Design virtueller Lernumgebungen für die universitäre Lehre: Das

Design virtueller Lernumgebungen für die universitäre Lehre: Das
Department Psychologie
Institut für Pädagogische Psychologie
Oliver Bürg, Katrin Winkler, Jochen Gerstenmaier und Heinz Mandl
Design virtueller Lernumgebungen für die universitäre Lehre:
Das Lernmodul „Mediendidaktik“ für Lehramtstudierende im
Aufbaustudiengang Medienpädagogik
Dezember 2003
Bürg, O., Winkler, K., Gerstenmaier, J. & Mandl, H. (2003). Design virtueller
Lernumgebungen für die universitäre Lehre: Das Lernmodul „Mediendidaktik“ für
Lehramtstudierende im Aufbaustudiengang Medienpädagogik (Praxisbericht Nr. 29).
München: Ludwig-Maximilians-Universität, Department Psychologie, Institut für
Pädagogische Psychologie.
Praxisbericht Nr. 29, Dezember 2003
Ludwig-Maximilians-Universität München
Department Psychologie
Institut für Pädagogische Psychologie
Lehrstuhl Prof. Dr. Heinz Mandl
Leopoldstraße 13, 80802 München
Telefon: (089) 2180-5146 – Fax: (089) 2180-5002
http://lsmandl.emp.paed.uni-muenchen.de/
email: mandl@edupsy.uni-muenchen.de, buerg@edupsy.uni-muenchen.de,
winklerk@edupsy.uni-muenchen.de, gerstenm@edupsy.uni-muenchen.de
Design virtueller Lernumgebungen für die universitäre Lehre:
Das Lernmodul „Mediendidaktik“ für Lehramtstudierende im
Aufbaustudiengang Medienpädagogik
Oliver Bürg, Katrin Winkler, Jochen Gerstenmaier und Heinz Mandl
Praxisbericht Nr. 29
Dezember 2003
Ludwig-Maximilians-Universität München
Department Psychologie
Institut für Pädagogische Psychologie
Lehrstuhl Prof. Dr. Heinz Mandl
2
BÜRG, WINKLER, GERSTENMAIER & MANDL
Zusammenfassung
Dieser Bericht beschreibt im Detail die Gestaltung des Moduls „Mediendidaktik“,
das am Lehrstuhl für Empirische Pädagogik und Pädagogische Psychologie an
der Ludwig Maximilians-Universität München entwickelt wurde und im Rahmen
der Virtuellen Hochschule Bayern angeboten wird. Zielgruppe dieses Moduls
sind Lehramtsstudierende im neu geschaffenen Aufbaustudiengang Medienpädagogik. Das Modul „Mediendidaktik“ ist als hybrides Lernszenario, bestehend aus Präsenz- und virtuellen Phasen. Kernstück des Moduls ist eine
virtuelle Lernumgebung, die nach den Prinzipien des problemorientierten
Lernens gestaltet wurde. Die Lernumgebung besteht aus fünf Fallbeispielen
zum Einsatz problemorientierten Lernens mit neuen Medien im Schulunterricht.
Die TeilnehmerInnen haben die Aufgabe die einzelnen Fallbeispiele aufgrund
der Gestaltungskriterien für problemorientierte Lernumgebungen zu evaluieren.
Die Bearbeitung dieser Aufgaben erfolgt alleine oder in virtuellen Arbeitsgruppen. Zusätzlich können die Studierenden auf ein Theoriekapitel, in dem die
wichtigsten Inhalte systematisch aufbereitet sind, zugreifen.
Schlüsselwörter: Medienpädagogik, Mediendidaktik, problemorientiertes
Lernen, Lernen mit neuen Medien, computervermittelte Kommunikation.
Abstract
This report describes the module “Mediendidaktik” in detail, which has been
developed at the chair of Empirical Pedagogy and Educational Psychology of
the Ludwig-Maximilians-University of Munich. The Module is part of the Virtual
University of Bavaria. The target group for this programme are students from
the field of teacher education which participate in the further education study
programme “Medienpädagogik”. The module is designed as a blended-learning
scenario with face-to-face and virtual phases. The basis element of this module
is a virtual learning environment, which has been designed according to the
principles of problem-based learning. It consists of five authentic cases on the
implementation of problem-based learning to school learning environments. The
participants analyse the goals and discuss whether and to what extend the
principles of problem-based learning environments have been realized,
individually or in small groups. Further more the students have access to a
theoretical chapter on problem-based learning.
Keywords: problembased learning, net-based learning, computer-mediated
communication.
DAS MODUL „MEDIENDIDAKTIK“
3
DESIGN VIRTUELLER LERNUMGEBUNGEN FÜR DIE
UNIVERSITÄRE LEHRE:
DAS LERNMODUL „MEDIENDIDAKTIK“ FÜR
LEHRAMTSTUDIERENDE IM AUFBAUSTUDIENGANG
MEDIENPÄDAGOGIK
Beruflicher und privater Alltag lassen sich ohne die Fähigkeit, neue Technologien einzusetzen, immer weniger meistern. Die neuen Informations- und
Kommunikationstechnologien durchdringen heute fast sämtliche Bereiche des
Lebens und eröffnen auch für das Lernen neue Perspektiven (Thiessen, 2001).
Die Herausforderungen durch die gesellschaftlichen und technischen Entwicklungen und die sich dadurch immer schneller wandelnden beruflichen
Anforderungen erfordern lebenslanges Lernen und veränderte Kompetenzen.
Die schon vielfach geäußerte Forderung nach lebenslangem Lernen (Dohmen,
1997) geht somit von einer Vision zunehmend in die Realität über. Vor diesem
Hintergrund muss Bildung generell gewährleisten, dass Lernende neben den
traditionellen Kulturtechniken auch Medienkompetenz entwickeln, dass neben
anschlussfähigem und anwendungsbezogenem Fach- und Orientierungswissen
auch fächerübergreifende Kompetenzen aufgebaut werden. Hierzu gehören
Selbstständigkeit, Teamfähigkeit und ein demokratisches Bewusstsein, ebenso
Auswahl-, Unterscheidungs- und Konzentrationsvermögen sowie die Bewertung
und Beurteilung von Informationen (Reinmann-Rothmeier & Mandl, 2001).
