Bosch | 5314 | Fall Nr. COMP/M.5314 - ROBERT BOSCH / HÄGGLUNDS DRIVES

DE
Fall Nr. COMP/M.5314 ROBERT
BOSCH
/
HÄGGLUNDS DRIVES
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VERORDNUNG (EG) Nr. 139/2004
ÜBER FUSIONSVERFAHREN
Artikel 6, Absatz 1, b KEINE EINWÄNDE
Datum: 10/12/2008
In elektronischem Format auf der EUR-Lex Website unter
der Dokumentennummer 32008M5314
Amt für amtliche Veröffentlichungen der Europäischen Gemeinschaften
L-2985 Luxembourg
KOMMISSION DER EUROPÄISCHEN GEMEINSCHAFTEN
Brüssel, 10/12/2008
SG-Greffe(2008) D/207951
C(2008) 8429
In der veröffentlichten Version dieser Entscheidung
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ZUR VERÖFFENTLICHUNG
BESTIMMTE FASSUNG
FUSIONSKONTROLLVERFAHREN
ENTSCHEIDUNG
NACH ARTIKEL 6 ABSATZ 1
BUCHSTABE b
An die anmeldende Partei
Sehr geehrte Damen und Herren!
Betreff:
Sache COMP/M.5314 - Robert Bosch / Hägglunds Drives
Anmeldung M.5314 nach Artikel 4 der Verordnung (EG) Nr. 139/2004 des
Rates
1. Am 5. Oktober 2008 ging aufgrund einer Verweisung nach Artikel 4 Absatz 5 der
Verordnung (EG) Nr. 139/2004 des Rates 1 („EG-Fusionskontrollverordnung“) die
Anmeldung
eines
Zusammenschlusses
nach
Artikel 4
der
EG-Fusionskontrollverordnung bei der Kommission ein. Danach ist beabsichtigt, dass
das Unternehmen Robert Bosch GmbH („Robert Bosch“, Deutschland) im Sinne von
Artikel 3 Absatz 1 Buchstabe b der EG-Fusionskontrollverordnung durch Erwerb von
Anteilen die alleinige Kontrolle über das Unternehmen Hägglunds Drives AB
(„Hägglunds Drives“, Schweden) erwirbt.
2. Nach Prüfung der Anmeldung kam die Kommission zu dem Schluss, dass das
angemeldete Vorhaben unter die EG-Fusionskontrollverordnung fällt und keinen Anlass
zu ernsten Bedenken hinsichtlich seiner Vereinbarkeit mit dem Gemeinsamen Markt
und dem EWR-Abkommen gibt.
1
ABl. L 24 vom 29.1.2004, S. 1.
Europäische Kommission, 1049 BRÜSSEL, BELGIEN. Tel.: (32-2) 299 11 11.
I.
BETEILIGTE
3. Robert Bosch ist weltweit in den Bereichen Kraftfahrzeugtechnik, Industrietechnik,
Gebäudetechnik und Gebrauchsgüter tätig. Die Tochtergesellschaft Bosch Rexroth AG
stellt hydraulische Antriebssysteme für industrielle Anwendungen her.
4. Bei Hägglunds Drives handelt es sich um einen Hersteller von hydraulischen
Schwerlastantrieben für industrielle Anwendungen.
II.
ZUSAMMENSCHLUSS
5. Grundlage für den Zusammenschluss ist der am 18. Juli 2008 geschlossene
Anteilskaufvertrag zwischen Robert Bosch und dem privaten Finanzinvestor Ratos AB
(Schweden), demzufolge Robert Bosch sämtliche Anteile an Hägglunds Drives und
damit die alleinige Kontrolle über Hägglunds Drive erwirbt. Das Vorhaben stellt einen
Zusammenschluss im Sinne des Artikels 3 Absatz 1 Buchstabe b der EGFusionskontrollverordnung dar.
