Buettner 250 Jahre Akademie der Bildenden Kuenste Stuttgart 2011

Buettner 250 Jahre Akademie der Bildenden Kuenste Stuttgart 2011
250 Jahre Akademie
der Bildenden Künste Stuttgart
Rücksichten
250 Jahre Akademie
der Bildenden Künste Stuttgart
Ein Lesebuch
Herausgegeben von
Nils Büttner und Angela Zieger
Stuttgart 2011
Grußwort
Ministerialdirigent Hans Georg Koch
Ministerium für Wissenschaft, Forschung
und Kunst Baden-Württemberg
Die Staatliche Akademie der Bildenden Künste Stuttgart feiert in diesem Jahr ihr 250-jähriges
Bestehen. Dieses Jubiläum ist ein willkommener Anlass, der wechselvollen und ereignisreichen
Geschichte der ältesten Stuttgarter Hochschule eine gebührende Publikation zu widmen.
Kunst und Kultur haben in Baden-Württemberg einen hohen Stellenwert. Sie sind ein wichtiger
Teil unserer Identität. Künstlerische Vielfalt und ein kreatives kulturelles Leben sind für eine
offene und selbstbewusste Gesellschaft elementar. Baden-Württemberg verfügt über ein reiches
kulturelles Spektrum - von klassischen Sparten wie Theatern, Orchestern, Museen, Bibliotheken,
unseren Schlössern und Gärten bis hin zu Film, Medienkunst und Kreativwirtschaft. Wir haben
weit über die Grenzen des Landes hinaus wirkende Leuchttürme, aber auch ein herausragendes
Engagement im Laien- und Amateurbereich. Unverzichtbarer Bestandteil der baden-württember­gischen Kunst- und Kulturlandschaft sind die zahlreichen Ausbildungsstätten im Land, die
Kunst- und Musikhochschulen, die Filmakademie, die Akademie für Darstellende Kunst und die
Popakademie. Sie alle bieten dem künstlerischen Nachwuchs exzellente Aus- und Weiterbildungsmöglichkeiten.
Einen herausragenden Platz unter den baden-württembergischen Kunsthochschulen nimmt die
Staatliche Akademie der Bildenden Künste in der Landeshauptstadt Stuttgart ein. Ihre Anfänge
gehen zurück auf Herzog Carl Eugen von Württemberg, der am 25. Juni 1761 eine dem Künstlerisch-Handwerklichen verpflichtete »Académie des Arts« nach französischem Vorbild gegründet hat. Es hat nicht zuletzt mit dieser »Académie« zu tun, dass Friedrich Schiller später an
seinen Freund Christian Gottfried Körner mit Blick auf Stuttgart geschrieben hat: »Die Künste
blühen hier in einem für das südliche Deutschland nicht gewöhnlichen Grade, und die Zahl der
Künstler … hat den Geschmack an Mahlerey, Bildhauerey und Musik sehr verfeinert.« Heute zählt
die Staatliche Akademie der Bildenden Künste Stuttgart mit mehr als 800 Studierenden zu den
größten und am breitesten aufgestellten Hochschulen ihrer Art in Deutschland. Mit ihrer Vielzahl
von Studiengängen in den Bereichen der Freien und Angewandten Kunst, der Kunstwissenschaft,
Architektur bis hin zur Restaurierung hat sich die Kunstakademie Stuttgart ein unverwechselba­
res Profil gegeben.
Ein wesentliches Element ihres Leitbilds ist die Interdisziplinarität des Unterrichtsangebots. Internationalität und Pluralismus in der Lehre, Forschung, Entwicklung und offener Dialog mit der Gesellschaft sind feste Bestandteile ihres Selbstverständnisses. Die Staatliche Akademie der Bildenden Künste Stuttgart war und ist ein wichtiger Impulsgeber für das Kunst- und Kulturleben unseres
Landes. Für die Zukunft wünsche ich der Akademie alles Gute und immer den verdienten Erfolg.
Grußwort
Prof. Dr. Wulf D. von Lucius
Vorsitzender des Vorstandes der Wüstenrot Stiftung
Die Stuttgarter Kunstakademie leistet bis heute zahlreiche Beiträge zum lebendigen Kunst- und
Kulturleben des Landes Baden-Württemberg. Doch Gestalt und Sprachen der Kunst sind und waren im Laufe der Zeit tiefgreifenden Veränderungen unterworfen. Der 250. Geburtstag der Hoch­
schule gibt Anlass, sich diese historischen Prozesse und Änderungen vor Augen zu führen. Dabei
erweist sich die enge Wechselbeziehung zwischen künstlerischen und gesellschaftlichen Reformen und Wandlungen. Bis heute beschäftigen sich Künstlerinnen und Künstler intensiv mit den
Fragen der Zeit – künstlerischen und ästhetischen aber auch sozialen oder philosophischen. Hierfür muss es den Raum geben und zwar auch und gerade wenn kurzfristiges betriebswirtschaftliches
Denken gegenüber der Bereitschaft zu langfristigen Investitionen zunehmend an Boden gewinnt.
Die Wüstenrot Stiftung, die sich auch für die Förderung des begabten künstlerischen Nachwuchses
engagiert, setzt sich zugleich mit ihrem Denkmalprogramm seit Jahren vorbildlich für die Bewahrung kultureller Werte ein. Die Zeugnisse und Hinterlassenschaften unserer physischen Kultur und
deren unstofflichen geistigen Inhalte sollen dem kulturellen Gedächtnis bewahrt und lebendig gehalten werden. Die hier vorliegende Rückschau auf die Geschichte der Stuttgarter Kunstakademie
ist ein solcher Beitrag zu einer lebendigen Kultur des Erinnerns. Getreu dem Motto des Philosophen
Odo Marquard »Zukunft braucht Herkunft« mag das Wissen um die Traditionen nicht nur einen Beitrag zur Formierung der kulturellen Identität leisten, sondern zu einer lebendigen Auseinandersetzung den Anstoß geben.
Vorneweg: ein erster Blick zurück
Petra von Olschowski
Rektorin
Der Anfang liest sich aus heutiger Sicht durchaus amüsant. Als Herzog Carl Eugen von Württemberg die Académie des Arts in Stuttgart ins Leben rief, ließ er im Grundsatzprogramm verkünden:
»Es kann niemand zweifeln, daß die schönen Künste, und besonders die Malerei, Bildhauerei
und Baukunst nicht jederzeit eine der würdigsten Beschäftigungen des menschlichen Wizes und
der menschlichen Geschicklichkeit gewesen seien (…) Sie anderwärts auch von größter Nutzbarkeit seien, da sie uns diejenigen Gemächlichkeiten verschaffen, die das Leben angenehm machen,
auch, weil sie den äußerlichen Pracht und Überfluß befördern (…). Was kan also die Aufmerksamkeit eines grossen Fürsten stärker reizen und beschäftigen, (…) als wenn man nach Erlangung
geschickter Meister eine Akademie errichtet, wo diese Künste gelehret werden, und wo sich die
Jugend bilden kan, wie junge Pflanzen in einer Baumschule.«
Dass die »jungen Pflanzen« nicht immer damit einig waren, auf welch militärisch strenge Art
sie in dieser »Baumschule« gebildet wurden, wissen wir. Und dass im Widerstand vieler Künstler
gegen diese Prinzipien, die sich in der etwas später gegründeten Hohen Karlsschule noch verstärkten, auch der Widerstand gegen die Beförderung äußerlicher Pracht und Überfluss durch
die Künste steckte, weist auf einen Umbruch innerhalb der künstlerischen Haltungen hin, der bis
heute wirksam ist. In dieser wie in manch anderer Hinsicht kann die Geschichte der Staatlichen
Akademie der Bildenden Künste als beispielhaft für die Entwicklung der künstlerischen Lehre
gelten – wie ein kurz zusammengefasster Blick zurück zeigt.
Die Stuttgarter Akademie, am 25. Juni 1761 gegründet, ist eine der ältesten in Deutschland. Die
ersten Jahre stehen ganz unter dem Eindruck des Klassizismus, der gerade im Schwäbischen zu
einer Blütezeit der Künste führt. Man schult sich an den Vorbildern der Antike. Doch dieses Vermächtnis der Alten, das etwas später im Programm der Hohen Karlsschule noch im Zentrum
steht, trägt nicht lange. Es folgt im frühen 19. Jahrhundert in ganz Europa eine Krise der künstle­
rischen Lehre; Grund dafür ist die Auseinandersetzung mit dem Geniebegriff und der sich neu
bildenden Vorstellung von einer freien, individuellen, nicht durch Übung vermittelbaren Kunst.
In Stuttgart schließt man die Akademie für einige Jahrzehnte – offiziell aus Geldmangel. Niemand
setzt sich ein für ein insgesamt fragwürdig gewordenes Modell. Als beim Übergang ins 20. Jahrhundert die Diskussion um die wachsende Bedeutung von Kunstgewerbeschulen und die mögliche Verschmelzung von akademischer Ausbildung einerseits und künstlerisch-handwerklicher
Lehre andererseits geführt wird, nimmt man in Stuttgart die Debatte allerdings früh und erfolgreich
auf: in der wieder eröffneten Kunstakademie, den neuen Lehrwerkstätten und der Kunstgewerbeschule. Die Ergebnisse wirken bis hinein in die Gründung des Bauhauses. Bis heute stehen die Verbindung von freien und angewandten Studiengängen sowie die große Zahl an Werkstätten für die
Besonderheit dieses Hauses. Nach 1945 schließlich gehört Stuttgart zu jenen Akademien, in
denen das Ringen zwischen Abstraktion und Figuration auf europaweit höchstem Niveau ausgetragen wird.
Große Professorennamen haben die entscheidenden Kreuzungspunkte des Weges markiert: am
Anfang Guibal, Dannecker, Scheffauer; später Pankok und Hölzel, dann Baumeister – um nur
einige wenige zu nennen. Nicht nur sie, auch viele ihrer Kollegen und parallel zu den Haupt- auch
einige Nebenwege finden in dem hier vorliegenden Band eine angemessene Würdigung; in ihm
wird die Geschichte der Stuttgarter Kunstakademie erstmals konsequent aufgearbeitet.
Liest man diesen Rückblick, zeigt sich, dass die Stuttgarter Akademie auch in anderer Hinsicht
als beispielhaft gelten kann. »Seitdem es Akademien gibt, also seit der Renaissance, wird über
die Ausbildung von Künstlerinnen und Künstlern mal mehr, mal weniger vehement gestritten«,
schreiben Elke Bippus und Michael Glasmeier im Vorwort zu dem Band »Künstler in der Lehre«.
Auch die Stuttgarter Situation ist geprägt von ständigen Auseinandersetzungen. Wie viel schöner
wäre es, man könnte eine Geschichte der Geradlinigkeit, der Konsequenz und der Homogenität
erzählen! Eine Linie. Eine einzige Erfolgsstory. Aber das entspräche kaum der historischen und
gegenwärtigen Realität großer Kunsthochschulen. Selbstverständlich gibt es unter diesen Differenzen jene Reibereien, die in der Eitelkeit der einzelnen Persönlichkeiten wurzeln, die hier zusammentreffen. Aber auch wenn mit diesem Argument manches Künstlerklischee gut bedient
wäre: das allein steht selten im Zentrum. Kunst ist immer verbunden mit essentiellen Fragen an
das Leben. Zweifeln, Suchen, Ringen, Behaupten, Verwerfen, Verteidigen, Schützen, Irren, Finden –
all das gehört zu ihr und zur Lehre von der Kunst. Fast jedem Streit, jedem Zerwürfnis, jeder Diskussion in Vergangenheit und Gegenwart liegen ernsthafte gesellschaftliche, inhaltliche, stilis­
tische und konzeptuelle Auseinandersetzungen um die Kunst selbst zugrunde sowie das Bestreben,
nicht nur den eigenen Ansprüchen von Qualität gerecht zu werden, sondern auch zukunftsweisende Entscheidungen zu treffen. Dem Zeitgeist verpflichtet, geht es darum, über ihn hinaus zu sehen
und dabei, obwohl dem eigenen Werk verhaftet, die Offenheit für andere Positionen zuzulassen.
Raum und Zeit für verschiedene Denkmodelle, für Experimente und unterschiedlichste künstlerische Handschriften zu ermöglichen, ist aus heutiger Sicht eine zentrale Aufgabe einer Kunstakademie, zumal wenn es sich, wie in Stuttgart, um einen Campus handelt, auf dem Architekten, Designer, Künstler, Kunsterzieher, Kunstwissenschaftler und Restauratoren zusammentreffen. Auch
wenn Nils Büttner und Angela Zieger in ihrem klugen Vorwort zu diesem Band schreiben, es gehe
in der vorliegenden Rückschau nicht darum, die Gegenwart der Akademie in ihrer aktuellen Er-
scheinung als Resultat des historisch Gewordenen zu verstehen, und der Rückblick tauge in diesem Sinne nicht als Medium der Prognose, so zeigt uns dieser Blick doch, mit welcher Vehemenz
und Kraft um diese Akademie gerungen wird – seit 250 Jahren.
Mit Erfolg: Heute ist die Stuttgarter Akademie nicht nur eine der ältesten in Deutschland, sondern
mit rund 900 Studierenden, knapp 50 Professoren und weiteren 90 Mitarbeitern eine der größten.
Ob wir es nun wollen oder nicht: wir alle, die wir hier arbeiten, lehren und lernen, sind Teil dieser
Geschichte.
Dass wir diese Geschichte nun ausführlich erkunden können, haben Nils Büttner, Professor für Mittlere und Neuere Kunstgeschichte, und Angela Zieger, Mitarbeiterin im Archiv der Akademie, ermöglicht. Das große Engagement, das hinter diesem Projekt steht, ist weit mehr als selbstverständlich,
mein Dank dafür tief und herzlich. Ich danke meinem Vorgänger Professor Ludger Hünnekens,
der die Grundlage für das 250-Jahr-Fest der Stuttgarter Akademie gelegt hat. Allen Autorinnen
und Autoren sei besonders Dank gesagt für die intensive Forschungsarbeit. Professor Uli Cluss,
der Leiter des Buchinstituts der Akademie, und Nicolas Zupfer haben in vielen Gesprächen nach
der richtigen Form für dieses Lesebuch gesucht – und sie gefunden. Dafür meinen herzlichen Dank.
Er geht auch an Nadine Bracht, die Leiterin der Werkstatt für Fotografie, die aus unserem Wunsch,
den Ort der Gegenwart mit der Kamera zu skizzieren, eine wunderbare Bildfolge gemacht hat. Ich
danke den Kolleginnen und Kollegen Sandra Lauenstein, Karin Schulte und Horst Wöhrle für ihre
redaktionelle und organisatorische Hilfe.
Ein besonders herzlicher Dank geht an unsere Förderer: Ohne die Wüstenrot Stiftung wäre die Realisierung dieses Buchs nicht gelungen. Wir danken für das Vertrauen und die großzügige Hilfe. Die
Landesregierung und das Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst haben mit ihrer Unterstützung auch ein kulturpolitisches Zeichen gesetzt: die größte und älteste Akademie in Baden-Württemberg soll ihrem Rang auch in Zukunft gerecht werden. Und so schließt sich dann doch ein Bogen
von 1761 bis 2011. Hinter allen wichtigen Entwicklungsschritten der Stuttgarter Kunstakademie
stand letztlich auch die Politik; Innovation und Qualität waren nur dann möglich, wenn sie Freiheit
und Unabhängigkeit nicht nur zugelassen, sondern ermöglicht hat. Darauf vertrauen wir weiterhin.
Auch in der nächsten Zeit werden wichtige Weichen in der Kunstausbildung gestellt. Ich danke allen
Professorinnen und Professoren, allen Kolleginnen und Kollegen, allen Studierenden, die in diesem
Jubiläumsjahr die Diskussionen aufnehmen, weiterführen, prägen und gemeinschaftlich in Richtung
Zukunft blicken.
Vorwort
Nils Büttner und Angela Zieger
Herausgeber
Es hat in der Geschichte der Akademie immer wieder Anlässe gegeben, zurückzublicken. So zum
Beispiel vor fünfzig Jahren, zum 200-jährigen Jubiläum. Damals, 1961, endete der Kunsthistoriker Hans Fegers seinen kurzen historischen Überblick mit dem Wunsch nach einer zukünftigen
»gerechten Würdigung aller Kräfte«, die zum »bedeutenden Ruf« der zwanzig Jahre zuvor mit
der Kunstgewerbeschule und den Lehr- und Versuchswerkstätten vereinigten Akademie beigetragen hätten. Doch trotz einer stetig wachsenden Zahl an Einzelstudien zu Personen und Ereignissen ist bis heute keine historische Gesamtschau vorgelegt worden. Und weder die historischen
Zeitläufte noch ihre Protagonisten haben bislang die schon vor fünfzig Jahren eingeforderte Würdigung erfahren. Der 1961 publizierte Band sollte ausweislich des von Walter Brudi formulierten
Vorworts »Einblick in die Vielfalt des Lehrkörpers geben und zugleich zeigen, wie groß der Einfluß
der Schule auf das mannigfache künstlerische und gestalterische Schaffen« sei. Auch ein 1988
erschienener Band, zu dem der Kunsthistoriker Wolfgang Kermer auf sechzehn Seiten »Daten und
Bilder zur Geschichte der Akademie« beisteuerte, war als »eine Selbstdarstellung« dezidiert
auf die Gegenwart der Hochschule bezogen. Ähnliche Selbstdarstellungen, die als sprechender Ausdruck des jeweiligen Zeitgeistes stets auch auf die Geschichte der Institution Bezug nahmen, hatte
es auch schon 1938 und 1953 gegeben. Im Zentrum stand dabei stets die Gegenwart der Akademie,
die in ihrer aktuellen Erscheinung als Resultat des historisch Gewordenen verstanden wurde. So ist
hier die vorliegende Rückschau auf 250 Jahre Geschichte ausdrücklich nicht gemeint.
Es steht außer Frage, dass man in einer Institution, die sich ihrem aktuellen Leitbild folgend »zu
künstlerischer Innovation« bekennt und »sich als Experimentierfeld für exemplarische künstlerische Arbeit in der Einheit von Forschung und Lehre« versteht, dem Blick auf die Vergangenheit
mit einer gewissen Skepsis begegnet. Die Bedenken sind dabei weniger auf die methodischen Probleme historischen Darstellens gerichtet und auf das, was Michel Foucault die »Utopie des kausalen Denkens« genannt hat. Denn fraglos ist es eine Illusion, dass die Geschichte sich als Folge konsekutiver Ereignisse auf die Gegenwart als ihr Ziel zubewegt. Die Zweifel sind allgemeinerer Natur
und speisen sich aus der Angst, dass der historische Blick die erhoffte Vision für die Zukunft verstellt und die notwendige Standortbestimmung für die Gegenwart verunmöglicht. Sie vorzunehmen
kann ein einzelnes Buch nicht leisten. Diese Aufgabe sollen die für die kommenden Jahre geplanten Fachgruppenpublikationen übernehmen, deren erste für den Bereich Kunst bereits vorliegt. Auch
verschiedene Ausstellungen und Aktionen des Jubiläumsjahres haben sich eine Positionierung
und Perspektivierung zum Ziel gesetzt. Die historische Darstellung, wie sie der vorliegende Band
versucht, ist nicht als Standortbestimmung für die Gegenwart des lebendigen Organismus Akademie intendiert. Der Blick zurück erweist, dass sich wohl kein Ereignis aus der reichen und wechselvollen Geschichte der Institution heute noch ungebrochen zur affirmativen Bezugnahme eignet.
Auch taugt der Rückblick nicht als Medium der Prognose. Mit guten Argumenten hat sich der Philosoph Karl Popper gegen das gewandt, was er das »Elend des Historizismus« nannte, nämlich
den Versuch, im Blick auf die Geschichte »Trends« oder »Gesetze« aufzuweisen und von ihnen
ausgehend Voraussagen für die Zukunft machen zu wollen. Dennoch ist der Blick zurück nicht
sinnlos.
Wohl jeder, der historisch schreibt, muss sich die Frage nach dem Sinn seines Tuns gefallen lassen, schon damit die Historie nicht zu dem verkommt, was Ernst Troeltsch Historismus nannte,
die »völlig relativistische[n] Wiedererweckung beliebiger vergangener Bildungen mit dem lastenden und ermüdenden Eindruck historischer Aller-Welts-Kenntnis und skeptischer Unproduktivität für die Gegenwart.« In seiner »unzeitgemäßen Betrachtung« »Vom Nutzen und Nachteil der
Historie für das Leben« hatte Friedrich Nietzsche schon 1874 »das zügellos umschweifende Geschichts-Unwesen« gegeißelt und zugleich drei Formen der Geschichte konzipiert, die dem Leben
dienen könnten. Die »monumentalische Historie« vermöge mit ihren Beispielen dem »Thätigen
und Strebenden« zu zeigen, dass Großes und Menschliches möglich sei. Die ebenso notwendige
»antiquarische Historie« bewahre das geschichtlich gewordene und versichere jeden Einzelnen
seines Horizontes und seiner Traditionen, während schließlich die »kritische Historie« den »Leidenden« von ihn belastenden und niederdrückenden Überlieferungen befreien könne. Gegenwart
und Leben werden nach Nietzsche nicht an der Tradition und ihren Maßstäben gemessen, vielmehr
bestimmt die jeweilige Gegenwart, das wirkliche Leben, was als substanzieller Inhalt der Geschichte zu gelten habe: »Erst durch die Kraft, das Vergangene zum Leben zu gebrauchen und aus dem Geschehen wieder Geschichte zu machen, wird der Mensch zum Menschen.«
In einem Abwägen von Nutzen und Nachteilen haben wir uns entschieden, einen Blick zurück auf
die Geschichte der Hochschule zu wagen, wie er bislang noch nicht versucht worden ist. Ein Grund
für dieses Desiderat mag neben allgemeineren Bedenken auch in der verzweigten und teils verzwickten Geschichte der heutigen Akademie und ihrer zahlreichen Vorgängerinstitutionen gelegen haben.
Genauso aber in der großen Zahl von Akteuren, in den handelnden Personen, die der Akademie über
die Jahrhunderte verbunden waren und ihre Geschicke mitbestimmten. Sie alle auch nur annähernd
gerecht würdigen zu wollen, würde den Rahmen dieser Festschrift sprengen. Auch galt es – zumal für
die jüngere Vergangenheit – die teils kontroversen Sichtweisen zu berücksichtigen, die dem Bemühen
um historische »Objektivität« teils enge Grenzen setzten. So ist der gewollt mehrdeutige Titel der
Festschrift, »Rücksichten«, durchaus mit Bedacht gewählt.
Entstanden ist ein Lesebuch zur Geschichte der Stuttgarter Kunstakademie, das zwar der erste Versuch ist, einen möglichst vollständigen, chronologischen Überblick zu bieten, gleichwohl jedoch
nicht den Anspruch erhebt, allen Ereignissen und Personen in Gänze gerecht zu werden. Es war die
Entscheidung der Autorinnen und Autoren, innerhalb des von ihnen bearbeiteten Zeitabschnitts die
Schwerpunkte nach eigenem Ermessen zu setzen und damit verbunden, das Wirken der von ihnen
als entscheidend erkannten Protagonisten zu beleuchten.
Wir danken allen Autorinnen und Autoren für ihre engagierten und fachkundigen Beiträge, ohne die
ein solches Buch nicht hätte zustande kommen können. Dank gilt dem ehemaligen Rektor der Akademie, Professor Dr. Ludger Hünnekens, für seine Initiative zum 250-jährigen Bestehen einen Geschichtsband auf den Weg zu bringen und unserer Rektorin Petra von Olschowski, der die Realisierung dieses Projektes ein persönliches Anliegen gewesen ist. Weiterhin ist dem Kanzler der Akademie, Dr. Matthias Knapp zu danken, wie dem Ministerium für Wissenschaft und Kunst, die finanzielle Mittel bereitgestellt haben. Des Weiteren der Wüstenrot Stiftung und einem anonymen Spender, die das Erscheinen des Bandes in der vorliegenden Form ermöglichten. Dank gilt auch dem
1924 gegründeten Verein der Freunde der Kunstakademie. Für die redaktionelle Unterstützung
danken wir Sandra Lauenstein und Horst Wöhrle. Besonderer Dank gilt Professor Uli Cluss und
dem Institut für Buchgestaltung und Medienentwicklung, namentlich Nicolas Zupfer, die aus
Texten und Bildern ein Buch werden ließen. Zu dessen Erscheinungsbild hat mit ihren Fotos
Nadine Bracht maßgeblich beigetragen, der hier ebenfalls nachdrücklich gedankt sei.
Inhalt
27
Sabine Rathgeb:
Die Anfänge der Stuttgarter Kunstakademie
55
Wolf Eiermann:
Die Stuttgarter Kunstschule im 19. Jahrhundert:
Internationale Herausforderungen und
württembergische Möglichkeiten
75
Nils Büttner:
Im Zeichen des Neubeginns:
Die Kunstakademie zwischen 1898 und 1933
103
Alexander Klee:
Adolf Hölzel: Die Stuttgarter Akademie
ein Epizentrum des künstlerischen Wandels
und Schrittmacher der künstlerischen Entwicklung
119
Heike Schröder:
Die Geschichte der Kunstgewerbeschule
im 19. Jahrhundert
135
Ulrike Büttner:
Die Kunstgewerbeschule zwischen 1896 und 1933
155
Julia Müller:
Die Akademie der Bildenden Künste
und die Kunstgewerbeschule in Stuttgart
in der Zeit des Nationalsozialismus
183
Daniel Spanke:
»Wir malen keine Bilder, wir studieren«:
Baumeister und die Stuttgarter Akademie
als verhindertes Bauhaus?
203
Eva-Marina Froitzheim:
Stunde Null?
Die Akademie der Bildenden Künste ab 1946
231
Horst Wöhrle:
Die Werkstätten
247
Ulrich Bernhardt, Nils Büttner,
Jula Dech, Claus Dreyer,
Wolfgang Kermer:
Die 1968er. Ein fiktiver Dialog
267
Sokratis Georgiadis, Katharina Christophers:
Architekturausbildung auf dem Weißenhof.
Der wechselvolle Werdegang
eines außergewöhnlichen Modells
283
Undine Wobus:
Innenarchitektur und Möbelbau an
der Stuttgarter Kunstakademie nach 1945
299
Laura Kapp, Christoph Krekel:
Die Restaurierungsstudiengänge
315
Hans-Dieter Huber:
Verschüttet, vergessen und wiederentdeckt.
Neue Medien an der Akademie
343
Nils Büttner:
Und Jetzt? Ein Zwischenstück
363
Günter Oelberger:
Akademiechronik von 1988 bis heute
381
Angela Zieger:
Listen / Register
383
Professoren und Professorinnen
398
Werkstattlehrer und -lehrerinnen,
akademische Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter
410
Rektoren und Rektorin
412
Ehrenmitglieder, Ehrensenatoren
und Ehrensenatorin der Staatlichen Akademie der
Bildenden Künste Stuttgart 1761–2011
Die eingefügten Fotografien zwischen den Kapiteln
stammen von Nadine Bracht, die seit 2010 an der Akademie
als technische Lehrerin für Fotografische Medien lehrt.
Staatliche Akademie der
Bildenden Künste Stuttgart
Am Weißenhof 1
D-70191 Stuttgart
Vorwort zur zweiten Auflage
Es kann wohl kaum ein schöneres Kompliment für ein Buch geben, als einen dem großen Interesse
geschuldeten Neudruck. Noch vor dem großen Festakt zum 250-jährigen Jubiläum am 25. Juni 2011
zeichnete sich ab, dass die auf nur 600 Exemplare limitierte erste Auflage vielleicht etwas zu knapp
bemessen war. Zum Ende des Sommerfests und weit vor dem Ende des Jubiläumsjahres war der
Band dann endgültig vergriffen, ohne dass die allgemeine Nachfrage nachgelassen hätte. Dem ungebrochen großen Interesse an der Geschichte des Lehrens und Lernens an der Stuttgarter Kunstakademie von den Zeiten ihrer Gründung bis in die Gegenwart, galt es Rechnung zu tragen. Dank
der großzügigen Unterstützung des Ministeriums für Wissenschaft, Forschung und Kunst BadenWürttemberg wurde es uns ermöglicht, eine in ihrer äußeren Erscheinung unveränderte zweite
Auflage von 400 Exemplaren zu produzieren. Zumindest in bescheidenem Umfang ist es dadurch
zugleich möglich geworden, kleinere Fehler zu korrigieren, die in der Zwischenzeit aufgefallen
waren. Unser Dank gilt an dieser Stelle all jenen, die durch ihre Kommentare und Hinweise zur
Verbesserung des Buches beigetragen haben.
Nils Büttner und Angela Zieger
Stuttgart im August 2011
Impressum
Rücksichten
250 Jahre Akademie der Bildenden Künste Stuttgart
Herausgegeben von Nils Büttner und Angela Zieger
mit Beiträgen von: Ulrich Bernhardt, Nils Büttner, Ulrike Büttner, Katharina Christophers,
Jula Dech, Claus Dreyer, Wolf Eiermann, Eva-Marina Froitzheim, Sokratis Georgiadis,
Hans-Dieter Huber, Laura Kapp, Alexander Klee, Christoph Krekel, Julia Müller,
Günter Oelberger, Sabine Rathgeb, Heike Schröder, Daniel Spanke, Horst Wöhrle, Undine
Wobus und Angela Zieger.
Eine Publikation des Institutes für Buchgestaltung und Medienentwicklung
Redaktion: Nils Büttner, Sandra Lauenstein, Angela Zieger
Konzept / Gestaltung: Uli Cluss, Assistenz: Nicolas Zupfer
Korrektur: Horst Wöhrle
© 2011 Institut für Buchgestaltung und Medienentwicklung
© Texte: die Autoren, © Fotografie: Nadine Bracht
© soweit nicht anders vermerkt: Staatliche Akademie
der Bildenden Künste Stuttgart, Kunstsammlung und Archiv
3. Auflage 2015 (Onlineausgabe)
Druck: Offsetdruckerei Grammlich, Pliezhausen
Weiterverarbeitung: Buchbinderei Lachenmaier, Reutlingen
Einbandmaterial: Winter NAP 6793 or blanc
Papier: Munken Pure 120g/m2 und Inapa Infinity Gloss 135g/m2
ISBN: 978-3-931485-11-5
Alle Rechte vorbehalten.
Mit freundlicher Unterstützung der Wüstenrot Stiftung
und des Landes Baden-Württemberg
… 27 …
r athgeb – die anfänge der kunstak ade mie
s a bi n e r at hg e b
di e a n f ä ng e de r st u t t g a r t e r
ku nst a k a de m i e
Am 25. Juni 1761 ließ Herzog Carl Eugen von Württemberg (1728–1793)
die Stiftung einer Kunstakademie in Stuttgart öffentlich bekannt geben (abb. 1).1 Die mit dem klangvollen Namen „Académie des Arts“
betitelte Institution wurde bald zum wichtigen Bestandteil des höfischen Repräsentationsapparats. Schon in den ersten Jahren seiner Regierung hatte der Herzog mehrere junge Künstler gefördert und ihnen
durch Reisestipendien Studienaufenthalte im Ausland ermöglicht. Die
Akademie entwickelte sich in der Folge zum zentralen Instrument der
herzoglichen Kulturpolitik und verlieh seinem Mäze­natentum einen
institutionellen Rahmen.
Die Gründungskommission der Akademie, die sich im April 1761 kon­stituiert hatte, bestand aus sechs württembergischen Hofkünstlern: Nico­las Guibal, Adolf Friedrich Harper, Pierre François Lejeune, Jo­hann
Christian Wilhelm Beyer, Innocente Colomba und Antonio De’ Bittio.
Beteiligt war außerdem der Regierungsrat Friedrich Ferdinand Bilfinger (1728–1761). Dass von Seiten der Künstler eine treibende Kraft bei
der Akademiegründung ausging, steht außer Frage, denn mehrere von
ihnen hatten sich schon im Vorfeld mit der Konzep­tion von Kunstaka-
1… Der folgende Artikel basiert auf meiner an der Universität Heidelberg ent­­­standenen Dissertation Studio & Vigilantia. Die Kunstakademie an der Hohen
Karlsschule in Stuttgart und ihre Vorgängerin Académie des Arts, Stuttgart 20 0 9
(Veröffentlichungen des Archivs der Stadt Stuttgart 10 2), hier: S. 75f.
… 28 …
250 jahr e kunst ak ade mie stu t tg art
demien beschäftigt. So veranstaltete der aus Ober­italien stammende
Theatermaler Bittio seit 1753 eine Privatakademie in seiner Stuttgarter
Werkstatt, in der regelmäßig nach Aktmodellen gezeichnet wurde.2 Die
Maler Guibal und Harper und die Bildhauer Lejeune und Beyer waren
zu Beginn der 1750er Jahre in Rom und wurden dort Zeugen einer Wiederbelebung akademischer Traditionen.3 1755 reichte Beyer bei Kardinal Albani (1692–1779) ein Konzept zur Einrichtung einer Deutschen Akademie ein.4 Beyer, dessen ambitionierter Projektentwurf unausgeführt blieb, behauptete später, er sei federführend bei der Entstehung der Stuttgarter Akademie gewesen.5 Dies entspricht jedoch
nicht den Tatsachen, denn laut Personalverzeichnis wurde der Bildhauer
bereits im September aus nicht näher angegebenen Gründen aus der
Aka­demie ausgeschlossen, ehe diese überhaupt ihren regulären Lehrbetrieb aufgenommen hatte.6 Der Grund könnten Spannungen mit dem
ersten Hofmaler Nicolas Guibal gewesen sein, dem fraglos die Hauptrolle bei der Ausarbeitung des Stuttgarter Akademiekonzeptes zufiel.
2 … Die erste Erwähnung von Bittios Privatakademie bei Karl Pfaff:
Geschichte der Stadt Stuttgart, Bd. 2, Stuttgart 1846 , S. 515 .
3… 1749 gründeten mehrere englische Künstler eine Britische Akademie in Rom.
1754 wurde die „Accademia del nudo“ auf dem Kapitol eröffnet, um ausländi­s chen
Künstlern den Zugang zum akademischen Aktstudium in Rom zu erleichtern.
Auch die traditionsreiche „Accademia di San Luca“ rückte wieder stärker in den
Fokus der Öffentlichkeit. Steffi Röttgen: Anton Raffael Mengs 1728–1779.
Leben und Wirken, Bd. 2, München 2 0 0 3 , S. 128 .
4 … Der schriftliche Entwurf Beyers ist publiziert bei Steffi Röttgen: Hofkunst –
Akademie – Kunstschule – Werkstatt. Texte und Kommentare zur Kunstpflege von
August I I I. von Polen und Sachsen bis zu Ludwig I. von Bayern, in: Münchner
Jahrbuch der Bildenden Kunst 36 , 19 85 , S. 131–181, hier: S. 145 .
5… 1770 gab Beyer in einem Bewerbungsschreiben für die Direktorenstelle der Wiener
Akademie an, er habe zeitweise als Rektor sowie Professor für „Historie, Mythologie,
Ikonologie und Bildhauerei“ in Stuttgart gewirkt. Heinrich Kábdebo: Das KünstlerEhepaar Beyer, in: Allgemeine Kunst-Chronik 5, 188 0 , S. 2 5–29, hier: S. 26.
6 … Rathgeb 200 9 (wie Anm. 1), S. 8 0 .
… 29 …
r athgeb – die anfänge der kunstak ade mie
(a bb. 1)
Generalreskript zur Bekanntmachung der
Gründung der Académie des Arts vom 2 5. 6 . 1761,
31,7 x 20 , 5 cm, Stuttgart, Hauptstaatsarchiv
Der an der Pariser Akademie ausgebildete Guibal hatte in Rom den
Maler Anton Raffael Mengs kennengelernt.7 Zusammen mit dem Landschaftsmaler Harper schloss er sich einer Gruppe von Künstlern und
Kunstkennern an, die eine stilistische Reform der bildenden Künste
nach dem Vorbild der Antike anstrebten.8 Zu dem Kreis gesellte sich
später auch der Antikenforscher Johann Joachim Winckelmann, der sich
eng mit Harper befreundete. Ein entscheidender Impuls zur Grün-
7… Wolfgang Uhlig: Nicolas Guibal, Hofmaler des Herzogs Carl Eugen von Württem­
berg. Ein Beitrag zur Kunstgeschichte des ausgehenden 18 . Jahrhunderts, Stuttgart
19 81 (masch.), S. 11; Nicolas Guibal 172 5 –1784 . Zeichnungen. Ausstellungskatalog:
Staatsgalerie Stuttgart, 18 . März bis 21. Mai 198 9, Stuttgart19 8 9 , S. 10 .
8… Sabine Rathgeb: Adolf Friedrich Harper (172 5–18 0 6). Die italienischen Veduten,
Heidelberg 19 95 (masch.), S. 6f.; dies.: Das „Römische Antiquitäten-Cabinet“
in Schloß Solitude. Zu einer Vedutenserie des württembergischen Hofmalers Adolf
Friedrich Harper, in: Jahrbuch der Staatlichen Kunstsammlungen in
Baden-Württemberg 36 , 19 9 9 , S. 7– 24 , hier: S. 8.
… 30 …
250 jahr e kunst ak ade mie stu t tg art
dung der Stuttgarter Kunstakademie ging nachweislich von diesem
Zirkel aus. Schon kurz nach Guibals Rückkehr aus Rom nahmen die
Stuttgarter Akademiepläne eine zentrale Stellung in der Korrespondenz der Künstlerfreunde ein. Mengs entwickelte in einem Brief an
Guibal das Konzept einer idealen Kunstakademie, deren Struktur demokratisch organisiert und deren Souveränität nicht durch das Eingreifen eines fürstlichen Potentaten gefährdet werden dürfe.9
Ein Blick auf das 1761 zweisprachig in Deutsch und Französisch veröffentlichte Programm der Stuttgarter Kunstakademie zeigt, dass die Institution in ihrer realisierten Form nur wenig mit Mengs’ utopischen
Idealen gemein hatte. Die Organisationsstruktur war hierarchisch gegliedert und folgte dem Vorbild der Pariser Académie Royale de Peinture et de Sculpture.10 An oberster Stelle stand der vom Herzog ernannte Hauptaufseher (Commissaire Général), der die Gelder der
Aka­demie verwaltete und als Vermittler zwischen dem Herzog und
dem Künstlergremium fungierte. Von 1761 bis 1773 versah der Regie­rungsrat Jakob Albrecht Bühler (1722–1794) dieses Amt, der zugleich Intendant des Hoftheaters war. Der erfahrene Politiker setzte
sich immer wieder mit Nachdruck für die Belange der Institution ein
und bemühte sich, ihre Finanzierung trotz der wirtschaftlich angespannten Lage des Herzogtums zu sichern.11 Der Lehrkörper bestand nach dem Ausschluss Beyers aus fünf Professoren und wurde
erst 1765 durch die Aufnahme des Malers Guiseppe Scotti wieder auf
die ursprüngliche Anzahl ergänzt. Die Professoren versahen ihren
Dienst an der Akademie jeweils einen Monat lang und wurden danach
9… Röttgen 19 85 (wie Anm. 4), S. 149. Rathgeb 20 0 9 (wie Anm. 1), S. 69f.
10… Rathgeb 20 0 9 (wie Anm. 1), S. 79.
11… Der Unterhalt der Académie des Arts betrug 600 fl. [Gulden] im Jahr, wobei
die Kosten für die Preismedaillen teilweise zusätzlich vom Herzog erstattet wurden.
In manchen Jahren musste ihre Anschaffung von dem ohnehin geringen Etat
finanziert werden. Rathgeb 2 0 0 9 (wie Anm. 1), S. 93 f.
… 31 …
r athgeb – die anfänge der kunstak ade mie
von einem Kollegen abgelöst.12 Zum Personalbestand der Akademie gehörten auch ein Sekretär, ein Kastellan, der sich um die Räumlichkeiten
und das Inventar kümmerte, sowie zwei fest angestellte Aktmodelle.13
(abb. 2)
Der Grafenbau in Ludwigsburg, erbaut 1724 / 2 5 von
Donato Guiseppe Frisoni, Foto Hermann Aigner, um 19 0 0 ,
Ludwigsburg, Stadtarchiv/Sammlung Aigner
Zunächst war die Académie des Arts in mehreren Dachzimmern im
Gartenflügel des Stuttgarter Residenzschlosses untergebracht. Nachdem dieser Teil des Gebäudes im November 1762 bei einem Brand zerstört worden war, zog sie mehrfach innerhalb von Stuttgart um.14 Als der
Herzog wegen Streitigkeiten mit der württembergischen Ständevertretung seine Residenz 1764 nach Ludwigsburg verlegte, musste die aufs
Engste mit dem Hof verbundene Académie des Arts folgen, auch wenn
es Proteste der Stuttgarter Einwohner gegen ihren Umzug gab. Ab
1766 war die Kunstakademie zusammen mit der öffentlichen Bibliothek,
12 … Das flexible Modell kam den Bedürfnissen der Künstler entgegen, die durch
ihre Aufträge häufig für längere Zeit die Residenzstadt verlassen mussten.
Rathgeb 20 0 9 (wie Anm. 1), S. 84 .
13… Die Männer mussten neben dem Modellstehen auch die Akademiezimmer heizen und reinigen. Rathgeb 20 0 9 (wie Anm. 1), S. 87.
14 … Kurz nach dem Brand wurde die Akademie im sogenannten
Fürstenhaus wieder­e röffnet. 176 3 zog sie in den Prinzenbau am heutigen
Schillerplatz. Rathgeb 2 0 0 9 (wie Anm. 1), S. 9 8 f.
… 32 …
250 jahr e kunst ak ade mie stu t tg art
in der auch die umfangreiche Grafiksammlung und das Münzkabinett
des Herzogs aufbewahrt wurden, im Grafenbau sowie dem benachbarten Gesandtenhaus in der unmittelbaren Nähe des Ludwigsburger
Schlosses untergebracht (abb. 2).15 Die beiden Gebäude boten genügend Raum für die Klassenzimmer, die Aufbewahrung der Mustersammlungen sowie Dienstwohnungen für die Professoren und Aktmodelle. In der Beletage des Grafenbaus lag zudem ein repräsentativer
Saal, in dem die akademischen Versammlungen und die Preisverlei­
h­ungsfeierlichkeiten stattfanden.
Anfänglich erteilte die Académie des Arts nur Unterricht im Zeichnen
und Modellieren. Ihrem Ausbildungsstand entsprechend waren die
Kunstschüler drei Klassen zugeteilt. Während die Anfänger grafische
Musterblätter kopierten, wurden in der zweiten Klasse Gipsabgüsse aus
der akademischen Abgusssammlung gezeichnet.16 Nur den fortgeschrittenen Kunststudenten war der Zutritt zur Aktzeichenklasse gestattet. Für die Bildhauer gab es Lektionen im Modellieren. Wie bei
anderen zeitgenössischen Kunstakademien stellte der Unterricht an der
Académie des Arts eine Ergänzung zur Werkstattausbildung dar und
beinhaltete keine praktischen Übungen in der Ölmalerei. Einige besonders begabte Studenten, wie der Porträtmaler Friedrich August Oelenhainz, erhielten eine Sondergenehmigung, um in der herzoglichen Gemäldegalerie im Schloss kopieren zu dürfen.17
15… Rathgeb 20 0 9 (wie Anm. 1), S. 112 .
16 … Die bei der Gründung der Académie des Arts angelegte Vorlagen­sammlung war beim Brand der Akademieräume zerstört worden. Im
Laufe der Zeit wurden neue Zeichnungen sowie eine Reihe von Gipsabgüssen angeschafft. Rathgeb 20 0 9 (wie Anm. 1), S. 12 2 f.
17… Rathgeb 200 9 (wie Anm. 1), S. 153. Auch Johann Jakob Schillinger (1750 –
18 21), ein Stipendiat des Fürsten von Hohenlohe-Öhringen, kopierte Gemälde in der
Ludwigsburger Galerie. Claudia Neesen: Johann Jakob Schillinger (1750–18 21).
Studien zu Leben und Werk eines hohenlohischen Hofkünstlers, in: Jahrbuch für
Württembergisch Franken 78 , 19 9 4 , S. 91– 2 0 4 , hier: S. 10 6 .
… 33 …
r athgeb – die anfänge der kunstak ade mie
Bei einer akademischen Mitgliederversammlung im März 1768 wurde
eine Erweiterung des Lehrplans um die theoretischen Fächer Kunstgeschichte und Anatomie beschlossen. Die Vorlesungen in Kunstgeschichte hielt der Bibliothekar und Aufseher des Kupferstichkabinetts Georg
Friedrich Vischer, der eng mit Guibal und Harper befreundet war.18 Zur
Vertiefung ihrer Anatomiekenntnisse wurde den Schülern der Aktklasse
gestattet, im Winter an den Leichensektionen von Hofmedikus Breyer
(gest. 1780) teilzunehmen.19 Obwohl sich die Académie des Arts in
ihrem Gründungsprogramm der Ausbildung von Künstlern in den
drei Gattungen Malerei, Bildhauerei und Architektur verpflichtet
hatte, wurde der baukünstlerische Unterricht erst 1768 in den Lehrplan aufgenommen. Der als Professor für Architektur an die Akademie
berufene Johann Adam Groß d. J., ein Schüler des in Stuttgart tätigen
französischen Architekten Philippe de la Guêpière, gehörte der Akademie bereits als Ehrenmitglied an.20 Da er sich als Oberbauinspektor des
Landbauwesens oft auf Dienstreisen befand, übernahm sein Bauzeich-
18… Vischer hatte Philosophie und Theologie an der Universität Tübingen studiert.
Er dilettierte selbst als Maler und besaß eine Kunstsammlung. Robert Uhland:
Geschichte der Hohen Karlsschule in Stuttgart, Stuttgart 1953 , S. 338 , Anm. 9.
Vischers Interesse an der Kunsttheorie wird durch ein ungewöhnliches Werk von Harper
dokumentiert, der dem Konservator der Kupferstichsammlung 178 8 zu seinem
5 0 . Geburtstag eine in Grisailletechnik gemalte Mondscheinlandschaft widmete, die
er durch eine fingierte Widmung als Kupferstich des Dresdner Stechers Adrian Zingg
ausgab. Das lange als verschollen angesehene Bild tauchte 2 0 0 6 im Kunsthandel auf.
Katalog Daxer & Marschall, München 2 0 0 6 , S. 5.
19… Breyer hatte 176 4 eine anatomische Gesellschaft in Stuttgart gegründet, die 1765
nach Ludwigsburg verlegt worden war. Im Sommerhalbjahr gab der Arzt den Künstlern
eine Einführung in die Knochenlehre. Rathgeb 2 0 0 9 (wie Anm. 1), S. 134 .
2 0… Zu Groß siehe Roland Schurig: Bauen für den Herzog – Aspekte des Land­
bauwesens. Vor 2 0 0 Jahren starb der Beamte und Architekt Johann Adam Groß
der Jüngere, in: Beiträge zur Landeskunde 33 , 19 9 4 , S. 6 –10 .
… 34 …
250 jahr e kunst ak ade mie stu t tg art
ner Thomas Hagspiel (gest. 1802) weitgehend die Lektionen.21 Hagspiels Unterricht beschränkte sich vermutlich auf die Anfertigung von
Architekturzeichnungen. Den übrigen Lehrstoff vermittelte Groß, der
auch die Themen für die Architekturprüfungen vorschlug.
Herzog Carl Eugen ließ für die an der Akademie studierenden Künstler zunächst acht, nach Einführung der Architektur sogar zehn Preismedaillen anfertigen (abb. 3).22 Die Preisverleihungen fanden jährlich
Mitte Februar anlässlich der allgemeinen Feierlichkeiten zu seinem
Geburtstag statt, dem 11. Februar. Ausgegeben wurden ein erster und
zweiter Preis im Zeichnen und Modellieren nach dem Aktmodell sowie
in Architektur. Hinzu kamen zwei Prämien im Zeichnen nach Vorlagen.
Für die adligen Zeichenschüler, die eine besondere Klasse bildeten und
bei den Kunstprüfungen nicht direkt mit ihren bürgerlichen Mitschülern konkurrierten, gab es zwei weitere Preise.23 Die Preismedaille der
Académie des Arts wurde nach einem Entwurf Guibals von dem Straßburger Münzenstempelschneider Jean Guérin graviert, einem Ehrenmitglied der Akademie.24
21… Hagspiel war zunächst als Steinhauer beim Residenzbauwesen be­schäftigt und wurde vermutlich von Philippe de la Guêpière im Architekturzeich­nen ausgebildet. 1757 übernahm er die Stelle von Groß als Bauzeichner in
La Guêpières Baubüro. Eigenständige Architekturentwürfe von seiner Hand
sind nicht bekannt. Rathgeb 2 0 0 9 (wie Anm. 1), S. 130 .
2 2 … Rathgeb 20 0 9 (wie Anm. 1), S. 136 f.
2 3… Schon vor der Akademiegründung hatten die am württembergischen Hof lebenden
Pagen Zeichenstunden erhalten, die später von der Académie des Arts übernommen wurden.
Obwohl Bühler mehrfach versuchte, die Klasse für Edelknaben aufzulösen, bes­t and
der Herzog auf dem Sonderstatus der Adligen. Rathgeb 20 0 9 (wie Anm. 1), S. 16 2 .
24 … Ulrich Klein und Albert Raff: Die Württembergischen Medaillen
von 149 6 –1797 (Deutsche Münzkataloge, 5), Stuttgart 19 95 , Nr. 2 57.
… 35 …
r athgeb – die anfänge der kunstak ade mie
(abb. 3)
Preismedaille der Académie des Arts, Ø 7, 2 cm, Stuttgart,
Landesmuseum Württemberg, Münzkabinett
Im Durchschnitt studierten 95 Kunstschüler an der Académie des Arts,
wobei kaum mehr als die Hälfte von ihnen tatsächlich eine künstlerische Laufbahn anstrebte.25 Die Teilnahme am akademischen Unterricht war allen Interessierten unabhängig von ihrem gesellschaftlichen
Rang, ihrer Religionszugehörigkeit oder nationalen Herkunft gestattet.
Das Akademieprogramm von 1761 vermerkte ausdrücklich: „Es werden dahero alle junge Leute männlichen Geschlechts von was Stand
und Alter sie auch seyn, als Schüler in diese Akademie aufgenommen.“26
Da der Ausschluss von Frauen aufgrund moralischer Bedenken im Zusammenhang mit dem Aktzeichnen damals üblich war, ist die Zugangspolitik der württembergischen Kunstakademie insgesamt als äußerst
tolerant zu werten. Neben mehreren Studenten jüdischer Religions-
2 5… Rathgeb 20 0 9 (wie Anm. 1), S. 14 4 .
26 … Rathgeb 20 0 9 (wie Anm. 1), Anhang 2, Nr. 1.
… 36 …
250 jahr e kunst ak ade mie stu t tg art
zugehörigkeit besuchte auch ein herzoglicher „Kammermohr“ die Zeichenstunden.27 Ein reges Interesse an den Akademielektionen bestand
auch bei Handwerkslehrlingen und Mitarbeitern der Ludwigsburger
Porzellanmanufaktur.28
Nachdem die Académie des Arts zwischen 1770 und 1773 ihre Blüte­
zeit erlebt hatte, begann sie zunehmend, die Konkurrenz einer von Carl
Eugen in der Nähe seiner Sommerresidenz Schloss Solitude gegründeten Kunsthandwerkerschule zu spüren. Im August 1773 wechselten
Guibal, Harper, Lejeune und Scotti an die neue Institution. Von den
erfahrenen Lehrkräften blieben lediglich der Architekt Groß und sein
Assistent Hagspiel zurück. Als Ersatz für die übrigen Professoren wurde
der an der Ludwigsburger Porzellanmanufaktur tätige Maler Friedrich
Weißbrodt an die Akademie berufen, um den Unterricht im Aktzeichnen zu leiten.29 Nach zehnjähriger Abwesenheit des Hofes erhob der
Herzog 1775 Stuttgart wieder zur Residenz. Während die mit der Académie des Arts verbundene öffentliche Bibliothek umzog, beschloss
Carl Eugen, die Ludwigsburger Kunstschule zu schließen. Insgesamt
hatte die Académie des Arts vor ihrer Eingliederung in die Hohe Karlsschule kaum mehr als eine regionale Bedeutung. Dennoch gelangten
einige ihrer Schüler zu internationalem Ansehen, wie der Maler und
langjährige Direktor der Wiener Akademie Friedrich Heinrich Füger
und der Kupferstecher Johann Gotthard Müller.
27… Unter den jüdischen Studierenden waren die Söhne des in Stuttgart
ansässigen Schächters Baruch Benedict Seligmann Loeb (1772–1852) und Moses
Benedict (1770 –1842). Jacob Raphael: Die Stuttgarter Familie Benedict im
19. Jahrhundert, in: Bulletin des Leo Baeck Insitut 1968 , S. 32–37. Der als Schüler
der Akademie dokumentierte Kammermohr Jakob Friedrich Fagoa stammte
vermutlich aus Indien. Rathgeb 20 0 9 (wie Anm. 1), S. 145 .
28… Durch die akademische Schulung des künstlerischen Personals war die
Ludwigsburger Manufaktur eine der ersten in Deutschland, deren Produkte dem
klassizistischen Geschmack entsprachen. Rathgeb 200 9 (wie Anm. 1), S. 146 f.
2 9… Rathgeb 20 0 9 (wie Anm. 1), S. 16 8 .
… 37 …
r athgeb – die anfänge der kunstak ade mie
di e k u n s t a k a de m i e a n de r hoh e n k a r l s s c h u l e
Zur Gründung einer zweiten Kunstakademie kam es nicht aufgrund gezielter kulturpolitischer Maßnahmen, sondern im Zusammenhang mit
einem zunächst in eine ganz andere Richtung gehenden Projekt. Als
Württemberg 1770 von einer Hungersnot betroffen wurde, entschloss
sich der Herzog im Rahmen der staatlichen Armenfürsorge, mehrere
Waisenkinder und Söhne von in Not geratenen Soldaten auf seine Kosten unterzubringen und ihnen eine einfache Ausbildung zukommen zu
lassen.30 Die Lehr- und Erziehungsanstalt mit anfänglich nur vierzehn
Schülern befand sich in unmittelbarer Nähe des Lustschlosses Solitude,
in dem Carl Eugen die Sommermonate zu verbringen pflegte. Die Kinder erhielten Unterricht im Lesen, Schreiben und Rechnen und absolvierten daneben eine Lehre als Gärtner oder Stuckateur, da der Herzog
aufgrund seiner intensiven Bautätigkeit einen großen Bedarf an Kunsthandwerkern hatte. Im Dezember 1770 wurde das Ausbildungsspektrum um weitere Berufe wie Maler, Bildhauer, Musiker sowie verschiedene mit dem Bau und dem Militär in Verbindung stehende Handwerke erweitert. Das ständig wachsende Institut wurde 1773 in eine
Hochschule umgewandelt und erhielt den Titel „Herzogliche Militärakademie“. Zwei Jahre später zog die Lehranstalt von der Solitude
nach Stuttgart in eine direkt hinter dem neuen Schloss gelegene ehemalige Kaserne (abb. 4). Den Namen „Hohe Karlsschule“, unter dem
die Akademie bis heute bekannt ist, erhielt sie erst 1782 nach der Erhebung zur Universität durch Kaiser Josef II. (abb. 5). Die Karlsschule
umfasste sechs Fakultäten: eine medizinische, eine juristische, eine phi-
30… Zur Entstehungsgeschichte der Hohen Karlsschule vgl. die
Mono­g raphie von Uhland 1953 (wie Anm. 18), hier: S. 61f.
… 38 …
250 jahr e kunst ak ade mie stu t tg art
losophische, eine ökonomische, eine militärische sowie die Fakultät der
Künstler, die gleichberechtigt in der akademischen Körperschaft vertreten waren und ebenso wie ihre wissenschaftlichen Kollegen einen
Sitz im Senat der Universität inne hatten.31
(abb. 4)
Karl Philipp Conz: Ansicht des Stuttgarter Akademiegebäudes,
um 1840 , kolorierter Stahlstich, 10 , 3 x 15 , 5 cm, Stuttgart, Stadtarchiv
(abb. 5)
Anonymer Schüler der Stuttgarter Kunstakademie: Allegorie auf die
Erhebung der Militärakademie zur Universität, 1784 , Öl auf Leinwand,
159 x 124 cm, Stuttgart, Landesmuseum Württemberg
31… In offiziellen Dokumenten wurde die Künstlerfakultät häufig als »Kollegium
der Künste« bezeichnet. Innerhalb der Universitätsverwaltung spielte diese
Unterscheidung, die eventuell auf persönlichen Wunsch des Herzogs vorgenommen
wurde, jedoch keine Rolle. Rathgeb 20 0 9 (wie Anm. 1), S. 214 .
… 39 …
r athgeb – die anfänge der kunstak ade mie
Durch die internatsähnliche Unterbringung in der Militärakademie erhielten die Künstler nicht nur eine fachspezifische Ausbildung, sondern
wurden ganzheitlich gebildet und erzogen. Der Lehrplan ging teilweise
über die damalige Gymnasialausbildung hinaus und orientierte sich am
Vorbild der höfischen Adelserziehung. Neben den Fremdsprachen
Französisch und Italienisch wurden die Fächer Mathematik, Geometrie,
Geographie, Geschichte, Naturgeschichte, Kunstgeschichte, Mythologie,32 Schöne Wissenschaften,33 Anatomie und sogar das Tanzen und
Fechten gelehrt. Während die umfassende Allgemeinbildung der Stuttgarter Kunststudenten positiv hervorstach, wurde die strenge militärische Erziehung, die kaum Freiraum zur individuellen Entfaltung bot,
sowohl von außenstehenden Beobachtern als auch von den Schülern
selbst immer wieder in Frage gestellt. Nach dem Ausbruch der französischen Revolution kam es vermehrt zu Protesten und Fluchtversuchen. In
der Kunstabteilung war die Anzahl der Zöglinge, die ihre Ausbildung
vorzeitig abbrachen, auffällig hoch.34 1791 floh beispielsweise der Landschaftsmaler Josef Anton Koch aus der Akademie.35 Den Ärger über
seine schlechte Behandlung brachte er in mehreren Karikaturen und
32 … Von 1772 bis 178 2 wurde eine Preismedaille für das Fach
Mythologie vergeben. Rathgeb 20 0 9 (wie Anm. 1), S. 2 32 .
33… Der Philosoph Jakob Friedrich Abel (1751–18 2 9), der die Kunststudenten
in den Schönen Wissenschaften unterrichtete, war einer der bedeutendsten Pädagogen
der Hohen Karlsschule. Seine Vorlesungen bildeten eine exzellente Vorbereitung
für die Beschäftigung der Künstler mit Themen aus der antiken Heldensage und
Geschichte. Rathgeb 20 0 9 (wie Anm. 1), S. 2 33f.
34 … Zwischen 1773 und 179 2 sind acht Fälle dokumentiert, bei denen Kunst­schüler ihre Ausbildung abbrachen. Rathgeb 20 0 9 (wie Anm. 1), S. 421.
35… Axel Kuhn: Revolutionsbegeisterung – Revolutionsverdrängung. Die Jugendjahre
des Malers Josef Anton Koch, in: Freiheit – Gleichheit – Brüderlichkeit. 20 0 Jahre
Französische Revolution in Deutschland, hrsg. von Gerhard Bott, Ausstellungs­katalog: Germanisches Nationalmuseum Nürnberg, 24 . Juni bis 1. Oktober 19 8 9 ,
Nürnberg 19 8 9 , S. 119–127.; Rathgeb 2 0 0 9 (wie Anm. 1), S. 42 5f.
… 40 …
250 jahr e kunst ak ade mie stu t tg art
in einem nach seiner Flucht an die Karlsschule gesendeten Abschiedsbrief zum Ausdruck. Darin kritisierte er neben den autoritären Erziehungsmethoden auch die Indienstnahme der Künstler als billige
Arbeitskräfte bei herzoglichen Aufträgen sowie die von seinem Kunst­verständnis abweichende Kunstauffassung seiner Lehrer. Wenige Mo­nate später wurde der Porträt- und Genremaler Johann Baptist Seele
auf Befehl des Herzogs aus der Schule entlassen, da er im Verdacht
stand, Aufruhr zu stiften.36
Ebenso wie an der Académie des Arts erhielten die Kunstschüler an der
Militärakademie eine fundierte Ausbildung im akademischen Aktzeichnen. Anfänglich beaufsichtigte Guibal die Lektionen im Zeichnen nach
der Natur selbst und kam dazu einmal wöchentlich auf die Solitude.37
Im März 1773 führte er zudem spezielle Lehrstunden in der „Theorie
der Künste“ ein, in denen er Proportions- und Kompositionsregeln für
einzelne Figuren und Figurengruppen durchnahm.38 Für den Unterricht an der Akademie verfasste der Maler einen eigenen Proportionstraktat (abb. 6). Ab 1773 wechselte sich Guibal beim Abhalten der
Aktzeichenklasse mit Harper, Scotti und Lejeune ab, nachdem diese
von der Ludwigsburger Akademie an die Militärakademie versetzt worden waren. 1784 übernahm dann der Kupferstecher Müller das Zeichnen nach der Natur. Er hatte während eines mehrjährigen Studienaufenthaltes in Paris regelmäßig an den Modellsitzungen der Académie
36 … Max Schefold: Der Maler Johann Baptist Seele auf der
Hohen Karlsschule, in: Schwabenspiegel 30 , 1936 , S. 101–10 3 .
37… Im Dezember 1770 wird in einem Bericht Bühlers erstmals
erwähnt, dass Guibal die Kunstschüler auf der Solitude im Aktzeichnen
unterrichten solle. Rathgeb 20 0 9 (wie Anm. 1), S. 18 2 .
38… Rathgeb 20 0 9 (wie Anm. 1), S. 246 f.
… 41 …
r athgeb – die anfänge der kunstak ade mie
Royale teilgenommen und brachte somit eine herausragende Qualifikation für seine Lehrtätigkeit an der Akademie mit. Zusammen mit dem
ebenfalls in Paris geschulten Philipp Friedrich Hetsch, der 1787 an Harpers Stelle trat, bemühte er sich darum, die Unterrichtsbedingungen
zu verbessern.39
(abb. 6)
Nicolas Guibal: Vorderansicht eines Kopfes mit
Proportionsangaben, 1773 , Federzeichnung, 47, 3 x 33 cm,
Stuttgart, Württembergische Landesbibliothek
Obgleich das akademische Aktzeichnen den Kern der Ausbildung darstellte, berücksichtigte der Lehrplan die berufliche Spezialisierung der
Künstler. Bei den 1771 eingeführten Lehrgängen in Architektur, Bildhauerei und Malerei wurden von Beginn an theoretische Lektionen
und praktische Übungen kombiniert. Die aus einer Kunsthandwerkerschule hervorgegangene Kunstakademie auf der Solitude war die erste
staatliche Kunstschule, die die praktische Werkstattausbildung in ihren
39… Nachdem die beiden schon an der Académie des Arts angestellten Aktmodelle ihren
Dienst 1789 aus Altersgründen aufgaben, setzte sich Müller für einen häufigeren
Wechsel der Modelle ein. Rathgeb 2 0 0 9 (wie Anm. 1), S. 316 .
… 42 …
250 jahr e kunst ak ade mie stu t tg art
regulären Lehrplan aufnahm. 1776 wurde außerdem eine Lehrabteilung
für Kupferstecher eingerichtet, die der bei Wille in Paris ausgebildete
Müller leitete.40 Im Laufe weniger Jahre erlangte sie eine solche Bedeutung, dass sich Verleger im Ausland darum bemühten, Schüler
abzuwerben.
de r fac h be r e ic h m a l e r e i
Bei der Ausbildung der Maler folgte Guibal nicht dem Lehrkonzept der
französischen Akademie, das eine mehrjährige zeichnerische Schulung
vorsah, ehe die Künstler durch eine handwerkliche Lehre die Technik
der Ölmalerei erlernten (abb. 7). In den von ihm aufgestellten Richtlinien für Malereiunterricht („École de Peinture“) sprach er sich stattdessen dafür aus, Anfängern möglichst früh den Umgang mit Farben
beizubringen.41 Das von der traditionellen Lehrmethode abweichende Konzept begründete Guibal mit seiner Vorliebe für die flämische
Schule, denn gute Zeichner hätten oft eine Schwäche beim Malen, „puis­que le but principal etant de dessiner sur la toile en peignant“.42 Die
4 0… Zur Geschichte der Kupferstechereiabteilung vgl. Christian Rümelin: Johann
Gotthard Müller (1747–1830) und das Stuttgarter Kupferstecherei-Institut. Mit
einem Werkverzeichnis der Druckgraphiken von Johann Gotthard Müller (1747–1830)
und Johann Friedrich Wilhelm Müller (178 2–1816), Stuttgart 2 0 0 0 , S. 8 8 f.
41… Gewöhnlicherweise mussten die Kunststudenten zunächst alle Stufen
der Zeichenschulung vom Kopieren der Mustervorlagen über das Zeichnen von Gips­
abgüssen bis hin zum Aktstudium durchlaufen, ehe sie mit der Ölmalerei began­nen. Guibals Schüler wurden dagegen bereits im Malen unterwiesen, wenn es ihnen
gelang, Köpfe richtig abzuzeichnen. Rathgeb 2 0 0 9 (wie Anm. 1), S. 277.
4 2 … Rathgeb 20 0 9 (wie Anm. 1), Anhang 2, Nr. 12 .
… 43 …
r athgeb – die anfänge der kunstak ade mie
Künstlerschule auf der Solitude war die erste Kunstakademie überhaupt, an der es schon seit 1771 einen praktischen Lehrgang in Ölmalerei gab, lange vor den Akademien in Düsseldorf (1806) und München
(1808), die bislang als Vorreiter galten.43
(abb. 7)
Jakob Friedrich Weckherlin (zugeschr.): Karlsschüler zeichnen
nach einem Bildnis Herzog Carl Eugens, um 1775 , Öl auf Leinwand,
154 x 12 0 cm, Stuttgart, Landesmuseum Württemberg
Der Anfängerunterricht wurde von dem Maler Johann Konrad Schleehauf abgehalten. Er brachte den Schülern die Herstellung von Farbpigmenten, Firnissen und Ölen bei und leitete sie beim Kopieren von Gemälden aus der herzoglichen Galerie an. Die fortgeschrittenen Malerzöglinge unterstützten Guibal bei der Ausführung seiner Aufträge, wo-
43… Zwar gab es bereits im 18. Jahrhundert an verschiedenen anderen Kunstakademien Überlegungen, Malklassen einzuführen, diese kamen jedoch letztendlich
nicht zustande. An der Wiener Akademie hielten mehrere Professoren Privatkurse in
der Malerei ab, die von dem Akademiedirektor Füger, einem Schüler Guibals, initiiert
worden waren. Hermann Burg: Der Bildhauer Franz Anton Zauner und seine
Zeit. Ein Beitrag zur Geschichte des Klassizismus in Österreich, Wien 1915, S. 130f.
… 44 …
250 jahr e kunst ak ade mie stu t tg art
bei das Spektrum von Opern- und Festdekorationen über dekorative
Innenraumausstattungen bis hin zu Deckengemälden reichte.44 Obwohl
die zahlreichen Aufträge des Herzogs nicht viel Zeit dafür übrig ließen,
war es Guibal ein wichtiges Anliegen, seine Schüler mit den Hauptwerken der Historienmalerei vertraut zu machen. Dies bezeugen nicht zuletzt seine Themenvorschläge für die Kunstprüfungen, bei deren Auswahl er sich zwar an den Akademien in Paris und Rom orientierte,
zugleich aber eigene Akzente setzte.45 So kommen die in der klassizistischen Malerei beliebten Themen aus der griechischen und römischen
Geschichtsschreibung wie der Tod des Sokrates, Marius von Minturnae
oder Lucius Brutus verurteilt seine Söhne zum Tod schon 1779 auf
einer Vorschlagsliste von Guibal vor. Auch den homerischen Epen Ilias
und Odyssee wandte er sich schon zu einem überraschend frühen Zeitpunkt zu. Nach dem Tod von Guibal 1784 gab es für längere Zeit keinen
auf die Historienmalerei spezialisierten Künstler am württembergischen Hof. Erst nachdem Hetsch und Viktor Heideloff von ihren Studienreisen nach Paris und Rom zurückgekehrt waren und Ende der
1780er Jahre eine Professur an der Akademie erhielten, war das Fach
wieder adäquat besetzt. Die personelle Lücke im Bereich der Historie
hatte eine Aufwertung der Landschaftsmalerei zur Folge. 1787 richtete
Harper auf Wunsch des Herzogs eine Klasse für Landschaftsmaler ein.46
Die besondere Förderung der Landschaftsmalerei an der Stuttgarter
Akademie war außergewöhnlich, da sie innerhalb der normativen Gattungshierarchie einen untergeordneten Rang einnahm und daher im
18. Jahrhundert an vielen Akademien vernachlässigt wurde.
4 4 … Rathgeb 20 0 9 (wie Anm. 1), S. 342 f.
45… Zu den Preisaufgaben Rathgeb 2009 (wie Anm. 1), S. 357f.
46 … Rathgeb 20 0 9 (wie Anm. 1), S. 387.
… 45 …
r athgeb – die anfänge der kunstak ade mie
de r fac h be r e ic h bi l dh au e r e i
Ebenso wie die Maler begannen die Bildhauer schon in einem frühen
Stadium ihrer Ausbildung, Werke plastisch zu gestalten, was ihre spätere Arbeitsweise prägte.47 Die beiden Lehrmeister Valentin Sonnenschein und Johann Adam Bauer schufen neben Stuckaturen und figürlichem Bauschmuck nur Kleinplastiken wie etwa Modelle für Porzellanfiguren, so dass sie ihre Schüler nicht in die Gestaltung großplastischer Figuren einführen konnten.48 Dies übernahm Lejeune, der allerdings nur bis 1778 in württembergischen Diensten stand.49 Da Herzog
Carl Eugen aus Gründen der Kostenersparnis in seiner späteren Regierungszeit fast nur noch Skulpturen aus Sandstein oder Gips in Auftrag
gab, blieb die bedeutendste Werktechnik, nämlich die Bearbeitung des
Marmors, ein Desiderat. Dennoch genoss die Bildhauerklasse der Stuttgarter Akademie einen so guten Ruf, dass sie von dem Theologen Johann Friedrich Bonhöfer (1710–1788) den Auftrag zu einem Grabmal
in der St. Michaelskirche in Schwäbisch Hall erhielt.50 Die Signatur des
47… So fertigte der an der Stuttgarter Akademie ausgebildete Dannecker nur selten
zeichnerische Studien an und führte seine Entwürfe stattdessen in Form kleiner Tonmodelle aus. Ulrike Gauss: Johann Heinrich Dannecker. Der Zeichner, Ausstellungskatalog: Staatsgalerie Stuttgart, 14 . Februar bis 31. Mai 19 87, Stuttgart 19 87, S. 7.
48… Rathgeb 20 0 9 (wie Anm. 1), S. 38 8 .
49… Der aus Brüssel stammende Lejeune wurde 1753 von Carl Eugen
als „premier sculpteur“ nach Württemberg berufen. Nach seinem Austritt aus
dem Hofdienst kehrte er in seine Heimatstadt zurück. Die einzige ausführliche Unter­s uchung zu seinem Werk ist der Aufsatz von André Louis:
Un sculpteur belge en Italie au XVI I Ie siécle. Pierre François Lejeune, in:
Bulletin de l’Institut historique Belge de Rome 20, 1939, S. 249–269.
50… Christian von Holst: Johann Heinrich Dannecker. Der Bildhauer,
Ausstellungskatalog: Staatsgalerie Stuttgart, 14 . Februar bis 31. Mai 19 87,
Stuttgart 1987, Nr. 4. Die Auswertung der bisher unbekannten Archiv­dokumente zu dem Auftrag bei Rathgeb 200 9 (wie Anm. 1), S. 392f.
… 46 …
250 jahr e kunst ak ade mie stu t tg art
von Guibal entworfenen Wanddenkmals weist das Werk als Gemeinschaftsarbeit der Akademieschüler aus, an dem die beiden talentierten
Nachwuchskünstler Johann Heinrich Dannecker und Philipp Jakob
Scheffauer die Hauptpartien ausführten.51
Nach dem Abschluss ihrer Ausbildung erhielten Dannecker und Scheffauer ein Stipendium für eine Studienreise nach Paris und Rom. Während ihres Auslandsaufenthaltes, der von 1783 bis 1790 dauerte, konnten die Künstler endlich die Steinbearbeitung erlernen. Ihr Mitschüler
Johann Gottlieb Friedrich, der 1778 nach dem Ausscheiden Lejeunes
zum Lehrer für Bildhauerei ernannt wurde, durfte das Land hingegen
nicht verlassen und blieb daher künstlerisch bedeutungslos. Dannecker
und Scheffauer wurden 1790 als Professoren an die Akademie berufen
und setzten durch die in Rom gewonnenen Eindrücke sicherlich neue
Impulse in ihrer Lehre.
Bis zu seinem Tod 1784 dominierte Guibal den Fachbereich der Bildhauerei. Er wählte die Themenstellungen für die Kunstwettbewerbe
aus und beurteilte die eingereichten Arbeiten. Lejeune nahm hingegen
nur die Bewertung im Modellieren nach der Natur vor. Von den Preisstücken der Bildhauer hat sich das von Dannecker für den Wettbewerb
von 1777 geschaffene Modell des Milo von Crotona erhalten.52 Es zeigt
51… Für das 1781 vollendete Grabmal, das in der Stuttgarter
Werkstatt Guibals in Einzelteilen hergestellt und von Dannecker und
Scheffauer vor Ort montiert und mit einer Gipsdraperie versehen wurde,
zahlte die Familie Bonhöfer 15 0 0 Gulden an die Akademie.
52 … Um das Urteil der Preisrichter beim Kunstwettbewerb der Bildhauer im Jahr
1777 entbrannte ein Streit, da sich die beiden unterlegenen Konkurrenten Scheffauer
und Friedrich darüber beschwerten, dass Dannecker den ersten Preis erhielt, obwohl
die handwerkliche Ausführung seines Modells am schlechtesten war. Guibal begründete
seine Bewertung in einer ausführlichen schriftlichen Stellungnahme, die in mehreren
Journalen veröffentlicht wurde. Er vertrat darin die traditionelle akademische Doktrin,
welche die Idee des Künstlers höher bewertete als die materielle Ausführung des Werkes.
Vgl. von Holst 1987 (wie Anm. 50), Nr. 1; Rathgeb 200 9 (wie Anm. 1), S. 259f.
… 47 …
r athgeb – die anfänge der kunstak ade mie
die Schulung des jungen Künstlers an antiken Skulpturen, insbesondere dem Laokoon. Guibal ließ die Kunststudenten regelmäßig nach
Gipsabgüssen antiker Statuen zeichnen und stellte die Aktmodelle in
den Posen bekannter Figuren wie beispielsweise der des borghesischen
Fechters oder des sterbenden Galliers auf (abb. 8). Die Gipsabgusssammlung der württembergischen Kunstakademie war zwar weniger
bedeutend als der berühmte Mannheimer Antikensaal, ein Grundbestand, der ständig erweitert wurde, war jedoch vorhanden.53 1782 wurden in Paris Abgüsse der Laokoongruppe und von zwei bisher nicht
zu identifizierenden Figurengruppen Parthaon und Euryte sowie Jason
und Medea erworben. Außerdem kaufte man eine Gipsabformung der
anatomischen Figur von Houdon. In der Abgusssammlung nachweisen
lassen sich auch der Herkules Farnese, den Guibal sehr schätzte, die
Niobe, eine Büste des Brutus, ein Demosthenes sowie eine Statue des
jungen Marc Aurel.
(abb. 8)
Nicolas Guibal: Allegorie des Zeichnens, 1776 / 77, Kupferstich von Christian
von Mechel, 31 x 39,7 cm, Stuttgart, Staatsgalerie Graphische Sammlung
53… Rathgeb 20 0 9 (wie Anm. 1) S. 30 9f.
… 48 …
250 jahr e kunst ak ade mie stu t tg art
de r fac h be r e ic h a r c h i t e k t u r
Reinhard Ferdinand Heinrich Fischer, der von 1771 bis 1794 den Fachbereich Architektur an der Akademie leitete, war ebenso wie Groß ein
Schüler La Guêpières.54 Als Grundlage für seine Vorlesungen über die
Theorie der Baukunst verwendete er das Handbuch von Jacopo Barozzif Vignola über die fünf Säulenordnungen55 sowie den „Cours d’architecture“ von Jacques-François Blondel.56 Fischer behandelte neben
dem Entwerfen von Fassaden und Grundrissen die Eigenschaften und
Einsatzmöglichkeiten der unterschiedlichen Baustoffe wie Stein, Holz
und Eisen. Auch praktische Probleme, mit denen sich ein Architekt bei
der Ausübung seines Berufes auseinandersetzen musste, wurden nicht
außer Acht gelassen: etwa die Kostenplanung und Organisation eines
Baubetriebes.57 Der umfassende theoretische Unterricht wurde durch
Lektionen im Architekturzeichnen, in Perspektive und Geometrie ergänzt, die die an der Akademie ausgebildeten Architekten Johann
Jakob Atzel und David Nikolaus Abriot abhielten.58 Eine Besonderheit
54 … Zu Fischer vgl. die Monographie von Oskar Widmann:
Reinhard Ferdinand Heinrich Fischer 1746 –1812 . Ein Beitrag zur
Geschichte des Louis XVI. in Württemberg, Stuttgart 19 28 .
55… Die Verwendung des Buches von Vignola für den
Architekturunterricht ist ausdrücklich in den Akademiestatuten
vermerkt. Rathgeb 200 9 (wie Anm. 1), Anhang 2, Nr. 4b.
56 … Der von 1771 bis 1777 veröffentlichte „Cours d’architecture“ war an vielen
Akademien als Handbuch in Gebrauch. 1778 bat Fischer den Herzog in einem
schriftlichen Gesuch, das mehrbändige Werk anschaffen zu dürfen. Da es nicht
im Bücherbestand der Akademie nachzuweisen ist, wurde es vermutlich für
die öffentliche Bibliothek angekauft. Rathgeb 2 0 0 9 (wie Anm. 1), S. 405.
57… Rathgeb 20 0 9 (wie Anm. 1), S. 40 9.
58… Rathgeb 20 0 9 (wie Anm. 1), S. 40 3.
… 49 …
r athgeb – die anfänge der kunstak ade mie
des Architekturlehrganges an der Stuttgarter Akademie stellte die Einbeziehung der handwerklich-technischen Praxis dar. So gab es seit
1771 spezielle Lehrstunden im Steinschnitt, für die Hofwerkmeister
Georg Christian Bernlacher engagiert wurde.59
Die Prüfungsaufgaben der Architekten bestanden im Kopieren von architektonischen Musterblättern, wobei die Pläne teilweise in einen anderen Maßstab übertragen werden mussten, und im selbständigen Entwerfen eines Gebäudes. Im Unterschied zum Grand Prix der Pariser
Académie d’Architecture standen nur selten herrschaftliche Bauvorhaben auf der Themenliste. Stattdessen ließen Fischer und seine Kollegen
die Architekturstudenten häufig Entwürfe für öffentliche Gebäude wie
Kirchen, Theater, Bibliotheken oder eine Kunstakademie ausführen.60
Als theoretisch ausgebildeter Amateurarchitekt gab der Herzog hin und
wieder selbst Aufgabenstellungen für die Prüfung vor wie beispielsweise
im Jahr 1778, als die Architekten in seinem Auftrag eine Kaserne für
1000 Mann entwerfen sollten. Ein anderes Mal rief er Freiwillige dazu auf,
Pläne für die Anlage eines Meierhofes auf der Solitude auszuarbeiten.
di e s c h l i e s s u ng de r s t u t t g a r t e r k u n s t a k a de m i e
Schon wenige Monate nach dem Tod von Herzog Carl Eugen ließ sein
Nachfolger die Hohe Karlsschule am 16. April 1794 schließen, da sie
den Staatshaushalt mit hohen Ausgaben belaste, eine Verteuerung der
Lebenshaltungskosten in Stuttgart verursache und zudem einen Über-
59… In den Jahren 1772 und 1773 wurde eine zusätzliche Medaille im Steinschnitt
vergeben. Nach dem Ende von Bernlachers Deputat wurde der Unterricht im
Steinschnitt von Professor Rösch fortgeführt, der in der militärwissenschaftlichen
Fakultät das Fach Festungsbaukunst lehrte. Rathgeb 200 9 (wie Anm. 1), S. 412 .
6 0… Rathgeb 20 0 9 (wie Anm. 1), S. 415f.
… 50 …
250 jahr e kunst ak ade mie stu t tg art
schuss an Akademikern ausbilden würde.61 Selbst Kritiker der Lehranstalt wie der ehemalige Karlsschüler Friedrich Schiller bedauerten das
abrupte Ende. In einem Brief hob er die Bedeutung der Akademie für
die Kunstpflege hervor: „Dieses Institut [hat] ungemein viel wissenschaftliches Interesse unter den hiesigen Einwohnern verbreitet …
Die Künste blühen hier in einem für das südliche Deutschland nicht
gewöhnlichen Grade, und die Zahl der Künstler … hat den Geschmack
an Mahlerey, Bildhauerey und Musik sehr verfeinert.“62
Zwar gab es Pläne, die Kunstakademie als eigenständige Institution wieder zu eröffnen, die starke finanzielle Belastung des Staatshaushaltes
durch Kriege sowie mehrere Regierungswechsel innerhalb weniger Jahre verhinderten jedoch ihre Realisierung. Auch in der fast zwanzigjährigen Regierungszeit des Herzogs und späteren Königs Friedrich I., der
1797 den Thron bestieg, wurden keine Schritte zur Wiedereröffnung
einer staatlichen Kunstschule unternommen, was vermutlich nicht zuletzt dadurch begründet war, dass es durch die intensive Kunstförderung Carl Eugens in den ersten Jahrzehnten des 19. Jahrhunderts eine
große Zahl qualifizierter Künstler im Land gab. Eine im ehemaligen
Akademiegebäude eröffnete private Zeichenschule sowie die von Müller
als selbständiges Unternehmen weitergeführte Kupferstechereianstalt
knüpften zwar an die Künstlerschule der Akademie an, konnten diese
aber nur in einem bescheidenen Rahmen fortführen.63
61… Uhland 1953 (wie Anm. 18), S. 26 2 f.; Rathgeb 20 0 9 (wie Anm. 1), S. 452 f.
6 2 … Brief Schillers vom 17. 3. 179 4 , zitiert nach Schillers Werke,
Nationalausgabe, hrsg. von Norbert Oellers, Weimar 1943f., Bd. 26 , Nr. 20 2 .
6 3… Die Zeichenschule des Kupferstechers Johann Ludwig Necker
bestand bis 18 0 3 . Rathgeb 20 0 9 (wie Anm. 1) S. 456 . Zur
Kupferstechereianstalt siehe Rümelin 2000 (wie Anm. 40), S. 93f.
eiermann
d i e k u n s t s c h u l e i m 19. j a h r h u n d e r t
Wolf Eiermann
Di e S t u t t ga r ter K u ns t sch u le
i m 19. Ja h r h u n der t:
I n ter nationa le H er ausf or deru ngen u n d
w ürt tembergische Möglichk eiten
Anlässlich der Wiener Weltausstellung von 1873 er- wurden erstmals Gemälde gezeigt. Um die Kunstwerklärte der Kunstkritiker Friedrich Pecht seinem Le- ke vom Lärm und Getriebe der Maschinen zu befreien,
serpublikum, dass die talentierten schwäbischen schuf man ab 1855 eigene Konstruktionen außerhalb
Ma­ler nach München auswanderten, »wo wir ihnen der großen Messehal­len. Das unerwartet hohe Besuunter den Besten begegnen«.1 Damit sollte ein Wider- cherinteresse rechtfertigte diese Maß­­nahme: Obwohl
spruch aufge­löst werden: die Künstler, nahezu alle entfernt gelegen, betraten nun eine Million Besucher
Absolventen der Stuttgarter Kunstschule und zudem das »Palais des Beaux-Arts« in Paris, um 5000 KunstKunststipendiaten, hatten bereits 1867 in Paris unter werke von 2054 Künstlern zu bestaunen.5 Auch diese
der Flagge Bayerns statt unter der von Württemberg Kunstpavillons hatten der Glie­derung nach Nationen
ausgestellt.2 Dieser Hinweis Pechts und seine zu- treu zu bleiben,6 auch ihre Zu- und Aufteilung erfolgte
grundeliegende Logik waren Kinder ihrer Zeit; sie nach Herkunftsländern – was, wie Pecht anmerkte,
sollen hier als Einstieg die­nen, um die Koordinaten
zu falschen Schlüssen führen konnte.
der Kunstverortung eines Jahr­hunderts zu verstehen.
Bereits die erste Weltausstellung nahm 1851 in Lon- Weltausstellungen waren Wettbewerbsforen für aktu­don Arbeiten des Kunstgewerbes und Skulpturen mit elle Kunstrichtungen. Aufgrund der Anzahl der Werke
auf,3 aus Stuttgart wurden dazu die Gipsmodelle der und der politisch gewollten Rivalität nationaler Schu­»Rossebändiger« von Ludwig Hofer eingesandt.4 1853 len ließen sie eher einen Vergleich zu als die eigentli1
Friedrich Pecht: Kunst und Künstler auf der
Wiener Weltausstellung 1873, München 1873, S. 123.
2
Friedrich Pecht: Kunst und Kunstindustrie
auf der Weltausstellung von 1867, Pariser Briefe,
2. Auf lage Leipzig 1867, S. 75.
3
Zum Bau der geplanten Bildergalerie kam es nicht, zeitgleich
fand in London aber eine internationale Kunstausstellung statt.
5
Patricia Mainardi: Ar t and Politics of the Second Empire,
John E. Findling: Historical Dictionary of World’s Fairs
the universal expositions of 1855 and 1867,
and Expositions 1851–1988, Westpor t 1990, S. 3ff.
New Haven 1987, S. 29.
6
4
Elizabeth Gilmore Holt: The ar t of all nations 1850 –1873,
Herrmann Scherer: Londoner Briefe über die
the emerging role of the exhibitions and critics,
Weltausstellung, Leipzig 1851, VIII, S. 80.
Princeton 1981, S. 111.
55
250 Jahre
ku nsta k a dem i e stut t ga rt
chen Kunstausstellungen in den europäischen Ländern.7 Die zeitgenössische Kunstkritik folgte dabei
dem Pfad der Ausstellungsmacher in der Ordnung
der Gegenstände. Es bot sich angesichts der Masse
der Objekte auch an, die regionalen und nationalen
Unterschiede gewissermaßen im Sinne einer Ethnographie der Kunst herauszuarbeiten. Als nächstes
Kriterium folgte die Charakterisierung der einzelnen
Malerschulen. Weltkunst, jene als »Kunst« nicht mehr
allein auf den abendländi­schen Werten beruhenden
Werke, durfte im 19. Jahrhundert, ja sollte regionale
Züge betonen und – man denke an die Rundgangperspektive eines Ausstellungsbesuchers – etwas landesoder schultypisches darstellen. Was nach heutigem
Verständnis auf eine allmähliche Vereinheitlichung,
auf eine Globalisierung der Kunstbestrebungen hindeuten könnte, ging damals in die umgekehrte Richtung. Das neue Globale war kein Schmelztiegel, son­
dern die Addition der Spezifika des Nationalen und –
auf den einzelnen Künstler bezogen – des Originellen.
Diese Freude am Spezifischen bestand ebenso auf dem
internationalen Kunstmarkt, ja bestimmte offenbar
einen nicht unerheblichen Teil seines Handelsumfanges. Eine auf eine bestimmte Region bezogene künstlerische Thematik, etwa in der Landschaftsmalerei
oder dem Genre, war keineswegs nur für jene Region
als Absatzmarkt bestimmt. Dies wird an den zahlreichen Transaktionen im Gefolge der Weltausstellungen und der internationalen Kunstausstellungen deutlich, etwa wenn der »Empfang eines Landpfarrers im
Schwarzwald«, in Paris 1867 von dem Stuttgarter Maler Ro­bert Heck ausgestellt, sogleich nach Australien
verkauft wurde.8 Parallelen zu dieser Nachfrage nach
dem Regionalen sind in der Literatur zu beobachten;
die »Schwarzwälder Dorfgeschichten« Auerbachs erreichten ein Weltpublikum.
Das 19. Jahrhundert führte in der Welt der Kunst zu
mehreren – nennen wir es vereinfachend: Wandlungen.
Und wer legte nun den vorherrschenden Kunststil fest,
dem alle Akademien im gesamt-abendländischen Bereich folgen würden? Hatte die französische Akademie
mit ihren Salonausstellungen weiterhin eine Vorbildfunktion oder war es im Falle Stuttgarts nicht eher
München, das in Süddeutschland alles über­ragte und
doch vehement kritisiert wurde? 9 Das bisherige Kunstgefüge geriet ins Wanken, die Kunstzentren in Europa
schienen sich parallel zur nachnapoleonischen Staatenbildung zu vermehren. Die Weltausstellungen und
ihre Jurys stellten die Position staatlicher Akademien
in Frage, wenn sie, wie zum Beispiel die k.u.k. Wiener
Akademie zugleich landesweite Definitions- als auch
Entscheidungsbehörden in Sachen Kunst sein sollten.
Das Dilemma der Kunstakademien wird noch offensichtlicher, wenn man sie darüber hinaus nicht nur als
traditionsorientierte, mit Nationalkunst und der Kunsthierarchie beschäftigte Institutionen, sondern wieder
als das begreift, als was sie einst – neben der Be­freiung ihrer Mitglieder vom Zunftzwang – angetreten
waren: als Impulsgeber. Als Institutionen waren sie
oft Teil des staatlichen Verwaltungsapparates, wurden wie in Stuttgart von einem Vorstand, von einem
Direktor und von Professoren betreut, die noch viele
andere Aufgaben wahrnahmen. August von Köstlin
war von 1839 bis 1867 nur nebenbei Protektor der
Stuttgarter Kunstschule, in Hauptfunktion blieb er
königlicher Staats­rat, koordinierte den Aufbau der
7
Die internationale Presse registrier te
schnell den im Bereich der Künste entstehenden Konkurrenzdruck, s. Holt (wie Anm. 6), S. 113, mit der Angabe zu
zeitgenössischen Berichten in deutschen Zeitschriften.
8
9
Carl Rober t Heck: Rober t Heck zum 100. Gebur tstag, in: Der
Vgl. Anton Springer: Kritische Gedanken über die Münchner
Sonntag, Illustrier te Beilage der Süddeutschen
Kunst (1845), in: Kunstur teile des 19. Jahrhunder ts, hrsg.
Zeitung, Nr. 17, vom 26. April 1931.
von Heidi C. Eber tshäuser, München 1983, S. 74.
56
eiermann
d i e k u n s t s c h u l e i m 19. j a h r h u n d e r t
staatlichen Eisen­bahn und wurde später Konsisto­ eines Mittlers zwischen Akademie und Markt, auch
rialpräsident, hatte also das Verhältnis von Staat in München blieb der dortige Verein akademieunabzur Kirche zu regeln. Doch er betrat mit einem neu er- hängig.12 Insofern wirkten nur die internationalen
richteten Gebäude, der »Kunstschule« und der ihr Ausstellungen als Katalysatoren. Köstlin besuchte
zugehörigen Gemäldegalerie (bald »Staatsgalerie« 1842 und 1858 solche Kunstausstellungen in Müngenannt), insofern Neuland, als er diese lange ersehn- chen und reiste zur Weltausstellung des Jahres 1855
te und von der Presse beju­belte »vaterländische Kunst­- nach Paris. Dort sah er jene Sonderschau, die eine
anstalt« am 1. Mai 1843 nicht als sich selbst genü- Weichenstellung für die Entwicklung der Kunst wie
gend, sondern sogleich mit einer international aus- auch des Kunstmarkts barg. Es darf vermutet werden,
geschriebenen Kunstausstellung eröff­nete.10 Damit dass er auch sah, was auf die Studenten, was aber
nicht genug: zum Erwerb einzelner Werke aus dieser auch auf die damals noch »Kunstschule« genannte
und kommenden Ausstellungen war parallel zum Be- Kunstakademie an Aufgaben außerhalb des traditioginn der Bauarbeiten 1839 eine Verlosungsgesell­­ nellen Lehrbetriebs zukam.13 Zu dieser Erkenntnis
schaft gegründet worden, die damit, neben dem würt­- gehörte sicherlich auch, dass der neue Kunstmarkt
tem­bergischen Kunstverein, den Bildersammlungen, ein neues Klientel anlockte. Hier sei beispielhaft auf
den Ateliers der Professoren und der Plastischen die Erstkäufer impressionistischer Werke verwie­
Samm­lung, ebenfalls Nutznießerin des multifunktio- sen,14 diese internationale Kundenschar macht schnell
nal angelegten neuen »Kunstgebäudes« (so die von deutlich, dass sie weniger etwas mit dem älteren SammKöstlin offiziell verwendete Bezeichnung) war.11 Die lerwesen eines Herrn von Goethe (Kunstgeschichte
Verknüpfung von Akademie und Ausstellungswesen nach Schulen)15 als mit dem Kaufverhalten zum Beiwar im Abendland keineswegs neu, sondern bestand spiel der württembergischen Königsfamilie gemeinbereits seit dem 16. Jahrhundert, wobei anfangs noch sam hatte: die Familienmitglieder waren mobil und
Sankt-Lucas-Bruderschaftsfeste und Kirchenräume er­warben die meisten Gemälde auf Reisen im Ausland,
Anlass und Spiel­­ort bildeten. Doch der Stuttgarter statt sie – wie noch im Jahrhundert zuvor – bei den
Kunstverein erfüllte nicht die ihm zugedachte Rolle hie­si­gen Kunstschulprofessoren in Auftrag zu geben.16
12
Vgl. zu München: Huber tus Kohle:
Die Münchner Akademie in den Jahren 1849-86, in:
200 Jahre Akademie der Bildenden Künste München,
hrsg. von N. Gerhar t/W. Grasskamp/F. Matzner,
München 2008, S. 49f.
13
August von Köstlin: Nekrolog im Schwäbischen Merkur,
12. Oktober 1873, S. 2329 mit dem Ur teil:
»Unter seiner Leitung nahm das vaterländische
Kunstinstitut einen neuen Aufschwung«.
14
Die Namen sind in allen vom WildensteinInstitut herausgegebenen Werkverzeichnissen aufgeführ t.
10
15
Schwäbische Kronik: Des Schwäbischen Merkurs zweite
Margarete Oppel: Goethe als Sammler, in:
Abtheilung; Begebenheiten aus Schwaben, 8. Januar 1843, S. 25.
Ausstellungskatalog: Goethe und die Kunst, Schirn Kunsthalle
11
Frankfur t 21. Mai bis 7. August 1994, Heidelberg 1994, S. 61.
Schwäbische Kronik: Des Schwäbischen Merkurs zweite
16
Abtheilung; Begebenheiten aus Schwaben, 4. Februar 1843, S. 133;
Siehe Akten des Kgl. Innenministeriums,
2. Mai 1843, S. 474; 4. Mai 1843, S. 482; 10. Mai 1843, S. 506.
HStA Stuttgar t, Bestand E 14.
57
250 Jahre
ku nsta k a dem i e stut t ga rt
Kunstakademien als Rumpelkammern verstaubter des Originals definiert. Es darf da­ran erinnert werden,
Lehr­­geschichte abzutun, hat gewissermaßen Tradi­ dass die Gründungswelle der Mu­seen vor allem Platz
tion, doch bleiben darüber hinaus spannende Fragen für die Abgusssammlungen bieten sollte, Stuttgart
unbeantwortet, etwa jene: wie wurde seitens der Aus- stellt hierbei keine Ausnahme dar.
bilder und der Ausbildungsstätten auf die Veränderun­
gen reagiert? Dabei geht es nicht darum, ob die Aka- Dass die Akademie zum hortus conclusus, zum Iglu
demien marktkonform oder gar gefällig – man denke in einer rauhen Welt werden konnte, spürten zu Bean die Kri­tik Emile Zolas – handelten, sondern ob sie ginn des 19. Jahrhunderts ebenfalls die Stuttgarter
publikums- und kunstmarktbewusst agierten. Gott- Professoren. Die Wandlung wird besonders bei Eberfried Semper hat­te eben dieses Bewusstsein als Resü- hard Wächter deutlich: In Wien war er Gründungsmee der ersten Weltausstellung 1851 ein­ge­for­dert;17 mitglied der Lukasbrüder und hatte wie zuvor Gottdie merkantilistische Wirtschaftspolitik der deutschen lieb Schick, der eine Kunstakademie »Hospital für
Länder wünschte zudem eine weitaus gewerblichere kränkliche Kunst« nannte, aus seiner Abneigung geAusrichtung der Kunstakademien. Somit beschäftig- gen Akademien keinen Hehl gemacht.20 Nach Jahren
te die Kunstwelt bald die Frage der Abgrenzung von glücklosen Hantierens am freien Kunstmarkt bekam
Kunst zu Kunstgewerbe, von Kunst zu Industriepro- er durch Gönner den Auftrag, das neue Stuttgarter
duktion.18 Ein Blick auf die Weltausstellungspavillons Kupferstichkabinett zu ordnen, vergütet mit einem
macht aber deutlich, dass Kunst vom Kunstgewerbe Jahresgehalt von 500 Gulden. König Wilhelm I. ernannund den Industrieprodukten klar getrennt wurde. te ihn später zum Mitglied der Kunstkommission, in
Walter Benjamin folgerte, dass im Zeitalter der Repro- welcher er zusammen mit dem Bildhauer Dannecker,
duzierbarkeit die Kunst von ihrem kultischen Funda- dem Kupferstecher J. G. Müller und dem Architekten
ment gelöst sei.19 Die Präsentation von Kunstwerken N. F. Thouret Gutachten sowie Künstlerprüfungen
im Beiboot von Technikschauen erfolgte jedoch zeit- für die Befreiung vom Militärdienst zu besorgen hatte.
gleich zur Errichtung tempelartiger Museen, und Bil- 1829 erhielt Wächter zusätzlich zum Lehrauftrag für
dende Kunst war keineswegs über die Einmaligkeit Kupferstecherei (den fortan alle Leiter der Kupferstich­-
17
Gottfried Semper: Wissenschaft, Industrie und Kunst,
Vorschläge zur Anregung nationaler Kunstgefühle bei dem
Schlusse der Londoner Industrie-Ausstellung 1851,
Braunschweig 1852.
18
Zum Verständnis des Kunstgewerbes als Industriekunst
vgl. Georg Maag: Kunst und Industrie im Zeitalter der ersten
Weltausstellungen, München 1986, S. 72; zur kunstsoziologischen Diskussion siehe Thomas Großbölting: Im Reich der
Arbeit – die Repräsentation gesellschaftlicher Ordnung in den
deutschen Industrie- und Gewerbeausstellungen 1790 –1914,
München 2008, S. 66 –73.
19
Walter Benjamin: Das Kunstwerk im Zeitalter
20
seiner technischen Reproduzierbarkeit,
Nikolaus Pevsner: Die Geschichte der Kunstakademien
3. Auf lage, Frankfur t am Main 1969, S. 25.
(Cambridge 1940), München 1986, S. 199.
58
eiermann
d i e k u n s t s c h u l e i m 19. j a h r h u n d e r t
sammlung ausübten), die Stellung eines Direktions- war. Für Württembergs Vedutenstecher konstatierte
mitgliedes der Kunst­schule, im Jahr 1831 den mit Per- Max Schefold zum Beispiel ein auffallend hohes Nisonaladel verbundenen Kronenorden und im Jahr 1839 veau – es wird auf die akademische Vorbildung zueine Ehrenzulage von 400 Gulden.21 Noch im 18. Jahrrückzuführen sein.25
hundert hatte die Professorentätigkeit den Künstlern
mehr als Mittel zum Zweck gedient, weil das Akade- Der Wandel in der Kunstauffassung, der in der fort­
mie-Salär viel zu gering gewesen war, um davon exis- schritt­lichen Kunstkritik und im Publikumsgeschmack
tieren zu können. Weitaus wichtiger waren damals die – wenn auch in Sprüngen – im 19. Jahrhundert zu konüppig honorierten Aufträge seitens der fürstlichen sta­tieren ist, ging einher mit mehreren ParadigmenHöfe und ihres Umkreises.22 Das änderte sich erst im wechseln und dem langsamen Abgesang des Klassi19. Jahrhundert, als diese Aufträge zurückgingen und zismus. Dessen Ausläufer hielten sich aber gerade in
das Einkommen der Künstler auf dem bürgerlichen Stuttgart be­sonders lange. Das Festhalten an seinen
Kunstmarkt so starken Schwankungen ausgesetzt Idealen war eng mit einigen Professoren der Kunstwar, dass eine Akademieanstellung zur Absicherung schule verknüpft,die sich in der Nachfolge Danneckers
wieder begehrenswert erschien. LudwigRichter hat um seinen Schüler Theodor Wagner und um Bernhard
diese Gedankengänge in seinen Memoiren, Briefen Neher sammelten. Das Sieb der Kunstgeschichte führund Tagebüchern geschildert.23 Gerade die von Hage- te sie in die Vergessenheit, doch es ist erstaunlich,
dorn gesteuerte Dresdner Akademie zielte bereits im dass es der neuen Gruppe um Heinrich Gaudenz Ru18. Jahrhundert auf ein neues Klientel und betrieb stige kaum besser erging. Der Grund dafür ist weniger
durch die Berufung des Schweizers Adrian Zingg zum darin zu suchen, dass die alten Akten der KunstakaBeispiel Innovationen in der Populärgraphik.24 Eine demie nicht mehr vorhanden sind und dass der interStatistik würde offen legen, dass ein hoher Prozent- essierte Forscher seit 1945 notge­drungen mit untersatz aller deutschen Kunstakademie-Absolventen im schiedlich geeignetem Quellenmaterial gleichsam
19. Jahr­hundert als Graphiker im Verlagswesen tätig musivisch Bilder von der Kunstschule entwerfen muss.
21
August Wintterlin: Wächter, Georg Friedrich Eberhard, in:
Allgemeine Deutsche Biographie, hrsg. von der Historischen
Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften,
Band 40 (1896), S. 431– 434; Corinna Höper, Nur Papier
und doch die ganze Welt – 200 Jahre Graphische Sammlung,
Begleitheft zur Ausstellung, Staatsgalerie Stuttgar t,
2010, Stuttgar t 2010, S. 15f.
22
Vgl. Rober t Keil: Heinrich Friedrich Füger, 1751–1818:
nur wenigen ist es vergönnt das Licht der Wahrheit
zu sehen, Wien 2009, S. 22–26.
23
L. Richter: Lebenserinnerungen, hrsg. von Max Lehns,
Berlin o.D., S. 40, 288; L. Richter: Selbstbiographie
nebst Tagebuchniederschriften und Briefen, hrsg. von Heinrich
Richter, 3. Auf lage, Frankfur t am Main 1886, S. 416.
24
Ernst Sigismund: Adrian Zingg, in: Thieme/Becker,
25
Allgemeines Lexikon der bildenden Künstler,
Max Schefold: Alte Ansichten aus Wür ttemberg,
Band 36, Leipzig 1947, S. 521f.
2 Bände, Stuttgar t 1956/57, Textband, S. 129.
59
250 Jahre
ku nsta k a dem i e stut t ga rt
Nein, das Ausradieren der Kunstschule in der GeWa ru m b o t di e S t u t t g a r t e r
schichte erfolgte bereits am Ende des 19. JahrhunK u n s t s c h u l e k e i n e v o l lw e r t i ge
derts, wenn sie in den Zusammenfassungen der Kunst
K ü n s t l e r au s b i l du ng a n ?
der Zeit wie zum Beispiel in Cornelius Gurlitts Epochenschau vollkommen übergangen wird.26 Also hat- Obwohl die Kunstschule in der Nachfolge der Acadéte Pecht umsonst darauf hingewiesen: seine »schwä- mie des Arts eine staatliche Institution blieb, ist ihr
bi­schen« Kunstschulstudenten waren längst der do- Wiedererblühen im frühen 19. Jahrhundert den Stuttminanten Münchner Schule oder der Münchner Aka- garter Bürgern um Gottlob Heinrich Rapp zu verdandemie zugewiesen worden, wo sich zwischen 1809 ken. Rapp, ein Kaufmann, Bankier und Sammler stand
und 1920 immerhin 500 Studenten aus Württemberg Johann Heinrich Dannecker nahe, der durch die Heieinschrieben.27 Ein Blick auf den Werdegang der von rat mit Heinrike Rapp den tonangebenden KunstPecht erwähnten Auswahl stellt aber klar, dass diese Salons der Ruoff/Rueff, Weng etc. näher kam. Als die
Neumünchner keineswegs wie einst Josef Anton Koch Wiederaufnahme der Lehrtätigkeit selbst unter dem
fluchtartig die Kunstschule verlassen hatten. Vielmehr neuen König Wilhelm I. zu scheitern drohte, ermahnte
erhielten sie Stipendien des württembergischen Innen- der offensichtlich ungehaltene Rapp den König, er
ministeriums, bezahlt aus einem Fonds des Königshau- habe doch »die Kunstanstalten zur Staats- und Natioses. Diese Gelder konnten sowohl für Reisen als auch nal-Sache« machen wollen.28 Goethe und die Gebrüder
für Studien genutzt werden. Die Besten wurden offen- Boisserée wurden von diesem aufblühenden Kunstlebar an den Münchner Professor Karl von Piloty weiter- ben ange­zogen. Doch die Widersacher in Sachen
empfohlen. In München vereinten sich die so geförder- Kunst saßen nicht am Hof, sondern in den Abgeordneten Landeskinder beim »Kassandra«-Stammtisch, eini­- tenkammern der kon­stitutionellen Monarchie. Bis
gen gelang auch die Aufnahme in die »Schwabenburg« 1899 hielt der Landtag an der Vorga­be fest, in Stuttder überaus erfolgreichen Tiermaler Anton Braith und gart allenfalls eine Kunstschule als Vorbereitung für
Christian Mali. Diese wiederum waren über die Stutt- weitere Studien an fremden Akademien zu unter­halgarter »Permanente Kunstausstellung« eng mit der Hei- ten, obwohl bereits 1867 dringend empfohlen wurde,
matregion verbunden, so dass die neubayrischen Würt- die Kunstschule in eine Akademie zu verwandeln, was
temberger via Stuttgart auch viele Werke verkauften.
nur halbherzig erfolgte.29
28
Johannes Zahlten: Die Kunstanstalten
zur Staats- und Nationalsache gemacht, Beiträge
zur Geschichte der Staatlichen Akademie
der bildenden Künste, Stuttgar t 1980, S. 8.
26
Vgl. Cornelius Gurlitt: Die Deutsche Kunst seit
29
1800, ihre Ziele und Taten, 4. Auf lage, Berlin 1924.
Vgl. Wolf Eiermann: Wür ttemberg, Maler entdecken
27
Land und Leute 1750 –1900, Katalogbuch zur Ausstellung
200 Jahre Akademie der Bildenden Künste München,
in der Staatsgalerie Stuttgar t, 1. Dezember 2001
hrsg. von N. Gerhar t u.a., München 2008, S. 264f.
bis7. April 2002, Stuttgar t 2001, S. 26f.
60
eiermann
d i e k u n s t s c h u l e i m 19. j a h r h u n d e r t
Zur Vorgeschichte der scharfen Kritik Rapps gehört 2. Die Anstalt zum Zeichnen nach der Natur.
die Frage der Unterbringung der Akademie. Die Pro- 3. Die Anstalt zur Prüfung der Kunstzöglinge in
fessoren waren von König Friedrich I. zwar weiter- Bezug auf Stipendien.
hin bezahlt worden, aber es gab keine gemeinsamen
Schulräume mehr. Nur Dannecker erhielt 1808 an Die Abfolge legt nahe, dass nicht die Künstlerausbilprominenter Stelle am Schlossplatz ein Gelände zum dung, sondern die Sammlungsbetreuung oberste PrioBau seines Hauses zugewiesen, das Wohnung, Atelier ri­tät haben sollte. Selbst die privaten Werke der Geund Schulräume vereinte. Wie in der »Danneckerei« brüder Boisserée wurden unter ihre Obhut gestellt.31
Kunststudenten ausgebildet wurden, ist unklar, dies Der Status der in einem künftigen Museum auszustelauch deswegen, weil das Gebäude vom Kronprinzen lenden Werke ergab sich jedoch aus ihrem VorbildchaWilhelm mit Gipsabgüssen jener berühmten Skulptu- rakter für die Studenten. Diese Prämisse führte dann
ren gefüllt wurde, die im Zuge der Napoleonischen im Gutachten des Eberhard Wächter zu Ablehnung
Kriegszüge erbeutet und in Paris aufgestellt worden des Ankaufs jener großartigen »unakademischen«
waren. Der seinerzeit berühmte Bildhauer Antonio Sammlung mittelalterlicher Malerei. Erwartet wurIsopi baute ab 1810 in Ludwigsburg eine eigene Kunst- den von der Direktion stattdessen Meisterwerke ideaschule auf, die der Porzellanmanufaktur zuarbeiten ler Kunst der Antike, der Raffael-Renaissance und
sollte und bis 1845 existierte.30 Begünstigt durch die- des Klassizismus. Dieser Wunsch war keineswegs
se vom Hof gebilligten Aktivitäten machten sich die unrealistisch, derartige Kunstwerke wurden den beStuttgarter Bürgerkreise, denen zudem die Liaison des deutenden europäischen Akademien von Madrid bis
Prinzen mit der Tochter des Samm­lers Abel nicht unbe- Wien gerade in jenen Jahren von Mäzenen verehrt.
kannt geblieben war, falsche Hoffnungen. Hoffnungen, Solche Akademien verfügten nun zusammen mit den
die sowohl den Kunstsinn des neuen Herrschers als Probestücken ihrer Mitglieder, den Ab­güssen nach
auch ein Kunstmuseum und eine wiederbelebte Kunst- antiken Skulpturen, den Zeichnungen und Druckgraakademie umfassten. Was heute institutionell klar ge- phiken über eigene Kunstsammlungen. In Stuttgart
trennt ist, wurde damals als Junktim, als Einheit, ange- war hingegen 1794 anlässlich der Auflösung der Hosehen. Das Hof-und Staatshandbuch des Jahres 1824 hen Karlsschule der von Harper und Heideloff als »enterläutert den Wirkungskreis dieser künftigen Kunst- behrlich« eingestufte Bestand an Gemälden und Kupferstichen zum Verkauf frei gegeben worden, nur ein
schule:
paar Hundert Zeichnungen verblieben der Rumpfakademie.32 Immerhin wurde dieser Schritt 1809 mit
1. Die öffentlichen Kunstsammlungen, bestehend aus dem Antikenkabinett, dem Kabinett der dem Ankauf von 3.000 Zeichnungen und 20.000 Gra Handzeichnungen, der königlichen Gemälde­ga-
phiken aus dem Besitz des Kommerzienrats Ruoff
lerie und der königlichen Kupferstichsammlung.
revidiert, doch zum nächsten Schritt, dem Ankauf der
31
Königlich-Wür ttembergisches Hof- und Staats-Handbuch,
Stuttgar t 1824, Kap. 53. Die dor t aufgeführ ten Sammlungen sind
nicht zu ver wechseln mit der unter Kap. 48 genannten
»Kunst- und Antiken-Sammlung« in der Obhut
der königlichen öffentlichen Bibliothek.
30
Annette Köger-Kaufmann: ein römischer
32
Bildhauer am wür ttembergischen Hof,
Sabine Rathgeb: Studio & Vigilantia. Die Kunstakademie an der
Frankfur t am Main 1996; vgl. Hauptstaats-
Hohen Karlsschule in Stuttgar t und ihre Vorgängerin Académie
archiv Stuttgar t E 211 I, Bü 3219.
des Ar ts, Diss. Hedelberg 2005, S. 482, Anm. 2513.
61
250 Jahre
ku nsta k a dem i e stut t ga rt
Gemäldesammlung des Kriegsrats v. Weng, die 1818
angeboten wurde, kam es nicht. Diese Sammlung ent­sprach in ihrer Bandbreite idealisierender Malerei an
sich dem Stuttgarter Vorbildideal, sie war ja von den
beiden ehemaligen Akademiedirektoren Harper und
Hetsch betreut worden.33 Doch König Wilhelm I.,
dessen eigenwilliger Kunstgeschmack sich allmählich
in seinen Schlossausstattungen offenbarte, ließ stattdessen weitaus teurere Sammlungen in Paris prüfen
und weckte damit noch größere Hoffnungen, die sich
freilich erst mit dem späten Ankauf der Sammlung Barbini-Breganze im Jahr 1852 zum Teil erfüllten.
architekt Nicolas von Thouret als »Professor« und
»Vorstand« der Kunstschule. Die weiteren Lehrkräfte
unter­zeichneten ab 1830 unter dem Briefkopf »Die
königliche Direction der Kunstschule«, so dass man
als Adressat den Eindruck gewinnen konnte, hier
seien Könige am Werk – oder zumindest alle Unterzeichnende seien Direktoren. In den frühen Jahren
sind die Gehälter der Lehrkräfte nicht in den Kassenbüchern aufgeführt. Später legen die unterschiedlichen Besoldungshöhen den Schluss nahe, dass trotz
hochtrabender Kunstschul-Titel viele Lehrkräfte ihre
eigentlichen Stellen an den verbundenen Real- und
Gewerbeschulen erhalten hatten.
Di e »vat e r l ä n di s c h e K u n s ta n s ta lt«
In diesem – auf Wunsch der Jubilarin stark verdichte­
ten – Katalogbeitrag soll nicht das OrganigrammMosaik der Kunstakademie in ihren institutionellen
Erscheinungsformen des 19. Jahrhunderts nachgelegt
werden.35 Denn dabei würde es nicht nur um rätselhafte Angaben zur Funktion der Beteiligten, sondern
auch um solche Steinchen gehen, wie man sich das
tägliche Mit- und Nebeneinander in den Räumen des
Offizierskasinos vorzustellen hat. Bereits 1832 wurde
zwar die Kunstgewerbeschule wieder aus der Vereini­gung mit der Kunst- und Realschule gelöst, räumlich
blieb man aber noch lange vereint. Eine Zusammenfassung im Zeitraffer soll die Mischehen, welche die
Kunstschu­le einzugehen hatte, andeuten: 1808 Danne­ckerei – 1829 Vereinigte Kunst-, Gewerbe- und Real­
schule – 1832 Kunstschule – 1843 vaterländische
Kunstanstalt – 1867 Akademie »unter Beibehaltung
des Namens Kuns­tschule« – 1901 Königliche Akademie der Bildenden Künste. Dies war freilich keine spe­zielle Stuttgarter Notlösung, die ungleich größere Berliner Akademie der Künste war ebenfalls seit 1790
a l s e i n Z w i t t e r au s K u n s t g e w e r b e s c h u l e ,
K u n s ta k a de m i e u n d M u s e u m
Die Meldungen der Hof- und Staatshandbücher vermitteln in den 1820er Jahren auch über einen anderen
Umstand ein allzu hoffnungsfrohes Bild: zur avisierten
Kunstschule und den von ihr betreuten Sammlungen
gehörten zwar Vorstand, eine Direktion, Professoren,
sonstige Lehrkräfte und Galerieinspektoren, aber
ihre eigentliche Institution war Vision, nicht Realität.
1827 end­lich kam es durch die Initiative Rapps zur
Gründung des württembergischen Kunstvereins, 1829
wurde die Kunstakademie als »Vereinigte Kunst-, Gewerbe- und Realschule« im ehemaligen Offizierskasino
am Schloss­garten eingerichtet. Nun erst wurden neue
Lehrkräfte berufen, wurde eine Zwitter-Organisation
eingerichtet, deren inneres Funktionieren anhand einzelner Primärquellen auf fragmentarisch nachgestellt
werden kann.34 Dabei führen die Titulaturen zu Miss­
verständnissen: 1829 agierte zum Beispiel der Hof­
33
Das Inventar der Sammlung Weng und weitere
Dokumente sind im Familienbesitz des Verfassers.
34
Vgl. Hauptstaatsarchiv Ludwigsburg,
35
Bestand E 226/231: Hauptbücher der Kunstschule,
Vgl. dazu diverse Studien von Wolfgang Kermer
hier Jahrgang 1829/30 mit Rechnungsbeilage.
und Johannes Zahlten.
62
eiermann
d i e k u n s t s c h u l e i m 19. j a h r h u n d e r t
mit der Kunst- und Gewerbeschule vereint,36 in Wien
hatte die Akademie gar die Aufgabe eines Polytechni­
kums zu übernehmen.37
Alle Stuttgarter Schüler der Real-, Gewerbe- und
Kunst­schule besuchten gemeinsam die Vorklassen, in
denen die Grundlagen des Zeichnens anhand von Vorlagen erlernt wurden. Danach wurden die Schüler getrennt: an der Kunstschule ging es nun mit den Fächern Bildhauerei, Kupferstecherei und Malerei weiter,
letztere unterteilt in Historien- und Landschaftsmale­
rei. 1845 erfolgte die Berufung von Heinrich Gaudenz
Rustige, 1846 wurde Bernhard Neher Professor für
Historienmalerei. In ihrer Antrittszeit gab es neben
den praktischen Ausbildungsfächern bereits eine
Professur für Kunstgeschichte. Aus Aufzeichnungen
von zwei Studenten (Max Bach, Heinrich SchäffZerweck) lässt sich phasenweise der weitere Lehrbetrieb rekonstruieren.38 Für die Schulzeit von Max Bach
(1858 bis ca. 1864) ist das Lehrerkollegium ebenfalls
bekannt und für 1882 werden im Hauptbuch neben
Direktor Liezen-Mayer die Professoren Rustige, Häber­lin, Donndorf, Grünenwald (in Doppelfunktion) und
Kappis genannt, dazu das Fach Kunstgeschichte (Prof.
Dr. von Lübke),39 die Kupferstecherkunst (Prof. Kräutle), Perspektive und Schattenlehre (Prof. Schmidt),
Anatomie (Oberarzt Dr. von Biber­stein), Architektur
(Oberbaurat von Leins, Mitglied des Lehrerkonvents)
und Mythologie (unbesetzt).40 Aber welcher Grundrichtung wurde gefolgt? Mit der Person Rustiges, der zu­
vor in Frankfurt gelehrt hatte, trat dem vorherrschen­den Spätklassizismus ein selbstbewusster, ja gerade­
zu frecher Vertreter einer neuen Generation entgegen.
Von ihm gingen bis 1887 als Professor und darüber
hinaus als Freund des Kronprinzen Karl,41 als Autor
und Theaterschriftsteller, sowie von 1859–1897 als
Hofgemäldeinspektor wichtige Impulse aus.42 Sie er­
lauben, die Geschichte der Stuttgarter Kunstschule im
19. Jahrhundert in drei Phasen einzuteilen: Auf die Ära
Danneckers und der ihm verbundenen Spätklassizisten folgte die Ära Rustige und seiner »poetischen Malerei« des Genres und der Historie. Diese Ausrichtung
sollte kurz vor der Jahrhundertwende von den Naturalisten um Leopold Graf von Kalckreuth abgelöst
werden.
Der Klassizismus in Stuttgart wurde bereits 1993 aus­­führ­lich in einer Epochenschau dargestellt, so dass
in Anbetracht der gewünschten Kürze dieses Beitrags
auf jene Forschungen verwiesen werden kann.43 Der
an der Kunstschule ab 1845 zutage tretende Dualismus zwischen den neuen Protagonisten Rustige und
Neher bietet den Einstieg in die unterschätzte RustigePeriode der Kunstschule. Das weitaus stärker karrie-
40
Hauptstaatsarchiv Ludwigsburg,
Bestand E 226/231: Hauptbuch 1882/83.
41
Werner Bueddemann: Funk und Rustige, zwei
36
Westfalen als Professoren der Kunstschule in Stuttgar t,
Für Berlin werden im Winter 1827/28 850 Schüler gemeldet,
in: Westfalen, 18.1933, S. 85–87; Herman Riegel: Der
Berliner Kunst-Blatt, Heft 8, August 1828, S. 33.
Leichenzug Kaiser Otto’s III. von Heinrich Rustige in
37
Stuttgar t, in: Deutsche Kunststudien,
Walter Wagner: Die Geschichte der Akademie
Hannover 1868, S. 421– 423.
der Bildenden Künste in Wien, Wien 1967, S. 72–94.
42
38
Vgl. Hauptstaatsarchiv
Thomas Maier/Bernd Müllerschön: Die schwäbische
Ludwigsburg, Bestand E 21, Bü 411.
Malerei um 1900, Stuttgar t 2000, S. 25, 35.
43
39
Schwäbischer Klassizismus zwischen Ideal und Wirklichkeit:
Das ist Wilhelm Lübke, Verfasser des berühmten »Grund-
1770 –1830, hrsg. von Christian von Holst, 2 Bde.,
riss der Kunstgeschichte«, 15. Auf lage, Esslingen a.N. 1921.
Ausstellungskatalog: Staatsgalerie Stuttgar t, 1993.
63
250 Jahre
ku nsta k a dem i e stut t ga rt
reorientierte Agieren Nehers wird anhand des bereits die allzu lange und machtvolle Tätigkeit Rustiges im
aufgezeigten Wandels in der Kunstwelt verständlicher: Rück­blick verschattet wurde. Dazu kam, dass sich
Bereits die Ablehnung von Danneckers Hauptwerk Rus­­ti­ge sowohl als Maler wie auch als Theaterdich»Ariadne auf dem Panther«, entworfen 1804 (A b b . 1) , ter an zu große Aufgaben wagte. Doch sein humorvolerfolgte in einer Zeit zurückgehender Staatsaufträge, ler Ansatz, der mit klassizistischen Geboten brach und
worunter auch die Akademiemaler, wie zum Beispiel den Ernst al­les Idealen hinwegzufegen imstande war
Philipp Friedrich Hetsch, sehr litten. Ähnlich wie bei (A b b . 2 u n d A b b . 3) , macht deutlich, dass mit Rustige
der Künstlerfamilie Richter in Dresden war man sich etwas grundsätzlich Neues Einzug in die Klassen hielt
in der Biberacher Familie Neher44 der Vorteile einer und da er offen­bar ein guter Pädagoge war, wirkte es
sicheren Besoldung bewusst: Neher, der 1841 als im positiven Sinne auch auf seine Schüler. Er war mit
Direk­tor der Leipziger Malerschule gewirkt hatte, diesem volksnahen Ansatz aber nicht isoliert, die Tenkonnte 1854 seine Stuttgarter Karriere ebenfalls mit denz zum Genre hatte schon die Reihe der älteren Stuttder Ernennung zum Direktor krönen, worauf er im fol­- garter Klassizisten durchbrochen, so hatte Dieterich
genden Jahr seinen Weimarer Wandbildzyklus wie einen »Bauernschultheißen« verewigt und Steinkopf
malte einen »Alten Mann im Frühling«.46
eine Legitimation seiner künstlerischen Fähigkeiten
publizieren ließ, obwohl dieser bereits in den 1840er
Jahren abgeschlos­sen war.45 Der Verweis auf den frühe- August Wintterlin umschreibt die Spannungen im Lehren Auftrag kann auch dahingehend interpretiert wer­- rerkollegium: »Die Verpflichtung aller Professoren zur
den, dass Neher die Kunstschule noch immer in der abwechselnden Correctur im Antiken- und Actsaale,
höfischen und kirchlichen Hemisphäre angesiedelt wie sie früher an derselben bestand, brachte ihn (Nesah. Dort und nicht im Museum oder in bürgerlichem her) mit sämmtlichen Zöglingen, selbst mit den BildBesitz fanden und finden sich die Werke seiner Genera­- hauern, in nahen Verkehr. Hier nun machten sich seine
tion von Spätklassizisten und Nazarenern, und schon reichen Kenntnisse, seine Gewissen­haftigkeit, seine
dies allein machte sie in den Augen späterer Kritiker im besten Sinne des Wortes vornehm-künstlerische
verdächtig.
