BGHM-I 101: Mensch und Arbeitsplatz in der Holz

BGHM-I 101: Mensch und Arbeitsplatz in der Holz
101
BGHM-Information 101
BGHM-Information
Mensch und Arbeitsplatz
in der Holz- und Metallindustrie
Oktober 2013

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Ausgabe: Oktober 2013/Druck September 2015
Mensch und Arbeitsplatz
in der Holz- und Metallindustrie
BGHM-Information 101

Inhalt
Vorwort. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 6
4.Arbeitsumgebung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 29
1. Menschengerechte Gestaltung. . . . . . . . . . . . . . . . . . . 7
4.1Klima. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 29
1.1 Der Begriff Ergonomie. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 7
4.1.1 Thermische Behaglichkeit. . . . . . . . . . . . . 31
1.2 Zielstellungen menschen­gerechter
Gestaltung der Arbeit . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 7
4.1.2Klimasummenmaße. . . . . . . . . . . . . . . . . . 32
1.3 Belastung und Beanspruchung. . . . . . . . . . . . . . . 8
1.4 Ergonomie und Gesundheit. . . . . . . . . . . . . . . . . . 9
1.5Ergonomie und Wirtschaftlichkeit. . . . . . . . . . . . 10
2. Leistungsvoraussetzungen des Menschen . . . . . . . . 12
2.1 Die Variabilität mensch­licher Eigenschaften . . . 12
2.2Altersabhängigkeit . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 13
2.3 Der Tagesgang der Leistungsbereitschaft. . . . . . 14
2.4 Einfluss des Geschlechtes. . . . . . . . . . . . . . . . . . 14
3. Die Schnittstelle Mensch-Technik. . . . . . . . . . . . . . . . 15
3.1Gestaltungsschwerpunkte . . . . . . . . . . . . . . . . . . 15
3.2Arbeitsplatztypen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 15
3.3Körpermaße. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 19
3.4 Verwendung von Körpermaßschablonen . . . . . . 19
3.5Sehbedingungen. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 21
3.6 Wirk- und Greifräume . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 23
3.7Körperkräfte. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 24
3.8 Anzeigen und Stellteile. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 26
4.2 Licht und Sehen. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 32
4.2.1 Lichttechnische Grundgrößen. . . . . . . . . . 34
4.2.2 Die Güte einer Beleuchtung. . . . . . . . . . . . 35
4.2.3 Farbgebung im Arbeitsraum . . . . . . . . . . . 37
4.3Lärm . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 38
4.4 Mechanische Schwin­gungen. . . . . . . . . . . . . . . . 40
5. Physische Belastungen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 43
5.1 Handhaben von Lasten. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 44
5.2 Beurteilung der Belastung . . . . . . . . . . . . . . . . . . 45
6. Psychische Belastungen. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .48
7. Systematische Arbeitsgestaltung. . . . . . . . . . . . . . . . 53
8. Quellen- und Literaturverzeichnis. . . . . . . . . . . . . . . . 55
8.1Quellen. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 55
8.1.1Regelwerke . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 55
8.1.2 Weiterführende Schriften. . . . . . . . . . . . . . 58
8.2Literatur . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 59
9.Abbildungsverzeichnis. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 60
3.8.1 Sinnfälligkeit der Anordnung. . . . . . . . . . . 26
3.8.2Anzeigen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 27
3.8.3Stellteile. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 28
3.9 Ergonomische Handwerkszeuge. . . . . . . . . . . . 28
5
Vorwort
Wenn es um die Gestaltung von Arbeits­
prozessen geht, wird der Beitrag der
menschlichen Arbeit zum Gesamt­er­
geb­nis oft unterschätzt. Besonders bei
automatisierten Systemen scheint es,
dass der Mensch nicht mehr benötigt
wird. Dabei entscheidet auch hier der
menschliche Beitrag über Qualität und
Quantität der Produktion.
Menschliche Arbeit ist teuer, insbeson­
dere aus der Sicht der am Arbeitsergeb­
nis interessierten Unternehmer oder
­Auftraggeber. Darum ist es wirtschaftlich vernünftig, die menschlichen
Ressourcen optimal einzusetzen. Dies
ist nicht mög­lich, ohne die Belange der
Beschäftigten zu berücksichtigen.
6
Die Förderung der menschlichen Leistungsfähigkeit durch gestalterische
Maßnahmen ent­wickelt sich dabei
auch zu einem immer bedeut­sameren
Wettbewerbsfaktor.
Ergonomisch, d. h. nutzergerecht, ge­
staltete Produkte erhöhen die Attraktivität beim Kunden und die ergonomische ­Optimierung der Produktion
verbessert die Arbeitsbedingungen.
Sie wirkt nachteiligen Auswirkungen
auf Gesund­heit und Leistung entgegen,
erhöht die Zuverlässigkeit und führt zu
Produk­tivitätssteigerungen.
Die Präventionsdienste der Berufsgenossenschaft Holz und Metall bieten
Beratungen und Seminare zur menschengerechten Gestaltung und damit
zur Vermeidung von arbeitsbedingten
Gesundheitsgefahren an.
Ziel der Broschüre ist es, einen Überblick zur Ergonomie für einen vorwiegend praktisch orientierten Leserkreis
bereitzustellen. Sachverhalte sind
­daher überwiegend vereinfacht und verkürzt dargestellt. Verbindlich sind die
Originalquellen.
1. Menschengerechte Gestaltung
1.1
Der Begriff Ergonomie
Der Begriff Ergonomie setzt sich aus
zwei griechischen Worten zusammen:
ergon = das Werk, die Arbeit, die Kraft
nomos= das Gesetz, die Lehre.
Wörtlich übersetzt bedeutet Ergonomie
die „Lehre von der Arbeit“ oder auch
die „Lehre von der Kraft“.
Das Technische Komitee Ergonomie der
Internationalen Standard Organisation
(ISO) definiert die Ergonomie sehr um­
fassend:
„Die Ergonomie erarbeitet und verarbeitet humanwissenschaftliches Wissen
mit dem Ziel, eine Anpassung von Arbeit, Arbeits­sys­tem und Umgebungen
an die phy­sischen und psychischen Fähigkeiten des Menschen herbeizuführen und damit Sicherheit, Gesund­heit
und Wohlbefinden sicherzustellen, indem gleich­zeitig die Leis­tungsfähigkeit
erhöht und das Arbeits­ergebnis verbessert wird.“
Ergonomie hat damit zwei Zielrichtungen:
Humanität:
Gestaltung beeinträchtigungsfreier und gesundheitlich unbedenklicher Arbeits­bedingungen.
Produktivität:
Erhöhung von Qualität und
Rentabilität.
Durch das Eingehen auf die Ansprüche
der Beschäftigten lässt sich auch eine
höhere Motivation und Arbeitszufriedenheit erreichen.
Grundanliegen ist die Anpassung der
Arbeit an den Menschen durch Gestaltung des Arbeitssystems, bestehend
aus Arbeitsplatz, Arbeitsraum, Arbeits­
mittel, Um­gebungs­bedingungen und
die Gestaltung der Organisation der
Abläufe (Bild 1-1).
Notwendig ist auch die Weiterentwicklung und Anpassung des Menschen an
die Erfordernisse der Arbeits­tätigkeit
durch die Auswahl von Personen mit
erforderlicher Eignung sowie durch
Übung und Gewöhnung, Einarbeitung,
Training und Ausbildung.
Arbeitsplatz
Arbeitsgegenstand
Arbeitsmittel
Mensch
Ergebnis
Qualität
Quantität
Umgebungseinflüsse
Arbeitsumfeld, soziales Umfeld
Bild 1-1:
Zielstellungen
menschen­gerechter
Gestaltung der Arbeit
.
Die Gestaltung der Arbeit sollte
folgenden Forderungen genügen:
• Arbeit muss ausführbar und
erträglich sein und
• Arbeit sollte zumutbar und
zufriedenstellend sein.
Ausführbarkeit
Es ist zu beurteilen, ob die Ausführung
der Arbeit möglich ist.
Hierbei stellen sich beispielsweise folgende Fragen:
• Sind Körpermaße so berücksichtigt,
dass Stellteile ohne Hilfsmittel erreicht werden können?
• Sind die Körperkräfte größer als die
maximale erforderliche Muskelkraft?
Zur Beantwortung dieser Fragen sind
Methoden der Ergonomie und der
Arbeits­medizin anwendbar, z. B. Normen über Körpermaße und Körperkräfte
sowie Sicherheitsvorschriften.
Erträglichkeit im Sinne von
Schädigungslosigkeit
Arbeitsraum
Material
Energie
Information
1.2
Vereinfachte Darstellung eines Arbeitssystems. Die Ergonomie betrachtet ein Arbeitssystem stets als Ganzes
Es ist zusätzlich zu beurteilen, ob die
Arbeit bei täglicher Wiederholung
über das gesamte Arbeitsleben ohne
Gesund­heitsschädigung möglich ist.
Beispiels­weise muss hinterfragt werden:
• Ist die Belastung durch Lärm
sicher unterhalb der schädigenden
Grenze?
• Ist die körperliche Belastung auf
Dauer ohne Schädigung zu ertragen?
Erkenntnisse der Ergonomie und der
Arbeitsmedizin sind anzuwenden.
7
Menschengerechte Gestaltung
1.3
Belastung und
Beanspruchung
Jede Tätigkeit ist mit verschiedenen,
von außen auf den Menschen einwirkenden Belastungen verbunden. Hierzu
zählen:
• physische Belastungen,
• psychische Belastungen und
• Umgebungsbelastungen
B
Bild 1-2: Ein komplexer, mehrfach gegliederter Arbeitsplatz ist noch kein Arbeitssystem.
Zusätzlich zu betrachten sind die Arbeitsumgebung , die Organisation und der
technische Ablauf
niedrig
spruchung
ean
hoch
Belastungen
Leistungs­
voraussetzungen
Bild 1-3: Klassisches Modell zur Beschrei­
bung der Beziehung zwischen
einwirkender Belastung und der
daraus resultierenden Beanspruchung (nach /1/)
Bild 1-4: Die Höhe der Beanspruchung
resultiert aus dem Verhältnis von
Leistungsvoraussetzungen und
Belastung (nach 1)
Belastungen werden als Beanspruchungen wahrgenommen Sie können
zu negativen Folgen führen, aber auch
positiv erlebt werden. Entscheidend
sind eigene Leistungsvoraussetzungen
und der Umfang und die Einwirkdauer.
Umgangs­sprachlich wird der Begriff Belastung eher negativ verwendet.
Eine beanspruchungsoptimierte
Gestal­tung hilft, dass der Beschäftigte seine Tätigkeit als anregend erlebt,
seine Fähig­keiten optimal einsetzen
kann, durch die Technik effektiv unterstützt wird und dass die Arbeit Spaß
macht und durch hohe Produktivität
gekenn­zeichnet ist.
Belastungen sind die Gesamtheit der
äußeren Bedingungen und Anforde­
rungen.
Zumutbarkeit im Sinne von
Beeinträchtigungsfreiheit
Zufriedenheit im Sinne von
Persönlichkeitsförderlichkeit
Belastungen führen in Abhängig­keit
von individuellen Eigen­schaften und
Fähig­keiten zu unterschiedlichen Beanspruchungen.
Es ist zu beurteilen, ob die vorhan­
denen Erschwernisse und Beeinträch­
tigungen von den Betroffenen als zu­
mutbar empfunden werden, ober ob
Beeinträchtigungen bestehen.
Es ist zu beurteilen, ob die Betroffenen
mit der Arbeit zufrieden sind. Der kom­
plexe Begriff der Zufriedenheit wird
heute in der Praxis vielfach mit der Frage nach der Persönlichkeitsförderlichkeit oder den Möglichkeiten zur Persön­
lichkeitsent­faltung konkretisiert.
Sowohl Über- als auch Unterbelastungen können zu Fehlbeanspruchungen
führen. Es geht daher bei physischen
und psychischen Belastungen nicht
primär um deren Reduzierung, sondern
um die indi­viduelle Optimierung.
Die Beanspruchung ist abhängig von:
Die Beantwortung dieser Fragen ist
ebenfalls nur mit Methoden der Psychologie und der Sozialwissenschaften, nicht mit Methoden der Ergonomie
möglich.
• der Höhe der Belastung
Die Beant­wortung dieser Frage ist mit
Methoden der Sozialwissenschaften,
nicht mit Met­hoden der Ergonomie und
Arbeits­medizin möglich.
8
• der Dauer der Belastung
Menschengerechte Gestaltung
• den Eigenschaften und Fähigkeiten
des Menschen
• dem Übungs- und Trainingszustand
• der Kondition und Disposition sowie
• der Leistungsbereitschaft und
Motivation
Beispielsweise liegt beim Tragen einer
schweren Last für alle Mitarbeiter die
­gleiche Belastung vor. Je nach Konsti­tu­
tion, Geschlecht, Alter usw. wird es
da­bei zu unterschiedlichen Beanspru­
chun­gen kommen. Ebenso kann Zeitdruck von einem Mitarbeiter als anre­
gend und aktivierend empfunden werden, während ein anderer mit Stress­erleben reagiert (Bild 1-3 und 1-4).
1.4
Ergonomie und
Gesundheit
Gesund und leistungsfähig zu sein ge­­
hört zu den wertvollsten Gütern jedes
Menschen. Zugleich ist der Erhalt der
Gesundheit Grundlage für die Erwerbs­
tätigkeit. Die Weltgesund­heitsorgani­
sation definiert Gesundheit als einen
Zu­stand völligen körperlichen, geistigen und sozialen Wohlbefindens.
Mehr pragmatische Ansätze legen beispielsweise die Krankenversicherer
zugrunde. Danach sind Erkrankungen
Störungen im normalen Ablauf der
Lebensvor­gänge in Organen und Organsystemen, die einer Behandlung be­
dürfen.
In den 1970er Jahren entwickelte sich
unter dem Begriff der Salutogenese die
Vorstellung von der Förderbarkeit und
der Förderungswürdigkeit individueller
Gesundheit. Diese Entwicklung geht auf
Untersuchungen von Antonowsky zurück (nach /2/).
Diese sind seit der Aufnahme von Elementen und Vorstellungen der Salutogenese in die Ottawa-Charta der Weltgesundheitsorganisation 1986 weit ver-
breitet worden. Gesundheitsförderung
zielt danach auf einen Prozess ab, der
allen Menschen ein höheres Maß an
Selbstbestimmung über ihre Gesundheit ermöglicht und sie damit zur Stärkung ihrer Gesundheit befähigt.
Antonowsky hatte aus Untersuchungen
an besonders belasteten Gruppen postuliert, dass Menschen,
• die ein tief sitzendes Vertrauen in
ihre Fähigkeit besitzen das, was um
sie herum geschieht, zu verstehen,
• Mittel und Wege zu finden, mit den
unterschiedlichsten Situationen fertig zu werden und
• immer wieder den Sinn des eigenen
Tuns zu erkennen
objektiv gesünder sind, als jene, die ein
solches Vertrauen nicht haben.
• Sind die Unternehmensziele, die
Motive und die Entwicklungsper­
spektiven sowohl der Unternehmung
als auch des Einzelnen erkennbar,
dann können Mitarbeiter ihre persönlichen Ziele mit denen des Unternehmens in Beziehung setzen und
einen Sinn für ihr eigenes Tun feststellen.
Auswahl von Möglichkeiten zur
Gesundheitsförderung
• Belastungsmindernde Gestaltung
von Arbeitsmitteln nach ergonomischen Grundregeln
• Arbeitsorganisatorische
Gestaltung durch Erweiterung von
Handlungs- und Entscheidungsspielräumen, Mischarbeit,
Anreiche­rung von Arbeitsinhalten, Transparenz von Abläufen,
geeignete Arbeitszeit und Pausenregelung, Störfreiheit
Die drei Kriterien:
• Verstehbarkeit
• Handhabbarkeit
• Sinnhaftigkeit
welche er als Kohärenzgefühl bezeichnet, bildeten einen Grundstein der
Bemühungen, die als betriebliche Gesundheitsförderung heute Eingang in
viele Unternehmen gefunden haben.
Auf die Ebene eines Unternehmens
übertragen bedeuten sie etwa:
• Sind alle Vorgänge im Unternehmen
transparent, dann können Mitarbeiter ein Gefühl des Vertrauens in die
Verstehbarkeit ihrer Umgebung entwickeln.
• Sind Arbeitsaufgaben so organisiert,
Werkzeuge so gestaltet, Wissen so
vorhanden, dass die Arbeitsaufgaben
bewältigt werden können, dann können Mitarbeiter ein Gefühl des Vertrauens in ihre Umgebung gewinnen.
• Entwicklung der Sozialbeziehungen durch Verbesserung der
Kommunikation, Problemlösungsmechanismen, flache Hierarchien, Ausgeglichenheit von
Leistung und Gratifikation
• Individuelle Hilfen wie Einweisung und Unterweisung, Weiterbildung und Training
• Präventiv unterstützende Umwelt
durch allgemeine Lebensberatung, Ernstnehmen von Klagen,
Schonarbeitsplätze …
Eine menschengerechte Arbeitsgestal­
tung beinhaltet, Gesundheitsgefahren
in Arbeitssystemen frühzeitig zu erkennen und durch gestalterische Maßnahmen zu beseitigen bzw. zu mindern. Um
dieses Anliegen zu fördern, wurde der
Begriff der arbeitsbedingten Gesundheitsgefahren eingeführt.
9
Menschengerechte Gestaltung
Arbeitsbedingte Gesundheitsgefahren sind Zustände, Ereignisse und Einwir­kungen bei der Arbeit und/
oder in der Arbeitsumwelt, die Gesundheits­stö­­­run­gen
nachvollziehbar verur­sachen, begünstigen oder die
Gesund­heit in sonstiger Weise nachteilig beein­f lus­
sen können (ARGE Metall 1998).
Unternehmen haben im Rahmen einer Gefährdungsbeurteilung auch solche Gefahren zu berücksichtigen.
Die Tatsache, dass außerberufliche Ur­sachen beteiligt sind
oder im Vorder­grund stehen, schließt die Annahme einer arbeitsbedingten Erkrankung nicht grundsätzlich aus.
1.5
Ergonomie und Wirtschaftlichkeit
Eine menschengerechte Arbeitsgestal­tung ist immer auch
wirtschaftlich. Sie führt zu einer Steigerung von Produktivität, Motivation und Wettbewerbs­stärke. In dieser vorwärts
gerichteten Betrachtungsweise liegen die wesentlichen ökonomischen Poten­ziale.
Grundsätzlich ist belegbar:
• Menschengerecht gestaltete Arbeits­plätze können
die Leistung deutlich erhöhen.
• Die Leistungsfähigkeit der Mitarbeiter wird nicht
durch schlechte Arbeits­mittel und Organisationsmängel verbraucht, sondern kann über den ganzen
Arbeitstag zur Produktion genutzt werden.
Aufwendungen zur menschengerechten Gestaltung stehen
als Investitionen immer in Konkurrenz mit anderen Ausgabeerfordernissen des Unternehmens. Bei der Entscheidung stehen die Vor­schriftenlage und der Nachweis eines
wirtschaft­lichen Nutzens im Mittelpunkt.
Es ist leider selten auf einfache Weise möglich, den positi­ven
Nutzen einer Maßnahme nachzuweisen, wenn sie nicht
direkt eine Produktivitätserhöhung be­wirkt. Da es sich im
Arbeits- und Gesundheitsschutz oft um nicht stattgefundene Ereig­nisse, beispiels­weise nicht auf­ge­tre­tene Ausfalltage handelt, kann eine Effizienz­erfassung nur durch Ein­
beziehung dieser Faktoren in die Kostenrechnung erfolgen.
Auch durch den Abbau oder die Vermeidung arbeitsbedingter Gesundheitsgefahren lassen sich positive ökonomische
Effekte erzielen. Der Nachweis der Senkung von Fehltagen
durch arbeitsbedingte oder mitbedingte Er­kran­kungen ist eine häufig verwendete Methode. Nicht ausdrücken lässt sich
der Gewinn an Lebensqualität und Motivation.
Beispielsweise ist es bei Einlege- und Abnahmearbeitsplätzen realistisch, wenn etwa die Hälfte der geschätzten Fehltage den dabei auftretenden Belastungen zuge­ordnet wird.
Ursachen sind u. a. un­güns­tiges Heben, ständiges und zu
tiefes Bücken, Drehbewegungen der Wirbel­säule, unsymmetrische Belastung des Körpers oder weites Vorbeugen.
Geeignete Hilfsmittel, wie Hub- und Kipp­einrichtungen,
sind höhen­verstellbar und kippbar, sowohl robust als auch
sehr flach zum Unter­fahren von Paletten gestaltet. Fahr­bare
Ausführungen ver­hindern das lästige Bücken an Sitz- und
Steh­arbeitsplätzen, die nur gele­gent­lich benutzt werden
(Bild 1-7).
Nutzen für das Unternehmen
es nehmen zu
es nehmen ab
• Leistungsfähigkeit der Mitarbeiter
• Qualität der Erzeugnisse und Leistungen
• Marktchancen und Image des Unternehmens
•Unfallhäufigkeit
• arbeitsbedingte Erkrankungen
• Trainings- und Ausbildungsaufwand
•Ausschussquote
Nutzen für das Unternehmen
• Reduzierung der physischen und psychischen Belastungen
•Erlangen einer schnelleren und präziseren Handlungskompetenz beim Bedienen und Führen
• Erschließung von Leistungsreserven
• Motivation durch eigenen Erfolg
• Gesundheits- und Persönlichkeitsförderung
Bild 1-5: 10
Positive Auswirkungen einer menschengerechten Gestaltung ergeben sich sowohl für das Unternehmen als auch für die Beschäftigten
Menschengerechte Gestaltung
Setzt man die Kosten für einen Fehltag z. B. mit 250 Euro an, dann hat sich
ein Scherenhubwagen für 2500 Euro schnell amortisiert, insbesondere
dann, wenn er im Schichtbetrieb von
mehreren Mitarbeitern verwendet wird.
Kosten
nachgebesserte Ergonomie
geplante Ergonomie
Fertigungs- Fertigung
Produktentwicklung vorbereitung
Bild 1-6: Kosten ergonomischer Maß­
nahmen in verschiedenen Stadien
der Produktion
Ein zusätzlicher Gewinn durch ergonomische Arbeitsplatz­gestaltung muss
auch im damit verbundenen verbesserten „Betriebsklima“ gesehen werden.
Auch dieses kann sich auszahlen.
Spüren Beschäftigte Zuwendung und
Aktivi­täten zur Verbesserung ihrer
Situa­tion, kann sich das über die erhöhte Mo­tivation direkt auf die Leistung aus­wirken.
Auch neue Geräte und Maschinen müs­
sen mit­unter erst ergänzt werden, um
menschengerechtes Arbeiten zu ermög­
lichen. Nachträgliche Verbesserungen
sind „Reparaturergonomie“ und führen
zu höheren Kosten.
Ein frühes Einbeziehen ergonomischer
Grundsätze in die Produktentwicklung
und Fertigungsvorbereitung senkt die
Kosten (Bild 1-6).
Bild 1-7: Beispiele für Hub- und Kipp-Hubgeräte zur Belastungsminderung
11
2. Leistungsvoraussetzungen des Menschen
Grundsätzlich gilt die Forderung, die
Arbeit, und damit das gesamte Arbeits­
system, dem Menschen anzupassen.
Es geht nicht darum, Mitarbeiter zu finden, die extreme Anforderungen erfül­
len, son­dern eine Aufgabe so zu gestalten, dass viele Mit­arbeiter sie erfüllen
können.
Kein Mensch gleicht jedoch dem anderen. Alter, Geschlecht, Veranlagung,
Fähigkeiten, körperliches Wachstum
und viele weitere Eigenschaften sind
ver­schieden. Zu den Abweichungen
von Mensch zu Mensch kommt hinzu,
dass sich jeder im Laufe seines Arbeits­
lebens in seiner Leistungsfähigkeit
verändert.
2.1
Die Variabilität mensch­
licher Eigenschaften
Physische und psychische Eigen­
schaften des Menschen unter­liegen,
wie für biologische Systeme typisch,
einer Variabilität oder Verteilung.
Diese findet sich nicht nur bei den
Körper­­maßen des Menschen, sondern
auch bei Körperkräften und Sinnes­
leistungen, wie dem Sehvermögen und
dem Reak­tions­vermögen.
Beispielhaft ist die Verteilung von
Körper­größen in einem Diagramm dar­
gestellt. Die meisten Personen haben
Körpergrößen, die sich in der Nähe des
Mittelwertes konzentrieren.
Mittelwert
50
42
Die wichtigsten Eigenschaften werden
im Folgenden erläutert:
45
30
28
• Variabilität physischer und psychischer Eigenschaften
18
15
Stichprobe n = 250
9
• Einfluss des Lebensalters
• Einfluss des Geschlechtes
Die Häufigkeit nimmt mit wachsendem
Abstand vom Mittelwert schnell ab und
nähert sich dann nur langsam dem Wert
Null. In vie­len Fällen handelt es sich um
eine an­­nä­hernd symme­trische Normalverteilung.