III. GEMEINSCHAFTSWEITE BEDEUTUNG
6. Der Umsatz der Beteiligten beläuft sich zusammen auf über 5 000 Mio. EUR weltweit.
Hägglunds Drives erwirtschaftete 2007 jedoch einen gemeinschaftsweiten Umsatz von
lediglich […] EUR, so dass der in Artikel 1 Absatz 2 Buchstabe b der EGFusionskontrollverordnung festgelegte Schwellenwert von 250 Mio. EUR nicht erreicht
wird. Auch liegt der Umsatz von Hägglunds Drives nicht in drei verschiedenen
Mitgliedstaaten jeweils über 25 Mio. EUR. Die in Artikel 1 Absatz 3 Buchstabe c der
Verordnung festgelegten alternativen Schwellenwerte werden daher ebenfalls nicht erreicht.
7. In einem begründeten Antrag vom 15. September 2008 teilten die Beteiligten der
Kommission mit, dass der Zusammenschluss nach dem Wettbewerbsrecht mindestens
dreier Mitgliedstaaten (Österreich, Deutschland, Italien, Schweden) und eines EFTAStaates (Norwegen) zu prüfen sein könnte. Keiner der betreffenden Mitgliedstaaten hat die
Verweisung an die Kommission innerhalb der in der EG-Fusionskontrollverordnung
festgesetzten Frist von 15 Arbeitstagen abgelehnt. Daher wird eine gemeinschaftsweite
Bedeutung des Zusammenschlussvorhabens unter Einbeziehung der Verweisung von
Norwegen gemäß Artikel 4 Absatz 5 der Verordnung vermutet. 2
IV. WETTBEWERBSRECHTLICHE WÜRDIGUNG
Sachlich relevante Märkte
8. Die Beteiligten sind im Bereich stationärer hydraulischer Antriebssysteme für
industrielle Anwendungen tätig. Sie liefern sowohl komplette hydraulische
Antriebssysteme als auch Komponenten für solche Systeme. Zu einer horizontalen
Überschneidung kommt es in einem möglichen Markt für hydraulische Antriebssysteme
und für Hydraulikmotoren.
9. Bei der Hydraulik handelt es sich um eine Technologie, bei der über eine
inkompressible Flüssigkeit kontrolliert Energie übertragen wird, damit hydraulische
2
Protokoll 24 über die Zusammenarbeit im Bereich der Kontrolle von Unternehmenszusammenschlüssen,
Artikel 6 Absatz 5.
2
Komponenten sich prognostizierbar verhalten. Hydraulik ist im technischen Sinn die
Energie- und Signalübertragung durch Druckflüssigkeiten in geschlossenen oder offenen
Systemen. In der Regel wird zwischen Industriehydraulik (stationär) und
Mobilhydraulik unterschieden 3 . Ein hydraulisches Antriebssystem besteht (i) aus einem
Hydraulikmotor und (ii) aus einer Power Unit. Die Power Unit setzt sich aus (i) einem
Elektromotor, (ii) einem Kontrollsystem und (iii) einer hydraulischen Pumpe
zusammen. 4
10. Nach Ansicht des Anmelders gehören alle industriellen Antriebssysteme für stationäre
Schwerlastanwendungen zum selben Markt, gleich ob es sich um ein hydraulisches oder
ein elektrisches Antriebssystem handelt. Auch sei eine Marktabgrenzung nach
Komponenten industrieller (hydraulischer) Systeme nicht sinnvoll.
Hydraulisches Antriebssystem
11. Der Anmelderin zufolge sind industrielle (stationäre) Antriebssysteme und mobile
Antriebssysteme nicht austauschbar und gehören daher nicht zu einem Gesamtmarkt.
Die Anmelderin verweist in diesem Zusammenhang auf frühere Entscheidungen der
Kommission 5 , in denen zwischen Industrie- und Mobilhydraulik unterschieden wurde.
Aus der Marktuntersuchung hat sich ergeben, dass wohl gesonderte Märkte bestehen,
(zumindest manche) Hydraulikmotoren jedoch sowohl in mobilen als auch in stationären
Anlagen eingesetzt werden können. 6
12. Der Anmelderin zufolge sind hydraulische und elektrische Antriebssysteme für
industrielle Anwendungen aus Kundensicht substituierbar und gehören daher zum
selben Markt. Der Zusammenschluss betreffe somit den Gesamtmarkt für
Antriebssysteme für industrielle Anwendungen.