Haltung in vollem Maße geltend. Die Schü­ler fanden
bald heraus, daß niemand einen schöneren Act stelle,
niemand richtiger, freilich auch niemand unerbittlicher
Di e V o l k s s c h i l d e ru ng, e i n e n e u e
corrigire als er… Mit dankbarer Anhänglichkeit blieAu s r i c h t u ng d e r K u n s t s c h u l e
ben sie ihm auch alle ergeben, die Historien- wie die
Mit der nahezu zeitgleichen Berufung Rustiges trat Genre-, die Tiermaler, wie die Landschafter. N. hat
je­ne nächste Wandlung ein, die an sich die Stuttgarter durch diese freisinnige Haltung über den wechselnden
Kunstschule zu einer neuen Blüte führte, aber durch Zeitströmungen, durch dieses verstän­dige Eingehen
44
Ger t K. Nagel: Schwäbisches
Künstlerlexikon, München 1986, S. 88.
45
Bernhard Neher: Schiller’s Lied von der Glocke,
in 40 Blättern bildlich dargestellt, nach den Entwürfen
des Meisters zu den Wandgemälden im Großherzoglichen
46
Schlosse zu Weimar auf Holz, gezeichnet von H. Leutemann
Werner Fleischhauer: Johann Friedrich
und geschnitten von J. G. Flegel, Vorwor t von
Dieterich malt einen Bauernschultheißen, in:
Carl Vogel, Leipzig 1855.
Schwäbische Heimat 39, 1988, S. 109–110.
64
eiermann
d i e k u n s t s c h u l e i m 19. j a h r h u n d e r t
(A bb. 1)
J ohann H e inrich Dannec k er,
A r iadne auf de m Panther, 1 8 1 4 ,
Mus e um Lie big haus , Frankfurt
( Abb. 2 )
Bernhard von Neher, B i l d n i s d es
Bildhauers Theodor v on Wa gn er,
1 8 5 6 , Staatsgalerie S t u t t ga r t
(Abb. 3)
Heinrich Gaudenz von Rustige, Das
Malheur des Bildhauers (Atelierszene),
um 1850, Staatsgalerie Stuttgart
auf jede Art von Talent, wenn es nur mit ehrlichem danz zu den Akademievorstellungen der Neher-Gruppe.
Streben verbunden war, nützlicher an der Schule ge- Den andernorts mit Vehemenz geführten Rangstreit
wirkt, als wenn er mit Eitelkeit und Eigensinn die der Gattun­gen der Malerei übergeht er mit dem HinSchüler in den Bann seiner eigenen Richtung hätte weis, es stünde ja eh alles unter dem verbindenden
einzwängen wollen… Die Akademieen von München Axiom der Poesie, die göttlichen – folglich unergründund Wien ernannten ihn zu ihrem Mitgliede; außer lichen – Ursprungs sei. Mit geistigen Sprüngen von
seinem Landesherrn ehrten ihn die Könige von Baiern der Kunst der ägyptischen Pyramiden zu Kaulbachs
und Belgien mit hohen Orden.«47
»Hunnenschlacht«, mit Spaga­ten zwischen ideal-pädagogischen Aufgaben der Kunst und schlichtem Realis­An den Studenten, etwa dem als »Wunderkind« be­han­- mus gibt Rustige seinen irritierten Lesern schlussenddel­ten Theodor Schüz, wird aber schnell deutlich, lich eines deutlich mit: »Die schönen Künste haben es
dass eben nur Rustige eine prägende Wirkung entfal- nicht nur mit der Darstellung der sie umgebenden sinntete. Die Gründe für diese Ausstrahlung liegen nicht lichen Außenwelt zu tun, sondern auch das innere Lein den malerischen Leistungen, sie werden vielmehr ben der Menschheit, ihre Schicksale, Charaktere, Taten und Leiden geben ihnen den Stoff.«
in seiner 1876 publizierten Abhandlung »Das Poetische in der bildenden Kunst« deutlich – auch wenn die­se Gründe aufgrund innerer Unebenheiten heute einer Dieser Charakter-Realismus war neu, doch Rustige
feinen Analyse bedürfen. Denn Rustige agierte eben- grenzt sich wiederum von den viel radikaleren Ansichfalls diplomatisch, suchte mit Goethe wohl die Konkor­- ten eines Mannes ab, der die Stuttgarter Kunstszene
47
August Wintterlin: Neher, Bernhard von, in: Allgemeine Deutsche
Biographie, hrsg. von der Historischen Kommission bei der Bayer,
Akademie der Wissenschaften, Bd. 23, 1886, S. 381–387.
65
250 Jahre
ku nsta k a dem i e stut t ga rt
wie kein Zweiter mit seinen Vorlesungen beeindruckte:
Friedrich Theodor Vischer. Dieser rhetorisch un­gemein
begabte Ästhetikprofessor nahm 1866 eine Stelle am
Stuttgarter Polytechnikum an. 1842 hatte er über den
»Zustand der jetzigen Malerei« geschrieben, eine Publikation, die Rustige in der Ausrichtung auf volks­tümliche, das württembergische Wesen widerspie­gelnde
Themen bestärkt haben mag. Vischer hatte darauf verwiesen, dass die Kunst seiner Zeit eine »allgemeine unendliche Unsicherheit in der Wahl der Gegenstände«
zeige. Die Vergangenheit mache deutlich, wie sehr das
große Kunstleben immer mit dem Schöpfen von Stoffen
aus der Quelle des Volksgeistes verbunden gewesen sei.
Die Gegenwart sah er dagegen düster: »Nun, was malen
denn wir? Wir malen alles und noch einiges Andere.
Wir malen Götter und Madonnen, Heroen und Bauern,
so wie wir griechisch, byzantinisch, maurisch, gotisch,
florentinisch, à la Renaissance, Rokoko bauen und nur
in keinem Stil, der unser wäre.« Als einziger tragfähiger Boden in Erwartung besserer Zeiten bleibe den
Künstlern die Landschaft, die Tierwelt. Götter dürften
dargestellt werden, aber es sollten heimatliche, volksnahe »unsere« Götter sein. Da­zu tadelt er Kaulbach,
der mit seiner »Zerstörung Jerusalems« zeige, dass
»unsere Künstler noch keinen festen Boden unter den
Füßen haben«.48
Gegenüber der suggestiven Schreib- und Wortgewalt
Vischers versucht sich Rustige durch weitere Aspekte
zu behaupten: Die psychologische Durchdringung der
Lebe­wesen und ein Sujet, das geeignet war, das Gemüt
des Betrachters zu erregen: diese Aufgaben gehörten
mit zu der Suche nach »unseren« Themen. Rustige hat
dies als Imperativ seinen Studenten mitgegeben. Seine poetische Malerei, genauer gesagt, deren Themen-
breite, findet sich nahezu bei allen Schulabgängern
wieder, selbst wenn sie im Anschluss nach München
wechseln. So weist Rustiges »Das trauernde Mädchen«
(1835) auf Carl Bauerles in Paris 1867 gezeigtes und
von der Staatsgalerie (d.h. Rustige) sogleich erworbenes Werk »Die Waisen« (Erstfassung 1860); seine
»Zwei Schweizer Mädchen, die in eine offene Kapelle
geflüchtet, vor dem Holzbild der Mutter Gottes beten« (1836) klingen wie eine Ouvertüre zu jenem monumentalen Genrebild Jacob Grünenwalds »Hagelschlag bei der Ernte« (1859–65, A b b . 4 ), das ebenso
wie Carl Eberts »Waldinneres mit badenden Knaben«
(1867) auf der Weltausstellung 1867 in Paris eine erfolgreiche Stuttgarter Malerschule hätte zeigen können, hätte die Sparsamkeit der württem­ber­g­i­­schen
Regierung nicht dazu geführt, dass sich diese jungen
Künstler aus Platznot in den Kunstpavillon Bay­erns
begeben mussten. Bereits das Schlüsselwort »Schick­sale« in Rustiges Text macht deutlich, warum sie sich
in München vor allem der Pilotyschule anschlos­sen,
und diese mit schwäbischem Akzent bereicherten. Es
bleibt unverständlich, warum 1952 Werner Fleischhauer urteilte, »was noch geschaffen wurde, hatte keinen eigentlichen schwäbischen Charakter mehr«.49
Ganz im Gegenteil bildet das von Theodor Schüz 1867
im »württembergischen engen Gemach« auf der Weltausstellung gezeigte Bild »Mittagsgebet bei der Ernte«
geradezu eine Inkunabel der württembergischen Ma­lerei. Auch das Kindergenre behielt einen ganz spezifischen württembergischen Unterton, der seinen Nährboden in der Auseinandersetzung von Schule und Religion fand, ein Kulturkampf, der damals in Württemberg
hohe Wellen schlug.50 Gerade dank dieser spezifizierten
»nationalen« Thematik erhöhten sich, wie eingangs dargestellt, die Chancen der Künstler auf den Weltaus49
Werner Fleischhauer: Schwäbische Kunst
im 19. und 20. Jahrhunder t, Stuttgar t 1952, S. 117.
48
Friedrich Theodor Vischer: Kritische Gänge,
50
Bd. 5, 2. Auf lage, München 1922, S. 35 f.; zur Person:
Wolf Eiermann: Pädagogisch wer tvoll –
F. Th. Vischer 1807-1887, Marbacher Magazin, Sonderheft
Kinderdarstellungen in der schwäbischen Malerei des
44/1987, bearb. von H. Schlaffer und D. Mende.
19. Jahrhunder ts, in: Weltkunst 73, 2003, S. 711f.
66
eiermann
d i e k u n s t s c h u l e i m 19. j a h r h u n d e r t
stellun­gen. Die Volkschilderung darf – zumindest in
ihrer würt­tembergischen Ausprägung – nicht als inhaltsleer oder populistisch missverstanden werden.
Mehrbödig war zum Beispiel Carl Eberts Ausstellungsexponat mit der Darstellung badender Kinder, das auf
ein Publikum zielte, welches die motivische Assoziation zu »Diana und die Nymphen« goutierte, sich aber
auch an der Darstellung einer Gruppe von offensichtlichen Schulschwänzern ergötzen konnte. Ob Mark
Twain die­ses Bild in Paris tatsächlich gesehen hat,
ist noch nicht geklärt. Das schwäbische Kindergenre
fand schnell internationale Anerkennung. Unklar ist
noch, inwiefern die Stuttgarter Malerinnen und Maler
dabei von den Aufenthalten des gefeierten Ludwig
Knaus und denen des englischen Hofmalers Carl Bauer­le wie auch von der Sommerkolonie jener internationaler Künstler profitie­ren konnten, die sich ab 1850 im
kleinen Ort Betzingen nahe Reutlingen jeden Sommer
zu Kinder- und Trachtenstudien einfanden.51
Die Stuttgarter Ausrichtung auf das monumentalisierte Genre folgte einer auf den Weltausstellungen zutage
tre­tenden, von den meisten Akademien aber mit großer
Skepsis und Distanzierung verfolgten Entwicklung.52
Friedrich Pecht sinnierte 1885 im Rückblick in einem
Aufsatz zur »Volksschilderung«: »Unsere viel zu doktri­näre Kunstgeschichtsschreibung hat wie gewöhnlich
gar kein Verständnis gehabt für diese ungeheure
Kunst­bewegung«.53 In Frankreich zuerst als dekadent
verschrien, ließ die Genremalerei nach heute vorherr-
(Abb. 4)
Ja k ob Gr ü n en w a l d , H a gel s c h l a g b ei d er
E r n t e, 1 8 6 5 , S t a a t s ga l er i e S t u t t ga r t
schen­der Meinung ab 1855 die Historienmalerei in
ihrer Bedeutung für die Kunst hinter sich.54 Doch um
welche Art von Genremalerei handelte es sich? 1867
erhielt Gustave Brion überraschend die Ehrenmedaille
der Weltausstellungs-Jury für eine »Bibelstunde«. In
Stuttgart aber war Brions Bedeutung für das monumentale Genre schon zuvor erkannt worden. Mit dem
großformatigen »Brautzug im Elsaß« (A b b . 5 ) ließ Rustige 1864 ein Werk ankaufen, das seine eigene Kunsttheorie bestens veranschaulichte. Mit dieser Neuausrichtung der Kunstschule verbunden waren auch
die während Rustiges Amtszeit berufenen Professoren:
Der Historienmaler Karl von Häber­lin aus Esslingen,
zuerst Schüler bei Rustige, dann bei Piloty, kannte
keine Grenzlinie zum Genre, wie ein Hauptwerk schon
im Titel verdeutlicht: »Eine Räu­berbande wird in ein
schwäbisches Städtchen verbracht« (A bb. 6) . Wägt man
51
Wür ttembergs Künstlerkolonie: Genremaler
im Trachtendorf Betzingen, Ausstellungskatalog:
Heimatmuseum Reutlingen, 24.11.2007 bis 24.2.2008,
hrsg. vom Heimatmuseum Reutlingen mit Texten
von Mar tina Schröder u.a., Reutlingen 2007.
52
Ute Ricke-Immel: Die Düsseldorfer Genremalerei,
in: Die Düsseldorfer Malerschule, Ausstellungskatalog:
Kunstmuseum Düsseldorf, 13. Mai bis 8. Juli 1979,
hrsg. von Wend von Kalnein, Mainz 1979, S. 149f.
53
54
Friedrich Pecht: Die Volksschilderung,
Maag 1986 (wie Anm. 18), S. 174 f.; Mainardi
in: Kunst für Alle 1, 1885, S. 233–238.
(wie Anm. 3), Einleitung und S. 89.
67
250 Jahre
ku nsta k a dem i e stut t ga rt
bei diesem Bild den Einfluss von Rustige und den von
Brions »Brautzug« mit demjenigen von Piloty ab,
wird die Aussage relativiert, mit der Berufung Häberlins im Jahr 1868 habe die Piloty-Schule in Stuttgart
ihren Einzug gehalten.55 Ebenfalls unter den Oberbegriff »Volksschilderung« kann das Œuvre des Kinderund Genremalers Gustav Igler eingereiht werden. Er
wurde 1888 Rustiges Nachfolger, mit der »Klosterschule« (A b b .7 ) zeigt er seine künstlerischen Fähigkeiten, aber auch seine klare Gegenposition zur Malweise eines Max Liebermann. Igler vertrat, wie auch die
Anekdoten um das Mädchenmodell beweisen, die Auf­fas­sung Rustiges von der Darstellbarkeit des »inneren
Lebens« seiner Figuren.
Di e T i e r-, H i s t o r i e n - u n d
L a n d s c h a f t s m a l e r e i i n d e r zw e i t e n
H ä l f t e de s 19. J a h r h u n d e r t s
Vischer hatte 1842 mit Scharfblick analysiert, dass
man den Gefahren des Historismus u.a. durch eine
Ausrichtung auf die Tiermalerei entgehen könne. In
Württemberg wurde diese Fachmalerei durch den
Pferdeliebhaber und Landwirtschaftsförderer König
Wilhelm I. be­günstigt, er rief dazu Künstler ersten
Ranges an seinen Hof bzw. in seinen Marstall. Doch
Rustige sah trotz der geforderten Naturtreue die Tier­malerei keineswegs nur als realistisch an, der Tiercharakter sei »analog dem Menschen« wiederzugeben.56
Dies mag manche Ambivalenz im Werk des Kunstschülers Anton Braith erklären. Viel wichtiger aber war die
Stuttgarter Offenheit, die Tierdarstellung ebenso wie
die Genremalerei inhaltlich und formal in den Rang der
55
Julius Fekete: Carl von Häberlin (1832–1911) und die
Stuttgar ter Historienmalerei seiner Zeit, Ausstellungskatalog:
Galerie der Stadt Esslingen, Villa Merkel; Rosgar tenmuseum
Konstanz, Sigmaringen 1986, S. 15.
56
Wolf Eiermann: Die Tiermalerei als akademisches
Lehrfach – Studienbedingungen an der Stuttgar ter
Kunstschule, in: Anton Braith: Tiermaler in München,
hrsg. von Uwe Degreif, [Biberach] 2005, S. 18f.
68
(Abb. 5)
Gu s t a v e B r i on , H oc h z ei t s z u g i m E l s a ß,
1 8 6 0 , S t a a t s ga l er i e S t u t t ga r t
Historienmalerei zu erheben. Nur durch diese Kühnheit
konnten Braith und Heinrich Zügel zu den bedeutendsten deutschen Tiermalern ihrer Zeit werden. Tiere spielen als Wesen eigenen Charakters auch im Œuvre des
einstigen Rustigeschülers Jakob Grünen­wald, der
1877 zum Professor für Zeichenkunst an die Kunstschule berufen wurde, eine wesentliche Rol­le. Dies
trat bereits in seinem auf der Weltausstellung von
1867 präsentierten Frühwerk »Hagelschlag bei der
Ernte« (A b b . 8) deutlich hervor. Neben den Tiermalern
wäre noch eine Reihe von Kunstschulabsolventen zu
nennen, die wie die Brüder Specht aus Lauffen eine
erfolgreiche Karriere als Tierillustratoren antraten.
Die akademische Königsdisziplin, die Historienmalerei, stellt ein weißes Feld auf der Landkarte der Kunstschulgeschichte dar. Neher wurde 1876 von Karl Häberlin (seit 1868 Hilfslehrer) abgelöst, dieser legte
aber 1883 vorzeitig sein Lehramt aufgrund fehlender Unterstützung und fehlender öffentlicher Aufträge
eiermann
d i e k u n s t s c h u l e i m 19. j a h r h u n d e r t
( A bb. 6 )
Carl von H äbe rlin, E ine Räuberbande
w ird in e in s chw äbisc hes Städtc hen verbrac ht,
1870 ode r 1878, Privatbesitz Stuttgart
( Ab b . 7 )
Gu s t a v I gl er, D i e Kl os t er s c h u l e,
1 8 9 3 / 9 4 , St a a t s ga l er i e S t u t t ga r t
nieder. Die Rolle von Leitsternen haftete auch in Stutt- und sein Schü­ler Julius Kornbeck steht trotz des Weigart an den Historienmalern, doch aufgrund ihrer sti- terstudiums in Mün­chen noch immer im Bannkreis
listischen Diversität und ihres uneinheitlichen Ni- Rustiges, wenn er 1881 für die große Württembergiveaus fällt es schwer, bei Alexander Liezen-Mayer sche Landesausstellung u.a. »Die Tiermalerin auf dem
(Prof. 1879–83), Klaudius Schraudolph (Prof. 1883– Lande« einreicht.58 Funkes Nachfolger Karl Ludwig
94) und Robert von Haug (Prof. 1894–1922) von füh- (Prof. 1877–80) wirkte ganz im Stillen, sein Œuvre ist
renden Künstlerpersönlichkeiten in jenem Sinne zu nahezu unbekannt. Größe­re Impulse gingen von den
sprechen, den die moderne Malerei als Maßstab an- Studienaufenthalten aus, die Gustav Schönleber und
legt. Inwiefern es aber an den Historienmalern und seine Karlsruher Schüler nach Besigheim führten und
der Kunstschule lag, dass um 1890 selbst wohlwollen- die auch zahlreiche Stuttgarter Landschaftsmaler
de Kollegen nicht wussten, was sie vom Stuttgarter anlockten. Einen Lichtblick stellte im doppelten Sinne
Kunstleben Positives schreiben sollten, bleibt unklar.57 die Berufung von Albert Kappis (Prof. 1880–1905)
dar.59 Er lenkte allmählich den Blick auf den ImpressioDie Landschaftsmalerei war in den 1850er Jahren un- nismus, wozu er die Ölskizze instrumentierte. Anfangs
ter Gottlob Steinkopf darin innovativ, dass sie sich noch schwankend zwischen der üblichen Idealkompovom zeichnerischen Idealentwurf löste, um sich den sition des Galeriebildes und der Un­mittelbarkeit des
in München verpönten Naturstudien und den Neuerun- Naturentwurfs setzt er die Neuerun­gen aus Frankreich
gen der Ölskizze zu öffnen. Doch die Tätigkeit des nach- um, wie an seinem Lichteinfall in der Darstellung der
folgenden Professors für Landschaftsmalerei Hein- Stuttgarter Schlossanlagen 1886 zu sehen ist (A b b . 8) .
rich Funke (Prof. 1854–76) konnte nicht überzeugen, In seinen Frühwerken steht er der Rustige-Lehre nahe,
58
Vgl. Das Werk des schwäbischen Malers Julius
Kornbeck, Katalog zur Ausstellung anlässlich
seines 150. Gebur tstages, hrsg. von den Städten
Winnenden und Nür tingen 1989.
57
Die Stuttgar ter Kunst der Gegenwar t,
59
hrsg. Julius Baum, Stuttgar t 1913, S. 5; Wilhelm
Andreas Bühler und Gabriele Zimmermann:
Lübke: Geschichte der deutschen Kunst,
Alber t Kappis: Wegbereiter des Impressionismus
Stuttgar t 1890, S. 938 – auch die Konzeption
in Schwaben, Katalog Kunsthaus Bühler und
Rustiges galt als veraltet.
Kunststiftung Hohenkarpfen, Stuttgar t 1999.
69
250 Jahre
ku nsta k a dem i e stut t ga rt
später reicht er bei Ausstellungen ohne Scheu reine
Ölskizzen ein. Friedrich von Keller (Prof. 1883–1913)
stand mehr dem erdigen Impressionis­mus deutscher
Prägung Pate, allerdings eher in seinen kleinformatigen Bildern, die mit kraftvoll ockertonigem Farbauftrag die nächste Generation der Landenberger, Pleuer
und Reiniger beeinflussten. Diese trafen nun auf eine
zur Kunstakademie erhobenen Kunstschule, die nach
der im Jahr 1880 erfolgten räumlichen Trennung vom
Museum (Staatsgalerie Stuttgart) an die Urbanstraße
gezogen war.
(Abb. 8)
A l b er t K a p p i s , D i e Pl a t a n en a l l ee
Als mit der Abwanderung des frustrierten Ludwig
i m S t u t t ga r t er S c h l oßga r t en ,
Herterich nach nur zwei Jahren Tätigkeit als Zeichen1 8 8 6 , Pr i v a t b es i t z
lehrer (1896–98) die Situation an der Kunstschule
kurz vor der Jahrhundertwende immer prekärer wur- Ausstellerverbandes.60 Mit der Errichtung eines neuen
de, wurden bei Leopold Graf von Kalckreuth in Karls- Kunstgebäudes am Schlossplatz und der Verlegung
ruhe die Chancen einer Berufung nach Stuttgart son- der Akademie an den Weißenhof wurden die Aussteldiert. Zu den Vorbedingungen nannte Kalckreuth die lungsmöglichkeiten nachhaltig verbessert und das
Schaffung eines neuen Ausstellungsforums für die allzu enge Korsett der Kunstschule wur­de endlich –
Akademie. 1898 gründete er dann zusammen mit einem Schmetterlingskokon gleich – abgestreift.
Studenten den Stuttgarter Künstlerbund; dessen Bald verloren auch die Weltausstellungen ihre BedeuHauptzweck war aber nicht jene 1935 aus politischen tung für eine Kunst, die nicht mehr länger unter dem
Gründen genannte »Geselligkeit«, sondern der eines
Glasdach des Nationalen erblühen wollte.
60
Anna J. Deylitz: Der Künstlerbund Stuttgar t
von 1898 bis heute, S. 2, freundlicher Hinweis
auf die Internetseite des Stuttgar ter Künstlerbundes, Ar tikel Historie, vom 17.02.2006.
70
75
Büttner – Im Zeichen des Neubeginns
Nils Büttner
Im Zeichen des Neubeginns:
D i e K u n s t a k a d e m i e z w i s c h e n 189 8 u n d 19 33
D
ie politischen und ökonomischen Umwälzungen des 19. Jahr­ hunderts waren auch für das württembergische Kunstleben
nicht ohne Folgen geblieben.1 In einer gleichsam dramatischen
Ent­wicklung hatte sich zwischen 1866 und 1871 der Übergang von
der lockeren Staatenkonföderation des Deutschen Bundes zum
deutschen Nationalstaat unter preußischer Führung vollzogen.
1866 waren die Württemberger noch an der Seite Österreichs gegen
Preußen in den Krieg gezogen, nur wenige Jahre später waren sie
als Preußens Bundesgenosse in Frankreich eingefallen. Kronprinz
Wilhelm von Württemberg wurde in das Hauptquartier des preußischen Kronprinzen, in das Große Hauptquartier, abgeordnet. Er
wur­de Augenzeuge der Schlacht von Sedan und der Gefangennah­me Napoleons III. Die Kaiserproklamation in Versailles erlebte er
nach eigenem Bekunden als erhebendes nationales Ereignis, auch
wenn das Land, das er später regieren sollte, dadurch den Groß­
teil seiner Souveränitätsrechte verlor. Denn mit der Reichsgründung wurde Württemberg fest in das Deutsche Reich eingebunden, allen bewahrten Separatrechten zum Trotz. Mit seinem Regierungsantritt 1891 wurde deshalb die Kulturpolitik zur Haupt­domäne des württembergischen Königs Wilhelm II. Dabei galt
1: Vgl. dazu den Ausstellungskatalog: Das Königreich Württemberg 1806–1918: Monarchie
und Moderne, große Landesausstellung Baden-Württemberg, 22. September 2006 bis
4. Februar 2007, hrsg. von Cornelia Ewigleben, Landesmuseum Württemberg, Stuttgart
2006, zur Regierungszeit Wilhelms II. bes. den Beitrag von Paul Sauer, ebd. S. 184–186; Robert
Uhland: 900 Jahre Haus Württemberg, Stuttgart 1985, S. 351.
76
250 Jahre Kunstakademie Stuttgart
sein Interesse gleichermaßen der Architektur, dem Theater, dem
Schul- und Bildungswesen sowie der bildenden Kunst. Sein Mäzena­tentum kam vor allem der Landeshauptstadt Stuttgart zu Gute, wo
er auch nach seinem Regierungsantritt im Wilhelmspalais residierte. Dorthin lud er in einer nie dagewesenen Form der sozia­len
Begegnung höhere Beamte, Vertreter von Kunst, Wissenschaft so­
wie unterschiedlichster Berufsstände zu sogenannten Herrenabenden ein, um sich in diesen Gesprächen fortzubilden.2 Besonders folgenreich wurde das Gespräch mit dem vom württembergi­schen Kunstleben enttäuschten Professor Ludwig Herterich, dem
der König vor dessen Abreise nach München eine Abschiedsaudienz gewährte. Herterich empfahl nämlich die Berufung von Leo­pold von Kalckreuth als seinen Nachfolger, der sich als Exponent
der Karlsruher Sezession deutschlandweit einen Namen gemacht
hatte.3 Das Professorenkollegium hatte die Maler Christian Georg
Speyer, Alois Erdtelt und Gebhard Fugel in die engere Wahl gezogen,
zeigte sich aber auch mit dem vom König unterbreiteten Vorschlag
einverstanden. Am 21. Dezember 1898 gab der Professorenkonvent
zu Protokoll, Kalckreuths »Qualifikation für die erledigte Stelle«
stehe »dem Lehrerkonvent außer Zweifel«.4 Doch Kalckreuth stellte
Forderungen und erklärte es zur notwendigen Voraussetzung seines Wechsels nach Stuttgart, dass außer ihm auch Carlos Grethe
und Robert Pötzelberger zu berufen wären und ein Neubau von
Ateliers und Malsälen für die neunzehn Schüler unerlässlich sei, die
2: Handbuch der baden-württembergischen Geschichte, hrsg. von
Hansmartin Schwarzmaier und Gerhard Taddey, Stuttgart 1992, Bd. 3, S. 389.
3: Werner Fleischhauer: Die schwäbische Kunst im
19. und 20. Jahrhundert, Stuttgart 1952, S. 187–191.
4: Johannes Kalckreuth: Wesen und Werk meines Vaters: Lebensbild
des Malers Graf Leopold von Kalckreuth, Hamburg 1967, S. 257.
77
Büttner – Im Zeichen des Neubeginns
er mitzubringen gedenke.5 Zumal mit dieser Perspektive waren die
der Kunstanstalt zugewiesenen Räume in der Urbanstraße endgül­tig zu eng geworden, weshalb man tatsächlich beschloss, gegenüber ein zweites Gebäude zu errichten (Abb. 1).6 Doch Otto von Sar­-
(Abb. 1) Die Kunstschule in der Urbanstraße 37/39, Foto: Stuttgart, Stadtarchiv
wey, der nur wenige Jahre zuvor geadelte Staatsminister, der zwi­
schen 1885 und 1900 das Departement Kirchen- und Schulwesen
des Königreichs leitete, stand der Berufung mehr als kritisch gegen­über.7 Das hatte vor allem mit Kalckreuths Ruf und den Gegenstän­den seiner Malerei zu tun. Deren zentrales Charakteristikum lag
nämlich für ihre Bewunderer »in der einfachen, schlichten Ehrlich­-
5: Kalckreuth (wie Anm. 4), S. 257.
6: Vgl. Theophil Frey: Zur Geschichte der Württembergischen Landes­kunstschulen in Stuttgart: Ein Beitrag zum Kapitel württembergischer
Kunstnöte, in: Kunstpflege in Württemberg: Sorgen und Wünsche,
hrsg. von der Felix Schlayer-Stiftung, Stuttgart 1928, S. 40–55, hier: S. 46.
7: Max Diez: Neuzeitliche Kunst-Bestrebungen in Württemberg, in: Deutsche Kunst und Decoration 20, 1907, S. 119.
78
250 Jahre Kunstakademie Stuttgart
keit seiner Kunst, in der Unerschrockenheit, mit der er den herben
Seiten der Wirklichkeit zu Leibe ging.«8 »Den Braven Leuten«, so
schrieb 1907 Cornelius Gurlitt, war genau dieser Realismus Kalck­reuths allerdings »ein Schrecken. Das brachte sie mächtig in Harnisch. Die Armeleutemalerei erging sich überall auf großen Leinwandflächen; die Darstellung von allerlei Elend und Verbrechen,
ohne den einst für unerläßlich geltenden versöhnenden Ausgang
empörte selbst die Politiker, also Leute, die berufsmäßig nichts von
Kunst verstehen.«9 Das Ministerium weigerte sich, die Mittel für die
Berufung von gleich drei als modern verschrienen Professoren frei­zugeben, woraufhin der König sich bereit fand, die Besoldung der
von seinem Ministerium nicht gewünschten Karlsruher aus seinem
privaten Budget zu bestreiten. Ein nie dagewesener und später nie
wiederholter Vorgang. So wechselten im Jahr 1899 zusammen mit
Graf Leopold von Kalckreuth auch Carlos Grethe und Robert Pöt­zelberger von Karlsruhe nach Stuttgart. Pötzelberger war 1892 als
Lehrer der Naturklasse an die Akademie nach Karlsruhe berufen
worden, wo er zusammen mit Kalckreuth und dem Maler und Gra­phiker Carlos Grethe zu den Mitbegründern der Karlsruher Sezes­
sion zählte.10 Pötzelberger wurde die durch Herterichs Weggang
frei­gewordene Stelle des Professors »für Zeichnen nach der Natur
und Antike« zugewiesen, Grethe bekam eine zu der Zeichenschule
8: Die Stuttgarter Kunst der Gegenwart, in Gemeinschaft mit
Max Diez u.a. bearbeitet von Julius Baum, Stuttgart 1913, S. 133.
9: Cornelius Gurlitt: Die deutsche Kunst des neunzehnten Jahrhunderts: Ihre Ziele und Thaten, 3. Auflage, Berlin 1907, S. 677.
10: Vgl. Peter Halm: Das graphische Werk von Carlos Grethe (Schriften der Staatlichen Kunsthalle Karlsruhe, 2), Karlsruhe 1938, S. 6; Eckhard Schaar: Was die Bilder
erzählen: Graphik aus sechs Jahrhunderten, Ausstellungskatalog Hamburger Kunsthalle, 26. April – 16. Juni 1991, S. 234f.; vgl. auch ebd. S. 148, Nr. 63; Thomas Maier/Bernd
Müllerschön: Die Schwäbische Malerei um 1900, Stuttgart 2000, S. 107–116.
79
Büttner – Im Zeichen des Neubeginns
gehörige Hilfslehrerstelle, und Kalckreuth, für den keine etatmäßige
Stelle vorhanden war, erhielt einen Lehrauftrag für eine Komponier­schule.11 Bei Dienstantritt der drei Karlsruher zählte die Stuttgarter
Kunstschule »92 Schüler (gegen 72 im vorjährigen Wintersemester).
Darunter sind: 68 ordentliche, 4 außerordentliche und 20 Schüler­innen, 52 Württemberger und 40 Nichtwürttemberger. Von letzteren gehören zu: Preußen 15, Baden 4, Königreich Sachsen 3, Sach­sen Weimar und Hamburg je 3, Österreich-Ungarn 1, der Schweiz 6,
England 1, Nordamerika 2. Nach der Berufsart sind unter den Zög­lingen des laufenden Semesters (mit Einschluss der vorbereitenden Klassen) 80 Maler, 5 Bildhauer, 5 Zeichner, 1 Architekt und 1
Litho­graph.«12 Betreut wurden diese Studenten von insgesamt
acht hauptamtlichen künstlerischen Professoren und dem an der
Universität bestallten Kunsthistoriker Carl von Lemcke.13 Die prägendste Künstlerpersönlichkeit war bis dato fraglos der Schlachten­maler Robert Haug, der 1894 nach Stuttgart berufen worden war,
wo er noch bis zu seinem Tode 1922 lehrte. Schon bald nach seiner
Berufung war er zum einflussreichsten Mitglied des Lehrkörpers
geworden, vor allem weil er sehr aktiv auf die Berufungspolitik
Einfluss nahm. So war er beispielsweise dafür verantwortlich ge­
we­sen, dass Ludwig Herterich auf die durch den Abgang von Jakob Grünenwald frei gewordene Stelle eines Zeichenlehrers be-
11: Baum u.a. (wie Anm. 8), S. 8. Zur Stellenbeschreibung Herterichs
vgl. Hof- und Staats-Handbuch des Königreichs Württemberg, hrsg.
vom Königlichen Statistischen Landesamt, Stuttgart 1898, S. 165.
12: Hauptstaatsarchiv Stuttgart, Bestand E 14, Bü. 1496.
13: Neben den drei Neuberufenen waren das: »Direktor, dermalen Professor
Keller (…) v. Donndorf, Kappis, Igler, Haug.« Hinzu kam als »Fachlehrer« der
Professor »für Kupferstechen und Radieren« Kräutle und die »Hilfslehrer«
Borkhard, »Professor für Ornamenten- und Architekturzeichnen« und Dr. med.
Fetzer, »Professor für Anatomie«. Als »Verwaltungsbeamter und Kassier:
Schmitt, Hofrath, zugleich Bibliothekar der Kunstschule und geschäftsführender
Beamter bei den Kunstsammlungen (…) 1 Hausmeister, 1 Aufwärter«. Hof- und
Staats-Handbuch des Königreichs Württemberg, hrsg. vom Königlichen Statistischen Landesamt, Stuttgart 1899, S. 166. Vgl. auch Frey (wie Anm. 6), S. 46.
80
250 Jahre Kunstakademie Stuttgart
rufen worden war.14 Als »gewalttätig, aber wohltätig« soll ihn ein
Schüler charakterisiert haben, und sein späterer Professorenkollege, der Kunsthistoriker Max Diez, schrieb 1913, Haug sei »kein
bequemer Lehrer. Er verlangt, was er selbst leistet, unermüdliche
Arbeit und volle Konzentration. Manchem ist er am Anfang zu
streng gewesen und zu eifrig mit Korrigieren.«15 Haugs ältester
und angesehenster Kollege war fraglos der 1835 in Weimar gebore­ne Bildhauer Adolf von Donndorf, der seit 1876 an der Akademie
lehrte. Bis zu seinem Wechsel an die Technische Universität im Jah­re 1910 prägte er mit seinem zeichnerischen Ideal die Stuttgarter
Kunst. Er pflegte einen bis ins kleinste gehenden Realismus, wobei
er in der graphischen Struktur wie in der Komposition der monu­
mentalen klassizistischen Tradition verbunden blieb.16 Für Stuttgart bedeutend war auch Friedrich Keller, einer der Bahnbrecher
der Freiluftmalerei, der von 1883 bis 1913 in Stuttgart lehrte.17 Zusam­men mit Albert Kappis stand er für die Stuttgarter Tradition der
Landschaftsmalerei.18 Ihr für die Einflüsse des Impressionismus
nicht gänzlich unempfänglicher Naturalismus fügte sich gut zur
malerischen Position Gustav Iglers, der 1888 berufen worden war.19
Ein nicht geringer Teil der das Kunstleben Stuttgarts prägenden
Maler hatte an der heimischen Kunstschule studiert und war ge14: Baum u.a. (wie Anm. 8), S. 8. Zu Grünenwald vgl.
den Beitrag von Wolf Eiermann in diesem Band.
15: Baum u.a. (wie Anm. 8), S. 56f.
16: Er wechselte 1910 an die TU auf Habichs Stelle, der an seiner
statt an die Akademie ging. Vgl. Baum u.a. (wie Anm. 8), S. 200.
17: Baum u.a. (wie Anm. 8), S. 40f.
18: Albert Kappis lehrte von 1880 bis 1905 in Stuttgart. »Die Schönheit und
der Reichtum des Kolorits seiner unmittelbar vor der Natur gemalten Landschaftsstudien sind kaum übertrefflich.« Baum u.a. (wie Anm. 8), S. 178.
19: »Er hatte seinen Stoff in der Kinderwelt gefunden, stellte sie aber nicht
in der Malweise seines Lehrers Waldmüller und nur am Anfang in der
unserer früheren Koloristen (wie etwa Kurzbauers), später aber mit den
Mitteln der Freilichtmalerei dar.« Baum u.a. (wie Anm. 8), S. 131.
81
Büttner – Im Zeichen des Neubeginns
neigt, die dem eigenen Tun beigemessene Bedeutung über die
Kunstschule und deren aus langbewährten Traditionen erwachsene Würde aufzuwerten. Sie produzierten für ein stadtbürgerliches Publikum, dessen dem Neuen nicht gänzlich verschlossene
Vertreter zum Beispiel die seinerzeit beliebten Zeitschriften und
Bücher lasen, in denen die neuen Ideale einer zeitgemäßen Innen­architektur verbreitet wurden. Dort findet sich dann zum Beispiel
der gute Rat, bei der Einrichtung von Wohnräumen die Gesamtwir­kung im Auge zu behalten und darauf zu achten, dass das Ölgemälde zum Ton der Tapete passt.20 Dass es die neuen Tendenzen
in der Malerei unter diesen Bedingungen in Deutschland nicht
leicht hatten, steht wohl außer Frage, auch wenn die vom letzten
Großherzog von Sachsen-Weimar überlieferte Anekdote, er habe
den Kunstwert eines Gemäldes schlicht danach bemessen, wie
durchscheinend der aus den Nüstern des Hirsches aufsteigende
Dampf gemalt war, sich nicht verallgemeinern lässt. Belegt ist, dass
sowohl die ortsansässigen Kunstmaler als auch das Publikum den
neuberufenen Professoren anfangs mehr als skeptisch gegenüber­standen. Es sollte für die drei Karlsruher keine leichte Aufgabe wer­den, das Stuttgarter Kunstleben neu zu beleben und der Akademie
einen angemessenen Platz in der deutschen Kunstlandschaft zu
verschaffen.21
20: Paul Klopfer: Die deutsche Bürgerwohnung:
Winke und Wege, Freiburg i.B./Leipzig 1907, S. 64– 67.
21: Im gesamtdeutschen Vergleich, der im Auftrag des Ministeriums für das
Wintersemester 1900/01 angestellt wurde, war die Hochschule eher klein. Berlin hatte
weit über 200 Studierende, Dresden 147, Düsseldorf 119, Karlsruhe 106, München
407 und Stuttgart 87. Den 20.000 Reichsmark, die man den Hochschulen in Düsseldorf und
München zur Verfügung stellte, standen in Stuttgart nur 5.143 Reichsmark gegenüber,
im Vergleich zu den 2.800, die man im badischen Karlsruhe aufzuwenden bereit war,
eine enorme Summe. Hauptstaatsarchiv Stuttgart, Bestand E 14, Bü. 1659.
82
250 Jahre Kunstakademie Stuttgart
O
bwohl Carlos Grethe erst 1905 als Nachfolger von Kappis zum
ordentlichen Professor ernannt wurde, war er es vor allem,
der sich mit wahrem Feuereifer daran begab, Stuttgart zu einer
Kunst­stadt zu machen.22 Vor allem seinem Engagement und seiner
Initiative waren die Ereignisse zu verdanken, die überall in Deutsch­land als für die Kunstwelt bedeutend wahrgenommen wurden.
Zum einen war es die vielbeachtete Gründung der Lehr- und Versuchswerkstätten, zum anderen die Gründung des »Ausstellerver­
bandes Künstlerbund Stuttgart« und des »Vereins Württembergischer Kunstfreunde«.23 Anfangs hatten Grethe und Kalckreuth der
Regierung vorgeschlagen, die Münchner Vereinigten Werkstätten
zum Umzug nach Stuttgart einzuladen, doch dieser Plan scheiter­te
schon am Widerstand der ortsansässigen Kunstgewerbefabrikanten,
die durch die Ansiedlung einer als kunstgewerbliche Werkstatt etab­lierten Ausbildungsstätte Konkurrenz fürchteten. Auch scheiterte
die Angliederung einer Ausbildungsstätte für Kunsthandwerker
an die Akademie vorläufig an finanziellen Schwierigkeiten. Doch
grundsätzlich fand sie doch das Interesse des neuen Kultministers
Karl Hugo Freiherr von Weizsäcker.24 Im Jahr 1901 engagierte sich
Kalckreuth auch für die Berufung des Architekten und Stadtplaners
Theodor Fischer an die Technische Hochschule in Stuttgart.25 Im
gleichen Jahr wurde als Nachfolger von Gustav Igler der Maler
Christian Speyer berufen, ein Studienfreund Robert Haugs. Seine
22: Das dokumentiert auch sein am 16. April 1909 abgefasster Bericht
an das Ministerium. Hauptstaatsarchiv Stuttgart, Bestand E 14, Bü. 1659.
23: Diez (wie Anm. 7), S. 120f.
24: Martin Wein: Die Weizsäckers. Geschichte einer deutschen Familie,
Stuttgart 1988, S. 143–203; Frank Raberg: Ein Staatsmann zwischen Königreich
und Republik. Einer der fähigsten Politiker seiner Zeit: Carl Hugo von
Weizsäcker (1853–1926), in: Schlösser Baden-Württemberg 3, 2003, S. 34–36.
25: Hauptstaatsarchiv Stuttgart, Bestand E 14, Bü. 1659.
83
Büttner – Im Zeichen des Neubeginns
Spezialität und Leidenschaft galt der Darstellung von Pferden,
und es dürfte tatsächlich nur wenige Bilder von Speyer geben,
auf denen keines dargestellt ist.26 Spätestens als sich die Berufung
dieses in seiner Zeit hoch angesehenen und geschätzten Malers
abzeichnete, dürften die lange gehegten Pläne, die Kunstschule
mit dem Titel einer »Akademie der Bildenden Künste« zu adeln,
von Neuem erwacht sein. Schon 1867 hatte das Kultusministerium
den Lehrern der Kunstschule angeboten, ihre Anstalt fürderhin als
»Akademie der Bildenden Künste« bezeichnen zu wollen, doch das
hatte das damalige Professorenkollegium abgelehnt, da der Anstalt
die notwendige »Qualifikation ihres Wohnsitzes« fehle. Es habe sich
»Stuttgart und unser Württemberg noch nicht als das geeignete
Feld für Erzeugung desjenigen Kunstlebens bewährt, welches die
Akademie erst zur wahren Akademie, zu einem Hochsitz der Kunst
macht«.27 Die Stadt Stuttgart zählte damals etwa 70.000 Einwohner,
deren Zahl sich bis zum Regierungsantritt Wilhelms mehr als verdoppelt hatte. Nachdem im Jahre 1901 Gaisburg eingemeindet wor­den war, 1905 Cannstatt, Untertürkheim und Wangen und schließ­lich 1908 Degerloch, zählt Groß-Stuttgart 300.000 Einwohner. Mit
der stetig steigenden Einwohnerzahl ging auch ein zunehmender
Wohlstand des gehobenen Kunstpublikums einher, der neben den
gezielten Bemühungen Einzelner dem künstlerischen Aufschwung
den Boden bereitete. Einen gewichtigen Beitrag zur Belebung des
künstlerischen Lebens leisteten aber auch diverse Vereine.
26: Baum u.a. (wie Anm. 8), S. 68.
27: Frey (wie Anm. 6), S. 45.
84
250 Jahre Kunstakademie Stuttgart
E
inen ersten »Verein zur Förderung der Kunst« hatte der 1880 an
die Stuttgarter Kunstschule berufene Alexander Sándor von
Liezen-Mayer gegründet, bevor er nur drei Jahre später wieder
nach München zurückkehrte. Dieser Verein sollte bei Malern, die
bereit waren, für eine gewisse Zeit nach Stuttgart zu ziehen, Bilder
bestellen.28 Doch waren diese Bemühungen schon bald wieder ein­geschlafen. Nach ihrer Ankunft in Stuttgart verwandten Grethe
und Kalckreuth deshalb viel Zeit und Eifer, mehr noch ein ungeheures Maß an Diplomatie darauf, die Stuttgarter Künstlerschaft
zum gemeinsamen Handeln anzuleiten. Sichtbares Ergebnis dieser
Bemühungen war 1903 ein neugegründeter Aussteller-Verband,
der »Stuttgarter Künstlerbund«, dessen Ziel es war, gemeinsame
Aus­stellungen von Stuttgarter Akademielehrern und ihren Schülern in Verbindung mit den freischaffenden Künstlern der Stadt zu
organisieren.29 Auch wenn der Verein von der in Stuttgart besonders
geschätzten Pleinair-Malerei dominiert wurde, war es nicht sein Ziel,
eine bestimmte Stiltendenz zu vertreten, sondern vielmehr dem Ausstellungspublikum die Summe der aktuellen Stilrichtungen vorzu­führen und den Mitgliedern durch korporative Ausstellungen mit
eigener Jury eine auch überregionale Wahrnehmung zu garantie­
ren. Vordem hatten die Stuttgarter Künstler sich einzeln um Ausstel­lungsbeteiligungen bemüht, vor allem in München. Nun hatte der
Stuttgarter Künstlerbund das institutionelle Recht, an den großen
deut­schen Kunstausstellungen mitzuwirken. Doch der Plan, die
Stutt­garter Künstler auf allen großen Ausstellungen geschlossen
28: Baum u.a. (wie Anm. 8), S. 67.
29: Baum u.a. (wie Anm. 8), S. 9.
85
Büttner – Im Zeichen des Neubeginns
auf­treten zu lassen, ließ sich kaum realisieren. »Man suchte die
eigenbrötlerischen Schwaben, die geborenen Outsiders, wie Her­mann Pleuer und Otto Reiniger mit vieler Mühe in diesen neuen
Bund hereinzuziehen, auch die Regierung griff einmal mit vielem
Geschick und Takt ein; aber ohne dauernden Erfolg«, lautete 1913
das resignierende Fazit des Kunsthistorikers Max Diez. Nur zwei
Jahre nach der Gründung des Ausstellerverbandes, der ursprünglich auch gesellige Zwecke verfolgen sollte, entwickelte sich unter
Beteiligung des solchen Vergnügungen nicht abgeneigten Königs
der auch dem weiteren kunstsinnigen Publikum offen stehende
»Verein Württembergischer Kunstfreunde«. Dieser 1905 gegründete
Verein knüpfte zugleich an die Bemühungen Liezen-Mayers an, in­dem begabten Künstlern ein Jahresgehalt gewährt oder gezielt
Kunstwerke angekauft wurden. Darüber hinaus ließ der Verein von
Bernhard Pankok ein Ateliergebäude entwerfen, in dem man den
geförderten Künstlern »acht schöne Ateliers zu billigen Preisen zur
Verfügung« stellte.30
N
och im gleichen Jahr wurde das Kollegium der Akademie er­ gänzt und erweitert, indem der Münchener Maler Christian
Landenberger auf die neu geschaffene Stelle eines technischen
Mal­lehrers berufen wurde.31 Mit ihm gewann man in Stuttgart einen
Mann, der zwar fortschrittlich, aber keineswegs avantgardistisch
war. Vielmehr griff er die lokale Tradition der Freilichtmalerei auf
30: Erich Willrich: Aus dem Württembergischen Kunstleben, in: Die Kunst.
Monatshefte für freie und angewandte Kunst 13, 1910, S. 381–392, hier: S. 382f.
31: Baum u.a. (wie Anm. 8), S. 11.
86
250 Jahre Kunstakademie Stuttgart
und überführte sie in eine impressionistisch angehauchte, lichte
In­ter­pretation.32 Die Stuttgarter Kunst war im Aufwind begriffen.
Viel­leicht weil sich alles so gut anzulassen schien, nahm man die
Tatsache mit Erschütterung zur Kenntnis, dass Leopold von Kalck­reuth im gleichen Jahr 1905 um seine Entlassung nachgesucht hatte.
Staatsminister von Weizsäcker und der König hatten vergeblich versucht, den Künstler umzustimmen. Selbst die hohe Ehre der Verleihung des Kammerherrn-Schlüssels konnte am Entschluss Kalckreuths nichts ändern. Um den Gerüchten entgegenzutreten, dass
Misshelligkeiten im Lehrerkollegium der Akademie der äußere An­lass für seinen Weggang aus Stuttgart seien, ließ er in der Stuttgarter
Zeitung verlauten, dass er sein Amt nur deshalb aufgebe, »weil es mir
als Lehrer unmöglich ist, meiner Kunst in der ausgiebigen Weise
nachzugehen, die sie verlangt«.33 Am 29. November 1905 wurde
Kalckreuth unter Beibehaltung des Professorentitels und unter
Belassung als Mitglied des Lehrer-Konvents entlassen. Bereits am
5. Juni 1905 hatte Kalckreuth sich in einem Gespräch mit von Weizsäcker über mögliche Nachfolger geäußert und mit Ferdinand
Hodler und Ludwig von Hofmann zwei Namen in Vorschlag gebracht, die der Minister umgehend an den König weiterleitete. »Mit
jedem dieser beiden Künstler würde die Akademie«, so von Weizsäcker in seinem Bericht an den König, »eine hervorragende künstlerische Kraft gewinnen, und so würde der empfindliche Verlust,
den die Akademie durch das Ausscheiden des Grafen Kalckreuth
erleiden wird, einigermaßen ausgeglichen werden. Ich glaube je-
32: Maier/Müllerschön (wie Anm. 10), S. 121–126, bes. S. 124.
33: Kalckreuth (wie Anm. 4), S. 309. Die nämliche Formulierung begegnet
auch in einem von Staatsminister von Weizsäcker abgefassten Bericht an
König Wilhelm II. Hauptstaatsarchiv Stuttgart, Bestand E 14, Bü. 1659.
87
Büttner – Im Zeichen des Neubeginns
doch, daß speziell als Lehrer Hofmann dem von Extravaganzen immerhin nicht ganz freien Maler Hodler vorzuziehen sein dürfte.«34
Doch man fragte dann doch zunächst Hodler, da sich seitens der
Uni­versität auch der Architekt Theodor Fischer für ihn einsetzte,
da er ihm durch die Verbindung von Baukunst und monumentaler
Figurenmalerei am geeignetsten schien. Doch Hodler sagte ab, ge­nau wie nach ihm Ludwig von Hofmann und der anschließend
ebenfalls angefragte Hugo Habermann. So fiel die Wahl schließlich
auf Adolf Hölzel.35
A
nders als Kalckreuth, der bei seiner Berufung dort längst kein
Un­bekannter mehr war, hatte man in Stuttgart keine sehr klaren Vorstellungen davon, was von Adolf Hölzel zu erwarten sei. Die
Professorenkollegen erwarteten einen »Dachauer Graumaler« und
die Studierenden nichts Gutes.36 Die Situation an der Akademie war
von Spannungen geprägt, denn allzu groß waren die damals ange­stoßenen Neuerungen. So wurden 1906 an der Stuttgarter Königli­chen Akademie der Künste erstmals Frauen zugelassen, derer sich
Hölzel besonders annahm.37 Zu den ersten Schülerinnen gehörte
Maria Hiller-Foell, die genau wie alle anderen Studentinnen von
den männlichen Studenten separiert und in einer speziellen »Damenklasse« unterrichtet wurde. Das Studium dort sollte statt der
üblichen acht nur fünf Jahre dauern, doch entgegen der Statuten
wurde Hiller-Foell gegen Ende des Jahres 1907 von Adolf Hölzel in
34: Zitiert nach Kalckreuth (wie Anm. 4), S. 308.
35: Zu Hölzel vgl. Kaleidoskop – Hoelzel in der Avantgarde, Ausstellungskatalog:
Kunstmuseum Stuttgart, 11. Juli – 1. November 2009; Kunstforum Ostdeutsche
Galerie, Regensburg, 29. November 2009 – 28. Februar 2010, mit weiterer Literatur.
36: Vgl. den Beitrag von Alexander Klee in diesem Band.
37: Vgl. Adolf Hölzels Schülerinnen: Künstlerinnen setzen eigene Maßstäbe,
Ausstellungskatalog: Museum der Stadt Waiblingen, 8. September – 6. Oktober 1991.
88
250 Jahre Kunstakademie Stuttgart
seine Meisterklasse aufgenommen.38 Für das Jahr 1909 schrieb
sich beispielsweise die später bekannt gewordene Malerin Käte
Schaller-Härlin bei Hölzel ein, der seit 1910 sogar eine weiterführen­de Damenklasse aufbaute.39 Schon deshalb stand für die Zeitgenossen außer Frage, dass mit Hölzel »eine neue Note in die Stuttgarter
Kunst einzog, das Problem des Wandbildes, die Verbindung der Ma­lerei mit der Architektur, die Farbenexperimente und die Theorie
der Komposition«.40 Tatsächlich hatte sich Hölzel schon vor seiner
Berufung nach Stuttgart um eine theoretische Fundierung seines
Unterrichts bemüht, an dessen Anfang ein detailliert durchgearbeiteter Grundkurs stand. Hier entfaltete Hölzel, was etwa ein Dutzend
erhaltene Mitschriften seiner Schüler dokumentieren, seine Lehre
von den Wirkmechanismen und Gesetzmäßigkeiten der künstlerischen Mittel, von Linie, Form und Farbe.41 Einer theoretischen Fundierung der künstlerischen Ausbildung arbeitete auch der Kunsthistoriker Max Diez zu, der 1904 als Professor für »Kunst- und Kultur­geschichte« an die Kunstakademie berufen worden war und der
zwischen 1907 und 1915 auch die Gemäldegalerie leitete.42 Er hatte
sich auf seiner Stelle als Lehrer an der Friedrich-Eugens-Realschule
an der Technischen Universität habilitiert und die Nachfolge des
Kunsthistorikers Carl von Lemcke angetreten, der an der Techni-
38: Sigrid Gensichen/Edith Neumann: in Kat. Waiblingen (wie Anm. 37), S. 37.
39: Vgl. Edith Neumann: Künstlerinnen in Württemberg. Zur Geschichte
des Malerinnen-Vereins und des Bundes Bildender Künstlerinnen
Württembergs, Bd. 2, Stuttgart 1999, S. 14, 129. Für diesen Hinweis danke
ich Carla Heussler, die aus Anlass des Akademie-Jubiläums eine Ausstellung zu Käte Schaller-Härlin im Museum Theodor-Heuss-Haus kuratiert.
40: Baum u.a. (wie Anm. 8), S. 11.
41: Ulrich Röthke: Hölzel als Lehrer, URL:
http://www.adolf-hoelzel.de/theorie-lehre/hoelzel-als-lehrer/
(11.11.2010).
42: Baum u.a. (wie Anm. 8), S. 273: »Den Unterricht in Kunstgeschichte erteilte am
Anfang Dr. Karl Franck-Oberaspach, später Dr. Julius Baum, schließlich Dr. Max Diez.«
89
Büttner – Im Zeichen des Neubeginns
schen Universität als Professor für Kunstgeschichte der »Abteilung
für allgemein bildende Fächer« vorstand und gleichzeitig dem
Lehrerkollegium der Kunstschule angehörte.43 Kunstgeschichte
wurde dort auch durch Karl Franck-Oberaspach und später durch
Julius Baum gelehrt, die, genau wie Max Diez, auch an der Kunstgewerbeschule unterrichteten. Sie alle hatten an der Stuttgarter Universität studiert. Es kann deshalb kaum verwundern, dass in den
Augen der Zeitgenossen am Beginn des 20. Jahrhunderts »auch die
Technische Hochschule eine Quelle [wurde], aus der sich Ströme
künstlerischen Lebens befruchtend ins Land ergossen«.44 Max Diez,
von dem diese Einschätzung stammt, schrieb die Neuerung vor
allem dem 1910 an die Akademie berufenen Bildhauer Ludwig
Habich zu, der seit 1906 an der Technischen Universität im Fachbereich Architektur im Bereich Plastik gelehrt und dann mit Donndorf die Stelle getauscht hatte. An der TU war seit 1907 auch der
Maler Karl Schmoll von Eisenwerth tätig, der in den Architekturstudiengängen »Ornamenten- und Figurenzeichnen, Aquarellieren
und dekoratives Entwerfen« unterrichtete.45 Was Diez und andere Zeitgenossen als »die Heranziehung eines modern und fortschrittlich gesinnten Nachwuchses« feierten, als »die Zurückdrängung
des Historischen und Epigonenhaften und die Befreiung der künst-
43: Vgl. Hof- und Staats-Handbuch des Königreichs Württemberg, hrsg.
vom Königlichen Statistischen Landesamt, Stuttgart 1899, S. 137.
44: Baum u.a. (wie Anm. 8), S. 11.
45: Baum u.a. (wie Anm. 8), S. 157f.
90
250 Jahre Kunstakademie Stuttgart
lerischen Individualitäten«, stellt sich in der historischen Rückschau
als wenig avantgardistisch dar. In der Stuttgarter Malerei zeichnete
sich zwar tatsächlich ein Wandel ab, nachdem mit Otto Reiniger,
der 1909 gestorben war, und Hermann Pleuer, der 1911 starb, zwei
bedeutende Exponenten des »schwäbischen Impressionismus« ab­getreten waren, zumal 1910 auch Friedrich von Keller seine aktiven Bemühungen um die Freilichtmalerei eingestellt hatte. Doch
blieb Schmoll von Eisenwerth für die damals neuen Kunstströmungen wie den Expressionismus genauso unempfänglich wie
später für die Neue Sachlichkeit. Vielmehr blieb er einer monumentalen Ausprägung des Jugendstils verpflichtet, genau wie der
Architekt Theodor Fischer bis zu seinem Tode 1938 am heimatver­
bundenen, traditionellen Bauen der Jahrhundertwende festhielt.
Auch an der Königlichen Akademie dominierten mit Haug, von
Keller, Igler, Pötzelberger, Grethe, Landenberger, Speyer und Habich nicht unbedingt dem Neuen zugewandte Künstler.46 Doch
darf die historische Rückschau nicht darüber hinwegtäuschen,
dass man sich seinerzeit in Stuttgart im vollen Selbstbewusstsein
auf der Höhe seiner Zeit sah, als 1912 mit Zustimmung des damali­
gen Lehrkörpers beschlossen wurde, einen Neubau für die Akade­mie auf dem Weißenhofgelände neben der Kunstgewerbeschule
anzustreben.47 Die hier angestrebte Verbindung von freier und
angewandter Kunst war, genau wie 1913 die Berufung Heinrich Alt­herrs als Nachfolger Friedrich von Kellers und im folgenden Jahr
die von Robert Breyer als Nachfolger Grethes, allgemein als Bekenntnis zur Moderne wahrgenommen worden.48 Die Einwei­-
46: Hof- und Staats-Handbuch des Königreichs Württemberg, hrsg.
vom Königlichen Statistischen Landesamt, Stuttgart 1899, S. 209.
47: Frey (wie Anm. 6), S. 46.
48: Baum u.a. (wie Anm. 8), S. 11.
91
Büttner – Im Zeichen des Neubeginns
hung des von Theodor Fischer entworfenen Kunstgebäudes am
Schloss­platz, das als Ort für Wechselausstellungen vorgesehen war,
wurde 1913 von den Zeitgenossen als Höhepunkt der Hinwendung
zur Kunst und als Monument der künstlerischen Erneuerung wahr­genommen. In der aus Anlass der feierlichen Einweihung am 8. Mai
1913 publizierten monumentalen Festschrift ließ der Kunsthistori­
ker Julius Baum verlauten, dass die lange gehegte Geringschätzung
Stuttgarts als »Vorstadt Münchens« nun endlich außer Kurs gesetzt
werden könne.49
I
m Jahr 1914 war die Stuttgarter Akademie der Bildenden Künste
eine Institution, die aus dem deutschen Kunstleben nicht mehr
wegzudenken war. Unter dem Direktorat Pötzelbergers lehrten
dort mit Altherr, Habich, Hölzel, Landenberger, Speyer und von
Haug insgesamt sieben künstlerische Professoren, die von noch
ein­mal acht Lehrkräften unterstützt wurden.50 Max Diez unterrichtete Kunst- und Kulturgeschichte, Julius Baum »Stillehre«, der
hauptamtlich an der Kunstgewerbeschule tätige Hermann Schuster »Farbenlehre und Maltechnik«, während Alexander Eckener
»Kupferstechen« und Heinrich Rath »künstlerischen Holzschnitt«
lehrten. Hinzu kamen Regierungsbaumeister Heinz Wetzel mit
einem Lehrauftrag zu »Perspektive und Schattenlehre« und der
Mediziner Dr. Fetzer, der in die Anatomie einführte. Außerdem
war ein gewisser Hans Lesker als »Korrektor des Abendaktes« tätig,
daneben ein Verwaltungsbeamter, ein Hausmeister und zwei Auf-
49: Vgl. Otto Borst: Die Stuttgarter Ausgabe der zwanziger Jahre, in: Stuttgarter
Sezession. Ausstellungen 1923–1932, 1947. Ausstellungskatalog: Böblingen,
Städtische Galerie und Galerie Schlichtenmaier, Grafenau 1987, S. 11–18, 11, 15.
50: Zur personellen Ausstattung vgl. Hof- und Staats-Handbuch des Königreichs
Württemberg, hrsg. vom Königlichen Statistischen Landesamt, Stuttgart 1914, S. 219f.
92
250 Jahre Kunstakademie Stuttgart
wärter.51 Doch mit der Stimmung unter Professoren und Studierenden stand es nicht zum Besten. Seinen Grund hatte das nicht
zuletzt darin, dass die auf der großen Kunstausstellung des Jahres
1913 mit einer eigenen Abteilung, einem »Probesaal«, bedachte
»Hölzelschule« Robert von Haug ein Dorn im Auge war. Vor allem
Hölzels Bemühungen, seinen Schülern zu immer neuen Aufträgen
zu verhelfen, erregte das Missfallen des Kollegiums.52 So zum Beispiel, dass Willi Baumeister, Oskar Schlemmer und Hermann Sten­ner den Auftrag bekamen, für die Vorhalle des Hauptgebäudes der
Kölner Werkbundausstellung einen Wandfries zu schaffen, der
deutschlandweit Beachtung fand.53 In den sich zunehmend ver­
schär­fenden Konflikt fiel am 1. August 1914 der Ausbruch des Ersten
Weltkrieges, der »einem regelrechten Künstlerkrieg an der Staatli­
chen Akademie« zuvorkam.54
H
atte es im Sommer vor dem Kriegsausbruch noch 127 Studie­ rende gegeben, war diese Zahl zum 18. Dezember des Jahres
auf nurmehr 41 gesunken.55 Vermutlich hatten sich die meisten der
nicht mehr an die Hochschule zurückgekehrten 86 Studenten frei­-
51: Ebd.
52: Wilhelm Kohlhaas: Chronik der Stadt
Stuttgart 1913–1918, Stuttgart 1967, S. 27.
53: Klee, Freund, S. 24
54: Kohlhaas (wie Anm. 52), S. 27.
55: Staatsarchiv Stuttgart, Bestand E 14, Bü. 1660.
93
Büttner – Im Zeichen des Neubeginns
willig zum Kriegsdienst gemeldet. Oskar Schlemmer zum Beispiel
meldete sich gleich am 7. August 1914 zusammen mit Hermann
Stenner als Kriegsfreiwilliger in Stuttgart und trat in das GrenadierRegiment Nr. 119 »Königin Olga« ein.56 Willi Baumeister leistete
seinen Wehrdienst bei einer Fliegerabteilung.57 Von ganz wenigen
Ausnahmen abgesehen, wie dem Schweizer Johannes Itten oder
dem »nicht kriegsverwendungsfähigen« Hölzel-Schüler Ernst
Gräser, griffen die männlichen Angehörigen der Avantgarde zu den
Waffen. Sie zogen ins Feld, wie man das damals euphemistisch um­schrieb. Binnen weniger Wochen war das etwa 30.000 Mann zählen­de württembergische Heer der Vorkriegszeit auf mehr als eine hal­be Million Soldaten angewachsen, die ausgerüstet, ausgebildet,
versorgt und untergebracht werden mussten.58 In Stuttgart wurden deshalb mit dem Tag der Mobilmachung alle nur irgend verfügbaren öffentlichen Räume militärisch genutzt. Die täglich stei­
gende Zahl mehr oder weniger schwer verwundeter Soldaten
führte dazu, dass zum Beispiel der Neubau der Kunstgewerbeschule, der gleichzeitig mit der davor liegenden Endhaltestelle der
Straßenbahnlinie 10 am 15. November 1913 eingeweiht worden war,
als Reservelazarett beschlagnahmt und seiner eigentlichen Nut­
56: Alexander Klee: Adolf Hölzel: Lehrer, Mentor und Freund, in:
Südwestdeutsche Kunst zwischen Tradition und Moderne 1914 bis 1945,
Ausstellungskatalog: Staatliche Kunstsammlungen Dresden, Albertinum 19. Juni – 29. August 1993 u.a. Stuttgart 1993, S. 21–32, hier: S. 25;
zu Stenner vgl. Christiane Reipschläger: Hermann Stenner. Maler der
südwestdeutschen Avantgarde vor dem Ersten Weltkrieg, Berlin 2006. Zum
Olga-Regiment vgl. Matthias Ohm: Tafeln zu Ehren der Königin:
Das Silber des Grenadier-Regiments Königin Olga, Ausstellungskatalog: Landesmuseum Württemberg, Stuttgart 2009.
57: Götz Adriani: Willi Baumeister, Tübingen 1971, S. 13.
58: Kohlhaas (wie Anm. 52), S. 114.
94
250 Jahre Kunstakademie Stuttgart
z­ung für die nächsten fünf Jahre entzogen wurde (Abb. 2).59 Der Dich­ter Hermann Hesse, der am Sonntag, den 4. Oktober 1914 den
Weißenhof besuchte, zeichnet in seinem Tagebuch ein lebhaftes
Bild von den Zuständen dort. »Fahrt hinauf zur Kunstgewerbeschule, die nun Lazarett ist. Lange umständliche Tramfahrt. Oben
kam gerade eine Reihe von Lazarettwagen und Automobilen mit
Verwundeten an und es gab mir einen tiefen Schauder, als ich die
ersten Schwerverletzten auf Bahren abladen und wegtragen sah,
teils müde lächelnd, teils apathisch mit geschlossenen Augen und
schmerzlich geöffnetem Mund. Jedem hing an der Schulter ein
Ausweiszettel, eine Art Paketadresse. Das riesige Haus ist fast ganz
Spital, nur die paar dagebliebenen Professoren haben noch Ateliers
unten. Im früheren Raum für Keramik ist jetzt die Küche, wir sahen
in einem riesenhaften Holztrog Salat für über 200 Mann anmachen.
Vorne kamen wieder Automobile an, es wurden etwa sechzig Neue
eingeliefert. (…) Alle Verwundeten sind ergeben und klagen kaum,
doch sehen gar nicht alle aus, als freuten sie sich auf eine Rückkehr
ins Feld, wie die Zeitungen immer sagen.«60 Die Begeisterung verblasste schnell und etliche verloren ihr Leben. Hermann Stenner
zum Beispiel starb nur wenige Wochen später, am 5. Dezember
1914 in Polen.61
59: Kohlhaas (wie Anm. 52), S. 28.
60: Hermann Hesse: Sämtliche Werke, hrsg. von Volker Michels,
Bd. 11, Autobiographische Schriften I: Wanderung, Kurgast, Die
Nürnberger Reise, Tagebücher, Frankfurt a.M. 2003, S. 421f.
61: Hermann Stenner und der Hölzel-Kreis: Malerei und Graphik
aus der Sammlung Bunte, Ausstellungskatalog: Kunstmuseum Hohenkarpfen, 13. April – 17. August 2003; Reipschläger (wie Anm. 56).
95
Büttner – Im Zeichen des Neubeginns
(Abb. 2) Das Personal des Reservelazaretts in der Kunstgewerbeschule,
ca. 1917, Foto: Stuttgart, Staatliche Akademie der Bildenden Künste, Archiv
A
uch in den Kriegsjahren ging der Lehrbetrieb an der Stuttgarter
Kunstakademie weiter, wenn auch mit einigen Einschränkungen. Mit dem Jahr 1915 erhielt Arnold Waldschmidt einen Lehr­auftrag, der nach dem Ausscheiden Adolf Hölzels zum vollamtlichen Professor und Leiter einer Akt- und Komponier-Klasse beför­dert wurde.62 Hölzel hatte sich nach Ausbruch des Krieges intensiv
darum bemüht, einen gemeinsamen Vorkurs an der Kunstgewerbe­-
62: Vgl. Wolfgang Kermer: Daten und Bilder zur Akademie-Geschichte,
in: Die Staatliche Akademie der Bildenden Künste Stuttgart:
Eine Selbstdarstellung, Stuttgart 1988, S. 16 –31.
96
250 Jahre Kunstakademie Stuttgart
schule und der Akademien einzuführen. Sowohl auf Seiten des
Mi­nis­teriums als auch bei den Kollegen der Akademie stießen seine
Vorschläge allerdings auf strikte Ablehnung. Das mag nicht unwe­
sentlich dazu beigetragen haben, dass Hölzel, von den ständigen
Kämpfen und Anfeindungen zermürbt, 1918 seinen Rücktritt einreichte. »Staat und Stadt, die haben mich beide umgebracht«,
schrieb er später, »sonst wär es ganz gut [ein] paar Jahre länger
gegangen.«63 Noch zwei Jahre zuvor hatte die in Freiburg gezeigte
Ausstellung »Hölzel und sein Kreis« große Beachtung gefunden,
die sich positiv von dem abhob, was Gustav Pazaurek bei einem
Vor­trag anlässlich des Kaisergeburtstags am 27. Januar 1917 als
»Schützengrabenkunst« bezeichnete.64 Denn tatsächlich war das
Württembergische Kunstleben jener Jahre stark vom Krieg geprägt. Im Mai 1915 fand beispielsweise in Stuttgart eine »Kriegsaus­
stellung« auf dem Gelände der seit August 1914 geschlossenen In­ternationalen Gesundheitsausstellung statt, wo Kriegsbilder heimi­scher Maler gezeigt wurden.65 Im Landesmuseum war zur gleichen
Zeit die Ausstellung »Krieg und Kunstgewerbe« zu sehen. Auch im
Lindenmuseum gab es Ende 1915 eine ähnliche Schau, der sich
zahlreiche weitere anschlossen, und noch im Juni 1918 fand eine
vom K.u.K. Kriegspressequartier nach Stuttgart gebrachte Ausstellung österreichischer Frontmaler regen Zulauf.66 Das Ende des
63: Ulrich Röthke: Hölzel als Lehrer, URL:
http://www.adolf-hoelzel.de/theorie-lehre/hoelzel-als-lehrer/
(11.11.2010).
64: Zu der Ausstellung vgl. Klee (wie Anm. 56), S. 30, Anm. 2.
Zu Pazaureks Vortrag vgl. Kohlhaas (wie Anm. 52), S. 142.
65: Kohlhaas (wie Anm. 52), S. 142. Anschauliches Zeugnis dieser weitgehend in
Vergessenheit geratenen visuellen Kultur ist beispielsweise eine Folge von
»Originalsteinzeichnungen«, die der Maler und Oberleutnant Hans von Heider 1916
in Stuttgart herausgab: »Das Kampfgelände des württ. Infanterie-Regiments
Kaiser Friedrich Nr. 125 bei der Offensive in Polen, Juli und August 1915.«
66: Kohlhaas (wie Anm. 52), S. 142.
97
Büttner – Im Zeichen des Neubeginns
Krieges bedeutete zugleich das Ende der Monarchie in Württemberg. Angeführt von dem Maler Theodor Lauxmann, der bereits
1914 der »Kommission zur Beratung des Ministeriums in Angelegen­heiten der bildenden Kunst« angehört hatte, formulierten die
bilden­den Künstler 1918 eine bittere Anklage gegen die frühere
Leitung der Akademie, die der freien Entfaltung der Kunst allzu
lange im Wege gestanden habe.67 Von den zahlreichen innovativen
Tendenzen, die vor allem von den aus dem Krieg heimgekehrten
jun­gen Künstlern getragen wurden, blieb die Kunstakademie weit­gehend unberührt.68 Denn an den Zielen und Aufgaben der Hochschule hatte sich auch nach der Revolution und dem politischem
Neubeginn nichts geändert. Noch immer galt die im Regierungsblatt veröffentlichte Ministerialverfügung vom 20. Juli 1896, der zu­folge die Kunstakademie dem Kultusministerium unmittelbar unter­stellt war.69 Auch an ihrer damals bestimmten Aufgabe, »Künstler in
der Malerei, der Graphik und der Bildhauerkunst auszubilden«,
hat­te sich nichts geändert.70 »Der Unterricht an der Akademie der
bildenden Künste ist teils praktischer, teils theoretischer Natur«,
heißt es noch 1928 im Württembergischen Staatshandbuch. »Der
erstere umfaßt Zeichnen im naturorganischen und konstruktivmonumentalen Sinn, im Modellieren, in Steinbildhauerei und Holz­s­chnitt, in Maltechnik, in Komposition, in Kupferstechen, Radieren,
67: Kohlhaas (wie Anm. 52), S. 28. Hof- und Staatshandbuch
des Königreichs Württemberg, hrsg. vom Königlich
Statistischen Landesamt, Stuttgart 1914, S. 219.
68: Man denke hier beispielsweise an die Gründung der ÜechtGruppe. Vgl. Baumeister, Schlemmer und die Üecht-Gruppe:
Stuttgarter Avantgarde 1919, Stuttgart 1989.
69: Staatshandbuch für Württemberg, hrsg. vom Württembergischen Statistischen Landesamt, Stuttgart 1928, Bd. 1, S. 214f.
70: Staatshandbuch für Württemberg (wie Anm. 69), Bd. 1, S. 214f.
98
250 Jahre Kunstakademie Stuttgart
Lithographieren und Holzschneiden. Theoretischer Unterricht wird
erteilt in Architekturzeichnungen, Anatomie, Stillehre, Kunst- und
Kulturgeschichte; auch ist den Studierenden Gelegenheit zum Unterricht in der Ästhetik und der Literaturgeschichte gegeben.«71 Doch
nicht nur das Rahmencurriculum, auch das Lehrpersonal war weitgehend unverändert geblieben. So lehrten 1922 unter dem Direktorat von Robert Breyer die hauptamtlichen Professoren Pötzelberger, Landenberger, Habich, Speyer, Altherr und Waldschmidt.72
Auch bei den Lehrbeauftragten und ihren Lehrgebieten sollte es bis
auf weiteres keine Veränderungen geben.73 Bei den Neuberufungen
der zwanziger Jahre wurde entsprechend sorgsam darauf geachtet, dass Künstler gefunden wur­den, die zum jeweiligen Profil der
Stelle und der Hochschule passten, die sich einer soliden Handwerklichkeit verschrieben hatte, für die der 1920 zum Leiter der Graphi­schen Abteilung ernannte Holzschneider Gottfried Graf genauso
steht wie der 1925 als Speyers Nachfolger berufene Maler Hans
Spiegel.
71: Staatshandbuch für Württemberg (wie Anm. 69), Bd. 1, S. 214f.
72: Neben den genannten waren als Lehrbeauftragte tätig:
Dr. Hartmann (Anatomie), Schuster (Farbenlehre und Maltechnik),
Eckener (Kupferstich) Gottfried Graf (Holzschnitt), Hermann
Fetzer(Perspektive), Julius Baum (Kunstgeschichte) und Hans
Retzbach (Bildhauerei für Stein- und Holztechnik). Staatshandbuch für Württemberg, hrsg. vom Württembergischen
Statistischen Landesamt, Stuttgart 1922, S. 119.
73: 1928, unter dem Direktorat von Eckener, lehrten als hauptamtliche Professoren: Habich, Breyer, Altherr, Waldschmidt, Spiegel.
Als Hilfslehrer: Gottfried Graf. Als Lehrbeauftragte: Erich Heyfelder
für Kunst- und Kulturgeschichte, Dr. Hartmann für Anatomie, Hermann
Fetzer »Bauformenlehre«, Hans Wagner »Materialienkunde«, Karl
Eisele »Bildhauer, Assistent für Stein- und Holztechnik«. Staatshandbuch für Württemberg (wie Anm. 69), Bd. 1, S. 113f.
Alexander Klee
Adolf Hölzel:
Die Stuttgarter Akademie ein
Epizentrum des künstlerischen
Wandels und Schrittmacher
der künstlerischen Entwicklung
Adolf Hölzel hat wie wohl kein zweiter Künstler
sei­ner Generation sich stetig weiterentwickelt
und die Kunst des ausgehenden 19. Jahrhunderts
ins 20. Jahrhundert überführt und vorangetrieben. Dies haben Ausstellungen seines Werkes immer wieder aufzeigen können und belegt, dass
viele seiner künstlerischen Ansätze oft erst Jahrzehnte später aus anderer künstlerischer Perspektive wieder thematisiert wurden, am deutlichsten
sichtbar an seinen radikalen Tubenbildern aus
den Jahren um 1917, die informelle Ansätze der
1950 Jahre vorweg nehmen.
In der allgemeinen Kunstgeschichte wird Höl­-
Vorbild und Lehrer umso überwältigender gewesen sein. Um seine radikalen Neuerungen an der
zel jedoch vor allem unter dem Gesichtspunkt sei- Aka­demie zu verstehen, bedarf es daher zuerst der
ner außerordentlichen Leistung als Pädagoge
Betrachtung der Verhältnisse an der Akademie, wie
geführt und damit sein bahnbrechendes künstle-
sie nach 1900 anzutreffen waren.
risches Werk in den Hintergrund gedrängt. Hier-
1885 bestand der vorbereitende Unterricht
zu hat die schlechte Publizität seines Werkes einen
noch »im Zeichnen von einfachen runden Gegen-
Gutteil beigetragen, doch muss seine Leistung als
ständen, Köpfen und einzelnen Körperteilen, spä­terhin im Zeichnen nach der anatomischen Gipsfigur, nach antiken Figuren und der Natur«.1 Nach
Vollendung dieses Unterrichts stand den Malern
immer noch eine Grundklasse mit dem Malen
nach der Natur, beziehungs­weise nach dem lebenden Modell bevor. Erst dann hatten sie sich für die
abschließenden Atelierklassen, Landschafts-,
Genre- oder Historienmalerei qualifiziert. Doch
1
103
Zit. nach Axel Burkarth: Zu den Reformen der staatlichen Künstlerausbildung in Stuttgart, in: Adolf Hölzel:
Die Kunst steckt in den Mitteln, Ausstellungskatalog:
Württembergisches Landesmuseum Stuttgart, 15. Oktober 1986 bis 18. Januar 1987, Stuttgart 1986,
S. 54 –70, hier: S. 57.
250 Jahre Kunstakademie Stuttgart
1899 sollte sich mit der Berufung Le­opold Graf
von Kalckreuths an die Stuttgarter Akademie die
Situation ändern. 1901 gewann Kalckreuth die
ursprünglichen Münchner »Vereinigten Werkstätten für Kunst und Handwerk« für eine Übersiedelung nach Stuttgart. Mit ihnen wollte er eine
Einrichtung schaffen, die dabei helfen sollte, den
Stilmix des Historismus zu überwinden. Doch
erst mit der Ernennung Bernhard Pankoks zum
Gesamtleiter der Kunstgewerbeschule und der
Lehr- und Versuchswerkstätten 1913 konnten
diese ihre Wirkungskraft entfalten.2 Kalckreuth
Doch die zwischen Pankok und Fischer auf-
setzte gleichzeitig die Berufung des fortschrittli-
tretenden Differenzen bremsten Kalckreuths Re-
chen Architekten Theodor Fischer an die Techni-
formpläne, so dass er schließlich 1905 seinen
sche Hochschule durch.
Posten in Stuttgart aufgab. Als sein Nachfolger
wurde Adolf Hölzel berufen. Als Hölzel Ende 1905
2 Burkarth 1986 (wie Anm. 1), S. 59.
nach Stuttgart wechselte, wurde er dort mit ganz
unterschiedlichen Vorstellungen erwartet. Das
Pro­fessorenkollegium, vor allem Robert von Haug,
der ihn vorgeschlagen hat, vermutet in ihm einen
»Dachauer Graumaler«, dem Hölzel, wie sich in
der Zukunft herausstellen soll, nicht entspricht.3
Umgekehrt behagte der neue Professor den Studenten wenig, die einen fortschrittlichen Professor wünschten. Dies geht aus einem Brief Hans
Brühlmanns hervor: »Kalckreuth hat wie sie wissen als Professor resignirt, an seine Stelle kommt
Hölzel der Dachauer; ausser dem Atelier, das wahrscheinlich Hölzel mir wegnimmt habe ich also
3
104
Willi Baumeister, hrsg. von Götz
Adriani, Tübingen 1971, S. 17.
Alexander Klee Adolf Hölzel
nicht viel mehr Veranlassung hier zu sein, als die
Zwangslage, daß ich nicht weg kann.«4
Während Hölzel in der folgenden Zeit die Erwartungen des Professorenkollegiums enttäuscht,
schlägt die Skepsis der jungen Maler in Begeisterung um. So urteilt Brühlmann schon nach drei
Monaten über ihn: »Mein Professor Hölzel ist mir
von großem Nutzen durch seinen Unterricht, ich
bin von ihm als Lehrer begeistert, so wenig er mir
als Künstler sagt; er ist ein feiner logischer Den-
werden sollten. Schon Hölzels Münchner Akade-
ker der mir vieles sagen kann, nach dem ich jah-
mielehrer Wilhelm von Diez hatte keine Vorbehal-
relang gesucht! ich habe 100mal mehr von ihm
te gegenüber der Kunstgewerbeschule und ließ
als v. Kalckreuth«.
5
den Wech­­sel von Kunstgewerbeschülern an die
Für die Aufgeschlossenheit Hölzels gibt es
Aka­demie zu.6 Zum anderen gehörte Hölzel zu
mehrere Voraussetzungen, die mit einbezogen
den Gründungsmitgliedern der Münchner Secession – der viele Diez-Schüler beigetreten waren –
4
5
Zit. nach Lothar Kempter: Hans
Brühlmann, Basel u.a. 1985, S. 151.
Zit. nach Kempter 1985 (wie Anm. 4), S. 152.
und vor allem zu den Gründungsmitgliedern der
Wiener Secession. Beide Secessionen hatten keine Berührungsängste mit dem Kunstgewerbe.
Das schnelle, gute Einvernehmen Theodor Fischers mit Hölzel ist daher nicht überraschend.
Von Fischer erhält Hölzel schon 1906 den Auftrag
für die Gestaltung großer Wandflächen in den
Pfullinger Hallen. Diesen Auftrag gibt Hölzel, eine
höchst ungewöhnliche Vorgehensweise, an seine
Schüler weiter, die so mit der praktischen Umsetzung des Gelernten konfrontiert werden. Hölzel
fungiert dabei als »Werkstattmeister«, eine Rolle,
6
105
Ekkehard Mai: Kunstakademien im Wandel. Zur
Reform der Künstlerausbildung im 19. Jahrhundert.
Die Beispiele Berlin und München, in: Kunstschulreform, hrsg. von Hans M. Wingler, Berlin 1977, S. 35.
250 Jahre Kunstakademie Stuttgart
die die Jugendstilkünstler, wie z.B. Josef Hoffmann,
und die Wiener Werkstätten von 1903 an praktizieren und die in die Zukunft, auf das frühe Bauhaus
und dessen »Bauhüttengedanken« verweist.
Die Vergabe solch »publicity«-trächtiger Aufträge an seine jungen Schüler ist nicht nur für
diese eine praktische Herausforderung, sondern
auch eine Stellungnahme zur Avantgardekunst,
die Hölzel an seine Schüler weitergibt. In ihrer
Hinterfragung des Gewohnten, stoßen sie an die
bundausstellung in Köln 1914 mit Wandbildern
Grenzen des breiten öffentlichen Verständnisses
von Baumeister, Schlemmer und Stenner.7
und fordern oft genug zum Widerspruch heraus,
Seine offene Haltung gegenüber den Vorstel-
wie das Beispiel der Zerstörung der Fresken Pelle­
lungen der Schüler macht seine Art der »Lehre«
grinis am Gebäude des Württembergi­schen Kunst-
deutlich. Er unterlässt die für die akademische
vereins zeigt oder der enorme Widerstand gegen
Lehrhaltung typische Korrektur an den Bildern
die Ausschmückung der Haupt­halle der Werk-
seiner Schüler, sondern fördert deren Individualität. Die jungen Künstlerpersönlichkeiten werden
in solch hohem Maße gefördert, dass jede neu zu
Hölzel hinzutretende Schülergruppe stilistisch
von der vorhergehenden zu unterscheiden ist. Bei
Hans Brühlmann steht das Figurenbild im Mittelpunkt des Interesses, während bei jüngeren wie
Hermann Stenner der Einfluss der Fauves und expressive Tendenzen zum Ausdruck kommen, hingegen Otto Meyer-Amden ein mystisches Figuren­bild pflegt.
Hölzel selbst sieht sich als ein ständig Lernender, der seinen Gesichtskreis erweitern muss und
auch damit den der Schüler erweitert.
7
106
Wolfgang Venzmer: Adolf Hölzel: Monografie
und Werkverzeichnis, Stuttgart 1982, S. 29.
Alexander Klee Adolf Hölzel
Zur Vermittlung der Grundlagen der Malerei
hält Hölzel schon in seiner Dachauer Zeit, nachweislich seit der Jahrhundertwende, Vorlesungen
mit Lichtbildern, anhand derer er seine kunsttheoretischen Ansichten vermitteln kann. Auf
diese Weise kann jeder Schüler sich das herausnehmen, was ihm nützt. In den Vorträgen gibt
Hölzel den Zuhörern die Möglichkeit, Ansichten
zu notieren und mit beispielhaften Zeichnungen
zu versehen. Hölzel kann dabei auf Erfahrungen
feln Hölzels handelt, zeigt sich, dass sein Modell
und Wissen des väterlichen Verlages zurückgrei- »Schule machte« und auch von seinen Schülern
fen. Dieser war für seine Lehrmittel, vor allem für
übernommen werden sollte. Am prominentesten
seine Wandtafeln weltberühmt. Insofern waren
von Willi Baumeister, der über seine didaktischen
Wandtafeln mit Lehrbeispielen und die pädagogi- Wandtafeln den Satz stellte »Wir malen keine Bilsche Aufbereitung derselben für Hölzel nichts
der – wir studieren«.9 Ganz im Hölzel’schen Sin-
Neues. Einige solcher Tafeln haben sich im Nach-
ne steht auch bei ihm die beständige Weiterent-
lass von Lily Hildebrandt erhalten. Auch wenn es
wicklung und Befragung der eigenen Kunst und
sich hier vermutlich nicht um die originalen Ta-
des eigenen künstlerischen Standortes im Mittel-
8
punkt seines Unterrichtes.
8
Anschauungstafeln zum Unterricht von Adolf Hölzel,
Nachlass Lily Hildebrandt, Bauhaus-Archiv, Berlin,
Inv. Nr. 5728/1–11.
Es ist aber sicher nicht die einzige Intention
Hölzels in seinen Vorträgen seine Anschauungen
und Theorien zu erläutern, vielmehr dienen sie
auch der Verbreitung seiner Kunstauffassung.10
Die Vorlesungen waren Treffpunkt für alle, die In9
10
107
Wolfgang Kermer: Der Schöpferische Winkel: Willi Baumeisters pädagogischeTätigkeit, Stuttgart 1992, S. 191.
So existieren weitgehend vollständige und übereinstimmende Mitschriften der Vorträge von Bruno May (etwa
1905), Luise Deicher (1910), Lily Hildebrandt (1910 –11),
Clara Fauser (1912) und Albert Mueller (1914).
250 Jahre Kunstakademie Stuttgart
teresse an Hölzels Lehrinhalten gefunden hatten.
So haben neben den Akademiestudenten auch
Hans Hildebrandt, Heinrich Altherr, Max Ackermann und Camille Graeser an Hölzels Vorlesungen teilgenommen. Hölzel analysiert in den Vorträgen die Struktur der Werke alter Meister, z.B.
Tizian und Botticelli. In diesen Vorträgen verdeutlicht er seinen Ansatz, dass die Grundlagen guter
Kunst nicht in der Gegenständlichkeit, sondern
in der Struktur und dem Aufbau des Kunstwerkes
greifen an, wie die zahlreichen Wandbildaufträge
liegen.
an ihn belegen.
Hölzel veröffentlicht hierzu Aufsätze in »Ver
Seine Aufgeschlossenheit gegenüber dem
Sacrum«, der Zeitschrift der Wiener Secession,
Kunsthandwerk eröffnete ihm jedoch neue Spiel-
und der Zeitschrift »Kunst für Alle«, beides Zeit-
räume, die sich in den Collagen und den Glasfen-
schriften der Stilkunstbewegung, wobei letztere
sterentwürfen seit etwa 1914 widerspiegeln. Hier
die Verschmelzung von Kunst und Kunsthand-
greifen die Einsichten Hölzels über das »Primat
werk im Auge hatte. Eine Gleichstellung von
der Mittel«, welches weit über seinen Tod hinaus
Kunst und Kunsthandwerk wäre Hölzel letztlich
zu einem Topos in der Kunst geworden ist. Hölzel
zu weit gegangen, doch strebte er ein Ineinander-
beschreibt dessen Bedeutung in seinem Aufsatz in
»Kunst für Alle« 1904: »Alle künstlerische Eigenart, ebenso wie die scheinbar so großen Unterschiede der durch den Wechsel der Zeiten und des Geschmacks bedingten Richtungen, fußen einerseits
auf einer eigenartigen Naturanschauung der Verwertung der Natur und ihrer großen Gesetze, andererseits auf der Einführung und Betonung bestimmter zweckentsprechender Ausdrucksmittel
und deren gleichfalls gesetzmäßiger Verwertung.
So sehen wir im Bilde den künstlerischen Mitteln
eine bestimmte Rolle zugewiesen. Ihr hoher Wert
wird am besten durch die von Bayersdorfer hinter-
108
Alexander Klee Adolf Hölzel
lassenen gewaltigen Worte ›von der autochthonen Kraft der künstlerischen Mittel, welche das
psychologische Gesetz ihres Wirkens in sich tragen‹, bestätigt.«11
In zweierlei Hinsicht erforscht Hölzel mit seinen Schülern die Möglichkeiten der künstlerischen Mittel. Dies ist zum einen die Materialität
der jeweiligen Technik, beispielsweise die von den
Kubisten erstmals eingesetzte Collage. Hölzel
greift zu Materialien wie Staniolpapier, Buntpa-
rekt auf dem Karton ausdrückt und mit dem Tu-
pieren oder farbigen Transparentpapieren und
benhals bearbeitet. Die freie Transformierung von
wendet sie zu einem Zeitpunkt als eine vollwerti- Kompositionen in verschiedenen Techniken und
ge künstlerische Technik an, während an der Aka-
Erscheinungsformen zeichnet den Jugendstil,
demie immer noch der Impressionismus vor-
wie auch Hölzel aus. Hölzels künstlerisches »Cre-
herrscht, obwohl mit der Berufung Heinrich Alt-
do« der »autochthonen Kraft der künstlerischen
herrs 1913 auch modernere künstlerische Ausrich-
Mittel« eröffnet ihm dabei experimentelle Freiräu-
tungen Fuß fassen. Zum anderen erkundet er ma­-
me, die ihn zu künstlerischen Ergebnissen führen,
lerische Techniken, die ihn zu intuitiven Schreib-
mit denen er weit über seine Zeit hinausweist.
vorgängen, zur Frottage oder zu den Tubenbil-
Das bei Hölzel sicherlich im Jugendstil veran-
dern führen, in denen er schließlich die Farbe di-
kerte Interesse am Ornament beruht aber auch
auf einem pädagogischen Grundanliegen: der
11
Adolf Hölzel: Über künstlerische Ausdrucksmittel
und deren Verhältnis zu Natur und Bild, in:
Kunst für Alle 19, 1904, S. 81.
Schulung des Formempfindens. Neben dem berühmten Buch »Line and Form« von Walter Crane
und Owen Jones »The Grammar of Ornament«
besaß er J. Liberty Tadds Buch »New Methods in
Education«.12 Hierin wird die intuitive Formfindung als Lehrinhalt vorgestellt. Schüler entwerfen bei beidhändigem Malen symmetrische Orna12
109
Walter Crane: Linie und Form, Leipzig 1901; Owen
Jones: Grammatik der Ornamente, London 1856;
J. Liberty Tadd: Neue Wege zur künstlerischen
Erziehung der Jugend, Leipzig 1903.
250 Jahre Kunstakademie Stuttgart
mente. Solche Praxis deckt sich mit Hölzels Morgenübungen und seinen freien Kompositionen, je-
(Abb. 1) James Liberty Tadd, Neue Wege
zur künstlerischen Erziehung der Jugend,
Leipzig 1900, S. 43
doch nicht mit der Absicht, dekorative Elemente
zu entwerfen, wie dies bei Tadd geschieht.13 Auch
solche Übungen werden später von seinen ehemaligen Schülern fortgesetzt, so von Johannes Itten,
der vergleichbare Übungen in seiner Schule in
Berlin 1930 ausführen lässt (Abb. 1, 2) .
Vor allem jedoch Hölzels neues Verständnis
einer musikalischen, einer »absoluten Kunst« exportieren seine Schüler. Er schreibt: »Doch die eigentliche Kunst der Malerei bedarf, um auf unsere
Sinne zu wirken, und zwar jene, die durch sie nicht
allein in verstandesmäßiger Wei­se erregt werden,
des Gegenständlichen nicht, oder jedenfalls nicht
wir, um sie dazu zu bringen, vom Gegenständlichen
so sehr, als man im allgemeinen glaubt. Die Musik
zunächst möglichst absehen« (Abb. 3).14
hat das Glück, daß sie sich nicht gegenständlich
Der größte Multiplikator Hölzel’schen Den-
ausdrücken kann, und kommt dadurch zu höch-
kens dürfte das Bauhaus gewesen sein. Gleich drei
ster reiner Kunstentfaltung. Die Malerei wird in
seiner ehemaligen Schüler prägen die Grundlagen
dieser letzten Hinsicht gehindert. Deshalb müssen
dieser Institution. Johannes Itten, der von 1919 bis
1922 am Bauhaus tätig ist, formt entscheidend den
13
Mai 1977 (wie Anm. 6), S. 51.
Vorkurs des Bauhauses. Als dessen Aufgaben formuliert er »die Entfaltung der Individualität und
der schöpferisch künstlerischen Begabungen, das
Gespür für die Materialien und der darin enthaltenen künstlerischen Mittel sowie die Kenntnis und
Auseinandersetzung mit den Grundgesetzen bild­nerischen Gestaltens, den Gesetzen der Form und
14
110
Adolf Hölzel: Bilder, Pastelle, Zeichnungen, Collagen,
Ausstellungskatalog: Kestner-Gesellschaft e.V.
Hannover, 24. September bis14. November 1982,
Hannover 1982, S. 36.
Alexander Klee Adolf Hölzel
der Farbe.«15 Dieser Vorkurs tritt, hierin den Ideen
Hölzels folgend, an die Stelle der an den Akademien üblichen vorbereitenden Zeichenkursen, nach
Gipsfiguren oder nach der Natur. Itten übernimmt
Adolf Hölzel, Abstraktes Lineament,
um 1930, Graphit auf Papier, 32 x 41,7 cm,
Foto: Hölzel Archiv, Alexander Klee
(Abb. 3)
Hölzels Vorgehensweise, anhand von Lichtbil­
dervorträgen die Studenten mit den Grundlagen
künstlerischen Denkens zu konfrontieren. Vorangegangene Kunst wird nicht zum abschreckenden Beispiel, sondern zur Grundlage. Jedoch im
Gegensatz zu Hölzels Strukturanalyse betreibt
Itten eine stärker von der Emotion kommende
15 Willy
Rotzler: Johanes Itten, Werke und Schriften,
Zürich 1978, S. 226.
Empfindungsanalyse.16 Wie bei Hölzel folgen den
Vorlesungen Übungen, deren Ergebnisse noch
stark an Werke aus der Hölzel-Klasse erinnern. So
werden die von Hölzel zu Erkundung der Formen
und Massenverteilung im Bilde geschätzten Collagen in gleicher Weise angewendet. Mit dem Hinzutreten Ludwig Hirschfeld-Macks 1922, als Tutor
(Abb. 2) James Liberty Tadd, Neue Wege
zur künstlerischen Erziehung der Jugend,
Leipzig 1900, S. 43
für die Farbenlehre im Grundkurs, wird Hölzels
Farbenlehre am Bauhaus beinahe dominant vertreten.
Mit Oskar Schlemmer war 1920 ein weiterer
Hölzel Schüler ans Bauhaus berufen worden.
16
111
Vgl. Rainer K. Wick: Bauhaus Kunstschule der Moderne,
Stuttgart 2000, S. 96; Katharina Hadding: Johannes
Itten und Ida Kerkovius. Eine Künstlerfreundschaft im
Zeichen der Lehre Adolf Hölzels, in: Johannes Itten
und die Moderne, hrsg. von Christa Lichtenstern und
Christoph Wagner, Stuttgart 2003, S. 74f. Hier werden
auch weitere Elemente aus Hölzels Lehre aufgelistet.
250 Jahre Kunstakademie Stuttgart
Schlem­mer bringt die besonderen Vorstellungen
und Bedeutungen von Proportionen und Verhältnissen in seinen Kursen zum Thema »Mensch«
ein. Auch hier wird der Einfluss Hölzels spürbar,
der Adalbert Goeringers Lehre vom Goldenen
Schnitt neu herausgegeben hatte17. Wie aber
schon bei Itten, der die Farb- und Formenlehre
um subjektive Empfindungsweisen erweitert hat,
ändert Schlemmer die Inhalte schließlich in eine
ganzheitliche Auffassung des Menschen, die sich
autonom, nur sich selbst zugeordnet. In Hölzels
in ihrem Idealtypus im Einklang mit sich und der
Lehrkonzept fließen neue, der jungen Künstler-
Natur befindet.
generation gemäße Inhalte ein. Gerade das Zusam­-
Nach Ittens Ausscheiden 1923 übernimmt
menspiel von Unterricht, Übung, Experiment und
sein ehemaliger Schüler, Josef Albers, den Vor-
praktischer Umsetzung, wie es Hölzel in seiner
kurs. Unter ihm verschieben sich die Intentionen
Klasse erprobte, findet am Bauhaus seine Anwen-
des Vorkurses erneut. Die Erforschung der tech-
dung. Doch erfährt Hölzels Konzept dabei Verän-
nischen und ästhetischen Möglichkeiten des
derungen.
Werkstoffes treten in den Vordergrund. War dessen
Mit Albers’ Berufung an das Black Mountain
Erforschung bei Hölzel noch den malerischen Ge-
College, North Carolina, USA, 1933 verstärkt sich
sichtspunkten zugeordnet, ist bei Albers das Ma-
nochmals die rein experimentelle Ausrichtung
terial nicht mehr der Fläche dienend, sondern
von Albers’ Unterricht. Eine Beziehung von Albers
zu Hölzel und seinem Unterricht könnte an dieser
17
Adalbert Goeringer: Der goldene Schnitt (göttliche
Proportion) und seine Beziehung zum menschlichen Körper und anderen mit Zugrundelegung des
goldenen Zirkels dargestellt, 2. Auflage besorgt
von Adolf Hoelzel,
München 1911.
Stelle schon spekulativ genannt werden. Doch belegen die Anfragen,die Albers an Hans und Lily
Hildebrandt richtet, wie auch an Tut Schlemmer,
sein Interesse an Hölzel, denn er bittet sie in diesen Briefen um die Beschaffung der Schrift Carry
van Biemas »Farben und Formen als lebendige
Kräfte«, die, zusammen mit der von Maria Lemmé
herausgegebenen Sammlung von Aphorismen
Hölzels, die einzigen Schriften sind, die sich mit
112
Alexander Klee Adolf Hölzel
dessen Lehre auseinandersetzen.18 Mit Josef Albers, Johannes Itten und Friedrich VordembergeGildewart waren zwar Anhänger von Hölzels Lehre als Gastdozenten an der Hochschule für Gestaltung in Ulm, doch lassen sich nur schwer noch
Beziehungen zu Hölzels Lehrvorstellungen nachweisen, schließlich wurde dort 1961 die Grundlehre abgeschafft.
Dagegen findet sich im Gastvortrag von Ernst
Wilhelm Nay an der Gesamtkunstschule in Ham- »Abstrakte Maler lehren« 1959 von Gustav Hasenburg ein direkter Bezug zu Hölzels Lehre. Vom
­pflug veröffentlicht. Hierin führt er Hölzels (oft
ehemaligen Bauhäusler Gustav Hasenpflug ange-
missdeutete) Aussage »das bildnerische Tun als
regt, wurde auch hier eine Anknüpfung an die Bau-
eine Folge von Rechenexempeln, die mit der Emp­-
haustradition angestrebt. Als Nay 1953 aufgefor-
findung aufgehen« als eine der Voraussetzungen
dert wird, an der Landeskunstschule in Hamburg
abstrakter Malerei an.19 Er führt weiter aus: »Die-
für zwei Monate als Gastdozent zu lehren, regt
se Bemerkung klingt zwar paradox, ist aber das,
dies Nay zur Schrift »Vom Gestaltwert der Farbe«
was ich meine, d.h. bildnerisches Denken ist
an. Nays Vortrag als Gastdozent wird in der Schrift
nicht intellektuelles Denken, ist ständiges Forschen an den Mitteln, und es entzieht sich der mess-
18
Brenda Danilowitz: Teaching design: A short history of
Josef Albers, in: Josef Albers. To open eyes – The Bauhaus,
Black Mountain College and Yale, hrsg. von Frederick A.
Horowitz und Brenda Danilowitz, London 2006, S. 19,
Anm. 64; vgl. auch Carry van Biema: Farben und Formen
als lebendige Kräfte, Jena 1930. Die Schrift erschien
erst 1997 als Reprint. Sie wurde ebenso wie die Maria
Lemmés aus allen Bibliotheken unter der Nazi-Herrschaft entfernt, da beide Verfasserinnen jüdischen Glaubens waren und Opfer der Verfolgung und des Holocaust wurden. Dies erklärt die Seltenheit beider Bücher.
baren Welt des Intellekts, der wissenschaftlichen
Welt durch die Empfindung, die aus dem Wesen
des Menschen strömt.«20
Nay hatte demzufolge Hölzels Schriften und
Lehre intensiv rezipiert; vermutlich durch Hanna
Bekker vom Rath, die, als Hölzel-Schülerin und
enge Freundin der Hölzel-Vertrauten Ida Kerkovius, sich besonders für den Künstler einsetzte. Ihre
Mitschriften dienten vermutlich Nay als Grundlage.
19 20
113
E.W. Nay: Bilder und Dokumente, München 1980,
S. 239. Nay bezieht sich hierbei auf die bei
Maria Lemmé (Gedanken und Lehren, Stuttgart
1933, S. 38ff.) veröffentlichten Aussagen.
Nay 1980 (wie Anm. 19), S. 239.
250 Jahre Kunstakademie Stuttgart
In der Avantgarde der 1950er Jahre, bei K.R.H. Sonderborg oder Emil Schumacher findet Hölzels
Lehre von den Mitteln Nachhall, wenn letzterer
1957 schreibt: »Ich gehe das Bild unmittelbar an,
dabei kommt es jedesmal zu einer Begegnung
des Materials mit mir, wobei ich ihm oft den Willen lasse, denn ich habe erfahren, daß es weiser ist
als alle Berechnungen. Handwerk, Technik und
Erregung sind eins. Die Farben reißen Formen an
sich, die Zeichen verlangen Farben – indem ich
Mitteln«, am auffälligsten in der wörtlichen Über-
mich mitreißen lasse, gewinne ich mein Bild.«
tragung des von Hölzel immer wieder angewen-
21
Auch Willi Baumeisters Schrift »Das Unbekannte
deten Begriffs »von der autochthonen Kraft der
in der Kunst«, die 1947 erschienen, zur Streit-
künstlerischen Mittel«, den Baumeister als »die
schrift für die junge Kunst nach 1945 werden
Eigenkräfte der künstlerischen Ausdrucksmittel«
sollte, greift auf Hölzel zurück. Baumeister, über-
übersetzt.22 Auch künstlerisch setzt Baumeister
nimmt viele Begriffe aus Hölzels »Lehre von den
die durch Hölzel begründete Tradition fort. Bis zu
seinem Tod experimentiert Baumeister mit neuen
21
Emil Schumacher: Farben und Einfälle, in: Blätter und
Bilder, März/April 1959, Heft 1, S. 34. Der spätere Lehrer
an der ABK Stuttgart, Sonderborg, schreibt in einer
Ausstellungskritik 1949 über Hölzel, dass er Meilensteine auf dem Weg ins Unbekannte einer jungen Kunst“
schuf. In K.R.H. Sonderborg: Arbeiten auf Papier
schwarz/weiss, Ausstellungskatalog Graphische Sammlung Staatsgalerie Stuttgart, 19. Dezember 1985 bis
9. März 1986, Stuttgart 1985, S. 197.
»künstlerischen Mitteln«. Während seiner Tätig­
keit als Künstler und Lehrer wird Stuttgart erneut
zu einem Zentrum der Avantgardekunst. Die Saat,
die Hölzel gelegt hat, ging auf. Die Kunst Hölzels
fand einen unmerklichen, aber auch höchst einflussreichen Eingang in die Kunst der Moderne.
Seine stille, zurückhaltende, wenig auf Publizität
bedachte Wirkweise hat sich nachhaltig in der
Kunst der Moderne durchgesetzt und in der Stuttgarter Akademie eine Ära moderner herausragender Maler geschaffen.
22
114
Hölzel selbst hat diesen Begriff wie schon
erwähnt von Adolph Bayersdorfer übernommen.
Schröder Die Geschichte der kunstgewerbeschule
H e i k e Sch röd e r
D i e G e sch ich t e d e r
Ku ns t g e w e rb esch ul e
vo n 1 8 6 7–1 8 9 6
Obwohl in Württemberg die Gründung aller wichtigen Institutionen für die staatliche Förderung der Kunstindustrie bereits unter König Wilhelm I. (reg. 1816–64) erfolgt
war, schuf erst König Karl (reg. 1864–92) ein Zentrum für die Ausbildung eines allgemeinen kunstgewerblichen Unterrichts: die Kunstgewerbeschule Stuttgart. Damit wurde die Kon­se­quenz aus dem Bericht des Kommissars Wilhelm Lübke gezogen, der im Auf­trag der Regierung die Weltausstellung in Paris 1867 besucht und die württembergischen
kunstindustriellen Produkte begutachtet hatte.1 Von den über 200 württembergischen
Ausstellern erhielten letztlich zwar mehr als 80% Preise, aber in ästhetischer Hinsicht
entsprachen die Produkte nicht dem gewünschten internationalen Standard.2 Die an der
bildenden Kunst geschulten Kritiker fällten vernichtende Urteile über die Kunstindustrie.3
Bereits auf der vorangegangenen Pariser Weltausstellung 1855 hatte ein französischer Beobachter die württembergischen Waren mit »Wohlfeilheit bei gewissenhafter
Arbeit« bewertet.4 Ein geringer Preis und eine gediegene Ausführung waren auf dem
welt­weiten Wirtschaftsmarkt jedoch längst nicht mehr konkurrenzfähig, zumal das
Richtmaß für den ästhetischen Anspruch, den guten Geschmack, Frankreich war. Das
1Wilhelm Lübke: Bericht über die künstlerische Abteilung der allgemeinen Ausstellung zu
Paris, Stutt­g art 1867. Zur Person siehe Otto Schmitt: Kunstgeschichte im Hochschul­u nter­
richt, in: Reden, gehal­t en bei der Übergabe des Rektoramtes am 3. Mai 1948. Technische
Hochschule Stuttgart, Stutt­g art 1948, S. 14–29, hier: S. 16f.
2Beschreibender Katalog der Erzeugnisse des Königreichs Württemberg (Allgemeine Pariser
Ausstellung von 1867), hrsg. durch die Königliche Württembergische Ausstellungs-Commis­
sion, Stuttgart 1867. Vgl. auch K. Württembergische Ausstellungskommission in Paris. Verzeichniß der an württembergische Ausstellern ertheilten Auszeichnungen, in: Gewerbeblatt Beilage zu Nr. 27, vom 3. Juni 1867, S. 245–254. – Auch König Karl besuchte die Pariser Aus­stellung. Vgl. Paul Saur: Regent mit mildem Zepter. König Karl von Württemberg, Stuttgart
1999, S. 149.
3 Besonders vernichtend die Aussagen von Jakob Falke: Die Kunstindustrie der Gegenwart.
Studien auf der Pariser Weltausstellung im Jahre 1867, o. O. 1868, S. 39–56.
4 Württemberg in der Pariser Ausstellung. Beurteilt von einem Franzosen, in: Schwäbische
Kronik, Nr. 172, 22. Juli 1855, S. 1229.
119
2 5 0 ja h r e k u n s t a k a d e m i e s t u t t ga r t
Nachbarland war mittlerweile auf vielen Gebieten marktführend: im Textilgewerbe, den
Bronzewaren, Papiertapeten, Möbeln, Blechwaren, Bodenteppichen sowie in den sogenannten Tabletteriewaren, Nippes, den auch Württemberg in hoher Zahl produzierte.5
Diese Vorrangstellung hatte Frankreich im Zuge der nachrevolutionären Erneuerung
des Landes durch verschiedene Maßnahmen erreicht. Und mit der Gründung spezieller
Schulen, strukturierter Unterrichtsformen und der Produktpräsentation auf nationalen
Gewerbeausstellungen hatte es anderen Ländern einen wirtschaftspolitisch gangbaren
Weg vorgezeichnet. Auf der ersten Weltausstellung in London 1851 offenbarte sich dann
die kunstindustrielle Leistungsfähigkeit Frankreichs auch auf internationaler Ebene.
Konsequenzen aus den Defiziten einer billigen Massenproduktion zog zuerst England,
dann Österreich. Auch in Nürnberg wurden mit der Gründung eines beispielgebenden
Kunstgewerbemuseums und einer Schule für die theoretische und praktische Ausbildung in verschiedenen Zweigen der Kunstindustrie neue Maßstäbe gesetzt.6 Aber erst
auf die harsche Kritik am deutschen Kunstgewerbe auf der Weltausstellung 1867 folgte
allgemein eine Reaktion: Eine Welle von Museumsgründungen mit vorbildhaftem
Kunstgewerbe überzog die deutschen Länder.7 Zudem wurden die Ausbildungsstätten
reformiert und den besonderen Bedürfnissen der einzelnen regionalen Industriestandorte angepasst. Auch Württemberg folgte seit Beginn des 19. Jahrhunderts der beispielhaften Gewerbepolitik Frankreichs, jedoch zeitlich verzögert, denn vorrangig war die
landwirtschaftliche Konsolidierung des durch Kriege und Missernten gebeutelten Landes.8 So entwickelte sich König Wilhelm I. zuerst zum Protektor der Landwirtschaft.9
Um den Wohlstand der Landbevölkerung anzuheben, wurden karitative Einrichtungen
ins Leben gerufen und gewerbliche Schulungen zur Stärkung der regionalen Heimindustrien durchgeführt. Die 80 im Jahr 1817 bestehenden Industrieschulen weiteten sich
flächendeckend aus und wuchsen bis 1864 auf 1450 Einrichtungen an.10 Sie wurden ab
5
Ingeborg Cleve: Geschmack, Kunst und Konsum. Kulturpolitik als Wirtschaftspolitik in Frankreich und Württemberg (1805–1845), Göttingen 1996, S. 36f.; Gewerbe- und Handels-Adreßbuch
für Württemberg, hrsg. von der Königlichen Centralstelle für Gewerbe und Handel in Stuttgart,
Stuttgart 1855, S.14.
6Hermann Schwabe: Die Förderung der Kunst-Industrie in England und der Stand dieser Frage
in Deutsch­l and, Berlin 1866, S. 181–188.
7
Zu den einzelnen Museumsgründungen Barbara Mundt: Die deutschen Kunstgewerbemuseen
8
Paul Sauer: Reformer auf dem Königsthron. Wilhelm I. v. Württemberg, Stuttgart 1997, S. 323f.
im 19. Jahr­hundert, München 1974.
9
Frank Lang: Mehr Nahrung für die wachsende Bevölkerung, in: Das Königreich Württemberg
1806–1918: Monarchie und Moderne, große Landesausstellung Baden-Württemberg, 22. Sep­tember 2006 bis 4. Februar 2007, hrsg. von Cornelia Ewigleben, Landesmuseum Würt­t em­b erg,
Stuttgart 2006, S. 286.
10 Sauer 1997 (wie Anm.8), S. 329.
120
Schröder Die Geschichte der kunstgewerbeschule
1825 durch die sogenannten Sonntagsgewerbeschulen mit Zeichenunterricht ergänzt.
Für die sich langsam entwickelnde Industrie setzte die staatliche Förderung punktuell
an. Neben Zollschutz, Technikvermittlung und Vermarktungshilfen traten staatliche
Zinsdarlehen, z.B. für die Metallwarenfabrik von Erhard & Söhne in Gmünd, die Kattun­
fabrik Heidenheim oder die Ledergalanteriewarenfabrik von Schenk in Stuttgart.11 Auch
das unmittelbare Einwirken des Königs ermöglichte schwächelnden Branchen eine Überlebenschance, etwa der Schramberger Majolikafabrik Faist mit einem Kredit aus der
königlichen Schatulle.12
Seit Beginn der Frühindustrialisierung und weit bis in die zweite Jahrhunderthälfte
dienten die staatlichen Finanzhilfen dem Studium neuartiger Techniken im Ausland
und damit der Förderung der heimischen Industrie.13 Bekannte Beispiele sind das Stipen­dium für Voith in Heidenheim, eine noch heute existierende Weltfirma oder das Reisedarlehen 1856 für den Stuttgarter Baumeister J. Chailly zum Studium des Portland-Zements
in England und Frankreich.14 Die fiskalische Gutachtertätigkeit für die Regierung übernahm ab 1830 der private »Verein für die Beförderung der Gewerbe in Württemberg«.
Ihm gehörten rund 300 Personen an, neben Fabrikanten, Kaufleuten und Verlegern auch
staatstragende Beamte.15 Dieser wirtschaftspolitische Interessenverband wird daher
als Vorläufer der 1848 vom Staat in Stuttgart eingerichteten »Centralstelle für Gewerbe
und Handel« angesehen. Unter ihrem jahrzehntelangen Vorstand Ferdinand von Steinbeis entwickelte sich die Cent­ralstelle zum Drehpunkt der Wirtschaftsförderung. Insbesondere mit den 1853 eingeführten gewerblichen Fortbildungsschulen bewies Steinbeis Weitblick und konzipierte einen so erfolgreichen neuen Schultyp, dass mehrere
Länder der Anregung folgten.16
11Ludwig Vischer: Die industrielle Entwicklung im Königreich Württemberg und das Wirken
seiner Central­stelle für Gewerbe und Handel in ihren ersten 25 Jahren, Stuttgart 1875, S. 374.
12Kat. Stuttgart 2006 (wie Anm. 9), Nr. 516.
13Bernd Stier: Der »Wirtschafts-Spion« König Wilhelm I. Gewerbeförderung, Technologietrans­­fer und inter­kulturelle Wahrnehmung im Württemberg der Frühindustrialisierung, in: Zeit­­schrift für Württem­b ergische Landesgeschichte 58, 1999, S. 131–164.
14 Utz Jeggle: Voith: ein Stipendium mit Langzeitwirkung, in: Schwäbische Tüftler. Der Tüftler
ein Schwabe? Der Schwabe ein Tüftler? Ausstellungskatalog: Württembergisches Landes­
museum Stuttgart, 13.10.1995 bis 18.1.1996, Stuttgart 1995, S. 104–106; zu Chailly: Hau­p t­
staatsarchiv Stuttgart, Be­s tand E 170 Bü 795, vom 22. Juli 1856.
15 Alexander Dorn: Pflege und Förderung des gewerblichen Fortschrittes durch die Regierung
in Würt­t em­b erg, Wien 1868, S. 3; Robert Uhland: Die Anfänge der Industrie in Stuttgart, in:
Schwäbi­s che Heimat 30, 1979, S. 248–255, hier: S. 254.
16Helmut Christmann: Ferdinand Steinbeis. Erziehung zur Arbeit am Anfang der Industria­l isierung, Stutt­g art 1967, S. 95f. – Ferdinand von Steinbeis: Die Entstehung und Entwicklung
der ge­w erblichen Fortbildungs­schulen und Frauenarbeitsschulen in Württemberg, Stutt­gart
1873. Vgl. auch Heike Schröder: Die Mittel zur Hebung der vaterländischen Industrie, in: Kat.
Stuttgart 2006 (wie Anm. 9), S. 302.
121
2 5 0 ja h r e k u n s t a k a d e m i e s t u t t ga r t
Für die Belange der Kunstindustrie gab es im Gebäude der Centralstelle, der 1753
erbauten Legionskaserne, eine Bibliothek mit Lesezimmer, einen Vortragssaal, ein technisches Musterlager mit nicht-württembergischen Produkten sowie eine offene Zeichenschule, d.h. ein Saal für beaufsichtigtes Kopie- und Entwurfszeichnen.17 Dazu gehörte eine
mit den Ankäufen in London 1851 begonnene Sammlung technischer und dekorativer
Zeichnungen, der ein reicher Bestand instruktiver Gipsmodelle angeschlossen war;
aus diesem sogenannten Centraldepot wurde eine Wander-Bibliothek gebildet, die an
allen Schulen des Landes zirkulierte.18 Die Regierung hatte somit bis zur Jahrhundertmitte wichtige Voraussetzungen für eine sachgemäße Gewerbeförderung geschaffen.
Weniger geradlinig verlief die ästhetisch-kunstindustrielle Ausbildung, obwohl sie
von Anfang an auf die »Bildung des Geschmacks, Schärfung des Blicks, Entwicklung,
Belebung und Berichtigung des Kunstsinns« abzielte. 19 Seit 1827 stand die Gründung
einer »Elementarschule für Kunst und Gewerbe« zur Diskussion, ein Gemeinschafts­
projekt, das wegen der anhaltenden Zahlungen an die ehemaligen Professoren der
Karlsschule aus finanziellen Gründen erwogen, letztlich aber zugunsten einer technisch
orientierten Ausbildung entschieden wurde. Am 27. März 1829 wurde ein lockerer Verband aus Kunstschule und Realschule mit Gewerbeschule genehmigt.20 Das gemeinsame
Schulhaus war der frühere Offizierspavillon in der unteren Königstr. Nr. 12, in dem
auch der 1827 gegründete »Kunstverein« ein Ausstellungslokal besaß (bis 1839). Bei der
Gewerbeschule handelte es sich um die abgespaltene achte Klasse der Realschule,
geführt von deren Rektor Weckherlin. Die beiden Lehrstellen besetzten der Bergkadett
Dr. Degen und der Architekt K.M. Heigelin; sie nahmen am 18. Oktober des Jahres mit 34
Schülern den gewerblichen Unterricht auf. Er war auf die Dauer von nur einem Jahr angelegt, was sich schon bald als unzureichend herausstellte. 1832 wurde daher eine organisatorische Änderung vorgenommen: Die Gewerbeschule wurde verselbstständigt,
umfasste nunmehr drei Jahreskurse und erhielt vier zusätzliche Lehrstellen. Außerdem
wurde eine »Winterschule für Bauhandwerker« integriert.21 Dieser Schulzweig wurde
1845 als »Baugewerbeschule« selbstständig. Der erste Unterrichtsplan zeigt eine totale
Konzentration auf das Baufach.22
17 Abbildung der Kaserne in: Gustav Wais: Alt-Stuttgarts Bauten im Bild, Stuttgart 1951, S. 361.
18 Katalog über die Sammlungen der Kgl. Centralstelle für Gewerbe und Handel, Stuttgart,
2. verm. Auflage 1872; Schwabe 1866 (wie Anm. 6), S. 185f.
19 August Schmidlin: Bekanntmachung, die Eröffnung der Kunst- und Gewerbe-Schule betref­
fend, in: Regierungsblatt Nr. 39, vom 12. September 1829, S. 375–378.
20 Johannes Zahlten: Zwischen Dürer und Kepler. Die Anfänge der Polytechnischen Schule
und die Künste, in: Festschrift zum 150jährigen Bestehen der Universität Stuttgart, hrsg.
von Johannes H. Vogt, Stuttgart 1979, S. 404–437, hier: S. 417f.
21 Otto Borst: Die Anfänge der Winterschule, in: Von der Winterschule zur Fachhochschule
1832–1982, 150 Jahre Bauschule Stuttgart, hrsg. von Rolf Schmalor, Stuttgart 1982, S. 8–9.
22 H. Haeberlin: Aus Vergangenheit und Gegenwart der Bauschule Stuttgart, in: Staatsbau­
schule Stuttgart 1845-1950. Festbuch zur Feier des Jubiläums v. 30. März – 1. April 1951, S. 16.
122
Schröder Die Geschichte der kunstgewerbeschule
Im Fachpersonal der Gewerbeschule spiegelte sich gleichfalls die große Bedeutung
der Stuttgarter Bautätigkeit, denn Stuttgart entwickelte sich »von der königlichen Residenz zur bürgerlichen Großstadt«.23 Und so gesellten sich zu den Lehrern für Mathematik, Mechanik und Chemie durchweg Architekten.24 Sie erteilten neben anderem
theoretischen und praktischen Unterricht im Fach »Kunst«. Die Theorien der Kunst und
ihre Geschichte vermittelten die praktizierenden Baukundler Karl Marcell Heigelin,
Ferdinand von Fischer, Johann Matthias Mauch, Josef von Egle und Wilhelm Bäumer.
