Umsiedlung Edit 2

Umsiedlung Edit 2
Von Berlin über Sermuth
nach Heidelberg
Das Schicksal des
Astronomischen Rechen-Instituts
in der Zeit von 1924 bis 1954
anhand von Schriftstücken
aus dem Archiv des Instituts
Roland Wielen
und
Ute Wielen
Astronomisches Rechen-Institut
Zentrum für Astronomie
Universität Heidelberg
Heidelberg
2012
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2
Inhaltsverzeichnis
Zusammenfassung
23
Abstract
23
1 Einleitung
24
1.1
Einführung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 24
1.2
Hinweis auf Archivalien . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 25
2 Das Astronomische Rechen-Institut
in Berlin. Die Zeit von 1924 bis 1938.
26
2.1
August Kopff wird Direktor des Astronomischen Rechen-Instituts 26
2.2
Die Arbeit des Astronomischen Rechen-Instituts . . . . . . . . . 28
2.2.1
Das Berliner Astronomische Jahrbuch . . . . . . . . . . . 28
2.2.2
Die Kleinen Planeten . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 35
2.2.3
Der Astronomische Jahresbericht . . . . . . . . . . . . . 37
2.2.4
Der Fundamental-Katalog . . . . . . . . . . . . . . . . . 38
2.2.5
Katalog der Anhaltsterne für das Zonenunternehmen der
Astronomischen Gesellschaft . . . . . . . . . . . . . . . . 40
2.2.6
Weitere Arbeitsfelder . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 41
2.2.7
Populäre Darstellungen der Arbeit des Instituts . . . . . 43
2.3
Die astronomischen Grundlagen für den Kalender . . . . . . . . 45
2.4
Hinweise auf die schwierige Lage des Instituts . . . . . . . . . . 46
3
3 Das Astronomische Rechen-Institut
in Berlin. Die Zeit von 1939 bis 1944.
49
3.1
Die Umbenennung in Coppernicus-Institut“ . . . . . . . . . . . 49
”
3.2
Die neue Schreibweise Kopernikus-Institut“ und die spätere
”
Streichung des Beinamens . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 51
3.3
Die Arbeit des Instituts . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 53
3.3.1
Das Berliner Astronomische Jahrbuch . . . . . . . . . . . 53
3.3.2
Die Kleinen Planeten . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 53
3.3.3
Der Astronomische Jahresbericht . . . . . . . . . . . . . 54
3.3.4
Katalogarbeiten . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 54
3.3.5
Sonstige Arbeiten . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 55
3.4
Die Herausgabe der Astronomischen Nachrichten
3.5
Die Ausbauplanung des Instituts 1941
4 Das Astronomische Rechen-Institut der
Kriegsmarine (1944 bis 1945)
. . . . . . . . 55
. . . . . . . . . . . . . . 57
62
5 Die Evakuierung des Astronomischen Rechen-Instituts nach
Sermuth in Sachsen von 1944 bis 1945
67
5.1
Die Suche nach einem Ausweichquartier für das Institut wegen
der Bombengefahr in Berlin . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 67
5.1.1
Kurhaus Binz auf Rügen . . . . . . . . . . . . . . . . . . 67
5.1.2
Kreis Regenwalde in Pommern . . . . . . . . . . . . . . . 68
5.1.3
Neuendorf, Sandow und Ziebingen bei Frankfurt an der
Oder . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 68
5.1.4
Thurnau bei Kulmbach in Oberfranken . . . . . . . . . . 70
5.1.5
Wernigerode am Harz . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 70
4
5.1.6
Göttingen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 71
5.1.7
Jena, Göttern, der Landkreis Stadtroda und Magdala . . 72
5.1.8
Sonneberg und Wolfersdorf in Thüringen . . . . . . . . . 73
5.1.9
Württemberg . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 73
5.1.10 Baden oder Elsaß . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 74
5.1.11 Sermuth in Sachsen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 74
5.2
Die geographische Lage von Sermuth . . . . . . . . . . . . . . . 75
5.3
Das Astronomische Rechen-Institut in Sermuth . . . . . . . . . 75
6 Die Umsiedlung
des Astronomischen Rechen-Instituts
nach Heidelberg im Sommer 1945
82
6.1
Das geteilte Sermuth . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 82
6.2
Der bevorstehende Abzug der Amerikaner aus Sermuth . . . . . 84
6.3
Die Übersiedlung des Instituts von Sermuth über Würzburg
nach Heidelberg . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 86
7 Das Astronomische Rechen-Institut
in Heidelberg. Die Zeit von 1945 bis 1954.
89
7.1
Das Institut und der Beginn seiner Verbindung zur Universität
Heidelberg . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 89
7.2
Das Institut und die amerikanische Militärregierung . . . . . . . 93
7.2.1
Das allgemeine Verhältnis des Instituts zur amerikanischen Militärregierung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 93
7.2.2
Gerard P. Kuiper und das Astronomische Rechen-Institut 97
7.3
Der Vorschlag für einen Umzug des Instituts nach Hamburg . . 99
7.4
Die räumliche Unterbringung des Astronomischen Rechen-Instituts in Heidelberg . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 100
5
7.5
Das Institut und die Heidelberger Sternwarte . . . . . . . . . . . 103
7.6
Die Finanzierung des Astronomischen Rechen-Instituts in Heidelberg . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 105
7.7
7.6.1
Die anfängliche Finanzierung des Instituts bis 1949 . . . 105
7.6.2
Die Finanzierung des Instituts im Rahmen des Königsteiner Staatsabkommens . . . . . . . . . . . . . . . . . . 108
Die Arbeit des Astronomischen Rechen-Instituts in Heidelberg . 112
7.7.1
Der Astronomische Kalender . . . . . . . . . . . . . . . . 112
7.7.2
Die Astronomischen Grundlagen für den Kalender . . . . 114
7.7.3
Das neue Jahrbuch . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 115
7.7.4
Das Berliner Astronomische Jahrbuch . . . . . . . . . . . 119
7.7.5
Die Kleinen Planeten . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 122
7.7.6
Der Astronomische Jahresbericht . . . . . . . . . . . . . 123
7.7.7
Die Bemühungen um die weitere Herausgabe der Astronomischen Nachrichten . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 126
7.7.8
Die Astronomische Zentralstelle und ihr Nachrichtenblatt 127
7.7.9
Der Fundamentalkatalog . . . . . . . . . . . . . . . . . . 128
7.7.10 Weitere Arbeitsfelder . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 130
7.8
Die Regelung der Nachfolge Kopffs als Direktor des Astronomischen Rechen-Instituts . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 130
8 Der östliche Teil
des Astronomischen Rechen-Instituts
in Babelsberg von 1945 bis 1956
134
8.1
Die Geschichte des östlichen Teils des Astronomischen RechenInstituts . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 134
8.2
Die Beziehungen des Heidelberger Instituts zum östlichen Teil
des Astronomischen Rechen-Instituts . . . . . . . . . . . . . . . 138
6
9 Das Institutsgebäude in Berlin-Dahlem
142
9.1
Beschreibung des Institutsgebäudes . . . . . . . . . . . . . . . . 142
9.2
Luftschutz im Institutsgebäude . . . . . . . . . . . . . . . . . . 150
9.3
Verlagerung der Institutsbibliothek . . . . . . . . . . . . . . . . 152
9.4
Bombenschäden am Institutsgebäude . . . . . . . . . . . . . . . 154
9.5
Die fremde Nutzung des Institutsgebäudes ab 1944 . . . . . . . 156
9.5.1
Nutzung durch die Mathematiker der Universität . . . . 156
9.5.2
Beschlagnahme des Institutsgebäudes durch die amerikanischen Truppen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 157
9.5.3
Nutzung durch die Freie Universität Berlin . . . . . . . . 158
9.5.4
Versuche zur Sicherstellung von Materialien aus dem Institutsgebäude nach 1945 . . . . . . . . . . . . . . . . . . 159
10 Regesten und Editionen von Schriftstücken
161
10.A Das Archiv des Astronomischen Rechen-Instituts . . . . . . . . 161
10.A.1 Inhalt des Archivs . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 161
10.A.2 Aufbewahrung der Schriftstücke . . . . . . . . . . . . . . 163
10.B Erläuterungen zu den Regesten und Volltexten . . . . . . . . . . 164
10.1 Vertrag vom 29. Januar 1878
über das Berliner Astronomische Jahrbuch . . . . . . . . . . . . 166
10.2 Vertrag vom 6. Februar 1911
über das Berliner Astronomische Jahrbuch . . . . . . . . . . . . 167
10.3 Vertrag vom 7. April 1913
über das Berliner Astronomische Jahrbuch . . . . . . . . . . . . 169
10.4 Brief vom 2. Dezember 1924 des Kultusministeriums an Kopff . 169
10.5 Briefentwurf über die Besprechung vom 5. Dezember 1924 im
Kultusministerium von Kopff . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 170
7
10.6 Brief vom 27. Januar 1926 von Kopff an das Kultusministerium 171
10.7 Brief vom 9. Februar 1926 vom Kultusministerium an Kopff . . 171
10.8 Brief vom 30. Juni 1926 von J. K. Fotheringham an Kopff . . . 172
10.9 Brief vom 22. Dezember 1926 von H. H. Turner an Kopff . . . . 174
10.10 Briefentwurf vom 28. Dezember 1926 von Kopff an Turner . . . 174
10.11 Gutachten von ca. 1927
zu den astronomischen Tafeln von Schoch . . . . . . . . . . . . . 175
10.12 Brief vom 27. Februar 1927 von Kopff an die Notgemeinschaft . 176
10.13 Brief vom 5. März 1927 von Kopff an die Notgemeinschaft . . . 176
10.14 Brief vom 8. März 1927 der Notgemeinschaft an Kopff . . . . . 177
10.15 Brief vom 27. Juli 1927 von Schoch an Kopff . . . . . . . . . . 177
10.16 Brief vom 16. September 1930
von Kopff an das Kultusministerium . . . . . . . . . . . . . . . 179
10.17 Brief vom 30. September 1930
des Verlags Dümmler an Kopff . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 179
10.18 Vertrag vom 15. Dezember 1930
über das Berliner Astronomische Jahrbuch . . . . . . . . . . . . 180
10.19 Brief vom 22. Mai 1931 von Kopff an den Verlag Dümmler . . . 180
10.20 Vertrag vom 25. Juli 1931
über das Berliner Astronomische Jahrbuch . . . . . . . . . . . . 180
10.21 Brief vom 22. Dezember 1931
des Verlags Dümmler an Kopff . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 181
10.22 Brief vom 23. Dezember 1931
von Kopff an den Verlag Dümmler
. . . . . . . . . . . . . . . . 181
10.23 Brief vom 8. Juli 1932 des Verlags Dümmler an Kopff . . . . . 182
10.24 Brief vom 9. Juli 1932 von Kopff an das Kultusministerium . . 182
10.25 Brief vom 19. Juli 1932 des Kultusministeriums an Kopff . . . . 182
8
10.26 Brief vom 10. Februar 1936 von M. Planck an Kopff . . . . . . 183
10.27 Vermutlich März 1936: Handschriftliche Notizen zum Lebenslauf von Kopff . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 184
10.28 Antrittsrede am 2. Juli 1936 von Kopff vor der Akademie . . . 187
10.29 Brief vom 21. August 1936 des Reichserziehungsministers an
Kopff . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 188
10.30 Brief vom 29. August 1936 von Kopff an den Reichserziehungsminister . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 189
10.31 Brief vom 19. November 1936 von Kopff an den Reichserziehungsminister . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 189
10.32 Zeitungsartikel vom 11. Juli 1937 im Völkischen Beobachter . . 189
10.33 Brief vom 16. Dezember 1937 von Akademie-Mitgliedern an den
Reichserziehungsminister . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 190
10.34 Zeitschriftenartikel vom 20. Februar 1938
in der Zeitschrift Volksfunk . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 190
10.35 Personalaufstellung von August oder September 1938 . . . . . . 191
10.36 Betriebsluftschutzplan von ca. Dezember 1938 . . . . . . . . . . 191
10.37 Antrag vom 8. Mai 1939
von Kopff an den Reichserziehungsminister . . . . . . . . . . . . 192
10.38 Antrag vom 25. Mai 1939
von Kopff an den Reichserziehungsminister . . . . . . . . . . . . 193
10.39 Brief vom 28. November 1940
des U.S. Naval Observatory an Kopff . . . . . . . . . . . . . . . 193
10.40 Brief vom 2. Januar 1941 von Kopff an den Reichserziehungsminister . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 194
10.41 Brief vom 19. Februar 1941 des Universitätskurators an Kopff . 195
10.42 Brief vom 27. März 1941
des Universitätskurators an Kopff . . . . . . . . . . . . . . . . . 195
9
10.43 Antrag vom 28. März 1941
von Kopff an den Reichserziehungsminister . . . . . . . . . . . . 196
10.44 Ergänzung vom 13. Mai 1941 zum Antrag von Kopff an den
Reichserziehungsminister . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 196
10.45 Lebenslauf von J. Steinmetz vom 15. Dezember 1941 . . . . . . 197
10.46 Zeitungsartikel vom 5. Februar 1942 in der B.Z. . . . . . . . . . 198
10.47 Brief vom 23. März 1942 von Musen an Kopff . . . . . . . . . . 198
10.48 Brief vom 9. April 1942 des Universitätskurators an Kopff . . . 199
10.49 Brief vom 7. Mai 1942 von Kopff an den Universitätskurator . . 200
10.50 Brief vom 24. Juli 1942 des Universitätskurators an Kopff . . . 200
10.51 Brief vom 20. Oktober 1942 von Kopff an das Oberkommando
des Heeres . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 201
10.52 Brief vom 26. Oktober 1942 des Oberkommandos des Heeres
an Kopff . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 201
10.53 Brief vom 30. Oktober 1942 von Kopff an das Oberkommando
des Heeres . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 201
10.54 Brief vom 3. November 1942
von Kopff an den Universitätskurator . . . . . . . . . . . . . . . 202
10.55 Anweisung vom März 1943 wegen Luftschutz in Berlin . . . . . 202
10.56 Brief vom 3. März 1943
von Kopff an P. ten Bruggencate . . . . . . . . . . . . . . . . . 202
10.57 Brief vom 19. Mai 1943 von Kopff an den Universitätskurator . 203
10.58 Liste vom 31. Juli 1943 zur Sicherungsaktion für Bücher . . . . 203
10.59 Brief vom 26. August 1943
des Instituts mit Fliegerschadenmeldung . . . . . . . . . . . . . 204
10.60 Brief vom 24. September 1943 von B. Suschyzki an Kopff . . . 204
10.61 Brief vom 5. Oktober 1943 von B. Suschyzki an Kopff . . . . . 205
10
10.62 Brief vom 7. Oktober 1943
des Instituts an den Reichsforschungsrat . . . . . . . . . . . . . 205
10.63 Brief vom 20. Oktober 1943
von Kopff an B. Suschyzki . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 206
10.64 Abforderungsschein vom 25. Oktober 1943 der Firma Lassen . . 206
10.65 Brief vom 26. Oktober 1943 von B. Suschyzki an Kopff . . . . . 206
10.66 Quittung vom 29. Oktober 1943 des Instituts für die Firma
Lassen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 207
10.67 Brief vom 1. November 1943 des Instituts an das Reichsluftfahrtministerium . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 207
10.68 Zirkular vom 9. Dezember 1943 von Kopff an die Mitglieder
des Instituts wegen Ausweichquartier bei Bombenschäden . . . . 208
10.69 Zirkular vom 18. Dezember 1943
von Kopff an die Mitglieder des Instituts
wegen eventueller Bombenschäden . . . . . . . . . . . . . . . . . 208
10.70 Brief vom 14. Januar 1944 von Kopff an den Verlag Dümmler . 208
10.71 Brief vom 7. Februar 1944 von A. Neugebauer an Kopff . . . . 209
10.72 Brief vom 7. Februar 1944
von P. ten Bruggencate an Kopff . . . . . . . . . . . . . . . . . 210
10.73 Brief vom 7. Februar 1944 von J. Steinmetz an Kopff . . . . . . 210
10.74 Brief vom 7. Februar 1944
von Kopff an den Universitätskurator . . . . . . . . . . . . . . . 211
10.75 Brief vom 8. Februar 1944 von A. Kühn an Kopff . . . . . . . . 211
10.76 Brief vom 8. Februar 1944 von Kopff an den Landrat des Kreises
Regenwalde . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 212
10.77 Brief vom 9. Februar 1944 von C. Hoffmeister an Kopff . . . . . 212
10.78 Brief vom 9. Februar 1944
von Kopff an H. Siedentopf . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 213
11
10.79 Brief vom 9. Februar 1944 von Kopff an den
Regierungspräsidenten in Frankfurt an der Oder . . . . . . . . . 213
10.80 Brief vom 10. Februar 1944 von J. Steinmetz an Kopff . . . . . 214
10.81 Brief vom 11. Februar 1944
von Kopff an die Domanialverwaltung in Thurnau . . . . . . . . 214
10.82 Liste vom 11. Februar 1944
zur Sicherstellung von Sternkatalogen . . . . . . . . . . . . . . . 214
10.83 Brief vom 12. Februar 1944
des Landrats des Kreises Regenwalde an Kopff . . . . . . . . . . 215
10.84 Brief vom 14. Februar 1944 des Bürgermeisters von Sonneberg
an C. Hoffmeister . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 216
10.85 Brief vom 14. Februar 1944 von H. Siedentopf an Kopff . . . . . 216
10.86 Telegramm vom 14. Februar 1944
der Domanialverwaltung in Thurnau an Kopff . . . . . . . . . . 217
10.87 Brief vom 14. Februar 1944
der Domanialverwaltung in Thurnau an Kopff . . . . . . . . . . 217
10.88 Brief vom 14. Februar 1944 von J. Steinmetz an Kopff . . . . . 217
10.89 Brief vom 14. Februar 1944 von Kopff an das Oberkommando
der Kriegsmarine . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 218
10.90 Brief vom 16. Februar 1944 von C. Hoffmeister an Kopff . . . . 218
10.91 Brief vom 16. Februar 1944
von Kopff an P. ten Bruggencate . . . . . . . . . . . . . . . . . 219
10.92 Postkarte vom 18. Februar 1944 von J. Steinmetz an Kopff . . . 219
10.93 Brief vom 18. Februar 1944 von Kopff an den Landrat des
Kreises Regenwalde . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 220
10.94 Brief vom 18. Februar 1944
von Kopff an Rechtsanwalt Löhnis . . . . . . . . . . . . . . . . . 220
10.95 Brief vom 18. Februar 1944
von Kopff an Oberbaurat Steiert . . . . . . . . . . . . . . . . . . 221
12
10.96 Brief vom 19. Februar 1944
von P. ten Bruggencate an Kopff . . . . . . . . . . . . . . . . . 221
10.97 Brief vom 21. Februar 1944 von J. Steinmetz an Kopff . . . . . 222
10.98 Brief vom 21. Februar 1944 von Kopff an das Oberkommando
der Kriegsmarine . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 222
10.99 Brief vom 23. Februar 1944
von Kopff an den Rektor der Universität . . . . . . . . . . . . . 222
10.100 Brief vom 24. Februar 1944 von Kopff an die Fahrbereitschaft
Berlin-Steglitz . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 223
10.101 Brief vom 25. Februar 1944 von T. Gengler an Kopff . . . . . 223
10.102 Brief vom 28. Februar 1944 des Landrats des Kreises Stadtroda
an das Institut . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 224
10.103 Brief vom 1. März 1944 von J. Steinmetz an Kopff . . . . . . . 224
10.104 Brief vom 2. März 1944 von Kopff
wegen Auslagerung von Materialien zum
Astrophysikalischen Observatorium Potsdam . . . . . . . . . . . 225
10.105 Bescheinigung vom 7. März 1944
von Kopff für Baehr und Rabe . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 225
10.106 Telegramm vom 7. März 1944
von Kopff an P. ten Bruggencate . . . . . . . . . . . . . . . . . 225
10.107 Brief vom 8. März 1944
von Kopff an P. ten Bruggencate . . . . . . . . . . . . . . . . . 226
10.108 Brief vom 9. März 1944
von Kopff an das Wach- und Schließinstitut . . . . . . . . . . . 226
10.109 Brief vom 10. März 1944 von Rabe an Kopff . . . . . . . . . . 227
10.110 Telegramm vom 10. März 1944 von Rabe an Kopff
. . . . . . 229
10.111 Brief vom 11. März 1944
des Wach- und Schließinstituts an Kopff . . . . . . . . . . . . . 230
10.112 Rechnung vom 14. März 1944 der Firma Russ an das Institut 230
13
10.113 Brief vom 14. März 1944
von Lederle an unbekannte Empfänger . . . . . . . . . . . . . . 230
10.114 Brief vom 27. März 1944 von Kopff an den Oberpräsidenten
von Brandenburg . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 231
10.115 Brief vom 29. März 1944
des Instituts an den Universitätskurator . . . . . . . . . . . . . 231
10.116 Zirkular vom 29. März 1944
von Kopff an die Institutsmitglieder
wegen Luftschutz-Nachtdienst . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 232
10.117 Telegramm vom 28. April 1944 vom Oberkommando der Kriegsmarine an den Landrat des Kreises Weimar . . . . . . . . . . . . 232
10.118 Brief vom 9. Mai 1944 von Kopff an Rabe . . . . . . . . . . . 232
10.119 Telegramm vom 10. Mai 1944 von Kohl an Kopff . . . . . . . 233
10.120 Brief vom 15. Mai 1944
des Universitätskurators an Kopff . . . . . . . . . . . . . . . . . 233
10.121 Telegramm vom 31. Mai 1944 von Kopff an Rabe . . . . . . . 236
10.122 Brief vom 5. Juni 1944 von J. Hellerich an Kopff . . . . . . . . 236
10.123 Brief vom 7. Juni 1944 von Kopff
an den Bürgermeister von Ziebingen . . . . . . . . . . . . . . . . 237
10.124 Brief vom 7. Juni 1944 von Kopff
an den Landrat von West-Sternberg . . . . . . . . . . . . . . . . 237
10.125 Brief vom 7. Juni 1944 von Kopff
an den Oberpräsidenten von Brandenburg . . . . . . . . . . . . 237
10.126 Brief vom 17. Juni 1944 von Kopff an den Universitätskurator 238
10.127 Brief vom 20. Juni 1944 der Kriegsmarine an das Institut u.a. 238
10.128 Brief vom 24. Juni 1944 aus Grimma an Kopff . . . . . . . . . 240
10.129 Brief vom 6. Juli 1944 von Kopff an den Universitätskurator . 241
10.130 Brief vom 13. Juli 1944 der Kriegsmarine an das Institut . . . 241
14
10.131 Brief vom 15. Juli 1944 von Kopff an den Universitätskurator 242
10.132 Brief vom 25. Juli 1944 von Kopff an den Universitätskurator 242
10.133 Brief vom 25. Juli 1944 von Kopff an den Luftschutzblockwart 242
10.134 Frachtbrief vom 28. Juli 1944
der Spedition E. Scheffler für das Institut . . . . . . . . . . . . . 243
10.135 Brief vom 28. Juli 1944 von Kopff an den Universitätskurator 243
10.136 Brief vom 31. Juli 1944 von Kopff an den Universitätskurator 243
10.137 Personalaufstellung des Instituts von August oder September
1944 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 244
10.138 Entleih-Bescheinigung vom 2. August 1944 von H. Geppert . . 244
10.139 Brief vom 22. September 1944 des Instituts an die Marineintendantur . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 245
10.140 Brief und Aufstellung vom 25. Oktober 1944 vom Institut an
den Universitätskurator . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 245
10.141 Brief vom 29. Oktober 1944
von Kopff an H. Geppert . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 246
10.142 Brief vom 30. November 1944 von H. Geppert an Kopff . . . . 246
10.143 Notizen von Kopff auf der
Rückseite des Briefes vom 30. November 1944
von H. Geppert an Kopff . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 247
10.144 Brief vom 19. Dezember 1944 von H. Geppert an Kopff . . . . 249
10.145 Brief vom 20. Dezember 1944
von Kopff an H. Geppert . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 249
10.146 Brief vom 27. Februar 1945 von Kopff an das Wach- und
Schließinstitut . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 250
10.147 Brief vom 26. März 1945
des Wach- und Schließinstituts an Kopff . . . . . . . . . . . . . 250
10.148 Amerikanischer Ausweis vom Juni 1945 für das Institut bei
seiner Übersiedlung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 250
15
10.149 Briefentwurf (Deutsch) von ca. Juni 1945 von Kopff an das
Military Government in Delitzsch . . . . . . . . . . . . . . . . . 256
10.150 Briefentwurf (Englisch) von ca. Juni 1945 von Kopff an das
Military Government in Delitzsch . . . . . . . . . . . . . . . . . 257
10.151 Postkarte vom 9. Oktober 1945 von Kopff an K. Schiller . . . 257
10.152 Vertrag vom 30. November 1945 zwischen dem Universitätsverlag Winter und Kopff über den Astronomischen Kalender . . 259
10.153 Brief vom 16. Januar 1946 vom Military Government Office
Heidelberg-University an Kopff . . . . . . . . . . . . . . . . . . 259
10.154 Brief vom 26. Februar 1946 von G. Clemence an Kopff . . . . 260
10.155 Brief vom 4. August 1946 von W. Grotrian an Kopff . . . . . 260
10.156 Brief vom 14. August 1946 von F. Springer an Kopff . . . . . 261
10.157 Brief vom 29. August 1946
von Kopff an W. Grotrian . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 261
10.158 Brief vom 30. August 1946 von Kopff an den Verlag Dümmler 262
10.159 Bescheinigung vom 16. Oktober 1946
für Nowacki vom Dekan . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 262
10.160 Konvolut von Fragebogen von November/Dezember 1946 für
die Genehmigung des Instituts . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 262
10.161 Brief vom 20. November 1946 von Kopff an das Wirtschaftsministerium . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 264
10.162 Brief vom 2. Dezember 1946
von Kopff an F. Springer . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 264
10.163 Brief vom 5. Dezember 1946
von Kopff an D. Sadler . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 264
10.164 Ankündigung von Kopff vom 10. Dezember 1946 über das
Nachrichtenblatt der Astronomischen Zentralstelle . . . . . . . . 265
10.165 Brief vom 6. Januar 1947 von D. Sadler an Kopff . . . . . . . 265
16
10.166 Brief vom 28. Januar 1947 von Kopff an die amerikanische
Militärregierung in Berlin . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 266
10.167 Bescheinigung vom 28. Januar 1947 von Kopff für Nowacki . . 266
10.168 Brief vom 5. März 1947
von Kopff an F. Springer . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 267
10.169 Brief vom 6. Juni 1947 von Kopff an Kahrstedt . . . . . . . . 267
10.170 Brief vom 2. Juli 1947 vom Akademie-Verlag an Kopff . . . . . 267
10.171 Brief vom 7. Juli 1947 von Kopff an H. Kienle . . . . . . . . . 268
10.172 Brief vom 16. Juli 1947 von Kopff an den Akademie-Verlag . . 268
10.173 Brief vom 31. Juli 1947 von Kopff an H. Kienle . . . . . . . . 268
10.174 Bescheinigung vom 25. September 1947
von Kopff für Nowacki . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 269
10.175 Brief vom 28. November 1947
von Kopff an den Verlag Dümmler
. . . . . . . . . . . . . . . . 269
10.176 Brief vom 16. Dezember 1947
vom Verlag Dümmler an Kopff . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 269
10.177 Brief vom 16. Dezember 1947
vom Verlag Dümmler an Kahrstedt . . . . . . . . . . . . . . . . 270
10.178 Brief vom 22. Dezember 1947 von Kahrstedt an Kopff . . . . . 270
10.179 Bescheinigung vom 6. Februar 1948 von Kopff für Nowacki . . 271
10.180 Brief vom 13. Februar 1948
von Kopff an Kahrstedt . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 271
10.181 Brief vom 6. Mai 1948 von Kahrstedt an Kopff . . . . . . . . . 271
10.182 Brief vom 9. Mai 1948 von Kahrstedt an Kopff . . . . . . . . . 272
10.183 Brief vom 12. Juli 1948
von Kopff an den Verlag Dümmler
. . . . . . . . . . . . . . . . 272
10.184 Brief vom 5. August 1948
vom Verlag Dümmler an Kopff . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 272
17
10.185 Vertrag vom 1. September 1948
zwischen dem Verlag G. Braun und dem Institut
über das Astronomisch-Geodätische Jahrbuch . . . . . . . . . . 273
10.186 Brief vom 5. September 1948 von Kahrstedt an Kopff . . . . . 273
10.187 Quittung vom 6. September 1948 von
Heinemann über den Empfang von Bücherkisten . . . . . . . . . 273
10.188 Brief vom 8. September 1948 von Heinemann an Kopff . . . . 274
10.189 Brief vom 10. September 1948 von Heinemann an Kahrstedt . 275
10.190 Brief vom 14. September 1948 von Kahrstedt an Kopff . . . . 275
10.191 Brief vom 15. Oktober 1948 von Kahrstedt an Kopff . . . . . . 276
10.192 Brief vom 4. November 1948 vom Akademie-Verlag an das
Institut . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 276
10.193 Brief vom 11. November 1948 von Kahrstedt an Kopff . . . . . 276
10.194 Vertrag vom 7. Dezember 1948 zwischen dem Universitätsverlag Winter und dem Institut über die Kalender-Grundlagen . 277
10.195 Brief vom 9. Dezember 1948 von Kahrstedt an Kopff . . . . . 277
10.196 Brief vom 15. Dezember 1948 von Kahrstedt an Kopff . . . . . 278
10.197 Brief vom 21. Dezember 1948 von Kopff an Kahrstedt . . . . . 278
10.198 Brief vom 25. Februar 1949
von Gondolatsch an C. Hoffmeister . . . . . . . . . . . . . . . . 279
10.199 Brief vom 25. Februar 1949
von Gondolatsch an J. Wempe . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 279
10.200 Brief vom 27. April 1949
von Kopff an Kahrstedt . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 279
10.201 Brief vom 28. April 1949
von Kopff an J. Wempe . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 280
10.202 Brief vom 11. Juli 1949 der Kultusverwaltung an das Institut . 280
18
10.203 Brief vom 20. Juli 1949
von Kahrstedt an Nowacki . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 281
10.204 Brief vom 2. August 1949
der Kultusverwaltung an das Institut . . . . . . . . . . . . . . . 281
10.205 Brief vom 10. Januar 1950
von H.-C. Freiesleben an Gondolatsch . . . . . . . . . . . . . . . 281
10.206 Brief vom 8. Februar 1950
von Gondolatsch an H.-C. Freiesleben . . . . . . . . . . . . . . . 282
10.207 Brief vom 14. Februar 1950
vom Universitätsverlag Winter an Kopff . . . . . . . . . . . . . 282
10.208 Brief vom 23. Februar 1950
von Kopff an den Universitätsverlag Winter . . . . . . . . . . . 283
10.209 Brief vom 6. Juli 1950 von D. A. Kimball an D. G. Acheson . 283
10.210 Brief vom 25. Juli 1950 von G. W. Lewis an D. A. Kimball . . 286
10.211 Brief vom 25. Juli 1950 von D. G. Acheson
an den U.S. High Commissioner for Germany . . . . . . . . . . 287
10.212 Brief vom 29. Juli 1950 von Kopff an die Kultusverwaltung . . 289
10.213 Brief vom 29. Juli 1950 von Kopff an den Rektor . . . . . . . 289
10.214 Anlagen zu den Briefen vom 29. Juli 1950
von Kopff (Gutachten) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 290
10.215 Brief vom 7. August 1950
vom U.S. High Commissioner for Germany
an J. Breitenbucher . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 291
10.216 Schreiben vom 17. August 1950 von Kopff an den UniversitätsOffizier der Universität Heidelberg . . . . . . . . . . . . . . . . . 293
10.217 Vertrag vom 1. September 1950 zwischen dem Verlag G. Braun
und dem Institut über die Kalender-Grundlagen . . . . . . . . . 294
10.218 Brief vom 16. September 1950 vom Präsidenten des Landesbezirks Baden an das Institut . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 294
19
10.219 Brief vom 3. Oktober 1950 von Kopff an den Präsidenten des
Landesbezirks Baden . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 295
10.220 Brief (Vertrag) vom 18. Oktober 1950 von Kopff an den Verlag
W. de Gruyter über den Astronomischen Jahresbericht . . . . . 295
10.221 Brief vom 24. November 1950
von Kopff an Regierungsrat Lindner . . . . . . . . . . . . . . . . 295
10.222 Brief vom 4. Dezember 1950
von Regierungsrat Lindner an Kopff . . . . . . . . . . . . . . . . 296
10.223 Merkblatt vom 1. Juni 1951
zur Finanzierung des Forschungswesens . . . . . . . . . . . . . . 296
10.224 Brief vom 10. Juli 1951 der Kultusverwaltung an das Institut . 297
10.225 Erhebungsbogen (ausgefüllt am 18. Juli 1951) zur Tätigkeit
des Instituts . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 297
10.226 Brief vom 27. März 1952 von Kopff
an das Kultusministerium des Landes Baden . . . . . . . . . . . 299
10.227 Bericht des Instituts vom 27. März 1952
an das Kultusministerium des Landes Baden . . . . . . . . . . . 299
11 Personen-Verzeichnis für die Zeit von 1924 bis 1954 mit ausführlicheren Angaben
301
11.1 Baehr, Ulrich Carl Gottfried, Dr. . . . . . . . . . . . . . . . . . 304
11.2 Böhme, Siegfried, Dr. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 306
11.3 Clemens, Hugo, Prof. Dr. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 308
11.4 Gliese, Wilhelm, Dr. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 309
11.5 Gondolatsch, Friedrich Peter Max, Prof. Dr. . . . . . . . . . . . 311
11.6 Heinemann, Karl, Prof. Dr. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 313
11.7 Henn, Frieda . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 314
11.8 Hopf, Eberhard Friedrich Ferdinand, Prof. Dr. . . . . . . . . . . 315
20
11.9 Kahrstedt, Walter Ernst Albrecht, Prof. Dr. . . . . . . . . . . . 317
11.10 Kohl, Bernhard Otto, Prof. Dr. . . . . . . . . . . . . . . . . . . 319
11.11 Kopff, August Adalbert, Prof. Dr. . . . . . . . . . . . . . . . . . 320
11.12 Lederle, Trudpert Alfred Max, Dr. . . . . . . . . . . . . . . . . 323
11.13 Lohmann, Werner, Prof. Dr. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 325
11.14 Müller, Helmut Otto Theodor, Dr. . . . . . . . . . . . . . . . . 326
11.15 Musen, Peter, Dr. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 328
11.16 Neugebauer, Paul Victor, Prof. Dr. . . . . . . . . . . . . . . . . 330
11.17 Nowacki, Helene, Dr. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 333
11.18 Peters, Jean (Johannes) Theodor, Prof. Dr. . . . . . . . . . . . 335
11.19 Pilowski, Karl, Prof. Dr. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 338
11.20 Rabe, Eugen Karl, Prof. Dr. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 340
11.21 Riem, Johannes Karl Richard, Prof. Dr. . . . . . . . . . . . . . 342
11.22 Schaifers, Karl Maximilian, Dr. . . . . . . . . . . . . . . . . . . 344
11.23 Schaub, Werner, Prof. Dr. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 345
11.24 Schoch, Carl Wilhelm Viktor . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 347
11.25 Stichtenoth, Albert, Prof. Dr. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 350
11.26 Stracke, Gustav, Prof. Dr. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 351
11.27 Strobel, Willi, Dr. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 353
11.28 Wegner, Udo, Prof. Dr. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 355
12 Personen-Verzeichnis für die Zeit von 1924 bis 1954 mit kurzen
Angaben
356
13 Literaturverzeichnis
383
21
14 Nachwort
396
15 Danksagungen
398
16 Über die Autoren
400
22
Zusammenfassung
Wir beschreiben die Geschichte des Astronomischen Rechen-Instituts in der
Zeit von 1924 bis 1954 unter Verwendung von zahlreichen Dokumenten, die sich
im Archiv des Instituts erhalten haben. Diese Zeitspanne umfaßt die letzten 20
Jahre des Instituts in Berlin, seine Unterstellung unter die Kriegsmarine und
seine Evakuierung nach Sermuth in Sachsen im Jahr 1944, seine Umsiedlung
nach Heidelberg auf Befehl der amerikanischen Militärbehörden im Jahr 1945,
und danach die Etablierung und Weiterführung des Instituts in Heidelberg.
Während des gesamten Zeitraums von 30 Jahren war August Kopff Direktor
des Instituts.
Über 200 relevante Archivalien werden beschrieben, kommentiert und die
meisten auch als Scans in einem separaten Supplement (Wielen R. und Wielen
U. 2012b) wiedergegeben.
Die langjährige Geschichte des Instituts in Berlin ab 1700 bis 1924 und
die zugehörigen Archivalien haben wir in früheren Arbeiten beschrieben und
dokumentiert (Wielen R. und Wielen U. 2010a, 2010b, 2011a, 2011b, 2011c,
2011d).
Abstract
We present the history of the Astronomisches Rechen-Institut during the
years from 1924 to 1954, based on a large number of documents held in the
archives of the institute. This period covers the last 20 years of the institute
in Berlin, its integration into the German Navy and its evacuation to Sermuth
in Saxonia in 1944, its relocation to Heidelberg by order of the U.S. Military
Government in 1945, and thereafter its reorganization at Heidelberg. During
the whole period of 30 years, August Kopff acted as director of the institute.
We describe and comment more than 200 relevant archivalia. For most
of them, we give scans in a separate supplement (Wielen R, und Wielen U.
2012b).
The long history of the institute in Berlin, from 1700 to 1924, has been presented and documented by appropriate archivalia in our earlier papers (Wielen
R. und Wielen U. 2010a, 2010b, 2011a, 2011b, 2011c, 2011d).
23
1
1.1
Einleitung
Einführung
Das Astronomische Rechen-Institut, das sich heute in Heidelberg befindet,
wurde in Berlin gegründet. Es hat seinen Ursprung im Kalenderpatent vom 10.
Mai 1700. In diesem Erlaß führte der Brandenburgische Kurfürst Friedrich III.
in seinen Landen den neuen Kalender ein und gründete gleichzeitig die Berliner
Sternwarte. Die Astronomen der Sternwarte waren für die Berechnung des
Kalenders und ab 1774 für die Herausgabe eines Astronomischen Jahrbuchs
zuständig. Wir haben diese Periode in früheren Arbeiten beschrieben (Wielen
R. und Wielen U. 2010a, 2010b, 2011a, 2011b).
1874 wurde das Astronomische Rechen-Institut von der Berliner Sternwarte getrennt. Zunächst war es noch eine Abteilung der Sternwarte. 1896/97
wurde es dann aber als Königliches Astronomisches Rechen-Institut“ völlig
”
selbständig. Die Zeit von 1874 bis ungefähr 1922 haben wir in zwei anderen
Arbeiten dokumentiert (Wielen R. und Wielen U. 2011c, 2011d).
In der vorliegenden Arbeit beschreiben wir die weitere Geschichte des
Instituts bis zum Jahr 1954. Diese Periode enthält die aufregendsten Kapitel im Schicksal des Astronomischen Rechen-Instituts: 1944 die Unterstellung
unter die Kriegsmarine und die Evakuierung des Instituts von Berlin nach
Sermuth in Sachsen, 1945 die Umsiedlung des Instituts von Sermuth nach
Heidelberg auf Anordnung der amerkanischen Militärbehörden, und nach 1945
die Etablierung und Weiterführung des Instituts in Heidelberg.
Die Zeit von 1924 bis 1954 kann man auch als die Ära Kopff“ des Instituts
”
bezeichnen. August Kopff (1882-1960, siehe Kapitel 2.1 und 11.11) war vom
26. Juli 1924 bis zum 1. Dezember 1954 Direktor des Astronomischen RechenInstituts, zunächst in Berlin und dann ab 1945 in Heidelberg. Er hat das
Institut in dieser schweren Zeit mit großem Erfolg geleitet. Ohne seine Energie
und ohne sein internationales Ansehen würde das Institut heute wahrscheinlich
nicht mehr existieren.
Wir beschränken uns in dieser Arbeit aber nicht strikt auf die Jahre von
1924 bis 1954. Wo es uns sinnvoll und zum Verständnis der Geschichte des
Instituts hilfreich erscheint, erweitern wir die Zeitspanne auch auf frühere oder
spätere Jahre.
Die Geschichte des Instituts versuchen wir weitgehend anhand von Dokumenten zu belegen. Erfreulicherweise haben sich im Archiv des Astronomischen Rechen-Instituts viele Schriftstücke, insbesondere aus der hier behandelten Zeit, erhalten. Das ist angesichts des turbulenten Schicksals des Instituts
24
(Bombardierungen in Berlin, Evakuierung nach Sermuth, Umsiedlung nach
Heidelberg) eigentlich erstaunlich. Das ist natürlich einerseits der Umsicht der
Institutsmitglieder, allen voran Kopff, zu verdanken. Aber es gehörte auch eine gute Portion Glück dazu, diese Archivalien, die bis 1700 zurückreichen, vor
Verlust und Zerstörung zu bewahren.
Viele dieser Archivalien haben wir in der vorliegenden Arbeit und in früheren Arbeiten ediert und in Form von Scans in Supplements wiedergegeben. Damit wollen wir die Archivalien der Allgemeinheit leicht zugänglich machen und
sie auch langfristig sichern.
1.2
Hinweis auf Archivalien
Zu vielen der Archivalien, die sich im Archiv des Astronomischen RechenInstituts befinden und die wir in dieser Arbeit zitieren, geben wir in Kapitel 10
nähere Beschreibungen (Regesten) und teilweise auch Editionen (mit Volltext).
In Kapitel 10 sind die Archivalien nach dem Datum, das sie tragen, sortiert.
Dieses Verfahren erscheint uns besser als eine Anordnung nach Sachthemen,
weil sich eine Archivalie oft auf mehrere Sachverhalte bezieht.
Im Text der vorliegenden Arbeit erkennt man die in Kapitel 10 enthaltenen
Archivalien an einem hochgestellten Stern [∗ ] hinter dem Datum, z.B. 23. März
1942 ∗ .
Im Supplement zur vorliegenden Arbeit (Wielen R. und Wielen U. 2012b)
findet man für zahlreiche Archivalien auch Scans der Originale.
Die gescannten Archivalien sind im Supplement ebenfalls nach dem Datum, das sie tragen, sortiert. Alle gescannten Archivalien sind im Kapitel 10
beschrieben. Im Text der vorliegenden Arbeit erkennt man die im Supplement
enthaltenen Archivalien an einem zweiten hochgestellten Stern [∗∗ ] hinter dem
Datum, z.B. 15. Dezember 1930 ∗∗ .
Zusammenfassend ist die Bedeutung von
∗
∗∗
∗
und
∗∗
also:
Schriftstück in Kapitel 10 beschrieben,
Schriftstück in Kapitel 10 beschrieben und Scan im Supplement gegeben.
25
2
Das Astronomische Rechen-Institut
in Berlin. Die Zeit von 1924 bis 1938.
2.1
August Kopff wird Direktor des Astronomischen
Rechen-Instituts
Am 14. Dezember 1922 verstarb Fritz Cohn, der seit 1909 Direktor des Astronomischen Rechen-Instituts war 1 .
Die Stelle des Direktors des Astronomischen Rechen-Instituts war mit dem
Ordinariat für Theoretische Astronomie der Friedrich-Wilhelms-Universität zu
Berlin verbunden. Am 22. Januar 1923 bildete daher die Philosophische Fakultät der Berliner Universität eine Kommission zur Klärung der Nachfolge
von Cohn 2 . Ihr gehörten die Professoren Paul Guthnick, Gustav Hellmann,
Ernst Kohlschütter, Albrecht Penck, Max Planck, Max von Laue und Richard
von Mises an 3 . Am 1. März 1923 trug Guthnick den Bericht der Kommission
vor, in dem Strömgren an erster Stelle stand 4 .
Elis Strömgren (1870-1947) war Professor für Astronomie an der Universität Kopenhagen. Von 1921 bis 1930 war er auch Vorsitzender der Astronomischen Gesellschaft. Daß Strömgren zunächst den Ruf auf das Ordinariat und die Stelle des Direktors des Astronomischen Rechen-Instituts erhalten
hat, wissen wir auch aus einer mündlichen Mitteilung von Prof. Dr. Friedrich
Gondolatsch (1904-2003, siehe Kapitel 11.5) an einen der Autoren (R.W.).
Strömgren lehnte das Angebot wohl hauptsächlich wegen der in Deutschland
bis November 1923 herrschenden, extrem starken und schnellen Inflation ab.
Wer die weiteren Namen auf der Berufungsliste waren und mit wem (außer
Kopff) eventuell Verhandlungen geführt worden sind, ist uns nicht bekannt.
Das Endresultat war jedenfalls die Berufung von August Kopff (1882-1960,
nähere Angaben zu ihm im Personen-Verzeichnis in Kapitel 11.11) aus Heidelberg. Er wurde am 26. Juli 1924 zum ordentlichen Professor für Theoretische
1
Siehe hierzu Wielen R. und Wielen U. 2011c. Einen Kurzlebenslauf von Cohn (18661922) haben wir dort in Kapitel 8.9 gegeben.
2
Die Zeit zwischen dem Tod von Cohn 1922 und der Ernennung von Kopff 1924 wurde unterschiedlich überbrückt: Die Professur wurde ab Januar 1923 von Gustav Witt (1866-1946,
damals Leiter der Übungssternwarte der Berliner Universität, seit 1916 Titularprofessor, seit
1921 nicht-beamteter außerordentlicher Professor der Universität) vertreten. Den Direktor
des Astronomischen Rechen-Instituts vertrat der Observator Prof. Dr. Jean Peters (siehe
Kapitel 11.18).
3
Dokument im Universitätsarchiv der Humboldt-Universität Berlin. Signatur: HUB, UA,
Phil.Fak. 36, Bl. 175.
4
Dokument im Universitätsarchiv der Humboldt-Universität Berlin. Signatur: HUB, UA,
Phil.Fak. 36, Bl. 188.
26
Astronomie der Universität und zugleich zum Direktor des Astronomischen
Rechen-Instituts ernannt.
Uns liegen leider keine Gutachten zur Berufung von Kopff vor. Wir wissen daher nicht, welche Fähigkeiten und Eigenschaften von Kopff für seine
Ernennung ausschlaggebend waren. Kopff war seit 1912 in Heidelberg außerordentlicher Professor für Astronomie. Er war sowohl ein erfahrener Beobachter (Messungen am Meridiankreis, Beobachtungen von Kleinen Planeten und
Kometen) als auch ein guter Theoretiker. Seine hervorragenden Kenntnisse
in Mathematik sind zum Beispiel aus seinem Buch Grundzüge der Einstein”
schen Relativitätstheorie“ (1921, 1923) ersichtlich, wo er die damals noch wenig
verwendete Tensoranalysis darstellt und benutzt. Er hatte schon 1912 einen
Ruf auf eine Professur nach Santiago de Chile erhalten, den er aber ablehnte. Andererseits wurde er bei der Besetzung der Stelle eines Hauptobservators
am Astrophysikalischen Observatorium Potsdam (AOP) nicht berücksichtigt,
obwohl er als einer der möglichen Kandidaten genannt worden war 5 . Rückblickend kann man aber wohl mit Recht feststellen, daß sich die Wahl von
Kopff als Direktor des Astronomischen Rechen-Instituts als sehr gute Lösung
erwiesen hat.
Neben der allgemeinen Leitung des Instituts hat sich Kopff insbesondere
mit großem Erfolg der laufenden Verbesserung des Katalogs der Fundamentalsterne (vom NFK zum FK3 und zum FK4) gewidmet. Neben den klassischen
Aufgaben des Instituts wollte Kopff auch weitere Arbeitsfelder wie Stellardynamik und Theoretische Astrophysik am Institut etablieren (siehe Kapitel 2.2.6).
Darin war er aber weniger erfolgreich. Jedoch brachte Kopff mit seinen vielseitigen Interessen in jedem Falle eine merkliche Belebung in das Institut.
Nach Kienle (1961) gehörte Kopff zum lebendigen Kreis um E. Freundlich“ 6 .
”
Freundlich bemühte sich besonders um die astronomische Bestätigung der Relativitätstheorie. Auch zu Albert Einstein hatte Kopff direkten Kontakt.
Kopff nahm natürlich auch seine Aufgaben als Hochschullehrer wahr (Vorlesungen, Seminare und Kolloquien). Bei Kopff haben unter anderem promoviert: von Socher (1928), Dunst/Detre (1929), Gondolatsch (1929), Müller
(1931), Nowacki (1931), von Schelling (1931), Pilowski (1932), Rabe (1937),
Wahl (1937), Gliese (1940), Hagemann (1940), Miczaika (1940), später auch
Lederle (1947).
5
Siehe Kirsten und Treder 1979, Teil I, Dokument Nr. 107, S. 187/188 [Niederschrift
einer Besprechung im preußischen Kultusministerium in Berlin am 10. Januar 1922 ]: ...
”
Bezüglich der Besetzung der freien Hauptobservatorenstelle trat Herr Ludendorff [seit 1921
Direktor des AOP ] erneut mit größter Wärme für die Ernennung des Herrn Dr. Freundlich
[Erwin Finlay-Freundlich 1885-1964 ] ein. ... Dem Gedanken einer Ernennung des Herrn
Prof. Kopff in Heidelberg zum Hauptobservator stehen die Herren Ludendorff und Einstein
ablehnend gegenüber. ...“. Freundlich war bereits seit 1920 Observator am AOP und seit
1921 Leiter des Einstein-Instituts in Potsdam. 1922 wurde er zum Hauptobservator am AOP
ernannt.
6
Erwin Finlay-Freundlich 1885-1964
27
Das Seminar zur Ausbildung von Studierenden im wissenschaftlichen
”
Rechnen“ leitete Kopff bis 1945. Dieses Seminar war eine Einrichtung der
Berliner Universität (siehe Kapitel 2.8 von Wielen R. und Wielen U. 2011c).
Es befand sich räumlich aber im Institutsgebäude in Dahlem.
1936 wurde Kopff zum ordentlichen Mitglied der physikalisch-naturwissenschaftlichen Klasse der Preußischen Akademie der Wissenschaften gewählt.
Der Vorsitzende Sekretar der Akademie, Max Planck (1858-1947), unterrichtete Kopff von dessen Wahl und von ihrer Bestätigung durch die Preußische
Regierung in seinem Schreiben vom 10. Februar 1936 ∗∗ . Am 2. Juli 1936 ∗∗ hielt
Kopff seine Antrittsrede vor der Akademie, worin er auch seinen Werdegang
und die Aufgaben des Astronomischen Rechen-Instituts schilderte.
Die Royal Astronomical Society ehrte Kopff dadurch, daß er am 10. Juni
1936 in London die George Darwin Lecture“ halten durfte. Er wählte den Titel
”
Star Catalogues, especially those of fundamental Character“. Diese Auszeich”
nung und die damit verbundenen guten Kontakte nach England erleichterten
Kopff sicher später die Weiterführung des Astronomischen Rechen-Instituts in
Heidelberg (siehe Kapitel 7).
An selbstverfaßten Lebensläufen von Kopff liegen uns nur zwei vor: ein
handschriftlicher Entwurf in Stichworten und die Angaben in seiner Antrittsrede vor der Preußischen Akademie der Wissenschaften. Die handschriftlichen
Stichworte sind vermutlich ungefähr im März 1936 ∗∗ niedergeschrieben worden und waren wohl zum Ausfüllen eines Fragebogens der Akademie bestimmt,
den Planck seinem Brief beigelegt hatte. Die in den Stichworten enthaltenen
Informationen sind für uns vor allem für unsere Kenntnisse über das frühe
Leben von Kopff (Eltern, Jugend, Studium) interessant.
2.2
2.2.1
Die Arbeit des Astronomischen Rechen-Instituts
Das Berliner Astronomische Jahrbuch
Die zentrale Aufgabe des Astronomischen Rechen-Instituts war und blieb die
Herausgabe des Berliner Astronomischen Jahrbuchs (BAJ). Für eine Darstellung von Geschichte, Zweck und Inhalt des Jahrbuches verweisen wir insbesondere auf Kapitel 2.5 von Wielen R. und Wielen U. (2011c).
An der Berechnung der Ephemeriden und der sonstigen Angaben für das
BAJ beteiligten sich viele der Mitarbeiter des Instituts. Auf der Pariser Jahrbuch-Konferenz von 1911 war zwischen den Ephemeriden-Instituten der verschiedenen Nationen erfreulicherweise eine Arbeitsteilung und ein Austausch
der relevanten Ergebnisse vereinbart worden (siehe hierzu: Kapitel 7.4 von
28
Wielen R. und Wielen U. 2011c, Anonym 1912, Bureau des Longitudes 1912,
Cohn 1911). Dieser Austausch war allerdings im Ersten Weltkrieg zum Teil
zum Erliegen gekommen. Seit 1919 war er aber wieder aufgenommen worden
und erleichterte dem Institut die Arbeit für die Herausgabe des BAJ ganz
erheblich.
Die Leitung der Jahrbuch-Abteilung des Instituts hatte von 1919 bis
1926/27 Peters (siehe Kapitel 11.18) und ab 1926/27 bis zum Kriegsende 1945
Kohl (siehe Kapitel 11.10).
Die Herausgeber, Verleger und Drucker des Berliner Astronomischen Jahrbuchs bis 1945:
Wir geben hier eine Aufstellung der Herausgeber, Verleger und Drucker des
(Berliner) Astronomischen Jahrbuchs bis zum Jahre 1945. Für die Zeit nach
1945 verweisen wir auf die späteren Kapitel 7.7.3, 7.7.4 und 8. Zu den Astronomen, die hier als Herausgeber und zum Teil auch als Verleger (Bode, Encke)
genannt werden, haben wir in früheren Arbeiten (Wielen R. und Wielen U.
2010a, 2011a, 2011c) nähere Informationen gegeben.
Die Verlage wurden nur zum Vertrieb des Jahrbuchs benötigt. Sie waren daher reine Kommissionsverlage, während das eigentliche Recht am Werk bei den
Herausgebern verblieb. Der Nachteil dieses Kommissionsmodells war es, daß
das finanzielle Risiko fast vollständig bei den Herausgebern, z.B. beim Astronomischen Rechen-Institut, lag. Finanziell trug sich das Jahrbuch nicht, wenn
man die personellen Kosten für die Berechnung der Ephemeriden in die Kalkulation einbezog. So schreibt Kopff am 22. Mai 1931 ∗∗ an den Verlag Dümmler: In Wirklichkeit ist das Astronomische Jahrbuch ... eine gemeinnützige
”
Einrichtung. Der Herstellungspreis kommt den Staat, die Arbeitskräfte eingerechnet, auf über 40,- RM pro Band, noch nicht der zehnte Teil kommt davon
wieder zurück.“.
Die Drucker wurden von den Herausgebern mit der technischen Herstellung
des Jahrbuchs betraut und von ihnen bezahlt. Die gedruckten Bände wurden
dann dem Verlag zum Vertrieb übergeben. Ein Teil des Verkaufserlöses floß
anschließend an die Herausgeber zurück.
Herausgeber des Jahrbuchs:
1774-1777 (für die Jahrgänge 1776-1779): Akademie der Wissenschaften
(Lambert, Bode, Schulze).
1777-1778 (für 1780-1781): Akademie der Wissenschaften (Bode, Schulze).
1779 (für 1782): Akademie der Wissenschaften (Bode).
1780-1826 (für 1783-1829): Bode.
1828-1863 (für 1830-1866): Encke.
29
1864-1874 (für 1867-1876): Foerster.
1875-1881 (für 1877-1883): Königliche Sternwarte (Foerster, Tietjen).
1882-1895 (für 1884-1897): Rechen-Institut der Königlichen Sternwarte
(Tietjen).
1896 (für 1898): Rechen-Institut der Königlichen Sternwarte
(Lehmann als Vertreter).
1896-1909 (für 1898-1911): Königliches Astronomisches Rechen-Institut
(Bauschinger).
1910-1911 (für 1912-1913): Königliches Astronomisches Rechen-Institut
(Cohn).
1912-1918 (für 1914-1920): Königliches Astronomisches Rechen-Institut.
1919-1938 (für 1921-1940): Astronomisches Rechen-Institut.
