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TEST Fiat Doblò Cargo Maxi
Über kurz oder lang
Einen Titel hat sich der Doblò Cargo
in Stretch-Version jedenfalls verdient:
Er ist der längste Lieferwagen.
in wenig Arnold Schwarzenegger wäre ja ganz nett: So mancher Mann
träumt vergeblich von einem V-förmig modellierten Oberkörper. Der Fiat Doblò Cargo ist dem Traum von der Athletenfigur ein wenig näher gerückt: Kantig und
drahtig trat er schon immer auf, doch die
eher niedliche Frontpartie wollte nicht so
recht dazu passen. Jetzt aber hat ein
knackiger Kühlergrill in modischer VForm die hochgereckte Schnüffelnase des
Lieferwagens abgelöst. Dazu KlarglasScheinwerfer ohne den früheren Lidschatten, muskulöse Kotflügel im Stil der hinteren Radläufe, breite Planken statt
schmaler Seitenschutzleisten – Fiat renovierte den Lieferwagen gründlich, setzt
auf maskuline Körpersprache.
E
Der Joystick als Schalthebel flutscht zielgerecht durch die Schaltgassen, die Bedienung
des Doblò Cargo ist unproblematisch.
Der Innenraum ist ein wenig knapp geschnitten,
hinter den Sitzen macht sich eine isolierte
Trennwand breit.
26 KFZ-Anzeiger 02/2006 - Stünings Medien GmbH, Krefeld - www.kfz-anzeiger.com
Und streckt ihn mit einer neuen Variante gleichzeitig: Mit dem Zusatz Maxi
versehen, misst der Cargo jetzt fast 40
Zentimeter mehr, dehnt sich auf deutlich
über viereinhalb Meter Länge, erreicht
Transporterformat. Da rückt er dem bisher höher angesiedelten Scudo auf die Pelle, von Hause aus mit einem Van in der
Ahnengalerie eher ein Weichei im Vergleich zum deftigeren Doblò Cargo. Der
neue Cargo Maxi dürfte dem Markenbruder das Licht auspusten: Gut zwei Meter
Laderaumlänge, vier Kubikmeter Volumen, eine dreiviertel Tonne Zuladung, dazu ein günstigerer Preis – das wird’s für
den angejahrten Scudo wohl gewesen
sein, der in heutiger Form spätestens binnen Jahresfrist aufs Altenteil geschickt
wird.
Und der freche Halbstarke mit Bodybuilder-Optik, er kann ja was, ist weit
mehr als ein aufgepäppelter Zwerg. Die
erhöhte Nutzlast zählt zum Standard,
packen ist kein Problem: Die Addition der
Achslasten sichert reichlich Reserven für
ungleiche Gewichtsverteilung. Durchdacht ist die asymmetrische Hecktür mit
kleinerem Flügel zur Bordsteinseite. Mit
einem kräftigen Schwung öffnen die Flügel ohne Fettfinger für den Fahrer fix auf
180 Grad.
Aus Kostengründen verständlich, aber
in der Realität weniger gelungen ist die
Übernahme der Schiebetür vom kurzen
Doblò Cargo in neuer Form: Vorderwagen komplett überarbeitet, kräftiger Grill in muskulöser V-Form. Vier Kubikmeter Laderaum, von hinten bestens zugänglich durch asymmetrische Flügeltüren. Die knapp bemessene Schiebetür stammt vom kleineren Modell, ein Pendant auf der linken Seite gibt es nicht.
Cargo: Fürs Maxi-Format ist sie zu
schmal, auch wenn der Türausschnitt fast
kerzengerade nach unten zielt. Eine
Schiebetür auf der Fahrerseite und eine
Leiterklappe stehen im Unterschied zur
Kurz-Ausgabe nicht auf der Extra-Liste.
Hinter den Ladeluken überrascht der
lange Doblò Cargo mit einem gepflegten
Laderaum. Die Wände sind glatt und fein
verblecht, anders als bei manch zerklüftetem Wettbewerber. Ein PVC-Belag
schützt in den gehobenen Ausstattungsvarianten serienmäßig den Boden und
die sehr niedrig angesiedelten Ladekanten. Eine Handvoll etwas mickrig aussehender Zurrösen sichert ebenso die
Fracht wie eine vollflächige Trennwand
aus Stahlblech. Das wirkt überwiegend
gut gemacht und professionell.
