TamaiTatsushi - Goethe

Paläographische Untersuchungen zum B-Tocharischen
Inauguraldissertation
zur Erlangung des Grades eines Doktors der Philosophie
im Fachbereich Sprach- und Kulturwissenschaften
der Johann Wolfgang Goethe-Universität
zu Frankfurt am Main
vorgelegt von
Tatsushi Tamai
aus Osaka (Japan)
Einreichungsjahr: 2008
Erscheinungsjahr: 2010
1. Gutachter: Prof. Dr. Jost Gippert
2. Gutachter: Prof. Dr. Ralf-Peter Ritter
Tag der mündlichen Prüfung: 15. April 2008
INHALTSVERZEICHNIS
Abkürzungen ...................................................................................................................... I - II
Einleitung ................................................................................................................. III - XLIII
Untersuchungen zur Paläographie und Linguistik des Tocharischen ....................... 1 - 479
Appendix I: Tabelle der Schriften ……………………………………………......... 480 - 523
Appendix II: Paläographische Untersuchung und 14C-Prüfung ............................. 524 - 532
Appendix III: Untersuchung der einzelnen Besonderheiten im Toch. B .............. 533 - 593
Zusammenfassung ...................................................................................................... 594 - 600
Literaturverzeichnis ................................................................................................... 601 - 620
Abkürzungen
Abl. Ablativ
id. idem
Abs. Absolutivum
i.e. is est
Abstr. Abstraktum
Impf. Imperfekt
Adj. Adjektiv
Impv. Imperativ
Adv. Adverb
Inf. Infinitiv
Akk. Akkusativ
Ind. Indikativ
Akt. Aktiv
Instr. Instrumental
All- Allativ
interrog. interrogativ
Aor. Aorist
intr. intransitiv
athem. athematisch
iran. iranisch
Bd. Band
Jh. Jahrhundert
BHS Buddhist Hybrid Sanskrit
K beliebiger Konsonant
bzw. beziehungsweise
Kaus. Kausativ
d.h. das heißt
Ko. Konjunktiv
Dat. Dativ
Kom. Kommitativ
Demon.pron. Demonstrativpronomen
khon. khotanisch
Divy. Divyāvadāna
lat. lateinisch
Du. Dual
Lok.Lokativ
enkl. enklitisch
LW Lehnwort
f. feminin
m. maskrin
ff. und folgende
m.E. meines Erachtens
Fut. Futurum
Med. Medium
Gen. Genitiv
n. (genus) neutrum
Ger. Gerundium
Nom. Nominativ
Gv. Grundverb
Nom.act. Nomina actionis
heth. hethitisch
Nom.ag. Nomina agentis
hrsg. herausgegeben
o. oben
Hs. Handschrift
Obl. Obliquus
Hss. Handschriften
op.cit. opus citatum
I
Opt. Optativ
Sg. Singular
p. Seite (pagina)
Skt. Sanskrit
Part. Partizip
sog. sogenannt
Pass. Passiv
Subst. Substantiv
Perf. Perfekt
suppl. suppletiv
Perl. Perlativ
TEB Tocharisches Elementarbuch
Pers. Person
them. thematisch
Pl. Plural
TIES Tocharian and Indoeuropian
PN Personname
Studies
poss. possessiv
Toch. Tocharisch
Postp. Postposition
tr. transitiv
PPt. Partizip Präteritum
u. unten
PPs. Partizip Präsens
Udl. Udānalaṅkāra
Präp. Präposition
uridg. urindogermanisch
Prāk. Prākrit
urtoch. urtocharisch
Priv.Privativum
usw. und so weiter
Pron. Pronomen
V beliebiger Vokal
Ps. Präsens
vgl. vergleiche
Pt. Präteritum
Vok. Vokativ
Redupl. Reduplikation
vs. versus
s. siehe
Wz. Wurzel
S. Seite
z.B. zum Beispiel
II
Einleitung
1. Allgemeines
Das Tocharische ist eine Sprache, die in Handschriften aus Zentralasien, einem Gebiet
zwischen Kuča und der Turfanoase an der nördlichen Seidenstraße (die heutige Provinz
新疆 Shinjiang in China), überliefert ist. Diese Handschriften befinden sich heute in
Berlin, Paris, London, St.‑Petersburg, Tokyo und an verschiedenen Orten in China.
Zum Schreibmaterial vgl. TEB1:
"Sie sind zum großen Teil in Buch- (Pothī-)Form mit der Rohrfeder geschrieben,
seltener auf Birkenrinde und auf chinesischen Rollen mit Pinselschrift. Für
Klosterrechnungen wurden selten, für Karawanenpässe stets Holzbrettchen
verwendet. Schließlich finden sich Inschriften zu Wandgemälden und
Stifterbildern sowie lose Sgraffiti"2
Hinsichtlich des Namens "Tocharisch" ist es, wie in TEB (S. 37) erwähnt wird, sehr
fraglich, ob er überhaupt berechtigt ist. Man kann sich hier nur auf einen einzigen Beleg
stützen, der sich im Kolophon des uigurischen Maitreyasamiti-Nāṭaka befindet:
<ugu küšän tilintin toχrï tilinčä äwirmiš>3 'man hat aus der … küšän-Sprache in
die (wrtl. als, Äquat.) toχrï-Sprache umgedreht (d.h. übersetzt)'.
Ich bin nicht sicher, ob dieses toχrï wirklich "Tocharer" (Volksname) oder "Tocharisch"
(Sprache) bedeutet. Die andere Möglichkeit, das Tocharische mit iranischen Sprachen4
1
Krause - Thomas, Tocharisches Elementarbuch Band I, S. 37.
2
Doch sind soweit ich sehe, im Gegensatz zu den toch. Texten die Texte in Skt. auf Birkenrinde
geschrieben, und chinesische Rollen sind erst zu einer relativ späteren Zeit benutzt worden. Die
Klosterrechnungen wurden mit Pinsel geschrieben und werden zum größten Teil in Berlin aufbewahrt; die
Karawanenpässe befinden sich in Paris. In Qumtura (Höhlen Nr.34 und Nr.50) finden sich Inschriften zu
Wandgemälden, aber teilweise sind sie schon verblasst oder sogar verschwunden. Andere Inschriften sind
auch nicht optimal erhalten, z.B. ist die Inschrift in Höhle Nr. 69 in Qizil jetzt bedauerlicherweise spurlos
verschwunden.
3
Sitzungsberichte der preußischen Akademie der Wissenschaften 1931 (Uigurica IV von F. W. K. Müller,
herausgegeben von A. von Gabain), S. 678, Kolophon aus Buch N und S (fehlende Teile sind von beiden
ergänzt). Meine Übersetzung ist nur tentativ, da <ugu> und der Äquativ <-inčä> nicht mit Sicherheit zu
übersetzen sind.
III
oder dem Indoskythischen5 zu verknüpfen, ist ebenso fraglich, da kein Beweis dafür
existiert. Auf jeden Fall haben in der Tocharologie die tocharischen Hss. den ausschlaggebenden Beweiswert.
Das Tocharische ist zweigeteilt, und zwar in Tocharisch A ("Osttocharisch" bzw.
"Agnian"6 genannt), das im Gebiet zwischen Qarašahr und Turfan gefunden wurde, und
Tocharisch B ("Westtocharisch" bzw. "Koutchéen" 7 genannt), für das im gesamten
"Tocharergebiet" Hss. gefunden wurden. Nach W. Krause verhalten sich Tocharisch A
und B so zueinander:
"dass die von Westen vordringende buddhistische Missionierung Zentralasiens im
Gebiet des Tarims zunächst die Sprache von Kuča (B) für die Übersetzung der
buddhistischen Texte benutzte und diese kučischen Übersetzungen auch in das
nordöstlich anschließende Reich Agni brachte, bis dann später von den
Bewohnern dieses Reichs der eigene Dialekt (A) zur Übersetzungssprache
erhoben wurde"8
Toch. A stammt, wie ich später genauer ausführe, nur aus einem kleinen Gebiet in
Šorčuq. Wenn die A‑Hss. überall im sog. Toch. A‑Gebiet gefunden worden wären,
könnte man Toch. A als einen Dialekt betrachten.
2. Entdeckungs- und Entzifferungsgeschichte
Am Anfang des 20. Jahrhunderts herrschte sozusagen ein "Zentralasienfieber", und es
wurden von verschiedenen Ländern mehrere Expeditionen durchgeführt, wobei es in
unterschiedlichem Ausmaß gelang, kostbare Kunstschätze und Handschriften auszugraben (oder teilweise zu kaufen).
4
W. Krause, Tocharisch, Handbuch der Orientalistik, 1. Abt., Bd.4, 3., 1971. (Nachdruck der ersten, 1955
veröffentlichten Ausgabe).
5
E. Sieg und W. Siegling, Tocharisch, die Sprache der Indoskythen, Vorläufige Bemerkungen über eine
bisher unbekannte indogermanische Literatursprache, Sitzungsberichte der preussischen Akademie der
Wissenschaften 1908.
6
H.W. Bailey, Opera Minora edited by M. Nawabi 1981, Vol. I "Ttaugara" p. 446.
7
S. Lévi, Tokharian B, Langue de Koutscha JA 1913, 312ff.
8
Westtocharische Grammatik Band I, Das Verbum 1952 Vorwort IX.
IV
Bei den Hss., die von den Expeditionsmitgliedern selbst ausgegraben wurden, ist heute
weitgehend klar, woher sie stammen, und auch über die Umstände der Bergung herrscht
einigermaßen Klarheit. Dadurch sind die Hss. wissenschaftlicher Forschung zugänglich.
Wurden dagegen Hss. auf dem Basar oder von privaten Anbietern erworben, gibt es oft
nur vage Angaben über Lage und Art des Fundortes. In diesem Fall ist es sehr schwer,
eine exakte wissenschaftliche Forschung an ihnen durchzuführen. Dank der genauen
Einordnung (außer X, THT609-633) durch deutsche Expeditionen können wir heutzutage die Hss. recht gut klassifizieren. Natürlich ist bei der Einordnung nicht an hundertprozentige Genauigkeit zu denken, aber generell gilt: je genauer die Hss. eingeordnet
wurden, desto bessere Erträge verspricht ihre Erforschung. In diesem Sinne ist die
deutsche Sammlung des Tocharischen in Berlin inklusive Toch. A nahezu optimal.
Der Geschichte der Erforschung des Tocharischen widmen sich Studien von E.
Schwentner (Tocharische Bibliographie 1890-1958, 1959 Berlin), S. Zimmer (Tocharische Bibliographie 1959-1975, 1976 Heidelberg) und W. Thomas (Die Forschung des
Tocharischen 1960-1984, 1985 Stuttgart).
Ich zitiere und kommentiere im folgenden die Darstellung von Thomas.
"Überaus erfolgreich waren bekanntlich die vier deutschen Expedition, die unter
der Leitung von Grünwedel bzw. von Le Coq stehend, von 1902-1914 in
Chinesisch-Turkestan weilten, aber auch die Regierungen anderer Länder hatten
beschlossen, durch Entsendung von Wissenschaftlern an den Schätzen, die
Ostturkestan barg und noch zu vergeben hatte, teilzuhaben. (S. 1 Anm. 1)"
Außer den deutschen Expeditionen sind die von Stein, der bereits 1900-1901 in Chotan
tätig war und in den Jahren 1906-1908 weiter nach Osten und Norden vordrang, und die
des Sinologen Pelliot sehr berühmt. Beide haben zahlreiche und wertvolle Hss. nach
London und Paris gebracht. Soweit wie möglich benutze ich auch diese toch. Hss. in
meiner vorliegenden Arbeit. Ich vermute, dass die Hss., die von Stein und Pelliot mitgebracht wurden, meistens aus dem Gebiet von Kuča oder MQ stammen. Paläographisch
V
gesehen sind diese Hss. den MQ‑Hss. der Berliner Sammlung sehr ähnlich (sie stammen
meiner Einschätzung nach aus einer späteren Periode als II‑1/29).
In diesen Zusammenhang gehören übrigens auch die Skt.‑Hss. in "Slanting Gupta", da
Toch. und Skt. Hss. aus dem nordturkistanischen Gebiet paläographisch und von ihrer
Herkunft her gesehen gleich sind, d.h. die Schreiber beider Hss. könnten Tocharer
gewesen sein.
Thomas S. 2:
"Das Berliner Material erbrachte Zeugnisse aus 17 verschiedenen Sprachen in 24
verschiedenen Schriften (s. Le Coq: Auf Hellas Spuren in Ostturkestan. Berichte
und Abenteuer der II. und III. Deutschen Turfan-Expedition, Leipzig 1926, S. 10
und 29)"
Dies deutet darauf hin, dass Ostturkestan damals ein Schmelztiegel vieler Sprachen war.
Von seiner geographischen Lage her ist das einleuchtend, liegt es doch im Herzen eines
von Iranern, Indern, Tibetern, Chinesen und vielen kleinen nomadischen Gruppen (vor
allem Türken) bewohnten Gebietes. Diese Lage ist auch bei der Einordnung des
Tocharischen zu berücksichtigen. Das Tocharische ist seiner genetischen Zuordnung
nach eine idg. Sprache, aber es ist von anderen Sprachen erheblich beeinflusst worden.
Dies gilt vor allem für das Nominalsystem (Obl. + Adv./Postp.), das m.E. dem Türkischen ähnelt, aber auch Parallelen zum mittleren Indoiranischen aufweist. Das Verbalsystem zeigt hingegen ein archaisches idg. System, z.B. beim Opt. Natürlich gab es auch
Entwicklungen oder Neuerungen innerhalb des Tocharischen.
Ein wichtiges Ziel meiner Untersuchung ist, auch mit Hilfe paläographischer Methoden
die Struktur und die historische Entwicklung dieser noch immer nicht ausreichend
bekannten Sprache ein wenig klarer zu machen.
Als allgemeine Meinung zitiert Thomas (S. 11-12) die Darstellung von R.N. Frye (The
History of Ancient Iran, Handbuch der Altertumswissenschaft, Abt. 3, Teil 7, München
1984 (Chapter VII: Greco-Bactrians and Parthians, 177-204; Chapter IX: The Kushans,
249-269):
9
Ich habe die chronologische Sortierung der Hss. unter Berücksichtigung des Duktus eingeordnet, und
zwar von I-1 bis III-2, s. der Hauptteil meiner Arbeit.
VI
"Since it is not relevant to our history whether the Yüeh-chih originally spoke a
dialect of the centum Indo-European language called Tocharian, the problem of
identification of words and etymologies are not of concern to us. .... The theory
that the Yüeh-chih were the speakers of the ‘centum’ Indo-European tongue
called ‘Tocharian’ by contemporary linguists is possible but relatively unimportant
historically, ... (VII. Kapitel S. 191-193). S. 250 Anm. 5 (‛dispute over the
language and identity of the Yüeh-chih, whether they were Iranian or Tocharian
speakers, similar to the Wu-sun, Ta-yüan, K’anchü and others“) wird weiter auf
E.G. Pulleyblank (Chinese and Indo-Europeans, JRAS (1966) 9-39), 180 verwiesen".
Demnach ist für Historiker anscheinend die Sprache der Yüeh-chih, Wu-sun usw.
genannten Völker unwichtig, während sich Sprachwissenschaftler zunächst vor allem
dafür interessieren, wie das Tocharische innerhalb des Indogermanischen zu klassifizieren sei.
Das Tocharische ist wegen /knte/ Toch. B, /känt/ Toch. A 'hundert' eine centum-Sprache,
aber für die heutige Sprachwissenschaft ist die Einteilung in centum- vs. satem-Sprachen
von untergeordneter Bedeutung und spielt bei der Erforschung des Tocharischen keine
entscheidende Rolle mehr.
Grundlage für die traditionelle Annahme eines alten Ortsnamens Kuča im Tocharischen
ist die Lesung <kucaññe iṢcake> (Vorob’ev-Desjatovskijs Lesung). Ich habe die
betreffende Hs. in St.‑Petersburg geprüft und fand darin nur eine Liste von Personennamen. Natürlich könnte dem <kucaññe> ein Ortsname zugrunde liegen, der Ansatz ist
aber keineswegs zwingend, da es sich um ein Hapax handelt. Die Grapheme des zweiten
Wortes sind auch anders gedeutet worden. Ich lese wie Vorob’ev-Desjatovskij, d.h. nicht
wie Bailey (<iñcake>)10, Winter (<kuṭhaññe>)11 oder Thomas (<iṢṭhake)12.
Auch bei der dem Namen "Tocharisch" zugrunde liegenden Form handelt es sich wohl
um ein Hapax: <toχrï> in Uigurica IV S. 678 (s. o. S. 1). Es sind auch andere Lesungen
10
Vgl. Bailey, Tocharika, JRAS 1970,2 (1972) p. 121-122.
11
Vgl. Winter, Evidence for Laryngeals, The Hague 1965, p. 190 Anm. 1.
12
Vgl. Thomas, Die Forschung des Tocharischen 1960-1984, Stuttgart 1985, S. 15.
VII
denkbar, z.B. <tuγrï>. Einen eindeutigen Beleg für den Namen "Tocharisch" habe ich in
den toch. Hss. bis jetzt nicht gefunden.
Thomas verweist weiter auf die
"knappen Ausführungen über Schrift und Schreibung im Tocharischen
Elementarbuch, Bd. I (s. Krause/Thomas, 39-41), in dem das Problem der aus
dem Schriftbild resultierenden Schwierigkeiten unerörtert geblieben ist" (Thomas,
S. 26-27).
Es ist eben diese Knappheit der Ausführungen, die mich zu der vorliegenden Arbeit
angeregt haben. Die Hss. sind die primäre Quelle für das Verständnis des Tocharischen,
und solange wir sie nicht einwandfrei lesen und interpretieren können, ist bei der Diskussion über die Grammatik ebenso wie über die Sprachgeschichte des Tocharischen große
Vorsicht geboten. Die Schrift selbst sollte daher eine Grundlage tocharologischer
Forschung sein.
D. Hitch hat (Thomas, S. 27) versucht:
"die Beziehung zwischen den "Tocharian, Khotanese, and Old Turkic Scripts"
aufzuhellen (diese Magisterarbeit [Calgary 1981] ist mir unbekannt). "Among the
northern group of alphabets the Turkic Brahmi was the first to be developed, and
as such, it served as the model for the development of the other Slanting systems",
zu denen das Toch. (Schriftssystem) zählt, das im Gegensatz zum Alttürk.
hinsichtlich des Vokals /ä/ ausglich. "The Tocharian ... kept the dots over those
radicals for which the Turks had not introduced a virama duplicate. Subsequently,
they generalized the use of these markings to denote also their non Indic vowel
/ä/"
Ich verstehe diese Argumentation nicht. Paläographisch und historisch gesehen ist es fast
sicher, dass die Brāhmī-Schriften des Alttürk. aus dem Toch. importiert worden sind,
und das Trema auf den Normalzeichen ist kein "virama duplicate". Vielleicht meint Hitch
das Zeichen mit dem Trema nach dem Virāma, aber diese Zeichen ersetzten nur
fehlende Fremdzeichen. Die Funktion des Tremas ist, eine /ä/‑artige Lautung zu markieren. Phonologisch gesehen handelt es sich bei dem Vokal wahrscheinlich um ein Schwa.
VIII
Alttürk. hatte kein /ä/ als Phonem, deswegen brauchte man diese Notation nicht.
Stattdessen haben die Uiguren ein neues System benutzt, das zum Alttürk. passte und
vom toch. Schreibsystem abgeleitet wurde, z.B. wurde das uig. Phonem /‑ü/ im toch.
Schreibsystem <‑yu> geschrieben.
Möglicherweise wurde die Schriftart "Slanting Gupta" von den Tocharern entwickelt
(s.o.). Ich habe entsprechendes Material in London geprüft und einige Beweise dafür
gefunden. Die ist aber nicht Gegenstand der vorliegenden Arbeit.
Thomas S. 27:
"Unerwähnt geblieben ist die Verwendung eines einfachen Punktes als Markierung einer Virāmastellung, die sich allerdings in den Textausgaben auch nicht
angezeigt findet."
Ich nenne diesen einfachen Punkt "Virāmakomma", und ich behandle dieses Problem
ausführlich im Appendix III 2). Dieses Virāmakomma kommt erst relativ spät vor, und
das Virāmakomma-System ist höchstwahrscheinlich von den Skt.-Hss. in Brāhmī-Schrift,
die keinen Virāmastrich kennen, übernommen.
An dieser Stelle sind einige weitere Arbeiten zu nennen. J.W. Broomhead hat die
Londoner Texte transkribiert und ihren Inhalt in einem "Vocabulary" zusammengefasst.
Diese Dissertation blieb unveröffentlicht und ist, wie der Verfasser selbst bemerkt, nicht
perfekt. Heutzutage können wir mit digitalisierten Dateien die Hss. (mit neuen IOL
Nummern) ausführlich erforschen, und teilweise habe ich herbei mit M. Peyrot
zusammengearbeitet. Diese Arbeit soll noch fortgesetzt werden. Der korrigierten Lesung
zufolge bringen die neu gefundenen Formen die Tocharologie weiter.
Die Pariser Texte haben Couvreur und Pinault veröffentlicht, aber noch nicht
systematisch. Ich beabsichtige, in Zusammenarbeit mit anderen Forschern die Hss. in
Paris systematisch zu erforschen. Ich habe Photos von der BNP bekommen, aber für die
weitere Forschung ist eine Digitalisierung erforderlich.
IX
Sonstige Hss. (150-200 Hss. in St.Petersburg, 100-150 Hss. in China und einige Hss. in
Japan) sind ebenso wichtig, aber ihre systematische Erforschung steht, abgesehen von
einigen Hss. in St.Petersburg, noch aus. Bis dahin sind wir auf die bisher vorliegenden
Untersuchungen angewiesen.
Die Entzifferung und Bearbeitung der Hss., die mit der aus Zentralasien stammenden
"Brāhmī-Schrift" geschrieben sind, wurde 1912 von Siegling in der Preußischen
Akademie der Wissenschaften in Berlin übernommen. Damals waren die toch. Hss. in
die indische Gruppe der Turfan Hss. eingereiht. Danach haben sich E. Sieg und W.
Siegling gemeinsam der Erforschung der toch. Hss. gewidmet (Thomas 1985, S. 2).
Im Jahre 1921 erschien die Edition der gesamten A‑Texte unter dem Titel "Tocharische
Sprachreste, Bd. 1: Die Texte, A. Transcription, B. Tafeln, Berlin/Leipzig". 1932
veröffentlichten Sieg/Siegling zusammen mit dem Indogermanisten W. Schulze ihre
"Tocharische Grammatik" in Göttingen.
Damals war nur Toch. A bekannt (mündliche Mitteilung von K.T. Schmidt). Erst später
hat man Toch. B, das sprachlich von Toch. A unterschieden werden muss, entdeckt, und
in der Folgezeit hat man A und B unterschiedliche Namen gegeben.
Nach Sieglings Tod (1946) ist das Werk "Tocharische Sprachreste, Sprach B, Heft 1: Die
Udānālaṅkāra-Fragmente, Texte, Übersetzung und Glossar, von Sieg und „Siegling,
Göttingen 1949" erschienen.
Nach dem Tod von Sieg (1951) wurde die Arbeit "Tocharische Sprachreste, Sprache B,
Heft 2: Fragmente Nr. 71-633, hrsg. von „Sieg und „Siegling, Göttingen 1953" von W.
Thomas herausgegeben.
Diese vier Werke sind noch heute für die Tocharologie sehr wichtig.
Außerhalb Deutschlands gab es Publikationen zur Erforschung von Toch. B zunächst in
Frankreich: "Fragments de textes koutchéens (Udānavarga, Udānastotra, Udānālaṅkāra
et Karmavibhaṅga), publiés et traduits un vocabulaire et une introduction sur le
"Tokharien", par S. Lévi, Paris 1933" und "Fragments de textes koutschéens de médecine
et de magie. Texte, paralléles sanskrits et tibétains, traduction et glossaire, Paris 1948".
Diese beiden Bücher sind die Ergebnisse der Forschung über die Pariser Texte, die von
X
Pelliot aus dem Kuča-Gebiet mitgebracht worden sind. Nach dem Fundort hat Lévi die
B-Sprache "koutchéen" genannt. Obwohl diese beiden Bücher inhaltlich nicht völlig
zufriedenstellen, müssen wir für diese "Pionierarbeit" dankbar sein.
3. Fundorte
Bezüglich der Fundorte zitiere ich die Beschreibung von L. Sander (Paläographisches zu
den Sanskrithandschriften der Berliner Turfansammlung, Wiesbaden 1968, S. 7-21:
"Die vier preußischen Turfan-Expeditionen führten die Teilnehmer an den
Nordrand des Tarimbeckens nach Chinesisch-Turkistan. Von der ersten Expedition (1902-1903), die von Grünwedel geleitet wurde, ... wurde die Turfan-Oase
besucht. Hss. sind nur in Xočo gefunden worden. Die Stätten bei den Flecken
Sängim, Murtuq und Kurutka wurden nur kurz aufgesucht, um von den Anlagen
Planskizzen anzufertigen und die Kunstschätze der Klosteranlagen ... zu
studieren. Grabungen wurden dort nicht unternommen."
Bei der ersten Expedition wurden keine Hss. gefunden.
"Die zweite Expedition (1904-1905) unter der Leitung von Le Coq ... hatte den
speziellen Auftrag bekommen, nach Manuskripten zu suchen. Sie arbeitete an
denselben Fundstätten wie die erste. In Xočo wurden nach Aussagen von Le Coq
nur wenige Manuskripte gefunden, während die Ausbeute in Sängim und Toyoq
groß war. Auch in YarXoto wurde erfolgreich gegraben. Murtuq wurde wiederum
nur kurz besucht."
Unsere toch. Hss. aus Sängim (A und B), Toyok (nur 2 B‑Hss.) und YarXoto (nur 3
B‑Hss.) stammen von dieser zweiten Expedition (Signatur T II).
"Im Dezember 1905 trafen die Teilnehmer der zweiten Expedition mit denen der
dritten (1905-1907), die wieder unter der Führung Grünwedels stand, in Kučā
zusammen. Le Coq begleitete die Expedition noch in die Oase von Kučā und
nach Šorčuq. Die dritte Expedition ist durch die zahlreichen Handschriftenfunde
in den Annexen des Rotkuppelraums zu Qizil, in Šorčuq und in der Klosteranlage
Bäzäklik bei Murtuq am erfolgreichsten verlaufen."
XI
Ohne die MQ(R)‑Hss. wäre die Tocharologie in der heutigen Form kaum möglich, weil
diese Hss. die frühesten sind.
"Die vierte Expedition (1913-1914) unter Le Coq sollte ursprünglich die
südlichen Gebiete, in denen Stein so erfolgreich gearbeitet hatte, bereisen. Aus
Sicherheitsgründen arbeitete man aber erneut in der Oase von Kučā, wo außer
Qizil die Flecken Sim‑Sim und Ačigh‑Iläk aufgesucht wurde. Auf der Rückreise
wurde noch in den westlicher gelegenen Klosteranlagen von Tumšuq bei
Maralbaši gegraben. Die Handschriftenfunde ergaben vor allem die Arbeiten in
Tumšuq, während die Ausbeute in der Oase von Kučā nur gering war."
Keine der toch. Hss. stammt von dieser Expedition.
Die mit Mühe in Zentralasien gesammelten Hss. sind seit Ende des zweiten Weltkriegs
zum größten Teil verschollen. Der Verlust von größeren Hss., die vom Kontext her
gesehen gut lesbar wären, ist für die Tocharologie sehr bedauerlich.
Die einzelnen Fundorte, aus denen möglicherweise toch. Hss. stammen, werden im
folgenden von Westen nach Osten aufgeführt. Die toch. Hss. sind bei L. Sander nicht
immer berücksichtigt, aber ich versuche, in den vorhandenen Beschreibungen
Tocharisches aufzuspüren, z.B. mit dem Vermerk "Brāhmī-Manuskripte".
Qumtura:
"Hier sind nur wenige Hss. von der dritten Expedition gefunden worden. So
schreibt Grünwedel an Pischel in einem Brief vom 21.2.1906: ‛Handschriften-
funde sind wenig zu verzeichnen, nur ziemlich viele, kleine Fetzen von BrāhmīManuskripten in Sanskrit und einer anderen Sprache sind das dürftige Resultat
mühevoller Tätigkeit“. Über den Fundort berichtet Grünwedel in "Kultstätten":
"Zählt man diese Höhlen, indem man vom Flusse (Muzart) hinaufgeht, so trifft
man, weiter entfernt von der Hauptgruppe in einer Biegung der Schlucht eine
steile, mit Kies bedeckte Erhöhung, auf welcher man drei Höhlen erblickt, die
vom Fluss gerechnet die 13, 14, 15. Höhle zu nennen wären. Diesem Berg
gegenüber sieht man auf einem anderen Hügel noch eine Gruppe von Höhlen,
XII
deren Hauptanlage durch den Berg hindurchgeht, diese Gruppe enthält außer ...
einigen Brāhmī-Schriften nichts Bemerkenswertes" (L. Sander op.cit. S. 9-10).
Aus Qumtura haben wir insgesamt 11 toch. Hss. Eine davon ist ein Rechenschaftsbericht
auf einer Holztafel. Sie wird von L. Sander nicht erwähnt. Alle Hss. aus Qumtura sind
nicht alt.
Qizil:
"Die zahlreichen Funde der dritten Expedition sind in erster Linie auf die
Entdeckung einer Bibliothek zurückzuführen, die als "Kleine Höhle" bezeichnet
wurde und zu den Annexen des Rotkuppelraumes gehört. "Die nun folgende
Gruppe z.T. sehr zerstörter Höhlen enthält zunächst hoch in der Bergwand eine
kleine, fast quadratische Höhle ... Dort fanden sich zerstörte Manuskripte, durch
Nässe zusammengebacken, sie sind indischen Ursprungs. Es ist also wahrscheinlich, dass der Raum eine Bibliothek gewesen ist, welche auf Brettern vor der
linken Seitenwand gelegen hatte (A. Grünwedel, Kultstätten, 1912, S. 86)". Diese
Bibliothek enthielt neben zahlreichen Sanskritmanuskripten auch Blätter in
tocharischer Sprache." (L. Sander op.cit. S. 11)
Ich kann diese "Kleine Höhle" und den "Rotkuppelraum", wo unsere MQR‑Hss.
gefunden worden sind, nicht mit Sicherheit mit der gegenwärtigen Höhlenummer
identifizieren. Vom Lageplan der Ming‑öi von Kizil13 her gesehen ist die "Größte Höhle"
vermutlich die "Rotkuppel-H", wo damals eine große Buddhafigur stand und die bis
heute an der Decke rot ist. Ich habe mich in Kizil erkundigt, ob noch irgendwo rote
Farbe erkennbar ist, und man sagte mir, dass dies nur in der größten Höhle der Fall sei.
Dort habe ich zudem an beiden Seiten der Wände kleine quadratische Höhlen gesehen.
Vermutlich sind es Lager oder Versteckplätze für Hss., die jetzt die Signatur MQR
tragen. Paläographisch gesehen finde ich kaum einen Unterschied zwischen MQR und
MQ (doch vgl. <tRA> vs. <TARˎ> im Appendix III, 10).
"So schrieb Le Coq (Auf Hellas Spuren, 1926, S. 115): "Ein vollkommenes Buch
dieser Art (indisches Pustaka) wurde hier gefunden, es schrieb etwa 60 Blatt mit
13
Vgl. A. von Le Coq, Die buddhistische Spätantike in Mittelasien IV. Atlas zu den Wandmalereinen,
Nachdruck Graz-Austria 1974, S. 15. Nach einer Skizze von A. v. Le Coq bearbeitet von Albert Hermann.
XIII
Texten in Sanskrit und tocharischer Sprache in indischen Lettern." (L. Sander
op.cit. S. 11)
Mir ist nicht klar, ob dieses "Buch", von dem es heute keine Spur mehr gibt, tatsächlich
auch toch. Hss. enthielt. Wenn es "vollkommen" und mit der Signatur T III MQR
versehen worden wäre, könnte es sich höchstens um ein Buch aus Skt.‑Hss. handeln, weil
die toch. Hss., soweit ich weiß, nicht "vollkommen" sind, d.h. keine geordneten Hss.Sammlungen sind.
L. Sander bemerkt zu den Turfan-Hss.:
"Mit Sicherheit lässt sich die Frage, wo die jeweiligen Hss. gefunden wurden,
nicht klären." (L. Sander op.cit. S. 11)
Diese Aussage lässt sich auch für die toch. Hss. mit den Signaturen MQR und MQ nur
bestätigen.
Meine (paläographische und linguistische) Untersuchung lässt manchmal generell
Zweifel aufkommen, ob die jeweilige Hs. wirklich zu dem Ort, den die Signatur
bezeichnet, gehört. Vermutlich geschah die Zuordnung schon bei der Ausgrabung nicht
immer zuverlässig, oder in Berlin geriet etwas durcheinander.
Sim‑Sim und Ačigh‑Iläk:
Diese Namen sind mir als Fundorte tocharischer Hss. unbekannt. Obwohl Le Coq über
die Hss. aus Sim‑Sim und Ačigh‑Iläk berichtet (nach L. Sander l.c. S. 12 Fnt. 38: Von
Land und Leuten, 1928, S. 109 u. 113; ders., Spätantike, IV, 1924, S. 11; V, 1926, S. 17; VI,
1928, S. 63, und in einem Brief an Grünwedel), bleibt ihre Bestimmung unklar. Es ist
möglich, dass X (THT609-633) aus Sim‑Sim oder Ačigh‑Iläk stammt, aber das ist ganz
unsicher.
Šorčuq:
Die Hss. in Toch. B aus Šorčuq sind ziemlich zahlreich, aber die Fundorte sind
unbekannt. Hingegen sind die Hss. in Toch. A aus Šorčuq in der ‟Tocharischen
Sprachresten“ von Sieg/Siegling gut beschrieben: 1-374 stammen aus der Stadthöhle,
375-378 und 382-383 aus der "Priesterweihe", 379-380 aus der Nakṣatra-Höhle und 381
XIV
aus der Handschriften-Höhle (die Nummern sind nicht THT-Nummer, sondern die
Nummern in Tocharische Sprachreste I. Band. Texte von Sieg/Siegling 1921).
a) Nakṣatra-Höhle:
"In ‛Kultstätten“ berichtet Grünwedel über die Manuskripte mit folgenden
Worten: Beim Ausgraben des Schuttes fand sich, dass vor der Rückwand ein
kolossaler Buddha gestanden hatte ... im stehengebliebenen Rest ... wurden ganze
Lagen von Brāhmīmanuscripten gefunden, andere Stücke nebst chinesischen und
uighurischen Fragmenten fanden sich verstreut im Schutt vor der Figur14" (L.
Sander op.cit. S. 13).
b) Handschriftenhöhle:
An dieser Stätte hat man, wie schon aus dem Namen erhellt, viele Hss. gefunden, aber
eine sichere toch. Hs. dieser Provenienz ist nur Toch. A 381 (THT1015). Möglicherweise
stammen die aus Šorčuq mitgebrachten toch. B Hss. von hier.
"Grünwedel schildert die Fundstätte wie folgt: Die Buddhafigur vor der
Rückwand war identisch mit der von 3a, nur war der Sockel kleiner ... Im Stumpf
der Figur und Schutt davor wurden ganze Lagen Brāhmīmanuskripte gefunden15"
(L. Sander op.cit. S. 13-14).
c) Stadt- oder Nāgarāja-Höhle:
Fast alle Hss. in Toch. A stammen von dieser Fundstätte. Es ist möglich, dass Toch. A in
Šorčuq nur in einem klar umgrenzten Bezirk geschrieben wurde. Da 82% aller Hss. in
Toch. A aus Šorčuq stammen und 98% der Hss. aus Šorčuq in der Stadthöhle gefunden
wurden, ist es fraglich, ob Toch. A überhaupt jemals gesprochen wurde.
"Auch die von Le Coq hier gefundenen Hss. in Brāhmī-Schrift gehörten in den
Sockel einer Buddhastatue. In ‛Kultstätten“ (S. 208) berichtet Grünwedel über
den Fund: "Die Rückwand ist wieder der Pfeiler, mit einer davorstehenden
Buddhastatue ... Die Buddhastatue enthielt in ihrem unteren Teile zahlreiche
14
Vgl. A. Grünwedel, Kultstätten, 1912, S. 196.
15
Vgl. A. Grünwedel, Kultstätten, 1912, S. 198.
XV
Lagen von Hss. (Brief von Le Coq an Pischel vom 13.6.1906: eine sehr großen
Anzahl von Brāhmīfragmenten z.T. Sanskrit, z.T. in einer unbekannten Sprache)"
(L. Sander op.cit. S. 14).
Diese unbekannte Sprache könnte das Toch. gewesen sein, aber auch Tumšuq-Sakisch
kommt in Betracht. Besäßen wir präzisere Information über Fundorte und -bedingungen
der toch. Hss., wäre die paläographische und (sprach)historische Erforschung des Toch.
(A und B) leichter.
Turfaner Vorberge (TV):
Man findet nur eine toch. Hs. aus TV, die mit T III. TV 49 (THT294) gekennzeichnet ist.
Grünwedel in seinem "Bericht" sagt: "Hier (zu den Gemälden; L. Sander)
stimmen die Funde von Tantratexten, die Dr. Huth und ich kauften und von
denen ich leider nicht feststellen konnte, woher sie stammten" (A. Grünwedel,
Bericht, 1906, S. 170)".
Es gibt keine Berichte über Skt.-Hss., geschweige denn über toch. Hss. von diesem
Fundort.
"So schreibt Grünwedel in einem Brief von 30.11.1906 an Pischel aus Qaraqoča
bei Turfan: "Die besten Stücke sind die großen Lagen uigurischer buddhistischer
Bücher aus Kurutka" (Turfan-Komitee, Acta betreffend Allgemeines, Nr. 136).
Doch müssen sich den Siegeln und einem Hinweis bei Waldschmidt (vgl. E.
Waldschmidt, Bruchstücke buddhistischer Sūtras, 1932, S. 2) nach auch einige
Sanskritfragmente in dieser Höhle befunden haben."
YarXoto:
Man findet nur drei toch. Hss. aus YarXoto, die mit T II. Y 3.1-3 (THT500-502)
gekennzeichnet sind, wobei Y die Hss. aus YarXoto meint.
"Allerdings befinden sich nur wenige Sanskritfragmente darunter. In der
Literatur wird diese Fundstelle wenig beachtet. ... In einem Brief vom 26.7.1906
schreibt Grünwedel an das Kaiserlich Russische Konsulat in Petersburg: "Um
Herrn Bartus während meiner Abwesenheit nicht unbeschäftigt zu lassen, habe
ich ihn nach Yar-khoto geschickt. Das ist die Ruine einer alten Klosterstadt. Dort
XVI
hat Bartus im Vorjahre bedeutende Handschriftenfunde gemacht" (TurfanKomitee, Acta betreffend Allgemeines, Nr. 119)"
Xočo (auch Dakianusstadt oder Idikutšähr genannt):
"In welchen Schriften und Sprachen - soweit sie damals schon bekannt waren - die
Manuskripte geschrieben sind, ist aus den Fundlisten nicht zu entnehmen." (L.
Sander op.cit. S. 16)
Unsere toch. Hss. stammen von der ersten Expedition (Signatur T I D), und nach L.
Sander gilt:
"In dem Verzeichnis der ersten Expedition sind die Gebäude, aus denen Hss.
stammen, in den seltensten Fällen aufgeführt."
Wahrscheinlich sind unsere toch. Hss. ebenfalls in diesen Gebäuden (Tempel Hʼ und λ)
gefunden worden.
"Hʼ: "Zu den Füßen der liegenden Statue fand sich ein viereckiger, etwa
schachtelförmiger aus Lehm geformter Behälter, der nicht ganz in der Richtung
der Wand, sondern in der der Fußflächen lag, auf der Bank festsaß und Spuren
bunter Bemalung zeigte. In dem Schutt, der ihn ausfüllte, fanden sich winzige
Reste eines Palmblattmanuskripts mit Sanskritworten ... und eines anderen in
Zentralasiatischer Brāhmī" (A. Grünwedel, Bericht, 1905, S. 22)"
"λ: "Vor der dicken Ostmauer befindet sich an der südlichen Ecke ein 60 cm
hoher, 1,50 m breiter und 70 cm tiefer Sockel, der beim Freilegen des Ganges
zum Vorschein kam. Hier fand ich ganze Lagen von Manuskripten ... (A.
Grünwedel, Bericht, 1905, S. 98)"
Sängim:
Nach L. Sander sind die Nachrichten über Skt.-Hss. aus Sängim relativ dürftig. Ein
möglicher Fundort für toch. Hss. ist der "Pretatempel", den Le Coq in "Chotscho"
beschreibt:
"… die ganze Hinterseite des Tempelchens einnehmende Vertiefung ... Diese
Vertiefung, wie auch der Tempelraum, war angefüllt mit Manuskripten aller
Art ... Eine größere Anzahl, leider durch Feuer stark beschädigter Poṭhi-Blätter
XVII
in Brāhmī-Schrift, aber in türkischer Sprache, wurde u. a. hier gefunden"
(Chotscho, 1913, S. 13). In einem Brief von Le Coq an Grünwedel lässt die
Beschreibung dieses "Tempelchens" darauf schließen, dass die Manuskripte z.T.
in den Sockel einer zerstörten Statue gehörten." (L. Sander op.cit. S. 19)
Außerdem musste man die Hss. ‛Schatzgräbern“ abkaufen.
"Vgl. A. v. Le Coq, Auf Hellas Spuren, 1926, S. 70f. Vgl. auch Turfan-Komitee,
Acta betreffend Allgemeines, Nr. 48, Brief an Pischel vom 20.3.1905, Chotscho,
1913, S. 13". (L. Sander op.cit. S. 19, Fnt. 70)
Bäzäklik bei Murtuq:
"Brāhmīmanuskripte wurden in den Höhlen 15, 17 und 18 gefunden. Nur für die
Hss. aus Höhle 17 wird erwähnt, dass sie vermutlich in den Sockel eines
Kultbildes gehörten. "Am Ende dieser Halle (Halle 16) führt ein Loch ...
unmittelbar an den Sockel vor der Hinterwand der großen, reich ausgemalten
Höhle 17. Unmittelbar an dieser Sockelecke fanden sich viele Manuskripte,
welche vielleicht aus der demolierten Kultfigur von Höhle 17 stammten" (A.
Grünwedel Kultstätten, S. 266)"
Höhle 18 könnte eine kleine Bibliothek gewesen sein, wo Grünwedel den größten
Handschriftenfund gemacht hat.
"Bartus arbeitete in dem baufälligen Kloster der Südterrasse - eine Bibliothek
muss da sein" (Turfan-Komitee, Acta betreffend Allgemeines, Nr. 132, Brief vom
12.10.1906, Grünwedel an Pischel)
Ich habe 1993 in Bäzäklik erfahren, dass dort kürzlich eine Bibliothek gefunden wurde,
aber meistens sind die betreffenden Hss. uigurisch. Da ich keinen Einblick in die Funde
habe, kann ich nicht mit Sicherheit sagen, ob sich darunter auch toch. Hss. befinden.
Toyoq:
Die toch. Hss. aus Toyoq sind toch. B (THT297T1-3, THT498T30). THT498 ist
paläographisch gesehen den Hss. mit der Signatur X sehr ähnlich. Möglicherweise ist
THT498 falsch einsortiert worden.
XVIII
"Die Sanskrithandschriften wurden von der zweiten Expedition in dem
‛Wohnraum des Mönches“ gefunden. ... In ‛drei Grotten“, schreibt Le Coq, "die
oberhalb des Raumes in die steile Felswand geschnitten waren ... fanden sich
Poṭhiblätter" (Vgl. A. v. Le Coq, Chotscho, 1913, S. 18). Diese Bibliothek enthielt
zum größten Teil chinesische Schriftrollen, aber auch verschiedene Fragmente
von Sanskrithandschriften." (L. Sander op.cit. S. 20-21)
Vielleicht gibt es unter diesen Hss. auch toch.
Dass ich die Fundorte anhand der Zitate von L. Sander besprochen habe, hat auch den
Grund, dass toch. Hss. m. E. immer mit den Skt.-Hss. zusammen erforscht werden sollten.
Wie ich schon erwähnt habe, ist dies eine wichtige Aufgabe für die zukünftige
Erforschung des Tocharischen.
4. Geschichte der linguistischen Erforschung
Nachdem Sieg/Siegling die Tocharologie begründet hatten, sind auf diesem Gebiet
zahlreiche Untersuchungen erschienen. Einige wurden schon oben erwähnt. Die
folgende Darstellung folgt zunächst W. Thomas’ Arbeit ‛Die Forschung des
Tocharischen (1960-1984)“. Danach möchte ich vier nach Abschluss dieses Werkes
erschienene Monographien vorstellen und kommentieren, deren Ergebnisse sich
teilweise mit nicht den aufgrund meines methodischen Ansatzes erzielten decken.
1) Lautlehre (Thomas S. 33)
a. Allgemeines
Thomas erwähnt Isebaerts Versuch, zu bestimmen, "welche phonische Substanz die
Vokale der Brāhmī-Zeichen im Tocharischen haben" (Der Beitrag der indischen
Lehnwörter zu Problemen der tocharischen Phonologie, in Veröffentlichungen der
Societas Urano-Altaica, Bd. 16, Wiesbaden 1983, S. 35). Trotz der Bemühungen von Van
Windekens und Winter (Thomas S. 34) ist es unmöglich, phonetische Werte eindeutig
festzulegen, sondern man muss phonologisch vorgehen. Wenn Isebaert mit "phonischer
Substanz" "phonologischen Wert" meint, kann man ihm folgen.
XIX
b. Akzent
Wie Thomas erwähnt (S. 34), sind "die Akzentverhältnisse des Toch. … keineswegs bis
ins letzte Detail festzulegen". Es ist sehr schwierig, das Akzentsystem im Toch. zu
beurteilen, da die toch. Hss. den Akzent nicht markieren. Deswegen muss man die
unterschiedlichen Schreibungen eines Segmentes in ein und demselben Wort in
Abhängigkeit von der Silbenzahl in Betracht ziehen, um den vermutlichen Sitz des
Akzentes zu bestimmen. Diese Möglichkeit bietet sich allerdings nur im Falle von <ä, a,
ā>.
Isebaert stellt bezüglich der indischen Lehnwörter im Toch. (Thomas S. 36) fest, "dass
die Lehnwörter mit geschlossener Endsilbe oxytonisch, mit offener Endsilbe aber
paroxytonisch sind", z.B. toch. B <kampāl>, toch. B <cakravārt(t)i>. Diese
Erscheinung ist aber nur eine Tendenz. Eine andere Möglichkeit, den Befund deuten, ist
die Annahme einer Betonung auf der vorletzten Silbe, wenn der Auslautsvokal
apokopiert wurde (<kampāl> ← skt. /kampala/). Diese Erscheinung ist m.E. im Grunde
mit der "Vokalbalance" in Toch. A (eine Serie von kurzen und langen Silben) und der
"Akzentregel" in Toch. B (Betonung auf der ersten Silbe in zweisilbigen Wörtern, auf der
zweiten Silbe in dreisilbigen Wörtern) vergleichbar. Wie ich in meiner vorliegenden
Arbeit erwähne, habe ich indische Lehnwörter gefunden, die mehr als drei Silben haben,
und in denen sich lange und kurze Silben abwechseln. Es ist m.E. besser, dieses Problem
offen zu lassen.
Die Qualität der Vokale <ä, a, ā> ist unmöglich zu bestimmen. Ich kann /A/, das von
Isebaert vorgeschlagen wurde, akzeptieren, aber nicht die Notierung ø für /ä/ ([ə]).
Thomas stellt richtig fest (S. 37), dass Lévis Lesung <maskālläññe> falsch ist und in
<muskālläññe> korrigiert werden muss. Lévis Lesung hatte eine Fehlinterpretation
Cowgills zur Folge (s. Thomas l.c.), was die Wichtigkeit der Paläographie für die
linguistische Forschung unterstreicht.
Van Brock hat das Problem /u/ erörtert (Thomas S. 39), aber ich sehe weder uridg. "*u en
syllabe atone" noch "le ton sur le suffixe", weil die Akzentregel im Toch. nach meiner
Einschätzung auf Grund der Paläographie in der frühen Periode nicht in der Schrift
realisiert wurde. Ich bin der Meinung, dass man zuerst die Phonologie innerhalb des
XX
Tocharischen mit Hilfe der Paläographie ermitteln soll, da die Hss. der einzige Beweis
sind. Wenn meine Sicht richtig ist, sind die erwähnten Argumentationen im Verein mit
anderen einschlägigen Erörterungen, die auf einem Vergleich mit uridg. Phonemen
beruhen, fehl am Platze.
c. Vokalismus
α. Einzelne Vokale
Penneys Argumentation (Thomas S. 40) "idg. *ī sowie idg. *ei > PT *i, (demgegenüber
*oi/ai > A e/ B ai); idg. *ū sowie idg. *eu > PT *u (*ou/au > A o, B au)" und die ähnliche
Ansicht von Isebaert und von Van Windekens usw. ist schwer nachvollziehbar. Eine
phonologische Regel, die vom Uridg. bis zum Toch. gegolten haben soll, zu definieren,
ist fast unmöglich, weil man die Zwischenstufen nicht mit letzter Sicherheit angeben
kann. Paläographisch gesehen ist auch schwierig zu beurteilen, welche Lautwerte
(Qualität und Quantität) den jeweiligen Vokalen zukommen: besteht z.B. ein
Unterschied zwischen <i> und <ī>, <u> und <ū>, oder was für eine Qualität hatten
<ai> und <au>? Von der Beleglage her gesehen ist Normiers Meinung "*i > urtoch. *ä
(yä) und *u > urtoch. *ä (wä)" plausibel, weil <i/ī, u/ū> nicht in früheren Hss. belegt
sind, sondern <yä, wä> für /i, u/ geschrieben wurde.
Es gibt die Hypothese, dass idg. * im Toch. als Silbenträger des Negativ- (Privativ-) bzw.
Intensiv-Präfixes erscheint, und zwar als <a(n)>, <e(n)> und <o(n)>. Diese Vokale
stehen in Abhängigkeit von der Natur des Wurzelvokals des Hintergliedes (Thomas S.
41), aber mir scheint diese Ansicht nicht das Richtige zu treffen. Ich behandle dieses
Problem im Hauptteil.
β. Ablaut, Umlaut, Assimilation, Dissimilation u. dgl.
Beim Verbum spiegelt sich im Toch. das uridg. Ablautsystem wider (Thomas S. 45).
Beispiele für einen u‑Umlaut gibt es meines Wissens nur relativ wenige in Toch. A: A
tuṅk : B taṅkw, A ṣuṅk : B ṣaṅkw. A Impv. pukmäs, A oṅk : enkwe usw. (Thomas S.45). In
Anbetracht der geringen Anzahl der Belege lässt es sich nicht entscheiden, ob das
Ausbleiben der Umlautung im Toch. B nur zufällig ist. Es wäre zunächst zu prüfen, in
XXI
welchen Kontexten die Belege aus Toch. A vorkommen, und wie es um die Qualität der
jeweiligen Hss. bestellt ist. Ohne eingehende philologische Untersuchungen lassen sich
keine sicheren Schlussfolgerungen ziehen.
Beim ā‑Umlaut kann es sich um eine phonologische Regel handeln, weil er in Toch. B
häufig (z.B. beim Reduplikationssilbenträger /ā/ (<a>) der /ā/‑haltigen Wurzeln), wenn
nicht sogar ausnahmslos vorkommt. Dieses System ist eine spätere Erscheinung, weil die
Akzentregel (<a> für /ā/) immer erkennbar ist.
Assimilation und Dissimilation sind im Toch. schwer nachzuweisen. Die Untersuchungen
von Van Windekens und Čop (Thomas S. 47) überzeugen nicht, weil das Material zu
spärlich und unsicher ist, z.B. toch. B /soy/ < *soús < *suús (nach Čop). Akzent auf u (ú)
und Dissimilation scheinen mir ad hoc zu sein.
d. Konsonantismus
α. Einzelne Konsonanten bzw. Konsonantenverbindungen
Über die Herkunft der Affrikata /ts/ gab es viele Diskussionen (Thomas S. 48ff), aber
keine der Argumentationen überzeugt.
Von der Beleglage her kann es als sicher gelten, dass das Toch. in seinem Inventar über
keine stimmhaften Verschlusslaute verfügte: für uridg. Mediae und Mediae aspiratae
finden sich im Toch. die homorganen Tenues.
Toch. /ts/ ist m.E. ein im toch. Eigenleben neu geschaffenes Phonem. Zum Teil entstand
diese Affrikata durch die Insertion eines dentalen stimmlosen Verschlusslautes in der
Verbindung der Dentale /n/ und /s/, d.h. /ns/ [nts] → /nts/, wie in der Gen.Sg.-Markierung.
Was die idg. Labiovelare angeht (Thomas S. 51), bin ich sehr skeptisch, ob sie sich bis in
die toch. Zeit erhalten haben, weil die Beweise, die man in Toch. A gefunden haben will,
nicht eindeutig sind (z.B. A <k> vs. B <kw>, s.o. bei der Erwähnung des u‑Umlautes).
Über den Wechsel von p/w kann ich Winters Bemerkung (Thomas S. 52) "(es) scheint auf
einen Fortis-Lenis-Gegensatz zwischen Anlaut und Inlaut hinzudeuten" akzeptieren,
aber nicht sein "etymologisch ‘falsches’ w bevorzugt im Inlaut".
Ich möchte mit einem "Intensitätsgegensatz" operieren, und zwar in der Abfolge von
Fortis und Lenis, wobei "Fortes" Verschlusslaute hoher Intensität und "Lenes"
Reibelaute niedriger Intensität bedeuten. Die Realisierung des Verschlusses bei den
XXII
Klusilen ist im Hinblick auf die Artikulationswerkzeuge ein komplizierterer Vorgang als
die Artikulation von Reibelauten. Unterbleibt der Verschluss, ergibt sich automatisch
ein Reibelaut. Mithin wäre z.B. [p] → [w] zu erwarten. Aber tatsächlich ist es nicht
immer so, sondern nach Reibelauten bleibt [p], z.B. bei <ṢPA> oder <ṢApˎ> 'und'.
Hingegen kann <cpi> zu <cwi> werden (s. Appendix III 1), weil /c/ (palatales t) eine
Verschlussphase hat. In diesem Zusammenhang ist <śvalmeṃ> 'vorzüglich' THT135b6
zu erwähnen, das in einer späteren Periode <śpālmeṃ> geschrieben worden ist. Auch
für diesen Vorgang kann der vorhergehende Reibelaut /ś/ verantwortlich gemacht
werden.
Ein Verschlusslaut in einer Konsonantengruppe kann schwinden (Thomas l.c. S. 52),
wenn er bei der Bedeutungsdifferenzierung keine entscheidende Rolle spielt. Dieser
Schwund lässt sich phonetisch erklären, nämlich mit einer allmählichen Vereinfachung
der Verschlussphase.
In der Intensität oder der Sonorität unterscheiden sich /s/ und /ṣ/ vor Verschlusslauten
nur wenig. Vielleicht ist /ṣ/ von höherer Sonorität als /s/, falls /ṣ/ ein [ʃ] (Postalveolar) ist.
In den Clustern <ṣk> und <ṣp> ist in Toch. A <ṣ> verallgemeinert worden.
Palatalisiertes /st/ wird mit <ṣc> wiedergegeben und entwickelt sich über <śc> zu
<ś(ś)> und wird als solches verallgemeinert. Vermutlich ist die Entwicklung <ṣ> zu
<ś> als Dissimilation zu deuten, da es sich bei /ṣ/ und /c/ um palatale Konsonanten
handelt, aber der Lautwert von /ś/, das ein palatales /k/ repräsentiert, ist nicht ganz klar.
Meiner Meinung nach ist /ś/ von der Artikulationsstelle des /k/ her gesehen als ein [ɕ] zu
werten.
β. Palatalisation
Die morphophonologische Funktion der Palatalisation im Toch. ist m.E. die Bildung von
Oppositionen, z.B. zwischen Nom. und Obl. oder Präs. und Prät.
Van Windekens propagiert eine Entwicklung **d’ > *c > ś "à la suite d’une assimilation
de *c‑ à la gutturale" (Thomas l.c. S. 53). Der Ansatz eines *d’ für das Uridg. findet
außerhalb des Tocharischen keine Stütze.
Anreiters These c > ś (= ś4, das nicht-gutturalen Ursprungs ist) scheint mir zu
theoretisch oder sogar ad hoc.
XXIII
γ. Dissimilation
Die Anzahl der Beispiele für die Dissimilation im Toch. ist gering (S. 54).
Ob wirklich eine Dissimilation vorliegt, ist besonders in dem Fall kaum zu entscheiden,
wenn sich Ausgangsform und spätere Form auf Toch. A und B verteilen und die
Lautkörper beider Formen stark differieren, da dann die als Ergebnis einer Dissimilation
angesehene Abweichung auch von anderen Faktoren bedingt sein kann, etwa im Falle
von B <kektsune> und A <kapṣañi> (angeblich *-kṣ- > -pṣ-, Thomas S. 45).
δ. Halbvokale
Den phonologischen Status von /y/ und /w/ im Toch. zu beurteilen, ist sehr schwer. Viele
Vorschläge sind gemacht worden (Thomas S. 55), aber keiner davon überzeugt. Im Toch.
kommt vokalisches /i-/ bzw. /u-/ (Anlaut) in der früheren Periode nicht vor, sondern sie
wurden als <yä-> und <wä-> realisiert. Dies deutet darauf hin, dass beide Halbvokale
als Anlaut nicht vokalisch behandelt sind. /i/ für Anlaut ist in früherer Periode mit <I‑>,
das in Skt. Hss. als <ī‑> geschrieben wurde, wiedergegeben worden, und /u-/ ist nur in
Skt.-Wörter mit dem Zeichen <u-> geschrieben worden, aber beide Akṣaras <I> und
<u> im Toch. sind meistens nach Virāma konsonantisch geschrieben worden. Die
Verwendung von <i-> und <u-> für Vokale ist vermutlich ein Einfluss des Skt. in
spӓterer Periode.
Wenn diese Halbvokale konsonantisch sind, ist es verständlich, dass in Toch. B /tw/ zum
<tt> assimiliert ist (Thomas S. 54 bei Assimilation), weil beide konsonantisch sind.
Ob die Halbkonsonante /y/ und /w/ vokalisch sind oder nicht, versuche ich in meiner
vorliegenden Arbeit mit der Paläographie ausführlich zu untersuchen.
ε. Laryngale (Thomas S. 56)
Mir erscheint Klingenschmitts Ansicht, es seien "sowohl ə1 als auch ə2 im Urtoch. als *ā
vertreten" und K.T. Schmidts Annahme "*Kə1, *Kə2, *Kə3, > gtoch. *Kā" plausibler als
andere Theorien. Außer bei ə2 sind im Toch. schwerlich Spuren von Laryngalen zu
finden, wahrscheinlich sind schon in urtoch. Zeit zwei oder drei Laryngale verschmolzen,
XXIV
und auch der Wandel des Laryngals zu /ā/ war schon erfolgt. Daher untersuche ich dieses
Problem in meiner Arbeit nicht intensiv.
Mein Forschungsobjekt ist eher die Quantität und Qualität von /ā/ im Toch., vor allem
die Opposition kurz-lang (<ā> und <a>). Ich versuche, dieses Problem (/ā/ im Toch.)
paläographisch und linguistisch zu lösen.
In folgenden möchte ich einige andere Autoren kurz zitieren, deren Publikationen nach
1984 veröffentlicht wurden. Ich kann nicht alle Publikationen nennen, sondern nur
diejenigen, die ich im vorliegenden Zusammenhang für diskutabel halte, um zu zeigen,
warum ich meine Arbeit paläographisch und linguistisch durchführe. Die Paläographie
und die Linguistik sind als miteinander eng verbunden zu betrachten, wenn es darum
geht, das Toch. chronologisch einzuordnen.
Bei der Vorstellung der neueren Publikationen gehe ich folgendermaßen vor: nach der
Nennung des Titels beschreibe ich in Kurzform das Thema der Publikation und weise in
Form von Fragen auf Probleme hin. Anschließend bespreche ich mögliche Lösungsansätze.
Hackstein O, Untersuchungen zu den sigmatischen Präsensstammbildungen des
Tocharischen, Göttingen 1995:
Das s(k)‑Element im Toch. ist ein sehr schwieriges Thema. Hackstein hat alle verfügbaren Materialien gesammelt und analysiert. Dennoch bleibt als wesentliches Problem
bestehen, wie das s(k)‑Element im Toch. zu beurteilen ist.
1) Hat es keine kausative Funktion, wie das TEB meint (z.B. Präs.VIIIb S. 206)?
2) Was ist der Zusammenhang zwischen s(k)‑Präs. und s‑Prät.?
3) Warum gibt es kein Ko.VIII in Toch. B und kein Pr.IX in Toch. A?
Ad 1): Dieses Problem ist nicht lösbar, ohne dass zunächst eine Definition des Kausativs
geliefert wird. Laut Hackstein signalisiert das s(k)‑Element Transivität. Das ist richtig,
aber auch dem Kausativum wohnt immer das Merkmal der Transivität inne. Aufgrund
der Belege halte ich beide Ansätze (Kausativum bei TEB und Transivität bei Hackstein)
für berechtigt. Einige Wurzeln sind mit ‑sk‑ lexikalisiert (Hackstein S. 167ff). Das deutet
XXV
darauf hin, dass die ursprüngliche Funktion von ‑s(k)‑ schon teilweise verloren gegangen
war. Ich nehme an, dass die Funktion des s(k)‑Element im Toch. eine Markierung des
Präsens erkennen lässt.
Ad 2): Es gibt viele Diskussionen darüber, aber die endgültige Antwort ist noch nicht
gefunden. Hacksteins Untersuchungen sind auf das Präsens beschränkt, aber für die
Präsensstammbildungen muss man auch die Prät.-Systeme untersuchen.
Ad 3): Diese Frage könnte meiner Meinung nach ein Schlüssel sein, um das Problem des
s(k)‑Elementes zu lösen, und zwar nicht nur für das Präs., sondern auch für das Ko.System im Toch. Eine einfache Lösung besteht darin, ‑s‑ für das Präs. und ‑sk‑ für den Ko.
als ursprünglich zu werten. Um eine befriedigende Lösung zu finden, wäre es wünschenswert, wenn auf den verschiedensten Gebieten, von der Paläographie bis zur Syntax,
zusammengearbeitet werden könnte. Meine Arbeit versteht sich als ein erster Beitrag
dazu.
Carling G, Die Funktionen der lokalen Kasus im Tocharischen, Berlin/New York 2000:
Unbeschadet ihres großen Umfangs vermag diese Dissertation nicht alle Erwartungen zu
erfüllen. Schon auf der erster Seite ist Tabelle 1. fehlerhaft (s. Gen. und Abl.). Das
Thema wurde zuvor schon von Kölver behandelt (Der Gebrauch der sekundären Kasus
im Tocharischen, Frankfurt/M. 1965) und die Methode ist "traditionell", und zwar in
Form von Zitaten mit Übersetzungen.
Nach meiner Meinung ist das Problem, dass Carling den Obl. nur von (Ur)idg. her
betrachtet hat, nicht aus dem Toch. selbst, obwohl das Obl.-System eigentlich nicht zum
(Ur)idg. gehört. Der Obl. kann allein ein Vertreter der sekundären Kasus sein und mit
Postpositionen oder Adverbialen semantisch verdeutlicht werden.
Ich möchte im Gegensatz dazu den Obl. allein aufgrund einer Analyse der toch. Hss.
betrachten, ohne mich von vorgefassten Meinungen über den idg. Ursprung von toch.
Kategorien beeinflussen zu lassen. Obwohl ich mir der Schwierigkeiten bei der Bestimmung der Funktion toch. Erscheinungen bewusst bin, halte ich es für wichtig, grundsätzlich
in dieser Weise zu arbeiten.
XXVI
Saito H, Das Partizipium Präteriti im Tocharischen, Wiesbaden 2006:
Diese Untersuchung ist die neueste auf dem Gebiet der Tocharologie und nur dem
Partizipium Präteritum gewidmet. Das Partizipium Präteriti ist ein Forschungsgegenstand, der gut mit Erkenntnissen über das (Ur)idg. abgestimmt werden kann, da das
System aus dem (Ur)idg. direkt oder indirekt ererbt ist.
Saito gibt einen Überblick über das PP. in den idg. Sprachen (Kapitel 1) und über die
jeweilige Klasse mit Beispielen (Kapitel 2), um das System des Tocharischen klar zu
machen. Seine Analyse nimmt ihren Ausgangspunkt beim Toch. und stellt erst dann die
Beziehung zum (Ur)idg. her. Diese Methode halte ich für vorbildlich, obwohl es einige
diskutable Probleme gibt, z.B. erscheint ‑()s (S. 583) von der Paläographie des Toch.
her gesehen als <‑(a)u> (vokalisch) oder <ˎ> (konsonantisch mit Virāma). Ich nehme
an, dass dieses Phonem ein konsonantisches Morphem ist, da <ˎ> nach Akṣaras mit
Virāma geschrieben wird. Den Belegen zufolge könnte /w/ als ein Adj.-Suffix fungiert
haben. Wenn dieses /w/ gleich dem /w/ des PP. sein sollte, könnte auch das /w/ des PP.
eine adj.-bildende Funktion gehabt haben. Ein mögliches Etymon ist das uridg. Suffix
*‑vant/mant.
Wenn ein toch. Wort oder eine Kategorie in einer Beziehung zum (Ur)idg. steht, wie das
beim PP. der Fall ist, sollte man die Analyse sowohl synchronisch als auch diachronisch
durchführen.
Schließlich möchte ich P. Stumpfs "Die Erscheinungsformen des Westtocharischen,
Reykjavík 1990" erwähnen. Die Forschung, die dieser Veröffentlichung zugrunde liegt,
wurde zwar vor 1984 durchgeführt, aber die Publikation erfolgte erst nach dem Tod des
Verfassers als TIES Vol. 2.
Seine Methode und Zielsetzung stehen denen in meiner Arbeit nahe, aber Stumpf
berücksichtigte noch nicht die Paläographie: "Die verschiedenen Schrifttypen, in denen
das Westtoch. vorliegt, lassen eine Differenzierung nach Altersstufen nicht zu. Überdies
ist zu bedenken, dass paläographische Evidenz … nicht viel helfen kann" (S. 26, Fnt. 11).
Ich kann mich Stumpfs Meinung nicht anschließen, denn dann wäre m. E. unerklärlich,
warum die Entwicklung der Brāhmī seit der Aśokazeit bis heute in verschiedenen
XXVII
Ländern stets mit linguistischen Entwicklungen einherging. Im tocharischen Sprachgebiet wurde die Brāhmī über einen Zeitraum von mehreren Jahrhunderten verwendet,
und sowohl schriftliche als auch linguistische Veränderungen lassen sich deutlich
erkennen. Deswegen halte ich es für unzulässig, bei der Erforschung des Tocharischen
paläographische und linguistische Untersuchungen zu trennen.
Stumpf versuchte, verschiedene Varianten des Westtocharischen mit der Entwicklungsstufenhypothese oder der Dialekthypothese zu begründen. Leider liefert der Verfasser
(oder W. Winter, der die Dialekthypothese begründete) keinerlei Definition des Begriffs
"Dialekt" (chronologisch, synchronisch, typologisch usw.). Meine Untersuchungen förderten keine Evidenz für eine dialektale Gliederung des Toch. B zutage, vor allem keine
für die Existenz eines Zentraldialekts in Šorčuq (S. 14).
Ein Phonem ist nicht einfach wie bei Stumpf als "Veränderung der phonetischen
Qualitäten desselben Phonems" (S. 27) zu beschreiben. Wenn z.B. die Entwicklung /a/ →
/o/ in denselben Wörtern immer erfolgte, ist es eine phonologische Veränderung, wenn
sie nur teilweise zutrifft, eine phonetische. Um eine phonologische Regel etablieren zu
können, muss man eine umfangreiche Beispielsammlung erstellen und sie analysieren,
nicht einige Wörter. Auch nach Hilmarssons "Studies in Tocharian Phonology,
Morphology and Etymology with special emphasis on the o‑vocalism, Reykjavík 1986
Diss. Leiden" ist dieses Problem nicht gelöst, und der Ansatz eines Phonems /a/ (nach
meiner Meinung /ā/) ist auch problematisch. Jedenfalls sind Phonetik und Phonologie
sorgfältig voneinander zu trennen. Eine phonetische Erscheinung kann natürlich
normalisiert und schließlich zu einer phonologischen Erscheinung werden, z.B. kann die
Verschlussphase des Verschlusslautes wegen des komplizierten Mechanismus assimiliert
oder getilgt werden (z.B. /śc/ zu /ś/ S. 67). Ob diese Erscheinung als individuell anzusehen
ist, oder ob hier schon eine Normalisierung vorliegt, ist im einzelnen anhand des
Handschriftenbefundes zu prüfen.
Dass der Schrift eine entscheidende Bedeutung bei der Stabilisierung und Konservierung
älterer Sprachzustände qua Hochsprachen zukommt (S. 39), ist richtig, aber man sollte
genau beobachten, welche Schriftart in einer gegebenen Periode benutzt wurde.
Ein interessanter Vorschlag Stumpfs ist der folgende: "Assimilationsprozesse" (a) ‑au‑ +
N(asal) → {aum/om} + N‑, (b) ‑au‑ + N # → {aum/om} # (S. 71). Ich bin nicht sicher,
XXVIII
ob diese Erscheinung ein "Assimilationsprozess" ist, vor allem im Falle "kauṃ → kaum,
kom", das als einziges Beispiel unter (b) vertreten ist, und "omtsate", das keine jüngere
Form ist (S. 71, Fnt. 19). <tsiromñe> ist in D296b2, T2971b1 und S586.7 belegt. D296
stammt nach der 14C‑Prüfung aus dem Zeitraum zwischen 1178-1255 A.D. und wurde in
Form einer Rolle geschrieben, und S586 wurde auf die Rückseite einer chinesischen
Rolle geschrieben. Von Duktus her gesehen sind diese Hss. einander ähnlich und viel
später geschrieben worden, d.h. sie taugen nicht als Belege für die Phonologie des Toch.
Ich nehme an, dass nach der Monophthongierung (/au/ zu /o/) /‑mñe/ als Suffix hinzugefügt wurde. Für <laromñe> M325a5 und <laromñetstsa> M361b8 kann man eine
ursprünliche Form <laraumñe> MQ496.2 ansetzen. <ypomnāmeṃ> M110a7 und
<śommo> S115a1 sind Hapax legomena, deswegen kann ich sie nicht kommentieren,
vermutlich beruhen diese Schreibungen auf einem Schreibfehler oder einem Mißverständnis der Schreiber. Daher halte ich diese Regel für ungültig.
Die Analyse der Kopula <ste>, <stare> und <skente> ist m.E. unmöglich, obwohl
Stumpf (S. 87ff) oder andere Forscher (z.B. Hackstein S. 273ff) sich darum bemüht
haben. Man kann nur die Verteilung und die Form erkennen, d.h. <ste> überall,
<stare> Ost.Dial. (m.E. Ostgebiet) und <skente> sonst (S. 87). Merkwürdigerweise
sind <stāre> oder <sTAre> nicht belegt. Dies deutet darauf hin, dass <stare> kein
ursprüngliches toch. Wort ist, da das <a> kein toch. Phonem (mindestens in der
früheren Periode) ist.
Trotz einiger nicht hundertprozentig plausibler Varianten halte ich die Methode Stumpfs,
Klassifizierung nach den sprachlichen Varianten, für richtig.
Ich bin nicht sicher, ob die Gliederung Stumpfs in die Kategorie I A (altehrwürdige
Hochsprache, Idealtyp), I B (Übergangsfeld, inklusive I A), I C (Verfertigung der in Hss.
gebräuchlichen Hochsprache) und II (Umgangssprache) berechtigt ist. Wenn er diese
Gliederung nach chronologischen Gesichtpunkten vorgenommen hat, kann ich sie nachvollziehen, aber wegen seiner Unterscheidung von I und II (S. 143) scheint er eher eine
synchronische Herangehensweise anzustreben. Er scheint die älteren Hss., die in MQ
geschrieben worden sind, für konkrete Muster für die Schreiber von "II" zu halten. Die
Fig. 10 (Stufe und örtliche Verteilung, S. 150) ist eine anschaulich richtige Ansicht, aber
es fehlt eine chronologische Analyse.
XXIX
Das Toch. hat sich kontinuierlich entwickelt, deswegen ist es sehr schwierig, linguistische
Merkmale für die Klassifikation zu finden. Die toch. Hss. sind meistens Kopien, die
später mit antikisierenden Schriften geschrieben wurden. Daher ist es allein mit Paläographie unmöglich, die toch. Sprache zu analysieren. Nur eine Erforschung des
Tocharischen, die Paläographie und Linguistik miteinander kombiniert, verspricht wirklich gesicherte Erkenntnisse. Ich bin aber der Meinung, dass die Grundlage der Forschung zuerst die Paläographie sein sollte, weil die Hss. die einzigen Zeugnisse der toch.
Sprache sind.
5. Paläographische Forschungsgeschichte
Ich zitiere hierzu im folgenden meist das Werk von L. Sander (1968, op.cit.), das nicht
vordringlich dem Toch. gewidmet ist, sondern den indische Schriften. Ungeachtet dieser
Tatsache ist der "Turkistanische Gupta-Typ" (q - u in ihrer Tafel) für die Paläographie
des Toch. sehr wichtig, weil eben diese Schriften für das tocharische Schrifttum im
tocharischen Sprachraum benutzt worden sind.
Ich habe L. Sanders Arbeit schon im Zusammenhang mit den "Fundorte" zitiert, An
dieser Stelle möchte ich ihre paläographische Untersuchung für den "Turkistanischen
Gupta-Typ" zitieren und kommentieren.
Hoernle hat versucht, für die in Ostturkistan gefundenen Skt. Hss. eine passende
Nomenklatur zu finden (L. Sander S. 2). Er unterschied zwei Typen, nämlich Weber Mss.,
die "North Western Gupta variety" und "Central Asian Nāgarī", die später von ihm
"Slanting (Gupta)" genannt wurde.
Lüders hat die Unterschiede zwischen der Gupta-Schrift des nordwestlichen Indiens und
der nördlichen turkistanischen Brāhmī (Slanting Gupta) im Vergleich der Hss. des
Kātantra zu denen der Kalpanāmaṇḍitikā aufgezeigt. Danach gab es eine kontinuierliche
Entwicklung von der frühen Gupta-Schrift des nordwestlichen Indiens zur ostturkestanischen "Slanting (Gupta)" (L. Sander S. 3).
XXX
L. Sander hat in ihrer Arbeit die Entwicklungsstufen der Brāhmī und ihrer lokalen
Varianten aufgezeigt. Dem von Lüders als "archaischer Typ der nördlichen turkistanischen Brāhmī" bezeichneten Schrifttyp steht eine durch die Kalpanāmaṇḍitikā repräsentierte Form der Gupta-Schrift des nordwestlichen Indien nahe. Ebenfalls enge Verwandtschaft besteht zu dem von Hoernle als "Upright (Gupta)" bezeichneten Typus.
Diese Gruppe hat L. Sander als "südturkistanische Brāhmī" bezeichnet, und sie
verwendete die Bezeichnung "turkistanischer Gupta-Typ" für den "archaischen Typ", d.h.
für einen Vorgänger von "Slanting (Gupta)" und "südturkistanische Brāhmī".
Nach L. Sander ist für das Übergangsstadium vom "turkistanischen Gupta-Typ" zur
"Slanting" sowie zur "südturkistanischen Brāhmī" die erstmalige Benutzung des zentralasiatischen ‑e und ‑ai kennzeichnend, deren Spitzen im Gegensatz zu den indischen
Formen nach rechts gebogen sind (L. Sander S. 4). Dieses Kriterium kann ich nicht
nachvollziehen. In L. Sanders Tafel 36-37 erkenne ich eine Tendenz, dass der indische
Typus bei den früheren Hss. und im Süden erhalten bleibt, während der "Slanting-Typ"
die nach rechts gebogene Form aufweist. Wenn diese Erscheinung eine typologische Entwicklung zeigt, kann dies eine Tendenz im "Slanting-Typ" sein.
Ich stimme L. Sanders Vorschlag zu, den Terminus "Slanting (Gupta)" durch "nordturkistanische Brāhmī" zu ersetzen. Nach L. Sander ist diese nordturkistanische Brāhmī in a
und b zu teilen. Als Beispiele zitiert sie <ṇa> und <śa>. Ich stimme auch dieser Kategorisierung, der chronologischen (a ist älter) und der lokalen Zuordnung zu, aber es ist
im Toch. nicht so einfach, z.B. wurde das alte <ṇa>, da es nicht zum Inventar des Toch.
gehörte, sondern zum Skt.-Inventar, bis in spätere Perioden hinein benutzt.
L. Sander hat die Turkistanische Schrifttypen in 5 Gruppen eingeteilt:
1) Turkistanischer Gupta-Typ (Alphabet q):
Dieser Typ steht den indischen Gupta-Alphabeten der Gruppe B besonders nahe. Es ist
deshalb sehr wahrscheinlich, dass die im Gegensatz zu den indischen Manuskripten auf
Papier geschriebenen Hss. im "turkistanischen Gupta-Typ" Abschriften von indischen
Palmblattmanuskripten sind, ohne dass immer das Original genau kopiert wurde (L.
Sander S. 181).
XXXI
Ich erkenne keinen wesentlichen Unterschied zwischen den Alphabeten q und r/s. Vom
Toch. her gesehen möchte ich die drei Alphabete q, r, s als eine einzige Klasse ansetzen
(s.u. zu Alphabet r, s).
2) Frühe turkistanische Brāhmī (Alphabet r, s):
Nach L. Sander ist diese Gruppe in r und s unterteilt. Alphabet r ist eine Vorstufe zur
"nordturkistanischen Brāhmī" und weicht von dem "turkistanischen Gupta-Typ" ab.
Alphabet s wird als Vorstufe zur "südturkistanischen Brāhmī" angesehen (L. Sander S.
181).
Dieser Typ ist m.E. dem des Toch. (MQR587 und MQ 273-275) sehr ähnlich. Nach
meiner Einschätzung entspricht diese Gruppe der Periode I‑1, die die früheste Hss. im
Toch. umfasst. In diesen Hss. kann man schon wesentliche toch. Neuschöpfungen sehen:
Anzeichen dafür sind die Verwendung von "Fremdzeichen" und die senkrechten Bindestriche innerhalb der Ligaturen. Daher ist dieser Typ vermutlich schon tocharisiert.
3) Nordturkistanische Brāhmī, Typ a (Alphabet t):
Dieser Typ steht dem Alphabet r sehr nahe (L. Sander S. 182). Ein großer Unterschied
zwischen den Alphabeten q/r/s und t/u ist aber eine gekrümmte Schleife unten an der
Haste.
Dieser Typ (inklusive Alphabet u) ist für das Toch. benutzt worden. Chronologisch
gesehen ist t älter als u, aber die lokale Verteilung ist nicht so einfach, wie L. Sander sie
darstellt, (t im Westen und u in der Turfanoase), weil es an jedem Ort eine eigene und
teilweise abweichende Entwicklung gab. Auch hier ist eine Kombination von diachronischer und synchronischer Vorgehensweise wichtig.
4) Nordturkistanische Brāhmī, Typ b (Alphabet u):
Dieser Typ wurde, wie oben erwähnt, in einer relativ späten Periode für Toch. B und
auch A benutzt.
L. Sander vermutet, dass dieser Typ keine Weiterentwicklung von Alphabet t ist, sondern
eine östliche Abart derselben darstellt (L. Sander S. 183), aber nach dem toch. Befund ist
dieser Typ eine weiterentwickelte Form von Alphabet t, weil eine gleichzeitige kontiXXXII
nuierliche Entwicklung der Sprache (parallel zur schriftlichen Entwicklung t → u) zu
belegen ist.
5) Südturkistanische Brāhmī (Alphabet v):
Dieser Typ entspricht eigentlich nicht meiner Zielsetzung, denn er wurde im Gebiet von
Khotan benutzt. L. Sander nennt dieses Alphabet "Khotanī". Ich stimme dem zu, und
entsprechend möchte ich die nordturkistanische Brāhmī "Tocharī" nennen.
Im Prinzip bin ich nicht gegen L. Sanders Einteilung, aber in einigen Einzelheiten sollten
die jeweiligen Hss. überprüft werden.
L. Sander führt alle paläographischen Erscheinungen auf indische Muster zurück. Das ist
im Prinzip auch richtig, aber es kann m.E. nur für eine relativ frühe Periode gelten. Im
toch. Gebiet wurden diese Schriften schon lange zusammen mit "Fremdzeichen" benutzt
und typologisch weiterentwickelt. Hier ist es nötig, das toch. Schriftsystem mit der
Sprachentwicklung in Einklang zu bringen.
Die älteste khot. Schrift ist der ältesten toch. Schrift sehr ähnlich oder ihr sogar gleich.
Das deutet darauf hin, dass die ursprüngliche Brāhmī-Schrift aus Indien kam und sich
danach im Norden und Süden typologisch weiter entwickelte; vgl. z.B. das <‑e> im Nord
und Süd (s.o.). Die Skt.-Hss. könnten im Norden von Tocharern, im Süden von
Khotanern geschrieben worden sein, sofern sie nicht aus Indien importiert wurden oder
von einem Inder in Zentralasien geschrieben wurden. Diese Möglichkeit ist auch von L.
Sander erwähnt worden: "Es kommt mir wahrscheinlicher vor, dass auch der ‘turkistanische Gupta-Typ’ von den einheimischen Tocharern geschrieben worden ist" (L. Sander S.
47, Fnt. 201). Bei meiner Überprüfung der Skt.-Hss. habe ich einige Beweise dafür
gefunden, dass die Hss. von Tocharern geschrieben worden sein müssen, aber die
Beweisführung würde den Rahmen dieser Arbeit sprengen.
Erst nach Abschluss der vorliegenden Untersuchung, ist die neueste Publikation zur
Tocharologie von M. Malzahn erschienen ("Instrumenta Tocharica", Heidelberg 2007).
Ich möchte hier nur die darin enthaltene paläographische Beschreibung diskutieren. M.
XXXIII
Malzahn hat ihre Sicht in einer Tabelle von Akṣaras unter dem Titel "The Most Archaic
Manuskripts of Tocharian B and the Varieties of the Tocharian B Language" zusammengestellt (p. 255-297). Ihre Klassifikation (p. 259) ist komplizierter als meine. Möglicherweise sind ihre Kategorien 'very/most archaic' und 'middle archaic' identisch mit meiner
Periode 'I-1' und 'early and late common archaic' mit meiner Periode 'I-2'. Die schriftliche
Entwicklung kann nicht so distinktiv dargestelt werden, da sie kontinuierlich ablief.
<ma> und <ya> zeigen dieselbe Entwicklung, nicht <ma> allein, wie M. Malzahn
behauptet (p. 259-260). Meiner Ansicht nach sind 'geöffnet' und 'geschlossen' entscheidende Punkte (auch bei <ña>). Die paläographische Herkunft der Fremdzeichen
inklusive <w>, die zum toch. Inventar gehören, ist schwer zu entscheiden. Malzahns
Vorschläge (p. 261-263) sind interessant, vor allem <TA>, <NA> und <SA> (dentale
Laute) aus indischem <dha> zu erklären, bleiben aber m.E. hypothetisch. Weitere
Erforschungen hierzu sind erforderlich. Malzahns Erörterungen einzelner Hss.
zusammen mit einer paläographischen Analyse (p. 264-269) sind sehr wichtig, reichen
aber ohne inhaltliche Überprüfung, z.B. auf die Fähigkeit des Schreibers oder den Grund
von Fehlern hin, nicht aus. Dagegen finde ich in Malzahns Analyse von ‟Mainz 655,5“ (=
THT 3602) und BM (p. 269-273) eine optimale Methode angewendet. Die Probleme der
Trias ä-a-ā (p. 280-282) sind für das Toch. erheblich. Nach meiner Untersuchung der
Paläographie gab es keine phonologische Unterschiede zwischen kurzen und langen
Vokalen, deswegen wurden <ā> und <a> in früheren Perioden gleichwertig geschrieben, und erst nach der Entstehung der Akzentregel, die gleichzeitig für /ā/ und /ä/ gewirkt
hat, wurde <a> ein Allophon von /ā/ und /ä/. Erst in einer späteren Periode von Toch. B
und in Toch. A wurde <a> als /a/ Bestandteil des Inventars. Ob das Toch. A eine
gesprochene Sprache war, bleibt ebenfalls ein großes Problem (p. 290). Ich bleibe
aufgrund aller Befunde (Paläographie, 14C-Prüfung, Fundorte und statische Anzahl der
Hss.) bei der Auffassung, dass Toch. A nicht mit Sicherheit eine gesprochene Sprache ist.
Die von Malzahn zitierten Beispiele THT 4022 (Š93, unsicher wegen Beschädigung) und
THT4023 (Š93, einige Wörter in Toch. A mit chin.
Unterschrift 提) sind Rechen-
schaftsberichte, deren kursive Schrift genau so wie in den Rechenschafts-berichte in
Toch. B und wie die kursiven Schreibungen in Toch. A Š78,1-3 (alte Signatur, vgl.
Sieg/Siegling 1921, S. 64) gehalten ist. Diese Hss. wurden sicherlich in buddhistischen
XXXIV
Tempeln geschrieben, wo Mönche gewöhnlich Toch. A geschrieben haben. Weitere Beispiele in den Parisertexten sind von Pinault vorgeschlagen worden (M. Malzahn, p. 180
fn. 19): PK, N.S.3 ist inhaltlich schwer zu beurteilen. Ich kann hier einige skt. und A-toch.
Wörter lesen. Interessant ist <śvātsi yoKAtsyā> in Zeile 4 verso, dessen Schreibart
ähnlich oder sogar identisch mit der von Toch. B zu sein scheint, Möglicherweise wurde
diese Hs. von einem Schreiber aus dem Toch.B-Gebiet geschrieben. PK, N.S.5 ist wegen
der Beschädigung inhaltlich schwer zu beurteilen. Hier kann ich nur einige Wörter auf
Toch. A lesen. In PK, N.S.6 kann ich wegen der Beschädigung kein sicheres Wort finden.
Diese drei Hss. gehören vom Duktus und der Gestalt her gesehen (PK, N.S.1, 2 und 4
auch) zu einer derselben Serie, und meiner Meinung nach sind die Hss. kein Beweis
dafür, das das Toch. A "a language really spoken in the Turfan region" (M. Malzahn, p.
290) ist. Jedoch dürfte Pinault Recht haben: "le tokharien A nʼétait pas une langue
morte." Ich nehme an, dass Toch. A für den Buddhismus mit sprachlich entwickelten
Elementen entwickelt wurde.
6. Zielsetzung und Anlage meiner Arbeit
Die Schrift, in gedruckter oder handgeschriebener Form, eröffnet uns den Zugang zu
Sprachen. Im Falle ausgestorbener Sprachen ist die Schrift das einzige Zeugnis für diese
Sprachen und der einzige Zugang zu ihnen. Die Tocharer haben kein gedrucktes
Dokument hinterlassen (oder hergestellt), deswegen basiert alle Forschung auf Handschriften.
Hier liegt der Ansatz meiner Forschungsarbeit: Da das einzige Zeugnis für die
tocharische Sprache die Handschriften sind, müssen wir die Handschriften und die
Schrift selbst berücksichtigen, um das Tocharische verstehen zu können. Die Paläographie ist daher von zentraler Bedeutung für die Tocharologie, da sie mit Hilfe der
Analyse der Form von Schriftzeichen Aufschluss nicht nur über die Entwicklung der
Schrift, sondern auch über sprachliche Entwicklungen verspricht. In der vorliegenden
Arbeit lege ich die Ergebnisse meiner Forschung über die Paläographie des Tocharischen samt einer linguistischen Erörterung vor. Zuerst habe ich deshalb alle Akṣaras
XXXV
gesammelt und paläographisch sortiert. Auf dieser Grundlage versuche ich, die für die
jeweilige Gruppe charakteristische und von anderen abweichende Schreibweise zu
finden. Dem füge ich linguistische Erörterungen hinzu, um eine chronologische Einordnung vornehmen zu können.
Als neue, von mir erstmals auf diesem Gebiet angewandte Methode benutze ich darüber
hinaus
14
C‑Prüfungen, um die absolute Chronologie mit meinen Ergebnissen zu ver-
gleichen (s. Appendix II).
Bei toten Sprachen stellt sich immer die Frage, ob die vorhandenen Schriftzeugnisse die
gesprochene Sprache wiedergeben oder ob es sich um historische, formelhafte oder
bestimmten Zwecken vorbehaltene Schreibung handelt. Bei den tocharischen Hss.
kommt hinzu, dass die meisten Hss. Kopien älterer Hss. sind, so dass mit mehreren
Sprachschichten innerhalb einzelner Hss. zu rechnen ist. Die paläographische Untersuchung hat auch die Aufgabe, solche sprachlichen Überlagerungen anhand der Eigenarten der Schreibung zu erkennen und nach Möglichkeit zu erklären.
Die Arbeit soll sich hauptsächlich mit folgenden Punkten befassen:
1) der Herausarbeitung der chronologischen und der synchronischen Schichten.
2) dem Vergleich paläographischer Unterschiede mit linguistischen Unterschieden.
Ad 1):
Ich sammele alle möglichen Akṣaras aus allen Gebieten und sortiere sie vorläufig nach
Formen (I‑1, I‑2, I‑3, II‑1, II‑2, II‑3, III‑1 und III‑2).
"Nach Formen" heißt: je näher die Gestalt der der ältesten Brāhmī (Aśoka-Inschrift) ist,
desto älter ist ein Akṣara (z.B. rechts oben geöffnetes <ya>). Es geht hier also um die
Analyse chronologischer Schichten.
Die MQ-Schreibungen zeigen alle Schichten, hingegen zeigen die nicht-MQ-Schreibungen I‑1 und I‑2 nicht. Hier handelt es sich um Unterschiede in synchronischen
Schichten.
Ad 2):
Nach meiner Sortierung ist die MQ-Schreibung die älteste. Daraus ergibt sich die Frage:
a) Ist die MQ-Schreibung wirklich älter als andere nicht-MQ-Screibungen?
XXXVI
b) Was ist der Unterschied zwischen MQ- und nicht-MQ-Hss.?
i) Gibt es linguistische Unterschiede?
ii) Gibt es graphische Unterschiede?
c) Welche synchronischen und diachronischen Unterschiede finden sich im Toch.?
d) Wie verhalten sich Toch. A und Toch. B zueinander?
Ad a):
Wie oben erwähnt zeigt die MQ-Schreibung I‑1 und I‑2, während dies für nicht-MQ-Hss.
nicht zutrifft.
Ich vermute, dass die Brāhmīschrift anfänglich direkt aus Indien nach Zentralasien
importiert wurde und sich danach typologisch entwickelte, d.h. südlich in Khotan und
nördlich im Tocharergebiet, weil die älteste Brāhmī in Khotan und die älteste Brāhmī im
Tocharergebiet m.E. sehr ähnlich sind (s.o.). Wenn meine Hypothese richtig ist, ist es
akzeptabel, dass die MQ-Schreibung die älteste für das Tocharische ist, weil sie
geographisch gesehen in größerer Nähe zu Khotan entstanden ist. Danach breitete sich
die Tradition der tocharischen Schreibung nach Osten aus. Das ist durch die 14C‑Prüfung
gut überprüfbar.
Traditionell spricht man von "Upright Gupta" für die khotansakische Schrift und von
"Slanting Gupta" für die tocharische Schrift, aber die tocharische Brāhmī ist nicht immer
"slanting", sondern "upright" und "slanting" (nicht nur nach rechts, sondern auch nach
links geneigt) gemischt geschrieben worden. Dies bedeutet, dass die tocharische Brāhmī
chronologisch lange und synchronisch an verschiedenen Orten geschrieben wurde.
Die khotanische Brāhmī kann ich wegen mangelnder Kenntnis des Khotanischen nicht
ausreichend beurteilen, aber vermutlich wurde sie im Vergleich zum Tocharischen
zeitlich relativ kurz und örtlich beschränkt geschrieben.
Bis jetzt hat man außer acht gelassen, wer die Schreiber der Skt.-Hss. in "Slanting-Gupta"
waren. Nach meiner Meinung waren es Tocharer, weil Skt. und Toch. in "SlantingGupta" paläographisch gesehen gleich sind (s.o. L. Sanders Vermutung). Wenn es so ist,
sollte man auch für die Erforschung der Skt.-Hss. das Tocharische berücksichtigen. Hier
liegen Perspektiven für die zukünftige Zentralasienforschung.
XXXVII
Ad b. i):
Der auffälligste Unterschied zwischen MQ- und nicht-MQ-Schreibungen sind die
Diphthonge. In MQ findet man die Schreibung <ei> für /a/, <eu> bzw. <ou> für /a/,
die nicht in nicht-MQ-Hss. vorkommen (abgesehen von Kopien). Natürlich kommen
<ei> und <eu> bzw. <ou> auch in späterer MQ nicht vor, weil es in MQ selbst eine
chronologische Entwicklung gab. Dies ist eine phonologische Entwicklung, d.h. in nichtMQ-Hss. findet man nur weiter entwickelte ‑haltige bzw. ‑haltige Diphthonge. Daher
meine ich, dass MQ älter ist als nicht-MQ.
Der andere Unterschied zwischen MQ und nicht-MQ ist die Akzentregel. In früheren
Hss. aus MQ beobachtet man keine Akzentregel (s.u.). Erst nach den Perioden I‑3/II‑1
kann man eine Akzentregel erkennen, d.h. die früheste nicht-MQ-Schicht ist mit der
weiter entwickelten Schicht von MQ identisch.
Vermutlich gab es am Anfang nur vier Vokalphoneme, nämlich /ā, ä, e, o/, wobei /ā/ nicht
langes /a/ im Sinne des uridg. Phonems ist und /ä/ wegen seiner Tilgbarkeit ein schwaartiger Laut ist. /i/ und /u/ werden am Wortanfang als (Halb)konsonant behandelt. Die
Akzentregel ist nur bei /ā/ bzw. /ä/ erkennbar. Das Graphem <a> wird in früheren Hss.
mit <ā> gemischt geschrieben, aber nicht mit <ä>. Nach den Perioden I‑3/II‑1 kommt
<ā> nur in akzentuierter Silbe vor, und <ä> nur in unbetonter Silbe, d.h. <a> ist ein
Allophon von unbetontem /ā/ und von betontem /ä/. Nach II‑2 kommen auch vokalische
/i/ und /u/ vor. Hier liegt eine phonologische Entwicklung vor.
Ad b, ii):
Der graphische Unterschied zwischen den MQ-Schreibungen und den nicht-MQ-Schreibungen wird klar, wenn man die Schreibungen von I‑1 und I‑2 betrachtet, die nur in MQSchreibungen vorliegen. Wie oben erwähnt sind die Hss. der Perioden I‑1 und I‑2 linguistisch im Vergleich mit den nicht-MQ-Hss. unterschiedlich. Man kann sehen, dass die
paläographische Entwicklung hier an die linguistische Entwicklung gekoppelt ist.
Ad c):
Ich nehme an, dass MQ kein Dialekt ist, weil ich außer in den Perioden I‑1 und I‑2
keinen Unterschied zwischen MQ- und nicht-MQ-Scheibungen erkenne. Wie oben
XXXVIII
erwähnt begann die Schreibung des Tocharischen im Gebiet von MQ und breitete sich
danach nach Osten aus. Die Frage, wann das tocharische Schrifttum entstand, ist unklar.
Nach der 14C-Prüfung der Höhle in Kizil ist die Schreibtätigkeit dort vermutlich im 3-4 Jh.
n. Chr. anzusetzen, vielleicht auch noch früher. Paläographisch gesehen sind Skt.-Hss.
früher als tocharische Hss. geschrieben worden, und etwa ab dem 6 Jh. n. Chr. wurden
verstärkt buddhistische Texte auf Tocharisch geschrieben. Dieses Phänomen ist in
Zentralasien verbreitet. Darüber hat J. Nattier geschrieben, und nach ihrer Meinung ist
der Grund ein verstärkter chinesischer Einfluss (Numen, Vol. XXXVII, Fasc. 2, 1990, pp.
195-219). Quantitativ gesehen wurden tocharische Hss. 6-8 Jh. n. Chr. überall im
Tocharergebiet geschrieben, weswegen man annahm, dass das Tocharische im 6.-8. Jh. n.
Chr. entstanden sei, aber die 14C-Prüfung der tocharischen Hss. erweist einer größeren
Zeitrahmen vom 5. Jh. n. Chr. (nicht die älteste Hss.) bis ins 13 Jh. n. Chr. (vermutlich
nicht von Tocharer geschrieben). In diesem Zeitraum wurde im tocharischen Gebiet
kontinuierlich Tocharisch B geschrieben.
Ad d):
Das Verhältnis zwischen Toch. A und Toch. B ist nicht ganz klar.
Bemerkenswert ist zunächst die Herkunft: wie ich bereits erwähnt habe, stammt der
größte Teil der A-toch. Hss. (82%) aus Šorčuk und davon wiederum der größte Teil
(98%) aus der Stadthöhle. Fast alle betr. Hss. sind in Berlin aufbewahrt (sehr wenige Hss.
von Toch. A in Paris). Paläographie und 14C-Prüfung der Hss. von Toch. A zeigen einen
einheitlichen Befund.
In dieser Situation kann ich nicht mit Sicherheit behaupten, dass das Toch. A ein Dialekt
oder sogar eine selbständige Sprache ist. Eine Möglichkeit ist, dass das Toch. A eine
Sprache von Lokalität und beschränktem Zweck (für buddhistische Literatur) war. Demnach enthält Toch. A konservative Elemente, die man sprachhistorisch in Betracht
ziehen muss.
Phonologische Bemerkungen zu Toch. A:
/a/ ist m.E. ein Phonem im Toch. A. Dieser Laut ist im Toch. B ein Allophon von /ā/ und
/ä/, aber vermutlich wurde dieser Laut in der Zeit von Toch. A zum Phonem. Wenn dem
XXXIX
so ist, halte ich dieses Phänomen für ein Resultat der phonologischen Entwicklung in
Toch. A.
Die Apokope und die Schwatilgung in offener Silbe sind typische Erscheinungen in Toch.
A. Sie lassen sich auch im Toch. B nachweisen, sind dort aber im Gegensatz zu Toch. A
nicht einer phonologischen Regel unterworfen. Ich halte beide wie das Phonem /a/ für
eine phonologische Entwicklung in Toch. A.
Toch. A zeigt die sog. "Vokalbalance", hingegen weist Toch. B seine "Akzentregel" auf,
aber diese beiden Prozesse sind nach meiner Meinung nicht weit voneinander
differenziert.
Meistens sind toch. Wörter zwei- oder dreisilbig. Die erste (bei zweisilbigen) oder zweite
(bei dreisilbigen) betonte Silbe im Toch. B kann eine schwere Silbe im Toch. A sein.
Wenn es so ist, sind beide ursprünglich dasselbe, und die "Vokalbalance" könnte eine
Neuschöpfung sein. Natürlich könnte es umgekehrt sein, d.h. die "Vokalbalance" ist
ursprünglich und die "Akzentregel" ist eine spätere Erscheinung. In meiner vorliegenden
Arbeit bespreche ich diesen Punkt bei der Diskussion der einzelnen Fälle.
Die Monophthongierung ist eine Besonderheit des Toch. A. Wenn aber die Diphthonge
in Toch. B nicht Diphthonge, sondern lange Vokale sind, d.h. die Grapheme <ai> und
<au> phonetisch [eː] und [oː] sind, handelt es sich um eine Verkürzung der langen
Vokale. Das lässt sich paläographisch festmachen, d.h. <ai> ist <e> + zusätzliches
Zeichen für langen Vokal und <au> ist <o> + zusätzliches Zeichen für langen Vokal.
Eine andere Möglichkeit statt "Verkürzung": Wenn es keine Opposition zwischen lang
und kurz gab, als Toch. A entstand (8.-9. Jh. n. Chr.), ist z.B. <ai> als [e] statt des
früheren [e:] gesprochen worden.
Morphologische Bemerkungen zu Toch. A:
Im nominalen Bereich sind die Kasuskennzeichen zwischen Toch. A und Toch. B verschieden. Nur Lok., Perl. und All. sind einander ähnlich, aber nicht ganz identisch (Vgl.
XL
Gippert 1987, "Zu den sekundären Kasusaffixen des Tocharischen" in TIES Vol. 1, pp.
22-39. Reykjavík).
Der /‑aṃ/ Lok. in Toch. A könnte eine apokopierte Form von /‑ne/ in Toch. B sein, aber
/‑a/ ist unerklärlich. Vermutlich ist dieses /a/ ein verallgemeinertes Phonem (nach betonter Anaptyxe?).
Der /‑ā/ Perl. in Toch. A könnte eine /s/‑lose Form von /‑sā/ in Toch. B sein, aber die
Funktion des /s/ nicht erklärbar.
Der /‑ac/ All. in Toch. A könnte eine /ś/‑lose und apokopierte Form von Toch. B /‑śco/
sein. /‑a/ ist wie bei Lok. (s. direkt oben).
Die übrigen Kasuskennzeichen im Toch. A sind so verschieden von Toch. B., dass ein
Vergleich unmöglich ist.
Die Pl.-Markierung von Klasse I-III (nach der Klassifikation bei TEB) sind
einigermaßen identisch (mit Apokope), und Klasse IV-VII sind nur bei Toch. B erkennbar. Ich nehme an, dass Klasse I-III ursprünglich ist und Klasse IV-VII eine Besonderheit des Toch. B darstellt. Wenn dem so ist, hat man im Toch. A nur das ursprüngliche
System bewahrt.
Die Gen.-Markierungen unterscheiden sich außer im Pl. nicht stark. Wie die obigen nicht
erklärbaren Kasusmarkierungen kann ich auch den Gen. Pl. auf /‑śśi/ (Toch. A) und auf
/‑ṃts/ (Toch. B) nicht erklären.
Im verbalen Bereich sind die Unterschiede zwischen Toch. A und Toch. B gering. Das
Endungssystem entspricht dem des Uridg., aber die Formen sind anders und nicht
erklärbar.
XLI
Ein auffallender Unterschied ist die Endung der 3. Sg. Akt. Ps./Ko., d.h. /‑ṣ/ im Toch. A
und /‑ṃ/ im Toch. B. Das /‑ṣ/ im Toch. A könnte eine künstliche Endung sein (eine
Ersetzung der 3.Sg. durch die uridg. 2.Sg.?).
Ein anderer Unterschied im Bereich der Verbalklassen ist das sog. s(k)‑Ps. Toch. A hat
kein sk‑Ps., sondern nur ein s‑Ps. (s. linguistische Forschungsgeschichte [Hackstein]). Die
s‑Ps. und sk‑Ps. im Toch. B könnten zum s‑Ps. im Toch. A verschmolzen sein.
Wegen der Abwesenheit eines s‑Ko. im Toch. B ist es möglich, dass eine Kombination
der s‑Ps. und sk‑Ko. existierte, aber es bleibt fraglich, weil das Suffix des Ko. im Toch. A
/‑ās‑/ ist, wovon das /ā/ nicht ganz klar ist (von Ko.V?). Ich vermute, dass die Form /‑s‑/
(Ps. und Ko.) im Toch. A eine entwickelte Form von /‑s(k)‑/ ist.
Syntaktische Unterschiede zwischen Toch. A und Toch. B erkenne ich nicht. Diese
Bereiche sind aber nicht optimal zu erforschen, weil die toch. Hss. fragmentalisch
oftmals fehlerhaft sind.
Ich benutze die
14
C-Prüfung in dieser Arbeit, um eine absolute Chronologie zu
ermöglichen. Natürlich ist die 14C-Prüfung kein hinreichendes Mittel, aber sehr hilfreich.
Ich hoffe, dass ich zur zukünftigen Erforschung des Tocharischen mit meiner Methode
Neues beitragen kann.
7. Anmerkungen zur Umschrift
In meiner Arbeit verwende ich folgende Schreibweise für Transliteration und
Transkription:
< >: Transliteration (Graphem), [ ]: phonetische Interpretation und / /: phonemische
Interpretation.
"•": unlesbarer Akṣara und☐"." : unlesbarer Teil eines Akṣaras.
toch.: tocharisch, skt.: sanskrit und idg.: indogermanisch.
XLII
Für alle "Fremdzeichen" benutze ich Großbuchstaben, weil normale Zeichen und
Fremdzeichen phonologisch gesehen gleichwertig sind, z.B. normales <s> und fremdes
<> (traditionelles Zeichen) sind /s/, deswegen benutze ich <SA> für traditionelles
<>. Nach meiner Meinung sind diese "Fremdzeichen" nicht fremd, sondern dem Toch.
eigene Zeichen, aber ich benutze die traditionelle Benennung, um Konfusion zu
vermeiden.
Phonologisch gesehen ist <ṣ> palatalisiertes /s/ (phonetisch [ʃ], dieser Laut ist <ś> in
Skt.), und <ś> in Toch. ist palatalisiertes /k/, das normalerweise [c] ist, aber <c> ist im
Toch. palatales /t/. Wahrscheinlich ist <ś> phonetisch [ɕ].
Für den Anusvāra benutze ich <ṃ> (auch /ṃ/), das in Toch. /n/ ist.
Für den Virāmastrich benutze ich <ˎ> nach dem letzten Akṣara wie im Skt. (z.B. म ्
<mˎ>, aber im Toch. kommt der Virāmastrich vor tief gesetztem Akṣara vor), und wenn
nach dem Virāmastrich ein Komma über tief gesetztem Akṣara vorkommt, benutze ich
<ʾˎ>.
Für das Akzentzeichen benutze ich <ˊ> über den betr. Vokal (in IPA <ʹ> vor
akzentuierten Silben).
Für phonetische Zeichen benutze ich "The International Phonetic Alphabet (IPA revised
to 1993)".
XLIII
Paläographische Untersuchungen zum B-Tocharischen
Das untersuchte Material beschränkt sich allein auf die in Editionen vorliegende
Teilmenge der sog. Berliner Handschriften, d.h. insgesamt 633 Handschriften der
Preußischen Turfanexpeditionen und andere Berliner Fragmente sowie Fragmente aus
anderen Sammlungen (Paris, London, St. Petersburg) allenfalls kursorisch zum Kontrast
herangezogen wurde; da die Berliner Sammlung bei weitem die umfangreichste ist,
können die Untersuchungen gleichwohl den Anspruch auf Allgemeingültigkeit für das BTocharischen erheben.
Sortierung unter Berücksichtigung des Duktus:
Zunächst sortiere ich die Hss. ohne Berücksichtigung der phonologischen, morphologischen und grammatischen Untersuchungen, sondern nur vom Duktus her gesehen. Bei
der Sortierung der Hss. benutze ich die alte Nummerierung nach den Fundorten.
Im Folgenden die Klassifizierung:
Klasse I:
<y‑> und <ñ> sind oben bzw. unten geöffnet. <Ṣ> und <Ś> sind in der Mitte geöffnet.
Der Virāmastrich ist die vom Verbindungsstrich in der Ligatur entwickelte horizontale
Linie. <e‑> ist ein schnörkelloses Dreieck. <o‑> ist oben nicht lang gezogen. <ai‑>
und <au‑> werden mit <e‑> bzw. <o‑> + Längezeichen geschrieben. <I> und <u>
wurden nach dem Virāmastrich konsonantisch benutzt. /10/ und /20/ wurden altertümlich
geschrieben (ähnlich wie "r" in L. Sanders Klassifikation).
I‑1 bezeichnet die Hss. mit Ligatur durch verbindenden senkrechten Strich; I‑2 bezeichnet die Hss. mit normaler Ligatur; I‑3 bezeichnet die Hss., die unpräzise geschrieben sind.
Klasse II:
Hss. mit normalem <ya> (dreiteilig); II‑1: <m> ist oben mit dünner Linie geschlossen.
<ñ> ist geöffnet. <ś> ist links separat geschrieben. <Ṣ> und <Ś> sind in der Mitte
geschlossen. Bei <ai-> und <au-> ist das "Längezeichen" nicht mehr erkennbar. /10/ ist
1
die schon tocharisierte Form. Das Virāmakomma kommt in dieser Periode vor; II‑2:
<y‑> ist dreiteilig. <ñ> ist mit einer Linie geschlossen. <ś> ist links stark gekrümmt
geschrieben. <l> ist dreiteilig. <Ṣ> und <Ś> sind in der Mitte stark geschlossen. <e‑>
ist oben ornamental. Die Form von <ai> und <au> hat sich weit vom Original entfernt.
/10/ weist eine tocharisierte Form auf; II‑3: <ñ> und <ś> sind in einer Linie
kontinuierlich geschrieben, wobei II‑2 und II‑3 die sog. Udl.A.16‑Gruppen sind.
Klasse III:
III‑1 umfaßt die kursiven Rechenschaftsberichte (α: unten eckiges <M>, β: unten
rundes <M>).
III‑2 umfaßt die unpräzisen Schreibungen.
Danach liste ich die Hss. innerhalb der einzelnen Gruppen auf (I‑1, I‑2, I‑3, II‑1, II‑2,
II‑3, III‑1a.b, III‑2) und im Anschluß teile ich meine paläographischen und linguistischen
Ergebnisse mit.
Abkürzungen der Herkunftsorte: MQ = Ming‑Öi von Qizil; MQR = Rotkuppelraum
der Ming‑Öi von Qizil; Qu = Qumtura; Ku = Kuča; Š = Šorčuq; S = Sängim; M =
Murtuq; T = Toyoq: D = Dakianus (Chotscho); TV = Turfaner Vorberge; X =
unbekannter Herkunft, möglicherweise aus Kuča; Y = YarXoto. Die Nummern in
Klammern sind die THT‑Nummern.
MQ:
1(295), 70.6(241): I‑3.
4(603): II‑2.
5.1(461), 5.2(462), 5.3(459), 5.4(471), 5.5(469): III‑1a.
17.1(575), 17.2(576), 17.3(574): II‑1.
17.4(588), 17.13(590), 17.14(567), 17.15(568), 17.16(569), 17.17(570): II‑1
16
Die Texte von Udānālaṅkāra‑Fragment und die Araṇemi‑Hss., die als standard betrachtet werden
können.
2
17.5(19, Udl.), 17.6(34), 17.7(35), 17.8(36), 17.9(37), 17.10(38), 17.11(39), 17.12(40),
17.24(243), 17.35(403), 17.36(402), 17.29(594), 17.30(595), M42.1(597): II‑2.
17.19(217), 17.20(218), 17.21(215), 17.22(219): II‑2.
17.26(362): II‑2.
17.27(248): I‑1.
17.31(410), 17.32(413), 17.33(414), 17.34(411): II‑2.
17.39(496), 17.40(463), 17.41(451), 17.42(452), 17.43(453), 17.44(485), 17.45(439): III‑1a.
18.1(238), 18.2(237): II‑3.
23.1(484), 23.2(493), 23.3(470): III‑1.
23.6(86, 96, 97, 98), M41.2(232), M41.3(233), M41.5(517): II‑1.
44.1(205): II‑3.
44.2(338), 44.3(339), 44.4(340), 44.5(341), 44.8(344), 49.1(545, 546): I‑2.
49.2(322), 49.3(321): I‑3/II‑1.
49.4(151), 49.5(149), 49.6(150), 49.7(152), 49.8(153), 49.9(155), 49.10(156), 49.11(158),
49.12+13(159), 49.14(160), 49.15(162), 49.16(163), 49.17(164), 49.18(165), 49.19(166),
49.20(167), 49.21(391), 49.22(392), 49.23(393): II‑1/2. (THT154 ist H., 157 ist Š)
54.1(240): II‑1/2.
70.1(148): I‑2. (verso ist II/III)
70.2(282), 70.3(212), 70.4(192): II‑2.
70.5(278), 73.3(431): III‑2.
70.7(273), 70.8(274), 70.9(275): I‑1.
70.10(510): II‑2. (unpräzise)
73.1(255), 73.2(284): II‑1.
73.4(334): I‑2.
73.5(552), 73.6(554), 73.7(555), 73.8(553), 73.9(556), 73.10(557): II‑3. (oben <c> artiges
<ka>)
119(600): II‑1.
143.3(441, 442, 443, 444), 143.4(464), 143.5(460), 143.6(465), 143.7(466), 143.8(472),
143.145(434), 163.1(440), 163.2(445), 163.3(468), 163.4(437), 163.5(446), 163.6(447),
163.7(454), 163.8(448), 163.9(455), 163.10(467), 163.11(474), 163.12(476), 163.13(477),
3
163.14(475),
163.15(435),
163.16(438),
163.17(473),
163.18(478),
163.19(479),
163.20(456),
163.21(480),
163.22(481),
163.23(449),
163.24(457),
163.25(482),
163.26(483), 163.27(487), 163.28(450), 163.29(489), 163.30(458): III‑1b.
179.1‑5(490): II‑1. (Holztafel)
155.1(584): III‑2 (rund).
160.1(244), 160.2(242): II‑2.
284(409), 149‑168(168): II‑1.
MQR:
1(571), 3(388), 6(389), 71(572), 73(390): II‑1.
2(587): I‑1.
4(220), 77(235) : II‑2.
5(249), 68(276), 69(277): III‑2 (eckig wie MQ278).
7+76(394), 394(395): I‑2.
8(121), 10(234), 11(519), 13(291), 22(127, 120, 117, 125, 126, 122, 124, 129, 130), 17(336),
23(128), 24(119), 25(118), 26(132), 27+28(123), 29(407), 30(246), 31(245), 74(221),
75(222), (220‑223): II‑1.
12(247), 53(207, eckiges <k>), 54(208), 55(209): II‑3.
14(224), 78(225), 79(226), 80(227): I‑2.
15(252), 81(254), 82(257), 83(258), 84(256), 85(253), 86(263), 87(260) ,89(259), 90(264),
91(262), 97(365): II‑1.
16(280, dünn, halbkursiv), 92(279): II‑2.
18(250, v. Khot.?), 20+94(604), 34(239), 62+63(283), 64(213), 65(214), 66(211), 67(210):
II‑2.
32(333), 33(335): I‑2.
35(133), 36(134), 37(139), 38(142), 39(143), 40+44(135), 41(136), 42(138), 43(137),
46+45(140), 47(145), 48(144), 49(141), 51(146): I‑2.
56(317, unpräzise), 57(320), 58(319), 59(314), 60(316), 61(315): II‑1.
4
70(285, präzise): II‑1.
98(350), 99(349), 101+100(351), 103(311): II‑3.
104(281): I‑3.
107(228, altes 10), 108(229): I‑2/II‑1.
D:
1(290), 4(530), 8(533), 9(534), 12(541): II‑1.
1(528), 3(529), 5(531), 6+1(527), 7(532), 10(535)?, 11(536)?, 13(537), 14(538): II‑2.
130(296): III‑2 (halbkursiv).
Ku:
1(601), 2(602): II‑1.
Qu:
(491Holz): II‑1.
1(359), 3(368), 4(398), 5(399), 7(352), 8(353), 9(354), 10(374): II‑1.
6(373): II‑2.
Die Anzahl der Hss. von Qumtra ist gering, ihre Schreibung ist, von den Texten auf Holz
abgesehen, einheitlich, nur die Schrift von 373 ist ein wenig runder.
S:
01(550), 19.16(401), 33(109), 67.2(289), 67.3(288), 67.6(429): II‑2.
02(526 unpräzise), 67.7(525), 82.3+76.2(524): II‑1.
04(184), 38.1(329), 46.1(326), 48.1(330), 49.1(327), 52.3(328), 57.1(331), 67.1(580),
73‑1(292), 73.2(581)?, 74.1(179), 76.1+70.1(178), 79.1(183), 79.2(180)?, 79.3(286),
84.1(287), 85.1(181), 85.2(182), 324‑331(332):II‑1.
19.4(586 kursiver): II‑1/2.
5
46.3(432): II‑1.
67.4(511 runder), 72.1(512), 511‑512(513): II‑2.
72.2(385), 82.1(384), 82.2(386), 384‑386(387): II‑2.
Š:
2.1(364), 18.1(337), 19.5(169), 19.6(10), 19.7(293), 33.3(380), 34.2(382), 34.3(381),
63.12(100 Ar.), 63.13(101), 63.14(76), 64(72), 64.15(89), 64.16+79.31+75.5(73),
64.17+64+64.18(95), 65.2(74), 66.3(559), 67(80), 69.42(4), 75.3(88), 75.4(79), 78.7(99),
79.30(78), 80.31(85), 90.8(83), 90.9(102), 91.25+91.26(91), 91.27(104), 91.28(82),
91.29+32.4(92), 92.51(32), 92.49(9), 92.50(7), 93.13(94), 93.14(90), 94+96(1), 94.21(103),
95.12(2), 96.14(523), 96.18(87)?, 97.6(105), 98.11+68.27(12), 100.1(558), 101(16)?,
101.17(77), 101.18(71), 101.19(84), 102(13), 102.6(81): II‑3.
2.2(506)?, 2.3(507), 2.4(508), 5.1(404), 5.2(596), 5.3(363), 13.1(310)?, 19.3(307),
27.2(306), 29.3(251), 29.4(589), 29.5(406), 30.1(366), 75.2(605), 80.30(606): II‑1.
29.6(563), 29.7(564), 29.8(565), 29.9(566), 64.13(560), 64.14(562), 67.16(561): II‑2.
32.1(157 grob): II‑1.
67.17(270), 68.32(585), 79.22(266), 83.7(271): II‑1.
63.11(49), 64.12(50), 65.1(51), 69.38+72.27(44), 69.40+90.4(46), 69.34(549, 3‑Hände),
69.43+69.41(522), 72.26(45), 90.6(48), 91.24(47), 92.55(521), 94(63): II‑2.
77.1(547 kursiver): II‑1.
68.31+94(18, kontrast), 79.27+Frgm.(22), 80.29(64), 92.54(65), 95.13+98(20), 95.14(26),
97Frgm.(68), 101+93(69), Frgm.(70): II‑1/2.
Grob gesehen sind die Hss. von Š einheintlich. II‑2 und II‑3 sind sich sehr ähnlich.
M:
114(428), 169.7(358), 169.8(357): II‑2(runder).
135.1(551), 169.15(348), 169.17(579): II‑1(präzise).
6
42.2(370), 135.4(424), 135.5(425), 135.6(423)?, 135.7(578)?, 135.8(422), 135.9(356),
135.10(599) 140.1(542), 140.3(372), 140.4(200), 143.4(170), 143.5(171), 143.6(172),
143.7(173), 143.8(174), 143.12(608), 143.13(598), 145.4(371), 145.5(376), 145.6(361),
145.7(418),
145.8(416),
145.9(412)?,
145.10(426)?,
145.11(355)?,
145.12(302)?,
146.2(189), 146.3(325), 146.5(415), 146.10(544), 146.11(430), 146.12(300)?, 146.13(301),
169.4(543), 169.5(592), 169.9(369), 169.11(377), 169.14(324), 169.16(417), 169.18(583),
169.19(379)?,
175.2(427),
175.4(419),
175.5(420),
175.6(299),
299‑302(303),
415‑420(421,M146?)?: II‑1.
143.3(196), 169.11(377)?: II‑1(präzise).
146(378), 146.4(346), 146.6(577), 146.7(347)?, 146.8(367), 146.9(582), 169.12(195): II‑3.
135.3(185), 145.2(190), 189‑190(191), 169.1(202), 169.2(187), 169.3(201), 169.6(186),
175.3(188): II‑1(kursiver).
169.10(193), 169.13(110): II‑2(präzise).
T:
1‑3(297): II‑1.
30(498)?: II‑1(präzise).
TV:
49(294): II‑1(halbkursiv).
X:
1(625): II‑1.
2(621), 3(630), 4(622)?, 5(623), 6(617), 7(618), 8(624), 9(609), 11(626), 13(610), 18(611)?,
19(627)?, 20(612), 21(628), 23(631), 24(619), 25(629), 26(632), 28(613), 29(614)?,
30(615), 31(616)?, 33(633):II‑2.
7
Die Hss. von X sind gleich (nur THT625 gehört zu II‑1, mit identischem Duktus), und
ganz ähnlich wie MQ49.4‑23 (THT151‑167). Es ist möglich, daß sie aus MQ stammen.
Y:
3.1(500), 3.2(501), 3.3(502): II‑2/3 (halbkursive).
Zusammenfassung der Klassifikation nach der THT‑Nr.:
I‑1: MQR587, MQ273‑5, 248.
I‑2: [MQ338‑41, 344], 545‑6, 148, MQR133‑146, 224‑7, 333‑5, 394‑5.
I‑3: MQ241, 295, MQR281.
I‑2/II‑1: MQR228‑9, 255.
I‑3/II‑1: MQ321‑2.
II‑1:
MQ: 86, 96‑8, 232‑3, 284, 409, 490(Holz), 567‑70, 574‑6, 588, 590, 600.
MQR: [117‑130, 132], [220‑223], 234, 245, 246, [252‑4, 256‑260, 262‑4], 280, 285, 291,
[314‑7, 319‑20], 336, 365, 388‑90, 407, 519, 571‑2.
Ku: 601‑2.
Qu: 352‑4, 359, 368, 374, 398‑9, 491(Holz).
S: 178, 286‑7, 330, 326‑331, 432, 524‑6.
D: 290, [530, 533‑4], 541.
Š: 157, 251, [266, 270‑1], 306‑7, 310?, 363, 366, 404, 406, 506‑8?, 547(kursiv), 585, 589, 596,
605, 606.
M: 170‑4, 185-8(eckig), 189, 190-1(eckig), 196, 200, 201-2(eckig), 299, 300‑303, 324‑325,
348, 355‑356, 361, 369, 370, 371, 372, 376‑7, 412, 415‑27, 430, 542‑4, 551, 578‑9, 592, 598,
599, 608.
T: 297, 498.
8
TV: 294 (kursiv).
X: 625.
II‑1/2:
MQ: [149‑153, 155‑6, 158‑168], 240, 391‑3.
S: 586 (kursiv).
Š: [18, 20, 22, 26, 64‑5, 68‑70].
X: 609‑624, 626‑633.
II‑2:
MQ:[19, 34‑40, 597], 192, 212, 282, [215, 217‑9], [242, 244], 243, [594‑5], 362, [402‑3], 413,
414, 510 (unpräzise), 603.
MQR: 210, [211, 213‑4], 235, 239, 250, 283, 604, [279‑80 halbkursiv].
Qu: 373.
S: [109, 288‑9, 401, 429, 550], [384‑7], [511‑3].
D: [527‑9, 531‑2, 535‑8].
Š: [44‑51, 63, 521‑3], [558‑62], [563‑6].
M: [110, 193], 357‑8, 428 rund.
II‑2/3:
Y: 500‑2.
II‑3:
MQ: [237‑8], 205, [552‑7].
MQR: [207‑9, 247], 311, [349‑51].
Š: [1, 2, 4, 7, 9, 10, 12, 13, 16?, 32], [71‑4, 76‑85, 87‑92, 94‑5, 99‑105], 169, 293, 337, 364,
380‑2.
M: 195, 346‑7, 367, 378‑9, 577, 582‑583,.
III‑1 (Rechenschaftsbericht in MQ‑Gebiet):
α: [459, 461‑2, 469, 471], [439, 451‑3, 463, 485, 496], [470, 484, 493].
9
β: 434‑49 (435 fehlt), 454‑8, 460, 464‑8, 472‑82.
III‑2:
MQ: [278, 431 eckig], [584 rund]; MQR: [249, 276‑7 eckig]; D: 296 (A.D.1178‑1255).
Bestandteile des B-toch. Phoneminventars
Aus dem Vergleich der Lesungen des B-Toch. ergeben sich folgende Phoneme, die
phonetisch nicht bestimmbar sind (vor allem /ś/ und /r/).
Konsonanten:
Bilabiale
Verschlußlaute
n-pal.
pal.
p
pʸ
Dentale
n.-pal.
ts
Frikative
s
m
Approximanten
w
mʸ
pal.
Alveolare
n.-pal.
pal.
t
Affrikaten
Nasale
Palatale
n
tsʸ
Velare
n.-pal.
pal.
k
kʸ
r
rʸ?
c
ṣ, ś
ñ
y
l
lʸ
Die mit -ʸ gezeigten Phoneme sind die jeweiligen palatalisierten Varianten, die inner-Btoch. Neuentwicklungen und möglicherweise phonetisch ko-artikuliert wurden. Die
Palatalisation ist eine wichtige Markierung der Opposition, z.B. Ps. vs. Ko./Pt. oder Nom.
vs. Obl.
Vokale:
Monophthonge: /ā, ä, i, u, e, o/
Diphthonge: /ā, e, o, a, ā, e, o, a/
/ā/ ist nicht unbedingt ein langer Vokal, der in frührer Periode mit <a> promiscue
geschrieben und später in betonter Stelle vorkam; /ä/ ist ein Mittelzungenvokal, und zwar
wegen gelegentlicher Tilgung von der offnen Silbe ein Schwa [ǝ].
10
Die Zeichen // und // werden statt /y, w/ in tautosyllabischen Positionen nach Vokalen
als Bestandteile von Diphthongen angewendet.
Symbole:
/ /: phonologische Interpretation; [ ]: phonetische Interpretation; < >: graphematische
Wiedergabe; ''•'': unlesbarer Akṣara; ''.'': unlesbarer Teil im Akṣara oder Ligatur; "ʾˎ":
Virāmakomma und -strich; "ː" und "‣" sind Interpunktionen.
Im Folgenden liefere ich:
a) eine paläographische Untersuchung der Akṣaras (inklusive Ligaturen, Zahlzeichen
und Interpunktionenszeichen) mit Kommentaren. Die jeweilige Hss.-Nunnern sind die
THT‑Nr. mit Fundorte.
b) eine linguistische Untersuchung.
I‑1:
MQR587:
a) Paläographische Untersuchung:
b3 <y> und <m> sind oben geöffnet. Die Ligatur geschieht mit senkrechtem Strich:
; b2 <ñ> ist geöffnet:
; a3 <ṢA> ist in der Mitte geöffnet:
; b3 <n> ist
links kurz und nach oben geneigt (<t> ist dagegen lang und nach unten geneigt wie
a4), <T> ist oben flach:
ben:
; b2 <ś> ist unten gekrümmt und kontinuierlich geschrie-
.
11
a6 <ka>,
b2 <śe>,
b3 <a‑> und
Frg.b1 <ai‑>: Diese Akṣaras sind
altertümlich (nach L. Sanders Tafel, Schrifttypus I; ca. 2.‑3. Jh. n. Chr. <ai‑> ist
Schrifttupus II; ca. 3.‑4. Jh. n. Chr.). Leider kann ich keine
14
C‑Prüfung dieser Hs.
durchführen lassen, weil auf ihr kein Rand vorhanden ist, aber vom Duktus her gesehen
ist diese Hs. m.E. die älteste. Trotz der Altertümlichkeit der "normalen Brāhmī" kommen
"Fremdzeichen" und "Trema" für den Vokal /‑ä/ schon in dieser Periode vor.
a4 <dñä>,
b7 <yä>,
b8 <ñä>,
b4 <cä>: Das Trema zeigt die
Vokalisierung des /ä/ für die selbständige "normale Brāhmī", die später für die mit
Virāma gekennzeichneten Akṣaras (nur Konsonant ohne Vokal) benutzt wurde.
b7 <MA> ist innen gekreuzt (späteres <NA>):
flach:
kann:
; a8 <SA> ist wie <TA> oben
; b2 <PA> ist oben nicht flach, damit man es vom <TA> unterscheiden
; Frg.b2 <ṢA> ist in der Mitte geöffnet:
unverandert:
a2 /9/,
; Frg.a1 <KA> bleibt
.
a8 /10/,
b1/7/,
b5 /22/: Diese Zahlzeichen sind altertümlich
(nach L. Sanders 1968, Tafel 40, Schrifttypus III). /10/ und /20/ sind wie 'r' in L. Sanders
Klassifikation.
Merkwürdigerweise finde ich keinen Virāma in dieser Hs. In der Transkription von
Sieg/Siegling (Thomas 1953, S. 370‑371) stehen <mˎ> (a8) und <[aiTA]Rˎ> (b3), aber
beide sind ganz fraglich.
Für <mˎ> (a8) fand der Schreiber unten keinen Platz und wegen der Beschädigung ist
es unmöglich, präzise zu lesen (Sieg/Sieglings Ergänzung ist auch nicht korrekt, besser
wäre <pau‑to‑lle‑(nts)e17 SA‑ñ(y)ma>18).
17
Im Gegensatz zum sicheren a6 <srukallentse>. Ich halte <ntse> für paläographisch wahrscheinlich.
12
<Rˎ> (b3) ist deutlich ein selbständiges <RA> (ohne Virāma). Wenn ein konsonantisch auslautendes Wort vorkommt, hat der Schreiber dieser Hs. Ligaturen oder
"Fremdzeichen" ohne Virāma benutzt, z.B. <newṢA> a3 für /newṣ/.
b) Linguistische Untersuchung:
1) Diphthonge:
<‑ew‑> (a1, a2, a3, a7, b3) ist für späteres /a/ geschrieben, und <cey> (b4) ist für
späteres /ca/ geschrieben. Wenn es sich bei <TSAlp.w> in b1 <TSAlp.w MAkte>19 um
<TSAlpow> handeln sollte, gibt es auch <ow> in dieser Hs. In den Wörtern <cai> a7,
<snai> Frg.a1, <aikne> Frg.b1 (nur in B-Toch.) und <pautolle> a8 erkennt man die
Diphthonge <‑ai> bzw. <‑au> als Phoneme, da in den Entsprechungen der Wörter in
A-Toch. Monophthongierung eintrat. Möglicherweise könnte <e> uridg. *o sein. */o/
→ /e/ → /a/ bzw. */o/ → /e/→ /a/ ist eine mögliche Entwickelung im Tocharischen.
2) Akzentregel, Vokallänge:
In dieser Hs. lassen sich keine Belege für die sog. Akzentregel finden, z.B. <pudñäkte>
a4, <okTAññe> a6, <TAnMAstRA> b7, <yärpo> b7.
Was den Wortauslaut betrifft, so wechseln sich in identischen Morphemen Grapheme für
Langvokale und die entspechenden Kürzen ab, vgl. z.B. Inf. <klyewṣtsī> a2 gegenüber
<(kā)katsi> b8; Perl. <yärkesā> a2, <///lymisā> b3, <[a]k(nā)tsaññesā> b4 gegenüber
<ymesa> b3, <karuṅsa> b6.
Oftmals kommt <a> statt <ā> vor, z.B. <akṣa> a3, <śamnants> a4, <ak[e]> a6,
<klyewṣare> a7, <prakre> a7, <cämpyare> b4, <plyakwa> b5, <akṣtRA> b5,
18
/sa añma/? Wegen der Beschädigung schwer zu lesen. Ein mit <SA> beginnendes Wort kann ich auch
nicht finden. Ich möchte es auf sich beruhen lassen.
19
<TSA> ist wegen der Beschädigung fraglich, Normalerweise sollte es <tSA> sein. An anderen Stellen
wird <ntsai> usw. geschrieben. Möglicherweise handelt es sich um ein verschriebenes <KA>, aber
vielleicht hat der Schreiber wegen des <SA> ("Fremdzeichen") <T> benutzt. Jedenfalls ist dieses Wort
ein auf /w/ ausgehendes PPt.
13
Diese Erscheinungen sind typisch für die früheren Hss. von MQ(R). Ich finde keinen
phonematischen Unterschied zwischen langen und kurzen Vokale in dieser Hs., nicht
einmal bei <a> und <ā>, die durch die Akzentregel entstandenen späteren Allophone
darstellen. Es ist möglich, daß sich Lang‑ und Kurzvokale nicht nur in der Quantität,
sondern auch in der Qualität (dem Öffnungsgrad) unterscheiden, wie z.B. im
Avestischen (vgl. Hoffmann/Forssman 1996, S.54). Sollte dies zu treffen, wären (abgesehen von der Quantität) <ī> ein e‑artiges /i/ ([ɪ]), <ū> ein o‑artiges /u/ ([ʋ]), und <ā>
ein o‑artiges /a/ ([ʌ] oder [ɔ]) in der Zeit vor dem Inkrafttreten der Akzentregel. Danach
sollte man <ā> als /ā/ und <a> als unbetontes /ā/ werten, da betontes /ä/ als <a>
geschrieben ist, d.h. <a> wäre ein Allophon (oder Allograph) von /ā/ und /ä/.
MQ273‑275:
a) Paläographische Untersuchung:
Dem Duktus und der Versnummerierung (MQ275 zeigt nur /8/ b6) nach zu urteilen sind
diese drei Hss. vom gleichen Schreiber geschrieben worden. Der Duktus ist altertümlich
wie in MQR587, aber der Virāmastrich ist vorhanden, der im Unterschied zum
senkrechten Bindestrich der Ligaturen horizontal geschrieben ist, wie
273a1 (Virāma) bzw.
<ceˎ>
273a4 (Bindestrich in der Ligatur). Wo der Virāmastrich
vorkommt, haben wir es mit Halbkonsonanten, einfachen "Fremdzeichen" oder mit
einem oder zwei "Fremdzeichen" in Ligatur zu tun (<Kˎ> 273a1, <Mˎ> 273a3, <sTˎ>
273a4,b1, <Sˎ> 273a5,b1, <ṅKˎ> 273b2, <Pˎ> 273b5, <nTSˎ> 274a1, <Ṣcˎ> 274b3,
<Ścˎ> 274b4, <mTˎ> 275a1), und nach dem Virāmastrich werden diese tiefer gesetzt.
Ausnahmsweise hat der Schreiber <ntsˎ>273b1 mit "normaler Brāhmī" geschrieben,
aber <ntsa> (mit <n>) ist nach dem Virāmastrich die gewöhnliche Schreibung. Es
kommen "Fremdzeichen" und "Trema auf Buchstaben der normalen Brāhmī" ohne
Virāmastrich vor (<ṣaiTA> 273b5, <c[e]nTSA> 274a4, <sāLA> 275a2, <nikrodhä>
14
275a2, <nauntaiñä> 275a3, <kṣaiñä> 275b1, <pesTA> 275b5 <tSAlpoṢA> 275b6).
Diese Erscheinungen erklären sich durch das Versmaß oder es liegt eine alte Schreibung
vor.
<ñ> von <ñyä>273a1 ist geöffnet, <‑y> ist in altertümlicher Art kursiv geschrieben
(nach L. Sanders Tafel, Schrifttypus I; ca. 2.‑3. Jh. n. Chr.):
<yyā>274b2 und
; <y> und <m> von
<rmeṃ> 273a3 sind oben geöffnet (nach L. Sanders Tafel,
Schrifttypus II; ca. 3.‑4. Jh. n. Chr.); Bei <ntyā>274b2 kann man <n> und <t> deutlich
voneinander unterscheiden, <n> ist nach links oben, <t> nach links unten gekippt, wie
in MQR587:
; 274a5 <śa> ist nach links gekrümmt:
273a1 <NA> und
.
273a1 <MA> differieren im oberen Teil;
273a2 <KA> ist wie MQR587:
; 274b4 <ŚA>
sind in der Mitte geöffnet; 273a5 <TA>
273a2 <PA> ist eckig:
und 273a4 <ṢA>
und 273a5 <SA>
sind oben flach;
.
273a1 <ā‑> und 274a4 <a‑> sind wie in MQR587, aber ohne Schleife unter der
senkrechten Haste:
bzw.
. Dies scheint mir eine ältere Schreibung zu sein; 273a1
<ˎ> ist als Halbkonsonant bei Diphthongen benutzt worden:
oben angesetzt und nach links begonnen:
nach oben gezogen:
; 274b2 <e‑> wird
; 273a2 <o‑> wird rechts nicht bis ganz
; 274b4 <ai‑> wird links nicht nach unten gezogen (nach L.
Sanders Tafel 17, Linie h, Schrifttypus II; ca. 3.‑4. Jh. n. Chr.):
. Dies scheint mir
<e‑> mit dem langen Zeichen (oben nach links gezogene Linie). Vor dem Zeitpunkt "h"
(L. Sander, Tafel 17) kommt kein selbständiges <ai‑> vor.
15
273a1 /25/,
273b5 /30/,
273a3 /26/,
273b1 /28/,
274a5 /36/,
273b3 /29/,
274b3 /38/,
274b5 /39/ und
275b6 /8/ sind die Versnummer. Nach den Nummern kann ich nicht feststellen, ob
THT275 direkt auf THT274 folgt, aber paläographisch und inhaltlich (Buddhastotra
oder Maitreya‑Geschichte?) gesehen sind diese Hss. (MQ273‑275) einheitlich, d.h. sie
stammen von ein und demselben Schreiber.
/8/ ist ähnlich wie "s", /5/, /6/ und /9/ wie "r", /20/ wie "q" und /30/ wie "r" in L. Sanders Tafel
40. Grob gesehen kann man alle diese Zahlzeichen mit "r" in L. Sanders Tafel 40
vergleichen.
b) Linguistische Untersuchung:
1) Diphthonge:
/a/ (inklusive <eɪˎ> und <ey>):
<ṣeɪˎ> 273b4, <meyyāsā> 274b2 (<eɪˎ>, <ey>);
<āllyaiKˎ> 273a1, <maistsi> 273a2, <ṣemaikne> 273a4, <pyāppyaisa> 273b5,
<ṣaiTA>
273b5,
<maittreyeṢcˎ>
<maitreyeṃ>
274b3,
274a3,
<cai>
<aiŚAmñeṣṣe>
274a3,
274b4,
<pyappyain>
<pantaintsā>
274a6,
274b4,
<maittreyeṃŚcˎ> 274b4, <maiwa>274b6, <śaiṣṣenne> 274b6, <naittāre> 274b6,
<snai>
275a1,
<pyāppyaiñ>
275a2,
<yaitoṣ>
275a3,
<kṣaiñä>
275b1,
<sai[NA]ntRA> 275b2, <aiṃñ cai> 275b4, <wärññai> 275b5.
In diesen Hss. kommt <meyyāsā> 274b2 als einziger Beleg für <ey> statt /a/ vor, was
eine altertümliche Schreibung ist. Die Schreibung
von <ṣe‑ɪˎ> 273b4 kommt
ausschließlich in diesen Hss. vor (sonst wird <ṣey> geschrieben), und zwar meistens für
bestimmte Formen, nämlich Optative oder Imperfekte. Ich nehme an, daß dieses
Zeichen ein eigenes Morphem darstellt. Es ist denkbar, daß es sich hier um den
Fortsetzer von idg. *ih₁ (Suffix für Opt.) handelt. Wenn das zutrifft, ist der toch. Impf.
wie in indoarischen Sprachen (Gotō 2000, S. 268, Fnt. 37). ein Fortsetzer des Opt. Dieses
16
Zeichen war /ī-/ im Indischen, aber im Toch. ein Konsonant nach dem Virāmastrich
(<I> ist meine Notierung für dieses Graphem, wenn es am Wortanfang steht. <ɪ> ist
das nach Virāma geschriebene konsonantische Zeichen). In Sieg/Siegling schwankt die
Transkription (<ˎ> und <īˎ>). Dieses Zeichen erörtere ich unten eingehend.
/a/ (inklusive <eˎ> und <ew>):
<nauntaiñä> 275a3, <śauwlo> 275b4 (<au>);
<ceˎ> 273a1, <krenteˎnāsa> 273a4, <sneˎki> 273b4, <etreˎññai> 274b2,
<keˎmeṃ> 275a1, <katkeˎwñś> 275b2, <ālyeˎcemeṃ> 275b5.
Die Belege von <nauntai‑> sind Š33b3, MQR 213a1, MQR 234a3, MQR 394b3, X612a5.
Sie sind alle jüngeren Schreibungen (m.E. I-3/II-1). Ich halte das /a/ in diesem Wort für
ursprünglich.
394b3, X612a5. Sie sind alle jüngeren Schreibungen (m.E. I-3/II-1). Ich halte das /a/ in
diesem Wort für ursprünglich.
394b3, X612a5. Sie sind alle jüngeren Schreibungen (m.E. I-3/II-1). Ich halte das /a/ in
diesem Wort für ursprünglich.
/śaul/ ist sehr schwer zu beurteilen 20 , wenn man die Wurzel √śau‑ mit dem
Urindogermanischen *gweh₃ oder ähnliches zu verknüpfen versucht.
Vielleicht ist /ś/ palatales /k/ (← *?), oder * konnte zu /ś/ werden, aber kann toch.
<au> aus *eh₃ stammen? Problematisch ist auch das Nebeneinander der Wurzeln /śa/
und /śa/ in B-Toch. Es ist möglich, daß diese Wurzel nicht direkt aus den Idg. stammt,
sondern über eine von einer Kontaktsprache beeinflußte Zwischenstufe, aber ich kann
diese nicht bestimmen.
<śeul> oder <śoul> kommt überhaupt nicht vor. Daher halte ich <au> für toch. /a/.
Außer <nauntaiñä> 275a3 und <śauwlo> 275b4 kommt in diesen Hss. zumeist die
Schreibung mit <eˎ> vor. Dagegen überwiegen im Falle von <ṣeɪˎ> 273b4 und
20
Vgl. Pinault 1989, p. 53‑54; Jasanoff 1998, Mir Curad S. 314; Adams 1999, p. 627‑628; Ringe 2000 TIES 9
p. 125; LIV 1998, S. 192.
17
<meyyāsā> 274b2 die Schreibungen mit <ai>, d.h. die i‑haltigen Diphthonge sind sehr
früh <ai> (/a/) geworden, während sich die u‑haltigen Diphthonge <eˎ> und <oˎ>
bis in die spätere Zeit erhalten haben. Diese Tendenz ist auch bei MQR587 bemerkbar.
2) Akzentregel:
In dieser Hss.‑Gruppe kann man die sog. Akzentregel nicht belegen, z.B. <yäkne>
<riNAskentRA> <MAnTAk> 273a1, <eNAṣṣeñcai> 273a2, <sTAmoṃ> 274a2,
<śamnā> 274a3, <ysältsa> 275b5, usw. Diese Schreibungen entsprechen genau denen
in MQR587.
3)Vokallänge:
<ā>:
Die Herkunft des /ā/ ist inklusive Lautwert schwer zu entscheiden. Möglicherweise ist
toch. /ā/ aus uridg. *ā oder *h₂.
<mā> (aber <ma> 273a2), <ākeṃ>, <āllyaiKˎ> 273a1 (aber <allek> 273b4),
<rām> 273a2, <yāmtsi>, <tkā>, <rā>, <pwārmeṃ>, <māka> 273a3 (aber <mākā>
273b3), <TSAṅkāstā> (aber <TSAṅkoṢAṃ>), <krenteˎnāsa> 273a4, <yāmoṣ>,
<tallāñiś[k]aṃ>, <pāTAR>, <māTAR> 273a5, <kleŚAnmāṣṣeṃ> <sāNAntsˎ>
<śwātsi>
273b1,
<erepāte>,
<tsātsaikarnne>,
<tsāṅkaṃ>,
<wā>
273b2,
<TSAṅkālle> 273b4, <ynāñMA> 273b4, <pyāppyaisa> (aber <pyappyain> 274a6),
<māpi>
273b5,
<wñāwa>,
<[ŚA]mtsisā>,
<papāṣṣorñe>
274a1
(aber
<papaṣṣorññesa>, <stāna> 274a2, <yāMAṃ>, <eynāke>, <śamnā> 274a3 (aber
<śānmā> 274b4), <tākaṃ> 274a4, <aknātsaññesā>, <lāñco>, <TAṅksā> 274a5,
<twāṢṢAṃ>, <ysāṣṣāna>, <lkātsi>, <yātaṃ>, <yänmāts[ī]>, 274b1, <meyyāsā>
274b2, <yayātāṢAṃ> 274b3, <āyorṣṣe> <pantaintsā> 274b4, <saṃsārṣṣe>,
<śāripu[tr]i> 274b5, <kodyänmā>, <sumerntā> <naittāre> 274b6, <ñyäkcyāna>
275a1, <tilāk>, <eKṢAlyṣāna> 275a2, <wīnāmā(ññi)> 275a4, <ersnāssoñc> 275b3,
<PAlskontāmeṃ> 275b6.
18
<ī>:
<cī> 273a5, <rīntsāmte> 273a5, <rīne> 273b1, <sneˎkī> 273b4, <wäntreśśī> 274a4
<wīnāmā(ññi)> 275a4.
<ū>:
<pūdñäkteṃnpā> 273a4, <sū> 274b1,
Ich sehe keinen phonologischen Unterschied zwischen Kurz‑ und Langvokalen in dieser
Gruppe, doch findet sich manchmal <ā> für /ā/, z.B. Perl. <‑sā>, Pl.‑Markierung
<‑ntā> und <‑nmā>; <tsāk‑>, <tāk‑> usw. (/ā/ ist eine phonologische Bezeichnung,
die nicht unbedingt einen langen Vokal signalisiert).
Interessant ist <TSAṅkāstā> vs. <TSAṅkoṢAṃ> (PPt. Obl.Pl.m.). Ich nehme nicht an,
daß dieses <ā> mit ā‑Umlaut (vgl. <‑stā>) aus <o> entstanden ist. Das /o/ für PPt. ist
schon verallgemeinert.
Es kommen in dieser Hs. einige Skt.-Wörter vor: <kleŚAnmāṣṣeṃ> 273b1,
<saṃsārṣṣe>, <kodyänmā>, <sumerntā> 274b6, <tilāk> 275a2. Alle zeigen wie die
Skt.-Wörter anderer Hss. die Apokope, deren Ursache ich nicht feststellen kann
(Entlehnung aus A-Toch. ist aus chronologischen Gründen nicht möglich). Vielleicht hat
man zunächst die skt. Muster getreu kopiert und danach innerhalb des Toch. mit
Apokope und einem toch. Zusatz umgestaltet. Bailey hat darauf hingewiesen (vgl. Opera
Minora Vol. 2, Gandhārī p. 318), daß im Gāndhārī /‑a/ und /‑a‑/ in der zweiten oder
dritten Silbe von Skt.-Wörtern schwinden, /‑ā/ hingegen bewahrt bleibt. Dieses Problem
ist vermutlich nur durch den Vergleich mit anderen Sprachen, z.B. dem Prākrit oder dem
Iranischen zu lösen.
Die Herkunft des <ā> ist noch nicht klar. Eine mögliche Quelle ist ein Laryngal, dessen
Färbung ich nicht bestimmen kann. B-Toch. <pāTAR> Obl.Sg. *ph₂t (<pācer>
Nom.Sg. *ph₂tēr) paßt abgesehen vom Akzent gut. Das /ā/ in Ps./Ko.V kann aus Verben,
denen eine seṭ-Wurzel zugrunde liegt, stammen. Ein geeigneteres Muster für die
analogische Ausbreitung läßt sich indessen nicht ausmachen. Die Behandlung des
Problems der Genese dieses <ā> und anderer <ā> (z.B. Pt. I) würde den Rahmen der
vorliegenden Arbeit sprengen.
19
4) Schwa:
Die Herkunft des /ä/ ist wie /ā/ schwer zu scheiden. Phonologisch gesehen sind uridg. *,
* und * möglich, aber ich kann diese Möglichkeit nicht immer mit Sicherheit
entscheiden, weil ich die entsprechende Wörter in Uridg. jedenfalls nicht finden kann.
Bei der Realisation ist toch. /ä/ als Anteil der *, *, * und * (z.B. <äm> für *)
denkbar. Ergebnisse der Anaptyxse sind auch immerhin möglich. Ich möchte in meiner
Untersuchung unten die Möglichkeiten erörtern.