Bau- und Planzeichnen, Baukunde, Baurecht und Baugeschichte bildeten den Schwerpunkt dieses Unterrichts. Auch den praktischen Unterricht im Fach »Kunst« an der
Gewerbeschule nahmen phasenweise Architekten wahr. Auf Hofbaumeister Nikolaus
Friedrich Thouret folgte Konrad Weitbrecht, der im Hüttenwerk Wasseralfingen selbst
eine Zeichenschule gegründet hatte und sein pädagogisches Talent in der bald als Standardwerk angesehenen Publikation »Ornamenten-Zeichnungs-Schule in 100 Blättern
für Künstler, Manufacturisten und Gewerbsleute« bewies.25 Nach Weitbrechts Tod 1836
übernahm der Lithograph Friedrich Federer vertretungsweise den Zeichenunterricht,
denn neu besetzt wurde die Stelle erst im Januar 1939 durch den Architekten Johann
Matthäus Mauch. Nach seinem Tod 1856 erhielt der Weitbrecht-Schüler Christian Fried­rich Plock die Professur für Ornamentenzeichnen und Modellieren.26
An der Ausbildung der Gewerbeschüler beteiligte sich besonders die organisatorisch
lose mit der Gewerbeschule verbundene und anfangs im gleichen Gebäude residierende
Kunstschule, selbst nach dem Umzug 1843 in die Neckarstraße. »Die Zöglinge von Industriegewerben … machten insbesondere zu der Zeit, da verwandte Anstalten noch nicht
bestanden, mindestens ein Dritttheil der Gesamtzahl aus; und so leistete denn die
23 Annette Schmidt: Von der königlichen Residenz zur bürgerlichen Großstadt, in: Kat. Stutt­
gart 2006 (wie Anm. 9), S. 248
24 Schmitt 1948 (wie Anm. 1), S. 14f.
25 F. Mayer: Lebens-Skizze von Konrad Weitbrecht, Professor an der Stuttgarter Gewerbeschule,
jetzt Polytechnikum, in: Ausstellung der hinterlassenen Werke von Professor Konrad Weit­
brecht in den Sälen des Königsbaus, Juni und Juli 1877, hrsg. vom Württembergischen Kunstge­werbe-Verein, Stuttgart 1877, S. 3–12.; Kat. Stuttgart 2006 (wie Anm. 9), Nr. 463.
26 Hermann Baumhauer: Christian und Hermann Plock, zwei Künstler aus Wasseralfingen, hrsg.
vom Bund für Heimatpflege e. V., Wasseralfingen 1959. Zum Zeichenunterricht an der Gewerbeschule siehe Zahlten 1979 (wie Anm. 20), S. 422f. Die Anstellung des Zeichners Johann Läpple
endete vorzeitig, siehe Ingeborg Cleve: Johann Läpple – ein Erfinder der Moderne, in: Kat. Stuttgart 1995, (wie Anm. 14), S. 99–104, hier: S. 101.
123
2 5 0 ja h r e k u n s t a k a d e m i e s t u t t ga r t
Kunstschule … einen Beitrag auch zur Ausbildung der Landesindustrie.«27 Auf diese
Möglichkeit wird selbst noch in der Neuorganisation der Kunstschule im Jahr 1867 verwiesen.28 In der Bekanntmachung heißt es, dass »sowohl die Angehörige der Kunstgewerbe, als auch Solche, welche sich zu Lehrern des höheren Zeichenunterrichts bestimmen wollen, an der Kunstschule Gelegenheit zur Ausbildung in den Fächern ihres Berufes« haben.
Im darauffolgenden Jahr 1868 reichte der Direktor der Kunstschule einen Plan zur
Gründung einer vereinigten Kunst- und Kunstgewerbeschule ein. Auch der Leiter der
Centralstelle, Steinbeis, sah grundsätzlich eine Kunstgewerbeschule als integrierten
Bestandteil einer allgemeinen Kunstschule an; eine vergleichbare Position nahm der
amtierende Kultminister Golther ein. Die Polytechnische Schule warb hingegen mit
ihrer Architekturausbildung.29 Aus finanziellen Gründen kam es letztlich zu einem
Kompromiss. Die Kunstschule wurde zwar an der Ausbildung beteiligt, spielte in den
Folgejahren aber zunehmend eine geringere Rolle, bis sie 1881 resp. in der Neuorganisation 1885 endgültig aus der Verantwortung für die Kunstindustrie entlassen wurde.30
An erster Stelle wurde bei der Gründung der Kunstgewerbeschule die Polytechnische Schule in die Pflicht genommen.31 Einer ihrer Professoren kann als geistiger Vater
der Stuttgarter Kunstgewerbeschule angesehen werden: der gebürtige Ravensburger
Wilhelm Bäumer.32 Nach seiner Ausbildung an der Polytechnischen Schule ging er zur
Weiterbildung nach Paris, wo er als Maler Karriere machte. 1858 erhielt Bäumer an seiner
Ausbildungsstätte eine Professur und wurde 1869 der 1. Vorstand der neuen Kunstgewer­beschule. Sein Interesse am Handwerk generell hatte Bäumer bereits seit 1863 durch
27 Adolf Haakh: Beiträge aus Württemberg zur neueren deutschen Kunstgeschichte, Stuttgart
1863, S. 49.
28 Neue organische Bestimmung für die Kunstschule, in: Verfügung des Departements des Kirchen- und Schulwesens, Beilage A, in: Regierungsblatt, Nr. 7, vom 28. Mai 1867, S. 52–65, hier:
S. 53f.
29 Theophil Frey: Die Feier der Akademie der bildenden Künste in Stuttgart zur Vereinigung
der bi­s herigen Akademie der bildenden Künste mit der bisherigen Kunstgewerbeschule am
2. Dezember 1941, in: Regierungs-Anzeiger für Württemberg, Nr. 88, vom 12.12.1941, S. 2–4,
hier: S. 2.
30 Anbringung an den König vom 21.9.1885, Hauptstaatsarchiv Stuttgart, Bestand E 14 Bü 1470.
– Bekanntmachung der Neuorganisation, in: Regierungsblatt, Nr. 42, 1885, S. 431–440.
31 Ludwig von Golther: Bekanntmachung des Kgl. Ministeriums des Kirchen- und Schulwesens
betreffend die Einrichtung eines kunstgewerblichen Unterrichts in Stuttgart, in: Gewer­b e­
halle 7, Nr. 10, 1869, Beilage.
32
Verhandlungen der Württ. Kammer der Abgeordneten, 49. Sitzung, Stuttgart, 31. März 1881,
S.1219–1257, hier: S. 1226. Zur Person siehe Allgemeines Lexikon der bildenden Künstler, be­
gründet von Ulrich Thieme und Felix Becker, 37 Bde., Leipzig 1907–1950, hier: Bd. 2, 1908, S.
350. Saur allgemeines Künstlerlexikon, begr. und mithrsg. von Günter Meißner, Bd. 6, 1992,
S. 260, wonach Bäumer 1869 nach Wien geht.
124
Schröder Die Geschichte der kunstgewerbeschule
die Gründung der »Gewerbehalle« deutlich bekundet. Diese Zeitschrift, die er zusammen mit dem Zeichner Julius Schnorr herausgab, erschien in sechs Sprachen und
schloss eine Marktlücke: 1870 wurden insgesamt 20.000 Exemplare gedruckt. Die
»künstlerische Richtung« der Gewerbehalle spiegelte sich in Organisation, Methode
und Zielsetzung der Kunstgewerbeschule wieder.33
Die dreijährige Ausbildung war für verschiedene Zweige der Kunstindustrie gedacht,
ausgenommen die Weberei, da die Textilindustrie mit den Lehranstalten in Reutlingen
(gegr. 1855) und Heidenheim (gegr. 1860) bereits artistische Webschulen besaß. Der
kunstgewerbliche Unterricht gliederte sich nach den bildenden Künsten in die Abteilungen Architektur, Bildhauerei und Malerei. Lehrfächer waren: Zeichnen und Modellieren, Holzschnitzen, Ziselieren und Malen, ferner Anatomie sowie die Lehre vom architektonischen Stil bezüglich der Kunstindustrie und ihrer Geschichte. Der Unterricht
erfolgte »durch Vorträge und Demonstrationen, theils und hauptsächlich mittels praktischer Übungen«. Für einen Teil dieses praktischen Unterrichts mussten neue Hilfslehrer eingestellt werden, denn erstmals wird in die staatliche Gewerbeausbildung
eine Beziehung zum realen Werkstück aufgenommen. »Die künstlerische Ausbildung
im Kunstgewerbe« soll die »zur Verwendung kommenden Stoffe und die durch deren
Eigenschaften bedingte technische Behandlung« berücksichtigen … auch »wurden etwaige Bestellungen von Gewerbetreibenden zur Fertigung von Entwür­fen etc. über
kunstgewerbliche Gegenstände aufgenommen.«
Im theoretischen Unterricht kunstindustrielle Produkte am Maßstab der Kunst zu
messen, war seit Beginn des 19. Jahrhunderts ein gängiges Postulat der Kulturpolitik. 34
Bereits die erste 1812 im Alten Schloss in Stuttgart durchgeführte Gewerbeausstellung
vereinigte nach französischem Modell programmatisch Kunst und Industrie; denn die
bildenden Künste galten als Impulsgeber für die Normen des guten Geschmacks und
waren damit die Lehrmeister für eine erlesene Gestaltung im Kunsthandwerk.35 Gleich­rangig zu den Vorbildern aus originalen Kunstwerken gesellten sich ihre Kopien, besonders Gipsabgüsse plastischer Werke sowie Zeichnungen und die vervielfältigten Blätter
in Lithographie. Mittels solcher Vorbilder sollte der Zeichenunterricht »den Mangel an
aller höheren Ausbildung der sinnlichen Organe« beheben.36 Hierzu ließ man »die Schü-
33Vgl. Gewerbehalle 7, 1869, Nr. 10, S. 160.
34 Zur frühen Kulturpolitik: Zahlten 1979 (wie Anm. 20), S. 410f.
35Heike Schröder: Historische Landes-Ausstellungen, in: Kat. Stuttgart 2006 (wie Anm. 9), S.
319. – Cleve 1996 (wie Anm. 5), S. 53f.
36 Gustav Rümelin: Die Aufgabe der Volks-, Real- und Gelehrtenschulen zunächst mit Bezieh­u ng
auf die württembergischen Zustände, Heilbronn 1845, S. 85.
125
2 5 0 ja h r e k u n s t a k a d e m i e s t u t t ga r t
ler Kunstgegenstände theils von Vorlegeblättern, theils von ausgestellten Körpern abzeichnen.«37 Für die anspruchsvolle Technik des »Zeichnens nach dem Runden« hatte
der Franzose Dupuis eine besondere Apparatur entwickelt, die kurz nach 1850 in Stuttgart eingesetzt wurde.38
Ein absolut moderner Aspekt im Ausbildungswesen stellte der technisch-praktische
Bezug zum kunsthandwerklichen Objekt dar, denn die Umsetzung einer Zeichnung in
ein reales Werkstück fand im traditionellen Unterricht nicht statt, wurde sogar als Beeinträchtigung der theoretischen Lehre abgelehnt.39 Die Ausführung im Stoff besorgten
die Arbeiter, d.h. die Handfertigkeit im Umgang mit den Besonderheiten der unterschiedlichen Materialien oblag weiterhin Handwerksbetrieben resp. Industrieunternehmen. Dieser Aufgabe wurden die Meister im Laufe der Zeit häufig nicht mehr gerecht, da die Revision der Gewerbeordnung von 1828 und letztlich die vollständige
Aufhebung der Zunftverfassung 1862 den Verlust alter handwerklicher Kenntnisse zur
Folge hatte. Seit den 1870er Jahren galt allgemein »die innige Wiedervereinigung der
Kunst mit dem Handwerk praktisch fruchtbringend zu machen.«40 Nun »bemächtigte«
sich auch an der Kunstgewerbeschule »das Handwerk der Produktion des Schönen.«41
Den theoretischen und praktischen Unterricht erteilten teilweise langjährige Lehrer
der Polytechnischen Schule und der Kunstschule sowie neu eingestelltes Personal. Zu
den renommierten Fachkräften gehörte Wilhelm Lübke, der Kommissar der Pariser
Ausstellung 1867 und Berater Königin Olgas sowie erster Inhaber des Lehrstuhls für
Kunstgeschichte von 1865 bis 1885.42 Die Abteilung Architektur führte nach Bäumers
Weggang im Herbst 1870 der alle zwei Jahre wechselnde Leiter der Architekturfachschule der Polytechnischen Schule. Sie stellte auch die beiden anderen Fachleiter. Die
Abteilung Malerei wurde Karl A.H. Kurtz übertragen, der 1848 Hilfslehrer, seit 1862
Professor für Freihandzeichnen war. 43 Die Abteilung Bildhauerei erhielt Karl Kopp,
einst Absolvent der Polytechnischen Schule und der Kunstschule, der zur Weiterbil-
37 Friedrich Ammermüller: Die Real- und Gewerbs-Schulen oder über die zweckmäßigste Ein­
rich­t ung der Lehranstalten für die gewerbetreibenden Volksklassen, Stuttgart 1837, S. 68.
38 Laut einem Antrag von Josef von Egle vom 10. September 1850, in: Hauptstaatsarchiv Lud­w igs­­burg, Bestand E 170 Bü 404; siehe Heike Schröder: Reformierung des Zeichenunterrichts, in:
Kat. Stuttgart 2006 (wie Anm. 9), S. 307. Zum praktischen Zeichenunterricht: Zahlten 1979 (wie
Anm. 20), S. 423f.
39Laut Ammermüller 1837 (wie Anm. 37), S. 142.
40Hermann Schwabe: Kunstindustrielle Bestrebungen in Deutschland in Verbindung mit dem
deutschen Gewerbe-Museum in Berlin, Halle 1871, S. 9.
41Verhandlungen 1881 (wie Anm. 32), S. 1227.
42 Schmitt 1948 (wie Anm. 1), S. 17.
43
Zahlten 1979 (wie Anm. 20), S. 421.
126
Schröder Die Geschichte der kunstgewerbeschule
dung an die Pariser Ecole des Beaux Arts ging. Ab 1854 arbeitete Kopp als Zeichenlehrer
in Biberach, 1862 wurde er für Ornamentzeichnen und Modellieren an der Polytechnischen Schule angestellt, dort 1864 zum Professor ernannt.44 Den praktischen Teil im
Modellieren übernahm Halmhuber, Modellschreiner in der »Holzmodellir-Werkstätte«
und Hilfslehrer.45 Neu eingestellt für den praktischen Malunterricht wurde Heinrich
Gross. Er stammte aus Schwäbisch Hall, wo er bei einem »bekannten Zimmermaler«
eine Lehre absolvierte und später, von der Centralstelle unterstützt, in Wien und Paris
studierte. 1885 wurde Gross zum Professor für »Ornament- und Pflanzenzeichnen, das
Malen von Blumen und Früchten und die Schmelzfarbenbemalung von Porzellan- und
Fayence-Fliesen, -Platten, -Vasen etc.« ernannt.46
Der Unterricht begann offiziell am 1. November 1869, faktisch erst am 12. Oktober
1870 mit zwölf Absolventen.47 Mit wachsender Schülerzahl wurden die zugewiesenen
Räume in der Kunstschule und der Polytechnischen Schule zu klein, weshalb 1876 der
Anatomieunterricht in die Tierarzneischule verlegt und im Hinterhaus bei Hallberger
380 qm Fläche angemietet wurde. Dort wo es qualmte und lärmte, befanden sich die
Werkstätten der »Karyatiden der Kunstgewerbeschule«.48 Dazu zählte von 1874 bis
1886 der in Österreich ausgebildete Modelleur und Ziseleur Rudolf Mayer. Er wurde
1868 Mitglied der Wiener Kunstgewerbeschule, wo er seine praktischen Fähigkeiten
durch theoretisch-künstlerische Studien erweiterte. Bis zur Berufung nach Stuttgart
führte Mayer in Wien ein eigenes Atelier.49 Für Schulzwecke war ansonsten das alte
Privathaus denkbar ungeeignet: »diese Winkel, diese Löcher, diese Schlüpfe, diese kleinen, schmalen Gänge statt Korridors und dieser Mangel an Raum und Licht«, hieß es
nach einer Begehung.50 Im Laufe der folgenden Jahre verdeutlichten sich die Defizite
der provisorischen Einrichtung. Eine Beratung am 10. Januar 1880 im Kultministerium
regelte die Aufgabenbereiche der verschiedenen für den Kunstunterricht bestimmten
Stuttgarter Anstalten neu.51 Der im gleichen Jahr erstellte Entwurf einer definitiven
Organisation der Kunstgewerbeschule als selbständige Anstalt, der vom Ausschuss des
44 Thieme-Becker (wie Anm. 32), Bd. 21, 1927, S. 299f.
45Kgl. Hof- und Staats-Handbuch des Königreichs Württemberg, hrsg. vom Königlichen Sta­t is­­t ischen Landesamt, Stuttgart 1862, S. 168f.
46Kat. Stuttgart 2006 (wie Anm. 9), Nr. 491.
47Verhandlungen 1881 (wie Anm. 32), S. 1226. – Zu den Schülerzahlen siehe die Aufstellungen in:
Jahresbericht der K. Kunstgewerbeschule zu Stuttgart für das Schuljahr 1893–94 mit einer
Darstellung der Entwicklung der Anstalt 1869–1894, Stuttgart 1894, S. 15.
48Verhandlungen 1881 (wie Anm. 32), S. 1233.
49 Annette Denhardt: Das Metallwarendesign der Württembergischen Metallwarenfabrik (WMF)
zwischen 1900 und 1930, Münster 1993, S. 191. Im Jahr 1886 wechselte Mayer zur Kunst­g ewerbeschule Karlsruhe.
50Verhandlungen 1881 (wie Anm. 32), S. 1232.
51 Zum Unterricht 1881/82 siehe Carl Genauck: Die gewerbliche Erziehung durch Schulen, Lehrwerkstätten, Museen und Vereine im Königreich Württemberg, Reichenberg 1882, S. 139–147.
127
2 5 0 ja h r e k u n s t a k a d e m i e s t u t t ga r t
Württembergischen Kunstgewerbevereins (gegr. 1878) begutachtet wurde, diente am 1.
März 1881 der Abgeordnetenkammer als Entscheidungsgrundlage. In einer langen und
lebhaften Debatte traten die konträren kulturpolitischen Vorstellungen einzelner Interessengruppen und die engstirnige Denkweise von Volksvertretern klar hervor. Sie
schlossen, auch aus finanziellen Erwägungen, einen Kompromiss. Das Zeichnen nach
dem lebenden Modell wurde von der Kunstschule an die Kunstgewerbeschule übertragen,
die auch die Aufgaben der sog. Zentralschule erhielt, einst offener Zeichensaal genannt,
ein Annex der städtischen gewerblichen Fortbildungsschule. In Oberbaurat Christian
Fr. von Leins bekam die Kunstgewerbeschule nun einen ständigen Vorstand (im Nebenamt) und wurde als siebente Fachschule des Polytechnikums konstituiert. Als Domizil
wurden im Gebäude der ehem. Gewerbeschule zwei Stockwerke zugewiesen; eine weitere Etage kam 1885 hinzu. Die Kunstgewerbeschule residierte fortan »im alten Stall«
in »Räumlichkeiten, welche nicht leicht in schlechterem Zustand sich denken
lassen«.52
Besonders aufschlussreich in der Debatte der Abgeordneten von 1881 ist die Rede
des Innenministers von Sick. In einem beeindruckenden Plädoyer warb er für die staatlichen wirtschaftspolitischen Zielvorstellungen und benannte die besonderen Bedürfnisse spezieller Gewerbezweige, an erster Stelle die der Möbelindustrie. In dieser
Branche war der Bedarf an qualifizierten Facharbeitern besonders hoch, wie generell
in allen dem Baufach anhängenden Gewerben: Bauschreiner, Ofen- und Kaminsetzer,
Stuckateure, Dekorationsmaler für Wand, Boden und Decke, Holzschnitzer und Mosaik­arbeiter für Stein und Holz. An allen diesen Berufen für die Innenausstattung von Häusern
und Wohnungen bestand wegen der regen Bautätigkeit eine große Nachfrage. Zudem
gab es in der Region in der Mitte des 19. Jahrhunderts bereits 16 Möbelfabriken (in Ulm,
Aalen, Biberach, Murrhardt, Ehingen, Urach), und Stuttgart hatte sich zum Zentrum der
Innenraumausstattung entwickelt. Zu den Fabriken für Möbeldamaste und Möbelbrokate kamen hier Hersteller für Tapeten und Teppiche, ein Produzent für eiserne Möbel
sowie zehn Möbelfabriken resp. Werkstätten von Ebenisten, darunter die Firma des
Parkettherstellers und Möbelfabrikanten Friedrich Wirth, der die maschinelle Fertigung von Möbeln in Württemberg einführte. Außerdem bewirkte die volle Gewerbefreiheit in Stuttgart einen Zuwachs an Baufachkräften, so bei den Schreinern, deren Zahl
von 146 (1871) auf 202 (1875) anstieg.53 Um den Bedürfnissen solcher spezialisierter
Branchen nach fachgerechten Zeichnern zu entsprechen, war schon einmal – 1847 im
Lokal der Baugewerbeschule – ein Unterricht eingerichtet worden, geleitet von Gottlieb
Tanner. Der gelernte Zimmermaler hatte sich durch einen Aufenthalt in Paris weitere
52 Verhandlungen 1881 (wie Anm. 32), S.1247.
53Ermittelt aus dem Gewerbe- und Handels-Adreßbuch 1855 (wie Anm. 5) entsprechend den einzelnen Orten. – Julius Hartmann: Chronik der Stadt Stuttgart, Stuttgart 1886, S. 283.
128
Schröder Die Geschichte der kunstgewerbeschule
Qualifikationen in der Tapetenmalerei sowie in der Weberei von Damasten, Broderie,
seidenen Stoffen, Teppichen und Fußteppichen erworben. Wie sich der Tanner’sche
Unterricht nach 1851 weiter entwickelte, ist unbekannt.54 Den für das Ausstattungswesen
notwendigen Bedarf an Musterzeichnern, auf den Sick 1881 hinwies, deckte die Kunstgewerbeschule dann erneut 1886 durch Fachkurse ab.
1886 gelang endlich die wenige Jahre zuvor gescheiterte Modernisierung der Kunstgewerbeschule. Aus der Verbindung mit dem Polytechnikum gelöst, erhielt sie einen eigenen Vorstand und wurde dem Ministerium des Kirchen- und Schulwesens unterstellt.55
Diese Behörde durfte, um »in stetem und lebendigem Kontakt mit der Praxis« zu bleiben, Gutachten von Sachverständigen einholen, insbesondere vom Württembergischen
Kunstgewerbeverein. Kunstgewerbetreibende direkt in den Lehrerkonvent aufzunehmen,
war jedoch abgelehnt worden.56 Gleich der erste Paragraph der Verordnungen benennt
knapp die Aufgabe der Schule, nämlich »künstlerisch gebildete Kräfte für die Bedürfnisse
der Kunstindustrie heranzubilden, um damit auf die Hebung und Förderung der Kunstgewerbe im Allgemeinen anregend und unterstützend einzuwirken. Außerdem findet sich
an derselben Gelegenheit zur Ausbildung von Lehrkräften für den gesamten Zeichenunterricht.« Der von künstlerisch und praktisch gebildeten Lehrern erteilte Unterricht war nun
in eine einjährige Vorklasse und zweijährige spezielle Fachklassen gegliedert.57 Die sechs
Fachkurse betrafen die Möbelindustrie, das Modellieren und Holzschnitzen, die Dekorationsmalerei und Textilbranche, das Ziselieren, die Keramik und die Zeichenlehrer. Neu
eingeführt wurden bei den Lehrmitteln »Exkursionen zum Zwecke der Besichtigung und
Aufnahme von Kunstwerken«.
Wie differenziert mittlerweile die Ausbildung erfolgte, zeigt ein Blick auf den Lehrplan
für den Fachkurs Möbelindustrie. Er wurde von dem Architekten Professor Kraft geleitet,
der ab 1879 zuerst provisorisch, ab 1883 als Hilfslehrer eingestellt war und 1886 Fachzeichnen und Entwerfen lehrte. Die Möbelzeichner, Bildhauer und Stuckateure machten
nun »Profilübungen in den betreffenden Materialien nach historischen Beispielen der
54Reisebericht vom 23. Juni 1846, Hauptstaatsarchiv Ludwigsburg, Bestand E 170, Bü 404. – An
Tanner wurden im Jahr 1851 zwei Gipsmodellformen abgegeben, siehe das 1. Hauptbuch des
Landes­g ewerbemuseums Stuttgart, heute im Landesmuseum Württemberg, Nr. 1690–1705
und Nr. 1706–1717.
55Otto von Sarwey: Verfügung des Ministeriums des Kirchen- und Schulwesens, betreffend eine
neue Organisation der Kunstgewerbeschule. Neue organische Bestimmungen für die Kunstgewerbeschule, in: Regierungsblatt, Nr. 24, vom 15. September 1886, S. 331–340.
56Laut Otto von Sarwey: Anbringung des Staats-Ministers des Kirchen- und Schulwesens betreffend eine Organisation der Kunstgewerbeschule, Stuttgart, den 30. August 1886, in: Hauptstaatsarchiv Stuttgart, Bestand E 14 Bü 1499.
57Lehrer waren laut Hartmann 1886 (wie Anm. 53), S. 303: Kurtz, Reinhardt, Kolb, Seubert, Groß,
Kraft, Kopp, Goll, Christaller.
129
2 5 0 ja h r e k u n s t a k a d e m i e s t u t t ga r t
italienischen und deutschen Renaissance, Übungen im Darstellen von Architekturtheilen in Holz, Stukk etc. Versuche im Entwerfen auf Grundlage charakteristischer Vorbilder, Entwerfen von Möbeln, Vertäfelungen, Plafonds, ganzer Innenräume von einfacher
bis zur reichsten Ausstattung. Zeichnen von Details in Naturgrösse zu den ausgearbeiteten Entwürfen.«58
Die Schülerzahl für diesen Kurs schwankte zwischen sieben (SS 1890) und 19 (WS
1886) und belief sich im WS 1899/1900 auf 31.59 Unter dem seit 1892 als Direktor amtierenden Professor Kolb wurden die Verordnungen der Kunstgewerbeschule 1896 einer
Revision unterzogen, dabei sprachlich vereinfacht und veränderten Bedingungen angepasst.60 So reduzierten sich ab 1897 die sechs Fachklassen auf fünf, wobei die »Dekora­
tionsmalerei und Textilbranche« nun durch den Kurs für das dekorative Kunstgewerbe
ersetzt wurde, unterteilt in Dekorationsmalerei und Glasmalerei, Keramik, Musterzeichnen und Graphische Künste. Freihandzeichnen entfiel völlig. Die Lehrer der
Kunstgewerbeschule unterrichteten zwischen 37 (Musterzeichnen) und 53 Wochenstunden (für die Zeichenlehrer). Die zweithöchste Stundenzahl, nämlich 51, wies der
Unterricht für die Möbelindustrie auf, begründet in der steigenden Schülerzahl.61 Das
starke Interesse am Fachbereich Möbelindustrie war wiederum ein Spiegel der besonderen Situation in Württemberg, da sich das Land zum führenden Möbelproduzenten
Deutschlands entwickelt hatte. Zu den Werkstätten von Ebenisten hatten sich ab 1833
die ersten Fabriken etabliert, bis schließlich im Jahr 1902 die Zahl der Fertigungsstätten auf rund 950 stieg, darunter 27 Möbelfabriken in Stuttgart und 30 Betriebe im nahegelegenen Zuffenhausen.62 Somit besaß der Beruf des Entwerfers oder Musterzeichners für die industrielle Möbelproduktion Anfang des 20. Jahrhunderts ein hohes Potential an Möglichkeiten, wie auch wirtschaftlich gesehen diese Branche für das Land
einen wichtigen Faktor darstellte.
58 Jahresbericht 1894 (wie Anm. 47), S. 15.
59 Jahresbericht 1894 (wie Anm. 47), S. 18.
60Otto von Sarwey: Verfügung des Ministeriums des Kirchen- und Schulwesens, betreffend eine
Revision der organischen Bestimmungen für die Kunstgewerbeschule, vom 28. Dezem­b er 1896,
in: Regierungsblatt, Nr. 1, Stuttgart, den 20. Januar 1897, S. 5–14.
61Nach einem im Landesmuseum Württemberg befindlichen Stundenplan vom Som­m er­s emester 1897 gab es folgende Lehrer: Kolb, Seubert, Reinhardt, Knorr, Groß, Schiller, Chris­t al­ler, Kieser, Kraft, von Lemcke, Zaberer. Prof. Reinhardt unterwies die Schüler aller Fach­k lassen in Stilkunde, während von Lemcke die angehenden Zeichenlehrer in Kunst­geschich­te unterrichtete.
62Ermittelt aus: Arbeiter der kunstgewerblichen Holzberufe in Württemberg, in: Mitteilungen des
Württ. Kunstgewerbevereins Stuttgart 1, 1903/04, S. 65–70. Die Aufzählungen dort ohne Schreinereien, die zwar Möbel herstellten, aber weniger als 10 Arbeiter beschäftigten und keinen
Motorbetrieb hatten.
130
»Die Kunstgewerbeschule hat den
Zweck, künstlerisch gebildete Kräfte für die Bedürfnisse der Kunstindustrie
heranzubilden, um damit auf die Hebung und Förderung der Kunstgewerbe
im Allgemeinen anregend und unterstützend einzuwirken. Außerdem findet
sich an derselben Gelegenheit zur Ausbildung von Lehrkräften für den gesam­­ten Zeichenunterricht«, hieß es in einer ministeriellen Verfügung vom 28. De­zember 1896.1 Der Schwerpunkt der Ausbildung an dieser seit 1892 von Pro­fessor Hans Kolb geleiteten Anstalt lag dabei auf einem intensiven Zeichenunterricht, der die Schüler befähigen sollte, Entwürfe für die heimische Kunstindustrie zu liefern oder sich nach Abschluss der Schulzeit als Zeichenlehrer
zu verdingen.2 Entsprechend waren das Spektrum der Lehrkräfte und deren
Lehrangebot ausgerichtet. Ernst Seubert unterrichtete »Fachzeichnen und
Möbelzeichnen«, Heinrich Groß »Pflanzenzeichnen«, Paul Gottfried Christal­ler »Zisellieren, Wachsmodellieren und Entwerfen«, Edmund Kiefer »Orna­ment­­modellieren und Holzschnitzen, Robert Knorr »Figurenmodellieren,
1
Verfügung des Ministeriums des Kirchen- und Schulwesens,
betreffend einer Revision der organischen Bestimmungen für die
Kunstgewerbeschule, vom 28 . Dezember 1896 , § 1, S. 5. Vgl.
auch Wolfgang Kermer: Daten und Bilder zur Akademie-Geschichte,
S. 16 – 31, in: Die Staatliche Akademie der Bildenden Künste
Stuttgart. Eine Selbstdarstellung, Stuttgart 198 8 , S. 20. Zum Programm der Schule in jenen Jahren vgl. auch Programm der K.
Kunstgewerbeschule in Stuttgart, in Verbindung mit d. Statuten für d.
Schüler derselben, Königliche Kunstgewerbeschule, Stuttgart o.J.,
sowie die Rubrik Amtliches in der Beilage zum Staats-Anzeiger für
Württemberg Nr. 217, 1593, vom 20. September 1897.
2
Max Diez und Julius Baum: Die K. Kunstgewerbeschule und die Lehrund Versuchswerkstätte, in: Die Stuttgarter Kunst der Gegenwart,
in Gemeinschaft mit Max Diez u.a. bearbeitet von Julius Baum, Stuttgart 1913, S. 271–286; Wolfgang Kermer: Hans von Kolb, Direktor
der Kgl. Kunstgewerbeschule Stuttgart, 1896 –1913 (WerkstattReihe, 9),
Stuttgart 2000. Vgl. auch Axel Burkarth: Zu den Reformen der staatlichen Künstlerausbildung in Stuttgart, in: Adolf Hölzel: Die Kunst steckt
in den Mitteln, Ausstellungskatalog: Württembergisches Landesmuseum, 15. Oktober 1986 bis 18. Januar 1987, Stuttgart 1986, S. 8 –33.
13 5
b ü t t n e r k u n s t g e w e r b e s c h u l e 18 9 6 – 19 33
U lr i k e B üt tn e r
D i e Ku n stg e w e r b e s c h u le
vo n 1896 –1933
Hof- und Staats-Handbuch des Königreichs Württemberg, hrsg.
vom Königlichen Statistischen Landesamt, Stuttgart 1901, S. 327.
4
Vgl. dazu den Beitrag von Nils Büttner in diesem Band.
5
Denkschrift des Württ. Kultministeriums über Neuorganisation
der Kunstgewerbeschule und der Akademie der bildenden
Künste, hrsg. von der Arbeitsgemeinschaft des württ. Handwerks
und des Württ. Handwerkskammertages, Stuttgart 1928, S. 39.
6
»Ob dieses Interieur, dem gemeinhin kein eigener Stil zugestanden
wurde, eine durch Nachahmung kaschierte Unsicherheit artikulierte, eine Flucht in die ›gute, alte Zeit‹, eine ›Feudalisierung‹, die den
Äußerlichkeiten gegenüber den inneren Werten wieder mehr Raum
gewähren mochte, oder ob umgekehrt gerade das Jonglieren mit diversen historischen Stilrichtungen eine Souveränität und Stärke ausdrücken sollte, ist schwer generalisierbar.« Gunilla Friederike Budde:
Auf dem Weg ins Bürgerleben: Kindheit und Erziehung in deutschen
und englischen Bürgerfamilien 1840-1914 (Bürgertum – Beiträge zur
europäischen Gesellschaftsgeschichte, Bd. 6) Göttingen 1994, S. 75.
3
13 6
2 5 0 j a h r e k u n s ta k a d e m i e s t u t t g a r t
Figuren- und Aktzeichnen« und schließlich Albert Schiller »Ornamentzeich­nen«.3 Darüber hinaus gab es mit Professor Otto Zaberer noch einen Hilfslehrer für Projektionslehre, sowie Unterricht in Kunstgeschichte und Anato­mie, der von den auch an der Kunstakademie lehrenden Professoren Lemcke
und Fetzer erteilt wurde.4 Vor allem wurde »das zeichnerische Entwerfen von
Gegenständen in allen historischen Stilarten« gelehrt, wobei die technische
Durchführbarkeit eine untergeordnete Rolle spielte.5 Mit dem wirtschaftlichen
Aufschwung, den Württemberg seinerzeit erlebte, ging auch eine zunehmende
Ausbreitung einer bürgerlichen Wohnkultur einher, im Rahmen derer man sich
mit Dingen umgab, die trotz ihrer Kostspieligkeit keineswegs dem Komfort
dien­ten.6 Wer es sich leisten konnte, wohnte in einem jener damals neuen
Häuser, die wie historische Kommoden oder dekadente Torten aussahen, und
deren Inneneinrichtung in allen nur erdenklichen historischen Stilen gehalten
war, am liebsten »altdeutsch«. Eindringlich hat der Kulturhistoriker Egon Frie­dell das deutsche Wohnambiente jener Jahre rückblickend beschrieben: »Por­tie­ren aus schweren, staubfangenden Stoffen wie Rips, Plüsch, Samt, die Türen
verbarrikadieren, und schöne, geblümte Decken, die das Zumachen der Laden
verhindern; bildergeschmückte Fenstertafeln, die das Licht abhalten, aber
›romantisch‹ wirken, und Handtücher, die zum Abtrocknen ungeeignet, aber
mit dem Trompeter von Säckingen bestickt sind; Prunkfauteuils, die das ganze
Jahr mit häßlichen pauvren Überzügen, und dünnbeinige wacklige Etageren,
die mit permanent umfallenden Überflüssigkeiten bedeckt sind; Riesenpracht­-
Egon Friedell: Kulturgeschichte der Neuzeit: Die Krisis der europäischen Seele von der schwarzen Pest bis zum ersten
Weltkrieg, Sonderausgabe in einem Band, München 1989, S. 1301f.
8
Gustav E. Pazaurek: Musterstücke in Kunstgewerbemuseen, in: Der Kunstwart 12, 1899, S. 398 – 403.
9
Gustav E. Pazaurek: Guter und schlechter Geschmack
im Kunstgewerbe, Stuttgart/Berlin 1912 , S. 1.
7
13 7
b ü t t n e r k u n s t g e w e r b e s c h u l e 18 9 6 – 19 33
werke, die man nicht lesen kann, weil einem nach fünf Minuten die Hand ein­schläft, und nicht einmal lesen möchte, weil sie illustriert sind; und als Krönung
und Symbol des Ganzen das verlogene und triste Makartbukett, das mit viel
An­maßung und wenig Erfolg Blumenstrauß spielt.«7
Mit Blick auf derartige Entgleisungen
hatte der Kunsthistoriker Gustav E. Pazaurek, damals Leiter des nordböhmi­schen Gewerbemuseums Reichenberg, in der Zeitschrift »Der Kunstwart«
1899 die »Angliederung einer Folterkammer« an jedes kunstgewerbliche
Museum empfohlen, um »ästhetischen Dickhäutern« vermittels negativer Mus­terstücke »mit verhältnismäßig sehr mäßigen Kosten« eine Rosskur in Sachen
guten Geschmacks angedeihen zu lassen.8 Vor allem aber forderte er eine Re­form der kunstgewerblichen Ausbildung, da die Förderung und Verbreitung
des guten Geschmacks im Kunstgewerbe »eine unserer vornehmsten Kultur­aufgaben sowohl in ästhetischer wie auch in nationaler und volkswirtschaft­li­cher Hinsicht« sei.9 Er berief sich dabei auf das Vorbild Englands, wo sich
um die Mitte des 19. Jahrhunderts unter dem noch heute bekannten Begriff
»Arts & Crafts« eine Kunst- und Kunsthandwerksbewegung entwickelt hatte.
Sie wurde von Vertretern der sogenannten »hohen Kunst« getragen, die sich
dem Kunsthandwerk und der Architektur zugewandt hatten. Der direkte Lebensraum des Menschen war seither zunehmend in den Mittelpunkt des künstlerischen Interesses gerückt und die neue Bewegung hatte überall in Europa
begeisterte Anhänger gefunden. Die Künstler verurteilten industriell gefertigte
Massenware, die von Zierformen vergangener Epochen überladen waren. Sie
forderten eine vom Künstler geschaffene Formensprache für handwerklich ge­-
10
»Diese empfanden den Zusammenhang der Kunstformen
mit der Natur des Materials und mit der handwerklichen Technik
wie eine neue Offenbarung. Man strebte nach einer Wiedergeburt der Form aus der Technik und dem Zwecke. Auf diese
Weise suchte man aus der sklavischen Abhängigkeit von den
alten Stilen loszukommen und die Kunst aus dem Einfachen und
Konstruktiven neu zu erzeugen.« Diez/ Baum (wie Anm. 2), S. 271.
11
Stadt Darmstadt (Hrsg.): Die Mathildenhöhe – ein Jahrhundertwerk. Mathildenhöhe Darmstadt. 100 Jahre Planen und
Bauen für die Stadtkrone 1899 –1999, Bd. 1, Darmstadt 1999.
12
»Es hatte auch das Vorgehen Darmstadts unter dem kunstverständigen Großherzog Ernst Ludwig gezeigt, daß es durch die Pflege des
Kunstgewerbes leichter als durch die der freien Kunst möglich sei, einer
Stadt von mittlerer Größe eine besondere Stellung in dem Kunstschaffen unseres Volkes zu geben.« Diez/Baum (wie Anm. 2), S. 271.
13
Vgl. den Beitrag von Nils Büttner in diesem Band.
14
Vgl. auch die diesbezüglichen Akten im Hauptstaatsarchiv Stuttgart, Bestand E 14, Bü. 1499.
13 8
2 5 0 j a h r e k u n s ta k a d e m i e s t u t t g a r t
fertigte Produkte.10 Die breite Masse der Bevölkerung sollte Zugang zu diesen
Produkten haben, um so langfristig eine Ästhetisierung der gesamten Umwelt
zu ermöglichen.
In Deutschland fanden diese neuen
Kunstbestrebungen trotz der ihnen verbundenen sozialistischen Ideale zahlreiche Förderer, darunter auch einige nach der Reichsgründung zur politischen Bedeutungslosigkeit herabgesunkene Fürsten. Zu ihnen zählte beispielsweise Großherzog Ernst Ludwig von Hessen und bei Rhein, der 1899
eine Reihe von Künstlern einlud, sich in Darmstadt niederzulassen, weil er
sich von einer Verbindung von Kunst und Handwerk eine wirtschaftliche
Belebung für sein Land erhoffte.11 Dieses weithin als Erfolg wahrgenommene
Modell der Kunstförderung nahm sich auch der Württembergische König Wilhelm II. zum Vorbild, der sich eine vollständige Erneuerung des Württembergischen Kunstlebens zum Ziel gesetzt hatte.12 Er wurde dabei von den frisch aus
Karlsruhe nach Stuttgart berufenen Professoren Kalckreuth und Grethe beraten, die 1900 auf der Weltausstellung in Paris eine von Bernhard Pankok entworfene Zimmereinrichtung bewundert hatten.13 Sie schlugen vor, diesen Mann
als Lehrer nach Stuttgart zu berufen.14 Pankok hatte seine Karriere als Maler
begonnen und war darüber hinaus schon lange vor seiner Berufung nach Stutt­gart als Kunstgewerbler etabliert. Er hatte sich einen Ruf als Illustrator für Zeitschriften wie »Pan« und »Jugend« erworben, arbeitete buchgraphisch für den
Eugen Diederichs Verlag in Leipzig und zählte in München zu den führenden
Diez/Baum (wie Anm. 2), S. 272. Vgl. auch Bernhard Pankok: 1872–
1943: Kunsthandwerk, Malerei, Graphik, Architektur, Bühnenausstattungen, Ausstellungskatalog: Württembergisches Landesmuseum
Stuttgart, 24. Mai bis 29. Juli 1973, Stuttgart 1973, S. 260.
16
Max Diez: Neuzeitliche Kunst-Bestrebungen in Württemberg, in:
Deutsche Kunst und Decoration 20, 1907, S. 117–163, hier: S. 121.
17
Erich Willrich: Aus dem Württembergischen
Kunstleben, in: Die Kunst. Monatshefte für freie und
angewandte Kunst 13, 1910, S. 381–392, hier: S. 387.
15
13 9
b ü t t n e r k u n s t g e w e r b e s c h u l e 18 9 6 – 19 33
Kräften im Kunsthandwerk, wo er die Vereinigten Werkstätten für Kunst im
Handwerk mitbegründet hatte. Er entwarf Möbel und war seit 1900 auch als
Architekt tätig. Man sprach also Pankok an, der gerade den Auftrag erhalten
hatte, in Tübingen das Haus Lange zu bauen. Von ihm kam daraufhin die Idee, »da
ein einzelner doch zu isoliert stände, die Münchener Vereinigten Werkstätten im ganzen nach Stuttgart zu überführen mit der Verpflichtung, jährlich
eine Anzahl Schüler auszubilden; und nach kurzen Verhandlungen mit ihm
und Krüger wurde dem Ministerium ein dahin gehender Plan vorgelegt.«15
»Es sollte ihnen vom Staat eine jährliche Subvention gegeben werden, dafür
sollten sie dann etwa 20 Schüler jährlich unterrichten. Als solche Schüler
waren wesentlich Studierende der Akademie gedacht. Denn bei ihnen sollte
der Übergang ins Kunstgewerbe erleichtert und ihnen dadurch neue Wege
zu gesicherter Existenz eröffnet werden. (…) Allein der Plan scheiterte in
dieser Form an einer doppelten Schwierigkeit; zuerst an dem Widerstand
der kunstgewerblichen Fabrikanten. Diese, von der Regierung über den Plan
befragt, machten sich zwar die bekannten Klagen über die ungenügenden
Leistungen der Kunstgewerbeschulen zu eigen, und zeigten sich einer technischen Ausbildung ihrer Schüler gar nicht abgeneigt, konnten aber in der
Konkurrenz der Vereinigten Werkstätten nur eine unnötige Erschwerung
ihrer Lebensbedingungen erblicken. (…) Sodann konnte eine Angliederung
der Werkstätten an die Akademie nicht erreicht werden. Die Regierung
befürchtete wohl mit Grund, dafür keine Neigung in der Volksvertretung zu
finden.«16 Nachdem Pankoks Plan am Widerstand der Stuttgarter Industriellen und ihrer Lobbyisten bei Hofe gescheitert war, entschloss man sich,
die deutlich mit dem Charakter einer Schule versehene »Königliche Lehr- und
Versuchswerkstätte« als in sich selbständige Institution der Kunstgewerbeschule anzugliedern.17 »Das Ministerium erkannte seine Wichtigkeit, formte
(Abb. 1) Der »Kavalierbau«, Königstraße 12
Durch eine ministerielle Verfügung
hatte die Kunstgewerbeschule zum 9. Dezember 1901 als selbständige Abteilung eine »Kunstgewerbliche Lehr- und Versuchswerkstätte« erhalten, als
deren Leiter Bernhard Pankok und sein Münchener Kollege Franz August
Otto Krüger bestellt wurden.19 Neben diesen beiden lehrte Hans von Heider Keramik, Paul Haustein Metallbearbeitung und Rudolf Rochga, »der in
den Kursen für die Dekorationsmaler eine fruchtbare Tätigkeit entfaltet«.20
Zunächst nur für das Möbel- und das Metallfach wurde dann am 15. Januar
18
Diez/Baum (wie Anm. 2), S. 272.
Regierungsblatt für das Königreich Württemberg, ausgegeben
Stuttgart, Dienstag den 17. Dezember 1901, S. 555 –561.
20
Zu Heider vgl. die Personalakte im Archiv der Akademie. Zu Rochga
vgl. Diez 1907 (wie Anm. 16), S. 127 (Zitat); HStA Stuttgart Bestand
Q 3/39b, Bü 7; Wolfgang Kermer: Zwischen Buch-Kunst und BuchDesign: Buchgestalter der Akademie und ehemaligen Kunstgewerbeschule in Stuttgart; Werkbeispiele und Texte, Stuttgart 1996, S. 189.
19
14 0
2 5 0 j a h r e k u n s ta k a d e m i e s t u t t g a r t
ihn in einer dem Schulzweck entsprechenden Weise um und legte ihn im
Sommer 1901 der Kammer vor, die ihn genehmigte. Krüger und Pankok soll­ten gemeinsam die Schule leiten, da Krüger die halbe Woche in München
tätig blieb; Bruno Paul, damals noch einer der eifrigsten Mitarbeiter des
Simplizissimus, wagte man nicht zu übernehmen; Riemerschmid aus andern
Gründen schied aus. Aber die Möbelwerkstätte wurde Ende 1901 in den
Räumen des Zuchthauses, dessen vortreffliche Arbeitseinrichtungen der
Anstalt zugute kamen, fertiggestellt und der Betrieb der ›Kgl. Lehr- und
Versuchswerkstätte‹ Anfang 1902 aufgenommen.«18
Es gab zu dieser Zeit neben den neuberufenen Professoren
Krüger und Pankok ausweislich des Hof- und Staats-Handbuchs
des Königreichs Württemberg, hrsg. vom Königlichen Statistischen
Landesamt, Stuttgart 1902, S. 182, folgende »Hilfslehrer: Berner,
(prov.) künstlerischer Vorstand der gewerbl. Fortbildungsschule in
Gmünd, für den Unterricht im Metallfach. Schmid, Verwalter, für
gewerbliches Rechnen und Buchführung. 1 Schreinerlehrmeister, zugleich Materialverwalter. 1 Schreiner. 1 Diener.«
22
Werner Buddemann: Die Staatliche Kunstgewerbeschule in Stuttgart, in: Kunstpflege in Württemberg: Sorgen und Wünsche, hrsg.
von der Felix-Schlayer-Stiftung, Stuttgart 1928, S. 56 – 63, hier:S. 57;
Denkschrift des Württ. Kultministeriums (wie Anm. 5), S. 40.
23
Kermer 1988 (wie Anm. 1), S. 20.
24
Kermer 1988 (wie Anm. 1), S. 21.
25
Bernhard Pankok, in: Jahresbericht der K. Kunstgewerbeschule und
der Kunstgewerblichen Lehr- und Versuchswerkstätte zu Stuttgart für die Schuljahre 1904/05 u. 1905/06, Stuttgart [1907], S. 44.
21
141
b ü t t n e r k u n s t g e w e r b e s c h u l e 18 9 6 – 19 33
1902 die »Königliche Kunstgewerbliche Lehr- und Versuchswerkstätte« in
den gerade freigewordenen Räumen des ehemaligen Zuchthauses eröffnet.21 Das durch das rasche Wachstum der Stadt in dessen Mitte gerückte
sogenannte Poenitentiarhaus in der Senefelderstraße 45 war damals bereits
mit Arbeitssälen und einer Holzwerkstatt ausgestattet.22 Eine Metallwerkstatt wurde noch zu Beginn des Jahres 1902 eingerichtet.23 Die alte Kunstgewerbeschule, an der nach wie vor ausschließlich Zeichenunterricht erteilt
wurde, blieb weiterhin im Gebäude Untere Königstraße 12 untergebracht
(Abb. 1).24 Über das Lehrprogramm bestand in jenen ersten Jahren zwischen
der alten und der neuen Schule ein prinzipieller Konflikt, der noch über volle
zehn Jahre ausgefochten wurde. Konflikte gab es aber auch zwischen der neuen
Einrichtung und der heimischen Wirtschaft, vor allem mit der Möbelindus­trie,
die die Konkurrenz der W
erkstätten fürchtete. Vergeblich versuchte Pankok
diese Befürchtung zu entkräften, indem er in einem Jahresbericht für 1904/05
und 1905/06 die Einnahmen der Werkstätten penibel auflistete, die sich auf
insgesamt 18.000 Mark im Jahr beliefen. »Bei diesen Umsätzen kann von einer
gefährlichen Konkurrenz für die bestehenden Fabrikbetriebe nicht geredet
werden«, lautete deshalb sein Fazit. »Alle Bedenken dieser Art sollten fortfal­len, wenn noch in Betracht gezogen wird, dass unter den genannten Summen
namhafte Beträge enthalten sind, die den Schülern als Entgelt für ihre Arbeits­leistung in den Werkstätten und für die Fertigung von Entwürfen zugute kom­men.«25 Doch es half alles nichts. Die Zwistigkeiten hätten sich, so schrieb der
Diez 1907 (wie Anm. 16), S. 128.
Kermer 1988 (wie Anm. 1), S. 20.
28
Hof- und Staats-Handbuch des Königreichs Württemberg, hrsg. vom
Königlichen Statistischen Landesamt, Stuttgart 1903, S. 184. Siehe auch
Bernhard Pankok: Malerei, Graphik, Design im Prisma des Jugendstils,
hrsg. von Angelika Lorenz, Ausstellungskatalog: Westfälisches Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte Münster, Landschaftsverband Westfalen-Lippe, 14. September bis 9. November 1986, S. 62f, 71.
29
Buddemann 1928 (wie Anm. 22), S. 56 – 63, hier: S. 57; Denkschrift
des Württ. Kultministeriums (wie Anm. 5), S. 40. »Für die neu eingerichtete keramische Werkstätte war die Bestellung eines Lehrmeisters notwendig. Da der Anstalt etatmäßige Mittel hierfür nicht
zur Verfügung standen, hat die K. Zentralstelle für Gewerbe und
Handel zu diesem Zweck für die Jahre 1905 und 1906 je 2000 Mark
verwilligt.« Bernhard Pankok, in: Jahresbericht der K. Kunstgewerbeschule und der Kunstgewerblichen Lehr- und Versuchswerkstätte zu
Stuttgart für die Schuljahre 1904/05 u. 1905/06, Stuttgart [1907], S. 48.
30
Kermer 1988 (wie Anm. 1), S. 20.
26
27
14 2
2 5 0 j a h r e k u n s ta k a d e m i e s t u t t g a r t
Kunsthistoriker Max Diez 1907, »in den letzten Zeiten soweit entwickelt, daß
sie zum Austritt sämtlicher Lehrer der Anstalt und einer Anzahl anderer Stutt­garter Künstler aus dem Württembergischen Kunstgewerbeverein geführt hat.
… Bei der letzten Berliner Tagung des Fachverbandes der wirtschaftlichen In­teressen des Kunstgewerbes sprach einer der hiesigen Fabrikanten von einer
der Industrie vom Landtag ›auf oktroyierten‹ Künstlergruppe und daß man sich
dieselbe ›vom Halse schaffen‹ werde.«26 Vielleicht auch wegen dieser Konflikte
hatte Krüger, der sein Münchener Atelier nie aufgegeben hatte, Stuttgart schon
1903 wieder verlassen, so dass Pankok von nun an die alleinige Leitung der
»Lehr- und Versuchswerkstätte« innehatte.27 Auf sein Bestreben hin erhielt
1903 der Handelskammersekretär Dr. Friedrich Schaible eine Hilfslehrerstelle
für »mikroskopische Studien für kunstgewerbliches Entwerfen«.28 Zudem wur­de in den folgenden Jahren das kunsthistorische Lehrangebot genauso erwei­tert wie das Spektrum der Werkstätten, indem zum Beispiel 1905 eine eigene
keramische Abteilung eingerichtet wurde.29 Im Jahr darauf legte Pankok einen
visionären Plan vor, sämtliche Stuttgarter Kunstlehranstalten, die Akademie, die
Kunstgewerbeschule und die »Lehr- und Versuchswerkstätte« zu fusionieren
und in einem neu zu errichtenden Gebäude auf dem Weißenhofgelände unterzubringen.30 Und schon im folgenden Jahr konnte Max Diez berichten, dass die
Regierung, die wegen des Bahnhofumbaus genötigt sei, eine neue Kunstgewerbeschule zu bauen, dem Plan nicht abgeneigt sei, »eine Vereinigung der Kunst-
31
Diez 1907 (wie Anm. 16), S. 132.
Imke Volkers, in: Böse Dinge – Eine Enzyklopädie des Ungeschmacks,
Begleitheft zur gleichnamigen Ausstellung, Werkbundarchiv – Museum
der Dinge, Berlin, 16.07.20 09 bis 11.01.2010, Berlin 20 09, S. 4.
33
Kermer 1988 (wie Anm. 1), S. 21.
34
Zur Biographie vgl. Holger Klein-Wiele, in:
Württembergische Biographien (im Druck).
35
Diez 1907 (wie Anm. 16), S. 127.
36
Hof- und Staats-Handbuch des Königreichs Württemberg, hrsg.
vom Königlichen Statistischen Landesamt, Stuttgart 1913, S. 214.
32
14 3
b ü t t n e r k u n s t g e w e r b e s c h u l e 18 9 6 – 19 33
akademie, der Lehrwerkstätten und der Kunstgewerbeschule herbeizuführen.
Ein großes Gebäude in einer gewissen Entfernung von der Stadt, an einem
pracht­vollen Platz, ist für das Heim der vereinigten Anstalten ins Auge gefaßt.
Stuttgart wird, wenn der Plan, wie nicht zu bezweifeln ist, die Zustimmung der
Volksvertretung findet, damit einen mächtigen Schritt vorwärts getan haben
und eine in ihrer Art einzige Anstalt besitzen.«31
Ebenfalls im Jahr 1906 war Gustav Pa­zaurek zum Direktor des Stuttgarter Landesgewerbemuseums ernannt wor­den, dem er noch bis 1932 vorstehen sollte. Nur wenige Jahre nach seiner Berufung verwirklichte er dort 1909 die schon lange geplante Idee einer »Abteilung der Geschmacksverirrungen«, um mit dieser ganz im Sinne des Deutschen Werkbundes aufgebauten Schausammlung die Erziehung zum »guten
Geschmack« zu befördern.32 Damals nahmen auch die Neuplanungen für die
von Pankok intensiv betriebene Zusammenlegung von Kunstgewerbeschule
und »Lehr- und Versuchswerkstätte« Gestalt an, indem die Finanzverwaltung
für den geplanten Neubau das Weißenhofgelände erwarb.33 Im gleichen Jahr
1909 war es dem Verein Württembergischer Kunstfreunde gelungen, Johann
Vincenz Cissarz als Professor zu berufen, der an den »Kunstgewerblichen Lehrund Versuchswerkstätten« schon seit 1906 einen Lehrauftrag für künstlerische
Buchausstattung wahrgenommen hatte.34 Damals war durch den Buchdrucker­verein im Gebäude der Werkstätten eine Buchdruckerfachschule eingerichtet
worden.35 Mit seiner Berufung widmete Cissarz, der »zugleich Vorsitzender
der Sachverständigenkammer für Werke der Photographie für Württemberg,
Baden und Hessen« war, sich in den folgenden Jahren maßgeblich dem Aufbau
des Fachbereiches für »Graphische Künste und Buchgewerbe«, dessen Leiter
er 1913 wurde.36 Pankok stürzte sich zur gleichen Zeit in die Planung »seiner«
(Abb. 2) Die Königliche Kunstgewerbe-Schule um 1913
38
37
Kermer 1988 (wie Anm. 1), S. 21.
Buddemann 1928 (wie Anm. 22), S. 56 – 63, hier: S. 57; Denkschrift des Württ. Kultministeriums (wie Anm. 5), S. 40.
39
Buddemann 1928 (wie Anm. 22), S. 56 – 63, hier: S. 57.
Hauptstaatsarchiv Stuttgart, Bestand E 14, Bü. 1662.
14 4
2 5 0 j a h r e k u n s ta k a d e m i e s t u t t g a r t
Schule und wirkte intensiv an der Planung des Neubaus mit, dessen Gestaltung
die Finanzverwaltung an das Architekturbüro Eisenlohr & Pfennig delegiert hat­te (Abb. 2).37 Noch vor der Fertigstellung des Neubaus, aber schon deutlich im
Blick auf den nahenden Umzug, wurde 1912 eine Teppichknüpfwerkstatt ein­gerichtet.38 Noch immer schwelten die Konflikte zwischen der alten Kunst­ge­werbeschule und den »Lehr- und Versuchswerkstätten«. Sie fanden erst mit
dem Eintritt Hans Kolbs in den Ruhestand im Sommer des Jahres 1913 ein Ende,
denn nun wurde Bernhard Pankok die gemeinsame Leitung beider Anstalten
übertragen. Im weiteren Verlauf des Jahres bezogen beide Institutionen unter
dem gemeinsamen Namen »Königlich Württembergische Kunstgewerbeschule« das neue Gebäude am Weißenhof. Gemeinsam mit der neu eingerichteten Straßenbahnlinie, die vor dem Neubau ihre Endschleife fuhr, wurde am
15. Oktober 1913 der stattliche Neubau eröffnet. Von nun an soll der Werk­stattunterricht den alten Zeichenunterricht ergänzen und vertiefen. Entsprechend
diesem umfassenden Konzept kam es zur Einrichtung vieler neuer Fachabteil­ungen. 1913 folgten der Gründung einer Abteilung für Buchdruck und Buchbin­den eine von Fräulein Professor Laura Eberhardt geleitete Frauenabteilung mit
Stickerei-, Spitzenklöppelei- und einer Batikwerkstatt sowie eine Lehrwerkstatt
für Hafner.39
40
Besonders zu den Aspekten des Frauenstudiums vgl. auch
Edith Neumann: Künstlerinnen in Württemberg: Zur Geschichte
des Württembergischen Malerinnen-Vereins und des Bundes
Bildender Künstlerinnen Württembergs, Stuttgart 1999, S. 63.
41
Für die hier angegliederte Lehrlingswerkstätte
der Hafner galten gesonderte Bestimmungen.
42
Kermer 1988 (wie Anm. 1), S. 21.
43
Denkschrift des Württ. Kultministeriums (wie Anm. 5), S. 41f.
44
Denkschrift des Württ. Kultministeriums (wie Anm. 5), S. 42.
14 5
b ü t t n e r k u n s t g e w e r b e s c h u l e 18 9 6 – 19 33
Am 15. Mai 1914 wurde eine neue Ver­fas­sung für die Kunstgewerbeschule erlassen, deren Aufgabe darin bestehen
sollte, »Schüler mit künstlerischer oder kunstgewerblicher Vorbildung sowie
Schülerinnen, die eine berufsmäßige kunstgewerbliche Ausbildung ernstlich an­streben, mit dem Ziele zu unterrichten, daß sie den Anforderungen der Kunst­industrie und des Kunsthandwerks an künstlerischem Können, Geschmack und
Technik genügen«.40 Ausweislich dieser Verfassung gab es damals eine »Allge­meine Abteilung« mit einjährigem Ausbildungsgang und acht »Fachabteilungen«
mit je zweijähriger Ausbildung, beginnend mit (1) Innenarchitektur und Möbel­industrie, des weiteren (2) Modellieren, dekorative Stein- und Holzplastik, (3)
Dekorationsmalerei, (4) Keramik und Glasmalerei,41 (5) Graphische Künste und
Buchgewerbe, (6) Metalltechniken, (7) Textilgewerbe, (8) Höhere Kunstgewerb­liche Frauenarbeit. Hinzu kamen eine »Abteilung für Meisterschüler«, eine »Abteilung für offene Meisterklassen« für freie Kunstgewerbetreibende und Ange­stellte kunstgewerblicher oder industrieller Betriebe, zum Entwerfen und Ausführen einzelner kunstgewerblicher Aufträge und schließlich noch eine »Abteilung für Hospitanten«.42 Die Schule war unmittelbar dem Ministerium für Kir­chen- und Schulwesen unterstellt, wobei die Verwaltung dem Direktor oblag,
dem ein Lehrerkonvent zur Seite stand, sowie verschiedene Fachausschüsse und
als Hauptorgan ein Schulrat. Zum Wintersemester 1913/14 zählt die Anstalt 205
Studierende, ein Jahr zuvor waren es an der alten Kunstgewerbeschule 108 gewesen, während die »Lehr- und Versuchswerkstätten« 51 Schüler hatten.43 Mit
dem Ausbruch des 1.Weltkrieges und der Nutzung des Neubaus als Reservelazarett war der Lehrbetrieb nur mehr mit Einschränkungen fortzuführen. Dennoch waren zum Wintersemester 1914/15 immerhin noch 41 in der Mehrzahl
weibliche Studierende immatrikuliert. Im Kriegswinter 1916/17 war die Zahl
sogar wieder auf 116 gestiegen.44 Auch mit Blick auf die zunehmende Zahl
Buddemann 1928 (wie Anm. 22), S. 56 – 63, hier: S. 57.
Hauptstaatsarchiv Stuttgart, Bestand E 14, Bü. 1662.
47
Thomas Schnabel: Württemberg zwischen Weimar
und Bonn, 1928 –1945/46, Stuttgart 1986, S. 26.
48
Buddemann 1928 (wie Anm. 22), S. 56 – 63, hier: S. 57.
Denkschrift des Württ. Kultministeriums (wie Anm. 5), S. 40.
50
Buddemann 1928 (wie Anm. 22), S. 56 – 63, hier: S. 57.
51
Kermer 1996 (wie Anm. 20), S. 196f.
45
46
49
14 6
2 5 0 j a h r e k u n s ta k a d e m i e s t u t t g a r t
weiblicher Studierender kam es 1916 zur Gründung einer Werkstatt für Damen­schneiderei.45 Ansonsten hatten die politischen Verhältnisse erstaunlich
wenig Einfluss auf die Entwicklung der Kunstgewerbeschule, die 1918 immerhin 113 Schüler zählte, »darunter 16 Kriegsinvaliden, gegenüber dem Vorjahr 6
erschwinden der Momehr«.46 Das Ende des Krieges, das sang- und klanglose V
narchie und der Versailler Vertrag hatten im nun demokratischen Württemberg
nicht den totalen Umsturz und Neubeginn zur Folge, und die Wahlen zur Nationalversammlung erbrachten am 19. Januar 1919 im einstigen Königreich ein Ergebnis, das so auch im Kaiserreich möglich gewesen wäre.47 Noch im letzten
Kriegsjahr 1918 war an der Kunstgewerbeschule durch die Robert-Bosch-Stif­
­tung die Gründung der chemisch-technischen Werkstätten ins Leben gerufen
worden, die 1920 auf Kosten der Anstalt übernommen wurden.48 1919 hatte
man eine Porzellanmalwerkstatt eingerichtet, die Planung einer Glaswerkstatt
begonnen und einen neuen Lehrauftrag für kunstgewerbliche Photographie
eingerichtet.49 1921 folgte die Einrichtung einer Stein- und Kupferdruckerei.50
Diese Neueinrichtung wie auch der zunehmende Ausbau der graphischen Werkstätten waren dem Engagement des 1920 berufenen Graphikers und Schriftgestalters F.H. Ernst Schneidler zu danken, der mit seiner Berufung zum Vorstand
der Abteilung für graphische Künste und Buchgewerbe ernannt worden war.
Er wurde damit zum Nachfolger von Cissarz, der 1916 an die Städelschule nach
Frankfurt gegangen war und dessen vakante Stelle in den folgenden Jahren von
Paul Haustein vertreten worden war.51 Haustein, der seit 1914 an der Kunstgewerbeschule lehrte, blieb danach bis zu seinem Tode 1944 als Leiter der Fach-
Carlo Burschel und Heinz Scheiffele: WMF Ikora-Metall: 1920er
bis 1960er Jahre. Externe Künstler und Designer der NKA der
WMF AG, Stuttgart 2006, S. 45; vgl. auch MetallGerät und Schmuck: Aus
der Fachabteilung für Metalltechniken (Auswahl aus den Jahren
1924 –1930), Württembergische Staatliche Kunstgewerbeschule Stuttgart, [1931]. Von 1938 bis 1940 war Haustein vertretungsweise Direktor der Württembergischen Staatlichen Kunstgewerbeschule. Vgl. den Beitrag von Julia Müller in diesem Band.
53
Satz und Schriftwesen lehrte der Fachlehrer Walther Veit,
Buchdruck und Holzschnitt Julius Heilenmann, Stein und Kupferdruck Josef Wenzky, Buchbinden Wilhelm Schlemmer. Als Hilfslehrerin für Schrift war Margarete Leins angestellt, für farbigen
Aufbau Annelise Mostert. Später kam für Photographie der Fachlehrer Theodor Rump hinzu. Rudolf Spemann war für Schriftübungen
und Naturzeichnen verantwortlich, Albert Müller für Aufbauübungen. Vgl. Wolfgang Kermer : Zur Geschichte der Buchgestaltung an
der Stuttgarter Akademie (WerkstattReihe, 4), Stuttgart 1997, S. 9.
54
Carlo Burschel und Heinz Scheiffele: WMF Ikora-Metall: 1920er bis
1960er Jahre. Externe Künstler und Designer der NKA der WMF AG,
Stuttgart 20 06, S. 52f. Zu von Eiff vgl. auch Christianne Weber-Stöber:
Schmuck der 20er und 30er Jahre in Deutschland: Künstlerschmuck
des Art Deco und der Neuen Sachlichkeit, Stuttgart 1990, S. 59; sowie
den Ausstellungskatalog »Glas ist der Erde Stolz und Glück!«: Wilhelm von Eiff (1890 –1943) und seine Schule, bearbeitet von Maria
Schüly, Städtische Museen Freiburg, Augustinermuseum, 23.9. bis
4.11.1990; Württembergisches Landesmuseum Stuttgart, 1.2 bis 31.3.
1991; Glasmuseum Immenhausen, 21.4. bis 30.6.1991, Freiburg 1989.
52
14 7
b ü t t n e r k u n s t g e w e r b e s c h u l e 18 9 6 – 19 33
gruppe Metall tätig.52 Schneidler, 1882 in Berlin geboren, hatte anfangs an der
Technischen Hochschule Berlin Architektur studiert, danach an der Kunstge­werbeschule Düsseldorf bei Peter Behrens und F.H. Ehmcke, wo er seinen
Schwerpunkt auf die Buch- und Schriftgestaltung verlegte. Nachdem er 1905
als Lehrer an die Fachschule in Solingen berufen worden war, erhielt er 1907
einen Ruf als Professor an die Kunstgewerbeschule in Barmen. 1920 wechselte
er an die Stuttgarter Kunstgewerbeschule, wo er einer stetig wachsenden Abteilung vorstand.53 Eine Idee von seinem Lehrprogramm vermittelt eine Sammlung von vervielfältigten Unterrichtsergebnissen, die Schneidler in einem 1925
begonnenen und nach Ende des Zweiten Weltkriegs veröffentlichten Mappenwerk »Der Wassermann« zusammenfasste. Als Lehrer entfaltete Schneidler
eine ungeheure Wirkung. Zahlreiche bedeutende Typographen des 20. Jahrhunderts waren seine Schüler oder beriefen sich auf sein Vorbild. Großen Einfluss
entwickelte auch eine Werkstatt, die 1921 über einen Stiftungsvertrag durch die
Württembergische Metallwaren Fabrik Geislingen (WMF) an der Kunstgewerbeschule eingerichtet wurde.54 Es war die Abteilung für Glasbearbeitung, deren
55
Bernhard Theil: Wilhelm von Eiff und das Heeresarchiv Stuttgart, in: Zeitschrift für Württembergische Landesgeschichte 51, 1992, S. 461– 467.
56
Buddemann 1928 (wie Anm. 22), S. 56 – 63, hier: S. 57;
Denkschrift des Württ. Kultministeriums (wie Anm. 5), S. 40.
57
Hauptstaatsarchiv Stuttgart, Bestand E 14, Bü 3014;
Denkschrift des Württ. Kultministeriums (wie Anm. 5), S. 7.
58
Führer durch die Jubiläumsausstellung der Württ.
Staatlichen Kunstgewerbeschule Stuttgart, 1927.
14 8
2 5 0 j a h r e k u n s ta k a d e m i e s t u t t g a r t
Leitung seit der Gründung Wilhelm von Eiff übernahm, der, 1926 zum ordentlichen Professor ernannt, noch bis 1943 an der Kunstgewerbeschule lehren und
die Fachklasse für Glas- und Edelsteinbearbeitung leiten sollte.55 Eiff gehörte
zwischen den beiden Weltkriegen zu den bedeutendsten deutschen Glaskünstlern und gilt als Erneuerer des Glasschliffs in Deutschland. Wenn auch nicht alle
Werkstätten eine so weitreichende Bedeutung erlangten, bedeutete es aber
doch in jeder Weise eine Bereicherung, dass auch in den folgenden Jahren weite­re Werkstätten und Lehraufträge folgten: 1921 eine Putzmacherei, 1923 eine
Stoffdruckklasse und noch einmal zwei Jahre später, 1925, eine Handweberei,
eine neue Glasschliffwerkstatt, eine Bronzegießerei sowie eine Kunstschmiede
und eine Kunstschlosserei.56
Am 12. Juni 1926 war bei der Haushalts­beratung beschlossen worden, dass die Regierung eine Neuordnung der inne­ren und äußeren Organisation der Kunstgewerbeschule und ihrer A
ufgaben
im Verhältnis zum gewerblichen Schulwesen und dem Kunstschulwesen prüfen
solle.57 Ergebnis dieser Untersuchung war eine ausführliche »Denkschrift des
Württ. Kultministeriums über Neuorganisation der Kunstgewerbeschule und
der Akademie der bildenden Künste«, in der beide Institutionen in ihrer Eigenständigkeit gewürdigt wurden. Neben der darin geforderten Aufrechterhaltung
beider Schulen findet sich auch die Empfehlung, die Kunstgewerbeschule noch
weiter auszubauen, seitens derer man sich dafür einsetzte, als Hochschule für
an­gewandte Kunst anerkannt zu werden. Anlässlich des 25-jährigen Bestehens
der »Kunstgewerblichen Lehr- und Versuchswerkstätte«, das zugleich das 25.
Dienstjubiläum Pankoks markierte, veranstaltete die Kunstgewerbeschule von
Juli bis Oktober in ihrem Gebäude eine große Jubiläumsausstellung.58 Sie zog
auch deshalb zahlreiche Besucher an, weil zeitgleich auf dem der Schule ge­genüberliegende Gelände die W
erkbundausstellung »Die W
ohnung« öffnete,
für die unter Leitung von Ludwig Mies van der Rohe in nur fünf Monaten ins-
Vgl. dazu den Beitrag von Sokratis Georgiadis in diesem Band.
60
Andreas K. Vetter: Adolf G. Schneck, die stille Reform auf
dem Weißenhof, Baunach 2003; Adolf G. Schneck 1883 –1971:
Leben, Lehre, Möbel, Architektur. Versuch der Dokumentation des Werkes zum hundertsten Geburtstag des Innenarchitekten, hrsg. von Arno Votteler u.a., Stuttgart 1983.
61
Diese »Vereinigten Kunsthochschulen« sollten »über
eine Vorklasse, mehrere Abteilungen für zahlreiche Fachgebiete
und besondere Einrichtungen zur Ausbildung für das
höhere Lehramt verfügen.« Kermer 1988 (wie Anm. 1), S. 22.
62
Kermer 1988 (wie Anm. 1), S. 22.
63
Buddemann 1928 (wie Anm. 22), S. 56 – 63, hier: S. 58;
Denkschrift des Württ. Kultministeriums (wie Anm. 5), S. 40.
59
14 9
b ü t t n e r k u n s t g e w e r b e s c h u l e 18 9 6 – 19 33
gesamt 21 Ein- und Mehrfamilienhäuser mit 63 Wohnungen errichtet worden
waren.59 Neben Architekten wie J.J.P. Oud, Le Corbusier und Pierre Jeanneret,
Walter Gropius, Bruno Taut, Hans Poelzig, Max Taut, Josef Frank, Mart Stam,
Peter Behrens, Ludwig Hilbersheimer und Hans Scharoun war daran auch der
an der Kunstgewerbeschule als Lehrer tätige Adolf G. Schneck beteiligt, der
mit zwei Bauten an der Ausstellung teilnahm und in den folgenden Jahren
weitere Häuser im Umfeld der Siedlung baute.60
Im darauffolgenden Jahr 1928 fasste
der Landtag den Beschluss, Akademie und Kunstgewerbeschule zusammenzufassen, ohne dass diese Pläne jedoch weiterverfolgt oder umgesetzt wurden.61
Am 27. Juni 1929 wiederholte der Württembergische Landtag seine Beschlüsse
über die institutionelle Zusammenlegung, beauftragt aber unabhängig davon
»das Kultministerium, die innere Organisation der beiden Anstalten durch Inkraftsetzen provisorischer Verfassungen zu stabilisieren«.62 Im gleichen Jahr
zog Werner Buddemann in seinem Beitrag zu der Schrift »Kunstpflege in Württemberg: Sorgen und Wünsche« ein positives Fazit der bisherigen Entwicklung:
»In ihrer heutigen Form ist die Stuttgarter Kunstgewerbeschule mit ihren neun
Fachabteilungen, den 21 Werkstätten und den 4–500 Schülern in jedem Semester eine der größten und besteingerichteten Anstalten Deutschlands
geworden.«63 Schon mit der Jubiläumsausstellung des Vorjahres war die Stuttgarter Kunstgewerbeschule von allen Seiten als eine der führenden Anstalten Deutschlands anerkannt worden, die mit ihren neun Fachabteilungen in
Deutschland eine der größten Ausbildungsstätten ihrer Art war. Neben der
von Professor Schneck geleiteten Fachabteilung für Innenarchitektur und
Möbelbau gab es die von Professor Haustein geleitete Metalltechnik, Profes­-
64
Zu Wagner vgl. den Beitrag von Laura
Kapp und Christoph Krekel in diesem Band.
65
Buddemann 1928 (wie Anm. 22), S. 56 – 63, hier: S. 61.
66
Kermer 1988 (wie Anm. 1), S. 22.
67
Zit. nach Gudrun Wessing: Bernhard Pankok als Porträtmaler, Münster 1988, S. 53.
68
Vgl. dazu den Beitrag von Julia Müller in diesem Band.
15 0
2 5 0 j a h r e k u n s ta k a d e m i e s t u t t g a r t
sor Rochgas Dekorationsmalerei, Professor Schneidlers Abteilung für Graphi­sche Künste und Buchgewerbe, Professor von Eiffs Abteilung für Glasschliff und
Glasschnitt, Professor von Heiders Abteilung für Keramik und Porzellanmalen,
die kunstgewerbliche Frauenarbeit, die von Professor Pankok und Fräulein Professor Laura Eberhardt geleitet wurde, sowie schließlich unter Leitung von Gustav Jourdan den Stoffdruck und die chemisch-technische Werkstätte von Professor Hans Wagner.64 Mit der Vielzahl an Ausbildungsgängen und vor allem
Werkstätten waren für die kunstgewerbliche Ausbildung ideale Arbeitsmöglichkeiten geschaffen. Zugleich bedeuteten sie ein enormes Entwicklungspotenzial, das auch Werner Buddemann nicht genug loben konnte: »Denn das ist
das Wichtigste für eine Kunstschule, daß sie sich entwickelt, die neuesten Fra­gen der Technik, der Kunst aufgreift, und daß sie, ohne modisch zu sein, sich
mit den künstlerischen Problemen der Gegenwart auseinandersetzt. Eine
Kunstschule muß fortschreitend, vielseitig und vielgestaltig, kurz in jeder Hinsicht lebendig sein.«65 Doch diesen Entwicklungsmöglichkeiten standen die politischen Rahmenbedingungen entgegen. Am 16. März 1931 trat eine neue Verfassung der Kunstgewerbeschule in Stuttgart in Kraft, die allerdings nicht den
Planungen einer Umwandlung in eine Hochschule für angewandte Kunst Rechnung trägt, sondern sie als eine dem Kultministerium unmittelbar unterstellte
Fachschule eingruppiert.66 Neben dem nichtgewählten Direktor ist ein Lehrerkonvent Hauptorgan der Selbstverwaltung, wobei sich die Aufsichtsbehörde
die Entscheidung über Berufungen vorbehielt. Bernhard Pankok sollte »seiner
Schule« noch bis 1937 vorstehen. Dennoch zeigte sich der damalige Ministerpräsident und Kultminister Christian Mergenthaler begeistert, als Pankok von
einem Mann abgelöst wurde, »der die Schule im Geiste der Nationalsozialisten
zu führen im Stande ist«.67 Pankok selbst hatte in den Jahren nach 1933 seine Berühmtheit weitgehend vor den Übergriffen der nationalsozialistischen Macht­haber geschützt, doch tatsächlich begann damals ein neues und dunkles Kapitel
auch in der Geschichte der Kunstgewerbeschule.68
Müller – Akademie und Kunstgewerbeschule im NS
155
Julia Müller Die Akademie der Bildenden Künste und die Kunst­gewerbe­s chule in Stuttgart in der Zeit des Nationalsozialismus
„Keine Vereinigung der Akademie der bildenden Künste und der Kunst­
gewerbe­s chule“ titelte die ‚Schwäbische Chronik‘ am 7. Januar 1926. 1
Man berichtete da­rüber, dass bereits zu einem früheren Zeitpunkt der
Plan bestanden habe, die beiden Kunstlehranstalten auf dem Weißenhof zu vereinigen. Dies hätte jedoch einen Neubau der Akademie der Bil­denden Künste neben den Werkstätten der Kunstgewerbeschule auf dem
Weißenhof und die Aufgabe der Gebäude in der Urbanstraße bedeutet.
Wilhelm Bazille, zu diesem Zeitpunkt Staatspräsident und Kultminister in
Württemberg, lehnte die Zusammenlegung der beiden Institutionen ab,
die vermutlich schon vor 1924, unter seinem Vorgänger Edmund Rau,
thematisiert worden war. Die Akademie sollte organisatorisch selbstständig bleiben, und zudem wurden finanzielle Gründe genannt, die dieses
Vorhaben in absehbarer Zeit unmöglich machten.
Was man jedoch seitens der Württembergischen Staatsregierung unterstützte, war die Reorganisation der Stuttgarter Akademie. Am 7. Februar
1925 wurde dies bereits im Württembergischen Landtag verhandelt und
beschlossen, denn „der Akademie sollte größeres Augenmerk zugewendet
werden“.2 Der damalige Direktor der Akademie und Leiter der Abteilung
Graphische Künste, Alexander Eckener, schrieb in einem Bericht an das
Kultministerium, es herrsche einhelliger Konsens darüber, „dass die Akademie der bildenden Künste als centraler Punkt für das ganze künstlerische Schaffen des Landes anzuerkennen und ihrer Bedeutung nach auch
auszugestalten sei, dass sie aber unter der Ungunst der letzten Jahre ganz
besonders gelitten habe. Die Akademie müsse eine feste Ordnung erhalten, die auf festen Grundsätzen aufgebaut sei.“ Die Verfassung der Akademie wurde geändert, um künftig als „fast vollwertige Hochschule“ zu firmieren, sie bestand zu diesem Zeitpunkt aus zwei Abteilungen:3
1. Abteilung für die bildenden Künste des Zeichnens, der Malerei, Bildhauerei und der Graphik sowie für das Restaurieren von Bildern.
1 Schwäbische Chronik, 7. Januar 1926, Nr. 8.
2 Hauptstaatsarchiv Stuttgart, Bestand E130b, Bü 1539, fol. 3, 30.4.1926, Bericht Eckener an Kultministerium.
3 Hauptstaatsarchiv Stuttgart, Bestand E130b, Bü 1539, Anl. 1 zu fol. 3,
1926, Verfassung der Akademie der Bildenden Künste Stuttgart.
250 Jahre Kunstakademie Stuttgart
156
2. Abteilung für die theoretischen Fächer der Kunst- und Kulturwissenschaft, künstlerische Anatomie, Bauformenlehre, Perspektive, Farbenlehre und Farbenchemie.
Mit einem Lehrauftrag in den unter Punkt 1. erwähnten Fächern war für
die Professoren die Leitung einer allgemeinen Schule und einer Meisterschule verbunden, bei einem kunstwissenschaftlichen Lehrauftrag, wie
unter Punkt 2. beschrieben, die Leitung der kunstwissenschaftlichen Lehrmittelsammlung und Bibliothek.
Der Senat wählte einen von ihrem Gremium vorgeschlagenen, ordentli­
chen Professor, sofern er ausübender Künstler war, für die Dauer von zwei
Studienjahren zum Rektor der Akademie, seine Dienstbezeichnung war
„Magnifizenz“. Die zukünftigen Studierenden der Stuttgarter Akademie
mussten, dem Hochschulstatus entsprechend, mindestens die ‚Mittlere
Reife‘ einer höheren Schule besitzen, besonderer Wert wurde aber auf
eine künstlerische Reifeprüfung gelegt. Wobei, was die schulischen Ab­schlüsse betrifft, im Falle einer besonderen künstlerischen Begabung
eine Ausnahme gemacht werden konnte.4 Man sprach sich ausdrücklich
für eine etwas niedrigere Schulbildung als Zugangsvoraussetzung für ein
Studium an der Akademie aus, da es „weniger auf die verstandesmässige
Veranlagung, als auf die künstlerische Begabung“ ankam.
Aus dem Protokoll zu den Beschlüssen des Staatshaushaltsplans des Würt­tembergischen Landtags für das Jahr 1929 geht deutlich hervor, dass die
Erhebung der Akademie zur Hochschule 1926 nur eine Zwischenstufe
war. Die württembergische Regierung unter Staatspräsident Eugen
Bolz hielt ab 1929 wieder an dem Plan fest, die Akademie der Bildenden Künste und die Kunstgewerbeschule in Stuttgart zu den „Vereinig-
4 Hauptstaatsarchiv Stuttgart, Bestand E130b, Bü 1539, Anl. 3 zu fol. 3, 1926,
Vorbildung der Studierenden der Akademie der Bildenden Künste Stuttgart.
Müller – Akademie und Kunstgewerbeschule im NS
157
ten Kunsthochschulen“ zu fusionieren.5 Man wollte durch diese Zusammenlegung „die Ausbildung des künstlerischen Nachwuchses fördern
und auf einer den Zeitbedürfnissen angemessenen Höhe halten“.6
Da die beiden Stuttgarter Kunstlehrstätten weiterhin nicht zusammengelegt werden konnten, wahrscheinlich aus finanziellen Gründen, erhielt
die Kunstgewerbeschule 1931 eine neue vorläufige Verfassung.7 Auch
hier gab es, analog zu den Statuten der Akademie, Vorklassen und Meisterklassen, die die Leiter der einzelnen Werkstätten zu betreuen hatten.
Das besondere an den Statuten der Kunstgewerbeschule war, dass unter
§9 der Verordnung stand: „Die Einrichtungen der Kunstgewerbeschule
dienen soweit möglich und erforderlich zugleich der Akademie der bilden­den Künste“, was deutlich zeigt, dass die handwerklich orientierte Kunstgewerbeschule zu dieser Zeit rangniedriger eingestuft wurde als die Akademie, obwohl die kunstgewerblichen Produkte sehr wohl eine besondere
künstlerische Handschrift zeigten und nicht nur rein zweckgebundene Objekte waren.
Zum gleichen Zeitpunkt 1931 erhielt auch die Akademie eine ebenfalls
vorläufige Verfassung, wobei man hier die Betonung nicht auf die
handwerkliche Tätigkeit, sondern auf die schöpferische legte. Was jetzt
als zusätzliche Aufgabe der Akademie hinzukam, war die „Ausbildung von
Anwärtern auf das höhere staatliche Lehramt für Zeichen- und Kunstunterricht“, und man reduzierte auf vier, nach den Hauptfächern gegliederte
Abteilungen.8 Die Studierenden wurden in Grund- und Fachklassen sowie
5 Hauptstaatsarchiv Stuttgart, Bestand E130b, Bü 1539, fol. 14, 26.7.1929, Beschlüsse des Landtags
zu dem Entwurf des Staatshaushaltsplans für 1929/Kultverwaltung/Akademie der bildenden Künste.
6 Hauptstaatsarchiv Stuttgart, Bestand E130b, Bü 1539, fol. 15, 11.8.1930, Beschlüsse des Landtags mit den
Antworten des Staatsministeriums.
7 Hauptstaatsarchiv Stuttgart, Bestand E130b, Bü 1539, fol. 18, 1931, Vorläufige Verfassung der Kunstgewerbeschule Stuttgart. Die vorgegebenen Abteilungen waren: 1. Möbelbau und Innenausstattung, 2. Dekorationsmalerei, 3. Graphisches Gewerbe, 4. Dekorative Bildhauerei, 5. Metallbearbeitung, 6. Keramik, 7. Glas- und
Steinbearbeitung, 8. Handwerkliche Textil- und Frauenarbeit, 9. Forschungsinstitut für Farbenchemie und
Farbentechnik.
8 1. Zeichnen: künstlerisches und konstruktives Zeichnen, allgemeine Grundklasse für alle Studierenden,
2. Malerei: Staffeleibild, monumentales Wandbild, Glasmalerei, Mosaik und, Restaurierung von Wandmalereien und Gemälden, 3. Bildhauerei: Stein-, Holz-, Metallplastik, 4. Graphische Künste: Holzschnitt,
Lithographie und Radierung. Hauptstaatsarchiv Stuttgart, Bestand E130b, Bü 1539, fol. 19, 1931,
Vorläufige Verfassung der Akademie der bildenden Künste Stuttgart.
250 Jahre Kunstakademie Stuttgart
158
Meisterklassen/-schulen eingeteilt.9 Aufgrund der Bestimmungen der
vorläufigen Verfassung der Akademie, die alle bisherigen Verfügungen
aufhob und am 16. März 1931 in Kraft trat, konnte der Senat nur noch
einen Vorschlag für den Direktor der Akademie abgeben, letztendlich
bestimmt und bestellt wurde er jedoch direkt durch den württembergischen Kultminister, was eine der Grundlagen für autoritäre und machtpolitische Personalentscheidungen lieferte, besonders im Hinblick auf
die Zeit nach der Machtergreifung durch die Nationalsozialisten 1933.10
Seit 1931 war der Maler Hans Spiegel Direktor der Stuttgarter Akademie der Bildenden Künste und blieb es bis April 1938, als sein Nachfolger
Fritz von Graevenitz in dieses Amt kam. Spiegel führte die Akademie
ab dem 4. Februar 1935, nach Ablauf der vorgeschriebenen Amtszeit zwar
nur noch kommissarisch, aber in der Funktion des Direktors. 1936 hatte
er zudem die Klassen des beurlaubten Arnold Waldschmidt übernommen,
der in Berlin Parteiaufträge angenommen hatte, ab 1938 an der Akade­
mie der preußischen Künste lehrte und auf der „Gottbegnadeten-Liste“
stand.11 Zum Abschluss des Wintersemesters 1937/38 bat Spiegel „um
Ent­bindung von den Amtspflichten des Direktors“ und schlug als neuen
Direktor den Bildhauer Fritz von Graevenitz vor, der zum Sommersemester
1937 als Nachfolger von Ludwig Habich als Leiter der Bildhauerklasse an
die Akademie berufen worden war und dessen Berufung Spiegel zuvor
noch sehr kritisch beurteilt hatte.12 Die Berufung von Graevenitz’ an die
9 Im Wintersemester 1929/30 waren folgende Lehrer für die Ausbildung an der Stuttgarter Akademie
verantwortlich: (1.) Grundklassen (2 Jahre): der Bildhauer Arnold Waldschmidt und der Maler Hans Spiegel.
(2.) Fachklassen (2 Jahre), mit den Grundklassen verbunden: der Maler und Graphiker Robert Breyer, der
Maler Anton Kolig, 1 künstlerischer Assistent im Fach Malerei (N.N.), der Bildhauer Ludwig Habich, 1
künstlerischer Assistent im Fach Bildhauerei (N.N.), der Radierer, Graphiker, Lithograph und Holzschneider
Alexander Eckener, der Graphiker und Holzschneider Gottfried Graf und 1 Steindrucker (N.N.). (3.) Meisterschulen (3 Jahre): Arnold Waldschmidt, Hans Spiegel, Ludwig Habich, Alexander Eckener, Gottfried Graf und 1
Kupferdrucker (N.N.). (4.) Daneben Hilfsunterricht: Kunst­w issen­s chaftlicher Unterricht: Dr. Erich Heyfelder,
Bauformenlehre: Regierungs­b aumeister Hermann Fetzer, Anatomie: Dr. Hans Neuffer, Wiederherstellung von
Bildern: Hauptkonservator von Tettenborn, Verwaltung: 1 Obersekretär und 3 Hausverwalter. Hauptstaatsarchiv Stuttgart, Bestand E130b, Bü 1539, Wintersemester 1929/30, Schematischer Aufriss. Akademie der
bildenden Künste. Künstlerischer Hauptunterricht.
10 Hauptstaatsarchiv Stuttgart, Bestand E130b, Bü 1539, fol. 41, Verfassungen der Akademie der bildenden
Künste und der Kunstgewerbeschule in Stuttgart, S. 3. Es oblag seitdem der alleinigen Entscheidung des
Kultministeriums, Lehrkräfte zu berufen oder zu entlassen.
11 Die „Gottbegnadeten-Liste“ und die ‚UK-Liste’, Namen laut Akte Bundesarchiv Berlin Bestand R55/20252a,
wurden 1944 vom Reichsministerium für Volksaufklärung und Propaganda und Adolf Hitler zusammengestellt. In diesen Listen waren die wichtigsten und erwünschten Künstler des NS-Regimes aufgeführt.
12 Hauptstaatsarchiv Stuttgart, Bestand E130b, Bü 1539, fol. 25,
16.2.1938, Direktor Hans Spiegel an Kultministerium.
Müller – Akademie und Kunstgewerbeschule im NS
159
Akademie war unter den künstlerischen Lehrern nicht unumstritten,
mit der darauffolgenden Bestellung von Graevenitz zum Direktor verhielt
es sich sicher ebenso.13
Zum gleichen Zeitpunkt wurde der langjährige Direktor der Württembergischen Kunstgewerbeschule, Bernhard Pankok, mit Wirkung zum
31. August 1937 in den Ruhestand versetzt. Reichsstatthalter Murr attestierte ihm: „Direktor Pankok hat sich um die Entwicklung und Hebung
des Kunstgewerbes große Verdienste erworben. Er und seine Ehefrau sind
deutschblütiger Abstammung. Pankok hat weder einer Freimaurerloge
noch einer Beamtenvereinigung angehört. Er hat keine Strafen erlitten.
Eine politische Beanstandung liegt nicht vor.“14 Dies wirkt fast zynisch,
wenn man sich vor Augen führt, dass Pankok wohl doch aufgrund politischer Gründe entlassen wurde, unter anderem war er Mitglied des Deutschen Werkbunds.
Als sein direkter Nachfolger wurde 1937 der Medailleur und NSDAPParteigenosse Oskar Glöckler eingesetzt, der kurz darauf am 27. Januar
1938 durch Suizid in den Räumen der Akademie ausschied. Und dies,
wie er selbst sagte, weil er sich sein weiteres „Mitwirken am großen na­tio­nalsozialistischen Aufbau“ verwehrt hatte, denn es wurde aufgedeckt,
dass er „jahrelang den Professorentitel zu unrecht geführt und das EK I
[Eiserne Kreuz 1. Klasse] unrechtmäßig getragen“ habe.15 Landeskulturwalter Adolf Mauer schloss die Akte Glöckler mit den Worten: „Pg. [Parteigenosse] Glöckler ist nun tot; er ist heldenhaft aus dem Leben geschieden
und hat mit dieser Tat seine Schuld gesühnt.“16
Bereits am 21. Februar 1938 wandte sich das Kultministerium, wegen der
Ernennung von Graevenitz zum Direktor der Akademie, an den württembergischen Ministerpräsidenten. Ministerpräsident und Kultminister
13 Archiv der Stiftung Fritz von Graevenitz, Bestand Akademie,
Protokoll Senatssitzung Akademie am 26.5.1937.
14 Bundesarchiv Berlin, Bestand R/4901/10016, 16.7.1937,
Personalakten der württembergischen Kunstgewerbeschule in Stuttgart.
15 Staatsarchiv Ludwigsburg, Bestand PL 501 II,Bü 287, Glöckler an Mauer, undatiert.
16 Staatsarchiv Ludwigsburg, Bestand PL 501 II, Bü 287,
Mauer an Murr, 28.1.1938 und Schumann an Murr, 29.1.1938.
250 Jahre Kunstakademie Stuttgart
160
in Württemberg war zu diesem Zeitpunkt in Personalunion Christian
Mergenthaler, somit war dieser Schritt eigentlich reine Formsache, denn
die Entscheidung war schon gefallen. Damit wurde nur den Bestimmungen der vorläufigen Verfassung der Stuttgarter Akademie genüge getan.
Eine faire und reguläre Entscheidungsfindung war schon lange nicht mehr
üblich. Sicher ging der Antrag auch an das württembergische Staatsminis­terium und damit an den Reichsstatthalter Wilhelm Murr, um die Entscheidung hinsichtlich der Berufung von Graevenitz als Direktor zum anstehenden Sommersemester 1938 bestätigen zu lassen. 17 Man hatte
dem zur Wahl des Direktors berechtigten Senat der Akademie 1938 komplett das Mitspracherecht entzogen. Der Senat durfte den Direktor nicht
einmal mehr vorschlagen. Die Statuten der Akademie wurden schnell
durch eine entsprechende „kurzfristige Änderung und neue Fassung dieser Bestimmungen“ geändert.18 Ab sofort bestimmte das Kultministerium
den passenden Kandidaten für den Direktorposten, und der Staatspräsi­
dent/Reichsstatthalter sollte diese Entscheidung bestätigen. Dies bedeu­tete nicht nur, dass auch auf diesem Gebiet eine vollständige Durchdringung mit nationalsozialistischer Machtpolitik erreicht war, sondern auch
die Spannungen zwischen den konkurrierenden Machthabern in Württemberg, Wilhelm Murr und Christian Mergenthaler, noch zusätzlich
angeheizt wurden. Am 11. März 1938 beantragte das Kultministerium
beim Staatspräsidenten mit dem Vermerk „E I LT SE H R!“ die Einsetzung
von Fritz von Graevenitz als Direktor der Akademie der bildenden Künste
mit Wirkung zum kommenden Sommersemester 1938, welches schon
am 1. April begann.19 Es kam jedoch vor der Bestätigung der Ernennung
zunächst vom Staatsministerium eine Belehrung bezüglich der neuen politischen Entscheidungswege: „Die Verfassung der Akademie stammt
aus dem Jahr 1931, also der Zeit der Geltung der Württ. Verfassung
von 1919. Es ist anzunehmen, dass die Mitwirkung des Staatspräsidenten
damals wegen seiner staatsrechtlichen Stellung und des ihm zustehenden
Ernennungsrechts vorgesehen war. Nach der heutigen staatsrechtlichen
Gestaltung besitzen die Länder aber keine Eigenstaatlichkeit mehr, die
Staatsgewalt ist auf das Reich übergegangen, das Ernennungsrecht hat der
17 Hauptstaatsarchiv Stuttgart, Bestand E130b, Bü 1539, fol. 25, 16.2.1938, Direktor
Hans Spiegel an Kultministerium,Notiz Meyding vom 21.2.1938 auf diesem Schreiben.
18 Hauptstaatsarchiv Stuttgart, Bestand E130b, Bü 1539,
fol. 26, 11.3.1938, Kultminister an Staatsministerium.
19 Hauptstaatsarchiv Stuttgart, Bestand E130b, Bü 1539,
fol. 26, 11.3.1938, Kultminister an Staatsministerium.
Müller – Akademie und Kunstgewerbeschule im NS
161
Führer und Reichskanzler. … Der Herr Reichsstatthalter hat von der Ernennung des Professors von Graevenitz zum Direktor der Akademie
Kenntnis.“20
Das „Vorläufige Gesetz zur Gleichschaltung der Länder mit dem Reich“
vom 31. März 1933 zielte auf Länderebene auf die politische Ausschaltung aller Minister, Abgeordneten und höheren Staatsbeamten, die nicht
der NSDAP angehörten.21 Dieses Gesetz erlaubte es den Landesregierungen jedoch gemäß dem Ermächtigungsgesetz, ohne Zustimmung der Land­tage selbst verfassungsändernde Gesetze zu erlassen und die Landesver­
waltungen neu zu organisieren. Das „Zweite Gesetz“, das einige Tage nach
dem „Vorläufigen Gesetz“ erlassen wurde, erweiterte dieses insofern, dass
in den Ländern Hitler persönlich unterstellte Reichsstatthalter, in der
Mehrzahl die NSDAP-Gauleiter, eingesetzt werden konnten, die für die
‚reibungslose‘ Durchführung der Politik der Reichsregierung sorgen sollten. Sie waren den Landesregierungen übergeordnet und hatten diese als
Aufsichtsorgan zu kontrollieren. Wilhelm Murr wollte mit seiner „Zustän­digkeitsbelehrung“ Christian Mergenthaler ganz deutlich in seiner kleingeistigen, schulmeisterlichen Art vor Augen führen, wer in Würt­tem­berg
das Sagen hatte, aber letztendlich bestätigte er vorläufig die Berufung von
Graevenitz, unter Vorbehalt der Zustimmung durch den „Führer und Reichskanzler Adolf Hitler“.
Zum 1. April 1938 übernahm von Graevenitz, zusätzlich zur Leitung der
Bildhauerklasse, die Stelle als Direktor der Akademie der Bildenden Künste. Schon im Dezember 1938 musste von Graevenitz jedoch wegen der
Verschlechterung seines Sehvermögens zur Kur in eine Davoser Augenklinik, wo er vermutlich mindestens bis zum Beginn des Sommersemesters
im April 1939 blieb.22 Seine Frau Jutta ließ sich regelmäßig während
dieser Zeit durch den Direk­tions­assis­tenten Dr. Albrecht Braun über die
Geschehnisse an der Stuttgarter Akademie in Kenntnis setzen und berichtete dann mündlich oder schriftlich ihrem Mann. Diese Berichte waren
sehr kurz und sind nur als Bruchstücke überliefert, die keine akademie20 Hauptstaatsarchiv Stuttgart, Bestand E130b, Bü 1539,
fol. 27, 15.3.1938, Staatsministerium an Kultminister.
21 Vgl. URL: http://www.dhm.de/lemo/html/nazi/ innenpolitik/
laendergleichschaltung/index.html (10.8.2010).
22 Archiv der Stiftung Fritz von Graevenitz, BG Biographisches,
Auge, 20.3.1939, Attest Dr. med. Ed. Werdenberg Davos.
250 Jahre Kunstakademie Stuttgart
162
relevanten Details enthalten.23 Im April 1940 fiel von Graevenitz erneut
aufgrund gesundheitlicher Probleme an der Akademie aus.24
Bereits am 6. März 1940 hatte sich der württembergische Kultminister
deswegen an das Staatsministerium gewandt: „Der Direktor der Akademie der bildenden Künste, Professor von Graevenitz, hat wegen Ver­
schlim­merung seines Augenleidens um Enthebung von den Geschäften
gebeten und gleichzeitig als seinen Nachfolger den Lehrer für Holzschnitt
an der Aka­demie der bildenden Künste, Erich Feyerabend, vorgeschlagen,
den ich schon unter dem 16. November 1939 aus dem gleichen Grund zum
ständigen Stellvertreter des Direktors bestellt habe.“25 Am 16. März 1940
wurde von Graevenitz offiziell von seinem Amt als Direktor enthoben,
blieb als Lehrer für Bildhauerei ordentlicher Professor, aber krankheitshalber zurückgestellt. Erich Feyer­abend wurde am 10. Juni 1940 als endgültiger, nicht nur kommissarischer, Direktor der Akademie in Stuttgart vom
Staatsministerium bestätigt. Im Oktober 1940 versuchte von Graevenitz
Mergenthaler, ohne Wissen Feyerabends, bei einem Besuch in dessen Amt
davon zu überzeugen, obwohl er zu diesem Zeitpunkt nicht Direktor der Akademie war, Gerhard Gollwitzer anstelle des bisherigen Direktionsassistenten Dr. Braun an die Akademie zu holen. Feyerabend reagierte mit Unverständnis, dass er in diesem Belang übergangen worden war und man ihm
erst im Nachhinein mitteilte, dass von Graevenitz Gollwitzer vorgeschlagen hatte und Dr. Braun somit die Akademie zu verlassen habe. Durch
Gollwitzers Ablehnung der Berufung, er war bei der Staatlichen PorzellanManufaktur in Berlin beschäftigt, und den herrschenden Personalmangel
blieb Dr. Braun in seinem Amt an der Akademie, obwohl man einhellig
der Meinung war, dass er seinen Aufgaben nicht gewachsen war. Kurz
zuvor hatte von Graevenitz ihm jedoch noch attestiert, dass er sehr wohl
allen Anforderungen entsprochen habe.26 Wie so häufig in dieser Zeit,
lässt sich auch hier keine klare Handlungslinie erkennen. Entscheidungen
23 Archiv der Stiftung Fritz von Graevenitz, B Briefe, 1930–39,
17.2.1939 Jutta von Graevenitz an Fritz von Graevenitz.
24 Archiv der Stiftung Fritz von Graevenitz, BG Biographisches,
Auge, 4.4.1940, Gutachten der Universitäts-Augenklinik Tübingen.
25 Hauptstaatsarchiv Stuttgart, Bestand E130b, Bü 1539,
fol. 28, 6.3.1940, Kultminister an Staatsministerium.
26 Archiv der Akademie der Bildenden Künste Stuttgart,
Personalakte Dr. Albrecht Braun.
Müller – Akademie und Kunstgewerbeschule im NS
163
wirken so, als hätte man sie nach Tagesverfassung und vor allem politischem Druck folgend getroffen.
Zunächst wurde am 2. August 1941 die Staatliche Akademie der Bildenden Künste in Stuttgart offiziell vom Reichminister für Wissenschaft, Er­ziehung und Volksbildung, Bernhard Rust, formal als Kunsthochschule
anerkannt. Gleichzeitig hatte man in der Öffentlichkeit das Thema der
„organischen Vereinigung der Kunstgewerbeschule in Stuttgart mit der
Akademie der bildenden Künste“ wieder aufgegriffen.27
Man hatte sich allerdings bereits vier Jahre zuvor, ab 1937, in Berlin konkrete Gedanken über die Zusammenlegung der „Kunsthochschule (Akade­mie) und der Handwerkerschule (Kunstgewerbeschule)“ gemacht.28 Reichsminister Rust erklärte sich jedoch erst 1941 ganz offiziell mit dieser Maßnahme einverstanden, obwohl er schon Jahre zuvor auf die Zusammenlegung gedrängt hatte.29 In scheinbarer Wahrung der Form verfügte Kult­minister Christian Mergenthaler im Herbst 1941 schließ­lich die Fusion
der beiden Institutionen. Im Zuge dessen verlangte er auch gleich die Neubesetzung der „Leitung der Vereinigten Kunsthochschulen“, die ab diesem
Zeitpunkt unter der Bezeichnung „Staatliche Akademie der bildenden
Künste“ firmieren sollten. Von nun an sprach man nicht mehr von den
zwei getrennten Institutionen, sondern von zwei Abteilungen (Abteilung
für freie Kunst und Abteilung für angewandte Kunst) der neuen „Staatlichen Akademie“: „Die beiden Abteilungen, die von den bisherigen Direktoren der vereinigten Anstalten als Abteilungsleitern verwaltet werden,
sind durch eine künstlerische Persönlichkeit von Ruf und Charakter zusammenzufassen, die das Ansehen der Kunsthochschule und die einheitli­­che Zusammenarbeit der Teile maßgebend bestimmt und die Hochschule
nach außen vertritt. …Mit der Aufgabe des Direktors beabsichtige ich für
das Studienjahr Winter 1941/42 und Sommer 1942 den ordentlichen
27 Hauptstaatsarchiv Stuttgart, Bestand E130b, Bü 1539,
fol. 32, 30.10.1941, Kultminister an Staatsministerium.
28 Bundesarchiv Berlin, Bestand R/4901/10015, Württembergische Kunstgewerbeschule
in Stuttgart, Akten des Reichsministeriums für Wissenschaft, Erziehung und Volksbildung.
29 Bundesarchiv Berlin, Bestand R/4901/10015, Württembergische Kunstgewerbeschule
in Stuttgart, Akten des Reichministeriums für Wissenschaft, Erziehung und Volksbildung.
250 Jahre Kunstakademie Stuttgart
164
Professor der Akademie von Graevenitz, Inhaber der Hauptlehrstelle für
Bildhauerkunst, zu betrauen.30 … doch hat er im Interesse seiner künstlerischen Arbeit sich nur für ein Studienjahr zur Übernahme der Leitung
bereit erklären können. Seine Wahl bie­tet die Gewähr, dass sich die Überleitung der vereinigten Anstalten in die neue Form ohne Reibungen vollziehen und ihr künstlerischer Ruf erhalten bleiben wird.“31
Murr willigte letztendlich ein und bestätigte am 3. November 1941 mit
dem Vermerk: EILT! die Ernennung von Graevenitz zum neuen Direktor.32
Feyerabend wurde von seinem Amt als Direktor mit Beginn des Wintersemesters 1941/42 enthoben, blieb aber Leiter der Abteilung für freie
Kunst. Oberregierungsrat Dr. Hermann Gretsch blieb Leiter der Abteilung für angewandte Kunst; er war auf der „Gottbegnadeten-Liste“ und
der ‚U K-Liste‘ verzeichnet und somit auch vom Arbeitseinsatz und von
der Einziehung zur Wehrmacht befreit.33 Mergenthaler machte sich mit
seiner Ernennung von Graevenitz als Direktor eine rechtliche Lücke zunutze, denn die „neuen Bestimmungen für die Bestellung des Direktors
der Gesamtanstalt“ auf Reichsebene lagen noch nicht vor und daher
berief er sich auf die alte „Vorläufige Verfassung der Akademie“ von 1931,
bestimmte demnach selbst als württembergischer Kultminister den neuen
Direktor und überging damit auch das Zustimmungsrecht des Reichsstatthalters Murr.34
Hier tritt der alte Konflikt der beiden NSDAP-Machtpolitiker wieder
deutlich zu Tage: Wo sie konnten, versuchten die beiden sich gegenseitig
auszuschalten. Joseph Goebbels notierte in seinem Tagebuch am 6. September 1937 anlässlich seines Besuchs in Stuttgart: „Gegen 7h in Stuttgart. Riesenempfang. Murr, Bohle, Meyer, Strölin. Das Volk ist auf den
Beinen. Murr erzählt mir, dass er mit Mergenthaler nicht fertig wird.
30 Dieser hatte auch schon an den ersten Planungen ab 1937 teilgehabt.
31 Hauptstaatsarchiv Stuttgart, Bestand E130b, Bü 1539,
fol. 32, 30.10.1941, Kultminister an Staatsministerium.
32 Hauptstaatsarchiv Stuttgart, Bestand E130b, Bü 1539,
fol. 33, 3.11.1941, Staatsministerium an Kultminister.
33 Bundesarchiv Berlin, Bestand R 55/ 20252a, Gottbegnadeten-Liste, 1944, S. 7.
34 Hauptstaatsarchiv Stuttgart, Bestand E130b, Bü 1539,
fol. 33, 3.11.1941, Staatsministerium an Kultminister.
Müller – Akademie und Kunstgewerbeschule im NS
165
Das ist eben ein Schulmeister. Muß doch einmal weg.“ 35 Trotz dieses
Schachzugs von Murr gegen Mergenthaler auf höchster Ebene, schaffte
Murr es nicht, sich seines Erzrivalen in Württemberg zu entledigen.
Bereits am 2. Dezember 1941 lud der bestellte Direktor Professor von
Graevenitz im Namen der ‚Staatlichen Akademie der Bildenden Künste
Stuttgart‘ „aus Anlaß des Zusammenschlusses der Akademie der bilden­den Künste mit der Württembergischen Kunstgewerbeschule Stuttgart“
zu einer feierlichen Eröffnungsfeier in den Festsaal der Staatsgalerie,
Königstraße 32, am Schlossplatz.36 Ermutigt durch die Unterstützung des
Kultministers Mergenthaler stellte von Graevenitz im Februar 1942 beim
Kultministerium einen Antrag auf Errichtung eines offiziellen Lehrstuhls
für die Ausbildung der Zeichenlehrer an der Staatlichen Akademie der
Bildenden Künste.37
Für diese Aufgabe schlug er Dr. Albrecht Braun vor, der seit 1938 auch
schon die Grundklasse an der Akademie leitete. In der Grundklasse sollte
die Richtung für das spätere selbstständige Schaffen vorgegeben werden.
Die Arbeitsübersicht der Grundklasse für das Sommerhalbjahr 1938 zeigte deutlich die Handschrift des gerade zuvor angetretenen Direktors von
Graevenitz. Ganz im Sinne der Starnberger Kunstschule Britsch/Korn­
mann hatte er Arbeitsvorgänge und Kunstgegenstände für den Lehrplan
ausgewählt:
„1. Volkskunstmässiges: Bemalen von Ofenkacheln, Entwurf einer Kachelofenwand für ein Wochenendhaus, Bemalen von Schranktüren (Oelfarben) im Sinne alter Bauernmalereien.“ Darunter fielen auch Negativschnitte nach Vorbildern alter Wachs- und Springerlesmodel. Unter Abschnitt
„2. Grundlagen der hohen Kunst, Aufgaben der hohen Kunst“ sollten
sich die Studierenden mit Farbe, Grundierung und Farbigkeit anhand
eines Beispiels von Brueghel auseinandersetzen. Beispiele aus der „deutschen Kunst wie Romanik, Dürer und Holbein“ sollten für die Gestaltung
35 Die Tagebücher von Joseph Goebbels, hrsg. von Elke Fröhlich,
Teil 1: Aufzeichnungen 1924–1941, München 1987, S. 255.
36 Hauptstaatsarchiv Stuttgart, Bestand E130b, Bü 1539, fol. 34, 2.12.1941, Einladungskarte Eröffnungsfeier. Es handelt sich hier um das heutige Gebäude des Württembergischen Kunstvereins
in Stuttgart, auf dessen Kuppel ein goldfarbener Hirsch des Bildhauers Ludwig Habich steht, einem
der Lehrer von Graevenitz. Über Einzelheiten dieser Feier ist leider nichts bekannt.
37 Archiv der Akademie der Bildenden Künste Stuttgart, Personalakte Dr. Albrecht Braun.
250 Jahre Kunstakademie Stuttgart
166
von Portraits herangezogen werden. Caspar David Friedrich und Camille
Corot wurden als Vorbilder für die Anleitung zur Landschaftsmalerei
genannt. Aktmalerei und Faltenstudium gehörten auch zu diesem Programm, wobei allerdings nur die „Röhrenfalten früherer Kunst“ als Studienbeispiele gelehrt werden sollten.38
Regelmäßig fanden an der Akademie ‚Morgenfeiern‘ statt, über die von
Graevenitz in den 1950er Jahren schrieb: „Der Anfang auf der Akade­
mie war sehr schwer. Fast alle waren gegen mich. Ich erfuhr auch, wie
gegen mich gehetzt worden war. Aber das Eis schmolz im Laufe der Jah­re
doch. Jeden Montag früh machten wir eine Morgenfeier mit Musik,
sprachen über tiefe und letzte Dinge aus Kunst und Literatur unter Ausschluss alles parteimäßigen. Rückkehr zum Geist stand über unserer
Arbeit.“39
Eine der ersten Morgenfeiern, die an der Akademie im Mai 1938 zur
Einführung von Graevenitz als Direktor im Beisein von Ministerpräsident und Kultminister Christian Mergenthaler stattfand, hatte jedoch
ein durchaus politisches Programm: „1. Fahneneinmarsch; … 5. Lichtbildervortrag des Prof. Fritz von Graevenitz über das Thema ‚Kunst und
Volk‘; 8. Deutschland- und Horst-Wessel-Lied.“40
Im Nachlass des Malers Anton Kolig fand sich eine Liste von 1940 mit
sieben geplanten Morgenfeiern, deren Themenwahl jedoch nicht an den
Nationalsozialismus erinnert.41 Diese Feiern wurden vom NSDStB (Nationalsozialistischer Deutscher Studentenbund) der Hochschulgruppe der
Akademie der Bildenden Künste Stuttgart in Absprache mit dem Direktor
organisiert. Geplante Themen laut Koligs Liste waren wöchentlich, montags, ab 15.1.1940, teilweise auch mit Musikbegleitung: „[N.N.]: ,Bildbe­
38 Von Graevenitz hatte an dieser Kunstschule studiert, ebenso wie Albrecht Braun, Gerhard Gollwitzer,
Hermann Mayrhofer-Passau, Curt Scholz, Wolfgang Zeller, Karl Hils und Peter Otto Heim, die alle nach
1946 an der Akademie lehrten und auch schon zwischen 1933 und 1945 engen Kontakt zu von Graevenitz
hatten. Archiv der Akademie der Bildenden Künste Stuttgart, Personalakte Dr. Albrecht Braun.
39 Archiv der Stiftung Fritz von Graevenitz, BG Biographisches, ca. 1953, Lebensbericht, Anlass unbekannt.
40 Staatsarchiv Ludwigsburg, Bestand K 746, Bü 61 3.5.1938, Einladungskarte Morgenfeier.
41 Privatarchiv Cornelius Kolig, Bestand unverzeichnet, Morgenfeiern Januar und Februar 1940.
Müller – Akademie und Kunstgewerbeschule im NS
167
richt über Chartres‘; Herr Mayrhofer-Passau: ‚Landschaft‘; Prof. Kolig:
‚Malerei und Farbe‘; Herr Feyerabend: ‚Exlibris und Buchmalerei‘; Herr
Frank:42 [ohne Thema]; Prof. Spiegel: ‚Zeichnen und Wandmalerei‘; Dr.
Kornmann, Starnberg: [ohne Thema].“ Die Morgenfeiern wurden haupt­sächlich von den Akademieprofessoren, Professoren der Technischen
Hoch­schule Stuttgart aus den Bereichen Kunstgeschichte und Architektur
und Externen wie Egon Kornmann und Gerhard Gollwitzer bestritten, die
zu einzelnen Themen der Zeichenlehrerausbildung referierten. Mit zuneh­mender Amtszeit von Graevenitz verloren die Morgenfeiern trotz des
verschärften Vorgehens der Nationalsozialisten gegen die Kunst an politi­s cher Konnotation und waren zunehmend kulturgebundenen Themen
gewidmet. Dass sie jedoch, wie von Graevenitz sagte, völlig frei von der
NS-Ideologie und -Politik waren, ist nicht vorstellbar, besonders wenn
die Feiern in offiziellem Rahmen stattfanden.
Zwischen März 1943 und September 1944 waren die Gebäude der Akademie in der Urbanstraße, Hausnummern 37, 39, 39A und 50, mehrfach
von den Auswirkungen des Krieges betroffen: Zunächst wurden Fensterrahmen und Fenster herausgerissen, Phosphor-Brandbomben zerstörten das Dach und die Innenräume samt Inventar brannten aus. Im September 1944 wurden die Gebäude 37 bis 39A komplett zerstört.43 Nur
das Haus Urbanstraße 50 konnte trotz einiger Brandschäden weiterhin
für den Betrieb der Akademie genutzt werden. Hier wurden die „Meisterlehrstätten für Kriegsbeschädigte in Betrieb genommen“.
Am 5. Oktober 1944 ging ein Schreiben des Kultministers Mergenthaler
an den Direktor der Stuttgarter Akademie, zu dieser Zeit Dr. Hermann
Gretsch, in dem mitgeteilt wurde, dass das gesamte Gebäude der Kunst­
gewerbeschule am Weißenhof für die Wehrmacht benötigt würde und
42 Um welchen ‚Herrn Frank’ es sich hier handelt ist nicht eindeutig zu klären; wahrscheinlich handelt es
sich aber um den Maler Dieter Franck, der 1938–1941 Assistent für Radiertechnikan der Stuttgarter Kunstakademie war und zuvor 1933 bis 1936 in der Meisterklasse von Anton Kolig und Gottfried Graf studierte.
43 „Die Keller, die als sichere Bergungsräume galten, hielten den Spreng- und Phosphorbomben nicht stand
und so ging unschätzbares Kulturgut verloren. Die Professoren Spiegel, Feyerabend und Kissling haben
den Verlust fast ihrer gesamten Lebensarbeit zu beklagen; ebenso gingen mit den Ateliers der Professoren
v. Graevenitz und Heim [Peter Otto Heim], fast deren sämtliche Gipsmodelle und neuangelegte Arbeiten
verloren. Auch die Meisterateliers der Bildhauerklasse mit vielen hoffnungsvollen Arbeiten wurden zerstört.
Die Akademie selber verlor ihre wertvolle Bibliothek, alles Inventar, darunter sehr gute alte Möbel, ebenso
das vollständige Akten- und Urkundenmaterial.“ Hauptstaatsarchiv Stuttgart, Bestand E200b, Bü 15, ca.
Oktober 1944, Bericht von Fritz von Graevenitz über „die Zerstörung der Akademie der bildenden Künste
im Verfolg mehrerer Luftangriffe“.
250 Jahre Kunstakademie Stuttgart
168
somit sichergestellt sei, das bedeutete beschlagnahmt.44 Einige Räu­me
waren bereits vom Reservelazarett belegt worden und die noch verbliebenen Räume benötigte man für die Auslagerung der Lehre der Technischen Hochschule Stuttgart, deren Lehrbetrieb in den zerstörten Räumen,
in denen sie vorher untergebracht war, nicht fortgesetzt werden konnte.
Mergenthaler legte dar, dass man für die verbliebenen Werkstätten, den
reduzierten Betrieb der Akademie und die auszulagernden Institute der
Technischen Hochschule Stuttgart alle verbliebenen Räume zur Eigennutzung benötigte. Er konnte dadurch die Gesamtbelegung durch die
Wehrmacht verhindern. Ein kleiner Teil des Gebäudes im Dachgeschoss,
die Räume 400–408, und der Raum 223, für die Ärztekammer, wurde
für Lazarettzwecke freigegeben, wahr­schein­lich als Angebot, um zu verhindern, dass das gesamte Gebäude beschlagnahmt wurde.
In der Nacht vom 19. auf den 20. Oktober 1944 entstand durch Bomben
auf Stuttgart auch großer Sachschaden am Gebäude der Akademie der
Bildenden Künste, „Am Weißenhof 1“.45 Die Brände konnten nicht gelöscht werden, da bereits nach kurzer Zeit kein Wasser mehr aus den Hydranten kam. Mittelbau, Werkstättenflügel, Zuschneidesaal, Maschi­nensaal, die Schreinerwerkstätte der Innenarchitekten und der Dach­s tuhl
brannten aus. Das Hauptgebäude konnte dadurch gerettet werden, dass
man mit einer Motorspritze das in einer Kläranlage befindliche Wasser
auspumpte, um die Brandherde zu löschen. Als einzige Werkstätte blieb
die Keramikabteilung vom Brand verschont. Dadurch war die zuvor von
Mergenthaler in Aussicht gestellte Aufnahme der Architektur­abteilung
der Technischen Hochschule räumlich nicht mehr möglich. Nachdem die
44 Zu diesem Zeitpunkt waren die Kunstgewerbeschule und die Akademie der Bildenden Künste
bereits zu einer Institution zusammengelegt und das Gebäude der Akademie in der Stuttgarter Urbanstraße durch Fliegerbomben zerstört. Die Kunstgewerbeschule existierte somit 1944 nicht mehr als
eigenständige Institution. Hauptstaatsarchiv Stuttgart, Bestand E200b, Bü 15, 5.10.1944, Kultminister
an die Wehrmachtkommandatur Stuttgart.
45 „Durch Luftdruck als auch durch Brand wurde das Gebäude erheblich beschädigt. Eine unmittelbar
vor dem Gebäude niedergegangene Luftmine hat im ganzen Gebäude sämtliche Türen und Fenster
herausgerissen und eine große Anzahl Zwischenwände eingedrückt oder beschädigt, sowie das ganze
Dach abgedeckt.“ Hauptstaatsarchiv Stuttgart, Bestand E200b, Bü 15, 28.10.1944, Regierungsoberinspektor Albert Breuninger an das Württembergische Kultministerium; zu diesem Zeitpunkt war
Breuninger Assistent des Direktors der Akademie und schrieb als solcher im Auftrag auf dem
Briefpapier des Direktors.
Müller – Akademie und Kunstgewerbeschule im NS
169
Schäden am Gebäude „Am Weißenhof 1“ vom Okto­ber 1944 notdürftig
repariert waren, wurde das Dach kurz darauf durch eine weitere Bombardierung in der Nacht vom 5. auf den 6. November 1944 erneut komplett
abgedeckt, was sich bei der Wetterlage im November sehr ungünstig auswirkte. Der Keramikbau, der bis dahin noch fast unbeschädigt geblieben
war und in dem die Firma Paul Lechler untergebracht worden war, wurde
im November fast komplett zerstört.46
Weiterhin waren als kriegswichtig eingestuft und in den Räumen der Akademie untergebracht worden: die Buchdruckerei Fink und die Metallbearbeitungsfirma Zimmermann, welche „vollständig fliegergeschädigt
war und kriegswichtige Arbeiten (Orden und Ehrenzeichen)“ anfertigte.
Dies unter der Aufsicht von Karl Bausch, der als technischer Lehrer für
Gold- und Silberschmiede in den Metallwerkstätten an der Stuttgarter
Akademie lehrte.47
Am 20. Oktober 1944 erließ Reichsminister Bernhard Rust mit der Reichsverordnung Nummer 550/44 „die Stillegung der Kunst- und Musikhochschulen“ mit Wirkung zum 1. November 1944.48 Zusätzlich sollten alle
Lehrkräfte, die nicht mehr dienstfähig waren, in den Ruhestand versetzt
oder wenn sie noch bedingt einsatzfähig waren, dem Reichsverteidigungskommissar übergeben werden. „Für die weitere künstlerische Ausbildung
der Kunst- und Musikerzieher sowie der Kriegsbeschädigten … und zur
Erhaltung eines Stammes von hervorragenden Künstlern … muß man
sich auf die Berufung wirklich hervorragender Lehrer beschränken, deren Erhaltung für die Hochschule [nach Wiederaufnahme des Hoch-
46 Die „Fa. Paul Lechler“ wurde als kriegswichtig eingestuft und konnte weiter in den Räumen der Akademie produzieren, sie ging hervor aus der „Christian Lechler und Sohn, Lack- und Firnisfabrik“
in Stuttgart, diese arbeitete mit Sicherheit mit dem Forschungsinstitut für Farbentechnik zusammen,
geleitet von Dr. Hans Wagner. Warum sie als kriegswichtig eingestuft wurde, ist nicht zu klären.
Man benötigte zwar Farbe für die Tarnanstriche der Stuttgarter Häuser, ob dies jedoch ein Grund war,
ist fraglich. Es handelte sich vermutlich eher um Entwicklung und Produktion für die Kriegsmaschinerie der Nationalsozialisten.
47 Archiv der Akademie der Bildenden Künste Stuttgart, Personalakte Karl Bausch; Hauptstaatsarchiv
Stuttgart, Bestand E200b, Bü 15, 5.10.1944, Dr. Hermann Gretsch (als Direktor der Stuttgarter Akademie)
an die Wehrmachtkommandatur Stuttgart.
