Auszug - riva Verlag

Auszug - riva Verlag
Esther Gokhale mit Susan Adams
Nie
wieder
..
rUCKeN
SCHMerZeN
Dauerhafte Besserung
in 8 Schritten
© des Titels »Nie wieder Rückenschmerzen« (ISBN 978-3-86883-334-8) by riva Verlag, Münchner
Verlagsgruppe GmbH, München. Nähere Informationen unter: http://www.rivaverlag.de
Für die Millionen Menschen, die unnötigerweise an Rückenschmerzen leiden.
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GeleitWORt
An einem klaren Januarmorgen brach
ich mit meinem Mann und meiner
Tochter zu einer Wanderung auf den
Windy Hill auf, einen der steilsten
Wanderpfade der Gegend. Es war eine
Herausforderung, da ich den Trail über
ein Jahr nicht gegangen war. Als meine
Familie auf halbem Wege aufgab, war
ich diejenige, die trotz des schweren
Rucksacks ohne Schwierigkeiten den
Gipfel erreichte. Mir wurde klar, welches Geschenk Esther Gokhale mir
gemacht hatte. Dank ihrer Techniken,
die ich konsequent anwende, strengte
mich die Tour weitaus weniger an als
noch beim letzten Mal ein Jahr zuvor.
Während meiner 25-jährigen Tätigkeit
als Internistin behandelte ich viele
Patienten mit chronischen Rückenund Nackenbeschwerden. Immer war
ich an neuen Behandlungskonzepten
interessiert. Im Dezember 2005 stieß
ich auf eines: Esther Gokhale referierte
über ihr Konzept zur Vorbeugung und
Behandlung von Wirbelsäulenproblemen. Sie präsentierte wunderschöne
Abbildungen antiker Torsos und ausgesuchte Fotos aus aller Welt als Beispiele
für die Körperhaltung des Menschen
von vorgeschichtlicher Zeit bis heute.
Ich war gebannt. Wie Esther zeigte,
hatte sich unsere anatomische Grundhaltung über die Jahrtausende konserviert, jedoch im letzten Jahrhundert
drastisch verändert. Die möglichen
Ursachen dafür sind interessant, aber
letztendlich irrelevant. Die Folgen jedoch sind signifikant und liefern eine
Erklärung für einige unserer häufigsten
Erkrankungen: Rücken- und Nackenschmerzen, unter denen wir weitaus
heftiger leiden als unsere Vorfahren
oder die Mitmenschen in weniger industrialisierten Lebensgemeinschaften.
Das war ein großes Aha-Erlebnis für
mich, und ich wollte mehr erfahren.
Ich belegte einen Haltungskurs bei
Esther und eignete mir in sechs Stunden ihre einfachen Techniken an, um
meine Wirbelsäule in ihre natürliche
Ausrichtung zu bringen. Erstaunlich
leicht integrierte ich das Konzept in
mein aktives Leben. Ich streckte meine
Wirbelsäule im Schlaf, auf der Fahrt
zur Arbeit, auf dem Fußweg ins Büro,
beim Sitzen am Schreibtisch, vor
dem Computer und auf dem Hocker,
während ich Patienten untersuchte.
Innerhalb weniger Wochen schlief ich
besser, hatte mehr Energie und keine
Nackenschmerzen mehr. Ich fühlte
mich rundum besser.
Ich überwies meine 85-jährige Schwiegermutter an Esther. Ihre linke Seite
ist aufgrund einer Polioerkrankung als
Kind verkümmert, zudem leidet sie an
schwerer Osteoporose und Arthritis.
Ob Esthers Programm auch Menschen
helfen würde, die sich nur über eine
Gehhilfe gebeugt bewegen können,
war nach einer Sitzung klar: Meine
Schwiegermutter saß bereits aufrechter,
und nach ein paar Therapiestunden
hätte sie zum ersten Mal seit Jahren im
Falle eines Sturzes selbstständig vom
Boden aufstehen können. Ich erkannte, dass Esthers Konzept wirklich fundiert war und dass es nie zu spät war,
die Auswirkungen jahrzehntelanger
schlechter Haltung zu revidieren.
