Im Test: Alarmanlage um wenig Geld von M+S

Im Test: Alarmanlage um wenig Geld von M+S
Im Test: Alarmanlage um wenig Geld von M+S
"Warum gerade meine...?", fragen sich wohl gerade in diesem Moment duzende - ehemalige Motorradbesitzer. "Ach, mir wird das schon nicht passieren...!", denken sich wohl gerade duzende
- noch - Motorradbesitzer, die vielleicht schon morgen keine mehr sein werden. Wie und zu
welchem Preis kann ich mich einigermaßen absichern und was taugen diese Maßnahmen?
Motorrad-News.at versucht in den kommenden Wochen einige Antworten zu geben.
Gute Alarmanlagen müssen nicht teuer sein und teure keinesfalls gut. Wer sich unter einer
Alarmanlage sogar den ultimativen Schutz vor Diebstahl verspricht, weiß es entweder nicht
besser oder belügt sich wider besseren Wissens selbst. Es ist eher eine gesunde Mischung aus
verschiedenen Sicherheitsmaßnahmen und -utensilien, die einem - immer noch NUR - den
bestmöglichen Schutz vor diesem Albtraum bieten.
Man bedenke: Grundsätzlich ist jedes Bike ganz schnell auf einem LKW, in einem Kleinbus oder
auf einem Anhänger verschwunden! Ob nun eine in jedem Bike inkludierte Lenkradsperre mit
einem vehementen Ruck, eine Kette mit einer Kraftschere oder aber eine Alarmanlage mit einem
Seitenschneider an der richtigen Stelle zu überwinden ist, möglich ist dies immer und zumeist
nicht mal mit sehr viel Aufwand.
Es ist nicht nur die Dreistigkeit der Diebe. Oft genug ist es eben diese Dreistigkeit gepaart mit der
Gleichgültigkeit durch Anonymität in großen Ballungsräumen, welche eine derartig hohe
Kriminalitätsrate wie in diesem Bereich erst ermöglicht. Haben sie schon mal einen an "seinem"
Motorrad werkenden Zeitgenossen gefragt, ob es denn wirklich seines ist?
Die Alarmanlage
Alarmanlagen bieten grundsätzlich eine gute abschreckende Wirkung. Wer möchte schon mit
einem 100 bis 150 dB laut pfeifenden Bike am Anhänger durch die Gegend fahren. Wie gesagt,
zumeist löst ein Seitenschneider und ein gutes Gespür des Diebs über den möglichen Verlauf der
Verdrahtung das Problem jedoch ganz schnell.
Diesbezüglich ist in einem Informationsgespräch beim Fachhändler grundsätzlich zu eruieren, ob
die Anlage auch über eine zusätzliche batteriegestützte Stromversorgung verfügt. Sollte nun eine
sich zum Diebstahl bemüsigt fühlende Person erfolgreich die Hauptstromzufuhr der Anlage finden
und unterbrechen, würde die durch eine Batterie gewährleistete Notstromversorgung in Kraft
treten. Sprich, das Ding würde einfach nicht aufhören zu melden, woraufhin die gescheiterte
Person im Idealfall die Nerven verlieren und vom Bike ablassen würde. Warum sich mit einer laut
quietschenden Beute abmühen, wenn es doch so viele andere ungesicherte Motorräder gibt...?!
Moderne, heutzutage im Handel erhältlichen Alarmanlagen verfügen zum Großteil über einen
oder sogar mehrere sogenannte/n Magnet-Schwingsensor/en. Dies ist die gebräuchlichste und
effektivste Form der Bewegungsmeldung. Bei teureren Anlagen können mehrere solcher
Schwingsensoren eingebaut sein, was eine gewisse Redundanz zur Folge hat. Fällt nun ein
Sensor aufgrund eines Defekts aus oder versagt er einfach nur, so erhöht ein weiterer
Schwingsensor die Wahrscheinlichkeit der Alarmauslösung um das Doppelte.
