ModellWerft_Power-Sp..

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M odelltechni k | M AT H O
POWER-SPARK
Wir bauen eine Zündung
A
lle richtigen 2-Zylindermotoren
auf der Basis von ZENOAH,
CHUNGYANG, RCMK oder
ähnlichen Motoren bauen wegen den
nötigen beiden roten Primärzünd- oder
Erregerspulen sehr breit. Oder hoch,
je nachdem, wie die Spulen angeordnet werden.
Üblicherweise werden bei den bekannten „richtigen“ 2-Zylindermotoren die
Spulen seitlich, quer oder horizontal verbaut, wie z. B. beim MOUSE HOUSE.
Eine Ausnahme ist der Heilbronner-Bub
(den sehe ich aber nicht als 2-Zylindermotor, da dieser Motor ein Koppelmotor ist, ohne an seiner Sinnhaftigkeit des
Motors zu zweifeln), der baut schmaler,
aber dafür deutlich länger.
Die Breite der 2-Zylindermotoren
(und auch unserer 3- und 4-Zylindermotoren) verhinderte oft den Einbau
in Cats, da in den Kufen soooo viel
Platz nicht ist. Und bei dem Einbau
der Motoren nebeneinander in Monos
wird’s auch oft recht eng. Also musste
eine Lösung her und die lautet „Elektronikzündung“.
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Die Lösung: Elektronikzündung
Es gibt zwar am Markt diverse Elektronikzündungen, aber diese gefielen
mir nicht, da sie die Möglichkeiten
des Motors nicht ganz ausnutzen. Und
eine Überwachung der RC-Anlage ist
da schon mal gar nicht implementiert;
auch diverse Zündwinkelverstellkurven
sind meines Wissens da nicht programmierbar; zumindest nicht vom Kunden.
Und: die Dinger haben keine Anzeige,
2-Zylinder-Motoren vom Typ MOUSE HOUSE mit serienmäßiger ZENOAH-CDI-Magnetzündung
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Zündung und ...
... Sensor
in der Konzeptbaustufe
Der Heilbronner Bub baut schmaler aber deutlich länger als der MOUSE HOUSE
ergo auch keine Drehzahlanzeige, obwohl die Elektronik die Drehzahl misst.
Ich konnte aus der Automobilindustrie
erfahrene Elektroniker für das Vorhaben
gewinnen, die bereit waren, mit mir
zusammen eine Zündung nach Industriestandards zu entwickeln und diese
auch in Stückzahlen zu bauen. Diese
Elektroniker haben sich unter dem Firmennamen „tne-systeme“ organisiert.
Das Lastenheft
Am Anfang steht wie immer ein sogenanntes Lastenheft, in dem festgehalten
wird, was die Zündung können soll.
Folgende Kriterien standen dann auf
der Aufgabenliste:
• verschiedene Zündwinkel-Verstellkurven fest einprogrammiert und
vom Kunden per Menü anwählbar
(kein Computer, Laptop o.ä. nötig)
Einbau der Konzeptbaustufe in die NoMercy mit 260er ZENOAH
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• Kunde soll eigene Zündwinkelkurven programmieren können
• Drehzahlmesser integriert mit Anzeige von aktueller oder maximaler
Drehzahl (ähnlich Sendec), Springen
des Bootes mit Motorüberdrehzahl
muss ausgeblendet werden
• RC-Servo-Signalüberwachung und
automatischer Motorstopp bei Fehlsignalen
• RC-Akku-Überwachung mit Warnung durch Motorstottern bei zu
geringer Spannung und Motorstopp
bei Akkuausfall (Spannungen können eingestellt werden)
• Kill-Switch-Funktion
• wasserdicht vergossen
• keine Störungen dürfen in die RCAnlage kommen
• kleiner Sensor mit Magnetsteuerung
(siehe Einbaubreite)
• Stromversorgung durch RC-Akku
(von 4 Zellen bis 12 Volt muss alles
möglich sein)
• Drehzahlbereich bis mind. 30.000
min-1 (wegen evtl. Glühzünderumbau)
• bis zu 4-Zylindermotor muss möglich sein
Dies führte zum Schluss, dass die
Zündkerzenspannung nicht in dieser
Elektronik erzeugt werden soll, sondern mit Hilfe der bei ZENOAH und
RCMK serienmäßigen grauen Sekundärspulen. Diese verbleiben also im
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System, müssen aber nicht direkt am
Motor befestigt werden.