Weiter vorn hat der Lieferwagen ebenfalls an Statur gewonnen. Das Fahrerhaus
tritt mit sachlicheren Farben und neuen
Türverkleidungen mit überarbeiteten Ablagen funktioneller auf als bisher. Jedoch
profitiert die Kabine nicht vom Längenwachstum: So manche Fahrer würden
den Sitz gerne ein paar Zentimeter weiter
nach hinten schieben. Auch hat die zwar
bullige, dabei jedoch schlanke Karosserie
eine eher knappe Innenbreite zur Folge –
kräftige Kerls sitzen auf Tuchfühlung. Die
drei Ausstattungsvarianten sind ge-
schickt gestaffelt. Die spartanische BasisAusstattung enthält außer getönten
Scheiben wenig Erwähnenswertes. Abgesehen vom extrem verlockenden Grundpreis, netto 11.430 Euro. Für einen halben
Tausender mehr fährt der Fiat als SX vor,
mit gedämmter Trennwand, höhenverstellbarem Sitz, elektrischen Fensterhebern, Zentralverriegelung, höhenverstellbare, Lenkrad und Bodenbelag im Laderaum eine gute Wahl. Weitere 600 Euro
mehr kostet die getestete Top-Variante mit
der Codebezeichnung ELX. Da es ABS
und elektrisch verstellbare Außenspiegel
auch separat gibt, erscheint diese Stufe
verzichtbar.
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TECHNISCHE DATEN
Maße und Gewichte
TEST Fiat Doblò Cargo Maxi
Gesamtlänge ........................................................ 4.633 mm
Gesamtbreite ........................................................ 1.722 mm
Gesamthöhe ........................................................ 1.817 mm
Radstand ................................................................ 2.963 mm
Wendekreisdurchmesser .......................... 12.300 mm
Spurweite vorn/hinten .................... 1.514/1.505 mm
Breite zw. den Radkästen ............................1.200 mm
Zulässige Achslast vorn .................................. 1.010 kg
Zulässige Achslast hinten .............................. 1.270 kg
Zulässiges Gesamtgewicht .......................... 2.180 kg
Leergewicht Testfahrzeug .................... 1.420 kg
Nutzlast .................................................... 760 kg
Zul. Zuggesamtgewicht..........................3.480 kg
Anhängelast bei 12 % Steigung ............1.300 kg
Ladevolumen ..............................................4.0 m3
Länge Laderaum ................................................2.060 mm
Breite Laderaum ..................................................1.470 mm
Höhe Laderaum ..................................................1.305 mm
Antriebsstrang
Motor: Wassergekühlter 4-Zylinder-Reihenmotor, quer eingebaut, Turbolader mit Ladeluftkühlung, Elektronisch geregelte Hochdruck-Common-Rail-Direkteinspritzung; Eine obenliegende
Nockenwelle mit Antrieb über Zahnriemen, zwei
Ventile pro Zylinder; Abgasrückführung; Oxidationskatalysator; Bohrung/Hub: 82,0/90,4 mm;
Hubraum: 1,9 l; Leistung: 100 PS (74 kW) bei
4.000/min; maximales Drehmoment: 200 Nm bei
1.750/min.
Getriebe: mechanisches 5-Gang-Schaltgetriebe
mit Joystick im Armaturenbrett; Übersetzungsverhältnisse vom 1. bis 5. Gang: 3,91:1 bis
0,84:1, Rückwärtsgang 3,91:1. Antrieb auf die
Vorderräder
Fahrwerk
Federung: vorn Einzelradaufhängung an
McPherson-Federbeinen, Querlenker, Schraubenfedern, Teleskop-Stoßdämpfer, Stabilisator.
Hinten Starrachse, Parabelfedern, TeleskopStoßdämpfer.
Bremsen: Vorn Scheiben-, hinten Trommelbremsen, Durchmesser vorn 257 mm, hinten 228
mm, Bremskraftregler, ABS. Mechanisch auf die
Hinterräder wirkende Feststellbremse.
Lenkung: Zahnstangenlenkung mit hydraulischer Servounterstützung
Reifen: 175/75 R 14 C auf Räder 5,5 J x 14.
Füllmengen/Elektrik
Tankinhalt: 60 l; Motoröl mit Filter: 4,3 l
Batterie: 12 Volt 60 Ah; Lichtmaschine: 90 A /
105 A mit Klimaanlage
Wartung/Garantie
Wartung: Ölwechsel-Intervall-Minimum 20.000
km; Garantie: Zwei Jahre Werksgarantie inklusive
Mobilitätsgarantie, acht Jahre Garantie gegen
Durchrostung.