Wegen des Fehlens einer Akzentregel in diesen Hss. läßt sich das Schwa gut erkennen.
Der Schreiber benutzte /ä/ entweder mit Fremdzeichen oder mit Trema über normalem
Zeichen, wenn es kein Fremdzeichen gab. Es ist trotz der eingehenden Untersuchung
von J. N. Reuter21 ungeklärt, warum die Fremdzeichen <KA, TA, NA, PA, MA, RA, LA,
ŚA, ṢA, SA> entstanden und woher das Trema bei <ca, ña, ya, wa> kam. Das Trema
war außerhalb des Toch. nur im Khotanischen üblich, das als Quelle für das
Tremasystem in Betracht kommen könnte. Ich nehme aber an, daß die "Fremdzeichen"
und das Tremasystem toch. Erfindungen sind, aber warum gab es keine Fremdzeichen
bei <ca, ña, ya, wa>?
<wa> hat kein entsprechendes Zeichen im Indischen, das sonst die Quelle für die toch.
Zeichen ist, folglich ist es wie die Fremdzeichen eine Neuschöpfung im Toch.
<ya> hat zwei Varianten, nämlich <y‑> und <‑y>, die dieselbe Herkunft haben und
sich im Toch. stark entwickelt haben. Ich halte deswegen <ya> für eine toch.
Neubildung.
Als die Tocharer die Brāhmīschrift übernahmen, wurde <ña> durchgehend nur als Teil
einer Ligatur, meistens <ñca>, benutzt. Hier nehme ich ebenfalls eine Erfindung des
Toch. an.
Ein Problem ist <ca>, das von Beginn der Handschriftenüberlieferung an selbständig
und fast unverändert benutzt wurde. Ist <ca> eine Neubildung zu <ña>?
Wenn diese Zeichen <ca>, <ña>, <ya> und <wa> im Toch. eine Neuerung sein
sollten, könnte man ihre Ursache im Phoneminventar im Toch. sehen. Die indischen
21
Vgl. Studia Orientalia I, 1925 Helsinki, S. 194 ff. Den Grund für die Entstehung der Fremdzeichen sah er
in der "Mouillierung".
20
Zeichen waren für das toch. Phonemsystem nicht geeignet und es war nötig, neue
Zeichen zu schaffen, eben diese "Fremdzeichen".
Eine andere Möglichkeit ist, daß "Fremdzeichen" für Palatale nicht nötig waren, aber von
<wa>, <ṢA> und <ŚA> her gesehen ist diese Hypothese nicht ganz zutreffend.
MQ248:
Der Duktus ist sehr ähnlich wie in MQ273‑5, und MQR587. Die Größe dieser Hs. ist
gering, und sie ist dreizeilig geschrieben. Der Inhalt und die Bedeutung einiger Wörter
sind schwer zu bestimmen, obwohl die Schrift lesbar ist, z.B. <svalwainsa> a1, <aron
vo> b1, <netka> b3. Ich vermute, daß diese Hs. ein Magietext ist, und die Termini uns
unverständlich sind.
a) Paläographische Untersuchung:
Der Virāmastrich ist senkrecht gezogen (<ceˎ> a1, <weñeˎ> a2). Bei <cämpimcä>
b2 und <pelkiñä> b3 hat der Schreiber nicht den Virāmastrich geschrieben. Der Grund
für <‑ñä> ohne Virāma von <pelkiñä> ist wie in MQ273‑5 im Metrum zu suchen.
<‑cä> von <cämpimcä> ist das Enklitikon 'dir', das in Ligatur steht.
<‑ɪˎ> kommt vor, aber die senkrechte Haste ist unten gekrümmt
, wie in MQR587
(aber nicht in MQ273). Vielleicht sind MQ273‑5 älter als MQ248 (oder das Muster ist
älter), aber von der Paläographie her betrachte ich grundsätzlich alle Hss. als aus der
gleichen Periode (I‑1) stammend.
b) Linguistische Untersuchung:
1) Diphthonge:
Der alte <eˎ> in <ceˎ> a1, <eˎrtsñesa> <weñeˎ> a2, und der neue <au> in
<krentauna> b3 (vgl. aber <krentewna> a2) werden für /a/ geschrieben, entsprechend
21
<ey> in <meyyā> a1 und <ai> in <aiŚAmñesā> b2 für /a/. <oy> ist im Falle von
<takoy> und <koɪˎntsa> geschrieben. Die Schreibungen <krentauna> b3 und
<krentewna> a2 deuten darauf hin, daß die Veränderung des Diphthongs schon in
dieser Periode begann, falls diese Hs. nicht eine Kopie ist. Ich ziehe die letztgenannte
Möglichkeit vor, da kolloquiale (z.B. <kostai> a1 für <kos snai>) oder ungenaue (z.B.
<netka> b3 für <nerke>? Thomas 1953 S. 149 Fnt. 24 <netke>) Schreibungen
erkennbar sind.
2) Akzentregel, Vokallänge:
Bei dieser Hs. gibt es keine Akzentregel, und das Schwa ist gut zu erkennen
(<tSArKAlyñesa>, <PALKṢAṃ>, <MAnt> a1, usw.), und es ist kein phonologischer
Unterschied zwischen Kurz‑ und Langvokal auszumachen (z.B. Perl. <‑sa> passim und
<‑sā> b2). Diese Erscheinung liegt auch in MQR587 und MQ273‑5 vor, und möglicherweise ist eine Tendenz <‑sā> → <‑sa> zu konstatieren.
Man sieht eine Synkope des /ä/ bei <ñeñmu> 248a2 (PPt. von √näm‑). Daher könnte
man diese Hs. phonologisch für jünger als MQ273‑5 halten oder eher eine kolloquiale
Schreibung annehmen.
Zusammenfassung der Kategorie I‑1:
Paläographisch gesehen sind alle fünf Hss. im wesentlichen gleich (von der Krümmung
unten an der senkrechten Haste abgesehen), aber phonologisch betrachtet gibt es einen
kleinen Unterschied. Vermutlich resultiert dieser Unterschied aus der unterschiedlichen
Sorgfalt der Schreiber. Bei MQR587 und MQ273‑5 hat der Schreiber mit Versnummer
geschrieben, aber bei MQ248 hat der Schreiber von /3/ b2 abgesehen vergessen, die
Nummern zu vermerken, und er hat umgangsprachlich (mit Apokope und Assimilation)
geschrieben. Möglicherweise ist MQ248 eine Kopie.
Die Merkmale für diese älteste Gruppe sind folgende (Beispiele aus MQ248):
a) Paläographisch:
22
<ña> und
<ya> sind mitten bzw. oben geöffnet.
<ṢA> und
<ŚA> sind in der Mitte geöffnet.
<ɪˎ> ist vorhanden, aber nur nach dem Virāmastrich. Diesem Zeichen entspricht
im Skt. /ī-/, und es kommt nur in L. Sanders Spalten 'h' und 'q' (Tafel 11 bzw. 31, 'u' ist
falsch eingesetzt) vor, und paläographisch gesehen ist <I> in diesen Hss. wie das von 'h'
(Schrifttyp II; ca. 4.‑5. Jh. n. Chr.) geschrieben. Der 14C‑Prüfung für ältere Hss. zufolge
paßt die Datierung als 4.‑5. Jh. n. Chr. gut.
Der Bindestrich in der Ligatur ist senkrecht, der Virāmastrich horizontal.
b) Linguistisch:
Für /a/ und /a/ schrieb man alte <eɪˎ> (oder <ey>) und <eˎ> (oder <ew>), nicht
nur am Wortende, sondern auch in der Wortmitte, wenn der nächste Akṣara in der
großen Ligatur geschrieben ist.
Die Akzentregel ist nicht vorhanden und man schrieb <ä> für /ä/, <ā, a> für /ā/.
Einen phonologischen Unterschied zwischen Kurz‑ und Langvokal gibt es nicht.
I‑2:
MQ338‑341, 344 (342‑3 nicht vorhanden):
a) Paläographische Untersuchung:
In 338a1 <yo> ist links die Schleife, die ursprünglich nur klein war, in der Mitte etwas
lang und rechts oben mit einem kleinen Dach versehen:
; 338b4 <ñˎ> ist geöffnet
wie I‑1. Der Virāmastrich ist schräg, nicht wie in I‑1 (horizontale Linie):
<ma> ist oben geöffnet wie in I‑1:
; bei 338a1 <ne>
; 338b6
und 338a3 <ta>
kann man einen Unterschied erkennen (<ta> ist links unten verlängert und noch nach
23
rechts gezogen); 338a2 <śa> ist links gekrümmt, und es kann separat geschrieben sein:
.
338b5 <TṢA> Der Bindestrich ist kaum erkennbar (bei I‑1 senkrecht gezogen). <TA>
ist oben flach wie in I‑1. <ṢA> ist in der Mitte fast geschlossen oder noch ein wenig
geöffnet:
, wie 338a4
338b3 <MA>
.
und 338a2 <NA>
sind, wie in I‑1, als unterschiedlich
erkennbar (oben eckig vs. flach). Später ist das Kreuz innen für <NA>, und bei <MA>
ist nur eine horizontale Linie übrig geblieben. Bei 341a4 <MA> sieht man in der Mitte
kein Kreuz, sondern zwei Striche. Der Schreiber hat zuerst das schmale Viereck, in dem
kein Platz für das Kreuz ist, geschrieben und danach zwei parallele Striche. Das hat aber
paläographisch nichts zu bedeuten:
.
338b5 <nˎ> Der Virāmastrich ist, wie später, schräg geschrieben. Die normale
Schreibung ist <miwäṃ> mit Anusvāra, aber der Schreiber hat des <wä> wegen <‑nˎ>
geschrieben, weil drei Punkte oben für ihn ungewöhnlich waren. Es kommt kein Komma
oder Trema über dem Akṣara vor, der nach dem Virāmastrich unten gesetzt ist:
338b6 <ɪˎ> ist vorhanden:
.
. 338a4 <i‑> ist wie drei Anusvāra‑Punkte geschrieben,
nicht wie späteres <i‑> mit den nach rechts geöffneten Halbmonden. Dieses
altertümliche <i‑> ist nach L. Sanders Tafel der Schrifttypus II, ca. 3.‑ 4. Jh. n. Chr.:
; 338a2 <a‑> ist nicht altertümlich und schon tocharisiert:
kommt nicht als selbständiges <u‑> vor:
; 338a3 <ˎ>
; 338a5 <e‑> ist normal:
<o‑> ist oben gekrümmt und nach links gezogen:
; 340a1
; 341b4 <ai‑> ist auch oben
gekrümmt und nach unten gezogen. Diese Art ist in I‑1 nicht erkennbar, aber in späteren
Hss. ganz gewöhnlich:
(Haken rechts):
. 340a7 <au‑> ist das alte <o‑> mit dem langen Zeichen
.
24
Es scheint mir, dass <au‑> aus der ersten Phase stammt, aber <ai‑> ist schon eine
entwickelte Form (mit gebogener Oberlinie). Dieser Unterschied zwischen <ai‑> und
<au‑> reflektiert einen linguistischen Unterschied (/a/ veränderte sich schneller als /a/)
In dieser Gruppe ist die Blattnummer nicht vorhanden, denn die linke Seite ist verwischt.
Die Versnummern sind folgende:
339a6 /16/,
338b4 /61/,
339a7 /17/,
339a4 /4/,
339b2 /19/,
339a5 /15/,
339b5 /22/,
339b6 /23/. Im Vergeich mit I‑1 kann man hier schon eine Tocharisierung sehen, vor
allem sind /10/ und /20/ eine Stufe zwischen der alten und der späteren Form. In
MQR587 ist die linke Seite von /10/ viereckig, aber hier oben geöffnet und mit einem
Strich links in der Mitte, der ein Rest der oberen Linie des Vierecks ist. Der untere Teil
von /20/ ist nicht spitz wie in MQR587, sondern <SA>‑artig (oben rund).
b) Linguistische Untersuchung:
1) Diphthonge:
‑haltige Diphthonge:
<stāmais> 338b7, <yästaiy> 338b7, <wṣeññai> 339a5, <śaiṣṣe> 339b2, 340a2, <ṣai>
339b3, <RAksāmai> 339b6, <pelaiknemeṃ> 340a4, <aiśaumyī> 341b4, <aikne>
341b5.
In diesen Hss. kommt kein <ey> vor. Paläographisch gesehen ist, wie oben erwähnt,
<ai> in dieser Gruppe schon eine aus <ey> bzw. <eɪˎ> entwickelte Form, d.h. parallel
zur phonologischen Entwicklung.
<tākoɪˎ> 338b5, 340a1, <soɪˎ> 338b6.
<oɪˎ> ist gut bewahrt. Dieses <ɪˎ> wurde später <yˎ>, aber <o> ist durchgehend
bewahrt. <ɪˎ> von <tākoɪˎ> ist m.E. ein Morphem für den Optativ /i/. Die Konj.Markierung /ā/ + /i/ war sehr früh (vielleicht von urtoch. Zeit an) als /oy/ verallgemeinert,
da <ai> für Opt. niemals vorkommt.
25
Die genauen lautgeschichtlichen Verhältnisse bei der Etymologie von /soy/ 'Sohn' sind
trotz des Versuchs von Adams (1999, pp. 703‑4.) ungeklärt. Die Form <oɪˎ> bzw. <oy>
für /oy/ ist von Anfang an belegbar.
-haltige Diphthonge:
<sāˎ> 338a3.
<ceˎ> 338a7,b6, 339a1, 339b7, 340a7, 341a7, <neseˎ> 339a3.
<mewya> 338a3.
<KAtkowwa> 338b3.
<āˎ>, <eˎ>, <ew> und <ow> sind im Gegensatz zu den ‑haltigen Diphthongen
noch gut bewahrt, d.h. nicht schnell zu /a/ entwickelt. <ā> und <e> sind für /ā/ bzw. /e/,
aber <ow> von <KAtkowwa> sollte /āw/ sein (Belege sind <KAtkow> H 149,036a3
und hier), da diese Verbform ein Pt.I (Markierung /ā/) ist. Vielleicht wurde /āw/ in PPt.
sehr früh zu <ow> und später zu <au>. Wegen der geringen Anzahl der Belege kann
ich den Grund dafür nicht feststellen. Eine Möglichkeit ist eine Labialisierung des /w/.
Die Schreibung <ew> in <mewya> 'Tigerin' findet sich auch an anderer Stelle
(<mewīyañˎ> IOL.Toch 195r6). <meˎya> oder <mauya> ist nicht zu belegen, d.h.
es liegt eine Synkope des /i/ vor, mithin handelt es sich um keinen Diphthong.
<naumyeṣṣān> 338a1, <au‑///> 340a7, <śau[mo]> 341a6, <gautamī> 344Frgm.2a:
<naumye> war bei I‑1 als <newmye> MQ587a1 geschrieben. Hier sehe ich schon eine
entwickelte Form.
<śaumo> habe ich oben erwähnt. <au> betrachte ich als Graphem für ein
ursprüngliches Phonem /a/.
<gautamī> ist ein Lehnwort aus dem Indischen, und der Schreiber hat genau wie der
des Originals geschrieben.
2) Akzentregel, Vokallänge:
<ä>:
26
<TAṅwsa> <akaśäṣṣi> <keNAṣṣi> 338a2, <wärKṢAltsa> <RAṅka> <ṢAle>
<yäsTˎ> 338a4, <PAlsko> 338a5, <ñäkti> 338b2, <pikwäla> 338b3, <ṣKAs yäkne>
338b4, <ṢArmtsa> 338b5, <MAnt> 339a2, <ñäŚ> 339a3, <TAṅwäṣṣe> 339b4,
<ṢAPˎ> 339b5, <MALṢAlle> 341a1, <LAkle> <ñäktā> <KArtse> 341a7,
<wäntre> 341b3.
<ä> für /ä/ ist gut bewahrt, weil es keine Akzentregel in diesen Hss. gibt.
Ein <ä> (und <A>) ist bei <akaśäṣṣi>, <keNAṣṣi> und <TAṅwäṣṣe> zu erkennen.
Zur Deutung dieses <ä> sehe ich folgende Möglichkeiten: 1) Vermeidung großer
Ligaturen, 2) /ǝ/‑Anaptyxe. Ich kann keine von ihnen als zwingend erweisen, aber ich
halte 2) für wahrscheinlicher, weil ein Akṣara mit drei Buchstaben nicht zu groß ist.
Im Falle von <ṢAPˎ> ist es schwer zu beurteilen, ob /ṣäp/ oder /ṣpä/ ursprünglich ist.
Wenn diese Hs. älter sein sollte, wäre /ṣäp/ die ältere Form. Eine andere Möglichkeit ist,
daß das Wort eigentlich /ṣp/ war, und ein <ä> anaptyktisch oder hinzugefügt war.
Bei <TAṅwsa> und <MALṢAlle> läßt sich Synkope eines /k/ annehmen, die
phonetisch zu erklären ist. Das passierte zuweilen bei kolloquialer Schreibung und ist
kein Indiz für eine spätere Schreibung.
<ā>:
<tākoyceRˎ> 338a5,<kloyomāne> 338b6, <wärKṢAltsā> 338b7, <PAlskā> 339a2,
<tākāṃ>, <mā> 339a7, <slemesā> 339b4, <atyaṃpā> 340a3, <pilkosā> 340b2,
<rā> 340b7, <tsyālpāte> 341a2, <weñā> 341a4, <empreṃntsā> 341a7, <mākā>
341b1, <rāno> 341b5, <[ś]āklāṣkāñˎ> <kektsentsā> 344Frgm.1b, <lyāmastā>
344Frgm.6.
<ā> für /ā/ ist gut bewahrt, z.B. Perl. /‑sā/, d.h. keine Akzentregel, wie oben bei <ä>.
Merkwürdig ist <kloyomāne>, das Ps.IV ist. In dieser Gruppe I‑2 sind <o> und <ā>
distinkt, d.h. es handelt sich um zwei Phoneme /o/ und /ā/. Der Stammvokal <o> kommt
nur im Ps.IV vor, sonst steht überall <ā> wie der Wurzelvokal. Wenn der Vokal <o>
des Ps. aus /ā/ kommt, ist das plausibel, aber warum nur beim Ps.IV? Denkbar sind: 1)
27
eine Fernassimilation vom stammbildenden /o/, 2) eine Fernassimilation in umgekehrter
Richtung, wenn auch die Klasse IV ursprünglich einen Stammausgang /ā/ hatte.
Ad 1): Trotz vielen Versuchen22 halte ich die Deutung des Stammausgang /o/ als
Morphem eines "Stativs" oder "Essivs" für keine gute Lösung. Wenn damit auch <o> als
Suffix gut erklärt sein sollte, bleibt es doch fraglich, ob der Wurzelvokal <ā> vom
Themavokal /o/ affiziert werden konnte, da <ā> ein stabiles toch. Phonem ist.
Ad 2): Denkbar ist, daß es sich bei den Ps.-Klassen III und IV ursprünglich um ein und
dieselbe Klasse handelte. Wenn das Suffix von Ps.III <e> aus urtoch. *æ (uridg. *ŏ)
stammen sollte, kann das Suffix *æ zu urtoch. Zeit von einem Wurzelvokal /o/ affiziert
worden sein (o‑Umlaut zu *æ), und diese Verben mit wurzelhaften /o/ haben die Ps.Klasse IV entstehen lassen. Der Wurzelvokal /o/ ließe sich als das /o/ des idg. Perfekt
deuten, aber dieses Problem möchte ich vorläufig auf sich beruhen lassen. Jedenfalls ist
/o/ im Stamm die Markierung für Ps.IV.
<ū>:
<sū> (<su> 344Frgm.1a) 339a2, <pūwār> 339b7, <pūdñä(kte)> 341a4, <tūsā>
341b3, <tū> 344Frgm.1a.
Ein phonologischer Unterschied zwischen <ū> und <u>, z.B. <sū> und <su> läßt
sich in diesen Hss. nicht feststellen. Bei den metrischen Texten dieser Gruppe hilft auch
das Versmaß nicht weiter, weil es im Toch. auf der Silbenzählung beruht.
Im Falle von <pūdñäkte> könnte die Länge prinzipiell in der Betonung des
Vordergliedes seine Ursache haben (/púd/ aus skt. /buddha/), aber die Akzentregel wirkt
in diesen Hss. nicht. Bei diesem Wort werte ich <ū> für /u/. Eine weitere
Erklärungsmöglichkeit ist, daß <u> in einer frühen Periode noch kein Phonem war, und
<ū> sich erst mit der Zunahme der indischen Lehnwörter in toch. System etablierte.
<ī>:
<cpī>, <trīkā> 339a4,<Ike> 339b3, <yāmtsī>, <pī>, <akṣīt>, <ñī> 341a7,
<lekīne> 341b6, <gautamī> 344Frgm.2a.
22
Vgl. Jasanoff 1978, p. 35.ff; Jasanoff 2002/2003, Die Sprache, S. 140‑141 (mit Argumenten von anderen
Verfassern); LIV, S. 25 (8. Essiv), S. 229‑230 (*h2eh1s1).
28
Wie im Falle von <ū> und <u> finde ich auch zwischen <ī> und <i> keinen
Unterschied. Merkwürdig ist <Ike> 339b3. Dieses <I> kommt normalerweise nach
Virāmastrich als konsonantisches <ɪˎ> vor. Das skt. Original hat /ī‑/, aber hier hat der
Schreiber, der keinen Unterschied zwischen Kurz‑ und Langvokalen kannte, dieses
Zeichen für /i-/ benutzt. <‑ī> von <gautamī> 344Frgm.2a ist skt. und der Schreiber hat
es exakt wiedergegeben.
Hier sehe ich eine parallele Erscheinung zu <>. /i/ dürfte noch kein Phonem gewesen
sein, und <ī> diente zur Wiedergabe fremdes Phonems.
<a> und <ā>:
<talanTAṃ> 338a3, <yamoṣ> 340b5, <ŚArsāstā> 341b7, <kāmānte> 344Frgm.1a,
<yaMAṣṣāwa> 344Frgm.5.
In dieser Gruppe finden sich <ä>, <a> und <ā>. Ich halte <ä> für /ä/ und <a> und
<ā> für /ā/, wie oben erwähnt.
3) Tilgung des Schwa:
<nirvvaṃṣṣai> 344Frgm.7.
Nach <r> kommen in Lehnwörtern aus Skt. geminierte Obstruenten vor. Die
Geminaten sind aus den Originalen übernommen, es liegt also kein Problem der toch.
Phonologie vor.
Auffällig ist in diesem Wort das Fehlen der Anaptyxe eines /ä/ zwischen <ṃ> und
<ṣṣai>, aber ein anaptyktischer Vokal trägt keine phonologische Last und kann
deswegen leicht in Allegroformen oder aus metrischen Gründen wieder getilgt werden.
Doch könnte hier auch der Anusvāra eine Rolle gespielt haben. Wenn der Anusvāra hier
nicht /n/ ist, sondern eine Markierung der Nasalierung, konnte das Ergebnis einer
Anaptyxe unterbleiben.
In diesen Hss. sehe ich keine Akzentregel und keinen phonlogischen Unterschied
zwischen Lang‑ und Kurzvokalen, wie I‑1, z.B. <-sa> und <-sā> für Perl. /‑sā/,
Demon.pron. <sū> und <su> für /su/, <mākā> und <māka> für /mākā/, usw.
29
MQ545‑546:
a) Paläographische Untersuchung:
545a3 <ya> ist wie in MQ338 rechts oben geöffnet:
geöffnet und rechts eckig:
; 545b2 <ñe> ist links
; 545b2 <Ṣ> ist in der Mitte geöffnet:
<la> ist unten eckig und separat geschrieben:
; 545b2 <ni>
; 545a3
und 545b2 <ti>
sind untescheidbar; <‑ya> von 546a3 <tya> ist unten eckig und oben nach links
gezogen, wie die Brāhmī in Khotan:
.
545b3 <MA> hat innen nicht kein Kreuz mehr:
nach innen gebogen:
545b4 <a‑> und
; 545b3 <Pˎ> ist eckig und links
.
545b5 <e‑> sind wie in MQ338; zwei Bögen des 545a4 <i‑>
sind links senkrecht und der dritte Bogen rechts in der Mitte geschrieben:
.
545a1 <kṣṇa>: Dieser Akṣara steht in dem Skt.-Wort /atitīkṣṇa/, und <ṇa> ist
altertümlich geschrieben. Diese Schreibung hält sich lange, d.h. Fremdphoneme des
Toch. entwickelten sich verhältnismäßig langsam. In diesen Hss. kommt wie in den skt.
Originalen Visarga
545a1 vor.
545b5 <nˎ>: Dieses Komma auf <n> ist kein Virāmakomma, sondern ein Interpunktionszeichen zwischen Wörtern (Skt. und Toch.).
545b4: Das Trema tritt zu einem normalen Zeichen, um ein /ä/ weitezugeben (hier
Verschreibung für <tRA>).
30
545b1 /5/ ist wie in MQ338 geschrieben:
, aber die Versnummer kommt nur hier vor.
Was den Duktus anlangt, sind diese Hss. altertümlich, aber der Schreiber hat ungenau
geschrieben. Belege dafür sind <sanTA> 545a3 für <santa>, <namā> 545b1 für
<nāma> und <sportodRˎ> 545b4 für <sportotRA>.
b) Linguistische Untersuchung:
1) Diphthonge:
<cai> 545a4, <śaiṣṣentse> 545a5, <daurgatyam> 546a3, <aiśaumyś> 546b5.
Es kommen nur wenige Diphthonge vor, aber <ai> und <au> sind vorhanden.
<cai> ist nicht altertümlich.
<ai> von <śaiṣṣentse> ist durchgehend so geschrieben.
<daurgatyam> ist ein Skt.-Wort, das wie das Muster geschrieben wurde.
<aiśaumye> ist durchgehend mit <ai> geschrieben. Die Wurzel √aik‑ wird niemals
<eyk‑> oder <oyk‑> geschieben worden, d.h. <ai> ist ursprüngliches Phonem. <au>
von <aiśaumye> war hingegen von <ew> entwickelt (<aiśewmye> 133a1). Die Wurzel
√aik‑ gehört in die Ps.-Klasse II (thematisch, dem Inf. <aiśtsi> nach zu urteilen, hat es
Konj. II). Ger., Adj., Abstr. und Subst. haben durchgehend palatalisiertes /k/, d.h. <ś>.
Mir scheint es bei diesem Wort zwei Unklarheiten zu geben, nämlich 1) woher diese
Palatalisierung kam, und 2) ob das Suffix <‑aumye> ein Doppelsuffix (/‑a/ + /‑mye/) ist
oder aus mehreren Suffixen besteht.
Ad 1): <ew> hat keine palatalisierende Wirkung, denn die Belege zeigen <eˎ> oder
<ew> auch nach nicht-palatalen Konsonanten, und es stellt sich die Frage, wie im Falle
von Ger., Adj. und Abstr. der palatalisierte Konsonant <ś> beurteilen ist. Vom Ger. I
<aiśalle>, Adj. <aiśamo> und Abstr. <aiśamñe> her gesehen ist <a> eine
akzentuierte Anaptyxe (//), die keinen palatalisierenden Effekt hat. Vermutlich ist die
Palatalisierung schon zur urtoch. Zeit entstanden (idg. Themavokal *e bei 3.Sg. ist
31
möglich), und zur toch. Zeit ist sie zur Kennzeichnung einer Kategorie benutzt worden,
wie z.B. der Nom.‑Obl.‑Opposition.
Ad 2): Es existiert ein Suffix <‑au>, wie z.B. in <aipau> von √aip‑ 'bedecken' (das PPt.
ist <aipu>). Es gibt ferner ein Suffix <‑mye>, wie z.B. in <neṣamye> 15a6,
<naumiye> 100b5, <ŚAnmye> 78a1 und <ñormye> 185a3. Dieses <‑mye> ist
möglichweise als /‑m‑ye/ zu analysieren. Wenn dies zutrifft, ist es eine Kombination von
zwei Suffixen <‑m>, das möglicherweise aus /-m(o)/ hervorgegangen ist, und <‑ye>
(s.u.), und danach wurde <‑mye> als ein Suffix verallgemeinert.
Merkwürdig ist <aiśaumyepi> 81a1. Dieses <‑pi> ist eine Gen.‑Markierung des Adj.,
daher könnte <‑ye> adjektivbildendes Formans sein, das ein Zugehörigkeitssuffix idg.
*‑e/o sein könnte), und danach wurde <aiśaumye> substantiviert.
Es gӓbe noch andere Möglichkeiten, aber doch ziehe ich die Annahme einer Suffixkonbination /a/ ‑ /m/ ‑ /ye/ vor.
2) Akzentregel, Vokallänge:
<añme> 545a3, <aṣtsa> 545b1, <alyekepi> 545b1, <takoɪˎ> 546a2.
Beim <a> in dieser Gruppe muß es sich um /ā/ handeln.
<aṣtsa> muß nach Ausweis des skt. Äquivalent <murdhani> (für /mūrdhni/) 'am Kopf'
(Lok.) bedeuten. Theoretisch kann das Wort <āścne> sein, aber ein solcher Lok. ist
nicht belegt. <aṣtsa> ist Perl. und kann lokativisch benutzt sein. Das Wort ist dem
Obl.Pl. /āstäṃ/ nach zu urteilen /āst/, und der Obl.Sg. zeigt Palatalisation zur Markierung
einer Opposition. Trifft dies zu, ist der Nom.Sg. /āśce/ nach dem Obl. gebildet, nämlich
Obl. + /e/ Markirung für den Nom.Sg.(m.?).
Die Palatalisation erstreckt sich bei <aṣtsa> nur auf <ṣ>, weil <t> statt <c> vor
<‑sa> vorkommt. Möglich ist auch, daß <ṣt> eine Zwischenstufe zwischen /st/ und /ṣc/
darstellt. Ich ziehe die erste Möglichkeit vor, weil die Zwischenstufe nicht belegt ist.
Zurück zum <a>: <a> und <ā> sind für den Schreiber dieser Hs. von <neSAmāne>
her gesehen gleichwertig, d.h. <> ist /ā/.
32
<yaMAlyñentane> 545a3, <añMAntse> 545a3, <MAkte> 545a3, <neSAmāne>
545a4, <KAṃtaṃ> 545a5, <triśälyñenta> 545b2, <lkaṢṢAŚ> 545b2, <ykenTAne>
545b3, <LAkle> 546b4, <ñäkte> 546b5.
<ä> und <A> (/ä/) sind gut bewahrt (d.h. ohne Akzentregel). <A> ist als Anaptyxe
zwischen zwei Morphemen, sowohl bei Verbalnomina und Part. von sog. athematischen
Verben, als auch in der Deklination benutzt worden.
<KAṃtaṃ> 545a5 gehört nach Krause (1952, S. 228) zu √kät‑ 'streuen' (Ps.VI 3.Pl.Akt.).
Die Form ist aber die n‑infigierende Ps.‑Klasse VII. Weitere Belege sind <katnau>
MQ205a3 und <katnaṃ> Š17b2, und sie könnten wegen der Ähnlichkeit von <n> und
<t> zur Ps.VII (<nt> statt <tn>) gestellt werden, aber auf dem Photo von MQ205 ist
<katnau> (Ps.-Klasse VI) ziemlich deutlich erkennbar (Š17 ist leider nicht vorhanden).
Wenn diese Schreibungen richtig sind, ist es möglich, daß das Ps.VII für diese Wurzel
original ist, weil MQ205 und Š17 (Udānālaṅkāra‑Fragment) vom Duktus her gesehen
später als MQ545 ist, und <ṃ> /n/ ist.
Tilgung des Schwa bei <lkaṢṢAŚ> kommt sehr häufig vor. /läk‑/ mit <ä> ist nur bei vier
Belegen erkennbar (S108a5, H149.041a4, H149.041b4, H.add149.018b2), sonst kommt
vorwiegend <lk‑> vor. Das ist kolloquial oder metri causa geschrieben und man kann
dieses Phänomen nicht als diachronisches oder synchronisches Kriterium benutzen.
<A> von <ykenTAne> ist unverständlich. Es muß <a> (/ā/ Pl.‑Markierung) sein, aber
der Schreiber schrieb nachlässig <nTA>.
<akwatse> 545a1, <olyapotse> 545a1.
Alle drei <a> sind mir unverständlich. Die Bedeutung von <akwatse> ist aufgrund
eines weiteren Belegs (in MQ19a1) klar (skt. Entsprechung <tīkṣṇa> 'heftig'), aber
woher kommt <a> vor? Ich sehe keine Akzentregel in dieser Hs., deswegen kann man
kein akzentuiertes // annehmen, daher muß es sich um /ākwātse/ handeln. Der
Erklärung von Adams 1999 (p. 4‑5) kann ich nicht folgen: "*haek‑ 'sharp' ... *haekuto‑
with the common transfer to the yo‑stem ... for a similar formation in Tocharian, see
33
orotstse". <ts> ist im Toch. nicht das Ergebnis der Palatalisation von <t> und es gibt
kein Evidenz für eine zugrunde liegende o-Bildung im Falle von <akwatse>!
<olyapotse> kommt durchgehend in dieser Gestalt vor. Von dieser Hs. abgesehen
finden sich alle Belege in späteren Hss.: MQ19 (II‑2), 237 (II‑3) MQR315 (II‑1) Š5, 99,
101, 337, S331, 385, M170, 193, 198, 369, 375, 592, X626. Wenn diese Hs. später
entstanden ist als die Hss. der Gruppe I‑2, bedarf die Akzentuierung des <a> keiner
Erklärung. Sollte dies zutreffen, ist <olyapotse> als /olypotse/ zu werten. Eine weitere
Möglichkeit ist <a> für /ā/ zu sehen. Wenn dem so ist, ist <akwatse> für /ākwātse/ auch
erklärbar.
<śvalmeṃn> 546a2, <sportodRA> 545b4, <vardate> 545b4 (für skt. /vartate/).
Der Schreiber hat <v> für /p/ und <d> für /t/, aber /k/ immer als <k> geschrieben. Von
/ä/ und /k(w)/ her gesehen war der Schreiber dieser Hs. ein Tocharer. Vermutlich hat er
unter dem Einfluß einer Fremdsprache gestanden. Vielleicht war er aber einfach ein
ungeschickter Schreiber? Zu <śvalmeṃ> s.u. bei MQR135.
Skt.:
<sanTA> 545a4 (für skt. <santa>), <murdani> 545b1, <namā> 545b1, <skhalitani>
545b2, <cä> 545b2 (für skt. /ca/, toch. <ṢAPˎ>).
Dem Schreiber war die Rechtschreibung des Skt. unklar. Er benutzte "Fremdzeichen"
und "Trema", die Eigentümlichkeiten des Toch. sind, in Skt.-Wörtern und hatte keine
Kenntnisse über die kurz-lang-Opposition.
Ich sehe in dieser Hs. einen altertümlichen, teilweise unpräzisen Duktus und eine
Fehlerhaftkeit. Ich kann nicht mit Sicherheit sagen, ob der Schreiber ein Fremder oder
ein ungeübter toch. Novize war. Es könnte sich um eine Kopie handeln.
MQ148:
34
Das Papier ist ursprünglich nur einseitig und erst später verso unpräzise beschrieben
worden (vielleicht ein Übungstext), deswegen behandele ich nur die recto-Seite, die der
Periode I‑2 zuzuschreiben ist.
a) Paläographische Untersuchung:
a1<ya> ist oben geöffnet und zweiteilig:
; a3 <ñ> ist geöffnet:
wird für Skt.-Wörter verwendet und hat kein Virāmakomma:
a3 <ŚA> ist in der Mitte geöffnet:
gebogen und innen nicht gekreuzt:
a3 <i‑> und
; a4 <tˎ>
.
. a3 <MA> ist eckig, links nach innen
.
a4 <ɪˎ> sind normal (vokalisch und konsonantisch).
a4 ist nicht <i‑>, sondern das Interpunktionszeichen <ː> und die Versnummer
/1/. Der Doppelpunkt dient als Interpunktionszeichen und ähnelt zwei AnusvāraPunkten.
a1 Der "Anunāsika" ist nur bei <siddhaˎ> benutzt worden und <m> ist nach einem
Virāmastrich, der normalerweise dem Skt. fehlt, horizontal gezogen:
. Der Schreiber
hat genau nach dem skt. Muster geschrieben, aber mit dem toch. Virāmastrich.
b) Linguistische Untersuchung:
1) Diphthonge:
<saiMˎ> a2, <śaiṣṣe> a4, <traiɪˎ> a4.
Belege gibt es nur drei, und alle bieten <ai>. Wenn <ai> ein langes /e/ sein sollte
(<ai‑> ist <e‑> mit Längenzeichen), wird <ɪˎ> bei <traiɪˎ> verständlich. Eine andere
35
Möglichkeit für <ɪˎ> wäre die Annahme eines Relikts einer alten Schreibung <y> von
<ey> (<eɪˎ> ist nicht belegt).
2) Akzentregel, Vokallänge:
<ä> und <A>:
<ŚArMAmeṃ> a3, <MAtSˎ> (für <MAnt>) a3, <KArSAnalle> a3.
In dieser Hs. finde ich kein Trema auf Akṣaras für /ä/, sondern nur "Fremdzeichen". Man
kann <A> gut sehen, wenn keine Akzentuierung vorhanden ist.
<a>:
<treya> a1, <śak> a1, <śtwara> a2, <pakenta> a2, <tSAṅkalyñe> a3.
In dieser Hs. kommt kein langer Vokal in toch. Wörtern vor, sondern nur in Skt.Wörtern. <a> ist in toch. Wörtern in dieser Hs. als /ā/ zu werten. <a> von <treya> ist
ein Verbindungsvokal für Komposita (//).
Merkwürdig ist <śak> '10': <ŚAk> kommt überwiegend bei MQ(R) Hss. (123, 127, 128,
138, 212, 252, 588, einzige Š566) vor, aber alle sind nach meiner Klassifizierung den
Grüppen II‑1 und II‑2 zuzuordnen. Dagegen kommt <śak> (mit <a>) überall im toch.
Gebiet vor. In dieser Hs. 148 (I‑2) findet sich der älteste Beleg für <śak>. /śäk/ könnte
von idg. *de (Pokorny, S. 191) abstammen, und unterlag in der Zeitstufe I‑2 oder II‑1
der Akzentregel. Daß in I‑1 kein /śäk/ vorkommt, kann Zufall sein. Die Schreibung
<śak> in dieser Hs. könnte darauf zurückzuführen sein, daß der Schreiber <ŚA> nicht
kannte. Es ist auch möglich, daß diese Hs. in die Periode II‑1 gehört, aber die Grenze ist
nicht immer deutlich zu ziehen, weil sich die Paläographie kontinuierlich entwickelte.
MQR133‑146:
a) Paläographische Untersuchung:
36
133a1<yi> ist links wie eine Schleife geformt, rechts geöffnet:
<ñ> ist rund und geöffnet:
; 133a5 <dñä>,
.
133a2 <ŚAṃ> und 133a3 <ṢA> sind in der Mitte geöffnet:
133a3 <MA> und
bzw.
.
133a5 <NA> sind altertümlich geblieben.
133a1 <a‑> ist altertümlich wie in I‑1:
; 133a4 <ɪˎ> ist ebenfalls vorhanden:
,
aber <i‑> kommt in diesen Hss. nicht vor. Am Wortanfang kommt <I‑> vor (<Ite>
133b6);
133b7 <u‑> kommt nur in Skt.-Wörter vor, und <ˎ> in tocharischen.
133a1 <e‑> ist ein wenig nach rechts geneigt:
; 133a2 <o‑> ist wie in I‑1 nicht von
rechts unten nach oben links durchgezogen:
; 135b7 <ai‑> ist wie bei THT341b4
(I‑2) mit nicht gut erkennbarem <e‑> plus Längezeichen geschrieben:
; 139a3
<au‑> ist wie in 340a7 (I‑2) mit <o‑> plus Längezeichen geschrieben:
. Diese
<ai‑> und <au‑> sind typische Merkmale von I‑1/2.
133a1 /9/,
133b3 /25/,
134a5 /24/,
133a5 /16/,
133b4 /26/,
135b3 /27/,
133a6 /17/,
133b6 /29/,
139b6 /42/,
133a7 /19/,
133b7 /31/,
140b4 /14/,
133b1 /22/,
134a6 /10/,
141b3 /3/.
/10/ ist mit seiner senkrechter Linie in der Mitte im Vergleich zu den entsprechenden
Zeichen in I‑1 schon entwickelt. /20/ und /30/ sind wie in I‑1 altertümlich ('r' in L. Sanders
Tafel 40). /40/ ist selten und wie in I‑1 geschrieben ('r' in L. Sanders Tafel 40). /3/, /4/, /6/,
/7/ und /9/ entsprechen ebenfalls den Zeichen der Gruppe 'r' in L. Sanders Tafel 40.
b) Linguistische Untersuchung:
1) Diphthonge:
37
/a/:
<aiśewmye> 133a1, <waike> 133a6, <cai> 133b6, <wertsyaine> 134b3, <yaitor>
134b5, <pelaikne> 134b7, <śaiṣṣe> 135a1, <aṅkai(ṃ)> 135a1, <pyappyaintsa> 135a6,
<aiṢAlle> 135b7, <aiṃ> 135b7, <anaiśai> 135b8, <maiMAñci> 141a5, <w[ai]ptār>
142a2, <wärññai> 143a3, <aiŚAmñe> 143b4, <iknaikne> 146a2.
In dieser Gruppe kommt <ey> niemals vor. In all diesen Wörtern liegt entweder
ursprüngliches /a/ vor oder <ey> ist schon zu <ai> geworden. Die Obl.‑Markierung
/‑a/ wird immer <ai> geschrieben. Ich halte dieses <ai> für ursprüngliches /a/. Ich
kann nicht mit Sicherheit sagen, woher die Obl.‑Markierung kommt. Eine Möglichkeit
wäre /ā/ (oder /o/, ursprünglich ein und dasselbe Morphem?) + Obl.‑Markierung /n/ +
Partikel /i/ mit einer Entwicklung [a:ni] → [a:yi] → [a:i] → [ai], aber dies ist nur eine
Spekulation, vor allem ist die Partikel /i/ dubios.
<iknaikne> ist eigentlich /yäkne yäkne/ (Āmreḍita-Kompositum), und hier ist eine
Tilgung des Schwas zu erkennen (<yäk> zu <ik>), und <‑nei‑> zu <‑nai‑>. Es
handelt sich hier um eine entwickelte Schreibung.
<oɪˎ> und <oy>:
<ssoɪˎ> 133a2, <(yo)loɪˎnn> 133a4, <(PA)lskoɪˎ> 134a3, <KArsoɪˎ> 134a5,
<takoɪˎme> 134a7, <yātoɪˎñ> 139b5, <soɪˎ> 142a4, <(spā)ntoytRA> 139b5,
<rittoytRA> 142b2.
<ɪˎ> kam nur mit <o> kombiniert vor. <oɪˎ> wurde zu <oy>, wenn andere
Konsonanten danach vorkommen. <I> ist ein Morphem, wie ich schon erörtert habe,
aber hier sehe ich in <oy> bei Verben (mit <‑tRA> 3.Sg.Med.) schon eine entwickelte
und verallgemeinerte Form.
< eˎ> und <ew>:
<ākseˎ>133a3, <klyeˎṢAlle> 133a7, <(winā)skeˎ> 140a3.
<ceˎ> 133a3, <ceˎmeṃ> 135a2, <ceˎmpa> 137b6, <ceˎne> 143b3,
<MAñceˎ> 138b6.
<tsirewñe> 137b7, <preˎtke> 145a8, <meˎ(ne)> 145a8.
38
Im Gegensatz zu /a/ (← /e/) kann man beim -haltigen eine altertümliche Schreibung
beobachten.
Bei den Verben <ākseˎ> und <(winā)skeˎ> kann <e> ein Themavokal sein und
/‑u/ die Endung der 1.Sg.Akt. Dieses <e> geht auf urtoch. *æ (← uridg. *o) zurück und
hat keine Palatalisierungswirkung. /‑u/ ist schwer zu beurteilen. Meiner Ansicht nach
geht dieses /u/ nicht auf *ō (1.Sg.Akt. für thematische Verba), sondern vielmehr auf *‑m
zurück (Zwischenstufe [w]?23). Darüber hinaus kann ich manche Verben nicht eindeutig
der them. oder der athem. Klasse zuweisen. Natürlich ist die Palatalisierung des Wurzelauslauts der 3.Sg. bei den them. Verben der entscheidende Faktor, aber die Palatalisierung ist m.E. schon zur urtoch. Zeit entstanden, als noch der Themavokal *e
vorhanden war. Daher halte ich dieses <u> für die Markierung der 1.Sg.Akt, die für alle
Ps.-Klassen gilt, d.h. es liegt eine toch. Eigentümlichkeit vor.
Wenn <ɪˎ> von <oɪˎ> ein Phonem ist, sollte auch <ˎ> in <eˎ>, <oˎ> (wie auch
in <āˎ>) ursprünglich ein Phonem gewesen sein, das später mit vorangehendem <e>
bzw. <o> zu einem Diphthong verschmolz.
Beim Demon.pron. /ca/ schrieb der Schreiber immer <ceˎ> und nicht <cew>, auch
wenn die sog. Kasusendungen <‑meṃ, ‑mpa, ‑ne> antreten. Dies deutet darauf hin, daß
<‑meṃ, ‑mpa, ‑ne> nicht Kasusendungen sind, sondern Postpositionen oder Adverbien.
Normalerweise bei den Nomina kommen <eˎ> am Wortende und <ew> vor anderem
Konsonant im Wort vor.
<au>:
<śaul> 133a6, <śaumo> 136a2, <caukā>? 133b4, <kauNAnts(e)> 135a5, <kaunˎ>
140a2, <nautaṃ> 140a5, <KArkauˎ> 135a4, <kauṢAṃ> 140b5, <yärttau> 141b5,
<aus[u]> 144b5.
Bei den Nomina und bei dem Verbum <nautaṃ> halte ich <au> für ein ursprüngliches
/a/, denn die Schreibungen <eˎ> oder <ow> sind bei diesen Wörtern nicht belegt.
<mo> von <śaumo> ist ein Suffix, wie ich oben bei 546b5 erwähnt habe.
23
Vgl. Krause 1952, S. 199. "aus -m (über -w → -u)".
39
Merkwürdig ist <ˎ> von <KArkauˎ>. Wenn dieses <auˎ> ein /ōw/ vertreten sollte,
ergäbe sich kein Problem, aber diese Annahme ist unwahrscheinlicher. Vielleicht ist es
auch wie <aiɪˎ> ein Relikt von <eˎ>.
<tāˎ> 133b4.
Dieses Demon.pron. ist durchgehend so geschrieben. <āˎ> ist niemals <au>
geworden. <tāˎ> möchte ich zu seiner Entsprechung in A-Toch. <tām> in Beziehung
setzen.
/m/, /s/ und /n/ in den Demon.pron. von A-Toch. haben laut Thomas die Bedeutungen
jeweils 'der', 'dieser' und 'dieser (hier)' (TEB I, S. 164‑165). Wenn dieses <ˎ> von
<tāˎ> mit dem /m/ in A-Toch. identisch ist, dürfte /u/ in B-Toch. auch 'der' bedeuten.
<oˎ>:
<mikoˎ> 134a6, <TArkoˎ> 136b2, <KAs[o]ˎ> 144a2.
Alle diese drei Belege sind PPt. <o> könnte von /ā/ herkommen und unter uns noch
unbekannten Bedingungen zu <o> geworden sein. <o> von <oˎ> findet man häufig
beim PPt. und bei vom PPt. gebildeten Verbalnomina (vor allem bei den Absolutiven auf
<‑ormeṃ>). Dem /u/ könnte die Funktion der Adj.-bildung zukommt24.
Skt.:
<pattrainne> 133b4, <nrai> 143a4:
<ai> von <pattrainne> ist eine Obl.‑Markierung, die bei den Nomina mit <‑o> und
<‑ā> in Nom. vorkommt. <pattrainne> ist das Skt.-Wort /pātra/ (a‑Stamm), aber im
Toch. wurde es nach TEB II (S. 208) als o‑Stamm25 behandelt. Wenn wie bei anderen skt.
Lehnwörtern eine Apokope eingetreten sein sollte, wäre das Wort nicht von <pātäR>
24
Nach Bailey (Opera Minora Vol. 2, Gandhārī p. 311) hat /u/ eine Adj‑Funktion in Gandhārī (<kṣīrū> 'of
the country') und im Maralbaši (<kšerū>). Nach A. Degeners Meinung handelt es sich hier gegen Bailey
um Khot. ‑ua‑.
25
Das Wort <pātro> ist ein Hapax in Š337b5 und wegen <olyapotsa> in TEB als "f[eminin]" eingetragen,
aber dieses Wort ist zu <olyapotse> ("m[askulin]") zu verbessern, s. ad Thomas 1953, S. 220, Fnt. 4.
40
Obl.Sg. 'Vater' zu unterscheiden gewesen und könnte aus diesem Grunde in die Klasse
der o‑Stämme eingegliedert worden sein.
<tt> vor /r/ (auch nach /r/) ist eine gewöhnliche Schreibung. Hierfür kann ich als Grund
nur eine Schreibgewohnheit im Skt. nennen. Im Skt. ist auch nach Vokalen <nn>
geschrieben worden. Der Schreiber hat vermutlich das Wort mißverständlich nach dem
skt. Muster geschrieben.
<nrai> 'Hölle' ist skt. /naraka/, Pāli /niraya/, Ardhamāgadhī /ṇiraya/ und Gāndhārī
/niraya/ (und /niraʼ-eṣu/, Brough 1962, p. 302). Skt. [k] ist im Prākrit [y] und schließlich [ø]
geworden. Toch. <nrai> könnte mit normaler Apokope des ‑a aus dem Skt. durch
Prākrit stammen. Es ist etwa <naraya> zu erwarten, aber man findet ein solches Wort
nirgendwo. Es gibt jedoch einige Probleme:
1) Warum ist die Palatalisierung von /n/ unterblieben, während A-Toch. <ñare> hat? /i/
hat gewöhnlich Palatalisierungeffekt.
2) Warum gibt es zu <nrai> nicht die Varianten <NArai> oder <nirai>, obwohl <nr>
im Toch. ungewöhnlich ist?
3) Welche Form hat der Nom. (belegt ist nur der Obl.)?
Ad 1) Eine mögliche Herkunft ist das Skt.-Adj. /nāraka/ (skt. /nārakīya/, Ardhamāgadhī
/ṇāraya/ 'Höllebewohner'). Im Karmavibhaṅga kommt oft /nārakīya/ vor, es bedeutet
"deed that results in (rebirth in) hell" (Kudo 2004, p. 334‑335). Andere Möglichkeit ist
eine Depalatalisation vor /r/, während A-Toch. <ñare> näher dem Skt.-Wort ist.
Ad 2) Phonotaktisch gesehen ist /nr/ im Gegensatz zu /tr/ nicht gewöhnlich. Ich habe
untersucht, ob dieses /nr/ nicht ein /tr/ ist. Es ist aber sehr schwierig, <n> oder <t> zu
unterscheiden. Wenn die Schreibung <nr> ist, ist dies ein Ergäbnis der Synkope von /ä/
zwischen /n/ und /r/, wie <nk-> von /näk-/, und als <nrai> verallgemeinert.
Ad 3) Statt <ai> ist <ey> belegt (<nreyṣa> MQR222a1, <nreyntane> M347b3,
<nreyentane> Photo298). Ich halte <nrai> für ein tocharisiertes Wort, und <ey>
könnte eine Hyperform von <ai> sein. Ich vermute, daß hier der Nom. mit dem Obl.
gleich ist, wie im Falle von <upacār> oder <upekṣ>.
2) Akzent, Vokallänge:
41
/ä/:
Verben:
<PAlsk[o]yy> Ko.V 133a1, <KArsoɪˎ> Ko.V 134a5, <MAsketRA> Ps.III 134b4,
<yäneṃ> Ps.I 142a2, <KAsKAnTAr> Ps.XII 142a3, <wä[s]KAntRA> Ps.XII 143b1.
<ä> kommt bei Wurzeln als Anaptyxe zwischen Wurzeln und Suffixen vor, und man
sieht in dieser Gruppe keine Akzentregel. <ä> ist /ä/. Zur 3.Sg.Med.‑Endung <TAr>
und <tRA> s. ad Appendix III 12).
Im Falle von <yäneṃ> kommt im Paradigma nie <i‑> vor. Daher ist die toch. Wurzel
als /yä/ ('gehen', nicht traditionelle √i-) anzusetzen. Zugrunde liegt idg. √i‑. /yän‑/ ist der
Präsensstamm, der bei den 1. und 3.Pl., Nom.ag. und PPs. vorkommt. Die Endung der
3.Pl. <eṃ> ist thematisch, obwohl der Stamm ein sog. athematischer ist. Es gibt keinen
Unterschied zwischen them. und athem. Verben bei der 3.Pl.Akt.
Es gibt ein Problem bezüglich des <wä> in <wäsKAntRA>. In Krauses Grammatik (S.
287) steht /wāsk‑/ als Wurzel dieses Wortes. Dabei bleibt aber der Stammvokal <ä>
unerklärlich. Ich vermute daher, daß es hier um eine /ä/‑haltige Wurzel handelt, die auf
die beim Med. zu erwartende Schwundstufe zurückgeht. Bei /wāsk‑/ kann ein Ko.‑ oder
Pt.‑Stamm vorliegen. Ein sicherer Beleg wäre <wāSKAṢṢAṃ> 331a1, aber es fragt sich,
ob wir es hier mit der in Rede stehenden Wurzel zu tun haben, da die Form am Anfang
des Blattes steht und das vorhergehende Blatt nicht vorhanden ist, so daß der Bedeutungsansatz nicht zwingend ist. Sieg/Siegling schlagen <waTKAṢṢAṃ> vor (Thomas
1953, S. 214, Fnt. 1).
<melyätRA> Ps.I/II 135a5, <ñä[ṣ]tRA> Ps.II 139b4, <cäñśä(ṃ)> Ps. II/V/XII (Krause
1952, S. 71, Anm. 5) 139b5, <yäṣtRA> Ps.II 143a3, <kauṢAṃ> Ps.VIIIa. 140b5,
<///[nMA]stār> Ps.VIIIa. 142a5.
Hier besteht ein Problem bezüglich des thematischen oder athemetischen Charakters.
Man kann folgende Tendenz beobachten: wenn eine Palatalisierung des Stamms vorliegt,
wird die thematische Klasse angenommen.
42
Natürlich ist die Palatalisierung ein wichtiges Kriterium für die thematische Klasse, aber
wenn /ä/ aus uridg. *e kam, den vorhergehenden Konsonant palatalisierte und eine
Bedeutung hatte, dann müßte /ä/ als <ä> stehenbleiben, wie /ä/ vor /sk/ bei den
Kausativa. Hier sehe ich in <ä> die Schwaanaptyxe, weil es oftmals zu einer Tilgung
gekommen ist. Die Palatalisierung entstand zur urtoch. Zeit und in der toch. Zeit ist die
Opposition athem. vs. them. nicht mehr beobachtbar.
Bei <kauṢAṃ> kann ich nicht entscheiden, ob <A> ein Themavokal ist oder eine
Schwaanaptyxe vorliegt. Es ist aber möglich, daß die Endung für die 3.Sg.Akt.Ps. <‑äṃ>
ist. /‑n/ würde nach Konsonant zu [] und könnte als [än] realisiert werden.
<///[nMA]stār> ist schwierig zu verstehen, und die Lesung ist wegen der Beschädigung
unsicher. Normalerweise müßte das Wort von der Schreibung (<namṣtär> 187b4) her
gesehen ein <*NAmṣtār> vertreten, wenn es zu /näm‑/ 'sich neigen' gehört. Ich vermute
aber, daß es sich bei dieser Form um /tänmästār/ 'du wirst geboren' handelt, obwohl die
2.Sg. sonst nicht belegt ist.
<prutKAskeṃ> Ps.IXb. 136b6, <yaMAṢ[Ṣ]Aṃ> Ps.IXa. 138a5.
Die <A> zwischen der Wurzel und dem Suffix sind Markierungen für das Kausativ.
√prutk‑ hat keine Vollstufe (oder Dehnstufe) im Kaus. (nur beim Pt.), d.h. der
Kaus.‑Stamm könnte aus dem Ps. oder Ko. kommen.
√yām‑ hat kein Kaus. und keine Schwundestufe. Vielleicht hat √yām‑ eine Kaus.Bedeutung 'machen', und die eigentliche Kaus.-Form könnte als Grundverb verallgemeinert worden sein. Später konnte das /ä/ dieses Verbums akzentuiert oder getilgt
werden, weil /ä/ als Kaus.‑Markierung nicht nötig ist.
<KAtkoṣ> 133a2, <KArkauˎ> 135a4, <TArkoˎ> 136b2,<yärttau> 141b5,
<KLAṅttsi> 133a5, <wästsi> 138a2, <TArKAnālle> 133a6, <TSAṅk[āll](e)> 139b6,
<pep[r](u)tkwä> 139b8.
Die <ä> in Stӓmme deuten auf die Schwundstufe bei PPt., Inf. und Verbaladj. hin.
Dieses <ä> konnte bei geöffneter Silbe getilgt werden, weil die Funktion nicht
43
bedeutend war, aber hier ist dieses <ä> wegen der Konsonanz (geschlossene Silbe)
bewahrt.
Merkwürdig ist <‑wä> von <pep[r](u)tkwä>, das ursprünglich /u/ war. Ich habe schon
oben erwähnt, daß /u/ eine Markierung für das PPt. ist. Von der Beleglage her gesehen
kommt <u‑> nur in Skt.-Wörtern vor.
<weṢṢAlle> Ps.IX. 133a6, <klyeˎṢAlle> Ps.II 133a7, <preKṢAlle> Ps.VIII 134a5,
<aiṢAlle> Pr.II 135b7, <[TA]ṃMAṣle> Ps.X. 142b3.
Diese sind Ger.I, vom Pr.‑Stamm gebildet. <A> zwischen Suffix und Endung ist, wie
oben erwähnt, kein Fortsetzer vom Themavokal uridg. *e, sondern hier liegt wieder eine
Schwaanaptyxe vor. Die Palatalisation am Ende des Stamms ist analogisch nach der 3.Sg.
entstanden. Der Pr.‑Stamm hat keinen palatalisierten Konsonanten.
√klyaus‑ ist als ein s(k)‑Ps. aufgefaßt worden. Ich vermute, daß dieses Verbum
ursprüglich 'lauschen, zuhören' bedeutete und zur (ur)toch. Zeit mit dem Suffix ‑s‑, das
die Wurzel zum Kaus. macht, tr. 'anhören' oder 'vernehmen' wurde. Und danach ist der
Kaus.‑Stamm /klyaus‑/ (mit palatalisiertem /ly/ für das Kaus.) im gesamten Paradigma
verallgemeinert worden, wobei /s/ die Markierung für Ps.VIII ist. <Ṣ> kommt hier aus
3.Sg. vor, da <klyauṣtRA> 36b7 (nicht <‑stRA> Pr.IX) belegt ist.
Adverbien, Postpositionen, Konjunktionen:
<MAnt> 133a7, <rmer> 133b5, <rāmTA> 134a6,<TAne> 136b8, <ṣeKA>
137a5,<posTAṃ> 142a3, <wärññai> 143a3, <ṢAp> 133a1 (<ṢPA> 139b5),
<MAkte> 133a3, <wät> 135b8 (<watˎ> 136b4).
Hier sehe ich /ä/ in den Wörtern <MAnt>, <TAne>, <wärñai>, <MAkte>, <wät>
und <MAṣce>. Die auslautenden <A> in <rāmTA> und <ṣeKA> sind wegen des
Versmaßes vorhanden oder es handelt sich um eine alte Schreibung (ohne Virāmastrich).
Bei <rmer> ist das Schwa wegen des Versmaßes getilgt.
44
Bei <A> in <posTAṃ> ist es schwer zu beurteilen, ob <A> als Ergebnis einer
Anaptyxe zu werten ist oder ob [än] aus // entstanden ist, wie ich oben bei der
3.Sg.Akt.Ps. auf <‑äṃ> erwähnt habe. Ich ziehe die Möglichkeit einer Anaptyxe vor, da
/ṃ/ allein als eine Markierung eines Obl. vorkommen kann.
<ṢAp> und <ṢPA> habe ich ebenfalls schon oben erwähnt, s. ad <ṢAPˎ> 339b5.
Ein Problem ist <watˎ>. Ich kann wegen der Beschädigung nicht beurteilen, ob das
Wort wirklich /wät/ oder /wāt/ (wat* '?' in Adams 1999, p. 576) ist. Phonologisch gesehen
müßte das Wort /wāt/ sein, aber dem Kontext nach zu urteilen müßte es sich um /wät/
handeln, wie Sieg/Siegling ergänzt haben, obwohl man keine Akzentregel in dieser Hs.
ausmachen kann. Es ist auch möglich, daß sich der Schreiber verschrieben hat
(Auslassung des Tremas auf <w>). Ich möchte dieses Problem auf sich beruhen lassen.
Substantive:
<eṅKAl> 133a1, <ṢArmnā> 133a3, <pudñäkt[e]> 133a3, <SAlye> 133a5, <wälo>
133a7 (<wlo> 133b2), <ñyätsemeṃ> 133b3, <ñäkteṃ> 133b8, <yäkn[e]sā> 134a7,
<kauNAnts(e)> 135a5, <yärm> 135b4, <keŚA> 135b4, <lyKAñ> 133b5 (<lyä[Kˎ]>
133b5),
<ṢArMAn[ma]>
136a7,
<t[e]KAnma>
137b3,
<SAswa>
138a4,
<skloKAntse> 138b4, <LAkle> 138b5, <lyitkwänmā> 139a3, <wär> 139b4,
<wäntre> 139b5,<cämPAmo> 140a2, <TAṅwsā> 140a3, <yNAmoṃ> 140a4,
<KAṣṣi[ṃ]> 140b1, <MAṣce> (<ṣ> für <ś>) 142a3, <aiŚAmñe> 143b4.
Alle <ä> und <A> sind /ä/. Wenn Schwa nicht vorhanden ist, wurde es aus metrischen
Gründen getilgt (<ṢArmnā>, <wlo>), und wenn <A> oder <ä> an unnötiger Stelle
(nur Konsonant ohne Silbentrӓger nӧtig) vorhanden ist, ist auch dies dem Versmaß
anzulasten, oder wir haben es mit einer alten Schreibung (z.B. <keŚA> für /keś/) zu tun.
<A> von <eṅKAl> ist Ergebnis einer Schwaanaptyxe, da /l/ als Substantivsuffix allein
vorkommt, z.B. /śaul/ oder /cämel/ (/e/ von /cämel/ ist die Markierung des Ko.III).
45
<A> von <lyKAñ> beruht auf Schwaanaptyxe, und wegen des Versmaßes und der
offenen Silbe ist das /ä/ von /lyäk/ getilgt.
Bei der Gen.‑Markierung (<kauNAnts(e)>, <skloKAntse>) ist schwer zu beurteilen,
ob /‑äntse/ oder /‑ntse/ vorliegt. Von der Pl.‑Markierung (<‑änma> s.u.) her gesehen
möchte ich darin eher ein verallgemeinertes /‑äntse/ sehen, oder wenn es sich um /n/
(Obl.) + /se/ (Gen.) handeln sollte, könnte /n/ wie in der 3.Sg.Akt. zu [än] geworden sein.
<teKAnmā> ist der Pl. von /teki/. Hier hat /i/ keine Palatalisierung bewirkt und in
<teKAnmā> steht <A> für /ä/. Das /i/ kann das Suffix sein, das Krause 1952 (S. 46) bei
den Verbaladjektiva erwähnt, und /i/ könnte ursprünglich ein /ä/ gewesen sein. Wenn
dem so ist, ist die Pl.‑Markierung /nmā/ verständlich. Eine andere Möglichkeit ist, daß
<änmā> wie das Gen.‑Suffix ein verallgemeinertes Pl.‑Suffix darstellt und das /i/ durch
es verdrängt wurde. Ich ziehe /änmā/ vor, weil /i/ und /ä/ selbständig sind.
In <cämPAmo> und <aiŚAmñe> kann man mit /‑ämo/ bzw. /‑ämñe/ rechnen. Aber es
ist ebenso möglich, daß das /ä/ von /äm/ aus // resultiert, vgl. oben die Ausführungen
zum //.
<KAṣṣi> 140b1 ist im Toch. nie anders geschrieben. Man kann in diesem Wort ein
Lehnwort sehen. Bailey hat eine Herkunft aus dem Iran. angenommen, was allgemein
akzeptiert wurde (vgl. Adams 1999, p. 176), aber das vermeintliche khot. Original ist ein
Hapax, und es handelt sich möglicherweise um einen Personenamen (mündliche
Mitteilung von Frau Dr. Degener).
Pronomina:
<yeSSAṃ> 133a3, <ṢAñˎ> 134a3, <ñäśˎ> 142a4.
<A> und <ä> sind hier als /ä/ zu werten.
<yeSSAṃ> ist eine Form der 2.Pl.Gen. , aber ihr <A> ist schwer zu beurteilen:
1) Wie ist <SSA> zu erklären und 2) ist <‑ṃ> oder <‑ñ> ursprünglich?
46
Ad 1): <ss> ist in <yessa> 82a2 und <yessāKˎ> 27b3 belegt, aber beide sind Perl., d.h.
/yes/ + /sā/. Für den Gen. gibt es keine Belege, die mit /ss/ geschrieben wären. Daher
sehe ich in <SS> eine Fehlschreibung für <S>.
Ad 2): Von der Beleglage außerhalb dieser Hs. her gesehen, ist <‑ṃ> jünger (Š29a8,
372b4M II‑1) als <ñ> (MQ19b5 II‑2, Š46a8 II‑2, Š79.6 II‑3, Š84a3 II‑3, MQR282a2 II‑2,
MQ295b3 I‑3, MQR394a1 I‑2). Daher vermute ich, daß <‑ñ> ursprünglich ist. Hinter
<yeSSAṃ> befindet sich die Kadenz im Vers, und der Schreiber hat <ṃ> statt <ñ>
benutzt, weil <ṃ> normalerweise am Wortende des Satzendes steht, aber ich kann die
Frage nicht mit Sicherheit entscheiden.
Adjektiv:
<krenTAṃ> 133b4, <KAtkre> 135a2, <ṣlyämñā(na)> 136a2, <ṢAññepi> 136a6,
<KArtse> 137a6, <wäRAñcäṣṣa> 142a3 (ein Hapax).
<A> und <ä> von <krenTAṃ> und <ṣlyämñāna> habe ich oben besprochen.
<wäRAñcäṣṣa> ist schwer zu beurteilen26. Der andere Beleg ist <waRAñcampa>
MQ552b1 II‑3. Wenn diese beiden Formen identisch sind, ist das Wort /wäräñc/, da
MQ552 schon der Akzentregel unterliegt, und die Kom.‑Markierung eine Postposition
sein kann. Wenn /wäräñc/ ein richtiges Wort ist, kann es als /wär/ + /ñc/ analysiert
werden. /ñc/ kann ein sogd. Suffix(/ñc/ TEB, S. 137), ein toch. Nom.Pl. (/ñcā/ TEB, S.
137), Dual (/ñc/ TEB, S. 77) oder das toch. PPr. (/ñcā/, Krause 1952, S.34) sein. Wenn der
Schreiber richtig geschrieben haben sollte, wären der Nom.Pl. und das PPs. wegen <‑ä>
zu streichen (richtig wäre <>), aber in dieser Hs. ist nicht alles richtig geschrieben.
Ich möchte nochmal zur Schreibung dieser Zeile zurückkehren. Sie lautet
<///wäRAñcäṣṣa MAṣce ra KAsKAnTAr posTAṃ ː ///> (<MAṣce> für <MAśce>). Ich
finde die Worttrennung fraglich (<posTAṃ> ist klar). Ich schlage <///wäRAñcä
ṣṣa(r)MAṣ ce raKAsKAnTAr> vor. Zu <raKAsKAnTAr>: man hält <KAsKAnTAr>
von √käsk‑ Ps.XII, Ko.V und Pt.I für richtig, aber ich habe zur Klassifizierung der √käsk‑
Zweifel, da Ps.XII normalerweise mit Ko.XII und Pt.V kombiniert ist. Vielleicht hat
Krause wegen dieser Form und <KAskaññīTArne> 22b5 √käsk‑ als Ps.XII klassifiziert,
26
Vgl. Adams 1999, p. 578. Er hat richtig <ā>, <a> und <ä> unterschieden, aber die Behauptung 'first
<ä> ... is ... of a "super‑short" /ā/ ...' ist m.E. unrichtig.
47
aber diese Form <KAskaññīTArne> (leider ist diese Hs. verschollen) könnte <KAskañ
ñī tarne> sein, und zwar /käskāṃ/ 3.Sg. Ps./Ko. (<‑ñ> ist wegen des folgenden /i/
palatalisiert), /ñi/ ist ein Gen. des Pers.pron. und /tärne/ bedeutet 'Scheitel' und kommt in
der vorliegenden Hs. mehrmals vor. Hingegen ist die Wertung der Form
<raKAsKAnTAr> als 3.Pl.Med.Ps.Kaus. von √räk‑ 'bedecken' einwandfrei.
Zahlwort:
<ṣukTAnte> 135b3, <ṢKAss> 135b5, <wtentse> 137b4, <ŚKAnte> 144a3.
Die Markierung der Ordinalia ist von <ñunte> MQR123b4 her gesehen /‑nte/, nicht
/‑änte/, d.h. es liegt eine Schwaanaptyxe vor, und später wurde das Schwa akzentuiert (→
<a>).
<A> von <ṢKAss> ist /ä/. <ss> ist unverständlich, da es normalerweise nur am
Wortende vor einem Vokal des nächsten Wortes vorkommt. Vielleicht liegt aber eine
analogische Schreibung vor.
<wtentse> ist /wäte‑ntse/ mit Schwatilgung zwischen /w/ und /t/.
Der Phonemstatus des /ä/ ist am Graphem erkennbar. Die Akzentregel wirkte bei diesen
Hss.-Gruppe noch nicht. Später konnte das anaptyktische Schwa außer vor und nach /r/
akzentuiert werden. Daher werte ich <AR> und <RA> als Schreibungen für
biphonematisch.
<a>:
Verben:
<yamītRA> 133a1, <aŚAṃ> 133a2, <arttatte> 133a8, <paskentr> 133b3, <lyaka>
133b5, <takoɪˎme> 134a7, <wawlawaRˎ> 134b5, <klayaṃ> 135a2, <palante> 135b4,
<pruksemane> 138a5, <TSAṅkaṃ> 142a2, <śawäsTAr> 142a4, <katkaṃ> 141a1.
<a> ist /ā/, wenn es Wurzelvokal oder Suffixvokal (Ko.V, Pt.I) ist.
Die Wurzeln von <wawlawaRˎ> und <klayaṃ> sind √wlāw‑ und √klāy‑, die keinen
Ablaut haben. Wahrscheinlich sind /āw/ und /āy/ im ganzen Paradigma verallgemeinert.
48
Hingegen hat √śau‑ die Ablautstufe <śāw‑> (Dehnstufe?) in Pt.Kaus. Von A-Toch. √śo‑
her gesehen müßte die Wurzel √śau‑ sein. Vermutlich ist die originale Wurzel /śāw/
gewesen und danach /śa/ geworden, wie oben bei √kau‑ (<kauṢAṃ> 140b5).
Substantive:
<yamor> 133a4, <m[ai]yya> 133a6, <pyappyaintsa> 135a6, <añm> 135b8
(<āñMAntse> 137a7), <w[ä]tkaltsa> 136a1, <(wä)nTArwasā> 136a4, <śampā>
138a3, <antseṃ> 139b6, <puwar> 143b2, <amāṃ> 144b4.
<a> ist hier /ā/. <a> von <wätkal> ist auch /ā/, aber woher kommt es? Von anderen
Verben der Klasse, zu der √wätk- gehört (Ps. IXaδ), her gesehen kann dieses /ā/ ein
Suffix für Ko.V oder VI sein, aber unsere Wurzel hat nur Ko.I <wotkäṃ> 255a6, dessen
Stamm gleich dem Pt. ist. Eine Analogie oder ein Schreibfehler ist denkbar.
Pronomina:
<a> von <tay> 133b3, <tesa> 133b5 (und auch <tusā> 133b2) ist /ā/.
<tay> ist /tāy/ 3.Sg.f.Gen. <tesa> ist Perl, wie <tusā>.
Adjektive:
<allyek> 133b3 (<ālloṅ[kna]> 133a5), <astre> 134b7, <śvalmeṃ> 135b6, <ytaricci>
136a3, <attsanā> 137b2, <treṅkalwacci> 137b5.
<a> von <allyek>, <astre>, <śvalmeṃ> und <yraricci> ist /ā/.
<attsanā> kann ich nicht analysieren. Die Worttrennung ist auch unsicher und <n>
und <t> sind nicht deutlich unterscheidbar. Eine Möglichkeit wäre, daß <attsa> für
/ātsaik/ 'durchaus' steht. Bezüglich <(a)nā> ist wegen der Beschädigung keine sichere
Entscheidung möglich.
<a> von <treṅkal> ist ebenfalls unklar. Die Wurzel √trenk- gehört nach Krause zur
Klasse Ps.IXaγ. Eigentlich sind β und γ m.E. gleich, weil <a> bei γ akzentuiertes /ä/ ist,
deswegen müßte dieses <a> ein <ä> sein, wie in <[tr]eṅKALˎ> Š67b7 belegt ist. Aus
49
dem Priv. <etreṅKAtte> zu schließen handelt es sich um eine aniṭ-Wurzel27. Daher gehe
ich von einem Schreibfehler aus. Der Schreiber hätte das "Fremdzeichen" benutzen
müssen, aber er hat mit "Normalzeichen" geschrieben und ein Trema auf <ṅka> wäre
ungewöhnlich oder gar unmöglich gewesen.
<v> von <śvalmeṃ> ist merkwürdig. Normalerweise findet man <śpālmeṃ>. Vom
Duktus und der Schreibung her gesehen wurde die in Rede stehende Hs. von einem
Tocharer geschrieben (s.o.), nicht von einem Ausländer (z.B. einem Iraner), der <śp>
und <śv> verwechseln konnte. Daher müßte es sich bei dieser Form um das Original
von <śpālmeṃ> handeln28, da diese Form zwar selten belegt ist (MQR365b3 II‑1,
MQ546a2 I‑2), aber alle Belege interessanterweise in eine frühere Periode im
MQ‑Gebiet gehören. Mit der Annahme /v/ → /p/ läßt sich möglicherweise ein weiteres
Problem lösen, nämlich die Frage der Priorität von <cwi> und <cpi>, die ich schon in
der Einleitung angeschnitten habe. Von der Beleglage her erscheint der vorgeschlagene
"Intensitätsgegensatz" einigermaßen akzeptabel.
Adverbien:
<pkate>
133a4,
<anaiśai>
134a3
(<ānaiśai>
281b3),
<aṅkai(ṃ)>
135a1,
<mantanta> 137a2 (<māntaṃ> 142a5), <amaskai> 138b3.
<a> von <anaiśai> und <mantanta> ist /ā/, da dieselben Wörter auch mit <ā> belegt
sind.
<a> von <pkate> müßte /ä/ sein. Das Wort ist phonologisch /pkänte/, und in der Hs. ist
<a> für /än/ geschrieben. Wegen des Status eines Hapax legomenon ist nicht zu klären,
ob /än/ zu <a> werden konnte. Möglicherweise liegt wie bei <treṅkal> ein
Schreibfehler vor. Ein Trema auf <pka> ist unmöglich.
27
Vgl. Krauses 1952, S. 41f. Mit 'aniṭ'-Wurzel meine ich Wurzeln, bei denen vor Suffixen /ä/-Anaptyxe
auftritt.
28
Zum Lautlichen vgl. Hoffmann 1988, S. 875. [Avestan Language, erschien in: Encyclopaedia Iranica Vol.
III, London 1988, S. 47‑62 (Translated by Prof. R.E. Emmerick, Hamburg.)]. YAv. span/sun "dog" Sing.:
nom. spā (Vedic śv).
50
Es gibt keine Belege mit <ā‑> für <aṅkaiṃ> und <amāskai>, aber ich vermute, daß
dieses <a> ebenfalls /ā/ ist, weil in dieser Gruppe /ä/ gut bewahrt ist und keine
Akzentregel in Kraft ist (d.h. <a> kann nicht /ä/ sein). Es ist aber gut möglich, daß <a‑>
als sog. Alpha privativum auf idg. * zurückgeht. Dies ist sogar die communis opinio.
<a> in der ersten Silbe ist generell schwer zu beurteilen, wenn keine Akzentregel
vorhanden ist. <a> steht in der frühen Periode immer für /ā/. Daher kann <a‑> in
beiden Wörtern nicht aus idg. * kommen, da * im Toch. nicht zu /ā/ wurde. Trotzdem
können beide Wörter Privativa sein, falls sich für <kaiṃ> und <māskai> eine positive
Bedeutung erweisen läßt. Ich vermute, wie ich in der Einleitung erwähnt habe, daß dieses
<a‑> (auch <e‑, o‑> je nach Stammvokal) als Privativum nach indischem Muster
gebildet wurde.
Skt.:
<karuṇ> 133a3, <karMAṣṣentsä> 133a5, <pattraine> 133b4, <viśali> 133b3,
<śastRA> 134a4, <śabdhsa> 134b6, <anityaTˎ> 136b3, <brahmñaKTAññe> 138b5.
<nervvaNAṣṣ ā> 140b2, <karm> 141a4, <sargga> 144a3.
<a> ist /ā/.
<viśali> ist ein Lehnwort von skt. /viśālā/ (Pāli /visāla/). Dem <viśali> könnte ein skt.
*/viśālin/ zugrunde liegen, doch halte ich es für wahrscheinlicher, daß <‑i> in diesem
Wort die toch. Gen.‑Markierung für fremde Personennamen ist (TEB I, S.105, §129), da
fünf Wörter im Gen. nach der Versnummer /25/ hintereinander in dieser Zeile
geschrieben sind. <a> steht für skt. /ā/.
Das zweite <a> von <brahmñaKTAññe> sollte <ä> sein. Vermutlich hat der
Schreiber wegen der Mehrfachligatur das Trema auf dem <hmña> weggelassen.
<a> von <karuṇ>, <karMA>, <pattraine>, <śabdh>, <anityaTˎ> und <sargga>
ist Skt.‑Original /a/.
51
Die Gemination <vv> in <nervvaNA> und <gg> in <sargga> ist eine Nachahmung
eines indischen Musters, in dem die Gemination vom /r/ verursacht wurde.
<ā>:
Verben:
<ākseˎ> 133a3, <yopsā> 133a3, <yāmoṢAṃ> 133a4 (Part.Ps.Obl.Pl.m.), <pkāte>
133a5, <kāmāte> 133b4, <wayānte> 133b7, <eNAṣṣā(nt)e> 133b7, <KArsālle>
134a4, <weñā> 135b6, <eṅKArstātte> 136b5, <srukemāne> 139a3, <tākanne> 139a4,
<srukālle> 139a5, <yātoɪˎñ> 139b5, <lkāskeṃ> 140a5, <swāsaṃ> 140b4.
<ā> in dieser Hss.-Gruppe ist /ā/, das bei Wurzelvokalen, der Tempusmarkierung (Pt.I),
der Modusmarkierung (Ko.V) und der PPs.‑Markierung (Med. /‑māne/) auftrat.
<ā> von <lkāskeṃ> kommt im Paradigma durchgehend vor (bei Ps.IX, Ko.V und Pt.I).
Die Herkunft des <ā> ist schwer zu bestimmen. Wenn diese Wurzel eine seṭ‑Wurzel
sein sollte, kann man in <ā> den Reflex eines Laryngals sehen. Eine andere Möglichkeit
ist, /lӓkā/ Ko.‑Stamm + /sk/ zu sehen, um den Pr.-Stamm herzustellen.
Substantive:
<erkenmāsa> 133b7, <śamnānTSA> 133b8, <ynāñ[m]> 134a7 (<ynañMā> 134b4),
<sTāMA> 134b7, <[s]sāNAṃ> 135a8, <āyoRˎ> 135b6, <yśāmna> 136b4, <l[w]āsā>
136b4, <KAntemāsa> 137b3, <māsk(m)eṃ> 139a4, <stām[a]> 139 a5, <āPˎ> 140b4,
<mācer> 142a4.
<ā> und <a> stehen für /ā/ (Pl. und Perl.).
Bei den Schreibungen <ñMā> und <sTā> handelt es sich um Schreibfehler. Ein <‑ā>
(d.h. Haken nach rechts) sollte in <ynañMā> auch auf dem <yna> stehen (für /ynā/),
und <T> von <sTā> sollte <t> sein. <T> und <t> sind sehr ähnlich.
<ss> von <[s]sāNAṃ> ist /s/. Am Wortanfang nach vorausgehendem Auslautvokal ist
der Konsonant in diesen Hss. oftmals geminiert geschrieben.
Pronomina, Adjektive:
52
<māka> 133b8, <tontsā> 135a4 <prākre> 133b8, <ksā> 139a4 (<ksa> 142b4).
<‑sā> von <tontsā> ist die Perl.‑Markierung, und <ā> von <māka>, <pākre> und
<ksā> steht für /ā/.
Partikeln:
<mā> 133a1 (<ma> 136a1), <rā> 133a7 (<ra> 134b2), <kā> 133b5 (<ka> 133a2),
<ṣṣāp> 134a3 (für /ṣäp/?). <ā> steht für /ā/.
<ṣṣāp> sollte /ṣäp/ 'und' sein. Das Wort ist oft mit /no/ kombiniert (Ligatur <p˄no>)
geschrieben. Der Schreiber mußte das "Fremdzeichen" <ṢA> schreiben, aber er hat
zuerst das "Normalzeichen" und danach einen Haken statt des Tremas geschrieben, weil
das Trema auf <ṣṣa> ungewöhnlich oder sogar unmöglich ist. Die Verwechslung von
"Fremdzeichen" und "Normalzeichen" kommt in diesen Hss. (s.o. bei <ñMā> und
<sTā>) gelegentlich vor.
Skt.:
<piṇ[ṭ]vāt> 133a2, <rṣākentse> 133a7, <sūTArnmāṣṣe> 134a2, <kleŚAnmā> 140a4.
<ā> von <piṇṭvāt> ist wie im Skt.
<ā> von <sūTArnmāṣṣe> und <kleŚAnmā> ist die toch. Pl.‑Markierung.
<ā> von <rṣāke> ist das toch. Phonem /ā/, da es skt. /ṣi/ heißt.
<ī> und <ū>:
Verben:
<rīNAskentRA> 133b3, <weñī> 134a1 (<weñi> 134b8), <KAllātsī> 135a3,
<yūkseṃ> 135a8, <paṣṣītRA> 135b8, <rītat[s]ī> 137a4, <yätsī> 141a2, <cmītRA>
141b2 (<cmiTAr> 144a4), <kekKArkū> 142b3, <ŚAccätsī> 133a4, <NAktsī> 133a5.
<ī> und <ū> sind /i/ bzw. /u/.
<ī> von <weñī>, <paṣṣītRA> und <cmītRA> ist das Suffix für Opt./Impf., und <ī>
von <KAllātsī>, <rītat[s]ī>, <yätsī>, <ŚAccätsī> und <NAktsī> steht im Inf.‑Suffix.
<ū> von <yūkseṃ> und <kekKArkū> ist /u/.
Zu <ī> und <ū> möchte ich auf folgendes hinweisen:
53
1) Das Opt.‑Suffix <ī> kӧnnte aus idg. *ih₁ herkommen. In der Periode I‑2 wurde <ī>
nach Konsonanten zu /i/. In dieser Periode kann man eine Entwicklungsphase erkennen,
da <i> und <ī> unterschiedslos geschrieben wurden, und später nur <‑i> verwendet
wurde. Die Tocharer haben <I> schon frühzeitlich konsonantisch nach Virāmakomma
benutzt. Wahrscheinlich ist dieses Zeichen im 4. Jh. n. Chr. aus der Skt.-Brāhmī
übernommen worden.
2) In einer frühen Phase gab es keinen Vokal /i/, sondern einen /y/ (Approximant im
Begriff von IPA). <yä‑> oder <I-> (Skt. [iː]) representierte den Anlaut. Wäre es so,
gibt es z.B. keine √i- 'gehen', sondern √yä-. Das kann man vom Paradigma der √i(Krause 1952, S. 222-223) deutlich erkennen. <ī> war für den In- und Auslaut benutzt.
3) Parallel zu /i-/ gab es auch kein /u/ in frührer Phase, sondern /w/. <wä-> für den
Anlaut und <-ū-> für den Inlaut und Auslaut geschrieben. Die Entstehung dieses <ū>
aus /ə + / ist möglich (Prof. Gipperts Hinweise). So weit ich sehe, ist <u> nicht
vokalisch, z.B. in <kse> oder <eˎ>, und mit <u> beginnende Wörter sind alle Lehn‑
oder Fremdwörter. Nur <uwe> 'geschickt' ist anscheinend ein toch. Wort (nur zwei
Belege, Š81a1 s.u. und Š589a5), aber es ist durchaus möglich, daß <uwe> ein Lehnwort
ist, z.B. Khot. uverä 'suitable' oder hvera 'sweet' (Baily 1979, p. 40. und p. 508), Gāndhārī
uva‑ aus upa‑ (Brough 1962, p. 87, §34), Chin. 無為 wú wéi 'free from ties' (Karashima
1998, p. 472), oder Türk. √u‑ 'können' uğan 'God' (Clauson 1972, p. 2) usw. Ich werde auf
<uwe> noch einmal bei der Erörterung der Beleglage zurückkommen.
Substantive:
<rekī> 134a8, <nākī> 138a7 (<naki> 146a4), <āñū> 140a2.
<ī> und <ū> sind /i/ bzw. /u/.
<ī> und <ū> entwickelten sich zu <i> bzw. <u>, die später zu /i/ bzw. /u/ wurden.
Pronomina:
<sū> 133a2 (<su> 133b8), <cpī> 133b3 (<cpi> 142a5).
<ū> und <ī> sind hier auch /u/ bzw. /i/.
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Adjektive, Partikeln:
<tārśī(cce)> 133b5, <(pudñä)kteṣṣepī> 135a6, <maiMAñcī> 141a5 <pī> 134b3.
Diese <ī> halte ich ebenfalls für /i/.
Skt.:
<śil> 133b8 (<śīl> 145b1), <yudhiṣṭhīre> 133b2.
Dieses <ī> ist jeweils das /ī/ des Skt.-Musters. <śil> ist skt. /śīla/. <i> und <ī>
kommen nebeneinander vor, d.h. es gibt keine phonologische Opposition zwischen
kurzem und langem /i/.
MQR224‑227:
a) Paläographische Untersuchung:
Der Duktus ist ähnlich wie MQR133‑146.
224b3 Die Schleifen von <y> sind im Vergleich zu älteren Hss. größer und nach rechts
gebogen:
geöffnet:
; 224a2 <ñ> ist in der Mitte merklich geöffnet:
; 224b3 <m> ist oben
.
224a3 <ṢA> und
ist unten kurz:
224b3 <a‑>,
226a2 <ŚA> sind in der Mitte geöffnet. 224b3 <LA>
; 224b2 <MA> ist wie in MQR133‑146 links oben eckig:
224b1 <e‑>,
227b2 <o‑> sind wie in MQR133‑147.
227b2 <LṢA> Der senkrechte Bindestrich in der Ligatur ist sichtbar:
224a1 <cˎ> Der Virāmastrich ist horizontal oder etwas schräg:
55
.
.
.
224a /60/ und 224a /7/ sind die Blattnummern:
224a2 /3/,
224b1 /4/,
225b2 /2/,
bzw.
.
226a1 /6/ und
227b3 /7/ sind die
normalen Versnummern.
b) Linguistische Untersuchung:
1) Diphthonge:
/a/:
<tai> 224a1, <śaiṣṣentse> 224a1, <onolmennai> 224a2, <meTAr> 224a3 (für
<‑ai‑>), <nawatai> 224a3, <waskātai> 224b3, <wärñai> 225a2, <snai> 225b3,
<saim> 225b3, <nray(ṣ)e> 227a2, <aiṣaumyepi> 227b2, <ṣain> 227b3.
<ey> kommt in diesen Hss. nicht vor. <e> von <meTAr> (für /matär/) ist ein
Schreibfehler für <ai> (eine Kurve statt zwei senkrechte Kurven).
<ay> von <nrayṣe> ist möglicherweise eine aus Gāndhārī /niraya/ oder einer anderen
Prākritsprache stammende Form (s. ad <nrai> 143a4). <ay> von <nray> ist skt. (oder
prākrit) /aya/ und die Schreibung ist schwankend (<ai>, <ey> und <ay>), aber <ai>
von <śaiṣṣe> oder <aiṣaumye> ist durchgehend so geschrieben. Es ist möglich, daß
<ai> von <nrai> wegen seines Status als Fremdwort nicht festes toch. /a/ wurde. Eine
weitere Möglichkeit ist, daß <y> ein eigenständiges Phonem ist (mit Silbengrenze
zwischen /a/ und //).
<ew>, <eˎ> und <au>:
<krent[e]wnants> 224b1, <tsirewñe> 224b3, <winaskewc[ä]> 225a1, <neseˎ> 225b3,
<neˎṢAK> 226b3, <śaulmeṃ> 227a2, <sampaucai> 227a3.
<eˎ> und <ew> sind hier noch vorhanden. <w> von <ew> ist mit dem nächsten
Akṣara als Ligatur geschrieben. Diese Schreibung ist parallel zu der von <ey>.
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<śaul> habe ich oben schon erwähnt (s. ad <śauwlo> 275b4). <au> von /śal/ ist ein
ursprünglicher Diphthong.
Im Falle von <sampaucai> ist es schwer zu beurteilen, ob es "als eine formale
Kontamination des PPt. und des PPs. Akt. auf ‑eñca" (Krauses 1952, S. 44, §36)
aufzufassen ist. Von der Form der anderen Nomina agentis her gesehen möchte ich in
dem <‑cai> von <‑aucai> ein Suffix /-cā/ sehen, aber <au> des angeblichen PPt. ist
problematisch, da es <ynuca> (vom Ps.‑Stamm) gibt. Wenn /u/ ein selbständiges Suffix
sein sollte, kann man drei Morpheme {Verbalstamm} + {u} + {cā} ansetzen und eine
Verschmelzung des /‑ā/ des Verbalstammes mit /u/ (→ /a/) annehmen, wie ich oben bei
der Besprechung des PPt. bemerkt habe.
<oy>:
<takoy> 224a1, <s[o]yñcka> (für soṃśke, Thomas 1953. S. 135) 226a1.
Das <y> von <takoy> ist zusammen mit dem nächsten <a-> als ein Akṣara <ya>
geschrieben worden. In diesem <oy> sehe ich eine Neuerung von <oɪˎ>. Diese
Erscheinung hat eine Parallele in der Genese des <ay> von <nrayṣe> (s.o.).
Wenn <soyñcka> für <soṃśke> stehen sollte, wie Sieg/Siegling vermutet haben, ist es
schwer zu entscheiden, welche der beiden Formen für 'Sohn' (/soy/, /son/) ursprünglich ist.
Den Belegen nach überwiegt <soy> und ist früher (MQR139a2, I‑2 oder <so(y)śk///>
H150, 127a2) belegt. Daher neige ich dazu, <soy> für ursprünglich zu halten. Wenn
diese Ansicht zutrifft, wäre es sinnlos, nach einer Etymologie für /son/ (vgl. z.B. Adams
1999, p. 704) zu suchen. Wenn die Schreibung <soyñcka> richtig sein sollte, müßte
<yñ> sich zu <ṃ> entwickelt haben, d.h. <y> müßte sich zunächst an den folgenden
Nasal assimiliert haben, und danach müßte <ññ> zu <ṃ> geworden sein. Diese
Argumentation setzt die Richtigkeit der zitierten Lesung voraus. Auf dem Photo ist in
dieser Zeile jedoch eine beträchtliche Ungenauigkeit zu beobachten. Ich lese jetzt <[ṣp.]
TA‑[ṅ]wa (l)SA reṃ s. yñcka ra .[TA] 6>, wobei ich auf <s> kein Vokal- oder
Konsonantenzeichen mit Sicherheit bestimmen kann (eher nicht <‑o>, sondern <ṅ‑>
oder <‑ā>). Außer im Falle von <TAṅwa> ist die Worttrennung nicht eindeutig. Das
57
von Sieg/Siegling transkribierte <lareṃ> kann ich nicht nachvollziehen. Das Problem
muß ich vorläufig auf sich beruhen lassen.
2) Akzentregel, Vokallänge:
<ä>:
Verben:
<LA[c]> 224a2, <PAlka> 224b2, <keLAsta> 224b2, <TAnMAṣle> 225b1,
<tRAṅmane> 225b3, <KALṢAṃ> 227b2.
<A> ist /ä/: in Wurzeln (<LA[c]>, <PAlka>, <TAnMAṣle>, <tRAṅmane> und
<KALṢAṃ>), vor Affix (<TAnMAṣle>) und vor der Endung (<keLAsta> und
<KALṢAṃ>). Für /ä/ vor der Endung habe ich oben einige Lösungsmöglichkeiten
erwähnt, und in <keLAsta> dürfte es sich bei dem <A> um eine Anaptyxe handeln, da
kein Kaus. vorliegt.
√käl‑ hat Ps.VIIIa, Pt.IIIa und Ko.I. Diese Kombination ist regelmäßig, aber es ist unklar,
warum <e> im Ko.‑ und Pt.‑Stamm vorkommt. Ich zitiere die Belege für e‑Vokal im
Stamm beim Ps.VIIIa (Krause 1952, S.76ff):
e‑Vokal im Ko.I: √ku‑ <kewu> (PK13.8a6 Hapax), √käl‑ <kelu> (Š81a2 Hapax).
e‑Vokal im Pt.III: √käl‑ <keltsa> (3x), √yärp‑ <yerpsa> (1x), √ṣärp‑ <ṣerpsa> (3x),
√näk‑ <nekwa> (3x), √näm‑ <nemar> (2x), √päk‑ <papeku> (3x), √tsäk‑ <tsekär>
(1x).
e‑Vokal überall: √er‑, √prek‑.
Wegen des Status als Hapax bin ich mir bei <kewu> bzw. <kelu> nicht sicher, ob /e/ im
Ko.I existierte. Es ist möglich, daß diese Schreibungen fehlerhaft sind.
Das /e/ von √er‑ und √prek‑ ist der Wurzelvokal, der ein eingentlicher Ablaut war und
durch Analogie verallgemeinert worden sein konnte.
Das /e/ kommt überwiegend im Pt.III vor, wobei ich in /e/ eine Vollstufe von /ä/ sehen
möchte. Dieses /e/ hat keine Palatalisationswirkung, deswegen nehme ich an, daß es nicht
58
aus idg. */e/ stammt, sondern aus urtoch. */æ/. Vom /s/‑Element im Pt.III her gesehen
könnten die Verben dieser Klasse Kaus. sein.
Substantive:
<KArtseṣc> 224a1, <PAlsko> 224a1, <cämPAmñe> 224a1, <somotKAñe> 224a2,
<eŚAn(e)> 224b1, <LAkle> 224b2, <ñäkta> 225a3, <aRAñc> 227b2.
<A> und <ä> repräsentieren /ä/ als Anaptyxe (<cämPAmñe> bzw. <somotKAñe>).
Beim <A> von <eŚAn(e)> ist es problematisch, ob <A> eine Anaptyxe oder ein
Dualsuffix aus idg. *ih₁ ist. Aufgrund anderer Belegen nehme ich an, daß die
Palatalisation hier eine Markierung für die Opposition Nom./Obl. ist. Die toch. Dualmarkierung ist hier ‑ne (Herkunft unbekannt). Deswegen halte ich dieses <A> für eine
Anaptyxe.
Adverbien, Adjektive:
<MAnt> 224b2, <wärñai> 225a2, <wälke> 226a3, <posTAññe> 225b1.
<A> und <ä> sind /ä/. <A> von <posTAññe> ist eine Anaptyxe.
Pronomina:
<TAñˎ> 224b2, <ñäś> 225a2.
<A> und <ä> sind /ä/ in Wörter.
Skt.:
<cāKA(r)> 225a1, <kleŚAnmaṣṣe[ṃ]> 226a2.
<cāKA(r)> ist ein Lehnwort aus dem Skt. (/cakra/). Die Schreibung ist schwankend
(<cakkar>, <cakra>, <cāKAr>, <cākKAr> und <cākr>). <a> und <ā> vertreten
/ā/, wie ich gezeigt habe. Vom Skt. her gesehen müßte das Wort mit <a> geschrieben
sein, aber das Toch. hatte kein Phonem /a/, deswegen haben die Tocharer skt. /a/ mit
<ā> (oder <a>) wiedergegeben. <Ar> von <cāKAr> bezeichnet /r/, das auch mit
<är> oder <rä> wiedergegeben werden kann.
59
<A> von <kleŚAnma> ist eine Anaptyxe. Das Skt.-Wort /kleśa/ ist im Toch. apokopiert
und mit der Pl.‑Markierung /‑nmā/ versehen worden. Das Wort ist kein Fremdwort mehr,
weil es mit dem toch. Graphem <Ś> geschrieben wird.
<a>:
Verben:
<takoy> 224a1, <nawatai> 224b3, <[KA]rsatsi> 224b1, <kyānasta> 224b1,
<winaskew> 225a1, <valatsy> 225a2, <tsälpatsiṢcˎ> 226a3, <lyakastā> 226b2,
<lkaṢA(ṃ)> 227a1, <kaklāy(a)[ṢA]> 227b1.
<a> ist /ā/ bei Wurzelvokalen (<takoy>, <winaskew>, <valatsy>, <lyakastā>,
<kaklāy(a)[ṢA]>), und bei der Markierung von Pt.I (<nawatai>, <kyānasta>,
<lyakastā>), von Ko.I (<[KA]rsatsi>, <valatsy> <tsälpatsiṢcˎ>) und von Ps.IXa
(<lkaṢA(ṃ)>).
/ā/ von /wināsk‑/ und /läkā‑/ ist durchgehend so geschrieben. /wināsk‑/ ist ein Ps.‑Stamm
und im ganzen Paradigma verallgemeinert, und daher wurde dieser Stamm in der
Literatur als Wurzel behandelt. Dagegen bildet √läk‑ nur ein sk-Ps. (/läk‑ā(‑)sk‑/, Pt.I
/lyākā‑/). Das /ā/ kommt möglicherweise vom Ko.V oder Pt.I her. In dem Fall wäre das
sk‑Ps. eine Neuschöpfung im Tocharischen.
<valatsy> haben Sieg/Siegling mit 'Sic!' (Thomas 1953, S. 134, Fnt. 14) markiert (aus
√wāl‑?), aber m.E. ist es möglich, daß dieser Inf. von /pāl‑/ abgeleitet ist (Ko. von √päl‑
'preisen'), weil in dieser Hss.-Gruppe <śv> für <śp> geschrieben wird (<śvālmeṃ> für
späteres <śpālmeṃ> s.o.).
Die Reduplikationssilbe <ka> von <kaklāy‑> weist */æ/ mit ā‑Umlaut auf. Eigentlich
müßte die Form <kāklāy‑> lauten, es scheinen aber Belege zu fehlen. Die Reduplikationsvokal */æ/ wurde <a> für voll- bzw. langstufigen Stamm, und <e> für den
schwundstufigen Stamm verallgemeinert.
Substantive, Pronomina:
60
<añmalaṣKAñ> 224a2, <LAklentants> 224a3, <ak(e)> 224b1, <askace> 224b2,
<ayor> 224b3, <erkenma> 225b2, <ŚAnmanmasa> 226a2, <āñmalaṣle(ñ)esa> 226a3,
<akaLKAnta> 227a3, <kcesa> 226b1.
<a> ist /ā/ (als Stammvokal in <añmala>, <ake>, <ayor>, <akaLK>; in den
Pl.‑Suffixen <nta>, <nma>; in der Perl.‑Markierung <sa>).
In Š308 (verschollen) kommen <askwacentse> b3 und <askwaśi> b4 als Übersetzung
für skt. kuśa vor. Das Wort <askwace> könnte prinzipiell mit /āskuce/ identisch sein, d.h.
/u/ müßte mit <wä> wiedergegeben sein. Später wäre <ä> akzentuiert worden. Der
Vergleich mit A-Toch. <āskāc> zeigt, daß beide <a> von <askace> als /ā/ zu werten
sind. Wenn die Bedeutung von <askace> tatsächlich 'Kuśagras' (TEB II, S. 165) ist,
bleibt die Passage 'wie goldenes Kuśagras leuchtete deine Körper' unverständlich. Was
für ein Gras ist gemeint? Daher möchte ich beide Wörter (mit und ohne <w>) trennen.
Adjektive:
<alyekepi> 224a1, <ysaṣṣa> 224b2, <lareṃ> 226a1.
<a> ist /ā/.
<lareṃ> ist vom Nom. <lāre> her gesehen /lāreṃ/, aber <lāreṃ> ist nicht belegt. Ich
kann nicht genau beurteilen, warum <a> nur beim Obl. vorkommt. Hingegen wurde der
Nom.Sg. <lāre> auch <lare> geschrieben. Möglicherweise ist es zufällig, und ich
möchte dieses Problem auf sich beruhen lassen.
Partikeln, Adverbien, Postpositionen:
<ma> 224b3, <ate> 224b3, <ramTˎ> 226a1, <mapi> 226b2.
<a> ist /ā/. <ate> kann /āte/ sein, da <at ā[t]e> MQ338a7 und <at [ā]te> Š406a2
belegt sind. In anderen Saṃdhi‑Formen im Toch. ist der Anlaut des zweiten Wortes
oftmals bewahrt.
Skt.:
<sak> 224b1, <karuṃ> 226b1.
61
<a> von <karuṃ> ist Skt. /a/.
<sak> ist ein Lehnwort aus dem Skt. /sukha/. A-Toch. <suk> ist verständlich und in BToch. in H.add.149.088a4, H 149.307a4 und PK NS 34b4 belegt (wegen der Beschädigung kann ich die Bedeutung nicht mit Sicherheit bestimmen, aber zumindest ist in PK
NS 34b4 die Lesung sicher). <sak> ist überwiegend in B-Toch. belegt. Ich vermute, daß
die Entwicklung dieses Wortes /sukh/ → /swäk/ → /säk/ ist, und /ä/ betont war. Vom
Beleg <SAkw> (MQR128a2, MQR228b4, MQR254b3, MQR280a2) her gesehen ist
diese Lautentwicklung plausibel, aber ist /k/ labialisiert oder ist eine Assimilation von /u/
anzunehmen? Das Problem scheint zum jetzigen Zeitpunkt nicht lösbar, aber wenn diese
Entwicklung stattgefunden haben sollte, bleibt noch die Frage, ob die Hs. MQ224
wirklich alt ist. Oder wirkte die Akzentregel schon in der Periode I‑2?
Man kann in diesen Hss. einen altertümlichen, wenn auch unpräzisen Duktus erkennen,
und vom phonologischen Standpunkt her gesehen ist die Orthographie des Schreibers
unvollkommen. Mӧglicherweise war der Schreiber ein Fremder oder ein ungeübter toch.
Novize war. Eine weitere Möglichkeit ist, daß diese Hss. Kopien sind.
MQR333‑5:
a) Paläographische Untersuchung:
334a1 Die linke Schleife von <ya> reicht bis zur oberen Mittellinie. Rechts oben ist sie
noch geöffnet:
; 334a2 <ñ> ist geöffnet:
; 334a2 <n> und <t> sind gut
unterscheidbar, und zwar ist der linke Teil von <t> nach unten gezogen:
<ma> ist oben geschlossen, links unten ist es ornamental:
gerade:
; 334a2
; 334a2 <l> ist unten
; 334a2 <ś> ist links gekrümmt, der Virāmastrich ist nicht vollständig
geneigt, und das Virāmakomma ist wie ein Anusvārazeichen geschrieben:
62
.
334a3 <ṢA> ist in der Mitte geöffnet:
; 333b3 <Śˎ> ist in der Mitte geschlossen
und eckig geschrieben, es sind zwei Dreiecke erkennbar:
gerade und eine Querlinie ist dünner:
kommt auf dem 'Fremdzeichen' vor:
; 333b6 <KA> ist unten
; 333b7 <T> ist oben rund, das Trema
. Der Befund wird unten ausführlich erörtert.
334a6 <LA> ist unten länger als in der vorhergehenden Periode:
.
333b2 <a‑> ist normal, es handelt sich um eine schon entwickelte Form:
; 334a8
<I‑> ist vokalisch. Diese Erscheinung ist schon in 133 gegeben (s.o.). Hier sind die
beiden Kreise nach rechts geöffnet:
; 333b7 <u‑> kommt in Skt.‑Wörtern vor:
, sonst tritt es als /‑ˎ/ mit Virāma auf; 334a2 <e‑> ist schnörkellos:
<o‑> ist oben lang gezogen:
333b /6/ und
334b2 /6/,
.
334b /8/ sind die Blattnummern.
334b6 /7/,
; 333a4
335a1 /22/,
333a8 /3/,
335a2 /23/ und
334a7 /5/,
335a3 /24/
sind Versnummern.
Blatt- und Versnummern (200 und 7) sind von derselben Hand geschrieben. Merkwürdig
ist eine virāmaartige Linie zwischen /20/ und /2, 3, 4/, die in späterer Zeit nicht vorkommt.
Paläographisch gesehen sind diese Zahlzeichen weder archaisch noch jung. Vielleicht
sind es Zahlzeichen, die aus Skt.‑Hss. importiert und bereits in der Periode I‑2
tocharisiert wurden.
Zum Komma auf 'Normalzeichen' nach Virāmastrich:
Bis zu dieser Hs. (Periode I‑2) begegnet man dem mit Virāma kombinierten Komma
über dem Akṣara für unsilbischen Konsonanten nicht (<maścäśʾˎ> 334a2). Den
Virāmastrich gibt es im Skt. nicht.
Am Anfang hatten die Tocharer keine Markierung für unsilbischen Konsonanten über
dem Akṣara. Wenn man unsilbische Konsonanten schreiben wollte, benutzte man
63
"Fremdzeichen“ ohne zusätzliche Markierung. Später schrieb man einen Strich, der
ursprünglich bei einer Ligatur als Bindestrich benutzt wurde, um den Konsonanten als
unsilbisch zu markieren. In Skt.-Wörtern gab es Kommata für Virāmazeichen (eine
Mitteilung von Prof. Karashima), und in der Periode I‑2 benutzte man das Komma nach
dem Vorbild des Skt. Danach wurde dieses Komma nach Virāmastrich verallgemeinert.
Zum Trema auf Akṣaras nach Virāmastrich:
In dieser Hs. kommt das Trema auf Akṣaras nach Virāmastrich vor (z.B. <śaketSˎ>
333a6, <maṃnTˎ> 333b2). Normalerweise benutzte man dieses Trema nur für
"Normalzeichen". Ich vermute, daß sich diese Schreibung parallel zu dem oben erwähnten Komma herausbildete. Dieses Trema ist von Anfang an, wie bei der Diskussion von
MQR587 erwähnt, für den selbständigen /ä/‑haltigen Konsonanten geschrieben worden.
Ich weiß nicht, woher dieses Trema stammt. Eine Vermutung von mir orientiert sich am
<ə> der Avestaschrift, das möglicherweise aus den "Greek minuscules“29 stammt. Die
Gestalt ist die eines griechischen <٤> und wenn man dieses um 90 Grad dreht, ergibt
sich eine tremaartige Form. Jedenfalls erscheint dieses Trema im Toch. von Anfang an
bei "Normalzeichen“ und hier ist der Akṣara mit Virāma kombiniert geschrieben.
<ṃn> für /n/ kommt vorwiegend in der Periode I‑1/2 vor. Bailey hat darauf hingewiesen
(Opera Minora Vol. 2, Gandhārī p. 316), daß ein ähnliches Phänomen in der
Gāndhārīschrift erkennbar ist (<ṃ> ist hier nur inschriftlich). Wenn die Gāndhārīschrift
schon vor dem Beginn der toch. Schriftlichkeit in Gebrauch gewesen sein sollte, könnte
das Toch. dieses System übernommen haben.
b) Linguistische Untersuchung:
1) Diphthonge:
<eˎ> und <ew>:
29
Vgl. Hoffmann 1988, S. 867. [Avestan Language, erschien in: Encyclopaedia Iranica Vol. III, London
1988, S. 47‑62 (Translated by Prof. R.E. Emmerick, Hamburg.)].
64
<ceˎ> 333a4, <neseˎ> 333b3, <keˎwcä> 334a2, <lkāskewat> 333b2 für
<lkāskew wat>.
<w> von <keˎwcä> ist mit dem nächsten Akṣara kombiniert als Ligatur geschrieben.
Auf diese Erscheinung habe ich schon oben hingewiesen, und hier möchte ich eine
andere Erklärungsmöglichkeit anbieten: <w> könnte Bindekonsonant gewesen sein.
Wenn dem so ist, würde die Schreibung <auw> als ein Fortsetzer von <eˎw>
verständlich.
<KAlpowä> 333b6.
Die Schreibung <owä> stellt m.E. eine Zwischenstufe zwischen /ā‑w/ und /a/ dar.
<wä> könnte ein vokalloses /w/ sein. Früher hat man die "Fremdzeichen“ als vokallos
(ohne Virāma) benutzt, und hier sehe ich in <wä> ein ähnliches Phänomen.
<śauLAṣe> 333a3,<kautsiśco> 333a4, <klautkalyñ[e]> 333a9.
<au> von <śaul> und <kautsi> habe ich schon erwähnt.
√klautk‑ ist im Gesamtparadigma so geschrieben, und zwar bei Ps., Ko. und Pt. von
Grundverben, sowie bei Kausativa. Ich nehme an, daß die Wurzel eine Vollstufe von
√klutk‑ ist und verallgemeinert wurde. √klutk‑ bildet Ps.VII, die ich für eine
altertümliche Klasse halte, da sie beim Pt. den Ablaut aufweist.
√klautk‑ bildet das Ps. nach der Klasse IV, die ich für ein neues System innerhalb des
Toch. halte, da man keine Entsprechung im Idg. erkennen kann. Die Vollstufe /klautk‑/
ist vermutlich Ko.V von √klutk‑, da √klutk‑ keinen Ko. bildet (zumindest ist er nicht
belegbar). Diese Vollstufe könnte im ganzen Paradigma verallgemeinert worden sein,
d.h. eine Neuschöpfung darstellen.
/a/:
<yaipormeṃ> 333a3, <lalaitau> 333a6, <warñai> 333a7, <snai> 333a8, <waiyke>
333a9, <yainmu> 333b1, <aiykemaRˎ> 333b2.
65
In diesen Hss. kommt kein <ey> vor, sondern nur <ai>. <aiy> habe ich oben erwähnt
(s. ad MQ148). Eine andere Möglichkeit könnte sein, daß <y> ein Bindekonsonant
zwischen zwei Akṣaras ist, wie bei <eˎw> oben.
<oy>:
<soɪˎ> 333a6.
Das Wort habe ich oben besprochen (s. ad MQR338b6).
Skt.:
<naiwasajñāsaṃjñāyataṃnˎ> 333b8.
<ai> in diesem Wort ist eine originale Sandhiform von skt. /na eva/. Der Schreiber hat
nach dem Skt.-Gebrauch geschrieben, aber er verwendete das Zeichen für das toch.
Phonem <w> statt <v>. <ṃn> ist wie im Skt. geschrieben.
2) Vokallänge:
/ā/:
Substantive:
<mātri> 333a2, <wāki> 333b1, <nāki> 333b9, <swāralyñe> 334a1, <krāke> 334a1,
<prāroṃntsa> 334b1.
<ā> ist /ā/.
<a> von <swāralyñe> kann auch /ā/ sein. Ich vermute in diesem /ā/ ein Kollektivsuffix
(← *h₂?). Auf eine andere Möglichkeit werde ich weiter unten bei der Besprechung von
<a> hinweisen.
Verben:
<stināstsi>
333a8,
<palāte>
333a10,
<lkāskew>
<kluṣnātRA> 334b9, <śwātsi> 335a5, <śwāle> 335b4.
<ā> ist /ā/.
66
333b2,
<lkātsi>
333b9,
<ā> von <stināstsi> ist m.E. eine Ko.‑Markierung, aber die Belege sind zu wenig (zwei
Inf. und ein Impv.), um diese Wurzel und ihre Bedeutung genau beurteilen zu können
(Krause 1952, S. 301: sti‑n‑āsk‑ (?) "schweigen" (?)).
<kluṣnātRA> ist ein Hapax. Sein <nā> sieht wie eine Ps.VI‑Markierung /kluṣ‑nā‑/ aus.
Krause 1952 (S. 241) vergleicht die Wurzel /kluṣ‑/ mit √klu‑, für die es aber ihm zufolge
nur einen einzigen Beleg gibt (<klawāte> Š5b5). Die Bedeutung 'streichen' erscheint
vom Kontext her gesehen für beide Wurzeln plausibel, aber <ṣ> von <kluṣnātRA> ist
fraglich, und ich kann der Ansicht nicht zustimmen, daß die beiden Wurzeln identisch
sind: <klawāte> repräsentiert /klāwāte/ und kann deswegen nicht von /klu/ kommen,
und /klāw‑/ ist ein Pt.‑Stamm, den Sieg/Siegling als "2 klaw" im Glossar (Thomas 1949, S.
117) eingeordnet haben.
<ā> von <palāte> ist die Pt.‑Markierung, <lkā‑> habe ich oben erwähnt.
Nach meiner Meinung ist /śwā‑/ der Ko.‑Stamm von √śu‑ (Krause 1953, S. 294). Die
Schwundstufe ist /śu‑/ (PPt. und Ps.), die Vollstufe /śāw‑/ (Pt.). <u> kommt mit <w>
kombiniert vor. <aw> halte ich für /āw/ (Vollstufe).
Partikeln:
<mā> 333a5, <māka> 334a2.
<ā> ist /ā/.
Skt.:
<ṣamāne> 333a5, <anāgāme> 333b3, <saktākāme> 333b4, <srotāpaṃnne> 333b5,
<srotāpaTAñe>
333b5,
<wijñānanaṃn‑tyātaṃnˎ>
<dhyāno>
333b6,
333b7,
<akāśanaṃn‑tyāyataṃnˎ>
<ākiṃñcaṃṇyāyataṃnˎ>
333b7,
333b8,
<naiwasajñānāsaṃjñātaṃnˎ> 333b8, <kumbhāṃṇḍi> 333b9, <saṅghā> 334a1,
<stulāṃñcana> 334a2 (<stulāṃ> 334b1), <sāṅne> 334a3.
67
<ā> für skt. /a/: <ṣamāne>, <anāgāme>, <ākiṃñcaṃ>, <saṅghā>, <stulāṃñcana>,
<sāṅne>.
<a> für skt. /ā/: <akāśanaṃn>.
<ā> für skt. /ā/: <anāgāme>, <saktākāme>, <srotāpaṃnne>, <srotāpaTAñe>,
<dhyāno>, <wijñānanaṃn>, <jñānāsaṃjñātaṃn>, <kumbhāṃṇḍi>.
<a> für skt. /a/: <ṣamāne>, <srotāpaṃnne>, <srotāpaTAñe>, <akāśanaṃn>,
<wijñānanaṃn>, <stulāṃñcana>.
Hier sieht man, daß <a> und <ā> promiscue geschrieben sind. Dies bedeutet, daß eine
Quantitätsopposition für /ā/ nicht erkennbar ist. Wenn das Wort nicht tocharisiert ist, hat
der Schreiber sorgfältig nach dem Skt.-Muster geschrieben. Aber wenn das Wort
tocharisiert (oder nicht sorgfältig) geschrieben wurde, erfolgt die Schreibung mit dem
toch. Phonem /ā/ (vgl. <ā> für <a>).
<ākāśa> findet sich nur in der Hs. S178a4,b1, die eine Abschrift eines Skt.-Textes ist, da
<ā‑> die Skt.-Schreibung reflektiert.
<a>:
Verben:
<naTAṅKAṃnne> 333a1, <lyewetaRˎrne> 333a2, <kaLAlne> 333a4, <yamaṢAṃ>
333a4, <yaṃnmaṃ> 333a5, <lalālu> 333a5, <lalaitau> 333a6, <maskeTARˎ> 333a6,
<yaṢAlle> 333a7, <campalle> 333a7, <katkaTˎ> 333a8, <peparku> 333a8,
<naksate> 333a9, <klautkalyñ[e]> 333a9, <palāte> 333a10, <keriyemane> 333a10,
<aiykemaRˎ> 333b2, <KAnmaskeṃ> 333b9, <yamastRA> 334a1, <KAttaṅKAṃ>
334a3
(<KATAṅKAṃ> 334a7),
<kaLˎlTARˎrne>
334a4,
<yamaṢAllona> 334a3,
<eṅkasTARˎ>
334a4,
<tsaṅkaṃ> 334a4,
<nuskaṢṢAṃnne>
334a4,
<yaṣTARˎ> 334b3, <ceśaṃ> 334b5.
<a> für /ā/:
In Stämmen: <kaLAlne> (Ko.V), {<yamaṢAṃ>, <yaṢAlle>, <yamastRA>,
<yamaṢAllona> (alle Stämme /yām‑/)}, <katkaTˎ> (Ko.V), <naks> (/nāk‑/),
<palāte> (Pt.I).
68
√käl‑ und √päl‑ spiegeln das Ablautsystem wieder, wogegen √yām‑ und √nāk‑ nicht
ablauten. Wenn das System keinen Ablaut zeigt, ist das im Toch. m.E. geneuert.
In Suffixen: <klautkalyñ[e]> Ko.V, <tsaṅkaṃ> Ko.V, <KAnmaskeṃ> (alle <a> vor
/sk/ Ps.Xγ.), <eṅkasTARˎ> Ps.IX.aγ, <nuskaṢṢAṃnne> Ps.IXaγ.
<a> vor /sk/ ist schwierig. Krause unterscheidet beim sk‑Ps. (1953, S. 83‑86) die
Unterklassen α, β, γ und δ. Ich vermute, daß /sk/ zur toch. Zeit an den Stamm gefügt
wurde, d.h. α zum athem.‑Stamm (Krause ‑ø‑), β zum Kaus. ä‑Stamm (Krause ‑ä‑), δ zum
ā‑Stamm (Krause ‑a‑), γ ist gemischt, und zwar teilweise akzentuiertes /ä/ und teilweise
geschwächtes /ā/ (Krause ‑ā‑). Ein Unterschied zwischen Krauses Klassen δ und γ scheint
mir wegen der Akzentregel nicht erkennbar. Nach meiner Klassifizierung gehört die aKlasse zur ā-Klasse, da es akzentuiertes /ä/ vor /sk/ wegen Kaus.-Systems nicht gibt.
<a> im PPs. und in der Endung <-mar> (<keriyemane>, <aiykemaRˎ>) ist /ā/.
<a> für /ä/:
Verben:
In Stämmen: <naTAṅKAṃnne> (Ps.VII), <yaṃnmaṃ> (Ko.VI), <maskeTARˎ>
(Ps.IV), <campalle> (alle /ä/), <katkaTˎ> (Ko.V /kӓtk-/), <peparku> (/ӓ/),
<KAttaṅKAṃ> (/ӓ/), <kaLˎlTARˎrne> (Ps.II), <yaṣTARˎ> (Ps.II).
In Endungen: <lyewetaRˎrne> (wenn nicht 2.Sg.), <yaṃnmaṃ>, <campalle>,
<ceśaṃ>.
Hier läßt sich kein Grund ausmachen, warum <a> für /ä/ geschrieben wurde. Vielleicht
handelt es sich um eine Nachlässigkeit des Schreibers.
Reduplikationssilbe: <lalālu>, <lalaitau>.
Hier handelt es sich, wie oben erwähnt, um ā‑Umlaut des Reduplikationsvokals */æ/ zu
*/ā/ (Schreibung immer <a>).
Substantive:
69
<maswkameṃ> 333a1 (für <maskwa>), <speltkesa> 333a5, <tRAṅkänta> 334a2,
<prāroṃntsa> 334b1, <kretswesa> 334b3.
Beim zweiten <‑a> von <maskwa> ist schwer zu beurteilen, ob es zum Substantiv
gehört, d.h. ob /māskwā/ oder /māskwä/, oder eine suffigierte Form (/māskw‑ā‑/) vorliegt.
Von <māskwo> Š45b4 her gesehen muß das Wort zweisilbig sein (sog. bewegliches /o/),
aber man kann nicht entscheiden, ob dieses /o/ ein /ø/, /ä/ oder /ā/ reflektiert. Sollte es
sich um /ä/ handeln, läge ein <wä> (/u/) vor. Wenn es /ā/ sein sollte, wäre es ein
Wortstamm oder eine Pl.‑Form (ist <maskwantaññeṣṣe> S591b6 mit doppelter
Pl.‑Markierung versehen?). Die Möglichkeit, daß <‑wa> für <wӓ> (/u/) steht, scheint
mir wahrscheinlicher zu sein, da in dieser Hs. <yakne> für /yäkne/ geschrieben ist.
Dieses Argument wird vom Beleg <māsk(m)eṃ> MQR139a4 gestützt. Eine andere
Möglichkeit ist, daß <kw> ein Phonem ist und ursprünglich einen Vokal neben sich
hatte, aber es ist kein auf <kw> endendes Wort belegt (<māskw> in Adams 1999, p.
450, ist ausgeschlossen). Schließlich möchte ich annehmen, daß das Wort /māskwä/ ist,
wobei /wä/ als /u/ betrachtet würde, und ein Schreibfehler für <wä> (das Trema auf
<skwa> wurde vergessen) vorläge.
Die Perl.‑Markierung /‑sā/ und die Pl.‑Markierung /‑ntā/ sind klar, nämlich /ā/.
Substantive, Pronomina:
<yaknesa> 333a7, <pañakte> 333a9, <swāralyñe> 334a1, <maścäśʾˎ> 334a2,
<akalye> 335a1.
<ya> von <yakne> ist /yä/, parallel dem oben erwähnten /wä/.
<pa> von <pañakte>, das im Gegensatz zu /pudñäkte/ ein Prosawort ist, ist
durchgehend so geschrieben (niemals <pā‑> oder <pä‑>). /pud/ ist ein Lehnwort aus
dem Skt. /buddha/, wobei der Vokal /u/ im Vers bewahrt ist. Dieses /u/ ist, wie erwähnt,
im Toch. /wä/. Hier möchte ich folgendes annehmen: /pu/ → /pwä/ → /pä/ → /pa/ beim
Prosawort. Bei /pwä/ → /pä/ trat eine Assimilation /pw/ → /pp/ ein und schließlich eine
Vereinfachung zu /p/, oder ein Verlust der Labialisierung. Bei /pä/ → /pa/ geschah eine
Verallgemeinerung des <a> in der ersten Silbe. Wenn diese Ansicht das Richtige trifft,
kann <a> das Phonem /a/ sein, aber m.E. nur in bestimmter Position, und zwar in erster
70
Silbe, wie bei Reduplikationsvokalokal <a> bei langvokalhaltigen Verbalstämmen oder
am Wortende (Perl. <‑sa>). Ich sehe in diesem <a> ein Allophon von /ä/ oder /ā/, wie
die spätere Akzentregel zeigt, und danach wurde es als /a/ verallgemeinert. Dies könnte
relativ früh, etwa in der Periode I‑2, eingetreten sein.
<a> von <swāralyñe>: bei <swāralyñe> 334a1 habe ich schon erwähnt, daß <a> ein
/ā/ sein kann. Es gibt noch eine andere Möglichkeit, daß es /ä/ reflektiert. Wenn der
Wortstamm /swār/ ist, und /e/ als Nom.‑Markierung hinzugefügt wurde (/swāre/
Nom.‑Form, Obl.m. ‑eṃ, Pl.Nom.f. ‑ona, usw.), würde die Deklination verständlich, und
eine Schwaanaptyxe ist möglich, wenn der Schreiber das Trema auf <r> vergessen hat.
<maścäśʾˎ> ist /mäśc/ (Obl.Sg.) + /ä/ (Schwaanaptyxe) + /śc/ (All.‑Markierung). Hier
sieht man in der ersten Silbe ein <a> für /ä/. // ist denkbar, wie unten bei <akalye>.
Das erste <a> von <akalye> ist /ā/, das zweite /ä/ (Schwaanaptyxe). Beide <a> können
durch die Akzentregel bedingt sein.
Konjunktionen, Adverbien, Postpositionen, Ordinalia:
<waTˎ> 333a1, <kka> 333a3, <warñai> 333a7, <kca> 333a7, <rano> 333a10,
<maṃnTÄ> 333b2, <wace> 333b6, <śtarce> 333b6.
<a> für /ā/: <kka> (<kā> passim), <kca> (<kcā> 143a2), <rano> (<ā>
MQR228b5, MQ341b5).
<a> für /ä/: <waTˎ> (<wät> MQR135b8), <warñai> (passim), <maṃnTÄ>
(MQR133a7, passim), <wace> (<wce> 29a5), <śtarce> (<A> MQ510a1).
<a> ist Allophon von /ā/ und /ä/. <a> für /ä/ erkläre ich mit Nachlässigkeit oder
Unfähigkeit des Schreibers, da das Trema auf einem ungeeigneten Akṣara (z.B.
<maṃnT>) geschrieben ist.
Skt.:
<sakwä>
333b1,
<arahaṃnte>
333b2,
<stulāṃñcana> 334a2.
71
<karuno>
333b7,
<yakṣi>
333b9,
<sa‑> von <sakwä> ist oben bei <sak> 224b1 erwähnt (/su/ → /swä/ → /sä/ und <a>
ist //). <wä> von <sakwä> ist nur hier in einer Sg.-Form geschrieben worden. /kh/ ist
im Toch. kein Phonem und durch zwei toch. Phoneme (/k/ und /u/) ersetzt wurde.
<arahaṃnte> ist skt. /arhant/. Das zweite <a> ist /ä/, das Ergebnis einer Schwaanaptyxe
oder durch /r/ bedingtes <ä>. Ich sehe in dieser Schreibung eine Nachlässigkeit des
Schreibers.
<a> von <karuno> und <yakṣi> ist ein originaler Skt.-Laut.
<stulāṃñcana> ist eine Pl.‑Form (skt. /sthūla/30 (Pāli /thūla/) + /ñcā/ (Nom.Pl., TEB I, S.
137) + /nā/ (Nom.Pl. TEB I, S. 120)) oder eine tocharisierte Pl.‑Form {/stulāñcā/ + /nā/}.
Jedenfalls halte ich beide <a> für /ā/.
Zur Gemination der Konsonanten:
<naTAṅKAṃnne> 333a1, <lyewetaRˎrne> 333a2, <maṃnTÄ> 333b2, <arahaṃnte>
333b2, <srotāpaṃnne> 333b5, <akāśanaṃntyāyataṃnˎ> 333b7, <LAṃnne> 334a1
(<LAnne> 334a5), <koSˎs> 334a2, <kaLˎlTARˎrne> 334a4, <nuskaṢṢAṃnne>
334a4, <s ttu> 334b1 (<s tu> 334b5), <prāroṃntsa> 334b1, <sttul(ā)ṃ> 334b5
(<stulāṃ> 334b1), <ṣamāneṃntse> 334b6, <kkrāke> 334b9 (<krāke> 334b1).
Ps.3.Sg.Akt.: <naTAṅKAṃnne>, <LAṃnne>, <nuskaṢṢAṃnne>.
Ps.3.Sg.Med.: <lyewetaRˎrne>, <kaLˎlTARˎrne>.
Adverbien: <maṃnTÄ>, <koSˎs>.
Subst. Pron.: <arahaṃnte>, <s ttu>, <prāroṃntsa>, <kkrāke>.
Skt.: <srotāpaṃnne>, <akāśanaṃntyāyataṃnˎ>, <sttul(ā)ṃ>, <ṣamāneṃntse>.
Es ist nicht ersichtlich, warum Geminierung des Konsonanten eintrat. Manchmal kommt
die Normalschreibung (ohne Gemination) vor. <ṃ> ist im Toch. /n/, aber der Schreiber
hat vermutlich nicht gewußt, was der Anusvāra <ṃ> bedeutet, oder er mußte wegen des
suffigierten Pronomens <‑n‑ne> und <‑r‑ne> schreiben, und hat dann analogisch auch
30
Vgl. Edgerton 1953, Vol. II, p.611. Die Bedeutung ist 'material'.
72
bei anderen Wörtern so geschrieben. Am Wortanfang nach Vokalen und vor /r/ war die
Gemination des Konsonanten schon in der Vorlage vorhanden.
MQR394‑5:
a) Paläographische Untersuchung:
Von der Schrift her gesehen sind diese Hss. ähnlich wie MQR333, aber anscheinend älter
als MQR333. Paläographisch gesehen halte ich diese Hss. für zu I‑1/I‑2 gehörig, aber es
ist immer schwierig, die Grenze zu ziehen.
394a1 <y> ist rechts oben geöffnet:
oben geöffnet:
; 394a2 <ñ> ist geöffnet:
; 394a2 <n> ist flach und <‑ā> ist kurz:
; 394a5 <m> ist
; 394a7 <ś> ist
rechts nicht getrennt geschrieben, <‑ā> ist kurz, aber nach unten gezogen:
394a7 <ṢA> ist in der Mitte geöffnet:
; 394a2 <ŚA> ist in der Mitte geöffnet
und ohne Virāma unsilbisch benutzt worden:
hat innen eine senkrechte Linie:
unsilbisch benutzt worden:
.
; 394a1 <SA> ist oben flach und
; 394b3 <NA> ist oben flach und ohne Virāma
; 395b5 <MA> ist oben links eckig:
<rcˎ> ist mit Virāma, aber ohne Trema unsilbisch benutzt worden:
; 394a2
.
394b6 <i‑> ist mit einem Halbkreis rechts unten geschrieben, Es ist altertümlicher als
die normale Form (oben doppelt und unten einzeln [∵]):
lang:
. 394a2 <e‑> ist links
. Wenn es ursprüngliches <i‑> ∴ ist, ist <e‑> mit drei Linien verbunden;
395a5 <ai‑> ist, wie oben erwähnt, <e‑> + Längezeichen:
73
.
394a1 /22/,
394b3 /28/. Die Zahlzeichen sind ähnlich wie in MQ273 (I‑1).
b) Linguistische Untersuchung:
1) Diphthonge:
/a/:
<wärñai> 394a2, <snai> 394a2 (<snaiy>), <maim> 394a5, <aikne> 394b1,
<RAddhiṣṣai> 394b7, <wlaiśKA///> 395a2, <(memi)skusai> 395b4, <waiKArnesā>
395b6.
In diesen Hss. kommt <eɪˎ> oder <ey> nicht vor. <ai> vom Obl.Sg. (und Adv.) ist
immer /a/ (<wärñai>, <RAddhiṣṣai>, <(memi)skusai>).
<maim> und <aikne> sind durchgehend so geschrieben.
<ai> von <wlaiśKA///> ist von<wlaṃśke> Š74a3 her gesehen ein Schreibfehler für
<aṃ>.
Wenn <‑rne> von <waiKArne> eine Verschreibung für das toch. Suffix <‑rñe> ist,
wurde /waike/ durchgehend mit <ai> geschrieben. Hier sehe ich in <ai> ursprüngliches
/a/, d.h. nicht aus <eɪˎ> oder <ey> entwickeltes <ai>.
<ai> und <au>:
<aiśaum(y)e> 394a5, <nauntaiNA> 394b3.
<aiśaum(y)e> zeigt <aiśewmye> MQR133a1 als eine Variante, aber <ey‑> kommt
niemals vor, d.h. <ai-> ist /a/, aber <au> ist eine aus <ew> entwickelte Notation.
<nauntai‑> (Obl.Sg. 'Straße') ist durchgehend so geschrieben, und hier ist bei <‑NA>
schwer zu beurteilen, ob <‑ṃ> (Obl.Pl.) oder <ñ> (Nom.Pl.) vorliegt, aber wegen des
vorherigen Wortes <‑ññeṃ> muß es Obl.Pl. sein. Wegen des Versmaßes hat der
Schreiber <‑NA> für /n/ geschrieben.
Keine Nom.‑Form ist belegt, aber wahrscheinlich ist sie als */naunto/ anzusetzen, /naunt/
ist aber auch möglich.
74
<au>, <ew> und <eˎ>:
<mrausknā///> 394b4, <cew> 394a6, <ceˎ> Frag.2, <kowsa> 394a6.
<cew> und <ceˎ> sind altertümliche Schreibungen. <kowsa> habe ich oben
behandelt (s. ad MQR133‑146).
√mrausk‑ ist durchgehend so geschrieben. Diese Wurzel ist wahrscheinlich im Toch. eine
geneuerte Wurzel, und das Ps. ist nur hier (unvollständig) belegt. Vom Ko.V und Pt.I
dieser Wurzel her gesehen ist Ps.VI plausibel, aber es ist wegen der Beschädigung nicht
völlig sicher.
<oy> von <ypoyntse> 394b5 ist ein Diphthong, wenn /e/ von A-Toch. /ype/ eine
Monophthongierung darstellt, aber wegen der Pl.‑Form <ypauna> ist es schwer zu
beurteilen, ob es sich wirklich einen -Diphthong handelt. In <au> von <y(ä)pauna>
möchte ich eine Analogie oder eine verallgemeinerte Pl.-Markierung <-auna> sehen.
<‑y‑> von A-Toch. <ypey‑> (Obl.) ist ein Bindekonsonant, da A-Toch. keine
Diphthonge gehabt hat.
Außerdem finde ich eine Schwatilgung bei <yp>, und <yä> ist später durch die
Akzentuierung <ya> (/y/) geworden ist. Mit <i-> beginnende Wӧrter <iKAṃ> 394b6
und <istāryämā> 395Frgm.231 kommen in dieser Hs. erstmals vor, da im Skt. <i‑> als
Muster existierte. Wenn dem so ist, beurteile ich <ypoy> (<y‑> nicht <i‑>) als toch.
Eigenbildung.
2) Vokallänge:
<ā>:
<rā> 394a1, <SArwānā> 394a2, <srukāllesā> 394a4, <māllā(lñ)e> 394a4, <tsā>
394a7, <yām[tsī]> 394b1, <yästāRAk> 394b2, <tā> 394b2, <mrausknā///> 394b4,
<kentsā> 394b4, <rāmt> 395b4, <waiKArnesā> 395b6.
31
Worttrennung und Bedeutung sind unklar. Vielleicht ist es ein Skt.- oder ein Fremdwort, aber wegen der
Beschädigung kann ich es nicht analysieren.
75
<ā> ist /ā/ in den Partikeln (<rā>, <tsā>, <rāmt>), im Pl. <SArwānā>, Ko.V
(<srukāllesā>, <māllā(lñ)e>), als Stammvokal (<māllā(lñ)e>, <yām[tsī]>), im Pron.
(<tā>) und im Perl. (<srukāllesā>, <kentsā>, <waiKArnesā>).
<māllā(lñ)e>: √mäl‑ ist Ps.X, und keine sichere Ko.-Form ist belegt. Wenn diese Form
(ein Hapax) richtig ist, ist es Ko.VI, aber ich kann <(lñ)e> auf dem Photo nicht
erkennen, sondern allenfalls <(n).e>, und bei <amāllatte> ist unsicher, ob es zu √mäl‑
gehört. Vom Kontext in 255b3 her gesehen ist die Bedeutung 'unbedrückt' nicht geeignet,
wenn dies sich auf <yollaintsā> 'über das Böse' bezieht. <ā> des Stamms ist auch nicht
sicher, da kein vergleichbares Pt. belegt ist. Normalerweise gibt es eine Opposition
zwischen Pt./Ko. und Ps. (oder Pt. und Ko./Ps.) mit /ä/ und /ā/. Wegen unsicherer Lesung
und geringer Belegbarkeit möchte ich die Erklärung dieses Wortes auf sich beruhen
lassen.
<yästāRAk>: <ā> ist die Markierung des Pt.I, aber mir ist <‑k> unverständlich.
Normalerweise tritt die Verstärkungspartikel /‑k/ nicht ans Verbum. Der Kontext lautet
nach Sieg/Siegling: </// li ː yästāRAk tā kercyenmeṃ yā ///>, wobei <ː> später
eingesetzt ist. Ich lese aber </// li ː yä snā RA knā>, da <n> im Vergleich zu <t> flach
ist. Leider kann ich keine verständliche Lesung (inklusive Worttrennung) finden. Auch
vom später eingesetzten <ː> her gesehen halte ich diese Schreibung für unrichtig, aber
von <kercyen> Pl.Obl. von /kercye/ 'Palast' her gesehen wäre es möglich, <yäsnā
RAknā> als zwei Palastnamen anzunehmen.
<ī>:
<ī> von <wītskaṃ> 394a3, <św()tsī> 394a3, <yamtsī> 394a6 (<yāmtsī> 394a6) ist
/i/ im Wort und in der Inf.‑Markierung.
<ū>:
<pūdñäkt[e]> 394b3.
In alten Texten kommt dieses <ū> sehr oft vor, das skt. /u/ (← /buddha/) wiedergab.
76
Skt.:
<śākkeṃ> 394a7.
<ā> ist ein originaler Skt.‑Laut. An skt. /śākya/ wurde die toch. Obl.‑Markierung /‑ṃ/
gefügt. Ich sehe in <kk> einen Prākritismus (/ky/ → /kk/). <e> ist eine Markierung von
Nom.Sg.m.
<a>:
<wītskaṃ> 394a3, <padum> 394a3, <kowsa> 394a7, <yaśo(dhara)> 394b7,
<wayā(re)> 394Frag.2.
<a> von <wītskaṃ> (Obl.Pl.) ist /ā/, das entweder eine Pl.‑Markierung oder ein
Stammvokal ist. Von der Deklination dieses Wortes (/‑o/ Nom.Sg., /‑a/ Obl.Sg., /‑āṃts/
Gen.Pl. und /āṃ/ Obl.Pl.) her gesehen kann der Wortstamm /witsäk/ sein. Trifft das zu,
vertritt <a> eine Pl.‑Markierung /ā/.
<a> von <padum> und <yaśo(dhara)> ist skt. /a/.
<a> von <kowsa> ist die Pt.‑Markierung /‑ā/.
<a> von <wayā(re)> ist der Stammvokal /ā/ (/wāy‑/). Wenn zum Zeitpunkt der
Entstehung der Hs. keine Akzentregel galt, ist dieses <a> für /ā/ in der ersten Silbe.
<ä> und <A>:
<yeSAñ> 394a1, <SArwānā> 394a2, <yäkne> 394b6, <waiKArnesā> 395b6.
<ä> und <A> sind /ä/ in Subst. und Pron.
<MAnt> 395b5, <wärñai> 394a2.
<A, ä> ist /ä/ in Adv. und Postp.
<tseṅketRA> 394a3, <KArsormeṃ> 394a5, <RAṅk[ār](e)> 395a1.
<A> ist /ä/ in den Verbalstämmen: <KArsormeṃ>, <RAṅk[ār](e)>.
77
Die Endung für die 3.Sg.Med. war als <TAr> wiedergegeben, wenn ein Pron.
hinzugefügt ist. (Für eine ausführliche Analyse s. ad Appendix II 10).
<RA> in <RAddhiṣṣai> 394b7 ist skt. //. Es ist prinzipiell möglich, <RA> mit <> zu
transkribieren, aber da das Wort schon mit der Markierung /‑ṣṣa/ tocharisiert wurde, ist
die Transkription mit <RA> vorzuziehen.
I‑3:
MQ241:
a) Paläographische Untersuchung:
a4 <ya> ist rechts geöffnet:
; a4 <ñ> ist geöffnet und die untere Linie hoch:
; a2 <l> ist kontinuierlich geschrieben und <m> ist oben halb geöffnet:
<ś> ist links separat geschrieben:
; a6
.
a1 <Ṣ> ist in der Mitte geöffnet, <PA> ist eckig und links oben kann ein Bindestrich
für die Ligatur <ṢPA> gelesen werden, aber <ṢAPˎ> ist auch möglich:
<ŚA> ist in der Mitte fast geschlossen:
; a5 <K> ist oben und in der Mitte
verbunden, der Bindestrich für die Ligatur ist erkennbar:
; b3 <r> ist kursiv,
<MA> zeigt innen kein Kreuz mehr und ist unten geöffnet:
leicht gerundet:
; a3
; b5 <NA> ist oben nicht rund:
.
78
; b1 <SA> ist oben
; b4 <TA> ist oben rund:
a3 <a‑> ist normal:
; von b2 <i‑> sind zuerst zwei Kurven links und danach eine
rechts geschrieben:
; a2 <e‑> ist links senkrecht (Einfluss von <i‑>?):
<ai‑> ist wie <KA>, aber flacher geschrieben:
+ Längezeichen, das altertümlich ist:
; b6
; a3 <au‑> ist <w> (oder <o‑>)
.
b4 Das Interpunktionszeichen ist mit dem linken Teil von <i‑> identisch:
.
a2 /19/: /10/ ist wie späteres <ŚA> ungeschickt geschrieben, /9/ ist aber
normal;
a4 /20/: oben ist rund;
a6 /21/: /1/ von /21/ ist oben geschrieben;
/22/: /2/ von /22/ ist oben und unten getrennt geschrieben;
b1
b3 /23/: /3/ von /23/ ist
in der normalen Stelle geschrieben.
b) Linguistische Untersuchung:
1) Diphthonge:
/a/:
<rinastai> a1 /a/ (2.Sg.Med.Pt.III), <mālatsai> a3 /a/ (Obl.), <ṣpyarkataine> a3 /a/
(2.Sg.Med.Pt.II), <yolaiñemeṃ> a4 /a/ (Obl.), <sPAntaicu> a4 /a/ (Obl.), <snai> a5
/a/, <anaiśai> a6 /a/, <paṣṣatai> a6 (2.Sg.Med.Pt.I), <SAlyai> a6 (Obl.),
<paiyne[ścˎ]> b4 /a/, <palamai[cˎ]> b5 (1.Sg.Med.Pt.I), <laikon[TA]rñˎ> b6 (Opt.
√lik‑), <aiśamñeṣṣa> b6 /a/.
<wlaiśkeṃ> a4 ist nach Adams (1999, S. 617) eine Variante von /wlaṃśke/, aber
<wlaṃśke> kommt nur in Š73a6,b2 vor, sonst steht <wlai‑> (MQR395, Š26, MQ241).
Daher möchte ich das Wort nicht für eine Variante von /wlaṃśke/ halten. Wie ich
anläßlich der Analyse von MQR395 erwähnt habe, wäre /wlaṃśke/ ein Schreibfehler.
<śwaraikne> a5 ist /śtwārā yäkne/ und <āyä> wurde über <āy> zu <ai>.
79
/a/:
<mau[r]s[a]> a1 /a/, <nauṢˎ> a1 (aus <ew>), <winaskau> a2 /a/ (1.Sg.Akt.Ps.IX),
<auNAstāne> a3 /a/, <maukatai> a4 /a/, <śaumo> a5 /a/, <śaul> a6 /a/,
<krentauna> b1 (Pl. aus <ew>), <klautkeṃ> b1 /a/, <plaskau> b1 /a/
(1.Sg.Akt.Ko.V), <NAtkausa> b5 /a/ (PPt.).
<au> von <LAk[ts]auña> b6 hat sich aus <ew> (<LAktsewña> MQR135)
entwickelt. Das Wort ist /läktse/ (Adj.m.) + /u/ + /ññe/ (Adj./Abstr.), wobei /u/ m.E. ein
Morphem zur Markierung der Durativität ist, und /u/ + /ññe/ später zu einem Morphem
/‑uññe/ vereint wurde.
2) Vokallänge:
<ā>:
<ā> von <mālatsai> a3, <aṣāṃ,> a5, <mā> b1, <yāmoṢˎ> b2, <yāmornta> b6 ist /ā/
in Wörtstӓmmen.
<aṅkānmi> a5 ist eine falsche Schreibung für <aṅkaiṃ>, für dessen <a‑> s. ad
MQR135a1.
Skt.:
<ā> von <wajrasansā> a2 (Perl.) und <nervānne> a5 (Skt.) ist /ā/.
<wajrasansā> ist ein Hapax und <sansā> ein Schreibfehler für <sā>. Der Schreiber
hat <w> für skt. <v> geschrieben. Vielleicht hat er skt. Wort nicht gekannt,
<nervānne> hat er hingegen, von <ne‑> für /ni‑/ abgesehen richtig geschrieben.
Vermutlich wurde der Fehler von skt. /i/, dem kein toch. Phonem entsprach, verursacht.
<a> (exklusive Perl., Pl. und Fem.):
<rinsatai> a1 /ā/ (Pt.III), <asTAṃ> a1 /ā/, <ñumka> a1 /ā/, <lanTAntso> a1 /ā/,
<ścmasta> a2 /ā/ (Pt.I), <rṣarketSˎ> a2 /ā/ (<ar> für <ā>), <ñaśˎ> a2 /ä/ (<ñäśˎ>
b4), <[w]inaskau> a2 /ā/, <aRAñcacu> a2 /ā/, <e[p]reta> a2 /ā/ (Vok.),
80
<ṣpyarkataine> a3 /ṣpyrkā‑/ (Kaus. Pt.II), <prakreṃ> a4 /ā/, <yark[e]sa> a4 /ä/,
<maukatai> a4 /ā/ (Pt.I), <akaLKA> a5 /ā/ (wenn <ākāL> MQ343b6 dasselbe Wort
ist), <aṣāṃ> a5 /ā/ (Khot. /āṣaṇa/), <anaiśai> a6 /ā/, <plaskau> b1 /ā/ (Ko.V),
<yamcˎ> b2 /ā/, <ñakta> b2 /ā/ (Vok.), <astane> b2 /āstā‑ne/ (Pl.Lok. von /āy/),
<yarMA> b3 /ä/, <lare[NA]ś> b3 /ā/, <wlawalyñeṣṣe> b5 /ā/ (Ko.V), <pratinsa> b5
(s.u. MQR220b3), <palamai> b5 /pālā‑/ (Pt.I), <KAntwaṣṣana> b6 /ā/, <pak[r]i> b6 /ā/.
Das Etymon von <mālatsai> a3 (/ä/) ist nach Adams (1999, p. 449) entweder av. mada‑
(Bailey, 1959:131) oder madu‑ (Szemerényi, 1966:222, und Winter, 1971:219).
Realistischer ist die Möglichkeit einer Herkunft des Wortes aus dem Pāli (matta‑) oder
Gāndhārī (pramada, vgl. pāli pamāda), ich ziehe aber ein mit iranischer Vermittlung
entlehntes indisches *māda als Etymon vor, weil es im Iranischen einen Wandel von
<d> zu <l> gab. Im Toch. müßte /‑a/ apokopiert worden, und später nach Antritt des
mit einem Konsonanten anlautenden Morphems kam eine Anaptyxe vor, und ist
akzentuiert. <ā> in der ersten Silbe war semantisch wichtig und blieb unverändert.
Das erste <a> von <takarṣkñesa> b5 ist durchgehend so geschrieben. Adams (1999, p.
276) hält das Wort für aus tāk‑ (Ko./Pt. von nes‑ 'sein', s.v.) hergeleitet. Ich halte diese
Ansicht für ad hoc, weil tāk‑ weder morphologisch (es gibt nur redupliziertes <tatākar>)
noch semantisch ('Gläubigkeit') paßt.
Skt.:
<a> von <karuntsa> b2 und <śaranne> b2 sind skt. /a/.
