Frischwaren (z. B. Bäcker- und
Konditorwaren, Frischobst, Blumen, Zeitungen) dürfen mit eingeschränkter
Öffnungszeit auch an Sonntagen verkauft werden. Aus Anlass von Märkten,
Messen oder ähnlichen Veranstaltungen dürfen Verkaufsstellen an jährlich
höchstens vier Sonn- und Feiertagen geöffnet sein. Nähere Auskünfte dazu
erteilen die Gewerbeämter der örtlich zuständigen Gemeinde/Stadt.
Arbeitnehmer, die in Verkaufsstellen beschäftigt sind, haben Sonderrechte: Sie
können verlangen, dass sie in jedem Monat über einen arbeitsfreien Samstag
verfügen. Außerdem kann zum Ausgleich für die Arbeit an Sonn- und Feiertagen
ein Freizeitanspruch während der Woche geltend gemacht werden. Einzelheiten
zum Arbeitszeitausgleich können Sie in § 17 Ladenschlussgesetz nachlesen.
Sonn- und Feiertagsruhe
Grundsätzlich dürfen Arbeitnehmer an Sonn- und gesetzlichen Feiertagen von
0:00 Uhr bis 24:00 Uhr nicht beschäftigt werden (§ 9 Abs. 1 Arbeitszeitgesetz).
Der § 10 Arbeitszeitgesetz enthält allerdings einen umfassenden Katalog von
Bereichen, in denen Arbeitnehmer an Sonn- und Feiertagen beschäftigt werden
können, sofern die Arbeiten nicht an Werktagen möglich sind.
Ausnahmen in besonderen Fällen
Von den grundlegenden Vorschriften des Arbeitszeitgesetzes darf abgewichen
werden, wenn vorübergehende Arbeiten, wie Notfälle und außergewöhnliche Fälle,
die unabhängig vom Willen der Betroffenen eintreten und deren Folgen nicht auf
andere Weise zu beseitigen sind, anfallen. Dies ist z. B. der Fall, wenn Rohstoffe
oder Lebensmittel zu verderben oder Arbeitsergebnisse zu misslingen drohen
(§ 14 Abs. 1 Arbeitszeitgesetz). Ferner darf von bestimmten Vorschriften
abgewichen werden, wenn eine verhältnismäßig geringe Zahl von Arbeitnehmern
an einzelnen Tagen mit Arbeiten beschäftigt wird, deren Nichterledigung das
Ergebnis der Arbeit gefährden oder einen unverhältnismäßigen Schaden zur Folge
haben würde (§ 14 Abs. 2 Arbeitszeitgesetz).
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Schutz bestimmter Personengruppen
Denken Sie daran, dass es sich bei allen Gesetzen nicht um Schikanen handelt oder einen
Versuch, die alltägliche Arbeit in Ihrem Unternehmen zu behindern. Es geht vielmehr darum,
die Gesundheit und damit die Arbeitskraft Ihrer Mitarbeiter zu erhalten – zum Wohle für
beide Seiten. Denn gesunde Mitarbeiter verursachen keine Kosten, sind besser motiviert
und leisten mehr. Weitere Informationen und Aktualisierungen der Rechtssprechung finden
Sie im Arbeitszeitgesetz unter http://jurcom5.juris.de/bundesrecht/arbzg/ und im
Ladenschlussgesetz unter http://bundesrecht.juris.de/bundesrecht/ladschlg/
Schutz bestimmter Personengruppen
Wenn Sie Mitarbeiter haben, sind Sie nicht nur in der Verantwortung sondern auch in der
Pflicht. Das gilt insbesondere für Mitarbeiter, die zu einem bestimmten Personenkreis
gehören. Darüber hinaus haben Sie auch eine moralische Verantwortung. So ist es z.B.
sicher preiswerter, einen Auszubildenden einzustellen. Sie müssen aber auch dafür sorgen,
dass Sie umfassend, berufsadäquat ausbilden und die Belastbarkeit richtig einschätzen.
Dabei helfen Ihnen die speziellen Gesetze zum Jugendschutz, an die Sie sich halten
müssen. Auch bei den anderen Personengruppen können Sie einen (finanziellen) Vorteil
haben, der aber teilweise durch den besonderen Schutz zu recht kompensiert wird.
1. Mutterschutz
Gesetzliche Regeln zum Mutterschutz gibt es im deutschen Arbeitsrecht seit 1877. Seitdem
ist der Mutterschutz erheblich ausgeweitet worden. Das Mutterschutzgesetz regelt den
Schutz der Gesundheit von Mutter und Kind vor Gefahren und Risiken am Arbeitsplatz. Die
finanzielle Absicherung erfolgt durch Mutterschutzlohn. Während der Mutterschutzfrist und
der sich anschließenden Elternzeit besteht ein Arbeitsplatzschutz.
Meldepflicht
Nach dem Mutterschutzgesetz ist ein Arbeitgeber verpflichtet, den staatlichen Arbeitsschutzoder Gewerbeaufsichtsämtern die Schwangerschaft einer Arbeitnehmerin mitzuteilen. Diese
Aufsichtsbehörden kontrollieren die Einhaltung des Mutterschutzes und helfen bei der
Beurteilung, ob an dem speziellen Arbeitsplatz eine Gefährdung für Mutter und Kind
besteht. Im Einzelfall müssen die Arbeitszeiten und die Pausenregelung angepasst werden.
Beschäftigungsverbote
Je nach Art der Tätigkeit ist eine Umgestaltung des Arbeitsplatzes oder eine Umsetzung der
schwangeren Arbeitnehmerin auf einen anderen Arbeitsplatz im Betrieb erforderlich. Dies
gilt zum Beispiel bei schweren körperlichen Arbeiten, bei erhöhter Unfallgefahr und bei
Einwirkung von chemischen Gefahrstoffen. Wenn die Gesundheit der Mutter oder des
Kindes an einem Arbeitsplatz gefährdet sind, besteht ein allgemeines Beschäftigungsverbot.
Ein individuelles Beschäftigungsverbot wird ausgesprochen, wenn ein Arzt (unabhängig von
der Ausgestaltung des Arbeitsplatzes) feststellt, dass die Schwangere oder das Kind bei
Fortsetzung der Tätigkeit gesundheitlich gefährdet sind. Während eines
Beschäftigungsverbotes ist der Arbeitgeber verpflichtet, das bisherige durchschnittliche
Arbeitsentgelt als Mutterschutzlohn zu zahlen.
Mutterschutzfristen
Beginn des Mutterschaftsurlaubes: Die Mutterschutzfrist beginnt 6 Wochen vor der
Entbindung. In dieser Zeit darf eine Schwangere nur noch dann beschäftigt werden, wenn
sie es selbst ausdrücklich wünscht.
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Schutz bestimmter Personengruppen
Ende des Mutterschaftsurlaubes: Nach der Geburt besteht grundsätzlich eine
Mutterschutzfrist von 8 Wochen. Bei Frühgeburten mit maximal 2.500 Gramm Gewicht und
Mehrfachgeburten beträgt die Mutterschutzfrist 12 Wochen und verlängert sich in diesen
Fällen um die Tage/Wochen der Schutzfrist, die vor der Geburt nicht genommen werden
konnten. Während dieser Mutterschutzfristen nach der Geburt gilt ein Beschäftigungsverbot.
Nur im Fall einer Fehlgeburt darf eine Arbeitnehmerin auf eigenen Wunsch ab der 3. Woche
nach der Entbindung wieder beschäftigt werden, wenn dies aus ärztlicher Sicht möglich ist.
Zur Vermeidung eines vorzeitigen Mutterschaftsurlaubes kann sich der Arbeitgeber
kurz vor Beginn der Schutzfrist eine Bescheinigung über den voraussichtlichen
Entbindungstermin geben lassen.
Zuschuss zum Mutterschaftsgeld
Während der Mutterschutzfrist wird die Arbeitnehmerin durch das Mutterschaftsgeld und
einen Arbeitgeberzuschuss wirtschaftlich abgesichert. Das staatliche Mutterschaftsgeld
beträgt 13 EUR pro Kalendertag. Der Arbeitgeber muss den Unterschiedsbetrag zwischen
dem Mutterschaftsgeld und dem durchschnittlichen Nettoarbeitsentgelt zahlen.
Erstattungsverfahren für Kleinbetriebe
Betriebe mit weniger als 20 Mitarbeitern (Auszubildende zählen nicht mit) erhalten
den Arbeitgeberzuschuss von den gesetzlichen Krankenkassen in voller Höhe
ersetzt. Die Finanzierung dieses Erstattungsbetrages erfolgt durch einen
Umlagebeitrag. Auf diese Weise werden die Mutterschutzkosten von anderen
Betrieben solidarisch getragen.
Arbeitsplatzschutz
Vom Beginn der Schwangerschaft an bis zum Ablauf des 4. Monats nach der Entbindung
sowie während der Elternzeit besteht ein Kündigungsverbot. In besonderen Fällen kann die
zuständige Verwaltungsbehörde auf Antrag des Arbeitgebers ausnahmsweise eine
Arbeitgeberkündigung für zulässig erklären. Diese behördliche Zulässigkeitserklärung muss
vor dem Ausspruch der Kündigung erteilt sein, andernfalls ist die Kündigung nichtig.
Betriebliches Kostenrisiko reduzieren
In Betrieben mit einem hohen weiblichen Arbeitnehmeranteil kann der Mutterschutz die
betriebliche Organisation auf eine harte Probe stellen. Hier wäre zu überlegen, ob eine
weitere Arbeitnehmerin befristet eingestellt wird. Sollte sie während der Zeit, in der dieser
Vertrag gilt, schwanger werden, endet nämlich der Mutterschutz mit dem Ablauf der
Befristung. Detaillierte Informationen zum Mutterschutzgesetz erhalten Sie unter:
http://www.bmfsfj.de/Anlage22273/Neufassung_des_Mutterschutzgesetzes.pdf
2. Jugendarbeitsschutz
Der Gesundheits- und Gefahrenschutz für Jugendliche ist einheitlich geregelt. Von dieser
Rechtssicherheit profitieren gleichermaßen die Betriebe und die jugendlichen Arbeitnehmer.
Während im Berufsbildungsgesetz allgemein die Rechte und Pflichten der Vertragspartner
bei der Berufsausbildung geregelt sind, werden durch das Jugendarbeitsschutzgesetz
Kinder und Jugendliche im Betrieb besonders geschützt.
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Schutz bestimmter Personengruppen
Die Ausbildungsberater der Kammern (z. B. Industrie- und HandelskammerI
Handwerkskammer) beraten bei Fragen des Jugendarbeitsschutzes die Betriebe
und die Jugendlichen.
Verbot von Kinderarbeit
Die Beschäftigung von Kindern ist grundsätzlich verboten. Ausnahmen bestehen jedoch bei
Kindern über 13 Jahre, die mit Einwilligung der Erziehungsberechtigten tätig werden, soweit
die Beschäftigung leicht und für Kinder geeignet ist. Das Merkmal „leicht" ist gegeben, wenn
die Tätigkeit weder Sicherheit, Gesundheit und Entwicklung noch den Schulbesuch
beeinträchtigt.
Arbeitszeitschutz für Jugendliche
Jugendlicher ist wer 15, aber noch nicht 18 Jahre alt ist. Die Arbeitszeit beträgt bei
Jugendlichen grundsätzlich 8 Stunden täglich. Die Teilnahme am Unterricht der
Berufsschule (§ 9 Abs. 2 Jugendarbeitsschutzgesetz), an Prüfungen und
außerbetrieblichen Ausbildungsmaßnahmen (§ 10 Abs. 2 JArbSchG) sind
einschließlich der Pausen auf die Arbeitszeit anzurechnen. Ein Berufsschultag in
der Woche mit mehr als 5 Unterrichtsstunden von jeweils 45 Minuten ist für
Jugendliche mit 8 Stunden auf die gesetzliche Höchstarbeitszeit von 40 Stunden
wöchentlich anzurechnen. Die Stunden eines weiteren Berufschultages in der
Woche sind nur mit der tatsächlichen Berufsschulzeit einschließlich der Pausen
anzurechnen. Demgegenüber können volljährige Auszubildende grundsätzlich vor
der Berufsschule, wenn der Unterricht an diesem Tag um 9:00 Uhr oder später
beginnt, nach der Berufsschule und in Blockunterrichtswochen noch im Betrieb
beschäftigt werden. Eine Rückkehr in den Betrieb ist jedoch dann nicht erforderlich,
wenn die nach dem Berufsschulunterricht verbleibende Restzeit im Betrieb nicht
mehr sinnvoll genutzt werden kann (z. B. aufgrund einer übermäßigen Wegezeit).
Samstagsbeschäftigung
An Samstagen dürfen Jugendliche im Gegensatz zu volljährigen Lehrlingen nicht
beschäftigt werden (§ 16 JArbSchG). Beim Verbot von Samstagsarbeit gibt es aber
eine Reihe von Ausnahmen. Zulässig ist die Beschäftigung Jugendlicher an
Samstagen z. B. in folgenden Betrieben: in offenen Verkaufsstellen, in Bäckereien
und Konditoreien, im Friseurhandwerk und auf Märkten, im Verkehrswesen, im
Gaststättengewerbe, in Reparaturwerkstätten für Kraftfahrzeuge und bei
außerbetrieblichen Ausbildungsmaßnahmen
Allerdings sollen zwei Samstage im Monat beschäftigungsfrei bleiben. Werden
Jugendliche am Samstag beschäftigt, ist die Fünf-Tage-Woche durch Freistellung
an einem anderen berufsschulfreien Arbeitstag derselben Woche sicherzustellen
(Freistellungstag). Können Jugendliche beispielsweise in offenen Verkaufsstellen,
in Bäckereien und Konditoreien, im Friseurhandwerk am Samstag nicht 8 Stunden
beschäftigt werden, kann der Unterschied zwischen der tatsächlichen und der
höchst zulässigen Arbeitszeit am Freistellungstag bis 13:00 Uhr ausgeglichen
werden. Bei Auszubildenden über 18 Jahre gibt es keine gesetzlichen
Beschränkungen für eine Samstagsbeschäftigung.
Sonntagsarbeit
Es gibt nur wenige Ausnahmen für zulässige Sonntagsarbeit, jedoch müssen dann
mindestens zwei Sonntage im Monat beschäftigungsfrei bleiben. Unabhängig von
- 98 -
Schutz bestimmter Personengruppen
der Dauer der Sonntagsarbeit muss ein voller Ersatztag an einem berufsschulfreien
Arbeitstag in derselben Woche gewährt werden (§ 17 III JArbSchG).
Berufsschule und Prüfungen
Der Arbeitgeber darf den Jugendlichen nicht beschäftigen:
•
Vor einem vor 9:00 Uhr beginnenden Unterricht (diese Beschränkung gilt auch
für volljährige Auszubildende)
•
An einem Berufsschultag mit mehr als fünf Unterrichtsstunden von mindestens
45 Minuten. Dieses Beschäftigungsverbot gilt nur für einen Berufsschultag in
der Woche
•
In Berufsschulwochen mit einem planmäßigen Blockunterricht von mindestens
25 Unterrichtsstunden an mindestens fünf Tagen
Alle jugendlichen Auszubildenden haben für die reine Prüfungszeit einen
Rechtsanspruch auf bezahlte Freistellung von der Arbeit. Jugendliche
Auszubildende unter 18 Jahre sind an dem Tag vor Beginn der schriftlichen
Abschlussprüfung freizustellen. Das gilt aber nur für Tage, an dem der Jugendliche
sonst hätte arbeiten müssen. Weitergehende Freistellungsansprüche - auch für
volljährige Auszubildende - können sich aus Tarifverträgen ergeben.
Ruhepausen
Die Ruhepausen für Jugendliche müssen im Voraus, das heißt spätestens bei
Beginn der täglichen Arbeitszeit festgelegt sein. Sie müssen mindestens alle
4,5 Stunden eingelegt werden, und zwar frühestens eine Stunde nach Beginn und
spätestens eine Stunde vor Ende der Arbeitszeit. Die Ruhepausen müssen bei
einer Arbeitszeit von mehr als 4,5 Stunden bis zu sechs Stunden mindestens
30 Minuten, bei einer Arbeitszeit von mehr als sechs Stunden mindestens
60 Minuten betragen. Die Mindestdauer einer Ruhepause beträgt 15 Minuten.
Die Ruhepausen sind keine zu bezahlende Arbeitszeit.
Urlaub
Soweit Tarifverträge keine weitergehenden Regelungen enthalten, haben die
Jugendlichen für jedes Kalenderjahr einen Anspruch auf bezahlten
Erholungsurlaub (§ 19 JarbSchG). Der Urlaub beträgt jährlich
•
mindestens 30 Werktage, wenn der Jugendliche zu Beginn des Kalenderjahres
noch nicht 16 Jahre alt ist,
•
mindestens 27 Werktage, wenn der Jugendliche zu Beginn des Kalenderjahres
noch nicht 17 Jahre alt ist,
•
mindestens 25 Werktage, wenn der Jugendliche zu Beginn des Kalenderjahres
noch nicht 18 Jahre ist.