Die systematische Förderung dieser fächerübergreifenden Kompetenzen muss
in Schule und Hochschule vorangetrieben werden. Die neuen Informations- und
Kommunikationstechnologien können hier als geeigneter Ansatzpunkt dienen,
um den Herausforderungen, die die Notwendigkeit zum lebenslangen Lernen
mit sich bringt, gerecht zu werden. Die Integration der neuen Medien und
Informations- und Kommunikationstechnologien in den Schulunterricht möglichst vieler Fächer ist in diesem Zusammenhang ein erster zentraler Schritt.
Eine wesentliche Voraussetzung zur systematischen Integration neuer Medien
in den Schulunterricht ist die Ausbildung der Lehrkräfte im Bereich der Medienpädagogik. Dies wurde in Bayern durch die Entwicklung des Erweiterungsstudiengangs „Medienpädagogik“ LPO I § 110b (Bayrisches Staatsministerium
für Unterricht und Kultus, 2002) angestoßen. Der Studiengang Medienpädagogik besteht aus verschiedenen Themengebieten. Ein Themengebiet dieses
Studiengangs ist die „Mediendidaktik“. Für die „Mediendidaktik“ wurde am
Lehrstuhl für Empirische Pädagogik und Pädagogische Psychologie an der
Ludwig-Maximilians-Universität München ein virtuelles Seminar entwickelt.
4
BÜRG, WINKLER, GERSTENMAIER & MANDL
Kernstück dieses Seminars ist eine netzbasierte Lernumgebung, auf dessen
Konzeption in diesem Beitrag näher eingegangen wird.
Der inhaltliche Schwerpunkt der Lernumgebung liegt auf der Integration
problemorientierten Lernens mit neuen Medien. Denn das alleinige Hinzufügen
der neuen Technologien zu den traditionellen Lehr-Lern-Methoden reicht nicht
aus, um den Herausforderungen gerecht zu werden. Der Einsatz der neuen
Technologien ist nur dann für das Lernen sinnvoll, wenn dies vor dem
Hintergrund einer neuen Lernkultur geschieht.
Das Lernmodul „Mediendidaktik“ beschäftigt sich nicht nur inhaltlich mit dieser
neuen Lernkultur, die in der Entwicklung problemorientierter Lernumgebungen
mündet sondern wurde auch auf der Basis dieser neuen Lernansätze entwickelt.
Bevor das Lernmodul „Mediendidaktik“ im Detail erläutert wird, werden
zunächst die zentralen Annahmen der neuen Lernkultur kurz vorgestellt.
Eine neue Kultur des Lehrens – und Lernens
Auch heute noch ist die Erfahrung vieler Lernender in verschiedenen Bildungseinrichtungen davon geprägt, dass Lehren und Lernen in Umgebungen stattfindet, in denen der Lehrende eine aktive und der Lernende eine eher rezeptive
Rolle übernimmt (Reinmann-Rothmeier & Mandl, 2001).
Zwei Grundannahmen stecken hinter dieser stark systematisierten und
kontrollierten Form des Lernens. Zum einen wird angenommen, dass Wissen
als Folge von Faktenlernen und Routine entsteht. Zum anderen wird Wissen als
Gut angesehen, das von einer Person (dem Lehrenden) zu einer anderen (dem
Lernenden) weitergegeben werden kann. So wird in dieser traditionellen Form
des Unterrichts oft so genanntes träges Wissen erzeugt, d. h. Wissen, das in
einer Situation theoretisch gelernt wurde, in einer Anwendungssituation jedoch
nicht genutzt werden kann (Renkl, 1996). Um dieses Problem anzugehen, wird
in den letzten Jahren zunehmend eine neue konstruktivistische Lehr-LernPhilosophie vertreten (Gerstenmaier & Mandl, 1995). Ziel dieser neuen
Lernkultur ist die Vermittlung anwendbaren Wissens, um die so oft diskutierte
Kluft zwischen Wissen und Handeln zu überbrücken (Reinmann-Rothmeier &
Mandl, 2001). Der Kern einer neuen Lernkultur fokussiert die aktive Wissensentwicklung, d. h. Wissen wird nicht einfach rezeptiv übernommen, sondern
aktiv, je nach Vorwissen, Motivation und Einstellung vom Einzelnen erworben.
Dies impliziert jedoch auch, dass Wissen nicht als Produkt betrachtet werden
kann, das von einer Person zu einer anderen weitergereicht wird.
DAS MODUL „MEDIENDIDAKTIK“
5
Lernen wird nach dieser Auffassung als ein aktiver, selbstgesteuerter, konstruktiver, situativer, sozialer und emotionaler Prozess betrachtet (ReinmannRothmeier & Mandl, 1998).
Lernen als aktiver Prozess. Lernen wird nur über eine aktive Beteiligung des
Lernenden möglich.
Lernen als selbstgesteuerter Prozess. Beim Lernen übernimmt der Lernende
selbst Steuerungs- und Kontrollprozesse.
Lernen als konstruktiver Prozess. Neues Wissen kann nur erworben und genutzt werden, wenn es in die vorhandenen Wissensstrukturen eingebaut und
auf der Basis individueller Erfahrungen interpretiert wird.
Lernen als emotionaler Prozess. Beim Lernen haben sowohl leistungsbezogene
als auch soziale Emotionen einen starken Einfluss. Insbesondere im Hinblick
auf die Motivation für das Lernen ist die emotionale Komponente wesentlich.
Lernen als sozialer Prozess. Lernen ist fast immer ein interaktives Geschehen
und wird durch soziale Komponenten beeinflusst.
Lernen als situativer Prozess. Wissenserwerb erfolgt stets in einem spezifischen Kontext und ist mit diesem verbunden. Lernen ist daher situativ.
Die Gestaltung von problemorientierten Lernumgebungen bietet eine pragmatische Möglichkeit, die neue Auffassung von Lehren und Lernen umzusetzen.
In Untersuchungen zeigte sich, dass die Lernenden trotz einer aktiven Rolle im
Lernprozess je nach Lernvoraussetzungen immer auch ein gewisses Maß an
Instruktion benötigen, um effektiv lernen zu können (vgl. hierzu Gräsel, 1997;
Renkl, 1996). Dies bedeutet, dass die Lernenden bei auftretenden Fragen oder
Problemen unterstützt werden und zum Beispiel Feedback zu ihren Ergebnissen erhalten. Aber auch bei gruppenspezifischen Problemen bietet der
Lehrende z. B. durch Gruppenregeln Unterstützung an. Eine Balance zwischen
Instruktion und Konstruktion bildet die Basis problemorientierter Lernumgebungen. Der Kern besteht somit darin, dass ein aktiver Lernender durch Instruktion während des Lernprozesses angeleitet, unterstützt und beraten wird.