Wie viele Kollegen begann ich, Patienten zu Esther zu überweisen. Oft war
das Ergebnis erstaunlich, insbesondere
bei scheinbar therapieresistenten Personen. Und so drängten wir Esther,
ihre Techniken mit diesem Buch einem
breiteren Publikum zugänglich zu
machen. Die Techniken sind einfach
erlernbar und ideal für unsere Gesellschaft der »schnellen Lösungen«.
Man braucht keine Spezialausrüstung,
keinen Coach und muss nicht einmal
besonders sportlich sein.
Wie funktioniert Esthers Methode?
Die Wirbelsäule wird im Grunde auf
ihre optimale Länge gebracht, der Rest
der Körperstrukturen in ihre optimale
Position. Bei Älteren wirkt dies den
alterungs- und schwerkraftbedingten
Folgen für die Wirbelsäule entgegen,
wie Verringerung von Körpergröße
und Lungenkapazität, Verkleinerung
des Bauchhöhlenvolumens (sowie
Folgeerscheinungen wie träger Darm
und Verstopfung, vermehrter Harndrang und Inkontinenz). Bei Men-
schen jeden Alters verbessern sie das
Gleichgewicht, die Lungenfunktion,
die Durchblutung der Extremitäten
und die Wirbelsäulenstruktur. Das
Körperbewusstsein wächst ebenso wie
das Selbstbewusstsein, da sich der Erfolg des leicht verständlichen Trainings
vom ersten Tag an einstellt.
Seit ich an Esthers Programm teilgenommen habe, sehe ich das menschliche Skelett mit anderen Augen. Sein
eleganter Aufbau gibt die Funktion
unseres Bewegungsapparats vor und
beeinflusst die Effizienz jeder einzelnen
Teilstruktur. Als Erwachsene hatte ich
beispielsweise trotz vernünftiger Schuhe oft entzündete Fußballen, da ich
den Großteil meines Gewichts beim
Laufen auf den Vorderfuß verlagerte
anstatt auf den weitaus festeren und
kräftigeren Fersenknochen. Seitdem
ich »gleitgehe«, nimmt der schwerere
Teil meines Skeletts mehr Gewicht
auf. Ähnlich empfinde ich das Sitzen
mit vorgeneigtem Becken als weitaus
bequemer, und ich strecke damit auch
noch meinen Rücken und den Nacken. Dazu schätze ich es sehr, mein
»inneres Muskelkorsett« allein durch
meine täglichen Aktivitäten trainieren
zu können, anstatt ins Fitnessstudio
gehen zu müssen.
Ich bin zu einer »überzeugten Anhängerin« geworden, wie es einer meiner
Kollegen formulierte. Wir können
die drastischen Veränderungen der
vergangenen hundert Jahre in unserer
Körperhaltung rückgängig machen
und mithilfe von Esthers Erkenntnissen und Techniken zu einer gesunden,
natürlichen Körperhaltung zurückfinden. Was könnte man erreichen, wenn
sich dieses Wissen weiter verbreitete –
wenn sich bereits Teenager eine gesunde Körperhaltung aneigneten, die sie
ihr Leben lang beibehalten würden!
Man würde bald eine neue Generation
Menschen bewundern, mit schöner
Haltung und kräftigen, gelenkigen
Körpern, die bis ins hohe Alter ohne
Schmerzen funktionieren.
Deirdre Stegman, Internistin, Palo Alto
Medical Foundation, Kalifornien
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VORWORt
Für manche ist ein Leben ohne Schmerz lediglich
Erinnerung. Das muss nicht sein. Durch meine
persönlichen Erfahrungen mit Rückenschmerzen,
durch weitreichende Ausbildungen und meine
Forschungsarbeit konnte ich eine Technik entwickeln, mit der sich Rückenschmerzen lindern
lassen – die Gokhale-Methode. Ich empfinde es
als Privileg, vielen Menschen beibringen zu können, sich wieder auf ursprüngliche Weise elegant
und mit Leichtigkeit zu bewegen. Seit 15 Jahren
unterrichte ich meine Technik und habe sie seither immer weiter verfeinert. Ich freue mich, sie
hiermit der Allgemeinheit vorzustellen.
Meine eigenen Beschwerden begannen mit
Rückenkrämpfen im College, bei einer Yogapose.