Beginnt das Ausbildungs-/Arbeitsverhältnis am 1. Juli oder früher, ist der volle
Jahresurlaub zu gewähren. Beginnt es am 2. Juli oder später, so ist die gesetzliche
Wartefrist im Eintrittsjahr nicht erfüllt, für jeden vollen Monat der Beschäftigung ist
dann 1/12 des Jahresurlaubs zu gewähren. Endet das Ausbildungs-/
Arbeitsverhältnis am 30. Juni oder früher, ist der Urlaub ebenfalls zu zwölfteln.
Endet es in der zweiten Jahreshälfte, so besteht Anspruch auf vollen Jahresurlaub.
- 99 -
Schutz bestimmter Personengruppen
Beschäftigungsverbote und Beschränkungen
Jugendliche dürfen unter anderem nicht beschäftigt werden
•
mit Arbeiten, die ihre Leistungsfähigkeit übersteigen,
•
mit Arbeiten, die mit Unfallgefahren verbunden sind, von denen anzunehmen
ist, dass Jugendliche sie wegen mangelnden Sicherheitsbewusstseins oder
mangelnde Erfahrung nicht erkennen oder nicht abwenden können,
•
mit Arbeiten, bei denen ihre Gesundheit durch außergewöhnliche Hitze oder
Kälte oder starke Nässe gefährdet wird,
•
mit Arbeiten bei denen sie schädlichen Einwirkungen von Lärm,
Erschütterungen oder Strahlen ausgesetzt sind,
•
mit Arbeiten, bei denen sie schädlichen Einwirkungen von Gefahrstoffen im
Sinne des Chemikaliengesetzes ausgesetzt sind.
Es bestehen jedoch Ausnahmeregelungen für Jugendliche, wenn dies zur
Erreichung des Ausbildungsziels erforderlich und ihr Schutz durch die Aufsicht
eines Fachkundigen gewährleistet ist sowie der Luftgrenzwert bei gefährlichen
Stoffen unterschritten wird. Der Arbeitgeber hat die Jugendlichen vor Beginn der
Beschäftigung über bestehende Unfall- und Gesundheitsgefahren, denen sie bei
der Beschäftigung ausgesetzt sind, sowie über die Einrichtungen und Maßnahmen
zur Abwendung dieser Gefahren zu unterweisen. Darüber hin- aus muss eine
Beurteilung der Gefährdungen erfolgen.
Gesundheitliche Betreuung
Die Erstuntersuchung des Jugendlichen muss innerhalb der letzten 14 Monate vor
Beginn der ersten Beschäftigung erfolgt sein (§ 32 Jugendarbeitsschutzgesetz).
Erst nach Vorlage einer entsprechenden ärztlichen Bescheinigung durch einen
zugelassenen Amtsarzt darf der Jugendliche beschäftigt werden.
Auf die ärztliche Untersuchung und Bescheinigung kann verzichtet werden bei
einer Beschäftigung mit leichten Arbeiten, von denen keine gesundheitlichen
Nachteile für den Jugendlichen zu befürchten sind, wenn die Arbeiten geringfügig
sind, das heißt wenn sie auf mehrere Tage verteilt 15 Stunden wöchentlich nicht
überschreiten oder wenn die Arbeiten nicht länger als 2 Monate dauern.
Ein Jahr nach Aufnahme der ersten Beschäftigung hat sich der Arbeitgeber, bei
dem der Jugendliche beschäftigt ist, die ärztliche Bescheinigung über die
Nachuntersuchung vorlegen zu lassen. Die Nachuntersuchung darf bei Vorlage der
Bescheinigung nicht länger als drei Monate zurückliegen. Der Jugendliche darf
nach Ablauf von 14 Monaten nach Aufnahme der ersten Beschäftigung nicht weiter
beschäftigt werden, solange er die Bescheinigung nicht vorgelegt hat. Für
sämtliche Untersuchungen ist der Jugendliche unter Fortzahlung der Bezüge und
ohne Anrechnung auf den Jahresurlaub von der Arbeit freizustellen. Die Kosten der
Untersuchung trägt das jeweilige Bundesland.
Aushänge und Verzeichnisse
In Betrieben mit mindestens einem Jugendlichen hat der Arbeitgeber das
Jugendarbeitsschutzgesetz und die Anschrift der zuständigen Behörden (in der
Regel Gewerbeaufsichtsamt) an geeigneter Stelle im Betrieb auszulegen oder
auszuhängen. In Betrieben mit mindestens drei Jugendlichen hat der Arbeitgeber
auch einen Aushang über Beginn und Ende der Pausen an geeigneter Stelle
anzubringen: http://www.hwk-schwaben.de/imperia/md/content/gesetze/5.pdf
- 100 -
Schutz bestimmter Personengruppen
3. Schwerbehinderte
In Deutschland leben mehr als 6 Millionen schwerbehinderte Menschen, also Menschen,
deren Grad der Behinderung 50% und mehr beträgt. Viele behinderte Menschen können
im richtigen Beruf ganz „normal" leben und arbeiten. Es kommt also nur darauf an, den
geeigneten Arbeitsplatz zu finden. Das Schwerbehindertenrecht ist im 9. Buch des
Sozialgesetzbuches (SGB IX) geregelt. Die Einstellung von Schwerbehinderten wird mit
Lohnkostenzuschüssen und Zuschüssen für die Einrichtung von behinderungsgerechten
Arbeitsplätzen finanziell gefördert. Leistungen können beim Arbeitsamt und beim
zuständigen lntegrationsamt beantragt werden. Jeder Arbeitgeber der Schwerbehinderte
beschäftigt, hat eine Vielzahl von Schutzvorschriften zugunsten von schwerbehinderten
Arbeitnehmern zu beachten. Arbeitgeber, die über mindestens 20 Arbeitsplätze verfügen,
sind grundsätzlich verpflichtet, Schwerbehinderte zu beschäftigen.
Geschützter Personenkreis: Schwerbehinderte und Gleichgestellte
Schwerbehinderte sind Personen, bei denen ein Grad der Behinderung von mindestens
50% vorliegt. Die Anerkennung der Schwerbehinderteneigenschaft erfolgt auf Antrag des
behinderten Menschen. Das Versorgungsamt stellt einen Schwerbehindertenausweis aus.
Gleichgestellte sind Personen, mit einem Grad der Behinderung von weniger als 50%,
aber mindestens 30%. Sie können auf Antrag beim Arbeitsamt den Schwerbehinderten
gleichgestellt werden, wenn sie infolge ihrer Behinderung ohne die Gleichstellung einen
geeigneten Arbeitsplatz nicht erlangen oder nicht behalten können. Die Gleichstellung wird
mit dem Tag des Antrags wirksam. Sie kann befristet werden.
Beschäftigungspflicht von Schwerbehinderten
Der Umfang der Beschäftigungspflicht ist in § 5 SGB IX geregelt. Arbeitgeber, die
über mindestens 20 Arbeitsplätze verfügen, müssen zu einem gewissen Anteil der
Arbeitsplätze Schwerbehinderte beschäftigen. Die Pflichtquote beträgt mindestens
4% und kann höchstens auf 10% der Anzahl der Arbeitsplätze erhöht werden.
Bei der Berechnung der Mindestzahl von Arbeitsplätzen und Zahl der Pflichtplätze
zählen Stellen auf denen Auszubildende beschäftigt werden, nicht mit. Bruchteile
von 0,5 und mehr werden grundsätzlich nach oben aufgerundet, bei Arbeitgebern
mit bis zu 59 Arbeitsplätzen ist jedoch abzurunden.
Berechnung der Zahl der Pflichtplätze: Bei einem Pflichtsatz von 5% muss in
einem Betrieb mit 20 Arbeitsplätzen ein Schwerbehinderter beschäftigt werden.
Jeder Schwerbehinderte und Gleichgestellte, dessen Behinderung durch Bescheid
festgestellt worden ist, ist grundsätzlich auf einen Pflichtplatz anzurechnen. Dies
gilt auch für teilzeitbeschäftigte Schwerbehinderte, die 18 Stunden oder mehr
wöchentlich beschäftigt werden. Beträgt die Arbeitszeit weniger als 18 Stunden
wöchentlich, so muss das Arbeitsamt die Anrechnung auf einen Pflichtplatz
zulassen, wenn die kürzere Arbeitszeit wegen Art oder Schwere der Behinderung
notwendig ist. Ein schwerbehinderter Arbeitgeber wird angerechnet.
Ausgleichsabgabe
Arbeitgeber, welche die Pflichtquote nicht erfüllen, müssen für jeden unbesetzten
Pflichtplatz monatlich eine Ausgleichsabgabe von mindestens 105 EUR entrichten.
Arbeitsrechtliche Pflichten des Arbeitgebers
Der Arbeitgeber hat die Schwerbehinderten so zu beschäftigen, dass diese ihre
Fähigkeiten und Kenntnisse möglichst voll verwerten und weiterentwickeln können.
Die Schwerbehinderten sind der beruflichen Bildung bevorzugt zu berücksichtigen.
- 101 -
Schutz bestimmter Personengruppen
Zusatzurlaub
Der Anspruch auf Zusatzurlaub entsteht mit Vorliegen der Schwerbehinderung
unabhängig von der Frage ob die Behinderung bereits amtlich festgestellt worden
ist. Gleichgestellte haben keinen Anspruch auf Zusatzurlaub. Der Zusatzurlaub
beträgt – ausgehend von einer Fünf-Tage-Woche – fünf Arbeitstage im
Urlaubsjahr, soweit ein Tarifvertrag keine günstigere Regelung vorsieht. Verteilt
sich die regelmäßige Arbeitszeit des Schwerbehinderten auf mehr oder weniger als
fünf Arbeitstage in der KaIenderwoche, erhöht oder vermindert sich der
Zusatzurlaub entsprechend.
Beispiel: Arbeitet der schwerbehinderte Arbeitnehmer regelmäßig nur an zwei
Arbeitstagen in der Woche, so hat er einen Anspruch auf zwei Arbeitstage
Zusatzurlaub. Tritt der Schwerbehinderte erst im Laufe eines Jahres nach dem
1. Juli bei einem Arbeitgeber ein oder scheidet er in der ersten Hälfte des
Kalenderjahres nach mindestens 6-monatiger Beschäftigung aus, so kann der
Zusatzurlaub, ebenso wie der Jahresurlaub, anteilig gekürzt werden.
Kündigungsschutz des Schwerbehinderten
Jede Kündigung Schwerbehinderter (Arbeitnehmer und Auszubildende) bedarf
grundsätzlich der vorherigen Zustimmung durch das Integrationsamt.
Die Zustimmung des Integrationsamtes ist jedoch unter anderem nicht erforderlich
•
wenn das Arbeitsverhältnis noch nicht 6 Monate besteht
•
bei Kündigung durch den Schwerbehinderten oder Gleichgestellten
•
bei einvernehmlicher Aufhebung des Arbeitsvertrages
•
bei Beendigung des Arbeitsverhältnisses aufgrund einer Befristung
Der besondere Kündigungsschutz besteht unabhängig davon, ob der
Schwerbehinderte selbst oder sein Arbeitgeber Kenntnis von der Behinderung
haben oder diese schon behördlich oder gerichtlich festgestellt worden ist.
Mehr Informationen finden Sie unter http://www.jobs-fuer-schwerbehinderte.de oder bei
Ihrer IHK.
4. Heimarbeit
Auch für Mitarbeiter, die ihren Arbeitsplatz zu Hause haben, gelten eigene Schutzrechte,
die im Heimarbeitsgesetz geregelt sind . Es schafft einen besonderen Entgeltschutz,
Gefahrenschutz und Kündigungsschutz. Ausführliche Informationen finden Sie unter
http://bundesrecht.juris.de/bundesrecht/hag/index.html
- 102 -
Gefahren beurteilen, erkennen und verhindern
Gefahren beurteilen, erkennen und verhindern
Jede Arbeit ist mit Unfall- und Gesundheitsrisiken verbunden. Aber die Risiken sollen
möglichst gering gehalten werden. Das ist für den Beschäftigten, für den Betrieb und für
unsere Gesellschaft von grundlegender Bedeutung.
1. Situation beurteilen
Zunächst einmal hilft der gesunde Menschenverstand, um bestimmte Missstände zu
entdecken und zu beseitigen. Jeder kennt seinen Arbeitsplatz am besten und weiß auch wo
der Schuh drückt. Das reicht aber nicht immer aus. Spätestens wenn Sie (neue) Mitarbeiter
beschäftigen, gelten eine Reihe von gesetzlichen Vorschriften, Richtlinien und Regeln.
Diese dienen dazu, Ihre und die Gesundheit Ihrer Beschäftigten zu schützen und die
Leistungsfähigkeit zu erhalten.
2. Mögliche Unfallgefahren
In den meisten Betrieben achten die Menschen kaum auf offensichtliche Unfallgefahren.
Da wird lieber einmal zu viel um ein Hindernis herum gegangen, als es zu beseitigen. Viele
Mitarbeiter tragen Schmuck und sind sich nicht darüber bewusst, dass man sich damit
verletzen kann. Andere wiederum haben einen sorglosen Umgang mit biologischen und
chemischen Arbeitsstoffen. Dabei sind gerade bei den eindeutigen Gefahren effektive
Maßnahmen möglich, um Sicherheit zu schaffen. Am Ende dieses Kapitels und im Anhang
finden Sie eine Auflistung möglicher Gefahrenquellen, die Sie im Rahmen einer
Gefährdungsbeurteilung beseitigen können.
Gesundheitsgefährdungen bei der Arbeit können entstehen durch:
•
Unfallgefahren
z.B. Stolperstellen am Fußboden, Glätte, Absturzgefahr, Verletzungsgefahr an
Maschinen und Ausrüstungen, elektrischen Strom, Feuer, Explosion u.s.w.
•
Umgang mit Gefahrstoffen
z.B. bei Kontakt mit Stoffen, Stoffgemischen oder Erzeugnissen, die einem
Gefährlichkeitsmerkmal (z.B. entzündlich, giftig, sehr giftig, erbgutverändernd oder
krebserzeugend usw.) zugeordnet sind
•
Umgang mit biologischen Arbeitsstoffen (Definition siehe BiostoffV)
z.B. bei Kontakt mit Bakterien, Pilzen, Parasiten, Viren usw., die Infektionen
hervorrufen können
•
Arbeitsumgebungsbedingungen
z.B. durch eine unzureichende Beleuchtung, schlechte Atemluft, Lärm, Strahlung und
mechanische Schwingungen
•
Körperliche Belastung
z.B. schweres Heben und Tragen, einseitige Körperbelastungen, Zwangshaltungen
(z.B. zu niedrige Arbeitsfläche), ständiges Sitzen, ständiges Stehen, Vibrationen
•
Psychische Belastung
z.B. Überforderung, Unterforderung, Mobbing, lange Arbeitszeiten, ungenügende
Erholungsmöglichkeiten, schlechtes Betriebsklima, autoritärer Führungsstil usw.
Weitere Informationen, beispielsweise zum Umgang mit Gefahrstoffen, zur
Arbeitszeitgestaltung, zum Heben und Tragen und zur Ermittlung und Beurteilung von
psychischen Belastungen erhalten Sie u.a. bei der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und
Arbeitsmedizin: http://www.baua.bund.de.
- 103 -
Gefahren beurteilen, erkennen und verhindern
Stolperstellen
Stolper-, Rutsch- und Sturzunfälle ergeben sich aus der Fortbewegung des Menschen beim
Gehen und Laufen. Die Folgen dieser Unfälle sind oft erheblich schwerwiegender als
allgemein angenommen wird. Oft sind Fußböden, Treppen, Leitern, Aufstiege und Podeste
die Auslöser bei den Unfällen. Aber auch unterschiedliche Bodenbeschaffenheiten,
Einflüsse der Witterung oder Unebenheiten können Gefahren darstellen. Viele
Berufsgenossenschaften haben deshalb spezielle Aufklärungskampagnen gestartet, um die
Beschäftigten für das Thema zu sensibilisieren. Oft reicht schon ein kleiner Handgriff oder
ein bisschen Vorsicht, denn Unfälle werden in den meisten Fällen durch Menschen
verursacht. Wenn Sie die folgenden Tipps beachten, haben Sie schon viel zur Prävention
getan:
Tragen Sie die richtigen Schuhe
Der richtige Arbeitsschuh verhilft zum sicheren Gang. Je nach Einsatzbereich sind
unterschiedliche Schuhe geeignet. Allen gemeinsam ist ein fester Halt am Fuß, ein flacher
Absatz und eine griffige, rutschfeste Sohle. Es gibt inzwischen Arbeitsschuhe, die bei aller
Funktionalität auch optisch im Trend liegen. Holen Sie sich Tipps von Fachleuten zum
Beispiel der Fachkraft für Arbeitssicherheit in ihrem Betrieb.