1939-1942 (für 1941-1944): Coppernicus-Institut.
1943-1945 (für 1945-1946): Kopernikus-Institut.
Verleger des Jahrbuchs:
1774-1776 (für 1776-1778): Verlag der Haude und Spenerschen Buchhandlung.
1777-1780 (für 1779-1783): keine Angaben (Akademie ?).
1781-1784 (für 1784-1787): Selbstverlag von Bode und
in der Buchhandlung der Gelehrten in Dessau und Leipzig.
1785-1806 (für 1788-1809): Selbstverlag von Bode und
in Commission bey Gottl. Aug. Lange.
1807-1808 (für 1810-1811): Selbstverlag von Bode und
in Commission bey Fr. Braunes.
1809-1826 (für 1812-1829): Selbstverlag von Bode und
in Commission bey Ferd. Dümmler, Buchhändler in Berlin.
1828-1863 (für 1830-1866): Selbstverlag von Encke und
in Commission bei F. Dümmler.
1864-1945 (für 1867-1946): Ferd. Dümmler’s Verlagsbuchhandlung
(1865-1888 mit dem Zusatz: Harrwitz und Goßmann).
Drucker des Jahrbuchs:
1774-1776 (für 1776-1778): keine Angaben.
1777-1797 (für 1779-1800). Georg Jacob Decker, Königl. Hofbuchdrucker.
1798-1823 (für 1801-1826): C. F. E. Späthen.
1824 (für 1827): keine Angabe.
1825-1826 (für 1828-1829): Trowitzsch und Sohn.
1828-1867 (für 1830-1869): Druckerei der Königl. Akademie der Wissenschaften.
30
1868-1931 (für 1870-1934 7 ): A. W. Schade (L. Schade),
Berlin, Stallschreiberstraße 47.
1931-1945 (für 1933-1946): Preußische Druckerei- und Verlags-Aktiengesellschaft (ab 1941: GmbH), Berlin SW 48,
Unterauftrag an: Buchdruckerei des Waisenhauses, Halle (Saale).
Archivalien zum Berliner Astronomischen Jahrbuch:
Im Archiv des Astronomischen Rechen-Instituts befinden sich viele Dokumente, die sich auf das Berliner Astronomische Jahrbuch beziehen. Die meisten Schriftstücke betreffen den Druck und die Finanzierung des Jahrbuchs.
Wir wollen hier nur einige, die wir für die wichtigsten oder interessantesten
Dokumente halten, vorstellen:
(1) Vertrag vom 29. Januar 1878 ∗∗ über das Berliner Astronomische Jahrbuch:
Dieser Vertrag zwischen der Berliner Sternwarte und dem Verlag Dümmler
ist der älteste Vertrag, der uns über den Vertrieb des Berliner Astronomischen
Jahrbuchs (BAJ) vorliegt. Das Rechen-Institut war damals noch eine Abteilung der Sternwarte. Daher wurde der Vertrag vom Direktor der Sternwarte
(Wilhelm Foerster) und nicht vom Dirigenten des Rechen-Instituts (Friedrich
Tietjen) abgeschlossen.
Der Vertrag ist ein Kommissionsvertrag: Das BAJ wird von der Sternwarte bzw. ihrem Rechen-Institut erarbeitet und in Druck gegeben. Der Verlag Dümmler erhält das BAJ in vollständig verkaufsfertig gemachtem bro”
chi[e]rtem Zustande mit Titelumschlag“. Die Auflage beträgt 400 Exemplare,
der Verkaufspreis 12 Mark. Für die damalige Zeit war das ein relativ hoher
Preis.
Zusätzlich wird der Vertrieb eines Teilabdrucks des BAJ vereinbart. Dieses
Supplement“ enthält (nur) die Sternephemeriden“, d.h. die mittleren und
”
”
scheinbaren Örter von ausgewählten Sternen. Für einen solchen Sonderdruck
muß wohl ein gewisser Bedarf neben dem vollständigen BAJ bestanden haben.
Der Preis des Supplements betrug 2 Mark, was im Verhältnis zu den entsprechenden Seitenzahlen relativ gering ist. Offenbar ging man davon aus, daß der
Sonderdruck meist nur zusätzlich zum vollständigen BAJ gekauft würde.
7
Die Druckerei Schade mußte 1931 Konkurs anmelden und wurde wohl von der Preußischen Druckerei- und Verlags-Gesellschaft übernommen. Kopff schreibt in seinem Brief
vom 22. Mai 1931 ∗∗ an den Verlag Dümmler, daß grosse Teile [des Jahrbuchs ] von 1933
”
und 1934 schon gedruckt sind. ... Unsere Druckerei A. W. Schade hat liquidieren müssen,
wir sind zur Preußischen Druckerei- und Verlags-Aktiengesellschaft übergegangen, und das
Erscheinen von 1933 wird sich dadurch möglicherweise etwas verzögern.“. Siehe unten: (7)
Vertrag vom 25. Juli 1931 ∗∗ .
31
Von dem Verkaufserlös des BAJ erhielt die Sternwarte bzw. das RechenInstitut vom Verlag 60 % vom Ladenpreis, vom Supplement nur 50 %.
(2) Vertrag vom 6. Februar 1911 ∗∗ über das Berliner Astronomische Jahrbuch:
Dieser Vertrag von 1911 bringt nur wenige Veränderungen gegenüber dem
älteren Vertrag von 1878: Vertragspartner ist nicht mehr die Sternwarte, sondern das Königliche Astronomische Rechen-Institut, vertreten durch seinen
Direktor Fritz Cohn.
Es wird ein weiterer Sonderdruck vereinbart, der nur die mittleren Sternörter wiedergibt. Die Auflage des BAJ beträgt jetzt 500 (statt 400) Exemplare,
die der Sonderdrucke je 90 Stück.
Der Preis des BAJ bleibt bei 12 Mark. Für den großen Sonderdruck werden
jetzt aber 6 Mark vereinbart, für den kleinen nur 50 Pfennig. Die Erstattung
aus dem Verkauf bleibt für das BAJ bei 60 %. Für den größeren Sonderdruck
wird sie von 50 % auf 60 % angehoben.
(3) Vertrag vom 7. April 1913 ∗∗ über das Berliner Astronomische Jahrbuch:
Einzige substantielle Änderung gegenüber dem Vertrag von 1911 ist 1913
die Erhöhung der Auflage des BAJ von 500 auf 550 Exemplare.
Ob zwischen dem Vertrag von 1913 und dem unter (5) folgenden Vertrag
von 1930 ein oder mehrere weitere Verträge abgeschlossen wurden, wissen wir
nicht genau. Im Archiv des Instituts liegt kein solcher vor. Allerdings wurden zwischen dem Institut und dem Verlag nach 1913 verschiedentlich neue
Absprachen über den Verkaufspreis (z.B. Erhöhung in der Zeit der Inflation)
und die Absenkung der Erstattung getroffen (siehe den folgenden Punkt (4)),
vermutlich aber ohne einen neuen Vertrag zu schließen.
(4) Absenkung der Erstattung für das Berliner Astronomische Jahrbuch im
Jahre 1920:
Im Jahre 1920 wurde der Erstattungssatz des BAJ für das Institut von
60 % auf 50 % abgesenkt, weil der Verlag mit einer Spanne von 40 % nicht
mehr auskommen konnte.
Zu diesem Vorgang sind im Archiv des Instituts leider keine direkten Schriftstücke erhalten geblieben 8 . Wir kennen ihn nur aus einem Brief des Dümmler8
Die entsprechenden Briefe waren offenbar bereits 1930 nicht mehr im Archiv auffindbar,
denn sonst wären sie Kopff vermutlich bekannt gewesen
32
Verlags an Kopff vom 30. September 1930 ∗∗ , in dem aus einem Schreiben
von Cohn an den Verlag vom 6. Juli 1920 zitiert wird: Soeben erhalte ich
”
[d.h. Cohn] die Antwort des [Kultus-]Ministeriums auf meine Anträge. Danach
ist der Verkaufspreis des Jahrbuchs auf 30 Mark erhöht und die Bemessung
der Verlegervergütung vom neuen Geschäftsjahr (1921) ab auf 50% genehmigt
[worden] ...“.
(5) Brief vom 16. September 1930 ∗∗ von Kopff an den Kultusminister (über
den Verwaltungsdirektor der Berliner Universität) in Bezug auf das Berliner
Astronomische Jahrbuch:
Kopff schlägt in diesem Brief vor, den Ladenpreis des BAJ von 12 Mark
auf 6 Mark zu senken. Er begründet diese drastische Senkung damit, daß die
ausländischen Jahrbücher alle erheblich billiger seien: Nautical Almanac (London) 5 Schilling, American Ephemeris (Washington) 1 Dollar, und Connaissance des Temps (Paris) 25[?] Franc.
Kopff diskutiert in seinem Brief auch, ob das Institut das BAJ in den
Selbstverlag nehmen und das BAJ somit direkt vertreiben solle.
(6) Vertrag vom 15. Dezember 1930 ∗∗ über das Berliner Astronomische Jahrbuch:
Dieser Vertrag von 1930 ist von Kopff als Direktor des Astronomischen
Rechen-Instituts unterschrieben. Für den Verlag Dümmler zeichnet Consul
Ant[onio] Lehmann 9 in Bonn.
Wichtigste Neuerung im Vertrag von 1930 ist die von Kopff vorgeschlagene
Absenkung des Ladenpreises auf 6 Mark 10 . Der Verlag hat dieser Absenkung
also zugestimmt, obwohl damit für den Verlag natürlich ein drastischer Rückgang seiner Einnahmen aus dem BAJ verbunden war. Dümmler hatte wohl die
9
Antonio Lehmann (1871-1941) hatte den Verlag Dümmler im September 1916 gekauft
und dessen Hauptsitz nach Bonn verlegt. Dort war Lehmann auch Konsul von Costa Rica,
wo er lange gewohnt hatte. Der Verlag Dümmler wurde 1938 von seinem Sohn, dem Konsul
Dr. Willy Lehmann (1900-1987), übernommen. Kopff hat nach 1945 mit Willy Lehmann bei
der Herausgabe des Astronomischen Jahrbuchs in Heidelberg zusammengearbeitet (siehe
Kapitel 7.7.3).
10
Das Institut und der Verlag waren damit (wohl ungewollt) einer staatlichen Maßnahme zuvorgekommen. Denn in einer der von Reichskanzler Heinrich Brüning (1885-1970)
veranlaßten Notverordnungen (Vierte Verordnung des Reichspräsidenten zur Sicherung von
Wirtschaft und Finanzen und zum Schutz des inneren Friedens vom 8. Dezember 1931)
wurde festgelegt, daß die gebundenen Ladenpreise aller Bücher ab 1. Januar 1932 um 10 %
niedriger sein müssen als am 30. Juni 1930. Ausgenommen waren lediglich solche Publikationen, deren Preise schon in der Zwischenzeit gesenkt worden waren, was auf das BAJ zutraf
(siehe Brief vom Verlag Dümmler an Kopff vom 22. Dezember 1931 ∗∗ ).
33
Sorge, daß das Institut das BAJ sonst tatsächlich im Selbstverlag vertreiben
würde.
Erstmals sind in den Vertrag auch der Band Kleine Planeten“ und die son”
stigen (unregelmäßigen) Veröffentlichungen des Instituts aufgenommen worden. Der Band mit den Oppositions-Ephemeriden für die Kleinen Planeten
war zunächst von 1910 bis 1916 (für die Jahrgänge 1910-1917) als Sonderdruck
aus dem BAJ erschienen. Ab 1917 (für 1918) wurde er bereits als separates
Werk herausgegeben (wie das BAJ auch bei Dümmler). Auch die sonstigen
Veröffentlichungen waren vom Institut schon seit 1893 (d.h. ab No. 2) beim
Verlag Dümmler publiziert worden.
Nicht mehr erwähnt werden im Vertrag die früheren Supplements mit den
Sternephemeriden. Diese Sonderdrucke wurden letztmals 1920 (für den Jahrgang 1922) verkauft.
Der Verlag erstattet dem Institut jetzt wieder 60 % vom Ladenpreis (von
den anderen Publikationen nur 50 %). Im Gegensatz zu den älteren Verträgen
wird keine Auflagenhöhe festgesetzt.
(7) Vertrag vom 25. Juli 1931 ∗∗ über den Druck des Berliner Astronomischen
Jahrbuchs:
Die Firma A. W. Schade, die das BAJ seit 1868 gedruckt hatte, war 1931
in Konkurs gegangen. Uns ist kein Vertrag zwischen der Druckerei Schade und
dem Institut bekannt, obwohl (oder vielleicht weil ?) das Institut seit über 60
Jahren offensichtlich sehr gut mit dieser Druckerei zusammengearbeitet hat.
Der Druckauftrag für das BAJ ging nun an die Preußische Druckerei- und
Verlags-Aktiengesellschaft (Preußische DV-AG) in Berlin SW 48. Der Preußische Staat hatte dieses Unternehmen im Jahre 1926 gegründet. Es war eine
Art Staatsdruckerei. Insofern war die Wahl dieser Druckerei für das staatliche
Astronomische Rechen-Institut naheliegend.
Die Preußische DV-AG scheint auch die Einrichtungen und Bestände der
Druckerei Schade nach deren Insolvenz übernommen zu haben, denn der Druck
des BAJ ging offensichtlich nahtlos von Schade auf die Preußische DV-AG über.
Ferner befand sich nach der Insolvenz von Schade dort, wo bisher Schade arbeitete (Berlin N 65 (Wedding), Schulzendorfer Str. 26), die Firma Preußische
”
Druckanstalt GmbH“, bei der es sich vielleicht um eine Tochterfirma der Preußischen DV-AG handelte.
Der Vertrag zwischen dem Institut und der Preußischen DV-AG wurde am
25. Juli 1931 abgeschlossen. Laut § 9 galt der Vertrag aber rückwirkend zum
1. Januar 1931.
34
Der Vertrag betrifft den Druck, insbesondere die Druckkosten, für das BAJ
und das Ergänzungsheft Kleine Planeten“.
”
Der Vertrag gilt wahlweise für eine Auflage des BAJ von 750 oder 950
Exemplaren (375 Exemplare für den Band Kleine Planeten). Die in diesem
Vertrag anvisierte hohe Auflage erstaunt, denn Dümmler verkaufte ungefähr
500 Exemplare pro Jahr und das Institut brauchte sicher nicht Hunderte von
Freiexemplaren.
Aus Gründen, die wir nicht kennen, hat die Preußische DV-AG später (wohl
ab 1935) den Druck des BAJ und des Bandes Kleine Planeten“ durch die
”
Buchdruckerei des Waisenhauses GmbH“ in Halle an der Saale ausführen las”
sen. Die Erteilung dieses Unterauftrags war vermutlich aus Kapazitätsgründen
für die Preußische DV-AG notwendig. Für das Institut hatte es aber bei den
meisten Korrekturen den Nachteil, daß nun der Drucker nicht mehr direkt in
Berlin aufgesucht werden konnte, sondern alles per Post erledigt werden mußte.
Davon zeugt ein reger Schriftwechsel, der sich bis heute im Archiv des Instituts
erhalten hat.
(8) Erneute Absenkung der Erstattung für das Berliner Astronomische Jahrbuch:
In einem Schreiben an Kopff vom 8. Juli 1932 ∗∗ beklagt sich der Verlag
Dümmler, daß ihm wegen des 1930 erhöhten Erstattungssatzes für das BAJ
kaum noch ein Gewinn verbliebe (höchstens 1 % vom Ladenpreis) und bittet,
den Erstattungssatz wieder auf 50 % abzusenken.
Daraufhin schreibt Kopff am 9. Juli 1932 ∗∗ an das Kultusministerium und
unterstützt darin die Bitte des Verlages. Das Kultusministerium hat diesem
Vorschlag in seinem Brief vom 19. Juli 1932 ∗∗ zugestimmt. Damit erhielt das
Institut nur noch 50 % vom Erlös des BAJ.
2.2.2
Die Kleinen Planeten
Das Institut als Zentrum für die Kleinen Planeten
Seit Encke hatte sich zunächst die Berliner Sternwarte und später das Astronomische Rechen-Institut zum weltweiten Zentrum für die Bearbeitung der Beobachtungen Kleiner Planeten entwickelt. Diese Position konnte das Institut
auch in der Zeit zwischen dem Ersten und Zweiten Weltkrieg behaupten.
Die Ephemeriden der Kleinen Planeten waren zunächst im Berliner Astronomischen Jahrbuch zusammen mit denen der großen Planeten publiziert wor35
den. Nachdem die Zahl der bekannten Kleinen Planeten immer größer geworden war (1916: über 800), wurden die Ephemeriden der Kleinen Planeten ab
1917 (für das Jahr 1918) in einem separaten Werk veröffentlicht: Kleine Pla”
neten. Jahrgang 19nn. Bahnelemente und Oppositions-Ephemeriden“. Das Institut gab auch ein spezielles Mitteilungsblatt zu den Kleinen Planeten heraus:
die sogenannten Planeten-Zirkulare, meist als RI-Zirkular No. n“ zitiert.
”
Als Grundlage für die Ephemeriden und die weitere beobachtungsmäßige
Verfolgung der bekannten Kleinen Planeten sammelte das Institut ihre Beobachtungen, identifizierte die beobachteten Objekte, bestimmte (zumindest
genäherte) Bahnelemente und berechnete die Vorhersagen der Örter der Kleinen Planeten.
Dabei halfen dem Institut viele Astronomen in aller Welt. Aber auch zahlreiche freiwillige Mitarbeiter beteiligten sich an den Bahnrechnungen für die
Kleinen Planeten. Ihre Namen findet man in unserem Kapitel 12. Diese auswärtigen Mitarbeiter erhielten dafür in der Regel keine Vergütung, sondern arbeiteten aus eigenem Antrieb, weil ihnen diese Tätigkeit Freude machte und wohl
auch Selbstbestätigung gab.
Leiter der Abteilung Kleine Planeten des Instituts war von 1922 bis 1941
Stracke (siehe Kapitel 11.26). Er entwickelte sich wegen seiner Kompetenz und
Bedeutung zum sogenannten König der Kleinen Planeten“.
”
Nach dem Zweiten Weltkrieg verlor das Astronomische Rechen-Institut aus
verschiedenen Gründen rasch seine zentrale Stellung auf dem Gebiet der Kleinen Planeten. Siehe hierzu Kapitel 7.7.5 .
Anhaltsterne für Eros-Beobachtungen bei der Opposition 1930/31
In der Zeit von Ende 1930 bis Frühjahr 1931 kam der Kleine Planet Eros 11
der Erde ungewöhnliche nahe (auf ca. 0,17 Astronomische Einheiten). Er erlaubte daher zu diesem Zeitpunkt eine relativ genaue Bestimmung seiner Entfernung aus einer Parallaxenmessung, zum Beispiel aus Beobachtungen von
verschiedenen Punkten der Erde aus, oder aber auch aus Beobachtungen morgens und abends an der gleichen Sternwarte. Kennt man die Entfernung des
Eros zu einem bestimmten Zeitpunkt, so kann man mit Hilfe der bekannten
Bahn von Eros die Entfernung der Sonne von der Erde (d.h. die Astronomische
Einheit in Metern) berechnen.
Die Beobachtungen von Eros erfolgten auf photographischen Platten. Um
die astrometrische Position des Eros auf einer solchen Platte zu bestimmen,
11
Der Kleine Planet (433) Eros war 1898 von Gustav Witt (1866-1946) in Berlin entdeckt
worden
36
benötigt man sogenannte Anhaltsterne mit möglichst genau bekannten Positionen.
Das Astronomische Rechen-Institut hatte es nun unter der Leitung von
Kopff übernommen, einen Katalog mit geeigneten Anhaltsternen längs der
scheinbaren Bahn von Eros aufzustellen. Zunächst wurden geeignete Sterne
ausgewählt. Diese wurden, meist mit Meridiankreisen, auf einer größeren Zahl
von Sternwarten weltweit beobachtet. Diese Beobachtungen wurden dann, zusammen mit Beobachtungen zu früheren Zeitpunkten, am Institut zu einem
Katalog zusammengestellt, der die Örter und Eigenbewegungen der für Eros
ausgewählten Anhaltsterne enthält (Kopff et al. 1931, 1932). Damit konnten die verschiedenen Observatorien ihre photographischen Beobachtungen von
Eros auswerten und die Positionen von Eros publizieren.
Aus diesen (und älteren) Messungen von Eros bestimmte dann 1941 Harold Spencer Jones (1890-1960), seit 1933 englischer Astronomer Royal, für
den Wert der Sonnenparallaxe 8,790 Bogensekunden (mit einer geschätzten
Unsicherheit von 0,001 Bogensekunden) 12 . Der von Spencer Jones abgeleitete
Wert der Sonnenparallaxe, und damit der Astronomischen Einheit in Metern,
wurde lange Zeit als Standardwert benutzt. Heute kann der Wert der Astronomischen Einheit mit Hilfe von Radarmessungen an Planeten sehr viel genauer
bestimmt werden.
2.2.3
Der Astronomische Jahresbericht
Die Erarbeitung und Herausgabe der jährlichen Bibliographie Astronomischer
”
Jahresbericht“ (AJB) war seit 1911 auch offiziell eine der Aufgaben des Astronomischen Rechen-Instituts.
Diese Aufgabe erfüllte das Institut seitdem in hervorragender Weise. Es
gab bis auf die Zeit des Ersten Weltkriegs nur wenig Probleme sachlicher
Art (schwierige Beschaffung ausländischer Literatur) oder personeller Art (Militärdienst von Mitarbeitern). Das schwerwiegendste Problem war die Finanzierung des Druckes des AJB, vor allem in der Inflationszeit. Hier mußte zum
Teil auswärtige Unterstützung in Anspruch genommen werden.
Die Schriftleitung des AJB lag für die Jahrgänge 1922-1933 bei P. V. Neugebauer (Kapitel 11.16), für die Jahrgänge ab 1935 bei Heinemann (Kapitel
11.6). Den AJB für 1934 betreuten beide gemeinsam.
Der AJB wurde weiterhin von Walter de Gruyter und Co. verlegt. Dieser
Verlag besaß das Recht am AJB als seinem Verlagsprodukt. Er war formal
12
Der heute bekannte wahre Wert beträgt 8,794.... Bogensekunden
37
kein Kommissionsverlag für das Institut. Die genaue rechtliche Konstruktion kennen wir leider nicht. Insbesondere wissen wir nicht, welche finanziellen
Regelungen mit dem Institut getroffen worden waren. Aus uns vorliegendem
Schriftwechsel zwischen dem Verlag de Gruyter und dem Institut scheint allerdings hervorzugehen, daß die finanzielle Abwicklung des AJB weitgehend einem
Kommissionsvertrag (wie z.B. für das Berliner Astronomische Jahrbuch) entsprach: das Institut bezahlte die Druckkosten (ganz oder zumindest überwiegend in Form eines Druckkostenzuschusses“), der Verlag vertrieb das Werk,
”
und das Institut erhielt einen Teil des Verkaufserlöses.
2.2.4
Der Fundamental-Katalog
International gesehen war die wichtigste Forschungsaufgabe des Astronomischen Rechen-Instituts die Erarbeitung und laufende Verbesserung von Fundamentalkatalogen.
Ein Fundamentalkatalog enthält sehr genaue Positionen und Eigenbewegungen von Sternen. Die in diesem Katalog enthaltenen Sterne heißen Fun”
damentalsterne“. Wegen der hohen Genauigkeitsanforderung und damit die
Beobachter diese Sterne häufig messen, ist ihre Anzahl relativ gering und die
meisten sind relativ hell. Die Fundamentalsterne dienen als Bezugspunkte (d.h.
als besonders genaue Anhaltsterne) für die Positionsmessungen von anderen
Sternen und von Planeten. Die Gesamtheit aller Fundamentalsterne bildet das
Fundamentalsystem am Himmel. Das Fundamentalsystem soll möglichst genau
ein (rotationsfreies) Inertialsystem repräsentieren. Ausführliche Beschreibungen der Grundlagen und der verschiedenen Fundamentalkataloge findet man
z.B. bei Eichhorn (1974) und bei Walter und Sovers (2000).
Der erste Fundamentalkatalog ( FC“) wurde in Berlin von dem Astrono”
men der Akademie, Arthur (von) Auwers (1838-1912, siehe Kapitel 8.1 von
Wielen R. und Wielen U. 2011c), erarbeitet und veröffentlicht (Auwers 1879,
1883 und weitere Publikationen). Auwers war zwar kein Mitglied des Instituts,
wohnte aber in dessen Gebäude in der Lindenstraße und arbeitete eng mit dem
Institut zusammen. Sein FC wurde der erste Fundamentalkatalog des Berli”
ner Astronomischen Jahrbuchs“. Später wurde die ständige Verbesserung des
Fundamentalkatalogs anhand neuer Beobachtungen und verbesserter Reduktionsmethoden eine Dienstaufgabe des Astronomischen Rechen-Instituts. Einer
der Observatoren des Instituts, Peters (siehe unser Kapitel 11.18), erarbeitete in Zusammenarbeit mit Auwers den Neuen Fundamentalkatalog“ (NFK),
”
der als Veröffentlichung des Astronomischen Rechen-Instituts erschien (Peters
1907). Der NFK enthält 925 Sterne.
38
Kurz nach seinem Dienstantritt übernahm Kopff im Herbst 1924 die Leitung der Verbesserung des NFK 13 . Der äußere Anlaß zu dieser Aktion war
die Empfehlung der Astronomischen Gesellschaft (AG), für die Wiederholung
der AG-Kataloge (siehe das folgende Kapitel 2.2.5) den NFK als Grundlage zu
benutzen.
Zunächst wurden die Daten der NFK-Sterne im Hinblick auf deren individuelle (d.h. zufällige) Genauigkeit verbessert. Anschließend wurde die Verbesserung des Systems des NFK vorgenommen. Kahrstedt bearbeitet das
Rektaszensions-System und Heinemann das Deklinations-System. Um die
Sternzahl zu vergrößern und eine gleichmäßigere Verteilung der Fundamentalsterne am Himmel zu erreichen, wurde eine Liste mit neuen Fundamentalsternen (den sogenannten Zusatz-Sternen“) erarbeitet und im BAJ für 1936
”
veröffentlicht.
Aus der Verbesserung und Erweiterung des NFK resultierte der Dritte Fundamentalkatalog (FK3). Der FK3 wurde in zwei Teilen publiziert: Der erste
enthält die Auwers-Sterne (Kopff 1937b), der zweite die Zusatz-Sterne (Kopff
1938). Der FK3 enthält 873 Auwers-Sterne des NFK 14 und 662 Zusatz-Sterne,
insgesamt also 1535 Objekte.
Höhepunkt der internationalen Anerkennung der Arbeiten des Astronomischen Rechen-Instituts auf dem Gebiet der Fundamentalkataloge war der Beschluß der Internationalen Astronomischen Union (IAU) auf ihrer Generalversammlung im Juli 1935 in Paris, den FK3 als (zumindest für alle Jahrbücher)
verbindlichen Fundamentalkatalog anzunehmen. Dieser Beschluß war aus wissenschaftspolitischer Sicht besonders bemerkenswert, weil Deutschland damals
immer noch kein Mitglied der IAU war.
Ein anderer Beschluß der IAU, der in Zusammenhang mit dem FK3 stand,
bedeutete aber eine Schwächung der Stellung des Berliner Astronomischen
Jahrbuchs (BAJ). Auf der Pariser Jahrbuch-Konferenz von 1911 (siehe Kapitel 7.4 von Wielen R. und Wielen U. 2011c) war beschlossen worden, daß
die scheinbaren Örter von Fundamentalsternen zwar von verschiedenen Stellen
gemeinsam berechnet, aber vollständig nur im BAJ abgedruckt werden sollten. Auf den Tagungen der IAU von 1935 und 1938 wurde nun beschlossen,
ein separates Werk Apparent Places of Fundamental Stars“ (APFS) heraus”
zubringen, das alle 1535 Sterne des FK3 enthält. Dafür sollten die nationalen
Jahrbücher höchstens noch für 200 Sterne scheinbare Örter publizieren. Die
APFS wurden unter der Schirmherrschaft der IAU in England gedruckt. Die
In einem Brief vom 27. Januar 1926 ∗∗ an das Kultusministerium beklagt Kopff allerdings, daß sich diese Arbeiten stark in die Länge“ ziehen würden und beantragt zur Be”
schleunigung eine neue Rechenmaschine. Die Mittel dafür bewilligt das Kultusministerium
bereits am 9. Februar 1926 ∗∗ .
14
Von den 925 Auwers-Sternen des NFK wurden 52 Objekte wegen ihrer Doppelsternnatur
nicht mehr in den FK3 aufgenommen
13
39
Berechnungen erfolgten in Deutschland, Frankreich, Spanien, Rußland und den
USA. Die APFS erschienen erstmals 1940 mit dem Jahrgang 1941. Wir weisen aber schon hier darauf hin, daß die APFS seit 1959 (ab Jahrgang 1960)
vom Astronomischen Rechen-Institut in Heidelberg publiziert werden (siehe
Kapitel 7.7.4).
Die Verbesserung des FK3 zum FK4 und die weiteren Arbeiten des Instituts
an Katalogen von Fundamentalsternen (FK5, FK6) beschreiben wir in Kapitel
7.7.9 .
2.2.5
Katalog der Anhaltsterne für das Zonenunternehmen der
Astronomischen Gesellschaft
Im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts hatte die Astronomische Gesellschaft
(AG) ein großes internationales Unternehmen organisiert: die astrometrische
Beobachtung aller Sterne bis zur 9. Größe im Deklinations-Bereich von +80
Grad bis -2 Grad für das Äquinoktium 1875. Eine größere Zahl von Sternwarten hatte sich weltweit an den Beobachtungen beteiligt. Jeder Sternwarte
war eine Deklinationszone zugewiesen worden. Der entsprechende Catalog der
”
Astronomischen Gesellschaft“ erschien zwischen 1875 und 1900 in 15 Bänden
und enthielt über 100 000 Sterne.
1921 beschloß die AG auf ihrer Tagung in Potsdam ein neues Zonenunter”
nehmen“. Diesmal sollten die Positionen von ca. 200 000 Sterne zwischen +90
Grad und -5 Grad Deklination photographisch gemessen werden. Entsprechende Photoplatten nahmen drei Sternwarten (Bonn, Hamburg, Pulkowo) auf.
Zur Bestimmung der Örter der Sterne auf den Platten werden Referenzsterne
(sogenannte Anhaltsterne) mit genau bekannten Positionen und Eigenbewegungen benötigt. Die ca. 14 000 Anhaltsterne wurden auf mehreren Sternwarten (Babelsberg, Bonn, Breslau, Hamburg, Heidelberg, Leipzig, Pulkowo) mit
Meridiankreisen beobachtet.
Die Bearbeitung der Beobachtungen der Anhaltsterne und die Erstellung
des Katalogs der Anhaltsterne (AGK2A) für dieses neue Zonenunternehmen
der Astronomischen Gesellschaft übernahm ab 1927 das Astronomische RechenInstitut. Die Leitung dieser Arbeiten am Institut hatte bis 1938 Peters, danach
Kopff zusammen mit Nowacki.
Zunächst mußten die beobachteten scheinbaren Örter der Anhaltsterne auf
den mittleren Ort für das Äquinoktium 1930.0 umgerechnet werden. Dazu wurde eine größere Zahl von Hilfskräften eingesetzt. Dann mußten aus den neuen
und aus älteren Beobachtungen die Örter und Eigenbewegungen der Anhaltsterne abgeleitet werden. Der Katalog der Anhaltsterne (AGK2A) erschien als
Veröffentlichung des Instituts (Kopff 1943c).
40
Auch die Auswertung der Photoplatten unterstützte das Institut. Peters
berechnete und veröffentlichte Tafeln, die das gegenseitige Umwandeln von
rechtwinkligen Plattenkoordinaten in sphärische Koordinaten (Rektaszension
und Deklination) erleichterten (Peters 1929, Peters und Nowacki 1936). Er
führte auch erfolgreiche Versuche zur Durchführung solcher Rechnungen mit
Hilfe von Lochkarten (Hollerith-Maschinen) durch. Der Katalog der photographisch bestimmten Örter (AGK2) wurde in den Jahren 1951 bis 1954 in
10 Bänden von der Hamburger Sternwarte publiziert.
2.2.6
Weitere Arbeitsfelder
Herausgabe der Astronomischen Nachrichten
Im Oktober 1938 übernahm das Astronomische Rechen-Institut die Herausgabe der Zeitschrift Astronomische Nachrichten“, die vorher in Kiel erschienen
”
war. Wir werden diese zusätzliche Aufgabe in Kapitel 3.4 näher beschreiben.
Die Einführung neuer Arbeitsfelder
Wie bereits in Kapitel 2.1 ausgeführt, war Kopff vielseitig interessiert. Er
versuchte, die klassischen Arbeitsfelder des Instituts durch weitere zu ergänzen:
Stellardynamik und Theoretische Astrophysik.
Bei der Stellardynamik, die ja noch relativ nahe an den bisherigen Arbeitsfeldern lag (Himmelsmechanik des Planetensystems, Ableitung der Eigenbewegungen von Sternen), war er auch teilweise erfolgreich. Ab 1928 erschien eine
Anzahl stellardynamischer Arbeiten von Mitgliedern des Instituts. Aber Kopff
selbst war mit dem Ausmaß der Etablierung dieses Arbeitsgebiets am Institut
wohl nicht völlig zufrieden, denn in seiner Antrittsrede vor der Akademie am
2. Juli 1936 ∗∗ führt er aus: Mein Wunsch war es allerdings, am Astronomi”
schen Rechen-Institut die auf das Sternsystem sich beziehenden theoretischen
Untersuchungen über den Bereich der Katalogarbeiten hinaus stärker zu pflegen; bis jetzt konnte nur der eine oder andere meiner jüngeren Mitarbeiter
einzelne hierher gehörende Aufgaben behandeln.“.
Wir nennen hier einige typische Beispiele für die stellardynamischen Arbeiten aus dem Institut: U. Wegner: Über die Verteilungsfunktion in Kugel”
sternhaufen“ (1927); F. Gondolatsch und I. Hufnagel: Zur Geschwindigkeits”
verteilung schwacher Sterne. II. Mitteilung.“ (1931); K. Pilowski: Über den
”
K-Effekt und die galaktische Rotation“ (1931); K. Pilowski: Zur Erweiterung
”
des Oortschen Ansatzes für die systematischen Bewegungen im Sternsystem“
(1933); K. Pilowski: Über den Nachweis der Gültigkeit der Rotationstheorie“
”
(1935); W. Gliese: Abschätzungen des Kraftfeldes der galaktischen Rotation“
”
41
(1942); W. Gliese: Die Untersuchung der Raumgeschwindigkeiten des FK3“
”
(1942).
Deutlich schwieriger und letztlich nicht erfolgreich war Kopffs Versuch, die
Theoretische Astrophysik am Institut heimisch werden zu lassen. Er hatte
dazu zwei junge Mathematiker, Hopf (siehe Kapitel 11.8) und Wegner (siehe
Kapitel 11.28) an das Institut geholt. Sie arbeiteten seit 1927 auf den Gebieten
der Theorie der Sternatmosphären und des inneren Aufbaus der Sterne.
Beispiele für die astrophysikalischen Arbeiten aus dem Institut sind:
E. Hopf: Zum Problem des Strahlungsgleichgewichtes in den äußeren Schich”
ten der Sterne“ (1927); U. Wegner: Über die Integralgleichung des Strah”
lungsgleichgewichtes und deren Verallgemeinerung“ (1927); E. Hopf: Zum
”
Strahlungsgleichgewicht der Sternatmosphären. Mathematische Begründung
der Milneschen Theorie.“ (1929); E. Hopf: Über den Polytropenindex eines
”
Sternmodells. I.-III.“ (1931).
Das Problem bei der Ansiedlung der neuen Arbeitsgebiete am Institut war
wohl die Tatsache, daß die Mitarbeiter aus diesen Arbeitsfeldern auch zu Routineaufgaben des Instituts herangezogen wurden. Das war sicher aus Gründen
des inneren Institutsfriedens sinnvoll. Aber hervorragende Wissenschaftler wie
Hopf und Wegner, die beide später ordentliche Professoren für Mathematik
wurden, waren mit dieser Arbeits-Perspektive kaum längere Zeit am Institut
zu halten.
Daß Kopff selbst starkes Interesse an der Astrophysik hatte und so auch
von anderen Astronomen eingeschätzt wurde, geht daraus hervor, daß er an der
Herausgabe der Zeitschrift für Astrophysik“ seit deren Gründung im Jahre
”
1930 bis 1945 ständig mitwirkte.
Handbuch-Artikel
Kopff war Herausgeber der 2. Hälfte 15 des 5. Bandes der 11. Auflage des
Lehrbuchs der Physik von Müller-Pouillets, das 1928 im Verlag von Friedrich
Vieweg in Braunschweig erschien. Der 595 Seiten umfassende Halbband trug
den Titel Physik des Kosmos (einschl. Relativitätstheorie)“. Kopff selbst hat”
te zwei Kapitel zu diesem Buch beigetragen: 9. Kapitel: Das Sternsystem [d.h.
Bau und Kinematik der Milchstraße], und das Schluß-Kapitel: Relativitätstheorie.
15
Die 1. Hälfte des 5. Bandes trug den Titel Physik der Erde“ und war 1928 von Al”
fred Wegener (1880-1930) herausgegeben worden. Wegener, der Begründer der Theorie der
Kontinentaldrift und der Plattentektonik, hatte 1908 in Berlin bei dem damaligen Direktor
des Astronomischen Rechen-Instituts, Julius Bauschinger (1860-1934, siehe Kapitel 8.2 von
Wielen R. und Wielen U. 2011c), mit einer astronomischen Arbeit promoviert.
42
Kopff verfaßte auch einen Artikel über Das Sonnensystem: Kometen und
”
Meteore“ für das Handbuch der Astrophysik (Springer-Verlag, Berlin). Der
Artikel erschien 1929 in Band 4, spätere Ergänzungen dazu 1936 in Band 7
dieses Werkes.
Als eine Art von Handbuchartikeln sind auch die Beiträge von Gondolatsch
zum Lehrbuch der Stellarstatistik“ (von der Pahlen und Gondolatsch 1937)
”
zu werten. Gondolatsch verfaßte insbesondere drei große Kapitel für dieses
Werk: 3. Positionen und Bewegungen. 9. Räumliche Verteilung der Sterne einzelner Spektralklassen. 12. Die Bewegung der Sonne in bezug auf die Sterne;
Sternströmungen.
Die sonstigen Arbeiten der Mitarbeiter
In den Statuten des Astronomischen Rechen-Instituts von 1896 (siehe Wielen R. und Wielen U. 2011c) war festgelegt worden, daß die Mitarbeiter pro Tag
5 Stunden an den feststehenden Aufgaben des Instituts (z.B. am Jahrbuch)
arbeiten sollten. Den Rest von 3 Stunden pro Tag konnten sie an Forschungsarbeiten ihrer Wahl tätig sein (gegebenenfalls auch zu Hause). Obwohl diese
Regelung im Ersten Weltkrieg und danach durch allgemeine Erlasse des Preußischen Kultusministeriums eigentlich außer Kraft gesetzt worden war, konnten
(und sollten) die Institutsangehörigen auch unter Kopff sich zusätzlich zu ihrer Routinearbeit“ auch anderen wissenschaftlichen Arbeiten widmen. Dieser
”
Erwartung sind auch viele Mitarbeiter des Instituts nachgekommen.
Das Spektrum dieser sonstigen“ Arbeiten der Mitarbeiter reichte von der
”
Himmelsmechanik, dem Kalenderwesen und der Chronologie bis zu allgemeineren astronomischen Arbeiten, die meist aus den Arbeitsbereichen stammten,
in denen die Mitarbeiter vor ihrem Eintritt in das Institut gearbeitet hatten.
Besonders bemerkenswert ist die unermüdliche Arbeit von Peters. Er berechnete eine große Zahl verschiedener mathematischer Tafeln (für Logarithmen, trigonometrische Funktionen usw., mit verschiedenster Stellenzahl). Er
wurde daher auch als der größte mathematische Tafel-Macher aller Zeiten“.
”
gewürdigt (Kapitel 11.18). Wegen fehlender Mittel für den Druck konnten viele
seiner Tafeln erst mit starker Verzögerung erscheinen.
2.2.7
Populäre Darstellungen der Arbeit des Instituts
Im Archiv des Instituts befindet sich ein Ausschnitt aus der Zeitung Völki”
scher Beobachter“ von Sonntag, dem 11. Juli 1937 ∗∗ , in dem die Arbeit des
43
Astronomischen Rechen-Instituts gut beschrieben wird16 .
Der ganzseitige Artikel trägt die Überschrift: Planetenüberwachung mit
”
der Federspitze. Das Haus der Zahlen. Ein Gang durch das Astronomische Recheninstitut in Dahlem.“. Autor des Artikels ist Erich Krug, der später zahlreiche populär-wissenschaftliche Artikel und Bücher über Astronomie veröffentlicht hat. Der Text ist relativ kompetent geschrieben und erwähnt sogar den
Fundamentalkatalog FK3. Als Abbildung zeigt der Artikel nur ein Photo des
Gebäudes, das mit unserer Fig. 11 identisch ist.
Etwas später erschien ein Artikel über das Institut in der Rundfunkzeitschrift Volksfunk. Rundfunk und Bewegung“ vom 20. Februar 1938 ∗∗ (8. Fol”
ge, 8. Jahrgang) in Berlin. Das Rundfunkprogramm ist dort für die Woche
vom 20. bis 26. Februar 1938 wiedergegeben.
Der Artikel im illustrierten Teil der Zeitschrift geht über knapp eine Seite und trägt den Titel Zentralstelle für kleine Planeten“. Der Text ist sehr
”
knapp gehalten. Er betrifft aber im Gegensatz zum Titel auch andere Themen: umfangreiche Tafelwerke und moderne elektrische Rechenmaschinen als
Handwerkszeug des Astronomen, das Berliner Astronomische Jahrbuch und
den Katalog der Anhaltsterne für das Zonenunternehmen der Astronomischen
Gesellschaft (siehe Kapitel 2.2.5). Dagegen ist die Bebilderung mit 4 Photos
relativ üppig. Für uns sind zwei dieser Abbildungen besonders interessant, weil
es die einzigen Aufnahmen von Innenräumen des Dahlemer Institutsgebäudes
sind, die wir kennen (siehe Fig. 14 und 15 in Kapitel 9.1).
Am 5. Februar 1942 ∗∗ erschien in der Boulevard-Zeitung B.Z. am Mit”
tag“ in Berlin ein Artikel zu Kopffs 60. Geburtstag, der sich aber mehr mit
Kopffs früherer Tätigkeit als Beobachter als mit seiner Arbeit im Astronomischen Rechen-Institut beschäftigt. Daher trägt der Artikel auch den Titel Wie
”
Sterne entdeckt werden“.
Die oben zitierten Artikel wenden sich an die breite Öffentlichkeit. Übersichtsartikel, die die Aufgaben und die Geschichte des Astronomischen Rechen16
Explizit sind der Name der Zeitung und das Datum auf dem Blatt mit dem Zeitungsausschnitt nicht überliefert. Das Jahr 1937 konnte man aber aus dem ersten Satz des Artikels erschließen: Es sind jetzt gerade 25 Jahre vergangen, daß das Astronomische Rechen-Institut
”
[1912 ] sein neues Dienstgebäude in Dahlem bezog.“. Im durchscheinenden Licht erkennt
man ferner auf der Rückseite des auf ein Papierblatt aufgeklebten Zeitungsauschnittes eine
Wettermeldung des V.B.“, die auf einem Wetterbericht des Reichswetteramtes, Ausgabeort
”
Berlin, ausgegeben am Sonnabend, den 10. Juli, um 21 Uhr, beruht. Daraus konnte man auf
den Völkischen Beobachter (VB) und das Datum (Sonntag, 11. Juli 1937) schließen. Diese
Indizien haben sich dann auch voll bestätigt: Die Zeitschriftenabteilung der Staatsbibliothek
zu Berlin hat uns auf Anfrage mitgeteilt, daß der Artikel im Völkischen Beobachter, Berliner Ausgabe, Ausgabe A, 50. Jahrgang, Nr. 192, Beiblatt Berliner Beobachter, vom 11. Juli
1937, Seite 15, erschienen ist. Andere Ausgaben des VB, z.B. die Norddeutsche Ausgabe,
die wir selbst in Heidelberg eingesehen haben, enthalten den Artikel aber nicht.
44
Instituts aus wissenschaftlicher Sicht beschreiben, haben z.B. verfaßt: Neugebauer (1922), Stracke (1937), Kopff (1943a, 1951), Fricke (1962), und Wielen
(2001).
2.3
Die astronomischen Grundlagen für den Kalender
Die Berliner Sternwarte und damit indirekt das Astronomische Rechen-Institut
verdankten ihre Gründung der Einführung eines neuen Kalenders in Brandenburg/Preußen im Jahre 1700 (siehe Wielen R. und Wielen U. 2010a, 2011a).
Seit der Einsetzung der Königlichen Kalender-Deputation“ im Jahre 1811 war
”
die Bereitstellung der astronomischen Grundlagen für den Kalender aber keine eigentliche Dienstaufgabe der Astronomen mehr, sondern die Astronomen
erfüllten diese Aufgabe im Rahmen einer (gesondert vergüteten) Nebentätig”
keit“.
Nach der Auflösung der Kalender-Deputation wurden die Grundlagen für
den preußischen Normalkalender“ vom Preußischen Statistischen Landesamt
”
herausgegeben. Den astronomischen und chronologischen Teil des Grundkalenders 17 bearbeitete seit 1873 der spätere Observator des Astronomischen
Rechen-Instituts, Lehmann (1842-1927, siehe Kapitel 8.33 von Wielen R. und
Wielen U. 2011a). Obwohl er 1914 in den Ruhestand getreten war, führte er
diese Arbeit bis 1923 fort. Dann gab er sie aus Altersgründen auf. Nachfolger von Lehmann in Bezug auf die Kalendergrundlagen wurde 1924 einer der
Observatoren des Instituts, Peters (siehe Kapitel 11.18).
Am 2. Dezember 1924 ∗∗ schrieb nun das Kultusministerium an Kopff als
neuen Institutsdirektor wegen der Frage, warum die Anfertigung der Kalendergrundlagen nicht ein Bestandteil des Hauptamtes von Peters sei. Der Regierungsrat Dr. Medicus weist darauf hin, daß das Finanzministerium die Einbeziehung der bisherigen (extra bezahlten) Nebentätigkeit in das Hauptamt
fordern könnte, um damit Kosten zu sparen.
Am 5. Dezember 1924 ∗∗ suchte Kopff den Regierungsrat im Kultusministerium zu einer Besprechung auf. Uns liegt ein Briefentwurf 18 von Kopff an
das Kultusministerium vor, in dem Kopff nach dem Gespräch seine Haltung
zu diesem Problem mitteilt.
Kopff lehnt die Einbeziehung der Kalenderarbeit in das Institut ab. Sie
würde eine Erschwerung der wissenschaftlichen Arbeiten des Instituts bedeu17
Offizielle Bezeichnung zunächst: Veränderliche Tafeln des astronomischen und chronologischen Teils des preußischen Normalkalenders; später: Veränderliche Tafeln für Zeitrechnung
und Himmelserscheinungen des preußischen Grundkalenders
18
Eine Kopie des entsprechenden Briefes besitzen wir leider nicht. Wir benutzen daher als
Referenzdatum den Tag des Gespräches, d.h. den 5. Dezember 1924
45
ten. Peters könne nicht dienstlich mit der Kalenderarbeit belastet werden.
Peters arbeite am Fundamentalkatalog. Auch alle anderen Mitarbeiter des Instituts seien ausgelastet. Eine neue Kraft müßte man zusätzlich bezahlen. Der
bisherige Modus [d.h. die bezahlte Nebentätigkeit eines Institutsmitglieds], der
auch schon seit mehr als 50 Jahren angewendet würde, sei billiger und außerdem durch den Verkauf der Kalendergrundlagen [durch das Statistische Landesamt] gedeckt.
Offenbar hat sich das Kultusministerium mit den Ausführungen von Kopff
zufrieden gegeben, denn Peters (und dessen Nachfolger Kohl (Kapitel 11.10))
erarbeiteten die Kalendergrundlagen auch weiterhin im Rahmen einer bezahlten Nebentätigkeit.
Erst nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Herausgabe der astronomischen Grundlagen eine Dienstaufgabe des Instituts (siehe Kapitel 7.7.2).
Allerdings trat die gleiche Fragestellung (Dienstaufgabe oder Nebentätigkeit) auch später in Heidelberg nochmals in Erscheinung. Aus uns nicht bekannten Gründen wurden die Jahrgänge 1975 bis 1990 der Kalendergrundlagen
dem damaligen Bearbeiter als Nebentätigkeit übertragen. Erst als einer der
Autoren (R.W.) 1985 zum Institutsdirektor ernannt wurde, konnten die Kalendergrundlagen mit Unterstützung des zuständigen Ministeriums und nach
erfolgreichen Verhandlungen mit dem Verlag G. Braun (Karlsruhe), dem zwischenzeitlich alle Rechte an den Kalendergrundlagen übertragen worden waren,
wieder voll in das Institut zurückgegliedert werden. Seit dem Jahrgang 1991
ist die Erarbeitung und die Herausgabe der Kalendergrundlagen wieder eine
Dienstaufgabe des Instituts.
2.4
Hinweise auf die schwierige Lage des Instituts
Am 19. November 1936 ∗∗ schrieb Kopff einen Brief an den Reichserziehungsminister 19 . Er beginnt mit der Feststellung: Das Astronomische Rechen-Institut
”
befindet sich in einer ernsten Krise, aus der nach irgendeiner Richtung hin ein
Ausweg gefunden werden muss, wenn das Institut weiterhin arbeitsfähig bleiben soll.“ Kopff weist in seinem Brief auf zwei Hauptprobleme des Instituts
hin: den zu geringen Druckkosten-Etat und den nicht ausreichenden Personalbestand.
Bei den Druckkosten für das Berliner Astronomische Jahrbuch und andere
laufende Institutsveröffentlichungen sei zur Zeit ein jährlicher Fehlbetrag von
19
Das Reichs- und Preußische Ministerium für Wissenschaft, Erziehung und Volksbildung
(abgekürzt: Reichserziehungsministerium) unter der Leitung von Bernhard Rust (1883-1945)
war seit 1934 das vorgesetzte Ministerium des Astronomischen Rechen-Instituts
46
3500 RM zu beklagen. Gründe seien erhöhte Druckkosten, gesunkene Verkaufserlöse und eine generelle Sperre von 10 % des Haushalts des Instituts.
Ebenso schwierig seien die Verhältnisse in Bezug auf das Personal des Instituts. 1914 habe es noch 7 Observatoren und 2 wissenschaftliche Hilfsarbeiter
[d.h. Angestellte] gegeben. Bei Kopffs Dienstantritt 1924 waren es 6 Observatoren, 2 Assistenten und Mittel für 2 Hilfskräfte. Jetzt (1936) seien es nur noch 5
Observatoren, 2 planmäßige und 2 außerplanmäßige Assistenten sowie 2 Hilfskräfte. Dagegen sei die Arbeitsbelastung stetig gestiegen. Denn die Anzahl der
bekannten Kleinen Planeten, die das Institut aufgrund internationaler Vereinbarungen zu betreuen habe, sei von 790 (1914) über 1024 (1924) auf jetzt 1380
(1936) gewachsen.
Außerdem hätten sich die befristeten Stellen nicht bewährt, weil die Mitarbeiter des Instituts für die Bewältigung ihrer Aufgaben mehrere Jahre benötigen, ehe sie sich völlig in ihre Aufgaben eingearbeitet hätten. Befristete Assistentenstellen wie bei Universitätsinstituten seien für das Institut nicht tragbar, wenn es seine Aufgaben voll erfüllen soll. Infolge stärkeren Personalwechsels hätten die Arbeiten des Instituts in der letzten Zeit grösseren Scha”
den gelitten“. Kopff weist auch darauf hin, daß durch militärische Übun”
gen erhebliche Ausfälle“ einträten 20 . Generell stellt Kopff fest: Das Rechen”
Institut hat durchaus den Charakter eines wissenschaftlichen Amtes“. Auch
die Ephemeriden-Institute in England, USA, Spanien und Rußland seien so
organisiert. Die Angliederung des Astronomischen Rechen-Instituts an die
”
Universität Berlin ist eine durch die historische Entwicklung bedingte, rein
zufällige.“
Für die Weiterführung der Arbeiten am Astronomischen Rechen-Institut
sieht Kopff nur zwei Möglichkeiten:
(1) Die übernommenen Verpflichtungen hinsichtlich Jahrbuch und Kleinen Planeten kann das Institut nur dann erfüllen, wenn die Assistentenstellen
durch Stellen für unbefristete Angestellte ersetzt werden. Ferner müßte eine
zusätzliche Rechnerstelle im Angestelltenverhältnis geschaffen werden.
(2) Die zweite Möglichkeit wäre es, die Arbeiten an den Kleinen Planeten
nur noch in beschränktem Maße durchzuführen und den Rest dem Ausland zu
überlassen. Das Institut hätte dann nicht mehr die führende Stellung auf dem
Gebiet der Kleinen Planeten. Die über hundert Jahre alte Tradition ginge auf
”
diesem Gebiet für Deutschland verloren.“
Kopff bittet abschließend den Herrn Minister, über eine der beiden ange”
gebenen Möglichkeiten eine Entscheidung treffen zu wollen“.
20
Im März 1935 war in Deutschland die Wehrpflicht wieder eingeführt worden. In der
Weimarer Republik war sie aufgrund des Versailler Vertrags 1919 abgeschafft worden.
47
Der obige Brief scheint jedoch zumindest hinsichtlich der Frage des Druckkosten-Etats keine Verbesserung bewirkt zu haben. Denn ungefähr ein Jahr
später, am 16. Dezember 1937 ∗∗ , wird ein weiteres Schreiben an den Reichserziehungsminister gerichtet. Es ist diesmal von einer Reihe von Mitgliedern
der Preußischen Akademie der Wissenschaften unterzeichnet. Sie weisen den
Herrn Minister auf die schwere Notlage eines wichtigen astronomischen For”
schungsgebietes“ hin, nämlich der Arbeiten an den Kleinen Planeten. Konkret
wird eine Erhöhung des Druckkosten-Etats des Instituts um jährlich 3000 RM
erbeten.
Da die Texte der Briefe von 1936 und 1937 inhaltlich weitgehend übereinstimmen, hat Kopff vermutlich auch den zweiten Brief konzipiert, zumal dieser
Brief die Ortsangabe Berlin-Dahlem“ trägt. Kopff war selbst seit 1936 ordent”
liches Mitglied der Akademie. Welche anderen Akademie-Mitglieder den Brief
von 1937 unterschrieben haben, wissen wir nicht. Es könnten die Astronomen
Hans Ludendorff (1873-1941, Akademie-Mitglied seit 1922) und Paul Guthnick
(1879-1947, Akademie-Mitglied seit 1923) gewesen sein. Über die Wirkung des
Briefes von 1937 liegen uns ebenfalls keine Informationen vor.
48
3
3.1
Das Astronomische Rechen-Institut
in Berlin. Die Zeit von 1939 bis 1944.
Die Umbenennung in Coppernicus-Institut“
”
Durch einen Erlaß des Reichserziehungsministers 21 vom 12. Januar 1939
erhielt das Astronomische Rechen-Institut den (Bei-)Namen Coppernicus”
Institut“. Der Beginn des Erlasses 22 hat folgenden Wortlaut:
Ich habe mich entschlossen, zur Ehrung des Astronomen
”
Coppernicus dem Astronomischen Recheninstitut der Universität
Berlin den Beinamen Coppernicus-Institut“ zu geben.“
”
Dieser Erlaß wurde in einer Universitätsfeier 23 am 18. Februar 1939 24 vom
Rektor 25 der Universität verkündet, der bei dieser Gelegenheit dem Institut
eine Büste von Nicolaus Coppernicus stiftete (Tätigkeitsbericht des Instituts
für das Jahr 1939).