Sie verschwanden zunächst wieder durch Bettruhe
und Einnahme von Muskelrelaxanzien. Einige
Jahre später verletzte ich mir abermals den Rücken. Dieses Mal waren fünf Tage Bettruhe nötig.
Ich begann mit unterstützendem Hanteltraining
und war bald wieder körperlich aktiv.
Die Beschwerden kehrten als schleichende Ischiasschmerzen gegen Ende meiner ersten Schwangerschaft wieder. Es hieß, sie würden nach der Geburt
vergehen, doch sie wurden schlimmer. Am Ende
konnte ich nicht länger als zwei Stunden liegen
und wanderte nachts durch die Straßen, um den
Schmerz ertragen zu können. Als mein Kind ein
Jahr alt war, operierte man mich wegen eines
schweren Bandscheibenvorfalls (L5-S1 Laminektomie/Disektomie). Danach war ich mehrere
Monate beschwerdefrei, konnte meine Tochter
jedoch weder heben noch tragen und sollte keine
weiteren Kinder bekommen. Das hatte ich wegen der monatelangen starken Schmerzen bereits
selbst beschlossen. 12 Monate nach der OP kehrte der Schmerz zurück, und meine Ärzte wollten
nochmals operieren. Damals entschied ich mich,
meinen eigenen Weg zu gehen und die Ursachen
und möglichen Behandlungsmethoden für Rückenschmerzen zu erforschen.
Am Institut Supérieur d’Aplomb (I.S.A.) in Paris
traf ich Noelle Perez, die eine haltungsverändernde Technik auf Grundlage anthropologischer
Erkenntnisse unterrichtet. Ihre Theorie ist es,
dass Menschen in den Industrienationen ihren
Körper nicht richtig einsetzen, was zu Schmerzen
und Schäden führen kann. Hier können wir von
den Menschen in ursprünglicheren Kulturen lernen. Dies passte zu den Erinnerungen an meine
Kindheit in Indien. Meine Mutter bewunderte
oft die Anmut, mit der das Hausmädchen seiner
Arbeit nachging, und die Leichtigkeit, mit der die
Straßenarbeiter schwere Lasten trugen. Die Kurse
bei Noelle reduzierten meine Rückenschmerzen
erheblich, und ich absolvierte die fünfjährige Ausbildung zum zertifizierten Aplomb-Trainer. Ergänzend studierte ich an der Medical School und
an der Fakultät für Anthropologie der Stanford
University. Ich bereiste Europa, Asien, Afrika und
Südamerika, um Menschen ohne Rückenschmerzen zu beobachten und zu interviewen. Aus
Elementen dieser Feldforschung und durch Integration von Techniken anderer Disziplinen entwickelte ich die einzigartige systematische Methode,
mit der ich Menschen darin anleiten kann, ihre
Haltung zu verändern, um wieder ein körperlich
aktives Leben aufzunehmen. Zunächst bot ich sie
meinen Akupunkturpatienten mit Problemen im
Halte- und Stützapparat an – mit verblüffendem
Ergebnis. Ich begann, einen breiteren Personenkreis damit zu behandeln.
Heute überweisen viele Ärzte ihre Rückenpatienten an mich, und fast alle verspüren von der ersten Stunde an Erleichterung. In vielen Fällen sind
die Ergebnisse unglaublich (siehe Seite 36).
Doch es gibt auch Menschen, die unter großen
Schmerzen leiden und Hilfe brauchen, die aber
nicht zu mir kommen können, weil sie woanders
leben. Seit Jahren wünsche ich mir, dass es für
diesen Personenkreis ein Buch mit Schritt-fürSchritt-Anleitungen und einer visuellen Demonstration meiner Technik gäbe.
Hier ist es!
Esther Gokhale,
Stanford, Kalifornien, 2007
Die Patienten, die ich an Esther überwies,
fanden ihre Arbeit ausnahmslos lebensverändernd. Heute profitieren zahllose Menschen, die ich in meiner Praxis mit ihrer
Technik behandle, von ihrer Arbeit.