Oft - und ebenfalls zu meist bei teureren Anlagen - findet man auch noch zusätzliche
Auslösevorrichtungen elektronischer Art. Wie zum Beispiel durch die ständige Überwachung des
Spannungsniveaus an der Boardelektronik. In diesem Falle würde ein Dieb, der es schon mal
ohne gröbere Erschütterung geschafft hat das Bike kurzzuschliessen, durch selbigen Kurzschluss
einen Niveauunterschied im Boardspannungsnetz hervorrufen und so den - für ihn kontraproduktiven Alarm auslösen.
In jedem Fall gilt, sich bei einem Fachhändler über verschiedene Modelle und deren
Spezifikationen bzw. Möglichkeiten schon vorab genauestens informieren zu lassen. Dabei sollte
man aber niemals vergessen, dass Verkäufer natürlich vom Verkauf leben. Dementsprechend
leben sie vom Verkauf der teureren Ware umso besser, wenngleich teurer eben nicht immer
gleich besser ist.
Das Testobjekt: Die TG400 der Firma M+S, gekauft bei Hein Gericke um 49,95 Euro
Unser primäres Ziel war es eine vielversprechende Alarmanlage für den kleinen Geldbeutel zu
suchen und zu finden. Der Umstand, dass wir bei Hein Gericke nur auf zwei (zum Zeitpunkt der
Nachfrage) mögliche Kandidaten stießen liegt bestimmt nicht beim Unwillen des
Zubehör-Fachhändlers. Eher anzunehmen ist eine nicht sehr große Nachfrage nach derartigen
Produkten. Auch hier gilt das Gesetz der Marktwirtschaft: Je größer die Nachfrage, desto größer
das Angebot.
Da es ja nun mal nur zwei Kontrahenten im Wettlauf um unsere Gunst gab, entschieden wir uns laut unseren gesetzten Vorgaben - für die billigere Variante.
Die TG400 der Firma M+S versprach laut Verpackungsaufschrift eine äußerst einfache Montage
mit nur zwei Drähten (+ und -), eine im Gehäuse fest verbaute Piezo-Alarmsirene mit einem
Geräuschpegel von ca. 110 dB in einer Entfernung von einem Meter, eine
Vier-Tasten-Fernbedienung, über welche auch die Programmierung stattfinden würde und die
Möglichkeit, die Anlage bei längeren Stehzeiten (z.B. Winter, Werkstatt, etc.) völlig zu
deaktivieren. Das wäre auch tatsächlich sehr wünschenswert, da die TG400 im aktiven Zustand
einem Stromverzehr von immerhin 4 mA frönt (im Schlummerzustand nur 0,0002 mA).
Das Öffnen der Verpackung
Der erste Höhepunkt: Wenn die Montage und die Bedienung ebenso einfach ist, wie das öffnen
der Verpackungsschachtel, dann ist der Aufwand eigentlich schon wieder so gut wie vorüber.
Ordentlich und auf einen Blick überschaubar liegen die einzelnen Komponenten in der dafür
geformten Plastikeinlage. Die Anschlusskabel, die zwei kleinen Befestigungsschrauben und das
doppelseitig klebende Klettband zur Befestigung auf glatter Oberfläche sind in einem Kleinen
Plastiksäckchen verpackt. Der 9 Volt Block für die externe Notstromversorgung der Alarmsirene
ist ebenfalls in Zellophan verpackt.
Was sich nun für umweltbewusste Erdenbürger nach "viel Müll" anhört, entpuppt sich im
Endeffekt als drei Stück Plastick, zwei kleine Papierzettelchen (vom doppelseitigen Klebeband)
und einer kleinen Kartonschachtel, zu 100% recyclebar.
Bestandsaufnahme
Eine Zentraleinheit (Abmessungen: 11cm x 6cm x 3,5cm), ein Handfunksender (7mm x 3,5mm x
8mm), ein Kabelsatz (Stromzufuhr u. Tasterkabel), ein Taster zum Reaktivieren nach dem
Winterschlaf, zwei Befestigungsschrauben und einem doppelseitig klebenden Klettband. Nicht zu
vergessen, die deutschsprachige Einbau- und Bedienungsanleitung.