Die Büste (Fig. 1) war von dem Bildhauer Kurt Lehmann 26 angefertigt
worden. Sie wurde am 1. Juli 1939 im Vorraum des Instituts aufgestellt (Kopff
1939). Über den Verbleib der Büste nach 1945 ist uns nichts bekannt.
21
Reichsminister für Wissenschaft, Erziehung und Volksbildung war von 1934-1945 Bernhard Rust (1883-1945)
22
Der Beginn des Erlasses ist abgedruckt in: Amtsblatt der Friedrich-Wilhelms-Universität
zu Berlin, 5. Jahrgang, 14. April 1939, Heft 8, Spalte 56. Er trägt dort folgende Aktenzeichen:
RErzMin. 12. 1. 39 - W A 3329/38, W E, W G, W R(a), Rekt. 105/39. Der Erlaß fährt fort:
Um dieser Ehrung auch in der Öffentlichkeit den gebührenden Nachdruck zu verleihen, er”
suche ich Sie, die zusätzliche Benennung [des Instituts ] im Rahmen einer akademischen Feier
am 19. Februar 1939, dem Geburtstage des Coppernicus, in meinem Namen zu verkünden.
...“. Den vollen Wortlaut des Erlasses des Reichsministers für Wissenschaft, Erziehung und
Volksbildung kennen wir aus einem gemeinsamen Entwurf mehrerer Schreiben vom 12. Januar 1939. Dieser Entwurf befindet sich im Bundesarchiv (Abteilung Deutsches Reich) in
Berlin-Lichterfelde unter der Signatur R4901/13825, 3. Schreiben: An den Herrn Rektor der
Universität in Berlin.
23
Die Einladung zu dieser Coppernicus-Feier“ ist abgedruckt in: Amtsblatt der Friedrich”
Wilhelms-Universität zu Berlin, 5. Jahrgang, 15. Februar 1939, Heft 4, Spalte 23 und 24
24
Wir wissen nicht, warum die Feier am 18. und nicht gemäß Erlaß des Reichserziehungsministers am 19. Februar (dem Geburtstag von Kopernikus) abgehalten wurde. Der 18. war
ein Sonnabend, der 19. ein Sonntag. Vielleicht erhoffte man sich am Sonnabend eine regere
Teilnahme an der Feier als am Sonntag.
25
Willi Hoppe (1884-1960). Er war Professor für Geschichte und von 1937-1942 Rektor
der Friedrich-Wilhelms-Universität zu Berlin.
26
Kurt Lehmann (1905-2000)
49
Fig. 1. Büste des Nikolaus Kopernikus.
Bildhauer: Kurt Lehmann. Quelle: Kopff 1939.
Der Erlaß besagt zwar, daß der Name Coppernicus-Institut der Beiname
des Instituts sein sollte. In der Realität aber bedeutete der Erlaß eine Umbenennung des Instituts, denn in Zukunft wurde das Institut meist nur noch als
Coppernicus-Institut bezeichnet. Nur teilweise wurde dem neuen Namen der
Zusatz Astronomisches Rechen-Institut“ in Klammern hinzugefügt. Interes”
santerweise enthält der Entwurf des Erlasses des Reichserziehungsministers
vom 12. Januar 1939 27 zunächst die maschinenschriftliche Formulierung: Ich
”
habe mich entschlossen, zur Ehrung des Astronomen Coppernicus das Astronomische Recheninstitut der Universität Berlin in Coppernicus-Institut“ um”
zubenennen.“. Dann aber wurde der Text handschriftlich korrigiert und erhielt
die oben gegebene Fassung, in der das Institut nicht umbenannt wurde, sondern nur den Beinamen Coppernicus-Institut“ erhielt. Von wem und warum
”
diese Abschwächung vorgenommen wurde, konnten wir nicht klären.
Über den im Erlaß genannten Grund (Ehrung von Kopernikus) hinaus ist
uns das spezielle Motiv für die Umbenennung des Instituts nicht genau be27
Original im Bundesarchiv (Abteilung Deutsches Reich) in Berlin-Lichterfelde unter der
Signatur R4901/13825
50
kannt. Vermutlich lag es im allgemein-politischen Bereich der damaligen Zeit 28 .
Wir halten es für sehr unwahrscheinlich, daß die Umbenennung in CoppernicusInstitut von Kopff oder anderen Mitgliedern des Instituts vorgeschlagen wurde.
In seinem Übersichtsartikel über das Institut klagt Kopff (1943) sogar, daß der
Name Coppernicus-Institut auch Probleme mit sich bringe: ... Diese Namens”
gebung hat zu mancherlei Irrtümern Veranlassung gegeben. Außenstehende
sind seitdem vielfach der Ansicht, daß es sich um ein Institut handelt, dessen
Aufgabe in der Erforschung des Lebens und Wirkens von Nikolaus Kopernikus
besteht. Ein nicht unerheblicher Aufwand an Zeit und Arbeit ist immer wieder
notwendig, bei Anfragen darauf hinzuweisen, daß diese Namensgebung allein
den Sinn hat, ... [Kopernikus] zu ehren. ... An sich könnte jedes Astronomische
Institut den Namen des Kopernikus tragen ... “.
3.2
Die neue Schreibweise Kopernikus-Institut“ und
”
die spätere Streichung des Beinamens
Seit 1943 schrieb sich das Institut Kopernikus-Institut“. Ob die neue Schreib”
weise amtlich angeordnet wurde oder ob sich das Institut damit selber der
neuen Namensform anpaßte, wissen wir nicht. Anlaß der Änderung war jedenfalls ein allgemeiner Erlaß des Reichsinnenministeriums vom 28. Dezember
1942, in dem die Schreibweise Kopernikus“ verbindlich vorgeschrieben wurde
”
(siehe Koeppen (1973)). Für das Jahr 1943 bestand besonderer Regelungsbedarf für die Schreibweise, denn in dieses Jahr fielen der 400. Jahrestag der
Erst-Veröffentlichung des Werkes von Kopernikus mit der Begründung des
heliozentrischen Weltbildes (De Revolutionibus Orbium Coelestium) und der
400. Todestag von Kopernikus. Dieses Jubiläum sollte im Deutschen Reich
umfangreich gefeiert werden ( Kopernikus-Jahr 1943“). Obwohl das Reichsin”
nenministerium eigentlich die Schreibweise Coppernicus“ bevorzugte, setzte
”
sich Alfred Rosenberg 29 mit der von ihm gewünschten Form Kopernikus“
”
durch.
28
Der Entwurf des Erlasses des Reichserziehungsministers vom 12. Januar 1939 (Nachweis
siehe vorangegangene Fußnote) bezieht sich primär auf die Kant-Coppernicus-Woche der
”
Universität Königsberg“ vom 12. bis 19. Februar 1939. Aus diesem Anlaß stiftete der Reichserziehungsminister einen Ostpreußischen Coppernicus-Preis“. Ferner wurden Überlegungen
”
angestellt, die Universitäten Königsberg oder Breslau bzw. die Technische Hochschule Breslau nach Coppernicus zu benennen. Im Entwurf (7. Schreiben: An den Beauftragten des
Führers für die Überwachung der gesamten geistigen und weltanschaulichen Schulung und
Erziehung der NSDAP [ Amt Rosenberg“ ] - Abt. Wissenschaft) wird ausgeführt, warum
”
sich diese Umbenennungen nicht ermöglichen ließ. Dort heißt es dann: Die nunmehr er”
folgten Ehrungen durch die zusätzliche Benennung des Astronomischen Recheninstituts der
Universität Berlin und die Stiftung eines Ostpreußischen Coppernicus-Preises“ tragen so”
wohl der Sache als auch der Bedeutung der Person des Astronomen Coppernicus gebührend
Rechnung.“.
29
Alfred Rosenberg (1893-1946). Er war seit 1934 Leiter des Amts Rosenberg“ der
”
NSDAP und seit 1941 Reichsminister für die besetzten Ostgebiete.
51
Schon vor dem oben zitierten Erlaß des Reichsinnenministers war Kopff für
die Schreibweise Kopernikus“ eingetreten (siehe Koeppen (1973), Seite 193,
”
Fußnote 41): Gegenüber dem zuständigen Referenten im Reichsinnenministerium hat Kopff geäußert, daß er für Kopernikus“ sei 30 , obwohl sein Institut
”
im Briefkopf die Schreibweise Coppernicus“ trage. Kopff berichtete, daß er in”
folge der Gelehrtenschreibweise Coppernicus“ Aufklärungen an astronomisch
”
interessierte Laien hätte geben müssen, daß es sich hier um Kopernikus“ han”
dele.
Das Astronomische Rechen-Institut führte in Heidelberg nicht mehr die
Bezeichnung Kopernikus-Institut“. Ein Grund dafür ist aus den Akten nicht
”
zu entnehmen. Kopff hatte aber sicher den Eindruck, daß es 1945 für die Etablierung des Instituts in Heidelberg und für die Genehmigung des Instituts
durch die Amerikaner besser sei, sich auf Astronomisches Rechen-Institut“ zu
”
beschränken und nicht durch den früheren Kopernikus-Beinamen womöglich
Verwirrung zu stiften oder gar politisch motivierte Vorbehalte hervorzurufen.
Dagegen benutzte der östliche Teil des Instituts (siehe Kapitel 8) zunächst
noch zu verschiedenen Gelegenheiten den Namen Kopernikus-Institut“ 31 .
”
Auch verwandte Kahrstedt noch längere Zeit Kopfbogen mit der alten Bezeichnung Coppernicus-Institut“. Dies mag allerdings daran gelegen haben,
”
daß er noch keine aktuelleren Briefbogen zur Verfügung hatte. Erst mit der
Unterstellung unter die Akademie der Wissenschaften in Berlin verschwand die
Bezeichnung Kopernikus-Institut“ auch beim östlichen Teil des Instituts.
”
30
Als Beispiel führen wir an, daß Kopff die Schreibweise Kopernikus“ in seinem Ar”
tikel über Relativitätstheorie in dem von ihm 1928 herausgegebenen 5. Band (2. Hälfte)
des Lehrbuchs der Physik von Müller-Pouillets (siehe unser Kapitel 2.2.6 (Unterabschnitt
Handbuchartikel)) benutzt
31
Als Beispiele seien genannt: (1) In seinem Bericht an den Kurator der FriedrichWilhelms-Universität Berlin vom 18. Juli 1945 (Original im Archiv der HumboldtUniversität, Akte: Rektorat 311, Blatt 59/59R) benutzt Kahrstedt stets die Bezeichnung
Kopernikus-Institut“. (2) In seinem Schreiben an den Rektor der Universität Berlin
”
vom 11. September 1946 (Original im Archiv der Humboldt-Universität, Akte: Rektorat 311, Blatt 12) fügt Kahrstedt unter seine Unterschrift einen Stempelabdruck hinzu:
Komm[issarischer ] Leiter d[es ] Kopernikus-Instituts der Universität Berlin“. Dieser Stem”
pel muß 1945 oder 1946 extra für Kahrstedt angefertigt worden sein.
52
3.3
3.3.1
Die Arbeit des Instituts
Das Berliner Astronomische Jahrbuch
Ab 1939 konzentrierten sich die Arbeiten des Instituts sehr stark auf die Berechnung der Ephemeriden für das Berliner Astronomische Jahrbuch (BAJ).
Zwar ging der 1911 zwischen den Ephemeriden-Instituten der verschiedenen
Staaten vereinbarte, internationale Austausch der Daten erstaunlicherweise
auch während des Zweiten Weltkriegs weiter (siehe Wielen R. und Wielen
U. (in Vorbereitung)). Aber er blieb unsicher und die Daten aus dem Ausland
erreichten das Institut oft erst mit erheblicher Verspätung. Daher versuchte das
Institut ab 1939, bei der Berechnung der Ephemeriden für das BAJ autark zu
sein. Auch Kriegsmarine und Luftwaffe drängten darauf, die Berechnung der
für die Navigation wichtigen Daten des BAJ in Deutschland sicherzustellen
(siehe auch Kapitel 3.5). Die meisten Mitarbeiter des Instituts mußten daher
für die Erarbeitung des BAJ eingesetzt werden.
Die Wehrmacht war aber nicht nur an den Daten selbst, sondern auch am
gedruckten BAJ interessiert. Vom BAJ für 1941 erschien für die Wehrmacht
eine gekürzte zweite Ausgabe. Vom Jahrgang 1942 des BAJ wurde infolge der
”
stark erhöhten Nachfrage ein Nachdruck auf photographischem Wege hergestellt“ (laut Tätigkeitsbericht des Instituts für 1941). Auch später gab es neben
der normalen, vollständigen Ausgabe des BAJ noch eine für die Wehrmacht
bestimmte, gekürzte Ausgabe des BAJ. Vor Kriegsende 1945 erschien noch der
Jahrgang 1946 des BAJ. Das Ausland erreichten aber damals nur noch wenige
Exemplare des BAJ.
3.3.2
Die Kleinen Planeten
Die Arbeiten an den Kleinen Planeten gingen während der Kriegszeit in kaum
vermindertem Umfang weiter. Dazu trugen auch die auswärtigen Mitarbeiter
des Instituts (siehe Kapitel 12) bei, denn die Mitglieder des Instituts selbst
mußten sich verstärkt den Berechnungen für das BAJ zuwenden. Die Leitung
der Abteilung Kleine Planeten hatte bis 1941 Stracke (Kapitel 11.26), der
dann aber aus Gesundheitsgründen seine Arbeitszeit stark reduzieren mußte.
1942 übernahmen Kopff und Kahrstedt die Leitung. Von 1943 bis 1945 war
Kahrstedt nach dem Tod von Stracke alleiniger Leiter der Abteilung.
Die jährlichen Ephemeriden für die Kleinen Planeten konnten trotz aller Papierknappheit weiterhin regelmäßig veröffentlicht werden. Der letzte Band vor
Kriegsende erschien im Jahr 1944 für den Jahrgang 1945. Die Rechnungen für
den Jahrgang 1946 wurden in Sermuth 1945 noch weitgehend abgeschlossen.
Der Rest wurde dann im zweiten Halbjahr 1945 in Heidelberg fertiggestellt.
53
Diese Ephemeriden der Kleinen Planeten für den Jahrgang 1946 konnten aber
erst 1946 (d.h. leicht verspätet) in den USA als Kopie des handschriftlichen
Manuskripts in zwei Heften publiziert werden (siehe Kapitel 7.7.5).
3.3.3
Der Astronomische Jahresbericht
Die Arbeiten am Astronomischen Jahresbericht (AJB) litten in der Kriegszeit
vor allem daran, daß ein großer Teil der ausländischen Literatur das Institut gar
nicht oder sehr verspätet erreichte. Im Tätigkeitsbericht des Instituts für 1940
ist daher vermerkt: Es ist geplant, um eine Verzögerung für die Herausgabe
”
des Astronomischen Jahresberichts zu vermeiden, die nicht eingegangene und
auch anderwärts nicht zugängliche Literatur des Jahres 1940 und 1941 in einem
Ergänzungsband nach dem Kriege erscheinen zu lassen.“. So mußte in der Tat
auch nach 1945 in Heidelberg verfahren werden.
Zunächst trat noch keine Verzögerung im Erscheinen des AJB ein: wie in
den letzten Vorkriegsjahren wurde das Manuskript der Jahrgänge für 1938 bis
1940 am Ende des folgenden Jahres abgeschlossen und der Band erschien dann
etwas über ein Jahr nach Ende des Berichtszeitraums (also in den Jahren 1940
bis 1942 die AJB-Jahrgänge für 1938 bis 1940). Der Band des AJB für 1941
konnte aber als Manuskript erst im Oktober 1943 abgeschlossen werden. Er
erschien 1944. Die Bearbeitung der Literatur für den Jahrgang 1942 erfolgte
noch teilweise in Sermuth, konnte aber erst im Dezember 1946 in Heidelberg
abgeschlossen werden. Der AJB für 1942 erschien daher erst 1947 (siehe Kapitel
7.7.6).
3.3.4
Katalogarbeiten
Der zweite Teil des Dritten Fundamentalkatalogs FK3 war 1938 veröffentlicht
worden (Kopff 1938). Damit war die eigentliche Arbeit am FK3 abgeschlossen. Es folgten in den nächsten Jahren aber noch Vergleiche des Systems des
FK3 mit anderen Katalogen, insbesondere mit dem 1936 erschienenen General
”
Catalogue“ (GC) von B. Boss. Die Arbeiten zur Verbesserung des FK3 zum
FK4 wurden von Kopff erst 1951 in Heidelberg begonnen (siehe Kapitel 7.7.9).
Die Arbeiten am Katalog der Anhaltsterne für das Zonenunternehmen der
Astronomischen Gesellschaft (siehe Kapitel 2.2.5) konnten ab 1939 nur noch
sehr eingeschränkt weitergeführt werden. 1941 lag dann aber das Manuskript
des Katalogs AGK2A fertig vor. Wegen der kriegsbedingten Probleme beim
Druck konnte der fertige Katalog aber erst 1943 publiziert werden (Kopff
1943c). Der AGK2A erschien als letzte Nummer (No. 55) der Dahlemer Reihe
der Institutsveröffentlichungen. In Heidelberg begann die Reihe der Veröffent54
lichungen des Astronomischen Rechen-Instituts mit neuer Zählung (Nr. 1 im
Jahr 1949).
Kopff hatte früher beabsichtigt, einen Generalkatalog schwacher Sterne“
”
aufzustellen. Dieser Katalog sollte es erlauben, das systematische Verhalten
”
der schwachen Sterne der Kataloge des 19. Jahrhunderts mit größerer Sicherheit als bisher zu untersuchen“ (so Kopff im Tätigkeitsbericht des Instituts
für 1941). Wegen Arbeitsüberlastung konnte dieses Vorhaben aber nicht vom
Institut realisiert werden. Die Aufgabe wurde von der Hamburger Sternwarte
übernommen. Die bisher schon in Berlin geleisteten Vorarbeiten wurden den
Kollegen in Bergedorf zur Verfügung gestellt.
3.3.5
Sonstige Arbeiten
Die sonstigen Forschungsarbeiten der Mitarbeiter des Instituts wurden wegen der Konzentration auf die Erarbeitung des Berliner Astronomischen Jahrbuchs besonders stark eingeschränkt. Sie betrafen weiterhin hauptsächlich die
Gebiete der Himmelsmechanik, der Stellardynamik, der Chronologie und die
Publikation von Tafelwerken.
3.4
Die Herausgabe der Astronomischen Nachrichten
Die Zeitschrift Astronomische Nachrichten“ (AN) hatte eine lange Tradition.
”
Sie waren von Heinrich Christian Schumacher (1780-1850) auf Vorschlag des
dänischen Staatsministers Johann von Mösting 32 (1759-1843) in Altona, das
damals noch dänisch war, gegründet worden. Später wurde die Redaktion der
AN nach Kiel verlegt. Von 1908 bis 1938 leitete Herman Kobold (1858-1941)
die AN.
In einem Rundschreiben vom 21. August 1936 ∗∗ an die deutschen Sternwarten und astronomischen Institute teilte der Reichs- und Preußische Minister
für Wissenschaft, Erziehung und Volksbildung (abgekürzt: Reichserziehungsminister) mit: Die Herausgabe der Astronomischen Nachrichten erfolgt [jetzt ]
”
im amtlichen Auftrag des Reichserziehungsministeriums[,] und der Preußische
Staat ist Besitzer dieser Zeitschrift.“. Um die AN zu sichern und gegebenenfalls auszubauen, werden die astronomischen Institute, die mit Staatsmitteln
besondere Veröffentlichungen herausgeben, aufgefordert, dafür die AN zu nutzen. Das Astronomische Rechen-Institut wird ersucht mitzuteilen, welche seiner Publikationen dafür nicht in Frage kommen. Das Rundschreiben war vom
32
Nach ihm wurde der Mondkrater Mösting benannt. Dessen gut meßbarer Nebenkrater
Mösting A“ dient als Referenzpunkt für Beobachtungen der Position des Mondes.
”
55
Mathematiker Theodor Vahlen (1869-1945) unterzeichnet, der damals als Ministerialdirektor das Amt für Wissenschaft im Reichserziehungsministerium
leitete.
Kopff antwortet dem Reichserziehungsministerium in einem Brief vom
29. August 1936 ∗∗ . Die meisten Veröffentlichungen (BAJ, Kleine Planeten,
AJB) kämen für die AN nicht in Frage. Er bittet um Erhöhung des Druckkostenzuschusses im Institutsetat für BAJ und Kleine Planeten. Der AJB werde
anderweitig finanziert. Die sonstigen wissenschaftlichen Arbeiten des Instituts
würden bereits seit längerer Zeit in den AN veröffentlicht, weil Mittel für deren anderweitige Publikation nicht zur Verfügung stehen. Allerdings hätten die
Veröffentlichungen in den AN gegenüber den ausführlichen Institutsveröffentlichungen den Nachteil, daß sie äußerst kurz gefaßt sein müßten und nur die
Resultate enthielten. Zahlreiche wertvolle Einzelheiten seien zur Zeit nur in
Manuskripten niedergelegt und seien dadurch der Allgemeinheit nicht zugänglich.
Im Jahr 1938 erfolgte dann eine völlige Neuordnung der Herausgabe der
AN. Durch Erlaß des Reichserziehungsministers wurde die Überführung der
AN von Kiel an das Astronomische Rechen-Institut zum 1. Oktober 1938 angeordnet. Die AN wurden 1938 aber noch nicht vollständig in das Institut
integriert, sondern waren dem Institut zunächst nur als selbständige Abtei”
lung angegliedert“. Schaub (siehe Kapitel 11.23) wurde Schriftwalter der AN.
Kopff hielt diese Konstruktion für ungeeignet 33 , weil er als Institutsdirektor
zwar nach außen hin die Verantwortung trug, denn als Herausgeber fungierte
das Astronomische Rechen-Institut, andererseits der Schriftwalter aber nicht
weisungsgebunden war.
Das Problem löste sich jedoch schnell. Bei Kriegsbeginn im September
1939 wurde Schaub zunächst zum Heeresdienst eingezogen und Kopff übernahm die Schriftwaltung der AN. Die Hauptarbeit für die AN leistete aber
Nowacki. Schaub wurde dann am 1. September 1940 zum ordentlichen Professor und Direktor der Sternwarte an der Deutschen Karls-Universität in Prag
ernannt und schied damit aus dem Institut aus. Daraufhin beantragte Kopff am
2. Januar 1941 ∗∗ beim Reichserziehungsminister erfolgreich die vollständige
Integration der AN in das Institut. Durch die Verfügung des Reichserziehungsministers vom 8. März 1941 wurden die AN endgültig in den Gesamtrahmen
des Instituts eingeordnet.
Das Astronomische Rechen-Institut hat insgesamt 8 Bände der AN herausgegeben: Band 267 (1938) bis Band 274 (1944). Das letzte noch von Sermuth
aus betreute Heft der AN war Heft 5 des Bandes 274.
Die Bände der AN von 269 (1939) bis 273 (1943) tragen den Vermerk
33
Siehe Antrag vom 2. Januar 1941 ∗∗ von Kopff an den Reichserziehungsminister
56
Im Auftrag des Reichsministeriums für Wissenschaft, Erziehung und Volks”
bildung herausgegeben vom Coppernicus-[später: Kopernikus-]Institut, BerlinDahlem“ und als Verlagsangabe Berlin-Dahlem / Verlag der Astronomischen
”
Nachrichten“. Das Titelblatt des Bandes 274 ist anders gestaltet, weil es erst
1947 vom Akademie-Verlag nachträglich gedruckt wurde.
Mit der Herausgabe der AN war traditionsgemäß die Zentralstelle für astronomische Telegramme (Foerster 1882) und die Herausgabe der Beobachtungszirkulare der AN verbunden. Beide Aufgaben wurden ebenfalls vom Institut
übernommen. Den Bereitschaftsdienst, der für die schnelle Weiterleitung von
Telegrammen notwendig war, übernahmen nach Kriegsausbruch Nowacki und
Kopff.
Zur anderweitigen Publikation der AN nach dem Zweiten Weltkrieg verweisen wir auf Kapitel 7.7.7 . Die Weiterführung der Astronomischen Zentralstelle
und des Nachrichtenblattes nach 1945 in Heidelberg wird in Kapitel 7.7.8 beschrieben.
3.5
Die Ausbauplanung des Instituts 1941
Im Frühjahr 1941 stellte Kopff einen Antrag an das Reichserziehungsministerium, in dem er eine Neuorganisation und vor allem einen Ausbau des Astronomischen Rechen-Instituts vorschlug. Der Hauptanlaß für den Ausbau war
die Mehrarbeit, die dadurch entstand, daß das Institut jetzt bei der Berechnung der Daten des Berliner Astronomischen Jahrbuchs im Grundsatz autark
sein mußte und damit nicht auf die Zulieferung von Daten aus dem Ausland
angewiesen sein sollte. Obwohl Kopff in seinem Antrag betont, daß seine Forderungen an der unteren Grenze des Notwendigen lägen und vor allem im
Vergleich zu entsprechenden Instituten im Ausland (England, USA) niedrig
seien, hat man den Eindruck, daß Kopff in dem Antrag fast sein Idealbild
von der Struktur und der Ausstattung des Astronomischen Rechen-Instituts
entwirft.
Der Antrag Kopffs besteht aus mehreren Teilen: dem ersten Anschreiben
vom 28. März 1941 ∗∗ , dem drei Anlagen beigefügt waren. Von diesen drei
Anlagen fehlt im Institutsarchiv das im Text erwähnte Schreiben der Kriegsmarine vom 31. Januar 1941. Die beiden anderen Anlagen werden in Kapitel
10 beschrieben und im Supplement teilweise wiedergegeben. In einem weiteren
Anschreiben vom 13. Mai 1941 ∗∗ hat Kopff dann seinen Antrag ergänzt und
eine zusätzliche Anlage beigefügt.
Da der Text des Antrags mit seinen Anlagen relativ umfangreich ist (insgesamt 19 Seiten), geben wir hier nur eine Zusammenfassung des Inhalts des
Antrags. Den vollständigen Text, der auch im gescannten Durchschlag noch
57
relativ gut lesbar ist, findet man im Supplement (Wielen R. und Wielen U.
2012b) unter dem Datum 28. März 1941 ∗∗ und 13. Mai 1941 ∗∗ .
In seinem ersten Anschreiben vom 28. März 1941 ∗∗ gibt Kopff eine ausführliche Darstellung der Geschichte und der Aufgaben des Instituts. Er führt unter
anderem aus: Der ganze gegenwärtige Aufbau der Arbeiten des Coppernicus”
Instituts trägt allerdings einen durchaus improvisierten Charakter und ist auf
die Dauer nicht haltbar. Es muß vielmehr durch eine völlige Neuorganisation
dem Institut die Möglichkeit gegeben werden, die ihm übertragenen Aufgaben
in vollem Umfang selbständig durchführen zu können.“. Dazu verweist er auf
das beigefügte Schreiben der Kriegsmarine: Daraus geht hervor, daß auch auf
”
seiten des Oberkommandos [der Kriegsmarine] der Wunsch besteht, das Berliner Jahrbuch für die Zukunft so ausgebaut zu sehen, daß es vom Ausland, also
dem 1911 vereinbarten Austausch, vor allem mit England, frei wird.“. Kopff
geht dann auf das Schreiben vom 28. November 1940 ∗∗ des Superintendent des
Naval Observatory in Washington ein, in dem vorgeschlagen wird, den Austausch der Ephemeridendaten weiter aufrechtzuerhalten. Kopff begrüßt den
weiteren Austausch zwar, ist aber skeptisch hinsichtlich der Realisierbarkeit
dieses Austausches (Für eine Darstellung des doch weitergelaufenen Austausches verweisen wir auf Wielen R. und Wielen U. (in Vorbereitung)).
In seinem zweiten Anschreiben vom 13. Mai 1941 ∗∗ berichtet Kopff von
einer Tagung, die auf Veranlassung des Reichserziehungsministers in Freiburg
i.B. stattgefunden hatte. Auf dieser Tagung seien dem Institut weitere Forschungsaufgaben zugewiesen worden. Kopff ergänzt daher seinen früheren Antrag vom März um eine weitere Anlage mit zusätzlichen Forderungen.
Die dritte Anlage vom März und ihre Ergänzung vom Mai enthält dann
auf insgesamt 12 Seiten den eigentlichen Antrag mit den Einzelheiten zum geplanten Ausbau des Instituts. In der Vorbemerkung (Punkt I.) wird besonders
betont, daß es sich bei den Stellen um Dauerstellen handeln müsse und nicht
um befristete Assistentenstellen.
Das Institut soll in Zukunft aus einer Art Geschäftsstelle beim Direktor
und aus vier Abteilungen bestehen:
(1) Berliner Astronomisches Jahrbuch (BAJ), (Punkt III. der Anlage),
(2) Kleine Planeten, (Punkt IV.),
(3) Astronomische Nachrichten (AN) und
Astronomischer Jahresbericht (AJB), (Punkt V.),
(4) Forschungsabteilung, (Punkt VIII. auf der Ergänzung).
Bei den einzelnen Punkten der Anlage begründete Kopff seine Forderungen
im Detail.
Für die dem Direktor zugeordnete Geschäftsstelle fordert Kopff 1 wissen58
schaftlichen Angestellten (d.h. eine Art persönlichen Referenten), 1 Sekretärin,
1 Hausmeister (dessen Stelle 1932 verloren ging) 34 , und 1 Reinigungsfrau.
Die Abteilungen (1) BAJ und (2) Kleine Planeten sollen in Zukunft von je
einem Hauptobservator geleitet werden. Unter Punkt III. (BAJ) spricht Kopff
eine zusätzliche Option an: sollte das Institut die Berechnung der scheinbaren
Örter aller 1535 Sterne des FK3 übernehmen (siehe dazu Kapitel 2.2.4), dann
seien weiteres Personal (1 Observator, 1 Rechner) und höhere Sachmittel notwendig. Ob hier Kopff ein Konkurrenzunternehmen zu den von der IAU seit
1940 herausgegebenen APFS plante oder an eine Übernahme der gesamten
APFS im Auftrag der IAU dachte, bleibt unklar.
In der Ergänzung vom Mai bittet Kopff, dem Institut zur Durchführung
”
größerer Arbeiten eine dauernd bestehende Forschungsabteilung anzugliedern.“.
Diese Forschungsabteilung sollte insbesondere im Anschluß an die Katalogarbeiten des Instituts Untersuchungen auf dem Gebiet der Stellarstatistik und
Stellardynamik durchführen, die sich über lange Zeiträume“ erstrecken wür”
den.
Einen Überblick über das von Kopff insgesamt geforderte Personal geben
wir in der folgenden Tabelle, wobei wir die zusätzlichen Forderungen vom Mai
eingearbeitet haben. Dagegen haben wir in der Tabelle die Option der Ber”
liner APFS“ nicht berücksichtigt. In der Tabelle ist auch der Direktor nicht
aufgeführt, weil er ordentlicher Professor der Berliner Universität war und bleiben sollte.
Art der Stelle:
Hauptobservator
Observator
Wiss. Angestellt.
Sonstige Angest.
Hausmeister
Reinemachefrau
Summe:
Zentral
1
1
1
1
4
(0)
(0)
(0)
(1)
(1)
BAJ
Kleine AN u. ForPlanet.
AJB schung
1 (0)
1 (0)
4 (?)
2 (?)
2 (?)
1 (0)
1 (?)
1 (?)
2 (?)
1 (0)
4 (?)
2 (?)
2 (?)
2 (0)
Summe
10 (?)
2 (0)
9 (6)
6 (4)
11 (3)
1 (0)
1 (1)
30 (14)
6 (?)
6 (?)
4 (0)
Anmerkungen zur Tabelle:
Zahl: Anzahl der beantragten Stellen
Zahl in Klammern: Anzahl der 1941 vorhandenen Stellen
Zentral: zentrale Geschäftsstelle beim Direktor
BAJ: Abteilung des Berliner Astronomischen Jahrbuchs
Ein früherer Antrag von Kopff vom 8. Mai 1939 ∗∗ (in geänderter Form vom 25. Mai
1939 ∗ ) an den Reichserziehungsminister auf Schaffung einer Amtsgehilfenstelle (Hausmeister
und zugleich Hilfsrechner) war nicht erfolgreich gewesen
34
59
Kleine Planet.: Abteilung für Kleine Planeten
AN u. AJB: Abteilung Astronomische Nachrichten und Astronomischer Jahresbericht
Forschung: Forschungsabteilung,
Wiss. Angestellt.: Wissenschaftliche Angestellte,
Sonstige Angest.: Sonstige Angestellte (Rechner, Schreibkräfte).
In Punkt VI. der Anlage spricht Kopff die Frage von fehlenden Arbeitsräumen im Institut an. Bereits jetzt (1941) herrsche Raumnot. Bei einem personellen Ausbau des Instituts wäre ein Anbau an das Institut zur Beschaffung von
”
etwa 10 Arbeitsräumen und zu einer Erweiterung für Bibliothek und Archiv
erforderlich. Behelfsmäßig könnten jedoch der Hörsaal, die Bibliothek und ein
Teil der Direktorwohnung als Arbeitsräume benutzt werden. Unter Umständen
könnte auch die Direktorwohnung ganz für Institutszwecke Verwendung finden,
wodurch ein Anbau sich erübrigt.“ 35 .
Die sächlichen Ausgaben“ des Instituts sollten sich nach Kopff insgesamt
”
(d.h. Titel 26 plus Titel 51) von RM 13 660 auf RM 24 000 erhöhen, wobei für
den Etat der AN noch zusätzlich RM 34 100, insgesamt also RM 58 100 (ohne
Berliner APFS“) beantragt werden.
”
Der Antrag Kopffs vom 28. März 1941 ∗∗ war sehr erfolgreich. Mit Schreiben vom 24. Juli 1942 ∗∗ teilte der Universitätskurator der Berliner Universität
Kopff mit, daß der Reichserziehungsminister durch Erlaß vom 26. März 1942
die Einrichtung folgender neuer Beamtenstellen für das Institut vorgesehen habe: 2 Hauptobservatoren, 2 Observatoren, 1 Hausmeister. Bereits mit Brief vom
9. April 1942 ∗∗ hatte der Universitätskurator mitgeteilt, daß das Reichserziehungsministerium in einem anderen Erlaß vom 28. März 1942 im Staatshaushalt für 1942 eine im Schreiben aufgelistete Anzahl von Angestelltenstellen
bewilligt habe. In dieser Aufstellung bleibt aber unklar, welche Stellen neu
sind. Ein Vergleich mit dem 1941 bereits vorhandenen Bestand ergibt 2 neue
Stellen für wissenschaftliche Angestellte und 4 neue Stellen für sonstige Angestellte (Rechner, Schreibkräfte). Von insgesamt 16 neu beantragten Stellen
wurden also immerhin 11 neue Stellen bewilligt, ein sehr gutes Ergebnis. Der
Stellenbestand des Instituts stieg also 1942 von 14 auf 25 Stellen.
Allerdings scheint es sehr schwierig gewesen zu sein, die neu bewilligten
Stellen im Krieg tatsächlich zu besetzen, denn der wirkliche Personalbestand
des Instituts war zwischen 1942 und 1945 deutlich kleiner. Die geplante Forschungsabteilung konnte in der Kriegszeit überhaupt nicht realisiert werden.
Den tatsächlichen Personalbestand des Instituts kennen wir aus zwei Aufstellungen, die allerdings undatiert sind. Die ältere Liste trägt noch den StemIn einem Brief vom 19. Mai 1943 ∗∗ schlägt Kopff später vor, wegen der starken Vermehrung des Personals des Instituts zwei Wohnräume seiner Dienst-Wohnung in Arbeitsräume
umzuwandeln
35
60
pel des Astronomischen Rechen-Instituts und kann anhand der angegebenen
Brief-Tagebuch-Nummer (Nr. 1874) des Instituts auf August oder September
1938 ∗∗ datiert werden. Sie enthält die Namen von 12 männlichen Mitarbeitern
und sollte offenbar die Frage beantworten, wer von diesen Mitarbeitern zur
Wehrmacht eingezogen werden könnte (Gestellungs-Befehl erhalten: ja oder
nein). In einer Zusatzbemerkung verweist Kopff darauf, daß die Berechnung
des Berliner Astronomischen Jahrbuchs zu den lebensnotwendigen Aufgaben
”
des Staates“ gehört und unbedingt aufrechterhalten werden müsse.
Eine spätere Personalaufstellung stammt vermutlich aus dem Jahre 1944 ∗∗ ,
denn in ihr wird auf Sermuth Bezug genommen. Die Liste enthält neben Kopff
als Direktor 27 weitere Stellen, von denen aber nur 18 besetzt sind. Davon war
ein Mitarbeiter (Gliese) wegen seines Fronteinsatzes nicht für Arbeiten des
Instituts verfügbar. Andere Mitglieder des Instituts (z.B. Gondolatsch, Rabe,
Henne) waren zwar formal Soldaten, konnten aber in dieser Funktion trotzdem
ihren bisherigen Arbeiten für das Institut nachgehen.
Wir wissen nicht, wie hoch der bewilligte Sachetat des Instituts (z.B. für
Druckkosten) war. Aber in den letzten Kriegsjahren war das Geld zweitrangig
geworden. Viel wichtiger war es, von den jeweils zuständigen Stellen Bewilligungen oder Zuteilungen (analog zu den Lebensmittelmarken) zu erhalten.
Zum Beispiel mußte das Institut trotz der Kriegswichtigkeit des Jahrbuchs
stets um die Zuteilung ausreichender Papierkontingente für den Druck des
BAJ kämpfen. Selbst für den Kauf von Nägeln mußte das Institut den Reichsforschungsrat (!) um die Zuweisung von Marken zur Beschaffung von Eisen“
”
bitten (siehe Kapitel 9.4).
61
4
Das Astronomische Rechen-Institut der
Kriegsmarine (1944 bis 1945)
Im Mai 1944 wurde das Institut der deutschen Kriegsmarine unterstellt und
erhielt den Namen Astronomisches Recheninstitut der Kriegsmarine“.
”
Aber bereits kurz nach Kriegsbeginn war das Institut als Kriegswichtiger
”
Betrieb I. Ordnung“ (Kennziffer 40/13552) anerkannt worden. In einer Bescheinigung, die vermutlich von 1943 ∗∗ stammt, wird erklärt, daß das Institut
laufend kriegswichtige Arbeiten für die drei Wehrmachtsteile ausführt. Die
”
Veröffentlichungen des Instituts sind in weitem Umfang für die Zwecke der
Wehrmacht bestimmt und auch von der Kriegswirtschaftsstelle des Reichsforschungsrates als kriegswichtig anerkannt.“ 36 .
Der Grund für die Kriegswichtigkeit war der, daß viele der astronomischen
Daten (Ephemeriden), die im Berliner Astronomischen Jahrbuch gegeben wurden, für Navigationszwecke benötigt wurden. Denn sowohl die zum Teil weltweit operierenden Schiffe der Kriegsmarine als auch die Fernaufklärer der Luftwaffe bestimmten damals ihre Positionen mit Hilfe von Sonne, Mond oder
hellen Fixsternen. Offenbar benötigte aber auch das Heer die astronomischen
Daten für Positionsbestimmungen in wenig erschlossenen Gebieten.
Das Institut war aber natürlich deswegen keinesfalls militärisch geprägt.
Die Astronomen taten nur die Arbeit, die sie auch schon bisher als Wissenschaftler getan hatten. Für die Mitarbeiter hatte die Anerkennung des Instituts
als kriegswichtig den persönlichen Vorteil, daß die meisten von ihnen bis Kriegsende von Fronteinsätzen verschont blieben. Kopff hat daher mit der Betonung
der Kriegswichtigkeit des BAJ mit Sicherheit vielen das Leben gerettet. Keiner
der Mitarbeiter des Instituts ist im Zweiten Weltkrieg gefallen. Wie wenig die
Astronomen weltweit den militärischen Aspekt ihrer Arbeit verinnerlichten,
zeigt die Tatsache, daß der Austausch der als kriegswichtig eingestuften Daten zwischen den feindlichen Ländern (Deutschland, England, USA) während
des ganzen Zweiten Weltkriegs über das neutrale Schweden weiterging (siehe
Wielen R. und Wielen U. (in Vorbereitung)). Es erstaunt uns noch heute, daß
keiner der Zensoren dieser Länder den sicher offiziell nicht erlaubten Austausch
astronomischer Ephemeriden unterbunden hat.
Ein erstes Schreiben vom 31. Januar 1941 der Kriegsmarine zum Institut kennen wir nur aus Zitaten. Am 19. Februar 1941 ∗∗ übersendet der Universitätskurator ein Schreiben des Reichserziehungsministers vom 14. Februar
1941 in Abschrift an Kopff. Der Brief betrifft die zukünftige Berechnung der
”
36
In den jährlichen Tätigkeitsberichten der Institute, die in der Vierteljahrsschrift der
Astronomischen Gesellschaft erschienen, sollte aber jeder Hinweis auf kriegswichtige Arbei”
ten streng unterbleiben“ (siehe Brief von Kopff an ten Bruggencate vom 3. März 1943 ∗∗ )
62
Mondephemeriden für das Berliner Jahrbuch und für Zwecke der Kriegsmarine“. Aus dem Schreiben geht hervor, daß am 14. Januar 1941 dazu eine Besprechung zwischen dem Chef der Nautisch-wissenschaftlichen Abteilung der
Kriegsmarine und Kopff stattgefunden hatte. Kopff soll dazu dem Universitätskurator einen Bericht vorlegen. Am 27. März 1941 ∗∗ mahnt der Kurator diesen
Bericht nochmals an. Uns liegt ein solcher Bericht nicht vor. Vermutlich gab es
ihn auch gar nicht. Stattdessen nimmt Kopff das Schreiben der Kriegsmarine
vom 31. Januar 1941 zum Anlaß, seinen umfangreichen Antrag zum Ausbau
des Instituts vom 28. März 1941 ∗∗ (siehe Kapitel 3.5) dem Reichserziehungsminister (über den Kurator) vorzulegen.
Kriegsmarine, Luftwaffe und Heer hielten auch in den nächsten Jahren
engen Kontakt zum Institut. Die Luftwaffe finanzierte Hilfsrechner an den
Sternwarten Babelsberg und Hamburg, die das Institut bei der Berechnung
der Ephemeriden unterstützten. Die Kriegsmarine veranlaßte die Evakuierung
des Instituts von Dahlem an einen sicheren Auslagerungsort, um die Gefahr
der Zerstörung des Instituts zu verringern, die in Berlin durch die heftige Bombardierung der Stadt erheblich war (siehe Kapitel 5). In dem uns vorliegenden
Schriftwechsel des Instituts mit dem Oberkommando des Heeres vom 20., 26.
und 30. Oktober 1942 ∗∗ geht es um die Herstellung und Lieferung des BAJ an
die Wehrmacht. Für die Jahrgänge 1943 und 1944 des BAJ bestellte das Heer
250 Exemplare und die Luftwaffe 100 Exemplare. Weitere 100 Exemplare waren
für Italien bestimmt. Für den Jahrgang 1945 wird der Bedarf für die Wehrmacht wieder auf 350 Stück geschätzt. Allerdings sollte dieser Jahrgang für die
Wehrmacht als spezielle Ausgabe in gekürzter Form erscheinen. Im Oktober
1943 bestellte die Luftwaffe über die Buchhandlung Dümmler in Berlin 345
Exemplare der gekürzten Ausgabe des BAJ für 1945, statt der nur 100 Stück,
die vom Oberkommando des Heeres für die Luftwaffe vorgesehen waren. Das
Institut bittet in seinem Brief vom 1. November 1943 ∗∗ das Reichsluftfahrtministerium um entsprechende Überweisung von Papier für den Nachdruck“ des
”
BAJ und um eine Bescheinigung, daß die Herstellung des Nachdrucks für das
”
RdL [Reichsministerium der Luftfahrt ] unbedingt erforderlich ist.“. In einem
Schreiben vom 14. Januar 1944 ∗∗ an den Verlag Dümmler beklagt Kopff das
Durcheinander bei den Bestellungen der Wehrmacht.
Die formale Eingliederung des Instituts in die Wehrmacht erfolgte erst 1944.
Die Eingliederung in die Kriegsmarine (und nicht etwa in die Luftwaffe oder
das Heer) war aus sachlichen Gründen naheliegend, weil die Marine und ihre Abteilungen die größten Erfahrungen mit astronomischer Navigation hatten. Außerdem hatte Kopff offenbar ein gutes Verhältnis zu Hans-Christian
Freiesleben (1903-1985). Freiesleben war Astronom und Nautiker und leitete
von 1939 bis 1945 das Referat Navigationsmethoden und Astronomie“ der
”
Nautischen Abteilung beim Oberkommando der Kriegsmarine.
Es war wohl auch Freiesleben, der die amtliche Initiative zur Übernahme des Instituts durch die Kriegsmarine ergriff. Denn in dem entsprechenden
63
Schreiben vom 3. April 1944 37 des Oberkommandos der Kriegsmarine (OKM)
an das Reichserziehungsministerium wird als Vorgang“ eine Fernmündliche
”
”
Unterredung Min. Rat. von Rottenburg 38 / ORR Dr. Freiesleben (OKM)“ angeführt. Das OKM betont in seinem Brief die Kriegswichtigkeit der Arbeiten
des Kopernikus-Instituts. Insbesondere müsse die Arbeitsfähigkeit des Instituts bei Feindeinwirkung (d.h. bei Bombardierungen) durch Verlagerung aus
Berlin gewährleistet werden. Daher wird vorgeschlagen, das Institut der Kriegsmarine zu unterstellen. Als Personalstand des Instituts führt das OKM auf:
3 Marineergänzungsbeamte, 5 weitere Beamte, 2 männliche und 6 weibliche
Angestellte. Der Kurator der Universität wird gebeten, die ihm unterstehenden
Beamten und Angestellten der Kriegsmarine auf Kriegsdauer zur Verfügung
”
zu stellen“. Die entsprechenden Kosten für Gehälter und sächliche Ausgaben sollen dem OKM von der Universität in vierteljährlicher Aufstellung
”
zur Rückerstattung“ vorgelegt werden. Das OKM betont, daß die Angelegenheit sehr eilig sei und bittet um umgehende Stellungnahme des Reichserziehungsministers. Auf dem Originalbrief des OKM befindet sich unten ein
handschriftlicher Vermerk, undatiert und nicht unterzeichnet. Wir gehen davon aus, daß ihn von Rottenburg als interne, positive Stellungnahme für den
Reichserziehungsminister verfaßt hat 39 .
Im Archiv des Astronomischen Rechen-Instituts wird die Unterstellung des
Instituts unter die Kriegsmarine vor allem durch zwei Dokumente belegt: den
Brief des Berliner Universitätskurators an Kopff vom 15. Mai 1944 ∗∗ , und
das Schreiben des Oberkommandos der Kriegsmarine an diverse Empfänger,
darunter das Kopernikus-Institut, vom 20. Juni 1944 ∗∗ 40 .
Der Brief des Kurators vom 15. Mai 1944 ∗∗ enthält die Abschrift eines
geheimen Schreibens des Reichserziehungsministers vom 4. Mai 1944 an das
Oberkommando der Kriegsmarine, die der Minister dem Kurator zugeleitet
37
Original im Bundesarchiv (Abteilung Deutsches Reich) in Berlin-Lichterfelde unter der
Signatur R4901/14580). Aktenzeichen des OKM: Skl H 1672/44 W IVb. Der Brief ist aber
nicht von Freiesleben unterzeichnet worden, sondern Im Auftrage: gez. Kurze“. Vizeadmiral
”
Friedrich Wilhelm Kurze (1891-1945) war Leiter der Amtsgruppe Nautik der Kriegsmarine.
Aus unklaren Gründen ist der Brief zunächst fehlgeleitet worden (Vermerk: Irrläufer“) und
”
ging erst am 18. April 1944 im Reichserziehungministerium ein.
38
Ministerialrat Otto von Rottenburg (1885-1945) war Leiter des Amtes Wissenschaft im
Reichs- und Preußischen Ministerium für Wissenschaft, Erziehung und Volksbildung
39
Interessant ist, daß der Vermerk bereits das spätere Ausweichquartier für das Institut nennt: 3.) Die Marine kann das Inst[itut ] in einem Schloss in der Nähe von Leipzig
”
[d.h.mit höchster Wahrscheinlichkeit: Schloß Kötteritzsch in Sermuth ] unterbringen, was
für die Arbeit sehr zweckmäßig wäre. Es entstehen dabei aber erhebliche verwaltungstechnische Schwierigkeiten für die Verpflegung des Personals, wenn diese nicht von der Marine
über[?]nommen wird.“. Von Rottenburg hat diese Information wahrscheinlich im Telefongespräch mit Freiesleben bekommen, denn im Brief des OKM ist sie nicht enthalten. Zur
Verpflegungsproblematik siehe unsere Ausführungen in Kapitel 5.3 .
40
Dieses Schreiben vom 20. Juni 1944 ∗∗ liegt uns nur als Xero-Kopie vor. Die originale
Abschrift des Schreibens hatte freundlicherweise Herr Prof. Dr. Friedrich Gondolatsch (19042003; siehe Kapitel 11.5) R.W. zur Herstellung einer Kopie zur Verfügung gestellt.
64
hat. In diesem Schreiben bezieht sich der Minister auf das Schreiben der
Kriegsmarine vom 3. April 1944, in dem die Kriegsmarine die Unterstellung
des Instituts unter die Kriegsmarine vorgeschlagen hat. Der Minister erklärt
sich als Reaktion auf dieses Schreiben der Kriegsmarine grundsätzlich damit
einverstanden, daß das Kopernikus-Institut ... für die Dauer des Krieges dem
”
Chef des hydrographischen Dienstes [der Kriegsmarine] unterstellt wird“. Als
Grund für die Unterstellung des Instituts unter die Kriegsmarine wird die
zweckmäßige Unterbringung [des Instituts] zur Sicherung der Berechnungen
”
des Astronomischen Jahrbuchs“ angegeben. Der Minister bittet die Kriegsmarine, ihn über die anderweitige Unterbringung [d.h. über den Verlagerungsort]
”
des Instituts zu benachrichtigen.
Aus dem obigen Schriftwechsel wird klar, daß für das Institut ein geeignetes Quartier an einem sicheren Ausweichort nur mit Hilfe der Autorität der
Kriegsmarine zu finden war. Die intensiven Bemühungen Kopffs, selbständig
ein brauchbares Ausweichquartier für das Institut zu finden, waren alle gescheitert. Dies belegen unsere Ausführungen im folgenden Kapitel 5.
Der Minister betont, daß das Institut trotz der Unterstellung unter die
Kriegsmarine seine Eigenschaft als Universitätsinstitut“ 41 nicht verliere. Die
”
Finanzierung des Instituts wurde auch weiterhin über die Universität geleitet. Die Kriegsmarine sollte die Kosten 42 des Instituts aber vierteljährlich der
Universität erstatten.
Am Schluß seines Schreibens vom 15. Mai 1944 ∗∗ bittet der Universitätskurator das Institut um Mitteilung, welche Mitarbeiter an den Verlagerungsort
gehen, wann mit der Verlagerung begonnen wird und welche Kosten der Kriegsmarine anzulasten sind. Kopff erstattet den gewünschten Bericht am 17. Juni
1944 ∗∗ und ergänzt ihn am 15. Juli 1944 ∗∗ . Der Umzug an den Ausweichort
Sermuth in Sachsen fand in der Zeit von Ende Juli bis Anfang August 1944
statt (siehe Kapitel 5.3).
41
Hier erweckt der Minister den Eindruck, als handele es sich beim Astronomischen
Rechen-Institut um ein quasi normales Universitätsinstitut. Das war aber nicht der Fall.
Das Institut war im Grunde ein unabhängiges preußisches Forschungsinstitut, das von der
Berliner Universität nur mitverwaltet wurde (siehe dazu auch den in Kapitel 8.2 besprochenen Brief Kopffs vom 7. Dezember 1948, dessen Original sich im Universitätsarchiv Heidelberg befindet (UA-Signatur: 70g, B-6905, Astronomisches Recheninstitut, Allgemeines,
Jahr: 1945-58)).
42
Die Kostenregelung ist etwas vage. Für uns ist unklar, was genau mit Ausgaben ...,
”
die dem Institut in der Ausweichstelle entstehen“ gemeint ist. Waren das alle Kosten für
das verlagerte Institut oder nur die Zusatzkosten, die durch die Verlagerung neu entstanden
sind ? Aus anderen Schriftstücken scheint hervorzugehen, daß die Kriegsmarine praktisch alle
Kosten übernahm, vermutlich mit Ausnahme der weiterlaufenden Kosten für das Dahlemer
Institutsgebäude, das die Universität nach der Evakuierung des Instituts ja auch anderweitig
nutzte (siehe Kapitel 9.5.1).
65
Das Schreiben des Oberkommandos der Kriegsmarine vom 20. Juni 1944 ∗∗
regelt marine-intern die Stellung des Instituts. Die Dienststelle“ erhält die
”
Bezeichnung Astronomisches Recheninstitut [sic] der Kriegsmarine“. Standort
”
ist Sermuth im Kreis Grimma in Sachsen. Fachlich ist das Institut der Amtsgruppe Nautik / Chef des Hydrographischen Dienstes, disziplinarisch dem
Marine-Oberkommando Ostsee unterstellt. Verwaltungsmäßig ist die Marineintendantur Dresden für das Institut zuständig. Die oben erwähnte Regelung
der Bezahlung der Mitarbeiter und die nachträgliche Erstattung der Personalkosten durch die Kriegsmarine werden bestätigt.
In einem Schreiben vom 13. Juli 1944 ∗∗ des Marine-Oberkommandos Ostsee in Kiel wird bekräftigt, daß die verwaltungsmäßige Betreuung des Instituts
der Marineintendanturdienststelle Dresden übertragen worden [ist ], die sich
”
im Bedarfsfalle der Verwaltungshilfe der Heeresstandortverwaltung Grimma
bedienen wird.“.
Der sonst noch im Archiv des Astronomischen Rechen-Instituts vorhandene
Schriftwechsel des Instituts mit militärischen Stellen betrifft hauptsächlich die
Frage der täglichen Verköstigung der Mitarbeiter im kleinen Dorf Sermuth
(siehe Kapitel 5.3).
Um seine neue Stellung als Teil der Kriegsmarine bei Schreiben an andere Dienststellen zu dokumentieren, hat sich das Institut einen neuen Stempel
anfertigen lassen. Man sieht ihn zum Beispiel auf dem Schreiben vom 22. September 1944 ∗∗ . Neue Briefkopfbogen hat das Institut aber offensichtlich nicht
erhalten. Jedenfalls ist kein solcher im Institutsarchiv überliefert.
In seinen Veröffentlichungen, auch im Berliner Astronomischen Jahrbuch,
hat das Institut aber nie einen Hinweis auf die Unterstellung unter die Kriegsmarine gegeben, sondern immer seinen vorherigen Namen Kopernikus-Institut
”
(Astronomisches Rechen-Institut)“ benutzt.
Die Unterstellung des Astronomischen Rechen-Instituts unter die Kriegsmarine wurde zwar nie formal aufgehoben. Mit dem Ende des Zweiten Weltkriegs im Mai 1945 war sie aber obsolet geworden. Man könnte argumentieren,
daß sie ja auch nur für die Dauer des Krieges“ (siehe Brief vom 15. Mai
”
1944 ∗∗ ) vereinbart worden war und damit im Mai 1945 automatisch endete.