Salwan AbiEzzi, Internist,
Palo Alto Medical Foundation,
Palo Alto, Kalifornien
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GRUNDLAGEN
Ihr Weg zu einem schmerzfreien Leben
Dieser Zimmermann in Burkina Faso wollte unbedingt, dass ich ein Foto von ihm mache. Ich zögerte, denn ich mag gestellte
Aufnahmen nicht. Aber über dieses Bild bin ich wirklich froh. Ihnen fällt bestimmt auf, dass sich seine Schultern auf einer
Linie mit dem Rücken befinden und Hals und Nacken nahezu gestreckt sind. Das Ergebnis: Das Kinn zeigt leicht nach
unten, sein Gürtel hängt auf der Vorderseite tiefer und weist auf ein leicht gekipptes Becken bei etwas erhöhtem Steißbein hin.
Der Brustkasten ist bei erhobenem Brustbein »offen«, der Brustkorb eins mit dem Rumpf. Obwohl der junge Mann die meiste
Zeit des Tages an einem recht tiefen Tisch arbeitet, beugt er sich weder nach vorne noch krümmt er seine Schultern.
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nie wieder rückenschmerzen
W
ir Menschen sind wunderbare Geschöpfe.
Wir verfügen, wie jedes andere Lebewesen, über angeborene Anmut und Kraft.
Wir können ohne jeden Schmerz sitzen, gehen, laufen, springen, klettern, tanzen, Lasten tragen und
vieles mehr. Wenn wir unseren natürlichen Körperbau
respektieren, heilt unser Körper wie von selbst und
bleibt uns lange erhalten. Tatsächlich gibt es rund um
den Globus viele Völker, deren Angehörige schmerzfrei bis ins hohe Alter leben (Abb. 1).
[1-9]
Abb. 1
Diese Großmutter hat keine Probleme damit, ihr Enkelkind zu tragen (Brasilien).
Diese ältere Frau sammelt bis zu neun Stunden am Tag Wasserkastanien. Rückenschmerzen kennt sie nicht (Burkina Faso).
Dieser Mann hat zeit seines Lebens Tonziegel hergestellt, ohne davon körperlich Schaden zu nehmen (Burkina Faso).
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GRUNDLAGEN
Aber warum leiden dann so viele Menschen in unserem westlichen Kulturkreis unter Rückenschmerzen
und anderen Krankheiten des Bewegungsapparats?
Nun, wir kommen ohne Bedienungsanleitung auf
die Welt. Stattdessen sind wir auf das angewiesen,
was unsere Kultur als Lehr- und Unterstützungsmaterial bereithält. Leider bietet das typische Leben in
einem Industrieland dazu wenig an (Abb. 2). Wenn
wir unter Schmerzen leiden, müssen wir zunächst
den Naturgesetzen Geltung verschaffen, die wir nicht
respektieren – dem Bauplan unseres Skeletts, den
wir missachten, unserem genetischen Code, den wir
ignorieren. Dieses Buch gibt Ihnen Mittel für ein
schmerzfreies Leben an die Hand, die in unserer Kultur längst verloren gegangen sind.
Abb. 2
Das Missachten der natürlichen Prinzipien des Körpers führt zu Schmerzen, Störung und Schädigung.
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nie wieder rückenschmerzen
RÜckenSchMeRZen
In den industrialisierten Ländern haben Rückenschmerzen epidemische Ausmaße angenommen.
Hier einige statistische Fakten aus den USA:
• Ungefähr 80 Prozent aller US-Amerikaner leiden mindestens einmal im Leben an Schmerzen
im unteren Rücken.
[10, 11]
• Jeder Siebte ist einmal im Jahr von Rückenschmerzen betroffen, die länger als zwei Wochen anhalten.
Die Gokhale-Methode trug dazu bei,
dass ich meine Rückenprobleme loswurde.
Endlich verstand ich die Ursachen meiner
Schmerzen, und ich lernte die richtige
Haltung beim Gehen, Sitzen und Schlafen.
Heute habe ich keine Beschwerden mehr.
Ich fühle mich rundum körperlich fit.
Elfi Altendorfer,
Redwood City, Kalifornien
[11]
• Rückenschmerzen sind der am zweithäufigsten genannte Grund für das Aufsuchen eines
Arztes.
[12]
• Im Alter von 15 Jahren haben bereits mehr
als 60 Prozent der Jugendlichen unter Rückenund/oder Nackenschmerzen gelitten.