Der Einbau
Schon alleine eine deutschsprachige Anleitung ist nicht selbstverständlich in dieser
Preiskategorie. Diese Anleitung setzt sogar noch eins drauf: Sie ist - zumind. zu 99% - fehlerfrei
und gut verständlich geschrieben. Einzig die Schriftgröße könnte bei schwacher Sehkraft einen
kleinen Erschwerungsfaktor darstellen.
Gleich vorab gibt der Hersteller drei wichtige Tipps zum korrekten Einbau und zur präventiven
Vermeidung von Fehlern. Anschließend wird in elf einfach und gut beschriebenen Punkten quasi am silbernen Tablett - der Einbau erläutert. Sogar auf den Bohrlochdurchmesser für den
Taster wurde nicht vergessen.
Tatsächlich genügt in unserem Fall das einmalige Durchlesen, um den Einbau dann aus dem
Kopf heraus zu bewerkstelligen. Sitzbank ab, das vorgesehene Plätzchen von Schmutz und
etwaigen Fettrückständen befreit, dann das +/- Kabel möglichst entlang von außen
unerreichbaren Stellen bis zur Batterie verlegt und mit Kabelbindern (nicht im Lieferumfang
enthalten) befestigt und an Selbiger angeschlossen. Anschließend eine passende Stelle für den
Taster (Bohrlochdurchmesser: 6,5mm) gesucht. Diese Stelle sollte sich möglichst nicht an
tragenden Rahmenteilen befinden. Auch wenn die Zentraleinheit ganz hinten unter dem Rücklicht
montiert werden soll, stellt M+S eine absolut ausreichende Kabellänge sowohl für die
Spannungszufuhr als auch für den Taster zur Verfügung.
Jetzt nur noch die Zentraleinheit mit Hilfe des Klettbandes an die gesäuberte Stelle befestigen
und - wie in unserem Fall - zumindest mit einer Schraube fixiert (man will es ja mit dem
Durchlöchern nicht gleich übertreiben). So, der entscheidende Moment: Zuerst den Stecker des
Tasterkabels, dann den Stecker der Spannungszufuhr an die Zentraleinheit und zuletzt noch ein
leichter Druck auf den roten Taster. Tatsächlich. Wie erwartet - laut Anleitung - gibt die Anlage
mit zwei lautstarken Tönen zu verstehen, dass sie aktiv ist.
Feinjustierung und Probe aufs Exempel
Mit Hilfe der vier Tasten auf der Fernbedienung läßt sich die Zentraleinheit programmieren. Dies
beinhaltet die Empfindlichkeit des Magnet-Schwingsensors in acht Stufen, das Aktivieren des
Schlummerzustandes (Winterschlaf), das Auslösen des Panikalarms und nicht zuletzt das
Schärfen bzw. Entschärfen der Alarmanlage.
Nun laufen Chaoten wie ich Gefahr die Bedienungsanleitung zu verlieren, was unweigerlich zu
einem Verlust der Tastenfolgen zur Programmierung der Anlage führen würde... Wäre da nicht
eine Beschriftung auf der Rückseite des Handsenders, welcher detailiert selbige Tastenfolgen
beschreibt.
Ein erster Test besteht aus sanften Bewegungen des Bikes vom Seitenständer in die Senkrechte
und zurück auf den Seitenständer. Nach einigen Wiederholungsversuchen fühle ich Resignation.
Das Ding macht keinen Beep. Allerdings - so drengt sich mir die Frage auf - würde wohl kaum ein
Dieb die Maschine derart sanft bewegen. Die nächste Wiederholung - nun etwas unsanfter endet mit ohrenbetäubenden und hochfrequenziellen Signaltönen. So sieht die Sache dann
schon besser aus.
