Diplomarbeit I

Diplomarbeit I
Nutz, Martin
Matrikelnummer: ZA 600678205
Studierender an der Akademie
für den logopädisch- phoniatrischaudiologischen Dienst
am AKH der Stadt Wien
1090 Währinger Gürtel 18- 20
Diplomarbeit
Jahrgang 2006/09
Unterstützte Kommunikation in der
Dys/ Anarthrietherapie
Erstbetreuer: Trapl Michaela, MSc Logopädin
Zweitbetreuer: Maasz Martin, MBA Logopäde
Abgabetermin: 20.05.2009
Unterstützte Kommunikation in der Dys/Anarthrietherapie
Martin Nutz
Kurzfassung
Diese Arbeit behandelt die Anpassung einer elektronischen Kommunikationshilfe an das
Störungsbild des Patienten sowie die Konfiguration der Software bezogen auf den
Klinikalltag.
Es
werden
verschiedenen
Kommunikationshilfen
und
Eingabegeräte
vorgestellt und die Schwierigkeiten der Anpassung anhand eines Fallbeispiels aufgezeigt.
Weiters wurde eine Umfrage in Landeskrankenhäusern in Niederösterreich und
neurologischen Rehabilitationszentren in ganz Österreich durchgeführt, bezogen auf den
Einsatz von Kommunikationshilfen in diesen Einrichtungen. Mittels einer weiteren
Befragung des Pflegepersonals konnten relevante Aussagen erhoben werden, die nach
der Erfahrung des Pflegepersonals das tägliche Miteinander mittels elektronischer
Kommunikationshilfe erleichtern könnten. Diese Informationen wurden gesammelt, um
einen aktuellen Rundblick über dieses Gebiet zu ermöglichen.
Abstract
This paper deals with the adaptation of communication aids to the patient’s particular
needs. The thesis also provides information about the specific software configuration of
communication aids to meet the patient’s requirements in everyday life at hospital.
Furthermore, various communication aids are presented, as well as the problems that
occur during the individual adjustment. A single case study illuminates these difficulties.
Then again, the paper shows the results of a survey about the practical usage of
communication aids which had been carried out in hospitals in Lower Austria and
neurological rehabilitation centres throughout the country.
Another part of my work covers a questionnaire about the nursing staff’s experiences in
this area. By means of this survey, I gained a lot of practical experience how the usage of
communicative aids in clinical everyday life could be supported.
The information gathered in my work provides a current overview on this field of
research.
2
Unterstützte Kommunikation in der Dys/Anarthrietherapie
Martin Nutz
Danksagung
An dieser Stelle möchte sich der Verfasser bei dem Patienten bedanken, der an der
Fallstudie
maßgeblich
beteiligt
war
sowie
dem
medizinischen
Personal
des
Landesklinikums Donauregion Tulln.
Meinen Betreuern Michaela Trapl und Martin Maasz danke ich
für die fachliche
Unterstützung im Verlauf dieser Diplomarbeit sowie für die Hilfe bei der Auswertung der
Fragebögen und dem Fallbeispiel.
Die Kommunikationshilfe „mySpeaker“ wurde von der Firma Sturmaier und Siegele OEG,
A-4600 Wels zur Verfügung gestellt, wofür ich mich bei Herrn Ing. Sturmaier und seinen
Mitarbeitern auch für die technische Unterstützung herzlich bedanken möchte.
Bei Herrn Matthias Hesse von der Organisation Life Tool möchte ich mich ebenfalls für die
zeitaufwendige Beratung und Unterstützung bei der Erstellung dieser Arbeit bedanken.
Abschließend möchte ich mich bei meiner Mutter, meinen Verwandten und Freunden
bedanken, die mich während der Ausbildungszeit unterstützt und motiviert haben.
3
Unterstützte Kommunikation in der Dys/Anarthrietherapie
Martin Nutz
Inhaltsverzeichnis
Inhaltsverzeichnis ......................................................................................................4
Einleitung ..................................................................................................................6
1. THEORETISCHER TEIL: ..........................................................................................7
1.1 Unterstützte Kommunikation (UK)/Augmentative and Alternative Communication
(AAC)........................................................................................................................7
1.1.1 Allgemeines ...................................................................................................7
1.1.2 Geschichte..................................................................................................8
1.1.3 Eingabegeräte........................................................................................... 10
1.2 Life Tool ......................................................................................................... 12
1.3 „mySpeaker“................................................................................................... 13
1.3.1 Technische Details .................................................................................... 13
1.3.2 Funktionen ............................................................................................... 14
1.3.4 Softwarekonfiguration ............................................................................... 15
1.4 Weitere Modelle: ............................................................................................. 16
1.5 Brain Computer Interface (BCI) ........................................................................ 18
1.6 Anwendung von „Unterstützter Kommunikation“ bei Dys/ Anarthrie ..................... 19
1.6.1 Diagnostik und Anpassung ......................................................................... 20
1.6.2 Mögliches Outcome ................................................................................... 23
2. EMPIRISCHER TEIL .............................................................................................. 24
2.1 Einsatz von Kommunikationshilfsmittel in Landeskrankenhäusern in Niederösterreich
und neurologischen Rehabilitationszentren in Österreich .......................................... 24
2.1.2 Hintergrund und Ziel.................................................................................. 25
2.1.3 Methodik .................................................................................................. 25
2.1.4 Fragebogenauswertung ............................................................................. 25
2.1.5 Interpretation ........................................................................................... 28
2.2 Wesentliche kommunikative Aspekte bei einer Kommunikationshilfe, aus der Sicht
des Pflegepersonals .............................................................................................. 30
2.2.1 Hintergrund und Ziel.................................................................................. 30
2.2.2 Methodik .................................................................................................. 30
2.2.3 Fragebogenauswertung ............................................................................. 31
2.2.4 Interpretation ........................................................................................... 34
2.3 Einzelfallstudie ................................................................................................ 36
4
Unterstützte Kommunikation in der Dys/Anarthrietherapie
Martin Nutz
2.3.1 Hintergrund und Ziel.................................................................................. 36
2.3.2 Methodik .................................................................................................. 36
2.3.4 Fallbeschreibung ....................................................................................... 37
2.3.5 Interpretation ........................................................................................... 41
3. Diskussion und Ausblick ........................................................................................ 43
Zusammenfassung ................................................................................................... 45
5
Unterstützte Kommunikation in der Dys/Anarthrietherapie
Martin Nutz
Einleitung
Im Zuge der Ausbildung zum Logopäden kam der Verfasser bei einer vertiefenden
Praktikumswoche, zum Thema Dysarthrien, im Landesklinikum Mostviertel AmstettenMauer zum ersten Mal mit einem Locked In Patienten in Berührung. Dieses
einschneidende Erlebnis, vor allem in Bezug auf die augenbasierte Kommunikation mit
dem Patienten, erweckte das Interesse auf intensivere Befassung mit diesem Thema.
Folgende Frage drängte sich auf: Gibt es Möglichkeiten, Patienten die an einem
anarthrischen Syndromkomplex erkrankt sind, kommunikativ zu unterstützen um eine
basale Grundkommunikation zu ermöglichen?
Während eines Sommerpraktikums am Neurologischen Zentrum Rosenhügel wurde eine
elektronische Kommunikationshilfe namens „mySpeaker“ vorgestellt, jedoch konnte der
Verfasser den direkten Einsatz am Patienten nicht mitverfolgen, da keine Patienten mit
entsprechenden Dys/Anarthrien vor Ort waren.
Auch während der Ausbildung wurden Kommunikationshilfen immer wieder erwähnt,
jedoch nicht tiefgründiger behandelt.
Da ebenfalls ein grundlegendes technisches Interesse des Autors vorhanden ist, lag es
nahe diese zwei Komponenten miteinander zu verbinden und eine Arbeit über
„Unterstützte Kommunikation“ in der Dys/ Anarthrietherapie zu schreiben.
Durch die intensive Auseinandersetzung mit der Thematik wird hier versucht einen
Leitfaden, betreffend der Anpassung von Kommunikationshilfen, zu erstellen um schon
vorweg auf etwaig auftretende Probleme hinzuweisen, welche beispielsweise durch eine
gründliche Diagnostik umgangen werden können.
Ein weiteres Anliegen des Autors ist es, primär die natürlichen Ressourcen des Patienten
zu nützen und die körpereigenen Kommunikationsformen zu forcieren. Da es jedoch bei
einigen dysarthrischen Störungsbildern absehbar ist, dass der Patient nur sehr langsam
oder überhaupt nicht zur Lautsprache geführt werden kann, besteht die Möglichkeit,
durch eine individuell angepasste
Kommunikationshilfe dem Patienten ein Stück
Autonomie zurück zu geben. Sie ist einerseits notwendig um den Pflegealltag eines
Anathriepatienten zu meistern, andererseits bietet sie dem Patienten die Möglichkeit aktiv
und mit eigenem Gedankengut an der Kommunikation teilzunehmen. Dadurch könnte die
Therapie profitieren, da die Motivation zur Kommunikation des Patienten erhalten bleibt
oder eventuell auch gesteigert wird.
6
Unterstützte Kommunikation in der Dys/Anarthrietherapie
Martin Nutz
1. THEORETISCHER TEIL:
In diesem Teil werden die Grundlagen und die Geschichte der „Unterstützten
Kommunikation“ erklärt. Außerdem wird ein Überblick über verschiedene Eingabegeräte
sowie Kommunikationshilfen ermöglicht und am Beispiel von „mySpeaker“ näher erläutert.
Abschließend werden die Einsatzmöglichkeiten von Kommunikationshilfen und die
vorhergehende Diagnostik besprochen.
1.1 Unterstützte Kommunikation (UK)/Augmentative
and Alternative Communication (AAC)
„Mit Unterstützter Kommunikation werden alle pädagogischen und therapeutischen Hilfen
bezeichnet, die Personen ohne oder mit erheblich eingeschränkter Lautsprache angeboten
werden.“1
1.1.1 Allgemeines
Der Terminus „Unterstützte Kommunikation“ (UK) ist die verkürzte Übersetzung des
englischen Begriffes „Augmentative and Alternative Communication“ (AAC), welcher in der
vollständigen Übersetzung „ Ergänzende und ersetzende Kommunikation“ lautet.2
„Das Konzept der „Unterstützten Kommunikation“ versucht nichtsprechenden Menschen
und
ihren
Bezugspersonen
so
früh
wie
möglich
zu
erfolgreichen
Kommunikationserfahrungen zu verhelfen. Dabei wird die Lautsprache keineswegs
ausgeklammert, jedoch bei Bedarf durch Kommunikationshilfen, -techniken und –
strategien ergänzt.“ 3
1
Anderssohn, S.: Unterstützte Kommunikation Verbesserung der Lebensqualität nicht sprechender
Menschen. 2. Aufl. Seminarunterlagen 2005. S 6 ff.
2
Otto, K., u. Wimmer, B.: Unterstützte Kommunikation. Ein Ratgeber für Eltern. 2. Aufl. Idstein.
2002. S 31 ff.
3
Anderssohn, S.: Unterstützte Kommunikation Verbesserung der Lebensqualität nicht sprechender
Menschen. 2. Aufl. Seminarunterlagen 2005. S 7 ( Zitat von Ursi Kristen).
7
Unterstützte Kommunikation in der Dys/Anarthrietherapie
Dazu
zählen
alle
Methoden,
die
die
vorhandenene
Martin Nutz
Lautsprache,
unterstützen
beziehungsweise kaum verständliche Lautsprache ersetzen.
Diese Methoden kann man in drei große Kategorien einteilen:
1. Körpereigene Kommunikationsformen
2. Nicht- elektronische Kommunikationshilfen
3. Elektronische Kommunikationshilfen
ad 1.“ Unter körpereigenen Kommunikationsformen versteht man den Einsatz von Mimik,
Zeige und Blickbewegungen, Gebärden, individuell gestaltete Zeichen, sowie Lautsprache,
Lautäußerungen und Vokalisationen.“4
ad 2.:“Zu dieser Kategorie zählen Tafeln, Poster und Bücher, die mit Fotos, Symbolen,
Buchstaben, Zeichnungen, Miniaturen sowie Realgegenständen versehen sind.„5 Die
Kommunikation erfolgt über Zeigen oder Deutung der Blickrichtung, sowie durch gezielte
Fragen des Kommunikationspartners.
ad 3. Zu elektronischen Kommunikationshilfen zählen Tastaturen mit einer LED Leiste, auf
welcher der geschriebene Text gezeigt wird. Dies sind einfache Geräte mit Sprachausgabe
und sogenannte „Talker“, deren Aufbau ähnlich der grammatischen Grundstruktur ist und
dadurch auch entsprechend komplexe Satzstrukturen wiedergegeben werden können. 6
Auf obengenannte Talker wird am Beispiel von „mySpeaker“ in dieser Arbeit genauer
eingegangen, während die anderen elektronischen Kommunikationshilfsmittel in einer
Kurzbeschreibung vorgestellt werden.
1.1.2 Geschichte
Der erste, in der Literatur beschriebene Patient stammt aus „Der Graf von Monte Christo“
von Alexander Dumas (1802 -1870) und war Monsieur Noirtier de Villefort, welcher als
„Leichnam mit den lebenden Augen beschrieben wurde“ .7 Monsieur Villefort konnte
mithilfe seines Dieners kommunizieren. Der Diener zeigte oder sagte ihm Wörter in einem
4
Otto, K., u. Wimmer, B.: Unterstützte Kommunikation. Ein Ratgeber für Eltern. 2. Aufl. Idstein.
2002. S 31
5
Otto, K., u. Wimmer, B.: Unterstützte Kommunikation. Ein Ratgeber für Eltern. 2. Aufl. Idstein.
2002.S 32
6
Otto, K., u. Wimmer, B.: Unterstützte Kommunikation. Ein Ratgeber für Eltern. 2. Aufl. Idstein.