Unterschätzen Sie Treppen und Stufen nicht
Stolpern auf Treppen und Stufen führt häufig zu schwerwiegenderen Verletzungen als
Stolpern auf ebener Fläche. Deswegen müssen Treppen und Stufen immer gut kenntlich
gemacht und beleuchtet sein. Benutzen Sie den Handlauf und seien Sie aufmerksam.
Schalten Sie Stolperfallen und Rutschpartien aus
Ränder von Fußmatten oder Teppichbelägen sollten optisch gut erkennbar sein.
Fußmatten mit einer rutschfesten Schicht auf der Rückseite geben mehr Halt. Matten mit
hochgebogenen Ecken oder ausgebrochenen Rändern sollten Sie aussortieren! Am besten
Übergänge mit fest montierten Teppichleisten sichern.
Achten Sie auf die Ordnung zu Ihren Füßen
Vorsicht vor herumliegenden Gegenständen! Sicheren Sie Ihren Arbeitsplatz, wenn er in
einem von Dritten begangenen Bereich liegt, immer ab. Lassen Sie auch im eigenen
Interesse nichts auf dem Fußboden liegen oder Wasser- oder Ölflecken unbeseitigt. Auf
hoch gelegenen Arbeitsplätzen wie Gerüsten oder Arbeitsbühnen haben Stolperunfälle oft
sehr ernste Folgen.
Halten Sie die Augen offen
Beobachten Sie Ihre Arbeitsumgebung! Manchmal entwickeln sich Stolperfallen langsam:
Gehwegplatten heben sich, eine Fußbodenfliese beginnt zu wackeln... Wenn Sie sich und
ihre Kollegen vor Stolperunfällen bewahren wollen, greifen Sie selbst ein oder machen den
zuständigen Ansprechpartner aufmerksam.
Weitere Informationen finden Sie unter http://www.sicherer-auftritt.de
Kontakt mit chemischen, biologischen Stoffen vermeiden
In vielen industriellen Bereichen werden Gefahrstoffe hergestellt, eingesetzt oder entstehen
bei einem Arbeitsprozess. Neben Gefährdungen durch chemische Stoffe sind Sie als
Arbeitgeber dazu verpflichtet, auf der Basis des Arbeitsschutzgesetzes auch die
- 104 -
Gefahren beurteilen, erkennen und verhindern
Gefährdungen durch biologische (z. B. Bakterien), chemische und physikalische (z.B. Lärm,
Vibrationen) Einwirkungen zu ermitteln. Für die Beurteilung der Ergebnisse sind u.a. die
Stoffeigenschaften und Arbeitsplatzgrenzwerte von großer Bedeutung. Diese Angaben
sind jedoch über eine Vielzahl von Vorschriften und Regelwerken verteilt. Um die
Arbeitsschutzpraxis zu unterstützen, gibt das Berufsgenossenschaftliche Institut für
Arbeitsschutz (BIA) die wesentlichen Informationen aus den Vorschriften als Liste heraus.
Darüber hinaus wurden die wichtigsten Regelungen – in erster Linie Grenzwerte – für
biologische, chemische und physikalische Einwirkungen zusammengeführt. Diese Reports
werden jährlich aktualisiert und können von Ihnen kostenlos beim Hauptverband der
Berufsgenossenschaften angefordert werden: http://www.hvbg.de
Überforderung/Unterforderung
Wenn Sie Ihre Mitarbeiter mit Arbeiten betrauen, die sie inhaltlich und zeitlich überfordern,
führt das langfristig zu gesundheitsschädlichen Belastungen. Insbesondere bei Dauerstress
ist auf der einen Seite das Risiko chronisch zu erkranken erheblich höher und auf der
anderen Seite achten Ihre Mitarbeiter weniger auf mögliche Unfallgefahren, da Sie
permanent nur an die Erfüllung der Aufgaben denken. Zum Glück sendet der Körper
Warnsignale aus. Am eigenen Befinden und Verhalten kann man erkennen, ob der Stress
bereits Spuren hinterlassen hat und ob dadurch auch die Unfallgefahr gestiegen sein
könnte.
Erkennungsmerkmale für langandauernde Überforderung durch Stress sind z. B.:
• Häufige Müdigkeit, Kraftlosigkeit, Mattigkeit
• Häufige Gereiztheit, schlechte Laune
• Nicht abschalten können
• Schlafstörungen
• Konzentrationsschwäche, Vergesslichkeit
• Nervosität
• Viel Kaffee, regelmäßig Alkohol
• Verstärktes Rauchen
• Man fühlt sich immer seltener erholt
• Man hat keine Zeit mehr für sich selbst (Sport, Freunde, Familie, Urlaub)
Nehmen Sie diese Warnsignale für sich und Ihre Mitarbeiter ernst! Spätestens jetzt sollten
Sie versuchen den Stress zu reduzieren bzw. Bewältigungsstrategien zu entdecken und zu
nutzen. Sie riskieren sonst ernsthafte Erkrankungen, die Ihre eigene Leistungsfähigkeit und
die Ihrer Mitarbeiter erheblich einschränken können.
Typische Erkrankungen, hervorgerufen durch Stress sind z. B.:
• Appetitlosigkeit, Magenschmerzen, Verdauungsprobleme
• Kreislaufbeschwerden, Herzrasen bzw. unregelmäßiger Herzschlag
• Verspannungen und damit verbundene Rückenschmerzen
• Erhöhte Neigung zu Depressionen, aufkommende Ängste
• Steigende Anfälligkeit an z.B. Erkältung, Grippe zu erkranken
Lassen Sie es nicht so weit kommen und reagieren Sie auf die Symptome. Verteilen Sie die
Arbeit so, dass niemand über- oder unterfordert ist. Denn auch Unterforderung führt häufig
- 105 -
Gefahren beurteilen, erkennen und verhindern
zur Monotonie und damit zur Sorglosigkeit gegenüber dem eigenen Handeln und den damit
verbundenen Unfallgefahren.
Drogenmissbrauch erkennen und überlegt handeln
Drogen beeinflussen Stimmungen, Gefühle, Wahrnehmungen und Konzentrationsfähigkeit.
Die Substanzen wirken auf psychische Befindlichkeiten und körperliche Abläufe ein – das
Unfallrisiko steigt. Der Begriff Drogen umfasst bestimmte Medikamente, Alkohol und
Rauschmittel.
Alltagsdrogen bei der Arbeit
Genussmittel wie Alkohol, Nikotin und Koffein werden oft täglich während der Arbeitszeit
konsumiert. Problematisch werden diese Verhaltensweisen, wenn sie die Gesundheit und
Sicherheit gefährden. Dies trifft vor allen Dingen für den Alkoholkonsum zu:
• Unfallgefährdung steigt
• Sehfähigkeit sinkt (Tunnelblick)
• Reaktionszeit sinkt
• Einschätzungsvermögen wird verringert
Hilfe oder Hinnahme des suchtbedingten Verhaltens?
Bei suchtbedingtem Verhalten werden die Kosten für Minderleistung, Fehlzeiten usw. in
Kauf genommen. Oftmals wird aus anderen Gründen die Kündigung ausgesprochen. Die
Methode „Kopf in den Sand" kann sehr viel mehr Schaden anrichten, als wenn offensiv mit
diesem Problem umgegangen wird. So ist es sinnvoller, ein generelles Alkoholverbot an
Arbeitsplätzen auszusprechen, an denen eine hohe Gefahr besteht (z. B. bei Baustellen).
Einen suchtkranken Menschen erreicht ein generelles Drogenverbot allerdings auch nicht
mehr. In diesem Fall benötigt der Mitarbeiter professionelle Hilfe von einem Therapeuten.
Erarbeiten Sie einheitliche und gezielte Maßnahmen zur Begrenzung des Schadens, fördern
Sie das Gesundheitsbewusstsein und zeigen Sie Unterstützung, damit die Arbeitsfähigkeit
des Betroffenen wieder hergestellt wird. Diese Maßnahmen können aber keine Therapie
ersetzen, sondern nur begleitend bzw. vorbeugend sein. Voraussetzung ist ein offenes
Gespräch, in dem Sie Vertrauen zu Ihrem Mitarbeiter aufbauen und Lösungshilfen anbieten.
Oftmals verharmlosen die Betroffenen ihre Abhängigkeit. Im Umgang mit suchtabhängigen
Menschen sind Grenzen notwendig. Zeigen Sie deutliche Konsequenzen für Fehlverhalten
auf und handeln Sie auch beispielsweise, wenn ihr Mitarbeiter immer zu spät zur Arbeit
kommt.
Einige Krankenkassen bieten für betroffene Unternehmer hilfreiche Maßnahmen
zur Unterstützung bei Suchtproblemen der Mitarbeiter an. Fragen Sie bei ihrer
zuständigen Krankenkasse nach.
Mobbing am Arbeitsplatz
Unter Mobbing am Arbeitsplatz wird das systematische Anfeinden, Schikanieren und
Diskriminieren von Arbeitnehmern untereinander oder durch Vorgesetzte verstanden, also
Verhaltensweisen, die in ihrer Gesamtheit das allgemeine Persönlichkeitsrecht oder andere
ebenso geschützte Rechte, wie die Ehre oder die Gesundheit des Betroffenen, verletzen.
Es muss sich um fortgesetzte, aufeinander aufbauende oder ineinander übergreifende
Verhaltensweisen handeln, auch wenn sie nicht nach einem vorgefassten Plan erfolgen.
Vereinzelt auftretende, alltägliche Konfliktsituationen zwischen einem Arbeitnehmer und
- 106 -
Gefahren beurteilen, erkennen und verhindern
dessen Arbeitgeber und/oder Kollegen sind noch nicht als Mobbing anzusehen. Allgemeine
Kriterien lassen sich nicht aufstellen. Maßgeblich sind die Umstände des Einzelfalles,
die entsprechend zu prüfen sind.
Pflichten des Arbeitgebers
Mobbing ist arbeitsrechtlich verboten. Dem Arbeitgeber obliegt der Schutz des
Persönlichkeitsrechts und der sonstigen Rechtspositionen wie Gesundheit und Ehre des
Arbeitnehmers. Er ist danach verpflichtet, seine Betriebs- und/oder Arbeitstrukturen so zu
organisieren, dass seine Arbeitnehmer nicht gemobbt werden. Nicht nur ist es ihm selbst
untersagt, seine Beschäftigten zu mobben, erlangt er auch Kenntnis vom Mobbing eines
Beschäftigten durch Vorgesetzte oder Arbeitskollegen, so muss er hiergegen vorgehen und
Abhilfe schaffen. Die im Einzelfall gebotenen rechtlichen Maßnahmen können sein:
Ermahnung, Abmahnung, Umsetzung, Versetzung oder Kündigung des Mobbingtäters.
Rechte des Arbeitnehmers
Mobbingopfer haben eine Reihe von rechtlichen Möglichkeiten, sich zu wehren:
• Beschwerde einlegen beim Betriebs- bzw. Personalrat.
• Sie können von dem mobbenden Kollegen/Vorgesetzten oder Arbeitgeber die
Unterlassung des Mobbings sowie die Beseitigung bereits eingetretener
Mobbingfolgen wie beispielsweise den Widerruf ehrenverletzender Äußerungen oder
die Entfernung von Abmahnungen aus den Akten, die in der Form beleidigend sind,
verlangen.
• Einstellung der Arbeitsleistung ohne den Anspruch auf Entgelt zu verlieren, wenn der
Arbeitgeber nicht gegen Mobbing vorgeht. Voraussetzung ist jedoch, dass sie den
Arbeitgeber auf die Vertragsverletzung hingewiesen und ihm eine angemessene
Frist zur Abhilfe eingeräumt haben.
• Bei Gefährdung von Leben und Gesundheit einer schwangeren Arbeitnehmerin
oder ihres Kindes kann ein gesetzliches Beschäftigungsverbot für den Verursacher
bestehen.
• Schadensersatzforderungen gegenüber dem mobbenden Kollegen/Vorgesetzten.
• In besonders schweren Fällen steht den Arbeitnehmern auch das Recht zu, das
Arbeitsverhältnis außerordentlich zu kündigen, wenn sie den Arbeitgeber zuvor
erfolglos aufgefordert haben, das Mobbing zu unterbinden.
Präventionsmöglichkeiten
Vorbeugende Maßnahmen bestehen für den Arbeitgeber z. B. in der umfassenden
Information aller Mitarbeiter, dem Aufbau von Organisationsstrukturen zur
Konfliktvermeidung und/oder -bewältigung. Weitere Möglichkeiten sowie arbeitsrechtliche
Fragen und ausführliche Antworten hält das Bundesministerium für Wirtschaft und Arbeit
bereit unter: http://www.bmwa.bund.de/bmwa/generator/Navigation/Arbeit/
Arbeitsrecht/mobbing,did=20670.html
Ein umfangreiches, bundesweites Angebot an Kontaktadressen, Hinweise auf
Informationsveranstaltungen und Seminare finden Sie unter: http://www.Mobbing-net.de
Arbeitswege
Auch der Weg zur Arbeit birgt Gefahren, da im täglichen Straßenverkehr immer etwas
passieren kann. Selbst bei größter Achtsamkeit sind Ihre Mitarbeiter nicht vollständig sicher.
Die meisten Unfälle geschehen unter Stress und Zeitdruck. Vermeiden Sie deshalb
Situationen, die Ihre Mitarbeiter zur Unachtsamkeit verleiten. Es sollte z.B. keine Rolle
spielen, ob jemand 5 Minuten später zur Arbeit kommt oder nicht.
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Gefahren beurteilen, erkennen und verhindern
Im Falle eines Falles
Die Berufsgenossenschaft kommt bei anerkannten Wege- und Arbeitsunfällen nicht nur für
die medizinische Behandlung auf. Sie zahlt darüber hinaus nach Ende der sechswöchigen
Lohnfortzahlung auch ein sogenanntes Verletztengeld, das etwas höher ausfällt als das
Krankengeld der Krankenkasse. Und bei dauerhaften Folgen gibt es auch ein Rente! Um
den Anspruch geltend machen zu können, gibt es eine klare Grundregel: Wegeunfälle sind
Unfälle, die sich auf dem direkten Weg zur Arbeit und zurück ereignen. Manchmal sind
allerdings auch Umwege erlaubt, beispielsweise wenn sie verkehrsgünstiger sind oder wenn
das Kind auf dem Weg zum Job im Kindergarten abgesetzt wird, nicht jedoch aus so
genannten privaten oder eigenwirtschaftlichen Gründen. Ob ein Umweg noch unter dem
Schutz der gesetzlichen Unfallversicherung steht, darüber macht sich kaum jemand
Gedanken – so lange nicht, bis etwas passiert. Wenn Ihr Mitarbeiter die Formulare der
Berufsgenossenschaft ausfüllt, sollte er genau darauf achten, was er angibt. Wichtig ist
auch, dass die Angaben des Arbeitgebers, also Ihre, zum Wegeunfall nicht von den
Angaben des Mitarbeiters abweichen. In jedem Fall sollte der Betroffene einen Wegeunfall
der BG melden und im Zweifelsfall Widerspruch gegen eine ablehnende Entscheidung
einlegen (siehe auch Kapitel „Mit dem Auto unterwegs“).
3. Gefahren minimieren
Will man Gefährdungen gering halten, muss man sie kennen. Genau dies ist das Ziel der
Gefährdungsbeurteilung: Die Gefährdungen werden systematisch ermittelt.
Hierzu dienen z.B. Listen und Kataloge der Berufsgenossenschaft. Auf diese Weise
erkannte Gefährdungen sind zu beseitigen. Dabei ist zu überlegen, ob man allein eine
Lösung findet oder auf Beratung angewiesen ist. Die Vorgehensweise bei der Beurteilung
von Gefährdungen ist in das Ermessen der Betriebe und Unternehmen gestellt – unter der
Voraussetzung, die Ziele werden erreicht. Betriebe mit mehr als zehn Beschäftigten müssen
das Ergebnis dokumentieren.
Unterstützung durch PC-Programme zur Gefährdungsbeurteilung
Die Berufsgenossenschaft bietet ihren Mitgliedsbetrieben auch ein vereinfachtes
Beurteilungsverfahren an: Für einzelne, typische Gewerbszweige sind in Form von
Prüflisten die typischen Gefährdungen zusammengestellt. Vom Betrieb ist zu überprüfen,
welche speziellen Arbeitssituationen in den Listen nicht berücksichtigt sind; für diese sind
die Listen entsprechend zu ergänzen. Die Listen sind so aufgebaut, dass sie konkrete
Fragen stellen. Sie „führen" den Ausfüllenden durch seinen Betrieb. Sie können gleichzeitig
als Dokumentation verwendet werden.