7
2
1
150
160
• Einfluss der Tageszeit
170
180
190
Stichprobe n = 60
Körpergröße in cm
90-%-Bereich
Bild 2-2: Darstellung der Variabilität menschlicher Körpermaße am Beispiel von Körpergrößen
bevorzugt durch Personenauswahl beeinflussbar Konstitutionsmerkmale
auch durch Arbeitsgestaltung beeinflussbar
Dispositionsmerkmale
Qualifikationsmerkmale
Anpassungsmerkmale
im
Lebenszyklus
unveränderlich
direkter
Einflussnahme
unzugänglich, aber
veränderlich
durch
langfristige Pro­zesse
veränderbar
durch
Eingriffe kurzfristig
veränderbar
Geschlecht
Alter
Erfahrungen
Beanspruchung
Körperbau
Körpergewicht
Fähigkeiten
Ermüdung
Erbanlagen
Gesundheits­zustand
Fertigkeiten
Stimmung
ethnische Herkunft
physiologische
Leis­tungsbereitschaft
Bildung
Motivation
Wissen
Konzentration
Bild 2-1: Struktur und Beeinflussbarkeit menschlicher Eigenschaften, Fähigkeiten und
Merkmale (nach /16/)
12
In einer Stichprobe von 250 zufällig
ausgewählten Personen ergibt sich
im vorliegenden Fall eine fast symmetrische Normal­verteilung. Wird eine
kleinere Gruppe betrachtet, ergeben
sich häufig Abwei­chungen. Eine Abweichung ist immer dann zu erwarten,
wenn die unter­suchte Gruppe – z. B.
bei Alter und Ge­schlecht – nicht dem
Durchschnitt in der Bevölke­rung entspricht (Bild 2-2).
Der Bereich um den Mittelwert, in den
90 % aller Werte fallen, hat bei der Ge­
staltung von Arbeitsplätzen eine be­
son­dere Bedeutung. Es ist Standard,
Arbeits­plätze so einzu­richten, dass sie
für mindestens 90 % der zu erwartenden Beschäftigten nutzbar bzw. akzeptabel sind. Dazu sind Verstellmöglichkeiten, z. B. bei Tischen und Sitzen oder
Leistungsvoraussetzungen des Menschen
zu­sätzliche Hilfsmittel, wie Podeste und
Fußstützen, er­forderlich. Für besonders
große und besonders kleine Personen
wird in der Regel eine individuelle Son­
derlösung notwendig.
2.2
am 01.12.1910
am 01.01.1999 und am 01.01.2050
Alter in Jahren
100
Alter in Jahren
100
95
MännerFrauen
90
95
MännerFrauen
90
Altersabhängigkeit
85
85
80
80
75
75
70
70
65
65
60
60
55
Die Altersstruktur in Deutschland unter­
liegt seit Jahrzehnten einem Wandel.
Sinkende Geburtenraten und eine Stei­
ge­rung der Lebensdauer werden mittel-­
bis langfristig zu einer erheblichen
Veränderung der Altersstrukturen führen. Es zeigt sich eine deutliche Alterung der Erwerbsbevölkerung sowie
eine kontinuierliche Abnahme der Anzahl jüngerer Erwerbstätiger.
In Zukunft werden die Erwerbstätigen
über 45 Jahre einen deutlich größeren
Anteil der Beschäftigten aus­machen.
Vor diesem Hintergrund sind Engpässe, die sich schon heute bei der Gewinnung von qualifiziertem betrieb­lichen
Nachwuchs zeigen, zu erwarten. Es wird
bereits mittelfristig erforderlich sein,
mehr Arbeitsplätze auch für eine ältere
Belegschaft zu konzipieren (Bild 2-3).
Langzeituntersuchungen zur Förderung
der altersgerechten Beschäftigung zeigen, dass die Leistungsfähig­keit der
Beschäftigten im Wesentlichen von folgenden Faktoren abhängt:
• Betriebsklima
• Gestaltung der Arbeitssysteme
• gesundheitsförderliche Lebensweise
Notwendig ist sowohl eine altersgerechte Gestaltung der Technik, die sich
am Leistungsvermögen Älterer orientiert, als auch eine alternsbegleitende
Einflussnahme für den gesamten Zeitraum der beruflichen Tätigkeit. Hierbei
ist die Gestaltung der Arbeitstätigkeit,
die Aufgabenverteilung, die Arbeitszeitgestaltung und die Gestaltung der Laufbahn für das Arbeitsleben vorausschauend zu betrachten.
55
01.01.1999
50
50
45
45
40
40
35
35
30
30
25
25
20
20
15
15
10
10
1000 800600400200 0
Tausend Personen
5
5
0
0
01.01.1999
0 200 400600800 1000 10008006004002000 0200400
600800
1000
Tausend Personen Tausend Personen
Tausend Personen
Statistisches Bundesamt 2000-15-0346
Bild 2-3: Altersverteilung in der deutschen Bevölkerung
es nehmen zu
es nehmen ab
•Geübtheit sowie Arbeits- und
•Muskelkraft und körperliche
Berufserfahrung
•Gesprächs- und Urteilsfähigkeit
•Fähigkeiten im Umgang mit Menschen
•Zuverlässigkeit und
Verantwortungsbewusstsein
•Qualitätsbewusstsein
•Betriebstreue
•Bewältigung von Stress und Hektik
•Lernfähigkeit für strukturierte,
mit Bekanntem assoziierbare
Zusammenhänge
Leistungsfähigkeit
•Fähigkeiten der Sinnesorgane
•Reaktionsgeschwindigkeit
•Risikobereitschaft
•Merkfähigkeit
•Lernfähigkeit für abstrakte
Zusammenhänge
•Aktualität der Ausbildung
Bild 2-4: Im Arbeitsprozess typische Veränderungen bei älter werdenden Menschen (nach /1/)
Alter und Sehvermögen
Im Arbeitsleben hat gut sehen zu können eine große Bedeutung. Mit zunehmendem Alter lässt allerdings die Elastizität der Augenlinse nach, d. h., die
Entfernung, bei der gerade noch scharf
gesehen wird, nimmt zu. Im Nahbereich
entsteht ein unscharfes Bild. Etwa ab
dem 40. Lebensjahr beginnt diese so
genannte „Alters­sich­tigkeit“. Viele Beschäftigte brauchen dann eine Brille.
Kurzsichtige benötigen in der Regel
eine Zweistärkenbrille, mit all ihren
Problemen in der Eingewöhnungs­
phase.
Ebenfalls mit zunehmendem Alter wird
die Pupille starrer und enger. Es gelangt
weniger Licht auf die Netzhaut. Ältere Menschen brauchen deshalb mehr
Licht zum Verrichten von Tätigkeiten.
Bei hohem Beleuchtungsniveau ist der
Unter­schied des Lichtbedarfs deutlich
ge­ringer. Ein hohes Beleuchtungsniveau wirkt sich gleichzeitig positiv auf
Sicherheit, Leistung und Qualität aus.
13
Leistungsvoraussetzungen des Menschen
2.3
Der Tagesgang der Leistungsbereitschaft
Physiologische Funktionen des Men­schen sind tageszeitabhängig. Dies ist im 24-stündigen Tagesrhythmus begründet
(Bild 2-5).
Gleiche Arbeiten werden zu verschiedenen Tageszeiten als
unterschiedlich beanspruchend empfunden. Arbeiten, bei
denen immer die gleiche Anforderung besteht, sind bei
Nacht anstrengender als am Tage.
Dies sollte grundsätzlich bei der Schicht­ge­staltung bzw. bei
der Verteilung von Aufgaben auf verschiedene Schichten
oder Tageszeiten Berücksichtigung finden.
Im modernen Arbeitsleben wird immer mehr Flexibilität, insbesondere bei der Gestaltung der Arbeitszeit, vorausgesetzt.
Innovative Arbeitszeitmodelle gestatten es grundsätzlich,
Wirtschaftlichkeit und Humanität zu verbinden. Aktivitäten in
dieser Richtung berücksichtigen bis heute noch überwiegend
die Wirtschaftlichkeit.
Fehlerzahl
Frühschicht
6000
Mittagsschicht
Nachtschicht
5000
tatsächliche Fehlerzahl
wahrscheinlich mittler e Fehlerzahl
bei zufälliger Verteilung der etwa
75 000 Einzelwerte
3000
angenommene
Ausgleichskurve
2000
Durch Umkehrung der Ausgleichskurve abgeleiteter
Verlauf der „physiologischen Leistungsbereitschaft“
besser
als im Mittel
Mittel
schlechter
als im Mittel
6
10
14
18
22
2
6
Uhrzeit
Bild 2-5: Die biologische Leistungs­kurve (unten) hat im Tages­gang
einen typischen Verlauf mit einem Maximum am Vor­mittag
und einem ausgepräg­ten Minimum in den Nacht­stunden.
Diese aus dem täglichen Leben bekannte Tatsache wurde
erstmalig an der Fehlerzahl beim Ablesen von Zählerständen
(oben) wissenschaftlich nachge­wiesen und hat sich in weiteren Untersuchungen bestätigt (nach /1/)
14
In der Europäischen Union leisten derzeit etwa 20 % der
Beschäftigten Schicht­arbeit. Die Betroffenen sind mit ihren
Beschwerden oft auf sich allein gestellt.
Die meist für eine Tagschicht konzipierte Gestaltung des
Arbeitsplatzes lässt nachts häufig zu wünschen übrig. Hinzu
kommen psychosoziale Belastungen aus dem ­privaten Bereich. Die Leistungsre­ser­ven sind schneller auf­gebraucht,
Über­forderungen zu erwarten und gesund­heitliche Beein­
träch­tigungen auf die Dauer nicht auszu­schließen.
In Schichtsystemen entstehende Pro­bleme sind auch durch
Unterschiede zwischen betroffenen Personen, den so genannten Morgen- und Abendtypen erklärbar. Morgentypen
entwickeln bei Nachtarbeit und Abendtypen bei Frühschichten erhebliche Schlaf­defizite.
2.4
Einfluss des Geschlechtes
Der Einfluss des Geschlechtes in der mo­der­nen Berufs­arbeit
wird häufig über­schätzt. Die historisch gewachsenen Strukturen und Rollenverständnisse bei der Berufstätigkeit verändern sich eben­falls nur langsam. Dieser Prozess wird durch
die Gleichstellung von Mann und Frau im modernen europäischen Recht unterstützt. Viele Frauen wollen heute auch
außerhalb der frauen­typischen Berufe Karriere machen.
Stu­dien haben gezeigt, dass dabei immer mehr berufs­tätige
Frauen unter den früher als typisch männlich geltenden
stress­bedingten Pro­blemen und Beschwerden aus dem Berufsleben leiden, wie Herz­problemen.
Menschengerechte Gestaltung muss die Unterschiede bei
physischen Eigenschaf­ten berücksichtigen. Durch den Körperbau bedingte Unterschiede finden sich vor allem bei der
Körperkraft. Darum waren und sind bis heute Frauen ver­
schie­­dene Berufe verschlossen. Frauen gelten als geschickter, wenn es um ein­fache Hand­arbeiten geht. Im Gegensatz
zur Körper­kraft zeigt sich, dass im Jugendalter, etwa bis
zum 18. Lebensjahr, kein Unterschied der Geschicklichkeit
zwi­schen Jungen und Mädchen besteht. Etwa mit dem
18. Lebens­jahr zeigt sich aber eine bessere Geschick­lich­keit
der Frau gegenüber der des Mannes. Dies wird mehr auf eine
ent­wicklungs­bedingte Spezialisierung bereits im Jugendalter
zurückgeführt.
Geringere, aber nachweisbare Unter­schiede finden sich im
sprachlich kom­munikativen Bereich, wobei Frauen tendenziell besser abschneiden. Im Bereich der Abstraktions­fähigkeit
und des räumlichen Vorstellungs­vermögens bestehen Vorteile für Männer. Diese psychi­schen Eigenschaften werden für
typische Vorlieben bei den Berufswün­schen ver­­ant­wortlich
gemacht.
3. Die Schnittstelle Mensch-Technik
3.1
Gestaltungsschwerpunkte
Die Schnittstelle Mensch-Technik wird als traditionelles Kerngebiet der Ergonomie angesehen. Sie umfasst die folgenden
Schwerpunkte:
Elemente
des Arbeitssystems
Beispiele
für Gestaltungsfelder
Arbeitsraum
Abmessungen
Heizung, Lüftung, Wärmedämmung
Beleuchtung
Sichtbeziehungen
Schalldämmung und -dämpfung
Arbeitsplatz
Arbeitsplatztyp
Arbeitshöhen
Beinraum
Greifraum
Sehwinkel und Sehabstand
Beleuchtung
Arbeitsmittel
Abmessungen und Gewichte
Emissionen (Lärm, Gefahrstoffe …)
Körperhaltung
Handhabbarkeit
Hardware, Software
Arbeitsgegenstand
Abmessungen und Gewichte
Handhabbarkeit
Material
Emissionen
Arbeitsumgebung
Immissionen
(Lärm, Gefahrstoffe, Klima,
­Beleuchtung …)
Arbeitsorganisation
Einzel- oder Gruppenarbeit
Schichtsystem
Arbeitszeit- und Pausenregime
Arbeitsplatzwechsel
Räumlich ergonomische Gestaltung
• Körpermaße
• Körperhaltung
• Sichtgeometrie
• Bewegungsräume und -häufigkeiten
• Anpassung von Handwerkszeugen, Griffen und
­Bedienelementen an die Form und Beweglichkeit der
Hand
Kraft- und Energieaufwand
Ein erheblicher Kraftaufwand beim Bedienen von Stellteilen an Maschinen und Anlagen ist in immer geringerem Umfang erforderlich. Von Bedeutung ist der Kraftaufwand bei
handwerk­lichen Tätigkeiten, wie Aufbau, Wartung, Instand­
haltung und Demontage sowie beim Umgang mit Lasten, die
beispiels­weise zu heben, tragen, halten, zu schieben oder zu
ziehen sind.
Bild 3-1: Systemelemente des Arbeitssystems mit Beispielen für
Gestaltungsansätze
Informationsaufnahme
• Die Erkennbarkeit oder Wahrnehm­barkeit von dargebotenen Informationen ist durch die Gestaltung von Anzeigen,
Schrift­größen, Kontras­ten und deren Anordnung sowie
den Beleuchtungsbedingungen zu sichern.
• Wesentlich ist, dass Art und Dar­bietung der Information
das Aufnahme­vermögen des Bedieners nicht überfordern.
Verstehbarkeit des Systems
• Immer wichtiger wird es, die Bediener­führung moderner
Geräte, Maschinen und Anlagen so zu gestalten, dass sie
dem Vermögen der menschlichen Informationsverarbeitung entsprechen. Bedeutsam sind Gebrauchstauglichkeit, Bedienbarkeit und Verstehbarkeit.
3.2
Die bei der Arbeit dominierenden Kör­per­haltungen sind Stehen und Sitzen. Für solche Arbeitsplätze gibt es in der Litera­
tur Bemessungsvorschläge.
Der Sitzarbeitsplatz ist dem Steharbeits­platz vorzuziehen, da
diese Körperhaltung energetisch weniger aufwändig ist.
Falls technologisch möglich, sollte ein selbstgewählter
Wechsel realisiert werden können.
Man unterscheidet sechs Arbeitsplatz-Grundtypen:
Typ 1
• Wesentliche Kriterien sind auch die leichte Erlernbarkeit
und eine enge Verknüpfung von Aktion und Reaktion beim
Bedienen. Erleich­tert wird dies durch gleiche Verwen­dung
und Verständlichkeit von Begriffen sowie durchgängig
gleiche Strukturierung.
Arbeitsplatztypen
Sitz-Arbeitsplatz höhenverstellbar
Typ 2Sitz-Arbeitsplatz nicht höhen­­verstellbar (Tischhöhe
angepasst an das 95. Perzentil)
Typ 3Sitz-/Steh-Arbeitsplatz höhenverstellbar
15
Die Schnittstelle Mensch-Technik
Typ 4Sitz-/Steh-Arbeitsplatz nicht höhenverstellbar
(Tischhöhe angepasst an das 95. Perzentil)
Grundregeln sind:
• Körperhaltung aufrecht
Typ 5Steh-Arbeitsplatz höhenverstellbar
• Oberarme möglichst senkrecht nach unten
Typ 6Steh-Arbeitsplatz nicht höhen­­verstell­bar (Tischhöhe
angepasst an das 95. Perzentil)
• rechter Winkel zwischen Ober- und Unterarm oder größer
• Kopf- und Blickneigung zusammen ca. 30 bis 35°
Typ 1
Typ 2
• Bei höheren Stehanforderungen leitet sich die Arbeits­
höhe aus dem optimalen Sehabstand ab.
Typ 3
Typ 4
Bild 3-3: Da die Oberarme nie vollständig senkrecht hängen, liegen
die Ellenbogen oberhalb der Mittelebene.
Typ 5
Typ 6
Bild 3-2: Arbeitsplatzgrundtypen im Stehen und Sitzen
Steharbeitsplatz
An einem Steharbeitsplatz wird die Fest­legung der optimalen
Arbeitshöhe eher von der ausgeübten Tätigkeit als von den
Körpermaßen bestimmt. Um ungünstige Körperhaltungen zu
vermeiden, sind ständige Arbeitshöhen im Bereich um die
hier als Mittelebene bezeichnete normierte Ellenbogenhöhe
anzuordnen (Bild 3-3 bis 3-5).
Bild 3-4: Je nach Sehanforderung und Kraftaufwand arbeiten die Hän­de
optimal 10 bis 20 cm ober- oder unterhalb der Mittelebene.
Der günstige Bereich liegt bis 10 cm und der geeignete bis
20 cm darüber oder darunter. Bei höheren Sehanforderungen bis 30 cm wird eine Abstützhilfe und bei Höhen unter
-20 cm Bücken erforderlich.
Bild 3-5: Bei sehr hohen Sehanforderungen ist oft eine Abstützung
nötig. Bei großem Kraftaufwand ist immer ein Ansatz von
Bücken zu beachten.
16
Die Schnittstelle Mensch-Technik
Sitzarbeitsplatz
Die Gestaltung und Einrichtung eines
Sitzarbeitsplatzes muss die Voraus­
setzungen dafür schaffen, dass ein gutes Sitzen und Sehen möglich ist.
Besonders ist auf Fehlhaltungen des
Nackens, des Schultergürtels und des
Rückens zu achten. Außerdem sind
Zwangshaltungen durch aus­reichen­de
Freiräume für Arm- und Beinbewe­gun­
gen zu vermeiden.
Grundregeln sind:
• Oberkörper aufrecht
• Oberarme möglichst senkrecht
• Unterarme waagerecht
• Blickwinkel ca. 40° nach unten
• Oberschenkel waagerecht
• Unterschenkel senkrecht
Langes statisches Sitzen führt zu Verspannungen der Muskulatur und einer
Belastung der Wirbelsäule.
Besser ist so genanntes „dynamisches
Sitzen“, d. h. wechselnde Sitzhaltungen, wobei die Abstützung des Körpers
durch die Stuhlkonstruktion unterstützt
wird.
Tätig­keiten, die ganztägig und ausschließlich im Sitzen ausgeführt wer­
den, sind aus ergono­mischer Sicht zu
vermeiden.
• flächiger Bodenkontakt der Füße
Anzu­streben sind vielmehr Tätigkeiten,
bei denen Sitzen, Stehen und Gehen
wechseln.
Bild 3-6: Beispiel für Arbeitsplatzmaße bei einer Arbeitsstellenhöhe über Tisch von 150 mm für einen kombinierten Sitz- und Steharbeitsplatz
nach DIN 33406
17
Die Schnittstelle Mensch-Technik
Arbeitsstuhl
Für alle Arbeiten, die ganz oder teilweise im Sitzen verrichtet
werden kön­nen, müs­sen Sitzgelegen­heiten vor­handen sein.
Hierfür sind Arbeits­stühle nach DIN 68877 geeignet.
Das sind höhenverstell­bare Sitzmöbel mit dreh­barem Unterteil, deren Kon­struktion verschiedene Tätigkeiten in unter­
schied­licher Sitzhöhe ermöglicht.
Bild 3-7: Beispiele von Stühlen, hohen Stühlen mit Aufstiegshilfe, Hockern, einer Fußstütze und einer Stehhilfe für den Einsatz an Arbeitsplätzen
in der Produktion.
18
Die Schnittstelle Mensch-Technik
3.3
Körpermaße
Für die räumliche Gestaltung von Ar­
beits­plätzen und Betriebsmitteln müs­
sen die Körpermaße der dort arbeitenden Person bekannt sein.
Die in DIN 33402-2 „Ergonomie – Kör­
permaße des Menschen“ wiedergegebenen Werte von Körper­maßen beruhen
auf statistisch gesicherten Messungen
an Perso­nen, die im Gebiet der Bundesrepublik Deutschland wohnen.
Die Körpermaße stammen aus Untersuchungen in den Jahren 1999 bis 2002.
Sie sind sowohl als gemittelte Werte
der Ge­samt­population 16 – 65 Jahre
als auch in ver­­schiedenen Altersgruppen ange­geben.
3.4
Verwendung von
Körpermaßschablonen
Bei der Gestaltung von Arbeitsplätzen,
Maschinen und Werkzeugen nach ergo­
no­mischen Gesichtspunkten sind Körpergrößenbereiche und nicht mittlere
oder konkrete Körpermaße einer einzelnen Person zu berücksichtigen.
Die Körpermaße des Menschen sind
dabei nicht als feststehende Größen
zu verwenden. Die Beweglichkeit des
Kör­pers und seiner Gliedmaßen ist bei
der Ermittlung der Werte nicht berück­
sichtigt worden. Ebenso lässt sich aus
einer Angabe, beispielsweise der
Körper­größe, nicht direkt auf die anderen Kör­permaße schließen. Alle Maße gelten für den unbe­kleideten Menschen. Für Arbeits- und Schutzkleidung
sind entsprechende Zu­schläge erforderlich.
Bei der Einrichtung von Arbeitsplätzen
ist die Verteilung der Körpergrößenmaße der zu erwartenden Bediener als
Maßstab an­zu­nehmen. In der Regel
wird das 5. Per­zentil Frau bis zum
95. Perzentil Mann benutzt. Damit werden 90 % der zu erwartenden Personen
erfasst. Mindestens für diese sind
Im Vergleich zu früheren Körpermaßan­
gaben wurden mit der aktualisierten
Wert­erfassung zum einen der Akzele­
ra­tions­prozess (Wachstums­beschleu­
ni­gung) der zurückliegenden Jahre und
zum anderen alle im Untersuchungs­
gebiet wohnenden Personen (Wohnbe­
völkerung) erfasst.
Zur Angabe der Variabilität wird der
Begriff Perzentil verwen­det. Der kleinere Wert gibt das 5. Perzentil an, d. h.
5 % aller er­mittel­ten Körper­größen sind
kleiner als der angegebene Wert. Der
höhere Wert gibt das 95. Per­zentil an,
d. h. 95 % aller ermittelten Größen sind
kleiner als der angegebene Wert.
Die angegebene Spanne umfasst 90 %
aller ermittelten Körpermaße, welche
bei der Gestaltung zu berück­sich­tigen
sind.
Im Interesse einer Vereinheitlichung in
Eu­ropa wird eine Definition des so ge­
nann­ten „Europamenschen“ vorge­
schla­gen. Als 5. Perzentil wurde das der
Süd­euro­päer und als 95. Perzentil das
der Nord­­eu­ro­päer definiert. Durch Ein­
bezie­hung von nord- und südeuro­päi­
schen Bevöl­­ke­rungsdaten hat die Ver­
teilung eine größere Breite.
Bild 3-8: Körpermaße des Menschen nach DIN 33402 Teil 2 von 05/2007
und dem „Internationalen anthropometrischen Datenatlas“ der BAUA /6/
obere Zeile:
5. bis 95. Perzentil Männer von 18 – 65 Jahren
mittlere Zeile:
5. bis 95. Perzentil Frauen von 18 – 65 Jahren
untere Zeile:
5. bis 95. Perzentil Europamensch
19
Die Schnittstelle Mensch-Technik
Verstellmöglichkeiten vorzusehen. Für sicher­heits­kritische
Einrichtungen sind mindes­tens das 1. und das 99. Perzentil
zu verwenden.
Ein praktisches Verfahren, um in einem zeichnerischen Entwurf Körpermaße zu berücksichtigen, ist die Verwendung von
Schablonen der menschlichen Gestalt. Bekannt sind mehrere Grundtypen, die alle die folgen­den wesentlichen Vereinfachungen ent­halten:
• Der Umriss der menschlichen Gestalt besteht nur aus Geraden und Kreis­bögen und schließt Arbeitskleidung und
Schuhwerk ein.
Schalter
Wirkstelle
• Von der Körperhöhe sind die Körpermaße, z. B. Arm- und
Beinlängen, und die Körperumrisse abgeleitet.
• D
ie Gelenke werden vereinfacht durch Drehpunkte dargestellt.
Mit einer Übung lassen sich zahlreiche weitere Bewegungsmöglichkeiten darstellen.