•
Lernen in einem authentischen Kontext: Der Ausgangspunkt des
Lernens sollten authentische Probleme sein, die für die Lernenden
relevant sind. Denn die Darstellung von realistischen Problemen oder
authentischen Fällen sichert einen hohen Anwendungsbezug des
Gelernten und erzeugt Interesse beim Lernenden.
•
In multiplen Kontexten lernen: Den Lernenden werden verschiedene
Anwendungssituationen verdeutlicht und/oder die Lernenden werden
dazu angeregt, das Gelernte in mehreren unterschiedlichen Problemstellungen konkret anzuwenden (z. B. durch die Integration verschie-
6
BÜRG, WINKLER, GERSTENMAIER & MANDL
dener Anwendungsbeispiele). Auf diese Weise lässt sich Wissen aufbauen, das unter verschiedenen situativen Bedingungen flexibel abgerufen, umgesetzt und weiterentwickelt werden kann.
•
Lernen in einem sozialen Kontext: Das gemeinsame Lernen und Arbeiten sollte Bestandteil möglichst vieler Lernphasen sein (z. B. arbeiten die
Lernenden in Kleingruppen an der Lösung eines authentischen Falles).
•
Mit instruktionaler Unterstützung lernen: Die Lernenden bekommen die
notwendigen Ressourcen zum Lernen zur Verfügung gestellt und haben
die Möglichkeit, bei Problemen einen Berater/Coach zu kontaktieren.
Das Lernen im Rahmen einer problemorientierten Lernumgebung basiert neben
selbstgesteuertem Lernen auch auf kooperativem Lernen.
Die neuen Informations- und Kommunikationstechnologien bieten nun Möglichkeiten, Lernumgebungen vor dem Hintergrund der gerade vorgestellten neuen
Kultur des Lehrens und Lernens zu entwickeln. Im klassischen Unterricht sind
die Möglichkeiten des einzelnen Lernenden, sich aktiv in die Lernsituation und
den Lernprozess einzubringen, eher eingeschränkt. Lernumgebung, Lernzeit,
Lernweg sind vorgegeben und die Aktionen, zu denen der Lernende gelegentlich aufgefordert wird (z. B. eine Frage beantworten), sind zeitlich sehr eingeschränkt. Der Lernende erfährt hierbei eher seine Begrenztheit als sein eigenes
Wirksamkeitspotenzial (Weidenmann, 2000). Aktiv-konstruktives Lernen ist so
nur selten möglich. Hier eröffnen die neuen Medien vielerlei Möglichkeiten, z. B.
im Hinblick auf die Auswahl des eigenen Lernwegs, denn die Möglichkeit, den
eigenen Lernweg zu wählen, hat eine motivierende Wirkung auf die Lernenden
(Deci & Ryan, 1993).
Vor dem Hintergrund dieser Basisannahmen wurde das Modul „Mediendidaktik“
gestaltet. Problemorientiertes Lernen mit neuen Medien im Schulunterricht ist
zudem der inhaltliche Schwerpunkt des Kurses.
Bevor auf die inhaltliche und mediale Gestaltung des Lernprogramms näher
eingegangen wird, erfolgt eine kurze Darstellung des curricularen Kontexts, in
dem das Modul eingebettet ist.
DAS MODUL „MEDIENDIDAKTIK“
7
Der Erweiterungsstudiengang „Medienpädagogik“
Der Erweiterungsstudiengang baut auf der neuen LPO I, § 110b „Medienpädagogik“ auf (Bayrisches Staatsministerium für Unterricht und Kultus, 2002).
Folgende Themenbereiche sind Bestandteil des Studiengangs:
•
Medienerziehung
•
Mediendidaktik
•
Medien- und Schulentwicklung
•
Informationstechnische Grundkenntnisse (Informatik)
Für den Themenbereich der „Mediendidaktik“ wurden laut LPO I § 110b folgende Lernziele formuliert (Bayrisches Staatsministerium für Unterricht und Kultus,
2002):
1. Kenntnis der lehr-lern-theoretischen Grundlagen für den Einsatz von
Medien sowie deren Möglichkeiten bei der Unterstützung von Lehr-LernProzessen,
2. Kenntnis didaktischer Ansätze zur Medienverwendung im fachlichen und
fächerübergreifenden Unterricht,
3. Kenntnis der Gestaltungsmerkmale unterschiedlicher Medienarten,
Fähigkeit zur Medienanalyse und -bewertung. Evaluation und Bewertung
medienerzieherischer
Unterrichtsbeispiele
und
medienbasierter
Lernumgebungen,
4. Fähigkeit zur Gestaltung medienbasierter Lernumgebungen.
Das Modul „Mediendidaktik“ kann aus mehreren Gründen als Innovation im
Bereich des universitären Lehrens und Lernens verstanden werden:
•
Mit der inhaltlichen Ausrichtung des Studiengangs auf mediendidaktische
Probleme und Herausforderungen wird ein Thema behandelt, das im
Bildungsbereich und insbesondere in der Lehrerbildung nach wie vor
nicht systematisch und vor allem nicht zeitnah und aktuell berücksichtigt
wird.
•
Mit der Konzipierung des Moduls als hybrides Lernarrangement aus
Präsenz- und virtuellen Veranstaltungen wird ein Weg eingeschlagen,
der künftig in vielen Hochschuldisziplinen zum Standard werden kann.
•
Mit der vorgesehenen Fall- und Problemorientierung bei der methodischen Gestaltung des Studienganges wird neuen Erkenntnissen aus
der Lehr-Lern-Forschung Rechnung getragen und den Studierenden wird
ein erfolgsversprechendes Lehr-Lern-Modell erfahrbar gemacht (vgl.
Reinmann-Rothmeier & Mandl, 2002).
8
BÜRG, WINKLER, GERSTENMAIER & MANDL
Zielgruppe des Moduls „Mediendidaktik“ sind Lehramtsstudierende. Da das
Seminar von der Virtuellen Hochschule Bayern angeboten wird, wendet es sich
nicht nur an Studierende der Ludwig-Maximilians-Universität München, sondern
auch an Studierende anderer bayrischer Universitäten.