13. Wie die Marktuntersuchung gezeigt hat, handelt es sich bei Antriebssystemen für
industrielle Anwendungen um sehr kundenspezifische Produkte, die auf die
spezifischen Bedürfnisse von Industriekunden zugeschnitten werden. Es gab Hinweise
von Kunden auf Bereiche, in denen ein Wechsel zu elektrischen Antriebssystemen in
der Tat möglich ist. 7 Bei einigen spezifischen Anwendungen scheint der Einsatz
elektrischer Antriebssysteme jedoch schwierig bzw. würde die Entwicklung eines
neuen, auf die spezifischen Bedürfnisse des Kunden zugeschnittenen Systems zumindest
einige Zeit in Anspruch nehmen. Die Wahl zwischen einer hydraulischen und einer
elektrischen Lösung ist ziemlich komplex. Nicht nur der relative Preisunterschied
zwischen beiden Systemen, sondern auch eine generelle Beurteilung der
technologischen Systemvorteile (z. B. Zuverlässigkeit, Energieverbrauch, Lebensdauer)
spielt bei dieser Entscheidung eine Rolle. Letztlich kann jedoch offen bleiben, ob ein
3
Entscheidungen der Kommission vom 12.1.2004, Sache COMP/M.2060 – Bosch/Rexroth,
Erwägungsgrund 21 f., und vom 14.1.1992, Sache IV/M.152 – Volvo/Atlas, Erwägungsgrund 13.
4
Nach Auffassung des Industriebereichs, vgl. Antworten auf Frage 8, Auskunftsverlangen vom 7.11.2008.
5
Entscheidungen der Kommission vom 12.1.2004, Sache COMP/M.2060
Erwägungsgrund 22, und vom 14.1.1992, Sache IV/M.152 – Volvo/Atlas.
–
Bosch/Rexroth,
6
Vgl. Antworten auf die Fragen 16 (Wettbewerber) und 15 (Kunden), Auskunftsverlangen vom 7.11.2008.
7
Vgl. Antwort auf Frage 5 (Kunden), Auskunftsverlangen vom 7.11.2008.
3
Gesamtmarkt für industrielle Antriebssysteme definiert werden kann, denn selbst im
Fall eines gesonderten Marktes für hydraulische Antriebssysteme gibt das
Zusammenschlussvorhaben keinen Anlass zu ernsthaften Bedenken hinsichtlich seiner
Vereinbarkeit mit dem Gemeinsamen Markt.
14. Eine stärkere Abgrenzung von Marktsegmenten für hydraulische Antriebssysteme nach
spezifischen Merkmalen des Hydraulikmotors (Drehmoment, Geschwindigkeit) scheint
nicht angebracht. Nach Auffassung der Mehrzahl der Kunden handelt es sich bei
hydraulischen Antriebssystemen um ein relativ homogenes Produkt. 8 Nur einige
Kunden wiesen auf spezielle Segmente hin; so wurde vor allem Hägglunds Drives als
besonders wichtiger Anbieter im Segment für langsam laufende hydraulische
Hochdrehmoment-Motoren bezeichnet. Es wurde jedoch bestätigt, dass alternative
Lösungen möglich sind und im Bereich der langsam laufenden HochdrehmomentAntriebe z. B. auch ein Hydraulikmotor mit einem Getriebe kombiniert werden könnte.
Komponenten für hydraulische Antriebssysteme (hydraulische Antriebsmotoren und
Hydraulikpumpen)
15. Nach Auffassung der Anmelderin ist eine Marktabgrenzung nach Komponenten
industrieller hydraulischer Systeme nicht sinnvoll. Die Anmelderin argumentiert,
Kunden bezögen industrielle Antriebssysteme oder Komponenten . Eine stärkere
Abgrenzung von Marktsegmenten nach Komponenten führe nicht zu einer zutreffenden
Bewertung von Angebot und Nachfrage.