[13]
• Rückenschmerzen sind der wichtigste Grund
für Arbeitsunfähigkeit und machen 33 Prozent
der Ausgleichszahlungen aus.
[11]
• Die Summe aller direkten und indirekten
Kosten für die Behandlung von Schmerzen
im unteren Rücken wird auf 100 Milliarden
Dollar jährlich geschätzt.
[14]
SchulDZuWeiSunGen
Die häufigsten Begründungen für Rückenschmerzen lauten: Der Mensch sei für den aufrechten
Gang nicht geschaffen, er sitze zu viel, leide zu
sehr unter Stress, sei zu groß und zu schwer und
verschleiße mit zunehmendem Alter. Aber sind
diese Faktoren wirklich die Ursachen allen Übels?
Betrachten wir sie im Folgenden einmal genauer.
AUFREcHTER GANG?
Manche sagen, die Wirbelsäule sei nicht stark
genug, um das Gewicht des Oberkörpers, des
Nackens und des Kopfes ohne Überlastung tragen
zu können. Dann müsste aber jeder Mensch an
Rückenproblemen leiden. In vielen traditionellen
Kulturen jedoch sind Rückenschmerzen so gut
wie unbekannt.
[15]
Jedes Jahr werden Zehntausende sinnlos
am Rücken operiert. Würden sie stattdessen Esther Gokhales Methode anwenden,
könnten viele dieser Patienten derart
nutzlosen und teuren medizinischen Prozeduren aus dem Weg gehen und rasch zu
einem schmerzfreien Leben zurückkehren.
Dr. John Adler, Neurochirurg, Stanford
University Medical Clinic, Stanford,
Kalifornien
Nach einer Rückenoperation 1991 litt ich
weiter unter starken Schmerzen, obwohl
ich täglich Medikamente einnahm. Esther
Gokhale hat mein Leben verändert. Ich
habe keine Nacken- und Rückenbeschwerden mehr und benötige keine Schmerzmittel.
Stacia Hurley, Projektmanagerin,
Concentric Network, Kalifornien
18
[1–9]
Fünfeinhalb Millionen Jahre aufrechter Gang
sind eine lange Zeit, in der sich die Wirbelsäulen
an die »neue« Belastung durch unsere Oberkörper anpassen konnten. Ich glaube, das Problem
rührt nicht von einem evolutionären »Defekt«,
sondern von einem kulturellen. Der Grund für
unseren Schmerz liegt nicht darin, dass wir aufrecht stehen und gehen, sondern darin, wie wir
dies tun (Abb. 3, 4).
Man hat mir mein ganzes Leben lang
gepredigt, eine aufrechte Haltung einzunehmen. Das ergab nie einen Sinn – bis
Esther mir zeigte, wie es zu verstehen ist.
Jessica Ruvinsky, Autorin,
New York
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grundlagen
Abb. 3
© Gerard Mackworth-Young
Abb. 4
Unser Problem ist nicht, dass wir aufrecht stehen,
sondern wie wir das tun.
SITZENDE LEBENSWEISE?
Ein weiterer Grund, der häufig für Rückenschmerzen angeführt wird, ist ein vorwiegend
sitzender Lebensstil. Im Gegensatz zu Menschen
in anderen Teilen der Welt verdienen in Industrieländern viele ihren Lebensunterhalt im Sitzen.
Statistiken zeigen aber, dass bei körperlich aktiven
Arbeitern Rückenschmerzen sogar häufiger vorkommen als bei den Bürokräften. Dies lässt
darauf schließen, dass der Wechsel von einer
sitzenden zu einer körperlich aktiveren Tätigkeit
unsere Rückenprobleme nicht lösen würde.
[16]
Menschen unterschiedlicher Kulturen zeigen eine gesunde aufrechte Haltung (Griechenland, Burkina Faso).