2002. S 38
7
Laureys, S.: Progress in Brain Research. Vol.150. Liege. 2005. S 496
8
Unterstützte Kommunikation in der Dys/Anarthrietherapie
Martin Nutz
Buch vor, und wenn er zum richtigen Wort kam, bestätigte Monsieur Villefort durch
Augenzwinkern.
Diese Form der Kommunikation blieb, wenn auch leicht abgeändert, bei Patienten mit
Locked-In Syndrom erhalten, da es für sie die einzige Möglichkeit ist mit der Umwelt in
Kontakt zu treten. Individuell an den Patienten angepasst, kann zum Beispiel Augen
schließen für „Nein“ und Augen weit öffnen für „Ja“ stehen. Für komplexere Aussagen gibt
es die Möglichkeit, die Buchstaben nach der Häufigkeit ihrer Verwendung vorzusagen, und
der Patient blinzelt bei dem gewollten Buchstaben. Dieser Prozess ist sehr langwierig und
verlangt gute Kooperation und viel Geduld. Auf diese Weise wurde das Buch
„Schmetterling und Taucherglocke“ geschrieben.8
Abhängig von den motorischen Möglichkeiten stellen Buchstabentafeln und individuell
angepasste Kommunikationsmappen ebenfalls eine Alternative dar. Der Patient kann, falls
motorisch möglich den Buchstaben beziehungsweise das Bild zeigen oder es wird das Bild
gezeigt und der Patient kann durch blinzeln antworten. Allerdings ist hier zu beachten,
dass beim LIS oftmals die Okulomotorik beeinträchtigt ist, weshalb die Größe der
Buchstaben und Bilder beachtet werden muss. Allerdings ist kaum eigenständige
Kommunikation möglich, ein Gesprächsführer wird benötigt.
Durch die Fortschritte, die in der Computerbranche gemacht wurden, folgte gegen Ende
der 1970er Jahre die Entwicklung von elektronischen Kommunikationshilfen. Anfänglich
waren es noch Stand Pc´s, die mit spezieller Hard- und Software für den jeweiligen
Patienten modifiziert wurden. Die Eingabe erfolgte über die Bildschirmtastatur mit
speziellen Eingabegeräten, auf die nachfolgend noch genauer eingegangen wird. Es
wurden auch Sprechpassagen aufgenommen, welche über den Computer wiedergegeben
wurde. Dies war der erste Schritt in Richtung Sprachausgabe, welche durch die
synthetisierte Sprache fortgesetzt wurde.9 Der Patient konnte einen vorher geschriebenen
Text wiedergeben lassen und dadurch aktiv in die Kommunikation eingreifen. Zu Beginn
klangen diese Stimmen noch sehr unnatürlich, doch auch dieser Faktor wurde in den
letzten Jahren stark verbessert. Die Anpassung der Geräte und die Einschulung des
Patienten erfolgten meist über einen langen Zeitraum und mit großem finanziellem
Aufwand. In Österreich muss der Patient die Kosten für die Kommunikationshilfe selbst
übernehmen. Es gibt jedoch eine gemeinnützige Organisation (Life Tool), die bei der
Finanzierung, Beschaffung und Anpassung von elektronischen Kommunikationshilfen
behilflich ist.
8
vgl. Bauby, JD.: Schmetterling und Taucherglocke. 7. Aufl. München. 2008.
Anderssohn, S.: Unterstützte Kommunikation Verbesserung der Lebensqualität nicht sprechender
Menschen. Seminarunterlagen 2005. S 7
9
9
Unterstützte Kommunikation in der Dys/Anarthrietherapie
Martin Nutz
Durch die fortschreitende Entwicklung am Computermarkt werden diese Geräte immer
kleiner, leistungsfähiger und robuster. Auch die Programme werden laufend verbessert,
was
sich
in
der
Vielfalt
der
Eingabemöglichkeiten
(Buchstaben,
Piktogramme,
Touchscreen, Tonaufnahmen) und den guten Anpassungsmöglichkeiten zeigt. Seit 1992
ist die „Unterstützte Kommunikation“ ein Bestandteil der Sonderpädagogik. Im weiteren
Verlauf dieser Arbeit wird ein kleines Repertoire an Kommunikationshilfen vorgestellt.
1.1.3 Eingabegeräte
Um motorisch eingeschränkten Patienten die Bedienung der Kommunikationshilfe zu
ermöglichen,
wurden
spezielle
Eingabegeräte
entwickelt,
welche
mit
minimalen
Bewegungen der Hand, des Fingers, beziehungsweise dem Kopf oder auch über
Augenkameras gesteuert werden können. Diese Eingabegeräte werden für den Patienten
kalibriert und an seine Fähigkeiten angepasst. Es werden nun einige dieser Eingabegeräte
vorgestellt.
Abbildung 1: Kopfmaus10
Dazu gehören Kopfmäuse, welche am Kopf angebracht
werden und über Infrarotsensoren auf Bewegung
reagieren. Diese Bewegungen werden von dem Cursor
am Bildschirm übernommen und somit kann zum
Beispiel eine Bildschirmtastatur bedient werden. In
Verbindung mit einem Taster wird die Maus komplett ersetzt.
10
Quelle: http://www.lifetool-solutions.at, Download am 04.04.2009;
10
Unterstützte Kommunikation in der Dys/Anarthrietherapie
Martin Nutz
Abbildung 2: Doppeltaster11
Weiters gibt es widerstandsfähige Taster in
verschiedenen Größen und Farben, die mit dem
Finger, der Hand oder auch durch einen Biss
aktiviert werden, und damit die Eingabetaste
der Tastatur ersetzten. Diese Taster können
individuell
platziert
werden,
so
dass
die
Beweglichkeit eines Fingers ausreicht, um sie zu betätigen. Für die Bewegung des Cursors
ist bei Tastern eine Scanningsoftware nötig, welche kontinuierlich die entsprechenden
Buchstaben- oder Symbolfelderfelder abläuft, welche mit dem Taster bestätigt werden.
Abbildung 3: Integramouse12
Bei der Integramouse werden Richtungsänderungen
des Cursors durch Auslenkung des Mundstückes
getätigt, während Druckänderungen, hervorgerufen
durch Saugen oder Blasen, die Maustasten ersetzen.
Vorraussetzung für die Integramouse ist jedoch eine
gute Mundmotorik, was bei neurologischen Patienten jedoch selten der Fall ist. Dieses
System kommt auch bei Rollstühlen als Steuerungseinheit zum Einsatz.
Abbildung 4: Monitor mit Augenkamera13
Es
gibt
auch
Augenkameras,
die
die
Blickrichtung
registrieren und auf den Bildschirm übertragen. Der Patient
kann durch den Blick auf die Bildschirmtastatur den
entsprechenden Buchstaben „eingeben“. Die Eingabe erfolgt
durch einen konstanten Blick über eine vorgegebene Zeit,
welche bei der Erstkalibrierung eingestellt wird oder über
zusätzliche Taster, falls dies motorisch möglich ist. So
können E-Mails geschrieben werden und über das Schriftbild
oder einer zusätzlichen Sprachausgabe mit dem Umfeld kommuniziert werden.
11
Quelle: http://www.lifetool-solutions.at, Download am 04.04.2009;
Quelle: http://www.lifetool-solutions.at, Download am 04.04.2009;
13
Quelle: http://www.lifetool-solutions.at, Download am 04.04.2009;
12
11
Unterstützte Kommunikation in der Dys/Anarthrietherapie
Martin Nutz
1.2 Life Tool
Life Tool Wien ist eine gemeinnützige Beratungsstelle des Evangelischen Diakoniewerks
Gallneukirchen, mit der Unterstützung des Bundessozialamtes Wien und dem Fonds
Soziales Wien. Die Aufgabenbereiche umfassen die Beratung, die Schulung sowie die
Entwicklung und den Vertrieb von Computerhilfsmittel für Menschen mit Behinderung. Die
Produktpalette erstreckt sich von der individuellen Anpassung des Computerarbeitsplatzes
mit diversen Zusatzgeräten, ähnlich den Eingabegeräten, über die Frühförderung und
Schulförderung bis hin zur computergestützten Sprachtherapie und der Unterstützten
Kommunikation. Life Tool bietet langfristige Begleitung und Anpassung, sowie Hilfe bei
der Finanzierung der entsprechenden Hilfsmittel. Die Finanzierung wird durch Mitteln der
oben genannten Institutionen gefördert, um auch sozial schwächeren Patienten
Kommunikationsgeräte zur Verfügung stellen zu können. Durch die Tatsache, nicht
gewinnorientiert arbeiten zu müssen, steht der Mensch bei dieser Organisation im
Vordergrund. Dies zeigt sich in der Vorlaufszeit, die benötigt wird, um das passende Gerät
zu finden. Die Anpassungsphase kann bis zu einem halben Jahr in Anspruch nehmen, da
eine genaue Evaluation der Situation und des Patienten erfolgt. Der Patient wird dann in
kleinen Schritten an die Kommunikationshilfe herangeführt, oft auch über Umwege wie
die Umweltsteuerung, da bei der Bedienung des Fernsehers oder der Jalousien der
Gebrauch von Tastern und anderen Eingabegeräten trainiert werden kann. Auf die
Problematiken der Anpassung wird später noch genauer eingegangen. Der Vorteil dieser
gemeinnützigen Organisation ist, dass die entsprechenden Geräte von verschiedenen
Herstellern aus der ganzen Welt bezogen werden und dadurch ein großes Sortiment zur
Verfügung
steht.
Diese
Kooperation
bietet
Life
Tool
auch
die
Möglichkeit,
Verbesserungsvorschläge direkt an die Entwickler weiterzuleiten und so die Produkte
stetig zu verbessern. Außerdem gibt es neben der Beratungsstelle in Wien noch vier
weitere in Linz, Klagenfurt, Novi Sad und Prag, die miteinander in Verbindung stehen. Der
Erfahrungsaustausch zwischen den verschiedenen Zweigstellen kommt wieder dem
Patienten zugute.
12
Unterstützte Kommunikation in der Dys/Anarthrietherapie
Martin Nutz
1.3 „mySpeaker“
Vorgestellt wurde das Gerät im Sommer 2008 am Neurologischen Zentrum Rosenhügel,
wo es auch das Interesse des Verfassers erweckte. Im folgenden Teil wird der
„mySpeaker“ genauer erklärt, sowie die Möglichkeiten der individuellen Anpassung sowohl
der Software, als auch der Hardware.
1.3.1 Technische Details
Abbildung 5: mySpeaker 8.414
Der Sprachcomputer mySpeaker 8.4 ist
eine
handliche
und
Kommunikationshilfe
in
robuste
Form
eines
Tablet-PCs für Menschen, die im Bereich
der
lautsprachlichen
vorübergehend
Kommunikation
oder
permanent
beeinträchtigt sind.
Das Gerät ist 20 cm lang, 25 cm hoch
und knappe 2 cm dick. Inklusive Akku hat
es ein Gewicht von 900 Gramm. Es
verfügt über ein Aluminium- Magnesium
Gehäuse, welches zusätzlich mit einem Gummiüberzug geschützt ist und dadurch Stürze
aus bis zu 1,5 m übersteht. Weiters hat der Sprachcomputer einen 8,4 Zoll TouchScreen, welcher durch den hohen Kontrast auch im Freien gut erkennbar ist.
Im Inneren arbeitet ein AMD Geode LX-800 Prozessor verbunden mit 512 MB
Hauptspeicher und einer 4GB Festplatte. Als Betriebssystem wird Windows CE 5.0,
Windows XP enbedded verwendet, welches speziell auf die Hardware abgestimmt wurde.
Das Gerät verfügt auch über einen USB 2.0 Port, über den die oben erwähnten
Eingabegeräte angeschlossen werden können. Dazu wird ein Adapter verwendet, der die
14
Quelle: http://www.myspeaker.com, Download am 04.04.2009
13
Unterstützte Kommunikation in der Dys/Anarthrietherapie
Martin Nutz
Signale der verschiedenen Eingabegeräte decodiert und auf den Sprachcomputer
überträgt.15
1.3.2 Funktionen
Abbildung 6: Texteingabe mySpeaker 8.416
Der „mySpeaker“ verfügt über eine Texteingabe, welche
zusätzlich mit einer Wortvorhersage, ähnlich dem T9
Wörterbuch in den Handys, verbessert wurde. Einmal
eingegebene Wörter werden gespeichert und können so
schneller abgerufen werden. Die eingegebenen Wörter
werden
mit
der
synthetischen
Sprachausgabe
wiedergegeben.
Auf Abbildung 5 ist die Symboleingabe zu sehen. Die Symboleingabe ist in verschiedenen
Ebenen organisiert, abhängig von der Feldanzahl die mit dem Configurator (siehe
Softwarekonfiguration) erstellt wurde. Hier wird die angewählte Aussage ebenfalls über
die Sprachausgabe wiedergegeben.
Zusätzlich steht eine Notizfunktion zur Verfügung, dabei kann mit dem Stift auf dem
Display geschrieben werden, jedoch ohne Sprachausgabe.
Die Aufnahmefunktion bietet die Möglichkeit acht Aussagen aufzunehmen und diese durch
berühren des entsprechenden Feldes wiederzugeben.
Im Optionsmenü lassen sich wichtige Parameter wie die Lautstärke, die Berührungsdauer
am Screen, die Sprechgeschwindigkeit, die Schriftgröße, ob die Stimme männlich oder
weiblich sein soll und ob die Berührung oder das Lösen der Berührung als „Mausklick“
gelten soll. Bei den Optionen lässt sich auch die Scanningsoftware aktivieren, welche
benötigt wird, falls der Patient nur einen Taster bedienen kann, z.B. bei eingeschränkter
Armmotorik. Bei Störungen der Optik kann bei der Scanningsoftware auch eine
Vorsprechfunktion aktiviert werden, um den Auswahlprozess auditiv zu unterstützen.