48 Leiter Reichsministerium für Wissenschaft, Erziehung und Volksbildung.
250 Jahre Kunstakademie Stuttgart
170
schulbetriebs bei Kriegsende] im dringendsten unterrichtlichen Interesse
liegt.“49 Rust plante im selben Schreiben voraus und teilte mit, dass zum
Sommersemester 1945 keine neuen Lehraufträge an den stillgelegten
Kunst­hochschulen mehr erteilt werden dürften. Nur noch die als „Gottbegnadet“, „U K“, das hieß unabkömmlich oder anderweitig als „kriegswichtig“ eingesetzten, nicht zur Wehrmacht eingezogenen Künstler
konnten als Lehrende an den Hochschulen und in der Ausbildung verblei­ben. Sie wurden vom Fronteinsatz freigestellt, um sich hauptsächlich der
Erhaltung des nationalsozialistischen Kunstnachwuchses widmen zu
können.
Am 6. Januar 1945 ergänzte Rust seinen ersten Erlass vom 20. Oktober
1944, der einige Kunsthochschulen, unter anderem auch die Stuttgarter
Akademie, direkt betraf: „Betrifft: Totaler Kriegseinsatz; hier: weitere
Ausbildung der Kriegsbeschä­digten an den Kunsthochschulen. … An
den stillgelegten Hochschulen bleiben die folgenden Institute offen: …
in Stuttgart von der Staatlichen Akademie der bildenden Künste das Forschungsinstitut für Farbenlehre und Werkstoffkunde.“50 Der lang­jährige
Leiter dieses Instituts Dr. Hans Wagner und seine Laborantin Ingeborg
Zaiser führten die Forschungen während des gesamten ‚Dritten Reichs‘
ohne jegliche Störungen weiter und meldeten verschiedene Patente an,
„Prof. Dr. W. ist mit Aufträgen des Reichsamts f. Wirt­s chafts­ausbau und
des Oberkommandos der Kriegsmarine beschäf­tigt.51 Ver­lagerungsantrag
zur Durchführung dieser Aufgaben ist ein­gereicht.“52 Der „Verlagerungsantrag“ musste gestellt werden, da die Gebäude am Weißenhof, wo
sich auch das Institut für Farbentechnik befand, stark beschädigt waren,
49 Hauptstaatsarchiv Stuttgart, Bestand E200b, Bü 14, fol. 61, 31.1.1945,
Reichsminister für Wissenschaft, Erziehung und Volksbildung.
50 Hauptstaatsarchiv Stuttgart, Bestand E200b, Bü 14, fol. 38, 6.1.1945,
Reichsminister für Wissenschaft, Erziehung und Volksbildung.
51 Archiv der Akademie der Bildenden Künste Stuttgart, Personalakte Dr. Hans Wagner, Wagner leitete das
Forschungsinstitut für Farbentechnik von 1923 bis zu seinem Tode 1948. Hauptstaatsarchiv Stuttgart, Bestand
E 200b Bü 14, fol. 2, ca. 1944, Liste über den Einsatz der Lehrer der Akademie der Bildenden Künste Stuttgart; Ingeborg Zaiser 1920 geboren und ab ca. 1937 im Institut. Zu klären, welche Aufträge, ob zivil oder kriegstechnisch, im Bereich Farbentechnik bearbeitet wurden und welche Rolle dieses Institut im Nationalsozialismus gespielt hatte, führt an dieser Stelle zu weit, sollte jedoch anderweitig in Betracht gezogen werden. Vgl.
zu Wagner auch den Beitrag von Laura Kapp und Christoph Krekel in diesem Band.
52 Hauptstaatsarchiv Stuttgart, Bestand E 200b, Bü 14, fol. 13, ca. 1944, Liste der nicht zur Wehrmacht
eingezogenen freiwerdenden künstlerischen Lehrer der Akademie der Bildenden Künste in Stuttgart.
Müller – Akademie und Kunstgewerbeschule im NS
171
man zog ihn jedoch kurz darauf wieder zurück, da „die Räume des Forschungsinstitutes durch Fenstervermauerung wieder instand gesetzt“
worden waren.53 Weiterhin hieß es im dritten Abschnitt von Rusts Schrei­ben: „Für die Dauer der Stillegung der Kunsthochschulen findet die weitere Ausbildung in der Form von Meisterlehrwerkstätten im Anschluß
an … die Technischen Hochschulen … Stuttgart im Rahmen der Fakultät Bauwesen und in Anlehnung an die Abteilung Architektur … statt.“54
Seitens der Akademie in Stuttgart bot man der Fakultät Architektur der
Technischen Hochschule, nachdem deren Räumlichkeiten im Zentrum
Stuttgarts durch Bomben stark beschädigt waren, Räume auf dem
Weißenhof an, um die Lehre dort zu konzentrieren, aber auch um Einfluss
auf die Gestaltung und den Inhalt der Lehrveranstaltungen zu nehmen.
Der Zeitraum, für den von Graevenitz zum Direktor der Akademie bestellt worden war, lief 1944 aus und Mergenthaler beauftragte ihn danach,
die Verwaltungsgeschäfte der Akademie fortzuführen, bis ein geeigneter
Nachfolger gefunden sei. Vertreten wurde von Graevenitz in diesem Amt
von Dr. Hermann Gretsch. Als dessen Stellvertreter wurde Adolf Gustav
Schneck eingesetzt.55 Von Graevenitz führte ab Dezember 1944 die Direktionsgeschäfte kommissarisch weiter und hielt mit einigen Kollegen, nach
der offiziellen Stillegung der Akademie am 1. November 1944, einen Mini­malbetrieb aufrecht, der in erster Linie für die Ausbildung von „kriegsbeschädigten Studierenden“ gedacht war. Da von Graevenitz durch seine
Verwundung im Ersten Weltkrieg als nicht kriegstauglich eingestuft wurde,
zudem „uk“ gestellt war und auf der „Gottbegnadeten-Liste“ stand, musste
er zu keinem direkten Kriegseinsatz.56
53 Hauptstaatsarchiv Stuttgart, Bestand E200b, Bü 14, fol. 32, 28.12.1944, Liste über den
Arbeitseinsatz der künstlerischen Lehrer der Akademie der Bildenden Künste in Stuttgart.
54 Hauptstaatsarchiv Stuttgart, Bestand E200b, Bü 14, fol. 38, 6.1.1945,
Reichsminister für Wissenschaft, Erziehung und Volksbildung.
55 Hauptstaatsarchiv Stuttgart, Bestand E200b, Bü 14, fol. 46, 30.1.1945,
Kultminister Mergenthaler an Reichserziehungsminister Rust.
56 Bundesarchiv Berlin, Bestand R 55/20252a, Gottbegnadeten-Liste, 1944, S. 4.
250 Jahre Kunstakademie Stuttgart
172
Für die Ausbildung der „13 kriegsbeschädigten Studenten und einer für
den Arbeitseinsatz nicht in Frage kommenden Kriegerwitwe“ im redu­
zierten Betrieb an der Stuttgarter Akademie hatte von Graevenitz die
Professoren Hans Spiegel, Ernst Schneidler, Hermann Mayrhofer-Passau
und Dr. Hermann Gretsch in Aussicht genommen, später wurde noch
Erich Feyerabend hinzugeholt.57 Da die meisten Räume der verschiedenen Akademiegebäude zerstört waren, plante er, den Unterricht von Spie­gel, Mayrhofer-Passau und Feyerabend für Malerei, Holzschnitt und Graphik in zwei Räume in der Urbanstraße 50 zu verlegen. Diese sollten
noch instand gesetzt werden, was für Mitte April 1945 zugesagt worden war. Für Bildhauerei stellte er sein Atelier auf der Solitude zur Verfügung, Innenarchitektur und Möbelbau sollten in der Privatwohnung von
Schneck abgehalten werden. Der Unterricht von Gretsch, im Fach Keramik, sollte in der noch verwendbaren ursprünglichen Werkstätte „Am
Weißenhof 1“ stattfinden, und für die Studierenden bei Schneidler suchte
man noch nach geeigneten Räumlichkeiten. Diese fanden sich Ende Februar 1945 in dessen Heimatort Gundel­fingen.58
Mitte Januar 1945, als von Graevenitz mit der Planung des reduzierten
Betriebs an der Akademie in Stuttgart begann, waren die meisten Professoren noch in anderen Bereichen tätig:59 Mayrhofer-Passau war halb­tags in einem Rüstungsbetrieb in seiner Heimatstadt Passau eingesetzt.
Schneck war bis 30. November 1944 „als ehrenamtlicher Leiter des studentischen Kriegseinsatzes für ‚Deutscher Bauernhof, Reichsleitung
Rosenberg, Berlin-Schöneiche‘ eingesetzt und danach, neben ei­n er
12-wochenstündigen Lehrtätigkeit an der Technischen Hochschule Stuttgart, für die „Deutsche Akademie für Wohnungswesen e.V., For­s chungsstätte des Reichswohnkommissars Berlin-Buch.“60 Spiegel war beim
57 Hauptstaatsarchiv Stuttgart, Bestand E200b, Bü 14, fol. 45,
29.1.1945, Fritz von Graevenitz an Kultminister Mergenthaler.
58 Hauptstaatsarchiv Stuttgart, Bestand E200b, Bü 14, fol. 54,
26.2.1945, Fritz von Graevenitz an Kultminister Mergenthaler.
59 Hauptstaatsarchiv Stuttgart, Bestand E200b, Bü 14, fol. 55,
27.2.1945, Schneck an Württembergisches Kultministerium.
60 Heute Ortsteil im Bezirk Berlin-Pankow.
Müller – Akademie und Kunstgewerbeschule im NS
173
„Kriegsschädenamt der Stadt Stuttgart“ beschäftigt. Schneidler „hatte sich
auf seinem Fachgebiet der Gebrauchsgraphik haupt­sächlich der Typographie künstlerisch und forschend betätigt“.
In seiner Funktion als Direktor der Akademie erstellte von Graevenitz
mehrere Listen, auf denen er, jeweils getrennt, die noch amtierenden „weiblichen Kräfte“, die künstlerischen und die technischen Lehrer aufführte.
In diesen Listen waren Familienstand, Geburtsjahr, Tätigkeit an der
Akademie vor der Stilllegung, Verwendung im „Kriegseinsatz“, aktuelle
Adresse, mili­tärischer Dienstgrad und Wehrtauglichkeit bei den Männern
akribisch verzeichnet.61 Bei der Erstellung dieser Listen musste darauf geachtet werden, dass „kv [kriegsverwendbar] und bedingt kv gemusterte
Männer der Jahrgänge 1897 und jünger grundsätzlich nicht in Betracht“
kamen, weiter an der Akademie zu bleiben, „da sie der Wehr­macht zur
Verfügung stehen mussten.“62
Wobei zunächst auch mehrere Lehrkräfte aufgelistet waren, bei denen
seitens offizieller Stellen erst entschieden wurde, ob sie Dienst bei der
Wehrmacht leisten mussten, bei anderen kriegswichtigen Projekten
eingesetzt werden sollten oder ihrer Lehrtätigkeit an der „Staatlichen
Akademie“ weiter nachgehen konnten. Bei diesen Entscheidungen spielte
mit Sicherheit eine Rolle, ob und wie man sich zur NSDAP stellte und
welche Verbindungen im weitreichenden nationalsozialistischen Netzwerk man für sich nutzen konnte.
Als eines von vielen Beispielen soll hier Friedrich Hermann Ernst Schneid­ler herangezogen werden, der von 1920 bis 1949 ununterbrochen zunächst an der Württembergischen Staatlichen Kunstgewerbeschule,
61 Hauptstaatsarchiv Stuttgart, Bestand E200b, Bü 14, Listen über den
Einsatz der Lehrer der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Stuttgart.
62 Hauptstaatsarchiv Stuttgart, Bestand E200b, Bü 14, fol. 38, 6.1.1945,
Reichsminister für Wissenschaft, Erziehung und Volksbildung.
250 Jahre Kunstakademie Stuttgart
174
danach an der Stuttgarter Akademie lehrte und der nach der Zusammenlegung von Kunstgewerbeschule und Akademie Leiter der Abteilung
für angewandte Graphik wurde. Er schrieb am 11. Januar 1945 an Fritz
von Graevenitz, der sich zu diesem Zeitpunkt selbst kommissarisch als
Direktor der Akademie vertrat: „Ich habe am 5. Sept. 44 vom Präsidenten der Reichskammer der bildenden Künste die Mitteilung erhal­ten, dass
von der Erfassung zum Einsatz ‚die bedeutenden Künstler ausgenommen
sein sollten‘, dass ich auf Vorschlag des Herrn Präsidenten ‚in diesen Kreis
einbezogen sei‘, dass ich ‚somit weiterhin meine Künstlerische Tätigkeit
ausüben könne‘.“ 63 Schneidler stand ebenfalls auf der „Gottbe­gna­detenListe“ und der „U K-Liste“.64 Von Graevenitz hatte von Schneidlers „Frei­stellung“ keine Kennt­nis gehabt, da er im September 1944 kurzfristig
von Dr. Hermann Gretsch auf dem Direktorenposten vertreten wurde, und
hatte Schneidler auf seiner ersten Arbeitseinsatz-Liste der Lehrer der
Akademie für den „Einsatz in der Ver­s ehrtenbetreuung (Meisteratelier)“
vorgesehen. Schneidler war direkt von Adolf Ziegler, dem Präsidenten
der Reichkulturkammer in Berlin, „aufgrund seiner künst­lerischen Leistungen von der Heranziehung zum Kriegseinsatz befreit“ und dies ob­wohl
er „kv“ gemustert worden war.65
Ab 1942 begann das Misstrauen des Reichstatthalters Murr gegenüber
von Graevenitz größer zu werden: 1942 wurde Fritz Mader zum Professor
an die Stuttgarter Akademie berufen. 1957 hieß es dazu rückblickend
von Seiten des Kultusministers: „Bei der Ernennung des Herrn Mader
zum Professor 1942 soll seitens der Gauleitung ein Druck auf die Akademie ausgeübt worden sein. … Herr M. soll seine Ernennung zum
Professor seinen politischen Verbindungen und nicht seinen künstlerischen Fähigkeiten verdankt haben.“66 Der Studienrat Fritz (Friedrich)
63 Hauptstaatsarchiv Stuttgart, Bestand E200b, Bü 14 fol. 40, 11.1.1945, Schneidler an Fritz von Graevenitz.
64 Bundesarchiv Berlin, Bestand R 55/20252a, Gottbegnadeten-Liste, 1944, S. 8.
65 Hauptstaatsarchiv Stuttgart, Bestand E200b, Bü 14, fol. 32, 28.12.1944, Liste über den
Arbeitseinsatz der künstlerischen Lehrer der Akademie der Bildenden Künste in Stuttgart.
66 Archiv der Akademie der Bildenden Künste Stuttgart, Personalakte Fritz Mader.
Müller – Akademie und Kunstgewerbeschule im NS
175
Mader war laut Eintrag in der NSDAP-Gaukartei Württem­b erg am
1.12.1931 in die Partei eingetreten.67 Er hatte in seinem Fragebogen für
die Aufnahme in die Reichsschriftumskammer 1939 jedoch angegeben,
dass er schon ab 1923 der NSDAP angehörte und an großen Märschen
der NSDAP in München teilnahm, was seine besondere Affinität zum Nationalsozialismus bestätigt.68 „Professor“ Oskar Glöckler, bestätigte „Professor“ Mader 1933, dass er seit 1923 der NSDAP, der damaligen Stuttgarter SA (Abt. Kunstakademie) und dem geheimen Nachrichtendienst
angehörte.69 Von 1933 bis 1937 war Mader Kreis­leiter der NSADP in
Nürtingen, am 1.11.1936 übernahm er hauptamtlich als Gau­wart die Gaudienststelle der NS-Gemeinschaft „Kraft durch Freude“ und war als solcher der Herausgeber der Monatshefte für das Gau Württemberg-Hohenzollern, weiterhin war er Mitglied im NS-Lehrerbund.70 Neben diesen
Ämtern übernahm er noch weitere Funktionen in der NSDAP: „Gaufachreferent für den Zeichen- und Kunstunterricht, Mitglied des Kreisrats
Nürtingen, Mitglied der Arbeitskammer Gau Württemberg-Hohenzollern, Gauredner.“ Mader studierte vom Sommersemester 1920 bis zum
Wintersemester 1926/27 zunächst an der Kunstgewerbeschule und später
an der Akademie der bildenden Künste in Stuttgart; welche Fächer er
studierte ist jedoch nicht mehr genau zu klären, wahrscheinlich war er
Schüler in der Zeichenklasse von Professor Arnold Waldschmidt.71 Als
Beruf gab er in seinem Lebenslauf an, den er 1938 verfasste: Kunstmaler
und später als Studienrat, Lehrer für Zeichen und Kunstunterricht an
höheren Schulen.72 Fritz Mader war nominell vom 1. April 1942 bis 8.
Mai 1945 an der Akademie in Stuttgart als künstlerischer Hauptfach­
lehrer für Malerei angestellt.73 Die Stelle an der Akademie hatte er in
Realität jedoch nie angetreten. Er sollte die Ausbildung der Zeichenlehrer
an der Akademie übernehmen, die in Württemberg vier Jahre dort stu-
67 Bundesarchiv Berlin, Bestand NSDAP-Gaukartei Württemberg, Fritz Mader, Mitglieds-Nr. 774428.
68 Bundesarchiv Berlin, Bestand RK/ RSK I, Bü 124, Fol. 0182 und Fol. 0202.
69 Staatsarchiv Ludwigsburg, Bestand PL 502/22, Bü 3, Kreisleitung Nürtingen 4.10.1933.
70 Bundesarchiv Berlin, Bestand NSLB-Kartei, Fritz Mader.
71 Archiv der Akademie der Bildenden Künste Stuttgart, Verz. Studentenakten Kunstgewerbeschule.
72 Bundesarchiv Berlin, Bestand RK/RSK I, Bü 124, Fol. 0202.
73 Archiv der Akademie der Bildenden Künste Stuttgart, Personalakte Fritz Mader.
250 Jahre Kunstakademie Stuttgart
176
dierten und danach in den Lehrer­beruf gingen. Mader sah sich selbst
als „dazu ausersehen, diese Leute pädagogisch heranzubilden“.74 Vermutlich war er als direkter Nachfolger des NS-Dozen­tenbundführers und
Kunstmalers Heinrich Kißling an die Akademie geholt wor­den. Maders
erste Berufung muss schon um 1939 stattgefunden haben, denn von Graevenitz berichtete: „Als ein Kreisleiter und Freund des Reichsstatthalters
Murr auf Wunsch des Letzteren berufen werden sollte, sagte ich dem
Gau-Propa­gandaleiter Mauer, der mir diesen Wunsch übermittelt hatte,
in Gegenwart von Dr. Schwaderer, dem Vorstand des Amtes bildender
Künstler:75 ‚Nur über meine Leiche kommt dieser Mann in die Akademie.‘“76 Von Graevenitz konnte die Berufung Maders zu diesem Zeitpunkt noch abwenden. Während seiner verschiedenen Kuraufenthalte in
Davos und Höchenschwand, von Mitte April 1940 bis Mitte des Jahres
1942, wurde von Graevenitz von Erich Feyerabend als Direktor der Akademie vertreten. Während dieser Zeit muss es dann auf nachdrücklichen
Befehl Murrs zur Berufung von Mader gekommen sein. Im Sommer 1944
sollte auf Antrag Mergenthalers von Graevenitz erneut in seinem Amt
als kommissarischer Direktor der Akademie für das Wintersemester
1944/45 bestätigt werden, was Reichsstatthalter Murr gegenüber dem
Kultministerium jedoch mit der Begründung abgelehnt hatte, dass von
Graevenitz politisch nicht zuverlässig sei.77 Zur Ablehnung Maders durch
von Graevenitz, die Murr als persönlichen Affront betrachtete, war hinzugekommen, dass von Graevenitz ab 1943/44, auch auf Reichsebene,
unter Verdacht stand, gegen die Interessen der NSDAP zu agieren, wie aus
einem Brief des Leiters des Reichskulturamtes vom Juni 1944 hervorgeht: „Da mich Dr. Renz um Unterlagen über Prof. Fritz von Graevenitz
gebeten hat, habe ich mich noch einmal eingehend mit den augenblicklich
laufenden Vorgängen befasst. Die Situation ist in politischer Hinsicht sehr
schwierig. Man will Fritz von Graevenitz einerseits in künstlerischer Hin-
74 Staatsarchiv Ludwigsburg, Bestand EL 902/20, Bü 8594,
Protokoll Spruchkammerverhandlung Fritz Mader, 29.4.1948, S. 9.
75 Landesleiter der Bildenden Künste in Württemberg.
76 Archiv der Stiftung Fritz von Graevenitz, BG Biographisches, ca. 1953, Lebensbericht, Anlass unbekannt
77 Archiv der Stiftung Fritz von Graevenitz, BG Urkunden etc., 21.6.1945, Bericht Meyding.
Ab 1. November 1944 erließ der Reichserziehungsminister die Stilllegung aller Kunsthochschulen.
Müller – Akademie und Kunstgewerbeschule im NS
177
sicht voll und ganz gelten lassen und auch künftig seinem Schaffen keinerlei Abbruch tun, an­dererseits ihn jedoch aufgrund seiner weltanschaulichen Vorbehalte und christlichen Bindungen von der Leitung der Schule
entbinden. … Wie mir heute be­kannt wurde, hat auch die Parteikanzlei
erneut die Frage Fritz von Graevenitz aufgegriffen, mit dem Ziel nunmehr
endgültig eine Bereinigung der Angelegen­heit aufgrund von Vorlagen, die
gegen v.G. sprechen herbeizuführen.“78
Vermutlich hatte sich Martin Bormann, der Leiter der NSDAP Partei­kanz­lei, der Sache persönlich angenommen und von Graevenitz’ Akte, laut späterer Aussage des Gaustudentenführers Walter Balon, mit dem Vermerk
versehen, dass von Graevenitz die Akademie verlassen muss.79 Die treibende Kraft dahinter war der Reichsstatthalter und Gauleiter in Württemberg Wilhelm Murr. Er warf von Graevenitz schon längere Zeit indirekt
eine zu enge Bindung an die reformpädagogische Bewegung (Britsch/
Kornmann und die Stuttgarter Anthroposophen) vor, zudem gefiel ihm
das selbstbewusste Auftreten von Graevenitz nicht, der sich vehement weigerte, in die NSADP einzutreten und dies auch öffentlich so äußerte. Als
Murr von der Reichskanzlei jedoch direkt nach seinen Gründen für die
Ablehnung von Graevenitz gefragt wurde, verweigerte er die konkrete Aussage.80 Im Februar 1946 wurde von Graevenitz auf Anordnung der amerika­nischen Militärregierung aus seinem Amt an der Akademie entlassen.81
Unge­achtet aller Umstände beantragte er jedoch daraufhin selbstbewusst
seine regel­rechte Versetzung in den Ruhestand, die ihm auch rückwirkend
zum 31. Dezember 1945 vom Kultministerium Württemberg-Baden, unter der Leitung von Theodor Heuss, gewährt wurde.82 Die Akademie in Stuttgart nahm ihren Betrieb am 15. März 1946 unter der kommissarischen
Leitung des Bildhauers Hermann Bra­chert wieder auf. Am 5. November des
gleichen Jahres wurde sie offiziell von Theodor Heuss wiedereröffnet.
78 Bundesarchiv Berlin, Bestand RK/RSK I, B 59, G0024, 28.6.1944, Leiter des Reichskulturamtes
Schulze-Berghof an Reichsstudentenführer, Gauleiter, Reichsstatthalter Dr. G.A. Scheel Salzburg.
79 Archiv der Stiftung Fritz von Graevenitz, BG Urkunden etc., 24.11.1947, Eidesstattliche Erklärung zur Verwendung in einer Spruchkammerverhandlung von Walter Balon.
80 Bundesarchiv Berlin, Bestand RK/RSK I, B 59, G0018, 31.8.1944, Leiter des Reichskulturamtes Schulze Berghof an Leiter des Amtes für politische Erziehung Dr. Bässler.
81 Archiv der Stiftung Fritz von Graevenitz, BG Urkunden etc., 27.1.1946, Bericht Fritz von Graevenitz.
82 Archiv der Stiftung Fritz von Graevenitz, BG Urkunden etc., 21.10.1946 Kultministerium an Fritz von Graevenitz, Urkunde auf Versetzung in den Ruhestand.
250 Jahre Kunstakademie Stuttgart
178
Alle, die durch ihr Wort, ihre Schriften, ihre Person, ihre Kunst, ihre Funktion und ihre Tätigkeit mehr oder weniger aktiv die Zeit des Nationalsozialismus mitgestalteten, waren lebendiger Teil und Garantie für das Funktionieren dieses grau­s amen Systems. Ihrer moralischen Verantwortung
konnten und wollten sich jedoch viele nach Ende des ‚Dritten Reichs‘ nicht
stellen, da ihre (Mit-)Schuld zu offensichtlich war.
Günther Wirth schrieb 1987 in seinem Standardwerk „Verbotene Kunst
im deut­schen Südwesten 1933–1945“: „Das Klima an der Kunstakademie
und der Kunstgewerbeschule in Stuttgart war deutlich gemäßigter als in
anderen Stätten zur gleichen Zeit“.83
Dennoch wurden während der Zeit des Nationalsozialismus Professoren
und Lehr­kräfte von ihrer Lehrtätigkeit an der Akademie aufgrund politischer Entschei­dungen entbunden.84 Viele andere, denen während des Nationalsozialismus ein Lehrauftrag ohne Beanstandung des NS-Regimes
übertragen worden war, lehr­ten auch nach 1945 wieder vollkommen unbehelligt an der Stuttgarter Akademie.
83 Günther Wirth: Verbotene Kunst 1933–1945: Verfolgte Künstler im dt. Südwesten, Stuttgart 1987, S. 64.
84 Heinrich Altherr, 1913–1939 Lehrauftrag für Malerei und Kompositionslehre, Robert Breyer,
1914–1938 Lehrauftrag für Malerei und Graphik, Gottfried Graf, 1925–1937 Professor für Holzschnitt,
Ludwig Habich, 1910–1937 Professor für Bildhauerei, Anton Kolig, 1928–1943 Professor für Wandund Kirchenmalerei, Albert Müller, 1929–1942 Hilfslehrer für Naturzeichnen, Bernhard Pankok,
1903–1937 Leiter der Württ. Kunstgewerbeschule, Peter Jacob Schober, 1932–1936 Hilfslehrer Radierklasse, 1943 abgelehnt als Nach- folger von Anton Kolig.
Spa
S pa nke : Wir m a le n ke ine B ilde r
183
Daniel Spanke
„Wir malen keine
Bilder, wir studieren“
Baumeister und die Stuttgarter
Akademie als verhindertes Bauhaus?
Als Willi Baumeister 1946 zum Professor an der
Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Stuttgart berufen
wurde, wurde in mehrfacher Hinsicht etwas geheilt. Wie kaum ein
anderer bildender Künstler hat sich Baumeister in den Jahren der
nationalsozialistischen Diktatur notgedrungen in eine innere Emigration zurückgezogen. Allerdings wurde so aber auch noch deutlicher sichtbar, was für ein Gegenreich der geistigen Freiheit ganz
eigenen Rechts Baumeister in der Lage war, zu errichten. Überblickt man sein Werk, etwa indem man das opulente Werkverzeichnis der Gemälde aufmerksam durchsieht, so wird man schnell gewahr, dass das „Dritte Reich“ dort schlichtweg nicht stattfindet.1 Es
findet eine kontinuierliche, reiche künstlerische Entwicklung etwa
von den Werkgruppen der Sportbilder II (1932–38) über die der
Ideogramme (1937–41) und der Eidosbilder (1938–42) zu den
Werken der Gruppe Gilgamesch (1942–52) statt. In diesem Œuvre
findet man weder eine Irritation im Fortschreiten auf dem eigenen,
dem abstrakten Idiom moderner Kunst nahestehenden künstlerischen Weg noch Konzessionen an Kunstdoktrinen der Nationalsozialisten. Trotz Mal- und Ausstellungsverbot entfaltet und entwickelt
Baumeister unter weitestgehendem Ausgeschlossensein von der
Öffentlichkeit die künstlerische Moderne inmitten des Totalitarismus
Peter Beye/Felicitas Baumeister: Willi Baumeister.
Werkkatalog der Gemälde, Bd. 2, Ostfildern 2002 .
1
2 5 0 Ja h r e K u n sta ka de m ie Stuttga rt
184
weiter – auch diese Werke sind deutsche Kunst zwischen 1933 und
1945. An Baumeisters ungebrochene Position nach dem Ende von
Krieg und Gewaltherrschaft von öffentlicher Seite wieder durch die
Berufung des Künstlers an eine staatliche Hochschule anzuknüpfen,
erscheint also höchst sinnvoll, angemessen und geschichtlich richtig.
Doch auch in einer anderen Hinsicht, deren Perspektive zum Beginn des 20. Jahrhunderts reicht, erscheint die
Bestellung Baumeisters zum Professor in Stuttgart heilsam. Und
das hängt mit der Emeritierung seines eigenen Lehrers zusammen,
Adolf Hölzel, bei dem er von 1909 bis 1919 an der Akademie seiner Heimatstadt studiert hat.2 Hölzel hat an der damals königlichen
Stuttgarter Akademie mit höchst innovativen Lehrmethoden und
-inhalten eine ganze Riege von jungen Künstlern einer eigenen Stuttgarter Avantgarde, deren Kern mit den Namen Oskar Schlemmer,
Otto Meyer-Amden, Johannes Itten, Max Ackermann und eben Willi
Baumeister umschrieben werden kann, geprägt. 3 Eine wirkliche,
geistige Nachfolge hat man für Hölzel nach seinem Rücktritt nicht
gefunden, vielleicht auch nicht finden wollen. Schlemmer und Baumeister setzten sich als Studenten mit revolutionärem Elan für die
Berufung Paul Klees auf den Lehrstuhl Hölzels ein.4 Der stattdessen
von der Akademieleitung wohl schon länger für die Stelle auserkorene Arno Waldschmidt kam dem Wunsch der Professorenschaft
2
Baumeister trat bereits zum Wintersemester 19 0 5 in die Akademie und zwar in
die Zeichenklasse von Robert Poetzelberger ein. Nachdem er wegen Unbegabung
fast wieder hätte ausscheiden müssen, durfte er dennoch in die völlig verwaiste
Malklasse des unbekannteren Gustav Igler wechseln, malte aber verbotenerweise
impressionistisch, und nur Adolf Hölzel war 19 0 9 bereit, Baumeister, dessen Talent der Österreicher deutlich erkannte, in eine weiterführende Komponierklasse
gegen alle Statuten aufzunehmen. Nach dem Rücktritt Hölzels 1919 blieb Baumeister noch bis zum Sommersemester 1922 an der Akademie eingeschrieben.
Baumeister und Hölzel blieben einander weiterhin sehr innig verbunden. Zur
Biografie Baumeisters vgl. Peter Beye/ Felicitas Baumeister: Willi Baumeister.
Werkkatalog der Gemälde, Bd. 1, Ostfildern 20 02 , S. 13 8 –14 0.
3
Vgl. dazu den Beitrag von Alexander Klee in diesem Band.
4
Vgl. dazu Susanne Jakob: „Novembergeist“ und Stuttgarter Avantgarde,
in: Kat. Stuttgarter Avantgarde 1919. Baumeister, Schlemmer und
die Üecht- Gruppe, Ausstellungskatalog: Bonn, Landesvertretung
Baden Württemberg u.a. 19 8 9 –9 0. Bonn u.a. 19 8 9, S. 9 – 4 8 .
S pa nke : Wir m a le n ke ine B ilde r
185
nach einer künstlerisch zwar soliden, aber betont wenig avantgardistischen Position entgegen.5 Mit Adolf Hölzels Demission endet an
der nach 1918 nur noch Württembergischen Akademie Stuttgart
erst einmal die Moderne in ihrer fortschrittlichen Version.
Folgt man den diesbezüglich nicht reichlichen Quellen, so hätte es zweimal die Chance gegeben, Willi Baumeister ans
Staatliche Bauhaus nach Weimar beziehungsweise Dessau zu berufen, 1923 und 1929. Zur Bewertung von Baumeisters Tätigkeit an
der Stuttgarter Akademie ist diese Vorgeschichte seiner pädagogischen Tätigkeit wichtig, gilt das Bauhaus doch zu recht als die fortschrittlichste deutsche Kunsthochschule der 1. Hälfte des 20. Jahrhunderts. Aus der Zusammenlegung der von Henri van de Velde gegründeten Großherzoglich-Sächsischen Kunstgewerbeschule mit
der Großherzoglich-Sächsischen Hochschule für Bildende Kunst in
Weimar entstanden, exerzierte das 1919 gegründete Bauhaus etwas
nach, was schon Adolf Hölzel für Stuttgart angemahnt, aber nicht
hatte durchsetzen können: die institutionelle Einheit von angewandter und freier Kunst. Sowohl Hölzel als auch Baumeister haben vor
ihrem Kunststudium Ausbildungen im Bereich angewandter Gestaltung, Hölzel zum Schriftsetzer in Gotha, Baumeister zum Dekorationsmaler in Stuttgart, erhalten. Sowohl in ihrer eigenen künstlerischen wie auch pädagogischen Arbeit legten beide größten Wert
auf die intensive handwerkliche Auseinandersetzung und Kenntnis
der „künstlerischen Mittel“, um einen zentralen Terminus der Lehre
Hölzels zu nennen.6 Wie sehr der von Johannes Itten eingeführte Vorkurs am Bauhaus, „das Herzstück der Bauhauspädagogik“, sowohl
strukturell als auch inhaltlich wesentlich auf Erfahrungen Ittens in der
Klasse Hölzels zurückgeht, der er von 1913 bis 1916 wie auch der am
Bauhaus tätige Schlemmer und eben Baumeister angehörte, muss
Vgl. Kat. Bonn (wie Anm. 4), S. 9 –4 8 .
Zu Hölzel und seiner Lehre s. jüngst Kat. Kaleidoskop. Hoelzel in der
Avantgarde. Kunstmuseum Stuttgart u. a. 20 0 9/10, Heidelberg 20 0 9 (mit
ausführlicher Biografie und Bibliografie). Der gesamte schriftliche Nachlass Hölzels wird von der Adolf-Hölzel-Stiftung, Stuttgart, zur Zeit wissenschaftlich bearbeitet und steht zur Veröffentlichung in geeigneter Form an.
5
6
2 5 0 Ja h r e K u n sta ka de m ie Stuttga rt
186
noch weiter untersucht werden.7 Baumeister wird jedenfalls später
für die Stuttgarter Akademie ganz Ähnliches fordern.8 Als Itten 1923
das Bauhaus verließ, brachte der Studienkollege Oskar Schlemmer
folgerichtig Baumeister als Nachfolger ins Gespräch.9 In einem Brief
an Baumeister vom 7. September 1922 hofft Schlemmer „Du zur Verstärkung“, „mein geheimst Hoffen u Fühlen“.10 Es ist bekannt, wie
wenig Schlemmer Ittens esoterische Metaphysik schätzte: „Ob wir
ihn hinausboxen?“, Baumeister, der bei aller Geistigkeit seiner Kunstauffassung Geheimlehren abhold war, konnte auch in diesem Zusammenhang sehr wohl als sinnvolle Nachfolge erscheinen.11 Zudem hat
Baumeister zu dieser Zeit bereits internationale Aufmerksamkeit für
seine Mauerbilder errungen. Diese Gemälde, die eine auf der menschlichen, zumeist männlichen Gestalt heraus entwickelte Figuration in
eine Flächenformation überführen, weisen oft reliefartige Schichtungen mit differenzierten Oberflächenbehandlungen auf, die das Bild
mit der Wand, auf der es hängt, verbinden.12 Eine Einheit aus Bild
und Innenarchitektur, Ikonoarchitektur sozusagen, wird angestrebt,
die auf der ersten Werkbundausstellung 1922 in Stuttgart im Raum
des Architekten Richard Döcker zu einem Wandgemälde führte, das
sogar die strenge Viereckigkeit des Tafelbildes zugunsten einer unregelmäßigen Bildgrenze aufgibt und so Wand und Bild innig miteinander verfugt (Abb. 1).13 Auch die Architektur Döckers verlässt die
7
Magdalena Droste: Bauhaus. 1919 –1933 , Köln 19 91, S. 22 . Strittig ist die
Prägung Ittens durch den pädagogischen Elan Hölzels nicht. Sie wird in
der Literatur meistens erwähnt, bleibt aber auch aufgrund der bisher mangelhaften Quellenerschließung zu Hölzel unausgeführt. Die Aufarbeitung
des schriftlichen Nachlasses Adolf Hölzels wird hier manches klären.
8
Siehe unten.
9
Wolfgang Kermer: Der schöpferische Winkel. Willi Baumeisters
pädagogische Tätigkeit (Beiträge zur Geschichte der Staatlichen
Akademie der Bildenden Künste Stuttgart, Bd. 7, Ostfildern 1992,
S. 10 . Kermer zitiert hier Grohmann (ohne Quellenangabe).
10
Brief im Archiv Baumeister.
11
Brief im Archiv Baumeister.
12
Vgl. dazu demnächst Daniel Spanke: Konstruierter Apoll. Willi
Baumeisters Apoll-Bilder und der Neue Mensch bei Otto MeyerAmden und Oskar Schlemmer (Schriften des Archiv Baumeister
im Kunstmuseum Stuttgart, Bd. 3). München u.a. 2011 (im Druck).
13
Abb. in Gottfried Boehm: Willi Baumeister,
Stuttgart 1995, S. 192. Vgl. auch ebd. Abb. S. 194.
S pa nke : Wir m a le n ke ine B ilde r
187
rein kubische Binnenstruktur eines Raumes und kommt mit „elementaren Mitteln“, Schwüngen, Gegenschwüngen und Geraden ihrerseits dem konstruktiv-komplexen Mauerbild Baumeisters entgegen.14 Baumeister steht mit diesem integrierten Bildkonzept dem
Bauhausgedanken, in dessen Zentrum die Utopie des „Baus der Zukunft“ als Hauptaufgabe kreativer Gestaltung steht, für den sich alle
Künste in idealer Einheit verbinden sollten, besonders nahe; seine
Berufung wäre ideal, logisch und konsequent gewesen. Mit Baumeisters Eintritt in Weimar, oder eben später in Dessau, als Hannes
Meyer ihn 1929 erneut für das Bauhaus als Professor anfragte, wäre
noch deutlicher geworden, wie sehr die „akademische“ Stuttgarter
Avantgarde im Bauhaus ihre Fortsetzung hätte finden können.15 Wie
recht ist auch Gottfried Boehm zu geben, der ganz zu Beginn seiner
Baumeister-Monografie beklagt: „Wäre er freilich Mitglied des Bauhauses geworden, käme diese [die handwerkliche Basis als profunde Verankerung im Leben] seiner Arbeit auch nachträglich besser
zur Geltung, sein ganzes Werk erschiene in einem anderen Licht.“ 16
Auch dem Bauhaus, so kann man hinzufügen, ist dadurch einiges an
„personeller Konsistenz“ entgangen.
(Abb. 1) Mauerbild im Raum des Architekten Richard Döcker auf
der Werkbundausstellung, Stuttgart 1922 , Foto: Archiv Baumeister
Willi Baumeister 193 4, zit. n. Boehm 199 5 (wie Anm. 13 ), S. 18 8 .
Kermer 19 92 (wie Anm. 9), S. 10 . Laut einem Brief von Schlemmer an Baumeister vom 2 .5.1925 dachte Schlemmer erneut daran, Baumeister ans Bauhaus zu empfehlen. Baumeister – letztlich vergebens – ans Bauhaus zu holen,
stellt also gleichsam eine konstante personelle Option am Bauhaus dar.
16
Boehm 19 9 5 (wie Anm. 13), S. 10.
14
15
2 5 0 Ja h r e K u n sta ka de m ie Stuttga rt
188
Die Gründe, warum Baumeister sich auch nicht nach
Dessau berufen ließ, sind noch näher zu erforschen. In einem Brief an
Oskar Schlemmer schreibt Baumeister am 3. November 1929: „Lieber Oskar, Brief von Hannes Meyer-Dessau: „im Sinne einer priva­ten Voranfrage“ bietet er am Bauhaus für mich: „Meister für Akt u
Figur, wahrscheinlich in Verquickung mit Typographie u Schrift“ „ein
Meisterhaus mit Atelier ist zur Zeit frei“ vermutlich das Deine. Wenn
der üble Wichert nicht wäre, käme Dessau nicht entfernt in Frage.
So aber möchte ich vor Ablehnung der Voranfrage (und vielleicht
der kommenden Anfrage) die Chancen wägen.“ 17 Im Folgenden
bittet er Schlemmer, ihm unter aller Diskretion interne Hinweise auf
die Zustände in Dessau zu geben. Schlemmer hatte zu diesem Zeitpunkt das Bauhaus bereits verlassen, um eine Professur an der
Staatlichen Akademie für Kunst und Kunstgewerbe in Breslau anzunehmen, die höchst renommiert war, und an der neben Schlemmer
Persönlichkeiten wie Oskar Moll, Johannes Molzahn, Otto Mueller
und Hans Scharoun lehrten. Baumeister wäre also Schlemmers
Nachfolger am Bauhaus geworden. 1929 war Baumeister jedoch
bereits ein Jahr in Frankfurt am Main an der Städtischen Kunstgewerbeschule Professor für Typografie und Werbegestaltung. Man
mag sich wundern, dass er diese Berufung auch derjenigen vorzog,
die zeitgleich 1928 an ihn erging, für eine Malereiprofessur an eben
jene Breslauer Akademie, an die ein Jahr später Schlemmer vom
Bauhaus wechseln sollte. Obwohl die Breslauer Akademie als wohl
fortschrittlichste Kunsthochschule nach dem Bauhaus im Deutschen
Reich gelten kann – immerhin schon 1911 unter dem Direktorat Hans
Poelzigs vollzog man dort die fortschrittliche Vereinigung von Kunstakademie und Kunstgewerbeschule –, war Baumeister die Oderstadt vielleicht auch schlichtweg zu weit östlich gelegen, was er in
einem Brief an Schlemmer andeutet, als dieser ihn um interne Informationen bittet. Letztlich entwirft er aber ein positives Bild: „ich kann
Dir dazu raten.“18 Baumeister hatte sowohl Frankfurt als auch Breslau besucht, um dann das Frankfurter Angebot anzunehmen. Der im
17
18
Brief im Archiv Baumeister im Kunstmuseum Stuttgart.
Brief vom 12 .3.1929 im Archiv Baumeister im Kunstmuseum Stuttgart.
S pa nke : Wir m a le n ke ine B ilde r
189
oben zitierten Brief Baumeisters erwähnte Fritz Wichert war von 1909
bis 1923 Gründungsdirektor der Mannheimer Kunsthalle gewesen,
wo er durch spektakuläre Ankäufe der Moderne unermüdlich und auf
höchstem Niveau ein Haus baute und sich auch, etwa durch die Einrichtung eines „Freien Bundes zur Einbürgerung der bildenden Kunst
in Mannheim“ oder einer „Akademie für Jedermann“, als einer der Ersten um die Vermittlung von Kunst an die Bevölkerung vor Ort kümmerte.19 Durch interne Spannungen mit seinem Stellvertreter und
Nachfolger Gustav Friedrich Hartlaub mit ausgelöst, nahm Wichert
eine Stelle als Stadtkunstwart von Frankfurt am Main an, zu dessen
Aufgaben auch die Leitung der Kunsthochschulen der Stadt gehörte.
Als solcher legte Wichert die Städelsche Zeichenakademie mit der
Städtischen Kunstgewerbeschule zur Frankfurter Schule für freie
und angewandte Kunst zusammen und setzte damit auch in Frankfurt den aus dem Jugendstil kommenden Gedanken einer Wiederverankerung der Kunst ins Leben um, die auch das Bauhaus prägte.
Max Beckmann war dort seit 1925 Professor für Malerei.20 Willi Baumeister eilte ein hervorragender Ruf nicht nur als Künstler, sondern
auch als Typograf und Werbegestalter voraus.21 In seiner Begründung für Baumeisters Berufung verweist Wichert dem Frankfurter
Amt für Wissenschaft, Kunst und Volksbildung gegenüber ausdrücklich auf Baumeisters „sehr gute Beschriftung der großen Werkbundausstellung in Stuttgart“ 1927.22 Im selben Jahr wird Baumeister
Mitglied im angesehenen Verband „ring neue werbegestalter“ unter
dem Vorsitz von Kurt Schwitters. Schon früh hat Willi Baumeister
Vgl. Inge Herold: Fritz Wichert (1909–1923). „Ein künstlerischer
Erzieher für eine ganze Stadt“, in: Ausstellungskatalog: 100 Jahre
Kunsthalle Mannheim 19 07–20 07, Mannheim 20 07, S. 16 –25 .
20
Kat. Mannheim 2007 (wie Anm. 19), S. 24. Vgl. Kermer 1992 (wie Anm. 9),
S. 16. Baumeisters Professoren-Ausweis ist allerdings 1931 von der „Städtischen Kunstgewerbeschule“ ausgestellt. Er hat sich mit dem Entlassungsschreiben des kommissarischen Direktors der Kunstgewerbeschule, Paul Berthold, vom 31.3.1933 im Archiv Baumeister erhalten. Anderseits spricht auch
der wohl profundeste Kenner der Geschichte von Baumeisters Pädagogik, Wolfgang Kermer, stets von der Frankfurter Kunstschule (ebd.), an der Baumeister
und Beckmann Kollegen gewesen sind.
21
Vgl. Willi Baumeister. Typographie und Reklamegestaltung. Ausstellungskatalog: Staatliche Akademie der Bildenden Künste Stuttgart 1989.
22
Zit. n. Kermer 19 92 (wie Anm. 9), S. 13.
19
2 5 0 Ja h r e K u n sta ka de m ie Stuttga rt
190
Schrift in seine Werke einbezogen; seine bahnbrechende bühnenbildnerische Arbeit für die Aufführung von Ernst Tollers Wandlung am
Deutschen Theater in Stuttgart 1920 bezieht aus dieser Verbindung einen bedeutenden Teil ihrer künstlerischen Kraft.23 Baumeister
war nicht eingeschränkt auf das Malen und auf das der Kunstgeschichte bis heute so wichtige eminente Kunstwerk.24 Auch in dieser
Hinsicht entspricht es durchaus dem Bauhausgedanken, die Trennung in freie und angewandte Kunst durch Betonung des Werkstattcharakters künstlerischer Vernetzung aufheben zu wollen, dass Baumeister bereit war, als einen Schritt seiner Karriere die Frankfurter
Typografieprofessur statt einer Malereiprofessur in Breslau anzutreten. Besonders interessant sind die Lehrinhalte, die Baumeister seinen angehenden Grafikern vermittelte. In seinem Aufsatz „Die Frankfurter Schule für angewandte und freie Kunst“ stellt Wichert 1929
die „Werbegrafikklasse Prof. W. Baumeister“ unter anderem mit
Fotomontagen vor. Baumeister arbeitete selbst in seinem künstlerischen Werk ab 1926 mit Collagen, in die auch wesentlich Fotografien einbezogen sind. Wolfgang Kermer vermutet, dass Baumeister den Anstoß zur höchst innovativen Etablierung einer Foto-Werkstatt an der Frankfurter Kunstschule gab.25 Noch bezeichnender aber
mag erscheinen, dass Wichert in seinem Aufsatz noch davor den
„Lehrgang für Flächenverteilung“ präsentiert.26 Geometrische Elemente werden auf der Fläche in ein spannungsvolles Miteinander
23
So im Bühnenbild für Szene 5 und die Schlussszene. Baumeister gestaltete auch das Plakat und den Umschlag für das Programmheft. Vgl. dazu:
Im Rampenlicht. Baumeister als Bühnenbildner. Ausstellungskatalog: Kunstmuseum Stuttgart 2007, München u.a. 2007, S. 64–76. Die Verbindung von
Schrift und Bild konnte Baumeister schon bei Hölzel beobachtet haben. Vgl.
Kat. Kaleidoskop. Hoelzel in der Avantgarde (wie Anm. 6), S. 322–327.
24
Vgl. Daniel Spanke: Das kleine Werk. Opustheoretische Überlegungen
zu den Lacktafeln von Willi Baumeister, Oskar Schlemmer und Franz
Krause, in: Laboratorium Lack. Baumeister, Schlemmer, Krause 1937–
194 4, Ausstellungskatalog: Kunstmuseum Stuttgart 2007, S. 53–61.
25
Kermer 19 92 (wie Anm. 9), S. 14.
26
Fritz Wichert: Die Frankfurter Schule für angewandte und freie Kunst,
in: Die Form. Zeitschrift für gestaltende Arbeit. Für den Deutschen
Werkbund und den Verband Deutscher Kunstgewerbevereine hrsg.
4. Juli 1929, S. 3 52 . Abb. in Kermer 19 92 (wie Anm. 9), S. 20 .
S pa nke : Wir m a le n ke ine B ilde r
191
und Ganzes gebracht. Die Abbildungen haben durchaus keinen
von Studien für abstrakte Gemälde unterschiedenen Charakter,
insofern sie innerhalb eines begrenzten Formates eine ausgewogene Gesamtkomposition anstreben. In einer anderen Selbstdarstellung der Frankfurter Kunstschule ist deshalb als erster Unterrichtsinhalt der von Baumeister geleiteten Abteilung Werbegrafik und
Buchgestaltung „Allgemeine Ausbildung in der künstlerischen
Flächen-Behandlung“ angeführt. 27 Schon Adolf Hölzel hatte zu Beginn des Jahrhunderts solche Übungen in seinen Unterricht eingeführt. Mit dem Werk und dem Denken Hölzels war zu lernen, dass
„Abstraktion“ als eine neue Weltsprache der Kunst nicht nur die Befreiung der Bildformen vom Gegenständlichen und Wiedererkennbaren, sondern noch mehr eine der Tatsache des Bildes als Fläche
angemessene Art des Gestaltens eben dieser Fläche bedeutet.28
Eine Fortsetzung dieses Frankfurter „Lehrgangs für Flächenverteilung“ dokumentieren die sogenannten „Didaktischen Lehrtafeln“, die
Baumeister für den Unterricht an der Stuttgarter Akademie 1949 angefertigt hat und die Grundprinzipien der Bildkomposition demonstrieren.29 Für Baumeister trennten das Studium der angewandten
Künste und das der freien Künste grundsätzlich keine qualitativen
oder gar hierarchischen Unterschiede; nur die Aufgaben mochten
später andere sein. Beide fußten auf denselben elementaren Mitteln,
die alle Gestaltungs-Studenten gründlich kennenlernen sollten.
Auch von daher lässt Baumeisters Frankfurter Typografie-Professur
seine spätere Lehrtätigkeit in Stuttgart anders bewerten. Sie stellt
nicht so sehr die endlich erreichte Anerkennung Baumeisters als
einer der wichtigsten bildenden Künstler in Deutschland dar, eine
Malereiprofessur wurde ihm in Breslau ja bereits angeboten, sondern
27
Das Neue Frankfurt. Internationale Monatsschrift für die Probleme kultureller
Neugestaltung 3, Mai 1929, S. 93 . Abb. in Kermer 19 92 (wie Anm. 9), S. 17.
28
Vgl. Daniel Spanke: Kaleidoskop und Ornament. Zu Adolf
Hölzels Konzeption des modernen Bildes, in: Kat. Kaleidoskop. Hoelzel in der Avantgarde (wie Anm. 6), S. 52– 63 .
29
Die Tafeln haben sich im Archiv Baumeister im Kunstmuseum
Stuttgart erhalten und sind bei Kermer 1992 (wie Anm. 9), S. 136–141
beschrieben und kommentiert und ebd. S. 14 5–162 abgebildet.
2 5 0 Ja h r e K u n sta ka de m ie Stuttga rt
192
ist eine mögliche Variante seines kunstpädagogischen Spektrums.
Leider ist die Geschichte nicht geradlinig darauf hin gelaufen, sondern, verkrüppelt durch die Diktatur der Nationalsozialisten, mit leidvoller Unterdrückung. Mit dürren, jargontypischen Worten wurde
Baumeister im März 1933 mitgeteilt, dass Fritz Wichert als Direktor
der Frankfurter Schule beurlaubt sei und man auf seine „weitere
Lehrtätigkeit an der Kunstgewerbeschule verzichte“.30 Max Beckmann verlor sein Frankfurter Meisteratelier nur zwei Wochen später.31
Damit beginnen die dunklen, verborgenen Jahre des Künstlers Willi
Baumeister, der sein Werk zwar ungebrochen weiterführt, jedoch in
der ständigen Angst vor Entdeckung durch die Behörden und der
quälenden Ungewissheit arbeiten muss, nicht zu wissen, ob sein
Werk noch jemals wieder wird öffentliche Wirkung entfalten können.32
Nicht hoch genug geschätzt werden kann das Engagement des
Wuppertaler Lack- und Farbenfabrikanten Kurt Herberts, der an der
Technischen Hochschule Stuttgart promoviert hat und der Willi
Baumeister, Oskar Schlemmer und Franz Krause durch eine Anstellung ein wirtschaftliches Überleben ermöglichte.33 Angestellt
waren die drei, zu denen auch Schlemmers Bruder Carl, Casca genannt, gehörte, als Professoren für Maltechnik, also als Wissenschaftler und Techniker, nicht als Künstler. Das war wichtig, um das
Verbot künstlerischer Tätigkeit zu umgehen. Schlemmer verwandelte den Bauhausgedanken entsprechend zeittypisch und ins Dunkle
umgefärbt: Er sprach davon, das sie’s wie die alten Domsteinmetze
machen würden und nur anonym wirken könnten.34 Überwiegend
zwischen 1940 und 1942 entstanden in Wuppertal über 200 experimentelle, sogenannte Lacktafeln für eine Publikation des durch Herberts in seinem Unternehmen großzügig eingerichteten Wupper-
Entlassungsschreiben im Archiv Baumeister im Kunstmuseum Stuttgart. Abgebildet bei Kermer 1992 (wie Anm. 9), S. 23.
31
Vgl. Kermer 19 92 (wie Anm. 9), S. 21–28 .
32
Für zahlreiche Hinweise und Hilfen bin ich Felicitas
Baumeister und Hadwig Goez sehr dankbar.
33
Vgl. dazu Kat. Laboratorium Lack 2007 (wie Anm. 24).
34
Vgl. Angela Matyssek: Der Künstler als Material(geschichts)forscher.
Willi Baumeisters Arbeit für das Wuppertaler Materialtechnikum, in:
Kat. Laboratorium Lack 20 0 6 (wie Anm. 24).
30
S pa nke : Wir m a le n ke ine B ilde r
193
taler Maltechnikums, in denen die drei Künstler höchst innovativ die
Eigengestaltungskräfte des Materials mit allen nur denkbaren Techniken, wie Tropfen, Fließen, Phasentrennung und Materialreaktionen,
Fotogramme, Relief und Grattage, Abdruck, Brandcollagen usw., untersuchten und dokumentierten.35 Oskar Schlemmer, der unglücklicherweise 1943 nach langer Diabetes-Krankheit starb, betrat mit
den Lacktafeln für ihn völliges Neuland. Für Baumeister bedeutete die Arbeit im Wuppertaler Maltechnikum eine Vertiefung seines
eigenen Ansatzes, den künstlerischen Mitteln ihre eigene Gestaltungskraft zu lassen. In dieser Hinsicht ist Baumeister der wohl konsequenteste Schüler Adolf Hölzels, der dessen Konzept, das Bild sei
eine eigene Welt, die gründlich erforscht werden müsse, auf höchstem Niveau weiter entwickelt hat.36 Die Wuppertaler Zeit kann
man für Baumeister noch einmal als eine Art Eigenpädagogik in
den Grundlagen künstlerischen Schaffens bewerten, die für seine
kommende Zeit als Lehrer an der Stuttgarter Akademie wichtig
werden sollte.
Schon als Willi Baumeister 1927 nach Frankfurt berufen wurde und Stuttgart im Jahr darauf verlassen sollte, beklagte
der Redakteur des Stuttgarter Neuen Tagblattes Karl Konrad Düssel,
einer der wachsten und interessantesten Köpfe des kulturellen
Stuttgarts, dass man Baumeister wohl hätte halten können, sollen
und müssen, und zwar mit einer entsprechenden Professur an der
Stuttgarter Akademie.37 1930 berichtet Baumeister seinem Freund
Schlemmer nach Breslau von einem konkreteren Angebot aus Stuttgart: „in st. sei eine akademiestelle zu vergeben. doch wird wenig
bezahlt, ‚so dass wir nicht in betracht kämen‘, hätte kuder geäus-
Einige dieser Täfelchen sind bei den schweren Bombenangriffen zerstört worden, denen das Maltechnikum 19 43 zum Opfer fiel. Ein Konvolut
von etwas mehr als 160 Lacktafeln befindet sich heute im Kunstmuseum
Stuttgart. Vgl. Kat. Laboratorium Lack 20 0 6 (wie Anm. 24).
36
Ein entsprechend betitelter, grundlegender Text Hölzels, der sich im
Nachlass Karl Konrad Düssel in der Württembergischen Landesbibliothek
in Stuttgart erhalten hat, wird derzeit zur Veröffentlichung vorbereitet.
Das Diktum selbst kommt im schriftlichen Nachlass Hölzels öfter vor.
37
Vgl. Kermer 19 92 (wie Anm. 9), S. 12 .
35
2 5 0 Ja h r e K u n sta ka de m ie Stuttga rt
194
sert.“38 Auch diese Gelegenheit zerschlägt sich, obwohl Baumeister
in Frankfurt äußerst unzufrieden war.39 Erst nach dem Ende der Diktatur kommt man ernsthaft auf Willi Baumeister zu, um ihn an die Staatliche Akademie der Bildenden Künste Stuttgart zu verpflichten. Unter
diesem Namen firmierte die Hochschule seit 1941, nachdem durch
Erlass des württembergischen Kultministers die Württembergische
Akademie der bildenden Künste mit der Württembergischen Kunst­gewerbeschule vereint worden war. Dieser Zusammenschluss wurde
schon von Adolf Hölzel in seiner Professorenzeit gegen den erbitterten Widerstand seiner Kollegen gefordert. Die Idee, Kunstgewerbeschulen und Kunstakademien zusammenzulegen, gemeinsam zu studieren und das Schaffen auf die selben künstlerischen Grundlagen
zu stellen, ist das fruchtbarste Erbe des Jugendstils für die Moderne,
der in der Schaffung eines neuen Einheitsstils die Trennung von Kunst
und Leben aufzuheben trachtete und den Hölzel aus seiner Wiener
und Münchner Zeit an zwei Epizentren erlebt hatte.
Wie eine Wiederholung der Kämpfe, die Hölzel mit
seinen Vorschlägen „Ueber Reorganisation der Akademieen“ vergeblich auszufechten hatte, wirken die unschönen Auseinandersetzungen, die Baumeister 1949 mit seinem dringenden Vorschlag, einen
Vorkurs mit dem Lehrpensum der „elementaren Mittel“ einzurichten,
auslöste.40 Die „elementaren Mittel“ in Baumeisters Forderung erneuern die Notwendigkeit des Studiums der „künstlerischen Mittel“,
die Hölzel nicht müde wurde zu predigen und zu lehren. Der Kern der
Auseinandersetzung, die Baumeister mit dem Akademierektor Hermann Brachert ausfocht, besteht in einer grundsätzlichen Differenz,
was die Grundlagen der akademischen Ausbildung der Studierenden sein sollen und müssen. Baumeister lehnt die bisherige, immer
noch streng naturalistische orientierte Zeichenausbildung der Stu-
Undatierter Brief (kurz vor dem 2. April 193 0, der im Brief
genannt wird) im Archiv Baumeister im Kunstmuseum Stuttgart.
39
„In Frankfurt will ich nicht bleiben.“ Brief von Willi Baumeister an Oskar
Schlemmer vom 31.7.193 0 im Archiv Baumeister im Kunstmuseum Stuttgart.
40
Ein so betitelter, umfangreicher Text Hölzels aus dem Jahr 1918/19 hat
sich als Typoskript im Nachlass Adolf Hölzels erhalten. Vgl. dazu ausführlich
Kermer 1992 (wie Anm. 9), S. 75–93, Quellen abgedruckt ebd., S. 124–13 5.
38
S pa nke : Wir m a le n ke ine B ilde r
195
denten ab. „Die Nachahmung und Verdünnung von Renaissance,
Gothik und Barock“ führe nur zu Dekorativem und Kitsch. Mit so verbildeten Studenten könne er in seinem Unterricht kaum mehr etwas
anfangen, da ihnen die elementaren Grundlagen künstlerischen Arbeitens, eben die Kenntnis und Anwendung der elementaren Mittel,
völlig fehle. Sie sei gleichermaßen Voraussetzung für „Architektur,
Innen-Architektur, Bühnenbild, Wandmalerei, Gebrauchsgrafik, Textil, Metall-Kunst, Keramik“, also gerade der angewandten Künste,
die ja in der Staatlichen Akademie mit den freien Künsten institutionell vereint worden waren. 41 Baumeister trachtete mit seinem
„Vorkurs“ also danach, eine für die Ausbildung aller Studierenden an
der Akademie geeignete Ausgangbasis zu schaffen. Ganz ähnlich
hatte sich schon Adolf Hölzel zu Beginn des Jahrhunderts gegen eine
rein naturalistische Ausbildung der Studenten gewehrt und auf das
Studium der „künstlerischen Mittel“ beharrt, dass der Maler „keine wirkliche Natur [hat], die er ins’s Bild setzt oder pflanzt“, sondern
eben nur „Linien, Formen, Abtönungen und Farben auf einer begrenzten Bildfläche.“42 Die Beziehung zwischen Adolf Hölzel und
Willi Baumeister soll an anderer Stelle ausführlicher untersucht werden.43 In der Tat neigt Baumeister dazu, den Einfluss seines Lehrers
eher unterzubetonen. So setzt Baumeister als Beginn einer Epoche,
die die Kunst auf die elementaren Mittel und nicht den Kopierismus,
wie Baumeister sich ausdrückt, zurückführt, um 1919–20 an und
eben nicht in der akademischen Wirkungszeit von Adolf Hölzel.44 Gar
nicht zu übersehen ist jedoch der freiheitliche Geist, der sowohl
Hölzel als auch Baumeister in ihrer Lehrmethodik und ihrer Kunstauffassung beflügelt. Wenn Hölzel schreibt, „Jede Schulung nimmt
Siehe Kermer 1992 (wie Anm. 9), S. 125. Quelle im Archiv
Baumeister im Kunstmuseum Stuttgart im Autografen-Ordner
„Staatliche Akademie der bildenden Künste Stuttgart“.
42
Adolf Hölzel: Ueber Reorganisation der Akademieen (wie Anm. 40).
Der Text wird mit wissenschaftlichem Kommentar demnächst in
einer Sammlung von Hölzels längeren Schriften publiziert werden.
43
Als Beitrag des Kunstmuseums Stuttgart zum 250-jährigen Akademiejubiläum plant das Haus für die Zeit vom 25.6.–23.10.2011 eine Ausstellung
„‚Kunst ist eine Wissenschaft‘. Hölzel, Baumeister und die Stuttgarter
Akademie“, die sich dieser Frage auch in einem Katalog widmen wird.
44
Vgl. Kermer 19 92 (wie Anm. 9), S. 125.
41
2 5 0 Ja h r e K u n sta ka de m ie Stuttga rt
196
etwas Ursprüngliches. Der beste Unterricht in der Kunst wird daher
der sein, der möglichst wenig von der Selbstständigkeit nimmt, der
sie steigert, ohne sie einzuengen und zu schädigen“, so haben gerade auch Willi Baumeister und seine Kommilitonen von dieser freien,
eher das Eigene fördernden als reglementierenden Ausbildung enorm
profitiert.45 Willi Baumeisters programmatische Schrift „Das Unbekannte in der Kunst“ ist auch von dieser, in ihrer Zeit alles andere als
selbstverständlichen, freiheitlichen Prägung her zu verstehen.46 Baumeister stellt sich darin unter anderem der Frage, wie das Neue in die
Kunst kommt. Den eigengesetzlichen Kräften von Material und Bildgesetzen misst Baumeister eine so hohe schöpferische Dynamik
bei – vielleicht auch Frucht der Wuppertaler Erfahrungen –, dass
die Intention des Künstlers nur ein „Scheinziel“ darstellt und das eigentliche Kunstwerk in einem davon abweichenden „schöpferischen
Winkel“ entsteht, das auch für den Künstler ein unvorhersehbares
Resultat darstellt.47 Es ist bestens nachvollziehbar, dass mit einem solchen Kunstverständnis der herkömmliche Unterricht, der, wie Baumeister sagt, nur aus „Abzeichnen“ und „Abmalen“ bestünde, obsolet ist. Und so wirft der konservative Hermann Brachert Baumeister
bezeichnenderweise vor, dass „nach meinen eigenen Beobachtungen … die Art Ihres Unterrichts zu frei [ist]“. 48 Baumeister erwidert
daraufhin empört „mit Stoppuhr und Überwachung kann man meine
Pädagogik nicht messen.“49 Mit Brachert und Baumeister treffen zwei
Vertreter gegensätzlicher Richtungen scharf aufeinander: hier die
klassisch akademische, schon seit spätestens dem Anfang des Jahrhunderts in die Kritik geratene Regelpädagogik, die im schulplanmäßigen Abarbeiten gestellter kanonischer Aufgaben – „der Staat hat
heute ein ganz besonderes Interesse daran, dass die jungen Men-
Adolf Hölzel: Ueber Reorganisation der Akademieen (wie Anm. 40 ).
Willi Baumeister: Das Unbekannte in der Kunst, Stuttgart 19 47.
47
Vgl. dazu und zur Bedeutung dieses noch unter der
Diktatur konzipierten Buches für Baumeisters Pädagogik
ausführlich Kermer 19 92 (wie Anm. 9), S. 61–70.
48
Brief von Brachert an Baumeister vom 28.10.1949 im Archiv Baumeister im
Kunstmuseum Stuttgart. Abgedruckt in Kermer 1992 (wie Anm. 9), S. 128 .
49
Brief Baumeisters an Brachert vom 31.10 .19 4 9 im Archiv Baumeister im
Kunstmuseum Stuttgart. Abgedruckt in Kermer 1992 (wie Anm. 9), S. 131.
45
46
S pa nke : Wir m a le n ke ine B ilde r
197
schen vor allem auch zur Arbeit erzogen werden“ – die Hauptaufga­be der Ausbildung sah.50 Dort eine vom Vertrauen in das künstlerische Potential getragene freie Pädagogik, Wolfgang Kermer nennt
sie „Persönlichkeitspädagogik“, die danach trachtete, nicht zu korrigieren, sondern die den Studenten eigenen Talente zu fördern – „sie
[Baumeisters pädagogische Pfade] sollen den Studierenden auch zu
sich selbst führen“ – und sie zu selbständigen Erkenntnissen über
die Möglichkeiten ihres künstlerischen Schaffens zu befähigen.51
In diesem Sinne ist auch jenes Motto zu verstehen, das Baumeister
als Schriftband in seinem Unterrichtsraum an der Stuttgarter Akademie angebracht hat: „wir malen keine bilder, wir studieren.“52 Auf einem Foto vom Beginn der 1950er Jahre ist es dokumentiert (Abb.
2).53 Das Studieren als Ziel und Grundhaltung der Ausbildung statt
des Malens möglichst perfekter Bilder bedingt eben jene Offenheit
gegenüber dem schöpferischen Prozess, der vorgefertigte, bloß re­produzierende Ergebnisse und den daraus resultierenden von Baumeister so bekämpften Kitsch eben ausschlösse. Baumeister muss
frustriert gewesen sein, drang er mit seinen Vorschlägen zur Errichtung eines Vorkurses in seinem Sinne bei der Akademieleitung nicht
durch. So sah er sich an der Akademie seiner geliebten Heimatstadt
bis auf wenige Kollegen isoliert und unverstanden. Von außen, durch
die massiven und für die Akademie peinlichen Kritiken von John Anthony Thwaites und Franz Roh 1950 im Bayrischen Rundfunk anlässlich einer Ausstellung der Stuttgarter in der Aula der Münchner Akademie, wird Baumeisters Position bestätigt. 54 Dies führt allerdings
eher zu einer Verhärtung der Fronten innerhalb der Akademie. Die
von Baumeister vertretene freiheitliche Pädagogik, die in Adolf Hölzel und dem Bauhaus ihre Vor- und Parallelentwicklungen sehen darf,
Brief von Brachert an Baumeister vom 28 .10.19 49 (wie Anm. 9).
Kermer 19 92 (wie Anm.10 ), S. 119. Vgl. für das Weitere
Brief Baumeisters an Brachert vom 31.10.1949 (wie Anm. 49).
52
Vgl. Kermer 19 92 (wie Anm. 9), S. 9 8 .
53
Foto im Archiv Baumeister im Kunstmuseum Stuttgart. Abgedruckt in Kermer 19 92 (wie Anm. 9), S. 9 9. Kermer zitiert auch
aus einer vorbereitenden Ansprache zum Darmstädter Gespräch.
54
Kermer 1992 (wie Anm. 9), S. 53. Vgl. dazu auch den
Aufsatz von Eva-Marina Froitzheim in diesem Band.
50
51
2 5 0 Ja h r e K u n sta ka de m ie Stuttga rt
198
hätte sich längst an der Akademie durchsetzen können. Allein, es
muss konstatiert werden, dass die beiden auch aufgrund ihrer fortschrittlichen pädagogischen Einstellung bedeutendsten und einflussreichsten Professoren der Stuttgarter Akademie in der ersten
Hälfte des 20. Jahrhunderts, Adolf Hölzel und Willi Baumeister, in
Stuttgart mit ihren Reformbestrebungen gescheitert sind. War auch
die Berufung Baumeisters für die Geschichte der Stuttgarter Akademie heilsam, seine Wirksamkeit wurde erheblich eingeschränkt und
auf die eigene Klasse beschränkt. Die Stuttgarter Akademie wollte
sich offensichtlich für längere Zeit nicht fortschrittlich orientieren. Im
Januar 1955 wurde Baumeister altersgemäß in den Ruhestand versetzt. Seinem Wunsch, durch einen Lehrauftrag weiter akademisch
wirken zu können, wird nur mit einer Bewilligung für zwei Monate
entsprochen.55 Am 31. August 1955 stirbt Willi Baumeister überraschend in seinem Atelier.
(Abb. 2) Willi Baumeister beim Unterricht an der Stuttgarter Akademie,
Anfang der 5 0er Jahre, Foto: Hannelore Schubert, Düsseldorf
55
Quellen im Archiv Baumeister im Kunstmuseum Stuttgart.
203 Froitzheim – Stunde Null?
Eva-Marina Froitzheim
Stunde Null? Die Akademie der Bildenden Künste ab 1946
»Nachdem im Sommer 1946 bekannt geworden war, dass die Stuttgarter Akademie wieder
eröffnet werden sollte, kamen auch aus allen Teilen Deutschlands Anfragen und Anträge auf
Zulas­sung zum Studium: etwa 1500 Bewerber wurden damals gezählt.« 278 Studierende
wurden aufgenommen: für die freien Künste 83, für die angewandten 176, für Kunsterziehung 19 Studierende.1 Der Wiederaufbau der weitgehend zerstörten Gebäude auf dem Weißen­hof wurde durch die Studierenden in Arbeitseinsätzen als Teil des Studiums mit bewältigt.
Der vorliegende Aufsatz beschäftigt sich mit der Entwicklung der Staatlichen Akademie der
Bildenden Künste Stuttgart bis zu den Studentenunruhen 1968.2
1941 wurde die Zusammenlegung von Kunstgewerbeschule und Akademie der Bildenden
Künste verfügt, aber erst nach dem Kriege auf dem Weißenhof realisiert. Was bedeutete das
für das Verhält­nis von freien und angewandten Fächern? An markanten Ereignissen sollen
die institutionellen und personellen Reibungsenergien sichtbar gemacht werden.
Ohne Frage haben in der Stuttgarter Akademie in der Nachkriegszeit herausragende Persönlichkeiten gelehrt und den Ruf der Institution mitbegründet. Hier aber geht es nicht um die
Würdigung einzelner Lehrer, sondern um die Gesamtzusammensetzung des Lehrkörpers.3
Aus den existentiellen Erfahrungen des Nationalsozialismus erwuchs der Wunsch, die Aka-
1 Vor dreißig Jahren, hrsg. von Wolfgang Kermer, in: Akademie-Mitteilungen, Bd. 7, hrsg. von der Staatlichen
Akademie der bildenden Künste Stuttgart, S. 1–10, hier: S. 1f.; Fünf Jahre Kultministerium WürttembergBaden. Ein Tätigkeitsbericht 1945–1950, Stutt­gart 1951, S. 86f.
2 An dieser Stelle sei Professor Wolfgang Kermer außerordentlich für Gespräche, Hinweise und unveröffentlichtes Material aus der Akademie gedankt! Klaus Kinter, Horst Wöhrle, Hans Schreiner, Undine Wobus, Klaus
Mausner sei ebenfalls für aufschlussreiche Gespräche gedankt. Als Quellenmaterial wurde herangezogen:
Senats­p rotokolle ab 1947 und Personalakten im Archiv der Akademie der Bildenden Künste Stuttgart (im
Folgenden A-SABK). Die Überlie­ferung im Hauptstaatsarchiv Stuttgart ist dürftig. Die Archivalien zur Akademie umfassen nur vereinzelte Vorgänge; Hauptstaatsarchiv Stuttgart, Personalakten; Archiv Baumeister,
Dokumente teilweise veröffentlicht in: Wolfgang Kermer: Der schöpferische Winkel, Willi Baumeisters pädagogische Tätigkeit, (Beiträge zur Geschichte der Bildenden Künste Stuttgart, 7), hrsg. von Wolfgang Kermer,
Stuttgart 1992; Archiv Fritz Steisslinger.
3 Vgl. das von Angela Zieger erstellte Verzeichnis der Lehrer in diesem Band.
204 250 Jahre Staatliche Akademie der Bildenden Künste Stuttgart
demien im Nachkriegsdeutschland als Gegenwelten zu etablieren. Die Kunst wird als
zweckfreies Tun und hohe, unangreifbare Aufgabe der Gesellschaft begriffen. Die ideale
Ver­mittlung erfolgt in einem Meister-Schüler-Verhältnis. Diese Vorstellung der Akademie
als politikfreier Ort, als Hort persön­licher Bildung und Vermittlerin erzieherisch-ethischer
Werte, die über die Kunst auf die Gesellschaft einwirkt, greift auf Ideale des 19. Jahrhunderts
zurück.4
Noch 1961 verbindet Rektor Walter Brudi in seiner Rede zum 200-jährigen Jubiläum der
Akade­mie mit dem geplanten Neubau I den Wunsch, »dass oben auf dem Weißenhof, abseits vom Lärm der Stadt, als ein Beitrag unserer Zeit ein idealer, musischer Bereich, ein
Zentrum der Kunst entsteht.«5
In dieser idealistischen, realitätsfernen Vorstellung von Kunst, die jedem gesellschaftlichen
Dis­kurs entzogen ist, und einem tradierten pädagogischen Ansatz, der ein autoritäres Verhältnis zwi­schen Studierenden und Lehrenden legitimiert, liegt ein wesentlicher Keim der
späteren Studenten­unruhen.
Stunde Null?
Theodor Heuss, bis Dezember 1946 württembergischer Kultminister, engagiert sich für die
Wieder­aufnahme des akademischen Lehrbetriebs in Stuttgart, geleitet von der Überzeugung,
dass künstlerisch ausgebildete Kräfte einen Beitrag zu einer moralischen Erneuerung der
Gesellschaft leisten. In seiner Rede vom 5. November 1946 anlässlich der offiziellen Wieder­-
4 Vergleichbare Situation an der Akademie in München, vgl. Birgit Joos: Zu den Studentenunruhen von 1968,
in: Zwischen Deutscher Kunst und internationaler Modernität. Formen der Künstlerausbildung 1918 bis 1968,
hrsg. von Wolfgang Ruppert, Weimar 2007, S. 81f.; Wolfgang Ruppert: Der moderne Künstler: Zur Sozial- und
Kulturgeschichte der kreativen Individualität in der kulturellen Moderne im 19. und frühen 20. Jahrhundert,
2. Aufl., Frankfurt a.M. 2000.
5 200 Jahre Stuttgarter Akademie. Die bei dem Festakt im Großen Haus der Württembergischen Staatstheater
aus Anlaß dieses Jubiläums am 18. November 1961 gehaltenen Reden, Stuttgart 1961, S. 12. Auch die übrigen
Reden schlagen denselben Ton an.
205 Froitzheim – Stunde Null?
eröffnung der Aka­demie definiert Heuss das zukünftige Zusammenwirken freier und angewandter Abteilungen auf einer idealistischen Ebene, in der das »Schöne und Nützliche« zu
einer Einheit verschmelzen (Abb.1) .
Abb.1 Sonntagsbeilage zur »Stuttgarter Zeitung«
vom 21. September 1946, Foto aus: Wolfgang Kermer:
Akademiemitteilungen 7, Stuttgart 1976, S. 3
Heuss will den Freiraum der Akademie zu einer offenen Auseinandersetzung unterschiedlicher künstlerischer Richtungen in einer demokratischen Gesellschaft nutzen: »Die Akademie soll keiner ›Richtung‹ gehören. Mit voller Bewusstheit habe ich polare sachliche Spannungen hier zusammengebracht, das sogenannte Abstrakte neben das Realistische gestellt,
206 250 Jahre Staatliche Akademie der Bildenden Künste Stuttgart
dem Expressiven neben dem Naturalistischen einen Lebensraum angewiesen. Ich habe mir
die Menschen angesehen, nachdem ich natürlich vorher auch ihre Werke gekannt habe. Und
das war für mich mit ent­scheidend: was ich hier oben, in diesem Hause wünsche, ist neben
dem Arbeitswillen von beiden Seiten, den Lehrern und von den Künstlern, neben dem Streben
nach höchsten Leistungen eine mensch­lich saubere Atmosphäre.«6
Er rühmt sich, »wohlmeinenden Besuche(rn)« widerstanden zu haben, »die mir sagten, da
der frühere Lehrkörper der Anstalt auseinandergebrochen sei, sei mir eine ›einmalige‹
Chance geboten, diese Akademie zur entscheidenden Wirkungsstätte der ›modernen‹ Richtung zu machen.« Tatsächlich finden zeitgleich im Bund Bildender Künstler Württembergs
heftige, programmatische Diskussionen um die Frage, wie sich die Kunst nach 1945 entwickeln sollte, um die zukünftige Vorherrschaft gegenstandsfreier Kunst und um Willi Baumeister statt.7
Willi Baumeister hatte in Theodor Musper, Direktor der Staatsgalerie, und Erwin Petermann,
Leiter der Graphischen Sammlung der Staatsgalerie, wichtige Fürsprecher. Baumeisters Werk
war international bekannt. Das Ministerium konnte bei den Berufungen für die Akademie
nicht an ihm vorbeisehen. Aus Briefen und Tagebucheintragungen geht hervor, dass Baumeister offenbar zu­nächst für die Position des Rektors in Aussicht genommen worden war.8
Heuss legt in seiner Berufungspolitik einen Schwerpunkt auf figurative Positionen. In einem
Brief an den nach Amerika emigrierten 62-jährigen Reinhold Nägele, den er trotz seines Alters für eine Professur gewinnen will, enthüllt er, wen er sich als Rektor gewünscht hat:
»Die Frage des personellen Neuaufbaus musste sich ziemlich lange hinzögern, weil bei einigen der in Frage kommenden Leute vorher die politische Frage geklärt sein musste. Mein
Versuch, Karl Hofer aus Berlin an die Spitze der Akademie zu bekommen, ist leider miss-
6 Rede, gekürzt in: Staatliche Akademie der Bildenden Künste Stuttgart (1761–1961). Zum 200jährigen Bestehen
der Akademie. Die Lehrer 1946–1961, Stuttgart 1961, S. 5–12.
7 Vgl. Fritz Steisslinger: Sammlung Fritz Steisslinger, Städtische Galerie Böblingen, Böblingen, o.J., S. 40f.
8 Kermer 1992 (wie Anm. 2), S. 33–37.
207 Froitzheim – Stunde Null?
glückt, da Hofer sich dort gebunden fühlt. Ich habe nun, um einen Lehrkörper zu bilden, der
in sich spannungsreich, aber menschlich in Ordnung ist, die Bildhauer Brachert und Baum,
die Maler Baumeister, Sohn, Steisslinger und Yelin (diesen für Glasmalerei) berufen«.9
Heuss’Absicht, unterschiedliche Tendenzen an der Akademie zu vereinigen, polarisiert mehr,
als dass sie zur Identitätsbildung beiträgt. Gegensätzliche, ästhetische Positionen alleine
bilden keine Basis für ein tragfähiges inhaltliches und pädagogisches Konzept innerhalb
eines komplexen Ge­bildes wie jenes auf dem Weißenhof.
Im Lehrkörper ab 1946 beobachtet man ein Übergewicht figürlich arbeitender Künstler. Die
Betonung des handwerklich Vollendeten liefert die Illusion der Bewertbarkeit von Kunst mit.
Nur Baumeister, Otto Baum oder später Heinrich Wildemann als Nachfolger Baumeisters,
Heinz Trökes und Hannes Neuner gehören der abstrakten oder gegenstandsfreieren Richtung an. Von Anbeginn behindert Lagerbildung den Betrieb: Brachert bildet mit Karl Rössing
(Abteilung Freie Graphik) und Gerhard Gollwitzer (Allgemeine künstlerische Ausbildung)
eine Fraktion; Baum, Rudolf Yelin, Baumeister und Hans Warnecke (Abteilung für Metallbearbeitung) die andere.
Vielen Künstlern fehlt bis dato Lehrerfahrung. Jeder Lehrer erfindet den Unterricht neu und
lässt sich von seinen eigenen künstlerischen Grundsätzen leiten. Manfred Henninger beschreibt in der Rückschau, wie er seine Lehrmethoden nach und nach aus seinen künstlerischen Anschauungen entwickelte und vor allem von Baumeister lernte.10 In den Jahren des
Wiederaufbaus sind einige Lehrer wie Sohn oder Yelin zudem mit lukrativen, zeitintensiven
Kunst-am-Bau-Projekten befasst, an denen sie ihre Schüler beteiligen. Sie vermitteln diesen
in erster Linie handwerkliche Fähigkeiten. Hermann Brachert, ab 1946 Rektor der Akademie,
verfügte durchaus über ein verwaltungstechnisches Talent. Ihm fehlten aber sowohl Intellek-
9 Theodor Heuss: Erzieher zur Demokratie. Briefe 1945–1949, hrsg. und bearbeitet von Ernst Wolfgang Becker,
München 2007, S. 167–170.
10 Kermer 1976 (wie Anm. 1), S. 12.
208 250 Jahre Staatliche Akademie der Bildenden Künste Stuttgart
tualität als auch Kreativität, um im Laufe seiner Rektorenzeit bis 1953 zusammen mit den
Kollegen das Profil der Schule zu schärfen. Brachert beschreibt in seinem Vorwort zur gedruckten Heuss-Rede die Akademie als richtungsoffene Landeskunstschule, deren kreativ-künstlerischer Impetus die Abgrenzung vom rein Handwerklichen und damit von den Fachschulen
ermöglicht.11 Aus dem künstlerischen Aspekt leitet er eine Hierarchie zwischen den freien
und angewandten Fächern ab. Es sei Aufgabe der Akademie, den Angehörigen der »kunsthandwerklichen und kunstindustriellen Gebieten Anregungen und Zusammenhänge zu vermitteln.« Umgekehrt vermitteln die angeschlossenen, angewandten Abteilungen den freien
Künstlern handwerklich-praktische Kenntnisse für ein späteres wirtschaftliches Überleben.
In der Folge erhebt man die individuelle pädagogische Ausrichtung jedes einzelnen Lehrers
zum Konzept.12 In der akademischen Praxis existieren – aus Mangel an übergeordneter Zielsetzung – die freien und die angewandten Abteilungen als zwei weitgehend getrennte Berei­
che. Im Gestrüpp des Tagesgeschäfts, persönlicher Interessen und Differenzen sowie einer
zunehmenden Alleinherrschaft der jeweiligen Rektoren bleibt die inhaltliche Diskussion
um Struktur und Zielsetzung der akademischen Ausbildung und Vernetzung der freien und
angewandten Abteilungen bis 1968 ohne greifbares Ergebnis
Der Lehrkörper nach 1946
Vier Professoren werden nach dem Krieg an der Akademie mit einer von der Militärregierung
verfügten Lehrerlaubnis weiterbeschäftigt: Hans Wagner, Institut für Farbentechnik, F.H.
Ernst Schneidler, Abteilung für Buchdruck, Adolf von Schneck, Abteilung Innenarchitektur
11 Exemplar im Archiv Steisslinger.
12 Kritisch dazu Hans Fegers: Die Stuttgarter Akademie nach dem Kriege, in: Schwäbische Heimat 4, 1955, S.
138–142, hier: S. 141.
209 Froitzheim – Stunde Null?
und Möbel­bau, Peter Otto Heim, Abteilung für Keramik und Lehrer einer Bildhauervorklasse.
Der frühere Rektor Fritz von Graevenitz verzichtet im März 1946 auf sein Amt und macht den
Weg frei für einen grundsätzlichen personellen Neuanfang an der Rektoratsspitze.13
Der Versuch, einen national arrivierten Künstler wie Karl Hofer zu berufen, bleibt eine
Ausnahme. Heuss stellt in seiner Rede heraus: »Der Lehrkörper ist überwiegend aus Württem­bergern zusammengesetzt.« Ein Blick in die Personalakten an der Akademie und im Hauptstaatsarchiv erweist, dass viele der späteren Lehrkräfte frühzeitig und aktiv ihre Berufung
über persönliche Kontakte vorbereitet haben.
Nach seiner Vertreibung aus Königsberg richtet Hermann Brachert von seinem württembergischen Wohnort aus am 5. Juli 1945 einen Brief an Oberregierungsrat Ströle in Nürtingen
mit der Bitte um Vermittlung seiner Bewerbung ans Kultministerium. Brachert erreicht die
Weiterleitung seiner Bewerbung via Kultministerium an die Akademie. Aufschlussreich ist
die am Rand mit roter Far­be unterstrichene Bemerkung: »geborener Stuttgarter«.14 Brachert
ist ein typischer Vertreter einer figurativen akademischen Kunst, die unbeeinflusst von stilistischen Strömungen das ewig Menschliche beschwört. Künstlerisch gesehen bringt er keine
neuen Akzente an die Akademie.
Auf Vermittlung Willi Baumeisters kommt Hans Warnecke als Leiter der Abteilung für Metallbearbeitung an die Akademie. Beide unterrichteten vor 1933 an der Frankfurter Städelschule.15
In einer Initiativbewerbung an Landesdirektor Prof. Dr. Schmidts, Landesverwaltung für
Kultur, Unterricht und Kunst Stuttgart vom 25. Juli 1945 »bitte ich um Berücksichtigung
meiner Person«, schreibt Hermann Sohn. Am 28. September 1945 schreibt Sohn an Heuss.
Beigefügt ist dem Brief eine »Denkschrift für die Neugestaltung des Bildungswesens der
13 Zur teils nationalsozialistischen Vergangenheit einiger Lehrender vgl. den Beitrag von Julia Müller in diesem Band.
14 Die Akademie legt ein gutes Wort (an: Landesverwaltung für Kultur, Erziehung und Kunst in Württemberg,
10. August 1945) für die »sympathisch wirkende Bewerbung« ein, obschon »Bedarf für eine Bildhauerkraft
nicht vorliegt«. Hauptstaatsarchiv Stuttgart, Bestand EA 3/150 Bü 3139.
15 Dokumente im Archiv Baumeister.
210 250 Jahre Staatliche Akademie der Bildenden Künste Stuttgart
Maler u. Bildhauer.«16 Fritz von Graevenitz stellt am 22. November 1945 auf Anfrage des
Kultministeriums Sohn ein wohlwollen­des Zeugnis aus: »Die Besichtigung seines Werkes
in seinem Atelier und ein näheres Kennenlernen seiner inneren und äußeren Haltung, … gaben mir die Überzeugung, dass die Berufung dieses schwäbischen Meisters für unsere Stuttgarter Akademie ein großer Gewinn wäre. Sohn würde entweder als Leiter der Grundklasse
oder der Abteilung für figürliche Malerei am zweckmäßigsten einzusetzen sein« (Abb. 2) .17
Abb.2 Malersaal mit Klasse Hermann Sohn,
Foto aus: Staatliche Akademie der Bildenden
Künste Stuttgart, 1953
Manfred Henninger bewirbt sich am 20. November 1945 mit einem Schreiben an Kultminister Dr. Heuss, darin erwähnt er, dass er an einem Buch über »Schulunterricht in Malerei und
Plastik als Grundlage für eine Kultur« arbeitet.18 Er kommt 1948 in der Nachfolge Fritz
16 Hauptstaatsarchiv Stuttgart, Bestand EA 3/150 Bü 3295.
17 Hauptstaatsarchiv Stuttgart, Bestand EA 3/150 Bü 3295: Als es in der Akademie später um eine freie Planstelle
geht, die Sohn – ebenso wie Henninger – für sich reklamiert, werfen Senatskollegen Sohn in der Sitzung vom 7. November 1952 vor, er habe seine Berufung bei von Graevenitz vorbereitet, weshalb offenbar Heuss und Dr. Kauffmann »die Verhandlungen mit Sohn aufgegeben hätten«. Nur durch persönliche Intervention von Sohn, seiner
Frau und Brachert sei die Berufung durchgesetzt worden.
18 Hauptstaatsarchiv Stuttgart, Bestand EA 3/150 Bü 3193.
211 Froitzheim – Stunde Null?
Steisslingers zum Zuge. Insgesamt ist zu beobachten, dass der überwiegende Teil der Berufungen bis 1968 aus dem Kreis ehemaliger Schüler und zwar über Vorschläge aus dem Senatsgremium erfolgt. HAP Grieshaber scheitert dreimal bei Berufungsverhandlungen.19
Die erste öffentliche Stellenausschreibung erfolgt 1953 und endet mit der Berufung Hannes
Neuners. Der ehemalige Bauhausschüler führt einen elementaren Grundunterricht nach dem
Bauhausvorbild ein und verfolgt damit eine moderne, zukunftsweisende Richtung.20
Während in der Abteilung für Innenarchitektur und Möbelbau in der Nachfolge von Karl
Wiehl 1952 mit Herbert Hirche aus Berlin ein bekannter Entwerfer berufen wird, sieht die
Lage bei den Freien anders aus. Erst mit Hannes Neuner, Heinz Trökes (berufen 1961) und
vor allem mit der Berufung K.R.H Sonderborgs (1965) findet eine Öffnung über den regionalen Bezug hinaus statt.
Planungsgruppe 1946
Unter dem Vorsitz Hermann Bracherts tagt von Mai bis Oktober 1946 die Planungsgruppe.
Ihr gehören – bis auf Harmi Ruland (Abt. Modegrafik und Bühnenkostüm) – ausschließlich
Maler und Bildhauer an (O. Baum, W. Baumeister, H. Sohn, F. Steisslinger, R. Yelin). Ziel
ist die Ausarbeitung einer Verfassung sowie der Lehrpläne für die freien und angewandten
Abteilungen.21 Dokumente im Archiv Fritz Steisslinger belegen, dass Unterlagen aus der
Kunstgewerbeschule sowie der unter Fritz von Graevenitz ausgearbeitete »Auszug aus den
19 Nachfolge Schneidler 1949: hier interveniert Brachert, weil er um den Betriebsfrieden fürchtet; 1953 Nachfolge Walter: Klasse für künstlerische Grundausbildung; 1960 Nachfolge Rössing.
20 Hannes Neuner und seine Grundlehre. Eine Weiterentwicklung des Bauhaus-Vorkurses, Ausstellungskatalog:
Bauhaus-Archiv Berlin, 19. Oktober bis 2. Dezember 1973, Berlin 1973.
21 Vgl. Senatsprotokolle »Planungsgruppe« 26. Mai 1946 – 21. Januar 1947, A-SABK.
212 250 Jahre Staatliche Akademie der Bildenden Künste Stuttgart
Bestimmungen und dem Lehrplan« (wohl 1942) als Leitfaden dienten. Die Chance auf eine
neue konzeptionelle Ausrichtung der Akademie wurde nicht genutzt. Stattdessen setzte das
Gremium auf Kontinuität und das unter von Graevenitz ausgearbeitete Modell.
Unter Fritz von Graevenitz fand 1942 nominell die Zusammenlegung der Kunstgewerbeschule und der Akademie statt. Damit wurde eine Idee realisiert, die der Direktor der Kunstgewerbeschule, Bernhard Pankok, 1906 entwickelt hatte. Die Betonung des Künstlerischen
vor dem Industriellen oder Kunstgewerblichen verdankt sich vermutlich dem Umstand, dass
der amtierende Direktor von Graevenitz Bildhauer war.
Fast wortwörtlich zitiert die »Verfassung der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste
Stuttgart« von 1946 in §1 und 2 die Präambel des Lehrplans von 1942, allerdings unter Auslassung von For­mulierungen, die einer nationalsozialistischen Diktion geschuldet sind.22
»Die Staatliche Akademie der Bildenden Künste in Stuttgart hat als Landeskunstschule die
Aufgabe, Studierende auf den Ge­bieten der freien Künste und des Kunsthandwerkes bis zur
künstlerischen Selbständigkeit sowie die Bewerber für das künstlerische Lehramt auszubilden. Die Akademie soll darüber hinaus durch vorbildliche künstlerische Leistung, durch
Beratung und Anregung das künstlerische Leben des Landes fördern und zur Entwicklung
von Kunsthandwerk und Industrie beitragen.« Die Verfassung von 1946 wurde als »vorläufige
Verfassung« 1950 eingesetzt, aber letztlich nie ratifiziert. Dieses politische Vakuum haben
die Studenten 1968 genutzt.
Das neue Curriculum enthält Unterricht analog zu den Fächern von 1942: unter anderem
Schrift, Natur- und Aktzeichnen, elementare Flächenkomposition, Farben- und Materialkunde, geometri­sche Flächen, Kunstgeschichte, Anatomie. Der Wochenplan mit 24 Stunden
wird nach festgeleg­ten Stundenschlüsseln ausgerichtet. Im Zentrum des Unterrichts stehen
die korrekte Naturnachahmung und die menschliche Figur und damit ein Kunstverständnis,
das im 19. Jahrhundert wurzelt. Ebenso gespiegelt zum Lehrplan von 1942 ist der Unterricht
in den freien und angewand­ten Abteilungen.
22 Wortlaut aus Lehrplan 1942, vgl. Wolfgang Kermer, in: Die Staatliche Akademie der Bildenden Künste Stuttgart: Eine Selbstdarstellung, Stuttgart 1988, S. 23.
213 Froitzheim – Stunde Null?
Die Studenten der freien Abteilungen durchlaufen eine zweisemestrige Grundklasse, ehe sie
in die Fachgruppen eintreten. Für die angewandten Fächer ist eine handwerkliche Ausbildung Voraussetzung. Über die Aufnahme in die Fachgruppen entscheiden die Professoren,
der Verbleib dort be­trägt vier Semester. Das erste Jahr an der Akademie gilt als Probesemester.
Die Aufnahme an die Akademie unterliegt der individuellen Entscheidung der Professoren,
verbindliche Aufnahmekriterien fehlen. Dieser Punkt gilt als reformbedürftig. In den 60er Jahren ringt der Senat ebenso ergebnislos darum wie um die Frage eines staatlichen Abschlusses
für die Freien. Insbesondere der willkürliche Aufnahmemodus wird zum zentralen Kritikpunkt der Studenten 1968.
Akademieausstellung 1949 und der Fall Thwaites
Vom 27. April bis 5. Mai 1949 stellt sich die Akademie mit einer Ausstellung und einer Broschüre erstmals der Öffentlichkeit vor. In der Einführung von Hermann Brachert erfährt man
über die Aus­richtung der Akademie: »Beim Neuaufbau der Akademie konnte es sich nicht
darum handeln, die völlig verschieden gearteten Künstlerpersönlichkeiten der Lehrkräfte
in ein einheitliches künstlerisches Programm zu zwingen, wie das etwa bei dem früheren
Bauhaus der Fall war, sondern es ging darum, eine einheitliche Linie zu finden, die unserer
Zeit entspricht und auf die sich alle künstlerischen Lehrer einigen konnten.«23
Die Lehrer stellen in der Broschüre ihr Unterrichtsziel mit knappen Worten vor. Im Mittelpunkt stehen das Naturstudium, Aktzeichnen und Modellieren einer Figur. Der menschliche
Körper als Ausdrucksmittel ist Ausgangs- und Zielpunkt der Bildhauerei, abstrahierende
Tendenzen ergeben sich aus dem Umgang mit dem Material, nicht aber aus der Suche nach
neuen formalen Ansätzen. Daneben ist ein geometrisches Grundvokabular in der Nachfolge
Cézannes, architektonisches Zeichnen und Übungen in Schrift Gegenstand des Unterrichts.
23 Für die Einsichtnahme in dieses wichtige Dokument danke ich Professor Kermer. Ausstellung der Staatlichen
Akademie der Bildenden Künste Stuttgart, 27. April bis 5. Mai 1949, S. 1f.
214 250 Jahre Staatliche Akademie der Bildenden Künste Stuttgart
Werk- und Materialgerechtigkeit, Suche nach der Urform, Allgemeingültigkeit – das sind
wieder­kehrende Schlagworte in den Texten. Die Lehrenden verstehen sich als Hüter einer
tradierten ästhetischen Norm, die nicht in Frage gestellt wird.
Die künstlerische Überzeugung des überwiegenden Teils des Lehrkörpers geht weit hinter
die Plu­ralität der Kunst vor 1933 zurück.
Zeitgemäße Vorstellungen äußern alleine Baumeister und Warnecke. Baumeisters Aufsatz
»Von der Imitation zur Kreation« in der genannten Broschüre lenkt den Blick auf einen
Unterricht, in dem die »elementaren Mittel« im Zentrum stehen. Sie geben gleichermaßen
den freien und angewandten Künstlern die Mittel zur Formfindung an die Hand und machen
damit den Weg frei zu einer nicht figurativen Kunst: »Durch das Anerkennen der elementaren Gestaltungsmittel werden die Grenzen zwischen den Kunstarten vom geistigen Blickpunkt aus aufgehoben. Die Überheblichkeit der sogenannten freien oder hohen Künste wird
abgestellt und ihre Wertschätzung wird auf das richtige Maß zurückgeführt.«
Baumeister sieht sich im September 1949 veranlasst, in einem mit Brachert geführten Briefwech­sel, für eine Neuausrichtung der Grundlehre mit einem Lehrpensum der »Elementaren
Mittel« an der Akademie einzutreten und damit auf ihr Profil Einfluss zu nehmen.24 Baumeister führt aus, dass die reine Naturnachahmung im Kunstgewerbe und Kitsch stecken
bleibt und letztlich Sehgewohnheiten bedient, die während des Nationalsozialismus gepflegt
wurden. Auch wenn die angestoßene Diskussion vorübergehend zu einer positiven Verunsicherung der Kollegen in den Grundklassen führt, im Ergebnis jedoch ändert sich nichts.
Einen Durchschlag seines ersten Briefes vom 14. September erhält das Kultministerium – ein
Zei­chen dafür, dass Baumeister die politische Absicht verfolgt, die Strukturen an der Akademie nachhaltig zu verändern. Sie äußert sich auch in seinem Versuch, Brachert als Rektor
abzulösen. Im Wechsel des Rektors sieht Baumeister darüber hinaus eine Möglichkeit zur
Wahrung demokratischer Prinzipien, wie sie in der Verfassung der Akademie vorgesehen
24 Kermer 1992 (wie Anm. 2), S. 124–135.
215 Froitzheim – Stunde Null?
sei. In der Senatssitzung vom 27. Februar 1952 stellen sich Brachert und Baumeister als
Kandidaten vor. Brachert kann die Wahl mit nur einer Stimme Unterschied für sich entscheiden. Er sieht sich zu einer Stellungnahme veranlasst, weitere Schriftsätze pro Brachert (von
Rössing und Gollwitzer) und pro Baumeister (von Yelin) vertiefen die Gräben im Kollegium.25
Am 25. März 1950 eröffnet eine Ausstellung der Stuttgarter Akademie in der Aula der Münchner Akademie. Sie wird sowohl von dem britischen Kritiker John Anthony Thwaites als auch
von dem Kunsthistoriker Franz Roh in Sendungen des Bayerischen Rundfunks massiv kritisiert.26 Die Kritiken dringen bis nach Württemberg. Das Kultministerium fordert den Senat
zu einer Stellungnahme auf. Thwaites ist einer der einflussreichsten Kunstkritiker in Deutschland nach 1946 und leidenschaftli­cher Verfechter der abstrakten Kunst, von der er sich eine
moralische und kulturelle Erneuerung in Deutschland erhofft. Er gilt als Initiator der Gruppe
Zen 49, zu der auch Willi Baumeister gehört.27 Thwaites übt fundamentale Kritik an den Exponaten und den künstlerischen Lehrkräften. Er sieht Traditionelles, Retrospektives sowohl
in den druckgrafischen wie in den bildhauerischen und malerischen Klassen. Brudi beispielsweise sei mit seiner »Druckereiklasse« nicht weiter als bis 1910 gekommen. »Professor
Wiehl vergisst, dass Innenarchitektur nach Verzicht auf unnötige Details strebt, nicht nach
neuen Dekorationen in modernistischen Formen. … Und danach bieten uns die Professoren
Brachert und Heim Schülerplastiken – so unzulänglich in jeder Beziehung – dass man sich
fragt, wie wohl ihre eigene Produktion aussehen mag.« Während der Klasse Baum »wenigstens noch technisches Können« attestiert wird, verwirft Thwaites vollständig die Werke
aus der Klasse Gollwitzer, »wo das Objekt überhaupt nicht gezeichnet ist und die Farbe
deshalb zu Schmiererei wird.« Lediglich die Klasse Hils und vor allem die Klasse Willi Baumeister werden lobend erwähnt, weil hier ein Elementarunterricht herrscht, der den Schülern
die Mittel für den persönlichen Ausdruck an die Hand gibt. Unterm Strich sieht Thwaites die
Akademie mit überhol­ten, antiquierten Lehrkonzepten am Scheideweg.
25 Die Schreiben haben sich im Archiv Baumeister erhalten.
26 Undatiertes Manuskript von Thwaites im Archiv Baumeister. Vgl. auch Undine Wobus: Karl Wiehl (1898–
1952): ein vergessener Architekt zwischen Neuem Frankfurt und Stuttgarter Kunstakademie, Diss. Stuttgart 2009,
S. 231, bes. 136.
27 Beate Eickhoff: John Anthony Thwaites und die Kunstkritik der 50er Jahre, Weimar 2004, bes. S. 73f.
216 250 Jahre Staatliche Akademie der Bildenden Künste Stuttgart
Ähnlich argumentiert der Kunsthistoriker Franz Roh in seiner Rezension.28 Er erkennt klar
die Zwei­teilung der Akademie in rückwärts und vorwärts strebende Kräfte. Roh fordert eine
Öffnung der Akademie und Revision der Lehrpläne.
Die Stuttgarter Akademie dient Thwaites später neben zwei weiteren Kunstschulen für einen
nationalen Vergleich künstlerischer Ausbildungsstätten. Unter dem Titel »Drei westdeutsche
Kunst­schulen« veröffentlicht er am 23. März 1951 einen Beitrag in Dialogform im Bayeri­
schen Rundfunk München.29 Thwaites Ausführungen lösen einen Skandal im Senat der Stuttgarter Akademie aus. In der Sitzung vom 13. April 1951 werden die neun Manus­kriptseiten
vorgelesen.
Thwaites stört sich an der Praxisferne der akademischen Ausbildung. Die Stuttgarter Akade­
mie besitze alle erforderlichen Werkstätten zur Ausbildung der Studenten. Ein Gespräch
mit dem Rektor habe die merkwürdige Auskunft ergeben, »dass nichts in der Art eines
Bauhauses möglich sei aus Mangel an Lehrmitteln!« Brachert wird mit der Klage darüber
zitiert, dass die Industrie die Akademie ständig um Entwürfe anginge: »Wir können es nicht
damit aufnehmen.« Thwaites beobachtet, dass die Studenten von den Werkstätten ferngehalten würden. Nur die entsprechenden Klassen dürften die Werkstätten benutzen. Er beklagt
die mangelnde Vernetzung der freien und angewandten Abteilungen.
Ein leichtes Plus sieht Thwaites in den angewandten Klassen (Innenarchitektur, Metallbearbeitung), wenngleich die Ausbildung eine kunstgewerbliche und weniger industriell nutzbare
sei. Die Vor­klasse für Maler sei furchtbar: »Man drillt sie auf eine langweilige Formel in
schmierigem Expressionismus, sie lernen nicht einmal richtig zeichnen« – so Thwaites. Eine
Bildhauerklasse (vermut­lich die Baum-Klasse) stellt Thwaites heraus, es werde im Material
gearbeitet, allerdings nach »der alten Akademie-Methode: die Formen werden in Ton und
Gips ausgearbeitet. So kann man niemals zu bildhauerischen Werten gelangen.« Spott ergießt
sich über die Schreinerei, die Dru­ckerei und die Grafik-Klasse von Hans Meid. Die Schreine­rei sei bestens ausgerüstet, aber »nach kolossalem Suchen brachten sie einen Schrank und
28 Sendung vom 3. April 1950, Manuskript im Archiv des Bayerischen Rundfunks.
29 Exemplar im Archiv Baumeister mit Datum vom 29. März, 23.00–23.15 Uhr.
217 Froitzheim – Stunde Null?
die Teile eines Stuhles für uns zum Vorschein!« Und Thwaites ergänzt: »Und die Druckerei,
wo sie so stolz waren, daß sie nur Techniken lehren, die in der Praxis nicht mehr angewandt
werden.«
Sehr klar beschreibt Thwaites die Situation der Studenten: »Die mit uns sprachen, hatten
doch ganz vernünftige Ideen und Forderungen. Z.B. alle Werkstätten nach Bedarf benutzen
zu können. Weiterhin möchten sie gerne ihre Meinung äußern und auch Beachtung ihrer
Meinung finden. Drittens fordern sie ein Stimmrecht bei der Wahl neuer Lehrer für die
Akademie, und viertens wollten sie die Möglichkeit haben, ihre eigenen Ideen praktisch
auszuarbeiten und dabei statt man­cherlei Behinderung wirkliche Hilfe zu haben.« Der Ruf
nach allgemeiner Zugänglichkeit der Werkstätten und Mitspracherecht bei Berufungen ist
zentraler Bestandteil der späteren Studentenunruhen.
Die betroffenen Lehrer an der Stuttgarter Akademie fühlen sich angegriffen und in der Ehre
ver­letzt. In der Sitzung vom 17. April drohen sie mit gerichtlichen Schritten. Warnecke berichtet, es kursiere bereits ein Exemplar des Manuskriptes in seiner Klasse. Diese Tatsache
wird als große Bedrohung begriffen. Der Senat versucht, die Besuche Thwaites in ein­zel­nen
Klassen unter der Führung Bracherts zu rekonstruieren. Die Versammlung verfasst einen
Brief an den Intendanten des Bayerischen Rundfunks.30 Dem Antwortschreiben des Chefredakteurs Kultur und Erziehung, Dr. Clemens Münster, vom 14. Juni liegt eine Stellungnahme Thwaites bei, in der dieser Punkt für Punkt seine Analyse entlang der von ihm vorgenommenen Besuche einzelner Klassen wiederholt. Als Reaktion auf diese Kritik entsteht
die 1954 mit den Mitteln des Freundeskreises der Akademie veröffentliche Selbstdarstellung 1946 bis 1953.31 Die abgedruckten Bildbeispiele aus den freien Ab­teilungen zeigen
Figürliches oder Gegenständliches in einem konventionellen, akademischen Stil. Baumeister
präsentiert Lehrbeispiele zu den elementaren Mitteln. Man gewinnt den Eindruck, dass der
Unterricht in den angewandten Abteilungen im Hinblick auf die spätere Berufsausübung
folgerichtiger aufgebaut und die Ergebnisse auf der Höhe der Zeit sind. Der Unterricht
30 Senatsprotokoll vom 8. Mai 1951, A-SABK. Vgl. auch Artikel von Thwaites: Wo kommen die neuen Entwürfe
her? Ein Besuch in vier Kunstschulen, in: Neue Zeitung München, 9. Januar 1952. Hier greift Thwaites seine Kritik erneut auf.
31 Staatliche Akademie der bildenden Künste Stuttgart, 1946–1953, hrsg. von der Vereinigung von Freunden der
Akademie der Bildenden Künste Stuttgart, Stuttgart o.J. (1954).
218 250 Jahre Staatliche Akademie der Bildenden Künste Stuttgart
schlägt einen Bogen von der Beschäftigung mit der Fläche (Form-Farbbeziehungen, Entwurfsskizze, Werkszeichnung) über das einzelne Objekt bis zur räumlichen Dimension (Archi­tektur, Innenarchitektur). Als Mitherausgeber zeichnet Karl Rössing, seit 13. Februar 1953
Rektor der Akademie. Seine Wahl ist von Baumeister und Yelin in gemeinsamer Aktion ge­steuert worden.32 Eine programmatische Öffnung erfährt die Akademie jedoch nicht; Rössing
ist ein erklärter Gegner der abstrakten Kunst. Dies wird anlässlich der Diskussionen um die
Nachfolge Baumeisters deutlich.
Studio für Industrieformgebung
Über 10 Jahre halten im Senat die Diskussionen um ein »Studio für Industrieformgebung« an.
Im Mittelpunkt sollten die Anforderungen industrieller Serienproduktion in Verbindung mit
einem designorientierten Anspruch stehen.
An diesem Thema zeigt sich exemplarisch die Problematik der Akademie, die zwei Institute
mit unterschiedlicher beruflicher Ausrichtung vereint. Die Klammer des »Künstlerischen«
erweist sich als imaginäre Hülle und offenbart ihre Untauglichkeit besonders, wenn es um
die Reformierung von Lehrplänen in den angewandten Bereichen geht. Das Wissen der be­
troffenen Fachlehrer wird nicht genutzt. Stattdessen bestimmen Kompetenzgerangel und
Streitigkeiten um Personalschlüssel die Diskussion um Inhalt und Aufbau dieser Abteilung.
1951/52 gerät die Akademie von zwei Seiten her unter Druck. In der Sitzung vom 18. Oktober
1951 wird erstmals über die neue HfG Ulm berichtet. Der Senat fürchtet durch eine Schulneugründung im Land finanzielle Verteilungskämpfe zwischen den akademischen Ausbildungsstätten und beeilt sich, am darauf folgen­den Tag durch die Formulierung finanzieller Ansprüche im Werkstattbereich gegenüber dem Ministerium die eigene Rolle als kreatives Ausbildungsinstitut zu unterstreichen.
32 Vgl. Dokument »Rektorenwahl 1953« mit handschriftlicher Notiz Baumeisters im Archiv Baumeister.
219 Froitzheim – Stunde Null?
Mitte 1952 wird bekannt, dass die Technische Hochschule Stuttgart im Juli einen Antrag für
die »Gründung eines Instituts für industrielle Formgebung« im Kultministerium einreichen
wird. Dieses Konzept wird der Akademie zur Prüfung vorgelegt.
Im Vorfeld der Senatssitzung vom 11. Juni 1952 verteilt Brachert im Senat ein eigenes Papier
mit dem Titel »Diskussionsvorschlag für die Einrichtung eines Studio für ›industrielle Formgebung‹ sowie für eine umfassendere Vorbildung der Studierenden aller Fachrichtungen in
der Abt. für all­gemeine künstlerische Ausbildung«.33
Bracherts Konzeption ist keine Antwort auf die Anpassung der akademischen Ausbildung an
die Er­fordernisse der Industrie. Sie sieht lediglich eine Bündelung vorhandener Kompetenzen
und Kapazitäten an der Akademie und eine abteilungsübergreifende Einführung aller Studenten in Werk­stoffe vor.
Die Frage nach der Industrieformgebung verknüpft sich parallel mit personellen Fragen. In
der Abteilung Metallbearbeitung von Hans Warnecke sind zwei Fachlehrerstellen (Kunstschmiedefachlehrer; Emaillemalerei beziehungsweise Silber- und Goldschmiedekunst)
neu zu besetzen. Auf diese zwei Stellen erhebt Warnecke Anspruch. Brachert jedoch hat
eigene Pläne, die er wenige Tage nach der Sitzung vom 23. Juni in einem gesonderten Papier
darstellt. Er favorisiert die Einstellung von Goldschmiedemeister Moritz, der allerdings
wohl nur als Professor mit entsprechender Besoldung käme. Hierfür müsste der Stellenplan
geändert werden.
Im Zentrum der von Baumeister in Abwesenheit von Brachert geleiteten Sitzung am 21. Oktober 1952 steht wiederum der Antrag der TH für die Gründung eines Instituts für industrielle
Formgebung. Der Senat wird davon unterrichtet, dass das Rektorat – ohne Rücksprache mit
dem Senat – mit einem Schreiben vom 11. September gegenüber dem Kultministerium
Stellung genommen und eigene Vorschläge gemacht hat. Baumeister fragt Hirche, wie die
Abt. für Metallbearbeitung entwickelt werden kann, um die Aufgaben der industriellen Form-
33 Kopie im Archiv Baumeister.
220 250 Jahre Staatliche Akademie der Bildenden Künste Stuttgart
gebung zu bearbeiten und fordert ihn auf, ein Exposé dazu zu verfassen.34 Der renommierte
Designer Herbert Hirche wäre wohl der Richtige gewesen, Ideen zu entwickeln, arbeitete er
doch an der Schnittstelle zwischen Akademie und Industrie.35
In der gleichen Sitzung wird erneut die Personalfrage um die Fachlehrerstellen in der Metallbearbeitung aufgegriffen. Die Diskussion politisiert sich mit Bezug auf den §10 der Verfassung, der dem Senat Autonomie in Berufungsfragen zusichert. Die Lage spitzt sich zu. Brachert verliert als Rektor durch seine Eigenmächtigkeit in konzeptuellen und personellen Fragen an Rückhalt und tritt zur nächsten Wahl nicht mehr an.
Im Juli 1955 kocht das Thema »Industrieformgebung« wieder auf: Brachert, nun nicht mehr
Rektor, ist dagegen, da an einer Akademie das freie Schaffen zu pflegen sei. Hirche plädiert
dafür, dass »die Gestaltung unserer Umwelt heute eine echte künstlerische Aufgabe sei.« Er
verweist auf die Stuttgarter Tradition einer Verbindung von Akademie mit Kunstgewerbeschule. Die Diskussion zieht sich ergebnislos bis Anfang Februar 1957 durch die Protokolle.
Immer wieder wird die Grundsatzfrage gestellt, ob »Industrieform als Lehraufgabe« wichtig
sei. In Zu­sammen­hang mit dem drängenden Problem der Industrieformgebung werden
gegen Ende 1955 auch die Aufgaben und Ziele der Keramikabteilung diskutiert, an deren
Niveau Regierungsdirektor Donn­dorf Anstoß nimmt. Hier ist es wiederum Hirche, der in der
Sitzung vom 3. November 1955 nach­drücklich auf den Umstand verweist, dass die Beschränkung der Werkstatt auf reine Keramik nicht mehr zeitgemäß ist.
Als Fazit bleibt die Beobachtung, dass es im Laufe der Entwicklung der Akademie, wie im
Fall Bau­meister oder Hirche einzelnen innovativen Persönlichkeiten überlassen bleibt, den
Unterricht zu reformieren und damit auch auf die Struktur der Akademie einzuwirken.
34 Kopie des Exposés mit weit reichenden Vorschlägen im Archiv Baumeister.
35 Herbert Hirche: Architektur, Innenraum, Design, 1945–1978, Ausstellungskatalog: Landesgewerbeamt Stuttgart,
16. Febr. bis 30. März 1978; Bauhaus-Archiv Berlin, 13. April bis 14. Mai 1978; Haus Industrieform Essen, 23. Juni
bis 22. Juli 1978; Institut für Neue Technische Form Darmstadt, 20. Okt. bis 26. Nov. 1978, Stuttgart 1978.
221 Froitzheim – Stunde Null?
Nachfolge Baumeister: figürlich oder abstrakt?
1954/55 entspinnt sich eine aufschlussreiche Diskussion um die Nachfolge Baumeisters. Rektor Rössing versucht eine programmatische Diskussion im Senat abzuwenden.36 Er bringt
seine ablehnende Haltung gegenüber der gegenstandsfreien Kunst zum Ausdruck. Baum
und Warnecke hingegen bestehen auf einen Vertreter der »abstrakten Richtung«, da die dort
entwickelte Formen­welt für alle Gattungen von der Architektur bis zur Industrieformgebung
eine Basis bilde. Die Be­griffe »abstrakt« und »gegenständlich« werden nicht als zwei formale Möglichkeiten gehandelt, sondern geradezu zu einer weltanschaulichen Schlüsselfrage.
Fritz Winter wird bis zum Schluss der Berufungsverhandlungen als herausragender Kandidat
ge­han­delt, bleibt aber menschlich und künstlerisch eine Reizfigur. Hirche betont die Notwendigkeit eines Lehrers »für die Formenwelt der gegenstandslosen Malerei« in der Tradition
von Hölzel und Baumeister. Yelin warnt vor der Effekthascherei der abstrakten Kunst und
davor, sich allein auf »die von den heutigen Kunstmanagern mit sehr durchsichtigen Methoden propagierten Künstler als Nachfolger für Baumeister (zu) beschränken…« Dennoch ist
er es, der den in Tuttlingen arbei­tenden Heinrich Wildemann ins Spiel bringt und in den
nachfolgenden Sitzungen ein deutliches Votum für einen Professor für gegenstandsfreie
Kunst an der Akademie erhebt. Wildemann wird zum 15. März 1955 an die Akademie berufen.
Sein formaler Grundlagenunterricht in der Tradition Baumeisters ist durchaus erfolgreich,
im Kollegium bleibt er, laut Klaus Kinter, damals Dozent an der Akademie, isoliert. Politische
Äußerungen hört man nicht von ihm in den Senatssitzungen.
36 Sitzung vom 11. Februar 1955. Ausgewogene Äußerung Baumeisters, vgl. Sitzung vom 1. Februar 1955.
222 250 Jahre Staatliche Akademie der Bildenden Künste Stuttgart
Willi Baumeister selbst plant eine Fortsetzung seines Unterrichts mit einem Lehrauftrag. Angesichts seiner künstlerischen und pädagogischen Reputation wäre das eine folgerichtige
Entscheidung auch für den Ruf der Stuttgarter Akademie gewesen. Tatsächlich kommt es
aber nur zu einer sehr eingeschränkten Verlängerung seines Lehrauftrages bis März 1955.
Dies hat möglicherweise mit der halbherzigen Vermittlung eines solchen Wunsches durch
Rössing gegenüber dem Ministerium zu tun.
Spätestens Mitte der 50er Jahre wird klar, dass die rechtlichen Grundlagen der Akademie
reform­bedürftig sind. Hans Fegers, Kunsthistoriker und mit Verwaltungsfragen betraut, macht
1956 im Senat einen Vorstoß für geregelte Prüfungsordnungen und Aufnahmeverfahren. Er
mündet in der Frage, ob man »Künstlerisches« überhaupt in einer Prüfung erfassen könne.
Die Sitzung vom 11. Dezember 1956 endet mit der Feststellung, dass es, außer für die Innenarchitekten, keine staatlich anerkannte Prüfung für die anderen Abteilungen geben solle.
Aber die Frage nach Prüfungsordnungen wird spätestens Mitte 1958 wieder relevant. Auf der
Rektorenkonferenz diskutiert Yelin mit seinen Kollegen die Zugehörigkeit der Kunsthochschulen zu den wissenschaftlichen Hochschulen. Stichworte sind hier: Grundlagenforschung und die Definition des Selbstverständnisses. Akut wird das Problem vor dem Hintergrund der Verteilung von Förder­mitteln an wissenschaftliche Hochschulen. Die Akademien
drohen angesichts ihrer offenen Struktur aus diesen Zuteilungen herauszufallen.
Abb.3 Ausstellung 1961 an Akademie: Klasse
Brudi/Günther – Hirche/Funk, aus: Hans
Fegers: Die Stuttgarter Akademie 1761 –1961,
in: Stuttgarter Leben 36, 1961, S. 26-30
223 Froitzheim – Stunde Null?
Walter Brudi als Rektor
1959 wird Walter Brudi Rektor der Akademie. Zwei Themen beherrschen die Senatssitzungen
in den kommenden Jahren: Raumnot, vor allem angesichts expandierender Klassen im Bereich Werbe- und Buchgrafik, und personelle Unterbesetzung, die auch eine konzeptionelle
Anpassung der Abteilungen erschwert.
Brudi stürzt sich selbstbewusst in die politische Arena, wählt – unter Umgehung ministerieller Vorgaben – die direkte Ansprache der Verantwortlichen im Landtag, um die Entscheidungsträger auf die Seite der Akademie und ihrer Forderungen zu ziehen.
Mit der Einweihung des Neubau I im August 1968 und mit der Bewilligung umfangreicher
neuer Stellenpläne, um die Brudi seit 1960 mit Energie und politischem Kalkül ringt, ist er
erfolgreich.37 Ungeachtet des fortgeschrittenen Alters von 61 Jahren setzt Brudi 1962 die
Berufung Albrecht Appelhans’ durch, einem ehemaligen Schüler und Assistenten (von
1945–49) des gemeinsamen Lehrers Schneidler. Brudi begründet die Berufung gegenüber
dem Ministerium damit, dass die Klasse mit Kunsterziehern einen Lehrer brauche, »der
noch eine unmittelbare Beziehung zur gegenstandsbezogenen Kunst hat, andererseits aber
auch genügend aufgeschlossen ist für gegen­standsfreie künstlerische Arbeiten der sogenannten ›abstrakten‹ Richtung.«38 Die Jubiläumsfeierlichkeiten 1961 zum 200-jährigen Bestehen der Akademie bilden einen Höhe­punkt (Abb. 3) .39
37 Im Vorfeld gab es große Diskussionen um die Zweckmäßigkeit von Bau, Treppenhaus und Ausstellungsraum,
vgl. Senatsprotokoll 4. Juli 1967, A-SABK; Kermer 1988 (wie Anm. 22), S. 232–234; Stellenpläne: Hauptstaatsarchiv
Stuttgart, Bestand EA 3/201 Bü 8.
38 Hauptstaatsarchiv Stuttgart, Bestand EA/150 Bü 3313: Brief vom 6. Februar 1962.
39 Akademie 1961 (wie Anm. 6); Hans Fegers: Die Stuttgarter Akademie 1761–1961, in: Stuttgarter Leben 36,
1961, S. 26–30; eine klarsichtige Kritik über die Reformierbedürftigkeit der Akademie findet sich in der vom Baumeister-Schüler Klaus Jürgen-Fischer herausgegebenen Zeitschrift Vernissage, 9–10/II, Mai–Juni 1961, o.S.
224 250 Jahre Staatliche Akademie der Bildenden Künste Stuttgart
Mitte der 60er Jahre beginnt sich der Lehrkörper zu modernisieren. Mit der Berufung von Kurt
Weidemann zum Sommersemester 1964, von Klaus Lehmann als Produktgestalter 1966 –
hiermit wird ein Teil der Forderungen nach einem Lehrstuhl für Industrieformgebung endlich
Realität – und K.R.H. Sonderborg im Jahr 1965 setzt eine neue Ära an der Akademie ein. Die
Gräben zu den alt eingesessen Kräften wie Brudi, Gollwitzer und Yelin werden noch deutlicher.40
Der interne Betrieb geht seinen von Brudi autoritär geführten Gang weiter. Die ersten, ernsten
Konflikte mit Studenten als Vorboten der Ereignisse von 1968 zeichnen sich ab. Die studentischen Wettbewerbe nehmen an Attraktivität immer weiter ab, was angesichts von Themen
wie »Bildnis« oder – für die Metallabteilung – »Zange«, »Löffel« auch nicht weiter verwunderlich ist.