Während meiner Reisen durch Burkina Faso,
Ecuador und Indien traf ich zahlreiche Arbeiter
wie Töpfer, Korbmacher und Weber, die viele
Stunden im Sitzen verbrachten und nicht unter
Rückenproblemen litten (Abb. 5). Sogar in westlichen Ländern gibt es Menschen, die den ganzen
Tag vor einem Computerbildschirm verbringen,
ohne dass dies einen negativen Einfluss auf ihren
Rücken hätte. Ergebnisse neuester Untersuchungen stellen im Übrigen die Theorie infrage, dass
statisches Sitzen am Arbeitsplatz ein Risikofaktor
für Schmerzen im unteren Rücken sei. Auch hier
gilt: Unser Problem ist meiner Meinung nach
nicht, dass wir sitzen, sondern wie (Abb. 6).
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nie wieder rückenschmerzen
Ich fand Esthers Methode des »Stapelsitzens«
sehr angenehm, sogar über längere Zeit.
Davor hatte sich »gute Haltung« immer so
unnatürlich angefühlt – nach Arbeit. Mittlerweile mag ich es nicht mehr, wenn ich zusammengesackt dasitze; stattdessen versuche
ich instinktiv, möglichst lange eine entspannte aufrechte Körperhaltung einzunehmen.
Abb. 6
Barbara Kerckhoff,
Palo Alto, Kalifornien
Gekrümmtes Sitzen (USA)
Abb. 5
Gekrümmtes Sitzen (China)
Nicht dass wir sitzen, sondern wie wir sitzen
ist die Ursache für unsere Rückenprobleme.
Weberin (Mexiko)
STRESS?
Obwohl Stress ein Risikofaktor für Rückenschmerzen ist , können Schmerzen auch unabhängig davon auftreten. Stress korreliert mit
Schmerz, muss ihn aber nicht verursachen. Stressbedingte Rückenschmerzen können Sie durch
körperliche Entspannung verringern – auch ohne
die Stressfaktoren aus dem Weg geräumt zu haben. Andererseits: Entspannungshaltungen sind
sehr gut geeignet, um besser mit psychischem und
emotionalem Stress umgehen zu können.
[15]
Baumwollspinnerinnen (Burkina Faso)
Diese Arbeiterinnen nehmen eine gesunde Haltung
ein und klagen nicht über Rückenschmerzen.
20
Mein Nacken und meine Schultern waren
immer sehr verspannt. Seitdem ich mich
mit Haltungsübungen beschäftige, gehören
Verspannungen der Vergangenheit an.
Kathy Uros, VP, Charles Schwab & Co.,
San Francisco, Kalifornien
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grundlagen
GEWIcHT UND KöRPERGRöSSE?
Übergewicht beansprucht das Skelett, außerordentliches Übergewicht ist ungesund. Leichtes
Übergewicht muss aber nicht gleich zu ernsten
Problemen mit dem Bewegungsapparat führen
(Abb. 7). Schwierigkeiten treten auf, wenn einzelne Körperpartien im Ungleichgewicht zueinander stehen, denn dann gerät die Wirbelsäule
einseitig unter Zug und kann Schaden nehmen.
[18]
Ein exakt gebautes Haus ist stabil, doch schon
kleine Abweichungen führen dazu, dass eventuell
überstehende Ecken die Statik beeinträchtigen.
Gleiches gilt für die Wirbelsäule: Korrekt ausgerichtet, macht ihr ein wenig Übergewicht nichts
aus. Schlechte Haltung jedoch setzt sie durch ungleichen Zug und Druck unter Stress. Für Menschen mit Übergewicht, die an Rückenschmerzen
leiden, kann das Erlernen einer angemessenen
Körperhaltung rascher zu einer Linderung führen
als Abnehmen.
Genauso wie Übergewicht wirkt sich auch eine
außerordentliche Körpergröße auf den Bewegungsapparat aus. Der gleichen Logik wie zuvor
folgend, steigert die Körpergröße bei schlechter
Haltung die Belastung der Wirbelsäule. Gute
Haltung dagegen schützt vor Überlastung.
Die Massai beispielsweise sind im Schnitt über
1,80 Meter groß, leiden aber in der Regel nicht
unter Rückenschmerzen.
Ich bin über 1,90 Meter groß und hatte
früher eine ziemlich krumme Haltung.
Rückenschmerzen waren mein täglicher
Begleiter, sie bestimmten mein Leben. Seitdem ich die Gokhale-Methode anwende,
sitze ich nicht mehr krumm da, und meine Rückenprobleme sind verschwunden.