Abschließend gibt es noch einen Statusbildschirm, wo der Energiestand und die Lautstärke
angezeigt werden und das Programmupdate durchgeführt wird.
15
16
Quelle: Bedienungsanleitung „mySpeaker“
Quelle: http://www.myspeaker.com, Download am 04.04.2009
14
Unterstützte Kommunikation in der Dys/Anarthrietherapie
Martin Nutz
1.3.4 Softwarekonfiguration
Die Konfiguration der Software erfolgt über ein Programm, welches mit dem „mySpeaker“
mitgeliefert wird. Nach einer kurzen Einarbeitungsphase kann eine individuell angepasste
Symboleingabe, abhängig von den Ebenen, in circa ein bis zwei Stunden erstellt werden.
Außerdem
besteht
die
Möglichkeit
jederzeit
Änderungen
und
Verbesserungen
durchzuführen, so können auch statt Symbolen Realfotos genommen werden. Die Anzahl
der Symbolfelder kann abhängig von den okulomotorischen Bedingungen variiert werden.
Abbildung 7: mySpeaker Configurator 2x2 Symbolfelder17
Je
weniger
Symbolfelder
verwendet
werden, desto größer sind die einzelnen
Symbole. Es kann eine beliebige Anzahl
an Feldern verwendet werden, z.B. zwei
Felder
waagrecht
und
zwei
Felder
senkrecht. Das sind vier Ebenen denen
Aussagen zugeordnet werden können.
Zusätzlich ist es möglich, weitere Ebenen
hinzuzufügen. Die theoretische Anzahl der Aussagen wird nur vom Speicherplatz und den
kognitiven Fähigkeiten des Patienten eingeschränkt.
Abbildung 8: 4 x 6 Symbolfelder18
Ausgehend
von
einer
ungestörten
Okulomotorik und Optik können vier x
sechs Felder, oder auch mehr konfiguriert
werden.
Die
Möglichkeit
komplexe
Satzstrukturen bilden zu können, wird
durch eine grammatische Aufteilung der
Symbole um ein Vielfaches erhöht. Je
komplexer das ganze System aufgebaut
ist,
Eingabephase
der
entsprechenden
Sequenzen.
desto
länger
Dieser
dauert
Faktor
muss
auch
die
natürlich
berücksichtigt werden.
17
18
Quelle: Screenshot
Quelle: Screenshot
15
Unterstützte Kommunikation in der Dys/Anarthrietherapie
Martin Nutz
Die Symbole werden mit einem Bildschirmtext und einem Sprachtext versehen. Der
Sprachtext wird über die Tastatur eingegeben und beim Antippen des Symbols von der
synthetisierten Sprache wiedergegeben. Es besteht auch die Möglichkeit den Sprachtext
direkt
für
das
jeweilige
Symbol
aufzunehmen
und
dadurch
eine
natürlichere
Sprachausgabe zu erreichen. Die Konfiguration kann nach einer kurzen Einschulung auch
von Angehörigen des Patienten durchgeführt
werden. Dazu befindet
sich ein
Erfahrungsbericht einer Mutter im Anhang (siehe Anhang I), die ein Programm für ihre
Tochter zusammenstellte.
1.4 Weitere Modelle:
Es folgt nun eine Vorstellung verschiedener Geräte aus dem Sortiment von elektronischen
Kommunikationshilfen:
Abbildung 9: Lightwriter SL 3819
Der Lightwriter SL 38 ist eine Kommunikationshilfe, die eine schnelle Kommunikation über
Schriftsprache ermöglicht. Ein zweites
Display erleichtert die Kommunikation
mit
dem
gegenübersitzenden
Gesprächspartner. Der Lightwriter SL 38
hat zudem eine Sprachausgabe, die
selbst über das Telefon sehr gut zu
verstehen ist. Vorraussetzung für dieses
Gerät sind eine gute Handmotorik, sowie intakte Sprachzentren.
19
Quelle: http://www.lifetool-solutions.at, Download am 05.04.2009
16
Unterstützte Kommunikation in der Dys/Anarthrietherapie
Martin Nutz
Abbildung 10: Go Talk 9+20
Diese Kommunikationshilfe mit Symboleingabe gibt es in
verschiedenen Größen, jeweils mit einer veränderten
Anzahl an wählbaren Feldern. Es gibt Ausführungen mit
einem Symbolfeld bis zu 20 Symbolfeldern, jeweils auf
vier Ebenen verteilt. Dazu muss nur die Ebene und die
Schablone gewechselt werden. Die anderen Ebenen
bleiben nach dem Wechsel erhalten und können durch
neuerliches Wechseln der Ebenen wieder abgerufen
werden. Bei dem gezeigten Gerät ergibt das alles in allem
maximal 48 Sprachmitteilungen die hier wiedergegeben
werden können. Die Sprachaufnahmen können auch von Personen aus dem direkten
Umfeld gemacht werden, was bei Kindern noch eine zusätzliche Motivation darstellen
kann.
Abbildung 11: Power Talker21
Beim Power Talker kann die Eingabe über
Symbole oder Schriftsprache erfolgen. Es sind
über 3000 Aussagen eingespeichert und das
Gerät ist mit allen Eingabegeräten kompatibel.
Die
Anzahl
der
Eingabefelder
lässt
sich
ebenfalls variieren und die Größe der Tastatur
ist ebenfalls austauschbar. Das Gerät kann, so
wie alle anderen Kommunikationsgeräte auch,
mittels einer speziellen Halterung an den
Rollstuhl montiert werden. Außerdem ist eine Infrarot Umweltsteuerung in das Gerät
integriert, wodurch die entsprechenden Steuereinheiten in der Wohnung des Patienten
direkt bedient werden können. Es lässt sich gut an die Möglichkeiten des Patienten
anpassen.
20
Quelle: http://www.lifetool-solutions.at, Download am 05.04.2009
21
Quelle: http://www.prentke-romich.de/111-0-powertalker.html, Download am 14.04.2009
17
Unterstützte Kommunikation in der Dys/Anarthrietherapie
Martin Nutz
1.5 Brain Computer Interface (BCI)
Diese Methode befindet sich noch in der Entwicklung und wird von Dr. Nils Birbaumer
vorangetrieben und erforscht22. Dr. Birbaumer arbeitet mit Patienten, die an ALS, dem
Guillain-Barré- Syndrom, und dem Locked- In- Syndrom erkrankt sind. Bei der Brain
Computer Interface- Methode werden die Hirnstromwellen (Slow Cortical Potentials) über
ein EEG ausgelesen und mittels eines „Gedankenübersetzungsapparates“ (Thought
Translation Device) als Leuchtpunkt am Monitor dargestellt. Dieser Leuchtpunkt wird
durch die Bildung spezifischer Gedankenmuster am Monitor nach oben oder unten
bewegt. Als Beispiel wird hier ein ehemaliger Sportler beschrieben, der an das
Niederknien vor dem Startvorgang bei einem Rennen denkt, und so den Leuchtpunkt
steigen lässt. Die Steuerung des Leuchtpunktes stellt für manche Patienten ein großes
Problem dar und erfordert viel Übung und Durchhaltevermögen. Es kann bis zu einem
Jahr dauern bis der Patient eine Trefferquote von 70 Prozent erreicht. Diese Quote wird
benötigt um erste Versuche mit dem Buchstabierprogramm durchführen zu können. Bei
diesem Programm werden durch Heben oder Senken des Punktes Buchstabengruppen
geöffnet und der Patient kann bei dieser Methode, alleine durch Gedankenkraft ein Wort
buchstabieren. Dieser Auswahlprozess kann pro Wort mehrere Minuten in Anspruch
nehmen. Ein ALS Patient von Dr. Birbaumer, der schon länger mit dem BCI arbeitet, kann
damit im Internet surfen und E-Mails verfassen, obwohl er, abgesehen von wenigen
mimischen Muskeln bewegungslos ist. Von einer anderen Forschungsgruppe wird eine
invasive Methode erwähnt, die bei Affen erprobt wird. Dabei werden Elektroden direkt im
Gehirn am motorischen Kortex platziert und die Hirnstromwellen bei speziellen
Bewegungen ausgelesen. Diese Bewegungsmuster wurden auf einen Roboterarm
übertragen und der Affe konnte diesen mithilfe seiner Hirnstromwellen steuern.
Bei der invasiven Methode werden die elektrischen Anweisungen an das Gehirn
abgelesen, während Dr. Birbaumer die Beiprodukte dieser Befehle von der Kopfhaut
abliest, welche natürlich um einiges abgeschwächter wahrgenommen werden.
Diese Methoden können, wenn sie ausgereifter und leichter zu steuern sind, die Zukunft
der Unterstützten Kommunikation darstellen.
22
Parker, I.: Gehirn & Geist. Gedanken Lesen II. Heidelberg. Ausgabe 5/2003, S 76-83
18
Unterstützte Kommunikation in der Dys/Anarthrietherapie
Martin Nutz
1.6 Anwendung von „Unterstützter Kommunikation“ bei Dys/
Anarthrie
Unterstützte Kommunikation wird
Cerebralparesen,
Mehrfach-
begleitend in der Therapie bei
bzw.
Schwerstbehinderungen,
Kindern mit
Autismus
sowie
Entwicklungsstörungen unklarer Genese eingesetzt.23
Bei diversen neurologischen Krankheiten im Erwachsenenalter verursacht das Auftreten
eines Anarthrie- bzw. hochgradigen Dysarthriesyndroms eine massive Beeinträchtigung
der individuellen Kommunikationsfähigkeit. Daraus resultiert eine verminderte bzw.
verunmöglichte Teilhabe im persönlichen Alltag, sowie im jeweiligen sozialen Umfeld.
“Unter einer Dys/ Anarthrie versteht man eine erworbene Sprechstörung, welche durch
eine Schädigung des zentralen oder peripheren Nervensystems verursacht werden. Sie
beruhen
auf
einer
Sprechbewegungen.“
Beeinträchtigung
der
Steuerung
und
Ausführung
von
24
Dabei können die Atmung, die Phonation und die Artikulation betroffen sein. So lautet der
korrekte Ausdruck, falls alle drei Funktionen zu gleichen Teilen beeinträchtigt sind,
Dysarthropneumophonie.
Bei einer Dysarthrie sind diese Funktionen beeinträchtigt, verändert oder vermindert, es
kann also eingeschränkt lautsprachlich
kommuniziert werden, während dies bei der
Anarthrie nicht möglich ist. Der Patient kann, durch die Schwere der Schädigung weder
Phonieren noch Artikulationsbewegungen ausführen. Diese Schädigungen werden unter
anderem von folgenden Erkrankungen hervorgerufen: dem Locked- In Syndrom, der
Amyotrophen Lateralsklerose (ALS), dem Guillain- Barré Syndrom, der Multiplen Sklerose,
der
progressiven
Supranukleären
Blickparese
sowie
Morbus
Parkinson
im
fortgeschrittenen Stadium und Chorea Huntington. 25
Eine Dys/ Anarthrie kann auch als Folge eines Schädel- Hirn Traumas oder eines Insults
auftreten. Bei Auftreten einer reinen Dys/ Anarthrie sind die sprachverabeitenden Zentren
intakt und somit kann die Eingabe über das Schriftbild erfolgen. Sprachverständnis,
Lesen, Schreiben und die Wortfindung stellen für Dys/ Anarthriepatienten kein Problem
dar, vorausgesetzt es gibt keine vorhergehenden Insulte
mit Beteiligung der
23
Otto, K., u. Wimmer, B. :Unterstützte Kommunikation, Ein Ratgeber für Eltern. 2. Aufl. Idstein.
2002. S 13
24
Ziegler, W. et al.: Dysarthrie Grundlagen- Diagnostik- Therapie. 2. Auflage. Stuttgart 2002. S 1
25
Otto, K., u. Wimmer, B. :Unterstützte Kommunikation, Ein Ratgeber für Eltern. 2. Aufl. Idstein.
2002. S 18
19
Unterstützte Kommunikation in der Dys/Anarthrietherapie
Martin Nutz
Sprachzentren. Bei Aphasien sind die sprachverarbeitenden Zentren beeinträchtigt,
deswegen muss in erster Linie über die Symboleingabe gearbeitet werden.
Einen weiteren Faktor stellt die Okulomotorik und die Arm- bzw. Handmotorik dar, gerade
in Bezug auf Lesen und Schreiben. Da diese Erkrankungen mit schweren motorischen
Einschränkungen und auch neuropsychologischen Begleitstörungen einher gehen können,
müssen diese Punkte besonders berücksichtigt werden, um die entsprechenden
Anpassungen der Hardware und Software durchführen zu können. Dies wird im nächsten
Kapitel „Anpassung und Diagnostik“ erläutert.
1.6.1 Diagnostik und Anpassung
Die Diagnostik stellt das Fundament einer guten Versorgung mit Unterstützter
Kommunikation dar. Dazu wird ein Diagnostikbogen aus dem Buch von Boenisch J. und
Sachse S.: „Diagnostik und Beratung in der Unterstützten Kommunikation“26 als Leitfaden
verwendet, welcher als PDF- Datei unter folgender Internetadresse zu beziehen ist:
http://www.vonloeper.de/Diagnostikundberatung.html
Der Bogen ist sowohl für die Durchführung bei Kindern, als auch bei Erwachsenen
gedacht. Manche Fragestellungen müssen, das Alter berücksichtigend, entsprechend
abgewandelt werden. Eine gute Erhebung aller Umstände ist natürlich zeitaufwendig,
jedoch wichtig um den Patienten nicht zu überfordern und eine Akzeptanz für das
Kommunikationsgerät herzustellen.
Die Diagnostik besteht aus einem Anamneseblatt, einem Bogen, der in sieben
Untergruppen
aufgeteilt
ist
und
einer
Tagesuhr-
Dokumentation,
auf
der
die
soll
die
kommunikativen Situationen und der soziale Tagesablauf eingetragen werden.
Auf dem Anamneseblatt werden zentrale Fragen besprochen, wie:
Wer initiiert die Diagnostik?