<ä> und <A>:
<asTAṃ> a1 (Anaptyxe), <ṢPA> a1 (s. ad MQ339), <lanTAntso> a1 (Anaptyxe),
<TArnene> a2 /ä/, <aRAñcäṣe> a2 (/ä/ und Anaptyxe), <[au]NAstāne> a3 (Anaptyxe
Ko./Pt.‑Stamm ist /aun‑/), <TAñ> a4 /ä/, <wäntrene> a4 /ä/, <sPAntaicu> a4 /ä/,
<ṢAñ> a5 /ä/, <śauLAssonTA[Sˎ]> a6 (Anaptyxe), <SAlyai> a6 /ä/, <lareNAṃ> b4
(Anaptyxe, Obl.Pl.), <TArkormeṃ> b4 /ä/, <tRAṅkoṣṣana> b4 /ä/, <ñäskemaRˎ> b5
/ä/, <NAtkausa> b5 /ä/, <KAntwaṣṣana> b6 /ä/, <LAk[ts]auña> b6 /ä/.
81
<PAlalyu> b5 ist ein Hapax. Nach Krause (1952, S. 259) ist dies ein Ger.II, aber der
Ko.‑Stamm ist /pālā‑/ (Ps.‑Stamm ist /pälnā‑/). Daher halte ich die Schreibung dieser
Form für einen der zahlreichen Fehler in dieser Hs.
<A> von <akaLKA> a5 und <yarMA> b3 ist m.E. eine alte Schreibung aus einer Zeit,
als der Virāmastrich noch nicht vorhanden war.
Skt.:
<A> von <kleŚAnmaṣṣe> a3 und <śiLA(ṣṣa)na> a6 ist durch Anaptyxe entstanden.
MQ295:
a) Paläographische Untersuchung:
a7 <y> ist oben halb geöffnet:
anscheinend kontinuierlich:
verdickt:
; a4 <ñ> ist geöffnet:
; a5 <ś> ist links
; a5 <m> ist oben geschlossen und rechts oben
.
a4 <MA> ist eckig:
; a5 <NA> ist oben und innen rund:
; a3 <ṅa> ist in
der Mitte verbunden (<‑ka> ist weg und <ṅ> allein als Konsonant geschrieben):
a4 <Ś>
und a3 <ṢA>
;
sind in der Mitte geöffnet; a9 <KA> ist eckig:
.
b3 <a‑> ist normal:
; a6 <ɪˎ> ist vorhanden:
; a7 <i‑> ist hier vorhanden,
aber an der Öffnung umgekehrt geschrieben (was sonst für den Schreiber nicht
82
charakteristisch ist):
; a7 <ˎ> ist normal:
b7 <o‑> ist oben lang (entwickelte Form):
; a8 <e‑> ist rechts lang:
.
a2 Das Interpunktionszeichen ähnelt dem oben beschriebenen:
a2 /1/,
a4 /2/,
a5 /3/,
;
.
a9 /5/: Die Zahlzeichen sind normal.
b) Linguistische Untersuchung:
1) Diphthonge:
/a/:
<ai> von <saṃsāRAṣṣai> a2 (Obl.), <kwaṣṣaine> a2 (Obl.), <maiTAr> a3 (s.u.),
<waiptār> a5, <cai> a5 (aus <ey>), <yokaiṣṣe> a7 (Obl.), <śaiṣṣe> a8, <snai> a8,
<saim> a8, <keṣṣeñcai> a9 (Vok.), <pyamttsaitˎ> a9 (Hapax, s.u.), <anaiśai> b5,
<waimene> b5 und <maimtsā> b7 ist /a/ (ohne Anmerkung: ursprüngliches /a/).
<maiTAr> ist Pt.3.Pl.Akt. von √mit‑ 'sich aufmachen'. <ai> ist Voll- oder Dehnstufe
von /i/ zur Bildung des Pt.‑Stammes.
<pyamttsaitˎ> ist nach Krause (1952, S. 272) ein Impv.Du.Med. von √yām‑ 'machen'.
Diese Dualform mit /‑ait/ ist ein Hapax. Die Hs. ist mehr oder weniger fehlerhaft
geschrieben, z.B. <-kai> statt <‑keṃ> in <añmalāṣkai>, deswegen halte ich die
Schreibung <pyamttsaitˎ> nicht für vertrauenswürdig. Darüber hinaus sollte <‑tˎ>
normalerweise in toch. Wörtern das entsprechende "Fremdzeichen" verwendet werden.
Wegen <yene> in diesem Satz kann man <pyamttsaitˎ> als Dual werten, aber vom
Kontext her gesehen ist der Dual unverständlich. Auf dem Photo ist <y> von <p˄yene>
nicht mit den übrigen <-y> identisch (vgl. z.B. <mpya> in derselben Zeile). Ich sehe
darin eher <p>. Daher kann es ein Schreibfehler für <penu> oder <TAne> sein. Dem
<PAskāya> (Impv.2.Sg.Akt.) in derselben Zeile nach zu urteilen kann <pyamttsaitˎ>
83
ein /pyām/ (Impv.2.Sg.Akt.) enthalten oder /pyāmsār/ (Impv.2.Sg.Med.) sein. In dem Fall
wäre diese Impv.Du.‑Form (oder sogar die Kategorie Impv.Du.) aufzugeben.
/a/:
<ceˎ> a7 ist gegenüber <cai> altertümlich.
<au> von <alyaucempa> a4 (aus <ew>) und <nan[au]ta(r)me[ṃ]> a4 ist /a/.
2) Vokallänge:
<ā>:
<mā> a1 /ā/ (<ma> a10), <eṅalyñesā> a3 (Perl.), <śamnā> a3 (Pl.), <sportomāne>
a4 (Part.), <ṢArMAnmasā> a4 (Perl.), <waiptār> a5 /ā/, <TAttārmeṃ> a6 /ā/,
<śvāl> a7 /ā/, <añmalāṣkai> (für <‑eṃ>) a9 /ā/, <papāṣṣorññe> b6 /ā/, <maimtsā>
b7 (Perl.).
<śāmnāṃnts> a5 ist Gen.Pl. von /śaumo/. Es kommt keine Metathese <nm> vor, d.h.
es ist zwischen <m> und <n> eine Morphemgrenze anzunehmen. /‑o/ im Nom. kann
sog. bewegliches o sein, das ein Vertreter eines beliebigen Vokals ist. Wenn es sich hier
um /ä/ handeln sollte, könnte der Obl.Pl. /śāmänā/ vorliegen, und /ä/ könnte getilgt
werden.
Skt.:
<ā> von <saṃsāRAṣṣai> a1 (sāṃsarne> a4) ist skt. /ā/.
<mād[ā]r> b3 ist ein Hapax, normalerweise wird <māTAr> geschrieben. Nach Adams
(1999, p. 448) ist das Wort skt. /makara/ (Khot. /mādara/), aber mir ist die
Entsprechungsregel skt. /k/ → khot. /d/ unbekannt. Wenn das Wort im Khot. existierte,
und das toch. Wort aus dem Khot. entlehnt wurde, würde das nicht tocharisierte
"Original" (ohne Apokope) angenommen und in Toch. tocharisiert, aber /makara/ als ein
Etymon ist fraglich. Aufgrund der zahlreichen paläographisch und phonologisch
fehlerhaften Schreibungen in dieser Hs. ist nicht auszuschließen, daß sich der Schreiber
verschrieben hat.
84
<a> (exklusive Perl., Pl., Kom.):
<srukallyñentse> a1 /ā/ (Ko.V), <kwaṣṣaine> a2 //, <śamnā> a2 /ā/, <eṅalyñesā> a3
// (Ko.I), <ra> a4 /ā/, <takoɪˎ> a6 /ā/, <tserekwacce> a6 //, <ponta> a7 /ā/ (f.),
<TArya> a7 /ā/ (f.), <cmelane> a7 /ā/ (Pl.), <nta> a8 /ā/, <puwane> a8 /pwār‑ne/,
<PAskāya> a9 /ā/ (Impv.), <añmalāṣkai> (für <‑eṃ>) a9 /āñmälāṣkeṃ/, <akṣoṣ> a9
/ā/, <nta> b2 /ā/, <[a]ke> b2 /ā/, <ñakt[e]> b2 /ä/, <srukalleṣṣe> b3 /ā/ (Ko.V),
<nuk[n]aṃ> b3 /ā/ (Ps.VI), <KArstoca> b3 (<o> für <au>) /ā/, <ka> b4 /ā/,
<ñyatse> b4 /ā/, <ksa> b4 /ā/, <anaiśai> b5 /ā/, <śamñe> b5 /ā/, <yänmalyñe> b5 /ā/
(Ko.VI), <yaMAsTA> b6 /ā/, <añmsa> b7 /ā/, <pika> b7 /ā/ (Kaus.Impv. von √wik‑),
<wikalle> b8 /ā/ (Ko.V), <rano> b8 /ā/, <yamyeṃ> b8 (Opt.Ko.I).
<MAnta> a7 ist /mänt/. Die Schreibung ist in MQR284 dreimal belegt. Sonst wird
<MAntak> mit /‑k/ geschrieben. Ich vermute, daß die Schreibung <MAnta> ein
Schreibfehler für <MAnTA> ist.
<a> der ersten Silbe von <nan[au]ta(r)me[ṃ]> a4 Redup., <tallaw> a8 /ä/,
<akaLKAnta> b3 /ā/ und <papāṣṣorññe> b6 Redup.-Vokal ist durchgehend <a>.
<ta> von /tallāw/ ist /tä/, wenn √täl‑ 'ertragen' zugrunde liegt.
Die <a> von <akaLKAnta> sind /ā/, wenn <ākāL> 343b6 dasselbe Wort ist.
<ä> und <A> (außer in der 3.Sg. /tär/ bzw. /trä/ und in /äṃ/):
<ä> und <A> von <ś[o]LAṣṣe> a2 (Anaptyxe), <wSAskemāne> a2, <ṢArmtsa> a2,
<tsreLLAññeṣṣe> a2 (Anaptyxe), <tsetSArkkoṢˎ> a3, <ṢAñ> a3, <eṅäLAññe> a3
(<eṅälyñe> a5) (Anaptyxe), <maiTAr> a3, <yäneṃ> a4 (<ya[n]eṃ> a5), <NAno>
a5, <PAlkoṢ> a5, <[MA]skentRA> a5, <PAlsko> a6, <PAlycä PAlyc> a6 <A> für
/ä/ und <ä> in <‑cä‑> durch Anaptyxe, <TAttārmeṃ> a6, <LAṅwcene> a6,
<MAkoytRA> a7, <TArya> a7, <tSAkṣtRA> a8, <wäste> a8, <PAskāya> a9
(Anaptyxe), <LLAklenta> a9, <ṢAP> a9 (<ṢPA> b5, s. ad MQ339), <KAṣṣintse> a9,
<MAk(t)e> a10, <ñäkt[eṃ]ntse> b2, <akaLKAnta> b3 (Anaptyxe), <KArsoca> b3
85
(<o> für <au>), <yeSAñ> b3 (Anaptyxe), <MAṃnt> b4, <tSAlpauytRA> b4,
(<au> für <o>), <ṢAññäññe> b5 <A> für /ä/ und <ä> für Anaptyxe, <yänmalyñe>
b5, <yaMAsTA> b6 (Ps.IX.2.Sg.Akt. /yāmäst/ von √yām‑ 'machen'), <cämPAmo[ñˎ]>
b6 sind /ä/.
<TAr> von <maiTAr> ist wahrscheinlich ein Schreibfehler für <‑tr>. Ein weiterer
Beleg ist <meTAr> 224a3 für <maitar>, und hier liegt m.E. ebenfalls ein Schreibfehler
vor, da <A> sicherlich keine Pt.‑Markierung ist.
<MApi> b6 ist ein Schreibfehler für /māpi/.
<śMAlñe> b2 ist Abstr.II von √käm‑ 'kommen'. Nach Krause (1952, S. 230) bildet diese
Wurzel Ps.X und Ko.II. Vielleicht hat Krause wegen des palatalisierten Anlauts <ś->
das Ko. in Klasse II eingeordnet, aber diese Palatalisation dient m.E. als Opposition zum
Ps.‑Stamm. Darüber hinaus bildet Ps.X normalerweise Ko.I, und ich sehe in diesem
Stamm durchaus Ko.I, d.h. ich finde keinen "Themavokal". Ich bin skeptisch, ob der sog.
Themavokal im uridg. Sinne im Toch. überhaupt existierte. Wenn nicht, gibt es keinen
Unterschied zwischen Ps.I und II, aber ich benutze diese Klassen weiterhin, um
Konfusion zu vermeiden.
<A> und <ä> von <PArskoṢA> a3, <pes[TA]> a5, <nukowä> a7, <krenTA> a9,
<pteSA> b3 und <keŚA> b5 sind im Auslaut keine Silbentrger. Das ist ein
Kennzeichen der älteren Periode, als noch kein Virāmastrich vorhanden war. Diese Hs.
ist möglicherweise eine Kopie.
Skt.:
<TAr> von <suTA[r]ne> b2 ist skt. /tra/. /‑a/ wurde apokopiert und danach wurde /tr/
mit Anaptyxe als <TAr> wiedergegeben.
<A> von <saṃsāRAṣṣai> a2 ist Ergebnis einer Anaptyxe zwischen /r/ und /ṣṣ/ nach der
Apokope bei skt. /saṃsāra/.
86
MQR281:
a) Paläographische Untersuchung:
b6 <y> ist links oben fast geschlossen:
; b6 <ñ>ist in der Mitte geöffnet:
<m> ist oben von rechts halb geschlossen:
; a5 <ś> ist links stark gekrümmt, es ist
anscheinend kontinuierlich, aber möglicherweise doch separat:
a4 <ŚA>
und b6 <ṢA>
; b6
.
sind auf altertümliche Weise in der Mitte
geöffnet; b1 <Kˎ> ist links oben verbunden, der Virāmastrich ist wie in späterer Zeit
schräg verbunden:
.
b1 Das Interpunktionszeichen ist wie der linke Teil von <i‑>:
.
b3 <ā‑> ist schon tocharisiert (normal):
; b2 <i‑> ist oben mit zwei Halbkreisen
geschrieben (unpräzise, spätere Form):
; b1 <e‑> ist links senkrecht:
; b1 Bei
<ai‑> ist das untere <e‑> schon nicht mehr erkennbar, d.h. es liegt eine Tocharisierung
vor:
.
a3 /11/,
a5 /12/,
b1 /14/,
b2 /15/. Das Zahlzeichen /10/ ähnelt
dem späteren <ya>. /2/ von /12/ ist oben und unten getrennt. In der Mitte sind /4/ und /5/
unterschiedlich geschrieben.
b) Linguistische Untersuchung:
1) Diphthonge:
87
/a/:
<śaulne>
a1,
<KArtsauñe>
a3,
<krentaunaṣṣen>
a3,
<nautastsi>
a5,
<t[s]irauñeŚAmñe> b4.
<au> von <śaulne> und <nautastsi> ist durchgehend so geschrieben.
Von A-Toch. √nut‑ her gesehen müßte die Wurzel von <nautastsi> in B-Toch. auch
√nut‑ sein, und wenn die Ps.‑Form belegt wäre, müßte sie /nute‑/ (Ps.III), /nutā‑/ (Ps.V)
oder /nutnā‑/ (Ps.VI) lauten, aber <naut‑> geht durch das ganze Paradigma (der einzige
anklingende Beleg <nuttsāna> F,K3b2 hat m.E. mit dieser Wurzel nichts zu tun).
Vermutlich stammt diese Wurzel aus dem Ko. oder dem Kaus. und ist später
verallgemeinert worden. Wenn sich kein Ablaut im Paradigma zeigt, wäre eine in toch.
Zeit geneuerte und verallgemeinerte Wurzel anzunehmen.
<au> von <KArtsauñe> ist durchgehend so geschrieben, hingegen ist <au> von
<krentaunaṣṣen> und <t[s]irauñeŚAmñe> früher als <ew> oder <eˎ> geschrieben
worden. /kärtse/ suppliert den Obl.: /krent/. Das Adj./Abstr. Sg. <KArtsauñe> ist vom
Nom.Sg. /kärtse/ + /u/ + /ñe/ und das Abstr. Pl. <krentauna> vom Obl. Pl. /krentā/+ /u/
+ /nā/ (Pl.‑Markierung) gebildet, wobei /u/ eine Abstraktion zeigen könnte.
Ich halte <au> von <t[s]irauñe> für ursprüngliches /e‑u/, wobei /e/ zum
vorhergehenden Wort gehören, und /u/ wie oben sein könnte.
<ai>:
<yokaitse> a4, <pelaiknetse> a4, <śaitsi> a5, <mai[ma]tSAññe> a5, <aiŚAmñe> a5,
<[p]ikaṃṣṣai> a6, <taiw[e]> b1, <aiṣtsi> b1, <noṢAññai> b2 (für <nau‑>),
<[y]olai[ñ]enta> a2, <ānaiśai> b3, <ṣpikaisa> b4, <saitsī> b4, <aitsi> b4,
<[c]m(e)laṣṣai> b5, <traiṢAle> b6, <yoñiyai> b6.
In Wörtern: <ai> von <pelaiknetse> ist teilweise als <aiy> geschrieben, aber
merkwürdigerweise nur in MQ(R), und zwar 138b6, 212b3,4, 213b4, 407a2,b7, 555.1 und
H 149. X3 b1, was ich für eine regionale Eigenheit halte. Der einzige Beleg mit <e> ist
88
<peleknenta> M199a2. Da die Hs. (M199) verschollen ist, kann ich nicht entscheiden,
ob tatsächlich <e> oder <ai> vorliegt.
Bei <ai> von <taiw[e]> ist nichts zu analysieren, da es nur zwei Belege (hier und
<[t]aiwi> Š8b1) gibt. Nach Adams (1999, p. 307) ist die Bedeutung 'ripe fruit'. Er hat
<///we menāk> Š2a7 mit "phalaṃ pakvam iva" (von "yathā phalānām pakvānāṃ" Udv.
I,11?) identizifiert, aber in <///we menāKˎ ce maiweñˎ wrocce> Š2a7 kann man weder
das Wort (<///we>) noch den Kontext genau verstehen, obwohl Sieg/Siegling diese
Passage mit Udv. I, 11 identizifiert haben (Thomas 1949). Vor allem ist <cai maiweñˎ
wrocce> im Udv. nicht zu finden. Š8 ist leider verschollen, daher kann ich die
Schreibung nicht prüfen. Die Transkription bietet <cai [t]aiwi p. ///> (Š8b1), aber man
kann <[t]>, <p.> und die Worttrennung nicht verifizieren und wegen der Beschädigung
läßt sich die ganzen Passage nicht anlysieren (s.u. bei <māṣṣkne>).
<mai[ma]tSAññe> ist ein Hapax. Ich lese aber <MA> statt <[ma]>. Wenn das Wort
<mai[ma]tSAññe> von /maim/ (durchgehend ist <ai> geschrieben) abgeleitet ist,
wurde das Wort zuerst mit /‑tstse/ adjektiviert und dann mit dem Adj./Abstr.‑Suffix /ññe/
substantiviert. <‑tSAññe> (/tstse/ → <tSA>) kann als ein aus zwei Morphemen
bestehendes Suffix betrachtet werden.
In Wurzeln:
<śaitsi>, {<aiŚAmñe>, <aiṣtsi>, <ānaiśai>}, <saitsī>, <aitsi>, <traiṢAle>: <ai>
ist /a/.
√śai‑, √śau‑ 'leben':
√śau‑ zeigt sich beim Kaus. und bei den Grundverben (inklusive Abstr. und Subst). Die
finite Form des Grundverbums ist nicht belegt 32 . Das einmal belegte <śaweṃ>
H149.42b5 gehört vielleicht nicht zu dieser Wurzel, sondern zu √śwā‑ 'essen' (die
Übersetzung von dieser Passage wäre unter der Voraussetzung, daß <prama(t)e> mit
skt. /pramada/ 'lustig, Lust' identisch ist, 'sie sind/werden lustig' (wrtl. 'sie essen die Lust').
32
Vgl. Krause 1952, S. 295 (Paradigma für √śai‑ und √śau‑), und S. 65 (<i, y> vor hellem Themavokal).
89
√śai‑ bildet hingegen finite Formen im Bereich von Grundverben und zeigt weder ein
Kaus. noch Verbalsubst. Daher nehme ich vorläufig an, daß diese zwei Wurzeln suppletiv
sind, und zwar mit einem Stamm für Grundverben und anderem für Kaus.‑Verben.
Natürlich ist es möglich, daß <ai> vor hellen Vokalen statt <au> vorkommt, wie
Krause meint (vgl. Fnt. 17). Eine weitere Möglichkeit ist, eine unterschiedliche Funktion
zwischen /u/ und /i/ in der jeweiligen Wurzel anzunehmen, und zwar /u/ für Perfektivität
und /i/ für Imperfektivität.
<ai> von √aik‑ ist (inklusive <aiy> bei MQ(R)) durchgehend <ai> geschrieben. Das
von Krause (1952, S. 226) zitierte <ekasta> Ot.204b3 kann ich nicht verifizieren.
Monophthongierung (/a/ → /e/) ist möglich, aber vielleicht ist die Schreibung fehlerhaft.
Zu <ānaiśai> s.u. bei <ā>.
Zu <saitsī> s.u. bei <sasainu> 322a1.
√ai‑ ‘schenken’ zeigt Suppletivstämme (Ps.IX /ai-/, Ko.I /āy-/ Pt. /wäs‑/). Wenn <āyor>
‘Geschenk’ von dieser Wurzel abgeleitet ist, wäre die Wurzel als √āy‑ anzusetzen, und Ps.
/a‑/ wäre ein entwickelter Stamm. Wenn aber die originale Wurzel √ai‑ ist, hätte der
Ko.‑Stamm einen Ablaut. Ich kann das nicht mit Sicherheit entscheiden, aber wenn
Ps.IX jünger und Ko.I älter sein sollte, möchte ich √āy‑ für original halten. Es gibt kein
<aiy> für diese Wurzel. Dies deutet darauf hin, daß /a‑/ nicht alt sein kann. Außerdem
kӧnnte von der (rituellen) Bedeutung her gesehen /āyor/ möglicherweise alt sein.
<traiṢAle> ist schwer zu beurteilen. Auf dem Photo kann man gut ein <‑ai> auf dem
<tr‑> erkennen. Sollte diese Form ein Verbaladj. von √trik‑ sein, ist <ai> unerklärbar,
da <ai> nur beim Pt.Kaus. vorkommt. Wegen der Beschädigung kann ich nicht mit
Sicherheit eine Möglichkeit anbieten, daß das Wort <trai> ‘drei’ und <ṢAle> ‘Berg’
eventuell getrennt zu lesen sind.
Obl.:
90
<yokaitse>,
<[p]ikaṃṣṣai>,
<noṢAññai>,
<[y]olai[ñ]enta>,
<ṣpikaisa>,
<[c]m(e)laṣṣai>, <yoñiyai>.
<ai> für den Obl. ist durchgehend so geschrieben, niemals <aiy>.
Bei <oy> von <soytsi> a4 ist wie <yäpoy> schwer zu beurteilen, ob es ein Diphthong
ist. Es gibt keinen Ablaut in dieser Wurzel (<oy> ist durchgehend geschrieben). A-Toch.
√si‑ kann ursprünglich eine Schwundstufe von B-Toch. √soy- gewesen sein, wenn <i>
des A-Toch. nicht eine Monophthongierung des <oy> ist (/oy/ → /e/ → /i/, aber /e/ → /i/
ist schwer zu beweisen). In diesem Fall bliebe <o> fraglich. Eine Möglichkeit ist, <o>
aus /ā/ zu sehehn, das die Vollstufe bildet (/säy/ und /sāy/). Eine weitere Möglichkeit ist,
in dieser Wurzel . eine toch. Eigenbildung zu sehen, wenn keine Analogie (z.B. von
oy‑Opt./Impf.) im Spiel ist.
2) Vokallänge:
<ā>:
<mā> a3, <māñye> a4, <sā> a5, <māṣṣkne> b1, <empālkatte> b2, <āyorṣṣe> b3,
<sāle> b3, <yāmtsi> b3, <māka> b3, <ānaiśai> b3, <ytāri> b5.
<ā> für /ā/: <mā> (Negation), <sā> (Pron.), <empālkatte> (Ko.V), <āyorṣṣe> (s.o.),
<sāle> (Subst.), <māka> (Adj.), <yāmtsi> (Inf.), <ytāri> (Subst.).
<ā> von <māñye> ist als /ā/ zu werten. Weitere Belege sind <mañiye> oder
<mañīye>. Wenn die Akzentregel wirkt, tritt ein <> vor <y> auf. Das ist ein dem
Toch. eigentümliches Phänomen. Ich vermute, daß das Wort als /mān‑ä-ye/ zu analysieren ist, wobei /ye/ ein Suffix, und /ä/ eine Anaptyxe und wegen /y/ zu <i>
palatalisiertist ist.
<māṣṣkne> 281b1 ist schwer zu analysieren (vgl. Adams 1999, p. 450: ‟māṣṣkne, see
maśce“ ohne Zitat oder Erklärung). /ä/ von <maśce> und /ā/ von <māṣṣkne> sind
verschiedene Phoneme. Nach dem Photo ist diese Passage <mā ṣṣe‑Kˎ tai w[e] PA lsk[o]
ṣṣ[e] e‑ ///> zu lesen. In dieser Hs. werden <n> und <t> promiscue geschrieben, z.B.
91
<kretna> b2 für /krentā/. Sieg/Siegling haben <ṣṣkne> gelesen (Thomas 1953, S.172),
aber ich kann kein <kn> erkennen, sondern <Kˎ> (mit Virāmastrich). Sollte die
Lesung von Sieg/Siegling zutreffen, könnte das Wort /mā aṣk‑ne/ oder /maṣk‑ne/ und /ne/
eine Lok.‑Markierung sein, aber ein solches Wort läßt sich nicht belegen. Meine
Transkription ist /mā ṣ(p) ṣek nai we pälsko(ntā) e(rtsi)/. ( ) ist meine Ergänzung, und die
provisorische Übersetzung lautet: 'und doch nicht immer zwei Gedanken (hervorzurufen)'. Wenn meine Interpretation richtig ist, wäre auch <taiwe> zu beseitigen.
<ā> von <ānaiśai> ist problematisch. Es gibt nur einen Beleg mit <ā‑>, alle anderen
Belege bieten <a‑>. Dieses <ā> kann /ā/ sein, da diese Hs. keine Akzentregel zeigt,
aber ich sehe darin weder ein "Intensivpräfix" noch einen ā‑Umlaut (Adams 1999, p. 14),
weil ein Intensivpräfix im Toch. nicht existiert. Wenn es die Wurzel √āyk‑ gäbe, wäre
ā‑Umlaut möglich, aber deren Existenz läßt sich nicht wahrscheinlich machen. Dem
Beleg <[n].yśai> 213v3 zufolge, der nur als <aneyśai> rekonstruiert werden kann33 und
aufgrund des Duktus und Inhalt zulässig ist, sollte die Wurzel */ek-/ sein. Von der
Bedeutung 'genau' (Adv.) her gesehen ist es fraglich, ob <ānaiśai> mit √aik‑ 'wissen' zu
verknüpfen ist. Es gibt ein Verbalsubstantiv /aiśi/ (nicht wie Adams 1999, "adj." p. 106),
aber das Wort kommt nur "in der Verbindung po‑aiyśi" (vgl. TEB II, S.175) vor. /aiśa/
gibt es nur "in der Verbindung mit yām‑". Daher halte ich das Wort für ein nicht zu √aikgehöriges Adv.
<a>:
<ra> a1, <wänTArwa> a2, <tSAṅkowa> a3, <krentaunaṣṣen> a3, <aṣtsi> a3,
<śwatsi> a3, <k[leŚA]nmats> a4, <nautastsi> a5, <ytarye> a5, <tSAṅkalñe> a6,
<lkatsi> a6, <krentatSˎ> b2, <pRAṅkatsi> b2, <empālkatte> b2, <māka> b3,
<wätkal> b3, <kaṣaRA> b3, <ṣpikaisa> b4, <karak> b4, <ñaktetse> b6.
<a> als /ā/:
In Wörtern: <ra> (Adv.), <ytarye> (Subst.), <māka> (Adj.), <karak> (Subst.).
Perl.: <ṣpikaisa>.
33
<anaiyśai> ist möglich, aber <ai> auf <n> ist nicht erkennbar. <na> oder <ne> ist möglich, aber
<na> ist unmöglich, da <ay> in <anayśai> für /a/ undenkbar ist.
92
Wurzel.: <aṣtsi>, <śwatsi>.
Pl.: <wänTArwa>, <tSAṅkowa>, <krentaunaṣṣen>, <k[leŚA]nmats>, <krentatSˎ>.
Ko.V: <nautastsi>, <tSAṅkalñe>, <lkatsi>, <pRAṅkatsi> (Ps.III), <empālkatte>.
<a> von <wätkal> ist /ā/ (<wätkāLˎ> MQ284b7). Nach Krause (1952, S.288) bildet
√wätk‑ ein Ps.IXaδ (‑ā‑sk‑) und einen Ko.I (/wotkäṃ/). Auf dem Photo lese ich hier eher
<wätKAṃ> (Schreibfehler für <wätkaṃ>?), das von Sieg/Siegling gelesene <o> von
<wo> ist mit einem anderen Zeichen geschrieben als <o> von <to>, das direkt vor
<wo> steht. Das /ā/ (<a>) in <wätkal> weist auf einen Ko.‑Stamm /wätkā‑/ (Ko.V).
Der Ps.‑Stamm ist /wätkāsk‑/ (/wätkā/ (Ko.) + /sk/), d.h. das sk-Ps. ist eine Neuschöpfung
im B-Toch.
Beim <a> von <ñaktetse> und bei der Gen.‑Markierung <‑tse> liegen m.E.
Schreibfehler vor: <a> muß <ä> sein, und der Gen. lautet auf <‑ntse>. Vermutlich hat
der Schreiber das Trema auf <ñ>, und <n> auf <tse> vergessen. Richtig wäre mithin
*<ñäktentse>.
<kaṣaRA> ist skt. /kāṣāya/. <a> ist /ā/, aber <RA> ist schwer zu beurteilen.
Die Belege mit <‑y> Š497b2,a8, M324a3, und die Belege mit <‑r> sind Š44a5, S108a10,
S107b5, M361b8. Alle sind nicht alt. Man kann /y/ und /r/ mit Prākrit 'ya for ja'34, und
y → ž (vgl. Bailey 1981, Vol. 1, p. 33) im Iranischen vergleichen.
Wenn der Schreiber kein Skt.-Muster kopiert hat, hat er ein schon tocharisiertes Wort
geschrieben. <kaṣaRA> kann m.E. eine tocharisierte Schreibung sein, da fremdes <j>
oder <ž> kein toch. Phonem ist.
<ä> und <A>:
<pkwälñe> a1, <wänTArwa> a2, <PAlskone> a3, <KArtsauñe> a3, <tSAṅkwa> a3,
<w[ä]stsi>
34
a3,
<ŚA[pt]>
a4,
<k[leŚA]nmats>
a4,
<eKAlymi>
Vgl. A grammar of the Prākrit Languages by R. Pischel, traslated by S. Jhā, p. 30. 'All the dialects that
have ya for ja .... should be regarded as Mg'.
93
a4,
<mai[MA]tSAññe> a5, <aiŚAmñe> a5, <wärpalñenta> a6, <kRAmtsi> b1,
<noŚAññai> b2, <ṢPA> b2, <wätkal> b3, <kaṣaRA> b3, <wästsi> b3, <yätsi> b5.
In Wörtern: <wänTArwa>, <KArtsauñe>, <eKAlymi>, <ṢPA>.
In Wurzeln: <PAlskone>, <tSAṅkwa>, <w[ä]stsi>, <wärpalñenta>, <kRAmtsi>,
<wätkal>, <wästsi>, <yätsi>.
<yä-> von <yätsi> kommt im Paradigma durchgehend vor, deswegen kann man in /yä‑/
die Wurzelgestalt vermuten.
<ä> als Anaptyxe: <pkwälñe> (Ps./Ko.I), <mai[MA]tSAññe> (<maim> s.o.),
<aiŚAmñe> (Verbalabstr.), <noŚAññai> (<naiś>).
Alle <ä> sind Anaptyxen zwischen Stämmen und Suffixen. Die Wurzel √aik- von
<aiŚAmñe> bildet Ps.II. Vom Inf. <aiśtsi> H 149.207b3 her gesehen wird der Ko. nach
Klasse I gebildet. In dieser Hs. kommt <aiṣtsi> vor, aber dieses <ṣ> könnte wegen des
folgenden <t> so geschrieben worden sein. Das palatalisierte /ś/ (← /k/) ist ein bei
Verbalnomina verallgemeinertes Phonem, das vermutlich schon zur urtoch. Zeit
entstanden ist. <A> von <aiŚAmñe> ist Ergebnis einer Anaptyxe, wobei <A> später
akzentuiert und zu <a> wurde.
Skt.:
<A> von <ŚA[pt ai]tsi> a4 ist schwierig (<ŚA[pt]> für skt. / śabda/?), wenn das Wort
richtig geschrieben bzw. gelesen wurde. <p> kann <ṣ>, und <t> kann <n> sein. Auf
dem Photo sehe ich die Reste einer anderen Schreibung (nicht für diese Passage), und
die linke Seite des <‑ai> auf <pt> ist fast gelöscht. Außer diesem Beleg kommt das
Skt.-Wort /śabda/ nur als <śabdhsa> in MQR134b6 vor. /bd/ kann theoretisch <pt>
werden, aber wegen <ŚA> (skt. /śa/ von /śabda/ kann nicht /śä/ werden) und ungenauer
Schreibung möchte ich diesen Beleg aus der Wortliste streichen.
<A> von <k[leŚA]nmats> ist Ergebnis einer Anaptyxe, da das Skt.-Wort /kleśa/
apokopiert ist, und das Pl.-Suffix /nmā/, nicht /änmā/ ist.
94
<RA> von <kaṣaRA> ist eigentlich unsilbisch, da das Skt.-Wort immer apokopiert ist.
Hier sehe ich eine alte Schreibung (ohne Virāmastrich), aber wie ich oben dargelegt
habe, hat der Schreiber nicht genau geschrieben. Möglicherweise hat er einen Virāmastrich vergessen.
In dieser Hs. erkenne ich keine Akzentregel. Vermutlich ist diese Hs. eine spätere Kopie
eines altertümlichen Musters.
I‑2/II‑1:
MQR228-229:
a) Paläographische Untersuchung:
228b5 <y> ist oben rechts fast geschlossen:
; 228a4 <ñ> ist geöffnet, die untere
Linie etwas hoch:
; 229b3 <m> ist oben geschlossen:
nach unten geneigt:
; 228a3 <n> ist flach:
; 228b3 <śˎ> ist links separat und mit
Virāmastrich zusammen in einer Linie ohne Trema geschrieben:
229a2 <Ṣ> ist in der Mitte geschlossen:
sogar spitz, wie <PA>:
<SA>:
; 229a2 <t> ist links
.
; 229b3 <MA> ist oben links eckig oder
; 229b4 <NA> ist oben links rund, wie <TA> oder
.
228a3 <a‑> ist schon tocharisiert:
; 229a3 <i‑> hat oben zwei Halbkreise, das ist
ebenfalls schon eine tocharisierte Form:
aber oben etwas geneigt:
; 228b3 <ai‑> ist eine frühere Form,
; 228a5 <o‑> ist oben relativ lang gezogen:
95
; 228b1
<au‑>: Das Zeichen für die Länge ist rechts erkennbar, aber das alte <o‑> ist nicht
erkennbar, auch diese Schreibung ist tocharisierend:
228b /40/ und
/11/,
.
229b /(4)1/ sind die Blattnummern;
228b3 /12/,
229a1 /(1)3/,
228a2 /10/,
229a5 /14/ und
228a5
229b3
/15/ sind Versnummern.
Blatt- und Versnummern sind von verschiedener Hand geschrieben worden, aber fast
gleichzeitig, da die Schreibung von /40/ und /4/ nicht sehr von der in den vorherigen Hss.
abweicht. /10/ ist sehr altertümlich geschrieben, aber linguistisch gesehen sind diese Hss.
nicht alt (s.u.), daher sehe ich in diesen Hss. Kopien.
Wegen des oben geschlossenen <ya> bzw. <ma> (auch oben geöffnetes <ma> wird
geschrieben) habe ich diese Hss. in die Periode I‑2/II‑1 datiert. Obwohl der Duktus
altertümlicher ist, zeigt sich im Vergleich mit der ältesten Schreibung teilweise eine
"Tocharisierung".
Die Bindestriche in Ligaturen sind fast verschwunden, aber bei <ṢPA> noch teilweise
erkennbar. Hingegen ist der Virāmastrich erkennbar, aber er ist auf den Normalzeichen
ohne Trema mit dem Virāma verbunden (z.B. <ñä‑śˎ> 228b3) und gelegentlich mit
Trema ohne Virāmastrich (z.B. <pre‑ścyai‑ścä> 228b4) geschrieben.
b) Linguistische Untersuchung:
1) Diphthonge:
/a/:
<śaiṣṣe> 228a1, <aiṣṣeñcai> 228b3, <preścyaiścä> 228b4, <ymainne> 229a2,
<preñcai> 229a4, <pelaiknatSˎ> 229a5, <s[ai]mo> 229b3.
96
<ai> von <preścyai>, <aiṣṣeñcai>, <preñcai> und <ymainne> ist eine
Obl.‑Markierung und wird niemals <aiy> oder <ey> geschrieben, aber alle anderen
Wörter sind ab und zu mit <aiy> geschrieben (s.u.).
<snai> 228a5, <wärñai> 228b4, <waiptāRˎ> 228b1.
<ai> ist die Markierung für Postp. und Adv. Vielleicht ist dieses <ai> dasselbe
Morphophonem wie beim Obl.
<wärñai> ist durchgehend so geschrieben, da das Wort am Ende des Satzes oder der
Phrase vorkommt, aber <snai> und <waiptāRˎ> haben <aiy>, dessen <y> ich für den
sog. Verbindungskonsonanten halte, da diese Wörter mit dem nächsten Wort (oder
Akṣara) eng verküpft werden können. <snai> kann als Alpha privativum benutzt sein.
<yaiku> 229b5, <yaitu> 229b5.
Diese Formen sind PPt.
<yaiku> ist von √wik‑ (Kaus. Pt.II), d.h. *ye‑yik‑u, dessen /i/ ich für nicht alt halte. Ich
vermute, daß /i/ von √wik‑ ursprünglich /ä/ war. Das palatalisierte <y> ist typisch für das
Pt.Kaus., und hier ist der Reduplikationskonsonant auch palatalisiertes <y>, d.h. die
Reduplikation entstand nach der Palatalisation. Ich nehme an, daß das Reduplikationssystem aus dem Uridg. ererbt ist, aber im toch. Eigenleben hat man dieses System anders
als im Uridg. benutzt: die Tocharer benutzten dieses System nicht für finite Formen von
Ps. (Iterativ oder Durativ) und Pt. (Perf. und Aor.), die im Uridg. vorhanden waren,
sondern nur für das PPt. (Kaus.). Der Reduplikationsvokal <e> ist ein innerhalb des
Toch. entstandener Vokal für schwundstufige Wurzel aus urtoch. *æ.
Der Lautfolge */eyi/ (zweisilbig) wurde */ey/ und schließlich /a/ (einsilbig). *<yeyku> ist
nicht belegt, aber theoretisch möglich.
<yaitu> ist von √yät‑ (Kaus. Pt.II) gebildet: *ye‑yät‑u. Hier sehe ich */eyä/ → */ey/
(Schwatilgung) → /a/. Das Ergebnis des /a/ ist gleich wie bei <yaiku>.
/a/ ist ein aus <ey> entwickeltes Phonem, und in diesen Hss. kommt niemals <ey> für
/a/ vor, d.h. diese Hss. sind nicht in der frühen Periode geschrieben worden.
97
/a/:
<nauṢˎ> 228a5, <auṣuwa> 228b1, <nauskene> 228b2, <ñauskuwa> (für
<nuskuwa>?) 228b2, <kauṣentaṃts> 228b5.
<nauṢˎ> und <nauskene> haben in früherer Periode <eˎ> bzw. <ew>. <au> von
<kauṣentaṃts> habe ich oben behandelt (aus /ow/ ← /āw/).
<auṣuwa> ist PPt.Pl. von √wäs‑ 2 'weilen' (Krause 1952, S. 290, Ps.IXaγ, keine finite
Formen von Ko./Pt.): *we‑wäṣ‑u, und /ewä/ → /a/, wie /eyä/ → /a/, aber es ist
unersichtlich, warum anders als bei /ausu/ von √wäs‑ 1 'jem. bekleiden' vorkommt (hier
<ṣ>). Beide Wurzeln bilden Ps.IXa., und zum Ps.IXa gehört normalerweise Pt.III (s-Pt.).
Wahrscheinlich ist <ausu> von √wäs‑ 1 (nicht <ṣ>) normal, und <auṣu> ist
erklärungsbedürftig. <auṣu> kӧnnte zur Vermeidung des Homonymenkonflikts mit
<ausu> entstanden sein, oder ist in <auṣu> ein Pt.IV (mit Ps.IXb Kaus. kombiniert) zu
sehen? Es gibt außer diesem nur noch einen weiteren Beleg: <auṣuwaṃtSˎ> Š46a7.
Wegen der spärlichen Belegbarkeit muß ich auf eine Entscheidung verzichten.
Bei <ñauskuwa> bin ich mir nicht sicher, ob Krauses Übersetzung richtig ist. Krause
(und Sieg/Siegilng) hat in dieser Form eine 1.Sg.Pt. gesehen und <aRAñcaṃ> Obl.Pl.
als Objekt interpretiert 35 . Wenn <aRAñcaṃ> wie Sieg/Siegling zum Obl.Sg.
<aRAñcä> zu korrigieren ist (Thomas 1953, S. 136 Fnt. 5) und <ñäś> ein Obl. ist, muß
<ñauskuwa> 3.Sg.Pt. oder PPt.Pl.Nom. sein. Ich plädiere für PPt.Pl.Nom. (vgl.
<auṣuwa> in Pāda b). Die Übersetzung des Pāda d <LAklentaṣṣe nauskene ñauskuwa
ñäśˎ aRAñcaṃ> wäre dann: 'Bei der Bedrückung durch Leiden (wrtl. Leidens(Adj.)Bedrückung) wurde mein Herz (wrtl. haben sie mich, das Herz) bedrückt'. Vom Kontext
her gesehen kann "ich" kein Agens sein, und "Herzen" (Pl.!) gibt keinen Sinn.
/oy/:
<PAlskoyMˎ> 229a1 (Opt.), <poyśiñ> 229a4, <MArsoyMˎ> 229b3 (Opt.).
35
Vgl. Krause 1952, S. 178, Anm. 3. "ich bedrückte ihre Herzen".
98
Bei <oy> von Opt./Impf. kann man eine Silbengrenze zwischen <o> und <y>
erkennen. Hier sind beide Opt. (von Ko.V), und <o> von <oy> sollte /ā/ sein (s.o.).
Bezüglich des <a> und <o> im Indischen zitiere ich Pāṇinis letzten Sūtra (VIII 4.68)
und dazu einen Kommentar von K. Hoffmann:《 a a iti ∥》; Lies etwa [a] [ʌ], was zu
interpretieren ist: [ʌ] ist gleich [a], d.h. "geschlossenes" [ʌ] ist in der Grammatik so
behandelt, als wäre es phonetisch die Kürze von "offenem" [aː] (Hoffmann 1976, S. 552 ).
Ich sehe in ‫( آ‬langes Alef) im Neu‑Persischen dasselbe Phänomen. Wenn <a> gedehnt
wird, kann [ʌ:] entstehen. Wenn toch. <ā> ein Langvokal sein sollte, könnte auch [ʌ:]
für <ā> entstehen, aber der Lautwert <ā> ist im Toch. unbekannt, und das oben
erwähnte Phänomen ist für das Toch. nicht gesichert.
2) Vokallänge:
<ā>:
<āsTArsa> 228a1, <sānaṃnmeṃ> 228a1, <āRAñci> 228a3 (<aRAñcatSˎ> 228a3),
<ākaLKˎ> 228a4 (<akaLKˎ> 228b3), <PAlskosā> 229a1, <yāmorsa> 229a3,
<āwaskācce> 229a3, <wärsā> 229a3, <śtwāra> 229b2, <añmālaṣka> 229b4, <pānto>
229b4, <ālyeṅKAtSˎ> 229b5, <naKAṃnmā> 229b5; <yāMAskaucˎ> 228a5.
<ā> in Wörtern oder Stämmen: <āsTArsa>, <sānaṃnmeṃ>, <āRAñci>,
<ākaLKˎ>,
<yāmorsa>,
<āwaskācce>,
<śtwāra>,
<añmālaṣka>,
<pānto>,
<ālyeṅKAtSˎ>. <ā> und <a> sind /ā/.
Das erste <ā‑> vom Priv. <āwaskācce> erklärt sich durch Saṃdhi (<‑ā a‑> → <ā>),
und das Negativpräfix <a‑> ist hier für lange Wurzelvokale. In diesem Negativpräfix
sehe ich urtoch. */æ/, dasselbe Phonem wie der Vokal der Reduplikationssilbe. Hier ist
der Wurzelvokal36 /ā/ (√wāsk‑), und das zweite <ā> (nach <sk>) weist auf Ko.V,
obwohl keine finite Form des Ko. bei dieser Wurzel belegt ist. Mithin handelt es sich
nicht um eine Wurzel, sondern um einen Ko.‑Stamm. Aufgrund des Ps. <wäskänträ> in
MQR143b1 nehme ich gegen Krause (1952, S. 287) √wäsk‑ statt √wāsk‑ an, aber man
36
Vgl. Krause 1952, S. 42. und √wāsk‑ S. 287.
99
findet <wāskänträ> H.149add.124a3. Daher vermute ich, daß das ursprüngliche Gv.Ps.
von √wäsk‑ vom Kaus. beeinflußt worden ist und /wāsk‑/ im ganzen Paradigma verallgemeinert wurde.
Perl., Pl.: <PAlskosā>, <wärsā>, <naKAṃnmā>.
<ā> ist /ā/, und <a> kommt oft für /ā/ vor.
Konjunktion, Partikeln:
<ā> von <rāno> 228b5, <mā> 229a1 ist /ā/.
Skt.:
<prābhāse> 228a2, <saṃsārne> 228a3, <karūṃnṣe> 229a4.
Das erste <ā> von <prābhāse> und <ū> von <karūṃnṣe> sind unerwartet. Es
handelt sich hier um eine tocharisierende Schreibung. <ū> in der zweiten Silbe könnte
ein akzentuierter Silbenträger sein (aber s.u.).
<ū>:
<yūkormeṃ> 228a1.
Vom Paradigma von √yuk‑ her gesehen sind <u> und <ū> nicht unterschiedlich, d.h.
beide sind /u/, aber <ū> kommt oft in früheren MQ(R)-Hss. vor. <wä-> ist ein /u-/, d.h.
/u/ könnte in früherer Phase als ein Vokal nicht existieren, und man dürfte einen vom Skt.
beeinflußten Vokal <u> als <ū> wiedergegeben haben, der später als <u> verallgemeinert worden wäre.
<a>:
<tSAlpaṣṣimaRˎ> 228a1, <kleśanmaṣṣeṃ> 228a1, <takarecˎ> 228a3, <preñcaṃ>
228a4, <ram> 228a4, <ñäkta> 228a5, <witskaṃ> 228b1, <wawayw(a)> 228b1,
<cmelaṣṣeṃ> 228b2, <LAklentaṣṣe> 228b2, <aRAñcaṃ> 228b3, <ñäskemaRˎ>
228b4, <ra> 229a1, <rekisa> 229a1, <ynemane> 229a2, <kuTAṅkmane> 229a2,
<SArwecaṃ> 229a3, <pelaiknatSˎ> 229a5, <wätkaLˎ> 229a5, <saṃsārṣṣana> 229b1,
100
<walantsaṃ> 229b2, <tSAtkwatsñenta> 229b2, <waloṃ> 229b2, <naKAṃnmā>
229b5.
Stamm: <takarecˎ>, <wawayw(a)>, <wätkaLˎ>, <waloṃ>, <naKAṃnmā>.
Außer dem Reduplikationsvokal <wa> von <wawaywa> sind alle <a> als /ā/ zu werten,
das der Vokal im Stamm (Pt., Ko.) und im Subst. ist.
Endung: <tSAlpaṣṣimaRˎ>, <ñäskemaRˎ>.
<‑maRˎ> ist die Endung /‑mār/ 1.Sg.Med. von Ps./Impf./Opt.
PPs.: <ynemane>, <kuTAṅkmane>.
<‑mane> ist PPs.Med. /‑māne/.
Pl.: <kleśanma>, <preñcaṃ>, <ñäkta>, <witskaṃ>, <cmela>, <LAklenta>,
<aRAñcaṃ>,
<SArwecaṃ>,
<pelaiknatSˎ>,
<saṃsārṣṣana>,
<walantsaṃ>,
<tSAtkwatsñenta>.
<a> ist die Pl.‑Markierung /ā/, an die noch andere Morpheme treten können, z.B.
/pelaiknā/ Pl. + /‑ts/ Gen. Dies bedeutet m.E. eine Agglutination. Das toch. Morphem im
Nominalsystem ist im Gegensatz zu den Verhältnissen in den übrigen altindogermanischen Sprachen weitestgehend "monofunktional".
Perl.: <rekisa>. <a> ist /ā/.
Partikeln: <a> von <ram> und <ra> ist /ā/.
Skt.:
<siddharthe> 228a2. <a> ist skt. /a/. <‑e> ist toch. Nom.Sg.m.‑Markierung, die nach
Apokope hingefügt ist. Dieses /e/ ist aus urtoch. */æ/ (aus uridg.*‑o für Nom.Sg.m.) entstanden, und wurde ein Eigenmorphem im B-Toch. Zu A-Toch. ist diese Markierung
wegen der Apokope nicht erkennbar. Chronologisch gesehen ist A-Toch. später als B-
101
Toch., deswegen ist die Apokope dieses /e/ anzunehmen, aber beim Skt.-Wort in A-Toch.
ist die Apokope nicht passiert.
Ich sehe eine Tendenz, daß nach <ā> der Vokal <a> statt /ā/ vorkommt, z.B.
<PAlskosā ra mā>. Dies könnte ein Indiz für die Wirkung des von Sieg/Siegling für AToch. angenommenen Prinzips der "Vokalbalance" auch in B-Toch. sein, für das man
gemeinhin mit einer "Akzentregel" operiert.
<ä> und <A>:
Substantive:
<āsTArsa> 228a1, <PArweṣṣe> 228a2, <āRAñci> 228a3, <yärke> 228a4, <ñäkta>
228a5, <KAṃnte> 228a5, <oKTA> 228a5, <ñäśˎ> 228b3, <ākaLKAnta> 228b3,
<cämeltsa> 228b4, <preścyaiścä> 228b4, <aRAñcäntse> 228b5, <PAlskosā> 229a1,
<SArwecaṃ> 229a3, <wärsā> 229a3, <tSAtkwatsñenta> 229b2, <LAkle> 229b4,
<SAkw> 229b4, <KAṣṣi> 229b4, <naKAṃnmā> 229b5.
<ä> und <A> in diesen Wörtern sind /ä/.
In <oKTA>und <preścyaiścä> stehen <A> und <ä> metri causa.
<A> in <ākaLKAnta> und <naKAṃnmā> ist Ergebnis einer Anaptyxe zwischen
Stamm und Markierung.
<a> in <‑wa‑> von <tSAtkwatsñenta> ist wohl Folge der Akzentuierung eines /wä/.
Der Wortstamm ist /tsätk‑u-/, wobei das /u/ m.E. ein adjektivbildendes Morphem und als
<wä> wiedergegeben worden ist.
<SAkw> und <KAṣṣi> habe ich schon oben behandelt.
Verben:
102
<tSAlpaṣṣimaRˎ> 228a1, <yāMAskaucˎ> 228a5, <SAtkorsa> 229b2, <ñäskemaRˎ>
228b4,
<miyäṣlyñe>
228b5,
<kuTAṅkmane>
229a2,
<wätkaLˎ>
229a5,
<MArsoyMˎ> 229b3, <NAkṣt> 229b5.
Alle <A> und <ä> hier sind /ä/.
In Stämmen (Schwundstufe): <tSAlpaṣṣimaRˎ>, <SAtkorsa>, <ñäskemaRˎ>,
<wätkaLˎ>, <MArsoyMˎ>, <NAkṣt>.
<oy> von <MArsoyMˎ> (Opt.) habe ich schon oben diskutiert (/āy/ → /oy/), aber es ist
auch möglich, daß <oy> von Anfang an /oy/ gewesen ist, da kein Beleg für <āy>
existiert.
Mir ist unklar, warum dieser Opt. von der Schwundstufe gebildet ist, obwohl die Wurzel
vollstufigen Ko.V (<mārsat> MQR128b5) bildet (der Opt. ist normalerweise vom
Ko.‑Stamm gebildet). Eine Möglichkeit ist, daß diese Opt.-Form vom alten Ko.-Stamm
(märs-) in früher Zeit gebildet ist.
<A> von <yāMAskaucˎ> ist Ergebnis einer Anaptyxe, weil dieses /ä/ im Gegensatz zur
Kaus.‑Markierung /ä/ später akzentuiert oder getilgt wurde. Dieses sk-Pr. ist m.E. Ko.Stamm (Ko.I) /yām/ + sk- gebildet.
<ä> von <miyäṣlyñe> ist eine Kaus.‑Markierung und durchgehend bewahrt. <y> ist
ein Bindekonsonat zwischen /i/ und wichtiger Kaus.-Markierung /ӓ/.
<A> von <kuTAṅkmane> ist Ergebnis einer wegen des infigierten /n/ eingetretenen
Anaptyxe, da diese Wurzel √kutk‑ ist (Pt.I <śutkām>). Die ursprünglich vorhandenen
Phoneme /k/ und /w/ konnten phonetisch zu [k] (labialisiertes [k]) werden. Deswegen ist
sehr oft <k> (unsilbisch) oder <kwä> (silbisch) geschieben, und nach der Periode I
(ungehӓhr 5. Jh. n. Chr.) hat man einen Vokal <u> als Silbenträger statt <wä>
geschrieben.
Adverbien, Prä‑ und Postpositionen und Konjunktionen.:
103
<yPArwe> 228a5, <wärñai> 228b4, <ṢPA> 229a2, <wälke> 229a2, <MAnte> 229b5
(für <MAkte>).
Alle <A> und <ä> sind /ä/.
<ṢPA> habe ich oben diskutiert. Wenn es hier einen Virāmastrich gibt (mir scheint so),
kann man diese Schreibung als <ṢAPˎ> transliterieren. Es ist möglich, daß das Wort ein
unsilbisches /ṣp/ war. Wenn man metri causa eine Silbe brauchte, konnte man <ṢPA>
oder <ṢAPˎ> benutzen.
Adj.:
<ponTAts> 229b3, <KArtse> 229b3, <NAkṣi> 229b4, <ālyeṅKAtSˎ> 229b5.
<A> von <ponTAts> und <ālyeṅKAtSˎ> ist Ergebnis einer Schwaanaptyxe. Die
Gen.Pl.‑Markierung ist /‑ts/, nicht /‑äts/.
<A> von <KArtse> ist ursprüngliches /ä/.
Nach Adams (1999, p. 330) ist <NAkṣi> "Adj.Vok.", aber ich halte es für die finite Form
eines Verbums (3.Sg.Impf.Akt.), oder der Schreiber hat <‑Tˎ> (2.Sg.) zu schreiben
vergessen, da keine "Adj.Vok."‑Markierung /‑i/ belegbar ist. Eine andere Möglichkeit ist:
der Schreiber wollte <NAkṣT> schreiben, wie im Pāda c, hat aber wegen des Metrums
(4/4/4) <‑i> schreiben müssen. In diesem Falle konnte er <NAkäṣT> schreiben, aber
<kä> ist nicht gewöhnlich, und er hat <i> auf schon geschriebenes <kṣ> gesetzt. Das
Wort ist jedenfalls ein Hapax.
MQ255:
a) Paläographische Untersuchung:
a4 <ya> ist rechts nicht ganz geschlossen:
ist oben geschlossen:
; a5 <ñ> ist geöffnet:
; a7 <ṅ> ist in der Mitte verbunden:
unten ornamental stark gekrümmt:
.
104
; a5 <m>
; a6 <ś> ist links
a3 <Ṣ> ist in der Mitte geöffnet:
der Mitte geschlossen:
rund:
; b6 <ŚA> besteht aus zwei Dreiecken und ist in
. b5 <MA> ist links oben eckig:
.
a1 Die senkrechte Haste von <a‑> ist kurz:
a1 <ˎ> kommt nur unsilbisch vor:
lang:
; b5 <SA> ist oben
; a3 <i‑> hat die spätere Form:
; b5 <e‑> ist links lang:
;
; a7 <o‑> ist oben
; a1 Bei <ai‑> ist unten <e‑> nicht erkennbar, und der obere Teil von <ai‑>
ist gebogen:
; b7 <au‑>: das Längezeichen ist noch erkennbar:
.
b /18/ Die Blattnummer ist ganz klein und m.E. von anderer Hand geschrieben, weil die
/10/ anders als /10/ in den Versnummern aussieht:
a2 /6/ ist oben wie <Ś>:
.
; a3 /7/ ist links wie <ś>:
; a5 /8/
und a6 /9/
sind normal; b1 /10/ ist nicht altertümlich, die senkrechte Linie in der Mitte ist länger
gezogen:
. b2 /11/, /1/ ist über /10/ geschrieben:
getrennt geschrieben:
; b3 /12/, /2/ ist oben und unten
. b5 /13/, /3/ ist daneben normal geschrieben:
ist daneben normal geschrieben:
. b6 /14/, /4/
.
Wegen <ya> ordne ich diese Hs. in I‑2/II‑1 ein, wie MQR228‑9, aber I‑2 ist möglich.
b) Linguistische Untersuchung:
1) Diphthonge:
/a/:
105
Subst., Demon.pron., Präp.:
<ey> von <cey> a2 ist ein Vorgänger von /a/. Bei den Demon.pron. ist <ey> bis in die
spätere Periode geschrieben.
<śaiṣṣe> a1 (s. ad MQR224), <aiśaumye> a7 (s. ad MQR394), <[ai]ŚAmñenta> b1 (s.
ad MQR281), <aiKAruṣa> b2, <snai> b2 (s. ad MQR228), <cowai> b3, <eMAlyai>
b5, <maiyyā> b5, <saiMA> b7 (s. ad MQ148).
<aiKAruṣa> ist ein Hapax, deshalb kann ich nicht feststellen, ob das Wort von
<aikare> abgeleitet ist (vgl. Adams 1999, p. 102). Sollte dies der Fall sein, bliebe <u>
unverständlich. Zudem tritt das Adj.-Formans /‑ṣṣe/ gewöhnlich nicht an Adjektive.
<maiyyā> ist /mayā/. Die anderen Belege sind <meyyā> MQ248a1, MQ274b1,b2 und
<maiyasa> MQR263b4, S331b1. Außer in <maiyasa> wird das Wort immer mit <yy>
geschrieben. Wenn <ai> /ē/ ([e:]) sein sollte, steht diese Schreibung für /ēy/, aber es ist
auch möglich, daß das erste <y> ein Bindekonsonant zwischen <ai> und <ya> ist, wie
ich bei MQR228 erwähnt habe. Hier sehe ich in <aiy> einen Diphthong, nicht <a‑iy>.
<ai> von <cowai> und <eMAlyai> ist durchgehend so geschrieben. In diesem <ai>
sehe ich eine Obl.‑Markierung mit adverbialer Funktion. Der Obl. im Toch. ist m.E. kein
Akk. im Sinne des Uridg. Die Gruppenflexion des Toch. (die Kasusmarkierung tritt an
das Ende einer Gruppe von Obl.) verstärkt diese These. Freilich kann man vereinzelt
eine Akk.‑Funktion beim Obl. erkennen, aber das ist nur éine Verwendungsart des Obl.
Verben:
<ai> von <aiskeṃ> a1 und <aiŚTArme> b5 (s. ad MQR281) ist ein Stammvokal. Zu
<yaitu> b2 s. ad MQR229.
/a/:
<eˎ> von <neˎske> a1 ist /a/ in altertümlicher Schreibung, aber ungewöhnlich in
der Mitte vom Wort.
106
<au> von <MArsauˎ> in a1 könnte [oː] sein, wie <aiy> [eːj], aber nach den anderen
Belegen von PPt. zu urteilen sollte <auˎ> eigentlich /a/ sein. <ˎ> ist möglicherweise analogisch zu den obigen <eˎ>.
<auw> von <ālyauwcemeṃ> b4 könnte [oːw] sein. Ein Bindekonsonant ist auch
möglich, wie <aiy> (s.o.).
<ey> oder <eɪˎ> und <ew> oder <eˎ> waren altertümliche Schreibungen, die
später durch <ai> und <au> ersetzt wurden.
Zu <śaumotse> b1 s. ad MQR136.
<au> von <ausu> b2 ist durchgehend so geschrieben. Dieses PPt. ist gegenüber
<auṣu> (s. ad MQR228) eine normal entwickelte Form: */we‑wäs‑u/ → */wewsu/ →
*/ewsu/ → /asu/.
<au> von <sraukaṃ> b3 ist der Stammvokal des Ko.V von √sruk‑ und durchgehend so
geschrieben. Die Wurzel bildet /sruk‑/ (Ps.III/Pt.I) und /srauk‑/ (Ko.V). Diese Ablautkombination ist nicht normal (Ps./Pt. vs. Ko.), gewöhnlich variiert der Ablaut zwischen Ps.
und Ko./Pt., bzw. Ps./Ko. und Pt. Möglicherweise wurde das Pt. vom schwundstufigen PPt.
gebildet.
<[au]miyene> 255b4 ist ein Hapax. Auf dem Photo erkenne ich kein <au‑>, sondern
ein <wā>:
. Ein Schreibfehler ist denkbar, aber ich kann kein passendes Vorbild
finden. Die Bedeutung 'Fieber' (TEB II, S. 177) für das Wort ist unsicher. Vermutlich
wurde wegen <eMAlyai> 'heiß' am Versende dieser Bedeutungsansatz gewählt.
<au> von <aulāreṃ> b7 ist durchgehend so geschrieben. Abweichende Belege gibt es
nur zwei (H 149 add.17b4 und X623a2). Eine genaue Bedeutung kann ich nicht erschließen. Es gibt drei Belege in A-Toch. (<olariñˎ> THT887a8, <ola[r]iṃ>
107
THT969a4 und <olar> THT871a2). Alle sind unsicher, um eine Bedeutung 'Gefolge'
plausibel erscheinen zu lassen.
2) Vokallänge:
<ā>:
Adj., Subst., Partikeln, Postp.:
<māka> a1, <cmelāsā> a1 (Obl.Pl.Perl.), <ālyeṅKAtSˎ> a1, <yāmor> a6,
<aknatsā> a7 (s. ad MQ575), <āmoKAnta> b1, <yollaintsā> b3, <ṣṣertwentsā> b3,
<ālyauwcemeṃ> b4, <maiyyā> b5 (s.o.), <aulāreṃ> b7 (s.o.), <ñyātse> b7, <mā>
a2, <rā> a3, <skwänmā> a4 (Skt. Pl. s. ad MQR333).
Alle <ā> sind /ā/.
Verben:
<ā> von <prāskaṃ> a1 ist der Stammvokal des Ps./Ko.V von √pärsk‑ (*pārsk‑ als
Stamm ist nicht belegt). Wenn der Ps./Ko.‑Stamm vollstufig ist, ist /pärsk‑/ in Pt.
schwundstufig. Ich vermute, daß der Ko.‑Stamm eigentlich /pär/ (Wz.) + /ā/ (Ko.V) und
der Pr.‑Stamm als Ko.‑Stamm + /sk/ zu bertrachten ist. /pärsk‑/ (ohne Ko. /ā/) wurde zur
Wurzel. Eine andere Möglichkeit ist, daß /prāsk‑/ vom Nomen <prosko> abgeleitet ist.
<kaklāyāṢṢAṃ> in a3 erwähnt Krause in seiner Grammatik (1952) nicht. Die Belege
sind <kaklāy(a)[ṢA.]> MQR227b1 und <kaklāyaṢAṃ> MQ595b5. Es gibt kein
redupliziertes Ps. im Toch., sondern die Reduplikation kommt nur beim PPt. vor (vor
allem bei kausativischem Pt.II), wie <kaklāyau> D528b1. Ich vermute, daß die Pr.‑Form
/kaklāyā/ (Stamm des PPt.) + /sk/ ist. Dann wäre diese Pr.‑Form (mit /sk/) eine
Neuschöpfung.
<ā> für /ā/: <lkātRA> a3 (schon erwähnt), <rāŚAṃ> a4 (Kaus.Ko.II), <TAllānn> a7
(Ps.VI), <ālyintRA> b7 (Wurzelvokal).
108
<ā> von <tāṢAnne> a6 ist ein Stammvokal von √tā‑, das mit s‑ bzw. tt‑Erweiterung
vorkommt, wobei /s/ beim Stammvokal /ä/, /ā/ und /e/, und /tt/ beim Stammvokal /ä/
auftritt. Diese Abnormität kommt nur bei dieser Wurzel vor. Uridg. *dʰeh₁ zeigt viele
Neubildungen in idg. Sprachen (vgl. LIV37 S. 118). Bei toch. /tätt‑ā/ sieht Hackstein
doppelte Reduplikationen (vgl. LIV S. 119), aber die Reduplikationssilbe für kurzen
Vokal ist in B-Toch. verallgemeinertes /e/, nicht /ä/. Es ist möglich, daß diese Form
<tāṢAnne> als √tā + /s/ zu sehen ist, und bei der 3.Sg., dem Verbaladjektiv und dem
Verbalnomen ein verallgemeinertes /ṣ/ auftritt.
Im Paradigma kommen /tä‑/, /te‑/ und /‑s/ vor. /tätt‑/ tritt bei Ko.V und PPt. (<tatāsau>
wäre eine Neuerung) auf. /tes‑/ kommt beim Pt.III und Impv.Akt. (/täs/ für Impv.Med.)
vor. Sonst tritt (Ko.II eingeschlossen) /tās‑/ auf. Die ursprüngliche Wurzel ist √tä‑, und
/tā‑/ kann eine Ablautstufe vertreten. Weiteres unten bei der Diskussion von
<TAttāTAr> in MQR407a1.
<ī> von <wī> b5 ist /i/. Vielleicht ist <ī> älter als <i>. Die anderen Belege dieses
Wortes (<ī> 44 und <i> 77) erlauben keine sichere Entscheidung. In <wī> kann man
einen Akzent oder eine stilisierte Form sehen.
<a>:
Adj., Subst. (Pl.), Partikeln:
<a> für /ā/:
<māka> a1, <alyeKA> a1, <ma> a1, <wRAnta> a2, <ramTˎ> a2, <LAklenta> a2,
<ñyatsene> a3, <yaṣu> a4, <KArwas> a4, <tarśītse> a4, <PArnaśc> a5,
<waṢAmñe> a5, <KAntwane> a5, <añMAntse> a6, <orKAmñana> a6, <ra> a7,
<aknatsā> a7 (s. ad 575), <āmoKAnta> b1, <śamñe> b1, <mīsa> b1, <peraKA> b1,
<ksa> b1, <[ai]ŚAmñenta> b1, <aiKAruṣa> b2 (s.o.), <pakware> b2, <kakacu> b3
(Ko.V), <amāllatte> b3 (s.o.), <taṣṣenca> b3 (s.o.), <SAssuwa> b5, <piśaka> b5
(<piśākā> MQR252b3), <[wa]kicceṃ> b5, <naki> b7.
37
Lexikon der indogermanischen Verben. Unter Leitung von H. Rix. Wiesbaden 1998.
109
<a> von <KAntwane> ist /ā/, das von <KAntwāntse> H 149add.77a3 oder
<KAntwāṣṣe> M421/1a her gesehen eine Kollektivmarkierung (kein Pl.) sein könnte.
<a> von <mīsa> ist, wie <misāṃtSA> Š5b6 erweist, ein /ā/, und es ist fraglich, ob
diesem Wort skt. /māṃsa/ zugrund liegt. Ich kenne keinen Lautwandel skt. /āṃ/ → toch.
<>, und normalerweise wird skt. /‑a/ apokopiert. Daher nehme ich an, daß das Wort
kein Lehnwort aus dem Skt. ist.
Das erste <a> von <pakware> ist durchgehend so geschrieben, das zweite ist von
anderen Belege her gesehen /ā/. Das erste ist aus unbetontes /ā/.
<a> für /ä/:
<a> von <sanuññe> a5 und <san> a6 (für <sanu>) ist von <snūnma> Š44a6 und
<snūmeṃ> PK NS34b2 her gesehen /ä/. Hier sehe ich betontes //, und das Wort als
<sanu> verallgemeinert, und die Adj.-Markierung /-ññe/ ist sekundär suffigiert. Eine
Verschreibung ist kaum denkbar, da sich andere Belege für das Wort mit <a> finden.
Verben:
<a> für /ā/:
<prāskaṃ> a1 (Ko./Ps.V, s.o.), <takaṃ> a3 (Ko.V), <yasKAstRA> a4 (Wz.),
<TAllaṃ> a6 (Ps.VI), <kaTKAstRA> b2 (Ps.IXb), <sraukaṃ> b3 (Ko.V, s.o.),
<śamane> b3 (s.u.), <TArKAnaṃ> b4 (Ps.VI), <KAlpastRA> b5 (Ps.IXaδ),
<taseṃ> b5 (Ko.II, s.o.), <tsaṅkaṃ> b6 (Ko.V), <rmanTAr> b7 (Ko.V).
Die <a> von <śamane> sind /ā/, aber es ist nicht zu erkennen, ob dieses PPs. von √śai
oder √śau‑ abgeleitet ist. Krause hat dieses PPs. unter √śau‑ eingereiht, aber meiner
Einschätzung nach (s. ad MQR281 √śai‑), wird √śau‑ nur für die Kaus.‑Bildung benutzt.
Wenn das PPs. von Grundverben hergeleitet wurde, ist das Wort zu √śai zu stellen. Eine
andere Möglichkeit ist, daß /śā/ die eigentliche Wurzel ist und mit /u/ für das Kaus. und
mit /i/ für das Gv. erweitert wurde.
110
Skt.:
<a> von <skwänma> a2, <nraintane> a6 und <kleŚAnma> b6 sind toch. Pl. /ā/.
<a> von <aktajñe> a3 ist skt. /a/.
<i>:
<iwerune> a2 ist ein Hapax (<yweru> in TEB II S. 170 finde ich nicht). Bedeutung
(TEB II S. 170, 'Aufblähung', skt. "śotha"), Etymologie und Adams Übersetzung der
Passage (1999, p. 67) sind mir unklar. Wegen des <i‑>, das m.E. in der Frühzeit kein
toch. Vokal war, vermute ich ein Skt.-Wort, z.B. /īryā/ 'movement' oder /irṣya/ 'jealousy'
(Edgerton 1953, p. 115-6), da der Schreiber dieser Hs. sich häufig verschrieben hat.
<iSApe> a3 ist selten belegt. Ein sicherer Beleg ist <ispeKˎ> MQR349b3 (Periode
II‑3). Sonst ist <ysape> zweimal bei Š78a3 und H 149.296a1 belegt. Ich möchte das
Wort als /yӓspe/ analysieren, und <i‑> kann eine spätere Schreibung für /yä-/ sein.
<i‑> für <iSAlyäntse> b3 und <iSAlye • •> b6 findet sich nur in dieser Hs., und dieses
<i-> ist von dem <y-> in anderen Belegen (<ysalya mā[ṃ] .e> H 149.71b5,
<ysalyantse> H 14969a2 und <ysalyṣe> Š33b5) her gesehen ein /yä-/.
In dieser Hs. kommt merkwürdigerweise mehrmals <i‑> vor. Es ist möglich, daß der
Schreiber diesen Akṣara vom Skt.-Muster übernahm und als einen Sanskritismus
benutzte.
<o>:
Verben:
<koloktRA> in a2 ist ein Ps.I und nach <kakālakau> (D529b2) zu urteilen ist die
Wurzel √kālāk‑. <o> kann aufgrund der phonetischen Ähnlichkeit zwischen <ā> und
<o> ([aː] und [ʌ], s. ad <PAlskoyMˎ> 229a1, usw.) ein /ā/ sein oder analogisch nach
Ps.IV entstanden sein.
Zwei Vokale in éiner Wurzel sind ungewöhnlich. Möglicherweise ist diese Wz. aus den
Elementen /kāl/ und /āk/ (Erweiterung?) gebildet. Wenn diese Wz. mit A-Toch. /kälk‑/
111
identisch sein sollte, wäre /k/ in A-Toch. ebenfalls eine Erweiterung, aber <ā> in B-Toch.
ist schwierig zu erklären. Daß /k/ nach /kālā/ (← /käl/ + /ā/ Ko.V?) hinzugefügt wurde, ist
möglich. Ich möchte dieses Problem auf sich beruhen lassen.
<ortt[o]tRA> b1 ist Ps.IV von √ārt‑. Der Stammvokal in Ps.IV ist (außer <ai> und
<au>) immer <o>. Zu diesem <o> s. ad <kloyomāne> 338b6.
Nomina:
<skiyo> a3, <yāmor> a6, <orKAmñana> a6, <yoloy[TA]> a6 (für [NA]),
<(o)nolmi> a7, <oṅkolma> a7, <yoññiye> a7, <śaumotse> b1, <klyomñe> b1,
<[o]rṣṣe> b2, <eñcuwo> b2, <cowai> b3, <skloKAnma> b6.
Hier sehe ich dieses <o> als /o/ (keine Beziehung zu /ā/).
Nom.Sg.:
<o> von <skiyo> a3 (f.), <koṣko> a4 (f.), <tSAtko> a4 (<tSAt[k]waṃ> a4) und
<PAls[k]o> a4 (n.) ist /o/, das den Nom.Sg. bildet. Bei /‑o/ finde ich keinen Unterschied
zwischen Fem. und Mask.
Herkunft des <o> aus einem adjektivbildenden /wä/ ist möglich, wenn <tSAtko> ein
Obl. von <tSAt[k]waṃ> (/tsätk‑wä/) ist. <tSAtko> kann ein substantiviertes wä‑Adj.
sein.
<mo> von <śaumotse> ist ursprünglich ein adjektivbildendes Suffix, und das Wort
wurde substantiviert. Die Wurzel ist √śau, die m.E. nur im Kaus. vorkommt.
<o> von <eñcuwo> (ein Hapax) kann von den anderen Belegen (<eñcuwaññai>
Š22b6, <eñcwaññe> MQ593) her gesehen /ä/ sein, kann aber auch vom Versmaß 4x14
(7/7) her gesehen ein bewegliches "o" sein. Ein anderer Beleg, <iñcwo> in MQR520b6,
kann ebenfalls ein bewegliches "o" enthalten (Versmaß 6/6). Wenn dem so ist, müßte das
Wort /encu/ (Nom./Obl.) lauten, und <eñc(u)wo> als Nom. sollte gestrichen werden.
112
Adv., Adj.:
<no> a6, <po> b1, <noṅk> b2: <o> ist /o/.
Das erste <o-> von <omposTAṃ> ist */æ/, das sich an das /o/ der zweiten Silbe
assimiliert hat. Ich sehe darin also kein intensivierendes Präfix e(n)‑ (Adams 1999, p.
120), weil ich <e> im B-Toch. auf urtoch. */æ/ zurückführe. <m> ist epenthetisch vor
<p>, wie in <ompalsko>.
Wenn <noṅk> eine reduplizierte Form (/no/ + /no/ + /k/) sein sollte, könnte /o/
ursprünglich /ä/ gewesen sein, da die zweite Silbe synkopiert wurde. Wegen <Nnok> in
Š41a8 möchte ich /o/ aus /ä/ herleiten. Wenn dies das Richtige trifft, könnte dem
<posTAṃ> ein */päst‑ṃ/ zugrunde liegen. Wenn /o/ unter dem Ton aus /ä/ entstand, ist
<noṅk> auf der ersten Silbe betont, und die zweite Silbe ist getilgt worden (/nk/ →
<ṅk>), <Nänok> ist hingegen auf der zweiten Silbe betont. Die Verschiedenheit des
Tonsitzes könnte durch einen örtlichen Unterschied bedingt sein (MQ und Š). Eine
weiter Mӧglichkeit ist, wegen der Betonung /o/ → <ӓ> zu sehen, wenn /o/ ursprünglich
ist. Jedenfalls läßt sich der Vokalismus /o/ nicht auf einfache Weise bestimmen38.
<ä> und <A>:
Verben:
<yuwästRA> a1 (Ps.IXb), <[p]kwäntRA> a1(Ps.I), <koloktRA> a2 (Ps.I s.o.),
<KALṢAṃ> a3Ps.VIIIa), <lkātRA> a3 (Ko.V), <yasKAstRA> a4 (Ps.IXa),
<rāŚAṃ> a4 (Kaus.Ko.II), <eṅKAstRA> a4 (Ps.IXa), <neSAṃ> a5 (Ps.I),
<ṢArṢPAṃ> a5 (für <ṢArPṢAṃ> (Ps.VIIIa), <ñäṣtRA> a5 (Ps.II), <t[ā]ṢAnne> a6
(Ko.II), <TAllaṃ> a6 (Ps.VI), <w[o]tKAṃ> a6 (Ko.I <o> kann <ä> sein, s.o.),
<ortt[o]tRA> b1 (Ps.IV), <kaTKAstRA> b2 (Ps.IXb), <pruTKAṢṢAṃ> b2 (Ps.IXb),
<TArKAnaṃ> b4 (Ps.VI), <weṢṢAṃ> b4 (Ps.IXa), <wäksentRA> b4 (Ps.III),
<KAlpastRA> b5 (Ps.IXa), <TA[n]MAstRA> b5 (Ps.Xa), <aiŚTArme> b5 (PS.II),
<ālyintRA> b7 (Opt.), <rmanTAr mai> b7 (Ko.V).
38
Vgl. Hilmarsson 1986. p. 8ff. Labiale Umgebung ist keine notwendige Bedingung für das Auftreten von
<o>. Der Umlaut kann m.E. nur auf */æ/ wirken.
113
Die 3.Sg.Med. wird <‑tRA> geschrieben, außer wenn enklitische oder suffigierte
Elemente folgen. Wenn es aber nicht der Fall ist, ist 3.Sg.Med. in zwei Akṣaras getrennt
und <r> wird auf den nächsten Akṣara in Ligatur gesetzt (vgl. <aiŚTArme> oder
<rmanTAr mai>, s. ad Appendix II, 10).
Adj., Subst. Pron.:
<alyeKA> a1, <ṢAñ> a1, <wälke> a2, <LAklentatSˎ> a2, <wRänta> a2, <iSApe>
a3, <PAlsko> a4, <[e]ṅKAtkre> a5, <PArnaśc waṢAmñe> a5, <wäse> a5,
<KAntwane> a5, <añMAntse> a6, <orKAmñana> a6, <eñcäl> a6, <wäntRA> a6,
<āmoKAnta> b1, <wänTArwa> b1, <peraKA> b1, <yäkne> b1, <aiKAruṣa> b2,
<kektseñä> b2, <keśä> b3, <iSAlyäntse> b3, <KAnt[wa]> b3, <eMAlyai> b5,
<SAssuwa> b5, <skloKAnma> b6, <MAkci> b6, <ṢArm> b6, <piŚAtSˎ> b6,
<saiMA> b7, <krentTAntSA> b7, <wäṣṣe> b7.
<ä> ist /ä/ oder Ergebnis einer Anaptyxe zwischen Konsonanten, aber <A> oder <ä>
im Auslaut (<alyeKA>, <wäntRA>, <peraKA>, <kektseñä>, <keśä>, <saiMA>
und <krentTAntSA>) ist problematisch. Es ist möglich, daß der Schreiber
nachlässigerweise den Virāmastrich wegließ, denn an anderen Stellen hat er ihn
geschrieben (Virāmastrich bei <ˎ>, <ñˎ> und Ligaturen). Eine andere Möglichkeit
ist, daß diese Erscheinung durch das Versmaß bedingt ist, aber dann hätte man das
bewegliche "o" benutzen können. Daher sehe ich hier auch dem Duktus zufolge eher eine
Altertümlichkeit der Schreibung.
<RA> von <wäntRA> ist wie in der Endung der 3.Sg.Med. Wenn /wā/ (Pl.-Markierung)
folgt, wurde es zu /wäntärwā/. Die Nom.‑Markierung /‑e/ kann dieser Konstruktion
entsprechend hinzutreten (/wäntre/).
/perāk/ (<peraKA> b1) ist nach Lévi (vgl. Adams 1999, p. 395) ein Lehnwort aus dem
Sogd. (pyrʼk 'believing'). Wenn <ā> in diesem Wort ein akzentuiertes /ā/ ist, ist das Wort
dreisilbig. Ich bin mir nicht sicher, ob toch. /ā/ mit sogd. <ʼ> und sogd. <y> mit toch.
<e> identisch ist. Eine umgekehrte Entlehnungsrichtung ist möglich.
114
<saiMA> ist von √sai‑n‑ mit nominalisierendem /‑m(ä)/ abgeleitet. Wenn hier <A> ein
Phonem sein sollte, könnte ich in den Suffixen /mä/ und /mo/ eine Opposition zwischen
Nomen und Adj. erkennen. Eine andere Möglichkeit ist, /m/ allein als Suffix und /o/ als
bewegliches "o" zu werten.
Adv.:
<A> von <omposTAṃ> a2 ist Ergebnis einer Anaptyxe, da /ṃ/ allein Morphem sein
kann. Eine andere Möglichkeit ist, in /äṃ/ einen Reflex von // zu sehen.
Wenn <PArnnä> a5 ein Schreibfehler für <paRAṃ> ist (Sieg/Sieglings Korrrektur,
Thomas 1953, S. 156 Fnt. 6), ist das Wort eine Verbform mit der Bedeutung 'er trägt'. In
der Tat paßt <paRAṃ> als Prädikat besser als /pärnā/ 'draußen'.
Skt.:
<wä> von <skwäsont> a1 und <skwänma> a2 ist /w/ + Anaptyxe. Zum <SAk> a3 s.o.
bei MQR224. /w/ könnte von /u/ in skt. /sukha/ beeinflußt geschrieben werden.
<A> von <kleŚAnma> b6 ist am ehesten Ergebnis einer Anaptyxe, aber die Richtigkeit
der oben gegebenen Erklärung (/än/ aus //) ist nicht auszuschließen.
I‑3/II‑1:
MQ321‑2:
a) Paläographische Untersuchung:
Diese Hss. sind ähnlich wie MQR228‑9 (I‑2/II‑1), aber flüssiger geschrieben, vor allem
<ka>, das eine spätere Form (in der Mitte links nach rechts gekrümmt) aufweist.
115
321a1 <y> ist jung:
; 321a2 <ka> ist in der Mitte links gekrümmt:
<ma> ist oben geöffnet, links mitte ornamental:
gekrümmt:
; 321a2
; 321a4 <ś> ist links unten stark
; 321a1 <t> ist im Unterschied zu <n>
links nach unten gezogen;
322a5 <ṅ> ist in der Mitte verbunden, <KA> ist links etwas nach links gezogen:
321a1 <Ṣ> ist in der Mitte geschlossen:
; 322a6 <PA> ist eckig:
322b1 <ā‑> ist eine typisch toch. Form:
nach links gezogen:
231a1 /1/,
;
; 231a5 <o‑> ist oben lang gezogen, links
.
321a3 /2/,
321b7 /17/,
322a4 /21/,
322b2 /25/,
.
321a4 /3/,
322a1 /18/,
322a5 /22/,
322b2 /26/,
322b4 /27/,
321b2 /10/,
321b6 /16/,
322a2 / 19/,
322a7 /23/,
322b5 /28/,
322a3 /20/,
322b1 /4/,
322b6 /29/,
322b7 /30/ sind die Versnummern.
322b /24/ ist die Blattnummer:
.
/10/ ist links oben nach links gezogen. /6/ ist nachlässig geschrieben. /26/ ist links und
rechts umgekehrt geschrieben, das ist sicherlich eine Verschreibung. /7/ und /8/ sind links
nach links gezogen. /30/ ist sorgfältig geschrieben.
Bindestriche und Virāmastriche sind nicht immer geschrieben. Wenn der Auslaut ein
Konsonant ist, hat der Schreiber ihn in Ligatur mit dem nächsten Akṣara geschrieben.
b) Linguistische Untersuchung:
1) Diphthonge:
116
<kauc> 321a2, <weśeññai> 321a4, <klutkau> 321b5, <sasainu> 322a1, <musau>
322a2, <kauwcasi> 322a2 (/kauc wastsi/), <pokai> 322a7, <āl[y]auce> 322b7.
<au> von <kauc> und <āl[y]auce> ist /a/. Hier kommt <ew> nicht mehr vor.
<ai> von <sasainu> ist der Wurzelvokal, der im Paradigma durchgehend bewahrt ist.
Diese Wurzel bildet nach Krause (1952, S. 300) Ps.Xa <sainaskentä(r)> MQR125a2,
Ko.I <sainäträ> MQ275b2 und Pt.IIIa <sentsamai> MQR515b4. Dieses Paradigma ist
normal, aber bei <‑n‑> ist schwer zu beurteilen, ob es zur Wurzel gehört. Wenn diese
Wurzel √sain‑ ist, bildet sie ein Ps.IX. Nach Krause wird das Ps. nach Klasse X gebildet
(<‑nask‑>). Nach dem Zeugnis von A-Toch. √se‑ (Ps.VIII, Ko.VII, Impv.III und Pt.III)
gehört dieses <n> nicht zur Wurzel, sondern es wurde im B-Toch. vom Ps.-Stamm aus
verallgemeinert. Merkwürdig ist <e> von <sentsamai>. Ich kann nicht beurteilen, ob
die Monophthongierung schon in MQR (leider ist die Hs. 515 nicht vorhanden)
entstanden ist. Ich vermute, daß <-e-> ein Schreibfehler für <-ai-> ist.
<ai> von <weśeññai> und <pokai> ist die Obl.-Markirung, die durchgehend so
geschrieben ist.
<au> von <klutkau> und <musau> ist die PPt.‑Markierung. <au> ist m.E.
ursprünglich /ā/ (Pt.) + /u/ (Adj.) und wurde verallgemeinert.
2) Vokallänge:
<ā>:
<mā> 321a2, <māka> 321a2, <lkāskemane> 321a2, <wāwā(lau)> 321b2, <āssa>
321b3 (<āścä> 322b1, <āś> 322b2), <yāmu> 321b4, <ātsene> 322b3 (<ātaṃne>
322b4, Schreibfehler <aṃ> für <e>), <āl[y]auce> 322b7. <ā> ist /ā/.
Die Reduplikationssilbe <wā‑> von <wāwā(lau)> ist m.E. fehlerhaft, da die
Reduplikationssilbe für lange Wurzelsilben <a> ist. Die Passage ist <mā ā‑ś wā‑wā///>
(/mā āś wāwā(lau)/). Hier gibt es eine Ligatur <śwā>, und der Schreiber brachte ein
117
überflüssiges Längezeichen beim <ś> an, das wahrscheinlich vom folgenden <wā>
bezogen wurde. Es gibt in dieser Hs. noch weitere nachlässige (bzw. inkonsequente)
Schreibungen, z.B. <osnne> 321b3 vs. <osne>, <āścä> 322b1 vs. <āś> und <ātsene>
322b3 vs. <ātaṃne> 322b4.
<ī> von <trīwäskemane> 322b3 und <i> von <triwäskemane> 322b4 sind /i/, aber
inkonsequent geschrieben.
<a>:
<yänmaṢṢAlle> 321a1 (<yanma‑> 321b7, das Trema auf <ya> wurde vergessen),
<mant> 321a1, <māka> 321a2, <lkāskemane> 321a2, <ṣmalle> 231b4, <sasainu>
322a1, <wasi> 322a1 (<wätsitse> 322a3), <laṅkaskemane> 322a4 (<LAṅKA‑>
322a5), <triwaskemane> 322b5 (ohne Trema auf <wa>), <ṣarsa> 322b7.
<a> von <yänmaṢṢAlle> ist problematisch. Anderen Belegen zufolge (<yänmaṢṢ‑>,
Š29a6, Š100a5, MQ159a1, H149add.22a3 usw.) ist dieses <a> akzentuiertes /ä/ (keine
Kaus.-Markierung). Die Wurzel ist √yäp‑, und Ps.X. /yäpnäsk‑/ wurde <yämnäsk‑>
(Assimilation des /p/ an /n/), danach trat die Methathese <mn> → <nm> ein, die eine
für B-Toch. typische phonologische Regel ist.
<a> von <mant>, <ṣmalle> und <wasi> (für /wästsi/) sind //, <a> von <māka> und
<lkāskemane> ist /ā/.
<a> von <sasainu> ist der normale Reduplikationsvokal.
<a> von der Stämmen <laṅkaskemane> und <triwaskemane> ist betontes /ä/, die
PPs.‑Markierung <‑mane> enthält unbetontes /ā/.
<ä> und <A>:
<yänmaṢṢAlle> 321a1, <yäkte> 321a4, <ṣmalle> 321b4, <wätsitse> 332a3,
<LAṅKAskemane> 322a5, <wiPAskemane> 322a7, <āścä> 322b1, <trīwäskemane>
322b3, <ketsä> 322b5 (für <kektseñ>).
118
<ä> und <A> von <yänmaṢṢAlle>, <wätsitse> und <LAṅKAskemane> sind
unbetonte Wurzelvokale /ä/.
Wenn <yäkte> nur als Vorderglied eines Kompositums vorkommt (wie Adams 1999, p.
495), ist <ä> unbetontes /ä/. Wenn aber das Wort selbständig als Adj. vorkommt (<yakt
āñMÄ> Š99b3 und <y[a]kt(e)> MQR203b1), ist <yakte> geschrieben. Vom Kontext
her gesehen ist anzunehmen, daß das Wort hier ein selbständiges Wort ist (Adj.
'schwache Stimme', kein Kompositum 'eine schwache Stimme habend').
Bei <ṣmalle> nehme ich eine Schwatilgung zwischen <ṣ> und <m> an, da die erste
Silbe unbetont ist.
<A> und <ä> vor /sk/ (<LAṅKAskemane>, <wiPAskemane>, <trīwäskemane>)
sind wegen iher Funktion als Kaus.-Markierer gut bewahrt.
<ä> von <āścä> und <ketsä> ist unverständlich. Wahrscheinlich wollte der Schreiber
unsilbischen Akṣara schreiben, aber er hat wie in anderen Schreibungen nachlässig ohne
Virāmastrich geschrieben.
In diesen Hss. finde ich die Akzentregel zum ersten Mal. Wie erwähnt sind diese Hss.
vermutlich spätere Kopien. Ich habe nach dem Duktus (außer <k>) diese Hss. in
I‑3/II‑1 eingereiht, aber aufgrund der linguistischen Analyse ist eher eine Zugehörigkeit
zur Klasse II anzunehmen. MQR314‑7, 319‑20, die nahezu den gleichen Duktus zeigen,
klassifiziere ich in II‑1.
II‑1:
X625 in dieser Gruppe analysiere ich wegen seiner Beschädigung nicht.
119
MQ574‑576:
a) Paläographische Untersuchung:
Diese Hss. zeigen sehr deutliche Akṣaras. Ich sehe in ihrem Duktus den Standard der
tocharischen Brāhmī vertreten.
574b7 <ya> ist wegen der dreiteiligen Schreibung als schon tocharisiert anzusehen:
; 574b3 <m> ist wegen seines geschlossenen oberen Teils als tocharisiert zu
werten:
; 574b4 <ñ> ist in der Mitte geöffnet:
. 574a3 <ṇ> (für Skt.-Wörter)
ist in der Mitte auf altertümliche Weise verdickt geschrieben:
576b2 <Śˎ> und
.
576b6 <Ṣ> sind in der Mitte geschlossen.
574b3 <a‑> ist tocharisiert: obere Verdickung der Haste wie fast immer in I‑2:
.
576a4 <e‑> ist links von oben nach unten und am Ende des Kopfes etwas dicker
geschrieben:
; 576a3 <o‑> ist oben ornamental lang gezogen:
oben gekrümmten <ai‑> ist unten kein <e‑> mehr erkennbar:
; 575b7 Bei dem
; 575a3 <au‑> zeigt
rechts oben kein Längezeichen mehr, sondern ist rechts kontinuierlich geschrieben:
. Bei <ai‑> und <au‑> schon tocharisierte Schreibung.
574a3 /2/ und
576a4 /1/ sind Versnummern, die nur vereinzelt angebracht
wurden.
576b4 und
576a4 sind Interpunktionszeichen; 575b5 ist der Doppeldaṇḍa,
oben und unten mit schräger Linie verbunden:
. Interpunktionen und Doppeldaṇḍa
kommen unregelmäßig vor. Die Nummerierung ist ebenfalls unregelmäßig (nur /1/ und
/2/) vor.
120
In diesen Hss. kommen <i‑> und <u‑> nicht vor.
Der Virāmastrich ist kurz und fast waagerecht geschrieben, und der nächte Akṣara ist
nicht tief gesetzt. Diese Schreibung weist darauf hin, daß der Schreiber ohne Kenntnis
des Virāmasystems alte Texte kopiert hat.
Das Virāmakomma auf "Fremdzeichen" ist selten geschrieben (<Mʾˎ> 574a4, <Rʾˎ>
575b3). Nach Virāmastrich kommt Trema auf dem "Normalzeichen" vor, um es
unsilbisch zu machen.
b) Linguistische Untersuchung:
1) Diphthonge:
/a/:
<au> von <ālyauce> 574a3 wurde in MQR407b3, MQR571b5 als <ew> und in
MQ275b5 als <eˎ> geschrieben. Von der Beleglage her ist <eˎ> in MQ275 (I‑1)
älter als <ew> in MQR571 (II‑1).
<au> von <krentaunaṃ> 574b6 wird in MQ273a4 als <eˎ> und in MQ248a2,
MQR365b4, MQR224b1, MQR146b8 als <ew> geschrieben.
<au> von <naumiyenta> 576b5 ist einmal als <ew> geschrieben (MQR587).
<au> von <aurtsi> 575a3 ist einmal als <eˎ> geschrieben (MQ248a2).
<au> von <kakāyau> in 576a5 ist PPt.‑Markierung und durchgehend so geschrieben.
<tāˎ> 576a1 ist immer so geschrieben (/tāw/) und hat eine Silbengrenze zwischen <ā>
und <ˎ>. Die Entsprechung des /tāw/ in A-Toch. /tām/ läßt darauf schließen, daß /w/ in
B-Toch. in enger Beziehung zu /m/ in A-Toch. steht, vgl. die Endung der 1.Sg.Akt. /u/ (BToch.) und /m/ (A-Toch. und teilweise B-Toch.).
/a/:
<pelaikne> 575a3, <snai> 575a6 und <nraiṣṣeṃtSˎ> 576a6 haben konstantes /a/.
121
<ai> von <yāmorṣṣai> 574b1 und <pyapyaiṃ> 576a2 ist ohne Variation die
Obl.‑Markierung.
<ai> von <[ai]nakeṃ> 575a6 ist einmal <ey> in MQ274a3 geschrieben.
<ai> von <cai> 574a7 und <ṣai> 575b6 als <ey>, wie <ṣeyˎ> 576a3, geschrieben.
<ey> von <teyknesa> 575a7 ist später als <ai> geschrieben. Das Wort /takne/ besteht
eigentlich aus zwei Wörtern, /te/ (Demon.pron.n.Sg.) und /yäkne/, aber /ey/ ist wie ein
Diphthong behandelt und zu <ai> geworden. Aus dem Nebeneinander von <ṣai> und
<ṣeyˎ> zu schließen wurde das Original dieser Hs. in einer Übergangsperiode kopiert.
/oy/:
<oy> von <KArsanoyeṃ> 575a3, <tākoyˎ> 575b7 und <kwoyenTARˎ> 576b4 ist
Opt.-Markierung und durchgehend so geschrieben.
<oy> von <koynuwa> 576a5 (<koynameṃ> 576a7, <koyne> 576b6) ist von A-Toch.
<ko> her gesehen kein Diphthong, denn dann hätte A-Toch. ein */ke/. Schwierig sind
<‑n‑> und <‑uwa> (Hapax). Wenn der Nom. für das Wort belegt wäre, lautete er *koy.
In TEB II (S. 186) findet man koyṃ und bei Adams (1999, p. 202) koyn*, aber von AToch. her gesehen könnte <koyn> mit Obl.‑Markierung <n> als Obl.Sg. vorliegen.
Schwierigkeiten bereitet auch <‑uwa>. Wenn es richtig geschrieben sein sollte, könnte
es /uw/ + /ā/ (Pl.) sein, aber dann bliebe /uw/ unerklärlich. Eine andere Möglichkeit ist
die Analyse /u/ (Pl.) + /wā/ (Pl.), aber /u/ als Pl.‑Markierung gibt es im B-Toch. nicht.
Diese Schreibung hier ist ein Hapax und möglicherweise liegt ein Schreibfehler vor.
Korrekt wäre <koyna> (/koyӓn-ā/).
<toyˎ> 575a3 ist Demon.pron.Pl.f., das von <toṣ> in A-Toch. abweicht.
2) Vokallänge, Akzentregel:
<ā>:
Substantive:
122
<ā> von <lwāsa> 575a2 (<lwā[sā]ṃtSˎ> 575a3, <lwāsane> 575b1) ist /ā/, das im Obl.
erhalten ist. Der Nom.Sg. ist <luwo> (A-Toch. <lu>), der Obl.Sg. <luwa> und der
Pl.‑Nom./Obl. /lwāsā/. Ich erkenne in /lu/ einen Nom.Sg., in /lu‑ā/ einen Obl.Sg. und in
/lu‑ā‑sā/ einen Pl., ohne freilich /ā/ und /sā/ erklären zu können.
<ā> von <a[kn]ātsaṃ> 'unwissend' in 575a5 (Adj.Pl.Obl.) ist durchgehend so
geschrieben, und nach dem Zeugnis von <āknats> in A-Toch. und <āknatsañe>
H149.36s3 ist das Wort als /āknātsāṃ/ anzusetzen. Die Wurzel √knā‑ führt man auf uridg.
*neh₃‑ zurück. Dabei bleibt der Anlaut /ā‑/ erklärungsbedürftig. Vielleicht geht dieses
/ā/ auf uridg. * zurück, aber das Toch. bietet kein /a/, deswegen ist anzunehmen, daß */a/
wie in Skt.‑Wörtern durch toch. /ā/ ersetzt wurde.
Von der Absenz des Maskulinums her gesehen ist dieses Adj. abnorm. Ein sicherer Beleg
für den Status eines Adj. läßt sich nicht finden. In dem Syntagma <walo aknātsa> Š81a1
ist <aknātsa> Apposition zu <walo> 'König' (Mask.!). Ich betrachte daher das in Rede
stehende Wort als Substantiv.
Bailey identifiziert das Wort ansprechend mit kharoṣṭhī <aṃkratsa> (Niya), das
"Kuchean" <aknātsa> entspreche (s. ad Ttaugara in Opera Minora, 1981, Vol. 1, p. 459).
Khar. <aṃ> könnte toch. /ā/ sein, da <aṃ‑> im Toch. nicht existierte, und khar. <kra>
könnte doch <knā> substituiert worden sein. Wegen <kra> → <knā> ist diese
Hypothese mehr oder wseniger schwach, aber die indogermanische Etymologie des
Wortes kann mithin nicht als definitiv gelten.
<ā> von <yāmornta> 575a7 ist /ā/. Hier sehe ich keine Wirkung der Akzentregel.
Wahrscheinlich ist <yā> von <yāmor> semantisch wichtig.
Negation, Ordinalia, Adv.:
<ā> von <mā> 575a4, <TAryā [y]äkne> 575a6 und <tusāksa> 575b6 ist /ā/.
<TAryā [y]äkne> (Sieg/Siekling) muß wohl zu <TAryā[y]äkne> (Kompositum)
verbessert werden, da <ā> akzentuiert ist. Allerdings ist die Gültigkeit der Akzentregel
123
in dieser Hs. nicht deutlich zu erkennen (vgl. <yakne> 574b7 vs. <yäkne> 576a7, beide
sind keine Komposita). Wahrscheinlich haben wir es mit einer Kopie zu tun.
<tusāksa> ist aus /tusā/ und /ksā/ zusammengesetzt. Es muß sich um ein Kompositum
handeln, da die zweite Silbe betont ist. Wäre keine Univerbierung eingetreten, wäre
*<tusa ksa> geschrieben.
Verben:
<ā> von <ānäskeMʾˎ> 574a4 ist der Stammvokal. Im Paradigma kommt /ā-/
durchgehend vor (kein Ablaut). Es ergibt sich das Problem, woher dieses /ā/ kommt.
Nach der communis opinio ist für dieses toch. Wort uridg. *h₂enh₁‑ zu veranschlagen (vgl.
LIV, S. 238). Dann müßte *h₂e oder *h₂ im Toch. als /ā/ realisiert worden sein. Das /‑ā‑/
vom Ps.‑Stamm /ān‑ā‑sk/ wӓre von *h₁ hergekommen (aber eine Realisierung von *h₁ in
Toch. ist mir unbekannt), oder eine Analogie zu Ko.V zu sehen, und /sk/ (eine
Markierung des Pr.‑Stamms) ist hinzugefügt (anders Krause 1952, S. 218: "Wurzel"
/an‑āsk‑/,).
<ā> von <tākoyˎ> 575b7 (Ko.‑Stamm), <mantāl(ai)cci> 575b1 (Ko.V) und
<ar[tt]ānte> 576a1 (Pt.I‑Markierung) ist /ā/. Hier kann man die Akzentregel erkennen.
Skt.:
<rṣākeṃ> 574b6 ist nach Adams "BHS ṛṣaka" (1999, p. 541), es ist aber nur skt. /ṣi/
belegbar. Liegt skt. /ṣi/ zugrunde, wurde das Wort wohl durch das Iranische oder die
Gandhārī-Sprache vermittelt39. Sollte das Wort direkt aus dem Skt. entlehnt sein, könnte
das Etymon die Pl.‑Form /ṣayas/ sein, wenn der Pl. als Kollektiv aufgefaßt wurde, aber
toch. <k> für skt. /y/ ist erklärungsbedürftig.
39
Allerdings ist auch khot. rṣāka nicht belegt, könnte aber existiert haben (vgl. Degener 1989, S. 42ff. §
5.3.4: "‑āka‑ wird mit LW verbunden"). Bailey hat (1981, Vol. 2, p. 309) darauf hingewiesen, daß toch. <‑ā
ke> aus Gandhārī <‑aga> (/‑aγa/) kommen könnte, wie im Falle von toch. B <maitrāk> aus Gandhārī
<metraga> (vgl. Sogd.Bud. <mʼytrʼk>, Mid.Parth. <mytrg>). Khot. <räṣayī> (Bailey 1981, Opera
Minora Vol. 2, Rāma II, p. 109) kann ein späteres Lehnwort aus dem Toch. sein.
124
<ā> von <ratisāyakne> 575a5 (Versname), <paracittajñāṃ> 575a1 und <parihāRˎ>
575b6 ist skt. /ā/. Bei Skt.-Wörtern wirkt die Akzentregel nicht immer. Wenn Skt.-Wörter
sorgfälltig geschrieben wurden, blieben lange Vokale.
<ī>:
<KAṣṣī> 575a4:
Die Belege für <ī> stammen zumeist aus MQ(R) (Š3b4, MQR132b7, M170b6,
MQR283b6, MQR349a2, Š560a2,4, MQ574b7, MQ575a4, MQR587). Wenn <ī> älter
als <i> sein sollte, kann <ī> in Š und M auf Nachahmung eines älteren Musters
beruhen.
<kokīLˎ> 575b2 ist nach Adams (1999, p. 201) 'from BHS kokila‑'. <ī> kann
altertümliche Schreibung sein oder Ergebnis der Akzentuierung. Wenn <ī> eine
Akzentuirung aufweist, ist die Apokope später als Akzentregel entstanden.
<a>:
Subst., Pron.:
<a> als /ā/ (In Wörtern, Pl., Perl., Fem. und Kom.):
<mañyeṃ> 574a4, <kursarwa> 574a6, <ṣarmtsa> 574b2, <añmālaṣke> 574b3,
<wakītse> 574b4, <krentaunaṃ> 574b5, <lw[ā]sa> 574b6, <ñ[ä]kcy[a]> 575a1,
<cäñcrona> 575a2, <an[tp]iś> 575a2, <yäknesa> 575a3, <a[kn]ātsaṃ> 575a5,
<[ai]nakeṃ> 575a6, <teyknesa> 575a7, <tontsa> 575a7, <yāmornta> 575a7,
<cmelasa> 575b7, <rupsa> 575b7, <waṣamñesa> 575b7, <stan[ā]meṃ> 576a2,
<okonta> 576a2, <pyapyaiṃ> 576a2, <RAtrona> 576a5, <koynuwa> 576a5,
<slem[eṃ]mpa> 576a5, <koynameṃ> 576a6, <tumpa> 576b1, <pwenta> 576b2,
<kātsa> 576b2, <akālksa> 576b5, <śnona> 576b5.
<a> für //:
<śak> 574b1, <ṣarmtsa> 574b2, <ṣecakentse> 574b5 (<ṣeckeṃ> Š75a1), <yakne>
574b7, <(e)kalymi> 575a2, <kartseśˎ> 575a2, <ṣma(r)e> 575a3, <erkatteśañˎ>
575b3, <[ai]śamñe> 575b7, <ṣekaññe> 575b7.
125
Problematische Belege:
<kursarwa> 574a6, <yerkwantaiŚˎ> 576b2: /u/ ist als <u> und <wa> (/w/) realisiert.
<kursarwa> ist von anderen Belege her gesehen /kwärsārwā/. Die zweite Silbe von
<yerkwantaiŚˎ> ist durchgehend <wa> (/w/). Diesen Belegen zufolge konnte <u> in
unbetonter Silbe geschrieben werden, und <wa> in betonter.
<a> von <pañäKTAññe> 574b4 ist für skt. /u/ verallgemeinert. Dieses <a> ist aus
betontem /ä/ (← skt. /u/) entstanden.
<waṣamñesa> 575b7 ist anderen Belegen zufolge /wāṣmñesā/. Hier kann man die
Akzentregel erkennen.
Der Nom.Sg. von <ts[ā]raśa> 576a1 (Thomas 1953 S. 363 Fnt. 6, für All. <tsāraśˎ>) ist
<tsāro> (quasi Hapax) in a5 von H 149add.129 (IOL40 Toch. 170). Broomhead liest
jedoch <tsāro> (1962). Nach dem Zahlzeichen und vor <tsā> gibt es einen unlesbaren
Akṣara, was die Lesung erschwert (<[50] • tsāro> ein Pflanzen‑ oder Tiername?).
Weitere mögliche Belege sind <tsā(ra)[n]e> M416b5, dessen (ra) unbestimmbar, und
<tsārane> M421/1.b, dessen Bedeutung nicht zwingend als 'Kloster' bestimmbar ist.
womit die übliche Zusammenstellung mit √tsär‑ 'sich trennen' fraglich wird. Die
provisorische Übersetzung für M421/1.b ist 'mehr als 80.000 (sc. Menschenleben?) sind
in diesem so vorzüglichen Kloster (??) erloschen'. Im Paradigma zeigt sich /ā/ nur beim
Kaus.Pt. <tsyāra>, dessen <ā> von <tsy> aus betrachtet keine Beziehung zu <ā> von
<tsāra> hat. Von der Redup.‑Silbe <e> des PPt. her gesehen ist der Stammvokal ein
"kurzes" /ä/. Wenn auch der Auslaut <a> ein nominalisierendes /ā/ ist, ist ā‑Umlaut auf
dem Stammvokal undenkbar, weil /ä/ nicht /ā/ werden kann.
Adj., Adv.:
<a> für /ā/:
40
Abkürzung von 'India Office Library' in London.
126
<māka> 574a6, <kca> 574b3, <ra> 575a3, <t[a]ne> 575a7, <lykaśkana> 575b4,
<mantanta> 575b6, <tusāksa> 575b6, <raṃ> 576a6, <ksa> 576b4, <larona> 576b4,
<wa> 576b5, <waiptaRˎ> 576b6.
<a> für //:
<nano> 574a7, <kartse> 575b4, <lykaśkana> 575b4 /lyäkśkānā/, <mantanta> 575b6
/māntntā/.
<aśśi> 576a4 (Hapax):
Auf dem Photo erkenne ich an dieser Stelle <a .ś[i] cwī>, wobei ich folgendermaßen
lese: unsicheres <.> als <ś>, der Vokal des zweiten Akṣaras ist nicht <i>, sondern eher
<ī>, und in Zeile a3 (Pāda b?) kommt <wī āsTAn> 'zwei Köpfe' (Obl.Pl.) vor. Ich
vermute, daß <a.ś[i]cwī> ein Schreibfehler für <aścī wī> 'zwei Köpfe' (Nom.Pl.) ist. Der
Schreiber hatte schon <śśī> für <ścī> geschrieben, aber dann hat er mit <c> auf <w>
korrigiert.
Verben:
<a> für /ā/:
<takāre> 574b1, <aksaṣ[ṣ]i> 575a3, <PAt[ta]s[a]Tˎ> 575a7 (Impv. von √tā‑),
<mantāl(ai)cci>
<[tsa]ṅkanme>
575b1,
575b4
<śamp[o]ṣṣi>
(Ko.V),
575b3,
<[TA]nmaskenTARˎ>
<wärpanaTARˎ>
575b5,
<yamalle>
575b3,
575b6,
<enäsk[e]mane> 575b7, <ar[tt]ānte> 576a1, <akaLṢAlle> 576a1, <karānte> 576a2,
<śawiya> 576a4, <kar[]mte> 576b5, <srukalñentse> 576b6 (Ko.V).
<a> für //:
<paktRA> 574b5 (Ps./Ko.I von √päkw‑), <aksaṣ[ṣ]i> 575a3 (Ps.IXa), <KArsanoyeṃ>
575a3 (Ps.VI), <puttaṅkeṃ> 575b4 (Ps.VII), <wärpanaTARˎ> 575b5 (Ps.VI),
<yamalle> 575b6 (Ko.I), <akaLṢAlle> 576a1 (/āklṣälle/).
Skt.:
Alle <a> stehen für skt. /a/:
127
<samuddarn(e)>
574a1,
<paracittajñāṃ>
575a1,
<apramaṇinta>
575a2,
<ratisāyakne> 575a5, <appamatiśśa> 575b2, <parihāRˎ> 575b6, <bramñäkte>
575b7.
<samuddarn(e)> ist skt. /samudra/. /d/ ist kein toch. Phonem, daher gab es auch kein
/dra/. Sonst wird das Wort mit <‑dRA> Š30a4, Š73b3, MQR221a1,b2, MQ242a3,
<‑dTäRˎ> Š75b3, S400b3, S429a2, <‑dTAr> Š11b6, Š73b6, MQ282b3, H 149.26/30a1,
H 149.302b3, <‑dTARˎ> Š29a7,b2, Š30b4, Š76a5, usw. <‑tRA> MQR207a3, <‑ttar>
MQ192b4, <‑[td]Rä> Š104b3 geschrieben. Die Schreibung <ddar> ist demnach als
Versehen zu werten, wie die Schreibung <a> für /ä/. Die Schreibung mit <d> statt und
neben <t> (<‑dRA>, <dtär>) ist ein Reflex der Skt.-Schreibung. Nach der Apokope
von skt. /‑a/ hat man <RA> oder <AR> für /r/ geschrieben. Hier ist /dr/ zu sehen.
Skt. /apra‑/ ist in 575 promiscue geschrieben: <apra‑> und <appa‑>, letzteres ist
vielleicht ein Prakritismus.
<bramñäkte> ist eine hybride Form (skt. /brāhman‑/ und toch. /ñäkte/). Hier sehe ich
keine Akzentregel, sondern ein altertümliches <ñäkte>.
Für diese Hss. sind inkonsequente Anwendung der Akzentregel und gelegentliches
Unterbleiben der Verkürzung der An‑ und Auslaute charakteristisch. Es ist möglich, daß
diese Hss. eine Vorstufe der Entstehung der Akzentregel widerspiegeln.
MQ588:
a) Die paläographische Untersuchung:
a1 <a-> ist an der senkrechten Haste kurz:
von oben nach links in einer Linie geschrieben:
128
; b5 <i-> ist normal:
.
; a1 <e‑> ist
Im Folgenden meint "normal" die toch. Eigenheit nach der Tocharisierung. Ich nehme an,
dass diese Hs. in der Periode II-1 eingesetzt ist.
In Prinzip sind diese Hss. paläographisch den Hss. MQ574‑6 gleich (<ya> und <ña>
sind wie in 574).
Der Virāmastrich und das Trema ohne Virāmastrich werden promiscue geschrieben, z.B.
<eśnaiSAñˎ> 588a1 und <TAñä> 588a2. Das Virāmakomma kommt nicht vor.
Die Versnummern: 588b1 /1/ ist über <tSˎ> rechts geschrieben (kein Virāmakomma):
; 588b4 /3/
und 588b7 /5/
sind normal.
b) Linguistische Untersuchung:
1) Diphthonge:
<pyapyaicci> a1 (Obl.), <eśnaiSAñˎ> a1 (Du.), <snai> a6 (Adv.), <ainake> b5 (Adj),
<yamṣamai> b5 (1.Sg.), <yaitkusa> b6 (PPt.), <yolyai> b7 (Obl.). <ai> ist /a/.
<kompaino> a1 ist problematisch. Weder die Bedeutung noch die Worttrennung sind
sicher. Vielleicht ist das Wort in <kompai> und <no> zu trennen, und <kompai> ist
z.B. für /kontac/ 'Nuß' oder /komt/ 'täglich' verschrieben. Ich kann bewegliches "o" nicht
erkennen, da diese Passage nicht in Versform vorliegt. In derselben Zeile kommt <mru
ntsa ñka> vor, das auch unverständlich und nicht analysierbar ist. Vielleicht handelt es
sich in beiden Fällen um Pflanzennamen o.ä.
<tekai> a3 (ein Hapax) ist vielleicht mit /yok/ 'Farbe' kombiniert benutzt, aber weder die
Bedeutung noch die Worttrennung zu <se te kai yo KA RA///> ist sicher.
<ai> von <imaimeṃ> b7 ist wahrscheinlich für /e/ verschrieben.
<klautsnaiSAñ> a2 ist ein Gen.Du. (<‑naiSAñ>) von /klauts/ 'Ohr'. In TEB II (S. 190)
und bei Adams (1999, p. 230) steht klautso als Nom., aber alle drei Belege für <klautso>
(Š3b4, D527a5 und MQ575a1) sind im Vers. Daher kӧnnte dieses <‑o> ein bewegliches
129
"o" sein, d.h. der Nom. dieses Wortes wäre /klats/, und der Obl.Sg. wӓre /klatsa/. Dem
Du. <klautsne> (Š72.5, H.add149 88a7) zufolge kann /klats/ als Wortstamm aufgefaßt
werden. Das Problem ist der vermeintliche Gen.Du. (TEB), der nur in dieser Hs.
vorkommt (hier und <eśnaiSAñˎ> a1) und durch den Kontext nicht zwingend
vorausgesetzt wird. Es ist durchaus möglich, daß bei <klautsnaiSAñ> ein Schreibfehler,
z.B. für <klautsne> (Obl.Du.) + /ṣäñ/ 'sebst', vorliegt.
2) Vokallänge:
<ā>:
<ā> von <wawakā[ṣ]> a1 ist auf dem Photo nicht sicher zu erkennen, aber es kann
<kā> gelesen werden. Dieses /ā/ kommt beim reduplizierten PPt. von einem Stamm mit
langen Wurzelvokal vor, und /ṣ/ kommt als Obl.Sg.m.- oder Nom.Pl.m.-Markierung vor.
Beim PPt. von einem kurzvokaligen Stamm kommt /o/ statt /ā/ vor (vgl. Krause 1952, S.
157).
<s˄ārkwina> a3 und <lwasā (e)ne> a4: <ā> dominiert beim Sandhi.
<prāŚŚAṃ> a7 und <[p]rāskat> b6 sind Ps.V von √pärsk‑. <ŚŚA> von <prāŚŚAṃ>
ist ein Schreibfehler für <ṢṢA>.
<tāka> b4 und <takāsta> b6 sind Pt.I von √nes‑. Hier sehe ich die Akzentregel.
<ā> von <mā> a6 (Negation), <tāKArṣkeṃ> b2 (Subst.), <kāwo> b4 (Adj.) und
<yāmorntse> b4 (Subst.) ist /ā/.
<o> von <kāwo> b4 könnte von <kawāññentRA> 24b2 her gesehen /ā/ sein, aber
<kāwälñe> 540a2 legt einen Wortstamm /kāw/ nahe, und <‑o> könnte als Nom.Sg.Markierung, und <‑ā> in <kawā‑> als Obl.-Markierung angesehen werden. Wegen der
geringen Anzahl der Belege läßt sich keine sichere Entscheidung treffen.
130
Skt.:
<ā> von <(u)ppālantasa> a3 ist skt. /a/. Außer bei <uppalavarṇañˎ> H149x5a3 ist
<ā> in diesem Wort durchgehend geschrieben. Möglicherweise wurde skt. /a/ betont
und als <ā> wiedergegeben und verallgemeinert.
<ā> von <mudgulyāyani> a7 ist skt. /ā/. Das Wort ist skt. /maudgalyāyana/
(Personenname), und hier steht <u> statt /a/ und /a/. <‑i> ist gänzlich unverständlich.
Vielleicht kannte der Schreiber das Skt.-Wort nicht.
<ī> von <aṣanīkentse> a7 ist vielleicht eine alte Schreibung für /i/. Eine weitere
Möglichkeit ist, in <ī> ein betontes /i/ zu sehen, aber das ist unwahrscheinlich, weil die
Akzentregel hier in dieser Stelle nicht wirken kann, und der Schreiber nicht konsequent
geschrieben hat.
<a>:
Subst., Adj., Adv.:
<pyapyaicci> a1, <ayato> a1, <tseññana> a3 (Pl.f.), <kmuTAntas ārkwina> a3 (Pl.),
<lwasā> a4, <aṣanīkentse> a7, <yamor> a8, <wäs[tSA]nma> b1 (Pl.), <asTAre> b3,
<añmsa> b3 (Perl.), <ṢArmtsa> b4 (Perl.), <ainake> b5, <wina> b5, <ramTA> a2,
<rano> a6.
Alle <a> sind /ā/, entweder in Wortstammen oder in Endungen.
Verben:
<wawakā[ṣ]>
a1,
<yaMAskeṃ>
a2,
<KAllaskeñcä>
a2,
<wsāwa>
b1,
<wawla[w](au)> b3, <tāka> b4, <[p]rāskat> b6, <takāsta> b6, <yaitkusa> b6.
<wa‑> von <wawakā[ṣ]> und <wawla[w](au)> sind verallgemeinerte Redup.‑Vokale
für langen Wz.‑Vokal. Die zweiten Silben <‑wa‑> und <‑wla‑> sind /ā/.
Sonst ist <a> entweder Stamm- oder Markierungsvokal (Pt.) /ā/.
131
<u> von <yaitkusa> ist unverständlich. Wahrscheinlich handelt es sich um einen
Schreibfehler: Sieg/Siegling vermuteten eine Verschreibung für <yaitkorsa> (Thomas
1953, S.373 Fnt. 5). Der Schreiber hat das PPt. als Verbalsubst. mißverstanden.
Skt.:
<(u)ppālntasa> a3 (Pl., Perl.), <mudgulyāyani> a7 (s.o.), <boddhyaṅgänta> b7 (Pl.),
<indrinta> b7 (Pl.).
<saṃtke> b1 ist nach TEB.II (S. 253) skt. "śāntaka", und nach Adams (1999, p. 682)
'from some Prakrit equivalent of BHS śāntaka', aber im Skt. ist /śāntā/ 'ein best.
Arzeneistoff', und /śāntaka/ ist ein Adj. mit der Bedeutung 'beruhigend' (Böhtlingk 1875,
Nachdruck, 1991 Kyoto. S. 1656). Ich kann das Wort weder im Pāli noch im Prākrit (bei
Pischel) finden, obwohl der Wandel /ś/ → /s/ im Pāli oder Prākrit vorkommt. Es ist
möglich, daß ein Adj. /śāntaka/ nominalisiert ins Toch. entlehnt wurde, aber das ist
unwahrscheinlich. /‑a/ der letzten Silbe wurde apokopiert, aber /a/ der vorletzten Silbe
konnte nicht synkopiert werden. Die Endsilbe /e/ (für Nom.Sg.m.) kann nicht zum Skt.Wort hinzugefügt worden sein (/sāṃtke/ ist Nom. und Obl.). Das größte Problem
bereiten die Sibilanten /ś/ und /s/. /śa/ konnte im Prākrit intervokalisch zu /ha/ werden
und danach /ha/ dialektal zu /sa/, aber der Anlaut /ś/ bleibt unveränderlich (vgl. Pischel,
translated by S. Jhā, 1981, p. 215ff.).
<[pa]nnak> b3 ist auf dem Photo wegen des Risses schwer auszumachen. Der Anlaut ist
nicht <pa>, sondern vielleicht <MA> oder <SA>, und <nna> kann <tka> (<nta>
oder <nTA> auch möglich) sein. Ich kann weder die Bedeutung noch die richtige
Worttrennung erschließen.
<ä> und <A>:
Subst., Pron., Adj.:
<eśnaiSAñˎ> a1 (Gen.Du, s.o.), <TAñä> a2, <klautsnaiSAñˎ> a2 (Gen.Du, s.o.),
<kmuTAntas ā> a3 (s.o.), <yoKA> a3, <cäñcre> a4, <weKA> a4, <MAkc[p]i> a5,
<ṢArm> a6, <ñäś> b1, <yällau> b2 (für <yälloṃ>), <tāKArṣkeṃ> b2, <PAlsko>
b2, <asTAre> b3, <ŚAk> b3, <ṢMA[r]e> b8.
132
<A> von <wäs[tSA]nma> b1 ist ein Vertreter von /i/ (/wästsi/), da die Pl.‑Markierung
/nmā/ ist, nicht /änmā/.
Bei <TAñä>, <yoKA>, <weKA> und <ramTA> sollten Virāmastriche geschrieben
werden, da diese Hs. nicht metrisch ist. Es handelt sich einfach um einen Fehler des
Schreibers.
Adv., Konj.:
<ramTA> a2, <ṢAp> a4, <posTAṃ> b5 und <(MA)[kt]e> b8 wurden schon
diskutiert.
Verben:
<yaMAskeṃ> a2 (Ps.IXa): s. ad <yaMAṢ[Ṣ]Aṃ> MQR138a5.
<KAllaskeñcä> a2 (Ps.VI), <prāŚŚAṃ> a7 (s.o.), <wärPAnoytRA> a8 (Impf. Ps.VI).
<A> von <ne[SA]ṃ> b7 ist ein Anaptyxe, und dieses <A> wurde später akzentuiert
zu <a>.
<au> von <nesau> 1.Sg. ist analogisch nach der sog. them. Endung geschrieben.
Skt.:
<wä> von <SAkwä> a2 ist /u/ (s. ad MQR224).
<ä> von <boddhyaṅgänta> b7 ist Ergebnis einer Anaptyxe zwischen dem Endkonsonanten des apokopierten Skt.-Wortes und der toch. Pl.-Markierung.
MQ590:
a) Paläographische Untersuchung:
133
Paläographisch gesehen ist diese Hs. der Hs. 588 ähnlich. Die Virāmastriche sind sehr
deutlich geschrieben. <ṢPˎ> ist auch mit Virāmastrich verbunden (vokallos), dieser ist
aber nicht unten gesetzt (<ˎ> oder <LPˎ> sind halb unten gesetzt). Das Virāmakomma kommt nur bei <Rʾˎ> b4 vor, aber die Gestalt ist genau wie beim Anusvāra,
nicht kommaartig (rechts mit Ausläufer). Ich beobachte in dieser Hs. eine Übergangsphase des Virāmasystems.
b1<yo> ist normal:
links verbunden:
Haste angebracht:
; b3 <ñ> ist in der Mitte halb geschlossen:
; b3 <ṅ> ist
; b7 Der Querstrich für <kka> ist in der Mitte der senkrechten
.
a5 <MA> ist eckig, und innen ist nur ein Strich geschrieben (kein Kreuz wie früher):
; b3 <Ṣ> ist in der Mitte ganz geschlossen:
a1<a‑> ist normal:
; a6 <ˎ> ist mit Virāmastrich unten geschrieben:
<e‑> ist oben leicht ornamental:
a5 /73/,
; b3 <TA> ist oben rund:
; a8 <o‑> ist normal:
.
; b2
.
b2 /76/: Die Zahlzeichen sind normal und deutlich geschrieben.
b) Linguistische Untersuchung:
1) Diphthonge:
<ai> von <snai> a3 ist /a/.
<au> von <kauno> b1 ist /a/, <o> ist bewegliches "o". <n> ist außer in drei Belegen
(<kaum> H 149add.19a4, <kauMˎ> Š5b3, S331b3) in 32 Belegen für das Wort
geschrieben. Daher ist das Wort als /kaun/ anzusetzen.
134
<au> von <[ā]lyaucesa> b2 ist eine entwickelte Form, da es früher als <ew> oder
<eˎ> geschrieben wurde.
<ai> von <maiyā> b6 ist ebenfalls eine entwickelte Form für früheres <ey>.
<aukk> von <yaukka[t]e> b7 ist durchgehend so geschrieben. Belege für finite Formen
dieser Wurzel gibt es nur drei (<‑antRA> MQ36b3, <‑asTARˎ> M195a2 und <‑āte>
Qu373b5), und alle sind nicht alt. Möglicherweise wurde <kk> aus dem Ps.VI /‑k‑nā/
übernommen und als <kka> verallgemeinert, aber ich kann diese Wurzel wegen der
wenigen Belege nicht genau beurteilen (n-Pr. oder nicht).
<eˎ> von <ceˎ> a7 ist altertümlich, und <ai> von <cai> b2 ist aus <eɪˎ>
entwickeltes /a/. Ein ‑haltiger Diphthong scheint widerstandsfähiger als ein ‑haltiger
Diphthong zu sein.
2) Vokallänge:
<ā>:
<ā> von <śāmna> a6, <lkānTA[r]> b2, <[ā]lyaucesa> b2, <kāwälyñeṣṣe> b3,
<ñyāSˎ> b3, <lwāsa> b4 und <maiyā> b6 ist /ā/ (alle Wörter habe ich schon oben
diskutiert).
<māntal(ñe)> b1 ist das vom Ko.V /māntā‑/ (√mänt‑) gebildete Verbalnomen.
<[a]k[āLK]ˎ> b5 ist von <ākāL> MQ343 (Hs. ist verschollen) her gesehen /ākālk/, auch
alle anderen Belege sind mit verallgemeinertem <a-> geschrieben.
<ī> von <wī> a6, <rītanTARˎ> b4 und <cwī> b5 ist /i/. Vielleicht ist es eine
altertümliche Schreibung.
135
Skt.:
<ā> von <kalpānmasa> a3 ist von <kāLPˎ> a7 her gesehen ein Schreibfehler für /ä/
(Anaptyxe) von /kālp‑ä‑nmā‑sā/.
<ī> von <jambudvīpne> a4 ist wie die übrigen Vokale des Wortes der Skt.-Vokal.
<a>:
<tarya> a1 ist /täryā/. <a> von <tekisa> a6 (Perl.), <śāmna> a6 (Pl.), <kestsa> a7
(Perl.), <[s]pelkkesa> b4 (Perl.), <lwāsa> b4 (Pl.) und <yäknesa> b5 (Perl.) ist /ā/.
<tmane> a8 ist /t(u)māne/. Das Wort ist meistens als <tmane> (14 Belege) geschrieben.
Nur zwei Belege aus einer späteren Periode (<tumane> S401b3 und <tmane>
M110b9) sind mit <u> bzw. <> geschrieben. Daher nehme ich an, daß das Wort
/tmāne/ ist. Dann ist /tm/ in phonotaktischer Hinsicht nicht autochthon, sondern ein
Lehnwort unbekannter Herkunft. Von der Bedeutung her bieten 'Early Middle Chinese
萬 /muanʰ/ (vgl. Pulleyblank 1991, p. 318 in wàn, 10.000 Jap. man) oder neupersisch
/tumān/ '10 Rial'41, das aus Türk. 'zehntausend' entlehnt ist, eine Möglichkeit. Nach G.
Schmitt42: 'Altaische Namen gab der Chinese vielfach "hybridisch" wieder, indem er den
"Stamm" sinngemäß übertrug, das bloß systematische Formans hingegen lautgemäß.'
Vielleicht gilt hybride Wiedergabe auch für chinesische Elemente des Tocharischen,
doch bliebe dann das /t‑/ erklärungsbedürftig. Ich sehe eine Parallele in <nrai> ← skt.
/niraya/, wo skt. /‑i‑/ zwischen /n/ und /r/ schwand, weil /i/ vermutlich kein toch. Phonem
war. Nach Ausweis der späteren Belege (<tumane> S401b3 und <tmane> M110b9)
könnte der Vokal der ersten Silbe /u/ gewesen sein, aber möglicherweise ist <u> bzw.
<> Ergebnis einer Epenthese. Der Auslaut /‑e/ könnte als Nom.Sg.m. (Pl.Obl. zeigt
auch /e/) angefügt worden sein, oder es handelt sich hier um eine Analogie zum PPs.Med.
/‑māne/.
41
Vgl. Wörterbuch Persisch‑Deutsch von H.F.J. Junker und B. Alavi, 1965 Leibzig, S. 198.
42
Vgl. Schriften zur Geschichte und Kultur des alten Orients, Altorientalische Forschungen V, 1977 Berlin,
S. 175‑179.
136
Das Wort zeigt in der türk. und mongol. Sprache kein /‑e/ (vgl. Doerfer 1965, S. 632, 634
und 639). Wenn im Altaischen keine Apokope eingetreten sein sollte, könnte man
annehmen, daß toch. A. <tmāṃ> ins Altaische übernommen wurde.
<a> von <palsk[o]> b2 und <walke> b4 ist /ä/. Hierin könnte man die Gültigkeit der
Akzentregel sehen, aber in der Hs. läßt sie sich sonst nicht mit Sicherheit ausmachen,
deswegen erscheint es möglich, daß <a> für den Schreiber dieser Hs. die gewöhnliche
Schreibung war. Vielleicht markiert diese Hs. aber auch den Beginn des Inkrafttretens
der Akzentregel.
Verben:
<a> von <śanMAṃ> a5 (nach Krause 1952, S. 230, Ko.II von √käm‑) ist /ä/. Hier ist die
Schreibung wie oben bei <palsk[o]> und <walke>. Die Palatalisation des Anlauts dient
der Opposition zwischen Pr. und Ko./Pt.
Adv.:
<a> von <rano> a1 und <tane> a2 ist /ā/.
Skt.:
<a> von <antrakalpo> a5 ist skt. /a/.
<dvipanmaṣṣi> a6: das erste <a> gibt skt. /a/ wieder, das zweite ist die toch.
Pl.‑Markierung /ā/.
<ä>:
<[ly]ipenTARˎ> a5, <sruk(e)nTARˎ> a6, <MAtstsenTARˎ> a7, <tseṅkeTARˎ> b3
<lkānTA[r] k(a)> b2, <rītanTARˎ> b4: <TARˎ> ist die Markierung der 3.Sg.Med.,
die m.E. ursprünglich <tRA> zu sehen ist. Wenn danach ein Suffix oder Adv. kommt,
steht <TA>, und /r/ wird auf dem nächsten Akṣara als Ligatur geschrieben, wie
<lkānTA[r]˄k(a)>. Darin sehe ich eine entwickelte Schreibung.
137
<ṃ> von <śanMAṃ> a5 (Ko.II?) und <yoPAṃ> b1 (Ko.I) ist 3.Sg.Akt.-Markierung,
und <A> ist Ergebnis einer Anaptyxe (kein Themavokal). Vielleicht hat man wegen des
palatalisierten /ś/ dieses Verbums in die Klasse Ko.II eingeordnet, aber ich sehe in der
Palatalisation eine Markierung der Opposition zwischen Ps.‑ und Pt./Ko.-Stämmen.
<ä> von <kāwälyñeṣṣe> b3 ist Ergebnis einer Anaptyxe (s.o.).
<yä-> von <yäknesa> b5 wurde spӓter zum /i-/.
<A> von <MAkte> a5 ist ursprüngliches /ä/. In Adverben ist die erste Silbe generell
unbetont geblieben. Wahrscheinlich wurden sie auf der Endsilbe betont oder trugen gar
keinen Akzent.
MQ600:
a) Paläographische Untersuchung:
b1 <ya> ist normal:
; a3 <ñ> kommt in der Mitte geschlossen oder geöffnet vor
(im Falle von <ññ> kann von beiden Möglichkeiten Gebrauch gemacht werden):
a3, b3 und b4: <s>, <r> und <k> sind verdoppelt geschrieben:
,
<ṇ> ist kein toch. Phonem, aber trotzdem ist toch. <‑ä> darauf gesetzt:
a4 Das Virāmakomma kommt nur auf <R> vor:
a1 <a‑> und b4 <ī‑> sind normal:
<ai‑> ist normal:
bzw.
.
138
bzw.
;
; b5
.
.
; a1 <e‑> ist rechts lang:
; a2
a3 /1/,
a1 /2/,
a4 /3/,
a2 /4/,
a5 /5/,
b3 /6/: Die Zahlzeichen
sind normal, doch sind sie inkonsequent verwendet.
b) Linguistische Untersuchung:
1) Diphthonge:
/a/:
<wai> a1 und <aiwolce> a2 sind durchgehend so geschrieben.
<ai> von <preścīyaimpa> a5 ist die Obl.‑Markierung.
<ai> von <saiMˎ> b2 ist durchgehend so geschrieben. Dieses Substantiv ist von
√sai‑n‑ abgeleitet. /n/ von √sai‑n‑ ist im Paradigma außer beim Inf. und Subst. immer
geschrieben. Die Inf.-Form <saitsī> (ein Hapax in MQR281b4) könnte /santsi/ sein, da
der Ko.-Stamm /san‑/ ist. Wenn das zutrifft, könnte das Substantiv auch als /sain‑m/ (→
/saim/) interpretiert werden.
<ai> von <aikarñeṣṣe> b4 ist durchgehend so geschrieben (s. ad MQ255).
/a/:
<au> von <tsirauññeṣṣe> a3 wurde zuvor als <ew> (MQR137b7, MQR224b3 s.o.)
geschrieben, d.h. dieses <au> ist eine entwickelte Variante.
Skt.:
Das erste <ai> von <asaṃkhyaiṣṣai> a1 (/-ṣṣa/ Obl.Sg.f. beim Adj.) ist durchgehend so
geschrieben. Ich nehme an, daß das Wort skt. /asaṃkhya/ ist (Subst.n., Edgerton 1953, p.
82), nicht /asaṃkhyeya/ (Adams 1999, Adj., p. 32). Die Belege für dieses Skt.-Wort sind
immer Obl. (<-kyai->), deswegen ist es schwierig, die Nom.‑Form zu bestimmen, aber
ich vermute /asaṃkhye/.
139
<au> von <[śra]ddhauñeṣṣe> a2: Skt. ist /śrāddha/ (Edgerton 1953, p. 534, adj.). Der
Nom.Sg.m. ist /śraddhe/, folglich geht der Obl. auf <‑au> aus. Die Tocharer haben das
Wort mit /-ññe/ sustantiviert und danach mit /-ṣṣe/ adjektiviert.
2) Vokallänge:
<ā>:
<tsārwa> a1 (für <tsārwo> Nom.), <yātalñe> a2, <papāṣṣo///> a4, <alāLAtte> a4,
<lāre> a5, <śpārmeṃ> a5, <kamarttāññe> b5, <amāṃ> b5. <ā> ist /ā/.
<kamarttāññe>: nach Ausweis von <kamārtaññe> in MQR128b6 ist die zweite Silbe
/mā/, die erste Silbe aber kann /kā/ sein, weil betontes /ä/ hier nicht denkbar ist. Wenn
dem so ist, ist das Wort /kāmārtā‑ññe/. Die Etymologie ist unbekannt.
<amāṃ>: <amāno> in MQR144b3 (mit einem bewegliche "o") zufolge ist das Wort
ursprünglich dreisilbig. Das Etymon des Wortes wӓre skt. /amānana/ 'Geringschätzung',
und eine Haplologie kӧnnte passieren (→ /amāna/).
Skt. :
<ā> von <nervāṃ> a5, <jātaKˎ> b1 und <yugarājiññe> b2 ist skt. /ā/.
<ā> von <alāsñe> b5 ist skt. /a/ (s.u.).
<ā> von <yugarājiññe> ist skt. /ā/. <i> ist Ergebnis einer Schwaanaptyxe und wegen
der palatalen Umgebung zu <i> geworden.
<ī>:
<ī> von <sarrīwenta> a5, <preścīyaimpa> a5, <KAṣṣī> b3, <īme> b4 und <sañī>
b5 (Pl.) sind /i/.
<sarrīwenta> ist ein Plurativ 'einzelne Aufgabe' (TEB I, S. 78) oder ein Pl.
'Bestrebungen, Forderungen' (Thomas 1949 S. 184). Von diesem Wort ist weder der
Numerus noch die Bedeutung sicher. Die vermutliche Sg.‑Form /sāri‑ne/ in Š337b2 ist ein
140
Hapax und die Bedeutung 'Rat, Versammlung' (TEB II, S. 254) m.E. auch unsicher.
Wenn dieser "Plurativ" existiert, warum ist kein Pl. belegt? Ich vermute, daß das Wort
/sāri-w-entā/ ist, wobei /w/ ein Verbindungskonsonant, und /entā/ Pl.-Markierung ist.
<a>:
<a> für /ä/: <ekalymi> a1, <tarya> a1 (/täryā/), <cmelane> a2, <palsko> a3,
<kartseśˎ> a4, <ketara> a4 (/ket‑ä‑rā/), <ekṣalyi> a5, <śinmal[ñ]e> a5, <waste> b2,
<PArmaṅKA> b2, <nesalñe> b2, <ṣañˎ> b4, <kartse> b4, <wikṣallona> b5
(/wikṣṣällonā/), <wäntarwa> b5 (/wäntärwā/).
<a> für /ā/: <tsārwa> a1, <lalyintse> a1, <srūkalñeśˎ> a2, <yātalñenta> a2,
<krentaṃtSˎ>
a2,
<alyekne>
a3,
<sarrīwenta>
a5,
<preścīyaimpa>
a5,
<yamalñeṣṣe> b1 (/yāmälñe/), <LAklenta> b2, <ñatsentane> b2, <[wa]ṣamoñˎ> b3,
<arañce> b4 (/āränce/), <srūkalñeṣṣe> b4, <kamarttāññe> b5, <amāṃ> b5, <sañī>
b5.
<a> in ersten Silben in <papāṣṣo> a3 ist eine Reduplikationssilbe, <alāLAtte> a4 ist
eine Privativssilbe.
<pa> von <[pa]ñäktetsai> a5 ist durchgehend so geschrieben. Es handelt sich um ein
Prosawort.
<a> von <aikarñeṣṣe> b4 ist von <aiKAruṣa> MQ255b2 her gesehen /ä/, wenn beide
identisch sind. (s.o. MQ255b2)
Skt.:
<bodhisatveṃts> a1, <asaṃkhyaiṣṣai> a1, <jātaKˎ> b1, <yugarājiññe> b2,
<kRAtaññe> b4, <karuṇäntse> b5. <a> ist skt. /a/.
<alāsñe> b5 ist ein Lehnwort aus dem Skt. (/alasa/ oder /ālasya/, Pāli /ālassa/). Es gibt
einen weiteren Beleg in dieser Form (Š12b3) in B-Toch. und ein <ālāsune> in A-Toch.
141
In der ersten Silbe ist unbetontes /ā/. Die zweite Silbe hat durchgehend /ā/, obwohl die
Vorlage /a/ hat.
<ä> und <A>:
<ekalymiññetSAṃñemeṃ> a1, <MAskeTArne> a3, <yärkkessu> a3, <alāLAtte> a4
(Ko.I), <LAklenta> b2, <PArmaṅKˎ> b2, <pañäkte> b3, <KAṣṣī> b3,
<[so]moTKAṃñe> b5, <wäntarwa> b5.
<ä> und <A> sind /ä/, das als ursprünglicher oder als Anaptyxe vorkommt.
<A> von <ekalymiññetSAṃñemeṃ> ist wegen dessen Status als Hapax legomenon
schwer zu beurteilen. /ekälymi/ ist nach TEB II (S. 171) Präp.‑Adv. u. Postpos. c. G. 'zu
Willen'. <e[ka]lymīññe> (Lévi 1933, p. 73. M500 A(2)b2) ist als Subs. belegt. Dieses
<tSA> ist vermutlich eine falsche Schreibung. Ungewöhnlicherweise kommt /ññe/ in
diesem Wort zweimal vor. Ich möchte in diesem Wort zwei getrennte Wörter
<ekalymiññe tSAṃñemeṃ> sehen. <tSAṃñemeṃ> ist unverständlich, aber vom
Kontext her gesehen kӧnnte ein Fehler für /tseñe-meṃ/ 'vom Fluß' sein.
Zu <KAṣṣī> ist oben bei MQR140 vermerkt, daß das Wort aus Khot. herkommen
könnte. Eine andere Möglichkeit ist, /käṣṣi/ im Toch. autochton zu sehen, aber wegen /ä/
in der ersten Silbe sehr schwer zu beurteilen. Ich möchte nur Möglichkeiten anbieten,
und zwar ein chinesisches Lehnwort: toch. <KA> könnte phonetisch 貴 guì E. kujʰ, 汗
hán E. γan, 胡 hú E. γɔ, 客 kè E. kʰɛːjk, usw., und <ṣṣi> 士 shì E. dʑiʼ, 師 shī E. ʂi, usw.
sein (vgl. Pulleyblank 1984), und semantisch gesehen könnte 和上 oder 和尚 eine
Herkunft sein (mündliche Mitteilung von Prof. Karashima). Das Wort war damals in
China /ɤuaź(j)an/ (← skt. upādhyāya). /ɤua/ könnte in Toch. als /kä/, und /ź(j)an/ als /ṣṣi/
(stimmhaft → stimmlos) realisiert werden.
Skt.:
<RA> von <kRAtaññe> b4 kann man als <> transkribieren, da das Wort skr. /kta/
ist, doch ist das Wort schon mit /‑ññe/ tocharisiert.
142
<ä> von <karuṇäntse> b5 ist Ergebnis einer Anaptyxe, als Folge einer Apokope von
skt. /‑a/, /‑ntse/ ist der Marker des Gen.Sg.
<i> von <śinmal[ñ]e> a5 ist /ä/, das wegen des /ś/ zu palatalisiertem <i> wurde.
<śinmal[ñ]e> ist ein Verbalabst. von √käm‑ und sollte /śämlñe/ lauten, da der Ko.I
(II?)43 /śäm‑/ ist. Die Form wurde mit der n‑infigierten Ps.‑Form kontaminiert. Ich sehe
im palatalisierten /ś/ die Markierung der Opposition zwischen Ps. und Ko./Pt.
In dieser Hs. ist keine echte Akzentregel zu erkennen, nur eine Vorstufe, und zwar eine
kurz‑lange Vokalreihe.
MQ567‑570:
a) Paläographische Untersuchung:
567a4 <y> ist normal:
<T> vor:
; 567b3 <ñ> ist geöffnet, das Trema kommt sogar auf
; 568a4 <l> ist dreiteilig, <au> von <lau> ist nicht altertümlich:
567a2 <ā‑>,
567a1 <ī‑>,
567b3 <ai‑> und
.
568b2 <o‑> sind
normal.
b) Linguistische Untersuchung:
1) Diphthonge:
/a/:
43
Diese Wurzel √käm‑ bildet Pr.Xa, das normalerweise Ko.I hat, aber Krause entscheidet sich (1952, S.
230) für Ko.II. (wegen des /ś‑/ ?).
143
<śwālyai> 567a1 (Obl.), <snai> 567a4 (Präp.), <swañcaiṃtSˎ> 567b1 (Obl., Gen.Pl.)
und <aitsi> 567b3 (Wz.) zeigen ursprüngliches /a/.
/a/:
<au> von <naumyeṣṣe> 567a2 wurde früher <ew> geschrieben.
<lalauka[rñ]e> 568a4 ist ein Hapax und wegen der Beschädigung kann man die
Bedeutung nicht bestimmen. Die Wurzel √luk‑ kennt <au> nur beim Kaus.Pt., sonst hat
das Paradigma (inklusive des Kaus.PPt. <lyelyūku> Š73.4) nur /u/. Daher hat diese
Form mit √luk‑ vermutlich nichts zu tun.
2) Vokallänge:
<ā>:
Verben:
<ā> von <lāmaTˎ> 567a1 (Ko.V), <śwālyai> 567a1 (Ko.V), <lkāsTˎ> 567a3
(Ps.IX.), <tsārwäsTArme> 567b4 (Ps.IXb), <āyu> 567b4 (Ko.I) und <prutkāTARˎ>
569a1 (Ko.V). ist /ā/.
Substantive und Partikeln:
<ā> von <ālyine> 567a2, <ākene> 567b1, <wāk[i]> 567b2, <māceRˎ> 567b4 und
<mā> 570b2 ist /ā/.
Skt.:
<///r yāgānusmti> 567a1 (nach Sieg/Siegling, Thomas 1953, S.356) liegt nicht <r>,
sondern ein anderer Konsonant vor. Mir scheint es <t> zu sein. Wenn dem so ist, ist das
Wort /tyāga‑anusmti/ 'die Vorstellung der Abgeschiedenheit (von der Welt)'. Das zweite
<ā> ist die Sandhiform in Skt.
<ā> von <saṃsārsa> 567a3 und <lokadhātu[n]t(a)> 567b2 ist skt. /ā/.
144
<ī> von <īme> 567a1 ist /i/, wie in MQ600.
<a>:
Substantiv (<a> für /ā/ oder /ä/):
<swañcaiṃtSˎ> 567b1 /ā/, <tarnesa> 567b3 /ä/, <saswe> 568b2 /ä/, <[e]rsna> 569a2
/ā/ (Pl.).
<a> von <KAryorttañcˎ> 568a3 ist durchgehend so geschrieben. Die Belege für das
Wort sind <KAryaurtto> Š89b6 (für <KAryorttau>), <KAryorccempa> S330a5,
<KAryortanTAṃtSˎ> MQR239b3, <KAryortaññene> MQR351b3 (Versname),
<KAryorttante> Š560a2, <KAryorttau> MQ593a4. /käryor/ ist ein vom PPt. der √käry‑
abgeleitetes Verbalnomen. Das Suffix <‑ttau> (Krause 1952, S. 47) ist nur bei diesem
/käryor/ belegt, und die Flexion ist unregelmäßig (Nom.Sg. <‑ttau>, Obl.Sg. <‑cce>,
Nom.Pl. <‑ttañcˎ>, Gen.Sg. <‑ttante> und Gen.Pl. <‑tanTAṃtSˎ>). Das Suffix /‑ta/
ist m.E. nicht toch., sondern entlehnt, z.B. khot. /‑ta(a)/ (Degener 1989, S.218). Dieses
Suffix gibt es nur beim Nom.Sg., und der Obl.Sg. <‑cce> ist vom Priv. (Nom. /‑tte/, Obl.