66
5
5.1
Die Evakuierung des Astronomischen Rechen-Instituts nach Sermuth in Sachsen von
1944 bis 1945
Die Suche nach einem Ausweichquartier für das Institut wegen der Bombengefahr in Berlin
Die sich ständig erhöhende Gefahr der Zerstörung des Astronomischen RechenInstituts aufgrund der zunehmenden Bombardierung Berlins durch die amerikanischen und englischen Luftstreitkräfte machte die Verlagerung ( Evaku”
ierung“) des Instituts an einen weniger gefährdeten Ort notwendig. Kopff
schreibt in einem Brief vom 20. Oktober 1943 ∗∗ : Vom Oberkommando der
”
Kriegsmarine 43 bin ich beauftragt, für das Kopernikus-Institut eine Ausweichstelle zu schaffen.“. Im Archiv des Instituts haben sich dazu folgende Schriftstücke erhalten:
5.1.1
Kurhaus Binz auf Rügen
Eines der ersten angestrebten Ausweichquartiere war das Kurhaus Binz und
das daran angeschlossene Hotel Kaiserhof auf der Insel Rügen. Kopff bittet in
seinem Brief vom 20. Oktober 1943 ∗∗ um ca. 20 Räume für 12 Männer und
4 Frauen, sowie für Bibliothek und Archiv. Er hatte aber offensichtlich bereits
im September 1943 dort (mündlich ?) angefragt, denn eine erste Antwort datiert schon vom 24. September 1943 ∗∗ . Kopffs Verhandlungspartner war Bruno
Suschyzki, der in Berlin-Steglitz eine Firma für zerstörungsfreie Prüfgeräte betrieb. Ob Suschyzki damals Eigentümer des Kurhauses in Binz war oder mit
seiner Firma nur der Hauptnutzer des Hotels, konnten wir nicht klären. Das
Projekt scheiterte daran, daß die für das Institut vorgesehenen Räume alle
nicht beheizbar waren. Zur Schaffung einer Zentralheizung für diese Zimmer
wäre die Bewilligung eines Eisenkontingents“ von 13 Tonnen nötig gewesen.
”
Diese war aber nicht zu erlangen. Das Marinebauamt hatte nämlich seine Befugnisse an den Baubevollmächtigten Albert Speer abgegeben und dessen Amt
setzte andere Prioritäten.
43
Das Institut war zwar noch nicht formal der Kriegsmarine unterstellt (siehe Kapitel 4).
Jedoch war die Kriegsmarine wegen der für die Navigation benötigten Ephemeriden an der
Aufrechterhaltung der Arbeitsfähigkeit des Instituts außerordentlich interessiert. Für die
Beschaffung eines Ausweichquartiers war auch die volle Unterstützung der Kriegsmarine
nahezu unverzichtbar, weil nur dadurch die potentiellen Quartiergeber von der Dringlichkeit
der Abgabe von Räumen überzeugt werden konnten.
67
5.1.2
Kreis Regenwalde in Pommern
Kopff schreibt in einem Brief vom 8. Februar 1944 ∗∗ an den Landrat des Kreises
Regenwalde in Labes (Pommern), er habe gehört, daß dort die Möglichkeit
”
der Unterbringung eines kleineren wissenschaftlichen Instituts“ bestehe, und
bittet um Auskunft, ob eine Übersiedelung des Instituts dorthin möglich sei“.
”
Der Kreis Regenwalde gehörte zum Regierungsbezirk Köslin der preußischen
Provinz Pommern. Die Stadt Labes war Kreishauptstadt. Das Gebiet ist heute
polnisch.
Der Landrat antwortet am 12. Februar 1944 ∗∗ : Er wolle gern behilflich
sein, aber eventuell sei der Raumbedarf des Instituts doch zu groß. Es seien
bereits drei Berliner Institute in seinem Kreis, und auch die Hauptverwaltung der Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft und einige weitere Institute wollten in
den Kreis kommen. Ein bestimmtes Gutshaus würde sich zwar für das Institut eignen, sei aber bereits für das Hilfswerk Mutter und Kind“ von Frau von
”
Tschammer und Osten (der Witwe des Reichssportführers) in Aussicht genommen. Der Landrat schlägt eine gemeinsame Besprechung und Besichtigung mit
Telschow 44 und Frau von Tschammer bei ihm vor.
Kopff antwortet am 18. Februar 1944 ∗∗ : Er möchte vor einer Reise nach
Labes erst noch mit Telschow sprechen und das Weitere vom Ergebnis dieser
”
Aussprache abhängig machen“. Weiterer Schriftwechsel liegt uns nicht vor.
Offenbar hat sich die Evakuierung des Instituts nach Pommern nicht realisieren
lassn.
5.1.3
Neuendorf, Sandow und Ziebingen bei Frankfurt an der Oder
In einem Brief vom 9. Februar 1944 ∗∗ an den Regierungspräsidenten von
Frankfurt an der Oder bittet Kopff um ein Ausweichquartier für 10 Her”
ren und 4 Frauen, für die Unterkunft und Verpflegung nötig ist.“. In späteren
Briefen ist immer von 6 Frauen die Rede. Kopff schlägt im Brief die Staatliche Domäne Neuendorf bei Reppen45 vor, die ihm persönlich bekannt sei.
In einem Schreiben vom gleichen Tage bittet Kopff den Bürgermeister von
Sandow, den von ihm beauftragten Observator des Instituts, Baehr, bei der
Suche nach einem Ausweichquartier in Sandow zu unterstützen. Am 7. März
1944 ∗∗ bescheinigt Kopff den Institutsmitarbeitern Baehr und Rabe, später
auch Kahrstedt und Kohl, daß sie berechtigt seien, vor Ort in Sandow und
44
Ernst Telschow (1889-1988) hatte 1912 bei Otto Hahn promoviert und war von 1937 bis
1960 Generaldirektor der Kaiser-Wilhelm- bzw. der Max-Planck-Gesellschaft
45
Reppen war der Geburtsort des Observators Baehr. Vielleicht hat daher Baehr den
Hinweis auf diese Domäne gegeben. Auf jeden Fall war Baehr aufgrund seiner Ortskenntnisse
hervorragend für die im Folgenden erwähnte Erkundung von Unterkünften für das Institut
in dieser Gegend geeignet.
68
Ziebingen Verhandlungen über die Unterbringung des Instituts in seinem Namen zu führen. Alle genannten Orte liegen in der Nähe von Frankfurt an der
Oder auf der rechten Seite des Flusses und gehören heute zu Polen.
Die Umzugsvorbereitungen nach Ziebingen und Sandow waren im März
1944 bereits weitgehend abgeschlossen. Nach einem Brief von Rabe vom
10. März 1944 ∗∗ sollte das Institut voraussichtlich Arbeitsräume im Schloß
Ziebingen und in Gasthäusern erhalten. Für Kopff und seine Mitarbeiter waren Unterkünfte in Sandow und in Ziebingen vorgesehen. Rabe dachte auch an
das leibliche Wohl der Evakuierten. In einem Telegramm vom gleichen Tage
(10. März 1944 ∗∗ ) an Kopff bittet er: Fuer gemeinsamen [sic] Kochen grosse
”
Toepfe aus Haushalten mitbringen soweit vorhanden“.
Am 27. März 1944 ∗∗ bittet Kopff in einem Brief an den Oberpräsidenten der
Provinz Mark Brandenburg um die Sicherstellung der ausgewählten Räume für
das Institut, schreibt aber auch, daß eine endgültige Entscheidung des Oberkommandos der Marine wegen der Verlagerung nach Sandow-Ziebingen noch
ausstünde. Immerhin war von März bis Mai 1944 bereits ein Vorkommando“
”
des Instituts, bestehend aus Baehr, Gondolatsch und Rabe, in Sandow und Ziebingen tätig. Darüber geben einige Briefe im Archiv des Instituts Auskunft.
In einem Brief an Rabe vom 9. Mai 1944 ∗∗ schreibt Kopff dann aber: Was
”
mit dem Institut wird, ist noch ungeklärt. ... Es zieht sich alles viel länger hin
als ich zuerst annahm ...“. Obwohl Kopff Sandow aufgeben will, schreibt er:
Ich würde es allerdings im Interesse der Arbeit für besser halten, wenn Sie
”
und Herr Dr. Baehr vorerst noch dort blieben, da Sie dort ruhiger arbeiten
können.“.
In seinem Brief vom 9. Mai 1944 ∗∗ erwähnt Kopff erstmals auch das später
ausgewählte Kötteritzsch (Ortsteil von Sermuth) als mögliches Ausweichquartier.
Am 31. Mai 1944 ∗∗ telegraphiert Kopff an Rabe, daß sämtliche Quartiere in Ziebingen und Sandow aufzugeben seien. In drei Briefen vom 7. Juni
1944 ∗∗ teilt Kopff dann den zuständigen Behörden (Bürgermeister von Ziebingen, Landrat von West-Sternberg, Oberpräsident der Provinz Brandenburg)
mit: Infolge der Angliederung des Kopernikus-Instituts an eine militärische
”
Dienststelle [d.h. an die Kriegsmarine] ist die Übersiedlung nach Sandow - Ziebingen hinfällig geworden.“. Die dort reservierten Räume würden freigegeben.
Die tieferen Gründe für diese Entscheidung kennen wir nicht, weder vonseiten Kopffs noch vonseiten der Kriegsmarine. Im Nachhinein beurteilt war die
spätere Wahl von Sermuth sicher die bessere Lösung für das Institut und seine
Mitarbeiter, da die Kriegshandlungen an der Oder zwischen deutschen und
sowjetischen Truppen außerordentlich heftig waren, während Sermuth praktisch kampflos in die Hände amerikanischer und sowjetischer Truppen viel.
69
5.1.4
Thurnau bei Kulmbach in Oberfranken
Noch während der Verhandlungen über ein Ausweichquartier nahe Frankfurt
an der Oder schlug Kopff in Briefen an das Oberkommando der Marine (Abteilung Nautik) in Berlin weitere Möglichkeiten für das Ausweichquartier des
Instituts vor: Am 14. Februar 1944 ∗∗ teilt er mit, daß sich eine Unterbringungsmöglichkeit in Thurnau bei Kulmbach (Oberfranken) ergeben hätte. Er
selbst wolle in den nächsten Tagen dorthin reisen, um die Übersiedlung des
Instituts nach Thurnau in die Wege zu leiten.
Der Vorschlag, es in Thurnau zu versuchen, stammte von einem auswärtigen Mitarbeiter des Instituts, Pfarrer Steinmetz (siehe Kapitel 12), den Kopff
ebenfalls Anfang Februar 1944 um Rat gefragt hatte. Steinmetz schlug in seinem Brief vom 7. Februar 1944 ∗∗ das Schloß Thurnau als Möglichkeit vor.
Kopff schrieb daher am 11. Februar 1944 ∗∗ an die Domanialverwaltung des
Schlosses Thurnau und fragte nach Unterbringungsmöglichkeiten im Schloß.
Die Domänenkanzlei Thurnau schickte aber bereits am 14. Februar 1944 ∗∗ ein
Telegramm an das Kopernikus-Institut: Schloss anderweitig besetzt. Kommen
”
zwecklos.“. Am gleichen Tag ging auch noch ein erklärender Brief an das Institut ab: Im Schloß bestehe keine Unterbringungsmöglichkeit mehr, nachdem
”
bereits seit längerer Zeit Einlagerungen von verschiedenen Partei-Behörden
und Wehrmachtsstellen vorgenommen worden sind.“.
Steinmetz machte noch weitere Vorschläge, zumal Kopff ihn ausdrücklich
bevollmächtigt hatte, Verhandlungen für das Institut zu führen. Unter anderem
wurden die Schlösser in Castell und in Thüngen in Unterfranken in Betracht
gezogen. Aber leider ließ sich keiner der Vorschläge von Steinmetz realisieren.
5.1.5
Wernigerode am Harz
Am 3. Februar 1944 bat Kopff brieflich Agnes Neugebauer wegen eines möglichen Ausweichortes für das Institut um Auskünfte. Agnes Neugebauer geb.
Lehmann (1875-?) war die Witwe des 1940 verstorbenen Observators i.R. des
Instituts, Paul Victor Neugebauer (siehe Kapitel 11.16), und zugleich die Tochter des früheren Observators Paul Lehmann (siehe Kapitel 8.33 von Wielen R.
und Wielen U. (2011c)). Die Familie Neugebauer war nach der Pensionierung
des Mannes nach Wernigerode, einer Kleinstadt am Rande des Harzes, umgezogen. Welchen Ort Kopff als Ausweichquartier für das Institut im Auge hatte,
wissen wir nicht, weil uns nur der Antwortbrief vom 7. Februar 1944 ∗∗ vorliegt. Frau Neugebauer teilt Kopff darin mit, er möchte sich an die Kreisstelle
”
Halberstadt wenden, Wernigerode sei nur für Magdeburg zuständig“. Sie selbst
hält allerdings eine Unterbringung im Harz für sehr schwierig, da alles überfüllt
sei. Selbst dem Luftfahrtministerium, das sich hier [wohl nur teilweise] nieder-
70
lassen wollte, sei bereits abgesagt worden. Über eventuelle weitere Aktionen
von Kopff in dieser Gegend liegen uns keine Schriftstücke vor. Jedenfalls ist
das Institut nicht in den Harz evakuiert worden.
5.1.6
Göttingen
Ebenfalls noch während der Verhandlungen über ein Ausweichquartier nahe
Frankfurt an der Oder hat sich Kopff in einem Brief vom 3. Februar 1944 46 an
den Direktor der Göttinger Sternwarte, P. ten Bruggencate 47 , mit der Frage
gewandt, ob eine Evakuierung des Instituts nach Göttingen möglich sei. Am
7. Februar 1944 ∗∗ schreibt ten Bruggencate zurück, daß die Göttinger Sternwarte dem Institut zwar 3 bis 5 Räume zur Verfügung stellen könnte, daß er
aber für die Wohnraumbeschaffung für die Institutsmitarbeiter in Göttingen
schwarz sehe“. Kopff antwortet darauf am 16. Februar 1944 ∗∗ , daß er sich zu
”
einer Übersiedlung des Instituts nach Göttingen entschlossen habe, weil die
”
Aussichten ... [für einen anderen Ort ] ... zu nichts zusammengeschmolzen“ seien. Insbesondere hofft Kopff auf Unterstützung durch den neuen Kurator der
Universität Göttingen, Büchsel 48 , der bisher Kurator der Berliner Universität
war und daher die Problematik genau kenne. Kopff will zu einer Rücksprache
mit ten Bruggencate und Büchsel nach Göttingen reisen.
In einem Brief an das Oberkommando der Marine (Abteilung Nautik) in
Berlin vom 21. Februar 1944 ∗∗ berichtet Kopff, daß sich der Direktor der
Universitätssternwarte Göttingen bereit erklärt habe, dem Institut einige Arbeitsräume zur Verfügung zu stellen. Vorteil von Göttingen sei das Vorhandensein einer astronomischen Bibliothek und anderer Infrastruktur. Allerdings
sei die Frage der Unterbringung des Personals sehr schwierig zu lösen. In einem Schreiben vom 23. Februar 1944 ∗∗ an den Rektor der Berliner Universität
bittet Kopff diesen, beim Reichserziehungsministerium die Verlagerung des Instituts zu beantragen und dabei primär Göttingen und notfalls Sandow als
Ausweichorte vorzusehen.
Zunächst entwickelt sich die Wahl von Göttingen als Ausweichort für das
Institut auch positiv weiter. Ein kurioses Problem tritt allerdings auf: die
Putzfrau der Göttinger Sternwarte könne die Reinigung der dem Institut zur
Verfügung gestellten Räume nicht mitbewältigen und Kopff solle daher am
Besten eine Putzfrau aus Berlin mitbringen (Laut Brief von ten Bruggencate
vom 19. Februar 1944 ∗∗ an Kopff). Der Bereichsleiter der NSDAP in Göttingen
teilt Kopff am 25. Februar 1944 ∗∗ mit, daß hinreichender Wohnraum für die
Institutsmitarbeiter im Göttinger Vorort Geismar (also nahe der Sternwarte)
bereit stünde.
46
Dieser Brief liegt uns leider nicht vor
Paul ten Bruggencate (1901-1961)
48
Dr. jur. Karl Büchsel (1885-1965)
47
71
Dann aber verzichtet Kopff plötzlich auf den Umzug nach Göttingen. Er
schickt am 7. März 1944 ∗∗ ein entsprechendes Telegramm. In seinem folgenden
Brief vom 8. März 1944 ∗∗ an ten Bruggencate begründet er die Absage damit,
daß die häufigen Bombenalarme in Göttingen dort ein ruhiges Arbeiten nicht
mehr erlauben würden, und daß auch die Frauen nicht mitgenommen werden
könnten.
5.1.7
Jena, Göttern, der Landkreis Stadtroda und Magdala
Anfang Februar 1944 hat Kopff vermutlich auch den Direktor der UniversitätsSternwarte Jena, Siedentopf 49 , um Hilfe bei der Verlagerung des Instituts gebeten. Brief und Antwort liegen uns jedoch nicht vor. Siedentopf hat offenbar
Räume des Meteorologischen Instituts in Jena angeboten. In einem Brief vom
9. Februar 1944 ∗∗ an Siedentopf reagiert Kopff etwas zögernd und weist auf eine eventuelle Unterbringungsmöglichkeit in der Schule des Dorfes Göttern bei
Magdala hin. Siedentopf teilt Kopff am 14. Februar 1944 ∗∗ mit, daß die Schule
in Göttern nicht in Frage komme. Als zuständige Stelle für Unterbringungsfragen im Landkreis Jena-Stadtroda nennt Siedentopf den Rechtsanwalt Dr.
Löhnis in Jena. Daraufhin fragt Kopff in einem Brief vom 18. Februar 1944 ∗∗
bei Löhnis in Jena an, ob im Landkreis die Möglichkeit der Unterbringung ei”
nes kleineren wissenschaftlichen Instituts besteht.“. Es stellte sich heraus, daß
Löhnis der Landrat des damaligen Kreises Stadtroda war, der südöstlich von
Jena lag. Am 28. Februar 1944 ∗∗ antwortet Löhnis, daß in seinem Landkreis
freie Räume nur noch in Gestalt von Dorfgasthöfen vorhanden seien, die sich
aber für das Institut nicht eignen würden.
Am 28. April 1944 ∗∗ schickt das Oberkommando der Kriegsmarine (Skl
HW IVb, Dr. Freiesleben 50 ) ein Diensttelegramm an den Landrat des Landkreises Weimar mit der Anfrage, ob die Villa Protze in Magdala, die von der
Firma Siemens nicht mehr beansprucht würde, noch frei sei. Magdala ist eine
Kleinstadt in Thüringen. Sie liegt zwischen Weimar und Jena. Am 10. Mai
1944 ∗∗ meldet Kohl, der im Rahmen einer Dienstreise nach Magdala die Lage
vor Ort erkunden sollte, in einem Telegramm an das Institut in Berlin, daß
eine Unterkunft in Magdala nur schwer möglich“ sei. Mehr Informationen zu
”
diesem Vorgang liegen uns nicht vor.
49
Heinrich Siedentopf (1906-1963)
Hans-Christian Freiesleben (1903-1985). Er war Astronom und Nautiker an der Deutschen Seewarte bzw. dem Deutschen Hydrographischen Institut. Von 1939 bis 1945 leitete er
das Referat Navigationsmethoden und Astronomie“ der Nautischen Abteilung beim Ober”
kommando der Kriegsmarine.
50
72
5.1.8
Sonneberg und Wolfersdorf in Thüringen
Anfang Februar 1944 hat Kopff offenbar auch den Leiter der Sternwarte
Sonneberg, Hoffmeister 51 , um Hilfe bei der Suche nach einem Ausweichquartier gebeten. Dessen entsprechende Anfrage an die Stadt Sonneberg erfolgte
am 10. Februar 1944. Der Erste Bürgermeister der Stadt Sonneberg 52 antwortet Hoffmeister in einem Brief vom 14. Februar 1944 ∗∗ 53 , daß er außerstande
sei, für das Kopernikus-Institut Arbeits- und Wohnräume zur Verfügung zu
stellen.
Aus einer Nachschrift Hoffmeisters zu seinem Brief an Kopff vom 16. Februar 1944 ∗∗ erfahren wir, daß sich beide an Herzog Ernst II. von SachsenAltenburg gewandt hatten, um ein Ausweichquartier für das Institut im Schloß
Wolfersdorf in Thüringen zu finden. Leider blieb auch diese Anfrage ohne Erfolg.
5.1.9
Württemberg
Von Mitgliedern der Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft 54 hatte Kopff erfahren, daß
”
in Württemberg die Möglichkeit der Unterbringung eines kleineren wissenschaftlichen Instituts besteht.“. Er schrieb am 3. Februar 1944 an den Direktor am Kaiser-Wilhelm-Institut für Biologie, Alfred Kühn (1885-1968). Dieser war mit seinem Institutsteil nach Hechingen (im Regierungsbezirk Sigmaringen, Hohenzollerische Lande, Preußen) umgezogen, wohin auch ein Teil
des Kaiser-Wilhelm-Instituts für Physik evakuiert worden war. Kühn antwortete Kopff am 8. Februar 1944 ∗∗ und lobte die Verhältnisse in Hechingen
außerordentlich. Kopff fragte daher am 18. Februar 1944 ∗∗ beim zuständigen
Rüstungskommando V“ in Stuttgart (Oberbaurat Steiert) an, ob in Württem”
berg eine entsprechende Unterbringungsmöglichkeit bestehe, und betonte dabei, daß das Institut vom Oberkommando der Kriegsmarine den Verlage”
rungsbefehl erhalten“ habe. Eine Antwort aus Stuttgart liegt uns nicht vor.
Die Aktion blieb offensichtlich erfolglos.
51
Cuno Hoffmeister (1892-1968)
Auf dem Brief des Bürgermeisters ist im Briefkopf der Zusatz Weltspielwarenstadt“
”
dick geschwärzt
53
Hoffmeister hat das Original dieses Schreibens seinem Brief an Kopff vom 16. Februar
1944 ∗∗ als Anlage beigelegt
54
Der heutigen Max-Planck-Gesellschaft
52
73
5.1.10
Baden oder Elsaß
Am 5. Juni 1944 ∗∗ hat der Direktor der Sternwarte der Reichsuniversität Straßburg, Hellerich 55 , einen Brief an Kopff wegen der Evakuierung des Astronomischen Rechen-Instituts geschrieben. Hellerich hatte von einer Behörde in
Straßburg ein Schreiben des Institutsmitarbeiters Lederle (siehe Kapitel 11.12)
vom 14. März 1944 ∗∗ erhalten, das er seinem Brief als Anlage beilegte. Das
als Vertraulich“ klassifizierte Schreiben von Lederle ist ein Durchschlag, aber
”
mit eigenhändiger Unterschrift von Lederle, und nennt keinen Empfänger. Vermutlich war Lederle von Kopff gebeten worden, in Baden und im Elsaß nach
Ausweichquartieren Ausschau zu halten, da Lederle aus Karlsruhe stammte. Lederle hat wohl einige Kopien seines Schreibens Behörden in Baden und
im Elsaß zugeleitet. Ein Erfolg blieb aber aus. Auch Hellerich kann keinen
konkreten Vorschlag machen und empfiehlt, Kopff solle sich an den Chef der
Zivilverwaltung im Elsaß wenden.
Uns erscheint die Vorstellung einer Evakuierung des Instituts ins Elsaß heute etwas merkwürdig. Man muß aber bedenken, daß die Landung der Alliierten
in der Normandie erst am 6. Juni 1944 erfolgte.
In seinem Schreiben vom 14. März 1944 ∗∗ erwähnt Lederle zwar die anvisierte Unterbringung des Instituts in der Nähe von Frankfurt an der Oder
(siehe Kapitel 5.1.3), erklärt aber die dortigen Unterbringungsverhältnisse
”
[für ] derart primitiv, daß eine erfolgreiche Arbeit dort nicht möglich ist.“. Es
bleibt unklar, ob diese Einschätzung gerechtfertigt war, oder ob sie taktischen
Erwägungen für die Suche nach einer sicher wünschenswerten, besseren Unterbringung entsprang.
5.1.11
Sermuth in Sachsen
Alle in den obigen Kapiteln 5.1.1 bis 5.1.10 aufgeführten Vorschläge für eine
Evakuierung des Instituts sind nicht realisiert worden. Das zeigt, wie schwierig
die Suche nach einem geeigneten Ausweichort für das Astronomische RechenInstitut war.
Spätestens Mitte Juni 1944 stand nach den uns vorliegenden Schriftstücken
dann aber doch der Ort für die Verlagerung des Instituts fest: das Dorf Sermuth
im Landkreis Grimma in Sachsen. Wir wissen nicht, wie und wann dieses Ausweichquartier gefunden wurde. Vermutlich war die Unterstützung durch die
entsprechenden Stellen der Kriegsmarine und der Wehrmacht allgemein (z.B.
ihrer Standortverwaltung in Grimma) der ausschlaggebende Faktor.
55
Johannes Hellerich (1888-1963)
74
5.2
Die geographische Lage von Sermuth
Die genaue geographische Lage von Sermuth (Fig. 2) wäre im vorliegenden
Zusammenhang relativ unbedeutend, wenn sich daraus nicht aufgrund von
Entscheidungen auf weltpolitischer Ebene schwerwiegende Konsequenzen für
die Zukunft des Astronomischen Rechen-Instituts ergeben hätten.
Sermuth liegt an der Mulde, einem linksseitigen Nebenfluß der Elbe. Genauer gesagt liegt Sermuth nahe der Stelle, an der sich die Zwickauer Mulde“
”
und die Freiberger Mulde“ zur Mulde“ vereinigen. Die Zwickauer Mulde ist
”
”
der linke, westliche Zufluß der Mulde. Die Freiberger Mulde ist der rechte,
östliche Zufluß. Durch den Kern von Sermuth fließt (kurz vor der Vereinigung
der beiden Zuflüsse) die Zwickauer Mulde, und teilt damit Sermuth in einen
westlichen Teil (Ortsteile Großsermuth und Kötteritzsch) und einen östlichen
Teil (Kleinsermuth).
Das Dorf Sermuth entstand erst 1937 durch den Zusammenschluß von
Groß- und Klein-Sermuth und Kötteritzsch. Die Einwohnerzahl von Sermuth
betrug 1939 628 Personen. 1944 gehörte Sermuth zum Landkreis Grimma in
Sachsen. Seit Beginn des Jahres 2011 ist Sermuth ein Ortsteil der Stadt Colditz
(Landkreis Leipzig im Freistaat Sachsen).
Das Ortsbild von Sermuth wird durch das Schloß Kötteritzsch geprägt. Das
Schloß bildete den Mittelpunkt eines ausgedehnten Gutshofes (Rittergut). Die
Burg Kötteritzsch war sehr alt, wurde aber am Ende des 19. Jahrhunderts in
ein Schloß im Stil der Neo-Renaissance umgebaut. In diesem Gebäude fand
das Astronomische Rechen-Institut 1944 eine vorläufige Bleibe.
5.3
Das Astronomische Rechen-Institut in Sermuth
Der Umzug des Astronomischen Rechen-Instituts von Berlin-Dahlem nach Sermuth hat sich von Ende Juli 1944 bis Anfang August 1944 erstreckt. In seinem
Brief vom 17. Juni 1944 ∗∗ an den Kurator der Berliner Universität schreibt
Kopff: Der Zeitpunkt der Verlegung [des Instituts] steht noch nicht ganz fest,
”
jedoch sind Arbeitsräume und Unterkunft in Groß-Sermuth bei Grimma (Sachsen) bereits weitgehend festgelegt. Mit einer Übersiedelung ist in 3 - 4 Wochen
zu rechnen.“. Am 28. Juli 1944 ∗∗ meldet das Institut dem Kurator, daß die
Verlagerung des Instituts etwa“ am 1. August 1944 erfolgen werde. In ei”
nem Brief vom 31. Juli 1944 ∗∗ an den selben Empfänger teilt Kopff mit: Die
”
Akten des Kopernikus-Instituts befinden sich infolge Verlagerung zur Zeit im
Eisenbahnwaggon unterwegs, das Personal ist zum Teil bereits in Sermuth,
...“. In einem Brief an den Kurator vom 27. August 1944, den wir aber nur aus
dem Brieftagebuch (Nr. 153/44) des Instituts kennen, wird mitgeteilt, daß die
Arbeitsaufnahme des Instituts in Sermuth am 4. August 1944 erfolgt sei.
75
Fig. 2. Geographische Lage von Sermuth. Der rote Pfeil rechts von der Bildmitte zeigt
die Lage von Sermuth am Zusammenfluß von Zwickauer Mulde und Freiberger Mulde zur
(vereinigten) Mulde. Der grüne Pfeil links unten weist auf Heidelberg hin. Die Großstadt
Berlin ist oben rechts deutlich zu erkennen.
Die Arbeitsräume des Astronomischen Rechen-Instituts befanden sich im
Schloß Kötteritzsch (Fig. 4, 5, 6 und 7), und zwar in dem kürzeren Flügel des
Schlosses, der vom Schloßturm aus nach Norden verläuft 56 .
Welche Mitarbeiter des Instituts zogen nach Sermuth ? Kopff listet in einem Brief vom 17. Juni 1944 ∗∗ (mit einem Nachtrag vom 15. Juli 1944 ∗∗ ) die
Namen der Personen auf, die mit dem Institut zur Ausweichstelle in Sermuth
gehen sollen. Diese Liste ist weitgehend identisch mit der unten folgenden Aufstellung (es fehlt nur der Student von Klemm). In Berlin bleiben Frau Totzki
56
Diese Information und viele weitere Angaben zum Aufenthalt des Instituts in Sermuth
verdanken wir mündlichen Mitteilungen von Herrn Prof. Dr. Friedrich Gondolatsch (19042003; siehe Kapitel 11.5) an R.W.
76
Fig. 3. Der Ort Sermuth. Ausschnitt aus einer Karte (um 1940). Gezeigt sind die Ortsteile
Kötteritzsch, Großsermuth und Kleinsermuth. Zwischen Groß- und Kleinsermuth fließt die
Zwickauer Mulde. Am rechten Bildrand erscheint unten die Freiberger Mulde. Beide Zuflüsse
bilden oben rechts die (vereinigte) Mulde, die nach Norden in Richtung Elbe fließt. Die
militärische Demarkationslinie, die von April bis Ende Juni 1945 Sermuth teilte, ist mit
roten Punkten markiert.
als Hausverwalterin und Levy als Hilfshausmeister. Die übrigen Mitglieder des
Instituts (Müller, Strobel, Gliese und Lederle) seien bei der Wehrmacht.
Aus einem Schreiben an Kopff vom 24. Juni 1944 ∗∗ aus Grimma (vermutlich von einer Wehrmachtsstelle, die für die notwendigen Unterkünfte sorgte)
kennen wir die Namen der folgenden Personen57 und die Anzahl der ihnen in
Sermuth zur Verfügung gestellten, privaten Zimmer:
Prof. Dr. Kopff [1 Person, 2 Zimmer],
Frl. Dr. Nowacki [1 Person, 1 Zimmer],
Frl. Kohl [1 Person, 1 Zimmer],
Prof. Dr. Kohl [2 Personen, 2 Zimmer],
Reg.Rat. Dr. Gondolatsch [2 Personen, 2 Zimmer (im Schloß)],
Frl. Dobkowitz [1 Person, 1 Zimmer],
Frl. Höhne [1 Person, 1 Zimmer],
Prof. Dr. Kahrstedt [2 Personen, 1 Zimmer],
Prof. Dr. Heinemann [2 Personen, 1 Zimmer],
Reg.Rat. Dr. Rabe [3 Personen, 2 Zimmer],
Dr. Musen [3 Personen, 2 Zimmer],
Dr. Baehr [5 Personen, 1 Zimmer],
stud. Lederle [1 Person, 1 Zimmer]
stud. v. Klemm [1 Person, 1 Zimmer]
N.N. [? Personen, 3 Zimmer].
57
Einzelheiten zu diesen Mitarbeitern geben wir in den Personen-Verzeichnissen (Kapitel
11 und 12)
77
Mit dem Personal wurden auch zahlreiche Materialien des Instituts von
Berlin nach Sermuth verlagert. Im Archiv des Instituts hat sich eine Aufstellung erhalten, die zahlreiche Gegenstände, darunter über 70 Möbelstücke,
9 Rechenmaschinen, 4 Schreibmaschinen (darunter eine alte mit griechischen
Buchstaben, wie man sie z.B. für Sternbezeichnungen benötigt), die wichtigsten
Teile der Bibliothek usw. auflistet. Auch die notwendigsten oder wertvollsten
Akten waren offenbar mit nach Sermuth überführt worden. Anders ist nicht
zu erklären, daß sich viele historisch wertvolle Dokumente heute im Archiv des
Astronomischen Rechen-Instituts in Heidelberg befinden.
Die Materialien sind in einem 58 Güterwagen von Berlin nach Sermuth
transportiert worden. Großsermuth war eine Bahnstation der Bahnlinie Großbothen - Glauchau (Strecken-Nummer 145a im Kursbuch der Reichsbahn von
1944). Die Mitarbeiter sind vermutlich ebenfalls mit der Bahn aus Berlin nach
Sermuth gereist. Ob sich einige Mitarbeiter auch Möbel oder anderen Hausrat
nach Sermuth nachkommen ließen, wissen wir nicht. Allerdings soll der spätere
Transport des Instituts von Sermuth nach Heidelberg auch privates Umzugsgut
umfaßt haben.
Fig. 4. Das Schloß Kötteritzsch in Sermuth. Ausschnitt aus einer Karte (um 1940). Das
Schloß ist als langgestrecktes Gebäude etwas links von der Bildmitte zu erkennen. Der kleine
offene Kreis bezeichnet die Lage des Schloßturms. Vom Turm aus gesehen erstreckt sich ein
langer Flügel des Schlosses nach Osten, ein kurzer Flügel nach Norden. Das Schloß bildete
den Mittelpunkt eines größeren Ritterguts.
58
Es ist unklar, ob es sich um einen oder mehrere Güterwagen gehandelt hat. Im Frachtbrief der Spedition vom 28. Juli 1944 ∗∗ und im Brief Kopffs vom 31. Juli 1944 ∗∗ ist jeweils
nur von einem Waggon die Rede. Dagegen benutzt Kopff in seinem Brief vom 28. Juli
1944 ∗∗ den Ausdruck Eisenbahnwaggons“. Die Menge der in der Liste vom 25. Oktober
”
1944 ∗∗ aufgeführten Gegenstände läßt entweder auf einen großen oder zwei kleine Güterwagen schließen. Ferner ist unklar, ob und in in welchem Umfang die Mitarbeiter ihr privates
Umzugsgut nach Sermuth in diesen Bahn-Transport einbringen konnten.
78
Fig. 5. Das Schloß Kötteritzsch in Sermuth. Aufnahme um 1900. Ansicht von Südwesten. In
dem Flügel des Schlosses, den man hier links vom Turm erkennt, befanden sich von 1944 bis
1945 die Arbeitsräume des Astronomischen Rechen-Instituts. Das Schloß sah zu dieser Zeit
vermutlich immer noch so aus. Quelle: D. Schwalbe (Heidelberg).
Fig. 6. Das Schloß Kötteritzsch in Sermuth. Luft-Aufnahme. Ansicht von Südwesten. In dem
Flügel des Schlosses links vom Turm befanden sich von 1944 bis 1945 die Arbeitsräume des
Astronomischen Rechen-Instituts. Quelle: D. Schwalbe (Heidelberg).
79
Fig. 7. Das Schloß Kötteritzsch in Sermuth. Innenhof. In dem Flügel des Schlosses, den
man hier rechts vom Turm sieht, befanden sich von 1944 bis 1945 die Arbeitsräume des
Astronomischen Rechen-Instituts. Quelle: D. Schwalbe (Heidelberg).
Hauptproblem für die Mitarbeiter scheint in Sermuth die Verpflegung gewesen zu sein. Es gab offenbar kein geeignetes Restaurant im kleinen Ort Sermuth, wohl auch keine Kantine einer Fabrik oder ähnliches. Auch war der
Einkauf der meisten Lebensmittel im Dorf Sermuth nicht möglich. Man mußte sich dazu in die 4 km entfernte Kleinstadt Colditz begeben. Aus diesem
Grunde beantragte das Institut mehrfach die Einstellung von eigenem Küchenpersonal. Zum Kochen sollte die Küche der Schule von Sermuth mitbenutzt
werden. Auch die Einnahme“ des Essens sollte in einem Raum der Schule er”
folgen, immer mittags um 12.00 Uhr, auch an Sonntagen. Obwohl die Heeresstandortverwaltung Grimma relativ schnell die Stellen für eine Köchin und
eine Küchenhilfskraft bewilligt hatte, trat nun das Problem auf, daß mindestens bis September 1944 keine geeigneten Kräfte für diese Aufgaben gefunden
werden konnten. Wir wissen nicht, wie sich das Verpflegungsproblem schlußendlich gelöst hat. In den erhaltenen Gehaltsabrechnungen des Instituts, die
den Zeitraum von September 1943 bis Kriegsende 1945 überdecken, ist kein
Küchenpersonal aufgeführt. Wir hegen allerdings den Verdacht, daß die beiden
Reinemachefrauen“ Röllig und Schäfer (siehe Kapitel 12), deren Löhne von
”
der Heeresstandortlohnstelle Grimma“ dem Institut ersetzt wurden, in Wahr”
heit überwiegend als Küchenpersonal beschäftigt wurden. Wahrscheinlich ließ
sich die Notwendigkeit von Reinigungskräften administrativ besser vertreten
als die von Küchenpersonal. Für die 6 Arbeitszimmer des Instituts wären eine voll- und eine halbtags beschäftigete Putzfrau kaum ausgelastet gewesen,
80
wenn man davon ausgeht, daß die Unterkünfte des Personals von diesem selbst
sauber gehalten werden mußten.
Offenbar war Sermuth aber für die Weiterführung der wissenschaftlichen
Arbeiten des Instituts sonst gut geeignet. Kopff schreibt im Tätigkeitsbericht des Instituts für die Jahre 1944-1947 (Die Himmelswelt, Band 56 (1949),
S. 44): Nach der Verlagerung des Astronomischen Rechen-Instituts von Berlin”
Dahlem nach Sermuth bei Grimma (Sachsen) im Sommer 1944 wurden die Arbeiten am Astronomischen Jahrbuch, an den Kleinen Planeten und am Astronomischen Jahresbericht unverändert weitergeführt. Auch die Herausgabe der
Astronomischen Nachrichten und des Beobachtungs-Zirkulars wurde trotz der
wachsenden Schwierigkeiten in der Herstellung weiterhin gefördert, der Nachrichtendienst konnte aufrecht erhalten werden. Das Berliner Astronomische
Jahrbuch wurde bis Jahrgang 1946, das Heft Kleine Planeten bis 1945 fertiggestellt. Das letzte noch von Sermuth aus gedruckte Heft der Astronomischen
Nachrichten war Heft 5 des Bandes 274.“. Unter den gegebenen Umständen
war all das eine bewundernswerte Leistung.
Der letzte Brief, den das Institut vor Kriegsende von Sermuth aus absandte, war ein Bericht über seine Forschungsarbeiten an den Präsidenten des
Reichsforschungsrats in Berlin. Der Bericht datiert vom 10. April 1945 (laut
Brief-Tagebuch des Instituts, Nr. 210/45).
81
6
6.1
Die Umsiedlung
des Astronomischen Rechen-Instituts
nach Heidelberg im Sommer 1945
Das geteilte Sermuth
Die Kämpfe des Zweiten Weltkrieges im Großraum um Sermuth gingen im
April 1945 zu Ende. Der westliche Teil von Sermuth wurde von amerikanischen
Truppen eingenommen. Das genaue Datum kennen wir nicht. Es muß der 15.
oder 16. April 1945 gewesen sein: Die nahe Stadt Colditz wurde am 15. April
besetzt, die Kreishauptstadt Grimma ergab sich am 16. April kampflos den
Amerikanern.
Der Vormarsch der amerikanischen Truppen erfolgte allerdings nur bis zu
der durch Sermuth fließenden Zwickauer Mulde und der anschließenden vereinigten Mulde. Der Grund war die bereits auf der Konferenz von Jalta (4.-11.
Februar 1945) von England, den USA und der Sowjetunion grundsätzlich vereinbarte militärische Demarkationslinie, die von der Ostsee bis zum Erzgebirge
verlief. Eine solche Linie sollte den jeweiligen Vormarsch der angloamerikanischen und sowjetischen Truppen einvernehmlich regeln. Der genaue Verlauf der
später Elbe-Mulde-Linie“ genannten Grenze wurde aber erst im April 1945
”
vom amerikanischen Oberbefehlshaber, General Eisenhower, wohl aus militärischen Überlegungen heraus, festgelegt. Wir haben diese Demarkationslinie in
Fig. 3 und 8 mit roten Punkten gekennzeichnet.
Während die amerikanischen Truppen die Elbe-Mulde-Linie bereits überwiegend Mitte April 1945 erreicht hatten, nahmen die sowjetischen Truppen
das Gebiet östlich der Demarkationslinie meist erst Ende April oder Anfang
Mai 1945 ein. Kahrstedt 59 berichtet, daß der östliche Teil von Sermuth am 9.
Mai 1945 von russischen Truppen besetzt wurde. Das geschah also erst mehr
als drei Wochen nach der Einnahme des westlichen Teils von Sermuth durch
die Amerikaner.
Sermuth wurde durch die Demarkationslinie zu einem geteilten Dorf“.
”
Der Hauptteil (Kötteritzsch und Großsermuth) war in amerikanischer Hand,
Kleinsermuth auf der östlichen Seite der Zwickauer Mulde dagegen sowjetisch
besetzt.
Die Arbeitsräume des Astronomischen Rechen-Instituts im Schloß Kötteritzsch waren also auf der amerikanischen Seite. Die Mehrzahl der Mitarbeiter
59
Brief Kahrstedts vom 18. Juli 1945 an den Kurator der Friedrich-Wilhelms-Universität
Berlin. Original im Archiv der Humboldt-Universität, Akte: Rektorat 311, Blatt 59/59R.
82
Fig. 8. Die Lage von Sermuth an der militärischen Demarkationslinie zwischen den amerikanischen bzw. englischen Truppen einerseits und den sowjetischen Truppen andererseits
im April 1945. Der rote Pfeil zeigt die Lage von Sermuth am Zusammenfluß von Zwickauer
Mulde und Freiberger Mulde zur (vereinigten) Mulde. Die militärische Demarkationslinie
ist mit roten Punkten gekennzeichnet. Sie verlief direkt durch Sermuth. Die grünen Punkte
zeigen den Verlauf der späteren Zonengrenze zwischen der amerikanischen bzw. englischen
Besatzungszone einerseits (links) und der sowjetischen Besatzungszone andererseits (rechts).
Die blauen Punkte markieren die Grenze zwischen Deutschland und der Tschechoslowakei.
Bis zum 1. Juli 1945 haben die amerikanischen Truppen das Gebiet zwischen der roten und
der grünen Linie wieder geräumt. Es wurde anschließend von sowjetischen Truppen besetzt.
wohnte ebenfalls im amerikanisch besetzten Teil von Sermuth. Nur Kahrstedt
mit Familie, Baehr mit Familie und Frl. Höhne wohnten auf der sowjetischen
Seite 60 .
Für die Mitarbeiter, die auf der östlichen Seite wohnten, hatte die Trennung
einschneidende Folgen. Denn während die Amerikaner den Übertritt deutscher
Soldaten als Gefangene über die Elbe-Mulde-Linie zumindest duldeten, war die
Passage der Demarkationslinie für Zivilisten streng verboten. Zwar mag der eine oder andere eine Möglichkeit zum illegalen Grenzübertritt gefunden haben,
er mußte dann aber den Hauptteil seiner Habe zurücklassen. So wird jedenfalls
60
Nach dem in der obigen Fußnote zitierten Brief von Kahrstedt vom 18. Juli 1945. Gondolatsch erwähnt in seinem Brief an den Astronomen Cuno Hoffmeister vom 25. Februar 1949 ∗∗
ebenfalls, daß Baehr und Kahrstedt im sowjetisch besetzten Teil von Sermuth wohnten. Für
Baehr geht das auch aus Unterlagen hervor, die sich in seiner Heidelberger Personalakte
befinden. Da Baehr seine Berliner Wohnung verloren hatte, wohnte er und seine Familie
sogar bis Oktober 1947 in Sermuth. Zu Kohl und seiner Familie siehe unsere entsprechende
Fußnote im folgenden Kapitel 6.3 .
83
der generelle Zustand an der Demarkationslinie in der Literatur beschrieben.
In Sermuth scheint die Handhabung des Überschreitens der Demarkationslinie
von den Amerikanern jedoch liberaler gehandhabt worden zu sein, zumindest
bis kurz vor der Besetzung des östlichen Teils von Sermuth durch das sowjetische Militär. Denn Kahrstedt schreibt in seinem Brief vom 18. Juli 1945 (zitiert
in der obigen Fußnote), daß in Sermuth die Brücke über die Mulde [erst] am
7. Mai 1945 gesperrt worden sei. Offenbar wollten oder konnten die im östlichen Teil von Sermuth wohnenden Institutsmitarbeiter trotzdem nicht in den
westlichen Teil umziehen.
Über die Weiterarbeit des Instituts in der Zeit von Mitte April 1945 bis
in den Juni 1945 besitzen wir keine Unterlagen. Vermutlich ging aber die Arbeit doch weiter, den Zeitumständen entsprechend sicher jedoch in stark reduziertem Umfang. Aus den im Institutsarchiv aufbewahrten Gehaltslisten von
Mitarbeitern geht hervor, daß das letzte Monatsgehalt noch für April 1945
ausgezahlt wurde, dann aber nicht mehr für Mai und Juni 1945. Aus der gegebenen Situation heraus ist dies verständlich. (Übrigens wurden die Gehälter
für Mai und Juni 1945 denjenigen Mitarbeitern, die aus Sermuth in den Westen evakuiert wurden, im Jahr 1946 nachgezahlt (laut einer Bescheinigung der
Universitätskasse Heidelberg vom 21. April 1947).)
6.2
Der bevorstehende Abzug der Amerikaner aus Sermuth
Die militärische Demarkationslinie war nicht identisch mit der späteren Zonengrenze zwischen der amerikanischen bzw. britischen Besatzungszone und der
sowjetischen Besatzungszone. Die Grenzen der (zunächst drei) Besatzungszonen und die Aufteilung Berlins in Sektoren waren bereits 1944 von der Eu”
ropean Advisory Commission“ in London ausgearbeitet worden. Sie folgten
den in Deutschland vorhandenen politisch-administrativen Grenzen. Der für
Sermuth relevante Teil der künftigen Zonengrenze ist in Fig. 8 mit grünen
Punkten gekennzeichnet.
Die amerikanischen Truppen mußten daher den vorübergehend besetzten
Raum zwischen Demarkationslinie und Zonengrenze wieder räumen. Als Termin für die Übergabe des Gebietes an die sowjetischen Truppen und ihre Administration wurde der 1. Juli 1945 vereinbart. In den ersten Tagen des Julis
1945 erfolgte dann auch tatsächlich der Besatzungswechsel. Im Gegenzug zogen in der Zeit vom 1. bis 4. Juli 1945 amerikanische und englische (später
auch französische) Truppen in die westlichen Sektoren von Berlin ein.
Vor dem Rückzug hatte allerdings das Alliierte Oberkommando einen Geheimbefehl erlassen, daß alle deutschen Wissenschaftler und Techniker, die den
84
USA und Großbritannien nützlich sein könnten, in die westlichen Besatzungszonen zu evakuieren seien. Eine sehr gute Beschreibung dieser Vorgänge gibt
Henke (1995) in seinem Kapitel VI (Die Amerikaner an der Elbe), insbesondere im Unterkapitel 5 ( We take the brain“ - Die Zwangsevakuierung deutscher
”
Wissenschaftler und Techniker aus Mitteldeutschland). Der bekannteste Vorgang dieser Art ist der Abtransport von 126 leitenden Mitarbeitern der Firmen Carl Zeiss und Schott aus Jena in Richtung Westen am 24. Juni 1945. Sie
durften ihre Familien und einen kleinen Teil ihres Hausrats mitnehmen. Auf
amerikanischen Armeelastwagen wurden sie nach Heidenheim (Württemberg)
transportiert. Sie bauten ab 1946 in Oberkochen das westliche Zeiss-Werk auf.
Dieser Befehl zur Zwangsevakuierung wurde von den amerikanischen Truppen auch auf das Astronomische Rechen-Institut angewandt. Zusätzlich zum
Charakter des Instituts als wissenschaftliche Einrichtung erhöhte zweifellos seine Unterstellung unter die deutsche Kriegsmarine in den Augen der Amerikaner
seine Bedeutung.
Das amerikanische Militär kannte sicher auch (zumindest durch Hinweise
von Kopff) die engen Beziehungen des Astronomischen Rechen-Instituts zu den
Ephemeriden-Instituten in Washington und London, die selbst während des
Zweiten Weltkriegs nicht abgerissen waren. Der Austausch der Ephemeriden erfolgte nämlich bis 1945 über das neutrale Schweden durch die Vermittlung von
Bertil Lindblad (1895-1965), dem Direktor der Stockholmer Sternwarte (siehe Wielen R. und Wielen U. (in Vorbereitung)). Entsprechende Schriftstücke
befanden sich sogar in den Akten des Instituts in Sermuth (was wir daraus
schließen können, daß sie heute im Archiv des Instituts in Heidelberg liegen).
Diese engen Kontakte des Instituts zu den USA und zu England waren gewiß
ein weiteres Argument für die Amerikaner, das Institut bei ihrem Rückzug
nicht den Sowjets in die Hände fallen zu lassen.
Die Mitarbeiter des Instituts waren aber nicht nur zur Umsiedlung verpflichtet worden, sondern die meisten begrüßten sicher auch ihre Evakuierung
in eine westliche Besatzungszone, weil sie von der bevorstehenden sowjetischen
Besetzung Schlimmeres erwarteten. Insbesondere Kopff hatte sicherlich große
Sympathien für eine Evakuierung nach Heidelberg. Er war dort geboren, hatte
Verwandte in der Stadt, und wußte sicher auch, daß Heidelberg im Zweiten
Weltkrieg kaum zerstört worden war. Ferner war er bis 1924 außerordentlicher
Professor der Universität Heidelberg und Mitarbeiter der Sternwarte auf dem
Königstuhl. Einen Ruf nach Heidelberg auf das Ordinariat für Astronomie als
Nachfolger von Max Wolf (1863-1932) hatte Kopff zwar Anfang 1933 abgelehnt,
aber der frühere Ruf öffnete ihm natürlich in Heidelberg viele Türen. Vor allem
aber konnte man von der Sternwarte auf dem Königstuhl und von der Universität Heidelberg fachlich und räumlich eine erste Unterbringungsmöglichkeit
für das Institut erhoffen.
85
Andere Mitglieder des Instituts standen einem Umzug nach Heidelberg oder
in eine andere Stadt im Westen eventuell weniger positiv gegenüber. Vor allem,
wer in Berlin oder Umgebung noch über eine nicht zerstörte Wohnung verfügte
(z.B. die Familie Kahrstedt in Berlin-Lichterfelde), wollte diese sicher nicht so
ohne Weiteres aufgeben. Andererseits schreibt Kahrstedt in seinem Brief vom
18. Juli 1945 (zitiert in einer obigen Fußnote): Wir auf dem Ostufer [der
”
Zwickauer Mulde] dagegen konnten trotz mehrfach wiederholter Versuche die
Erlaubnis, die Mulde zu überschreiten und uns so dem Institut anzuschließen,
von der russischen Kommandantur nicht erhalten. Die oben genannten Institutsmitglieder [Kahrstedt, Baehr, Höhne] sind damit vom Institut getrennt.“.
Das Resultat war jedenfalls, daß der Hauptteil des Instituts nach Heidelberg
evakuiert wurde und nur wenige Mitarbeiter des Instituts in Sermuth verblieben. Da es sich bei der amerikanischen Aktion mehr oder weniger um eine
zwangsweise Evakuierung gehandelt hat, hätten Kahrstedt, Baehr und Höhne
sicher auch nach Heidelberg umziehen müssen, falls sie im westlichen Teil Sermuths gewohnt hätten. Kohl ist wohl nur deswegen nicht nach Heidelberg evakuiert worden, weil er sich nicht in Sermuth aufhielt (siehe unsere Fußnote zu
Kohl in Kapitel 6.3). Die in Sermuth verbliebenen Mitglieder des Instituts bildeten die Keimzelle des östlichen Teils“ des Astronomischen Rechen-Instituts,
”
der sich ab 1946 an der Sternwarte in Babelsberg ansiedelte (siehe Kapitel 8).
6.3
Die Übersiedlung des Instituts von Sermuth über
Würzburg nach Heidelberg
Die im vorigen Kapitel beschriebene (Zwangs-)Evakuierung des Astronomischen Rechen-Instituts aus Sermuth erfolgte am 20. Juni 1945 61 .
Als Zielort für die Evakuierung des Instituts hatte Kopff eindeutig Heidelberg ausgesucht (siehe oben). Aber auch das amerikanische Militär fand diesen
Vorschlag sicher gut. Denn in Heidelberg befanden sich wichtige Führungsstäbe
der US-Armee, die sich eher mit dem endgültigen Schicksal dieses für die einfacheren amerikanischen Militärs in Sermuth bzw. Grimma sicher schwer einzuschätzenden Instituts ( Rechen-Institut der Kriegsmarine, aber Zusammen”
arbeit mit dem U.S. Naval Observatory während des Zweiten Weltkrieges ?“)
beschäftigen konnten. Der Marschbefehl für das Institut lautete aber zunächst
nach Würzburg, das bereits in der amerikanischen Besatzungszone lag.
61
Diese Datumsangabe und viele der anderen Informationen über den Umzug des Instituts
von Sermuth nach Heidelberg stammen aus mündlichen Mitteilungen von Herrn Prof. Dr.
Friedrich Gondolatsch (1904-2003; siehe Kapitel 11.5) an R.W. . Herr Gondolatsch hat, zusammen mit seiner Ehefrau, den Umzug selbst mitgemacht und war daher ein idealer Zeuge,
auch wenn die Ereignisse zum Zeitpunkt der Gespräche schon längere Zeit zurücklagen. Der
Abzugstermin des Instituts aus Sermuth (20. Juni 1945) wird in Kahrstedts Brief vom 18.
Juli 1945 (zitiert in einer früheren Fußnote) bestätigt.
86
Der Marschbefehl von Sermuth nach Würzburg wurde von den Amerikanern in Würzburg eingezogen62 . Er liegt uns daher nicht vor. Dagegen kennen
wir den Inhalt von drei Anlagen zum Marschbefehl, die wir in Kapitel 10 unter dem Datum Juni 1945“ ∗∗ ediert haben. Kopff bezeichnet sie als Ausweis
”
”
für das Institut bei der Übersiedlung nach dem Westen, ausgest[ellt ] v[on]
Capt[ain] Day in Grimma“. Laut Stempeln auf den Anlagen war Captain Day
Military Government Officer“ der Allied Expeditionary Force“ des Military
”
”
”
Government“.
Die drei Anlagen des Marschbefehls enthalten: (1) das Personalverzeichnis
der in Sermuth befindlichen Personen, die mit dem Institut verbunden waren
(zusätzlich zu den Mitarbeitern auch Ehefrauen, Kinder und andere Verwandte), geordnet nach der Stellung im Institut, insgesamt 33 Personen. (2) das
Personalverzeichnis für die Übersiedlung nach dem Westen, eingeteilt in Personen, die registriert“ bzw. nicht registriert“ waren und in (fünf) Russische
”
”
”
Emigranten“, insgesamt 34 Personen (eine mehr als unter (1)); (3) die Aufstellung der dem Institut gehörenden, mitgeführten Gegenstände (zumeist Teile
der Bibliothek, 5 größere Rechenmaschinen und einige kleinere, 4 Schreibmaschinen, wenige Büromöbel, aber auch das persönliche Gepäck der Mitglieder
des Instituts). Worauf sich der Ausdruck registriert“ bezieht, wird aus den
”
Schriftstücken nicht klar. Sicher ist nur, daß die nichtregistrierten“ Personen
”
in Sermuth zurückblieben. Die russischen Emigranten wurden auf Anordnung
der Militärregierung nach Westen mitgenommen. 63
Der Transport des Instituts erfolgte mit zwei Lastkraftwagen mit Anhänger . Es handelte sich wohl um deutsche Fahrzeuge, die von der US-Armee
64
Angabe von Kopff in seinem Brief vom 17. August 1950 ∗∗ an den Universitäts-Offizier
der Universität Heidelberg
63
Wir vermissen in den Listen (1) und (2) die Namen des Hauptobservators Kohl, seiner
Ehefrau und seiner Tochter. Deren Umsiedlung nach Sermuth war 1944 zumindest geplant
gewesen. In einer Postkarte vom 9. Oktober 1945 ∗∗ an den Astronomen Karl Schiller schreibt
Kopff: Kahrst[edt ], Baehr und Frl. Höhne, sowie Kohl sind zurückgeblieben.“. Kohl und
”
seine Familie wohnten bei Kriegsende offensichtlich nicht (oder nicht mehr ?) in Sermuth.