Welche Fragen sollen beantwortet werden?
In
welchen
Situationen
und
bei
welchen
Gesprächspartnern
Kommunikation unterstützt werden?
Welche Zielvorstellungen haben die Beteiligten?
26
Boenisch, J. und Sachse, S.: Diagnostik und Beratung in der Unterstützten Kommunikation.
1 Aufl. Karlsruhe. 2007. S 66 ff.
20
Unterstützte Kommunikation in der Dys/Anarthrietherapie
Der
Diagnostikbogen
umfasst
folgende
Martin Nutz
Untergruppen,
wobei
für
jede
Gruppe
Beispielfragen angeführt werden.27 Es wird mit Ja, zum Teil und Nein geantwortet und es
gibt eine Spalte für Beobachtungen:
1. Aktuelle Kommunikationsfähigkeit:
Dieser Teil besteht aus 30 Fragen, betreffend die Kommunikationsformen und
Kommunikationsfunktionen.
Es folgen einige Beispielfragen:
Nutzt der Patient Mimik und Gestik oder Kommunikationstafeln?
Kann er Schriftsprache anwenden oder wird vielleicht eine elektronische
Kommunikationshilfe verwendet? Um nur einige Beispiele zu nennen.
2. Stufen des kommunikativen Verhaltens:
In diesem Unterpunkt, der 19 Fragen umfasst, wird abgeklärt, wie der Patient mit
seiner Umwelt interagiert. Die Beantwortung erfolgt wie anfangs beschrieben und
die Kommunikationsstufe wird durch eine Farbcodierung dargestellt.
Beispielfragen: Nimmt der Patient seine Umgebung wahr?
Kann der Patient Blickkontakt herstellen?
Bittet der Patient um Hilfe? Wenn ja, wie?
3. Kognitive Fähigkeiten und Sprachverständnis
Dieser Teil umfasst 23 Fragen, die sich mit dem Situationsverständnis, der
Aufmerksamkeit,
dem
Symbolikverständnis
Ursache–
auseinander
Wirkungsetzten.
Zusammenhang
Beim
und
Sprachverständnis
dem
werden
einfache und komplexe Satzstrukturen und Oberbegriffe erfragt.
4. Sensorische Aspekte/ Wahrnehmung
Hier werden 9 Fragen beantwortet, die Auskunft über die visuellen, auditiven und
taktilen Fähigkeiten des Patienten geben.
5. Grob- und Feinmotorische Fähigkeiten
Dieser Punkt betrifft in weiterer Folge die Bedienbarkeit der Kommunikationshilfe
und die direkte Anpassung an den Patienten mit zusätzlichen Eingabegeräten. Es
werden 9 allgemeine Fragen gestellt und 3 Fragen, die den Einsatz von Gebärden
27
Diagnosebögen aus: Jens Boenisch / Stefanie Sachse; Diagnostik und Beratung in der
Unterstützten Kommunikation, Theorie, Forschung und Praxis. 1. Aufl. Karlsruhe. 2007. S 117 ff.
21
Unterstützte Kommunikation in der Dys/Anarthrietherapie
betreffen.
Bei
dieser
Untergruppe
ist
Martin Nutz
es
ratsam
eine/n
Physio-
oder
Ergotherapeut/in einzubeziehen, da oftmals durch minimale Haltungsänderungen
Einfluss auf die Motorik genommen werden kann und dadurch die direkte Selektion
ermöglicht wird. Außerdem werden einige Eingabegeräte getestet und die
Erfahrungen festgehalten. Diese Testphase sollte, mit Einverständnis des
Patienten, gefilmt werden, um eine gute Auswahl des Eingabegerätes zu sichern.
6. Emotionale und psychosoziale Aspekte
Dieser Teil besteht aus 9 Fragen.
Beispielfragen: Hat der Patient ein großes Kommunikationsbedürfnis?
Gibt der Patient schnell auf wenn er nicht verstanden wird?
Zeigt der Patient Verhaltensauffälligkeiten? Wenn ja, wann und welche?
Zeigt der Patient bei gewissen Themen besonderes Interesse? Wenn ja, bei
welchen?
7. Umfeld
Dabei
werden
21
Fragen
durchgearbeitet,
welche
die
ständigen
Kommunikationspartner betreffen. Dieser Punkt muss mit den Angehörigen oder
den entsprechenden Pflegeeinrichtungen besprochen werden.
Beispielfragen: Unterstützt das Umfeld die nichtsprechende Person beim Einsatz
alternativer Kommunikationsformen?
Ist das institutionelle und familiäre Umfeld an Unterstützter Kommunikation
interessiert?
Sind im Umfeld Ressourcen vorhanden, die die Umsetzung von Unterstützter
Kommunikation ermöglichen? (Herstellen von Kommunikationstafeln, usw.)
Versucht der Gesprächspartner die Aktivitäten anzuregen?
Lässt der Gesprächspartner dem Patienten genügend Zeit, damit der Patient seine
Mitteilungen ausdrücken kann?
Diese Daten werden gesammelt auf ein Übersichtsblatt übertragen und dadurch erhält
man einen guten Überblick über die Möglichkeiten des Patienten und des direkten
Umfeldes. Die Wünsche des Patienten und der Angehörigen werden mit den Möglichkeiten
verglichen, und entsprechende Kommunikationshilfen inklusive Eingabegeräte getestet.
Diese Testphase erfolgt bei Kindern mit einem spielerischen Hintergrund, während bei
Erwachsenen
die
verschiedenen
Bedienelemente
oftmals
in
Verbindung
mit
Umweltsteuereinheiten trainiert werden können. So wird zum Beispiel bei Patienten mit
22
Unterstützte Kommunikation in der Dys/Anarthrietherapie
Martin Nutz
LIS das Betätigen des Tasters zu Beginn durch Betätigen des Schwesternrufknopfes
trainiert. Dann können weiter Faktoren hinzu genommen werden wie das Schließen der
Jalousien oder das Einschalten des Lichtes. Wenn die Bedienung erlernt wurde, wird der
Patient
zum
eigentlichen
Kommunikationsgerät
hingeführt,
jedoch
mit
wenigen
Auswahlmöglichkeiten, damit der Patient nicht überfordert wird und eine frühzeitige
Abneigung gegen die Kommunikationshilfe aufbaut. Diese Übungseinheiten sollten so oft
wie möglich durchgeführt werden, damit der Patient ein sicheres Gefühl im Umgang mit
der Kommunikationshilfe bekommt. Weiters sollten dem Patienten eigenständige
Übungseinheiten ermöglicht werden, wobei auf die korrekte Positionierung der
Kommunikationshilfe und der Eingabegeräte geachtet werden muss. Die Anpassung und
das Erlernen der Handhabung ist ein zeit- und arbeitsintensives Vorhaben und kann in
schwierigen Fällen bis zu einem Jahr dauern, bis die erste eigenständige Aussage erfolgt.
Diese Zeit ist für den Patienten besonders schwer, da immer wieder Fortschritte aber auch
Rückschritte gemacht werden. Neben der klassischen logopädischen Dysarthrie bzw.
Dysphagie-Therapie muss daher auch der Kommunikationsteil ein wesentlicher Bestandteil
der Therapie sein, den es gilt intensiv zu trainieren. Durch knappe zeitliche Ressourcen ist
das nicht immer möglich, weshalb man Schwerpunkte setzten muss, beziehungsweise
fächerübergreifend arbeitet und beispielsweise auch die Ergotherapeutin mit einbezieht.
1.6.2 Mögliches Outcome
In Finnland wurde eine Langzeitstudie über das Outcome von 17 Patienten mit Locked- In
Syndrom gemacht, welche den Zeitraum zwischen 1979 und 2000 umfasst. 28 Diese Studie
ist zwar nicht die Aktuellste, jedoch sind wenig Studien über das Langzeit- Outcome von
Unterstützter Kommunikation bei Dys/ Anarthrie verfügbar. Damals wurde mit Macintosh
Computern gearbeitet, die mit spezieller Software und Eingabegeräten ausgestattet
waren. Personal Computer folgten erst später, da die Software anfänglich nur mit
Macintosh Computern kompatibel war. Die Kosten der damaligen Kommunikationshilfen
und des Zubehörs gehen leider aus der Studie nicht hervor, genauso wie der Zeitaufwand,
der benötigt wurde, bis die Patienten den Umgang mit dem Computer und den
Eingabegeräten erlernten. Nach mehreren intensiven Therapieblöcken verwendeten 9
Patienten ihren Computer für die tägliche Kommunikation mit den Angehörigen über ein
28
Söderholm, S., et al.: J. Rehab. Med. Vol. 33. Issue 5. 2001. S. 235- 239.
23
Unterstützte Kommunikation in der Dys/Anarthrietherapie
Martin Nutz
spezielles Programm mit zusätzlicher Sprachausgabe, zum Surfen im Internet und
verschicken von E- Mails. Ein Patient dieser 9 studierte über das Internet, während ein
anderer Patient am Computer Musik komponierte und Kurzgeschichten schrieb. Ein
weiterer Patient dieser Gruppe unterstützte seine Kinder bei den Hausaufgaben mit Hilfe
des Kommunikationsgerätes. Für diese Patienten ist eigenständige, wenn auch langsame
Kommunikation eine immense Verbesserung der Lebensqualität. Im Anhang (Anhang II)
befindet sich das Datenblatt dieser Studie mit einer genauen Auflistung der Grundgeräte
inklusive Hilfsmittel. Weiters geht daraus hervor, wie und mit welcher Häufigkeit die
Patienten ihre Kommunikationsgeräte für welche Tätigkeit verwendeten.
2. EMPIRISCHER TEIL
Der folgende Teil ist in die drei Abschnitte unterteilt, da es notwendig war einerseits einen
Überblick über den Einsatz von Kommunikationshilfen zu ermöglichen und andererseits
grundlegende Informationen vom Pflegepersonal, bezüglich der Aussagen auf einer
Kommunikationshilfe, einzuholen. Im letzten Abschnitt wird ein Fallbeispiel präsentiert,
um die Anpassung einer Kommunikationshilfe an ein bestimmtes Störungsbild zu
beschreiben. Die Abschnitte werden einzeln interpretiert und in der Diskussion
zusammengeführt.
2.1
Einsatz
von
Landeskrankenhäusern
Kommunikationshilfsmittel
in
Niederösterreich
in
und
neurologischen Rehabilitationszentren in Österreich
24
Unterstützte Kommunikation in der Dys/Anarthrietherapie
Martin Nutz
2.1.2 Hintergrund und Ziel
Das
Ziel
dieser
Umfrage
war
es,
eine
aktuelle
Iststandsaufnahme
für
Landeskrankenhäuser in Niederösterreich und Rehabilitationszentren in Österreich, den
Einsatz von Kommunikationshilfen betreffend, zu erstellen. Da dies grundlegende
Informationen sind und keine aktuellen Daten dazu gefunden wurden, soll die Umfrage
einen Gesamtüberblick für die oben genannten Bereiche bieten. Weiters sollen die Daten
Information darüber geben, ob Patienten die Möglichkeit haben, Kommunikationshilfen
bereits in der Akutphase oder in der Rehabilitationsphase zu testen, beziehungsweise ob
elektronische Kommunikationshilfen im Klinikalltag verwendet werden.
2.1.3 Methodik
Anhand eines Fragebogens, welcher im Anhang (siehe Anhang III) zu finden ist, wurden
LogopädInnen von 20 Landeskrankenhäusern in Niederösterreich und 12 neurologischen
Rehabilitationszentren in Österreich telefonisch befragt.
Die Antworten wurden in die Fragebögen eingetragen und die Ergebnisse mithilfe einer
Excel Tabelle ausgewertet.
2.1.4 Fragebogenauswertung
Folgende Fragen wurden laut Fragebogen gestellt:
25
Unterstützte Kommunikation in der Dys/Anarthrietherapie
Martin Nutz
1.) Werden elektronische Kommunikationshilfen bei der Dys/ Anarthrietherapie in diesem
Krankenhaus verwendet?
12,5%
(4)
Ja
Nein
87,5%
(28)
Diagramm
1:
Verwendung
von
elektronischen
Kommunikationshilfen
in
Rehabilitationszentren und Landeskrankenhäusern in Niederösterreich. (n= 32)
2.) Wenn ja, welche?
Von den vier Einrichtungen, die mit Kommunikationshilfen arbeiten, verwenden drei die
Kommunikationshilfe „mySpeaker“, während eines der Rehabilitationszentren mit Life Tool
kooperiert. Ein Mitarbeiter von Life Tool kommt bei Bedarf vor Ort und versucht mit dem
Patienten eine geeignete Kommunikationshilfe zu finden.
26
Unterstützte Kommunikation in der Dys/Anarthrietherapie
Martin Nutz
3.) Bei welchen neurologischen Störungsbildern wird die Kommunikationshilfe eingesetzt,
bezogen auf die 4 Anstalten die deren Einsatz angaben (n=4, Mehrfachnennungen
möglich)
Störungsbild:
Apraxien
Dys/Anarthrie
Parkinson
Sprachentwicklungsbehinderungen
ICP
Intubation
0,0
Anzahl
0,5
1,0
1,5
2,0
2,5
Diagramm 2: Störungsbilder, bei denen Kommunikationshilfen eingesetzt werden.
(n=4)
In den vorhergehenden Punkten wurden die positiv beantworteten Fragebögen
ausgewertet, und nun folgt eine Aufstellung der Gründe, warum in den verbleibenden 28
Einrichtungen keine Kommunikationshilfen verwendet werden.