Gefährdungsbeurteilung mit Hilfe von Gefährdungs-/Belastungskatalogen
Diese Gefährdungsbeurteilung ist in erster Linie für größere Betriebe geeignet.
Verschiedene Berufsgenossenschaften haben gemeinsam ein Verfahren zur
Gefährdungsbeurteilung entwickelt. Es sieht folgenden Weg vor:
• Arbeitsbereiche festlegen: Welche Tätigkeiten werden ausgeführt?
• Gefährdungen ermitteln: Was kann zu Gefährdungen führen?
• Schutzziele festlegen: Was will ich eigentlich erreichen?
• Maßnahmen festlegen: Was ist zu tun? Wer macht was? Bis wann? Externe
Beratung festlegen: Wo ist sie erforderlich?
• Maßnahmen auf Wirksamkeit überprüfen: Ist das Schutzziel erreicht oder sind
ergänzende Maßnahmen erforderlich?
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Gefahren beurteilen, erkennen und verhindern
Jede Branche hat besondere Gefährdungspotenziale. Fragen Sie bei Ihrer
Berufsgenossenschaft nach einer Gefährdungsbeurteilung für Ihren Unternehmenstyp oder
fordern Sie sich über Internet (http://www.hvbg.de) Informationen an.
4. Professionelle Unterstützung
Sie wissen ja nun, dass Sie als Unternehmer und Arbeitgeber für den Arbeits- und
Gesundheitsschutz verantwortlich sind. Sie müssen aber nicht alle Aufgaben alleine erfüllen,
denn durch einen Betriebsarzt oder eine Fachkraft für Arbeitssicherheit können Sie
Unterstützung erhalten.
Fachkraft für Arbeitssicherheit
Meister, Techniker, Ingenieure können zur Fachkraft für Arbeitssicherheit bestellt werden –
vorausgesetzt sie haben die entsprechende Qualifikation. Die Berufsgenossenschaft führt
solche Qualifikationslehrgänge durch. Es entstehen dafür keine Ausbildungskosten. Nach
der Ausbildung sorgen regelmäßige Fortbildungen dafür, dass die Fachkraft über
Neuerungen umfassend informiert wird.
Aufgaben (siehe ASiG – Arbeitssicherheitsgesetz)
Fachkräfte für Arbeitssicherheit sollen den Unternehmer beim Arbeitsschutz und der
Unfallverhütung unterstützen, durch
• Beratung, z.B. bei der Beschaffung von technischen Arbeitsmitteln und der
Gestaltung von Arbeitsplätzen,
• Sicherheitstechnisches Überprüfen von Arbeitsmitteln und Arbeitsverfahren,
• Beobachtung im Betrieb durch regelmäßige Begehungen, dabei sollen sie u.a. auch
auf sicherheitstechnische Mängel und die Nutzung von persönlicher
Schutzausrüstung achten,
• Information und Motivation der Beschäftigten, z.B. indem sie darauf hinwirken, dass
die Beschäftigten vorhandene Schutzeinrichtungen benutzen.
Bericht
Ein regelmäßiger Bericht der Fachkraft soll Schwachstellen im Betrieb transparenter
machen, um Lösungen schneller und effizienter erarbeiten zu können. Er dient auch als
Tätigkeitsnachweis der Fachkraft. Wie oft ein Bericht erstellt werden muss, hängt vom
Umfang der Tätigkeit im Betrieb ab. Im Regelfall sollte einmal jährlich ein Bericht erstellt
werden.
Einsatzzeit
Der Umfang der Tätigkeiten hängt ab von der Anzahl der Beschäftigten und dem
Gefährdungspotenzial, das je nach Gewerbszweig in 4 Gruppen eingeteilt ist. Aus dem
Gefährdungspotenzial ergibt sich für die Fachkraft zur Arbeitssicherheit eine jährliche
Basiseinsatzzeit. Diese liegt zwischen ein, zwei und drei Stunden. Können bestimmte
Gefährdungen ausgeschlossen werden, reduziert sich die jährliche Basiseinsatzzeit um
einen Abschlag von bis zu einer Stunde.
Meldung
Soll ein Mitarbeiter die Funktion der Fachkraft übernehmen, muss er der
Berufsgenossenschaft gemeldet und neben der Ausbildung auch die Einsatzzeit angegeben
werden. Ebenso muss der BG mitgeteilt werden, wenn er aus dieser Funktion ausscheidet.
Meldeformular: http://www.bgdp.de/pages/service/download/622_FASI.pdf
- 109 -
Gefahren beurteilen, erkennen und verhindern
Unterschied zum Sicherheitsbeauftragten
Die Fachkraft für Arbeitssicherheit berät den Unternehmer und alle betrieblichen
Vorgesetzten in Fragen der Arbeitssicherheit und hat für den gesamten Betrieb umfassende
Aufgaben, z.B. bei der Beschaffung von technischen Arbeitsmitteln und der Einführung von
Arbeitsverfahren. Dazu ist umfangreiches Fachwissen erforderlich.
Der Sicherheitsbeauftragte ist in der Regel in den Produktionsprozess eingebunden. Er hat
den unmittelbaren Kontakt zu den Kollegen und soll dabei helfen, die Arbeitssicherheit bei
der täglichen Arbeit in seinem Umfeld umzusetzen. Er berät seinen direkten Vorgesetzten
und ist Vorbild für seine Kollegen.
Betriebsarzt
Um gesundheitliche Beeinträchtigungen der Mitarbeiter zu vermeiden, bedarf es einer
geeigneten arbeitsmedizinischen Betreuung durch einen Betriebsarzt. Er hat eine spezielle
arbeitsmedizinische Ausbildung und berät Sie als Arbeitgeber zu allen Fragen des Arbeits-,
Unfall- und Gesundheitsschutzes.
Gesetzlich verankert ist diese Beratungspflicht des Betriebsarztes in den §2 bis §4
des ASiG (Arbeitssicherheitsgesetz – http://bundesrecht.juris.de/bundesrecht/asig).
Art und Umfang der Betreuung hängen von der Betriebsgröße und vom
Gefährdungspotenzial der Tätigkeiten ab, die in Ihrem Unternehmen ausgeführt
werden. Ihre Berufsgenossenschaft kennt sich in Ihrer Branche aus und legt
deshalb auch den Umfang der Betreuungspflicht fest (BGV A 7).
Betriebsärzte beraten Sie z. B.:
• Bei der Planung von Arbeitsstätten, Beschaffung von Arbeitsmitteln,
Ausrüstungsgegenständen und Arbeitsstoffen
• Bei der Auswahl und Erprobung von persönlichen Schutzausrüstungen
• Zu Fragen der Arbeitsphysiologie, Arbeitshygiene, Ergonomie, Arbeitszeit und
Arbeitspsychologie
• Bei Arbeitsplatzuntersuchungen, Arbeitsplatzbewertungen und bei
Gefährdungsanalysen
• Bei der Organisation der ersten Hilfe im Unternehmen
• Bei der Eingliederung oder Wiedereingliederung behinderter Arbeitnehmer
Betriebsärzte haben weiterhin den Auftrag, Arbeitnehmer zu untersuchen,
arbeitsmedizinisch zu beurteilen und zu beraten. Zu den Aufgaben des Betriebsarztes
gehört es nicht, Krankmeldungen der Arbeitsnehmer auf deren Berechtigung zu prüfen.
Die speziellen Beratungs- und Betreuungsfelder der Betriebsärzte sind im §3 des
Arbeitssicherheitsgesetzes festgelegt. Um die betriebsärztliche Beratung in Anspruch zu
nehmen, haben Sie die Möglichkeit, niedergelassene Arbeitsmediziner, nebenberufliche
Betriebsärzte oder überbetriebliche arbeitsmedizinische Dienste für die Betreuung zu
bestellen. Fragen Sie bei Ihrer Innung oder Ihrem Verband nach, ob Rahmenabkommen
mit sicherheitstechnischen Diensten geschlossen wurden. Oft haben diese günstigere
Konditionen.
- 110 -
Gefahren beurteilen, erkennen und verhindern
5. Bei Notfällen reagieren
Der Arbeitgeber hat entsprechend der Art der Arbeitsstätte und der Tätigkeiten sowie der
Zahl der Beschäftigten die Maßnahmen zu treffen, die zur Ersten Hilfe, Brandbekämpfung
und Evakuierung der Beschäftigten erforderlich sind. Dabei hat er der Anwesenheit anderer
Personen Rechnung zu tragen. Er hat auch dafür zu sorgen, dass im Notfall die
erforderlichen Verbindungen zu außerbetrieblichen Stellen, insbesondere in den Bereichen
der Ersten Hilfe, der medizinischen Notversorgung, der Bergung und der Brandbekämpfung
eingerichtet sind.
Der Arbeitgeber hat diejenigen Beschäftigten zu benennen, die Aufgaben der Ersten Hilfe,
Brandbekämpfung und Evakuierung der Beschäftigten übernehmen. Anzahl, Ausbildung und
Ausrüstung der nach Satz 1 benannten Beschäftigten müssen in einem angemessenen
Verhältnis zur Zahl der Beschäftigten und zu den bestehenden besonderen Gefahren
stehen. Vor der Benennung hat der Arbeitgeber den Betriebs- oder Personalrat zu hören.
Weitergehende Beteiligungsrechte bleiben unberührt. Der Arbeitgeber kann die in Satz 1
genannten Aufgaben auch selbst wahrnehmen, wenn er über die nach Satz 2 erforderliche
Ausbildung und Ausrüstung verfügt. Quelle: ArbSchG (Arbeitsschutzgesetz )
Im Falle eines Falles
Ereignet sich ein Unfall, ist eine schnelle und fachgerechte erste Hilfe für den Verletzten
unter Umständen überlebenswichtig. Daher muss jeder Unternehmer in seinem Betrieb die
erste Hilfe organisieren. Dazu zählt, dass ausreichendes und geeignetes Erste-HilfeMaterial vorhanden und leicht erreichbar ist. Deshalb soll ein Verbandkasten an leicht
zugänglicher Stelle angebracht und gekennzeichnet werden (weißes Kreuz auf grünem
Untergrund). Der Mindestinhalt des Verbandkastens hängt von der Zahl der Beschäftigten
und den vorhandenen Gefährdungen ab. Darüber hinaus muss der Unternehmer dafür
sorgen, dass eine ausreichende Zahl an Mitarbeitern zum Ersthelfer ausgebildet wird und
regelmäßig, spätestens alle zwei Jahre, an einer Fortbildung teilnimmt. Nach einem Unfall
muss der Verletzte in jedem Fall zu einem Durchgangsarzt, der über die weitere
Behandlung entscheidet.
Erste-Hilfe-Material
In jedem Betrieb muss ausreichendes Erste-Hilfe-Material bereit gehalten werden und
fehlendes Material muss regelmäßig ergänzt werden.
Das Erste-Hilfe-Material ist
• jederzeit leicht zugänglich aufzubewahren,
• gegen schädigende Einflüsse, insbesondere Verunreinigungen, Nässe und hohe
Temperaturen geschützt unterzubringen,
• in ausreichender Menge bereitzuhalten,
• rechtzeitig zu ergänzen und zu erneuern.
Insbesondere zählt zum „Erste-Hilfe-Material" das Verbandzeug, das in Verbandkästen
bereitgehalten werden muss. Medikamente, z.B. Schmerztabletten, die nicht für die Erste
Hilfe-Leistungen notwendig sind, gehören nicht zum Erste-Hilfe-Material und damit auch
nicht in die Verbandkästen. Bei betriebsspezifischen Gefahren, z. B. im Hinblick auf
Einwirkungen gesundheitsgefährlicher Stoffe, können geeignete Medikamente zum ErsteHilfe-Material gehören. Sie sind zur ausschließlichen Verfügung durch geschultes Personal
und den Arzt bereitzuhalten. Verbandkästen können in Sanitätsgeschäften, über Apotheken
oder auch direkt von Herstellern gekauft werden.
- 111 -
Gefahren beurteilen, erkennen und verhindern
Erste Hilfe-Einrichtungen sowie Aufbewahrungsorte von Erste-Hilfe-Material, d. h. auch
Verbandkästen, sind deutlich erkennbar und dauerhaft durch ein weißes Kreuz auf grünem
Feld mit weißer Umrandung zu kennzeichnen. Zum Inhalt eines jeden Verbandkastens
gehört eine Anleitung zur Ersten Hilfe (Plakat oder Broschüre), die bei der
Berufsgenossenschaft bezogen werden kann.
Eine genaue Inhaltsliste für den Verbandskasten finden Sie unter
http://www.bgdp.de/pages/service/praktischehilfen/erste-hilfe.htm
Feuerlöscher
Als Unternehmer müssen Sie dafür sorgen, dass eine ausreichende Anzahl von
Feuerlöschern zur Verfügung steht (je nach Anzahl und Größe der Räumlichkeiten sowie
der Brandgefährdung). Die Löscher müssen für die Brandgefährdung (Brände fester,
flüssiger oder gasförmiger Stoffe) Ihres Betriebes geeignet sein. Beachten Sie, dass
• regelmäßige Übungen helfen, im Notfall richtig handeln zu können.
• Feuerlöscher alle 2 Jahre überprüft werden müssen, um ihre Funktionalität
gewährleisten zu können.
• die Feuerlöscher über die Hersteller oder örtliche Händler bezogen werden können.
Diese führen auch die regelmäßigen Prüfungen durch und überwachen
normalerweise von sich aus die Termine.
Fragen Sie Ihre Berufsgenossenschaft, die örtliche Feuerwehr oder eines der externen
Dienstleistungsunternehmen, die Sicherheitsmaßnahmen anbieten.
Notausgänge
Notausgänge müssen deutlich ausgeschildert sein, dürfen während der Betriebszeit nicht
abgeschlossen oder versperrt werden und müssen allen Mitarbeiter bekannt sein. Fragen
Sie Ihre Berufsgenossenschaft nach den geltenden Vorschriften.
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Krisen erkennen
KRISENMANAGEMENT
Selbst bei bester Vorbereitung der eigenen Selbstständigkeit, bei der höchsten Motivation
und dem größtmöglichen Einsatz werden Sie wahrscheinlich auch immer wieder Krisen
meistern müssen.
Krisen erkennen
1. Persönliche Krisen
Auf der einen Seite gibt es die persönliche Krise, die Sie daran zweifeln lässt, ob Ihre
Entscheidung Unternehmer zu werden richtig war. Mögliche Auslöser dafür können sein:
• Motivationsverlust
• Erschöpfungszustände
• Vernachlässigte Beziehung bzw. Freunde
• Angst vor der Zukunft
• Die Frage nach dem Sinn
• Scheinbar unüberwindlicher Stress
• Zweifel an sich und den eigenen Fähigkeiten
Es ist wichtig, dass Sie Ihre persönliche Krise erkennen können. Wo sind die Ursachen?
Wer oder was hat sie ausgelöst? Und welche Symptome zeigen sich bei Ihnen? Erst dann
werden Sie einen Weg finden, dagegen anzugehen. Reagieren Sie auf jeden Fall sofort und
ignorieren Sie Ihre Krise nicht! Sie gefährden sonst Ihre eigene Gesundheit und langfristig
auch Ihr Unternehmen. Überlegen Sie sich Gegenreaktionen! Oftmals sind die Familie oder
Freunde eine wichtige Stütze. Sprechen Sie mit Ihnen über Ihre Probleme. Manchmal macht
es Sinn, sich eine kurze Auszeit zu nehmen, um über alles Nachdenken zu können.
Vielleicht hilft es auch, die eigenen Ziele noch einmal neu zu überarbeiten. Es gibt sicher
viele Möglichkeiten, auch professionelle, die Ihnen aus der persönlichen Krise heraus helfen
können. Vorausgesetzt Sie stellen sich Ihrer Krise und suchen aktiv einen Weg, um wieder
mit Optimismus und neuem Elan in die Zukunft zu blicken.
2. Unternehmenskrisen
Auf der anderen Seite gibt es Unternehmenskrisen. Jeder – wirklich jeder Unternehmer –
macht Fehler. Zur Krise entwickeln sich unternehmerische Fehler allerdings nur dann, wenn
die Existenz des Unternehmens auf dem Spiel steht; u.a. bei Zahlungsunfähigkeit des
Unternehmens. Dies kann schnell eintreten, wenn
• das Unternehmen von veränderten Marktgegebenheiten überrascht wird;
• Absatz und Verkaufszahlen zurückgehen;
• Kunden ihre Rechnungen nicht oder verspätet bezahlen;
• ein größerer Kunde wegbricht.
Besonders verhängnisvoll ist, wenn zusätzlich die Unternehmensleitung unsicher ist über
die Unternehmenslage und darum notwendige Entscheidungen zu langsam erfolgen. Viele
Unternehmer haben den richtigen „Riecher“ für Probleme und Krisen. Auf den allein sollte
man sich aber nicht unbedingt verlassen. Es gibt auch erprobte Hilfsmittel, um Problemen
auf die Spur zu kommen.