Dies wird durch einen Brief von Gondolatsch an den Astronomen Cuno Hoffmeister vom 25.
Februar 1949 ∗∗ bestätigt, in dem Gondolatsch erwähnt, daß sich Kohl und seine Familie
1945 in Delitzsch aufhielten. Die Kleinstadt Delitzsch liegt nördlich von Leipzig und war
der Geburtsort von Kohl. Sie lag westlich der Elbe-Mulde-Linie im zunächst amerikanisch
besetzten Gebiet. Delitzsch ist von Sermuth knapp 60 km entfernt. Ob Kohl die Evakuierung
in den Westen nicht mitmachen wollte oder ob andere Gründe ihn und seine Familie daran
hinderten, sich dem Umzug des Instituts nach Heidelberg anzuschließen, wissen wir nicht.
Im Archiv des Instituts befinden sich nur zwei Briefentwürfe (auf Deutsch und Englisch) von
ca. Juni 1945 ∗∗ , in denen Kopff die Militärbehörden in Delitzsch bittet, Kohl und seiner
Familie die Reise von Delitzsch nach Würzbug zu gestatten. Später waren Kohl und seine
Tochter am östlichen Teil des Astronomischen Rechen-Instituts tätig.
64
Die Anlage zum Marschbefehl führt nur einen Lastwagen-Fahrer (Eugen Hodakowsky)
auf. Der Fahrer des anderen Wagens hatte vermutlich keinen Bezug zum Institut und wurde
daher nicht im Personalverzeichnis aufgeführt.
62
87
requiriert worden waren. Die Mitarbeiter des Instituts fuhren in bzw. auf diesen
Wagen mit. Sie durften auch Teile ihres privaten Eigentums mitnehmen.
Die Fahrt war relativ schwierig, wie man es unter den allgemeinen Bedingungen direkt nach Kriegsende nicht anders erwarten konnte. Insbesondere
die Beschaffung von Treibstoff für die Lastwagen bereitete große Probleme.
Vermutlich wären hier Fahrzeuge der US-Armee von Vorteil gewesen.
Als Ziel des Transportes nannte der amerikanische Marschbefehl, wie oben
erwähnt, zunächst Würzburg und nicht Heidelberg. Den Grund dafür kennen
wir nicht. Würzburg liegt allerdings an der Strecke von Sermuth nach Heidelberg. In Würzburg hatte der Treck des Instituts bereits ungefähr zwei Drittel
des Weges von Sermuth nach Heidelberg zurückgelegt.
Falls die Amerikaner in Sermuth bzw. in Grimma geglaubt hatten, daß
Würzburg auch ein mögliches Ziel für die längerfristige oder gar dauerhafte
Ansiedlung des Instituts sein könnte, so stellte sich dies dort sofort als Irrtum heraus: Würzburg lag fast völlig in Trümmern. Am Abend des 16. April
1945 hatten britische Bomber einen extrem starken Angriff auf Würzburg unternommen. Danach waren in der Innenstadt ungefähr 90 % aller Gebäude
zerstört.
Selbst wenn in Würzburg Unterkünfte für das Institut und seine Mitarbeiter zur Verfügung gestanden hätten, so war es doch aus astronomisch-fachlicher
Sicht viel weniger geeignet als Heidelberg. Das Mathematische Institut der Universität Würzburg besaß vor dem Zweiten Weltkrieg zwei kleine Sternwarten,
die aber beide 1945 zerstört waren. Der astronomische Teil der Bibliothek war
auch relativ klein.
Der Aufenthalt des Instituts und seiner Mitarbeiter in Würzburg dauerte
nur wenige Tage. In Würzburg wurde von den Amerikanern ein neuer Marschbefehl für das Institut, nun nach Heidelberg, ausgestellt. Am 30. Juni 1945
erreichte der Treck des Instituts endlich Heidelberg.
88
7
Das Astronomische Rechen-Institut
in Heidelberg. Die Zeit von 1945 bis 1954.
Seit dem 30. Juni 1945 befindet sich das Astronomische Rechen-Institut in
Heidelberg.
Zur Fortführung der wissenschaftlichen Arbeiten des Instituts an seinem
neuen Standort Heidelberg hatten die folgenden Schritte höchste Priorität:
(1) die administrative Etablierung des Instituts;
(2) die Beschaffung von Diensträumen für das Institut;
(3) die Klärung der Finanzierung der Institutsarbeit;
(4) die Wohnraumbeschaffung für die Institutsmitarbeiter.
Kopff widmete sich diesen Aufgaben sofort mit großer Intensität und erzielte überraschend schnell gute Erfolge.
7.1
Das Institut und der Beginn seiner Verbindung zur
Universität Heidelberg
In Berlin war das Institut eine wissenschaftliche Forschungseinrichtung des
Staates Preußen und wurde administrativ von der Berliner Friedrich-WilhelmsUniversität betreut 65 . Beide Verbindungen waren 1945 mit der Verlagerung des
Instituts nach Heidelberg naturgemäß beendet. Die Unterstellung des Instituts
unter die deutsche Kriegsmarine war ebenfalls mit Kriegsende (vereinbarungsgemäß 66 und mangels Kriegsmarine) erloschen.
Heidelberg gehörte bis 1945 zum Land Baden mit seiner Hauptstadt Karlsruhe. Im Juli 1945 gab es hier aber keine deutsche Staatsverwaltung mehr, an
die sich Kopff hätte wenden können.
Die einzige deutsche Organisation, die bei der Klärung der Zukunft des
Instituts helfen konnte, war die Universität in Heidelberg. Daher nahm Kopff
Anfang Juli 1945, also nur wenige Tage nach der Ankunft des Instituts in
Heidelberg, Verhandlungen mit der Universität auf.
Allerdings war die Universität Heidelberg 1945 selbst in großen Schwierigkeiten 67 . Zwar waren praktisch keine Kriegsschäden an ihren Gebäuden zu
65
Kassenmäßig wurde das Institut in Berlin durch die Kasse der Berliner Universität und
die Kasse des nahegelegenen Botanischen Gartens betreut
66
Siehe Schreiben vom 15. Mai 1944 ∗∗
67
Eine gute Beschreibung der Schließung und des Neubeginns der Universität Heidelberg
im Jahre 1945 gibt de Rosa (1985)
89
beklagen, aber ihre Arbeit war drastisch eingeschränkt worden. Heidelberg war
am 30. März 1945 von amerikanischen Truppen besetzt worden. Am 1. April
1945 ordnete die lokale amerikanische Kommandantur die sofortige Schließung
der Universität an. Kurz danach aber bildete sich mit Billigung durch die
Amerikaner der sogenannte Dreizehnerausschuß“ zur Vorbereitung der Wie”
dereröffnung der Universität. Führende Köpfe in diesem Gremium waren der
1937 zwangsweise emeritierte Philosophie-Professor Karl Jaspers (1883-1969)
und der Mediziner Karl Heinrich Bauer (1890-1978), aber auch der Chemiker Karl Freudenberg (1886-1983). Am 8. August 1945 wurden Bauer zum
Rektor der Universität und Freudenberg zum Dekan der Naturwissenschaftlich-Mathematischen Fakultät gewählt. Die feierliche Wiedereröffung der Universität (zunächst nur im Fach Medizin) erfolgte am 15. August 1945. In der
Naturwissenschaftlich-Mathematischen Fakultät begann der Lehrbetrieb erst
wieder im Dezember 1945.
Das positive Resultat der Verhandlungen Kopffs mit der Universität Heidelberg erfahren wir aus einem undatierten Brief von Freudenberg an Kopff.
Leider kennen wir den Inhalt dieses Briefes nur aus einem Durchschlag eines
anderen Briefes von Freudenberg, den er am 10. Juli 1945 68 an die Amerikanische Militärverwaltung in Heidelberg richtete und dem er eine englische
Übersetzung seines Briefes an Kopff beifügte. Aus dem Brief vom 10. Juli
geht hervor, daß Freudenberg die Angelegenheit bereits am 6. Juli 1945 mit
den Amerikanern besprochen hat. Seine Unterredung mit Kopff muß also noch
früher erfolgt sein.
Im Brief Freudenbergs an Kopff erklärt die Naturwissenschaftlich-Mathematische Fakultät (vertreten durch Freudenberg und drei weitere Professoren),
daß sie sich sehr freuen würde, wenn sich das Astronomische Rechen-Institut
in Heidelberg niederließe und in enger Kooperation mit der Fakultät arbeitete.
Allerdings müßte das Institut eine unabhängige Einrichtung bleiben und
sich selbständig finanzieren. Die Universität könnte weder Geld noch Stellen
für das Institut bereitstellen. Über sonstige Amtshilfe (z.B. durch die Universitätskasse) müßte später verhandelt werden.
Hinsichtlich der Unterbringung schlägt die Fakultät vor, die Amerikaner
um entsprechende Räume außerhalb der Universität zu bitten.
Die sehr schnelle und positive Stellungnahme der Universität zur Ansiedlung des Astronomischen Rechen-Instituts in Heidelberg kann auf drei Ursachen zurückzuführen sein: (a) Die Universität sah in der Anbindung des renommierten Instituts eine begrüßenswerte Ergänzung ihres eigenen Forschungsprofils. Dieses Motiv könnte in der damaligen schwierigen Lage der Univer68
Ein Durchschlag des Briefes befindet sich im Universitätsarchiv Heidelberg (UASignatur: 70g, B-6905, Astronomisches Recheninstitut, Allgemeines, Jahr: 1945-58)
90
sität besonders wichtig gewesen sein. (b) Kopff war der Universität noch aus
der Vorkriegszeit sehr gut bekannt, weil er 1932/33 den Ruf auf die ordentliche Professur für Astronomie der Universität Heidelberg und als Direktor
der Heidelberger Sternwarte erhalten hatte 69 . Kopff hatte diesen Ruf zwar
abgelehnt, aber das hat seinem Renommee sicher nicht geschadet. (c) Als wesentlich mitentscheidende Ursache vermuten wir das Ansehen, das das Institut
bei der amerikanischen Militärregierung genoß (siehe folgendes Kapitel). Aus
dem Brief von Freudenberg vom 10. Juli 1945 geht zwar nicht hervor, ob die
Militärregierung ihn oder andere Repräsentanten der Universität direkt zu einer Stellungnahme zum Astronomischen Rechen-Institut aufgefordert hatte.
Wir vermuten dies aber, denn Kopff hat in seinen Verhandlungen mit der Militärregierung sicher darauf hingewiesen, daß in Heidelberg zur Zeit nur die
Universität das Institut effektiv unterstützen könne. Angesichts der damaligen
Lage der Universität wäre es für sie nicht besonders klug gewesen, der Militärregierung in der Frage der gewünschten Anbindung des Instituts an die
Universität nicht entgegenzukommen.
Am 26. November 1945 richtete Freudenberg als Dekan der Fakultät zwei
Briefe an den Präsidenten der Landesverwaltung Baden (in Karlsruhe), Abteilung Kultus und Unterricht 70 .
Im ersten Brief unterbreitet der Dekan im Auftrag des Rektors einen Vorschlag zum Astronomischen Rechen-Institut. Zunächst begrüßt die Universität
erneut die Niederlassung des Instituts in Heidelberg, weil sie in dem Verkehr
”
mit diesem Institut eine bedeutende Bereicherung ihres wissenschaftlichen Lebens erblickt.“. Das Institut habe zentrale, klar umrissene Aufgaben für ganz
Deutschland. Es sollte daher selbständig bleiben und einen eigenen Etat erhalten, aber nicht zu Lasten der Universität. In Zukunft würde hoffentlich
eine deutschlandweite Organisation geschaffen werden, die solche überregional
tätigen Institute betreue. Das Land Baden sollte aber zunächst übergangsweise
( etwa bis Frühjahr 1947“) das Institut finanzieren. Die Universität sei bereit,
”
das Rechnungswesen des Instituts über das Verwahrbuch [der Universität ] zu
”
leiten.“. Abschließend stellt die Fakultät in Aussicht, für Kopff eine Honorarprofessur zu beantragen, sobald der Zeitpunkt hierfür gekommen ist.“.
”
Im zweiten Brief vom 26. November 1945 behandelt der Dekan die Frage
der möglichen Besetzung der freien Stelle des Direktors der Landessternwarte
und des Ordinariats für Astronomie. Der bisherige Stelleninhaber, Heinrich
Vogt (1890-1968), war 1945 von der Universität aufgrund eines Erlasses der
amerikanischen Militärregierung aus politischen Gründen entlassen worden.
Der Dekan berichtet nun, daß der Gedanke ausgesprochen worden sei“, Kopff
”
69
Zum Beispiel hatten Freudenberg und die beteiligten Professoren Seybold und Erdmannsdörffer in den Jahren zwischen 1927 und 1945 das Amt des Dekans der Naturwissenschaftlich-Mathematischen Fakultät bekleidet (zum Teil sogar mehrfach)
70
Durchschläge der beiden Briefe befinden sich im Universitätsarchiv Heidelberg (UASignatur: 70g, B-6905, Astronomisches Recheninstitut, Allgemeines, Jahr: 1945-58)
91
diese Stelle zu übertragen. Die Fakultät sehe aber Hindernisse für diesen Plan.
Kopff sei bereits 64 Jahre alt und auch politische Gründe sprächen dagegen.
Wichtigstes Argument gegen Kopff sei aber seine fachliche Ausrichtung. Er
vertrete die klassische Astronomie. Die Fakultät halte es dagegen für richtiger,
den Lehrstuhl mit einem Astrophysiker zu besetzen. Auch wäre die Leitung
”
der Landessternwarte, des Recheninstituts und die Wahrnehmung des Ordinariats eine nicht zu bewältigende Aufgabe für einen Einzelnen.“ 71 . Ihm müßte
für das Astronomische Recheninstitut ein bewährter Abteilungsleiter zugeteilt
werden; eine ins Gewicht fallende Ersparnis würde daher durch die Vereinigung
der drei Aufgaben in einer Person nicht erzielt.“.
Ein wichtiges Zeichen für die Kooperation des Instituts mit der Universität
war zunächst der Antrag der Fakultät vom 7. Dezember 1945, Kopff einen
Lehrauftrag für zwei 2-stündige astronomische Vorlesungen zu erteilen. Die
Vergabe dieses Lehrauftrags erfolgte durch die Universität am 14. Dezember
1945.
Am 2. Januar 1946 schrieb Kopff einen Brief 72 an den Rektor der Universität Berlin, in dem er seine Lage und die des Astronomischen Rechen-Instituts
schildert: Da meine Verhältnisse sich erst in letzter Zeit hinreichend geklärt
”
haben, bin ich erst jetzt in der Lage, mich an Sie zu wenden. ... das Astronomische Rechen-Institut [ist ] von der amerikanischen Militärregierung anerkannt worden ... Auch ich persönlich bin als Direktor anerkannt, ebenso ist ein
Lehrauftrag für mich an der Universität Heidelberg von der Militärregierung
genehmigt worden.“. Dennoch versucht Kopff verständlicherweise, sich eine
gewisse Rückversicherung in Berlin zu erhalten. Ich lege jedoch den größten
”
Wert darauf, meine ordentliche Professur in Berlin nicht zu verlieren, und bitte
deshalb darum, im dortigen Lehrkörper weitergeführt zu werden, wie das in
entsprechenden Fällen früher mehrfach gehandhabt worden ist.“ 73 .
Der Ruf auf das freie Ordinariat für Astronomie der Universität Heidelberg ging im Frühjahr 1946 zunächst an den Astrophysiker Hans Kienle (18951975), den Direktor des Astrophysikalischen Observatoriums in Potsdam. Der
Fakultät wurde aber schnell klar, daß eine Berufung über Zonengrenzen hinweg
damals 74 kaum machbar war. Die Fakultät änderte daher in einem Schreiben
71
Kurze Zeit später sah die Fakultät das aber anders. Siehe weiter unten.
Original im Archiv der Humboldt-Universität, Akte: Rektorat 311, Blatt 21
73
Die Berliner Universität ist diesem Wunsch von Kopff aber offensichtlich nicht gefolgt.
Im Personal- und Vorlesungsverzeichnis. Wintersemester 1946/47“ der Universität Berlin,
”
das uns als erstes Verzeichnis nach Kriegsende vorliegt, ist Kopff nicht verzeichnet. Das
Problem erledigte sich aber im Frühjahr 1947, als Kopff auf das Ordinariat für Astronomie
der Universität Heidelberg berufen wurde.
74
Dagegen konnte Kienle 1950, nachdem er einen erneuten Ruf nach Heidelberg erhalten
hatte, diesen zweiten Ruf annehmen und von Potsdam nach Heidelberg übersiedeln
72
92
vom 20. Juli 1946 75 ihre Meinung und bat, Herrn Prof. Kopff auf den Lehr”
stuhl für Astronomie zu berufen mit Wirkung vom 1. VIII. 46.“. Nachdem
Kienle aber erst im Februar 1947 den Ruf auch offiziell ablehnte, konnte Kopff
erst am 1. März 1947 zum ordentlichen Professor für Astronomie der Universität Heidelberg und zum Direktor der Landessternwarte ernannt werden.
Kopff blieb aber zugleich auch Direktor des Astronomischen Rechen-Instituts.
Kopff persönlich war damit endlich voll in Heidelberg angekommmen. Für das
Institut war diese Entwicklung aber natürlich auch positiv, weil Kopff jetzt
auch in seiner neuen Position viel für das Institut tun konnte.
In administrativer Hinsicht geht aus den uns zugänglichen Archiv-Unterlagen der genaue zeitliche Beginn der Betreuung des Instituts durch die Universität leider nicht hervor. Daß die Universitätskasse auch Amtskasse des Instituts war, können wir erst für das Jahr 1946 nachweisen. Inwieweit und ab wann
die Universität die Aufgaben einer personalverwaltenden Stelle“ für die Insti”
tutsmitarbeiter übernommen hat, bleibt unklar. Bezüglich der Unterbringung
des Instituts in Universitätsgebäuden verweisen wir auf Kapitel 7.4.
Kopff wurde nach Überschreiten der entsprechenden Altersgrenze am
8. Dezember 1950 als ordentlicher Professor für Astronomie der Universität
und als Direktor der Landessternwarte emeritiert. Sein Nachfolger in diesem
Amt wurde Kienle aus Potsdam, der diesmal den Ruf nach Heidelberg auch
annahm und seine Stelle im Oktober 1950 antrat.
Kopff blieb aber wunschgemäß Direktor des Astronomischen Rechen-Instituts, und zwar bis zum 1. Dezember 1954. In die Auswahl seines Nachfolgers
als Institutsdirektor war die Universität Heidelberg aber auch eingebunden
(siehe Kapitel 7.8).
7.2
Das Institut und die amerikanische Militärregierung
7.2.1
Das allgemeine Verhältnis des Instituts zur amerikanischen
Militärregierung
Das Verhältnis des Astronomischen Rechen-Instituts zur amerikanischen Militärregierung war sehr gut. Grund dafür war sicher die jahrzehntelange, hervorragende Zusammenarbeit des Instituts mit dem U.S. Naval Observatory in
Washington und dem H.M. Nautical Almanac Office in London auf dem Gebiet der Berechnung astronomischer Jahrbücher. Selbst während des Zweiten
Weltkrieges war der Austausch von Ephemeriden über das neutrale Schweden
75
Durchschlag des Briefes des Dekans der Fakultät an den Präsidenten der Landesverwaltung Baden (Abt. Kultus und Untericht) im Universitätsarchiv Heidelberg (Personalakte
Kopff)
93
weitergegangen (siehe Wielen R. und Wielen U. (in Vorbereitung)). Wir gehen
davon aus, daß die Militärregierung von der positiven Einschätzung des Instituts durch seine ausländischen Partner Kenntnis hatte und daher dem Institut
sowohl in Sermuth als auch in Heidelberg wohlwollend gegenüberstand. Als
Beispiel für positive Gutachten sei das Schreiben von Washington an Military
”
Government Heidelberg vom 12. Oktober 1945 zwecks Unterstützung [des Instituts]“ genannt, das uns allerdings nur aus einem späteren Zitat bekannt
ist 76 .
Zusätzlich hat sich vermutlich die Fürsprache durch den amerikanischen
Astronomen Gerard P. Kuiper positiv ausgewirkt, der sich 1945 als Mitglied
der militärischen Geheimdienst-Mission ALSOS in Deutschland aufhielt (siehe
folgendes Kapitel 7.2.2).
Um in Heidelberg arbeiten zu können, benötigte das Astronomische RechenInstitut eine Zulassung durch die Militärverwaltung. Diese Zulassung muß relativ bald erfolgt sein. Leider besitzen wir aber keine Unterlagen darüber. Erst
aus dem in Kapitel 7.1 zitierten ersten Brief des Dekans Freudenberg vom
26. November 1945 an den Präsidenten der Landesverwaltung Baden geht die
Zulassung sicher hervor. Denn Freudenberg erwähnt in diesem Brief, daß laut
einer Mitteilung von Kopff das Astronomische Rechen-Institut von der amerikanischen Militärregierung anerkannt worden sei. In einem Brief vom 13. Dezember 1945 77 an Otto Heckmann, den Direktor der Hamburger Sternwarte,
vermutet Kopff sogar, daß das Astronomische Rechen-Institut wohl das erste wissenschaftliche Institut war, das in der amerikanischen Zone genehmigt
wurde.
In seinem Brief vom 16. Januar 1946 ∗∗ erlaubt dann das Military Govern”
ment Office, Heidelberg-University“, vertreten durch Major Earl L. Crum,
die Fortsetzung der Arbeiten des Astronomischen Rechen-Insituts. Besonders
wichtig für das Institut war auch der Schlußsatz des Briefes, in dem alle deutschen Stellen aufgefordert werden, dem Institut any assistance“ (d.h. jedwede
”
Hilfe) zu gewähren.
76
Das Schreiben vom 12. Oktober 1945 war die Anlage 3 des Briefes von Kopff vom
17. August 1950 ∗∗ an den Universitäts-Offizier der Universität Heidelberg, J. Breitenbucher. Von diesem Brief von 1950 befinden sich Abschriften sowohl im Archiv des Instituts als auch im Universitätsarchiv Heidelberg (UA-Signatur: 70g, B-6905, Astronomisches Recheninstitut, Allgemeines, Jahr: 1945-58) und im Generallandesarchiv Karlsruhe
(GLA-Signatur: 481 Nr. 402, Präsident des Landesbezirks Baden / 1945-1952, Astronomisches Recheninstitut in Heidelberg). Leider sind die Anlagen zu diesem Brief den Durchschlägen nicht vollständig oder gar nicht beigefügt worden. Insbesondere die im Brief zitierte
Anlage 3 fehlt in allen drei Archiven. Mit Washington“ ist vermutlich das U.S. Naval
”
Observatory gemeint.
77
Ein Auszug aus diesem Brief befindet sich als Anlage Nr. 1 (Unterpunkt 3) zu einem Brief
von Kopff vom 11. April 1954 an den Rektor der Universität Heidelberg im Universitätsarchiv
Heidelberg (UA-Signatur: 70g, B-6905, Astronomisches Recheninstitut, Allgemeines, Jahr:
1945-58)
94
Am 29. April 1946 verkündete der Alliierte Kontrollrat für Deutschland
das Gesetz Nr. 25 zur Regelung der wissenschaftlichen Forschung. Nach Artikel IV dieses Gesetzes durfte Forschung nur in Forschungsinstituten betrieben werden, die vom zuständigen Zonenbefehlshaber ausdrücklich genehmigt
waren. Die Amerikaner erließen zu dem Gesetz besondere Ausführungsbestimmungen, die U.S. Military Government Regulations, Title 27“ (abgekürzt
”
MGR27). Der Rektor der Universität Heidelberg leitete am 10. Oktober 1946
die entsprechenden Weisungen an die Institute weiter, darunter auch an das
Astronomische Rechen-Institut.
Eine größere Zahl verschiedener Formulare mußten in Englisch und in
Deutsch ausgefüllt werden. Zahlreiche bearbeitete Originale und Durchschläge
dieser Formulare befinden sich noch im Archiv des Instituts (siehe Beschreibung des Konvoluts vom November/Dezember 1946 ∗∗ in Kapitel 10). Sie geben
einen guten Eindruck vom Aufbau und der Arbeit des Astronomischen RechenInstituts Ende 1946. Die Formulare tragen verschiedene Datumsangaben: 18.
November, 26. November und 14. Dezember 1946. Die Formulare wurden von
Kopff als Direktor und von Nowacki als Stellvertreterin unterzeichnet.
Zunächst erklärte Kopff allerdings in einem Brief vom 20. November 1946 ∗∗
an das zuständige Wirtschaftsministerium in Stuttgart, daß das Institut gar
nicht von diesem Gesetz betroffen sei. Es betreibe keine Forschung im Sinne von MGR27, sondern berechne nur Astronomische Jahrbücher und führe
andere Arbeiten ohne Forschungscharakter aus (Astronomische Bibliographie,
Kalender usw.). Kopffs Ausführungen wurden aber offenbar von den zuständigen Stellen (zunächst ?) nicht anerkannt, denn sonst wäre ja das Ausfüllen
der weiteren Fragebogen am 26. November und am 14. Dezember 1946 nicht
sinnvoll gewesen.
Von der weiteren Entwicklung der Genehmigung“ des Instituts aufgrund
”
von Kontrollratsgesetz Nr. 25 haben wir keine Kenntnis. Dies ist insofern erstaunlich, als ein genehmigtes Institut alle vier Monate einen technischen
”
Bericht“ und zusätzlich einen gemeinverständlich gehaltenen“ Jahresbericht
”
einzureichen hatte. Wir vermuten, daß die Genehmigung für das Institut entweder anstandslos erteilt wurde (seine Tätigkeit war ja schon vorher von den
amerikanischen Militärbehörden erlaubt worden) oder daß das Institut aufgrund Kopffs brieflicher Erklärung doch als nichtgenehmigungspflichtig eingestuft wurde.
In den nächsten drei Jahren schweigen die Akten in Bezug auf die Beziehungen zwischen dem Institut und der amerikanischen Militärregierung. Dann aber
ein Paukenschlag: Kopff hielt 1950 nach seiner Emeritierung als Ordinarius und
Direktor der Sternwarte die Zukunft des Astronomischen Rechen-Instituts in
Heidelberg für extrem gefährdet (siehe seine Briefe vom 29. Juli 1950 ∗∗ an
die Kultusverwaltung und an den Rektor der Universität; siehe auch Kapitel 7.4 und 7.5) und erbat und erhielt von vielen Institutionen und Kollegen
95
unterstützende Schreiben. Am wirkungsvollsten war aber gewiß die Reaktion
der Amerikaner, die wohl durch das U.S. Naval Observatory ausgelöst wurde:
Der Unterstaatssekretär (d.h. der stellvertretende Minister) des Marineministeriums, Kimball 78 , schrieb am 6. Juli 1950 ∗∗ einen Brief an den amerikanischen Außenminister Acheson 79 mit der Bitte, daß die entsprechenden Stellen
die weitere Unterstützung des Instituts sicherstellen sollten. Daraufhin schrieb
Acheson am 25. Juli 1950 ∗∗ an den Hohen Kommissar der USA für Deutschland, betonte dabei die Wichtigkeit des Instituts und verlangte vom Hohen
Kommissar einen Bericht über alle Aktionen deutscher Ämter, sofern diese
das Ziel hätten, die Unterstützung für das Institut zu beenden.
Die Aktion gelangte über weitere Zwischenstufen zur Kenntnis des amerikanischen Universitäts-Offiziers Breitenbucher 80 81 , der am 17. August 1950 82
den Rektor der Universität Heidelberg, Hess 83 , und den Präsidenten des Landesbezirks Baden des Landes Württemberg-Baden, Kaufmann 84 , von der Stellungnahme der höchsten Stellen der USA zum Weiterbestehen des Instituts
unterrichtete. Auf die Bitte von Breitenbucher hin sandte Kopff ihm am 17.
August 1950 ∗∗ ein längeres Memorandum zur Arbeit des Instituts. Für uns
sind insbesondere auch die zahlreichen Anlagen zu diesem Dokument wertvoll,
weil wir viele Schriftstücke aus dem Jahr 1945 nur von diesen Anlagen her kennen. Ein entsprechendes Schreiben mit den Anlagen richtete Kopff am 29. Juli
1950 ∗∗ auch an die zuständige Regierungsstelle in Karlsruhe. Die Universität
Heidelberg 85 und der Präsident des Landesbezirks Baden 86 versicherten, daß
sie die Arbeit des Instituts auch weiterhin voll unterstützen und eine bessere
Unterbringung des Instituts in Heidelberg anstreben würden.
78
Dan A. Kimball (1896-1970), damals Under Secretary of the Navy, Department of the
Navy, Washington D.C.
79
Dean G. Acheson (1893-1971), von 1949 bis 1953 Außenminister der USA
80
Dr. Jacques R. Breitenbucher war seit November 1949 Universitäts-Offizier für die Universität Heidelberg
81
Siehe Brief an Breitenbucher vom 7. August 1950 ∗∗
82
Das Schreiben Breitenbuchers an den Rektor der Universität befindet sich im Universitätsarchiv Heidelberg (UA-Signatur: 70g, B-6905, Astronomisches Recheninstitut, Allgemeines, Jahr: 1945-58), das an den Präsidenten des Landesbezirks Baden im Generallandesarchiv Karlsruhe (GLA-Signatur: 481 Nr. 402, Präsident des Landesbezirks Baden /
1945-1952, Astronomisches Recheninstitut in Heidelberg)
83
Der Romanist Gerhard Hess (1907-1983) war von Juli 1950 bis Juli 1951 Rektor der
Universität Heidelberg
84
Dr. Edmund Kaufmann (1893-1953) war von 1949 bis 1952 Präsident des Landesbezirks
Baden des Landes Württemberg-Baden
85
Siehe Schreiben der Universität (i.V. Fr[eudenberg, Prorektor ]) vom 15. August 1950 an
Kopff (Durchschlag im Universitätsarchiv Heidelberg, UA-Signatur: 70g, B-6905, Astronomisches Recheninstitut, Allgemeines, Jahr: 1945-58)
86
Siehe die Briefe des Präsidenten des Landesbezirks Baden: (1) vom 16. September 1950 ∗∗
an Kopff; (2) vom 29. September 1950 an Breitenbucher (Abschrift im Generallandesarchiv
Karlsruhe, GLA-Signatur: 481 Nr. 402, Präsident des Landesbezirks Baden / 1945-1952,
Astronomisches Recheninstitut in Heidelberg)
96
7.2.2
Gerard P. Kuiper und das Astronomische Rechen-Institut
Der amerikanische Astronom Gerard P. Kuiper (1905-1973)87 spielte direkt
nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges offenbar eine wichtige Rolle in der
Beziehung des Astronomischen Rechen-Instituts (und anderer deutscher astronomischer Einrichtungen) zur amerikanischen Militärregierung. Leider kennen
wir keine genaueren Einzelheiten über die Kontakte Kuipers zum Institut. Für
uns ist hier die wichtigste Quelle die Veröffentlichung von Kuiper selbst (Kuiper
1946) über den Zustand der deutschen Astronomie in und nach dem Zweiten
Weltkrieg. In diesem Artikel wird das Astronomische Rechen-Institut ausführlich besprochen. Insbesondere gibt Kuiper dort viele Informationen über das
Schicksal des Instituts im Jahre 1945 und beschreibt auch eingehend die Arbeiten, die das Institut 1945 weiterhin erledigt oder für die unmittelbare Zukunft plant. Diese Detailkenntnisse kann Kuiper eigentlich nur in intensiven
Gesprächen mit Kopff in Heidelberg erworben haben.
Kuiper war in Holland geboren und hatte dort 1933 in Astronomie an der
Universität Leiden bei Hertzsprung 88 promoviert. Er ging dann in die USA
und wurde 1937 amerikanischer Staatsbürger. Seit 1943 war er Professor an der
Universität von Chicago. Seine Arbeitsgebiete waren zunächst hauptsächlich
Doppelsterne, später aber das Sonnensystem. Heute ist er wohl am bekanntesten durch den von ihm 1951 vorgeschlagenen Gürtel von Kleinkörpern im
äußeren Sonnensystem, der jetzt Kuiper-Gürtel“ genannt wird und dem heute
”
auch Kleinplaneten wie z.B. Pluto zugerechnet werden.
Im Januar 1945 kam Kuiper nach Europa als Mitglied der sogenannten
ALSOS-Mission. In dieser Gruppe des amerikanischen Militärs arbeiteten Wissenschaftler und Mitglieder des militärischen Geheimdienstes OSS (Office of
Strategic Services) zusammen, um den Stand der deutschen Forschung festzustellen und gegebenenfalls beteiligte Personen und Materialien sicherzu”
stellen“. Das wichtigste Ziel war, den Stand der deutschen Kernforschung im
Hinblick auf eine mögliche Atombombe zu erkunden. Aber auch andere Fragestellungen und Aktionen waren Teil der ALSOS-Mission. Kuiper selbst war
zum Beispiel führend an der Evakuierung des 87jährigen Max Planck und seiner Frau Marga am 16. Mai 1945 von Rogätz nach Göttingen beteiligt 89 . Das
kleine Dorf Rogätz liegt westlich der Elbe, nördlich von Magdeburg (zur Orientierung siehe Fig. 8). Es lag, wie der westliche Teil von Sermuth, im zunächst
amerikanisch besetzten Teil Deutschlands, den ab 1. Juli 1945 die Sowjets als
Teil ihrer Besatzungszone übernahmen.
87
Nekrologe: Cruikshank 1974 und 1993
Ejnar Hertzsprung (1873-1967). Einer der Autoren (R.W.) führte noch als Student in
den Jahren von 1960 bis 1963 mit Hertzsprung einen intensiven Briefwechsel zur Bahnbestimmung visueller Doppelsterne (siehe Wielen 1962).
89
Cruikshank (1993, p. 265); Hoffmann (2008, S. 106)
88
97
Wenn man davon ausgeht, daß der amerikanische Geheimdienst OSS auch
nur halbwegs effektiv arbeitete, dann sollte dem OSS, und damit auch Kuiper
als Mitglied der ALSOS-Mission, bekannt gewesen sein, daß sich das Astronomische Rechen-Institut im (seit 15./16. April 1945) amerikanisch besetzten Teil
von Sermuth befand. Da sich Kuiper nachweislich (Evakuierung von Planck)
in dieser Region aufhielt, könnte es durchaus sein, daß er selbst nach Sermuth kam. Zumindest ist anzunehmen, daß er gegenüber den normalen amerikanischen Militärbehörden in diesem Bereich die Bedeutung des Instituts
unterstrich und die Evakuierung des Instituts von Sermuth nach Heidelberg
wärmstens unterstützte.
In seiner Veröffentlichung schreibt Kuiper (1946), daß er die meisten seiner
Informationen aus Deutschland bei persönlichen Besuchen der astronomischen
Einrichtungen im Zeitraum von April bis September 1945 gesammelt habe und
daß er einige der Einrichtungen sogar mehr als einmal besuchte. Wir glauben,
daß das Astronomische Rechen-Institut von ihm mehrmals besucht wurde:
einerseits, weil er so viele Informationen über das Institut gesammelt hat;
andererseits, weil Heidelberg auch ein günstiger Ausgangspunkt für Reisen in
das (französisch besetzte) Freiburg im Breisgau war, wo sich der Astronom
Karl-Otto Kiepenheuer (1910-1975) mit der Zentrale seiner weit gefächerten
Forschungseinrichtung für Sonnenphysik 90 befand. An Kiepenheuer und dessen
Arbeiten hatte Kuiper ein besonderes wissenschaftliches Interesse 91 .
Kuipers Meinung über Kopff war offenbar relativ positiv. In einem vertraulichen Brief 92 an einige amerikanische Sternwarten vom Juni 1946 reiht er
Kopff mit vier anderen deutschen Astronomen unter die politisch wenig belasteten Personen (mit den least unsatisfactory records“) ein. Dagegen schätzt
”
er Heinrich Vogt (bis 1945 Direktor der Heidelberger Sternwarte), Margarete Güssow (früher Sternwarte Babelsberg; siehe Kapitel 12) und fünf weitere
Astronomen als am stärksten politisch belastet ein. Die gute Meinung von Kuiper über Kopff hat dem Astronomischen Rechen-Institut während der amerikanischen Besatzungszeit sicher genutzt. Für Vogt war die negative Einschätzung
Kuipers vielleicht auch einer der Gründe für dessen schnelle Entlassung im
Sommer 1945.
Kuiper hat Kopff später sogar persönlich unterstützt. Kopff wurde nach
Kriegsende von Margarete Güssow juristisch angegriffen. Grund für ihren Angriff war vermutlich ihr (wohl eher unfreiwilliges) Ausscheiden aus der Sternwarte Berlin-Babelsberg als Observatorin im Juni 1944. Kuiper schrieb daraufhin einen offiziellen Brief, in dem er Güssow schwerste Vorwürfe wegen ihrer
früheren politischen und menschlichen Haltung machte 93 .
90
Heute: Kiepenheuer-Institut für Sonnenphysik in Freiburg i.B., Mitglied der LeibnizGemeinschaft
91
Siehe zum Beispiel: Seiler (2007)
92
Zitiert nach Seiler (2007, S. 224)
93
Abschrift des Briefes von Kuiper vom 22. Februar 1949 an Kopff im Universitätsarchiv
Heidelberg, Personalakte Kopff
98
7.3
Der Vorschlag für einen Umzug des Instituts nach
Hamburg
Von August bis Dezember 1945 wurde die Möglichkeit diskutiert, das Astronomische Rechen-Institut nach Hamburg zu verlegen und es dort in eine
hydrographische Einrichtung zu integrieren.
Die Britische Militärregierung hatte in einer Anordnung vom 3. Juli 1945
die Bildung einer zivilen Sonderbehörde befohlen, die sich aus der Deutschen
Seewarte Hamburg, dem Marineobservatorium Wilhelmshaven und der ehemaligen Amtsgruppe Nautik der Seekriegsleitung beim Oberkommando der
Kriegsmarine zusammensetzte. Diese Behörde wurde zunächst als German
”
Maritime Institute“ bzw. Deutsches Maritimes Institut“ bezeichnet. Am 12.
”
Dezember 1945 erkannte der Allierte Kontrollrat für Deutschland in Berlin diese Einrichtung als eine der wenigen vierzonalen Behörden an, und zwar unter
der Bezeichnung Deutsches Hydrographisches Institut“ 94 .
”
In das Deutsche Maritime Institut in Hamburg sollte aufgrund eines Vorschlags, den dessen kommissarischer Leiter Böhnecke 95 im August oder September 1945 der Britischen Militärregierung machte, auch das Astronomische
Rechen-Institut integriert werden. Ein wichtiges Problem bestand allerdings:
Das Astronomische Rechen-Institut befand sich in der Amerikanischen Besatzungszone, während sich alle anderen Teile des Deutschen Maritimen Instituts
in der Britischen Besatzungszone befanden. Eine Entscheidung über die Eingliederung des Instituts sollte daher der Alliierte Kontrollrat der vier Besatzungsmächte fällen. Dazu kam es aber wohl nicht, vermutlich auf Einspruch
der Amerikaner.
Wir kennen einen Teil der oben geschilderten Vorgänge aus einem Briefwechsel zwischen Kopff und Heckmann 96 , dem Direktor der Hamburger Sternwarte. Leider sind uns diese Briefe nicht direkt überliefert. Wir kennen sie nur
auszugsweise als Anlage Nr. 1 (Unterpunkte 1-3) zu einem Brief von Kopff
vom 11. April 1954 97 an den Rektor der Universität Heidelberg. Es handelt
sich um zwei Briefe von Heckmann an Kopff vom 28. September 1945 und vom
27. November 1945. Kopff hat Heckmann am 13. Dezember 1945 geantwortet.
94
Heute ist das Deutsche Hydrographische Institut Teil des Bundesamtes für Seeschiff”
fahrt und Hydrographie“
95
Günther Böhnecke (1896-1981), später Präsident des Deutschen Hydrographischen Instituts
96
Otto Heckmann (1901-1983)
97
Original des Anschreibens und Auszüge aus den Briefen Heckmanns im Universitätsarchiv Heidelberg (UA-Signatur: 70g, B-6905, Astronomisches Recheninstitut, Allgemeines,
Jahr: 1945-58)
99
In seinem Brief vom 28. September 1945 berichtet Heckmann von seinem
Gespräch mit Böhnecke über die geplante Integration des Rechen-Instituts und
stellt eine weitgehende Unterstützung der Hamburger Sternwarte in Aussicht.
Abschließend bemerkt Heckmann: Aber selbst wenn nichts aus dem Plan wird,
”
so dürfen Sie doch den amerikanischen Stellen gegenüber das starke Interesse
der Engländer betonen, schon um Vorteil daraus zu ziehen.“.
Am 27. November 1945 berichtet Heckmann dann über den Besuch von
Lt.Com. Smith“ 98 in Hamburg. Smith sei sehr gut unterrichtet gewesen über
”
die augenblickliche Situtation und die speziellen Probleme des Astronomischen
Rechen-Instituts. Besonders beeindruckt sei er, Heckmann, von den Stellungnahmen von Smith und des Astronomer Royal, Spencer Jones 99 , gewesen.
Beide hätten betont, daß es für das Astronomische Rechen-Institut überaus
”
erleichternd sein würde, wenn [das Institut ] im britischen Gebiet wäre.“. Heckmann habe ferner vom Hamburger Kultussenator Landahl 100 die Zusage erhalten, das Rechen-Institut (1 Direktor, 12 Wissenschaftler) aus dem Hamburgischen Etat zu finanzieren. Der Senator habe Heckmann ermächtigt, mit Kopff
in dieser Richtung zu verhandeln.
In seiner Antwort vom 13. Dezember 1945 lehnt Kopff einen Umzug des
Astronomischen Rechen-Instituts nach Hamburg ab. Die Lage des Instituts
in Heidelberg habe sich inzwischen wesentlich verbessert. Zu diesem raschen
Fortschritt habe wohl auch der Besuch von Smith in Heidelberg wesentlich
beigetragen 101 . Kopff dankt Heckmann und dem Senator für ihre Bemühungen
und schließt: Aber wir sind zufrieden, dass wir nicht noch einmal wandern
”
müssen.“.
7.4
Die räumliche Unterbringung des Astronomischen
Rechen-Instituts in Heidelberg
Naturgemäß stellte 1945 sowohl die Beschaffung von Arbeitsräumen für das
Institut als auch die Wohnraumversorgung der Mitarbeiter ein großes Problem
dar. Zwar war Heidelberg im Krieg kaum zerstört worden, aber gerade deswegen zogen viele Menschen aus stärker in Mitleidenschaft gezogenen Orten
98
Humphry M. Smith war ein Mitglied des Royal Greenwich Observatory und leitete dort
das Time Department. Seine offensichtlich militärische Funktion im Jahre 1945 in Deutschland ist uns unbekannt. Der Lieutenant Commander ist ein Offiziersdienstgrad der britischen
Royal Navy.
99
Sir Harold Spencer Jones (1890-1960). Er war von 1933 bis 1955 Astronomer Royal“
”
von England und Direktor des Royal Greenwich Observatory.
100
Heinrich Landahl (1895-1971). Von 1945-1953 und 1957-1961 Kultussenator von Hamburg
101
Wir vermuten: vor allem dadurch, daß den Amerikanern so das außerordentliche Interesse der Engländer an einer Übernahme des Instituts klar wurde
100
hierher. Ferner beschlagnahmten die Amerikaner viele Liegenschaften, darunter zum Beispiel auch das Gebäude der Neuen Universität“.
”
Die Hoffnung, daß das Institut Räume der Sternwarte auf dem Königstuhl
benutzen könnte, scheint zunächst nicht in Erfüllung gegangen zu sein (siehe auch Kapitel 7.5). Dagegen hat die Universität wohl sofort eine gewisse
Mitbenutzung des Mathematischen Instituts ermöglicht. Das Mathematische
Institut befand sich damals im sogenannten Friedrichsbau in der Heidelberger Altstadt. Das Gebäude liegt etwas zurückgesetzt an der Hauptstraße (Nr.
47-51). Vor dem Gebäude steht das Denkmal des Chemikers Robert Wilhelm
Bunsen (1811-1899).
Kopff schreibt am 9. Oktober 1945 ∗∗ in einer Postkarte an den Astronomen
Karl Schiller: Ich arbeite meist, wie alle anderen auch in der Wohnung; wir
”
treffen uns nur zu Besprechungen im Math[ematischen] Institut.“.
Unklar bleibt, wo die Institutsbibliothek und die Möbel des Instituts gelagert wurden. Die Rechenmaschinen hatten die Mitarbeiter wahrscheinlich zum
Arbeiten in ihre Wohnungen mitgenommen.
Kopff wohnte 1945 in Heidelberg-Neuenheim, Schröderstraße 45a. Dieses
Mietshaus liegt nahe der Ecke zur Werderstraße und damit nur einen Block
entfernt vom heutigen Domizil des Astronomischen Rechen-Instituts in der
Mönchhofstraße 12-14 (Haupteingang aber von der Werderstraße her).
Nach den Angaben in einer Gehaltsliste des Instituts vom 1. Juli 1946
wohnten die meisten Mitglieder des Instituts (Kopff, Heinemann, Gondolatsch,
Nowacki, Rabe) in Heidelberg. Nur der Observator Strobel wohnte fernab in
Stade (an der Elbe, westlich von Hamburg). Strobel war 1944 nicht mit dem
Institut nach Sermuth verlagert worden, weil er als Soldat im Heereswaffenamt tätig war. Er wurde deswegen auch nicht von Sermuth nach Heidelberg
evakuiert. Das Ehepaar Henne wohnte 1946 in Frankfurt am Main. Sie waren
zwar im Treck von Sermuth mit nach Heidelberg gekommen, scheinen hier aber
zunächst keine geeignete Wohnung gefunden zu haben. Da beide in Frankfurt
am Main geboren waren, hatten sie vielleicht dorthin noch verwandtschaftliche
Beziehungen.
Im Jahr 1946 wohnte Heinemann laut der oben genannten Gehaltsliste auf
der Sternwarte. Er arbeitete wohl auch dort, denn für ihn als Leiter der astronomischen Bibliographie (Astronomischer Jahresbericht) war die Bibliothek
der Sternwarte ein wichtiges Arbeitsmittel. Nach der Ernennung Kopffs zum
Direktor der Sternwarte am 1. März 1947 hat das Institut sicherlich weitere
Arbeitsräume auf der Sternwarte erhalten.
101
Spätestens ab August 1946 102 verfügte das Astronomische Rechen-Institut
über Räume im Anwesen Schulgasse 2 und 4 103 . Das Gebäude liegt gegenüber
der westlichen Seite der Jesuitenkirche. Das Anwesen wurde von der Universität Heidelberg vom Unterländer Studienfond angemietet, und das Institut
mußte für die Räume eine Monatsmiete von RM 60,- zahlen 104 . Die Nutzung
dieser Räume endete am 30. Juni 1947.
Ab Juli 1947 105 lautete die Adresse des Instituts in Heidelberg: Seminarien”
haus, Augustinergasse 15“. Das Seminarienhaus ist ein Universitätsgebäude.
Es liegt gegenüber dem Innenhof der Neuen Universität“, von diesem durch
”
die Augustinergasse getrennt. Die Räume im Seminarienhaus hat das Institut
bis 1953 genutzt.
1950 verfügte das Institut neben den Räumen in der Heidelberger Altstadt
über weitere vier Arbeitsräume auf der Sternwarte. Außerdem wohnten zwei
Mitarbeiter des Instituts (Heinemann und Strobel) auf der Sternwarte, sowie
Kopff in seiner Eigenschaft als Direktor der Sternwarte. Bei seinem Amtsantritt als Nachfolger von Kopff als Direktor der Sternwarte verlangte Kienle die
möglichst schnelle Freimachung dieser Räume.
Aufgrund des daraufhin von Kopff im Sommer 1950 ausgelösten Pauken”
schlags“ (siehe Kapitel 7.2.1) bemühten sich Universität und Regierung um
eine bessere räumliche Unterbringung des Astronomischen Rechen-Instituts.
In einem Brief vom 15. November 1950 106 des Karlsruher Hochbaureferats
an das Institut wird berichtet, daß das Bezirksbauamt Heidelberg geeignete
Räume im Anwesen Grabengasse 14 bis zum 1. Februar 1951 freimachen wolle. Da die Räume aber zum Teil als Wohnung genutzt wurden, verzögerte sich
der Einzug des Instituts bis August 1951.
Das Haus Grabengasse 14 lag gegenüber dem Universitätsplatz, dort, wo
sich heute das sogenannte Triplexgebäude“ mit einer Mensa befindet. Das
”
alte Gebäude wurde 1974 abgerissen und durch einen Neubau ersetzt. Das
Institut behielt 1951 aber zunächst noch die Räume im Seminarienhaus bei.
Erst Anfang August 1953 wurden diese Räume mit denen in der Grabengasse
14 vereinigt. Hier arbeitete das Institut bis 1961 (Ein kleiner Teil zog allerdings
schon 1957 aus.)
102
Dieser Zeitpunkt geht aus datierten Briefen hervor, die die Adressenangabe Schulgasse
2-4 tragen. Originale im Archiv des Astronomischen Rechen-Instituts.
103
Als Anschrift benutzt das Institut aber meist nur Schulgasse 4“
”
104
Dies geht aus dem Schreiben des Badischen Bezirksbauamts Heidelberg vom 27. Februar 1948 hervor. Durchschlag im Universitätsarchiv Heidelberg (UA-Signatur: 70g, B-6905,
Astronomisches Recheninstitut, Allgemeines, Jahr: 1945-58).
105
Das Datum geht aus den datierten und mit Adresse versehenen Nachrichtenblättern
(siehe Kapitel 7.7.8) hervor
106
Durchschlag im Universitätsarchiv Heidelberg (UA-Signatur: 70g, B-6905, Astronomisches Recheninstitut, Allgemeines, Jahr: 1945-58)
102
1956 stellte das Land Baden-Württemberg das staatliche Anwesen in Heidelberg-Neuenheim, Mönchhofstraße 12-14, dem Astronomischen Rechen-Institut
zur Verfügung 107 . Die dort befindliche große Villa (heute als Altbau“ oder
”
“Bibliotheksgebäude“ bezeichnet) konnte bereits 1957 bezogen werden. 1961
wurde der zusätzliche Neubau für das Institut auf diesem Gelände fertiggestellt. 1962 wurde das angrenzende frühere Kutscherhaus der Villa (der Au”
lerbau“, so genannt nach dem früheren Besitzer) hinzugekauft. Dessen Adresse
war Werderstraße 56. Das relativ alte Haus sollte durch einen weiteren Neubau ersetzt werden, dessen Baupläne damals auch vollständig fertiggestellt
worden sind. Es wurden sogar schon übergangsweise (1964-1967) Räume im
Haus Mönchhofstraße 15, das gegenüber vom Neubau von 1961 liegt, bezogen.
Dann aber scheiterte der zweite Neubau aus baurechtlichen und finanziellen
Gründen. Wegen Platzmangels mußten seit 1973 andere Räume in der Nähe, in
der Weberstraße 13, angemietet werden. Obwohl das Grundstück Weberstraße
13 direkt an das Grundstück des Instituts grenzt, gibt es leider keinen direkten Zugang vom Institut aus. Die Anlage eines Verbindungsweges zwischen
beiden Grundstücken scheiterte aus verschiedenen Gründen, vor allem an haftungsrechtlichen und finanziellen Fragen. Für die Zukunft ist ein Umzug des
Instituts in das alte Physikalische Institut der Universität, Philosophenweg 12,
geplant.
Bis 1961 reichten die Arbeitsräume des Instituts in der Heidelberger Altstadt nicht aus, um allen Mitarbeitern gleichzeitig eine Arbeitsmöglichkeit zu
bieten. Die Arbeit wurde daher teilweise im Schichtbetrieb“ erledigt: eine
”
Morgenschicht arbeitete von ca. 5 bis 13 Uhr, eine Nachmittagschicht von ca.
13 bis 21 Uhr. Auch nach 1961 behielten manche Mitarbeiter ihre gewohnte Arbeitszeit mit Start am frühen Morgen bei, obwohl sie nun sogar über
Einzelzimmer verfügten. Einer der Autoren (R.W.) hat dies noch in seinen
ersten Jahren am Institut bei einigen Kollegen selbst beobachten können. Die
Nachmittagschicht war dagegen offenbar weniger prägend.
7.5
Das Institut und die Heidelberger Sternwarte
Vermutlich hatte Kopff bei der Auswahl von Heidelberg als Evakuierungsort für
das Astronomischen Rechen-Institut gehofft, daß die Heidelberger Sternwarte
auf dem Königstuhl ein erstes Asyl für das Institut bieten könnte. Dies ist so
aber offensichtlich nicht sofort eingetreten.
Direktor der Badischen Landessternwarte und Ordinarius für Astronomie
der Universität Heidelberg war seit Oktober 1933 Heinrich Vogt (1890-1968).
Kopff hatte den Ruf auf diese Stelle Anfang 1933 abgelehnt und war in Ber107
Zunächst hatte das Staatliche Hochbauamt einen Institutsneubau auf staatlichem Grund
und Boden in der Endemannstraße in der Heidelberger Weststadt vorgeschlagen
103
lin geblieben. Vogt wurde 1945 aus seiner Stellung gemäß eines Erlasses der
amerikanischen Militärregierung wegen seiner starken politischen Belastung
entlassen 108 , obwohl sich der amtierende Dekan Freudenberg sehr für sein Verbleiben im Amt eingesetzt hatte. Vogt mußte nach seiner Entlassung sicher
relativ schnell seine Direktorenwohnung und sein Amtszimmer auf der Sternwarte verlassen. Ob weitere Räume auf der Sternwarte durch Entlassungen frei
wurden, wissen wir nicht, weil Mitarbeiter, die wegen ihrer politischen Belastung formal entlassen worden waren, oft als sogenannte einfache Arbeiter“
”
weiterhin an ihrer alten Arbeitsstelle tätig waren.
Ob das Institut bereits 1945 Räume der Sternwarte benutzt hat, bleibt unklar. Ab November 1945 wäre das gut möglich gewesen, weil am 21. Oktober
1945 auch der obere Abschnitt der Bergbahn zum Königstuhl (Molkenkur Königstuhl) wiedereröffnet worden war und damit eine brauchbare Verkehrsverbindung zwischen der Altstadt und der Sternwarte bestand (Der untere Abschnitt Kornmarkt - Molkenkur war bereits ab 13. Mai 1945 wieder in Betrieb).
Von Heinemann wissen wir, daß er spätestens ab Juli 1946 auf der Sternwarte
wohnte und dort sicher auch arbeitete. Etwas später hat auch Strobel auf der
Sternwarte gewohnt.
Obwohl die Ernennung Kopffs zum Direktor der Sternwarte und zum Ordinarius für Astronomie der Universität nach der Entlassung von Vogt naheliegen
mußte, hat sich diese verzögert. Vielleicht wollte die Fakultät mit Freudenberg
an ihrer Spitze zunächst abwarten, ob Vogt nicht doch wieder in sein Amt
zurückkehren könnte. Dies war aber nicht möglich. Vom Fachgebiet her wollte
die Fakultät die Stelle eigentlich auch lieber mit einem Astrophysiker besetzen und erteilte daher im Frühjahr 1946 Kienle den Ruf (siehe Kapitel 7.1).
Erst nach der Absage Kienles wurde Kopff am 1. März 1947 zum Direktor
der Landessternwarte und zum Ordinarius für Astronomie der Universität ernannt, blieb aber zugleich auch Direktor des Astronomischen Rechen-Instituts
(Kapitel 7.1) 109 . Nach seiner Ernennung zum Direktor der Landessternwarte
bezog Kopff eine Wohnung auf dem Königstuhl.
Mit der Ernennung Kopffs zum Direktor der Sternwarte war es natürlich
für das Institut viel leichter, Räume auf der Sternwarte zu bekommen. Die
Mitbenutzung von Arbeitsräumen und Wohnungen auf der Sternwarte durch
Institutsmitarbeiter wurde jedoch 1950 zu einem großen Problem, als Kienle
zum neuen Direktor der Landessternwarte berufen wurde. Bereits in seinen
Berufungsverhandlungen im Frühsommer 1950 hatte Kienle die Freimachung
108
Vogt erhielt sein Amt auch später nicht wieder zurück. Er wurde 1950 formell in den
Ruhestand versetzt. Ebenfalls 1950 wurde er Lehrbeauftragter an der Universität Heidelberg.