/‑cce/) beeinflußt, an die anderen Kasus hat man noch das toch. /‑nt/ angefügt.
Verben:
<lāmaTˎ> 567a1 (Ko.V /ā/), <tsamsenTARˎ> 567a2 /ä/ (Ps.VIIIb), <wäntanañcˎ>
567b3 (/wäntnāṃ‑c/, Ps.VI /ā/), <mamra///> 567b4 (redup. Vokal).
<srukalñesa> 567b4 ist nach Krause (1952, S. 304) Abstr.II (Ko.V), aber der Ko.-Stamm
ist /srauk‑/. Ich vermute, daß der Vokal vom Stamm /sruk/ des Abstr.II in Analogie zu Ps.
oder Pt. entstand, oder der Ko.-Stamm (/srauk-/) in Analogie zu anderen Ko.-Stämmen.
Beide <a> in <srukalñesa> sind /ā/ (Ko.V und Perl.).
Adj., Adv. und Postpositionen:
<ñake> 567a1 //, <ramTˎ> 567a4 /ā/, <alyiṣṣana> 567b1 /ā/, <alloṅkna> 567b2 /ā/.
145
Die erste Silbe von <wates(a)> 570a3 ist betont (//), d.h. das Wort ist zweisilbig, und /sā/ ist eine Postposition.
Skt.:
<a> von <saṃsārsa> 567a3, <koṭiśvareṃ> 567a4, <prayoKˎ> 567a4 und
<lokadhātu[n]t(a)> 567b2. ist skt. /a/.
<ä> und <A>:
Verben:
3.Sg.Med.: <tsaksenTARˎ> 567a2 und <prutkāTARˎ> 569a1. <TARˎ> ist eine
entwickelte Form.
3.Sg.Akt.: <l[k]āṢṢAṃ> 570a4 und <weṢṢAṃ> 570b2. <A> ist m.E. Ergebnis einer
Anaptyxe.
<ä> von <wäntanañc> 567b3 ist der Wurzelvokal des Ps.‑Stamms.
<ä> von <soyäskeṃne> 567b2 und <tsārwäsTArme> 567b4 ist die Kaus.-Markierung.
Substantive und Konjunktionen:
<A> von <LAkle> 567a4, <KAryorttañc> 568a2 und <ṢPA> 569a2 (s. ad MQ339) ist
/ä/ in Wörter.
In diesen Hss. erkenne ich keine sichere Akzentregel.
MQ86:
a) Paläographische Untersuchung:
a4 <y> ist dreiteilig (später):
; a4 <ñ> ist geöffnet:
; a1 links von <ś> ist
nicht kontinuierlich, sondern in die Teilen geschrieben, und <u> ist <w>‑artig
geschrieben worden:
. a3 <r> ist verdoppelt:
146
.
b1,
a4 <Ś> und <Ṣ> sind in der Mitte geschlossen und <P> ist eckig,
<ṢPˎ> ist mit Virāmastrich vokallos geschrieben; a4 <S> ist oben rund, und nur hier
(vor <ǁ>) kommt das Virāmakomma vor, aber nicht komma-, sondern anusvāraartig.
Diese Form kann eine Zwischenstufe sein:
; a5 <ṇ> ist unten in der Mitte leicht
verdickt und lässt dort einen Rest des horizontalen Strichs erkennen:
b2 Die senkrechte Haste von <a‑> ist kurz:
.
; b1 <u‑> wird in Skt.-Wörtern benutzt:
; a2 <o‑> ist in der Mitte zweiteilig mit Verknüpfung geschrieben:
.
In dieser Hs. kommt kein Zahlzeichen vor.
b) Linguistische Untersuchung:
1) Diphthonge:
<au> von <rekaunasa> a3 ist vielleicht // + /u/ (<rekauna> ist Pl.Obl. von /reki/, vgl.
/nāki/ und Pl. /nākänmā/). Ist /i/ in /reki/ ein Formans?
<au> von <śauŚAṃ> b1 und <klyauṣiṃ> b2 ist der Wurzelvokal in Stämmen.
<ai> von <salyai> a5 ist die Obl.‑Markierung.
<ai> von <nai> b5 (Adv.) ist ursprüngliches /a/.
2) Vokallänge:
<ā>:
Verben:
<ā> von <klāya> a2 (Wz.), <lkālle> a4 (Ko.V), <takāsta> b2 (Pt.I) ist /ā/.
Part., Subst., Adj.:
147
<ā> von <mā> a4, <pāTAR> a4, <lānte> a5 und <lāre> b1 ist /ā/. Hier kann man
die Akzentregel sehen.
<a>:
Verben:
<śuwaṃ> a1 (Ps.V), <klāya> a2 (Pt.I), <kwasalñe> a2 (Ko.V), <SKArrāmane> a3
(Ps.VI), <lyutstsante> a5 (Pt.III), <takāsta> b2 (Pt.I). Alle sind /ā/.
Subst., Adj., Pron.:
<waste> a1 //, <kentsa> a2 (Perl. /ā/), <ścirona> a3 (Pl. /ā/), <rekaunasa> a3 (Pl.,
Perl. /ā/), <mañiye> a4 /ā/, <salyai> a5 //, <koynameṃ> b2 // (Schwaanaptyxe),
<kanivartaṃne> b4 (Versname, vielleicht skt. /a/), <tsrorsa> b4 (Perl. /ā/), <larepi>
b4 /ā/, <PArmaṅsa> b5 //, <tañˎ> b3 //. <a> stammt entweder aus /ā/ oder aus /ä/.
Adv.:
<a> von <tane> a2 ist aus der Schreibung <TAne> (9 Belege bei MQ(R)) zu
schließen ein /ä/.
<ate> b2 ist außer <at> MQR220b2 und <at [ā]te> Š406a2 durchgehend als <ate>
geschrieben. Ich kann nicht entscheiden, ob dieses <a> aus /ā/ oder /ä/ entstanden ist.
Die Belege für das Wort sind Š83.5, Š101.5, M179a1, Š337a5, M372a1, und H150.124a3,
die alle die Akzentregel bezeugen. Wenn die erste Silbe betont ist, wie bei /täne/, ist
*/äte/ anzusetzen, aber ein mit /ä/ beginnendes Wort existiert in B-Toch. sonst nicht.
Wenn <at [ā]te> Š406a2 richtig ergänzt ist, ist das Wort /āte/, wie schon bei <ate>
224b3 diskutiert. Dann wäre das Wort auf der Endsilbe betont, wie bei Adv. üblich ist.
Skt.:
<u> von <uttareṃ> b1 ist skt. /u/.
<ä> und <A>:
148
<SKArrāmane> a3 (Wz.), <śauŚAṃ> b1 (3.Sg.Akt, s.o.), <sportoTARˎ> b3
(3.Sg.Med., s. ad MQ295a4).
<A> von <pāTARˎ> a4 und <PArmaṅsa> b5 ist /ä/.
<///KAlymiṃ> b3 ist wegen der Beschädigung nicht zu beurteilen. Immerhin läßt sich
feststellen, daß das Wort nach der Akzentregel noch über mindestens zwei Silben verfügt
haben muß (denkbar ist ein Kompositum). Es kann sich aber auch um ein altes unakzentuiertes Simplex handeln.
In dieser Hs. sehe ich die Akzenregel bezeugt.
MQ96‑98:
a) Paläographische Untersuchung:
96a2 <y> und <ś> sind normal für Periode II:
97a3 <i‑> und
/100/
/50/
; 98a4 <ñ> ist geöffnet:
.
96a4 <ˎ> sind normal.
/1/ sind die Ziffern der Blattnummer, die auf 97b von anderer
Hand geschrieben wurden.
In diesen Hss. kommt kein Virāmakomma vor. Auf dem unbeschriebenen Raum (98r),
wurden vier Akṣaras von anderer Hand unleserlich beschrieben (nur <ñ> ist lesbar).
b) Linguistische Untersuchung:
1) Diphthonge:
149
<ṣai> 97b2. Wegen der Beschädigung kann ich die Form nicht gut beurteilen, aber wenn
es eine 3.Sg.Impf. ist, ist es eine entwickelte Form aus <ṣey>.
<cai> 96b1 ist eine entwickelte Form aus <cey> (z.B. MQ255a2).
<nauṢˎ> 97b1 ist eine entwickelte Form von <neˎṢA> (z.B. MQR389a2).
2) Vokallänge:
<ā> und <ū>:
<ṣamāni> 96a3 (Skt.), <sāˎ> 96a4 (Pron.), <sū> 96a5 (Pron.), <yātka> 98b4
(Kaus.Pt. von √wätk‑). <ā> ist /ā/, <ū> ist /u/.
<///klāṅka> 98a1 Wegen der Beschädigung ist hier keine sichere Aussage möglich, es
scheint aber /klānkā/ (Pt.I) von √klāṅk‑ 'reiten, fahren' vorzuliegen.
<a>:
<a> von <ṣamāni> 96a3, <rudramu///> 96a5, <postaKˎ> 96b2 und <sudarśa[ne]>
97b3 ist skt. /a/.
<a> von <ṣesa> 'zusammen mit' 96b4 ist durchgehend so geschrieben. Nach Adams
(1999, p. 661‑2, vgl. noch Hilmarsson 1991, p. 177‑8 44) ist das Wort als /ṣe/ 'eins' + /sā/ zu
analysieren. Da aber kein *<ṣesā> zu belegen ist, und zudem /ṣe/ der Nom.Sg.m. ist und
nicht der Obl., an den /sā/ gewöhnlich tritt, erscheint es begründet, in <ṣesa> eine
Neubildung zu sehen, wie sie auch z.B. in <eṣemeṃ> 'zusammen mit' vorliegt, das mit
dem auch selbständig als Postposition belegbaren <eṣe> 'zusammen mit' und der
Ablativmarkierung <meṃ> gebildet ist. Dann kann aber <eṣe> prinzipiell auch die
Basis für ein mit <sa> gebildetes *<eṣesa> abgegeben haben. A-Toch. <ṣyak>
'zusammen mit' enthält nun offensichtlich die Verstärkungspartikel <-ak>, das mit dem
Zahlwort <ṣe> kaum die Bedeutung 'zusammen mit' ergeben hätte. Die Basis ist */ṣe/
44
ṣe* in eṣe and ṣesa would have been the masc. acc. sg. *sēm‑ < *sem‑ (or possibly a loc. *sēm.
150
(→ ṣy‑), die in B-Toch. mit der Bedeutung 'zusammen mit' vorkommt, und wohl auf
<eṣe> mit Schwund des Anlautvokals unter dem Einfluß des bei dieser Wortklasse
üblichen Endakzentes zurückgeht. Dieses <ṣe> könnte dann wiederum die Basis für ein
mit <sa> gebildetes <ṣe> gewesen sein. Die Herkunft des <eṣe> bleibt freilich im
Dunkeln. Sollte sich eine plausible Erklärung für dessen <e‑> finden lassen, in einer
Funktion, die zusammen mit <ṣe> 'eins' die Bedeutung 'zusammen mit' für <eṣe>
ergäbe, würde die obige Argumentation natürlich hinfällig.
Die drei <a> von <yamaskema[n]e> 98a3 sind alle /ā/.
<ä> und <A>:
<ä> und <A> von <PASˎ> 98a2 (für /päst/) und <pudñäkte> 98a4 sind /ä/. Hier sehe
ich keine Akzentregel.
Morphophonologisch gesehen ist es möglich, daß diese Hss. eine Kopie von einem
älteren Text sind, da alte (<sāˎ>, <sū>, <pudñäkte>, usw.) und junge Schreibungen
(<cai> oder <yamaskema[n]e>) promiscue verwendet wurden.
MQ232‑233:
a) Paläographische Untersuchung:
232b5 <ylaṃ> ist normal:
ist wie in MQ600:
; 233a1 <ñ> ist geöffnet:
; 232a1 Verdoppeltes <rr>
; 232b4 <m> ist unten etwas ornamental:
232b4 <KA> ist oben nicht geschlossen:
.
151
.
233a1 <ī‑> ist normal:
; 232a2 <e‑> ist schnörkellos:
; 233b5 <au‑> ist normal:
.
b) Linguistische Untersuchung:
1) Diphthonge:
<enestai> 232a2 ist durchgehend so geschrieben. <‑ai> ist /a/ (Adv.‑Markierung).
Vielleicht ist dies das gleiche Morphem wie das des Obl.
2)Vokallänge:
<ā> und <ī>:
<ā> von <mā> 232a1 (Partikel) und <KArrālyi> 232a1 (Ps.V) ist /ā/. √kärr‑ zeigt nur
drei Belege (MQR350b6, S116.9), deswegen kann ich nicht beurteilen, warum <rr>
auftritt. Vielleicht liegt eine Assimilation vor, z.B. Ps.VI (/kär‑nā/?).
<ā> von <īkṣvākuṃñe> 233a1 ist skt. /ā/, und <ī> ist skt. /ī/. <ṃñe> ist vielleicht /ññe/,
aber <ṃ> kann eine Obl.‑Markierung sein. <u> findet sich in anderen Belegen
<///kṣvākuṃñe> MQ162b1 und <[i]kśvā[ku](ṃ)> H 149,295b4. Merkwürdigerweise
wurde Skt. /‑u/ nicht apokopiert. Möglicherweise hatte skt. /-u/ nicht den Status eines
Vokals, aber die Beleglage für skt. /‑u/ erlaubt keine Entscheidung.
<a>:
<a> von <misa> 232a2 ist der Form <misāśañˎ> MQR573a2 zufolge /ā/ (s. ad
<mīsa> MQ255b1).
<ylaṃtSˎ> 232b5 ist Gen.Pl. von /yäl/. Von den Belegen <y[l]aṃ> Obl.Pl. in
MQR235a4 und <y[l]y[i]> Nom.Pl. in Š363b2 her gesehen ist der Obl.Pl. /yäläṃ/ (vgl.
TEB I, S. 112). <a> von <ylaṃtSˎ> kann ein akzentuiertes /ä/ sein, aber wenn die
Akzentregel (Akzent auf erster Silbe in zweisilbigem Wort) wirkt, wäre <yaläṃ> zu
erwarten. Deswegen sehe ich darin ein verallgemeinertes <ylaṃ>.
152
Pinaults Lesung <[y]l[aṃ]śke[n]e>45 in PK AS 16.3b3 ist in paläographischer und
linguistischer Hinsicht fragwürdig. Auf dem Photo ist kein deutliches <śk> zu erkennen,
eher ein <gn>, wobei zwar keine Entscheidung zwischen <ś> und <g> getroffen
werden kann, aber die Lesung des zweiten Segments als <k> erscheint unakzeptabel.
Was die Linguistik angeht, bleibt unerfindlich, warum das Deminutiv Suffix /‑śke/ an den
Obl.Pl. getreten ist. Normalerweise kommt /‑śke/ nach einem Obl.Sg. vor, z.B.
<KAntwaśke> Š85b3. Daher nehme ich an, daß <[y]l[aṃ]śke[n]e> nicht von /yäl/
'Gazelle' abgeleitet ist.
<a> von <walo> 232b5 ist //. <o> ist aufgrund von <lnt> (Obl.Sg.) ein /ā/, wenn
<lnt> als /wälā‑nt/ zu interpretieren ist, doch sind <wälā> oder <walā> nicht belegt.
Daher nehme ich an, daß <o> eine Markierung eines Nom.Sg.m. ist. Neben /ā/ dient
vielleicht /‑nt/ als zusetzliche Obl.‑Markierung. Eine andere Möglichkeit ist, daß /lānt/
den Nom.Sg. <walo> suppliert.
<A>:
<A> von <KArrālyi> 232a1, <KAstu(wer)> 232b4 und <TApreṃ> 233b5 ist /ä/.
MQ284:
a) Paläographische Untersuchung:
a1 <y> ist normal:
; a4 <ñ> ist geöffnet:
; a3 <ma> ist oben geöffnet:
b6 <ś> ist anscheinend von links kontinuierlich geschrieben:
.
a6 <Ṣ> ist in der Mitte geschlossen und <P> ist eckig (normal):
der Mitte ganz geschlossen und eckig:
45
; a2 <TA> ist oben rund:
Vgl. Tocharian and Indo‑European Studies Vol. 3 1989 Reykjavík, p. 157, p. 194ff.
153
; b2 <ŚA> ist in
.
;
a4 <a‑> ist normal:
; b6 <ɪʾˎ>
und b4 <ʾˎ>
sind nach Virāmastrich
konsonantisch, wobei jüngere Virāmakommata darüber gesetzt sind; b5 <o‑> ist normal:
.
a4 /3/,
a6 /4/,
b1 /5/,
b3 /6/,
b5 /7/,
b6 /8/: Die
Versnummern sind normal geschrieben. In dieser Hs. kommen keine Blattnummern vor,
obwohl diese Hs. vollständig ist.
b) Linguistische Untersuchung:
1) Diphthonge:
<ai> von <snai> a2, <yokaiṣṣe> a2, <ktsaitSAññe> a3, <anaiwaccempa> a4, <nai>
a5, <yainmwa> a5, <wärññai> b1, <śakattai> b2, <nraine> b3, <śaiṣṣene> b4,
<witSAkai> b7 und <maiMAñci> b7 ist ursprüngliches /a/.
<ai> von <yainmwa> ist durchgehend so geschrieben. Das Wort ist das redup. PPt. von
√yäm‑ (eigentlich /ye‑yäm‑u/), aber /n/ (Pr.-Markierung) kommt im Paradigma
durchgehend vor, sogar beim Pt./Ko.‑Stamm (/yonm‑/), obwohl der Stamm ablautet (/o/
vs. /ä/). Man kann die Wurzel als √yänm‑ bestimmen. Die Art der Reduplikation ist
normal, und zwar */ye‑yänm/ → */yeynm/ → /yainm/. Wenn das PPt. vom Pt.‑Stamm
gebildet sein sollte, wäre es */ya‑yonm/. Daher nehme ich an, daß der Pt.‑Stamm /yonm‑/
nicht ursprünglich ist. Der o‑Vokalismus bei Pt./Ko. könnte analogisch sein, wie z.B.
/yop-/ zu √yäp‑.
<ai> von <wärññai> ist durchgehend so geschrieben, es ist hier Postp.‑Markierung.
<ññ> ist der Beleglage nach (MQR143 (I‑2) und MQ275b5 (I‑1)) altertümlich (später
<ṃñ>). Daher nehme ich an, daß diese Hs. von altem Muster kopiert ist. Hierfür
sprechen auch altertmliche Schreibungen (z.B. <ɪʾˎ>) und ausbleibende Akzentregel
(nicht <warññai>).
154
<ai> von <śakattai> ist die Obl.‑Markierung. Das Wort ist quasi ein Hapax (nur noch
<śakātaisa> Š3a3 ist belegt). <tt> ist unverständlich, aber <śakātaisa> nach zu
urteilen, haben wir es hier vielleicht mit einer Verschreibung zu tun. Auf <śakattai>
folgt <ṢA pa yṣe sa pyā KA lyñe>, das Sieg/Siegling als <ṢAp ay [ṣ]esa pyāKAlyñe>
transkribiert haben. Die Übersetzung von Adams (1999, p. 619) lautet: 'striking with
sword, club, together with bone'. Letzteres ergibt schwerlich keinen Sinn. <ṢA> kann
<sa> (Perl.) sein, wie Sieg/Siegling vorgeschlagen haben, und Adams übersetzt hat. Was
wäre dann aber <p> von <ṢAp>? Das auf <ṢA> folgende Wort dürfte vielmehr
<payyesa> (Perl. von /paiyye/ 'Fuß') sein, wobei ich <y> statt <ṣ> erkenne. Mithin
lautet meine Übersetzung 'Schlag mit dem Schwert (und) dem Stock auf (wrtl. über) den
Fuß', wobei im Falle von <apsāl> und <śakattai> Gruppenflexion vorliegt.
<ai> von <maiMAñci> ist durchgehend so geschrieben. Die Wurzel ist der communis
opinio nach √mai‑, die sonst nur noch für das Substantiv /maim/ in Anspruch genommen
wird. Im A-Toch. gibt noch das gemeinhin als Inf. gewertete <messi> (THT886a1), aber
wegen der Beschädigung läßt sich diese Form nicht zwingend als Inf. von √me‑
bestimmen (<tkaṃ messi> 'die Erde zu messen'??). Der Ansatz einer toch. Wurzel
√mai‑ 'messen' steht mithin auf schwachen Füßen.
<auˎ> von <KAtkauˎ> b4 ist altertümliches /a/, aber diese Schreibung ist bei
diesem Wort nur hier belegt. Ein weiteres <auˎ> gibt es in <KArkauˎ> MQR135a4
(I‑2), sonst ist es <auw> geschrieben, in dessen <w> ich einen Bindekonsonanten
erkenne, der vermutlich schon in der Vorlage vorhanden war.
2) Vokallänge:
<ā>:
<ā> von <cmelāts> a2 (Pl.), <wä[r]pnātRA> a4 (Ps.VI), <mā> a4, <wäntarwāntsä>
a5 (Pl.), <PAlwālle> a6 (Ko.V), <kektseñṣāna> b3 (Pl., <a> b5) und <lwāsāne> b3 (s.
ad MQ575) ist /ā/.
155
<ā> von <pikāTˎ> b7 (Impv.2.Pl.Med. von √wik‑ 'schwinden') ist /ā/. Krause (1952, S.
291) hat diese Form beim Kaus. eingetragen, aber wegen der Schwundstufe und des /ā/
(Ko.V oder Pt.I) ist diese Form beim Grundverb einzuordnen.
Der Imperativ kann kausativisch benutzt werden (vgl. Krause 1952, S. 32). Hier kann ich
wegen des mangelnden Kontextes nicht entscheiden, ob ein Kausativ‑ oder ein Grundverb vorliegt, aber im Lichte des Belegs <pika ment[s]i> MQ295b6 'entferne den
Kummer!' funktioniert dieser Impv. beim Grundverb auch kausativisch.
<ā> von <tākoɪʾˎ> b6 ist /ā/. Hier ist das altertümliche <‑ɪˎ> mit dem späteren
Virāmakomma <ʾ> gekoppelt.
<a>:
Subst.:
<a> von <LAklenta> a1 (Pl.), <Ṣärmtsa> a2 (Pl.) und <cmelatsa> b4 (Pl. und Perl.)
ist /ā/; <a> von <lareṃnmeṃ> a4, <aścä> b2, <anaiwaccempa> a4, <amiśKAññe>
a6, <apsāl> b2, <śakattai> b2 ist ursprüngliches /ā/.
<a> von <wäntarwāntsä> a5 ist //.
Beide <a> von <śamnantSA> b3 sind /ā/ (ursprüngliches und Pl. /ā/). Das Wort ist der
Pl.Gen. von /śamo/. /śa/ ist für den Sg. und /śā/ für den Pl. benutzt worden.
Möglicherweise liegt hier ein Suppletivverhältnis vor. Zum Problem von √śai‑ und √śau‑
s. ad MQ255.
Adj., Pron.:
<kektseñṣāna> b3 (<‑ṣana> b5) und <PAlskoṣṣana> b6. Adj.Pl.f. /‑ṣṣānā/ ist an den
Obl. getreten. /‑ṣṣānā/ kann als doppelte Suffixe /ṣṣā/ (Adj.Pl.f.) + /nā/ (Pl.) aufgefaßt
werden, die als Markierung für Adj.Pl.f. verallgemeinert wurde
<‑sa> von <aleksa> b7, <tesa> b3 und <tusa> b6 ist /‑sā/ (Perl.).
156
Adv.:
<a> von <ra> a1, <tsa> a1, <ksa> a1, <ka> a2, <rano> b6 und <MAnta> b5
(<mänta> b7) ist /ā/.
Verben:
<a> von <premane> a3 (PPs.Med), <trikalyñe> a6 (Ko.V), <wärPAnantRA> b1
(Ps.VI) und <takoṃ> b5 (Ko.V) ist /ā/.
<a> von <KArstalyñe> b2 ist /ā/. Nach Krause (1952, S.232) ist es Ko.I oder II (1952,
§123). <krāsTAṃ> Š33a3 von √kärst‑ wurde ebenfalls bei Ko.I oder II eingereiht, aber
vom Ps.VI und <KArstalyñe> aus betrachtet müßte man Ko.V annehmen. <krāsTAṃ>
ist ein Hapax, und die Hs. ist verschollen, aber wenn keine Fehllesung vorliegt, ist m.E.
ein Schreibfehler für *<KArstāṃ> anzunehmen.
<ä> und <A>:
Verben:
<miyästRä> a1 (Ps.IXbα, <‑ä> ist überflüssig), <ṢArKAstRA> a1 (Ps.IXbα),
<MAskeTAr> a2 (<‑tRA> a3, Ps.III), <tetemoṢAts> a2 (Anaptyxe), <cmeTAr> a2
(Tilgung des <ä> zwischen /c/ und /m/), <sruketRA> a3 (Ps.III), <wä[r]pnātRA> a4
(Ps.VI), <KAll[a]lle> a5 (Ger.II), <kuKAṢAlyñe> a6 (Ps.IXb), <PAlwālle> a6
(Ger.II), <wärPAnantRA> b1 (Ps.VI), <KArstalyñe> b2 (s.o.), <KAtkauˎ> b4 (s.o.),
<wärpontRA> b5 (Opt. Ko.V), <wätkāLˎ> b7 (s.o.), <[n]eSAṃ> b7 (Ps.I,
Verbindung‑Vokal), <pKArso> b7 (Impv.), <pikāTˎ> b7 (s.o. <i> für /ä/).
<nkelle> a5: /ä/ von /näk/ ist getilgt worden, und das Ger.II ist vom Ko.III gebildet,
dessen Markierung /e/ (nicht palatalisierendes) ist. Die Wurzel √näk‑ bildet Ps.VIIIa.
und Pt.III. Diese Kombination ist normal, aber dem Inf. <näktsī> MQR133a5 zufolge
ist die Ko.-Markierung nicht /e/, sondern /ä/, da der Vokal zwischen Wz. und Endung
getilgt wurde, d.h. diese Wz. bildet Ko.I und Ko.III. Wenn <näktsī> ein originaler Ko.
sein sollte (MQR133 ist in der früheren Periode I‑2 geschrieben), ist es denkbar, daß der
Ko.III (/‑e‑/) eine Neuschöpfung ist.
157
Adams hat in seinem Dictionary (1999, p. 335 Ko.I (active) /nek‑ ∼ näk‑/ + Ko.III
(middle) /näke‑/) den Ko.III.Akt. /nkem/ H149.316a2 usw. übersehen (vgl. Krause 1952,
S.209 Anm. 2).
<ä> von <ŚAnmäṣlye> b2 ist die Kaus.‑Markierung /ä/. Die Wurzel √śänm‑ ist eine
n‑infigierte Form, die aus dem Ps.X analogisch abgeleitet und verallgemeinert wurde.
Die gedehnten Stammvokale für das Pt. sind sekundär entstanden (vgl. Krause 1952, S.
174), nicht "redupliziert" (TEB I, S. 244).
<ä> von <śmälyñe> a4 ist m.E. Ergebnis einer Anaptyxe. Das B-Toch. besaß ein von
/m/ palatalisiertes /my/ als Phonem, und die Form müßte also *<śmyälñe> statt
<śmälyñe> (← *<śämälyñe> mit Schwund des /ä/ in offener Silbe) lauten, wenn /ӓ/
einen palatalisierenden Effekt hat (sog. "themavokal").
<pyāKAlyñe> b2 ist nach Krause (1952, S. 262) ein Abstr.II. Die Wurzel bildet nur den
Opt. als finite Form. Bei drei finiten Belegen kann ich nicht mit Sicherheit die Form
(Opt., Impf. oder Nom.ag.) und die Bedeutung bestimmen. Hingegen erscheint beim PPt.
eine Bedeutung 'einschlagen' plausibel, da alle Belege im Verein mit <āś> 'Kopf'
vorkommen.
<eKMAtte> b4 ist /ekämätte/. Das /ä/ der zweiten Silbe ist getilgt, und /ä/ vor /‑tte/ ist
Ergebnis einer Anaptyxe. Dieses Privativum ist wie die meisten von der Wurzel gebildet
(Ps.Xa /känmäsk‑/, Ko.II /śä(n)m‑/ und Pt.VI /śem‑/ für Sg., /käm‑/ für Pl.), hingegen z.B.
<atākatte> vom Ko./Pt.-Stamm. Für <‑tte> gibt es verschiedene Erklärungen, i.e. uridg.
*‑to (vgl. TEB I, S. 188 §320 Anm.) oder *‑tlo (mündliche Mitteilung von Dr. K.T.
Schmidt), aber es sind m.E. nicht sicher. Privativspräfixe sind <a‑> für lange Wurzeloder Stammvokale, <o‑> für den Stammvokal /o/ und <e‑> für kurze Vokale. Dies
deutet darauf hin, daß Privativspräfixe aus urtoch. *æ entstanden würde.
Substantive:
158
<A> und <ä> von <LAlkenta> a1, <Ṣärmtsa> a2 (<ṢA‑> a3), <ktsaitSAññe> a3
(Anaptyxe), <cmelants> a5 (Tilgung, <cämeLˎ> b7), <PAlskontse> a6, <ñäŚˎ> b7,
<witSAkai> b7 sind /ä/.
<KA> von <skloKA> a2 ist /k/. <KA> sollte mit Virāmastrich verbunden sein. Hier
bedingt das Versmaß die abweichende Schreibung.
<wändrentse> a4 und <wäntarwāntsä> a5 gehören zu /wäntär‑/ (vgl. <wänTArwā> in
MQR121a7), <dre> von <wändrentse> ist offenbar ein Schreibfehler. Hingegen hat
der Schreiber <wäntarwāntsä> korrekt geschrieben, aber die Akzentregel ist fehlerhaft
angewendet.
<A> von <amiśKAññe> a6 ist m.E. Ergebnis einer Anaptyxe. Ich nehme an, daß
<amiśk‑> ein Adj.‑Stamm ist. /amiśk‑e/ ist Nom.Sg.m. und /amiśk‑ān/ ist Obl.Pl.f. Hier
ist das Adj./Abstr.-Suffix /‑ññe/ an dem Stamm getreten.
<ä> von <aścä> b2 ist wohl wie <skloKA> metri causa entstanden, aber
möglicherweise ist es ein Schreibfehler für <aśco>.
<ntSA> von <śanmantSA> b3 ist wegen des Versmaßes ohne Virāmastrich
geschrieben.
<A> von <yneŚAññi> b4 und <maiMAñci> b7 ist Ergebnis einer Anaptyxe, aber
wegen des Versmaßes konnte die Tilgung unterbleiben.
Postp., Adv.:
<A> und <ä> von <wärññai> b1, <MAnta> b5 und <mänta> b7 sind ursprüngliche
/ä/.
MQ409:
159
a) Paläographische Untersuchung:
b1 <ya>,
b4 <ña> (geöffnet) und
b3 <ŚA> und
a5 <MA>;
b5 <m>;
a2 <e‑> und
b2 <KA>,
a4 <ai‑>:
Alle Akṣaras sind für die Periode II‑1 normal (Tocharisierung). Virāmakommata
kommen nicht vor.
b) Linguistische Untersuchung:
1) Diphthonge:
/a/:
<ṣeyˎ> a1 ist, von <yˎ> abgesehen (altertümlich wäre <ɪˎ>), eine altertümliche
Schreibung.
<ai> von <proskaisa> a1 und <śtwarātsai> b2 ist die Obl.-Markierung (ursprüngliches
/a/).
<aiśai> a2 tritt nur mit /yām‑/ 'machen' kombiniert benutzt auf. Ich nehme an, daß das
Wort der Obl. eines von √aik‑ modifizierter Wurzel /aś/ ist. Das palatalisierte /ś/ (← /k/)
wurde m.E. schon zur urtoch. Zeit analogisch zur 3.Sg. der thematischen Verben
verallgemeinert.
Dem Adv. <etsūwai> a2 liegt scheinbar der Obl. des Wurzelnomens aus √tsu‑ zugrunde.
<e‑> könnte "intensive prefix" aus uridg. *on (vgl. Adams 1999, p. 99 und Hilmarsson,
TIES suppl. Vol. 3, p. 179) sein, aber für das B-Toch. ist ein Lautwandel /e/ ← *æn ←
*on nicht gesichert. Ein "intensive prefix" konnte schwerlich getilgt werden, aber das
Wort wird unterschiedslos mit und ohne <e‑> geschrieben (<tsuwai> MQR127a5,
M370b5, S586.5 und <tswai(ñ)ñe> Š25b6, Š44b6). Die Bedeutung von √tsu‑ ist 'sich
160
fügen', was nicht recht zu <etswai> "unto, towards" paßt. Ich halte die Wertung als
"intensive prefix" für ad hoc. Ich halte <e‑> für ein Teil des Wortes, und das konnte wie
bei /eṣe/ (s.o.) wegen keiner Betonung getilgt worden sein.
<ai> von <aikemaRˎ> a4 ist der ursprüngliche Wurzelvokal /a/.
<KAltsau> a1 ist ein PPt. von √käl(t)s‑, und <au> ist verallgemeinertes PPt.-Suffix.
<cau> a2 ist hier nicht <ceˎ> oder <cew> geschrieben, während der Schreiber das
scheinbar altertümliche <ṣeyˎ> a1 geschrieben hat.
2) Vokallänge:
<ā>, <ū> und <ī>:
<ā> von <yāmormeṃ> a2, <mā> a4, <śtwarātsai> b2, <ākṣa> b4, <yänmāntRA>
b5 (Ko.VI) und <[s]PArkālñe> b5 (Ko.V) ist /ā/.
<ū> von <etsūwai> a2 ist /u/. <ū> für das Wort ist nur hier belegt. Der Grund für die
Länge kann eine akzentuierte Silbe sein, oder es liegt eine quasi altertümliche Schreibung wie oben bei <ṣeyˎ> vor.
<ī> von <KAṣṣīṃ> b2 ist /i/. Zu diesem Wort s. ad MQR140 (aus Khot.?), MQ575
(über <ī>) und MQ600 (aus China?).
<a>:
Subst., Pron.:
<proskaisa> a1 (Perl. /ā/), <ṣañˎ> a3 /ä/, <palskalñeṣṣe> a3 /ä, ā/, <yakwempa> b1
(Kom. /ā/), <pañäkte> b2 (s. ad MQR333 und MQ574), <śtwarātsai> b2 /ā/, <ñakta>
b4 /ä, ā/ (Vok.), <wäntarwa> b5 /ä, ā/ (s. ad MQ284).
161
<a> von <ktameṃ> b3 ist m.E. ein betontes /ä/ (nicht /ā/ wie Adams 1999 p. 183), das
niemals als <ä> geschrieben wurde. Dies deutet darauf hin, daß das Wort nicht mit
Abl.-Adv./Postp. /meṃ/ gebildet wurde.
Verben:
<a> von <ṣmeñca> a3 (Part.), <weña> a4 (Pt.V), <aikemaRˎ> a4 (1.Sg.Med.) und
<ākṣa> b4 (Pt.I) ist /ā/.
<śemane> a2 ist unverständlich. Auf dem Photo ist <e tsū wai śe ma ne> geschrieben.
Dies kann als <etsūw aiśemane> gelesen werden, wobei <etsūw> eine Verschreibung
für /entse/ 'Geiz' und <aiśemane> für /aikemane/ stehen könnte. Eine andere, aber
wegen der Beschädigung nicht verifizierbare Möglichkeit ist eine Haplologie oder
Haplographie: <etsūwai> und <aiśemane>.
<ä> und <A>:
<ä> und <A> von <PAlskontse> a1, <KAltsau> a1, <MAskeTARˎ> a5,
<pañäkte>
b2,
<KAṣṣīṃ>
b2,
<wäntarwa>
b5,
<[s]PArkālñe>
b5
und
<yänmāntRA> b5 sind alle /ä/.
MQ490 (Holztafel):
Dieses Dokument ist ein Rechenschaftsbericht, der Warenbezeichnungen, Zahlen
Personennamen enthält. Der Duktus ist ziemlich deutlich.
a) Paläographische Untersuchung:
r3.6 <ya> ist normal:
; r.1.2 <ś> ist altertümlich:
.
162
; r1.3 <m> ist normal:
r2.5 <KA> ist oben links verbunden:
r3.1 <a‑> ist normal:
geschrieben:
r1.3 /5/,
/7/,
; r3.6 <MA> ist eckig:
; r1.5 <u‑> ist eckig:
.
; r2.4 <e‑> ist links beginnend
; r3.3 <ai‑> ist oben eckig und unten <e>‑artig:
.
r1.4 /100/,
r1.6 /40/,
r2.3 /50/,
r1.6 /3/,
r3.1 /1000/,
r1.6 /6/,
r3.2 /4/,
r1.6 /9/,
r3.5 /2/,
r2.2
v2.1 /8/: Die
Zahlzeichen sind der Textsorte entsprechend deutlich geschrieben.
b) Linguistische Untersuchung:
1) Diphthonge:
<au> von <pautke> r1.3 und <kauko> r2.2 ist ursprüngliches /a/.
<ai> von <aiyse> r3.3, <ñaipa> v1.5, <taisa> v1.5 (Pron. Perl.), <saṅkentaṣai> v1.7
(Obl.), <klai[nsa]> v1.7 und <wyai> v2.2 ist /a/.
In dieser Hs. kommt die alte Schreibung des Diphthongs (<ey> oder <ew>) nicht vor.
2) Vokallänge:
<ā>:
<ā> von <kśāneṃ> r1.3, <KAryāmˎ> r2.2 (Pt.I), <yarpāLAśka> r2.3, <lāṃśānte>
r3.4 (Pt.I) <kāṃtsāre> r3.5 (Pt.I), <warpāmte> v1.1 (Pt.I), und <takāre> v2.2 (Pt.I) ist
/ā/.
<ā> von <sāṅgäṣe> v2.2 ist skt. /a/, und <ä> ist Ergebnis einer Anaptyxe, wenn das
Wort ein Replik von skt. <saṃgha> ist.
<a>:
Personen‑ und Warennamen:
163
<klyotiśka> r1.2, <kṣemika> r1.3, <kanaṣka> r1.4, <caturḍasa> r1.5, <utpaTA> r1.5,
<suwarti> r2.1,
<yarpāLAśka> r2.3,
<kumpanti> r2.5,
<śaptanasi> r2.6,
<akwaneṃ> r3.2, <lareswaṃts[a]> r3.6, <kentarśke> r3.6, <cayaneṃtSA> v1.2,
<purtaśä> v1.5, <ñaipa> v1.5, <saṅkentaṣai> v1.7: Personen‑ und Warennamen sind
mit <a> geschrieben, das aus /ā/ oder /ä/ hergekommen und verallgemeinert ist. Das
<‑a> für /‑ā/ markiert wohl Feminina.
<a> von <kśāneṃtsa> r2.3 (Perl.), <kṣuranma> r3.5 (Pl.), <saṅkakeṃtsa> v1.4
(Perl.) und <taisa> v1.5 (Perl.) ist /ā/, das am Wortende verallgemeinert ist.
<makte> v1.6 repräsentiert /mäkte/ mit akzentuiertem /ä/.
Verben:
<warpāmte> v1.1 /ä/ (Pt.I), <wasaMˎ> v1.2 /wäsām/ (Pt.III), <kamate> v1.6 /kāmāte/
(Pt.I), <takāre> v2.2 /tākāre/ (Pt.I). Die hier zu beobachtende Schreibung mit <a> für
/ā/ und /ä/ hat ihre Ursache vermutlich im profanen Charakter des Dokuments.
MQR220‑223:
a) Paläographische Untersuchung:
220b3 <y> ist rechts oben etwas kleiner geschrieben:
; 220a3 <ñ> ist halb
geschlossen, das Trema ist auf dem "Normalzeichen" geschrieben:
<m> sind normal:
; 223ab3 <ś> ist links gekrümmt geschrieben:
221b5 <Ṣ> ist geschlossen, das Virāmakomma ist vorhanden:
eckig:
; 221b5 <KA> ist normal:
.
164
; 220a1 <l> und
.
; 221b5 <MA> ist
221a1 <a‑> ist rechts oben etwas verdickt:
<e‑> ist oben ornamental:
220b2 /3/,
; 221b2 <ai‑>
und 221a3 <o‑>
221a2 /11/,
221a4 /12/,
220b4 /4/,
221b3 /14/,
; 221a1 <i‑> ist normal:
; 221a4
sind normal.
221b1 /13/,
221b5 /15/: Die Versnummern sind die gewöhnlichen.
b) Linguistische Untersuchung:
1) Diphthonge:
/a/:
<au> von <kakraupauwa> 221b2 und <[ka]klautkaṢʾˎ> 221b5 ist ursprüngliches /a/
für PPt.-Stämme. <-auwa> von <kakraupauwa> ist die Markierung für Pl.f.Nom./Obl.
<au> von <tākau>220a2 sollte /ā/ (Ko.V) + /u/ (1.Sg.) sein, und es wurde als die
Endung der 1.Sg.Akt. /a/ verallgemeinert.
<ce[]ˎ> 220a2 ist der einzige Beleg in diesen Hss., der altertümlich geschrieben ist.
<au> von <nauṢˎ> 220a3 (früher <ew>) und <[k]aucˎ> 220a5 (früher <ew>) ist
/a/, das in dieser Periode verallgemeinert ist. <au> von <śaul> 220a4 ist ursprüngliches <au>.
/a/:
<ai> von <śaiṣṣe> 220a5 (ursprüngliches <ai>), <nraiyn e> 220b1 (<nraiṣṣe> 220b5,
<spaitu> 220n4 (ursprüngliches <ai>), <pelaikneṣṣe> 221a2 (ursprüngliches <ai>),
<nervānṣai> 221a2 (Obl.), <swañcaiyno> 221a5 (Obl.), <maiytarṣṣana> 221a5
(ursprüngliches
<ai>),
<snai>
221b3
(<snaiy
pro>
221b5,
s.MQR228),
<LAklentaṣṣai> 222b4 (Obl.), <maiyyā> 223.1a (früher <ey>), <l[ai]talñe> 220b2
(Wz. Ko.V), <kakātai> 221a2 (Pt.I, 2.Sg.Med.), <tāsātai> 221b1 (Pt.I, 2.Sg.Med.) und
<aiśamñeṣe> 221b2 (Wz.) ist /a/.
165
<[s]kā[yau]> 220b2 ist Ko.V von √skai‑ (Ps.VI /skanā‑/). Ich erkenne darin einen
Ablaut, aber es ist schwierig, zu entscheiden, ob <āy> ein Diphthong ist. Wenn die
Stammgestalt CVC ist, hat <āy> eine Silbengrenze zwischen /ā/ und /y/. Ich vermute,
daß <āy> ein Vorläufer von /a/ ist. Wenn dem so ist, kӧnnte /skāy-/ eine ursprüngliche
Wurzel und im Ko.-Stamm bewahrt sein.
2) Vokallänge:
<ā>:
Verben:
<ā> von <tākau> 220a2 (Pt.I, <takāreñˎ> 220a3,), <ñāwa> 220a2 (Kaus.Pt.II),
<wsāwa> 220a4 (Pt.III), <lyāka> 220a4 (Pt.I), <[pa]pyākoṣ> 220a5 (PPt.), <yāmu>
220b2 (Ko.I), <yāmṣare> 220b2 (Pt.IV), <lkā[ts]i> 220b5 (Ko.V), <klātai> 221a1 (Pt.I,
Med.), <kakātai> 221a2 (Pt.I, Med.), <cärkāsta> 221a5 (Pt.I, Akt.), <wawārp.> 221b1
(PPt.), <tāsātai> 221b1 (Pt.I), <karāntecˎ> 221b3 (Pt.I), <wawālaṣ> 221b4 (PPt.),
<lkāskeṃ> 221b4 (Ps.IXaδ), <yātalñe> 222b2 (Ko.V), <klātsi> 222b3 (Ko.V),
<lyakāsta> 223.1b (Pt.I /lyākāstā/) ist /ā/.
Substantive:
<ā> von <pāTArñˎ> 220a3, <tkāTArñˎ> 220a3, <śā[mna]> 220a3, <ysāra> 220a4,
<āś> 220a5, <pwā[rṣṣe]> 220b1, <lwās(a)tSˎ> 220b1, <āsta> 220b4 (suppl. Pl. für
/āy(o)/), <śtwāra > 221b3, <krākesa > 221b4 und <maiyyā> 223.1a ist /ā/.
<ī> von <ñī> 220b2 ist /i/. <ī> ist eine altertümlichere Schreibung oder bezeichnet ein
akzentuiertes /i/.
Adv., Adj, Partikeln:
<ā>von <pkāte> 220a2, <ālyeṅKAṃtSˎ> 220a2, <mā> 220b5, <ālek> 221a3 ist /ā/.
Skt.:
<ā> von <nervānṣai> 221a2 ist skt. /ā/. Das Wort ist mit <‑ṣai> (Adj.Obl.) tocharisiert.
166
<ā> von <bhavāggä[Rˎ]> 220a5 (skt. /bhavāgra/) ist skt. /ā/ (Sandhi). Die Gemination
<gg> ist vor <r> gewöhnlich (<‑ggRA>), aber hier ist <ggäRˎ> analogisch (z.B. zu
3.Sg.Med. <-TARˎ>) geschrieben, oder nach Apokope ist /r/ als <äRˎ> realisiert.
<ū> von <samūdRA> 221b2 ist skt. /u/. Dieses <ū> kann eine altertümlichere
Schreibung oder ein betontes /u/ sein, pararell zu <ñī> oben.
<a>:
Adj., Subst.:
<tary ā> 220a1 /ä/, <empelona> 220a1 (Pl. /ā/), <orkamñe> 220a2 /ä/, <ṣañˎ> 220a2
/ä/, <cmelane> 220a3 (Pl. /ā/), <[S]suwa> 220a3 (Pl. /ā/), <śā[mna]> 220a3 (Pl. /ā/),
<ysāra> 220a (Pl.), <pernesa> 220a4 (Perl.), <lareṃ> 220a4 /ā/, <LAklentaṃtSˎ>
220a5 (Pl. /ā/, <lakle> 220b1), <wnolmentsa> 220b2 (Perl. /ā/), <prakkreṃ> 220b3 /ā/,
<palskompa> 220b3 (Kom. /ā/), <śaulanma> 220b3 (Pl. /ā/), <kartseśco> 220b4 /ä/,
<lykaśke> 220b4 /ä/, <pitsantse> 220b5 (?), <ṣarmtsa> 220b5 (/ä/, Perl. /ā/), <warsa>
221a1 (/ä/, Perl. /ā/), <aRAñc(ä)ṣṣ(e)> 221a1 /ā/, <kerusa> 221a2 (Perl. /ā/), <walo>
221a4 /ä/, <swañcaiyno> 221a5 /ā/, <KAly[m]intsa> 221a5 (Perl. /ā/), <yarponta>
221b2 (/ä/, Pl. /ā/), <aiśamñeṣe > 221b2 (Anaptyxe /ä/), <śtwāra > 221b3 /ā/,
<wert[s]yaṃ > 221b3 (Obl.Pl. /ā/), <yparwecce > 221b3 /ä/, <PAlskonta > 221b4 (Pl.
/ā/, <palsko> 222b3), <tañˎ> 221b4 /ä/ (<TAñˎ> 221a1), <warKṢAltsa> 222a2 (/ä/,
Perl. /ā/), <prakreṃ> 222a2 (Pl. /ā/), <sanaṃmpa> 222a4 /sānṃmpā/ (Anaptyxe, Kom.
/ā/). <a> ist betontes // oder unbetontes /ā/.
<a> von <pratiṃ> 220b3 und <onwañe> 221a4 ist durchgehend so geschrieben.
Zu <pratiṃ> hat Winter vermutet (vgl. Adams 1999, p. 410), daß das Wort *prete (cf.
eprete) + ime 'decision‑awareness' ist, aber ich halte diese Interpretation für ad hoc.
Dem unveränderten <a> nach könnte das Wort ein Lehnwort sein. Von /‑m/ in A-Toch.
(<pratim>) und /‑ṃ/ in B-Toch. her gesehen ist das Wort kein toch. Lexem. Im
167
Spät‑Khot. kann man die Erscheinung <‑ṃ> für /‑n‑/ und /‑m‑/46 finden. Das Wort
könnte aus dem Khot. entlehnt worden sein, aber solch ein Wort finde ich im Khot. nicht.
Eine andere Möglichkeit ist, daß ein Skt.-Wort über eine Zwischenstufe ins Gāndhārī
entlehnt wurde, z.B. skt. /pradīpa/ → Gāndh. /pradivu/ (vgl. Brough 1962, p. 304), aber
semantisch paßt dieses Skt.-Wort zu /pratiṃ/ nicht.
<onwañe>: den Belegen zufolge (MQ238b1, Š30a3, MQR280a1, MQR520a5, Š2a2,b2,
Š8a1,5, Š31a3, S108a9, MQR246a1, Š41a5 und 6 Belege in H.) ist die Schreibung nicht alt.
Das Wort zeigt die Wirkung der Akzentregel, ist aber weiter nicht analysierbar.
Verben:
<naktsi> 220a2 /ä/ (Ko.III, aber nicht /e/), <ñāwa> 220a2 (Pt.I /ā/), <tessa> 220a3
(Pt.IIIa /ā/), <rintsante> 220a4 (Pt.IIIa /ā/), <tsaLPAstsi> 220b2 /ä/ (Ko.IX.),
<waltsaṃ> 220b4 (Pt.I /ā/), <warpoymaRʾˎ> 220b5 /wärpoymār/ (Ko.V, kein
ā‑Umlaut), <yänmaskeṃ> 221b5 /ā/ (Ps.Xa), <nuwalñe> 222b4 (Ko.V /ā/),
<e[r]satai> 223.1b (Pt.III /ā/).
Adv., Konj.:
<mant> 220a2 /ä/, <at> 220b2 (s. ad MQ86), <ra> 220b4 /ā/, <wat> 220b4 /ä/,
<mantanta> 222b3 /mäntāntā/. Hier sehe ich keine Akzentregel für das Adv. und den
Konj. (Endsilbenbetonung). Vielleicht hat der Schreiber aus Nachlässigkeit nur <a>
(ohne Trema) geschrieben.
Skt.:
<a> von <aviśo> 220a5, <mettatTArṣṣe> 221a1 (für skt. /maitra/, <maiytarṣṣana>
221a5), <samudRA> 221a1, <gra[ha]nman(e)> 221b1 und <ka[ru]näṣṣe > 222a2 ist
skt. /a/.
<mettatTArṣṣe> und <maiytarṣṣana> (<me> und <maiy> für /ma/, und <tar> für
akzentuiertes /tär/) nach zu urteilen war skt. /maitra/ dem Schreiber unbekannt.
46
Vgl. H.W. Bailey 1981, Vol. 2, Irano‑Indica II, p. 362. "Final anusvāra represents Older Khot. ‑n‑ and ‑m‑
before final vowel ä, i, u, ...".
168
<ä> und <A>:
Subst., Adj., Konj.:
<LAklenta> 220a1 /ä/, <ālyeṅKAṃtSˎ> 220a2 (Anaptyxe), <ṣecaKAññe> 220a2
(Anaptyxe), <pāTArñˎ> 220a3 /ä/, <tkāTArñˎ> 220a3 /ä/, <yärm> 220a4 /ä/, <ñäś>
220a4 /ä/, <aRAñc> 221a1 /ä/, <TAñˎ> 221a1 /ä/, <orKAmñe> 221a3 (Anaptyxe),
<KAlymi>
221a3
/ä/,
<tSAtkw[aṃ]>
221a3
/ä/,
<PAlskonta>
221b4
/ä/,
<warKṢAltsa> 222a2 /ä/, <TAṅ> 223.1a /ä/, <ṢPAk> 221b1 (s. ad MQ339).
Verben:
<wärp[ā]te> 220a1 /ä/, <tsaLPAstsi> 220b2 /ä/ (Kaus.), <KArś[y]eñˎ> 220b4 /ä/
(Opt.3.Pl.Akt.,), <cärkāsta> 221a5 /ä/, <yänmaskeṃ> 221b5 /ä/, <eKAMAtte> 221b5
/ä/ (s. ad MQ284).
Skt.:
<RA> von <samudRA> 221a1: skt. /ra/ wurde nach der Apokope zu <RA>. Hier ist
eine unvollständige Tocharisierung zu beobachten. Skt. /d/ ist als solches reflektiert.
<SAk> 223.1b ist ein Lehnwort aus Skt. (/sukha/), und <A> vertritt skt. /u/ (s. ad
<sak> in MQR224).
MQ245:
a) Paläographische Untersuchung:
a2 <ñ> ist geöffnet:
geschrieben:
; a2 <m> ist normal:
.
169
; b1 <ś> ist links gekrümmt
a4 <NA> ist oben rund (altertümlich):
; a5 <PA> ist eckig:
; a4 <ṢA> ist in der Mitte geschlossen:
.
a5 Die senkrechte Haste von <ā‑> ist etwas länger:
beginnend kontinuierlich geschrieben:
a2 /17/,
a5 /8/,
; b4 <e‑> ist von oben
; a3 <ai‑> ist normal:
b2 /19/,
.
b4 /20/: /10/ ist links oben noch
verbunden. Das ist ein Rest der alten Schreibung. /20/ ist oben auf altertümliche Weise
rund geschrieben.
b) Linguistische Untersuchung:
1) Diphthonge:
<ai> von <śai[ṣ]ṣe> a1 und <snai> b4 ist ursprüngliches /a/.
<aiwa> a3 ist Pt.3.Sg.Akt. von √aiw‑ 'sich zuwenden', aber vom Kontext her gesehen
unverständlich. Vermutlich ist <ai wa la re> für /aiwol lāre/ zu lesen.
<ew> von <(a)lyewcempa> a3 und <larewññe> b3 ist altertümlich. Im jüngeren
<ālyauwcempa> a5 ist <w> ein Bindekonsonant oder ein Relikt von <ew>. Wegen
ihres <au> ist diese Hs. als jung einzustufen, obwohl ihr Duktus altertümlich ist.
2) Vokallänge:
<ā>:
<ā> von <mā> a2, <KAlpāstRA> a2, <prākre> a4, <ālyauwcempa> a5,
<mānTAṃ> a5 (Ko.V) und <āraṃ> b3 (Ko.V) ist /ā/.
<cimpā> a2 ist dem Kontext zufolge zu /cämpäṃ/ (Pr.3.Sg.Akt.) zu korrigieren.
170
<a>:
<a> von <KAllalle> a2 (Ko.VI), <aLAṣṣeñca> a2 (Ps.IXa), <(a)lyewcempa> a3,
<lare> a3, <ramt> a4, <ra> a5, <ṣemempa> b5 (Kom.) ist /ā/.
<a‑> von <ak[ā]lk> a1 wurde durchgehend so geschrieben. Vom A-Toch. /ākāl/ her
gesehen ist das Wort */ākālk/ (s. ad <[a]k[āLK]ˎ> MQ590b5). Wegen der zweiten Silbe
mit <ā> vermute ich, daß das Wort eigentlich dreisilbig ist, aber das Wort ist
durchgehend zweisilbig geschrieben.
Das erste <a> von <kamarttaññe> a2 ist durchgehend so geschrieben. Die zweite Silbe
ist /ā/ (s. ad MQR128b6), die dritte /ā/ (s. ad MQ600b5). Die Entsprechung in A-Toch. ist
nach TEB und Adams /kākmärtune/, aber phonologisch gesehen besteht keine Identität.
Das /ä/ der zweiten Silbe in A-Toch. (/ā/ in B-Toch.) kann mit der "Vokalbalance" erklärt
werden, aber /km/ vs. /m/ bedarf einer Erklärung. <‑tāññe> im B-Toch. und <‑tune> im
A-Toch. sind m.E. ebenfalls keine normalen Entsprechungen, d.h. toch. A <tune> sollte
toch. B <tñe> entsprechen.
<a> von <PAlyca PAlyc> b4 ist betontes /ä/, das beim Kompositum normal ist
(Betonung auf der letzten Silbe des Vorderglieds).
Das erste <a> von <waskamo> b4 ist durchgehend so geschrieben. Das zweite <a> ist
/ā/ (Ko.V), da das mo‑Adj. nicht von der Wurzel gebildet ist (vgl. Krause 1952, S. 47‑48).
Die Wurzel ist nach Krause √wāsk‑ (1952, S.287), aber nach Ausweis von
<wäskanTARˎ> Š606.2 und <wäskäntRA> MQRb1 sollte sie √wäsk‑ sein.
<ä> und <A>:
<ä> und <A> von <KAllale> a2, <aLAṣṣeñca> a2 (Ps.IXa), <KAlpāstRA> a2,
<LAṅkci> a3, <ṢAle> a4, <kw[ä]ntsa> a4, <PAlsko> a4, <riNAsTār> a4 (Ps.Xa),
<kren[TA]ṃ> a5 (Anaptyxe), <ePAstye> b1, <lareññentRA> b3, <wäntre> b3,
<[TA]ñ> b4, <PAlyca> b4 und <wälke> b5 sind /ä/.
171
<TAṅwä> von <TAṅwässonTAt[Sˎ]> a5 ist /tänku/ und in kolloquialer Artikulation
(ohne /k/). Ich erkenne keine Akzentregel.
<A> von <riNAcceṃ> a4 ist Ergebnis einer Anaptyxe, wenn <riNAcceṃ> von der
Wurzel gebildet ist. Nach Krause handelt sich um ein Obl. von positive Bildung des
Privativums *rinӓtte (1952, S. 43), aber solche Wortbildung ist ungewöhnlich, und ein
sicherer Beleg ist nur bei diesem Wort. Wie Krause erwӓhnt, kӧnnte das Wort ein von /tstse/ gebildetes Adj. sein.
<mānTAṃ> a5 ist nach Krause Ko.V, und ich entscheide mich wegen des Inf.
<māntatsi> Š596b5 und des Abstr.II <māntalñe> Š8b3 ebenfalls für diese Klasse. Vom
PPt. <mamāntau> Š69a5 her gesehen ist der Ko./Pt.‑Stamm /mānt‑/. Daher halte ich
<mānTAṃ> für eine Verschreibung und lese <māntaṃ> (<ta> für /tā/ statt <TA>).
MQR246:
a) Paläographische Untersuchung:
a1 <y> und a3 <y> sind altertümlich (rechts oben geöffnet) und normal (oben
geschlossen) geschrieben:
(geschlossen und geöffnet):
geschrieben:
bzw.
; a3 <ñ> ist auch promiscue geschrieben
; a5 <ś> ist altertümlich (rechts kontinuierlich)
; a1 <m> ist altertümlich (oben geöffnet), aber das andere <m> in
dieser Hs. ist normal geschrieben. Das Virāmakomma ist vorhanden:
.
b3 <T> ist oben rund, Das Virāmakomma ist groß geschrieben:
; b5 <MA> ist
nicht altertümlich:
.
172
a2 <ā‑> und a1 <o‑> sind normal:
a4 /79/ und
bzw.
.
b5 /90/ sind die normalen Versnummern.
Die Hs. muss eine Kopie sein, da in ihr alte und junge Schreibungen wechseln.
b) Linguistische Untersuchung:
1) Diphthonge:
/a/:
<au> von <pernauntsa> a4 und <naumye> b4 hat sich aus <ew> entwickelt.
<au> von <śāyau> b4 (Ps./Ko.II) ist die verallgemeinerte Endung für die 1.Sg.Akt. Sie
könnte ursprünglich /āu/ (Pr./Ko.V) oder /eu/ (Pr./Ko.IV) gewesen sein.
<au> von <MArsausa> b5 (PPt.f.Sg.) ist eine PPt.-Markierung /a/.
/a/:
<ai> von <kwṣainne> a1 und <wertsyaine> a2 ist die Obl.‑Markierung.
<ai> von <āttsaiK> a4 und <waiptāRʾˎ> b3 ist ursprüngliches /a/.
2) Vokallänge:
<ā>:
Subst., Pron., Adv., Partikeln:
<ā> von <ārañce> a2, <mācer> a3, <sā> a4, <ānteś> a4, <āñma[nts]e> a5, <kā>
b3, <waiptāRʾˎ> b3, <ykāk> b4 und <mā> b5 ist /ā/.
<ā> von <āttsaiK> a4,b2 ist mit vorhergehendem <y> in einem Akṣara geschrieben
(<ñy˄āttsaiK>), und <tts> kann aus /nts/ oder /tsts/ entstanden sein.
173
Verben:
<ā> von <KArstāte> a5 ist /ā/ (Pt.I).
Skt.:
<āñcāl> in <ñakty āñcāLˎ> a2 ist skt. /añjali/, das im Toch. sonst stets mit <a‑>
geschrieben ist. Der Schreiber hat vielleicht diese zwei Wörter als ein Kompositum
aufgefasst und mit Akzent auf der zweiten Silbe geschrieben.
<āppāmātñe> b1 (die Variante mit drei <ā> ist ein Hapax) ist mit Sicherheit ein
Lehnwort als buddhistischer Terminus. Als Etymon kommen BHS <(a)pramādya>, das
aber weder im Skt. noch im Pāli oder Prakrit existiert (vgl. Edgerton, 1953, p. 49), oder
Gāndhārī <apramata> (bzw. <apramada>, Brough 1962, p. 295) in Betracht, Pāli
/apramāda/ bleibt aber aus geographischen Gründen fern. Wenn das Wort aus dem BHS
stammen sollte, ist <‑dya> problematisch (im Toch. <tsa>?), Gāndhārī als Lehngeber
wäre am plausibelsten. <mā> in der vorletzten Silbe ist eine gewöhnliche Erscheinung
für Skt.-Lehnwörter.
<a>:
<onwaññe> a1 /ä/ (s. ad MQR221a4), <ypauna> a1 (Pl. /ā/), <saksa> a2 (/ä/ und Pl.
/ā/), <palsko> a2 /ä/, <ārañce> a2 //, <ñakty> a2 /ä/, <ṣarne> a3 /ä/, <pernauntsa>
a4 (Perl. /ā/), <[PA]rmaṅk> a5 /ä/, <skwanm(a)> a5 /ä/ und Pl. /ā/, <āñ[m]a[nts]e> a5
/ä/ (Anaptyxe).
Konj., Adv.:
<a> von <wat> a2, <ra> b1 und <wa> b4 ist /ā/.
Verben:
<inemane> a1 (PPs. /ā/), <pralya> a4 (Ger.I, Ps.II /-ä-/) und (f. /-ā/), <MArsausa> b5
(PPt.f.Nom./Obl. /-ausā/).
174
<yapit> a2 ist Opt. (Ko.I) von √yäp‑/yop‑ 'eintreten'. Krause setzt gemäß <yopu>
(Š100a5) den Ko.-Stamm als /yop-/ an, indessen erweisen Opt. und Inf. einen Ko.‑Stamm
/yāp‑/. <o> kommt nur vor /m/ und /p/ vor, d.h. <ā> ist offenbar vor <m> und <p>
labialisiert worden. Die Wurzel ist mithin √yäp‑, und der Ko./Pt.-Stamm /yāp‑/ steht dazu
im Ablaut. Hier ist das Wort /yāpit/, wenn das Opt. vom Ko.-Stamm gebildet ist, und
/yӓpit/ von der Wurzel (Krause 1952 S. 113).
<a> von <nekwa> a5 ist /ā/ (Pt.IIIa 1.Sg. von √näk‑). Im Ps. und im Ko. ist der
Stammvokal /ä/ (s. ad MQ284a5). /e/ kommt nur im Pt.-Stamm vor, und zwar
durchgehend beim Akt. und Med., bzw. im Sg. und Pl. Daher nehme ich an, daß dieses /e/
kein echter Ablautvokal ist, sondern sekundär aus /ä/ entwickeltes /e/, wie im PPt.
<neneku> MQ282a6 mit der Variante <nenku> MQ238a3 (← */nenäku/). Dieses /e/
könnte ein quasi Ablautvokal für den Pt.-Stamm sein.
<pkaskarñˎ> b3 ist /pkäskār/ (Impv.I). Krause (1952, S. 236 √käsk‑) bietet bei der Wz.
/käsk/ einen Ko.V. <kāskat> H150.122b4, aber das (mit <ā>) ist singulär, sonst kommt
durchgehend im Paradigma <ä> vor. Im Kontext <///k(n.) snai lyiPARˎ kāskaTˎ ānte
mīTAs(m)e///> (H150.122b4) ist nicht mit Sicherheit zu entscheiden, ob <kāskaTˎ>
'streuen' bedeutet. Hinter <kāskaTˎ> könnte ein neuer Satz beginnen, und <ānte> ein
Objekt zu <mīTAs(m)e> sein. Wenn <///k(n.)> z.B. /pelaikne/ sein sollte, müßte die
Passage etwa 'Du zerstörst restlos das Gesetz' bedeuten. <kāskaTˎ> könnte dann für die
3.Sg.Ps. <krāstaṃ> von √kärst‑ 'abschneiden' oder die 3.Sg.Ko.V *<kārkaṃ> von
√kärk‑ 'rauben' verschrieben sein. Wenn man <kāskaTˎ> aus dem Paradigma von
√käsk‑ streicht (Ko.V <KAskātRA> Š9b8 ist regulär), würde die Wurzel /käsk‑/ keinen
Ablaut zeigen.
<ä> und <A>:
<ä> und <A> von <RAmnoyeṃ> a3 (Opt.), <pudñäkte> a3 (Verswort), <PAst> a4
(Adv.), <PArmaṅk> a5 (Subst.), <ñäś> a5 (Pron.), <[ñ]äkcye> a5 (Subst.) und
<MArsausa> b5 (PPt.) sind /ä/.
175
Bei dieser Hs. sind /ä/ teilweise bewahrt, obwohl die Akzentregel schon erkennbar ist
(akzentuiertes /ä/ ist vorhanden), und ich erkenne in dieser Hs. inkosequente
Schreibungen, z.B. unregelmäßige Virāmakommata oder unnötigen Virāmastrich
(<soyˎṣe> b6 für <soyṣe> a4). Daher halte ich diese Hs. für eine ungeschickte Kopie.
MQR117‑130, 132:
a) Paläographische Untersuchung:
120a1 <y> ist oben halb geschlossen:
ist links gekrümmt:
; 120a2 <ñ> ist geöffnet:
; 120b6 <m> ist oben halb geschlossen:
; 120a1 <ś>
.
120b7 <ṅ> ist von oben nach unten nicht verbunden, <KA> ist links nicht verbunden:
; 118a1 <MA> ist neue Typ:
; 127a7 <NA> ist noch vorhanden:
118b2 <ṢA> und 120b5 <ŚA> sind in der Mitte geschlossen:
bzw.
;
;
118a5 <ṇ> ist in der Mitte unten mit horizontaler Linie (altertümlich) geschrieben,
<ḍ> ist normal:
.
117a5 <a‑> ist normal:
"modern":
geschrieben:
, 119b5 <i‑> ist altertümlich, aber die zwei Punkte oben sind
; 120b7 <e‑> ist links lang:
; 120b6 <o‑> ist in einer Linie
; 127a7 <ai‑> ist normal:
. Das merkwürdige <au‑> 127b3 ist
nur hier belegt (<w> + Längezeichen). Dieses Schreibsystem ist altertümlich, aber die
Form ist mißverständlich:
.
176
117 /74/,
119 /84/,
120 /86/,
121 /87/,
123 /93/,
125 /98/,
126 /100/,
132 /93?/: Dies sind Blattnummern. Außer bei /132/ kann man die ursprüngliche
Reihenfolge der Hss.-Seiten.
117b2 /2/,
/37/,
121a4 /39/,
123b2 (39),
126a4 /3/,
128a2 /6/,
123a3 /35/,
124a2 /22/ (umgekehrt geschrieben),
126b3 /8/,
128a5 /7/,
121b3 /42/,
127a3 /25/,
128b4 /9/,
124b4 /28/,
127b4 /30/,
128b7 /10/,
123a6
127b4 /31/,
132a2 /44/.
Es handelt sich um Versnummern: außer /22/ sind sie ziemlich präzise geschrieben. /10/
ist links oben noch verbunden. Das ist ein Rest altertümlicher Schreibung, aber die
Mittellinie ist lang gezogen, was für junge Schreibung charakteristisch ist. In diesen Hss.
paläographisch sind alte und junge Elemente promiscue geschrieben.
b) Linguistische Untersuchung:
1) Diphthonge:
/a/:
<au> von <śaumo> 117a5 (Subst.), <taur> 118a3 (Subst.), <[KA]skau> 118b1 (PPt.),
<aunanTArne> 118b2 (Ko.I), <KArstau> 119a3 (PPt.), <[w]eñau> 119b2 (ko.VII),
<paplāntau> 119b2 (PPt.), <(k)osauk> 119b7 (correl.Pron.), <katkauññaimeṃ>
120b6 (Subst.), <auKSAṢṢAṃ> 121a1 (Wz./Stamm), <nauṢAññana> 121a7 (Adj.),
<[la]rauññesa> 122a2 (Subst.), <ypaunane> 122a6 (Pl.), <PAlskauca> 122b6 (Subst.),
<krentauna> 123a4 (Pl.), <PAklyauṣ> 123b5 (Wz.), <lauke> 126a3 (Adv.), <srukau>
126a3
(PPt.),
<kauwa> 126b3
(Pt.III,1.Sg.),
<kauṣenta> 126b4
(Nom.ag.),
<pautotRA> 127a5 (Wz.), <nasau> 127b2 (Ps.I, 1.Sg.), <cämpau> 127b2 (Ps./Ko.I
1.Sg.), <klauTKAstsi> 127b2 (Wz.), <śaul> 127b7 (Subst.), <weskau> 128b5
(Ps.IXa.1.Sg.) ist /a/.
<cewsa> 127a3 ist die einzige altertümliche Schreibung in dieser Gruppe.
177
/a/:
<anaiśai> 117a7 (Adv.), <anaiwatsñe> 117b1 (Subst.), <saima> 118b1 (Subst.),
<pokaine> 119a2 (Obl.), <yolaina> 119a5 (Obl.), <yolyiyai> 119a7 (Adj.f.Obl.),
<śaiṣṣene> 119b2 (Subst.), <pyapyaiṃ> 120a1 (Obl.Pl.), <snai> 122a3 (Präp.),
<pelaikn(e)> 123a1 (Subst.), <sainaskenTA[r]> 125a2 (Ps.Xa), <wertsyaisa> 126a1
(Obl.), <alyaik> 126a6 (Adj.), <tsuwai> 127a5 (Adv.), <enestai> 127a5 (Adv.),
<[w]aipeccesa> 127a7 (Subst.), <cai> 127b1 (Pron.), <waimene> 127b2 (Adj.),
<maiyyācempa> 127b3 (Subst.), <yulyaiñña> 127b5 (Adj.), <śaitsi> 127b7 (Inf.),
<aikemaRˎ> 130a6 (Ps.III), <m[ai]mtsa> 130b1 (Subst.), <nraint(ane)> 123a4 (s. ad
MQR143).
<waikesse> 117a6 sollte /waikeṣṣe/ oder /waikesa/ sein.
<mākaikne> 119b1 ist /mākā yӓkne/ oder /mākā ikne/ (/i/ ← /yä/). Hier wurde /āyӓ/ oder
/āi/ als /a/ realisiert.
<taiknesa> 119b2 ist /te yӓkne/ oder /te ikne/. Hier wurde /eyӓ/ oder /ei/ als /a/ realisiert.
<[e]naiwaññe> 128b2 ist ein Hapax (Thomas 1953, S. 62, Fnt.10 'Sic!'). Von Adams
zitiertes <anaiwaññe> (1999, p. 85) existiert nicht. Dem Kontext zufolge ist dies m.E.
ein Schreibfehler für /onwӓññe/, weil <pelaikne-onwaññe> 'Gesetzesnektar' (vgl. TEB II
S. 213) zum Kontext gut paßt. In dieser Hs. schrieb der Schreiber nicht präzise und
fehlerhaft.
<[ya]> von <yamai> 128b5 ist auf dem Photo schwer zu lesen. Der Schreiber hat diesen
Akṣara gestrichen, und rechts von <ai> des <mai> ist von anderer Hand emendiert
worden. Die Schreibung </// ttyā lyye [ya] mai> könnte /ālyekmeṃ/ vertreten.
Nach Adams (1999, p. 200) ist <kaiyye> 129b6 (Hapax) ein Relativpronomen, aber das
ist m.E. unmöglich. Vielleicht ist das Wort ein Adj., das sich auf <wek> 'Stimme' bezieht.
178
2) Vokallänge:
<ā>, <ī> und <ū>:
<ā> von <nāki> 117b2, <mā> 117b3, <tā[ka]ṃ> 117b4, <stāṅne> 118a1,
<lykemāne> 118a2, <kakāccu> 118a6, <māka> 118a6, <kañmāmāne> 118a7,
<kārāś>
118b1,
<śām[n]a>
118b2,
<ā[n]tse>
118b6,
<lkāntRA>
118b6,
<satāṢṢAṃ> 118b7, <ārkwi> 118b7, <musn[ā]tRA> 119a2, <śāman[e]> 119a4,
<yāmwā> 119a5, <yāmornta> 119a5, <ākenne> 119b4, <śār> 120a1, <śāmñe>
120a3, <pākr[i]> 120b4, <mātri> 121a1, <śpālmeṃ> 121a3, <āñ[ma]> 121a5,
<parsnānne> 121a6, <wäntarwā> 121a7, <skāralñe> 122a7, <ynāñMA> 123a2,
<(a)knātsaṃtSˎ> 123a3, <MAntrākka> 123a3, <PArnā> 123b1, <KAllālle> 123b2,
<ptārka> 123b2 (Impv., Ko.V), <krentantsā> 123b5, <alyāk> 123b7 /ālyāk/ (Sg.f.),
<plāc[e]>
123b7,
<rṣākene>
124a4,
<wāki>
125b6,
<[w](e)ñāre>
126b2,
<kRAmpālñe> 127a1 (Abstr.II, kein Ko.V), <amā(ṃ)> 127a1 (<āmāṃ> ist nicht
belegt), <pkārsa> 127a3, <kālat‑neśco> 127a3, <yātalle> 127a4, <kāccaṃ> 127a5
(Ps.II), <PAllāTArne> 127a6, <āLAṃ> 127a6, <māskne> 127b2, <wñāne> 127b3,
<maiyyācempa> 127b3, <māñya> 127b5, <āñu> 127b5, <wikātsi> 127b6,
<tSAlpāl(ñ)e> 128a4, <pakwāreṃmeṃ> 128a4, <lāre> 128a5, <pyāmtsar> 128a5,
<wärpnātaRˎ> 128b2, <kamārtaññe> 128b6 (s. ad MQ600), <yśāmna> 128b4,
<mārsat> 128b5 (Ko.V), <skāroy> 132b3 (Opt.), <yātka> 132b7 (Kaus.Pt.II von
√wätk‑) ist /ā/.
<PAlkālñe> 124b6 ist das Verbalnomen von √pälk‑ 'sehen'. Nach Krause bildet √pälk‑
Suppletivstammen (Ps. ist /läk‑/, Ko.V ist /pālkā‑/, Pt.I ist /pälykā‑/47) und /pälk‑/ kommt
beim PPt. vor. √läk‑ bildet dagegen ein vollständiges Paradigma (Ps.IXa, Ko.V und Pt.I).
Außer Pt. /lyäk‑/, dessen Palatalisation eine Opposition zum Ps./Ko. markiert, kommt
/lkā‑/ durchgehend vor.
47
Das von Krause zitierte <pälkāte> H149add96a3 ist möglicherweise eine Form von √pälk 2 'leuchten'.
Anderen Belegen zufolge müsste der Pt.‑Stamm /pyälkā‑/ sein, wenn diese Form zu √pälk‑ 1 gehört.
179
<PAlkālñe> ist vielleicht eine Kontamination der Wurzel √pälk‑ und dem Ko.V von
√läk- (/‑ā‑/), aber wegen des Status eines Hapax könnte diese Schreibung fehlerhaft für
<pālkālñe> stehen.
<ālloKAlymi> 125a1 ist mit <ā‑> ein Hapax. Andere Belege zeigen durchgehend <a‑>.
Der Schreiber hat das Wort vermutlich mit /ālek/ kontaminiert.
Skt.:
<caṇḍālents[e]> 118a5 skt. /ā/, <sārga> 123b4 skt. /a/, <[a]māc> 126b1 skt. /ā/,
<rūpsa> 127a3 skt. /ū/, <ṣamāññe> 127b6 skt. /a/.
<ī> von <wīśi> 117a7, <wīna> 118a1, <lyīpRA> 119b3, <kwīpe> 123a1, <īme>
127a1, <īKAṃ> 127a2, <īke> 127a3, <cpī> 127a5, <ścīre> 128a1, <yamītRA>
128a1, <mañīye> 128a3 (<māñya> 127b5), <ñī> 128b4 und <cī> 128b5 ist /i/.
<ī> wurde akzentuiert oder hyperkorrekt geschrieben.
<ū> von <sū> 118a4, <śūwaṃ> 123a5 und <yūkalñe> 127b4 ist /u/.
Diese Schreibung ist parallel zu <ī>.
<a> in der Markierung von Perl., Kom., Pl. zitiere ich hier nicht mehr.
<amoksa> 117a4 /ā/, <alyekepi> 117a5 /ā/, <anaiśai> 117a7 /ā/, <anaiwatsñe> 117b1
/a/ in erste Silben und /ā/, <eñcareṃ> 117b2 /ä/, <ra> 117b3 /ā/, <cäñcaṃ> 117b3 /ä/,
<erepate> 117b4 /ā/, <wīna> 118a1 /ā/, <yaMAstRA> 118a1 /ā/, <wastsi> 118a1 /ä/,
<tsenaṃ> 118a1 /ä/, <waTˎ> 118a2 /ä/, <kakāccu> 118a6 /ā/, <māka> 118a6 /ā/,
<kañmāmāne> 118a7 /ā/, <aunanTArne> 118b2 /ä/, <śām[n]a> 118b2 /ā/,
<kercapañ> 118b3 /ā/, <srukalle> 118b4 /ā/, <satāṢṢAṃ> 118b7 /ā/.
Folgende <a> stehen für /ā/ oder /ä/, die schon erwähnt wurden:
<marmanma> 119a3, <aRAñci> 119a4, <SArpar> 119a4, <ka> 119a4, <cmelane>
119a5 (<camelne> 119a6), <katkauñña> 119a6, <ñake> 119b2, <RAṅkatsi> 119b2,
180
<paplāntau> 119b2, <parna> 119b6 (<PArna> 123a3, <PArnā> 123b1), <pyapyai>
120a1, <ṣesa> 120b7 (s. ad MQ96), <parsnānne> 121a6, <kca> 121b1, <sparce>
121b2, <yasar> 121b2, <tsa> 121b4, <akappi> 121b5, <tekanma> 121b6, <watesa>
121b7, <skāralñe> 122a7, <taKArṢKAññe> 122b4, <PAlskauca> 122b6, <ksa>
123a3, <śano> 123b2, <ptārka> 123b2, <alecceṃ> 123b6, <temtsante> 124b4,
<sainaskenTA(r)> 125a2, <sanuññe> 125a4, <yaknene> 125b4, <lyama> 126a4,
<kauwa> 126b3, <paṣṣalñe>127a1, <amā(ṃ)> 127a1, <añMAntse> 127a4,
<ñyatsenta> 127a4, <lyelyakorsa> 127a5, <śmanne> 127a5, <kāccaṃ> 127a5,
<naKAlñesa> 127a6, <amiśke> 127a6 (s. ad MQ284), <sanaNAṃ> 127a7,
<aiśamñe> 127a7, <skwassu> 127b1, <weña> 127b2, <alyiyatse> 127b4, <wetane>
127b5, <yaṃ> 127b5, <rano> 128a1, <waṣamo> 128a2, <paTAryana> 128a2,
<aLAnmeṃ> 128a2, <śana> 128a3, <laṃ[tu]ñ[ñ]e> 128a4, <pkārsa> 128a5,
<aṅkai(ṃ)> 128a5, <wärpnātaRˎ> 128b2, <lakaṃ> 128b3 (s.o.), <yapoy > 128b3,
<śale > 128b4, <mapi > 128b5, <mārsat > 128b5, <mañye > 128b7, <aikemaRˎ>
130a6, <witskaṃ> 132a1, <maiyya> 132a2, <aksaṢṢAṃ> 132a2, <preñca> 132a2,
<yātka> 132b7.
<[mo]kośwaś> 118b3 (ein Hapax) könnte ein Schreibfehler für /mokoṃśkāñ/ sein.
<tucyane> 118b6 (Hapax) ist nach TEB II (S. 199) Par. von Adj. /tute/ 'gelb'. <a>
kӧnnte eine Fem.-Markierung /ā/ sein, aber <cy> ist unverstӓndlich. "Par." ist mir auch
fraglich. Mir scheint dieses Wort eine Verbalform mit suffigiertem Pron. zu sein, aber
wegen der Beschӓdigung mӧchte ich das Wort auf sich beruhen lassen.
Skt.:
<kleśanma> 121b7 /kleś‑‑nmā/, <amācänta> 128a7 /amāc‑ä‑ntā/, <añcali> 128b7
/añjali/.
Skt. /a/ ist als <a> wiedergegeben. Toch. /‑ā/ als Pl.-Markierung ist am Wortende mit
schon verallgemeinertes <‑a> geschrieben.
<ä> und <A> (exklusive der 3.Sg. Endung und Kaus. /ä‑sk‑/):
181
<ä> von <lyKAśke> 117a6, <PAlsko> 117a6, <yaMAskeṃ> 117b1, <cäñcaṃ>
117b3, <KArtse> 117b4, <RAṅkorme(ṃ)> 118a1, <RAtreṃ> 118a1, <srukoṣämp>
118a2 (Anaptyxe), <ṢAñ> 118a3, <MAsSAkwä> 118a6 (für /PA‑/) /päsäku/,
<RA[tTAṅ]KA[ṃ]> 118a7 /rätänkäṃ/, <[TA]rKAnaṃ> 118b1, <[KA]skau> 118b1,
<nmitTAnta> 118b5 (Anaptyxe), <MAnTAṃTArne> 118b6, <[RA]mer> 118b7,
<MAskeTArne> 118b7, <KAṃtwo> 118b7, <KArstau(wa)> 119a3, <TArkoṣ> 119a3,
<PAs[Tˎ]> 119a4, <aRAñci> 119a4, <SArpar> 119a4, <LAklessu> 119a7,
<RAs(kr)e> 119a7, <RAṅkatsi> 119b2, <lyīpRA> 119b3, <y[ä]r[p]all e‑> 119b4,
<TAnMAst(RA)> 119b4, <[MA]kte> 119b6, <[TA]mne> 120a2, <aiŚAmñe> 120b5
(Anaptyxe), <eṅKAlmpa> 120b7, <auKSAṢṢAṃ> 121a1, <wär> 121a6, <ṢArsa>
121a6, <nauṢAññana> 121a7 (Anaptyxe), <KAṣṣintse> 122b5 (s. ad MQR229 und
MQ600.), <ynāñnMA///> 123a2 (Anaptyxe), <KAlseṃ> 123a2, <wäste> 123a3,
<PArna> 123a3 (<‑nā> 123b1), <sLAṅtRA> 123a3, <MAntrākka> 123a3, <yäpoy>
123a6, <lyelyäkormeṃ> 123a7, <erKAtñe> 123b1, <KAllālle> 123b2, <weSAñˎ>
123b2 (Anaptyxe), <ŚKAnte> 123b4 (Anaptyxe), <ŚAKˎ> 123b4, <wälo> 123b4,
<PAklyauṣ> 123b5 (Anaptyxe), <TAṅsa> 123b5, <wäs(ts)i> 123b7, <neSAlñe>
124a1 (Anaptyxe), <PAlkālñe> 124b6, <ālloKAlymi> 125a1, <ñäśˎ> 125b5,
<yänmā[ṢA](ṃ)> 125b6, <LAc> 126a1, <(yn)[ā]ñnMAññesa> 126a6 (Anaptyxe),
<wänTArwa> 126b2, <ṢArMˎ> 126b2, <MAkte> 126b7, <TAñ> 126b7,
<kRAmpālñe> 127a1, <añMAntse> 127a4 (Anaptyxe), <posTAṅ ka> 127a4
(Anaptyxe),
<tsoPAnne>
127a5
(Anaptyxe),
<tuKAstRA>
127a5
(Kaus.),
<PAllāTArne> 127a6, <[MA]llast[RA]> 127a7, <wiKṢAlle> 127b2 (Anaptyxe),
<keKAmu> 127b2, <cämpau> 127b2, <iKAṃ> 127b3, <SAKˎ> 127b4 (s. ad
MQR224), <KAllātsi> 127b4, <paTAryana> 128a2, <aiŚAmñe> 128a3 (Anaptyxe),
<tSAlpāl(ñ)e> 128a4, <skwänmane> 128a4, <amācänta> 128a7 (Anaptyxe),
<wärpnātaRˎ> 128b2, <KAre> 128b4, <[y]ärkesa> 128, <MAlkwer> 129a2,
<ṢArmtsa> 129b5, <ṢAPˎ> 129b6 (s. ad MQR229), <TArKAno[yˎ]> 129b6,
<MA(k)oytRA> 129b7, <tRAṅko> 132a3, <ṣu[K]TAñce> 132b5 (Anaptyxe) und
<ñäṣtRA> 132b6 ist /ä/.
182
<[PA]ltsi> 118a2 ist der Inf. von √pält‑ 'tropfen'. Hier wurde <‑lt‑tsi> zu <‑ltsi>
vereinfacht.
<MAlko> 118a6 ist PPt. von √mälk‑ 'zusammenlegen' (Pt.I). Das PPt. sollte /mälka/
lauten. Der Schreiber hat einen Strich auf dem Akṣara <ko> vergessen, da in dieser
Periode noch keine Monophthongierungen entstanden.
<[y]MAssu> 122a6 (ein Hapax, sonst <ymassu>) ist ein Adj. von /yme/ (Nom./Obl.).
<ymessu> ist nicht belegt. <y> könnte ein ursprüglicher Konsonant sein, da
<yämassu> nicht belegt ist. Später wurde dieses <y> zum vokalischen /i/ (belegt ist
<i‑> oder <ī‑>).
Bei <kwiPAssu> 122b2, <taKArṢKAññe> 122a4 und <somo[T]KAññ(e)> 123a2 hat
der Schreiber Fremdzeichen statt Normalzeichen vor Suffixen (und dem <KA> von
<taKArṢKAññe>) geschrieben, d.h. ohne Akzentregeln. Dies könnte eine Eigenart des
Schreibers sein.
Bei der Gemination von <MAsSAkwä> 118a6 (für <PA‑>), <RA[tTAṅ]KA[ṃ]>
118a7 und <MAnnTˎ> 127a2 könnte es sich ebenfalls um individuelle Schreibung
handeln.
<laMAlñe> 123b6 ist ein Hapax. <A> müßte von Ko.V her gesehen /ā/ sein. Ich halte
diese Schreibung wieder für eine individuelle.
<naKAlñesa> 127a6 ist Abstr.II von √nāk‑, dessen Ko. nicht belegt ist, aber dem
Ps.VIIIa zufolge wäre Ko.I zu erwarten. Wenn dieses Abst.II aus dem Ko.I stammt, ist
<A> Ergebnis einer Anaptyxe.
<A> von <āLAṃ> 127a6 und <aLAnmeṃ> 128a2 ist m.E. /ӓ/ im Wort, da /ālo/ als
Variante belegt ist.
183
<ŚAnMAlñe> 128a4 ist ein Abstr.II von √śänm‑. Dem Ps.Xb zufolge müßte ein Ko.X
vorliegen, aber bei <ŚAnMAlñe> gibt es kein sk‑Element. Ein Schreibfehler ist denkbar,
aber es kommen zwei Belege ohne sk‑Element (M170b1, H149.296b4) vor. Wenn diese
Belege richtig sind, ist das Nebeneinander von Ps./Ko.Xb. (vgl. Krause 1952, S. 294, kein
Zitat dieser Form) für diese Wurzel schwer zu beurteilen. Ich nehme an, daß dieses
<ŚAnMAlñe> vom Grundverbum dieser Wurzel gebildet ist, oder das sk‑Element ist
eine Neuschöpfung.
<A> vor <ṢṢAṃ> von <KALPA[Ṣ]ṢAṃ> 132a5 müßte dem Ps.IXaδ zufolge <ā>
sein. Ich sehe darin einen Schreibfehler. Vielleicht hat der Schreiber wegen der anderen
"Fremdzeichen" in diesem Wort (<KA> und <ṢṢA>) <LPA>geschrieben, oder die
Fremdzeichen sind vom Schreiber bevorzugt (s.o.).
<A> von <śloKA[nma]> 132b7 ist Ergebnis einer Anaptyxe. Nach Apokope des Skt.Wortes ist die toch. Pl.‑Markierung /nmā/ angetreten.
MQR234:
a) Paläographische Untersuchung:
b1 <ya> ist normal:
; a2 <ñ> ist halb geschlossen:
nach rechts geneigt geschrieben:
.
b2 <KA> ist oben links verbunden:
; a4 <SA> ist normal:
a3 <u‑> und b2 <ai‑> sind normal:
; b1 <ma> ist oben
; a1 <Śˎ> ist in der Mitte geschlossen:
.
bzw.
184
.
/80/ und
/4/ sind die Blattnummer /84/, die von anderer Hand geschrieben wurde.
b) Linguistische Untersuchung:
1) Diphthonge:
<ai> von <snai> a1, <aika(r)e> b2 und <pelaikne> b3 ist ursprüngliches /a/.
<kolmaiṃ> a3 und <nauntaiṃ> a3 ist Pl.Obl., <‑aiṃ> ist aus Obl.-Formans /‑a/ + /ṃ/
Obl.Pl.-Markierung entstanden.
<cau> a2 ist aus <cew> entwickelte Form.
<au> von <nauntaiṃ> a3 <tākau> b3 ist ursprüngliches /a/.
2) Vokallänge:
<ā>:
<ā> von <wāṣmone> a1, <rṣākeṃ> a2, <mā>, <lkāmcˎ> a4, <lāre> b3 und
<tākau> b3 ist /ā/.
<ū> von <tūsa> a1 ist /u/. <ū> ist altertümlich oder infolge der Betonung geschrieben.
<ā> von <uppā(ln)[t](a)> a3 ist skt. /a/, das außer in H149x5a3 (mit <a>)
durchgehend mit <ā> wiedergegeben ist, das eine gewöhnliche Erscheinung ist (s. ad
MQ588a3).
<a>:
<pal(sk)o> a2 //, <ñakta> a2 /ñäktā/ (//, Vok. /ā/), <tākaṃ> a4 /ā/, <kartse> a4 //,
<yamast> b1 /yāmäst/, <walo> b1 //, <aloKAlymi> b2 /ā/, <yapoy> b4 //.
<a> von <iṣwarka> b4 ist durchgehend so geschrieben. Vielleicht ist das Wort /iṣwrkā/
und wurde als <iṣwarka> verallgemeinert.
185
<ä>:
<ä> und <A> von <ñäŚˎ> a1 und <aloKAlymi> b2 sind ursprüngliches /ä/.
Außer bei <ñäŚˎ> a1 erkenne ich in dieser Hs. die Akzentregel, die eine spätere
Erscheinung ist, aber die Abwesenheit des Virāmakommas deutet auf hoheres Alter.
Diese Promiskuität deutet darauf hin, daß diese Hs. eine Kopie ist.
MQR252‑254:
a) Paläographische Untersuchung:
252b4 <y> ist rechts ornamental, <PA> ist normal:
geschrieben (flach), <‑u> ist leicht gebogen:
ist in der Mitte geschrieben:
; 252a1 <ñ> ist unten hoch
; 252b3 <l> ist unten gerade, <‑ai>
; 252b4 <ś> ist links gekrümmt:
252b3 <Ś> ist in der Mitte geschlossen, <KA> ist normal:
Mitte geschlossen, <PA> ist normal:
innen:
.
; 252b5 <Ṣ> ist in der
; 253b3 <MA> zeigt nur einen Strich
; 252a2 <NA> ist oben rund und hat ein Kreuz innen:
.
<MA> ist in neuer Gestalt geschrieben, aber <NA> ist altertümlich.
254a2 <a‑> ist normal:
; 254b4 <i‑> ist altertümlich:
; 252a3 <au‑> hat neue Gestalt (kein Längezeichen):
254a3 /8/,
; 254a4 <o‑> ist normal:
.
254b4 /2/: Diese Hss. zeigen wegen der Beschädigung nur zwei
Versnummern.
186
b) Linguistische Untersuchung:
Wenn ein Kommentar fehlt, handelt es sich um das ursprüngliche (nicht entwickelte)
Phonem.
1) Diphthonge:
/a/:
<yolaina> 252a2 (Obl.Pl.), <NAkṣeñcai> 252a2 (Vok.), <yaiku> 252a2 (PPt.),
<Ś[KA]maiy[y]ai> 252a3 (/a/ und Obl.), <pelaikne> 252b3 /a/, <tsy[ā]lpat[ai]> 252b4
(2.Sg.), <[ś]aiṣṣentse> 254a4 /a/, <snai> 254b3 /a/, <yaitu> 254b3 (PPt.).
/a/:
<au> von <wināskau> 252a3 (1.Sg.), <kaunn> 252a3 (Subst.), <laute> 254a3 (Subst.)
ist /a/
2) Vokallänge:
<ā>:
<ā> von <wināskau> 252a3, <wsāsta> 252a3 (Pt.I), <piśākā> 252b3 (<‑ka> 252b4),
<tsy[ā]lpat[ai]> 252b4 (Kaus.Pt.II), <PAlskontā> 253b2 (Pl.), <mā> 253b3,
<lkātRA> 254a1 (s. ad MQR124), <ñyātsene> 254a1, <[tā]kaṃ> 254a2, <sān> 254a4,
<TAllān(n)e> 254a5 (Ps.VI) und <kakāccu> 254b4 (PPt.) ist /ā/.
Skt.:
<nivāRAntā> 252a2 /ā/, <tīrttheṃ> 252b4 /ī/, <skw[ä]nmā> 254a2 (Pl.).
<a> (exklusive Pl. und 2.Sg. /stā/) :
<tsy[ā]lpat[ai]> 252b4 (Pt.II) /ā/, <yäsar> 252b5 /ā/, <aRAñcm[e]ṃ> 252a4 /ā/,
<MAntañeṃ> 253b3 /mäntā ñem/ (zwei Wӧrter!), <alyekme[ṃ]> 254a2 /ā/,
<añMAntse> 254a4 /ā/, <kakāccu> 254a4 /ā/.
<ä> und <A> (exklusive 3.Sg.):
187
<ä> und <A> von <yäkne> 252a1, <TArkoṢˎ> 252a1, <ŚAk > 252a2,
<wänTArwasā> 252a2 /wäntärwāsā/, <NAkṣeñcai> 252a2, <Ś[KA]maiy[y]ai> 252a3
(Anaptyxe), <aRAñcm[e]ṃ> 252a4, <KAr[st]o> 252a4, <TAñˎ> 252b2, <yPArwe>
252b4, <ṢPA> 252b4 (s. ad MQ339), <yältse> 252b5, <yäsar> 252b5, <PAlsko>
253b1, <MAntañeṃ> 253b3 (Ps.XII), <eṅKA[t]kre> 254a3, <añMAntse> 254a4
(Anaptyxe) und <TAllān(n)e> 254a5 sind /ä/.
Skt.:
<nivāRAntā> 252a2 (Anaptyxe), <skw[ä]nmā> 254a2 (s. ad MQR224).
<[ru]KṢA> 254a3 ist skt. /rukṣa/, und <‑a> ist apokopiert. Hier sehe ich in <KṢA>
eine altertümliche Schreibung, die in der Zeit, als kein Virāmastrich geschrieben wurde,
gebraucht wurde.
Ich nehme an, daß diese Hss. Kopien sind, weil keine Wirkung der Akzentregel bei /ä/
erkennbar ist und altertümliches <NA> geschrieben wurde. Inhaltlich ist sie ab 254a3
identisch mit MQ255, die ich paläographisch in I‑2/II‑1 eingeordnet habe. Diese Hs.
könnte eine Kopie von MQ255 sein.
MQR256‑260:
Paläographisch ist diese Hss. gleich wie MQR252‑4. Ich untersuche sie nur linguistisch.
1) Diphthonge:
/a/ und /a/ ohne Kommentar sind die ursprünglichen Diphthinge. Wenn früher anderes
als <ai> und <au> geschrieben ist, notiere ich <ey>, <ew> usw.
/a/:
<cey> 256a3 ist altertümliche Schreibung für /ca/.
188
<aikentRA> 256a3 /a/, <(ṣe)maikne> 256a4 /eyä/, <wärñai> 257b3 /a/,
<śconaintse> 258a2 /a/, <w[RA]ntsai> 258a3 /a/ (<wRAttsai> ist möglich),
<anaiwatse> 258b4 /a/, <ai[ś]t[RA]> 258b5 /a/.
/a/:
<kaurṢA[ṃ]ts> 256a4 /a/, <kauc> 257a3 (<ew>), <śaumontse> 258a3 /a/,
<[kly]auṣtsi> 259a2 (<klyauṣtRA> 260a4, <eˎ> oder <ew>), <laupār[e]> 260a3
(Pt.I von √lup‑ /a/), <naumye> 260a4 (<ew>).
2) Vokallänge:
<ā> und <ū> (exklusive Pl.):
<ā> von <lānte> 256a4, <āyorsa> 256b3, <māka> 256b4, <wärpnātRA> 256b4
(Ps.VI), <[ñā]tse> 256b5, <śāmnāṃtSˎ> 257a2 (G.Pl.), <SAswāts> 257a3 (G.Pl.),
<[ś]wāṃ> 257b3 (Ps./Ko.V), <yāMAṢAṃ> 257b4, <prākre> 258a4, <ayāto> 258b3,
<swāre> 259a2, <sāNAṃts> 259a2 (s.o. <sanuññe> 254a3), <[ā]stri> 259b4,
<laupār(e)> 260a3 und <sāmpa(ts)[i]> 260b4 ist /ā/.
<ū> von <pū[d]ñäktentse> 256b3 ist altertümlich oder hyperkorrekt.
<yänmāṢṢA(ṃ)> 258a1 ist ein Ps.Xaδ. Die Form scheint in der Konstruktion /yämnā‑/
(Ko.VI) + /sk/ gebildet zu sein. Wenn dem so ist, ist das s(k)‑Ps. eine Neuschöpfung.
<a> (exklusive Pl. und Perl.):
<ka> 257a3 /ā/, <yaṃ> 257a3 // (Ps./Ko.I), <yaMAṢAṃ> 257a4 /ā/, <ṣmeñca>
257a4 /ā/, <PArskalle> 258b2 /ā/, <anaiwatse> 258b4 /an‑aiwātse/ (von Ps.IV her
gesehen ist dies Ko.V /aiwā‑/), <nta> 260a2 /ā/, <ksa> 260a2 /ā/, <tane> 260a2 //.
In <a> für /ä/ in diesen Hss. kann man das Ergebnis der Akzentregel sehen.
<ayāto> 258b3: wenn <āyātaicce> H149.15b4 (ein Hapax) mit diesem Wort identisch
ist, ist <a‑> /ā‑/. Nach Adams ist <a‑> von <ayāto> "intensive prefix" und
189
<ayātaitstse*> ist "a negative adjective" (nach Hilmarsson "a privative ayātatte*"), und
beide gehören zu √yāt‑ (Adams 1999, p. 21). Von den Belegen (<āyātaicce>
H149.15b4 48 , <ayātaiycceṃ> MQR213a3 49 ) her gesehen paßt die Bedeutung
"untamable" nicht. Ich nehme an, daß <ayāto> ein Nom.Sg. und <ayātai> ein Obl. ist
und /‑tstse/ zum Obl. hingefügt wurde. Ich kann nicht nachvollziehen, daß das Wort aus
√yāt‑ hergeleitet sein soll, und <a‑> "intensive prefix" oder "privative" Präfix ist.
<ä> und <A> (exklusive 3.Sg.Ps.‑Endung):
<ä> und <A> von <[KA]lpāskeṃ> 256a2, <coKAnm[a]> 256a3 (Anaptyxe),
<kaurṢA[ṃ]ts> 256a4 (Anaptyxe), <pū[d]ñäktentse> 256b3, <LAkle> 256b4,
<wärpnāntRA> 256b4, <MAsketRA> 257a1, <PTAnmā> 257a2 (Anaptyxe, <A>
von <PA‑> ist getilgt), <SAswāts> 257a3, <yaMAṢAṃ> 257a4 (Anaptyxe), <osTA>
257a4 (altertümlich, ohne Virāma), <wärñai> 257b3, <posTAṃ> 257b3 (Anaptyxe),
<ŚAk> 257b4, <wänTArwāne> 257b4, <MAske[tRA]> 257b5, <yänmāṢṢA(ṃ)>
258a1 (/nā/ + /sk/ s.o.), <ṢArmtsa> 258a2, <[TAṅ]> 258a5 /tänk/, <PArskalle> 258b2,
<cäñcre> 258b3, <KAlṣmo> 258b4, <KArtKAṢṢAṃ> 259a1, <sāNAṃts> 259a2
(Anaptyxe), <PAlsko> 259a2, <skwäntāsa> 259a3 (/wä/, s. ad MQR224), <RAseRˎ>
259b4 und <TAñ> 260b3 sind /ä/.
<TAnMAskentRA> 256a1 ist /tänmäskenträ/. Nach Krause (1952, S. 98) ist dies Ps.Xaγ,
aber es ist sicherlich nicht Typ γ, sondern β (‑ä‑sk‑). Die Wurzel √täm‑ bildet Ko.III,
Pt.III (ohne /n/) und beim Kaus. kommt /n/ im Stamm durchgehend vor. Es ist möglich,
daß Ps.Xa /tänmäsk‑/ vom Kaus. gebildet wurde.
<[PA]rKAre> 258a4 ist von der Belegen (<PArkr[o]n(a)> Š73b1, <PArkreṃ> Š83.2,
D290.2,
<PArkre>
MQ407a6,
H149add38a1,
<[PA]rKAre>
MQR258a4,
<PArkareṃ> Š562.3, <PArkare> MQ218b3, <PArkare> H149add77b2, niemals
48
Wenn sich <āyātaicce> auf <kartseś> bezieht, ist die Übersetzung 'für das geeignete Gute', nicht 'for
the untamable goodness'.
49
Wenn sich diese Hs. oder Vers 83 mit Udānavarga 19 (aśva)‑14 bzw. Dharmapāda 380 identisch ist, sollte
die Übersetzung 'geeignetes Pferd' sein, d.h. 'gutes Pferd'.
190
<pa‑>) her gesehen /pärkäre/. Dies könnte /pärkär/ + /e/ (Nom.Sg.m.-Markierung) sein,
und /pärkär/ könnte als uridg. *bhereh‑ 'hoch' (Porkorny 1959, S. 140) + ro-Suffix
(Calandsgesetz) analysiert werden (/ä/ von /kär/ wäre Ergebnis einer Anaptyxe).
<weLLAññentse> 258a3 ist /welñentse/. Dies könnte /weñ/ (Ko.VII) + /lle/ (Verbaladj.)
+ /ññe/ (Adj./Abstr.) + /ntse/ (Gen.Sg.) sein, aber /ñlle/ → /llä/ ist wegen /ñ/ und /ä/
schwerlich anzunehmen. Eine andere Möglichkeit ist, /‑l/ (Verbaladj. bildendes Suffix)
statt /‑lle/ anzunehmen, also /weñ/ + /l/ → /well/. Wenn dem so ist, ist dieses <A>
Ergebnis einer Anaptyxe. Eine andere Möglichkeit ist <LLAññe> für /lñe/ anzunehmen,
s.u. <PAlśaLLAññe> 19b4. Ich nehme das letzte vor.
<[w]eRAsse> 258b3 ist fraglich. Diese Schreibung könnte ein mit dem vorhergehenden
<///r> zusammengesetztes Wort <...rweRA> und <sse> (für /se/), oder <…rwe> und
<RAsse> getrennt zu lesen. Auf dem Photo kann ich <rwe> nicht mit Sicherheit sehen.
<‑rtse> ist möglich. Wenn dies /•rtse/ (z.B. /kärtse/) sein sollte, könnte <RAsse> ein
Schreibfehler für /rser/ sein, und nachstehendes <tu sa ve RA • kā (sw.) kre ñc pi a yā
to> könnte /tusa ... kāsw kreñc(e)pi ayāto/ sein, aber ich bin wegen der Beschädigung
nicht sicher.
MQR262‑264:
Paläographisch sind diese Hss. gleich wie MQR252‑4. Nur
262b3 <I‑> möchte ich
kommentieren: <I> wurde in alten Hss. nur mit Virāma unsilbisch benutzt, aber <I>
erscheint hier als Anlautvokal.
1) Diphthonge:
<ai[śai]> 262a2 ist mit √yām‑ kombiniert geschrieben ('wahrnehmen'). Möglicherweise
ist das Wort ein Obl. von /aiśi/, das als Verbalnomen mit /i/ (Krause 1952, S. 49) von
√aik‑ gebildet sein kann. Wenn dem so ist, ist das erste <ai> ein Wurzelvokal, und das
zweite ist Adv.- oder Obl.-Markierung /a/.
191
<maiyas(a)> 263b4 (<ey>), <n[au]Ṣˎ> 263b4 (<ew>).
2) Vokallänge:
<ā>:
<[py]āmtsat> 262a2 /ā/ (Impv.III), <plamās> 262b4 /ā/ (Impv.I), <aknātsañ> 263a4 (s.
ad MQ575a2).
<a>:
<[py]āmtsat> 262a2 /ā/, <plamās> 262b4 /ā/, <añMAntse> 263a2 /ā/, <aknātsañ>
263a4 /āknātsäñ/ (s. ad MQ575a2), <maiyas(a)> 263b4 /ā/, <artalle> 264a2 /ā/.
Teilweise kann man in diesen Hss. die Akzentregel erkennen. Daher halte ich diese Hss.
für Kopien älterer Hss.
Skt.:
<a> von <[ka]ru(ṇa)pra(lāpne)> 263a1 ist skt. /a/.
<ä> und <A>:
<ä> und <A> von <omPAlsko> 262b4, <añMAntse> 263a2 (Anaptyxe),
<KArtseśco> 263a2, <LAkle> 263a3, <cäñcre> 264a2 und <KAskoṣ> 264a3 sind /ä/.
MQR280:
Die Rückseite ist nicht beschrieben (nur Zeilenlinien sind erkennbar).
a) Paläographische Untersuchung:
a1 <y> ist normal:
bzw.
(dreiteilig):
; /ñ/ ist einerseits geschlossen (a1), andrerseits halb geöffnet (a5):
; a1 <m> ist oben geöffnet:
. a5 <ṅ> ist nicht verbunden
192
; a3 <la> ist links nicht verbunden
, <k> ist oben leicht kursiv geschrieben:
a1 <MA> ist eckig:
.
; a1 <ṢA> ist in der Mitte geschlossen und <P> ist eckig,
hier anscheinend mit Virāmastrich geschrieben. <ṢPA> ist auch möglich:
<SA> ist normal:
a5 <e‑> ist links lang:
; a3 <KA> ist links in der Mitte nicht kontinuierlich:
; a2
.
; a2 <o‑> ist dreiteilig und in einer Linie geschrieben:
.
a1 /21/,
a3 /22/,
a5 /23/: Die Versnummer /21/ ist nicht gewöhnlich
geschrieben (/1/ unter /20/), vielleicht unter Einfluss von /22/. /23/ ist normal geschrieben.
Wegen der Promiskuität der Schreibungen nehme ich an, daß diese Hs. eine spätere
Kopie ist.
Kein Virāmastrich (außer bei <ṢAPˎ> s.o.) kommt vor. Das deutet darauf hin, daß das
Muster noch keinen Virāmastrich besaß (I‑2?).
b) Linguistische Untersuchung:
1) Diphthonge:
Nur <s[n]aukī> a5 ist belegt. <au> ist aus <ew> entwickelte Schreibung.
2) Vokallänge:
<ā>:
<ā> von <yänmān> a1 (Ko.VI), <mā> a1, <orotsā> a1 (Adj.f.), <tusāksa> a3 (Perl.),
<kā> a3 und <akāLKˎ> 280a4 ist /ā/.
<ī> und <ū>:
193
<ī> von <ī[k]e> a1, <KA[ṣṣ]īntse> a4 (s. ad MQR229 und MQ600.) und <s[n]aukī>
a5 ist /i/, das eine altertümliche Schreibung oder späteres akzentuiertes /i/ darstellt.
<ū> von <pūdñäKTAññe> a5 ist /u/, als altertümliche Schreibung.
<a> (exklusive Pl.):
<a> von <(o)nuwaññe> a1, <ra> a2 <tusāksa> a3 und <akāLKˎ> 280a4, ist /ā/.
<a> von <postaṃ> a4 ist betontes /ä/, (Adv., die Endsilbe betont).
<ä> und <A>:
<ä> und <A> von <yänmān> a1, <MAnte> a1, <ṢAPˎ> a1 (s. ad MQR229),
<LAklenta> a2, <KArtse> a3, <TAñˎ> a4 und <KAtkoṣepi> a4 sind /ä/.
<A> von <pūdñäKTAññe> a5 ist (Hapax) unverständlich, vielleicht liegt ein
Schreibfehler vor. Der Schreiber hat wegen <K> darunter <TA> geschrieben. Die
normale Schreibung dafür wäre <kte>. Es ist auch möglich, daß diese Schreibung eine
Eigenheit späterer MQ(R)-Hss. ist (s. ad <[y]MAssu> 122a6).
<SAkw> a2 (s. ad MQR224) ist eine altertümliche Schreibung.
MQR285:
a) Paläographische Untersuchung:
a3 <y> ist normal:
; a1 <ñ> und <m> sind halb geschlossen:
a6 <ṢA> ist in der Mitte geschlossen:
.
; a4 <NA> ist oben nicht ganz rund:
. In dieser Hs. kommt das Virāmakomma vor.
194
b4 <a‑> ist normal:
geschrieben):
; b6 <e‑> ist oben ornamental (von oben beginnend nach links
; a7 <o‑> ist normal (zweiteilig):
a2 /4/ ist unten rechts mit Halbkreis geschrieben:
.
; a6 /10/ ist links nicht verbunden
(neue Form), rechts wie <ya> verbunden, /6/ ist normal:
geschrieben:
; b1 /7/ ist zweiteilig
.
b) Linguistische Untersuchung:
1) Diphthonge:
<kauṢAlents.> a6 /a/ (Ps.VIII), <cai> (Pron. früher /cey/), <yokaiṣṣe> b6 /a/ (Obl.).
2) Vokallänge:
<ā>:
<ā> von <āñm> a1, <(pa)pāṣṣorññe> a5 und <yärkesā> b5 (Perl.) ist /ā/.
<a>:
<a> von <ṢArmtsa> a2 (Perl.), <trementsa> a3 (Perl.), <naKAnmampa> b1 (Wz.,
Pl., Kom.), <ñäkta> b2 (Vok.) und <ramTA> b7 (Partikel) ist /ā/.
<ä> und <A>:
<ä> und <A> von <ṢArmtsa> a2, <kauṢAlents.> a6 (Anaptyxe), <naKAnmampa>
b1 (Anaptyxe), <yäLʾˎ> b2, <ñäkta> b2, <wärKṢALʾˎ> b4 und <yärkesā> b5 sind /ä/.
<ä> und <A> von <kreñcä> a7, <kesTA> b6 und <ramTA> b7 sind unsilbisch
(ohne Virāmastrich). Das ist ein Rest der älteren Schreibung oder metri causa.
MQR291:
195
a) Paläographische Untersuchung:
a2 <y> ist normal:
; a2 <m> ist normal, <ñ> ist geschlossen:
links stark gekrümmt:
.
b1 <K> und <TA> sind normal:
; b2 <ṢA>
; a2 <śa> ist
und b6 <ŚA>
ist
in der Mitte geschloseen.
a2 <ā‑> ist normal:
links geschrieben):
; a4 <e‑> ist oben ornamental (von oben beginnend nach
; b6 <o‑> ist normal:
oder früheres <o‑> + Längezeichen):
/50/,
; a3 <au‑> ist altertümlich (mit <w>
.
/5/: Die Blattzahl /55/ ist von anderer Hand geschrieben.
a5 /32/ ist normale Versnummer:
.
b) Linguistische Untersuchung:
1) Diphthonge:
/a/:
<au> von <anautac[c]> a2, <aurcc> a3 (früher <eˎ> MQ248a2), <weskaune> a4,
<śauLˎ> a6 und <kraupe[ṣṣe]> b3 ist /a/.
/a/:
<ai> von <[ai]śamñesa> a2, <snai> a5, <pelaikneṃts> b3 ist /a/.
<ṣai> b4 ist 3.Sg.Impf von √nes‑. Frühere Schreibungen sind <śey> bzw. <śeɪˎ>.
Skt.:
196
<nrai> a5 (s. ad MQR143).
2) Vokallänge:
<ā>:
<ā> von <[y]ś[ā]mna> a1, <k[ā]tsāmeṃ> a1, <yāmornts> a2, <mā> a2, <āroy> a2,
<[yä]nmā(tsi)Śca> a3 (Ko.VI), <āke> a4, <tSAlpātRA> a4 (Ko.V), <l[k]āṢṢAlle> a6
/ā/ (s. ad MQR124), <yāmṢAṃ> b2, <papāṣṣorñeṣṣe> b5, <āstreṃ> b5 und
<ŚAktālye> b6 ist /ā/.
<ū> von <sū> b1 und <tūsa> b5 ist /u/, das eine altertümliche Schreibung oder ein
späteres akzentuiertes /u/ darstellt.
<ī> kommt nicht vor. <cwi> a6 und <cpi> b2 kommen nebeneinander vor. Diese
Erscheinungen deuten darauf hin, daß diese Hs. nicht alt ist.
Skt.:
<ā> von <nervā[ṃ]> b1 ist skt. /ā/.
<ā> von <ṣamāññe> b2 ist skt. /a/, das durchgehend (außer in H149add19a6 <a>) mit
<ā> (etwa 217x) geschrieben wurde. Das Wort stammt aus dem Skt. /śramaṇa/ + toch.
/ññe/. Von <ṣ> ← skt. /śra/ her gesehen ist das Wort eine prakritisierte Form (z.B.
Gāndhārī <ṣamaṇo> Brough 1962, p. 309), aber <ā> ist schwer zu beurteilen. Eine
Möglichkeit ist, daß das Wort nach dem Entstehen der Akzentregel entlehnt wurde. Eine
andere Möglichkeit ist, daß das Wort aus /śrāmaṇya/ (z.B. Gāndhārī <śamaña>) herkam,
wobei erstes <ā> und zweites <a> wegen der Akzentregel im B-Toch. zu <a ... ā>
geworden und verallgemeinert ist. Ich ziehe die letztere Lösung vor.
<a> (exklusive Perl., Pl. und All.):
<TArya> a1 /ā/, <ñaśˎ> (<ñäś>) a2 //, <anautac[c ai]> a2 Priv. /ā/ (Ko.V), und /ā/
(Ko.V), <ya[MA]ṢṢAṃ> a3 /ā/, <TAnmastRA> a4 //, <ṣañ> a6 //, <ṣa[Pˎ]> a6 //,
<[a]starya> b4 /āstäryā/, <papāṣṣorñeṣṣe> b5 Reduplikationssilbe.
197
<a> für /ä/ ist auf Grund der Akzentregel oder durch nachlässige Schreibung entstanden
(z.B. <ñaśˎ> und <ñäś> a2).
<parśit> a2 ist der Opt. von √prek‑ 'fragen'. Der Stamm mit /e/ zeigt sich bei Ps., Ko.
(<parKAnme> Š7a2 ist vielleicht ein Schreibfehler) und Pt., sowie bei Impv., Ger.I,
Opt., PPt., und nur der Ko. zeigt den Stamm mit /ä/. Wenn die toch. Wurzel auf idg.
*pk‑ zurückgehen sollte, ist /ä/ original, und /e/ könnte in den Stämmen der finiten
Formen ein Ablaut im Toch. sein. Ein Grund dafür wäre eine Differenzierung zu √pärk‑
'aufgehen'.
Skt.:
<a> von <śilaṣṣ[eṃ]> a5 ist // (Anaptyxe, skt. /-a/ ist apokopiert), <i> ist skt. /ī/. Hier
wirkt die Akzentregel.
<a> von <ṣamāññene> b4 ist skt. /a/ (s.o.).
<ä> und <A>:
<ä> und <A> von <TArya> a1, <ñäś> a2, <pKAnte> a3, <ya[MA]ṢṢAṃ> a3
(Anaptyxe), <TArreK> a4, <tSAlpātRA> a4, <TAnmastRA> a4, <KArtseśco> a5,
<lkāṢṢAlle> a6 (Anaptyxe), <ŚAktālye> b6, <LAlñene> b6 und <os[TA]meṃ> b6
(Anaptyxe) sind /ä/.
MQR314‑317, 319‑320:
Diese Hss. sind paläographisch ähnlich wie MQR321‑322, die ich oben der Periode
I‑3/II‑1 zugeordnet habe. Eigentlich sollte ich sie gemeinsam beschreiben, aber ich
möchte sie hier noch einmal unter II‑1 erörtern, weil ich einige fehlerhafte Schreibungen
diskutieren möchte. Jedenfalls ist die genaue Periodisierung schwierig.
a) Paläographische Untersuchung:
198
329b4 <y> ist mit etwas länger Linie in der Mitte einigermaßen altertümlich:
315a4 <ñ> ist geöffnet:
;
; 317a6 <n> ist im Vergleich mit <t> eher flach (beide
links nach unten geneigt), <m> ist oben geöffnet (altertümlich) und <i> ist hoch
gezogen (später):
, 315b1 Die rechte Seite von <s> ist nicht stark verbunden (wie
eine senkrechte Linie), <k> ist links in der Mitte stark geneigt, was ich in späteren Hss.
oft sehe:
.
315b3 <TA> ist oben flach:
; 315b1 <KA> ist oben links nach links gezogen und
in der Mitte zusätzlich verbunden:
in der Mitte geschlossen:
317a1 <ā‑>
, 320b7 <i‑>
links stark nach unten gezogen:
; 317a7 <MA> ist eckig:
; 317a5 <Ṣ> ist
.
und 315a5 <o‑>
sind normal; 315a5 <ai‑> ist
. Außer <ai‑> sind die Vokalakṣaras sehr ähnlich
wie in MQR281 (Periode I‑3).
320b5 /3/,
/10/,
317a3 /5/,
314a7 /7/,
314b1 /8/,
320a5 /9/,
320a6
316b7 /13/: Die Versnummern sind normal. Bei /10/ zeigt sich eine neue
Form.
Zu Bezug auf den Virāma sind diese Hss. fehlerhaft, z.B. <kä> ohne Virāmastrich oder
<stˎ> "Normalzeichen" mit Virāmastrich.
Auf <TA> von <āKṢTA> 317a1 kann man ein Virāmakomma (wie /1/) erkennen. Ich
sehe einen unsicheren Virāmastrich zwischen <KṢA> und <TA>, und auch zwischen
<TA> und dem nächsten Akṣara, das nicht <RA> ist. Ich halte diese Schreibung für
einen Fehler, denn das Virāmakomma war damals schon vorhanden (bei <Rʾˎ> 319a4,
199
nur ein Punkt), und wegen des Originals, das kein Virāmakomma zeigt, hat der Schreiber
außer bei <Rʾˎ> und auf <TA> (s.o.) kein Virāmakomma geschrieben.
b) Linguistische Untersuchung:
1) Diphthonge:
/a/:
<aiytRA> 315a5 (mit <y> ist ein Hapax) ist Ko.I von √ai‑ und der Ko.‑Stamm ist /āy‑/
(s. ad MQR281). Hier sehe ich in <y> eine hyperkorrekte Schreibung.
<ai> von <snai> 316a1, <[p]itait[se]> 316a1 (Obl.), <aiṢṢä> 317b3 (<ṃ> und
Trema sind verwechselt) und <ai> 319a6 (für <aiṃ>) ist /a/.
/a/:
<au> von <nau[Ṣˎ]> 315b4 (<ew/eˎ>), <klautKä> 317a2 und <wawlāwau> 320b7
(PPt.) ist /a/.
Skt.
<samai> 319b3 ist skt. /samaya/. Skt. /ay/ wurde zu /a/, aber skt. /āy/ blieb als <āy>, wie
skt. /upāya/ zu <upāy>. Ich sehe darin eine phonologische Regel im Toch.
<pātrai> 319a6 ist Obl: skt. /pātra/ wurde zu <pātro> Š337b5 (Hapax), und hier liegt
der toch. Obl. /‑a/ vor.
<ā>:
<ā> von <lāwä> 316a2 (Ko.V von √lu‑, hier fehlt der Anusvāra), <mā> 316a5,
<āKṢTARˎ> 317a1 (s.o.), <tākä> 317b5 (<takä> 317b4, für <tākaṃ> Anusvāra und
Trema verwechselt) und <wawlāwau> 320b7 (PPt.) ist /ā/.
Skt.:
200
<ṣamāne> 314b4 skt. /a/ (s. ad MQR291), <tanāpate> 315a6 /dānapati/, <pātrai>
319a6 /ā/ (s.o.).
<pā> 317b3 ist die Abkürzung von /pāyti/. Nach Adams (1999, p. 366) ist /pāyti/ "the
pātayanika‑sin (recte pātayantikā) from some Prākrit". Ich zitiere hier Edgerton (1953, p.
340): "Lévi points out the phonetic difficulty of deriving Pali pācittiya from BHS
prāyaścittika, and proposes an orig. *prākcitta plus ‑ika, thru *paccittika to pāci, la
pensée en avant, = either (des actes commis) avec précipitation, or qui précipitent (aux
enfers). He cites a Tocharian loan pāyti, which he says goes back to pāyantika. It is
obvious that the orig. form and mg. of the word can not be confidently reconstructed".
Ich nehme dennoch an, daß /pāyti/ eine Abkürzung des Skt.-Wortes ist, weil /pā/, /y/ und
/ti/ in /pāyantikā/ (für Mūlasarvāstivādin) oder /pātayantikā/ (für Sarvāstivādin) 50
semantisch wichtig waren, und meistens man noch gekürztes <pā> dafür geschrieben
hat. Ich vermute, daß das chinesische Wort 波逸堤 (modernes Chin. bōyìdī) aus Toch.
entlehnt wurde. Eine andere Mӧglichkeit ist, daß das Wort durch Gāndhārī
hergekommen ist, wobei /c/ zu /y/ werden kӧnnte (mündliche Mitteilung von Prof.
Salomon): Prāk. /pācatika/ → Gāndh. /payati’a/ → Toch. /pāyäti/ (toch. Phonem /ā, ä/) →
/pāyti/ (Schwatilgung). Wenn dies richtig wäre, kӧnnte /pā(ta)yantikā/ ein hyperkorrektes
Sanskritismus oder "bad back formation" sein, wobei /-ta/ zu /pā-/ hingesetzt war, um
semantisch deutlicher zu machen (/pāta/ 'Sturz', mündliche Mitteilung von Prof.
Enomoto).
<prastrāṃ> 316b3 ist skt. /prastaraṇa/ (vgl. Thomas 1953 S. 210 Ftn. 18). Die erste und
dritte Silben sind übrig geblieben. Darin sehe ich eine Akzentregel für ein viersilbiges
Wort, und zwar eine Reihe "betont - unbetont - betont (- Apokope)". Dies wäre ein
ähnliches System wie die Vokalbalance in A-Toch., aber die Belege (Wörter mit mehr als
vier Silben) sind zu wenig, um das genau zu bestimmen. Eine Akzentuierung oder
Dehnung der vorletzten Silbe vor der Apokope ist eine gewöhnliche Erscheinung für
Skt.-Lehnwörter.
50
Vgl. Hirakawa 1999, Ritsuzou no Kenkyū I (律蔵の研究 Forschung von Vinayapiṭaka), p. 182.
201
<a>:
<skaraṃ> 314b1 /skārāṃ/ (Ko.V), <tarya> 315a4 (<TArya> 316a4) /täryā/, <olyapo>
a5 //, <wastsi> 315a5 //, <yaskastRA> 315b1 /yāskäs-/, <arkwina> 316b5 /ā/,
<allek> 316b6 /ā/, <[a]laṢṢA[ll]e> 317a2 /ā/, <yamaṢṢAn[ne]> 317a5 /yāmäsk‑/,
<mant> 317a6 //, <lare> 317a6 /ā/, <ksa> 317a7 /ā/, <paRä> 317b4 ein Fehler für
/päräṃ/ (Ps.II von √pär‑), <takä> 317b4 /tākäṃ/ (s.o.), <kca> 317b7 /ā/.
<a> von <waTˎ> 315b3 ist dem <wät> (MQR135b8 und H149add110b1) zufolge /ä/.
Skt.:
<sa> 314b1 (für /saṃghāvaśeṣā/), <ṣamāne> 314b3 /a/ (s. ad MQR291), <tanāpate>
315a6 (s.o.), <prastrāṃ> 316b3 (s.o.). <[ka]ppi> 317b7 ist BHS /kalpya/51.
<ṣamanmire> 317a6 ist Skt. oder BHS. /śrāmaṇera/ (s. ad <ṣanmiretse> 317b2). <ṣ>
ist durch /r/ bedingt (/śr/ → [ṣ], s. ad <ṣamāññe> MQR291b2). Das Wort ist ein Schreibfehler für <ṣanmire>, wobei der Schreiber <ṣamane> und <ṣanmire> promiscue
geschrieben hat.
<ä> und <A> (exklusive 3.Sg.):
<ä> und <A> von <KAlpormeṃ> 315b1, <TArya> 316a4, <rSAṢṢA(lle)> 316a4
(Anaptyxe), <[KA]l(l)aṃ> 316a5, <TArkoṢˎ> 317a5, <MAske[t](RA)> 317a7,
<klät> 317b2 (für <klautKä>), <ṣñätsa> 317b3 (für <ṣäñ ṣärsa>), <PAstˎ> 317b5,
<[ai]ṢṢAlle> 317b5 (Anaptyxe), <KAlkalle> 319b1, <KArtse> 320b2, <yamaṢAle>
320b3 (Anaptyxe) und <KA[s]koRˎ> 320b5 sind /ä/.
51
Vgl. Edgerton 1953, p. 173. Die Bedeutung ist 'suitable, proper'. Pāli kappiya bedeutet 'erlaubt' (Mylius
1997, S. 129.). Die Negativbildung <akappai> bedeutet 'unerlaubt' (Mylius 1997, S. 13), nicht 'impurity'
(Adams 1999) oder 'Unreinheit' (TEB II, S. 161). Wenn man diese Bedeutung annimmt, kann man den
Text hier (Prātimokṣasūtra) inhaltlich nicht verstehen.
202
<ä> (Trema auf dem Akṣara) von <lāwä> 316a2, <klautKä> 317a2, <weṢṢä> 317a6,
<aiṢṢä> 317b3, <paRä> 317b4, <tākä> 317b5 und <ai> 319a6 vertritt den Anusvāra
(<ṃ>, <aṃ> oder <äṃ>).
<alaṃ[Ṣ]ṢAll(e)> 317b1 ist ein Schreibfehler für <aläṢṢAlle>. Der Schreiber hat hier
wie oben fälschlich einen Punkt statt zwei Punkten geschrieben. Diese Verschreibung
(Trema und Anusvāra) haben Sieg/Siegling (Thomas 1953, S. 203‑5) nicht vermerkt.
MQR336:
a) Paläographische Untersuchung:
a2 <y> ist normal:
; b6 <ñ> ist geöffnet:
; a7 <ma> ist normal:
.
a3 <Ṣ> ist in der Mitte geschlossen:
a4 <a‑> und
; a6 <ś> ist links gekrümmt:
; a4 <TPA> ist normal:
.
b4 <i‑> sind normal; a3 <e‑> ist oben dick (von oben
beginnend nach links geschrieben:
; a7 <ai‑> ist normal:
.
Die Blattzahl /190/ ist gestrichen: , und danach doch /19/ ersetzt (emmendiert). Die
Zahl /10/ ist spätere Graphie:
.
a6 /30/: Diese Nummer ist zwischen zwei Doppeldaṇḍa geschrieben. Es handelt
sich wahrscheinlich um eine Kapitelnummer. b6 /60/ ist eine Absatznummer:
203
.
b) Linguistische Untersuchung:
1) Diphthonge:
<au> von <śaultsa> a4 und <weskau> b3 ist /a/.
<ai> von <wärñai> a4, <waikesa> a6 und <aiśtRA> a7 ist /a/.
2) Vokallänge:
<ā> und <ī>:
<ā> von <yāmttRA> a1, <mā> a2, <tākaṃ> a4, <śwātsiścä> a5 und <tetkāKˎ> b2
ist /ā/.
<ī> von <trīwaṢṢAṃ> a3 ist /i/. Die Belege mit /trīw‑/ sind 5x, dagegen die mit /triw‑/
12x bezeugt. Ich sehe in <ī> eine altertümliche Schreibung. Vielleicht war <ī> im
Original so geschrieben.
Skt.:
Vokale von <yāvajīvi///> a2 und <anāpatti> b5 sind wie im Skt.
<śikṣāpā(Tˎ)> a6 ist skt. /śikṣāpada/. <ā> der dritten (vorletzten) Silbe in Skt. ist vor
der Apokope betont, und die zweite Silbe ist skt. /ā/.
<a> (exklusive Kom., Perl.):
<yaMAśśAlle> a1 /ā/, <trīwaṢṢAṃ> a3 //, <tākaṃ> a4 /ā/, <weskemane> a7 /ā/,
<wanTAre> b4 //, <cimpa> b6 (für /cämpa/ oder /cämpṣmñe/?), <waTˎ> b6 //.
<a> tritt in dieser Hs. neben /ā/ und /ä/ auf. Der Grund ist Nachlässigkeit des Schreibers,
die Akzentregel oder Nachahmung der Vorlage, z.B. <wanTAre> für /wäntäre/. Der
Schreiber hat vielleicht das Trema auf <wa> vergessen, und die Vorlage wies das
Fremdzeichen <TA> auf.
Skt.:
<a> von <atiṣṭhit> a1 ist skt. /a/.
204
<ä> und <A> (exklusive 3.Sg., Kaus. /ä/ vor /sk/):
<yaMAṢṢAlle> a1 (Kaus. und Anaptyxe), <eKAlym(i)> a3 /ä/, <ṢPA> b2 (s. ad
MQ339), <wanTAre> b4 (s.o.), <PAlskosa> b5 /ä/, <yäMA(ṢṢAlle?)> b6.
<ä> von <śwātsiścä> a5 ist unsilbisch. Ich erkenne darin eine altertümliche Schreibung,
die aus der Vorlage übernommen sein könnte.
MQR365:
a) Paläographische Untersuchung:
a1 <y> ist normal:
; a5 <ñ> ist geöffnet:
b6 <ma> ist oben halb geöffnet:
; b5 <ś> ist links gekrümmt:
;
; a2 <ṅ> ist nicht verbunden, <Ks> ist normal:
; b3 <kh> ist wie <ai‑> geschrieben (abgesehen von der linken Seite), <wa> ist
leicht eckig:
.
b7 <ŚA> ist in der Mitte geöffnet, vielleicht war das Muster so geschrieben:
<Ṣ> ist entwickelte Form, <P> ist recht spitz:
; a1 <MA> ist normal:
; b6
; b2 <KA> ist unten gerade:
; a2 <TA> ist oben rund (normal):
.
b5 <a‑> Die senkrechte Haste ist etwas kurz:
; b6 <i‑> ist altertümlich:
<ˎ> ist normal:
; a1 <o‑> ist normal:
; b4 <e‑> ist links lang:
.
Paläographisch sind alte und spätere Formen in dieser Hs. promiscue geschrieben.
b) Linguistische Untersuchung:
205
; a1
1) Diphthonge:
/a/:
<cey> a7 ist altertümlich, möglicherweise schon im Original so geschrieben.
<ai> von <cceṣṣaiknesa> a1 (für /ce ṣp aknesa/), <nai> b1, <paiyn(e)> b4 und
<wärñai> b5 ist /a/. Für <aiy> von <paiyn(e)> s. ad MQR228.
/a/:
<ew> bzw. <eˎ> von <ceˎ> a1, <klyeˎṣtr> a1, <neˎṣ> a2, <[p]ly(e)ˎ[sa]> a3,
<keˎcä> a3 (Virāmastrich fehlt), <winās[k]e()ˎ> b4 und <krentewna> b4 ist älteres
/e/. Hier könnte schon im Original altertümlich so geschrieben sein.
<au> von <śaumo> b2, <skāyau> b6 (Ko.V) ist ursprüngliches /a/.
2) Vokallänge:
<ā>:
<ā> von <śamnā> a1 (Pl.), <āṣtsā> a2 (/ā/ und Perl.), <rāmTA> a3, <tāṣṣatsisa> a4,
<TAṅwsā> a2 (Perl.), <rītāte> a5 (Pt.I), <yāmṣāre> a6 (Pt.IV), <ly[u]kāme> a7
(Pt.I), <śtwāra> a7, <alāLAtte> b2, <yāmi> b2, <ṢArmtsā> b3 (Perl.), <KAllālle>
b3 (Ko.V), <aknātsaññe> b5 (s. ad MQ575a2), <śāmñe> b5 (s. ad MQR246),
<y[ā]twa> b6 (Pt.II von √yät‑), <mā> b6, <skāyau> b6 (Ko.V von √skai‑),
<[l]k[ā]ts(i)> b6 (s. ad MQR124) und <ŚAktāllye> b7 ist /ā/.
<śvālmeṃ> b3 wäre eine altertümliche Schreibung (s. ad MQR135). Demnach ist diese
Hs. eine Kopie.
<winās[k]e(ˎ)> b4 ist m.E. ein Denominativum /winā/ + /sk/. Es existiert /wināññ‑/ als
denominales Verbum (nicht /win‑āññ‑/ wie bei Krause 1952, S. 291), das ein
Zustandsmedium ist. Demgegenüber könnte /wināsk‑/ eine faktative Bildung darstellen.
206
<yonwā> a5 ist nach Krause (1952, S. 274) Pt.III von √yäm‑/yom‑, und diese Wurzel
bildet Ps.Xa und Ko.VI (die einzige Ko.I-Form <yonMAṃ> S432 a2 ist wegen der
Beschädigung nicht mit Sicherheit beurteilbar). Wegen des /n/ könnte dieser Stamm auf
Ko.VI zurückgehen und verallgemeinert worden sein. Die Wurzel kann aber auch
/yänm‑/ (/yonm‑/ ist Ablautstamm für Ko./Pt.) sein, da /yäm‑/ niemals vorkommt.
Hingegen kommt /n/ bei √yäp‑, yop‑ nur im Ps. /yänmṣṣäṃ/ vor, das in Opposition zum
Kaus. /ypäṣṣäṃ/ steht. Der Ps.‑Stamm ist vom Kaus. (+ /n/) gebildet, und der Akzent
zeigt den Unterschied zwischen Gv. und Kaus.
<ū> von <[p]ūdñäktesa> a2 (<pud> a6) und <ṣūkt> a2 ist /u/, was m.E. altertümliche
Schreibung ist.
<ī> von <rītāte> a5, <wakītsana> b4 und <kwīpesa> b5 ist /i/, was m.E. altertümliche
Schreibung ist, wie <ū>.
Skt.:
<ā> von <uppālnta> a2 (s. ad MQR234), <akāśne> a3 (s. ad MQR333),
<[ṣa]māññe> a5 (s. ad MQR291) und <nirvvāṃṣṣeṃ> b3 (zu <rvv> s.u.) ist skt. /ā/;
<ī> von <śarīrntatsˎ> b3 ist skt. /ī/.
<kṣāttre> a2 ist skt. /chatra/ (Pāli /chatta/). Im Toch. und Khot. schrieb man das Wort
durchgehend <kṣāt(t)re>. Das Problem <kṣ> oder <ch> wird im Aufsatz von Bailey
"Gāndhārī" (Opera Minora Vol. II, p. 299 ff.) ausführlich besprochen. Wegen /kṣ/ nehme
ich an, daß das Wort ein Lehnwort ist. Gāndhārī käme als Lehngeber in Frage, da Toch.
und Khot. beide <kṣ> zeigen. Wenn dem so ist, ist das problematische GāndhārīZeichen (oben geöffneter halber Kreis mit senkrechter Haste) phonetisch [kṣ], nicht [ṭṣ],
wie Bailey mit Chin. 刹 chà E. tʂʰait/tʂʰɛːt (Pulleyblank 1984, p. 47) vergleichend
agenommen hat. Dieses Problem ([kṣ] vs. [ch]) entstand aber nur bei diesem Wort,
deswegen kann es nicht phonologisch diskutiert werden.
Eine andere Möglichkeit ist sog. "bad back formation" <ch‑> → <kṣ‑>, aber wegen der
Singularität des Phänomens bleibt das unsicher.
207
<ā> von toch. <kṣāttre> ist erklärungsbedürftig. Eine Möglichkeit wäre eine
hyperkorrekte Schreibung für skt. /a/ oder die Einsetzung des toch. Phonems /ā/ für skt.
/a/ (mehrmals toch. <a> für skt. /a/).
Die Gemination vor <r> ist wahrscheinlich schon im Skt. vorhanden gewesen und der
Schreiber hat vor <r> analogisch <tt> geschrieben. In Zentralasien gab es damals
Mischungen vieler Elemente, und ich sehe in diesem Wort ein Beispiel dafür.
<ā> von <ś[ā]k[k]yamuni> a6 ist skt. /ā/, wenn dies so richtig gelesen ist.
<ā> von <cāKKARˎ> b4 ist skt. /a/. Skt. /cakra/ wurde apokopiert zu /cakr/. <KK> ist
direkt neben /r/ entstanden, deswegen ist die Schreibung <AR> später entstanden.
In dieser Hs. kommt <ā> für skt. /a/ oftmals vor. Diese Schreibung könnte dem
Schreiber selbst, der Schule oder der Zeit zuzuschreiben sein.
<a> (exklusive Perl. und Pl.):
<śamnā> a1 /ā/, <karpa> a4 /kārpā/ (Pt.I), <katkemāne> a4 /ā/, <śtwāra> a7 /ā/,
<kacenmeṃ> a7 (?), <lyaka> a7 /lyākā/ (Pt.I), <yarke> b2 // (<yärke> a6),
<alāLAtte> b2 Priv., <epyac> b4 /ā/, <aknātsaññe> b5 /ā/, <taññe> b5 //,
<y[ā]twa> b6 /ā/ (Pt.II), <nta> b6 /ā/, <kca> b6 /ā/, <ñäskemar> b6 /ā/ (1.Sg.),
<tañˎ> b6 //, <[ña]kta> b7 /ā/ (Vok.).
<a> von <[MA]ntak> b2 ist //, das ich von den alten Belegen (<MAnTAk>
MQ273a1, MQR587b3 I‑1) her gesehen für das Ergebnis einer Anaptyxe zwischen /mänt/
und /k/ halte, aber <MAnta> ist viermal (MQR230b1, MQ284b5,b6 II‑1, MQ295a7 I‑3)
belegt. Ich vermute, daß dieses /ä/ (Anaptyxe vor /k/) durch Akzentuierung der Endsilbe
bei Adv. zu <a> verallgemeinert wurde. /‑k/ konnte kolloquial ausfallen, wenn es
semantisch nicht wichtig war, und <-a> ist geblieben.
Skt.:
<a> von <suma(ti)> a5 und <cintaman(i)> b3 ist skt. /a/.
208
<ä> und <A>:
<ä> und <A> von <ñäś> a1, <PAlskomeṃ> a1, <yärpo> a1, <TAṅwsā> a2,
<ṢAñ> a4, <pudñäkte> a6, <MAkte> a7, <PArlle> b1, <KArtse> b2, <ṢArmtsā>
b3, <KAllālle> b3, <TAñ> b4, <wärñai> b5, <cämel> b5, <ñäskemar> b6, <ṢPA>
b7 (<ṢPˎ> b6, s. ad MQ339), <mänt> b7 (s.o.) sind /ä/.
<ä> (das Trema auf dem Akṣara) von <MAsketRä> a1 und <tSäl[p]elye> a7 ist
überflüssig, und bei <keˎcä> a3 konnte der Schreiber wegen <ˎ> nicht <cˎ>
schreiben. Wenn er metrisch eine Silbe gebraucht hätte, hätte er <‑co> schreiben
können.
<yä> von <yäprene> a3 ist altertümlich.
<alāLAtte> b2: √lāl‑ bildet Ps.IX und Pt.I, und Ko. ist nicht belegt. Von der
Kombination des Paradigmas und <alāLAtte> her gesehen mußte der Ko. zur Klasse I
gehören, aber der Inf. ist <lalyitsi> S580a2 (Hapax), was m.E. eine Analogie zum
Substantiv <lalyi> oder zum Pt.‑Stamm /lāly‑/ darstellt. Wenn dem so ist, ist der
Ko.‑Stamm /lāl‑/, und der Ps.‑Stamm ist /lāl/ + /sk/ (/lālskemāne/ H149.42b3).
<RAmTA///> b4: √räm‑ bildet nach TEB (S. 231) Ps.VI, Ko.V und Pt.I. Nach Krause
(1952, S. 278) ist dies Kaus. (?) Ko. rämtä(r), aber ich finde kein Kaus. beim Ko.V. Wenn
es einen Kaus.Ko.-Stamm gäbe, sollte er /rämā‑/ lauten. Wegen der Beschädigung kann
man nicht feststellen, ob es sich hier überhaupt um eine Verbalform handelt.
Skt.:
<pTAnmameṃ> b1: /pӓt/ 'stūpa' vertritt skt. /buddha/. Skt. /u/ konnte zu toch. /ä/
werden, wie bei /säk/ aus skt. /sukha/. Hier ist dieses /ä/ synkopiert worden und vor dem
Pl.‑Suffix ist /ä/ eingetreten (Anaptyxe). Eine Methatese (<PAT> zu <PTA>) ist nicht
denkbar, weil Metathesen im Toch. nicht bei Verschlußlaut eintreten.
209
MQR388‑390:
a) Paläographische Untersuchung:
388a2 <y> ist normal, <ś> ist links nicht stark gekrümmt:
; 388a5 <m> ist oben
geöffnet, <ñ> ist geöffnet und die untere Linie hoch geschrieben:
unten flach und zweiteilig geschrieben:
wie <ś> gestaltet:
; 388a6 <la> ist
; 389a1 <ṅ> ist links verbunden, <ga> ist
.
389a7 <ṢA> und
388a3 <ŚA> sind in der Mitte geöffnet; 389a4
<PA> ist eckig und die senkrechten Linien sind verdickt:
rund und das Kreuz innen ist nicht gut erkennbar:
; 389a3 <NA> ist oben
; 390b5 <MA> zeigt innen zwei
horizontale Linien statt des Kreuzes, für das der Schreiber keinen Platz gefunden hat:
. <MA> und <NA> sind für den Schreiber nicht üblich.
389a6 <a‑> ist normal:
; 388a6 <ˎ> ist normal:
gerade und schnörkellos:
; 390a3 <o‑> ist flach:
a6 /75/,
389b8 /34/,
388b3 /82/,
389a6 /31/,
; 388a3 <e‑> ist links fast
.
389a7 /33/,
390b1 /18/: Die Versnummern sind normal geschrieben.
b) Linguistische Untersuchung:
1) Diphthonge:
/a/:
210
<au> von <[k]au[ṃ]> 388a5, <lalaupau> 388a6, <k[r]aupeścä> 388a7, <l(m)au>
388b5, <[NA]tkau> 389a3 ist /a/.
<keˎc> 388b3, <ceˎ> 388b7, <neˎṢA> 389a2 und <cew> 390a3 sind altertümliche Schreibung für /a/.
/a/:
<cai> 388a7 (<cey>), <snai> 389a1 /a/, <ñ[ä]tkatai> 389a5 /a/, <pyappyaiṃ> 389b7
/a/, <kolmaine> 389b8 /a/, <pelaikne> 390b6 /a/.
In diesen Hss. kommt <ey> nicht mehr vor.
Skt.:
<vairuḍiṣṣe> 388a4 ist skt. /vaidūrya/ oder /vaiḍūrya/ 'Beryll'. Nach Adams (1999, p. 573)
'world-guardian (?)'. Vielleicht hat er in diesem Wort eine Vddhi von /virūḍhi/ vermutet,
aber solch ein Wort gibt es nicht. Von den anderen zwei Belegen (MQR571a2, Š565b1)
her gesehen ist die Bedeutung 'Beryll' einwandfrei. Das Problem ist skt. ‑d/ḍūrya → Toch.
<‑ruḍi> und <‑ruri>. Vermutlich ist das Wort durch das Prākrit oder das Iranische
vermittelt, wo diese Entsprechungen von skt. /r/ und /ḍ/ auftraten. Eine andere
Möglichkeit ist eine Metathese von /ḍ/ und /r/ über /u/, die phonetisch miteinander
ӓhnlich sind.
2) Vokallänge:
<ā>:
<ā> von <stāṃ> 388a3, <[tā]y> 388a4, <sāˎ> 388a6, <krāke> 388a, <māka>
388a8, <p[k]āte> 388a8, <tasānte> 388b2 (Pt.I), <śamnā> 388b2 (Pl.), <āk[ṣ]i>
388b3, <śāRA> 388b5 (<ś[ā]Rˎ> 389b7), <sā> 389b3 (<sa> b4), <cärkārene> 389b7
(Pt.I), <wärpāte> 390a2 (Pt.I) und <yäknānTAr> 390b7 (Ps.VI) ist /ā/.
<ī> von <īke> 390a3 ist ein altertümliches oder betontes /i/.
211
Skt.:
<asāṃ> a2 ist skt. /āsana/. Die zweite Silbe (vorletzte Silbe) ist vor der Apokope betont.
<ā> von <nervvāntse> 390b5 ist skt. /ā/.
<a> (exklusive Perl., Pl. und Kom.):
<[sa]ryat(e)> 388a1 /ā/, <ramTA> 388a6 (<ramTˎ> 389a1) /ā/, <lalaupau> 388a6
Redup., <cämpyare> 388a7 /ā/, <māka> 388a8 /ā/, <t[SA]l[p]as[ts]i> 388a8 //,
<yamornta> 388b2 /ā/, <tasānte> 388b2 /ā/, <śamnā> 388b2 /ā/, <yanne> 388b3 //,
<ra> 388b4 /ā/, <praściye> 388b4 /ā/, <antpi> 388b4 /ā/, <takoy> 388b /ā/,
<aRAñcä> 389a3 /ā/, <ñätkatai> 389a5 /ā/ (Pt.I), <ścmane> 389a5 /ā/ (Pt.I), <akṣa>
389a6 /ā/ (Pt.I), <ka> 389a6 /ā/, <nanoytRA> 389b2 /ā/, <kca> 389b3 /ā/,
<pyappyaiṃ> 389b7 /ā/, <śwat[s]i> 390b3 /ā/.
<witskaṃ> 388a2 ist /witsäkāṃ/. <a> ist der Pl.Obl.-Form zufolge /ā/ und in der
Endsilbe verallgemeinert geschrieben.
Skt.:
<a> von <bramñäkte> 388a5 ist skt. /ā/, <padum> 388a6 skt. /a/, <kalPAnma> 388b7
skt. /a/, <naṭāKA> 389b3 /nāṭaka/ (s.o. <asāṃ>), <pratimok[ṣn]e> 390b4 skt. /a/.
<ä> und <A>:
<ä> und <A> von <MAkci> 388a2, <LAktsetse> 388a3, <TArKAr> 388a3,
<pudñäkte> 388a5, <cämpyare> 388a7, <ŚAmtsi> 388a7, <t[SA]l[p]as[ts]i> 388a8,
<[ṢA]ñ> 388b2, <ñäś> 388b2, <MAnt> 388b3 und <TAṅwäññ[e]> 388b6 sind /ä/.