Kleiner Abstecher in die Automobilindustrie: hier wird in Baustufen entwickelt. Und da wir in einer Welt der
Anglizismen leben, wurden diese Baustufen so benannt:
XP: eXperimentation Phase (Konzeptbaustufe: ist das Konzept überhaupt für
die Serie geeignet? Teile sind experimentell produziert und montiert, sehr
kleine Stückzahlen)
AP: Application Phase (Anwendungsbaustufe: funktioniert das System im
Zusammenspiel mit der gesamten Peripherie? Teile sind schon teilweise Serienteile, kleine Stückzahlen, teilweise
auf Prototypmaschinen produziert)
CP: Confirmation Phase (Freigabeoder Bestätigungsbaustufe: funktioniert das Komplettsystem mit Serienbauteilen unter Serienbedingungen
und in allen denkbaren Zuständen?)
Daniel „Seewolf“ beim Aufpumpen...
Die Zündung
in der Anwendungsbaustufe
Lieferumfang
1- und 2 ZylinderVersion
XP – die Konzeptbaustufe
Zündung und Sensor der Konzeptbaustufe waren in meine NoMercy
mit dem 260er ZENOAH eingebaut
(leicht frisiert von RS). Das Gehäuse
kam von einem Elektronikversender,
die Platine wurde im eigenen Labor
erzeugt, der Sensor entsprach aber
schon der nächsten Anwendungsbaustufe (AP).
Hier haben wir die Grundfunktionalitäten getestet, meist in Trockentests mit
laufender Maschine. Auch wurden auf
einem E-Motoren-Prüfstand schon die
ersten Dauertests gefahren. Dann kamen die Tests im Wasser, wir fuhren in
Kirchheim/Neckar, unterstützt von unserem immer bereiten Bergebootfahrer
Daniel „Seewolf“ (ohne manntragendes
Bergeboot fahre ich grundsätzlich nicht
mit einem Modellboot).
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Die Zündung eingebaut in der NoMercy
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tersschwäche litt, laut Recherche im
Internet kein Einzelfall.
AP – die Anwendungsbaustufe
In der Anwendungsbaustufe (AP) war
das Gehäuse noch aus Alu-Profilen
zusammengeklebt, aber die die Platine
war bereits serienmäßig produziert. In
dieser Phase hatten wir dann auch die
neun fixen Verstellkurven einprogrammiert und eine knapp 50-seitige Bedienungsanleitung geschrieben. Auch
die diversen Sicherheitsabschaltungen
wurden nun praxisnah getestet und somit „validiert“.
Die Anwendungsbaustufe diente
hauptsächlich der Entwicklung der
Software, z. B. um herauszufinden, wie
die RC-Überwachung im Detail aussehen muss (Parameter), wie sich das
Motorstottern im Wasser auswirkt, wie
die Zündwinkel-Verstellkurven genau
aussehen müssen etc.
CP – die Freigabe- oder
Bestätigungsbaustufe
Die Zündung in
1-/2-Zylinderversion (oben)
und in der
3-/4-Zylinderversion
Zündkit 1
50
Allerdings hatten wir immer nach
50 m Aussetzer. Es dauerte eine Weile,
bis klar war, dass diese Aussetzer von
meiner alten FUTABA 1024 PCM kamen. Dies bedeutete aber auch, dass die
Zündung den Motor immer zuverlässig
abschaltete, sobald keine vernünftigen
Empfängersignale mehr registriert werden konnten. Unterm Strich also etwas
Positives.
Nach dem Umbau meiner Anlage auf
2,4 GHz mit CORONA-Bauteilen aus
Fernost war alles im grünen Bereich.
Nachträglich hatte ich festgestellt,
dass das 40-MHz-Modul wohl an Al-
Im April 2010 begann dann die Freigabe- oder Bestätigungsbaustufe (CP).
Das Gehäuse der Zündung war nun
aus dem Vollen gefräst und rot eloxiert.
Die rote Plexiglasabdeckung war gefräst
und mit Spezialkleber aufgesetzt. Der
Rest war schon Serie …
Auch in dieser Phase wurde noch an
den Verstellkurven optimiert. Dazu
kam die Einheit in ein EMV-Labor;
dies ist nötig, um das CE-Prüfzeichen
zu erhalten.
Dann konnten die ersten Motoren
mit dem System ausgerüstet und an
die Kunden „verteilt“ werden. Das
System an sich passt an alle 260er
ZENOAH-Motoren und an die entsprechenden Derivate (z. B. RCMK
und auch ChungYang) mit Hilfe eines Einbausatzes, den ich auf meiner
Homepage www.mathopowertrain.de
anbiete. Für die Zündung wurde eine
eigene Homepage eingerichtet: www.
power-spark.de.