16. Wie die Marktuntersuchung gezeigt hat, beziehen die Kunden mehrheitlich das gesamte
System, damit die Systemverantwortung in einer Hand liegt. Eine Reihe von (Systeme
integrierenden) Kunden könnten die Komponenten für Hydraulikmotoren jedoch aus
verschiedenen Quellen beziehen, wenn sie Komponenten unterschiedlicher Anbieter
kombinieren und Systemlösungen anbieten möchten. Sowohl die Beteiligten als auch
ihre Wettbewerber sind in gewissem Umfang im Bereich Komponenten und im Bereich
Systeme tätig. Komponenten, die Systemanbieter nicht selbst herstellen, könnten von
Dritten bezogen werden. Da die wettbewerbsrechtliche Würdigung jedoch dieselbe ist,
ob nun ein Gesamtmarkt für Komponenten und Systeme oder gesonderte Märkte für
Komponenten betrachtet werden, kann die Frage letztlich offen bleiben. Im Bereich der
Komponenten werden von Robert Bosch und Hägglunds Drives hergestellte
Hydraulikmotoren und der Bereich Hydraulikpumpen, in dem nur Robert Bosch tätig
ist, getrennt betrachtet. Allerdings sind Hydraulikpumpen nur eine Unterkomponente
des gesamten hydraulischen Antriebssystems, da sie in die Power Unit eingebaut
werden, die als solche Teil des hydraulischen Antriebssystems zusammen mit dem
Hydraulikmotor ist.
Schlussfolgerung zu den sachlich relevanten Märkten
17. Für die Zwecke dieser Entscheidung kann die Marktabgrenzung offen bleiben. Die
Produktmärkte werden so eng wie möglich definiert: (i) hydraulische Antriebssysteme
für industrielle Anwendungen, (ii) Hydraulikmotoren und (iii) Hydraulikpumpen.
Räumlich relevante Märkte
8
Vgl. Antworten auf Frage 14 (Kunden), Auskunftsverlangen vom 7.11.2008.
4
18. Der Anmelderin zufolge handelt es sich beim Markt für Antriebssysteme für industrielle
Schwerlastanwendungen um einen Weltmarkt oder einen EWR-Markt. In früheren
Entscheidungen vertrat die Kommission die Auffassung, beim relevanten Markt für
hydraulische Komponenten handele es sich wohl um den EWR. 9
19. Den meisten im Rahmen der Marktuntersuchung eingegangenen Antworten zufolge ist
der Markt für hydraulische Antriebssysteme und Komponenten zumindest EWR-weit
abzugrenzen. In einer bedeutenden Zahl von Beiträgen wurde als relevanter Markt der
Weltmarkt angesehen.
20. Die Frage, wie der räumlich relevante Markt genau abzugrenzen ist, kann im
vorliegenden Fall offen bleiben, da das Zusammenschlussvorhaben selbst bei engst
möglicher Marktdefinition (EWR-weiter Markt) keinen Anlass zu ernsten Bedenken
hinsichtlich seiner Vereinbarkeit mit dem Gemeinsamen Markt gibt.
Wettbewerbsrechtliche Würdigung
21. Die Märkte für hydraulische Antriebssysteme für industrielle Anwendungen und für
Hydraulikmotoren sind horizontal betroffen. Die Marktanteile der Beteiligten auf diesen
Märkten belaufen sich zusammengenommen auf [30-40 %]. Der dem Markt für
hydraulische Antriebssysteme vorgelagerte Markt für Hydraulikpumpen ist vertikal
betroffen.
9
Entscheidungen der Kommission vom 12.1.2004, Sache COMP/M.2060 – Bosch/Rexroth,
Erwägungsgrund 58, und vom 14.1.1992, Sache IV/M.152 – Volvo/Atlas, Erwägungsgrund 15. Es gibt
(zumindest innerhalb der EG) keine tarifären und nicht-tarifären Handelshemmnisse, und die
Transportkosten scheinen im Verhältnis zum Endpreis der Produkte gering zu sein. Preisunterschiede sind
in erster Linie auf das nachgefragte Leistungsniveau zurückzuführen (Lagerhaltung, Installation,
finanzielle Konditionen). Ferner gibt es signifikanten grenzüberschreitenden Handel und international
akzeptierte Normen und Standards.