Die Aktivitäten des ASTA werden bewusst klein gehalten: Hauptbetätigungsfelder sind die
alljähr­lichen Bildungsreisen und die Ausrichtung von Faschingsfesten. 1963 beklagt der
Asta-Vorsitzende die Gängelung der Akademiestudenten, die in der TH ausstellen wollen.
Der Senat erwirkt die Genehmigungen der Klassenlehrer hinsichtlich der Aussteller und der
Werkauswahl. Die internationalen Kunstströmungen, wie etwa Popart, finden keinen Widerhall an der Akademie. Auch ein gängiges künstlerisches Medium, wie die Fotografie, ist mit
keinem Lehrstuhl vertreten. Nach wie vor bleiben die Werkstätten den Studenten der jeweiligen Klassen vorbehalten, ein Pri­vileg, über das besonders Brudi mit seiner fotomechanischen
Werkstatt eisern wacht.
Der Tod Benno Ohnesorgs in Berlin am 2. Juni 1967 markiert auch an der Akademie den Beginn von jahrelangen, vom Weißenhof in die Stadt getragenen Studentenprotesten, in denen
sich poli­ti­sche und künstlerische Agitation vermischen. Die angestaute Unzufriedenheit über
fehlende stu­dentische Mitbestimmung in den politischen Gremien der Akademie, der kreative Stillstand in den freien Fächern, der sich durch ein überaltertes Kollegium und das Beharren auf unzeitgemäßen, völlig überholten Lehrplänen verfestigt hat, kocht über.
40 Zum Generationenkonflikt vgl. Horst Wöhrle, »Die Stunde Null«. Grafik an der Stuttgarter Akademie nach dem
Ende des 2. Weltkrieges, (Werkstatt Reihe, 13), hrsg. von Wolfgang Kermer, Staatliche Akademie der Bildenden
Künste Stuttgart, Stuttgart 2005.
225 Froitzheim – Stunde Null?
Politischer Anknüpfungspunkt für die Studenten ist die »vorläufige« Verfassung von 1950,
die de facto einen Zustand von Rechtlosigkeit darstellt. Die Studenten fordern eine ordentliche Prüfungsordnung und nachvollziehbare Aufnahmekriterien ein. Es sind die Kunststudenten, die auf Wandel der Institution drängen und ihn letztlich auch erreichen. Unterstützt
werden sie dabei von Kurt Weidemann, K.R.H Sonderborg und dem Stuttgarter Galeristen
Hans-Jürgen Müller.
Wenige Tage nach Ohnesorgs Tod findet an der Akademie eine Vollversammlung statt, die
durch den Bericht des Studierenden Klaus Mausner von den Berliner Ereignissen eine plötzliche Wende nimmt. Mausner führt den Anwesenden ihre angepasste Haltung vor Augen. Die
Vollversammlung wählt Mausner zu ihrem politischen Referenten, eine Position, die in der
Verfassung der Akademie für den ASTA nicht vorgesehen ist. Im Herbst 1967 finden reguläre Neuwahlen statt. Mausner wird Vorsitzender des ASTA.41
Parallel zum Kurras-Urteil im November 1967 zeigen sich die ersten Parolen an den Wänden
der Akademie.42 In der Studentenschaft gärt es, der Senat sinnt auf Wege, den sich politisierenden ASTA auszuhebeln. Prorektor Yelin findet eine Begründung in der Verfassung, wo­
nach der ASTA sich aus je einem Vertreter der Abteilungen zusammensetzen muss, eine Vorgabe, die seit Jahren nicht mehr eingehalten wird. In der Senatssitzung vom 14. Dezember
1967 eröffnet er den Vertretern des ASTA in Stellvertretung für den erkrankten Brudi, das
der ASTA – bis zu den nächsten regu­lären Wahlen – »sich als ›Nicht Existent‹ betrachten«
müsse und spricht zugleich ein grundsätz­liches Verbot von politischen Veranstaltungen, um
die der ASTA gebeten hatte, aus.
Die restriktive Haltung des Rektorats weckt die Widerstandskräfte der Studenten. Bei der
am nächsten Tag einberufenen außerordentlichen Vollversammlung mit verschiedenen Medienvertretern erscheinen 500 Studenten und fordern Mitspracherecht bei akademischen
Angelegenheiten. Die Amtsenthebung des ASTA muss aufgrund des öffentlichen Drucks
durch das Kultusministerium zurückgenommen werden.
41 Zu einer detaillierten Chronologie der Ereignisse sowie interne und externe Reaktionen vgl. Wolfgang Kermer:
»1968« und die Akademiereform. Von den Studentenunruhen der Stuttgarter Akademie in den siebziger Jahren,
(Beiträge zur Geschichte der Bildenden Künste Stuttgart, 9), hrsg. von Wolfgang Kermer, Stuttgart 1998, S. 223f.
42 Der Polizist Karl-Heinz Kurras war der mutmaßliche Todesschütze. Er wurde im November freigesprochen.
226 250 Jahre Staatliche Akademie der Bildenden Künste Stuttgart
Die Studenten organisieren und inszenieren in rascher Folge Veranstaltungen und Aktionen,
zu denen die legendäre Diskussion »Entrümpelt die Akademien« vom 6. Februar 1968 gehört. Sie musste auf Druck von Brudi in der Universität stattfinden.43 Anlässlich des Aus­
scheidens von Gollwitzer wird der ASTA aktiv und fordert ein wirksames Mitspracherecht
der Studenten. Bewer­bungsgrundlage soll eine öffentlich zugängliche Ausstellung der Bewerber und eine direkte Diskussion zwischen diesem und den Studenten sein.
Auch wenn in diesem Fall der studentische Vorschlag bei der Neubesetzung nicht berücksichtigt wird, unterstreicht das energische und unmissverständliche Vorgehen der Studenten, dass
der Druck von innen die Akademie zu Reformen zwingen würde.
Am Ende der teilweise handfest verlaufenden, lang andauernden Auseinandersetzungen zwischen Professoren und Studenten, die 1969 zu Brudis Rücktritt führen, steht eine neue Verfassung, die so­wohl den Studenten als auch dem Mittelbau mit den Werkstattlehrern eine
paritätische Beteiligung im Senat zugesteht.44
43 Kermer 1998 (wie Anm. 41), S. 225–230.
44 Horst Wöhrle: »1968« und die Folgen, Privatdruck, o.O. 1998.
231
Horst Wöhrle
Die Werkstätten
die Werkstätten der Keramik
und der Gebrauchsgraphik weitge­
hend erhalten geblieben, doch
selbst hier zeugten einzelne Bombenschäden von den Kriegsereignissen. So fehlt bis heute im
Alphabet der Ganz Groben Gotisch,
einer der legendären Bleisatzschriften von Ernst Schneidler,
Die Geschichte der Werkstätten
in der 60p-Größe seit diesen Bom-
der Stuttgarter Akademie war
bennächten, sozusagen als blei-
bis Ende des Zweiten Weltkriegs
bende Erinnerung an jene Zeit,
vor allem eine Geschichte der
das so urdeutsche ß komplett, da
Werkstätten der ehemaligen Kunst-
alle vorhandenen Bleitypen dieses
gewerbeschule, also der heutigen
Buchstabens bei einem Bombentref-
„angewandten“ Studiengänge der
fer geschmolzen waren.
Kunsthochschule. 1946 erfolgte
Vollständig zerstört wurden die
mit der Wiedereröffnung des Hoch-
Werkstätten für Möbelbau, Metall-
schulbetriebs im Gebäude der
kunst, Textil und Glas. Sie
ehemaligen Kunstgewerbeschule auf
mussten völlig neu eingerichtet
dem Weißenhof die bereits 1941
werden. Nun sind Nachkriegs-
beschlossene Vereinigung der
jahre immer eine Herausforderung,
angewandten und der freien Künste
aber auch eine Chance auf einen
nun auch in räumlicher Hinsicht.
notwendigen Neuaufbau – die
Während für die freien Künste
vielbeschworene „Stunde Null“.
bis dahin praktisch keine Werk-
Schon das Ende des Ersten Welt-
stätten im heutigen Sinne vorhan-
kriegs hatte die Stuttgarter
den waren, bedeutete die dem
Kunstgewerbeschule genutzt, um
angewandten Bereich entstammende
eine jahrelange Lähmung durch
Vielzahl der eingebrachten Werk-
Kriegsereignisse zu überwinden.
stätten ein großes Plus für den
Alte Werkstätten wurden moderni-
künftigen gemeinsamen Lehrbe-
siert, neue gegründet. In der
trieb.
Zeit von 1918 bis 1925 kamen
Zunächst mussten jedoch notge-
in rascher Folge hinzu: Bleihand-
drungen die zum Teil erheblichen
satzwerkstatt als Ergänzung
Kriegsschäden beseitigt werden,
zur Buchdruckwerkstatt, eine
und zwar wie damals selbstver-
chemisch-technische Werk-
ständlich unter tatkräftiger Mit-
stätte, eine Porzellanmalerwerk-
hilfe von Studierenden und Leh­
statt, Glasmalerwerkstatt,
rern, und hier insbesondere
ein Lehrauftrag für kunstgewerb-
der handwerklich prädestinierten
liche Fotografie, eine Werkstatt
Werkstattlehrer, viele gerade
für Glas- und Steinschnitt,
erst aus der Kriegsgefangenschaft
Stein- und Kupferdruck, Stoff-
heimgekehrt. Nach den verheeren-
druck, Handweberei, Glasschliff,
den Bombenangriffen auch auf
Bronzeguss, Kunstschmiede und
Stuttgart waren zwar wenigstens
Kunstschlosserei.
232
250 Jahre
Kunstakademie Stuttgart
Weit gravierender als die Folgen
gungsmethoden abgelöst wurden,
des Ersten Weltkriegs erwiesen
waren menschliche Konflikte nahe-
sich dann die Auswirkungen des
zu unvermeidlich vorprogrammiert,
Zweiten Weltkriegs, denn der von
wenn man nicht warten konnte
den Nazis ausgerufene „totale
oder wollte, bis von diesem tech-
Krieg“ hinterließ gewaltige
nischen Fortschritt betroffene
Zerstörungen. Auch auf das Kil-
Werkstattlehrer altershalber
lesberggelände wurden Trüm-
ohnehin ausschieden. Wo immer
mer und Schutt in größeren Mengen
möglich, versuchte man deshalb,
verbracht (eine Tatsache, die
mit Augenmaß den natürlichen
erstaunlicherweise aber erst in
Generationswechsel zu nutzen –
den Neunzigerjahren beim Bau
sozusagen die „Kriegsgeneration“
des Neubaus II zu ungeahnten Pro-
durch die „Nachkriegsgeneration“
blemen führen sollte).
fließend zu ersetzen.
Da nach dem Krieg zeitweise auch
die ausgebombte Architekturabteilung der damaligen Technischen Hochschule auf dem
Die frühen Sechzigerjahre
Weißenhof unterzubringen war,
Die Sechzigerjahre waren anfangs
herrschte eine noch verstärktere
geprägt von der guten allge-
Raumnot, auch in den Werkstät-
meinen wirtschaftlichen Lage des
ten. Erst 1960 konnte der Auszug
Landes. Neue Bauten konnten
der Architektur-Fakultät der heu-
geplant und erstellt, erhebliche
tigen Universität Stuttgart er-
Investitionen besonders in den
folgen, wodurch sich die Raumfra-
Werkstätten getätigt werden. Neue
ge etwas entspannte.
Institute wurden gegründet, die
Ersatz und Wiederherstellung der
eng mit den Werkstätten verbunden
zerstörten beziehungsweise be-
waren.
schädigten Werkstätten unter
Einzelne Bereiche wurden neu
Erhalt der traditionellen Techni-
geordnet. Den Kunsterziehern wur-
ken hatten aber in der ersten
de eine eigene Werkstatt für
Phase unmittelbar nach dem Ende
das Werken zugebilligt. Die Werk-
des Zweiten Weltkriegs natur-
stätten für Lithographie und
gemäß zunächst einmal absoluten
für Radierung, bisher gemeinsam
Vorrang. Erst in der nächsten
von der freien und der ange-
Phase in den späteren Fünfziger-
wandten Graphik genutzt, wurden
jahren und Anfang der Sech-
jetzt den freien Künsten zuge-
zigerjahre nahm man im Zuge des
ordnet, ebenso die gesamte Kera-
nun immer weiter fortschreitenden
mik, zusätzlich kam eine all-
rapiden technologischen Wandels
gemeine Druckwerkstatt, aus der
gravierende Veränderungen vor.
letztlich die Siebdruckwerk-
Wo althergebrachte kunsthandwerk-
statt der Freien wurde. In der
liche Fertigkeiten in einzel-
Angewandten Graphik hielten dafür
nen Fällen jetzt relativ unver-
der moderne Offsetdruck und
mittelt durch neuzeitliche,
als allerneueste Entwicklung
industriell beeinflusste Ferti-
der Fotosatz Einzug.
233
Wöhrle:
Die Werkstätten
Gerade am Beispiel des Foto-
Ansonsten durchaus sachverständi-
satzes wird die ganze Problema-
ge Fachleute hatten in der
tik einer mit zunehmender
Zwischenzeit der Akademie ernst-
Dynamik verlaufenden technolo-
haft empfohlen, die immerhin
gischen Entwicklung für eine
sehr traditionsreiche Bleihand-
Institution wie die Stuttgarter
satzwerkstatt durch eine
Kunstakademie schlaglicht-
reine Fotosatzwerkstatt mit einer
artig erhellt. Weil die Werk-
Vielzahl von nicht ganz billi-
stätten einer Kunsthochschule
gen Geräten zu ersetzen – am Ende
keinesfalls Inseln im Strom
war man froh, wenigstens in die-
einer gesamtgesellschaftlichen
sem Fall nicht allzu vorschnell
technologischen Entwicklung
gehandelt zu haben. Denn so
sein konnten und wollten, blie-
saß man letztlich nur auf einer
ben sie von den technologisch-
einzigen Fotosatzanlage statt
medialen Wandlungen nicht
auf ganz vielen Geräten mit
verschont. Und der Fotosatz
Schrottwert ... Doch die Werk-
stand ganz am Anfang dieser Pe-
stätten der Akademie waren
riode der Umwälzungen.
zu diesem Zeitpunkt eigentlich
Ende der Fünfzigerjahre bereits
bereits mit ganz anderen, sehr
experimentierten erste Betrie-
viel grundsätzlicheren Problemen
be der Druckindustrie mit
konfrontiert. Sie waren nämlich
der neuen Technik, die eine im-
trotz der erheblichen Investitio-
merhin 500 Jahre seit Guten-
nen keineswegs offen für alle
berg währende Bleisatz-Ära reich-
Studierenden.
lich abrupt ablösen sollte. Es
Es herrschten im Gegenteil teil-
gab heiße Diskussionen und hefti-
weise sehr regressive Zugangs-
ge Warnstreiks im gesamten gra-
regelungen. Da der Umgang mit
fischen Gewerbe (auch die Journa-
Techniken, vor allem neueren, für
listen solidarisierten sich),
ein modernes Studium aber immer
da diese Entwicklung Zukunfts­
wichtiger wurde, wuchs der Un-
ängste im Hinblick auf völlig
mut der Studentenschaft. Die
neue Arbeitsmethoden, aber auch
Forderung nach „Offenen Werkstät-
den befürchteten Verlust von
ten“ sollte sich dann noch als
Arbeitsplätzen auslöste.
ein zentrales Thema der Auseinan-
Trotzdem konnte sich auch die
dersetzungen der Jahre um 1968
Stuttgarter Akademie diesem
herum erweisen.
Trend auf Dauer nicht verschließen. Die neue Technologie erforderte allerdings erhebliche
„1968“ und die Werkstätten
personelle und apparative In-
Die Ereignisse von „1968“ und
vestitionen – fatalerweise hielt
der unmittelbar nachfolgenden
sich der (noch analoge) Foto-
Jahre haben nicht nur die
satz aber gerade einmal ein knap-
Entwicklung der Akademie an
pes Jahrzehnt, bevor er von
sich, sondern besonders
den (digitalen) Computern auch
die der Werkstätten nachhaltig
schon wieder ersetzt wurde.
beeinflusst. Es wird ange-
234
250 Jahre
Kunstakademie Stuttgart
sichts der doch scheinbar über-
mittels einer Axt. Keineswegs
wiegend politisch motivierten
zufällig war es nicht irgendeine
Unruhen oft übersehen, dass eine
Tür, sondern eine (Foto-)Werk-
ganz pragmatische Forderung
statt-Tür. In einer von den Stu-
nach „Offenen Werkstätten“ eines
dentenvertretern öffentlichkeits-
der wichtigsten Anliegen der
wirksam ausgeschlachteten Ge-
Studenten (neben mehr Mitbestim-
richtsverhandlung vor einer
mung und Abschaffung autori-
Stuttgarter Strafkammer wurde
tärer Strukturen) war. Die unmit-
der wegen Sachbeschädigung
telbar betroffenen Werkstatt-
angeklagte Student schließlich
lehrer befanden sich wieder ein-
zu einer Geldstrafe von 80 DM
mal in einer nicht einfachen
verurteilt (Abb.1).
Mittler-Rolle: einerseits erkannten sie, die durch ihre ganztägige ganzwöchige Präsenz und
der engen praktischen Zusammenarbeit mit den Studenten diesen menschlich und auch von
der Sache her näher als irgendjemand anderes waren, deren
Anliegen als weitgehend berechtigt an, auf der anderen Seite
konnten sie manche im jugendlichen Übereifer getätigten gewaltsamen Methoden (wenngleich nur gegen Sachen!) und
extreme politische Positionen und Parolen keineswegs gut-
(Abb.1) Titelblatt einer studen-
heißen.
tischen „Dokumentation“ von 1971,
Die von den Werkstattlehrern so
Foto: Archiv Wöhrle
gar nicht gewollte rigorose
Abschottung „ihrer“ Werkstätten
Übrigens wurde nur wenige Jahre
sollte nach dem Willen von
später, nämlich 1974, im neuen
als Werkstattleiter agierenden
Kunsthochschulgesetz die grund-
Professoren, die um den Ver-
sätzliche Offenheit aller
lust ihrer Autorität fürchteten,
Einrichtungen, also auch der
auf keinen Fall aufgegeben
Werkstätten für alle Stu-
werden. Die Studenten wehrten
denten festgelegt, ohne dass in
sich zunehmend gegen diese
der Folge das zuvor beschwo-
von ihnen als gestrig empfundene
rene Chaos auch nur im entfern-
Haltung. Endgültig entlud
testen eintraf. Im Gegenteil:
sich dieser Konflikt am spekta-
unhaltbare, heutzutage kaum be-
kulärsten 1971 durch die im Nach-
greifbare veraltete Strukturen
hinein zum Happening erklärte
wurden nun endlich verändert.
„Türschlag-Aktion“, die gewalt-
Die unglückliche Positionierung
same „Öffnung“ eines Fotolabors
gerade der Werkstattlehrer im
235
Wöhrle:
Die Werkstätten
Gesamtgefüge der Akademie in den
hat. Baumeisters enge Zusam-
Sechzigerjahren („Einen beson-
menarbeit mit Erich Mönch, dem
deren Problembereich ... stellten
außerordentlich engagierten
die Werkstätten dar, deren Mit-
Lehrer in der Lithographie- und
arbeiter ... eher als Handwerker
Radier-Werkstatt, führte zu
und Materialverwalter denn als
herausragenden Ergebnissen
Lehrkräfte galten“, wie Wolfgang
vor allem im Bereich der Litho-
Kermer in „’1968’ und Akademie-
graphie. Erich Mönch wurde,
reform“ konstatierte) erhellt
genau wie sein meisterlicher
vielleicht am deutlichsten aus-
Kollege vom Buchdruck, Hans
gerechnet das 200-jährige Jubilä-
Frank, später, als sich vieles
um im Jahre 1961. Voller Empö-
auch in dieser Hinsicht ge-
rung erzählten noch Jahre später
wandelt hatte, immerhin zum Eh-
ältere Kollegen ihren jüngeren,
renmitglied der Akademie ernannt.
dass die Werkstattlehrer zum
Jubiläums-Festakt ihrer eigenen
Hochschule nicht einmal eingela-
Nach-(68er-)Wirkungen
den worden waren. In ihrer
Nach „1968“ entkrampften sich
Verärgerung schickten sie reich-
die Verhältnisse gerade für die
lich provokativ ein solida-
Werkstätten zunehmend. Der
risch von sämtlichen Werkstatt-
sehr viel freiere Umgang aller
lehrern unterzeichnetes Telegramm
Lehrenden untereinander und
„mit herzlichen Glückwünschen“
mit den Studenten war nicht zu
an den gastgebenden Rektor direkt
übersehen. Bisher viel zu wenig
an den Ort des Festaktes.
genutzte Kapazitäten wurden
Andererseits erfuhren die Werk-
freigesetzt. Erstmals fand eine
stattlehrer aber auch immer wie-
enge ernsthafte Zusammenarbeit
der eine hohe Wertschätzung ihrer
aller Gruppierungen ohne Ausgren-
Arbeit. Willi Baumeister bei-
zungen in Kommissionen über
spielsweise, nach dem Krieg als
die Zukunft der Akademie statt.
Professor für Malerei berufen,
Gemeinsame Mannschaften von
war einer der entschiedens-
Lehrern, hier besonders jüngeren
ten Verfechter einer vollwerti-
Werkstattlehrern, mit Studie-
gen Einbindung der Werkstatt-
renden beteiligten sich ebenfalls
arbeit in das Studium. Bau-
erstmals an Fußball- und Hand-
meisters beruflicher Lebensweg
ballturnieren, zunächst der Hoch-
war hierbei wohl nicht uner-
schulregion und später bundes-
heblich. Sein bekannter Briefmar-
weit vieler Kunsthochschulen.
kenentwurf für die Werkbund-
Jedes Sommerfest wurde nun viele
Ausstellung 1927 besteht voll-
Jahre lang mit einem Kick Leh-
ständig aus im Buchdruck gedruck-
rer gegen Studenten auf der Wiese
tem handgesetzten Blei- und
eröffnet, auf der heute der Neu-
Messingmaterial, eine Gestal-
bau II steht. Mit den Werk-
tungsmethode, die an der Stutt-
statt-Festen (Setzerei-Feste, Ra-
garter Akademie seit Gründung
dierwerkstatt-Feste, später die
der Bleisatzwerkstatt Tradition
gemeinsamen Sperkel-Feste) wurden
236
250 Jahre
Kunstakademie Stuttgart
legendäre Feste etabliert. Bei
von oder über Hölzel, Baumeister,
einer jetzt verstärkt als notwen-
Böhmer), anfangs im Offsetdruck
dig erkannten Öffnung der Aka-
produziert, später im Laser-
demie in Richtung Öffentlichkeit
druck als Print on Demand.
(Ausstellungen, Kataloge) zogen
Besonders die Werkstätten für
so viele Personen wie noch
Bleihandsatz, Computeranwendung,
nie an einem Strang. Studien-
Hochdruck, Offsetdruck und
führer, Geschichtsreihe, mannig-
Buchbinden brachten sich überaus
faltige hochwertige Druck-
engagiert neben ihrer normalen
sachen und in den Werkstätten
Lehrtätigkeit ein. Die Program-
der Akademie oder mit Hilfe
matik führte auch dazu, dass
der Werkstattlehrer gefertigte
Themen aus dem Werkstattbereich
Publikationen legen hier zu-
selbst in die Reihe aufgenom-
sätzlich ein beredtes Zeugnis
men wurden.
für ein offensichtlich entstandenes Gefühl eines gemeinsamen langfristigen Aufbruchs
Diplome
ab. Vielleicht am exemplarisch-
Die Einführung von Diplom-Studien-
sten hierfür war die später
gängen in den Siebzigerjahren
hinzukommende „Werkstatt-Reihe“,
erforderte auch die Beantwortung
die nicht ohne Grund den Begriff
der damals nicht ganz unprob-
„Werkstatt“ im Titel trug.
lematischen Frage der Einbindung
Wesentlicher Teil ihrer Konzep-
des Werkstattunterrichts in
tion war es nämlich, eine
das Gesamtgefüge – für eine län-
Buchreihe unter Nutzung aus-
gere Zeit jedoch erst einmal
schließlich eigener Ressourcen
nur für den angewandten Bereich,
zu produzieren – und die
da die Freie Kunst sich zu-
sich nach einer einmaligen An-
nächst noch gegen die Einführung
schubfinanzierung durch das
von Diplom-Abschlüssen (wegen
Institut für Buchgestaltung so-
einer befürchteten „Verschulung“)
gar durch die jeweiligen Ver-
aussprach. Es gab auch unter den
kaufserlöse in der Folge vollkom-
Werkstattlehrern selbst durch-
men selbst finanzierte. Inhalt-
aus unterschiedliche Auffassungen
lich sollte die neue Reihe Texte
darüber, ob es sinnvoll wäre,
von gegenwärtigen und ehemali-
ihren Unterricht in das engere
gen Lehrkräften bzw. über sie
Schema einer Diplomordnung zu
publizieren. Ihr Ziel war es, in
pressen. Fand die Arbeit in
zwar einfacher, aber anspruchs-
den Werkstätten zuvor noch weit-
voller Gestaltung und guter Qua-
gehend in Einzelunterrichtung
lität mit eigenen Mitteln der
bestimmter Fertigkeiten und Kennt-
eher aufwendigen „Geschichts-
nisse statt, so mussten jetzt
reihe“ eine sehr viel kostengün-
mehr gemeinschaftliche Kurse mit
stigere zweite Reihe an die
genau definierten prüfungsre-
Seite zu stellen. Es entstanden
levanten Themen sehr viel theore-
so immerhin 16 auch inhaltlich
tischerer Art und anschließen-
bemerkenswerte Titel (u.a.
der formaler Prüfung mit Benotung
237
Wöhrle:
Die Werkstätten
ausgearbeitet und angeboten
Abiturienten später in ihrem
werden. Generell strittig war
Beruf ausgesprochen erfolgreich
die Frage einer sinnvollen
gewesen waren (heute ist ein
Abprüfbarkeit erlernter (hand-
Seiteneinstieg mit beruflicher
werklicher) Fertigkeiten an
Qualifikation sogar von der
einer Kunsthochschule. Darüber
Politik gewollt).
hinaus wird die Problematik einer
plausiblen Notengebung ohnehin
stets kontrovers diskutiert
werden, im Bereich der praktischen Werkstattarbeit ganz besonders, wo ja das künstlerischtechnische Experimentieren traditionell einen hohen Stellenwert hat. Genau hier setzten
die Hauptbedenken der Freien
an: dass das Experiment, das doch
per se immer die Gefahr, aber
auch die Freiheit des Scheiterns
impliziert, nicht mehr oder
viel zu wenig stattfinden könnte.
Hinzu kamen aus Sicht der Werk-
(Abb.2) Fritz Seitz:
stattlehrer statusrechtliche
Rückblick auf die Grundlehre,
Fragen. Jahrelang war strittig,
Stuttgart 1986, Umschlag
wer berechtigt sein sollte,
diese Prüfungen abzunehmen und
Eng mit der Problematik der
die Noten zu geben: der unter-
Diplomstudiengänge war die Frage
richtende Werkstattlehrer
der Grundlehre verbunden (Abb.2).
oder ein übergeordneter Pro-
Wie „verschult“ würde sie sein
fessor.
(müssen)? Und wie konnten die
Auch die ebenfalls umstrittene
Werkstätten noch eingebunden wer-
ausschließliche Zulassung
den? Der gesamte Komplex „Grund-
mit Abitur zum Diplom stieß bei
lehre“ führte zu unerwartet hef-
den Werkstattlehrern auf Ab-
tigen Diskussionen, wie das
lehnung. Von ihnen vorgeschlagene
Schicksal der unter tatkräftiger
Ausnahmeregelungen, die durch-
Mitwirkung von Werkstattleh-
aus möglich waren, wie sich spä-
rern neu installierten Publika-
ter bei der Einführung des
tionsreihe „Beiträge zu Forschung
Diploms bei den Freien Studien-
und Lehre“ aufzeigte. Der erste
gängen mit einer Zulassung
Band gerade über die Berechtigung
über eine Hochbegabtenprüfung
einer „richtigen“ Grundlehre
erwies, wurden mit formalen
(in der Art des Bauhauses, aber
Begründungen rundweg abgelehnt,
durchaus auch getreu der Gedanken
obwohl doch in der Vergangenheit
etwa von Hölzel und Baumeister)
gerade im angewandten Bereich
von Fritz Seitz führte bei seinen
handwerklich vorgebildete Nicht-
sich angesprochen fühlenden
238
250 Jahre
Kunstakademie Stuttgart
Kollegen zu so heftigen Reaktio-
monat-Kurse (und einer in
nen, dass die ganze Reihe lei-
allerdings wenigen Einzelfällen
der ein reichlich abruptes Ende
zeitweise unbefriedigenden
fand. Erst viele Jahre später,
Präsenz von Werkstattlehrern)
bei der Neuordnung der Fachgrup-
vorschlug, sorgten für große
pen, sollte das Thema Grund-
Empörung in der Akademie und ent-
lehre und Werkstätten dann noch
sprechendes Aufsehen in der
einmal eine gewisse Rolle
Öffentlichkeit, weil der Rech-
spielen.
nungshof aus offensichtlich eher
fachfremden Gründen erhebliche
Eingriffe in die autonome
Besuch vom Rechnungshof
Unterrichtsgestaltung der Fach-
Erheblichen Einfluss auf die
gruppen einforderte. Eine
Position der Werkstätten
vom Ministerium angeordnete
im Gesamtgefüge der Akademie
zeitweilige Führung sogenannter
hatte zweifellos der auch
Werkstattbücher mit täg-
von einer breiten Öffentlichkeit
lichen Anwesenheitsprotokollie­
als „Generalangriff auf die
rungen der in den Werkstät-
Werkstätten“ empfundene Bericht
ten arbeitenden Studenten fand
des Rechnungshofs im November
bei den Werkstattlehrern,
1981. Der Zeitpunkt des Besuchs,
mehr aber noch bei den Studie-
nämlich überwiegend während
renden wenig Gegenliebe. Diese
eines Werkstattmonats, also
„Werkstattbücher“ entwickel-
außerhalb der eigentlichen Kern-
ten sich dann aber durch die
unterrichtszeit, stieß an
kreativen Kommentare und künst-
sich schon auf Unverständnis,
lerischen Illustrationen der
war doch die Einrichtung eines
Studenten ohnehin rasch zu eigen-
speziellen Werkstattmonats
willigen Gesamtkunstwerken und
bereits damals fragwürdig gewor-
wurden relativ schnell wieder
den. Ursprünglich zur Verkür-
abgeschafft.
zung der unterrichtsfreien (Feri-
Die Ernsthaftigkeit, die hinter
en-)Zeit eingerichtet und um
den vom Rechnungshof, der ja
fachfremden Studenten Zugang zu
überwiegend wirtschaftliche Ge-
den früher stark fachgebundenen
sichtspunkte zu vertreten hatte,
Werkstätten zu ermöglichen,
aufgeworfenen Kritikpunkten
war dies mit der nach 1968 er-
steckte, konnte damit natürlich
folgten Öffnung der Werkstät-
keineswegs einfach so wegge-
ten für alle Studierenden zuneh-
wischt werden. Immerhin führte
mend überflüssig geworden.
dieser Angriff auf die Werk-
Die rigorosen Konsequenzen bis
stätten dazu, dass die Akademie
hin zur Streichung als nicht mehr
1982 in seltener Einmütigkeit
„zeitgemäß“ angesehener tradi-
mit einer speziellen großen
tionsreicher Techniken, die der
Werkstättenausstellung (Abb.3)
Rechnungshof in seinem Bericht
und einer umfangreichen, den
aus dem angetroffenen eher
gesamten Themenkomplex dokumen-
schwachen Besuch der Werkstatt-
tierenden Begleitpublikation,
239
Wöhrle:
Die Werkstätten
bundesweit erstmals in dieser
ge Nachweise einer besonderen
Form, an die Öffentlichkeit
Qualifikation für das jeweilige
ging und den „Wert“ ihrer Werk-
Fachgebiet.
stätten und ihre Wertschätzung
Zwei Beispiele des vollzogenen
bewusst machte.
Technologie-Wandels jener
Jahre sind die Fotografie und
der Audiovisionsbereich. Die
Fotografie führte bis in die frühen Siebzigerjahre hinein an
der Akademie eher ein Nischendasein, obwohl immer wieder besonders aus dem Bereich der Werbegrafik hervorragende Fotografen hervorgingen. Auf Initiative des Leiters des Instituts
für Buchgestaltung wurde dann
eine der beiden Stellen für Satztechniken in eine Stelle für
Fototechniken innerhalb des Fachbereichs Graphik-Design umge-
(Abb. 3) Horst Wöhrle, Plakat
wandelt, wobei der Stelleninhaber
zur Werkstattausstellung, 1982
sich in ganz bemerkenswerter
Weise durch Umschulung und Weiterbildung in das Fachgebiet
Im Wandel
einarbeitete und nebenbei noch
Im Zuge des Rechnungshofberichts
über Jahrzehnte Sachaufnahmen
war das Thema „Technologie im
für viele Publikationen machte,
Wandel“ verstärkt auf die Tages-
die wichtigsten Ereignisse
ordnung der Akademie gekommen.
an der Akademie dokumentierte
Die technologische Entwicklung
und ein umfangreiches Fotoarchiv
führte unaufhaltsam auch zu einem
aufbaute. Er übernahm dann
Wandel vieler Berufsbilder. Die
später den Bereich Fototechnik
früher gängige, ja obligatori-
der Freien und Kunsterzieher,
sche Mindestqualifikation für das
für den sich ein dringender zu-
Amt des Werkstattlehrers, die
sätzlicher Bedarf erwiesen
Meisterprüfung in einem einschlä-
hatte, während die Stelle für
gigen Handwerk, wurde mehr und
das Graphik-Design neu besetzt
mehr irrelevant, weil es tradi-
wurde.
tionsreiche Berufe (wie Lithogra-
Interessant verlief auch die
phen oder Schriftsetzer) längst
Entwicklung des heute nicht mehr
nicht mehr gibt. Deshalb sind
wegzudenkenden Audiovision-
heute bei Neueinstellungen viel-
Bereichs. Bereits Ende der Sieb-
fach geradezu zwangsweise an-
zigerjahre wurden erste (analoge)
dere Voraussetzungen gefragt, in
Dia-Schauen und Trickfilme
der Regel mindestens ein Fach-
zunächst noch sehr provisorisch
hochschulstudium oder anderweiti-
unter Betreuung ehemaliger
240
250 Jahre
Kunstakademie Stuttgart
Studenten als Lehrbeauftragten
per und seine Mitstreiter ver-
erstellt. 1985 wurde dann
mittelten Anschein bereits früh-
auf Grund der wachsenden Bedeu-
zeitig durchaus über das Thema
tung des Bereichs die Stelle
„Computer in der Kunst“ in-
eines fachkundigen speziellen
formiert und daran interessiert.
Werkstattlehrers installiert,
Erst Mitte der Achtzigerjahre
der die Werkstatt in der Folge
aber, als Apple mit seinem Mac
und im Zuge der Digitalisie-
auf den Markt kam, der vor allem
rung der Technik beständig moder-
die Designer in der ganzen Welt
nisierte und ausbaute. Nachdem
überzeugte, stieg auch die Akade-
auch hier offenkundig inzwischen
mie wirklich in die Computer-
ein weiterer erheblicher Be-
welt ein. Mit jungen Lehrbeauf-
darf bei den Freien und Kunster-
tragten begann man in den
ziehern entstand, entschloss
Designbereichen einen Unterricht
man sich, im Rahmen einer „Me-
aufzubauen, ehe auch die Werk-
dienwerkstatt“ dieser Fach-
stattlehrer nach und nach
gruppe ein zusätzliches Angebot
sich des neuen Mediums annahmen.
bereitzustellen.
Die neuen Macs ersetzten den
Fotosatz binnen kurzem, sodass sich beim altersbedingten
Computer und Werkstätten
Ausscheiden des Fotosatzleh-
Der Computer hat auch die
rers im Graphik-Design eine Um-
Kunsthochschulen allgemein und
widmung der Stelle in eine
die Arbeit der Werkstätten im
Werkstattlehrerstelle speziell
Besonderen in vielerlei Hinsicht
für die Computer-Anwendung
stärker verändert, als es zu-
anbot. Die rasante Entwicklung
nächst zu vermuten gewesen wäre.
im Computerbereich machte
Die erste Berührung der Aka-
bald völlig neue konzeptionelle,
demie als Institution mit der
arbeitstechnische, finanzielle
Welt der Computer mag heute
und raummäßige Überlegungen
als eine absurde Farce aus der
notwendig. So hielt man es aus
Zeit der wilden Achtundsech-
didaktischen Gründen zunächst
ziger erscheinen, bekannt gewor-
nicht für sinnvoll, Computer
den als illegale „Einlagerung“
schon in den allerersten Semes-
einer bei der Firma SEL aus-
tern einzusetzen – was man jedoch
rangierten veralteten Großrech-
in späteren Jahren zumindest
neranlage durch den stadtbe-
teilweise revidierte (Ähnliches
kannten Aktivisten Ernst Knepper,
traf übrigens dann auch für die
der sich damit (vergeblich)
digitale Fotografie zu). Auch
einen Lehrauftrag verschaffen
die Frage, Computer nur in (weni-
wollte. Durch die vielfältigen
gen) gemeinsamen Unterrichts-
Verbindungen vor allem zu
räumen aufzustellen oder aber de-
Max Bense an der Technischen
zentralisiert in allen studen-
Hochschule Stuttgart und
tischen Arbeitsräumen, entschied
deren Rechenzentrum war die
man letztlich, trotz anfänglicher
Akademie entgegen dem durch Knep-
Bedenken vor allem seitens der
241
Wöhrle:
Die Werkstätten
Verwaltung wegen ungeklärter Auf-
Nachbarschaft der Weißenhofsied-
sichtsfragen, zugunsten der De-
lung als sehr positiv gewer-
zentralisierung. Heute stellt die
tet wurde. Womit man überhaupt
Tatsache, dass immer mehr Studie-
nicht gerechnet hatte, war die
rende ihre eigenen topaktuellen
empörte Reaktion der betrof-
tragbaren Geräte mitbringen,
fenen Werkstattlehrer. Sie wehr-
die Verantwortlichen vor die Not-
ten sich vehement gegen diese
wendigkeit schon wieder gänzlich
Verbannung unter die Erde. Zwei
neuer Überlegungen. Zeitgemäße
Umstände aber stachelten ihren
Arbeitsmethoden (Beispiele: Rapid
Widerstand noch mehr an: ihnen
Prototyping sowie ein eigenes
war im Vorfeld vom Rektorat
CAD-Labor im Architektur- und De-
zugesagt worden, ihr fachmänni-
signbereich, computergesteuerte
sches Urteil würde vor einer
Webstühle im Textil) setzen
Jury-Entscheidung eingeholt wer-
sich immer mehr durch. Computer
den. Diese Anhörung fand nie-
sind, wie bereits erwähnt, in-
mals statt. Und die spätere Zusi-
zwischen auch an der Akademie in
cherung, dass der eigens ein-
allen Bereichen der Freien Kunst
gestellte Neubau-Beauftragte
(Videokunst, Netzkunst, multi-
ihnen an einem bereits gebauten
mediale Bühnenbilder) selbstver-
Objekt vergleichbarer Art vor-
ständlich geworden.
führen würde, dass ihre Bedenken
gegen die Untertagesituation
gegenstandslos seien, auch sie
„Werkstattgraben“
wurde nicht eingehalten. Die
Als ein eher unrühmliches Kapi-
angespannte Situation führte
tel, gar ein Lehrbeispiel,
schließlich zu einer Anhörung
wie Bauplanung an einer Hoch-
aller Betroffenen durch die Ent-
schule wie der Akademie nicht
scheidungsträger der Minis-
funktionieren kann, erwies
terien. Bei dieser Sitzung trat
sich die Planung und letztlich
die einhellige empörte Ableh-
der Verzicht auf die Reali-
nung des Projekts (von den Werk-
sierung des sogenannten „Werk-
stattlehrern vorgeschlagene
stattgrabens“ im Rahmen des
Ersatzlösungen wie Unterbringung
Erweiterungsbaus „Neubau II“.
von Dunkelkammern, Filmstudios,
Die Besonderheit des beim Wett-
Archiv- und Lagerräumen wurden
bewerb siegreichen Entwurfs war
verworfen) offen zutage. Da sich
es, einen größeren Teil des
inzwischen auch die finanziel-
Werkstattbereichs der Grafiker,
le Lage des Landes verschlechtert
heute immer noch im Altbau
hatte und unerwartete Probleme
angesiedelt, als Quer- und Ver-
beim Ausheben der Baugrube be-
bindungsspange zwischen Alt-
reits für den Hauptbau aufgetre-
bau und Neubau II unter die Erde
ten waren, entschieden die Mi-
zu verlegen. Dadurch konnte
nisterien schließlich, den Werk-
der Neubau II um ein ganzes Ge-
stattgraben vorerst nicht zu
schoss niedriger gebaut wer-
realisieren. Der Aushub er-
den, was wegen der sensiblen
wies sich nämlich, da er im We-
242
250 Jahre
Kunstakademie Stuttgart
sentlichen aus aufgefülltem
abschließend für alle Seiten
Trümmerschutt der im Krieg zer-
befriedigend beantwortet werden
bombten Innenstadt bestand,
zu können.
als erheblich (mit Bleirohren
Das Problem einer sinnvollen
und anderem) kontaminiert.
(auch technischen) Grundausbil-
Aufgrund der verschärften Um-
dung für die Studiengänge
weltschutzbestimmungen konnte
ist ein eher grundsätzliches
er monatelang nicht entsorgt
und keines speziell nur der
werden. Die damals noch existie-
Werkstätten, die heute „offen“
rende finanziell schwer ange-
sind – in jeder Hinsicht.
schlagene DDR erwarb ihn schließ-
Zuletzt machten alle Werkstatt-
lich gegen harte Devisen. Schon
lehrer in großer Gemeinsam-
kurz darauf erfolgte jedoch die
keit im Jahre 2006 noch einmal
Wiedervereinigung. Ein bereits
in von vielen Seiten konze-
mit dem Bauschutt gefülltes
dierter sehr beeindruckender
Schiff kreuzte noch monatelang
Weise mit der Ausstellung
auf den Meeren, ehe der Bau-
und der Begleitdokumentation
aushub letztlich auf einer Depo-
sowie eines hervorragend
nie in Wales landete.
besuchten Tags der Offenen Tür
Ergebnis dieser heute fast
unter dem Titel „werkstatt-
unglaublichen Geschichte: der
panorama“ die immense Vielfalt
umstrittene Werkstattgraben,
ihrer Werkstätten öffentlich.
der in den „Ausstellungsgraben“
Das Verhältnis von freien und
des Neubaus II hätte münden
angewandten Werkstätten war
sollen, weshalb dieser überhaupt
zu diesem Zeitpunkt bereits ganz
in dieser Form und mit diesem
offensichtlich ohne jede Rele-
Namen existiert, wurde bis dato
vanz. Diese „Abgrenzung“ ist im
nicht gebaut.
Jubiläumsjahr 2011, in dem
die Werkstätten zwar auf keine
250 Jahre, aber immerhin auf
Neuausrichtung
110 Jahre seit Gründung der ers-
Eine erst in jüngerer Vergangen-
ten Werkstatt, einer Möbel-
heit erfolgte Neuausrichtung
bli­
werkstatt (1901/02), zurück­
der Fachgruppenstruktur der Aka-
cken können, im wahrsten
demie war, was die Werkstätten
Sinne des Wortes Geschichte.
betraf, eigentlich eher formaler
Natur.
Die uralte Frage, ob Werkstätten
überhaupt bestimmten Fachgruppen,
bestimmten Studiengängen und
bestimmten leitenden Professoren
zugeordnet oder im Gegenteil
besser als zentrale Einrichtungen
geführt werden sollten, sie
kommt immer mal wieder auf die
Agenda, ohne vermutlich je
Bernhard, Büttner, Dech, Dreyer, Kermer: Die 1968er
Die 1968er
Ein fiktiver Dialog
247
Rücksichten: 250 Jahre Kunstakademie Stuttgart
Nils Büttner (NB): Im Verlauf des Jahres 1967 begannen in Deutschland, in
den USA, in Italien, der Tschechoslowakei, in Polen, Japan, Mexiko, in der Schweiz
und in vielen anderen Ländern politische Studentenproteste, die im deutschen
Sprachraum allgemein unter der zum Schlagwort gewordenen Jahreszahl »1968«
sub­summiert werden. Auch die Staatliche Akademie der Bildenden Künste Stuttgart
wurde in dieser Zeit zum Schauplatz unterschiedlicher Begebnisse, die von den fast
durchweg noch lebenden Protagonisten höchst unterschiedlich beschrieben und
bewertet werden. Ich bin historisch interessiert. 1967 geboren, mit der Gnade
der späten Geburt gesegnet, lag es mir nahe, den 1998 von Wolfgang Kermer
publizierten Band zur Hand zu nehmen, der sich auf 259 Seiten dem Thema widmet:
»›1968‹ und Akademiereform.«1 Der Verfasser war zwischen 1971 und 1984 Rektor
der Akademie. So reifte die Idee, diese Sicht »von jemandem, der zum abzulehnenden
›Establish­ment‹ zählte«, so Wolfgang Kermer im Vorwort des Bandes zu seiner
Person, mit denen zu teilen, »die sich als Aktivisten der Studentenbewegung
wähnten oder solche auch tatsächlich waren«. Ich habe deshalb Kermers Buch
an verschiedene Protagonisten der Zeit übermittelt und diese gebeten, es zu
kommentieren. Ein Exemplar bekam Ulrich Bernhardt, der zusammen mit drei
befreundeten Kommilitonen an der Kunstakademie eine Sektion des SDS, des
Sozialistischen Deutschen Studentenbundes, gegründet hatte, und der durch sein
vielfach nachgedrucktes Plakat bekanntgeworden ist: »Alle reden vom Wetter, wir
nicht” (Abb. 1).2 Ein Exemplar des Kermer-Buches ging an Gertrud Jula Dech, die
damals die Siebdruckwerkstatt leitete, und eines an Claus Dreyer, der seinerzeit als
Student der Kunsterziehung Studentensprecher im Senat und 1969/70 »studentischer
1: Wolfgang Kermer: »1968« und Akademiereform. Von den Studentenunruhen zur Neuorganisation der
Stuttgarter Akademie in den siebziger Jahren, Stuttgart 1998.
2: Vgl. auch Helmut Böttiger: Als sie plötzlich alle vom Wetter redeten, in: Der VFB grüßt den tapferen Vietcong. Stuttgart in den 60er Jahren, hrsg. von Helmut Böttiger, Stuttgart 1989, S. 9–12.
248
Bernhard, Büttner, Dech, Dreyer, Kermer: Die 1968er
Prorektor« im erweiterten Rektorat der Akademie war, zusammen mit Herbert
Hirche für die Professoren und Wolfgang Kermer für den Mittelbau.3 Jula Dech hat
Wolfgang Kermers Buch gelesen und ihre Kommentare in einen Brief gefasst,
aus dem im Folgenden zitiert wird. Außerdem hat sie in einem schlaglichtartigen
Bericht ihren damaligen Arbeitsort beschrieben. Ulrich Bernhardt und Claus
Dreyer haben Wolfgang Kermers Buch mit dem Stift in der Hand kritisch gelesen.4
Ihre teils lakonischen Kommentare sind im Folgenden im Wechsel mit Aussagen
Wolfgang Kermers abgedruckt und zu einer Collage montiert, die Schlaglichter auf
eine historische Epoche wirft, deren systematische Aufarbeitung an dieser Stelle
nicht geleistet werden kann und soll.
(Abb. 1) Ulrich Bernhardt und Jürgen Holtfreter, Plakat: »Alle reden vom Wetter, wir nicht«, 1968
3: Ich danke Ulrich Bernhardt für die Herstellung des Kontaktes zu Gertrud Jula Dech und Karin Schulte
für die Vermittlung der Bekanntschaft mit Claus Dreyer (NB). Zur Erweiterung des Rektorats um einen
„Beirat“, be­stehend aus Mittelbau und Studentenvertretern vgl. das Senatsprotokoll vom 10. November
1969, zu Aufgaben und Befugnissen dieses Beirates die Protokolle 2. Juni und 8. Juli 1969.
4: Die handschriftlich kommentierten Exemplare sind im Archiv der Staatlichen Akademie der Bildenden
Künste einzusehen, ebenso der Brief von Gertrud Jula Dech vom 16. August 2010.
249
Rücksichten: 250 Jahre Kunstakademie Stuttgart
Wolfgang Kermer (WK): »Zu ganz verschiedenen Gelegenheiten und
Themenbereichen entstanden, rücken die Beiträge gleichwohl Geschehnisse und
Fakten in den Vordergrund, die den Weg der Hochschule von den Erschütterungen,
die sie durchzumachen hatte, bis hin zu einer Zeit markieren, in der es gelang, das
zum Teil verstaubte, mit Versäumnissen und anachronistischen Privilegien behaftete
Akademiegefüge tiefgreifend zu verändern.«5
Claus Dreyer (CD): »sic!«6
Ulrich Bernhardt (UB): »Eine der wenigen Erkenntnisse die schon in der
Podiumsdiskussion ›Entrümpelt die Akademien‹ welche der Asta der Akademie
1968 veranstaltet hatte, vorweggenommen wurde.«7
WK: »Um wirklich keinen Zweifel daran zu lassen: Die Akademie war im Verlauf
ihres zwanzigjährigen Bestehens nach dem Krieg in vielem reformbedürftig
geworden.«8
CD: »sic!«9
WK: »War die Kritik an unerfreulichen internen Gegebenheiten also durchaus
verständlich, die Krise, bei allen Verzahnungen mit den weitreichenden Protesten
und Demonstrationen, auch hausgemacht, so zeigte sich andererseits schon
gleich, daß der Ruf nach Reformen im emotionalen Gemenge von gegen den
demokratischen Rechtsstaat und gegen die grundsätzlichen Freiheitsrechte
gerichteten Zielen besetzt werden konnten, … Agitprop, unterschwellig oder
5: Kermer (wie Anm. 1), S. 7.
6: Handschriftlicher Kommentar in Dreyers Exemplar von Kermers Buch (wie Anm. 1).
7: Briefliche Mitteilung vom 18. November 2010.
8: Kermer (wie Anm. 1), S. 9. Vgl. dazu auch den Beitrag von Eva-Marina Froitzheim in diesem Band.
9: Handschriftlicher Kommentar in Dreyers Exemplar von Kermers Buch (wie Anm. 1).
250
Bernhard, Büttner, Dech, Dreyer, Kermer: Die 1968er
vielleicht auch direkter die ›Situationnistes‹ Guy Debords, standen für eine ganze
Weile hoch im Kurs, Anarcho-Kunst, wie sie nur noch in seltenen Exemplaren
der internationalen Kulturszene, etwa dem Belgier Jan Bucquoy, bis in unsere
Gegenwart weiterlebt. Nicht zuletzt die Kunstzeitschrift ›tendenzen‹, die die im
Auftrag der Partei und der Massenorganisationen des Ulbricht- und Honecker-Staates
entstandene Hofkunst im Westen propagierte und vorzugsweise auf einen politisch
erzieherischen Realismus setzte, übte auf eine Reihe von Studenten zeitweise
unübersehbare Faszination aus.«10
Gertrud Jula Dech (JD): »Diese reichlich einseitige Darstellung, oft lückenhaft
bis fälschlich, trifft bei mir auf ganz andere Erinnerungen und Einschätzungen bzgl.
der Geschehnisse von damals.«11
UB: »Die geistfeindliche Haltung mancher Professoren, denen analytisches
Denken und besonders im Bereich Politik und Gesellschaft ein Greuel
waren, konnten unseren Wissensdurst nicht verstehen. Wie kam es, dass im
Nationalsozialsmus ein Volk gleichgeschaltet wurde, ohne den massiven Widerstand
der geistigen Eliten, die in einem mörderischen Krieg schuldig wurden und zu
deren Verbrechen sich anschließend niemand bekennen wollte. Richter, Politiker,
Professoren ja selbst KZ Mediziner saßen wieder auf staatlichen Posten. Es war
bestimmt kein unkritisches Nachbeten von DDR Propaganda, sondern Trauerarbeit
über versäumten Widerstand gegen Unterdrückung und Ausbeutung, den wir aktuell
nicht verschlafen wollten. Nur wenige Professoren wie z.B. Sonderborg, der selbst
als junger Mensch in die Fänge der Gestapo kam, hatten uns verstanden. Ich denke,
daß unsere aufklärende Arbeit damals erst heute für ein gelebtes Demokratiebewusstsein Früchte trägt.«12
10: Kermer (wie Anm. 1), S. 7, 10f.
11: Briefliche Mitteilung vom 16. August 2010.
12: Briefliche Mitteilung vom 18. November 2010.
251
Rücksichten: 250 Jahre Kunstakademie Stuttgart
WK: »Der Senat, inzwischen ein zermürbtes Gebilde, hatte sich auf Drängen der
Studenten sogar im Sommersemester 1970 auf das Experiment eines sogenannten
›Eingangssemesters‹ eingelassen, zu dem sämtliche, daß heißt rund einhundert
Studienbewerber ohne Qualifikationsnachweis als ordentliche Studierende zugelassen
wurden, in der Hoffnung, die Bewerber würden ›am Ende des Eingangssemesters
selbst im Stande sein können, zu prüfen und zu entscheiden, ob ein Weiterstudium
an der Akademie ihren Interessen, ihren Erwartungen und ihren selbst erprobten
Fähigkeiten entspricht‹. Das Projekt – die verschiedenen Arbeitsgruppen, die sich
formierten, gestalteten ihre Arbeitsprogramme selbst – lief unter der Betreuung
studentischer ›Tutoren‹, einige Professoren übernahmen ›periodisch‹ deren
Beratung. Die Erwartungen, die sich mit diesem Experiment verbunden hatten,
kreative und selbständige Entscheidungsfindungen, erfüllten sich nicht. Kaum
einer der immatrikulierten Studenten verließ bei mangelnder Eignung kraft eigener
Einsicht die Akademie, und eine Handhabe zur Exmatrikulation gab es nicht.«13
CD: »Stimmt nicht! Es gab am Ende des Eingangssemesters ein sehr differenziertes
Beurteilungs- und Entscheidungsverfahren, das allerdings ergebnisoffen war und
die betroffenen Studierenden als Subjekte und nicht als Objekte der Situation
betrachtete.«14
UB: »Wir verstanden das Eingangsemester als ein umfassendes Beratungsangebot
für Studenten (Abb. 2). Es war anfänglich so, dass bei den Aufnahmeprüfungen
und schon bei der Vorauswahl der Mappen die Professoren sehr oberflächlich und
geschmäcklerisch urteilten. Mein damaliger Professor Yelin konnte keine Malerei
mit viel und kräftigem Rot ertragen, bei ihm mussten die Farbtöne mit braun, blau
und grau gebrochen werden. Ein anderer bevorzugte hübsche Frauen und ein dritter
13: Kermer (wie Anm. 1), S. 14.
14: Handschriftlicher Kommentar in Dreyers Exemplar von Kermers Buch (wie Anm. 1), S. 14. Vgl. das
Senatsprotokoll vom 14.7.1970, S. 6: »TOP 7: Abschlussbericht der Eingangssemesters-Kommission (ESK)
und Stellungnahme des Senats … Anfänglich waren es ca. 120 Bewerber | Zum ES zugelassen ca. 100
Bewerber | in das ES aufgenommen 87 Bewerber | Nach 3 Mon. von den Tutoren als pos. vorgeschlagen
56 Bewerber | Zu einem Entscheidungsgespräch eingeladen 31 [Bewerber] | Zum Entscheidungsgespräch
erschienen 25 [Bewerber] | Davon zum Weiterstudium zugelassen 17 [Bewerber] | Abgelehnt wurden 8
[Bewerber] | Von der ESK zum Weiterstudium vorgeschlagen 73 Bewerber | Davon wollen im Hause
weiterstudieren (48 K’erz.) 71 Bewerber.« Vgl. dazu insgesamt auch den Abschlussbericht über das
»Eingangssemester«: Claus Dreyer: Eingangssemester im Kunsthochschulstudium. Bericht über ein
Reformexperiment an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Stuttgart. Hochschuldidaktische
Materialien Nr. 23, Hamburg 1971.
252
Bernhard, Büttner, Dech, Dreyer, Kermer: Die 1968er
sah alles nur schwarz weiß. Wir interessierten uns für die Sozialisation der Bewerber
und versuchten im Gespräch ihre Stärken und Phantasien zu erkennen. Nicht jeder
hatte die gleichen Startchancen oder konnte die teuren Vorbereitungskurse bezahlen.
Eine weitere Innovation war die Projektgruppenarbeit. Es war nicht relevant, ob
man im angewandten oder freien Bereich studieren wollte, sondern ausschließlich
in der Kommunikation mit den Kommilitonen und Tutoren wurden Ideen entwickelt,
Themen erforscht und Zusammenhänge hergestellt. Man analysierte und diskutierte
die Aufgaben und realisierte diese z.T. gemeinsam. Es gab eine Zeitungsgruppe
die alle narrativen bildnerischen Techniken umfasste. Die Plakatgruppe war sehr
grafisch und drucktechnisch orientiert und die Farbgruppe hat sich mit Malerei
auch analytisch auseinandergesetzt. Ich selbst betreute als Tutor die Plakatgruppe
und die Zeitungsgruppe und war gleichzeitig in der Filmklasse aktiv. Was aus den
damaligen Studenten geworden ist, weiß ich nicht, die Filmklasse hat trotz des
Widerstandes des KUMi später einige Filmkarrieren hervorgebracht, die jedoch
nicht der AKA zu verdanken sind.«15
(Abb. 2) Vollversammlung des Eingangssemesters, 1970, Foto: Claus Dreyer
15: Briefliche Mitteilung vom 18. November 2010.
253
Rücksichten: 250 Jahre Kunstakademie Stuttgart
WK: »Im Wintersemester 1968/69 fanden sogenannte ›Aula-Gespräche‹ statt,
die Lehrern und Studenten Gelegenheit geben sollten, einer Reihe von Künstlern als
möglichen Kandidaten für wiederzubesetzende Professuren zu begegnen … Verfahren
für insgesamt vier in der Abteilung Malerei vakante Professuren. … Interimslösungen,
auf die einzugehen in diesem Zusammenhang zu weit gehen würde, die aber, soviel
sei gesagt, akademie-intern nicht weniger umkämpft waren als die ›Hauptverfahren‹,
waren vonnöten … zumal in der Abteilung Malerei nur noch zwei von insgesamt
sechs Professuren (durch Rudolf Haegele und K.R.H. Sonderborg) regulär besetzt
waren. … Alfred Hrdlicka … wurde vom Kultusministerium zum Wintersemester
1971/72 auf die in eine Professur für figuratives Gestalten umgewandelte, nun auch
Bildhauerei einschließende Stelle eines künstlerischen Lehrers für Aktzeichnen
(Nachfolge Rudolf Müller) berufen. … Zur gleichen Zeit übernahm der unter
anderem durch seine langjährige Tätigkeit in der Referendarausbildung der
Kunsterzieher bestens ausgewiesene Erich Mansen den vornehmlich auf diesen
Ausbildungszweig hin orientierten Lehrstuhl für Malen und Zeichnen (Nachfolge
Neuner) und Hans Gottfried von Stockhausen … den Lehrstuhl für Glasmalerei
und Mosaik (Nachfolge Professor Rudolf Yelin). Mit der Berufung des Berliner
Malers Paul Uwe Dreyer zum Sommersemester 1972 war auch die … Nachfolge
Appelhans geklärt.«16
JD: »Warum kein Wort zu den einflussreichen Vorlesungen von Max Bense,
der Diskussionsrunde um Heissenbüttel, Niedlich, zu den Ausstellungen
im Club Voltaire? Dann die aufgrund von studentischem Druck stattfindenden
kunstsoziologischen Lehrveranstaltungen von Jürgen Hofmann und Gästen,
Uwe Schneede, filmanalytische Seminare mit Harun Farocki und Oimel Mai, dem
Assistenten von Alexander Kluge, seine Filmklasse in Ulm, die Kontakte zu den
Computergraphikern, wie Frieder Nake von der TU Stuttgart, die Kontakte zu
Beuys-Studenten aus Düsseldorf und deren Ausstellungen im Foyer der Akademie
(Abb. 3): alles Fehlanzeige!«17
16: Kermer (wie Anm. 1), S. 11f.
17: Briefliche Mitteilung vom 16. August 2010.
254
Bernhard, Büttner, Dech, Dreyer, Kermer: Die 1968er
(Abb. 3) Claus Dreyer: Beuys-Porträt, 1968
UB: »Nicht zu vergessen auch Hartmut Bitomski, ein hervorragender
Dokumentarist und der spätere Rektor der DFFB Hochschule in Berlin. Und
selbstverständlich die für die Akademie innovativen Vorlesungen von Kurt
Weidemann, der uns Studenten eine große Stütze war.«18
WK: Ȁhnlich der Pariser Beaux-Arts, wo sich ein Tag und Nacht produzierendes
›Atelier d’affiches populaires‹ etabliert hatte, wurde für eine Weile eine Druckwerkstatt
der Akademie zu einem Agitationszentrum, aus dem eine Reihe von Plakaten
hervorging, die nicht nur die Akademie und deren Rektor sowie den amtierenden
Kultusminister Hahn mit beißender, ja ätzender Kritik bedachten, sondern Staat
und Gesellschaft insgesamt.«19
JD: »Die Gründung einer allgemein zugänglichen druckgraphischen Werkstatt
an der Stuttgarter Staatlichen Kunstakademie war anhaltenden studentischen
Forderungen zu verdanken, die im Lauf des Jahres 1968 zum Ziel führten. Für die
Ausbildung in den klassischen Druckverfahren - Radierung, Lithographie usw., zu
18: Briefliche Mitteilung vom 18. November 2010.
19: Kermer (wie Anm. 1), S. 9.
255
Rücksichten: 250 Jahre Kunstakademie Stuttgart
denen sich noch der Siebdruck gesellte - sollte eine Werkstatt eingerichtet werden,
die vor allem für die sogenannten ›Freien‹ gedacht war (also jene Malerei- und
Bildhauerei-StudentInnen, deren Studienziel nicht das Lehrfach Kunst bildete).
Die bis dahin existierenden Werkstätten waren einzelnen Klassen zugeordnet und
durften nur von deren Studierenden genutzt werden. Wie Zerberus wachte der
jeweils zuständige Professor darüber, dass kein ›Fremder‹ sich einschlich, um dort
etwa zu arbeiten. Von einem offenen Ort schöpferischen Geists war die Akademie
noch weit entfernt.
Auf die Ausschreibung der Werkstatt-Leitung hin bewarben sich rund achtzig
Interessenten, darunter viele ausgebildete Offsetdrucker, Lithographen,
Holzschneider und Radierer. Allerdings wurde von ihnen nicht nur die Beherrschung jener Techniken verlangt. Vielmehr erwartete man an einer Kunstakademie
darüber hinaus pädagogische Qualifikationen sowie z.B. die Fähigkeit, die
kunsthistorischen Aspekte dieser Handwerke zu vermitteln.
Ich hatte freie Malerei und Druckgraphik studiert und natürlich praktiziert, bereits
als Lehrerin unterrichtet und mich intensiv mit Kunstgeschichte beschäftigt (einem
Fach, in dem ich später ebenfalls einen Hochschulabschluss erwarb). Im Nachhinein
betrachtet war es daher durchaus schlüssig, dass ich schließlich sowohl mit den
Stimmen der einigermaßen konservativen Professoren-Mehrheit als auch von
Avantgarde-Künstlern wie K.H. Sonderborg zur Werkstattleiterin ernannt
wurde (und das in einer noch weithin männlich dominierten Lehrerschaft).
Kaum eingerichtet, fand die Werkstatt von 1969 an regen Zuspruch bei den
Studierenden. Bezeichnenderweise war es dabei vor allem die jüngste Technik, die
viele anzog. Die Serigraphie galt nicht nur als Ausdrucksmedium der aktuellen
256
Bernhard, Büttner, Dech, Dreyer, Kermer: Die 1968er
US-amerikanischen Avantgarde. Vielmehr eignete sich dieser Siebdruck ja bestens
für jene politischen Aktivitäten, wie sie spätestens seit 1968 an der Tagesordnung
waren: Plakate, Handzettel, Flyer – rasch entworfen, in effektvollen Farben sowie
in respektabler Auflage und nicht selten nachts gedruckt – fanden in vielfältiger
Gestalt ihren Weg vom Weißenhof in die Innenstadt. Und wenn bei den
Demonstrationen die politischen Zustände im Iran oder der Türkei, in Griechenland
und Portugal angeprangert wurden, dann war die Kunstakademie unsichtbarunübersehbar dabei.
Wahrscheinlich entsprang es daher keinem Zufall, dass auch die Außenwand der
Werkstatt quasi zum Plakatieren benützt wurde. Es muss im Frühsommer 1969
gewesen sein, anderthalb Jahre nachdem der Polizist Kurras bei der Anti-Schah-Demo
vom 2. Juni 1967 in Berlin den Studenten Benno Ohnesorg ohne jede Notwehrsituation
getötet hatte. Nun wurde er dieser Tat wegen auch in zweiter Instanz freigesprochen.
Und am Morgen danach stand an die Werkstatt gesprayt die Parole ›Ohnesorg
erschossen – Mörder frei‹. So hatte der Ort, an dem Tausende von aufklärerischen
Plakaten entstanden, fortan unter den Studierenden seinen (programmatischen)
Namen weg: die ›Ohnesorg-Werkstatt‹.
Natürlich benützte man beim Siebdruck häufig dokumentarische Bilder aus Zeitungen
oder Illustrierten. Für ihre Umsetzung wurden dann die Geräte aus den Werkstätten
für Fotografie und Reprografie benötigt. Genau diese aber – Reprokamera,
Kohlenbogenlampen usw. – standen, für die Studierenden der freien Klassen
unzugänglich, in abgeschlossenen Räumen. Der zuständige Professor, der sich
als Rektor der Akademie offenbar noch für besonders berechtigt dazu hielt,
behandelte Raum und Geräte schlicht wie sein Privateigentum.
257
Rücksichten: 250 Jahre Kunstakademie Stuttgart
Angesichts des allgemeinen Aufruhrs währte es erstaunlich lange, bis das allgemeine
Murren darüber zum offenen Konflikt führte. Immerhin hatte es bis dahin schon
eine Reihe von politisch-künstlerischen Aktionen innerhalb und außerhalb der
Hochschule gegeben. Schließlich eröffnete dann ein ›freier‹ Student aus Hamburg,
mit zusätzlich durch einige Jura-Semester geschärftem Rechtsempfinden, im Mai
1971 den Kampf.
Herb Monien kaufte sich in einem Stuttgarter Kaufhaus, Abteilung Handwerkszeug,
eine ansehnliche Axt und schritt damit zur Tat. Das lange Beil geschultert, trat er,
der mit seiner hageren Gestalt stark an eine Figur von Hodler erinnerte, eines
schönen Montagmorgens in die langen Gänge der Akademie. Und mit kräftigen,
lauthallenden Schlägen hackte er, zum lachenden Beifall seiner versammelten
KommilitonInnen, die verschlossene Türe der Repro-Werkstatt einfach auf.
Während der Hausmeister lamentierend nach der Polizei rief, hängte der Täter
kurzerhand die zersplitterte Tür aus, trug sie auf die Dachterrasse des Hauses, wo
ihn bereits einige von ihm informierte Journalisten erwarteten, und erklärte sie –
zu einem Kunstwerk.
Dies war – unter dem Titel ›Staatliche Produktionsmittel sind kein Privateigentum
eines Professors‹ – vielleicht die erste gesellschaftskritische Performance an
der Stuttgarter Kunstakademie. Die Öffentlichkeit nahm den ›Fall H.M.‹ teils
sensationslüstern, teils parteiisch auf. Natürlich kam es zu einem Strafprozess
wegen Sachbeschädigung – und damit, wie vom Angeklagten hinterlistig beabsichtigt,
258
Bernhard, Büttner, Dech, Dreyer, Kermer: Die 1968er
zu einer ausführlichen Auseinandersetzung über die Hintergründe der Aktion (Abb. 4).
An der Akademie selbst war es seither mit dem selbstherrlichen Professorentum
für einige Zeit vorbei. Jener kühnen Tat folgten noch eine Reihe von Akten zivilen
Ungehorsams. Und die ›Ohnesorg-Werkstatt‹ für Druckgraphik, deren Aktivitäten
nicht mehr länger durch die foto- und reprografischen Vorstufen behindert wurden,
entwickelte sich weiter zu jenem Ort lebhafter künstlerischer und politischer
Auseinandersetzungen, wie das eigentlich für die Atmosphäre jeder Kunstakademie
selbstverständlich sein sollte.«20
(Abb. 4) Berichte aus der Stuttgarter Zeitung, 25. Mai 1971 und 9. Juni 1971
20: Briefliche Mitteilung vom 16. August 2010.
259
Rücksichten: 250 Jahre Kunstakademie Stuttgart
UB: »Ganz umstritten war auch die Einrichtung eines Kinderladens in der
Aka. Warum sollen Frauen Kunst studieren, wenn sie doch Kinder bekommen? Mit
Unterstützung der Professoren Hoflehner und Baum wurde im Neubau der Akademie
in dem ursprünglich vorgesehenen Büro des Hausmeisters ein Kinderladen für
zunächst 7 Kinder eingerichtet, der anfänglich von den Eltern im Turnus selbst
betreut wurde. Dann unterstützte das Projekt das Studentenwerk, das später auch
eine Kindergärtnerin bezahlte. Auch Kinder von Universitätsstudenten wurden
später dort betreut, so dass die Zahl auf 16 Kinder anstieg. Eine soziale Einrichtung,
die heute niemand mehr stören würde, war damals eine Provokation.«21
WK: »Als Dozent für Kunstgeschichte sozusagen Außenseiter in der Reihe
der nach dem Krieg als Rektoren amtierenden Künstlerprofessoren, hatte ich im
November 1971, im Alter von 36 Jahren und ohne die Dauer einer fast dreizehnjährigen,
der bis heute längsten Amtszeit voraussehen zu können, in der Absicht kandidiert,
einen Beitrag zur Reform einer Einrichtung zu leisten, die ich von meinem eigene[n]
Studium her kannte und die nun, mehr denn je, in die Negativschlagzeilen geraten
war. … Als ich im Herbst 1984 aus dem Amt des Rektors ausschied, hatte ich darauf
verzichtet, erneut zu kandidieren, weil ich der Überzeugung war, daß für die Akademie
im Bereiche der Studienreform das meiste von dem, was für sie notwendig und
möglich war, hatte herausgeholt werden können. Das Kunsthochschulgesetz war in
allen seinen Teilen umgesetzt, so daß mir meine Amtskontinuität keineswegs mehr
21: Briefliche Mitteilung vom 18. November 2010.
260
Bernhard, Büttner, Dech, Dreyer, Kermer: Die 1968er
erforderlich schien und es mir, ohne alle Resignation oder gar Wehmut, sogar leicht
fiel, mich von einer Tätigkeit zu trennen, mit der mich manche schon auf Lebenszeit
verbunden sahen.«22
CD: »Ein paar Worte dazu, wie Kermer selbst Professor und später Rektor
wurde. Als ich 1968 an die Akademie kam, war Wolfgang Kermer wissenschaftlicher
Mitarbeiter des Kunstgeschichts-Professors Hans Fegers auf einer Stelle, die,
wie die aller damaligen künstlerischen und technischen Mitarbeiter, in der
Hochschulselbstverwaltung keinerlei Funktion hatte. Durch die von den Studierenden
1969 erkämpfte ›drittelparitätische‹ Zusammensetzung des Akademiesenats gab es
plötzlich außer den Professoren und Studenten eine Gruppe ›Mittelbau‹ im Senat, aus
deren sehr heterogener Zusammensetzung Kermer schnell als Sprecher hervorging
und so auch 1969 Mitglied des ›drittelparitätisch‹ besetzten Rektorats wurde. Schon
1970 wurde Kermer zum ›Dozenten‹ und damit zum Beamten auf Lebenszeit befördert,
und bereits im Jahre 1971 erfolgte die Ernennung zum ›Professor‹. Im gleichen Jahr
wurde er zum Rektor der Akademie gewählt, und in diesem Amt blieb er, nach
mehrfacher Wiederwahl, bis in das Jahr 1984. Nachdem alle ›radikaldemokratischen‹
Ansätze in der Akademiereform in den siebziger Jahren wieder eliminiert wurden,
will es mir im Nachhinein so scheinen, als wäre Kermer einer der Gewinner dieser
Ansätze gewesen; um es klar zu sagen: ohne die ›aufsässigen‹ Studierenden wäre er
wahrscheinlich kaum jemals Rektor der Akademie geworden.«23
22: Kermer (wie Anm. 1), S. 18f.
23: Briefliche Mitteilung vom 22. November 2010. In der Senatssitzung, in der auch über das Ergebnis
des Eingangssemesters Bericht erstattet wurde, gab der Rektor auch »die Ernennung Dr. Kermers zum
Dozenten (Beamter auf Lebenszeit)« bekannt. Vgl. das Senatsprotokoll vom 14.7.1970, S. 8: »TOP 9:
Verschiedenes«.
261
Rücksichten: 250 Jahre Kunstakademie Stuttgart
WK: »Auch die schönsten Gesetze und Verwaltungsvorschriften nützen nichts
für das Renommé einer Akademie, wenn sie nicht so viel an Gestaltungsfreiräumen
belassen, daß die Ausübung eines Lehramts noch für international renommierte
Spitzenleute attraktiv sein kann. Kleingeisterei – ›Mit Stoppuhr und Überwachung‹,
so einmal Baumeister, ›kann man meine Pädagogik nicht messen‹ – hätte fatale
Folgen für die Qualität der Ausbildung, ja wäre der Todesstoß für die Idee einer
modernen Kunsthochschule.«24
CD: »Sic! Wo er recht hat, hat er recht!«25
WK: »Was jetzt notwendig erscheint, ist, daß sie [die Stuttgarter Akademie,
N.B.], in einer differenzierter und diffiziler werdenden Welt der Kunst, ihren Standort
in der deutschen Kulturlandschaft kritisch überdenkt und ihre Anstrengungen
erhöht, das Terrain, das Neugründungen zu besetzen versuchen oder bereits besetzt
haben, wettzumachen. Dazu bedarf es, und das ist mein Fazit, eines schöpferischen,
antizipatorischen Denkens [Hervorhebung CD], es bedarf solidarischer – nicht
Fachgruppen oder sonstwie egoistischer – Maßnahmen, die sich entschieden auf
die Zukunft richten, ohne gewachsenes leichtfertig zu zerstören, Initiativen, die
wirklich neues entwickeln, anstatt nur Bestehendes zu perfektionieren.«26
CD: »Sic! Viele der ›neuen‹ Ideen Kermers wurden von den 68-Studenten
vorgedacht und (laut) proklamiert!«27
24: Kermer (wie Anm. 1), S. 23.
25: Handschriftlicher Kommentar in Dreyers Exemplar von Kermers Buch (wie Anm. 1).
26: Kermer (wie Anm. 1), S. 26.
27: Handschriftlicher Kommentar in Dreyers Exemplar von Kermers Buch (wie Anm. 1).
262
Sokratis Georgiadis
mit Katharina Christophers
Architekturausbildung
auf dem Weißenhof
Der wechsel­volle Werde­gang
eines außergewöhnlichen Modells
Die ersten Ansätze einer staatlich geförderten Architekturlehre in
Württemberg gehen auf die beiden Gründungen des Herzogs
Karl Eugen von Württemberg (1737–1793) zurück, die Académie des
Arts im Jahre 1761 in Stuttgart und die Militärische Pflanzschule
im Jahre 1770 in der Solitude. Beide wurden 1782 unter dem Dach
der Hohen Karlsschule vereinigt. Doch von da aus bis zu den
heutigen Architekturstudiengängen am Weißenhof führte sicherlich kein gradliniger Weg, sondern eine lange Geschichte, die
bisweilen von markanten Brüchen, Diskontinuitäten, Sprüngen und
Umwegen gekennzeichnet war. Beide Gründungen Karl Eugens
waren herrschaftliche Akte von oben, die auf unverkennbare Weise
die Züge ihres Urhebers trugen.1 Die erste – die Académie des
Arts – war noch geprägt vom absolutistischen Machtanspruch des
Fürsten, bei welchem die Pflege der Künste einen unerlässlichen
Bestandteil höfischer Prachtentfaltung bildete. Schon die Wahl des
französischen Namens verwies auf die französische Abhängigkeit
der Institution, nämlich auf die Pariser Akademien unter Louis XIV.,
deren Gründungszeit allerdings bereits um ein Jahrhundert zurücklag. Der französische Geschmack – und hier wirkte vielleicht der Aufenthalt Karl Eugens in seinen Jugendjahren am Hofe Friedrichs II.
von Preußen nach – war ebenfalls tonangebend. In der Architektur
äußerte er sich eindrücklich durch die Einsetzung im Jahre 1752
in der Nachfolge Leopoldo Rossis als Chefarchitekten des Stuttgarter
Schlosses von Pierre Louis Philippe de la Guêpière, eines Franzosen,
Schülers von Jean François Blondel.2 Die zweite Schule entsprach hin-
1 Gustav Hauber: Die Hohe Karlsschule, in: Herzog Karl Eugen von Württemberg
und seine Zeit, 2 Bde., Esslingen 1907/09, hier: Bd. 2, S. 2–114. Vgl. auch: Franz
Quarthal: Die „Hohe Carlsschule“ – Die Hohe Carlsschule in der südwestdeutschen
Universitätslandschaft, in: „Oh Fürstin der Heimath! Glückliches Stuttgard“ –
Politik, Kultur und Gesellschaft im deutschen Südwesten um 1800, hrsg. von Christoph Jamme und Otto Pöggeler, Stuttgart 1988, S. 35–54.
2 Hans Andreas Klaiber: Der Württembergische Oberbaudirektor Philippe de la
Guêpière – Ein Beitrag zur Kunstgeschichte der Architektur am Ende des Spätbarock,
Stuttgart 1959.
267
Georgiadis / Christophers: Architekturausbildung
gegen den Leitlinien der zweiten Phase der Regierungszeit des
Fürsten, während der er als aufgeklärter Absolutist auftrat, bemüht
um „die Wohlfahrt des Landes, Schulbildung, Verbesserung des
Commerciums, der Landwirtschaft und des Allgemeinwohls der Untertanen“ (Quarthal).
Als Waisenhaus gegründet, bewies die Karlsschule in der Folgezeit
eine erstaunliche Dynamik; sie wurde mehrmals erweitert und umgebildet, um 1773 als „Militärakademie“ eine Vielfalt von Bildungsbereichen auf unterschiedlichen Bildungsebenen in sich zu vereinigen. 1775 wurde sie nach Stuttgart verlegt, wo sie in einer 1740
bis 1745 erbauten Militärkaserne hinter dem Neuen Schloss ausgedehnte Räumlichkeiten erhielt. 1782 wurde sie zur Universität
erhoben mit einer juristischen, einer medizinischen, einer militärischen, einer ökonomischen und einer philosophischen Fakultät;
dazu kam die (nicht gleichberechtigte) Fakultät der Künste; 1783
erhielt sie schließlich das Promotionsrecht. Die Entwicklung der
Académie des Arts verlief unter geradewegs umgekehrten Vorzeichen.
Sie existierte zwar formell bis 1780, doch ihre Lehrkräfte wurden
allmählich aber stetig von der zunehmend erstarkenden Karlsschule
aufgesogen, bis die Akademie völlig in ihr aufging. Eine Architekturklasse tauchte 1771 zuerst in einer Beschreibung der Preisverleihungen an der Académie des Arts auf. Erwähnt werden zwei
Schüler, die für den „Entwurf eines Gebäudes“ einen ersten und zweiten Preis erhalten haben.3 1782 bildeten die Architekten zusammen mit den Malern, Bildhauern und Kupferstechern ihre „facultas
artium“ oder „collegium artium“.
Wichtigster Architekturlehrer an der Karlsschule war Reinhard Ferdinand Heinrich Fischer, ehemaliger Schüler der Académie des Arts,
an der er in der Bildhauerei und in der Malerei ausgebildet wurde; als
Architekt war er Schüler von La Guêpière. Fischer wurde 1764 von
Karl Eugen zum „herrschaftlichen Dessinateur“ und 1773 zum Hofarchitekten ernannt, ehe er 1775 als Professor der Civilbaukunst an die
Militärakademie berufen wurde, an der er bis zu deren Auflösung im
Jahre 1794 wirkte. 1797 wurde er Oberbaudirektor. Sein wichtigstes Werk war zweifellos das Schloss Hohenheim (1785–96), eine in
einem klassizistisch geläuterten Spätbarock konzipierte Anlage,
deren pittoresker Garten das besondere Interesse der Zeitgenossen auf
sich zog. Fischers Lehrtätigkeit hinterließ hingegen keine auffälligen
Spuren. Bei den maßgeblichen Architekten, die in der ersten Hälfte des
19. Jahrhunderts in Stuttgart gewirkt haben, lassen sich generell
kaum Ausbildungshintergründe (zumindest im Architekturfach) an der
Académie des Arts oder der Karlsschule nachweisen. Ohnehin hatte
aber in Stuttgart die herausragende, impulsgebende Persönlichkeit gefehlt. Dass König Wilhelm I., als er im Jahre 1817 einen Hofbaumeister einstellen wollte, nicht in Württemberg fündig wurde, sondern
3 Sabine Rathgeb: Studio & Vigilantia – Die Kunstakademie an der Hohen Karlsschule
in Stuttgart und ihre Vorgängerin Académie des Arts, Stuttgart 2009, S. 490, darin:
Liste der Preisträger vom 14.2.1771. Vgl. Hauptstaatsarchiv Stuttgart, Bestand A 21,
Bü.1010.
268
250 Jahre Kunstakademie Stuttgart
auf Empfehlung von Jean-Gabriel Eynard den Italiener Giovanni
Salucci berief, ist charakteristisch dafür.4 Auch fehlte in Stuttgart der
Architekt, der etwa vergleichbar mit Friedrich Weinbrenner in Karlsruhe oder Carl von Fischer in München imstande gewesen wäre, dem
architektonischen Diskurs richtungsweisende Akzente zu geben.5
Mit der Aufhebung der Karlsschule im Jahre 1794, unmittelbar nach
dem Tode Karl Eugens, entstand in der organisierten Architektenausbildung dennoch eine Lücke, die mehrere Jahrzehnte währte.
1818 erhielt zwar der Karlsschule-Absolvent Nikolaus Friedrich
Thouret als Mitglied der königlichen Kunstkommission den Titel des
Professors der Baukunst, seine Lehrtätigkeit beschränkte sich
aber zunächst auf den Unterricht des geometrischen und architektonischen Zeichnens am Gymnasium und der Realschule in
Stuttgart. Erst 1829, als es zur Gründung einer neuen Kunstschule
im Rahmen der Vereinigten Kunst-, Real- und Gewerbe-Schulen6
kam, erhielt Thouret eine Professur und wurde zugleich Stellvertreter
des Bildhauers Johann Heinrich Dannecker, des Leiters der Lehranstalt. An der Gewerbeschulklasse der neuen Institution erteilte
Thouret Unterricht in Baukunst und architektonischem Zeichnen.
Mit ihm lehrte in den Fächern Modellieren, Kunstgeschichte und Darstellende Geometrie der Architekt Karl Marcell Heigelin, Verfasser des „Lehrbuchs der Höheren Baukunst für Deutsche“, dessen
erster Band gerade erschienen war.7 Das Fach Ornamentzeichnen
schließlich übernahm Georg Konrad Weitbrecht, ein Bildhauer. Nach
dem Tod Heigelins kam der Architekt Ferdinand Fischer, Sohn von
R.F.H. Fischer, an die Schule, der auch die Leitung von seinem Vorgänger
übernahm. Nachfolger von Weitbrecht wurde der Thouret-Schüler
Johann Matthias Mauch. Thouret, wohl die wichtigste Persönlichkeit
des Kollegiums, hatte an der Karlsschule eine Ausbildung als Maler
erhalten. Zur Architektur entschied er sich erst, nachdem er 1793 bis
1796 mit Friedrich Weinbrenner in Rom in Berührung trat. Thouret
war sicher ein talentierter und vielbeschäftigter Architekt. Auf Vermittlung Goethes beteiligte er sich in den Jahren 1798 bis 1800 an der
Restaurierung des 1774 ausgebrannten Weimarer Schlosses und am Umbau des dortigen Theaters. In Stuttgart, Ludwigsburg und Hohenheim übernahm er die Innenausstattungen der Schlösser, die er im
Empire-Stil ausführte. Sein bester Bau war zweifellos der klassizistische Kursaal in Bad Cannstatt (1825). Obwohl Professor an der neugegründeten Anstalt, entfaltete Thouret seine Lehrtätigkeit nach
dem damals üblichen Muster vor allem in seinem Privatbüro, woraus
sich aber keine nachhaltige Wirkung auf die lokale Architekturszene ergab.
4 Giovanni Salucci (1769–1845): Hofbaumeister König Wilhelms I. von Württemberg 1817–1839, Ausstellungskatalog: Oberfinanzdirektion Stuttgart, Referat
Staatliche Schlösser und Gärten, 16. Mai bis 1. Juli 1995, Stuttgart 1995. S. 10.
5 Vgl. David Watkin und Tilman Mellinghoff: German Architecture and the Classical Ideal 1740–1840, London 1987.
6 Jürgen Joedicke: Architekturlehre in Stuttgart: Von der
Real- und Gewerbeschule zur Universität, Stuttgart 1994.
7 K.M. Heigelin: Lehrbuch der Höheren Baukunst für Deutsche, 3 Bände, Leipzig
1829–1933. URL: http://www.ub.uni-heidelberg.de/helios/fachinfo/www/kunst/
digilit/architektur/heigelin.html (28.08.2010).
269
Georgiadis / Christophers: Architekturausbildung
Die Gründung der Vereinigten Kunst-, Real- und Gewerbe-Schule
unter König Wilhelm I. im Jahre 1829 entsprach einem deutschlandweiten Trend. Ähnliche Institute entstanden in mehreren deutschen Residenzstädten, so in Karlsruhe (1825), in München (1827),
in Dresden (1828), in Hannover (1831), in Braunschweig (1835) und in
Darmstadt (1836). Berlin ging 1821 mit der Gründung des „Gewerbeinstituts“, das unter einheitlicher Leitung mit der 1799 gegründeten
Bauakademie stand, voraus. Durch den Vormarsch der Industrie
erfuhren diese Ausbildungsstätten gegen Mitte des 19. Jahrhunderts
einen beachtlichen Bedeutungszuwachs. In Stuttgart führte diese
Entwicklung innerhalb der Vereinigten Kunst-, Real- und Gewerbeschule schon im Jahre 1832 zu einer institutionellen Differenzierung. Das Studium an der Gewerbeschule, anfangs als eine einjährige
Zusatzklasse der Realschule konzipiert, erfuhr eine Erweiterung
auf drei Jahre und verselbständigte sich. Aus der Gewerbeschule erwuchs im Jahre 1840 die Polytechnische Schule (seit 1876 Polytechnikum, seit 1890 Technische Hochschule), die wie die Kunstschule
auf einem Vierjahreskurs aufgebaut war.
Dass die industrielle Entwicklung nicht nur den Bereich der Produktion und der Technik umwälzte, sondern genauso tiefgreifende
Auswirkungen auf die Sphäre des Konsums hatte, ging spätestens aus der Londoner Weltausstellung von 1851 hervor; es wurde
ebenfalls zunehmend deutlich, dass es einer besonderen Anstrengung bedurfte, um sich auch auf diesem Gebiet, d.h. in der Herstellung
von Gegenständen des täglichen Gebrauchs innerhalb eines international werdenden, von starkem Wettbewerb gekennzeichneten Marktes, behaupten zu können. Dies erforderte verständlicherweise
Maßnahmen zur Erlangung der zur Umsetzung dieser Ziele notwendigen
Kompetenz. Eine Reform der kunstgewerblichen Ausbildung stand
sehr bald wieder auf der Tagesordnung. Speziell unter dem Eindruck
der Pariser Industrieausstellung des Jahres 1867, wo gerade die
deutsche Kunstindustrie kritisiert wurde, die „uninteressanteste und
langweiligste“ gewesen zu sein, trat in der Stuttgarter Ausbildungslandschaft eine erneute Veränderung ein.8 Zur Förderung und
Pflege der heimischen Kunstindustrie entstand im Jahre 1869
eine Kunstgewerbeschule, die zunächst als zugehöriger Teil der Architekturfachschule des Polytechnikums betrieben wurde, im Jahre
1886 jedoch ihre Selbständigkeit erlangte. Das Studium der Architektur verblieb hingegen am Polytechnikum. In der Kunstakademie,
die 1901 den Titel „Königliche Akademie der bildenden Künste“ erhielt,
wurden lediglich Malerei, Bildhauerei und Graphik gelehrt.
Die Stuttgarter Kunstgewerbeschule gehörte zu den frühesten
Ausbildungsstätten dieser Art in Deutschland. Viele folgten darauf,
und bis zum Ende des 19. Jahrhunderts verfügte das Land über
ein dichtes Netz kunstgewerblicher Ausbildung. Doch um die Jahrhundertwende gerieten diese Institutionen ins Kreuzfeuer der
8 Jacob Falke: Die Kunstindustrie der Gegenwart: Studien auf
der Pariser Weltausstellung im Jahre 1867, Leipzig 1867, S. 40.
270
250 Jahre Kunstakademie Stuttgart
Kritik. „Die kunstgewerbliche Massenerziehung der letzten drei Jahrzehnte war schädlich“, stellte beispielsweise der Kunstkritiker (und
selbst ehemaliger Kunstgewerbeschüler) Karl Scheffler in einem Aufsatz fest, der 1900 in der Zeitschrift „Dekorative Kunst“ erschien.
„Den Künstlern“, fuhr er fort, „den einzigen Trägern der neuen Kunst,
versperrt der unnütze Zwischenstand den Weg in die Werkstellen,
er hindert das Handwerk und die Industrie, sich dieser neuen Kräfte
unbefangen zu bedienen, und der Zeichner selbst muss die besten
Arbeitsgelegenheiten trotzdem an die Künstler abgeben.“ In der englischen Arts-and-Crafts-Bewegung sah Scheffler, trotz Kritik an
ihrem Anti-Industrialismus, den erwünschten Weg des Kunstgewerbes
in die Selbständigkeit – was nichts anderes bedeutete, als die entschiedene Zusammenführung von Gestaltung und Produktion. So setzte er den Kunstgewerbeschulen jene Werkstätten für angewandte
Kunst gegenüber, die in verschiedenen deutschen Städten organisiert,
„sich die Aufgabe gestellt [hatten], die gewerblichen Entwürfe der
Künstler auszuführen und (…) ihre künstlerischen Mitarbeiter finanziell
am Gewinne zu beteiligen.“9 Als Nachwirkung der Münchner Weltaustellung von 1897 erfolgte 1898 eine Gründung dieser Art in München: in den „Vereinigten Werkstätten für Kunst im Handwerk“
hatten sich unter der organisatorischen Leitung von Franz August Otto
Krüger junge talentierte Künstlerpersönlichkeiten, wie Hermann
Obrist, Richard Riemerschmid, August Endell, Bernhard Pankok und
Bruno Paul, zusammengefunden, damals allesamt Verfechter des
neuen, vom Jugendstil geprägten Kunstideals.10 Die ästhetische Durchdringung des Gebrauchsgegenstandes gehörte zu ihren prominenten Zielen. Es war genau diese Münchner Vereinigung, nach welcher
man Ausschau hielt, als der Wind der kunstgewerblichen Reform
auch Stuttgart erfasste. Und es war der Maler und Leiter der Kunstakademie, Graf Leopold von Kalckreuth, der Ende 1900 an König Wilhelm II. von Württemberg mit dem Vorschlag herantrat, die Vereinigten
Werkstätten nach Stuttgart zu überführen. Der Plan konnte zwar
nicht verwirklicht werden, doch Bernhard Pankok und Otto Krüger wurden dank Kalckreuth und seines Akademie-Kollegen Carlos Grethe
für Stuttgart gewonnen. Wegen des Widerstands des lokalen Handwerks, das Konkurrenz witterte, konnte das Münchner Modell einer
als unabhängiges Unternehmen agierenden Vereinigung ebenfalls nicht
übernommen werden. So wurde die aus dem genannten personellen Transfer hervorgegangene „Königl. Lehr- und Versuchswerkstätte“
in die existierende Kunstgewerbeschule integriert; ihre Tätigkeit
nahm sie Anfang 1902 auf. Zunächst wurde von Pankok, der wie mehrere
seiner Gesinnungsgenossen, wie Riemerschmid, Behrens, Paul und
van de Velde, seine Tätigkeit von der Malerei ins Kunstgewerbe und in die
Innenraumgestaltung ausdehnte, das „Möbelfach“ gelehrt.11 Doch
9 Karl Scheffler: Sozial angewandte Kunst, in: Dekorative Kunst 5, 1900, S. 129–131.
10 Bernhard Pankok (1872–1943): Kunsthandwerk, Malerei, Graphik, Architektur,
Bühnenausstattungen, Ausstellungskatalog: Württembergischen Landesmuseums Stuttgart, 24. Mai bis 29. Juli 1973, zusammengestellt von Hans Klaiber,
Stuttgart 1973.
11 Kurt Junghans: Der Deutsche Werkbund: Sein erstes Jahrzehnt, Berlin 1982, hier S. 8.
271
Georgiadis / Christophers: Architekturausbildung
innerhalb eines Jahrfünfts wuchs die Anstalt beträchtlich an. Es wurden
nacheinander neue Stellen geschaffen und besetzt, so für Dekorationsmalerei (1903), Metalltechnik (1904), Keramik (1905), Buchgraphik, Typographie und Buchbinden (1906). Entsprechend wuchs
die Zahl der Werkstätten an. Die „Lehr- und Versuchswerkstätte“, die
bereits seit 1902 nach Krügers Rücktritt unter der Leitung von
Pankok stand, wuchs schließlich im Jahre 1913 mit der Kunstgewerbeschule zusammen und bezog ihr neues Domizil am Weißenhof.
Zur Realisierung des Gebäudekomplexes wirkte Pankok mit den von
der Finanzverwaltung mit diesem Bau beauftragten Architekten
Ludwig Eisenlohr und Oscar Pfennig zusammen. Unproblematisch war
dieses Unterfangen nicht, war doch der für die Planung Hauptverantwortliche ein Schüler Pfennigs und Gesinnungsgenosse Theodor
Fischers, mit dem Pankok aus Gründen beruflicher Konkurrenz auf
Kriegsfuß stand und dessen künstlerischer Auffassung er ablehnend
gegenüberstand.
Selbstverständlich stand Stuttgart mit seinen Bemühungen um eine
Reform der kunstgewerblichen Ausbildung nicht allein. Im ersten
Jahrzehnt des 20. Jahrhunderts gelang es einer Reihe von Künstlern,
zumeist Architekten, die dem Historismus und Eklektizismus des
19. Jahrhunderts abgeschworen hatten, führende Positionen in der
kunstgewerblichen Ausbildung zu übernehmen. So wurde im Jahre
1903 Hans Poelzig die Leitung der Kunstgewerbeschule in Breslau
übertragen, und dasselbe geschah ebenfalls 1903 mit Peter Behrens in
Düsseldorf, Bruno Paul leitete ab 1906 die Unterrichtsanstalt am
Berliner Kunstgewerbemuseum und Hermann Muthesius trat 1904 –
nach seiner Rückkehr aus England – ins preußische Handelsministerium ein und übernahm die Verantwortung für die Reform der Kunstgewerbe- und Fachschulen in Preußen usw.
Die Ausrichtung der kunstgewerblichen Produktion auf die Bedürfnisse
des Nutzers, die Forderungen nach Sachlichkeit, nach „reiner Werkmäßigkeit“ und Echtheit an Material und Ausführung waren sicherlich
gemeinsame Grundsätze der Reforminitiativen.12 Doch ein weiteres
Desiderat trat hinzu: die Versöhnung der kunstgewerblichen Gestaltung
mit der industriellen Produktion, „der Übergang der Tischlerei zum
Industriesystem“, wie Friedrich Naumann in seiner Rede auf der II. Deutschen Kunstgewerbeausstellung in Dresden (1906) anmahnte. Es
ist charakteristisch, dass Naumann diese Forderung mit einem Seitenhieb
gerade auf Behrens und Pankok verband: die Lederstühle Pankoks,
Behrens‘ quadratische Gebilde sollten für die industrielle Vervielfältigung tauglich gemacht werden, sagte Naumann.13 „Das Zusammenwirken von Kunst, Industrie und Handwerk“ wurde denn auch die
zentrale Zielsetzung des 1907 gegründeten Werkbundes, dem
auch Bernhard Pankok als Mitglied beitrat. Seit 1897, dem Jahr, an dem
12 Richard Graul: Die Krisis im Kunstgewerbe: Studien über die Wege und Ziele
der modernen Richtung, Leipzig 1901. Siehe insbesondere die Aufsätze von Graul und
Hermann Muthesius, S. 1–20 und 39-51.
13 Friedrich Naumann: Kunst und Industrie (1906),
zit. nach: Junghans 1982 (wie Anm. 11), S. 137f.
272
250 Jahre Kunstakademie Stuttgart
Pankok zum ersten Mal als Möbelgestalter auftrat, bis zu seinen
letzten dokumentierten Arbeiten auf diesem Gebiet wie auch auf den
Gebieten der Architektur und des Innenausbaus blieb Pankok
allerdings dem Handwerk verbunden. Anfangs, „in Zeiten gärender
Stilbildung“ (Pazaurek), gekennzeichnet von einem bisweilen
formal überschwänglichen – wenn auch stets auf historische Anleihen
verzichtenden – kreativen Impetus, später zum Teil mitbestimmt
von einem nüchterneren Sachlichkeitssinn blieben seine Arbeiten fast
durchgängig Unikate, für die serielle Fertigung kaum geeignet.
Es ist vielleicht nicht zufällig, dass, als nach dem Ersten Weltkrieg der
Deutsche Werkbund sich erneut zum Handwerk bekannte und
Handel und Industrie beschuldigte, die Kunst prostituiert zu haben
(so Hans Poelzig in seiner Rede auf der Stuttgarter Jahrestagung
des DWB, 1919), Pankok in den neuen Vorstand des Werkbunds gewählt
wurde.14 Er schloss sich den jüngeren Werkbundmitgliedern um
Walter Gropius, Bruno Taut und César Klein an, die damals im expressionistischen Eifer die „geistige Revolution“ verkündeten und die
systemisch angepassten Kräfte vom Werkbund hinausdrängen wollten.
Gropius schrieb, dass man Pankok „zu uns rechnen“ könne.15 Ein
Revolutionär war Pankok indes nicht, auch nicht im Sinne des von den
„jungen Wilden“ damals avisierten „neuen Mittelalters“, ebenso
war er bis dahin kaum in den Werkbunddebatten aufgefallen und hatte
sonst keinen Anteil am lebhaft geführten Diskurs zu Fragen der
Kunst, des Kunstgewerbes und der Architektur gehabt. Er war aber dezidiert Handwerker.
Die Industrie hielt erst mit dem Beginn der Tätigkeit von Adolf G.
Schneck Einzug in die Abteilung für Möbelbau und Innenarchitektur,
der im Jahre 1921 an der Stuttgarter Kunstgewerbeschule zunächst als Hilfslehrer eingestellt wurde, um knapp zwei Jahre später zum Professor berufen zu werden.16 Schneck war PankokSchüler, doch studierte er im Anschluss an seine Lehrzeit an der
Kunstgewerbeschule Architektur unter Paul Bonatz an der
damaligen TH Stuttgart. Beide Erfahrungen waren offenbar prägend,
für Schneck gehörten sie inhaltlich und strukturell zusammen:
„Architektur und Innenarchitektur ist ein und dasselbe. Das Äußere
des Hauses ist nicht zu trennen vom Inneren des Hauses“, formulierte er 1927 anlässlich der Eröffnung der Werkbundausstellung
„Die Wohnung“ auf dem Weißenhof. Dies hörte sich beinahe
wie ein Gegenprogramm zu den tradierten Ausbildungszielen der
Kunstgewerbeschule an, die gerade die Separierung von Architektur und Innenarchitektur voraussetzten, und zudem als allererste
14 Zit. nach: Zwischen Kunst und Industrie – Der Deutsche Werkbund, hrsg. von Wend Fischer, Stuttgart 1987 (1975), S. 161–168.
15 Brief von Walter Gropius an Adolf Behne vom 16. September 1919, zit. nach:
Karl-Heinz Hüter: Das Bauhaus in Weimar – Studie zur gesellschaftspolitischen
Geschichte einer deutschen Kunstschule, Berlin 1976, S. 212.
16 Zu Schneck vgl. Adolf G. Schneck 1883–1971, Ausstellungskatalog: Staatliche
Akademie der Bildenden Künste, 7.6. bis 15.7.1983, Stuttgart 1983; Cornelius
Tafel: Der Architekt Adolf Schneck – Wegbereiter der Moderne in Stuttgart der 20er
Jahre, Dissertation, München 1991; Andreas K. Vetter: Adolf G. Schneck – Der
stille Reformer auf dem Weißenhof, Baunach 2003.
273
Georgiadis / Christophers: Architekturausbildung
Äußerung des Willens zur Architektur auf dem Weißenhof, der
erst nach mehreren Jahrzehnten materialisiert werden konnte. Die
Neuerungen, die Schneck einführte, waren jedoch weniger
durchschlagend als sein Aphorismus vermuten ließ, und dies betraf
nicht allein den weich erfolgten Übergang innerhalb der Stuttgarter Kunstgewerbeschule. Es handelte sich um eine „stille Reform“
(Vetter), deren Inhalt vielleicht am besten aus der Programmatik
der 1924 von Schneck kuratierten Wanderausstellung des DWB mit
dem Titel „Die Form “ hervorging. Die Ausstellung sehe Form
da, „wo keine Verzierung ist“, notierte Walter Riezler in der einschlägigen Begleitpublikation.17 Es ging also nicht so sehr um Formerfindung, sondern eher um deren Enthüllung mittels des Herausschälens des sie überziehenden ornamentalen Beiwerks. Propagiert wurde mithin ein Ethos des Weglassens und Vereinfachens, das
sich im Übrigen paradoxerweise anhand der Masse der Exponate
kaum bestätigte. Dieses Ethos kennzeichnete allerdings die Arbeiten
von Schneck selbst. Paradigmatisch dafür waren die beiden
Häuser, die er im Rahmen der Werkbundsiedlung am Weißenhof im
Jahre 1927 errichtete. Zwei schlichte weiße Kuben in Massivbauweise, die zwar weder von innovativen konstruktiven Gedanken
noch von originellen räumlichen Vorstellungen getragen, aber
doch als funktional taugliche und wirtschaftlich optimierte Typenlösungen konzipiert waren, die sich für serielle Produktion
etwa als Reihenhäuser prinzipiell eigneten. Standardisierung, Typisierung und unbedingte Funktionalität waren die Grundsätze,
die gleichsam Schnecks Leistungen auf dem Gebiet des Möbeldesigns
kennzeichneten. Die von ihm propagierten „Grundformen“
waren gewissermaßen Archetypen, die sich in der Geschichte bewährt
hatten und die es mit den Mitteln der modernen Technik zu aktualisieren und weiter zu entwickeln galt. Das war die Philosophie, die
seiner eigenen Produktion, der Arbeit mit seinen Studenten und
seinen Publikationen (hervorzuheben wäre in diesem Zusammenhang
sein als mehrbändige Reihe konzipiertes Werk „Das Möbel als
Gebrauchsgegenstand“) zugrunde lag. Ein sanfter Reformer mithin,
dessen Beitrag jedoch – verglichen etwa mit dem Konservativismus der „Stuttgarter Schule“ der TH unter dem Triumvirat BonatzSchmitthenner-Wetzel – den Weißenhof als Oase der Modernität
deutschlandweit erscheinen ließ.
Nicht zuletzt wegen Schneck und der Abteilung für Innenarchitektur
und Möbelbau hatte die Kunstgewerbeschule Erfolg, und dies war
wohl Anlass genug, die Konkurrenz auf den Plan zu rufen. So wurde
1927, kurze Zeit nachdem die Kunstgewerbeschule parallel zur
Werkbundausstellung „Die Wohnung“ mit einer großen Jubiläumsausstellung (anlässlich der fünfundzwanzigjährigen Lehrtätigkeit
Pankoks) an die Öffentlichkeit trat und die Schule ihre Anerkennung
als Kunsthochschule mit dem Titel „Württembergische Staatliche
17 Form ohne Ornament? – Angewandte Kunst zwischen
Zweckform und Objekt, hrsg. von Barbara Mundt und Babette
Warncke, Ausstellungskatalog: Berlin 1999, S. 33f.
274
250 Jahre Kunstakademie Stuttgart
Akademie für angewandte Kunst“ forderte, dem Württembergischen
Landtag der Antrag gestellt, die Kunstgewerbeschule aufzulösen
und an ihrer Stelle die Kunstakademie und die Fachschulen des Landes
auszubauen. Walter Riezler, Herausgeber der Werkbundzeitschrift
„Die Form“, sprach in diesem Zusammenhang von einem doppelten Angriff, dem die Kunstgewerbeschule gegenüberstand, einmal seitens der Fachschulen, hinter welchen „die große Macht des Gewerbes,
vor allem der Großbetriebe“ stand, aber in noch stärkerem Maße
seitens der Kunstakademie. Beide befürchteten den wachsenden Einfluss der Kunstgewerbeschule, zumal ihre Modernität, die einerseits die „ruhige geschäftliche Entwicklung“ des Gewerbes zu stören
schien, andererseits den zunehmenden Bedeutungsschwund der
von der Akademie praktizierten „harmlosen Kunst“ weiter verstärkte.18
Der Antrag fand keine Zustimmung; stattdessen beschloss der
Landtag, Kunstakademie und Kunstgewerbeschule als „Vereinigte
Kunsthochschulen“ zusammenzufassen. Dies entsprach nun
einem über zwei Jahrzehnte früher von der Kunstgewerbeschule
selbst und namentlich von Bernhard Pankok geäußerten Wunsch,
der einige Zeit später zunächst auf die Zustimmung der an der Akademie
Lehrenden gestoßen war. Anfang der 20er Jahre hatte überdies
Adolf G. Schneck Pläne zur Umsetzung des Vereinigungsgedankens
ausgearbeitet.
Zu einer Zusammenführung kam es erst 1941, als der Württembergische
Kultusminister am 30. Oktober die Vereinigung der beiden unter
den Nazis ohnehin gleichgeschalteten Institutionen unter dem Namen
„Staatliche Akademie der Bildenden Künste Stuttgart“ mit zwei
Abteilungen, eine für „freie“ und eine für „angewandte Kunst“ verfügte.
Räumlich blieben die beiden Häuser allerdings getrennt, die ehemalige Kunstakademie verblieb in den Gebäuden der Urbanstraße 37/39
und 50, die ehemalige Kunstgewerbeschule am Weißenhof. Die
von der Naziregierung beschlossene Maßnahme hatte eher den Charakter eines bürokratischen Akts. Grundsätzliche Erwägungen über
die Ausrichtung der künstlerischen Ausbildung im Lande scheinen keine
wesentliche Rolle gespielt zu haben.
Erst mit der Erneuerung der Akademie nach dem Kriege unter der
Federführung des damaligen Kultusministers Theodor Heuss
wurde eine Neubestimmung des Wechselverhältnisses der beiden die
Akademie konstituierenden Teile versucht. Nicht eine Konföderation von zwei weitgehend voneinander unabhängigen künstlerischen
Regimen – eines autonom agierenden und eines praxisorientierten – wurde dabei avisiert, sondern eine Integration der Akademiebestandteile im Sinne regen Austausches und intensiver Querverbindungen zwischen ihnen. Kein geringerer als Willi Baumeister war
glühender Verfechter dieser Idee, der zudem – wohl bauhausinspiriert – eine abteilungsübergreifende, d.h. vereinte Grundklasse, vorschlug, mit ihrem Fokus auf die allen Künsten gemeinsamen, so
18 Walter Riezler: Die Gefährdung der Stuttgarter
Kunstgewerbeschule, in: Die Form 3, 1928, S. 62–63.
275
Georgiadis / Christophers: Architekturausbildung
genannten elementaren Gestaltungsmittel. Die Zusammenführung von
Tradition und Moderne im Rahmen der „neuen“ Institution, die
Theodor Heuss von Anfang an ebenfalls beabsichtigte und durchsetzte,
bot jedoch keinen allzu nahrhaften Boden für solche, im Rahmen
der Akademie als bahnbrechend empfundenen Ideen. Die Innenarchitektur wurde unter den neuen Bedingungen im Verbund mit der
Möbelgestaltung fortgeführt. Vertreten wurde sie zunächst von Karl
Wiehl (1898–1952), den Adolf G. Schneck selbst als seinen Nachfolger vorgeschlagen hatte.19 In seiner Lehre versuchte Wiehl – genauso
wie sein Vorgänger – immer wieder, Brücken zum „Hochbau“, d.h.
zur Architektur, zu schlagen.
Mit der Berufung von Herta-Maria Witzemann und des Bauhäuslers Herbert Hirche nach dem Tode Wiehls im Jahre 1952 erhielt die
Abteilung einen beachtlichen Schub nach vorn; gleichzeitig
begann die schrittweise Erweiterung der Abteilung, die bis 1975 zu
einem von einem vielfältigen Fächerangebot getragenen, voll
ausgebauten Studiengang für „Innenarchitektur und Möbeldesign“
wuchs, welcher im Jahr darauf das Recht auf Erteilung des
Diploms in der „Fachrichtung Innenarchitektur“ erhielt und damit
auch einen universitären Status.20 Überdies zog die Abteilung
bereits 1968 in den neu errichteten „Architektenbau“, ein damals
heftig umstrittenes, corbusianisch inspiriertes, spät-brutalistisches Gebäude, das jedoch – wie sich zeigen sollte – ein überaus
hohes Identifikationspotenzial für seine Nutzer in sich barg.
Die Werkstätten wiederum bezogen ab 1972 den benachbarten,
ebenfalls neuerrichteten Werkstattbau. Besonders herauszustellen in dieser Phase wäre die Berufung des Stuttgarter Architekten Erwin Heinle als Leiter der neueingerichteten „Klasse
für Architektur (Hochbau)“ im Jahre 1965, die den so genannten Hochbau zum verbindlichen und nicht wegzudenkenden Teil der
Ausbildung machte und gewissermaßen (wenn auch damals wohl
unbeabsichtigt) für die Entwicklung des Fachgebiets an der
Akademie richtungsweisend war.
Das Jahr 1976 stellte in vielfacher Hinsicht einen Neuanfang des
Studiengangs dar, wohl auch im Bewusstsein seiner Akteure. Charakteristisch dafür war die Position, die er im Rahmen der Debatten zur
Neustrukturierung der Akademie in Fachgruppen bezog. Die Alleinstellung des Studiengangs (unter Beibehaltung des Bereichs Möbeldesign), die mehrheitlich von seinen Mitgliedern favorisiert wurde,
zeigte an, dass zumindest implizit der Wunsch vorhanden war,
sich von der Zugehörigkeit zur „angewandten Kunst“ zu lösen und die
Architektur im Koordinatensystem der Künste gemäß ihrer seit
19 Undine Wobus: Karl Wiehl (1898–1952): Ein vergessener Architekt
zwischen Neuem Frankfurt und Stuttgarter Kunstakademie, Dissertation,
Stuttgart 2009 (Typoskript).
20 Zur historischen Rekonstruktion des Werdegangs des Fachbereichs Architektur nach dem Kriege wurden Senats- und Fachgruppenprotokolle benutzt.
Von außerordentlichem Nutzen (nicht nur hinsichtlich dieser Periode) waren
ebenfalls die zahlreichen Veröffentlichungen von Wolfgang Kermer zur
Geschichte der Stuttgarter Akademie.
276
250 Jahre Kunstakademie Stuttgart
der Neuzeit tradierten Funktion neu zu positionieren. Dennoch wurde
der Studiengang mit den Studiengängen für Produkt- und Textilgestaltung und (seit 1986) Investitionsgüterdesign als Teil der 1979
konstituierten Fachgruppe „Innenarchitektur und Design“ zusammengelegt. Im darauf folgenden Jahrzehnt erfuhr der Studiengang keine wesentliche Veränderung, ausgenommen die Gründung im Jahre 1980 des „Instituts für Innenarchitektur und Möbeldesign“, des späteren „Weißenhof-Instituts“, das die Programme der
Fachgruppe um den Parameter organisierter projektbezogener Forschung bereicherte. Die achtziger Jahre waren jedoch eine Periode
der Gärung, deren Produkt schließlich 1989 in Form eines Antrags in
„außerordentlich abgesichertem Konsens“ auf Neuordnung des
Studienganges Innenarchitektur und Design in Erscheinung trat. „Die
wesentliche Neuerung zielt darauf hin“, so seine Urheber, „dass
die Absolventen das Planvorlagerecht erhalten. Den Abschluss des Studiums bildet die Diplomprüfung, die als erste Staatsprüfung gilt.
Die Diplomprüfung ist eine der Voraussetzungen für die Eintragung in
die Architektenliste bei den Architektenkammern und für den
Vorbereitungsdienst zum höheren technischen Verwaltungsdienst im
Fachgebiet Hochbau“. Begleitet wurde der Antrag vom Vorschlag
auf Namensänderung des Studienganges in „Architektur und Design“.
Was jedoch recht unauffällig als Maßnahme zur beruflichen
Absicherung der Absolventinnen und Absolventen und als prüfungstechnische Angelegenheit daherkam, war in Wirklichkeit ein
neues Studienkonzept, das einer Neugründung des Studiengangs
gleichkam. In dessen Mittelpunkt stand erneut der Wille zur
Architektur, der diesmal dezidiert, unmissverständlich, konkret und
mit großen Realisierungschancen vorgetragen wurde. Mit erstaunlichem Tempo ging in der Tat der Antrag seinen Weg durch die
Gremien, so dass bereits im Wintersemester 1989/90 die neue
Studien- und Prüfungsordnung in Kraft treten konnte. Offenbar stand
die gesamte Akademie hinter dieser tiefgreifenden Veränderung.
Obwohl der Neuanfang von 1989 seitens seiner Hauptakteure faktisch
ohne theoretische Begründung in die Wege geleitet wurde, kommt
man nicht umhin, ihn vor den Hintergrund der Entwicklungen zu stellen, die der diskursive Rahmen der Disziplin in den siebziger und
achtziger Jahren weltweit durchlief. Gemeint ist vor allem die Kritik
am funktionalistischen Kanon, die dazu führte, dass die Architektur, über ihre Definition als soziale Dienstleistung und technische
Produktion hinaus, als ästhetische Aufgabe rehabilitiert wurde.
Nur ein Symptom dafür war das wieder erwachte Interesse für die
Architektenausbildung im Verbund mit den anderen künstlerischen Disziplinen – das École-des-Beaux-Arts-Prinzip, das in einer
277
Georgiadis / Christophers: Architekturausbildung
Reihe von Ausstellungen und Publikationen zum Ausdruck kam.21
Der Studiengang wandelte sich ohne größeren personellen Zuwachs
um. Die einzige neuerrichtete Stelle war die Professur für Architektur- und Designgeschichte, womit der Studiengang gleichsam
seinem Bekenntnis zu den Traditionen der Disziplin zusätzlichen
Nachdruck verlieh. Ansonsten wurden eine Reihe von Umwidmungen
und Verschiebungen innerhalb des vorhandenen Kontingents
vorgenommen. Dieser Prozess, der erst vor kurzem abgeschlossen wurde,
ging im Zuge seiner Entfaltung mit einer gründlichen Modernisierung des Studiums einher, vor allem mit Blick auf Anpassungen an
den gegenwärtigen Wirkungsrahmen und die aktuellen Möglichkeiten der Architektur. 1998 wurde der Studiengang erneut umbenannt,
das Wort „Design“ wurde aus dessen Titel gestrichen. Gleichwohl
handelte es sich diesmal nur um eine terminologische Klärung. Das um
die Mitte der 70er Jahre zuerst artikulierte Desiderat auf eine
organisatorische Verselbständigung der Architektur gegenüber den
Designdisziplinen wurde 2006 im Zuge der Verabschiedung der
neuen Grundordnung der Akademie verwirklicht. Die Fachgruppe
Architektur setzt sich gegenwärtig aus zwei Studiengängen
zusammen, die jeweils zum Bachelor bzw. zum Master of Arts führen.
Überdies praktiziert der Fachbereich seit 2002 das Promotionsrecht. Der das Kurrikulum dominierende Bereich des architektonischen
Entwerfens, wird von den geisteswissenschaftlichen und technologischen Komponenten der Architektur flankiert. Besondere Praxisnähe wird durch die Integration der Arbeit in den hervorragend
ausgestatteten Werkstätten ins Studium erreicht. Darüber hinaus werden die Möglichkeiten zur Entfaltung synergetischer Effekte mit
den anderen künstlerischen Disziplinen genutzt. Die Traditionen der
Schule werden schließlich im Sinne einer besonderen Pflege des
innenräumlichen Ausbaus und des architekturrelevanten Designs sowie der gemeinsamen Ausbildung mit dem Industriedesign auf
Grundklassenebene fortgeführt.
21 Beispiele dafür sind: The Architecture of the École des Beaux-Arts,
usstellungskatalog: Museum of Modern Art, New York 1977; The Beaux-Arts
(Robin Middleton: guest editor), Architectural Design 48, Nr. 11–12, 1978;
Paris under the Academy (Anthony Vidler: special editor), Oppositions 8, Spring
1977; Donald Drew Egbert: The Beaux-Arts Tradition in French Architecture,
Princeton 1980; The Beaux Arts and Nineteenth-Century French Architecture,
hrsg. von Robin Middleton, London 1982.
278
250 Jahre Kunstakademie Stuttgart
Undine Wobus
Innenarchitektur
und Möbelbau
an der Stuttgarter
Kunstakademie
nach 1945
Zum Werk von Karl Wiehl,
Herbert Hirche und
Herta-Maria Witzemann
Die Stuttgarter Kunstakademie ist bekannt für herausragende Lehrerpersön­
lichkeiten sowie für die ausgezeichnete Qualität der Werkstätten und deren
Bedeutung für die Umsetzung der didaktischen Ziele der einzelnen Fachberei­che. Die Abteilung für Innenarchitektur und Möbelbau hat nach 1945 und der
Neugründung der Akademie eine Reihe von Architekten und Gestaltern aufzu­weisen, deren Werk in recht unterschiedlichem Maße bekannt ist. In der folgen­den Untersuchung soll das Schaffen von Karl Wiehl, Herbert Hirche und
Herta-Maria Witzemann kurz umrissen werden, um die vielfältigen künstlerischen Aus­richtungen dieser Professoren zu veranschaulichen. Begonnen
werden soll mit dem – heute leider weitgehend unbekannten – Werk Karl
Wiehls, der als Nachfolger Adolf G. Schnecks der Abteilung für Innenarchitektur und Möbelbau an der Stuttgarter Kunstakademie ab 1946 eine neue,
moderne Gestalt gab, und dies in didaktischer wie praktischer Hinsicht.
283
Wobus:
Innenarchitektur
und Möbelbau
284
Karl Wiehl
Rücksichten:
250 Jahre
Innenarchitektur in ihrer komplexen Gesamtheit zu gestalten – das ist der
Kunstakademie
Grundgedanke, der das in Vergessenheit geratene Werk Karl Wiehls prägt.1
Stuttgart
Um diese These zu präzisieren, sei hinzugefügt, dass Karl Wiehl keineswegs
die Auffassung vertrat, dass das Ziel der Innenarchitektur das Gesamtkunstwerk sei. Ebenso wenig wurde Innenarchitektur bei ihm gedanklich fragmen­
tiert, d. h. auf einen Aspekt – sei es Möbelbau oder Design – reduziert. Der
Fülle seiner Ideen, die besonders anhand seiner erstaunlichen Innenarchitektur-Aquarelle zum Ausdruck kommt, bedeutete das rein Funktionale keine
Grenze. Die ästhetisch und funktional anspruchsvolle Gestaltung kleiner und
kleinster Wohneinheiten ist eines der generalbassartigen Hauptthemen im
Werke Karl Wiehls. In zeitgenössischen Fachzeitschriften finden sich wichtige
Beiträge Karl Wiehls, die dokumentieren, wie intensiv er sich an den aktuellen
Debatten zu Problemen der Architektur und Innenarchitektur beteiligte. Dieses Engagement wird besonders an seinen Wettbewerbsentwürfen deutlich –
allen voran die Arbeiten für den von Martin Wagner initiierten Architekturwettbewerb „Das wachsende Haus“ (1932), bei dem Karl Wiehl einen Ankauf seiner
Entwürfe erzielte.
Karl Wiehl begann im Wintersemester 1919/20 sein Studium an der – damals
von Bernhard Pankok geleiteten – Staatlichen Kunstgewerbeschule Stuttgart
im Fach Innenarchitektur, wo er acht Semester vor allem bei Adolf G. Schneck
studierte – die beiden abschließenden Semester als dessen Meisterschüler.
Die Zeit dieser Schülerschaft prägte Karl Wiehl in seinen frühen Jahren, ehe
er sich seinen eigenen architektonischen Rahmen schuf. Nach dem Ende
des Studiums im Jahre 1923 machte er sich als Architekt selbständig und
heiratete 1924. Im selben Jahr wurde er von Schneck als Mitarbeiter an den
Vor­bereitungen der „design-historisch bedeutsamen“ Werkbund-Ausstellung
„Die Form“ gewonnen, in deren Rahmen Karl Wiehl selbst mit einer größeren
1
Vgl. dazu die Dissertation der Verfasserin: Undine Wobus: Karl Wiehl
(1898–1952) – ein vergessener Architekt zwischen Neuem Frankfurt
und Stuttgarter Kunstakademie, Stuttgart 2009 (Typoskript).
An­zahl von Möbelstücken vertreten war.2 Seit 1924 bzw. 1926 war Karl Wiehl
285
Mitglied des Deutschen Werkbundes (DWB). Im Januar 1926 wurde er von
Wobus:
Fritz Wichert an die Städelschule (Kunstgewerbeschule Frankfurt a. M.) be-
Innenarchitektur
rufen. Dort hatte er bis zum März 1928 eine Lehrstelle für den Unterricht der
und Möbelbau
Innenarchitektur inne. Zur gleichen Zeit war er Assistent von Martin Elsaesser,
der durch seine Arbeit als Stadtbaudirektor verhindert war, die Lehrtätigkeit
an der Kunstgewerbeschule zu übernehmen, und ihm die selbständige Leitung
der Innenarchitekturklasse übertrug. In einem Zeugnis vom 15. Juni 1931
schreibt Fritz Wichert, dass Karl Wiehl „sich sowohl in praktischer als auch
theoretischer Beziehung ausgezeichnet“ und „eine geläuterte moderne Anschauung mit einer ganz selten zu findenden handwerklichen Erfahrung als
Schreiner und Möbelbauer“ verbunden habe.3 Das „Neue Frankfurt“ Ernst
Mays war die Sphäre, in der Karl Wiehls Werk nun deutlich eigenständige Zü­ge annahm. Kein Geringerer als Walter Gropius signalisierte großes Interesse
an Karl Wiehls Arbeiten, wovon ein Brief von Gropius vom 19. Juli 1930 zeugt.4
Nach der explosiven Kreativität bis Anfang der 1930er-Jahre folgte mit der NSZeit ein Rückzug aus der öffentlichen Tätigkeit, da Karl Wiehl und seine – aus
einer jüdischen Familie stammende Ehefrau – Margarete Wiehl geb. Sommer
(1895–1978) von den Nazi-Behörden verfolgt wurden. Bis 1936 konnte Wiehl
noch als selbständiger Architekt in Frankfurt arbeiten. Wegen des 1937 folgenden Berufsverbots war er darauf angewiesen, in untergeordneter Stellung in
verschiedenen Frankfurter Architekturbüros zu arbeiten. Diese Beschäftigung stand unter ständiger Kontrolle. Eine Änderung trat erst mit der Anstellung im Architekturbüro Ernst Balser ein, in welchem Karl Wiehl von 1939 bis
1946 beschäftigt war. In der Zeit des Berufsverbots hat Wiehl in Ermangelung
von Aufträgen eine Fülle von Aquarellen angefertigt, von denen nur wenige
erhalten blieben. Diese wenigen können jedoch schon eine Vorstellung davon
geben, welche Fülle an Ideen in dieser gemalten Architektur enthalten ist.