Mit diesen Schablonen kann sowohl der Konstrukteur den Arbeitsplatz um den Menschen mit seinen Körpermaßen herum
konstruieren als auch der Anwender überprüfen, ob sowohl
Bild 3-10: Möglichkeiten des Einsatzes von Körperumrissschablonen
nach /4/
Überprüfung eines Pressenarbeitsplatzes (stehend) für den
Körpergrößenbereich „Männer und Frauen“
1. Stellteile am Schaltschrank können von einer kleinen Frau
nicht bei jeder Maschinenhöhe bedient werden.
2. Die Wirkstelle kann vom einem großen Mann in natürlich
stehender Haltung nicht eingesehen werden.
Für Innenräume, z. B. Beinräume, ist die Schablone des
großen Mannes und für Außenmaße zur Sicherung der Erreichbarkeit oder der Sehhöhe das Maß der kleinen Frau zu
verwenden.
Der nur für den mittelgroßen Menschen gestaltete Arbeitsplatz ist für große und kleine Personen nicht geeignet.
Bild 3-9: Anwendung von Zeichenschablonen
kleine (5. Perzentil) als auch große Personen (95. Per­zentil)
an dem Arbeitsplatz tätig sein bzw. Maschi­nen und Werkzeuge benutzen können.
Men­schliche Körperformen und Propor­tionen haben teilweise deutliche Unter­schiede im Verhältnis Ober- und Unter­
körper so­wie durch schlanke oder füllige Gestalt. Der Einsatz
von Körperschablonen hat hier Grenzen.
Die Schablonen werden heute noch für Lehr- und Demonstrationszwecke benutzt. Sie werden derzeit nicht gehandelt.
20
Professionelle Anwender greifen meist auf computergestützte Methoden unterschiedlichster Ausführung zurück. Dabei
werden dreidimensionale Menschendarstellungen benutzt
(Bild 3-11 und 3-12).
Das am weitesten entwickelte Verfahren der interaktiven
dreidimensionale Simulation, auch virtuelle Realität oder VR
genannt, erlaubt es, in Prototypen plastisch zu simulieren,
die weitgehend das gleiche Verhalten zeigen wie das reale
Produkt (Bild 3-13).
Durch den räumlichen Eindruck ist es möglich, deutlich mehr
Fehler in einer kürzeren Zeit zu finden als mit früheren Arbeitsweisen.
Die Schnittstelle Mensch-Technik
3.5
Sehbedingungen
das zu erkennende Objekt eingerichtet
wird. Scharfsehen bedeutet aufgrund
der Muskeltätigkeit des Auges zusätzlich eine energetische Beanspruchung
mit entsprechenden Ermüdungserschei­
nungen. Arbeitsplätze sollten so gestaltet sein, dass Augen- und Kopfbewe­
gungen minimiert und Zwangshaltungen ver­mieden werden.
Etwa 80 bis 90 % unserer Sinnesein­
drücke nehmen wir mit dem Auge wahr.
Bei fast allen anfallenden Arbeiten
muss der Ablauf visuell gesteuert oder
kontrolliert werden. Dabei ist der Bereich des Gesichtsfeldes, in dem bei
ruhendem Auge scharf gesehen werden
kann, vergleichsweise klein. Dies führt
dazu, dass die Sehachse durch Bewegungen des Auges und Kopfes und auch
des Körpers insgesamt ständig neu auf
Bild 3-11: Beispiel für die Darstellung von
Einzelheiten im CAD-Programm
15°
15°
45°
94°
94°
Der Sehraum wird durch die Sehachse
und die Größe des Gesichts-, Blick- und
Umblickfeldes beschrieben.
70°
45°
70°
110°
110°
162°
Gesichtsfeld
(unbewegt)
Blickfeld
(Augen mit bewegt)
Umblickfeld
(Augen und Kopf mit bewegt)
120°
75°
55°
48°
15°
15°
15°
70°
Bild 3-12: Das Sehen eines Nutzers lässt sich
am Computer-Modell einblenden
85°
162°
45°
93° 65°
optimal
maximal
Bild 3-14: Schematische Darstellung der maximalen und optimalen Gesichts-, Blick- und
Umblicksfelder (nach /14/)
Das Gesichtsfeld ist der Bereich des
Sehraumes, in dem Objekte ohne
Kopf- und Augenbewegungen wahrge­
nommen werden können. Der Bereich
des Scharfsehens umfasst dabei nur
ca. 2 ° um die Sehachse.
Das Blickfeld umfasst den Bereich, in
dem Gegen­stände bei unbewegtem
Kopf und be­wegten Augen fixiert werden können.
Das Umblickfeld ist der Bereich, in dem
Objekte mit Kopf- und Augenbewegungen wahrgenommen werden können.
Bild 3-13: Die virtuelle Realität lässt sich im Computerbild durch einen Operator steuern.
21
Die Schnittstelle Mensch-Technik
Der Blickwinkel ist für die Körperhaltung eine sehr wichtige
Größe. Er ergibt sich als Winkel zwischen der Blicklinie und
der Horizontalen unter Einschluss der Kopfhaltung. Er sollte
für Sitzarbeitsplätze etwa 40° und für Steharbeitsplätze etwa
30° betragen. Ein zu großer Blickwinkel durch starkes Beugen der Halswirbelsäule kann über längere Zeit zu Beschwerden und krankhaften Veränderungen führen. Das Gleiche gilt
für Blickwinkel über der Waagerechten
15°
45°
25°
30°
45°
40°
Bild 3-15: Der Blickwinkel bei natürlicher Kopfhaltung ist im Stehen
kleiner als im Sitzen (nach /14/)
40°
28°
53 cm
24 cm
120 cm
Bild 3-16: Kopfneigung, Sehabstand und Unterarmstellung in Abhängigkeit von der Körpergröße bei fester Arbeitsstellenhöhe
konstruiert mit Zeichenschablonen
22
Bild 3-17: Eine Blickbewegung oder Handlung setzt sich immer aus der
Bewegung mehrerer Körperteile zusammen. Hier sind es der
Oberkörper und Kopf mit je 45° und der Oberarm
Die Schnittstelle Mensch-Technik
3.6
Wirk- und Greifräume
Der Wirkraum ist der Bewe­gungsraum
des Menschen und seiner Gliedmaßen
bei der jeweiligen Tätigkeit.
Bei der Festlegung von Abmessungen
des Arbeitsplatzes und der unmittelbaren Umgebung sind nicht nur der Wirkraum, sondern auch weitere Kriterien zu
berücksichtigen:
• haltungs- und tätigkeitsspezifische
Funktionsmaße des Menschen
• allgemeine Bewegungsfreiheit
• der Luftraum bei natürlicher Lüftung
• das psychische Wohlbefinden
Der Raumbedarf muss dem Menschen
angepasst sein. Ansonsten können
Zwangshaltungen oder ermüdende
Körperhal­tungen sowie Behinderungen
und Gefährdungen, aber auch psychisches Unwohlsein auftreten.
mm
400
1
2
3
200
4
0
Tischkante
200
Unter Zwangshaltungen sind physio­
logisch ungünstige bis extreme Körperhaltungen zu verstehen, die wegen
unphysiologischer Stellung der Gelenke und bei andauernder Ausführung
zu schneller Ermüdung oder schmerzhaften Beschwerden führen. Beispiele
sind Überkopfarbeit, Arbeiten mit voroder seitlich gebeugtem oder verdrehtem Oberkörper, vorgebeugte gedrehte Kopfhaltung u. Ä. Auch sehr langes
Verharren in einer normalen Arbeitshaltung kann als Zwangshaltung empfunden werden.
800
600
400
200
0
200
400
600
mm
Zone 1
Zone 3
Beide Hände arbeiten
nahe beieinander,
Montageort, Ort für
Aufnahmevorrich­tun­gen.
Zone zum Lagern von
Teilen und Werkzeugen,
die mit einer Hand oft
gegriffen werden.
Zone 2
Zone 4
Arbeitszentrum
Einhandzone
Erweitertes
Arbeitszentrum
Erweiterte
Einhandzone
Beide Hände
erreichen alle Punkte
dieser Zone.
Äußerste noch nutz­bare Zone, beispielsweise für Greifbehälter.
Bild 3-19: Grundvorstellungen über die Maße
des Greifraumes in normaler Arbeitshöhe. Die angegebenen Werte
sind Mittelwerte. Ein Streu­be­reich
der Körpermaße ist zu berücksichtigen (nach /7/)
Greifräume
Der Umfang des Raumes, in dem der
Mensch greifen kann, ist abhängig
von der Größe der Gliedmaßen, ihren
Bewegungsmöglichkeiten sowie der
Körper­haltung. Die Beweglichkeit der
Glied­maßen im Greifraum ist sehr unter­
schied­lich. Verschiedene Stellungen der
Gelenke engen die Beweglichkeit ein.
Harmonische Be­wegungsabläufe sind
nur in bestimm­ten Bewegungsräumen
und Richtungen möglich. Die physiologisch beste Armhaltung ist die mit etwa
senkrecht abfallendem Ober­arm, wobei
der Unterarm nach vorn gerichtet leicht
nach unten abfällt. Das bedeutet, dass
die Hände etwa in Magenhöhe arbeiten. Arbeiten über Herzhöhe sollten
bei länger dauernden Tätigkeiten ver­
mieden werden. Bei sehr feinen Arbeiten mit kurzer Sehentfernung müssen
Kompromisse zwischen der idealen
Arm- und Kopfhaltung gemacht werden.
Bild 3-18: Richtmaße für den Raumbedarf
23
Die Schnittstelle Mensch-Technik
Die Bewegungen des menschlichen
Körpers sind insgesamt komplex und
lassen sich nicht durch eine starre Be­
trach­tungsweise erklären. Der Mensch
führt beim Zugreifen keine Bewegungen
einzelner Körperteile, sondern immer
kombinierte Bewegungen mehrerer Körperteile aus. Auch bei einer größeren
Bewegung, beispielsweise beim Ablesen einer Anzeige, werden immer Kopf
sowie Ober- und Unterkörper automatisch mitbewegt.
3.7
Grundsätze bei der Gestaltung:
Die nach außen abgegebenen Kräfte
des Körpers werden durch den Energie­
umsatz im Muskel erzeugt. Bei der vom
Körper aufzubringenden Mus­kelkraft
sind zwei Fälle zu unter­scheiden:
Regel:
Statische Muskelbelastungen
und ungünstige Körperhaltungen
sind grundsätzlich zu vermeiden.
• Verrichtung einer Arbeit bei dynamischer Muskelbelastung
Die aus technischer Sicht erforderli­chen
Kräfte sind meist vorgegeben oder leicht
bestimmbar. Die Größe der abgeb­baren
Kraft des Menschen ist von der Körperhaltung, der Bewegungsrichtung und
der Lage des Kraftangriffspunktes abhängig. Für bestimmte häufige Kraftaufwendungen sind Maximalkräfte bereits
in Datensammlungen /22/ zusammengefasst. Das Verhältnis der maximal
möglichen Kraft zur erforderlichen Kraft
wird als Maß für die Beanspruchung
benutzt. Nicht für alle praktischen Fälle
wird es Vorgaben geben.
• Anzeigen, Stellteile, Werkzeuge und
Werkstücke, die häufig abzulesen
und bewegungsintensiv zu handhaben sind, sollten in Zone 1 oder 2
ange­ordnet sein.
• Bewegungen außerhalb des normalen Greifraumes, z. B. weites Reichen, sind zu vermeiden.
• Für kleine, genaue Bewegungen, die
mit den Augen kontrolliert werden
müs­sen, sollte Zone 1 bevorzugt
werden, damit zusätzliche Blick­ver­
schiebungen vermieden werden.
• Muskelkräfte und die Genauigkeit
der Bewegungen sind an der Grenze
der Zonen 3 und 4 eingeschränkt.
• Bei der Montage von Kleinteilen
haben sich Greifbehälter in Zone 3
oder 4 bewährt.
Körperkräfte
Körperkräfte werden durch das Zusammenwirken von Muskeln, Skelett,
Sehnen und Bändern ausgeübt. Für
die Auf­rechterhaltung von Kräften ist
eine kon­tinuierliche Blutzufuhr der
Muskeln wichtig. Die Körperkräfte des
Menschen sind abhängig von Alter,
Geschlecht, Körpergröße und Gewicht.
Sie sind bei 20- bis 25-jährigen Männern am größten.
• Aufbringen einer Kraft bei statischer
Muskelbelastung
Bei dynamischer Muskelbelastung, z. B.
Schaufelarbeit, kommt es zu stetigem
Wechsel zwischen Spannung und Ent­
spannung des Muskels. Bei statischer
Muskelbelastung, z. B. Bohren über
Kopf, verharrt der Muskel in einem bestimmten Spannungszustand. Die
erträgliche Haltedauer bei statischer
Kraft in Abhängigkeit vom Alter
(Maximalkraft des Mannes = 100 %)
Kraft in Prozent der Höchstkraft
Lebensalter
Männer,
Bild 3-20: Greifraumplanung am Computer
24
Die Größe der abgebbaren Kraft ist
von der Körperhaltung, der Bewe­
gungsrichtung und der Lage des Kraftangriffspunktes ab­hängig.
Maximale Dauer einer statischen Muskel­
arbeit in Abhängigkeit vom Kraftaufwand
Kraftaufwand als Prozentsatz der max. Kraft
• Der häufige Wechsel der Sehentfernung sollte vermieden werden.
Belastung ist von der Belastungshöhe abhängig. Bei statischer Muskelarbeit unterhalb 15 % der Maximalkraft tritt keine mess­bare Abnahme
der Muskelkraft auf. Dieser Wert gilt
als Dauerleistungs­grenze für statische
Muskelarbeit.
Dauer in Minuten
Frauen
Bild 3-21: Maximalkraft im Altersgang und mögliche statische Haltedauern abhängig vom Kraftaufwand
Die Schnittstelle Mensch-Technik
Grundform der Muskelarbeit
statische Arbeit
Kennzeichen der
Beanspruchung
Arbeitstyp mit Beschreibung
Beispiele
Haltungsarbeit
keine Bewegung von Gliedmaßen, keine Kräfte auf Werkstück, Werkzeug oder Stellteile
Halten des Oberkörpers beim
­gebeugten Stehen
Haltearbeit
keine Bewegung von Glied­maßen, Kräfte auf Werkstück,
Werkzeug oder Stellteile
Überkopfarbeit, Tragearbeiten
Kontraktionsarbeit
Folge statischer Kontraktionen
Gussputzen
Übergangsbereich als Folge
statischer Kontraktionen bei
­geringen Bewegungs­frequenzen
einseitig dynamische Arbeit
kleine Muskelgruppen mit
höherer Bewegungsfrequenz
Handhebelpresse, Schere
betätigen, Maschinen­bedienung
maximale Arbeitsdauer durch
Arbeitsfähigkeit des Muskels
beschränkt
schwere dynamische Arbeit
Muskelgruppen über 1⁄7 der
­gesamten Skelettmuskelmasse
Schaufelarbeit
Verladen von Stückgut
Begrenzung durch Leistungs­
fähigkeit der Sauerstoff­versorgung durch Herz, Kreislauf
und Atmung
Durchblutung wird bereits bei
Anspan­nung von 15 % der
maximalen Kraft durch den
Muskelinnendruck gedrosselt
dadurch starke Beschränkung
der Arbeitsdauer auf wenige
­Minuten
dynamische Arbeit
Bild 3-22: Grundformen der Muskelarbeit (nach /16/)
Bewegungsrichtung beachten!
Nicht so,
45%
sondern so
100%
Bild 3-23: Kraftanwendungen sind auf der Verbindungslinie zwischen Kraftangriffspunkt und Körperlängsachse am günstigsten auszuführen.
25
Die Schnittstelle Mensch-Technik
3.8
Anzeigen und Stellteile
Anzeigen und Stellteile sind die wesent-­
lichen Kontaktelemente des Bedieners
zu einer Maschine oder Anlage. Bei
Auswahl und Gestaltung wird das System Mensch-Technik zweckmäßigerweise als ein geschlossenes Regelsystem
betrachtet. Die Maschine zeigt dem
Be­nutzer Informationen an. Dieser wirkt
über Stellteile auf die Maschine ein, die
ihrer­seits dem Benutzer erneut Informationen liefert. Die DIN EN 894-1 legt
allgemeine Kriterien fest, um Fehler des
Benutzers auf ein Minimum zu reduzieren (Bild 3-24).
Dies soll insbesondere Gefährdungen
sowohl für den Benutzer selbst als auch
für Dritte ver­hindern und weitere Anforderungen erfüllen. Hierbei sind verschiedene Betriebszustände, wie Normalbetrieb, Wartung, Reparatur, Störfall, zu berück­sichtigen.
3.8.1
Sinnfälligkeit der Anordnung
Jede Maschine, jede Anlage und jedes
Transportmittel besitzt Bedienteile oder
Bedienstände. Bei der Gestaltung sind
Grundsätze der Kompatibilität bzw.
Sinnfälligkeit zu beachten. Kriterium
für eine gute Gestaltung ist benötigte
Zeit zum Erkennen. Hierfür und für die
Zeit zum Reagieren gibt es ererbte und
erlernte Verhaltens­muster, die es gestatten, die Wahrneh­mungs- und Reaktionszeiten kurz zu halten. Bei Missachtung dieser Prinzipien ist mit einer
Verlängerung in nicht un­be­trächtlichem
Umfang zu rechnen. In Stress- und Notsituationen kann es lebens­rettend sein,
durch schnelles Erkennen die richtige
Schalt­handlung aus­zulösen. Im täglichen Betrieb spart es viel Auf­wand, der
besser für andere Zwecke ein­zusetzen
ist. Kri­tisch ist die Gestaltung von
Bedien­teilen in Fahr­zeugen, da hier oft
sehr kurze Reaktionszeiten gefordert
sind.
26
Aufgabenangemessenheit:
• Die Maschine darf keine unerfüllbaren Forderungen, z. B. hinsichtlich der
Antwort­geschwindigkeit und Genauigkeit, stellen.
• Der Umfang der Anforderungen ist auf ein angemessenes Maß zu beschrän­­ken, z. B. können Zeiger von Anzeigen dazu auf eine bestimmte Richtung
konzentriert werden.
• Die Anzeigen und Stellteile sind nach ihrer Wichtigkeit, Bedienreihenfolge
u. a. sinnfällig anzuordnen.
• Stellteile und Anzeigen sollen entsprechend ihrer Funktion leicht
unterscheidbar sein.
• Bei der Anordnung soll der funktionelle Zusammenhang leicht erkennbar sein.
Selbsterklärungsfähigkeit:
• Der Benutzer muss die Anzeigen und Stellteile mühelos erkennen und
verstehen können.
• Informationen über den Systemzustand müssen ohne Störung anderer
Aktivitäten verfügbar sein.
Steuerbarkeit:
• Das System muss sicher beherrschbar sein. Der Operateur darf nicht vom
Eigenrhythmus des Systems beherrscht werden.
• Notwendige Informationen müssen leicht zugänglich sein.
Sicherheits­relevante Teile sind redundant auszuführen.
Erwartungskonformität:
• Die Grundmuster bei Bewegung und Lage der Elemente müssen den erlernten
Arbeits­weisen und den praktischen Erfahrungen entsprechen.
• Gleiche Funktionen sollen durch gleiche Anordnungen und Ausführungen
erkennbar sein.
• Es muss ein widerspruchsfreies System von Codes und Symbolen verwendet
werden.
Fehlerrobustheit:
• Das System sollte das Ergebnis auch bei offensichtlichen Bedienfehlern
nicht infrage stellen.
• Es muss Fehler prüfen können und dem Benutzer geeignete Hilfen und
Hinweise anbieten sowie ausreichend Zeit für Korrekturen einräumen.
Anpassbarkeit und Erlernbarkeit:
• Das System muss sich an persönliche Bedürfnisse erfahrener und unerfah­rener Nutzer, deren Fähigkeiten und auch an kulturelle Unterschiede anpassen
lassen.
Bild 3-24: Gemeinsame Anforderungen an die Gestaltung von Anzeigen und Stellteilen nach
DIN EN 894-1
Die Schnittstelle Mensch-Technik
3.8.2
Anzeigen
Anzeigen dienen der Kommunikation
und der Angabe von Maschinenzu­stän­
den. Wesentlich sind optische Anzeigen für die Übermittlung von Informationen durch
• Ablesen
• Beobachten
• Vergleichen
Legende:
a): Zunahme
b): Abnahme
• Warnen
In Verbindung mit Stellteilen dienen die
Anzeigen zum
Bild 3-25: Grundsätzliche Kompatibilitätsregeln: Drehen, Schalten oder Schieben nach rechts
bedeutet eine Zunahme, wobei sich die Anzeige in gleicher Weise bewegen soll wie
das Stellteil nach DIN EN 894-2
• Regeln
• Steuern
Ungeeignet
Empfehlenswert
Lineare Skalen
• Nachführen
• Einregulieren
Kriterien für die Anordnung von Anzeigen sind
• die Auffindbarkeit durch Anordnung
im Gesichtsfeld (15° Abweichung)
bzw. in einem noch geeigneten Bereich (30° Abweichung) um die Sehachse und
• die Erkennbarkeit durch die Gestaltung von Größe, Form, Farbe, Kon­
trast sowie die Wahl geeigneter Symbole, Zeichen- und Skalenformen.
Die DIN EN 894-2 unterscheidet optische, akustische und als Sonderform
taktile Anzeigen, wobei die Form durch
Berühren erkennbar sein soll.
Akus­tische Anzeigen sollten sparsam,
haupt­sächlich für Warnzwecke, eingesetzt werden.
Nur bei
Winkelangaben
Bild 3-26: Beispiele für Skalenteilungen und Beschriftungen nach DIN EN 894-2
Gestaltungsrichtlinien
für Anzeigen
• A
blesefehler durch Parallaxe bei
schräger Beobachtung vermeiden
• Ablesegenauigkeit nicht größer als
erforderlich gestalten
• Skala nicht durch Zeiger verdecken
• zusätzliche und unnötige Informationen vermeiden
• Anzeige einfach und unmissverständlich gestalten
• bei fester Skala: Ziffern aufrecht anordnen
• bei bewegter Skala: Ziffern tangential anordnen
• Zeigerspitze und Skalenstrich gleich
stark ausführen
Bild 3-27: Ein typischer Fehler bei Anzeigen
Einzelheiten sind in der DIN EN 894-3
„Stellteile“ geregelt. Die Norm liefert
auch ein Auswahlverfahren, das sich
27
Die Schnittstelle Mensch-Technik
an den wichtigsten Anforderungen an
handbetätigte Stellteile orientiert.
• Hebel
15°
• Handgriff
Drehen oder
Bewegen:
dient zum:
nach rechts
Anschalten
nach vorn
Verstärken
Beschleunigen,
nach oben
Erhöhen
30°
170°
gestreckter Arm
45°
• Handrad
60°
• Kurbel
Für große Stellkräfte eignet sich Fuß­
betätigung mittels
• Fußschalter
135°
gebeugter Arm
Bild 3-29: Die Beweglichkeit der Hand ist in
verschiedenen Richtungen unterschiedlich begrenzt
• Pedal
3.9
Bild 3-28: Ausnahme: Bei Ventilen und Absperrvorrichtungen bedeutet
Drehen nach rechts „Drosseln“
Ergonomische
Handwerkszeuge
Ergonomische Handwerkszeuge werden durch Anpassung an die Geometrie
und Beweglichkeit der menschlichen
Hand so konstruiert, dass sie hohe
Anforde­rungen erfüllen.
Hierbei gilt Folgendes:
3.8.3
Stellteile
Stellteile dienen zum Ein- und Ausschalten, Steuern, Regeln und Bedienen von Maschinen, Anlagen und Apparaten. Sie müssen der Funktion und
Anatomie des Menschen angepasst
sein. Für kleine Stellkräfte und hohe
Stellgeschwindigkeiten eignet sich
Finger­betätigung mittels
• Tastatur
• Knopf
• Schalter
• Schieber
Für mittlere bis große Stellkräfte und
mittlere und große Stellwege eignet
sich Handbetätigung mittels
28
• Die Anpassung an die Körpermaße
und -formen ermöglicht einen besseren Krafteinsatz.
• Durch die Anpassung an die Beweg­­
lich­keit der Hand wird die Beanspru­
chung der Skelettmuskulatur vermindert.
• Ein bequemes und sicheres Halten
des Werkzeuges wird bei Beachtung
der Handstellung und einer korrekten Ge­wichts- und Kraftverteilung
ermöglicht.
• Die Griffe geben eine sensorische
„Rück­meldung“, die ein genaue­res
Arbeiten und eine bessere Werk­
zeug­führung ermöglicht.
Die Entwicklung scheinbar einfacher,
all­gemein verbreiteter Handwerkszeuge
kann durchaus mit einem erhöhten Aufwand an ergonomischer Projektierung
verbunden sein, wenn ein größerer Nutzerkreis angesprochen wird.