27
Unterstützte Kommunikation in der Dys/Anarthrietherapie
Martin Nutz
4.) Wenn nein, warum nicht? (n=28, Mehrfachnennungen möglich)
zu hohe Kosten
Privatanschaffung der
Patienten
Begründung
keine Logopädie
Patienten haben wenig
Zugang zu Computern
Kosten/Nutzen
Keine Information bez. UK
zu kurzer Aufenthalt
Zu wenig Bedarf
Keine Neurologie
Akut KH
0
1
2
3
4
5
6
7
8
9 10 11 12 13
Anzahl
Diagramm 3: Gründe, warum keine Kommunikationshilfen verwendet werden. (n=28)
2.1.5 Interpretation
Auffallend erscheint die Tatsache, dass nur 4 von den 32 befragten Krankenhäusern über
elektronische Kommunikationshilfen verfügen, beziehungsweise mit einer entsprechenden
Organisation wie Life Tool kooperieren. Hier wäre es interessant, ob in den anderen
Einrichtungen Kontaktadressen vorhanden sind, um Patienten bei der Beschaffung einer
Kommunikationshilfe zu unterstützen.
Die Einsatzgebiete in Bezug auf die Störungsbilder entsprechen den Vorgaben der
Hersteller, obwohl der Einsatz bei Apraxien eher fraglich erscheint, jedoch in diesem
28
Unterstützte Kommunikation in der Dys/Anarthrietherapie
Martin Nutz
Punkt keine eigenen Erfahrungswerte gemacht wurden um diese Aussage bestätigen oder
widerlegen zu können. Der Verfasser vermutet, dass die Nennung der „Intubation“ mit
tracheotomierte Patienten verwechselt wurde, was den Einsatz von Kommunikationshilfen
besser erklären und auch ermöglichen würde.
Die Einsatzmöglichkeiten bei Dys/ Anarthrien wurden ebenfalls durch die doppelte Angabe
bestätigt, wobei auch Morbus Parkinson zu dem Störungsbild der Dysarthrie gezählt wird.
Einer der Hauptgründe warum keine Kommunikationshilfen verwendet werden ist laut
Umfrage, dass zuwenig Bedarf an Kommunikationshilfen besteht. Nach eigenen
Erfahrungen während diesem und vorhergehender Praktika, kann das insofern
nachvollzogen werden, da das Vollbild der Anarthrie nur in geringer Anzahl oder in der
Anfangsphase der Rehabilitation auftritt. Es besteht aber auch die Möglichkeit, dass durch
ein Informationsdefizit in diesem Bereich, einer geringen Anzahl an Patienten der Zugang
zu Kommunikationshilfen verwehrt bleibt.
An zweiter Stelle wurde genannt, dass in den entsprechenden Häusern keine
neurologische Abteilung vorhanden ist. Hier wäre zu berücksichtigen, dass auch
tracheostomierte oder beatmete Patienten, zum Beispiel auf einer Intensivstation von
einer Kommunikationshilfe profitieren würden.
An dritter Stelle wurde „keine logopädische Abteilung“ genannt, was jedoch kein Problem
darstellen würde, da in einem der Kommunikationshilfen verwendenden Häusern, diese
von den Schwestern der Intensivstation programmiert und in dem Patienten vorgestellt
wird. Es wäre auch möglich die Arbeit mit Kommunikationshilfen interdisziplinär
anzulegen, da gleichzeitig an der Armmotorik und der Kommunikation gearbeitet werden
kann.
Weiters wurde angegeben, dass die Kommunikationshilfe eine Privatanschaffung der
Patienten ist, jedoch sollte auch hier die entsprechende Unterstützung durch einen
Therapeuten erfolgen. Vor allem die Einarbeitungsphase kann in eine logopädische
Therapie durchaus eingebaut werden.
In einem Krankenhaus hatte man bezüglich elektronischer Kommunikationshilfen wenig
bis gar keine Informationen über die möglichen Einsatzgebiete und Modelle.
Im
Anschluss
an
die
Befragung
wurden
Kontakte
von
Ansprechpartnern
und
Internetadressen weitergegeben, um hier „erste Hilfe“ zu leisten.
29
Unterstützte Kommunikation in der Dys/Anarthrietherapie
2.2
Wesentliche
kommunikative
Martin Nutz
Aspekte
bei
einer
Kommunikationshilfe, aus der Sicht des Pflegepersonals
2.2.1 Hintergrund und Ziel
Die Kommunikationshilfen sind meist mit einem Standard Eingabeprogramm ausgestattet,
welches oftmals zu komplex ist, weil zu viele und auch zu kleine Eingabefelder vorhanden
sind und dadurch die Eingabe für den Patienten erschwert ist. Durch die Möglichkeit die
Kommunikationshilfe „mySpeaker“ individuell an den Patienten und den Einsatzbereich
anpassen zu können, wurde mithilfe eines Fragebogens versucht, eine konzentrierte
Aufstellung von wichtigen Aussagen, den Klinikalltag betreffend, zu erstellen, welche dann
auch in der Erstkonfiguration der Kommunikationshilfe oder in Kommunikationsmappen,
unterstützt
durch
entsprechende
Visualisierungen,
Einzug
halten
könnten.
Der
Schwerpunkt dieser Umfrage war es Aussagen zu finden, die das tägliche Miteinander
zwischen Patient und Pflegepersonal erleichtern können. Leider fehlte hier die Möglichkeit
die Umfrage auch mit einem oder mehreren Patienten durchführen zu können, um den
direkten Vergleich der Sichtweisen darlegen zu können. Der Fragebogen diente zur
Beschaffung grundlegender Informationen bezüglich folgender Fragestellung:
Kann die Kommunikationshilfe die Kommunikation zwischen dem Patienten und dem/den
Pflegepersonal/Angehörigen verbessern?
Da es bei dem Fallbeispiel, welches im weiteren Verlauf dieser Arbeit beschrieben wird,
aus verschieden Gründen leider nicht möglich war, die eigentliche Kommunikation
zwischen Patienten und dem Pflegepersonal zu analysieren, wäre hier eine fortführende
Studie über einen längeren Zeitraum anzuraten.
2.2.2 Methodik
Am Landesklinikum Donauregion Tulln auf der Neurologie 2 wurde an 5 Dienstagen das
diensthabende Pflegepersonal ersucht, einen Fragebogen (siehe Anhang IV) persönlich
und anonym auszufüllen, in dem Vorschläge betreffend Aussagen, Fragen und
Allgemeines (Zahlen, Alphabet, Wochentage & Monatsnamen, Ja & Nein), getätigt
wurden. Antwortmöglichkeiten waren Ja und Nein. Es wurden 13 Aussagen, 3 Fragen und
30
Unterstützte Kommunikation in der Dys/Anarthrietherapie
Martin Nutz
4 Vorschläge zum Thema Allgemeines gemacht. Weiters konnten eigene Vorschläge
niedergeschrieben werden, welche bei der Auswertung ebenfalls berücksichtigt wurden.
Die letzte Frage behandelt die Formulierung der Aussage, in Bezug auf die Freundlichkeit,
da dies bei der Programmierung des „mySpeakers“ berücksichtigt werden kann. Der
Fragebogen wurde mithilfe einer Excel- Tabelle ausgewertet.
2.2.3 Fragebogenauswertung
1. Aussagen, die bei einer Kommunikationshilfe berücksichtigt werden sollten:(n=14)
100
90
80
70
Ja
Nein
60
%
50
40
30
20
10
Arzt
wütend
Toilette
Durchfall
Ruhe
schlechter Schlaf
wenig Schlaf
Müde
Hunger
Umlagern
Übel
Schmerzen
Absaugen
0
Aussagen
Diagramm 4: Welche Aussagen sollen bei einer Kommunikationshilfe berücksichtigt
werden? (n=14)
Weiters wurden bei der Umfrage folgende ergänzende Aussagen von den Pflegerinnen
und Pflegern vorgeschlagen:
Ich will ein Gespräch.
Ich möchte mobilisiert werden.
31
Unterstützte Kommunikation in der Dys/Anarthrietherapie
Martin Nutz
Ich möchte gebadet werden.
Mir ist kalt/warm.
Machen sie bitte das Fenster auf/zu.
Toilette ob groß oder klein.
Können sie bitte lüften.
Es zieht.
Ich bin Diabetiker.
Ich nehme Blutverdünner.
Kontaktieren sie meine Angehörigen.
Ich möchte fernsehen/Radio hören.
Ich brauche eine Schwester/ Pfleger.
Ich möchte ins Bett.
2. Fragen, die bei einer Kommunikationshilfe berücksichtigt werden sollten: (n=14)
100
90
80
70
60
%
50
40
30
20
Ja
10
Therapie?
Besuch?
Wie spät?
0
Nein
Fragen
Diagramm 5: Fragen, die bei einer Kommunikationshilfe berücksichtigt werden sollten.
(n=14)
Folgende Fragen wurden zusätzlich von der Pflege vorgeschlagen:
Wann ist Visite?
32
Unterstützte Kommunikation in der Dys/Anarthrietherapie
Martin Nutz
Was ist passiert?
Wie lange muss ich hierbleiben?
Wann gibt es essen?
Wie geht es weiter?
Werde ich wieder gesund?
Wer sind sie?
Wann darf ich nach Hause gehen?
3. Allgemeines, das bei einer Kommunikationshilfe berücksichtigt werden sollte.
(n=14)
100
90
80
70
60
%
50
40
Ja
Nein
30
20
10
Ja /Nein
Wochentage
Zahlen
Alphabet
0
Allgemeines
Diagramm 6: Allgemeine Punkte über die eine Kommunikationshilfe verfügen sollte
(n=14)
33
Unterstützte Kommunikation in der Dys/Anarthrietherapie
Martin Nutz
4. Wie viel Wert legen sie auf die Formulierung der Aussage? (n=14)
12
10
11
8
Anzahl
6
4
2
2
1
0
Unwichtig
Wichtig
Sehr
Wichtig
Wichtigkeit
Diagramm 7: Wichtigkeit von höflichen ausformulierten Sätzen bei elektronischen
Kommunikationshilfen seitens des Pflegepersonals(n=14)
2.2.4 Interpretation
Die Anzahl der Eingabefelder muss an die motorischen und kognitiven Möglichkeiten des
Patienten angepasst werden. Dadurch muss in erster Linie versucht werden die, für die
jeweilige Station relevanten Aussagen zu finden, wobei die zusätzlichen Aussagen von
besonderem Interesse sind. Folgende Aussagen sollten in weiterer Folge berücksichtigt
und
weiter
evaluiert
werden,
da
sie
am
öftesten
genannt
und
bisher
in
Kommunikationsmappen wenig berücksichtigt wurden.
Ich möchte mobilisiert werden.
Ich möchte ins Bett.
Kontaktieren sie meine Angehörigen.
Machen sie bitte das Fenster auf/zu.
Mir ist kalt/warm.
34
Unterstützte Kommunikation in der Dys/Anarthrietherapie
Martin Nutz
Die Ergebnisse des Fragebogens decken sich großteils mit den Aussagen die ohnehin in
klinisch individuell zusammengestellten Kommunikationsmappen verwendet werden.
Bei der Aussage: “Ich habe Hunger“ stimmten 71% für Nein. Da von einigen
Sondenpatienten berichtet wird, dass sie Hunger empfinden, ist diese Antwort wenig
nachvollziehbar.
Die Aussage: „Ich habe Durchfall“ wurde mit der gleichen Prozentzahl verneint, was durch
die Tatsache, dass neurologische Patienten oftmals mit Katheter und Inkontinenzhose
versorgt sind, verständlicher wird. Außerdem wurde die Aussage:“ Ich muss auf die
Toilette“ zu 100% bestätigt, wodurch die Mehrinformation von Durchfall nicht unbedingt
notwendig ist. (Diagramm 4)
Bei den zusätzlich angeführten Fragen des Pflegepersonals gibt es ebenfalls wichtige
Ansätze die weitergeführt werden sollten:
Was ist passiert?
Werde ich wieder gesund?
Wie geht es weiter?
Wie lange muss ich hierbleiben?
Das Ergebnis, bezogen auf die allgemeinen Punkte über die eine Kommunikationshilfe
verfügen sollte, entspricht den Standards der allgemein üblichen Kommunikationsmappen.
(Diagramm 6)
Der letzte Punkt betrifft die Formulierung der Aussagen, welche, wie aus dem Diagramm
7 zu erkennen ist, für die Mehrzahl des Pflegepersonals eine wichtige Rolle spielt. Dieses
Ergebnis sollte bei der Erstellung von individuell angepasster Software berücksichtigt
werden, da der Sprachtext selbst formuliert werden kann und eine freundliche
Formulierung ohne Mehraufwand möglich ist.
Ob dadurch die Kommunikationshilfe besser vom Umfeld des Patienten akzeptiert wird,
wäre ebenfalls ein interessanter Ansatzpunkt für weitere Studien.
35
Unterstützte Kommunikation in der Dys/Anarthrietherapie
Martin Nutz
2.3 Einzelfallstudie
2.3.1 Hintergrund und Ziel
Das Ziel der Fallstudie war es, die Kommunikationshilfe an einen Patienten anzupassen
und den Einsatz derselben zu analysieren. Die daraus resultierende Fragestellung lautet
wie folgt:
Welche Vorraussetzungen müssen seitens des Patienten, im Bezug auf den Einsatz von
Kommunikationshilfen gegeben sein?
2.3.2 Methodik
Diese Fallstudie wurden im LKH Tulln, in der neurologischen Abteilung mit Unterstützung
der Logopädin Fr. Trapl Michaela, MSc durchgeführt. Der „mySpeaker“ wurde von der
Firma Sturmaier über einen Zeitraum von drei Monaten, von November 2008 bis Februar
2009, zur Verfügung gestellt. Die einzelnen Therapiesitzungen waren in einem
wöchentlichen Rhythmus á 45 Minuten geplant.
Leider
konnte
die
Erprobung
der
Kommunikationshilfe
am
Patienten
im
Beobachtungszeitraum nur viermal durchgeführt werden. Die überwiegende Anzahl der
geplanten Einheiten konnte aufgrund der konstitutionellen Schwäche des Patienten sowie
der tagesverfassungsabhängigen Schwankungen seiner Motivation nicht umgesetzt
werden.