2
Wolfgang Kermer: Willi Baumeister, Typographie und Reklamegestaltung. Katalog zur Ausstellung anlässlich des 100. Geburtstags von Willi Baumeister in der Staatlichen Akademie der
Bildenden Künste Stuttgart am Weißenhof 1, 14. Oktober
bis 17. November 1989, Stuttgart 1989, S. 54.
3
Dieses Zeugnis befindet sich in den Nachlass-Unterlagen Karl Wiehls im
Archiv der Akademie der Bildenden Künste Stuttgart (im Folgenden A-SABK).
4
Dieser Brief befindet sich in den Nachlass-Unterlagen Karl Wiehls, A-SABK.
286
1946 wurde Karl Wiehl als Professor in die Abteilung für Innenarchitektur an der
Rücksichten:
Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Stuttgart berufen und leitete dort
250 Jahre
von 1949 bis 1952 als Nachfolger von Adolf G. Schneck die Abteilung für Innen-
Kunstakademie
architektur und Möbelbau. Während die Arbeiten von Adolf G. Schneck – trotz
Stuttgart
der Neuerungen gegenüber den Arbeiten der Stuttgarter Schule, der er als
Schüler Paul Bonatz entstammte – konservativ anmuten, begründet Karl Wiehl
mit seinen – vor allem an Le Corbusier, Adolf Loos und dem Bauhaus orientierten Entwürfen im Sinne einer aufgeklärten Moderne – die moderne Innenarchitektur in Stuttgart. In diesem Zusammenhang wird deutlich, dass die von Fritz
Wichert und Ludwig Landmann geförderte Verbindung von Tra­dition und Bauhaus-Stil durch Karl Wiehl und Willi Baumeister von Frankfurt nach Stuttgart ge­bracht wurde.
Betrachtet man die Geschichte in dem hier zu erörternden Zeitraum, so
kommt man zu der Feststellung, dass es sich bei den Professoren der Klasse für Innenarchitektur und Möbelbau von Schneck zu Wiehl, Hirche und
Witzemann nicht um eine geradlinige und lineare Entwicklung handelt. Vielmehr weist jeder der genannten Architekten ein eigenes Profil der Innenarchitektur und des Möbelbaus auf. Vielleicht kann man sagen, dass Schneck
der Tradition verhaftet bleibt, Wiehl dagegen zwischen Vormoderne und
Postmoderne angesiedelt ist. Eine gewisse traditionsbezogene Komponente des Wiehlschen Werks besteht jedoch im erfindungsreichen Umgang mit
Holz, welches er aber auch oft mit Werkstoffen vollkommen anderer haptischer Qualität, wie z. B. mit verchromtem Eisen, Glas, Kunststoff, Eternit,
Leder, Gum­mi etc., in Einrichtungsentwürfen, aber auch beim einzelnen Möbelstück miteinander verband.
Witzemann knüpft sehr viel direkter an das Werk von Schneck an, gewinnt hier
allerdings neue Züge in der Gestaltung der Innenarchitektur und des Möbelbaus durch die Anforderungen neuer Auftraggeber, in denen es nicht in ers­ter
Linie um die Gestaltung von bürgerlichen Wohnhäusern und Wohneinricht­ungen, sondern um anspruchsvolle, bedeutende und repräsentative Inneneinrichtungen von Repräsentationsräumen und Großbüros geht.
Der Schwerpunkt im Werk von Herbert Hirche liegt hingegen im Design. Hirches Erfolg in diesem Bereich ist dabei so beeindruckend, dass er als die herausragende Designer-Persönlichkeit Deutschlands nach 1945 bezeichnet
werden kann.
Das von Karl Wiehl gemeinsam mit Otto Baum, Hugo Peters und Studenten
287
der Stuttgarter Akademie geplante und realisierte Projekt des Restaurants
Wobus:
des Württembergischen Kunstvereins Stuttgart lässt sich anhand von Archiv­-
Innenarchitektur
bildern sowie von Abbildungen und Beschreibungen in Alexander Kochs
und Möbelbau
1950 erschienenem Buch „Hotels, Restaurants, Café- und Barräume“ rekonstruie­ren.5 Der Hauptraum des Restaurants (Abb. 1) wird in west-östlicher
Richtung (Längsrichtung) im mittleren Bereich durch zwei konstruktiv bedingte Säulen unterteilt. Die Wände des Hauptspeiseraums sind hell­­gelb gestrichen und für wechselnde Ausstellungen des Württembergischen Kunstvereins vorgesehen gewesen. Die Decke des Raums besteht aus einer mattgelben, etwa ein Meter breiten Einfassung und einem matt signalroten, zurücktretenden Deckenfeld. Dicht unter der roten Raumdecke finden sich drei große
unregelmäßig organisch geformte, sich teilweise überlagernde „blausilbrig
und goldgelb brillierenden Flächenscheiben“, die durch kreisförmige Aussparungen mit den beiden Säulen verbunden sind.6 Der Farbdreiklang von
rot-gelb-blau erinnert an das Bauhaus. Über dem runden Tisch in der Mitte
des Raums ist ein großer Messingzylinder angeordnet, der die Flächen
durchdringt und zugleich als Licht­quelle und Luftabzug fungiert. Durch zwei
hellgelbe und hellblaue, durchlaufende Neonröhren, die am Deckenrahmen
zur Wand hin angebracht sind, wird der Raum zusätzlich indirekt beleuchtet.
(Abb. 1)
Karl Wiehl: Restaurant des Württembergischen
Kunstvereins Stuttgart (Schellingstraße 6), 1949
5
Alexander Koch: Hotels, Restaurants, Caféund Barräume, Stuttgart. J. [1950], S. 196–210.
6
Koch (wie Anm. 5), S. 198.
288
Zur Neustrukturierung der Abteilung Innenarchitektur und Möbelbau
Rücksichten:
250 Jahre
In einem Brief an den damaligen Rektor der Akademie, Hermann Brachert,
Kunstakademie
vom 4. Mai 1949 bittet Karl Wiehl um die Anstellung eines Assistenten zur
Stuttgart
Unterstützung bei der Bewältigung seines immensen Arbeitsumfangs. Wiehl
berichtete, dass im Sommersemester 1949 zur Abteilung für Innenarchitektur
dreiundfünfzig Studierende gehörten. Das erste und zweite Semester wurde
unter seiner Leitung durch die künstlerische Lehrkraft E. Krauß unterrichtet,
der auch beim Unterricht des 3. und 4. Semesters beteiligt war. „Die Ausbildung der Studierenden ab (dem) 5. Semester, und zwar in den beiden Abteilungen: a) Möbelbau (Gestalter für Handwerk und Industrie), b) gesamter Innenausbau mit der notwendigen Einführung in den Hochbau“ war – so Karl Wiehl
– sein Aufgabengebiet. Außerdem habe zu seinen Aufgaben auch die Leitung und Aufsicht der Schreinerei- und Drechslerei-Werkstätte gehört.7 In
dieser Aufzählung zeigt sich, wie umfangreich die Aufgaben waren, die
durch eine Professorenstelle abgedeckt werden sollten.
Nach dem Tod Karl Wiehls am 24. Februar 1952 wurde eine bereits länger
ge­plante Neustrukturierung der Abteilung weiter ausgearbeitet und dem
Kultusministerium vorgelegt, wie aus einem Brief Bracherts vom 15. Mai 1952
hervorgeht:
„Der Senat der Akademie erörtert seit langem die Ausweitung des Lehrgebiets der Abteilung für Möbelbau und Innenarchitektur, da sich die Aufgaben
dieser beiden auch für das Land Württemberg wichtigen Lehrgebiete gegen
früher gewandelt und vervielfältigt haben. Die württembergische Mö­
belindus­trie ist mehrfach an die Akademie herangetreten und hat nachdrücklichst eine stärkere Berücksichtigung des Möbelbaues im Lehrprogramm der Akademie gefordert. Die Absicht derselben, das gesamte Lehrgebiet durch einen künstlerischen Lehrer vertreten zu lassen, läßt sich nicht
verwirklichen, wenn eine allen Anforderungen gerechtwerdende Ausbil-
7
Brief Karl Wiehls vom 4. Mai 1949 an Brachert,
vgl. Personalakte „Edmund Leibbrand“, A-SABK.
dung gewährleistet werden soll. Angesichts dieser Situation hat der Senat
289
der Akademie vor etwa 1½ Jahren einen Ausschuß gebildet, der sich mit den
Wobus:
als Lehrkräfte für den Möbelbau in Betracht kommenden Künstlerpersön-
Innenarchitektur
lichkeiten befassen sollte. … Während dieser Erörterungen starb unerwartet
und Möbelbau
der Leiter der Abteilung für Möbelbau und Innenarchitektur Herr Prof. Karl
Wiehl. Dadurch sah sich die Akademie vor die Aufgabe gestellt, neben einem Lehrer für Möbelbau auch einen Nachfolger für Herrn Prof. Wiehl für das
Gebiet der Innenarchitektur zu wählen. Von den anfänglichen Überlegungen,
nun zunächst einen Nachfolger für Prof. Wiehl zu wählen, um dann später
einen geeigneten Möbelbauer zu nominieren, nahm der Senat Abstand, da
es richtig erschien, die ganze Abteilung neu aufzubauen und mit 2 Lehrern
zu besetzen.“8
In seinem Schreiben macht Brachert dem Minister den Vorschlag, Herbert
Hirche und Herta-Maria Witzemann zu berufen. Hirche war dabei als vollbeschäftigter nichtbeamteter künstlerischer Lehrer für Innenarchitektur vorgesehen. Herta-Maria Witzemann sollte als vollbeschäftigte nichtbeamtete
künstlerische Lehrerin für Möbelbau und Innenarchitektur berufen werden.9
Einem Schreiben vom 31.10.1952 an das Ministerium Stuttgart sind dann die
genauen Bezeichnungen der Lehrgebiete der neu berufenen Lehrer in der
Abteilung Möbelbau und Innenarchitektur zu entnehmen: So war Herbert
Hirche künftig für den Bereich „Innenraumgestaltung mit Einführung in den
Hochbau und in die industrielle Formgebung“ zuständig und Herta-Maria
Witzemann für den Bereich „Möbelbau mit Einführung in die industrielle
Formgebung – Raumgestaltung“.10 Herbert Hirche stand zu dieser Zeit in
Verhandlungen mit der Stadt Mannheim, wo ihm die Stelle des Direktors der
dort zu gründenden Werkkunstschule angeboten worden war. Hirche zog
jedoch das Stuttgarter dem Mannheimer Angebot vor.11
8
Brief Bracherts vom 15. Mai 1952 an das Kultusministerium
Stuttgart, vgl. Personalakte „Herbert Hirche“, A-SABK.
9
Personalakte „Herbert Hirche“, A-SABK.
10
Brief der Akademie an das Stuttgarter Ministerium vom 31.10.1952, A-SABK.
11
Aktenvermerk vom 14. Mai 1952, gez. Brachert,
vgl. Personalakte „Herbert Hirche“, A-SABK.
290
Herbert Hirche
Rücksichten:
250 Jahre
Max Bill beschrieb Herbert Hirche „seinem herkommen, seiner entwicklung
Kunstakademie
und seinen auswirkungen nach als typische[n] bauhäusler“.12 Hirche leitete
Stuttgart
vom Sommersemester 1952 bis zum Wintersemester 1975/76 – bis zur Nachfolge durch Arno Votteler – eine Klasse für Innenarchitektur und Möbeldesign
an der Stuttgarter Akademie.13 Zudem war er von 1969 bis 1971 Rektor dieser
Institution.
Herbert Hirche hatte von 1930–1933 am Bauhaus in Dessau und Berlin mit
dem Abschluss als Diplom-Architekt in den Abteilungen Hochbau und Innen­ausbau studiert. Von 1934–1938 war er Mitarbeiter bei Mies van der Rohe
und bei Lilly Reich in Berlin. Danach arbeitete er 1938–1939 als selbständiger
Architekt. In dieser Zeit bearbeitete er mehrere Wohnhausprojekte und Einrichtungen. 1940–1945 folgte eine freie Mitarbeit bei Egon Eiermann in Berlin. Hier war er mit Entwurf und Bauleitung von Geschäfts- und Industriebauten sowie Möbeln beschäftigt. Im Sommer 1945 übernahm er in Berlin als
Angestellter des Magistrats die Bauleitung von Kliniken und Instituten bei
der Wiederinstandsetzung der Charité Berlin. Von 1946 an arbeitete er als
Mitglied des Planungskollektivs unter den Stadtbauräten Scharoun und Bonatz beim Hauptamt für Stadtplanung. Bis 1948 war er dort Hauptreferent für
Wohnungsplanung mit den Sonderreferaten Ausstellungen und Wettbewerbe. Zu dieser Aufgabe gehörte die Mitarbeit am Berliner Stadtplan, Grundlagenforschung in Sachen Städtebau, Planung und Untersuchung im Bereich
des Wohnungs- und Siedlungswesen, Planung und Realisierung der Berliner Ausstellungen „Berlin plant“ (1946) und „Planung Berlin“ (1947 u. 1948).
Hinzu kam die Ausschreibung und Vorprüfung beinahe sämtlicher Wettbewerbe in Berlin bis 1948. In demselben Jahr wurde er an die Hochschule für
angewandte Kunst in Berlin-Weißensee berufen und leitete dort ein Entwurfsseminar für Hoch- und Ausbau. 1949 erhielt er dort eine Professur für
Architektur. Gleichzeitig realisierte er wieder verschiedene größere Ausstellungen und gestaltete Möbel. In diese Zeit fällt auch seine Mitar­beit bei den
12
Max Bill, in: Herbert Hirche/Dieter Godel: Herbert Hirche. Architektur, Innenraum, Design 1945–1978, Ausstellungskatalog: Stuttgart 1978, Vorwort, o. S.
13
Wolfgang Kermer: „Daten und Bilder zur Akademie-Geschichte“,
in: Die Staatliche Akademie der Bildenden Künste Stuttgart:
Eine Selbstdarstellung, Stuttgart 1988, S. 16 –31, hier: S. 29.
„Deutschen Werkstätten Hellerau“. Die Ausstellung "Wie wohnen", die 1949
291
im Stuttgarter Landesgewerbeamt stattfand, wurde von Hirche in ihrer Ge-
Wobus:
samtheit geplant und realisiert; des Weiteren hatte er 1950 die Gestaltung
Innenarchitektur
des Werkbundstandes bei der Deutschen Industrieausstellung in Berlin
und Möbelbau
übernommen und war dort auch mit eigenen Möbeln vertreten.
14
(Abb. 2)
Herbert Hirche: Wohnhaus Foerster 1962-63 (Mannheim)
Hirche war von 1950 an Mitglied im Deutschen Werkbund und trat 1959 dem
Verband Deutscher Industrie-Designer (VDID) bei. 1952 wurde er Mitglied im
Rat für Formgebung und – wie bereits erwähnt – an die Staatliche Akademie
der Bildenden Künste Stuttgart berufen. Gleichzeitig war Hirche von 1960–
1970 Präsident des VDID. Er entwickelte das erste serienmäßige demontierbare Schrank- und Trennwandsystem, dessen Fortführung in den 1970er
Jahren die so genannte ‚Funktionswand’ war. Aber auch im Bereich der Außenarchitektur bewies Hirche Könnerschaft, und dies besonders hinsichtlich der von ihm angestrebten „Synthese des Innen- und Außenraums“.15 Ein
besonders gelungenes Beispiel dafür ist das von ihm 1962/63 realisierte Einfamilienhaus Foerster in Mannheim (Abb. 2), das als „wohnhaus für eine familie unter besonderer berücksichtigung geschäftlicher repräsentation“
gedacht war.16 Das 1958 von Herbert Hirche gestaltete und von der Braun AG,
Kronberg, produzierte Fernsehgerät „HF1“ (Abb. 3) war das erste mit Kunststofffront. Im selben Jahr wurde es im Deutschen Pavillon der Weltausstel-
14
Lebenslauf vom 13. Januar 1952, vgl. Personalakte „Herbert Hirche“, A-SABK.
15
Wolfgang Kermer: Humanes Design als Lebensaufgabe. Dem
Architekten und Designer Herbert Hirche zum 75. Geburtstag“, in:
Stuttgarter Nachrichten, Nr. 115, 1985, vom 20. Mai 1985, S. 12.
16
Hirche/Godel 1978 (wie Anm. 12), S. 65.
292
lung Brüssel ausgestellt.17 Heute zählt es zu den so genannten Design-Ikonen.
Rücksichten:
Dass für Hirche der Anspruch, den er an seine eigene Arbeit als Architekt und
250 Jahre
Designer stellte, in gleicher Weise auch für seine Tätigkeit als Lehrer galt, dass
Kunstakademie
er seine Vorstellungen von Qualität weitergeben wollte, beweisen die folgen-
Stuttgart
den Worte: „‚Die industrielle Formgebung ist für viele Firmen der Industrie
heute eine wirtschaftliche, eine Existenzfrage, für uns ist sie eine kulturelle,
humane Aufgabe. Daß wir unsere Jugend dieser Aufgabe zuführen, und
zwar die Besten, scheint mir eine Verpflichtung.‘“18
(Abb. 3)
Herbert Hirche: Fernsehgerät „HF 1“, Braun AG, Kronberg, 1958
Herta-Maria Witzemann
Herta-Maria Witzemann hat nicht allein durch die Dauer ihrer Lehrtätigkeit –
erst im Sommersemester 1986 erfolgt die Nachfolge durch Robert Haussmann – den Charakter ihrer Abteilung in Didaktik und Praxis geprägt.19 Es
war vor allem die Wahl der Schwerpunkte, zu denen u.a. die Instandsetzung
historischer Gebäude (z. B. Zisterzienser-Kloster Schöntal) zählt.20 Hinzu kam
die offenbar sehr gute Zusammenarbeit mit den Studierenden, was auch
Kennzeichen der Lehrtätigkeit Wiehls und Hirches war.
17
Hirche/Godel 1978 (wie Anm. 12), S. 44.
18
Kermer 1985 (wie Anm. 15), S. 12.
19
Kermer 1988 (wie Anm. 13), S. 31.
20
Herta-Maria Witzemann: Innenarchitektur – Beruf und Lehre, Stuttgart:
Staatliche Akademie der Bildenden Künste, Stuttgart 1985, S. 64–65.
Witzemann studierte 1938–1940 an der Kunstgewerbeschule Wien in der Fach-
293
klasse für Architektur. Zwischen 1940–1942 setzte sie ihr Studium an der Aka-
Wobus:
demie für Angewandte Kunst in München fort und diplomierte dort. In den
Innenarchitektur
folgenden Jahren bis zur Selbständigkeit im Jahre 1948 war sie als Mitarbei-
und Möbelbau
terin und Assistentin in Wien und Stuttgart tätig (u. a. bei Daldrop und Ensmann sowie H.P. Schmohl in Stuttgart). 1952 erfolgte dann – wie bereits erwähnt – die Berufung an die Staatliche Akademie der Bildenden Künste
Stuttgart. 1957 gewann sie auf der Triennale Mailand eine Silbermedaille
und nahm im folgenden Jahr an der Weltausstellung in Brüssel teil. Von 1967
bis 1972 war sie Landesvorsitzende des Bundes Deutscher Innenarchitekten,
BDIA, und im Anschluss daran bis 1977 Präsidentin und später Ehrenpräsidentin dieser Institution. 1978 wurde sie mit der Verdienstmedaille des Landes
Baden-Württemberg und 1980 mit dem Verdienstkreuz am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland ausgezeichnet.21
(Abb. 4)
Herta-Maria Witzemann: Neugestaltung
des Rittersaals des Schlosses Tettnang, 1980
Die Stadt Tettnang hatte Witzemann damit beauftragt, den ausgebrannten
Saal des Montfort-Schlosses als Festsaal, Konzert- und Vortragsraum neu zu
gestalten (Abb. 4). Aus denkmalpflegerischen Gründen sollten die Reste der
zwischen den übereinanderliegenden Fenstern angebrachten Reliefs erneuert werden. Die sienafarbenen Profilierungen gehen in das Hohlkehlenfries
der Decke über. Erhellt wird der Saal durch eine größere Anzahl von Leuchten
mit Kristallelementen. Hier wird – wie schon betont – Witzemanns Neigung zu
repräsentativ festlichen Gestaltungslösungen deutlich.22
21
Witzemann 1985 (wie Anm. 20), S. 6.
22
Witzemann 1985 (wie Anm. 20), S. 66.
294
Im Rahmen ihres Unterrichts erarbeitete sie zusammen mit den Studieren-
Rücksichten:
den u.a. Pläne für die Instandsetzung und den Umbau von historischen Bau-
250 Jahre
werken in Bietigheim und Sindelfingen:
Kunstakademie
„Die Studenten haben ihr Konzept sowohl als Semesterarbeiten als auch für
Stuttgart
die Ausstellungen in Bietigheim und Sindelfingen aufbereitet … Wir … sehen
die Herausforderung zur Wiederbelebung alter Städte, zur Stadterneuerung
und nehmen sie an. Es gilt Altes und Neues, Überkommenes und Heutiges
so sinn- und zweckvoll zu verknüpfen, daß daraus Besseres erwachsen kann.
Die äußere Erscheinungsform des Gebäudes muß immer mit den Nachbarhäusern gesehen werden. Ein optimaler räumlicher Hintergrund ist zu finden, zu konstruieren und zu gestalten. Hier können sich dann die Menschen
wohlfühlen, können zu sich selber finden. Wir alle müssen wieder lernen an
den anderen zu denken und dessen Bedürfnisse mit den eigenen zu sehen.
Dann erst kann für viele Besseres erreicht werden … Wir müssen uns in der
nahen überschaubaren Nachbarschaft aufeinander einstellen. Aber auch
die entferntere hat mit dem gemeinsamen Freiraum etwas zu tun … Es war
mir in meiner 28jährigen Lehrtätigkeit immer wesentlich, die Studenten aufzuschließen für das was die Menschen wirklich brauchen. Die Verpflichtung,
die beim ‚Raumschaffen’ auf die Studenten zukommt, die Verantwortung
den Menschen und der Aufgabe gegenüber, die sie zu tragen haben, mußten
sie lernen zu sehen und die Bereitschaft diese zu übernehmen, wurde in
kleinen Schritten geübt. Ich bin fest davon überzeugt, daß wir Architekten
und Innenarchitekten die gebaute ‚Welt’ besser und liebenswürdiger, ja
menschlicher machen können und müssen. Denn zur Entfaltung des Menschen ist die Zeit wie auch der Raum notwendig.“23
Die von Herta-Maria Witzemann hier vertretene Auffassung von der Arbeit
der Architekten, Innenarchitekten und der diese Fächer Lehrenden entspricht – trotz der ansonsten äußerst unterschiedlichen künstlerischen
Konzepte – der Auffassung Hirches und Wiehls. Es ist im Grunde die Auffassung einer klugen Verbindung von Zweckmäßigkeit, Phantasie und Verantwortung.
23
Junge Liebe zu alten Städten, hrsg. von
Herta-Maria Witzemann, Stuttgart u.a. 1981, S. 112.
h a n s w a g n e r u n d das for s c hu ngs ins titut für farbent ech nik Als im Verlauf des 19.
Jahr­hunderts der technische Fortschritt die fabrikmäßige Herstellung von Gebrauchsgütern und
die Einführung neuer Materia­lien, wie zum Beispiel Kunststoffen, erlaubte, wurde schnell die Verschlechterung der Warenqualität der Produktion sowohl in material-ästhetischer wie in materialtechnischer Hinsicht beklagt. So beurteilte beispielsweise ein deutscher Preisrichter auf der Weltausstellung 1876 in Philadelphia die Exponate aus seinem eigenen Land mit den Worten »billig
und schlecht«.1 Um dieser Entwicklung entgegenzuwirken, wurden unter anderem polytechnische
Schulen und staatliche Gewerbeinstitute gegründet. In einer der ältesten dieser Institutionen, dem
Österreichischen Museum für Kunst und Industrie, wurde 1867 ein erstes chemisches Laboratorium
eingerichtet, dessen Aufgabe es war, neue Materialien zu testen und die Verknüpfung mit der produzierenden Wirtschaft zu fördern. Alle Abteilungen der Unterrichtsanstalt konnten es für die Materialforschung nutzen, dabei ist es überaus bemerkenswert, dass das Labor auch schon
im denkmalpflegerischen Bereich Gutachten erstellte.2 Eine vergleichbare Entwicklung vollzog sich an einigen führenden Kunstakademien, wo in den Neunzigerjahren des 19. Jahrhunderts
etwa in Wien und Berlin mit chemischen Laboren den Problemen begegnet wurde, die sich mit der Einführung neuer Farbund Bindemittel sowie den geänderten künstle­rischen Erfor1 URL: http://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/0,1518,549197,00.html (28.07.2010).
2 Martina Griesser-Stermscheg/Gabriela Krist: Metall­konservierung
Metallrestaurierung – Geschichte, Methode, Praxis, Wien 2009, S.59–60.
d ie re s taurie ru ng s s t u d i e ng ä ng e
299
k ap p , k re k e l
laur a k app, christoph kr ekel
die restaurierungsstudiengä nge Im Jahre 1977 wurde an
der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Stuttgart der Stu­diengang »Restaurierung und Technologie von Gemälden und
gefassten Skulpturen« gegründet. Damit entstand die deutschlandweit erste Möglichkeit, Restaurierung auf einem universitä­
ren Niveau zu studieren. Die muti­ge und zukunfts­wei­sende Neugrün­dung, der an der Akademie in den nächsten Jahren weitere Studiengänge für Papierrestaurierung, Objektrestaurierung,
Wand­res­tau­rierung sowie Konservierung Neuer Me­dien und Digitaler Information folgten, wurde bei­spiel­ge­bend für eine Reihe
anderer Hochschulen in Deutschland und Europa, die sich in Inhalt, Studienstruktur und wissenschaftlicher Ausrichtung am
Stuttgarter Modell orientierten. Bis heute nehmen die Stuttgarter Restau­rie­rungs­studiengänge eine
weltweite Spitzenposition in der akademischen Restauratorenausbildung ein.
So modern und zukunftsweisend die Neugründung in den späten 1970er Jahren war, folgte sie gleichzeitig einer jahrzehntelangen, konsequenten Entwicklung, die ihren Ausgang in den von Bernhard
Pankok neugegründeten »Lehr- und Versuchswerkstätten« der Kgl. Kunstgewerbeschule nahm, deren
praxisnahe und flexible Struktur eine ständige Anpassung an neue Erfordernisse erlaubte.
k uns tak ad e m ie s t u t t g a rt
250 jah re
300
dernissen ergaben. Beispielgebend war hier wahrscheinlich die
Münchner »Versuchsanstalt für Maltechnik«, die 1903 der Technischen Universität angegliedert wurde.3
Als Bernhard Pankok seit 1913 die Stuttgarter Kunstgewerbeschule zu einer der führenden Reformschulen ausbaute, folgte
er 1918 mit der Einrichtung einer »Chemisch-Technischen
Werkstätte« also dem Vorbild anderer Schulen. Die Gründung
wurde durch die Robert-Bosch-Kriegsstiftung finanziert. Da
Rohmaterialien im Nachkriegsdeutschland schwer erhältlich
waren und man dadurch stellenweise auf »zweifelhafte Ersatzstoffe« angewiesen war, sollte die
Werkstätte dazu dienen, die nötigen Materialprüfungen vorzunehmen und »nach Möglichkeit
durch Selbstherstellung von Farben, Bindemitteln usw. dem Bedarf der Schule zu dienen und
auch neue Arbeitsmethoden auszuprobieren und einzuführen.«4
Seit dem 1. Oktober 1923 war Hans Wagner Leiter dieser »Chemisch-Technischen Werkstätte« an
der Württembergischen Staatlichen Kunstgewerbeschule in Stuttgart am Weißenhof 1. 5 Wagner
war Chemiker, der exzellente Verbindungen zur in Stuttgart beheimateten Farbenindustrie wie
der G. Siegle & Co unterhielt.6 Dieses Interesse gab den For­schungen die Richtung, und das Labor
erhielt bald Forschungsaufträge großer Wirtschaftsorganisationen wie der I.G. Farbenindustrie im
Bereich der Anstrichfarben.7 Konsequenterweise nannte Wagner zwischen 1928 und 1930 die
»Chemisch-Technische Werkstätte« in »Forschungsinstitut für Farben« um.8
Hans Wagner, der unter anderem Autor und Herausgeber diverser Fachzeitschriften war, veröffentlichte in der Farben-Zeitung regelmäßig Artikel über die verschiedenen Tätigkeiten seines Instituts.
Im dritten Arbeitsbericht von 1928 geht er kurz auf die internen Arbeiten ein, die sich in Unterricht,
Beratung sowie Materialprüfung aufteilen. Das Hauptinteresse galt hierbei den Pigmenten.
Durch Unterstützung des Reichskuratoriums für Wirtschaftlich­keit, des Verbands deutscher Farbenfabriken und des Fachausschusses für Anstrichtechnik des Vereins Deutscher Ingenieure
(V.D.I.), konnten für deren Untersuchung wichtige Apparaturen
wie zum Beispiel eine »Analysenquarzlampe, ein Ultramikroskop,
ein Polariskop, ein Photometer« etc. angeschafft werden. Dadurch
3 Albrecht Pohlmann: Wilhelm Ostwald und die Situation der Maltechnik in Deutschland um 1900, in:
Mitteilungen der Wilhelm-Ostwald-Gesellschaft, Sonderheft 22 (Wilhelm Ostwald, Maltechnische
Schriften. 1904–1914), S. 15–44.
4 Erich Stock: Die Geschichte des Forschungsinstituts für Farbentechnik an der
Württ. Staatl. Kunstgewerbeschule zu Stuttgart, in: Farben-Zeitung, 1933, S. 1708
5 Schreiben des Kultusministeriums an das Regierungspräsidium, 17.09.1969, Personalakte
»Hans Wagner«, Archiv der Akademie der Bildenden Künste Stuttgart (im Folgenden A-SABK).
6 Hans Wagner: Dritter Arbeitsbericht der chemisch-technischen Werkstätte der württembergischen staatlichen Kunstgewerbeschule, in: Farben-Zeitung, Stuttgart, 1928, S. 2851–2853.
7 Anzunehmen aus den Titulierungen der Artikel aus den Farbenzeitungen: Hans Wagner: Dritter Arbeitsbericht
der chemisch-technischen Werkstätte der württembergischen staatlichen Kunstgewerbeschule, Farbenzeitung,
Stuttgart, 1928, S. 2851–2853; Hans Wagner: Vierter Arbeitsbericht des Forschungsinstituts für Farbentechnik,
in Sonderdruck der Farben-Zeitung, Stuttgart, 4/1930, Jahrgang 35, Nr. 51, S. 1–8.
8 Schreiben Wagners an die Direktion der A-SABK, 20.10.46, Personalakte »Hans Wagner«, A-SABK.
9 Schreiben an das Kultusministerium B-W, 12.10.1954, Personalakte »Hans Wagner«, A-SABK.
10 Hans Wagner: Vierter Arbeitsbericht des Forschungsinstituts für
Farbentechnik, in: Sonderdruck der Farben-Zeitung, 1930, S. 1–8
11 Schreiben des Direktors der A-SABK, 14.6.1944, und Schreiben Mergenthalers, Kultministerium
an den Direktor der Akademie, 7.10.1944, Personalakte »Hans Wagner«, Archiv der A-SABK.
12 Schreiben Wagners an die Direktion der Akademie, 20.10.1946, Personalakte »Hans Wagner«, A-SABK.
13 Schreiben Wagners an die Direktion der Akademie, 15.06.1945, Personalakte »Hans Wagner«, A-SABK.
d ie re s taurie ru ng s s t u d i e ng ä ng e
3 01
k ap p , k re k e l
wurde die Ausstattung, die zunächst recht spärlich war, erheblich erweitert und somit der Werkstätte ein rascher Aufschwung ermöglicht. Beispiele für die Art der Forschungen
mögen die Untersuchungen der Wirkung von Kreide als Zu­satz in Buntfarben, der Wetterechtheit von Bindemitteln
und der Lichtechtheit von Chromgelb geben, die jeweils
durch den V.D.I. finanziert wurden. Im Frühjahr 1928 erschien Wagners Buch »Die Körperfarben«. Regen Anklang
fand die Werkstätte bei Sachverständigen im In- und Ausland. Es gab Besuche von Vertretern der Industrie, des Handwerks, der Wissenschaft, nicht nur aus Deutschland, sondern auch aus Holland, Polen, Russland,
den Vereinigten Staaten, Indien und Japan.
Am 25. November 1929 wurde Hans Wagner der Professorentitel als Amtsbezeichnung aufgrund
seiner Tätigkeit als Vorstand des Forschungsinstituts und Hauptlehrer an der Staatlichen Kunstgewerbeschule verliehen.9 Die im Anstellungsvertrag aufgeführten Verpflichtungen Wagners
bestanden in 32 Wochenstunden Unterricht in den Fächern Werkstoffkunde, Farbenlehre – hier
wurde nach der Theorie von Wilhelm Ostwald unterrichtet –, anorganische Chemie und bei Bedarf
auch in anderen Fächern, die mit seinem Arbeitsgebiet zusammenhingen. Hinzu kamen Gutachten
und Auskünfte für Handwerk und Industrie im chemisch-technischen Bereich. Zusätzlich bestand
seine Aufgabe darin, alle Farben und Materialien zu prüfen, die in den einzelnen Werkstätten Verwendung fanden, sowie die Anleitung zur Herstellung von Farben-, Mal- und Bindemitteln und
die Ausarbeitung neuer Verfahren.Seine Aufgabe galt hier dem Vermitteln (von Wagner als »Aufklärungstätigkeit« bezeichnet) eigener und fremder Forschungsergebnisse in verständlicher Art
und Weise. »Dadurch soll zur Vertiefung der Materialkenntnis beigetragen, mit Vorurteilen aufge­räumt und dem Empirikertum auf den Gebieten, wo es unberechtigt ist, entgegengewirkt werden.«10
Wegen seiner kriegswichtigen Forschungsarbeiten auf dem Gebiet des Korrosionsschutzes für Luftwaffe und Kriegsmarine erhielt Wagner zum 1. September 1944 das Kriegsverdienstkreuz 2. Klasse
verliehen.11 Durch die völlige Zerstörung des Instituts infolge des Krieges mussten die Forschungsarbeiten im Herbst 1944 eingestellt werden.12
Nach Ende des Krieges beantragte Wagner bereits am 12. Mai
1945 die Weiterführung der Arbeiten im Forschungsinstitut
beim »Gouvernement Militaire de Stuttgart«. Er bekam sie gestattet, so dass er zusammen mit seinem damaligen Assistenten Arno Kunert mit den Aufräumungsarbeiten im schwer
zerstörten Institut beginnen konnte.13 In einem Schreiben
vom 11. April 1946 fasste er die Tätigkeiten des Forschungsin-
k uns tak ad e m ie s t u t t g a rt
250 jah re
3 02
stituts erneut zusammen. Neben Unterricht und Beratung der
Studierenden und Lehrer in allen auf die Farben bezüglichen
Fragen sowie deren Herstellung für die Verwendung in den einzelnen Abteilungen waren dies Unterricht in Farbenlehre für
Maler, keramischer Chemie, Textilchemie, Malmaterialien- und
Pflanzenkunde. Zusätzlich wurden Industrieaufträge auf dem
Gebiet der Anstrichstoffe bearbeitet. Daneben wurden Beratungsgespräche in den Bereichen Anstrich und Malerei für Künstler,
Maler, Architekten und Handwerk geführt.14 Verstärkt wurde also
in dieser ersten Nachkriegszeit hausintern gearbeitet und daher
das »Forschungsinstitut für Farbentechnik« in »Institut für Farbentechnik« umbenannt.15 Am 15. 03.
1948 verstarb Hans Wagner. Das Wagner’sche Institut wurde als »Institut für Pigmente und Lacke« der
Technischen Hochschule Stuttgart angegliedert.16
w e h l t e , d e n n i n g e r u n d d a s i n s t i t u t f ü r t e c h n o l o g i e d e r m a l e r e i Nach dem Tod
Hans Wagners war geplant, das Institut verändert weiterzuführen, allerdings sollte mehr Gewicht
auf das Künstlerische gelegt werden, da das Institut nun einer Kunstakademie angehörte. Als Nach­folger wurde Kurt Wehlte berufen, der seine künstlerische Ausbildung in Dresden erhalten und
bei Max Doerner in München ein »Spezialstudium« absolviert hatte.17 Nach Stationen als Lehrer für
Maltechnik an der Kunsthochschule in Dresden und der Kunstgewerbe- und Handwerkerschule
der Stadt Berlin gründete er 1933 die »Lehr- und Versuchswerkstätten für Maltechnik« an der
Hochschule der Bildenden Künste Berlin. Bei der geheimen Wahl vom 7. Dezember 1948 wurde
Kurt Wehlte vom Senat einstimmig gewählt, wobei gleichzeitig eine geringfügige Beschäftigung
an der Akademie in Karlsruhe vorgesehen war.18 Wehlte erteilte daraufhin dem Doerner-Institut,
das ihn angeworben hatte, eine Absage. Da eine Berufung des Kunsttechnikers Wehlte an der
Stuttgarter Akademie »sehr gewünscht wurde«, musste für die chemische Betreuung der Keramikund Textilklassen zusätzlich ein Chemiker, Dr. Ing. Edgar Denninger, eingestellt werden, der 23
Jahre in der keramischen Industrie tätig gewesen war.19
Wehltes Vision war es, in Stuttgart ein neues »Institut für Technologie der Malerei zu schaffen, welches alle Zweige des Unterrichts und der Forschung der freien und der angewandten
Kunst umfaßt, einschließlich der Gemäldepflege«, um so Restauratoren methodisch auszubilden. Diese Idee zu einer Restauratorenschule beruht vermutlich auf Wehltes Kontakten zum
14 Schreiben Wagners, 11.04.1946, Personalakte »Hans Wagner«, A-SABK.
15 Schreiben Wagners an die Direktion der A-SABK, 20.10.46, Personalakte »Hans Wagner«, A-SABK.
16 Heinrich Mack: Die Eröffnung des Instituts für Pigmente und
Lacke in Stuttgart, in: Deutsche Farbenzeitschrift 8,1951, S. 282–283.
17 Schreiben des Rektoramtes der Akademie an die Senatsmitglieder, 01.12.1948, Personalakte »Kurt Wehlte«.
18 Schreiben des Rektoramtes der Akademie an die Senatsmitglieder, 01.12.1948, Personalakte »Kurt Wehlte«, A-SABK;
Schreiben des Rektors der Akademie an das Kultusministerium B.-W., 20.12.1948, Personalakte »Kurt Wehlte«, A-SABK.
19 Schreiben des Rektoramtes der Akademie an die Senatsmitglieder, 01.12.1948, Personalakte »Kurt Wehlte«,
A-SABK; Schreiben Wehltes an den Rektor der A-SABK, 21.06.1948, Personalakte »Kurt Wehlte«, A-SABK.
20 Schreiben Wehltes an den Rektor der Akademie, 21.06.1948, Personalakte »Kurt Wehlte«, A-SABK;
Griesser-Stermscheg/Krist: Metallkonservierung, Metallrestaurierung – Geschichte, Methode, Praxis,
Böhlau Verlag, Wien 2009.
21 »Denkschrift« über das Institut f.T.d.M. Stuttgart, 28.09.1951, Personalakte »Kurt Wehlte«, A-SABK.
22 Schreiben Wehltes an die A-SABK, 30.12.1953; Schriftstück: »Regelung des Maltechnischen Unterrichts von Prof. Wehlte«, 12.03.1951, Personalakte »Kurt Wehlte«, A-SABK.
23 Schreiben des Direktors der Staatsgalerie Stuttgart an das
Kultusministerium, 13.03.1951, Personalakte »Kurt Wehlte«, A-SABK.
24 Mündliche Mitteilungen eines Studenten Wehltes der 1950er Jahre. 28.8.2010.
d ie re s taurie ru ng s s t u d i e ng ä ng e
3 03
k ap p , k re k e l
Londoner Courtauld Institute, welches neben der bereits 1902
gegründeten kleinen Einrichtung an der Wiener Kunstgewerbeschule seit 1947 die einzige regelrechte Ausbildungsstätte für
Restauratoren in Europa war.20 Das ehemalige Forschungsinstitut für Farbentechnik wurde daraufhin auf einstimmigen Senatsbeschluss in das maltechnisch und restauratorisch orientierte »Institut für Technologie der Malerei« umbenannt.21 Teile
der Lehrmittel, Geräte und Instrumente von Wehltes Berliner
»Institut für Maltechnik« wurden daraufhin nach Stuttgart
transportiert.
Wehlte lehrte in Wochenkursen in den Sommersemestern die
Techniken der Wandmalerei – aus dieser Zeit stammen einige
der noch heute zu sehenden Übungsflächen im Innenhof des
Altbaus –, in den Wintersemestern die der Tafelmalerei für Künstler und Restauratoren.22 Parallel dazu wurden auch die ersten Restaurierungen an Gemälden durchgeführt. Spätestens ab März 1951 wurden der Akademie beispielsweise restaurierungsbedürftige
Gemälde der Staatsgalerie Stuttgart zur Restaurierung überlassen. Die Materialkosten wurden von
der Staatsgalerie übernommen, sowie kleinere Beträge jährlich auf Anforderung ausgezahlt.23 Auch
eine enge Kooperation mit dem Museum der Stadt Ulm wurde im Mai 1952 begonnen, durch die
dem Institut laufend neue Objekte und Mittel aus dem Kulturfond der Stadt gesichert waren.
Daneben führten Wehlte und seine Mitarbeiter durchaus auch internationale Projekte durch wie
die Restaurierung der aus dem 14.–17. Jahrhundert stammenden, drei Meter mal sechs Meter
großen koptischen Malerei aus der Höhlenkirche von Lalibela in Äthiopien, die als einzige KaseinTempera-Malerei der Äthiopischen Kunst gilt. Ein Zeitzeuge erinnert sich indessen, dass die Restaurierungstätigkeit in diesen Jahren nach heutigen Maßstäben »eher wild und mehr auf den Geschmack
des Kunsthandels zugeschnitten« war.24 Die Studenten Wehltes, wie Rolf Straub, Thomas Brachert
oder Bruno Heimberg, sollten in den folgenden Jahrzehnten die
Restaurierung in Deutschland prägen und technisch weiterentwickeln.
Bereits seit Mitte der 1950er Jahre wurde unter den Restauratoren immer wieder die Forderung laut, eine Abschlussprüfung
mit der Bezeichnung »Diplomrestaurator« oder »Staatlich geprüfter Restaurator« ablegen zu dürfen, um sich nach außen hin
von »Autodidakten und wild restaurierenden Kunstmalern« unter-
k uns tak ad e m ie s t u t t g a rt
250 jah re
3 04
scheiden zu können.25 Die bisherige Ausbildungszeit sah sechs
Semester vor, wobei ein Jahr Vorpraktikum erforderlich war.
Dieser Grundausbildung sollten zwei bis drei Jahre Volontärszeit
folgen, ehe mit der Diplomprüfung abgeschlossen werden konnte. Eine maltechnologische Zwischenprüfung sollte nach vier
Semestern mit den Malern zusammen absolviert werden. Da die
meisten Restauratoren allerdings sofort aus wirtschaftlichen
Gründen praktisch tätig wurden, und wohl kaum wieder an die
Akademie zurückkämen, um eine Prüfung abzulegen, schlug Wehlte vor, bereits nach sechs Semestern zu prüfen.26
Anfang 1961 beantragte Wehlte, dass künftig die mittlere Reifeprüfung als Zulassungsvoraussetzung für die Restauratorenausbildung geltend gemacht werden müsse, da viele Studenten den Anforderungen der wissenschaftlichen Fächer Chemie und Physik nicht gewachsen waren.27 Aus gesundheitlichen Gründen und, um die letzten zwei Jahre vor der Pensionierung noch »durchzuhalten«,
gab Wehlte die Karlsruher Vorlesungen an Professor Lacroix ab.28 Im August 1963 trat Wehlte in den
Ruhestand und bekam im Juli 1964 – durch seinen Nachfolger Straub angeregt – für seine Verdienste als Lehrer und Forscher das Bundesverdienstkreuz verliehen.29 Am 10. April 1973 verstarb Kurt Wehlte im Alter von 75 Jahren in Stuttgart-Sillenbuch.30
Der 1949 angestellte Chemiker Edgar Denninger brachte einige Erfahrungen im Bereich Keramik,
Stein, Putz und Wandmalerei mit sich und sollte zunächst nur in der keramischen Abteilung sowie
in Organischer Chemie und Werkstoffkunde unterrichten. Dem Institut für Technologie der Malerei stand er an zwei Wochentagen zur Verfügung. Durch den Aufbau der Restauratorenabteilung
erweiterte sich die Verantwortung Denningers, und es kamen Vorlesungen in Werkstoffkunde
und Chemie für die Restauratoren hinzu. Daneben etablierte sich seine chemische Abteilung in
Beratung und Forschung für die Ämter für Denkmalpflege in Baden-Württemberg und darüber
hinaus. Aus den Laboratoriumsberichten und Veröffentlichungen ist ersichtlich, dass chemische und konservatorische Untersuchungen von Tafelgemälden, Wandgemälden, Holz- und Steinskulpturen, keramischen Erzeugnissen, Kunstwerken aus Metall,
für Wandbehandlungen historischer Bauten, für Anschaffungen
von Kunstwerken für die Museen etc. erfolgten. Denningers, auf Anregung des Kultusministeriums, erarbeiteter Plan war es, einen
nach Sachgebieten gegliederten Verbund naturwissenschaftlicher
Laboratorien im Bereich der Konservierung im Land zu etablieren,
bei dem das Sachgebiet I »Tafelgemälde und Fassungen von Skulp25 Schreiben Wehltes an den Rektor, 21.2.1956, Personalakte »Kurt Wehlte«, A-SABK.
26 Schreiben Wehltes an Rektor und Senat der Akademie, 21.02.1956, Personalakte »Kurt Wehlte«, A-SABK.
27 Schreiben Wehltes an das Rektoramt der Akademie, 17.01.1961, Schreiben an Wehlte, 09.05.1961,
Personalakte »Kurt Wehlte«, A-SABK.
28 Schreiben Wehltes an das Kultusministerium, 25.03.1961, Personalakte »Kurt Wehlte«, A-SABK.
29 Schreiben von Straub an den Rektor der Akademie, 22.01.1964, Personalakte »Kurt Wehlte«, A-SABK;
Schreiben des Rektors der Akademie an das Kultusministerium, 18.02.1964, Personalakte »Kurt Wehlte«, A-SABK.
30 Hausmitteilung über den Tod Kurt Wehltes, 12.04.1973, Personalakte »Kurt Wehlte«, A-SABK.
s t r a u b , r i c h t e r , b a c h m a n n u n d d a s d i p l o m f ü r r e s t a u r a t o r e n Der Senat war sich
einig, dass in Zukunft die Ausbildung der Restauratoren die Hauptaufgabe des Instituts sein sollte.
Rolf Straub, als ein ehemaliger Schüler Wehltes, wurde von diesem als sein Nachfolger vorgeschlagen.33 Das Rektorat holte Fachgutachten über Straub ein, die durchweg überaus positiv waren. Am
1. Oktober 1963 erhielt Straub den Ruf als Leiter des Instituts für Technologie der Malerei.
Nachdem Straub, der im Gegensatz zu Wehlte ausgebildeter Restaurator mit großer internationaler Erfahrung war, das Institut
bei einem Besuch in Augenschein nehmen konnte, fielen ihm diverse fehlende Gerätschaften auf, wie ein Stereomikroskop mit
Gelenkarm oder ein Vakuumheiztisch zum Doublieren, Planieren
oder für die Teilübertragung von Gemälden nach dem von ihm
31 Arbeitsvertrag E. Denningers, 24.02.1966, Personalakte »Edgar Denninger«, A-SABK; Dienstvertrag
E. Denningers, 24.01.1967, Personalakte »Edgar Denninger«, A-SABK; Schreiben des Rektoramtes
der A-SABK an das Kultusministerium B.-W., 27.03.1968, Personalakte »Edgar Denninger«, A-SABK.
32 Schreiben vom Kultusministerium B.-W. an die Akademie, 22.07.1977, Personalakte »Edgar Denninger«, A-SABK.
33 Schreiben des Direktors der A-SABK an das Kultusministerium,
25.07.1962, Personalakte »Rolf Edward Straub«, A-SABK.
d ie re s taurie ru ng s s t u d i e ng ä ng e
3 05
k ap p , k re k e l
turen« am Institut für Technologie der Malerei beheimatet sein
sollte. Das Sachgebiet II »Wandgemälde und Wandbehandlung,
Erhaltungsmaßnahmen an Bauten« sollte am Staatlichen Denkmalamt in Stuttgart, das Sachgebiet III »Steine, Keramik und
Glas« am Landesmuseum Karlsruhe sowie Sachgebiet IV »Metalle« im Landesmuseum Stuttgart in der Abteilung von Dr. Junghans bearbeitet werden. Dabei würden die Leiter der Laboratorien auch die Restauratoren und Präparatoren werkstoffkundlich durch Vorlesungen, Übungen, etc. weiterbilden, die Konservierungs- und Restaurierungsarbeiten überwachen und durch
Forschung weiterentwickeln. Bis heute wegweisend ist Denningers Vorschlag, auch Studierende der historischen Wissenschaften frühzeitig in Vorlesungen mit naturwissenschaftlichen Problemstellungen, Methoden etc. zu
konfrontieren. Dies wurde erst in jüngster Zeit am Lehrstuhl für Archäometrie an der Universität
Tübingen tatsächlich verwirklicht. Diese Vorlesungen Denningers wären, wie heute in Tübingen,
zudem für die Physik- und Chemiestudenten mit Spezialstudium geeignet, die beabsichtigen, an der
Erhaltung der Kunst mitzuwirken.
Denningers Dienstverhältnis endete zum 5. Februar 1966, es wurde jedoch bis zum 28. Februar 1969
verlängert, da diverse Forschungsprojekte, Untersuchungen und Veröffentlichungen noch ausstanden –zum Beispiel Schloss Solitude oder das Ulmer Münster – und er nun durch die Neueinstellung
der Chemotechnikerin Heide Härlin von vielen Aufgaben entlastet wurde.31
Im Juli 1977 wurde Denninger der Professorentitel verliehen.32 Am 16. August 1984 verstarb Prof. Dr.
Ing. Edgar Denninger im Alter von 83 Jahren in Stuttgart.
k uns tak ad e m ie s t u t t g a rt
250 jah re
306
entwickelten Unterdruckverfahren.34 Ebenfalls stellte er fest, dass
eine Hilfskraft für die Durchführungen von Versuchsreihen im
Laboratorium und andere Arbeiten dringend notwendig wäre.
Diese Stelle wurde erstmals im April 1965 mit Heide Härlin besetzt.35
Das Institut für Technologie der Malerei vermittelte als einzige Institution der Bundesrepublik Gemälde- und Skulpturenrestauratoren eine Hochschulausbildung. Das neue Lehrprogramm unter
Straub setzte die Grundausbildung, die unter Wehlte den Studenten erst vermittelt werden musste, bereits voraus. Um am Institut für Technologie der Malerei aufgenommen zu werden, bedurfte es des Abiturs, es sei denn, es lag eine besondere Begabung vor. Die
zuvor eher technisch-handwerklich ausgerichtete Ausbildung wurde nun durch einen abwechslungsreichen theoretischen Unterricht erweitert, indem insgesamt fünf neue Vorlesungen und
Übungen eingeführt wurden. Besonderer Wert wurde auf die Fächer Werkstoffkunde, Werkstoffgeschichte und Konservierungstechnik gelegt. Zusätzlich gab es Kunstgeschichte, Ikonographie
und naturwissenschaftliche Vorlesungen sowie selbstverständlich die praktische Werkstattarbeit.
Im künstlerischen Bereich erhielten die Studenten außerdem Zeichen- und Malunterricht. Voraussetzungen für diesen gezielt verlaufenden Studienbetrieb waren auch bauliche Maßnahmen, wie
unter anderem die Einrichtung eines Hörsaales, eines Retuschierraumes und eines Raumes für technische Arbeiten. Für Studierende der Malerei bot das Institut nur noch einen 14-tägigen Kurs pro
Semester, in welchem sie maltechnischen Unterricht erhielten und Arbeiten ausführen konnten,
wie zum Beispiel das Grundieren von Bildträgern.36 Die Ausbildungsmethoden des Instituts wurden bereits 1965 anerkennend und detailliert in der Denkschrift von Paul Philippot vom Internationalen Studienzentrum für Konservierung der UNESCO beschrieben.
Um Restauratoren der Museen und Denkmalpflege die ersten mühevollen theoretischen und
handwerklichen Unterweisungen von Praktikanten abzunehmen, wurde im Frühjahr 1965 ein
Grundkurs von jeweils zwei Semestern eingerichtet. Diese Lehrwerkstatt sollte für die Neulinge
der Gemälde- und Skulpturenrestaurierung eine Elementarausbildung anbieten. Für die Lehrwerkstatt wurde wegen des steten Raummangels an der Akademie bis 1975 das frühere Zeughaus in Ludwigsburg zur Verfügung gestellt. Als Gegenleistung
verpflichtete sich die Institutsleitung, hauptsächlich Gemälde
34 Schreiben von Straub an Schnitzer, 17.08.1962, Personalakte »Rolf Edward Straub«, A-SABK;
Schreiben an das Kultusministerium B.-W., 11.11.1963, Personalakte »Rolf Edward Straub«, A-SABK.
Karl Werner Bachmann/Ernst-Ludwig Richter: Die Restauratorenausbildung an der Staatlichen
Akademie der bildenden Künste in Stuttgart, in: Rolf E. Straub, Die Kunst und ihre Erhaltung:
Rolf. E. Straub zum 70. Geburtstag gewidmet, Worms, 1990, S. 24–28.
35 Schreiben von Straub an den Rektor der Akademie vom 27.02.1962,
16.08.1962 und 03.12.1962, in: Personalakte »Rolf Edward Straub«, A-SABK.
36 Bericht über Lehr- und Forschungstätigkeit des Instituts für T.d.M. seit Okt. 1963; Schreiben des
Staatlichen Amtes für Denkmalpflege Stuttgart an das Kultusministerium B.-W. vom 18.01.1965;
Schreiben von Straub an die Direktion des WLM, 02.02.1965; Schreiben von Straub an das Kultusministerium B.-W vom 06.04.1965; Schreiben vom Liegenschaftsamt an die Akademie vom 23.04. 1965;
Schreiben von Straub an das Kultusministerium vom 04.05.1965; Schreiben von Straub an das
Kultusministerium B.-W. vom 04.08.1965, in: Personalakte »Rolf Edward Straub«, A-SABK.
37 Bachmann 1990 (wie Anm. 32).
38 Schreiben des Direktors der Akademie an Straub, 16.7.1981, Personalakte »Rolf Edward Straub«, A-SABK.
d ie re s taurie ru ng s s t u d i e ng ä ng e
3 07
k ap p , k re k e l
und Skulpturen des Württembergischen Landesmuseums und
des Schlosses Ludwigsburg zum Selbstkostenpreis zu restaurieren. Auf Empfehlungen von Museen, Amtswerkstätten und
Privatrestauratoren wurden die Lehrlinge an das Institut verwiesen. Nach »einjähriger Bewährung« an der Lehrwerkstatt
konnten dann die Neulinge von der jeweiligen Institution zur
Weiterschulung übernommen werden oder an einer anderen
Institution ihr Vorpraktikum fortsetzen, das auf drei Jahre erweitert wurde. »Die begabtesten jungen Fachleute« konnten sich anschließend in der Fachklasse am Institut für Technologie der Malerei, am Doerner-Institut oder einer
entsprechenden Stelle im Ausland ergänzend künstlerisch-wissenschaftlich weiterbilden.
Für die Weiterbildung von bereits vorgebildeten berufstätigen Restauratoren wurden mehrtägige
Arbeitstagungen vom Institut seit Anfang 1965 angeboten, die in Zusammenarbeit mit dem
Landesamt für Denkmalpflege vorbereitet wurden. Da es in Baden-Württemberg keine staatliche
Restaurierungswerkstatt gab, wie sie in München, Bonn etc. den jeweiligen Denkmalämtern ange­
schlossen waren, erschien dieser Weg einer notwendigen fachlichen Fortbildung für Restauratoren
als der einzig mögliche. Diese Tagungen erfreuten sich regen Interesses, so dass zusätzlich Sonderkurse gehalten wurden, um spezielle konservatorische Probleme zu behandeln.
1977 wurde der erste Diplomstudiengang für Gemälderestauratoren »Restaurierung und Technologie von Gemälden und gefassten Skulpturen« (Studiengang A) gegründet. Die neuen Studierenden wurden nach einem dreijährigen Vorpraktikum in einer Restaurierungswerkstätte und einer
bestandenen Aufnahmeprüfung für das vierjährige Studium aufgenommen. Abgeschlossen wurde das Studium mit einer Diplomarbeit und einer mündlichen Diplomprüfung.37 Dieser Studienabschluss mit seiner fundierten kunsthistorischen und naturwissenschaftlichen Ausbildung neben
den kunsttechnologischen und praktischen Kernfächern war
ein echtes Erfolgsmodell: Die Studierenden fanden in leitenden
Stellen in Museen und als freie Diplomrestauratoren ein weites
Arbeitsfeld. Ein weiteres Zeichen für den Erfolg ist, dass heute
fünf der sechs Professuren für Restaurierung von Gemälden und
Skulptur in Deutschland mit Stuttgarter Absolventen besetzt sind.
Zugleich war das System aus langer Vorpraktikumszeit und breit
angelegten Studieninhalten Vorbild für die Neugründungen an
anderen Hochschulen.
Bereits im Oktober 1980 beantragte Rolf Straub seine Versetzung
in den Ruhestand für den 1. November 1982.38
Es dauerte fast zwei Jahre, bis das Institut mit dem1935 in Königsberg/Ostpreußen geborenen Karl Werner Bachmann einen neuen
Leiter bekam. Bachmann kam nach einer Grundausbildung zum
Restaurator an einer privaten Werkstatt in Kiel 1959 als Volontär
an die Bayerische Staatsgemäldesammlung in München und
k uns tak ad e m ie s t u t t g a rt
250 jah re
308
wurde unter anderem mit der Restaurierung des durch ein Attentat schwer beschädigten »Höllensturz der Verdammten« von
Rubens betraut. Während Stationen als Leiter der Restaurierungswerkstatt an der Gemäldegalerie der staatlichen Kunstsammlung Kassel (1966–1967) und ab 1968 als leitender Restaurator im Gemälde- und Möbelbereich des bayerischen Landesamtes für Denkmalpflege in München, konnte er viele bedeutende Werke, wie den »Englischen Gruß« von Veit Stoß, wissenschaftlich untersuchen und konservieren. Die fruchtbare wissenschaftliche Arbeit wurde in zahlreichen Publikationen veröffentlicht. Seit Mai 1979 war er im Vorstand des Deutschen Res­tauratorenverbandes und wirkte im Arbeitsausschuss »Ausbildung
für Restauratoren« mit. Am 1. November 1983 wurde er an die Staatliche Akademie der Bildenden
Künste Stuttgart berufen. Bachmann entwickelte Straubs Lehrkonzept konsequent weiter, wobei
sein wichtigster Beitrag zur Ausbildung die stetige Konfrontation der Studierenden mit Originalen
in allen Lehrbereichen war: Angefangen von der Aufnahmeprüfung, über die Werkstattzeit bis
hin zum Forschungslabor, in dem Kunstgegenstände aus privatem oder öffentlichem Besitz untersucht wurden, arbeiteten die Studierenden direkt am Kunstobjekt. So konnte das Auge geschult
und die Vielfältigkeit der Materialien begriffen werden. In der Mehrzahl der zu behandelnden
Schadensfälle lassen sich die möglichen Konservierungs- und Restaurierungseingriffe nicht an
simulierten oder künstlich gealterten Situationen darstellen. Der sachgerechte Umgang mit dem
unwiederbringlichen Kunst- oder Kulturgut sowie der dazu nötigen ethischen Grundhaltung sollte
von Beginn an am realen Objekt erlernt werden. Aus diesem Grund strebte er eine Verstärkung der
Kooperationen mit den Museen und dem Amt für Denkmalpflege in Baden-Württemberg an und
widmete sich durch den Ankauf eines bedeutenden Schatzes an historischen Quellenschriften zur
Kunsttechnologie dem Ausbau der Institutsbibliothek. Durch das stete Bemühen und die unermüdliche Überzeugungsarbeit gemeinsam mit den Verantwortlichen des Landesamtes für Denkmalpflege – hier ist vor allem Helmut F. Reichwald zu nennen –, konnten in Bachmanns Amtszeit zwei neue Restaurierungsstudiengänge gegründet werden. Zum 1. April 2000 trat Professor
Karl Werner Bachmann in den Ruhestand.
Als Nachfolger Edgar Denningers war zum Sommersemester
der 1935 in Berlin geborene Physiker, Mathematiker und Chemiker Dr. Ernst-Ludwig Richter berufen worden, der sich in der
Folge zusammen mit seiner wissenschaftlichen Assistentin Heide
Härlin neben den naturwissenschaftlichen und kunsttechnologischen Lehrveranstaltungen vor allem dem Ausbau des Labors
mit modernen spektroskopischen Methoden widmete. Für diesen Ausbau wurden mit dem Projekt »Süddeutsche Tafelmalerei«
erstmals bedeutende Beträge der Deutschen Forschungsgemeinschaft als Drittmittel eingeworben: Das Labor hatte sich tatsächlich wieder zu einer universitären Forschungsstätte entwickelt,
jedoch mit völlig veränderter Ausrichtung. Mit seinem ausgepräg-
d ie re s taurie ru ng s s t u d i e ng ä ng e
kü h n , b an i k , l e nz – d ie neu g r ü nd u ng d er studie ngä nge Schon von Denninger war gefordert worden, auch Restauratoren anderer Fachgebiete an der Stuttgarter Akademie ausbilden zu
können, und tatsächlich ermöglichte das Ministerium für Wissenschaft und Kunst seit den späten
1980er Jahren den systematischen Ausbau der Restauratorenstudiengänge nach dem strukturellen
Vorbild des von Straub entwickelten Modells. Im Jahr 1989 wurde der Studiengang »Konservierung
und Restaurierung von archäologischen, ethnologischen und kunsthandwerklichen Objekten«
gegründet mit dem Chemiker Dr. Hermann Kühn als erstem Lehrstuhlinhaber, der in kongenialer
Weise für die Lehre in diesem überaus vielfältigen Gebiet geeignet war. Dem folgte 1990 der Chemiker Dr. habil. Gerhard Banik als erster Inhaber des Lehrstuhls für »Restaurierung von Graphik,
Archiv- und Bibliotheksgut«, der in vielen Forschungsprojekten die Akademie zu einem Ort internationaler Spitzenforschung in der Konservierungswissenschaft machte. Bis 2003 der Studiengang »Konservierung und Restaurierung von Wandmalerei, Architekturoberfläche und Steinpolychromie« eingerichtet wurde, zunächst mit Dr. h.c. Helmut F. Reichwald als kommissarischem
Leiter und seit 2008 mit dem Restaurator Roland Lenz als erstem Professor, vergingen noch mehr
als ein Jahrzehnt, was aber zugleich erlaubte, eine moderne Studienordnung von Beginn an zu etablieren. Schließlich erteilte das Ministerium 2004 die Genehmigung für die Einrichtung eines Aufbaustudiums »Konservierung Neuer Medien und Digitaler Information«. Seit Oktober 2006 erforschen Studenten in einem zweijährigen Master-Studiengang
die Möglichkeiten des langfristigen Erhalts von analogen und
digitalen Fotografien, Videoaufzeichnungen und digitalem Archivgut. Indessen ist eine endgültige Etablierung des Studiengangs an
der Akademie auch nach hervorragenden Evaluationsergebnissen
bis heute nicht gesichert.
309
k ap p , k re k e l
ten Interesse an Europäischem Kunsthandwerk untersuchte Richter neben Gemälden seit etwa 1980 zunehmend auch Edelmetallobjekte. Das Labor war bis zum Ausscheiden Richters 2001 für die
nächsten zwei Dekaden international führend in diesem Gebiet,
was sich in einer großen Reihe von Buchpublikationen äußerte. In
die Lehre wurden neben Anorganischer und Organischer Chemie nun auch Aspekte der präventiven Konservierung und der
Archäometrie eingeführt, um die Studierenden besser auf die
immer breiter werdenden Aufgaben in leitenden Stellen als Museumsrestauratoren vorzubereiten.
k uns tak ad e m ie s t u t t g a rt
brückle, eggert, krekel, lenz, schaible – perspektiv e n i n d i e z u k u nft Seit der Einführung der Diplomstudien-
250 jah re
310
gänge vor mehr als dreißig Jahren hat sich das Aufgabenfeld für
die Absolventen deutlich gewandelt. Das Bild des im weißen Kittel tagtäglich am Objekt arbeitenden Restaurators ist einer auch
als Konservierungswissenschaftler und Sammlungsmanager
agierenden Persönlichkeit gewichen, die mit ihrer kunsttechnologischen Expertise selbstbewusst den kunstwissenschaftlichen
Diskurs mit bestimmt. Auf diese Entwicklung konnten die Res­
taurierungsstudiengänge einerseits mit Einführung des Promotionsrechtes für Restauratoren im
Jahr 2002, andererseits durch zwei große Studienreformen in den Jahren 2004 und 2010 reagieren.
Heute kann ein Studierender nach Abschluss des spezialisierten Grundstudiums im zweiten Studienabschnitt auch Inhalte anderer Fachdisziplinen wählen, um sich in Bereichen wie Konservierungswissenschaft, Kunstwissenschaft, Moderne etc. individuell zu entwickeln. Die Errungenschaften der überaus erfolgreichen Diplomstudiengänge konnten trotz der Reformen im Rahmen
des Bologna-Prozesses beibehalten und entsprechend den Richtlinien für »higher education« des
europäischen Dachverbandes »European Confederation of Conservator-Restorers Organisations«
(E.C.C.O) sowie des »European Network for Conservation-Restoration Education« (ENCoRE) in
zehnsemestrigen, gestuften Studiengängen weiter entwickelt werden.
Voraussetzung hierfür ist eine veränderte und flexibilisierte Institutsstruktur. Längst trifft weder
der Name Wehltes »Institut für Technologie der Malerei« noch die aus politischen Gründen schon
in den späten 1960er Jahren gewählte Bezeichnung »Institut für Museumskunde« die heutige
Ausrichtung des Instituts. Drängender noch als die Namensänderung ist die Zusammenführung
der Studiengänge und des Labors in einem gemeinsamen Gebäude. In einer Zeit, in der die Fähigkeit zu cross-over zwischen den Disziplinen Voraussetzung für eine erfolgreiche Berufsausübung
ist, in der sich die Lehrenden eher als Team begreifen, als dass sie sich durch gegenseitige Abgrenzung definieren, in der in der Lehre ein problem-based-learning
einem starren Konzept des Frontalunterrichtes gewichen ist, ist
eine Aufteilung der Studiengänge in vier, weite Strecken voneinander entfernte Standorte nicht mehr hinnehmbar und
hemmt die Leistungsfähigkeit des Institutes insgesamt. Fast 100
Jahre nach der wegweisenden Entscheidung Pankoks, die Stuttgarter Kunstgewerbeschule durch Gründung der Lehr- und Versuchswerkstätten zu einer flexiblen Reformschule umzubauen,
ist heute wieder eine zukunftsweisende Entscheidung für den
Neubau eines Lehr- und Forschungsinstituts für Restauratoren in
Baden-Würt­temberg gefragt. Nur durch ein solches Institut kann
die Entwicklung freier, kritischer und lustvoll nach Erkenntnis
strebender Restauratorenpersönlichkeiten optimal gefördert
und durch kreative Spitzenforschung in der Konservierungswissenschaft zum Erhalt unseres Kulturerbes bestmöglich beigetragen
werden.
315
•
huber_neue-medien-an-der-akademie
•
•
•
•
•
Hans Dieter Huber
•
Verschüttet, vergessen und wiederentdeckt.
•
Neue Medien an der Akademie
•
•
•
Die Geschichte der Neuen Medien an der Stuttgarter Kunst-
akademie ist eine Geschichte großartiger Ideen und innovativer
Konzepte. Sie ist aber auch eine Geschichte zermürbender Diskussionen und institutioneller Erosionen, eine Geschichte des Vergessens und Verdrängens der ursprünglichen Ideen. Die hintergründige Frage von Eric Hobsbawm, ob man aus der Vergangenheit
etwas für die Zukunft lernen könne, ließe sich am Beispiel der
Stuttgarter Kunstakademie und ihres Umgangs mit Neuen Medien
auf exemplarische Weise beantworten.
•
•
Die Fotografie – ein geheimes Bindeglied
•
zwischen den verschiedenen Medien?
•
Die analoge Fotografie stellt ein wichtiges Bindeglied
zwischen den verschiedenen Neuen Medien an der Stuttgarter Kunstakademie dar. Ihre Anfänge liegen im Dunklen. Es kann durchaus
möglich gewesen sein, dass schon nach dem 1. Weltkrieg ein Fotolabor existierte, mit ziemlich großer Wahrscheinlichkeit aber
nach dem 2. Weltkrieg. Heute weiß man noch, dass es bereits Ende
der sechziger, Anfang der siebziger Jahre zwei Fotolabore im
Altbau gab.[1] Das eine gehörte zum Institut für Buchgestaltung
unter der Leitung von Prof. Walter Brudi, das andere zum Lehrstuhl
für Werbegrafik und Schrift bei Prof. Eugen Funk. Zwei Dunkelkammern befanden sich im Raum 129 und im Raum 110/111. Zusätzlich existierte noch ein Aufnahmestudio im Raum 213.
•
[1] Das meiste Wissen zu diesem Bereich verdanke ich Hans Martin Wörner, der
so freundlich war, mir zwei seiner Texte, einmal Aspekte der Fotografie
von 1997 und Fotografie an der Aka von 2010, zur Verfügung zu stellen, aber
auch Gesprächen mit Horst Wöhrle am 11.8.2010 und später sowie einem
längeren Schreiben von Günter Jacki vom 20.6.2011, dem ich hiermit für seine
Bemühungen herzlich danken möchte.
316
250-jahre-kunstakademie-stuttgart
•
•
•
•
•
Brudi und Funk hatten künstlerisch-technische Lehrer wie Hasso
Bruse oder Günter Jacki (ab 1962) , die später selbst zu Professoren
der Stutt garter Kunstakademie wurden. Die Werkstätten waren aber
generell nur für den jeweiligen Professor selbst, seinen Assistenten
und die in seiner Klasse eingeschriebenen Studenten zugänglich.[2]
Nicht dem Lehrstuhl zugehörige Dozenten oder gar Studenten konnten die
Werkstätten praktisch nur illegal benutzen.[3] „Offene Werkstätten“
waren daher Ende der sechziger Jahre eine der studentischen Hauptforderungen. Die Studierenden der Buchgestaltung am Lehrstuhl Brudi
oder der Werbegrafik am Lehrstuhl Funk nutzten die Räume hauptsächlich
für die Reproduktion von Reinzeichnungen (Signets, Schriftentwürfe
usw.) oder für fotografische Experimente, die häufig als Vorlagen für
die neu gegründete Siebdruckwerkstatt verwendet wurden. Technisch
waren die Lehrstühle mit modernen Kleinbild- und Mittelformatkameras
sowie einer horizontalen Reprokamera (Raum 129) ausgestattet. Die
Dunkelkammern waren mit Vergrößerungsgeräten bis zu einer Negativgröße von 18 x 24 cm ausge­
rüstet. Die sanitäre Ausstattung mit Becken
und die elektrische Installation waren in schlechtem Zustand.[4]
•
Im Oktober 1972 trat Hans Martin Wörner als Lehrer für
Schriftsatz am Institut für Buchgestaltung seinen Dienst an. 1975
bat ihn Manfred Kröplien, der Nachfolger von Walter Brudi, seine
fotografische Laborerfahrung aus der vorherigen Tätigkeit im
Fotosatz in den Aufbau moderner Labore und Studios an der Kunst•
•
•
•
[2] Vgl. hierzu auch Wolfgang Kermer: „1968“ und Akademiereform. Von den
Studentenunruhen zur Neuorganisation der Stuttgarter Akademie in den siebziger
Jahren, Stuttgart 1998, S. 10.
[3] Dies wird von Hans Brög in einem Schreiben an den Verfasser vom 10.8.
2010 ausdrücklich bestätigt; ebenso in einem Interview des Verfassers mit horst
Wöhrle am 11.8.2010 und mit Albrecht Ade am 9.8.2010. Siehe hierzu auch den
Textbeitrag von Gertrud Jula Dech in diesem Band (S.255–259), in dem diese These
auch noch einmal bestätigt wird.
[4] Wörner 2010 (wie Anm. 1), S. 1.
317
huber_neue-medien-an-der-akademie
•
•
•
•
akademie einzubringen. 1978 wurde die Funktionsbeschreibung der
technischen Lehrstelle Wörners von Schriftsatz auf Fotosatz
und Labortechnik geändert. Der technologische Wandel vom Bleisatz
zum Fotosatz war also etwa ab 1978 die treibende Motivation für
den systematischen Ausbau aller Fotolabore. Nach der Übernahme des
Lehrstuhls für Werbegrafik und Schrift durch Albrecht Ade, den
Nachfolger von Eugen Funk, wurden die Aufnahmestudios und Dunkelkammern den Erfordernissen des 1977 neu gegründeten Diplomstudiengangs Graphik-Design angepasst. Ein Titelsatzgerät (Staromat)
mit großer Schriftauswahl wurde angeschafft und installiert.
In die Dunkelkammer in Raum 110 wurde die neue Transfer-Technologie
„Copy-Proof“ zusammen mit einer vertikalen Kamera „Repromaster“
und einer Entwicklungseinheit installiert. Damit konnten die
aus gemalten Schriften, Illustrationen und Texten geklebten Entwürfe optisch reproduziert und in Form des späteren Originals
präsentiert werden.
•
Die Einführung der Fotografie als Pflichtfach im Studien-
gang Graphik-Design erforderte einen entsprechenden Ausbau der
Fotolabore. Die alten Dunkelkammern wurden mit modernen Laborarbeitsplätzen ausgestattet. Farbvergrößerer bis 6x7 cm sowie
Entwicklungsmaschinen für Schwarz-Weiß- und Farbfotografie wurden
angeschafft. Der ständige technische Ausbau fand schließlich
1994 seinen Abschluss in der Planung und in der Realisierung der
Fotostudios und Labore im Neubau II. Auch die Ausstattung für
das Aufnahmestudio in Raum 213 wurde seit 1975/76 beständig ausgebaut. Neben einem sich kontinuierlich erweiternden Kamerapool (Kleinbild, Mittelformat, 4x5 inch, Großformatkamera) wurde
auch die Beleuchtungstechnik mit einer leistungsstarken Blitzanlage auf den modernsten Stand gebracht.
•Nach und nach kamen aus allen Bereichen der Akademie Anfragen nach fotografischer Betreuung. Architekten, Designer, Künstler und Kunstpädagogen wollten Ende der siebziger Jahre in dem
neuen Labor und im Studio des Graphik-Designs arbeiten. Es entstand
dadurch ein Betreuungsengpass, der nur bedingt dadurch umgangen
werden konnte, dass Prof. Rudolf Schoofs für seine Klasse in Raum
213b und die Kunsterzieher in Raum 310a Dunkelkammern einrichtete.
318
250-jahre-kunstakademie-stuttgart
•
•
•
•
In diesen Räumen fanden unregelmäßige Lehrveranstaltungen mit
externen Lehrbeauftragten statt. Die technische Betreuung lag in
den Händen von studentischen Tutoren. Die Effektivität war nach
Wörner gering.
•
Die verstärkte Ausstellungstätigkeit der Akademie ab 1975
trug zusätzlich zu großen räumlichen und zeitlichen Kapazitätsbelastungen und Anforderungen in der Aufnahmetechnik bei. So
entstand 1979 aus der Lehrtätigkeit von Albrecht Ade die Ausstellung „Aspekte der Fotografie“, die im November 1979 in der SABK,
im August 1980 in Schwäbisch Hall und in Oktober/November 1980
in der Galerie der Deutschen Gesellschaft für Photographie in Köln
gezeigt wurde. 1982 folgte eine Ausstellung „Aspekte der Farbfotografie“, die in der SABK, im Kunstverein Pforzheim und im
Rathaus Aalen gezeigt wurde. 1987/88 wurde unter der Leitung von
Albrecht Ade eine Fotoshow der Porsche AG unter dem Titel
„Porsche visuell“ im Studio der Landesgirokasse Stuttgart sowie
in Hamburg, Berlin und Amsterdam gezeigt.
•
Die angespannte Kapazitätssituation in Sachen Fotografie
führte im Jahr 1995 schließlich zur Ausschreibung einer C3-Professur für fotografische Medien. Das Besetzungsverfahren wurde jedoch nach internen Meinungsverschiedenheiten über die Zuordnung der
Professur zu Fachgruppen, Lehrinhalten, den Status des neuen
Lehrgebiets und Fragen der sächlichen und räumlichen Aufteilung
wieder eingestellt und die Bewerber wieder ausgeladen. Wieder
einmal siegten strukturelle Bedenken und formalistische Argumente
über eine zum damaligen Zeitpunkt genau richtig konzipierte
Professur. Es waren die Jahre, in denen sich die Fotografie von
einem Dokumentations- und Reportagemedium zur Kunst wandelte.
Jetzt wurde Fotografie plötzlich als Kunst auf internationalen
Kunstmessen gehandelt und erzielte sechsstellige Preise auf
Auktionen. In diesem Jahrzehnt traten die Schüler von Bernd und
Hilla Becher (Struth, Ruff, Hütte, Gursky, Sasse) von der Düsseldorfer Kunstakademie ihren weltweiten Siegeszug auf dem Kunstmarkt an.
•
•
319
huber_neue-medien-an-der-akademie
•
•
•
•
•
Nach der gescheiterten Realisierung der Professur für
fotografische Medien wurde in der Fachgruppe Allgemeine künstlerische Ausbildung und Werken immerhin eine eigene Werkstatt
für fotografische Medien eingerichtet, wodurch die stark frequentierte Fotowerkstatt des Grafik-Design entlastet werden konnte.
Die Fachgruppe Graphik-Design besetzte dann 1998 als Nachfolger
des „Fotografik“-Professors Hasso Bruse mit Alfred Seiland eine
verändert ausgeschriebene Professur für „Editorial-Fotografie“.
•
1997 wechselte Hans Martin Wörner vom Graphik-Design in die
Fachgruppe Allgemeine künstlerische Ausbildung und Werken und
übernahm als technischer Lehrer für fotografische Medien die Ausbildung und Betreuung von Künstlern und Kunstpädagogen. Im
Frühjahr 1998 wurde dafür Martin Lutz als Nachfolger Wörners
im – nun neu benannten – Studiengang Kommunikationsdesign eingestellt. Die bis dahin existierenden Behelfslabore in den Räumen
213b und 310a wurden 1999 mit ihrer analogen, fotografischen
Ausstattung in das alte Fotolabor 129a (mit Erweiterung in Raum
129b) integriert.
•
Für die Video-Ausbildung im Fachbereich Allgemeine künst-
lerische Ausbildung und Werken wurde 1997/98 in Raum 310a ein
analoger Videoschnittplatz im VHS-Format eingerichtet, der von den
Lehrbeauftragten Alfred Gratz und Chris Schaal speziell für die
Studenten des Faches Kunsterziehung genutzt wurde. Die technische
Umstellung auf digitale Videobearbeitung machte aber den analogen
Schnittplatz sehr bald überflüssig. Die noch vorhandene, funktionsfähige Ausrüstung wurde im Wintersemester 2008/09 zwischen der
Medienwerkstatt Kunst, dem Verbreiterungsfach Intermediales Gestalten und der AV-Werkstatt Kommunikationsdesign aufgeteilt. Die
Ausbildung für Kunsterzieher und bildende Künstler orientierte
sich in den Bereichen Schulfotografie, künstlerische Fotografie und
Fotogeschichte an den Ansprüchen und Erfordernissen angehender
Kunsterzieher und Künstler. Neben der Ausbildung in der digitalen
Fotografie wird heute noch ausdrücklich an der analogen fotografischen Ausbildung festgehalten.
•
•
320
250-jahre-kunstakademie-stuttgart
•
•
•
•
•
Der erste Computer an einer Kunstakademie
•
Im ersten Kapitel seines Buches „Die Logik des Misslingens“
von 1989 führt Dietrich Dörner eine Reihe von Beispielen an, die
man in die Rubrik „Gut gemeint, aber total schiefgegangen“ einordnen könnte. Die erste Begegnung der Stuttgarter Kunstakademie
mit einem Computer fällt exakt in diese Kategorie. Sie hätte
die erste Kunsthochschule auf der Welt sein können, die einen Computer in Lehre und Forschung einsetzt.[5] Das muss man sich
einmal vorstellen. Wenn sie ihn nur gewollt hätte. Denn die Slade
School of Fine Arts am University College London, welche damit
die erste Kunsthochschule der Welt wurde, die einen Computer in
Betrieb nahm, erwarb erst im Jahr 1972 einen Rechner für ihr
Computer Department.[6] Leider wurde diese außergewöhnliche Möglichkeit durch undiplomatisches und zu keinerlei Kompromissen oder
Zugeständnissen bereites, uneinsichtiges Verhalten aller Beteiligten zu einer immer traurigeren Angelegenheit. Die Geschichte
entwickelte sich immer mehr zu einem traumatischen Szenario, über
dessen Eskalation man aus heutiger Sicht nur den Kopf schütteln
kann.
•
Am Sonntag, den 14. November 1971 transportiert der
selbsternannte „Ingenieur“ und „Philosoph“ Ernst Knepper unter
Mithilfe mehrerer Studenten wie Peter Obrecht, Ali Amiressani
und einer namentlich nicht genannten Frau zwei funktionsfähige Großrechner der Firma SEL Schaub Lorenz vom Typ ER56
•
•
•
[5] Vgl. Frieder Nake: Ernst Knepper & the possibly first computer at
an art school, in: compArt note 10 06, 2010, S.1.
[6] „In 1972 the Slade School of Fine Art at University College London
used a bequest from alumni Eileen Gray to purchase a Data General
Nova 2 minicomputer system for their new Experimental and Computing Dept.“
Quoted from the full length manuscript of Brown’s contribution to the
Art Show Catalogue of SIGGRAPH 2003. Its published version is to be found
at http://www.siggraph.org/artdesign/gallery/S03/essays.html, Zit.
nach Nake 2010 (wie Anm. 5).
321
huber_neue-medien-an-der-akademie
•
•
•
•
ohne Erlaubnis der Akademie in den Ausstellungsraum des Neubau I.
Es handelt sich um etwa 20 bis 30 Tonnen Computer, die in 14
nächtlichen LKW-Fahrten angefahren und im Glastrakt zur Schau
gestellt werden.[7] Anschließend werden die Türen von den
Eindringlingen mit einer Kette und einem Vorhängeschloss verschlossen. Diese illegale, nächtliche Aktion wird zum Ausgangspunkt
mehrerer Gerichtsverfahren gegen Ernst Knepper. Der Rektor Herbert
Hirche erstattet zunächst Strafanzeige wegen Hausfriedensbruch.
Knepper erhält Hausverbot und wird außerdem am 22. Januar
1972 rechtskräftig dazu verurteilt, die Computer auf seine Kosten wieder zu entfernen, was er jedoch trotz mehrerer Aufforderungen nicht macht. Sie schlummern mehr als vier Jahre lang im
gläsernen Kristallsarg des Architektenbaus einen digitalen
Schneewittchenschlaf und sind dabei rundum, aus allen Richtungen,
bestens einsehbar. Kein Prinz erweckt sie zum Leben, obwohl es
immer wieder Anläufe von studentischer Seite gab. Der „böse Drache“
in Person von Rektor Hirche lehnt alle entsprechenden Bitten auf
Befreiung ab. Wahrlich kein schönes Märchen, beziehungsweise eines
mit frustrierendem Ausgang. Die mittlerweile veralteten Großrechner werden schließlich am 2. Januar 1975 von der Stuttgarter
Spedition Arnholdt + Sohn abtransportiert, wobei auch noch der
Lastenaufzug kaputt geht, und in das dem Land gehörende Werkstattgebäude an der Silberburgstr. 125 a (in die nördliche Hälfte
der EG-Halle) eingelagert.[8] Die Kosten für diese Aktion betragen
5819,28 DM. Eine Versteigerung der Computeranlage im Jahre 1981
durch einen öffentlichen Versteigerer erbringt dann immerhin noch
einen Materialwert von 932,28 DM.[9]
•
•
[7] Siehe hierzu auch den Fernsehbericht der Abendschau Baden-Württemberg
vom 4.12.1971 (SWR Archiv-Nr. 7100012998), aus dem hervorgeht, dass die
mediale Unterstützung von Anfang an gezielt geplant war.
[8] Schreiben der Oberfinanzdirektion Stuttgart an die Kunstakademie
vom 27.9.1974. Archiv der Akademie der Bildenden Künste Stuttgart (im
Folgenden A-SABK)
[9] Schreiben des Kultusministeriums vom 4.5.1983, A-SABK.
322
250-jahre-kunstakademie-stuttgart
•
•
•
•
•
Die nicht genehmigte Einlagerungsaktion erregt jedoch ein
breites, öffentliches und bundesweites Medieninteresse. Viele
Indizien weisen darauf hin, dass die Einbeziehung der Massenmedien
von Anfang an als Bestandteil der Aktion geplant war. Stuttgarter
Zeitung, Stuttgarter Nachrichten, Frankfurter Rundschau, der
Spiegel, Die ZEIT, der Süddeutsche Rundfunk und das Südwest-Fernsehen berichten länger als ein ganzes Jahr lang kontinuierlich
über den Fall. Nach meinen bisherigen Recherchen sind über 30 verschiedene Presseartikel, Rundfunkbeiträge oder Fernsehsendungen
zu dem Themenkomplex erschienen.
•Rekonstruieren wir noch einmal Schritt für Schritt die
ganze Geschichte. Am Sonntag, den 14. November 1971 stellt Franz
Kriso, der Hausmeister, um 20:15 Uhr bei einem Rundgang durch
den Neubau der Akademie fest, dass in der Ausstellungshalle
das Licht brennt und verschiedene „elektrische Schaltschränke
und Zubehör“ stehen, obwohl die Türen abgeschlossen waren. Jemand
musste also mit einem Generalschlüssel das Haus geöffnet haben.
Kriso stellt nach einer Kontrolle der ausgegebenen Schlüssel fest,
dass dem Tutor für das Eingangssemester, Herrn Rothermund, ein
Schlüssel zur Ausstellungshalle und zum Haupteingang ausgegeben
wurde.[10] Er verschließt daraufhin sorgfältig die Türen.
•
Am darauffolgenden Montagmorgen um 7:00 Uhr stehen Haupt-
eingangstüre und die Türe zur Ausstellungshalle erneut offen.
Ernst Knepper und der Student Peter Obrecht halten sich in den
Räumen auf. Vor dem Eingang steht ein LKW, von dem Sachen
auf- und abgeladen werden. Auch die Ausstellungswände, die am
Abend zuvor noch in der Ausstellungshalle standen, sind abgebaut
worden. Nachdem der LKW abgefahren ist, ist die Türe der Ausstellungshalle mit Kette und Schloss verriegelt worden, offensichtlich, um den Zugang der Hochschulleitung und einen eventuellen
Abtransport der Rechner zu verhindern. Um 9:30 Uhr steht ein Fernsehteam des Süddeutschen Rundfunks ohne Drehgenehmigung in der
Ausstellungshalle und wird des Hauses verwiesen.
•
[10] Schreiben von Franz Kriso vom 16.11.1971 an das Rektoramt der
Akademie, A-SABK.
323
huber_neue-medien-an-der-akademie
•
•
•
•
•
Presse, Rundfunk und Fernsehen reagieren spät. Erst mit
17-tägiger Verspätung nehmen die Medien das Ereignis zur Kenntnis,
dann aber massiv und bundesweit. Am schnellsten ist die Abendschau des Süddeutschen Rundfunks. In einem etwa sechsminütigen
Beitrag berichtet sie am 4. Dezember 1971 über die illegale Einlagerungsaktion. Aus den im Archiv des SWR befindlichen Aufnahmen,
die den Abbau der Computeranlage an einem unbekannten Ort und ihren
Transport, nicht aber den Aufbau, zeigen, geht hervor, dass die
Reporter von Anfang an in die Aktion eingeweiht gewesen sein mussten. Denn das Fernsehteam fährt im LKW selbst mit, filmt
Knepper und die Studenten beim nächtlichen Abladen der Geräte.
•Auf den existierenden Bildern kann man einiges erkennen.
Die Geräte sind sehr bewusst platziert und aufgebaut worden.
Sie sind, für alle durch das Glas sichtbar, wie bei einer JosephBeuys-Installation, ästhetisch inszeniert worden. Sie sind
keineswegs einfach nur abgestellt worden, sondern spektakulär in
Szene gesetzt. Dazu passt auch das Entfernen der Trennwände,
die in einem früheren Fernsehbericht vom 19. November 1970,
in welchem es um das umstrittene Grundsemester des Fachbereichs
Umweltgestaltung geht, noch deutlich zu erkennen sind. Die
erste Zeitungsmeldung stammt von der Stuttgarter Zeitung vom
7. Dezember 1971 und veröffentlicht ein Foto der Anlagen von dem
Fotografen Hans Peter Feddersen. In dem Zeitungsbericht heißt
es unter anderem, dass Ernst Knepper es für nötig hielte, Computer
in die Ausbildung der Künstler und vor allem in die Umweltplanung einzubeziehen. Es ist die Rede von 25 Tonnen Elektronik
mit einem Neuwert von vier Millionen DM.
•Rektor Herbert Hirche erklärt, man sei unter Druck gesetzt
worden und müsse vor der Entscheidung, ob man einen Computer
in Betrieb nehme, erst einmal prüfen, ob man einen solchen überhaupt benötige. Selbst wenn man eine Verwendung für ihn fände,
wären die hohen Personal- und Installationskosten einer Inbetriebnahme im Wege. Das Kultusministerium ist der Ansicht, die Akademie könne die Rechner nicht behalten, sondern müsse sich umsehen, ob auf bereits installierten Computern bei den Behörden der
Stadt oder des Landes noch Rechenkapazitäten frei wären. Kurt
324
250-jahre-kunstakademie-stuttgart
•
•
•
•
Weidemann äußert sich dagegen ebenso wie der Systemtheoretiker Helmut Krauch von der Universität Heidelberg positiv über die Möglichkeiten des Computereinsatzes.
•Eine undatierte, handschriftliche Notiz über die eventuell
zu erwartenden laufenden Kosten bei einer Inbetriebnahme der
Computer findet sich in der Knepper-Akte im Archiv der Akademie.
Die Handschrift ist sehr wahrscheinlich diejenige von Herbert
Hirche. Zeitlich und inhaltlich gesehen, passt sie mit einem Artikel von Klaus-Peter Senkel in der Stuttgarter Zeitung vom
13. Januar 1972 zusammen, in welchem es um falsche und überhöhte
Zahlenspielereien seitens des Ministeriums und der Akademie
geht. Auf dem Notizblatt heißt es zu den vermutlichen laufenden
Kosten:
•
„2 Operateure /
•
2 für Wartung /
•
ca. jährlich 70.000 DM /
•
pro Anlage im Jahr ca. 20.000,- /
•
könnte ebenso gut das Doppelte sein /
•
einmalige [Kosten] /
•
Beleuchtungs- u. Klimaanlage 80.000,-
•Aufbau ca. 50.000,•
Anschluss 100.000,-“
•Addiert man diese Summen, kommt man auf die astronomische
Summe von 320.000 DM. Dem gegenüber hat der Journalist KlausPeter Senkel offensichtlich sorgfältiger recherchiert. Er hat nämlich heraus gefunden, dass ein Computer derselben Baureihe im
Frühjahr 1971 von Stuttgart nach Kaiserslautern umgesetzt wurde
„für sage und schreibe 10.000 Mark, Abbau, Transport und Wiederaufbau inbegriffen.“[11] Ein Klimaschrank im Wert von 10.000 DM,
aber nicht in Höhe geschätzter 80.000 DM, wie in Hirches Auflistung angegeben, wurde zusätzlich angeschafft. Der Stromverbrauch sei in Kaiserslautern minimal und liege zwischen zwei und
drei Kilowattstunden. Süffisant hält Senkel der Hochschule die
Aussagen des Operators in Kaiserslautern entgegen:
•
[11] Klaus-Peter Senkel: Computer Zahlen, Stuttgarter Zeitung vom 13.1.1972.
325
huber_neue-medien-an-der-akademie
•
•
•
•
„Die ministerielle Berechnung der zu erwartenden Betriebskosten
für die Knepper-Computer soll angeblich von achtzig Mark pro
Betriebsstunde ausgehen, pro Jahr befürchtet man 170 000 Mark
Aufwendungen. Der Operator jener nach Kaiserslautern gebrachten
Anlage hält dieser Zahl entgegen, für einen Programmierer mit
Kenntnissen in Wartungstechnik sei die Betreuung der Rechner „ein
Halbtags-Job“. Allerdings müsse der Mann einige Zeit eingearbeitet werden, weil die Maschine gewisse „Mucken“ hätte; sobald
er diese kenne, gebe es kaum Störungen mehr. Wenn die Akademie
also jährlich 170.000 Mark ausgeben wolle, dann müsste sie diesem
Techniker für eine Halbtagsbeschäftigung mehr als zehntausend
Mark monatlich bezahlen und hätte noch reichlich Geld für Strom
und Kühlwasser übrig. So teuer sind Programmierer nun auch
wieder nicht.
•Bleibt noch zu vermerken, dass knapp ein halbes Jahr
nach der Installation des Stuttgarter Rechners in Kaiserslautern
die Ingenieurschule vom Land Rheinland-Pfalz einen weiteren
Rechner bewilligt bekam, welchen man sich sogar 300.000 Mark kosten ließ. In Stuttgart wird versucht, es so hinzustellen, als
seien die Apparate für die Akademie wertlos; und dies, obwohl
Fachleute die möglichen und wünschbaren Anwendungsgebiete bereits
umrissen haben. Wertlos werden die Geräte auch dann noch nicht
sein, wenn sich der Computer-(Unruhe)-Stifter Knepper entschließen
muss, sie aus der Akademie zu entfernen und zu verschrotten:
Laut Herstellerangaben haben sie eine fünfstellige Summe Schrottwert. Aber dazu wird es nicht kommen, selbst wenn die Behörden,
um ihr Gesicht zu wahren, bei dem strikten „Nein“ bleiben.
Denn eine Stuttgarter Privatschule soll Knepper angeboten haben,
die Geräte zu übernehmen – und das sogar ohne vorherige Informationsveranstaltung. Vielleicht entschließt man sich im Kultusministerium, einmal in Kaiserslautern anzufragen, wenn man
schon den gefürchteten Ernst Knepper partout nicht anhören will.
Ob die Maschinen wertlos sind, muss wohl erst einmal unvoreingenommen geprüft werden.“
•
•
326
250-jahre-kunstakademie-stuttgart
•
•
•
•
•
Die Studentenvertreter stellen immer wieder einen Antrag
auf die Zuweisung eines Raumes, um in der Akademie eine Informationsveranstaltung mit Ernst Knepper über die Verwendung der
Computer abhalten zu können. Am 7. Dezember 1971 stellt Rektor
Hirche den Studenten zwar Raum 309 im Altbau zur Verfügung,
weist aber auf das bestehende Hausverbot für Ernst Knepper hin
und dass er nicht an der Veranstaltung teilnehmen dürfe.
Das Studentenparlament besteht jedoch auf seiner Teilnahme.[12]
Der neue Rektor, Wolfgang Kermer, weist dann am 31. Januar 1972 in
einem Schreiben die Studenten auf das Urteil des Landgerichts
vom 20. Januar 1972 hin, in welchem das Hausverbot bestätigt wurde.
[13] Knepper fordert daraufhin Rektor Kermer auf, ihm die Genehmigung zur Teilnahme an der Informationsveranstaltung zu erteilen.
[14] Kermer lehnt diese Forderung mit Verweis auf die beiden
Urteile des Landgerichts Stuttgart ab. Knepper stellt darauf beim
Verwaltungsgericht Stuttgart in einem fünfseitigen Schreiben
einen Antrag auf Erlass einer einstweiligen Verfügung auf Duldung
der Teilnahme an der Informationsveranstaltung.[15]
•
Zwischendurch hat man als historischer Leser den Eindruck,
dass die inhaltliche Diskussion auf beiden Seiten in kleinkarierte,
formaljuristische Prinzipienreiterei ausartet. Der Verlauf dieser
Auseinandersetzungen ist ein ausgezeichnetes Lehrstück für die Frage,
wie man auf gar keinen Fall innovative Lehre in Gang setzen kann.
Die Studenten hätten durchaus die Möglichkeit gehabt, außerhalb der
Akademie, zum Beispiel im Württembergischen Kunstverein, eine Informationsveranstaltung mit Ernst Knepper durchzuführen. Sie hätten
diese aber auch in der Akademie ohne Herrn Knepper machen können,
wie es dann schließlich auch geschah. Das Rektoramt hätte seinerseits
das Gespräch mit Knepper suchen sollen, einen Kompromiss anstreben
und sich inhaltlich mit der Frage, ob sie die geschenkten Computer in
•
•
[12] Schreiben vom 26.1.1972, A-SABK.
[13] Schreiben von Wolfgang Kermer vom 31.1.1972, A-SABK.
[14] Schreiben von Ernst Knepper an den Rektor vom 6.1.1972, A-SABK.
[15] Knepper an das Verwaltungsgericht Stuttgart vom 15.3.1972, A-SABK.
327
huber_neue-medien-an-der-akademie
•
•
•
•
Betrieb nehmen möchte oder nicht, in ihren Hochschulgremien auseinander setzen können. Die Möglichkeit, ohne Knepper die Computerfrage
zu diskutieren, deutet Kurt Weidemann in einem Fernsehinterview
in der Abendschau vom 4. Dezember 1971 an. Sicherlich kann man Knepper
als einen streitsüchtigen Scharfmacher und Querulanten bezeichnen,
der auf der einen Seite den ihm offen stehenden Rechtsweg bis zum Bundesverfassungsgericht ausreizte und auf seinem vermeintlichen Recht
insistierte, andererseits aber nicht bereit war, sich selbst an
das gesprochene Recht zu halten, wenn es für ihn ungünstig gelaufen
war, was meistens der Fall war. Pflichten sind offenbar immer nur
für die anderen da, aber nicht für einen selbst. Beide Parteien besaßen einen gehörigen blinden Fleck, was ihre äußerst problematische
Eigenwahrnehmung betrifft. Dies ist wohl einer der Hauptgründe dafür,
warum eine ursprünglich gut gemeinte Sache so gründlich schief ging.
Es lag letztendlich an den beteiligten Personen und an der Art und
Weise, wie sie miteinander umgingen. Die Position der Studenten, die
zwischen den Parteien standen, kann man noch am ehesten nachvollziehen. Denn sie fühlten sich in vielerlei Hinsicht ungerecht behandelt und wollten eine bessere und zeitgemäßere Ausbildung für sich
selbst erreichen.
•
•
•
Der Film: Von einer studentischen
•
Projektgruppe zur Filmakademie Ludwigsburg
•Ende der sechziger Jahre etabliert sich an der Stuttgarter
Kunstakademie eine studentische Projektgruppe, um sich mit Film
auseinanderzusetzen. Dazu gehörten unter anderem Ulrich Bernhardt
und Otto Sudrow. Weitere Teilnehmer von studentischer Seite,
soweit sie sich heute noch ermitteln lassen, waren offensichtlich
Margarete Fuss-Paysan, Christian Günther, Klaus Heider, Enrico
•
•
•
•
•
•
328
250-jahre-kunstakademie-stuttgart
•
•
•
•
Platter, Walter Rempp, Roswitha Rempp, Georg (Schorsch) Mayer, Hermann Valentin Schmitt und Tilmann Taube.[16] Sudrow, der spätere
Assistent von Klaus Lehmann, war als Filminteressierter am Rande an
der Initiative für die Einrichtung einer Filmklasse beteiligt. Er
hatte im Wintersemester 1967/68 und im Sommersemester 1969 an
der Universität Stuttgart im Rahmen des Studium Generale ein Experimentalfilm-Seminar geleitet, die Süddeutsche Filmkooperative
mitbegründet und im Rahmen der studentischen Filmarbeitsgemeinschaft der Universität Stuttgart einige Kurzfilme realisiert,
die später auf den Filmfestivals in Mannheim und Knokke gezeigt
wurden.
•
Im Sommersemester 1970 und im Wintersemester 1970/71 wurden
die Filmemacher Harun Farocki und Hartmut Bitomski aus Berlin
mit einem Lehrauftrag „für die Einrichtung und Unterrichtung einer
Filmklasse (Institut für audio-visuelle Kommunikation)“ beauftragt.
[17] Später hat dann auch der Kameramann Justus Pankau vom SDR
im Rahmen eines Lehrauftrags einen Kurzkrimi mit den Studenten im
Schönbuch gedreht, bei dem es um eine Lösegeldübergabe ging.[18]
Offenbar war geplant, im Haushaltsjahr 1971 zwei Dozenten vollbeschäftigt einzustellen. Der Senat wünschte für die Auswahl der
Dozenten weitere Informationen. Die FilmemacherInnen Claudia von
Aleman, Frau Dr. Erika Runge und Harun Farocki sollen jeweils
ihren letzten Film für eine Senatsvorführung zur Verfügung stellen.
Harun Farocki hat sich mehrere Male zu seiner Stuttgarter Zeit
geäußert:
•
„In Stuttgart war ich ein Jahr lang, von Anfang ‘70 bis
Anfang ‘71 Dozent der Aufbauklasse für Film. … In Stuttgart
arbeiteten wir immer auf den Tag hin, an dem ein systematischer
Lehrbetrieb möglich sein werde. (Dieser Tag kam aber nie, es
gibt jetzt in Stuttgart nicht einmal mehr eine projektierte
•
[16] Quellen: Senatsprotokoll vom 24.11.1970, S.9, A-SABK; Emails von Otto
Sudrow und von Ulrich Bernhardt an den Verfasser.
[17] Schreiben von Kurt Weidemann an Harun Farocki vom 11.5.1970, A-SABK.
[18] Nach Aussagen von Justus Pankau in einem telefonischen Gespräch mit dem
Verfasser im September 2010.
329
huber_neue-medien-an-der-akademie
•
•
•
•
Filmklasse.) Wir hatten keinen eigenen Schneidetisch, kein Geld
für Material, meistens machten wir die Seminare im Flur. Die
Studenten bekamen kein Stipendium, weil ja Film noch nicht als
Lehrfach zugelassen war. Und weil es kein Geld für arbeitsteilige Dozenten gab, musste ich eifrig über allerlei Themen
dilettieren. Unter solchen Bedingungen ist es unmöglich, andere
als kulturpolitische Informationen zu geben. … In Stuttgart
achten wir noch an eine besondere Spezialisierung, an
die Arbeit am Lehrfilm.“[19]
•
In einem öffentlichen Aushang der Projektgruppe Film in
Verbindung mit dem Lehrstuhl für Information und graphische Praxis
von Prof. Kurt Weidemann, in dem für den 20. bis 25. April 1970
ein Blockseminar angekündigt wird, sind folgende Themenschwerpunkte
aufgelistet: „Bürokratische Aspekte der Organisation eines Institutes, Institutsordnung, Berufsperspektive, Projekte der Gruppe,
Filmvorführungen und Besprechungen, Referate: Wirkung der Massenkommunikation.“[20]
•Sehr schnell findet eine professionell konzipierte Denkschrift zur Einrichtung eines Lehrstuhls für Film und Fernsehen an
der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Stuttgart Eingang
in den Senat. Das namentlich nicht unterzeichnete Dokument ist mit
Arbeitsgemeinschaft Film überschrieben und trägt das Datum vom
18. November 1970. Sie ist an den Senat gerichtet, wo am 24. November 1970 eine erste Diskussion über die Einrichtung stattfindet.
Konservative und progressive Haltungen prallen aufeinander. Hugo
Peters stellt die Grundsatzfrage, ob es überhaupt sinnvoll sei,
eine Filmklasse an der Stuttgarter Akademie zu installieren.
Warum gehe man nicht nach Ulm oder nach München, wenn man Film
studieren wolle? Rektor Hirche erklärt, dass die Denkschrift zur
Einrichtung einer Filmklasse für den Haushaltsplan 1972 zu spät
eingegangen sei. Der Antrag, für 1971 eine Filmklasse einzurichten,
sei zwar eingegangen, wurde aber nicht genehmigt. So könne man
•
[19] Harun Farocki: Filmarbeit in der Provinz: Filmklassen an Kunsthochschulen,
in: Filmkritik, Februar 1972, S. 64–66.
[20] Undatiertes Schreiben, Ordner Lehrbeauftragte, A-SABK.
330
250-jahre-kunstakademie-stuttgart
•
•
•
•
erst wieder für 1972 einen neuen Versuch machen. Der Lehrstuhl für
Film und Fernsehen würde zwar von vielen Kollegen im Hause unterstützt, seine Einrichtung müsse aber durch den Landtag genehmigt
werden. Kurt Weidemann erklärt, dass die Klasse eine Sonderstellung
aufweise, da sie andere Zielvorstellungen wie diejenigen in München und Ulm habe. Nun weist der Innenarchitekt Wolfgang Stadelmeier auf verschiedene Probleme der in der „Filmklasse“ tätigen Studenten hin. Weidemann entgegnet: „Die arbeiten wirklich.“ Hirche
erläutert, dass die Filmklasse aus etwa 30 Studierenden bestünde
und nur die zuvor besprochenen Fälle eine hohe Semesterzahl hätten.
[21] Es entspinnt sich eine Debatte über die Frage, wo die 30
Studenten der Filmklasse überhaupt eingeschrieben seien. Walter
Brudi stellt fest, dass bei ihm in der Klasse Studenten seien, die
nie da seien: „Ich weiß nicht, wo die sind.“ Antwort Weidemann:
„In der Filmklasse“. Darauf entgegnet Hirche, dass diese Fälle
ermittelt werden müssen und dass er keine Möglichkeit sehe,
eine Zusage zu einem Zweitstudium in der Filmklasse zu geben.
Danach endet die Debatte. Es ist bezeichnend, dass kaum inhaltlich
diskutiert wird, sondern fast ausschließlich formale Argumente
oder organisatorische Probleme die Diskussion bestimmen.
•In der Folgezeit steht das Thema der Einrichtung einer
Filmklasse auf so gut wie jeder Senatseinladung, die damals jede
Woche stattfanden. Es kommt aber nie zu einer Diskussion, da
das Projekt Filmklasse immer als Tagesordnungspunkt 5 angesetzt
wird und in den Sitzungen stets nur die ersten drei Tagesordnungspunkte behandelt werden. Dadurch wird dieser Punkt immer wieder
auf die nächste Sitzung weiter verschoben, wo er dann auch
wieder mangels Zeit nicht behandelt werden kann. Auch auf eine
solche Weise kann man sich formal vor einer inhaltlichen Auseinandersetzung drücken.
•
In der Senatssitzung vom 18. Dezember 1970 wird das Projekt
zur Einrichtung eines Lehrstuhls für Film und Fernsehen dann
doch noch einmal kontrovers diskutiert. Es sind mittlerweile zahl[21] Senatsprotokoll vom 24.11.1970, S. 9, A-SABK. Dabei muss es sich um die
im Protokoll genannten Studierenden Ulrich Bernhardt, Margarete Fuss, Christian
Günther, Walter Rempp, Hermann Schmitt, Georg Mayer und Roswitha Rempp handeln.
331
huber_neue-medien-an-der-akademie
•
•
•
•
reiche, ausnehmend positiv lautende, Gutachten eingeholt worden.
Theo Fürstenau vom Deutschen Institut für Filmkunde in Wiesbaden, Dr. Reichel vom Klett Verlag Stuttgart, der Filmemacher
Alexander Kluge vom Deutschen Institut für Filmgestaltung
Ulm, Prof. Dr. G. Dohmen vom Deutschen Institut für Fernstudien
an der Universität Tübingen, Hans Köhler, der Leiter der Abteilung
Gestaltung der IBM Deutschland sowie der Intendant Dr. Hans
Bausch vom Süddeutschen Rundfunk Stuttgart haben Stellung zu dem
Projekt bezogen. Auch die internen Gutachten und Stellungnahmen
der verschiedenen Fachbereiche und Studiengänge der Kunstakademie
fallen durchweg befürwortend aus. So finden sich ausnahmslos
positive Stellungnahmen des Fachbereichs „Freie“, der Fachschaft
Malerei, der Fachrichtung Kunsterziehung, des Lehrstuhls für
Produktgestaltung von Prof. Klaus Lehmann sowie des Lehrstuhls für
Architektur und Hochbau von Prof. Erwin Heinle. Bis auf den Intendanten des Süddeutschen Rundfunks beurteilen alle Personengruppen das Projekt als eine wichtige Bereicherung und Ergänzung
des existierenden Lehrangebots.
•Umso unverständlicher erscheint es aus heutiger Sicht,
wie diese hervorragende und für ihre Zeit mutige Konzeption im
Senat zerredet, zerlegt, diskutiert, verschoben, vertagt und
schließlich ausgesetzt wird, bis die Idee ganz vergessen ist. Es
werden angebliche „Unrichtigkeiten“ in der Denkschrift bemängelt
und der Vorschlag aufgenommen, zusätzlich zu den schon zahlreich vorliegenden, eindeutig positiven Stellungnahmen, noch
so genannte „objektive“ Gutachten von „offiziellen“, d.h. staatlich anerkannten, Stellen einzuholen. Dies erscheint als verzweifelter, letzter Versuch, doch noch irgendwelche negativen
Argumente zu bekommen, um das Ganze ablehnen zu können. Wolfgang
•
•
•
332
250-jahre-kunstakademie-stuttgart
•
•
•
•
Kermer zerlegt das Papier nach Strich und Faden.[22] Unterschwellig schwingen auch Ressentiments wegen der zu erwartenden
Kosten mit.
•
Am 2. Februar 1971 wird das Projekt der Einrichtung einer
Filmklasse noch einmal kurz zum Thema im Senat. Rektor Hirche
verliest einen Brief des Kultusministeriums, in dem es um die Zurückstellung des Projektes bis 1973 geht. Danach verliert sich
die Spur, das Projekt ist gestorben, die Filmgruppe fällt auseinan-
[22] Senatsprotokoll vom 18.12.1970, S. 5f., A-SABK: „Dr. Kermer kritisiert,
daSS in diesem Arbeitspapier der Film-Projektgruppe kein Studiengang,
keine Eingangsqualifikation, keine AbschluSSqualifikation formuliert sei.
Die der Denkschrift beigefügten Gutachten (z.B. Dr. Reichel) beziehen
sich hauptsächlich auf Forschung. Dagegen bringt das Arbeitspapier nicht
deutlich
•
genug zum Ausdruck, wieweit Forschung innerhalb des Filmvorha-
bens betrieben
•
Grenzgebiete
•
auch die
•
werden soll. Die Gefahr der Auffächerung in wissenschaftliche
sei damit Tatsache. Bei einer Entscheidung müssen deshalb
zu erwartenden groSSen Kosten berücksichtigt werden. Er unterstützt
die Meinung
•
von Herrn Bruse, möglichst objektive Gutachten von staatlich
anerkannten Stellen
•
Schon der
•
einzuholen und allseitige Informationen zusammenzubringen.“
unterschiedliche Sprachgebrauch ist hoch interessant. In der offi-
ziellen Senatsvorlage
•
Sprachgebrauch
•
ist jedoch
•
als „Denkschrift“ gekennzeichnet, ist hier in abwertendem
lediglich von einem „Arbeitspapier“ die Rede. Die Denkschrift
wesentlich mehr als nur ein Arbeitspapier. Es ist ein klar aus-
gearbeitetes Konzept. Unter
•
ziel
•
Punkt 5 findet sich ein ganzer Absatz zum Studien-
und zur Berufsqualifikation und unter Punkt 6 werden die Zulassungs-
voraussetzungen für das Studium benannt. Es
•
lungnahmen beigefügt.
•
tung
•
sind ferner 14 gutachterliche Stel-
Des Weiteren sind Personalbedarf, Raumbedarf, Ausstat-
und Stufenplan für den weiteren Ausbau in den Anlagen enthalten.
333
huber_neue-medien-an-der-akademie
•
•
•
•
der. Es wird 1973 nicht wieder aufgenommen.[23]
•
•
•
Was sind die Folgen?
•
Ulrich Bernhardt macht im Herbst 1970 ein Praktikum beim
Studio Hollenstein in Paris und geht von Januar 1971 bis Ende 1973
als freier Mitarbeiter der Abendschau Baden-Württemberg zum Süddeutschen Rundfunk. Tilmann Taube und Enrico Platter wechseln an
die Hochschule für Film und Fernsehen nach München, wo sie ab 1972
studieren. Bernhardt arbeitet in der Folge von Anfang 1973 bis
Mitte 1975 zusammen mit Claus Dreyer und Andreas Strunk an einem
von der Volkswagen-Stiftung geförderten Forschungsprojekt über
„Kommunikationstechniken für Architekten und Planer“, das vom Deutschen Institut für Fernstudien in Tübingen koordiniert wurde, am
•
•
Institut für Zeichnen und Modellieren der Technischen Universität Stuttgart bei Prof. Uhl. Sie erproben dort erste Modelle partizipatorischer Planung und führen die ursprüngliche Idee von Harun
Farocki weiter, pädagogische Lehrfilme zu erstellen. Sie beschaffen
sich von den Geldern der VW-Stiftung eine transportable Videoausrüstung der japanischen Firma Shibaden und richten am Institut für
Zeichnen und Modellieren einen ersten Videoschnittplatz ein.[24]
[23] In den Aktenbeständen des Kultusministeriums, die sich im Hauptstaatsarchiv Stuttgart befinden, hat sich lediglich im damaligen Aktenplan des
Ministeriums ein Hinweis erhalten, dass es einmal einen Ordner Gebrauchsgraphik
(Film-klasse) gegeben haben muss. Der Ordner selbst ist jedoch leider nicht
erhalten geblieben. Email von Frau Dr. Nicole Bickhoff an den Verfasser vom 19.
August 2010: „ Das Aktenzeichen 2338-2 Gebrauchsgraphik (Filmklasse) ist in
unserem Bestand nicht überliefert. Es wurde allem Anschein nach bei der archivischen Bewertung vernichtet, da nach fachlicher Prüfung die aussagekräftigeren
Informationen in den Akten der Akademie zu erwarten sind.“
[24] Nach einer erhaltenen Skizze in den Unterlagen scheint es sich bei dem
Recorder um einen Shibaden SV 610 ED, bei den Kameras um eine Philips VN
770 und eine Philips LHD 50 gehandelt zu haben.
334
250-jahre-kunstakademie-stuttgart
•
•
•
•
•
1976 wird Albrecht Ade als Professor für Grafik-Design und
Animationsfilm aus Wuppertal an die Stuttgarter Kunstakademie
berufen. Er hatte in den fünfziger Jahren selbst als Student bei
Walter Brudi studiert. Vieles von den in den Jahren zuvor diskutierten Reformideen schwirrt noch in den Köpfen der Beteiligten
herum. Manches hat sich aber auch schon wieder beruhigt, als
Ade seine Professur antritt. Er wird von vielen Professorenkollegen
gut aufgenommen, wie beispielsweise von Erwin Heinle, Moritz Baumgartl oder Klaus Lehmann. Der Konflikt zwischen Kurt Weidemann
und dem Rest des Kollegiums schwelt jedoch weiter. Bei Ades Amtsantritt war nichts an technischer Ausstattung für Film vorhanden.
Nach Tilmann Taube trug Hermann
Bachschuster diese Kamera „zur politischen Selbstverwirklichung
ins Jugendhaus mit sich fort.“[25]
•
Der neue Rektor Wolfgang Kermer, der seit dem 1. Januar 1972
im Amt war, hatte ein starkes Interesse daran, dass der Unterricht funktionierte. Albrecht Ade sollte in diesem Bereich Ordnung
schaffen und gleichzeitig Neues entwickeln. Als Nachfolger von
Eugen Funk war Ade eine der ersten Berufungen in der Amtszeit von
Rektor Wolfgang Kermer. Da keinerlei technische Ausstattung für
Animationsfilm vorhanden war, dauerte es bis ins Jahr 1980, bis die
ersten bescheidenen Animationen realisiert wurden. Flammender Pfeil
im Reich der schnellen Bilder von Thomas Meyer-Herrmann aus dem
•
•
•
•
Jahr 1981, Strips und Dauerlauf sind die ersten Produktionen, die
in der Ade-Klasse entstanden. Ein Schneidetisch konnte in den Anfangstagen hier und da ausgeliehen werden. Ab 1986 wurden ein SteenbekSchneidetisch und ein Grass-Tricktisch angeschafft, die sich heute
noch im Besitz der SABK befinden und unter anderem von den Studie[25] Tilmann Taube: 4TY YEARS After. Die Filmklasse an der Akademie der
Bildenden Künste in Stuttgart 1969 bis ’71. – Eine Filmklasse, die es
nie gab, Unveröffentlichtes Manuskript vom Oktober 2010, das mir freundlicherweise von Ulrich Bernhardt überlassen wurde.
335
huber_neue-medien-an-der-akademie
•
•
•
•
renden des Studienganges Konservierung neuer Medien und digitaler
Informationen, noch heute benutzt werden.
•
1982 hat Albrecht Ade das Stuttgarter Trickfilmfestival
gegründet, das anfangs in Zusammenarbeit mit dem Kommunalen Kino
stattfand. Das erste Trickfilmfestival fand 1982 im Planetarium
am Schlossgarten mit etwa zweihundert Zuschauern statt. Zum 2.
und 3. Internationalen Trickfilmfestival kamen immer mehr Leute,
bis es 1988 mit geschätzten 40.000 Besuchern sechs Tage lang in der
Alten Reithalle stattfand. Es gab einen Preis der Kunstakademie
für den besten Trickfilm, der 1986 und 1988 zwei Mal vergeben wurde. Albrecht Ade hätte die Filmausbildung gerne an der SABK gesehen, wie er mir sagte. Die Gründung eines Filminstituts wäre jedoch, von der Leitung her gesehen, zu schwierig gewesen. Auch die
Einzelinteressen im Senat ließen einen Ausbau in diese Richtung
nicht als sinnvoll erscheinen.
•So entschloss man sich, mit Unterstützung des Wissenschaftsministers Prof. Dr. Engler, von Dr. Erhardt, dem Verwaltungsdirektor des Ministeriums für Wissenschaft und Kunst, und Dr. Bessey
von der Kunstabteilung, um 1988 herum, die Animations-Filmausbildung aus der SABK auszulagern und eine eigene Ausbildungsinstitution, die spätere Filmakademie Ludwigsburg, zu gründen. Das
Ziel war, mit einer neuen Konzeption und Struktur, ein Institut für
alle relevanten Filmberufe wie Drehbuch, Regie, Kamera, Animation,
Filmmusik und Produktion zu schaffen. Die Filmakademie begann
1991 mit dem Studienbetrieb. In einer Studie aus dem Jahre 1987/88
wurde festgestellt, dass 30% der Studierenden der Münchner Filmakademie aus Baden-Württemberg stammten. Dies war ein wichtiger
•
•
Impuls. Hinzu kamen in der damaligen Zeit der Landesregierung von
Lothar Späth grundsätzliche Überlegungen, Baden-Württemberg zu
einem Medienstandort auszubauen. Man fragte sich, was als Innovationspotential nötig sei und welche Voraussetzungen man schaffen
müsse, damit sich Medienunternehmen in Baden-Württemberg ansiedeln.
Als eine wichtige Voraussetzung dafür wurde gut ausgebildetes
336
250-jahre-kunstakademie-stuttgart
•
•
•
•
Personal erkannt. In diesem Zusammenhang ist auch die Gründung des
Zentrums für Kunst und Medientechnologie in Karlsruhe zu sehen.
In der Förderung der Neuen Medien wurde damals ein großes Zukunftspotential gesehen.[26]
•
•
•
Das Künstlerhaus Stuttgart – Antithese zur Kunstakademie?
•Noch eine andere Institution steht in einem direkten Zusammenhang mit den Bemühungen um die Einrichtung einer Filmklasse,
nämlich das Künstlerhaus Stuttgart. Das Künstlerhaus ist aus
der Unzufriedenheit zahlreicher in Stuttgart lebender Künstler,
die alle an der Akademie studiert hatten, mit den bestehenden
Verhältnissen von künstlerischer Produktion, künstlerischer
Diskursbildung und den damals existierenden Ausstellungsmöglichkeiten entstanden. Für die Entstehung des Künstlerhauses spielen wiederum Ulrich Bernhardt und Kurt Weidemann eine zentrale
Rolle. Wenn man sich an die zahlreichen Anträge an den Senat erinnert, die der Asta für die Zurverfügungstellung von Hochschulräumen für Informationsveranstaltungen im Zusammenhang mit der
Computeraffäre um Ernst Knepper gestellt hatte, die allesamt
von der Hochschule abgelehnt wurden, oder die äußerst beschränkte
Zugänglichkeit von Werkstätten, die nur für Studierende des
jeweiligen Professors zugänglich waren, wird die Dringlichkeit und
politische Bedeutung eines unabhängigen und selbstverwalteten
Produktions-, Diskussions- und Ausstellungsortes für Künstler überdeutlich. Es ist auch bezeichnend, dass es in den Jahren nach der
[26] Wenn man einen sehr weiten und gewagten Bogen spannen will, dann kann
man vielleicht sogar die These aufstellen, dass die studentische Projektgruppe aus dem Jahr 1970, die von vielen Personen positiv unterstützt wurde,
indirekt – nämlich über den Zwischenschritt Wolfgang Kermer und Albrecht
Ade, bei dessen Berufung ausdrücklich eine Beschäftigung mit dem Film gewünscht
war, wie er mir selbst sagte –, ihren ursprünglichen Impuls bis in die Filmakademie Ludwigsburg weiterreichen konnte, auch wenn das an der Akademie geplante Projekt selbst schnell zum Scheitern verurteilt war. Albert Ade verneint
jedenfalls einen Einfluss dieser Initiative auf die Idee einer Filmakademie in Ludwigsburg.