Das Modul „Mediendidaktik“ wird als hybrides Lehr-Lern-Szenario bestehend
aus virtuellen und Präsenzphasen angeboten. Kernstück des Seminars ist eine
virtuelle Lernumgebung auf deren didaktische Gestaltung und technische Umsetzung im Folgenden näher eingegangen wird. Die virtuelle Lernphase mit
dem Lernprogramm wird eingebettet durch eine Präsenzphase zu Beginn und
eine Präsenzphase am Ende des Moduls.
Die didaktische Gestaltung der Lernumgebung „Mediendidaktik“
Um die oben genannten Lernziele zu erreichen wurde die Lernumgebung nach
den Gestaltungskriterien des problemorientierten Lernens entwickelt.
Die Gestaltungskriterien sind im Lernmodul folgendermaßen realisiert.
Situiert und anhand konkreter Probleme lernen
Ausgangspunkt von Lernprozessen sollten authentische Probleme sein, die aufgrund ihres Realitätsgehalts und ihrer Relevanz dazu motivieren, neues Wissen
oder neue Fertigkeiten zu erwerben. Die Lernumgebung ist demzufolge so zu
gestalten, dass sie den Umgang mit realistischen Problemen und authentischen
Situationen ermöglicht und anregt (Collins, Brown & Newmann, 1989; Gräsel,
1997; Henninger, 1999; Reinmann-Rothmeier & Mandl, 2001; Renkl, 1996). In
der Lernumgebung des Moduls „Mediendidaktik“ wurde dies realisiert durch die
Integration von fünf realen Fallbeispielen aus dem Schulalltag. Die TeilnehmerInnen des Seminars erwerben ihr Wissen über die didaktische
Integration neuer Medien im Schulunterricht mit Hilfe der Darstellung bereits
durchgeführter Pilotprojekte zum Einsatz neuer Medien in der Schule.
In multiplen Kontexten lernen
Um zu verhindern, dass neu erworbene Kenntnisse oder Fertigkeiten auf eine
bestimmte Situation fixiert bleiben, sollten dieselben Inhalte in mehreren verschiedenen Kontexten gelernt werden. Die Lernumgebung ist daher so zu
gestalten, dass das Gelernte auch auf andere Problemstellungen übertragen
werden kann (Gräsel, 1997; Reinmann-Rothmeier & Mandl, 2001).
In der Lernumgebung des Moduls „Mediendidaktik“ wurde dieser Aspekt durch
die Aufnahme von Fällen aus verschiedenen Schulfächern und verschiedenen
DAS MODUL „MEDIENDIDAKTIK“
9
Jahrgangsstufen realisiert. Ebenso wurde darauf geachtet, dass sich das didaktische Vorgehen in den einzelnen Projekten unterschied. Darüber hinaus haben
die Studierenden die Möglichkeit, Aufgabenlösungen oder Besonderheiten der
Projekte im Rahmen von Online-Foren zu diskutieren. So werden auch unter
den Studierenden multiple Perspektiven ausgetauscht.
In einem sozialen Kontext lernen
Gemeinsames Lernen und Arbeiten von Lernenden und Experten im Rahmen
situierter Problemstellungen sollte Bestandteil möglichst vieler Lernphasen sein.
Die Lernumgebung ist daher so zu gestalten, dass sie kooperatives Lernen und
Problemlösen in der Gruppe ermöglicht und fördert (Reinmann-Rothmeier,
2001; Renkl, 1997).
Um den sozialen Kontext zu integrieren, werden zu Beginn des Seminars in
einem ersten Präsenztreffen Arbeitsgruppen zu je vier Lernenden gebildet.
Nach der Bearbeitung jedes Fallbeispiels müssen die Lernenden entweder
Einzel- oder Gruppenaufgaben bearbeiten. Bei der Bearbeitung der Gruppenaufgaben steht den TeilnehmerInnen des Seminars ein Diskussionsforum zur
Verfügung, in dem sie die Aufgabe gemeinsam bearbeiten und diskutieren
können. Zusätzlich sind die TeilnehmerInnen dazu verpflichtet, ihre eigenen
Gruppenlösungen und die der anderen Arbeitsgruppen in einem weiteren
Diskussionsforum zu besprechen.
Mit instruktionaler Unterstützung lernen
Lernen ohne jegliche instruktionale Unterstützung ist in der Regel ineffektiv und
führt leicht zur Überforderung. Lehrende können sich deshalb nicht darauf
beschränken, nur Lehrangebote zu machen, sie müssen den Lernenden auch
anleiten und insbesondere bei Problemen gezielt unterstützen (Collins, Brown &
Newman, 1989; Renkl, 1996)
In der Lernumgebung des Moduls „Mediendidaktik“ erhalten die TeilnehmerInnen bei Fragen und Problemen über ein separates Diskussionsforum
rasch Hilfe durch Tutoren.
Zur Bearbeitung der Aufgaben sind Tipps für die Lernenden implementiert.
Diese Tipps bestehen entweder aus Hinweisen auf Literatur oder kurzen
Wiederholungen der Inhalte des jeweiligen Fallbeispiels.
Auf ihre Lösungen erhalten die TeilnehmerInnen ein ausführliches Feedback
eines Tutors. Das Feedback enthält Kommentare und Bewertungen zu den
erarbeiteten Aufgabenlösungen sowie zum abgelaufenen Kooperationsprozess
in den Arbeitsgruppen.
10
BÜRG, WINKLER, GERSTENMAIER & MANDL
Inhaltlicher Aufbau des Lernmoduls
Dem Titel des Lernmoduls und der bereits geschilderten Zielsetzung entsprechend sollen sich die TeilnehmerInnen vor allem mit der pädagogischdidaktischen Gestaltung neuer Medien im Schulunterricht auseinander setzen.
Hierfür werden den Lernenden fünf Fallbeispiele des Einsatzes neuer Medien
im Schulunterricht präsentiert. Die TeilnehmerInnen haben nach der Bearbeitung der einzelnen Fälle die Aufgabe, diese anhand der Gestaltungsleitlinien
des problemorientierten Lernens (Gräsel, 1997; Nistor & Mandl, 2002;
Reinmann-Rothmeier & Mandl, 2001;) zu bewerten und eigene Konzepte zum
problemorientierten Einsatz neuer Medien im Schulunterricht zu entwickeln.
Die einzelnen Fallbeispiele werden den Lernenden sukzessive freigeschaltet.