/ä/ ist gut bewahrt, d.h. das Muster zeigte keine Akzentregel.
<A> und <ä> von <omPA> 388a2, <LAcä> 388a3, <keŚA> 388a3, <ramTA>
388a6 und <k[r]aupeścä> 388a7 sind unsilbisch (s. ad MQR241). Diese Schreibung
deutet darauf hin, daß diese Hss. Kopien sind.
212
Skt.:
<RA> von <RAddhi > 388b3 ist skt. //. Hier ist das Wort tocharisiert, da das Zeichen
<-> existierte.
<ä> von <vidyäntse > 388b3 ist Ergebnis einer Anaptyxe. Das Wort ist skt. /vidya/, und
wegen <dy> nur /‑a/ ist apokopiert (die Akzentuierung ist nicht erkennbar).
MQR407:
a) Paläographische Untersuchung:
a4 <y> ist normal und <ś> ist links nicht stark gekrümmt:
geschlossen und <ñ> ist halb geschlossen:
<k> ist normal:
; a3 <MA> und a1 <TA> sind normal:
b1 <a‑> zeigt einen verdickten Kopf:
Virāmakomma normal:
/40/,
; b6 <ṅ> ist in der Mitte verbunden und
.
a4 <Ṣ> ist geschlossen:
(zweiteilig):
; b4 <m> ist oben fast
; b4 <i‑> ist normal:
; a6 <e‑> ist links lang:
; a4 <ai‑> ist oben klein:
bzw.
.
; b2 <ʾˎ> ist mit
; a3 <o‑> ist nornal
.
/5/: die Blattnummer /45/. /40/ ist unten rechts und links umgekehrt
geschrieben, vielleicht durch Einfluss von <RA>. /5/ ist normal.
a4 /23/,
b4 /25/: Die Versnummer /20/ zeigt eine lange horizontale Linie
in der Mitte querdurch, /3/ ist normal, /5/ ist oben rechts zusätzlich nach rechts gezogen.
213
b) Linguistische Untersuchung:
1) Diphthonge:
/a/:
<au> von <nauKAṃnne> a2 und <śaumoṃ> b6 ist ursprüngliches /a/.
<au> von <lyautai> a7 und <lyautaiyne> b2 ist ursprüngliches /a/. In <y> vor <ne>
von <lyautaiyne> sehe ich einen altertümlichen Bindekonsonant.
<ew> von <cew> a7, <kewcä> b2 und <ālyewce> b3 ist altertümliches /a/.
<owa> von <nukowa> a4 (für <‑wä> Thomas 1953, S. 272 Fnt. 5) ist /o/. Die Wurzel
könnte von Ko.V her gesehen Pt.I bilden, und PPt. könnte /nukā/ sein. Dieses <o>
könnte ein Allophon von /ā/ sein.
/a/:
<ai> von <pelaiykne> a2, <aiyśi> a4, <snai> a5 und <amāskai> b2 ist
ursprüngliches /a/, wobei <y> von <aiy> ein altertümlicher Bindekonsonant ist.
2) Vokallänge:
<ā>:
<ā> von <mā> a2 (<ma> a1), <āklu> a2 (PPt.), <tanāmot> a3 /tānā‑mot/, <tākoy>
a6, <śāye[ñ]ca> a6, <amāskai> b2 (<āmā‑> b6), <lwasāmeṃ> b3 (s. ad MQ575),
<ālyewce> b3, <śāmñesa> b4 und <ñyās> b5 ist /ā/.
<TAttāTAr> a1 ist Ko.V, und nach Krause (1952, S. 245) ist /tätt‑/ ein um tt erweiterter
Stamm für Ko.V und PPt. von √tā‑. Die Wurzel habe ich bei <tāṢAnne> MQ255a6
diskutiert, möchte aber das Problem noch einmal aufgreifen.
√tā‑ mit s‑Erweiterung zeigt im Paradigma deutlichen Ablaut, und zwar täs‑ (Ps.II, Pt.III
Med.), tes‑ (Pt.III Akt.) und tās‑ (Ko.II, Impv.I, Pt.I). Wenn <e> in Pt.III Akt. eine
Neuschöpfung von /ä/ sein sollte, ist das Ablautsystem /ä/ vs. /ā/.
214
Man sieht in dieser Wurzel √tā‑ das uridg. *dʰeh₁ (LIV S.117ff), aber toch. /ä/ ist
erklärungsbedürftig. Ich sehe keine phonologische Regel */h₁/ → toch. /ä/. Ich möchte die
toch. Wurzel als √tä‑, und /tā‑/ als Ablautstufe ansetzen.
Die diesbezügliche Argumentation von Hackstein in LIV S. 119, Anm. 17 schwerlich zu
verstehen: "idg. *dʰédʰh₁ > urtoch. *ttá (Durchführung der R(z), depalatalisierter
Anlaut) > A tā‑ und mit Restitution der Redup. B /təttá/". Warum kommt hier die
Depalatalisation vor? Wie kann man h₁ > /á/ erklären, obwohl sich in früherer Zeit keine
Akzentregel fand? Warum gab es die Reduplikationen in B-Toch. zweimal? Was ist die
Reduplikationssilbe /ə/ in B-Toch.?
<ū> von <śūke> a2 ist ein altertümliches /u/ oder ein betontes /u/.
Skt.:
<kacāp> a6 (<kaccap> b1) ist skt. /kaśyapa/ (Pāli /kacchapa/). <ā> in zweiter Silbe ist
normal (eine Betonung auf vorletzter Silbe vor der Apokope). <c> berüht auf Prakritisierung.
<a> (exklusive Perl., Pl.):
<tsatsaltarmeṃ> a1‑2 (Hapax) /tsatsāltārmeṃ/ (Redup. und /ā/), <ompalskoññe> a3
//, <tanāmot> a4 /ā/, <menak> a4 /ā/, <yaMAṢṢAṃ> a4 /ā/, <ŚArsa> a5 /ā/ (Pt.I),
<sa> a5 /ā/, <śāye[ñ]ca> a6 /ā/ (Part.), <warne> a7 //, <LAṅktsa> a7 /ā/ (Fem.),
<kl(e)ñca> a7 /ā/ (Part.), <TAlaṣṣi> b1 // (Kaus.Impf.), <aśco> b1 /ā/, <ka> b2 /ā/,
<lwasāmeṃ> b3 /ā/, <yśamna> b3 /ā/, <TArya> b4 /ā/, <cmelaṣṣe> b4 // (Anaptyxe),
<cameLˎ> b5 //, <wan[ta]rwane> b5 /wäntärwāne/, <tsäṅkatsy> b6 /ā/ (Ko.V).
<aklilyñe> a3 ist /āklilyñe/, dessen Wurzel Ko.IV bildet. Bei Ko.IV gibt es nur fünf
Wurzeln (außer √ākl‑ sind die Formen nur Inf. und Abstr.II). Ich vermute, daß die
Formen von Ko.IV aus dem Opt. stammen. Den finiten Formen zufolge kann /i/ eine
Opt.‑Markierung sein. Vom Pt.I dieser Wurzel her gesehen sollte diese Wurzel einen
Ko.I bilden. Wenn dem so ist, ist der Ko.IV eigentlich der Opt. (Ko.I-Stamm + /i/).
Danach ist /ākli‑/ als Ko.‑Stamm verallgemeinert worden und ins Inf. und Abstr.II
215
gedrungen. Mithin gäbe es keinen Ko.IV, und der singuläre Beleg <aklyiyentRA>
Š605b4 (Krause 1952, S. 219) kann ein normaler Opt. sein.
<ä> und <A> (exklusive 3.Sg.):
<A> von <MAsketRA> a3, <yaMAṢṢAṃ> a4, <ŚArsa> a5, <KAṣṣi> a5,
<PArkre> a6, <ṢAp> a7 (s. ad MQR229), <LAṅktsa> a7, <KAnte> b1, <TAlaṣṣi>
b1, <RAmoyTAr> b1, <SAlkoyTAr> b2 und <TArya> b4 ist /ä/.
<ä> von <tsäṅkatsy> b6 ist /ä/. Hier hätte man <tSA‑> schreiben können, aber der
Schreiber hat zuerst <ts> und danach das Trema daüber geschrieben.
<‑ä> und <‑A> von <omPä> a6, <onolmeṃtSA> b3 und <krenTA> b5 sind
unsilbisch (s. ad MQR241).
MQR519:
a) Paläographische Untersuchung (die Rückseite ist nicht beschrieben):
a5 <y> ist normal:
; a3 <ñ> ist geöffnet:
gekrümmt geschrieben:
; a4 <śa> ist links nicht stark
; a4 <kk> ist mit horizontalem Strich an der Mitte der
senkrechten Haste querdurch geschrieben:
.
a2 <ˎ> ist konsonantisch zu lesen und mit lang gezogener Linie ornamental
geschrieben:
.
b) Linguistische Untersuchung:
Diphthonge sind nicht vorhanden.
216
<ā>:
<ā> von <[p]ātri> a2, <sāˎ> a2 (s. ad MQR407), <tāwne> a3, <āra> a4 (Pt.I),
<yātkare> a5 (Kaus.Pt.II von √wätk‑) und <weñār[e]> a5 (Pt.V) ist /ā/.
<ī> von <siṃ[ha]ra[d]vī[p](ṣy)> a3 ist skt. /ī/.
<a>:
<sruka(l)ñ(e)> a1 /ā/ (Ko.V), <wasa> a2 /wäsā/ (Pt.III), <ṣkaska> a2 /ṣkäskā/,
<[ta]karṣkne> a3 (s. ad MQ241).
<praveśakk> a4 ist skt. /praveśaka/. <‑kk> ist vor dem <ā‑> des nächsten Wortes
geminiert geschrieben.
MQR571‑572:
a) Paläographische Untersuchung:
571b6 <y> ist normal:
geschrieben:
; 571b7 <ñ> ist geöffnet und die untere Linie ist hoch
; 572a1 <ṅ> ist nicht verbunden, <k> ist normal:
unten in der Mitte ein Strich gezogen:
; 572a5 <ṇ> ist
; 571b4 <ś> ist links nicht stark gekrümmt:
.
571b4 <K> und <Ś> sind geschlossen:
Mitte etwas geöffnet:
; 572b5 <m> ist normal, <Ṣ> ist in der
; 571a3 <RA> ist unten nach links verschoben:
217
.
572a1 <a‑> ist am Kopf verdickt und an der senkrechten Haste kurz:
ist wie <a‑> und das Längezeichen (unten) ist leicht kursiv:
breit:
; 572a4 <ā‑>
; 571a4 <ai‑> ist oben
.
571b4 /38/,
572a3 /53/,
572a6 /55/: Die Versnummern sind außer
/5/ normal. Rechts von /5/ ist oben statt in der Mitte geschrieben.
b) Linguistische Untersuchung:
1) Diphthonge:
<ai> von <śaiṣṣents> 571a3, <peñyaisā> 571a4 (Obl.), <waikem[p]a> 571a6,
<turyai> 571b3 (Obl.), <wärñai> 571b3, <aiśaumyeṃtSˎ> 572a5, <aiś[m]ots> 572b4
und <ylaiññäkte> 572b7 ist ursprüngliches /a/.
Im Falle von <airPAttona> 571a4 ist trotz ausführlicher Untersuchung von Hilmarsson
(TIES, suppl. 3, p.106‑108) schwer zu beurteilen, ob es zu √yärp‑ (Krause, Pinault und
Hilmarsson) oder √wärp‑ (mündliche Mitteilung von K.T. Schmidt) gehört. Die Belege
sind hier und <airPAcce> MQ554a6, und Pinault hat drei Belege aus Pariser Texten
(PK AS 16.2a6,b3, 16.3b4, Hilmarsson 1991, p. 107) beigebracht. Die Materialien sind
brüchig.
Das Problem ist, wie man <ai> beurteilen soll. Von /e‑yä/ (Präv. /e-/) → /ey/ → /a/ her
gesehen ist √yärp‑ wahrscheinlicher. Wenn dieses Privativum vom Ko.‑Stamm gebildet
ist, ist √yärp‑ auch wahrscheinlicher als √wärp‑ (Ko.V /‑ā/), weil sein Ko., von Ps.VIIIa
her gesehen, ein Ko.I (ohne Auslautvokal) sein kann. Ko.V /‑ā/ paßt nicht zu diesem
<A> zwischen <P> und <tt>. Deswegen sollte die Wurzel dieses Wortes √yärp‑ sein,
aber wenn das Privativum nicht aus dem Ko. gebildet sein sollte, bleibt die Frage
unentscheidbar.
Es bleibt noch offen, warum hier der Pl. steht, wenn sich das Wort auf <peñyaisā>
(Sg.Perl.) bezieht. Wegen der Beschädigung kann ich das Wort nicht beurteilen.
218
/a/:
<nesau> 572b1 (früher <neseˎ> 1.Sg.).
<e[w]> von <ālye[w]ce> 571b5 ist altertümliches /a/.
2) Vokallänge:
<ā>:
<ā> von <tākaṃ> 571a2, <PALKAmñā> 571a7 (Pl.f), <lāmaṃ> 571a7 (Ko.V),
<lwāsātSˎ>
571b2
<winamāññeṃ>
(Pl.),
571b5,
<ykaṃṣentā>
<lwāke>
572a4,
571b2
(Pl.),
<ayāto>
<ālye[w]ce>
572a4,
<āyor>
571b5
572a5,
<lkaskemā[n]e> 572a6, <risā> 572b2 (Perl.), <tāne> 572b3, <ykās[SA](lñe)> 572b3
und <kcesā> 572b6 (Perl.) ist /ā/.
<ū> von <yūkaṃ> 571a5 ist /u/ (s. ad <yūkormeṃ> 228a1).
Skt.:
<ā> von <sumāṃntsā> 571b3 vertritt /a/ (außer in der Perl.-Markierung /‑sā/), <ā>
von <brāhmaṇentSA> 572a5 vertritt /ā/.
<a> (exklusive Perl.):
<ysaṣṣeṃ> 571a1 /ā/, <walo> 571a3 //, <ersnassoñc> 571a5 /ā/, <pyappyaiṣṣana>
571b1 /ā/, <ykaṃṣentā> 571b2 /ā/, <weṣeñña> 571b4 /ā/, <winamāññeṃ> 571b5 /ā/,
<ra> 571b6 /ā/, <kca> 572a1 /ā/, <wayaṃ> 572a2 /ā/, <ayāto> 572a4 /ā/,
<lkaskemā[n]e> 572a6 /ā/.
<atka> 572b1 ist unanalysierbar.
<ä> und <A>:
<A> und <ä> von <SAswe> 571a3, <PALKAmñā> 571a7, <wärñai> 571b3,
<ñäktents> 571b6, <MAnTˎ> 572a2, <KAllaṃ> 572a6, <PAlsko> 572a7 und
<ylaiññäkte> 572b7 sind /ä/.
219
Das Trema auf dem ersten Akṣara von <ñKäñci> 571a1 ist überflüssig. Vielleicht hat
der Schreiber wegen des <ñ> so geschrieben.
<A> von <[ṣ]uKTAnte> 571a4, <kroKŚAṃts> 571b4 und <neSAṃ> 572a3 ist
Ergebnis einer Anaptyxe.
<ṢAPˎ> 571b2 ist bei MQR229 erwähnt. Ich vermute, daß diese Schreibung eine
analogisch entwickelte Form ist. Das Muster wäre <‑TARˎ> Med.-Endung der 3.Sg.
<‑A> und <‑ä> von <śtweRA> 571a3 und <brāhmaṇentSA> 572a5 sind unsilbisch,
und <TAṅwä> 572a3 s. ad MQ245.
Ku601‑2:
a) Paläographische Untersuchung:
602a2 <y‑> und <‑y> sind normal:
; 601a2 <ś> ist links gekrümmt:
602a1 <MA> ist normal:
ist vorhanden:
; 601b2 <l> ist normal und <ñ> ist geschlossen:
; 601a4 <ma> ist normal:
; 601a2 <Śˎ> ist ganz geschlossen:
.
; 601a2 <N>
.
601b2 <ā‑> ist normal:
oben gerade gezogen:
; 601a5 <ī‑> ist normal, das Längezeichen ist nach links
; 602b4 <ai‑> ist oben breit:
220
.
Die Blattzahl ist von anderer Hand geschrieben, aber nur der obere Teil von /100/
erkennbar:
.
b) Linguistische Untersuchung:
1) Diphthonge:
<klautkeṃ> 601a2 /a/, <katkau[ñ]o> 601b5 (<katkeˎwñ.> MQ275b2).
<ai> von <aikemaRˎ> 601b3, <paiyyesa> 602a2 und <aiśaumye> 602b4 ist /a/.
2) Vokallänge:
<ā>, <ī> und <ū>:
<ā> von <ānts[i]> 601a1, <lkāskemanentse> 601a4, <āñMˎ> 601b1, <ārtalñe>
601b2, <mā> 602b2, <yātañcˎ> 602b3, <wināṣṣa> 602a,a2 und <āṃ[tpi]> 602a,a2 ist
/ā/.
<MAktāw> 602a1 ist ein Interrogativ- und Relativpronomen Sg.Obl.f., und <āw> ist
unverӓndert bewahrt. Vom Paradigma des /mӓksu/ (oder /su/) her gesehen scheint /ā/
ein wichtiges Element zu sein.
<ī> von <īKAṃ> 601a5 und <kenī> 602a2 ist ein altertümliches /i/.
<ū> von <ykūwerme(ṃ)> 602b4 ist ein altertümliches /u/.
Skt.:
<ū> von <rūpne> 601b4 ist skt. /ū/.
<a> (exklusive Perl.):
<śak> 601a2 //, <ārtalñe> 601b2 /ā/, <yparwe> 601b5 //, <kca> 602a1 /ā/,
<śamnā> 601a1 /ā/, <yātañcˎ> 602b3 /ā/ (Ko.V), <wināṣṣa> 602aa2 /ā/, <[ṣ]arne>
602bb4 //.
221
<lkāskemanentse> 601a4 ist Gen.Sg. des PPs.Med. (/‑māne/), das keine Flexion zeigen
sollte. Hier ist dieses PPs.Med. nominalisiert. <e> zwischen <sk> und <mane> ist
nach der communis opinio der idg. Themavokal *o, aber es kann dem Ger.I <lkāṣṣälle>
zufolge auch ein Allophon von /ä/ sein (nach /sk/). Es ist auch möglich, daß <e> eine
Analogie zur 3.Pl. /‑eṃ/ darstellt, die eigentlich für them. Verba gilt und verallgemeinert
wäre.
<a> von <walkke> 602b2 ist /ä/. Es ist der einziger Beleg für <kk> nach /l/. Es liegt
vielleicht eine Analogie zur häufigen Gemination nach /r/ vor.
Skt.:
<kleśanmacc[i]> 601a1 enthält betontes /ä/ (Anaptyxe) und unbetontes /ā/ (Pl. /‑nmā/).
<a> von <añcalyi> 602bb4 und <a[g]rak[u]like> 602bb5 ist skt. /a/.
<ä> und <A> (exklusive 3.Sg.):
<ä> und <A> von <īKAṃ> 601a5, <MAktāw> 602a1, <KAllo[yMÄ]ˎ> 602a3,
<pañäkte> 602a3, <KA[ṣṣiṃ]> 602b3 sind /ä/ in Wortstammen.
Nur diese zwei Hss. stammen aus dem heutigen Kuča, wo es, soweit ich weiß, keine
Ruine eines Buddhatempels oder ähnliches gibt. Vielleicht wurden diese zwei Hss. in
Kuča gekauft.
Ich finde kein regelmäßiges Akzentsystem in diesen Hss. Die Hss. zeigen entwickelte
Formen (z.B. Diphthonge) und nicht entwickelte Formen (keine Virāmakommata)
nebeneinander. Nur der Schrift wegen habe ich diese Hss. der Periode II‑1 zugeordnet,
der Grammatik nach (z.B. Gen. des PPs.Med.) könnten diese Hss. spätere Kopien sein.
Qu352‑354:
a) Paläographische Untersuchung:
222
352a2 <y> ist normal:
; 354a2 <ñ> ist halb geschlossen:
links separat geschrieben:
354a1 <ma> ist normal:
; 352a1 <śa> ist
; 352b5 <ṅ> ist links verbunden, <k> ist normal:
; 352a3 <la> ist dreiteilig:
;
.
352b2 <T> ist oben halbrund und das Trema ist nach Virāmastrich über das <s>
geschrieben:
; 352b3 <Śʾˎ> ist in der Mitte geschlossen (mit Virāmakomma):
; 352b4 <Ṣʾˎ> ist geschlossen (mit Virāmakomma):
normal, aber ohne Komma darüber:
; 352a3 <S> ist in der Ligatur enthalten:
353a2 <a‑> und 352b2 <i‑> sind normal:
Trema konsonantisch behandelt:
; 353a3 <Kˎ> ist
bzw.
.
; 352b1 <Uˎ> ist mit dem
; 352b4 <e‑> ist normal:
.
353a2 der Doppeldaṇḍa ist mit zwei senkrechten Hasten geschrieben:
.
b) Linguistische Untersuchung:
1) Diphthonge:
<ai> von <nai> 352a4, <snai> 352a4, <śaiṣṣentse> 353b2 und <PArkaryai> 353b4
(Obl.f.) ist ursprüngliches /a/.
<[p]aiyyiśkaṃ> 352a3 (Hapax) ist <paiy> für /pa/ (Obl.) + /śkāṃ/ (Deminutiv
Obl.Pl.m.). Die Gemination des <y> ist eine gewöhnliche Schreibung für Nom./Obl.
<paiyye>. <i> zwischen <y> und <ś> ist /ä/ (Anaptyxe), das von <y> und <ś>
palatalisiert wurde.
<au> von <nesau> 352a5 ist aus <ew> (1.Sg.Akt.) entwickelt. Diese Endung gilt
sowohl bei thematischen als auch bei athematischen Verben.
223
<PAkly[auṢˎ]> 354b2 ist Impv. 2.Sg.Akt. (endunglos). <‑Ṣ> ist eigentlich kein
wurzelhafter Konsonant, sondern ein Ps.‑Suffix /sk/ bei der 3.Sg., das als /‑ṣ/
verallgemeinert und als wurzelhafter Konsonant behandelt worden ist.
<aurtsesa> 354b2 ist <eˎrtsñesa> MQ248a2 zufolge eine entwickelte Form.
2) Vokallänge:
<ā>, <ī> und <ū>:
<ā> von <ykāk> 352a5, <klāya> 352b2, <tāṢTArne> 352b3 (s. ad MQ255),
<yāmoṢʾˎ> 352b4, <tākaTˎ> 353a1, <ytāri> 353b4 und <mā> 354b2 ist /ā/.
<tallāˎ> 352b1 ist */tällā/ + // (Adj.‑Markierung), nicht tall‑ā, wie bei Krause (1952,
S. 47). Die Gemination des <l> markiert den Ps.‑Stamm (Ps.VI von √täl‑) und wurde
verallgemeinert, wie bei <PAklyauṢˎ>.
<aṣanīka> 353a2 ist /āṣānā/ (Khot. /āṣaṇa/, s. ad MQ241) + /‑ika/ (khot. Suffix?) →
/āṣānike/ Adj. Sg.m. Hier kann man den Akzent auf /ni/ erkennen.
<ū> von <Ssūśkaṃ> 352a3 ist /u/, das eine altertümliche Schreibung ist oder betontes
/u/ vertritt. <S> vertritt <SA‑>, und <A> ist wegen des Versmaßes oder der keiner
Betotung synkopiert.
Skt.:
<ā> von <brāhmaṇe> 352a4 und <śā[p]sa> 354a1 (Perl. von skt. /śāpa/) ist skt. /ā/.
<rṣāke> 353b3 ist /ṣi/ + /‑āke/ (s. ad MQ574b6).
<a>:
<tane> 352a1 //, <śaci> 352a1 (Skt.-Name der Königin?), <lareñˎ> 352a3 /ā/,
<tallāˎ> 352b1 (s.o.), <klāya> 352b2 /ā/, <istaKˎ> 352b2 //, <weṣṣaneŚˎ> 352b3
224
/ā/, <larya> 352b3 /ā/, <ñiŚAmpa> 352b4 /ā/ (Kom.), <epiyacˎ> 352b4 /ā/, <yark[a]>
353a1 //, <tākaTˎ> 353a1 /ā/, <rinas[TARˎ]> 353a3 // (Ko.I), <PArkaryai> 353b4
//, <yäksana(TA)[r]n(e)> 354a2 /‑nā‑/, <weṣṣaṃ(neŚˎ)> 354a2 //, <aurtsesa>
354b2 /ā/ (Perl.), <yärponta> 354b3 /ā/ (Pl.).
<‑aṃ> von <kokalyiśkaṃ> 352a2, <yäkwaṣkaṃ> 352b2, <Ssūśkaṃ> 352a3,
<[p]aiyyiśkaṃ> 352a3 und <[p]aiyyiśkaṃ> 352a3 ist /‑āṃ/ (Obl.Pl.).
Skt.:
<a> von <brāhmaṇe> 352a4 ist skt. /a/.
<ä> und <A> (exklusive 3.Sg.):
<ä> und <A> von <yäkwaṣkaṃ> 352b2, <PAsTˎ> 352b2, <ñiŚAmpa> 352b4
(Anaptyxe), <LAkleñˎ> 352b5, <PArkaryai> 353b4, <yäksana(TA)[r]n(e)> 354a2,
<MAkte> 354a3, <KArsor> 354b1 und <PAkly[auṢˎ]> 354b2 (Anaptyxe) sind /ä/.
Qu359:
a) Paläographische Untersuchung:
a5 <yp> ist normal:
; b4 <ña> ist geöffnet:
verdickt:
; b2 <ś> ist links separat:
gezogen:
; b1 <ṅ> ist links verbunden:
; b3 <ṇ> ist in der Mitte etwas
; a4 <kh> ist links eckig und nach unten
.
a1 <Śˎ> ist in der Mitte stark verbunden:
; b2 <TA> ist normal, und <Rʾˎ>
ist mit Virāmakomma normal (nur bei <Rˎ>):
; a3 <Sˎ> ist oben rund:
b4 <a‑> ist etwas eckig:
; a4 <ai‑> ist normal:
225
.
.
Die Blattzahl /261/ ist mit anderem Schreibmaterial geschrieben:
.
b) Linguistische Untersuchung:
1) Diphthonge:
/a/:
<au> von <wināskau> a1 (1.Sg.), <śauLˎ> a3 und <KAt[k]ausai> a5 (PPt.Obl.Sg.f.)
ist ursprüngliches /a/.
<ypaunane> a5 ist Pl.Lok. von /yäpoy/ (s. ad MQR246).
/a/:
<ai> von <ainakeṃ> a4 (<ey>), <TAṅwaṃññai> b1 (Obl.), <aiśai> b2 (im Wort,
Obl.) und <klamPäryaine> b2 (Obl.) ist /a/.
<ai> von <preścīyaine> a5 ist Obl. /a/. <ī> ist /i/ und <y> ist ein Bindekonsonant.
Für das Wort ist kein Nom. belegt, aber der Form <preściyaṃ> 149b3 (Obl.Pl.) zufolge
wäre */preściyā/ anzusetzen.
Skt.:
<asaṃkhyainta> a4 (Obl.Pl.); <vaiśravaṇe> b3 enthält skt. /a/ (Name des Königs).
<ā>, <ī> und <ū>:
<ā> von <wināskau> a1, <mā> a3, <tāw> b1 (s. ad MQR407) und <māka> b1 ist /ā/.
<rīne> b1 ist Lok.Sg. von /ri/ 'Stadt' (Obl.). <rī> kommt öfter als <ri> vor. Vielleicht
ist <rī> semantisch deutlicher. Für den Nom. ist auch <rīye> (5x) öfter als <riye> (2x)
belegt, dessen <y> ein Bindekonsonant vor der Nom.‑Markierung /e/ ist.
Dagegen ist das Verhältnis bei <sū> b5 (<sū> 152x vs. <su> 229x) und bei <srūka>
b5 (<ū> 2x vs. <u> 2x) anders. Vielleicht galten <ū> und <ī> als stilistisch eleganter
und semantisch deutlicher.
226
Skt.:
<ā> von <saṃsā[Rˎ]> a1 enthält, <nervāṃ> a2, <kāśiṣṣana> a5 und <bārāṇasi> b1
ist /ā/. <ū> von <karūṃntsa> a2 ist betont.
<[bo]dhisātveṃSˎ> a1 (<‑satve> a3): <ā> ist hyperkorrekt. Die Belege mit <ā> sind
8 an der Zahl, und alle sind nicht alt.
<a> (exklusive Perl., Pl.):
<lareṃ> a2 /ā/, <TArkanaṃ> a2 /tärknāṃ/, <kante> a4 a2 //, <ainakeṃ> a4 a2 /ā/,
<māka> b1 a2 /ā/, <TAṅwaṃññai> b1 /tänkwṃñña/, <yamaṣṣiTARʾˎ> b2 /yāmsk‑/
(Ko.I), <aklyyate> b4 a2 /ā/, <ṣañanma> b4 /ṣäñ‑‑nmā/, <srūka> b5 a2 /ā/ (Pt.I).
Skt.:
<asaṃkhyainta> a4 /asaṃkhyai‑ntā/, <kalpanmane> a4 /kalp‑ä‑nmā‑ne/. <a> von
<bārāṇasi> b1 und <vaiśravaṇe> b3 ist skt. /a/.
<ä> und <A> (exklusive 3.Sg.):
<A> von <KAt[k]ausai> a5, <TAṅwaṃññai> b1 und <PAsTˎ> b5 (<> ist
überflüssig) ist /ä/.
<ä> von <klamPäryaine> b2 ist auch überflüssig.
Die Tremata bei <PAsTˎ> und <klamPäryaine> stehen wegen <s> und <m>
(Normalzeichen).
Qu368:
a) Paläographische Untersuchung:
227
a7 <y> ist normal und <l> ist dreiteilig geschrieben:
a4 <ś> ist links separat geschrieben:
; a4 <ṅ> ist links verbunden:
a5 <dh> ist senkrechter gestellt als <TA>:
a6 <SA> ist flacher als <T>:
; a7 <ñ> ist geöffnet:
;
.
; b7 <Tˎ> ist flacher als <dh>:
;
.
b5 <a‑> und b2 <ˎ> sind normal:
<o‑> und b5 <au‑> sind normal:
bzw.
bzw.
; a4 <e‑> ist rechts länger:
; b6
.
b) Linguistische Untersuchung:
1) Diphthonge:
/a/:
<ai> von <nai> a2, <klautsaiñentsa> a3, <eśaiwentasa> a4 (sog. Plurativ, Hapax),
<ylaiñäkte> a7, <snai> b2, <proskai> b2 und <alyaiKˎ> b6 ist /a/.
/a/:
<au> von <klyautkasta> a6 und <śau(l)> b1 ist /a/, und <aurcce> b5 ist von <ew>
entwickeltes /a/.
<[ce]ˎ> b2 ist altertümlich für /a/.
2) Vokallänge:
<ā>:
<ā> von <pyām[ts]o> a2, <ysāṣṣeṃ> a3 und <kakāmarmeṃ> b4 ist /ā/.
<(p)ūwarne> b2 ist vom Paradigma her gesehen /puwār-ne/, wobei /u/ getilgt werden
kann. Dies deutet darauf hin, daß /u/ eigentlich /ä/ (Anaptyxe) oder /äw/ (/u/) sein könnte.
Eine weitere Mӧglichkeit ist, /w/ als ein Bindekonsonant zu sehen, wenn /ä/ keine
228
Anaptyxe, sondern /ä/ im Worte ist. Deswegen ist eine Etymologie ohne phonologische
Untersuchung schwerlich zu suchen, wie ein Versuch von Adams (1999, p. 393).
Skt.:
<ā> von <akāśsa> b5 ist /ā/.
<strāyastriṃ[Śˎ]> b4 könnte ein Schreibfehler für Skt.-Wörter /striyas/ Nom.Pl.f. und
/triṃśa/ 'der 30' sein, aber wegen der Beschädigung bin ich nicht sicher.
<a> (exklusive Perl., Pl., Kom.):
<a> von <palkaSˎ> a2 /p‑pālkā‑s/ (Impv.2.Pl.Akt.), <TAṅwaṃñana> a4 (s. ad
Qu359b1), <klyautkasta> a6 (Pt.I 2.Sg. <ly> für /l/), <tasemane> b2, <(p)ūwarne> b2
(s.o.), <kakāmarmeṃ> b4 und <alyaiKˎ> b6 ist /ā/.
Skt.:
<bodhisatveṃpa> a5 (<‑ṃpa> für /‑ṃmpā/) skt. /a/, <karuntsai> a6 skt. /a/, <akāśsa>
b5 skt. /ā/.
<ä> und <A>:
<ä> und <A> von <TAṅwaṃñana> a4, <weSAṃ> a6 (Anaptyxe) und <ylaiñäkte>
a7 sind /ä/.
Qu374:
a) Paläographische Untersuchung:
Wegen der Beschädigung (Qu374 und dazu 7 Frag. a. bis g.) gibt es nicht viele Akṣaras,
und paläographisch ist die Hs. gleich wie Qu368, deswegen führe ich keine paläographische Untersuchung durch.
b) Linguistische Untersuchung:
229
1) Diphthonge:
<n[au]miyentse> a4 (<newmye> MQR587a1) ist /a/, <aitsi> c. /a/, <ipreRAṣṣai> d.
(Obl. /a/).
<teykne> b, s. ad <teyknesa> 575a7.
2) Vokallänge:
<ā>:
<ā> von <lkātsi> a1, <kakkārPAṣṣormeṃ> a. und <ytāri> d. ist /ā/.
Skt.:
<arhānte> a3 /arhant/: das zweite /a/ ist betont, weil das Wort nach Anfügung des /-e/
(Nom.Sg.-Markierung) dreisilbig gewesen ist.
<ā> von <brāhma> b., <piṃtwāTˎ> c. und <pariṣkārnta> f. ist /ā/.
<a>:
<ka> b4 /ā/, <nta> a. /ā/, <kakkārPAṣṣormeṃ> a. Redup., <tinaṣṣi> b. /ā/.
<añmaññīta(R)[ˎ]> c. ist /āñmäññitār/, das als /āñm/ (Nomen) + /ä/ (Anaptyxe) + /ññ/
(Ps.XII) + /i/ (Impf.) zu analysieren ist (nicht añma‑ññ‑ wie Krause 1952, S. 218), wobei
/ä/ betont und verallgemeinert ist.
<a> von <weṣṣaṃneŚˎ> e. ist ebenso wie in <añmaññīta(R)[ˎ]> // (Anaptyxe).
Skt.:
<caṅkrami(Tˎ)> g. skt. /a/.
<ä> und <A>:
<rit[TA]ssi> a1 /ä/ (Kaus.), <ñäkcy[eṃ]> b4 /ä/, <ipreRAṣṣai> d. (Anaptyxe).
Qu398‑9:
230
a) Paläographische Untersuchung:
Der Duktus ist gleich wie bei Qu368, daher zitiere ich nur drei Akṣaras, die sich dort
nicht vorfinden.
399b3 <Śʾˎ> ist mit Virāmakomma in der Mitte stark verbunden:
ist <ai‑> + Linie nach rechts unten:
; 398a4 <ai‑> ist normal:
; 399a3 <kh>
.
b) Linguistische Untersuchung:
1) Diphthonge:
<ersatai> 398b6 /a/ (2.Sg.), <(saṃ)khyaine> 399a3 /a/ (Skt. Obl.).
2) Vokallänge:
<ā>:
<tSAṅkā(re)> 399a2 /ā/ (Pt.I).
<ā> von <pāramīTA(nta)> 399a4 (<ī> ist betont) und <vyākariTʾˎ> 399b4 ist skt. /ā/.
Beide sind mit Apokope und <T(A)> tocharisiert geschrieben.
<a>:
<ṣuktmane> 398a1 /ā/ (<tmāne> s. ad MQ590a8), <wace> a2 //, <(ta)karṣke> 398b4
/ā/, <pals[kw]> 398b5 //, <iltsempa> 399a1 /ā/ (Kom., hier <i> für /yä/), <śaKˎ>
399a3 //, <ṣkaSˎ> 399a4 //.
<a> von <ratnaśikhi> 398a2 ist skt. /a/ (<i> auch skt. /i/).
<ä> und <A>:
<A> und <ä> von <tSAṅkā(re)> 399a2 und <yärpont.> 399b3 sind /ä/.
231
Qu491 (Holztafel):
a) Paläographische Untersuchung (nur vom recto ist ein Photo vorhanden):
I6 <ñ> ist geöffnet:
<m> ist normal:
; I3 <lo> ist wie der obere Teil von /100/ gestaltet:
; I7 <ṅ> ist links stark verbunden:
gekrümmt, <k> ist normal:
; III1 <ś> ist links
.
I6 <e‑> ist rechts länger und oben ornamental:
I1 /1000/,
; I4
I2 /100/,
I6 /50/,
I5 /40/,
. I3 <o‑> ist zweiteilig:
II1 /30/,
I4 /8/,
.
I1
/7/,
I2 /5/,
I5 /3/,
I6 /2/: Die Zahlzeichen sind präzise.
b) Linguistische Untersuchung:
1) Diphthonge:
<wrauśke> bI3 /a/ (Personenname).
<towä> bII5 'zehn Pfund' ist /tā/. Zu /ā/ s. ad MQR407. Wenn das Wort aus dem
Chinesischen entlehnt wurde52, war es EMC *təwʼ53, das im Toch. zuerst /täw/ und dann
<tau> werden kӧnnte. Ich kann es jedoch nicht nachvollziehen, daß /tāw/ auf chin. /təwʼ/
zurückgehen sollte, weil /ā/ und /ä/ im Toch. nicht promiscue benutzt wurden. Inklusive
des Pl. <tom> (aus <taum>) ist das Wort phonologisch schwer zu beurteilen, obwohl
die Semantik einwandfrei ist.
52
Vgl. N. Sims‑Williams et J. Hamilton 1990, p. 32.
53
Vgl. E.G. Pullyeblank 1991, p. 81 斗 dǒu.
232
2) Vokallänge:
<ā>:
<ā> von <yā[ṣta]re> bI4 und <ysāre> bII1 ist /ā/.
<a>:
<wasa> aI1 /ā/, <nano> aI2 //, <tenare> aI2 /ā/, <walo> aI3 //, <mitraśke> aI4 (skt.
/a/), <saṅkene> aI7 (skt. /a/), <plaka> aIII1 /ā/ (Pt.I von √plāk‑), <yaPˎ> bI1 /ā/,
<cakanma > bII1 /ā/, <saṅkatepe > bIII1 (skt. /a/), <cakä> bIII2 (<caKˎ> bIII2) /ā/.
<kercaṃp[e]yˎ> aI5 ist dem Kontext zufolge ein Personenname. Wenn dieser Name
von <kerccäpo> MQ343b7 (Hs. ist nicht vorhanden) 'Esel' hergeleitet ist, ist <a> ein
betontes /ä/. An Belegen für /kercäp/ gibt es nur drei in Berliner Texten (hier,
<kercapañ> MQR118b3 und <kerccäpo> MQ343b7). Ich finde die Form <kercapai>
(Adams 1999, p. 195) nicht. Die Etymologie ist nach Adams skt. gardabhá, aber das ist
phonologisch kaum möglich, vor allem ist toch. /ke/ ← skt. /ga/ unerklärbar. Skt.
gardabhá würde im Toch. als <kartāp> oder <gardābh> erscheinen.
Bei den Bezeichnungen von Personen oder Nahrungsmitteln, wie <oraṣṣe> aI3,
<ṣkwarle> aII1, <pawaśke> aIII1, <mlaṣe> aIII1, <putakupte> bI2, <mu[ka]lanti>
bIII2 und <aṣärte> bIII3, ist schwer zu beurteilen, ob <a> /ā/ oder /ä/ ist. Es sind
möglicherweise sämtlich verallgemeinerte <a>. <är> der letzten Form <aṣärte>
könnte /r/ sein, aber /ṣr/ ist im Toch. ungewöhnlich, deswegen würde das mit Anaptyze als
/ṣär/ wiedergegeben.
<cakanma> (passim) ist Pl. von /cāk/ 'hundert Pfund', aber das Wort ist niemals
<cākānmā> oder <cākanma> geschrieben, sondern durchgehend <caka(ṃ)nma>.
Dies deutet darauf hin, daß das Wort in der Zeit, als es keine Akzentregel gab, noch
nicht existierte. Das Etymon wäre Chin. 石 shí (EMC dʑiajk, vgl. Pullyeblank 1991, p. 283,
und N. Sims‑Williams et J. Hamilton 1990, p. 32, fnt. 73), und wenn das Wort in der
Periode II‑1 aus dem Chinesischen entlehnt sein sollte, kann man beipflichten
(/cāknmā/), aber das phonologische Problem (toch. /ā/ ← chin. /a/) bleibt dennnoch
233
bestehen. Vielleicht ist das /ā/ hier für einen Fremdvokal benutzt worden, wie <ā> für
skt. /a/.
Diese Hs. ist paläographisch präzise geschrieben, aber phonologisch bietet sie Probleme.
S286-7:
a) Paläographische Untersuchung:
286a3 <y> ist normal:
geschrieben:
verbunden:
; 286b4 <ñ> ist geschlossen:
; 286b4 <ś> ist links separat geschrieben:
; 286a3 <ṅ> ist links
.
286b5 <M> ist eckig, <Ṣ> ist in der Mitte geschlossen:
Mitte stark geschlossen:
; 287b1 <ˎ> ist normal:
; 286b2 <o‑> ist zweiteilig:
286a2 /18/,
; 286b6 <Śˎ> ist in der
; 286b4 <PA> ist links oben lang gezogen:
286a4 <a‑> ist leicht eckig:
lang:
; 286a3 <l> ist dreiteilig
286a3 /19/,
; 286b2 <e‑> ist rechts
; 286b2 <ai‑> ist normal:
286a4 /20/,
.
.
286b2 /23/,
287b2
/32/: Die Zahlzeichen sind deutlich geschrieben. /10/ ist eine entwickelte Form (in der
Mitte lang und ornamental). /20/ ist oben nicht deutlich rund. /30/ ist oben rechts leicht
ornamental.
234
286a5 ist das Interpunktionszeichen:
. Die Punkte sind nicht voneinander getrennt
geschrieben, sondern fast in einer Linie. Hier kann man aber erkennen, dass der
Schreiber zwei separate Punkte schreiben wollte (unten ist die Tinte stärker).
b) Linguistische Untersuchung:
1) Diphthonge:
/a/:
<ai> von <yairoṢˎ> 286a1 (PPt. von √wär‑), <warñai> 286a2, <pelaiknenta> 286a3,
<snai > 286a4, <skainaṃ > 286a5 (s. ad 220b2), <aiśaumye> 286b2, <aiśsi> 286b2,
<emalyaisa> 286b2 (Obl.) und <yokaisa> 286b3 (Obl.) ist /a/.
<ey> von <teykne> 286a2 und <ṣey> 287b2 ist altertümliches /a/.
/a/:
<au> von <śaultsa> 286a2, <KAl[pau]> 286a4 (PPt.), <auñento> 286a5,
<auñe(nt)ai> 286a6 (<ai> Obl.), <PArskau> 286b4 (PPt.), <saṃtkīnau> 286b4
(Suffix, Hapax), <kakākausa> 287a5 (PPt.) und <l[au]kaṃñe> 287b1 (m.E. Adj., nicht
Adv.) ist /a/.
<au> von <aiśaumye> 286b2 (MQR133a1), <kaucˎ> 287a3 und <nauṣo> 287b2
(MQR587) ist aus <ew> entwickeltes /a/.
2) Vokallänge:
<ā>:
<ā> von <pāssi> 286a2 (Inf. von √pāsk‑), <pl[ā]ma> 286a3 (Impv. von √läm‑),
<KAllāTˎ> 286a3 (s. ad MQR330a5), <mā> 286a3, <pāke> 286a3, <yāmtsi> 286a3,
<wāpatsiŚˎ> 286a5, <yāmorṣṣe> 286a5, <aknātsañˎ> 286b2 (s. ad MQ575a2),
<tā[kaṃ]> 286b2, <ñāssa> 286b4 (Pt.I von √ñäsk‑), <āntsi> 287a4, <kakākausa>
287a5, <tāˎ> 287b1 (s. ad MQR407) und <śpālm[eṃ]> 287b5 ist /ā/.
235
<śwātsi> 286b3 /ā/: /śwā‑/ ist Ko.V von √śu‑ (/śu/ + /ā/), und der Pt.‑Stamm ist <śaw‑>
(/śāw-/). Diese Wurzel. zeigt den Ablaut.
<kawāṃñenTARˎ> 286b3 ist Ps.XII 3.Pl (Denominativum von */kāwā/). Belegt ist nur
<kāwo> (<kāw> ist nicht belegt). /‑o/ von /kāwo/ kӧnnte aus unbetontem /‑ā/ mit einer
Labialisierung von /w/ entstehen. Ich sehe <‑ā> → <‑o> bei Nom.Sg., da das Wort
zweisilbig ist
<ī>:
<ī> von <wīna> 286a3, <trīce> 286a4, <cwī> 286b4 (<cwi> 287a4), <saṃtkīnau>
286b4, <ymīye> 287a2, <tseṅkīye[nTA]Rˎ> 287a3 (Opt.) und <wī> 287a6 ist /i/.
Hierin kann man betontes /i/ erkennen. <cwī > 286b4 könnte gegen <cwi> 287a4
betont sein, weil das Wort am Anfang des Satzes steht (nicht in der sog.
Wackernagelsposition).
<ū>:
<ū> von <sū> 287a4 und <pū[d](ñ)ä(KTA)ṃñe> 287b5 ist /u/. Im Gegensatz zu /ī/
kann ich nicht erkennen, daß <ū> betontes /u/ ist, weil <sū> überall vorkommt und
<pūd‑> nahezu gänzlich verallgemeinert ist. Es ist möglich, daß altertümliches <ū>
(und teilweise auch <ī>) das betreffende Wort semantisch verdeutlicht.
Skt.:
<ī> von <śīLˎ> 286a2 ist skt. /ī/, <ā> von <saṃsārne> 286a5 und <nervān> 287a6 ist
skt. /ā/.
<ā> von <ārthˎ> 286a4, <patākne> 286a4 und <bodhisātve> 287b4 ist skt. /a/. Im
Toch. sind die vorletzten Silben von Skt.-Wörtern betont.
<karāŚˎ> 286b6 ist /kārāś/ 'Wald' (<kārāś> MQR118b1), und dies hat nach Bailey
(1979, p. 54) eine Beziehung zu Khot. <karāśśa‑> ('creeper, twig'). Das /ā/ der ersten
236
Silbe ist erklärungsbedürftig, und von der Bedeutung her gesehen möchte ich diese
Etymologie eher für unwahrscheinlich halten.
Mein Vorschlag besteht darin, daß toch. <karāk> 'Zweig' semantisch zu Khot.
<karāśśa‑> paßt. Von der Akzentregel her gesehen müßte dieses toch. Wort dreisilbig
sein, und denkbar ist /kārākV/ (der Endsilbenvokal ist unbekannt) für den Sg., */kārāki/
für den Pl. (vgl. TEB S. 131, <lyak> und <lyśi>). Die Pl.‑Form */kārāki/ wurde dann als
<karāś> verallgemeinert.
<a> (exklusive Perl., Pl.):
<yatsi> 286a1 //, <śamtsi> 286a1 //, <lareṃ> 286a2 /ā/, <warñai> 286a2 //,
<pl[ā]ma> 286a3 /ā/, <wīna> 286a3 /ā/, <campn> 286a3 //, <alyekepi> 286a4 /ā/,
<KArsanalle> 286a4 /‑nā‑/, <antseṣṣi> 286a5 /ā/, <skainaṃ> 286a5 /ā/ (Ps.VI),
<TAnmas(k)eṃ[TARˎ]> 286a6 // (s. ad MQR256a1) <ṣarmo> 286b1 //,
<emalyaisa> 286b2 // (MQ255b5), <skwaṃñenTARˎ> 286b3 // (s. ad MQR224),
<tākaṃ> 286b4 /ā/, <ñāssa> 286b4 /ā/ (Pt.I), <ñṣalle> 286b4 // (erstes /ä/ ist getilgt),
<manT(ˎ)> 286b5 // (<nTA> ist tiefer geschrieben), <kakākausa> 287a5 Redup.,
<l[au]kaṃñe> 287b1 // (MQ212b2), <n(e)salle> 287b3 // (Anaptyxe), <ra> 287b3 /ā/,
<ñake> 286b3 //.
<a> von <pruccamñene> 286a4 ist durchgehend so geschrieben (Š81b1, MQR317a5,
H149add.128b6). Der Akzentregel zufolge ist in diesem <a> betontes /ä/ zu sehen.
Wegen der wenigen Belege kann ich es nicht mit Sicherheit bestimmen.
<wāpatsiŚˎ> 286a5: √wāp‑ zeigt keine finite Form des Ko., aber vom Pt.I her gesehen
sollte sie Ko.V bilden. Bei diesem Inf. /wāpātsi/ wirkt keine Akzentregel. Hingegen zeigt
das Verbalnomen von dieser Wurzel (<wapāttsa> und <‑ai> M375a4) die Akzentregel.
Aufgrund der wenigen Belege (<wāpatsi> nur in H149.037b4,b5,b6) kann ich dieses
<wā‑> nicht genau beurteilen, aber möglicherweise ist <ā> für den Inf. und Ps.IV
semantisch wichtig. Die Form <w(o)p(o)tRA> Š3b5 von dieser Wurzel (Hapax, vgl.
Krause 1952, S. 286) ist wegen der Nichtverfügbarkeit der Hs. nicht überprüfbar, aber
von Pt.I und Ko.V her gesehen ist ein Ps.IV plausibel.
237
<ñare> 286a6 ist durchgehend so geschrieben (Š3b5, H149.37b1,b2,b3). Die Belege sind
zu wenige, um das Wort genau semantisch zu bestimmen. Man hat ihm vielleicht wegen
<sarki> 'Einschlag, Durchschuß im Gewebe' die Bedeutung 'Faden' beigelegt. Ich
vermute, daß das Wort einen buddhistischen Terminus, z.B. /jālā/ 'Netz' oder /jaṭā/
'Haarflechte' vertritt. Das /ñ/ ist im Skt. meistens mit /j/ kombiniert <jñ> geschrieben,
und vermutlich ist es immer als [ɲ] (palatales /n/) ausgesprochen worden.
<ä> und <A>:
Die Endung der 3.Sg.Med. wurde in diesen Hss. immer in der Form <TARˎ>
geschrieben. Das ist m.E. eine spätere Form, weil ich <tRA> für ursprünglich halte.
<A> von <KAllāTˎ> 286a3, <KArsanalle> 286a4, <MAkte> 286a5, <RAskre>
286b2, <PArskau> 286b4, <KAlp[au]> 287b1 und <posTAṃ> b2 (Anaptyxe) ist /ä/.
S330:
a) Paläographische Untersuchung:
a2 <y> ist normal:
worden:
; b4 <ñ> ist promiscue geöffnet und geschlossen geschrieben
; a3 <m> ist unten ornamental:
; a4 <ś> ist links separat geschrieben:
; in b3 <l> ist die senkrechte Linie separat geschrieben (dreiteilig):
.
b2 <ṅ> ist links verbunden, <KA> ist links oben und in der Mitte verbunden:
; a4
<Mʾˎ> ist eckig, und Anusvāra und Virāmakomma in gleicher Form geschrieben:
;
a2 <Ś> ist in der Mitte stark geschlossen und <TA> ist oben nicht deutlich rund:
;
a2 <ṢA> ist in der Mitte wie <ŚA> stark geschlossen:
238
.
a1 <a‑> zeigt eine kurze senkrechte Haste:
wurde hier konsonantisch benutzt:
; b4 <i‑> ist normal:
; b4 <u‑>
; b5 <e‑> ist rechts lang und oben ornamental:
; a2 <ai‑> ist vom Original weiter entfernt (<e‑> ist unten nicht erkennbar):
a1 /9/ ist normal:
; a4 /10/ ist mit langer Mittellinie stark geneuert:
Die Blattzahl ist vorhanden, aber undeutlich (/100/ oder /10/ und /2/?):
.
.
. Von der
alttürk. Notiz (im Verso) her gesehen wurde die Blattnummer vermutlich später von
Uiguren hinzugefügt.
b) Linguistische Untersuchung:
1) Diphthonge:
/a/:
<ai> von <aiŚTARʾˎ> a2, <waipte> a3, <yoñiyai> a5 (Obl.), <enestaine> a5 (Obl.),
<anaiśai> b3 (Adv.) und <taisu> b4 (Adv.) ist /a/.
<cai> a3 ist von <cey> entwickelte Form.
<ey> von <ṣemeykne> a1 ist /e-yä/ (Obl. /ṣeme/ + /yӓkne/, /ä/ ist wegen Unbetontheit
getilgt) und erst später zu <ai> geworden.
/a/:
<au> von <w[a]yauca> a3 (Hapax), <śaulaṣṣe> a4, <milykautsana> b1 (<ly> ist
unverständlich), <slaukatstse> b4 (Hapax) ist /a/.
<nesau> b4 ist aus <neseˎ> entwickelte Form.
<tāʾˎ> a3 und <sāʾˎ> a3 sind die Demon.pron., die durchgehend so geschrieben
sind, also nicht zu <au> geworden, s. ad 133b4 und 576a1.
239
<māKʾˎ> b4 ist /māwk/54. Das /k/ ist eine Verstärkungspartikel. Das /w/ ist vielleicht
epenthetisch. Eine andere Möglichkeiten ist eine Methathese von <k>, aber das ist
unwahrscheinlich, weil keine Metathese bei /k/ eintritt. Eine weitere Möglichkeit ist eine
Analogie (z.B. zu <tāˎ>) zu sehen. Ich möchte eine Epenthese für wahrscheinlicher
halten.
2) Langevokale:
<ā>:
<ā> von <āra> a1, <āymesa> a1 (<y> ist des /ñ/ entwickelter Laut), <ytāri> a2
(<ytarimeṃ> a3), <mā> a2, <ñātse> a4, <ywārtstsa> b1, <yāMAṃ> b2,
<tākaṃ‑ne> b4 und <klāṣṣuki> b5 (Ko.V) ist /ā/. <ā> steht für akzentuiertes /ā/.
<wätkāltse> b5: √wätk‑ bildet nach Krause (1952, S. 288) einen Ko.I /wätkäṃ/
MQ255a6 (nicht <wotkäṃ>, s.o. MQ255), aber hier sehe ich einen Ko.V (Ps.IXa.
<wätkāṣäṃ> H149add.123b3 ist m.E. /wätkā/ + /sk/), anders kann ich dieses /ā/ nicht
deuten.
Skt.:
<ā> von <pāyti> a1 (s. ad MQR <pā> 317b3), <pāytinta> a4 (keine Akzentregel),
<abhyākyāṃ> a1 (für /abhyākhyāna/), <ṣamāne> a1 (s. ad MQR291), <anāpatti> a2,
<pāTAntane> b1 (Lok.Pl. von skt. /pāṭha/) und <karmavācaṃkentse> b3 ist skt. /ā/ (zu
<a> für skt. /a/ s.u.).
<waṃSAṃnpāt>, <wasaṃnpāt> und <waSAṃnpāt> b2 sind skt. /upasaṃpadā/. Die
Schreibung ist schwankend, weil der Schreiber das Wort vielleicht nicht gut kannte.
<wa> ist skt. /upa/ (→ /uwa/ → /wa/). <pā> dieses Wortes ist stabil (Betonung auf der
Pänultima, s. ad <prastrāṃ> 316b3, usw.).
<ū> von <ṢAr[p]ṣūkiññesa> a2 (uki‑Suffix, s.u.) ist /u/. <ū> ist in diesem Suffix nur
hier belegt, sonst immer kurz (<‑ukiṃ> a5, <‑uki> b5). Möglicherweise ist zweite Silbe
54
Nach Adams (1999, p. 445) ist es mā‑wko, dessen /w/ und /‑o/ ich nicht verstehe.
240
nach der toch. Akzentregel akzentuiert, aber den anderen Belegen zufolge könnte ein
Schreibfehler vorliegen.
<a> (exklusive Perl., Pl.):
<weṣṣaṃne> a1 //, <āra> a1 /ā/, <ṣañˎ> a1 //, <kallaṃ> a3 /kälnāṃ/ (Ko.VI von
√kälp‑), <parna> a3 /pärnā/, <lantsi> a3 //, <atameṃ> a3 (?), <cam[PA]ṃ> a3 //,
<alleKʾˎ> a3 /ā/, <w[a]yauca> a3 /ā/, <nesaṃne> a3 //, <śaKʾˎ> a4 //, <śaulaṣṣe>
a4 //, <taṅktsiŚʾˎ> a4 //, <stare> a4 /ā/, <yaṃ> a5 //, <waṣiKˎ> a5 (Hapax),
<KAlpaṣṣukiṃ> a5 /ā/, <ṣparKAṣṣukiṃ> a5 //, <waTʾˎ> a5 //, <KAttaṅKAṃ> a5
//, <ywārtstsa> b1 /ā/, <KArsanalle> b1 /kärsänālle/, <maññene> b2 /ā/, <anaiśai>
b3 /ā/, <yamaṣle> b3/yāmsk‑lle/ (/ä/ ist Anaptyxe, Ko.I), <prekṣalle> b3 (/ä/ ist
Anaptyxe, Ko.I,), <nano> b3 //, <pikwalaSʾˎ> b3 /päkwälā/ (/wä/ ist altes /u/),
<tākaṃne> b4 /ā/ (/ne/ ist suffigiert), <(a)kartte> b4 /akrte/, <palskone> b5 //,
<epyaś> b5 /ā/ (<ś> ist aus /c/ entwickelter Laut).
Skt.:
<a> von <strisahagamaṃ> a4, <steyasaṃ> a5, <steyasaha> b1 und <arthˎ> b1 ist
skt. /a/.
Unter <plataṃkamampa> a5 ist alttürk. <saweltyācilyRA birlyā> als Kommentar oder
als Übersetzung geschrieben. Nach Adams (1999, p. 423) handelt es sich um /säwildäčilär
birlän/, wobei /birlän/ (<lyā> ist von ihm als /län/ emendiert) dem toch. /‑mpā/ 'mit'
entspricht, und /säwil‑dä‑či‑lär/ 'those who spread out' bedeuten soll. Mir ist diese
Argumentation weder phonologisch noch semantisch verstӓndlich. Ich vermute, daß man
der alttürk. Notiz nicht trauen kann (ein Schreibfehler?). Dem Kontext zufolge müßte
<plataṃkamampa> ein Skt.-Wort sein. Eine Möglichkeit ist BHS /plotika/ + skt. /kāma/
+ toch. /‑mpā/ oder /plotika/ + /kaṃbala/, wobei /plotika/ dem skt. /plota/ 'Tuch'
entsprechen könnte. Jedenfalls hat der Schreiber dieser Hs. das Skt.-Wort nicht präzise
(oder falsch) geschrieben, z.B. verschiedene Schreibung für /upasaṃpadā/ oder
<steyasaṃ> für /steyasaha/ (s.o.).
241
<ä> und <A> (exklusive 3.Sg.):
<ä> und <A> von <ṢAr[p]ṣūkiññesa> a2, <KAlpaṣṣukiṃ> a5, <ṣparKAṣṣukiṃ> a5,
<KAryorccempa> a5, <KAttaṅKAṃ> a5, <tRAṅkoṣṣe> b1, <KArsanalle> b1,
<MAskeTARʾˎ> b2, <iKAṃ> b4 und <wätkāltse> b5 sind /ä/.
<ñiŚʾˎ> b4 ist /ñäś/, und /ä/ wurde zwischen <ñ> und <ś> zu palatalisiertem <i>.
Merkwürdig ist das Nomen agentis auf ‑uki. Nach Krause (1952, S. 45) ist es vom Ps.IXStamm gebildet. Meiner Meinung nach handelt es sich um ein vom Ko.‑Stamm
gebildetes s(k)-Ps.
<ṢAr[p]ṣūkiññesa> zeigt keinen Vokal zwischen <rp> und <ṣ>, daher halte ich diesen
Ko. für Klasse I, obwohl Krause (1952, S. 297) ihn wegen <‑au> der Klasse II zuordnet,
aber <‑au> konnte auch beim Ko.I auftreten. Übrigens bildet diese Wurzel Ps.VIII,
nicht Ps.IX.
<a> vor /sk/ von <KAlpaṣṣukiṃ> ist /ā/, weil dieser Stamm m.E. Ko.V ist, obwohl
Krause ihn wegen <ll> (<källāt> Š286a3, usw.) zum Ko.VI gestellt hat. Dieses <ll> ist
normalerweise aus <ln> assimilierter Doppelkonsonant, aber kann /lpn/ so interpretiert
werden? Ich nehme an, daß auch /lp/ zu <ll> werden kann, wenn /l/ phonologisch oder
semantisch dominierender als /p/ ist.
<ṣparKAṣṣukiṃ> zeigt <A> vor /sk/, da dies ein Kaus. ist. Beim Kaus. (Ps.IXb) sind
Ps.‑ und Ko.‑Stamm gleich.
Skt.:
<duṢKARʾˎ> b1 ist skt. /duṣkara/, und im Toch. wurde es nach der Apokope zu /duṣkr/.
Theoretisch hätte es auch /duṣkār/ ergeben können, aber es wurde mit Anaptyxe als
<AR> wiedergegeben.
<A> von <pāTAntane> b1 ist Ergebnis einer Anaptyxe. Das Skt.-Wort /pāta/ ist durch
Apokope zu /pāt/ geworden, und die Pl.‑Markierung /‑ntā/ ist hinzugefügt.
242
S432:
a) Paläographische Untersuchung:
a2 <y> ist dreiteilig, und teils mehr, teils weniger dick geschrieben:
geöffnet:
; b3 <ñ> ist
; a1 <l> ist separat und <‑o> ist links wie <‑e> geschrieben:
<m> ist wie <y> (teils mehr, teils weniger dick):
verbunden:
; a2 <MA> ist eckig:
; a1
; a3 <ṢA> ist in der Mitte stark
.
Das Interpunktionszeichen a3 ist mit zwei ineinander fließenden zwei Punkten
geschrieben:
.
b) Linguistische Untersuchung:
1) Diphthonge:
<yolai> a3 /a/ (Obl.), <[c]au> a4 (Demon.pron. <cew>).
<taisaktuka> a3 kann als /tasā-k/ (/a/) und /tu-kā/ getrennt gelesen werden, aber dem
<‑ka> zufolge ist es eine kompositumartige Verbindung, weil die Verstärkungspartikel
/kā/ am Wortende, /‑k/ stattdessen in der Wortmitte stehen sollte. <ai> von /tasā/
könnte eine Analogie zu /taikne/ sein. /tu/ ist Demon.pron.n. Beide Wörter bedeuten 'so'.
2) Vokallänge:
<ā>:
<ā> von <tsārwosa> a4, <śrānaṃtSˎ> b2, <mā> b3, <w[e]ñā> b3 (Pt.V),
<kāntsasi> b4 (Inf. von √kānts‑) und <yātka> b4 (Kaus.Pt.II) ist /ā/.
<a>:
<walo> a1 //, <amokceṃ> a2 /ā/, <taisaktuka> a3 /ā/, <lyuwa> b2 /ā/, <śrānaṃtSˎ>
b2 //, <warne> b3 //, <kāntsasi> b4 /ā/, <yātka> b4 /ā/.
243
<kanaṣke> b1 ist skt. /kaniṣka/ (Königsname). Skt. /i/ wurde von toch. /ä/ substituiert,
und /ä/ wurde akzentuiert.
<A>:
<A> von <yonMAṃ> a2 und <p[l]uṢAṃ> a3 ist m.E. eine Anaptyxe (s. ad MQ284).
S524‑526 (Karmavibhaṅga):
a) Paläographische Untersuchung:
524b3 <y> ist normal:
, 524b5 <ña> ist geöffnet und nach rechts geneigt:
524b1 <śa> ist links gekrümmt:
oben links verdickt:
; 524a4 <la> ist dreiteilig:
; 524b4 <na> ist eckig:
Mitte mit horizontaler Linie geschrieben:
525a6 <Śˎ> ist eine spätere Form:
.
, 524a2 <MA> ist innen undeutlich, aber
; 526b4 <PA> ist normal, geschickter als <KA>:
ist ebenso wie <PA> normal und geschickter geschrieben:
524b6 <i> von <di> ist m.E. die spätere Schreibung55:
55
; 525a7 <ma> ist
; 524b1 <ṇa> ist unten in der
wenn hier die Kreuz geschrieben ist, ist diese Form altertümlich:
ungeschickt:
;
; 525a1 <KA> ist
; 526b4 <TA>
.
.
Nach L. Sander (1968, S.181.) gehört diese Schreibung zu "Schrifttypus IV", d.h. Alphabet q, das nicht
das Objekt (Toch. gehört dazu) von L. Sanders Arbeit ist. L. Sander meint, dass "q" (Tafel. 32) "Abschriften
von indischen Palmblattmanuskripten sind, ohne dass immer das Original genau kopiert wurde". Dieses
Argument passt gut zu den vorliegenden Hss. Paläographisch gesehen hier eine Promiskuität zu erkennen,
z.B. normales <ya>, altertümliches <ṇa>, und späteres <Śˎ>, und ich bin nicht sicher, ob diese Hss. von
244
524a7 <a‑> ist normal:
<ˎ> ist normal:
; 524b2 <e‑> ist schnörkellos (altertümlich):
ist zweiteilig (normal):
geschrieben:
; 525a2 <i‑> ist rechts ungeschickt (Kopie):
; 526b2
; 526b4 <o‑>
; 526a6 <au‑> ist rechts mit eckigem Haken unpräzise
.
<ṃn> für /n/ kommt in dieser Hs. 525 zweimal (<eṃntwe> b3, <tumeṃn> b5, sonst
<ṃ> allein) vor. <ṃn> ist m.E. eine altertümliche Schreibung im Toch., die von Skt.Schribweise beeinflußt worden wӓre.
b) Linguistische Untersuchung:
1) Diphthonge:
/a/:
<nanautau> 524a3 /a/, <śaul> 524a6 /a/, <nesau> 525b2 (<eˎ>), <kaunatse>
526a2 /a/, <kaucˎ> 526a5 (aus <ew>), <aurtsante> 526a6 (für <auntsante>) /a/.
<w> von <TArkauw> 525b2 ist ein altertümlicher Bindekonsonant.
<nauṣu> 525b4 ist nach Adams (1999, p. 350) ein von /nauṣ/ abgeleitetes Adj. Die
Belege sind <nauṣṣu • • •> S400b156, MQ510a3, S525b4 und H149add.63/59a3 (<‑u>),
MQ167a3 (<‑ū>) und T297.2a1 (<‑w>). Pluralformen sind M172a1 (<‑uw(e)nTˎ>),
MQ151a2 (<‑uwe///>) und H149add.123b4 (<‑uwente>). Dieses Adj. auf /‑u/ kommt
bei <newṣ> oder <neˎṣ> niemals vor. Dies bedeutet, daß diese Bildung eine
Neuschöpfung sein könnte.
"indischen Palmblattmanuskripten" kopiert sind. Vermutlich ist das Original des "Karmavibhaṅga", das in
Zentralasien geschrieben wurde, in Nordindien zu suchen.
56
Die Hs. ist nicht verfügbar, und nach Sieg/Siegling (Thomas 1953, S. 266, Fnt. 12) ist <tatākau> zu ergӓ
nzen.
245
<ew> und <eˎ> von <[MAkcews(a)> 524b6, <c[e]ˎ> 525b1 sind altertümliche
Schreibungen für /a/. Diese Schreibung befindet sich bei Pron. auch später.
/a/:
<aiṣṣeñca> 524b5 /a/ (Wz.), <yolaiñˎ> 526b3 /a/ (Obl.).
<ai> von <ymainne> 524b4 ist /a/ (Obl.-Markierung). Der Nom.Sg. heißt <ymiye>,
dessen <‑e> die Markierung für den Nom.Sg., und dessen <‑y‑> ein Bindekonsonant ist.
Mithin ist der Wortkern /ymi/ (Verbalnomen von √yä‑, nicht √i). Es ist denkbar, daß das
Wort /yä/ + /m/ + /i/ ist, wobei /ä/ getilgt, /m/ Verbaladj. bildendes /mo/ (Krause 1952, S.
47) und /i/ ein Suffix (Krause 1952, S. 49) sein kann. <n> vor <ne> ist ein Teil der
Obl.Pl.‑Markierung /aṃ/, oder <nn> kann ein nach Vokal (oder Morphemgrenze)
geminiertes /n/ sein. Wenn <pakwārona> sich auf <ymainne> bezieht, ist Obl.Pl. /-aṃ/
plausibel.
<taisa> 525a4: <ai> (durchgehend so geschrieben) ist schwer zu beurteilen (vgl.
Adams 1999, p. 308). Es ist wahrscheinlich, daß das Wort vom Demon.pron.n. /te/
hergeleitet ist. Ich habe oben bei S432a3 eine Analogie vermutet. Wenn diese zutrifft, ist
<taisa> nicht alt, weil <taikne> eine aus <teykne> entwickelte Form ist. <taisu> und
<taise> konnte von diesem <tai> und Demon.pron. /su/ bzw. /se/ gebildet werden. Eine
andere Möglichkeit: /tesā/ könnte unter dem Akzent als [teːsa] behandelt sein, und
<taisa> wurde geschrieben, wenn <ai> ein langes [eː] war.
Ich ziehe eine Analogie als Erklärungsmöglichkeit vor, wenn <tai> von <taisu> bzw.
<taise> gleich wie <tai> von <taikne> ist.
<ey> von <[ṣ]eyme> 526a4 ist altertümliches /a/.
<[ce]na> 526a4 ist ein Schreibfehler für <ceyna>. Dies deutet darauf hin, daß die
Schreibung <ey> dem Schreiber nicht geläufig war.
246
<ai> von <ihaikatya> 524b3 ist die skt. Sandhiform /iha/ + /ekatya/, die im Skt. Muster
so geschrieben wӓre.
2) Vokallänge:
<ā>:
<ā> von<ersnāsu> 524b2, <pakwārona> 524b4, <yāmor> 524b6, <śtwāra> 525a3,
<tāka> 525a6, <war[w]āte> 525b1 (Pt.I), <[r]ā> 525b5, <pākri> 525b7, <āre> 526a5,
<prārisa> 526a5 und <ālyoce> 526b4 ist /ā/.
Skt.:
<ā> von <prāsādi(ka)> 524b2 ist skt. /ā/.
<ā> von <cakravāRˎ> 525a4 und <abhyantarakālptsa> 525a5 ist skt. /a/. Der Akzent
liegt auf der Pänultima vor der Apokope.
<caturmāhār(ājakāyiki)> 526a1 ist /caturmahā‑/. Der Akzent liegt auf der dritten Silbe.
Hier sehe ich zwei <ā>, eines ist ursprünglich, das andere vertritt akzentuiertes skt. /a/.
Sollte das zutreffen, fällt der Akzent des Skt.-Wortes im Toch. auf die dritte und fünfte
Silbe, und die erste bleibt unveränderlich.
<a> (exklusive Perl., Pl.):
<nanautauwa> 524b1 Redup. und Pl. /ā/, <pakwārona> 524b4 /ä/ und Pl. /ā/,
<aiṣṣeñca> 524b5 /ā/, <er[ṣ]eñca> 524b7 /ā/, <kwärsarwa> 525a1 /kwärsrwā/, <ṣkas>
525a2 //, <parra> 525a3 /pärnā/, <śtwāra> 525a3 /ā/, <ñakte> 525a6 //,
<(o)[m]palskoñemeṃ> 525a7 //, <lyama> 525a7 // und /ā/, <nano> 525a7 //,
<war[w]āte> 525b1 /ā/, <ñiśa> 525b2 /ñäśā/, <tañÄ[ˎ]> 525b2 //, <muska> 525b3 /ā/
(Pt.I), <tsa> 525b5 /ā/, <takāre> 525b7 /ā/, <kaunatse> 526a2 (Anaptyxe), <śaKˎ>
526a3 //, <ra[no]> 526a6 /ā/, <autsante> 526a6 (für <auntsa‑>) /ā/ (Pt.III),
<k[e]naṣṣe> 526b2 (Anaptyxe //), <aresa> 526b2 /ā/.
<a> von <peñiyyacc[i]> 526a4 ist m.E. ein Schreibfehler für /a/. Das entsprechende
Wort in A-Toch. ist /pañi/ (Nom./Obl.). Der Obl.Sg. in B-Toch. ist /peñya/, dessen <ai>
die typische Obl.‑Markierung ist. Der Nom.Sg. ist nach der communis opinio <peñyo>,
247
das aber ein Hapax (H149.19b7) darstellt und dessen <‑o> möglicherweise sog.
bewegliches "o" ist (Ende eines Pādas von 5/7 Sieben). Wenn dem so ist, ist der Nom.Sg.
als */peñi/ oder */peñiye/ und der Obl.Sg. als /peñiya/ anzusetzen, wobei <y> ein
Bindekonsonant sein kann. <yy> hier könnte analogisch (z.B. <maiyyā>) verdoppelt
geschrieben werden.
Ich vermute dann: wenn die Etymologie skt. /puṇya/ sein sollte, könnte dieses <e> ein
/ä/ (aus skt. /u/) vertreten. Als /puṇya/ direkt oder indirekt ins B-Toch. entlehnt wurde,
trat Apokope ein, und <ṇ> wurde zu <n>, weil /ṇ/ kein toch. Phonem ist, und wegen
des <y> wurde <n> zu <ñ> palatalisiert. Skt. /u/ wurde <ä> und vor <ñ> und nach
<p> zu /e/. Das palatalisierte /ä/ kann phonetisch ein <i> reflektieren, aber es könnte
als ein /e/ repräsentiert werden (eine Dissimilation von /-i/?). Das /a/ von /pañi/ in AToch. ist ein Fortsetzer des /e/ in B-Toch. oder ein durch die Vokalbalence entstandenes
/ä/.
Skt.:
<[pud]galasya> 524a1 /a/, <bhavati> 524a2 /a/, <kleśanma> 524b1 (akzentuiertes /ä/
(Anaptyxe) und Pl. /ā/), <ihaikatya> 524b3 /a/, <brahma> 525b4 (/brāhma/),
<parinermita> 525b5 /a/, <catur‑> 526a1 /a/, <karma> 526a3 /a/.
<ä> und <A> (exklusive 3.Sg.):
<A> und <ä> von <LAkles(su)> 524a2, <MAske[tRA]> 524a2, <KAnte> 525a1,
<iKAṃ> 525a2, <TArkauw > 525b2 und <ñäkteṃtS(ˎ)> 525b3 sind /ä/.
<i> von <piŚˎ> 525a1 ist /ä/. Wegen des labialen /p/ und des palatalen /ś/ ist es zu <i>
geworden. Dies ist eine kolloquiale Erscheinung und spätere Schreibung.
Linguistisch gesehen wird in dieser Hss. promiscue geschrieben. Das deutet darauf hin,
daß diese Hss. Kopien sind.
D290:
248
a) Paläographische Untersuchung (Hs. nur einseitig beschrieben):
a3 <y> ist dreiteilig (normal):
; a1 <ñ> ist geöffnet:
; a6 <l> ist dreiteilig
geschrieben, <‑o> zeigt eine Zwischenstufe (Halbkreis) zu neuem Zeichen (links
e‑artig):
; a3 <śa> ist links gekrümmt und oben rechts eckig:
leicht ornamental:
; a5 <ṅ> ist links verbunden, <k> ist normal:
; a2 <m> ist
.
a4 <K> ist oben links mit schmaler Linie verbunden, <Ṣ> ist in der Mitte wie eine Linie:
; a7 <Śˎ> ist in der Mitte stark verbunden:
a2 <ā‑> ist normal:
; a1 <MA> ist eckig:
; a6 <i‑> ist an ornamental:
a6 <e‑> ist rechts lang und oben ornamental:
extra lang gezogen:
a2 /3/,
a3 /4/,
; a1 <ai‑> ist normal:
.
; a3 <ʾˎ> ist normal:
;
; a6 <o‑> ist zweiteilig und oben
.
a6 /6/ sind normale Zahlzeichen.
In dieser Hs. kommen Virāmakommata überall (auf Fremdzeichen und Normalzeichen)
vor. Merkwürdig ist das Trema bei <Śˎ>, wo ein Komma hätte gesetzt werden sollen.
b) Linguistische Untersuchung:
1) Diphthonge:
/a/:
<wärñai> a1 enthält /a/, <ain> a1 /a/ (Ko.I), <maiyyātstse> a6 /a/, <snai> a7 /a/.
<yai> a6 ist Ipf. von √yä‑, und von <yeyˎ> (S107a1,a3) her gesehen ist <ai> aus
<ey> entwickelter Diphthong.
/a/:
249
<aurce> a3 (aus <eˎ> entwickelte Form), <kauṃñäkte> a4 /a/.
<ceʾˎ> a3 ist altertümliches /ca/.
Skt.:
<pratiyaikapudñäktetSˎ> a2 reflektiert skt. /pratyekabuddha/. <-ai-> ist ein
Schreibfehler für <‑e->, und <ṃ> auf <kte> ist vergessen worden. Diese Schreibung
kann auf eine Unfähigkeit des Schreibers hindeuten.
2) Vokallänge:
<ā> und <ī>:
<ā> von <yāMA(ṃ)> a1, <āyornta> a1, <āstreṃ> a2, <yāmi> a2, <papāṣṣorñe> a5,
<ārte> a5, <tattārmeṃ> a6, <maiyyātstse> a6, <āñMA> a7 und <myāskate> a7
(Kaus.Pt.II) ist /ā/.
<celāMAññana> a1 (Hapax) ist nach Krause (1952, S. 244) ein Adj. von √cel‑eññ
'hervorstechend'. Dieses Adj. kann sich im Kontext auf <āyornta> 'Geschenke' beziehen,
aber ich verstehe weder den Wurzelansatz noch die Bedeutung. Vor allem sind <ā> und
<MA> unverständlich. Vermutlich hat das Wort keine Beziehung zu √cel‑eññ, sondern
liegt ein eigenes Wort /celām/ zugrunde, dessen Bedeutung vom Kontext her gesehen
etwas negativ ist.
<ī> von <yamītRA> a3 und <paṣṣīTARʾˎ> a5 ist altertümliches oder betontes /i/.
Skt.:
<ā> von <śikṣapāTʾˎ> a4 skt. /a/ (s. ad 526a5).
<ā> von <nāṭaKʾˎktse> a7 ist skt. /ā/. Die Schreibung <Kʾˎk> ist merkwürdig.
Wahrscheinlich ist es ein Schreibfehler für <nāṭaKAntse>. Der Schreiber hat zuerst
<nāṭaKʾˎ> als ein selbständiges Wort geschrieben und dann <ktse> statt richtige
Gen.Sg.-Markierung <ntse> angefügt.
250
<a> (exklusive Pl. und Perl.):
<tekanma> a1 // (s. ad MQR137b3), <kakonta> a1 /ā/ (Akzentregel), <staMAṣṣaṃ>
a1 // (Kaus. Akzent, <ṣṣaṃ> für <ṣṣeṃ>), <wat> a1 //, <asta> a1 /ā/, <yarposa> a2
// (<sa> ist die Postposition), <yarke> a2 //, <mant> a2 //, <ra> a2 /ā/, <ptanma>
a3 //, <akessontʾˎ> a4 /ā/, <papāṣṣorñe> a5 Redup., <traṅko> a5 //, <tarkoy> a5 //,
<rutkalyñ o> a5 /ā/ (Ko.V), <tattārmeṃ> a6 // (√tätt‑, s. ad MQR407a1), <epiyacˎ>
a6 /ā/, <kaloytaRʾˎ> a6 /ā/ (Ko.V), <lali> a6 /ā/, <añmantse> a7 /āñmäntse/
(Anaptyxe), <myāskate> a7 /ā/ (Pt.II), <kartseŚˎ> a7 //.
<imassu> a6 gehört zu /ime/. Dem <a> zufolge ist es möglich, ein Wortstamm */imӓ/
(/imä/ + /e/ → /ime/), oder */yäm/ (/yäm/ + /e/ → /ime/) zu sehen. Das /e/ kann eine
Markierung für den Nom.Sg. sein und im Paradigma verallgemeinert werden. Dem /i‑/
zufolge kann das Wort nicht alt sein.
Skt.:
<a> von <pañcwarṣiKAnta> a1, <arhantentso> a2, <pratiyaikapudñäktetSˎ> a2,
<śikṣapāTʾˎ> a4 und <nāṭaKʾˎktse> a7 (s.o.) ist skt. /a/. In diesen Skt.Wörtern finde
ich keine Akzentregel.
<kiṭanmasa> a2 vertritt skt. /koṭi‑/ (Pl.Perl.). Der Schreiber hat das Wort nicht gekannt
und <i> in der ersten statt der zweiten Silbe geschrieben.
<ä> und <A> (exklusive 3.Sg.):
<ä> und <A> von <wärñai> a1, <staMAṣṣaṃ> a1 (Kaus.), <PArkreṃ> a2,
<pudñäktetSʾˎ> a2, <KAtkoṣ> a4 und <yäkne> a7 sind /ä/.
<weSAñ> a7 ist Gen. des Pers.pron. 1.Pl. von /ñäś/. Hier erkenne ich in <A> ein
Ergebnis einer Anaptyxe, weil eine Markierung /‑äñ/ undenkbar ist. Die Beziehung
zwischen zwei Gen.-Formen /wesi/ und /wesäñ/ ist unklar. Eine Möglichkeit ist, daß <ñ>
durch <y> zum <i> wurde. Von dem nicht palatalen /s/ her gesehen ist es möglich,
zwischen /wes/ und /i/ bzw. /ñ/ eine Morphemgrenze zu sehen.
251
Skt.:
<A> von <pañcwarṣiKAnta> a1 ist Ergebnis einer Anaptyxe vor der toch. Pl.Markierung /‑ntā/.
D530, 533‑4:
a) Paläographische Untersuchung:
Der Duktus ist ähnlich wie D296. Das Virāmakomma ist mit dem Ausläufer nach rechts
geschrieben (s. unten bei <Mʾˎ>).
530a5 <y> ist normal, <ḥ> (Visarga) ist eine senkrecht Linie:
geöffnet:
; 530b3 <ś> ist links separat geschrieben:
Mitte etwas verdickt:
<‑ā> ist lang gezogen:
; 530b2 <ñ> ist
; 530b3 <ṇ> ist in der
; 533b2 <ṅ> ist links verbunden, <g> ist wie <ś> eckig und
; 533a2 <l> ist dreiteilig geschrieben, eine Ligaturbindung
ist erkennbar (<ltsa> ist möglich):
.
533b5 <TA> ist oben nicht rund und <TARˎ> ist für /t/ geschrieben:
<Mʾˎ> ist eckig und das Virāmakomma ist mit dem Ausläufer geschrieben:
533b3 <a‑>,
534a2 <i‑>,
533b4 <u‑> und
1) Diphthonge:
252
.
534b4 <ai‑> sind
normal; 534a3 <e‑> ist rechts lang und oben ornamental (entwickelte Form):
b) Linguistische Untersuchung:
; 534a1
.
<ai> von <stamaṣṣaine> 350a4 (Obl.), <wässaiṃ> 530b1 (Obl.Pl.), <śaiṣṣe[n]e>
533a1, <wai[p](t)ā[Rˎ]> 533a4, <snai> 534a1, <saiMˎ> 534a1 und <[a]naiśai> 534b5
ist ursprüngliches /a/.
<pātrai> 534b3 stammt aus skt. /pātra/. <ai> ist der Obl. zu toch. /pātr/.
2) Vokallänge:
<ā> und <ī>:
<ā> von <wai[p](t)ā[Rˎ]> 533a4, <yāmu> 534a2, <wālalñe> 534a4, <lastāṅKˎ>
534b1, <mā> 534b4, <kakkārparme[ṃ]> 534b5 und <wawāla(ṣsa)> 534b5 ist /ā/.
<tekīta> 530b4 ist vielleicht ein Schreibfehler für <tekanma> (Pl. von /teki/).
Skt:
<gh[ī]tvā> 530a3, <vttān> 530a4, <vā> 530a4, <yāḥ> 530a5, <kuśāpi> 530b1
(Sandhi),
<t[]ṇakāṣṭhaśākhoparṇ[ā]ṃśasaṃ>
530b3,
<jātīyāni>
533a2,
<mamāyitāni> 533a3, <vicaritāni> 533a4, <aṅgāṅgānusārī> 533b2, <upasthitā>
533b4, <aparāyaṇaṃ> 534a1, <saṃrāgadharmaṃ> 534a3, <nadīsrota> 534b2,
<samanvāgata> 534b4, <ajānaṃ> 534b4, <āvtena> 534b5.
Alle Langvokale (auch Kurzvokale und Anusvāra) sind wie im Skt. geschrieben.
<kāściTˎ> 530a5 ist skt. /kaścit/. In <ā> erkenne ich eine Akzentuierung und in <‑Tˎ>
eine Tocharisierung. Normalerweise ist das Skt.-Wort mit Normalzeichen <‑tˎ>
geschrieben worden.
<a> (exklusive Pl.):
<aśaklane> 530a3 (Hapax), <stamaṣṣaine> 530a4 /stāmäṣṣaine/, <waTˎ> 530a4 //,
<rano> 530b1 /ā/, <sukaññiyentRA> 530b2 // (Anaptyxe), <śawa> 534a3 /śwā/ (s. ad
<śwātsi > 286b3), <sapule> 534b3 (Hapax). Bei Hapax Legomena kann ich nicht
bestimmen, ob <a> /ā/ oder /ӓ/ ist.
253
<witsakaṣṣai> 530a2: Nom.Sg. ist /witsäko/ und Obl.Sg. ist /witsäka/. Hier hätte auch
<witsakaiṣṣai> geschrieben werden können. Alle sichere Belege mit <‑o> (<witsko>
MQR554a4, <witsako> Š497a9,b7, Y501.7, andere Y501.8 und H149.320b2 sind
unsicher) sind vor dem Interpunktionszeichen in Versen geschrieben worden. Daher
könnte das /‑o/ sog. bewegliches "o" sein. Wenn dem so ist, kӧnnte Nom.Sg. davon
/witsäk/ oder /witsäkā/ sein.
<kottartsana> 530a5 ist ein Adj.Pl.f. vom skt. Lehnwort /gotra/. Die Belege sind
durchgehend <kottar> (4x). Dem verdoppelen <tt> zufolge ist folgende Entwicklung
anzunehmen: /gotra/ → /kottr/ (Verdoppelung vor /r/, Apokope) → <kottär> (Anaptyxe)
→ <kottar> (Akzentuierung).
<taśi> 530b4 ist Opt. von √tek‑ (Krause 1952, S. 249‑250). Der Vokal /ä/ (<tak‑> bzw.
<TAk‑>) kommt nur bei Opt. und Abst.II vor, sonst tritt /e/ auf. Nach meiner Meinung
ist die Wurzel als √täk‑ anzusetzen, weil der Opt. die ursprüngliche (schwundstufige)
Form bewahrt hat.
Ein Problem ist, was für eine Beziehung zwischen /e/ und /ä/ besteht. Eine Möglichkeit ist,
in /tek‑/ und /täk‑/ ein Ablautverhältnis zu sehen. Eine andere Möglichkeit ist eine
Analogie, z.B. stammbildender Vokal /e/ von Ps.III oder Ko.III. Ich sehe in diesem /e/
keinen Palatalisierungseffekt (palatalisierter Anlaut von Ps. /cek‑/ steht m.E. in
Opposition zum Ko./Pt.-Stamm), deswegen möchte ich die Analogie vorziehen.
Skt.:
<abhipralambeyu> 530b2, <vastu> 530b5, <abhinandituṃ> 533b3, <bhavati> 533b4,
<cchadanaṃ> 534a4, <śakti> 534b1, <viṣakumbha> 534b3:
Die Kurzvokale sind wie im Skt. geschrieben. In diesen Hss. hat der Schreiber die Skt.Wörter ganz korrekt geschrieben. Vom Virāmakomma für toch. Wörter und vom Fehlen
des Virāmakommas für Skt.-Wörter her gesehen sind diese Hss. von einer früheren Skt.Vorlage kopiert worden.
<ä> und <A> (exklusive 3.Sg.):
254
<wässaiṃ> 530b1 /ä/ (Hapax, skt. /kuśa/), <[MA]skeTARˎ> 533b5 /ä/, <PAkliye>
534a2 (Hapax, skt. /iriṇaṃ/), <eṅKALˎ> 534a3 /ä/ (Anaptyxe).
D541:
a) Paläographische Untersuchung:
a1 <y> ist normal:
; b7 <l> ist dreiteilig geschrieben, <ñ> ist geöffnet, <‑e>
steht wie umgekehrtes <i> kopfüber:
geschlossen:
; a3 <ś> ist links separat geschrieben:
nicht verdickt, <ḍ> ist normal:
b7 <Ṣ> ist normal:
"Fremdzeichen":
; a4 <ṇ> ist in der Mitte
.
; a2 <Śʾˎ> ist wie sonst in D., hier mit Virāmakomma auf dem
; a7 <T> und <KA> sind normal:
a2 <a‑> ist unten lang gezogen:
Mitte leicht ornamental:
b7 /100/,
; b7 <ts> ist normal, <ñ> ist in einer Linie
b7 /8/,
.
; a1 <i‑> ist normal:
; a3 <ai‑> ist normal:
; b5 <u‑> ist in der
.
b7 /1000/: hier gemeint ist die Zahl /108000/.
b) Linguistische Untersuchung:
1) Diphthonge:
/a/:
255
<ai> von <preśyaine> a1 (Obl.), <weṢṢAlyai> a1 (Obl.), <aimameṃ> a3 (für
<aiśaumyeṃ>?), <airPAcce> a6 (s. ad MQR571a4), <aiśamñeṣṣe> b5, <snai> b7,
<proskaitsñe> b7 (Obl.) und <pelaikne> b8 ist /a/.
/a/:
<cau> a1 (<ew>, <eˎ>), <laute> a3 /a/, <n[au]ṣaṃñ.> b1 (<newṣ>).
Skt.:
<yadainaṃ> a1 (Sandhi um /yadā enaṃ/), <avaiti> b2 (Sandhi um /ava‑eti/),
<duṣkaracāRAṣṣai> b3 toch. /a/ (Obl.).
2) Vokallänge:
<ā>:
<ā> von <mā> a2, <(pe)rāKAññesa> a2, <śāmane> a3, <weñāre> b4 (Pt.V) und
<yāmi> b8 (Opt.) ist /ā/.
<kārsa(ṃ)> b2 ist Ko.V von √kärs‑ 'wissen'. Vom skt. Äquivalent <avaiti> (Pr.Akt.)
her gesehen sollte hier eher /kärsnāṃ/ (Pr.VI) stehen, aber der Schreiber hat <(yadā)
avaiti> 'wenn er weiß' durch einen konjunktivischen Nebensatz ersetzt.
Skt.:
<‑karaṇīyā> a1: das zu diesem Wort gehörende <‑m> ist in der toch. Übersetzung in
der nächsten Passage separat geschrieben, d.h. der Schreiber hat das Skt.-Wort Akṣara
für Akṣara gelesen und kopiert.
<āsvādā(ṃ)> a1, <abhikrānto> a2 (bewegliches "o"), <paryāyam> a3, <akārṣiTˎ> a3,
<jātu> a5, <samādhi> a7, <anavadyatāṃ> a8, <pūrveṇ[]> b1, <prahāṇa> b3,
<avakrānta> b6, <prāsādika> b8, <prasādanīya> b8: die langen Vokale sind wie im
Skt. geschrieben.
256
<s[ā]mutka[r]ṣak[]> a1 ist /sāmutkarṣika/. Die vorletzte Silbe (Pänultima) ist /ṣ/. Skt.
/i/ wurde im Toch. als /ä/ wiedergegeben und betont. [] kӧnnte zum nächsten Wort
gehӧren, oder ein Teil vom Kompositum sein.
<pannāKAnta> b6 ist nach Adams (1999, p.356) skt. /upānaha(ka)/ 'sandal, shoe', aber
seine Interpretation wirft die phonologische und semantische Fragen auf:
1) Warum verschwindet einfach der Anlaut /u‑/?
2) Warum ist skt. /ā/ von /pā/ verkürzt?
3) Warum tritt die Gemination <nn> auf?
4) Warum verschwindet skt. /h/?
5) Was ist (ka)?
Ad 1): Meistens bleibt skt. /u‑/ im Toch., aber durch Prākrit wurde <up‑> zu <w‑>,
nicht <p‑>, wie in <wasaṃnpāTˎ> S108b1.
Ad 2): Nach dem Schwund der ersten Silbe sollte die Betonung auf der zweiten Silbe
liegen. Wenn dem so ist, müßte /ā/ von /pā/ als <ā> wiedergegeben werden.
Ad 3): Hier müßte eine Morphemgrenze vorliegen oder Assimilation eingetreten sein,
aber dafür gibt bei diesem Wort keinerlei Evidenz.
Ad 4): Einer derartigen Veränderung bin ich nie begegnet. <h> von Skt.-Wörter ist
ansonsten durchgehend geschrieben, z.B. <arahanteṃ> M369a4.
Ad 5): Dieses (ka) ist m.E. ad hoc angesetzt, um toch. <KA> zu motivieren. Adams
möchte in (ka) vielleicht ein Deminitivssuffix vermuten, aber ein solches Wort existiert
nicht. Das Skt.-Wort ist /upānah/ (Nom. /‑nat/) und /upānaha/ kommt "insbes. am Ende
eines copul. und adv. Comp." (Böhtlingk 1875, S. 248) vor.
Daher halte ich diese Interpretation für falsch. Mein Vorschlag ist stattdessen von Pāli
/pannaga/ (ved. pannagá) '(bildhaft) Schlange' auszugehen. Wegen der Beschädigung ist
aber ein endgültiges Urteil nicht zu fällen.
<aniṣpūRˎ> b7 ist m.E. ein Schreibfehler für <aniṣṭhā> 'unlimited' (Edgerton 1953, p.
25). Ich vermute, daß der Schreiber das Wort mit <antiṣpur> verwechselt hat.
257
<anupadrūtaṃ> b7 könnte meiner Meinung nach eine Verschreibung für <anupadravaḥ> 'kein Leid' (α-privativ) sein. Damit würde diese Passage inklusive dem
/108.000/ (gegen Sieg/Siegling, Thomas 1953, S. 339, Fnt. 6) "verständlich". Der toch.
Schreiber hat die Übersetzung davon unterlassen. /108.000/ ist im Buddhismus zur
Bezeichnung einer sehr großen Zahl benutzt worden. Meine Übersetzung vom Skt.-Teil
ist 'Unzählbares (wie) 108000 (nicht übersetzt im Toch.), das (ist) dir kein Leid' (d.h.
Glück) und sie vom toch. Teil 'Das ist dir keine Verletzung, ohne Furcht', wobei der
Schreiber zwei Übersetzungen ('keine Verletzung' und 'ohne Furcht') für skt.
<anupadrūtaṃ> gegeben hat. Ich nehme an, daß der Schreiber Skt.-Wort und
Zahlzeichen nicht verstanden hat.
<a> (exklusive PPs. /‑māne/):
<yparwe> a1 //, <saKˎ> a1 // (skt. /āsvādāṃ/), <rame[R](ˎ)> a2 //, <keta(ra)> a2
// (Anaptyxe), <aśalle> a2 /ā/, <takarṣke> a2 (s. ad MQ241b5), <cimpamñe> a4 //
(Anaptyxe), <ṣpane> b6 //.
<raddhi> a7 ist skt. /ddhi/ und als <RAddhi> tocharisiert (// → <RA>), dessen
<ddhi> durchgehend so geschrieben wurde. Oben bei MQ394b7 habe ich erwähnt, daß
<RA> mit <> transkribiert werden kann, aber von akzentuiertem <ra‑> her gesehen
ist <RA> die richtige Transliteration. Das Wort wurde als Übersetzung für skt.
/samādhi/ benutzt. Es ist semantisch nicht deckungsgleich: 'übernatürliche Fähigkeit' vs.
'Meditation', aber es ist ein einschlägiger buddhistischer Begriff.
Skt.:
<[a]parapratyayo> a2 (<o> ist Sandhi-Form), <haṃ> a2 /aham/ (<ø‑> ist wegen des
Sandhi), <ciracirasya> a3, <saṃprajvalita> a3, <na> a5, <bhaviṣyatu> a5,
<b[u]ddhiviṣaya> a6, <vi[c]aṃ> a7, <p[a]raṃ> b1, <dṣṭadharmasukh[a]> b2,
<yad> b4, <apicchaṃ> b4, <samavatsyeta> b5, <pratiyaty> b6, <m[i]ddham> b6.
Alle Kurzvokale sind wie im Skt. geschrieben. <nanyaneya> a2 ist /na‑anya‑neya/, und
das erste <a> sollte wegen des Sandhi <ā> sein, aber <a> kommt in der ersten Silbe
fast wie in einer Regel vor.
258
<ä> und <A>:
<ä> und <A> von <weṢṢAlyai> a1 (Anaptyxe), <(pe)rāKAññesa> a2 (Anaptyxe),
<ñiŚʾˎ> a2 (/ä/ wurde wegen Palatalkonsonanten zum <i>), <airPAcce> a6
(Anaptyxe),
<kluTKAskemane>
<duṣkaracāRAṣṣai>
b3
a7
(Anaptyxe),
(Kaus.),
<miyäṣl(ñ)etsai>
<pannāKAnta>
b6
a8
(Kaus.),
(Anaptyxe)
und
<ṣañäññecce> b8 (das erste ist //, das zweite ist anaptyktisches /ä/) sind /ä/.
<A> von <pañäKTAṃñe> a6 und <takarṢKAṃñe> b8 ist /ä/ (Anaptyxe), wenn der
Obl. nicht vokalisch ausgeht, aber im Obl. erscheint /‑e/ (Sg.) und /‑eṃ/ (Pl.). Diesen
Belegen zufolge kӧnnte der Obl. dieser Wörter konsonantisch auslauten und /‑e/ eine
Neuschöpfung oder eine Analogie zum Nom. sein. Eine andere Möglichkeit ist, daß /e/
wegen keinem Akzent zum <A> geschwächt wurde.
Š157:
a) Paläographische Untersuchung:
b1 <ya> ist oben geöffnet:
a2 <m> ist oben geöffent:
; b3 <ñ> ist geöffnet und nach rechts geneigt:
; a3 <l> ist normal:
; b2 <ś> ist links separat:
b4 <ṇ> ist unten in der Mitte mit horizontaler Linie geschrieben:
rund:
;
;
; a1 <dha> ist
.
a2 <ma> ist eckig:
; b2 <TA> ist unten eckig:
a1 <a‑> ist an der senkrechten Haste kurz:
.
259
; b2 <KA> ist normal:
.
b2 Das Visarga ist vorhanden:
; b3 das Interpunktionszeichen ist wie /1/ gestaltet:
.
Das Virāmakomma ist in dieser Hs. wie bei /1/ geschrieben.
b) Linguistische Untersuchung:
1) Diphthonge:
<ai> von <yokai[ts]e> b4 ist /a/ (Obl.).
2) Vokallänge:
<ā>:
<ā> von <mā> a2 und <yāmornta> a3 ist /ā/.
Skt.:
<ā> von <avidy[āyā]mʾˎ> a1, <avidyanirodhātˎ> a2 (Abl.), <saṃskāra> a3,
<ṣaḍāyatana> b1, <vedanā> b3 und <tṣṇā> b4 ist skt. /ā/.
<a>:
<e[r]sna> b1 /ā/ (Pl.), <warpalñe[n]tse> b3 /wärpā‑/.
<a> von <asatyamʾˎ> a1 und <sparśa> b2 ist skt. /a/.
<ä> und <A>:
<A> von <MAskeṃtRA> a2, <PAlskotse> a4 und <[ṣ]KAs> b2 ist /ä/.
<TAKA(lyñe)> b2: das erste /ä/ ist ursprünglicher Ko.‑Stammvokal von √tek‑ (s. ad
D530b4), das zweite ist /ä/ (Anaptyxe).
Š251:
260
a) Paläographische Untersuchung:
a2 <ya> ist normal:
; b6 <ñ> ist geöffnet und geschlossen:
gekrümmt, <l> ist kontinuierlich:
a1 <NA> ist oben rund:
altertümlich:
normal:
; a4 <mʾˎ> ist mit Virāmakomma normal:
; b1 <LŚA> ist normal:
b1 <ā‑> ist normal:
.
; a6 <MA> ist eckig, mit dem inneren Kreuz
, a1 <MA> ist hingegen die spätere Form:
<TA> ist oben flach:
; a2 <ś> ist links
; a4 <ṢPA> ist
; a5 <SA> ist oben rund:
; a4 <KA> ist normal:
; b6
.
; a5 <ɪʾˎ> ist altertümlich, aber das Virāmakomma hat die
spätere Form:
; a6 <i‑> ist normal:
; b1 <u‑> ist normal:
schnörkellos:
; b2 <o‑> ist in einer Linie kontinuierlich:
; a1 <e‑> ist
; b3 <ai‑> ist normal:
.
a1 /82/,
a2 /83/,
a4 /84/,
a5 /85/,
b3 /88/,
b4 /89/: /4/ von /84/ ist in der Mitte wie /5/ + Halbkreis links.
Paläographisch gesehen ist diese Hs. promiscue in alter und jüngerer Schrift geschrieben,
und zwar mit geöffnetem und geschlossenem <ñ>, zwei verschiedenen <MA>, <ɪʾˎ>
und <i‑>.
b) Linguistische Untersuchung:
1) Diphthonge:
<ai> von <pelaiknemeṃ> a6, <snai> b2, <aiśeñca> b3 und <saim> b6 ist /a/.
261
<au> von <krentaunasa> b6 ist früher <eˎ> (MQ273a4) und <ew> (4x)
geschrieben.
<au> von <kaurṣu> b6 ist /a/.
<ow> von <SAlpowsai> a5 (PPt.) ist /a/, und <‑sai> ist Obl.Sg.f. In <ow> erkenne
ich eine altertümliche Schreibung, die vermutlich auf die Vorlage zurückgeht. <ow>
könnte ursprünglich /āw/ (PPt. /ā/ + /u/) gewesen sein, das zu <au> geworden ist.
<maiMAtSäññe> a6 ist nach Sieg/Siegling (Thomas 1953, S. 151, Fnt.11) eine
Übersetzung von śamaḥ. Die Schreibung kann fehlerhaft für <maiMAtsaññe> sein, das
von Subst. /mam‑/ abgeleitete Adj. + /ññe/ (Adj./Abstr.) dargestellt ist, oder
<maimatSAññe> /mam--tsññe/, wobei /ä/ eine Anaptyxe und /tsññe/ ein verallgemeinertes Suffix sein kann. Das Subst. /mam‑/ kann man in <maimantse> a6 erkennen.
Skt.:
<svairī> b4 ist eine skt. korrekte Nom.Sg.-Form von /svairin/ 'frei'.
2) Vokallänge:
<ā>, <ī> und <ū>:
<ā> von <mā> a1, <MAntrākka> a1 (<kk> zeigt die Wortgrenze), <nākse(nt)RA>
a2, <takāsta> a2, <ñyātse> a3, <māka> a3, <epiyācˎ> a3 (Hapax), <tasemāne> a3,
<tākoɪʾˎ> a5, <āñmtsa> a5, <yänmāstRA> a6 (s. ad MQR365a5), <tsārwäṢAlyñe>
b1 (Kaus.), <śāmna> b1, <kRAmpālyñetse> b2 (Ko.V), <wätkāṢṢAlyñesa> b2
(s.MQR330), <lāre> b5, <TAryāntso> b5, <pāke> b5, <ācce> b6 (Obl. von /ātstse/)
und <rṣāKAññeṣṣu> b6 ist /ā/.
Eeine Etymologie von <sāmʾˎ> a2 ist nach Adams (1999, p. 682) 'uncertain'. Semantisch
gesehen ist es möglich, daß das Wort auf skt. /sama/ zurückgeht. Es läßt sich auch
anderswo nachweisen, daß skt. /a/ zu <ā> geworden ist, z.B. bei <kāściTˎ> D530a5.
Meistens hat man skt. /a/ als <a> wiedergegeben, aber die Entsprechung von skt. /a/ ist
262
m.E. kein Phonem in Toch., deswegen ist es möglich, daß skt. <a> durch <ā> (toch.
Phonem) substituiert wurde. Eine andere Möglichkeit ist eine Akzentuierung auf skt. /a/.
<śtwerātse> a6 (Hapax) ist ein Schreibfehler für /śtwārātse/, weil /śtwer/ (m.) kein /‑ā/
hat. Die Belege dafür sind <śtwarātsai> (MQ153a6, H149.22b6, MQ409b2) und
<śtwarātsai> (Š16b1).
<srukālyñetse> b4 ist Ger.II (Ko.V) von √sruk-. (s. ad MQ567b4).
Skt.:
<nā[n]yatra> a1 (Sandhi, /na a-/), <śāsana(mˎ)> a1 /ā/, <ekāntakāntaṃn> a1 (Sandhi,
<‑ṃn> ist eine skt. Schreibung), <bāliśa> a1 /ā/, <anvābhuṃ[k]th(ā)> a2 /ā/
(ā‑√bhuj‑), <virūpe> a3 /ū/, <prāg> a4 /ā/ (Toch. <[k]t[e]> ist unverständlich),
<ā[dīp]taśirasāpi> a5 /ā, ī/, <bhujiṣyatā> a5 /ā/, <tvātmatāt> a6 /ā/, <upatāpan(amˎ)>
b1 /ā/, <āśvāsanaṃ> b1 /ā/, <[n]devānāmˎ> b1 /ā/, <krāntaṃ> b2 /ā/, <āgama> b4
/ā/, <kālatrayavibhāgo> b5 /ā/, <kal[y]ā[ṇa]kalilamˎ> b6 /ā/, <nāśrayaṃ> b6 /na ā-/.
<ī> von <tīṣṭhe[t]> b3 ist skt. /i/. <ī> kann entweder ein betontes /i/ oder ein
hyperkorrektes /i/ sein.
<a> (exklusive Pl., Kom., Perl., PPs. /‑māne/ und /‑ñcā/):
<alyekepi> a1 /ā/, <MAntrākka> a1 /ā/, <aloKAlymi> a1 /ā/, <cäncare> a1 /ā/,
<takāsta> a2 /ā/, <tasemānene> a3 /ā/ (Substantivierung des PPs.), <ra[no]> a3 /ā/,
<yamintse> a4 /ā/ (Subst.), <yama(ṢṢA)ṃ> b1 /ā, / (<yamäskentRA> b6, Ko.I +
/sk/), <preściyantso> b5 /ā/ (Gen.Pl.), <parna> b5 /prnā/ (MQR123b1).
<aṣtsa> a5 ist /āśc‑sā/ (skt. /śiras‑ā/). Der Schreiber hat <t> wegen der
Depalatalisationswirkung des folgenden <s>, und <ṣ> wegen <t> geschrieben: <ṣts>
← /ścs/.
263
<cmelatse> b2 ist /cämel‑ä‑ntse/ (Gen.Sg.) oder /cämelāts/ (Gen.Pl.). Wenn es Gen.Sg.
ist, hat der Schreiber das /‑n‑/ vergessen, wobei /ä/ (Anaptyxe) betont ist. Wenn es Gen.Pl.
ist, hat er unnötiges <‑e> geschrieben (Einfluß des Sg.?). Wegen der Beschädigung
kann ich diese Form nicht sicher bestimmen.
<a>, <i> und <u> in Skt.-Wörtern ist genau so wie im Skt. geschrieben.
<ä> und <A>:
<ä> und <A> von <eNAṢṢAlyñe> a1 Anaptyxe, <MAntrākka> a1, <aloKAlymi>
a1, <cäñcare> a1, <neSAṃ> a2 Anaptyxe, <KArtse> a4, <SAlpowsai> a5, <TAñˎ>
a5, <ṢAñ> a5, <neSAlyñe> a5 Anaptyxe, <yänmāstRA> a6, <MAṃnTˎ> a6 <ṃn>
ist wie das Muster, <(mā)RAntse> b1 Anaptyxe, <PALŚAlyñ(e)> b1 zweite Anaptyxe,
<tsārwäṢAlyñe>
b1
Kaus.
<kRAmpālyñetse> b2,
und
Anaptyxe,
<wätkāṢṢAlyñesa>
<[k](e)nättse>
b2 Anaptyxe,
b2
Anaptyxe,
<wänTAr(e)> b4,
<[ya]mälyñetse> b5 Anaptyxe, Ko.I, <TAryāntso> b5, <rṣāKAññeṣṣu> b6 (/rṣāke/ und
/rṣākä/ s. ad D541) sind /ä/.
<ñäktetsä> b1 ist der Skt.-Entsprechung zufolge ein Gen.Pl., und das /n/ vor <ts>
wurde vergessen.
<treṅ[KALˎ]> b2 ist ein Verbalnomen von √treṅk‑ (vgl. Krause 1952, S. 252). Diese
Wurzel bildet keinen Ko., aber vom Ps.IX und Pt.III her gesehen wäre Ko.I zu warten.
/trenkäl/ ist aus dem Ko.‑Stamm /trenk/+ /l(e)/ (Ger.II) gebildet und substantiviert. In
diesem Fall ist <A> Ergebnis einer Anaptyxe.
Š266, 270‑271:
a) Paläographische Untersuchung:
264
270a3 <y> ist normal:
; 266a1 <ñ> ist geöffnet:
geschrieben, <au> ist ornamental:
geschrieben:
; 266b2 <ś> ist links separat
; 266b2 <la> ist dreiteilig und oben ornamental
.
266a2 <ṅ> ist links verbunden, <KA> ist normal:
stark geschlossen:
; 266a1 <Tˎ> ist oben links rund:
266a2 <a‑> und 271a1 <u‑> sind normal:
oben ornamental:
/100/,
/60/,
; 266b2 <Śˎ> ist in der Mitte
bzw.
.
; 266b1 <e‑> ist rechts lang,
.
/2/; /162/ 266b,
/100/,
/80/,
/2/; /182/ 271b: Die
Blattzahlen sind von anderer Hand geschrieben.
266a1 /6/,
266b2 /7/,
270a3 /36/,
271b1 /39/: Die
Versnummern sind wie auch andere Akṣaras leicht ornamental.
b) Linguistische Untersuchung:
1) Diphthonge:
<au> von <larauwñesa> 266a3 (<auw> ist altertümlich), <caukanteñˎ> 266b1
(Pt.Kaus. von √tuk‑), <śauLˎ> 266b1, <śauwwa> 266b2 (<auw> s.o.), <mauka>
266b3 (Pt.I), <kautsi> 266b3 (Inf.), <KArstau> 270a2 (PPt.), <nautañˎ> 271a3 (Pt.I),
<kāmmai> 271b1 (1.Sg.) und <nauṢˎ> 271b2 (<ew, eˎ>) ist /a/.
<ai> von <snai> 270a2, <painene> 271a1 (Lok.Du.), <mai> 271a3, <saim> 271a3,
<laikalñe> 271b3 ist /a/.
<ā>, <ī> und <ū>:
265
<ā> von <tā(ko)ñˎ> 266a1 (Opt.), <KArstāwa> 266a2 (Pt.I), <pāTARˎ> 266a2,
<māTARˎ> 266a2, <mā> 266b1, <ālyeṅKAṃtSˎ> 266b2, <pyāktsi> 266b3 (Inf.),
<skāratsi> 266b3 (Inf.), <yātalñe> 270a3, <KAlpāsTARˎ> 270b1 (s. ad MQR330a5),
<rāk[oy]enTArñˎ> 271a1 (Opt. von √räk‑), <pākri> 271a2 (indekl. Adj.), <tāppoṃ>
271a2 (Opt.3.Pl.) und <kāmmai> 271b1 (Pt.1.Sg. von √pär‑) ist /ā/.
<ū> von <Ssūwerṣṣe> 266a3, <pūdñäkteṃtSˎ> 271a1 und <tūsa> 271a2 ist /u/. <ū>
ist altertümlich, aber die Belege hierfür (<SAsūwa> Š47b4 und <SAsūwerśke> M415a3)
sind nicht alt, und auch <tūsa> ist nicht alt. Hingegen ist <pūdñäkte> MQ274b5 (I‑1)
sehr alt. Vermutlich wurde <ū> später archaisierend zur Vortäuschung eines hohen
Alters der Hs. geschrieben.
Skt.:
<deśīTˎ> 266a1 ist /i/ (wie in <tīṣṭhe[t]> Š251b3), <saṃsārṣṣeṃtSˎ> 266a2 /ā/,
<vimāne> 270a3 skt. /ā/.
<a> (exklusive Pl., Perl., Pt., Kom.):
<winaskemaRˎ> 266a1 /ā/, <ñakta> 266a1 /ñäktā/, <ṣañˎ> 266a1 //, <(a)rañcsa>
266a2 /ārnc‑sā/, <PArmaṅKAnta> 266a2 //, <caukanteñˎ> 266b1 /ā/ (Pt.II), <ram>
266b1 /ā/, <walke> 266b1 //, <kca> 266b1 /ā/, <ka> 266b2 /ā/, <lakle> 266b2 //,
<kalatsi> 266b3 /kālātsi/ (ko.V), <ra> 266b3 /ā/, <skāratsi> 266b3 /skārātsi/ (Ko.V von
√skär‑), <yātalñe> 270a3 /ā/ (Ko.V), <nautañˎ> 271a3 /ā/ (Pt.I), <karstoyTARˎ>
271b1 //, <tserekwa> 271b2 /ā/ (Plurale tantum), <ñake> 271b2 //.
<a> von <lareṣṣana> 266a3 und <larauwñesa> 266a3 ist /ā/. Beide Formen gehören zu
/lāre/. Bei <lareṣṣana> ist /lāre/ ein substantierter Adj., und bei <larauwñesa> ist /lāre/
ein Adj., wobei /e-ññe/ zu /‑aññe/ geworden ist. Hier und von den anderen Belegen
(z.B. /lāre √yām-/) her gesehen ist /lāre/ Nom./Obl.Sg. und /lāreṃ/ Obl.Pl. (nicht [lareṃ]
Obl.Sg.m. wie bei Adams 1999 p. 548).
266
<laikalñe> 271b3 ist das Abstr.II von √lik‑. /lik‑/ kommt nur in Ps.VIII vor, sonst tritt
/laik‑/ auf (Ps.VI, Opt., Pt.I). Es kommen keine finite Formen des Ko. von √lik- vor, aber
vom Ps.VI und Inf. (<laikasi> M324b5) her gesehen handelt es sich um einen Ko.V. Ich
nehme an, daß das Ps.VI ursprünglich ist, weil das Ps.VIII normalerweise mit Ko.I
kombiniert ist. Trifft das zu, ist Ps.VIII für diese Wurzel eine Neuschöpfung. Die
Palatalisation beim Ps.VIII (<lyik‑>) hat m.E. phonetische Gründe (vor <i>) und dient
nicht zur Markierung einer Opposition. /a/ von Ps.VI könnte von Ko./Pt.-Stamm
beeinflüßt geschreiben werden.
Skt.:
<a> von <kṣaṃn > 266b3 und <saṃvaRAṣṣe> 270a3 ist skt. /a/.
<ä> und <A>:
<ä> und <A> von <PArmaṅKAnta> 266a2 (/ä/ und Anaptyxe vor der Pl.‑Markierung),
<KArstāwa> 266a2 (Pt.I), <ñiŚˎ> 266b2, <ālyeṅKAṃtSˎ> 266b2 (Anaptyxe),
<KArtseṣṣe> 270a2, <posTAṃ> 270b1 (Anaptyxe), <KAlpāsTARˎ> 270b1,
<pūdñäkteṃtSˎ> 271a1, <arañcäṣṣi> 271a1 (Anaptyxe) und <wästi> 271a3 (für
<wästsi>) sind /ä/.
<A> von <pāTARˎ> 266a2 und <māTARˎ> 266a2 ist /ä/.
Skt:
<A> von <saṃvaRAṣṣe> 270a3 ist Ergebnis einer Anaptyxe, der Anusvāra ist wie im
Skt. geschrieben, nicht /n/ wie im Toch.
Š306‑7:
a) Paläographische Untersuchung:
267
306a3 <y> ist normal:
links gekrümmt:
; 306a2 <ñ> ist halb geschlossen:
; 306a6 <mʾˎ> ist mit Virāmakomma normal:
ist dreiteilig und <‑ai> ist tief gesetzt:
normal:
; 306a4 <ś> ist
; 306b3 <ṅ> ist links verbunden, <k> ist
; 306b6 <ṇa> ist in der Mitte verdickt (altertümlich):
306b8 <TA> ist links oben rund:
307b2 <ā‑> ist normal:
; 307a3 <l>
.
; 307b1 <Ṣ> ist in der Mitte geschlossen:
; 307a8 <o‑> ist zweiteilig:
.
.
307b6 /4/ ist in der Mitte von links kontinuierlich geschrieben:
.
b) Linguistische Untersuchung:
1) Diphthonge:
<ai> von <yolaiñenta> 306a2 (Obl.), <wertsiyai> 306a3 (Obl.). <pelaiknene> 307a3,
<wärñai> 307b3 und <śai[ṣṣ]e> 307b3 ist /a/.
<au> von <yayātau> 306a3 ist /a/ (PPt.), und <au> von <causa> 306b7 ist aus
<ew> entwickeltes /a/.
<ai> von <nirvāṇasyaiva> 306b6 reflektiert den Skt.-Sandhi (/a/ + /e/ → /a/).
2) Vokallänge:
<ā> und <ī>:
<ā> von <lāre> 306a1, <yayātau> 306a3, <śpālmeṃ> 306a4, <śāmna> 306a4,
<mā> 306a7, <[ya]yāTAṣṣossa> 306b6, <yāmoRʾˎ> 307b3 und <winā[ṢṢA]lyñ[e]>
307b5 ist /ā/.
268
<ī> von <kwīpe> 306a1 ist /i/. Ich erkenne darin eine Akzentmarkierung.
<ā[k]ṣoṣepi> 307b2 ist der Gen.Sg. von PPt. /ākṣu/. /oṣ/ ist die Obl.m.‑Markierung, und
daran wurde die Adj.‑Markierung /‑epi/ gefügt. Eine andere Möglichkeit ist, /o/ als ein
substantivierendes Morphem zu betrachten, daran das /-ṣe/ (Adj.) und das /-pi/ (Gen.Markierung für Adj.) suffigiert wurde. Der Deklination (vgl. TEB I S. 156) zufolge ist das
erste wahrscheinlicher.
Skt.:
<sarvapāpaṃ> 306a2, <jahāty> 306a2, <yānti> 306a3, <jātyamʾˎ> 306a5,
<sarvaduḥkhā> 306b4 (Fem.), <tām> 306b5, <bhūmim> 306b5, <nirvāṇasyaiva>
306b6 (Sandhi /a‑e/), <śāntin> 306b8, <kalā[n]> 307a3, <caturbhāga> 307b4,
<kur[v]īta> 307b7 (toch. <ya(mīTAr)>: alle Langvokale (auch Kurzvokale) sind wie im
Skt. geschrieben.
<ā> von <sāṅk> 307a4 kommt nur vor <‑ṅk> vor (etwa 42x), und <a> vor <‑ṅgh>
etwa 9x, d.h. <ā> stellt das toch. Phonem im tocharisierten Wort dar.
<pr[ā]jña> 307b7 (Hapax) kann skt. /prājña/ (Adj. 'klug', Subst. 'Weiser'), /prajña/ (Adj.
'kundig') und /prajñā/ (Subst. 'Verstand'). Auf dem Photo sehe ich kaum <ā> (ein Riß?),
aber nach Bernhards Textausgabe (Udānavarga Bd. 1 1965, S. 310) sollte <prājña> sein.
Vom Komtext her gesehen ist 'Weiser' plausibeler. Wenn es <prajña> ist, hat der
Schreiber nicht prӓzise geschrieben.
<a> (exklusive Pl., Perl., Kom.):
<yamaṣṣe[ñca]> 306a1 /yām‑/, <yaṃ> 306a3 //, <yakwe> 306a5 //, <kar[t](s)e>
306a8 //, <rameRˎ> 306b8 //, <takarKṢAññentse> 307a4 (für <ṢKA>) /ā/, s.o und
MQ241b5, <wa(ṣa)mñ(e)ṣṣep[i]> 307a6 /wāṣm‑/, <kekamo(ṣepi)> 307b6 //.
<TAṅkwalyñentse> 307a7,8 ist /tänku‑lñe‑ntse/, wobei /u/ als <wä> realisiert und
betont ist. Ich neige dazu, kein phonematisches // (Labiovelar) anzunehmen: der
269
nächste Beleg (307b1) zeigt kein <k> (<TA[ṅ]walyñe>). Wenn // ein toch. Phonem
gewesen wäre, wäre <TAṅkwalyñe> (mit <k>) zu erwarten.
Skt.:
<puruṣa> 306a1, <eṣa> 306a2 (ohne Visarga, obwohl das Wort ein Mask. und vor der
Punktuation geschrieben ist), <samitiṃ> 306a3, <adhigacchati> 306b7, <kṣipraṃ>
306b8, <sahasr[e]ṇa> 307a1, <na> 307b4, <peśalebhiś ca> 307b8: die Kurzvokale sind
wie im Skt. geschrieben.
<ä> und <A>:
<[ya]yāTAṣṣossa> 306b6 (Anaptyxe), <pañäktene> 307a2 /ä/, <PAlsko> 307a6 /ä/,
<wärñai> 307b3 /ä/, <ṣPA> 307b3 (s. ad MQ339), <winā[ṢṢA]lyñ[e]> 307b5
(Anaptyxe).
Š310:
In dieser Hs. ist kaum etwas lesbares zu erkennen. Aus einigen Akṣaras kann man
schließen, daß diese Hs. wie Š306 (in dieser Gruppe) geschrieben wurde.
Š363:
a) Paläographische Untersuchung:
a5 <y> ist normal:
lang gezogen:
; a2 <ñ> ist halb geschlossen, der untere Teil ist ornamental
; a2 <l> ist normal:
a3 <ṅ> ist links verbunden, <ka> ist normal:
270
; a7 <ś> ist links stark gekrümmt:
.
;
b1 <MA> ist eckig (normal):
Mitte geschlossen:
; a6 <Sˎ> ist oben rund:
; a7 <Ṣ> ist in der
; b1 <Rˎ> ist unten ornamental lang gezogen:
a5 <e‑> ist rechts lang und oben ornamental:
; a7 <o‑> ist normal:
.
.
b) Linguistische Untersuchung:
1) Diphthonge:
<(pre)ściyaine> a3 /a/ (Obl.), <laukaññe> a6 /a/, <nai> b3 /a/, <s[n]ai> b6 /a/.
2) Vokallänge:
<ā> und <ī>:
<ā> und <a> von <klāṅka> a3, <lyāka> a4, <śwāTˎ> a7 (s. ad 286b3), <r[ṣ]āke> a7
(s. ad 574b6), <tāk[a]> b3, <āñ[Mˎ]> b6 und <p(l)ācˎ> b8 sind /ā/.
<ī> von <śerītsi> a3 ist /i/. In diesem <ī> sehe ich eine akzentuierte Schreibung.
<saṃvā[Sˎ]> b2 ist skt. /saṃvāsa/.
<ä> und <A>:
<proTARˎ> a2 (<proceRˎ> b7 Nom.Sg.) ist Obl. und durchgehend so geschrieben
(niemals <protRA>). /pātär/ ist nur einmal <pātRA> Š85b6 geschrieben, sonst immer
ist <TARˎ> geschrieben. <māTARˎ> ist durchgehend so geschrieben. Dieses
<TARˎ> ist nicht wie in der 3.Sg.Med., das später <TARˎ> geschrieben wurde. Ich
nehme an, daß dieses <Rˎ> das Phonem /r/ in der Verwandtschaftstermini ist. /ce/ und
/tä/ markieren die Opposition zwischen Nom. und Obl. Die Verwandtschaftswörter
dürften aus dem Uridg. ererbt sein.
<A> von <MAsketaRˎ> b1 ist /ä/, das im Stamm erhalten ist.
271
Š366:
a) Paläographische Untersuchung:
Der Duktus ist sehr ähnlich wie Qu352‑354.
a4 <ya> ist dreiteilig und rechts oben leicht ornamental:
; b4 <m> ist oben
dünn, <ts> ist normal:
; b4 <ś> (geschrieben ist <g>) ist links ornamental
gekrümmt, <l> ist normal:
.
b4 <KṢPA> ist normal:
; a3 <Śˎ> ist auch normal:
b4 <ā‑> ist unten leicht ornamental:
b4 Der Doppeldaṇḍa ist schnörkellos:
.
.
.
b) Linguistische Untersuchung:
1) Diphthonge:
<ai> von <sanai> a4 und <pyapyai> b2 ist die Obl.-Markierung /a/.
2) Vokallänge:
<ā> und <ū>:
<ā> von <mā> a2, <KArnātsi> b2 (Ko.V), <yasāte> b3 /yäsāte/ (Pt.I), <sāw> b3 (s.
ad MQR407), <āmtsa> b4 und <wsāne> b4 (für /wäsāne/, Pt.I) ist /ā/.
<ū> von <(y)kūwermeṃ> a3 ist /u/. Die Belege mit <ū> sind Š305a3, Qu602/2b4
(<ykū> M231b4 und <ykūsa> Š11a5). Alle Belege sind nicht alt. Daher nehme ich an,
daß diese Schreibung nicht autentisch, sondern hyperkorrekt ist.
272
<ī> von <dīpa///> a5 ist skt. /ī/.
<tinārnta> a4 ist toch. Pl. von skt. /dīnāra/. Hier sind Akzentregel, Apokope und
Desonorisation des Verschlußlauts zu beobachten, die für die Phonologie des Toch.
typisch sind.
<a> (exklusive Pl., Perl.):
<weṣṣaṃneŚˎ> a3 // (<weṢṢAṃ> a5), <yaltse> a4 //, <rano> b3 /ā/, <par[naŚˎ]>
b6 /pärnā‑/. Hier sehe ich die Wirkung der Akzentregel.
<A>:
<KArnātsi> b2 /ӓ/, <ṢPA> b4 (s. ad MQ241b5 und Š251a4, im folgenden zitiere ich das
Wort nicht mehr).
Š404:
a) Paläographische Untersuchung (sehr ähnlich wie Š366):
a1 <ya> ist normal:
oben ornamental:
; a2 <ñ> ist geschlossen:
; a3 <la> ist dreitelig und
; a4 <ś> ist links gekrümmt, <‑y> ist normal:
oben dünn, rechts oben ornamental:
; b2 <m> ist
; a1 <ṇ> ist unten in der Mitte altertümlich:
.
a6 <KA> und a2 <TA> sind normal:
lang gezogen:
bzw.
.
a1 <a‑> ist normal:
.
273
; a7 <Rˎ> ist unten ornamental
a2 /6/,
a6 /2/ und
b3 /4/ sind normale Versnummern.
a2 Der Doppeldaṇḍa ist schnörkellos: .
b) Linguistische Untersuchung:
Wenn ein Wort keine Besonderheit zeigt, zitiere ich es im folgenden nicht mehr.
1) Diphthonge:
<kauṃ> a3 (s. ad MQ590b1), <lyauto> a5 /a/, <snaici> a7 /a/ (Substantivableitung
der Präposition).
<waTKAskau> b6 ist 1.Sg.Kaus. von √wätk‑. <‑au> ist die verallgemeinerte Endung.
Der Palatalisierung bei der 3.Sg. zufolge kann man das s(k)‑Ps. als thematisch werten,
aber vom Palatalkonsonanten beim Verbaladj. oder Verbalsubst. her gesehen erkenne
ich in der palatalisierten Form eine Verallgemeinerung.
<ṣeyä> a3 und <ce[ˎ]> a8 sind altertümliche Formen. <‑yä> von <ṣeyä> kann
wegen des Versmaßes ohne Virāmastrich geschrieben worden sein, weil das Wort vor
dem Interpunktionszeichen steht.
<nervāṇäṣ(ṣ)ai> a1 ist Obl. vom Skt.-Wort /nirvāṇa/. Ich sehe in diesem Wort eine
Tocharisierung, und zwar mit <ne> (für /ni/) und <ṇä>. <ṇ> ist nur in Skt.-Wörtern
benutzt worden, und normalerweise kann kein <‑ä> darüber geschrieben werden.
2) Vokallänge:
<ā> und <ī>:
<akāLKA> a1 /akālk/: wenn <KA> in dieser Hs. als unterer Teil einer Ligatur
vorkommt, schrieb der Schreiber einen kleinen Strich zwischen beide Akṣaras (ein
anderer Beleg ist <TKA> b6). Das findet man in Ligaturen bei den ältesten Hss.
274
<mākampa> a1: /mākā/ ist eigentlich ein Adj., aber hier hat man <māka> mit Kom.Postposition als Substantiv behandelt.
<pśā[y](a)> b1 ist Impv. von √śai‑. Der Impv.-Stamm sollte sich dem Ko./Pt.-Stamm
/śāy/ anschließen (vgl. Krause 1952, S. 148), aber bei Ps. ist auch /śāy/ (<śāy> bzw.
<śay>) als Stamm erkennbar. /śa-/ ist relativ wenig bei Pr., Inf., Abstr. und Impv. (vgl.
Krause 1952, S. 295) belegt. Daher ist es möglich, die Wurzel als /śāy/ anzusetzen.
<ī> von <c[w]ī> a7 und <p[ī]ś> b3 ist hyperkorrekte Schreibung für /i/.
<ī> tritt bei <MAskītRA> überwiegend auf (<ī> 36 vs. <i> 2). Dieses Suffix <ī>
habe ich bei <weñī> 134a1 im Zusammenhang mit uridg. *ih₁ erwähnt, aber hier möchte
ich eine andere Erklärungsmöglichkeit anbieten, und zwar uridg. *‑ē‑: *‑ē‑ (Vollstufe
mit Akzent) und *‑ī‑ (Schwundstufe ohne Akzent)57. <ī> erscheint im Toch. normalerweise für /i/, aber hier ist <ī> einerseits semantisch wichtig (in der Periode ohne
Akzentregel) und andererseits betont (in der Periode mit Akzentregel), und danach ist es
verallgemeinert worden. Ich kann nicht entscheiden, ob dieses Suffix <ī> aus *ih₁ oder
*(i)ē/ī stammt. <ī> ist jedenfalls im Toch. für den Opt. (und Impf.) benutzt worden,
dessen System aus Uridg. ererbt ist.
<a>:
<akāLKA> a1 /ā/, <pikwala> a6 /päkwlā/ (<wä> ← /u/), <yapoyne> a7 /ypoy‑ne/.
<yaptsi> a1 ist Inf. von √yäp‑. Der Stammvokal /ä/ kommt beim Ps.X, Opt., Inf. und PPt.
vor, sonst tritt /o/ auf. In diesem /o/ kann man einen Ablaut erkennen, aber vom Opt. und
Inf., die vom Ko.‑Stamm gebildet sind, her gesehen kann ich keinen Ablaut im Sinne des
Uridg. erkennen, sondern /o/ ist m.E. als eine Neuschöpfung (aus Ps.IV?) zu betrachten,
um eine Opposition Pr. vs. Ko./Pt. im Bereich von finiten Formen zu bilden.
57
Vgl. Brugmann 1904, S. 554. Optativ, 725.
275
Beim <> in <laktsa> a3 (Adj.f.) ist schwer zu beurteilen, ob das <> ein Teil von //
oder anderes ist. Der Akzentregel zufolge soll dies // sein, aber ich sehe im Toch. kein
Phonem // (s. ad <TA[ṅ]kwalyñentse> Š307b1). Statistisch gesehen gibt es nur 6
Belege mit <>, hingegen 19 Belege ohne <>. Ich nehme an, daß diese Schreibung
analogisch ist, z.B. zu <kse>, oder eine unsilbische Anaptyxe zwischen /k/ und
Konsonanten ist.
<salamo> a3 ist das Verbaladj. der √säl‑. Diese Wurzel bildet nur im Gv. eine finite
Form (<salāte‑ne> S109b2, Pt.I). Die anderen Belege sind Inf. <ṣällatsi> M412b2
(<ṣ> aus Kaus.?), PPt. <sasāllau> Š77a4 (<ll> aus /ly/?) und <salamo>. Die letzere
Form soll /sālämo/ sein, wobei /sāl‑/ der Ko.‑Stamm und /ä/ Ergebnis einer Anaptyxe sein
kann. Wenn <‑o> ein bewegliches "o" ist, ist das Wort als /sälā‑m/ zu deuten, wobei /ā/
eine Ko.V‑Markierung sein kann. Jedenfalls reichen die Belege für eine Entscheidung
nicht aus.
<lykaṃ> a8 ist Obl.Sg. von /lyäk/. Auf der Basis der Akzentregel ist <a> schwer zu
beurteilen. Ich vermute, daß diese Form von Pl.-Markierung /ā/ beeinflußt und als <a>
verallgemeinert wurde.
<ä> und <A>:
Alle <ä> und <A> sind entweder /ä/ in Wortstämmen oder Ergebnis einer Anaptyxe.
Die Schreibung in dieser Hs. ist merkwürdig: in <MAskītRA> a5 finde ich eine altertümliche Schreibung, in <yamamTARˎ> b8 hingegen eine spätere Schreibung mit
Wirkung der Akzentregel.
Š406:
a) Paläographische Untersuchung:
Diese Hs. ist paläographisch identisch mit Š404. Nur einige Akṣaras, die nicht in Š404
vorhanden sind, behandele ich.
276
a6 <ś> ist links separat:
; b5 <PA> und a3 <SA> sind normal:
a3 <e‑> ist oben vielleicht ornamental:
bzw.
bzw.
.
; a3 <i‑> und a6 <ai‑> sind normal:
.
b) Linguistische Untersuchung:
1) Diphthonge:
<‑ai> von <enestai> a3 und <aiśai> a6 ist die Adv.‑Markierung, die m.E. eigentlich
das Obl.‑Kennzeichen ist. Wenn dem so ist, entspricht das System dem des Uridg. (Akk.
für Adv.), obwohl toch. Obl. und idg. Akk. historisch nicht identisch sind. Ich nehme an,
daß der toch. Obl. den eigentlichen Wortbegriff anzeigt, nicht das direkte Objekt. Der
Grund dafür ist das Kasussystem im Tocharischen. Der toch. Obl. kann alle Kasus
vertreten, und es gibt keine Kasusendungen wie im Uridg., sondern an ihre Stelle treten
Postpositionen oder Adverbien.
Hier sehe ich zwei voneinander verschiedene Wortbildungen: <enestai> ist
durchgehend so geschrieben. Es gibt keine Nom. oder andere Formen, d.h. <enestai>
ist ein ursprüngliches Adv. Hingegen ist <aiśai> aus /aiś‑/ (√aik) + /a/ (Obl.) gebildet,
wobei das /‑k/ von /aik‑/ der aus dem Ps.3.Sg. verallgemeinerten Palatalisation unterlag.
2) Vokallänge:
<ā>, <ī> und <ū>:
Bei <KAntwāṣṣe> a5 ist das Adj.‑Suffix /-ṣṣe/ dem Obl.Sg. suffigiert.
<ī> von <werpīśke> b2 ist hyperkorrekt oder akzentuiertes /i/.
<sūmern(e)> a3 (<ū> ist Hapax) ist BHS /sumeru/ (vgl. Edgerton 1953, p. 601), und
<ū> ist hyperkorrekt.
<a>:
277
<taṅktsi> a2 ist nach Krause (1952, S. 246) der Inf. der √täṅk‑ 'hemmen', die keine finite
Ko.-Form und ein Ps.II /cenk‑/ zeigt. Wenn der Ko. (dem Inf. zufolge) ein Ko.I ist, paßt
die Kombination Ps.II/Ko.I nicht. Daher könnte der Ps.‑Stamm eine mit /e/ gebildete
Neuschöpfung sein. Darüber hinaus kann ich für die Postpos. /tänktsi/ 'bis einschließlich'
(TEB II S. 197, Krause 1952, S. 246) als Inf. von dieser Wurzel wegen der wenigen
Belege (M375b5 und MQ461.3) nicht mit Sicherheit plädieren. Die anderen Inf. lauten
<taṅktsi> (7x). /tänktsi/ könnte eine ursprüngliche Inf.-Form sein, aber warum wurde
/tänktsi/ nur bei späteren Hss. als Postp. benutzt? Ich nehme an, daß /tänktsi/ nicht mit
dem Inf. <taṅktsi> identisch ist.
<kaṃtwo> a6 (<KAntwāṣṣe> a5) ist Nom.Sg., aber <käntwo> ist nicht belegt. Dies
bedeutet, daß dieser Nom.Sg. nur in späterer Zeit benutzt wurde. Das Wort ist nach
Pokorny "umgestellt aus *tankwa, idg. dhuā (1959, S. 223). Dem toch. A /käntu/
zufolge wäre /käntw(ā)/ zu erwarten, wobei /‑ā/ fraglich ist. <kaṃtwo> sollte eine
spätere Form mit Akzent und beweglichem "o" sein (alle Belege stehen in Versen und es
gibt keinen sicheren Nom.). Vermutlich hat <kaṃtwo> wegen der Metathese mit uridg.
*dhū oder dhā m.E. nichts zu tun (Umstellung *d und *h, nur bei Toch.?). Ich
kenne zumindest im Toch. keine solche Erscheinung. Demzufolge ist das Wort eher im
Toch. autochthon.
<ä> und <A>:
<warkṣLA> a2 ist ein Schreibfehler für <warkṢALˎ>.
Š506‑508:
a) Paläographische Untersuchung:
Der Duktus ist sehr ähnlich wie bei Š406, deswegen gebe ich keine Beispiele.
b) Linguistische Untersuchung:
278
1) Diphthonge:
<cai> 506a3 (<cey> ist nicht mehr belegt), <pśaiso> 508a1 (Impv. von √śāy-, s. ad
Š404)
2) Vokallänge:
<ā> und <ū>:
<sū> 507b2 /u/, <sā[ˎ]> 508b4 /ā/.
Skt.:
<yakṣī> 506a2 (skt. <yakṣ> + toch. Pl. /i/), <māgadha> 506b2 (wie Skt.), <svāhā>
507a4 (wie im Skt.), <yākṣeṃ> 507b3 (Obl.Pl., hyperkorrektes <ā> für skt. /a/).
<a>:
<cimpamñec[c]i> 506a3: <i> ist /ä/, <a> ist betontes /ä/ (Anaptyxe).
Š547:
a) Paläographische Untersuchung (halbkursiv):
a2 <y> ist dreiteilig und oben geöffnet:
; a1 <ña> ist geöffnet und zweiteilig:
; a1 <m> ist normal, der Anunāsika (nur bei <siddha> MQ148a1,b1, Š549b1)
ist mit Kreis geschrieben:
ist in einer Linie:
; a4 <ś> ist links stark separat geschrieben:
; a2 <dha> ist oben rund:
a3 <MA> ist oben links lang gezogen:
; b4 <la>
.
; b1 <Ṣ> ist in der Mitte stark verbunden:
; a3 <TA> ist in Unterschied zu <dha> oben rechts eckig:
Virāmakomma normal, der Doppeldaṇḍa ist schnörkellos:
279
.
; a3 <Rʾˎ> ist mit
b4 <ā‑> ist unten lang gezogen:
; a6 <i‑> und b1 <u‑> sind normal:
; a2 <e‑> ist rechts lang gezogen:
a5 <ai‑> ist normal:
bzw.
; a1 <o‑> ist unten wie <l> etwas eckig:
; a3 <au‑> ist normal, aber unpräzise. Vielleicht war dieser
Akṣara für den Schreiber ungewöhnlich:
.
b) Linguistische Untersuchung:
1) Diphthonge:
<o> von <rekona> a1, <onästRA> a1 und <no[Ṣˎ]> a1 ist /a/, hingegen ist <aunu>
a3 (<au‑> s.o.) unpräzise geschrieben. Von /‑o/ für <au> und unpräzisem <au‑> her
gesehen war /a/ dem Schreiber nicht vertraut. Gegenüber dem /a/ ist das /a/ (auch
schriftlich) gut bewahrt. Daher laste ich <-o> der mangelnden Kenntnis des Schreibers
an (s.u. <jātaka>) und nehme keine Monophthongierung von /a/ an.
<[c]ewsa> a3 ist eine altertümliche Schreibung.
2) Vokallänge:
<ā>:
<ṣamāne> a2, ist skt. /śramaṇa/ und außer H149add19a6 ist es in mehr als 180 Belegen
mit <ā> geschrieben. Dieses <ā> ist hyperkorrekt oder wegen des Akzents so
geschrieben und danach verallgemeinert worden.
<jātaka> a6 ist skt. /jātaka/, und die dementsprechende toch. Übersetzung ist
<(c)[m]elñe>. Vor diesem Wort steht <‣ itivttaka ‣ śruti ‣>, aber der Schreiber hat
keine toch. Übersetzung vorgelegt, sei es versehentlich oder weil er die Stelle nicht
übersetzen konnte.
<a>:
280
;
<tsārwaṢṢAlñe> b1 // (Kaus., s.u.), <stamalñe> b2 /ā/ (Ko.V), <nesalñetstse> b3 //
(Anaptyxe).
Normalerweise wandelt sich /ä/ beim Kaus. nicht, weil dieses /ä/ ein wichtiges Merkmal
ist. Der Schreiber hat vermutlich das Trema auf <rwa> von <tsārwaṢṢAlñe> vergessen.
<ä> und <A>:
<TARˎ> von <MAskeTARˎ> b6 ist eine spätere Schreibung. Dagegen ist <tRA> von
<aiśtRA> a7 eine ältere Schreibung.
Š585:
a) Paläographische Untersuchung:
a6 <y> ist zweiteilig, <l> ist dreiteilig:
mit Virāmakomma (Pünktchen) normal:
; a8 <ñ> ist geöffnet:
; a4 <mTʾˎ> ist
; a3 <ga> ist links nicht stark gekrümmt:
.
b2 <Ṣ> ist in der Mitte verbunden:
links rund:
; b3 <PA> ist eckig:
; b4 <SA> ist oben
.
a5 <ˎ> ist normal:
.
b) Linguistische Untersuchung:
1) Diphthonge:
<cey> a1 ist altertümlich für /ca/. <ylaiñäkte> a6 hat ursprüngliches /a/.
281
<MAkceˎ> a5 und <cewä> b8 sind altertümlich für /a/. <cewä> konnte als <ceˎ>
geschrieben werden. Vielleicht hat der Schreiber den Virāmastrich vergessen, aber eine
Syllabifizierung metri causa ist auch möglich.
2) Vokallänge:
<a>:
<rano> a1 ist /rā/ und /no/. Das Wort ist eigentlich zwei Partikeln, aber wie ein Wort
behandelt. <a> ist unbetontes /ā/, falls beim Adv. die Endsilbe betont war.
<raddhi> b3 repräsentiert skt. /ddhi/. Skt. // wurde im Toch. als <RA> wiedergegeben und (später) betont (s. ad D541a7 <raddhi>).
<saswe> b7 ist /säswe/. /ä/ konnte manchmal beim Kompositum synkopiert und
<Sswe> geschrieben werden, weil es nicht betont war. Hier wurde /ä/ betont zu <a>.
Š589:
a) Paläographische Untersuchung (sehr ähnlich wie Š404):
a2 <ya> ist dreiteilig:
dreiteilig:
; b5 <ñ> ist halb geschlossen:
; b4 <ś> ist links stark gekrümmt:
(altertümlich):
; a5 <ṇ> ist in der Mitte dick
; a3 <ṅ> ist links verbunden, <k> ist normal:
a2 <Ṣ> ist in der Mitte geschlossen:
links und rechts separat geschrieben:
; b3 <SA> ist oben rund:
.
282
; a4 <la> ist
.
; a2 <Śˎ> ist
b3 <a‑> ist normal:
; b7 <e‑> ist rechts lang und oben ornamental:
und b6 <o‑> sind normal:
bzw.
; a5 <u‑>
.
b) Linguistische Untersuchung:
1) Diphthonge:
<ceyä> a3 vertritt /ca/. Die (sicheren) Virāmas in dieser Hs. sind <‑Ṣˎ> a4, <‑ñˎ>
a5,b4, <Rʾˎ> b3, <‑Sˎ> b4, <‑tSˎ> b5 und <‑ṅKˎ> b5, wo die verbundenen Akṣaras
nach dem Virāmastrich etwas tiefer gesetzt sind. Sonst sind die Akṣaras nicht tief gesetzt.
Obwohl Sieg/Siegling hier (ˎ) ergänzen, transliteriere ich ohne Virāmastrich, da <yä>
nicht tief geschrieben wurde. Nur bei <Rʾˎ> wurde das Virāmakomma geschrieben.
Diese Erscheinung deutet darauf hin, daß das Virāmakomma existierte, aber sich kein
Virāmakomma in der Vorlage befand. Eine andere Möglichkeit ist, daß <R> deutlich
konsonantisch markiert werden sollte.
<au> von <kautaṃ> a3 ist ursprüngliches /a/.
<i> von <waikiññeṃ> b5 ist wegen des palatalisierten <ñ> aus /e/ hergekommen
(<waikesa> b8). Das ist eine kolloquiale Schreibung, oder eine Verschreibung ist nicht
ausgeschlossen. <ai> ist hier ein ursprüngliches /a/.
2) Vokallänge:
<ā>, <ī> und <ū>:
<sū> a3 steht für /su/, <pīyaṃ> a6 für /i/ (√pi‑), <cwīścemaṣṣa> a7 für das
Sandhiprodukt (/cwi-iśce-/), aber das ist im Toch. keine phonplogische Regel.
<a> von <[a]ṣkār> b3 ist /ā/. Das Wort kann dreisilbig sein (<aṣkār[o]> Š83.1. <o> ist
sog. bewegliches "o", das früher irgendein Vokal war). Doch ist ebenso möglich, daß der
Akzent beim Adv. auf die letzte Silbe fiel.
283
<yātkame> b4 ist nach Krause ein Kaus.Pt.II von √wätk‑ (1952, S. 288). Somit ist die
erste Silbe akzentuiert.
<āppantse> b4 ist nach Adams (1999, p. 44) Gen. von āppo*. Die Akzentregel wirkt hier
nicht. Der Grund für <ā‑> ist vielleicht eine semantische Wichtigkeit des /ā/.
Merkwürdig ist die Gemination <pp>. Sie könnte in der Assimilation verschiedener
Konsonanten ihre Ursache haben, aber es läßt sich nicht ausmachen, welche Konsonanten zugrunde liegen.
Der Vokal der Endsilbe des Nom. ist nicht belegt. Wegen des Obl. auf /a/ (einziger
Beleg <āppai> Š85a2) hat Adams /-o/ angesetzt. Wenn <a> von <āppantse> ein
betontes /ä/ (Anaptyxe) wӓre, könnte /āpp/ ein Nom. sein.
<nupūra> a5 (skt. /nūpura/, ein Personenname von vier Prinzen) zeigt die toch.
Akzentregel. Hier sehe ich keine Apokope. Vermutlich wurde das Wort direkt aus dem
skt. Muster kopiert.
<caṇḍāli> b5 ist nach Adams (1999, p. 250) Nom.Pl.m. (Nom.Sg. caṇḍāle*) mit der
Bedeutung 'outcast' (Sic!) und "from BHS caṇḍāla‑". Nach Edgerton ist caṇḍālaka 'an
outcaste', im Skt. ist nach Böhtlingk caṇḍāla 'ein Mann der verachtesten Schichten der
menschlichen Gesellschaft'.