- 113 -
Krisen begegnen
Krisen begegnen
Als erstes und grobes Früherkennungs-Instrument kann die „Früherkennungstreppe“
dienen. Früherkennung befasst sich zum Beispiel mit Finanzen und Kosten, mit der
Entwicklung des Unternehmensumfeldes, mit den unternehmerischen Fähigkeiten, mit der
Motivation der Mitarbeiter, der Zufriedenheit der Kunden, der Leistungsverbesserung und
nicht zuletzt mit der Gestaltung der ganz persönlichen Zukunft. Leichtere unternehmerische
Schieflagen können so schnell abgestellt werden. Wenn die Probleme aber bereits
gravierende finanzielle Auswirkungen mit sich bringen, muss entschlossen gehandelt
werden. Vor allem dann, wenn das Unternehmen in eine echte Notlage geraten ist. In solch
einem Fall muss mit professioneller Hilfe ein aktives Krisenmanagement eingeleitet werden.
Früherkennung ist wichtig! Reservieren Sie sich daher jeden Tag eine
Viertelstunde, um sich mit diesem Thema auseinander zu setzen. Wenn das erst
einmal zur Gewohnheit geworden ist, wird es Ihnen immer leichter fallen, und der
Nutzen wird schnell den Aufwand übersteigen: Sie können bei den ersten
Anzeichen einer Krise sie als solche erkennen und sofort handeln.
1. Die Früherkennungstreppe
Die Früherkennungstreppe hilft Ihnen herauszufinden, wie es um Ihr Unternehmen
momentan bestellt ist. Beantworten Sie die Fragen von unten nach oben und kreuzen Sie
auf der rechten Seite das jeweilige Kästchen an.
Ziffern 9 bis 7: Wenn Sie hier „nein" sagen müssen, ist das Thema wichtig. Sie haben aber
noch genügend Zeit, zu überlegen und zu handeln.
Ziffern 6 bis 4: Wenn Sie hier „nein" sagen müssen, ist das Thema sehr wichtig. Sie müssen
rasch handeln und Verbesserungen durchführen.
Ziffern 3 bis 1: Wenn Sie hier bereits „nein" sagen müssen, ist das Thema äußerst kritisch.
Der Fortbestand Ihres Unternehmens ist gefährdet!
Früherkennung
Späterkennung
Haben Sie neue
Geschäftsideen?
9
Haben Sie neue
Innovation
Produkte/Dienstleistungen?
8
Haben Sie genug neue
Kunden
Kunden gewonnen?
7
Ist Ihr Betriebsergebnis
Betriebsergebnis
wirklich gut?
6
Umsatz
Steigt Ihr Umsatz?
5
Kosten
Haben Sie Ihre Kosten im Griff?
4
Liquidität
Reicht Ihr flüssiges Geld aus?
3
Kreditfähigkeit
Gibt Ihnen die Bank noch Geld?
2
Insolvenz
Vermeiden Sie erfolgreich die Pleite?
1
Ideenvorrat
Nein
SehrSpäterkennung
Ja
Quelle: Gründerzeiten Nr. 22
- 114 -
Krisen begegnen
2. Krisen verhindern
Krisen in kleinen und mittleren Unternehmen gibt es immer wieder. Sie sind – seltener –
durch äußere Einflüsse bedingt: durch schlechte Konjunktur oder Veränderungen des
Marktes. Viel häufiger kommen sie „von innen“. Die Gründe liegen dann fast immer in
Fehlern der Unternehmensführung. z.B.:
• Mängel in Planung und (Markt-)Information
• Ungenügende Berücksichtigung der Marktentwicklungen
• Fehler bei der Gestaltung des Produkt - bzw. Dienstleistungsprogramms
• Fehlentscheidungen bei der Standortwahl
• Fehlentscheidungen bei der technologischen Ausstattung und Rohstoffsicherung
• Mangelhafte finanzielle Ausstattung (zu wenig Eigenkapital)
• Mangelhaftes Kreditmanagement (Lieferantenkredite)
Unternehmenskrisen müssen nicht sein
Jede unternehmerische Selbstständigkeit bringt Risiken mit sich. Diese Risiken müssen und
können allerdings so weit reduziert werden, dass die Erfolgsaussichten bei weitem
überwiegen. Folgende Mindestgrundsätze muss jedes neue Unternehmen dafür beachten:
• Verschaffen Sie sich aktuelle Informationen zu Ihrem Markt
• Sorgen Sie für eine sorgfältige Unternehmensplanung und deren Umsetzung
(Controlling)
• Organisieren Sie eine zeitnahe und aussagekräftige Buchhaltung
• Prüfen Sie die Möglichkeiten, sich im Verbund zusammen zu schließen
Die Selbstständigkeit als Einzelunternehmer hat Vorteile, zum Beispiel einen geringeren
Gründungsaufwand, überschaubare Verwaltung, Flexibilität und Unabhängigkeit. Aber es
fällt vielen Existenzgründern schwer, über längere Zeit auf den persönlichen Austausch zu
verzichten. Auch die Chancen, an größere Projekte heranzukommen, sind begrenzt. Eine
gute Möglichkeit, eigenständig zu bleiben und trotzdem die Vorteile einer MehrpersonenFirma zu nutzen, bieten Kooperationen. Alle Partner bleiben rechtlich und steuerlich selbstund eigenständige Unternehmer. Sie zeichnen nur verantwortlich (und haften) für die
Leistungen, die sie in einer Kooperation erbringen. Deshalb klären Sie für sich:
• Was ist Ihre persönliche Motivation: Warum würden Sie mit anderen Unternehmern
kooperieren wollen?
• Welche Kompetenzen und Kapazitäten könnten Sie einbringen? Was erwarten Sie
von Ihren Kooperationspartnern?
• Welche Ziele verfolgen Sie bisher? Was verändert sich durch die Kooperation?
Die richtigen Partner und Gelegenheit zu Kontakten finden Sie bei
• Berufsverbänden und Netzwerken
• Kontaktbörsen der Kammern
• Freelancer-Börsen im Internet
• Fachmessen und Ausstellungen
Wenn Sie Ihren potenziellen Partner bereits kennen, dann können Sie gleich ins Gespräch
einsteigen und folgende Punkte klären:
- 115 -
Krisen begegnen
•
•
•
•
Welche Motivationen, Kompetenzen und Kapazitäten haben die Beteiligten?
Gibt es bereits ein konkretes Projekt oder einen Auftrag, den Sie als Team
akquirieren wollen?
Soll es sich um eine Projektkooperation (Start-/Endtermin fixiert) handeln oder
planen Sie eine laufende Zusammenarbeit?
Wenn finanzielle Investitionen erforderlich sind: Verfügen alle Partner über den
erforderliche Liquidität?
Voraussetzung ist, dass die Verbindung sowohl wirtschaftlich als auch fachlich sinnvoll ist.
Zusammen sollte für alle mehr möglich sein als im Alleingang.
Tipps für einen Erfolg versprechenden Start Ihrer Kooperation
• Lassen Sie sich bei der Erarbeitung des Kooperationsprofils von einem externen
Coach unterstützen. Eine neutrale Person kann besser auf die Partner eingehen und
Probleme aufdecken.
• Fixieren Sie die Bedingungen (Motivation, Ziele, Kunde/n, Auftrag, Qualifikationen,
Aufgaben, Honorare und Konditionen, Termine und Fristen) gemeinsam und
schriftlich. Lassen Sie diesen Entwurf anschließend von einem Anwalt
ausformulieren. Starten Sie erst nach der Unterzeichnung des Vertrages durch alle
Kooperationspartner.
•
•
•
Legen Sie einen internen Stundensatz fest, nach dem Sie den laufenden
Administrationsaufwand abrechnen. Idealerweise leistet jeder Partner zur Deckung
einen Pauschalbetrag auf ein Projektkonto.
Kommunizieren Sie z.B. über eine geschützte Website mit allen Jobprofilen. So
lassen sich die Aufgaben darstellen. Wichtig sind Meetings – im feststehenden
Turnus und mit klarer Tagesordnung – um offene Punkte zu klären. Wie oft diese
stattfinden, hängt von der räumlichen Nähe der Partner ab.
Wir empfehlen, auch bei einer langfristig angesetzten Zusammenarbeit, interne
„Kündigungstermine" zu setzen. So müssen alle Partner ihre Entscheidung für die
Kooperation (zum Beispiel ein Mal im Jahr) überdenken. Sie erreichen einen Schnitt
für diejenigen, bei denen sich die Ziele verändert haben.
3. Krisen beseitigen
Grundsätzlich gibt es zwei Möglichkeiten, der Krise zu begegnen:
• Mit einer frühzeitigen Kurskorrektur.
• Mit einer radikalen Sanierung bei anhaltenden Liquiditätsschwierigkeiten, vor allem
dann, wenn alle Finanzierungsmöglichkeiten ausgeschöpft sind und dringende
Zahlungen anstehen.
Lassen Sie sich bei jeder finanziellen Krise, bei der auch die Existenz Ihres
Unternehmens akut gefährdet sein kann, beraten: z. B. bei Kammern oder
professionellen Unternehmensberatern. Krisenberatung kann vom Bundesamt für
Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) u.U. gefördert werden.
- 116 -
Krisen begegnen
Sofortmaßnahmen im Krisenfall
• Externe Beratung hinzuziehen
• Kontakt zu Bank aufnehmen
• Krisenursachen ermitteln
• Kurz-, mittel- und langfristige Gegenmaßnahmen entwickeln
• Sanierungskosten kalkulieren
• Sanierungsplan mit Bank besprechen
Notwendige Schritte: Sanierung
Vorweg: Sanierung ist Chefsache. Vorbildliches Verhalten der Unternehmensleitung muss
sein, damit die Mitarbeiter Veränderungen und Sparpläne akzeptieren und umsetzen helfen!
Nehmen Sie die besten Leute aus ihrem Unternehmen und bilden Sie ein so genanntes
„Sanierungsteam“. Dieses Team soll Sie u.a. entlasten: Sie sollen ja „draußen“ verkaufen
und mit hilfreichen „Kontakten“ sprechen. Oft sind jedoch Sanierungserfahrung und
entsprechendes betriebswirtschaftliches Know-how nicht in ausreichendem Maße im
Unternehmen vorhanden. Sorgen Sie unbedingt für externe Hilfe (Unternehmensberater,
Sanierungs-Experten)! Außenstehende können Ihre besonderen Probleme oft besser
analysieren als Sie selbst.
Gute Voraussetzungen für eine erfolgreiche Sanierung:
• Sie kennen Ihren Markt und Ihre Wettbewerber gut
• Ihre Wettbewerber sind vielfach alle in der gleichen schlechten Situation
• Sie haben kompetente, verantwortungsbewusste und motivierte Mitarbeiter
• Ihre Mitarbeiter vertrauen Ihnen
Sechs Merkpunkte zur Unternehmens-Sanierung
Überprüfen Sie Ihr Unternehmens-Konzept
• Sind Ihre Produkte heute noch so gefragt wie früher?
• Sind Sie inzwischen von Wettbewerbsprodukten eingeholt worden?
• Gibt es neue Trends? Sind Ihre Märkte gesättigt?
• Ist Ihr Vertrieb erfolgreich?
• Sind Zins und/oder Tilgung übermäßig hoch?
• Haben Sie besonders hohe Kosten?
• Haben Sie das richtige Führungspersonal?
• Besinnen Sie sich auf das, was Sie am besten können!
Mögliche Sofortmaßnahmen gegen Zahlungsunfähigkeit
• Bareinlage
• Verkauf von nicht betriebsnotwendigen Vermögensteilen
• Bestands-Sonderverkauf
• Massives Einholen von Forderungen
• Übergabe an Inkasso-Firmen
• „Frisches“ Beteiligungskapital besorgen
• Verkauf und dann Leasing von Objekten (Sale and lease back)
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Krisen begegnen
Erste Schritte zur Liquiditätsverbesserung
• Stillhalte-Abkommen mit Kreditinstituten und Lieferanten schließen und dabei
Vertrauen stärken
• Kontokorrentkredite in langfristige Darlehen umwandeln
• Kreditumfänge erhöhen
• Prüfen, ob öffentliche Förderprogramme des Bundes und/oder der Länder in
Anspruch genommen werden können (Liquiditätsdarlehen,
Bürgschaftsprogramme etc.)
• Verhandlungen mit Factoring-Instituten
• Rechnungswesen-Profi suchen und einstellen
Stabilisierung des Unternehmens
• Straffung der Organisation („Keep it simple and flexible“)
• Evtl. ausgelagerte Buchhaltung im Unternehmen selbst durchführen
• Verminderung der Arbeitskosten (Werkskantine, Dienstwagen, Zulagen)
• Einführung einer leistungsbezogenen Vergütung
• Aufbau eines effizienten Mahnwesens
Möglichkeiten zur langfristigen Stärkung des Unternehmens
• Andere Unternehmensstruktur: neue Gesellschafter, Eingliederungen,
Auslösungen, Verselbstständigung von Service-Abteilungen etc.
• Besseren Standort suchen
• Standorte zusammenlegen (Produktion und Lager)
• Entscheiden: selbst produzieren oder dazu kaufen?
• Neue Produkte, Programme. Sortimente entwickeln
• Neue Produktionsverfahren einführen (effektiver, kostengünstiger)
• Neue Märkte erschließen
• Frühzeitig Chancen und Risiken erkennen.
Legen Sie durch eine straffe Umsetzung fest:
• Was soll zur Erreichung eines Zieles konkret gemacht werden?
• Wer soll es machen?
• Wann soll es beendet sein?
• Wann soll er/sie anfangen?
Fehler und Probleme bei der Sanierung
• Verkennen und Verdrängen des Sanierungsbedarfes
• Frühwarnsignale werden nicht wahrgenommen
• Externe Faktoren werden für den Auslöser der Krise gehalten.
• Einstellung: Sanierung hat ohnehin keine Aussicht auf Erfolg
• Erfolgspotenziale wie Produkte, Technologien, Marktsegmente, Führungskräfte
sind nicht ausreichend vorhanden. Die Ertragskraft kann nicht nachhaltig wieder
hergestellt werden.
• Sofortmaßnahmen haben oft kein strategisches Konzept.
• Sie binden die gesamte Problemlösungskapazität.
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Krisen begegnen
•
•
•
•
•
Sie setzen die zur langfristigen Stabilisierung des Unternehmens wichtige
Strategie außer Kraft.
Sanierungsstrategien werden nicht komplett umgesetzt: Erste Maßnahmen
führen zu Anfangserfolgen und entspannen vermeintlich die Situation. Die
langfristige Sicherung tritt in den Hintergrund.
Nicht ausreichende oder überdimensionierte Sanierung: Eine durch
Kompromisse bestimmte Sanierungsstrategie (z.B. zu geringer Personalabbau
oder Entlassung von Mitarbeitern auf wichtigen Schlüsselpositionen) führt nur zu
kurzfristigen Erfolgen.
Fixierung auf Schwachstellen: Der einseitige Abbau von Verlust bringenden
Tätigkeiten führt meist nicht zur Überwindung der Krise. Der Ausbau zukünftig
profitabler Bereiche wird vernachlässigt.
Vernachlässigung menschlicher Aspekte: Krisen werden durch Menschen
verursacht und von Menschen durchlebt und erlebt. Befürchtungen und Ängste
führen oft zum Boykott von Sanierungsmaßnahmen (Informationsdefizite).
Runder Tisch
Saisonale Schwankungen, Wegfall von wichtigen Kunden oder steigende Kosten bei
sinkenden Erträgen sind Krisensignale, die sich im allgemeinen frühzeitig erkennen lassen.
Wer vor Eintreten der Liquiditätsprobleme zum „Runden Tisch“ kommt, hat in der Regel gute
Chancen, noch zum richtigen Zeitpunkt geeignete Gegenmaßnahmen zu ergreifen. Die KfW
Mittelstandsbank betreut bundesweit 47 „Runde Tische“. 1.500 Unternehmer. Die meisten
kommen allerdings leider nicht bei den ersten Krisensignalen, sondern erst dann, wenn das
Unternehmen schon auf wackligen Beinen steht und die Bank den Kredit gekündigt hat.
Aber selbst dann besteht noch Hoffnung, wenn der Betrieb in seiner Struktur an sich
wettbewerbsfähig ist.
Der Weg zum „Runden Tisch“ führt über die zuständige Industrie- und Handelskammer oder
Handwerkskammer. Dort beauftragt der zuständige Mitarbeiter einen von der KfW
anerkannten Unternehmensberater, der dann für die Dauer von maximal zehn Tagen das
Unternehmen aufsucht, um hinter die Kulissen zu schauen, eine Schwachstellen-Analyse zu
erstellen und die Sanierungschancen auszuloten. Die Kosten dafür übernimmt die KfW
Mittelstandsbank. Anschließend treffen sich alle Beteiligten am „Runden Tisch“: Ein
Vertreter der Hausbank, die wichtigsten Gläubiger, der Unternehmensberater und natürlich
der Unternehmer stimmen auf Grundlage der erhobenen Daten das weitere Vorgehen ab.