Folgende Inhalte werden behandelt:
Fallbeispiel 1: Authentische Problemsituationen im Fach Französisch; „Bonjour
Futur“
Das Modellprojekt „Bonjour Futur“ wurde im Rahmen des BLK-Programms
„SEMIK – Systematische Einbeziehung von Medien, Informations- und
Kommunikationstechnologien in Lehr- und Lern-Prozesse – (Mandl, ReinmannRothmeier & Gräsel, 1998) durchgeführt.
„Bonjour Futur“ wurde am Ernst-Reuter-Gymnasium in Frankfurt am Main
realisiert und hatte zum Ziel, den Französischunterricht mit Hilfe neuer
Informationsmedien wie Internet und E-Mail problemorientiert zu gestalten.
Zielgruppe des Projekts war ein Grundkurs Französisch in der 12. Jahrgangsstufe.
Das Projekt teilte sich in zwei Phasen. In der ersten Projektphase hatten die
SchülerInnen die Aufgabe, zu unterschiedlichen Regionen Frankreichs Informationen zu sammeln und eine Präsentation zu erstellen, die sie später der Klasse
präsentierten. In der zweiten Projektphase kommunizierten deutsche und
französische SchülerInnen über E-Mail und bearbeiteten dabei verschiedene
Themen, wie z. B. „Deutschland-Frankreich: Klischees und Vorurteile“.
In Hinblick auf die Gestaltungskriterien problemorientierter Lernumgebungen
wurde in diesem Projekt versucht, anhand authentischer Problemsituationen die
Inhalte zu vermitteln. Zudem erarbeiteten die SchülerInnen in Lerngruppen
sowohl face-to-face als auch virtuell die Ergebnisse. Dieses Beispiel dient dazu,
den Lehramtsstudierenden einen ersten Eindruck davon zu vermitteln, wie
authentische Problemsituationen in den Unterricht integriert werden können.
DAS MODUL „MEDIENDIDAKTIK“
11
Abbildung 1: Fallbeispiel „Bonjour Futur“.
Fallbeispiel 2: Selbstgesteuertes Lernen mit neuen Medien im Fach
Mathematik; „Stationenlernen“
Das Unterrichtsprojekt „Stationenlernen" wurde im Rahmen des Modellprojekts
„SelMa" – Selbstlernen in der gymnasialen Oberstufe/Mathematik – (Landesinstitut für Schule, 2003) umgesetzt und an der Ernst-Barlach-Gesamtschule in
Dinslaken im Fach Mathematik erprobt. Auch dieses Projekt war Bestandteil
des BLK-Programms „SEMIK“.
Das Unterrichtsprojekt „Stationenlernen" hatte zum Ziel, den SchülerInnen
einen individuellen, praxisnahen Zugang zu mathematischen Inhalten zu eröffnen und problemorientiertes, selbstgesteuertes Lernen mit neuen Medien zu
ermöglichen. Teilnehmer des Projekts waren SchülerInnen der 11. Jahrgangsstufe.
Im Rahmen des Projekts bearbeiteten die SchülerInnen in einer Art „Rundlauf“
verschiedene Aufgaben an 21 Stationen, die jeweils auf einem Computer implementiert waren (vgl. Altenburg, Arnold & Schürmann, 2003).
Die zentralen Charakteristika des Projekts sind die verschiedenen inhaltlichen
Zugänge, unterschiedliche Schwierigkeitsgrade und Alltags- bzw. Praxisnähe.
Die SchülerInnen mussten verschiedene Pflichtstationen durchlaufen und
konnten zudem noch weitere Stationen freiwillig bearbeiten. Ihre Arbeitsergebnisse kontrollierten sie selbstständig.
12
BÜRG, WINKLER, GERSTENMAIER & MANDL
Dieses Projekt unterstützt selbstgesteuertes und kooperatives Lernen
neuen Medien. Der inhaltliche Schwerpunkt für die TeilnehmerInnen
Seminars „Mediendidaktik“ liegt somit auf dem selbstgesteuerten
kooperativen Lernen und der Förderungsmöglichkeiten selbstgesteuerten
kooperativen Lernens im Schulunterricht.
mit
des
und
und
Abbildung 2: Fallbeispiel „Stationenlernen“.
Fallbeispiel 3: Anwendung von gelerntem Wissen in realen Situationen; Das
Projekt „Betriebswirtschaft“
Das Unterrichtsprojekt „Betriebswirtschaft“ wurde am Gymnasium Ottobrunn bei
München im Rahmen der Einführung eines neuen Medien- und Methodencurriculums durchgeführt. Zielgruppe waren SchülerInnen der 9. Jahrgangsstufe.
Im Projekt „Betriebswirtschaft" erarbeiteten sich die SchülerInnen im Fach
Wirtschafts- und Rechtslehre in zehn Unterrichtsstunden betriebswirtschaftliche
Kenntnisse zu den Themenbereichen Wirtschaftsbereiche in der Bundesrepublik, Standortentscheidung etc. Die SchülerInnen hatten die Aufgabe, zu
diesen Themenbereichen in Lerngruppen Informationen im Internet zu
recherchieren. Anschließend erstellten sie einen Bericht. In der nächsten
Projektphase mussten die SchülerInnen ihr erlerntes Wissen auf das Unternehmen BMW anwenden. Notwendige Materialien erhielten sie auf der Home-
DAS MODUL „MEDIENDIDAKTIK“
13
page des Unternehmens. Am Ende des Projekts mussten die SchülerInnen ihre
Ergebnisse in Form einer Präsentation darstellen. Der Fokus dieses Projekts
liegt auf der authentischen Gestaltung von Lernsituationen und der Übertragung
des Gelernten auf betriebliche Kontexte.
Abbildung 3: Fallbeispiel „Betriebswirtschaft“.
Fall 4: Problemorientiertes Lernen mit neuen Medien im Fach Biologie; „Humangenetik“
Das Projekt „Humangenetik“ wurde ebenso im Rahmen des BLK-Programms
„SEMIK“ am Glückauf-Gymnasium in Dippoldiswalde in der 12. Jahrgangsstufe
umgesetzt.
Themengebiet dieses Projekts waren genetisch bedingte Erbkrankheiten. Das
Projekt „Humangenetik“ hatte zum Ziel, den Biologieunterricht problemorientiert
zu gestalten und unter Einbezug der neuen Medien eine aktive Auseinandersetzung mit dem Thema genetisch bedingte Erbkrankheiten zu fördern.