Skt. /caṇḍāla/ sollte im Toch. <caṇḍāl> lauten (der einzige, unvollständiger Beleg ist
<•(ṇḍ)āl> H149.309b5). Die Pl.-Form sollte <caṇḍālyi> (mit palatalisiertem /ly/) sein.
Der Gen.Sg. sollte /caṇḍāläntse/ lauten, nicht /‑entse/ wie bei Adams.
Vermutlich ist das Wort ein Personenname, z.B. 'Kumbhakāri‑caṇḍāli‑gopāli' (Divy. p.
348, vgl. Akamuma 1931, p. 327), dessen /‑i/ wie <nupūra> nicht apokopiert ist. Einen
weiteren Beleg könnte es in H149.144b5 geben, aber wegen der Beschädigung bleibt
dieser ganz fraglich. Eine andere Möglichkeit ist, in diesem Wort einen Nom.Sg.f. als
Entlehnung von skt. /caṇḍālī/ zu sehen (nicht Nom.Pl.m.).
<a> (Pl., Perl. sind <a>):
284
<a> von <tasemane> b5 und <mcuṣkantaṃtSˎ> b5 ist für /ā/ geschrieben, und es wirkt
keine Akzentregel.
<a> von <epiyac> b7 ist außer <epiyācˎ> Š251a3 immer so geschrieben (weitere 18
Belege mit <a>) und ist ein unbetontes /ā/ (<epīyac> H149.81b4, H149add12a3 zeigt
den Akzent auf /i/).
<ä> und <A>:
<A> von <taṃtSAskeṃ> a3 ist die Kaus.‑Markierung. Außer bei diesem Wort sind
<A> und <ä> vor Suffixen oder Endungen in dieser Hs. Ergebnisse einer Anaptyxe.
<RAssāre> b3: /rä/ ist zweiphonemig, d.h. /r/ und /ä/. Die Wurzel ist √räss‑ (← √räsw‑)
mit der Bedeutung 'herausreißen'.
Š596:
a) Paläographische Untersuchung:
b1 <ya> ist dreiteilig:
; b1 <ñ> ist geöffnet, <‑i> ist spätere Schreibung:
b4 <ś> ist links stark gekrümmt:
; b5 <m> ist normal:
.
b6 <MA> ist eckig und links oben etwas nach links gezogen:
lang gezogen:
; b1 <Śˎ> ist in der Mitte stark geschlossen:
oben rund, <KA> ist links nicht verbunden:
; b5 <Rˎ> ist unten
; a5 <T> ist
.
b2 <a‑> ist oben rechts verdickt und die senkrechte Haste ist nicht gerade:
<e‑> ist rechts lang und oben ornamental:
;
.
285
; b3
a2 /5/,
a4 /6/,
b1 /7/,
b4 /8/,
b6 /9/: Die Versnummern sind normal
und präzise. In ist b4 der Doppeldaṇḍa schnörkellos (nicht ornamental): .
b) Linguistische Untersuchung:
1) Diphthonge:
<au> von <kātkau> a4 und <weskau> a5 ist die verallgemeinerte 1.Sg.-Endung /‑a/.
2) Vokallänge:
<ā> und <ī>:
<PAllāmar> a2 ist Ps.VI von √päl‑. Dieses Ps. zeigt niemals */pälnā‑/ (auch in A-Toch.).
Das heißt, daß hier die Assimilation sehr früh entstand. Dieses Phänomen trat nur bei
mit /l/ schließenden Wurzeln ein. Es gab <‑l‑ana‑> (<tlanaTAr>, <walanalle>), aber
keineswegs <‑lnā‑>. Das erste <a> von <-l-ana> ist m.E. // (Anaptyxe), und das
zweite ist unbetontes /ā/ (nā-Ps.).
<RAknāśka> a2 ist ein Personenname, aber ich habe außer <raktākṣa> (Akanuma
1931, p. 540, Divy. p. 151) kein passendes Namensetymon im Skt. gefunden. In dieser Hs.
sind <n> und <t> schwer voneinander zu unterscheiden. Normalerweise konnte skt.
/ra‑/ im Toch. als <ra‑> wiedergegeben werden, und ein unbetontes <ra> könnte zu
<RA> werden.
<[ś]īre> a2 ist /ścire/ 'hart', aber <ścire> selbst ist nicht belegt. Belegt ist <ścīre> in
Š68b5, Š88a2, MQR128a1 und Š522a6, und alle Belege sind nicht alt. Vermutlich ist hier
<i> betont und als <ī> verallgemeinert. A-Toch. <tsär> ist eine Entsprechung. Wenn
/ścire/ und /tsär/ identisch ist (<śc> vs. <ts> ist aber erklärungsbedürftig), könnte die
Basis dem <ä> von A-Toch. zufolge in B-Toch. /ścäre/ gewesen sein. Trifft das zu, wurde
/ä/ wegen des palatalen <śc> zu [i].
286
<ś> von <śīre> spiegelt eine rein phonetische Erscheinung wieder, und zwar die
Verschlußphase ist von <c> wegen der komplizierten Artikulationsart einfach
verlorengegangen ([śc] → [ś]).
<māntatsi> b5 ist Inf. von √mänt‑. Die Wurzel zeigt Ablaut (Ps. /mänt‑/ und Ko./Pt.
/mānt‑/). <a> hier ist unbetontes /ā/, das der Akzentregel widerspricht. Ich nehme an,
daß /ā/ in der ersten Silbe semantisch wichtiger als das Ko.V-Suffix /ā/ war.
<a>:
<MAkciya> b1 ist Sg.f. von /mäkte/ 'ipse'. <‑a> vertritt /‑ā/ (Feminierung), und <y> ist
ein Bindekonsonant. <i> ist ein wegen <c> palatalisiertes /ä/. <c> steht in Opposition
zum Nom. Dem Nom.Sg.m. <makte> zufolge ist <c> nicht durch /e/ verursacht.
<kartsene> b2 ist kein dreisilbiges Wort, da keine Akzentregel wirkt (/kärtsne/),
sondern ein zweisilbiges Wort (/krtse‑ne/), d.h. das Lok.-Markierung /‑ne/ ist eine
Postposition. Es ist auch möglich, daß das Wort damals schon als /kartse/ verallgemeinert
wurde.
<ä> und <A>:
Bei <wäntare> a1 wirkt die Akzentregel.
<waTKAskau> a5 ist Ps.IXb und <a> ist betontes /ä/. √wätk‑ zeigt (außer im
Kaus.Pt.II /yātk‑/) keinen Ablaut. Die Palatalisation beim Kaus.Pt.II /yātk-/ (/y/ statt /w/)
steht m.E. in Opposition zu anderen finiten Formen, und <ā> ist die Markierung für das
Kaus.
Š605:
Diese Hs. ist eine Übung für Akṣaras. Am Ende gibt es einen Text in A-Toch. von
anderer Hand.
a) Paläographische Untersuchung:
287
b4 <y> ist normal:
geschrieben:
; b2 <ñ> ist halb geschlossen:
; a4 <ś> ist links separat
; b2 <l> ist unten separat geschrieben:
Virāmakomma normal:
; a4 <m> ist mit
.
a4 <Sʾˎ> ist normal, das Virāmakomma ist beim "Fremdzeichen" benutzt:
<Kˎ> ist ohne das Virāmakomma geschrieben:
b4 <a‑> ist normal:
; b4
.
; b3 <e‑> ist rechts lang, der Kopf ist etwas ornamental:
.
b) Linguistische Untersuchung:
1) Diphthonge:
<paikatsi> b1 ist der Inf. (Ko.V) von √pik‑ 'schreiben'. In A-Toch. ist der Inf. <piktsi>
a4 vom Ps.I /pik‑/ gebildet. Die Ps.-Klasse von dieser Wurzel in A-Toch. ist Ps.I (mit
Ko.V und Pt.I). Hingegen ist die Ps.-Klasse in B-Toch. Ps.VII (Ko.V und Pt.I). Vom
Befund anderer idg. Sprachen (skt. /pinkte/, gr. <πίγγαλος>, lat. /pingō/; Pokorny 1959,
S. 794) her gesehen zeigt B-Toch. das ursprüngliche System (n-Ps.). Wahrscheinlich ist
das Ps.I in A-Toch. eine Neuschöpfung.
2) Vokallänge:
<ā>:
Hier ist nichts Besonderes zu erwähnen.
<a>:
<a-> von <amoKʾˎ> a4 ist der Form <āmoKAnta> MQ255b1 zufolge /ā/. Andere
Belege zeigen meistens <a‑> (19x). Vielleicht ist /ā-/ ursprünglich, und später wurde <a> in der ersten Silbe verallgemeinert.
288
<papyuTAKˎ> a4 (A-Toch.) ist Pt.II von √pyutk‑, und die Wurzel bildet gleichzeitig
Pt.III /pyockäsā‑/. Ich kann nicht mit Sicherheit entscheiden, welche davon ursprünglich
ist, oder ob es einen funktionalen Unterschied gibt. Wenn das s‑Ps. jünger sein sollte,
wäre das s‑Pt. m.E. ebenfalls jünger. In B-Toch. ist nur ein Pt.II existent, daher kann man
das Pt.II für ursprünglich halten. Das Pt.II in B-Toch. ist aber erklärungsbedürftig, da
man keine sichere Reduplikation darin erkennen kann. Möglicherweise ist das
Reduplikationssystem in Pt.II eine Neuschöpfung im A-Toch. (ein Einfluß von PPt.?).
<cameLˎṣṣena> b1 ist ein Schreibfehler für /cämeläṣṣana/. Die Schreibung sollte
<cmeLAṣṣana> sein, aber der Schreiber hat zuerst <cameLˎ> mit Akzent auf der
ersten Silbe geschrieben und danach das Adj.Pl.-Suffix <-ṣṣena>, das <‑ṣṣana> lauten
müßte, hinzugefügt. Er hat somit einen zweifachen Fehler gemacht.
<ä> und <A>:
<śilyme> b3 kann m.E. für /kälymi/ stehen. Der Schreiber hat palatalisiertes <śi-> statt
/kä-/ und <‑e> statt /‑i/ (Obl.) geschrieben. /kälymiye/ (Nom.) bedeutet 'Richtung' und
/kälymi kälymi/ bedeutet 'nach allen Richtungen' (vgl. TEB II, S. 184). Eine andere
Möglichkeit ist ein Schreibfehler für A-Toch. /kälymeyā/ (skt. /samyak/), obwohl diese
Passage in B-Toch. geschrieben wurde (am Ende dieses Textes gibt es jedoch einen
Zusatz in A-Toch.).
<ṣ> b2 ist eine aus /ṣpä/ verkürzte Form. Wie oben erwähnt (s. ad MQ241b5), ist es
möglich, daß das Wort ursprünglich /ṣp/ lautete. Wenn dem so ist, ist die Erklärung (/ṣp/
→ /ṣ/) verständlicher als die doppelte Vereinfachung (/ṣpä/ oder /ṣäp/ → /ṣp/ → /ṣ/).
Š606:
a) Paläographische Untersuchung:
Der Duktus ist fast gleich wie in Š605. Ich behandele einige Akṣaras, die in Š605 nicht
vorkommen.
289
a1 <Rʾˎ> und a1 <Tʾˎ> sind mit Virāmakomma normal:
oben links nach links hingezogen:
; a2 <ŚA>
bzw.
; a1 <MA> ist
und a3 <Ṣˎ>
sind in der
Mitte stark geschlossen.
a3 <ˎ> ist normal (ohne Virāmakomma):
.
In dieser Hs. kommen stellenweise Virāmakommata vor.
b) Linguistische Untersuchung:
1) Diphthonge:
<cai> a1, <cau> a1, <ceˎ> a3.
Die Demonstrativpronomina sind promiscue in der alten und der jungen Schreibung
geschrieben. Bei der alten Schreibung <ceˎ> a3 hat der Schreiber kein Virāmakomma
geschrieben. Vermutlich entstand diese Schreibung in der Vorlage.
<au> von <śaummo> a2 ist /a/. Vor der Gemination <mm> könnte sich eine
Morphemgrenze befinden, oder nach dem Vokal einfach geminiert werden.
<au> von <laukaṃñe> a2 ist /a/. <a> ist ein betontes /ä/ (Anaptyxe). <ṃñe> ist von
<lauKAññe> MQ212b2 her gesehen eine jüngere Schreibung.
2) Vokallänge:
<ī>:
<ī‑> von <īke> ist /i/. Die Verteilung ist 15x <ī‑> und 13x <i‑>, und die ältesten
Belege sind <īke> MQ339b3 (I‑2) und <ike> MQR333a4 (I‑2). Daraus kann man
keinen deutlichen Unterschied zwischen <ī> und <i> bei diesem Wort ablesen.
Obwohl es in der Gruppe I‑1 nur wenige Hss. gibt, läßt sich doch konstatieren, daß es
<ī‑> oder <i‑> (auch in anderen Wörtern) nicht gibt, und <yäke> ist ebenfalls nicht
belegt. Ein Lehnwort ist denkbar, aber die Herkunft ist unklar.
290
<a>:
<calle> a1, <lyaTʾˎ> a1, <kkaṣṭa> a4 und <kcalle> a4 sind Hapax legomena, und
die Bedeutungen sind unklar. Adamsʼ Deutung für <kcalle> (1999, p. 188 Ger. von
√kuts‑) ist phonologisch (Wz. /-ts/ vs. Ger. /-c/) unverständlich. Es gibt die Opposition bei
den Adj.-Suffixen /‑tstse/ (Nom.) und /‑cce/ (Obl.), aber diese Erscheinung spielt für /ts/
vs. /c/ bei <kcalle> keine Rolle.
<śamna> a1, <alyeKˎ> a3 usw. zeigen in dieser Hs keinen Unterschied zwischen /ā/
und <a>.
<ä> und <A>:
<MAntaKˎ> a1 entstand vermutlich in der Vorlage, da sich weder die Akzentregel noch
das Virāmakomma finden.
M170‑4 (Abhidharmakośa):
a) Paläographische Untersuchung:
173b5 <ya> ist zweiteilig (normal):
; 174a5, 171a4 <l> ist dreiteilig geschrieben,
<ñ> ist geöffnet und geschlossen geschrieben:
separat geschrieben und oben nicht rund:
bzw.
; 173b3 <ṇ> ist in der Mitte etwas
verdickt, <ḍ> und <i> sind präzise geschrieben:
.
170b4 <Mˎ> und 171b5 <ṢKA> sind normal:
bzw.
Mitte stark geschlossen:
; 171b3 <śa> ist links
; 174b4 <Śʾˎ> ist in der
; 174b4 <Rʾˎ> ist mit Virāmakomma (nicht immer in
291
diesen Hss.) normal:
; 171b2 <SAṃ> ist normal, der Anusvāra ist gleich wie das
Virāmakomma geschrieben:
172a3 <a‑>,
ist rechts lang:
170b1 <i‑> und
172a4 <u‑> sind normal; 172a6 <e‑>
; 173a2 <o‑> ist zweiteilig:
170 /115/ und
171a3 /31/,
.
; 171a3 <ai‑> ist normal:
.
174 /119/ sind die Blattnummern.
171b2 /2/,
173a2 /4/,
173a7 /35/ und
174b2 /37/
sind die Versnummern, und wie andere Akṣaras sind sie präzise geschrieben.
In 173a7 tritt das Interpunktionszeichen
auf; in 171a3 der Doppeldaṇḍa schnörkellos:
.
b) Linguistische Untersuchung:
1) Diphthonge:
<ai> von <wiṣaint[aṃtSˎ]> 172b7 (<w> ist skt. /v/) und <upacai> 173b5 vertritt skt.
/aya/. Nach Apokope wurde /āy/ (Akzent auf der vorletzten Silbe) zu <ai>.
<taisa> 174a3 (s. ad S525a4).
<snay> 174b6 ist /sna/. Früher wurde <snaiy> (mit <y>) geschrieben. Hier hat der
Schreiber vielleicht <‑ai> auf <sn‑> zu schreiben vergessen. Eine andere Möglichkeit
besteht darin, <y> wegen des nächsten /e/ als eine Sandhiform zu aufzufassen (/a-e/ →
<aye>), aber solch eine Schreibung ist für Diphthonge nicht üblich. Daher möchte ich
die erste Möglichkeit für wahrscheinlicher halten.
<nauṣuw(e)nTˎ> 172a1 ist ein Adj. im Pl. zu /naṣu/, das vom Adv. /nauṣ/ abgeleitet ist.
<nauṣ> ist von <newṣ> entwickelte Form, aber <newṣu> ist nicht belegt. Daher ist
292
<‑u> von <nauṣu> m.E. nicht alt. <w> ist ein Bindekonsonant, und <ent> ist eine
Markierung für den Pl.
<maul ārupi///> 173b4 könnte skt. /maulā-rūpi-/ 'Wurzel-Materie' sein. Die präzise Skt.Form und ihre Bedeutung kann ich im Abhidharmakośa III (La Vallée Poussin, 1980) p.
100 nicht finden, das in Thomas 1953, S. 97 Fnt. 4 nortiert ist, sondern im
Abhidharmakośa V, p. 177 Pradhan 21ab (ӓhnlicher Inhalt, eine Hinweise von Prof.
Karashima).
<cewne> 174b3 ist Vorgӓnger von /ca-ne/ (Übersetzung für skt. <asmiṃ>). Die
Demon.pron. bewahren gelegentlich altertümliche Formen.
2) Vokallänge:
<ā>:
<akṣārsa> 171b2 ist Perl. von <akṣār> (skt. /akṣara/). Hier sehe ich eine phonologische
Regel für skt. Wort, aber nicht bei <śtwarā> 171b4 (<śtwāra> 173b2) und <TAryā>
172b1 (<tarya> 172b2). <ā> und <a> sind in diesen Hss. phonologisch gleichwertig.
<klāsTARʾˎ> 172a6 ist Ps.X von √käl‑. <ll> (← /ln/) wurde hier zu <l> vereinfacht.
Die Endung <TARʾˎ> mit Virāmakomma zeigt eine jüngere Schreibung.
<kuśalasāsraPˎ> 173b4 ist skt. Kompositum /kuśalasāsrava/ 善有漏58. <a> zwischen
<l> und <s> kann ein wegen des Kompositums akzentuiertes /ä/ (Anaptyxe) sein, oder
skt. /a/, wenn es eine Wiedergabe von Skt. ist. <Pˎ> für skt. /v/ ist die tocharisierte
Schreibung.
<a>:
<svo> 173a2 ist die Sandhiform von /svaḥ/ vor <(’)ṣṭā->.
58
Zusammen mit /maulā-rūpi-/ ist dieser Begriff ein Hinweis von Prof. Honjou.
293
<vastu> 174b3 (<vāstu> 174a4) ist skt. /vastu/. <ā> und <a> sind unterschiedslos
geschrieben.
<maṃt> 174b6 (<maṃnTˎ> 174b7) ist /mänt/, und hier wirkt die Akzentregel.
<ṃnTˎ> von <maṃnTˎ> ist ohne Virāmakomma eine altertümliche Schreibung.
<ä> und <A>:
Bei <yäkne> 171b4, <wästo> 172a2, <ṢArmanasa> 172b2 und <wärñai> 174a4 finde
ich keine Akzentregel. Die Wörter entstanden (außer <ṢArmanasa> s.u.) vermutlich in
der Vorlage.
<ṢArmanasa> ist /ṣärmnā-sā/ (Pl.), wobei die zweite Silbe Ergebnis einer Anaptyxe
und betont ist. /‑sā/ (Perl.) kann von der Akzentregel her gesehen eine Postposition sein.
M185‑188:
a) Paläographische Untersuchung:
185b1 <y> ist dreiteilig und eckig:
; 188b2 <l> ist unten geknickt, <ñ> ist geöffnet:
; 185a4 <ś> ist links separat:
; a2 <ṇa> ist in der Mitte nicht verdickt:
185a1 <KA> ist oben nicht verbunden:
ist geneigt und links größer und eckig:
; 186a3 <MA> ist eckig:
ornamental:
bzw.
; 186b1 <ṢA>
.
185a3 <ā‑> ist oben viereckig, unten nach rechts verschoben:
186a3 <u‑> sind normal:
.
; 185b5 <i‑> und
; 185a4 <e‑> ist rechts lang und oben
; 185a4 <ai‑> ist am Kreis klein:
294
.
185b5 ist das schnörkellose Interpunktionszeichen.
b) Linguistische Untersuchung:
1) Diphthonge:
<cau> 186a5 ist eine aus <eˎ> entwickelte Form.
<o> von <oltsorsa> 188b1 steht für /a/. Dieses <o> wurde von anderer Hand
emendiert. Vielleicht hat der Kopist <o> in der Zeit, als der Gebrauch des A-Toch. in
Murtuq üblich wurde, korrigiert.
2) Vokallänge:
<ā>:
Bei <mā tsronTʾˎ> 187a4 sind die Worttrennung und Bedeutung unklar. Anscheind ist
<tsronTʾˎ> ein PPt. von √tsär, aber die Markierung /‑nt/ existiert nur in A-Toch. Es ist
möglich, daß diese Hss. nach der Einführung von A-Toch. geschrieben wurde.
<dharmā> 188a4 ist Pl.Nom. von skt. /dharma/. Der Visarga ist nicht geschrieben.
<a>:
<ālaṃ[ba]ṃ> 185a3 ist skt. /ālambana/. /m/ wurde <ṃ>, das im Toch. für /n/ steht.
Möglicherweise liegt hier eine Assimilation des /m/ an <ṃ> von <‑baṃ> vor, oder man
hat phonetisch ein [n] gehört. Es ist auch möglich, daß das Wort schon im Skt.-Muster so
geschrieben wurde.
<yamaṣeñca> 185b4 und <yamalye> 186b3 zeigen /ā/ in erster Silbe und // in zweiter.
<rupadhātu> 185b5 ist skt. /rūpadhātu/. Von <rūPˎ> 186b2 her gesehen ist <> toch.
/u/. Ich nehme an, daß <ū> entweder akzentuiert oder eine stilistisch altertümliche
Schreibung ist.
295
<sahopāda api> 188a5 zeigt einerseits Sandhi beim <o>, andererseits keinen Sandhi
bei <‑a a‑>. <-a> von <(u)pāda> (←/utpāda/) kann /-ās/ (Nom.Pl.) sein. Wenn dem so
ist, ist die Schreibung nicht falch. Möglicherweise ist diese Passage im skt. Muster so
geschrieben worden.
<ä> und <A> bei dieser Hs. sind nicht besonders zu erwähnen.
M189:
a) Paläographische Untersuchung:
Der Duktus ist ähnlich wie in 185-8, aber etwas flüssiger.
a3 <ya> ist dreiteilig:
; b3 <ñ> ist geöffnet:
; a4 <ś> ist links gekrümmt, und
es gibt einen Querstrich in der Mitte. Dies weist auf eine Fehllesung des Kopisten hin:
; b5 <o> von <lo> ist links wie <‑e> geschrieben:
a3 <SA> ist oben rund:
<KA> ist normal:
gleiche Form:
.
; a3 <Rʾˎ> ist mit Virāmakomma ornamental:
; a5
; b4 <Mʾˎ> ist eckig. Anusvāra und Virāmakomma haben die
.
a4 <a‑> ist oben geöffnet und unten lang nach rechts gezogen:
<u‑> sind normal:
bzw.
; a1 <i‑> und b2
; b4 <o‑> ist oben ornamental lang gezogen:
b) Linguistische Untersuchung:
1) Diphthonge:
296
.
<o‑> von <ortsesa> b4 (für /artsesā/) ist Ergebnis einer Monophthongierung, die eine
typische Erscheinung von A-Toch. ist (s.o. M188b1).
2) Vokallänge:
In dieser Hs. finde ich außer bei <postaṃ> b4 (s.u.) keine Besonderheit. Die Lang‑ und
Kurzvokale sind wie im Skt. geschrieben, und die Akzentregel ist bei toch. Wörtern
eingetreten.
<postaṃ> b4 ist /postäṃ/. Wenn diese Schreibung richtig ist, ist das /ä/ betont, und dies
könnte die Endbetonung des Adv. reflektieren.
M190‑191:
a) Paläographische Untersuchung:
Der Duktus ist ähnlich wie in M189. Ich gehe noch einmal auf die Murtuq-Hss. ein, um
deutlich zu machen, daß sie zwar in paläographischer Hinsicht ziemlich alt, aber
linguistisch betrachtet jung sind.
190b1 <ya> ist dreiteilig:
separat geschrieben:
; 191a5 <ñ> ist geöffnet:
; 191a5 <ś> ist links
; 190a4 <l> ist separat, <‑y> ist ornamental geschrieben:
191b1 <rthʾˎ> ist mit Virāmakomma (nicht Trema) geschrieben:
190a5 <Ṣʾˎ> ist mit Virāmakomma geneigt geschrieben:
Ende des Satzes geschrieben:
190b2 <a‑> ist oben geöffnet:
.
.
; 191b3 <TARʾˎ> ist am
.
; 191b4 <e‑> ist rechts lang und oben ornamental:
.
297
b) Linguistische Untersuchung:
<krau> 190a3 (ist <‑pe> vergessen worden?), <pśatse> 190a4, <paṢʾˎ> 190a5,
<tketsa> 190b4, <taiñˎ> 191a5 und <warwa> 191b1 sind unverständlich. Der
Schreiber hat die Skt.-Wörter recht gut geschrieben, aber seine Kenntnis des Toch. war
mangelhaft oder überhaupt nicht vorhanden. Wahrscheinlich war der Schreiber kein
Tocharer.
M196:
a) Paläographische Untersuchung:
b5 <y> ist dreiteilig und eckig:
; a3 <ñ> ist geöffnet:
eckig:
.
; b6 <l> ist zweiteilig:
a6 <Mʾˎ> ist mit Virāmakomma eckig:
geschrieben:
; b1 <Rʾˎ> ist mit Virāmakomma präzise
; b1 <TA> ist rechts oben eckig:
a4 <ā‑> ist oben wie <MA> eckig:
geschrieben:
; b2 <ś> ist rechts oben
.
; a4 <e‑> ist separat und rechts lang
; a1 <o‑> ist zweiteilig (normal):
Längezeichen (rechts oben) deutlich zu erkennen:
; bei a1 <au‑> ist das
.
b) Linguistische Untersuchung:
1) Diphthonge:
<auṣaPʾˎ> a1 hat ursprüngliches /a/, <etsuwai> a1 ursprüngliches /a/.
298
<o> von <ālyocesa> a4 vertritt /a/. Darin sehe ich eine Monophthongierung, wie oben
bei M189b4.
2) Vokallänge:
<ā>:
Zu den Langvokalen gibt es nichts Besonderes zu sagen.
<a>:
<a> von <tane> a2, <nesalñe> a6 und <warñai> b4 sind betontes /ä/.
<ka> b6 ist /kā/.
<ä> und <A>:
<ṣaRAMʾˎ> a6 ist vermutlich ein Schreibfehler für /ṣrm/.
Die Hs. ist schriftlich präzise, aber linguistisch ungenau.
M200:
a) Paläographische Untersuchung:
a3 <ña> ist geöffnet:
; bei <ś> a4 gibt es in der Mitte einen Querstrich:
<l> ist separat und <‑o> ist links wie <e‑> geschrieben:
a1 <ṢA> ist nach links geneigt:
.
; a5 <LMA> ist normal:
; das Virāmakomma
von <nTʾˎ> a5 ist wie <‑e> gestaltet (andere Kommata gleichen dem Anusvāra):
a5 <Kˎ> ist normal:
.
299
; a4
.
a1 <a‑> ist oben eckig:
<ai‑> ist rund:
; a1 <e‑> ist rechts lang und oben ornamental:
; a5
.
b) Linguistische Untersuchung:
1) Diphthonge:
<ṣai> b1 ist /ṣa/. Dies ist eine jüngere Schreibung von <ṣey>.
2) Vokallänge:
<ā>:
<cālane> b2 ist Kaus.Pt.II von √täl‑. /c/ steht in Opposition zum /t/ des Ps.‑Stamms, und
/ā/ ist ein Merkmal des Pt.II (Kaus.). /ā/ und /ä/ stehen in keinem Ablautverhältnis im
Sinne des Idg., sondern nur bei Kaus.Pt. trat /ā/ im Stamm ein.
<a>:
<yamaṢAṃ> a1, <alloykna> a1 (<y> steht für <ṅ>), <rano> a1, <palsko> b1,
<ṣarmtsa> b2, <kartsa> b3.
<a> ist in dieser Hs. verallgemeinert zu sehen, das entweder auf unbetontes /ā/ oder
betontes /ä/ zurückgeht.
<a> von <katu> b1 ist durchgehend so geschrieben (Š11a8, Š251b3). Die Belege sind
nicht alt. Ich sehe darin eine jüngere (verallgemeinerte) Schreibung.
<ä> und <A>:
<śpāLMAññemeṃ> a2 ist nur hier belegt. Vermutlich liegt hier eine Neuschöpfung
(mit /ññe/) des Schreibers vor.
<suTArne> a3 reflektiert skt. /sūtra/. Das Wort ist (über */sutr/) bereits tocharisiert. /tr/
wurde mit Anaptyxe als <TArne> realisiert, wie bei der Endung der 3.Sg.Med.
300
<tRA> von <treṅkastRA> b4 und <westRA> b5 sind m.E. altertümlich. Vermutlich
waren sie in der Vorlage so geschrieben.
M201‑202:
Der Duktus ist ähnlich wie in M185‑200, deswegen nehme ich nur eine linguistische
Untersuchung vor.
<menāktsa> 201a3 ist /menāk-sā/. <t> ist Ergebnis einer Epenthese zwischen <k> und
<s>.
<yātṢAṃ> 201a3 ist das Kaus. von √yāt‑. Die Markierung für das Kaus. ist /ä/ vor /s(k)/,
das normalerweise bewahrt ist, aber hier ist getilgt, wie /ä/ in offenen Silben in A-Toch.
<prajñaptirupatvāca> 201b2 ist skt. /prajñāptirūpatvāc ca/ (vgl. Thomas 1953, S. 119 Fnt.
3). Der Schreiber hat <pra>, <pa> und <tvāc> richtig geschrieben, aber <u> steht
für skt. /ū/, und <a> für skt. //.
<vaiśaṣiketse> 202a1 ist ein Schreibfehler für <vaiṣeṣikentse> Gen.Sg. von skt.
/vaiṣeśika/ 'Besonderheit'. Der Schreiber hat <-e> auf <ṣ> und <n> auf <tse> vergessen zu schreiben. <e> vor Gen.Sg.-Markierung kann von Nom.Sg. beeinflußt werden,
aber wegen eines quasi Hapax und fehlerhafter Schreibung kann ich nicht mit Sicherheit
das bestimmen. Apropos existiert <vaiśaṣikene> als Du. in Adams (1999, p. 573) nicht.
Die Schreibungen wurden häufig korrigiert. Daher ist es möglich, daß diese Hss. der
Übungstext eines Novizen ist.
M299:
a) Paläographische Untersuchung:
301
a1 <y> ist dreiteilig (normal):
; a2 <l> ist dreiteilig, <ñ> ist halb geschlossen:
; a3 <ś> ist links separat und <‑au> ist ornamental:
ornamental:
; a3 <m> ist leicht
.
a1 <Rʾˎ> ist mit Virāmakomma normal:
eckig und ornamental:
; a4 <Tˎ> ist normal:
; b2 <MA> ist
.
a4 <a‑> und b4 <ˎ> sind normal:
a3 /12/ ist eine spätere Form:
bzw.
; b1 <o‑> ist zweiteilig:
; b3 /22/ ist normal:
.
.
b) Linguistische Untersuchung:
1) Diphthonge:
<causa> b4 ist eine spätere Schreibung (nicht <cewsa>).
2) Vokallänge:
<ī>:
<arkwīna> a4 mit <ī> (/i/) ist nur hier belegt. Man kann in <ī> einen akzentuierten
Vokal erkennen.
<pīraTˎ> a4 ist (ein Hapax) nach Krause (1952, S. 289) ein Impv. 2.Pl.Med. von √wär‑
'üben' (Kaus.). Das Skt.-Äquivalent ist nach Sieg/Siegling /bhāvayata/ (Thomas 1953, S.
190 Fnt. 7). Skt. √bhū in Kaus. bedeutet im Buddhismus "üben, meditieren" (nicht nur
"werden"), deswegen hat der Schreiber sinngemäß √wär‑ benutzt. Die Wurzel bildet
Ps./Ko.IXb /wräsk-/ und Impv.II. Der Pt.-Stamm ist dem PPt. <yairu> /yeyäru/ nach zu
urteilen /yär/, dann ist der Impv.-Stamm aus Pt. hergekommen. Nach Krause (1952, S.
302
150) ist der Impv.II suffixlos, aber ich sehe in <a> das Suffix /‑ā‑/ für den Impv., daher ist
<pīraTˎ> als /p‑yär‑ā‑t/ zu analysieren, wobei /pyärā/ der Impv.‑Stamm ist. /pyärāt/
wurde zu /pirat/, <ī> entstand wegen des Akzents.
<ī> von <rīye> b3 ist /i/. <riye> ist nur zweimal belegt (MQR320b4, MQR571b7),
hingegen ist <rīye> fünfmal belegt (Š48b8, Š73b6, Š75b3, H149.302b3). Die Verteilung
ist einigermaßen deutlich: <riye> ist älter (II‑1) als <rīye> (II‑2) und (außer bei
H149.302b3) gilt im Westen (<i> MQ) vs. Mitte/Ost (<ī> Š). Ein Grund dafür ist
möglicherweise die Akzentuierung in Š (inklusive H149.302b3).
<a>:
In dieser Hs. kann man <a> für akzentuiertes /ä/ und nicht akzentuiertes /ā/ finden.
<ä> und <A>:
<TARʾˎ> von <meṃṣTARʾˎ> a3 ist mit Virāmakomma eine spätere Schreibung.
<yokainäśco> b2 ist ein Schreibfehler für /yokaiṃśco/, wobei der Schreiber <n> mit
dem Anusvāra (Pl.‑Markierung) verwechselt hat. <ä> ist Ergebnis einer Anaptyxe.
M300‑303:
a) Paläographische Untersuchung:
Der Duktus ist sehr ähnlich wie in M299 (wahrscheinlich handelt es sich um ein und
dieselbe Gruppe von Hss.).
300a3 <y> ist dreiteilig, <tRA> ist präzise:
<ś> ist links separat:
; 301a2 <ñä> ist geöffnet:
; 300a2 <m> ist normal:
303
.
; 303e
302b2 <ṅ> ist links verbunden, <Kˎ> ist normal:
; 300b1 <MA> ist normal:
; 300b2 <TA> ist rechts oben wegen des Virāmastrichs teilweise nach rechts lang
gezogen:
; 302a2 <Śˎ> ist in der Mitte ganz geschlossen:
300b2 <a‑> ist wie in M299 normal:
; 301b2 <u‑> ist normal:
links und unten separat und rechts lang gezogen:
300a1 /6/,
300b3 /13/ und
.
; 300b2 <e‑> ist
; 301c <ai‑> ist normal:
.
302b2 (Interpunktionszeichen) sind wie in
M299 präzise.
b) Linguistische Untersuchung:
1) Diphthonge:
Es zeigt sich nichts Besonderes.
2) Vokallänge:
<ī>:
<cmīTARʾˎ> 300b2: die Belege für <ī> (<cmītRA>) treten in Š46b2, MQR141b2 auf,
und die für <i> sind <cmim[ra]> MQ584b6 und <cmiTAr> MQR144a4. Hierin sehe
ich ein Indiz, wie schon bei M299 erwähnt, daß <i> älter als <ī> ist. <i> in MQ-Hss. ist
häufiger geschrieben als in den Nicht-MQ‑Hss.
<a>:
<a> von <pyapyaimeṃ> 300a2 (<pyapyaiṃ> 300b3) und <astre> 300b2 ist /ā/.
<A>:
<A> von <MAkte> 300a1, <PAls(k)o> 300b2 (<pals(k)o> 302a4) und <KArstau>
302b2 ist gegen Akzentregel nicht betont. Vermutlich ist <A> eine Schreibung der
Vorlage.
304
M324‑325:
a) Paläographische Untersuchung:
325b1 <y> ist dreiteilig (normal):
; 324a4 <ñ> ist geöffnet, <m> ist normal:
; 324b4 <ś> ist links separat:
; 325b4 <l> ist dreiteilig und oben stark nach
rechts gezogen:
.
324a1 <Sʾˎ> ist oben nicht rund:
bzw.
; 325a3 <Ṣʾˎ> und 324b2 <Rʾˎ> sind normal:
; 324b4 <Śʾˎ> ist in der Mitte stark geschlossen:
etwas runder:
; 325a4 <MA> ist normal:
; 325b4 <Lʾˎ> ist
.
Meistens wurde das Virāmakomma geschrieben.
325a1 <a‑> ist links eckig und unten nach rechts etwas lang gezogen:
ist zweiteilig (normal):
; 324b4 <ai‑> ist rechts oben spitz:
324b /25/: /20/ ist eckig;
; 324b2 <o‑>
.
325b /89/: /9/ ist zweimal geschrieben. Die
Blattnummern wurden von anderer Hand später hinzugefügt.
/5/,
/6/ und
/7/ 325a5 sind präzise Versnummern. /7/ ist oben wie <ś>
separat geschrieben.
b) Linguistische Untersuchung:
1) Diphthonge:
305
<au> von <lau> 324a1, <amaukacce> 324a2 und <cau> b2 ist /a/.
<taiseṃ> 325b4 (s. ad S525a4).
<ceyna> 325b1 ist Obl.Pl.m. und durchgehend so geschrieben. (<caina> ist nicht belegt,
nur <cainātS> M197a1 und <cainmeṃ> S288b4 sind belegt). Bei diesem Wort könnte
eine Verallgemeinerung mit dem <y> vorliegen.
<siyausai> 324b1 und <kontsaisa> 325a1 sind Hapax legomena, deren Bedeutung und
Worttrennung unklar sind.
Im Falle von <milykotstsai> 325a3 (<o> für <au>, <milkaucce> M325b5) ist
semantisch ('zusammenlegen' → 'sich beziehend auf'?) und grammatisch (Subst. von
√mälk‑?) gesehen unsicher, ob das Wort von √mälk‑ hergeleitet ist (vgl. Adams 1999, p.
462‑3). Das palatalisierte <ly> ist auch unklar. Doch ist in dieser Hs. <milkaucce>
geschrieben, d.h. die Schreibung dieses Wortes schwankt in dieser Hs. (<l> S511b2,
M199(5x); <ly> M375a3, S330b1). Diese Schwankung betrifft m.E. nur die spätere
Periode, und auch in dem <i> sehe ich eine jüngere Schreibung. Dieses /i/ ist wegen der
Labialisierung des <m> entstanden, und /l/ wurde wegen dieses /i/ palatalisiert. Somit
wäre dieses <i> schon vokalisches /i/. Ich finde keine Beziehung zuwischen diesem Wort
und √mälk-, sonden vermute hierin ein selbständiges Wort.
2) Vokallänge:
<ā>:
<ā> von <kāntatsi> 324a1, <tākaṃne> 324b3 und <lāmaṃne> 325a2 ist /ā/, das der
Akzentregel zuwiderläuft.
<kācer> 325a2 könnte ein Schreibfehler für /tkācer/ sein.
<aśrāddheṃ> 324a2, <ṣamāne> 324a3, <snānaśālne> 324b1, <wyākne> 352a4 (skt.
/vyakti/) und <sthulāñca> 325b4 (<sthul> 325b4) sind Skt.-Wörter und aufgrund der
Akzentregel, der Suffixe und Markierungen schon tocharisiert.
306
<snānaśālne> ist skt. Kompositum /snāna‑śāla/. Das Wort ist genau so wie im Skt.
wiedergegeben. Möglicherweise sind beide <ā> akzentuiert. Wenn dem so ist, ist das
Wort kein toch. Kompositum, d.h. <a> ist kein //.
<sthulāñca> ist schwer zu beurteilen, wenn man es mit Pāli /thullaccaya/ vergleicht (vgl.
Thomas 1953, S. 210 Fnt. 6; Adams, 1999, p. 710). Ich verstehe die Beziehung zwischen
Pāli /ccaya/ und toch. /ñcā/ nicht. Ich nehme an, daß das Wort stattdessen skt. /sthūla/ +
/ñcā/ (toch. Suffix) ist, weil <sthuLˎ> in derselben Zeile vorkommt. Dann wurde es
infolge des Akzentes <sthulāñca>. (s. ad <stulāṃñcana> 334a2)
<a>:
<naṣṣallyanasa> 324a5 /ā/, <nawasa> 324b4 (Hapax, Bedeutung unbekannt), <waTʾˎ>
325b1 //, <alyeKʾˎ> 325b2 /ā/ und <palskosa> 325b3 // und /ā/.
<ä> und <A>:
Die Endung der 3.Sg.Med. ist in diesen Hss. <TARʾˎ> geschrieben, daran erkenne ich
eine spätere Schreibung.
<A> von <vibhaṅKAṣṣana> ist Ergebnis einer Anaptyxe, wobei keine Akzentregel in
Kraft ist.
M348:
a) Paläographische Untersuchung:
a1 <y> ist dreiteilig (normal):
<m> ist normal:
; b1 <ñ> ist mit dünner Linie geschlossen:
.
307
; b2
b2 <Mʾˎ> ist mit dem Virāmakomma normal:
; b4 <Śʾˎ> ist links separat
geschrieben, das Virāmakomma ist nicht wie bei <Mʾˎ> b2 (oben):
b5 <a‑> ist an der Haste kurz:
.
; b2 <e‑> ist rechts lang und oben ornamental:
a2 Der Doppeldaṇḍa ist oben und unten mit dünnen Linien geschlossen:
.
.
b) Linguistische Untersuchung:
1) Diphthonge:
<śauŚAṃ> b2 ist Ps.II von √śauk‑. <śewŚAṃ> ist nicht belegt, daher wӓre <au>
dieser Wurzel ursprünglich. Die Beziehung zwischen √śauk- und √kāk- (beide bedeuten
'rufen') ist unbekannt. Möglicherweise ist /śauk-/ ein Ps.-Stamm (Kaus.?) von /kāk-/
(Ko./Pt.), wenn die Beziehung zwischen <au> (<o>?) und <ā> erklärbar ist, und /kwā/ (Ps.V, Gr.) ist supplementiv.
2) Vokallänge:
Bezüglich <ā>, <a> und <ä, A> ist wegen der Beschädigung keine Aussage möglich.
M355‑356:
a) Paläographische Untersuchung:
Der Duktus ist sehr ähnlich wie in M300‑303 (vermutlich handelt es sich um ein und
dieselbe Gruppe).
356a4 <y> ist dreiteilig (normal):
; 356b3 <ñ> ist mit dünner Linie geschlossen:
; 355a5 <ś> ist links unten gekrümmt:
<‑o> ist normal:
; 355b2 <mTˎ> ist normal:
308
; 355b2 <l> ist separat geschrieben,
.
355b3 <NAṃ> ist oben nicht rund:
; 355b5 <Kˎ>
und 356b4 <Śˎ>
sind wie in M300.
355b1 <a‑> ist wie in M300 gestaltet:
ist rechts lang:
355a4 /1/ und
; 355b2 <i‑> ist normal:
; 355b4 <e‑>
.
355b4 /2/ sind Versnummern und präzise geschrieben.
355a4 Das Interpunktionszeichen hat die Form
.
355a5 Der Doppeldaṇḍa ist oben und unten geschlossen
.
b) Linguistische Untersuchung:
1) Diphthonge:
<maisTAr> 355b3 ist einzige finite Form von √mais. Vom Inf. <maistsi> MQ273 (I‑1)
her gesehen ist <ai> ursprüngliches /a/.
<kerekauna> 355b4 ist insgesamt dreimal (Š12b7, MQR123a4) belegt, und von <ceˎ
kerekauna> Š12b7 her gesehen könnte dies ein Sg.m. sein, wenn <ceˎ> (Demon.
pron.Sg.m.) sich auf <kerekauna> bezieht. <‑auna> ist normalerweise eine Pl.-Markierung, aber dann möglicherweise ist <kerekauna> ein Kollektiv.
<sraukau> 355b5 ist Ko.V, 1.Sg. von √sruk‑. <au> im Stamm ist nur scheinbar die
Ablautstufe des Ko., aber die Opt.-Form ist <srūko(y)> Š46b2 (der Opt. wird vom Ko.Stamm gebildet). Wenn <srūko(y)> eine ursprünliche Form ist, ist /srakā/ als Ko.Stamm eine Neuschöpfung.
2) Vokallänge:
309
<ā> und <ī>:
<añcānäṣṣe> 356a3 ist ein auf skt. /añjana/ zurückgehendes Adj. Die Akzentuierung
erfolgte hier früher als die Apokope. <ä> ist Ergebnis einer Anaptyxe.
<ī> von <ñīŚˎ> 356b4 ist der Betonung anzulasten, oder es liegt eine hyperkorrekte
Schreibung von <i> vor, das wegen der Stellung zwischen zwei Palatalen aus /ä/ entstand.
Die Belege mit <ī> sind insgesamt nur vier (MQ205b4, Š82b6 und Š81a4), hingegen
sind die mit <i> mehr als 130 (/ñäś/ tritt 67 mal auf). Daher nehme ich an, daß <ñīś>
eine hyperkorrekte Form ist.
Gegenüber <ñīś> ist <cīsa> 356b5 mit <ī> besser belegbar (<‑ī‑> 30x vs. <‑i‑> 43x).
Den Grund kann ich nicht sicher ausmachen. Eine Möglichkeit ist, daß <ci> eine
geöffnete Silbe und <ñiś> eine geschlossene Silbe ist.
<a>:
<skwassoñcˎ> 355a4 //, <tarya> 355a5 /tryā/, <ramTˎ> 355b2 /ā/, <manTˎ> 355b2
//.
<ä> und <A>:
<wäntre> 355a3 zeigt keine Akzentregel.
<A> von <weSAñˎ> 356b3 ist m.E. Ergebnis einer Anaptyxe, d.h. /‑ñ/ (nicht /‑äñ/) ist
die eigentliche Gen.‑Markierung.
M369:
a) Paläographische Untersuchung:
310
a1 <ya> ist dreiteilig (links kleiner):
; b1 <ñ> ist geöffnet, <m> ist normal:
; b6 <ś> ist rechts unten gekrümmt und zeigt eine dünne Querlinie in der Mitte:
a6 Die Haste von <la> ist separat geschrieben:
.
a2 <Mʾˎ>, a4 <Rʾˎ> und b3 <Ṣʾˎ> sind mit Virāmakomma normal:
a6 <KA> ist oben leicht eckig:
a5 <a‑> ist normal:
geschrieben:
;
,
und
;
.
; a4 <ʾˎ> ist wie andere Fremdzeichen mit Virāma
; a4 <e‑> ist rechts länger:
; a6 <o‑> ist normal:
.
b) Linguistische Untersuchung:
1) Diphthonge:
<ai> von <ṣaiMʾˎ> a2 (früher <ey>), <etsuwai> a4 und <wai> b1 ist /a/.
<etsuwai> ist ohne <u> (Š41b7, MQ362a5 und M415a2) und mit <ū> (MQ409a2)
belegt, sonst gibt es 11 Belege mit <u>. Meiner Meinung nach geht <u> wegen
<etswai> auf /ä/ zurück, und etwa von der Periode II an ist es mit <u> geschrieben, das
eine Anaptyxe sein kann.
Zum <e‑> das Wort, s. ad <etsūwai> MQ409a2.
<ceʾˎ> a4 ist altertümlich, aber das Virāmakomma gehört in eine spätere Periode.
<larauñe> a6 ist ein Subst. vom Adj. /lāre/. Zu <au> s. ad Š404a4.
<keklyauṣu> b3 ist ein PPt. von √klyaus‑ und <au> ist durchgehend geschrieben. Hier
kann man dieses <au> als kurzen Vokal sehen, da der Reduplikationsvokal /e/ ist. Ich
vermute, daß ein Original /klew/ ist, und /l/ wegen /e/ palatalisiert ist, und /s/ ein
311
kausativisches Suffix ist. Das von /e/ entwickelte /a/ ist in dieser Wurzel mit /ly/ und /s/
verallgemeinert.
2) Vokallänge:
<ā>:
<kwrāṢʾˎ> b5 ist mangels Belegen (nur hier und <kwrāṢAṃ> Š559a5) schwer zu
beurteilen. <ā> ist sicherlich /ā/. Dem <kw> könnten zwei Phoneme, /k/ und /u/
zugrunde liegen, die zu labialisiertem [k] (nicht /k/) wurden, oder eine Schwatilgung
ist auch denkbar (/kwä/ → <kw>).
<a>:
<purpar> a5 /ā/, <sak> b1 //, <salkatsi> b2 /ā/, <KArsanall(e)> b2 /kärsänālle/ und
<postaññe> b3 //.
Bei <anandar[ś]i(nta)> a2 ist wegen der Beschädigung (von <rśi> ist nur ein Viertel
des Akṣaras zu sehen) schwer zu beurteilen. Wenn <ś> hier <ṣ> vertritt, ist das Wort
als /ānanda rṣi/ zu analysieren. Wenn es ein Schreibfehler für <anantarś> sein sollte, ist
es mögicherweise mit skt. /ānantarya/ zu identifizieren. <(nta)> kann auch als <wā>
oder <tu> (s. ad 371a2) gelesen werden.
<ä> und <A>:
Es gibt nichts Besonderes zu vermerken.
M370:
a) Paläographische Untersuchung:
a2 <m> ist normal, <ñ> ist geschlossen:
ist separat geschrieben:
; b4 <ś> ist links separat:
; a6 <ṅ> ist links verbunden, <k> ist normal:
312
; b4 <l>
.
a2 <Ṣ> ist von der Mitte nach links kontinuierlich geschrieben:
und rechts zweiteilig geschrieben:
oben nicht ganz rund:
a4 <ā‑> ist normal:
Längezeichen mehr:
; a4 <Śʾˎ> ist links
; a2 <MA> ist normal:
; a6 <Rʾˎ> ist mit Virāmakomma normal:
; a6 <TA> ist
.
; a3 <au‑> ist rechts kontinuierlich geschrieben, d.h. es gibt kein
. a2 Der Doppeldaṇḍa ist unten leicht geschlossen:
.
b) Linguistische Untersuchung:
1) Diphthonge:
<ai> von <tsuwai> b5 ist m.E. eine Adv.‑Markierung, die ursprünglich identisch mit
der Obl.‑Markierung ist. Wenn das Wort mit <ets(u)wai> (s.o. M369a4) gleich ist, dann
muß die Akzentregel für das Adv. gewirkt haben, und zwar der Akzent auf der letzten
Silbe. In <etsūwai> MQ409a2 läßt sich akzentuiertes <u> vermuten, aber <etsūwai>
ist ein Hapax, und eine hyperkorrekte Schreibung ist auch denkbar. <tsuwai> könnte
m.E. eine aus <ets(u)wai> entwickelte Form sein, wenn <u> eine Anaptyxe ist.
2) Vokallänge:
<ā> und <ī>:
<māndri> a3 ist ein Hapax. Dem Kontext zufolge könnte das Wort ein Skt.-Wort
(/mant/ 'Denker') sein. <i> kann ein toch. Gen. sein, wenn das Wort sich als Attribut
auf das nächste Wort <LAkleñˎ> (Kausalis) bezieht, oder es könnte skt. // als <ri>
wiedergegeben worden sein, wenn das Wort hier ein Subjekt (Nom.Sg.) sein sollte.
<ī> von <kenīne> a4 (<kenu[n]e> b6) ist betontes /i/. Das Wort ist dem Kontext
zufolge eine Dualform (kein Lok.). Wenn dem so ist, ist die Dualform als einheitliches
Wort (dreisilbig) zu beurteilen, d.h. der Dual wird nicht wie die Kasusbeziehung
313
(Postp./Adv.) markiert. Merkwürdig sind <ī> und <u> promiscue geschrieben. Dies
deutet darauf hin, daß /i/ und /u/ nicht sichere Phoneme für den Schreiber sind.
<a>:
<campya> a1 ist /cämpyā/ Pt.I von √cämp‑.
<ñśameṃ> b4 ist Abl. von /ñäś/. /ä/ von /ñäś/ ist getilgt, und <a> beruht auf Anaptyxe
(//). In dieser Hs. kommt auch <ñiŚˎ> (ohne Virāmakomma) vor, dessen <i> ein
palatalisiertes /ä/ ist, das wegen der geschlossenen Silbe nicht getilgt worden ist.
Hingegen ist die erste Silbe /ä/ von <ñśameṃ> wegen der offenen Silbe getilgt. Es liegt
eine dreifache Entwicklung /ñäśmeṃ/ → /ñäśämeṃ/ (Anaptyxe) → /ñäśmeṃ/ →
<ñśameṃ> vor.
<ä> und <A>:
<[p]aRAṃ> a4 ist nach Krause (1952, S. 258) ein Ps.II. Das Wort geht auf das uridg.
them. Verb *√bher‑ (<pareṃ> Š337a1) zurück, aber meiner Meinung nach ist es ein
Ps.I, weil keine Palatalisation zu sehen ist (/ry/ bzw. /py/ im B-Toch.).
Die Frage ist, ob es im Toch. überhaupt einen deutlichen Unterschied zwischen der them.
und der athem. Klasse (Ps.I und Ps.II) gegeben hat. Eine diesbezügliche Untersuchung
würde aber den Rahmen der vorliegenden Arbeit sprengen.
M371:
a) Paläographische Untersuchung:
a2 <y> ist dreiteilig (normal):
; b4 <ñ> ist leicht geschlossen:
; a2 <ś> ist
links separat, <w> ist links eckig:
; b4 <la> ist separat geschrieben:
.
314
b5 <Śˎ> in der Mitte stark verbunden:
bzw.
.
a1 <a‑> ist normal:
gezogen:
; b4 <KA> und b5 <LA> sind normal:
; b6 <o‑> ist zweiteilig und oben separat mit dünner Linie lang
.
b1 das Interpunktionszeichen ist fast wie eine Linie gestaltet:
ist normal:
; b1 das Zahlzeichen /1/
.
b) Linguistische Untersuchung:
1) Diphthonge:
<ai> von <paiyyeññe> a2 ist /a/. Es sind belegt <paine> 14x, <painemeṃ> Š88a2,
<painene> Š268b2, Š271a1, <painesa> 4x, <paiñe> 3x: ohne <y> 24x, mit <y> 12x
und mit <yy> 6x. Aus statistischen Gründen möchte ich annehmen, daß das Wort /pa/
als Obl. lautet (Nom.Sg. <paiyye>), und <y> ein Bindekonsonant ist. <yy> kann auf
Analogie beruhen, z.B. zu <maiyyo> (s.u.). Das Wort <paiyyeññe> ist anscheinend
Nom. + /ññe/ gebildet, aber ein Schreibfehler für <paiyneññe> ist denkbar, wobei
<ne> ein Dualmarker ist.
<ai> von <maiyyo> b2 ist /a/, das aus <ey> (s. ad MQ274b2) entwickelt ist. Belegt
sind <meyaṣṣī> H149.50a3, <meyyā‑> 3x (MQ248a1, MQ274b1,b2), mit <aiy> 4x und
mit <aiyy> 51x. Ich vermute, daß das Wort <meyyā> ist, wobei ich es als <mey‑>
(/ma/) + <y> (Bindekonsonant) + /ā/ (Suffix) analysiere.
<ṣeyˎ> a4 ist eine altertümliche Schreibung für /ṣa/. Nach dem Vergleich mit <[c]au>
a5 könnte <ṣeyˎ> eine Kopie eines alten Musters sein.
<ey> von <ceyna> a5, <ceynaṃtSˎ> b6 ist altertümlches /a/ (s. ad 325b1).
315
<au> von <[c]au> a5 und <kaucˎ> b5 enthalten aus <ew> entwickelte /a/.
<kārau> b3 ist Ko.V von √kār‑. <au> ist die them. Endung der 1.Sg.Akt./‑a/. Vom
Ko.V her gesehen ist /kārā‑u/ möglich, aber /āw/ konnte normalerweise <‑āˎ> oder
<‑āw> geschrieben werden. Eine andere Möglichkeit ist /kārā‑a/, aber dies ist weniger
wahrscheinlich. Ich möchte <au> für die verallgemeinerte Endung für die 1.Sg.Akt. in
Ps. und Ko. (teilweise kommt /‑m/ vor) halten. Diese Hypothese ist plausibler als oben
diskutiertes /āw/ → /a/.
2) Vokallänge:
<ū>:
<ū> von <tū> a2 ist /u/, das entweder hyperkorrekt oder betont ist.
<a>:
<marici///> a4 ist ein Hapax. Wahrscheinlich ist das Wort das Skt.-Wort /marīci/
'Lichtstrahl', aber wegen der Beschädigung läßt sich das nicht mit Bestimmtheit sagen.
<ä> und <A>:
<laKAskemane> b4 ist PPs. (Kaus.) von √läk‑. <A> ist die Kaus.‑Markierung.
M372:
a) Paläographische Untersuchung:
a2 <y> ist dreiteilig (eckig):
; a2 <ñ> ist geöffnet, <M> ist rechts oben verdickt:
; a5 <śa> ist links gekrümmt und mit dünner Querlinie in der Mitte geschrieben:
; a1 <la> ist separat und oben nach rechts gezogen:
verbunden, <k> ist normal:
.
316
; a2 <ṅ> ist links
a1 <MA>,
spitz:
a3 <Ṣ> und
a3 sind normal; b4 <SA> ist rechts oben
.
a1 <a‑> ist oben in der Mitte mit einer Querlinie geschrieben:
zweiteilig (normal):
; b5 <o‑> ist
.
b4 das Zahlzeichen /1/ ist wie ein Anusvāra gestaltet:
Interpuktionszeichen:
; a4 zeigt ein senkrechtes
. b1 Der Doppeldaṇḍa ist schnörkellos:
.
/213/ ist eine Blattnummer, die von anderer Hand geschrieben wurde. /10/ zeigt eine
spätere Form:
.
b) Linguistische Untersuchung:
1) Diphthonge:
<yäknaikne> a2 ist ein Hapax. Dies ist m.E. doppeltes /yäkne/, d.h. /yäkne‑yäkne/, wobei
/e-yä/ zu <ey> und schließlich zu <ai> wurde.
<au> von <nesau> a4 ist die them. 1.Sg.Akt., die aber hier an einen athem. Stamm
angetreten ist (s.o. <kārau> M371b3).
<yaiku> a5 (s. ad 229b5) ist das kaus. PPt. (Pt.II) von √wik‑. Der Stamm des Pt.II /yaik‑/
könnte vom reduplizierten PPt. herkommen. Es ist möglich, daß der Diphthong <ai>
hier in einem Ablautverhältnis zu <i> steht. Eine weitere Möglichkeit wäre eine
Analogie zu einem anderen Pt.II (Kaus.), z.B. /trik‑/ vs. /traik‑/.
2) Vokallänge:
317
<ā> und <ū>:
<ā> von <klaṅkāwa> a2, <akāLKˎ> b2 und <yātalñe> b3 ist betontes /ā/.
<akāLKˎ> sollte dreisilbig sein. Tatsächlich ist <akāLKA> anderswo (M355b1, Š404a1)
belegt, aber <akāLKA> dürfte <akāLKˎ> (mit ausgelassenem Virāmastrich) sein.
<ākāLKˎ> ist nicht belegt. Möglicherweise wurde /akālk/ (27x) von Anfang an
verallgemeinert geschrieben.
<ā> von <yātalñe> (Abst.II von Ko.V) ist vielleicht semantisch wichtig.
Zum <ū> von <srūkalñe> a4 und <sū> b2 s. ad Qu359b5.
<a>:
<aklaṢṢAlyi> a1 ist Ger.I von √ākl‑, und das /ä/ vom Ps.‑Stamm /ākläsk‑/ ist ein
wichtiges Phonem für das Kaus., aber wenn es substantiviert ist, bekommt das Wort
einen Akzent auf der zweiten Silbe, und es wurde mit verallgemeinertem <a‑> zu
/aklaṣṣälye/, wobei anaptyktisches /ä/ zwischen <ṢṢ> und <lyi> zur Vermeidung der
Konsonantenhäufung unverändert blieb.
<añMˎ> a2 /ā/, <tasemane> a3 /ā/, <manta> a4 /ā/, <kartse> a4 //, <yaka> a5
/yäkā/ und <walo> b1 //.
<dhyanan[m]a> a2 ist skt. /dhyāna/ + toch. Pl.-Markierung /‑nmā/. In erster und letzter
Silbe handelt es sich um /ā/, und in der zweiten Silbe ist es eine Anaptyxe (//).
<ä> und <A>:
<MAkte> a1 ist ein Interrog.-Pron. oder Konj. und wird durchgehend so geschrieben.
Der Akzent fiel wie beim /kse/ auf die letzte Silbe, oder keine Betonung. Hingegen
<makte> 'ipse' wie normal auf der ersten Silbe betont,
318
<A> von <neSAṃ> a4 ist m.E. Ergebnis einer Anaptyxe, da diese Wurzel athem. ist.
Eine andere Möglichkeit ist //, wie ich oben erwähnt habe.
<RAskre> b2 zeigt scheinbar keine Akzentregel. <raskre> ist nur zweimal
(247MQRa3, H149.336b4) belegt. Hingegen ist <RAskre> insgesamt 17x und
<RAskare> (mit // Anaptyxe) 4x belegt. Daher nehme ich an, daß die Betonung von
/räskre/ wie bei anderen Adv. auf die letzte Silbe fiel.
<yeSAṃ> b4 ist ein Pers.pron. der 2.Pl.Gen. /yesäñ/ (/ä/ ist Ergebnis einer Anaptyxe),
und der Auslaut /ñ/ wurde zu <ṃ> vor dem Konsonant des nächsten Wortes <ka‑>,
weil <ñk> unmöglich ist. <ṅka> könnte möglich sein, wenn zwei Wörter miteinander
eng kontakuziert würde.
<SAsweṃ> b5 ist eine altertümliche Schreibung, aber in derselber Zeile kommt auch
die spätere Schreibung <saswe> b5 vor. Ich nehme an, daß zum Zeitpunkt, da diese Hs.
geschrieben wurde, schon das Akzentsystem vorhanden war, aber in der Vorlage noch
die altertümliche Schreibung verwendet wurde.
<nkelñe> b5 ist /näkelñe/ (Ps.III von √näk‑), und wegen der Akzentuierung auf /e/ ist /ä/
in der ersten offenen Silbe getilgt, deswegen ist <n> geblieben, sonst wurde <n> vor
<k> zu <ṅ>. Vielleicht hat man zwischen <n> und <k> einen schwaartigen Laut
gesprochen.
M376‑7:
a) Paläographische Untersuchung:
377b3 <y> ist dreiteilig:
; 376b2 <ñ> ist halb geschlossen:
; 376a4 <ś> ist
links kontinuierlich geschrieben und rechts unten nach rechts gebogen:
319
; 377a4
<l> ist separat und der linke Ansatz des <‑o> wie <e‑> geschrieben, <sk> ist normal:
.
376a1 <Ṣ>,
376b3 <MA> und
377b2 <Kʾˎ> (mit Virāmakomma) sind
normal.
Die unteren Teile von 377b2 <ā‑> und 377b3 <u‑> sind in der Mitte unten leicht
ornamental:
bzw.
.
377b /46/ ist die Blattzahl, die später mit dünnem Pinsel geschrieben wurde:
376a2 /1/ ist die Versnummer, links ist sie wie bei <ā‑> ornamental:
Doppeldaṇḍa ist unten verbunden und oben ornamental:
.
; 376a2 der
.
b) Linguistische Untersuchung:
1) Diphthonge:
Hier ist nichts Besonderes zu vermerken.
2) Vokallänge:
<ā>:
<ā> von <yinmāṢṢAṃ> 376a2 ist die Ko.VI‑Markierung von √yäm‑ 'erlangen'. Dies
deutet darauf hin, daß das /sk/‑Ps. nicht ursprünglich, sondern eine Neuschöpfung im
Toch. (Ko.-Stamm + /sk/) ist. Das wegen des <y> palatalisierte <i> vertritt /ä/.
Hingegen ist <yanMA[ss]i> 377a5 (ein Hapax) Inf. vom Kaus. mit dem Akzent auf der
ersten Silbe. /nm/ ist eine Analogie zum Ps./Ko.‑Stamm, dessen /mnā/ mit phonologischer
Regel zu <nmā> wurde, aber <A> von <nMA> ist unverständlich. <‑[ss]i> kann ich
auf dem Photo nicht mit Sicherheit bestätigen, da nur ein kleiner Teil von <s> sichtbar
ist, und <‑i> etwas anders als die sonstigen <‑i> aussieht (z.B. <‑i> von <ri> 377a4)
320
und als <‑o> gelesen werden kann. Daher kann das Wort nicht als korrekte Form gelten.
Zur Wurzel s. ad MQR365a5.
<candāṃ> 376a3 ist skt. /candana/. <ā> ist eine toch. Eigentümlichkeit.
<a>:
<lnaṣṣi-ne> 376a3 ist Impf. von √länt‑. <a> ist //. /n/ ist eigentlich ein infigiertes
Morphem für Ps. und in den Ko. hineingegangen, wobei /länt/ als <län> verallgemeinert
geschrieben wurde. Nach Krause (1952, S. 140) ist das Ko. in der Klasse VII, aber ich
bezweifele den Ko.VII selbst, dessen Kennzeichen /ñ/ ist. <ñ> kommt aber nur beim
Opt. vor (/n/ ist wegen /i/ palatalisiert). Wenn dem so ist, gehört das Ko. in die Klasse I.
Die einzige andere Wurzel mit Ko.VII ist √we‑, aber das ist m.E. analogisch gebildet (vgl.
Krause 1952, S. 191). Daher möchte ich den Ko.VII für nicht existent erklären.
<stare> 376b4 /stāre/, <yarposa> 377a3 /yärposā/ und <palskompa> 377a4
/pälskompā/.
<yparña> 376b4 ist ein Hapax und unverständlich. Auf dem Photo sehe ich kein
sicheres <ñ>. Ich nehme an, daß dieses <ñ> ein Schreibfehler für <w> ist, da rechts
unten deutlich eine Linie sichtbar ist. Dann ist das Wort als <yparwe> 'zuerst' zu
identifizieren, wobei der Schreiber vergaß, <-e> auf <r> zu schreiben.
<tarhkāne> 377b3 (ein Hapax) ist vom Akzent her gesehen ein dreisilbiges Wort, aber
das Wort ist unverständlich. Vielleicht ist es ein Schreibfehler z.B. für <tarkāñe>
'Verhalten'. Wegen der Beschädigung kann ich das Wort nicht genau beurteilen. <hk>
ist m.E. eine Schreibung eines Phonemes im Uig. ([x]?) Daher könnte diese Hs. von
einem Uigurer geschrieben worden sein.
<ä> und <A>:
<ä> und <A> von <nätkau> 376a4 und <MAksu> 376b3 sind durchgehend so
geschrieben. Der Akzent kann bei PPt. und Interrog.Pron. auf die letze Silbe fallen.
321
M412:
a) Paläographische Untersuchung:
b2 <ś> ist links gekrümmt, <‑ra> ist kurz:
; b2 <l> ist separat geschrieben:
<ṅ> ist links verbunden, <ka> ist normal:
.
a3 <TA> ist normal:
ist normal:
; b2 <Kˎ> ist ohne Virāmakomma normal:
; b2 <ṢA>
.
b3 <a‑> ist an der senkrechten Haste kurz:
Kopf ornamental:
; b2 <e‑> ist rechts lang und oben am
; b1 <o‑> ist zweiteilig (normal):
b3 das Interpunktionszeichen ist nicht ganz senkrecht:
schnörkellos:
; a2
.
; a2 der Doppeldaṇḍa ist
.
b) Linguistische Untersuchung:
Vokallänge:
<ā>:
<śraddhatāKˎ> b2 vertritt skt. /śraddhadāka/ und <aśrāddhe> b3 skt. /aśraddha/. <ā>
von <śraddhatāKˎ> ist skt. /ā/, aber <ā> von <aśrāddhe> ist skt. /a/. Dies deutet
darauf hin, daß in B-Toch. die zweite Silbe eines dreisilbigen Wortes und die dritte Silbe
eines viersilbigen Wortes (oder die vorletzte Silbe) betont ist. Möglicherweise war auch
die erste Silbe von <śraddhatāKˎ> betont, aber <a> blieb erhalten. Der Grund könnte
sein, daß die dritte Silbe einen Hauptakzent und die erste einen Nebenakzent trug.
322
M415‑427:
Der Duktus ist fast derselbe wie in den bisher diskutierten Murtuq‑Hss. Deswegen
beschränke ich mich hier auf die linguistische Untersuchung.
M415:
<cintāmaṇī> a1 ist skt. /cintāmaṇi/. <ā> ist skt. /ā/, aber <ī> steht für skt. /i/, das nicht
apokopiert war. Möglicherweise zeigt das Akzentsystem in B-Toch. eine Reihenfolge von
betonten und unbetonten Silben, wenn <ī> betontes /i/ ist. Das könnte ein Grund für die
"Vokalbalance" in A-Toch. sein.
<aranco> a3 ist /ārnco/. <o> ist das bewegliche "o", das als Vertreter für irgendeinen
Vokal vorkommt, weil <aranco> vom Akzent her gesehen dreisilbig zu werten ist.
<tsaukwa> a3 ist 1.Sg.Pt.IIIb. von √tsuk‑ (suppl. Kaus. zu √yok‑ 'trinken'). <au> bildet
einen Gegensatz des Pt. gegenüber dem Ps./Ko. (/tsuk-/).
<ñäkcīyana> b5 ist auf der zweite Silbe betont. Die Fem.-Markierung /ā/ und Pl.Markierung /nā/ wurden schon als <ana> verallgemeinert.
<KAnte> b2 zeigt keine Akzentregel. Vielleicht ist diese Schreibung eine Kopie.
<tantanma> b2 ist /tnt/ + // (Anaptyxe) + /nmā/. Das Wort ist von akzetuiertem
<tant> und verallgemeinerter Pl.f.-Markierung <nma> gebildet.
<iyoyˎ> b3 ist nach Krause (1952, S. 223) Impf./Opt. von √iy‑ā‑. Die Belege von dieser
Wurzel sind <īyoy> Š5a2 und <iyaṃ> Š2b8 und Š3a1 (Ko. oder Ps.V). Alle Belege sind
nicht alt. Es gibt zu wenig Belege (insgesamt nur drei), um auf eine Wurzel √iy‑ā‑ zu
schließen. Ich schlage eine Möglichkeit vor, daß /iyoy/ ein Opt. von √yä‑ (nicht √i‑)
323
'gehen' ist, und /yä-/ in späterer Zeit zu /i-/ wurde. Das erste /y/ sollte ein Bindekonsonant
zwischen /i/ und /ā/ sein.
<lyama> b4 ist /lyämā/ Pt.I. Die Wurzel ist suppl. zu √ṣäm‑ (Ps.II). /ly‑/ steht im
Gegensatz zum Ko. /läm‑/; /‑ä‑/ zum Kaus. /ā/; /‑ā/ ist die Pt.-Markierung.
<‑a‑> von <tuñanma> b5 ist ein // (Anaptyxe). Wenn die Wertung von <tuñe> M‑3a5
(Filliozat 1948, p. 93) als Nom. richtig ist, ist /e/ eine Nom.‑Markierung, die an den
Wortstamm angefügt ist, d.h. der Nom. ist eine Neuschöpfung.
M416:
<ysāṣṣa> a2 ist /yäsāṣṣā/. /ä/ ist getilgt, und <‑ā‑> ist //. <‑a> ist die unbetonte Fem.Markierung /ā/.
<a> von <krentaṃtso> a3 ist // (Anaptyxe). Hingegen ist /ä/ (zwischen <m> und
<n>) von <saṅkrāmnta> b3 wegen der Unbetontheit getilgt.
<ypaunane> b4 ist /yӓpanā-ne/. Die Betonung liegt auf der zweiten Silbe /pa/. Die
Lok.-Markierung wird in diesem Beleg als eine Postp. behandelt.
<taṅsa> b5 ist auf erster Silbe betont (/t‑/), und <k> ist wegen des Verlustes der
Verschlußphase verschwand. Das Perl.-Suffix /‑sā/ wurde als <-sa> verallgemeinert
geschrieben.
<tāˎ> b5 stellt ohne Virāmakomma eine altertümliche Schreibung dar.
M417:
324
<aśyaṃñe> a3 (ein Hapax) ist ein Adj./Abstr. (<‑ṃñe> aus /ññe/) von */aśyā/ (Nom. ist
nicht belegt, Obl. ist mit <‑ai> belegt). Das Wort ist nach Bailey (1967, p. 9) ein khot.
Lehnwort aus "Prak. *aźyā‑, honorific title, BS āryikā, to refer to the BS bhikṣuṇī". Skt.
/ārya/ konnte im Khot. zu <aźya> werden, wenn /r/ [ʝ] war. Ich kann diese
Argumentation akzeptieren, wenn Khot. /źy/ → Toch. /śi/ nachweisbar ist.
Die Belege für das toch. Wort sind <aśyai> H149.290b3, <aśyana> S332/2a3 (ohne
<i>), <aśiya> H149X5b5, sonst Obl. und Adj. 10x (mit <śiy>). Der Statistik und dem
A-Toch. /aśi/ zufolge könnte das Wort als /aśiyā/ anzusetzen sein. Wegen /a-/ vermute ich,
daß das Wort ein Lehnwort ist. <y> könnte ein Bindekonsonant sein. /‑ā/ ist eine Fem.Markierung, und /‑a/ ist die Obl.‑Markierung.
<ptanma> a4 ist /pät--nmā/. /pät/ stammt aus skt. /buddha/, wobei skt. /u/ im Toch. mit
/ä/ wiedergegeben wurde. /‑nmā/ ist die Pl.‑Markierung.
<KArtseykne> b1 ist kein Kompositum, weil <ey> bewahrt ist (nicht zu <ai>
weiterentwickelt), und eine Wortgrenze vorliegt. /kärtse/ ist ein Adj. Nom.Sg.m. und
bezieht sich auf /yäkne/ Nom.Sg.m. dessen /yä/ metri causa zu <y> wurde
<PAlsknoyˎ> b3 zeigt den Akzent auf /o/. Das Wort könnte dreisilbig sein, wenn
<yˎ> als eine Silbe gezählt wurde, oder es wurde ohne Akzentregel geschrieben, und
zwar eine altertümliche Schreibung, wie <KArtseykne> s.o. Ich ziehe die letzte
Möglichkeit vor, da in dieser Hs. ansonsten die Akzentregel wirkt, und ich in <yˎ>
keinen Silbenträger sehe.
<[MA]SKAṣṣaRˎ> b3 ist der einzige Beleg für das kaus. Impv. von √mäsk‑. Wegen der
Wörter danach <paTˎ krenTˎ> 'Stupa gut' ist das Wort semantisch plausibel, aber auf
dem Photo kann ich <MA> und <KA> nicht mit Sicherheit lesen. <MA> kann als
<a‑> oder <ma> gelesen werden. Ich sehe kein <KA>, sondern <tt> oder <nt>.
Eine Möglichkeit ist, /āsta/ (<āStta>) Obl.Pl. von <āy> 'Knochen' oder /āstäṃ/ Obl.Pl.
von /āśce/ 'Kopf' zu lesen. Wegen <ṣṣ> (nach Vokal) möchte ich <āsta> annehmen.
325
Wenn dem so ist, lautet diese Zeile /... āsta ṣar/ 'Knochen (und) Hand', aber wegen der
Beschädigung bin ich nicht sicher.
M418:
<kśi(ññ.)> a2 kann ein Adj. zu dem Ortsnamen 'kuca' sein. Der einzige weitere Beleg
ist <kśiññe> M361a6. Wegen der zu geringen Anzahl der Belege kann ich das Wort
nicht mit Sicherheit deuten, und wegen der Nichtbelegbarkeit eines Appellativums /kuca/
ist es nicht sicher, ob der Ortsname <kuca> schon in tocharischer Zeit existierte.
<aṣanīkeṃ> a5 ist /aṣanikeṃ/. Beide <a> sind durchgehend so geschrieben. Über
<aṣāṃ> habe ich bei MQ241 und Qu353 gehandelt. Die Belege für /aṣanike/ sind: mit
<nī> 7x, mit <ni> 5x, mit <ñi> 5x. Die mit <ī> geschriebenen Hss. sind außer dieser
Hs. MQ588a7,b1, Qu353a2 und H149.312a2,a6, die alle aus dem MQ‑Gebiet stammen.
Die mit <i> schreibenden Hss. sind M375b1,3,4, S386a3, H.add149.101a2, die außer H.
außerhalb des MQ‑Gebietes entstanden sind. Die mit <ñi> schreibenden Hss. sind
S107b8,9, S112a2, M369a5. Alle Hss. sind nicht älter als die Periode II‑1. Meine
Schlußforgerung: <nī> ist in der ältesten Stufe (/näy/, wegen /ä/ ohne Wirkung der
Palatalisation?), danach verkürztes <ni>, und schließlich <ñi> (echter Vokal /i/ mit
Wirkung der Palatalisation).
Das Wort könnte aus dem Khot. (/āṣaṇa/ vgl. Bailey 1979, p. 26) entlehnt worden sein.
Wenn dem so ist, könnte Khot. /ā‑/ durch toch. <a-> vertreten sein. Das ist plausibel,
aber mir ist unklar, wo die Apokope von /aṣāṃ/ erfolgte, und woher das Suffix /‑ike/
stammt (s. ad MQ353). Wenn /‑ike/ im Khot. suffigiert worden sein sollte, wäre
<aṣanaka> zu erwarten. Ein toch. Suffix /‑ike/ ist unbekannt. Denkbar wäre dann ein /i/Einschub durch Analogie oder ein Kompositum (/āṣān/ 'würdig' + <īke> 'Ort').
<au> von <taupeṃ> b1 ist <tewpeṃ> H149.171b4 zufolge ein aus <ew> entwickeltes
/a/.
326
M419:
<yipoym(eṃ)> a2 ist /yäpoymeṃ/. <i> ist unbetontes /ä/, das wegen <y> zu <i>
geworden ist.
<toyna> b2 ist Pl.f.Nom./Obl. des Demon.pron. /seṃ/ 'dieser'. Ich sehe in /o/ eine
Opposition zum Sg. <tāṃ>, und <y> wӓre eine Analogie zum <ceyna> (Obl.Pl.m.).
<na> ist die Pl.‑Markierung.
M420:
<kekmoṢˎ> a3 ist /kekämoṣ/ PPt. Nom.Pl. oder Obl.Sg.m. Der Akzent fiel auf <e>
oder <o>. Ich ziehe letztere Möglichkeit vor, da ich keine Betonung auf der
Reduplikationssilbe erkenne. <o> in letzter Silbe ist ein verallgemeinertes, das eine
Opposition zum Nom.Sg. (<‑u> bzw. <‑au>) innerhalb des Maskulinums markiert.
<klyīye> a4 ist der einzige Beleg, der mit <lyī‑> geschrieben ist. Sonst ist <lyi‑>
durchgehend geschrieben. Hingegen sind <klīye> 3x (Š9b4, Š25b2, H150.127a2) und
<kliye> 1x (H.add149.64b4) belegt. Der Grund könnte darin liegen, daß <ī> ein
eigentliches /äy/ (ohne Wirkung der Palatalisation), und <i> ein von /äy/ (Inlaut, Anlaut
ist /yä-/) entwickeltes /i/ (mit Wirkung der Palatalisation) ist, wie bei <aṣanīkeṃ>
M418a5. Dann wäre <klyīye> als eine falsche Schreibung zu verstehen. Vielleicht ist
dieses Wort deswegen ein Hapax.
<wärñai> a5 zeigt keine Akzentregel. Die Hs. ist ein metrischer Text (vgl. <wlo> b1
und <walo> b4), deswegen ist es möglich, daß der Schreiber das Wort altertümlich
geschrieben hat, aber wegen der Beschädigung (nur zwei oder drei Wörter in einer Zeile
sind zu erkennen) kann ich das nicht wahrscheinlich machen.
327
<yaknesa> b3 ist /ykne‑sā/. Das Perl.-Suffix /‑sā/ ist hier kein Suffix, sondern eine
Postposition.
M421:
<KAntwāṣṣe> 1a ist Adj. zu /käntwā/ (Obl.Sg.). Der Nom. ist /käntwo/, dessen /o/
scheinbar eine Opposition zum Obl. /ā/ bildet (s. ad <kaṃtwo> Š406a6, bewegliches "o"
ist möglich). In dieser Kategorie gehören nur noch <luwa> und <kātsa> (vgl. TEB I, S.
110). Etymologisch entstand kantwo nach Adams (1999, p. 139) "by metathesis,
presupposes an earlier *tänkwo (as if) from PIE *dṇʰweh‑n‑.", aber ich verstehe weder
die Metathese, noch <weh‑n‑>. Die Opposition Nom. vs. Obl. ist gebildet im Toch.,
nicht im Uridg.
<olypo> 1b ist /olyäpo/ und normalerweise auf dem /ä/ betont, aber ein Adv. kann auf
der Endsilbe betont werden, und im Vers kann /ä/ getilgt werden.
<tsārane> 1b ist ein Lok. von /tsāro/ ('im Kloster'). Wenn <tsā(ra)> M416b5 als Obl.
richtig ergänzt ist, würden /o/ und /ā/ die Opposition Nom. vs. Obl. markieren.
M422:
Wegen des geringen Umfangs der Hss. ist nichts zu vermerken.
M423:
<kanaṣki> a3 ist eine Gen.‑Form von <kanaṣke> b3 (Königsname). Ich kann nicht mit
Sicherheit sagen, ob es sich um den Namen des berühmten Königs Kaniška handelt. Es
gibt auch einen Name <kanaṣka> in MQ490aI4 (Rechenschaftsbericht), der
wahrscheinlich dem <‑a> zufolge der Name einer Frau ist.
328
<istaKˎ> b5 ist durchgehend so geschrieben. Wegen <i‑> nehme ich an, daß das Wort
nicht alt ist. Die Belege sind MQ37a8, Š42b4, H149add33a2, H149X5a5, H149.78a2,
H149.223b2, St.Ch.00316a2b4, Š90b3, S107a2, M110b1, MQR350(II‑3), Qu352b2,
M375b1, M379b4 und M423b5. Alle Belege sind nicht alt.
M424:
<kekamu> a2 ist ein Gegenstück zu <kekmoṢˎ> M420a3. Es ist auf der zweiten Silbe
betont (<a> für //). Dies deutet darauf hin, daß das Versmaß drei Silben benötigte.
<kākkārpau> a4 ist anscheinend ein Schreibfehler für <kakārpau> PPt. (Thomas 1953,
S. 282, Fnt. 10 Sic!), aber dem <kk> zufolge ist es möglich, daß das Wort in zwei Wörter
zu trennen ist, und zwar in /kā/ (Verstärkungspartikel) und /kārpa/ (1.Sg.Akt.Ko.V).
M425:
<amāciññe> a1 ist ein Adj., das auf skt. /amātya/ zurückgeht. <i> vertritt /ä/ (Anaptyxe),
das wegen <c> und <ñ> palatalisiert ist. <amāc> ist durchgehend so geschrieben.
<c> für /ty/ ist ein Prākritismus, d.h. das Wort wurde nicht direkt aus dem Skt. entlehnt,
sondern aus einer Prākritvariante.
<śimāwa> a2 ist /ś(c)ämāwā/ (Pt.I, 1.Sg.Akt. von √stäm‑, suppl. zu √käly‑). Die
Palatalisation des Anlauts dient der Opposition zum Ko. (und Ps.). Das Ergebnis der
Palatalisation von /st/ ist zunächst /ṣc/, das weiter zu /ś(c)/ wurde. <i> ist wegen <ś>
palatalisiertes /ä/ (Stammvokal). Dies weist darauf hin, daß die Palatalisation des
Konsonanten früher (zur urtoch. Zeit?) entstand, und dann ergab sich <i> in toch. Zeit.
<śitkāwa> in derselben Zeile tritt auch /śätkāwā/ auf (Pt.I, 1.Sg.Akt.), und diese Form
ist genau so zu erklären wie <śimāwa>.
329
<bāhyi> b1 ist das mit dem toch. Nom.Pl.-Marker /-i/ versehene Skt.-Wort /bāhya/
'fremd'. Nom. und Obl. Sg. sind nicht belegt (vielleicht *<bāhy>). Der toch. Pl.-Marker
/‑i/ tritt an den Obl.Sg.
M426:
<myāskamai> b2 ist ein Pt.Kaus. von √mäsk‑. <ā> und palatalisiertes <my> sind die
Markierungen für das Pt.Kaus., und <‑a‑> ist die Pt.‑Markierung /ā/.
M427:
<pokse-ne> a7 ist der Impv. von √āks‑. /ā/ von /pā‑/ wurde wegen der Labialität von /p/
zum /o/, aber /‑e/ bleibt unverständlich. Deswegen wurde dieser Impv. in die
unregelmäßige Klasse VI eingeordnet.
<ipreRAṣṣai> b2 Adj.Obl.Sg. ist von <yäprerne> MQR365a3 her gesehen /yӓprer/.
<i‑> ist eine spätere Schreibung.
M430:
Der Duktus ist ähnlich wie in M412, aber die Akṣaras sind leicht gerundet.
a) Paläographische Untersuchung:
a2 <y> ist dreiteilig (normal):
; b1 <ñ> ist geöffnet:
separat, <k> ist links in der Mitte geknickt:
330
; b3 <ś> ist links
; a1 <l> ist dreiteilig, oben nach rechts
gezogen:
; a4 <wnā>
: <wī> ist innerhalb der Ligatur geschrieben. Diese
Schreibung ist nur hier belegt.
a3 <Kʾˎ> ist mit dem Virāmakomma normal:
; b2 <Śʾˎ> ist von links oben
beginnend in einer Linie kontinuierlich geschrieben:
sind mit dem Virāmakomma normal:
bzw.
br2 <ā‑> ist unten in der Mitte geknickt:
; b4 <Rʾˎ> und cv3 <Ṣʾˎ>
.
; a3 <e‑> ist von links beginnend in einer
Linie kontinuierlich geschrieben und oben nach rechts gezogen:
normal:
; b3 <o‑> ist
.
e /18/ ist die Blattnummer, die von anderer Hand geschrieben wurde:
cr2 /1/ und a4 /2/ sind die Versnummern, die links geknickt sind:
Zu a4 und ev2 treten die Interpunktionszeichen
Doppeldaṇḍa ist schnörkellos:
.
bzw.
bzw.
.
auf; bv2 der
.
b) Linguistische Untersuchung:
1) Diphthonge:
<kauŚʾˎ> a2 ist /kauc/. /c/ wurde hier zu <ś>. Das ist eine phonetische (oder
kolloquiale) Entwicklung, und zwar der Verlust der Verschlußphase des /c/, um einfacher
(nicht komplizierter) auszusprechen.
<yurpāṣkaiyne> in b.v ist ein Lok. des Namens eines Klosters. In <‑aiy‑> sehe ich eine
altertümliche Schreibung.
331
2) Vokallänge:
<ā> und <ī>:
<pītwā(Tʾˎ)> a2 (<pitwā(Tʾˎ)> a3) ist skt. /piṇḍapāta/. <ā> in vorletzter Silbe ist
bewahrt (unter der Betonung). Möglicherweise ist die erste Silbe wegen des <ī> betont,
und auch die dritte Silbe ist betont.
Skt. /ṇḍ/ wurde <nt> (toch. Phoneme) und /p/ wurde <w>. Sieg/Siegling haben das
Wort als <pitwāt> transkribiert (Thomas 1953, S. 286). <n> und <t> in diesen Hss.
sind vor allem in der Ligatur gleich geschrieben. Ich vermute, daß <t> von /nt/ getilgt ist,
da das /t/ mit seiner Verschlußphase komplizierter artikuliert ist als <n>, wie <ṅk> →
<ṅ> in <taṅwa>. Ich möchte das Wort deshalb als <pinwāt> transliterieren. Die
Vereinfachung ist auch zur Vermeidung der Konsonantenhäufung entstanden.
<wnāssī> a4, <wnāṣñe> in d.r: <‑ī> und <‑i> wurden innerhalb der Ligatur
promiscue geschieben. Möglicherweise wurde <> als konsonantisches /y/ behandelt.
Diese Ligatur kommt nur hier vor, sonst treten zwei getrennte Akṣaras <w> und <na>
auf. Eine andere Möglichkeit ist eine Analogie von <> in z.B. <kse>. Eine weitere
Möglichkeit ist eine Schreibung von metri causa.
<ṣarmīrī> b2 ist ein Pl. von Skt. /śrāmaṇera/ (<ṣarmirśkaṃ> b3). Die Schreibung mit
<r> liegt nur hier und in <ṣarmirśkaṃne> S107a10 (Versname) vor, sonst wird das
Wort mit <n> (/ṣanmir/, s. ad <ṣanmiretse> 317b2) geschrieben (7x <-i->, 5x <-ī->).
Die Veränderung des Wortes ist kompliziert: skt. /śr/ wurde im Prāk. zu <ṣ>, und das
Toch. hat das <ṣ> übergenommen. Man kann in <r> einen Rest von Skt. /śra/ sehen.
Skt. /maṇe/ könnte entweder im Prāk. oder im Toch. durch <mne> (Synkope des /a/ und
Verlust des Retroflexes) zu /mne/ werden. <mn> → <nm> ist toch. Phonologie. /e/
wurde zum mit geschlossenen Öffnungsgrad <i>, und hier ist /i/ betont. Der Auslaut
(Pl.-Markierung /i/) könnte an <ī> in der zweiten Silbe assimiliert sein.
<a>:
332
<a> von <tāwaKʾˎ> a4 ist // (Anaptyxe). <tāw> ist eine altertümliche Schreibung,
aber <a> ist eine spätere Schreibung.
<A>:
<KAlpāRʾˎ> b4 ist /kälpāre/ (3.Pl.Pt.I von √kälp‑) und aufgrund der Versmaßes ohne
<‑e> geschrieben. Normalerweise wurde /‑r/ in solchen Formen nur vor dem suffigierten
Pronomen geschrieben (vgl. TEB I, S. 242).
M542:
a) Paläographische Untersuchung:
a1 <y> ist dreiteilig (normal):
angebracht:
; b2 <ñ> ist geöffnet, <r‑> ist oben rechts
; b4 <l> ist zweiteilig, <‑au> ist links unten wie <‑e> geschrieben:
;
b3 <ś> ist links separat, <r‑> ist im Gegensatz zu <rñe> in b2 oben links angebracht:
; b5 <ṇ> ist in der Mitte nicht verdickt:
b3 <Rʾˎ> ist mit Virāmakomma normal:
bzw.
.
; a4 <PA> und b2 <Ṣʾˎ> sind normal:
.
a1 <a‑> ist an der senkrechten Haste kurz:
ist unten eckig:
; a6 <i‑> ist normal:
; b1 <ai‑> ist unten mit kleinem Kreis normal:
rechts einheitlich geschrieben (kein Längezeichen):
.
a1 Das Interpunktionszeichen ist ähnlich wie der Anusvāra:
333
.
; b1 <u‑>
; b7 <au‑> ist
b) Linguistische Untersuchung:
1) Diphthonge:
<ai«kṣe»ma> b1: <kṣe> ist zwischen <ai‑> und <ma> von anderer Hand subskribiert.
Ich vermute, daß hinter <ma> noch <ne> ergänzt wurde, da eine Endung <‑ma> nicht
existiert. Wenn aber die intendierte Schreibuing <aikṣemane> ist, bleibt dies
unverständlich. √aik‑ bildet kein Ps.Kaus. (wenn das existierte, wäre es /aikäskemāne/).
Eine andere Möglichkeit wäre <aiskemane> von √ai- 'geben'. Wenn dem so ist,
bedeutet diese Passage 'später nicht gebend'.
2) Vokallänge:
<ā> und <ī>:
<āpādāyiṣyāmi> a1 ist skt. /āpādayiṣyāmi/. Dritte <ā> ist skt. /a/ und betont. Hier kann
meine Hypothese (eine Reihe in betonten und unbetonten Silben) gelten. Zweite <ā>
ist aufgrund der Kaus.-Funktion im Skt. wichtig, deswegen ist <ā> geblieben.
<kālśkaṣṣe> a2 (Adj.) ist toch. Äquivalent von skt. /(mā)ṇava‑/ im Kompositum '(des)
Knaben'. /śk/ könnte ein Deminutiv sein, aber <kāl> ist Hapax im Toch. Der
Akzentregel zufolge ist <ā> unregelmäßig. Vermutlich ist dieses <ā> semantisch
wichtig. Hingegen ist <a> ein regelmäßiges // (Anaptyxe).
<oppīloṃ> a4 ist ein Hapax, und das skt. Äquivalent ist /guṇa/, das nach Edgerton die
Bedeutungen 1) 'advantage', 2) 'cluster, garland'59 hat, nicht 'threads, cords' (Adams 1999,
p. 117). Wenn das Wort mit <oppīLAṃtsa> H.add.84b2, H149X4a4 identisch ist, ist die
Bedeutung nicht "in einer Reihe, d.h. in gleicher Größe (TEB II, S. 176)".
Alle drei Belege zeigen <ī>, das wahrscheinlich aufgrund der Akzentuierung entstand.
Die Endsilbe <oṃ> von <oppīloṃ> könnte /ān/ (Obl.Pl.) sein, wenn <oppīLAṃtsa>
aus /oppiläṃ/ (Obl.Sg.) gebildet ist (Nom.Sg. /oppil/?). Es ist wegen der wenigen Belege
unmöglich, das Wort genau zu beurteilen. Trotzdem gibt es verschiedene Meinungen
59
Laut Edgerton (1953, p. 212) ist die Bedeutung 'advantage' in "Skt. and Pali ... not recorded". Der Form
<(mālā)guṇa> in dieser Hs. zufolge passt '(garland) cluster' besser.
334
(Adams 1999, p. 117), aber Adams’ Interpretation "like ones invested with the marriagethreads, i.e. marriageable woman" ist sinnlos. Ich ziehe die Bedeutung 'Masse' vor, und
mein Vorschlag für die Passage ist (unter Berücksichtigung des Skt.-Äquivalents)
'(diejenigen (Pl.f.), die) Mengen von Blumen (zusammen mit Girlanden geworfen
haben)' zu lesen.
Vom <pp> in <oppīloṃ> her gesehen ist das Wort möglicherweise von skt. /utpala/, da
<oppālanta> H.add.149,116b4 belegt ist, aber <ī> und <oṃ> bleiben unklar.
Normalerweise wurde das Wort als <uppāl> (passim 19x) geschrieben.
<vjimahallakā> a5 ist skt. /vji-mahallikā/ (Pl.m. Nom. oder Vok.) 'hinfällige Wesen
(alter Männer) von Vji'. Das toch. Äquivalent von /mahallikā/ ist <tsaṣkaṃ>, das ein
Hapax und nicht analysierbar ist. <a> in vorletzter Silbe wurde anstelle von /i/
geschrieben. Vielleicht ist das eine Wirkung des vorangehenden <a>, oder <-i> auf
<ll> vergessen zu schreiben.
<āryamāt[k](ā)> a5 und <ārakṣāsmti> a6: <ā> kommt in erster und dritter Silbe vor.
Die <ā> sind skt. /ā/ und möglicherweise betont.
<makā-wäntarwa> a7 ist ein Kompositum, da /-ā/ von /mākā/ endbetont ist. Die vierte
Silbe im Kompositum <nta> kann in der Folge unbetonter Silben betont worden sein.
<prāntāni śayanāsanāni> b3 ist genau so wie im Skt.-Muster geschrieben. Oben habe ich
eine toch. Akzentregel bei Skt.-Wörtern vermutet, aber hier paßt meine Hypothese nicht,
da diese Wörter nicht tocharisiert sind.
<a>:
<warśaiṃne> b3 ist ein Hapax. Das Wort ist eine Lok.‑Form. Möglicherweise ist diese
Schreibung dem Kontext (vorhergehendes Wort <[wä]rttoṣṣa(na)> Adj.f.Pl. von /wärtto/
'Wald') zufolge ein Schreibfehler für <werpiśkaṃne> 'in Gärten'.
335
<akañcar> b3 ist ein Hapax und das Äquivalent von skt. /prāntāni/ 'Rӓnder'. Das Wort
kann als /ākäñcār/ zu deuten sein, wobei /āk/ 'Ähre' ein Element sein kann. <a> der
ersten und dritten Silbe ist unbetontes /ā/. Das zweite <a> ist // (Anaptyxe). /ñc/ ist ein
Suffix für den Pl., und /ār/ kann ein Distributivsuffix (TEB I, S. 161) sein. Aber eine
solche Konstruktion wäre ungewöhnlich. Möglicherweise haben wir es mit einer
Neuschöpfung des Schreibers zu tun.
Der Schreiber hat toch. Wörter nicht präzise geschrieben, aber Skt.-Wörter hat er
ziemlich präzise geschrieben (z.B. <a> für skt. /a/). Möglicherweise war der Schreiber
ein Inder.
<ä> und <A>:
Es gibt nichts Besonderes zu vermerken.
M543‑544:
a) Paläographische Untersuchung:
Der Duktus ist gleich wie in M542. Ich behandele nur die Akṣaras, die nicht in M542
belegt sind.
543a2 <kha> ist normal:
; 543a4 <s> ist normal, und <th> ist in der Mitte wie das
Interpuktionszeichen geschrieben:
<gha> ist oben verbunden:
gedrehte arabische 8 geschrieben:
; 543b6 <bha> ist links eckig:
; 543a7
; 544a3 das <ch> von <cch> ist wie eine um 90 Grad
.
543a5 <I‑> ist für skt. /īti/ benutzt worden. Dieses Zeichen wurde im Toch.
normalerweise mit Virāma am Wortende benutzt. Der Schreiber hat <I> für <ī‑>
geschrieben (s.u.):
; 543b7 <o‑> ist zweiteilig geschrieben (normal):
336
; 544a2
<e‑> ist in einer Linie (von oben nach links beginnend) geschrieben und oben (am Ende)
nach rechts gezogen:
.
b) Linguistische Untersuchung:
Ich behandele nur die Wörter mit Besonderheiten.
<kākalñe> 543a1 und <klāyalñe> 543a7: das erste <ā> ist semantisch wichtig.
<māṣa> 543a3 ist das Skt.-Wort mit Bedeuting 'Bohne', die toch. Übersetzung ist
<dhanya-māṢAṣṣe> mit skt. /dhanya/ 'von gesunder Bohne'. Vielleicht gab es kein toch.
Äquivalent (war toch. <māśak> eine andere Sorte von Bohnen?) oder der Schreiber hat
das entsprechende toch. Wort nicht gekannt. Das stützt meine Vermutung, daß der
Schreiber ein Inder war.
<lyewenTARʾˎ> 543a4 'sie senden' paßt nicht zum Skt.-Äquivalent <sthāpayanty>.
Vermutlich hat hier der Schreiber eine Form von √lyäk‑ 'liegen', das kein Kaus. besaß,
eingesetzt.
<iti> 543a5 ist bei Sieg/Siegling (Thomas 1953, S. 340) mit Fnt. 'Lies īti' transkribiert,
aber das Wort muß als <īti> ('Not') transkribiert werden, da der erste Akṣara <I> (skt.
/ī/) ist. Andernfalls könnte man das Wort als skt. /iti/ 'so' mißverstehen.
<PAsTˎ> 543a6 zeigt keinen Akzent und ist durchgehend mit <PA‑> geschrieben.
Das Wort ist wahrscheinlich eher eine Partikel (Adams 1999, p. 382) als ein Adv. (TEB II,
S. 210), möglicherweise auch ein Präverb. Das Wort kommt in anderen Hss. in der
Gestalt <pest> vor. Das /ä/ könnte unter irgendeiner Bedingung (z.B. phonetisch wegen
/p/, eine Betonung oder Palatalisierung) zum Allophon /e/ geworden sein.
<a> von <nauṣaṃñe> und <nesalñe> 543a3 ist // (Anaptyxe). Hingegen ist <ä> von
<abhijñänta> 543b4 eine unbetonte Anaptyxe.
337
<taryasa> 543b5 ist als /täryā-sā/ anzusetzen.
<pke[l](ñ)[e]> 544a3 ist Abstr.II von /päke‑/ (Ko.III). Nach Krause (1952, S. 257) bildet
√päk‑ ein Ps.VIIIa (nicht Kaus.), und normalerweise ist das Ps.VIIIa mit dem Ko.I
kombiniert. √päk‑ kann im Med. intr. und im Akt. tr. sein. Möglicherweise wurde /päke‑/
wegen der Intransivität in die Klasse Ko.III eingeordnet.
M551:
a) Paläographische Untersuchung:
Der Duktus ist ähnlich wie in anderen M.‑Hss. Auf dem Photo der Hs. findet sich links
eine vertikale Linie, die den Zeilenanfang markiert.
b4 <ya> ist dreiteilig (normal):
; a3 <ñ> ist geschlossen:
einer Querlinie in der Mitte geschrieben:
; a1 <ś> ist mit
; a4 <l> ist deutlich separat:
b1 <bhra>, b1 <ṭa> und a1 <ṣṭha> sind normal (für Skt.-Wörter):
b1 <MA> ist normal:
Linie geschrieben:
Virāmakomma normal:
,
.
,
.
; b1 <Ṣ> ist von der Mitte beginnend nach links in einer
; b3 <TA> ist oben rund (normal):
; b3 <Rʾˎ> ist mit
.
b1 <a‑> und a4 <ā‑> sind oben fast viereckig:
; b2 <e‑> ist rechts lang:
bzw.
; b3 <i‑> ist normal:
.
b /62/ ist die Blattnummer, die von anderer Hand geschrieben ist:
b) Linguistische Untersuchung:
338
.
<tane> b1 (Lok.) und <tasa> b1 (Perl.) sind mit den adverbiellen Bedeutungen 'darin'
und 'darauf' vom Demon.pron.n.Obl. gebildet. Das <ta> kann in B-Toch. mit
Demon.pron. /tu/ und /te/ identisch sein, die den Formen /täm/ und /täṣ/ in A-Toch.
entsprechen. Daher könnte <ta> ein ursprüngliches /tä/ sein. Wenn dem so ist, konnte
/tä/ mit Postpositionen kombiniert zum Adv. werden. Danach wurde /ä/ akzentuiert.
M578‑579:
a) Paläographische Untersuchung:
578b1 <y> ist rechts separat (zweiteilig):
geschlossen:
eckig:
; 579b5 <l> ist dreiteilig, <ñ> ist
; 578a5 <śa> ist links separat:
; 578b1 <MA> ist eckig (normal):
; 578a5 <s> ist normal, <T> ist
; 579a2 <Tʾˎ> ist oben rund und hier
mit dem Virāmakomma geschrieben (in a3 ohne Komma):
579b5 das Zahlzeichen /1/ ist normal:
.
; 578b5 Das Interpunktionszeichen:
579b5 zeigt den unten mit schräger Linie verbundenen Doppeldaṇḍa:
;
.
b) Linguistische Untersuchung:
<soyaṣe> 579b4 ist ein Hapax und unverständlich. Möglicherweise ist es ein Adj. von
/soy/ 'Sohn'. Wenn dem so ist, ist <a> ein // (Anaptyxe). Wegen der Beschädigung kann
ich das Wort nicht genau beurteilen.
M592:
339
a) Paläographische Untersuchung:
b3 <y> ist zweiteilig:
; b1 ist geöffnet und a4 <ñ> geschlossen:
bzw.
; b1
<ś> ist unten nach rechts gekrümmt und mit einer Querlinie in der Mitte geschrieben:
; a2 <l> ist dreiteilig:
.
a4 <Śʾˎ> ist eine um 90 Grad gedrehte arabische 8, wie <ch> in M544a3:
<TA> ist oben rund:
verbunden:
; a6 <ṢPA> ist normal:
; a1
; b6 <Kˎ> ist links nicht
.
Virāmakommata kommen unregelmäßig vor.
b2 <a‑> ist unten nach rechts lang gezogen:
nach rechts gezogen geschrieben:
; a3 <o‑> ist normal:
Längezeichen geschrieben (altertümlich):
a6 Der Doppeldaṇḍa ist schnörkellos:
; b2 <e‑> ist rechts lang und oben
; a2 <au‑> ist mit dem
.
.
Dem <ñ> und dem <au‑> nach zu urteilen ist diese Hs. eine Kopie einer älteren Hs.
(aus der Periode I‑2?).
b) Linguistische Untersuchung:
<yäkne> a4 zeigt keine Akzentregel, d.h. es liegt eine altertümliche Schreibung vor.
<kañiye> a5 wurde von Sieg/Siegling zu <keñiye> korrigiert (Thomas 1953, S. 377, Fnt.
20). Adams hat ihnen gefolgt und übersetzt diese Passage als 'a land man came to a city'
340
mit Kommentar 'a derivative of keṃ (1999, p. 190)', aber ein solches Wort (mit /i/ als
Suffix für die Zugehörigkeit) existiert nicht. Ich vermute, daß das Wort ein Ortsname ist.
<yoktsanma> a6 ist Pl. von /yoktsi/ 'Getränke'. <a> der zweiten Silbe ist betontes /ä/,
wie <-a-> von <tekanma> (s. ad MQR137b3).
<camel> b5 und <cmelaś> b6 zeigen die Akzentregel (// und getilgtes /ä/), d.h. wir
haben es im Gegensatz zur Schreibung von <yäkne> a4 (s.o.) mit einer jüngeren
Schreibung zu tun.
<yamaṣle> b5 ist /yāmṣälle/. Die Wurzel √yām‑ 'machen' bildet kein Kaus., da schon
die Wurzel selbst kausative Bedeutung hat. Das /sk/ wurde m.E. an den Ko.‑Stamm (hier
/yām/) gefügt, um den Ps.‑Stamm zu bilden. Dann ist das zweite <a> betontes /ä/.
M598:
a) Paläographische Untersuchung:
b3 <ñ> ist geöffnet:
; a3 <ś> ist links separat:
horizontalen Linie dünn gehalten:
; b4 <l> ist separat, <‑au> ist normal:
a2 <> wird in der Ligatur konsonantisch gebraucht:
a4 <TA> ist oben links rund:
; a2 <ma> ist an der
; a3 <MA> ist normal:
; b2 <Rʾˎ> ist mit dem Virāmakomma normal:
a2 <a‑> ist unten nach rechts lang gezogen:
geschrieben und oben lang gezogen:
.
b) Linguistische Untersuchung:
341
.
;
.
; b3 <o‑> ist kontinuierlich
<māKʾˎ> a2 ist eine Negation /mā/ mit emphatischer Partikel /k/. Zum Akṣara s .o.
(Sieg/Sieglings Transkription <mā͡Kˎ> ist irreführend). Ein zweiter Beleg liegt in
S330b4 vor, sonst gibt es noch zweimal <māwKˎ> in Š1b2, Š12b4. Das <> bzw. <w>
sollte, wie ich bei S330 diskutiert habe, eine Epenthese sein. Eine Besonderheit ist, daß
dieses <> konsonantisch behandelt wurde.
<niśrai> a3 ist skt. /niśraya/. <ai> für skt. /aya/ ist eine typische Erscheinung im Toch.
<paścimikeṃ> a4 und <paścimikentsa> a5 sind nur in dieser Hs. belegt. Vielleicht ist
Adamsʼ Vorschlag (1999, p. 362, BHS paścima‑ 'law, vulgar person', wie Edgerton)
richtig60. <ikeṃ> könnte ein Obl. von /ike/ sein, aber /ike/ hat die gleiche Form im Nom.
und im Obl. Wenn <‑ikeṃ> ein Suffix ist, wäre <aṣanīkeṃ> M418a5 zu vergleichen.
<presnaisa> b1 könnte, wie Adams vorschlägt (1999, p. 421, 'time'), <prestaisa> zu
lesen sein (<n> und <t>), aber auf dem Photo lese ich den betr. Akṣara eher als <n>,
da er links etwas nach oben geneigt ist, während <t> b2 hingegen nach unten geneigt ist.
Dem Kontext zufolge ist 'die zwei Finger mit der Zeit' merkwürdig. Es gibt nur das Wort
/preśc(i)yā/ für 'Zeit' in B-Toch. Ein weiterer Beleg ist <presna///> H149add13a2. Beide
Belege sind wegen der Beschädigung schwer zu beurteilen, aber die Bedeutung ist m.E.
schwerlich 'time'.
<lyikṣalle> b4 ist ein Hapax und nach Krause (1952, S. 283) ein Ger.I vom Ps.VIII
(Kaus.?) /likṣ‑/. Die Wurzel bildet das Ps.VI <laikanatRA> H150.110b4 (Hapax),
dessen <ai> unsicher ist (auch der gesamte Kontext). Wenn <laikanatRA> nicht zur
√lik‑ gehört, ist das Paradigma regelgerecht, und zwar /liks‑/ für Ps.VIIIa und /laikā‑/ für
Ko.V und Pt.I.
Ich sehe in <lyi‑> eine spätere Schreibung. Das /i/ zeigt in der frühen Periode keinen
Palatalisierungseffekt (z.B. <likṣan> H149.76a3 oder <likṣy(eṃ)> Š42b7). Hier wurde
60
Im Skt. bedeutet paścima a) der hintere b) westlich c) der letzte (Böhtlingk 1991).
342
<l> durch das folgende <i> palatalisiert, d.h. <i> ist zu dieser Zeit ein echter
palatalisierender Vokal.
M599:
a) Paläographische Untersuchung:
a2 <ñ> ist geschlossen:
; b5 <ś> ist links separat:
geschrieben, und <m> ist normal:
; a3 <l> ist separat
; a2 <ṅ> ist links verbunden, <kra> ist normal:
;
a4 <Ṣˎ> ist normal:
; a5 <Śˎ> ist unten links eckig:
oben links lang gezogen:
; a3 <Rʾˎ> ist mit dem Virāmakomma normal:
a1 <a‑> und a1 <i‑> sind normal:
bzw.
; a2 <MA> ist
.
; b2 <o‑> ist nach oben lang gezogen:
.
b4 Das Interpunktionszeichen:
geschrieben wurde:
. b /133/ ist die Blattnummer, die von anderer Hand
.
b) Linguistische Untersuchung:
<antarakālPA(nma)> a1 ist skt. /antara‑kalpa/. Der Schreiber hat das Wort richtig als
ein skt. Kompositum (ein Wort) verstanden, da <ā> nach der toch. Akzentregel (Akzent
auf vorletzter Silbe) betont ist und daher Apokope eintrat.
343
<parra> a3 ist Adv. /pärn/, da <parna> 16x belegt ist. <rn> ist zu <rr> assimiliert.
<Ṣˎ> a4 ist /ṢPA/. Zu diesem Wort, s. ad Š605b2 und MQ241b5.
<stāna> b5 ist Pl. von /stām/ 'Baum'. Trotz den zahlreichen Diskussionen (vgl. Adams
1999, p. 709) ist das Problem /‑m/ für Sg. und /‑n/ für Pl. nicht zufriedenstehend gelöst.
Vor allem ist die Annahme eines Suffixes */‑m(e)n/ schwer nachvollziehbar. Wenn Toch.
*/mn/ ererbt wurde, sollte es im B-Toch. als <nm> bewahrt sein. Beide Formen (<‑m>
und <‑na>) sind von Anfang an belegt, z.B. <stāna> MQ274a2 [I‑1] und <stām>
MQR139b7 [I‑2]. Es ist anzunehmen, daß das Wort von uridg. *steh₂‑ gebildet ist, und
/m/ als nominalsierendes Suffix (Sg.) und dazu /nā/ Pl.-Markierung suffigiert ist, wobei
/m/ zum /n/ bei Pl. assimiliert und vereinfacht ist. Eine andere Möglichkeit ist, daß sich /m/ und /-nā/ komplementär auf Sg. und Pl. verteilen, wie z.B. /soy/ vs. /säswa/ (Nom. und
Obl.) oder /kärtse/ vs. /krent/ (Adj.), was eine toch. Eigentümlichkeit beim Nomen ist.
M608:
a) Paläographische Untersuchung:
a2 <y> ist dreiteilig:
; a2 <ñ> ist teils geschlossen teils geöffnet:
separat und <‑o> ist normal, <sk> ist ebenfalls normal:
;
b1 <Kˎ> ist links nicht verbunden (ohne Virāmakomma):
<Śˎ> (ohne Virāmakomma) sind normal:
Virāmakomma normal:
bzw.
; b2 <l> ist
; b2 <PA> und b1
; a2 <Rʾˎ> ist mit dem
.
Ich finde die Virāmakommata häufiger bei <Rˎ> als bei anderen Konsonanten. Den
Grund dafür kann ich nicht ausmachen. Eine Möglichkeit ist, dass <Rˎ> als Konsonant
verdeutlicht werden sollte.
344
b2 <a‑> ist normal:
. b1 Das Interpunktionszeichen:
.
b) Linguistische Untersuchung:
<a> von <katk[t](s)i> a2 und <tsaṅkalyi> a3 ist /ā/.
Die Hss. aus Murtuq ist sehr schwierig einzuordnen. Ich habe sie wegen der Form des
<ñ> in II‑1 eingeordnet, aber linguistisch gesehen können die M.-Hss. in eine spätere
Periode gehören.
T297:
a) Paläographische Untersuchung:
1b1 <y> ist dreiteilig:
ist links separat:
; 1b3 <ñ> ist geöffnet:
; 1b2 <y> ist altertümlich, <ś>
; 1a5 <la> ist von links beginnend in einer Linie geschrieben und
oben nach rechts gezogen:
1b3 <TA> ist oben rund:
.
; 1b4 <Mʾˎ> ist mit dem Virāmakomma normal:
<ṅ> ist nicht verbunden, <k> ist wie <ai‑> geschrieben:
geschrieben (s. <y> oben):
; 2b2
; 1a3 <Śʾˎ> ist wie <y>
.
3a2 <a‑> und 1b1 <ā‑> sind nach rechts geneigt:
; 1b2 <ai‑> ist unten rund geschrieben:
345
.
bzw.
; 1b1 <i‑> ist normal:
1b1 /2/ ist die Versnummer (die Transkription <1> von Sieg/Siegling muss emendiert
werden):
; 1b2 und 1a4 sind die Interpunktionzeichen:
Doppeldaṇḍa ist schnörkellos:
bzw.
; 1b1 Der
.
b) Linguistische Untersuchung:
<wantoŚʾˎ> 1a3 ist ein Schreibfehler für <‑Ṣʾˎ>. Auf dem Photo ist <Ś> (s.o.)
<ya>‑artig geschrieben, deswegen haben Sieg/Siegling diesen Akṣara als <Ś> transkribiert. Hier transliteriere ich diesen Akṣara als <Śʾˎ> und die Transkription ist /ṣ/. Wie
beim nächsten Wort <waṇe> für <guṇe> halte ich diese Schreibung für ein Indiz für
das Unvermögen des Schreibers. Solche Schreibungen lassen sich in diesen Hss. häufig
beobachten (s.u.).
Es ist schwer, eine Grenze zwischen Transliterationen und Transkriptionen zu finden,
aber mindestens soll man in Fnt. hindeuten.
<mantantā> 1a4 ist /mā/ + /ntā/ + /ntā/. Zuerst wurde die Verneinungspartikel mit
einer weiteren Partikel verstärkt, und nach der Univerbierung kam es zu einer
neuerlichen Verstärkung durch die nämliche Partikel. Hier sollte <mantantā> mit der
Akzentregel als <mantānta> geschrieben sein, aber möglicherweise fiel der Akzent wie
bei den Adv. auf die letzte Silbe vom neu geschaffenen Wort.
<pasi> 1a4 ist /pāssi/, und <marsasta> 1a4 ist /märsāstā/.
<tsiromñe> 1b1 ist /tsiraumñe/. In <o> für /a/ sehe ich einen Schreibfehler, aber eine
Monophthongierung wäre zum Zeitpunkt, da diese Hss. geschrieben wurden, im
Entstehen begriffen.
<aiymasu> 1b2 ist /āñmäsu/. /ñ/ konnte zu /y/ werden, aber <ai> ist schwer zu beurteilen. Ich vermute, daß auch diese Schreibung auf einem Schreibfehler beruht.
346
<ñim[tsa]> 1b3 steht für /ñemtsā/. <i> könnte Ergebnis einer Hebung von /e/ sein, aber
von <e> für /i/ in <TAṅkwaññeTʾˎ> her gesehen käme auch ein Schreibfehler in
Betracht. <ṣañiMʾˎ> 1b4 für /ṣäñ ñem/ beurteile ich ähnlich.
<nai[tta]ṣṣasta> 1b5 (ein Hapax) ist Sieg/Sieglings Transkription und wird von Krause
(1952, S. 254) als Kaus.Pt.IV behandelt. Auf dem Photo kann <nai> als <tai> gelesen
werden, <[tta]> als <kna> und <ṣṣa> als <ṣPA>. Die Lesung <sta> ist unsicher.
Mein Vorschlag ist, <taikna ṣṣ assa> für /taikne ṣp āścsā/ 'und so über den Kopf' zu lesen.
Wenn diese Form ein Verb ist, kann gegen Krause aufgrund des <a> vor <ṣṣ> kein
Kaus. vorliegen, aber wegen der Beschädigung und der fehlerhaften Schreibungen ist
keine sichere Beurteilung möglich.
<śtwārā> und <KAnte> 2a1 zeigen keinen Akzent. Vermutlich hat der Schreiber ein
altes Muster kopiert.
<win[ā]sko> 2a2 ist /wināska/. Hier kommt wieder <o> für <au> vor. Wie oben bei
<tsiromñe> 1b1 könnte dises <o> Ergebnis einer Monophthongierung sein. Der Form
<nauṣw> 2a1 zufolge existierte <au> damals aber noch. Daher halte ich diese Schreibung für einen Fehler.
<mañu> 2b2 ist /mñu/. Belege gibt es insgesamt nur drei (S108a6, S107a6). Uridg.
*m(e)n‑ 'denken' könnte ein Etymon sein, aber <ñ> bliebe erklärungsbedürftig. Ich
möchte eine Palatalisation aus phonetischem Grund (wegen des /u/) annehmen, wenn
*m(e)n‑ ein Etymon für /mñu/ ist.
<parmaṅ[K]i> 2b2 vertritt /pärmänk/ (<PArMAṅKˎ> MQ273b2). Die Transkription
von Sieg/Siegling ist unpräzise (<pa> für <PA>, <ṅ[K]i> für <ṅkhi>), und unterlief
dem Schreiber ein Fehler (<kh> für <k>, und dazu ein überflüssiges <-i>).
<tuṣitʾˎ> 2b3 ist skt. /tuṣita/. Nach dem Virāmastrich hat der Schreiber normales <t>
für das Skt.-Wort mit Virāmakomma geschrieben. Dieses Komma existierte im ältesten
347
Toch. nicht, aber es wurde nach den Skt.-Hss., in denen es vom 5. Jh. n. Chr. an ohne
Virāmastrich vorhanden war, eingeführt. Diese Schreibung, die normale Zeichen für
Skt.-Wörter und Fremdzeichen für toch. Wörter nach Virāmastrich benutzt wurden, ist
fast regelmäßig. Dieser Verwendungsweise zufolge sollten "Fremdzeichen" eigentlich
"tocharische Zeichen" genannt werden.
<āmpRA> 3a6 geht mit <ampar> TV294b9 auf skt. /āmra/ zurück. Der Cluster /mr/ ist
phonotaktisch gesehen dem Toch. fremd, deswegen wurde zwischen /m/ und /r/ ein <p>
eingeschoben. <RA> ist /r/ (nach Apokope des /ra/). <ampar> TV294b9 ist eine
spätere Form mit <a> für skt. /ā‑/ und toch. /‑‑/. /pr/ ist mit Anaptyxe als <pAR>
wiedergegeben und betont.
<ompolskoññe> 3a7 ist /omplskoññe/. [a] (//) wurde von beiden <o> affiziert und als
<o> geschrieben. Das ist eine phonetische oder kolloquiale Erscheinung.
T498:
a) Paläographische Untersuchung:
b1 <ya>,
b2 <ñ>,
b4 <ś>,
b4 <l>,
a5 <ṅgä> und
a5
<ṇḍa> sind normal.
a4 <Rˎ> (ohne Komma) und a6 <TA> sind normale Fremdzeichen:
a3 Das Interpuktionszeichen ist
bzw.
.
.
Der Duktus dieser Hs. ist sehr ähnlich wie in X, MQ oder Š in der früheren Periode II‑1.
Hss. aus Toyoq gibt es nur zwei. Aus paläographischen Gründen liegt die Vermutung
nahe, daß die in Rede stehende Hs. nicht in Toyoq geschrieben ist. Die verbleibende
348
(THT297) ist mit einigen türkischen Wörtern fehlerhaft geschrieben (vgl. Sieg/Siegling,
Thomas 1953, S. 189).
b) Linguistische Untersuchung:
Wegen der starken Beschädigung gibt es nichts zu vermerken.
TV294:
Diese Hs. ist die einzige aus dem Turfaner Vorgebirge, und sie ist nur einseitig (auf der
Rückseite steht ein Text auf Chin.) beschrieben. Der Duktus ist kursiv, und der Text
wurde möglicherweise spät geschrieben, aber aufgrund des <ñ> habe ich die Hs. in die
Periode II‑1 datiert. Das Format ist vielleicht uigurisch (mehr als 15 Zeilen).
a) Paläographische Untersuchung:
1 <ya> ist dreiteilig:
geschrieben:
; 3 <ñ> ist geöffnet:
; 5 <ś> ist kontinuierlich
; 3 <l> ist kontinuierlich, <‑ī> ist nicht gewöhnlich geschrieben (oben
und unten umgekehrt, s.u.):
; 3 <ro> ist kursiv:
.
15 <Ṣʾˎ> ist in der Mitte mit einem senkrechen Strich geschrieben:
normal:
; 13 <KA> ist in einer Linie geschrieben:
; 3 <Tʾˎ> ist
; 13 <Sʾˎ> ist oben geneigt:
.
Virāmakommata sind vorhanden.
9 <a‑> ist links kursiv:
geschrieben:
; 12 <ʾˎ> ist konsonantisch:
.
349
; 14 <o‑> ist in einer Linie
6 Das Interpuktionszeichen ist in einer Linie geschrieben:
schnörkellos und etwas geneigt:
; 15 Der Doppeldaṇḍa ist
.
b) Linguistische Untersuchung:
<(yä)nmāṢAlyī> 3 vertritt m.E. <‑lye>. <‑ī> kann auch als <e> gelesen werden, aber
wegen der kursiven Schreibung ist die Linie zu lang gezogen (s.o.). <‑lye> wäre dann
eine korrekte Transliteration.
<niroTʾˎ> 3 kann <nirodhʾˎ> gelesen werden, aber es ist mit Virāmakomma und
Virāmastrich tocharisiert, deswegen ist <Tʾˎ> die richtige Transliteration.
<miṣṣi> 4 ist ein Hapax. Nach Adams bedeutet es 'community', aber mir ist das Wort mit
seinem Pendant <miṣi> in A-Toch. unklar. Wegen des <i> vermute ich ein Lehnwort,
aber Sogd. myδry (vgl. Adams 1999, p. 464) kann ich weder phonologisch (<δry> →
<ṣṣi>) noch semantisch (nach Adams 'place') akzeptieren.
<mayāʾˎ> 12 ist völlig unklar. Hat der Schreiber /maiyyā/ gemeint?
Diese Hs. ist wegen vieler Schreibfehler unverständlich, und der Inhalt besteht aus
mehreren unzusammenhängenden Passagen. Vielleicht ist diese Hs. ein Übungstext
eines Novizen oder eines Fremden (Uiguren?).
II‑1/2:
Die folgende Gruppe kann man der Periode II‑1 zuordnen, aber paläographisch scheint
mir etwas jünger zu sein. Ich sortiere die Hss. nur nach dem halb geschlossenen <ñ>,
das schon in II‑1 vorkommt. Ich habe die X‑Hss. (außer 625 in II‑1) paläographisch zu
dieser Gruppe gestellt, aber wegen der Beschädigung behandle ich die X-Hss. nicht.
350
MQ149‑153, 155‑156, 158‑168 (Pratītiyasamutpāda):
a) Paläographische Untersuchung:
149a5 <y> ist dreiteilig (normal):
geschlossen:
; 149a6 <l> ist dreiteilig (normal), <ñ> ist halb
; 149a4 <ś> ist links gekrümmt, aber offen kontinuierlich geschrieben:
; 149b5 <m> ist normal:
149a5 <ṢA>,
.
149a4 <Śˎ>,
149a5 <Sˎ> und
sind normal; 149b2 <ṅ> ist links verbunden, <KA> ist normal:
mit Virāmakomma normal:
149a2 <MA>
; 163a3 <Rʾˎ> ist
.
In diesen Hss. kommt das Virāmakomma nicht regelmäßig vor.
149a3 <a‑>,
rechts lang:
152a1 <i‑> und
156a2 <u‑> sind normal; 149a6 <e‑> ist
; 149b4 <o‑> ist zweiteilig:
nicht altertümlich:
bzw.
; 156a5 <ai‑> und 149a4 <au‑> sind
.
In 156a4 und 156a2 finden sich die Interpuktionszeichen
Linien des Doppeldaṇḍas sind oben nach rechts geknickt:
149b /5/ und
und
; 153a5 Beide
.
150b /36/ sind Blattnummern, die von anderer Hand geschrieben
wurden; 150b3 /5/ ist eine Versnummer:
.
b) Linguistische Untersuchung:
351
<[TA]ṅwalñ(e)sa> 149a1 ist ein Abstr.II vom Ko. /tänku‑/. Der andere Beleg ist
<TA[ṅ]walyñe///> Š307b1.
Nach Krause (1952, S. 246) bildet die √tänkw-aññ- den Ko.XII, und <TAṅwät> und
<TAṅwä(ṃ)> MQR245b2 (bei <TAṅwä> in derselben Zeile hat Sieg/Siegling <‑ṃ>
ergänzt) sind Belege dafür, aber ich kann nicht mit Sicherheit entscheiden, ob diese
Form wirklich ein Ko. vom Denominalverbum /tänkwäññ‑/ ist. Krause führt aus (1952, S.
147): "*täṅkwaṃ < *täṅkwaññäṃ dazu wohl analogisch 2.Sg. täṅwät". Es ist aber möglich,
daß der Ko. ohne /ññ/ zur Unterscheidung vom Ps. dient. Dann wäre dieser Ko. eine
Neuschöpfung vom Ps.-Stamm aus. Das Ps.XII selbst ist m.E. eine Neuschöpfung, da die
Wurzel kein Pt. bildet.
<KArsoṢˎ> 149a2 zeigt <KA‑>, hingegen ist <karsatsi> 149a4 (Inf.) außer in
<KArsatsi> MQR224b1 mit <ka‑> (insgesamt 9x) geschrieben. √kärs‑ bildet Ps.VI
/kärs(ä)nā‑/, Ko.V /kārsā‑/ und Pt.I /śärsā‑/ (Kaus. Ps.IX. /śärsäsk‑/ und Pt.II /śārsā‑/).
Wenn das PPt. von einem alten Pt.‑Stamm (ohne Palatalisation) gebildet ist, diente die
Palatalisation beim Pt.‑Stamm der Opposition Ps.‑ vs. Pt.‑Stamm. Beim Ko. /kārsā‑/ kann
man einen Ablaut vermuten.
<yälloñˎ> 149a5 ist Pluraletantum und außer bei <yal[l]oṃ> MQR122a5 ist <yä‑>
durchgehend geschrieben (insgesamt 12x). Von der Akzentregel her gesehen ist das
Wort vermutlich dreisilbig. Der Form <yälloñi> H149add27b3 zufolge ist das Wort aus
dem Pl. /yälloni/ herzuleiten.
<taKAlyñe> 149a6 ist /tākälñe/ (Abstr.II von √tek). <A> ist Ergebnis einer Anaptyxe
und <l> ist wegen des /ñ/ zum <ly> palatalisiert. Hier sehe ich keine Akzentregel.
Vermutlich wurde schon in der Vorlage <taKAlñe> geschrieben, und der Schreiber hat
<lñe> seiner Gewohnheit entsprechend als geschrieben.
<yärMA> 149b2 zeigt weder Akzent noch Virāma. Es ist möglich, daß schon das Muster
altertümlich (ohne Virāmastrich) geschrieben war. Wegen skt. <avidyä> 149b3,
352
<sparśä> 151a3, <bhavä> 151a4, <tṣṇä> 151b2 usw. möchte ich diese Möglichkeit für
wahrscheinlicher halten.
<ṣarMˎ> 150a2 und <ṢArMˎ> 149a2 zeigen eine Unsicherheit des Schreibers. Dies
deutet ebenfalls darauf hin, daß diese Hss. Kopien sind.
<kceykne///> 150a5 ist /kce/ und /yäkne/. Das Wort ist m.E. kein Kompositum und
<ey> ist kein Diphthong, weil es sich nicht zu <ai> weiterentwickelte.
<MAntrākka> 150b2 zerfällt in /mänt/ 'so' + /rā/ 'auch' + /kā/ 'eben', wobei <kk> eine
Morphemgrenze zwischen /rā/ und /kā/ zeigt.
<tSArkaṢṢAṃ> 150b3 und <tSArkaskeṃ> 168b sind nach Krause (1952, S. 308) Kaus.,
aber ich nehme wegen des <a> vor /sk/ kein Kaus. an, wenn diese Schreibung richtig ist.
Diese Schreibung kommt aber nur bei dieser Hss.-Gruppe vor. Daher haben wir es
möglicherweise mit einem Schreibfehler oder einer falschen Betonung zu tun.
<iprerne> 152a1 ist <yäprerne> MQR365a3 zufolge als /yäprer‑ne/ zu interpretieren.
In <i‑> sehe ich einen aus /yä‑/ entwickelten Vokal (vgl. M427b2).
<naṭe> 152a1 ist ein Hapax. Nach Adams (1999, p. 330) stammt es "from BHS naṭa‑
‘actor’", aber <naṭa> finde ich nur im Kompositum <naṭa‑raṅga> (Edgerton 1953, p.
289). Dem <ṭ> und dem Kontext zufolge erscheint die Bedeutung plausibel, aber mir ist
<‑e> nicht ganz klar. Normalerweise erscheinen Skt.-Wörter apokopiert, und bei
Personennamen oder Berufsbezeichnungen ist /‑e/ als Nom.-Markierung (Obl. <‑eṃ>)
hinzugefügt. /‑e/ könnte ein Suffix für Nomina agentis sein. Eine andere Möglichkeit ist
skt. /nāṭya/ 'Tanz, Vorstellung, Vorführung, Kostüm'. <naṭe> aus skt. /nāṭya/ wäre
phonologisch und semantisch einwandfrei, aber wegen des Status als Hapax kann ich die
Frage nicht mit Sicherheit entscheiden.
<pīś> und <wi> 152a4: <ī> und <i> sind willkürlich für /i/ geschrieben.
353
<peṣteˎ> 152b4 ist unverständlich. Die ähnlichen Wörter <peṣteṃ> MQ554b3 und
<peṣṭintse> S329a3 sind ebenfalls unklar. Vielleicht ist <peṣṭintse> wegen <ṭ> ein
anderes Wort. <peṣteṃ> MQ554b3 habe ich unter paläographischem Gesichtspunkt in
Periode II‑3 eingeordnet, doch <peṣteˎ> ist wegen <eˎ> altertümlich und
palӓographisch ӓlter als MQ554. Vom Kontext <peṣteṃ kleśaṣeṃ> (MQ554b3, Pl.Obl.)
her gesehen hat das Wort negativen Sinn. <(eṅka)lñe peṣteˎ eṅkwe ra> hat ebenfalls
negativen Sinn. Vielleicht bedeutet das Wort 'geizig' oder 'schädlich'.
<amārraṣṣe> 152b5 ist ein Hapax und dem Adj. liegt scheinbar skt. /amara/ zugrunde.
<ā> scheint betont zu sein, aber <rra> bleibt unverständlich, weil <a> eine Anaptyxe
// sein sollte (die zweite unf dritte Silben gleichzeitig betont zu sehen ist unmöglich).
Eine Bedeutung 'unsterblicher Wurm' erscheint auch fragwürdig. Meiner Meinung nach
weist <rra> auf einen Schreibfehler für ein dem Schreiber unbekanntes Wort, z.B.
/amārga/ 'unrichtiger Weg'.
<pittsauṣṣe> 153b1 ist ein Hapax. Nach Adams (1999, p. 386) bedeutet es 'filament', und
von Couvreur (Orientalia Gaudensia III, 1966, S. 162) wird es mit skt. śirīṣa pakṣman
'Wimpern des śirīṣa (Akacia Sirissa)' erklärt. Auf dem Photo von H.149.47a6 läßt sich die
Lesung Couvreurs (<[ṣ](ṣ)e(p)i [pi]t[t](s)aunt(s)e>) nicht verifizieren. Außerdem paßt
die Bedeutung 'Staubfaden' nicht zu dem im unmittelbaren Kontext genannten Wort mit
der Bedeutung 'Same'. Daher nehme ich an, daß das Wort eine andere Bedeutung hat,
falls es überhaupt existierte.
<nāmarūpa> 153b3 ist mit <ū> geschrieben, aber an anderer Stelle (z.B. <rupaṣṣe>
152b3) hat der Schreiber <u> geschrieben. Möglicherweise kam <> aufgrund des
Akzentes oder infolge der Nachlässigkeit des Schreibers zustande.
<ynūca> 155a2 ist nach Krause (1952, S. 44) ein Nom.ag. von √i‑ (m.E. √yä‑) 'gehen'.
Die Belege mit <ū> überwiegen (12x, <u> nur 2x in S112b1, M172b5). Dieses Nom.ag.
ist regelmäßig vom PPt. (außer <yaṣṣuca>, von der Wz.) gebildet, und nach Krause
354
(1952, S. 44) "unregelmäßig gebildet erscheint ynuca". Wenn es regelmäßig vom PPt.
gebildet sein sollte, wäre /ykucā/ zu erwarten. Ich möchte annehmen, daß das Wort ein
PPs. ist. Das PPs. von √yä‑ ist /ynemāne/, aber das ist m.E. ein Nomen actionis, das nicht
attributiv, sondern konverbial funktionierte. Hingegen ist /ynucā/ ein reines Adj. Meiner
Ansicht nach bildet /‑māne/ Nomina actionis (traditionell PPs.Med.) und /‑ñcā/ Nomina
agentis (traditionell PPs.Akt.). Beide haben partizipiale Funktion, aber nicht im
indogermanischen Sinne. Mithin könnte <ynūca> als /yän(e)-ñcā/ gedeutet werden,
wenn sich für /(e)ñ/ → <ū> eine Erklärung findet, z.B. Ersatzdehnung. Dieses <ū>
würde als /u/ betrachtet, und <u> könnte auch geschrieben werden.
<[n]ervāṃ> 155b6 ist skt. /nirvāṇa/. In <e> für /i/ und <ṃ> für /ṇ/ erkenne ich eine
Tocharisierung. <ṃ> vertritt im Toch. phonologisch /n/, aber es ist möglich, daß <ṃ>
wie im Skt. eine Nasalierungsmarkierung ist. Deswegen hätte ich wegen des Graphems
auch /ṃ/ für den Anusvāra benutzen können, aber phonologisches /n/ ist auch richtig.
<bhava ː> 156a2 (Sieg/Siegling haben das Interpunktionszeichen mit <‣> transkribiert)
kann als <bhavaḥ> (mit Visarga) transliteriert werden, weil <ː> als Interpunktion in
dieser Hs. selten vorkommt (150, 158 und 162) und auch <[du]ḥkha> 156a6 mit Visarga
geschrieben wurde. Eine andere Möglichkeit ist eine Annahme eines Schreibfehlers für
<‣> (ein Punkt), weil dieses Zeichen zwischen skt. Passagen und toch. Passagen steht,
und der Schreiber am Wortende keinen Visarga geschrieben hat, vgl. z.B. <nirodha> in
derselben Hs. Vielleicht ist es besser, das Zeichen als sog. Visarga‑Daṇḍa zu werten, der
oft in Skt.-Hss. vorkommt.
<kar[ka]///> 158b2 wurde von Sieg/Siegling zu <karka(rntse)> ergänzt (Thomas 1953, S.
87, Fnt.14) und Adams zitiert das Wort als Gen.Sg. von karkar* 'cancer' (1999, p. 144).
Bei St.Ch.00316a.a5 ist 'cancer' dem Kontext zufolge möglich, aber hier finde ich diese
Bedeutung unpassend, weil diese Hs. keinen medizinischen Inhalt hat. Auf dem Photo
kann ich <rka> nicht zweifelsfrei ausmachen. <r> ist klar, aber <ka> ist nicht mit dem
vorangehenden <ka> identisch, sondern es ist eher ein <t> oder ein <n> (nur oben
355
links sichtbar) zu erkennen. Daher möchte ich das Wort nicht als <kar(karntse)> lesen,
sondern ein anderes Wort annehmen, z.B. <kar[t](sa)>.
<k[l](y)owotRA> 158b5 (<kly> ist eine Ergänzung von Sieg/Siegling, Thomas 1953, S.
87) ist bei Krause (1952, S. 240) als Ps.IV eingetragen. Die Ergänzung könnte nach der
Form <klyowontRA> (F, K2a3, Lévi 1932, p. 244) erfolgt sein. Auf dem Photo von
MQ158 kann man <y> nicht erkennen. Ich lese diese Passage als <• rsna
[kl]o‑wo‑tRA> (<l> ist nur oben links sichtbar). <klyowontRA> findet sich in M 500 3
+ DA cour. Recto [[3]] (Lévi, 1932) mit der Passage <tumeṃ oṃṢAp no ñakti
klyowontRA snai ersna> (Sieg hat das Wort in KZ 65, 1938, S. 5‑6 nicht behandelt). Die
Bedeutung 'verkünden, nennen' paßt hier nicht. Vielleicht kommt die Bedeutung 'hören'
der Wahrheit näher. Wegen <ly> vermute ich, daß das Wort ein Schreibfehler für
<klyauṢAntRA> 'gehört werden' ist, doch ist ohne Photo kein strikter Beweis möglich.
Der dritte Beleg <klowotRA> ist in der Passage <klowotRA ktsaitSAṃñe> X615b3
belegt. Hier paßt die Bedeutung 'nennen' gut, und <l> (ohne Palatalisation) finde ich
für ein Ps.IV auch passend. Der Befund ist aber zu spärlich, um eine Entscheidung
treffen zu können. Die Palatalisation des Anlautkonsonanten markiert eine Opposition
zwischen Ps. und Pt. oder Gv. und Kaus., aber niemals innerhalb des Ps. Paläographisch
und linguistisch gesehen sollte das Wort nicht <k[l](y)owotRA>, sondern <klowotRA>
(ohne Palatalisation) sein.
<ī> von <naumīyenta> 159a5 ist /i/. Die Verteilung von <ī> und <i> ist 5 vs. 15. <ī>
könnte eine spätere Schreibung (mit Akzent) darstellen.
<īme> 160a4: <ī‑> wird verwendet, wenn das Wort ohne Suffix oder Formans auftritt
(17x, zweisilbig). Wenn dem nicht so ist, steht <ime> (z.B. wie im folgenden
<imemeṃ>) oder mit dem Adjektivformans <ṣṣe> versehen ist (dreisilbig). Diese
Erscheinung weist darauf hin, daß der Akzent für <> eine Rolle spielt.
<yäMʾˎ> 164a5 ist phonologisch altertümlich (ohne Akzentuierung), aber wegen des
Virāmakommas als spätere Schreibung zu werten.
356
<yamītRA> 164a5 ist der Opt. von √yām‑. <ī> überwiegt, da das Wort dreisilbig und
das /i/ der zweiten Silbe betont ist. <yāmi‑> (11x) sind nicht immer Opt., sondern
gelegentlich ein Verbalnomen, wie in <[y](ā)mintse> MQR304b3. Der Opt. <yamim>
MQ219a3 (II‑2) ist mit <i> geschrieben, da das Wort zweisilbig ist.
<nauṣūwe> 167a4 (<nauṣū///> 167a3) ist nur hier mit <ū> belegt. Sonst ist das Wort
durchgehend mit <u> (7x) geschrieben (s. ad <nauṣuw(e)nTˎ> M172a1, <nauṣu>
S525b4). In /u/ möchte ich eine Zustandsmarkierung sehen. <w> ist ein zwischen <u>
und <e> stehender Bindungskonsonant. Möglicherweise war <ū> betont.
MQ240:
a) Paläographische Untersuchung:
a4 <ya> ist dreiteilig:
kontinuierlich:
; b6 <ñ> ist fast geschlossen:
; b5 <la> ist zweiteilig:
a1 <Ṣ> ist flach:
.
; a5 <ŚA> ist von rechts beginnend in einer Linie geschrieben:
; a2 <T> ist normal, <K> ist oben links verbunden:
<MA> sind normal:
bzw.
; a3 <RA> und b5
.
a5 <a‑> ist rechts oben mit der Haste kontinuierlich geschrieben:
geschrieben:
; a2 <ś> ist links
; b3 <o‑> ist wie <l> zweiteilig:
357
; a5 <I‑> ist für /i‑/
; a5 <ai‑> ist normal:
.
a5 /20/,
a6 /21/ und
Interpunktionszeichen:
b2 /23/ sind die Versnummern. a2 Das
.
b) Linguistische Untersuchung:
<eñci> a2 ist der Opt. von √eṅk‑. <c> ist im Toch nicht das Ergebnis einer
Palatalisation von /k/ (palatalisiertes /k/ ist /ś/). Die Lautentwicklung ist /ṅk/ → /ñś/ →
/ñc/, wobei /ñc/ phonotaktisch geeigneter war als /ñś/ (vgl. den "Intensitätsgegensatz" in
der Einleitung). Wenn die Entwicklung schon in urtoch. Zeit stattfand, könnte es sich in
dieser Konstellation bei /c/ um ein palatalisiertes /k/ handeln, aber das ist in chronologischer Hinsicht unwahrscheinlich, weil die palatalisierende Wirkung des /i/ in toch. Zeit
später einsetzte.
<tSAmtsi> a2 ist nach Krause (1952, S. 125) ein Inf. (Kaus. Ko.II) zur √tsäm‑. Die Form
mit <A> ist ein Hapax, sonst kommt durchgehend <tsamtsi> vor (6x). Hier sehe ich
wegen der fehlenden Akzentregel eine altertümliche Form (auch bei <w[ä]ntre>,
<maimtsā> und <RAmeR> a3 usw.). Die Wurzel zeigt außer beim Pt.Kaus. /tsems‑/
keinen Ablaut im Sinne von Idg. Nach meiner Meinung ist /e/ beim Pt.Kaus. eine
Neuschöpfung, um die Opposition zwischen Kaus. und Gv. zu markieren.
<cewäś> a3 ist einerseits wegen des <ew> altertümlich, andererseits wegen mit seinem
<wä> unpräzise. Normalerweise wurde die Form <cewŚˎ> geschrieben, aber vermutlich hat der Schreiber altertümliches <cewä> gekannt, das in einer früheren Periode
ohne Virāma geschrieben worden war, und daran hat er das All.‑Suffix angefügt.
<lareṃ> a4 /ā/; <yamaṢAṃ> a4 /ā/ und /ä/.
<attai> a5 ist ein Hapax. Nach Adams (1999, p. 10) ist es <ate> zu lesen, aber
semantisch paßt 'weg' zu dieser Passage nicht. Paläographisch gesehen ist <ai> für /e/ in
dieser Hs. nicht erkennbar, da <ai> durchgehend für /a/ geschrieben wurde. Daher
358
nehme ich an, daß das Wort nicht <ate>, sondern ein Schreibfehler für z.B. <attsaik>
ist.
<Ime> a5 ist /ime/ (s. ad <īme> 160a4). <īme> ist 17x (außer in Š41a4,b4) nur in MQHss. belegt, hingegen ist <ime> 27x (13x <ime> allein, 14x in dreisilbigen Wörter mit
Adj.-Suffixen oder Deklinationsmarkirungen) belegt. Ich sehe eine Verteilung, wonach
<ī> in MQ-Hss. betontes /i/ (später als die Periode II), <i> hingegen überall unbetontes /i/ vertritt. In dieser Hs. finde ich keine deutliche Akzentregel. Wenn das Wort
nicht akzentuiert ist, steht <I‑> für <i‑>, aber <I‑> ist ganz selten, da dieses Zeichen
mormalerweise als Konsonant nach Virāmastrich benutzt wurde. Der Grund für <I-> ist
vermutlich eine Analogie zu Skt.-Wörtern.
<KALPAskau> b3 ist /kälpäska/ (Kaus.) und zeigt keinen Akzent.
<ṣaiTˎ> und <cauk> b4 sind entwickelte Formen.
<TAṅwsā> b6 zeigt einerseits die spätere Schreibung (die Tilgung des /k/ nach <ṅ>
und des /ä/ zwischen <w> und <s>), andererseits eine altertümliche Schreibung (Perl.
<‑sā>).
Diese Hs. ist paläographisch gesehen nicht alt, aber gelegentlich kommen altertümliche
Schreibungen vor. Vermutlich ist diese Hs. deshalb eine Kopie.
MQ391‑3:
a) Paläographische Untersuchung:
Der Duktus ist präzise und nicht spät, aber wegen des geschlossenen <ñ> habe ich diese
Hs. in die Periode II‑1/2 eingeordnet.
359
392a4 <ya> ist dreiteilig:
geöffnet
ist normal:
bzw.
; 391b6 <ñ> und 392b2 <ñ> sind geschlossen bzw.
(nur <ñc> altertümlich?); 391b5 <ś> ist links gekrümmt, <KA>
; 392a3 <la> ist dreiteilig:
.
392a5 <ṢPA> ist normal, es kann auch <ṢAPˎ> zu lesen sein:
oben links nicht ganz rund:
391a1 <a‑> ist normal:
(altertümlich):
; 393c3 <TA> ist
.
; 391a2 <ī‑> ist normal:
; 391b6 <o‑> ist zweiteilig:
392a3 Das Interpunktionszeichen ist normal:
; 392a3 <e‑> ist schnörkellos
; 392b4 <ˎ> ist normal:
.
.
b) Linguistische Untersuchung:
<tmanenma> 391a3 ist Pl. von /tmane/. Zu <tmane> s. ad MQ590a8. Die Form ist
dreimal (Š3b2, X616b6) belegt und durchgehend mit <e> geschrieben. Wie ich bei
MQ590 ausgeführt habe, ist das Wort möglicherweise ein Lehnwort. <tmāne> ist in
Š3b8 und Š45b3 belegt, aber es handelt sich um eine spätere Schreibung mit
Akzentwirkung.
<kr(e)ñcepi> 391a4 ist der Gen.Sg.m. des Adj. /kärtse/ ‘gut’. Das Gen.Sg.m. des Adj.
wurde außer bei <klyomopi> durchgehend mit <‑epi> geschrieben. <o> statt <e> in
<klyomopi> ist ein innerhalb des Wortes assimilierter Vokal (<o-e> → <o-o>).
<MAlkauwwa> 391b4 ist PPt. Pl.f. von √mälk‑. In <auw> sehe ich eine altertümliche
Schreibung.
360
<ersante> 392a3 ist Pt.III von √er-. Bei dieser Wurzel gibt es kein Kaus., und /s/ wurde
direkt an den Stamm gefügt. <a> ist /ā/, das die Pl.-Markierung dargestellt.
<walo> 392a4 zeigt die Akzentregel, hingegen zeigt <yärMˎ> in derselben Zeile keine
Akzentwirkung.
<(KA)ryorttañcˎ> 392b2 ist ein von √käry‑ abgeleitetes Nom.ag. (/‑or/ + /ta/). <rtt>
ist dabei überwiegend (13x, hingegen <rt> 3x) geschrieben. <tt> ist /t/, und ich sehe
darin eine Analogie zur im Skt. üblichen Gemination nach /r/.