Der „Runde Tisch“ tritt dafür ein, dass die Beteiligten wieder ins Gespräch kommen.
Wie kann der Unternehmer bei seinen Gläubigem und seiner Hausbank Aufschub erwirken?
In vielen Fällen wird der Unternehmer dazu verpflichtet, ein Controlling aufzubauen.
Außerdem muss in jedem Fall ein realistischer Kapitaldienstplan erstellt werden, um
Zinszahlung und Tilgung für Kredite genau festzulegen. Besonders bitter sind Einschnitte
beim Personal, wenn zum Beispiel angestellte Mitarbeiter entlassen und anstatt dessen
Saisonkräfte eingestellt werden müssen. Oft fehlt es den Unternehmern selbst aber auch an
notwendigen unternehmerischen Fähigkeiten. Doch wenn es an kaufmännischem Knowhow mangelt, nützt allein die fachliche Kompetenz nichts. Unternehmer müssen hier bereit
sein, einen „Crash-Kurs“ in Sachen Controlling, Buchführung usw. zu absolvieren. Ist das
Aufgabenpaket geschnürt, geht es an die Arbeit: Hausbank und Gläubiger müssen
erkennen, dass der Unternehmer tatsächlich seine Chance nutzt und alles macht, um
seinen Betrieb wieder auf die Beine zu stellen.
Eine Liste aller „Runden Tische“ finden Sie unter: http://www.kfw-mittelstandsbank.de
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Krisen begegnen
4. Personal abbauen
Sollten Sie aufgrund einer radikalen Sanierung Personal abbauen müssen, dann beachten
Sie die rechtlichen Vorschriften, denn Personalfreisetzung bedeutet generell die Beendigung
des Arbeitsverhältnisses. Arbeitsverhältnisse enden einerseits mit Ablauf der im
Arbeitsvertrag festgelegten Frist oder mit Eintritt einer im Vertrag festgelegten Bedingung
(bedingte Arbeitsverträge), andererseits können sie durch Aufhebungsverträge oder
Kündigung beendet werden. In einem Kündigungsverfahren sind folgende Punkte zu
beachten:
Kündigungsschutzgesetz
Die weitest gehenden Einschränkungen bei ordentlichen Kündigungen durch den
Arbeitgeber resultieren aus dem Kündigungsschutzgesetz (KSchG). Bei einer
ordentlichen Kündigung müssen Sie beachten, dass Gründe für eine sozial
gerechtfertigte Kündigung vorliegen. Sozial gerechtfertigte Gründe können
personenbedingt, verhaltensbedingt und betriebsbedingt sein. Bei einer
betriebsbedingten Kündigung müssen Sie zudem eine Sozialauswahl durchführen.
Bei der Festlegung der Arbeitnehmer, die für die Sozialauswahl in Frage kommen
sowie der Bildung einer Rangfolge sind die Dauer der Betriebszugehörigkeit, das
Alter des Arbeitnehmers und etwaige Unterhaltsverpflichtungen des Arbeitnehmers
in Betracht zu ziehen. Wenn Sie einen Betrieb mit bis zu fünf Arbeitnehmern
haben, können sich Ihre Mitarbeiter nicht auf den Kündigungsschutz nach dem
KSchG berufen. Die Ermittlung der Beschäftigtenanzahl hängt von der
regelmäßigen Wochenarbeitszeit Ihrer Mitarbeiter ab. Zudem sind Mitarbeiter,
deren Arbeitsverhältnis aus gesetzlichen Gründen ruht (Wehr- und
Zivildienstleistende, Beschäftigte im Erziehungsurlaub oder Frauen in den
Mutterschutzfristen), bei der Ermittlung der Beschäftigtenzahl ebenfalls zu
berücksichtigen.
Kündigungsfristen
Die Kündigungsfrist beträgt in den ersten zwei Beschäftigungsjahren für alle
Arbeitsverhältnisse (Angestellte oder Arbeiter) 4 Wochen zum 15. eines Monats
oder zum Monatsende. Die gesetzliche Kündigungsfrist während einer vereinbarten
Probezeit von längstens 6 Monaten beträgt 2 Wochen, von jedem auf jeden Tag.
Ab dem dritten Beschäftigungsjahr gelten längere Kündigungsfristen, wenn der
Arbeitgeber kündigt.
Kündigungsarten
Mit einer ordentlichen Kündigung beenden Sie ein unbefristetes Arbeitsverhältnis
fristgerecht. Mit ihr können Sie auch eine Änderung des Vertragsinhalts erreichen,
wenn eine einvernehmliche Änderung des Arbeitsverhältnisses zwischen den
Vertragspartnern nicht erreichbar ist (sog. ordentliche Änderungskündigung). Es
sind im Gegensatz zur außerordentlichen Kündigung regelmäßig Kündigungsfristen
und Kündigungstermine zu beachten. Mit der ordentlichen Kündigung bringen Sie
das Arbeitsverhältnis erst mit Ablauf der Kündigungsfrist zum Erlöschen.
Beachten Sie zusätzlich, dass häufig statt der gesetzlichen Kündigungsfristen
tarifvertragliche vereinbarte Kündigungsfristen gelten. Zudem ist möglich,
einzelvertraglich abweichende Kündigungsfristen zu vereinbaren oder ordentliche
Kündigungen vertraglich ganz auszuschließen.
- 120 -
Krisen begegnen
Eine außerordentliche Kündigung kann sowohl fristlos als auch mit einer
Auslauffrist erfolgen. Sie setzt eine schwerwiegende Störung der sich aus dem
Arbeitsverhältnis ergebenden Arbeitnehmerpflichten (Erbringung der persönlichen
Arbeitsleistung, Gehorsamspflicht und Loyalitätspflichten) voraus. Bei einer
außerordentlichen Kündigung muss ein wichtiger Grund vorliegen, der die
Aufrechterhaltung des Arbeitsverhältnisses unzumutbar macht.
Im allgemeinen ist zunächst eine Abmahnung des Mitarbeiters nötig. Mit einer
Abmahnung drücken Sie die Missbilligung eines Verhaltens eines Mitarbeiters
unter Androhung von Rechtsfolgen für die Zukunft aus, sofern er das Verhalten
ändert. Die Abmahnung ist dabei keine Willenserklärung (wie etwa eine
Kündigung), sondern lediglich eine Willensäußerung, die dem
Abmahnungsempfänger die Rechtswidrigkeit eines bestimmten Verhaltens
verdeutlichen soll. Die wichtigsten Funktionen der Abmahnung sind dabei die
Warn- und die Androhungsfunktion. Der Abmahnende macht nachdrücklich
deutlich, dass er ein bestimmtes Verhalten des anderen nicht zu akzeptieren bereit
ist und andernfalls rechtliche Konsequenzen ziehen wird.
Arbeitszeugnis
Bei der Freisetzung hat jeder Arbeitnehmer Anspruch auf ein Arbeitszeugnis. Verlässt ein
Mitarbeiter Ihr Unternehmen, müssen Sie ihm seine bislang ausgeübte Tätigkeit und seine
Leistungen in einem Arbeitszeugnis bestätigen. Ein einfaches Arbeitszeugnis enthält die
Dauer des Arbeitsverhältnisses und die ausgeübte Tätigkeit. Auf Verlangen des
Arbeitnehmers müssen Sie ihm ein qualifiziertes Arbeitszeugnis ausstellen, das neben Art
und Dauer der Beschäftigung auch Aufschluss über Leistung und Führung des
Arbeitnehmers gibt.
Dabei liegt die Tücke im Detail. Das Arbeitszeugnis darf keine offensichtlich negativen
Äußerungen enthalten. Dies hat dazu geführt, dass sich unter Personalfachleuten eine
eigene Sprache entwickelt hat, die sehr wohl Wertungen vermittelt – auch wenn diese für
Laien nicht auf den ersten Blick zu erkennen sind.
Ein qualifiziertes Arbeitszeugnis muss folgende Bestandteile enthalten:
• Die Überschrift „Zeugnis“ oder „Arbeitszeugnis“
• Angaben zur Person: Name, Vorname, Geburtsdatum, evtl. Anschrift
• Dauer der Unternehmenszugehörigkeit mit zeitlichen Unterabschnitten bei
Versetzungen und Beförderungen
• Funktionsbezeichnungen und Kurzfassungen der Inhalte der Tätigkeiten
evtl. Stellvertretungen
• Beurteilungen des Fachwissens, der Leistungen und der besonderen Erfolge;
Beurteilung von Initiative, Einsatzbereitschaft, evtl. Weiterbildungsaktivitäten
• Beurteilung der Führungsqualität bei Vorgesetzten
• Beurteilung des Verhaltens zu Vorgesetzten und Kollegen
• Schlussabsatz mit Austrittsformel (Dankes-Bedauerns-Formel/Zukunftswünsche)
•
Datum und Unterschrift
Hilfe bei der Formulierung von Arbeitszeugnissen finden Sie unter anderem bei der
W.A.F. (http://www.betriebsrat.com/pg05zeugnis/pc-arbeitszeugnis.htm).
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Nichts geht mehr?
Nichts geht mehr?
Leider lässt sich eine Insolvenz – trotz aller Bemühungen – manchmal nicht mehr
verhindern. Für den betroffenen Unternehmer stellt sich in solchen Fällen die Frage:
Was kommt auf mich zu? Was muss ich beachten?
1. Insolvenzantrag stellen
Der Insolvenzantrag kann entweder vom Schuldner oder vom Gläubiger beim zuständigen
Amtsgericht (Insolvenzgericht) gestellt werden und zwar dann, wenn der Schuldner
zahlungsunfähig ist. Der Schuldner selbst kann bereits bei drohender Zahlungsunfähigkeit
einen Antrag stellen. Für juristische Personen wie GmbHs oder AGs gilt das auch bei
Überschuldung.
Insolvenzantrag wird geprüft
Ist der Antrag beim Gericht eingegangen, prüft der Richter, ob ausreichend
Unternehmensmasse (Geld, Maschinen, Fahrzeuge) vorhanden ist, um zumindest die
Verfahrenskosten zu decken. Mangelt es an solchen Werten, wird der Antrag abgewiesen –
das Unternehmen stellt dann seine Tätigkeit ein. Erst nach dieser Prüfung wird das
Verfahren tatsächlich eröffnet und ein Insolvenzverwalter bestellt. Das Gericht kann auch
die so genannte „Eigenverwaltung“ anordnen und einen Kontrolleur (Sachwalter) bestellen.
In diesem Fall übernimmt der Schuldner die Aufgabe des Insolvenzverwalters.
Bericht des Insolvenzverwalters
Spätestens nach drei Monaten muss der Insolvenzverwalter einen Bericht über die
finanzielle Situation und die Chancen zur Fortführung des Unternehmens vorlegen. Die
Gläubigerversammlung entscheidet auf dieser Grundlage, ob das Unternehmen liquidiert
oder saniert werden soll.
Entscheidung der Gläubiger
Entscheiden sich die Gläubiger dafür, das Unternehmen zu sanieren, können entweder der
Schuldner oder der Insolvenzverwalter einen Insolvenzplan vorlegen. Für die Gläubiger, die
Sicherheiten erhalten haben (etwa Fahrzeuge, Maschinen unter Eigentumsvorbehalt), gilt in
diesem Fall: Sie dürfen diese nicht einfach aus dem Unternehmen abziehen. Achtung: Die
Rechte dieser gesicherten Gläubiger können zugunsten der Fortführung des Unternehmens
eingeschränkt werden.
2. Liquidation des Unternehmens
Entscheiden sich die Gläubiger für die Liquidation des Unternehmens, erhalten alle
ungesicherten Gläubiger (das heißt diejenigen, die keine Sicherheiten vom Schuldner
erhalten haben) aus dem Verkauf der verbleibenden Unternehmenswerte eine gleich hohe
Quote. Wenn das Unternehmen liquidiert und die Gläubiger aus dem Verkauf nur teilweise
befriedigt wurden, bleiben viele Unternehmer immer noch mit persönlichen Schulden bei der
Bank zurück. Sie haben die Möglichkeit, über ein Restschuldbefreiungsverfahren, das sich
an ein Insolvenzverfahren anschließt, von ihren Restschulden befreit zu werden.
Weitere Informationen finden Sie unter: http://www.impulse.de
- 122 -
Nichts geht mehr?
Haftung in der Insolvenz der GmbH
Droht der GmbH Überschuldung oder Zahlungsunfähigkeit, ist der Geschäftsführer
verpflichtet, einen Antrag auf Eröffnung des Insolvenzverfahrens zu stellen. Der Antrag
muss ohne schuldhaftes Verzögern beim zuständigen Insolvenzgericht erfolgen, spätestens
drei Wochen nach Eintritt der Zahlungsunfähigkeit. Dabei gilt die Drei-Wochen-Frist
unabhängig davon, wann der Geschäftsführer Kenntnis von der Zahlungsunfähigkeit
erlangte. Bei einem Verstoß gegen die Insolvenzantragsfrist droht dem Geschäftsführer die
persönliche Haftung, eine Geldstrafe oder eine Freiheitsstrafe von bis zu drei Jahren. Der
Antragspflicht kann sich ein Geschäftsführer auch nicht entziehen, wenn er sein Amt
niederlegt. Tätigt der Geschäftsführer nach Insolvenzreife des Unternehmens weiterhin
Zahlungen, so haftet er für diese persönlich. Werden trotz Insolvenzreife weiterhin
Geschäfte mit Dritten abgeschlossen, die nicht der Sorgfalt eines ordentlichen
Geschäftsführers entsprechen, so kommt eine persönliche Haftung nach dem Bürgerlichen
Gesetzbuch und dem Strafgesetzbuch in Betracht. Darüber hinaus ist ein Verstoß gegen die
Betrugs- und Insolvenzstraftatbestände möglich.
Der Geschäftsführer haftet persönlich bei Auszahlungen an die Gesellschafter,
welche das Stammkapital der Gesellschaft angreifen. Eine Haftung entsteht bei der
Mitwirkung des Geschäftsführers beim Erwerb eigener Anteile durch die
Gesellschaft sowie bei unterlassener Information der Gesellschafter bei dem
Verlust von 50% des Stammkapitals der Gesellschaft. Außerdem darf der
Geschäftsführer in öffentlichen Mitteilungen die Vermögenslage der GmbH nicht
unwahr darstellen oder verschleiern. Bei der Führung eines Betriebes ist eine
Haftung aus unerlaubter Handlung bei der Nichtbeachtung von
Eigentumsvorbehalten möglich oder beim Versäumnis, fehlerhafte Produkte
rechtzeitig aus dem Verkehr zu nehmen. Seit 1.1.1999 sind nach dem GmbHGesetz die Geschäftsführer verpflichtet, jede Änderung im Gesellschafterbestand
unverzüglich und nicht mehr nur einmal jährlich bei eingetretenen Veränderungen
dem Handelsregister mitzuteilen, und zwar durch Übersendung einer neuen
vollständigen Gesellschafterliste. Kommt der Geschäftsführer seiner Verpflichtung
nicht nach, haftet er den Gläubigern der Gesellschaft für den daraus entstandenen
Schaden.
3. Unternehmen vorbei?
Sicher werden Sie alles im besten Sinne dafür unternehmen, dass es zu keiner Insolvenz
kommen wird. Aber selbst bei perfekter Planung, maximalem Entgegensteuern und
höchstem Zeiteinsatz lassen sich manchmal solche Situationen nicht verhindern. Sollten Sie
Ihr Unternehmen aufgeben müssen, denken Sie im Sinne Ihrer Gesundheit daran: Geben
Sie selbst nicht auf! So wie Sie zu Beginn einen Businessplan erstellt und sich alle
notwendigen Informationen beschafft hatten, so sollten Sie jetzt einen neuen Plan für Ihre
persönliche Zukunft erstellen. Es gibt viele Möglichkeiten, wie es weiter gehen könnte: Sie
nutzen Ihre Kontakte und arbeiten als Freier Mitarbeiter. Oder Sie bewerben sich auf eine
Stelle, die zu Ihnen passt. Oder, oder... Lassen Sie sich in keinem Fall entmutigen und fallen
Sie nicht in das berühmte Schwarze Loch. Selbst eine auf den ersten Blick aussichtslose
Suche nach einer neuen sinnvollen und ertragreichen Beschäftigung führt letzten Endes
immer zum Erfolg. Denken Sie positiv! So wie Sie damals auch Ihre Existenzgründung in die
Hand genommen haben, sollten Sie jetzt in die neue Arbeit genauso gesund und sicher
starten!