Anhand eines Anpassungsprotokolls wurden spezifische Faktoren, wie Motorik und
vorhandene Paresen, Kopf-, Arm-, und Rumpfkontrolle, Mobilität sowie die visuellen
Einschränkungen eingetragen. Im Anschluss daran wurden die Software und Hardware
der Kommunikationshilfe den Ressourcen des Patienten entsprechend angepasst. Das
Protokoll umfasste fünf Phasen:
Einschulung
Selbstständige Testphase
Vertiefende Einschulung nach der Anpassung
Einsatz im Krankenhausalltag
Einsatz im …………………….(Pflegeheim, bei Angehörigen)
36
Unterstützte Kommunikation in der Dys/Anarthrietherapie
Martin Nutz
Außerdem wurden die einzelnen Punkte der Anpassung in dem Protokoll festgehalten.
Für die Therapie wurde ein Therapieprotokoll verwendet, welches zusammen mit dem
Anpassungsprotokoll im Anhang (siehe Anhang V) beigelegt wurde. Im Zuge der
Therapieeinheiten wurden folgende Punkte genau beachtet:
Die Positionierung der Kommunikationshilfe und der Eingabegeräte.
Kommt der Patient mit dem Eingabegerät zurecht oder sollte das Eingabegerät
gewechselt werden?
Kann der Patient Items nach Vorgabe auswählen und wiedergeben?
Kann der Patient Items nach eigenen Vorstellungen auswählen und die
Buchstabeneingabe verwenden?
Besteht ein Wille zur Kommunikation?
Bleibt die Motivation trotz möglicher Rückschläge erhalten?
Wie ist die Tagesverfassung des Patienten?
2.3.4 Fallbeschreibung
Die Anwendung des Kommunikators „My Speaker“ wurde bei einem Patienten „K“ mit
status post Kleinhirninfarkt mit osteoklastischer Trepanation der hinteren Schädelgrube
erprobt.
St. psychicus:
Patient
wach,
Sprachäußerungen nicht
möglich,
mit
Kopfbewegungen adäquate
Antworten, wirkt bewusstseinsklar und orientiert.
Neurologischer Status:
Obere Extremitäten: Tonus beidseitig erhöht, Trophik seitengleich vermindert. Sensibilität
proximal und distal seitengleich erhalten.
Kraft rechts: Arm kann von der Unterlage abgehoben und gehalten werden.
Fingerbewegungen spärlich bei erhöhtem Tonus. Kraft links proximal und distal auch
gegen mittelgradigen Widerstand möglich, Knips und Trömner beidseits positiv.
Untere Extremitäten: Tonus beidseits spastisch erhöht, Trophik beidseits vermindert,
rechtes Bein kann 15 cm gegen die Schwerkraft von der Unterlage abgehoben und
gehalten werden, Kniebeugen gegen minimalen Widerstand möglich; linkes Bein, passiv
37
Unterstützte Kommunikation in der Dys/Anarthrietherapie
Martin Nutz
gehobenes Bein fällt langsam auf die Unterlage zurück, Kraft distal geringgradig
vermindert, Sensibilität seitengleich o.B.
Aufgrund
der
rezidiven
Atemnot
sowie
der
hochgradigen
Schluckstörung
mit
Notwendigkeit von häufigem Absaugen ist der Patient mit einer Trachealkanüle versorgt.
Logopädischer Status:
Kommunikationsverhalten: Der Patient kann sich über Kopf nicken und Kopf schütteln
sehr gut mitteilen. Weiteres Kommunikationstraining fand schwerpunktmäßig in der
Ergotherapie statt. Der Patient verwendet eine Buchstabentafel, um auf Fragen zu
antworten, hat allerdings kein eigenes Mitteilungsbedürfnis. In der Logopädie und
Ergotherapie wurde zunächst, auf den Vorschlag der Nichte des Patienten versucht, über
einen Laptop einen Kommunikationsaufbau zu starten. Es wurde eine große Tastatur auf
den Desktop gelegt, wobei er die Möglichkeit hatte mittels der Maus einzelne Buchstaben
anzusteuern. Der weitere Aufbau wurde von der Ergotherapie übernommen, da es primär
um das Training der Armmotorik und Armkoordination ging. Schon bald verweigerte Hr. K.
die Arbeit mit dem Laptop.
Atmung: flach
Phonation: wenn entcufft (beim Kanülenwechsel beobachtbar) dann sehr gurgelig;
Artikulation: nicht möglich - anarthrisch, Vokale stimmlos;
Körperhaltung: reduzierte Rumpfaufrichtung, freier Sitz mit einer Hilfsperson kurz
möglich, Kopf kann im Sitzen gehalten werden.
Sonstige Informationen:
Visus / Okulomotorik / Gesichtsfeld: Der Patient sieht im linken Gesichtsfeld wenig bis
nichts, vorbestehende Visuskorrektur, Blickparese links, Doppelbilder;
Vorbereitende Maßnahmen:
Der „mySpeaker“ wurde von dem Therapeuten eingeschaltet, da dies durch die
motorischen Möglichkeiten von Hr.
K.
nicht
möglich war.
Bei entsprechender
Stromversorgung und Positionierung stellt dieser Punkt jedoch kein Problem dar.
1. Therapieeinheit: (11.11.2008)
Vorbereitung:
In der ersten Therapieeinheit wurde mit der Standardkonfiguration (7 x 7 Eingabefelder),
und mit dem Touchpen gearbeitet.
38
Unterstützte Kommunikation in der Dys/Anarthrietherapie
Martin Nutz
Durchführung:
Dem Patienten wurde, nach vorhergehender Aufrichtung im Bett und Unterstützung des
Kopfes durch einen Polster, die Kommunikationshilfe vorgestellt. Diese wurde auf einem
Polster so positioniert, dass durch Auflegen des linken Armes auf dem Polster nur mehr
minimale Bewegungen der Hand notwendig waren um die Eingabe zu tätigen. Der
Touchpen wurde in der Hand von Hr. K. positioniert, was sich durch die schweren
motorischen Einschränkungen als sehr schwierig erwies. Hr. K. konnte den Stift
eigenständig halten, jedoch nicht genug fixieren um die Eingabe am Touch Screen
durchführen zu können. So wurde versucht die Eingabe mit Unterstützung des
Therapeuten zu erleichtern. Der Griff und der Arm von Hr. K. wurde gestützt. Durch diese
Kooperation konnte eine erstmalige Eingabe ermöglicht werden. Ein weiteres Problem
war, dass der Touchscreen oftmals mit dem Handballen von Hr. K. berührt wurde und
dadurch eine falsche Eingabe erzielt wurde. Bei ausreichender Fixierung der Hand und
guter Positionierung des Eingabestiftes konnte eine Eingabe erreicht werden, sobald aber
der Griff gelockert wurde und/oder der Stift verrutschte, war eine Eingabe nicht mehr
möglich. Weiters hatte Hr. K., bedingt durch die Blickparese und eine vorbestehende
Brille, große Probleme beim Erkennen der einzelnen Eingabefelder. Somit war eine
Anpassung der Software, durch Reduzierung der Eingabefelder indiziert. In dieser Einheit
wirkte Hr. K. sehr interessiert und motiviert.
2. Therapieeinheit: (26.11.2008)
Vorbereitende Maßnahmen:
Es erfolgte die erste Anpassungsphase, in der mithilfe des Configurators ein geeignetes
Eingabeprogramm für Hr. K zusammengestellt wurde. Dieses Programm wurde so erstellt,
dass die Symbole groß genug waren, damit Hr. K. diese ohne Probleme, trotz seiner
optischen Einschränkungen, erkennen konnte. Es wurde mit einem 2 x 2 Aufbau
gearbeitet, wie auf Abbildung 7 zu sehen ist. Die Aussagen orientierten sich nach dem
Ergebnis des Fragebogens für das Pflegepersonal.
Durchführung:
Hr.
K.
wurde
im
Bett
aufgesetzt
und
durch
einen
Polster
unterstützt.
Die
Kommunikationshilfe wurde ebenfalls auf einem Polster positioniert, und die neue
Software Ebene für Ebene vorgestellt. Laut Hr. K. konnte er diesmal die Symbole besser
erkennen. Auf den Eingabestift wurde, durch die Erfahrungen der 1. Einheit, zu Beginn
dieser Einheit verzichtet. Hr. K. sollte versuchen die Eingabe mit dem Finger zu tätigen.
39
Unterstützte Kommunikation in der Dys/Anarthrietherapie
Martin Nutz
Der linke Arm wurde entsprechend auf dem Polster platziert, jedoch ergaben sich ähnliche
Probleme wie schon in der 1. Einheit. Hr. K. konnte nicht genug Spannung aufbauen um
den Finger zu strecken und der Handballen berührte ebenfalls den Bildschirm, wodurch es
erneut zu einer falschen Eingabe kam. Im nächsten Schritt wurde versucht die Eingabe
gestützt durchzuführen, was zu den gleichen Problemen führte. Es blieb nur die
Alternative, ein entsprechendes Eingabegerät zu besorgen.
Nach Rücksprache mit Fa. Sturmaier wurde ein Taster für Hr. K. geschickt. Es vergingen
zwei Wochen bis der Taster im Krankenhaus ankam. In dieser Zeit wurden mithilfe der
Angehörigen spezifische Aussagen für Hr. K. gesucht, um die Motivation und Akzeptanz
des Patienten zu steigern. Die neuen Erkenntnisse wurden ehestmöglich in die Software
eingebunden.
Ein weiteres Problem stellte der Kanülenwechsel des Patienten dar, welcher ebenfalls am
selben Tag wie die Therapiesitzungen stattfand und den Patienten sehr anstrengte,
sodass die Therapie manchmal nicht durchführbar war. Im Laufe der weiteren
Rehabilitation folgte eine zunehmende bis schließlich komplette Therapieverweigerung, in
allen Fachrichtungen.
3. Therapieeinheit: (13.01.2009)
Vorbereitungen:
Es vergingen fast zwei Monate bis die Anpassungsversuche evaluiert werden konnten. Der
Patient erholte sich wieder und es konnte ein weiterer Therapieversuch gestartet werden.
Durchführung:
Das Gerät wurde von Hr. K. erkannt und durch die Modifikationen war es nun auch besser
zu bedienen. Der Taster wurde am Bett fixiert und mit der linken Hand bedient. Die
Eingabefelder waren größer und wurden von Hr. K. gut erkannt. An diesem Tag wurden
Hr. K die einzelnen Ebenen vorgestellt und die Eingabe nach Aufforderung des
Therapeuten versucht. Der nächste Schritt war die Feineinstellung der ScanningSoftware, betreffend die Verweildauer auf den einzelnen Symbolfeldern, die auf die
Reaktionszeit des Patienten abgestimmt werden musste. So wie in jeder Therapie ist auch
hier eine intensive Einarbeitungszeit notwendig, um die Grundlagen zu vermitteln. Bei der
Symboleingabe hatte der Patient, bedingt durch die großen Symbole, weniger Probleme,
die Buchstabenfelder waren für die Eingabe etwas zu klein.
40
Unterstützte Kommunikation in der Dys/Anarthrietherapie
Martin Nutz
4. Therapieeinheit: (27.01.2009)
Vorbereitung:
Das Setting wurde von der 3. Therapieeinheit übernommen.
Durchführung:
Hr. K. wurde im Bett in eine sitzende Position gebracht und die Kommunikationshilfe mit
dem Taster positioniert. Nachdem einige eigenständige Eingabeversuche erfolgten, wurde
neuerlich die Geschwindigkeit der Scansoftware reduziert, um die Eingabe zu erleichtern.
Nach einer kurzen eigenständigen Testphase, bei der mit der Symboleingabe gearbeitet
wurde, signalisierte er, dass alle Items die seine Nichte betrafen gelöscht werden sollten.
Dies wurde erst nach mehrmaligen Nachfragen klar und wurde notiert. Um eine eigene
Aussage zu ermöglichen, wurde versucht mithilfe der Buchstabeneingabe etwas zu
produzieren. Dies erwies sich, wie schon in den vorigen Einheiten, als sehr schwer und
konnte auch nicht durch den Taster oder die Scansoftware ermöglicht werden. Als Hr. K.
sehr stark zu husten begann, wurde die Therapie abgebrochen und er wurde von der
Schwester abgesaugt.
Hr. K. war nicht mehr dazu zu bewegen, weiter mit der Kommunikationshilfe zu arbeiten,
er verweigerte jede Art der Therapie. Nach Abbruch eines Rehabilitationsaufenthaltes
wurde Hr. K. in die heimische Pflege der Familie übergeben.
2.3.5 Interpretation
Der erste Versuch war geprägt von der anfänglichen Unerfahrenheit des Autors, wodurch
Hr. K. mit einer 7x7 Felder Symboleingabe konfrontiert wurde, und die Eingabe über den
Touchpen erfolgen sollte. Dieses Setting bereitete dem Patienten viele Probleme und
resultierte in einer Überforderung, da die Kommunikationshilfe zu diesem Zeitpunkt weder
an die armmotorischen, noch an die okulomotorischen Fähigkeiten des Patienten
angepasst war. Durch die Erfahrungen der ersten Einheit erfolgte eine Modifizierung der
Software. Die Zahl der Eingabefelder wurde drastisch reduziert, dadurch waren diese
größer, was sowohl den visuellen, als auch den taktil- kinästhetischen Möglichkeiten des
Patienten entgegenkam.
In der zweiten Einheit wurde die Softwareanpassung präsentiert und vom Patienten gut
angenommen. Das große Problem der Eingabe konnte dadurch aber weiterhin nicht gelöst
41
Unterstützte Kommunikation in der Dys/Anarthrietherapie
Martin Nutz
werden, da oftmalige Fehler bei der Eingabe die Motivation des Patienten merkbar
beeinträchtigte.