337
huber_neue-medien-an-der-akademie
•
•
•
•
Einrichtung des Künstlerhauses so gut wie keine Zusammenarbeit
mit der Kunstakademie gibt, dagegen rege Kooperationen mit
der Merz-Akademie. Aber aus Sicht der Professoren am Killesberg
ist der Fall klar. Das Künstlerhaus entzieht sich ihrer Macht
und ihrem Einfluss. Man kann also auch hier die These aufstellen,
dass das Künstlerhaus aus einer Unzufriedenheit oder Kritik an
den bestehenden Verhältnissen von künstlerischer Produktion, Rezeption und Diskursbildung in einer Art Antithese gegen die Kunstakademie und gegen den Württembergischen Kunstverein gegründet
wurde – eine Ansicht, der Ulrich Bernhardt, der Gründer des Künstlerhauses, auf Nachfrage ausdrücklich zustimmt.[27] Freier Zugang
zu modernen künstlerischen Produktionsmitteln, Diskursbildung,
Präsentationen neuer Kunstformen, wie zum Beispiel Video und Performance, sowie die internationale Vernetzung und Austausch waren
die Leitgedanken des Künstlerhauses, die im Gegensatz zu den
damals in Stuttgart bestehenden Institutionen standen.
•Was kann die Stuttgarter Kunstakademie aus ihrer eigenen
Geschichte für die Zukunft lernen? Diese Frage muss jeder für sich
selbst beantworten, je nachdem, an welcher Stelle im System er
steht. Aber dass man eine Menge aus diesen verschiedenen Geschichten
und ihren jeweiligen Folgen lernen kann, ist ganz offensichtlich.
•
[27] In einem Gespräch mit Ulrich Bernhardt am 09.08.2010.
338
250-jahre-kunstakademie-stuttgart
•
•
•
•
•
•
•
•
•
•
•
•
büttner: und jetzt? ein zwischenstück
Nils Büttner
Und Jetzt?
Ein Zwi schen stück
Seit der 1968 angestoßenen Neuordnung der Stuttgarter Akademie sind inzwischen mehr als vierzig Jahre vergangen, die alles andere als ereignislos waren. Sie ha­ben im persönlichen Leben der Beteiligten, in Werken der Kunst und in Gestalt unterschiedlicher Versuche einer literarischen Aufarbeitung ihre Spuren hinterlassen.
Dem ehemaligen Rektor Wolfgang Kermer, der zwischen 1966 und 1997 als Kunsthistoriker an der Akademie wirkte, kommt dabei das Verdienst zu, sich mit besonderer
Intensität um die Erforschung und Dokumentation der Akademiegeschichte bemüht
zu haben. Er begründete die zwischen 1972 und 1978 erschienene Schriftenreihe
»Akademie-Mitteilungen«, die zwischen 1975 und 2006 erschienenen »Beiträge zur
Geschichte der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Stuttgart« und die von
1996 bis 2006 publizierte sogenannte »WerkstattReihe«. Dabei war er nicht nur Heraus­geber und verantwortlicher Schriftleiter dieser Publikationen, sondern nicht selten
auch Autor. Zu der 1988 publizierten Selbstdarstellung der Akademie hat er unter
an­derem eine Ereignischronik beigetragen, in der im kursorischen Überblick die Ge-
343
250 jahre kunstakademie stuttgart
schichte der Akademie von der Gründung bis auf das Jahr 1987 dargestellt wurde.1 Mit
zunehmender Informationsdichte sind dort die bemerkenswerten Ereignisse in ihrer
Chronologie anschaulich gemacht. Für das Jahr 1973 ist beispielsweise unter dem 16.
Juli die Wiederwahl des amtierenden Rektors Kermer verzeichnet, der am 14. Februar
einen hochschulöffentlichen Rechenschaftsbericht abgegeben hatte. Als weitere Perso­nalie wird mitgeteilt, dass Jürgen Rose die Nachfolge von Professor Gert Richter ange­treten und die Leitung der Klasse für Bühnenkunst übernommen hatte.2
Zum Sommersemester 1974, in dem das Kultusministerium einer vom Senat beschlossenen Ver­
fassungsänderung zugestimmt hatte, übernahm Sotirios Michou eine neugeschaffene Professur für Werken. Zum Wintersemester des gleichen Jahres wurde der Designer Manfred Kröplien
als Professor für Buchgraphik und Leiter des Buchinstituts zum Nachfolger von Walter Brudi,
der in den Ruhestand getreten war. Der Bildhauer Karl-Henning Seemann trat als Professor für
Allgemeine künstlerische Ausbildung die Nachfolge von Zbynek Sekal an und der Karlsruher
1
Wolfgang Kermer: Daten und Bilder zur Akademie-Geschichte, in: Die Staatliche
Akademie der Bildenden Künste Stuttgart: Eine Selbstdarstellung, Stuttgart 1988, S. 16–31.
2
Für dies und das Folgende vgl. Kermer 1988 (wie Anm. 1), S. 28f.
344
büttner: und jetzt? ein zwischenstück
Architekt Heinz Mohl wurde zum Nachfolger des ausgeschiedenen Professors für Umweltgestaltung Wolfgang Knoll. Noch im Wintersemester trat am 23. Januar 1975 das neue Kunsthochschul­
gesetz (»Gesetz über die Kunsthochschulen im Land Baden-Württemberg«) in Kraft, das den
Status der Stuttgarter Akademie und die wesentlichen Rechtsverhältnisse verbindlich regelte.
Damit wurde nicht nur das Zulassungsverfahren neu gestaltet, sondern zugleich die Studienstruktur festgeschrieben. Die Studiengänge »Bildhauerei, Bühnenbild, Glasgestaltung, Freie
Graphik, Freie und Angewandte Keramik, Malerei, Innenarchitektur und Möbeldesign, Produkt­
gestaltung, Textilgestaltung, Graphik-Design, Restaurierung und Technologie von Gemälden und
gefassten Skulpturen [und] Kunsterziehung« wurden damals gebildet.3
Erstmals fand Ende des Jahres 1975, sieben Jahre nach der Fertigstellung des Gebäudes, nach
Ab­holung der von Knepper aufgestellten Computeranlage, in der Ausstellungshalle des Akademie-Neubaus eine Ausstellung statt.4 Im gleichen Jahr wurde auch die Kunstsammlung der Akade­mie gegründet, die von nun an bis zu seinem Ausscheiden 1997 nebenamtlich von Wolfgang Ker­mer
betreut wurde.5 Das Fundament dieser Sammlung hatte das Finanzministerium gelegt, indem es
3
4
Kermer 1988 (wie Anm. 1), S. 29.
Zu dem von Knepper aufgestellten Computer vgl.
den Beitrag von Hans Dieter Huber in diesem Band.
5
Zum Profil der Sammlung und ihrer Geschichte vgl. Die Sammlung der Staatlichen
Akademie der Bildenden Künste Stuttgart: Katalog der Staatlichen Akademie der
Bildenden Künste Stuttgart, hrsg. von Gabriele Merkes, Stuttgart 2000.
345
250 jahre kunstakademie stuttgart
der Akademie 1972 zur Einweihung des Werkstattbaus eine Zeichnung Adolf Hölzels geschenkt
hatte. Seither wurden vor allem mit Mitteln des Landes und mit steter Unterstützung des Minis­
teriums für Wissenschaft und Kunst kontinuierlich Arbeiten von Künstlern erworben, die dem
Hause als Lehrende oder Lernende verbunden waren. Hinzu kamen Schenkungen, Nachlässe,
Stiftungen und Zuwendungen, die der Sammlung zu einem in der Museumslandschaft BadenWürttembergs einmaligen Profil verhalfen.
Zum Wintersemester 1975/76 wurde als Nachfolger Herbert Hirches der zuvor an der Hochschule
für Bildende Künste in Braunschweig tätige Professor Arno Votteler berufen. Auch das folgende
Jahr brachte personelle Veränderungen. So wurde zum Sommersemester 1976 Moritz Baumgartl
als Nachfolger von Hugo Peters zum Professor für Allgemeine künstlerische Ausbildung berufen,
zum Wintersemester der Karlsruher Professor Rudolf Schoofs als Nachfolger von Gunter Böhmer
auf eine Professur für Freie Graphik. Als Nachfolger von Eugen Funk wurde Albrecht Ade auf eine
Professur für Graphik-Design berufen. Die allgemeine gesetzliche Neuregelung hatte den im Rahmen der Prüfungen zu betreibenden Verwaltungsaufwand so stark er­höht, dass ein zentrales Prüfungsamt notwendig wurde. Zum ersten Mal hatte am 15. Juli 1976 auch nach dem neuen Kunsthochschulgesetz eine Rektor-Wahl stattgefunden, wobei der Amtsinhaber Wolfgang Kermer für
wei­tere vier Jahre in seinem Amt bestätigt wurde. Im Rahmen der durch das neue Hochschulgesetz
bewirkten Studienreform wurden neue Studienordnungen erarbeitet, die schon im folgenden Jahr
durch das vom Bund erlassene Hochschulrahmengesetz angepasst werden mussten, da von nun
an beispielsweise feste Regelstudienzeiten galten. Auch das noch junge Kunsthochschulgesetz
musste neu verabschiedet werden, wobei die Neufassung zum 1. Januar 1978 in Kraft trat. Zu Be­-
346
büttner: und jetzt? ein zwischenstück
ginn des damals laufenden Wintersemesters wurde, als Nachfolger des Kunsthistorikers Hans
Fegers, Professor Edgar Hertlein aus Münster berufen. Ein 1978 von der Landesregierung beschlossenes Förderprogramm für »Neue Kunst-Aktivitäten« mündete in die »Debütanten-Ausstel­lung«, eine damals neu begründete Ausstellungsreihe, die Absolventen den Berufseinstieg erleich­tern sollte.
Noch immer forderte das neue Kunsthochschulgesetz eine ganze Reihe von Anpassungen in den
Regularien der Akademie, wozu auch eine Grundordnung gehörte, die am 1. April 1979 in Kraft
trat. Damit wurde die bisherige Abteilungsgliederung außer Kraft gesetzt und die Zuord­nung der
Lehrkräfte zu den neugegründeten Fachgruppen verordnet. Dies waren »1. Allgemeine künstleri­sche Ausbildung und Werken, 2. Freie Kunst, 3. Innenarchitektur und Design, 4. Graphik-Design,
5. Kunstgeschichte und Kunsttechnologie«.6 Für dasselbe Jahr 1979 konnte der Rektor Wolfgang
Kermer vermelden, dass »für den gesamten Bereich der angewandten Kunst Prüfungsordnungen
(insgesamt 5)« erlassen worden seien.7 Zum Wintersemester 1979/80 erging ein Ruf an den Maler
Herwig Schubert auf eine neugeschaffene Professur für Aktzeichnen. Im Jahre 1980 wurde unter
Professor Votteler an der Akademie ein »Institut für Innenarchitektur und Möbeldesign« (das heu­tige »Weißenhofinstitut«) gegründet, das ausweislich seiner Benutzungsordnung das Ziel hatte,
6
Kermer 1988 (wie Anm. 1), S. 29.
7
Kermer 1988 (wie Anm. 1), S. 29.
347
250 jahre kunstakademie stuttgart
»Versuche und Entwicklungen zu betreiben und Grundlagen zu schaffen zur Verbesserung der
Produktqualität, der Gebrauchsqualität und der gebrauchsbezogenen Nutzerinformation« zu ent­wickeln. Am 8. Juli des Jahres 1980 bestätigte der Senat den amtierenden Rektor Kermer für weitere vier Jahre in seinem Amt. Doch ergaben sich in der personellen Struktur der Hochschule auch
Veränderungen, indem die bisherigen Dozenten zu Professoren ernannt wurden.8 1981 wurde als
Nachfolger von Erwin Heinle im Studiengang »Innenarchitektur und Möbelbau« Professor Heinz
Mohl für die Leitung einer Entwurfsklasse Architektur berufen. Die zum 20. Juli 1981 in Kraft ge­tretene Prüfungsordnung für das Künstlerische Lehramt an Gymnasien fordert zukünftig ein zweites Schulfach als wissenschaftliches Beifach, wobei noch im gleichen Jahr die von der Hochschule
vorgeschlagene Kombination mit dem »Verbreiterungsfach Werken« erprobt wurde. In das gleiche
8
Insgesamt wurden neun Dozenten nach § 98 Abs. 2 KHG nach C 2 übergeleitet
und zu Professoren ernannt. Reguläre Berufungsverfahren fanden nicht statt.
Dies waren: Horst Bergmann (FG Allg. Künstl. Ausbildung und Werken: Schrift und
Grafik), Christoph Brudi (FG Grafikdesign: Illustration), Hasso Bruse (FG Grafikdesign: Fotografie/Fotografik), Günter Jacki (FG Grafikdesign: Typografie/Schrift),
Klaus Kinter (FG Allg. Künstl. Ausbildung und Werken: Naturzeichnen), ClausPeter Klink (FG Innenarchitektur und Möbeldesign: Innenausbau), Peter Steiner (FG
Allg. Künstl. Ausbildung und Werken: Schriftgestaltung), Axel Stemshorn (FG Innenarchitektur und Möbeldesign: Technischer Ausbau), Martin Radt (FG Allg. Künstl.
Ausbildung und Werken: Werken). Freundliche Auskunft von Siegfried Jeschke.
348
büttner: und jetzt? ein zwischenstück
Jahr fielen auch die vom Landesrechnungshof angestoßenen Eingriffe in die Werkstatt-Struktur
der Hochschule.9 Darüber hinaus zwangen umfangreiche Mittelkürzungen mit Beginn des Jahres 1982 die Akademie zu einer »erheblichen Reduzierung des Personal- und Sachaufwands«.10
Dabei hatte zur gleichen Zeit die Zahl der Studierenden einen neuen Höchststand erreicht, was
sich auch in einer zunehmend prekären räumlichen Situation niederschlug. Um den dringendsten Platzbedarf zu beheben, wurden diverse Provisorien angemietet, wie zum Beispiel die sogenannte Sarotti-Halle im Höhenpark Killesberg, die von Bildhauer-Studenten genutzt wurde.
Die zum Wintersemester 1983 /84 neugegründete Klasse für Freie Graphik und Malerei unter
Professor Wolfgang Gäfgen konnte aus Mangel an Raum nur eingeschränkt ihre Tätigkeit
aufneh­men.11 Zum Ende dieses Semesters wurden für das »Verbreiterungsfach Werken« in der
Mozartstraße 51 neue Räumlichkeiten angemietet, wo knapp ein Jahr später zum Wintersemester
1984/85 der Lehrbetrieb aufgenommen werden konnte. Mit dem 1. November 1985 wurde diesem
Studiengang, einer seit zwei Jahren betriebenen Überlegung folgend, auch der Theatersaal im
Eduard-Pfeiffer-Haus in der Heusteigstraße zur Verfügung gestellt, was die Arbeitsmöglichkeiten
9
Vgl. dazu den Beitrag von Horst Wöhrle in diesem Band.
10
11
Kermer 1988 (wie Anm. 1), S. 30.
Im gleichen Semester übernahm der Restaurator
Karl-Werner Bachmann die Leitung des Instituts
für Technologie der Malerei. Vgl. dazu den Beitrag von
Laura Kapp und Christoph Krekel in diesem Band.
349
250 jahre kunstakademie stuttgart
für Professor Michou und seine Studierenden entschieden verbesserte.12 Zum Sommersemester
des Jahres 1984 hatte Hans Dreher in der Nachfolge von Heinz Mohl eine Professur für Allgemeine Künstlerische Ausbildung/Umweltgestaltung übernommen. Eine personelle Veränderung
ergab sich auch in der Leitung der Hochschule, indem der amtierende Rektor Wolfgang Kermer,
nach der bis auf den heutigen Tag längsten Amtszeit eines Akademierektors, auf eine weitere
Kandidatur verzichtete. Sein Nachfolger wurde der Designer Manfred Kröplien, der dieses Amt
innehatte, bis er 1987 von Paul Uwe Dreyer abgelöst wurde.
Nach dem 1983 vom Studentenwerk begonnenen Umbau der Mensa, der knapp ein Jahr später
ab­geschlossen war, konnte ein Teil des Untergeschosses von der Klasse Gäfgen genutzt werden.
Durch Anmietung einer weiteren Außenstelle in einem ehemaligen Lagerraum des Tuchhauses
Scheid in der Tübinger Straße 12 wurden für die Studierenden aus den Bereichen Malerei und
Gra­phik sowie für das Institut für Buchgestaltung neue Räume geschaffen. Die Raumsituation
blieb dennoch problematisch, wobei der amtierende Ministerpräsident Lothar Späth während
eines Besuches 1984 der Akademie einen Erweiterungsbau in Aussicht stellte. Am 6. Februar
1986 mündete dieses Versprechen in die Ausschreibung eines internationalen Architektenwettbewerbs mit dem Ziel einer »Erweiterung der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste
12
Eine weitere Verbesserung wurde am 1. September 1986 durch Anmietung weiterer
Räume in der Heusteigstraße 45 (Rückgebäude) erreicht, vornehmlich zur
Werkstattnutzung im Zusammenhang mit dem Betrieb der Experimentierbühne.
350
büttner: und jetzt? ein zwischenstück
Stuttgart«.13 Es sollten »Räume[n] für vier neue Klassen und für verschiedene neu einzurichtende Aufbaustudiengänge« geschaffen und eine architektonische Abrundung der Gesamtanlage
erreicht werden.14 Eine temporäre Verbesserung der räumlichen Situation wurde mit dem 1.
März 1986 durch Anmietung der Räume des ehemaligen Höhenrestaurants »Schönblick« im
Hölzelweg 2 erreicht, so dass im Altbau verschiedene Unterrichtsräume frei wurden. Hier fand
insbesondere die im Studiengang »Produktgestaltung« unter Professor Richard Sapper neugebildete Klasse für Industrie-Design ein Unterkommen. Zum Sommersemester des Jahres trat
Professor Robert Haussmann die Nachfolge von Herta-Maria Witzemann an. Weitere personelle
Veränderungen bedeuten die Berufung von Joachim Hämmerle als Leiter einer neu geschaffenen
fünften Klasse für Allgemeine Künstlerische Ausbildung und die Berufung von Heinz Edelmann
auf die Nachfolge des 1985 ausgeschiedenen Professors Kurt Weidemann. Die am 18. und 19.
Juli diskutierte Wettbewerbsentscheidung für den aus 78 Entwürfen ausgewählten Plan des
Stuttgarter Architekten Klaus Mahler zur Errichtung eines Erweiterungsbaus bedeutete in baulicher Hinsicht einen wichtigen Schritt. Einen weiteren Höhepunkt bildete die am 28. Novem­ber 1986 vollzogene Übergabe des grundlegend sanierten Saals des alten Landtages an die Akademie. Eine weitere räumliche Erweiterung wurde im folgenden Jahr 1987 durch Anmietung von
Räumen in der Birkenwaldstraße 200 vollzogen, wo das Institut für Technologie der Malerei neue
13
Kermer 1988 (wie Anm. 1), S. 31.
14
Kermer 1988 (wie Anm. 1), S. 31.
351
250 jahre kunstakademie stuttgart
Dienst-, Unterrichts- und Laborräume erhielt. Auch gab es wieder personelle Veränderungen. Im
Rahmen des von der Landesregierung betriebenen Ausbaus der Design-Studiengänge wurde
zum Wintersemester 1986/87 Erich Slany auf eine neu eingerichtete Professur berufen und übernahm den Studiengang für Investitionsgüter-Design. Als Nachfolger des am 30. Juni 1987 zurückgetretenen Rektors Professor Manfred Kröplien, wählt der Senat den Maler Professor Paul-Uwe
Dreyer. Zum Wintersemester 1987/88 trat Inge Mahn als Professorin für Bildhauerei die Nachfolge des nach Berlin berufenen Alfred Hrdlicka an und als Nachfolger des verstorbenen Ulrich
Günther wurde Giuseppe Spagnulo auf eine Professur für freie und angewandte Keramik berufen.
In Spagnulo berührt der Bereich der Akademiegeschichte zugleich meine ganz
individuelle Biographie dort. Denn in meinem fast leeren Büro, von dem mir Pamela
Scorzin, die im Sommer 2008 die vakante Kunstgeschichtsprofessur vertrat, ein mit
dem iPhone aufgenommenes Foto gesandt hatte, hing eine riesige Arbeit Spagnulos.
Das sehr graphische in Sand, Vulkanasche und schwarzem Eisenoxyd auf Papier ausgeführte Blatt hängt dort noch heute. Von Spagnulo als Graphiker hatte ich vordem
keine Idee. Anders als zum Beispiel von Rudolf Schoofs, den ich als Zeichner immer
bewundert hatte und dessen Name in meiner Vorstellung eng mit der Stuttgarter Akademie verbunden war. Er starb am 28. Juli 2009 in Stuttgart. Zur Trauerfeier für Rudolf
Schoofs, die von meiner Kollegin Cordula Güdemann organisiert wurde, die bei ihm
studiert hatte, wurden in der Alten Aula einige seiner Arbeiten aus den Beständen der
352
büttner: und jetzt? ein zwischenstück
Sammlung gezeigt. Eine ähnlich memorial motivierte Schau von Stücken aus der
Sammlung hatte es bereits im September 2008 aus Anlass einer Trauerfeier für den
verstorbenen Ex-Rektor Paul Uwe Dreyer gegeben. Der Gedenkfeier hatten vor allem
ehemalige Schüler ein andächtig festliches Gepräge gegeben, allen voran mein Kollege
Andreas Opiolka. Für mich waren die Trauerfeier und die aus Beständen der Sammlung
gestaltete kleine Ausstellung zugleich die erste Begegnung mit Werk und Wirkung des
Malers Dreyer, der die Hochschule über Jahre geprägt hatte. Nicht zuletzt die Gespräche
am Rande der Feier machten mir zugleich deutlich, dass Dreyer zu Lebzeiten geliebt
und bewundert worden war, respektiert, aber auch gefürchtet. Manchen seiner Kollegen
galt er als streitbar und er war, de mortuis nihil nisi bene, zumindest nicht unumstritten.
Genau wie im Fall von Wolfgang Kermers nicht unwidersprochener Geschichte der Geschehnisse um das Jahr 1968 und seiner Folgen ist mit diesen Bewertungen zugleich
ein Grundproblem berührt, mit dem sich Autoren schon seit den Anfängen der europäischen Geschichtsschreibung herumschlagen. Deren Beginn markiert im 5. vorchristlichen Jahrhundert Herodots Geschichtswerk »Histories apodexis«, zu Deutsch »Darlegung der Erkundungen«. »Herodotus von Halikarnassos gibt hier eine Darlegung seiner Forschungen«, heißt es darin einleitend, »damit bei der Nachwelt nicht in Vergessenheit gerate, was unter Menschen einst geschehen ist; auch soll das Andenken an große
und wunderbare Taten nicht erlöschen, die die Hellenen und die Barbaren getan haben,
besonders aber soll man die Ursachen wissen, weshalb sie gegeneinander Kriege
führten. … So erzählen die Perser und so die Phoiniker. Ich selber will nicht entschei353
250 jahre kunstakademie stuttgart
den, ob es so oder anders gewesen ist.«15 Das gleich in der Einleitung dieses Werkes
immer wieder erwähn­te mündliche Forschen und Fragen galt Herodot als zentrales
Instrument für die Gewinnung historischer Erkenntnis, die im Abwägen und Bewerten unterschiedlicher Geschichten oder Versionen einer Geschichte besteht. Tatsächlich hat schon das griechische Wort »historia« die Grundbedeutung »Erkundung«
und hängt mit »histor« zusammen, was soviel wie »Zeuge« oder »Kundiger« bedeutet.16
Was Herodot er­zählt, ist nicht allein die Geschichte der Menschen, sondern auch die
der Götter, die menschliche Geschicke lenkend unmittelbar auf den Lauf der Geschichte Einfluss nehmen. Untrennbar ist in Herodots Werk Historisches mit Mythologischem verwoben, so dass Cicero später über Herodot schreiben sollte, »patrem historiae, sunt innumera­biles fabulae«. Der lateinische Rhetor bezeichnete Herodot als
»Vater der Geschichtsschreibung, der unzählige Märchen« erzählt habe.17 Ein Jahr15
Herod. epilog, I, 5; Herodot: Historien, übersetzt von A. Horneffer,
hrsg. von H. W. Haussig, 4. Aufl., Stuttgart 1971, S. 1–3.
16
Auch im Deutschen wird sprachlich nicht sauber zwischen
der Bedeutung von »Geschichte« im Sinne des lateinischen
res gestae, das eigentlich Geschehene, und der »Geschichte«
im Sinne der lateinischen historia rerum gestarum, also
der Erzählung des Geschehenen unterschieden.
17
Cic. leg. 1.1.5.
354
büttner: und jetzt? ein zwischenstück
hundert nach Herodot vermied Thukydides den Begriff der Geschichte, dessen Bedeutung sich damals schon von der Tätigkeit des Erkundens auf deren Ergebnis verschoben
hatte. Seit Aristoteles ist die Geschichtsschreibung ein fester literarischer Begriff.18
Und dieser konnte, Aristoteles folgend, deutlich von der Poesie unterschieden werden.
Dabei traf der Philosoph um das Jahr 384 v. Chr. eine auf den ersten Blick einleuchtende Unterscheidung: »Aus dem Gesagten ergibt sich auch, daß es nicht Aufgabe des Dichters ist mitzuteilen, was wirklich geschehen ist, sondern vielmehr, was geschehen könnte, d. h. das nach den Regeln der Wahrscheinlichkeit oder Notwendigkeit Mögliche.
Denn der Geschichtsschreiber und der Dichter unterscheiden sich nicht dadurch voneinander, dass sich der eine in Versen und der andere in Prosa mitteilt – man könnte ja
auch das Werk Herodots in Verse kleiden, und es wäre in Versen um nichts weniger
ein Geschichtswerk als ohne Verse –; sie unterscheiden sich vielmehr dadurch, dass
18
Arist. rhet. I, 4 , 1360 a 37; III, 9, 1409 a 28; poet. 9, 1451 b 3, 6; 23, 1459 a 21.
355
250 jahre kunstakademie stuttgart
der eine das wirklich Geschehene mitteilt, der andere, was geschehen könnte. Daher
ist Dichtung etwas Philosophischeres und Ernsthafteres als Geschichtsschreibung;
denn die Dichtung teilt mehr das Allgemeine, die Geschichtsschreibung hingegen
das Besondere mit.«19 Für Aristoteles lag der zentrale Unterschied zwischen Dichtung
und Geschichtsschreibung darin, dass Letztere ganz bestimmte Zusammenhänge so
darstellte, wie sie wirklich waren. Aber wie war es denn wirklich?
Wer Antwort auf diese Frage sucht, begibt sich auf einen Erkenntnisweg, der das Ziel
in sich begreift. Wie Max Weber 1904 gezeigt hat, ist der Gegenstand historischer Erkenntnis dieser nämlich nicht vorgängig, sondern – im Gegenteil – erst ein Ergebnis
des forschenden Interesses.20 Historisches Geschehen wird erst durch seine Erforschung
und systematische Ordnung zu dem, als was es später erscheint. Die Subjek­tivität des
Forschenden bestimmt schon die nur vermeintlich objektive Auswahl der für berichtenswert befundenen Ereignisse und Geschichten.
19
Arist. poet. 1451 a; Aristoteles: Poetik, übersetzt
von Manfred Fuhrmann, Stuttgart 1982, S. 29.
20
Vgl. Max Weber: Die »Objektivität« sozialwissenschaftlicher und
sozialpolitischer Erkenntnis (1904), in: ders.: Gesammelte Aufsätze
zur Wissenschaftslehre, 7. Auflage, Tübingen 1988, S. 146–214.
356
büttner: und jetzt? ein zwischenstück
Im Rahmen dieser Rückschau auf die Geschichte der Stuttgarter Kunstakademie ist
auf die einer selbsterlebten Geschichte verbundenen Be- und Empfindlichkeiten der
noch lebenden Protagonisten nach Kräften Rücksicht genommen.21 Das heißt, dass für
die Darstellung der neueren Zeit auf Wertungen weitgehend verzichtet ist. Der Grund
dafür liegt nicht zuletzt in der Tatsache, dass die von einem auktorialen Subjekt über
den Gestus des historischen Schreibens hergestellte vermeintliche Objektivität, den am
Geschehen Beteiligten zumeist als wenig plausibel erscheint. Nicht selten berufen sich
Zeitzeugen auf die höhere Autorität der Autopsie oder verschanzen sich hinter dem mit
gutem Grund juristisch verfügten Schutz der Persönlichkeit.
Die Beiträge dieses Bandes sollen in ihrem Nach- und Nebeneinander die Geschichte der Stuttgarter Kunstakademie anschaulich machen, wobei die künstliche Folge der
Chronologie durchaus nicht den Versuch bedeuten soll, die historische Betrachtung
in eine Standortbestimmung zu überführen. Diese Aufgabe sollen die für die kommen-
21
»Wer zwingt euch zu richten? Und dann – prüft euch nur, ob ihr gerecht sein könntet,
wenn ihr es wolltet! Als Richter müsstet ihr höher stehen, als
der zu Richtende; während ihr nur später gekommen seid.« Friedrich Nietzsche:
Unzeitgemässe Betrachtungen. Zweites Stück: Vom Nutzen und Nachtheil
der Historie für das Leben (1874), in: ders.: Kritische Studienausgabe, hrsg. von
Giorgio Colli und Mazzino Montinari, Bd. 1, München 1999, S. 293.
357
250 jahre kunstakademie stuttgart
den Jahre geplanten Fachgruppenpublikationen übernehmen, deren erste bereits vorliegt, sowie verschiedene Ausstellungen und Aktionen des Jubiläumsjahres, die sich
eine solche Positionierung zum Ziel gesetzt haben.22 Die als Titel dieses Beitrages gewählte Formulierung »Und jetzt?« bleibt also weitgehend unbeantwortet. Sie soll
schlicht als Überleitung zu der vom langjährigen Verwaltungsdirektor Günter Oel­
berger verfassten Ereignischronik dienen, die zusammen mit dem von Angela Zieger
zusammengestellten Personalverzeichnis den Schluss dieses Bandes bildet. Es mag
dem Leser überlassen bleiben, mit Blick auf die geschilderten Zeitläufte sein Verhältnis zu dieser Geschichte zu überdenken.
22
Die Akademie, die Kunst, die ProfessorInnen: 21 Lehrende der Fachgruppe Kunst
an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Stuttgart, hrsg. von der
Fachgruppe Kunst, Staatliche Akademie der Bildenden Künste Stuttgart 2009.
358
363
O e lb e r ge r
19 88 bi s h e u t e
- - - - -------------- - - - - - - - -
- - - - - - - - - - - - - - - -----------
--------------------------
Günter
Oelberger
Akademiechronik
von 1988
bis heute
1988
Mit der Aufnahme des
in der sog. „Sarottihalle“ im Höhen-
Studienbetriebs im Diplom-
park Killesberg aufzugeben.
studiengang „Restaurierung von
--------------------------
Gegenständen der Bereiche Archäo­-
1989 Zum 100. Geburtstag von
logie, Kunsthandwerk, Volks- und
Willi Baumeister veranstaltet
Völkerkunde“ zu Beginn des Win­-
die Akademie eine Ausstellung über
tersemesters 1988/89 nimmt die
dessen typographisches Werk
planmäßige Erweiterung der Restau­-
und bringt unter dem Titel „Willi Bau­-
rierungsstudiengänge ihren An-
meister, Typographie und Reklame-
fang. Unter dem Titel „Eine Selbst-
gestaltung“ eine vielbeachtete
darstellung“ bringt die Akademie
Publikation heraus, die sämtliche
ein repräsentatives Druckwerk
typografischen und werbegrafi-
he­raus, das auf über 270 Seiten in
schen Arbeiten des ehemaligen
Wort und Bild die mehr als 200-
Akademielehrers wissenschaftlich
jährige Geschichte, das aktuelle
dokumentiert. Die Deutsche Bun-
Lehrangebot und die derzeitigen
despost würdigt Baumeisters 100.
Professoren, Klassen, Werkstätten
Geburtstag mit der Herausgabe
und sonstigen Einrichtungen vor-
einer Sonderbriefmarke, die das Ge-
stellt. Das Erscheinen der „Selbst-
mälde „Bluxao I“ zeigt und am 12.
darstellung“ wird zum Anlass ge-
Januar, dem Erstausgabetag, in der
nommen, der Öffentlichkeit in einem
Akademie in einer Pressekonfe-
Der ehemalige Rektor der Kunst-
am 5. Dezember stattfindenden
renz vorgestellt wird.
akademie Stuttgart, Prof. Dr. Wolf-
Presseempfang einen umfassenden
Mit der Aushebung der Baugrube
gang Kermer, hat in der 1988
Einblick in die aktuellen Gegeben-
beginnen am 10. Juli die Arbeiten an
erschienen Publikation „Staatliche
heiten und die vorgesehenen Ent-
dem von den Stuttgarter Archi-
Akademie der Bildenden Künste
wicklungen zu geben; Presse,
tekten Mahler, Gumpp und Schuster
Stuttgart – Eine Selbstdarstellung“
Rundfunk und Fernsehen berichten
geplanten Erweiterungsbau. Sie
erstmalig eine Chronologie der
in zahlreichen Beiträgen.
müssen bereits nach einer Woche
Geschichte der Akademie seit ihrer
Die Stuttgarter Edition Cantz über-
wieder eingestellt werden, weil im
Gründung im Jahr 1761 verfasst.
nimmt für die Dauer von zunächst
Erdaushub unerwartet schadstoff-
Anhand wichtiger Eckdaten zur
fünf Jahren den Vertrieb der Aka­-
haltige Substanzen gefunden
Rechts-, Personal- und Bauge-
demie­publikationen. Der Vertrag
werden. Bodenuntersuchungen und
schichte verzeichnet er darin die
eröffnet die Chance einer nationalen,
die Suche nach einer geeigneten
Entwicklung der Institution von
teilweise sogar internationalen
Deponie für das kontaminierte Erd-
der Académie des Arts bis zur heu-
Verbrei­tung der Akademieveröffent-
material lassen die Fortführung
tigen Staatlichen Akademie der
lichungen. Bereits im Oktober
der Bauarbeiten bis auf Weiteres
Bildenden Künste, gewachsen aus
präsentiert sich die Akademie im
der Vereinigung von Kunstaka­-
Verbund mit der Edition mit an-
nicht zu.
Nach lang jährigen grundsätzlichen
demie und Kunstgewerbeschule mit
näh­ernd 90 Titeln auf der Frankfur-
Überlegungen wird der Diplom-
Lehr- und Versuchswerkstätten.
ter Buchmesse.
studiengang „Innenarchitektur und
Das von Kermer zusammengestell-
Durch die Anmietung einer Etage
Möbeldesign“ mit Wirkung vom 1.
te Material bildet bis heute die
eines ehemaligen Möbelhauses
Oktober in den Diplomstudiengang
Basis für viele Publikationen zur
in der heutigen Leobener Straße in
„Architektur und Design“ umge-
Aka­demiegeschichte. Das 250-
Stuttgart-Feuerbach wird die
wandelt. Mit der Umwandlung soll
jährige Jubiläum der Kunstakademie
Raumsituation der Bildhauer ent-
den Absolventen des Studien-
ist nun Anlass, die 1988 vorge-
scheidend verbessert. Die neuen
gangs das volle Planvorlagerecht
legte Chronik bis zum Jahr 2011
Räume ermöglichen es, das un-
verschafft werden, eine Anerken-
fort­zuschreiben.
befriedigende, seit Anfang der 80er
nung, die ihnen bisher trotz der
- - - - --------------- - - - - - - -
Jahre bestehende Provisorium
weitgehenden Gleichwertigkeit des
364
2 5 0 J ah r e
Ku n s t a ka d e m i e S t u tt g a r t
-- - - - --------------- - - - - - -
- - - - - - - - - - - - - - - - ----------
--------------------------
Studiums mit einem Architekturstudium verwehrt blieb. Die Umwand-
den Jahres eine großzügig bemessene enthalt beenden sie mit einer
Ersatzfläche im Gebäude Schmidekleinen Ausstellung ihrer Arbeitser-
lung macht es erforderlich, den
ner Weg 7 in Fellbach zur Verfügung
gebnisse in der Ausstellungshalle
Studienverlauf in einigen Teilen zu
stellt.
im Neubau 1.
verändern und die Prüfungsord-
Eine Delegation des Repin-Instituts
Berthold Rosewich übernimmt
nung zu überarbeiten. Durch die Her-
Leningrad, der wohl bedeutend-
am 1. März die Professur für Bau-
vorhebung der baukünstlerischen
sten und traditionsreichsten Kunst-
konstruktion (Nachfolge Klaus
Aspekte soll sich das Architekturstu-
hochschule der ehemaligen
Franz). Der Chemiker und Physiker
dium an der Akademie weiterhin
Sowjetunion, besucht vom 21. bis
Dr. Hermann Kühn wird zum
vom Studium an wissenschaftlichen
28. Januar die Akademie. In inten-
1. April als Professor für organische
Hochschulen bzw. an Fachhoch-
siven und offenen Gesprächen
Chemie berufen und zum Leiter
schulen unterscheiden.
wird erörtert, ob und auf welchen
des neuen Studiengangs „Restaurie-
Eine Kunsthistorikerin ermittelt alle
Gebieten eine Zusammenar-
rung von Gegenständen der
im Laufe der Jahre in den Besitz
beit beider Hochschulen denk-
Bereiche Archäologie, Kunsthand-
der Akademie gelangten Kunstge-
bar ist. Die Begegnung führt zur
werk, Volks- und Völkerkunde“
genstände und beginnt mit der
Ausarbeitung einer Partner-
bestellt.
systematischen Inventarisierung
schaftsvereinbarung, die beim Ge-
Die Veränderungen der politischen
und Beschreibung der Werke.
genbesuch von Rektor Prof.
Verhältnisse ermöglichen erstmals
Eine Delegation der Universität
Dreyer, Prorektor Prof. Lehmann
auch vertiefte Kontakte zu ost-
Stuttgart, angeführt von deren Rek-
und Prof. Bruse im Mai in Lenin-
deutschen Kunsthochschulen. Auf
tor, besucht am 14. November die
grad (heute St. Petersburg) von den
Initiative des Rektors findet vom
Akademie. Grund der Zusammenkunft
Rektoren beider Hochschulen
8. Juli bis 30. September in der Gale-
ist die Suche nach Wegen, die Zu-
unterzeichnet wird. Die Vereinba-
rie der Stadt Sindelfingen unter
sammenarbeit der beiden Hochschu-
rung ist das erste derartige
dem Titel „Akademiebegegnung Dres-
len in der Praxis zu intensivieren.
Abkommen zwischen einer sowje-
den/Stuttgart“ eine Ausstellung
Die Gesprächsteilnehmer verständi-
tischen und einer bundesdeut-
mit Werken von je zwölf Professoren
gen sich darauf, die Kooperation
schen Kunsthochschule. Aufgrund
der beiden Akademien statt. Die
auf den Gebieten Architektur, Design
des Vertrags kommt es bereits
Zusammenarbeit mit der Dresdner
und Kunstgeschichte weiter aus­-
im Juni zu einem russisch-deutschen
Akademie wird in den folgenden
zubauen.
Symposium im Reinwaldhaus am
Jahren nachhaltig weitergeführt, wo-
- - - - - --------------- - - - - - 1990 Nach der Kündigung der
Bodensee. In den Folgejahren findet
bei viele Begegnungen auch von
ein regelmäßiger Austausch von
studentischer Seite initiiert werden.
Lehrenden und Studierenden statt.
Die Amtszeit von Rektor Prof.
maligen Tuchhaus Scheid in der
Nahezu zur gleichen Zeit bahnt
Dreyer endet am 31. August. Da auf
Tübinger Straße 12 finden die ca. 25
sich ein weiterer Ost-West-Kontakt
die Ausschreibung der Stelle hin
betroffenen Studierenden der
an: unter der Bezeichnung „Künst-
keine Bewerbungen eingehen, führt
Malerei und Freien Grafik zu Beginn
lerwege“ schließen auf Initiative von
Prof. Dreyer das Amt des Rektors
des Jahres eine neue Bleibe im 5.
Prof. Otto Herbert Hajek die
geschäftsführend weiter.
Stock des Bleyle-Hauses in der Rote-
Stuttgarter und die Karlsruher Aka-
Nach fast 15-monatiger Unter-
bühlstraße 120. Die neuen Räume
demie mit der Surikov-Kunsthoch-
brechung werden im Oktober die
werden der Akademie zum Jahres-
schule Moskau ein Übereinkommen
Arbeiten am Erweiterungsbau
ende 1990 bereits wieder gekün-
über den Austausch von jährlich
fortgesetzt. Die durch die Beseiti-
digt. Der „Rauswurf zu Weihnachten“
sechs deutschen und sechs russi-
gung des schadstoffbelasteten
(vgl. Stuttgarter Nachrichten vom
schen Studierenden ab. Schon
Baugrunds entstandenen zusätzli-
24. Dezember) und die Proteste
im Juni reisen die ersten drei Studie-
chen Kosten müssen über eine
der Studierenden finden große Be-
renden der Akademie zu einem
Reduzierung des Bauvolumens aus-
achtung in der Presse, was wesent-
zweimonatigen Aufenthalt nach Mos-
geglichen werden. Wegfallen
lich dazu beiträgt, dass das Land der
kau. Drei russische Studenten
muss zunächst das geplante zweite
Akademie zu Beginn des kommen-
kommen an die Akademie; ihren Auf-
Tiefgaragengeschoss. Nachdem
angemieteten Räume im ehe-
365
O e lb e r ge r
19 88 bi s h e u t e
- - - - -------------- - - - - - - - -
- - - - - - - - - - - - - - - -----------
--------------------------
die dadurch erzielten Einsparungen
Mit der Aufnahme des Lehrbetriebs
Akademie. Aufgabe der Frauen-
nicht ausreichen, wird auch die
im Diplomstudiengang „Restau-
beauftragten ist es, „auf die Her-
Ausführung des in Richtung Altbau
rierung von Graphik, Archiv- und
stellung der verfassungsrecht-
vorgesehenen „Werkstattgra-
Bibliotheksgut“ zu Beginn des
lich gebotenen Chancengleichheit
bens“ zurückgestellt. Entgegen der
Wintersemesters 1991/92 wird die
und auf die Vermeidung von
ursprünglichen Absicht wird der
Restauratorenausbildung an der
Nachteilen für wissenschaftlich
Werkstattgraben auch später nie
Akademie um einen weiteren Fach-
und künstlerisch tätige Frauen
mehr realisiert.
bereich ergänzt. Die Erweiterung
und für Studentinnen hinzuwirken“.
Als Leiter einer Klasse für Grundlagen
deckt eine dringende Nachfrage ab,
Im Studiengang „Textilgestal-
des Entwerfens im neuen Studien-
da es auf dem Sektor der Papier-
tung“ setzt der Ausbau der zuvor
gang „Architektur und Design“ wird
restaurierung kaum qualifizierte
nur unzureichend ausgestatteten
zum 1. Dezember der Architekt
akademische Ausbildungsstätten
und dadurch nur eingeschränkt
Peter-Aribert Herms berufen.
gibt und der Bedarf an Restaurato-
nutzbaren Werkstatt für Stoffdruck
Zum Jahresende werden im Studien-
ren durch die enorme Zunahme
und Färberei ein. Die Werkstatt
gang „Produktgestaltung“ die vier
an Schriftgut immer größer wird.
wird in den folgenden Jahren, ebenso
ersten Computerarbeitsplätze der
Die Suche nach geeigneten Räu-
wie die Werkstatt für Weberei,
Akademie eingerichtet.
men für den neuen Studiengang hat-
planmäßig ausgebaut, auch mit com-
---------------------------------
te sich als äußerst schwierig
putergestützten Geräten.
1991 Die neu geschaffene Pro-
erwiesen; nach mehreren erfolg-
Am 15. September übernehmen
losen Versuchen können Anfang
Holger Bunk die Professur für
geschichte wird Mitte Januar mit
1991 Räume im Gebäude Höhenstr.
Aktzeichnen (Nachf. Herwig Schu-
dem Kunsthistoriker Frank Werner
16 in Fellbach angemietet wer-
bert) und Peter Chevalier die
besetzt. Wenige Tage später tritt
den, die in den Folgemonaten mit
zuvor von Rudolf Haegele bekleidete
der US-amerikanische Künstler und
erheblichem Aufwand umgebaut
Professur für Malerei. Im neuen
Mitbegründer der Concept-Art
und eingerichtet werden.
Studiengang „Architektur und
Joseph Kosuth als Professor für
Die Leitung des neuen Studien-
Design“ wird Peter Litzlbauer zu Be-
Malerei die Nachfolge von K.R.H.
gangs übernimmt der Chemiker
ginn des Wintersemesters die
Sonderborg an. Am 1. April folgt der
und Spezialist für Papier- und
Professur für Grundlagen des Ent-
Bildhauer Micha Ullman auf den
Buchrestaurierung Professor Dr.
werfens übertragen. Die neue
im Vorjahr überraschend verstor-
Gerhard Banik, der bereits im
Professur entstand durch Umwand-
benen Herbert Baumann.
Vorjahr berufen worden war und
lung des zuvor von Claus Klink
Am 27. März übernimmt der Archi-
sich seitdem dem Aufbau des
wahrgenommenen Fachgebiets
tekt Prof. Wolfgang Henning
Studiengangs widmete.
„Mobile Einrichtungen“.
das Amt des Rektors von Prof. Paul
Zu Beginn des WS 1991/92 über-
In einem weiteren Band der Reihe
Uwe Dreyer, der die Funktion zu
nimmt Karl Höing die Leitung
„Beiträge zur Geschichte der Aka-
diesem Zeitpunkt bereits mehr als
des Diplomstudiengangs „Textil-
demie“ dokumentiert Wolfgang
sechs Monate über den Ablauf
gestaltung“ (Nachfolge Leo-
Kermer die pädagogische Tätigkeit
seiner regulären Amtszeit hinaus
pold Wollner).
Willi Baumeisters. Die Veröffent-
geschäftsführend inne hatte.
--------------------------------1992 Am 11. Mai findet auf
lichung trägt den Titel „Der schöpfe-
fessur für Bau- und Design-
Prorektor wird Dieter Groß,
Professor für Allgemeine künst-
Einladung der Oberfinanz-
rische Winkel“ und widmet sich
eingehend der Lehrkonzeption des
lerische Ausbildung und Leiter
direktion das Richtfest für den
Künstlers und Akademieprofessors.
der Kunsterzieherausbildung an
Erweiterungsbau statt.
Als Professor für Schrift tritt
der Akademie.
Nachdem eine Änderung des
Jürgen Kierspel am 15. Oktober die
Dem im Vorjahr mit dem Surikov-
Kunsthochschulgesetzes die recht-
Nachfolge von Peter Steiner an.
Institut Moskau vereinbarten stu-
lichen Grundlagen geschaffen
Zum Nachfolger von Erich Slany und
dentischen Austauschprogramm
hatte, wählt der Senat am 14. Juli
künftigen Leiter des Studien-
„Künstlerwege“ schließen sich die
die Professorin Inge Mahn zur
gangs „Investitionsgüter-Design“
Kunstakademien Prag und Bra-
ersten Frauenbeauftragten der
tislava an.
wird zum 1. Dezember George
Teodorescu berufen.
366
2 5 0 J ah r e
Ku n s t a ka d e m i e S t u tt g a r t
-- - - - --------------- - - - - - -
- - - - - - - - - - - - - - - - ----------
--------------------------
1993 Die seit kurzem für die Aka-
Als Nachfolger von Ludwig Schaf-
gabe findet am 22. April in Anwesen-
frath übernimmt Johannes Hewel
heit des Finanzministers Gerhard
terin Brigitte Unger-Soyka kommt
am 15. Oktober die Professur
Mayer-Vorfelder, der Ministerin für
am 29. Januar zu einem Antritts-
für Glasgestaltung und Malerei.
Familie, Frauen, Weiterbildung
besuch an das Haus. Ihre Stellver-
Am 15. Dezember geht die Lei-
und Kunst Brigitte Unger-Soyka so-
treterin, Ministerialdirektorin
tung des Instituts für Innenarchi-
wie des Bürgermeisters Hans-
Susanne Weber-Mosdorf, besucht
tektur und Möbeldesign an Prof.
martin Bruckmann statt. Das neue
die Akademie am 29. April.
Robert Haussmann über. Das Institut
Gebäude umfasst in drei Ober-
Fritz Auer wird zum 1. Mai als Pro-
wurde seit seiner Gründung im
und zwei Untergeschossen Arbeits-
fessor für Architektur berufen,
Jahr 1980 von Prof. Arno Votteler
räume und Werkstätten für die
er ist Nachfolger von Wolfgang Sta-
geleitet, der zum Ende des Win-
Studiengänge „Graphik-Design“ und
delmaier, der die Fachgebiete
tersemesters 1993/94 in den Ruhe-
„Investitionsgüter-Design“ sowie
Ausstellungsarchitektur und Mon-
stand tritt. Zum Stellvertreter
für eine Grundklasse, des Weiteren
tagebau vertreten hatte.
des Institutsleiters bestellt der Se-
einen multifunktionalen Vortrags-
Aus Anlass der Internationalen
nat Prof. Peter Litzlbauer.
saal, einen zweigeschossigen
Gartenbauausstellung 1993 in
--------------------------------1994 Zu Beginn des Jahres kommt
Ausstellungsraum, Büroräume für
demie zuständige Minis-
Stuttgart wird unter den Studierenden der Akademie ein Skulpturen-
es zu einem heftigen, auch
das Rektorat und die Verwaltung, Nebenräume und eine Tief-
Wettbewerb ausgeschrieben. Es ist
in der Öffentlichkeit ausgetragenen
garage mit 113 Stellplätzen. Die
zunächst vorgesehen, die prä-
Meinungsstreit über die Vertrags-
Hauptnutzfläche am Weißenhof
mierten Arbeiten auf dem neu gestal-
verlängerung von Prof. Joseph
erhöht sich durch den Erweite-
teten Akademiegelände aufzu-
Kosuth. Nach langwierigen Verhand-
rungsbau um rund 3.700 qm. Die
stellen. Wegen der Verzögerungen
lungen einigt man sich mit ihm auf
Gesamtbaukosten betragen
bei der Fertigstellung des Er-
eine Gastprofessur mit Modalitäten,
44 Mio. DM.
weiterungsbaus und damit auch der
die den Belangen der Akademie
Die relativ gut bemessenen Mittel
Außenanlagen wird der größte
und denen des international tätigen
für die Ersteinrichtung ermöglichen
Teil der Präsentation auf das IGA-
Künstlers gerecht werden sollen.
es, die Ausstattung der im Erwei-
Gelände im Höhenpark Killes-
Der Vorgang stößt Überlegungen an,
terungsbau untergebrachten Stu-
berg verlegt. Die Ausstellung trägt
inwieweit sich Verträge mit viel-
dieneinrichtungen auf einen zeit-
den Titel „Einzug ins Paradies“
fach verpflichteten Künstlern flexib-
gemäßen Stand zu bringen. Dies gilt
und findet vom 17. Juni bis zum 17.
ler als bisher gestalten lassen.
insbesondere für die Ausstat-
Oktober statt.
Am 14. Februar beginnt eine grund-
tung der Studiengänge „Graphik-
Ebenfalls im Rahmen der IGA findet
legende Sanierung der 1969 in
Design“ und „Investitionsgüter-
am 23. Juli auf einer Bühne des
Betrieb genommenen Mensa. Wäh-
Design“ mit Computern und compu-
Süddeutschen Rundfunks im Rosen-
rend des über ein Jahr dauern-
tergestützten Geräten sowie
steinpark eine Veranstaltung mit
den Umbaus wird der Mensabetrieb
für die Werkstatt für Audiovision,
Beteiligung des Verbreiterungs-
provisorisch im Ausstellungs-
die technisch nahezu völlig neu
fachs Werken statt. Die Aufführung
raum im Neubau 1 weitergeführt.
eingerichtet wird, und für die Werk-
trägt den Titel „Musikmoderierte
Im Vorgriff auf die beabsichtigte
statt für Fotografie.
Farben“ und verbindet Musik Skrja-
neue Studienstruktur im Studien-
Am 1. September geht das Amt des
bins mit den Ausdrucksmitteln
gang „Graphik-Design“ über-
Rektors von Prof. Wolfgang Hen-
von Bildender Kunst, Bewegung,
nimmt Hans-Georg Pospischil am
ning auf Klaus Lehmann, Professor
Lichtfarben und Räumlichkeit.
18. März die Professur für Gra-
für Produktgestaltung, über.
Einen weiteren Beitrag zur IGA leis-
phik-Design mit dem Schwerpunkt
Prorektor wird Moritz Baumgartl,
tet der Studiengang „Textilge-
Zeitschriftengestaltung.
Professor für Allgemeine künst-
staltung“ mit einer Ausstellung zum
Nach mehrjähriger Bauzeit wird zu
lerische Ausbildung.
Thema „Fahnen mit Pflanzenmoti-
Beginn des Sommersemesters
Am 1. November übernehmen Sokra-
ven“.
der Erweiterungsbau in Betrieb ge-
tis Georgiadis die Professur für
nommen. Die offizielle Bauüber-
Bau- und Designgeschichte (Nachf.
367
O e lb e r ge r
19 88 bi s h e u t e
- - - - -------------- - - - - - - - -
- - - - - - - - - - - - - - - -----------
--------------------------
Frank Werner) und Henk Visch
Vom 7. bis 9. Juni ist die Akademie
Über die Edition werden künftig
eine Professur für Bildhauerei und
Veranstalter der jährlichen Zu-
nicht mehr alle, sondern nur noch
Plastik (Nachf. Ingeborg Mahn).
sammenkunft der Rektoren bzw.
ausgewählte Veröffentlichungen
Die Ministerin für Familie, Frauen,
Präsidenten sowie der Leiter
vertrieben. Für alle anderen muss
Weiterbildung und Kunst, Frau
der Verwaltungen der deutschen
die Akademie fachspezifische
Brigitte Unger-Soyka, besucht am
Kunsthochschulen. Zentrales
Vertriebswege finden.
5. Dezember ein weiteres Mal
Thema der Jahrestagung ist die
Die bis zum Ende des Sommerse-
die Akademie. Sie führt eingehende
Evaluation der künstlerischen
mesters von Horst Bachmayer
Gespräche mit den Senatsmit-
Lehre, das in Gegenwart des stell-
geleitete Werkklasse wird am 23.
gliedern, den Sprechern der Fach-
vertretenden Generalsekretärs
Oktober von Wolfhart Hähnel
gruppen, den Mitgliedern des
der Hochschulrektorenkonferenz,
übernommen.
AStA und den Frauenvertreterinnen
Joachim Weber, ausführlich dis-
und diskutiert mit den Studieren-
kutiert wird. Die Konferenz fasst
--------------------------------1996 Das Institut für Innenarchi-
den. Bei einem Rundgang erhält sie
abschließend den einstimmigen
Einblicke in verschiedene Einrich-
Beschluss, die Evaluation an Kunst-
trägt vom 10. April an die Bezeich-
tungen des Hauses. Als Hauptanliegen
hochschulen weiterhin abzuleh-
nung „Weißenhof-Institut, Inter-
der Akademie können ihr die zü-
nen, weil die Folge Nivellierung, Ver-
disziplinäres Forum für Architektur,
gige Ausführung der zahlreichen und
einheitlichung und Normierung
Raum und Möbel“. Mit der Umbe­-
oft aufwändigen Umbau- und Re-
der künstlerischen Lehre wäre und
nennung ist eine Neubeschreibung
novierungsmaßnahmen, die nach dem
weil sich das Künstlerische einer
der Aufgaben verbunden.
Bezug des Neubaus im Altbaube-
Evaluation grundsätzlich entzieht.
Im Mai wird im Foyer des Neubaus
stand anstehen, der hohe Investi-
Gäste beim Treffen der Verwal-
die Videoinstallation „Two Way
tionsbedarf für Computeraus-
tungsdirektoren sind die Kollegen
Communication“ des in New York
stattungen, dringende Stellenschaf-
der österreichischen Kunst-
lebenden koreanischen Künstlers
fungen und die Realisierung des
hochschulen.
Nam June Paik eingebaut. Das Werk,
sog. „Werkstattgrabens“ vermittelt
Nach mehreren Neuberufungen wird
das aus 90 kaskadenartig ange-
werden.
im Diplomstudiengang „Graphik-
ordneten Monitoren besteht, ist
Bei einem Kunstwettbewerb zur
Design“ eine bereits 1992 konzipier-
auf Interaktion ausgelegt, d.h.
Eröffnung des ersten Musicalthea-
te neue Studienstruktur wirksam.
Studierende können eigene Videos
ters in Stuttgart-Möhringen wer-
Im Anschluss an die Grundlehre im 1.
auf die Bildschirme übertragen
den 18 Arbeiten von Studierenden
und 2. Semester wechseln die Stu-
und mit der Arbeit Paiks in Dialog
prämiert und im Dezember im Foyer
dierenden im 3. und 4. Semester von
treten. Eine förmliche Einweih-
des neuen Theaters ausgestellt.
nun an in eine neugeschaffene
ung der Videoinstallation findet am
--------------------------------1995 Am 7. Februar tritt Eduard
Grundfachklasse über. Die Studien-
10. Juli statt.
inhalte des Hauptstudiums (5. bis
Mitglieder der Fachgruppe „Archi-
8. Semester) umfassen das ge-
tektur und Design“ erarbeiten
Arno Votteler eine Professur
samte Graphik-Design, wobei je-
ein Konzept, wie nach der Verlegung
für Architektur und Design mit dem
doch in den drei vorhandenen
der Messe auf die Fildern das bis-
Schwerpunkt Innenarchitektur
Klassen unterschiedliche Schwer-
herige Messegelände am Killesberg
an. Nachfolgerin von Erich Mansen,
punkte gesetzt werden; diese
für die Akademie genutzt werden
Professor für Malerei und Zeichnung,
sind 1. Buch, 2. Illustration, Trickfilm
kann. Die Vorschläge werden vom
ist vom 15. April an Cordula
und AV-Medien und 3. Zeitschrif-
Wissenschaftsministerium unter-
Güdemann. David Chipperfield
tendesign.
stützt und befürwortend dem
übernimmt am 1. Mai eine Professur
Schmutz als Nachfolger von
tektur und Möbeldesign
Eine genaue Analyse der Kosten
Finanzministerium vorgelegt.
für Entwerfen im Studiengang
und Erträge zwingt dazu, den seit
Unter dem Titel „Aus Willi Baumeis-
„Architektur und Design“ und am 1.
1988 mit der Edition Cantz be-
ters Tagebüchern“ veröffentlicht
Juli folgt Joan Jonas auf Jürgen
stehenden Vertrag über den Ver-
und kommentiert Wolfgang Kermer
Brodwolf als Professorin für Bild-
trieb der Akademiepublikationen
in einem weiteren Band der Reihe
hauerei.
auf eine neue Grundlage zu stellen.
„Beiträge zur Geschichte der Akade-
368
2 5 0 J ah r e
Ku n s t a ka d e m i e S t u tt g a r t
-- - - - --------------- - - - - - -
- - - - - - - - - - - - - - - - ----------
--------------------------
mie“ Tagebucheintragungen und
Graphik mit Malerei die Nachfolge
Lehre und Verwaltung vor. Der
Briefe, die Willi Baumeister aus An-
von Rudolf Schoofs an.
Bericht bildet über Jahre hinaus die
lass des Todes der fünf befreun-
Nach einer umfassenden Bestands-
Grundlage für die umfangreichen
deten Künstler Otto Meyer-Amden,
aufnahme und kritischen Über-
und aufwändigen, vielfach mit Bun-
Adolf Hölzel, Paul Klee, Karl Kon-
prüfung aller relevanten Fakten
desmitteln geförderten, Investi-
rad Düssel und Oskar Schlemmer in
stellt der Senat in Grundsatz-
tionen auf dem Sektor der Daten-
den Jahren 1933 bis 1943 ver-
beschlüssen vom 24. Juni und 15.
verarbeitung.
fasst hat.
Juli fest, welche Werkstätten
Am 1. Mai übernimmt Niklaus Troxler
Anlässlich des 50-jährigen Be-
es an der Akademie künftig geben
die zuletzt von Heinz Edelmann be-
stehens der Akademie nach dem
soll, wie ihre genaue Bezeich-
setzte Professur für Graphik-Design
Zweiten Weltkrieg präsentiert
nung lautet und wer mit ihrer künst-
mit Schwerpunkt Illustration.
die Württ. Landesbibliothek vom 30.
lerischen bzw. wissenschaft-
In der 9. Veröffentlichung der Reihe
Oktober bis 23. November in der
lichen Leitung betraut werden soll.
„Beiträge zur Geschichte der
Ausstellung „Zwischen Buch-Kunst
Neu gebildet wird bei diesem
Akademie“, die den Titel „1968 und
und Buch-Design“ das Wirken
Anlass die Werkstatt für Fotogra-
Akademiereform“ trägt, doku-
bedeutender Buchgestalter der Aka-
fische Medien in der Fachgruppe
mentiert Wolfgang Kermer mit aus-
demie und der ehemaligen Kunst-
„Allgemeine künstlerische Ausbil-
gewählten Texten aus seiner
gewerbeschule. Zu der von Wolfgang
dung und Werken“. Insgesamt
Amtszeit als Rektor umfassend die
Kermer konzipierten Ausstellung
werden 31 Werkstätten förmlich
von den Studentenunruhen am
erscheint eine umfangreiche Publika-
als Betriebseinheiten i. S. des Kunst-
Ende der sechziger Jahre ausgehen-
tion mit zahlreichen Werkbeispie-
hochschulgesetzes festgestellt.
den tiefgreifenden inhaltlichen
len und Texten.
Zum Wintersemester 1997/98 wer-
und organisatorischen Verände-
Am 12. November tritt Nicolas Fritz
den an den baden-württem-
rungen an der Akademie.
als Professor für Architektur die
bergischen Hochschulen sog. Lang-
Als Ergebnis einer im Herbst 1997
Nachfolge von Heinz Mohl an.
zeitstudiengebühren eingeführt.
über mehrere Wochen durchgeführ-
--------------------------------1997 Zum 1. Januar wird Alfred
Die Gebühr beträgt 1.000 DM pro
ten Wirtschaftlichkeitsüberprü-
Semester und wird fällig, wenn
fung mahnt der Rechnungshof in
der Studierende sein „Bildungsgut-
seiner Denkschrift vom 25. Juni
sur für Fotografie im Studiengang
haben“ in Höhe der Regelstu-
mehr Transparenz bei der Erfüllung
„Graphik-Design“ berufen.
dienzeit seines Studiums zuzüglich
der Lehrverpflichtung an; außer-
Nach langwierigen Verhandlungen,
vier weiterer Semester ver-
dem schlägt er vor, für die Anstellung
in die sich auch die deutsche
braucht hat.
der Professoren zeitgemäßere,
Botschaft in Litauen unterstützend
Als Nachfolger von Hans Dreher
den besonderen Verhältnissen an
eingeschaltet hatte, kommt es
leitet William Firebrace vom Beginn
künstlerischen Hochschulen
zu Beginn des Jahres zu einer Aus-
des Wintersemesters an die
angepasste Vertragsformen zu
tauschvereinbarung mit der
Klasse für Grundlagen der Gestal-
finden.
Kunstakademie in Vilnius. Die Bezie-
tung im Studiengang „Architek-
Am 1. September übernimmt Paul
hungen sind über Jahre hinweg
tur und Design“.
Uwe Dreyer erneut das Amt des
besonders intensiv; schon im Som-
--------------------------------1998 Als Leiter einer Klasse für All-
1991 inne hatte. Zu seinem Stell-
Seiland auf die neue Profes-
mersemester 1997 findet der
erste Austausch von Studierenden
gemeine künstlerische Aus-
Rektors, das er bereits von 1987 bis
vertreter wählt der Senat den Ar-
statt.
bildung mit Schwerpunkt Bildhauerei
chitekten Prof. Fritz Auer.
Prof. Eduard Schmutz übernimmt am
tritt Werner Pokorny am 15. April
Seit einigen Jahren pflegt die
1. April die Leitung des Weißenhof-
die Nachfolge von Karl-Henning See-
Akademie in zunehmendem Maß
Instituts; zum Stellvertreter wird
mann an.
Austauschbeziehungen mit aus-
erneut Prof. Peter Litzlbauer
Mit Datum vom 20. April legt die
ländischen Kunsthochschulen. Am
bestellt.
Akademie ein ausführliches Konzept
Austausch beteiligt sind in erster
Ebenfalls am 1. April tritt Marianne
über den planmäßigen Ausbau
Linie Studierende, in einigen
Eigenheer als Professorin für Freie
der Informationstechnologien in
Fällen auch Lehrkräfte. Die Mehr-
369
O e lb e r ge r
19 88 bi s h e u t e
- - - --------------- - - - - - - - -
- - - - - - - - - - - - - - ------------
--------------------------
zahl der Kooperationen beruht
Status und Aufgaben des seit
gänge an der Filmakademie
auf dem von der EU initiierten und
Mitte der 60er Jahre existieren-
Ludwigsburg und an der Hochschu-
finanzierten Sokrates-/Erasmus-
den Instituts für Buchgestal-
le für Gestaltung Karlsruhe mach-
Programm; im Jahr 1998 bestehen
tung werden in einer am 26. März
ten es notwendig, den Ablauf
im Rahmen dieses Programms 16
in Kraft tretenden Verwal-
und die Ausbildungsinhalte des
Austauschvereinbarungen mit euro-
tungs- und Benutzungsordnung
Diplomstudiengangs „Graphik-
päischen Hochschulen, schwer-
neu definiert.
Design“ zu überdenken und ihnen
punktmäßig in Spanien, England und
Im Juni verständigen sich die
ein der Akademie gemäßes Pro-
in Ländern Nordeuropas. Ein an-
Bildungsminister von 29 europäi-
fil zu geben. Die Neustrukturierung
deres, als „East-Net“ bezeichnetes
schen Staaten in der sog. „Bolo-
des Studiengangs und seine
Programm bündelt den Austausch
gna-Erklärung“ auf die Schaf-
Umbenennung in „Kommunikations-
mit Design-Ausbildungsstätten in
fung eines europäischen Hoch-
design“ treten am 1. Oktober
osteuropäischen Ländern. Weitere
schulraums. Das zentrale An-
in Kraft.
internationale Hochschulkontakte
liegen des Manifestes ist es, zu
Auch in der Fachgruppe „Freie
sind durch persönliche Bezieh-
einer besseren Kompatibilität
Kunst“ gibt es seit geraumer Zeit
ungen von Akademielehrern entstan-
und Vergleichbarkeit der europä-
Bestrebungen, die neuen Medien
den, u.a. mit Hochschulen in China,
ischen Hochschulsysteme zu
technisch und künstlerisch
Japan, USA und Frankreich. Auch das
gelangen. Dies führt im Verlauf
stärker in die Lehre einzubinden.
seit 1990 gegründete Austausch-
der folgenden Jahre europa-
Eine Medienkommission wird
programm „Künstlerwege“ mit Kunst-
weit zu grundlegenden Verände-
gebildet, die den künftigen Bedarf
hochschulen in Russland, Tsche-
rungen bei den Studien- und
der einzelnen Studiengänge
chien und der Slowakei besteht wei-
Prüfungsstrukturen, denen sich
feststellen und den gerätemäßigen,
terhin fort.
auch die Kunsthochschulen
personellen und räumlichen
Die seit der Zurruhesetzung von
nicht entziehen können. Die wich-
Ausbau voranbringen soll. Mit Un-
Hermann Kühn unbesetzte Professur
tigsten Neuerungen sind die
terstützung durch Sonder-
für Restaurierung von archäologi-
Einführung gestufter Studien-
programme des Landes, aber auch
schen, ethnologischen und kunst-
abschlüsse (Bachelor/Master),
mit eigenen Haushaltsmitteln,
handwerklichen Objekten geht
eines Leistungspunktesystems
wird in den folgenden Jahren
am 1. Oktober auf Gerhard Eggert
(ECTS), einer Qualitätssiche-
schrittweise eine Medienwerk-
über.
rung und die Beseitigung von Mo-
statt für die freien Studien-
Ministerialdirektor Böhmler vom Wis-
bilitätshindernissen.
gänge und für die Studierenden
senschaftsministerium können
Die zeitnahe Zurruhesetzung der
der Kunsterziehung aufgebaut.
bei seinem Besuch am 24. November
beiden Professoren für Kunst-
Eine der Professuren für Entwer-
dringende aktuelle Anliegen, wie
geschichte, Wolfgang Kermer und
fen/Architektur wird zu Beginn
der Fortgang des Bibliotheksumbaus,
Edgar Hertlein, wird zum Anlass
des Wintersemesters mit jeweils
die Erweiterung in das freiwer-
genommen, die Anforderungen an
halbem Deputat mit David Chip-
dende Messegelände und der Aus-
das Fach zu überdenken und mit
perfield und Josep Lluis Matteo be-
bau der Auslandskontakte nahe-
neu definierten, aufeinander abge-
setzt. Beide scheiden bereits im
gebracht werden.
stimmten Funktionsbeschrei-
folgenden Jahr wieder aus.
--------------------------------1999 Zu Beginn des Jahres tritt
bungen wiederzubesetzen. Neue
Erstmals begrüßt der Rektor
Lehrstuhlinhaber sind Hubert
zu Beginn des Wintersemesters
Locher (ab 10. September) und
die neu aufgenommenen Stu-
Professor für Industriedesign die
Hans-Dieter Huber (ab 1. Ok-
dierenden in einer besonderen Ver-
Nachfolge von Richard Sapper
tober).
anstaltung. Die Erstsemester-
an. Am 20. Januar besucht Staats-
Die zunehmende Bedeutung des
begrüßungen setzen sich in den
sekretär Michael Sieber vom
Computers als Gestaltungs-
folgenden Jahren fort und ent-
Ministerium für Wissenschaft und
und Produktionswerkzeug des
wickeln sich zu einer feststehen-
Kunst die Akademie und infor-
Graphik-Designers und die
den Einrichtung.
miert sich über anstehende Pro-
Einrichtung ähnlicher Studien-
---------------------------------
Winfried Scheuer als
bleme.
370
2 5 0 J ah r e
Ku n s t a ka d e m i e S t u tt g a r t
-- - - - --------------- - - - - - -
- - - - - - - - - - - - - - - - ----------
--------------------------
2000 Mit dem Ziel, die Autonomie
gration des Internets in die Kunst-
für die Zulassung zur ersten Staats-
ausbildung.
prüfung ist. Das Verbreiterungs-
tritt in Baden-Württemberg zu
In der am 23. Oktober in Anwesen-
fach Werken, das seit seiner Einfüh-
Beginn des Jahres eine tiefgreifende
heit von Staatssekretär Michael
rung im Jahr 1981 nur im Rahmen
Novellierung der Hochschulge-
Sieber eröffneten Ausstellung „Die
eines Versuchs an die Stelle eines
setze in Kraft. Sie bewirkt eine Neu-
Sammlung der Staatlichen Aka-
wissenschaftlichen Beifachs ge-
ordnung der Leitungsstrukturen,
demie der Bildenden Künste Stutt-
treten ist, wird durch die neue Ver-
eine deutliche Verlagerung der Zu-
gart“ wird erstmals in den Räu-
ordnung dauerhaft als Alter-
ständigkeiten auf die Hochschulen,
men der Akademie eine repräsen-
native zu einem wissenschaftlichen
den Einstieg in globalisierte
tative Auswahl aus dem Bestand
Beifach etabliert und führt von
Haushalte, die Einführung eines Leis-
der 1975 begründeten Sammlung
nun an die Bezeichnung „Verbreite-
tungspunktesystems sowie von
mit Werken von Lehrenden und
rungsfach Bildende Kunst/Inter-
interner und externer Evaluation;
Studierenden gezeigt. Zur Ausstel-
mediales Gestalten“.
auch Änderungen im Profes-
lung erscheint ein Katalog mit
Am 18. April tritt Uwe Fischer
sorendienstrecht, wie z. B. die
einem vollständigen Verzeichnis der
als Professor für Produktgestal-
grundsätzliche Befristung bei
in der Sammlung enthaltenen
tung die Nachfolge von Klaus
der ersten Berufung, treten ein.
Werke.
Lehmann an.
Durch das nahezu gleichzeitig
Als Nachfolger von Moritz Baum-
Vom 26. bis 29. April findet an
anlaufende Projekt „Neue Steue-
gartl übernimmt Volker Lehnert am
der Akademie der Internationale
rungsinstrumente in der Lan-
27. November eine Professur für
Kongress „Die Kunst des Aus-
desverwaltung (NSI)“ soll in einem
Allgemeine künstlerische Ausbildung.
stellens – Strategien der Präsen-
mehrjährigen Prozess auch an
--------------------------------2001 Der durch die Reformgesetze
tation nach der Jahrtausend-
der Hochschulen zu stärken,
den Hochschulen die bisherige kamerale Haushaltsführung in eine
von 2000 als weiteres Organ
wende“ statt. Im Mittelpunkt des
Kongresses stehen aktuelle
betriebswirtschaftlich orientierte
der Hochschule etablierte Hoch-
Tendenzen des Ausstellungswe-
überführt werden.
schulrat kommt am 19. Februar zu
sens. Eine Publikation mit den
Als Folge der Hochschulreform
seiner konstituierenden Sitzung
Kongressbeiträgen erscheint 2002.
werden am 1. September die bishe-
zusammen. Seine Hauptaufgaben
Martin Zehetgruber löst am 23.
rigen Organe Rektor und Senat
sind die Weiterentwicklung und
Mai Jürgen Rose als Professor für
durch das Rektorat, den Senat und
die Profilbildung der Hochschule
Bühnenbild ab.
den Hochschulrat ersetzt. Gleich-
sowie die Sicherung ihrer Leis-
Im August erscheint der 10. Band
zeitig tritt eine neue, auf dem novel-
tungs- und Wettbewerbsfähigkeit.
der Reihe „Beiträge zur Geschichte
lierten Kunsthochschulgesetz
Der Hochschulrat beaufsichtigt
der Akademie“. Darin zeichnet der
basierende Grundordnung in Kraft.
die Geschäftsführung des Rektor-
österreichische Kunsthistoriker Er-
Mit der neuen Grundordnung
ats und setzt sich aus drei ex-
win Hirtenfelder die politischen
wird das Rektorat um einen zweiten
ternen und vier internen Mitgliedern
Auseinandersetzungen nach, die es
Prorektor erweitert. Die Funktion
zusammen. Zu seiner Vorsitzen-
in nationalsozialistischer Zeit um
des 1. Prorektors geht auf Prof.
den wählt der Hochschulrat Frau
die von Anton Kolig und seinen Stutt-
Peter Litzlbauer über, zum zweiten
Prof. Dr. Ulrike Gauss.
garter Akademiestudenten im
Prorektor wählt der Senat am 5.
Eine Verordnung des Kultusminis-
Landhaus von Klagenfurt geschaf-
Dezember Prof. Günter Jacki.
teriums vom 13. März ordnet
fenen Fresken gegeben hat. Der
Zum Anfang des Wintersemesters
die Ausbildung und Prüfung für das
Band trägt den Titel „Die Koligsche
beginnt die Arbeit an dem auf
künstlerische Lehramt im höhe-
Kunst ist geistiger Bolschewis-
vier Jahre angelegten Forschungs-
ren Dienst neu. Eine wesentliche Ver-
mus/Ein Bildersturm im Dritten
projekt „Visuelle Kompetenz im
änderung gegenüber der bis-
Reich“.
Medienzeitalter“. Das Projekt steht
herigen Prüfungsordnung aus dem
Als Nachfolger von Karl-Werner
unter der Verantwortung von
Jahr 1981 ist die Einführung
Bachmann übernimmt Volker
Prof. Dr. Hans-Dieter Huber und be-
eines Schulpraxissemesters, des-
Schaible am 3. September die Pro-
fasst sich vor allem mit der Inte-
sen Bestehen Voraussetzung
fessur für Restaurierung von
371
O e lb e r ge r
19 88 bi s h e u t e
- - - - -------------- - - - - - - - -
- - - - - - - - - - - - - - - - ----------
--------------------------
Gemälden und gefassten Skulpturen.
den Titel „Die Doppeltür – ein Blumen-
aller Welt, so z.B. zur Kunsthoch-
Die inzwischen mehr als 200 Da-
fest/50 Jahre Baden-Württem-
schule in Hangzhou/China sowie zu
tenverarbeitungsplätze an der Aka-
berg“. Im Anschluss an die Auffüh-
Hochschulen in Fukuoka/Japan,
demie werden in einem sich über
rung gibt Landtagspräsident
Paris und Israel.
alle sechs Gebäude erstreckenden
Peter Straub aus Anlass des Jubi-
Als erstes Fach wird der Diplom-
Netzwerk verbunden.
läums einen Empfang in der an-
studiengang „Architektur und
Matthias Sauerbruch wird zum
grenzenden Gaststätte.
Design“ einer durch die Hochschul-
1. Oktober auf die zuvor von Fritz
Ebenfalls aus Anlass des 50-jährigen
reform 2000 eingeführten Fremde-
Auer wahrgenommene Professur
Bestehens des Landes Baden-
valuation unterzogen. Die Sach-
für Entwerfen/Architektur berufen;
Württemberg präsentiert die Kreis-
verständigengruppe der Evalua-
öffentliche Bauten und Räume sind
sparkasse Esslingen/Nürtingen
tionsagentur würdigt in ihrem Ab-
die Schwerpunkte seines Lehrge-
vom 25. Juni bis 4. Oktober in ihrer
schlussgutachten insbesondere
biets. Am 15. Oktober tritt Susanne
Esslinger Hauptstelle die Aus-
die Einbindung der Architektur-
Windelen die Nachfolge von Soti-
stellung „Die Stuttgarter Kunstaka-
ausbildung in den Gesamtbereich
rios Michou als Leiterin einer Klasse
demie – Arbeiten der Lehrer von
der bildenden Künste, die es als
für Werken an und Christopher
1952 bis 2002“.
besondere Qualität zu erhalten und
Newman übernimmt am 1. November
Die zuvor mit Robert Haussmann
weiterzuentwickeln gilt. Insge-
im Studiengang „Bildhauerei“ eine
besetzte Professur für Entwerfen/
samt wird der Studiengang mit sehr
Professur für Installation, Video, Per-
Architektur wird vom 1. Juli an
gutem Ergebnis bewertet.
formance; Vorgängerin war bis
von Dagmar Richter wahrgenommen;
Am 1. September beginnt eine
März 2000 Joan Jonas.
die Schwerpunkte ihrer Lehre
weitere Amtszeit von Rektor Prof.
--------------------------------2002 Nachdem das Wissen-
sind innovative Bau- und Raumkon-
Dreyer. Prof. Volker Schaible
zepte unter besonderer Berück-
übernimmt von Prof. Jacki das Amt
sichtigung konstruktiv-technischer
des zweiten Prorektors.
demie im November des Vorjahres
Aspekte.
Christoph Krekel leitet ab 1. Okto-
die Ausübung des Promotionsrechts
Die Universität Stuttgart und
ber als Nachfolger von Ernst-
auf den Gebieten der Kunstwissen-
die Akademie schließen eine Koope-
Ludwig Richter das Forschungslabor
schaft, der Kunstpädagogik und der
rationsvereinbarung ab, nach
der Restaurierungsstudiengänge.
Architektur verliehen hatte, be-
der u.a. die in bestimmten Studien-
Nach lang jährigen Debatten über ein
schließt der Senat am 15. Januar
gängen erbrachten Studien-
optimales Studienangebot in den
eine Promotionsordnung, die am
und Prüfungsleistungen gegensei-
Bereichen Produktgestaltung/Indus-
1. März wirksam wird.
tig anerkannt und den Studie-
trial Design wird zu Beginn des Win-
Mit der Schaffung der Stelle eines
renden der jeweils anderen Hoch-
tersemesters 2002/03 der Dip-
Netzwerkadministrators kann
schule dieselben Zugangs- und
lomstudiengang „Investitionsgüter-
nach lang jährigen Behelfslösungen
Benutzungsrechte zu Einrichtungen
Design“ durch den Masterstu-
mit dem Aufbau eines für Lehre
und Lehrveranstaltungen wie
diengang „Master of Design/Integral
und Verwaltung unerlässlich gewor-
den eigenen Studierenden einge-
Studies“ abgelöst.
denen Rechenzentrums begon-
räumt werden. Weitere Verein-
Als Nachfolger von Dieter Groß
nen werden.
barungen betreffen die Zusammen-
übernimmt Andreas Opiolka am
Am 25. April findet im Theaterraum
arbeit bei der Betreuung von
14. Oktober sowohl eine Klasse für
der Akademie im Eduard-Pfeiffer-
Dissertationen und bei Forschungs-
Allgemeine künstlerische Ausbil-
Haus (Heusteigstr. 45), dem Ort, an
projekten.
dung als auch die Leitung des Studi-
dem auf den Tag genau 50 Jahre
Die Zahl der Auslandskoopera-
engangs „Kunsterziehung“.
zuvor der Landtag von Baden-Würt-
tionen ist mittlerweile auf ca. 50
Unter dem Titel „Killesberg nach der
temberg zu seiner ersten Sitzung
angestiegen. Neben den zahl-
Messe“ veranstaltet die SPD-
zusammentrat, die Premiere eines
reichen Sokrates-/Erasmus-Kon-
Gemeinderatsfraktion in den Räumen
Projekts des Verbreiterungsfachs
takten entwickeln sich dauer-
der Akademie einen Workshop zur
Bildende Kunst/Intermediales Ge-
hafte Beziehungen zu Kunst-, Design-
Nutzung des freiwerdenden Messe-
stalten statt. Das Projekt trägt
und Architekturhochschulen in
geländes für Bildungszwecke. Teil-
schaftsministerium der Aka-
372
2 5 0 J ah r e
Ku n s t a ka d e m i e S t u tt g a r t
-- - - - --------------- - - - - - -
- - - - - - - - - - - - - - - - ----------
--------------------------
nehmer sind u.a. die Bundestagsab-
die Akademie eröffnen, gewidmet.
Nach mehrjährigem Umbau wird
geordneten Ute Kumpf und Prof.
In dem im März erscheinenden
am 12. November im Rahmen einer
Dr. Ernst Ulrich von Weizsäcker, die
11. „Beitrag zur Geschichte der
feierlichen Veranstaltung in
Landtagsabgeordnete Inge Utzt,
Akademie“ mit dem Titel „Willi Bau-
Anwesenheit von Wissenschafts-
Bürgermeister Dr. Dieter
meister und die Werkbund-Ausstel-
minister Prof. Dr. Frankenberg
Blessing und der Präsident der
lung “ dokumentiert Wolfgang
die Bibliothek im Altbau wieder-
Bundesarchitektenkammer
Kermer umfassend die Drucksa-
eröffnet. Dank der Verlage-
Peter Conradi.
chen- und Ausstellungsgestal-
rung der Klasse für „Industrie-
Weil das Land daran interessiert
tung Willi Baumeisters für die epo-
design“ in den sog. Werkstattbau
ist, Raumbedürfnisse seiner Einrich-
chemachende Ausstellung „Die
konnte die Bibliotheksfläche
tungen möglichst in landeseigenen
Wohnung“ im Jahr 1927.
im Rahmen des Umbaus nahezu ver-
Objekten zu erfüllen, muss die
Am 1. April tritt Ulrich Cluss als Pro-
dreifacht werden. Bibliotheks-
mit hohen Mietausgaben verbundene,
fessor für Kommunikationsdesign,
bestände, die bisher aus Raumgrün-
lang jährige Außenstelle in der
Schwerpunkt Corporate Design, die
den in den Fachbereichen auf-
Schmidener Straße in Fellbach auf-
Nachfolge von Manfred Kröplien
bewahrt werden mussten, konnten
gegeben werden. Die betroffenen
an, Udo Koch übernimmt die ehemals
integriert werden, so dass die Aka-
Studierenden der Freien Kunst erhal-
von Henk Visch wahrgenommene
demie nunmehr über eine zentrale
ten adäquate Räume im landes-
Professur für Bildhauerei. Am 1. Mai
Präsenzbibliothek mit
eigenen Gebäude Ulmer Str. 227
folgt Gerwin Schmidt auf Günter
Lesesaal, Dia- und Videothek und
in Stuttgart-Wangen.
Jacki als Professor für Typografie
Internetarbeitsplätzen ver-
Zum 30. Oktober wird Alexander
und Schrift.
fügt. Die außerdem geplante Er-
Roob als Nachfolger von Wolfgang
Mit Beginn des Wintersemesters
weiterung der Bibliothek auf
Gäfgen zum Professor für Freie
startet der Unterricht im neuen
die Empore der ehemaligen Aula
Graphik mit Malerei berufen. Am
Diplomstudiengang „Konservierung
musste aus finanziellen Grün-
1. November geht die Professur für
und Restaurierung von Wand-
Bautechnologie im Studiengang
malerei und polychromiertem Stein“.
den unterbleiben.
2004 In einer Feierstunde des Se-
„Architektur und Design“ von Bert-
Das Landesdenkmalamt stellt
hold Rosewich auf Stephan Engels-
hierzu seine Werkstätten in Esslin-
der Rektor acht seitherigen Ehren-
mann über.
gen mit der dortigen Infrastruk-
mitgliedern und zwei weiteren
--------------------------------2003 Auf der Grundlage einer um-
tur zur Verfügung und öffnet seine
Persönlichkeiten die durch eine No-
über das ganze Land verteilten
vellierung des Kunsthochschul-
Restaurierungsobjekte als Lehr-
gesetzes neugeschaffene Würde
allen Fachgruppen stellt die Aka-
baustellen.
eines Ehrensenators.
demie einen mehrjährigen Struk-
Die nach lang jährigen Bemühungen
In der 12. und bis dato letzten Ver-
tur- und Entwicklungsplan auf. Der
geschaffene eigenständige Profes-
öffentlichung der Reihe „Bei-
Plan dokumentiert die Überle-
sur für das Verbreiterungsfach
träge zur Geschichte der Akade-
gungen zur Ergänzung und Abrund­
Werken ( jetzt Verbreiterungs-
mie“, die den Titel „Hans Gott-
ung des Studienangebots, wobei
fach Bildende Kunst / Intermedia-
fried von Stockhausen/Licht und
die aktuellen Schwerpunkte in den
les Gestalten) wird zum 1. Ok-
Raum“ trägt, gibt Wolfgang
Bereichen Kunsttechnologie,
tober mit Michael Hentz besetzt.
Kermer eine Auswahl von Texten
Architektur und bei den Design-
Mariella Mosler übernimmt tags
des international renommier-
Studiengängen liegen. Als be-
darauf als Nachfolgerin von Giu-
ten Glasgestalters und ehemaligen
sonders dringlich wird auch der Be-
seppe Spagnulo die Professur
Akademieprofessors heraus.
darf an einer oder mehreren Werk-
für Freie und angewandte Keramik.
Eine neue, am 6. Juni in Kraft treten-
stätten für Neue Medien heraus-
Durch die Schaffung einer neuen
de Verwaltungs- und Benutzungs-
gestellt. Ein weiterer Abschnitt ist
Stelle kann für das Archiv und die
ordnung passt die Aufgaben des Mit-
den Perspektiven, die sich durch
Kunstsammlung mit Angela Zie-
te der 60er Jahre gegründeten
die anstehende Neugestaltung des
ger erstmals eine ständige Mitar-
Instituts für Buchgestaltung den
Messegeländes am Killesberg für
beiterin eingestellt werden.
Veränderungen bei den Kom-
fassenden Erhebung in
nats am 17. Mai verleiht
373
O e lb e r ge r
19 88 bi s h e u t e
- - - - -------------- - - - - - - - -
- - - - - - - - - - - - - - - -----------
--------------------------
munikationsmedien an. Das Institut
len sind: ENSCI Paris, Glasgow
Senat, Hochschulrat) werden
trägt fortan die Bezeichnung
School of Arts, Konstfack University
deutlicher voneinander abgegrenzt,
„Institut für Buchgestaltung und
Stockholm, Politecnico di Milano,
die Zuständigkeit für die Berufung
Medienentwicklung“ und erhält
University of Art and Design Helsinki
von Professoren geht auf die Vor-
im Unterschied zu früher einen be-
und Köln International School of
stände der Hochschulen über.
fristeten Leiter.
Design.
In der Finanzierung zieht sich das
Um die erweiterten Lehrinhalte des
Mit dem Inkrafttreten einer Diplom-
Land weitgehend aus der Detail-
Verbreiterungsfachs Bildende
prüfungsordnung für die Studien-
steuerung zurück. Im Studienbereich
Kunst/Intermediales Gestalten um-
gänge der Freien Kunst am 20. De-
lösen die EU-weit angestrebten,
setzen zu können, werden in der
zember erhalten die Studierenden
aufeinander aufbauenden Bachelor-
Außenstelle Mozartstr. 51 zusätz-
der sechs freikünstlerischen Stu-
und Masterstudiengänge die
liche Räume angemietet.
diengänge (Malerei, Freie Graphik,
bisherigen Diplom- und Magister-
Am 1. Oktober tritt Dr. Ludger Hün-
Bildhauerei, Freie und angewandte
studiengänge als Regelform ab.
nekens das Amt des Rektors an.
Keramik, Glasgestaltung, Bühnen-
Eine neue Besoldungsordnung für
Mit ihm übernimmt erstmals ein
bild) erstmals die Möglichkeit, ihr
Professoren mit deutlich nied-
nicht dem Lehrkörper der Aka-
Studium mit einem Diplom abzu-
rigeren Grundgehältern, die von der
demie angehörender Bewerber die
schließen. Der Ausarbeitung und Ver-
Hochschule in begrenztem Rah-
Leitung der Hochschule, eine
abschiedung der Prüfungsord-
men durch leistungsorientierte Zu-
Alternative, die 1995 durch eine
nung gingen lang jährige Diskussionen
lagen aufgestockt werden kön-
Änderung des Kunsthochschul-
voraus, ob und in welcher Form den
nen, tritt an die Stelle der lang jähri-
gesetzes eingeführt worden war.
Studierenden der freikünstlerischen
gen dienstaltersbezogenen Be-
Erster Prorektor bleibt Prof.
Studiengänge ein Studium mit
soldung. Das neue Besoldungssystem
Peter Litzlbauer, zum zweiten Pro-
einer Abschlussprüfung angeboten
ist bei allen Neuberufungen anzu-
rektor wählt der Senat am
werden soll.
wenden.
26. Oktober Prof. Andreas Opiolka.
--------------------------------2005 Am 1. Januar wird das Kunst-
Prof. Dr. Stephan Engelsmann über-
Nach jahrelanger Vorbereitungs-
hochschulgesetz, das 30
nimmt am 1. Januar die Leitung
des Weißenhof-Instituts. Zu seinem
zeit tritt am 1. Oktober eine Stu-
Jahre lang die maßgebende Rechts-
Stellvertreter wird Prof. Karl
dien- und Prüfungsordnung für die
grundlage für die Kunsthochschu-
Höing bestellt.
vier Diplomstudiengänge der
len war, durch das neue, für alle vier
Rolf Bier übernimmt am 1. April
Konservierung und Restaurierung
Hochschularten in Baden-Württem-
die zuvor von Joachim Hämmerle
von Kunst- und Kulturgut in
berg gleichermaßen geltende
geleitete Grundklasse. Neuer
Kraft. Die neuen Ordnungen lösen
Landeshochschulgesetz abgelöst.
Professor für Bildhauerei (Instal-
die Prüfungsordnung für Ge-
Das Landeshochschulgesetz ist
lation, Performance, Video) ist
mälderestaurierung aus dem Jahr
die dritte Stufe einer in den 90er
ab 11. April Christian Jankowski; er
1976 ab, die seit der Einrichtung
Jahren eingeleiteten Hochschul-
tritt die Nachfolge von Christo-
der weiteren Restaurierungsstu-
reform, die die Hochschulen in die
pher Newman an.
diengänge auch auf diese sinn-
Lage versetzen soll, längerfristig
Mit der Einrichtung eines Büros
gemäß angewandt wurde.
die vor ihnen stehenden Herausfor-
für Auslandsbeziehungen trägt die
Die im Laufe mehrerer Jahre mit
derungen bewältigen zu können.
Akademie der zunehmenden Be-
sechs europäischen Hochschulen
Der Verantwortungsspielraum und
deutung der internationalen Hoch-
entwickelte Kooperation in der
die Handlungsfähigkeit der Hoch-
schulkontakte Rechnung. Als
Designausbildung wird am 1. Oktober
schulen erweitern sich, indem zahl-
zentrale Anlaufstelle befasst sich
mit dem Inkrafttreten der Stu-
reiche Mitwirkungs- und Entschei-
das zum 1. April gegründete
dien- und Prüfungsordnungen für
dungsrechte des Ministeriums
Büro mit den umfangreichen Aus-
die Studiengänge Bachelor of
aufgehoben und Vorgaben für die
tauschbeziehungen der Aka-
Design/European Design und Master
innere Organisation abgebaut wer-
demie zu ausländischen Hochschu-
of Design/European Design förm-
den. Die Verantwortungsbereiche
len, der Betreuung der in- und
lich etabliert. Die Partnerhochschu-
der drei Hochschulorgane (Rektorat,
ausländischen Programmstudieren-
3 74
2 5 0 J ah r e
Ku n s t a ka d e m i e S t u tt g a r t
-- - - - --------------- - - - - - -
- - - - - - - - - - - - - - - - ----------
--------------------------
den und allen sonstigen mit Aus-
mit Kindern bis zu acht Jahren,
auch die neugebildeten, in ihrer
landskontakten zusammenhängen-
für Studierende mit Behinderungen,
Bedeutung gestärkten Studienkom-
den Fragen. Auch Akademiestu-
für ausländische sowie für beson-
missionen, die für alle mit Lehre
dierende, die sich für einen Auslands-
ders begabte oder leistungsstarke
und Studium zusammenhängenden
aufenthalt interessieren, werden
Studierende. Für Härtefälle wer-
Aufgaben zuständig sind; sie glie-
bei der Planung und Vorbereitung
den zinsgünstige Darlehen bereit
dern sich in Freie Kunst / Kunster-
ihres Vorhabens beraten und
gestellt.
ziehung, Architektur, Design und
unterstützt.
--------------------------------2006 Am 25. Januar besucht Minis-
Restaurierung. Das Rektorat wird
Die Zuständigkeit für die Wirtschafts- und Personalverwaltung,
terpräsident Günther Oet-
um einen dritten Prorektor erweitert.
die bisher beim Verwaltungs-
tinger die Akademie. Vorrangige Ge-
Nach eineinhalbjähriger Vorberei-
direktor lag, geht mit dem Landes-
sprächsthemen sind der weitere
tungszeit startet zu Beginn
hochschulgesetz auf die neu
Ausbau der Restauratorenausbil-
des Wintersemesters 2006/2007
geschaffene Position des Kanzlers
dung, die geplante Akademie der Dar-
der viersemestrige Masterstu-
über. Als erster Kanzler fungiert
stellenden Künste und Über-
diengang „Konservierung Neuer Me-
ab 1. Juli Dr. Oliver Grundei; er folgt
legungen, mit einem Erweiterungs-
dien und Digitaler Information“.
auf Verwaltungsdirektor Günter
bau auf dem Gelände der Aka-
Der zu diesem Zeitpunkt weltweit
Oelberger, der am 31. Mai in den
demie Außenstellen auflösen zu
einmalige Aufbaustudiengang
Ruhestand trat.
können.
vermittelt den Studierenden die
Über eine Stellenumwidmung erhält
Im Hochschulrat, der zum 1. Septem-
Möglichkeiten des langfristigen
der Diplomstudiengang „Kom-
ber neu gebildet wird und weiter-
Erhalts von analogen und digitalen
munikationsdesign“ eine eigene Pro-
hin aus sieben Mitgliedern besteht,
Fotografien, Videoaufzeichnungen
fessur für die Grundlagenver-
sind nun im Unterschied zur Zeit
und digitalem Kulturgut. Als Dozenten
mittlung im 1. und 2. Semester; Mar-
davor die externen Mitglieder mit
konnte die Akademie hochrangige
cus Wichmann übernimmt diese
vier Sitzen in der Mehrheit. Die
internationale Experten gewinnen.
Funktion am 1.Oktober. Am selben
Kompetenzen des Hochschul-
Ausgewählte Lehrveranstaltungen
Tag tritt Michel Müller in der
rats sind durch das Landeshoch-
können auch von interessierten Gäs-
Nachfolge von Axel Stemshorn die
schulgesetz noch stärker als
ten, denen ein Vollzeitstudium
neu konzipierte Professur für
bisher auf strategische Aufgaben
nicht möglich ist, besucht werden.
Gebäudetechnologie im Diplom-
und auf die Aufsicht über die
Unterrichtssprachen sind deutsch
studiengang „Architektur und
Geschäftsführung des Rektorats
und englisch. Die nötigen Räume
Design“ an.
ausgerichtet. Den Vorsitz im
konnten dem neuen Studiengang
Nachdem das Bundesverfassungs-
Hochschulrat nimmt auch in der
u.a. in den ehemaligen Hausmeis-
gericht im Januar 2005 das
neuen Amtsperiode Prof. Dr.
terdienstwohnungen im Altbau be-
Studiengebührenverbot des Bundes
Ulrike Gauss wahr.
reitgestellt werden.
für verfassungswidrig er-
Mit einer Neufassung der Grund-
Das Landeshochschulgesetz von
klärt hatte, war für die Länder der
ordnung passt die Akademie Ende
2005 hat den Hochschulen auferlegt,
Weg frei, von den Studierenden
September ihre innere Organi-
ihre Diplom- und Magisterstudien-
ihrer Hochschulen Beiträge zu den
sation an das neue Landeshochschul-
gänge innerhalb einer mehrjährigen
Kosten des Studiums zu erheben.
gesetz an. Darin entscheidet sich
Frist auslaufen zu lassen bzw. auf
Das Land Baden-Württemberg hat
die Akademie für die Beibehaltung der
die neue gestufte Studienstruktur
dies in einem Gesetz vom 19.
Fachgruppenstruktur und regelt
umzustellen. Im Bereich der Archi-
Dezember umgesetzt und wird vom
die Zuordnung der Studiengänge zu
tekturausbildung hat die Akademie
Sommersemester 2007 an nicht
den Fachgruppen neu; statt in
diese Vorgabe umgehend aufge-
mehr nur von Langzeitstudierenden,
bisher fünf gliedert sich die Akade-
griffen, so dass der bisherige Diplom-
sondern von allen Studierenden
mie fortan in die vier Fachgrup-
studiengang „Architektur und De-
eine Studiengebühr von 500 Euro pro
pen Kunst, Architektur, Design und
sign“ bereits zum Wintersemester
Semester erheben. Sonderrege-
Wissenschaft. Mit den Fachgrup-
2006/07 durch die Bachelor-
lungen gibt es u.a. für Studierende
pen korrespondieren weitgehend
und Masterstudiengänge Architek-
375
O e lb e r ge r
19 88 bi s h e u t e
- - - - --------------- - - - - - - -
- - - - - - - - - - - - - - ------------
--------------------------
tur abgelöst werden kann. Die
menbedingungen bis zum Jahr 2014.
einbarung und erweitern sie in
Umstellung ist Anlass für eine grund-
Im Gegenzug verpflichten sich
einigen Punkten, u.a. um den Stu-
legende Reform der Curricula
die Hochschulen u.a. zu Leistungen
dienbereich Design. Die Verein-
beider Studiengänge, geleitet von
bei der Umstellung auf das ge-
barung fördert und regelt die Zu-
dem Bestreben, ihnen ein eigenes,
stufte Studiensystem und bei der
sammenarbeit in Lehre und For-
kunsthochschulspezifisches Profil
Schaffung zusätzlicher Stu-
schung in geeigneten Fächern sowie
zu geben.
dienplätze aufgrund der demo-
bei Prüfungen und Dissertatio-
Bei einem zweiten Besuch des Mini-
grafischen Entwicklung und
nen. Neu ist die Bestellung von Kon-
sterpräsidenten Oettinger am
des doppelten Abiturientenjahr-
taktpersonen an beiden Hoch-
17. November, an dem auch Wissen-
gangs 2012. Außerdem soll
schulen, die sich in allen Fragen der
schaftsminister Frankenberg
vom Jahr 2011 an ein vom Land
Kooperation abstimmen und
teilnimmt, werden v.a. die Anliegen
und den Hochschulen gemein-
regelmäßig die zuständigen Gre-
der Akademie in Bezug auf die
sam gespeister Innovations- und
mien informieren.
gestufte Studienstruktur, die Zu-
Qualitätsfond errichtet
Als Professorin für Fotografie/
kunftsoffensive „Hochschule
werden.
Zeichnung/Neue Medien tritt
2012“ und – erneut – die Chancen
Die Einführung allgemeiner Studien-
Birgit Brenner am 1. September
einer baulichen Erweiterung
gebühren vom Sommersemester
die Nachfolge von Marianne
auf dem Campus besprochen. Ver-
an bringt der Akademie zusätzliche
Eigenheer an.
treter der Akademie treten
Einnahmen, die dem Gesetz ent-
Bei der turnusmäßig anstehenden
mit Nachdruck dafür ein, bei der
sprechend für die Verbesserung von
Neuwahl werden zu Beginn des
beabsichtigten Novellierung
Studium und Lehre zu verwenden
Wintersemesters 2007/2008 die
des Landeshochschulgesetzes beim
sind. Nach einer Entscheidung des
Professoren Dr. Stephan Engels-
Studium der Freien Kunst und
Rektorats, an der studentische
mann, Volker Lehnert und Dr. Hubert
bei den Restaurierungsstudiengän-
Vertreter der Studienkommissionen
Locher zu neuen Prorektoren be-
gen die Bachelor-/Masterstruk-
sowie der AStA beteiligt sind,
stellt. Die erstmals drei Prorektoren
tur wieder aufzuheben und beim Stu-
können mit den Einnahmen
teilen sich ihre ehrenamtliche
dium der Kunsterziehung eine
die Lehrmitteletats der Fachgruppen
Tätigkeit vorrangig in die Geschäfts-
Regelstudienzeit von 12 Semestern
erhöht, die Öffnungszeiten
gesetzlich zu verankern.
--------------------------------2007 Tobias Wallisser tritt am
bereiche Lehre und Forschung
und der Medienbestand der Bibliothek (Lehnert), Außenpolitik und Bauenterweitert und der Matewicklung (Engelsmann) sowie
rialverkauf an die Studierenden
Innenpolitik und Wissenstransfer
zum Einkaufspreis ermöglicht
(Locher).
von Dagmar Richter eine Professur
werden.
Unabhängig von der zu Beginn des
für Entwerfen Architektur/Inno-
Am 18. Juli tritt eine Neufassung der
Wintersemesters 2007/08 ein-
vative Bau- und Raumkonzepte an.
Satzung des Weißenhof-Instituts
geführten allgemeinen Studienge-
Kurz darauf, am 14. März, über-
in Kraft. Die Änderungen betreffen
bühr von 500 Euro pro Semester,
nimmt Rainer Ganahl für den alters-
u.a. die Amtsdauer und die Fachgrup-
setzt die Akademie für die nicht-
halber ausgeschiedenen Micha
penzugehörigkeit des Instituts-
konsekutiven Masterstudien-
Ullman eine Professur für Bildhaue-
leiters sowie den Beirat, der verklei-
gänge Integral Studies und Konser-
rei/Material- und Raumkonzepte,
nert und überwiegend mit exter-
vierung Neuer Medien eine Stu-
auch unter Einbeziehung Neuer
nen Mitgliedern besetzt werden
diengebühr von 500 bzw. 1.500 Euro
Medien.
soll. Die interdisziplinäre Arbeit mit
pro Semester fest.
Am 2. März schließt das Land mit
entsprechenden öffentlichen
Am 15. bzw. 17. Oktober werden
den Hochschulen einen neuen
Veranstaltungen tritt stärker in
zwei vakante Professuren wieder-
Solidarpakt ab, in den erstmals auch
den Vordergrund.
besetzt: als Professor für Malerei
die Kunst- und Musikhochschulen
Mit Datum vom 9./14. August
folgt Reto Boller auf Paul Uwe
einbezogen sind. Im Solidarpakt
erneuern die Universität Stuttgart
Dreyer, Annett Zinsmeister über-
garantiert das Land den Hochschu-
und die Akademie ihre aus 2001/
nimmt die Professur für Grund-
len verlässliche finanzielle Rah-
2002 stammende Kooperationsver-
lagen der Gestaltung / Experimen-
28. Februar als Nachfolger
376
2 5 0 J ah r e
Ku n s t a ka d e m i e S t u tt g a r t
-- - - - --------------- - - - - - -
- - - - - - - - - - - - - - - - ----------
--------------------------
telles Entwerfen in den Studiengän-
Am 8. Juli übernimmt Prof. Dr. Chris-
gang festlegen zu müssen. Die
gen Architektur und Industrial
toph Krekel die Funktion eines
Inhalte des Studiengangs „Bühnen-
Design, die zuvor William Firebrace
Prorektors. Er tritt an die Stelle
bild“ werden erweitert und in den
inne hatte. In einer Ausstellungs-
von Prof. Dr. Hubert Locher, der
neuen Diplomstudiengang „Bühnen-
vitrine in der Klett-Passage am
zum 1. April einem Ruf an die Univer-
und Kostümbild“ übergeleitet, für
Hauptbahnhof können Studierende
sität Marburg gefolgt war.
den eine separate Prüfungsordnung
der Akademie von Dezember an
Die Aufstellung eines Struktur-
erlassen wird.
in regelmäßigem Wechsel ihre
und Entwicklungsplans für die Jahre
Im Wintersemester 2008/09 nimmt
Arbeiten den zahlreichen Passan-
2008 bis 2012 bestimmt in den
in Ludwigsburg die neu gegrün-
ten präsentieren. Die Überlas-
Monaten September bis Dezember
dete Akademie für Darstellende
sung der Vitrine ist auf längere
die Arbeit der Hochschulorgane. Der
Kunst Baden-Württemberg
Dauer angelegt.
vom Hochschulrat am 8. Dezember
ihren Lehrbetrieb auf. Träger der
---------------------------------
nach engagierten und grundsätzli-
Akademie sind das Land Baden-
2008 Die Funktion des Kanzlers
chen Debatten verabschiedete
Württemberg, die Filmakademie
Plan beschreibt ausführlich die für
Baden-Württemberg, die Kunst-
Matthias Knapp wahr. Er tritt die
die kommenden Jahre angestreb-
akademie und die Stadt Ludwigs-
Nachfolge von Dr. Oliver Grundei an,
te Weiterentwicklung der Akademie
burg. Mit der Neugründung wird
der im Oktober des Vorjahres zur
in struktureller, personeller, bau-
ein Vorhaben verwirklicht, das be-
Universität Lübeck wechselte.
licher und finanzieller Hinsicht. Teil
reits in den 90er Jahren weitge-
Mit der zum 1. Januar wirksam wer-
des Struktur- und Entwicklungs-
hend ausgearbeitet war, dann aber
denden Berufung von Roland Lenz
plans ist ein Gleichstellungsplan für
über längere Zeit zurückgestellt
als hauptamtlicher Professor
das hauptberuflich tätige künst-
wurde. Die neue Akademie bietet mit
kann der bereits 2003 eingeführte
lerische und wissenschaftliche Per-
vier Studiengängen auf den Gebie-
Studiengang „Konservierung
sonal, der im Detail Grundsätze
ten Schauspiel, Regie, Dramaturgie
und Restaurierung von Wandmale-
und Maßnahmen formuliert, mit
und Bühnen-/Kostümbild eine
rei und polychromiertem Stein“ end-
denen im Planungszeitraum die
interdisziplinäre, Theater und Film
gültig eingerichtet werden. Be-
verfassungsrechtlich gebotene
eng miteinander verknüpfende
reits 2006 war es gelungen, durch
Gleichstellung von Frauen und
Ausbildung, ein Studienangebot, das
die Anmietung einer Halle in der
Männern verwirklicht werden soll.
es im deutschsprachigen Raum
Nähe des Landesdenkmalamts in
Das Wissenschaftsministerium
bisher so nicht gab. Die Akademie
Esslingen bessere räumliche Be-
stimmt beiden Plänen mit nur we-
gewinnt nicht nur neue, fachüber-
dingungen für den Studiengang zu
nigen Auflagen zu.
greifende Kontakte, sondern
schaffen. Die Zusammenarbeit
Mit dem Inkrafttreten einer neuen
profitiert auch durch den Ausbau
zwischen Akademie und Denkmalamt
Prüfungsordnung werden am
ihres Studiengangs „Bühnen-
wird in einer erweiterten Ko-
1. Oktober die bisherigen Diplom-
bild“ und die Erweiterung um eine
operationsvereinbarung neu ge-
studiengänge Malerei, Bildhauerei,
Professur für Kostümgestal-
regelt.
Freie Grafik, Freie und Angewandte
tung, auf die zum 1. Oktober die
Wegen Differenzen mit dem Rekto-
Keramik sowie Glasgestaltung
Kostümbildnerin Anna Eier-
rat über die Wiederverwendung
und Malerei im neuen Diplomstu-
mann berufen wird.
einer Professorenstelle treten am
diengang „Bildende Kunst“ zu-
Für den bisher im Areal Am Weißen-
16. April sechs der sieben Hoch-
sammengefasst. Diese Veränderung
hof untergebrachten Master-
schulratsmitglieder von ihren Äm-
trägt der Entwicklung Rechnung,
studiengang „Integral Studies“ wird
tern zurück. Intensive Bemüh-
dass die künstlerischen Ausdrucks-
zum 1. Oktober eine über 600 qm
ungen um die Gewinnung neuer Mit-
formen nicht mehr wie bisher in
umfassende Außenstelle in Waib-
glieder setzen ein. Am 21. Juli
den strengen Grenzen der einzelnen
lingen, Gewerbestr. 11, eröffnet.
konstituiert sich ein neuer Hoch-
Disziplinen verlaufen und gestat-
Die Stadt Waiblingen unterstützt
schulrat und wählt Prof. Dr.
tet den Studienbewerbern, sich
die Akademie beim Aufbau der
Hartmut Weber zu seinem Vor-
künftig nicht bereits bei der Bewer-
neuen Außenstelle und beim lau-
sitzenden.
bung auf einen speziellen Studien-
fenden Betrieb.
nimmt vom 8. Januar an Dr.
377
O e lb e r ge r
1 9 88 b i s h e u t e
- - - - -------------- - - - - - - - -
- - - - - - - - - - - - - - - -----------
--------------------------
Nils Büttner übernimmt am 1. Okto-
den. Für die Restaurierungsstudi-
zum Ende des Sommersemes-
ber als Nachfolger von Hubert
engänge konnte diese Ausnahmere-
ters 2010 auslaufen zu lassen. Die
Locher die Professur für Mittlere
gelung nicht erreicht werden; hier
Kooperationsverträge mit den
und Neuere Kunstgeschichte.
können vom Wintersemester
Partnerhochschulen in Paris, Hel-
Mit der Professur ist die Leitung
2009/2010 an Studienanfänger ihr
sinki, Mailand, Stockholm, Glas-
der Kunstsammlung und des
Studium nur noch in den Ba-
gow und Köln werden nicht mehr
Akademiearchivs verbunden. Am
chelor-/Master-Strukturen ab-
verlängert.
1. November tritt Irene Brückle
solvieren.
Zum 1. September wird Andreas
als neue Leiterin des Diplomstu-
Bei den Studiengebühren treten am
Quednau als Professor für Entwer-
diengangs „Konservierung und
1. März einige Erleichterungen ein;
fen Architektur/Öffentliche Bau-
Restaurierung von Grafik, Archiv-
sie bringen u.a. Verbesserungen für
ten und Räume berufen; er ist Nach-
und Bibliotheksgut“ die Nach-
Studierende mit Kindern und
folger von Matthias Sauerbruch.
folge von Gerhard Banik an.
eine Erweiterung der Geschwister-
Zu Beginn des Wintersemesters
---------------------------------
regelung. Die Einnahmen der Aka-
übernimmt Felix Ensslin in der Fach-
2009 Eine zu Beginn des Jahres in
demie aus Studiengebühren verrin-
gruppe Wissenschaft die neuge-
gern sich dadurch um nahezu ein
schaffene Professur für Kunstver-
auf fünf Jahre angelegte Vereinba-
Drittel. Es wird eine Arbeitsgruppe
mittlung und Ästhetik; Markus
rung mit der Fa. Stoll, Reutlingen,
gebildet, in der auch Studierende-
Blaschitz tritt als Professor für
macht es möglich, die Ausbildung in
vertreten sind, die dem Rekto-
Wohnbau und Grundlagen des
den Bereichen Strickentwurf/
rat gegenüber Empfehlungen zur
Entwerfens die Nachfolge von
Strickdesign im Diplomstudiengang
Verwendung der Studiengebüh-
Peter-Aribert Herms an.
„Textilgestaltung“ zu optimieren.
ren ausspricht.
Diese Erweiterung ist dringend an-
Prof. Annett Zinsmeister wird
--------------------------------2010 Im Februar verleiht die Aka-
gebracht, weil der Stricksektor
zum 1. März für die Dauer von vier
auf dem internationalen Textilmarkt
Jahren zur Leiterin des Weißen-
eines Ehrendoktors. Der Geehrte ist
immer größere Bedeutung erlangt,
hof-Instituts bestellt.
Helmuth F. Reichwald, der von 2003
die Ausbildung aber durchweg
Nach einer grundlegenden Sa-
an den Diplomstudiengang „Kon-
unzureichend ist. Für den Ausbau
nierung und Modernisierung wird
servierung und Restaurierung von
ihres Ausbildungsangebots er-
am 21. September das von den
Wandmalerei“ aufgebaut und über
hält die Akademie im Rahmen der
Freunden der Akademie betriebene
Jahre hinweg geleitet hat.
Kooperation u.a. Mittel für
Reinwaldhaus in Bodman am
Nach mehrjähriger gründlicher Vor-
zusätzliche Lehraufträge und
Bodensee wiedereröffnet. Der da-
bereitung tritt zu Beginn des
Sachmittel.
mit einhergehende Einbau einer
Studienjahres 2010/2011 eine neue
Mit einer am 1. März wirk-
neuen Heizungsanlage erlaubt es,
Gymnasiallehrerprüfungsordnung
sam werdenden Novellierung des
das denkmalgeschützte Gebäude
in Kraft, die den Ablauf und die Inhal-
Landeshochschulgesetzes wird
nunmehr auch in der kalten Jahres-
te des Studiengangs „Kunster-
einem von der Akademie mit Nach-
zeit zu nutzen, z.B. für Seminare,
ziehung“ ( jetzt „Künstlerisches Lehr-
druck vorgetragenen Anliegen
Workshops und ähnliche Veranstal-
amt an Gymnasien“) grundlegend
entsprochen, die Studiengänge der
tungen. Der Sanierungsaufwand
reformiert. Mit dem Ausbau der bil-
Freien Kunst und des Design von
belief sich auf rund 350 Tsd. Euro;
dungswissenschaftlichen und fach-
der Umstellung auf die gestufte
finanzielle Unterstützung er-
didaktischen Komponenten und
Studienstruktur auszunehmen.
hielt der Verein durch das Land, die
der Hinzunahme der Kunsttheorie in
Das Studium der Bildenden Kunst,
Gemeinde Bodman, die Akade-
den Lehrplan erhöhen sich die
des Bühnen- und Kostümbildes,
mie sowie durch großzügige
theoretischen Inhalte des Studiums
der Textilgestaltung, des Kommuni-
Spenden von Freunden und För-
deutlich; ein gewisser Ausgleich
kationsdesign sowie des Indus-
derern.
dafür ist der Wegfall des zweisemes-
trial Design kann damit weiterhin in
Hochschulrat und Senat beschlie-
trigen Ausbildungsabschnitts Wer-
der bisherigen Form ablaufen und
ßen, den Bachelor- und Master-
ken, der eine kontinuierlichere
mit dem Diplom abgeschlossen wer-
studiengang „European Design“
künstlerische Entwicklung der Stu-
Kraft tretende, zunächst
demie erstmals die Würde
378
2 5 0 J ah r e
Ku n s t a ka d e m i e S t u tt g a r t
-- - - - --------------- - - - - - -
- - - - - - - - - - - - - - - - ----------
--------------------------
dierenden zulässt. Den Bestre-
offen sind jedoch immer noch wichti-
bungen des Bologna-Prozesses wird
ge Details der Finanzierung und
durch ein modularisiertes Curri-
die Frage, ob das Land an die Anmie-
culum Rechnung getragen, eine Um-
tung Bedingungen, wie z. B. den
stellung auf das Bachelor-/
Verzicht auf Außenstellen, knüpft. Im
Mastersystem erfolgt hingegen
Falle eines positiven Ausgangs
nicht. Weitere Resultate der
der Verhandlungen ist vorgesehen,
insgesamt positiv bewerteten Re-
die seit Jahren auf mehrere
form: der Abschluss mit dem
Außenstellen verteilten Restaurie-
Staatsexamen und die Regelstudien-
rungsstudiengänge an einem
zeit von 12 Semestern (samt wis-
Ort zusammenzufassen.
senschaftlichem Beifach) bleiben
Bettina Walter tritt am 1. Oktober
erhalten.
als Professorin für Kostümbild
Am 1. September übernimmt Petra
die Nachfolge von Anna Eiermann an.
von Olschowski, bisher Geschäfts-
Wenige Tage später, am 10. Okto-
führerin der Kunststiftung Baden-
ber, nimmt Thomas Bechinger seine
Württemberg, das Amt der Rek-
Tätigkeit als Professor für Glas-
torin. Sie war am 25. Mai vom Hoch-
gestaltung und Malerei auf; er folgt
schulrat gewählt worden; der
auf den im März des Vorjahres
Senat hat die Wahl am 1. Juni bestä-
verstorbenen Johannes Hewel. Ver-
tigt. Mit dem Wechsel im Rektor-
tretungsprofessuren haben am
amt ist u.a. auch eine Neubestellung
Ende des Berichtszeitraums inne:
der Prorektoren verbunden. Als
Joachim Fleischer (Bildende Kunst/
künftige Prorektoren wählt der Senat
Intermediales Gestalten), Volker
am 7. Dezember die Professoren
Lang (Werken) und Henning Volpp
Dr. Nils Büttner, Volker Lehnert und
(Gebäudetechnologie).
Tobias Wallisser.
Die Finanzlage und die seit Jahren in
vielerlei Varianten diskutierten
Raumprobleme sind zwei der Schwerpunkte, mit denen sich das neue
Rektorat zu Beginn seiner Amtszeit
konfrontiert sieht. Die dramatische
Verschlechterung der finanziellen
Situation, die ihre Hauptursachen
im Rückgang der Studiengebühren
durch die sog. Geschwisterregelung (s.o.) sowie in der Ausweitung
der Lehraufträge als Folge der
BA-/MA-Strukturen hat, zwingt
dazu, sämtliche Ausgabenbereiche nachdrücklich auf Einsparpotenziale hin zu überprüfen;
hinsichtlich der räumlichen Weiterentwicklung befindet sich die
Akademie zwar weiterhin in Gesprächen über die Anmietung von
Räumen in dem geplanten Stadtteilzentrum „Forum K“ am Killesberg,
Listen / Register
bearbeitet von Angela Zieger
Professoren und Professorinnen, Werkstattlehrer und
-lehrerinnen, akademische Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter,
Rektoren und Rektorin, Ehrenmitglieder, Ehrensenatoren
und Ehrensenatorin der Staatlichen Akademie der
Bildenden Künste Stuttgart 1761–2011
Die vorliegenden Listen dienen zugleich als Register des Buches. Die goldenen Ziffern hinter den
Angaben zur Person verweisen auf die Seiten dieser Publikation, auf denen die betreffende Person
im Haupttext erwähnt wird.
Erfasst wurden in dieser Reihenfolge: Name, Geburtsjahr, Geburtsort, Todesjahr, Fach, Institution,
Lehrzeit. In der Liste der Professoren und Professorinnen zusätzlich Vorgänger (=V) und Nachfol–
ger (=N). Soweit keine Angabe (=k.A.) ermittelbar war, ist auch dies vermerkt.
Die vorliegenden Daten entstammen den Personalakten im Archiv und der Registratur der Akademie, den Akten des Hauptstaatsarchivs Stuttgart, den Hof– und Staatshandbüchern des Landes
Württemberg und persönlichen Auskünften der aufgeführten Personen, sowie der Sekundärlitera­
tur zur Geschichte der Akademie. Sie repräsentieren den bis zum Redaktionsschluss erreichten
Forschungsstand.
Professoren und Professorinnen
der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Stuttgart
und ihrer Vorgängereinrichtungen von 1761 bis heute
Abel, Gottfried Friedrich *1763 Stuttgart 1814/1820?, Kupferstecherei, Hohe Karlsschule, 1788–
1794, V: k.A.; N: k.A. | Abriot, David Nikolaus *1757 Mömpelgard 1794, Architektur/Zivilbaukunst,
Hohe Karlsschule, 1787–1794, V: Atzel, Johann Jakob; N: k.A 48 | Ade, Albrecht *1932 Tübingen,
Werbegraphik, Staatl. Akademie d. Bildenden Künste, 1976–1991, V: Funk, Eugen; N: Pospischil,
Hans–Georg 317f., 335f., 346 | Altherr, Heinrich *1878 Basel/Schweiz 1947, Malerei/Komposition,
Königl. Akademie d. Bildenden Künste, 1913–1939, V: Keller, Friedrich; N: von Kissling; Heinrich
90f., 98, 108f. | Appelhans, Albrecht *1900 Frankfurt a.M. 1975, Malerei, Staatl. Akademie d. Bildenden Künste, 1962–1969, V: Sohn, Hermann; N: Dreyer, Paul Uwe 223, 254 | Atzel, Johann
Jakob *1754 Winnweiler/Pfalz 1816, Architekturzeichnung und Perspektivlehre, Herzogl. Militärakademie,1778–1787, V: k.A; N: Abriot, David Nikolaus 48 | Auer, Fritz *1933 Tübingen, Architektur/Entwerfen, Staatl. Akademie d. Bildenden Künste, 1993–1995, V: Stadelmaier, Wolfgang; N:
Sauerbruch, Matthias 366, 368, 371 | Autenrieth, Ludwig Friedrich *1773 Stuttgart 1857, Zeichenkunst, Königl. Kunstschule, 1829–1832, V: k.A.; N: k.A | Bachmann, Karl-Werner *1935 Königsberg,
Institut für Technologie der Malerei, Staatl. Akademie d. Bildenden Künste, 1983–2000, V: Straub,
Rolf Edward; N: Schaible, Volker 305, 307f., 370 | Bachmayer, Horst *1932 Pforzheim, Werken,
Staatl. Akademie d. Bildenden Künste, 1966–1995, V: neue Professur; N: Hähnel, Wolfhart
367 | Balleis, Makarius *1761 Aindling/ Bayern 1790, Kupferstecherei, Hohe Karlsschule, 1788–
383
1790, V: k.A; N: k.A | Banik, Gerhard Dr. *1948 Lübeck, Restaurierung u. Konservierung von Graphik,
Archiv– und Bibliotheksgut, Staatl. Akademie d. Bildenden Künste, 1990–2009, V: neue Professur;
N: Brückle, Irene 365, 377 | Barth, Trude, *1903 Stuttgart 1985, Batik und verwandte Techniken,
Staatl. Akademie d. Bildenden Künste, 1929–1969, V: Eberhardt, Laura; N: Studiengang eingestellt
| Bauer, Adam *um 1743, um 1780, Bildhauerei, Hohe Karlsschule, 1771–1777, V: k.A; N: Friedrich,
Johann Gottlieb 45 | Baum, Julius Dr. *1882 Wiesbaden 1959, Kunstgeschichte und Stillehre,
Königl. Kunstgewerbeschule und Akademie der Bildenden Künste, 1908–1911 und 1911–1924, V:
Frank–Oberaspach; N: Karl Diez, Max 89, 91, 207 | Baum, Otto *1900 Leonberg 1977, Bildhauerei,
Staatl. Akademie d. Bildenden Künste, 1946–1965, V: Lörcher, Alfred; N: Baumann, Herbert 215f.,
221, 260, 287 | Baumann, Herbert *1927 Blumberg, 1990, Bildhauerei, Staatl. Akademie d. Bildenden Künste, 1965–1990, V: Baum, Otto; N: Ullman, Micha 365 | Baumeister, Willi *1889 Stuttgart 1955, Malerei, Staatl. Akademie d. Bildenden Künste, 1946–1955, V: Spiegel, Hans; N: Wildemann, Heinrich 92f., 106f., 114, 183–198, 206f., 209, 214–222, 235–237, 262, 275, 286, 363, 365,
367f., 372 | Baumgartl, Moritz *1934 Frühbuss/Tschechische Republik, Allgemeine künstl. Ausbildung, Staatl. Akademie d. Bildenden Künste, 1976–2000, V: Peters, Hugo; N: Lehnert, Volker
335, 346, 366, 370 | Bechinger, Thomas *1960 Konstanz, Glasgestaltung und Malerei, Staatl.