Bild 3-30: Beispiel für die Griff­gestaltung
einer Zange unter Berücksichtigung
der Gelenkwinkel im Handgelenk
und der Öffnungsweite
ungünstig
günstig
Bild 3-31: Beispiel für die Anordnung von
Schaltern an handgeführten
Schneidemaschinen
4. Arbeitsumgebung
Einwirkungen aus der Arbeitsumgebung sind ein Teil des
Arbeitssystems. Wesentlich sind die Folgenden:
• Lüftungs- und Klimaanlagen können Probleme durch einen höheren Lärmpegel verursachen.
• Klima und Beleuchtung
• Bei Glasfassaden wird die Helligkeit der Sonneneinstrahlung mit ihrer Rückwirkung, z. B. auf Bildschirm­arbeits­­
plätze, nicht berücksichtigt.
• physikalische Einwirkungen, wie Lärm, Schwingungen,
Strahlungen und Felder
• Die Sonneneinstrahlung heizt Arbeitsräume unnötig auf.
• chemische Einwirkungen durch Stäube, Gase und Dämpfe
sowie auf und durch die Haut wirkende Stoffe
• biologische Einwirkungen durch Mikro­organismen und
Viren
Die grundsätzliche Schutzmaßnahme ist das Einhalten von
Grenzwerten für die Höhe der Einwirkung. In einigen Fällen,
wie bei klimatischen Einwirkungen, gibt es Optimalbereiche,
z. B. Behaglichkeits­bereiche.
Einwirkungen am Arbeitsplatz beschränken sich selten auf
nur einen Gefährdungsfaktor. Die Tätigkeit eines Schweißers
beinhaltet beispielsweise mehrere Belastungen, wie
Schweißrauche, Funkenflug, Lärm, kritische Platz-, Klima-,
und Lichtverhältnisse sowie das Tragen von Schutzausrüstungen.
• Lärmschutzwände und -kapseln stören die Luftzirkulation.
• Technische Absaugungen erzeugen Zuglufteffekte.
Expositions-Grenzwert
ist der Grenzwert, der
nicht überschritten
werden darf
Expositions-Auslösewert
ist der Grenzwert, bei
dessen Überschreitung
Maßnahmen erforderlich
werden
roter Bereich
Gesundheitsschäden sind zu
erwarten; Maßnahmen sind
dringend erforderlich
gelber Bereich
Schutzmaßnahmen und
Maßnahmen zur Expositions­
minderung sind erforderlich
grüner Bereich
Es sind keine gesundheit­lichen Beeinträchtigungen zu
erwarten
Bild 4-2: Der gestaffelte Aufbau des Systems von Grenzwerten nach
Richtlinien der Europäischen Union
4.1
Bild 4-1: Übersicht zu den möglichen Einwirkungen aus der Umgebung
Dabei wird als untere Stufe ein Aus­löse­wert definiert, bis zu
dessen Einwirkungs­höhe eine Gefährdung aus­geschlossen
werden kann (grüner Be­reich). Oberhalb dieses Bereiches
liegen Belastungen vor, die in Abhängigkeit von den individuellen Eigenschaften und Fähigkeiten eine Gesundheitsgefährdung darstellen (gelber Bereich). Der eigent­liche
Grenzwert darf in keinem Fall über­schritten werden, da Ge­
sundheits­ge­fahren mit hoher Wahrscheinlichkeit zu erwarten
sind (roter Bereich).
Klima
Klimatische Einflüsse gehören zur natür­lichen Umwelt des
Menschen. Bereits Schwankungen durch Wetterwechsel haben Einfluss. Häufig sind Beschwerden über zu hohe oder
zu niedrige Tempe­raturen bei Wetterwechsel, wegen sehr
trockener Luft oder Zugluft. Bei tech­nischen Prozessen, z. B.
in der Metall­ur­gie, treten Hitze- und, z. B. bei der Tiefkühl­
lagerung, Kälteeinwir­kungen auf.
Klima ist der Sammelbegriff der physikalischen Größen, die
den Wärmeaus­tausch des Körpers mit seiner Umgebung be­
einflussen. Die Wirkung des Klimas auf den Menschen wird
bestimmt durch die Klimagrößen
• Lufttemperatur
• Luftfeuchtigkeit
• Luftgeschwindigkeit
Es ist besonders wichtig, die Wechselwirkungen auftretender
Umgebungseinflüsse zu berücksichtigen. Hierzu ge­hören die
folgenden, die sich in der Pla­nungs­phase oft einfach und billig ver­mei­den lassen, z. B.
• Strahlungstemperatur der Umgebung
und die tätigkeits- und personenbezogenen Größen
29
Arbeitsumgebung
• Arbeitsschwere
26°C
• Bekleidung
22°C
29°C
• Dauer der Einwirkung
• körperliche Verfassung
Wohlbefinden, Gesundheit und Leistungsfähigkeit des Menschen können
nur gewährleistet werden, wenn die
Temperatur des Körperkernes (Kopf,
Brust, Bauchhöhle) im Bereich von
37,0 °C ± 0,8 °C gehalten werden kann.
Deshalb wird mehr oder weniger Wärme, die in den Körperorganen und Muskeln erzeugt wird, an die Umgebung
abgegeben.
Entsprechend den Klimabedingungen
reguliert der Körper den Wärmeaustausch durch Änderungen von
• Hautdurchblutung
• Puls- und Atemfrequenz
• Schweißabgabe
Auch wenn sich keine Schweißtropfen
auf der Haut bilden, gibt der Körper
durch Verdunstung von Schweiß Wärme
an die Umgebung ab.
Das Klima am Arbeitsplatz lässt sich
grob in drei Bereiche einteilen:
13°C
4°C
21°C
Bild 4-3: Welche Lufttemperatur als ideal empfunden wird, hängt auch von der Bekleidung und
der körperlichen Aktivität ab. Im Beispiel wird gezeigt, wie sich die körper­lichen Belastungen von 400 kJ/h im Sitzen, 750 kJ/h im Gehen und 1150 kJ/h im Steigen in Abhängigkeit von der Beklei­dung auf die als am behaglichsten empfun­dene Temperatur
auswirken /8/
Wärmeabgabe
an die Umgebung durch:
Verdunstung
Strahlung
Atmung
Bildung von
Schweißtropfen auf
der Hautoberfläche.
Die zur Verduns­­tung
der Schweißtropfen
notwendige Wärme
wird der Haut
entzogen.
Wärme­
bildung
• Kältebereich
• Behaglichkeitsbereich (neutrales
Klima)
• Wärme- oder Hitzebereich
Konvektion
Leitung
Wärmeabgabe durch
Kon­takt mit anderen Körpern.
Wärmeüber­tragung von der
Haut an die Umgebungsluft. Erwärmte
Luft strömt ab, sodass
die nachströmende
Luft sich gleichfalls
erwär­men und ab­strömen kann.
Informationen zu Hitzearbeit, ein­
schließ­lich Messung und Bewertung,
finden sich u. a. in der BG-Information
„Hitzearbeit, Erkennen – beurteilen –
schützen“ (BGI 579) und zu Kältearbeit
in der DIN 33403 oder in /10/.
Bild 4-4: Mechanismen der Wärmeabgabe des menschlichen Körpers
30
Arbeitsumgebung
4.1.1
Thermische Behaglichkeit
Der Mensch empfindet einen Klimazu­
stand als behaglich, wenn die Wärme­
bi­lanz des Körpers ohne verstärkte
Inan­spruchnahme des körpereigenen
Regu­­lationssystems – Schwitzen bei
Wärme, Gänsehaut bei Kälte – ausge­
glichen ist. Das heißt, wenn Personen
weder kältere noch wärmere Verhältnisse wünschen, empfinden sie das Klima
als behaglich. Hierbei sind zusätzlich
die klimatische Anpassung (Akklimatisation), das Alter, das Geschlecht und
die gesundheitliche Verfassung wichtige Einflussgrößen.
Im Sommer liegen die Behaglichkeitstemperaturen infolge der Klimaanpassung 2 bis 3 °C höher als im Winter. Die
relative Luftfeuchtigkeit soll möglichst
um 50 % liegen. Die Temperatur der
umge­benden Flächen soll höchstens
2 bis 3 °C von der Lufttemperatur ab­
weichen. Größere Abweichungen führen zu Unbe­haglichkeit. Die angegebenen Werte gel­ten für den normal bekleideten Menschen.
Deut­lich größere Überein­stimmung mit
einer gegebenen Raum­temperatur wird
durch verschie­dene Bekleidung und
Akklima­tisie­rung erreicht.
Allgemein ist nachgewiesen, dass psychosoziale Faktoren den Stellenwert
des Klimas im Behaglichkeitsbereich
überlagern (nach /9/).
• B
ei fehlender Selbstständigkeit in
der Tätig­keit und geringer Anfor­
derung an geistige Leistung steigen Beschwerden über Befindlich­
keitsstörungen.
Die Beurteilung einer gegebenen Tem­pe­­
ratur durch einen größeren Personen­kreis
unter Versuchsbedingungen zeigt charak­
teristische Unterschiede (Bild 4-5).
• Personen mit einem hohen Maß an
Verantwortung äußern viel weniger
Beschwerden als Personen ohne
eigenen Verantwortungsbereich.
Häufigkeit der Empfindungen in %
90
• A
n Computerarbeitsplätzen mit
ergonomisch negativ bewerteter
Software steigt das Risiko einer
Befindlich­keitsstörung.
70
50
zu kalt
zu warm
30
angenehm
10
202224 26 2830
Raumtemperatur in °C
Bild 4-5: Individuelle Unterschiede im thermischen Empfinden bei Beschäftigten im Büro (nach /8/)
Behaglichkeitsbereiche
Arbeitsschwere
Mindest­
temperatur °C
ArbStättRichtlinie
ASR A 3.5
Trocken­
temperatur
°C
Feucht­
temperatur
°C
Relative
Luftfeuchte
%
Luftgeschwindigkeit
m/s
Normaleffektivtemp. °C
Minimum
Maximum
Minimum
Maximum
Minimum
Maximum
Maximum
Mittelwert
Geistige Tätigkeit im Sitzen, z. B. Büroarbeit,
Überwachungs­tätigkeit
20
20
24
12,5
20
40
70
0,1
19
Tätigkeit im Sitzen, leichte körperliche Arbeit, z. B. Steuertätigkeit, Sortieren kleiner Teile
19
19
24
11,5
20
40
70
0,1
18
Tätigkeit im Stehen, leichte körperliche Arbeit, z. B. Drehen,
Fräsen, Maschinenarbeit
19
17
22
10
18,5
40
70
0,2
15,5
Tätigkeit im Stehen, mittlere körperliche Arbeit, z. B. Montage
17
15
21
7,5
17,5
30
70
0,4
14,5
Schwere körperliche Arbeit, z. B. Gussputzen, Kiesschaufeln,
Transport schwerer Lasten von Hand
12
12
20
5
16,5
30
70
0,5
13,5
Bild 4-6: Mindesttemperatur- und Behaglichkeitsbereiche in Abhängigkeit von der Schwere der körperlichen Arbeit
31
Arbeitsumgebung
4.1.2
Klimasummenmaße
Die Vielzahl der Einflussgrößen führt zu Schwierigkeiten bei
einer Bewertung des Klimas. Damit das Klima mit nur wenigen Angaben beschreibbar wird, sind Klimasummenmaße
erarbeitet worden.
Die Entwicklung der Klimasummenmaße geht auf die Erfahrung des täglichen Lebens zurück, dass sich die Wirkungen
der einzelnen Klimagrößen auf den Menschen gegenseitig
kompensieren können. Steigt z. B. die Lufttemperatur eines
Raumes an, in dem man sich be­haglich fühlt, so bleibt eine
zunehmende Wärmeempfindung aus, wenn die Luft gleich­
zeitig durch einen Ventilator stärker bewegt wird. Entsprechend fühlt man sich auch bei einer Lufttemperatur unterhalb der behaglichen Werte nicht unbehaglich, wenn man
gleichzeitig Strahlungswärme, z. B. von der Sonne her, erhält.
Ein gebräuchliches Klimasummenmaß ist z. B. die NormalEffektiv-Tempe­ratur. Sie wird mit NET abgekürzt und in Grad
Celsius angegeben.
Sie fasst die Faktoren Temperatur, Feuchtigkeit und Geschwindigkeit der Luft in einem Wert zusammen. Bei gleicher
Normal-Effektiv-Temperatur ist mit gleichem Klimaempfinden
bei unter­schiedlichen Klimafaktoren zu rechnen, wenn, wie
sehr häufig anzu­treffen, die Tem­peratur der umge­ben­den
Flächen nur unwesentlich von der Lufttemperatur abweicht.
Einer der neueren Vorschläge, das Klima im neutralen Bereich durch ein Summenmaß anzugeben, ist die psycho­
physika­lische Skala nach Prof. Fanger /11/ und DIN EN ISO
7730. Aus sechs Mess­größen wird ein so genannter PMV-Index gebildet, der sich direkt in die Zufrieden­heit der Nutzer
der Räume umrechnen lässt. Auf der Basis eines umfang­
reichen Daten­mate­rials werden die durch einen Sensor
ermit­telten objek­tiven Klimagrößen mit den Bekleidungsund Aktivitätsgrößen ver­knüpft. Speziell entwickelte Mess­
geräte ge­stat­ten es, un­mittelbar anzu­geben, wie viel Prozent der zu erwar­tenden Be­schäf­tig­ten im Mittel mit einer
gegebenen Klimasituation zufrieden sind. Das Ver­fahren
ermittelt eine objektive Bewertung ohne psycho­soziale Einflüsse.
4.2
Licht und Sehen
Licht gehört wie das Klima und die Qua­lität der Luft zur natürlichen Umwelt des Menschen. Es hat nicht nur direkten Ein­
fluss auf das Sehvermögen, son­dern be­einflusst auch das
vegetative Nerven­system und damit viele Lebens­funk­tio­nen
des Körpers.
Die Lichtwirkungen können damit nicht nur auf die Beleuchtungsstärke und die Erkennbarkeit von Gegen­ständen und
Informationen reduziert werden.
Schon beim ersten Eindruck unter­­scheiden wir mehrere
Lichtqualitäten. Das strahlende Licht eines Schönwetter­tages
hebt unser Wohlbefinden. Sind damit aller­dings stärkere
Wärmeein­wir­kun­gen oder blen­dende Helligkeit verbun­den,
wird die An­re­gung zur Erregung über­stei­gert und trägt nicht
mehr zum Wohl­be­finden bei. An ei­nem trüben Tag fühlen wir
uns viel­fach be­drückt. Wir sind un­ge­duldig, unzu­frieden.
Zwischen übermäßiger Helligkeit und an­haltender Dunkelheit liegt ein Opti­mum. Bedeutung hat auch der Wechsel zwi­
schen Anregung durch die Hellig­keit des Tages und die Beruhigung durch das ge­dämpfte Licht der Dämmerung.
Bild 4-7: Messeinrichtung der Berufsgenossenschaft für Klimamess­un­
gen zur gleichzeitigen Erfassung mehrerer Messgrößen
32
Ausgangspunkt allen Lebens ist das Ta­ges­licht. Auf natürliche Beleuchtung ist der Mensch am besten eingestellt. Tageslicht variiert aber nach Tages- und Jahres­zeit, nach Wetter und geogra­fi­scher Lage. Dies macht künst­liches Licht in
Innen­­räu­men auch tags­über unverzichtbar.
Arbeitsumgebung
Arbeitsräume sollen nach Arbeitsstättenverordnung möglichst ausreichend
Tageslicht erhalten. Dies geschieht am
besten durch eine Mindestfensterfläche in Verbindung mit Sonnenschutz.
Tageslicht kann durch Fenster, aber
auch durch Glasdächer, Lichtkuppeln
und Lichtsysteme eingebracht werden
(Bild 4-9).
Durch kon­struktive Maßnahmen sind zu
vermeiden:
• W
ärmeverluste durch Abstrahlung
im Winter
Bild 4-8: Äußere Prismenstrukturen können
Sonnenlicht nicht nur abschirmen,
sondern gezielt und blendfrei
weiterleiten und verteilen
• Wärmeeintrag durch Sonneneinstrahlung im Sommer
Das Zusammenspiel von Tages- und
künstlichem Licht können Lichtmanage­
ment-Systeme organisieren – z. B. in
der Ausführung als Konstantlichtrege­
lung für ein gleich bleibendes Beleuch­
tungs­niveau aus der Summe von Tagesund Kunst­licht.
Zur optimierten Nutzung des Tageslichts gibt es auch Tageslichtsysteme,
die das Tageslicht kontrolliert in Innenräume lenken, zu hohe Leuchtdichten
vermei­den und die Wärmeeinstrahlung
im Somme regulieren (Bild 4-8).
Bei Konstruktionen mit großen Glas­­flächen ist auf die folgenden sicher­
heits­technischen Anforderungen hinzu­
weisen:
• B
lendung durch direkte Sonneneinstrahlung
Bild 4-9: Fertigungshalle mit hohem Lichtdachanteil
33
Arbeitsumgebung
• ausreichende Stabilität
• gefahrlos zu reinigen
• leicht von einem festen Standplatz aus zu betätigen
Ein beleuchtetes oder selbstleuchtendes Objekt hat eine
Leuchtdichte, ge­messen in Candela/m2. Der aus dem täg­
lichen Sprachgebrauch bekannte Begriff „Helligkeit“ darf damit nicht verwechselt werden. Die gleiche Leucht­dichte, z. B.
die eines brennenden Streichholzes, wird in der Nacht viel
heller empfunden als am Tage.
• beim Öffnen und Schließen keine Verletzungsgefahr
n
ite
ige
Ar
be
30
20
10
A rb
c he
einfa
0,2
0,2
0,5
1,0
2,0 3,0
Arbeitssicherheit
fac
20
he
A rb
eit
Ausgangswert
der Beleuchtungsstärke
en
40
60
80
0,2
0,5
1,0
Abnahme der Unfälle in %
ein
40
30
20
10
2,0 3,0
0,2
0,5
1,0
2,0 3,0
Bild 4-10: Auswirkungen der Beleuchtungsstärke auf Leistung, Ermüdung, Qualität und Arbeitssicherheit (nach /12/)
mögliche Direktblendung
ch
td
i
ch
te
om
str
ht
Lic
34
20
Qualität
Ausgangswert
der Beleuchtungsstärke
iten
rb e
Der Lichtstrom ist ein Maß für die von einer Lampe ausgehende Lichtmenge. Eine 60-Watt-Glühlampe erzeugt einen
höhe­ren Lichtstrom als eine mit 20 Watt. Ent­scheidend für
die Wirk­sam­keit ist die von einer Leuchte erzeugte Lichtstärke in die gewünschte Richtung. Der von einer Lichtquelle ausgehende Lichtstrom, ge­messen in Lumen, erzeugt als
wirksame Lichtstärke auf einer be­leuchteten Fläche die
Beleuchtungsstärke E, die in Lux (lx) gemessen wird
(Bild 4-11). Die erzeugte Beleuch­tungs­stärke nimmt quadratisch mit der Entfer­nung zur Lichtquelle ab. Das mensch­liche
Auge kann Beleuchtungs­stär­ken von 0,2 Lux (klare Mondnacht) bis ca. 100 000 Lux (sonniger Sommer­tag) wahr­
nehmen. Die Beleuchtungs­stärke ist für viele technische
Bereiche normiert.
40
2,0 3,0
A
rige
Im Wellenbereich zwischen 380 nm und 780 nm ist Strahlung
für das menschliche Auge wahrnehmbar. Jede Farbe kann
einer Wellenlänge zugeordnet werden. Wellenbereiche oberhalb von 780 nm sind Wärme- oder Infrarotstrahlung und unterhalb von 380 nm Ultraviolett­strah­lung. Beide werden mit
dem Auge nicht mehr wahrgenommen.
1,0
w ie
sc h
Lichtstrahlung ist ein Teilbereich elektromagnetischer Wellen, der nach Eintritt in das Auge eine Hell- oder Farbemp­
findung hervorruft.
0,5
60
Le
u
Lichttechnische Grundgrößen
n
eite
80
Beleuchtungsstärke in 1000 Lux
Abnahme der Fehler in %
4.2.1
Die Zunahme
der Leistung
ist abhängig
vom Schwierigkeitsgrad
Anteil der Arbeitenden, die sich
ermüdet fühlen in %
40
ier
Die Wirkung höherer Beleuchtungs­stär­ken ist umso größer,
je höher der An­teil der Sehanforderungen und je schwie­riger
die Aufgabe ist. Durch hö­h­ere Be­leuchtungsstärken können
Fehler- so­wie Unfall­häufigkeit gesenkt werden.
Ermüdung
Leistung
hw
In der modernen Arbeitswelt ist das Sehen einer der am
stärksten belasteten Sinnes­kanäle. Einer gut gestalteten
Be­leuchtung kommt daher eine besondere Bedeutung zu.
Wahrnehmung, Konzen­tration und Aufmerksamkeit werden
durch höhere Beleuchtungsstärken ver­bessert und die Leistungsbereitschaft nimmt zu.
sc
• gesichert gegen herabfallende Gegen­stände
Bei der Auswahl einer Lichtquelle sind die Lichtausbeute der
Lampe, gemessen in Lumen pro Watt, der Wirkungsgrad der
Leuchte und die erzeugte Lichtfarbe und Qualität wichtige
Größen. Die Licht­ausbeute einer Glühlampe liegt bei etwa 15
und die einer Leuchtstoff­lampe mit Vorschaltgerät bei etwa
50 Lumen pro Watt. Lichtausbeute und Lichtstrom von Lampen und Lichtstärkeverteilungen von Leuchten werden vom
Hersteller auf Datenblättern angegeben.
Steigerung der Leistung in %
• E
inrichtungen zum Schutz gegen direkte
Sonneneinstrahlung
Beleuchtungsstärke
Reflexionsgrad
Bild 4-11: Zusammenhänge zwischen den Grundgrößen Lichtstrom,
Beleuchtungsstärke, Leucht­dichte und Reflexionsgrad
Arbeitsumgebung
4.2.2
Die Güte einer Beleuchtung
Anforderungen an eine Beleuchtungs­
an­lage haben drei Schwerpunkte
(nach /13/):
• Sehleistung
Beleuchtungsniveau
Blendungsbegrenzung
• Sehkomfort
Leuchtdichteverteilung
Kontrastwiedergabe
Farbwiedergabe
• visuelles Ambiente
Lichtfarbe
Lichtrichtung
Schattigkeit
Die Größen Beleuchtungsniveau, Blendungsbegrenzung und Leuchtdichte­
ver­teilung sind bei der Planung und
Aus­führung einer Beleuchtungsanlage
von vorrangiger Bedeutung. Wahr­neh­
mung, Konzentration und Aufmerk­
sam­keit werden dadurch besonders
be­ein­flusst. Nur bei Beachtung aller Ein­fluss­faktoren kann eine gute
Beleuch­tungsqualität erreicht werden.
Beleuchtungsniveau bzw. -stärke
Mit steigender Beleuchtungsstärke wird
sowohl die Sehleistung als auch die
Aufmerksamkeit, Wachsamkeit und
Konzentration erhöht. Die Höhe der
erforder­lichen Beleuchtungsstärke für
eine Tätigkeit oder Art des Raumes richtet sich nach der Sehaufgabe.
Art des Raumes bzw. Tätigkeit (Beispiele)
Beleuchtungsstärke
in Lux (lx)
Die Beleuchtungsstärke in einem Raum
oder einer Raumzone ist abhängig von
der Anordnung der vorhandenen Leuchten. Deshalb ist die Beleuchtungs­stärke
nicht an jeder Stelle eines Raumes
gleich groß.
Damit die Unterschiede der Beleuchtungsstärken nicht zu groß werden,
soll­ten die Beleuchtungsstärken an keinem Arbeitsplatz des Raumes oder der
Raumzone kleiner als 60 % des niedrigsten Wertes der Beleuchtungsstärke
im mittleren Bereich der Hauptsehaufgabe sein.
Zum gefahrlosen Verlassen von Räumen und Arbeitsplätzen müssen bei
Ausfall der Allgemeinbeleuchtung folgende Mindestbeleuchtungsstärken
vorhanden sein:
• Fluchtwege 1 lx
• Verkehrsflächen und Flure
• Pausenräume
• Vorrats- und Lagerräume (nicht ständig besetzt)
100
• Laderampen und Ladebereiche
• Fahrwege mit Personenverkehr
• Leitstände
150
• Arbeitsplätze mit besonderen Unfallgefahren 10 % der Allgemeinbeleuchtungsstärke, mindestens 15 lx.