Durch diese beiden Einheiten wurde dem Verfasser bewusst, wie wichtig eine
grundlegende Vorabdiagnostik ist, wie sie auch in dieser Arbeit beschrieben wird. Dadurch
hätten Hr. K. einige Rückschläge bei der Eingabe erspart werden können. Die
Berücksichtigung des kommunikativen Verhaltens wäre bei Hr. K. wichtig gewesen, da es
oftmals schien, als ob der Patient über wenig Kommunikationsbedürfnis verfügte. Die
Wichtigkeit der Diagnostik wurde im späteren Verlauf auch von Hr. Hesse von der Firma
Life Tool hervorgehoben. Eine gute Kenntnis der möglichen Eingabegeräte und der
softwareseitigen Modifikationsmöglichkeiten mancher Kommunikationshilfen sind hier von
immensem Vorteil. Es besteht auch die Möglichkeit, die entsprechenden Anlaufstellen
(siehe Anhang) um Unterstützung zu bitten.
Der Taster in Verbindung mit der Scanning- Software erleichterte die Eingabe und
dadurch stieg die Motivation des Patienten, mit der Kommunikationshilfe zu arbeiten.
Leider war es nicht möglich eine eigenständige Aussage über Buchstabeneingabe zu
erzielen, da diese Eingabefelder zu klein sind. Dies wäre ein klarer Ansatzpunkt für
Verbesserungen an der Kommunikationshilfe. Einerseits könnte dieses Problem durch ein
größeres Display gelöst werden, andererseits sollte es über den Configurator möglich sein,
die Symboleingabefelder mit Buchstaben erneut und größer anzuordnen.
Auffällig erschien die Tatsache, dass Hr. K. alle Items die seine Nichte betrafen
verweigerte und diese gelöscht werden mussten. Es war nicht möglich den Grund für
diese Verweigerung in Erfahrung zu bringen. Spekulativ könnte man vielleicht sagen, dass
diese Aussagen zu persönlich für Hr. K. waren und ihn zu stark mit seiner momentanen
Situation konfrontierten.
Ein weiteres Problem stellte die unbeständige Therapiefrequenz dar, da eine intensivere
Arbeit mit dem Patienten an der Kommunikationshilfe, falls diese vom Patienten
angenommen wird, vermutlich schnellere und größere Erfolge nachziehen würde.
Durch oben genannte Umstände konnte keine eigenständige Aussage des Patienten,
weder über Symbol- noch über Buchstabeneingabe, erzielt werden. Die Kommunikation
erfolgte meist nur nach Aufforderung des Therapeuten.
Da es bei dem Fallbeispiel aus verschieden Gründen nicht möglich war, die eigentliche
Kommunikation zwischen Patienten und dem Pflegepersonal zu analysieren, wäre hier
eine fortführende Studie über einen längeren Zeitraum anzuraten.
42
Unterstützte Kommunikation in der Dys/Anarthrietherapie
Martin Nutz
3. Diskussion und Ausblick
Zu Beginn dieser Arbeit standen zwei Fragen im Vordergrund:
1. Welche Vorraussetzungen müssen seitens des Patienten im Bezug auf den Einsatz
des Kommunikators gegeben sein?
2. Kann der Kommunikator die Kommunikation zwischen Krankenhauspersonal/
Angehörigen und dem Patienten verbessern?
Die
Erfahrungen
im
Kommunikationshilfen
Laufe
durch
dieser
Diplomarbeit
individuelle
zeigten,
dass
Anpassungsmöglichkeiten
elektronische
sowohl
der
Eingabegeräte als auch der Software, bei Anarthrien sehr gut einsetzbar sind. Die Phase
der Anpassung, welche mit einer guten Diagnostik beginnt und die Ressourcen des
Patienten berücksichtigt, ist sehr zeit- und arbeitsintensiv, jedoch grundlegend notwendig
um die Motivation und Akzeptanz des Patienten zu erhalten und zu steigern. Über die
oftmals leichtere Symboleingabe wird mit der Kommunikationshilfe gearbeitet, doch das
endgültige Ziel ist die eigenständige Buchstabeneingabe, damit der Patient seine eigenen
Gedanken mithilfe der Kommunikationshilfe verbalisieren kann.
Zu der Frage, ob die Kommunikation zwischen Patient und Pflegepersonal dadurch
verbessert wird, kann sich der Autor nicht auf eigene Erfahrungen berufen, da Hr. K. nach
der vierten Therapieeinheit jede weitere Therapie verweigerte und bis dahin keine
Kommunikationsversuche in diese Richtung unternommen wurden. Die Erfahrung, die mit
dem Patienten in Landesklinikum Mostviertel Amstetten Mauer gemacht wurde, war, dass
die damaligen Antworten, welche über Augen öffnen und schließen erfolgten, oftmals sehr
reduziert ausgeführt wurden. Hier wäre eine Kommunikationshilfe nützlich gewesen um
die Antworten zu bestätigen und auch eine basale Grundkommunikation zu ermöglichen.
Aufgrund dieser Erfahrung wurde versucht, bei dem Pflegepersonal beginnend, Aussagen
zu sammeln, die das tägliche Miteinander erleichtern können. Außerdem sollte ein
ähnlicher Fragebogen von den Patienten beantwortet werden, und der Einsatz dieser
Aussagen in Verbindung mit der Kommunikationshilfe evaluiert werden.
Außerdem ist es von Vorteil, wenn das Umfeld des Patienten entsprechend auf die
Kommunikationshilfe „eingeschult“ wird, denn das Pflegepersonal oder auch die
Angehörigen sollten auf die Aussagen sensibilisiert werden und der Umgang mit der
Kommunikationshilfe einheitlich erfolgen. Auch die Positionierung sollte allgemein bekannt
43
Unterstützte Kommunikation in der Dys/Anarthrietherapie
Martin Nutz
sein, falls die Kommunikationshilfe oder das Eingabegerät verrutscht und dadurch die
Eingabe erschwert wird.
Weiters ist es dem Autor ein wichtiges Anliegen, nochmals darauf hinzuweisen, dass die
eigenen Ressourcen des Patienten genutzt werden sollten und die eigenständige verbale
Kommunikation immer das große Ziel einer Therapie sein sollte. Es gibt jedoch einige
neurologische Erkrankungen, die den totalen Verlust der Sprechfähigkeit nach sich ziehen,
und in diesen Fällen ist der Einsatz einer Kommunikationshilfe indiziert. Wenn der
Umgang mit der Kommunikationshilfe gut erlernt wurde, kann der Patient sein
Gedankengut verbalisieren, was eine immense Steigerung der Lebensqualität nach sich
zieht. Die Kommunikationshilfe ist unbedingt notwendig, um den Klinikalltag zu meistern,
und dem Patienten eigenständige Kommunikation zu ermöglichen, und dadurch aktiv am
sozialen Leben teilnehmen zu können.
Ein abschließendes Anliegen des Verfassers wäre es, dass bei entsprechenden
Störungsbildern die Möglichkeit einer Kommunikationshilfe berücksichtigt wird, und der
Patient bei der Anschaffung und Anpassung dieser unterstützt wird. Dazu befinden sich
Kontaktadressen zu den Vertreibern und Internetverweise zur allgemeinen Information im
Anhang.
44
Unterstützte Kommunikation in der Dys/Anarthrietherapie
Martin Nutz
Zusammenfassung
Diese Arbeit behandelt die hardware- und softwareseitigen Anpassungen einer
Kommunikationshilfe, bei einem Patienten mit Anarthrie Syndrom. Anhand eines
Fallbeispiels, wurde versucht den Prozess der Anpassung näher zu erläutern und einen
Überblick über mögliche Schritte der Modifikation zu bieten. Dazu wurden verschiedene
Eingabegeräte und elektronische Kommunikationshilfen vorgestellt, und anhand der
Kommunikationshilfe „mySpeaker“ der Anpassungsprozess vorgestellt. Das Fallbeispiel
zeigt auf, dass die Kommunikationshilfe für Patienten mit motorischen Einschränkungen
mithilfe verschiedener Eingabegeräte modifiziert werden kann. Die Programmierung der
Kommunikationshilfe kann individuell an den Patienten angepasst werden und mit
persönlichen Fotos visualisiert werden.
Um eine Iststandsaufnahme zu ermöglichen, wurden 20 Landeskrankenhäuser in
Niederösterreich und 12 Rehabilitationszentren in Österreich befragt, ob und welche
elektronischen Kommunikationshilfen verwendet werden. Bei dieser Umfrage zeigte sich,
dass nur wenige Krankenhäuser und Rehabilitationszentren Kommunikationshilfen
verwenden.
Außerdem wurde im Landesklinikum Donauregion Tulln eine Umfrage beim Pflegepersonal
der neurologischen Station durchgeführt, um relevante Aussagen zu finden, über die eine
Kommunikationshilfe verfügen sollte. Bei den Aussagen stimmten die Ergebnisse mit
gängigen
Kommunikationsmappen
überein.
Die
zusätzlichen
Vorschläge
des
Pflegepersonals könnten in Kommunikationsmappen angewendet werden.
45
Unterstützte Kommunikation in der Dys/Anarthrietherapie
Martin Nutz
Literaturverzeichnis
Bücher, Studien und Zeitschriften
Boenisch, J. und Sachse, S.: Diagnostik und Beratung in der Unterstützten
Kommunikation.
1. Aufl. Karlsruhe. 2007. van Loeper Literaturverlag.
Bauby, JD.: Schmetterling und Taucherglocke.
7. Auflage. München. 2007. dtv.
Laureys, S.: Progress in Brain Research. Vol.150, „The Locked-In Syndrom: what is it
like to be conscious but paralyzed and voiceless“
Liege. 2005. Elsevier Urban & Fischer.
Otto, K., u. Wimmer, B.: Unterstützte Kommunikation, Ein Ratgeber für Eltern
2. Aufl., Idstein, 2002. Schulz- Kirchner Verlag
Parker, I.: Gehirn& Geist, „Gedanken lesen II“. Ausgabe 5/2003
Heidelberg. 2003. Spektrum der Wissenschaft Verlag.
Schindelmeister, J.: Neurologie für Sprachtherapeuten
1. Aufl. München 2008. Elsevier Urban & Fischer.
Ziegler, W., et al.: Dysarthrie, Grundlagen- Diagnostik- Therapie.
2 Aufl., Stuttgart New York, 2002. Georg Thieme Verlag.
46
Unterstützte Kommunikation in der Dys/Anarthrietherapie
Martin Nutz
Vorlesungsunterlagen
Anderssohn, S.: Unterstützte Kommunikation Verbesserung der Lebensqualität nicht
sprechender Menschen, Seminarunterlagen 2005,
(wurde von Life Tool zur Verfügung gestellt)
Internet
von Loeper Literaturverlag
Handreichung UK Diagnostik zum Downloaden:
http://www.vonloeper.de/Diagnostikundberatung.html;
Download am 07.04.2009
Söderholm, S., et al.: Journal of Rehabilitation Medicine, Augmentative and alternative
communication methods in locked-in syndrome.
Volume 33/ 5. London. 2001
Onlinejournal:
http://jrm.medicaljournals.se/article/abstract/10.1080/165019701750419644
Prentke- Romich Deutschland; Kommunikation ohne Grenzen
http://www.prentke-romich.de/
Life Tool
http://www.lifetool.at/
http://www.lifetool-solutions.at/
Firma Sturmaier und Siegele OEG
http://www.myspeaker.com/index.php
47
Unterstützte Kommunikation in der Dys/Anarthrietherapie
Martin Nutz
Abbildungsverzeichnis
Abbildung 1: Kopfmaus (Quelle: http://www.lifetool-solutions.at), Download am
04.04.2009
Seite 10
Abbildung 2: Doppeltaster (Quelle: http://www.lifetool-solutions.at); Download am
04.04.2009
Seite 11
Abbildung 3: Integramouse (Quelle: http://www.lifetool-solutions.at); Download
am 04.04.2009
Seite 11
Abbildung 4: Monitor mit Augenkamera (Quelle: http://www.lifetool-solutions.at);
Download am 04.04.2009
Seite 11
Abbildung 5: mySpeaker 8.4 (http://www.myspeaker.com/); Download am
04.04.2009
Seite 13
Abbildung 6: Texteingabe mySpeaker 8.4 (http://www.myspeaker.com/);
Download am 04.04.2009
Seite 14
Abbildung 7: mySpeaker Configurator 2x2 Symbolfelder
Screenshot
Seite 15
Abbildung 8: 4 x 6 Symbolfelder
Screenshot
Seite 15
Abbildung 9: Lightwriter SL 38 (Quelle: http://www.lifetool-solutions.at);
Download am 04.04.2009
Seite16
Abbildung 10: Go Talk 9+ (Quelle: http://www.lifetool-solutions.at); Download am
04.04.2009
Seite 17
Abbildung 11: Power Talker (Quelle: http://www.prentke-romich.de/111-0powertalker.html); Download am 14.04.2009
Seite 17
48
Unterstützte Kommunikation in der Dys/Anarthrietherapie
Martin Nutz
Diagramme
Diagramm 1: Verwendung von elektronischen Kommunikationshilfen in
Rehabilitationszentren und Landeskrankenhäusern in Niederösterreich.
Seite 26
Diagramm 2: Störungsbilder, bei denen Kommunikationshilfen eingesetzt werden.
Seite 27
Diagramm 3: Gründe, warum keine Kommunikationshilfen verwendet werden.
Seite 28
Diagramm 4: Welche Aussagen sollen bei einer Kommunikationshilfe berücksichtigt
werden?
Seite 31
Diagramm 5: Fragen, die bei einer Kommunikationshilfe berücksichtigt werden
sollten.
Seite 32
Diagramm 6: Allgemeine Punkte über die eine Kommunikationshilfe verfügen
sollte.
Seite 33
Diagramm 7: Wichtigkeit von höflichen ausformulierten Sätzen bei elektronischen
Kommunikationshilfen.