1957 erhielt er die Rechtsstellung eines emeritierten Professors der Universität. Nach Drüll
(1986, S. 277).
109
Über die Aufteilung der Arbeits- und Anwesenheits-Zeiten von Kopff zwischen Sternwarte und Institut liegen uns keine Informationen vor. Das Astronomische Rechen-Institut
verfügte seit 1946 über eigene Räume in der Schulgasse (siehe Kapitel 7.4).
104
dieser Räume und Wohnungen 110 gefordert und zugesagt erhalten. Unten in
der Stadt hatten bisher aber weder Universität noch Kultusministerium für
irgendwelche Ausweichquartiere für die bisher auf dem Königstuhl arbeitenden und zum Teil dort auch wohnenden Institutsmitarbeiter gesorgt. Kopff
sah darin zurecht eine große Gefährdung der Arbeitsfähigkeit des gesamten
Instituts. Kopff und von ihm mit der Klärung der Angelegenheit beauftragte Institutsmitarbeiter sahen darin sogar die Absicht ..., das Astronomische
”
Rechen-Institut aus Heidelberg abzuschieben, wodurch es in seiner Tätigkeit
völlig lahm gelegt würde.“ 111 .
Kopff bat daraufhin viele in- und ausländische Institutionen um Hilfe. Er
löste eine große briefliche Unterstützungsaktion für das Institut aus, die in
dem in Kapitel 7.2.1 beschriebenen Paukenschlag“ gipfelte: Sogar der ame”
rikanische Außenminister Acheson schaltete sich in das Problem der weiteren
Arbeitsfähigkeit des Astronomischen Rechen-Instituts unterstützend ein.
Das Resultat war, daß das Institut zwar seine Räume auf der Sternwarte
aufgeben sollte, dafür aber Ersatz in der Heidelberger Altstadt (Grabengasse 14; siehe Kapitel 7.4) erhielt. Der Auszug ist wohl auch erst im August
1951 erfolgt. Das Institutsmitglied Strobel hatte bereits im Februar 1951 seine
Wohnung auf der Sternwarte geräumt. Wann Kopff dies tat, wissen wir nicht.
7.6
7.6.1
Die Finanzierung des Astronomischen Rechen-Instituts in Heidelberg
Die anfängliche Finanzierung des Instituts bis 1949
Unmittelbar nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges war die Finanzierung des
Astronomischen Rechen-Instituts und seiner Mitarbeiter zunächst völlig ungeklärt. In Sermuth wurden für die Monate Mai und Juni 1945 keine Gehälter
mehr ausgezahlt. Das ergibt sich einerseits aus den Gehaltslisten bis 1945, die
noch im Archiv des Instituts vorhanden sind, andererseits aber auch aus der
Tatsache, daß diese Gehälter 1946 in Heidelberg nachgezahlt wurden.
Nach der Evakuierung des Instituts von Sermuth nach Heidelberg Ende Juni 1945 ist die finanzielle Lage des Instituts und der Mitarbeiter für uns unklar.
Sie war vermutlich sehr schlecht. Kopff hat sich zwar sofort um die Etablierung des Instituts in Heidelberg bemüht. Die im Archiv des Instituts vorhandenen Akten und die Akte im Universitätsarchiv Heidelberg (UA-Signatur:
110
Eine weitere Wohnung auf der Sternwarte bewohnte übrigens ein Ordinarius für Mathematik der Universität. Er mußte auch in die Stadt umziehen.
111
Zitiert aus dem Schreiben von Kopff vom 29. Juli 1950 ∗∗ an den Präsidenten des Landesbezirks Baden
105
70g, B-6905, Astronomisches Recheninstitut, Allgemeines, Jahr: 1945-58) geben aber keinerlei Hinweise auf eventuelle Finanzquellen des Instituts oder auf
Gehaltszahlungen an die Mitarbeiter bis April 1946. Wovon das Institut und
die Mitarbeiter ihre Kosten von Mai 1945 bis Mitte 1946 bezahlt haben, wissen
wir nicht. Die einzige uns bekannte Einnahmequelle war der Astronomische
”
Kalender“ (siehe Kapitel 7.7.1).
Bis Kriegsende 1945 war das Institut vom Preußischen Staat finanziert
worden 112 . In Heidelberg mußte sich die primäre Hoffnung auf den Badischen
Staat bzw. dessen Nachfolger richten. Am 19. September 1945 wurde das Land
Württemberg-Baden gegründet. Es umfaßte den nördlichen Teil des heutigen
Bundeslandes Baden-Württemberg, der sich in der amerikanischen Besatzungszone befand. Sein Staatsgebiet gliederte sich in die Landesbezirke“ Würt”
temberg und Baden, entsprechend der früheren Zugehörigkeit zu den Staaten
Württemberg bzw. Baden. Für Heidelberg und das jetzt dort befindliche Astronomische Rechen-Institut war also der Landesbezirk Baden zuständig, dessen
Behörden sich in Karlsruhe, der ehemaligen Hauptstadt Badens, befanden.
Geleitet wurde der Landesbezirk von einem Präsidenten der Landesverwal”
tung“. Als Ersatz für ein Kultusministerium fungierte die Abteilung Kultus
”
und Unterricht“ des Landespräsidenten, die von einem Landesdirektor geleitet
wurde.
Zunächst wurde die Hoffnung des Astronomischen Rechen-Instituts auf eine
Finanzierung durch den Landesbezirk Baden aber enttäuscht. In einer Präsidialsitzung vom 5. Dezember 1945 wurde die Übernahme dieses aus Berlin nach
”
Heidelberg geflüchteten Reichsinstituts 113 “ im Grundsatz abgelehnt. Daraufhin bat die Kultus-Abteilung den Präsidenten zu prüfen, ob für das Institut
wegen der Bedeutung der Arbeiten dieser Einrichtung nicht eine Ausnahme
gemacht werden könne 114 . Mit Schreiben vom 8. Februar 1946 entsprach das
Staatsministerium dieser Bitte. Der Präsident teilte der Kultusverwaltung mit,
daß der beabsichtigten Anlehnung [des Instituts] an die math.-nat. Fakultät
”
der Universität grundsätzlich zugestimmt wurde.“. Daraufhin beantragte die
Kultusverwaltung am 2. März 1946, bis zur Entscheidung über die endgülti”
112
Nach der Unterstellung des Instituts unter die Kriegsmarine im Mai 1944 lief die Finanzierung des Instituts weiterhin über die Berliner Universität. Allerdings wurden nun die
Kosten des Instituts der Universität durch die Kriegsmarine erstattet (siehe Kapitel 4).
113
Auch später wurde das Astronomische Rechen-Institut vonseiten der Behörden noch
öfter (z.B. im Staatshaushaltsplan für 1954) als ehemaliges Reichsinstitut“ bezeichnet.
”
Eventuell wurde die Unterstellung des Instituts unter die Kriegsmarine als Änderung des
Trägers, nämlich vom Staat Preußen auf das Deutsche Reich, interpretiert. Für das Land
Württemberg-Baden war es aber auch aus taktischen Gründen vorteilhaft, das Institut als
ehemaliges Reichsinstitut auszugeben, da so eher eine überregionale Finanzierung des Instituts zu erhoffen war.
114
Dieses Schreiben vom 1. Februar 1946 und die im folgenden zitierten Schreiben vom 8.
Februar 1946, 2. März 1946, 5. Juni 1946 und 27. Oktober 1947 befinden sich in den Akten des
Generallandesarchivs Karlsruhe (GLA-Signatur: 481 Nr. 402, Präsident des Landesbezirks
Baden / 1945-1952, Astronomisches Recheninstitut in Heidelberg)
106
ge Etablierung des Astronomischen Recheninstituts sofort vorschüsslich die
rückständigen und laufenden Gehälter der Angestellten des Instituts“ durch
die Landeskasse auszahlen zu lassen. In einem Brief 115 vom 4. April 1946 an die
Kultusverwaltung, den Landesdirektor der Finanzen, den Rektor und die Universitätskasse bezieht sich Kopff auf einen uns nicht vorliegenden Erlaß vom
29. März 1946 und bittet darum, daß die Universitätskasse Heidelberg beauf”
tragt wird, die Auszahlung der Gehälter an das Instituts-Personal vorschüßlich
- gegen Ersatz aus Mitteln der Landeshauptkasse - zu leisten. Bis zur Entscheidung über die endgültige Etablierung des Astronomischen Rechen-Instituts erscheint diese Regelung deshalb zweckmäßig, damit das Personal sofort in den
Genuß der rückständigen Bezüge kommt.“.
Am 5. Juni 1946 dann die erfreuliche Nachricht: Der Landesdirektor der
Finanzen stellt dem Institut einen Betrag von 50 000 RM zur Verfügung. Die
Universitätskasse Heidelberg soll alle Ausgaben für das Institut in ihrem Vorschußbuch buchen und erforderliche Betriebsmittel als Vorschuß von der Landeshauptkasse beschaffen. Später wurden weitere Vorschüsse“ 116 an das Insti”
tut ausgezahlt. Erst am 27. Oktober 1947 stimmte der Präsident der Aufnahme
des Astronomischen Rechen-Instituts in den regulären Haushalt des Landesbezirks Baden zu.
Aus einem Schreiben 117 der Universitätskasse vom 23. Dezember 1946 gewinnt man den Eindruck, daß die Gehaltsnachzahlungen in zwei Tranchen (Mai
1945 bis Mai 1946 und Juni bis Juli 1946) erfolgt sind. Vermutlich wurden die
Gehälter erst ab August 1946 regelmäßig ausgezahlt. Für die sächlichen und
”
allgemeinen Ausgaben“ des Instituts waren nur magere RM 355,87 ausgegeben
worden.
Vom Rechnungsjahr 1947 ab war das Astronomische Rechen-Institut im
Haushaltsplan für den Landesbezirk Baden des Landes Württemberg-Baden
im Einzelplan IV, Kapitel 13 II (für 1947. Für 1948: Kapitel 15 II), enthalten.
Als jährliche Ausgaben sind für 1947 RM 146 200,- veranschlagt 118 .
Der Haushaltsplan für 1949 sah Ausgaben von RM 176 550 und Einnahmen
(aus Veröffentlichungen, insbesondere dem Jahrbuch) von RM 5 000 vor. Der
115
Zweitschrift im Universitätsarchiv Heidelberg (UA-Signatur: 70g, B-6905, Astronomisches Recheninstitut, Allgemeines, Jahr: 1945-58)
116
Die Verwaltung des Landesbezirks Baden benutzte den Ausdruck Vorschuß“ wohl
”
hauptsächlich deswegen, weil sie hoffte, die Beträge später von einer zentralen Organisation
(wie z.B. dem Länderrat“) erstattet zu bekommen, die sich der überregionalen Institute
”
annehmen sollte. Zwar ist später tatsächlich eine solche zentrale Finanzierung in Form des
Königsteiner“ Staatsabkommens (siehe folgendes Kapitel 7.6.2 ) zustande gekommen. Aber
”
das Land Württemberg-Baden hat nach unserer Kenntnis keine rückwirkenden Erstattungen
für seine vorschüßliche“ Finanzierung des Astronomischen Rechen-Instituts erhalten.
”
117
Original im Universitätsarchiv Heidelberg (UA-Signatur: 70g, B-6905, Astronomisches
Recheninstitut, Allgemeines, Jahr: 1945-58)
118
Schreiben der Universitätskasse Heidelberg vom 8. Oktober 1947 an das Institut
107
Landeszuschuß betrug 1949 also RM 171 550.
Die Übernahme der Finanzierung des Astronomischen Rechen-Instituts in
Heidelberg durch das Land Württemberg-Baden beruhte einerseits auf der Einsicht des Landes in die wissenschaftliche Bedeutung des Instituts. Andererseits
fühlte sich das Land aber auch durch die Besatzungsmächte dazu gedrängt. Die
außerordentlich positive Einschätzung des Instituts und seines Direktors durch
die amerikanische Militärregierung haben wir bereits in Kapitel 7.2 dargelegt.
Aber auch die Engländer haben auf eine dauerhafte Etablierung des Instituts
gedrängt. Dazu ist folgender Vorgang bemerkenswert: Der englische Astronom Sir Harold Spencer Jones hatte 1946 das Institut in Heidelberg besucht,
um über die Fortführung der international wichtigen Arbeiten des Instituts,
insbesondere der Bibliographie Astronomischer Jahresbericht“ (siehe Kapitel
”
7.7.6 ), zu sprechen. Spencer Jones (1890-1960) war damals Astronomer Royal
von England, Direktor der Greenwicher Sternwarte bei London und Präsident
der Internationalen Astronomischen Union. Um dem Institut zu helfen, besuchte er persönlich von Heidelberg aus den Landesdirektor für Kultus und Unterricht in Karlsruhe, Franz Schnabel (1887-1966). Der Besuch dieses international
herausragenden Astronomen hat in Karlsruhe offensichtlich großen Eindruck
hinterlassen, denn Schnabel berichtet in einem Schreiben an den Präsidenten
des Landesbezirks Baden vom 30. November 1946 119 : Auch mehrere engli”
sche Astronomen - darunter der ... Direktor der berühmtesten Sternwarte der
Welt in Greenwich, Sir Spencer Jones - haben persönlich mehrfach bei dem
Unterzeichneten vorgesprochen, die internationale Bedeutung des Recheninstituts und seiner Arbeiten betont und um Hilfe der Landesverwaltung Baden
gebeten.“.
7.6.2
Die Finanzierung des Instituts im Rahmen des Königsteiner
Staatsabkommens
1949 änderte sich die Finanzierungsgrundlage des Astronomischen RechenInstituts drastisch.
Noch vor der Gründung der Bundesrepublik Deutschland am 23. Mai
1949 120 schlossen die westdeutschen Länder einschließlich Berlins in Königstein
im Taunus 121 am 30./31. März 1949 das Staatsabkommen über die [gemein”
same] Finanzierung wissenschaftlicher Forschungseinrichtungen“. Nach dem
Vertragsort wurde dieser Vertrag allgemein als das Königsteiner Staatsab”
kommen“ bezeichnet.
119
Das Schreiben befindet sich in den Akten des Generallandesarchivs Karlsruhe (GLASignatur: 481 Nr. 402, Präsident des Landesbezirks Baden / 1945-1952, Astronomisches
Recheninstitut in Heidelberg)
120
Tag der Verkündung des Grundgesetzes der Bundesrepublik Deutschland
121
Königstein liegt nordwestlich von Frankfurt am Main
108
Der Artikel 1 des Königsteiner Staatsabkommens lautet: Die Vertrag”
schließenden verpflichten sich, für deutsche wissenschaftliche Forschungseinrichtungen, deren Aufgaben und Bedeutung über den allgemeinen Wirkungsbereich eines einzelnen Landes hinausgehen und deren Zuschußbedarf die finanzielle Leistungskraft eines einzelnen Landes übersteigt, die zur Erfüllung
der Forschungsaufgaben erforderlichen Mittel nach den Bestimmungen dieses
Abkommens gemeinsam aufzubringen.“. Als eine solche Forschungseinrichtung
wurde in der entsprechenden Anlage das Astronomische Recheninstitut, Hei”
delberg“ anerkannt.
Die Tatsache, daß das Institut in Zukunft im Rahmen des Königsteiner
Staatsabkommens gefördert werden wird, wurde dem Institut eher beiläufig in
einem Schreiben des Präsidenten des Landesbezirks Baden (Kultusverwaltung)
vom 11. Juli 1949 ∗∗ mitgeteilt, weil das Institut um eine Etats-Erhöhung nachgesucht hatte. Die Abteilung Kultus und Unterricht teilt in diesem Schreiben
mit, daß das Institut in die Regelung des Staatsabkommens für das Rech”
nungsjahr 1949 mit einem Gesamtzuschußbedarf von 171.000 DM einbezogen“
worden sei. Baden sei an diese Zahl gebunden.
Ein anderes Schreiben des Präsidenten des Landesbezirks Baden vom
2. August 1949 ∗∗ bekräftigt zwar die Aufnahme des Instituts in das Staatsabkommen ab 1. April 1949, weist aber die Universitätskasse Heidelberg darauf
hin, daß Zahlungen aus dem bisherigen Landes-Kapitel 15 II ab sofort einzustellen seien. Allerdings werde die Abteilung Finanzen des Präsidenten das
Institut mit Betriebsmitteln in Höhe von monatlich 171.000 DM / 12 oder rund
15.000 DM versorgen.
Die Einbeziehung des Instituts in das Königsteiner Staatsabkommen hatte für das Institut zunächst unerfreuliche Konsequenzen: der Personalbestand
und der Sach-Etat waren von 1949 bis 1951 de facto eingefroren. Kopff beklagt
diesen Zustand deutlich in einem Schreiben vom 24. November 1950 ∗∗ an die
zuständige Geschäftsstelle des Staatsabkommens im Hessischen Kultusministerium.
Insgesamt ist die eigentliche Verwirklichung des Königsteiner Staatsabkommens offenbar sehr langsam erfolgt. Erst 1951 wurde ein Ausschuß für For”
schungsfinanzierung“ zur Durchführung des Staatsabkommens etabliert. Eine
der ersten Aktionen dieses Ausschusses war eine Fragebogenaktion. Die Anschreiben an das Institut dazu sind vom 1. Juni 1951 ∗∗ und vom 10. Juli 1951 ∗∗
datiert
Das Institut hat den Fragebogen schnellstens ausgefüllt und in 6 Ausfertigungen mit Datum vom 18. Juli 1951 ∗∗ nach Karlsruhe geschickt. Hinzugefügt
wurden vom Institut jeweils 10 eigene Anlagen, die das Institut eingehender
beschrieben. Andere Institute waren mit der Rückgabe des Fragebogens bei
weitem nicht so schnell. Daher wurden die gesammelten Fragebogen der betrof109
fenen Institute erst am 4. Oktober 1951 an das Kultusministerium in Stuttgart
gesandt, welches sie dann an den Ausschuß weiterleitete.
In den Akten des Instituts finden sich keine weiteren Dokumente zur Fragebogenaktion von 1951 und zu deren Ergebnissen. Offenbar lief die Finanzierung
des Astronomischen Rechen-Instituts im Rahmen des Königsteiner Staatsabkommens ab 1952 reibungsfrei.
Die Einbeziehung des Astronomischen Rechen-Instituts in das Königsteiner
Staatsabkommen hatte positive, aber auch negative Aspekte. Positiv war sicher
die längerfristig gesicherte Finanzierung. Negativ war der sehr komplizierte
Mechanismus für notwendige oder wenigstens wünschenswerte Aufstockungen
des Etats des Instituts. Denn hierüber entschieden alle Länder gemeinsam, und
die anderen Länder bremsten natürlich oft, um nicht selbst mehr Geld in den
gemeinsamen Topf einzahlen zu müssen.
Aber auch fachliche Erweiterungen des Instituts waren jetzt schwieriger
zu realisieren, weil alle zusätzlichen Aufgaben ebenfalls das Kriterium erfüllen
mußten, von überregionaler Wichtigkeit zu sein. Als Beispiel für ein derartiges
Problem wollen wir die Theoretische Astrophysik nennen. Sowohl die Universität als auch das Institut strebten ab ca. 1960 an, ihre Arbeitsgebiete um
die Fachrichtung Theoretische Astrophysik 122 zu erweitern 123 . Es hätte sich
nun angeboten, dieses Fach im Rahmen des Astronomischen Rechen-Instituts
zu etablieren und dessen Arbeitsgebiet entsprechend auszubauen. Dies ließen
aber die Bestimmungen des Königsteiner Staatsabkommens nicht zu, weil die
Theoretische Astrophysik in Heidelberg kaum hätte erklären können, warum
sie einen überregionalen Wirkungsbereich (im Sinne des Staatsabkommens)
besäße. Als Kompromiß wurde 1964 der Lehrstuhl für Theoretische Astrophysik zwar als Universitätseinheit gegründet, räumlich aber in vollem Umfange im
Gebäude des Astronomischen Rechen-Instituts in der Mönchhofstraße untergebracht. Von 1964 bis 1968 erschien in den Mitteilungen der Astronomischen
Gesellschaft sogar ein gemeinsamer Tätigkeitsbericht, allerdings in zwei Großabschnitte unterteilt (A für das Rechen-Institut und B für die Theoretische
Astrophysik). Erst 1969 trennte sich der Lehrstuhl für Theoretische Astrophysik räumlich vom Astronomischen Rechen-Institut. Der Hauptgrund dafür waren Raumprobleme. Nach der derzeitigen Planung der Universität werden aber
das Astronomische Rechen-Institut und das Institut für Theoretische Astro122
Kopff hatte bereits in den Jahren 1927 bis 1932 versucht, das Arbeitsspektrum des Astronomischen Rechen-Instituts um die Felder Theoretische Astrophysik und Stellardynamik zu
erweitern (siehe Kapitel 2.2.6). Die Instituts-Mitarbeiter E. Hopf und U. Wegner haben
damals Arbeiten zum Strahlungsgleichgewicht und zum Strahlungstransport in Sternatmosphären veröffentlicht. Dauerhaft war Kopff die Etablierung der Theoretischen Astrophysik
am Institut aber nicht gelungen.
123
In diesem Zusammenhang ist zu bemerken, daß der damalige Direktor des Astronomischen Rechen-Instituts, Fricke, von September 1959 bis September 1960 Dekan der
Naturwissenschaftlich-Mathematischen Fakultät der Universität Heidelberg war
110
physik in einigen Jahren im ehemaligen Gebäude des Physikalischen Instituts
am Philosophenweg räumlich wieder vereinigt werden.
Am 28. November 1975 schlossen die Bundesregierung und die Regierungen der Bundesländer eine neue Rahmenvereinbarung zwischen Bund und
”
Ländern über die gemeinsame Förderung der Forschung nach Artikel 91 b
GG [Grundgesetz ]“ (RV-Fo). Danach hätte auch das Astronomische RechenInstitut grundsätzlich weiter gemeinsam gefördert werden können. Trotzdem
schied das Institut damals aus der Gemeinschaftsförderung aus, und zwar nicht
aus sachlich-wissenschaftlichen, sondern aus prozeduralen Gründen: wegen seines vergleichsweise niedrigen Etats scheiterte es ganz knapp an der Bagatell”
grenze“ 124 von 1,5 Millionen DM (Bezug: Soll-Zuschuß für 1974). Der entsprechende Ansatz im Etat des Instituts für 1974 betrug aber nur 1 406 100 DM,
lag also um 6,3 % unterhalb der Bagatellgrenze.
Die Folge war, daß das Institut 1977 nicht in die sogenannte Blaue
”
Liste“ 125 der gemeinsam geförderten Institute aufgenommen wurde. Es wurde
danach als außeruniversitäres Institut in vollem Umfange vom Land BadenWürttemberg finanziert, wenn man von zusätzlich eingeworbenen Drittmitteln
absieht.
Das Ausscheiden des Instituts aus der Gemeinschaftsförderung war für das
Land Baden-Württemberg natürlich finanziell eine Belastung. Für das Institut hatte das Ausscheiden aber auch positive Aspekte, weil jetzt haushaltsrechtliche Probleme 126 viel schneller gelöst werden konnten, da nur noch ein
Ansprechpartner überzeugt werden mußte und dieser finanziell auch besser
aufgestellt war als die meisten anderen Länder.
Am 31. Mai 1996 hat das Land Baden-Württemberg einen Antrag auf Aufnahme des Astronomischen Rechen-Instituts in die Blaue Liste gestellt 127 . Der
Antrag war aber nicht erfolgreich. Die Blaue Liste war durch die vielen In124
In Artikel 2 der Rahmenvereinbarung (RV-Fo) war festgelegt worden, daß nur solche
Forschungseinrichtungen gemeinsam gefördert werden sollten, bei denen der zu decken”
de Zuwendungsbedarf eine bestimmte Größenordnung übersteigt.“. In einer Protokollnotiz
wurde dieser Betrag auf 1,5 Millionen DM festgelegt.
125
So genannt, weil die Liste zunächst auf blauem Papier gedruckt worden war. Die Liste
war eine Anlage zur Ausführungsvereinbarung Forschungsförderung über die gemeinsame
Förderung von Einrichtungen der wissenschaftlichen Forschung (AV-FE) vom 5./6. Mai 1977.
Die Institute der Blauen Liste haben sich heute in der Wissenschaftsgemeinschaft Gottfried
”
Wilhelm Leibniz“ (WGL) zusammengeschlossen.
126
Als Beispiel sei angeführt, daß einem der Autoren (R.W.) 1985 bei seinen Berufungsverhandlungen innerhalb weniger Monate drei neue Wissenschaftler-Stellen im Rahmen eines
Nachtragshaushaltes des Landes bewilligt wurden. Das wäre so kurzfristig unmöglich gewesen, wenn das Institut der Blauen Liste angehört hätte, weil die anderen Länder und der
Bund ihre Zustimmung dazu niemals so schnell (wenn überhaupt) gegeben hätten.
127
Siehe auch Drucksache 12/2230 des Landtags von Baden-Württemberg vom 1. Dezember
1997
111
stitute aus den neuen Bundesländern, die seit 1990 im Zuge der deutschen
Wiedervereinigung aufgenommen worden waren, überfüllt“ 128 .
”
Der Etat des Instituts war bis 2004 im Staatshaushaltsplan des Landes
Baden-Württemberg als eigenes Kapitel enthalten. Die Kapitel-Nummern
wechselten: 0424, 0433, 0437, zuletzt Kapitel 1497.
Seit 2005 ist das Astronomische Rechen-Institut in die Universität Heidelberg integriert als Teil des Zentrums für Astronomie. Es hat daher kein
eigenes Kapitel mehr im Staatshaushaltsplan, sondern wird jetzt im Rahmen
der Universität Heidelberg (Kapitel 1412) finanziert.
7.7
7.7.1
Die Arbeit des Astronomischen Rechen-Instituts in
Heidelberg
Der Astronomische Kalender
Als erste Arbeit der Astronomen des Astronomischen Rechen-Instituts in Heidelberg erschien bereits 1945 das Werk mit dem Titel Astronomischer Kalen”
der für das Jahr 1946. Herausgegeben von Prof. Dr. A. Kopff.“.
Der Kalender war keine offizielle Publikation des Instituts, sondern wurde
privat herausgegeben. Neben Kopff selbst sind im Vorwort als Mitverfasser
Heinemann, Gondolatsch, Rabe, Nowacki und Henne genannt. Das Vorwort
ist auf September 1945 datiert. Die Arbeiten am Kalender müssen also bereits
kurz nach Ankunft des Instituts in Heidelberg begonnen haben, also vermutlich
im Juli 1945. Später folgten vier weitere Jahrgänge dieses Kalenders, der letzte
1949 für das Jahr 1950. Die Mitverfasser änderten sich kaum: Rabe schied aus,
Strobel und Baehr traten hinzu, ferner einige Autoren der speziellen Artikel
(Mündler, Miczaika, A. König).
Neben dem Kalendarium gab der Kalender auf 72 Seiten die täglichen Aufund Untergangszeiten von Sonne und Mond, sowie Hinweise auf Finsternisse, Lauf der Planeten usw. und ausführliche Erläuterungen. Am Ende der
Broschüre sind sogar Karten mit dem Lauf der Planeten Venus, Mars und Jupiter, sowie eine kleine Himmelskarte (in drei Teilen) eingeklebt. Die Auf- und
Untergangszeiten von Sonne und Mond sind in mittlerer Ortszeit für den Breitengrad +50 Grad gegeben, statt wie üblich für einen bestimmten Ort (z.B.
Berlin) in Mitteleuropäischer Zeit (MEZ). Für den normalen Benutzer war
das sicher recht unbequem, weil er eine merkliche Korrektur anbringen mußte
128
Bei der Blauen Liste herrscht das sogenannte Omnibus-Prinzip“, wonach die Neuauf”
nahme eines Instituts nur dann erfolgen soll, wenn zuvor ein anderes Institut ausgeschieden
ist. Ein solches Ausscheiden tritt aber nur sehr selten ein.
112
(z.B. für Heidelberg ungefähr +25 Minuten), um von der Ortszeit auf MEZ
(die seine Uhr anzeigte 129 ) umzurechnen. Offensichtlich wollte man sich aber
(vermutlich wegen der unklaren politischen Lage) nicht auf einen bestimmten
Hauptort (wie früher Berlin) festlegen.
Eine weitere Besonderheit waren zwei Artikel von Gondolatsch über die
Entdeckung des Neptun vor 100 Jahren und über die Leistungen der modernen
Astronomie, sowie eine dreiseitige Tafel zur Geschichte der Astronomie 130 .
Der Kalender erschien erstmals 1945 beim Universitätsverlag Carl Winter
in Heidelberg. Der im Archiv des Instituts noch vorhandene Verlagsvertrag
datiert vom 8. Oktober 1945 bzw. 30. November 1945 ∗∗ . Als Auflage werden
10 000 Exemplare anvisiert. Das Honorar für Kopff (einschließlich seiner Mitarbeiter) betrug 20 % vom Umsatz. Vorschüsse waren möglich.
Als letzter Jahrgang des Kalenders erschien der für 1950. Ursache war die
Kündigung des Vertrages über die Herausgabe des Kalenders durch den Universitätsverlag Winter am 14. Februar 1950 ∗∗ . Als Grund gibt der Verlag den
zu geringen Absatz des Kalenders an: Vom Jahrgang 1950 seien bis Februar 1950 nur ungefähr 800 Exemplare von der Auflage von 4000 Exemplaren
verkauft worden, trotz einer Sonderwerbeaktion des Verlages.
Warum haben Kopff und seine Mitarbeiter diesen Kalender herausgegeben ? Natürlich stand das Institut in der Tradition der Berliner Akademie und
der von ihr herausgegebenen Kalender (siehe Wielen R. und Wielen U. 2010a
und 2011a). Aber bisher hatte weder das Institut noch einer seiner Direktoren
jemals einen Kalender für das normale Publikum“ veröffentlicht. Ein Mangel
”
an Kalendern hat 1945/46 sicher auch nicht geherrscht. Vermutlich war der
Hauptgrund für die Heraugabe des Kalenders finanzieller Natur, denn damit
hatten die Mitarbeiter des Instituts wenigstens ein kleines Einkommen. Die
Bezahlung ihrer eigentlichen Gehälter war noch nicht wieder in Gang gekommen (siehe Kapitel 7.6.1). Die finanzielle Not wurde später geringer und dies
führte wohl 1950 nach fünf Jahrgängen mit zur Einstellung dieses Kalenders.
Denn offensichtlich bemühte sich Kopff nicht darum, einen neuen Verlag für
den Kalender zu finden.
Wie dankbar Kopff dem Verlag Winter war, geht aus seiner Antwort an
den Geschäftsführer des Verlages, Hillig, vom 23. Februar 1950 ∗∗ hervor. Zwar
bedauert er die Kündigung, schreibt dann aber: Wir möchten aber doch bei
”
dieser Gelegenheit dem Verlag Carl Winter für das Entgegenkommen danken,
das Sie uns in der schweren Zeit seit 1945 entgegengebracht haben. Sie haben,
vor allem durch die Übernahme des Astronomischen Kalenders in Ihren Verlag
129
Im Zeitraum der Sommerzeit (MESZ) mußte zusätzlich noch eine Stunde addiert werden,
insgesamt für Heidelberg also 1 Stunde 25 Minuten
130
Laut Gondolatsch (1962b) hat Kopff diese Tafel zur Geschichte der Astronomie zusammengestellt
113
uns über die mancherlei Schwierigkeiten pekuniärer Art hinweggeholfen, mit
denen wir bei unserer Übersiedelung nach Heidelberg zu kämpfen hatten.“.
7.7.2
Die Astronomischen Grundlagen für den Kalender
Als zweite Arbeit der Astronomen des Astronomischen Rechen-Instituts in
Heidelberg erschien 1946 das Werk mit dem Titel Astronomische Grundlagen
”
für den Kalender 1947“. Herausgeber war hier, im Gegensatz zum Kalender
(Kapitel 7.7.1), das Astronomische Rechen-Institut selbst (siehe dazu auch
Kapitel 2.3). Die Bearbeiter wurden in den ersten Jahren nicht namentlich
genannt. Im Tätigkeitsbericht des Instituts wird nur ausgeführt, daß sich daran
zum größten Teil die beim Jahrbuch genannten Mitarbeiter“ beteiligt haben.
”
Das Werk war primär für die Kalenderverleger zur Herstellung ihrer Kalender bestimmt. Mit dem Kauf der Grundlagen wurde das Recht erworben,
diese ganz oder teilweise abzudrucken.
Auf 34 Seiten werden neben dem Kalendarium die Auf- und Untergangszeiten von Sonne und Mond in mittlerer Ortszeit gegeben. Wieder wird aber
kein zentraler Ort (wie z.B. Berlin oder das später gewählte Kassel) benutzt.
Im Gegensatz zum Kalender werden die Zeiten hier aber für vier verschiedene Breitengrade (+48, +50, +52, +54 Grad) gegeben. Vom Kalenderverleger
wird erwartet, daß er die Ortszeiten in Mitteleuropäische Zeit (MEZ) für einen
von ihm gewählten Ort umrechnet. Dazu dient eine Hilfstabelle, die die nötige
Korrektur für viele Orte enthält. Abschließend geben die Grundlagen kurze
Informationen über Finsternisse und Himmelserscheinungen.
Erst ab Jahrgang 1955 geben die Grundlagen die Auf- und Untergangszeiten in MEZ. Als zentral gelegener Ort“ wurde Kassel ausgewählt. Zusätzlich
”
wurden zunächst die Zeiten für Bremen, Köln und Stuttgart gedruckt. Vom
Jahrgang 1993 an gibt es direkte Tabellen in MEZ für Kassel, Berlin, Bremen, Dresden, Frankfurt am Main, Freiburg, Hamburg, Hannover, Kiel, Köln,
Leipzig, München, Nürnberg, Rostock, Saarbrücken und Stuttgart.
Die Kalender-Grundlagen erschienen erstmals 1946 (für 1947) beim Universitätsverlag Carl Winter in Heidelberg. Der im Archiv des Instituts vorhandene Verlagsvertrag datiert allerdings erst vom 23. September 1948 bzw.
7. Dezember 1948 ∗∗ . Ob vorher kein oder ein anderer Vertrag galt, konnten
wir nicht klären. Im Vertrag ist festgelegt, daß die Grundlagen alljährlich im
”
Spätherbst für das übernächste Jahr erscheinen sollen“. Das Institut trug die
Herstellungskosten des Werkes und erhielt die Hälfte des Verkaufserlöses.
Am 14. Februar 1950 ∗∗ kündigte der Universitätsverlag Winter nicht nur
die Herausgabe des Astronomischen Kalenders (siehe obiges Kapitel 7.7.1),
114
sondern gleichzeitig auch die der Kalender-Grundlagen. Begründung war ebenfalls der zu geringe Absatz: Von den Grundlagen für 1951 waren bis zum Februar 1950 nur 42 Exemplare von der Gesamtauflage von 300 Stück verkauft
worden.
Im Gegensatz zum Kalender setzte Kopff aber die Herausgabe der KalenderGrundlagen bei einem anderen Verlag fort. Dazu erbat er sich vom Verlag
Winter die Liste der bisherigen Besteller der Grundlagen.
Seit dem Jahrgang 1952 erscheinen die Grundlagen beim Verlag G. Braun in
Karlsruhe (siehe den ersten Vertrag dazu vom 1. September 1950 ∗∗ ). Ab Jahrgang 1996 sind die Grundlagen auch maschinenlesbar (zunächst auf
Diskette, später auf CD-ROM) erhältlich.
Mit der Herausgabe der Kalender-Grundlagen setzte das Institut die lange
Tradition der Bereitstellung dieser Daten fort (siehe Wielen R. und Wielen
U. 2011a). Zunächst wurden die Kalender-Grundlagen den Verlegern von der
Preußischen Akademie der Wissenschaften in Berlin zur Verfügung gestellt. Ab
1811 war dafür die preußische Königliche Kalender-Deputation“ zuständig.
”
Seit 1857 gab das preußische Statistische Bureau (später in Statistisches Landesamt umbenannt) bzw. ab 1935 das Statistische Reichsamt den Normalka”
lender“ oder Grundkalender“ heraus. Immer waren es aber die Astronomen,
”
die die Daten berechneten, zuletzt die Institutsmitarbeiter Peters und Kohl
(siehe Kapitel 11.18 und 11.10).
Der letzte, vom Statistischen Reichsamt noch vor Ende des Zweiten Weltkriegs herausgegebene Grundkalender“ war der für 1946. Nach Kriegsende
”
erschien zwar für 1947 und die folgenden Jahre der Grundkalender des Statistischen Zentralamts der Sowjetischen Besatzungszone in Berlin. Aber diese
Publikation war in den westlichen Besatzungszonen kaum erhältlich. Insofern
bestand also im Westen ein dringender Bedarf für die Kalender-Grundlagen
seitens der Verleger. Diesen Bedarf befriedigten die vom Institut herausgegebenen Grundlagen in sehr guter Qualität. Sie tun es noch heute: Nach der
Wiedervereinigung ist das Werk jetzt das einzige seiner Art in Deutschland.
Einen finanziellen Anreiz zur Herausgabe der Kalender-Grundlagen gab es
für die Mitarbeiter des Instituts (im Gegensatz zum Kalender, Kapitel 7.7.1)
nicht, weil ein eventueller Gewinn im Haushalt des Instituts vereinnahmt wurde.
7.7.3
Das neue Jahrbuch
Die Hauptaufgabe des Astronomischen Rechen-Instituts in Berlin war die Herausgabe des Berliner Astronomischen Jahrbuches (BAJ). An diese Tradition
wollte und mußte das Institut in Heidelberg natürlich anknüpfen.
115
Das Problem lag nicht so sehr in der Berechnung der notwendigen Ephemeriden. Der letzte Band des BAJ, der 1945 noch von Sermuth aus publiziert
wurde, war der Jahrgang 1946. Es stand jetzt also der Jahrgang 1947 an. Ein
Teil der für 1947 notwendigen Berechnungen war noch in Sermuth erfolgt. Die
Arbeit wurde sofort nach der Umsiedlung des Instituts nach Heidelberg hier
fortgesetzt. Ferner wurde noch im Sommer 1945 der direkte Austausch der
Ephemeriden-Daten mit London und Washington wieder aufgenommen. Von
der Verfügbarkeit der Daten her gesehen wäre also eine Herausgabe des Bandes
für 1947 vermutlich sogar schon Ende 1945, auf jeden Fall aber im Jahre 1946
möglich gewesen 131 .
Die Hauptschwierigkeit lag darin, einen Verlag für das Jahrbuch zu finden
und den Druck vorzufinanzieren. Denn traditionsgemäß erfolgte die Publikation in der Form, daß die Rechte am Werk beim Institut verblieben, der Verlag
nur als Kommissionsverlag“ fungierte, der Druck vom Institut zunächst be”
zahlt wurde, und erst nach dem Verkauf des Bandes das Institut einen Teil
des Verkaufserlöses erhielt. Da das Institut in Heidelberg zunächst über keine nennenswerte Finanzierung verfügte (siehe Kapitel 7.6.1) und auch keine
Rückflüsse aus dem Verkauf der Jahrgänge 1945 und 1946 erhielt 132 , war also
das Kommissionsmodell zunächst nicht tragfähig. Kein Verlag hätte das Risiko für ein Jahrbuch selbst tragen wollen. Insofern mußte die Klärung der
Finanzierung des Instituts abgewartet werden. Diese erfolgte erst im Laufe des
Jahres 1946.
Ferner war unklar, in welchem Umfange das Heidelberger Institut mit dem
östlichen Teil des Instituts (siehe Kapitel 8) kooperieren konnte (dazu mehr in
Kapitel 7.7.4).
Das Institut konnte daher erst relativ spät für den Jahrgang 1947 ein
Astronomisches Jahrbuch für 1947“ herausgeben. Das Adjektiv Berliner“
”
”
fehlte. Eine offizielle Begründung dafür wurde nicht gegeben. Daß man die
Tradition des BAJ fortsetzen wollte, wird aber dadurch klar, daß auf dem Titelblatt der Zusatz steht: 172. Jahrgang“. Das Jahrbuch wurde zunächst auch
”
weiterhin von Ferdinand Dümmlers Verlag in Bonn (früher Bonn und Berlin)
publiziert 133 . Der Druck des Jahrbuchs erfolgte aber bereits bei der Druckerei
des Verlages G. Braun in Karlsruhe.
Der Inhalt und die Aufmachung orientierten sich ebenfalls an den früheren
Bänden des BAJ. Allerdings vermerkt das Vorwort: Um die Fertigstellung des
”
In seinem Brief vom 30. August 1946 ∗∗ an den Verlag Dümmler erwähnt Kopff, daß er
bereits im Herbst 1945 eine Lizenz zur Herausgabe des Astronomischen Jahrbuches beantragt habe. Der Antrag sei aber verloren gegangen. Kopff sagt nicht, an welche Stelle der
damalige Lizenz-Antrag gerichtet war (in Heidelberg oder in Berlin ?)
132
Siehe Kapitel 8.2 zum Verbleib der Erlöse aus den früheren Bänden des BAJ
133
Zahlreiche Korrespondenz zwischen dem Verlag und dem Institut befindet sich im Archiv
des Instituts
131
116
Druckes möglichst zu beschleunigen, war es jedoch notwendig, einige Kürzungen vorzunehmen.“. Trotzdem ist das Jahrbuch für 1947 offenbar erst Anfang
1947 erschienen. Es werden keine Mitarbeiter genannt. Wir wissen aber, daß
Gondolatsch in Heidelberg die Leitung der Jahrbuch-Abteilung übernommen
hatte. Da aber Teile der Ephemeriden für 1947 noch vor Kriegsende in Sermuth
unter der Leitung Kohls und unter Beteiligung von anderen Mitarbeitern, die
nicht mit nach Heidelberg umgezogen waren, erfolgt war, wollte man sich hier
wohl bewußt zurückhalten.
Ende 1947 erschien dann das Astronomische Jahrbuch für 1948“ als 173.
”
Jahrgang (des BAJ). Allerdings nur der erste Teil mit den Ephemeriden, die das
Planetensystem betreffen. Das Vorwort erklärt dazu: Zu dieser Maßnahme der
”
Zweiteilung wurde aus drucktechnischen Gründen gegriffen; es wurde dadurch
möglich, wenigstens den I. Teil rechtzeitig zum Beginn des Jahres [1948 ] dem
Benutzer in die Hand zu geben.“. Der II. Teil mit den Daten für die Fixsterne
ist erst etwas später erschienen.
Im Jahrgang 1948 werden auch die Beteiligten genannt: Gondolatsch als
Leiter der Arbeiten, und Baehr, Klauder, Rabe, Strobel, Henne und Lederle
als Mitarbeiter.
Das Berliner Astronomische Jahrbuch für 1949 wurde als Gemeinschaftswerk des Heidelberger Instituts und des östlichen Teils in Babelsberg herausgegeben (siehe das folgende Kapitel 7.7.4). Trotzdem wollte das Heidelberger
Institut sein eigenes Jahrbuch behalten. In einem Brief vom 25. Februar 1949 ∗∗
an Wempe erklärt Gondolatsch deutlich die Beweggründe dafür: Ein eigenes
”
Jahrbuch geben wir [in Heidelberg ] heraus, weil wir die von uns geleistete
und verantwortete Arbeit der Öffentlichkeit in einer auch von uns verwalteten
Publikation darbieten wollen, weil wir den Inhalt des Jahrbuchs (einschließlich
Vorwort und Erläuterungen) so gestalten wollen, wie es uns richtig und zeitgemäß erscheint[,] und weil die Gefahr besteht, dass durch die Streitigkeiten 134
der Besatzungsmächte ein Export ostdeutscher Literatur 135 nach Westdeutschland unmöglich gemacht wird.“.
Ab dem Jahrgang 1949 trägt das Heidelberger Jahrbuch den Titel Astro”
nomisch-Geodätisches Jahrbuch“ (AGJ). Es gibt dafür mehrere Gründe:
(1) Einerseits wollte man den Inhalt des Jahrbuchs enger an die Interessen
der Geodäsie anpassen. Das war sicher ein wichtiger sachlicher Aspekt. Man
erhoffte sich aber wohl dadurch auch einen höheren Absatz des Buches bei
Geodäten und Landmessern“ (in Konkurrenz zum BAJ). (2) Andererseits
”
entschärfte der neue Titel aber auch mögliche Probleme bei der Mitarbeit am
BAJ. Denn sonst wäre die Frage, warum zwei deutsche Jahrbücher erscheinen,
134
Gondolatsch spielt hier wohl auch auf die sowjetische Berlin-Blockade an, die vom
24. Juni 1948 bis 12. Mai 1949 dauerte
135
Das gemeinsame BAJ erschien im Osten Berlins
117
immer drängender geworden. Ab 1949 verzichtete das Heidelberger Jahrbuch
auch auf die Zählung als 174. (usw.) Jahrgang des BAJ.
Der Inhalt des neuen AGJ stellt einerseits eine Erweiterung des bisherigen
Jahrbuchs (auch des BAJ) dar. Der Astronom findet alle Angaben in der gewohnten Form. Nur die Daten für die scheinbaren Örter der Fixsterne werden
stark verändert. Für genaue Örter wird nur noch auf die in London publizierten Apparent Places of Fundamental Stars“ (APFS) verwiesen. Für den
”
Gebrauch der Geodäten werden dafür aber für 232 helle Fundamentalsterne
scheinbare Örter mit geringerer Genauigkeit und weitere zusätzliche Daten
aufgenommen.
Das AGJ für 1949 136 erschien aber 1948 nicht mehr bei Dümmler in Bonn,
sondern beim Verlag G. Braun in Karlsruhe. Diesmal hatte das Institut den
Vertrag gekündigt. Am 10. Juli 1948 sandte Kopff ein Telegramm an den Verlag Dümmler: Kündige vorsorglich Vertrag über Astronomisch-geodätisches
”
Jahrbuch. Brief folgt.“. Im Brief vom 12. Juli 1948 ∗∗ begründet Kopff die
Kündigung mit finanziellen Zwängen. Aufgrund der Währungsreform 137 sei
eine Kürzung des Etats des Instituts eingetreten. Das Institut solle die Unkosten für das Jahrbuch um 25 % senken. Kopff beruft sich bei der Kündigung
auf ein Sonderkündigungsrecht des Instituts bei nicht mehr ausreichender Finanzierung der Kosten durch den Staat. Der Verlag Braun hätte sich bereit
erklärt, das Jahrbuch in eigenen Verlag“ zu übernehmen, was für das Insti”
tut finanziell wesentlich günstiger sei. Der Dümmler-Verlag bedauert in seiner
Antwort vom 5. August 1948 ∗∗ die Kündigung seitens des Instituts, gibt aber
das Jahrbuch (aus Kulanz) dennoch frei. Vielleicht war auch eine Vereinheit”
lichung“ der Verlagsbeziehungen des Instituts ein weiteres Motiv für Kopff,
denn alle anderen Publikationen des Instituts erschienen bereits beim Verlag
Braun oder wurden dort zumindest gedruckt (AJB). Der Vertrag mit dem
Verlag Braun über das AGJ datiert vom 1. September 1948 ∗∗ .
Vom Jahrgang 1954 an wurde das Astronomisch-Geodätische Jahrbuch
nochmals erheblich umgestaltet. Die wünschenswerten Änderungen wurden
zwischen dem Institut, der Deutschen Geodätischen Kommission und zahlreichen geodätischen Instituten diskutiert. Das AGJ soll nun zunächst der
”
Geodäsie zur Bearbeitung astronomischer Aufgaben dienen, hat aber außerdem noch einen rein astronomischen Zweck zu erfüllen.“. Details dazu findet
man im ausführlichen Vorwort zum Jahrgang 1954 des AGJ. Auch weitere
Publikationen von Kopff (1952a, 1952b) geben einen guten Einblick in die
Motive der Schaffung und der Verbesserung des AGJ.
Unter Fricke, dem Nachfolger von Kopff als Institutsdirektor, wurde das
Astronomisch-Geodätische Jahrbuch nach dem Jahrgang 1957 eingestellt (sie136
Die Auflage des AGJ für 1949 betrug 1000 Exemplare
Die Währungsreform (von der RM zur DM) war in Westdeutschland am Sonntag, den
20. Juni 1948 in Kraft getreten
137
118
he dazu auch Kapitel 7.7.4). Eine Begründung dafür wird nicht gegeben. Ein
in das AGJ 1957 eingeklebter Hinweis meldet nur das Ende des AGJ und verweist die Benutzer auf die englischen und amerikanischen Jahrbücher (Nautical Almanac, American Ephemeris) und die noch in London erscheinenden
APFS. Bemerkenswerterweise erfolgt kein Hinweis auf die beiden letzten Bände
des BAJ (für 1958 und 1959), obwohl das Heidelberger Institut noch an der
Herausgabe des BAJ beteiligt ist. Dafür wird aber schon als Vorschau darauf
hingewiesen, daß die Apparent Places of Fundamental Stars“ (APFS) ab Jahr”
gang 1960 vom Astronomischen Rechen-Institut in Heidelberg herausgegeben
werden. Die APFS erscheinen noch heute als Publikation des Instituts.
7.7.4
Das Berliner Astronomische Jahrbuch
Der letzte Band des Berliner Astronomischen Jahrbuchs (BAJ), der 1945 vor
Kriegsende von Sermuth aus herausgegeben wurde, war der Band für 1946
(171. Jahrgang).
Von Heidelberg aus gab das Astronomische Rechen-Institut ein analoges
Jahrbuch heraus, das für die Jahrgänge 1947 und 1948 den Titel Astronomi”
sches Jahrbuch“ ohne Bezug auf Berlin trug (siehe voriges Kapitel 7.7.3).
Für diese beiden Jahrgänge (1947 und 1948) veröffentlichte der östliche
Teil des Astronomischen Rechen-Instituts (siehe Kapitel 8) parallel zum Heidelberger Jahrbuch zwei Bände des Berliner Astronomischen Jahrbuchs“ in
”
eigener Regie. Die beiden Bände des BAJ erschienen im Akademie-Verlag im
Ost-Sektor von Berlin und trugen die Lizenz-Nummer 181 der Sowjetischen
Militärverwaltung in Deutschland. Verantwortlich für den Inhalt zeichnete
Prof. Dr. A. Kahrstedt, Berlin-Lichterfelde-West“.
”
Die Bände für 1947 und 1948 erschienen beide mit erheblicher Verspätung:
das BAJ für 1947 erst Mitte 1947, und das BAJ für 1948 nach dem Mai 1948.
In einer Buchbesprechung zum BAJ für 1947 schreibt Cuno Hoffmeister daher:
Man darf wohl im Namen aller beobachtenden Astronomen wünschen, daß in
”
nicht zu ferner Zukunft die Jahrbücher [d.h. das BAJ ] wieder rechtzeitig zu
Beginn jedes Jahres zur Verfügung stehen möchten.“. Wie in Kapitel 7.7.3
dargelegt wurde, trifft diese Kritik auf die Heidelberger Jahrbücher für 1947
kaum und für 1948 nur teilweise (II. Teil für 1948) zu.
Im BAJ für 1947 werden als Beteiligte genannt: Kohl (Leitung), Gondolatsch, Müller, Baehr, Rabe und mehrere Hilfsarbeiter. Das BAJ für 1948
nennt dagegen namentlich nur Kohl als Leiter. Als Zulieferer von Ephemeriden werden aufgeführt: London, Washington und die Sternwarte München (für
Mösting A). Dagegen wird das Heidelberger Institut überhaupt nicht erwähnt,
obwohl nach einem Brief von Kopff an Wempe vom 28. April 1949 ∗∗ das Hei119
delberger Institut wieder ein gutes Drittel“ des BAJ für 1948 berechnet hat.
”
Die Heidelberger Daten wurden über London an Kahrstedt geschickt.
Noch mehr als die fehlenden Hinweise auf die Mitarbeit des Heidelberger
Instituts an den im BAJ für 1948 gegebenen Daten verstimmte in Heidelberg der Tenor der Besprechungen der Jahrbücher, die in den Astronomischen
Nachrichten (von Wempe aus Potsdam) und in der Zeitschrift Die Sterne“
”
(von Hoffmeister aus Sonneberg) erschienen waren (siehe dazu die Briefe vom
25. Februar 1949 ∗∗ und vom 28. April 1949 ∗∗ an diese Autoren). Gondolatsch
beanstandet in seinem Brief an Hoffmeister insbesondere die Titulierung des
Heidelberger Instituts als eine bloße Abteilung“ des Astronomischen Rechen”
Instituts.
Verhandlungen zwischen Kopff und Kahrstedt über die gemeinsame Herausgabe des BAJ liefen mindestens seit Mitte 1946. Kopff legte in einem Brief
vom 21. Juli 1946 138 an den Rektor der Universität Berlin (mit Abschrift an
Kahrstedt) einen ausführlichen Entwurf für die Zusammenarbeit zwischen dem
Astronomischen Rechen-Institut in Heidelberg und dem östlichen Teil des Instituts in Babelsberg vor. Kopffs Vorschläge wurden aber von der Berliner Universität brüsk abgelehnt (siehe Kapitel 8.2). Über die nachfolgenden Verhandlungen zwischen Kopff und Kahrstedt besitzen wir kaum Schriftstücke. Das
liegt wohl auch daran, daß zunächst weitgehend mündlich verhandelt wurde.
Kopff traf mit Kahrstedt zuächst auf der Tagung der Astronomischen Gesellschaft in Göttingen zusammen, die vom 14.-16. April 1947 stattfand. Etwas
später kam Kahrstedt nach Heidelberg. In die Verhandlungen war auch Kienle
(1895-1975) einbezogen 139 , der seit 1939 Direktor des Astrophysikalischen Observatoriums in Potsdam war. Kienle war seit 1946 auch Mitglied der Berliner
Akademie der Wissenschaften. Er hatte daher bei der Akademie und deren
Verlag sicher mehr Einfluß als Kahrstedt.
Die Diskussionen gingen hauptsächlich um Äußerlichkeiten und um die
Auslieferung des BAJ an westliche Abnehmer (über Heidelberg, über den Verlag Dümmler, oder doch vom Akademie-Verlag aus ?). Kurz vor Erscheinen des
BAJ für 1949 teilte Kahrstedt Kopff in einem Brief vom 5. September 1948 ∗∗
mit, daß die Akademie noch eine Änderung des Titelblattes verlange. Danach
wäre das Heidelberger Institut nicht mehr Mitherausgeber gewesen, sondern
die Herausgabe des BAJ wäre vom östlichen Teil des Instituts und nur noch
in Verbindung“ mit dem Heidelberger Institut erfolgt. Dies widersprach den
”
vorher getroffenen Vereinbarungen und war für Kopff nicht annehmbar. Am
14. September 1948 ∗∗ konnte Kahrstedt dann aber mitteilen, daß die Akademie
die Änderung rückgängig gemacht habe (wohl auf Intervention von Kienle).
138
139
Original im Archiv der Humboldt-Universität, Akte: Rektorat 311, Blatt 14 und 15
Siehe die Briefe vom 7. Juli 1947 ∗∗ und 31. Juli 1947 ∗∗ von Kopff an Kienle
120
Vom Jahrgang 1949 an wurde das Berliner Astronomische Jahrbuch vom
Astronomischen Rechen-Institut in Heidelberg und vom östlichen Teil des
Rechen-Instituts gemeinsam publiziert. Als Herausgeber werden genannt:
Astronomisches Recheninstitut der Deutschen Akademie der Wissenschaften
”
zu Berlin und Astronomisches Recheninstitut [sic ] zu Heidelberg“. Verantwortlich für den Inhalt zeichnen: Prof. Dr. A. Kahrstedt, Berlin-Lichterfelde-West,
”
und Prof. Dr. A. Kopff, Heidelberg“. Mitarbeiter werden nicht namentlich genannt. Aber im Vorwort wird der Anteil des Heidelberger Instituts an den
Daten jetzt korrekt beschrieben. Der Band 1949 erschien auch rechtzeitig im
Jahr 1948, und zwar weiterhin im Akademie-Verlag in Berlin.