Die POWER-SPARK besteht aus folgenden Teilen:
• Zündbox mit allen nötigen Kabeln
und Steckerbuchse zum Sensormodul
• Sensormodul mit Kabel und Stecker
• Magnet (in roten Schlauch eingeschrumpft)
• Bedienungsanleitung
Die POWER-SPARK ist in folgenden
Ausführungen lieferbar:
• 1-Zylinder-Version mit und ohne
RC-Überwachungsfeatures
• 2-Zylinder-Version mit und ohne
RC-Überwachungsfeatures
• 4-Zylinder-Version („DoppelTwin“)/(„Doppel-Boxer“) mit und
ohne RC-Überwachungsfeatures
• die 4-Zylinder-Versionen sind auch
für meine 3-Zylinde-Motoren einsetzbar, da „Anderthalb-Twin-Konzept“
Der Einbausatz für ZENOAH oder
RCMK besteht aus:
• Polrad aus Alu (Zündkit 1) oder Messing (Zündkit 2) mit eingeklebtem
Sensormagnet
• Sensorhalter
• Distanzröhrchen
Zündkit 2
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NoMercy mit MOUSE HOUSE
Einfache Inbetriebnahme
Wenn keine RC-Überwachung gewünscht ist, wird die Zündung einfach
eingeschaltet (es hat sich bewährt, in
den fliegenden Sicherungshalter einfach die Sicherung zu stecken) und
der Motor gestartet. Wenn alles richtig angeschlossen wurde, dann startet
er wegen des stärkeren Zündfunkens
spätestens nach dem 3. Mal anreißen,
wobei „reißen“ eher der falsche Ausdruck ist, es müsste eher „anziehen“
genannt werden.
Praktische Erfahrungen
Der Serien-ZENOAH (milde Frisur)
drehte unter Last in meiner NoMercy
etwa 500 min-1 höher als mit der serienmäßigen Magnetzündung. Der
Grund: der Zündfunke ist stärker, d. h.
die Verbrennung bei hohen Drehzahlen ist besser. Bei den 3- und 4-Zylindern sieht das noch besser aus: mit der
Magnetzündung musste die Energie
der roten Spule auf zwei graue Spulen
aufgeteilt werden, was einen schwächeren Zündfunken zur Folge hatte. Jetzt
können die Motoren endlich zeigen,
was in ihnen steckt.
Nachdem der ZENOAH wegen Betriebsdauer überholt werden musste,
habe ich als Zwischenlösung einen
RCMK-basierten Motor mit MichiManz-Tuning und Messingpolrad
eingebaut. Aber hallo, die Fuhre geht
jetzt deutlich besser und zieht jetzt
zwei Stück 76er-Graupner-Propeller,
was vorher undenkbar war. Trotzdem
ist meiner Meinung nach die NoMercy
für einen einzelnen 26er plus Verteilergetriebe etwas zu schwer, somit kam
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MOUSE HOUSE mit Sensor
dann die logische Konsequenz: Einbau
unseres 2-Zylinders.
Momentan baue ich ein 30-kg-Mono
mit unserem RAT HOUSE und der
Zündung auf. Wenn das Boot fertig ist,
werde ich hier wieder berichten.
Was wunderbar klappt, das ist die
Stotterfunktion, die bei Akku-Unterspannung einsetzt: Auch im Kampfgetümmel, wenn also mehrere Boote
gleichzeitig das Wasser quirlen, sehr
gut zu sehen, da der Rooster Tail immer wieder kurzfristig abbricht und
dann wieder einsetzt. Unter der eingestellten Stotterdrehzahl (in meinem
Falle 11.000 min-1) lässt sich Motor
dann ganz normal weiterbetreiben,
man kann also in Ruhe an Land fahren.
Momentan sind wir dabei, weitere
Funktionen in diese Zündsteuerung
einzubauen:
• drehzahlabhängiger Schaltausgang:
für Pumpe, Drosselklappe, Signal,
etc.
• Schaltausgang (wahlweise blinkend)
zur Signalisierung Motorstopp
• Betriebsstundenzähler
• Anzeige der Batteriespannung und
Drehzahl bei stehendem Motor (einstellbar)
Umfassend Auskunft erhält man bei
www.power-spark.de
MOUSE HOUSE, Zündungsseite
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