5
Tabelle 1: Marktanteile der Beteiligten
RELEVANTER
MARKT
ROBERT BOSCH
HÄGGLUNDS
DRIVES
ZUSAMMEN
hydraulische
Antriebssysteme
industrielle
Anwendungen
[5-10 %]
[20-30%]
[30-40%]
Hydraulikmotoren
[10-20%]
[20-30%]
[30-40%]
Hydraulikpumpen
[40-50%]
0%
[40-50%]
für
Quelle: Beste Schätzung der Beteiligten für 2007, EWR-Markt
Horizontale Effekte
Hydraulische Antriebssysteme für industrielle Anwendungen
22. Bei Hägglunds Drives handelt es sich um den führenden Hersteller hydraulischer
Antriebssysteme für industrielle Schwerlastanwendungen auf dem Weltmarkt
(Marktanteil [20-30%]) und dem EWR-Markt ([20-30%]), bei Robert Bosch um den
fünftgrößten ([5-10%]).
23. Nach erfolgtem Zusammenschluss hätte Robert Bosch auf dem EWR-Markt einen
Marktanteil von [30-40%], doch gäbe es auf dem EWR-Markt für hydraulische
Antriebssysteme für industrielle Schwerlastanwendungen eine Reihe relativ großer
Wettbewerber, die Wettbewerbsdruck auf Robert Bosch ausüben könnten. 10 Der
Anmelderin zufolge sind Wettbewerber Bonfigoli (Marktanteil von [10-20%]), Brevini
(Marktanteil von [10-20%]) und Parker Hannifin (Marktanteil von [10-20%]).Von
Kundenseite wurde im Rahmen der Marktuntersuchung bestätigt, dass auch nach
erfolgtem Zusammenschluss noch ausreichend alternative und zuverlässige
Bezugsquellen für hydraulische Antriebssysteme vorhanden wären. Diese Kunden sind
in der Lage, ihre spezifischen Bedürfnisse zu definieren und Anbieter zu finden, die
Komponenten in ein System einbauen können, das in die betreffende Anwendung passt.
Kunden sind erfahrene industrielle Abnehmer, die das zur Entwicklung komplizierter
Anlagen erforderliche Know-how besitzen und im Hinblick auf eine maßgeschneiderte
Lösung für ihre spezifischen Anwendungen häufig mit ihren Lieferanten
zusammenarbeiten. Auch wenn elektrische Antriebssysteme nicht zum selben
Produktmarkt gerechnet werden, hätten Kunden die Möglichkeit, zu einem solchen
elektrischen System zu wechseln und sind daher nicht auf hydraulische Lösungen
10
Z. B. sind Denison (Parker Hannifin), Kawasaki, Eaton und andere im Bereich hydraulischer
Antriebssysteme und/oder Komponenten tätig. Abnehmer hydraulischer Antriebssysteme wiesen darauf
hin, dass ihnen (kleinere) Unternehmen bekannt sind, die in der Lage sind, durch Bezug von
Komponenten von Drittherstellern und Einbau in ein System hydraulische Antriebssysteme zu
konzipieren und zu liefern.
6
angewiesen. Folglich kann ausgeschlossen werden, dass das Zusammenschlussvorhaben
auf dem EWR-Markt für hydraulische Antriebssysteme für industrielle Anwendungen
Anlass zu ernsten Bedenken hinsichtlich seiner Vereinbarkeit mit dem Gemeinsamen
Markt gibt.
Hydraulikmotoren
24. Den Beteiligten zufolge handelt es sich bei Hägglunds Drives um den führenden
Hersteller von Hydraulikmotoren auf dem Weltmarkt (Marktanteil [10-20%]) und dem
EWR-Markt ([20-30%]), bei Robert Bosch um den drittgrößten weltweit ([5-10%]) bzw.
zweitgrößten im EWR ([10-20%]). Der Anmelderin zufolge sind die Marktanteile ihrer
Wettbewerber auf dem EWR Markt für Hydraulikmotoren ähnlich denen auf dem Mark
für Hydrauliksysteme. Aus Antworten im Rahmen der Marktuntersuchung ging hervor,
dass Hägglunds Drives einziger Hersteller einiger spezieller Motoren mit besonders
hohen Drehmomenten ist, die bisher nicht zur Produktpalette der Anmelderin gehören. 11
Dies könnte als Hinweis darauf gelten, dass sich die Produktpaletten der beiden
Unternehmen teilweise ergänzen bzw. dass es sich bei den Unternehmen nicht um
direkte Wettbewerber handelt.