• grobe Montagearbeiten
• Gussputzerei, Maschinenformerei, Sandaufbereitung
• Verarbeiten von schweren Blechen (ab 5 mm)
• Schalterräume und haustechnische Anlagen
• Freiformschmieden
• Kantinen, Teeküchen
• Garderoben, Waschräume, Toiletten, Bäder
200
Leuchtdichteverteilung
• mittelfeine Montagearbeiten
• Verarbeiten von leichten Blechen (bis 5 mm)
• Versand- und Verpackungsbereiche
• grobe und mittlere Maschinenarbeiten (Toleranzen ab 0,1 mm)
• Galvanisieren
• Schweißen, Gesenkschmieden, Hand- und Kernformerei
• Steuerstände in Walz-, Hütten- und Stahlwerken
• Produktionsanlagen mit ständigen manuellen Eingriffen
300
• feine Maschinenarbeiten, Schleifen (Toleranzen unter 0,1 mm)
• feine Montagearbeiten
• Karosseriebau und Montage
500
• Oberflächenbearbeitung und Lackierung
• sehr feine Montagearbeiten,
• Herstellen von Werkzeugen und Schneidwaren
• Lackier-, Spritz- und Schleifkabinen im Automobilbau
• Anreißen und Kontrolle
750
• Lackieren: Ausbessern und Inspektion im Automobilbau
• Werkzeug-, Lehren- und Vorrichtungsbau
• Präzisions- und Mikromechanik
1000
Bild 4-12: Erforderliche Beleuchtungsstärke nach der technischen Regel für Arbeitsstätten
ASR 3.4 (Beispiele)
Die Leuchtdichte ist der Helligkeitsein­
druck einer selbstleuchtenden oder
Licht reflek­tieren­den Fläche. Bei Licht
reflek­tie­ren­den Flächen ist die Leucht­
dichte ab­hängig von der Beleuch­tungs­
stärke sowie vom Reflexions­grad und
Glanzgrad der Oberfläche.
Da sich die Empfindlichkeit des Auges
entsprechend der vorhandenen Leucht­
dichten im Gesichtsfeld anpasst, sollten die Unterschiede der Leucht­dichten
im Gesichtsfeld (Kontraste) nicht zu
groß sein. Bei häufigem Wech­sel zwischen sehr hellen und sehr dunk­len
Flächen (große Kontraste) wird das
Auge durch ständiges Ändern der Empfindlichkeit stark belastet.
Deshalb sollte der Unterschied der
Leuchtdichte am Arbeitsplatz nicht
größer als 3:1 und im weiteren Umfeld
nicht größer als 10:1 sein.
35
Arbeitsumgebung
Raumbegrenzungsfläche
Reflexionsgrad
Decke
0,6–0,9
Wände
0,3–0,8
Boden
0,1–0,5
Möbel
0,2–0,5
Maschinen, Apparate
0,3–0,5
Arbeitstischoberflächen
0,2–0,6
Bild 4-13: Empfohlene Reflexionsgrade von
Flächen in Arbeitsräumen
α
Reflexblendung
Direktblendung
Mindestabschirmwinkel α
Lampenleuchtdichte in kcd/m2
Lampentyp
α
20–50
Leuchtstofflampen (high output)
und Kompaktleuchtstofflampen
15°
50–100
Hochdruckentladungs­lampen
Glühlampem mit mattierten
Kolben
20°
über 500
Hochdruckentladungs­lampen
mit klarem Kolben
30°
Bild 4-15: Zur Begrenzung der Blendung ist ein Mindestabschirmwinkel einzuhalten
Bild 4-14: Unterschiede in der Leuchtdichte
am Arbeitsplatz;
oben: Kontrast weich, flau,
unbefriedigend
Mitte: Kontrast 1:3 bis 3:1,
ausgewogen
unten: Kontrast größer als 3:1, hart
Große Unterschiede der Leuchtdichten
im Blickfeld führen zur Blendung. Durch
Blendung wird die Sehleistung herab­
gesetzt, das Wohlbefinden beeinträch­
tigt und die Ermüdung gefördert.
Das Blendempfinden hängt von der
Größe der leuchtenden Flächen und
dem Winkel zwischen Blickrichtung und
Blendquelle ab.
Direktblendung wird von Leuchten und
anderen Flächen mit hoher Leuchtdichte, z. B. Sonneneinstrahlung in Fens­ter,
36
ver­ursacht. Reflexblendung entsteht
durch Spiegelung auf glänzen­den Flächen, z. B. auf Bildschirmen, Kunstdruckpapier oder auch auf nassen Straßen.
Indirekte Beleuchtung kann wegen
ihrer Schattenarmut ebenso unangenehm empfunden werden, wie direkte
Beleuch­tung mit z. B. nur einer Lichtquelle und harten Schlagschatten.
Entsprechend der Art des Raumes oder
der Tätigkeit sind bestimmte Güten für
die Blendungsbegrenzung erforder­lich.
Direktblendung lässt sich durch abge­
schirmte Lampen und abgedunkel­te
Fenster vermeiden.
Anzustreben sind ausgewogene Schatten mit weichen Rändern. Dabei sollte der Hauptanteil des Lichtes wie bei
natür­lichem Licht seitlich von oben einfallen. Ein geringerer Teil sollte durch
Wand- und Deckenreflexion indirekt
erzeugt werden.
Vor Reflexblendungen schützen die
rich­tige Anordnung der Leuchten im
Raum und die Verwendung matter
Oberflächen.
Nur für Sonderfälle, z. B. Fehlerkontrolle auf Gewebestrukturen, ist stark ge­
richte­tes Licht mit harten Schatten erforderlich.
Leuchten sind durch Reflektoren, Raster
u. Ä. in ihrer Blendwirkung zu begrenzen. Hierbei ist ein Mindestab­schirm­
winkel einzuhalten.
Lichtrichtung und Schattigkeit
Anzahl, Verteilung und Anordnung
der Leuchten im Raum bestimmen neben der Beleuchtungsstärke auch die
Lichtrich­tung und die Schattigkeit.
Zur guten Er­kenn­barkeit von Körpern
und ihrer Flächen im Raum muss eine
ausreichen­de Schat­tenwirkung durch
die Licht­quellen erzielt werden.
Farbwiedergabe und Lichtfarbe
Natürliches Licht enthält Anteile ver­
schie­dener Wellenlängen, die, wie beim
Regenbogen, nach Durchgang durch ein
Prisma als Farben sichtbar werden.
Das Licht künstlicher Lichtquellen
weicht in seiner Farbzusammensetzung
von der des Sonnenlichtes ab. Je nach­
dem, welche Farbanteile überwiegen,
wirkt weißes Licht der Glühlampe gelb­
lich-warm oder der Queck­silberdampf­
hochdrucklampe bläulich-kalt.
Arbeitsumgebung
Glühlampe
Leuchtstofflampe
Quecksilberdampfhochdrucklampe
Natriumdampf­
hochdrucklampe
Für Büroräume, Produktionsstätten,
Räume zur Erholung und Entspannung
wird warmweiße Beleuchtung, für Farb­
prüfung und Qualitätskontrolle mit hohen Beleuchtungsstärken tageslicht­
weiße Beleuchtung bevorzugt.
Die Lichtfarbe und die Farbzusammen­
setzung des weißen Lichtes beeinflussen nicht nur seine psychische
Wirkung, z. B. Entspannung oder Aufmerksamkeit, sondern auch die Farbwiedergabe.
Bild 4-16: Der Farbeindruck bei Beleuchtung durch verschiedene Lampentypen
Farbe
Distanzwirkung
Temperaturwirkung
Psychische Stimmung
Entfernung
kalt
beruhigend
Entfernung
sehr kalt bis neutral
sehr beruhigend
Nähe
warm
sehr aufreizend, beunruhigend
sehr nahe
sehr warm
anregend
Nähe
sehr warm
anregend
sehr nahe, einengend
neutral
anregend
sehr nahe
kalt
aggressiv, beunruhigend, entmutigend
Bild 4-17: Psychologische Wirkung von Farben
Eine rote Fläche wird als „rot“ erkannt,
weil nur diese Wellenlänge reflektiert
und alle übri­gen absorbiert werden.
Enthält die Licht­quelle aber nur einen
geringen Rot­anteil, kann auch nur wenig Rot reflektiert werden.
Das farbige Aussehen beleuchteter Gegenstände ist damit abhängig von ihren
Kör­perfarben und den Farbwiedergabe­
eigen­schaften der Lampen.
4.2.3
Farbgebung im Arbeitsraum
Die Farbigkeit eines Raumes hat vielfältige Rückwirkungen auf die Nutzer.
Helle Farben wirken leicht, freundlich,
auf­h eiternd. Sie verbreiten mehr Licht
und hellen die Räume auf. Dunkle Farben wirken bedrückend und entmutigend.
Bild 4-18: Beispiel für die Farbgestaltung der Feuerbeschichtungsanlage FB8 in Duisburg gestaltet durch das Studio von Garnier
Bild 4-19: Beispiel für die Detailgestaltungen
in Produktionsbereichen der Fa.
Rasselstein in Andernach gestaltet
durch das Studio von Garnier
37
Arbeitsumgebung
Monotone Arbeit erfordert einige anregende Farbelemente,
z. B. an Säulen, Türen oder Trennwänden.
Bei hohen Anforderungen an die Konzentra­tion müssen Ablenkungen und Beunruhigung vermieden werden. Es sollten
hier helle, unauffällige Farben verwendet werden.
Zum Erleichtern der Orientierung und zum visuellen Erfassen des Arbeitsgutes sollte zur Umgebung ein Farbkontrast
bestehen. Bei größeren Flächen ist zu beachten, dass keine starken Helligkeitskontraste auftreten und keine leuch­
tenden Farben eingesetzt werden.
Wichtige Griffe, Hebel o. Ä. sollten mit hervorstechenden Farben als Blickfang gestaltet werden. Ein solches Maschi­nen­
teil ist besser sichtbar, die Zeit zur Erfas­sung einer Sehaufgabe wird ver­kürzt, eine Ablenkung durch Suchen ver­mindert.
Eine Beschränkung auf 3 bis max. 5 Blickfänge an einem
Arbeitsplatz ist zu emp­fehlen. Der größte Kontrast wird zwischen gelb und schwarz erzielt
4.3
Lärm
Lärm ist Schall, der stören, belästigen, die Gesundheit schädigen oder zu Unfallgefahren führen kann. Die wichtigste
Auswirkung von Lärm ist der bleibende Gehörschaden. In
Deutschland steht die Lärmschwerhörigkeit bei den anerkannten Berufskrankheiten an erster Stelle.
Gefährdungen durch Lärm betreffen nicht nur Schädigungen
des Hörorgans, sondern auch nicht über das Gehör wirkende Reaktionen. Diese werden als extraaurale Wirkungen bezeichneten.
Psychische Wirkungen in Form von:
•
innerer Anspannung
•
Reizbarkeit bis Aggressivität
•Konzentrationsstörungen
•Nervosität
Vegetative Reaktionen wie:
•vermehrte Ausschüttung von Stresshormonen
•Veränderung der Herzschlagfrequenz,
Steigerung des Blutdrucks
•
Anspannung der Muskulatur
•Reduzierung der Magen- und Darmaktivität
•schlechte Tiefensehschärfe und schlechtes räumliches
Sehen, Gesichtsfeldeinengung
•verzögerte Signalverarbeitung im Gehirn
Leistungsminderungen durch:
•Herabsetzung der Aufmerksamkeit und Konzentration
•Verlangsamung von Denkprozessen
•
Verminderung des Handgeschicks
•
Verminderung der Reaktionsleistung
Bild 4-20: Übersicht zu den extraauralen Lärmwirkungen
38
Die Messgröße für Lärm ist der Schalldruckpegel. Die Messung und Beurteilung des Lärms erfolgt für repräsentative
Zeitabschnitte und Arbeitsabläufe. Die Dauer und die Intensität der Geräusche werden berücksichtigt. Daraus wird der
energieäquivalente Dauerschallpegel bezogen auf eine Arbeitsschicht von 8 Stunden ermittelt und als Tages-Lärmexpositionspegel (LEX,8h) für Vergleiche mit den Auslösewerten
benutzt.
Da sich der messbare Schalldruck über einen sehr großen
Bereich erstreckt, wird der Lärm durch ein logarithmisches
Maß in Dezibel (dB) angegeben. Dieses Maß führt z. B. dazu,
dass die Halbierung der Einwirkzeit in Verbindung mit der
Pegelerhöhung von 3 dB den gleichen energieäquivalenten
Dauerschallpegel ergibt.
Schalldruckpegel in dB(A)
Einwirkzeit
Energieäquivalenter Dauerschallpegel
über 8 h (Tages-Lärmexpositionspegel)
in dB(A)
85
8h
85
88
4h
85
91
2h
85
94
1h
85
97
30 min
85
100
15 min
85
103
7,5 min
85
Bild 4-21: Beispiele für die logarithmische Pegeladdition. Bei einer
Erhöhung des Lärmpegels um 3 db(A) wird der Grenzwert
schon in der halben Zeit erreicht
Die Hörempfindung ist zusätzlich von der Frequenzzusammensetzung des Lärmes abhängig. Der Mensch nimmt hohe
Töne lauter wahr als tiefe. Soll das Ergebnis von Geräuschmessungen dem Empfinden des menschlichen Ohres entsprechen, müssen die Frequenzbereiche entsprechend bewertet werden. Dies geschieht in den Schallpegel-Messgeräten durch genormte elektronische Filter. Im Arbeitsschutz
wird vornehmlich das A-Filter verwendet. Der Schalldruckpegel wird dann als A-bewertet bezeichnet und in dB(A) angegeben.
Faustregel:
3 dB(A) Zunahme bedeutet Verdopplung der Gehörgefährdung
3 dB(A) Abnahme bedeutet Halbierung der Gehörgefährdung
Bei langjähriger Lärmeinwirkung ab 85 dB(A) besteht ein erhöhtes Gehörschadensrisiko.
Arbeitsumgebung
Vegetative, d. h. physiologische Reaktionen verschiedener Organsysteme
werden schon bei Schallpegeln ab etwa 60 dB(A) und psychische Wirkungen
ab etwa 30 dB(A) beobachtet, wobei
auf dem Umweg über das Bewusstsein
schon hier physiologische Rückwirkungen möglich sind.
Auslösewerte
Erforderliche Maßnahmen
Untere
Auslösewerte
LEX, 8h = 80 dB(A)
LpC, peak = 135 dB(C)
– Lärmschutzmaßnahmen durchführen
– Gehörschutz zur Verfügung stellen
– Beschäftigte unterweisen
– Beschäftigte arbeitsmedizinisch beraten
– Arbeitsmedizinische Vorsorgeuntersuchungen
anbieten
Obere
Auslösewerte
LEX, 8h = 85 dB(A)
LpC, peak = 137 dB(C)
Zusätzliche Maßnahmen:
– Kennzeichnung, Abgrenzung und Zugangs­
beschränkung der Arbeitsbereiche
– Lärmminderungsprogramm ausarbeiten und durchführen
– Gehörschutz-Tragepflicht
– Arbeitsmedizinische Vorsorgeuntersuchungen veranlassen
Dass Lärm am Arbeitsplatz als ein Risikofaktor die Entstehung von HerzKreislauf-Erkrankungen begünstigt,
erscheint derzeit wahrscheinlich.
Die Belastungshöhe lässt sich mit kleinen handlichen Schallpegelmessern
ermitteln. Möglich ist eine orts- oder
personenbezogene Messung und Beurteilung, womit den individuellen Belastungen Rechnung getragen werden
kann.
Bild 4-23: Auslösewerte und erforderliche Maßnahmen gemäß Lärm- und Vibrations-Arbeitsschutzverordnung
Bild 4-24: Beispiele für Gehörschutzstöpsel und -kapseln
Bild 4-22: Schallpegelmesser mit Kalibrator
Um den negativen Auswirkungen des
Lärms zu begegnen, wurden verschie­
dene Vorschriften für den Arbeits­schutz
und zum Schutz Dritter (Nach­barschaft)
erlassen. Danach sind Auslösewerte
der Lärmeinwirkung am Arbeitsplatz
einzuhalten bzw. Maßnahmen umzusetzen.
Zum Schutz der Beschäftigten vor
Ge­fährdungen ihrer Gesundheit und Si­
cher­heit durch Lärm bei der Arbeit gilt
die Lärm- und Vibrations-Arbeitsschutz­
ver­ordnung.
Es werden Auslösewerte für die Arbeitsschicht und eine Spitzenbegrenzung für
kurze Schallereignisse angegeben, da
schon eine kurze Einwirkung eines hohen Schalldruckpegels das Gehör schädigen kann.
die Schallemission und den erreichten
Stand der Lärmminderung enthalten.
Die Arbeitsstättenverordnung fordert
den Schallpegel so niedrig zu halten,
wie es nach Art des Be­triebes möglich
ist.
• Gehörschutzstöpsel oder Otho­
plastiken (individuell angefertigter
Gehörschutz), die im Gehörgang
oder in der Ohrmuschel getragen
werden
Technische Schutzmaßnahmen konzentrieren sich je nach der Problem­lage auf
• alternative Arbeitsverfahren und
lärmarme Arbeitsmittel
• lärmmindernde Gestaltung der
Arbeitsstätte
• Kapselung von Lärmquellen und
Abschirmungen
Nach der 3. und 9. Verordnung zum
Produktsicherheitsgesetz muss die
Betriebsanleitung Informationen über
Ein geeigneter Typ von Gehörschutz ist
nach der Höhe der Lärmeinwirkung und
dem Frequenzspektrum auszuwählen:
• K
apselgehörschützer, die über das
Ohr gesetzt werden
Das Tragen von Gehörschutz ent­bindet
den Unternehmer nicht davon, ein Programm zur Lärmminderung aufzu­stel­len
und technische Lärmschutz­maßnah­
men durchzuführen.
Um­fang­reichere Angaben zu Grundlagen, Messung und Lärmschutz enthält
die BG-Infor­mation „Lärm am Arbeits­
platz in der Metall-Industrie“ (BGI 688).
39
Arbeitsumgebung
Hand-Arm-Vibrationen werden beim Arbeiten, z. B. mit Meißel- oder Bohr­häm­
mern und Handschleif­maschinen, in
das Hand-Arm-System eingeleitet und
können zu Knochen- und Gelenkschä­
den, Durchblutungsstörungen und
Nervenfunktions­störungen der oberen
Gliedmaßen führen.
Ganzkörper-Vibrationen werden über
die Füße des stehenden Menschen
oder über das Gesäß des sitzenden
Menschen eingeleitet. Sie können neben Wirbelsäulenschäden u. a. Störungen des Wohlbefindens (z. B. See­­
krankheit bei tieffrequenten Schwin­
gun­­gen), Ermüdungserschei­nungen,
Kon­­zentrationsschwäche und Seh­stö­
rungen verursachen.
Zur Beurteilung der Gesundheitsgefahren sind Einflussgrößen wie Frequenz,
Inten­sität, Richtung und Dauer der Einwirkung zu er­mitteln.
Hauptkenngröße ist die frequenzbe­wer­
tete Beschleunigung. Diese kann mess­
technisch ermittelt oder aus Datenbanken sowie Herstellerangaben entnommen werden.
Handgeführte Maschinen oder Fahrzeuge erzeugen in Frequenz und Schwingbeschleunigung typenspezifische
Schwin­gungen. Unterschiede ergeben
sich durch Besonderheiten der Kon­
s­truk­tion, Qualität der Ferti­gung und
Erhaltungs­zustand.
40
Nicht jeder praktisch vorkommende Fall
macht eine Messung erforderlich. Ausgehend davon, dass einerseits nur wenige Betriebe und Einrichtungen über
messtechnische Erfahrungen verfügen
und Schwingungsmessungen im Allgemeinen zeitaufwendig sind, erfolgt
die Gefährdungsbeurteilung durch die
Verwendung von Datensammlungen für
Schwingstärken der unterschiedlich­
sten Arbeitsmittel.
Bei Vibrationssbelastungen oberhalb
der Auslösewerte (gelber Bereich)
sind zur Vermeidung gesundheitlicher
Schäden Präventionsmaßnahmen angezeigt. Bei Belastungen oberhalb der
Grenzwerte ist mit einer deutlichen
Gefährdung zu rechnen (roter Bereich).
Einwirkungen oberhalb des Grenzwertes (roter Bereich) sind nicht zulässig.
Portalstapler
n = 20 und 21
Gabel-, Gelände-,
Querstapler
n = 272 und 448
Schubmast-,
Regal- und
Vierwegestapler
n = 54 und 63
NiederhubwagenToplader
n = 13 und 14
Sitzmontage Sitzfläche
In Abhängigkeit von der Einwirkstelle der Schwingungen spricht man von
Hand-Arm-Vibrationen und GanzkörperVibrationen.
x
y
z
Sitzmontage Sitzfläche
Vibrationen, auch als mechanische
Schwingungen bezeichnet, wirken vorwiegend über handgehaltene Werkzeuge und Fahrersitze auf den Menschen
ein.
Aus der frequenzbewerte­ten Beschleunigung und der täglichen Einwir­
kungsdauer lässt sich der TagesVibrations­expositionswert A(8) bezogen auf eine Arbeits­schicht ermitteln.
Er dient der Abschät­zung für das mögliche Auftreten einer Gesundheitsge­
fährdung.
x
y
z
Sitzmontage Sitzfläche
Mechanische
Schwin­gungen
x
y
z
Sitzmontage Sitzfläche
4.4
x
y
z
Wird bei einer Gefährdungsbeurteilung eine Gefährdung durch Vibration
festgestellt, fordert die Lärm- und Vi­
brations-Arbeitsschutzverordnung beispielsweise folgende Maßnahmen:
x
y
z
x
y
z
x
y
z
x
y
z
αWG
0
5
10
15
20
25
K-Wert
30
35
40
45
50
Bild 4-25: Beispiel für eine Zusammenstellung von Kennwerten für Schwingungen aus dem
BGIA-Report 6/2006. Der Report enthält auch zahlreiche aktuelle Werte für Schwingbeschleunigungen bei hand­geführten Geräten
Arbeitsumgebung
• alternative Arbeitsverfahren prüfen
• Berücksichtigung der Vibrationswerte (Pflichtangabe in der Betriebsanleitung) bei der Kaufentscheidung
Auslöse-/
Expositionsgrenzwerte
Art der Schwingung
Erforderliche Maßnahmen
Auslösewert
A(8)
Hand-Arm-Vibration
2,5 m/s2
Ganzkörper-Vibration
0,5 m/s2
Expositionsgrenzwert
A(8)
Hand-Arm-Vibration
5 m/s2
Ganzkörper-Vibration
0,8 m/s2 in
z-Richtung
1,15 m/s2
in x-/yRichtung
• Beschaffung zusätzlicher Ausrüstung oder technische Maßnahmen
zur Vibrationsminderung
• Sicherung planmäßiger Wartungsarbeiten zur Vibrationsminderung
• organisatorische Maßnahmen zur
Verkürzung der Einwirkzeiten
Zur Minderung mechanischer Schwingungen gibt es u. a. folgende Maßnahmen:
– Sachgerechte Ermittlung und Bewertung
der Risiken
– Vibrationsminderungsprogramm technischer und organisatorischer Maßnahmen ausarbeiten und durchführen
– Beschäftigte unterweisen
– Beschäftgite arbeitsmedizinisch
beraten
– Arbeitsmedizinische Vorsorgeuntersuchungen anbieten
Zulässige Maßnahmen:
–S
chutzmaßnahmen nach dem Stand
der Technik und gegebenenfalls weitere
Maßnahmen durchführen
– Arbeitsmedizinische Vorsorgeuntersuchungen veranlassen
Bild 4-26: Auslöse- und Expositionsgrenzwerte und erforderliche Maßnahmen gemäß Lärm- und
Vibrations-Arbeitsschutzverordnung
• schwingungsisolierte Aufstellung
von Maschinen
• Schwingsitze mit Einstellmöglichkeiten auf das Fahrergewicht
• vibrationsgeminderte Handgriffe an
Elektro- und Druckluftwerkzeugen
• Beseitigung unebener Fahrbahnen
und das Verhindern von Stößen
• luftbereifte Räder
• schwingungsisolierte Kabinen
Mit diesen Maßnahmen wird in den
meisten Fällen gleichzeitig eine längere
Lebensdauer der Maschinen und Fahrzeuge erzielt.
Als persönliche Schutzausrüstungen
können für die Minderung hochfrequen­
ter Schwingungsbelastungen eventuell
Anti-Vibrationshandschuhe geeignet
sein. Eine Positivliste mit geprüften
Anti-Vibrationshandschuhen hat das
Institut für Arbeitsschutz der Deutschen
Gesetzlichen Unfallversicherung in St.
Augustin erstellt.
Bild 4-27: Gesundheitsgefährdung bei Ganzkörper-Vibration in Abhängigkeit von Beschleunigung und täglicher Einwirkdauer mit Grenz- und Auslösewerten nach der Lärm- und
Vibrations-Arbeitsschutzverordnung
41
Arbeitsumgebung
aktive Schwingungsminderung
an der Maschine
passive Schwingungsminderung
am Aufenthaltsort des Menschen
Bild 4-28:Aktive und passive Schwingungsminderung durch Systeme aus Federn und Dämpfern
Gesetz
Angaben in der Betriebsanleitung
Hand-Arm-Schwingungen
9. ProdSV
Gewichteter Effektivwert der Beschleunigung, falls der Wert über 2,5 m/s2 liegt. Wird dieser Wert nicht
überschritten, so ist dies anzugeben (handgehaltene und handgeführte Maschinen, bewegliche
Maschinen).