<rerūwer[m]eṃ> 393a3 ist ein Absolutiv (ursprünglich ein Abl.) des von √ru‑ (PPt. ist
nicht belegt) abgeleitete Verbalnomens. Anderen Verbalnomina zufolge ist /or/ bzw.
/wer/ das Suffix für Verbalnomina, dessen /o/ bzw. /we/ mit /-ṣ/ ein Obl.Sg.-Suffix für PPt.
bilden kann (vgl. TEB II S. 156-7).
S586:
a) Paläographische Untersuchung:
Diese Hs. wurde auf die Rückseite einer chinesischen Rolle geschrieben. Dem Stil
(9‑zeilig) zufolge könnte diese Hs. in späterer Zeit von einem Nicht-Tocharer
geschrieben geworden sein. Der Duktus ist nicht alt, aber wegen des geöffneten <ñ>
(teilweise geschlossen) habe ich diese Hs. in II‑1/2 eingeordnet.
4 <y> ist dreiteilig, <ś> ist links nicht separat und mit einer Querlinie in der Mitte
geschrieben, <‑i> ist mit hoch gezogener Kurve geschrieben (spätere Schreibung):
<ñ> ist teils geöffnet, teils geschlossen:
hat eine spätere Form (links e-artig):
;4
; 8 <l> ist zweiteilig, <sk> ist normal, <‑o>
.
361
2 <KA> ist links lang (wie <ai‑>) und mit einer anderen Linie verbunden:
<L°(ˎ)> ist ohne erkennbaren Virāma mit Komma geschrieben:
kontinuierlich geschrieben (rechts groß):
; 6 <Śʾˎ> ist
.
2 <ā‑> ist rechts oben ohne Kopf geschrieben:
ist rechts sehr lang gezogen:
;3
; 6 <i‑> ist normal:
; 7 <o‑> ist kontinuierlich geschrieben:
; 3 <e‑>
.
6 Das Interpunktionszeichen ist immer der Doppelpunkt (<‣> kommt nicht vor):
.
b) Linguistische Untersuchung:
<pañikte> 2, <astariñesa> 4 und <[ṣ]aṇiñesa> 4.
Vor und nach palatalem Phonem hat der Schreiber <i> statt <ä> geschrieben. Das ist
eine spätere Schreibung.
Im Falle von <tatākosai> 3, <tsiromñe> 7 (<o> für <au>) und <(pap)āṣaurñe> 7
(<au> für <o>) hat der Schreiber <o> und <au> verwechselt.
<pernnenTʾˎ> 8 und <pernenTʾˎ> 6.
<nn> ist eine außergewöhnliche Schreibung. Eine Gemination nach /r/ ist denkbar, aber
der Schreiber hat diese nicht konsequent geschrieben.
Š18, 20, 22, 26, 64‑5, 68‑70:
Diese Hss. sind Udānālaṅkārafragmente. Andere Udl.-Hss. habe ich wegen der
Originalnummern in II‑3 eingeordnet, aber im Prinzip zeigen sie den gleichen Duktus.
Der Duktus dieser Gruppe ist etwas eckig. Grundsätzlich sind die Hss. innerhalb der
Periode II sehr schwer in die jeweiligen Klassen (II-1, II-2 und II-3) einzuordnen.
362
a) Paläographische Untersuchung:
18a2 <y> ist dreiteilig:
separat:
; 18a2 <ñ> ist halb geschlossen:
; 18a2 <l> ist zweiteilig, <‑o> ist normal:
18a3 <MA>,
18a3 <Ṣ>,
; 18a1 <ś> ist links
.
18a5 <TA>,
18b6 <ŚA> und
18b6 <Kˎ> sind normale Fremdzeichen in der Periode II.
18b6 <a‑>,
18a1 <au‑>
64b7 <ī‑>,
20a3 <u‑>,
18b7 <e‑>,
18b5 <o‑> und
sind die normalen Vokalzeichen in der Periode II.
18b /29/ ist die Blattnummer, die von anderer Hand geschrieben wurde:
18a2 /26/
/75/
18b6 /31/
64b7 /76/
26b7 /11/
65a3 /60/
64a4 /66/
.
67a5 /67/
64b6
65b2 /66/ sind normale Versnummern.
64a1 Das Interpunktionszeichen ist normal:
unten mit horizontaler Linie geschlossen:
, 64b7 Der Doppeldaṇḍa ist oben und
.
b) Linguistische Untersuchung:
<lyutsi> 18a2 ist Inf. von √lut‑ oder √lyut‑. Im Glossar zum Udl. (Thomas 1949, S. 166)
werden beide Wurzeln angeboten. Krause (1952, S. 284) hat nur √lut‑ als Wurzel
eingetragen. /lut‑/ kommt beim Ps. (seltener /lyut‑/) vor. Die Anlautspalatalisation dient
der Opposition zwischen Ps. und Ko./Pt. (oder Ps./Ko. und Pt.). /lutäsk‑/ (/ä/ ist Ergebnis
einer Anaptyxe) ist ein Ps.‑Stamm, <lyut‑> ein Ko.‑Stamm und /lyautsā‑/ ein Pt.‑Stamm.
363
<lyutsi> ist dann ordnungsgemäß vom Ko.‑Stamm gebildet. Daher halte ich die Wurzel
für /lut-/.
<śakkeññeṃtso> 18a2 stammt aus skt. /śākya‑/. <a> ist dabei überwiegend (17x) belegt.
Daher nehme ich an, daß <a> ein verallgemeinert ist. <kk> (← /ky/) ist durchgehend
so geschrieben. Der einzige Beleg für <kky> wäre <ś(kkyets)> H149.314b7, aber diese
Konsonantenverbindung ist von Broomhead ergänzt worden. Auf dem Photo von
H149.314b7 kann man nur <ś.> erkennen. <kk> für <ky> weist darauf hin, daß das
Wort aus dem Prākrit entlehnt wurde.
<prāMAssiŚˎ> 18a3 ist ein Hapax (16b6 ist parallel). Das Wort ist anscheinend ein All.
von einem substantivierten Inf., aber die Wurzel ist unbekannt, obwohl Sieg/Siegling
√prām- mit der Bedeutung etwa 'hüten' vermutet haben (vgl. Thomas 1949, S. 144). Es ist
möglich, daß das Wort eher ein Nomen ist als ein Inf.
<TnmasTARˎ> 18a4 ist Ps.X von √täm‑. Diese Wurzel bildet das Kaus. /tänmäsk‑/, das
die gleiche Form wie das Gv. hat. Der Unterschied liegt nur in der Akzentuierung. Da
man keine Akzentbezeichnung in früherem <TAnMAsk‑> findet (MQR256a1,
MQR119b6, MQ255b5, MQ225b1 und MQR587b7), ist nicht erkennbar, ob die Formen
zum Gv. oder Kaus. gehören. Man kann Gv. und Kaus. nur durch den Kontext und erst
später durch die Akzentuierung erkennen.
<cewsa> 18a5 ist altertümlich. Die ‑haltigen Diphthonge sind widerstandsfähiger als
die ‑haltigen.
<mīyässi> 18a7 ist der Inf. von √mi‑. <y> ist dabei durchgehend geschrieben. /i/ konnte
als <y> (←/äy/?) realisiert werden. <ä> ist Ergebnis einer Anaptyxe.
<wnolmeṃ> 18b2 kann für <onolmeṃ> geschrieben sein. Die Schreibung mit <o‑> ist
in der früheren Zeit belegt, und zwar in 224a1 (II‑1, <-ñ o‑>) und 274a2 (I‑1), hingegen
kommt <w‑> in der Periode I gar nicht vor. Daher nehme ich an, daß das Wort von
364
Anfang an mit <o‑> existierte und wegen der Betonung auf dem zweiten <o> zum <w> und danach verallgemeinert wurde. Wenn dem so ist, kann <w-> von <wnolmeṃ>
nicht aus /wä-/ oder /u-/ entstanden sein (/u-/ existierte m.E. nicht).
<mskeTARˎ> 18b5: /ä/ von /mä‑/ ist aufgrund des Metrums getilgt. Die Endung der
3.Sg.Med. <TARˎ> ist m.E. keine alte Form.
<mīsa> 18b5 ist vermutlich ein Lehnwort. Skt. /māṃsa/ ist nicht denkbar, weil skt. /āṃ/
nicht zu Toch. <ī> werden konnte (s. ad 255b1). Eine mögliche Quelle ist Khot.
<mäjsā> 'marrow' (vgl. Bailey 1979, p. 332). Khot. <js> ist palatalisiertes [ʒ], das khot.
<ä> zu toch. /i/ palatalisieren, und khot. <js> selbst könnte durch stimmloses [ʃ] zu
toch. /s/ werden.
<prantSAṃ> 18b6 ist ein Hapax und nach Krause (1952, S. 259) das Ps.VII von der
√pärs‑. Diese Wurzel zeigt auch ein Ps.VI (<parsnān> MQR121a6, ein Hapax). Von
Impf. <pRAntsiTAR> S107a1 und <PArsnoṃ> 17a4 (Hs. ist nicht vorhanden) her
gesehen sind Ps.VII und Ps.VI beide plausibel. Der Unterschied zwischen Ps.VI und VII
bei dieser Wurzel ist schwer zu beurteilen. Der Auslaut der Wurzel beim Ps.VII ist außer
bei √pik‑ zweikonsonantig, und zwar ‑tk, ‑lk und ‑rs (hier). √pik‑ kann am Ende ebenfalls
zweikonsonantig /päyk‑/ sein. Die Wurzel (uridg. *peig‑ vgl. Pokorny, S. 794) bildet das
bekanntlich ein n‑infigiertes Ps. (*pink-), das in Toch. als Ps.VII fortgesetzt ist. Zur
Vermeidung der Konsonantenhäufung trat vor dem infigierten /n/ Anaptyxe ein, wie z.B.
bei <KAttaṅk->, <kuTAṅk-> usw. Das nā-Ps. (Ps.VI in Toch.) ist auch ursprünglich
mit dem vor Laryngal infigierten /n/ gebildet.
<śarwarñe> 20a3 'arrogant' wurde in späterer Zeit durchgehend so geschrieben. Der
Akzentregel zufolge sollte das Wort /śārwärññe/ sein. Das von Pinault vorgeschlagene
Etymon śār 'all over' (vgl. Adams 1999, p. 623) erscheint plausibel, falls eine Erklärung
für /‑wär/ gefunden wird.
365
<lareṃnä> 20b4 ist /lāreṃ/, Obl.Sg. von /lāre/. <ṃnä> vertritt /n/. Wegen des
Versmaßes (um eine Silbe herzustellen) hat der Schreiber ein <-(n)ä> hinzugefügt.
<ontsoytñesa> 22a4 ist ein Perl. Dieses Subst. ist vom Priv. abgeleitet. Eine solche
Konstruktion (Priv. + Abstr. /tñe/) ist nur bei Udl.-Fragmenten vorhanden (1b8, 2b8,
11b2 und 33b1), und ich halte sie daher für eine Neuschöpfung.
<anatārśanta> 22b3 ist ein Hapax und bedeutet nach Sieg/Siegling (Thomas 1949, S. 89)
skt. /ānantarya/ 'Todesünde', nach Adams (1999, p. 11) eine 'sin whose penalty is death',
aber bei Edgerton (1953, p. 95) ist die Bedeutung des Skt.-Wortres 'unmittelbare Folge'
angegeben. Dem Kontext zufolge paßt die letztere Bedeutungsangabe besser.
Eine phonologische Schwierigkeit ist skt. /ry/ → toch. <rś>. Auch wenn die Entlehnung
von skt. /ry/ über das Khot. befolgte, bleibt der Vorgang erklärungsbedürftig (s. ad
<aśyaṃñe> M417a3). Eine Möglichkeit ist, daß Tocharer skt. <ry> phonetisch als
stimmloser Frikativ (kein toch. Phonem, [ɞ]?) wahrgenommen und als <rś> wiedergegeben haben.
<iṣwarka> 22b6 vertritt /iṣwäkā/. Die Belege sind <yṣwarkaññe> Š1a7, <yṣwar> Š46a7
und <iṣwarka> MQR234b4. <a> ist für das Wort verallgemeinert geschrieben. <i‑>
kommt nach Konsonant (<yapoy i-> MQR234b4) vor, und <y‑> nach Vokal (<tne y->
Š14a7). Der Form <yṣwar> in Š46a7 zufolge könnte dem Wort die Verbindung /iṣwar/ +
/kā/ (Verstärkungspartikel) zugrunde liegen, die als <iṣwarka> verallgemeinert wurde.
<kattākeṃmpa> 26a8 ist nach Windekens (1976, p. 625) und Adams (1999, p. 138) ein
Lehnwort aus dem Khot. (<ggāṭhaa‑>), das seinerseits ein Lehnwort aus dem Skt. ist
(/ghastha/ 'Haushälter'). Das khot. Wort ist schwer zu beurteilen: die Suffixe ‑aa‑ (← aka)
und ‑ā‑ ← ind. ‑aha‑61 sind erklärungsbedürftig.
Wenn das toch. Wort aus dem Khot. stammt, müssen <tt>, <ā> und <ke> erklärt
werden. <tt> könnte aus dem 'Central Prakrit gahaṭṭha, as attested in Pali' oder 'Old
61
Vgl. Bailey 'Gāndhārī' (Opera Minora II, 1981, p. 320) zu ‑aha‑ → ‑ā‑ in Gāndhārī: "Khotanese took their
gāthaa".
366
Indian ghastha‑' (Bailey, Opera Minora II p. 320) stammen, aber diese Wörter sind
durchgehend mit /h/ geschrieben. <ā> der zweiten Silbe ist /ā/, aber dem A-toch.-Wort
/kātäk/ zufolge handelt es sich um ein /ä/ oder Ergebnis einer Anaptyxe. <ke> könnte
das khot. Suffix /aka/ sein, aber es läßt sich kein weiteres Beispiel für khot. /aka/ → toch.
/-ke/ finden.
<eṅkalpaiccetSˎ> 26b5 ist ein Hapax und nach Krause (1952, S. 234) und Adams (1999,
p. 78) handelt es sich um ein Priv. von √kälp. <ai> von <eṅkalpaiccetSˎ> ist aber
problematisch. Es ist kaum denkbar, daß hier ein Schreibfehler für <a> vorliegt, da
<‑ai> nachträglich über den Akṣara gesetzt ist.
Das Wort kann auch getrennt gelesen werden, z.B. als <eṅkal> und <paicceṃtSˎ>. In
diesem Fall bleibt aber <paicceṃtSˎ> unverständlich. Ein Schreibfehler für z.B.
/śaiṣṣents/ oder ein nicht belegtes Wort <paitstse> 'das zum Fuße gehörige' ist denkbar.
<śateñ> 64a3 ist Pl.m. von /śāte/ 'reich', aber <śāteñ> ist nicht belegt. Alle Belege (3x)
sind mit <a> geschrieben. Ein dreisilbiges Wort ist denkbar, wenn die Akzentregel
gewirkt hat. In diesem Falle muß das Wort /śāteni/ gelautet haben. Der Wandel /ni/ zu
<ñ> erscheint plausibel. Danach müßte <ñ> verallgemeinert worden sein.
<waipeccecci> 64a3 ist ein Hapax und ein Adj.Pl.m. von /waipecce/ 'Besitz' (nur der Obl.
ist belegt). Der Nom. wäre */waipetstse/, und dies könnte aus /waipe/ 'Banner' hergeleitet
werden. Diese wie auch andere Vorschläge (vgl. Adams 1999, p. 612) an der Form
orientierte Etymologie ist semantisch m.E. nicht überzeugend.
<ṣṣ> in <ṣeme ṣṣeme> 64b8 zeigt eine Wortgrenze nach dem Vokal.
<īṣi> 65b8 ist ein Hapax und gehört nach Adams zu yṣiye (1999, p. 67 "see s.v. yṣiye", vgl.
Thomas 1949, S. 96). Es ist möglich, daß <yṣiye> nach einem konsonantisch auslautenden Wort zu <iṣiye> wurde, aber <ī> ist schwer zu beurteilen. Vermutlich ist das
Wort mit dem vorgehenden <ywarc> 'Hälfte' zusammen zu lesen (aber kein Kompo-
367
situm), und zwar als <ywarcīṣi>, Adj. Nom.Pl.m. von <ywarc>, wobei <ī> ein akzentuiertes <i> sein könnte, das ein von <‑ṣi> affiziertes /ä/ (Anaptyxe) darstellen könnte.
II‑2:
MQ19, 34‑40, 597:
a) Paläographische Untersuchung:
19a6 <y> ist dreiteilig:
; 19a3 <ñ> ist geschlossen:
; 19b1 <ś> ist links separat
und das Längezeichen ist anscheinend mit einer horizontalen Linie geschrieben:
19b7 <la> ist dreiteilig:
.
19a1 <Ṣ> ist normal:
; 19a3 <Mʾˎ> ist mit Virāmakomma normal:
<TA> ist oben rund:
; 19b3 <Śca> ist normal
19a4 <ā‑> ist unten lang gezogen:
gezogen:
.
; 19a4 <e‑> ist von oben nach links in einer Linie geschrieben:
; 19b3 <ai‑> ist normal:
35b /194/ und
;
.
36b /195/ sind offenbar mit dünnem Pinsel
geschrieben.
19b2 Das Interpunktionszeichen:
; 19a2
; 19a6 <ʾˎ> ist mit Virāmakomma unten lang
19a3 <o‑> ist oben lang gezogen:
34b /193/,
;
.
368
19b3 /55/,
597a1 /64/,
34b3 /25/,
37a1 /41/,
597a2 /65/,
37b7 /(4)7/,
597b2 /69/,
40a2 /12/,
597b4 /70/ und
597b5 /71/ sind Versnummern. /10/ ist in der Mitte oben nach rechts geneigt. Das ist ein
Rest alter Scheibweise. Links oben ist es nach links geneigt. Das ist hingegen spätere
Schreibweise.
b) Linguistische Untersuchung:
MQ19:
<PAklyauṣtso> 19a2 ist Impv.2.Pl.Akt. von √klyaus‑. <‑o> ist bewegliches "o", <‑tso>
ist nur hier geschrieben, sonst kommt <‑so> (4x) vor. <ṣ> kommt außer bei der Ps.3.Pl.
und dem PPs. überwiegend vor, so daß es anscheinend ein Wurzelanteil gewesen ist. Die
Wurzel bildet ausnahmsweise das endunglose Impv.2.Sg.Akt.
<MALLAṣṣiTAr> 19a4 ist unentscheidbar, ob es Kaus. oder Gv. ist. Ich nehme an, daß
dies ein Gv. und ein Schreibfehler für <MAllaṣṣiTAr> ist, da die Wurzel kein Kaus. im
Ps. bildet und im Kontext kein Grund für ein Kaus. erkennbar ist.
<PAlśaLLAññe> 19b4 ist /pälś‑lñe/. <LLA> steht von anderen Belegen her gesehen
für /l/. Hier liegt nicht /pälśäl/ + /ññe/ vor, da ein /l/‑Substantiv von dieser Wurzel nicht
existiert, d.h. /‑lñe/ ist hier ein Suffix.
<komTʾˎ> 19b6 ist ein Hapax und bedeutet nach Sieg/Siegling (Udl. Thomas 1949, S.
114), TEB II (S. 186) 'täglich' und nach Adams 'daily' (1999, p. 202). Alle vier Autoren
meinen, daß diese Form von /kaun/ stammt. Die Belege sind <(ko)mtak>
H.add149.63a1, <komtaKˎ> MQ459.2, MQ461.6. <(ko)mtak> sollte als <///[s]taKˎ>
gelesen werden. Die Rechenschaftsberichte (MQ459, 461.6) wurden in kursiver Schrift
später geschrieben, und <o> von <komtaKˎ> kann aus <au> monophthongisiert sein,
369
zumal in 459.4 <kaumtaKˎ> vorkommt. Diese Schreibung könnte ein Nomen oder
einen Monatsnamen (Obl.) reflektieren, da Demon.pron. <cau> davor steht.
Das /‑t/ von <komTʾˎ> ist schwer zu beurteilen. Ein solches Suffix kann ich im Toch.
nicht finden. Die Passage <allekomTʾˎ> ist m.E. nicht als <allek komTʾˎ>, sondern
<allek omTʾˎ> zu lesen, und <‑Tʾˎ> söllte als <(allek om)Pʾˎ> gelesen werden. Es
kann ein Schreibfehler sein, wie an anderen Stellen in dieser Hs., weil <PA> und
<TA> sehr ähnlich sind. Auf dem Photo finde ich eine leichte Verbindung zwischen
<m> und <T>
, die ein Teil von <P> sein kann.
<TArkauw> 19b8 ist eine altertümliche Schreibung. <w> kann ein Bindekonsonant
oder ein Teil von /a/ sein.
MQ34-40:
<erkatñe[n](ta)> 34b4 ist nach TEB II (S. 173) und Adams (1999, p. 94) "erkattäññe"
und gehört zu "erkatte ([indeclinable] adj.)", aber <erkatTAṃñe> Š79.3 ist der einzige
Beleg für "erkattäññe", sonst ist durchgehend <erkatñe> geschrieben. Ich halte
<erkatTAṃñe> für einen Schreibfehler für <erkatñe>, wie <MALLAṣṣiTAr> und
<PAlśaLLAññe> 19b4. <erkatñe> ist außer in MQR235b2 (in Periode II‑2) nur in
Udl./Araṇemi-Hss. belegt. Dies weist darauf hin, daß das Wort nicht alt ist. <erkatte>
ist wie auch <erkatñe> außer in M375a2 in Udl./Araṇemi-Hss. belegt. Ich vermute, daß
<‑tte> eine eigentliche Adj.-Bildung, und <‑tñe> eine davon neu hergestellte Abstr.Bildung ist.
<[t]SAtkwaṃ> 34b5 kann von <tSAtko> MQ255a4 her gesehen /tsätk‑u‑ṃ/ sein (nicht
// als ein Phonem), wobei /u/ eine Markierung für den Zustand und /ṃ/ eine Obl.Markierung sein könnte, wie <tsatkuṃ> MQR249.1 zeigt. Vor /ṃ/ ist ein /ä/ anzusetzen,
das Ergebnis einer Anaptyxe oder <wä> (← /u/) ist, und /ä/ wurde durch die Betonung
zu <a>.
370
<śalna> 36a3 ist von <śäl(n.)w> H150.110a4 62 und <(śä)lnāntatSʾˎ> 36b3 (vgl.
Thomas 1949, S. 58 Fnt. 2) her gesehen als /śälnā/ anzusetzen. Hier ist das Wort mit
verallgemeinertem <a> geschrieben, wie <śalānta> 37a7 für /śälnāntā/.
<nmiTAnta> 36a7 ist Pl. zu skt. /nimitta/. /i/ der ersten Silbe wurde wegen der
Nichtbetontheit getilgt (/i/ → [ə] → [ø]). Ich sehe im <i> der zweiten Silbe nicht toch. /i/,
sondern skt. /i/. Wenn es tocharisiert wurde, wurde skt. /i/ zu toch. /ä/, und es hätte wegen
des Akzents auf zweiter Silbe zu <a> werden sollen. Ein Wort <nmat> wäre jedoch
unverständlich, deswegen ist skt. /i/ bewahrt.
<yaukkantRA> 36b3 ist durchgehend (in Ps., Ko und Pt.) mit <kk> geschrieben. Der
älteste Beleg ist MQ590b7 (II‑1). Ich vermute, daß diese Wurzel nicht ursprünglich ist
und später neu hergestellt wurde. <kk> könnte auf Assimilation (z.B. aus /kn/),
Analogie (z.B. zu /räss‑/ oder <kkā> für Verstärkungspartikel /kā/), oder stilisierte
Schreibung zurückzuführen sein.
<i[s]tak> 37a8 ist Adv. 'sogleich' (TEB II, S. 170). Alle Belege sind nicht alt. Nach
meiner Meinung kann die Form /yäst‑k/ vertreten. Bei Adams (1999, p. 488) ist das Wort
/yäst/ unter 'yast*' (n.[m.sg.] 'precipice') angesetzt. <yäst> ist 6x belegt, und die
Bedeutung 'precipice' paßt dabei nicht, z.B. in <akṣa rmer ka yäst wälo> MQR389a6
'der König verkündete doch schnell den Abgrund (??)'. Vielleicht hat Adams wegen
<ṢAle yäsTˎ> MQ338a4 und der Bedeutungsangabe 'Absturz' (in TEB II S. 227) eine
solche Bedeutung vermutet, aber seine Übersetzungen sind nicht zutreffend63. Andere
Belege zeigen keine solche Bedeutung. Ich möchte deshalb davon ausgehen, daß /istak/
aus /yäst‑k/ entwickelt wurde. Semantisch paßt 'sogleich' gut in allen Belegen von /yäst/,
62
Broomhead hat diese Passage als <śäl(nāu)w [w]etāu> transkribiert und ergänzt, aber auf dem Photo ist
<śäl(n.)w [w]etāˎ> zu lesen, wobei (n.) nicht (nāu) sein kann. Meine Transkription ist /śälnā wetā/,
wobei <w-> nach Vokal geminiert geschrieben wurde.
63
Vgl. l.c. 'he scaled at last the mountain precipice' für ränka ike postäṃ ṣäle yäst. <ike posTAṃ> ist nicht
'at last', sondern 'Schritt für Schritt'. <ṢAle yäsTˎ> ist kein Kompositum und <ṢAle> ist kein Gen.
<wrocce> MQ338a5 (im zweiten Beispiel bei ihm) kann ein Attribut für <PAlsko> sein. <yäst>
MQ338b7 im dritten Beispiel zeigt keinen Lok., d.h. nicht '[at] the precipice'.
371
und phonologisch ist es plausibel, daß /yä‑/ zu /i‑/ wurde. Diachronisch ist es auch
plausibel, weil <istak> nicht in ӓlter, hingegen <yäst> in ӓlter Periode (I‑2) belegt ist.
MQ597:
Diese Hs. ist 5‑zeilig (nicht 7‑zeilig wie die Udl.-Hss.), aber der Duktus ist gleich.
<tSAlpeLLAññeṣṣe> a2 ist /tsälpelñeṣṣe/. <LLA> ist gleich wie bei <PAlśaLLAññe>
19b4 zu beurteilen.
<mantä> a5 haben Sieg/Siegling (Thomas 1953, S.381) nicht kommentiert. Ein Schreibfehler ist möglich, z.B. für <mante> '(nach) oben', weil keine solche Schreibung (ohne
Virāma) in dieser Hs. vorhanden ist. Das vorhergehende Wort <maś> kann auch ein
Schreibfehler sein, z.B. für <maśce> 'Faust', wie auch <weñai> b3 für <weśeñai>.
<satTA> b3,b4 kann <sanTA> zu lesen sein, weil <n> links nach oben etwas geneigt
ist. Wenn es <satTA> ist, vertritt es skt. /sattva/ 'Existenz'. Wenn es <sanTA> ist, ist es
das skt. PPs. von √as‑ 'sein'. Beide könnten zum Kontext passen. In MQ545a4 ist
<neSAmāne> für <sanTA> belegt, und /sattva/ konnte auch <satve> geschrieben
werden. Daher nehme ich lieber <sanTA> als <satTA> an.
<tesar> b5 ist nach Krause (1952, S. 245) Pt.III von √tā‑. Zu √tā‑ s. ad <TAttāTAr>
MQR407a1. Wegen des <s> hat Krause diese Form als Pt.III klassifitiert, aber
<tasāte> als Pt.I zeigt auch ein <s>. Außerdem kommt /s/ in Pr.III nur bei 3.Sg. vor.
Nach meiner Beobachtung kommen <e> im Akt. und <a> im Med. vor. Ich sehe im
<a> ein /ä/. Wenn dem so ist, könnte <e> (Akt.) einen Ablaut von /ä/ (Med.) darstellen,
oder aber eine Analogie zu Pt.III. Dann kann man Pt.-Formen sämmtlich in die Klasse
Pt.I einordnen, wobei <s> der Stammkonsonant ist.
<empreñce> b5 ist Obl.Sg. des Adj. /emprentstse/. Eigentlich ist /c/ palatalisiertes /t/.
Hier sehe ich eine nähere Beziehung zwischen /t/ und /ts/, aber es ist möglich, daß /c/
analogisch als eine Obl.‑Markierung eintrat.
372
MQ192:
a) Paläographische Untersuchung:
a3 <ya> ist dreiteilig:
; a2 <l> ist zweiteilig:
a2 <KTˎ>,
b2 <a‑>,
; a3 <ñ> ist geschlossen:
; a2 <śa> ist zweiteilig:
.
a3 <PA>,
a1 <o‑>,
b /1/ ist die Blattnummer:
b3 <Śˎ> sind normal.
a3 <au‑> sind normal.
.
Die Virāmakommata sind willkürlich geschrieben.
b) Linguistische Untersuchung:
<rūpī> a2 vertritt skt. /rūpin/ als Adj. Bei Adams (1999, p. 539) ist diese Form als rūpi
eingetragen, aber belegt ist durchgehend <‑ī> (178b2 hat <rūp.>). Diese Schreibung ist
genau so wie im Skt. Nom.Sg., d.h. <ī> ist skt. /ī/.
<āyatanänta> a4 ist /āyatan‑ntā/. <ā‑> ist skt. /ā/, das semantisch wichtig und deshalb
nicht zum <a> geschwächt ist. <ä> ist Ergebnis einer Anaptyxe. <‑a> ist unbetontes
/ā/ (Pl.). <āyatanta> b1 ist auch belegt. Das Wort könnte als <āyataṃnta> geschrieben
werden, wie <smtyupasthāṃnta> a1. Die Schreibung ist schwankend, und auch
inhaltlich hat der Schreiber es mißverstanden (s.u. <yelpallona>).
373
<yelpallona> a4 ist nach Sieg/Siegling (Thomas 1953, S. 110) <yalṣallona> zu lesen,
aber das Wort ist schwer zu verstehen. Die Passage lautet <śak wi āyatanta yelṣallona pīś
āntseṃne yaPAṢṢAllona>. Nach Krause (1952, S. 276) gehört es yel‑ "untersuchen"(?),
und nach Adams (1999, p. 507) bedeutet es '±investigate'. Der andere Beleg für diese
Wurzel ist <yelṣalyi> in MQ152a5 in der Passage <cai āntsi PAsTˎ yelṣalyi>. Hier in
MQ192 erscheint das Wort mit <āyatanta> kombiniert, in MQ152 mit <āntsi>. Für
/āyatana/64 steht in der chin. Übersetzung 入 rù 'eintreten', und /skhandha/65 (toch. /āntse/)
steht 薀 yùn 'enthalten, hegen' (Mahāvyutpatti 2082). Wegen der chin. Interpretation
nehme ich an, daß der Schreiber bei 192 umgekehrt geschrieben hat: <āyatana> sollte
mit /yäp‑/ 'eintreten' kombiniert werden. Die Kombination <āntsi> und <yelṣalyi> bei
MQ152 verstärkt meine Argumentation. Damit ist die Bedeutung dieser Wurzel /yel/
(oder eher /yӓl/) als 'enthalten' anzusetzen.
<rūpaskantä> b1 ist skt. /rūpaskandha/. Der Schreiber wollte <ndhä> oder <nTA>
schreiben, aber er hat ihm gewohntes <nta> geschrieben und danach das Trema
darüber geschrieben.
<lykiśke> b3 ist /lyäkäśke/. Das Wort zeigt keine Akzentuierung, jedenfalls ist die zweite
Silbe nicht betont. Diese Schreibung ist einerseits wegen der fehlenden Akzentregel
altertümlich, andererseits wegen der Palatalisation des /ä/ zu <i> jünger. Vielleicht ist es
eine kolloquiale Schreibung des Schreibers. In b4 schrieb derselbe Schreiber <lykaśke>.
MQ212:
a) Paläographische Untersuchung:
64
Vgl. Hirakawa 1973, p. 79. Tib. skye mched; 入 rù (真諦 Zhēndì); 処 chù (玄奘 Xuánzàng).
65
Vgl. Hirakawa 1973, p. 406: Tib. phuṅ po; 陰 yīn (Zhēndì), 薀 yùn, 取薀 qǔyùn, 娶 jù (Xuánzàng).
374
a1 <y> ist dreiteilig, <ś> ist links gekrümmt:
geschlossen:
; b4 <l> ist dreiteilig:
Linie mit Trema:
; a1 <ñ> ist geöffnet und halb
; a2 <ṇ> hat in der Mitte eine horizontale
.
a3 <ṢA>,
a3 <ŚA>,
b2 <KTʾˎ> und
b4 <Pʾˎ> sind normal.
Das Virāmakomma kommt promiscue vor.
a1 <ā‑> ist normal:
und oben ornamental:
; a2 <I‑> steht am Wortanfang:
; a3 <e‑> ist rechts lang
.
a3 und a3 treten Interpunktionszeichen auf, die ohne Schwanz geschrieben sind:
bzw.
.
b /72/ ist die Blattnummer.
b3 /81/ und
a1 /70/,
a2 /8/,
a4 /79/,
b1 /80/,
b5 /82/ sind normale Versnummern.
b) Linguistische Untersuchung:
<aiyśeñca> a1, <maiytTArṣṣe> a2, <traiywatai> b3 und <pelaiykneṣṣe> b3.
<aiy> ist eine altertümliche Schreibung.
<ṇ> von <karuṇäṣṣe> a2 ist ein Skt.-Graphem, und <ä> ist ein toch. Graphem. Hier
ist <ä> als Anaptyxe benutzt.
<bhṅkār> a2 ist skt. /bhṅgāra/. skt. /g/ wurde zu toch. /k/, und der Akzent lag auf der
vorletzten Silbe, erst danach trat die Apokope ein. Dies ist eine typische Erscheinung bei
Skt.-Lehnwörtern.
375
<ite> a2 (Sieg/Sieglings Transkription, Thomas 1953, S. 126) sollte als <Ite>
transliteriert werden (paläographisch s.o.). Dieses <I‑> ist skt. /ī/. Der Schreiber kannte
diesen Akṣara, aber er hat im falsch benutzt, weil <I> normalerweise nach dem Virāmastrich konsonantisch verwendet sein sollte.
<yāmoṢA> a3, <tetrikoṢA> a4, <wawāyaṢA>a5 sind vor den Interpunktionszeichen
dreisilbig bzw. viersilbig aufgefüllt, um das Versmaß einzuhalten.
<TArkaucai> a4 ist Vok. von /tärkaucā/ Nom.ag. 'Verlassender'. In <‑ai> finde ich
dasselbe Morphem wie im Obl. <LAMAṣṣeñcai> b5 ist ebenfalls Vok. eines PPr., und in
<‑ai> sehe ich dasselbe.
<ālāṣmo> b2: Adams hat dieselbe Passage unterschiedlich übersetzt (1999, p. 25 bei
alāṣmo und p. 675 bei saṃtkīnau), und die Transkription <sāṃ tkentampa> bei alāṣmo
ist falsch (richtig ist ohne leeren Raum). Dazu kann ich keinen Kommentar geben.
<ā‑> ist nur hier belegt. Sonst ist es durchgehend als verallgemeinertes <a> geschrieben. Es ist möglich, daß <ā‑> auf einer Sandhierscheinung beruht <śaiṣṣe ālāṣmo> →
<śaiṣṣālāṣmo>. Wenn dem so ist, konnte /ā-/ original sein.
MQ282:
a) Paläographische Untersuchung:
a2 <y> ist dreiteilig:
; a2 <ñ> ist geschlossen:
; a6 <la> ist dreiteilig:
nach unten geknickt:
; a3 <ś> ist rechts gekrümmt:
; a1 <ṅ> ist mit dünner Linie verbunden, <k> ist links
.
376
a3 <LKṢA> ist normal:
<ŚA> ist normal:
; a1 <PA> ist links oben nach links gezogen:
; b5 <nTʾˎ> ist normal:
; a1
.
Die Virāmakommata sind durchgehend verwendet.
a1 <ā‑> ist an senkrechter Haste etwas gekrümmt:
; b5 <ai‑> ist nur hier belegt; es
wurde anfänglich <a‑> geschrieben und dieses danach mit <‑ai> zu <ai‑> korrigiert:
. a2 <e‑> ist links lang; darin erkenne ich eine altertümliche Schreibung:
<ai‑> und a5 <au‑> sind normal für die Periode II:
a2 /18/,
a3 /19/,
bzw.
; b2
.
a6 /21/ sind Versnummern. /10/ ist oben geknickt,
/8/ ist zweiteilig, /20/ ist oben rund, /1/ von /21/ ist darauf superskribiert.
a7 /1/,
b3 /3/,
b6 /5/ und
b7 /6/ sind normale Versnummern.
Die Interpunktionszeichen: a2 <‣> ist wie eine /1/ mit Schwanz gestaltet
ist ohne Schwanz:
; b4 <ː>
.
b) Linguistische Untersuchung:
<añmalaṣle> a2 kommt nur in dieser Hs. dreimal vor. Ich nehme an, daß das Wort ein
Schreibfehler für <añmalaṣlñe> ist, weil ein Suffix /‑ṣle/ nicht existiert.
Das Wort ist als /āñmālā/ + /ṣṣe/ (Adj.) + /lñe/ (Abstr.) zu analysieren. Die Beziehung
zwischen /āñmālā/ und /āñme/ ist unklar. Die Herkunft von /āñm/ ist nicht sicher.
Semantisch gesehen ist skt. /ātman/ plausibel, aber skt. /t/ → toch. /ñ/ bleibt unklar. Das
Wort soll zusammen mit A-toch. /āñcäm/ ausführlich untersucht werden.
Im übrigen ist <wase> 'Gift' in dieser Passage unverständlich. Vermutlich ist es ein
Schreibfehler, z.B. für /swāreṃ/ 'süß', das in buddhistischer Terminologie für skt. /amta/,
Chin. 甘露 gān lù 'süßer Tau, ambrosia' (Mahāvyutpatti 3319) stehen kann, das zu dieser
buddhistischen Passage gut paßt.
377
<wämyu> a4 ist ein Hapax und unverständlich. Nach Adams (1999, p. 593) ist es ein PPt.
von /wäm‑/ '±disappear into, be covered up'. Ich verstehe seine Interpretation im
Verbund mit A-toch. <koṃ‑wmānt> nicht, und /y/ (oder palatalisiertes /my/?) ist hier
ganz unklar. Ich vermute, daß diese Schreibung wie bei anderen Wörtern in dieser Hs.
ein Fehler ist. In derselben Zeile sind auch <kāswasā>, <sewītRA> und <atkwal>
unverständlich.
<yase> a5 erscheint durchgehend mit <kwīpe> kombiniert, und es bedeuten 'Scheu
und Scham'. Ich sehe daran eine Zusammenrückung oder sogar ein Kompositum. Die
zwei Wörter sind mit /sna/ wie ein Wort behandelt, und die Gen.Pl.‑Markierung ist nur
einmal angefügt (/snai-yase-kwipe-ts/).
<auloṣsā> a5 ist ein Hapax und scheinbar der Obl.Sg.m. des PPt. + /sā/ (Perl.), aber ich
erkenne keine Nominalisierung des PPt. in B-Toch. (mindestens bis Periode II);
deswegen vermute ich, daß dies wieder ein Schreibfehler ist, z.B. für /aultsorsā/. Die
Perl.‑Markierung ist hier mit altertümlichem <sā> geschrieben worden. Die Hs. wäre
eine Kopie einer alten Vorlage, aber der Schreiber hatte nur wenig Schreibkenntnisse.
<wiñcaññe> b1, <tSArtSAkwa> b6 und <mameñat> b7 sind Hapax legomena, die ich
samt der Passage nicht beurteilen kann. Wahrscheinlich sind sie Schreibfehler.
MQ215, 217‑219:
a) Paläographische Untersuchung:
Die Hss. sind vierzeilig und stark beschädigt. Der Duktus ist präzise (II‑1?), aber wegen
der Form des /ñ/ habe ich diese Hss. in II‑2 eingeordnet.
378
215a3 <y> ist zweiteilig, <ś> ist links gekrümmt, <‑y> ist wegen des geringen Platzes
kurz gehalten:
zweiteilig:
; 218b4 das <ñ> von <rñai> ist geschlossen:
.
218b3 <PA> ist normal:
215b3 <ī‑> ist normal:
normal:
.
; 215a4 <e‑> ist oben ornamental:
; 217b3 <ai‑> ist
.
215a3 Das Interpunktionszeichen besteht aus zwei Punkten:
Versnummer:
; 217b2 <l> ist
. 218b4 /107/ ist eine
.
b) Linguistische Untersuchung:
<au> von <naumye> 217a4 ist aus <ew> (MQR587a1) entwickelte Schreibung.
<warñai> 218a4 ist /wärña/. Bei dieser Postp. kann man den Akzent auf der ersten Silbe
erkennen. Hingegen kann man bei <pKAnte> Adv. den Akzent auf der letzten Silbe
erkennen.
<yamim> 219a3 ist /yāmim/ Opt.1.Sg.Akt.
MQ243:
a) Paläographische Untersuchung:
379
a2 <y> ist dreiteilig, <m> ist normal:
; b2 <ś> ist links gekrümmt, <p> ist normal:
; b3 <l> ist dreiteilig, <ñ> ist geschlossen (hier mit längerer Linie ornamental):
.
b4 <a‑> ist normal:
; a2 <o‑> ist zweiteilig und mit länger Linie ornamental:
Die Interpunktionszeichen: a3 <‣> ist senkrecht:
gestaltet:
.
, b5 <ː> ist kursiv in zwei Punkten
.
b) Linguistische Untersuchung:
<cakravārtti> a1 ist nach Adams (1999, p. 249) ein '[indeclinable] adj.', aber die zwei
Belege widersprechen dem: <(cakra)[v]ā[r]ti walo> H149.39a7 ist nicht Adj., sondern
Apposition (Nomen im Nom.Sg.). In H149add17a1 ist <i> nicht zu sehen. Hier in 243a1
kann es Adj. sein, aber eine Apposition zu <ritātai> ist auch möglich. Wenn diese Form
ein Adj. ist, warum kommt dann noch ein eigens gebildetes Adj. /cakravārttiññe/ vor?
Die Apokope erfolgte bei Wörtern, deren Auslaute kurze Vokale sind. Das Wort
/‑vartin/ hat den Nom.Sg. /‑vartī/, deswegen ist <-i> bewahrt.
<kesasta> b3 ist Pt.III von √käs‑ 'zum Erlöschen bringen'. Der Stammvokal /e/ kommt
in Ps.II und Pt.III vor, im Ko.III kommt /ä/ vor (sein Suffix ist /e/). /ä/ und /e/ zeigen die
Opposition Ko. vs. Ps./Pt. Diese Erscheinung ist abnorm (normalerweise Ps. vs. Ko./Pt.
oder Ps./Ko. vs. Pt.). Möglicherweise zeigt /ä/ vs. /e/ hier eine ablautartige Funktion.
MQ594‑5:
a) Paläographische Untersuchung:
380
Der Duktus ist fast gleich wie in MQ243 (5‑zeilig), hier jedoch 6/7‑zeilig. Die Zeilen
595b6,b7 sind von anderer Hand geschrieben, und paläographisch sind sie deshalb nicht
zu berücksichtigen.
595a1 <y> ist dreiteilig und eckig:
<ś> ist links separat:
; 595a2 <ñ> ist halb geschlossen:
; 595b1 <l> ist dreiteilig:
595a1 <TA> ist oben rund:
.
; 595a2 <PA> ist links oben nach links lang gezogen:
; 595a2 <Ṣˎ> ist ohne Virāmakomma normal:
Virāmakomma normal:
; 595b4 <Kʾˎ> ist mit
.
595a4 <a‑> ist an der senkrechten Haste kurz:
595b2 <o‑> ist normal:
; 594b4
; 595a5 <e‑> ist rechts lang:
;
.
594a5 /31/ und 594b3 /35/ sind Versnummern:
595b1 das Interpunktionszeichen:
bzw.
.
.
b) Linguistische Untersuchung:
<TAryā-yäkne> 595a1 ist ein Quasi-Kompositum66, da der Akzent auf die letzten Silbe
des ersten Bestandteils fiel.
66
F. Bernhard (1958, S. 193) nennt dieses Kompositum ein "Pseudo‑Bahuvrīhi". In Toch. kann ich keine
genauen Kategorien der Komposita wie im Skt. finden, deswegen nenne ich alle kompositumartigen
Wörter "Quasi-Komposita", wenn sich keine besondere Markierungen befinden. Als toch. Übersetzungen
für skt. Tatpurṣa findet man Gen. in Vorderteile, und für Bahuvrīhi Obl. in Vorderteile und Gen. in
Hinterteile, wenn Schreiber sorgfӓltig geschrieben haben.
381
<tekiṃñai> 595a3 ist Adj.Obl.f., und <ṃñ> steht für /ññ/. Darin erkenne ich eine jünge
Schreibung.
<saim-wästa> 595a4 ist ein Quasi-Kompositum, weil <wä> des zweiten Bestandteils
nicht betont ist.
<tñaKʾˎ> 595b4 ist ein Hapax, und anscheinend besteht das Wort aus Pers.pron. Gen.
/täñ/ + /k/ (Verstärkungspartikel), und <a> ist // (Anaptyxe).
<ṣeṣṣirku> 595b6 ist durchgehend mit <ṣṣ> geschrieben (<ṣe[ṣ]irku> MQR203a4 ist
wegen der Nichtverfügbarkeit der Hs. nicht überprüfbar). Ich sehe in <ṣṣ> die
Kennzeichung einer Morphemgrenze, danach wurde das Wort mit <i>, das
palatalisiertes /ä/ vertritt, verallgemeinert. Die Belege sind nicht alt (mit <i> Š73b6,
H149add116a3; mit <ī> S408b2, H149add2a1).
MQ242:
a) Paläographische Untersuchung:
b5 <y> ist zweiteilig, <‑e> ist ornamental:
ist zweiteilig:
; b1 <ñ> ist geschlossen:
; b3 <ś> ist links stark gekrümmt:
b4 /MA/ ist eckig:
.
; a1 <ṅKʾˎ> ist mit Virāmakomma normal:
b1 <a‑> ist etwas nach links geneigt:
; b6 <l>
.
.
b /55/ ist die Blattnummer, die von anderer Hand geschrieben ist. /50/ ist oben separat
geschrieben:
.
382
b3 /63/ ist die Versnummer:
.
a4 Das Interpunktionszeichen ist wie ein Anusvāra geschrieben:
.
b) Linguistische Untersuchung:
<skeyettse> a1 steht für /skeyentse/ Gen.Sg. In dieser Hs. sind <t> und <n>
unterscheidbar (z.B. <nta> a4), und hier ist <ttse> zu sehen. Wahrscheinlich ist das
Wort nachlässig geschrieben.
<u> in zweiter Silbe von <yāmwa> a4 (/yāmuwā/) ist metri causa getilgt. <ā> ist in
diesem Wort semantisch wichtig.
<ratānta> a6 ist skt. /ratna/ + toch. /ntā/ (Pl.). /tn/ ist phonotaktisch gesehen im Toch.
ungewöhnlich, deswegen wurde /tn/ zu <tt> assimiliert (/t/ ist semantisch wichtiger als
/n/) und zu <t> vereinfacht. Danach erfolgte die Betontung auf der zweiten Silbe in der
dreisilbigen Pl.-Form. Eine andere Möglichkeit ist die Annahme eines Lehnworts aus
einem Prākrit, wo skt. /tn/ → /t(t)/ wurde. In diesem Wort finde ich keine Apokope, weil
sich ohne /-a/ kein Sinn ergibt.
<maur> b1 vertritt nach Adams (1999, p. 477) /mahur/ aus skt. /makuṭa/. Der einzige
andere Beleg ist <mau[r]s[a]> in MQ241a1. Normalerweise bleibt /h/, wenn ein Wort
nicht tocharisiert wurde. In diesem Falle finde ich keinen Diphthong in diesem Wort.
Vielleicht ist /mahur/ bereits prakritisiert ins Toch. gelangt, aber wegen /l/ und /r/ nicht
aus khot. /maula/, und solch ein Wort finde ich nirgendwo. Meiner Meinung nach könnte
skt. /makara/ durch Prākrit (z.B. Gāndhārī /ma’ara/, eine mündliche Mitteilung von Prof.
Salomon) ein Etymon für toch. /mahur/ sein, wenn /a/ und /u/ erklärt werden kann.
MQ244:
383
a) Paläographische Untersuchung:
a3 <y> ist dreiteilig:
dreiteilig:
; b5 <ñ> ist geschlossen, <m> ist normal:
; b4 <l> ist
; b5 <ś> ist links gekrümmt (vom Zahlzeichen /7/ her gesehen separat,
s.u.), <k> ist normal:
a1 <KA>,
.
a3 <Ṣʾˎ>,
a5 <ŚA> und
b4 <TA> sind
normal. Das Virāmakomma kommt nicht immer vor.
b2 <a‑> ist nach rechts geneigt:
lang:
b
/8/
; b4 <ˎ> ist normal:
; b3 <e‑> ist links
; a2 <o‑> ist zweiteilig und oben ornamental lang gezogen:
ist
von
anderer
Interpunktionszeichen:
a1 /46/,
Hand
geschriebene
Blattnummer:
.
.
b3
Das
.
a2 /47/,
a4 /48/ und
b2 /50/ sind normale
Versnummern.
b) Linguistische Untersuchung:
<newe> b1 ist ein Substantiv zur √nu‑. Der Wurzelvokal /u/ ist m.E. in früherer Phase
kein toch. Phonem, deswegen könnte die Wurzelform als /näw/ angesetzt werden. Wenn
dem so ist, ist das erste /e/ (aus [ə]?) durch Einfluß des zweiten /e/ entstanden, wobei das
zweite /e/ die nominalisierende Funktion trägt.
<nūwäṣṣi> b1 ist Impf. von √nu‑. Die Wurzel bildet Akt.-Formen beim Kaus. und Med.Formen beim Gv. Nach Krause (1952, S. 254) gibt es keinen Unterschied zwischen Gv.
und Kaus., aber ich nehme an, daß das Med. intr. und das Akt. tr. ist. Hier erkenne ich
384
vom Objekt <newe> her gesehen eine Transivität. Diese Konstruktion ist wie eine
Figura Etymologica gestaltet, und im Toch. wurde dabei nicht das Med. (intr.) benutzt,
sondern das Akt. (mit Objekt).
<[ña]kremeṃ> b3 ist ein Hapax und unverständlich. Auf dem Photo kann ich <ñ>
wegen der Beschädigung kaum erkennen. <‑r> ist hier ungewöhnlich eckig geschrieben.
Daher ist ein Schreibfehler denkbar, z.B. für <ñaktemeṃ>.
<kelesa> b4 (Perl.) bedeutet 'Nabel' (TEB II, S. 186), aber hier paßt diese Bedeutung
nicht. Vielleicht ist die Bedeutungsangabe von Adams (1999, p. 197) 'center' richtig.
<lyewītaRˎ> b5 ist Impf. 2.Sg.Med. der √lu‑. Außer Ko.V und Impv.I (beide <lāw‑>)
zeigt diese Wurzel durchgehend <ly‑>. Die Wurzelform könnte ursprünglich √läw- sein,
wie bei √nu‑. Im ersten /e/ von Ps.III /lyewe‑/ erkenne ich wie √nu‑ einen Einfluß des
zweiten /e/, das eine Markierung für das Ps.III ist. Die Palatalisation des Anlautes
markiert eine Opposition Ko. vs. Ps./Pt., wobei ein sekundärer Einfluß (Ps. → Pt. oder Pt.
→ Ps.) denkbar ist.
MQ362:
a) Paläographische Untersuchung:
b6 <y> ist zweiteilig:
<m> ist normal:
; a8 <ñ> ist halb geschlossen:
; b7 <ś> ist zweiteilig:
; b9 <l> ist dreiteilig,
.
a6 <NA> ist in der Mitte gekreuzt und oben rund (altertümlich):
; a5 <K> ist
normal, hier ist das Trema überflüssig (ein Einfluss von <yˎ>?):
; b5 <ṢA> und
<Pˎ> sind normal:
.
385
a4 <a‑> ist normal:
(altertümlich):
; b3 <ˎ> ist unten lang gezogen:
; b5 <ai‑> ist etwas flach:
/39/ ist die Blattnummer:
; b5 <e‑> ist links lang
; b9 <o‑> ist zweiteilig:
; a4 Das Interpunktionszeichen:
.
.
b) Linguistische Untersuchung:
<wˎ> von <tauwˎ> a2 ist überflüssig. Dieses Demon.pron. lautet /tāw/ und wurde
später zu <tau>. Vermutlich ist diese Schreibung hyperkorrekt.
<NAtkauKˎ> a6 ist unverständlich. Die Verstärkungspartikel kommt sonst nicht nach
dem PPt. vor. Möglicherweise ist es ein Schreibfehler für <wˎ>, wie in <tauwˎ> a2,
weil <wˎ> und <Kˎ> einander ähnlich sind.
<ceyˎ> a7 und <ceˎ> b3 sind altertümliche Schreibungen.
<TKA> in <klauTKAṣlyñesa> kommt wegen der Kaus.-Markierung /ä/ nur beim Kaus.
vor (Š589a1, MQR127b2, MQ36a8, Š41a7). <tKA> kommt nicht vor, obwohl <t> und
<T> beide für /t/ stehen können. Wahrscheinlich wurde <T> unter dem Einfluß von
<KA> geschrieben.
<y> von <śaiyṣṣene> b3 ist parallel zum <wˎ> von <tauwˎ> a2 zu erkrären. <snai>
und <saim> in b4 sind ohne <y> geschrieben. <y> ist hier wie <wˎ> eine
hyperkorrekte Schreibung.
<epreteṃ> und <airṣaiceṃ> b5 sind beide Hapax legomena. Die Bedeutung ist nicht
sicher (nach Adams 1999, p. 90 'resolute' und p. 104 'impetuous', nach TEB II S. 172
'beherzt' und S. 174 'Aufwallung' für <airṣaitsñe>). Die Etymologie bei Adams ist
386
unverständlich ("The intensive prefix e(n) + *prete ‘± decision’" für <epreteṃ>, "*ā +
yärs‑" für <airṣaiceṃ>). Mir scheint dies alles ad hoc zu sein.
<yältse yäkweścˎ> b6 ist entweder ein Kompositum, wenn es die Akzentregel zeigt (/é/),
oder alte Schreibung ohne Akzentregel. Mir erscheint ein Quasi-Kompositum /yältseyäkwe/ plausibler, das in der Vorlage so geschrieben wӓre.
<kokleṃ> b9 ist Obl.Pl. von /kokäle/, dessen /ä/ entweder als <a> oder getilgt wird. Die
Tilgung erfolgt dabei aufgrund des Versmaßes.
MQ402‑403:
a) Paläographische Untersuchung:
402.4 <y> ist normal, <‑e> ist schnörkellos:
403.3 <ś> ist zweiteilig:
; 403.2 <l> ist dreiteilig:
402.3 <Tˎ> ist ohne Virāmakomma normal:
normal:
; 402.4 <ñ> ist geschlossen:
.
; 402.4 <Mʾˎ> ist mit Virāmakomma
.
b) Linguistische Untersuchung:
Wegen der Beschädigung gibt es keine Besonderheiten zu vermerken.
MQ413:
a) Paläographische Untersuchung:
387
;
b2 <ñ> ist geöffnet:
; b3 <m> ist normal:
<Sˎ> ist ohne Virāmakomma normal:
a3 <a‑> ist rechts oben verdickt:
; b3 <lo> ist zweiteilig(?):
; a2
.
; a1 <ɪʾˎ> ist mit Virāmakomma konsonantisch:
; b2 <e‑> ist links länger (altertümlich):
.
Wegen der alten Signatur (MQ17.32) habe ich diese Hs. in die Periode II‑2 eingeordnet,
aber paläographisch gesehen sollte die Hs. in Periode II‑1 eingeordnet werden. Ich kann
die Gruppe von MQ17 nicht eindeutig klassifizieren. Die Sortierung ist ungenau.
b) Linguistische Untersuchung:
Wegen der Beschädigung gibt es keine Besonderheiten zu vermerken.
MQ414:
a) Paläographische Untersuchung:
a1 <ñ> ist geöffnet:
; a3 <l> ist leicht flach:
b2 <KA> ist links oben verbunden:
b3 <o‑> ist leicht flach:
; b1 <ś> ist zweiteilig:
.
.
b3 das Zahlzeichen /80/ ist nach links geneigt:
b) Linguistische Untersuchung:
388
.
.
Bei <ś[v]aLAññe> a1, <p[o]sTAññe> a1, <cäñcre> a2 und <olypotse> b3 ist die
Akzentregel nicht erkennbar.
<a> von <nmalyñeṣṣeṃ> a2 ist hier und in M198a6 belegt. Der Akzentregel zufolge ist
<a> akzentuiertes /ä/, aber dem Ko.III-Stamm (TEB II, S. 203) zufolge sollte dieses
<a> ein /e/ sein. Die Ko.III-Markierung /e/ könnte ursprünglich /ä/ gewesen sein und
durch die Kategorisierung entstanden sein.
MQ510:
a) Paläographische Untersuchung (unpräzise):
a1 <ya> ist normal:
; b6 <l> ist dreiteilig:
; b6 <ñ> ist kontinuierlich:
.
a1 <Ṣˎ> ist unten wie eine Linie gezogen:
Anusvāra ist wie eine /1/ gehalten:
a2 <a‑>,
; b6 <śa> ist zweiteilig:
.
b6 <ā‑> und
b6 <i‑> sind normal; a4 <e‑> und b3 <e‑>
sind von verschiedener Hand geschrieben:
Langezeichen altertümlich:
; b6 <KA> ist normal, der
bzw.
; b1 <au‑> ist mit
.
b6 /21/ ist eine normale Versnummer:
mit horizontaler Linie geschlossen:
; a5 der Doppeldaṇḍa ist unten und oben
.
b) Linguistische Untersuchung:
389
<pāKAṢˎ> a1 vertritt nach Sieg/Siegling skt. /pakṣa/. Hier sehe ich eine Betonung auf
der Pänultima (hier die erste Silbe), dann die Apokope, wie in anderen Skt.-Wörtern. Zu
weiterem erfolgte die Anaptyxe zwischen /k/ und /ṣ/ (aber a5 <pāṢA>), weil /kṣ/
phonotaktisch gesehen im Toch. ungewöhnlich war. Skt. /a/ kann sowohl als <a>
(D536b3, H150.121a5) wie auch als <ā> (H149add.74b1, H149.321b5) wiedergegeben
werden.
<āyuṣmaṃndo> a2 ist Vok.Pl.m. <nd> ist vermutlich eine Analogie zu skt. /nd/, oder
paläographisch gesehen eine Schreibung von einem Nicht-Tocharer. Er schrieb jedoch
<t> in den Zeilen a4 (<-ṃto>) und a5 (<-ṃta>). Jedenfalls ist die Schreibung
schwankend. Eine andere Möglichkeit ersteht darin, daß diese Hs. eine Übung von
einem Novizen war, da diese Hs. inhaltlich ebenfalls promiscue geschrieben ist.
<ektsa> b1 ist der Perl. von /ek/ 'Auge'. Normalerweise ist dies ohne <t> geschrieben
(S178b2, MQ556b6), mit epenthetischem <t> vor <s> ist es nur hier belegt. Vielleicht
ist dies ein Einfluß von anderen <ts>.
MQ603 (Garbha-Sūtra):
a) Paläographische Untersuchung:
b1 <y> ist dreiteilig:
; b2 <ñ> ist halb geschlossen:
a1 <TA> und b3 <MA> sind normal:
b4 <ā‑> und a4 <i‑> sind normal:
bzw.
390
.
.
bzw.
; b3 <o‑> ist zweiteilig und links verbunden:
; a3 <ś> ist zweiteilig:
; a4 <e‑> ist oben ornamental:
.
b1 das Interpunktionszeichen:
.
b) Linguistische Untersuchung:
<ṣukaunne> a2 steht für /ṣukt kaun‑ne/ 'in 7 Tagen (in einer Woche)'. Für /ktk/ trat /kk/
(Assimilation oder /t/-Tilgung) ein, dann vereinfachtes /k/ (<kk> bleibt in a4, b1, b2).
<ṣuk(k)aun> wurde ein Wort, und die Lok.-Markierung /ne/ wurde angefügt.
MQR210:
a) Paläographische Untersuchung:
a1 <‑i> von <siddha> sehr lang nach unten geschrieben. In der Skt.-Vorlage ist es so
geschrieben:
; a3 das <-i> von <ñi> und b4 <wi> ist nach oben lang gezogen, das
<ñ> ist halb geschlossen:
bzw.
/55/ ist die Blattnummer:
.
.
b) Linguistische Untersuchung:
Wegen der Beschädigung gibt es nichts zu erwähnen.
MQR211, 213-214:
a) Paläographische Untersuchung:
391
211a3 <y> ist normal:
zweiteilig:
; 211b3 <ñ> ist (halb) geschlossen
; 213b4 <l> ist dreiteilig:
; 211a2 <ś> ist
; 213b2 <ṅ> ist flach und links verbunden:
.
211a1 <MA>,
211b2 <a‑>
oben ornamental:
211a4 <Ṣʾˎ> und
213a2 <i‑> und
211b3 <TA> sind normal.
213a4 <o‑> sind normal; 213b2 <e‑> ist
; 213b5 <ʾˎ> ist konsonantisch
; 211a4 <ai‑> ist normal:
.
213a3 /83/,
213b5 /86/,
214a2 /150/,
214a5 /151/ und
214b2 /152/ sind die normalen Versnummern (der obere Teil von /100/ ist wie <l>
dreiteilig).
211b /66/,
213b /73/ und
214b /87/ sind Blattnummern.
213a4 und
213b3
sind die Interpunktionszeichen.
b) Linguistische Untersuchung:
<aiypoṢʾˎ> 211a4 zeigt einerseits altertümliches <y> und andererseits jüngeres
Virāmakomma. Ich halte diese Hss. deshalb für Kopien.
<ṣṣ> von <ṣṣeKʾˎ> 213a2 ist nach Vokal geminiert geschrieben. Vielleicht steht diese
Schreibung unter dem Einfluß der Skt.-Graphie.
<LAktsauwñaiysa> 214a2: <auw> und <aiy> sind altertümlich.
392
<vajjroPAmo> 214a5 (ein Hapax) vertritt Skt. /vajropama/. Die Gemination <jj> vor
<r> ist überflüssig in diesem Wort. Der Schreiber hat offenbar gedacht, daß die
Gemination vor (und nach) <r> in Skt.-Wörtern obligatorisch sein sollte. Auch <PA>
ist keine gewöhnliche Schreibung. <vajropām> wäre die normale Schreibung.
<samākane> 214b2 ist schwer zu beurteilen, obwohl Adams (1999, p. 675) und
Hilmarsson sich daran versucht haben. Vor allem bleibt unklar, ob diese Form dualisch
ist. Wenn sich <kreñcä> (Pl.) dualisch bedient und sich auf <samākane> bezieht, sollte
auch <samākane> dualisch sein. Mir scheint es eher eine Lokativform zu sein, und
<kreñcä> kann ein Schreibfehler für <krenTA> sein, wie in Zeile b3. Jedenfalls ist das
Problem wegen der Beschädigung unlösbar.
<pāyāsta> 214b4 ist unverständlich. Ein Schreibfehler ist denkbar, z.B. für <pāsāsta>
von √pās- 'blasen' (Krause 1952, S. 256), das in den Kontext gut passen würde.
MQR235:
a) Paläographische Untersuchung:
a2 <m> ist normal, <ñ> ist halb geschlossen:
a3 <e‑> ist rechts lang und oben ornamental:
; b3 <ś> ist zweiteilig:
; a2 <o‑> ist in einer Linie gezogen:
.
a3 /16/,
b3 /9/ und
b3 Das Interpunktionszeichen:
b4 /20/ sind Versnummer.
.
393
.
b) Linguistische Untersuchung:
<ke> von <keltsa> a4 kann ich auf dem Photo kaum erkennen. Den Vokal des <k>
und <.ai> zwischen <k.> und <l.> hat der Schreiber verwischt:
. Ich kann auch die
Passage nicht gut beurteilen. Hingegen kommt in b2 <keltsa> (Pt.3.Sg. von √käl'ertragen') vor, wo es gut paßt zum Kontext.
MQR 239:
a) Paläographische Untersuchung:
Der Duktus dieser Hs. ist gleich wie in MQR211.
b) Linguistische Untersuchung:
<seyi> a2 ist unverständlich. Vielleicht ist das Wort ein Tiername.
<stiyai sokne> b6 ist ein Hapax. <sti> kann für <sni> stehen. Ansonsten sind die
Akṣaras klar zu erkennen, aber inklusive der Worttrennung sind die Wörter unklar.
Adams versucht (1999, S. 701), <sok> mit <sokt>, das vermutlich von <soktatstse>
herzuleiten ist, zu verbinden, aber beide Wörter bleiben jedenfalls unklar.
MQR250:
a) Paläographische Untersuchung:
Die Rückseite ist in anderer Schrift (sog. Upright-Gupta) beschrieben.
a2 <ya> ist dreiteilig:
; a3 <ña> ist geschlossen:
.
394
; a2 <ś> ist zweiteilig:
a3 <KA> ist normal:
. a3 <ˎ> ist konsonantisch (normal):
.
b) Linguistische Untersuchung:
<kritāntsa> a3 ist ein Hapax. Die Bedeutung und Etymologie sind nicht bestimmbar,
obwohl Isebaert67 und Windekens68 das Wort ausführlich untersucht haben. Man braucht
mehr Belege, um die Etymologie sicher zu erfassen.
MQR 283:
a) Paläographische Untersuchung:
a4 <y> ist dreiteilig:
; a2 <ña> ist geschlossen:
b4 <l> ist dreiteilig:
; a4 <ṅ> ist links verbunden, <ws> ist normal:
a1 <ṢPA> ist normal:
b7 <SAṃ> sind normal:
; a5 <TA> ist oben nicht ganz rund:
bzw.
a4 <a‑> ist rechts etwas ornamental:
Längezeichen):
; a2 <ś> ist zweiteilig:
;
.
; a2 <KA> und
; b5 <Rʾˎ> ist mit Virāmakomma normal:
.
; b6 <au‑> zeigt neue Gestalt (rechts ohne
.
67
Vgl. Isebaert 1980, S. 68-69, der Autor möchte das Wort mit "mir. *xrītan" vergleichen.
68
Vgl. Orbis 27, 1978, 160-161, der Autor möchte das Wort mit "Skt. krīḍana" vergleichen.
395
a2 /10/ ist etwas altertümlich:
; a6 /21/
, b4 /20/
, b7 /27/
: /20/ ist etwas
altertümlich, aber /7/ ist nicht alt.
b /7/ ist die Blattnummer, die von anderer Hand geschrieben ist:
.
b) Linguistische Untersuchung:
<kewc> a1 und <wäntre> a2 sind altertümlich. Von Paläographie und Akzentregel
(z.B. <ñakte> a1) her gesehen ist diese Hs. nicht alt, daher steht diese Schreibung
vermutlich auf einer alten Vorlage.
<KArstautstsai> a2 ist ein Hapax. Das Wort ist ein PPt. + /tstse/ (Adj.-Suffix). Hier ist
das PPt. wie ein Nomen behandelt. Ich erkenne darin ein neu Wortbildungsmuster.
<nitmo> a2 ist ein Hapax, dessen Bildung genau so wie die von <KArstautstsai> aus
der Wurzel + /mo/ (Adj.-Suffix) besteht. In A-Toch. finde ich ebenfalls solche Neuschöpfungen.
<PAtsilparñ> a3 ist Impv. von √tsälp-. <i> aus <ä> (nur hier belegt) zeigt eine
kolloquiale Schreibung. Normalerweise zeigt /ts/ keinen Palatalisierungseffekt. Hier ist es
vielleicht von /lp/ beeinflußt, das vorne artikuliert wurde.
Dem verallgemeinerten <a> von <arañcne> a4 her gesehen ist diese Form nicht alt.
<rmer> a7 zeigt die Akzentregel für Adv. (Betonung auf letzter Silbe), und das /ä/ in der
ersten Silbe ist möglicherweise metri causa getilgt.
<tukowa> b2 ist ein Hapax und unverständlich. Diese Form kann ein Nom.Pl.f. vom PPt.
sein, aber die √tuk- bildet <ceccuku> als PPt. (Kaus.). In dieser Hs. kommen einige
weitere geneuerte Formen vor, die Neuschöpfungen oder Schreibfehler sind.
396
<tSAlpelyesā> b5 ist m.E. auch eine Neuschöpfung, und zwar eine Nominalisierung des
Verbaladjektivs, oder ein Schreibfehler für <lyñe>, wie in <PAlyśalyñene> b6.
Vermutlich ist das letzte wahrscheinlicher. Hier ist /tsä/ als <tSA> bewahrt (nicht
<tsilp-> wie oben in a3).
Auf jedem Fall ist die Schreibung in dieser Hs. inkonsequent, deswegen bleibt die
Analyse schwierig.
MQR604:
a) Paläographische Untersuchung:
a1 <y> ist dreiteilig:
; a1 <ś> ist zweiteilig:
a4 <a‑> und a1 <ˎ> ist normal:
bzw.
.
.
b) Linguistische Untersuchung:
<pa> von <paskāya> a1 ist ein Schreibfehler für <PA>.
<ceˎ> a1 ist altertümlich, aber andere Schreibungen zeigen der Akzentregel zufolge
jüngeres Alter.
MQR279-80:
a) Paläographische Untersuchung (halbkursiv):
397
279b5 <y> ist dreiteilig, <w> ist normal:
<ś> ist zweiteilig:
<ts> ist normal:
; 279a1 <ñ> ist geschlossen:
; 280a3 <la> ist dreiteilig:
280a1 <MA> und
280a3 <KA> ist oben und links unten eckig:
279b3 /19/,
; 279b1 <ṅ> ist nicht verbunden,
.
279a2 <ṢAPˎ>,
280a4 <a‑> und
; 279b4
280a2 <SA> sind normal;
.
279b4 <ai‑> sind normal; 280a2 <o‑> ist dreiteilig:
280a1 /21/,
280a3 /22/ und
.
280a5 /23/ sind die
Versnummern.
279b /4/ ist die Blattnummer:
.
280a2 das Interpunktionszeichen:
; 280b5 zeigt den oben geschlossenen Doppeldaṇḍa:
.
b) Linguistische Untersuchung:
Bei <MAnte> 280a1, <SAkw> a2, <KArtse> a3 und <TAñˎ> a4 findet man keine
Wirkung der Akzentregel. Das ist ein altertümlicher Zug, aber paläographisch gesehen
sind diese Hss. nicht alt. Wahrscheinlich ist diese Hs. eine Kopie.
Qu373:
a) Paläographische Untersuchung:
398
b5 <y> ist dreiteilig:
a4 <MA>,
; a2 <ñ> ist geschlossen:
b3 <ṢPA> und
b3 <ā‑> und a1 <au‑> sind normal:
.
a3 <Kʾˎ> sind normale Fremdzeichen.
bzw.
.
b) Linguistische Untersuchung:
<temttsat(e)> a1 ist Pt.III von √täm-. Das erste <t> von <ttsa> ist überflüssig (nur in
dieser Hs. belegt). Vielleicht beruht es auf einem Mißverständnis des Schreibers. <t>
allein ist eine Epenthese zwischen <m> und <s>, was im Toch. eine gewöhnliche
Erscheinung ist.
<k(a)truññe> a2 ist unverständlich. Sieg/Siegling (Thomas 1953, S. 246) haben diese
Passage als <(ṣa)ñ kotruññe> ergänzt und verbessert, aber <kotruññe> ist ein Hapax.
Stattdessen sind <kottarcce> S108b9 und <kottarntse> M361b6 für skt. /gotra/ belegt.
Auf dem Photo kann ich wegen der Beschädigung <ñk(a)> nicht erkennen. Wegen der
unsicheren Akṣaras <ñk.> und <tru> braucht das Wort mit skt. /gotra/ nichts zu tun zu
haben.
<i> von <miñcṣke> b4 ist /ä/, das zwischen <m> (labial) und <ñc> (palatal)
palatalisiert wurde.
S109:
a) Paläographische Untersuchung:
399
a7 <y> ist dreiteilig:
<‑u> ist groß:
; a4 <ñ> ist geschlossen:
; a6 <l> ist dreiteilig:
; a10 <ś> ist zweiteilig und
; a8 <ṅ> ist links nach unten gezogen:
.
a3 <Sʾˎ> ist oben nicht ganz eckig:
; a3 <RA> ist ornamental:
normal:
; b1 <Śʾˎ> ist rechts verdickt:
; b8 <KṢʾˎ> sind normal:
b7 <a‑> und b6 <i‑> sind normal:
nach rechts gezogen:
bzw.
; a5 <Pʾˎ> ist
.
; b2 <e‑> ist rechts lang und oben
. b1 <o> ist zweiteilig und nach oben links lang gezogen:
b2 das Interpunktionszeichen:
.
.
b) Linguistische Untersuchung:
<santsāRAṣṣana> a3 vertritt skt. /saṃsāra/. Der Schreiber hat skt. <ṃ> durch <n>
(toch. /n/) substituiert, und <t> ist eine Epenthese zwischen <n> und <s>.
<āssa> a5 ist /āśc-sā/: /śc/ → /śś/ (Assimilation) → /ś/ (Vereinfachung), danach mit Perl.
/śs/ → /ss/ (Assimilation).
<palkasi> a6 ist /pālkātsi/ Inf. von √pälk- 'sehen'. Die Wurzel ist suppletiv (der Ps.Stamm ist /läkāsk-/, wobei /ā/ aus dem Ko.V stammt). <tsi> wurde mit dem Verlust der
Verschlußphase zu <si> vereinfacht.
<cākKäRˎ> a7 ist skt. /cakra/, das ich oben erörtert habe. Hier ist das Trema überflüssig,
vielleicht wurde das wegen des <k> gesetzt.
400
<ś> von <araṃśne> ist auf Grund des Verlustes der Verschlußphase des /c/ entstanden.
Das ist eine spätere Erscheinung. Hingegen ist das /c/ in <arañcˎ> b6 bewahrt,
vielleicht weil das dort im Auslaut steht.
<kcatākmeṃ> b2 ist ein Hapax. Ich nehme an, daß das Wort das skt. /kūṭāgāra/
'Dachzimmer' vertritt. Wenn dem so ist, erkläre ich es folgendermaßen: skt. /ū/ ist kein
Phonem im Toch. und wurde ohne Betonung zum kurzen Laut. Dieser Laut ist mit /k/
gekoppelt und zum einen Laut (Labiovelar, nicht zwei Phoneme) ausgesprochen. /ṭ/ ist
kein Phonem im Toch., deswegen hat der Tocharer diesen Laut in zwei geteilt, und zwar
/c/ und /t/, und dazwischen trat /ӓ/ (Anaptyxe, aber mit verallgemeinertes <a>). /gāra/
wurde apokopiert und unter Verlust der Stimmhaftigkeit des /g/ zu <k>, dann ist das
Wort <kcatakara>, wobei <ara> wegen der Unbetonung zu <a> geworden ist. Das
Wort ist schließlich mit Betonung und Apokope zu <kcatāk> geworden. Eine
Erklärung ist etwas schwierig (ist <ara> → <a> ein Mißverstädnis?), aber der toch.
Phonologie zufolge könnte es so geschehen sein. Jedenfalls ist das Hapax sehr schwer zu
beurteilen.
<camelne> b2 ist /cmel-ne/, und die Lok.-Markierung /ne/ ist hier eine Postposition.
S288‑289:
a) Paläographische Untersuchung:
288a5 <y> ist dreiteilig, <ñ> ist geschlossen:
schnörkellos:
; 288b1 <l> ist dreiteilig:
288b2 <KA>,
; 289b3 <ś> ist zweiteilig, <‑ai> ist
.
288b2 <Śʾˎ>,
sind normal.
401
288b5 <ṢPA> und
288b2 <TA>
289b2 der Akṣara <aya> ist nur hier belegt und eine uigurische Graphie (vgl. Gabain
1974, S. 34. <aya> ist uig. /ä/):
bzw.
; 289b3 <ā‑> und 288b3 <ʾˎ> sind normal:
: 288b3 <e‑> ist rechts lang und oben ornamental:
zweiteilig:
; 288a4 <o‑> ist
.
288b2 das Interpunktionszeichen:
; 288a4 /2/ ist die Versnummer:
. Dieses
Zeichen kann auch ein Interpunktionszeichen sein, da es nur hier geschrieben ist, aber
wenn
289a2 /9/ eine folgende Versnummer darstellt, ist auch /2/ eine Versnummer.
b) Linguistische Untersuchung:
<pārāmitṣṣ[e]> 288a1 vertritt skt. /pāramita/. Das zweite <ā> ist nur hier belegt. Es ist
möglich, daß die zweite Silbe betont war, aber ich sehe darin eher einen Einfluß des
ersten <ā>, weil die Betonung normalerweise auf die Pänultima (<i>) fiel.
<śakmaiyā> 288a3 ist ein Qausi-Kompositum /śäk‑maiyā/ (skt. /daśabala/). <śak> ist
nur hier und in Š78b6 (auf dem Photo ist der Vokal schwer zu erkennen) belegt, sonst
kommt durchgehend <śka‑> vor. <śkamaiyya> ist mit betonter Anaptyxe als ein toch.
Kompositum zu warten. <ŚAk-> ist nicht belegt. <śak> halte ich für ein betontes
selbständiges Wort, und das Wort ist nicht als Glied des Kompositums benutzt worden.
Nach Bernhard (1958, S. 213) sind die beiden Formen <śak-maiyā> und <śka-maiyya>
im Unterabschnitt der Kollektiv- und Dvigu-Komposita eingetragen. Morphophonologisch gesehen sind <śakmaiyā> und <śkamaiyā> nicht identisch. Bernhards Argumentation ist aus indischer Sicht entstanden. Die Tocharer haben skt. /daśabala/ nicht als
ein bahuvrīhi- oder dviguartiges Kompositum erkannt, sondern als ein Wort, das die
Zahl '10' enthält.
<oltsorsa> 288a4 steht für /aultsorsā/ 'in Kürze' (TEB II, S. 177). In <o> für /a/ sehe
ich eine spätere Schreibung. Diese Hs. könnte in einer Periode geschrieben werden, als
402
die Monophthongierung schon vorhanden war, oder es ist ein Schreibfehler. <o> von
<klotkaṃntsa> 289a1 kann ebenso erklärt werden.
<āŚˎ> 288b2 ist ein Schreibfehler für /āśäṃ/ Ps.II 3.Sg.Akt. von √āk‑ 'führen', was
Sieg/Siegling (Thomas 1953, S. 179) nicht angemerkt haben. Der Obl.Sg. /āśc/ 'Kopf' ist
ebenfalls möglich, aber dem Kontext zufolge wäre /āśc/ unsinnig.
<palkormeṃ> 288b5 ist /pälkormeṃ/. Hier ist <pa> durch das folgende Wort
<palska> beeinflußt worden, oder es steht für verallgemeinertes <a> in erster Silbe.
Mir scheint das erste wahrscheinlicher, da der Schreiber in dieser Hs. nicht präzise
geschrieben hat.
<wärñai> 289a1 ist eine altertümliche Schreibung.
<kñyoytar> 289a2 ist Opt.3.Sg.Med. von √kän‑. Nach Krause (1952, S. 229-230) gehört
die Form zum Kaus. 'erfüllen'. Der andere Beleg ist <KAñiyoyTäRˎ> S107b8. Mit nur
zwei Belegen kann ich es nicht genau beurteilen, aber die Bestimmung als Kaus. ist
unsicher. Dem Kontext zufolge erkenne ich kein echtes Kausativum. Ich nehme vielmehr
an, daß <kñy> bzw. <KAñiy> ein Gv.Opt. /kän‑i/ ist, und /oy/ (/oy/‑Opt.) hinzugefügt
wurde. Für Kaus. wäre /kyānoy-/ zu erwarten.
<ayardhyāme> (<aya> uig. /ä/), <tohkeṃ>, <er> (uig. 'man'?), <tṅa>, <sāṅuṃ>,
<āL[Pˎ]> 289b2 und <tiryāke>, <āslāṃ>, <tārhkāṅeṃ> 289b5 sind vermutlich
Namen von Uiguren. Die Schreibungen, z.B. <aya> oder <hk>, sind typisch für das
Uigurische, deswegen könnte der Schreiber ein Uigurer sein. Das erklärt die
fehlerhaften Schreibungen in diesen Hss.
S401:
a) Paläographische Untersuchung:
403
a2 <y> ist dreiteilig:
; a2 <ñ> ist geschlossen:
a3 <l> ist dreiteilig:
; a3 <ṅ> ist links mit dickem Punkt verbunden:
b4 <LKˎ> ist normal:
bzw.
; a3 <ś> ist zweiteilig:
;
.
; b4 <Rʾˎ> und b5 <Śʾˎ> sind mit Virāmakomma normal:
.
b4 <a‑> ist normal:
a1 /4/ und
; a3 <o‑> ist zweiteilig:
.
b3 /1/ sind Versnummern; b /46/ ist die Blattnummer
, Der
untere Teil von /40/ nicht gewöhnlich (wie <tRA> statt <LA>), die /6/ ist in der Mitte
mit senkrechter Linie verbunden.
b3 das Interpunktionszeichen:
.
b) Linguistische Untersuchung:
<i> von <pañiktesa> a1, <yiltsa> b3 und <ñiŚʾˎ> ist /ä/. Wegen der palatalen
Umgebung wurde /ӓ/ palatalisiert. Diese Erscheinung ist phonetisch, und schriftlich
wurde sie erst in einer späteren Periode festgehalten.
<ṣeyMˎ> a2 ist altertümlich, aber das Trema auf <yMˎ> ist überflüssig. Vielleicht ist
das Trema wegen des <y> (Normalzeichen) geschrieben.
S429:
a) Paläographische Untersuchung:
404
Paläographisch ist diese Hs. gleich wie S401.
b) Linguistische Untersuchung:
<samudTäRʾˎ> a2 ist skt. /samudra/. Das Wort wurde schon oben behandelt (s. ad
<samuddarn(e)> MQ574a1). Hier ist das Trema auf <d> wegen des Normalzeichens
(kein Fremdzeichen) gesetzt.
<entwemeṃ> b5 ist offenbar /entwe/ (Konjunktion 'alsdann') + /meṃ/ (Adv./Postp.)
Die anderen Belege finden sich in S111b4,b5. Mir scheint /meṃ/ eher eine ablativische
Partikel (wie heth. ‑kan) zu sein.
S550:
Diese Hs. ist ein grammatischer Traktat zur Skt./Toch.-Flexion. Zwei kleine Fragmente
(aa und bb) sind inhaltlich anders als 550a und 550b (Skt./B-Toch. bilingual?), aber
paläographisch gesehen sind sie gleich gestaltet.
a) Paläographische Untersuchung:
bb1 <y> ist normal:
zweiteilig:
; a3 <m> ist normal, <ñ> ist geschlossen:
; b5 <l> ist dreiteilig, <‑yp> ist normal:
a1 <Śʾˎ>,
a1 <a‑> ist normal:
b5 <ṢA> und
untere Teil sichtbar:
.
b5 <KA> sind normal.
; a1 <o‑> ist zweiteilig und oben lang gezogen:
a4 das Interpunktionszeichen:
; aa2 <ś> ist
.
. b /124/ ist die Blattnummer, von /100/ ist nur der
.
405
b) Linguistische Untersuchung:
Wegen des Inhalts (Flexionsschemata) in a und b gibt es nur wenig zu erwähnen.
<raśce> aa2 und <yailor> bb1 sind Hapax legomena, und wegen der Beschädigung
(fehlende Beziehung zu anderen Wörtern) sind sie unanalysierbar.
S384‑387:
a) Paläographische Untersuchung:
384a4 <y> ist dreiteilig:
zweiteilig, <p> ist normal:
; 384a3 <ñ> ist geschlossen:
; 384a4 <la> ist dreiteilig:
384a4 <ṢPʾˎ> ist mit Virāmakomma normal:
386a3 <a‑>,
rechts lang:
384a5 <i‑> und
384b3 /23/,
.
.
384b3 <ʾˎ> sind normal; 384b5 <e‑> ist
; 384a4 <o‑> ist zweiteilig:
384a4 /18/,
; 384a5 <ś> ist
.
385b5 /37/,
386a3 /67/ und
386a5 /69/ sind normale Versnummern. 384a3 das Interpunktionszeichen:
.
b) Linguistische Untersuchung:
<sa(rr)i(w)enta> 384a6 ist auf dem Photo als <sa .i .e (n)ta> zu erkennen. <.i> zeigt
keinen Konsonant, und <‑i> ist nicht wie andere <‑i> gestaltet. Der Konsonant von
406
<.e> ist nicht <w>, deswegen ist es schwer zu bestimmen, ob das Wort wirklich
<sa(rr)i(w)enta> ist. Nach TEB II (S. 254) ist das Wort ein Plurativ ('einzelne Aufgaben')
von <sār(r)i> 'Rat, Versammlung'. Andere Belege sind <sarrīwenta ekṣalye> MQ600a5,
b1,2 und <ṣañˎ sarrīwenta> Š28a6. Vom Photo und den anderen Belegen her gesehen
ist bei diesem Wort hier sehr fraglich, ob es sich um einen Plurativ handelt (s. ad MQ600
<sarrīwenta> a5)
Für <meṃ> von <pos[TA]nmeṃ> 385a4 s. oben ad <entwemeṃ> S429b5. Auf dem
Photo kann ich nicht entscheiden, ob <[TA]> wirklich <TA> oder <ta> ist. Wenn es
<TA> ist, ist das Wort der Akzentregel zufolge in zwei Wörter zu zerlegen, d.h.
/postäṃ/ und /meṃ/. Wenn es <ta> ist, ist es // in einem Wort.
<wolośtRA> 385b3 ist nach Krause (1952, S. 286) ein Impf. von √walāk‑, √wolok‑ 'sich
aufhalten'. Diese Wurzel sollte /wālāk‑/ lauten, aber zwei Vokale in einer Wurzel sind
ungewöhnlich. Die sicheren Belege sind hier und <wolokmar> in H 149.26/30a4-569
(<wolo///> Š88b2 ist nicht vorhanden). Das von Krause zitierte Adj. <walke> 'lang' ist
wegen des <lk> (nicht /lāk/) sehr fraglich. Die Form <wolośtRA> ist zusammen mit
den folgenden Wörtern (<trikau wra(mTÄ)ˎ> s.u.) semantisch nicht gerechtfertigt.
<cittsa wolokmar> würde 'ich halte mich mit Herz auf (??)' bedeuten, und zum Kontext
paßt die Bedeutung nicht gut. Daher ist es nicht sicher, daß diese Wurzel vorliegt.
<trikauw ra[mTˎ]> 385b3 ist bei Sieg/Siegling so transkribiert, aber <auw> für /a/
kommt sonst in diesen Hss. nicht vor. Darüber hinaus kann ich auf dem Photo nicht
<mTˎ> erkennen, sondern <ñcˎ>. Ich finde die Zeile <wo lo śi tRA tr(i) kau wra
(ñc)ˎ> problematisch. Möglicherweise liegt ein Schreibfehler vor.
<cew> 386a3 ist altertümlich. Vielleicht ist diese Schreibung von einer alten Vorlage
kopiert.
69
Diese Bezeichnung in TEB II S. 63 ist ein Druckfehler für H 149X26/30, sonst H 149.26/30 sucht man
vergeblich.
407
<wästoy[k]ne> 386b3 ist der Akzentregel zufolge ein Quasi-Kompositum (/wästó/ +
/yäkne/).
S511‑513:
Die Hss. beibehalten eine Traumweissagung, wie man aus dem Uigurischen entnehmen
kann.
a) Paläographische Untersuchung:
511a4 <y> ist dreiteilig, <w> ist rechts leicht eckig:
beide in einer Linie geschrieben:
511a4 <Tʾˎ> ist oben rund:
normal:
; 511a3 <l> und <ñ> sind
; 511b3 <ś> ist zweiteilig:
; 512a2 <KA> ist zweiteilig:
.
; 511b3 <ṢPA> ist
.
511a1 <ā‑> ist an unterem Teil gekrümmt:
<e‑> ist rechts lang und oben ornamental:
; 511a3 <i‑> ist normal:
; 513a2 <au-> ist normal:
511b1 ist der Doppeldaṇḍa. Nur unten ist er geschlossen:
; 511b2
.
.
b) Linguistische Untersuchung:
<i[nt]e> 511a3 ist eine Variante von /ente/. Vermutlich ist <e-> ursprünglich, da /i-/
erst später vorkam.
Zu <meṃ> von <nau[ṣa]meṃ> 511a3 (ein Hapax), <wätkoṣmeṃ> 511b4 (ein Hapax)
und <wRAttsaimeṃ> 512b4 s. ad <entwemeṃ> S429b5.
408
<wätkoṣ> ist PPt.Obl.Sg.m. von √wätk‑, und <wRAttsai> ist ein Adv. 'gegen'. <meṃ>
konnte an verschiedene Wörter und Kategorien suffigiert werden oder selbständig als
Postp./Adv. oder sogar Partikel gebraucht werden.
Auf dem Photo kann man [ṣa] von <nau[ṣa]meṃ> ungefähr eine Hälfte sehen, aber dies
sollte <ṢA> sein, falls /meṃ/ eine selbständige Partikel ist. Wenn aber [ṣa] richtig
geschrieben ist, ist <nau[ṣa]meṃ> ein mit akzentuierter Anaptyxe // entwickeltes Wort.
Wegen der Lakune zwischen <inte> und <nau[ṣa]meṃ> kann ich nicht mit Sicherheit
dieses Wort beurteilen.
<śalla> 511b2 ist /śälnā/. <ll> für /ln/ ist eine spätere Schreibung.
<sarppe> 512b3 ist skt. /sarpa/ 'Schlange'. <pp> nach <r> ist eine hyperkorrekte
Schreibung.
D527‑529, 531‑532, 535‑538:
D530, 533, 534 und 541 habe ich in die Periode II‑1 angeordnet. D527‑529, 531‑532 und
535‑538 sind von gleichem Duktus. Die Grenze zwischen II‑1 und II‑2 ist sehr schwer zu
ziehen. Ich behandele diese Hss. nochmals in der Periode II‑2.
a) Paläographische Untersuchung:
527a4 <y> ist dreiteilig:
bzw.
; 527b1, 527a5 <ñ> ist teils geöffnet, teils geschlossen:
, ich finde die altertümliche Schreibung (geöffnetes <ñ>) in Skt.-Wörtern;
527b2 <ś> ist zweiteilig:
; 527b1 <l> ist dreiteilig:
527b1 <MA> und 528a5 <ṢPA> sind normal:
527a5 <Śʾˎ> sind mit Virāmakommata normal:
409
.
bzw.
bzw.
; 529b3 <Tʾˎ> und
.
527a1 <a‑> und 529b5 <i‑> sind normal:
und oben ornamental:
bzw.
; 527b2 <e‑> ist rechts lang
.
527b5 das Interpunktionszeichen:
.
b) Linguistische Untersuchung:
<PAlkaucäkka> 529a1 ist ein Hapax. Nach Adams (1999, p. 378) ist das Wort ein
nomen agentis 'fortune‑teller', aber das entsprechende Skt.-Wort ist /īkṣaṇikā/, das aber
'Blick, Erwägung' bedeutet. /ikṣaṇika/ 'Wahrsager' (mit /-a/) wäre besser zu verstehen. Ein
Suffix /‑cäkkā/ im Toch. gibt es nicht. Das Wort ist m.E. eine Nachbildung des Skt.Wortes, und ich vermute, daß der Schreiber skt. /īkṣa/ als Adj. (toch. /pälka/ PPt.)
verstand, aber /ṇikā/ nicht verstehen konnte. Daher hat er einen anderen Begriff oder ein
für ihn gewöhnliches Wort geschrieben, z.B. /cakra/.
<waipalau> 529a2 ist ein Hapax. Nach Adams (1999, p. 612) besteht das Wort 'vertigo'
und ist ‘a derivative of wip‑ 'shake' (← 'schlenkern' von Krause 1952, S. 292?)’, aber seine
Interpretation ist fraglich. Das entsprechende skt. /bhrāmika/ ist ein Adj. '(be)trügerisch',
und der Schreiber hat es mit <waipalau yāmu> wiedergegeben. Die Hss. sind fragmentarisch und sehr schwer zu analysieren. Ich weiß nicht, woher die Bedeutungsangabe
'vertigo' kommt, und ohne Erklärung für <‑lau> und <ai> von <waip> kann ich √wip‑
für die Wurzel dieses Wortes nicht halten.
<kaice> 529b1 ist ein Hapax und eine Übersetzung für skt. /droṇīm/ (Akk.Sg.f.). Wegen
der Beschädigung ist es nicht entscheidbar, ob das Wort 'Trog' oder 'Tal' bedeutet. Nach
Adams (1999, p. 199) bedeutet '± tub; body of a lute', wobei sich Adams auf Edgerton
(1953, p. 273) stützt. Außer Obl.Sg. ist <kaice> nicht analysierbar.
410
<kakālakau> 529b2 ist nach Krause (1952, S. 227) ein PPt. von √kalāk‑, das
phonologisch gesehen /kālāk‑/ sein sollte. Wenn √wālāk‑ (s.o. <wolośtRA> 385b3) eine
toch. Wurzel ist, hat auch diese Wurzel zwei Vokale. Zu beiden Wurzeln ist <‑āk> ein
gemeinsames Element. Wie ich oben erwähnt habe, sind zwei Vokale in einer Wurzel
ungewöhnlich, daher möchte ich <‑āk> für ein erweiterndes Element halten, aber
Belegen sind zu wenig, um das zu bestimmen.
<i> von <iñcuwaññeṃ> 529b5 vertritt /e‑/, weil <eñcuwo> MQ255b2 in der Periode
I‑2 belegt ist.
<kaklāparmeṃ> 532b2 ist das Abs. von √klāw‑. <p> im PPt.‑Stamm ist nur hier belegt.
<klāpalñe> in MQ156a2 ist der einzige Beleg mit <p> im Abstr.II. Sonst kommt nur
<klāw‑> vor. Der Statistik zufolge ist /w/ ursprünglich. Der "Intensitätsgegensatz" wirkt
bei zwei Konsonanten, und nach /ā/ kann eine Tenuis statt eines Reibelauts vorkommen,
weil die Intensität von /ā/ niedrig ist.
<ośonai> 535b3 ist wegen der Beschädigung unklar. Ein anderer Beleg ist <///[o]śonai
palsko> H.add149b1. Nach Adams (1999, p. 126) bedeutet das Wort ‘(adv.) 'out of
enmity, hostility' (?)’, und es verbindet sich mit /ścono/. Das Wort ist kein "adv.", sondern
ein Obl. <o‑> ← *æn- (Hilmarsson TIES suppl. 3 p. 145) kann ich nicht akzeptieren,
weil ich kein Lok.-Präfix im Toch. finden kann.
<patatyai ‣ pakaiśˎ> 537b1 steht m.E. für /patatā ‣ pakṣais/. Beide skt. Wörter müssen
Instr. sein. Der Schreiber hatte keine guten Kenntnisse des Skt.-Wortes (<pakṣantse>
ist in D536b3 belegt).
<keRAstRA> 538b5 (Pr.IXb) ist eine Wiedergabe von skt. /hāsayati/ 'er läßt lachen'.
Ein anderer Beleg ist <keRAṣṣeñca> in H149add.079a5. Die Wurzel ist bei Krause
(1952, S. 237) √kery‑, aber <ry> kommt nur im Ps. vor. Vom Kaus. und vom PPt. her
gesehen sollte die Wurzel /ker-/ lauten. Das Gv.Ps. ist nach Krause ein Ps.II, aber ein
Ps.IXb kann auch mit einem Pr.III kombiniert sein, z.B. bei √triw-. Wenn dem so ist,
411
kann <(i)y(e)> ein Vertreter von /e/ sein, aber die Belege sind zu wenige, um meine
Argumentation zu sichern.
Š44‑46, 48‑51:
a) Paläographische Untersuchung:
Das Virāmakomma kommt nicht vor. Das ist ein altertümlich, aber wegen des geschlossenen <ñ> habe ich diese Hss. in die Periode II‑2 eingeordnet.
45b2 <y> ist dreiteilig, <n> ist flacher als <t>:
44a7 <śˎ> ist zweiteilig:
; 44b2 <ñ> ist geschlossen:
; 45a4 <l> ist dreiteilig:
44a7 <TA> ist oben rund (normal):
bzw.
46a6 <ā‑> und 46a3 <ī‑> sind normal:
bzw.
oben (Beginn der Linie) ornamental:
.
; 45b2 <KA> ist oben links verbunden:
45b5 <PA> und 46a5 <Ṣˎ> sind normal:
;
;
.
; 44a7 <e‑> ist links lang und
; 44a6 <o‑> ist anscheinend in einer Linie
gezogen und rechts (am Beginn der Linie) ornamental:
; 48b7 <au‑> ist normal:
.
45a4 /31/,
45b3 /36/ und
44b3 das Interpunktionszeichen:
45b6 /38/ sind Versnummern.
.
b) Linguistische Untersuchung:
Nach den Photos sind nur kleine Teile der Hss. erhalten (nicht alle wie in Sieg/Sieglings
Transkription), deswegen benutze ich Sieg/Sieglings Transkription.
412
<waiptāyaRˎ> 44b3 ist semantisch gleich bedeutend wie /waptār/ oder /wapte/
'auseinander'. Die Belege mit <‑yaRˎ> sind 11a5, 15a4, 17a4 und hier. Alle sind in
Udl.‑Hss. aus Šorčuq belegt. Diese Schreibung könnte eine Eigentümlichkeit von Šorčuq
Schreibern sein.
<tswaiñ(e)> 44b6 ist ein Adv., und die Bedeutung ist nach Adams (1999, p. 745)
'directly', nach Sieg/Siegling (Thomas 1949, S. 194) 'gerade' und nach TEB II (S. 263)
'soeben'. Belegt is das Wort nur hier und in 25b6. <tswaññe> in M195a5 ist dem Kontext
zufolge dasselbe Wort wie /tswaññe/. Anscheinend besteht das Wort aus /(e)tswa/ 'zu ...
hin' + /ññe/ (Adj./Abstr.), aber semantisch und morphologisch ist es schwer zu beurteilen.
Photos von 44b6 und 25b6 sind nicht vorhanden, deswegen kann ich die Schreibung nicht
überprüfen. Die Abwesenheit des /u/ kann durch die Akzentregel erklärt werden, aber
die Abwesenheit des /e‑/ ist selten (vgl. TEB II, S.174). Es ist möglich, daß das Wort nicht
mit /etsuwa/ identisch ist. Jedenfalls wurden die Wörter nur in späterer Zeit verwendet.
<yāmci> 45a4 ist ein Hapax, und Sieg/Siegling haben das Wort als eine Pt.2.Pl. übersetzt
'(aber ihr habt) [es] nicht zur Lehre gemacht (Thomas 1949, S. 66)', aber unter yam‑ ist es
nicht zitiert (Thomas 1949, S. 154). Eine Endung /‑ci/ gibt es nicht (Pt.2.Pl.Akt. /‑s(o)/,
Med. /‑t/), deshalb vermute ich, daß das Wort ein Schreibfehler für den Inf. ist, und daß
die Lücke von zwei Akṣaras (nach <mā>) durch <yātṢAṃ> (wie das folgende
<nu(skas)tRA>) zu ergänzen ist. Dann ist die Übersetzung 'es ist unfähig (oder
unmöglich), ein Merkmal zu machen (= vermerken)'.
<SArwe[c]änˎ> 45a6 bedeutet nach Sieg/Siegling etwa 'Daseinsformen'. Der andere
Beleg ist <SArwecaṃ> in MQR229a2‑3. Hier wurde <nˎ> (mit Virāmastrich) zur
Vermeidung der drei Punkte auf dem <c> geschrieben.
<tsainwaṣṣeṃ> 46a2 bedeutet nach Sieg/Siegling etwa "Tränen‑" (Thomas 1949, S. 194),
nach Adams "arrow" (1999, p. 742). Die Belege sind Š47a6 und Š93b4, und dem Kontext
zufolge ist "arrow" besser als "Tränen‑", aber der von Adams zitierte Nom.Sg. tsain ist
413
nicht belegt. Anscheinend ist <tsainwa> eine Pl.‑Form, aber solange die Sg.‑Form nicht
belegt ist, kann man das Wort nicht mit Sicherheit als Pl.-Form ansetzen, und Pl. + Adj.Markierung ist abnorm. Der Akzentregel zufolge könnte es als /tsanw‑ṣṣeṃ/ zu
analysieren sein. Eine andere Möglichkeit ist, daß das Wort /tsanwā/ (Obl.Sg.) war.
Nom.Sg. wäre */tsanwo/, das wie /käntwo/ ist (vgl. TEB I S. 143).
<auṣuwaṃtSˎ> 46a7 ist als Hapax (PPt. Gen.Pl. von √wäs- 'weilen'). Die Form sollte
<auṣuwepi> lauten, da /‑ṃts/ nur an Subst. suffigiert wird. Wenn dem so ist, ist
<auṣuwa> eine Pl.-Form von substantiviertes Adj. Hier liegt zusammen mit
<lwasāntso> Gen.Pl. die Konstruktion eines Genitiv-absolutus vor, die dem Toch.
fremd ist. Die Konstruktion beruht somit auf Nachahmung der Skt.-Vorlage.
<klāysa> 49a7 wäre kein Pt. von √klāy‑ 'fallen', wie in Sieg/Sieglings Übersetzung
(Thomas 1949, S. 72), da √klāy‑ kein Pt.III bildet. Auf dem Photo sehe ich jedoch nicht
<klāysa>, sondern <klāya>. In diesem Fall ist die Übersetzung richtig, aber die Transkription ist falsch.
<ost[w]aiwe[n](ta)> 50b3 ist nach TEB II (S. 177) ein Plurativ. Sieg/Siegling haben
<aiwe> als 'Unterkunft' gedeutet (Thomas 1949, S. 101), aber <aiwenta> ist nicht
belegt, deswegen wäre die Annahme im TEB richtig. Jedoch ist <-aiwenta> als Plur.Markierung kaum denkbar, da von <sarriwenta> her gesehen nur /entā/ die Plur.Markierung sein kann. <ostwai> könnte ein Schreibfehler für Obl.Sg. sein (richtig ist
/ost/). Den Formen <osuwane> M375b4 und <ostwasa> Š31b7, Š32b1 zufolge lautet
der Obl.Pl. /ostwā/. Eine Möglichkeit ist, daß der Schreiber <wai> für <wā>
verschrieben hat, und das Wort als /ostwā-w-entā/ zu analysieren ist, wobei /w/ ein Verbindungskonsonant und /entā/ eine zweite Pl.-Markierung ist. Eine andere Möglichkeit
ist, <wai> als ein Schreibfehler für Obl.Sg., und das Wort als /ostwa/ Obl.Sg. + /w/
(Verbindungskonsonant) + /entā/ Pl.-Markierung zu betrachten. Ich ziehe die letzte
Möglichkeit vor, weil doppelte Pl.-Markierungen unwahrscheinlicher ist.
414
Š47:
Inhaltlich ist diese Hs. (ab a5) identisch mit Š46, aber der Duktus ist etwas anders
(eckiger), vor allem beim <e->, das m.E. jünger als das von Š46 ist (rechts länger als
links).
a) Paläographische Untersuchung:
b4 <y> ist dreiteilig:
; b7 <ñ> ist geschlossen:
b2 <l> ist dreiteilig und links verbunden:
a3 <PA> und b2 <ṢA> sind normal:
benutzt:
; b5 <ś> ist zweiteilig:
;
.
bzw.
; b4 <S> ist in der Ligatur
; a3 auf <Rˎ> erscheint ein Virāmakomma, das Sieg/Siegling als
Interpunktionszeichen transkribiert haben, aber auf <Rˎ> kommt das Virāmakomma
häufig vor, und ich sehe kein Interpunktionszeichen mit einem Punkt in dieser Hs.:
b2 <e‑> ist wie oben erwähnt rechts lang und oben ornamental:
b3 /32/ und
.
.
b5 /33/ sind Versnummern.
a8 das Interpunktionszeichen:
.
b) Linguistische Untersuchung:
<y> von <śrāyˎ> a8 kann ein aus <ñ> entwickelter Laut sein, aber <śrāñ> ist nicht
belegt. Man kann von /śrānäṃ/ Obl.Pl. und /śrānäṃts/ Gen.Pl. her gesehen */śrāñ/ als
Nom.Pl. ansetzen. Ich halte die Lautentwickung (/ñ/ → /y/) für wahrscheinlicher.
Š63:
415
a) Paläographische Untersuchung:
a1 <ñ> ist halb geschlossen:
; b7 <l> ist dreiteilig:
.
b7 <MA> ist normal, und der Anusvāra ist halbkreisförmig:
; b7 <Kˎ> ist normal:
.
b) Linguistische Untersuchung:
Wegen der Beschädigung gibt es keine Besonderheiten zu vermerken.
Š521‑3 (Karmavibhaṅga):
a) Paläographische Untersuchung:
521a4 <y> ist normal:
; 521a6 <ñ> ist mit dünner Linie geschlossen:
<ś> ist zweiteilig, <l> ist dreiteilig:
; 521a3
.
521a3 <KṢPA> ist normal, zwischen <K> und <ṢPA> sieht man einen kleinen
Verbindungsstrich, d.h. <ṢPA> ist quasi ein einheitlicher Akṣara:
und 521b8 <TA> sind normal:
521a8 <a‑>,
oben gekreuzt:
bzw.
522b7 <ī‑> und
; 521b6 <MA>
.
522b4 <u‑> sind normal; 521b8 <e‑> ist
; 521b7 <o‑> ist zweiteilig:
416
; 521b2 <ai‑> ist normal:
.
521b3 /3/,
523a2 /19/,
523a8 /5/,
523b1 /6/ und
523b2 /7/ sind
normale Versnummern.
521b6 und 522b5 zeigen die Interpunktionszeichen
Doppeldaṇḍa ist schnörkellos:
bzw.
; 521a5 der
.
b) Linguistische Untersuchung:
<yamaLLAññe> 521a1 ist /yāmälñe/. <LLAññe> ist wie <PAlśaLLAññe> in 19b4 zu
beurteilen.
Zu <cāKARˎ> 521a2 s. ad <cākKär> S109a7, MQR365b4. Hier wäre auch <kRA>
möglich, aber wie erwähnt ist <-RA> nicht belegt. Es ist möglich, zwischen /k/ und /r/
eine Anaptyxe /ä/ zu sehen.
<aitka///> 521a4 wurde von Sieg/Siegling zu <aitka(tte)> ergänzt (Thomas 1953, S. 324
Fnt. 7). Wenn dem so ist, ist es ein Hapax (<aitkatñe> Š293a1 ist ebenfalls als ein Hapax
belegt), aber Adams (1999, p. 103) setzt das Wort ohne Sternchen als <aitkatte> an und
schreibt ‘(adj.) ± 'unordered', a privative from wätk‑, q.v. (see Hilmarsson, 1991:56)’. Es
gibt jedoch kein solches Wort <aitkatte>. Wenn auch Sieg/Siegling es richtig ergänzt
haben, kann man die Beziehung zwischen wätk‑ und aitkatte nicht erklären. Krause hat
das Wort mit (?) zitiert (1952, S. 42). Vielleicht hat Krause das Wort in <aitkatñe>
vermutet, aber aus <aitkatñe> ist wegen der Beschädigung <16 aitkatñe • .l. [ś.]> (nach
meiner Transliteration) die Bedeutung nicht zu erschließen. Wenn das Privativum aus
dem Kaus. (wie Krause meint) hergeleitet wäre, wäre /awätkatte/ (vom Ps./Ko.) oder
/ayātkatte/ (vom Pt.) zu erwarten. Beide Formen (/awä/ und /ayā/) können nicht zu /a/
werden. Andere Privativa mit <ai‑> sind <aikaccepi> H149.45b4 von √wik‑ und
<airPAcce> D541a6 von √yärp‑ (s. ad MQR571a4). Beide Wurzeln haben palatalen
Konsonanten im Anlaut. Das könnte der Grund von /a‑/ sein.
417
<ekñiññesa> 521b4 ist der Perl. von /ekäññeññe/, das gleich bedeutend mit /ekäññe/ ist.
/e/ zwischen /ññ/ wurde zum <i> erhöht. Problematisch bleibt /‑ññe/. Ich nehme an, daß
dieses Suffix ein Abstraktum anzeigt. /ekäññe/ könnte mit demselben Suffix gebildet sein.
Dazu hat man dasselbe Suffix noch einmal hinzugefügt. Diese Erscheinung wäre ein
Beweise für ein agglutinierendes Nominalsystem im Toch.
<posTä> 521b6 ist ein Schreibfehler für <posTAṃ>, und zwar mit falchem Trema statt
Anusvāra. Vielleicht hat der Schreiber wegen des <s> das Trema geschrieben.
<ṢAnäskeṃ> 522a3 ist vielleicht ein Schreibfehler für z.B. /sinäskeṃ/ 'bedrücken' oder
/ṣaṃseṃ/ 'zählen'. Krause stellt das Wort (1952, S. 296) als "unsicher" unter √ṣäṃs‑
'zählen', die aber nur Med.‑Formen hat. Vom Kontext und der Entwicklung [si] → [ṣä]
her gesehen ist /sinäskeṃ/ wahrscheinlicher.
<tettinor> 522a5 ist ein Hapax. Adams leitet das Wort von der √tin‑ ab (1999, p. 298).
Die Bedeutung ist nach Krause (1952, S. 249) 'beschmutzt sein (?)'. Dem Kontext zufolge
paßt diese Bedeutung gut, aber <tt> bleibt problematisch. Vielleicht sah der Schreiber
vor <tt> eine Morphemgrenze (Redupl.-Silbe und Wurzel), oder einfach ein
Schreibfehler ist auch möglich.
<neṣamyai> 522b7 ist ein Schreibfehler für /neṣämye/, das anderen Belegen zufolge
Nom./Obl.Sg. ist. <‑ai> würde als eine typische Markierung für den Obl. verschrieben.
<paktRA> 523a5 ist die einzige Schreibung mit der umfangreichen Ligatur <ktRA>.
Sonst schrieb man durchweg <ktRA>. Ich nehme an, daß diese Schreibung von <kse>
beeinflußt ist.
<makaikne> 523b4 (Hapax) und <makā yäkne> 523b5.
<makaikne> steht für <makā-yäkne>, das ein Kompositum ist, da die zweite Silbe
<kā> betont ist. /āyä/ wurde normalerweise nicht zum /a/, aber hier sehe ich dabei metri
causa.
418
Š558‑562:
a) Paläographische Untersuchung:
558b3 <y> ist dreiteilig:
; 558b2 <ñ> ist halb geschlossen:
zweiteilig, <k> ist normal:
; 558b2 <l> ist dreiteilig:
; 558b4 <ś> ist
; 558b5 <ṇ> ist unten in
der Mitte mit horizontaler Linie altertümlich, aber mit dem Trema tocharisiert:
;
558b4 <ṅ> ist in der Mitte links verbunden, <KA> ist normal, der Anusvāra ist
halbkreisförmig:
558b4 <Ṣ>,
.
560a1 <TA> und
562.3 <PA> sind normal.
560a1 <a‑> ist an der senkrechten Haste kurz:
geschrieben:
; 560a2 <ˎ> ist unten lang
; 558b5 <e‑> ist in zweierlei Weise geschrieben, einmal in einer
Linie und rechts lang, das andere Mal ist mit zwei Linien links lang. Beide Formen sind
m.E. nicht altertümlich:
zweiteilig und oben ornamental:
; 559a1 <o‑> ist zweiteilig:
; 559b2 <ai‑> ist
.
558b /74/ ist eine Blattnummer, die später von anderer Hand geschrieben wurde:
559b /93/ ist eine Blattnummer, die vom Schreiber der Hs. geschrieben wurde: .
558b3 das Interpunktionszeichen ist dem Zahlzeichen /1/ ähnlich:
b) Linguistische Untersuchung:
419
.
;
<maṃTA>, <añMA> 558b3 und <krentaunaṃtSA> 558b4 sind ohne Virāmastrich
geschrieben, aber in 558b3 kommt <kaucˎ> vor. Sieg/Siegling haben bei <maṃT(ˎ)>
und <krentaunaṃtS(ˎ)> mit (ˎ) transkribiert (aber <añMA>). Der Grund dürfte in
Nachlässigkeit liegen, oder es handelt sich um eine Kopie aus einer älteren Hs., die
keinen Virāmastrich zeigte.
<peññatRA> 558b4 ist ein Hapax und von Krause (1952, S. 71, Anm. 3) mit Zweifel
unter √pänn‑ eingeordnet worden. Ich sehe in diesem <e> ein zwischen <p> und
<ññ> palatalisiertes /ä/. Normalerweise erscheint palatalisiertes /ä/ als <i>. <e> aus /ä/
könnte eine morpho-phonologische Erscheinung sein. Hier kann ich aber keinen solchen
Grund erkennen. Vielleicht ist <e> deshalb ein Schreibfehler für <i>.
<ññ> ist palatalisiertes /nn/. Dies könnte beim Ps.II entstehen, aber wegen des Ko.V
und des Pt.I bei dieser Wurzel ist ein Ps.II unwahrscheinlich (Ps. III ‑ VII sind denkbar).
Möglicherweise wurde <ññ> vom Pt.I <piñña> S429a5 beeinflußt.
Schließlich nehme ich an, daß diese Form ein Schreibfehler für z.B. /pännā-/ Ps.V ist.
<ekāsaniKAṃñe> 558b5 ist skt. /eka‑āsanika/ + toch. /­ññe/. <ṃ> kann eine Obl.Markierung sein. Wenn dem so ist, ist das Wort als /ekāsanikäṃ/ + /ññe/ zu analysieren,
und /ṃññe/ wurde zu <ṃñe> verkürzt. Eine andere Möglichkeit ist, <ṃñe> als /ññe/ zu
deuten. Das Wort ist ein Hapax, deswegen kann ich die Frage nicht nach diesem Wort
allein entscheiden. Soweit ich sehe, sind außer bei Personennamen die Nom.- und Obl.Formen bei Skt.-Wörtern gleich, wie das nächste <dhutaguṇä> Obl.Sg. zeigt, deswegen
ist das letztere (<ṃñe> ← /ññe/) wahrscheinlicher.
<taiysa> 559a5 ist wegen des <aiy> altertümlich. Vielleicht war seine Vorlage so
geschrieben.
<eˎ> von <ceˎ> und <ā> von <pālānTARˎ> 562.2 sind altertümlich. Diese
Formen sind wie <taiysa> oben zu beurteilen, aber <TARˎ> und <yaneṃ> 562.2 sind
keine alten Schreibungen, d.h. diese Hss. wurden nicht in der alten Periode geschrieben.
420
Š563‑566:
a) Paläographische Untersuchung:
563a5 <y> ist dreiteilig:
; 563a3 <ñ> ist geschlossen:
dreiteilig und links stark gekrümmt:
; 563b3 <l> ist dreiteilig:
563b2 <ṢA> ist normal, der Anusvāra ist ein Halbkreis:
<TA> sind normal:
bzw.
.
; 563a8 <MA> und 566a3
.
563b3 <i‑> und 564a2 <ˎ> sind normal:
ornamental (gekreuzt?):
; 564b6 <śa> ist
bzw.
; 566a2 <o‑> ist zweiteilig:
; 566a6 <e‑> ist oben
; 566b6 <au‑> ist normal:
.
563b /211/ und 564b /212/ sind Blattnummern, die später von anderer Hand geschrieben
wurde:
bzw.
.
563a4 zeigt den Doppel‑Daṇḍa, der schnörkellos ist:
.
b) Linguistische Untersuchung:
<tapani> 563a2 ist ein Hapax, und die Bedeutung ist unbekannt. Auf dem Photo kann
es eher <tapati> gelesen werden. Möglicherweise liegt ein Schreibfehler für z.B.
<tapatriś> '33 Götter' oder <tapaki> (/tāpāki/) 'Spiegel' vor.
421
<cai> 563a9 und <ceˎ> 564a2 treten nebeneinander auf. ‑haltige Diphthonge
entwickelten sich schneller weiter zum /a/ als ‑haltige Diphthonge.
<mailyi> 563b3 ist ein Hapax und unverständlich. Vielleicht ist es ein Schreibfehler für
/meli/ 'Nase', aber wegen der Beschädigung kann ich es nicht entscheiden.
<kaumeṃtsa> 563b8 ist nach Adams (1999, p. 212) '(fresh) shoot', nach TEB II (S. 187)
'frischer Trieb', skt. 'pravāla'. Ich verstehe bei dem in TEB II zitierten skt. 'pravāla' nicht,
ob es nach der erforderlichen Bedeutung zitiert ist oder ob es eine Skt.-Vorlage
entnommen ist. Soweit ich weiß, gibt es kein Skt.-Äquivalent. Wegen der Beschädigung
bleibt bei diesem Wort eine Unsicherheit bestehen.
<ṣeme ṣṣeme> 565a3 ist mit <ṣṣ> nach Vokal geschrieben worden. In diesen Hss. sehe
ich einerseits altertümliche Schreibungen wie z.B. <ceˎ> passim oder <kektseñä>
565b8 (ohne Virāmastrich), andererseits die Wirkung der Akzentregel und verallgemeinertes <a>, die man in späteren Perioden findet. Dies deutet darauf hin, daß die Hss.
Kopien aus späterer Zeit sind.
<tsa[RA]kk(aṃ)> 566a6, a8? und b1 kommen nur in dieser Hs. vor, und die Bedeutung
ist wegen der Beschädigung unklar. Nach Adams (1999, p. 730) handelt es sich um
"tsaräkkañ* (n.pl.) '± weapons' (?) compare with ... tsain ...". Die Ergänzung ist nicht
sicher, trotzdem vermute ich vom (buddhistischen) Kontext her, daß das Wort skt.
/arūpa/ entspricht. Jedenfalls finde ich auch in phonologischer Hinsicht keine Beziehung
zu <tsain>.
<ustamameṃ> 566b7 ist ein Hapax, und die Bedeutung ist unklar. Adams (1999, p. 72)
möchte das Wort mit khot. /ustama/ verknüpfen, aber das khot. Wort ist nach Bailey
(1999, p. 42) eher adjektivisch.
Vom <u‑> her gesehen vermute ich ein Lehn- oder Fremdwort, aber nicht unbedingt
aus dem Khot., sondern möglicherweise aus dem Skt. Ich vermute einen Schreibfehler
422
für z.B. skt. /uttama/ 'Oberster'. Wegen der Beschädigung und der Gebung als Hapax
bleibt eine Unklarheit bestehen.
<ŚAk> 566b8 und <RAtreṃ> 566b9 sind der Abwesenheit der Akzentregel zufolge
altertümliche Schreibungen.
M110, 193:
Inhaltlich sind beide Hss. unterschiedlich. M110 enthält eine Geschichte des Śāriputra
(Upatiṣta), und M193 gehört zum Abhidharmakośa, aber der Duktus ist gleich und auch
die Fehlerquote ist gleich hoch. Deswegen untersuche ich beide Hss. zusammen.
a) Paläographische Untersuchung:
110b3 <y> ist dreiteilig:
zweiteilig:
; 110b4 <ñ> ist geschlossen:
; 110b6 <l> ist dreiteilig:
110a7 <Tʾˎ> ist oben nicht rund:
193b5 <MA>
.
; 110b8 <KLA>
193a7 <a‑>,
und
.
193a4 <i‑> und
<e‑> ist rechts lang und oben ornamental:
193a2 <u‑> sind leicht eckig; 193b2
; 193b4 <o‑> ist in einer Linie
.
193b3 das Interpunktionszeichen:
Doppeldaṇḍa:
, 193a10 <ṢPA>
sind normal; 110b4 <Śʾˎ> ist mit Virāmakomma wie <y> oder
<h> geschrieben (zweiteilig):
geschrieben:
; 110b4 <ś> ist
; 110a5 ist der oben und unten geschlossene
.
423
110b /188/ ist eine Blattnummer, die mit Pinsel geschrieben ist:
.
b) Linguistische Untersuchung:
<yaRAMʾˎ> 110a4 ist /yärm/. Außer hier und bei <yäRAm> S288a4 ist das Wort
durchgehend mit <rm> geschrieben. Es ist fraglich, ob diese Schreibung metri causa
erfolgte. Beide Formen sind in relativ später Zeit geschrieben, daher ist es denkbar, daß
beide hyperkorrekte Schreibungen sind, oder dem Schreiber das Wort phonotaktisch
schwer fiel, d.h. es liegt die Niederschrift eines Fremden vor. In Murtuq und Sängim
wäre dies denkbar.
<vā> von <vā dai bhoKʾˎ> 110a6 ist vielleicht ein Schreibfehler für <ne>
(<kwaṣṣaine> 'im Dorf'), weil <(nālaṃ)dagrāMˎ> ein Name eines Dorfes sein kann.
Wenn das zutrifft, kann <daibhoKʾˎ> Objekt zu <KAlpau> sein. Ich vermute, daß
diese Schreibung aus der Unwissenheit des Schreibers resultierte. Auch an anderen
Stellen finde ich Belege für Unwissenheit oder Mißverständnisse des Schreibers, z.B. bei
<ypo[m]nāmeṃ> 110a7 für /ypaunāmeṃ/, <[ka]krā[TA]ṣu māṭhare> 110a8, usw.
<[ai]śo[m](y)eṃ> 110a10 steht für /aiśaumyeṃ/, wie in 110b3. Der Schreiber hat <au>
und <o> promiscue geschrieben.
<kauŚʾˎ> 110b4 ist /kauc/. <Ś> ist ein aus /c/ phonetisch entwickelter Laut.
<śānmyate> 110b4 ist vielleicht eine 3.Sg.Pt. von √käm‑, aber <ā>, <my> und die
Med.‑Endung <-te> sind unverständlich. Der Schreiber verfügte über nur geringe
Kenntnisse der toch. Grammatik und Rechtschreibung.
<śastarma> 110b9 ist /śāstr/ (skt. /śāstra/) + Toch. Pl.-Markierung /nmā/. Der
Schreiber hat <n> vergessen.
424
<rājagriṣṣi> 110b9 ist Nom.Pl., aber das Prädikat <kāka> ist ein Sg.
<wya> von <wyameṃ> 193a4 ist möglicherweise eine alttürkische Schreibung für /wä/
(vgl. Gabain 1974, S. 35). Doch auch damit bliebe das Wort ganz unklar. Eine andere
Möglichkeit besteht darin, daß dies ein verkürztes Skt.-Wort ist, z.B. /vyākaraṇa/
'Vorhersagung'.
<niyaMʾˎ> 193a6 ist vielleicht skt. /nityam/, aber wegen der Beschädigung bleibt dies
fraglich.
<entweñana> 193b2 ist ein Hapax und m.E. falsch geschrieben. Es ist unmöglich, ein
Adj./Abstr.‑Suffix an ein Adv. oder eine Konjunktion ('alsdann') anzufügen.
In 193b3 kommt <nemcekaññe> vor, das auf die gleiche Weise entstanden ist wie
<entweñana>.
M357‑358:
a) Paläographische Untersuchung:
357b3 <y> ist dreiteilig:
; 358b5 <ñ> ist geschlossen (zweiteilig):
<śa> ist zweiteilig:
; 358a2 <l> ist dreiteilig:
verdickt (zweiteilig):
.
357a4 <Kˎ>,
358a2 <Mˎ>,
; 358a2
; 357a2 <ṇ> ist in der Mitte
358a4 <ṢPˎ> und
358a6 <SA> sind
normal. Ein Virāmakomma gibt es in diesen Hss. nicht.
357b4 <a‑> und 358b2 <ˎ> sind normal:
und oben ornamental:
bzw.
; 358a2 <o‑> ist zweiteilig:
425
; 358a3 <e‑> ist zweiteilig
.
357b3 und 357a5 zeigen die Interpunktionszeichen:
bzw.
.
b) Linguistische Untersuchung:
<kosauKˎ> 357a4 ist quasi ein Hapax (unsicherer Beleg ist <(k)o sau kmā>
MQR119b7). In beiden Belegen folgt die Verneinungspartikel <mā>, deswegen hat
Adams (1999, p. 206) "only in negative clauses?" geschrieben, aber die Belege sind zu
wenig, und wegen der Beschädigung ist es unmöglich, die Verhältnisse genau zu
beurteilen. Trotzdem versuche ich das Wort zu analysieren: Belege sind <kossa>
Š305b4 und <koSˎsa> S107b10. Diese Formen sind aller Wahrscheinlichkeit nach ein
Perl. von /kos/, ebenso bei /kosauk/ könnte <auk> ein Suffix. /ak/ ist eigentlich kein
Suffix, aber es ist wie ein Suffix behandelt worden. Ich vermute, daß /auk/ analogisch von
der verstärkten Verneinungspartikel /māwk/ (S330b4, M598a2, Š1b2, Š12b4) herzuleiten
ist, und hier folgt <mā>. Dann ist es möglich, <auk> als eine Verstӓrkungspartikel zu
betrachten. Beide Belege sind nicht alt, deswegen könnte diese Konstruktion eine Neuschöpfung.
<kārre> 358a3 ist /kāre/ 'Grube' und der einzige Beleg mit <rr>, das vermutlich eine
hyperkorrekte Schreibung darstellt.
<weswe> 358a4 ist ein Hapax. Nach Adams (1999, p. 611) bedeutet das Wort '± trace, a
derivative of ²wäs‑ ‘dwell’, i.e. ‘trace’ < *‘that which abides’', aber ich halte dieses Argument für ad hoc, weil keine Erklärung für <‑we> gegeben wird.
M428:
a) Paläographische Untersuchung:
426
b7 <y> ist dreiteilig:
zweiteilig:
; b2 <l> ist dreiteilig, <ñ> ist geschlossen:
. b9 <śa> ist
.
a6 <Ṣʾˎ> und a6 <Sʾˎ> sind mit Virāmakomma normal:
ohne Virāmakomma normal:
a3 <ā> ist normal:
bzw.
; a4 <Kˎ> ist
.
.
b) Linguistische Untersuchung:
<wareññe> a1 ist ein Hapax, und die Bedeutung ist unklar. Auf dem Photo ist
nicht als <wa> (vgl. z.B.
a7), sondern eher als <śu> zu erkennen. Sollte das der
Fall sein, läge ein Wort <śureññe> vor, aber ein solches Wort gibt es nicht. Den
vorangehenden Wörtern <(ār)[yo]mā[r]g ñ(e)Mˎ> zufolge könnte ein Schreibfehler für
<sutRAññe> vorliegen. In diesem Fall müßte der Schreiber /sutr/ (skt. /sūtra/) und die
Schreibung <tra> oder <tRA> nicht gekannt haben. Er hat auch <śastarma> a4 (für
skt. /śāstra/ + toch. Pl. /nmā/, ohne <n>) geschrieben. Vielleicht hat er skt. /śāstra/ und
/sūtra/ verwechselt.
<ṣalywes[a]> a5 ist mit <w> geschrieben. Das Wort mit <w> ist außer hier nur
zweimal belegt (S108b1 und MQ451.2), sonst 25x mit <p>. Daher halte ich <p> für
ursprünglich, und <w> für eine entwickelte spätere Schreibung.
<grakṣe> a5 ist ein Hapax und anscheinend ein Skt.-Wort + toch. Adj.‑Suffix /ṣṣe/.
Wenn dem so ist, kann <k> aus skt. /k(h)/, /g(h)/ und /h/ stammen. Ein Wort /grak(h)/
oder /‑g(h)/ gibt es jedoch nicht. /graha/ 'Greifer, Planet' wäre deshalb die einzige
Möglichkeit. Der Name einer Ölsorte ist ebenfalls möglich. Wegen der Beschädigung
kann ich das Wort nicht bestimmen.
427
<spārttosa> b3 ist Perl. von /spārto/ 'Verhalten' (Krause 1952, S. 302). Die Belege sind
nur hier und in M324a4. /‑o/ ist nach Krause (1952, S. 51) ein Suffix für Verbalnomina.
Krause zweifelt, ob <spārtto> in diese Kategorie einzuordnen ist, aber dies ist m.E.
plausibel.
<yirsemTäRˎ> b8 ist /yärsemtär/ 'wir verehren'. Auf dem Photo kann ich kein <mTä>
erkennen. Als Sieg/Siegling ihre Lesung vornahmen, war es wahrscheinlich noch sichtbar.
<i> ist ein wegen <y> aus /ä/ phonetisch entwickelter Laut.
Das Problem ist das /s/ dieser Wurzel: Krause hat diese als /yär‑s/ in die Klasse Ps.II/Pt.I
eingetragen (1952, S. 275). Die Belege in den Berliner Hss. sind <yarṣTARˎ> M405b5
und <yirṣānte> S108a8, und in den Pariser Hss. <yirsemār> PK12Ba6, <yärṣtRA>
PK12Hb2 und <yärsemane> PK12Da2. Den Belegen zufolge sollte die Wurzel ein
Ps.VIII (Gr. Ps.III) und ein Pt.III bilden, die beide mit dem /s/-Element gebildet wurden.
Die Belege sind nicht alt, und die Formen zeigen spätere Schreibungen (<i> und
<TARˎ>). Es ist möglich, daß /yär-s/ verallgemeinert und als eine neue Wurzel /yärs/
aufgefaßt wurde.
II‑2/3:
Y500‑502:
a) Paläographische Untersuchung:
500.2 <y> ist dreiteilig:
<k> ist oben rund:
500.7 <Tʾˎ>,
; 500.4 <ñ> ist geschlossen:
; 500.6 <ś> ist zweiteilig,
; 500.8 <l> ist zweiteilig und oben ornamental:
599.5 <Rʾˎ> und
.
501.2 <Kʾˎ> sind mit Virāmakomma
halbkursiv geschrieben.
428
502.1 <a‑> und 501.6 <ā> sind im Vergleich mit anderen Akṣaras unpräzise
geschrieben:
oben ornamental:
bzw.
: 500.8 <e‑> ist in einer Linie geschrieben, rechts lang und
.
500.5 und 502.2 zeigen die Interpunktionszeichen:
bzw.
.
502.2 zeigt den oben und unten geschlosse Doppeldaṇḍa:
.
b) Linguistische Untersuchung:
Es gibt linguistisch nichts Besonderes zu vermerken, da es sich bei diesen Hss. um
medizinische Rezepte mit magischen Sanskritsprüche handelt. Diese Hss. sind wegen der
Schreibfehler und der vielen unbekannten Pflanzennamen schwer zu analysieren. Diese
Hss. wurden dem Duktus nach zu urteilen m.E. ziemlich spät geschrieben.
II‑3:
MQ237‑238:
a) Paläographische Untersuchung:
237a2 <y> ist normal:
; 237a1 <ñ> ist geschlossen:
(ohne Virāmakomma):
; 238b2 <l> ist dreiteilig:
237a2 <Kˎ> ist ohne Virāmakomma normal:
normal und ornamental:
.
429
; 237a2 <śˎ> ist zweiteilig
.
; 237b1 <Rʾˎ> ist mit Virāmakomma
238b2 <a‑> ist normal:
normal:
; 238b2 <ī‑> ist mit lang gezogener Linie (ornamental)
; 238b1 <o‑> ist zweiteilig:
237b2 /1/,
238a2 /8/ und
238a2 das Interpunktionszeichen:
.
238b3 /9/ sind normale Versnummern.
.
Diese Hss. könnten in II‑2 eingeordnet werden, aber wegen des <ñ> (teilweise mit
horizontaler Linie ganz geschlossen, z.B. 238b3) habe ich diese Hss. in II‑3 eingeordnet.
b) Linguistische Untersuchung:
<saim wäste> 237b1 ist dem <wä> zufolge wahrscheinlich ein Kompositum. Dies wäre
ein Karmadhāraya-artiges Kompositum im Sinne des Skt., aber es ist auch möglich, eine
Zusammenrückung anzunehmen. Solches kommt oft im Alttürkischen vor, wo man mit
zwei Wörtern (manchmal Fremdwörter [buddhistische Termini] und einheimische
Wörter) semantische Deutlichkeit erzielt. Hier haben beide toch. Wörter verschiedene
Nuancen, nämlich 'Zuflucht' und 'Haus'. Auf jeden Fall gehört diese Wortgruppe zur
buddhistischen Terminologie.
<yolyyai onolme[ṃ]> 238a1 ist vom Genus her gesehen problematisch, wenn sich
<yolyyai> auf <onolme[ṃ]> bezieht. Nach Adams ist <yolyiyai> ein 'Sg.fem.'. (1999, p.
512), und <onolme> ist 'mask.' (1999, p. 115, nach TEB S. 176 ebenfalls 'mask.'). Die
Belege sind <yolyiyai> MQR119a7, H149.167a2 und <yolyyai> hier. Ich möchte das
Wort wegen /yolo/ und <yolyiya> (s.u.) für einen Obl.Sg.m.f. /yolya/ halten, wobei die
Palatalisation eine Opposition zum Nom. markiert. <lyy> kann auf Analogie beruhen,
und <i> von <yolyiyai> Ergebnis einer Anaptyxe sein. Übrigens hat Adams den
Nom.Sg.f. nicht zitiert, aber <yolyiya āñme> ist in St.Ch.00316.a.2b6 belegt. Wenn
<āñme> feminin ist (TEB zeigt kein Genus an), ist <yolyiya> der Nom.Sg.f.
430
MQ205:
a) Paläographische Untersuchung:
b2 <y> ist zweiteilig:
; b2 <ña> ist zweiteilig (geschlossen):
unten stark gekrümmt (zweiteilig):
und unten getrennt geschrieben:
. a3 <KA> ist normal:
; a2 <la> ist zweiteilig:
; a3 <śa> ist
; a3 <ka> ist oben
; a3 <ṅ> ist in der Mitte verbunden (<ṅkauṃ>):
.
a1 <a‑> und a3 <i‑> sind normal:
bzw.
.
b5 /36/ ist eine Versnummer, die /6/ ist dabei unpräzise:
.
Nach der Schreibung des <ka> und der Zahl /6/ zu urteilen handelt es sich um einen
ungeübten Kopisten. Der Duktus ist nicht präzise. Virāmakomma kommt nicht vor. Die
Akzentregel ist nicht präzise eingehalten, und manchmal ist ein verallgemeinertes <a>
geschrieben worden. Vielleicht ist diese Hs. eine Kopie einer alten Vorlage, die kein
Virāmakomma enthielt.
b) Linguistische Untersuchung:
<nervvaṃn oko> a2 sollte <nervvaṃne oko> sein (mit Sandhi). <ṃn> ist /ṃ/ (Auslaut)
und /n/ (Teil der Lok.-Marker /-ne/). Hingegen steht <ṃn> von <KAṃntwo> a4 für
ein /n/, und eine Analogie zu Skt.-Schreibungen ist denkbar.
Bei <iṅauṃ> (für <iṅkauṃ>) und <katnau> (für <katknau>) a3 ist <k> getilgt.
431
<śpalmeṃñce> a4 steht vielleicht für <śpalmeṃ nemce>. Der Schreiber hatte
möglicherweise eine Vorliebe für <ñc>.
<takoymä> b4 wurde nach altem Muster ohne Virāmastrich geschrieben, obwohl das
Versmaß die Zweisilbigkeit erfordert.
MQ552-557:
a) Paläographische Untersuchung:
552a6 <y> ist zweiteilig:
; 552a1 <ñ> ist in einer Linie geschrieben:
<ś> und <l> sind beide zweiteilig:
Haste ist separat geschrieben:
links lang nach links gezogen:
Halbkreis:
; 552b2 <ka> ist oben links geknickt, und die
; 552b5 <ra> ist an der Haste geknickt:
552a4 <L> ist in der Mitte geknickt:
; 552b1
; 552a4 <MA> ist spitz:
.
; 552b5 <Ṣ> ist
; 553b3 <TA> ist oben flach, der Anusvāra ist ein
.
552b5 <a‑> ist an der Haste wie <ra> geknickt:
556a2 <ˎ> ist ohne Virāmakomma leicht kursiv:
links lang geschrieben:
; 553b4 <i‑> ist unpräzise:
;
; 552b1 <e> ist in einer Linie und
.
553b2 /9/ und 556a2 /3/ sind normale Versnummern:
bzw.
; 554b3 /13/ ist mit sehr
unpräziser /10/ geschrieben, und die /3/ ist getrennt mit einer /1/ oben und einer /2/ unten
notiert:
.
432
552a3 und 552a4 zeigen die Interpunktionszeichen:
schnörkellos geschriebenen Doppeldaṇḍa:
bzw.
; 552a2 einen
.
b) Linguistische Untersuchung:
<yamtRAṃ> 552a1 vertritt /yāmträ/ Ko.I. 3.Sg.Med. <-ṃ> bleibt unverständlich.
Möglicherweise ist es ein suffigiertes Personalpronomen (3.Sg.), aber in B-Toch. lautet
dies /-ne/, nur in A-Toch. wurde /-n/ benutzt. Vom Fundort MQ her gesehen ist es
unmöglich, eine morphologische Struktur von A-Toch. anzunehmen. Daher sehe ich
hierin einen Schreibfehler, wie bei <tSAṅkoṢAṃ> 552b2 für <tSAṅkoṢˎ>. Wahrscheinlich war der Schreiber des Anusvāras unkundig.
<nutsana> 552a5 ist ein Hapax, und die Bedeutung ist unklar. Krause erfaßt (1952, S.
256) <nuttsāna> F, K3b2 als Adj. unter √naut- 'schwinden' mit Fragezeichen. Nach
Adams ist das Wort als nutstse* '± disappearing' (?) anzusetzen, und er trägt diesen
Beleg als Pl.f. 'nuttsana' ein. Die √naut- zeigt jedoch niemals /nut-/, d.h. keinen Ablaut.
Auch wenn eine Schwundstufe vorliegen sollte, bliebe die Wortbildung mit /‑tstse/
(Verbaladj.?) ganz fraglich. Man müßte zuerst das Wurzelnomen /nut/ nachweisen,
ansonsten kann ich in diesem Wort keine Beziehung zur √naut- sehen, sondern es liegt
einfach ein Adj. Pl.f. vor.
Im Falle von <yaTAṃ> 553a1,b3 ist schwer zu beurteilen, ob es von √yä- 'gehen', √yät'schmücken' oder √yāt- 'fähig sein' abgeleitet ist. Wenn es zur √yāt- gehört, ist es ein
Ko.V /yātāṃ/, dessen /tā/ nicht mit der Schreibung <TA> in Einklang steht. Hingegen
wäre <yataṃ> 554a3 eine 3.Sg.Akt von der √yāt- (mit Inf. kombiniert). Die √yät- ist
ausgeschlossen, weil zum Ps.IX kein Ko.V oder I gehört. Wenn die Wz. √yä- ist, handelt
es sich um eine 2.Sg. Ps.I oder Ko.I /yät/ oder 3.Sg. /yäṃ/. Ich nehme an, daß /yät/ 'du
gehst' wahrscheinlicher ist, da der Schreiber dieser Hss. des Anusvāra unkundig war (s.o.
zu <yamtRAṃ> 552a1 oder <tSAṅkoṢAṃ> 552b2). Hier hat er den Anusvāra
vielleicht mit dem Virāmakomma verwechselt, wie in <lypaṃrˎ> 553b2, <piṃśˎ>
433
553b4, <wokontRAṃ> 553b5, <keṃTˎ> 554a4, <ñiṃśˎ> 554b2, <waṃTˎ> 555.5,
<taṃñˎ> 556a2, <menaṃKˎ> 556a3 und <kreṃnTˎ> 557b6 (nur bei <Rʾˎ> hat er
das Virāmakomma richtig geschrieben). Semantisch gesehen paßt /yt/ gut zum Kontext:
'von Tuṣita gehst du doch hierher'.
<atsi> 554a4 ist wahrscheinlich der Pl. des Adj. /ātstse/ 'dicht', das sich auf <laitki>
'Lianen' bezieht.
<atseṣṣe> 554b1 ist ein Hapax und eine Neubildung, und zwar als Adj. /ātstse/ (s.o.) +
Adj.-Suffix /ṣṣe/. Normalerweise wird /ṣṣe/ an den Obl. gefügt, hier liegt ihm jedoch der
Nom. zugrunde.
In dieser Zeile ist <piṃśˎ perpette> für /päś perpette/ 'fünf Lasten' zusammen mit
<atseṣṣe> wie ein Sg. behandelt.
<srukalyñe> 555.2 muß <-ṃ> sein, da vorhergehendes <ceṃ> Obl.Pl.m. ist.
<kRAtatñe> 555.5 ist schwer zu beurteilen. Der zweite Beleg ist <kRAtātñe>
H149add63a4, und ein ähnlicher Beleg ist <kRAtaññe> MQ600b4, das Adams (1999, p.
215) als '± active' zu skt. /kta/ 'deed' stellt. Trifft das zu, paßt das Wort einigermaßen
zum Kontext, aber problematisch bleibt das /ā/ zwischen <kRAt> und <tñe>. In diesen
Hss. schrieb der Schreiber <a> für /ā/. Wenn das Wort aus skt. /kta/ abgeleitet ist, bleibt
das /ā/ unerklärbar. Man findet /kta/ im BHS nur als Hinterglied von Komposita (vgl.
Edgerton 1953, p. 190). Daher möchte ich das Wort (auch wegen der wenigen Belege)
auf sich beruhen lassen.
MQR207‑209, 247:
Der Duktus ist sehr ähnlich wie MQ205. Vielleicht sind beide Hss. gleichzeitig im
MQ‑Gebiet geschrieben worden, und 207‑209 und 247 sind in MQR bewahrt worden.
a) Paläographische Untersuchung:
434
207b4 <y> ist dreiteilig:
stark gekrümmt:
; 207b4 <ñ> ist geschlossen:
; 207b3 <l> ist dreiteilig, <‑o> ist links eckig:
Haste von <k> ist separat geschrieben:
207a2 <Ṣˎ>,
; 207b2 <śˎ> ist links
.
208b2 <PA> und
247b2 <SA> sind leicht kursiv.
207a3 <a‑> ist an der senkrechten Haste gekrümmt:
; 207b1 <o‑> ist rechts nicht lang gezogen:
207a2 /10/ ist links oben nach links gezogen:
separat geschrieben:
; 207b3 die
; 207b2 <e‑> ist oben gekreuzt:
; 208a4 <ai‑> ist oben klein:
.
; 247r2 /30/ ist normal, /4/ ist unten
; 247b3 /30/ ist normal, bei /6/ ist in der Mitte eine
horizontale Linie gezogen:
.
207a3 das Interpunktionszeichen besteht aus zwei schnörkellosen senkrechten Linien:
.
b) Linguistische Untersuchung:
Nach Sieg/Siegling (Thomas 1953, S. 123, Fnt. 14) ist MQR207 inhaltlich mit MQ215 und
MQR221 identisch. Vom Duktus her gesehen ist MQ215 sehr ähnlich oder sogar gleich,
aber wegen des Fehlens des merkwürdigen <k> habe ich 215 in die Periode II‑2
eingeordnet. MQR221 zeigt einen eher altertümlichen Duktus, deswegen habe ich
MQR221 in die Periode II‑1 eingeordnet. Möglicherweise sind alle diese Hss. von derselben Vorlage kopiert worden.
<Ṣˎ> 207a2 ist /ṣp(ä)/, siehe zu <Ṣˎ> in M599a4.
435
<śemacˎ> 207a4 ist Pt.3.Sg. von √käm‑ mit suffigiertem Demon.pron. 2.Sg. /‑c/. <a> ist
Ergebnis einer Anaptyxe, aber nicht als betontes /ä/, sondern als verallgemeinertes <a>.
<aiskacu> 208a4 ist m.E. ein Schreibfehler für /aiskau‑c/, wie in <LnaṢAñc> 247a3. Es
folgt <ci wī///>, und dies kann /cwi/ sein, weil /‑c/ schon davor steht, aber von <ci
wīnaskau> 208b2, 209a1 und 209b3 her gesehen kann auch hier <ci wīnaskau>
gestanden haben. Wenn dem so ist, kommt das Pers.pron. 2.Sg. zweimal vor. Jedenfalls
ist die Schreibung wegen der Beschädigung schwer zu beurteilen, aber anderen
Fehlerhaftigkeiten zufolge ist meine Vermutung, daß <aiskacu> für /aiskau‑c/ steht,
plausibel.
<aiy> von <śaiyṣe> 247b2 ist altertümlich. Vielleicht ist diese Hss. die Kopie einer
alten Vorlage.
<watklci> 247b3 ist der Nom.Pl.m. des Adj. /wätkāltstse/. Hier handelt es sich um ein
nominalisiertes Adj. oder ein attributives Adj., das sich auf das nächste Wort
<wa[tka]///> bezieht. Wegen der Beschädigung kann ich das Wort nicht bestimmen.
/wätkāl/ ist nach Adams (1999, p. 591) ein Adv. und nach Krause (1952, S. 288) ein
Substantiv. Ich halte das Wort für ein Subst. oder ein Adj. Zum von Adams zitierten
Beispiel ist es eine Apposition oder ein Attribut zu <oko>.
<wa[rt]RA wa[s..]> 247b4 ist m.E. ein Schreibfehler für <wantarwa ste>. <ste> ist auf
dem Photo sichtbar. Mit der Annahme eines Versehens kann man den Kontext besser
verstehen, aber wegen der Beschädigung und der sonstigen Fehlerhaftigkeit dieser Hss.
fällt eine genaue Bestimmung schwer.
Ich finde kein <ā> in diesen Hss. /ā/ ist durchgehend als <a> geschrieben. Hingegen
sind <ä> und <A> als /ä/ zu interpretieren.
MQR311:
436
Dem Duktus zufolge ist diese Hs. in die Periode II‑2 einzuordnen, aber wegen des <ñ>
und der alten (nicht THT) Nummer MQR103 (Reihenfolge nach 98, 99, 100, 101, und
102) habe ich diese Hs. in II‑3 eingeordnet.
a) Paläographische Untersuchung:
b2 <y> ist dreiteilig:
; b4 <l> ist dreiteilig, <ñ> ist geschlossen:
von oben her zweiteilig, <c> ist mit <ś> kontinuierlich verbunden:
b5 <MA> ist normal:
; b3 <ś> ist
.
.
a2 <i‑> ist normal:
; b1 <o‑> ist zweiteilig:
a2 /19/ ist normal:
; in b3 /21/ ist die /1/ über /20/ geschrieben:
b5 das Interpunktionszeichen:
.
.
; b3 der Doppeldaṇḍa ist schnörkellose
.
b) Linguistische Untersuchung:
<cewäścä> a1 ist mit seinem <ew> als altertümlich einzustufen. <-ä-> davon ist wegen
der Vermeidung der Konsonantenhäufung anaptyktisch, denn <MAkcewsa> a2 ist
belegt. <-ścä> könnte eine altertümliche All.-Markierung sein, die meistens als <-śco>
geschrieben wurde, oder ein Virāmastrich vergessen sein.
MQR349‑351:
a) Paläographische Untersuchung:
437
349b2 <y> ist dreiteilig:
; 349b3 <ñ> ist mit einer gekrümmten Linie und danach
rechts in der Mitte mit einer horizontalen Linie geschrieben:
zweiteilig:
; 349b3 <l> ist dreiteilig:
349b3 <ṢPA> oder <ṢAPʾˎ>:
<Mʾˎ>
; 349b2 <ś> ist
.
; 349b3 <Kʾˎ>
, 350a6 <Tʾˎ>
und 351a3
sind normale Fremdzeichen mit Virāmakomma.
349a4 <a‑> und 350a2 <i‑> sind normal:
bzw.