Nach einer ausführlichen Einführung in die Thematik mussten die SchülerInnen
in Lerngruppen Informationen zu verschiedenen Erbkrankheiten aus dem
Internet recherchieren und eine Präsentation erstellen. Die gesammelten Informationen dienten als Grundlage für ein abschließendes Rollenspiel in dem ein
Beratungsgespräch zum Thema genetisch bedingte Erbkrankheiten geführt
wurde.
14
BÜRG, WINKLER, GERSTENMAIER & MANDL
Die SchülerInnen hatten in diesem Projekt die Aufgabe, das in einem Kontext
erworbene Wissen in einem anderen Kontext (Beratungsgespräch) anzuwenden. Der inhaltliche Fokus liegt hier auf multiplen Kontexten und der
kooperativen Lernsituation.
Abbildung 4: Fallbeispiel „Humangenetik“.
Fall 5: Ein interdisziplinäres Projekt zum Thema Konflikte im schulischen Alltag;
„Schoolpeace“
Bei dem Projekt „Schoolpeace“ handelt es sich um ein interdisziplinäres Projekt
in den Fächern Deutsch, Sozialkunde und Bildende Kunst. Auch dieses Projekt
wurde im Rahmen des BLK-Programms „SEMIK“ an der Bettina-von-ArnimOberschule in Berlin in der 7. Jahrgangsstufe durchgeführt.
Das Modellprojekt „Schoolpeace“ fokussierte, die Auseinandersetzung der
Schüler mit Problemen des menschlichen Miteinanders zu fördern und die
Lösungen für diese Probleme durch den problemorientierten Einsatz neuer
Medien kreativ zu erarbeiten.
Lerninhalt war zum einen die kreative Nutzung des Computers im Wahlpflichtkurs Bildende Kunst. Zum anderen wurden die Themen Konflikte und
Konfliktlösung im schulischen Alltag aus den Fächern Deutsch und Sozialkunde
behandelt.
DAS MODUL „MEDIENDIDAKTIK“
15
Nach einer ausführlichen Einführung in die digitale Bildbearbeitung und Fotografie mussten die Schüler in Vierergruppen Bildergeschichten zum Thema
Konfliktlösungen im schulischen Alltag erstellen und im Internet veröffentlichen.
Verwandte Inhalte wie z. B. die Würde des Menschen wurden in den Fächern
Sozialkunde und Deutsch behandelt.
Dieses Fallbeispiel wurde zum einen ausgewählt, da es ein Beispiel für eine
fächerübergreifende Möglichkeit darstellt problemorientiertes Lernen einzusetzen. Zum anderen werden hier vor allem noch einmal explizit die Kriterien
der multiplen Kontexte und das kooperative Lernen in den Mittelpunkt gestellt.
Abbildung 5: Fallbeispiel „Schoolpeace“.
16
BÜRG, WINKLER, GERSTENMAIER & MANDL
Theoriekapitel: Problemorientiertes Lernen
Zusätzlich steht den Lernenden ein theoretisches Kapitel zum problemorientierten Lernen mit neuen Medien zur Verfügung. Dieses Kapitel dient als Nachschlagewerk für die Studierenden, in dem sie das nötige theoretische Wissen
für die Bearbeitung der Aufgaben nachlesen können.
Das Kapitel beinhaltet die Themen:
•
Die traditionelle und die konstruktivistische Philosophie des Lehrens und
Lernens
•
Der Ansatz des problemorientierten Lernens
•
Bedingungen und Förderungsmöglichkeiten selbstgesteuerten Lernens
•
Bedingungen und Förderungsmöglichkeiten kooperativen Lernens
•
Besonderheiten netzbasierten Lernens
Zu den einzelnen Themen bestehen zusätzlich Verlinkungen in den Fallbeispielen. Das theoretische Wissen wird den Lernenden somit im Kontext (vgl.
Gräsel, 1997) der einzelnen Beispiele vermittelt.
Abbildung 6: Theoriekapitel „Problemorientiertes Lernen“.
DAS MODUL „MEDIENDIDAKTIK“
17
Die technische Realisierung der Lernumgebung
Technische Plattform
Die Netzumgebung „Mediendidaktik“ wurde auf die Lernplattform
„ComVironment“ (Lerche & Gruber, 2003) implementiert. Entwickelt wurde
„ComVironment“ von Anfang an mit der Zielsetzung, dem Anwender eine
möglichst große Freiheit in der Gestaltung der Lern- und Arbeitsplattform zu
lassen, bei gleichzeitig möglichst geringem technischen Aufwand.
Die technischen Anforderungen, die an „ComVironment“ gestellt wurden,
basieren daher in erster Linie auf der Forderung nach
•
ressourcenschonendem und stabilem Laufzeitverhalten,
•
möglichst geringen Softwarevoraussetzungen,
•
einfacher Installation,
•
bequemer, möglichst ohne HTML-Kenntnisse benutzbarer Administration
sowie
•
größtmöglicher individueller Erweiterbarkeit der Lernumgebung.
„ComVironment“ ist also kein hochkomplexes Programm, dass bereits fertig
designte Online-Kurse ins Netz stellt. „ComVironment“ ist vielmehr ein einfach
zu bedienendes Tool für die Benutzer- und Seitenverwaltung des Online
Kurses.
Aufbau der Netzumgebung
Die Lernumgebung ist in vier Hauptmenüpunkte gegliedert.
Allgemeines
Unter dem Menüpunkt Allgemeines befindet sich ein Terminplan für die Bearbeitung der Fälle. Außerdem steht den Lernenden hier eine „Guided Tour“ zur
Verfügung, in der sie die wichtigsten technischen Anforderungen und eine
Bedienungsanleitung für die Lernumgebung erhalten.
Inhalt
Der Menüpunkt Inhalt stellt das Kernstück der Lernumgebung dar. Hier
befinden sich die fünf Fallbeispiele zum Einsatz neuer Medien in den Schulunterricht und ein theoretisches Kapitel zum problemorientierten Lernen.
18
BÜRG, WINKLER, GERSTENMAIER & MANDL
Abbildung 7: Allgemeines.
Die Fallbeispiele sind immer nach folgendem inhaltlichen Schema aufgebaut
(siehe Tabelle 1).
Tabelle 1: Inhaltlicher Aufbau eines Fallbeispiels.