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Nominell kräftig, doch in der Realität schwach auf der Brust: Der JTD mit 1,9 Liter Hubraum arbeitet leise, sparsam, wirkt jedoch matt.
Zumal auch in dieser edelsten Ausgabe des Doblò Cargo Maxi die Kunststoffteile eine wenig anheimelnde, schnell
verschrammte Hartplastik-Atmosphäre
ausstrahlen. Mit garantiertem Gänsehaut-Geräusch, wenn der Fingernagel über
das Armaturenbrett fährt. Auch die
Handvoll sichtbarer Schraubenköpfe im
Umfeld der A-Säulenverkleidungen muss
im Lieferwagen nicht sein. Aber der Doblò Cargo kennt auch andere Seiten. Die
fein verkleidete Trennwand sieht nicht
nur gepflegt aus, sie strahlt im Winter
keine unangenehme Kälte ab, unterstützt
die ohnehin vorteilhafte Geräuschdämmung bis hin zum Effekt eines vergleichsweise guten Radioklangs. Die Sitze sehen nicht nur munter aus, sie sind
auch langstreckentauglich. Pluspunkte
sammelt der Fiat ebenfalls im Kapitel Bedienung. Der Joystick-Schalthebel liegt
gut zur Hand, flutscht durch die Schaltgassen. Regler und Schalter sitzen verwechslungssicher dort, wo sie hingehören. Die Extra-Steckdose in der Mittelkonsole kann man gut gebrauchen.
Keinen Orden verdient sich der Doblò
Cargo dagegen bei der Unterbringung des
übliches Fahrer-Kleinkrams. Das Handschuhfach macht seiner Bezeichnung alle Ehre – mehr passt nicht hinein. Selbst
die Mappe der Bedienungsanleitung
steckt mangels Platz im Türfach. Das Mitführen von Getränken ist offensichtlich
nur in kleiner Dosierung vorgesehen –
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die Türfächer kapitulieren selbst vor 0,7Liter-Gebinden, es sei denn man wendet
Gewalt an, nimmt Schrammen in Kauf.
Einzig die ausladende Dachgalerie nimmt
größere Gegenstände auf.
Unzureichend auch die Außenspiegel:
Hoch und viel zu schmal bemessen, ist
das Blickfeld klein, erst recht beim verblechten Kastenwagen mit Trennwand
ohne Fenster im Fond. Zum zweifelhaften
Glücksspiel geraten Manöver wie Ausparken aus Parkbuchten quer zur Fahrbahn – italienisches Roulette. Dabei hätte der lange Maxi gute Spiegel bitter
MESSWERTE
Beschleunigung
0-50 km/h . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 5,1 s
0-80 km/h . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 10,1 s
0-100 km/h . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 14,1 s
Elastizität
50-80 km/h (IV/V) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 7,6/10,1 s
50-100 km/h (IV/V) . . . . . . . . . . . . . . . . . 13,2/17,8 s
Geschwindigkeit
Höchstgeschwindigkeit . . . . . . . . . . . . . 163 km/h
Innengeräusche
Stand/50/80 km/h . . . . . . . . . . . . . 59/61/64 dB(A)
100/130 km/h . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 69/73 dB(A)
Kraftstoffverbrauch
Verbrauch minimal . . . . . . . . . . . . . . . 6,6 l/100 km
Verbrauch maximal . . . . . . . . . . . . . 11,0 l/100 km
Testverbrauch gesamt . . . . . . . . . . . 8,2 l/100 km
Ø = Durchschnitt
nötig. Fiat realisiert das Wachstum der
Karosserie über den Radstand, entsprechend nimmt der Wendekreis im Vergleich zum normalwüchsigen Doblò Cargo zu. 12,4 m für den U-Törn sind arg viel.
Ebenso enttäuscht das Fahrwerk des
langen Fiat. Ob leer, teilbeladen oder beladen, die starre und blattgefederte Hinterachse mit Blattfedern agiert stets
bockig, teilt kräftig aus, verlangt von Fahrer und Ladung Nehmerqualitäten. Überdies stuckert die Vorderachse auf üblen
Beton-Autobahnen heftig, schüttelt dem
Fahrer fast die Plomben aus den Zähnen
und die Papiere vom Beifahrersitz.