Die Herausgabe der weiteren Bände des Jahrbuches erfolgte reibungslos.
Im BAJ für 1950 findet sich ein ausführliches Geleitwort von Kopff: Zum 175.
”
Jahrgang des Berliner Astronomischen Jahrbuchs“. Darin beschreibt Kopff die
Geschichte des BAJ und des Astronomischen Rechen-Instituts. Er endet mit
den Worten: Man darf nur wünschen, daß zukünftig alle diese Arbeiten wie”
der in einem vereinigten Deutschen Institut weitergeführt werden können.“.
Kahrstedt seinerseits veröffentlichte einen Artikel mit dem Titel 175 Jahre
”
Berliner Astronomisches Jahrbuch“ in der Zeitschrift Die Sterne“, 25. Jahr”
gang (1949), S. 111. Er endet ebenfalls mit dem Wunsch, daß der jetzige
”
Abschnitt in der Geschichte unseres Jahrbuchs bald überwunden sein möge
und die Arbeit unter geringeren Schwierigkeiten wieder in einem vereinten
Astronomischen Recheninstitut geleistet werde.“.
Mit dem Jahrgang 1959 wurde die Herausgabe des Berliner Astronomischen Jahrbuchs eingestellt. Bereits 1954 hatten die Ephemeriden-Institute in
Washington und London 140 beschlossen, nur noch ein inhaltsgleiches astronomisches Jahrbuch (ab Jahrgang 1960, der 1958 erschien) zu veröffentlichen 141 .
Dieses Jahrbuch sollte im Idealfall alle anderen Jahrbücher weltweit ersetzen 142 . Daher wurde das Astronomische Rechen-Institut ermuntert, die Herausgabe des AGJ und das BAJ einzustellen. Das vergrößerte natürlich auch
die Absatzchancen des englisch-amerikanischen Jahrbuchs im deutschsprachigen Raum.
Als Ausgleich wurde dem Astronomischen Rechen-Institut die Herausgabe des Werkes Apparent Places of Fundamental Stars“ (APFS) ab Jahrgang
”
1960 überlassen 143 . In seinen Erinnerungen schreibt der damalige Superintendent des englischen Nautical Almanac Office, Donald H. Sadler (1908-1987):
140
Räumlich befand sich das britische Nautical Almanac Office als Teil des Royal Greenwich
Observatory seit Oktober 1949 im Herstmonceux Castle in Sussex
141
Das gemeinsame Jahrbuch erscheint heute unter dem Titel The Astronomical Almanac“
”
142
Eine Reihe von Ländern, z.B. Frankreich und Rußland, behielten aber ihre eigenen
Jahrbücher bei
143
Finanziell waren die APFS für das Institut aber eher eine Belastung, da die APFS (im
Gegensatz zum AGJ und zum BAJ) allen Sternwarten kostenlos als Institutsveröffentlichung
überlassen wurden. Nur an Geodäten usw. wurde ein Teil der Auflage verkauft.
121
... Apparent Places of Fundamental Stars was to be taken over by the Astro”
nomisches Rechen-Institut in Heidelberg, from 1960; this was in recognition of
their intention to cease publication of the Berliner Jahrbuch as from 1960.“.
Die Entscheidung, das AGJ und das BAJ einzustellen und die APFS zu übernehmen, war sachlich sicher eine sehr gute Lösung, auch wenn der Verzicht
auf die Weiterführung des BAJ aus der Sicht der langen Tradition von 184
Jahrgängen (1776-1959) schmerzlich war. Insbesondere die Herausgabe der
APFS paßte hervorragend zum Arbeitsspektrum des Instituts, in welchem ja
die Fundamentalkataloge erstellt wurden. Der Wechsel des Direktors 1954/55
von Kopff zu Fricke hat sicherlich auch die emotionale Bindung des Instituts
an die bisherigen Jahrbücher deutlich verringert. Fricke selbst beschreibt die
Änderungen bei den Jahrbüchern ab 1960 in einem Artikel in den Mitteilungen
der Astronomischen Gesellschaft, Nr. 8 (1957), S. 11/12. Sein Hauptargument
für die Neuerungen ist die Vermeidung von Doppel- und Mehrfacharbeit.
Die oben beschriebene Verständigung zwischen London, Washington und
Heidelberg betraf natürlich auch den östlichen Teil des Astronomischen RechenInstituts in Babelsberg, der ja Mitherausgeber des BAJ war. Über dessen Reaktion liegen uns keine Schriftstücke vor. Der östliche Teil konnte aber aus verschiedenen Gründen kaum allein die weitere Herausgabe des BAJ übernehmen.
Die im Juni 1956 erfolgte Eingliederung des östlichen Teils des Astronomischen
Rechen-Instituts in die Babelsberger Sternwarte (siehe Kapitel 8) wurde vermutlich auch durch die bevorstehende Einstellung des BAJ mitveranlaßt.
7.7.5
Die Kleinen Planeten
Bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs war das Astronomische Rechen-Institut
weltweit die zentrale Stelle für die Bearbeitung der Kleinen Planeten. Das
Heidelberger Institut versuchte zwar diese Position zu behaupten, aber das
gelang im Gegensatz zum Fundamentalkatalog (Verbesserung des FK3) und
zur Bibliographie (AJB) nicht.
Ein Grund dafür war die personelle Situation. Stracke war 1943 verstorben.
Hätte er noch den Umzug nach Heidelberg erlebt, so hätte sein großes Prestige
auf dem Gebiet der Kleinen Planeten vermutlich dem Institut sehr genutzt.
Wegen Strackes schwerer Erkrankung hatte seit Mitte 1941 Kahrstedt die Leitung der Abteilung Kleine Planeten in Berlin und Sermuth übernommen. Aber
er war nun Direktor des östlichen Teils des Instituts. Die Abteilung wurde bis
Oktober 1948 von Rabe und dann von Strobel geleitet.
Ein technischer Grund kam noch hinzu. In den USA hatte man während
des Krieges positive Erfahrungen mit dem Einsatz von Lochkartenmaschinen
für astronomische Zwecke gesammelt, und es bot sich an, diese jetzt auch für
122
die Bearbeitung der Kleinen Planeten nutzbar zu machen. Hier konnte das
Institut in Heidelberg in der unmittelbaren Nachkriegszeit nicht mithalten 144 .
Zunächst konnte die internationale Astronomengemeinschaft aber noch
nicht auf die Arbeit des Rechen-Instituts verzichten. Als letzter Band des
Werks Kleine Planeten“ war 1944 der Jahrgang für 1945 vom Institut veröffent”
licht worden. Die Ephemeriden der Kleinen Planeten für 1946 hatte das Institut
noch zum größten Teil in Sermuth berechnet; der Rest wurde in Heidelberg
fertiggestellt. Die Resultate für 1946 erschienen in einer sehr ungewöhnlichen
Form: Eine Kopie des handgeschriebenen Manuskripts wurde zum Nautical
Almanac Office nach Washington geschickt. Dort wurde dieses Manuskript
vervielfältigt 145 und in zwei Heften an Sternwarten verteilt.
1946 konnten in Heidelberg infolge personeller Schwierigkeiten keine Ephemeriden für 1947 berechnet werden. Deren Berechnung begann erst wieder
1947 für den Jahrgang 1948.
1947 trat dann eine wesentliche Änderung ein. Das Exekutivkomitee der
Internationalen Astronomischen Union (IAU) übertrug der Sternwarte der Universität in Cincinnati (Ohio, USA) die Aufgabe eines Minor Planet Center“
”
(MPC) der IAU. Leiter der Einrichtung wurde Herget (siehe Kapitel 12). Auf
der General-Versammlung der IAU 1948 in Zürich wurde diese Entscheidung
bestätigt und eine Aufgabenverteilung hinsichtlich der Arbeit an den Kleinen
Planeten getroffen. Die Herausgabe der Ephemeriden ging jetzt hauptsächlich
auf das MPC der IAU über. 1978 wurde das MPC an das Smithsonian Astrophysical Observatory in Cambridge (Mass., USA) verlagert.
Nach der Gründung des MPC holte Herget 1948 Rabe von Heidelberg nach
Cincinnati. Kurz darauf kam auch Musen als Mitarbeiter zum MPC. Das Heidelberger Institut arbeitete danach zwar noch an einzelnen Fragestellungen zu
Kleinen Planeten weiter, hatte aber keine zentrale Stellung auf diesem Gebiet
mehr inne.
7.7.6
Der Astronomische Jahresbericht
Für die Mehrzahl der Astronomen weltweit war die astronomische Bibliographie Astronomischer Jahresbericht“ (AJB) die wichtigste Publikation des
”
Astronomischen Rechen-Instituts, weil sie in übersichtlicher Form die gesamte,
jeweils in einem Jahr erschienene astronomische Literatur zusammenstellte.
144
In seinem Bericht vom 27. März 1952 ∗∗ über das Institut beklagt Kopff allgemein das
Fehlen des Zugangs zu einer elektronischen Rechenanlage und regt wenigstens die Beschaffung eines Geräts vom Typ der Hollerith-Maschinen“ an
”
145
Siehe den Brief von Clemence an Kopff vom 26. Februar 1946 ∗∗
123
Daher ist es erklärlich, daß überall der dringende Wunsch bestand, daß
der AJB schnellstens weitergeführt werden sollte. Dazu war Kopff auch bereit,
nur fehlte dem Heidelberger Institut dazu der größte Teil der veröffentlichten
Arbeiten.
In dieser Situation war der Präsident der Internationalen Astronomischen
Union (IAU), der englische Astronomer Royal, Harold Spencer Jones (18901960), außerordentlich hilfreich. Er besuchte Heidelberg 1946, unterstützte die
Wiederaufnahme der Arbeiten des Astronomischen Rechen-Instituts gegenüber
der amerikanischen Militärregierung und den deutschen Stellen, und war auch
selbst zu aktiver Hilfe bereit. Er veranlaßte 1946 die Veröffentlichung eines
Aufrufs in zahlreichen astronomischen Zeitschriften, in dem er seine Vermittlung bei der Zusendung von Literatur an das Heidelberger Institut anbot:
I [Spencer Jones] discussed with Professor Kopff the question of the con”
tinuation of the preparation of the Astronomischer Jahresbericht. Professor
Kopff is prepared to continue this work, which is of such importance to all
astronomers, provided that the astronomical literature can be made available
to him. It seems to me, that with the present difficulties in communication
with Germany, the best arrangement would be for all literature to be sent
to me here (Royal Observatory, Greenwich), clearly marked ’For the RechenInstitut’, and I will forward it to Professor Kopff through the British naval
authorities.“.
Der Vorsitzende der amerikanischen Sektion der IAU, Harlow Shapley
(1885-1972), schrieb dazu: The American authorities in Heidelberg under”
stand the importance of this work to the astronomers of America and will try
to see to it that paper for the publication is made available.“. Das war sehr
lebensnah gedacht !
Auch die IAU unterstützte (moralisch, aber nicht materiell) auf ihren Tagungen im März 1946 in Kopenhagen und im August 1948 in Zürich die Herausgabe des AJB durch das Institut.
Als letzter Band vor Kriegsende war 1944 der 43. Band mit der Literatur
für 1941 in Berlin erschienen. In Sermuth und in Heidelberg wurde an der
Literatur für 1942 gearbeitet. Leiter der Arbeiten war Heinemann.
Im Juni 1947 erschien der 44. Band mit der Literatur für 1942. Herausgeber
war nun das Astronomische Rechen-Institut zu Heidelberg“. Der Verlag war
”
weiterhin Walter de Gruyter und Co. in Berlin. Gedruckt wurde das Werk
aber bei G. Braun in Karlsruhe in einer Auflage von 500 Exemplaren mit dem
Vermerk Veröffentlicht unter Zulassung Nr. CBIB der Nachrichtenkontrolle
”
der Militärregierung“.
Im Jahre 1950 gab es erhebliche Diskussionen zwischen dem Verlag de
Gruyter und dem Institut über die Finanzierung des AJB und über die Drucke124
rei des AJB. An den Druckkosten für den AJB beteiligte sich die Notgemein”
schaft der Deutschen Wissenschaft“ (d.h. die spätere Deutsche ForschungsGemeinschaft (DFG)). Die DFG hatte aber wohl Probleme damit, das Werk
eines privaten Verlags dauerhaft zu subventionieren. Ein Kommissionsverlag
sei besser. Außerdem wollte de Gruyter selbst die Druckerei bestimmen, da
Braun zu teuer sei. Das Institut beharrte aber auf Braun in Karlsruhe. Denn
das Manuskript für den AJB bestand aus praktischen Gründen aus einer großen
Menge loser Zettel. Diese wurden von Heidelberg aus durch ein Institutsmitglied eigenhändig nach Karlsruhe gebracht. Das Institut wollte in jedem Falle
einen risikoreicheren Post-Versand vermeiden.
Schließlich setzte sich das Institut mit seinen Vorstellungen weitgehend
durch. Das Ergebnis der Verhandlungen wurde in einem Brief von Kopff an
den Verlag de Gruyter vom 18. Oktober 1950 ∗∗ niedergelegt, dessen Abschrift
im Archiv des Instituts den handschriftlichen Vermerk Vertrag“ trägt. Ob”
wohl in diesem Brief steht, daß der Vertrieb des AJB durch de Gruyter als
Kommissionsverlag erfolge, blieb de Gruyter de facto bis 1956 Besitzer des
Werkes 146 .
Der AJB mit der Literatur für die Jahre 1943 bis 1946 mußte wegen der
Schwierigkeiten bei der Beschaffung der Literatur in zwei Bänden erfolgen: im
Juni 1948 erschien der 1. Teil als Band 45 des AJB und erst im Juli 1951 folgte
der 2. Teil als Band 46 des AJB.
Von dem Band mit der Literatur für 1947 ab erschien der AJB wieder
regelmäßig jährlich: im Dezember 1949 der 47. Band für 1947, im Dezember
1950 der 48. Band für 1948 usw. . Heinemann leitete den AJB bis zum 58. Band.
Danach war Lohmann, der bereits ab Band 45 am AJB mitgewirkt hatte,
Schriftleiter des AJB. Intensiv am AJB haben ferner Bohrmann (Band 45),
Henn (ab Band 53) und Güntzel-Lingner (ab Band 61) mitgewirkt. Referate für
den AJB haben aber auch viele andere Mitarbeiter des ARI 147 und zahlreiche
auswärtige Kollegen verfaßt.
Mit Band 68 für 1968 wurde der deutschsprachige AJB beendet. An seiner Stelle gab das Astronomische Rechen-Institut von 1969 an die englischsprachige Bibliographie Astronomy and Astrophysics Abstracts“ (AAA) her”
aus. Diese Publikation mußte 2001 eingestellt werden. Die Begründung dafür
146
Erst in einem späteren Vertrag zwischen dem Institut und de Gruyter vom 30. April
1956 ging der AJB in den Besitz des Astronomischen Rechen-Instituts über (d.h. das Institut wurde rechtlich gesehen Herr des Unternehmens“) und de Gruyter wurde tatsächlich
”
nur noch Kommissionsverlag. Der Verlag de Gruyter behielt aber das Recht auf den Titel
Astronomischer Jahresbericht“. Damit war ein Wechsel zu einem anderen Kommissionsver”
lag für den AJB in der Praxis nicht möglich, denn dann hätte das Institut einen neuen Titel
für den AJB verwenden müssen. Das Recht von de Gruyter am Titel des AJB erklärt auch,
warum das spätere Nachfolgewerk Astronomy and Astrophysics Abstracts“ in seinem Titel
”
keinen Bezug auf den AJB nahm (z.B. in einem Untertitel).
147
Darunter auch einer der Autoren (R.W.) von Band 63 bis 68
125
ist im Vorwort des Bandes 73A der AAA nachzulesen. Die Nachweise für die
gesamte Literatur, die im AJB von 1899 an und in den AAA bis Anfang 2000
zitiert wurde, ist in der Internet-Datenbank ARIBIB des Instituts frei zugänglich. Die ARIBIB enthält darüberhinaus auch die in den älteren Bibliographien
der Astronomie von J. J. Lalande und von J. C. Houzeau und A. Lancaster
nachgewiesene Literatur aus antiker Zeit bis ungefähr 1880. Heute benutzen
die Astronomen meist die kostenlos und online verfügbare amerikanische Literaturdatenbank des SAO/NASA Astrophysics Data System (ADS), die die
vollen Zusammenfassungen und in vielen Fällen auch den Volltext der Arbeiten
bereitstellt.
7.7.7
Die Bemühungen um die weitere Herausgabe der Astronomischen Nachrichten
Seit Oktober 1938 gab das Astronomische Rechen-Institut in Berlin die traditionsreiche Zeitschrift Astronomische Nachrichten“ (AN) heraus (siehe Ka”
pitel 3.4). Vor Kriegsende 1945 wurde als letztes Heft des 274. Bandes der
AN das 5. Heft im Dezember 1944 abgeschlossen und auch gedruckt. Es wurde aber nicht mehr ausgeliefert, sondern blieb zunächst bei der Druckerei des
Waisenhauses in Halle an der Saale liegen. 1947 erschien aber eine kurze Notiz
im Band 275 der AN, Seite 272: Von dem im Frühjahr 1945 gedruckten, aber
”
nicht mehr versandten Heft 5 des Bandes 274 ist jetzt eine beschränkte Anzahl
verfügbar geworden.“.
Nach der Umsiedlung des Instituts nach Heidelberg bemühte sich Kopff
relativ bald um die Fortsetzung der Herausgabe der Astronomischen Nachrichten. Da die AN bis 1945 im Selbstverlag des Instituts erschienen waren, gab
es zunächst keinen fremden Verlag als Ansprech- oder Finanzierungs-Partner.
Erste Gespräche führte Kopff 1945/46 mit Ferdinand Springer junior (18811965) vom Springer-Verlag 148 . Ferdinand Springer baute nach 1945 in Heidelberg seinen Verlag wieder auf und war auf naturwissenschaftliche Bücher und
Zeitschriften spezialisiert.
Der Springer-Verlag in Berlin veröffentlichte bereits seit 1930 die Zeit”
schrift für Astrophysik“ (ZfA). Herausgeber der ZfA waren bis 1945 W. Grotrian und E. von der Pahlen. Kopff war aber auch unter den Personen aufgeführt, die an der Herausgabe der ZfA mitwirkten“.
”
Im Jahr 1946 hatten eine Reihe von Astronomen (Heckmann, ten Bruggencate, Unsöld) den Vorschlag gemacht, die ZfA und die AN zu einer gemeinsamen Zeitschrift zu vereinigen. Kopff lehnte diesen Vorschlag aber ab (siehe
148
Siehe zum Beispiel den Schriftwechsel zwischen Kopff und Springer vom 14. August
1946 ∗∗ und 2. Dezember 1946 ∗∗
126
dazu den Brief von Grotrian an Kopff vom 4. August 1946 ∗∗ ). Die ZfA erschien
daher ab 1947 weiterhin alleine im Springer-Verlag (Berlin und Heidelberg).
Herausgeber der ZfA waren nun Grotrian, von der Pahlen und Unsöld. Kopff
wird nicht mehr als Mitwirkender genannt.
Kopff hatte für die Nachfolge-Zeitschrift der AN den Namen Zeitschrift
”
für Astronomie“ vorgeschlagen. Grotrian hätte Astronomische Zeitschrift“ be”
vorzugt. Das Motiv für die vorgesehene Namensänderung kennen wir nicht.
Allerdings besaß der Preußische Staat das Recht am Titel Astronomische
”
Nachrichten“. Vermutlich wollte man einem juristischen Streit um den Namen
aus dem Wege gehen.
In Potsdam bemühten sich die dortigen Astronomen um die Fortführung
der AN im Rahmen des Berliner Akademie-Verlages und waren damit Anfang
1947 auch erfolgreich. Die AN erschienen ab Mai 1947 im Auftrage der Deut”
schen Akademie der Wissenschaften zu Berlin“. Herausgeber war H. Kienle
und Schriftleiter war J. Wempe (beide vom Astrophysikalischen Observatorium in Potsdam). In einem Brief an Springer vom 5. März 1947 ∗∗ teilt Kopff
diese Entwicklung Springer mit. Kopff hatte also hinsichtlich der AN und einer
diese ersetzenden, neuen Astronomie-Zeitschrift resigniert und wohl auch dem
Erscheinen der AN im Akademie-Verlag zugestimmt. Damit endete die Beteiligung des Astronomischen Rechen-Instituts an der Herausgabe der Astronomischen Nachrichten.
7.7.8
Die Astronomische Zentralstelle und ihr Nachrichtenblatt
Mit dem Büro der Astronomischen Nachrichten waren seit langer Zeit zwei
weitere Aufgaben verbunden (siehe Kapitel 3.4): die Zentralstelle für Astro”
nomische Telegramme“ und die Veröffentlichung der Beobachtungszirkulare
”
der Astronomischen Nachrichten“ (BZ).
Im Gegensatz zur Zeitschrift AN wurde im Heidelberger Institut die Astro”
nomische Zentralstelle“ (AZ) weitergeführt. Die telegraphischen Mitteilungen
waren aber zunächst noch sehr beschränkt, da der telegraphische Verkehr mit
”
dem Ausland und die Versendung chiffrierter Telegramme sich noch nicht hat
ermöglichen lassen“.
An die Stelle der Beobachtungszirkulare der AN trat das Nachrichtenblatt
”
der Astronomischen Zentralstelle“ (NAZ). Am 10. Dezember 1946 ∗∗ erschien
die Ankündigung der Herausgabe des NAZ durch das Institut in Heidelberg.
Bemerkenswert ist, daß die Zusendung gegen Rückerstattung der Auslagen
(dafür wird eine Anzahlung von RM 20,- gefordert) erfolgt, daß aber der Abonnent insbesondere auch Saugpostpapier“ (in nicht näher definierter Menge)
”
an das Institut liefern muß.
127
Am 27. Mai 1947 wurde die erste Ausgabe des NAZ veröffentlicht. Insbesondere als Alternative zu nicht ganz so dringenden und viel teureren Telegrammen wurden zusätzlich die Vorläufigen Mitteilungen“ im Rahmen der
”
NAZ eingeführt.
Die Astronomische Zentralstelle in Heidelberg wurde von Nowacki geleitet,
unter späterer Mitwirkung von Strobel. Ab 1955 leitete Baehr die AZ und
redigierte die NAZ. Die letzte Ausgabe des NAZ erschien am 30. Dezember
1959 als Abschluß des 13. Bandes. Das NAZ und die zugehörigen Vorläufigen
Mitteilungen (bis Nr. 440) wurden damit ab 1. Januar 1960 eingestellt.
Ab 1962 wird auch der Telegrammdienst der AZ nicht mehr in den Tätigkeitsberichten des Instituts erwähnt. Die Astronomische Zentralstelle in Heidelberg war damit wohl sanft eingeschlafen. Ihre Aufgaben wurden von jetzt
ab auch für die deutschen Astronomen vollständig durch den Telegrammdienst
der Internationalen Astronomischen Union (IAU) und die postkarten-ähnlichen
IAU Circulars“ übernommen.
”
7.7.9
Der Fundamentalkatalog
Der Dritte Fundamentalkatalog des Berliner Astronomischen Jahrbuchs (FK3)
war 1937 und 1938 (Kopff 1937b, 1938) vom Astronomischen Rechen-Institut
in Berlin fertiggestellt worden (siehe Kapitel 2.2.4). Auf ihren Tagungen 1935
und 1938 hatte die Internationale Astronomische Union diesen FK3 als international verbindliches Referenzsystem am Himmel festgelegt und die Benutzung der Daten des FK3 für die in den Jahrbüchern gegebenen FixsternEphemeriden empfohlen.
Die Verbesserung des FK3 und seine Weiterentwicklung zum FK4 war die
wichtigste Forschungsaufgabe, vor der Kopff und sein Institut in Heidelberg
standen. Dazu mußten die neueren Beobachtungskataloge analysiert werden,
um dadurch die zufälligen ( individuellen“) und systematischen Fehler in den
”
Positionen und Eigenbewegungen der Fundamentalsterne zu verringern. Ferner
wurde angestrebt, die Zahl der Fundamentalsterne zu vergrößern und vor allem
mehr Sterne mit schwächerer Helligkeit aufzunehmen, um so den Anschluß
photographischer Beobachtungen an das Fundamentalsystem zu verbessern.
Aufgrund der vielfältigen anderen Aufgaben von Kopff begannen die Arbeiten an der Verbesserung und Erweiterung des FK3 aber erst 1951, nachdem
Kopff im Oktober 1950 die Leitung der Landessternwarte abgegeben hatte.
Die Arbeiten an der Verbesserung des FK3 wurden durch die Internationale
Astronomische Union (IAU) befürwortet. Auf ihrer Tagung in Rom im Septem-
128
ber 1952 verabschiedete die IAU die folgende Resolution 149 : The Commission
”
expresses its satisfaction that the Astronomische Rechen-Institut in Heidelberg
will undertake the revision of the FK3 using the observations obtained since
its formation, and that a supplement to the FK3 containing the brighter stars
(to about 7th magnitude) is to be constructed. ...“.
Der Ergänzungskatalog zum FK3 mit der Bezeichnung FK3 Supp wurde 1953 für den nördlichen Himmel und 1955 für den restlichen Südhimmel
veröffentlicht (Kopff 1953a, 1955). Der FK3 Supp enthält insgesamt 1987 Sterne. Zum Vergleich: der FK3 selbst enthält 873 Auwers“-Sterne und 662 Zu”
”
satz“-Sterne, insgesamt also 1535 Objekte (siehe Kapitel 2.2.4).
Die individuellen Verbesserungen der Daten des FK3 zum sogenannten
FK3R (FK3 Revised) erschienen 1957 (Astronomisches Rechen-Institut 1957a,
1957b). Die Verbesserung des Systems des FK3 wurde unter Kopffs Leitung
bis 1960 abgeschlossen.
Die aus der Verbesserung des FK3 resultierenden Kataloge FK4 und
FK4 Sup sind erst nach dem Tode von Kopff veröffentlicht worden (Fricke,
Kopff, et al. 1963; Astronomisches Rechen-Institut 1963).
Später hat das Astronomische Rechen-Institut die Kataloge FK5 (Fricke et
al. 1988, 1991) und FK6 (Wielen et al. 1999, 2000) publiziert. Eine Beschreibung dieser Kataloge gibt z.B. Walter (2000).
Heute wird das internationale Referenzsystem am Himmel aber nicht mehr
durch Fundamentalsterne definiert, sondern durch die radioastronomisch bestimmten Örter von extragalaktischen Objekten (meist Quasaren). Diese extragalaktischen Objekte haben wegen ihrer großen Entfernungen (fast) keine meßbaren Eigenbewegungen 150 . Im sichtbaren Bereich dienen über 100 000
Sterne des HIPPARCOS-Katalogs (ESA 1997) als Repräsentanten des neuen Referenzsystems. An diesem Katalog und an der zugrundeliegenden Mission des Astrometrie-Satelliten HIPPARCOS der Europäischen RaumfahrtBehörde ESA war das Astronomische Rechen-Institut über viele Jahre hinweg
in erheblichem Umfange beteiligt.
149
Die englische Version der Resolution haben wir der Arbeit von Kopff (1953b) entnommen
Auch die scheinbaren Eigenbewegungen, die von der Änderung der säkularen Aberration
aufgrund der sich zeitlich ändernden Umlaufbewegung der Sonne um das Zentrum unserer
Milchstraße hervorgerufen werden, betragen nur maximal 4-6 Mikrobogensekunden pro Jahr
(z.B. Bastian 1995, Titov et al. 2011)
150
129
7.7.10
Weitere Arbeitsfelder
Neben den oben aufgeführten offiziellen“ Aufgaben des Instituts führten Kopff
”
und seine Mitarbeiter auch mehr individuelle“ Forschungsarbeiten durch. Sie
”
sind in den Tätigkeitsberichten des Instituts unter Sonstige wissenschaftli”
che Arbeiten“ aufgeführt. Ihre Themen waren weitgestreut und betrafen im
Zeitraum von 1948 bis 1954 unter anderem: Himmelsmechanik; Astrometrie;
Struktur, Kinematik und Dynamik von Sternsystemen, insbesondere von unserer Milchstraße; Chronologie.
Langfristig am Wichtigsten wurde die Arbeit von Gliese zur Katalogisierung der sonnennahen Sterne mit Entfernungen bis zu 20 Parsec. Gliese begann
diese Arbeit 1952. Sein erster Katalog der sonnennahen Sterne mit 915 Objekten erschien 1957, die zweite Ausgabe 151 mit 1529 Objekten 1969. Auch
danach setzte Gliese seine Arbeiten an den sonnennahen Sternen in Zusammenarbeit mit Dr. Hartmut Jahreiß fort. Heute bearbeitet Herr Jahreiß dieses
Thema am Astronomischen Rechen-Institut.
7.8
Die Regelung der Nachfolge Kopffs als Direktor des
Astronomischen Rechen-Instituts
Nach seiner Emeritierung im Oktober 1950 leitete Kopff weiterhin das Astronomische Rechen-Institut. Wegen seines fortgeschrittenen Alters mußte aber
auch hier bald ein Nachfolger für ihn gesucht werden.
Formal-juristisch war die Lage folgende: Das Ordinariat für Astronomie
der Universität war seit 1950 mit Kienle als Direktor der Landessternwarte
besetzt. Für den Direktor des Astronomischen Rechen-Instituts stand damals
in Heidelberg, im Gegensatz zur Berliner Universität, kein Ordinariat für Theoretische Astronomie zur Verfügung 152 . Bei der Stelle des Direktors des Instituts
handelte es sich daher damals um eine normale Beamtenstelle der damaligen
Besoldungsgruppe B10 RBO 153 an einem Institut, das dem Kultusministerium direkt unterstellt und mit der Universität nur lose verbunden“ war. Zur
”
Wiederbesetzung der Direktorenstelle mußte also, wie grundsätzlich bei jeder Beamtenstelle, eine öffentliche Ausschreibung erfolgen. Im Gegensatz dazu
151
Die in diesem Katalog enthaltenen Raumgeschwindigkeiten von Sternen berechnete einer
der Autoren (R.W.)
152
Die ordentliche Professur für Theoretische Astronomie der Universität Heidelberg wurde
erst 1961 eingerichtet
153
Die damalige Besoldungsgruppe B10 RBO [Reichs-Besoldungs-Ordnung ] entspricht ungefähr der heutigen Besoldungsgruppe B1, die betragsmäßig der Endstufe der Besoldungsgruppe A15 gleicht. Diese Stelle war damals unbesetzt, weil Kopff hauptamtlich als Ordinarius bzw. Emeritus der Universität besoldet wurde und das Institut nur im Nebenamt
leitete.
130
wurden damals freiwerdende Professorenstellen nicht ausgeschrieben, sondern
es wurde von der Universität in einem speziellen Berufungsverfahren eine Berufungsliste (meist mit drei Kandidaten) aufgestellt, aus der dann das Ministerium einen (meist den Erstplazierten) berief.
Die Universität hatte gewiß ein natürliches Interesse, auf die Besetzung der
Direktorenstelle des Instituts Einfluß zu nehmen, weil der neue Institutsleiter auch weiterhin an der Lehre und an der Doktorandenausbildung im Fach
Astronomie der Universität teilnehmen sollte. Dazu war die Ernennung des
Betreffenden zum Honorarprofessor der Universität üblich.
Zu diesem sachlichen Interesse der Universität kam aber auch ein mehr
persönlicher Aspekt. Der Nachfolger von Kopff auf dem Lehrstuhl, Kienle, favorisierte als neuen Institutsleiter den Hamburger Astronomen Walter Fricke 154
und hatte dabei die Unterstützung der Mehrheit der Fakultät. Dagegen wollte
Kopff gerne, daß sein Mitarbeiter Friedrich Gondolatsch 155 sein Nachfolger als
Institutsdirektor würde. Wir wollen hier nicht auf die Argumente für und wider
die beiden Kandidaten eingehen, sondern nur den Ablauf des Besetzungsverfahrens schildern.
In einem Brief 156 vom 18. Juni 1953 an das Kultusministerium BadenWürttemberg schreibt der Dekan der Naturwissenschaftlich-Mathematischen
Fakultät der Universität Heidelberg, der Physiker Otto Haxel (1909-1998),
daß die Fakultät erfahren habe, daß die Stelle des Leiters des Astronomischen
Rechen-Instituts im Wege der Ausschreibung vergeben werden solle. Die Fakultät hält dies für sehr unzweckmäßig“. Sie schlägt ein Berufungsverfah”
ren vor und ist bereit, Berufungsvorschläge einzureichen. Auch das Rektorat
schließt sich der Auffassung der Fakultät an.
Das Kultusministerium antwortet 157 am 8. Juli 1953 freundlich, aber in
der Sache ablehnend: man hole selber gutachterliche Stellungnahmen aus dem
In- und Ausland ein, werde aber auch von dem Angebot der Fakultät gerne
Gebrauch machen.
Am 4. August 1953 158 teilt das Kultusministerium dann dem Rektor der
Universität Heidelberg mit, daß für die Besetzung der Direktorstelle des Astro”
nomischen Recheninstituts nach eingehender Prüfung und aufgrund eingehol154
Walter Fricke (1915-1988). Nachruf: Wielen und Lederle (1988). Biographische Daten:
Drüll (2009, S. 202).
155
Friedrich Gondolatsch (1904-2003). Siehe Personen-Verzeichnis (Kapitel 11.5).
156
Original im Universitätsarchiv Heidelberg (UA-Signatur: 70g, B-6905, Astronomisches
Recheninstitut, Allgemeines, Jahr: 1945-58)
157
Original im Universitätsarchiv Heidelberg (UA-Signatur: 70g, B-6905, Astronomisches
Recheninstitut, Allgemeines, Jahr: 1945-58)
158
Original im Universitätsarchiv Heidelberg (UA-Signatur: 70g, B-6905, Astronomisches
Recheninstitut, Allgemeines, Jahr: 1945-58)
131
ter Gutachten die Nachgenannten in die engere Wahl gezogen sind: Dozent Dr.
Walter Fricke, Hamburg; Observator Dr. Friedrich Gondolatsch, Heidelberg.“.
Die Fakultät wird gebeten, sich hierzu zu äußern. Unklar bleibt für uns, ob
es sich bei der Reihung um Prioritäten oder um eine alphabetische Auflistung
handelt.
Als Reaktion auf die Liste des Ministeriums richtete die Fakultät eine Kommission (in Analogie zu einer Berufungskommission) ein, die ein Gutachten
erstellte. In einem Brief 159 vom 2. November 1953 teilt Kienle, der im September 1953 neuer Dekan der Fakultät geworden war, dem Kultusministerium mit,
daß aufgrund des Gutachtens der Kommission und nach längerer Beratung die
Naturwissenschaftlich-Mathematische Fakultät beschlossen habe, daß selbst
”
bei der besonderen Situation und den speziellen Aufgaben des Recheninstituts
den Vorzügen von Herrn Fricke gegenüber denen von Herrn Gondolatsch doch
das grössere Gewicht beigelegt werden sollte.“. Der Rektor hat dieses Schreiben des Dekans ohne Kommentar an das Kultusministerium weitergeleitet. Bei
einem normalen Berufungsverfahren hätte vorher ein Beschluß des Senats der
Universität eingeholt werden müssen.
Kopff hat daraufhin eine Reihe neuer Gutachten zur Besetzung der Stelle
des Institutsdirektors und zur Aufgabenstellung des Instituts allgemein eingeholt, um zu erreichen, daß Gondolatsch sein Nachfolger wird. Am 11. April
1954 ∗∗ 160 hat Kopff diese Gutachten und Material zur Aufgabenstellung des
Instituts an den Rektor der Universität geschickt mit der Bitte, daß der Rektor und der Senat der Universität von diesen Schriftstücken Kenntnis nehmen
mögen. Der Rektor hat die Dokumente wunschgemäß den Senatsmitgliedern
als Umlauf zugehen lassen.
Der Senatsumlauf kam am 1. Juni 1954 an das Rektorat zurück 161 . Es gab
nur einen wesentlichen Kommentar, und zwar von Kienle, der als Dekan Senatsmitglied war: Er bemängelt die Auswahl der Gutachten und meint, daß
Herr Kopff unbedingt als Nachfolger [Dr. Gondolatsch] durchdrücken möchte
”
an Stelle des von der Fakultät in Übereinstimmung mit den deutschen Astronomen gewünschten Dr. Fricke (Hamburg).“. Ob der Senat auf einer späteren
Sitzung einen Beschluß zu der Angelegenheit gefaßt hat, wissen wir nicht.
Ende 1954 entschied sich das Kultusministerium dafür, die Direktorenstelle
des Instituts mit Fricke zu besetzen. Ihm wurde zum 1. Dezember 1954 die Leitung des Instituts zunächst kommissarisch übertragen. Kopff trat am gleichen
159
Original im Universitätsarchiv Heidelberg (UA-Signatur: 70g, B-6905, Astronomisches
Recheninstitut, Allgemeines, Jahr: 1945-58)
160
Durchschläge im Archiv des Astronomischen Rechen-Instituts und im Universitätsarchiv
Heidelberg (UA-Signatur: 70g, B-6905, Astronomisches Recheninstitut, Allgemeines, Jahr:
1945-58)
161
Original des Anschreibens mit Kommentaren im Universitätsarchiv Heidelberg (UASignatur: 70g, B-6905, Astronomisches Recheninstitut, Allgemeines, Jahr: 1945-58)
132
Tag als Institutsdirektor zurück. Damit endete eine über 30jährige Periode
(von 1924 bis 1954), in der Kopff das Astronomischen Rechen-Institut als Direktor leitete, zunächst in Berlin und später in Heidelberg. Am 14. Juli 1955
wurde Fricke dann die planmäßige Stelle des Direktors des Instituts übertragen.
Die Universität ernannte Fricke am 1. Oktober 1955 zum Honorar-Professor.
An der Universität Heidelberg wurde später die ordentliche Professur für Theoretische Astronomie eingerichtet und Fricke am 9. Februar 1961 übertragen.
Am 31. März 1983 wurde Fricke emeritiert, behielt aber die Leitung des Instituts (ähnlich wie Kopff) noch bis 1985 bei 162 .
162
Nachfolger von Fricke als Ordinarius und Direktor wurde 1985 einer der Autoren (R.W.)
133
8
8.1
Der östliche Teil
des Astronomischen Rechen-Instituts
in Babelsberg von 1945 bis 1956
Die Geschichte des östlichen Teils des Astronomischen Rechen-Instituts
Am 20. Juni 1945 siedelte der überwiegende Teil des Astronomischen RechenInstituts unter seinem Direktor Kopff von Sermuth nach Heidelberg über (siehe
Kapitel 6.3). Nur wenige Mitarbeiter des Instituts verblieben in Sermuth, weil
sie im sowjetisch besetzten Klein-Sermuth wohnten (siehe Kapitel 6.2). Es waren der Hauptobservator Kahrstedt, der Observator Baehr und die Sekretärin
Höhne. Der Hauptobservator Kohl reiste auch nicht mit nach Heidelberg (siehe
unsere entsprechende Fußnote in Kapitel 6.3). Aus diesem kleinen Kreis von
Personen bildete sich eine Einrichtung, die wir hier als den östlichen Teil“ des
”
Astronomischen Rechen-Instituts bezeichnen.
Kahrstedt schreibt in seinem Tätigkeitsbericht für die Jahre 1945 bis 1947
(Die Himmelswelt, Band 56, S. 37 (1949)), daß im Juli 1945 die Verbindung
”
mit Berlin wieder aufgenommen“ wurde 163 und daß er am 15. September 1945
zum kommissarischen Leiter des Berliner Astronomischen Rechen-Instituts“
”
bestellt wurde 164 .
Der östliche Teil des Rechen-Instituts verblieb noch längere Zeit in Sermuth und zog erst im April 1946 nach Babelsberg165 bei Berlin um 166 . Dort
wurde das Institut zunächst in einer ehemaligen Observatoren-Dienstwohnung
der Sternwarte Babelsberg untergebracht. Den Auftrag zum Umzug von Sermuth nach Babelsberg erhielt Kahrstedt vom Rektor der Universität Berlin in
163
Kahrstedt verfaßte am 18. Juli 1945 einen Brief an den Kurator der Friedrich-WilhelmsUniversität Berlin (Original im Archiv der Humboldt-Universität, Akte: Rektorat 311, Blatt
59/59R). Darin berichtet er über die Vorgänge in Sermuth nach dem unmittelbaren Kriegsende und die Verlagerung des Hauptteils des Instituts in Richtung Südwesten. Er schreibt:
Wie ich gestern nun bei einem kurzen, seitens der russischen Brückenwache erstmals erlaub”
tem Besuch der auf dem Westufer [der Mulde ] liegenden, nunmehr unbenutzten Diensträume
feststellte, ist der größte Teil der Bibliothek hiergeblieben. Eine Fortsetzung unserer Arbeit
ist also durchaus möglich, ein Verlassen des Orts aber würde die Preisgabe des wertvollen,
teilweise unersetzlichen Materials bedeuten. Auch in Dahlem ist nichts davon zurückgeblieben.“. Diesen Brief sollte Frau Kahrstedt in Berlin persönlich übergeben. Kahrstedt bittet,
ihr möglichst eine Abschlagszahlung für die Gehälter auszuzahlen.
164
Die Ernennung Kahrstedts zum kommissarischen Leiter des Institutsteils in Sermuth ist
vermutlich durch die Berliner Universität erfolgt
165
Babelsberg wurde am 1. April 1939 nach Potsdam eingemeindet und bildet seither einen
Stadtteil von Potsdam (Potsdam-Babelsberg)
166
Baehr verblieb sogar bis Oktober 1947 in Sermuth, siedelte dann aber nicht nach Babelsberg, sondern nach Heidelberg über. Siehe Kapitel 11.1 .
134
einem Brief vom 4. Februar 1946 167 , dem als Anlage auch eine mit Amtlicher
”
Auftrag“ überschriebene Vollmacht 168 beilag.
Kahrstedt schreibt in seinem Tätigkeitsbericht, daß die Unterbringung in
Babelsberg infolge der Beschlagnahme des früheren Dienstgebäudes“ des In”
stituts erforderlich wurde. Wir halten zwei andere Gründe für ausschlaggebend,
warum der östliche Teil des Instituts nicht nach Dahlem zurückkehrte:
(1) Als Hauptgrund sehen wir an, daß Dahlem im amerikanischen Sektor
Berlins lag. Die sowjetische Besatzungsmacht wollte den restlichen Teil des
Instituts, der sich in der Sowjetischen Besatzungs-Zone befand, sicher nicht
auch noch in die Hände der Amerikaner fallen lassen. (2) Selbst wenn die
Sowjets mit einem Umzug des östlichen Teils in den amerikanischen Sektor
Berlins einverstanden gewesen wären, hätten die Amerikaner die Beschlagnahme des Gebäudes für den kleinen Rest der Institutsmitarbeiter sicher nicht
aufgehoben. Denn aus amerikanischer Sicht befand sich seit Anfang Juli 1945
das Astronomische Rechen-Institut unter der Leitung von Kopff nun in Heidelberg. Weder Kopff noch die Amerikaner hatten ein Interesse an einer Rückkehr
des Instituts nach Berlin, weder des ganzen Instituts noch eines Teils davon.
Insbesondere wäre in Dahlem die Trägerschaft des Instituts zu einem politischen Problem geworden. In Berlin gab es aus amerikanischer Sicht sicher
keine geeignete Organisation, die das Institut hätte finanzieren und betreuen können. Denn sowohl Universität als auch Akademie hatten ihren Sitz im
sowjetischen Sektor von Berlin und hätten damit einem sowjetischen Einfluß
auf das Institut Tür und Tor geöffnet. Hätten Kopff und die amerikanische
Administration wirklich ein Interesse an der Rückkehr des Instituts nach Berlin und insbesondere in das Institutsgebäude in Dahlem gehabt, so wäre die
Beschlagnahme des Hauses aufgrund der guten Beziehungen von Kopff zum
U.S. Naval Observatory in Washington sicher kurzfristig aufzuheben gewesen.
Während Kahrstedt ab April 1946 in Babelsberg arbeitete, verblieben seine
Frau Johanna Kahrstedt und die Sekretärin, Fräulein Höhne, zunächst noch
in Sermuth, um den Transport des in Sermuth verbliebenen Rests der Institutsausstattung (Bibliothek, Büromöbel) zu organisieren. Während die Bücher
bereits im Sommer 1946 provisorisch zum Astrophysikalischen Observatorium
Potsdam gebracht werden konnten (wohin bereits während des Krieges Teile der Institutsbibliothek ausgelagert worden waren), konnte das in Sermuth
noch vorhandene Mobiliar des Instituts erst im Frühjahr 1947 nach Babelsberg
167
Durchschläge des Briefes und der Anlage befinden sich im Archiv der HumboldtUniversität, Akte: Rektorat 311, Blatt 31 und 32
168
In dieser Bescheinigung bittet der Rektor alle Behörden der sowjetischen Besatzungs”
macht und alle deutschen Behörden“, dem Institut bei diesem Umzug Hilfe und Un”
terstützung“ zu gewähren
135
überführt werden 169 . Aus dem ehemaligen Institutsgebäude in Dahlem konnten wohl keine Bestände übernommen werden: entweder waren sie im Krieg
ausgelagert worden und nicht nach Dahlem zurückgekehrt, oder sie befanden
sich unzugänglich im beschlagnahmten Gebäude; andere Dinge waren entwendet oder zerstört worden. In jedem Falle wäre ein Transport von Sachen aus
dem amerikanischen Sektor (Dahlem) in die Sowjetische Besatzungszone (Babelsberg) auf sehr hohe Hürden gestoßen.
Kahrstedt schreibt in seinem oben zitierten Tätigkeitsbericht ferner: Das
”
Institut trat mit dem 1. Januar 1947 unter der Bezeichnung Astronomisches
”
Recheninstitut der Deutschen Akademie der Wissenschaften zu Berlin“ zu dieser Akademie über.“ 170 .
Die Eingliederung des östlichen Teils des Astronomischen Rechen-Instituts
in die Akademie ging von einem gemeinsamen Vorschlag des Präsidenten der
”
Deutschen Verwaltung für Volksbildung“ und des Präsidenten der Akademie
aus. Am 18. Oktober 1946 akzeptierte die Sowjetische Militärverwaltung dieses
Gesuch durch ihren Befehl Nr. 309“ 171 .
”
Berlin war formal der Sitz des östlichen Teils des Astronomischen RechenInstituts, obwohl es räumlich gesehen vollständig in der Sternwarte Babelsberg
untergebracht war. Seine jährlichen Tätigkeitsberichte in den Mitteilungen der
Astronomischen Gesellschaft sind daher bis zu seiner Auflösung 1956 immer
unter der Ortsangabe Berlin“ zu finden. Als Besonderheit ist noch anzuführen,
”
169
Kahrstedt berichtet in seinem Brief vom 31. Mai 1946 an den Verwaltungsdirektor
der Universität Berlin (Original im Archiv der Humboldt-Universität Berlin, Akte: Verwaltungsdirektor, Nr. 22), daß die russische Kommandantur in Colditz (die wohl für Sermuth
zuständig war) die Möbel des Instituts in Sermuth beschlagnahmt und teilweise bereits abgeholt habe. Mehrere Versuche von Kahrstedt, die beschlagnahmten Sachen frei zu bekommen,
seien gescheitert. Die Universität Berlin hätte aber bereits im Februar 1946 die Angelegenheit zur weiteren Beschwerdeführung“ übernommen. Offensichtlich hatte diese Beschwerde
”
später Erfolg, so daß die Möbel des Instituts 1947 von Sermuth nach Babelsberg transportiert werden konnten.
170
Allerdings unterzeichnet Kahrstedt noch am 6. März 1947 eine Bescheinigung für Baehr
als Komm. Leiter d. Kopernikus-Instituts der Universität Berlin“. Dies deutet daraufhin,
”
daß die Übernahme des Instituts durch die Akademie erst nach diesem Datum rückwirkend
zum Jahresbeginn erfolgt ist.
171
Befehl Nr. 309 des Obersten Chefs der SMA [Sowjetische Militäradministration in
Deutschland ] und Oberkommandierenden der Sowjetischen Besatzungstruppen in Deutschland, betreffend den Übertritt von Instituten allgemeinwissenschaftlichen Charakters in die
Verwaltung der Deutschen Akademie der Wissenschaften vom 18. Oktober 1946. Infolge der
Eröffnung der ... Akademie ... befehle ich: ... nachstehende Institute ... treten in die Verwaltung der Deutschen Akademie der Wissenschaften: ..., das Astronomische Recheninstitut,
derzeit in Babelsberg, ... . [Der vollständige Text des Befehls Nr. 309 ist abgedruckt in
Hartkopff und Wangermann (1991, S. 477). Neben dem östlichen Teil des Astronomischen
Rechen-Instituts betraf der Befehl die Sternwarte Babelsberg, das Astrophysikalische Observatorium Potsdam, die Sternwarte Sonneberg, das Geodätische Institut Potsdam und das
Institut für Erdbebenforschung in Jena.].
136
daß sich der östliche Teil des Astronomischen Rechen-Instituts stets ohne Bindestrich, also als Recheninstitut“, schrieb.
”
Als seine Hauptaufgabe betrachtete der östliche Teil des Astronomischen
Rechen-Instituts die Fortführung der Herausgabe des Berliner Astronomischen
Jahrbuchs (BAJ). Die Jahrgänge 1947 und 1948 des BAJ wurden vom östlichen Teil selbständig publiziert, obwohl das Heidelberger Institut und seine
Mitarbeiter dazu inhaltlich auch wesentliche Beiträge geliefert hatten. Erst ab
Jahrgang 1949 wurde das BAJ dann gemeinsam vom östlichen Teil und vom
Heidelberger Institut herausgegeben. Das BAJ wurde 1957 nach dem Band
für 1959 eingestellt. Dazu schreibt Kahrstedt in seinem Tätigkeitsbericht für
1957: Die große Summe, die alljährlich [für das BAJ ] aufgewendet werden
”
mußte, war angesichts der damit geleisteten Doppelarbeit nicht mehr zu verantworten.“. Mehr Einzelheiten zum BAJ nach 1945 haben wir in den obigen
Kapiteln 7.7.3 und 7.7.4 gegeben.
Ab 1949/50 übernahm der östliche Teil des Instituts als zweites Aufgabengebiet die Bearbeitung und Herausgabe einiger Bände der Geschichte des Fix”
sternhimmels“ (GFH). Die GFH war jahrzehntelang eine Unternehmung der
Preußischen Akademie der Wissenschaften zu Berlin gewesen. Ziel der GFH
war es, alle Sternörter zusammenzustellen, die in Katalogen des 18. und 19.
Jahrhunderts publiziert worden waren. Vor 1945 erschienen (alle) 24 Bände
der GFH für den Nordhimmel und 7 für den Südhimmel. Der langjährige Mitarbeiter der GFH in Berlin, Johannes Haas (1893-1977), war 1946 nach Bonn
umgezogen und führte dort die GFH im Rahmen der Bonner Sternwarte teilweise fort. Die Bearbeitung des restlichen Teils der GFH wurde in Babelsberg
unter der Leitung von Julius Dick (siehe Kapitel 12) vorgenommen 172 . Von
1952 bis 1966 wurden die insgesamt 7 Bände der GFH veröffentlicht, die vom
östlichen Teil des Instituts erarbeitet worden waren. Damit war die GFH in 48
Bänden vollständig fertiggestellt. Das GFH-Unternehmen hatte sich über fast
70 Jahre erstreckt !
Die GFH weist publizierte Sternörter bis 1900 nach. Das erste Nachfolgeprojekt, der Index der Sternörter 1900-1925“, wurde von der Hamburger
”
Sternwarte durchgeführt und 1928 publiziert. Im Jahre 1954 übernahm der
östliche Teil des Instituts zusätzlich zur GFH die Fortführung des Indexkatalogs der Sternörter für die Jahre 1925-1960 ( Index II“). Die Arbeit am
”
Index-Katalog war insofern weniger aufwendig, als nur der bibliographische
Nachweis der Sternposition gegeben wurde. Die GFH hatte dagegen die publizierten Sternpositionen (meist) zusätzlich auf ein einheitliches Äquinoktium
172
Dick beschreibt im Vorwort zu Band 23 (Süd) der GFH (Geschichte des Fixsternhimmels, Abteilung II, Der Südliche Sternhimmel, Zweiter Halb-Band 24, 23h Rektaszension,
Berlin 1952) die Fortführung der GFH in Babelsberg. Siehe auch Dick (1953). Haas nimmt
zu den Ausführungen von Dick kritisch Stellung im Vorwort zu Band 14 (Süd) der GFH
(Geschichte des Fixsternhimmels, Abteilung II, Der Südliche Sternhimmel, Band 14, 13h
Rektaszension, Karlsruhe 1954).
137
(1875.0) umgerechnet, was natürlich bei der großen Zahl der erfaßten Sterne
einen merklichen Rechenaufwand erforderte.
Neben diesen größeren Arbeiten führten die Mitglieder des östlichen Teils
des Instituts eine Reihe einzelner Forschungsarbeiten durch, überwiegend auf
dem Gebiet der Himmelsmechanik der Kleinen Planeten. Auch stellte Kohl
weiterhin den astronomischen Teil des Grundkalenders zusammen.
Durch Beschluß der Akademie der Wissenschaften vom 14. Juni 1956 wurde der östliche Teil des Astronomischen Rechen-Instituts in die Sternwarte
Babelsberg als theoretische Abteilung eingegliedert.
Auf dem Titelblatt des 1957 erschienenen (letzten) Bandes des Berliner
Astronomischen Jahrbuchs (für 1959) wurde für den östlichen Teil des Astronomischen Rechen-Instituts dennoch der alte Name verwendet.
Mit der Einstellung des Jahrbuchs im Jahre 1957 verringerten sich sowohl
die Aufgaben als auch die Personalausstattung der theoretischen Abteilung
der Sternwarte. Fortgeführt wurden zunächst noch die Arbeiten an der GFH
und am Index-Werk. Beide Projekte wurden 1965 erfolgreich abgeschlossen. In
Bonn hatte Haas seine Arbeiten an der GFH schon 1957 eingestellt.
8.2
Die Beziehungen des Heidelberger Instituts zum östlichen Teil des Astronomischen Rechen-Instituts
Erfreulicherweise waren die persönlichen Beziehungen zwischen Kopff und
Kahrstedt und auch die zwischen den Mitarbeitern des Instituts in Heidelberg
und denen des östlichen Teils offenbar sehr gut. Sie kannten sich meist schon
lange und hatten die schwere Zeit vor Kriegsende gemeinsam erlebt. Wenn
überhaupt Probleme auftauchten (z.B. bei der gemeinsamen Herausgabe des
BAJ), dann gingen die Schwierigkeiten offensichtlich meist von den Stellen
aus, die dem östlichen Teil übergeordnet waren, d.h. zunächst der Berliner
Universität und später der Berliner Akademie.
Kopff hat in einem Schreiben vom 21. Juli 1946 173 an den Rektor der
Universität Berlin einen detaillierten Entwurf für eine enge Zusammenarbeit
bzw. Arbeitsteilung zwischen dem Astronomischen Rechen-Institut in Heidelberg und dem östlichen Teil des Instituts, das Kopff in diesem Entwurf als
Kopernikus-Institut bezeichnet, vorgelegt. Der Rektor 174 der Berliner Universität reagierte auf diesen Entwurf mit erstaunlicher Schärfe. Wir kennen
173
Original im Archiv der Humboldt-Universität, Akte: Rektorat 311, Blatt 14 und 15
Johannes Stroux (1886-1954), Professor für klassische Philologie, seit 1945 auch Präsident der Berliner Akademie
174
138
seine Reaktion allerdings nur aus einer Aktennotiz 175 von Kahrstedt, die dieser nach seinem Gespräch mit Rektor Stroux am 11. September 1946 verfaßt
hat 176 . Später hat sich der Ton von Stroux gemäßigt. Bei der gemeinsamen
Herausgabe des Berliner Astronomischen Jahrbuchs ab 1948 wurde der Name
des Astronomischen Rechen-Instituts in Heidelberg von der Berliner Akademie
voll akzeptiert.