In der Einführung werden die Lernziele für die TeilnehmerInnen
des Seminars „Mediendidaktik“ und die Problemstellung
dargestellt, aufgrund derer das geschilderte Projekt durchgeführt
wurde.
Die Projektbeschreibung gibt einen Überblick über die
Umsetzung des Projekts.
Unter dem Punkt Umsetzung finden die Teilnehmer
Informationen zu den Lerninhalten, den Lernzielen, eine
Beschreibung des didaktischen Vorgehens, positive
Erfahrungen und Probleme bei der Durchführung.
Im Projektfazit werden die wichtigsten Ergebnisse aus dem
Projekt zusammengefasst.
Hier finden die Teilnehmer Aufgaben zum jeweiligen Fall.
DAS MODUL „MEDIENDIDAKTIK“
19
Im Rahmen der Darstellung der einzelnen Fallbeispiele wurde authentisches
Material wie Arbeitsblätter, Lernzielkontrollen, Lerntagebücher der SchülerInnen
oder Korrekturen der Lehrkraft integriert. Zur Veranschaulichung und Verdeutlichung der Inhalte wurden zusätzlich Animationen in „Macromedia-Flash“ oder
„PowerPoint“ erstellt.
Abbildung 8: Animation zur Veranschaulichung des Projekts „Stationenlernen“.
Ressourcen
Unter dem Menüpunkt Ressourcen finden die Lernenden Hinweise auf vertiefende Literatur. Zusätzlich besteht die Möglichkeit, jedes Fallbeispiel als PdfDatei herunterzuladen.
Foren
Dieser Menüpunkt beinhaltet die virtuellen Kommunikationsmöglichkeiten der
Studierenden. Folgende Typen von Diskussionsforen werden angeboten:
Aufgabenforen: Hier werden die Lösungen der Teilnehmer hineingestellt. Es
gehört zu den Aufgaben der Teilnehmer, Rückmeldungen auf die Lösungen der
anderen Teilnehmer zu geben.
Gruppenforen: Jede Gruppe hat ihr eigenes Forum, in der sie sich bei der
Bearbeitung der Gruppenaufgaben koordinieren und Lösungsvorschläge disku-
20
BÜRG, WINKLER, GERSTENMAIER & MANDL
tieren sollen. Das Forum ist nur für die Mitglieder der jeweiligen Arbeitsgruppe
freigegeben.
Fragebörse: In der Fragebörse haben die Teilnehmer die Möglichkeit, dem
Tutor Fragen bei technischen und inhaltlichen Problemen zu stellen.
Online-Café: Im Online-Café können sich die Teilnehmer ungezwungen mit den
anderen Teilnehmern des Seminars „unterhalten".
Ablauf des Seminars
Das Lernmodul „Mediendidaktik“ ist ein hybrides Lernszenario im Sinne des
„blended learning“ (Hinkofer & Mandl, 2003; Reinmann-Rothmeier, 2003;),
bestehend aus Präsenz- und virtuellen Phasen.
Der Ablauf des Seminars ist in Abbildung 9 im Überblick dargestellt:
Präsenzphase
• Einführung in die
Lernumgebung
• Gruppenfindung
Virtuelle Phase
Transferaufgabe
• Bearbeitung Fall 1 (2 Wochen)
• Bearbeitung Fall 2 (2 Wochen)
• Bearbeitung Fall 3 (2 Wochen)
• Bearbeitung Fall 4 (2 Wochen)
• Bearbeitung Fall 5 (2 Wochen)
Präsenzphase
• Abschlusspräsentation der
Transferaufgabe
• Evaluation/Feedback
Abbildung 9: Ablauf des Seminars
Zu Beginn des Seminars findet eine Präsenzveranstaltung statt. Ziel dieser
Veranstaltung ist es die TeilnehmerInnen in die Lernumgebung einzuführen,
einen Überblick über die Thematik zu verschaffen und die Gruppenfindung zu
ermöglichen. Im Rahmen dieser Veranstaltung müssen sich die Teil-
DAS MODUL „MEDIENDIDAKTIK“
21
nehmerInnen zu Vierergruppen zusammenfinden und eine erste Gruppenaufgabe gemeinsam bearbeiten.
Nach der Präsenzveranstaltung beginnt die Virtuelle Phase bzw. das Arbeiten
mit der Lernumgebung. Die einzelnen Beispielfälle werden den Lernenden
sukzessive freigeschaltet. Das Kapitel „Problemorientiertes Lernen“ steht den
TeilnehmerInnen über den ganzen Seminarverlauf hinweg zur Verfügung.
Für die Bearbeitung jedes Beispielfalls und die dazugehörigen Einzel- und
Gruppenaufgaben haben die Lernenden zwei Wochen Zeit. Nach Ablauf der
zwei Wochen müssen die Lösungen in ein dafür vorgesehenes Diskussionsforum hochgeladen werden. Um die Diskussion in diesen Foren anzuregen,
sind die jeweiligen Arbeitsgruppen verpflichtet, den anderen Arbeitsgruppen
Feedback auf ihre Lösung zu geben.
Nach Bearbeitung des zweiten Beispielfalls erhalten die Studierenden zusätzlich eine Transferaufgabe. Im Rahmen dieser Aufgabe sollen die TeilnehmerInnen in ihren Arbeitsgruppen ein eigenes Konzept zum Einsatz neuer Medien
in den Schulunterricht unter besonderer Berücksichtigung der Gestaltungsleitlinien des problemorientierten Lernens entwerfen. Dieses Konzept wird in der
abschließenden Präsenzveranstaltung von den Gruppen vorgestellt. Des
Weiteren dient die abschließende Präsenzveranstaltung dazu, Feedback der
Studierenden einzuholen.
Resümee
Das Modul „Mediendidaktik“ setzt eine innovative Form der universitären Ausbildung um. Durch das hybride Lernszenario, bestehend aus virtuellen und
Präsenzphasen wird die Medienkompetenz und die Kompetenz zum selbstgesteuerten Lernen gefördert. Erste Evaluationsergebnisse mit einer Pilotgruppe zeigten eine hohe Akzeptanz von Lehramtsstudierenden bezüglich der
Lernumgebung.
Für die weitere Evaluation der Lernumgebung in der Einsatzphase ist eine
Studie geplant, inwieweit die Bearbeitung der Lernumgebung den Lernerfolg
der TeilnehmerInnen fördert. Mit der problemorientierten Gestaltung der Lernumgebung ist somit die Frage verbunden inwieweit die problemorientierte
Gestaltung von Lernumgebungen den Lernerfolg steigert.