25. Nach erfolgtem Zusammenschluss hätte Robert Bosch auf dem EWR-Markt einen
Marktanteil von [30-40%], doch wäre eine Reihe relativ großer Wettbewerber auf dem
europäischen Markt für Hydraulikmotoren präsent, die Wettbewerbsdruck auf Robert
Bosch ausüben könnten. Von Kundenseite wurde bestätigt, dass auch nach erfolgtem
Zusammenschluss noch alternative Bezugsquellen für Hydraulikmotoren, wie z. B.
Denison (Parker Hannifin) oder Eaton, vorhanden wären. Wie bereits erläutert 12 ,
könnten für einige Kunden elektrische Antriebssysteme eine Alternative darstellen.
Vertikale Effekte
26. Bei Robert Bosch handelt es sich um den führenden Hersteller von Hydraulikpumpen
auf dem Weltmarkt (Marktanteil ca. [30-40%]) und dem EWR-Markt (ca. [40-50%]).
Das Unternehmen ist folglich auf dem vorgelagerten Markt für Produkte im Bereich
Hydraulikpumpen vertikal integriert, was bei Hägglunds Drives nicht der Fall ist.
Hydraulikpumpen kommen in verschiedenen industriellen Anwendungen zum Einsatz.
Im EWR macht die Nachfrage von Hägglunds Drives ([10-20] Mio. EUR) [0-5%] der
Gesamtnachfrage aus. Der Wert der Hydraulikpumpen ist im Verhältnis zum Wert des
gesamten hydraulischen Antriebssystems relativ gering.
27. Angesichts des Marktanteils von Robert Bosch einerseits und des geringen Anteils, den
die Nachfrage von Hägglunds Drives nach Hydraulikpumpen an der Gesamtnachfrage
ausmacht, andererseits ist eine Marktabschottung unwahrscheinlich. Robert Bosch
würde riskieren, einen bedeutenden Anteil seines Umsatzes mit Hydraulikpumpen zu
verlieren, würde das Unternehmen die Liefermengen an seine Wettbewerber auf dem
nachgelagerten Markt für hydraulische Antriebssysteme verringern oder die Preise
diesen Wettbewerbern gegenüber erhöhen, ohne dass die Verluste auf dem
vorgelagerten Markt durch Gewinne auf dem nachgelagerten Markt ausgeglichen
würden. Ebenso kann ausgeschlossen werden, dass die Wettbewerber von Robert Bosch
11
12
Internen Unterlagen des Anmelders zufolge zählte dies zu den Beweggründen für den Erwerb von
Hägglunds Drives, vgl. Formblatt CO, Anlage 5.4.
Siehe Erwägungsgrund 23.
7
auf dem Markt für Hydraulikpumpen einen wichtigen Kunden verlieren. Im Rahmen der
Marktuntersuchung wurden keine Bedenken in Bezug auf eine Marktverschließung zu
den Beschaffungs- und Absatzmärkten geäußert. Hinzu kommt, dass der Vertikaleffekt
des Zusammenschlusses ohnehin begrenzt ist, weil die Hydraulikpumpe als Teil der
Power Unit nur eine Subkomponente des hydraulischen (Gesamt-)Systems ist.
VI. SCHLUSSFOLGERUNG
28. Aus den dargelegten Gründen hat die Kommission entschieden, keine Einwände gegen
das angemeldete Vorhaben zu erheben und es für mit dem Gemeinsamen Markt und
dem EWR-Abkommen vereinbar zu erklären. Diese Entscheidung ergeht gemäß
Artikel 6 Absatz 1 Buchstabe b der Verordnung (EG) Nr. 139/2004 des Rates.
Für die Kommission
(unterzeichnet)
Neelie KROES
Mitglied der Kommission
8
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