Heftig und kompromisslos reagiert
der beladene Fiat auch bei schnellen
Spurwechseln auf der Autobahn oder zügiger Kurvenfahrt. Verhält er sich bis zur
halben Nutzlast noch leidlich neutral, so
drängt das Heck bei komplett und gleichmäßig ausgeladenem Fahrzeug schon bei
sonst wenig aufregenden Fahrmanövern
heftig zum Außenrand der Kurve. Da
heißt es ruhige Hand und kühlen Kopf bewahren, sonst droht Ungemach.
In diesem Zusammenhang verdienen
auch die Reifen Erwähnung, mitbeteiligt
am wenig schmeichelhaften Eindruck.
Der Cargo Maxi fährt auf der seltenen
Größe 175/75 R 14 C vor, eine schwer verständliche Entscheidung angesichts
reichlicher Auswahl ordentlicher und
tragfähiger Reifen in der 15-Zoll-Klasse,
wie die Fiat-Wettbewerber belegen.
Prompt zählen die beim Testwagen aufgezogenen, eher groben Michelin Agilis 81
offensichtlich nicht zum letzten Stand der
Reifenentwicklung, zu spüren bereits
durch laute Abrollgeräusche rund um
Tempo 100 herum.
Sparsam ist Fiat auch bei der Sicherheitsausstattung. Trommelbremsen an
der Hinterachsen sind nicht der letzte
Schrei, auch wenn die Bremsen fix und
kraftvoll, beim unbedachten Tritt aufs Pedal fast giftig ansprechen. ABS nur serienmäßig in Verbindung mit der besten
Ausstattung ist ebenso wenig zeitgemäß
wie das Fehlen einer ASR.
Das alles kann man angesichts der Leistung gut brauchen. Rund 100 Pferdestärken haben sich als gehobene Lieferwagen-Motorisierung etabliert, bei mehr als
2 t Gesamtgewicht und überdurchschnittlicher Kilometerleistung keine Fehlinve-
stition. Da bietet sich der JTD mit 1,9 Liter Hubraum an, aus vielen Fiat gut bekannt als sympathischer Geselle. 74 kW
(100 PS) klingen anständig, was in diesem Fall wörtlich zu nehmen ist: Der
Common-Rail-Motor zieht klaglos und
laufruhig aus niedrigsten Drehzahlen, arbeitet vergleichsweise leise, zeigt Drehfreude, marschiert unerschrocken Richtung 5.000 Touren und beschleunigt
munter. Gut 160 rennt der Cargo Maxi,
das genügt. Im Unterschied zu anderen
Lieferwagen lässt sich dieses Tempo auch
auf längeren Strecken gut aushalten, da
der Motor sehr gedämpft agiert, hier dominieren Windgeräusche den anderswo
üblichen Diesellärm.
Jedoch fehlt dem Motor der rechte
Biss, er wirkt schwach auf der Brust, egal
bei welcher Drehzahl. Kein Wunder: Der
Diesel erreicht maximal nur 200 Nm
Drehmoment – nicht nur im Vergleich
zum Wettbewerb mager, auch im eigenen
Haus: Im Fiat Punto bringt’s die Maschine auf bis zu 280 Nm. Ursache ist ein
schwächliches Getriebe, dem Fiat nicht
mehr Dampf zutraut. Deshalb lohnt sich
der Mehrpreis von 900 Euro zum kleineren 1.3 JTD (55 kW/75 PS, 190 Nm) nur
dann, wenn der Käufer die Höchstgeschwindigkeit ausnutzt. Sie fällt beim
größeren Diesel aufgrund längerer Übersetzungen fast 20 km/h größer aus.
Speziell beim langen und verblechten Kastenwagen irritiert das kleine Blickfeld der schmalen Außenspiegel.
Zu den Pluspunkten des matten Diesels gehören seine knausrigen Trinksitten. Wer die hohe Elastizität des Triebwerks ausnutzt und gelassen-gemütlich
ohne Ambitionen im Verkehr mitschwimmt, kommt selbst mit dem beladenen Doblò Cargo Maxi ohne Probleme
mit rund 7 l/100 km hin, ein prima Wert.
Im Maximum schluckt der Diesel bei voller Fahrt bis zu 11 l/100 km – angesichts
der stattlichen Figur absolut angemessen.
So agiert der Doblò Cargo Maxi
schlussendlich trotz kraftvoller V-Form
eher halbstark: Ambitionierte Fahrer
werden sich mit ihm kaum anfreunden,
als braver Lastesel verrichtet er jedoch
RANDOLF UNRUH
brav seine Dienste.
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