384
Akademie d. Bildenden Künste, ab 2010; V: Grunert, Andreas 378 | Bergmann, Horst *1940 Langenberg/Rheinland, Allgemeine künstl. Ausbildung, Schrift und Graphik, Staatliche Akademie d. Bildenden Künste, 1975–2005, V: neue Professur; N: Wichmann, Marcus | Bernlacher, Georg Christian
*k.A, Zivilbaukunst, Herzogl. Militärische Pflanzschule, 1771–1776, V: k.A; N: k.A | Beye, Peter Dr.
*1932 Berlin, Kunstgeschichte, Staatl. Akademie d. Bildenden Künste, 1969–1997, V: k.A.; N: k.A.
| Beyer, Johann Christian Wilhelm *1725 k.A 1796, Bildhauerei, Académie des Arts, 1761–1761,
Gründungsmitglied der Académie des Arts, N: k.A 27f., 30 | Biberstein, Dr. von *k.A, Anatomie,
Königl. Kunstschule, k.A, V: k.A; N: k.A 63 | Bier, Rolf *1960 Würzburg, Allgemeine künstl. Ausbildung, Staatl. Akademie d. Bildenden Künste, ab 2005; V: Hämmerle, Joachim 373 | Bittio, Antonio
De *1722 k.A. 1797, Theatermalerei, Académie des Arts, 1761–1768, Gründungsmitglied der Académie des Arts, N: k.A 27f. | Blaschitz, Mark *1965 Graz/Österreich, Architektur/Wohnbau und
Grundlagen des Entwerfens, Staatl. Akademie d. Bildenden Künste, ab 2009; V: Herms, Aribert
377 | Böhmer, Gunter *1911 Dresden 1986, Freie Graphik und Illustration, Staatl. Akademie d. Bildenden Künste, 1960–1978, V: Rössing, Karl; N: Schoofs, Rudolf 236, 346 | Boller, Reto *1966
Zürich, Malerei, Staatl. Akademie d. Bildenden Künste, ab 2007; V: Dreyer, Paul Uwe 376 | Brachert,
Hermann *1890 Schlaitdorf 1972, Bildhauerei, Staatl. Akademie d. Bildenden Künste, 1946–
1956, V: Graevenitz, Fritz von; N: kein Nachfolger 177, 194, 196, 207–209, 213–219, 288f. | Braun,
Albrecht Dr. *1905 Tuttlingen 1983, Vorklasse Zeichenlehrerausbildung, Staatl. Akademie d. Bildenden Künste, 1938–1945, V: k.A; N: Gollwitzer, Gerhard 161f., 165 | Brenner, Birgit *1964 Ulm,
Fotografie, Zeichn., Neue Medien, Staatl. Akademie d. Bildenden Künste, ab 2007; V: Eigenheer,
Marianne 375 | Breyer, Robert *1866 Stuttgart 1941, Malerei/Graphik, Staatl. Akademie d. Bildenden Künste, 1914–1938, V: Grethe, Carlos; N: k.A 90, 98 | Brodwolf, Jürgen 1932 Dübendorf/Schweiz,
Bildhauerei, Staatl. Akademie d. Bildenden Künste, 1982–1994, V: Hoflehner, Rudolf; N: Jonas, Joan
367 | Brückle, Irene Dr. *1960 Berlin, Restaurierung von Graphik, Archiv- und Bibliotheksgut, Staatl.
Akademie d. Bildenden Künste, ab 2008; V: Banik, Gerhard 377 | Brudi, Christoph *1938 München,
Graphik und Illustration, Staatl. Akademie d. Bildenden Künste, 1962–2003, V: neue Professur;
N: kein Nachfolger 223 | Brudi, Walter *1907 Stuttgart 1987, Buchgraphik und Typographie,
Staatl. Akademie d. Bildenden Künste, 1949–1973, V: Schneidler, F.H.E.; N: Kröplien, Manfred 204,
215, 223, 225f., 315f., 331, 344 | Bruse, Hasso *1927 Berlin 1995, Fotografik, Staatl. Akademie d.
Bildenden Künste, 1970–1992, V: neue Professur; N: Seiland, Alfred 316, 319, 364 | Bunk, Holger
*1954 Essen, Aktzeichnen und Malerei, Staatl. Akademie d. Bildenden Künste, ab 1992; V: Schubert,
Herwig 365 | Büttner, Nils Dr. *1967 Bremen, Mittlere und Neuere Kunstgeschichte , Staatl. Akademie d. Bildenden Künste, ab 2008; V: Locher, Hubert 247f., 343, 377f. | Chevalier, Peter *1953
Karlsruhe, Malerei Staatl. Akademie d. Bildenden Künste, ab 1992; V: Haegele, Rudolf 365 | Chipperfield, David *1953 London, Architektur/Entwerfen, Staatl. Akademie d. Bildenden Künste,
1995–2000, V: Henning, Wolfgang, 1995–1998 und Haussmann, Robert, 1999–2000; N: k.A 367,
369 | Christaller, Paul Gottfried *1860 Basel/Schweiz 1950, Wachsmodellieren, Ziselieren,
Fachzeichnen, Königl. Kunstgewerbeschule um 1900, V: k.A; N: k.A 135 | Cissarz, Johann Vincenz
*1873 Danzig 1942, Graphische Künste und Buchgewerbe, Königl. Württ. Kunstgewerbeschule,
1906–1916, V: neue Professur; N: Schneidler, F.H.E. 143, 146 | Cluss, Uli *1962 Heilbronn, Kommunikationsdesign, Staatl. Akademie d. Bildenden Künste, ab 2003; V: Kröplien, Manfred 372 |
Colomba, Innocente *1717 k.A 1793, Theatermalerei, Académie des Arts, 1761–1768, Gründungsmitglied der Académie des Arts, N: k.A 27 | Dannecker, Johann Heinrich *1758 Stuttgart 1841,
Bildhauerei, Hohe Karlsschule, 1790–1794, V: Friedrich, Johann Gottfried, N: wird bei Neueröffnung der Kunstschule 1829 wieder eingesetzt 46, 59, 60f., 63f., 269 | Daudert, Rudolf *1903
Metz/Frankreich 1988, Allgemeine künstl. Ausbildung, Bildhauerei, Staatl. Akademie d. Bildenden
Künste, 1955–1972, V: neue Professur; N: Sekal, Zbynek | Denninger, Edgar *1901 Hannover 1984,
Institut für Technologie der Malerei, Staatliche Akademie d. Bildenden Künste, 1949–1969, V:
neue Professur; N: Richter, Ernst Ludwig 302, 304f., 309 | Dieterich, Johann Friedrich *1787 Biberach 1846, Historienmalerei, Königl. Kunstschule, 1829–1846, V: k.A.; N: Neher, Karl Josef
Bernhard 64 | Diez, Max Dr. *1859 Böblingen 1928, Kunstgeschichte, Königl. Akademie d. Bildenden Künste, 1904–1915, V: Lemcke, Carl von; N: k.A. 80, 85, 88f., 91, 142 | Distelbarth, Friedrich
*1768 Ludwigsburg 1836, Bildhauerei, Königl. Kunstschule, 1829–1836, V:eingesetzt bei Neueröffnung der Kunstschule; N: Wagner, Theodor Ludwig | Donndorf, Adolf *1835 Weimar 1916,
385
Bildhauerei, Königl. Kunstschule, 1876–1910, V: Wagner, Theodor Ludwig; N: Habich, Ludwig 80
| Dreher, Hans *1931 Bern, Allgem. künstl. Ausbildung u. Umweltgestaltung, Staatl. Akademie d.
Bildenden Künste, 1984–1996, V: Mohl, Heinz; N: Firebrace, William 368 | Dreyer, Paul Uwe *1939
Osnabrück 2008, Malerei, Staatl. Akademie d. Bildenden Künste, Malerei, 1972–2005, V. Appelhans,
Albrecht: N: Boller, Reto 254, 350, 352f., 364f., 368, 371, 376 | Eberhardt, Laura *1876 Furtwangen
1960, Kunstgewerbl. Frauenarbeit, Königl. Kunstgewerbeschule, 1905–1938, V: keine Vorgängerin,
N: Barth, Trude 144, 150 | Eckener, Alexander *1870 Flensburg 1944, Radierung, Lithographie,
Holzschnitt, Königl. Akademie d. Bildenden Künste, 1908–1936, V: Kräutle, Karl August; N: Mayrhofer–Passau, Hermann 91, 155 | Edelmann, Heinz *1934 Aussig a.d. Elbe 2009, Grafikdesign,
Staatl. Akademie d. Bildenden Künste, 1986–1999, V: Weidemann, Kurt; N: Troxler, Niklaus 351, 368
| Eggert, Gerhard Dr. *1955 Liebenscheid, Restaurierung von archäolog. ethnolog. und kunsthandwerkl. Objekten, Staatl. Akademie d. Bildenden Künste, ab 1998, V: Kühn, Hermann 369 | Egl,
Herbert *1953 Stuttgart, Freie Grafik, Staatl. Akademie d. Bildenden Künste, 1992–1993, V: k.A.;
N: k.A. | Ehehalt, Rudolf *1901 k.A. 1945, dekorative Malerei und Zeichnen, Staatl. Akademie d.
Bildenden Künste, 1940–1945, V: Rochga, Rudolf; N: Sohn, Hermann | Eiermann, Anna *1956
Karlsruhe, Kostümbild, Staatl. Akademie d. Bildenden Künste, 2008–2010, V: neue Professur; N:
386
Walter, Bettina 376, 378 | Eiff, Wilhelm von *1890 Göppingen 1943, Glas– und Steinschnitt,
Glasschliff und –malerei, Württ. Staatl. Kunstgewerbeschule, 1921–1943, V: neue Professur; N:
Yelin, Rudolf 148, 150 | Eigenheer, Marianne *1945 Luzern/Schweiz, Freie Grafik mit Malerei,
Staatl. Akademie d. Bildenden Künste, 1997–2006, V: Schoofs, Rudolf; N: Brenner, Birgit 368, 375
| Engelsmann, Stephan *1964 Augsburg, Konstruktives Entwerfen, Tragwerkslehre, Staatl. Akademie d. Bildenden Künste, ab 2002, V: Rosewich, Berthold 372f., 375 | Ensslin, Felix Dr. *1967
Berlin, Kunstvermittlung und Ästhetik, Staatl. Akademie d. Bildenden Künste, ab 2009, V: neue
Professur 377 | Erdlen (Erdt?), Johann * k.A., k.A. nach 1792, Zeichenkunst, Académie des Arts,
1773–1776, V: k.A.; N: k.A. | Erhardt, Hans Martin *1935 Emmendingen, Malen und Zeichnen,
Staatl. Akademie d. Bildenden Künste, 1970–1971, V: Neuner, Hannes; N: Mansen, Erich | Fauser,
Arthur *1911 Kollnau 1971, dekorative Malerei und Zeichnen, 1961–1961, V: Sohn, Hermann; N:
Appelhans, Albrecht | Fegers, Hans Dr. *1911 Oberhausen 1990, Kunstgeschichte, Staatl. Akademie d. Bildenden Künste, 1948–1977, V: neue Professur; N: Kermer, Wolfgang 222, 261, 347 |
Fetzer, Berthold von Dr. *1846 Stuttgart 1931, Anatomie, Königl. Kunstgewerbeschule, um 1900,
V: k.A.; N: k.A. 91, 136 | Fetzer, Hermann *1879 k.A., Bauformen und Perspektivlehre, Akademie d.
Bildenden Künste, um 1920, V: k.A.; N: k.A. | Feyerabend, Erich *1889 Rees 1945, Freie Grafik und
Holzschnitt, Akademie d. Bildenden Künste, 1938–1945, V: Graf, Gottfried; N: Rössing, Karl 162,
164, 167, 172, 176 | Firebrace, William *1950 London, Grundlagen der Gestaltung, Staatl. Akademie d. Bildenden Künste, 1997–2006, V: Dreher, Hans; N: Zinsmeister, Annett 368, 376 | Fischer,
Ferdinand *1784 Stuttgart 1860, Modellieren, Kunstgeschichte, Darstellende Geometrie, Königl.
Kunstschule, 1833–um 1860, V: Heigelin, Karl Marcell; N: k.A. 123, 269 | Fischer, Reinhard Ferdinand Heinrich *1746 Stuttgart 1812, Zivilbaukunst, Herzogl. Militärische Pflanzschule, 1771–
1794, V: k.A.; N: k.A. 48, 268f. | Fischer, Uwe *1958 Frankfurt a.M., Industrial Design, Staatl. Akademie d. Bildenden Künste, ab 2001, V: Lehmann 370 | Fleischer, Joachim *1960 Höll, Verbreiterungsfach Bildende Kunst, Staatl. Akademie d. Bildenden Künste, ab 2007, V: Hentz, Michael
378 | Fleischhauer, Werner Dr. *1903 Stuttgart 1997, Kunstgeschichte, Staatl. Akademie d. Bildenden Künste, 1966–1967, V: k.A.; N: k.A. 66 | Franz, Klaus *1923 Wuppertal 1999, Baukonstruktion, Staatl. Akademie d. Bildenden Künste, 1972–1989, V: Merkel, Horst; N: Rosewich, Berthold
364 | Friedrich, Johann Gottfried *1754 Stuttgart 1833, Bildhauerei, Stuckateurkunst, Zeichnen
nach Gipsabgüssen, Herzogl. Militärakademie, 1778–1794, V: Bauer, Adam; N: Dannecker, Johann
Heinrich 46 | Fritz, Nicolas *1948 Chateaubriant/Frankreich, Entwerfen, Staatl. Akademie d.
Bildenden Künste, ab 1996, V: Mohl, Heinz 368 | Funk, Eugen 1911 Stuttgart 2004, Werbegrafik
und Schrift, Staatl. Akademie d. Bildenden Künste, 1949–1976, V: Schneidler, F.H.E.; N: Ade, Albrecht 315–317, 335, 346 | Funk, Heinrich *1807 Herford 1877, Landschaftsmalerei, Königl.
Kunstschule, 1854–1876, V: Steinkopf, Gottlob Friedrich; N: Ludwig, Karl 69 | Gäfgen, Wolfgang
*1936 Hamburg, Freie Grafik und Malerei, Staatl. Akademie d. Bildenden Künste, 1983–2001, V:
neue Professur; N: Roob, Alexander 349f., 372 | Ganahl, Rainer *1961 Bludenz/Österreich, Bildhauerei, Material– und Raumkonzepte, Staatl. Akademie d. Bildenden Künste, ab 2006, V: Ullman,
Micha 375 | Georgiadis, Sokratis *1949 Thessaloniki/Griechenland, Architektur– und Designgeschichte, Staatl. Akademie d. Bildenden Künste, ab 1994, V: Werner, Frank 267, 366 | Glöckler,
Oskar *1893 Stuttgart 1938, Kunstgewerbe »Sportplastiker«, Württ. Staatl. Kunstgewerbeschule,
1937–1938, V: Pankok, Bernhard; N: Gretsch, Hermann 195, 175 | Göhlert, Ernst *1905 München
1991, Textilgestaltung, Staatl. Akademie d. Bildenden Künste, 1942–1946 V: Lang-Kurz, Paul; N:
k.A. | Gollwitzer, Gerhard *1906 Pappenheim 1973, Allgemeine künstl. Ausbildung, Staatl. Akademie d. Bildenden Künste, 1946–1968, V: Braun, Albrecht; N: Grau, Peter 162, 167, 207, 215, 224,
226 | Graevenitz, Fritz von *1892 Stuttgart 1959, Bildhauerei, Akademie d. Bildenden Künste,
1937–1946, V: Habich, Ludwig; N: Brachert, Hermann 158–162, 164–167, 171–174, 176f., 209–212
| Graf, Gottfried *1881 Mengen 1938, Holzschnitt, Akademie d. Bildenden Künste, 1921–1938, V:
Rath, Heine; N: Feyerabend, Erich 98 | Grau, Peter *1928 Breslau, Allgemeine künstl. Ausbildung,
Staatl. Akademie d. Bildenden Künste, 1968–1994, V: Gollwitzer, Gerhard; N: k.A. | Grethe, Carlos
*1864 Montevideo/Uruguay 1913, Technisches Malen, Königl. Akademie d. Bildenden Künste,
1899–1913, V: Kappis, Albert; Breyer, Robert 76, 78, 82, 84, 90, 138, 271 | Gretsch, Hermann *1895
Augsburg 1950, Keramik, Württ. Staatl. Kunstgewerbeschule, 1940–1942, V: Glöckler, Oskar;
N: Heider, Hans von 164, 167f., 171f., 174 | Groß, Dieter *1937 Stuttgart Allgemeine künstl. Aus-
387
bildung, Staatl. Akademie d. Bildenden Künste, 1965–2002, V: neue Professur; N: Opiolka, Andreas
365, 371 | Groß, Heinrich *1836 Schwäbisch–Hall 1904, Keramik und Pflanzenstudien, Königl.
Kunstgewerbeschule, 1885–1900, V: neue Professur; N: k.A. 127, 135 | Groß, Johann Adam d.J.
*1728 k.A. 1794, Architektur, Académie des Arts, 1769–1794, V: k.A.; N: k.A. 33, 36 | Grünenwald,
Jakob *1821 Bünzwangen–Ebersbach 1896, Zeichenkunst, Königl. Kunstschule, 1877–1896, V:
neue Professur; N: Herterich, Ludwig 63, 66, 68, 79 | Grunert, Andreas *1947 Chemnitz, Glasgestaltung und Malerei, Staatl. Akademie d. Bildenden Künste, 2009–2010, V: Hewel, Johannes; N:
Bechinger, Thomas | Güdemann, Cordula *1955 Wehr, Malerei und Zeichnung, Staatl. Akademie
d. Bildenden Künste, ab 1995, V: Mansen, Erich 352, 367 | Guibal, Nicolas *1725 Luneville/Frankreich 1784, Malerei, Académie des Arts, 1761–1784, V: Gründungsmitglied der Académie des
Arts; N: Harper, Adolf Friedrich 27–31, 36, 42–48 | Günther, Ulrich *1928 Dresden 1986, Freie
und angewandte Keramik, Staatl. Akademie d. Bildenden Künste, 1956–1986, V: Heim, Peter Otto;
N: Spagnulo, Guiseppe 352 | Häberlin, Karl von *1832 Esslingen 1911, Historienmalerei, Königl.
Kunstschule, 1868–1883, V: neue Professur; N: Keller, Friedrich von 63, 67f. | Habich, Ludwig
*1872 Darmstadt 1949, Bildhauerei, Königl. Akademie d. Bildenden Künste, 1910–1937, V: Donndorf, Adolf; N: Graevenitz, Fritz von 89f., 91, 158 | Haegele, Rudolf *1926 Schömberg 1998, Male388
rei, Staatl. Akademie d. Bildenden Künste, 1965–1992, V: Wildemann, Heinrich; N: Chevalier,
Peter 254, 365 | Hagspiel, Thomas * k.A. 1802, Architektur, Académie des Arts, 1768–1794, V:
k.A.; N: k.A. 34, 36 | Hähnel, Wolfhart 1944 Dresden, Werken, Staatl. Akademie d. Bildenden Künste,
1995–2009, V: Bachmayer, Horst; N: Lang, Volker 367 | Hämmerle, Joachim *1940 Saulgau, Allgemeine künstl. Ausbildung, Staatl. Akademie d. Bildenden Künste, 1986–2005, V: neue Professur;
N: Bier, Rolf 351, 373 | Harper, Adolf Friedrich *1725 Berlin 1806, Landschaftsmalerei, Académie
des Arts, 1761–1794, V: Gründungsmitglied der Académie des Arts; N: Steinkopf, Gottlob Friedrich 27–29, 36, 40, 61f. | Haug, Balthasar *1731 Ludwigsburg 1792, Mythologie, Herzogl. Militärakademie, 1775–1792, V: k.A.; N: k.A. | Haug, Robert von *1857 Stuttgart 1922, Historienmalerei,
Königl. Kunstschule, 1894–1922, V: Schraudolph, Claudius; N: k.A. 69, 79f., 82f., 91f., 104 | Haussmann, Robert *1931 Zürich/Schweiz, Entwerfen, Staatl. Akademie d. Bildenden Künste, 1986–
1997, V: Witzemann, Herta–Maria; N: Richter, Dagmar 292, 351, 366, 371 | Haustein, Paul *1880
Chemnitz 1944, Metallbearbeitung, Königl. Kunstgewerbeschule 1905–1944, V: neue Professur;
N: Warnecke, Hans 140, 146, 149 | Heideloff, Viktor Wilhelm *1757 Stuttgart 1817, Malerei und
Zeichenkunst, Hohe Karlsschule, 1789–1794, V: neue Professur; N: k.A. 61 | Heider, Hans von
*1867 München 1952, Keramik, Königl. Kunstgewerbeschule, 1901–1937, V: neue Professur; N:
Gretsch, Hermann 140, 150 | Heigelin, Karl Marcell *1798 Tübingen 1833, Modellieren, Kunstgeschichte, Darstellende Geometrie, Königl. Kunstschule, 1829–1833, V: neue Professur; N: Fischer,
Ferdinand 122, 269 | Heim, Peter Otto *1896 Albersweiler 1966, Bildhauerei, Akademie d. Bil-
denden Künste, 1926–1962, V: Lörcher, Alfred; N: Hoflehner, Rudolf 209, 215 | Heinle, Erwin
*1917 Stuttgart 2002, Hochbau, Staatl. Akademie d. Bildenden Künste, 1965–1981, V: neue Professur; N: Mohl, Heinz 276, 332, 335, 348 | Henning, Wolfgang *1927 Berlin 1995–1994, Entwerfen und Innenarchitektur, Staatl. Akademie d. Bildenden Künste, 1972–1994, V: Krauss, Eberhard;
N: Chipperfield, David 365f. | Henninger, Manfred *1894 Backnang 1986, Malerei, Staatl. Akademie
d. Bildenden Künste, 1949–1961, V: Steisslinger, Fritz; N: Trökes, Heinz 207, 209 | Hentz, Michael
*1954 New Jersey/USA, Verbreiterungsfach Bildende Kunst, Intermediales Gestalten, 2003–
2007, V: Michou, Sotirios; N: Fleischer, Joachim 372 | Herms, Peter Aribert *1943 Lahr, Entwerfen,
Staatl. Akademie d. Bildenden Künste, 1990–2009, V: neue Professur; N: Blaschitz, Mark 365, 377
| Herterich, Ludwig *1856 Ansbach 1932, Zeichenkunst, Königl. Kunstschule, 1896–1898, V: Grünenwald, Jakob; N: Poetzelberger, Robert 70, 76, 78f. | Hertlein, Edgar Dr. *1935 Würzburg,
Kunstgeschichte, Staatl. Akademie d. Bildenden Künste, 1978–1999, V: Fegers, Hans, N: Huber,
Hans–Dieter 347, 369 | Hetsch, Philipp Friedrich *1758 Stuttgart 1839, Historienmalerei, Hohe
Karlsschule, 1787–1794, V: neue Professur; N: k.A. 62, 64 | Hewel, Johannes *1947 Geisenheim
2009, Glasgestaltung und Malerei, Staatl. Akademie d. Bildenden Künste, 1993–2009, V: Schaffrath, Ludwig; N: Grunert, Andreas 366, 378 | Heyfelder, Erich Dr. *1874 k.A. 1957, Kunstgeschichte,
Akademie d. Bildenden Künste, k.A.–1935, V: k.A.; N: Schmitt, Otto | Hils, Karl *1889 Thann/Elsaß
1977, Allgemeine künstl. Ausbildung und Werken, Staatl. Akademie d. Bildenden Künste, 1946–
1955, V: neue Professur; N: Schellenberger, Christoff | Himmelein, Volker Dr. *1940 Pforzheim,
Kunstgeschichte, Staatl. Akademie d. Bildenden Künste, 1981–1995, V: k.A.; N: k.A. | Hirche, Herbert
*1910 Görlitz 2002, Innenarchitektur und Möbelbau, Staatl. Akademie d. Bildenden Künste, 1952–
1975, V: Wiehl, Karl; N: Votteler, Arno 219–221, 249, 276, 283, 286, 289–292, 254, 321, 323f., 326,
331, 334, 346 | Hoflehner, Rudolf *1916 Linz/Österreich 1995, Bildhauerei, Staatl. Akademie d.
Bildenden Künste, 1962–1981, V: Heim, Peter Otto; N: Brodwolf, Jürgen | Höing, Karl *1957 Südlohn, Textilgestaltung, Staatl. Akademie d. Bildenden Künste, ab 1991, V: Wollner, Leopold 365,
373 | Hölzel, Adolf *1853 Olmütz 1934, Malerei und Komposition, Königl. Akademie d. Bildenden
Künste, 1905–1919, V: Kalckreuth, Leopold Graf von; N: Waldschmidt, Arno 87f., 91f., 93, 95f.,
103–114, 184f., 191, 193–195, 197f., 221, 236f., 346, 368 | Hrdlicka, Alfred *1928 Wien 2009,
Bildhauerei, Staatl. Akademie d. Bildenden Künste, 1971–1986, V: neue Professur; N: Mahn, Inge
254, 352 | Huber, Hans-Dieter Dr. *1953 München, Kunstgeschichte der Gegenwart, Kunsttheorie,
Staatl. Akademie d. Bildenden Künste, ab 1999, V: Hertlein, Edgar 315, 369f. | Igler, Gustav *1842
Ödenburg/Ungarn 1938, Genremalerei, Königl. Kunstschule, 1888–1914, V: Rustige, Heinrich
Franz Gaudenz von; N: Speyer, Christian 68, 80, 82, 96 | Jacki, Günter *1936 Stuttgart, Schrift und
Typographie, Staatl. Akademie d. Bildenden Künste, 1962–2003, V: neue Professur; N: Schmidt,
Gerwin 316, 370f., 372 | Jankowski, Christian *1968 Göttingen, Bildhauerei, Performance, Video,
389
Installation, Staatl. Akademie d. Bildenden Künste, ab 2006, V: Newman, Chris 373 | Jonas, Joan
*1936 New York/USA, Bildhauerei, Staatl. Akademie d. Bildenden Künste, 1995–2002, V: Brodwolf, Jürgen; N: Newman, Chris 367, 371 | Jourdan, Gustav *1884 Schwäbisch Gmünd 1950,
Stoffdruck und Musterzeichnen, Königl. Kunstgewerbeschule, 1911–1946, V: neue Professur; N:
Ruland, Harmi 150 | Junghans, Siegfried Dr. *1915 Stuttgart 1999, Kunstgeschichte, Staatl. Akademie d. Bildenden Künste, 1967–1978, V: k.A.; N: k.A. | Kalckreuth, Leopold Graf von *1855
Düsseldorf 1928, Malerei und Komposition, Königl. Akademie d. Künste, 1899–1905, V: neue
Professur; N: Hölzel, Adolf 63, 70, 76–79, 82, 84, 86f., 104f., 138, 271 | Kappis, Albert *1836
Wildberg 1914, Landschaftsmalerei, Königl. Kunstschule, 1880–1905, V: Ludwig, Karl; N: Grethe,
Carlos 63, 69, 80, 82 | Keller, Friedrich von *1840 Neckarweihingen 1914, Malerei, Königl. Kunstschule, 1883–1913, V: Häberlin, Karl von; N: Altherr, Heinrich 70, 80, 90 | Kermer, Wolfgang Dr.
*1935 Neunkirchen, Kunstgeschichte, Staatl. Akademie d. Bildenden Künste, 1966–1997, V: Fegers,
Hans; N: Locher, Hubert 190, 197, 235, 247–250, 252, 254f., 260–262, 326, 333, 335, 343–348,
350, 353, 363, 365, 367f., 369f., 372 | Kierspel, Jürgen *1949 Gundelsheim, Schrift, Staatl. Akademie d. Bildenden Künste, ab 1992, V: Steiner, Peter 365 | Kieser, Edmund * k.A., Modellieren,
Königl. Kunstgewerbeschule, 1897–1918, V: k.A.; N: k.A. | Kinter, Klaus *1937 Brno/Tschechien,
390
Malerei und Naturzeichnen, Staatl. Akademie d. Bildenden Künste, 1963, 1965–2001, V: k.A.;
N:k.A. 221 | Kissling, Heinrich *1895 k.A. 1944 (vermisst), Landschaftsmalerei, Staatl. Kunstgewerbeschule, 1939(?)–1944, V: Altherr Heinrich?; N: Mader, Fritz 176 | Klink, Claus *1927 Berlin,
Möbelbau und Innenarchitektur, Staatl. Akademie d. Bildenden Künste, 1967–1992, V: k.A.; N:
Litzlbauer, Peter 365 | Knoll, Wolfgang *1937 Wien, Allgemeine künstl. Ausbildung und Umweltgestaltung, Staatl. Akademie d. Bildenden Künste, 1972–1974, V: neue Professur; N: Mohl, Heinz
345 | Koch, Udo *1958 Offenbach, Bildhauerei, Staatl. Akademie d. Bildenden Künste, ab 2003, V:
Visch, Henk 372 | Kolb, Hans von *1854 k.A. 1928, Kunstgewerbe, Königl. Kunstgewerbeschule,
1892–1913, V: neue Professur; N: Pankok, Bernhard 130, 135, 144 | Kolig, Anton *1886 Neutitschein 1950, Technisches Malen, Akademie d. Bildenden Künste, 1928–1943, V: Landenberger,
Christian Adam; N: Sohn, Hermann 166f., 370 | Kosuth, Joseph *1945 Toledo/USA, Malerei, Staatl.
Akademie d. Bildenden Künste, 1991–1997, V: K.R.H. Sonderborg; N: kein Nachfolger 365f. | Kraft,
Paul * k.A. k.A. 1902, Projektionszeichnen, Schattenkonstruktion, k.A., 1879–ca.1895, V: k.A.; N:
k.A. 129 | Krauß, Eberhard *1906 Ernsbach 1988, Möbelbau u. Innenarchitektur, Königl. Kunstgewerbeschule und Lehr– und Versuchswerkstätten, 1947–1971, V: neue Professur; N: Henning,
Wolfgang 288 | Kräutle, Karl August *1833 Schramberg 1912, Kupferstecherei, Königl. Kunstschule,
1865–1908, V: Leybold, Johann Friedrich; N: Eckener, Alexander 63 | Krekel, Christoph Dr. *1966
Bochum, Institut für Technologie der Malerei, Archäometrisches Labor, Staatl. Akademie d. Bildenden Künste, ab 2002, V: Richter, Ernst Ludwig 299, 371, 376 | Kröplien, Manfred, *1937 Stuttgart
2004, Graphik–Design, Staatl. Akademie d. Bildenden Künste, 1974–2002, V: Brudi, Walter; N:
Cluss, Uli 316, 344, 350, 352, 372 | Krüger, Franz August Otto (F.A.O.) *1868 Groß–Dedeleben
1938, Kunstgewerbe, Königl. Kunstgewerbeschule und Lehr– und Versuchswerkstätten, 1901–
1902, V: neue Professur; N: Pankok, Bernhard 139f., 142, 271f. | Kühn, Hermann Dr. *1932 München,
Restaurierung von archäolog., ethnolog. und kunsthandwerkl. Objekten, Staatl. Akademie d. Bildenden Künste, 1990–1997, V: neue Professur; N: Eggert, Gerhard 309, 364, 369 | Kußmaul, Friedrich
Dr. *1920 k.A., Kunstgeschichte, Staatl. Akademie d. Bildenden Künste, 1980–1986, V:k.A.; N: k.A.
| Landenberger, Christian Adam *1862 Ebingen 1927, Technisches Malen, Königl. Akademie d.
Bildenden Künste, 1905–1927, V: neue Professur; N: Kolig, Anton 70, 85, 90f., 98 | Lang, Volker
*1964 Augsburg, Werken, Staatl. Akademie d. Bildenden Künste, ab 2010, V: Hähnel, Wolfgang
378 | Lang-Kurz, Paul *1877 Heimtal/Russland 1937, Textilgestaltung, Königl. Kunstgewerbeschule, 1906–1937, V: neue Professur; N: Göhlert, Ernst | Lauts, Jan *1908 Bremen 1993, Kunstgeschichte, Staatl. Akademie d. Bildenden Künste, 1966–1973, V: k.A.; N: k.A. | Lehmann, Klaus
*1934 Lörrach, Produktdesign, Staatl. Akademie d. Bildenden Künste, 1966–2000, V: Warnecke,
Hans; N: Fischer, Uwe 224, 328, 332, 335, 364, 366, 370 | Lehnert, Volker *1956 Saarbrücken,
Allgemeine künstl. Ausbildung, Staatl. Akademie d. Bildenden Künste, ab 2000, V: Baumgartl,
Moritz 370, 375, 378 | Lejeune, Pierre Francois *1718 k.A. 1785, Bildhauerei, Académie des Arts,
1761–1778, V: Gründungsmitglied der Académie des Arts; N: k.A. 27f., 36, 40, 46 | Lemcke, Carl
von Dr. *1831 Schwerin 1913, Kunstgeschichte, Königl. Kunstschule, 1885–1903?, V: k.A.; N: Diez,
Max 79, 88, 136 | Lenz, Roland *1969 Rottenacker, Konservierung und Restaurierung v. Wandmalerei, Architekturoberflächen u. Steinpolychromie, Staatl. Akademie d. Bildenden Künste, ab
2008, V: neue Professur 309, 376 | Leybold, Johann Friedrich *1755 Stuttgart 1838, Kupferstecherei, Hohe Karlsschule, 1789–1794, V: neue Professur; N: Kräutle, Karl August | Leybold, Karl
Jakob *1786 Stuttgart 1844, Malerei, Königl. Kunstschule, 1829–1844, V: k.A.; N: Rustige, Heinrich Franz Gaudenz von | Liezen-Mayer, Alexander *1839 Raab/Ungarn 1898, Historienmalerei,
Königl. Kunstschule, 1879–1883, V: Neher, Karl Josef Bernhard; N: Schraudolph, Claudius 63, 69,
84f. | Litzlbauer, Peter *1950 Salzburg/Österreich, Grundlagen des Konstruierens, Möbel, Raum
u. Material, Staatl. Akademie d. Bildenden Künste, ab 1992, V: Klink, Claus 365f., 368, 370, 373 |
Locher, Hubert Dr. *1963 Walenstadt/Schweiz, Kunstgeschichte, Staatl. Akademie d. Bildenden
Künste, 1999–2008, V: Kermer, Wolfgang; N: Büttner, Nils 369, 375–377 | Lörcher, Alfred *1875
Stuttgart 1962, Bildhauerei, Württ. Staatl. Kunstgewerbeschule 1919–1945, V: neue Professur;
N: Baum, Otto | Ludwig, Karl *1901 Römhild, Landschaftsmalerei, Königl. Kunstschule 1877–
1880, V: Funk, Heinrich; N: Kappis, Albert 69 | Mack, Josef Ludwig *1767 Ludwigsburg 1835,
Zeichenkunst, Königl. Kunstschule, 1829–1832; V: kein Vorgänger; N: k.A. | Mader, Fritz *1900
Eschelbach 1998, Zeichenklasse, Staatl. Akademie d. Bildenden Künste, 1942–1945, V: Kissling,
391
Heinrich; N: Steisslinger, Fritz 174f., 176 | Mahn, Inge *1943 Teschen/Polen, Bildhauerei, Staatl.
Akademie d. Bildenden Künste, 1987–1993, V: Hrdlicka, Alfred; N: Visch, Henk 352, 365, 367 |
Mansen, Erich *1929 Flensburg 2012, Malen und Zeichnen, Staatl. Akademie d. Bildenden Künste,
1971–1995, V: Erhardt, Hans Martin; N: Güdemann, Cordula 254, 367 | Manteuffel, Klaus Zoege
von Dr. *1926 Dresden 2009, Kunstgeschichte, Staatl. Akademie d. Bildenden Künste, 1978–
1991, V: k.A.; N: k.A. | Massenbach, Christian Karl Ludwig von *1758 Kraichgau 1826, Mathematik,
Strategie und Taktik, Hohe Karlsschule, 1782, V: k.A.; N: k.A. | Mauch, Johann Matthäus *1792 k.A.
1856, Ornamentzeichnen, Königl. Kunstschule, 1836–1856, V: Weitbrecht, Konrad; N: k.A. 123, 269
| Mayer, Rudolf *1846 Niedeck/Österreich 1916, Ziselieren, Königl. Kunstgewerbeschule, 1874–
1886, V: k.A.; N: k.A. 127 | Mayrhofer-Passau, Hermann *1901 Passau 1976, Freie Grafik, Illustration u. Abendakt, Akademie d. Bildenden Künste, V: Eckener, Alexander; N: Meid, Hans 167, 172 |
Meid, Hans *1883 Pforzheim 1957, Freie Grafik mit Illustration, Staatl. Akademie d. Bildenden
Künste, 1948–1951, V: Mayrhofer–Passau, Hermann; N: k.A. 216 | Michou, Sotirios *1936 Athen
2010, Werken, Staatl. Akademie d. Bildenden Künste, 1974–2003, V: neue Professur; N: Hentz,
Michael 344, 350, 371 | Mohl, Heinz *1931 Hechingen, Architektur und Design, Staatl. Akademie
d. Bildenden Künste, 1974–1996, V: Knoll, Wolfgang; N: Fritz, Nikolas 345, 348, 350, 368 | Mosler,
392
Mariella *1962 Oldenburg, Bildhauerei, Keramik, raumbezogene Formprozesse, Staatl. Akademie
d. Bildenden Künste, ab 2003, V: Spagnulo, Guiseppe 372 | Müller, Johann Gotthard *1747 Bernhausen 1830, Kupferstecherei, Herzogl. Militärakademie, 1776–1794, V: k.A.; N: k.A. 36, 58 | Müller,
Michael Dr. *1961 Ludwigshafen, Integrative Planungsmethodik, Staatl. Akademie d. Bildenden
Künste, 2005–2010, V: Stemshorn, Axel; N: kein Nachfolger 374 | Necker, Johann Ludwig Gabriel
*1756 Stuttgart nach 1810, Zeichenkunst, Hohe Karlsschule, 1785–1794, V: k.A.; N: k.A. | Neher, Karl
Josef Bernhard *1806 Biberach 1886, Historenmalerei, Königl. Kunstschule, 1846–1879, V: Dieterich, Johann Friedrich; N: Liezen–Mayer, Alexander 59, 63–65 | Neuffer, Hans Dr. *1892 Ludwigsburg 1968, Anatomie, Akademie d. Bildenden Künste, um 1930, V: Fetzer, Berthold von; N: k.A. 91
| Neuner, Hannes *1906 Aschaffenburg 1978, Staatl. Akademie d. Bildenden Künste, 1953–1967,
V: Walter, Karl Hans; N: Erhardt, Hans Martin 207, 211, 254 | Newman, Chris *1958 Swindon/
England, Bildhauerei, Installation, Video, Performance, Staatl. Akademie d. Bildenden Künste,
2001–2002, V: Jonas, Joan; N: Jankowski, Christian 371, 373 | Obernitz, Johann Heinrich Karl von
*1757 Altenburg 1835, Mythologie, Hohe Karlsschule, 1792–1793, V: Haug, Balthasar; N: k.A. |
Opiolka, Andreas *1962 Stuttgart, Allgemeine künstl. Ausbildung, Staatl. Akademie d. Bildenden
Künste, 1994–2000, ab 2002, V: Groß Dieter 353, 371, 373 | Pankok, Bernhard *1872 Münster
1943, Kunstgewerbe, Königl. Kunstgewerbeschule und Lehr– u. Versuchswerkstätten, 1901–1937,
V: F.A.O. Krüger; N: Glöckler, Oskar 85, 104, 138–144, 148, 150, 159, 212, 271–275, 284 | Petermann, Erwin Dr. *1904 Stuttgart 1989, Kunstgeschichte, Staatl. Akademie d. Bildenden Künste,
1966–1969, V: k.A.; N: k.A. 206 | Peters, Hugo *1911 Düren 2005, Allgemeine künstl. Ausbildung,
Staatl. Akademie d. Bildenden Künste, 1947–1976, V: kein Vorgänger; N: Baumgartl, Moritz 287,
346 | Petrasch, Ernst Dr. *1915 Wien 2013, Kunstgeschichte, Staatl. Akademie d. Bildenden
Künste, 1967–1980, V: k.A.; N: k.A. | Pokorny, Werner *1949 Mosbach, Allgemeine künstl. Ausbildung, Bildhauerei, Staatl. Akademie d. Bildenden Künste, ab 1998, V: Seemann, Karl Henning 368
| Pospischil, Hans-Georg *1955 Essen, Kommunikationsdesign, Staatl. Akademie d. Bildenden
Künste, ab 1994, V: Ade, Albrecht | Pötzelberger, Robert *1856 Wien/Österreich 1930, Aktzeichnen,
Königl. Kunstschule, 1899–1926, V: Herterich, Ludwig; N: k.A. 76, 78, 90f., 98 | Quednau, Andreas
*1967 Berlin, Entwerfen/Städtebau, Staatl. Akademie d. Bildenden Künste, ab 2007, V: Sauerbruch, Matthias 377 | Radt, Martin *1943 Guben, Werken, Staatl. Akademie d. Bildenden Künste,
1968–2008, V: neue Professur; N: keine Neubesetzung | Rath, Heine *1873 Berlin 1920, Holzschnitt, Königl. Akademie d. Bildenden Künste, 1914–1920, V: k.A.; N: Graf, Gottfried 91 | Raub,
Ernst Dr. * k.A., Metallbearbeitung, Staatl. Akademie d. Bildenden Künste, 1937, V:k.A.; N: k.A. |
Richter, Dagmar *1955 Ludwigshafen, Entwerfen, Staatl. Akademie d. Bildenden Künste, 2002–
2005, V: Haussmann, Robert; N: Wallisser, Tobias 371, 375 | Richter, Ernst-Ludwig *1935 Berlin,
Grundlagen der Konservierung, Archäometrie, Textilchemie, Staatl. Akademie d. Bildenden Künste,
1969–2001, V: Denninger, Edgar; N: Krekel, Christoph 59, 305, 308f., 371 | Richter, Gert *1903
Dresden 1979, Bühnenbild, Staatl. Akademie d. Bildenden Künste, 1968–1972, V: neue Professur;
N: Rose, Jürgen 344 | Rochga, Rudolf *1875 Teterow 1957, Dekorationsmalerei, Württ. Staatl. Kunstgewerbeschule, 1903–1937, V: neue Professur; N: Ehehalt, Rudolf 140, 150 | Roob, Alexander
*1956 Laumersheim, Freie Grafik mit Malerei, Staatl. Akademie d. Bildenden Künste, ab 2002, V:
Gäfgen, Wolfgang 372 | Rösch, Jakob Friedrich *1743 Stuttgart 1841, Militärbaukunst, Herzogl.
Militärschule, 1771–1794, V: k.A.; N: k.A. | Rose, Jürgen *1937 Bernburg, Bühnenbild, Staatl.
Akademie d. Bildenden Künste, 1973–2000, V: Richter, Gert; N: Zehetgruber, Martin 344, 370 |
Rosewich, Berthold *1937 Freiburg, Baukonstruktion, Staatl. Akademie d. Bildenden Künste,
1990–2002, V: Franz, Klaus; N: Engelsmann, Stephan 364, 372 | Rössing, Karl *1897 Gmunden/
Österreich 1987, Freie Grafik und Holzschnitt, Staatl. Akademie d. Bildenden Künste, V: Feyerabend, Erich; N: Böhmer, Gunter 207, 215, 218, 221f. | Ruland, Harmi *1892 Saarburg/Frankreich
1960, Textilgestaltung, Staatl. Akademie d. Bildenden Künste, 1946–1957, V: Jourdan, Gustav; N:
Wollner, Leo | Rustige, Heinrich Franz Gaudenz von *1810 Werl 1900, Historienmalerei, Königl.
Kunstschule, 1845–1887, V: Leybold, Karl Jakob Theodor; N: Igler, Gustav 59, 63–69 | Sanboeuf,
Jean Baptiste * k.A. Luneville/Frankreich nach 1792, Zeichenkunst, Académie des Arts, 1773–
1776, V: k.A.; N: k.A. | Sapper, Richard *1932 München, Industrial Design, Staatl. Akademie d. Bildenden Künste, 1986–1998, V: neue Professur; N: Scheuer, Winfried 369 | Sauerbruch, Matthias
*1955 Konstanz, Entwerfen, Staatl. Akademie d. Bildenden Künste, 2001–2007, V: Auer, Fritz; N:
393
Quednau, Andreas 371, 377 | Schaffrath, Ludwig *1924 Alsdorf 2011, Glasgestaltung und Malerei,
Staatl. Akademie d. Bildenden Künste, 1985–1993, V: Stockhausen, Hans Gottfried von; N: Hewel,
Johannes 366 | Schaible, Volker *1953 Nagold, Restaurierung von Gemälden und gefassten
Skulpturen, Staatl. Akademie d. Bildenden Künste, ab 2001, V: Bachmann, Karl–Werner 370f. |
Scheffauer, Philipp Jakob *1758 Stuttgart 1808, Bildhauerei, Hohe Karlsschule, V: k.A.; N: k.A. 46
| Scheidlin, Karl Wilhelm *1782 Karlsruhe k.A., Gartenbaukunst, Herzogl. Militärische Pflanzschule, 1771–1791, V: k.A.; N. k.A. | Schellenberger, Christoph *1924 Beerheide 2011, Werken, Staatl.
Akademie d. Bildenden Künste, 1955–1988, V: Hils, Karl; N: Windelen, Susanne | Scheuer, Winfried
*1953 Calw, Industrial Design, Staatl. Akademie d. Bildenden Künste, ab 1999, V: Sapper, Richard 369
| Schiller, Albert * k.A., Ornamentzeichnen, Königl. Kunstgewerbeschule, um 1900, V: k.A.; N: k.A.
136 | Schleehauf, Johann Karl *1739 Stuttgart 1785, Malerei, Herzogl. Militärische Pflanzschule,
1771–1783, V: k.A.; N: k.A. 43 | Schlotterbeck, Jakob Christian * 1757 Böblingen 1811, Kupferstecherei,
Hohe Karlsschule, 1785–1794, V: k.A.; N: k.A. | Schmidt, Gerwin *1966 München, Schrift und Typographie, Staatl. Akademie d. Bildenden Künste, ab 2003, V: Jacki, Günther 372 | Schmidt, Prof.
*k.A., Perspektiv– und Schattenlehre, Königl. Kunstschule, V: k.A.; N: k.A. 63 | Schmitt, Otto Dr.
*1890 Mainz 1951, Kunstgeschichte, Staatl. Akademie d. Bildenden Künste, 1935–1951, V: Hey394
felder, Erich; N: Wentzel, Hans | Schmoll, Georg Friedrich * k.A. k.A. 1785, Zeichenkunst, Académie
des Arts, 1773–1774, V: k.A.; N: k.A. | Schmutz, Eduard *1951 Zürich, Entwerfen, Staatl. Akademie
d. Bildenden Künste, ab 1995, V: Votteler, Arno 367f. | Schneck, Adolf *1883 Esslingen 1971,
Möbelbau und Innenarchitektur, Württ. Staatl. Kunstgewerbeschule, 1921–1949, V: neue Professur;
N: Wiehl, Karl 149, 171f., 208, 273–276, 283f., 286 | Schneidler, Friedrich Hermann Ernst *1882
Berlin 1956, Angewandte Grafik, Württ. Staatl. Kunstgewerbeschule, 1920–1949, V: Cissarz, Vinzenz; N: Brudi, Walter und Funk, Eugen 146f., 150, 172f., 174, 208, 223, 231 | Schnellbach, Rudolf
*1900 Neckargemünd 1980, Kunstgeschichte, Staatl. Akademie d. Bildenden Künste, 1966–1967,
V: k.A.; N: k.A. | Scholz, Curt *1889 Mittelwald 1962, Zeichnen und Modellieren, Staatl. Akademie
d. Bildenden Künste, 1942–1950, V: k.A.; N: k.A. | Schönhard, Eberhard *1751 Schorndorf nach
1790, Zeichenkunst, Académie des Arts, 1774–k.A., V: Schmoll, Georg Friedrich; N: k.A. | Schoofs,
Rudolf *1932 Goch 2009, Freie Grafik, Staatl. Akademie d. Bildenden Künste, 1976–1995, V:
Böhmer, Gunter; N: Eigenheer, Marianne 317, 346, 352, 368 | Schraudolph, Claudius *1843 München 1902, Historienmalerei, Königl. Kunstschule, 1883–1894, V: Liezen–Mayer, Alexander; N:
Haug, Robert von 69 | Schreyer, Georg Peter *1755 Murrhardt 1792, Gartenbaukunst, Herzogl.
Militärakademie, 1778–1783, V: k.A.; N: k.A. | Schubert, Herwig *1926 Salzburg/Österreich, Aktmalen und Zeichnen, Staatl. Akademie d. Bildenden Künste, 1979–1992, V: neue Professur; N:
Bunk, Holger 347, 365 | Schuster, Hermann *k.A., Naturformenlehre, Königl. Kunstgewerbeschule, 1907–1909?, V: k.A.; N: k.A. 91 | Scotti, Guiseppe * 1729 Lombardei/Italien 1785, Theaterma-
lerei, Académie des Arts, V: k.A.; N: k.A. 30, 36, 40 | Seemann, Karl-Henning * 1934 Wismar, Allgemeine künstl. Ausbildung, Bildhauerei, Staatl. Akademie d. Bildenden Künste, 1974–1998, V:
Sekal, Zbynek; N: Pokorny, Werner 344, 368 | Seiland, Alfred *1952 St. Michael/Österreich, Fotografie, Staatl. Akademie d. Bildenden Künste, ab 1997, V: Bruse, Hasso 319, 368 | Sekal, Zbynek
*1923 Prag/Tschechien 1998, Allgemeine künstl. Ausbildung, Bildhauerei, Staatl. Akademie d.
Bildenden Künste, 1972–1974, V: Daudert, Rudolf; N: Seemann, Karl–Henning 344 | Seubert, Ernst
*k.A., Perspektivlehre, Zeichnen und Entwerfen, Königl. Kunstgewerbeschule, um 1896, V: k.A.; N:
k.A. 135 | Seubert, Karl Friedrich *1780 Stuttgart 1859, Zeichenkunst, Königl. Kunstschule, 1830–
1832, V: k.A.; N: k.A. | Slany, Erich 1926 Wiesenthal, Investitionsgüterdesign, Staatl. Akademie d.
Bildenden Künste, 1986–1991, V: neue Professur; N: Teodorescu, George 352, 365 | Sohn, Hermann *1895 Esslingen 1971, dekorative Malerei und Zeichnen, Staatl. Akademie d. Bildenden
Künste, 1946–1962, V: Kolig, Anton; N: Appelhans, Albrecht 207, 209–211 | Sonderborg, K.R.H. *1923
Sonderborg/Dänemark 2008, Malerei, Staatl. Akademie d. Bildenden Künste, 1965–1990, V: Trökes, Heinz; N: Kosuth, Joseph 114, 224f., 251, 254, 256, 365 | Sonnenschein, Valentin *1749 Stuttgart
1828, Stuckateurkunst, Académie des Arts, 1769–1775, V: k.A.; N: k.A. 45 | Spagnulo, Guiseppe *1936
Grottaglie/Italien, Freie und angewandte Keramik, Staatl. Akademie d. Bildenden Künste, 1987–
2002, V: Günter, Uli; N: Mosler, Mariella 352, 372 | Speyer, Christian Georg *1855 Vorbachzimmern
1929, Malerei, Königl. Akademie d. Bildenden Künste, 1901–1924, V: Igler, Gustav; N: Spiegel,
Hans 76, 82f., 90f., 98 | Spiegel, Hans 1894 Münnerstadt 1966, Wandmalerei und Komposition,
Akademie der Bildenden Künste, 1925–1945, V: Speyer, Christian Georg; N: Baumeister, Willi 98,
158, 167, 172 | Stadelmaier, Wolfgang *1927 Reutlingen 2015, Ausstellungs– und Montagebau,
Staatl. Akademie d. Bildenden Künste, 1960–1992, V: neue Professur; N: Auer, Fritz 331, 366 |
Steiner, Peter *1926 Lochen/Österreich, Schrift, Staatl. Akademie d. Bildenden Künste, 1955–
1991, V: neue Professur; N: Kierspel, Jürgen 365 | Steinkopf, Gottlob Friedrich *1779 Stuttgart
1860, Landschaftsmalerei, Königl. Kunstschule, 1829–1854, V: Harper, Adolf Friedrich; N: Funk,
Heinrich 69 | Steisslinger, Fritz *1891 Göppingen 1957, Porträt– und Landschaftsmalerei, Staatl.
Akademie d. Bildenden Künste, 1946–1948, V: Kissling, Heinrich; N: Henninger, Manfred 207, 211
| Stemshorn, Axel *1938 Ulm, Technischer Ausbau, Staatl. Akademie d. Bildenden Künste, 1972–
2003, V: k.A.; N: Müller, Michael 374 | Stockhausen, Hans Gottfried von *1920 Trendelburg 2010,
Allgemeine künstl. Ausbildung, Glasmalerei und Mosaik, Staatl. Akademie d. Bildenden Künste,
1968–1985, V: Neuner, Hannes u. Yelin, Rudolf; N: Schaffrath, Ludwig 254, 372 | Straub, Rolf Edward *1920 Freudenstadt 2011, Institut f. Technologie der Malerei, Staatl. Akademie d. Bildenden Künste, 1963–1982, V: Wehlte, Kurt; N: Bachmann, Karl–Werner 303–305, 307–309 | Teodorescu, George *1947 Bukarest/Rumänien, Integral Studies, Investitionsgüterdesign, Staatl. Akademie d. Bildenden Künste, ab 1992, V: Slany, Erich 365 | Thouret, Nikolaus *1767 Ludwigsburg
395
1845, Zeichenkunst, Königl. Kunstschule, 1829–1845, V: neue Professur; N: k.A. 58, 62, 123, 269
| Trökes, Heinz * 1913 Duisburg 1997, Porträt– und Landschaftsmalerei, Staatl. Akademie d.
Bildenden Künste, 1961–1965, V: Henninger, Manfred; N: Sonderborg, K.R.H. 207 | Troxler, Niklaus
*1947 Willisau/Schweiz, Kommunikationsdesign mit Illustration, Staatl. Akademie d. Bildenden
Künste, 1998-2013, V: Edelmann, Heinz N: Patrick Thomas 368 | Ullman, Micha *1939 Tel Aviv/
Israel, Bildhauerei, Staatl. Akademie d. Bildenden Künste, 1991–2005, V: Baumann, Herbert; N:
Ganahl, Rainer 365, 375 | Vey, Horst, Dr. *1930 Köln 2010, Kunstgeschichte, Staatl. Akademie d.
Bildenden Künste, 1973–1995, V: k.A.; N: k.A. | Visch, Henk *1950 Eindhoven, Bildhauerei, Staatl.
Akademie d. Bildenden Künste, 1994–2000, V: Mahn, Inge; N: Koch, Udo 367, 372 | Vischer, Georg
Friedrich *1738 k.A. 1789, Kunstgeschichte, Académie des Arts, 1768–k.A., V: k.A.; N: k.A. 66, 68
| Volk, Albert *1882 Frankfurt a.M. 1982, Zeichnen und Malen, Akademie d. Bildenden Künste,
1926–1945, V: k.A.; N: k.A. | Votteler, Arno *1929 Freudenstadt, Innenarchitektur und Möbelbau,
Staatl. Akademie d. Bildenden Künste, 1976–1994, V: Hirche, Herbert; N: Schmutz, Eduard 290,
347, 366f. | Wächter, Georg Friedrich Eberhard von *1762 Balingen 1852, Malerei, Königl. Kunstschule, 1829–1852, V: neue Professur; N: k.A. 58, 61 | Wagner, Hans Dr. *1887 Stuttgart 1948,
Institut für Farbentechnologie, Württ. Staatl. Kunstgewerbeschule, 1923–1948, V: neue Profes396
sur; N: Wehlte, Kurt 150, 170, 208, 299–301 | Wagner, Theodor Ludwig *1800 Stuttgart 1880,
Bildhauerei, Königl. Kunstschule, 1836–1876, V: Distelbarth, Friedrich; N: Donndorf, Adolf 59 |
Waldschmidt, Arnold *1873 Weimar 1958, Malerei und Komposition, Akademie d. Bildenden
Künste, 1915–1938, V: Hölzel, Adolf; N: k.A. 95, 98, 158, 175, 184 | Wallisser, Tobias *1970 Freiburg, Entwerfen, Innovative Bau– und Raumkonzepte, Staatl. Akademie d. Bildenden Künste, ab
2006, V: Richter, Dagmar 375, 378 | Walter, Bettina *1960 Ulm, Kostümbild, Staatl. Akademie d.
Bildenden Künste, ab 2010, V: Eiermann, Anna 378 | Walter, Karl Hans *1911 Schwäbisch Gmünd
1999, Allgemeine künstl. Ausbildung, Malerei und Zeichnen, Staatl. Akademie d. Bildenden Künste, 1948–1953, V: Zeller, Wolfgang; N: Neuner, Hannes | Warnecke, Hans *1900 Güsten 1988,
Metallbearbeitung, Staatl. Akademie d. Bildenden Künste, 1948–1966, V: Haustein, Paul; N: Lehmann, Klaus 207, 209, 214, 219, 221 | Wehlte, Kurt Dr. *1897 Dresden 1973, Institut für Farbentechnik, Staatl. Akademie d. Bildenden Künste, V: Wagner, Hans; N: Straub, Rolf Edward 302–306,
310 | Weidemann, Kurt *1922 Eichmedien 2011, Information und grafische Praxis, Staatl. Akademie d. Bildenden Künste, 1964–1985, V: neue Professur; N: Edelmann, Heinz 224f., 255, 324,
327, 329, 331, 337, 351 | Weißbrodt, Christoph *1739 k.A. ca. 1803, Malerei, Académie des Arts,
1773–1789, V: k.A.; N: k.A. 36 | Weitbrecht, Conrad *1796 Ernsbach 1836, Ornamentzeichnen,
Königl. Kunstschule, 1830–1836, V: neue Professur; N: k.A. 123, 269 | Wentzel, Hans Dr. *1913
Hamburg 1975, Kunstgeschichte, Staatl. Akademie d. Bildenden Künste, 1953–1961, V: Schmitt,
Otto, N: k.A. | Werner, Frank *1944 Worms, Bau– und Designgeschichte, Staatl. Akademie d. Bil-
denden Künste, 1990–1993, V: neue Professur; N: Georgiadis, Sokratis 365, 367 | Wichmann,
Marcus *1968 Celle, Grundlagen des Kommunikationsdesigns, Staatl. Akademie d. Bildenden
Künste, ab 2005, V: Bergmann, Horst 374 | Wiehl, Karl *1898 Donaueschingen 1952, Innenarchitektur und Möbelbau, Staatl. Akademie d. Bildenden Künste, 1946–1952, V: Schneck, Adolf; N:
Witzemann, Hertha–Maria 215, 276, 283–294 | Wildemann, Heinrich *1904 Lodz/Polen 1964,
Malerei, Staatl. Akademie d. Bildenden Künste, 1955–1964, V: Baumeister, Willi; N: Haegele,
Rudolf 207, 221 | Windelen, Susanne *1959 Warendorf, Werken, Staatl. Akademie d. Bildenden
Künste, ab 2001, V: Schellenberger, Christoph und Michou, Sotirios 371 | Witzemann, Herta-Maria
*1918 Dornbirn/Österreich 1999, Innenarchitektur und Möbelbau, Staatl. Akademie d. Bildenden
Künste, 1952–1985, V: Wiehl, Karl; N: Haussmann, Robert 276, 283, 286, 289, 292–294, 351 |
Wollner, Leo *1925 Wien/Österreich 1995, Textilgestaltung, Staatl. Akademie d. Bildenden Künste, 1957–1991, V: Ruland, Harmi; N: Höing, Karl 365 | Yelin, Rudolf *1902 Stuttgart 1991, Glasmalerei und Mosaik, Staatl. Akademie d. Bildenden Künste, 1946–1970, V: Eiff, Wilhelm von; N:
Stockhausen, Hans Gottfried von 207, 215, 221f., 224f., 252, 254 | Zaberer, Otto *k.A., Projektionszeichnen und Schattenkonstruktion, Königl. Kunstgewerbeschule, k.A., V: Kraft, Otto; N: k.A. 136 |
Zehetgruber, Martin *1961 Bruck/Österreich, Bühnenbild, Staatl. Akademie d. Bildenden Künste,
ab 2001, V: Rose, Jürgen 370 | Zeller, Wolfgang *1900 Ulm 1987, Allgemeine künstl. Ausbildung,
Malerei und Zeichnen, Staatl. Akademie d. Bildenden Künste, 1946–1948, V: neue Professur; N:
Walter, Karl Hans | Zinsmeister, Annett *1967 Stuttgart, Grundlagen der Gestaltung/Experimentelles Entwerfen, Staatl. Akademie d. Bildenden Künste, 2007–2013, V: Firebrace, William N:
Mona Mahall und Asli Serbest 375, 377
Werkstattlehrer und -lehrerinnen, akademische Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen in Lehre und
Forschung von 1941 bis heute
Ackermann, Elke *1967 Stuttgart, Architektur und Design, Staatl. Akademie d. Bildenden Künste,
1999-2006 | Aheimer, Eckart *1940 Mössingen, Weben und Stoffdruck, Staatl. Akademie d. Bildenden Künste, 1965–1968 | Altena, Rolf Heinrich *1947 Gunzenhausen, Allgemeine künstl. Ausbildung, Staatl. Akademie d. Bildenden Künste, 1979–1994 | Anklam, Axel *1971 Wriezen, Bild-
397
hauerei, Staatl. Akademie d. Bildenden Künste, 2010 | Arnold, Jan Hendrik *1980 Freiburg, Werkstatt für Handsatz, Staatl. Akademie d. Bildenden Künste, ab 2010 | Aurich, Erich *1906–1965
Chemnitz, Buchbinderei, Württ. Kunstgewerbeschule, 1934–1960 | Bachmayer, Jakob *1967
Stuttgart, Architektur und Design, Staatl. Akademie d. Bildenden Künste, 1998-2004 | Baier,
Ruth *1954 Böblingen, Werkstatt für Restaurierung u. Konservierung von Gemälden u. gefassten
Skulpturen, Staatl. Akademie d. Bildenden Künste, 1992–1994 | Baral, Otto *1909 Walheim 2000,
Bildhauerei, Staatl. Akademie d. Bildenden Künste, 1951–1976 | Barkow, Frank *1957 Missouri/
USA, Architektur, Staatl. Akademie d. Bildenden Künste, 2005–2006 | Bauer, Wolfgang *1938
Neckartenzlingen, Weben und Stoffdruck, Staatl. Akademie d. Bildenden Künste, 1963–1965 |
Baumann, Cornelia *1957 Berlin, Textilgestaltung, Staatl. Akademie d. Bildenden Künste, 2002–
2003 | Bausch, Karl *1889 Kevelaer 1955, Werkstatt f. Metallbearbeitung, Württ. Staatl. Kunstgewerbeschule, 1919–1948 169 | Bayer, Dirk *1968 Kaiserslautern, Architektur und Design,
Staatl. Akademie d. Bildenden Künste, 2004-2006 | Bechter, Georg *1977 Hittisau, Architektur
und Design, Staatl. Akademie d. Bildenden Künste, 2005-2008 | Beck, Kai *1978 Stuttgart, Architektur/Entwerfen, Öffentl. Bauten und Räume, Staatl. Akademie d. Bildenden Künste, ab 2010
| Beck, Karl *1933 Berlin, Restaurierung von Wandgemälden, Staatl. Akademie d. Bildenden
398
Künste, 1974–1975 | Benz, Eugen *1892 k.A 1949, Dekorationsmalerei, Württ. Staatl. Kunstgewerbeschule, 1924–1936 | Beuckers, Klaus Gereon Dr. *1966 Köln, Kunstgeschichte, Staatl. Akademie d. Bildenden Künste, 2004–2005 | Bierich, Kai *1957 Hamburg, Architektur und Design,
Staatl. Akademie d. Bildenden Künste, 1996-1999 | Birke, Barbara *1942 Berlin, Textilgestaltung/Färberei, Staatl. Akademie d. Bildenden Künste, 1970–1973 | Biró-Császár, Ildiko *1927
Budapest, Architektur/Hochbau, Staatl. Akademie d. Bildenden Künste, 1972–1984 | Blüher,
Agnes Dr. *1962 Stuttgart, Restaurierung und Konservierung von Papier und Graphik, Staatl.
Akademie d. Bildenden Künste, 1993–1996 | Blumkowski, Volker *1956 Salzgitter, Malerei,
Staatl. Akademie d. Bildenden Künste, 2008–2009 | Blümlein, Burkhard *1960 Würzburg, Freie
Grafik mit Malerei, Staatl. Akademie d. Bildenden Künste, 2001–2002 | Bodenseh, Rolf *1941
Tübingen, Bildhauerei, Staatl. Akademie d. Bildenden Künste, 1982 | Bohring, Lothar 1933 Kirchheim u. T., Malerei, Staatl. Akademie d. Bildenden Künste, 1964–1965 | Bostanci, Sayman *1973
Ludwigsburg, Architektur, Integrative Planungsmethodik, Gebäudetechnologie, Staatl. Akademie d. Bildenden Künste, ab 2010 | Bracht, Nadine *1974 Hamburg, Werkstatt für Fotografische
Medien, Staatl. Akademie d. Bildenden Künste, ab 2010 | Bramke, Erdmut *1940 Kiel 2002, Malerei, Staatl. Akademie d. Bildenden Künste, 1995 | Brandt, Walfried *1938 Kassel, Institut für
Technologie der Malerei, Staatl. Akademie d. Bildenden Künste, 1965–1970 | Braun, Friedrich
*1929 Esslingen, Möbelbau und Innenarchitektur, Staatl. Akademie d. Bildenden Künste, 1960–
1961 | Brodbeck, Gerda *1944, Sulz am Neckar, Aktzeichnen und Malen, Staatl. Akademie d.
Bildenden Künste, 2001 | Brugger, Peter *1973 Rheinfelden, Werkstatt für Typographie und
Schriftentwurf, Staatl. Akademie d. Bildenden Künste, 2006–2010 | Bunz, Werner *1926 Eislingen, Schriftschneiden und Stempelkunst, Staatl. Akademie d. Bildenden Künste, 1953–1955 |
Büser, Getraude *1942 Stuttgart, Weberei und Stoffdruck, Staatl. Akademie d. Bildenden Künste,
1971–1974 | Cloppenburg, Jutta *1943 Bünde/Westfalen, Möbelbau und Innenarchitektur, Staatl.
Akademie d. Bildenden Künste, 1982–1984 | Cordes, Gerhard *1944 München, Produktdesign,
Staatl. Akademie d. Bildenden Künste, 1973–1977 | Coulin, C. *k.A, Perspektivlehre, Staatl. Akademie d. Bildenden Künste, 1956–k.A. | Cziossek, Felix *1888 Ludwigsburg 1954, Bühnenbild,
Festgestaltung, Theaterkostüm, Staatl. Akademie d. Bildenden Künste, 1942–1945 | Dech, Gertrud Jula *1941 Kaiserslautern, Werkstatt für druckgrafische Techniken, Staatl. Akademie d. Bildenden Künste, 1969–1972 247–249, 251, 254 | Derkum, Andreas *1977 Bayreuth, Architektur/
Entwerfen, Staatl. Akademie d. Bildenden Künste, ab 2010 | Dienst, Rolf-Gunther *1942 Kiel,
Malerei, Staatl. Akademie d. Bildenden Künste, 1989–1990 | Dietz, Eckhard *1933 Pfäffingen,
Aktzeichnen, Staatliche Akademie d. Bildenden Künste, 1970–1971 | Dillenkofer, Sinje *1959
Neustadt a.d. Weinstr., Malerei, Staatl. Akademie d. Bildenden Künste, 2000–2004 | Dobrusskin,
Sebastian *1960 Berlin, Werkstatt für Restaurierung von Grafik, Archiv– und Bibliotheksgut,
Staatl. Akademie d. Bildenden Künste, 1991–1993 | Domachowski, Hans-Joachim *1941
Schlochau, Werkstatt für Stoffdruck und Färben, Staatl. Akademie d. Bildenden Künste, 1965–
1970 | Donndorf, Cläre *1906 Stuttgart 1991, Werkstatt für Weberei, Staatl. Akademie d. Bildenden
Künste, 1933–1971 63 | Dörfler, Roland *1926 Silberbach, Naturzeichnen, Staatl. Akademie d. Bildenden Künste, 1957–1961 | Drescher, Jürgen *1955 Karlsruhe, Bildhauerei, Staatl. Akademie d.
Bildenden Künste, 1993–1994 | Dreyer, Franz *1928 Landstuhl/Pfalz 2006, Werkstatt für Bildhauerei, Staatl. Akademie d. Bildenden Künste, 1976–1993 | Eberwein, Tilmann *1967 Stuttgart,
Werkstatt für Metallbearbeitung, Staatl. Akademie d. Bildenden Künste, ab 2005 | Eckerle, Eberhard *1949 Baden–Baden, Aktmalen u. –zeichnen, Staatl. Akademie d. Bildenden Künste, 1985 |
Egl, Herbert *1953 Stuttgart, Freie Grafik, Staatl. Akademie d. Bildenden Künste, 1992–1993 |
Ehrle, Karl *1902 Dörrenzimmern 1980, Innenarchitektur und Möbelbau, Württ. Staatl. Kunstgewerbeschule, 1937–1967 | Eilmann, Herbert *1932 Hannover, Institut für Innenarchitektur und
Möbelbau, Staatl. Akademie d. Bildenden Künste, 1982–1992 | Ell, Hans Friedrich *1931 Hannover,
Innenarchitektur und Möbelbau, Staatl. Akademie d. Bildenden Künste, 1961–1967 | Elwert,
Wolfram *1943 Gotenhofen, Produktdesign, Institut für Innenarchitektur und Möbeldesign,
Staatl. Akademie d. Bildenden Künste, 1977–1982 | Enzelberger, Genia *1973 Wien, Bühnenbild,
Staatl. Akademie d. Bildenden Künste, 2004-2007 | Erchinger, Bernd *k.A, Werkstatt für Holzbearbeitung, Staatl. Akademie d. Bildenden Künste, k.A | Erdlen (Erdt?), Johannes *k.A nach 1792,
Zeichenkunst, Académie des Arts, 1773–1776 | Erhardt, Hans Martin *k.A, Malen und Zeichnen,
399
Staatl. Akademie d. Bildenden Künste, 1970–1971 | Fischer, Andrea *1964 Hagen, Werkstatt für
Restaurierung von archäologischen, ethnologischen und kunsthandwerklichen Objekten, Staatl.
Akademie d. Bildenden Künste, ab 1994 | Fischer, Grischa *1980 Tübingen, Architektur/Entwerfen,
Grundlagen der Gestaltung, Staatl. Akademie d. Bildenden Künste, 2008–2011 | Fischer, Reinhard Ferdinand Heinrich *1746 Stuttgart 1812, Zivilbaukunst, Herzogl. Militärische Pflanzschule,
1771–1794 | Förschler, Ulrike *1960 Pforzheim, Architektur/Entwerfen, Staatl. Akademie d. Bildenden Künste, 1987–1990 und 1994–1996 | Frank, Hans *1913 Gutenberg 1991, Werkstatt für Buchdruck, Staatl. Akademie d. Bildenden Künste, 1947–1977 167, 235 | Franz, Klaus *1923 Wuppertal
1999, Architektur/Baukonstruktion, Staatliche Akademie d. Bildenden Künste, 1972–1989 364 |
Fuchs, Erich *1916 Stuttgart 1990, Weberei und Stoffdruck, Staatliche Akademie d. Bildenden
Künste,1949–1958 | Gärtner, Christine *1970 Schönau, Investitionsgüterdesign, Staatl. Akademie d. Bildenden Künste, 2005-2008 | Gauger, Walter *1926 Übrigshausen 1987, Innenarchitektur
und Möbeldesign, Staatl. Akademie d. Bildenden Künste, 1962–1987 | Genkinger, Fritz *1934
Tübingen, Malerei, Staatliche Akademie d. Bildenden Künste, 1970–1971 | Gerstmeier, Josef
*1935 Ellwangen, Institut für Innenarchitektur und Möbeldesign, Staatl. Akademie d. Bildenden
Künste, 1972–1997 | Ghebre, Tekle *1960 Asmara/Eritrea, Werkstatt für Text– und Bildbearbeitung,
400
Staatl. Akademie d. Bildenden Künste, ab 1996 | Glöggler, Sigrid *1936 Tettnang, Glasmalerei
und Mosaik, Staatl. Akademie d. Bildenden Künste, 1965–2001 | Godel, Dieter *1939 Stuttgart,
Innenarchitektur und Möbelbau, Staatl. Akademie d. Bildenden Künste, 1971–1972 | Goeser, Therese*1950 Marthalen/Schweiz, Architektur/Entwerfen, Staatl. Akademie d. Bildenden Künste,
1982–1984 | Göhlert, Ernst *1905 München 1991, Textilgestaltung, Staatl. Akademie d. Bildenden
Künste, 1942–1946 | Göller, Heike *1944 Geislingen, Innenarchitektur und Möbelbau, Staatl.
Akademie d. Bildenden Künste, 1973–1977 | Granz, Beate *1965 Reutlingen, Architektur/Entwerfen, Staatl. Akademie d. Bildenden Künste, 1996–1999 | Gronwald, Wilfried *1936 Tilsit, Fotografik, Staatl. Akademie d. Bildenden Künste | Gruenwald, Boris *1933 Belgrad, Werkstatt für
Bronzeguss, Staatl. Akademie d. Bildenden Künste, 1986–1999 | Grzimek, Jana *1969 Berlin,
Bildhauerei, Staatl. Akademie d. Bildenden Künste, 1995–1996 | Gschwender, Susanne *1965
Calw, Bühnenbild, Staatl. Akademie d. Bildenden Künste, 2005-2008 | Gutknecht, Christina
*1952 Celle, Textilgestaltung, Staatl. Akademie d. Bildenden Künste, 1977–1978 | Haak, Thomas
*1951 Ulm, Werkstatt für Produktgestaltung CAD, Staatl. Akademie d. Bildenden Künste, 1985,
1989, ab 1992 | Haarer, Anne *1906 Neustätt k.A., Graphische Künste und Buchgewerbe, Württ.
Staatl. Kunstgewerbeschule, um 1927 | Haas, Volker *1941 Prag/Tschechien, Werken, Staatl.
Akademie d. Bildenden Künste, 1971–1977 | Habermeier, Konrad *1907 Eybach 1992, Glasgestaltung, Staatl. Akademie d. Bildenden Künste, 1932–1945 | Hagl, Max *1899 Klautzenbach
1945, Glasgestaltung, Württ. Staatl. Kunstgewerbeschule, 1930–1945 | Hahn, Gerhard *1956
Bendorf b. Koblenz, Keramik, Staatl. Akademie d. Bildenden Künste, 1999–2000 | Haller, Ursula
Dr. *1968 Stuttgart, Institut für Technologie der Malerei, Staatl. Akademie d. Bildenden Künste,
2005-2007 | Hambrecht, Wolfgang *1957 Freiburg, Malerei u. Zeichnung, Staatl. Akademie d.
Bildenden Künste, 2007–2008 | Harbison, Mark *1962 Seattle/USA, Bühnenbild, Staatl. Akademie
d. Bildenden Künste, 1989–1991 | Harres, Franz *1881 Darmstadt 1943, Innenarchitektur und
Möbelbau, Königl. Kunstgewerbeschule, 1915–1943 | Hartmann, Armin *1969 Laichingen, Werkstatt für Holzbearbeitung, Staatl. Akademie d. Bildenden Künste, ab 1998, | Hasse, Monika *1942
Wien, Werkstatt für Weben und Stoffdruck, Staatl. Akademie d. Bildenden Künste, 1968–1971 |
Hassel, Barbara *1959 Bad Mergentheim, Werkstatt für Papierrestaurierung, Staatl. Akademie d.
Bildenden Künste, 1994–2001 | Haug, Robert Dr. *1902 Sulz am Neckar 1971, Institut für Farbentechnik, Staatl. Akademie d. Bildenden Künste, 1948–1949 | Haun, Helmut *1943 Göttingen, Innenarchitektur und Möbelbau, Staatl. Akademie d. Bildenden Künste, 1976–1978 | Härlin, Heide
*1940 Stuttgart, Institut für Technologie der Malerei, Staatl. Akademie d. Bildenden Künste, 1964–
2005 305f., 308 | Häussler, David *1907 Gutenberg 1977, Ausstellungsarchitektur und Montagebau, Staatl. Akademie d. Bildenden Künste, 1939–1940; 1947–1971 | Häussler, Erwin *1922
Stuttgart 1984, Allgemeine künstl. Ausbildung, Staatl. Akademie d. Bildenden Künste, 1958–
1984 | Hegemann-Ruff, Sabine *1936 Stuttgart, Textilgestaltung, Staatl. Akademie d. Bildenden
Künste, 1974–1978 | Heider, Klaus *1956 Göppingen, Malerei und Glasgestaltung, Staatliche
Akademie d. Bildenden Künste, 1970–1971 | Heilenmann, Julius *1877 Stuttgart 1965, Angewandte Grafik, Königl. Kunstgewerbeschule, 1913–1945 | Hein, Gerhardt *1925 Dreilinden/Polen,
Werken, Staatl. Akademie d. Bildenden Künste, 1963–1967 | Heinzel, Herbert *1920 Seefeld,
Oberbayern, Werkstatt für Bronzeguss, Staatl. Akademie d. Bildenden Künste, 1949–1985 |
Heinzler, Claudia *1968 , Malsch, Werkstatt für Glasbearbeitung, Staatl. Akademie d. Bildenden
Künste, ab 2001 | Heller, Ernst *1916 Stuttgart 1998, Innenarchitektur und Möbelbau, Werkstatt
für Holzverarbeitung, Staatl. Akademie d. Bildenden Künste, 1951–1962 | Heller, Tillmann *1963
Stuttgart, Architektur und Design, Staatl. Akademie d. Bildenden Künste, 1998-2004 | Hildebrand,
Margret *1917 Stuttgart 1997, Textilgestaltung, Staatl. Akademie d. Bildenden Künste, 1952–1953
| Himmer, S. *k.A., Fotografie, Staatl. Akademie d. Bildenden Künste, 1960–k.A. | Hinkel, Rochus
*1965 Bamberg, Architektur und Design, Staatl. Akademie d. Bildenden Künste, 1995–2001 |
Hirsch, Alfred *1906 Stuttgart k.A., Textilgestaltung, Württ. Staatl. Kunstgewerbeschule, 1932–
1946? | Hoffmann, Frank David *1980 Stuttgart, Werkstatt für Lithographie, Staatl. Akademie d.
Bildenden Künste, ab 2007 | Hofmann, Dieter *1960 Fürth, Investitionsgüterdesign, Staatl. Akademie d. Bildenden Künste, 1998–1999 | Holtermann, Almut *1937 Stuttgart, Textilgestaltung,
Staatl. Akademie d. Bildenden Künste, 1964–1966 | Huber, Hans *1936 Aka, Krs. Veszprem Ungarn,
mechanische Techniken, Staatl. Akademie d. Bildenden Künste, 1962–2001 | Hummel, Konrad
401
*1955 Göppingen, Innenarchitektur und Design, Staatl. Akademie d. Bildenden Künste, 2007 |
Hundhausen, Hubert *1913 Betzdorf/Koblenz 1989, Malerei, Staatl. Akademie d. Bildenden Künste, 1946–1978 | Hutzel, Hermann *1933 Schorndorf 2000, Ausstellungsarchitektur und Montagebau, Staatl. Akademie d. Bildenden Künste, 1966–1999 | Jacobi, Ritzi *1941 Bukarest/Rumänien,
Freie und angewandte Keramik, Staatl. Akademie d. Bildenden Künste, 1986–1987 | Johst,
Joachim *1948 Mannheim, Innenarchitektur und Möbelbau, Staatl. Akademie d. Bildenden Künste,
1977–1981 | Jung, Ilse-Margret *1947 Groß–Stöckheim, Keramik, Staatl. Akademie d. Bildenden
Künste, ab 1981, | Kaiser, Karin *1965 Nürtingen, Kommunikationsdesign, Staatl. Akademie d.
Bildenden Künste, 2000 | Kappler, Gustav *1880 Esslingen 1955, Innenarchitektur und Möbelbau, Königl. Kunstgewerbeschule , 1914–1947 | Karacayir, Gülsay *1945 Bolu/Türkei, Textilgestaltung, Staatl. Akademie d. Bildenden Künste, 1973–1977 | Kern, Herbert *1954 Hinterzarten,
Bühnenbild, Staatl. Akademie d. Bildenden Künste, ab 1991, | Kiechle, Arno *1897 Meißen k.A.,
Freie und angewandte Keramik, Württ. Staatl. Kunstgewerbeschule, 1929–1946 | Kiechle, Erich
*1892 k.A. 1944 (vermisst), Freie und angewandte Keramik, Württ. Staatl. Kunstgewerbeschule,
1929–1942 | Kiessling, Joachim *1928 k.A., Architektur, Staatl. Akademie d. Bildenden Künste,
1961–1971 | Kimmerle, Michael *1956 Reutlingen, Graphik–Design, Staatl. Akademie d. Bilden402
den Künste, 1986–1989 | Klauser, Johannes *1952 Lörrach, Entwerfen/Architektur, Staatl. Akademie d. Bildenden Künste, 1988–1994 | Klier, Hans von *1934 Tetschen/Tschechien, Architektur
u. Design, Staatl. Akademie d. Bildenden Künste, 1994 | Klingelhöfer, Petra *1958 Dortmund,
Innenarchitektur und Möbelbau, Staatl. Akademie d. Bildenden Künste, 1983–1984 | Klimek, L.
*k.A., Fotografie, Staatl. Akademie d. Bildenden Künste, 1955–1958 | Knorr, Robert *1865 Ulm k.A.,
Figurenmodellieren, Figuren – und Aktzeichnen, Königl. Kunstgewerbeschule, um 1901 135 |
Koeke, Justyna *1976 Krakau, Werkstatt für Neue Medien, Staatl. Akademie d. Bildenden Künste,
ab 2005 | Koerth-Blomeier, Ulrike *1939 Konstanz, Innenarchitektur und Design, Staatl. Akademie d. Bildenden Künste, 1981–1985 | Koga, James *1941, Honululu/USA, Graphik–Design Werkstatt für Lithographie, Staatl. Akademie d. Bildenden Künste, 1970–1971 | Kögel, Hans *1907
Frommern k.A., Innenarchitektur und Möbelbau, Staatl. Akademie d. Bildenden Künste, 1948 |
Konrad, Edgar *1950 Vaihingen/Enz, Werkstatt für Möbeltechniken, Staatl. Akademie d. Bildenden
Künste, ab 1988 | Kopp, Helene *1922 Weiden, Textilgestaltung, Staatl. Akademie d. Bildenden
Künste, 1981–1985 | Krauss, Annette *1971 Rothenburg o.d. T., Freie Grafik mit Malerei, Staatl.
Akademie d. Bildenden Künste, 2005 | Krimmel, Gerhard *1944 Straßburg, Textilgestaltung,
Staatl. Akademie d. Bildenden Künste, 1971–1972 | Krüger, Julian *1975 Lübeck, Architektur
und Design, Staatl. Akademie d. Bildenden Künste, 2005-2006 | Krugmann, A. * k.A., Stempelschneiden und Reproduktionstechnik, Staatl. Akademie d. Bildenden Künste, 1956–k.A. | Kuckei,
Peter *1938, Husum, Malerei u. Naturzeichnen, Staatl. Akademie d. Bildenden Künste, 1986–
1987 | Kühnle, Uli *1950, Stuttgart, Grafikdesign, Staatl. Akademie d. Bildenden Künste, 1990–
1991 | Kull, Norbert *1970, Leonberg, Werkstatt für Modellbautechniken, Staatl. Akademie d.
Bildenden Künste, ab 2004 | Kümmel, Jakob *1901 k.A., Malerei, Staatl. Akademie d. Bildenden
Künste, 1942–1945 | Kunert, Arno *1896 Olbernhau 1973, Dekorationsmalerei, Württ. Staatl.
Kunstgewerbeschule, 1928–1945 und. 1952–1961 301 | Küster, Bärbel Dr. 1967 Kiel, Kunstgeschichte, Staatl. Akademie d. Bildenden Künste, 2009 | Laier, Peter *1952 Dielheim, Innenarchitektur u. Design, Staatl. Akademie d. Bildenden Künste, 1984–1991 | Landwehr, Fritz *1897
Bockhorst 1966, Textilgestaltung, Staatl. Akademie d. Bildenden Künste, 1947–1949 | Lang, Annette *1960, Hamburg, Industriedesign, Staatl. Akademie d. Bildenden Künste, 1988–1993 |
Laschweski, Arnold *1938, Danzig, Institut für Innenarchitektur u. Möbeldesign, Staatl. Akademie
d. Bildenden Künste, 1979–2004 | Laysiepen, Uwe *1943 Solingen, Bildhauerei, Staatl. Akademie
d. Bildenden Künste, 1998–1999 | Leberer, Camill *1953 Kenzingen/Breisgau, Bildhauerei,
Staatl. Akademie d. Bildenden Künste, 1991–1992 | Lechler, Hermann *1912 Stuttgart k.A.,
Schriftkunst, Staatl. Akademie d. Bildenden Künste, 1935–1945 | Lehmann, Enno *1958 Koblenz,
Werkstatt für Maltechniken , Staatl. Akademie d. Bildenden Künste, 2001–2003; ab 2009 | Leibbrand, Edmund *1918 Stuttgart 1963, Innenarchitektur und Möbelbau, Staatl. Akademie d. Bildenden Künste, 1949–1952 | Leins, Margarete *1900 London k.A., Graphische Künste und Buchgewerbe, Württ. Staatl. Kunstgewerbeschule, um 1927 | Lempelius, Angela *1974 Kirchheim, Architektur und Design, Staatl. Akademie d. Bildenden Künste, 2005-2007 | Lepple, Georg *1894
London k.A., Dekorationsmalerei, Württ. Staatl. Kunstgewerbeschule, 1922–1950 | Liebig, Katja
*1963 Zwickau, Buchbinde– und Verpackungstechnik, Staatl. Akademie d. Bildenden Künste, ab
1998 | Liesegang, Jan *1968 Bergisch-Gladbach, Architektur und Design, Staatl. Akademie d.
Bildenden Künste, 2002-2009 | Löcher, Kurt Dr. *1932 Duisburg, Kunstgeschichte, Staatl. Akademie d. Bildenden Künste, 1967–1970 | Löhmann, Hans Joachim *1957 Stuttgart, Werkstatt für
AV–Technik, Staatl. Akademie d. Bildenden Künste, ab 1985 336 | Looser, Susanne *1923 Freiburg, Textilgestaltung, Staatl. Akademie d. Bildenden Künste, 1957–1959 | Luick, Otto *1905
Esslingen 1984, Malerei, Staatl. Akademie d. Bildenden Künste, 1932–1939? | Lustner, Egon *1931
Dortmund, Werkstatt für dekorative Malerei und Zeichnen, Staatl. Akademie d. Bildenden Künste,
1970–1996 | Luther, Jonas *1971 Hamburg, Architektur und Design, Staatl. Akademie d. Bildenden
Künste, 2002-2005 | Lutz, Erich *1949 Stuttgart, Werkstatt für Werken, Staatl. Akademie d.
Bildenden Künste, ab 1985 | Lutz, Martin *1961 Stuttgart, Werkstatt für fotografische Techniken,
Staatl. Akademie d. Bildenden Künste, ab 1998 319 | Maasz, Jürgen *1962 Stuttgart, Architektur
und Design, Staatl. Akademie d. Bildenden Künste, 1992–1994 | Mack, Felix *1974 Esslingen,
Architektur/Grundlagen des Konstruierens, Möbel, Raum und Material, Staatl. Akademie d. Bildenden Künste, ab 2008 | Maier, Karl *1934 Riederich, Innenarchitektur und Möbelbau, Staatl. Aka-
403
demie d. Bildenden Künste, 1966–1980 | Makowski, Jürgen *1940 Danzig, Textilgestaltung,
Staatl. Akademie d. Bildenden Künste, 1967–1969 | Mandl, Roger *1961 Weilheim, Architektur
und Design, Staatl. Akademie d. Bildenden Künste, 1991-1997 | Manns, Erwin *1957 Rengsdorf,
Bühnenbild, Staatl. Akademie d. Bildenden Künste, 1988–1989 | Mansfeld, Ulrike *1971 Pforzheim, Architektur und Design, Staatl. Akademie d. Bildenden Künste, 1998-2005 | Mateo, Josep
Lluis *1949 Barcelona/Spanien, Architektur u. Entwerfen, Staatl. Akademie d. Bildenden Künste,
1999–2000 369 | Maurer, Ingo *1932 Insel Reichenau, Industriedesign, Staatl. Akademie d. Bildenden Künste, 1994 | Menke, Volker *1971 Höxter, Werkstatt für CAD, Staatl. Akademie d. Bildenden
Künste, ab 2000 | Mentzel-Marx, Anne *1920 Neusalz k.A., Freie und angewandte Keramik, Staatl.
Akademie d. Bildenden Künste, 1973–1980 | Merkel, Horst *1934 Rockenhausen, Ausstellungsarchitektur und Montagebau, Staatl. Akademie d. Bildenden Künste, 1969–1972 | Meßmer, Manuel *1979 Villingen–Schwenningen, Industrial Design, Staatl. Akademie d. Bildenden Künste, ab
2010 | Mijic, Daniel *1969 Ravensburg, Werkstatt für Siebdruck, Staatl. Akademie d. Bildenden
Künste, 2004, ab 2010 | Mönch, Erich *1905 Rötenbach 1977, Werkstatt für Lithographie, Staatl.
Akademie d. Bildenden Künste, 1946–1966 235 | Mössmer, Emil *1899 Geislingen 1982, Metallbearbeitung, Württ. Staatl. Kunstgewerbeschule, 1938–1942 und 1947–1950 | Mostert, Annelise
404
*1902 Stuttgart k.A., Graphische Künste und Buchgewerbe, Württ. Staatl. Kunstgewerbeschule,
um 1927 | Müller, Albert *1884 Stuttgart 1963, Malerei, Württ. Staatl. Kunstgewerbeschule,
1928–1942 | Müller, Anja *1970 Bad Hersfeld, Werkstatt für Weberei, Staatl. Akademie d. BildendenKünste, ab 2001 | Müller, Gerhard *1965 Balingen, Werkstatt für Reproduktion und Offsetdruck, Staatl. Akademie d. Bildenden Künste, ab 2006 | Müller, Gudrun (Rosalie) *1953 Gemmrigheim, Bühnenbild, Staatl. Akademie d. Bildenden Künste, 1994–1995 | Müller, Rudolf *1903
Stuttgart 1969, Aktzeichnen, Staatl. Akademie d. Bildenden Künste, 1959–1969 254 | MüllerSchöll, Axel *1960 Stuttgart, Architektur und Design, Staatl. Akademie d. Bildenden Künste,
1991-1994 | Münster, Hedwig *1893 Baiersbronn 1973, Textilgestaltung, Württ. Staatl. Kunstgewerbeschule, 1925–1946 und 1947–1958 | Münzing, Uwe *1961 Stuttgart, Grundlagen der Gestaltung, Staatl. Akademie d. Bildenden Künste, 2006–2007 | Nagel, Markus *1978 Graz, Wohnbau–
und Grundlagen des Entwerfens, Staatl. Akademie d. Bildenden Künste, ab 2010 | Naumann,
Martin *1970 Konstanz, Architektur und Design, Staatl. Akademie d. Bildenden Künste, 20002008 | Neisser, Gerd *1932 Brno/Tschechien, Allgemeine künstl. Ausbildung, Staatl. Akademie
d. Bildenden Künste, 1970–1972 | Nokel, Hannes *1965, Betlinshausen, Werkstatt für Holzverarbeitung, Staatl. Akademie d. Bildenden Künste, ab 2000 | Nuss, Fritz *1907 Göppingen 1999,
Bildhauerei, Staatl. Akademie d. Bildenden Künste, 1935–1938 | Öchsle, A. *k.A., Gipsmodellbau,
Staatl. Akademie d. Bildenden Künste, 1947–1959 | Palmtag, Jürgen *1951 Schwenningen, Freie
Grafik mit Malerei, Staatl. Akademie d. Bildenden Künste, 1998–1999 | Palterer, David *1949
Haifa, Israel, Architektur u. Entwerfen, Staatl. Akademie d. Bildenden Künste, 1992 | Parmasche,
Nikolaus *1957 Kupferzell, Grundlagen des Entwerfens, Staatl. Akademie d. Bildenden Künste,
1991–1997, 2006 | Patacki-Hundt, Andrea Dr. *1969 Wien, Werkstatt für Restaurierung von Grafik,
Archiv– und Bibliotheksgut, Staatliche Akademie d. Bildenden Künste, ab 1998 | Pensi, Jorge
*1946 Buenos Aires/Argentinien, Produktdesign, Staatl. Akademie d. Bildenden Künste, 1993–
1994 | Perathoner, Johann *1932 Bozen, Werbegrafik und Schrift, Staatl. Akademie d. Bildenden
Künste, 1958–1960 | Pfundtner, Mayumi *1949 Stuttgart, Bibliothek, Staatl. Akademie d. Bildenden
Künste, ab 1975 | Pella, Claudia *1968 Ravensburg, Architektur und Design, Staatl. Akademie d.
Bildenden Künste, 2000-2006 | Pichl, Horst *1939 Teplitz 1996, Buchbinde– und Verpackungstechnik, Staatl. Akademie d. Bildenden Künste, 1981–1996 | Pickel, Bruno *1908 Kottenheim
1982, Werkstatt für Keramik, Staatl. Akademie d. Bildenden Künste, 1947–1973 | Pollmeier,
Klaus *1958 Duisburg, Konservierung Neuer Medien und digitaler Information, Staatl. Akademie
d. Bildenden Künste, 2005–2010 | Poteratchi, Atoosa *1974 Berlin, Industrial und European
Design, Staatl. Akademie d. Bildenden Künste, ab 2006 | Rabe, Walter *1936 Stuttgart, Freie
Graphik und Illustration, Staatl. Akademie d. Bildenden Künste, 1959–1966 | Rando, Adriano
*1980 Singen, Werkstatt für Reproduktion und Offsetdruck, Staatl. Akademie d. Bildenden Künste,
2010–2011 | Ratzeburg, Wiebke *1967 Lübeck, Konservierung Neuer Medien und digitaler Information, Staatl. Akademie d. Bildenden Künste, ab 2010 | Reile, Adolf *1872 Wiesbaden 1950, Dekorationsmalerei, Württ. Staatl. Kunstgewerbeschule, 1919–1937? | Reimspieß, Peter *1939 Stuttgart, Produktdesign, Staatl. Akademie d. Bildenden Künste, 1990–1993 | Reinheimer, Joachim
*1951Stuttgart, Architektur u. Entwerfen, Staatl. Akademie d. Bildenden Künste, 1988–1989 |
Reissberger, Mara Dr. *1944 Wien, Architektur u. Designgeschichte, Staatl. Akademie d. Bildenden
Künste, 2006–2007 | Rempel, Rudolf *1892 Gelsenkirchen 1970, Gipsmodellbau, Staatl. Akademie d. Bildenden Künste, 1943–1944 | Renken, Georg *1935 Wilhelmshaven, Architektur/Hochbau,
Staatl. Akademie d. Bildenden Künste, 1966–1968 | Renz, Walter *1908 Stuttgart k.A., Angewandte Grafik, Staatl. Akademie d. Bildenden Künste, 1957–1958 176 | Rieber, Fritz *1927 Tübingen, Restaurierung von Gemälden und gefassten Skulpturen, Staatl. Akademie d. Bildenden
Künste, 1970–1992 | Riedel, Bernhard *1957 Stuttgart, Werkstattlehrer im Malersaal, Staatl.
Akademie d. Bildenden Künste, 2004-2009 | Rieger, Josef *1883 Bad Waldsee 1959, Metallbearbeitung, Württ. Staatl. Kunstgewerbeschule, 1938–1946 und 1948–1951 | Riel, Gert *1941
Prien/Chiemsee, Werkstatt für Metallbearbeitung, Staatl. Akademie d. Bildenden Künste, 1968–
2005 | Riester, Otto *1890 k.A., Freie Grafik und Illustration, Werkstatt f. Lithographie, Staatl.
Akademie d. Bildenden Künste, 1936–1946 und 1948–1951 | Rims, Hans-Jochen *1938 Fohrde,
Textilgestaltung, Staatl. Akademie d. Bildenden Künste, 1976–2000 | Röger, Georg *1948, Öhringen,
Malerei, Staatl. Akademie d. Bildenden Künste, 1988 | Rogler, Ulrike *1978, München, Industrial
405
und European Design, Staatl. Akademie d. Bildenden Künste, ab 2006 | Röhrle, Mario *1970
Ellwangen, Konservierung Neuer Medien und digitaler Information, Staatl. Akademie d. Bildenden
Künste, ab 2010 | Römer, Eugen *1930 Bad Mergentheim, Werkstatt für Satz und Druck, Staatl.
Akademie d. Bildenden Künste, 1959–1995 | Rosenfelder, Johann *1874 Tennenbronn 1954, Innenarchitektur und Möbelbau, Königl. Kunstgewerbeschule, 1904–1939 | Roth, Janina *1982, Saarbrücken, Werkstatt für Wand– und Steinpolychromie, Staatl. Akademie d. Bildenden Künste, ab
2009 | Ruder, Carl *1904 k.A., Werkstatt für Metallbearbeitung, Staatl. Akademie d. Bildenden
Künste, 1953–1969 | Ruhland, Axel *1966 Köln, Architektur und Design, Staatl. Akademie d. Bildenden Künste, 2000-2006 | Ruoff, Margit *1937, Böblingen, Textilgestaltung, Staatl. Akademie
d. Bildenden Künste, 1962–1964 60f. | Rupf, Reinhard *1950 Stuttgart, Architektur/Entwerfen,Staatl. Akademie d. Bildenden Künste, 1988–1991 | Ruppel, Thomas *1960 Albstadt–
Ebingen, Werkstatt für Freie Grafik (Radierung), Staatl. Akademie d. Bildenden Künste, 1998 und
ab 2004 | Saile, Adolf *1905 Stuttgart 1994, Glasgestaltung, Staatl. Akademie d. Bildenden
Künste, 1946–1965 | Sailer, Hans Daniel *1948 Höfingen bei Böblingen, Figuratives Gestalten,
Staatl. Akademie d. Bildenden Künste, 1983–1987 | Sander, Karin *1957 Bensberg, Bildhauerei,
Staatl. Akademie d. Bildenden Künste, 1997–1998 | Sander-Conwall, Eva *1961 Würzburg, Re406
staurierung von archäologischen, ethnologischen und kunsthandwerklichen Objekten, Staatl.
Akademie d. Bildenden Künste, 1989–1996 | Schad, Robert *1953 Ravensburg, Bildhauerei,
Staatl. Akademie d. Bildenden Künste, 1989–1990 | Schaden, Peter *1941 Osseg/Polen, Werkstatt für Druckgrafik und Malerei , Staatl. Akademie d. Bildenden Künste, 1973–2004 | Schanz,
Marie *1920 Stuttgart, Grafik und Schrift, Staatl. Akademie d. Bildenden Künste, 1946–1949 |
Schaudt, Herbert *1933 k.A., Architektur, Ausstellungs– und Montagebau, Staatl. Akademie d.
Bildenden Künste, 1992–1993 | Schenk, Andreas *1961 Reutlingen, Bau– und Designgeschichte,
Staatl. Akademie d. Bildenden Künste, 1994 | Schiefer, Gabriele *1962 München, Konservierung
Neuer Medien und digitaler Information, Staatl. Akademie d. Bildenden Künste, 2006–2010 |
Schlachter, Bernhard *1951 Atzenbach, Graphik-Design, Staatl. Akademie d. Bildenden Künste,
1984-1985 | Schlemmer, Wilhelm *1869 Stuttgart k.A., Buchbinderei, Württ. Staatl. Kunstgewerbeschule, 1919–ca.1934 | Schlitz, Frauke *1962 Sindelfingen, Allgemeine künstl. Ausbildung,
Staatl. Akademie d. Bildenden Künste, 2000–2006 | Schmid, Martin Bruno *1970 Balingen, Allgemeine künstl. Ausbildung, Staatl. Akademie d. Bildenden Künste, ab 2006 | Schmid, Vincent *1981
Aalen, Allgemeine künstl. Ausbildung, Staatl. Akademie d. Bildenden Künste, ab 2007 | Schmidt,
Jost *1958 Stuttgart, Werkstatt für Modellbautechniken, Staatl. Akademie d. Bildenden Künste,
ab 2001 | Schmitt, Stephan *1965 Hamburg, Produktgestaltung/Industriedesign, Staatl. Akademie
d. Bildenden Künste, 2000-2006 | Schmitz, Manfred, *1936, Oberhausen/Rheinland, Bildhauerei,
Staatl. Akademie d. Bildenden Künste, 1965–1967 | Schneider, Ulrich *1942 Beschka 2015,
Werkstatt f. druckgraphische Techniken/Litho, Staatl. Akademie d. Bildenden Künste, 1979–2007
| Schneider, Ursula *1952 Frankenthal, Institut für Innenarchitektur und Möbelbau, Staatl. Akademie d. Bildenden Künste, 1980–1987 | Schneller, Regina *1970 Stuttgart, Werkstatt für Restaurierung u. Konservierung von Grafik, Staatl. Akademie d. Bildenden Künste, 2002–2005 |
Schober, Peter Jakob *1897 Gschwend 1983, Radierung , Staatl. Akademie d. Bildenden Künste,
1932–1936 | Schönemann, Anna Dr. *1967 Halle, Institut für Technologie der Malerei, wissenschaftl. Grundlagen der Restaurierung, Staatl. Akademie d. Bildenden Künste, ab 2009 | Schönherr, Matthias *1957 Chemnitz, Produktgestaltung, Staatl. Akademie d. Bildenden Künste, 19941999 | Schroth, Martin *1975 Schrozberg, Entwerfen Innovative Bau– und Raumkonzepte, Staatl.
Akademie d. Bildenden Künste, ab 2007 | Schuhmann, Hans-Joachim *1924 Stuttgart, Institut für
Farbentechnik, Staatl. Akademie d. Bildenden Künste, 1948–1949 | Schüle, Werner *1953 Dagersheim, Werkstatt für Bronzeguss, Staatl. Akademie d. Bildenden Künste, ab 1999 | Schulte,
Karin *1965 Bonn, Institut für Innenarchitektur und Möbeldesign, Staatl. Akademie d. Bildenden
Künste, ab 1993 | Schulz, Dorothea *1962 Karlsruhe, Allgemeine künstl. Ausbildung, Staatl.
Akademie d. Bildenden Künste, 1997–1998 | Schulz, Helmut *1935 München, Werkstatt für Möbeltechniken, Staatl. Akademie d. Bildenden Künste, 1966–1997 | Schwarz, Günter *1916 Erfurt
k.A., Architektur/Hochbau, Staatl. Akademie d. Bildenden Künste, 1949–1957 | Schwinn, Uta
*1940 Rio de Janeiro, Werkstatt für Gipsmodellbau, Staatl. Akademie d. Bildenden Künste, 1965–
1971 | Scorzin, Pamela Dr. *1965 Vicenza/Italien, Kunstgeschichte, Staatl. Akademie d. Bildenden Künste, 2003, 2008 352 | Seemüller, Theophil, *1921 Hanweiler, Architektur/Hochbau,
Staatl. Akademie d. Bildenden Künste, 1957–1971 | Seidel, Adeline *1980 Erlabrunn, Innenarchitektur und Möbeldesign, Staatl. Akademie d. Bildenden Künste, ab 2010 | Setzer, Alf *1956
Betzigau, Werkstatt für Steinbildhauerei, Staatl. Akademie d. Bildenden Künste, ab 1993 | Silbermann, Dorothee *1963 Stuttgart, künstlerisch-wissenschaftliche Mitarbeiterin im Studiengang Textilgestaltung, Staatl. Akademie d. Bildenden Künste, ab 2005 | Skowranek, Heide *1973
Aalen, Institut für Technologie der Malerei, Archäometrisches Labor, Staatl. Akademie d. Bildenden Künste, ab 2009 | Soppa, Karolina *1978, k.A., Restaurierung von Gemälden und gefassten
Skulpturen, Staatl. Akademie d. Bildenden Künste, 2009–2010 | Soumelidou, Evgenia *1959 Thessaloniki/Griechenland, Architektur und Innenarchitektur, Staatl. Akademie d. Bildenden Künste,
1990–1995 | Spalding, Valerie *1974, Aachen, Architektur Konstruktives Entwerfen , Staatl. Akademie d. Bildenden Künste, ab 2005 | Späte, Ingobert *1937 Gera 1989, Werkstatt für Buchdruck,
Staatl. Akademie d. Bildenden Künste, 1966–1975 | Spemann, Rudolf (Rudo) *1905 Würzburg
1947, Schriftkunst, Württ. Kunstgewerbeschule, 1930–1935 | Sperker, Franz *1941 Neudorf,
Werkstatt für Reproduktion u. Offsetdruck, Staatl. Akademie d. Bildenden Künste, 1972–2006 |
Spörri, Jürg *1952 Fischenthal/Schweiz, Innenarchitektur und Design, Staatl. Akademie d. Bil-
407
denden Künste, 1986–1990 | Staab, Volker *1957 k.A., Architektur u. Entwerfen, Staatl. Akademie
d. Bildenden Künste, 2008–2009 | Stammler, Felix *1975 Schorndorf, Grundlagen des Entwerfens, Staatl. Akademie d. Bildenden Künste, ab 2008 | Stark, Simona *1973 Heidelberg, Werkstatt
für Neue Medien, Staatl. Akademie d. Bildenden Künste, 2004-2005 | Strauss, Günter *1927 k.A.,
Architektur/Hochbau, Staatl. Akademie d. Bildenden Künste, 1957–1972 | Stübbe, August-Wilhelm *1941 Plettenberg, Architektur/Hochbau, Staatl. Akademie d. Bildenden Künste, 1970–1972
| Sudrow, Otto *1941 Jever, Produktdesign, Staatl. Akademie d. Bildenden Künste, 1970–1973 |
Tamschick, Rüdiger *1942 Leipzig, Bühnenbild, Staatl. Akademie d. Bildenden Künste, 1973–1991
| Thurm, Heinz *1939 Immenstadt, Keramik, Staatliche Akademie d. Bildenden Künste, 1962–1965
| Theinert, Justus *1963 Hannover, Produktgestaltung, Staatl. Akademie d. Bildenden Künste,
1992-1998 | Tisch, Andreas *1962 Baden-Baden, Entwerfen/Architektur, Staatl. Akademie d. Bildenden Künste, 1994-2000 | Trage, Alexander *1972 Erlangen, Produktgestaltung/Industriedesign, Staatl. Akademie d. Bildenden Künste, 2003– 2008 | Trapp, Thomas *1972 Düsseldorf, Investitionsgüterdesign, Staatl. Akademie d. Bildenden Künste, 2002-2005 | Tretter, Anna *1956
Kirchzell, Bildhauerei, Staatl. Akademie d. Bildenden Künste, 2002–2003 | Trunk, Wiebke *1960
Lauffen a. N., Bühnenbild, Staatl. Akademie d. Bildenden Künste, 1997–2003 | Tykwer, Fenna Yola
408
*1979 Bremen, Konservierung Neuer Medien und digitaler Information, Staatl. Akademie d. Bildenden Künste, ab 2010 | Umfrid, Heilgart *1928 Kaisersbach, Werkstatt für Buchbinde– und
Verpackungstechnik, Staatl. Akademie d. Bildenden Künste, 1966–1975 | Valenta, Günter *1940
Bruck/Österreich, Produktdesign, Staatl. Akademie d. Bildenden Künste, 1979–1985 | Veit, Walther *1881 Mannheim 1965, Typographie u. Satz, Württ. Staatl. Kunstgewerbeschule, 1919–1950
| Vidière, Jean-Louis *1972 Lons-le-Saunier/Frankreich, Investitionsgüterdesign, Staatl. Akademie d. Bildenden Künste, 1997–1999 | Vielmo, Manfred *1932 Stuttgart, Architektur und Innenarchitektur, Staatl. Akademie d. Bildenden Künste, 1968–1969 | Vogel, Peter *1959 Markdorf,
Werkstatt für Restaurierung von Gemälden und gefassten Skulpturen, Staatl. Akademie d. Bildenden Künste, ab 1995 | Volk, Albert *1882 Frankfurt a.M. 1982, Zeichnen und Malen, Akademie
d. Bildenden Künste, 1926–1945 | Von den Elzen, Anett *1963 Eerde, Veghel/Niederlande, Bildhauerei, Staatl. Akademie d. Bildenden Künste, 2001–2002 | Vorel, Frantisék *1946 Jihomoransky/Tschechien, Gipsmodellbau, Staatl. Akademie d. Bildenden Künste, 1972–2009 | Wagner,
Stefanie Maria *1978 Daun, Bühnen- und Kostümbild, Staatl. Akademie d. Bildenden Künste, ab
2008 | Wagner, Theodor L. *1800 Stuttgart 1880, Bildhauerei, Königl. Kunstschule, 1836–1876 |
Wahl, Karl *1907 Stuttgart 1994, Schrift und Typographie, Staatl. Akademie d. Bildenden Künste,
1951–1972 | Walz, Philippa *1968, Herrenberg, Kommunikationsdesign, Staatl. Akademie d. Bildenden Künste, 2000–2001 | Wandel, Manfred *1938 Tübingen, Architektur/Hochbau, Staatl. Akademie d. Bildenden Künste, 1968–1970 | Weber, Anton *1945 Ravens-burg, Allgemeine künstl.
Ausbildung, Staatl. Akademie d. Bildenden Künste, 1972–1973 | Weber, Hartmut Prof. Dr. *k.A,
Restaurierung und Konservierung von Papier und Graphik, Staatl. Akademie
d. Bildenden Künste, k.A. | Weigand, Peter *1974 Stuttgart, Architektur/Entwerfen, Staatl. Akademie d. Bildenden Künste, ab 2008 | Weingard, Angelika *1965 Blaubeuren, Glasmalerei und
Glasbearbeitung, Staatl. Akademie d. Bildenden Künste, ab 2006| Weinmann, Wolfgang *1961
Stuttgart, Werkstatt für Drucktechniken, Staatl. Akademie d. Bildenden Künste, ab 1991 | Wenzky, Joseph *1876 Stuttgart 1953, Werkstatt für Drucktechniken, Württ. Staatl. Kunstgewerbeschule, 1921–1949 | Wetterauer, Oliver, *1970 Tübingen, Werkstatt für Medien, Staatl. Akademie
d. Bildenden Künste, ab 2002 | Wetzel, Angelika *1934 Häfnerhaslach, Bildhauerei, Staatl. Akademie d. Bildenden Künste, 1983–1984 | Widder, Renate *1951 Stuttgart, Textilgestaltung, Staatl.
Akademie d. Bildenden Künste, 1975–1978 | Winkler, Roland *1938, Ellwangen, Werkstatt für
Radierung, Staatl. Akademie d. Bildenden Künste, 1966–2003 | Wirsig, Michaela *1962 Hildesheim, Werkstatt für Stoffdruck und Färben, Staatl. Akademie d. Bildenden Künste, ab 1992 |
Wittke, Isolde *1957 Straubing, Bühnenbild, Staatl. Akademie d. Bildenden Künste, 1991-1997 |
Wöhrle, Horst *1941 Ludwigsburg, Werkstatt für Handsatz, Staatl. Akademie d. Bildenden Künste,
1967–2006 231 | Woodtli, Martin *1971 Bern/Schweiz, Grafikdesign, Staatl. Akademie d. Bildenden Künste, 2002–2003 | Wörfel, Peter *1943 Schweinfurt, Allgemeine künstl. Ausbildung,
Staatl. Akademie d. Bildenden Künste, 1973–1977 | Wörle, Hansjörg *1938, Innsbruck/Österreich, Architektur/Hochbau, Staatl. Akademie d. Bildenden Künste, 1965–1966 | Wörner, Hans
Martin *1945 Laichingen, Werkstatt für Fotografische Medien, Staatl. Akademie d. Bildenden
Künste, 1972–2010 316f., 319 | Wulf, Christiane *1962 Stade, Industriedesign, Staatl. Akademie
d. Bildenden Künste, 1993-1999 | Wulffen, Christian *1954 Bochum, Freie Kunst, Staatl. Akademie d. Bildenden Künste, 1998-2000 | Wunschel, Georg *1905 Wunsiedel 1951, Bildhauerei,
Staatl. Akademie d. Bildenden Künste, 1948–1951 | Zaiser, Ingeborg *1920–k.A., Institut für Farbentechnik, Staatl. Akademie d. Bildenden Künste, 1937–k.A. | Zappe, Annette *1969 Friedrichshafen, Werkstatt für Maltechniken, Staatl. Akademie d. Bildenden Künste, 1997–2009 | Zaugg,
Simone *1968 Bern/Schweiz, Grafik mit Malerei, Staatl. Akademie d. Bildenden Künste, 2005 |
Zeffler, Reinhard *1944 Militsch, Textilgestaltung, Staatl. Akademie d. Bildenden Künste, 1973–
1975 | Zieger, Angela *1957 Erkelenz, Sammlung und Archiv, Staatl. Akademie d. Bildenden
Künste, ab 2003 358, 372 | Zölch, Volker *1955 Essen, Investitionsgüterdesign, Staatl. Akademie
d. Bildenden Künste, 1990–1996
Rektoren und Rektorin
der Académie des Arts, Kunstschule, Königliche Akademie der Bildenden Künste,
Kunstgewerbeschule mit Lehr– und Versuchswerkstätten und der heutigen
Staatlichen Akademie der Bildenden Künste
409
Die Staatliche Akademie der Bildenden Künste in ihrer heutigen Struktur entstand aus den Vorgängereinrichtungen Académie des Arts, Kunstschule, Königliche Akademie d. Bildenden Künste
und Kunstgewerbeschule mit Lehr– und Versuchswerkstätten. Die Dreiteilung der Rektorenliste
trägt dieser Vorgeschichte Rechnung. Erfasst wurden in dieser Reihenfolge: Rektoratszeit, Name
des Rektors und Institution.
Rektoren der Académie des Arts, Kunstschule, Königlichen Akademie der Bildenden Künste bis 1945
1761–1762 Guibal, Nicolas, Académie des Arts | 1762–1763 Colomba, Innocente, Académie des
Arts | 1763–1764 Harper, Adolf Friedrich, Académie des Arts | 1764–1765 Lejeune, Pierre Francois, Académie des Arts | 1765–1767 Scotti, Guiseppe, Académie des Arts | 1768–1769 Guibal,
Nicolas, Académie des Arts | 1769–1771 Groß, Johann Adam d. Jüngere, Académie des Arts |
1772–1773 Lejeune, Pierre Francois, Académie des Arts | 1773–1774 Scotti, Guiseppe Académie
des Arts | 1774–1784 Guibal, Nicolas, Académie des Arts, 1782 wird die Académie des Arts Teil
der Hohen Karlsschule | 1785–1794 Harper, Adolf Friedrich, Académie des Arts, 1794 wird die
410
Hohe Karlsschule geschlossen |
1829–1840 Dannecker, Johann Heinrich, Königl. Kunstschule | 1829–1845 Thouret, Nikolaus, Königl. Kunstschule – gemeinsame Leitung mit Dannecker | 1845–1854 Steinkopf, Gottlob Friedrich, Königl. Kunstschule | 1854–1879 Neher, Karl Josef Bernhard, Königl. Kunstschule | 1879–
1883 Liezen–Mayer, Alexander, Königl. Kunstschule | 1883–1894 Schraudolph, Claudius, Königl.
Kunstschule | 1894–1896 Donndorf, Adolf, Königl. Kunstschule | 1896–1898 Kappis, Albert, Königl. Kunstschule | 1901–1902 Kalckreuth, Leopold Graf von, Königl. Akademie d. Bildenden
Künste | 1902–1912 Haug, Robert von, Königl. Akademie d. Bildenden Künste | 1912–1916 Pötzelberger, Robert, Königl. Akademie d. Bildenden Künste | 1916–1918 Hölzel, Adolf, Königl. Akademie d. Bildenden Künste | 1918–1920 Habich, Ludwig, Akademie d. Bildenden Künste | 1920–
1922 Altherr, Heinrich, Akademie d. Bildenden Künste | 1922–1925 Breyer, Robert, Akademie d.
Bildenden Künste | 1925–1928 Eckener, Alexander, Akademie d. Bildenden Künste | 1928–1930
Waldschmidt, Arnold, Akademie d. Bildenden Künste | 1930–1938 Spiegel, Hans, Akademie d.
Bildenden Künste | 1938–1940 Graevenitz, Fritz von, Akademie d. Bildenden Künste | 1940–1941
Feyerabend, Erich, Akademie d. Bildenden Künste | 1941–1945 Graeventiz, Fritz von
Rektoren der Kunstgewerbeschule und der Lehr– und Versuchswerkstätten von 1881 bis 1941
Ab 1869 fand an der polytechnischen Schule ein kunstgewerblicher Unterricht statt. Erst ab
1881 wurde die Kunstgewerbeschule mit einem separaten Rektorat versehen. 1901 wurden die
Lehr– und Versuchswerkstätten gegründet und der Kunstgewerbeschule angeschlossen.
1881–1892 Leins, Christian Friedrich von, Königl. Kunstgewerbschule | 1892–1913 Kolb, Hans
von, Königl. Kunstgewerbeschule | 1901–1903 Krüger, F.A.O., Königl. Lehr– und Versuchswerkstätten | 1903–1937 Pankok, Bernhard, Königl. Lehr– und Versuchswerkstätten und Kunstgewerbeschule | 1937–1938 Glöckler, Oskar, Staatl. Württ. Kunstgewerbeschule, zwischen 1938 und
1945 mit dem Zusatztitel »Meisterschule des Deutschen Handwerks« versehen | 1938–1940
Haustein, Paul, Staatl. Württ. Kunstgewerbeschule | 1940–1941 Gretsch, Hermann Dr., Staatl.
Württ. Kunstgewerbeschule, | 1941–1945 Gretsch, Hermann Dr., Leiter der Abteilung für angewandte Künste der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste.
1941 fusioniert die Kunstgewerbeschule als angewandte Abteilung mit der Akademie d. Bildenden Künste. Beide Institutionen firmieren seitdem unter der Bezeichnung Staatliche Akademie
der Bildenden Künste.
Rektoren und Rektorin der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste seit 1946
1946–1953 Brachert, Hermann | 1953–1955 Rössing Karl | 1955–1957 Henninger, Manfred |
1957–1959 Yelin, Rudolf | 1959–1969 Brudi, Walter | 1969–1971 Hirche, Herbert | 1971–1984
Kermer, Wolfgang Dr. | 1984–1987 Kröplien, Manfred | 1987–1991 Dreyer, Paul Uwe | 1991–1994
Henning, Wolfgang | 1994–1998 Lehmann, Klaus, | 1998–2004 Dreyer, Paul Uwe | 2004–2010
Hünnekens, Ludger Dr. | seit 2010 Olschowski, Petra von
Ehrenmitglieder, Ehrensenatoren und Ehrensenatorin
der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Stuttgart 1950–2010
Persönlichkeiten, die sich um die Kunstakademie und um Kunst und Wissenschaft verdient gemacht haben, dürfen seit 1950 zu Ehrenmitgliedern ernannt werden. Nach der Novellierung des
411
Kunsthochschulgesetzes vom Dezember 1999 wird seit dem 1. Januar 2000 statt der Bezeichnung »Ehrenmitglied« der Titel »Ehrensenator« verliehen.
Ehrenmitglieder
1950 Schneck, Adolf Prof. Dr. h.c.; Lörcher, Alfred Prof. | 1952 Schneidler, Friedrich Hermann
Ernst Prof. | 1953 Meid, Hans Prof. | 1957 Hoffmann, Erwin; Burk, Max; Buschle, Erwin; Keidel,
Carl Prof.; Krais, Walter; Kühn, Emil Dr.–Ing.; Rieger, Paul | 1960 Brachert, Hermann Prof. | Burckhardt, Arthur Prof. Dr.; Fausel, Helmut; Häussler, Willy; Henninger, Manfred Prof.; Hils, Karl Prof.;
Hirn, Josef; Kerkovius, Ida Prof.; Linde, Horst Prof. Dr.; Müller, Friedrich; Nesch, Rudolf Prof.;
Rössing, Karl Prof.; Schnellbach, Rudolf Prof. Dr.; Schwend, Karl; Sohn, Hermann Prof.; Wagenfeld,
Wilhelm Prof.; Weitpert, Hans; Werner, Theodor Prof.; Wittwer, Konrad | 1964 Helmstädter, Fritz |
1965 Heim, Peter Otto Prof.; Stemmer, E. Dr. | 1966 Koch, Alexander; Thuma, Josef Alfons Dr. |
1968 Gropius, Walter Prof. Dr. h.c. | 1974 Daudert, Rudolf Prof.; Donndorf, Wolf; Schmidt–Rottluff
Prof. | 1975 Mönch, Erich | 1976 Cantz, Walter; Neuner, Hannes Prof.; Brudi, Walter Prof.; Yelin,
Rudolf Prof.; Ruoff, Fritz Prof. | 1977 Graeser, Camille; Hirche, Herbert Prof. | 1978 Fleischhauer,
Werner Prof. Dr.; Löffelhardt, Heinz | 1979 Haas, Hans Peter; Frank, Hans; Hahn, Jürgen Dr. | 1980
Böhmer, Gunter Prof.; Warnecke, Hans Prof. | 1981 Vensky, Karl Heinz; Funk, Eugen Prof.; Reiser,
Walter; Heinle, Erwin Prof.; Peters, Hugo Prof.; Fegers, Hans Prof. Dr.; Seeger, Mia; Auer, Ernst
Josef | 1982 Oberhuber, Oswald Prof.; Emmenegger, Oskar Prof.; Thiem, Gunther Prof. Dr. | 1983
Rasch, Bodo; Model, Hannes | 1984 Roth, Alfred | 1985 Leonhard, Kurt Prof. | 1987 Reuss, Karl Dr.
| 1988 Witzemann, Hertha–Maria Prof. | 1993 Wirth, Günther Prof. | 1995 Stockhausen, Hans
Gottfried von Prof. | 1999 Jung Do Jun
Ehrensenatoren und Ehrensenatorin
2003 Kermer, Wolfgang Prof. Dr.; Spartaru, Mircea Prof. | 2004 Kleinert, Matthias; Emmenegger,
Oskar Prof.; Jung Do Jun; Linde, Horst Prof. Dr.; Oberhuber, Oswald Prof.; Peters, Hugo Prof. | 2006
Weidemann, Kurt Prof. | 2010 Baumeister, Felicitas
Quelle: Zusammenstellung 2008 von Günter Oelberger und Auskunft Rektoratssekretariat
Was this manual useful for you? yes no
Thank you for your participation!

* Your assessment is very important for improving the work of artificial intelligence, which forms the content of this project

Download PDF

advertisement