Zusätzlich werden in dieser Studie mögliche, den Lernerfolg beeinflussende
Variablen wie Motivation (vgl. Deci & Ryan, 1993) und kognitive Belastung
während der Bearbeitung (vgl. Sweller, van Merrienboër & Paas, 1998)
erhoben.
22
BÜRG, WINKLER, GERSTENMAIER & MANDL
Ebenso leistet das Modul „Mediendidaktik“ einen Beitrag zur Nachhaltigkeit des
bundesweit durchgeführten BLK-Programms „SEMIK“. Die meisten Fallbeispiele sind Beispiele für die Umsetzung von SEMIK-Projekten. Lehramtsstudierende erhalten die Möglichkeit authentische Unterrichtsprojekte zum
Einsatz neuer Informations- und Kommunikationstechnologien kennen zu
lernen.
DAS MODUL „MEDIENDIDAKTIK“
23
Literatur
Altenburg, E., Arnold, G. & Schürmann, A. (2003). Stationenlernen im
fächerübergreifenden Sachunterricht. Donauwörth: Auer.
Bayrisches Staatsministerium für Unterricht und Kultus (2002). Ordnung der
ersten Staatsprüfung für ein Lehramt an öffentlichen Schulen (Lehramtsprüfungsordnung I – LPO I) in der Fassung der Bekanntmachung vom 7.
November 2002 (§ 110b).
Collins, A., Brown, J. S. & Newman, S. E. (1989). Cognitive apprenticeship:
Teaching the crafts of reading, writing, and mathematics. In L. B. Resnick
(Ed.), Knowing, learning, and instruction. Essays in honour of Robert Glaser
(pp. 453-494). Hillsdale: Erlbaum.
Deci, E. L. & Ryan, R. M. (1993). Die Selbstbestimmungstheorie der Motivation
und ihre Bedeutung für die Pädagogik. Zeitschrift für Pädagogik, 39, 223238.
Dohmen, G. (1997). Lebenslanges Lernen. Erfahrungen und Anregungen aus
Wissenschaft und Praxis. In W. Günther & H. Mandl (Hrsg.): Telelearning.
Aufgabe und Chance für Bildung und Gesellschaft (S.19-30). Bonn: Telekom
Multimedia Systemhaus.
Gerstenmaier, J. & Mandl, H. (1995). Wissenserwerb unter konstruktivistischer
Perspektive. Zeitschrift für Pädagogik, 41, 867-888.
Gräsel, C. (1997). Problemorientiertes Lernen. Göttingen: Hogrefe.
Henninger, M. (1999). Die Förderung sprachlich-kommunikativen Handelns.
Unveröff. Habilitationsschrift. München: Ludwigs-Maximilians-Universität,
Lehrstuhl für Empirische Pädagogik und Pädagogische Psychologie.
Hinkofer, L. & Mandl, H. (2003). Implementation von E-Learning in einem
Pharmaunternehmen. (Praxisbericht Nr. 28). München: Ludwig-MaximiliansUniversität; Lehrstuhl für Empirische Pädagogik und Pädagogische
Psychologie.
Landesinstitut für Schule (2003). SELMA. Selbstlernen in der gymnasialen
Oberstufe (Mathematik). Vom Modellversuch zum Unterrichtsalltag. Bönen:
Kettler.
Lerche, T. & Gruber, H. (2003). Virtual Learning in Educational Sciences (pp.
159-173). In N. Nistor, S. English & S. Wheeler (Eds.). Towards the virtual
university – International On-Line Learning Perspectives. Greenwich, CT:
Information Age Publishing.
24
BÜRG, WINKLER, GERSTENMAIER & MANDL
Mandl, H., Reinmann-Rothmeier, G. & Gräsel, C. (1998). Gutachten zum BLKProgramm: Systematische Einbeziehung von Medien, Informations- und
Kommunikationstechnologien in Lehr- und Lernprozesse (Forschungsbericht
Nr. 93). München: Ludwig-Maximilians-Universität, Lehrstuhl für Empirische
Pädagogik und Pädagogische Psychologie.
Nistor, N. & Mandl, H. (2002). Das virtuelle Seminar KOALAH: „Lernen in
Computernetzen“. (Praxisbericht Nr. 26). München: Ludwig-MaximiliansUniversität; Lehrstuhl für Empirische Pädagogik und Pädagogische
Psychologie.
Reinmann-Rothmeier, G. & Mandl, H. (1998). Wenn kreative Ansätze versanden: Implementation als verkannte Aufgabe. Unterrichtswissenschaft, 26,
292-311.
Reinmann-Rothmeier, G. & Mandl, H. (2001). Unterrichten und Lernumgebungen gestalten. In A. Krapp & B. Weidenmann (Hrsg.), Pädagogische
Psychologie. Ein Lehrbuch (S. 601-646). Weinheim: Beltz.
Reinmann-Rothmeier, G. & Mandl, H. (2002). Analyse und Förderung kooperativen Lernens in netzbasierten Umgebungen. Zeitschrift für Entwicklungspsychologie und Pädagogische Psychologie, 34, 44-57
Reinmann-Rothmeier, G. (2003). Didaktische Innovation durch BlendedLearning. Göttingen: Huber.
Renkl, A. (1996). Träges Wissen: Wenn Erlerntes nicht genutzt wird.
Psychologische Rundschau, 47, 78-92.
Renkl, A. (1997). Lernen durch Lehren – Zentrale Wirkmechanismen beim
kooperativen Lernen. Wiesbaden: Deutscher Universitäts Verlag.
Sweller, J., Van Merrienboër, J. J. G. & Paas, F. G. W. C. (1998). Cognitive
architecture and instructional design. Educational Psychology Review, 10,
251-296.
Thiessen, F. (2001). Die Zukunft gehört der Multmedia-Didaktik. Wirtschaft und
Weiterbildung. Messemagazin zur Learntec 2001 (S. 18-22).
Weidenmann, B. (2000). Lehr-Lernforschung und Neue Medien. In B. Herzig
(Hrsg.), Medien machen Schule (S. 89-108). Bad Heilbrunn: Klinkhardt.
Was this manual useful for you? yes no
Thank you for your participation!

* Your assessment is very important for improving the work of artificial intelligence, which forms the content of this project

Download PDF

advertising