; 350a6 <o‑> und 349a4 <ai‑> sind normal:
350a3 /1/ ist eine Versnummer:
; 349a4 <e‑> ist oben gekreuzt:
bzw.
.
, aber andere Nummern kommen nicht vor.
Vermutlich ist dieses Zeichen mit dem Virāmakomma promiscue benutzt worden (s.o. zu
<ṢPA> oder <ṢAPʾˎ>).
350a6 und 349b4 zeigen die Interpunktionszeichen:
bzw.
.
349b5 zeigt den schnörkellosen Doppeldaṇḍa: .
b) Linguistische Untersuchung:
<PAltaKʾˎ> 350a3 ist nach Adams (1999, p. 379) "pältakw" mit <‑kw>, aber alle Belege
zeigen <PAltak> (4x). In Š3b3 (nicht mehr vorhanden) kommt <PAltakwä> als
einziger Beleg mit <kwä> vor, aber <kwä> entstand wegen des Versmaßes (vgl.
Thomas 1949, S. 12 Fnt. 1, "es fehlte eine Silbe"). <kw> könnte in dieser Zeit nach
häufigem Gebrauch wie ein Allophon behandelt werden.
Š1‑16, 32 (Udl.‑Fragmente):
438
3, 5, 6, 8, 11, 15 sind nicht vorhanden, und 16 ist kaum dechiffrierbar.
a) Paläographische Untersuchung:
Die Udl.-Hss. (THT 1‑70) sind paläographisch gesehen (nach meiner Sortierung)
Š1‑16,32 (II‑3), 18‑26 (II‑1/2), MQ34‑40 (II‑2), Š44‑51,63 (II‑2) und 64‑70 (II‑1/2), und
viele der Hss. sind verlorengegangen. Aufgrund des Inhalts haben Sieg/Siegling ihre
Sortierung gewählt, aber für paläographischen Untersuchungen ist sie ungeeignet, und
meine jeweilige Periodisierung ist einerseits wegen dieser inhaltlichen Sortierung,
andererseits wegen der Beschädigung und der verlorenen Hss. nicht absolut.
1a6 <y> ist dreiteilig:
links stark geknickt:
; 1b2 <ñ> ist geschlossen:
; 1b6 <ś> ist zweiteilig und
; 1a4 <l> ist dreiteilig und oben nach rechts gezogen:
<ṇ> ist in der Mitte (mit horizontaler Linie) verdickt (altertümliche Schreibung):
1a3 <MA>,
1b5 <KṢPˎ>,
1b2 <SAṃ>,
; 2b4
.
4a8 <Tˎ> und
7a1 <Śˎ> sind die normalen Fremdzeichen.
2b6 <a‑> und 7b4 <ˎ> sind normal:
oben nach rechts gezogen:
bzw.
; 2a2 <o‑> ist zweiteilig und oben lang gezogen:
12a6 <ai‑> und 10a4 <au‑> sind normal:
2b3 /84/,
12a2 /17/,
4a3 /26/,
12a3 /18/,
12b2 /25/ ,
32a4 /41/
; 4b5 <e‑> ist rechts lang und
bzw.
4b6 /33/,
12a4 /19/,
12b3 /26/,
.
9a7 /11/,
12a5 /20/,
12b5 /28/,
;
10a1 /15/ ,
12a6 /21/,
12b6 /29/,
12a7 /22/,
13a2 /14/,
32a7 /43/ sind Versnummern, die nicht kontinuierlich gesetzt sind,
439
d.h. es gab früher noch weitere Hss. dazwischen, oder es wurde eine andere Serie
eingeschoben.
1b7 das Interpunktionszeichen:
. Ein einfaches Interpunktionszeichen kommt in
diesen Hss. nicht vor.
b) Linguistische Untersuchung:
Ich untersuche nur die vorhandenen Texte, weil ich es für nötiger achte, immer die Hss.
zu überprüfen, wenn Unklarheiten bestehen.
<näksentRA> und <MAskeṃntr> 1a3.
<ṃ> wurde willkürlich verwendet. Ich werde das Problem <ṃn> vs. <n> in Appendix
III 9 ausführlicher untersuchen.
<aṅkāre> 2b6 ist ein Hapax, und die Bedeutung ist unklar. <a‑> ist schwer zu
beurteilen, aber es ist m.E. kein "intensive prefix" (vgl. Adams 1999, p. 6, nach Van
Windekens). Ein Schreibfehler für das Adv. <aṅkaiṃ> ist denkbar, das sich auf
<kaklautkau> beziehen könnte. Dieses <aṅkaiṃ> ist in TEB II (S. 161) und bei
Sieg/Siegling (Thomas 1949, S. 88) sicher kein Adj., wie Adams (l.c.) annimmt. Die
Verschreibung (?) könnte metri causa erfolgt sein (dreisilbig statt zweisilbig), aber wegen
der Beschädigung kann ich es nicht mit letzter Sicherheit entscheiden.
<pr[o]TArñtsˎ> 2b7 ist ein Hapax. Wegen <ñ> bin ich mir nicht sicher, ob das Wort
der Gen.Pl. von /procer/ ist. Der Deklination des /pācer/ zufolge sollte Gen.Pl.
<procernts> lauten. Vielleicht hat der Schreiber den Nom.Pl. <proTArñ> mit der
Gen.Pl.‑Markierung /‑ts/ gekoppelt geschrieben. Auf dem Photo erkenne ich zwei
virāmaartige Linien, eine steht zwischen <TA> und <rñ> als ein normaler Virāmastrich, die andere steht zwischen <rñ> und <ts>. Dies deutet darauf hin, daß der
Schreiber zuerst <pāTArñˎ> geschrieben und danach <ts> hinzugefügt hat.
440
<sruka ntweṃ nrai ne> 4a6 wird von Sieg/Siegling als <entwe nnraine> erklärt
(Thomas 1949, S. 98), aber es ist sonst kein <nnrai> für <nrai> belegt. <ṃ> ist
überflüssig und m.E. ein Schreibfehler.
<ṣāll āntseṣṣe> 4a7 ist /ṣālā ā-/, Kaus.Pt.II 3.Sg. von √säl‑ 'hinwerfen'. <ll> stammt
meist aus <ln> (Pr.-Stamm). Der Beleg mit <ll> für das Wort ist <ṣālla> 21a7, das
auch im Udl. belegt ist. Das Pr. des Grundverbs von √säl‑ ist nicht belegt. Wenn diese
Schreibung mit <ll> richtig ist, könnte die Ps. Klasse VI vorliegen und der Pr.-Stamm in
einen Pt.-Stamm übergegangen sein. Es ist aber auch möglich, eine hyperkorrekte
Schreibung im Udl. anzunehmen.
<[tSA]lpowo> 7b6 (Hapax) steht für /tsälpawā/ PPt.Pl.f. von √tsälp‑, und beide <o>
sind unverständlich. <o> für /a/ und <wo> für /wā/ kommen in diesen Hss. sonst nicht
vor, vgl. z.B. <tswauwa>, <prutkauwa> 9a6. Auf dem Photo lese ich diese Passage als
<LA kl[e] tSA m[eṃ] t/n[oṃ/au] • lpo wo>. Wenn <tSA> für <nta> steht, ist das erste
Wort als /läklentāmeṃ/ zu lesen. <t/n[oṃ/au]> könnte <toṃ> oder <nau> sein, da
<t> und <n> in diesen Hss. nicht unterscheidbar sind. Das größte Problem ist <•>.
<tSA> ist möglich, aber auf dem Akṣara gibt es Spuren eines Vokalzeichens. Ich
vermute einen Fehler für <nauṣmeṃ luwo> 'von früher an (ist er) ein Tier', aber dies
bleibt wegen <lpo> unsicher. Dem Kontext zufolge paßt /tsälpawā/ sehr gut, aber ich
möchte das Problem wegen des <o> und der Beschädigung auf sich beruhen lassen.
<stastaukkauwa> 9b7 ist quasi ein Hapax und nach Krause (1952, S. 301) ein PPt. von
√staukk‑. Die Reduplikationssilbe <sta‑> ist sonst unbekannt. Mir scheint hier ein
Schreibfehler vorzuliegen, aber <stastaukkauwa> ist in Š10a3 belegt. Es ist möglich, daß
Š10 eine Kopie von Š9 ist. Wenn diese Schreibung damals richtig verstanden worden sein
sollte, hatte <st> in dieser Hs. den Status eines Phonems (wie /ts/).
Die Belege der finiten Formen für diese Wurzel sind <staukKAṢṢAṃ> St.Ch.00316a1,
<staukkanaTArme> St.Ch.00316a2b3, und in Š85a5 kann man nur <st.> sehen. Ein
mögliches PPt. für das Kaus. ist nach Krause (1952, S. 301) <ś(e)śśuku> Š82a1. Wenn
<ś(e)śśuku> wirklich das PPt. von dieser Wurzel sein sollte, ist /stauk‑/ eine Vollstufe,
441
aber wegen der Beschädigung und der wenigen Belege kann ich es nicht mit Sicherheit
feststellen. Es ist auch möglich, <ś(e)śśuku> keine Beziehung zu √stauk‑ anzunehmen.
Ein möglicher Grund für die Schreibung mit <kka> oder <kKA>: die Wurzel ist
/stauk‑/, und beim Kaus. brauchte man /ä/ vor /sk/, aber das Trema auf dem <k> ist
ungewöhnlich (sogar unmöglich), deswegen hat man <KA> unter <k> geschrieben,
und dann wurde das geminierte <k> verallgemeinert, oder es handelt sich um eine Stilisierung in späterer Zeit, vgl. z.B. <spelkkemeṃ> 12a2. Wenn dem so sein sollte, ist
diese Wurzel eine Neuschöpfung.
G. Carling hat St.Ch.00316a2 untersucht und für diese Wurzel die plausible Bedeutung
'grow' ermittelt (2003, S. 88, Fnt. 88). Die Bedeutung paßt hier recht gut (allerdings ohne
Berücksichtigung von <āmpauwa>).
<ṣlyīye leṅke> 12a3 ist schwer zu beurteilen. <leṅke> ist ein Hapax, und nach
Sieg/Siegling (Thomas 1949, S. 166) bedeutet es 'Abhang'. Diese Bedeutung kann
vielleicht aufgrund von <ṣlyīye> 'Berg‑' (Adj. von /ṣäle/, Thomas 1949, S. 182) vermutet
werden, aber nach meiner Meinung gibt es keinen sicheren Beleg für ein Adj. /ṣlyiye/.
Die vermeintlichen Belege dafür sind <MAkte cake [.liy]e> Š3a4 (von Sieg/Siegling zu
<ṣlyiye> ergänzt und 'Wie der Bergstrom' übersetzt), <śleye guṇe> TV294.9 (von
Sieg/Siegling zu <ṣlyiye> korrigiert und mit skt. /śailaguhāyām/ identfiziert) und <su
ṣlyiye> MQ402a4. <cake> kann nicht nur 'Fluß', sondern auch 'Ufer' bedeuten, wie
<cakesa MAskīt(RA)> in H149add8b7 zeigt. Skt. /śaila/ heißt 'Fels'. <su ṣlyiye> kann
nicht 'er ist bergig' bedeuten (natürlich kann wegen der Beschädigung kein sicherer
Schluß gezogen werden).
Ich bezweifele, daß <ṣlyiye> von /ṣäle/ abgeleitet ist. Ein Adj.‑Suffix /‑(y)e/ ist im Toch.
unbekannt. <i> kann aus /ä/ stammen, aber /ṣäle-(y)e/ kann nicht <ṣäli-(y)e> werden,
wenn auch ein Adj.‑Suffix /‑(y)e/ existierte. Daher nehme ich an, daß das Wort ein
selbständiges Substantiv mit der Bedeutung 'Fels' ist.
Ich vermute, daß <leṅke> ein Äquivalent von skt. /guhā/ 'Versteck' ('Höhle') und mit
toch. A <leṃ> (BHS und Pāli /lena/, /leṇa/, Skt. /layana/) vergleichbar ist. Wenn dem so
ist, kann <ṣlyīye leṅke> 'Fels‑Höhle' (quasi-Kompositum 'Felsenzelle') bedeuten. Das
paßt einigermaßen zum (buddhistischen) Kontext. Die Schwierigkeit ist die Beziehung
442
zwischen toch. A <leṃ> und toch. B <leṅke>. Vermutlich ist hier ein Schreibfehler für
/lene/ (mit Nom.Sg.m. /‑e/ im B-Toch.) eingetreten. Der Schreiber könnte /ṇ/ (kein toch.
Phonem) nicht verstehen und mit dem ihm vertrauten <ṅk> für fremdes /ṇ/ geschrieben
haben. Die Argumentation ist wegen des Status als Hapax freilich nicht zwingend.
<kowsa> 12a7 ist Pt.III 3.Sg.Akt. von √kau‑ 'töten' und wurde schon bei MQ394a8 und
bei MQR133‑146 behandelt. Dieses <ow> ist wie erwähnt sehr früh aus */āw/ entwickelt.
Die Belege sind hier und in MQ394a8 (I‑2), und möglicherweise ist diese Hs. die Kopie
einer alten Vorlage, wo das Wort mit <ow> geschrieben wurde, oder <ā>könnte wegen
des <w> zu labialisiertem <o> geworden sein. Es ist auch möglich, daß der Schreiber
<au> als <o> verschrieben hat.
<reksame> 12b3 ist Kaus.Pt.III 3.Sg.Akt. von √räk‑ 'eine Decke ausbreiten'. Die Wurzel
ist in einem Ablautsystem gebildet. Nach Krause sind die Stämme beim Gv. (nur Opt.
und PPt.) von /rāk‑/, beim Kaus.Ps.VIII von /räks‑/, Ko.II von /rāś‑/ (aber Inf. /räk‑/) und
beim Pt.III von /räk‑/ bzw. /reks‑/ (für die 3.Sg.) gebildet.
Ein Problem ist <ā> des Ko.II: bei <rāŚAṃ> MQ255a4 finde ich einen Fehler in der
Transkription von Sieg/Siegling, und zwar ist <rā āŚAṃ> zu lesen, wobei <āŚAṃ>
Ps.II 3.Sg.Akt. von √āk‑ 'führen' ist. In der Passage ist das zweite Prädikat ein Ps.,
deswegen kann diese Form kein Ko. sein.
Ein anderes Problem ist der Vokal /e/ beim Kaus.Pt.III.3.Sg.Akt. Das /e/ kommt beim
Pt.III häufig vor. Möglicherweise ist es analogisch nach dem Ps.III entstanden. Eine
weitere Möglichkeit ist, daß /e/ hier im Ablaut zu /ä/ steht.
<kerekauna> 12b7 'Flut' (skt. /ogham/) ist wegen <‑auna> formal ein Pl., aber dem
Pronomen <ceˎ> zufolge ein Sg. Es könnte sich dabei um ein Kollektivum handeln.
<weñye> 16b3 ist ein Hapax und von Sieg/Siegling als 'Gerede' übersetzt (Thomas 1949,
S. 172). Leider befindet sich an dieser Stelle der Hs. ein Riß. Die vermutete Bedeutung
fügt sich nicht in den Kontext. Ich vermute, daß ein Schreibfehler für <wīna> 'Gefallen'
oder <weta> 'Kampf' vorliegt, da ein Suffix <‑ye> für das Verbalabstr. im Toch.
443
unbekannt ist. Das Verbalabstr. von √we‑ ist /welñe/. Natürlich ist es auch möglich,
<weñye> als Schreibfehler für <welñe> aufzufassen.
<ymai> 32b4 (Hapax) ist der Obl.Sg. von <ymiye> 'Weg' und wurde von Sieg/Siegling
mit 'beim Gang (Thomas 1949, S. 54), den Gang nehmend (op.cit. S. 159)' übersetzt. Die
Belege für den Obl.Sg. sind <yamai> (5x) und für den Obl.Pl. <ymain> (4x). Ich sehe in
<ymai> eine Schwatilgung wegen des Metrums. Ich vermute, daß die Passage <yamai
ynemane> (quasi Figura etymologica) lautete, und <ynemane> metri causa getilgt
wurde. Wäre es so, scheint der Obl. die Kernbedeutung eines Lexems ohne Konnotationen auszudrücken.
Š71‑105:
Araṇemi 75 (H149.302 + add.149.59 + 149.308); 93 sind nicht vorhanden; 73a und 73b
sind verschiedene Hss.; 86, 96‑98 sind MQ-Hss., die ich in II‑1 eingeordnet habe.
a) Paläographische Untersuchung:
71.4 <y> ist dreiteilig, <ś> ist zweiteilig:
<sk> ist normal, <l> ist dreiteilig:
; 71.5 <ñ> ist geschlossen:
.
73a2 <Kʾˎ> ist mit dem Virāmakomma normal:
und 72.2 /ṢPA/
73a2 <a‑> ist normal:
, 73a3 <SA>
; 73a2 <e> ist rechts lang und oben ornamental:
; 84b3 <au‑> ist normal:
73a5 /12/,
; 73a2 <MA>
sind normal.
<o‑> ist in einer Linie geschrieben:
gezogen:
; 73a2
89a3 /2/,
; 76a1
; 73a2 <ai‑> ist von oben nach unten links lang
.
89a5 /3/ sind die Versnummern.
444
73a5 und 81a3 zeigen die Interpunktionszeichen:
schnörkelloses Doppeldaṇḍa:
bzw.
; 81a4 zeigt
.
b) Linguistische Untersuchung:
<[p]ly[us]ts[i]> 71.2 ist ganz fraglich. Auf dem Photo sehe ich <ṣly. [s]ts. [w]e///>, wobei
<ṣly.> als <ply.> oder sogar <l.o> gelesen werden kann. Jedenfalls kann ich kein <u>
erkennen. Der untere Teil von <ṣl.> und <sts[i]> scheint zu einer anderen Hs. zu
gehören. Die Rückseite ist nicht beschrieben, aber an der betreffenden Stelle sind die
beiden Akṣaras <lyau> und <n.> sichtbar. Ich bin der Ansicht, daß diese kleinen
Fragmente (10-12 Stück?) nicht alle zu einer einzigen Hs. gehören.
Von der linguistischen Seite her betrachtet ist √plu- ebenfalls schwer zu beurteilen. Die
Kombination von Ps.VIII /plu-s-/, Ko.I /plyau-/, und Pt.III /plyau-s-/ ist in Ordnung. /pl/
und /ply/ markieren eine Opposition zwischen Ps. und Ko./Pt. Wenn <[p]ly[us]ts[i]> ein
Inf. sein sollte, müßte die Form <plyau(s)tsi> (Gv. oder Kaus. mit <s>) lauten, aber auf
dem Photo sieht man kein <au>.
Semantisch gesehen sind die Bedeutungen 'um zu schweben' oder 'um schweben zu
lassen' nicht plausibel. Die Auffassung rührt vielleicht daher, daß es im Kontext ein 'im
Luftraum' gibt, aber das betreffende Skt.-Wort /ākāśa/ bedeutet im buddhistischen
Zusammenhang nicht einen 'Himmel' im deutschen Sinne, wo man ‘schweben’ kann70.
Was die Syntax betrifft, so gibt es im unmittelbaren Kontext schon den Inf.
<[k]lāwästsi>, man braucht daher eine finite Form, z.B. <auntsate> 'er begann' oder
<campya> 'er konnte'. Daher plädiere ich dafür, daß die oben genannte Deutung
aufgegeben wird.
<[m]e[nne] urṇa> 71.6 ist unverständlich. Auf dem Photo ist <u> im Vergleich zu
<nn.> tief gesetzt, und zwischen <u-> und <rṇa> gibt es einen anderen Akṣara. Von
der Rückseite her gesehen ist dieser Teil, wie bei <[p]ly[us]ts[i]> oben, als ein anderes
70
Vgl. Edgerton 1953, p. 87. Nach Edgerton ist die Bedeutung von /ākāśa/ 'place, voidness, emptiness'.
445
Stück, das zu dieser Hs. nicht gehört, zu sehen. Wenn dem so ist, ist das Wort <urṇa>
aufzugeben.
<tsetsKAñoṣ> 73b1 ist ein Hapax, und Krause vermutet, daß die Form ein PPt. von
√tskän- ist (1952, S. 309). Ich vermute, daß hier ein Schreibfehler für z.B. <tSAṅkoṣ>
(von √tsäṅk- 'sich erheben') vorliegt, weil die zwei Konsonanten /tsk/ im Anlaut einer
Wurzel undenkbar sind, aber wegen der vielen Unklarheiten in diesen Hss. kann ich
keine Entscheidung treffen.
<mārgaṅKˎntaṣṣe> 73b5 bedeutet hier nicht 'part of the way' (vgl. Adams 1999, p. 49).
Ich erkenne darin einfach einen Schreibfehler für <gaṅKAṣṣe> 'von der Gangā', weil das
Wort sich auf <war> 'Wasser' bezieht. <mārga-gaṅKAṣṣe> ist denkbar, aber solch ein
Kompositum finde ich nicht, und dem Kontext zufolge ist <mārga> unnötig. Ich sehe
nach dem <Kˎ> eine Morphemgrenze, und der Schreiber hat <nta> (als Einfluß
anderer Pl.-Formen in dieser Hs.) und <ṣṣe> (Adj.-Suffix) hinzugefügt. Wegen der
Ungenauigkeiten in dieser Hs. scheint mir meine Ansicht plausibel zu sein.
<celentRA> 74a3 ist nach Krause (1952, S. 244) Ps.XII von √cel-eññ- 'zum Vorschein
kommen'. Ein anderer Beleg für diese Wurzel ist <celeñiyenTARˎ> S107a1. Beiden
Belegen zufolge ist der Bedeutungsansatz plausibel, aber Krauses Ansatz entspricht nicht
der normalen Wurzel- oder Stammstruktur. /ññ/ (nicht /eññ/) ist m.E. ein
Denominalsuffix, und wenn <[ce]leṃ> H150.104b4 ein Nomen (Obl.) ist, kann die
Wurzel /cele-ññ/ sein, aber der Ansatz <[ce]leṃ> H150.104b4 bleibt wegen der
Beschädigung unsicher. <celentRA> könnte sich um Ko. 3.Pl. von √täl- 'erheben'
handeln. <celeñiyenTARˎ> könnte ein Impf.3.Pl. von √celeññ- (Ps.XII) sein. Jedenfalls
sind die Belege nicht zahlreich genug, um diese Form (inklusive Ps.XII) genau beurteilen
zu können.
<tskertkane> 74a4 und <tskertkanempa> 74a5 sind Hapax legomena und schwer zu
beurteilen. Nach Adams (1999, p. 744) ist die Form 'dual', und die Bedeutung des Wortes
446
'calves (of the leg)', aber das Wort ist wie andere Wörter (<śuñc> usw.) sehr schwierig
und nicht bestimmbar.
Im Falle von <śuñc> (ein Hapax) ist es erklärungsbedürftig, ob das Wort mit skt. /śuṇḍā/
identisch ist. Phonologisch gesehen ist der Wandel von /ṇḍ/ zu <ñc> unerklärbar. Ich
nehme an, daß das Wort ein Schreibfehler oder eine Wiedergabe eines unverstandenen
Wortes ist. Das kann ich anhand von <airawantaṃtse>, <oṅkolmaits> und <sayi>
begründen. <airawantaṃtse> ist wahrscheinlich skt. /airāvaṇa/, der Name des Elefanten
Indras (im Buddhismus mit /elāpattra/ vermischt, Akanuma 1931, p. 190‑191), aber
<nta> bleibt unverständlich (Pl.?). <oṅkolmaits> wurde von Sieg/Siegling zu
<oṅkolmaṃts> emendiert. Ebenso ist <sayi> bei Sieg/Siegling zu <seyi> ‘des Sohns’
emendiert worden, aber in der airāvaṇa‑Legende kommt kein Sohn vor. Die Stellung von
<ramTˎ> im Satz ist ebenfalls merkwürdig. Ich verstehe nicht, warum <ramTˎ>
zwischen <sayi> und <śuñc> steht, obwohl es sich nicht um das Ende der Passage
handelt. Daher nehme ich an, daß <śuñc> ein Schreibfehler für z.B. <ṣaḍanta> 'sechs
Stoßzähne' ist, und der Schreiber über keine Kenntnisse in Geschichte, Grammatik (z.B.
<ne> für Dual oder Lok.) und Rechtschreibung hatte.
Zurück zu <tskertkane>: ich verstehe nicht, warum nur hier eine Dualform vorkommen
soll. Wahrscheinlich liegt ein Schreibfehler oder ein Mißverständnis vor. Von
<aineyentse> her gesehen paßt die Bedeutung 'calf' einigermaßen. Wenn aber diese
Bedeutung richtig wäre, wäre das Wort ein Schreibfehler für <ckāckane> Š589b5 oder
<ckāckaine>, wobei <‑ne> die Lok.-Markierung ist.
Wegen der Ungenauigkeiten in dieser Hss. ist es schwer, das Wort zu beurteilen.
<sauke> 74a4 ist unverständlich. Die weiteren Belege sind <sau ‑ke‑ ymā///> Š92b3
(<ke> ist mit Kreuz darunter ergänzt) und <saukeṃ walāneṃ> S429a5. <saukeṃ> ist
vermutlich nicht als <sauke> zu deuten, sondern zerfällt in <sau> (Demon.pron.
Nom.f.) und <keṃ> 'Erde'. Wenn <walāneṃ> 'glänzend' bedeutet, könnte die Passage
'diese glänzende Erde' bedeuten, wobei <sau> und <keṃ> Feminina sind.
<sauke> kann auch in <sau> (s.o.) und <ke> (Verstärkungspartikel) getrennt werden.
Wenn die Trennung das Richtige trifft, ist die Passage <lyāk sau ke taṅki> als 'sichtbar
ist sie doch sehr' zu übersetzen.
447
<ṣlyaṣṣai>, <rūki>, <sprāne>, <sesīnauŚʾˎ> und <wlaṃśli> 74.5: die Passage nach
der Versnummer 17 in dieser Zeile ist mir ganz unklar. Vielleicht bezieht sich die
Nummer auf eines der Merkmale Buddhas, aber ich kann die in Rede stehenden Wörter
mit keiner der dem Buddha zugeschriebenen Eigenschaften indentifizieren.
<hitaiṣi> 74b2 finde ich als Name bei Akanuma (1931) nicht. Falls er aus dem Skt.
stammt, ist er als hita‑eṣin‑ (von √iṣ‑) 'nach Nutzen strebend' zu analysieren. Die
Interpretation von Adams (1999, p. 727) 'Hitaiṣin' (PN of a former Buddha) ist plausibel,
und nach Edgerton ist der Name 'Hiteṣin/Hitaiṣin' in Mv iii.237, 236.11, 237.5 belegt
(1953, p. 620). Wenn die Zusammenstellung richtig ist, hat der Schreiber den skt.
Nom.Sg. /‑ī/ vorgefunden, und dieses /ī/ konnte nicht apokopiert werden, danach ist /ī/
verkürzt geschrieben worden.
<k[au]ñī> 76a2 ist unverständlich ('Tage'?). Ich nehme an, daß das Wort ein
Schreibfehler für <kau(ṃ)ñakte> ist.
Mit der Hs. 77 beginnt der Araṇemi‑Jātaka, und die Hss. sind sowohl inhaltlich als auch
morpho-phonologisch verständlicher als die Hss. 71‑76.
<ololyesa> 77a3 ist ein Hapax. Ein Schreibfehler für <olyapotse> ist denkbar.
<sasāllaṣ> 77a4 ist ein Hapax. Nach Krause (1952, S. 298) handelt es sich um ein PPt.
von √säl‑ 'springen'. Dem Pt.I <salāte‑ne> S109b2 zufolge ist der Pt.‑Stamm /sāl‑/,
deswegen ist <sasāllaṣ> als PPt. richtig, und <ll> steht für /l/ (nicht /ln/). Die
Gemination kommt in diesen Hss. oft vor. <kk> habe ich schon oben erwähnt, aber hier
sehe ich darin eher eine stilisierte Schreibung in dieser Araṇemi-Hss., wie bei
<KAllāTA> 78a3, das sicherlich eine 2.Sg. Ko. /kälāt/ von √käl- 'führen' ist.
448
<uw(eṃ)> 81a1 ist wegen des <u> schwer zu beurteilen. Die Belege sind <ṣKAss
ūwe///> M367b3 und <śtwer uweñˎ> Š589a5. Hier ist der betreffende Teil des Photos
nicht vorhanden, und der einzige sichere Beleg ist in Š589a5.
Nach Adams (1999, p. 71) liegt *wäwen‑ (← uridg. *ed- 'wissen') zugrunde. Die
Schwäche seiner Interpretation liegt darin, daß er uwe aus urtoch. *wäwen aus uridg.
*widwo(n) (adj. derivatives of *weid- 'to know') ohne Erläuterung der behauptete
Zusammenhang zwischen /dw/ und /w/ analysiert. Ich finde hierzu keine überzeugende
Lösung. <uwe> ist das einzige mit <u‑> beginnende toch. (?) Wort, und ich habe bei
MQR133‑146 in diesem Wort ein Lehnwort vermutet. Hier sei noch eine weitere
Möglichkeit vorgeschlagen: bei <nauṣu> 525b4 habe ich <u> untersucht. Die Pl.Formen von <nauṣu> sind M172a1 (<‑uw(e)nTˎ>), MQ151a2 (<‑uwe///>) und
H149add.123b4 (<‑uwente>). <w> kann man als einen Verbindungskonsonanten
verstehen. Wenn <piś uw(eṃ)> hier 81a1 univerbal aufzufassen ist, muß <piśuweṃ>
der Obl. von <piśuwe> 'Zahl von 5' sein, wobei <e> eine Nom.Sg.-Markierung sein
könnte. Die anderen Belege von <uwe-> zeigen in Verbindung mit <ṣKAss> '6' und
<śter> '4'. Sonst gibt es kein Wort /uwe/ im Toch. Daher halte ich /uwe/ für kein
selbständiges Wort.
<kalma> 82b5 ist ein Hapax, und nach Krause (1952, S. 235) ist es ein Pt.I von √kälm'bewilligen'. Die anderen Belege sind das Ps.IX <KAlmaṢṢAṃne> S591a5 und der Ko.I
<śilmaṃne> S331b3, den Krause lieber als Ko.I/II denn als Ko.V ansetzen möchte.
Wegen des Ps.IX möchte ich <śilmaṃne> als Ko.I einordnen. Diese Kombination ist
unbedenklich, aber <kalma> fügt sich weder semantisch noch vom Tempus/Modus (Pt.
und Opt. in einem Satz) her in den Kontext. Ich erkenne in diesem Wort eher ein Nomen,
und zwar eine Apposition zu <wi wäntarwa>. Möglicherweise haben wir es mit einem
Schreibfehler für skt. <kalpa> 'Satzung' oder <karma> 'Tat' zu tun, aber wegen der
Beschädigung ist keine sichere Entscheidung möglich.
<rupaśke> 83.3 ist ein Hapax, und nach Adams (1999, p. 539) stellt es den Obl.Sg. 'little
face' als Objekt zu <skāw[a]///> 'er hat geküßt' dar. <rupa> ist wahrscheinlich skt. /rūpa/,
und /śke/ ist das toch. Deminutiv-Suffix, aber solche eine Kombination finde ich weder
449
im Toch. noch im Skt. (oder BHS). Wenn es ein Obl. ist, wäre <rupaśkeṃ> zu erwarten,
vgl. z.B. <śamaśkeṃ> Š88a1. Für <‑śke> als Obl.-Form gibt es nur drei Belege
(<KAntwāśkesa> Š85b3, <werpiśkesa> MQ275a4 und <soṃśke> MQ576). Daher
möchte ich eine andere Möglichkeit in Erwägung ziehen, nämlich einen Schreibfehler für
das Adv. <RAskare> 'heftig', das zum Kontext gut paßt, oder für <upāsake>
'Laienanhänger' als Subjekt des Satzes, da es im unmittelbaren Kontext ein Obj. <‑ne>
'ihn' gibt.
<śaula preñcai> 83a4 ist wegen des <a> zwischen <l> und <pre> ein Kompositum.
Dieses <a> ist // (Anaptyxe).
<appakke> 83.4 ist ein Diminutiv von <āppai> (Obl.) Š85a2. <kk> ist vermutlich wie
in <larekka> 83.5 aus /śk/ entstanden. <pp> kann ebenfalls durch Assimilation zweier
Konsonanten entstanden sein (s. ad <āppantse> b4 Š589).
<sr.kañce> 85a1 ist ein Hapax. Wenn der Vokal von <sr.> klar ist, kann man das Wort
z.B. als <sraukañce> von √sruk‑ analysieren. Von Adams vermutetes 'hoarse' (1999, p.
722) oder 'strong' (nach VW, Adams 1999) ist nicht überzeugend.
<ylā re ka klau .[k]. [TA] rra ske ma ne> 85a3 haben Sieg/Siegling als /ylāre kaklautk[au
TA]rraskemane/ transkribiert, und Krause hat in seiner Grammtik (1952, S. 247)
<TArraskemane> (ein Hapax) von √tär‑ 'mahnen' (?) oder 'beruhigen' (?) hergeleitet.
Ich kann auf dem Photo kein <tk[au]> erkennen. Meine Transkription ist /ylāre kā
klautkot räsäskemāne/, und meine Übersetzung 'doch schwach wird er, (aber) antreibend'. Demnach wäre die √tär‑ zu beseitigen.
<st(aukKA)ske[ma]ne> 85a5 ist paläographisch nicht korrekt ergänzt. Auf dem Photo
sehe ich kein <‑au>, sondern <‑i> oder <‑e>. <kKA> ist unmöglich, da <KA> unten
nicht zu erkennen ist, obwohl es genug Raum dafür gibt. Vielleicht ist statt dessen ein
<m> oder <n> anzunehmen. Vermutlich ist es als <stināskemane> 'schweigend'
(Krause 1952, S. 301, √sti-n-āsk- (?) 'schweigen') zu lesen.
450
<tāksoyMˎ> 85b1 ist ein Hapax. Krause hat das Wort als √tāks‑? 'zerschlagen' (?)
gedeutet (1952, S. 246), aber ich nehme an, daß hier ein Schreibfehler für <tākoyMˎ>
vorliegt.
<tRAntācce> 85b3 ist ein Hapax. Adams hat es mit <tranto> verknüpft, und die
Bedeutung '±swollen' angesetzt (1999, p. 314). Beide Wörter sind unklar. Auch hier
nehme ich an, daß ein Schreibfehler z.B. für <triwaicce> von √triw‑ 'sich vermischen'
vorliegt. <tRA> für <tri> ist phonetisch nicht ausgeschlossen, und <ntā> für <wā>
oder <wai> ist von der Gestalt des Akṣara her möglich.
<mrakwe> 88a3 ist ein Hapax und möglicherweise durch einen Schreibfehler entstanden. Von <mra> her gesehen könnte es sich um <mrauskalñe> von √mrausk‑
handeln, weil <mr> außer bei dieser Wurzel im Toch. nicht vorhanden ist (<mrañco>
Y500.4 ist ein Pflanzenname). Wenn dem so ist, ist die Bedeutung auch vom Kontext her
plausibel. Eine vorläufige Übersetzung dieser Passage ist 'ihm trat ein Überdruß ein' (=
er wurde überdrüssig), wobei <‑ne> ('ihm') in dieser Passage wie gewöhnlich ans
Verbum suffigiert ist.
<portsaisa> 88a3 ist ein Hapax. Adams hat das Wort "lege: porsnaisa" korrigiert und zu
"porsno* 'ankle' (?)" gestellt (1999, p. 404), aber ein solches Wort existiert nicht. Es geht
um eine Sänfte für den Uttara, aber ich kann nicht feststellen, ob es ein Erbwort oder ein
Fremdwort ist, oder ob hier ein Schreibfehler vorliegt.
<māṃtsalyñe> 88a4 vertritt wahrscheinlich /māntālñe/ von √mänt‑ 'verletzen'. Der
Schreiber hat <ts> mit <t> verwechselt oder unbewußt nach /n/ geschrieben.
<tremeṃ> 88a6 ist nach TEB II (S. 201) und Adams (1999, p. 319) Obl.Pl. von /tremi/
(ohne Sternchen), aber ein Sg. <tremi> ist nicht belegt, sondern nur Nom.Pl. (/tremeñ/
MQR123a5, H149add.134b4). Das Wort ist ein Pluraletantum, wie in TEB und Adams
geschrieben (l.c.), und der Bedeutung 'Zorn' zufolge möglicherweise ein Kollektiv.
451
<(ku)rār lūwo> 88b1 ist ein Hapax. Adams (1999, p. 184) gibt die Bedeutung mit
'osprey' an und kommentiert: "a compound of kurār (< BHS kurara‑) + lūwo ʽanimalʼ".
Auf dem Photo kann ich kein <ku> erkennen, die Lesung <rā> ist sicher, die Lesung
<rlū> relativ sicher und <wo> ist deutlich lesbar. Nach <wo> hat das Papier einen Riß
und gebrochenen Teil:
.
Eine Komposition von skt. /kurara/ Sg.f. 'Meeradler' mit toch. <luwo> Sg.m. 'Tier' wäre
ungewöhnlich. Skt. /kurara/ kommt normalerweise in buddhistischer Literatur nicht vor,
nur /kulala/ kommt kombiniert mit /gṛdhra/ und kāka/ vor (vgl. Edgerton, 1953 p. 188) .
Ich vermute, daß <(ku)rār> sich um ein anderes Wort als /kurara/ oder /kulala/ handelt,
aber ich möchte es wegen der Unsicherheit lieber auf sich beruhen lassen.
<parki> 90b5 ist quasi ein Hapax. Ein anderer Beleg wäre <///sa parki yā///> in
H150.125a3, das aber unsicher ist. Nach Krause hat das Wort ein i‑Formans:
<kauṃ‑parki> 'bei Sonnenaufgang' (Krause 1952, S. 49, auch <kompirkomeṃ> 'bei
Sonnenaufgang' S. 258) und gehört zu √pärk‑ 'aufgehen'. Das ist plausibel, aber nicht
ganz sicher. Die Passage ist nach Sieg/Siegling </// [.e]kau[na] kauṃ parki> zu lesen
(Thomas 1953, S. 28). Auf dem Photo ist vor <kau[n].> nicht <re>, sondern <[RA]>
zu erkennen, und dazwischen ist noch etwas Raum. Es ist möglich, daß die Passage <‑Rˎ
kaunakauṃ> 'Tag für Tag' lautete, obwohl ein solches Kompositum nicht belegt ist.
Wenn dem so ist, könnte <parki> eine Opt.- oder Impf.-Form sein, obwohl <k> nicht
palatalisiert ist, und die Wurzel keinen Ko. und kein Ps. aufweist.
<warporṣe> 91a2 ist ein Hapax. Möglicherweise ist es ein Adj. von /wärpor/ (√wärp‑
'genießen'). <warpoṢAṃtS> in 91b2 ist ebenfalls ein Hapax und könnte ein Gen.Pl. vom
substantivierten PPt. von √wärp‑ sein. Beide Wörter sind Neuschöpfungen, und in AToch. findet man solche neuen Wortbildungen häufiger.
<śpaluwentatSʾˎ> 91b2 ist ein Hapax und scheinbar ein Gen.Pl. von /śpālu/ (TEB. S.
248), aber kein solches Wort existiert. <uwe> könnte dasselbe Morphem wie bei
452
<piśuw(eṃ)> 81a1 sein (andere Belege sind <ṣKAssūwe///> M367b3 und
<śtweruweñˎ> Š589a5).
<cärkenta> 91b4 ist quasi ein Hapax und schwer zu beurteilen. Die weiteren Belege sind
92a5,a6. Alle drei befinden sich in dieser Hss.-Gruppe. Nach Adams (1999, p. 252)
bedeutet das Wort 'garland' und wird als "a nominal derivative of ²√tärk‑" erklärt, aber
<c‑> bleibt erklärungsbedürftig.
Anscheinend ist <cärkenta> ein Obl.Pl., aber die Bedeutung ist nicht zu bestimmen.
Dem Kontext zufolge könnte das Wort ein buddhistischer Terminus sein, z.B. 'Verdienst'
oder 'Dharma-Rat'. Eine Möglichkeit bietet sich in skt. /cakra/, das sich schon im Toch.
eingebürgert hatte, aber das Wort <cärkenta> kommt nur hier und in 92 vor. In dieser
Hss.‑Gruppe treten oftmals Fehler oder mißverstandene Wörter auf. Deswegen hat der
Schreiber /cakra/ m.E. fälschlich mit Metathese geschrieben.
<[n]t. kartte> 92a4 wurde von Sieg/Siegling zu <(lā)[n]t(e)> verbessert. Das ist m.E.
eine richtige Ergänzung. Nach 'vokalischem Sandhi' von TEB I (S. 62) kann der Vokal
<e> oder <a> sein. Auf dem Photo kann man nicht erkennen, ob ein <‑e> oder ein
<‑a> vorliegt. Ich nehme an, daß es keine Sandhi‑Regeln im Toch. gab und ein
morphologisch wichtiger Vokal enthalten sein mußte, wenn zwei Vokale nicht erlaubt
waren. Wenn dem so ist, kann hier <a> vorliegen, da <akartte> ohne <a> nicht
verständlich gewesen sein dürfte. <e> ist auch möglich, wenn damals <akartte> ohne
<a> verständlich war.
<PAlle[n]tn(e)> 92b1 ist nach Adams (1999, p. 379) pälleu* (n) 'full‑moon', und <‑ne>
markiert den Lok. 'in its fulness'. Auf dem Photo ist der obere Teil von <(n)[t]n>
abgebrochen. Auf dem nächsten <ṣ> sehe ich kein <‑e>, sondern ein <‑a> (kein
Vokalzeichen), daher ist die Ergänzung von Sieg/Siegling <ṣ(eṣṣirku)> ausgeschlossen.
<meñ‑PAllentn(e) ṣ.> könnte als <meñ‑PAllent> und <n.ṣa///> gelesen werden.
<PAllent> kann ein bestimmtes Datum bezeichnen, z.B. den Tag des Vollmonds (14ter
oder 15ter im Monat). Dieses Argument wird durch <[MAkte] meñe (PA)llenTˎ
posTAṃ> S292b1 und <PAlle[nta]ṣṣe [m]eñe> Š71a5 erhärtet. Ein anderer Beleg ist
453
<pratiwat meṃ PAllent[a]///> MQ439.3 (Rechen-schaftsbericht), und auch dies meint
wahrscheinlich ein Datum, und zwar 'von Monatsanfang (bis zum) 14ten oder 15ten des
Monates'. Diesen Gebrauch gibt es auch in Japan: 十五夜 jūgoya (die 15te Nacht), die
den Vollmond bezeichnet.
<temeñce> 94a5 zeigt sich in Š14b4 (nicht mehr vorhanden) und Š337b1 (Periode II‑3).
Ich vermute, daß dies in <temeṃ> (Abl. vom Demon.pron. 'davon') und <ce>
(Demon.pron. Obl.Sg.m. oder Relat.pron. Obl.Sg. /kwce/) zerfällt, wobei <ñ> wegen des
<c> palatalisiert eintrat. Die Funktion von <ce> könnte ein anaphorisches 'das' oder
konjunktionales 'denn' gewesen sein oder die einer Verstärkungspartikel 'da'. Danach
wurde /teméñce/ durch /teméñc/ (Apokope wegen des Akzent) zu /temeñ/ (Verlust der
Verschlußlaut /c/) verkürzt und verallgemeinert. Adams schlägt die umgekehrte Richtung für Abl.-Markierung vor (‑ñ → ‑n, 1999, p. 305). Das kann nur dann als plausibel
gelten, wenn <ñ> gut erklärt wird. Das von Adams zitierte <tsukälemeñṣ> (Lévi,
1913:320 fn. 1) ist als Abl. sehr fraglich. Lévi liest das recto 3 als <śamaskaṃ
tsuKAle(pe)ñä>. Am Ende dieses Dokuments kommt nochmals <śamaskeṃtse
tsuKAle> vor (verso 5 mit Gen.-Subjekt). Krause hat dieses <tsuKAle> als Ger.II
bestimmt (1952, S. 277). Ich nehme an, daß Krause recht hat. Wenn dies zutrifft, ist
<(pe)ñä> keine Abl.‑Markierung, sondern ein anderes Wort. Eine andere Lesung ist
auch möglich, z.B. <ṣäñä> für /ṣäñ/ 'eigen', aber mir ist die Hs. nicht verfügbar.
Jedenfalls ist <meñä> keine alte (oder originale) Abl.‑Markierung, da die Datierung
dieser Hs. nicht alt ist (m.E. II‑3).
<krostaṃñe> 100b2 ist nach Adams: ʽcold(ness)ʼ a nominal derivative of krośce (1999, p
219). <st> ist jedoch nicht aus <śc> von /krośce/ 'kalt' herleitbar. Nach meiner Meinung
ist <‑śce> der Nom.Sg. (mit palatalisierendem /e/), und <‑sta> die Obl.Sg.
<karītsñe> 100b2 ist ein Hapax. Wenn das Wort mit <kari> von <kariśkenta> 558b1
identisch ist, könnte <karitsñe> 'Eigenschaft der Frucht' bedeuten, nicht '±wetness' wie
bei Adams (1999, p. 143).
454
<PAllarṣke> 101.5 ist ein Hapax. Die Wortbildung könnte Ps.‑Stamm /pällā/ (Ps.VI) +
/r/ (Verbalnomen) + Suffix /ṣke/ sein, was eine Analogie zu <lalaṃṣke> oder
<takarṣkana> darstellen kann. /r/ bildet Verbalnomina vom PPt. (mit /‑o/). Dieses vom
Ps.-Stamm gebildete Wort ist eine Neuschöpfung aus relativ späterer Zeit.
<ranoṣṣe> 101.5 besteht wahrscheinlich aus zwei Wörtern: <rano> 'auch' und <ṣṣe>,
dessen Gemination nach Vokal eintrat. /ṣe/ 'eins' ist Sg.m. wie auch <cme[l.]///>, wenn es
<camel> vertritt.
<atyai> 104a4 ist anscheinend Obl.Sg. von /ātiyo/ oder /ātiyā/ 'Gras', aber hier paßt die
Bedeutung nicht, und vor <ram(t)> kommt normalerweise ein Nom. oder ein Adv. vor.
Ich vermute, daß hier ein Schreibfehler für das Adv. <ate> 'heraus, weg' vorliegt, aber
wegen der Beschädigung kann ich keine Entscheidung treffen.
Š169:
a) Paläographische Untersuchung:
a5 <y> ist dreiteilig:
; b3 <ñ> ist geschlossen:
<l> ist dreiteilig und unten flach:
a1 <Tˎ> ist oben nicht rund:
; a4 <Mˎ> ist extrem eckig:
; a4 <śˎ> ist zweiteilig:
; b4
.
; b2 <ṢPˎ> und b1 <KA> sind normal:
bzw.
.
In dieser Hs. kommt kein Virāmastrich vor.
b2 <a‑> ist links etwas kursiv:
; b1 <o‑> ist in einer einzigen Linie geschrieben:
.
455
a3 und b5 zeigen die Interpunktionszeichen:
bzw.
.
b) Linguistische Untersuchung:
<ñakesa> a2 ist ein Hapax. Scheinbar besteht es aus dem Adv. /ñäke/ + /sā/ Perl.Markierung, aber eine solche Bildung ist sonst nicht belegt. Dem folgenden <warñai>
zufolge kann das Wort ein Personenname sein, oder es handelt sich um eine
Verschreibung von <ñaresa>. Wegen der Beschädigung kann ich diese Zeile inklusive
<kaṅkau ṣai> (Fehler für <gaṅk>?) nicht genau beurteilen. Dazwischen steht
<tSAlpelyñeṣai>, und diese Phonemfolge stellt m.E. zwei Wörter <tSAlpelyñe>
(Krause 1952, S. 308) und <ṣai> dar: 'es war eine Erlösung (nirvāṇa?)'.
Š293:
a) Paläographische Untersuchung:
a3 <y> ist dreiteilig, <t> ist leicht flach:
normal:
; a1 <ñ> ist geschlossen, <m> ist
; b1 <ś> ist zweiteilig, <n> ist wie <t> gestaltet:
; a2 <l> ist dreiteilig:
.
a2 <LTA> ist normal, aber die Kombination der zwei Fremdzeichen ist nicht alt:
a3 <MA> ist normal:
; b2 <Kʾˎ> ist mit Virāmakomma normal:
a3 <e‑> ist rechts lang:
; b1 <ai‑> ist normal:
a1 /16/,
a3 /17/ und
;
.
.
b2 /(1)8/ sind Versnummern. Die /8/ ist oben und
unten separat geschrieben.
456
b) Linguistische Untersuchung:
<aitkatñe> a1 ist ein Hapax, und bei Adams (1999, p. 103) ist das Wort als aitkattäññe
unter aitkatte erfaßt. Beide Wörter existieren jedoch nicht. In H149.45b4 steht
<aikaccepi kleśanma>, und wegen der Beschädigung kann man die genaue Bedeutung
nicht erschließen ('nicht spaltbare Trübungen'?). Bei Š521 findet man <ks(e) su aitk///>,
aber gerade das Wortende fehlt.
<aitkatñe> ist auf dem Photo nicht ganz sicher zu lesen. <ai‑> ist nicht wie <ai‑> von
<aiśaumye> b1 geschrieben. <wa> wäre ebenfalls möglich. <t> kann als <n> gelesen
werden, weil in dieser Hs. <t> und <n> nicht unterscheidbar sind. Daher vertritt das
Wort möglicherweise <watkan>. Dieses <watkan> kann ein Ko. von √wätk- sein,
obwohl der Ko.-Stamm nicht sicher ist (s. ad MQ255). Jedenfalls ist das Wort weder
paläographisch noch semantisch klar. Es gibt immer die Möglichkeit eines Schreibfehlers
bei Hapax Legomena. Ich möchte das Wort inklusive des Präfixes */æ(n)/ von Hilmarsson (1991, p. 56) auf sich beruhen lassen.
Š337:
a) Paläographische Untersuchung:
b4 <y> ist dreiteilig:
dreiteilig:
; b2 <ñ> ist geschlossen:
; b1 <l> ist dreiteilig:
; b5 <ś> ist zwei- und
.
b3 <ṅ> ist links verbunden, <KA> und <Ṣ> sind normal:
<Mʾˎ> sind eckig:
bzw.
; a4 <Sˎ> ist oben rund:
457
; b1 <PA> und a4
.
b2 <a‑>,
a3 <i‑> und
und oben verdickt:
sind normal:
b1 <u‑> sind normal; b5 <e> ist rechts lang
; b5 <o‑> ist links verbunden:
bzw.
a2 /18/,
.
a4 /19/ und
b3 /20/ sind die normalenVersnummern.
a5 und a4 zeigen die Interpunktionszeichen
Doppeldaṇḍa:
; a1 <ai‑> und a4 <au‑>
bzw.
, a2 den schnörkellosen
.
b) Linguistische Untersuchung:
<-ṣe> ist in <waipeceṣe> a2 und <PArkāwṣe> a3 nur in dieser Hs. belegt. Es handelt
sich wahrscheinlich um eine Neubildung aus späterer Zeit (Adj. mit <ṣe>).
<o[m](t)e [tn]e[r]ita> b4 ist unverständlich. Auf dem Photo erkenne ich unter <me>
nichts und lese <kne> statt <tne>. Ich vermute einen Schreibfehler für <om taikne
rine>: 'dort in solcher Art und Weise (/te yäkne/) in der Stadt, '.
Š364:
a) Paläographische Untersuchung:
b3 <y> ist dreiteilig:
; a4 <ñ> ist geschlossen und <-i> hat die junge Form:
a7 <śa> ist zweiteilig:
; b8 <la> ist dreiteilig und oben ornamental:
458
.
;
a7 <MA>,
b1 <TA>,
b5 <Sˎ>,
b5 <rṢˎ> und
a4
<Śˎ> sind normal.
a2 <ā> ist unten leicht ornamental:
; b8 <o‑> ist zweiteilig:
b3 und a2 zeigen die Interpunktionszeichen
bzw.
.
.
b) Linguistische Untersuchung:
<ymanār> b7 ist ein Hapax, und wegen der Beschädigung kann ich es nicht analysieren.
Vermutlich liegt ein Schreibfehler vor. Auch wenn es ein selbständiges Wort sein sollte,
kann ich Hilmarssons Argumentation (TIES 5, 1991 p. 164-166 ‘en route, under way’ mit
Fragezeichen) nicht nachvollziehen.
Š380-382:
a) Paläographische Untersuchung:
380a7 <y> ist dreiteilig:
; 381b8 <ñ> ist geschlossen:
zweiteilig und links stark gekrümmt:
380b3 <ṢPA>,
380b3 <a‑> ist normal:
zweiteilig und normal:
könnte es ein /ō/ vertreten:
; 380b2 <l> ist dreiteilig:
382b8 <KTA> und
; 382a3 <ś> ist
.
380b3 <SA> sind normal.
; 381a4 <e‑> ist oben gekreuzt:
; 382b6 <o‑> ist
; 382b6 <au‑> ist von <o‑> beeinflusst. Wenn dem so ist,
. 381a7 <au‑> ist hingegen normal:
459
.
380b8 /1/ ist eine Versnummer, aber nur die /1/ kommt in diesen Hss. vor. Denkbar ist
auch, dass es sich bei diesem Zeichen um ein Interpunktionszeichen handelt:
380b3 zeigt das Interpunktionszeichen:
, 381b8 den schnörkellosen Doppeldaṇḍa:
;
.
b) Linguistische Untersuchung:
<kamtsante> 380a6 ist nach Krause (1952, S. 230) als Pt.VI von √käm- 'kommen'
gebildet. Ein weiterer Beleg ist <kamtsatai> in H149.15a2.
Es handelt sich wahrscheinlich um /kāmsānte/ (Pt.) von √käm-, derer Pt.-Stamm die
Varianten /śem-/ für den Akt.Sg. und /käm-/ für den Akt.Pl. aufweist. /kāmsā-/ für den
Sg./Pl. Med. im s-Pt. bleibt unverständlich. Vor allem ist ein Med. von dieser Wurzel
bedenklich, da die √käm- intr. ist. Außer diesen zwei Med.-Formen bietet Krause nur
<śanmīmaR krentaṃ mp eṣe> (F, S 4b3). Dies kann m.E. ein Opt. 1.Sg.Med. von
√śänm- 'binden' sein. Wenn diese drei Med.-Formen nicht zu √käm- gehören,
verschwindet die Problematik. Es bleibt aber die Frage des Pt.VI. Diese Klasse ist zwar
unregelmäßig, aber eine derartige Unregelmäßigkeit innerhalb einer Kategorie halte ich
für dubios (oder sogar unmöglich). Wenn diese Formen wirklich zum Pt.VI gehören
sollten, müßte es sich um eine Neuschöpfung aus einer späteren Periode handeln. Ich
möchte <kamtsante> für solche Neuschöpfung halten.
<aurtsesa> 382b6 ist nach Adams (1999, p.133) ein Adv. mit der Bedeutung 'fully'.
Anscheinend ist das Wort ein Perl. von /aurtse/ 'breit', aber das Adj. kann normalerweise
keinen Perl. bilden, und ein Adj. kann auch allein als Adv. benutzt werden.
Möglicherweise ist dieses Adj. deshalb nominalisiert. Die Belege dieses Wortes (8x) sind
nicht alt, deswegen ist es möglich, diese Form als Neuschöpfung aufzufassen.
M195:
460
a) Paläographische Untersuchung:
b5 <y> ist dreiteilig:
<l> ist dreiteilig:
; a5 <ñ> ist geschlossen:
; b2
.
a1 <SAṃ> ist oben nicht rund:
rund:
; b6 <ś> ist zweiteilig:
; a2 <PA> ist normal:
; a3 <Mˎ> ist oben rechts spitz:
; a2 <Tˎ> ist oben nicht
; b2 <Ṣˎ> ist normal:
.
In dieser Hs. kommt das Virāmakomma nicht vor.
a5 <a‑> ist normal:
<e> ist rechts sehr lang:
; a3 <i‑> schnörkellos:
; b2 <u‑> ist normal:
; a5 <o‑> ist in einer Linie geschrieben:
a4 das Interpunktionszeichen:
; b6
.
. In dieser Hs. kommt der Doppelpunkt nicht vor. a4
zeigt den oben und unten geschlossenen Doppeldaṇḍa
.
b) Linguistische Untersuchung:
<wiṣaiyntane> a2 ist Lok.Pl. von skt. /viṣaya/, und <aiy> ist altertümlich für /a/.
Vielleicht wurde aber die Schreibung aus der Vorlage übernommen.
<yaukkasTARˎ> a2 ist Ps.IX von √yaukk‑, dessen <kk> ich als spätere Schreibung
werte. Es findet sich bei dieser Wurzel kein Ablaut (gleiche Ps.‑, Ko.‑ und Pt.‑Stämme),
und die 3.Sg.Med. endet auf <‑TARˎ>. Letzteres kann m.E. nicht alt sein. Die Belege
für diese Wurzel sind ebenfalls nicht alt (der früheste ist MQ590 aus der Periode II‑1).
Zu <kk> s. ad <stastaukkauwa> 9b7.
<upetya> a3 ist ein Hapax und kann skt. /upeta/ (upa + PPt. von √i-) oder /upeti/
'Annäherung' vertreten. aber <tya> bleibt erklärungsbedürftig. Ich finde das Wort im
461
Skt. oder BHS nicht. Das folgende Wort, <indrintaSˎ>, ist ein Schreibfehler für den
Gen.Pl. <indrintaṃtSˎ>. Ich finde in dieser Zeile mehrere Ungenauigkeiten.
<tswaññe> und <a[ku]ha> a5 sind unverständlich. Wahrscheinlich gehören diese
Wörter in die buddhistische Terminologie des Skt. (oder BHS). <tswaññe> kann
<tswelñe> (Ps.III) von √tsu‑ 'sich fügen' sein, aber ein solches Wort ist nicht belegt. Ich
nehme an, daß der Schreiber keine hinreichenden Kenntnisse des Skt. besessen hat.
Es finden sich noch weitere unverständliche Schreibungen in Zeile 4: skt. <(a)[g]re ktāś
ca> 'in Spitze (Lok.) gemachte (Pl.) ' oder so gar ein Kompositum 'die Höchsten' ist im
Toch. irrig mit <yaikoṢˎ sasainoṢˎ> (ohne <ṢPA>) 'entfernt(e) gestützt(e)' (Obl.Sg.m.
oder Nom.Pl.m.) übersetzt.
<wināññetstse> b5 ist ein Hapax und schwer zu beurteilen, ob es aus /winā/ + /ññe/ +
/tstse/ oder /wināññ/ + /(e)tstse/ besteht. Im ersten Fall sind die doppelten Suffixe
unnötig. Im zweiten Fall ist /wināññ/ unmöglich, weil das ein Verbalstamm ist. Das Wort
weist jedenfalls m.E. eine falsche Schreibung auf.
<yumāne> b6 in <[d]śṭaṃ ‣ se ekantse yumāne> ist schwer zu beurteilen. Hier finde
ich die Bedeutung 'reifend' (TEB II, S. 227) nicht geeignet. Krause hat das Wort nicht
unter √yuw‑ zitiert. Adams hat es mit 'ability' übersetzt (1999, p. 502). Ich weiß nicht, auf
welche Weise 'ability' und 'reifend' zueinander in Beziehung stehen können. <yumāne>
kommt 7x vor, und außer hier paßt die Bedeutung 'reifend' einigermaßen. Daher
vermute ich bei diesem Wort ein Mißverständnis des Schreibers. Sinngemäß ist 'ability'
(nur hier) passend, deswegen könnte es ein Schreibfehler etwa für <cämpalle> sein,
oder es könnte ein Fehler für <yukṣemāne> vorliegen, das ein PPs. von √yuk‑
'überwinden' ist. Solche Unverständigkeit kommt in dieser Hs. mehrmals vor, nicht nur
mit semantischen, sondern auch mit morphologischen Auswirkungen. Im vorliegenden
Fall stimmt oft auch die Schreibweise nicht, vgl. z.B. <waikke weñña> für <waike
weña> b7.
462
M346‑347:
Ich habe M348 wegen der alten Nummer (M169.15) in II‑1 eingeordnet, aber M348
sollte eigentlich hier eingeordnet werden, da der Duktus außer bei wenigen Akṣaras, z.B.
<k>, fast gleich ist. Es ist immer schwierig, den genauen Platz einer Hs. innerhalb der
Periode II 1‑3 zu bestimmen.
a) Paläographische Untersuchung:
346a2 <y> ist dreiteilig, <ñ> ist geschlossen:
346a1 <l> ist dreiteilig:
346a3 <Ṣ> ist normal:
; 346a1 <ś> ist zweiteilig:
; 346a5 <k> ist vertikal nicht lang:
; 346a4 <Lʾˎ> ist horizontal
; 346a4 <PA> und 347b3 <Mʾˎ> sind normal:
<TA> ist oben rund:
.
; 347b2 <Śʾˎ> ist wie <y>, aber von links unten bis in die
Mitte ist dieser Akṣara in einer Linie geschrieben:
nicht breit:
;
bzw.
; 347b4
.
Virāmakommata sind durchgehend geschrieben.
346a4 <a‑> ist an der senkrechten Haste kurz:
Virāmakomma normal:
; 346b2 <e‑> ist rechts lang, oben nicht ornamental:
346a1 <o‑> ist oben lang ausgezogen:
346a2 zeigt das Interpunktionszeichen:
Doppeldaṇḍa:
; 346a5 <ʾˎ> ist mit
; 346b3 <ai‑> ist normal:
;
.
, 346a3 den oben und unten geschlossenen
.
b) Linguistische Untersuchung:
463
<aiśomyi> 346a1 steht für <aiśaumyi> (Pl.). Beispiele für die Monophthongierung von
<au> zu <o> lassen sich für die Periode II‑3 in großer Zahl finden.
<-ñe> von <soyñe> 346a2 vertritt <‑lñe>. Diese Erscheinung läßt sich oft für die
Periode II‑3 belegen. Möglicherweise hat sich <ylñe> über <yṃñe> zu <yñe> entwickelt, aber nach Vokale ist <lñe> bewahrt, z.B. bei <putkalñe> 346a2. Dies deutet
auf eine Vermeidung des Konsonanten in der Ligatur hin.
<sāʾˎ> 346a5, <ceyˎ> und <nreyntane> 347b3 sind altertümliche Schreibungen,
aber das Virāmakomma oder Trema halte ich nicht für alt (frühestens nach der Periode
II‑1). Möglicherweise ist diese Hs. eine Kopie von einem nicht ganz alten Muster.
<tsyohkñaimpa> 346b5 könnte dem <hk> zufolge ein uigurischer Nome sein. Wenn
dem so ist, könnte <tsyohk> ein uig. /tsöγ/ vertreten, aber /ts/ ist kein uigurisches
Phonem. Ein chin. Name ist auch möglich. Es handelt sich sicherlich um kein toch. Wort,
obwohl ein toch. Kom. vorliegt.
<yeweṃ> 347a5 (<weṃ> ist unten nachträglich zugefügt) steht für /yepeṃ/ Obl.Pl.m.
'Messer'. Ich nehme an, daß /p/ zwischen Vokale zu <w> eine spätere Lautentwicklung
darstellt.
M367:
a) Paläographische Untersuchung:
b1 <y> und <l> sind dreiteilig:
<ñ> ist geschlossen:
; b1 <ś> ist zweiteilig, <n> ist normal:
.
464
; b2
a1 <Ṣ> ist normal, <TA> ist oben nicht rund (wie <PA>, ein Schreibfehler ist
denkbar):
normal:
; a3 <ṢPA> ist normal:
; a7 <Sˎ> ist ohne Virāmakomma normal (oben links etwas runder):
a7 <a‑> ist normal:
; a5 <o‑> ist oben zusätzlich lang gezogen:
unten rechts ornamental:
.
; b2 <ai‑> ist
.
b4 /1/ ist eine Versnummer:
bzw.
; a6 <Mʾˎ> ist mit Virāmakomma
. a5 und b3 zeigen die Interpunktionszeichen:
, a6 den unten geschlossenen Doppeldaṇḍa:
.
b) Linguistische Untersuchung:
Wegen der Beschädigung gibt es nichts zu erwähnen.
M378‑9:
Der Duktus ist fast gleich wie in M377, die ich in die Periode II‑1 eingeordnet habe. Die
Sortierung ist nach der alten Nummer durchgeführt, wie bei M346‑7 (II‑3) und M348
(II‑1).
a) Paläographische Untersuchung:
Die einzige Merkwürdigkeit findet sich in 379a4, dessen <‑o> links wie <‑e> geschrieben ist:
. Das kommt in späteren Hss. vor (meistens in II‑3).
b) Linguistische Untersuchung:
Wegen der Beschädigung gibt es nichts zu erwähnen.
M577:
465
Der Duktus ist gleich wie in M578‑579. Wegen der alten Nummerierung (146.6, 135.7
und 169.17) habe ich M578‑579 in die Periode II‑1 eingeordnet. Ich führe nur die linguistische Untersuchung durch.
<parksantene> a6 ist nach Krause (1952, S. 264) ein Pt.III von √prek‑ 'fragen'. Im
Paradigma ist dies außer dem dubiosen <///p(a)rksat> H150.41a3 die einzige Form mit
<parksa‑>, sonst kommt durchgehend <preksa‑> vor, das nach LIV als Aorist auf
*prḗ/pré-s- zurückgeht (S. 442). B-toch. /e/ kann über urtoch. */æ/ auch aus uridg. *o
herstammen. <a> von <parksa> kann nicht aus dem Urtoch. oder Uridg. erklärt
werden. Die Wurzel √prek- könnte aus *p- entwickelt sein (// → /rä/ → /re/). Die
Beziehung zwischen /e/ und /ӓ/ ist, wie erwӓhnt, noch nicht klar, aber eine Herkunft
dieses <a> ist nicht aus /ӓ/, sondern eine Neuschöpfung oder Analogie. Eine Verschreibung ist wegen quasi Hapax nicht auszuschließen.
<ne ṣameṃ> b2 ist vielleicht ein Schreibfehler für <nauṣameṃ>.
<ka> von <ka koraiṃ> b2 kann eine Verstärkungspartikel sein, aber die Stellung nach
<posTAṃ> ist ungewöhnlich. Vielleicht ist es ein Schreibfehler, z.B. für <kakārpau>.
M582‑583:
a) Paläographische Untersuchung:
582a2 <y> ist dreiteilig und eckig:
ist zweiteilig:
; 582b1 <ñ> ist geschlossen:
; 582b2 <l> ist dreiteilig und eckig:
466
.
; 582b1 <ś>
582a3 <Pʾˎ> ist mit Virāmakomma normal:
normal:
bzw.
; 582a5 <MA> und 582b4 <Śʾˎ> sind
; 582b2 <KA> ist vertikal etwas lang:
(nach Sieg/Siegling), aber <TA> ist ebenfalls möglich:
.
583a5 <a‑> und 582b4 <i‑> sind horizontal etwas breiter:
<e‑> ist rechts lang und oben ornamental:
bzw.
; 582a4
; 582a3 <au‑> hat eine ungewöhnliche
Gestalt. Vieleicht war dieser Akṣara dem Schreiber unbekannt:
583b2 und 582b2 zeigen die Interpunktionszeichen
unten geschlossenen Doppeldaṇḍa:
; 583a5 ist <dha>
bzw.
.
, 582b1 den oben und
.
b) Linguistische Untersuchung:
<ṣeyˎ> 582a1, <tāw> 582a2 und <maiyMˎ> sind altertümliche Schreibungen.
Vielleicht war es in der Vorlage so geschrieben.
<aitTäṃ> 582a1 ist ein Hapax und bleibt trotz Adamsʼ Interpretation (1999, p. 103
'forth') unverständlich. Vermutlich ist es ein Schreibfehler für z.B. <aittaṅka> 'gerichtet
auf'. <tTä> entsprang m.E. der Unwissenheit des Schreibers, wie auch der Akṣara
<au> 582a3 (s.o.), oder diente der Vortäuschung höheren Alters. Der Grund für die
Konsonantengemination kann auch woanders zu suchen sein, vgl. z.B. <preśśiyaine>
582a2, <emprenn> 582a4 und <ippreRA[ṣ](ṣ)[e]> 583a1.
<klautkāRʾˎ> 583a2 sollte auf <-re> enden. Vielleicht auf Grund des Versemaßes ist
es so geschrieben, aber wegen der Beschädigung kann ich es nicht sicher entscheiden.
<parlyāṅ.ā> 583a4 ist wegen des <ṅ> wahrscheinlich als <parlyāṅkā> zu restituieren.
Wenn dies ein Wort ist, liegt m.E. ein Schreiberfehler für skt. /paryaṅka/ vor. Als <///par
467
lyākā///> getrennt zu lesen ist ebenfalls möglich, aber wegen des <ṅ> bleibt es eher
unwarscheinlich.
Die Murtuq-Hss. 348, 370 und 551 habe ich wegen des geschlossenen <ñ> in die Periode
II‑3 eingeordnet. Andere Hss. aus Murtuq habe ich wegen des geöffneten <ñ> in die
Periode II‑1 eingeordnet, aber es könnte dabei auch eine kursive Schreibung vorliegen.
Die Murtuq-Hss. sind m.E. nicht alt. Jedenfalls ist es, wie erwähnt, sehr schwierig, die
Hss. innerhalb der Periode II zeitlich einzuordnen.
III‑1:
Rechenberichte aus dem MQ‑Gebiet.
III-1α (unten eckiges <MA>, MQ459, 461‑462, 469, 471):
a) Paläographische Untersuchung:
462.5 <y> ist zweiteilig:
; 459.6 <ñ> ist geschlossen:
<l> sind in einer Linie geschrieben:
462.5 <Mˎ> ist unten eckig:
und 461.6 <Kˎ>
bzw.
; 462.2 <Sʾˎ>
; 461.5 <ś> und 462.6
.
, 459.7 <Śʾˎ>
, 461.5 <TA>
sind in einer Linie geschrieben.
Das Virāmakomma kommt nicht immer vor.
459.6 <ā>,
459.5 <i‑> und
459.2 <wa> (konsonantisches /u/) sind
normal.
b) Linguistische Untersuchung:
468
<komtaKˎ> 459.2 und 461.6 bedeutet nach Adams (1999, p. 202) 'today, this very day',
aber in MQ19b6 (ohne <aKˎ>) soll es 'daily' bedeuten. Ich habe <komTʾˎ> schon bei
MQ19b6 diskutiert (<komTʾˎ> ist etwas anderes als <komtaKˎ>). Ich sehe im /t/ kein
Suffix, und hier liegt nicht <kom‑t‑ak>, sondern <komta‑k> vor. Dieses <komta>
könnte eine Pl.‑Form von <kon> (← /kaun/) sein, und zwar /kon-ntā/ → /komntā/
(Dissimilation) oder /kam/ (belegt sind H.149add.19a4, Š5b3, S331b3) + /ntā/ →
/komtā/ (Vereinfachung), und die Bedeutung wäre 'Tag für Tag (= jeden Tag)'. Das paßt
semantisch gut, aber die Belege (2x) sind zu wenig, um das Wort sicher bestimmen zu
können. Eine andere Möglichkeit wäre dem Kontext zufolge, wie erwähnt, den Namen
für ein Nahrungsmittel anzusetzen.
Übrigens ist das Wort einmal <cau kaumtaKˎ> 459.4 geschrieben. Vor <kaumtaKˎ>
kommen <co> und <cau> vor (ein anderes Beispiel für <au> ist <tauMˎ> 471.2 für
/tom/). In dieser Hss.-Gruppe erkenne ich keinen Unterschied zwischen <au> und <o>.
<watakaSʾˎ> 459.2 enthält nach Sieg/Siegling (Thomas 1953, S. 295 Fnt. 8) einen
Schreibfehler für die Gen.Pl.-Markierung /‑ts/. Dieses <Sˎ> für /ts/ ist bei <kapyāreSˎ>
ausnahmslos in diesen Hss. geschrieben. Daher nehme ich an, daß <Sˎ> eine Gen.Pl.Markierung in dieser Hss.-Gruppe ist.
<wataka> ist nur hier belegt, und wahrscheinlich ist dies ein Personen- oder Berufsname, wie auch <kapyāre>. Phonologisch kann es /upataka/ sein, aber ich kann kein
solches Wort in Skt. finden. Das phonetisch ähnliche /upatyakā/ 'Gebirgsvorland' ist eine
Möglichkeit, aber ich bin mir nicht sicher darüber.
In diesen Hss. kommen viele unbekannte Namen vor. Ich kann sie jeweils nicht
analysieren.
<aiy> in <caiytiśka> 461.1 zeigt eine altertümliche Schreibung.
<meṃ> 461.5 ist hier keine Abl.‑Markierung, sondern eine Postposition, da es am Ende
des Datums (mit Gen.-Attribut) steht. Zu /meṃ/ s. ad <entwemeṃ> S429b5.
469
<kapci> (469.2 und passim) habe ich in einem eigenen Aufsatz behandelt (Tamai 2004,
p. 98).
MQ439, 451‑453, 463, 485 und 496 (Liebesgedicht):
a) Paläographische Untersuchung:
Paläographisch gesehen ist MQ496 mit den Klosterrechnungen identisch. Ich behandele
die Akṣaras, die in den vorherigen Hss. nicht vorkamen.
439.1 <ma> ist unten nicht eckig:
gezogen:
; 439.1 das <‑i> von <ti> ist nach oben lang
; 485.1 <Ṣ> ist oben separat geschrieben:
.
b) Linguistische Untersuchung:
<ṣarṣire> 463.4 ist ein Schreibfehler für /ṣarmire/ (vgl. <ṣarmīrī> Pl. in M430). Das
Wort ist ein Lehnwort aus skt. /śrāmaṇera/ 'Novize'. Die phonologische Analyse ist sehr
schwer. Zwar gab es im Prākrit den Wandel /śra/ zu <ṣa>, aber /śra/ zu <ṣar> ist
unmöglich. Oben bei <ṣarmīrī> M430 habe ich <r> als einen Rest von Skt. /śra/
gedeutet, aber anderen Belegen für <ṣanmire> (6x) zufolge ergibt sich eine andere
Möglichkeit: Skt. /śrāmaṇera/ → Prāk. /ṣamanera/ → Toch. /ṣamnir/ + Nom.Sg. /e/. Das
zweite /a/ der Prāk.-Form ist wegen des Akzents auf der Pänultima getilgt. Das betonte
/e/ ist zu /i/ erhöht. Dann wurde innerhalb des B-Toch. /mn/ zu /nm/ (phonologische
Regel im B-Toch.). Trifft das zu, ist <ṣanmire> ein tocharisiertes Wort. <r> von
<ṣarmire> ist kolloquial oder Ergebnis einer Dissimilation gegenüber dem Nasal /m/.
<laraumñe> 496.2 ist ein Hapax. <mñe> ist vielleicht ein Fehler für <ññe>.
<ārtañye> 496.2 ist ein Hapax und wurde von Sieg/Siegling (Thomas 1953, S. 307 Fnt.
15) zu <ārtalñye> korrigiert, aber ich sehe darin <ārtalñe>, wie auch in Ku602b2 und
470
H149add75a2. Der Schreiber geriet in Verlegenheit, wenn <ñ> vorkam (s.o. zu
<laraumñe>).
<kaltta(r)Rˎ> 496.2‑3 ist <kalttaRˎ>, wobei ich kein <r> auf dem Photo erkenne.
Dem Kontext zufolge ist es ein Schreibfehler für /kälytär/ Ps.II 3.Sg.Med, und <ltta>
könnte für <lyTA> stehen. <tt> könnte eine Analogie zur Gemination nach <r> oder
eine hyperkorrekte Schreibung darstellen.
<śoLAmpa ṣṣe> 496.3 vertritt <śauLAmpa ṣe>. Das Problem von <au> vs. <o> habe
ich schon bei <komtaKˎ> 459.4 erwähnt. Die Gemination der Konsonanten nach
Vokalen habe ich bei <ṣṣeKʾˎ> 213a2 erwähnt. Hier sehe ich darin eine hyperkorrekte
Schreibung oder die Vortäuschung höheren Alters, wie bei <aitTA> 582a1. <aiy> von
<taiysu> 496.3 beurteile ich ebenso.
<‑u> von <śaulu> 496.4 kommt nur vor <wärñai> vor (so auch S331a3). Ich nehme an,
daß diese zwei Wörter engen Kontakt darstellen, wobei <u> als Ergebnis einer
Anaptyxe /ӓ/ zu betrachten ist, das zwischen <l> und <w> zum <u> geworden ist.
<tā[t]e> 496.4 ist ein Hapax. Von Sieg/Siegling wurde vorgeschlagen, <nā[n]e> zu
lesen, aber beide Wörter sind nicht belegt. Auf dem Photo erkenne ich nach <tā> eine
etwas merkwürdige Linie und unten deutlich einen Doppelpunkt. Ich nehme an, daß
diese Schreibung ein Fehler ist, aber ich kann keine plausible Lesung vorschlagen.
<ciṣy ara[śˎ]> 496.6 steht für <ciṣṣe arañc>. <y> beruht vielleicht auf dem Skt.Sandhi. Wenn dem so ist, diente es zur Vortäuschung höheren Alters. <ś> ist eine aus
<ñc> lautlich entwickelte (spätere) Erscheinung.
<wetke> 496.7 ist ein Hapax, und die Bedeutung ist unbekannt. Vielleicht ist es ein
Schreibfehler für z.B. <waike> 'Lüge', aber zusammen mit dem nächsten Wort
<lykautkañˎ> bleibt die Passage unverständlich, obwohl Sieg/Siegling (Thomas 1953, S.
308 Fnt. 3) das zu <klyautkañˎ> korrigiert haben.
471
< Sˎ> von <LAklentaSˎ> ist Gen.Pl., genau so wie <watakaSʾˎ> 459.2.
MQ470 (Rückseite unlesbares Skt. und Chin.), 484, 493:
a) Paläographische Untersuchung:
493.1 <ypa>,
493.1 <śka> und
493.1 <ññi>.
Alle Akṣaras außer <ś> sind in einer Linie kursiv geschrieben.
b) Linguistische Untersuchung:
<piś meñantse ne> 484.5 bedeutet 'am 5te des Monates'. <ne> ist kein Lok.-Suffix,
sondern eine Postposition, wie <meṃ> in 461.5.
<śaṅkiññitse> 493.1 ist ein Hapax und ist m.E. ein Schreibfehler für z.B. <śakse>
'Branntwein' oder <śakkār> 'Zucker', und <ññi> steht für /ññe/ (Abstr.).
III-1β (unten rundes <MA>):
MQ434‑449 (435 fehlt), 454‑58, 460, 464‑8, 472‑82 (478 fehlt):
a) Paläographische Untersuchung:
434.3 <y>,
434.8 <ñ> und
434.2 <ś> sind zweiteilig; 434.7 <l> und
<‑y> sind in einer Linie geschrieben:
; 434.4 <sa> ist rechts nicht geknickt:
434.2 <w> ist in einer Linie geschrieben:
; 434.4 <ṅKA> ist zweiteilig:
472
;
.
434.5 <Mˎ> ist unten rund:
; 434.5 <Sˎ> ist oben rund:
einer Linie geschrieben:
434.9 <a‑> ist zweiteilig:
; 434.9 <PA> ist unten rund:
; 448.1 <i‑> ist normal:
Linie geschrieben und rechts sehr lang:
in einer Linie geschrieben:
; 434.9 <Śˎ> ist in
.
; 460.4 <e‑> ist in einer
; 474.2 <u‑> ist normal:
; 434.8 <o‑> ist
.
b) Linguistische Untersuchung:
<amokceSˎ> 434.3 ist Gen.Pl., s. zu <watakaSʾˎ> in 459.2. In dieser Hss.-Gruppe ist
die Gen.Pl.-Markierung /‑s/.
<ṣene> 448.1 ist wahrscheinlich ein Lok., und dem Kontext <iKAṃ ṣene> zufolge ist
<ṣe> ein Monatsname, vielleicht 'erster Monat'. Wenn <iKAṃ ṣene> 'in 21ten' heißt,
sollte es <iKAṃṣemene> sein (<ṣeme> Obl. von /ṣe/.
<śwāsine> 448.2 wurde von Sieg/Siegling zu <śwātsine> korrigiert (Thomas 1953, S.
293 Fnt. 6). Dem Kontext zufolge ist es eher ein Name eines Nahrungsmittels (nicht
Lok.). Statistisch gesehen kommt <ts> in diesen Hss. (Rechenschaftsbericht) sehr selten
vor (<sarmwātsai> 462.5, <kśānetsa> 490II2.3 Holztafel, <śaṅkiññitse> 493.1,
<tserekwa> 496.4, <tsyāra> 496.6 und <tsārwa> 496.7), aber <ts> existierte als
Phonem /ts/.
<sāle> 475.3 bedeutet nach Adams (1999, p. 684) 'ground; basis', nach Sieg/Siegling
(Thomas 1949, S. 184) hingegen 'Salz'. Ich nehme an, daß hier 'Salz' richtig ist. Auch an
anderen Stellen (23a5,b2, 24a4 und 369b5) erkenne ich 'basis' nicht.
<salyiye> bleibt erklärungsbedürftig, wenn das Wort 'Salz' bedeutet. Alle Belege für
<salyiye> sind unsicher. Die Belege bei Adams (1999, p. 678) sind <sināp salyiye>
473
Y1b4 'rock(?)‑salt', <salyiṃ> St.Ch.00316a.a6 (Äquivalent von skt. /adravan/ 'nicht
flüssig') und <salyitsai yoñiyaine> 'Salt Way' (?). <salyitsana swarona> in Y3b6 kann
'salty' bedeuten, aber es kann auch 'bitter' meinen. <salyaisa su stamoyˎ> in H149add.
118a3 'er möge mit/auf Salz stehen' wäre semantisch merkwürdig. Möglicherweise ist es
ein Schreibfehler für <śalyaisa> '(auf) rechts'. <salyai lyutstsante> Š86a5 bedeutet
nicht 'sie entfernten Salz', sondern es ist ein Adv. anzunehmen. Daher halte ich die
Bedeutung 'Salz' für das Wort <salyiye> nicht für richtig.
MQ476 und MQ477 sind inhaltlich kein 'Rechenschaftsbericht', aber paläographisch sind
sie gleich wie andere 'Rechenschaftsberichte' gestaltet.
III‑2:
MQ278 (eckig):
a) Paläographische Untersuchung:
b1 <y> ist dreiteilig:
geschrieben:
; b1 <ñ> ist geschlossen:
; a3 <ś> ist in einer Linie
; a3 <k> ist in der Mitte geschlossen, <l> ist zweiteilig:
a2 <LKˎ> ist normal:
; b2 <TA> ist oben rund:
unten lang geschlossen:
; a3 <ṢAṃ> ist normal:
a1 <ā‑> ist unten separat geschrieben:
senkrecht übereinander geschrieben:
a1 /15/ und
.
; a3 <PA> ist oben und
.
; b3 <ī‑> ist links mit zwei Halbkreisen
; a2 <e‑> ist schnörkellos:
b1 /16/ sind Versnummern.
474
.
a3 und b3 zeigen die Interpunktionszeichen
bzw.
.
b) Linguistische Untersuchung:
<ī> von <īkene> und <tRA> von <spārtoytRA> a1 sind altertümlich, aber dazwischen steht <te> für <se>, das m.E. wegen des vorhergehenden <ne> verschrieben
wurde. Der Schreiber war der Schreibung (und auch der Grammatik) unkundig. Daher
halte ich diese Hs. für eine Kopie.
<akaLKˎṣṣeṃ> a2 ist ein Schreibfehler für <akLKAṣṣeṃ>. Der Schreiber hat zuerst
<akaLKˎ> geschrieben und danach hat er <ṣṣeṃ> hinzugefügt.
<ymetse> b1 ist ein Hapax, und bei Adams (1999) gibt es kein 'ymetstse' unter īme (p.
66). Ich nehme an, daß das Wort ein Schreibfehler für <ymentse> Gen.Sg. ist.
<śmoṃññai> b1 ist /śmoñña/. <ṃ> ist hier überflüssig. <ṃ> kommt in einer solchen
Stellung (vor Nasal) und in <ṃñe> (für /ññe/) vor. Vielleicht ist die Schreibung mit
einem Einfluß des <ṃn> von <kseṃntRA> b3 erklärbar.
MQ431 (eckig):
Der Duktus ist gleich wie der von MQ278, auch wenn diese Hs. vierzeilig ist (MQ278 ist
dreizeilig). Daher führe ich nur die linguistische Untersuchung durch.
b) Linguistische Untersuchung:
<ew> von <cewne> a2 und <ey> von <cey> a3 sind altertümlich für /a/ und /a/.
Gleichzeitig wurde <caiy> in b2 und <cai> in b3 geschrieben. Diese Inkonsequenz
erweist die Unfähigkeit des Schreibers. Der Inhalt bleibt ebenfalls unverständlich.
475
<ṣe> a4 ist schwer zu entscheiden, ob es 'eins' oder 'zusammen mit' bedeutet. Dem
Kontext zufolge paßt 'zusammen mit' besser, aber in dem Fall müßte <cenaśˎ> zu
<ceṃmpa> korrigiert werden. Die vorhergehenden <pakwāri> und <awāsiki> können
Personen- oder Berufsnamen sein, aber die beide und Interpunktionszeichen dazwischen
sind unklar. <śilawande> ist ebenfalls problematisch, denn ein <t> sollte statt <d>
geschrieben werden, da das toch. Phonem <w> für skt. /v/ tocharisiert geschrieben ist.
MQ584:
a) Paläographische Untersuchung (rund):
a3 <y> ist zweiteilig:
geschrieben:
; a2 <d> ist normal, <ñ> ist oben in der Mitte separat
; a6 <ś>
a3 <a‑> ist normal:
ist in einer Linie geschrieben.
; a7 <i‑> ist rechts senkrecht (wie in MQ278) geschrieben:
; a7 <e‑> ist schnörkellos:
a4 /2/
und a8 <l>
.
kann ein Interpunktionszeichen sein.
a6 /4/ und
b7 /8/ sind
Versnummern.
a7 zeigt ein Interpunktionszeichen, das unregelmäßig geschrieben ist
, a4 den in einer
Linie geschriebenen Doppeldaṇḍa: .
In dieser Hs. kommen weder Fremdzeichen noch ein Virāma vor. Vermutlich war der
Schreiber kein Tocharer. Wenn er ein Tocharer war, war er der Schreibweise unkundig.
b) Linguistische Untersuchung:
476
<kektseṃ> a2 könnte ein Schreibfehler für <kektseñ> sein. Am Wortende konnte
<ñ> zu <ṃ> werden, aber nur sehr selten (insgesamt 4x, außer bei <kektsen no>
MQR141, hingegen <kektseñ> 31x). <n> erscheint oft vor einer Kasusmarkierung.
Daher vermute ich, daß die Kasusmarkierung bei diesem Wort fehlt, z.B. <‑ne, ‑tsa>,
aber wegen der Beschädigung kann ich dies nicht beweisen.
<kuva> a7 ist auf dem Photo <kuca> zu sehen. Wenn dem so ist, könnte es ein
Schreibfehler für <kuce> sein, das <kce> vertreten würde.
<ṣpa> a8 ist wahrscheinlich <ṢPA>. Der Schreiber hatte keine Kenntnis der
'Fremdzeichen'.
<///[t]lava> a9 ist ein Hapax und wurde von Krause (1952, S. 248) als Pt.I mit (?) unter
der √täl‑ eingetragen. <v> könnte ein Schreibfehler für /w/ sein, und das Wort könnte
/tälāwā/ lauten, aber dem Pt.II (Kaus.) /cālā/ zufolge sollte es Pt.I (Gv.) /tālāwā/ sein.
<karweṃ> a9 ist ein Hapax und möglicherweise ein Schreibfehler für z.B. <KArweñ>
'Stein'. Dem Schreiber sind die 'Fremdzeichen' und dem <vaike veṣaṃ> b4 für <waike
weṢṢAṃ> zufolge auch <w> unbekannt.
<patt> b3 ist wahrscheinlich <pat> 'Stūpa'. <tt> vor Vokal ist eine mögliche
Schreibung, aber in dieser Hs. kommt die Gemination vor Vokalen sonst nicht vor.
Vermutlich diente diese Schreibung zur Vortäuschung von Altertümlichkeit.
<cmimva> b6 ist wahrscheinlich ein Schreibfehler für <cmitRA>. <m> von <mva>
entstand unter Einfluß des vorhergehenden <cmi>, und <va> steht für <RA>, aber
dem Schreiber war das 'Fremdzeichen' unbekannt, deswegen hat er das ähnliche <va>
geschrieben. Das folgende Wort <mlake///> ist ganz unverständlich. Phonotaktisch ist
<ml> im Tocharischen ungewöhnlich.
477
<madhuvasiṣṭā> b7 ist möglicherweise das Skt.-Wort mit der Bedeutung 'süßest'. Diese
Hs. könnte eine Skt.-Übung darstellen.
<ṣeyema> b8 ist <ṣeyeMˎ>, Impf.1.Pl. von √nes‑ 'sein'. Dem Schreiber fehlen hier
wieder 'Fremdzeichen' und Virāma. <yayāsaṣa> b9 ist ebenso zu beurteilen, wenn es ein
PPt. Obl.Sg./Nom.Pl. von √yās‑ 'sieden' ist.
MQR249, 276‑277 (eckig):
Der Duktus ist gleich wie in MQ278 (dreizeilig). Der Unterschied besteht nur in der
Signatur MQ und MQR. Ich vermute, daß eine und dieselbe Hss.-Gruppe an verschiedenen Orten im MQ.-Gebiet aufbewahrt wurde, oder daß man die Hss. bei der Sortierung verwechselt hat.
Ich führe wegen des gleichen Duktus nur die linguistische Untersuchung durch.
Linguistische Untersuchung:
<śerksa> 277a1 ist ein Hapax. Es könnte ein Perl. von /śerk/ 'Schnur' sein (śerkw in TEB
S. 246 existiert nicht), aber eine andere Möglichkeit besteht darin, <ra rś(e)r ksa> zu
lesen, wobei <rśer> für /rśer/ 'Haß' stehen könnte. Das von Sieg/Siegling für <rmer>
emendierte <rar> vor <śerksa> ist nicht überzeugend.
Auf dem Photo ist zwischen <rksa> und <bha> von oben bis unten durchgehend ein
Blatt Papier erkennbar. Vielleicht hat man diese Hs. restauriert. Auf a2 findet man den
Rest eines Akṣaras. Das ist ein Beweis dafür, daß dieses Papier später eingeklebt wurde.
D296 (nach 14C-Prüfung 1178‑1255 Jh. n. Chr.):
Diese Hs. ist dem Duktus zufolge die späteste toch. Hs. Die
14
C‑Prüfung ergab eine
extrem späte Datierung. Der Duktus dieser Hs. kann paläographisch ein Kriterium für
spätere Graphie sein.
478
a) Paläographische Untersuchung:
a4 <y> ist in einer Linie geschrieben. <ś> ist außen in einer Linie und in der Mitte quer
durchgeschrieben, <‑i> ist hoch gezogen:
geschrieben:
a7 <Mʾˎ>,
geschrieben:
; a2 <l> und <ñ> sind in einer Linie
.
b4 <TKA> und
b3 <Sʾˎ> sind normal; a9 <Śʾˎ> ist wie <y>
; b6 <hʾˎ> ist in seltener Form geschrieben:
a1 das Interpunktionszeichen:
.
. a4 zeigt den schnörkellosen Doppeldaṇḍa:
.
b) Linguistische Untersuchung:
Von <olpo> a4 für <olyapo>, <[k]ālśke> a8‑9 für <kālyśke> und <tiyśi[ṃ]> a9 für
<tiśyeṃ> her gesehen verstand der Schreiber <y> nicht. Bei <[k]ālśke> wurde <y>
nicht geschrieben. Bei <tiyś[ṃ]> ist <śy> umgekehrt geschrieben. <y> taucht vor
<olpo> im vorhergehenden <poyśintsy> für /e/ auf, wie in einer Sandhi-Form in <ciṣy
ara[śˎ]> 496.6.
<mandʾˎtā> b1 ist ein Schreibfehler für <mantantā>. Dem <d> zufolge dürfte der
Schreiber kein Tocharer gewesen sein.
<śloktsa> b1 ist <śloksa>. <ts> für <s> (nicht nach <l>, <m> und <n>) kommt in
späteren Hss. vor. Trifft das zu, ist diese Hs. eine Kopie von einer nicht alten Vorlage.
Ich sehe keine konsequente Orthographie in dieser Hs. Dem <tatanācce> b5 für
<stanācce> zufolge liegt möglicherweise ein Fehler des Schreibers selbst vor.
<takāśʾˎ> b2 ist <tāka‑c>. Der Schreiber verstand die Akzentregel nicht, und <ś> für
<c> ist eine spätere Schreibung.
479
Appendix I
Tabelle der Schriften
Bei MQ(R) sind links die älteren Schriften und weiter nach rechts die jüngeren Formen
dargestellt. Die rechten Spalten stellen die jüngsten oder kursiven Schriften dar. Nach
Qum. sind alle Spalten mit den jeweiligen Zeichen erfüllt, da es paläographisch keine
auffälligen Unterschiede gibt.
Toch. B MQ.
<ṢA, ṢPA>
295r2
255r3
19v5
555r3
205r3
409v2
461r3
<ś>
274v3
<Ś>
273v1
295v3
149r4
434r9
<śṣ,ñś, ñṣ, Ś>
295v2
295r2
284v3
241v2
255r1
86r3
255r5
241r2
19v7
496r6
<ṣc, śc>
460r4
<ścw, ścm, śt>
<ṢKA, śKA,
śka,ṅgh>
275v2
284r6
192v3
484r4
334r1
<ṅKA>
273v2
391r1
149vc3
334r1
<ṅk, ṅs>
273v2
255v2
86v5
<ñkr, ñktRA,
ñKA, ñk>
248r2
255r5
248v2
282v4
588v2
19v6
<śtw, śtRA>
192r1
<Ṣc, Śc>
274r3
273v3
480
149v3
148r2
295r3
<ṅkt, ṅkts>
273v4
334v8
590r2
338cv3
238v2
282v6
<ṅwc, ṅt, ṅkts>
295r6
<ṅn, ṅw, ṅe>
334r3
149r1
295v8
282r7
434r5
<ñm, ñ, ññ>
273v3
362r6
<ṇ, ñm, ñM>
212r2
86r5
284v5
36v2
<ñc, ñcw>
273r2
149v3
255r5
241v1
282v1
434r4
<ñktRA, ñcn,
ñcr, ñc>
282v6
461r5
<ṣe, ṣṣ, ṣṇ, ṣu>
274v5
284v6
<b, bh>
149v4
600r1
282r6
282v7
282r6
546v3
282r4
434r5
205r5
<h, LṣPA, LP>
590r7
<lṣ, lś, lp>
395fv2
284v2
248r2
155v4
195r4
295v4
<mPA, ṣT, ṣt>
334r9
554r3
<ṣt, ṣtRA, ṣc,
ṣṭ>
273r5
255r5
241r2
510r3
<ḍ, ḍh, ṭ, ṇḍ>
151r2
148r4
152v1
242r4
<ṣk>
255r4
149rc5
510v3
554v2
<dg, g>
588v7
36r6
567v1
148r2
<KṢA, K, kṣṇ>
275v2
282v3
431v1
545v1
<c>
273r2
590v2
481
431v2
461r3
<c>
248r3
238v3
205r2
462r4
<c, cm>
255v3
600v2
282r2
241v3
273r4
37av7
237r1
584r2
588v7
510v5
584v7
440r2
<dñ>
<d, dv, dg, dr>
295v3
148r1
<dh>
275v2
567r2
<du, dv>
273r3
36v6
255r3
192v2
242r4
148r1
<jñ, j>
545v3
477r2
<kṣtRA,KṢTA>
295r8
165r6
555r3
<kcy, kc>
273v1
362v1
255v6
434r3
<kt>
274r2
192r4
553r6
459r1
<KTA, KtSA>
274v5
149v4
150r3
462r5
273r1
36v3
600v4
600v1
275r4
155r4
362v9
241r3
284v4
588v3
244r2
553r1
338cv3
212v3
392r2
192v3
192v1
205r4
<k, kk, kkr,
khy>
<kl>
<KMA, km,
kn>
<krui, kr, kRA,
kp>
<KA>
274r2
459r2
<ka>
273r3
149ra4
205r3
274v3
295v4
255v4
460r2
<ks>
482
551r1
<ktw, kts, ktu>
362r8
19v6
282r2
555r2
<ku, kuce, kuse>
148r4
600v2
241v3
584r7
275r5
255r6
600v2
241v1
<lts, lt, lc>
<śk, ñc, kṣi, lk>
kursive
434r2
434r4
434r4
496r2
<tk, lk>
274v5
255r3
282v2
295r5
192v3
362v3
284r5(nk)
510r1
255r4
334r4
555r2
<lyk, MKA, tk,
rg>
<rkk, sKA, sk>
600v3
<LA>
274r5
155r2
555r3
496r3
<lñ>
295v2
149r6
600r1
<l>
274r2
255r1
556v5
496r1
<l, lm>
205r2
362r2
590v2
510v1
<lts, lyc>
295v5
362v6
192r3
284r3
86r3
241v1
275v1
341r1
19v6
274r3
282v5
461r6
295r6
<mc, mcm>
278r2
<mTA, mT>
295r6
<mts, mt>
463r5
<lyñ>
284r4
149r6
282v4
555r2
<ly, lyw>
255v1
19v1
431v1
434r4
<MA>
273r3
19r3
483
148r2
434r5
<MA>
295r7
496r2
431r3
434r2
284v7
86r3
434r5
<ma>
273r2
<m, >
545r1
295r3
148r1
362v4
282r1
545r1
<mñ>
274r4
496r2
<n>
<NA, n>
274v2
255v4
273r1
588v4
<pa>
274r3
149v2
<PA>
278r2
553r6
553r4
462r4
434r9
434r4
295r5
274v2
600r2
468r2
<mp>
273r2
284r4
510v6
434r2
<nṣ, np, mṣ>
273v1
282r3
554r6
496r3
<ndh, nd>
148r1
156r6
510r2
431r4
<ndr>
241v2
284r4
553r4
443r1
<nta>
275v6
238v2
553r4
452r1
<nTA>
273r1
603r3
590r5
282v5
<nm, nMA>
273v1
282r4
192v2
459r7
<nvo, n>
248v1
295v3
282v4
510r1
<RA>
338cr5
192v3
431v2
555r3
<rñ>
284v3
362r8
484
205v2
496r2
<nt>
274r2
242r2
554r6
459r6
<ntr, ntRA>
248r1
282r7
284r5
431r1
<ntSA, ntṢA,
ntsṢA, ntsñ>
273v1
255v7
284r5
295v2
<ntu, ntTA,
ntse>
274r2
255v7
282r7
295r5
282v6
192v4
274r6
552r5
545r3
434r5
<rc, rcc, pst,
pc>
461r2
<rnt, rd, rdh>
545r1
<pPA, p, pr,
pu>
275r6
284v7
584r4
472r2
<p>
274r4
149r3
555r4
496r1
<rṢP, rś, pw,
py>
255r5
255r1
192v2
237v1
<rṣṣ, rṣ>
255v2
152r2
588r6
278r2
<rs, tSA>
274r2
148r3
192r2
434r7
<ra>
274v5
86v1
553r5
434r4
282r5
278v2
584r4
<r>
255r3
<rMA, rm>
273v2
576r1
149r2
584v9
<rm>
273r5
149r5
554r6
274v2
255r5
553r2
273r3(rr)
282r2
321v1
465r2
<rn, ru>
295r6
<rrā, ro>
485
524v4
<rtn, rt>
284r2
238v2
554r4
484r4
255v3
<rth, rtSA, rtw>
19r7
510r2
282v6
273r4
295r7
284r3
<sTA, st>
496r2
<ryy, ry, rv>
275r6
395r2
212r4
584r9
ryy
<rya>
459r4
<S>
<sa>
273v1
274v2
282r2
255r5
552v3
86r1
322r1
434r4
434r5
434r4
<s, sya>
362v7
282r3
273v4
149r2
496r6
452r1
275r5
284r5
86v2
282v2
<yś, yp, ys>
431r4
510v5
<sTA, st>
<st>
274v2
248r1
255r1
19v1
241r3
496r3
<stRA, sth, st>
192r1
434r4
<stv, stu, str,
sts>
<T>
295v5
334r2
149v5
238v1
282r6
554r1
553r3
496r1
<t>
274r1
192r3
545r5
496r3
<tñ, tṢA, tṣ>
274r1
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<te>
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TKA>
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<wKA, wc,
tkw>
<wc, wt, wT, yt>
<yTA, yt>
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<y>
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yk>
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tk>
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<tt>
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<a>
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<i>
588r7
<I>
273v4
334r4
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274v2
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<u>
284v4
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459r2
<ī>
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391r2
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207v2
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135va5
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137v5
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119v2
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229v5
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135av6
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śt>
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ṅtRA, ṅts>
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<ñ>
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ñm>
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mp>
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cw>
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dhy>
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<kñy, kñ, K>
133v3
123ra2
291av1
276br3
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587av3
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249ar3
<K>
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281ar3
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315v1
<k>
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128v3
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224r1
389v3
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280r3
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123rv3
350r4
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227vb3
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277bv1
207v1
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kRA>
226r2
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281ar1
121v4
283ar4
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143v4
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KTA>
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ky>
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252r3
350r5
128v5
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333v4 (n
132v5Ln
<lyKA, lsk, lk>
133v5
365v1
350v3
281ar2
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pk>
394br5
214vb1
245v4 n
246v3
133v5
122v4
123va4
389r2
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<mñ>
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<MA>
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<MA>
<m>
587v8
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<m>
133v4
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mñc>
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389r4
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119v3
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279v1
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ntñ>
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365v1
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rks>
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ska>
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rr>
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<s>
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133v6
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142v4
<tk, tkw>
119r6
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143v1
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tPA, tp>
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<tr>
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tts>
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133r6
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277ar1
Toch. B MQR. Vokale
<a>
587vb1
136v3
224r2
280r4
<ā>
134r4
245v3
277vb3
<ai>
<au>
135-1v7
349v4
279r4
277vb1
228v1
291ra3
283v6
127v3
<e>
133v6
<i>
365r6
118v6
229r3
221r4
587va7
214vb1
339r6
127r1
333v6
<I>
139v5
<o>
133v6
227va3
390r3
339v7
143r3
<u>
498
126v5
141r4
214va3
333r7
Toch. B Qumtura
<Ṣ, ṣṣ, śs, Ś>
352v4
<b, hm, PA,
359r5
Ś>
373dr1
368v5
374r1
359v5
359r1
374gv1
359r1
373dr1
<pl, S, sn, ys>
491cr1
368r3
<PA, śc, c,
dh>
352v3
359r5
491KIII1
368r5
<j, KTA, mT,
nt>
373ar4
398v5
359v3
359r4
<ṅk, g, K, kk>
352v5
359v4
368v6
359v2
374ev2
374bv1
<kh, kl, ks,
ykn>
398v2
<ṅw, ññ, ṇ>
359v1
<L, l, m, n>
597r3
374cv1
373ar2
374dr1
374gr3
374br1
374dr1
374er1
<MA, RA,
ra>
373bv2
374cr1
398v2
<ry, ru, v, y>
359r4
368r6
359v3
491ar3
374ev1
<sT, st, str,
TA>
359v5
368r6
368v4
368r4
<t, tr, yt>
491KI2
359r3
491KI4
374cr1
<tn, tSA, tv,
tu>
398v2
399v2
359r1
359v5
<a, ā, ai, au>
359r4
373va3
359r4
368r4
491r1-1
<e>
352v4
499
373ra1
<i, o, u>
374rc
491r1-3
352v1
Toch. B Kuča
<ś, Ś, ṣṣ, h>
601r1
602ar1
601r3
<p, pn, s, yp>
601r1
601v4
601v3
602av4
601v5
<ṅky, k, K,
kp>
602av2
601v3
601r5
601r2
<tk, kt, lkk, ñ>
601r3
602ar1
602av2
602br3
<my, M, n,
Nno>
602av4
<R, rū, w, yy>
602ar1
601v4
601v3
601r3
601r2
602av2
602ar2
601v4
601v3
<c, nts, TA,
st>
601v4
601r4
601v3
601v2
<t, rt, tk, wkc>
601v5
602ar1
<ā, a, ī>
601v2
602rb2
602vb5
601r5
<ai>
602av4
Toch. B Šorčuq.
<Ṣ, ṣṣ, ṢP, ṣP>
85r2
547r1
500
100r5
589v2
<ś>
<śu, św, śv, Ś>
99r2
606r1
45v6
522v4
77r2
605v1
547r4
549r3
549r4
64v2
<ṣ, ṣū, ṣy>
<b, br, bh>
46bv6
73v
20br3
99r2
549r2
547r6
<ṣts, śc>
100r6
85r2
560r4
102r5
251r6
521v4
78r5
549r5
547v2
<śt, śtw, ścy,
Śc>
91v5
<ṅs,ṅK,ṅk,
ṅne>
88r6
46v5
<śk,ñk, ṣkr,
ck>
558r1
73bd1
88v2
73v4
<gu, ga, gr>
77r3
<gh, ghr, K>
47v5
585r3
549r3
251v2
549r2
32r5
547v5
364v3
547v2
<kñ, kṣ>
12bv4
20vb5
<ñ>
99v3
404r2
364r5
547v1
32v5
558r3
<ñl, ñM>
77r4
64r5
549v1
547v1
<, ṇ>
<L, lñ>
99v5
266r1
77r3
559r1
558r5
547r1
<ṅtRA,ṅts,
ñc>
79r5
561r1
251r1
547v3
<ñc>
50r8
83r4
501
596r3
364r1
<ñc, ñcMA, ñcts,
ñcn>
10r2
521v7
251r5
73v2
<ṣtr, ṣṭh, ṣc, ṣṭ>
74v2
560r1
549r6
337r2
605v1
547r2
<ṇḍ,ḍv, ḍh,
bdh>
549r1
547r3
<c>
90v1
64r2
585v2
549r1
101r4
521v4
251v6
589r5
64v1
547v2
64r7
51r2
<cch, ccu, cc>
306r7
<ck, cm>
73v4
<co, cw, cy>
364v4
566v2
<dñ, d>
100v3
157v3
589r7
549r2
<ddh, cp, d>
337v2
<dh>
157r3
547v1
64v7
77r2
9r4
266r1
547v2
<dh, dhv, dhRA,
dhy>
560r1
74v2
74v2
65v2
73v3
251r2
547v2
81r2
549r1
605r1
<dRA, dra>
<ddh, du, dv,
hv>
73v6
<LṢ, LŚ, mṣ>
88v6
78r3
251v1
<PA, pa>
77r5
549v4
81r4
547v1
64r8
549r4
<pl, rś, rṣ, rṣṣ>
337v2
549r6
251v6
266v2
547v7
337r2
<rbh, rh>
307v4
251r2
502
<rp, rpn, rth,
rs>
157v3
521v1
74v3
522v6
<jñ, jr>
77r2
406v5
251v3
547v5
<kṣtRA, kcy,
kc>
46v3
73r2
64r1
337r1
<k>
606r3
46ra4
64v2
547v4
549r6
<KA>
89r2
271r3
64r5
306r4
549r1
549r5
100v4
251r3
<kh, kku, kk>
547r5
<kl, kn>
18va7
547v3
<k, krui, ks>
559r1
100r1
12va5
559v5
<KTA, ktv, kt>
99v2
85v4
364r7
549r2
<kts, ku, kū,
kulā>
266v3
560r4
73vb2
78r1
<kuce, kuse>
605r4
64r5
251r2
547v3
<kw, kwr>
85v5
64v6
559r5
547v6
<ky, lg, LKA>
74v3
549r2
81v1
404r1
<LTA, lt, ltu,
ltū>
^ 293r2
88v5
12bv5
74r3
<mñcu, Mñcu,
mT>
85r5
85v5
337v1
559r5
18av7
547r5
78v5
585r4
<mc, mt>
45bv6
547r6
<l, lym, mñ>
503
605r3
547r4
<MLA, MA,
mRA, mw>
64r6
547r5
<NA, Nno, n>
251r1
18av6
251v4
559r1
271r3
547v1
<lyk, lsk, lk>
85v1
73v4
251r1
547v6
<tk, rṣk, rck, rg>
2v1
74v4
73v1
73v5
<rKṢ, rk, rkr,
rks>
9r2
549r3
83r2
78v5
251v6
547r6
<SKA, sky, sk>
85v6
20vb7
<mtRA, mts>
589v3
64v2
606r1
382r1
74v2
64r1
560r1
558r4
<nd, ndh, ndr,
nt>
337r4
547r5
<nt>
74r4
251r1
<nMA, nm,
nmy>
12bv6
64r7
251r6
78r1
<nn, n>
85r2
549v1
2r3
78v6
91v4
547v2
547v1
<nr, nu, nv>
251r2
<nw, rṇ, rñ>
46r2
589v5
100v1
271r1
<R, r>
77r2
337r4
549r4
100r6
547v3
88v1
522r4
<r, rl>
76r3
<nt, ntn>
364v8
100v3
73r1
84v5
74r3
521r7
549r3
<ntp, ntRA>
504
563r9
<ntr, ntS, nts>
99v5
547r5
18av6
561r4
18av8
549r3
<nts, ntu>
100r1
251r4
<ntw, nty>
4r6
85v3
46r6
77r4
78v4
251r3
547v2
251v5
4v5
20r5
251r3
73v6
<rMA, rm>
79r2
<rn, r, rp>
78v5
<rr, ru, rū, rv>
85r3
74v5
<rw>
605v2
20r4
251r1
547r1
605r3
251v5
<rw, ry>
560r4
<v, vRA>
78r2
364r3
20v7
<S, sṇ, Sau>
<s>
88v5
251r2
77r3
251r3
549r4
605v1
547r3
<sm, sn, sPA,
sph>
605v1
85r1
547v6
100v2
549r4
73v4
565v4
9v3
559r5
<th, yś, yp, ys>
65r6
78r6
<yt>
91r5
64r1
559r1
547r2
<sT, st, sth>
337v1
271r3
77r2
547r2
<stw, str, stu,
stRA>
89v3
32r3
549r1
547v1
<T>
65r5
266r1
364r1
547r6
<t, tñ, tṣ>
157r2
589v3
505
89v3
73v4
<t>
88r3
64v4
364r5
547r3
<t, tdRA, thn>
559r5
565v6
104r3
506v3
<th, thy>
102r3
85v1
549r4
547v5
<TKA, tk>
51r5
78v6
78v2
18ar2
85v5
364v6
100v3
364v5
65r6
605r4
<tm, tn>
<tp, to>
89r1
547v2
<tkr, wK, yk>
73v2
9r5
88r5
270v1
<tRA, tra>
559r5
88v4
251r1
547r5
<tre, tru, tri>
585r2
26v7
558r1
549r3
<tS>
85r2
381r2
9r4
20br6
<tsñ, ts>
4r2
73v4
84r1
605r1
605r3
559v1
364v3
73v1
74r4
560r1
522v4
9v6
77r4
547v6
589v6
20br5
561r3
88v5
99r2
78r3
<tsv, ts, tsts>
547r3
<tsKA, tsl, tsr,
tsn>
605v3
<tsw, tsy, tta>
<tt>
<ttr, tts, ttsc>
605r4
<tu, tū>
99v3
64r3
549r1
78r3
549v2
605r2
251v2
84r3
<twr, ty, wv,
yts>
506
32v7
<wñ, w>
266r3
<yc, y>
89r3
364r4
69cv3
251r3
157v1
547v3
437r2
<yr, ym, yu, yy>
585r1
251v4
64v4
549r5
Š. Vokale
<a>
89v5
303vc3
561r2
20v5
251r5
169r2
<ā>
77r1
547r4
<ai>
99r2
64r7
251v3
547r4
83r3
561r4
89r1
547v3
74v3
20br8
522v7
522r7
89r3
251r6
<au>
<e>
<ī, i>
549r4
547v6
<o>
169r1
64r7
251v2
547r6
560r5
547r1
387ar2
109v4
<u>
83r2
18av8
Toch. B Sängim.
<Ṣ, ṢPA, ś, śy>
182v1
289r5
<ś, Ś>
512v4
526av3
<ñṣ, ñś, ṣ>
286v4
109v4
507
525r1
550r1
109r7
526ar4
<b, br, bh>
<bh, bhr, bhy>
<h, lp>
183r2
287v4
179v2
178r3
109r5
525v4
550v4
330r5
331r2
524v2
512r2
526av1
<mP, ms, np, g>
331v3
109v1
330v2
178v2
<ṢK, śkl, ṣk, dg>
330v1
330v5
181v3
524r1
<ṅKA, ṅk, g>
330r5
109r3
525v6
330r4
<hk, KṢ, K>
289v2
331v1
183r5
526v3
<kṣ, kñy>
109v3
387jr3
526r7
289r2
<ṢT, ñc,ñts>
513r1
179r3
109r1
331r2
<ṣc, ḍu, ṇḍ, ṭ>
386r4
550r1
181v5
183r2
<cñ, cc, c>
289v4
182r1
386r5
526av5
<dbhy, d, dh, dhy>
550r1
182r3
287v4
182r2
<ṇu,ñm,ñM,ñ>
289v2
331r4
288r5
525v2
<ṇ, ñ>
178v2
524v1
511v2
586r4
331v2
511v4
<L, l>
109r7
286r2
330v2
183v3
<MA, mw, m>
109v3
386r5
<du, dv, j>
330v1
401r3
182r3
511r1
<kṣTA, kcy, KT>
331r4
109v2
508
386r6
184r2
<kt>
183r4
109r5
385r5
525v3
<kuce, kts, lts,
lpts>
178bv2
286v3
330v5
330v3
525r4
289r1 nt
512r2
288r2
525r5
<mc, mtt, ndh>
182r4
<KA>
286r3
525r1
<k>
286v3
289r2
512v1
525r6
511r1
184r3
330r2
511v4
<kh, khy, kly, ku>
<ks, KTA, kuce,
LKA>
550r1
184r2
178vb6
178rb3
181v4
331r4
525r7
330v1
<lsk, lyk>
<rg, rKṢA, SKA,
rhk>
326r2
109v6
331r1
289v5
<skw, uK, ykt,
yku>
286v5
330v4
330r1
289v3
<n, nm, nt>
181r1
525v2
286r6
109v6 nt
<ny, nr, R>
401r1
179v3
178v4
525r4
<rñ, r>
331r5
109v5
289r3
525r3
<rM, rm, ro, ru>
288r5
<rr, rv, rw, ry>
331r1
511r2
586r7
288v2
181r1
288v3
109r4
<ndr, nT, nt>
288r1
109v7
586r6
525r5
330r5
289v2
<nts, pt, rcc, rdhy>
330v3
289r1
509
<rj, rnt, rth>
326v3
289r3
286r4
182r3
<rtuṇā, sT, st>
289v2
178br3
182r1
<PLA, PA, p>
331r2
526ar4
<S, s>
109r3
524v5
512v2
109r3
526ar5
525r3
525r4
<sv, ys, yp, yś>
182v1
331r2
286r5
179r4
<T, t>
326r1
526ar4
511r2
387hr2
<t, tp>
109r5
401r3
526dr2
182r5
<tr, tRA>
289r5
511r1
331v2
525r3
<tS, ts, tt>
181r1
586r5
330v1
387iv4
<ttu, tu>
109v7
183r2
<tuw, tv, tw, ty>
331v1
184r3
286r3
330v2
<ty, wte>
524v3
327v1
512r1
<ynt, yTA, yt>
289v4
289r2
330r2
<v>
178r2
330v3
326v4
330r1
525r4
<w>
109v6
330v5
511v2
586r5
<wn, y>
286r4
<y>
182r2
330r5
289r1
512r4
526v4
109v3
550ar1
<yl, yy>
550av2
510
526r3
586r6
<a, ā>
179r3
387va3
526ra6
109r4
526ra4
326r2
289v2
289r5
330r4
<ā, ai, aya>
182r1
<au, e>
332ra3
526va6
<e, ī, i>
525v3
387rh1
184r5
526a4
180r5
525r2
<o, u, uwa>
525v1
429r5
Toch. B Murtuq
<ṢṢ, ṢPA>
325r5
200v1
<ś, Ś>
358r2
196v2
<ṭh, ṣñ, ṣ>
110r8
<b, bru>
430dr2
358v4
430av2
325v3
193r2
<bh, bhy>
597r2
200v3
188v5
551v1
110v4
597v5
110r6
185r5
195r6
196v5
<hm, h, ṢKA,
śKA>
188r2
325r1
189r1
172r5
<ṅk, ṅK, ṅg>
200r4
185r4
325v3
193r1
<ṣk, g>
173r5
<gh, ṢT, ṅṢT>
543v7
430bv2
201r4
577v4
361v4
597r4
190r5
<śc, ṅte>
598v4
200v2
511
201r4
358v3
<śtw, ñc, ñcc>
173v2
369v5
367v3
597v4
<ṣṭ, ṣṭh, ḍ, ṇḍ>
196v6
325r3
174r2
173v3
<ṭ, bdh,
ṅw,ñw>
201r4
193r7
592v1
<ñM, ñ>
372r2
358r3
193r2
430bv3
361r6
<ṇ>
357v2
110r7
415r1
202r2
<lñ, L>
171r4
358r3
325r3
346r4
201r3
544r3
<c, cau, cch>
173v5
346r3
<ccu, cm>
356av4
365av4
173v5
195v3
428r8
325v4
597v2
<cw, co, dñ>
358v5
<d, dbh>
189v5
346v4
201r4
551v2 dbh
<db, ddh, dR,
dr>
<du, dv, dy,
jñ>
202r3
325r1
200v3
188v5
196v6
171r2
191v4
357r2
<dh, dhy>
189r2
<gr, gu, kṣtR,
kṣ>
110r6
583r5
191v4
201r1
299r3
190v1
201v2
<K>
110v1
608v1
201r2
188r1
<kk, k, kc,
khy>
196r6
195r4
200r1
110v8
200v4
193v9
<kKA, KLA,
kl, kte>
597v1
512
201r4
<j>
172r3
424r1
200v1
542v7
361r2
597v5
186r3
<kcy, KT, kt>
415v5
<kr, kRA>
174r4
369v5
200r4
195v4
358ar1
361r2
324r2
<ks, KT, kts>
202v2
<ku, kū, kw>
200r3
193v10
189v4
597r2
324v2
369r2
361v7
415r3
<ktu, kuce,
kuta>
201v1
202r2
<LTA, ltu,
MṢT, lm>
187r4
421av2
196v6
358v2
<l>
428r6
597r3
<LL, LMA,
ly>
597r2
200v2
195r3
597v5
325v2
201v5
<M>
189v4
196r6
<mñ, mp, m>
325r5
110r4
195r5
196r5
<LK, lk, pkw>
325r5
325v5
110r2
367r5
<rśk, rgn, rk,
rks>
597r2
185r4
358ar4
577v6
598v2
325r3
<sk, tk,uK, yk>
190v4
196v1
<PA, pa>
358r3
172r4
185v5
325r3
196r4
201r1
110v2
189r1
324r1
<SA, sa>
597r1
<rs, sr, su>
597r5
513
358v1
<yś, sv, ws, yŚ>
430br2
202r4
110r9
325v5
592v2
355v2
<mñc, mc,
mT>
361v5
193v3
174r3
358v2
<MT, mt, mts,
mtts>
367v2
110v5
<ndā, nd, ndh,
ndr>
583r5
185r2
172v6
598v3
196v6
187r4
355v3
193r8
<n>
193r2
201r3
<NA, nu, nmy,
ny>
110v4
201v5
<R, rñai>
196r5
196v5
174r4
193v9
193r8
196v3
358r2
<rṇ, r>
542v2
<nT>
325r1
597r5
416r4
201v5
<nt>
427v5
196v3
416v3
358v5
<ntR, ntr, nts>
372v1
193v1
543r1
361v7
<ntu, nts>
372v3
325r1
419r3
193v7
358r5
201r2
<pc, pcy, pt>
173v2
201v2
<rcc, rc, rdh,
rdhv>
324r4
597r2
543r1
185r5
<rj, rmt, rmts>
551v1
186v4 -te
200r2
361v6
<rm, rn, rre>
174v2
597r3
193v8
358v3
<ru, rv>
173r6
201v2
514
193v6
172v3
<rw, ry>
193r7
<v>
174r5
361v8
195r4
<w>
324v4
358r2
361v8
202r5
201r5
185v3
325r1
597v1
<rste, rth, rt>
200v4 -te
172v5
173v6
597r2
201r3
597v4 rt
<sT, st>
110v1
428r4
<sth, stRA,
sTRA>
186r2
325r1
193r3
597v2
<str, sty, stu,
TṢ>
200r4
174r4
597v1
201r3 T$
<T, t>
189v3
188r2
542v6
196v2
<t>
110r2
355r3
358v6
201v2
<th>
346v1
196v4
202r4
201v5
<tk, tkr>
325r1
196v1
583r2
597r4
<tm, tn>
202r1
357r2
200r4
430dr2
324r1
325r2
<tp, tRA,
TRA>
189r4
188v5
<tr, trū>
171v3
416v4
200bv4
193r1
<tS>
416v4
369v4
196v3
597r2
<ts, tsn, tsr>
195r4
355v4
597v4
201r2
<tsts, ts, tsy,
tt>
325r3
370v5
515
346v5
517r2
<tt>
200r5
358v1
361v6
201r5
<tu, tū>
361v5
358r5
188r1
371v2
<tv, tw>
361v3
201v2
325v2
201v5
<tw, ty, ynt>
597r3
174v5
189r4
325v3
597v2
325r4
<wm, winā, wr,
wy>
<y>
421av2
597r1
430dr2
185v4
195v6
196v5
430bv2
201v2
<yw, yy, yt, yu>
597r2
371r6
M. Vokale
<a>
172v5
598r5
188v5
193v4
202r1
196r4
201r3
<ā>
<ai>
303av1
543r3
233v3
592v2
582r1
<au>
582r3
185r3
185r4
196r1
<e>
355v4
<I, i>
543v5
361r7
583r1
195r4
195r3
196r1
189r1
<o>
173r2
324v2
196r1
188r1
<umā, u>
424v5
195v2
Toch. B Dakianus aus Chotcho
516
358ra2
361r7
<Ṣ, ś, Ś>
537v5
527br2
527br1
290r4
<ṣ, ṣw, b, bh>
541r2
530v1
<h, PA, rPA, p>
541r2
290r2
531r4
290r7
541r6
290r7
541r2
290r1
<SA, ssu, sl>
<sn, sy, yp, śc>
534r1
541r3
290r6
541r1
541r3
290r3
<ñcw, ñc, śt>
290r1
532r1
296v8
538r4
530v3
529v5
290r6
<ṣṭ, ṣdh, ḍā, ḍh>
537r2
<ṭ, c>
527br1
290r2
290r6
534r4
290r2
<cc, cch, dñ, d>
290r1
296v2
538r5
<śk, ṅK, ṅk>
531v3
534r3
290r5
296v7
<ñk, ṣk, g>
290r7
<gh, KṢ, K>
532r2
541v3
290r2
527ar1
541r1
296v3
296v4
<kś, kṣ, kṣs>
534r3
536r3
290r4
296r2
<k, kh>
541r1
290r4
532r1
296v8
<kk, kl, kn>
529r1
532v2
290r7
296r5
<ṅw,ññ,ñMA,
ñ>
532v4
290r1
290r7
531r2
<ṇ, lm, M, nu>
534r1
541r4
517
534r1
528v5
<nw, ny, rm,
rn>
290r1
541r2
541v2
535v1
<RA, r, ry>
541v3
534r1
290r5
541r3
<v, w, yt>
541r4
209ar2
290r1
290r3
<ddh, dh, d>
531r3
527br5
537r1
296r1
<jñ, j, kts, kt>
527bv5
533r2
290r7
296v7
537v2
296v1
<mT, Mts, nd>
290r3
296v1
<kt, nt>
529v3
531r2
290r4
296r1
<kr, KT, ku,
ky>
541r2
541r6
527av3
296v6
<rṢK, rṣk, lk>
541v8
541r2
290r1
296v2
541r7
296v5
<sk, TK>
541r7
296v4
<ntr, nts, pt>
290r2
527bv1
296v3
290r3
<rd, rtSA, rtt,
rtsn>
290r3
537v4
290r5
296v5
<st, sth, str>
290r1
296r3
537v3
290r2
<T, t>
529v3
290r2
296v9
296r6
<t, th>
535v5
296v3
290r1
528r3
<TK, tk, tp>
296v4
535v4
290r4
290r3
527bv1
296r2
532v4
<tRA, tr, tS>
296r2
<tSA, tsv, tT,
537r3
527bv1
518
531r4
531v2
tu>
<tv, tw, ty, yt>
537r3
296v3
541r2
532v3
290r2
296r3
D. Vokale
<a, ā>
290r2
296r2
<ai, au>
290r1
532v5
527-
541r3
1v4
<e>
528r4
532v4
<ī, i>
527-2r5
534r2
534r3
290r6
296v3
296v2
<o>
532v5
290r6
296v3
<u>
537r2
527-1v3
541v5
296r2
Toch. B Toyoq
<ś, p, s, ṣṣ>
498r4
<S, p, br, ṣl>
498v2
498r3
297av4
498r2
498v6
297ar4
297br7
<Ssū,
st,yś,ṅg>
297ar4
297ar3
297cr2
297ar3
297ar2
498r5
<ṅkh,ṅkw, nd,
k>
297br7
297ar3
<k, KA, ṅg,
kh>
498r6
498r5
519
498r5
297cv1
<kr, ky, ku, sk>
297bv3
297br7
297bv3
297ar1
<tk, Tw, ṅm,
ñ>
297br5
297ar2
297br3
<ṇ, l, L, M>
297ar3
297av5
297ar3
498r4
297ar4
297ar1
498v4
<m, n, R>
498v4
498r2
<r, wt, v>
498r3
297ar1
297ar3
498v2
<y, ṇ, v, d>
297ar1
498v5
297ar1
498v2
<ddh, j, kts,
297br3
nT>
297br3
297av5
297ar4
297br2
498v8
297ar2
498r5
498v4
297cv2
297ar1
297cr3
<nt, stu, pts, t>
297av3
<TA, t, th>
297ar3
<Tw, tS, ts, tu>
297ar2
297cv2
297av2
297ar4
<tw, wt, yT>
297ar3
<a, ā, ai>
297rb2
297ra1
294r3
r7
297va2
297ra2
Toch. B TV. (THT294)
<Ṣ, Ṣpa, ś, śl>
<ṣ, h, mp, rp>
r9
<S, s, rṣñ, ys>
r1
r9
r4
520
r1
r9
r13
r9
r1
r1
<śk, lk, rKA,
sk>
r7
r10
r13
<kh, w, pk,
ṅk>
r9 gu
r11
r2
r13
r10
<śtw, ñc, c>
r1
r11
r8 ci
r7 co
<dñ, p, kt, nt>
r8
r9
r6
r1
<rst, T, t, tS>
r9
r3
r14
r6
<ts, tw, ñ, ṇ>
r10
r5
r6
r9
<m, n, ly, R>
r1
r3
r3
r8
<ra, rm, rw, v>
r12
r8
r8
r9
<w, yt>
r7
r4
<a, o, u>
r9
r14
r12
Toch. B X, (THT609-33)
<ṢṢ, ś, ṣ>
609r4
609v2
612r4
627v2
<bh, b, h, PA>
<pa, SA, rsn>
624v3
617r4
632r4
615r3
609r5
610r7
623r7
615r2
<sw, ys,
śk,ṅK>
627r5
615v5
623r3
623v6
<ṣk, gh, g, K>
627v2
612v7
619v3
618v2
<kṣ, ks, kr,
KT>
632r2
629r4
521
611r6
626v3
<kt, ṅw, ñ>
610v2
<ṇ, L, l, M>
623r6
<m, n, RA, ry>
627r3
616r1
629v3
626v4
621r5
626v6
610r5
612v4
617v5
609v6
<r, v, w, y>
627v4
609v6
627v3
627r6
<ñc, ḍ, c, d>
609v2
617v5
625v3
617r4
627r4
626ar3
627r4
610v1
<ddh, dh, dhy,
jj>
628v5
624r4
<kt, KTA, nt,
pt>
610v2
625r3
<ta, TA, tk,
tRA>
609r2
610r4
629v2
622v5
<tr, tS, ts, tu>
626ar7
632r2
618r5
622v2
<tv, wt, a, ai>
627r4
621r2
610ra3
625v2
627r4
609r6
<au, e, i>
617v3
625v5
<I, o, u>
610ra4
623v5
625r2
613v5
Toch. B Y. (500-2)
<ś, śm, śn, śp>
502r1
501r6
<ṣl, h, bh, b>
500r1
500r3
500r6
501r6
501r5
500r2
<p, pRA, S,
sv>
501r2
500r6
522
501r7
500r3
<śk, g, K, kṣ>
500r6
500r2
501r2
501r1
<k, kly, kr, tk>
502r1
501r5
500r1
501r8
<ñ, ṇ, L, l>
501r2
500r3
501r7
500r8
<mr, n, nm,
R>
500r4
500r1
500r4
500r5
<rṇ, r, ry, v>
500r4
<h, y, c>
502r2
501r4
501r4
500r3
500r1
500r3
500r4
<ddh, dh, dy,
jñ>
500r2
500r3 dh
501r2
501r1
<j, ndh, nt,
nts>
500r2
501r5
501r3
500r1
<pt, st, T, t>
501r6
501r3
500r7
500r2
<th, tv, tp,
wts>
500r2
500r1
500r1
500r8
<a, ā, e, u>
502r1
501r6
523
501r5
500r5
Appendix II
Paläographische Untersuchung und 14C-Prüfung
Wir haben bei Prof. Dr. P.M. Grootes, Leibniz Labor für Alterbestimmung und
Isotopen-forschung der Christian-Albrechts-Universität, Kiel, eine Datierung von 13
Proben von Turfan-Handschriften vornehmen lassen. Es handelt sich um THT 178, 240,
296, 333, 352, 367, 483, 558, 601, 694, 1018, 1030, 1068, und 5 Proben von SHT 16, 25, 34,
84, 810. Die Resultate dieser Untersuchungen möchte ich Ihnen hier vorstellen.
Zuerst zitiere ich das Schreiben von Prof. Grootes:
"Die Proben wurden unter dem Mikroskop auf Verunreinigungen kontrolliert. Zur Entfernung
möglicher Kontaminationen durch Speisefette/Konservierungsmittel wurden alle Proben in
einem Serienextraktor subsequent heiß mit Tetrahydrofuran, Chloroform, Petroleumbenzin,
Aceton, Methanol und Wasser extrahiert. Das Waschwasser der Proben KIA 23329 bis KIA
23331 verfärbte sich gelb. Anschließend folgte eine Säure-Lauge-Säure-Extraktion mit 1 % HCl,
1 % NaOH bei 60 °C und wieder 1 % HCl. Die Verbrennung erfolgte bei 900 °C in einer mit CuO
und Silberwolle gefüllten Quarzampulle. Das entstandene CO2 wurde dann mit H2 bei 600 °C
über einem Eisen-Katalysator zu Graphit reduziert und das Eisen-Graphit-Gemisch in einen
Probenhalter für die AMS-Messung gepreßt.
Die 14C-Konzentration der Proben ergibt sich aus dem Vergleich der simultan ermittelten 14C,
13
C und
12
C Gehalte mit denen des CO2-Meßstandards (Oxalsäure II) sowie geeigneter
Nulleffekt-Proben. Das konventionelle 14C-Alter berechnet sich anschließend nach Stuiver and
Polach [Radiocarbon, 19/3 (1977), 355] mit einer Korrektur auf Isotopenfraktionierung anhand
des gleichzeitig mit AMS gemessenen 13C/12C-Verhältnisses. Dieser d13C-Wert enthält auch die
Effekte
der
während
der
Graphitisierung
und
in
der
AMS-Anlage
auftretenden
Isotopenfraktionierung und ist deshalb nicht direkt vergleichbar mit d13C-Werten, die in einem
CO2-Massenspektrometer gemessen werden. Die Unsicherheit im
14
C-Ergebnis berücksichtigt
Zählstatistik, Stabilität der AMS-Anlage und Unsicherheit im subtrahierten Nulleffekt. Für die
ersten beiden haben wir die Zählstatistik und die beobachtete Streuung der Meßintervalle
verglichen und den größeren Wert verwendet. Die Übersetzung in das ‛Calibrated age“ erfolgte
mit ‛CALIB rev 4.3“ (Datensatz 2), Stuiver et al., Radiocarbon 40 (1998), 1041 - 1083.
524
Alle Fraktionen haben in etwa die für eine präzise Datierung empfohlene Mindestmenge von ca.
1 mg Kohlenstoff ergeben. Die kleinen Proben KIA 23324, 23333, 23334, 23339 und 23340
wurden für ein besseres C:Fe Verhältnis auf 1 mg Fe reduziert (statt auf 2 mg) und lieferten
damit, genau wie die anderen Proben, ausreichend Probenstrom in der AMS-Anlage. Die d13CWerte liegen im Normalbereich für organische Proben. Die Ergebnisse sind insofern zuverlässig.
Die meisten Proben wurden zweimal mit ca. 5 Wochen Zwischenzeit gemessen, damit eine
möglichst gute statistische Genauigkeit und einer dementsprechend enger Altersbereich erreicht
wurden. Die statistische Übereinstimmung der Ergebnisse der beiden Messungen ist in allen
Fällen gut. Die Messungen sind reproduzierbar. In den meisten Fällen sind die kalibrierten
Altersbereiche dennoch ziemlich breit, weil die gemessenen
14
C-Alter in eines der vielen
14
C
Altersplateaus fallen.
Eine graphische Zusammenfassung der Wahrscheinlichkeitsverteilung der kalibrierten
Altersbereiche wurde von Dr. Nadeau verfasst (untenstehende Figur). Die Qizil Manuskripte
datieren über den Bereich ca. A.D. 100 bis A.D. 900. Die frühesten Qizil Datierungen im zweiten
und dritten Jahrhundert (auch KIA 23325, Šorčuq) passen zu einigen der frühesten Datierungen
der Turfan Wandmalereien.
In wieweit der ‛Bruch“ in der Verteilung rund A.D. 600 und rund A.D. 850-900 auf Beprobung,
weniger Aktivität auf der Seidenstraße, oder Steilstellen der 14C-Kalibrierung zurückzuführen ist,
ist unklar."
Proben für die Prüfung sind nur dann abscheidbar, wenn am Rande einer Handschrift
nichts geschrieben ist, deswegen sind die Möglichkeiten für solche Proben beschränkt.
Ich habe die Proben nach Fundorten ausgewählt, damit ich die Verhältnisse im Ganzen
erkennen kann. Die Proben von Skt. Hss., die Dr. Feistel ausgewählt hat, sind
möglicherweise früheste Handschriften, die es ermöglichen, den Beginn der Benutzung
der Brāhmī-Schrift in Qizil zu finden. Ausserdem hat Prof. Grootes die Wandgemälde im
Museum für Indische Kunst zu Berlin geprüft und datiert71, und ich selbst habe Proben
71
Magische Götterwelten, Werke aus dem Museum für Indische Kunst, Berlin 2000, M. Yaldiz, R.D.
Gadebusch, R. Hickmann, F. Weis, R. Ghose. S. 284 ff.
525
aus Qizil/Qumtura und dem Xinjiang Museum bekommen, um sie zu datieren. Teilweise
habe ich ähnliche Ergebnisse erhalten. Sobald ich die Ergebnisse aus China vollständig
habe, werde ich sie mit der Datierung kommentieren, wobei die Signatur 89K89- usw. im
Kizil Institut hergestellt ist. Ich zitiere die Datierung (A.D.) bei THT nach dem "Two
Sigma Range", das die höheste "Probability" hat. Vorher hatte ich ohne 14C-Prüfung nur
nach dem Duktus eine Datierung prognostiziert, aber jetzt mit dem 14C-Ergebnis setze
ich die Klassifikation der Datierung wie folgt an:
I-1 (bis A.D. 400), I-2 (400-500), I-3 (500-600), II-1 (600-700), II-2 (700-800), II-3 (800900), III-1 (900-1000), III-2 (1000-1100), III-3 (ab 1100), wobei alles vor A.D. 400 und
nach A.D.1100 nicht bestimmbar ist.
Wenn SHT 810 (A.D. 80 - 234) von einem Tocharer geschrieben worden ist72, ist es
zumindest möglich, dass die Tocharer ab dem ersten Jahrhundert nach Christus dort
tätig waren.
THT 296 weist auf A.D. 1178 - 1255. Dieser Zeitraum fällt in Zentralasien schon in die
Mongolenzeit. Allein damit kann ich noch nicht bestimmen, wann "Tocharisch" begann
und wann es verschwand, und wie die Beziehung zu anderen Völkern war. Jedenfalls ist
die Datierung für das Toch., für die man bis jetzt vom "6.- 8. Jh. n. Chr." ausging, nicht
korrekt.
Ich hoffe auf eine zukünftige Zusammenarbeit mit Forschern aus anderen Gebieten, um
die chronologischen Verhältnisse in der Zentralasienkunde klarer zu machen.
I. Toch. B
1) Qizil Ming-Öi
89K89-9F-05 (A.D. 615 - 650; 1435 ± 25 Bp): Holzbrett.
89K89-9F (A.D. 540 - 600; 1500 ± 25 Bp): Holzbrett.
89K89-10F-16 (A.D. 665 - 690; 1310 ± 25 Bp): Holzbrett.
72
Eine ähnliche Schrift (rundere Schrift) habe ich in einer Skt. Hs. aus Qizil gesehen.
526
89K89-10F-08 (A.D. 710 - 750; 1265 ± 25 Bp): Holzzweig.
Der Duktus aller Holzbretter ist so zu sagen "Standard" und im 7. Jh. n. Chr. geschrieben
und sehr ähnlich wie die Holzbretter aus Qizil (THT490, MQ179.1-5) und aus Qumtura
(THT491, Qu).
Es gibt viele Hss. in Qizil, die auf Zweige geschrieben sind. Der Duktus davon ist überall
gleich und geschickt geschrieben. Diesen Duktus kann man als Norm für die
Schreibweise des 8. Jahrhunderts ansehen.
Höhle Nummer 110 (A.D. 460 - 520; 1555 ± 25 Bp).
Höhle Nummer 111 (A.D. 465 - 535; 1570 ± 25 Bp).
Beide Höhlen liegen nebeneinander, und wir haben dort Stroh gesammelt. Diese Höhle
hat jedenfalls im 5. Jahrhundert existiert, i. e. die Anlage der Höhle und die Tätigkeit
dort war noch früher.
THT333 (A.D. 394 - 473):
Diese Hs. zähle ich nicht zu den ältesten (normales <ya>), aber sie zeigt ältere Zeichen
(in der Mitte geöffnetes <Š>, geöffnetes <ñ>, <N> mit unten horizontalem Strich).
Wenn THT274 (z.B.) ältester Duktus ist, fällt diese Hs. in die Periode {I-2}, und dies
wird durch die 14C-Prüfung bestätigt.
THT240 (A.D. 428 - 542):
Der Duktus ist ein bisschen ähnlich wie THT333, aber <ñ> ist eine gemischte Form, die
zwischen halb geschlossen und geöffnet steht. <I> kommt im Anlaut vor (r5). Daher
weise ich diese Hs. der Periode {II-1/2} zu. Das Ergebnis der 14C-Prüfung stimmt damit
wieder gut überein.
THT483 (A.D. 770 - 888):
Diese Hs. ist so zu sagen ein "Rechenschaftbericht" in kursiver Schrift. Vom Duktus her
gesehen ist diese Gruppe mit Sicherheit nicht früher geschrieben worden (vor allem
wegen des geschlossenen <ñ>). Auf den ersten Blick ist dieser Duktus sehr ähnlich wie
527
der von Hss. aus Tumšuq, deren Geschichte hinsichtlich der literalischen Quelle völlig
unklar ist, und dessen Name (Tumšuq) nach Emmerick nicht früher als zu den A.D. 1000
datieren ist73. Das Ergebnis der 14C-Prüfung weist auf die Periode {II-3}, aber ich würde
diese Hs. eher in die Periode {III-1} datieren, weil sie Hs. kursiv geschrieben ist, die
Differenz ist allerdings nicht gross.
2) Qumtura
Höhle Nummer 34 (A.D. 535 - 600; 1515 ± 25 Bp):
In dieser Höhle kann man schöne Wandgemälde mit einer klaren Inschriften sehen.
Diese Inschrift hat den so genannten "Standard" Duktus. Ich rechne sie vom Duktus her
der Periode {II-1} zu, aber die
14
C-Analyse weist auf {I-2}. Möglicherweise ist die
Inschrift später als das Gemälde geschrieben oder renoviert worden.
Höhle Nummer 50 (A.D. 460 - 535; 1570 ± 25 Bp):
In dieser Höhle gibt es auch Wandgemälde mit einer Inschrift, die aber kaum zu
erkennen ist. Einige Akṣaras sind sichtbar und zeigen die Ähnlichkeit mit Nr. 34, wirken
ein bisschen nüchterner. Ich rechne sie der Periode {I-3} zu.
Höhle Nummer 63 (A.D. 595 - 650; 1450 ± 30 Bp):
Diese Höhle hat Wandgemälde, aber keine Inschrift. Hier haben wir Stroh und Wolle
von dem hinteren Wandgemälde entgenommen. Beide zeigen dasselbe Ergebnis in der
14
C-Prüfung.
Aufgrund dieser Ergebnisse erweist sich Qumtura nicht älter als Qizil. Ausser
"tocharischen" Höhlen gibt es hier auch einige Höhlen, die uigurische Inschriften haben.
In Qizil kann man keine uigurische Inschriften finden. Ich kann nicht mit Sicherheit
sagen, dass Qumtura wegen uigurischen Inschriften jünger als Qizil ist, aber von den
Handschriften her gesehen ist Qizil älter als Qumtura.
73
Compendium Linguarum Iranicarum, hrg. von R. Schmitt 1989, S. 204.
528
THT352 (A.D. 679 - 776):
Der Duktus ist wieder "Standard" und ähnlich wie der von Hss. in toch. A. (normales
<y>, geschlossenes <ñ>, vor allem ein <l>, das eine unten gebogene horizontale Linie
zeigt). Ich weise diese Hs. der Periode {II-1} zu, und das Ergebnis von 14C datiert auf
{II-1/2}.
3) Kuča
THT601 (A.D. 669 - 780):
Der Duktus ist ganz ähnlich wie der von THT352. Die
14
C-Analyse bestätigt dies. Die
untersuchten Hss. aus Kuča sind nur zwei (THT601 und 602), deswegen kann ich nicht
gut beurteilen, wann die Hss. aus Kuča geschrieben wurde, aber eine andere Hs., die
jüngst in Kuča gefunden worden und im Urumqi-Museum aufwahrt ist, zeigt einen
ähnlichen Duktus. Meine Klassifizierung ist die Periode {II-1}.
4) Šorčuq
THT558 (A.D. 339 - 424):
Das Ergebnis der
14
C-Prüfung ist erstaunlich früh; man muss aber bedenken, dass die
Vorderseite dieser Hs. chinesisch beschrieben ist. Wahrscheinlich hat der Schreiber auf
altes Papier, dessen Rückseite unbenutzt war, geschrieben, und die Hs. nach der
Schreibung später nummeriert (die Blattnummer 74 ist sicherlich von anderer Hand
geschrieben und vom Duktus her gesehen ist es die spätere). Der Duktus ist präzise, und
ausser bei <ṇ>, das in altertümlicher Weise unten in der Mitte einen horizontalen Strich
hat74, nicht alt (normales <y>, geschlossenes <ñ>). Ich weise diese Hs. der Periode {II3} zu. Zwischen den Akṣaras kann ich andere Zeichen erkennen, aber diese sind zu
schwach, um sie zu lesen. Es gibt circa 400 Jahre Zwischenraum zwischen der von mir
geschätzten Datierung (A.D. 800 - 900) und dem Ergebnis der 14C-Prüfung.
74
Es ist üblich, dass man für Skt.-Worte altertümliche Akṣaras benutzte, d.h. die für Tocharer
gewöhnlichen Akṣaras (für toch. Phoneme) entwickelten sich weiter, aber die Akṣaras für Skt.-Wörter (mit
nicht toch. Phonemen) entwickelten sich nicht weiter.
529
5) Murtuq
THT367 (A.D. 737 - 773):
Der Duktus ist präzise und eckig, aber nicht alt. Ich weise diese Hs. der Periode {II-2} zu,
wie auch anderen der Murtuq Hss. Das Ergebnis von 14C deutet in dieselbe Richtung.
6) Sängim
THT178 (A.D. 697 - 716):
Der Duktus ist typisch für Sängim (ein bisschen anderes als das Šorčuq UdānālaṅkāraFragment, mit einem kurzen senkrechten Strich bei <a-> und <k> und einem unten
gebogenen <l>), was für mich auf Periode {II-1} deutet. Das Ergebnis von 14C bestätigt
dies weitgehend. Dies kann darauf deuten, dass der Duktus in Sängim konservativ
bewahrt worden ist.
7) Dakianus (Chotcho)
THT296 (A.D. 1178 - 1255):
Das Ergebnis der
14
C-Prüfung ist bei dieser Hs. ganz erstaunlich. Der Duktus ist halb
kursiv und gemischt mit alten und jungen Formen (z.B. <ya> und <ñ>). Das <-o> von
<lo> ist wie ein <-e> gestaltet. Diese Hs. ist die einzige für diesen Typ. Andere
Dakianus Hss. sind ziemlich ähnlich wie Hss. mit Texten in Toch. A.
Ich möchte die Hss. aus der Stadt des Dakianus bei späterer Gelegenheit erörtern.
II. Toch. A.
1) Šorčuq
THT694 (A.D. 669 - 780):
530
Der Duktus ist sehr ähnlich wie bei dem toch. B Udānālaṅkāra-Fragment in Šorčuq, das
ich der Periode {II-1} zurechne. Die 14C-Analyse für diese Hs. weist auf Periode{II-1/2},
das nicht weit von meiner Schätzung ist. Leider kann ich keine
14
C-Prüfung für das
Udānālaṅkāra-Fragment durchführen lassen, aber vom Duktus her gesehen kann die
Datierung des Udānālaṅkāra-Fragment nicht weit von diesem Ergebnis abweichen.
2) Bäzäklik
THT1018 (A.D. 938 - 997):
Der Duktus ist präzise, die Schrift ist klein. Bei <o->, <ā> und <RA> ist die Schrift
durch lange Striche ornamental. Die linke Seite des <-o> von <lo> ist wie ein <-e>
gehalten. Vom Duktus her gesehen rechne ich diese Hs. der Periode {II-2} zu, aber das
Ergebnis der
14
C-Analyse weist auf {III-1}. Wahrscheinlich haben die Schreiber von
Toch. A die Schreibung konservativ bewahrt.
3) Sängim
THT1030 (A.D. 985 - 1022):
Der Duktus ist sehr ähnlich wie bei THT1018 (B), und die 14C-Prüfung weist in etwa auf
ein ähnliches Erbebnis.
4) Dakianus (Chotcho)
THT1068 (A.D. 925 - 998):
Der Duktus ist sehr ähnlich wie bei THT1030 (S), und die
14
C-Prüfung bestätigt dies.
<ñ> kommt nur in Ligaturen vor und ist geöffnet geschrieben. Allgemein gesehen ist
<ñ> kein Kriterium bei A-toch. Hss., da es teils geöffnet und teils geschlossen, also
gemischt geschrieben ist.
Es ergibt sich folgendes provisorisches Fazit:
531
Von dem Duktus und der
14
C