Eine Liste, die Ihnen die Folgen der Aufgabe eines Einzelunternehmens aufzeigt
und vorgibt, welche Formalitäten Sie dabei erledigen müssen, finden Sie unter
https://www.nexxt.org/seiten/unp/1580
- 123 -
Anhang
CHECKLISTEN
Einschätzung der Risiken für die betrieblichen Versicherungen
Art der Gefahr
groß
mittel
Feuer, Explosion
Auf benachbarte Grundstücke
übergreifendes Feuer
Sturm
Leistungswasser
Einbruchdiebstahl
Maschinenbruch
Warentransporte
Betriebsunterbrechung
durch Feuer
Maschinenschaden
Energieausfall
Verseuchung
Computerausfall
Betriebshaftpflicht
Umwelthaftpflicht
Produkthaftpflicht
Kraftfahrzeughaftpflicht
Eigene Kfz-Schäden
Beraubung, Sabotage,
Unterschlagung
Förderungsausfall
Auslandsrisiken
- 124 -
klein
Anhang
Merksätze für einen unfallfreien Betrieb
1. Staplerverkehr
Achten Sie auf Staplerverkehr im Hof- bzw. Betriebsgelände. Stapler haben Vorfahrt!
Mehr Infos unter: http://www.bgfe.de/pages/medien/download/t/T_9_a11-2000.pdf
Erledigt:
Erledigen bis:
Verantwortlich:
2. Rettungswege, Aufzüge, Treppenräume
Prägen Sie sich die Lage der Notausgänge und den Verlauf der Rettungswege ein. Hängen Sie
entsprechende Hinweisschilder aus. Im Brandfall dürfen Sie die Aufzüge nicht mehr benutzen.
Verlassen Sie die Gefahrenbereiche sofort über die Treppenräume sowie die gekennzeichneten
Flucht- und Rettungswege. Rettung von Menschenleben geht vor Brandbekämpfung!
Mehr Infos unter: http://www.bauen.de/ratgeber/handbuch/080001_bauordnungsrecht/08000101.html
Erledigt:
Erledigen bis:
Verantwortlich:
3. Brandmelder, Feuerlöscher und Erste-Hilfe-Einrichtungen
Merken Sie sich die Standorte von Brandmelde-, Feuerlöscheinrichtungen (z.B. Feuermelder,
Feuerlöscher) und Erste-Hilfe-Einrichtungen (Verbandskästen, Sanitätsstation). Unterweisen Sie Ihr
Personal.
Mehr Infos unter: http://www.sidiblume.de/info-rom/bgvr/a08_2n.htm
Erledigt:
Erledigen bis:
Verantwortlich:
4. Feuerarbeiten
Beachten Sie, dass gefährliche Arbeiten, z.B. Feuerarbeiten in brand- oder explosionsgefährdeten
Bereichen, nur mit schriftlicher Erlaubnis und nach Durchführung ausreichender Schutzmaßnahmen
ausgeführt werden dürfen.
Mehr Infos: http://www.uni-muenster.de/Rektorat/Sicherheit/brs/e_fab_02_1.pdf
Erledigt:
Erledigen bis:
Verantwortlich:
5. Notrufnummern
Merken Sie sich die Notrufnummer und notieren Sie sich diese für alle sichtbar am Schwarzen Brett.
Mehr Infos unter: http://www.officetoday.de/Services/ServiceGuide.asp?I=NN
Erledigt:
Erledigen bis:
Verantwortlich:
6. Unfallmeldung
Unfälle sind dem Vorgesetzten (also Ihnen) sofort zu melden (unbedingt Verbandsbucheintragung in
der Sanitätsstation veranlassen – falls vorhanden).
Auch Beinahe-Unfälle sind unverzüglich mitzuteilen, damit wirkungsvolle
Unfallverhütungsmaßnahmen eingeleitet werden können.
Mitarbeiter sollten ihre besonderen Unterstützungspflichten gegenüber dem Arbeitgeber erfüllen:
•
Durch Meldung von Gefahren und Mängeln
•
Bei der Gewährleistung der Sicherheit und des Gesundheitsschutzes der Beschäftigen
•
Bei der Erfüllung von behördlichen Auflagen
Mehr Infos: http://www.fuk.de/ie/popup_neue.html#start
Erledigt:
Erledigen bis:
Verantwortlich:
- 125 -
Anhang
7. Zutrittsverbote
Achten Sie darauf, dass Unbefugte keine Betriebsstelle betreten, in denen sie nichts zu tun haben.
Mehr Infos: http://www.bc-verlag.de/UVVen/1/37.HTM
Erledigt:
Erledigen bis:
Verantwortlich:
8. Leitern
Benutzen Sie nur einwandfreie Leitern (sogenannte Klapptreppen mit Sicherheitsbügel) und Tritte (z.
B: Elefantenfuß) zur Aktenentnahme aus hoch gelegenen Regalen bzw. Schränken sowie
einwandfreie Arbeitsstühle zum Sitzen.
Mehr Infos: http://www.pr-o.info/makeframe.asp?url=/bc/uvv/74/inhalt.HTM
Erledigt:
Erledigen bis:
Verantwortlich:
9. Stolpern und Rutschen, Treppenstürze
Beseitigen Sie sofort Stolper- und Rutschgefahren. Benutzen Sie beim Begehen von Treppen den
Handlauf.
Mehr Infos: http://www.bgchemie.de/sicherer-auftritt/dateien/flyer-beschaeftigte.htm
Erledigt:
Erledigen bis:
Verantwortlich:
10. Scharfes und Spitzes in Kleidung
Tragen Sie keine ungeschützten scharfen oder spitzen Gegenstände in der Kleidung (z. B. Schere,
Skalpell).
Erledigt:
Erledigen bis:
Verantwortlich:
11. Defekte Elektrik
Benutzen Sie keine defekten elektrischen Betriebsmittel (z. B: beschädigte Isolierung). Melden Sie
den Schaden sofort und reparieren Sie ihn auf keinen Fall selbst.
Mehr Infos: http:///www.sidiblume.de/info-rom/bgvr/bgv_a02.htm
Erledigt:
Erledigen bis:
Verantwortlich:
12. Kaffeemaschinen und Radios
Haushaltsgeräte ohne Abschaltautomatik (z. B. Kaffeemaschinen) sollen nur in Verbindung mit
Zeitschaltuhren benutzt bzw. betrieben werden. Private elektrische Geräte dürfen nicht benutzt
werden (z. B. Tauchsieder, Kochplatten, Radios), wenn hierzu entsprechende Verbote von Ihnen als
Geschäftsführer ausgesprochen wurden.
Wir empfehlen ein Verbot auszusprechen, weil die meisten Versicherungen in
einem Brandfall die Regulierung ablehnen – mit dem berechtigten Argument, dass
Kaffeemaschinen und Radios nicht zum Betriebseigentum und zur Produktion
gehören. Darüber hinaus müsste auch jedes privat mitgebrachte Radio bei der
GEZ vom jeweiligen Besitzer selbst angemeldet werden.
Mehr Infos: http:///www.sidiblume.de/info-rom/bgvr/bgv_a02.htm
Erledigt:
Erledigen bis:
Verantwortlich:
13. Essen, Trinken und Rauchen
Alkohol während der Arbeitszeit ist verboten. Essen, Trinken und Rauchen sollte nur dort stattfinden,
wo es erlaubt ist. Dafür müssen entsprechende Räume bereitgestellt werden. Als Arbeitgeber dürfen
Sie ein generelles Rauchverbot in den Betriebsräumen aussprechen.
Erledigt:
Erledigen bis:
Verantwortlich:
- 126 -
Anhang
14. Persönliche Schutzausrüstung
Benutzen Sie stets die für bestimmte Bereiche oder Arbeiten vorgeschriebenen persönlichen
Schutzausrüstungen (z. B. :Augenschutz, Gesichtsschutz, Fußschutz, Kopfschutz, Atemschutz,
Körperschutz, Gehörschutz, Hautschutz, Absturzschutz)
Mehr Infos: http://www.pr-o/makeframe.asp?url=/bc/uvv/1/4.HTM
Erledigt:
Erledigen bis:
Verantwortlich:
15. Hautschutz
Stellen Sie Hautschutzpräparate für Reinigung und Pflege zur Verfügung.
Mehr Infos: http://www.vmbg.de/download/faltblattHautschutz.pdf
Erledigt:
Erledigen bis:
Verantwortlich:
16. Druckluftgefahren
Das Einleiten von Druckluft in Körperöffnungen ist lebensgefährlich. Blasen Sie deshalb verstaubte
Kleidungsstücke mit Druckluft am Körper nur ab, wenn spezielle Düsen einen ungewollten Druckstau
verhindern.
Erledigt:
Erledigen bis:
Verantwortlich:
17. Schmuck beim Maschineneinsatz
Schmuckstücke, Piercings, Armbanduhren oder ähnliche Gegenstände dürfen beim Arbeiten nicht
getragen werden, wenn sie zu einer Gefährdung führen können (z. B. an Maschinen mit offen
beweglichen Teilen oder bei Transportarbeiten).
Erledigt:
Erledigen bis:
Verantwortlich:
18. Ordnung und Sauberkeit
Tragen Sie durch Ordnung und Sauberkeit am Arbeitsplatz zur Sicherheit, zum Gesundheitsschutz,
zum Umweltschutz und zur Qualität Ihrer Arbeit und damit der Produkte bei.
Erledigt:
Erledigen bis:
Verantwortlich:
19. Keine Experimente
Die Benutzung von Arbeitsstoffen durch Unbefugte ist unzulässig. Arbeitsmittel, insbesondere
Maschinen, Geräte, Werkzeuge, Arbeitsstoffe, Transportmittel sowie Schutzvorrichtungen, dürfen nur
bestimmungsgemäß verwendet werden.
Erledigt:
Erledigen bis:
Verantwortlich:
20. Betriebsanweisungen
Ihre Mitarbeiter müssen die Betriebsanweisungen für Maschinen/Anlagen und Gefahrstoffe zur
Vermeidung von Unfall- und Gesundheitsschutzgefahren beachten und dürfen keine
sicherheitswidrigen Anweisungen befolgen.
Jeder Mitarbeiter ist verpflichtet, nach den Möglichkeiten sowie gemäß Ihrer Unterweisung und
Weisung für die eigene Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit und der von anderen Personen, die
von den eigenen Handlungen oder Unterlassungen bei der Arbeit betroffen sind, Sorge zu tragen.
Mehr Infos: http://www.stbg.de/sich_ges/betranw/
Erledigt:
Erledigen bis:
Verantwortlich:
- 127 -
Anhang
Projektpartner
Diese Broschüre wurde mit Mitteln des Bundesministeriums für Wirtschaft und Arbeit gefördert.
Außerdem danken wir für die freundliche Unterstützung folgender Partner:
Das RKW koordiniert das Gesamtprojekt „Gesund und sicher starten –Guss“
Das RKW Rationalisierungs- und Innovationszentrum der Deutschen Wirtschaft e.V. engagiert sich
für den Erfolg insbesondere der kleinen und mittleren Unternehmen. Mit Information, Beratung und
Weiterbildung fördert das RKW das vernünftige Gestalten von Prozessen im Unternehmen, die
Steigerung der Produktivität, das Verbessern der Arbeitsbedingungen und der Qualifikation sowie
den vernünftigen Umgang mit den natürlichen Ressourcen. Das RKW mit seinen Landesverbänden
verfügt über langjährige Erfahrungen in der Beratung von Existenzgründern.
Informationen:
RKW Rationalisierungs- und Innovationszentrum der Deutschen Wirtschaft e.V.
Bundesgeschäftsstelle
Düsseldorfer Straße 40
65760 Eschborn
http://www.rkw.de
Ingra Freigang-Bauer
Tel.: 0 61 96 / 495-3205
[email protected]
Kooperationsnetz und Handlungshilfen für gesunde Existenzgründungen
Angesiedelt an der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg wendet sich das Teilprojekt vor allem
an Gründer und Gründerinnen von Klein- und Kleinstunternehmen in Sachsen-Anhalt und den neuen
Bundesländern. Ausgewählte Themenfelder eines ganzheitlichen und modern orientierten Arbeitsund Gesundheitsschutzes unter Einbeziehung der betrieblichen Gesundheitsförderung werden im
Rahmen des Projektes so aufbereitet, dass für die Existenzgründer Gestaltungs- und
Organisationsfelder sowie Problemlösungen für eine erfolgreiche, gesunde und sozialverträgliche
Unternehmensführung erkennbar und nutzbar werden.
Ansprechpartner:
Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg
Institut für Arbeitswissenschaft, Fabrikautomatisierung und Fabrikbetrieb
Universitätsplatz 2
39106 Magdeburg
http://www.uni-magdeburg.de/iaf
Prof. Dr. Wolfgang Quaas
Tel.: 03 91 / 671-8516
[email protected]
Carla Rodewald
Tel.: 03 91 / 671-2169
[email protected]
- 128 -
Anhang
Gesund und sicher starten im Handwerk
Die Handwerkskammer Wiesbaden und das Institut für Technik der Betriebsführung erarbeiten
Informationsmaterial für Gründer im Handwerk. Für das Beraternetzwerk des Handwerks werden
Beratungshilfen und Weiterbildungsprogramme erarbeitet. Die Gründer selbst, die Experten des
staatlichen Arbeitsschutzes, die Berufsgenossenschaften und Krankenkassen sowie die
verschiedenen Beratungsinstitutionen werden in diesem Teilprojekt wie auch in allen anderen
Projektphasen einbezogen.
Ansprechpartner:
Handwerkskammer Wiesbaden (HWK)
Bierstadter Straße 45
65189 Wiesbaden
http://www.hwk-wiesbaden.de
Günter Dunschen
Tel.: 06 11 / 136-159
[email protected]
Institut für Technik der Betriebsführung (itb)
Karl-Friedrich-Straße 17
76133 Karlsruhe
http://www.itb.de
Klaus-Dieter König
Tel.: 07 21 / 931-0320
[email protected]
Anregungen und konkrete Unterstützung für gesunde und sichere Existenzgründungen aus
Hochschulen in Baden-Württemberg
In der erprobten Zusammenarbeit von ifex (Initiative für Existenzgründungen und Unternehmensnachfolge des Wirtschaftsministeriums Baden-Württemberg) und IBH (Innovation und Bildung
Hohenheim GmbH) werden die vorhandenen Netzwerkstrukturen in Baden-Württemberg genutzt und
um das Wissen und Experten aus dem Bereich Arbeits- und Gesundheitsschutz erweitert werden.
Ansprechpartner:
Wirtschaftsministerium Baden-Württemberg
Referat 33 "Existenzgründung und Unternehmensnachfolge – ifex"
Theodor-Heuss-Straße 4
70174 Stuttgart
http://www.newcome.de
Arndt Upfold
Tel.: 07 11 / 123-2674
[email protected]
IBH Innovation und Bildung Hohenheim GmbH
Wollgrasweg 49
70599 Stuttgart
http://www.ibh.uni-hohenheim.de
Christiane Friderich
Tel.: 07 11 / 45 10 17-203
[email protected]
- 129 -
Anhang
LINKS
Die in der Broschüre angegeben Links finden Sie hier teilweise wieder. Darüber hinaus
haben wir zusätzliche Informationen gesammelt, die Ihnen bei der täglichen Arbeit weiter
helfen können.
Existenzgründung
Der Gründerleitfaden Multimedia, im Auftrag des Bundesministeriums für Wirtschaft und Technologie
von der VDI/VDE-Technologiezentrum Informationstechnik GmbH entwickelt, bietet Hilfestellung bei
allen wichtigen Entscheidungen und notwendigen Schritten der Unternehmensgründung.
http://www.gruenderleitfaden.de
Jeder Gründungsinteressierten sollte sich dieses Informationsangebot anschauen. Zu allen Phasen
der Gründung umfangreiche Angebote und die Förderdatenbank mit allen Förderprogrammen.
http://www.dta.de/dtaportal/Gruenderzentrum/Gruenderzentrum.jsp
Die Homepage des Bundesministeriums für Wirtschaft und Arbeit bietet unter der Rubrik
„Existenzgründung" viele hilfreiche Informationen, Checklisten, Broschüre und Online-Planungstools.
http://www.bmwa.bund.de
Das offizielle Portal für Existenzgründung, Unternehmensnachfolge und junge Unternehmen in
Baden-Württemberg. Umfassende Informationen, nützliche Services und Bildungsangebote aus
erster Hand. Dazu Aktuelles zu Rechts- und Steuergesetzänderungen, Förderprogrammen und
Wettbewerben - und das alles branchen- und regionalspezifisch sortiert.
http://www.newcome.de
Das Service-Portal für Gründer und Unternehmer bietet eine umfangreiche Datenbank mit
Förderprogrammen des Bundes, der Länder und privater Initiatoren, die sich an mittelständische
Unternehmer und Existenzgründer richten. Die Förderprogramme sind kurz und übersichtlich
dargestellt und enthalten Angaben zu Konditionen, Art und Umfang der Finanzierungshilfe sowie
Ansprechpartnern. Außerdem erhalten Sie auf dem Portal Top-Themen, Nachrichten und Marktdaten
zu Politik & Wirtschaft, Internet & eBusiness und eine Kooperationsbörse, interessante
Terminhinweise, wichtige Adressen, nützliche Links und Buch-Tipps.
http://www.mittelstanddirekt.de
Unter dieser Internetseite finden Sie eines der umfangreichsten Informationsangebote zum Thema
Existenzgründung im Internet. Mit Gründerdatenbanken und vielen themenbezogenen Newsgroups.
http://www.gruenderstadt.de
Viele interessante Links und aktuelle Informationen über Projekte und Initiativen des Handwerks in
NRW.
http://www.gruendercom.de
Gründungsschnelldienst für StartUps. Innerhalb von 24 Stunden kann über eine neue, bereits ins
Handelsregister eingetragene Kapitalgesellschaft verfügt und sofort mit der Geschäftstätigkeit
begonnen werden. GmbH-Sofort.de gründet seit 1996 Kapitalgesellschaften bundesweit „auf Vorrat".