Seite34
49
Unterstützte Kommunikation in der Dys/Anarthrietherapie
Martin Nutz
Anhang
Kontaktadressen:
Sturmair und Siegele OEG
Kafkastrasse 1
A-4600 Wels
Markus Siegele
Telefon:+43 7242 / 351014
Telefax: +43 7242 / 351014 - 40
E-Mail: [email protected]
LifeTool Wien
Schwarzspanierstraße 13 / 1.Stock,
1090 Wien
Renate Lahner
Telefon 0043 (0)1 971 75 04
Fax 0043 (0)1 971 75 04 - 13
[email protected]
Dipl.Päd. Matthias Hesse
Telefon 0043 (0)1 971 75 04 - 20
[email protected]
Diagnostikbogen:
Unter folgender Adresse zu beziehen:
http://www.vonloeper.de/Diagnostikundberatung.html
50
Unterstützte Kommunikation in der Dys/Anarthrietherapie
Martin Nutz
Anhang I:
Elektronische Kommunikationshilfen
Ein Bericht einer Mutter
Erstkontakt
Meine Tochter Jolanda ist 6 Jahre alt. Sie ist seit ihrem 5. Lebensmonat schwer
behindert. Sie leidet an einer allgemeinen Entwicklungsverzögerung und Epilepsie. Sie
kann die Arme grob zielgerichtet bewegen, aber nicht mit einem Finger zeigen oder
greifen. Die Kommunikation begrenzt sich auf einzelne Laute.
Mein Partner und ich kommen mit Jolanda ins Therapiezimmer. Jolanda ist nur mäßig
munter. Das Gerät erweckt aber ihre Aufmerksamkeit. Anfangs schaut sie nur, lässt ihre
Hand bewegen. Hört sich an, was da für Geräusche entstehen.
Als wir eine Aufnahme ihrer eigenen Stimme machen wird sie zusehends munterer und
aufmerksamer. Wir wählen diesen Button öfter mit ihrer Hand aus. Jolanda scheint richtig
mit ihrer eigenen Stimmaufnahme zu kommunizieren. Sie antwortet mit einfachen Lauten.
Danach versuchen wir noch einmal mit den Bildern zu arbeiten. Jolanda ist eine halbe
Stunde lang ganz bei der Sache. Das kenne ich sonst nicht von ihr. Hebt man ihre Hand
auf, dann führt sie diese aus eigener Kraft zu einem der Felder.
Interessanterweise reagiert das Gerät sehr gut auf jede zarte Berührung mit Jolandas
Hand. Sie kann also tatsächlich selbst etwas auswählen. Nur die Sprache zu aktivieren ist
für sie zu kompliziert. Jolanda bräuchte sofort ein akkustisches Signal, wenn sie berührt.
Mein erster Eindruck: Das Gerät ist sehr einfach zu bedienen. Die Aufnahmequalität ist
sehr gut, so dass Jolanda ihre eigene Stimme gut erkennen kann. Ich denke, wenn ich
mehrere Einheiten mit Jolanda das Programm durchgehe, können wir sicher zu einer Art
Kommunikation gelangen, was bisher mit ihr sehr schwer war. Wir bekommen nicht
einmal ein deklariertes Ja oder Nein von ihr. Sie wurde auch sichtbar dazu motiviert mehr
Töne von sich aus zu sagen.
Ich stelle mir vor, dass Jolanda noch besser reagieren würde, wenn ich Bilder von ihr
verwenden könnte mit eigenen Tonaufnahmen kombiniert. Jedes ausgewählte Bild sollte
dann sofort die Botschaft akkustisch wiedergeben. So wäre Jolanda noch mehr motiviert.
Programmieren
Obwohl ich bei der 20-minütigen Einschulung nicht wirklich bei der Sache war, hatte ich
zu Hause in 1 ½ Stunden ein eigenes Programm zusammengestellt. Es war ganz einfach
zu verstehen. Da alle Funktionen eindeutig am Bildschirm zu finden sind. Mein einziges
Problem war, zu finden, wo all die Symbole versteckt sind. Danach fand ich heraus, dass
diese sehr vielfältig sind und ich doch für jede Situation das Richtige finden kann. Die
Bildtexte und Sprachtexte änderte ich allerdings.
Weil es richtig Spaß machte, erstellte ich auch ein zweites, komplexeres Programm. Leider
speicherte ich es nicht richtig und konnte es dann nicht mehr öffnen.
51
Unterstützte Kommunikation in der Dys/Anarthrietherapie
Martin Nutz
Sonntag mit Kommunikator
Wir bekamen das Gerät für ein Wochenende mit nach Hause. Jolandas Schwester (4 Jahre
alt) war natürlich auch sehr interessiert. Sie verstand bald die Funktionen, vor allem vom
zeichnen, aber auch das Symbolprogramm und die Aufnahme- und Wiedergabefunktion.
Sobald Jolanda Geräusche von sich gab, nahmen wir diese auf. Gleich nach dem
Frühstück wollte ich es ausprobieren. Jolanda war sehr müde, ließ den Kopf hängen. Sie
war auch nicht ganz gesund, leichtes Fieber und Magenbeschwerden. Trotzdem, ich legte
ihr das Gerät auf den Schoß und spielte ihre eigene Stimme vor. Jolanda reagierte sofort!
Sie machte die Augen auf, schaute aufmerksam. Nach einigen Wiederholungen fing sie an
mit ihrer Stimme zu reagieren.
Später zeigten wir ihr die Bilder und deren Funktion. Jolanda klopfte etwas unkoordiniert
mit den Händen herum. Da wir das Gerät so eingestellt hatten, dass es bei der ersten
kleinen Berührung auswählt, waren oft viele Wiederholungen eingespeichert. Ich hätte
mir gewünscht, dass ich das Gerät, wenn es bei der Wiedergabe ist, unterbrechen kann.
Denn auch hier entstanden oft Wiederholungen.
Wir machten Jolanda mit dem Gerät vertraut, indem wir ihre Hand führten und ihr immer
wieder das Ergebnis vorspielten. Bald klopfte sie wieder vor sich hin. Ich versuchte auf
das einzugehen, was sie eingegeben hatte. Z. B. dass wir mit dem Gerät zeichnen, wenn
Sie das Symbol „Ich will malen“ ausgewählt hatte. Die kleine Schwester zeichnete dann.
Für das Zeichenprogramm musste man Jolandas Hand führen. Natürlich konnte ich nicht
gut kontrollieren, ob sie wirklich eingab, was sie wollte. Doch einmal hatte ich Kontrolle,
da drückte sie unter vielen anderen Bildern auch sehr oft auf das „Bitte wickeln“ Bild. Und
sie hatte tatsächlich eine volle Windel!!! Was für ein Fortschritt!
Ich habe das Gefühl, dass so ein Gerät für Jolanda und uns Angehörige sehr viel bringen
würde. Noch ein paar Tage mit dem Gerät könnte Jolanda einen guten Überblick
verschaffen. Wir könnten sie aktiver ihre Zeit gestalten lassen und besser auf ihre
Bedürfnisse eingehen. Ich wünsche mir ein vereinfachtes Gerät, das gleich nach der
Berührung beim Wegheben der Hand auswählt und direkt den Sprachtext dazu
wiedergibt. Damit Jolanda unmittelbar eine Reaktion bemerkt. Wir denken darüber nach,
uns selbst so etwas zu bauen. Ein 5 000 Euro Gerät zu kaufen kommt für uns finanziell
nicht in Frage.
Alles in allem war es eine sehr interessante Erfahrung. Und ich habe noch nicht erlebt,
dass Jolanda so aufmerksam bei einer Sache bleibt. Obwohl wir schon Spielzeuge mit
Sprechfunktion haben.
Ich bedanke mich herzlich bei Martin, dass er mir die Möglichkeit gab, dieses Gerät
kennenzulernen.
Hildegard J.
(Mutter einer behinderten Tochter)
52
Unterstützte Kommunikation in der Dys/Anarthrietherapie
Martin Nutz
Anhang II: Söderholm S.; et al.; J. Rehab. Med. Volume 33. Issue 5. 2001 S 235- 239;
Datenblatt LIS Studie
53
Unterstützte Kommunikation in der Dys/Anarthrietherapie
Martin Nutz
Anhang III:
Fragebogen zum Thema Einsatz Elektronischer
Kommunikationshilfen in der Neurologie
1) Werden elektronische Kommunikationshilfen bei der An- /Dysarthrietherapie in
diesem Krankenhaus verwendet?
Ja
Nein
O
O
2) Wenn ja, welche? (Mehrfachnennungen möglich)
_________________________________________________________________________
3) Bei welchen logopädisch/Neurologischen Störungsbildern wird der Kommunikator
eingesetzt?
___________________________________________________________________
4) Wenn nein, warum nicht? (Mehrfachnennungen möglich)
_________________________________________________________________________
54
Unterstützte Kommunikation in der Dys/Anarthrietherapie
Martin Nutz
Anhang IV:
Fragebogen für Pflegepersonal, bezüglich Aussagen am
Kommunikationsgerät
1. Welche Aussagen, sollten Ihrer Meinung nach, bei einem Kommunikationsgerät
berücksichtigt werden? (bei Patienten in der Akutphase)
AUSSAGEN
Ich möchte abgesaugt werden.
Ich habe Schmerzen.
Mir ist übel.
Ich möchte umgelagert werden.
Ich habe Hunger. (auch bei Sondenpatienten)
Ich bin müde.
Ich schlafe sehr wenig.
Ich schlafe sehr schlecht.
Ich will meine Ruhe/ alleine sein.
Ich habe Durchfall.
Ich muss auf die Toilette.
Ich bin wütend.
Ich brauche einen Arzt.
JA
NEIN
2. Eigene Vorschläge für weitere Aussagen:
___________________________________________________________________
___________________________________________________________________
___________________________________________________________________
___________________________________________________________________
___________________________________________________________________
3.
FRAGEN
Wie spät ist es?
Wann kommt mein Besuch?
Wann habe ich Therapie?
JA
NEIN
4. Eigene Vorschläge für weitere Fragen:
___________________________________________________________________
___________________________________________________________________
___________________________________________________________________
55
Unterstützte Kommunikation in der Dys/Anarthrietherapie
Martin Nutz
___________________________________________________________________
5.
ALLGEMEINES
Alphabet
Zahlen
Wochentage und Monatsnamen
Ja/ Nein
JA
NEIN
6. Eigene Vorschläge für Allgemeines:
___________________________________________________________________
___________________________________________________________________
___________________________________________________________________
___________________________________________________________________
___________________________________________________________________
7. Wie viel Wert legen sie auf die Formulierung der Aussage? (Bitte, Danke)
(bitte ankreuzen)
UNWICHTIG
WICHTIG
SEHR WICHTIG
Ich danke Ihnen, dass Sie sich dafür Zeit genommen haben.
Martin Nutz, Logopäde in Ausbildung
56
Unterstützte Kommunikation in der Dys/Anarthrietherapie
Martin Nutz
Anhang V:
DIAGNOSTIK- PROTOKOLL
NAME:
DIAGNOSE:
ZEIT:
PATIENTENSTATUS:
THERAPIEORT:
Motorik:
Paresen
Kopfkontrolle:
Stütze: J
N
Armkontrolle:
Führung: J
N
Rumpfkontrolle:
Sitzen: J
Optik:
Brille:
N
J
N
GFA:
J
N
(Gesichtsfeldausfall)
57
Unterstützte Kommunikation in der Dys/Anarthrietherapie
Martin Nutz
Verwendung des Kommunikationsgerätes
ohne Führung: O
mit wenig Führung: O
mit viel Führung: O
nicht möglich: O
Einschulung
Inhalte:
Symbole-, Buchstabenpreset, Ja,
Nein, Schmerzen, Körperteile,
Inhalt vorgeben, Patient soll
eingeben, eventuell mit
Handführung;
Selbstständige Testphase
Bevorzugtes Preset, was gibt der
Pat. ein, wie leicht/schwer fällt
dem Pat. die Eingabe, wie lange
testet der Pat. das Gerät,
Motivationsfaktor, Allg. Handling,
wie wird das Gerät fixiert,
Funktioniert die Eingabe (streift der
Pat. den Tochscreen?) >
Nachjustieren!!!!
Vertiefende Einschulung
nach der Anpassung
Die individuellen
Softwareeinstellungen werden
besprochen (Familienmitglieder
Platzwechsel am Preset) und erste
eigenständige
Kommunikationsversuche über das
Komm. Gerät.
Einsatz im
Krankenhausalltag
selbstständig oder nach
Aufforderung, In welchen
Situationen/mit welchen Personen
(Ärzte, Schwester, Therapeuten,
Angehörige) wird das Gerät
verwendet, welche Inhalte werden
eingegeben, minimaler vs.
maximaler Einsatz.
Einsatz im ………………………..
(bitte ausfüllen)
siehe oben mit ortsabhängigen
Abweichungen, Beobachtungen
dokumentieren
58
Unterstützte Kommunikation in der Dys/Anarthrietherapie
Martin Nutz
Individuelle Anpassung
Berührungsdauer,
Softwareanpassungen,
Stiftmodifikationen, Kopfmaus,
usw.;
Sonstige Beobachtungen
Limitationen,
Verbesserungsvorschläge, usw.
Therapieverlauf
59
Unterstützte Kommunikation in der Dys/Anarthrietherapie
THERAPIEPROTOKOLL
Martin Nutz
Name:
Therapieplanung:
Therapieverlauf:
Schwerpunkte der nächsten Therapieeinheit:
Bemerkungen:
Nahziele:
Fernziele:
60
Unterstützte Kommunikation in der Dys/Anarthrietherapie
Martin Nutz
Schlussblatt
Ich erkläre, dass die vorliegende Diplomarbeit von mir selbst verfasst wurde und dass ich
dazu keine anderen als die angeführten Behelfe verwendet habe.
Außerdem habe ich die Reinschrift einer Korrektur unterzogen und ein Belegexemplar
verwahrt.
Abgabedatum: 20.05.2009
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Nutz Martin
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