Charles Bacon, Geologe, USGS,
Menlo Park, Kalifornien
Abb. 7
[19]
(Papua-Neuguinea)
[20]
Im Laufe der Jahre traten die Phasen
schlimmer Schmerzen immer häufiger auf,
obwohl ich den Ratschlägen von Ärzten
und Physiotherapeuten folgte, die mir die
üblichen Übungen verschrieben. Wenn die
Schmerzen unerträglich wurden, verbrachte ich bis zu zehn Tage auf dem Rücken
liegend im Bett, nahm Schmerzmittel sowie Medikamente zur Muskelentspannung
und verfluchte meinen matten, übergewichtigen Körper. Vor zehn Jahren nahm
ich erstmals an Esthers Haltungskurs teil.
Seitdem habe ich keine starken Rückenschmerzen mehr. Das kleine Zwicken
zwischendurch bekomme ich mit einer von
Esthers einfachen Techniken in den Griff.
Medikamente brauche ich nicht mehr.
Grant Barnes, Direktor emeritus,
Stanford University Press, Sebastopol,
Kalifornien
(Ecuador)
Übergewicht verurteilt nicht zwangsläufig zu Rückenschmerzen. In vielen Kulturen haben Menschen trotz
Übergewicht keine körperlichen Beschwerden.
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nie wieder rückenschmerzen
ALTER?
Viele glauben, das Alter sei der wichtigste Faktor
für Rückenschmerzen. Natürlich werden unsere
Knochen und Muskeln im Laufe der Jahre schwächer. Aber wenn wir mit unserem Körper richtig
umgehen, machen uns die Belastungen des Alltags
nichts aus. Der Ziegler aus Burkina Faso in Abbildung 8a zeigt uns, was sogar im fortgeschrittenen
Alter noch möglich ist. Er ist mehrere Stunden am
Tag damit beschäftigt, Ton zu schöpfen, ihn mit
Stroh zu mischen und dann zu Ziegeln zu formen.
In manchen ländlichen Gegenden arbeiten 80 bis
90 Prozent der Menschen körperlich und tragen
bis ins hohe Alter schwere Lasten auf dem Rücken
oder dem Kopf. Trotzdem treten unter ihnen Rückenschmerzen um 50 bis 75 Prozent seltener auf
als bei Arbeitern in Industrieländern.
[1]
Ich bin jetzt 85 Jahre alt. In den vergangenen Jahren tat mir während der
Hausarbeit der Rücken weh. Ich schob es
auf mein Alter. Angenehm überrascht war
ich, als ich durch die Gokhale-Methode
erfuhr, dass diese Art von Rückenschmerzen vermeidbar ist. Mittlerweile erledige
ich meine Hausarbeit wieder ohne jegliche
Schmerzen. Sogar meine Knieprobleme
sind verschwunden, und ich kann jetzt
wieder flotter gehen.
Gertrude Bock,
Palo Alto, Kalifornien
Mit Esther Gokhales Methode gelingt es,
selbst ein Leben lang eingeübte Haltungsgewohnheiten zu verändern. Mit 60 sei es
zu spät, dachte ich. Doch die freudvolle
und fundierte Herangehensweise von
Esthers Methode bewies mir das Gegenteil:
Jetzt sieht mein Körper wieder aus, wie er
sich anfühlt: stark und schön.
Joan Ruvinsky, Yoga-Lehrerin,
Montreal, Kanada
Abb. 8
a. Dieser Ziegler stellt trotz seines Alters viele
Stunden am Tag Ziegel her (Burkina Faso).
b. Der Beamte auf dem Foto um die Jahrhundertwende ist nicht mehr jung, aber arbeitet »sechs
Tage in der Woche von früh bis spät« (USA).
Die WahRen uRSachen
Die folgenden Risikofaktoren für Rückenschmerzen lassen sich wissenschaftlich ermitteln: genetische Veranlagung , psychosozialer Stress, Vibrationen (etwa durch Arbeiten mit Baugeräten),
mangelnde körperliche Fitness, anstrengende
Körperpositionen (Beugung, Drehung, statisches
Stehen), Alter , Körpergröße (nur für Ischiasbeschwerden), Rauchen und andere gesundheitliche Einflüsse wie Arthritis, Infektionen, Tumore
und Osteoporose . Ich wiederum glaube, dass
eine ungünstige Körperhaltung der häufigste
Grund für Rückenschmerzen ist.