Ganzkörper-Schwingungen
9. ProdSV
Gewichteter Effektivwert der Beschleunigung, falls der Wert über 0,5 m/s2 liegt. Wird dieser Wert nicht
überschritten, so ist dies anzugeben (bewegliche Maschinen).
Bild 4-29: Notwendige Angaben in der Betriebsanleitung nach 9. Verordnung zum Produktsicherheitsgesetz
Gedämpfte
Vibration am Sitz
Einwirkende
Vibration
Bild 4-30: Anti-Vibrationshandschuh für den Einsatz bei hochfrequen­
ten Schwingungen
42
Bild 4-31: Durch Schwingsitze mit einem Feder-Dämpfer-System ist
eine deutliche Vibrationsminderung zu erreichen (auf richtige Gewichtseinstellung achten)
Physische Belastungen
5. Physische Belastungen
Jede Stufe in der technischen Entwicklung bringt neue Formen der Belastung mit. Der traditionelle Begriff der körperlich schweren Arbeit reicht zur Beschrei­bung moderner Belastungen allein nicht aus. Schwerpunkte aus heutiger Sicht
sind:
• der Geschwindigkeit der Bewegung
• Handhabung von Lasten
sowie von der körperlichen Konstitution und Verfassung abhängig. Auch klimatische Einflüsse sind zu berücksichtigen.
Die Fähigkeit zum Erbringen von körperlichen Leistungen ist
trainierbar.
• erzwungene Körperhaltungen
• der Häufigkeit der Bewegungen
• der Größe der aufzubringenden Kraft
• häufig wiederkehrender Einsatz kleiner Muskelgruppen
• Bewegung unter ungünstigen räumlichen Bedingungen
• überhöhter Kraftaufwand, vor allem bei handwerklichen
Tätigkeiten
Bedeutsam sind größere körperliche Belas­tungen auch
dann, wenn sie nur selten oder in Ausnahmefällen auf­treten.
Gewöhnlich sind bei seltenen Anforderungen die technischen Hilfsmittel mangelhaft oder gar nicht vorhanden sowie
Übung und Erfahrung gering.
Der Energieumsatz ist über den Sauerstoffverbrauch oder
über die Herzschlagfrequenz bestimmbar. Zur vereinfachten
Abschätzung wird in der Praxis auf vorliegende Vergleichswerte oder eine Berechnungen aus Einzeltätigkeiten zurückgegriffen.
Herzschlagfrequenz
Belastung > DLG
Belastung = DLG
Belastung < DLG
Körperliche Beanspruchungen betreffen hauptsächlich drei
Fälle:
• Skelettbeanspruchung
kann Verschleiß von Lenden- und Hals­wirbelsäule sowie
an Knie-, Hand-, Arm- und Schultergelenken, einschließlich Sehnen und Muskelansätzen, bewirken.
• Kreislaufbeanspruchung
führt zum Ansteigen der Herzschlag- und Atemfrequenz
sowie des Energie- und Sauerstoffbedarfs.
• Muskelbeanspruchung
führt zur Ermüdung des Muskels.
Diese Beanspruchungen treten gleichzeitig auf. Gesundheitsschäden durch Kreis­lauf- und Muskelbeanspruchungen
sind eher eine Ausnahme. Schäden durch Verschleißerscheinungen am Skelett, insbesondere sowohl im Lendenwirbelals auch im Hals­wirbelsäulen­be­reich, er­reichen dagegen
eine volks­wirt­schaft­lich bedeutsame Größen­ordnung.
Schwere körperliche Arbeit
Der Begriff der schweren körperlichen Arbeit wird in der Regel im Zusammenhang mit erhöhtem Energieaufwand bei der
Ausführung einer Tätigkeit verwendet.
Die erlebte Beanspruchung ist von:
• der Größe der bewegten Muskelmassen
Erholungspuls­
summe
in Ruhe
Belastung
Erholung
Zeit
DLG = Dauerleistungsgrenze
Bild 5-1: Verhalten der Herzschlagfrequenz bei Belastung
Für die Schwere einer körperlichen Arbeit existiert eine
Dauerleistungsgrenze (DLG). Sie ist erreicht, wenn die Herzschlagfrequenz bei Fortführung der gleichen Arbeits­leistung
nicht mehr ansteigt. Eine Arbeits­herzfrequenz von
ca. 110/min gilt bei Männern und Frauen als Grenze der Dauerleistungsfähigkeit. Sie liegt etwa bei 30 bis 40 Herzschlägen/min über der Ruhefrequenz. Bei kontinuierlicher Aufzeichnung der Herzschlagfrequenz ist die individuelle Dauerleistungsgrenze dann erreicht, wenn bei Fortführung der
Belastung die Herzschlagfrequenz nicht mehr ansteigt. Die
Anzahl der Herzschläge bis zum Erreichen der Ruhewerte im
Verlauf der Erholung heißt Erholungspulssumme. Im Bereich
der Dauerleistungsgrenze beträgt sie etwa 100 Schläge. Eine
niedrige Erholungspulssumme spricht für eine gute körperliche Kondition (Bild 5-1).
Der individuelle Energieumsatz kann, abhängig von der körperlichen Belastung, in weiten Grenzen schwanken. Nur ein
begrenzter Teil steht für regelmäßig auszuführende Arbeit zur
Verfügung. Kurzzeitig kann der Energieumsatz erheblich über
der Dauerleistungsgrenze liegen.
43
Zur Klassifizierung der Arbeitsschwere
im Beruf wurden Bereiche der Arbeitsschwere definiert. Solche Eingruppierungen der Schwere der körperlichen Arbeit
bezogen auf die Herzschlagfrequenz
oder den Energieumsatz gemessen pro
Minute oder pro Arbeitsschicht haben
weitgehend an Bekanntheit verloren. Für
eine Reihe von Arbeits­plätzen sind sie
weiterhin von Bedeutung, besonders bei
zusätzlicher Hitzeeinwirkung (Bild 5-2).
5.1
Tagesenergieumsatz
in kJ pro 24 Stunden
45000
40000
35000
Handhaben von Lasten
30000
25000
Grenze der Energieaufnahme
(23000 kJ)
15000
Lasten werden immer dann mit
mensch­licher Kraft bewegt, wenn der
Arbeitsvorgang entweder nur gelegentlich auszuführen ist oder maschinell
nicht wirtschaftlich aus­geführt werden
kann. Die Handhabung erfolgt am häufigsten durch Heben, Tragen, Absetzen,
Schieben, Ziehen oder Halten.
Beim Handhaben von Lasten werden
das Muskel-Skelett-System, das HerzKreislauf-System und bei Frauen die
Muskulatur des Beckenbodens besonders beansprucht.
Den Schutz der Beschäftigten gegen
Gefährdungen bei der manuellen Handhabung von Lasten regelt die „Verordnung über Sicherheit und Gesundheitsschutz bei der manuellen Handhabung
von Lasten bei der Arbeit“ (Lastenhandhabungsverordnung).
Die Handhabung muss so gestaltet
sein, dass durch den Druck auf die
Bandscheiben und die Häufigkeit ihrer
Belastung die Grenzen der Erträglichkeit nicht überschritten werden.
Die körperliche Eignung und der Gesundheitszustand der Beschäftigten
müssen berücksichtigt werden.
Unterweisungen über Gesundheitsgefahren und Schutzmaßnahmen müssen vorgenommen werden. Training
und Ausbildung der Beschäftigten über
Heben und Tragen ist bei Bedarf erforderlich.
44
10000
5000
1 kJ = 0,24 kcal
1 kcal = 4,2 kJ
Höchstleistungen pro Tag
(42000 kJ)
Saisonarbeit über Wochen
(30000 kJ)
20000
Arbeitsenergieumsatz
in kJ pro Schicht
10400
8400
6300
4200
Dauerleistungsgrenze
(18000 kJ)
2000
einfache Lebensfunktionen
(10000 kJ)
0
sehr schwer
schwer
mittelschwer
leicht
sehr leicht
Grundumsatz:
Männer: 5500-8500 kJ, Frauen: 5300-7100 kJ
Bild 5-2: Bereich des Energieumsatzes pro Tag und pro Arbeitsschicht
Auszüge aus der Verordnung:
• Der Arbeitgeber hat organisatorische
oder geeignete technische Maßnah­
men zu treffen, um eine gefährdende
manu­elle Handhabung von Lasten
zu vermei­den. Können diese nicht
vermieden werden, sind die Bedingungen entspre­chend den Forderungen im Anhang der Verordnung zu
be­urteilen. Hieraus sind auch geeignete Maßnahmen abzu­leiten, um
eine Gefährdung mög­lichst gering zu
halten.
• Bei der Übertragung von Aufgaben
hat der Unternehmer die körperliche
Eignung zu berücksichtigen.
• Der Arbeitgeber hat die Beschäftigten über die sachgemäße Handhabung von Lasten und über mögliche
weitere Gefahren zu unterweisen.
Die Höhe der Beanspruchung des Menschen hängt insbesondere ab von
Last
Arbeitsaufgabe
Arbeitsplatz, Arbeitsumgebung
• Gewicht, Form, Größe
•e
rforderliche Körperhaltung oder
Körperbewegung, insbesondere
Drehbewegung
• i n vertikaler Richtung zur
Verfügung stehender Platz und
Raum
•E
ntfernung der Last vom Körper
•H
öhenunterschied über verschiedene Ebenen
• Lage der
Zugriffsstellen
• Schwerpunktlage
• Möglichkeit einer
unvorhergesehenen
Bewegung
•d
urch Heben, Senken oder
Tragen zu überbrückende Entfernung
•A
usmaß, Häufigkeit und Dauer
des Kraftaufwandes
•p
ersönliche Schutzausrüstungen
•A
rbeitstempo
•E
rholungs- oder Ruhezeiten
• T emperatur, Luftfeuchtigkeit,
Luftgeschwindigkeit
•B
eleuchtung
•E
benheit, Rutschfestigkeit
oder Stabilität der Standfläche
•B
ekleidung, insbesondere
Schuhwerk
Bild 5-3: Auszug aus dem Anhang zur Lastenhandhabungsverordnung
Physische Belastungen
5.2
Beurteilung der Belastung
Verfahren zur Bestimmung der Gefährdung durch das Heben
und Tragen von Lasten gliedern sich in verschiedenen Anforderungsstufen:
In der Folgezeit wurde sie um eine Methodik zur Bewertung
von Ziehen und Schieben und zur Bewertung manueller Arbeitsprozesse mit Gefährdungen im Hand-Arm-Bereich erweitert. Die Methodiken werden von der Bundesanstalt für
Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) zum Download
angeboten /18/.
• Beurteilung anhand einfacher orientierender Kriterien
• Beurteilung durch rechnerische Verfahren
Bei der Leitmerkmalmethode für das Heben und Tragen von
Lasten wird aus den Einflussfaktoren (Leitmerkmale)
• spezialisierte Analysen durch Fachleute
• Lastwichtung
Die Grobbeurteilung und einfache analytische Verfahren erfordern wenige spezielle Kenntnisse und sind auch für den
Laien anwendbar.
• Haltungswichtung
Es gibt gegenwärtig drei bedeutsame Ansätze:
• Zeitwichtung
• die Festlegung von maximalen Lastgewichten
ein Punktwert errechnet, der sich einem Risikobereich zuordnen lässt.
• Ausführungsbedingungen
• die Leitmerkmalmethoden
Diese Risikobereiche gelten auch für die anderen Methodiken.
• analytisch-rechnerische Methoden
Die Festlegung von maximalen Lastgewichten erscheint zunächst sehr einfach. Es werden beispielsweise maximale Packungsgewichte festgelegt. Dies gestattet aber keine
Berücksich­tigung von Randbedingungen. Die Lastgrenzen
beziehen sich auf Hebe- und Tragevorgänge die richtig, d. h.
mit geradem Rücken unter optimalen Bedingungen, durchgeführt werden. Abweichungen von den optimalen Bedingungen redu­zieren die Grenzlasten zum Teil erheblich.
Ein allgemein zulässiges Lastgewicht kann bei bestimmten
Körperhaltungen bereits extrem gefährdend sein. Anderer­
seits ist es möglich und erforderlich, dass ausgewählte und
ausgebildete Per­sonen auch deutlich höhere Lasten be­
wegen. Insoweit sind allgemeingültige tabella­rische Wertvorgaben für zumutbare Lasten nur bedingt sinnvoll. Die Ein­­hal­
tung bietet nur eine relative Sicherheit.
Die Angabe von Lastgewichten ist für alle wesentlichen Fälle
durch die Anwendung der Leitmerkmalmethode ersetzbar.
Leitmerkmalmethode
Risikobereich
Punktwert
Beschreibung
1
< 10
geringe Belastung
(Eine Gesundheitsgefährdung durch
körperliche Überbeanspruchung ist
unwahrscheinlich)
2
10 – 24
erhöhte Belastung
(Eine körperliche Überbeanspruchung
ist bei vermindert belastbaren Personen
möglich. Für diesen Personenkreis sind
Gestaltungsmaßnahmen sinnvoll)
3
25 – 49
wesentlich erhöhte Belastung
(Eine körperliche Überbeanspruchung
ist auch für normal belastbare Personen
möglich. Gestaltungsmaßnahmen sind
angezeigt)
4
> 50
hohe Belastung
(Eine körperliche Überbeanspruchung
ist wahrscheinlich. Gestaltungsmaßnahmen sind erforderlich)
Bild 5-4: Tabelle zur Bestimmung des Risikobereiches bei den Leitmerkmalmethoden
Die Leitmerkmalmethode für die Bestimmung des Risikobereiches für das Heben und Tragen von Lasten wurde entwickelt, um die Forderungen des Anhanges der Lastenhandhabungsverordnung mit einem Punktesystem bewerten zu
können.
45
Physische Belastungen
Hebe- oder Umsetzvorgänge
(Dauer bis 5 Sek.)
Anzahl pro Schicht
Halten
(Dauer über 5 Sek.)
Dauer pro Schicht
Tragen über 5 m
Gesamtweg pro Schicht
Punkte
Männer
Frauen
Punkte
< 10 kg
< 5 kg
1
< 10-mal
< 5 min
< 300 m
1
10 kg bis < 20 kg
5 kg bis < 10 kg
2
10 – < 40-mal
5 min – < 15 min
300 m – < 1 km
2
20 kg bis < 30 kg
10 kg bis < 15 kg
4
40 – < 200-mal
15 min – < 1 h
1 km – < 4 km
4
30 kg bis < 40 kg
15 kg bis < 25 kg
7
200 – < 500-mal
1h–<2h
4 km – < 8 km
6
≥ 40 kg
≥ 25 kg
25
500 – < 1000-mal
2h–<4h
8 km – < 16 km
8
≥ 1000-mal
≥ 4h
≥ 16 km
10
Bild 5-6: Tabelle zur Bestimmung der Lastwichtung
Bild 5-5: Tabelle zur Bestimmung der Zeitwichtung
Charakteristische Körperhaltung und Lastposition
Körperhaltung, Position der Last
Punkte
Oberkörper aufrecht und nicht verdreht,
Last am Körper
1
geringes Vorneigen oder Verdrehen des Körpers,
Last am Körper oder körpernah
2
tiefes Beugen oder weites Vorneigen,
geringe Vorneigung bei gleichzeitigem Verdrehen des Oberkörpers,
Last körperfern oder über Schulterhöhe
4
weites Vorneigen und gleichzeitiges Verdrehen des Oberkörpers,
Last körperfern,
eingeschränkte Haltungsstabilität beim Stehen,
Hocken oder Knien
8
Ausführungsbedingungen
Punkte
gute ergonomische Bedingungen
(z. B. ausreichend Platz, keine Hindernisse im Arbeitsbereich, ebener rutschfester Boden, ausreichend beleuchtet, gute Griffbedingungen)
0
Einschränkung der Bewegungsfreiheit und ungünstige ergonomische Bedingungen
(z. B. Bewegungsraum durch zu geringe Höhe oder durch eine Arbeitsfläche unter 1,5 m2 eingeschränkt oder Standsicherheit durch unebenen weichen Boden eingeschränkt)
1
stark eingeschränkte Bewegungsfreiheit und/oder Instabilität des Last­schwerpunktes (z. B. Patiententransfer)
2
Bild 5-7: Tabellen zur Bestimmung der Haltungswichtung und des Einflusses der Ausführungsbedingungen
46
Physische Belastungen
Die abgelesenen Werte werden wie folgt verrechnet:
Die Punktzahlen für die Lastwichtung, die Haltungswichtung und die Ausführungsbedingungen werden addiert und
dann mit der Zeitwichtung multipliziert. Dadurch erhält die
Zeitwichtung einen höheren Stellenwert. Eine Unterscheidung zwischen Männern und Frauen erfolgt über die Lastwichtung. Eine Interpolation innerhalb der Zeilen der Leitmerkmale ist möglich, eine Extrapolation zu höheren oder
niedrigeren Werten ist nicht vorgesehen.
Die scharfen Grenzen zwischen den Risikobereichen der
Verordnung gelten für größere Gruppen und wenn die konkreten Personen nicht bekannt sind. Der Farbverlauf in der
Tabelle zur Bestimmung des Risikobereiches deutet an,
dass eine gegebene Situation für verschieden belastbare
Personen in verschiedenen Bereichen liegen kann. Darauf
wird in der Methodik der BAuA ausdrücklich verwiesen.
Beispiel:
Eine Last von 20 kg muss in einer Schicht von einem Mann
ca. 40-mal von einer Palette in Bodennähe aufgenommen
und auf einem Arbeitstisch abgestellt werden.
Die Punktzahlen für Lastwichtung, Haltungswichtung, Ausführungswichtung und Zeitwichtung sind aus den Tabellen
entnommen. Bei einer Last von 20 kg wurde in der Tabelle
für die Lastwichtung und in der Tabelle für die Zeitwichtung
zwischen den Punktzahlen 2 und 4 interpoliert. Es ergibt sich
ein Punktwert von 21.
(1)
Lastwichtung
3
(2)
+ Haltungswichtung
4
(3)
+ Ausführungsbedingungen
0
(4)
= Summe aus (1) bis (3)
7
(5)
x Zeitwichtung
3
(6)
= Punktwert (4) x (5)
21
Demnach handelt es sich um eine erhöhte Belastung. Bei
vermindert belastbaren Personen sind Gestaltungsmaßnahmen angezeigt.
47
Psychische Belastungen
6. Psychische Belastungen
Das früher eher durch schwere körper­liche Arbeit und die
schädigende Ein­wirkung von Arbeitsumweltfaktoren gekennzeichnete Anforderungs- und Be­lastungsspektrum in
der Arbeitswelt hat sich durch intelligenten Technikein­satz
in den letzten Jahren zu psychomentalen und psychosozialen Belastungen hin verschoben. Oft werden diese auch
durch den Wegfall der klassi­schen physischen Belastungen
verstärkt wahrgenommen.
So können nicht nur ungünstige Arbeitsplatzgestaltungen
und unergonomische Arbeitsabläufe, sondern auch rasche
Innovation, Zeitdruck, Konflikte oder so­ziale Isolation am
Arbeitsplatz zu arbeits­bedingten Gesundheitsgefahren werden.
Psychomentale Probleme
kennzeich­nen Sachverhalte, die eher auf die Auseinandersetzung der Person mit der Technik bezogen sind, wie
unange­mes­sene Anforderungen an Aufmerk­sam­keit,
Konzen­tration, Nachdenken und Verantwortung.
Psychosoziale Probleme
entstehen durch den Kontakt und insbesondere Konflikte
zwischen den handelnden Personen, einschließlich der
Beziehungen in und zwischen Arbeitsgruppen und bei
Organisation und Führung, beispielsweise bei der Zusammenarbeit mit Kollegen, Vorgesetzten und Kunden.
Da diese Faktoren zunehmen, verwundert es nicht, dass
den entstehenden psycho­mentalen und -sozialen Problemen gegenwärtig erhöhte Aufmerksamkeit gewidmet wird.
Durch die Verminderung psychischer Belastungen sind sowohl größere Einsparpotenziale als auch Anstöße für eine
betriebliche Gesundheitsförderung zu erwarten.
Zusätzlich zu beruflichen Belastungen wirken Belastungen
aus dem Privatleben, wie Probleme mit Kindererziehung
und Partnerschaft, finanzielle Sorgen und Zukunftsängste,
in den Arbeitsprozess hinein.
Häufig genannte psychische Belastungsfakto­ren infolge des
wirtschaftlichen Wandels sind:
• monotone Arbeitsbedingungen
• steigende Arbeitsmenge
• schwierige Kunden
• ständige Überwachung
• Isolation
48
• Konkurrenz zwischen jüngeren und älteren Kollegen
• Gruppendruck
• schlechte Aufstiegschancen
Auch die Globalisierung und der dabei oft wachsende Abstand zwischen Produktions­standort und Entscheidungs­
ebene sowie Angst um den Arbeitsplatz werden als belastend genannt.
Vorhandene Kenntnisse, Fähigkeiten und Fertigkeiten,
persönliche Bewertungsmus­ter und Problemlösungsstrategien spielen im Bereich psychischer Belastungen eine noch
größere Rolle als im Bereich der körperlichen oder physika­
lischen Be­lastungen. Was für eine Person in erheb­lichem
Maße psychisch belastend wirkt, kann für andere lediglich
eine Heraus­for­derung darstellen und zählt für wieder
andere zur täglichen Routine am Arbeitsplatz (Bild 6-1 auf
Seite 49).
Eine beanspruchungsoptimierte Arbeitsaufgabe, die durch
die Technik effektiv unterstützt wird, lässt die Arbeitsauf­
gabe als anregend erleben und gestattet es, Fähigkeiten
optimal einzusetzen. Die Arbeit macht Spaß und wird durch
eine höhere Produktivität gekennzeichnet sein.
Definition psychischer Belastungen
und Beanspruchungen nach der DIN EN ISO 10075
Unter psychischen Belastungen wird die Gesamtheit der
erfassbaren Einflüsse verstanden, die von außen auf den
Menschen zukommen und auf ihn psychisch einwirken.
Psychische Beanspruchung wird als die individuelle, zeitlich unmittelbare und nicht langfristige Auswirkung der
auf den Menschen in Abhängigkeit von seinen individuellen Voraus­setzun­gen und seinem Zustand einwir­ken­den
Belastungen bezeichnet.
Arbeitsbedingte
Belastungen, z. B.
• Klima
• Lärm
• Zeitdruck
• hohe Verantwortung
Randbedingungen, z. B.
• Tätigkeits-,
• Handhabungsund
• Entscheidungsspielraum
Belastungen aus dem
privaten Umfeld, z. B.
• Nebentätigkeiten
• familiäre Probleme
• Krankheit
• persönliche Sorgen
Beanspruchung
als unmittelbare
Reaktion des
Organismus auf
die Belastungen
Persönliche Ressourcen, z. B.
• Gesundheit
• Qualifikation
• Anlagen
• Erfahrungen
• Persönlichkeitseigenschaften
Kurze Folgen, z. B.
negativpositiv
• Fehlerzunahme
• Aktivierungseffekte
• Monotoniegefühle
• Anregungseffekte
• psychische Sättigung
• Abwechslung
Mittlere und langfristige Folgen, z. B.
negativpositiv
• Unzufriedenheit
• Trainings- und Lerneffekte
• Krankheiten
• Identifikation mit der • Burnout
Tätigkeit
• Fluktuation
• Motivationseffekte
• verringerte Leistungsfähigkeit • Erfolgserlebnisse
• Konflikte
• innere Kündigung
• Suchtmittel
• Ermüdung
Bild 6-1: Erweitertes Belastungs-Beanspruchungs-Konzept unter Einschluss von Faktoren aus
dem psychosozialen Umfeld (nach /15/)
Psychische Belastungen lassen sich auf
folgende Ursachenkomplexe zurückführen:
• Überforderung
• Unterforderung
• Arbeitszeitregelungen
• Erschwernisse aus der Arbeitsumwelt und der Organisation
• Belastungen durch soziale Konflikte
Sie lassen sich mit geeigneten Metho­
den analysieren. Die Erfahrungen
zeigen, dass die in der ­Wissenschaft
anerkannten und weit verbreiteten In­
strumente zur Analyse der ­bestehenden
Situation für praktische Zwecke nur
bedingt geeignet sind. Sie sind umfangreich, in ihrer An­wendung kompliziert
und sehr spezifisch. Aus ­die­sem Grund
wurden auf praktische Bedürfnisse
auch für Nichtfachleute zugeschnittene Erhebungsinstrumente, die so genannten „Screeninginstrumente“, zur
Bewertung und Gestaltung men­schen­
gerechter Arbeitstätigkeiten erar­beitet.
Die Methodiken arbeiten mit zwei Ansätzen:
• Bewertung erfolgt mithilfe von Beobachtungs- und Beobachtungsinterviewdaten durch externe Beobachter
(objektive Anforderungen).
• P
sychologische Bewertung von Arbeitsbedingungen für Arbeitsplatz­
inhaber. Schriftliche, anonyme
Be­fragung von Beschäftigten zum
eigenen Arbeitsplatz (erlebte Anforderungen).
Methoden der Fremd- und Selbst­beur­
teilung liefern oft unterschiedliche Ergebnisse.
Analysen müssen nicht immer das standardisierte Bewerten zum Ziel haben.