Nach der nächsten Scharfmachung gehe ich um das Bike und klopfe, boxe bzw. (sorry, mein
Schatzi!!!) trete gegen verschiedenste Teile mit variierender Kraft. Nachdem die TG400 ganz
hinten montiert ist, kommt es naturgemäß am vorderen Ende des Bikes am wenigsten zum
Auslösen des Alarms. An dieser Stelle bin ich allerdings ziemlich beruhigt, da ich ja davon
ausgehen muß, dass ein Dieb sich nicht ausschließlich mit der Vorderseite meines Bikes
zufrieden geben wird.
Das Fazit
Im Großen und Ganzen hat die M+S TG400 absolut gehalten, was die Aufschrift auf der
Verpackung versprach. Sollte sich allerdings ein Dieb finden, der mit Hilfe eines Krans in der
Lage ist das Bike mit viel Fingerspitzengefühl und sehr sanft auf den LKW zu heben, wird die
TG400 tatsächlich frühestens beim ersten Schlagloch zu schreien beginnen. In diesem Falle fiele
dann wohl der Abschreckeffekt weg, da das Werk ja praktisch schon vollbracht ist. Dahingehend
empfiehlt sich sowieso zusätzlich zu jeder Alarmanlage ein Bogenschloß und/oder eine gute
schwere Kette zum Befestigen an einer Straßenlaterne oder Ähnlichem.
Als - wenn auch nicht ganz notwendiges - Plus kann man die optionale Erweiterbarkeit um eine
Pager-Einheit werten. Der Besitzer trägt dann immer einen Pager bei sich und wird sofort
verständigt, sollte sein ganzer Stolz entwendet werden. Die Notwendigkeit (s.o.) stellt sich
allerdings insoweit in Frage, als es ja nicht jeden Tag oder auch nur jeden vierten Tag passiert,
dass der Pager dann beept. Es gibt wohl keinen Biker, dem es nicht zu blöd wäre einen Pager
Monate und Jahre lang zu tragen, nur weil sein Motorrad gestohlen werden könnte... Heute,
morgen oder in sieben Wochen oder in 13 Monaten und 12 Tagen oder nie.....
Als Minus ist zu werten, dass man zwar die Möglichkeit hat einen Pager anzuschließen, die
Anlage jedoch kein Relais zum Anschluss der Blinkanlage bereitstellt. Weiters ein Minus für die
Abmessungen des Handsenders. Diese sind etwas zu groß für einen Motorradschlüssel.
Den Preis von 49,95 Euro ist die TG400 in jedem Fall wert und die Funktion tut das was sie tun
soll. Wer einige Euro mehr bereitstellen kann und möchte bzw. wer mehr technische Features
von einer Alarmanlage erwartet, entscheidet sich dann doch lieber für ein etwas teureres Gerät.
Die nächstteurere Alarmanlage bei Hein Gericke liegt bei etwa 129,00 Euro und bietet schon
wesentlich mehr Möglichkeiten.
Doch sollte wider erwarten und entgegen allen Hoffens das allzu leicht Mögliche doch passieren,
dann weiß man es zumindest das nächste mal besser.... und dann gibts da noch eine Möglichkeit
seinen gestohlenen Liebling in eine Datenbank zu stellen und ein Bild von ihr hochzuladen.
Unter www.Motorrad-Gestohlen.at haben Diebstahlopfer diese Möglichkeit. Auf der anderen
Seite - wenn die Datenbank groß genug ist - können aber auch Hehler entlarvt werden,
wenn diese versuchen Motorräder oder Teile mit Fahrgestell- oder Motornummer an jemanden zu
verhökern, der die Möglichkeit auf Motorrad-Gestohlen.at kennt und nutzt.
Daher liegt uns sehr viel an der möglichst weiten Verbreitung dieses (absolut kostenfreien)
Dienstes und an der zahlreichen Nutzung beider Gruppen.
(Bericht und Fotos: Ingmar Erdös)
(c) by '666kw.com - Das teuflisch gute Motorradportal für Junge und jung gebliebene'
URL : http://motorrad.666kw.com
Was this manual useful for you? yes no
Thank you for your participation!

* Your assessment is very important for improving the work of artificial intelligence, which forms the content of this project

Download PDF

advertising