Die Gesellschaften unterscheiden sich lediglich im Namen und sind bislang laut Angaben des
- 130 -
Anhang
Unternehmens garantiert ohne Tätigkeit. Das Stammkapital von 25.000 Euro für eine GmbH
beziehungsweise das Grundkapital von 50.000 Euro für eine AG ist bereits eingezahlt, alle
Gründungsformalitäten sind abgeschlossen.
http://www.gmbh-sofort.de
Diese Website gibt einen nach Bundesländern geordneten Überblick regionaler Stammtische und
Treffen für Existenzgründer in Deutschland. Für Gründerstammtische ohne eigene Homepage gibt es
zu diesem Zweck kostenlosen Speicherplatz.
http://www.gruenderstammtisch.de
Sie finden hier einen Überblick über das deutsche Gründungsnetzwerk, sowie der Gründerforschung.
Ihren speziellen Informationsbedarf können Sie auf den Internetseiten des Netzwerks abfragen. Ein
Abstract zu den einzelnen Links informiert Sie über die konkreten Angebote.
http://www.entrepreneurship.de
Die Euro-Info-Centres bilden ein Netz aus über 300 Anlaufstellen, die kleine und mittlere
Unternehmen in allen EU-Angelegenheiten beraten.
http://europa.eu.int/business/de/advice/index.html
Der European Investment Fund (EIF) ist zuständig für die finanzielle Unterstützung zur
Existenzgründung und Wachstumsförderung kleiner und mittelständischer Unternehmen innerhalb
der Europäischen Gemeinschaft.
http://www.eif.eu.int
Das Portal verfügt über eine umfangreiche Franchise-Datenbank mit mehr als 4.500 Erfolg
versprechenden Geschäftsideen in Europa und zahlreiche Informationen zum Thema
Unternehmensgründung.
http://www.franchiseportal.net
Einen ersten Überblick darüber, welche Voraussetzungen beispielsweise in Bulgarien erfüllt sein
müssen, wie hoch die Körperschaftssteuer in Frankreich ist oder welche Stammeinlagen in
Tschechien erbracht werden müssen, kann man sich auf der Homepage der Handelskammern
verschaffen.
http://www.diht.de
Die Online-Plattform ist eine Initiative des Bundesministeriums für Wirtschaft und Arbeit für
Hochschulen und Unternehmen und soll den Austausch zwischen Praxis und Forschung anregen.
http://www.gruenderkontakte.net
Weiterbildung
Übersicht über Seminare und Messen aus der Computerwoche, mit Checklisten für Trainerauswahl
und Bildungsmaßnahme.
http://www.seminarwelt.de
Recherche nach kompetenten Trainern und Dozenten, die sich mit detailliertem Angebotsprofil
präsentieren.
http://www.trainer.de
- 131 -
Anhang
LIQUIDE ist eine Bildungsanbieter-Datenbank. Anbieter beruflicher Weiterbildung, die im Internet
vertreten sind, können sich aufnehmen lassen.
http://www.liquide.de
Hotels für Tagungen, Seminare und Konferenzen in Deutschland.
http://www.seminare-online.de
Hier finden Sie aktuelle Seminare von über 200 Seminaranbietern, übersichtlich sortiert in 275
Rubriken.
http://www.seminaranzeiger.de
Stellt aktuell rund 13.000 Seminarangebote in ganz Deutschland vor. http://www.deutschlandkarriere.de/seminare/
Das bundesweite Informationsportal der IHK informiert über das aktuelle berufliche
Weiterbildungsangebot und nennt Themen, Inhalte, Zielgruppen und Termine für Seminare:
http://www.ihk.de/wis.htm
Arbeitsschutz
Das Projekt „Gesund und sicher starten – GUSS“ bietet für Existenzgründer umfangreiche
Informationen zum Thema Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit. Diese Broschüre enthält einen
Teil des Angebotes.
http://www.guss-net.de
Das vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) geförderte Verbundprojekt
ARGEPLAN hat sich zur Aufgabe gemacht, das vielfältig vorhandene Arbeits- und
Gesundheitsschutzwissen für betriebliche Entwicklungs- und Planungsprozesse aufzubereiten und
nutzbar zu machen.
http://www.argeplan.org/
Dies ist ein vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) geförderter elektronische
Marktplatz zu Fragen der Prävention. Ziele sind Transfer und Diffusion vorliegender
Forschungsergebnisse, Bereitstellung neuer Ideen für Unternehmen und Verbesserung des Niveaus
des Arbeits- und betrieblichen Gesundheitsschutzes.
http://www.praevention-online.de
Auf der Website der europäischen Agentur für Sicherheit und Gesundheitsschutz am Arbeitsplatz
finden Sie umfangreiche Informationen zum Thema und Links zu anderen europäischen
Organisationen.
http://de.osha.eu.int/
Die Website von ergo-online ist ein Informationsdienst zum betrieblichen Gesundheitsschutz und zur
Ergonomie. Hier finden Sie aktuelle und praxisgerecht aufbereitete Informationen rund um den
Bildschirmarbeitsplatz. Auch wird Wissenswertes aus der Arbeitsmedizin, zu arbeitsorganisatorischen
Fragen und zur Gesundheitsförderung geboten.
http://www.sozialnetz-hessen.de
- 132 -
Anhang
Auf der Website der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin findet man u.a.
Kontaktadressen, allgemeine Informationen zu Arbeitsschutz und Arbeitsschutzprogrammen,
Forschungsprojekten und Veranstaltungsterminen.
http://www.baua.bund.de/
Der Webkatalog Clickfish hat eine eigene Rubrik „Ergonomie". Hier findet man nützliche Tipps,
Nachrichten zum Thema, ein Forum, Produkt- und Herstellerinformationen, FAQs und eine
Pinnwand.
http://www.clickfish.de
Einige aktuelle Artikel der Zeitschrift für Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit und der Zeitschrift
„Faktor Arbeitsschutz“ können online gelesen werden.
http://www.universum.de
Alles zum Thema Arbeitsleben wird vom schwedischen „International Institute for Working Life“
aufbereitet – auch in Englisch. Interessant sind dabei besonders die Buchtipps und Hinweise zu
internationalen Workshops.
http://www.niwl.se
Gesetze zum Arbeitsschutz – eine Auswahl
Ein Beschäftigter kann sich nur auf Arbeitsschutzvorschriften berufen, wenn er sie kennt. Auch wenn
in den einzelnen Gesetzen und Vorschriften des Arbeitsschutzes eine Belehrungs- und
Unterrichtungspflicht des Arbeitgebers festgelegt ist, muss für die Beschäftigten die Möglichkeit
gegeben sein, sich eigenständig über die wichtigsten Vorschriften des Arbeitsschutzes und über ihre
Rechte und Pflichten zu informieren. Aus diesem Grund hat der Gesetzgeber in den wesentlichen
Gesetzen, Verordnungen und Vorschriften des Arbeits- und Gesundheitsschutzes eine
Aushangpflicht begründet. Aushänge müssen leicht lesbar sein, an sichtbarer Stelle angebracht
werden und für jeden Beschäftigten gut erreichbar sein. Die Aushänge müssen in einem lesbaren
Zustand erhalten werden. Gegebenenfalls ist, insbesondere nach wesentlichen Änderungen von
Gesetzen, eine Erneuerung vorzunehmen. Sehr hilfreich sind die von verschiedenen Verlagen
herausgegebenen Broschüren, in denen die wichtigen aushangpflichtigen Vorschriften abgedruckt
und die bereits aushangfähig gestaltet sind.
• ArbSchG (Arbeitsschutzgesetz ) Gesetz über die Durchführung von Maßnahmen des
Arbeitsschutzes zur Verbesserung
der Sicherheit und des Gesundheitsschutzes der Beschäftigten bei der Arbeit
• ArbStättV (Arbeitsstättenverordnung – mit ASR Arbeitsstättenrichtlinien) Verordnung über
Arbeitsstätten
• ArbZG (Arbeitszeitgesetz) Gesetz zur Regelung der Arbeitszeiten
• ASiG (Arbeitssicherheitsgesetz) Gesetz über Betriebsärzte, Sicherheitsingenieure und
andere Fachkräfte für Arbeitssicherheit
• BaustellV (Baustellenverordnung) Verordnung über Sicherheit und Gesundheitsschutz auf
Baustellen
• BetrSichV (Betriebssicherheitsverordnung) Verordnung über Sicherheit und
Gesundheitsschutz bei der Bereitstellung von Arbeitsmitteln und deren Benutzung bei der
Arbeit, über Sicherheit beim Betrieb überwachungsbedürftiger Anlagen und über die
Organisation des betrieblichen Arbeitsschutzes
• BildscharbV (Bildschirmarbeitsverordnung) Verordnung über Sicherheit und
Gesundheitsschutz bei der Arbeit an Bildschirmgeräten
- 133 -
Anhang
• BioStoffV (Biostoffverordnung) Verordnung zum Schutz vor biologischen Arbeitsstoffen
• FPersG (Fahrpersonalgesetz) Gesetz über das Fahrpersonal von Kraftfahrzeugen und
Straßenbahnen
• FPersV (Fahrpersonalverordnung) Verordnung zur Durchführung des
Fahrpersonalgesetzes
• GefStoffV (Gefahrstoffverordnung) Verordnung zum Schutz vor gefährlichen Stoffen
• GSG (Gerätesicherheitsgesetz) Gesetz über technische Arbeitsmittel
• GSGV (9. Verordnung zum Gerätesicherheitsgesetz ) Maschinenverordnung
• HAG (Heimarbeitsgesetz)
• JArbSchG (Jugendarbeitsschutzgesetz) Gesetz zum Schutz der arbeitenden Jugend
• MuSchG (Mutterschutzgesetz) Gesetz zum Schutz der erwerbstätigen Mutter
• ProdSG (Produktsicherheitsgesetz) Gesetz zur Regelung der Sicherheitsanforderungen an
Produkte und zum Schutz der CE-Kennzeichnung
• PSA-BV (PSA-Benutzungsverordnung) Verordnung über Sicherheit und
Gesundheitsschutz bei der Benutzung persönlicher Schutzausrüstungen bei der Arbeit
• SGB VII (7. Buch Sozialgesetzbuch) Gesetzliche Unfallversicherung
Quelle: Gründerzeiten Nr. 19
Personalmanagement
Auf der Homepage des Softwareunternehmens TSE finden Sie Arbeitsunterlagen zu Instrumenten
der Personalpolitik wie Mitarbeiterbefragung, Zielvereinbarungen und Beurteilungen. Außerdem gibt
es ein Archiv von beispielhaften Betriebvereinbarungen, etwa eine Vereinbarung über die
Internetnutzung im Unternehmen.
http://www.tse-hamburg.de
Wie formuliert man ein korrektes Arbeitszeugnis? Welche Fehler sollte man vermeiden? Auf dieser
Website können sich Zeugnisaussteller und Arbeitnehmer informieren.
http://www.infoquelle.de
Die UB Media bietet einen gebührenfreien Service rund ums Arbeitsrecht. Von Abmahnung bis
Zeugnis: Mustertexte/-verträge u.ä., kommentierte Urteile, teils interaktive Checklisten und
umfassende und gepflegte Rechtsvorschriften sowie aktuelle Fachbeiträge und Expertentipps finden
sich hier.
http://www.arbeitsrecht4free.de
Das Bundesministerium für Wirtschaft und Arbeit hat u.a. im Internet eine Datenbank zur
Arbeitszeitflexibilisierung eingerichtet.
http://www.bmwa.bund.de
Die AOK Bayern bietet kostenlos eine umfangreiche Datenbank zum Personalrecht: Arbeitsrechttexte
und -urteile, neue Urteilssammlungen finden Sie hier.
http://www.sbb.aok.de
Hier finden sie Nachrichten und Informationen zum Arbeitsrecht, Urteilssammlungen, eine Sammlung
von Betriebsvereinbarungen und ein umfangreiches Seminarangebot für Betriebsräte.
http://www.betriebsrat.com/
- 134 -
Anhang
Die Website „Beruf und Familie" informiert über familienorientierte Maßnahmen, Arbeits- und
Sozialrecht und Vorreiterunternehmen. Außerdem wurde im Rahmen des Projektes „Umsetzung
einer familienbewussten Personalpolitik in die Praxis" ein Schulungsangebot für Führungskräfte
entwickelt. Linklisten, Literatur und ein Forum vervollständigen das Angebot.
http://www.beruf-und-familie.de
Workforce.com ist eine Plattform die sich ausschließlich mit Personalmanagement beschäftigt. Die
Mitgliedschaft ist kostenlos und beinhaltet einen wöchentlichen Newsletter, den Zugang zu
Chaträumen sowie Artikel zum Thema Personalmanagement.
http://www.workforce.com
Organisation
Vom Mietvertrag über den Gesellschaftervertrag bis zur Abmahnung bietet diese Website einen
kostenlosen elektronischen Formulardienst mit Musterverträgen, Formularen und Musterbriefen.
http://www.formblitz.de
Dieses umfangreiche Informations- und Dienstleistungsportal bietet Ihnen alle Erleichterungen für die
tägliche Büroarbeit.
http://www.offizz.de
Hier finden Sie ein eigenes Sekretariat: Entgegennahme von Anrufen, Schreiben von Faxen oder
E-Mails usw. 24 Stunden am Tag, ab 39 Euro monatlich. So ist Ihr Büro immer zu erreichen und Sie
können sich auf Ihre Arbeit konzentrieren.
http://www.ebuero.de
Bessermachen statt Besserwissen – das ist das Motto dieser Website. Hier können Nutzer ihre
Vorschläge für verbesserte Produkte, einfachere Produktion und andere Ideen eintragen. Vojects
leitet die Verbesserungsvorschläge an Unternehmen weiter. Wenn der Vorschlag angenommen wird,
können die Nutzer mit Prämien rechnen.
http://www.vojects.com
Der Trendletter berichtet über zukünftige Entwicklungen in Wirtschaft, Management, Marketing,
Technologie und Gesellschaft. Der Informationsdienst versteht sich als Arbeitsmittel für Generalisten,
unternehmerisch Tätige und alle, die Trends frühzeitig erkennen müssen.
http://www.trendletter.de
Diese durch das BMBF geförderte Informations- und Kommunikationsplattform zeigt erfolgreiche
Veränderungen in der Arbeitsgestaltung und Unternehmensorganisation auf. Die Darstellung und
Aufbereitung vorhandener Lösungen und Vorreiterbeispiele erfolgt so, dass sie dem gestiegenen
Interesse der Unternehmen entgegenkommt und zur Umsetzung verwendet werden kann.
http://www.bilanzierung-arbeitsgestaltung.de
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Impressum
IMPRESSUM
Herausgeber
Ifex - Initiative für Existenzgründung und Unternehmensnachfolge
des Wirtschaftsministeriums Baden-Württemberg
Referat 33
Willi-Bleicher-Straße 19
70174 Stuttgart
Tel.:
07 11 / 123-27 86
Fax:
07 11 / 123-25 56
E-Mail:
[email protected]
Internet:
http://www.newcome.de
Redaktion
IBH Innovation und Bildung Hohenheim GmbH
Christiane Friderich
Wollgrasweg 49
70599 Stuttgart
Tel.:
07 11 / 45 10 17-203
Fax:
07 11 / 45 10 17-220
E-Mail:
[email protected]
Internet:
http://www.ibh.uni-hohenheim.de
Text & Layout
Allwrite – Holger Müller
Tel.:
07 11 / 55 949 54
E-Mail:
[email protected]
Druck
Hausdruckerei Landesgewerbeamt Baden-Württemberg
© 11/2004 ifex Initiative für Existenzgründung und Unternehmensnachfolge. Alle Angaben: Stand 10/2004
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