Die Ergebnisse lassen bei der Erprobung von Verbesserungsmaßnahmen
Ver­gleiche zwischen vorher und nachher zu. Auch aus dem Vergleich von
Betriebs­bereichen lassen sich oft Verbesserungen ableiten.
Auch wenn das Problem der Erfassung
einer gegebenen Situation mit geeigneten Mitteln zu lösen ist, stellt sich
immer noch das der Bewertung. Grenzwerte für psychische Belastungen existieren noch nicht.
Ab wann konkret arbeitsgestalte­rische
Maßnahmen zur Minimierung psychischer Belastungen ergriffen werden
sollten oder müssen, ist nicht eindeutig
geklärt.
Gelegentlich wird von den Berufs­
genossen­schaften und den Arbeits­
schutzbehör­den im Zusammenhang
mit psychischen Belastungen verlangt,
reglementierend im Unternehmen einzugreifen. So sollen bei­spielsweise die
Arbeitsabläufe in einem Betrieb weniger monoton gestaltet oder zusätzliches Personal eingestellt werden, um
mögliche Überforderungen durch die zu
leistende Arbeitsmenge zu vermeiden.
49
Psychische Belastungen
Die wesentlichen Möglichkeiten liegen gegen­wärtig auf dem
Feld der Beratung zu den negativen Folgen einer nicht an
den fundamentalen menschlichen Bedürf­nis­sen orientierten
Arbeitsgestaltung. Ver­schiedene sicherheitstechnische Normen enthalten Forderungen, z. B. an Konstruk­teure, Planer
und Gestalter, die längerfris­tig eine Minderung der psychomentalen Belastungen bewirken sollen (siehe beispielsweise
Bild 3-24 auf Seite 26).
Die Norm legt derzeit im Teil 1 „Allgemeines und Begriffe“ als
gesichert geltende Begriffe fest:
Im Gegensatz zu der vielfach hohen Regelungsdichte bei
Fragen des technischen Arbeitsschutzes hat man sich in der
DIN EN ISO 10075: „Ergonomische Grund­lagen bezüglich
psychischer Arbeitsbe­lastung“ bisher nur auf wenige normative Rege­lungen verständigt.
–– Übungseffekt
• fördernde Effekte
–– Aufwärmeffekt
–– Aktivierung
• beeinträchtigende Effekte
–– psychische Ermüdung
–– ermüdungsähnliche Zustände
Mögliche Langzeitfolgen psychischer Fehlbelastungen
äußern sich sehr komplex:
körperliches Befinden
• Verschlechterung des allgemeinen Gesundheits­
zustandes
• Schlafstörungen, Kopfschmerzen
• erhöhte Häufigkeit von Herz-Kreislauf-Erkrankungen
psychisches Erleben
• Unzufriedenheit, depressive Verstimmung
• Erleben von Kontrollverlust
• Neigung zu Überreaktionen
• geringe Arbeitszufriedenheit
Arbeitsverhalten
• Leistungsschwankungen, -rückgang
• Verschlechterung der Grundeinstellung zur Arbeit
(„Dienst nach Vorschrift“)
• Verlust an Können und Kompetenz, mangelhafte
Flexibilität
• Fehlhandlungen, Qualitätseinbußen, Nacharbeit,
Arbeitsunfälle
• Fehlzeiten, Krankheitstage
soziales Verhalten
• Konflikte, Streit, Aggressionen gegen andere
• Rückzug, Isolation innerhalb und außerhalb der
Arbeit
• vermehrter Nikotin-, Alkohol- und Medikamenten­
konsum
50
–– Monotonie
–– herabgesetzte Wachsamkeit
–– psychische Sättigung
Nicht normiert sind beispielsweise das Gefühl der Überforderung, z. B. durch Stress, und das Gefühl der Langeweile.
Im Teil 2 „Gestaltungsgrundsätze“ finden sich als Einflussfaktoren auf die Er­mü­dung Monotonie, die herabgesetzte
Wachsamkeit und die psychische Sättigung. Diese können
als „Leitsätze“ für eine bessere Gestaltung benutzt werden.
Der Teil 3 enthält „Methoden zur Erfas­sung und Bewertung“.
Psychische Belastungen
Psychische Ermüdung
… ist eine vorübergehende Beeinträchti­gung der psychischen und
physischen Funktions­tüchtigkeit, die von Intensität, Dauer und Ver­­lauf
der vorangegangenen psychischen Beanspruchung abhängt.
auslösende Faktoren
Überforderung der Leistungsvoraussetzungen
zeitlich anhaltende Forderungen der Leistungs­voraussetzungen
Erleben
Anstrengung, Mühe, Erschöpfung
Konzentrationsverlust
Müdigkeit ohne Langeweile
Auftreten und Verlauf
nach längerer Ausübung der Tätigkeit stetig ansteigend
Aktivierung anfangs kompensatorisch erhöht, bei längerer Dauer gesenkt
keine kurzfristige Verbesserung durch Tätigkeitswechsel möglich
begünstigende Bedingungen beim Betroffenen
fehlende Fähigkeiten und Fertigkeiten verstärken psychische Ermüdung
mögliche Folgen
Defizite der Informationsverarbeitung
Vorbeugung
Veränderungen der Tätigkeitsstruktur (arbeitsgestalterische Maßnahmen
der Mensch-Maschine-Funktionsteilung)
Training der Fertigkeiten (zur Verbesserung der Leistungsvoraussetzungen)
Pausengestaltung (Kurzpausensysteme)
Bild 6-2: Der Begriff psychische Ermüdung
Monotonie
... ist ein langsam entstehender Zustand herabgesetzter Aktivierung,
der bei länger andauernden, einförmigen Wieder­holungstätigkeiten
auftreten kann und der hauptsächlich mit Schläfrigkeit, Mü­digkeit,
Leistungsabnahme und -schwan­kungen, Verminderung der Umstellungs- und Reaktionsfähigkeit sowie Zunahme der Herzfrequenzarhythmie ver­bunden ist.
auslösende Faktoren
Unterforderung der Leistungsvoraussetzungen bei notwendiger
­Zuwendung zur Arbeitstätigkeit
keine Möglichkeit zur gedanklichen Auseinandersetzung
Erleben
Interessenlosigkeit, Eintönigkeit
Langeweile, Müdigkeit
Auftreten und Verlauf
nach längerer Ausübung der Tätigkeit
wellenförmiger Verlauf
Aktivierung gesenkt
sofortige Leistungsverbesserung durch Tätigkeitswechsel möglich
begünstigende Bedingungen beim Betroffenen
Neigung zur Unterforderung durch fehlendeLeistungsvoraussetzungen
und eingeschränkte Aufgabenvielfalt
mögliche Folgen
Aufmerksamkeitsverlust
Verlernen des Könnens
Abnahme der Arbeitszufriedenheit
erhöhter Krankenstand
Vorbeugung
Aufgabenbereicherung
dauerhafte Bindung der Aufmerksamkeit vermeiden
Bild 6-3: Der Begriff Monotonie
51
Psychische Belastungen
Psychische Sättigung
... ist ein Zustand nervös unruhevoller, stark affektbetonter Ablehnung
einer sich wie­derholenden Tätigkeit oder Situation, wo­bei das Gefühl
des „auf der Stelle Tretens“ oder „nicht weiter Kommens“ besteht.
auslösende Faktoren
fehlende Sinnhaftigkeit der Arbeitstätigkeit bei Bereitschaft zur
Aufgabenerfüllung
Erleben
ärgerliche, unlustbetonte Gereiztheit
Widerwillen
Auftreten und Verlauf
Auftreten vorwegnehmend und während der Tätigkeit möglich
Aktivierung erhöht
begünstigende Bedingungen beim Betroffenen
keine
Folgen
Abnahme der Arbeits­zufriedenheit, „Dienst nach Vorschrift“
Vorbeugung
systematisches Wechseln von Aufgaben und Tätigkeiten
individuelle Sinn- und Zielbildung durch Beteiligung an Planung und
Entscheidungen
Bild 6-4: Der Begriff psychische Sättigung
Stress
... Zustand erregt-geängstigter Gespannt­heit, innerer Unruhe sowie
Sorge um die Er­füllbarkeit der Aufgabe. Das Aktivie­rungsniveau ist
allgemein erhöht. Erste Anzeichen von krankheitsrelevanten Lang­
zeitfolgen sind zu erkennen.
auslösende Arbeitsstrukturen
Bedrohung von individuellen Zielen
objektive Überforderung ohne Ausweichmöglichkeit, z. T. im Zusammenhang mit negativen Einstellungen infolge der Überforderung
Erleben
erregt-ängstliche Spannung, innere Unruhe
Sorge um die Erfüllbarkeit der Arbeitsaufgabe
Auftreten und Verlauf
Auftreten vorwegnehmend und während der Arbeitstätigkeit möglich
keine kurzfristige Leistungsverbesserung durch Tätigkeitswechsel
begünstigende Bedingungen beim Arbeitenden
erhöhte Anfälligkeit bei emotionaler Unausgeglichenheit
fehlende soziale Unterstützung
mögliche Folgen
Konfusion, Hektik
offene und verdeckte Aggressionen am Arbeitsplatz (Mobbing)
Vorbeugung
Verringerung der emotionalen Belastung durch erweiterte Entscheidungsbefugnisse in der Arbeitstätigkeit
therapeutisches Vorgehen bei emotionaler Labilität
Erwerb von Stressbewältigungstechniken
Bild 6-5: Erläuterungen zu Stress
52
7. Systematische Arbeitsgestaltung
Warum scheitern ergonomische
Gestaltungslösungen?
Eine menschengerechte Gestaltung von Arbeitsplätzen wird
im Arbeitsschutz­gesetz und in diversen Vorschriften und Normen gefordert.
Zur Beurteilung wird stets ein gestuftes Vorgehen empfohlen:
1. Beobachtung durch die Praktiker
2. Analyse durch ausgebildetes Personal
3. Expertise durch Fachleute
Vorgesetzte, Planer, Handwerksmeister und Kleinunternehmer, aber auch Konstrukteure und Entwickler sind daher heute mit einem breiten Angebot an technischen Hilfsmitteln für
zu erwar­tende gestalterische Probleme konfron­tiert.
Häufig wird aus Katalogen ausgewählt, angepasst oder auch
individuell entwic­kelt, wobei Lösungen entstehen, die nicht
erprobt werden können. Eine Einführung bringt fast zwangsläufig zeitweilige Produktivitäts- und Qualitätseinbußen mit
sich, wenn Fähigkeiten, Gewohnheiten und Vorstellungen
der späteren Nutzer nicht berücksichtigt sind. Hieraus ent­
steht eine ablehnende Haltung der be­troffenen Mitarbeiter,
die sich mit Recht nicht ernst genommen fühlen. Es können
Spannungen bis hin zur Konfrontation zwischen den Beteiligten entstehen. Häu­fig ist festzustellen, dass die be­treffen­den
Einrichtungen demontiert oder einfach nicht genutzt werden.
Es ist grundsätzlich erforderlich, die Erfahrungen der Nutzer
einzubeziehen. Dabei müssen allen beteiligten Seiten ins­
besondere die Vorteile erläutert werden, damit sie sich mit
dem angestrebten Vorgehen identifizieren können. Wesent­
lich ist auch, dass vereinbart wird, zu erproben und verbleibende Mängel konti­nu­ierlich abzustellen.
Allein durch das gezielte Beobachten lässt sich die Mehrzahl
der Probleme erkennen und gegebenenfalls beseitigen.
Ist das Problem größer, d. h. sind mehrere oder viele Personen betroffen, umfang­reichere Anlagen einbezogen, unbekannte Bedienergruppen zu berücksichtigen, ist mehr Aufwand sinnvoll.
Ausgangspunkt eines menschbezogenen Gestaltungsprozesses ist die Analyse der Aufgaben, für deren Erfüllung Arbeitsplätze, Produkte bzw. Dienstleistungen zu gestalten sind.
Weiterhin sind Eigen­schaften, Fähigkeiten, Fertigkeiten, aber
auch Bedürfnisse der Nutzergruppen und Kunden für die zu
gestaltenden Produkte, den zu gestaltenden Arbeitsplatz
bzw. die zu gestaltende Dienstleistung Gegen­stand der Analyse. Erst aus einer solchen Analyse können menschbezogene Ge­staltungsanforderungen sinnvoll und dauerhaft abgeleitet werden. Der Ge­stal­tungsprozess benötigt Ziele. Diese
beschreiben Eigenschaften des Gestal­tungsergebnis­ses,
wonach später das Gestaltungsergebnis als gut oder als
schlecht beurteilt wird. Als Anforde­run­gen haben diese gewünschten Eigen­schaften eine wesentliche Funktion bei der
Gestaltung.
Im Anschluss an eine weitgehend für die Belange der menschengerechten Ge­staltung optimierten Fertigungsplanung
wird sich im praktischen Betrieb oder bei Gefährdungsanalysen nur noch deut­lich seltener die Notwendigkeit einer Verbesserung ergeben.
Wie ist eine gute Gestaltungslösung zu ereichen?
Die Berücksichtigung der Ergonomie im Rahmen der Gestaltung sollte sich heute nicht allein auf die Frage nach
„Maßzahlen“ und Normen für die Gestal­tung, wie räumliche
Abmessungen, zulässige Bedienkräfte oder Größe und Anordnung von Bedien­elementen, richten. Eine maßliche Bestgestaltung muss nicht zwangsläufig auch zu best­möglichen
Ergebnissen füh­ren, wenn beispielsweise fehlende Akzeptanz zur neuen Lösung, Mängel in der Füh­rungs­tätigkeit oder
Probleme zwischen einzel­nen Beschäftigten dem im Wege
stehen.
Zunächst ist der Umfang der Frage­stellung abzugrenzen. Zum
Beseitigen eines offensichtlichen Mangels an einem einzelnen Arbeitsplatz werden kaum systematische Betrachtungen
benötigt.
Bild 7-1: Durch die Schrägmontage in der Automobilfertigung wird die
belastende Überkopfarbeit ersetzt. Neben dem Belastungsabbau ergibt sich die Möglichkeit zur präziseren Arbeit und
damit zur Erhöhung der Qualität. Diese Gestaltungsmaßnahme ist das Ergebnis einer komplexen Prüfung, Planung
und Gestaltung
53
Systematische Arbeitsgestaltung
Für einen auf die Analysephase folgen­den Entwurfsprozess
stellt die Ergonomie Erkenntnisse und Methoden, z. B. rechnergestützte Modelle menschlicher Ab­maße, Software und
Simulations­pro­gram­me, zur Verfügung. Das vorhandene In­
strumentarium ist allerdings aufwän­dig und erfordert das
Hinzuziehen externer Fachleute.
Auch in großen Konzernen mit ihren streng strukturierten Arbeitsprozessen ist es heute schwer, alle zur Gestaltung von
Arbeitsprozessen notwendigen Kompetenzen vorzuhalten.
Kleinere Betriebe müssen sich notwendigerweise auf pri­
märe Gestaltungsaufgaben, die Erfüllung ihrer gesetzlichen
Verpflich­tungen, Krisen­management und die Intui­tion und
Erfah­rung ihrer Verantwortlichen beschränken oder Fremdleistungen in Anspruch neh­men.
Es ist eine Tatsache, dass auch im Falle einer ergonomischen
Bestgestaltung der Anlagen, Arbeitsstätten, Arbeitsplätze,
Maschinen und Geräte immer noch be­stimmte Aufwendungen zur Instruktion, zur Ausbildung und zum Training er­
forderlich sind. Dies gilt mitunter sogar für die Durchführung
von eignungsdiagnostischen Maßnahmen. Die Entwicklung
von Ausbildungs- und Trainingsmitteln, Ausbildungsunterlagen, Anschauungs­modellen, Trainern und Simulatoren
und die fundierte Gestaltung von Instruktionen und Bedienungsanleitungen nach psychologischen Erkenntnissen zählt
ebenfalls hierzu.
Planen
Beurteilen
Entscheiden
Einzelschritte bei der Gestaltung von komplexen
Betriebssystemen
Allgemeine Wertvorstellungen definieren
• Welches sind die allgemeinen Ziele und Anforderungen
des Unternehmens?
• Welche Probleme oder Chancen können sich zukünftig
ergeben?
Anforderungen festlegen
• Was wird mit der Gestaltung hauptsächlich angestrebt?
• Welchen weiteren Anforderungen soll die Lösung
genügen?
Arbeitssystem als Gestaltungsobjekt abgrenzen
• Was soll oder muss gestaltet werden?
• Was wird vom Beitrag der menschlichen Arbeit
erwartet?
• Welche Rahmen- und Randbedingungen sind zu
berücksichtigen?
Gestaltungsfelder und Gestaltungsmerkmale feststellen
• Welche Gestaltungsfelder mit welchen Gestaltungsmerkmalen sind gestaltbar, um das oder die Ziel(e) und
die Anforderungen erfüllen zu können?
Vorschläge/Alternativen erarbeiten
• Mit welchen Gestaltungsmaßnahmen und in welchen
Gestaltungsfeldern kann man das oder die Ziel(e)
erreichen?
Lösung auswählen
• Welches ist die beste Lösung von mehreren Alter­
nativen?
Beobachten
Beauftragen
Realisieren
Bild 7-2: Beim Gestalten kommt es darauf an, aus dem üblichen Ablauf analysieren, planen und realisieren einen Kreisprozess
zu machen, der nach dem Auswerten bei Erkennen eines
Defizits erneut in eine Planungsphase übergeht
54
Lösung einführen
• Wie kann die ausgewählte Lösung verwirklicht werden?
• Welche Probleme können dabei auftreten?
Ergebnis überprüfen
• Hat die verwirklichte Lösung das Ziel und die
Anforderungen erfüllt?
8. Quellen- und Literaturverzeichnis
8.1
Quellen
8.1.1
Regelwerke
Die Forderung nach einer menschengerechten Gestaltung
der Arbeit ist in vielfältiger Weise in Regelwerke eingeflossen.
DGUV Vorschrift 1 „Grundsätze der Prävention“ –
Allgemeine Anforderungen gemäß § 2
Der Unternehmer hat zur Verhütung von Arbeitsunfällen Vorkehrungen, Anordnungen und Maßnahmen zu treffen, die
den Bestimm­ungen dieser Unfall­verhütungs­vorschrift und
den für ihn sonst geltenden Unfallverhütungsvorschriften
und im Übrigen den allgemein anerkannten sicherheitstechnischen und arbeitsmedizinischen Regeln entsprechen.
Arbeitsschutzgesetz
Im Arbeitsschutzgesetz sind in Umsetzung der EG-Rahmenrichtlinien die Grundpflichten des betrieblichen Arbeitsschutzes und ein moderner Arbeitsschutzbegriff einheitlich
im deutschen Recht verankert. Das Arbeitsschutzgesetz
verpflichtet den Arbeitgeber, die Ge­sundheitsgefahren am
Arbeitsplatz zu be­urteilen (Gefährdungsbeurteilung), ent­
spre­chende Schutzmaßnahmen zu treffen und für eine menschengerechte Gestaltung der Arbeit zu sorgen. Die Ergebnisse sind zu dokumentieren. Es berücksichtigt damit die ständige Anpassung des Arbeitsschutzes an die sich wandelnde
Arbeits­umwelt. Sicherheitskonzepte sollen ganzheitlich angelegt sein, d. h. alle relevanten Faktoren müssen sachgerecht verknüpft werden.
Maßnahmen des Arbeitsschutzes im Sinne dieses Gesetzes
sind Maßnahmen zur Ver­hü­tung von Unfällen bei der Arbeit
und arbeitsbedingten Gesundheitsgefahren einschließ­lich
der menschengerechten Gestaltung der Arbeit.
Der Arbeitgeber hat bei Maßnahmen des Arbeitsschutzes
alle Umstände, welche die Sicherheit und Gesundheit der
Beschäftigten beeinflussen, zu berücksichtigen und eine Verbesserung anzustreben.
Dabei ist von folgenden allgemeinen Grundsätzen auszugehen (Auszüge):
1. die Arbeit ist so zu gestalten, dass eine Gefährdung für Leben und Gesundheit möglichst vermieden und die verbleibende Gefährdung möglichst gering gehalten wird
2. Gefahren sind an ihrer Quelle zu bekämpfen
3. bei den Maßnahmen sind der Stand von Technik, Arbeitsmedizin und Hygiene sowie sonstige gesicherte arbeitswissenschaftliche Erkenntnisse zu berücksichtigen
4. Maßnahmen sind mit dem Ziel zu planen, Technik, Arbeitsorganisation, sonstige Arbeitsbedingungen, soziale Beziehungen und Einflüsse der Umwelt auf den Arbeitsplatz
sachgerecht zu verknüpfen
5. individuelle Schutzmaßnahmen sind nachrangig zu anderen Maßnahmen
6. spezielle Gefahren für besonders schutzbedürftige Beschäftigtengruppen sind zu berücksichtigen
7. den Beschäftigten sind geeignete Anweisungen zu erteilen
8. mittelbar oder unmittelbar geschlechtsspezifisch wirkende
Regelungen sind nur zulässig, wenn dies aus biologischen
Gründen zwingend geboten ist
Betriebsverfassungsgesetz
Der Arbeitgeber hat den Betriebsrat über die Planung
• v on Neu-, Um- und Erweiterungsbauten von Fabrikations-,
Verwaltungs- und sonstigen betrieblichen Räumen
• von technischen Anlagen
• von Arbeitsverfahren und Arbeitsabläufen oder
• von Arbeitsplätzen
rechtzeitig zu unterrichten und die vorgesehenen Maßnahmen unter Berücksichtigung „gesicherter arbeitswissenschaftlicher Erkenntnisse“ mit dem Betriebsrat zu beraten.
Werden Arbeitnehmer in besonderer Weise belastet, weil
gesicherte arbeits­wissen­schaft­liche Erkenntnisse bei Änderung der Arbeitsplätze, des Arbeitsablaufes und der Arbeits­
umgebung nicht beachtet wurden, so kann der Betriebsrat
angemessene Maßnahmen zur Abwendung oder Minderung
der Belastung verlangen.
Arbeitsstättenverordnung – Errichten und Betreiben
von Arbeitsstätten
Der Arbeitgeber hat dafür zu sorgen, dass Arbeitsstätten den
Vorschriften dieser Ver­ord­nung, einschließlich ihres Anhanges entsprechend so eingerichtet und betrieben werden,
dass von ihnen keine Gefährdungen für die Sicherheit und
55
Quellen- und Literaturverzeichnis
die Gesundheit der Beschäf­tigten ausgehen. Der Arbeitgeber
hat die Regeln für Arbeitsstätten zu berücksichtigen.
geregelt sind. Normenrecherchen sind daher aufwändig und
bedürfen einer gewissen Erfahrung /19/.
In den Arbeitsstättenrichtlinien (ASR) werden diese Erkenntnisse konkretisiert.
In Umsetzung und zur Ausfüllung von Gesetzen, Verordnungen und europäischen Richt­linien wird das Normensystem
zurzeit überarbeitet. Die Normenreihe DIN 33400 regelt heute die Problematik der menschengerechten Gestaltung nicht
mehr überwiegend. Einen großen Anteil haben bereits die
folgenden Normen der Reihe „Sicherheit von Maschinen“:
Arbeitssicherheitsgesetz
Das Gesetz enthält die Aufgaben der Fachkräfte für Arbeitssicherheit und die Aufgaben der Betriebsärzte. Sie bestehen
auch darin, den Arbeitgeber in allen Fragen der Arbeitssicherheit, einschließlich der „menschengerechten Gestaltung
der Arbeit“ zu be­raten.
Produktsicherheitsgesetz
Das Produktsicherheitsgesetz soll perspektivisch dafür
Sorge tragen, dass bei der Gestal­tung von Maschinen und
Anlagen durch Konstrukteure und Gestalter Sicherheit und
eine menschengerechte Gestaltung gesichert werden. Das
Gesetz ist auch wegen der zahl­reichen zugehörigen Normen
von Bedeutung.
Betriebssicherheitsverordnung
Die Betriebssicherheitsverordnung gilt für die Bereitstellung
und die Benutzung von Ar­beitsmitteln. Der Arbeitgeber hat
die dabei entstehenden Gefährdungen zu beurteilen und
Maßnahmen für die Sicherheit und den Gesundheitsschutz
zu treffen. Bei der Festlegung der Maßnahmen sind auch die
ergonomischen Zusammenhänge zwischen Arbeitsplatz, Arbeitsmittel, Arbeitsorganisation, Arbeitsablauf und Arbeitsaufgabe zu berücksichtigen.