[21, 22]
[15]
[23]
[25]
Viele der genannten Risikofaktoren können durch
gute Haltung ausgeglichen werden. Ohne gute Haltung jedoch bekommen einige Faktoren erheblichen
Einfluss, beispielsweise die genetische Veranlagung.
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grundlagen
Rückenschmerzen sind in vielen Fällen ein Ergebnis der Körperhaltung und der Art und Weise,
wie wir uns bewegen. Wir wissen nicht mehr, was
gesunde Haltung ausmacht. Im Gegenteil: Manche
populäre Empfehlung für »gute Haltung« richtet
mehr Schaden an, als sie nützt. Um ein Modell für
eine gesunde Haltung zu entwickeln, müssen wir
zur Bewegung zurückkehren, wie sie früher normal
war und heute noch in vielen Kulturen normal ist.
Bis zum 20. Jahrhundert waren starke Rückenschmerzen in unserer Gesellschaft weitgehend
unbekannt. Heute dagegen kommen sie doppelt
so oft vor wie 1950. Kurz nach dem Ersten
Weltkrieg vereinigten sich einige Trends zu einer
negativen Spirale, die bis heute anhält. Vergleichen
Sie die Fotos, die Ende des 19. Jahrhunderts aufgenommen wurden (Abb. 9), mit dem Bild aus
den 1920er-Jahren (Abb. 10). Die Veränderung ist
augenscheinlich. In den 1920er-Jahren begannen
die Menschen, Becken und Nacken nach vorne zu
schieben und die Schultern nach vorne zu rollen.
Eine krumme Haltung wurde modern.
[25]
Noch verblüffender ist der Vergleich zweier Illustrationen der Wirbelsäule, eine aus einem Medizinbuch des Jahres 1911 (Abb. 11 a), die andere
von 1990 (Abb. 11 b). Während die Zeichnung
aus dem Jahr 1911 sanft geschwungene Konturen
der Lenden- und der Brustwirbelsäule zeigt, sind
die Kurven in der neueren Zeichnung deutlich
stärker ausgeprägt. Die Form der Wirbelsäule aus
dem Jahr 1911 ist aber nicht nur die unserer Vorfahren, sondern auch die Erwachsener traditioneller Kulturen (Abb. 3) und kleiner Kinder (Abb. 12).
Ihre gleiche Beschaffenheit über Generationen,
Kulturen, Geografie und Alterstufen hinweg
belegt, dass es sich um die natürliche Form der
menschlichen Wirbelsäule handelt. Für mich liegt
darin der Schlüssel zu den Ursachen der aktuellen
Rückenschmerzepidemie. Natürlich sind 80 Jahre
nicht genug, um eine grundlegende genetische
Veränderung der Form eines Körperteils wie der
menschlichen Wirbelsäule anzunehmen. Was
wir aber beobachten können, ist eine kulturelle
Veränderung, die uns von unserem natürlichen
Körperbau und unserer kinästhetischen Tradition
entfernt – der Tradition guter Haltung und Bewegung, vermittelt über Generationen.
Worin liegt die Ursache für diese kulturelle Veränderung? Die Beantwortung dieser Frage ist eine
Aufgabe für die Wissenschaft. Ich vermute zwei
Einflussgrößen: einerseits die fehlende Verbindung zwischen den Generationen und andererseits der Einfluss der Modeindustrie.
Abb. 9
Abb. 10
Eine aufrechte Haltung war an der Wende zum 20. Jahrhundert für westliche Gesellschaften typisch (USA).
In den 1920er-Jahren kam die gekrümmte Haltung in Mode.
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nie wieder rückenschmerzen
Abb. 11
a.
b.
Die Wirbelsäule links stammt aus einem Anatomiebuch von 1911 und zeigt, welche Kurven seinerzeit als normal angesehen wurden. Die Wirbelsäule rechts ist aus einem Anatomiebuch von 1990 und belegt, was heute als
normal gilt. Bemerkenswert ist der deutliche Unterschied im Ausmaß der Krümmung, vor allem im Bereich der
Lendenwirbelsäule.
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