Anhang 1: M
indestvorschriften für Arbeitsmittel
Anhang 2: M
indestvorschriften zur Verbesserung der Sicherheit und des Gesund­heitsschutzes der Beschäftigten bei der Benutzung von Arbeitsmitteln
Normenreihe „Sicherheit von Maschinen“
Auftrag der europäischen Normung ist es, zur Wettbewerbsfähigkeit Europas beizutragen und die europäische Wirtschaft im globalen Handelsgeschehen zu fördern. Sowohl
von Herstellern und Importeuren von Maschinen, die diese
entsprechend der EG-Maschinen-Richtlinie herstellen bzw.
in den Verkehr bringen müssen, als auch von den Normungs­
gremien, die Produktnormen entwickeln, wird festgestellt,
dass im Bereich der Ergonomie vielfach noch praxistaugliche
übergeordnete Normen fehlen. Das führt dazu, dass teil­
weise in Produktnormen Festlegungen bezüglich ergonomischer Sachverhalte mehrfach und abweichend voneinander
56
• D
IN EN ISO 12100, Ausgabe 2011-03
„Sicherheit von Maschinen - Allgemeine Gestaltungsleitsätze - Risikobeurteilung und Risikominderung“
• D
IN EN 349, Ausgabe 2008-09
„Sicherheit von Maschinen; Mindestab­stände zur Vermeidung des Quetschens von Körperteilen“
• D
IN EN 614-1, Ausgabe 2009-06
„Sicherheit von Maschinen – Ergonomische Gestaltungsgrundsätze – Teil 1: Begriffe und allgemeine Leitsätze“
• D
IN EN 614-2, Ausgabe 2008-12
„Sicherheit von Maschinen – Ergonomische Gestaltungsgrundsätze – Teil 2: Wechsel­wirkungen zwischen der Gestaltung von Maschinen und den Arbeitsaufgaben“
• D
IN EN 894-1, Ausgabe 2009-02
„Sicherheit von Maschinen – Ergonomische Anforderungen für die Gestaltung von Anzeigen und Stellteilen –
Teil 1: Benutzer-Interaktion mit Anzeigen und Stellteilen“
• D
IN EN 894-2, Ausgabe 2009-02
„Sicherheit von Maschinen – Ergonomische Anforderungen für die Gestaltung von Anzeigen und Stellteilen –
Teil 2: Anzeigen“
• D
IN EN 894-3, Ausgabe 2010-01
„Sicherheit von Maschinen – Ergonomische Anforderungen für die Gestaltung von Anzeigen und Stellteilen –
Teil 3: Stellteile“
• D
IN EN 894-4, Ausgabe 2010-11
„Sicherheit von Maschinen – Ergonomische Anforderungen für die Gestaltung von Anzeigen und Stellteilen –
Teil 4: Lage und Anordnung von Anzeigen und Stellteilen“
• D
IN EN 547-1, Ausgabe 2009-01
„Sicherheit von Maschinen – Körpermaße des Menschen
– Teil 1: Grundlagen zur Bestimmung von Abmessungen
für Ganzkörper-Zugänge an Maschinenarbeitsplätzen“
Quellen- und Literaturverzeichnis
• D
IN EN 547-2, Ausgabe 2009-01
„Sicherheit von Maschinen – Körpermaße des
Menschen – Teil 2: Grundlagen für die Bemessung von
Zugangsöffnungen“
• D
IN EN 547-3, Ausgabe 2009-01
„Sicherheit von Maschinen – Körpermaße des
Menschen – Teil 3: Körpermaßdaten“
• D
IN EN 1005-1, Ausgabe 2009-04
„Sicherheit von Maschinen – Menschliche körperliche
Leistung – Teil 1: Begriffe“
• D
IN 33402-2 Beiblatt 1, Ausgabe: 2006-08
„Körpermaße des Menschen; Werte; Anwendung von
Körpermaßen in der Praxis“
• DIN 33402-3, Ausgabe: 2011-07
„Körpermaße des Menschen; Bewegungsraum bei verschiedenen Grundstellungen und Bewegungen“
• DIN 33403-3, Ausgabe: 2001-04
„Klima am Arbeitsplatz und in der Arbeits­umgebung –
Teil 3: Beurteilung des Klimas im Warm- und Hitzebereich
auf der Grund­lage ausgewählter Klimasummenmaße“
Anmerkung der Redaktion: aktualisiert 07/2011
• D
IN EN 1005-2, Ausgabe 2009-05
„Sicherheit von Maschinen – Menschliche körperliche
Leistung – Teil 2: Manuelle Handhabung von Gegenständen in Verbindung mit Maschinen und Maschinenteilen“
• DIN 33403-5, Ausgabe: 1997-01
„Klima am Arbeitsplatz und in der Arbeits­umgebung –
Teil 5: Ergonomische Gestaltung von Kälte­arbeitsplätzen“
• D
IN EN 1005-3, Ausgabe 2009-01
„Sicherheit von Maschinen – Menschliche körperliche
Leistung – Teil 3: Empfohlene Kraftgrenzen bei Maschinenbetätigung“
• DIN 33406, Ausgabe: 1988-07
„Arbeitsplatzmaße im Produktionsbereich; Begriffe,
Arbeitsplatztypen, Arbeitsplatz­maße“
Anmerkung der Redaktion: zurückgezogen 07/2015
• D
IN EN 1005-4, Ausgabe 2009-01
„Sicherheit von Maschinen – Menschliche körperliche
Leistung – Teil 4: Bewertung von Körperhaltungen und Bewegungen bei der Arbeit an Maschinen“
• DIN 33408-1, Ausgabe: 2008-03
„Körperumrissschablonen – Teil 1: Für Sitzplätze“
• D
IN EN 1005-5, Ausgabe 2007-05
„Sicherheit von Maschinen – Menschliche körperliche
Leistung – Teil 5: Risiko­bewertung für kurzzyklische Tätigkeiten bei hohen Handhabungsfrequenzen“
• D
IN EN ISO 14738, Ausgabe 2009-07
„Sicherheit von Maschinen – Anthropometrische Anforderungen an die Gestaltung von Maschinenarbeitsplätzen“
• DIN
EN ISO 7250-1, Ausgabe 2010-06
„Wesentliche Maße des menschlichen Körpers für die
technische Gestaltung – Teil 1: Körpermaßdefinitionen
und -messpunkte“
• Normen aus weiteren Normenreihen:
• DIN 33402-1, Ausgabe: 2008-03
„Ergonomie – Körpermaße des Menschen – Teil 1:
Begriffe, Messverfahren“
• DIN 33402-2, Ausgabe: 2007-05
„Ergonomie – Körpermaße des Menschen – Teil 2: Werte“
• DIN 33408-1 Beiblatt 1, Ausgabe: 1987-01
„Körperumrissschablonen für Sitzplätze; Anwendungsbeispiele“
• DIN 33411-1, Ausgabe: 1982-09
„Körperkräfte des Menschen; Begriffe, Zusammenhänge,
Bestimmungsgrößen“
• DIN 33411-3, Ausgabe: 1986-12
„Körperkräfte des Menschen; Maximal erreichbare statische Aktionsmomente männlicher Arbeitspersonen an
Hand­rädern“
• DIN 33411-4, Ausgabe: 1987-05
„Körperkräfte des Menschen; Maximale statische Aktionskräfte (Isodynen)“
• DIN 33411-5, Ausgabe: 1999-11
„Körperkräfte des Menschen – Teil 5: Maximale statische
Aktionskräfte, Werte“
• DIN EN ISO 6385, Ausgabe 2004
„Grundsätze der Ergonomie für die Gestaltung von Arbeitssystemen“
Anmerkung der Redaktion: aktualisiert 10/2014
57
Quellen- und Literaturverzeichnis
• D
IN EN ISO 10075-1, Ausgabe 2000-11
„Ergonomische Grundlagen bezüglich psychischer
Arbeitsbelastung – Teil 1: Allgemeines und Begriffe“
• D
IN EN 13861, Ausgabe 2012-01
„Sicherheit von Maschinen – Leitfaden zur Anwendung von
Ergonomie-Normen bei der Gestaltung von Maschinen“
• D
IN EN ISO 10075-2, Ausgabe 2000-06
„Ergonomische Grundlagen bezüglich psychischer
Arbeitsbelastung – Teil 2: Gestaltungsgrundsätze“
8.1.2
• D
IN EN ISO 10075-3, Ausgabe 2004-12
„Ergonomische Grundlagen bezüglich psychischer
Arbeitsbelastung – Teil 3: Grundsätze und Anforderungen
an Verfahren zur Messung und Erfassung psychischer
Arbeitsbelastung“
Weiterführende Schriften
• Bullinger, H.-J.: Ergonomie:
Produkt und Arbeitsgestaltung, B. G. Teubner,
Stuttgart 1994
• Grandjean, E.:
Physiologische Arbeitsgestaltung, eco-med Verlag, 1991
• DIN EN ISO 26800, Ausgabe 2011-11
„Ergonomie - Genereller Ansatz, Prinzipien und Konzepte“
• Kirchner, J.-H., Baum, E.: Ergonomie für Konstrukteure und
Arbeitsgestalter, Carl Hanser Verlag, München-Wien 1990
• D
IN EN 12464-1, Ausgabe 2011-08
„Licht und Beleuchtung – Beleuchtung von Arbeitsstätten
– Teil 1: Arbeitsstätten in Innenräumen“
• Laurig, W.: Grundzüge der Ergonomie
(4. Auflage), Beuth Verlag, Berlin 1992
• D
IN EN 12464-2, Ausgabe 2010-07
„Licht und Beleuchtung – Beleuchtung von Arbeitsstätten
– Teil 2: Arbeitsplätze im Freien“
• D
IN EN 12665, Ausgabe 2011-09
„Licht und Beleuchtung – Grundlegende Begriffe und
Kriterien für die Festlegung von Anforderungen an die
Beleuchtung“
• DIN-Fachbericht 128, Ausgabe 2003
„Klima am Arbeitsplatz und in der Arbeitsumgebung –
Grundlagen der Klima­ermittlung“
• D
IN EN ISO 11399, Ausgabe: 2001-04
„Ergonomie des Umgebungsklimas – Grundlagen und
Anwendung relevanter Internationaler Normen“
• D
IN EN ISO 7726, Ausgabe: 2002-04
„Umgebungsklima – Instrumente zur Messung physikalischer Größen“
• D
IN EN ISO 7730, Ausgabe: 2006-05
„Ergonomie der thermischen Umgebung – Analytische
Bestimmung und Interpretation der thermischen Behaglichkeit durch Berechnung des PMV- und des PPD-Indexes
und Kriterien der lokalen thermischen Behaglichkeit“
• V
DI 2057 Blatt 1, Ausgabe 2002-09
„Einwirkung mechanischer Schwingungen auf den
Menschen – Ganzkörperschwingungen“
• V
DI 2057 Blatt 2, Ausgabe 2002-09
„Einwirkung mechanischer Schwingungen auf den
Menschen – Hand-Arm-Schwingungen“
58
• Lehder, G., Uhlig, D.:
Betriebsstätten­planung, Verlagsgesellschaft W. E.
Weinmann mbh, Filderstadt 1998
• Luczak, H.:
Arbeitswissenschaft (2. Auflage), Springer-Verlag,
Berlin 1998
• Neudörfer, A.:
Konstruieren sicherheitsgerechter Produkte,
Springer-Verlag, Berlin 2001
• Schmidtke, H.: Ergonomie (3. Auflage), Carl Hanser Verlag,
München-Wien 1993
NORA (Normen Recherche Arbeitsschutz)
der Kommission Arbeitsschutz und Normung (KAN)
www.kan.de/nora
BGI/GUV-I 5048 „Ergonomische Maschinengestaltung“
Kleine ergonomische Datensammlung
Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin
8.2
Literatur
/11/P. O. Fanger: Thermal Comfort, New York 1973
  /1/Laurig W.: Grundzüge der Ergonomie, 1992
/12/Zeiss-Ikon: Licht und Leuchten, 1975
  /2/Antonovsky A.: Salutogenese, DGVT-Verlag,
Tübingen, 1997
/13/Fördergemeinschaft Gutes Licht:
Gutes Licht für Handwerk und Industrie
  /3/Jenik, P.: Maschinen menschlich konstruiert,
Maschinenmarkt Industriejournal 78, 1972,
S. 87-90
/14/Kirchner und Baum: Ergonomie für
Konstrukteure und Arbeitsgestalter
  /4/BOSCH: Arbeitshilfen für die ergonomische Arbeitsplatzgestaltung, 1985
/15/Leitfaden „Psychische Belastungen“ für
Aufsichtspersonen,
Herausgeber HVBG, 3/2002
  /5/Schultetus W.: Montagegestaltung; Köln,
TÜV Rheinland, 1980
/16/Luczak, H.: Arbeitswissenschaft,
Springer Verlag Berlin, Heidelberg, 1998
  /6/Jürgens, H. W., Aune, I., Pieper, U.: Internationaler
anthropometrischer Datenatlas, Fb 587 und 670,
Dortmund 1998
/17/Leitmerkmalmethode nach BAUA und LASI, 2001,
siehe www.baua.de
  /7/Rohmert, W. und Rutenfranz, J. (Hrsg.):
Praktische Arbeitsphysiologie,
Thieme Verlag, Stuttgart 1983
  /8/Wenzel G., Piekarski C.: Klima und Arbeit, 1980
/18/Elkeles, Lenhardt, Rosenbrock in WZB public health,
1994
/19/
www.kan.de
/20/Hettinger, Th.: Handhabung von Lasten, Carl Hanser
Verlag, 1991
  /9/ProKlima-Forschungsbericht 2000,
Fraunhofer IRB-Verlag, Stuttgart
/10/Hahne, H.: Ergonomische Gestaltung von Kälte­
arbeitsplätzen, Die BG 2/97
59
Abbildungsverzeichnis
9. Abbildungsverzeichnis
Titelfoto
Gina Sanders – Fotolia.com
Seite 21, Bild 3-11
Dassault Systèmes
Seite 7, Bild 1-1
Grafik, BGHM/Kiepsch/PD Berlin
Seite 21, Bild 3-12
Dassault Systèmes
Seite 8, Bild 1-2
Bosch Rexroth AG
Seite 21, Bild 3-13
Dassault Systèmes
Seite 8, Bild 1-3
Grafik, REFA-Medien
Bundesverband e. V./Prof. Laurig
Seite 21, Bild 3-14
media-brevi 2011
Seite 22, Bild 3-15
media-brevi 2011
Seite 9, Bild 1-4
Grafik, REFA-Medien
Bundesverband e. V./Prof. Laurig
Seite 22, Bild 3-16
BGHM/Kiepsch/PD Berlin
Seite 10, Bild 1-5
BGHM/Autorenteam
Seite 22, Bild 3-17
media-brevi 2011
Seite 11, Bild 1-6
BGHM/Kiepsch/PD Berlin
Seite 23, Bild 3-18
BGHM/Autorenteam
Seite 11, Bild 1-7
Fechtel Transportgeräte GmbH/
Edmolift Hebetechnik GmbH /
Flexlift Hubgeräte GmbH
Seite 23, Bild 3-19
BGHM/Autorenteam
Seite 24, Bild 3-20
Dassault Systèmes
Seite 12, Bild 2-1
BGHM/Autorenteam
Seite 24, Bild 3-21
BGHM/Autorenteam
Seite 12, Bild 2-2
BGHM/Kiepsch/PD Berlin
Seite 25, Bild 3-22
BGHM/Autorenteam
Seite 13, Bild 2-3
Statistisches Bundesamt
Seite 25, Bild 3-23
BGHM/Autorenteam
Seite 13, Bild 2-4
REFA-Medien Bundesverband e. V./
Prof. Laurig
Seite 26, Bild 3-24
DIN EN 894-1
Seite 27, Bild 3-25
DIN EN 894-2
Seite 14, Bild 2-5
REFA-Medien Bundesverband e. V./
Prof. Laurig,
Seite 27, Bild 3-26
DIN EN 894-2
Seite 15, Bild 3-1
BGHM/Autorenteam
Seite 27, Bild 3-27
sw-media
Seite 16, Bild 3-2
BGHM/Kiepsch/PD Berlin
Seite 28, Bild 3-28
BGHM/Kiepsch/PD Berlin
Seite 16, Bild 3-3
media-brevi 2011
Seite 28, Bild 3-29
sw-media
Seite 16, Bild 3-4
media-brevi 2011
Seite 28, Bild 3-30
sw-media
Seite 16, Bild 3-5
media-brevi 2011
Seite 28, Bild 3-31
sw-media
Seite 17, Bild 3-6
Arbeitsplatzmaßnahme im Produktionsbereich DIN 33-406/88/07
Seite 29, Bild 4-1
media-brevi 2011
Seite 29, Bild 4-2
BGHM/Kiepsch/PD Berlin
Seite 18, Bild 3-7
Bimos International Büromöbel
GmbH & Co KG
Seite 30, Bild 4-3
media-brevi 2011
DIN 33402 Teil 2 und BAUA/Inter­
nationaler anthropometrischer
Datenatlas 6
Seite 30, Bild 4-4
BGHM/Autorenteam
Seite 31, Bild 4-5
BGHM/Autorenteam
Seite 20, Bild 3-9
BGHM/Kiepsch/PD Berlin
Seite 31, Bild 4-6
BGHM/Autorenteam
Seite 20, Bild 3-10
BGHM/Kiepsch/PD Berlin
Seite 19, Bild 3-8
60
Seite 32, Bild 4-7
BGHM/Bell/PDDOR
Seite 33, Bild 4-8
Bomin Solar GmbH
Seite 33, Bild 4-9
Moreno Sopelsa – Fotolia.com
Seite 34, Bild 4-10
BGHM/Autorenteam
Seite 34, Bild 4-11
BGHM/Kiepsch/PD Berlin
Seite 35, Bild 4-12
ASR A3.5
Seite 36, Bild 4-13
BGHM/Autorenteam
Seite 36, Bild 4-14
BGHM/Autorenteam
Seite 36, Bild 4-15
BGHM/Kiepsch/PD Berlin
Seite 37, Bild 4-16
BGHM/Autorenteam
Seite 37, Bild 4-17
BGHM/Autorenteam
Seite 37, Bild 4-18
ThyssenKrupp Steel Europe/Künstlerische Farb­gestaltung: Farbdesigner
Friedrich Ernst von Garnier
Seite 37, Bild 4-19
ThyssenKrupp Steel Europe/Künstlerische Farb­gestaltung: Farbdesigner
Friedrich Ernst von Garnier
Seite 38, Bild 4-20
BGHM/Autorenteam
Seite 38, Bild 4-21
BGHM/Autorenteam
Seite 39, Bild 4-22
BGHM/Kiepsch/PD Berlin
Seite 39, Bild 4-23
Lärm- und Vibrations-Arbeits­
schutzverordnung
Seite 39, Bild 4-24
BGHM/Neumann/HBB/
Medienkoordination
Seite 40, Bild 4-25
IFA BGIA-Report 6/2006
Seite 41, Bild 4-26
Lärm- und VibrationsArbeitsschutzverordnung
Seite 41, Bild 4-27
EU-Handbuch zur EU-Verordnung
Seite 42, Bild 4-28
BGHM/Kiepsch/PD Berlin,
Seite 42, Bild 4-29
9. Verordnung zum Produktsicherheitsgesetz
Seite 42, Bild 4-30
Honeywell Safety Products –
KCL GmbH
Seite 42, Bild 4-31
BGHM/Kiepsch/PD Berlin
Seite 43, Bild 5-1
BGHM/Kiepsch/PD Berlin
Seite 44, Bild 5-2
BGHM/Kiepsch/PD Berlin
Seite 44, Bild 5-3
BAUA/Anhang zur Lastenhand­
habungsverordnung
Seite 45, Bild 5-4
BAUA/Tabelle zur Bestimmung des
Risikobereiches bei den Leitmerkmalmethoden
Seite 46, Bild 5-5
BAUA/Tabelle zur Bestimmung der
Zeitwichtung
Seite 46, Bild 5-6
BAUA/Tabelle zur Bestimmung der
Lastwichtung
Seite 46, Bild 5-7
BAUA/Tabelle zu Haltungswichtung
und Ausführungsbedingungen
Seite 49, Bild 6-1
BGHM/Autorenteam nach /15/
Seite 51, Bild 6-2
BGHM/Autorenteam
Seite 51, Bild 6-3
BGHM/Autorenteam
Seite 52, Bild 6-4
BGHM/Autorenteam
Seite 52, Bild 6-5
BGHM/Autorenteam
Seite 53, Bild 7-1
BMW Group
Seite 54, Bild 7-2
BGHM/Kiepsch/PD Berlin
Die Bilder 3-24, 3-25 und 3-26 sowie 4-12 sind wieder­
gegeben mit Erlaubnis des DIN Deutsches Institut für Normung e. V. Maßgebend für das Anwenden der DIN-Norm ist
deren Fassung mit dem neuesten Ausgabedatum, die bei
der Beuth Verlag GmbH, Burggrafenstraße 6, 10787 Berlin,
erhältlich ist.
61
Weiterführende Auskünfte erteilen Ihnen gern die im Folgenden aufgeführten Präventionsdienste der BGHM
Kostenfreie Servicehotline: 0800 9990080-0
Präventionsdienst Berlin
Innsbrucker Straße 26/27
10825 Berlin
Telefon: 0800 9990080-2
Fax:
030 75697-13450
E-Mail:
[email protected]
Präventionsdienst Bielefeld
Turnerstr. 5 – 9
33602 Bielefeld
Telefon: 0800 9990080-2
Fax:
0521 52090-22482
E-Mail:
[email protected]
Präventionsdienst Bremen
Töferbohmstraße 10
28195 Bremen
Telefon: 0800 9990080-2
Fax:
0421 3097-28610
E-Mail:
[email protected]
Präventionsdienst Dessau
Raguhner Straße 49 b
06842 Dessau-Roßlau
Telefon: 0800 9990080-2
Fax:
0340 2525-26086
E-Mail:
[email protected]
Außenstelle Dresden
Zur Wetterwarte 27
01109 Dresden
Außenstelle Leipzig
Elsterstraße 8 a
04109 Leipzig
Präventionsdienst Dortmund
Semerteichstraße 98
44263 Dortmund
Telefon: 0800 9990080-2
Fax:
0231 4196-199
E-Mail:
[email protected]
Präventionsdienst Düsseldorf
Kreuzstraße 54
40210 Düsseldorf
Telefon: 0800 9990080-2
Fax:
06131 802-28430
E-Mail:
[email protected]
62
Präventionsdienst Erfurt
Lucas-Cranach-Platz 2
99097 Erfurt
Telefon: 0800 9990080-2
Fax:
0361 65755-26700
E-Mail:
[email protected]
Außenstelle Bad Hersfeld
Döllwiesen 14
36282 Hauneck
Außenstelle Chemnitz
Nevoigtstraße 29
09117 Chemnitz
Präventionsdienst Hamburg
Rothenbaumchaussee 145
20149 Hamburg
Telefon: 0800 9990080-2
Fax:
040 44112-25190
E-Mail:
[email protected]
Außenstelle Rostock
Blücherstraße 27
18055 Rostock
Präventionsdienst Hannover
Seligmannallee 4
30173 Hannover
Telefon: 0800 9990080-2
Fax:
0511 8118-19170
E-Mail:
[email protected]
Außenstelle Magdeburg
Ernst-Reuter-Allee 45
39104 Magdeburg
Präventionsdienst Köln
Hugo-Eckener-Straße 20
50829 Köln
Telefon: 0800 9990080-2
Fax:
0221 56787-24682
E-Mail:
[email protected]
Präventionsdienst Mainz
Isaac-Fulda-Allee 18
55124 Mainz
Telefon: 0800 9990080-2
Fax:
06131 802-25800
E-Mail:
[email protected]
PD Mannheim|Saarbrücken
Standort Mannheim
Augustaanlage 57
68028 Mannheim
Telefon: 0800 9990080-2
Fax:
0621 3801-24900
E-Mail:
[email protected]
Standort Saarbrücken
Koßmannstraße 48 – 52
66119 Saarbrücken
Telefon: 0800 9990080-2
Fax:
0681 8509-23400
E-Mail:
[email protected]
Präventionsdienst München
Am Knie 8
81241 München
Telefon: 0800 9990080-2
Fax:
089 17918-20700
E-Mail:
[email protected]
Außenstelle Traunstein
Kernstraße 4
83278 Traunstein
Präventionsdienst Nürnberg
Weinmarkt 9 – 11
90403 Nürnberg
Telefon: 0800 9990080-2
Fax:
0911 2347-23500
E-Mail:
[email protected]
Präventionsdienst Stuttgart
Vollmoellerstraße 11
70563 Stuttgart
Telefon: 0800 9990080-2
Fax:
0711 1334-25400
E-Mail:
[email protected]
Außenstelle Freiburg
Basler Straße 65
79100 Freiburg
Standorte der BGHM
Rostock
Hamburg
Bremen
Bad Wilsnack
Bad Bevensen
Berlin
Hannover
Magdeburg
Dessau
Schierke
Bielefeld
Dortmund
Düsseldorf
Leipzig
Schwelm
Erfurt
Nümbrecht
Köln
Dresden
Chemnitz
Bad Hersfeld
Sitz der
Geschäftsführung
Standorte
Lengfurt
Mainz
Saarbrücken
Sennfeld
Mannheim
Bildungsstätten
Nürnberg
Pforzheim
Stuttgart
München
Freiburg
Traunstein
Stand: 12/2014
Berufsgenossenschaft
Holz und Metall
Internet: www.bghm.de
Kostenfreie Servicehotline: 0800 9990080-0
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