Die Sicht des Heidelberger Instituts auf den östlichen Teil in Babelsberg
beschreibt Gondolatsch in seinem Brief vom 25. Februar 1949 an Hoffmeister:
... Die Herren Kahrstedt und Kohl sind nach Berlin in ihre unzerstörten Woh”
nungen zurückgekehrt. Sie haben sich dort in Berlin bemüht, die Tradition des
Berliner Rechen-Institutes wieder aufzunehmen - teils aus eigener ExistenzNotwendigkeit, teils um den Wünschen ihrer [sowjetischen] Besatzungsmacht
entgegen zu kommen. Von uns [in Heidelberg ] sind diese Bestrebungen aus zwei
Gründen unterstützt worden: 1) weil sich Prof. Kopff nach wie vor für die abgesprengten Berliner Kollegen verantwortlich fühlt und 2) um der Aussenwelt
nicht das Schauspiel eines innerdeutschen Zwiespaltes darzubieten.“.
Ein Vorteil für die schnelle und wohl auch zensurfreie Kommunikation zwischen Kopff und Kahrstedt war der Umstand, daß Kahrstedt seine alte Wohnung in Berlin-Lichterfelde-West, Potsdamer Straße 43, beibehielt. Er wohnte
damit im amerikanischen Sektor von Berlin 177 . Erstaunlicherweise benutzte
er seine Wohnanschrift im Westen Berlins oft sogar als Adresse des östlichen
Teils des Astronomischen Rechen-Instituts (siehe z.B. seine Briefe vom 6. Mai
1948 ∗∗ und vom 20. Juli 1949 ∗∗ an Nowacki).
Auch in finanzieller Hinsicht zeigte sich Kopff gegenüber dem östlichen Teil
des Instituts sehr kompromißbereit. Für den Verlag Dümmler war es zunächst
unklar, ob das jetzt in Heidelberg befindliche Astronomische Rechen-Institut
formal der Rechtsnachfolger des Berliner Instituts war und daher Anspruch
auf die Verkaufserlöse aus den früheren Bänden des BAJ und anderer Institutsveröffentlichungen besaß, oder ob dem östliche Teil diese Gelder zustanden,
175
Original im Archiv der Humboldt-Universität, Akte: Rektorat 311, Blatt 12
In diesem Schriftstück schreibt Kahrstedt unter anderem: Das BJ [Berliner Astrono”
mische Jahrbuch ] wird nicht nach Heidelberg abgegeben.“. Kahrstedt referiert abschließend
einen Beschluß Sr. Mgfz. [des Rektors ]: 1. Das BJ [Berliner Astronomische Jahrbuch ] wird
”
weiter in Berlin gerechnet. 2. Gegen eine vorübergehende Bearbeitung der Kleinen Planeten in Heidelberg ist nichts einzuwenden. 3. Die Führung der Bezeichung Astronomisches
”
Recheninstitut“ seitens der Heidelberger Arbeitsstelle wird nicht anerkannt, sondern auch
weiterhin für das in Berlin befindliche Institut beansprucht.“.
177
Nach der Währungsreform 1948 bereitete ihm das allerdings finanzielle Schwierigkeiten,
weil er nur einen Teil seines im Osten erarbeiteten Gehalts in Westgeld ausbezahlt erhielt.
Kahrstedt schreibt dazu in seinem Brief vom 20. Juli 1949 ∗∗ an Nowacki: Bisher bekam
”
ich monatlich DM [Ost ] 300.- 1 : 1 in West umgetauscht, nun sind es nur noch DM 200.-,
wird aber sicher noch weiter herabgesetzt werden. Das Übrige meines Gehalts muß ich mir
[in Wechselstuben] im Verhältnis 1 : 6 umtauschen, bzw. in den H.O.-Läden des Ostens
ausgeben. Wir sind also pekuniär sehr gehemmt.“
176
139
oder ob die Erlöse geteilt werden sollten. In einem Brief vom 8. November 1947
an Kopff fragte der Dümmler-Verlag, was mit den Erlösen aus dem Verkauf
früherer Jahrgänge des BAJ geschehen sollte und regte eine Aufteilung in gleiche Teile zwischen Heidelberg und Babelsberg an. Am 28. November 1947 ∗∗
antwortet Kopff, daß die Erlöse nach Babelsberg gehen sollten, weil der Preußische Staat die Kosten für die Herstellung des Jahrgangs 1946 [und früherer
Jahrgänge] getragen habe. Da der Badische Staat für das BAJ für 1946 keinerlei Zuschüsse geleistet habe, bestände für ihn nach Kopffs Ansicht auch kein
Anspruch auf Entschädigung. Der Dümmler-Verlag teilt daraufhin in Briefen
vom 16. Dezember 1947 ∗∗ an Kahrstedt und Kopff mit, daß die Abrechnungen
über die alten Bände des BAJ nun an den östlichen Teil des Instituts gehen
werden.
Auch auf einen eventuellen Heidelberger Anteil an dem Erlös des gemeinsam herausgegebenen Berliner Astronomischen Jahrbuchs scheint Kopff nicht
bestanden zu haben. Jedenfalls liegen uns keine anderslautenden Dokumente
vor.
Das Heidelberger Institut hat auch Teile der Bibliothek des Instituts, die
während des Zweiten Weltkriegs von Dahlem in das Schloß Stetten am Kocher
verlagert worden waren und im Jahr 1948 nach Heidelberg kamen, zunächst nur
für den östlichen Teil des Instituts in Verwahrung genommen 178 . Es handelte
sich um 5 Kisten mit Büchern (siehe Kapitel 9.3). Später wurden diese Bücher
aber doch in die Bibliothek des Heidelberger Instituts integriert.
Eine Episode ist noch bemerkenswert 179 : Am 19. November 1948 schrieb
der Verwaltungsdirektor [sic ] der Universität Berlin 180 , Anna von Pritzbuer
(1900-?), an die Verwaltung der Universität Heidelberg: Kopff hätte Material
des Astronomischen Recheninstitutes der Universität Berlin“ übernommen
”
(1 Schreibmaschine, 5 Rechenmaschinen, Aktenmaterial und einige kleinere
Geräte). Sie schlägt vor, diese Dinge zwar Kopff vorläufig zur Benutzung zu
”
überlassen, jedoch vorzusehen, daß sie nach vorheriger Anzeige nach Berlin
zurückzutransportieren sind, wenn sich eine Möglichkeit hierfür bietet.“.
Kopff schreibt dazu am 7. Dezember 1948 an die Universität Heidelberg,
daß (1) die Verlagerung des Instituts nicht eigenmächtig, sondern auf Anordnung der Amerikanischen Militär-Regierung erfolgt sei, und daß (2) das Astronomische Rechen-Institut nicht zur Universität Berlin gehörte (Kopff erläutert
die Rechtssituation näher), so wie das Institut auch jetzt nicht zur UniverSiehe dazu Punkt 3.) im Brief vom 8. September 1948 ∗∗ von Heinemann an Kopff
Der Schriftwechsel hierzu befindet sich im Universitätsarchiv Heidelberg (UA-Signatur:
70g, B-6905, Astronomisches Recheninstitut, Allgemeines, Jahr: 1945-58)
180
Es handelte sich um die ehemalige Friedrich-Wilhelms-Universität und spätere
Humboldt-Universität, die im sowjetischen Sektor Berlins lag. 1948 wurde im Westen
Berlins die Freie Universität Berlin als Reaktion auf die kommunistische Beherrschung der
Ost-Berliner Universität gegründet.
178
179
140
sität Heidelberg gehöre. Er stellt fest, daß die Universität Berlin keinerlei
”
Rechtsansprüche auf das Eigentum des Astronomischen Rechen-Instituts in
Heidelberg“ hat. Abschließend weist er (3) darauf hin, daß er am 2. Januar 1946 dem Herrn Rektor der Universität Berlin einen Bericht 181 übersandt
”
habe, in welchem alle Einzelheiten über die Übersiedelung des Astronomischen
Rechen-Instituts nach Heidelberg mitgeteilt worden sind.“.
Der Verwaltungsdirektor der Universität Heidelberg, Armbruster, leitet diesen Brief am 10. Dezember 1948 an den Verwaltungsdirektor der Universität
Berlin weiter und unterstützt die Argumentation von Kopff. Offenbar ist dieses
Schreiben entweder verloren gegangen oder sehr verspätet in Berlin eingetroffen. Denn von Pritzbuer bittet am 4. Januar 1949 um baldige Antwort. Daraufhin schickt die Universität Heidelberg nochmals eine Abschrift der Briefe vom
7. und 10. Dezember 1948 nach Berlin, nun aber per Einschreiben ! Die Berliner Universität hat die Heidelberger Ausführungen offenbar (stillschweigend)
akzeptiert, denn ein weiterer Schriftwechsel dazu liegt in den Heidelberger
Archiven nicht vor. Wir vermuten, daß die Berliner Universität aus eigenem
Antrieb gehandelt hat und nicht etwa von Kahrstedt zu dieser Aktion gedrängt
worden ist. Denn Kahrstedt war sicher klar, daß die Aktion völlig aussichtslos
war und daß sie nur die Beziehung zum Heidelberger Institut belasten konnte.
181
Original im Archiv der Humboldt-Universität, Akte: Rektorat 311, Blatt 21
141
9
9.1
Das Institutsgebäude in Berlin-Dahlem
Beschreibung des Institutsgebäudes
Das Gebäude in der Altensteinstraße 40 (Ecke Fabeckstraße) in Dahlem war
in den Jahren 1911 und 1912 speziell für das Astronomische Rechen-Institut
errichtet worden, weil das Institut sein bisheriges Domizil in Berlin-Kreuzberg,
Lindenstraße 91, verlassen mußte. Die Einzelheiten zu diesem Umzug haben
wir in Kapitel 3.2 von Wielen R. und Wielen U. (2011c) ausführlich geschildert.
Das Haus umfaßt das Erdgeschoß, zwei weitere Stockwerke und ein Dachgeschoß 182 . Den Grundriß des Institutsgebäudes erkennt man in Fig. 16. Neben
den Arbeitsräumen für die Mitarbeiter des Instituts und der Bibliothek gab es
auch einen Hörsaal und Wohnungen.
Die Wohnung des Direktors befand sich nach unserer Kenntnis im 2. Obergeschoß in Richtung Fabeckstraße. Von 1912 bis 1922 wohnte Cohn dort, ab
1924 das Ehepaar Kopff mit seinen zwei Söhnen. Die Witwe von Cohn, Johanna Cohn-Peters, lebte noch bis 1932 im Institutsgebäude, nach 1924 vermutlich
in der Assistenten-Wohnung. In der Assistentenwohnung hatten zunächst von
1912-1921 Stracke (Kapitel 11.26), 1922 E. Noteboom (Kapitel 8.39 von Wielen R. und Wielen U. 2011c), 1923 R. Hess (Kapitel 8.18 von Wielen R. und
Wielen U. 2011c), und 1923-1926 Kahrstedt (Kapitel 11.9) gewohnt 183 . 1932
wurde die Assistentenwohnung in Arbeitsräume umgewandelt.
Eine weitere Wohnung war die des Hausmeisters. Sie bewohnte von 1912
bis 1932 Horlbogen (siehe Kapitel 12). Danach wohnte dort der Rechner Hiller
(Kapitel 12), der dafür aber auch gewisse Hausmeistertätigkeiten übernehmen
mußte. Von Dezember 1943 bis Januar 1945 lebte das Ehepaar Totzki (Kapitel
12) in dieser Hausmeisterwohnung und betreute dabei teilweise das Institut 184 .
Die Fig. 9 und 10 zeigen die Lage des Institutsgebäudes auf einem Berliner Stadtplan. Dahlem wurde erst 1920 nach Groß-Berlin eingemeindet. 1938
wurde ein kleiner Teil Dahlems, der südöstlich der Altensteinstraße liegt, an
Lichterfelde abgetreten. Davon war auch das Astronomische Rechen-Institut
betroffen. Während der Zeit des Zweiten Weltkriegs war damit der Bezirk Steglitz von Berlin, zu dem der Ortsteil Lichterfelde zählte, administrativ für das
Institut zuständig.
182
Dagegen besitzt das Gebäude kein Kellergeschoß
Offenbar gab es von 1923/24-1926 eine zusätzliche Wohnmöglichkeit im Institut, da Frau
Cohn-Peters und Kahrstedt gleichzeitig im Gebäude wohnten
184
Der Hilfshausmeister und Bürobote Levy (Kapitel 12), der von 1943 bis 1944 am Institut
arbeitete, wohnte nicht in der Altensteinstraße 40, sondern weit entfernt vom Institut in der
Schönhauser Allee (N113, Bezirk Prenzlauer Berg, nördlich vom Berliner Stadtzentrum)
183
142
Fig. 9. Lage des Astronomischen Rechen-Instituts in Dahlem (eigentlich in LichterfeldeWest). Gezeigt wird ein Ausschnitt aus einem Stadtplan von ca. 1954. Zwar befand sich
das Institut zu diesem Zeitpunkt nicht mehr in Berlin. Der Plan zeigt aber trotzdem noch
die Lage des Astronomischen Rechen-Instituts explizit: Das große rote Gebäude fast in der
Bildmitte ist das Stubenrauchkrankenhaus. Links oberhalb dieses Gebäudes findet man
das Astronomische Rechen-Institut als kleines rotes Rechteck an der Ecke Altensteinstraße/Fabeckstraße (Beschriftung: Astron. Rechen-Inst.). Quelle: Wielen (privat).
Anmerkung: (1) Einer der Autoren (Roland Wielen) hat von seiner Geburt an (1938)
bis zu seinem Eintritt in das Astronomische Rechen-Institut in Heidelberg (1963) in
Berlin-Lichterfelde-West, Manteuffelstraße 27 gewohnt (Nr. 27 liegt zwischen Moltkestraße
und damaliger Elisabethstraße). Der obige Plan zeigt die Manteuffelstraße unterhalb des
S-Bahnhofs Botanischer Garten, oberhalb des grün eingezeichneten Friedhofs Moltkestraße.
(2) Die Großeltern des zweiten Autors (Ute Wielen) wohnten in Berlin-Lichterfelde-West,
Drakestraße 16b (zwischen Holbeinstraße und Dürerstraße gelegen). Sie selbst wohnte dort
seit 1959 nach ihrer Flucht in den Westen. Die Drakestraße ist auf dem obigen Plan auch
zu erkennen: sie verläuft ungefähr vom S-Bahnhof Lichterfelde-West in südlicher Richtung.
143
Fig. 10. Dieser vergrößerte Ausschnitt aus Fig. 9 zeigt im Detail die Lage des Astronomischen
Rechen-Instituts in Dahlem (eigentlich in Lichterfelde-West). Das große rote Gebäude fast
in der Bildmitte ist das Stubenrauchkrankenhaus. Links oberhalb dieses Gebäudes findet
man das Astronomische Rechen-Institut als kleines rotes Rechteck an der Ecke Altensteinstraße/Fabeckstraße (Beschriftung: Astron. Rechen-Inst.). Quelle: Wielen (privat)
144
Fig. 11. Die Straßenfront des Gebäudes des Astronomischen Rechen-Instituts in BerlinDahlem, mit der Altensteinstraße im Vordergrund. Das undatierte Photo ist vermutlich um
1914 (oder später ?) aufgenommen worden (siehe entsprechende Fußnote in diesem Kapitel).
Quelle: Archiv des Astronomischen Rechen-Instituts.
Nach 1945 lag das Gebäude im amerikanischen Sektor von Berlin. Heute
gehört Lichterfelde und damit das ehemalige Institutsgebäude zum Großbezirk
Steglitz-Zehlendorf von Berlin.
Wir verfügen leider nur über wenige Photos vom Gebäude und seinem Inneren. Figur 11 zeigt die Straßenfront des Gebäudes in ihrem Originalzustand.
Die Aufnahme stammt vermutlich aus der Zeit um 1914 185 .
In den Fig. 12 und 13 zeigen wir zwei Aufnahmen aus dem Frühjahr 1966.
Sie zeigen das Gebäude aber mit höchster Wahrscheinlichkeit noch im Wesentlichen in seinem Originalzustand. Uns sind nur die veränderte Form der
185
Wir können aber nicht ausschließen, daß die Aufnahme erst später angefertigt wurde.
Publiziert wurde sie nach unserer Kenntnis erstmals im Artikel des Völkischen Beobachters
vom 11. Juli 1937 ∗∗ und dann in der Zeitschrift Volksfunk“ vom 20. Februar 1938 ∗∗ (siehe
”
Kapitel 2.2.7). Allerdings halten wir es für wahrscheinlicher, daß die Zeitung und die Zeitschrift damals auf ein bereits im Institutsarchiv vorliegendes, älteres Photo zurückgegriffen
haben. Für diese Annahme spricht auch, daß im Artikel des Völkischen Beobachters die
Quellenangabe für das Photo Archiv“ lautet.
”
145
Fig. 12. Die Straßen- und Seiten-Front des ehemaligen Gebäudes des Astronomischen
Rechen-Instituts in Berlin-Dahlem. Das zugrunde liegende Diapositiv wurde im Frühjahr
1966 von der Kreuzung der Altensteinstraße mit der Fabeckstraße aus aufgenommen. Die
Altensteinstraße verläuft im Bild links nach hinten. Von ihr ist nur ein kleines Stück zu sehen. Die Fabeckstraße, die am Institut die Altensteinstraße kreuzt, geht im Bild nach rechts
ab. Quelle: Privates Dia-Archiv der Autoren.
Dachgauben, das durchgehende Band 186 zwischen dem 1. und 2. Obergeschoß
über dem Haupteingang und teilweise fehlende Fensterläden aufgefallen. In Fig.
12 erkennt man rechts neben dem Hauptgebäude im Garten des Grundstücks
ein einstöckiges, flaches Bauwerk. Sein Baujahr und seinen Zweck konnten wir
nicht eindeutig klären. Es könnte sich um den in Kapitel 9.2 erwähnten Schutzbau (Bunker) gegen Bombardierungen handeln. Eine andere Möglichkeit wäre
ein provisorischer Hörsaal der Freien Universität Berlin, die das Hauptgebäude
ab 1951 als Historisches Seminar nutzte (siehe Kapitel 9.5.3).
Zur Inneneinrichtung des Instituts liegen uns nur zwei Photos vor (Fig.
14 und 15). Sie stammen aus der Zeitschrift Volksfunk. Rundfunk und Be”
wegung.“ vom 20. Februar 1938 ∗∗ , 8. Folge, 8. Jahrgang, Seite 5. Bei dieser
186
Das durchgehende Band ist erst nach Kriegsende von den Amerikanern angebracht worden. Vorher gab es nur einzelne Kassetten“ über den Fenstern des 1. Stocks (siehe Fig.
”
11). Auf dem nun durchlaufenden Band war offensichtlich eine Aufschrift (in Schreibschrift
(Kurrente)) angebracht: Club Melody“. Anscheinend war das der Name des amerikani”
schen Clubhauses (siehe Kapitel 9.5.2). Die hellen Stellen im Putz des Bandes könnten
die Befestigungsstellen der Aufschrift markieren. Vielleicht bestand die Aufschrift sogar
aus Neonröhren. Das würde erklären, warum das Clubhaus von deutschen Anwohnern als
Etablissement“ (siehe Kapitel 9.5.2) eingeschätzt wurde.
”
146
Fig. 13. Der Haupteingang des ehemaligen Gebäudes des Astronomischen Rechen-Instituts
in Berlin-Dahlem. Das zugrunde liegende Diapositiv wurde im Frühjahr 1966 aufgenommen.
Im Vordergrund des Bildes verläuft die Altensteinstraße. Quelle: Privates Dia-Archiv der
Autoren.
illustrierten Zeitschrift handelt es sich primär um eine Rundfunk-ProgrammZeitschrift für die Woche vom 20. bis 26. Februar 1938. Das Heft enthält aber
auch illustrierte Beiträge allgemeiner Art, unter anderem einen ganzseitigen
Artikel über das Astronomische Rechen-Institut mit 4 Bildern. Zwei dieser
Bilder zeigen Innenräume des Instituts.
Auf dem Bild in Fig. 14 sitzt ein Astronom am Schreibtisch, im Hintergrund
erkennt man eine elektrische Rechenmaschine. An der Wand hängt ein kleines
Bild von Julius Bauschinger (1860-1934), der von 1896 bis 1909 Direktor des
Instituts war. Auffällig ist die an der Wand auf einem kleinen Podest stehende
Büste des Astronomen Johann Franz Encke (1791-1865, siehe Kapitel 8.11 von
Wielen R. und Wielen U. 2011c), der als Direktor der Berliner Sternwarte die
Jahrgänge 1830-1866 des Berliner Astronomischen Jahrbuchs herausgegeben
147
Fig. 14. Arbeitszimmer im Gebäude des Astronomischen Rechen-Instituts in Berlin-Dahlem.
Der Astronom am Schreibtisch ist vermutlich der Observator des Instituts, Jean Peters. Die
Büste auf dem Podest stellt Encke dar. Das Bild an der Wand zeigt Bauschinger. Quelle der
Abbildung: Zeitschrift Volksfunk“ vom 20. Oktober 1938 ∗∗ .
”
hat. Diese Büste stammte ursprünglich aus dem Besitz der Familie Encke und
wurde dem Institut 1930 vom Geheimrat Galle aus Potsdam geschenkt 187 .
Der Schöpfer der Büste war mit Sicherheit der Bildhauer Bernhard Afinger
(1813-1882), denn eine gleichartige Marmor-Büste Enckes von Afinger befindet
sich im Leibniz-Institut für Astrophysik in Potsdam (AIP, früher Sternwarte
Babelsberg). Aber weder über das Material (Marmor, Gipsabdruck ?) noch
über den Verbleib des Kunstwerks nach dem Zweiten Weltkrieg liegen uns
Informationen vor.
187
Laut Tätigkeitsbericht des Instituts für 1930. Beim Schenker handelt es sich mit höchster
Wahrscheinlichkeit um Andreas Galle (1858-1943). Er war Abteilungsleiter i.R. des Geodätischen Instituts in Potsdam und Sohn von Johann Gottfried Galle (1812-1910), der 1846 in
der Berliner Sternwarte den vorhergesagten Planeten Neptun aufgefunden hatte.
148
Fig. 15. Karteikartenschränke im Gebäude des Astronomischen Rechen-Instituts in BerlinDahlem. Die Karteikarten enthielten die Daten der Anhaltsterne des Zonenunternehmens
der Astronomischen Gesellschaft. Sie dienten zur Erarbeitung des Katalogs dieser Anhaltsterne (AGK2A). Der Astronom ist vermutlich der Observator des Instituts, Jean Peters.
Quelle der Abbildung: Zeitschrift Volksfunk“ vom 20. Oktober 1938 ∗∗ . Wir zeigen hier
”
aber nicht den Scan aus der Zeitschrift, sondern geben wegen der besseren Qualität ein
gleichartiges Photo wieder, das sich im Archiv des Astronomischen Rechen-Instituts befindet. Der Scan aus der Zeitschrift wird im Supplement (Wielen R. und Wielen U. 2012a)
wiedergegeben.
Auf dem zweiten Photo aus einem Innenraum des Instituts (Fig. 15) sieht
man den gleichen Astronomen vor einer Wand von Karteischränken stehen.
Die Karteikarten enthalten die Daten der Anhaltsterne für das (zweite) Zonenunternehmen der Astronomischen Gesellschaft. Der Katalog dieser Anhaltsterne (AGK2A) wurde vom Astronomischen Rechen-Institut erarbeitet und
veröffentlicht (siehe Kapitel 2.2.5).
Den Astronomen, der in den Fig. 14 und 15 zu sehen ist, konnten wir nicht
eindeutig identifizieren. Es handelt sich aber mit hoher Wahrscheinlichkeit um
den Observator des Instituts, Jean Peters (siehe Kapitel 11.18). Peters hat bis
zum 1. April 1938 das Projekt des Anhaltsternkatalogs geleitet, das in Fig. 15
mit den Karteikästen illustriert wird.
149
9.2
Luftschutz im Institutsgebäude
Im Juni 1935 war das Reichsluftschutzgesetz in Kraft getreten. Es betraf auch
das Astronomische Rechen-Institut in baulicher und in personeller Hinsicht.
Im Archiv des Instituts befindet sich ein Betriebsluftschutzplan“ mit An”
lagen. Er stammt vermutlich vom Dezember 1938 ∗∗ , denn der aufgelistete Personalstand ist der vom 1. Dezember 1938.
Die Anlage a) ist eine Liste der aktiven Gefolgschaftsmitglieder“ 188 des
”
Instituts. Nach dieser Liste wohnten 7 Personen im Institut. 15 andere Personen waren im Institut beschäftigt, wohnten aber privat und waren daher für
den Luftschutz im Institutsgebäude nur beschränkt einsetzbar.
In Punkt b) werden die vorhandenen (eher dürftigen) Luftschutzgeräte aufgeführt.
Die Anlage e) gibt einen Lageplan für das Institut, in den die Positionen
der Geräte und der Abstellhähne farbig eingezeichnet sind. Trotz des eher bedrückenden Anlasses ist dieser Lageplan heute besonders interessant, weil er
den einzigen im Institutsarchiv überlieferten Grundriß des Dahlemer Institutsgebäudes in der Altensteinstraße 40 wiedergibt (Fig. 16).
Gemäß d) waren 1938 keine Schutzräume vorhanden. Sie konnten im Gebäude auch nicht eingerichtet werden. In einem Brief von Kopff vom 7. Mai
1942 ∗∗ an den Berliner Universitäts-Kurator meldet Kopff, daß nun für die
Tagbelegschaft des Instituts außerhalb des Hauses im Garten ein Schutz”
raum 189 von hinreichender Größe errichtet worden“ sei. Für die Nachtbelegschaft (3 Männer, 3 Frauen) ist der Hausgang im Erdgeschoß“ vorgesehen,
”
weil sich die Feuerwache ja im Haus selbst aufhalten soll. Kopff bittet aber
um eine Verstärkung des Splitterschutzes des Gebäudes, insbesondere durch
Schutzmauern.
188
Der Begriff Gefolgschaft“ wurde im Dritten Reich für die Belegschaft eines Betriebes
”
oder einer sonstigen Einrichtung benutzt
189
Über die Art des Schutzraumes ist uns nichts bekannt. Es könnte sich um einen kleinen
Bunker gehandelt haben, weil in einem Brief vom 20. Juli 1949 ∗∗ von Kahrstedt an Nowacki
von einem Bunkerschrank“ die Rede ist. Auch Kopff spricht in privaten Notizen auf der
”
Rückseite des Briefes vom 30. November 1944∗∗ von Geppert an Kopff zweimal von einem
Bunker“. Ein Bunker muß nicht unbedingt unterirdisch angelegt sein; er muß nur über
”
starke Mauern verfügen. In Berlin gab es zahlreiche Hochbunker“. Da das Hauptgebäude
”
über kein Kellergeschoß verfügt, könnte der Grundwasserspiegel auf dem Grundstück
Altensteinstraße 40 relativ hoch gewesen sein und damit einen unterirdischen Schutzraum
verhindert haben. Auf dem Dach des eigentlichen Schutzraums und um den Bunker herum könnte sich auch ein zusätzlicher Splitterschutz“ befunden haben. Dann wäre das in
”
Fig. 12 im Garten des Institutsgebäudes zu sehende Bauwerk vielleicht sogar dieser Schutzraum.
150
Fig. 16. Anlage zum Betriebsluftschutzplan des Astronomischen Rechen-Instituts von 1938.
Der Plan zeigt den Grundriß des Institutsgebäudes in Berlin-Dahlem, Altensteinstraße
40 (Erdgeschoß). Farbig markiert sind die für den Luftschutz wichtigen Positionen. Der
Haupteingang zum Institutsgebäude befindet sich in der Mitte der Hausfront zur Altensteinstraße. Der Nebeneingang zu den Wohnungen liegt rechts in Richtung Fabeckstraße.
Ebenfalls zu den baulichen Maßnahmen im Rahmen des Luftschutzes gehörte die Einrichtung eines gemauerten Schrankes“ im 1. Stock des Gebäudes für
”
die Unterbringung unersetzlicher handschriftlicher Tafeln und dergleichen“. In
”
seinem Brief vom 3. November 1942 ∗∗ bittet Kopff den Universitäts-Kurator
um eine Erweiterung dieses Schranks.
Für den Fall, daß das Institutsgebäude in Dahlem durch einen Bombentreffer stärker beschädigt“ worden wäre, war das Astrophysikalische Observato”
rium in Potsdam als Ausweichquartier vorgesehen 190 . Die Mitarbeiter sollten
aber für etwa notwendig werdende Aufräumarbeiten“ zunächst das Institut
”
aufsuchen.
Die Mitarbeiter mußten sich auf verschiedene Weise am Luftschutz des
Instituts beteiligen: Falls an einem Samstag Abend Fliegeralarm war, mußten sich am darauffolgenden Sonntag früh sämtliche Mitarbeiter im Institut
einfinden oder zumindest dort nachfragen, ob ein Schaden am Institut einge190
Siehe Zirkular von Kopff vom 9. Dezember 1943 ∗∗
151
treten sei 191 . Ab 30. März 1944 mußte ferner an jedem Tag ein Mitglied des
Instituts, das nicht dort wohnte, in turnusmäßiger Reihenfolge im Gebäude
Nachtwache“ halten 192 .
”
Nach der Evakuierung des Instituts nach Sermuth im Juli und August 1944
(siehe Kapitel 5 und 6) lebten im Institut nur noch das Ehepaar Totzki mit
zwei Kindern (bis Januar 1945) und das Ehepaar Wandelmaier (für Angaben
zu diesen Personen siehe Kapitel 12). Der Hilfshausmeister Levy mußte gelegentlich die Nachtwache für den Luftschutz im Institut übernehmen, wenn
Herr Totzki verhindert war. Kopff behielt zwar Teile seiner Dienstwohnung im
Gebäude, hielt sich aber überwiegend in Sermuth auf.
Mindestens seit 1. April 1943 wurde das Grundstück Altensteinstraße 40
vom Wach-und Schließinstitut Lichterfelde, Otto Henke, Inhaber Johann
Röbke, bewacht, denn in einem Brief vom 9. März 1944 ∗∗ beauftragt Kopff
diese Firma ab 1. April 1944 auf ein weiteres Jahr“. Die Firma bestätigt
”
den Auftrag am 11. März 1944 ∗∗ . Eine weitere Verlängerung um ein Jahr ab
1. April 1945 wird in den Schreiben vom 27. Februar 1945 ∗∗ und 26. März
1945 ∗∗ vereinbart.
Wir kennen leider die genauen Aufgaben dieses Wach- und Schließinstituts
für das Astronomische Rechen-Institut nicht. Primärer Grund für die Beauftragung des Wach- und Schließinstituts war vermutlich die Sicherung gegen
eventuelle Plünderer, die nach Bombenangriffen durch zerstörte Fenster oder
herausgerissene Türen in das Institut einsteigen konnten. Dafür spricht der
Vertragsbeginn (1. April 1943), der kurz nach dem ersten größeren Bombenschaden am Institutsgebäude (1. März 1943) lag. Es bleibt unklar, ob das
Unternehmen auch für Fragen des Luftschutzes, z.B. für die Alarmierung von
Hilfskräften bei Bombenschäden, zuständig war.
9.3
Verlagerung der Institutsbibliothek
Aufgrund der Bombengefahr wurde der Hauptteil der Bibliothek des Instituts an (aus damaliger Sicht) sicherere Orte ausgelagert. Ein Teil der verbliebenen Bücher mußte allerdings bei der Evakuierung nach Sermuth in Dahlem zurückgelassen werden (Brief von Kopff an den Universitätskurator vom
8. Juli 1944 ∗∗ ).
Ein Teil der Bibliothek wurde zum Astrophysikalischen Observatorium
in Potsdam (AOP) ausgelagert. Uns liegt hierzu eine Liste des Instituts für
17 Bücherpakete (mit den Buchstaben von A bis R gekennzeichnet) vom
191
192
Siehe Zirkular von Kopff vom 18. Dezember 1943 ∗∗
Siehe Zirkular von Kopff vom 29. März 1944 ∗∗
152
11. Februar 1944 ∗∗ vor. Diese Pakete enthielten Sternkataloge. Die Liste sagt
aus, daß sich die 17 Pakete im Keller des großen Refraktors von Potsdam“
”
befänden 193 . Nach unseren Informationen handelte es sich dabei um den großen
Refraktor des AOP und nicht etwa um den der Sternwarte Babelsberg. Hierfür
spricht auch, daß das AOP als Ausweichquartier für das Astronomische RechenInstitut vorgesehen war, falls dessen Gebäude in Dahlem durch Bombenschäden
unbenutzbar geworden wäre.
Der Transport der Pakete von Dahlem zum AOP sollte zunächst von der
Wehrmacht (Schule für schnelle Transporte in Krampnitz bei Potsdam) ausgeführt werden 194 . Dies scheiterte aber offenbar an den dafür geforderten
30 Litern Benzin. Daher wurde dann eine private Spedition beauftragt. Uns
liegt dazu die handschriftliche Abschrift einer Rechnung über RM 120,- vom
14. März 1944 ∗∗ der Firma Bruno Russ, Babelsberg, über einen Büchertransport von Dahlem nach Potsdam vor.
Wir vermuten, daß die zum AOP verbrachten Bestände nach Kriegsende
entweder an den östlichen Teil des Astronomischen Rechen-Instituts in Babelsberg (siehe Kapitel 8) übergeben wurden, oder aber, daß sie den Grundstock
einer neuen Bibliothek des AOP bildeten. Die ursprüngliche Bibliothek des
AOP wurde 1945 von den Sowjets als Reparation in die UdSSR gebracht.
Vielleicht wurden die Bestände aber auch geplündert, denn eine Reihe von
Sternwartenpublikationen mit dem alten Besitzstempel des Astronomischen
Rechen-Instituts wurden um 1980 vom Antiquariat Lange und Springer in
Berlin (West) angeboten.
Andere Teile der Institutsbibliothek wurden in Kisten verstaut und mit
Sammeltransporten der Berliner Universität an uns meistens unbekannte Orte
gebracht. Für diese Sammeltransporte benutzte die Universität auch Binnenschiffe 195 .
Lediglich das Schicksal von 5 Kisten mit Büchern ist gut belegt. Diese Kisten enthielten die wertvollsten alten Bücher aus der Institutsbibliothek. Wir
wissen das, weil sich im Archiv des Instituts eine Packliste der Kisten vom
31. Juli 1943 ∗∗ erhalten hat. Die 5 Kisten wurden am 29. Oktober 1943 ∗∗
der Firma Lassen und Co. in Berlin übergeben und nach Schloß Stetten 196
”
am Kocher über Künzelsau expediert“. Von diesem Auslagerungsort berichtet auch Kuiper (1946). Er nennt das Schloß ein castle near Heilbronn (in
”
Siehe dazu auch die Ankündigung Kopffs in seinem Brief vom 7. Februar 1944 ∗∗ an den
Universitätskurator
194
Siehe den Brief von Kopff vom 2. März 1944 ∗∗
195
Erwähnt von Kopff in seinem Brief vom 7. Februar 1944 ∗∗ an den Universitätskurator
196
Das Schloß Stetten am Kocher liegt bei Künzelsau in Württemberg, nordöstlich von
Heilbronn
193
153
the U.S. zone)“ 197 . In einem uns nicht vorliegenden Brief vom 10. Dezember 1947 scheint sich Kopff bei Kahrstedt über die mögliche Rückführung
der 5 Kisten erkundigt zu haben, denn Kahrstedt spricht diese Frage in seinem
Brief vom 22. Dezember 1947 ∗∗ an Kopff kurz an. Im September 1948 wurden die 5 Bücherkisten dann dem Heidelberger Institut übergeben. Zu dieser
Übergabe existiert im Archiv des Astronomischen Rechen-Instituts eine Quittung vom 6. September 1948 ∗ . Den schlechten Zustand der Bücher beschreibt
Heinemann in seinem Brief vom 10. September 1948 ∗∗ an Kahrstedt.
Heute befindet sich der Inhalt der 5 Kisten in der Bibliothek des Astronomischen Rechen-Instituts in Heidelberg. Dies beweisen unter anderem die
alten Berliner Besitzstempel, z.B. in den Bänden des BAJ für die Jahrgänge
1776-1899 198 .
Nach Kuiper (1946) verblieb der größte Teil der Bibliotheksbestände, die
von Dahlem nach Sermuth mitgenommen worden waren, in Sermuth. Dieser
Bestand wurde später nach Babelsberg zum östlichen Teil des Astronomischen
Rechen-Instituts überführt.
9.4
Bombenschäden am Institutsgebäude
Das Gebäude des Instituts in Berlin-Dahlem erlitt vor allem im Jahre 1943
einige Bombenschäden. Kopff schreibt dazu in seinem Brief vom 20. Dezember
1944 ∗∗ an den Mathematiker Geppert: Ich möchte Ihnen die Daten mitteilen,
”
an denen das Kopernikus-Institut größeren Fliegerschaden gehabt hat: 1. März,
23. August, 22. November u[nd ] 16. Dezember 1943. Der Schaden war immer ungefähr derselbe, Dach abgedeckt, Fenster und Türen herausgerissen, am
23. August auch ein größerer Brand durch Phosphorbombe. Schaden an Fensterscheiben allein kam öfter vor.“.
197
Kuiper schreibt, daß sich dort die älteren Bände der Astronomischen Nachrichten (AN,
ab 1820) und des Berliner Astronomischen Jahrbuchs (BAJ, ab 1754) befänden. Das stimmt
für das BAJ. Die AN befanden sich aber laut Packliste nicht in den 5 Kisten. Natürlich
ist nicht auszuschließen, daß noch weiteres Bibliotheksgut des Instituts nach Schloß Stetten
ausgelagert war. Dies erscheint uns aber unwahrscheinlich.
Wir können aber nicht ausschließen, daß ein großer Teil der AN-Bände, die sich heute in
der Bibliothek des Instituts in Heidelberg befinden, doch aus Berlin stammen. Sie tragen
zwar keinen Stempel des Berliner Instituts. Es könnte sich aber um ungestempelte BelegExemplare der Redaktion der Astronomischen Nachrichten handeln. Dafür spricht, daß der
AN-Band 265 (1938) den Besitzstempel Astronomische Nachrichten Kiel“ trägt. Die AN
”
wurden seit Oktober 1938 vom Berliner Institut herausgegeben (siehe Kapitel 3.4), und die
Berliner Redaktion hat mit hoher Wahrscheinlichkeit die Belegexemplare der AN aus Kiel
übernommen. Ein gebundener Katalog der Bibliothek der AN befindet sich im Archiv des
Astronomischen Rechen-Instituts in Heidelberg.
198
Erstaunlicherweise tragen in der Heidelberger Institutsbibliothek die Bände des BAJ
für 1917-1920, 1925-1941 und 1944 (erschienen 1942) auch alte Berliner Besitzstempel. Sie
scheinen auf anderem Wege nach Heidelberg gelangt zu sein.
154
Bis auf den Brand am 23. August 1943 sind die Schäden am Institutsgebäude vermutlich nicht durch direkte Bombentreffer verursacht worden, sondern durch die Druckwellen von Sprengbomben, die in der Nähe explodierten.
Uns liegen aus den Jahren 1944 und 1945 nur zwei Meldungen über Bombenschäden am Institutsgebäude vor. Das kann aber auch an der fehlenden
Überlieferung liegen. In einem Schreiben an die Ortsgruppe Botanischer Garten der NSDAP vom 12. Juni 1944 wird gemeldet, daß infolge Bombenabwurfs
”
in der Nähe wieder eine Reihe von Fensterscheiben beim Kopernikus-Institut“
zerbrochen seien. Es wird um Zuweisung von Pappe zum Abdichten gebeten. In
einem Brief von Kopff vom 25. Juli 1944 ∗∗ an den Universitätskurator werden
Schäden durch eine in der Nähe niedergegangene Luftmine gemeldet.
Obwohl die Bombenschäden des Institutsgebäudes verhältnismäßig gering
waren, beeinträchtigten sie dennoch die Arbeit des Instituts erheblich. Auch
die Wohnungen im Gebäude waren betroffen. Im Archiv des Astronomischen
Rechen-Instituts hat sich ein größerer Schriftwechsel erhalten, der die Ersatzbeschaffung zerstörter Möbel, Schreibmaschinen usw. und Handwerkerleistungen bei notwendigen Reparaturen betrifft. Obwohl das Institut ein Kriegs”
wichtiger Betrieb I. Ordnung, Kennziffer 13552/40“ war, erwies sich vor allem
die Beschaffung der erforderlichen Bezugsscheine und Bezugsmarken (analog
zu den Lebensmittelmarken) als sehr schwierig und langwierig. Ein typisches
Beispiel ist folgendes: in einem Brief vom 7. Oktober 1943 ∗∗ an den Reichsforschungsrat [!] schreibt das Institut, es habe einen schweren Fliegerschaden
erlitten und benötige dringend für Ausbesserungsarbeiten 9 kg Nägel verschie”
dener Größe“. Es bittet den Reichsforschungsrat um Zuweisung von Marken
”
zur Beschaffung von 9 (neun) kg Eisen.“.
Insgesamt ist festzustellen, daß das Institutsgebäude durch die Bomben nur
leicht beschädigt wurde und nicht etwa zu einer Ruine geworden ist.
Die relativ geringen Schäden am Institutsgebäude waren aber für Häuser in
den Berliner Ortsteilen Dahlem und Lichterfelde keine Ausnahme. Während
in der Berliner Innenstadt die Mehrzahl der Häuser durch Bombenschäden
unbewohnbar wurde, gab es in Dahlem und Lichterfelde nur wenige Ruinen.
Einer der Autoren (R.W.) hat während und nach dem Zweiten Weltkrieg in
Berlin-Lichterfelde-West gewohnt. Er schätzt den Anteil von Ruinen auf unter
10 % der Häuser in Lichterfelde. In Dahlem war der Prozentsatz an Ruinen
dem Augenschein nach noch geringer.
Wenige Jahre nach Kriegsende machte das Institutsgebäude auf die Autoren einen völlig unbeschädigten Eindruck. Eventuell im Sommer 1945 noch
sichtbare, leichtere Kriegsschäden wären aber auch von den Amerikanern vermutlich schnell beseitigt worden (siehe Kapitel 9.5.2).
155
9.5
9.5.1
Die fremde Nutzung des Institutsgebäudes ab 1944
Nutzung durch die Mathematiker der Universität
Wie im Kapitel 9.2 bereits erwähnt wurde, lebten nach der Evakuierung des
Instituts nach Sermuth (siehe Kapitel 5 und 6) nur noch wenige Personen im
Institutsgebäude in Dahlem. Kopff kam ab und zu aus Sermuth nach Berlin
zurück, um hier Vorlesungen199 zu halten und um mit den damals wichtigen
Behörden zu sprechen.
Dafür wurde das Institutsgebäude jetzt von anderer Seite stärker genutzt.
Die Mathematiker der Berliner Friedrich-Wilhelms-Universität benutzten es als
Ausweichquartier, nachdem das Mathematische Institut im Hauptgebäude der
Universität (Unter den Linden 6) durch einen Bombenangriff am 19. Juli 1944
weitgehend zerstört worden war. Sie hielten Vorlesungen im Seminarraum des
Instituts und Seminare in den kleineren Räumen des Gebäudes ab. In Dahlem
war es bezüglich der Bombengefahr sicherer als in einem Universitätsgebäude
in der Berliner Innenstadt.
Entsprechender Schriftwechsel hat sich aber im Archiv des Astronomischen
Rechen-Instituts leider nur spärlich erhalten. Federführend für die Mathematiker der Universität war offensichtlich der ordentliche Professor Harald Geppert (1902-1945), der selbst in Zehlendorf ( Am Fischtal 12“, also relativ nahe
”
beim Institutsgebäude in der Altensteinstraße) wohnte. Geppert bescheinigt
am 2. August 1944 ∗∗ auf einem Kopfbogen des Coppernicus-Instituts, daß er
vom Institut zwei Rechenmaschinen leihweise erhalten habe. Der uns überlieferte Schriftwechsel zwischen Geppert und Kopff 200 betrifft hauptsächlich die
Einstellung eines neuen Hausmeisters (Hippe) für das Gebäude Altensteinstraße 40 als Nachfolger für Levy und die Freimachung der Hausmeisterwohnung
durch die Familie Totzki. Geppert starb am 4. Mai 1945 in Berlin durch Selbstmord.
Kurz nach Kriegsende starteten andere Mathematiker der Berliner Universität mit Vorlesungen im Institutsgebäude, denn die Universität selbst wurde erst wieder im Januar 1946 eröffnet. Es waren Hermann Ludwig Schmid
(1908-1956), Kurt Erich Schröder (1909-1978), und Alexander Dinghas (1908In seinem Brief vom 29. Oktober 1944 ∗∗ an Geppert schreibt Kopff: Am Mittwoch den
”
8. November [1944] vorm[ittags] 9-12 Uhr wollte ich mit meinen Vorlesungen im [Astronomischen Rechen-]Institut beginnen. Ich wäre dankbar, wenn mir in dieser Zeit das Seminar (Hörsaal) zur Verfügung stände.“. Die beiden Vorlesungen im Wintersemester 1944/45
(1. November 1944 bis 28. Februar 1945) waren die letzten, die Kopff in Berlin hielt: Bahn”
bestimmung der Planeten“ (Mittwoch 9-11 Uhr), und Astronomische Jahrbücher“ (Mitt”
woch 11-12 Uhr).
200
Briefe vom 29. Oktober 1944 ∗∗ , 30. November 1944 ∗∗ , 19. Dezember 1944 ∗∗ , und
20. Dezember 1944 ∗∗
199
156
1974) 201 . Diese halb private Vorlesungstätigkeit der Mathematiker fand ein
plötzliches Ende, als die Amerikaner das Instituts-Gebäude beschlagnahmten.
9.5.2
Beschlagnahme des Institutsgebäudes durch die amerikanischen Truppen
Anfang Juli 1945 rückten die amerikanischen Besatzungstruppen in ihren Sektor von Berlin ein. Das Institutsgebäude in der Altensteinstraße lag nun im
amerikanischen Sektor und wurde von den Amerikanern kurz nach ihrem Eintreffen in Berlin für ihre Zwecke beschlagnahmt. Dabei spielte es sicher eine
Rolle, daß das direkt angrenzende Stubenrauch-Krankenhaus amerikanisches
Militärhospital wurde.
Im ehemaligen Institutsgebäude richteten die Amerikaner ein Clubhouse“
”
ein. Gegenüber einem der Autoren (R.W.) wurde diese Einrichtung damals auf
Deutsch als Offizierskasino“ bezeichnet. In ihrem Beitrag zur Baugeschichte
”
der Freien Universität schreibt Meißner (1993), daß die Amerikaner in dem
Gebäude ein Etablissement“ eingerichtet hätten. Woher sie diese Charakte”
risierung hat und was sie damit genau meint, wissen wir nicht. Es ist sicher
richtig, daß das Haus für die amerikanischen Offiziere ein Treffpunkt außerhalb
ihrer Dienstzeit war. Vermutlich brachten sie auch gelegentlich ihre deutschen
Freundinnen zum Essen, Trinken und Tanzen mit. Für weitergehende Aktivitäten gibt es aber keinerlei Anhaltspunkte. Für die deutschen Anwohner war
das aber vielleicht schon ziemlich Anstoß erregend.
Einer der Autoren (R.W.) kannte das Haus aus den Jahren um 1948/49,
weil er als Kind dort zweimal als Gast zu einem Festessen weilte. Diese erstaunliche Tatsache kam folgendermaßen zustande: Nach Kriegsende wollten
die Amerikaner die deutsche Bevölkerung und besonders die Jugend vom nationalsozialistischen Gedankengut befreien und ihnen demokratische Sichtweisen
beibringen. Der Fachausdruck dafür war reeducation“.
”
Für die Reedukation der Jugend wurden in Berlin von den Amerikanern
spezielle Jugendklubs gegründet, die German Youth Club“ (GYC) hießen.
”
Ihre Mitglieder hörten Vorträge, lasen entsprechende Literatur, trieben Sport
201
Dinghas wurde 1949 Direktor des Mathematischen Instituts der Freien Universität Berlin. Er hat die Astronomie in Berlin dadurch sehr gefördert, daß er an seinem Institut
eine Abteilung für Theoretische Astronomie und Himmelsmechanik unter der Leitung von
Fritz Hinderer (1912-1991) einrichtete. Der eine Autor (Autorin U.W.) hatte früher an der
Babelsberger Sternwarte mit Hinderer zusammengearbeitet. Der andere Autor (R.W.) hat
bei Hinderer sehr gut vorbereitete und interessant vorgetragene Vorlesungen in Astronomie
gehört. Die Mathematik-Vorlesungen von Dinghas hat R.W. als zwar sehr interessant, aber
leicht chaotisch im Vortrag in Erinnerung, weil sie völlig frei gehalten wurden. Bei Dinghas
und Hinderer hat R.W. im Sommer 1962 seine Nebenfachprüfung in Mathematik abgelegt,
deren Themen sich dann auch zur Hälfte auf Astronomie bezogen.
157
und kamen zu Zeltlagern im Grunewald zusammen. Nach dem Motto Liebe
”
geht durch den Magen“ (auch zur Demokratie) wurden aber auch gemeinsame
Festessen 202 veranstaltet. Wegen der ansonsten sehr schlechten Versorgungslage in Berlin, insbesondere während der Berlin-Blockade, hatte dieser Aspekt
für die Jugendlichen natürlich die größte Anziehungskraft.
Einer der German Youth Clubs befand sich in zwei beschlagnahmten, benachbarten Villen in der Manteuffelstraße (vermutlich Haus-Nr. 29/30) in Lichterfelde, ganz nahe an der Wohnung der Eltern von R.W. in der Manteuffelstraße 27. Also wurde R.W. Mitglied dieses GYC. Und dieser GYC veranstaltete
nun ab und zu gruppenweise Festessen für seine Mitglieder im Offizierskasino
in der Altensteinstraße 40.
Als die Autoren 1966 zum Studium der Geschichte des Astronomischen
Rechen-Instituts, an dem R.W. seit Juli 1963 in Heidelberg als Wissenschaftlicher Angestellter tätig war, das ehemalige Instituts-Gebäude in Dahlem besichtigten, stellte sich heraus, daß das Haus identisch mit dem unvergessenen
Gourmet-Tempel“ aus den Kindertagen von R.W. war.
”
9.5.3
Nutzung durch die Freie Universität Berlin
Im Jahr 1951 hoben die Amerikaner die Beschlagnahme des Institutsgebäudes
zugunsten einer Nutzung durch die Freie Universität Berlin (FU) auf. Von 1951
bis 1972 beherbergte das Haus Altensteinstraße 40 das Friedrich-MeineckeInstitut (Historisches Seminar) der FU. Im September 1972 zog das Präsidialamt der FU in das ehemalige Institutsgebäude ein und verblieb dort bis Ende
1993. Danach zogen Institute des Fachbereichs Geschichts- und Kulturwissenschaften der FU in das Gebäude (Institut für Religionswissenschaft, Institut
für Islamwissenschaft).
In den Jahren 1978 und 1979 wurde das ehemalige Gebäude des Astronomischen Rechen-Instituts noch einmal wichtig für die Zukunft der Astronomie
in Berlin. Einer der Autoren (R.W.) wurde 1978 ordentlicher Professor für
Astrophysik an der Technischen Universität Berlin (TU). R.W. war bemüht,
die Zersplitterung der Astronomie in Berlin auf FU und TU zu beseitigen. Er
führte mit den zuständigen Stellen erfolgreich Verhandlungen über den Anschluß der Arbeitsgruppe Astronomie der FU an das Institut für Astrophysik
der TU, der dann auch 1979 vollzogen werden konnte. Das neue Institut für
Astronomie und Astrophysik der TU war nun für die Lehre in Astronomie
sowohl an der TU als auch an der FU zuständig.
202
Als Festessen empfanden es jedenfalls die deutschen Jugendlichen. Für die Amerikaner
war es vermutlich ein normales Menü.
158
Über die Grundsatzfragen der Fusion und über ihre personellen, finanziellen und sachlichen Details mußte R.W. insbesondere mit dem Kanzler der FU,
Herrn Detlef Bormann, verhandeln. Diese Besprechungen fanden im Präsidialamt der FU in der Altensteinstraße 40 statt. Sie verliefen in freundlicher Atmosphäre und waren für die Astronomie in Berlin sehr erfolgreich. Nur einen
wichtigen (aber natürlich nur scherzhaft geäußerten) Wunsch erfüllte der Kanzler R.W. nicht: die Rückerstattung des Gebäudes Altensteinstraße 40 an die
Astronomen aufgrund ihres älteren Anspruchs ( schließlich sei das Haus ja
”
1911/12 extra für Astronomen erbaut worden“).
9.5.4
Versuche zur Sicherstellung von Materialien aus dem Institutsgebäude nach 1945
Trotz der Evakuierung des Astronomischen Rechen-Instituts nach Sermuth
im Sommer 1944 waren aber noch viele Dinge, die dem Institut oder seinen
Mitarbeitern gehörten, im Dahlemer Institutsgebäude zurückgeblieben. Was
aus den meisten dieser Sachen geworden ist, wissen wir aber nicht.
Die Mathematiker (siehe Kapitel 9.5.1) sind vermutlich noch relativ pfleglich mit dem verbliebenen Eigentum der Astronomen umgegangen. Sie konnten
aber vielleicht Plünderungen direkt nach der Einnahme Berlins Anfang Mai
1945 nicht verhindern.
Der Verlust des im Institutsgebäude verbliebenen (d.h. nicht verlagerten)
Rests der Instituts-Bibliothek ist immerhin bekannt: Kahrstedt schreibt in einem Bericht vom 31. Mai 1946 203 über Kriegsschäden und Beschlagnahmungen
am Kopernikus-Institut: In dem ... früheren Gebäude in Dahlem wurde von
”
russischem Militär die gesamte bei der Verlagerung dort belassene Bibliothek
abtransportiert. Sie bestand aus mehreren Hundert Bänden.“.
Die Amerikaner (siehe Kapitel 9.5.2) haben bei der Einrichtung ihres Klubhauses im Institutsgebäude sicher keine Rücksicht auf noch vorhandene, sie
aber störende Dinge (Möblierung, Geräte, Akten usw.) genommen und wahrscheinlich den Hauptteil davon entsorgt“.
”
Einiges konnte Kahrstedt, dessen Wohnung sich unzerstört in Lichterfelde befand, 1945 noch retten. Er lebte jedoch bis Anfang 1946 überwiegend
am Evakuierungsort Sermuth. Er hat aber 1945 gelegentlich für kurze Zeit
seine Berliner Wohnung aufgesucht und war bei dieser Gelegenheit auch im
Institutsgebäude in der Altensteinstraße. Er schreibt dazu in einem Brief vom
20. Juli 1949 ∗∗ an Nowacki: Wenn das Material [wissenschaftlicher Natur,
”
203
Schreiben vom 31. Mai 1946 von Kahrstedt als kommissarischer Leiter des KopernikusInstituts der Universität Berlin an den Verwaltungsdirektor der Universität Berlin. Original
im Archiv der Humboldt-Universität Berlin, Akte: Verwaltungsdirektor, Nr. 22.
159
das Nowacki suchte,] im Bunkerschrank in Dahlem lag, so fürchte ich, daß
es verloren ist. Die Russen haben ihn zwar nicht gefunden, aber er war auf,
als die Amerikaner kamen. Alles, was ich aus dem Institut herausgeholt habe,
als die Mathematiker weggehen mußten, war aus offenen Schränken und aus
dem AN-Archiv [d.h. aus dem Archiv der Astronomischen Nachrichten]. Ich
selbst hatte übrigens Abstammungspapiere im Bunkerschrank, die ich auch
nicht zurückbekommen habe.“.
Kopff unternahm 1946 die ersten Versuche, an in Dahlem gelagertes Material heranzukommen. Er beauftragte Nowacki, im Dahlemer Institutsgebäude
nach bestimmten Unterlagen zu suchen. Es ging Kopff vor allem um Beobachtungsbücher und Berechnungen zu Beobachtungen, die Kopff vor seiner Berufung 1924 nach Berlin am Meridiankreis der Heidelberger Sternwarte ausgeführt und bisher nicht publiziert hatte. Kopff hat den Dekan der
Naturwissenschaftlich-Mathematischen Fakultät der Universität Heidelberg
veranlaßt, Nowacki am 16. Oktober 1946 ∗∗ eine entsprechende Bescheinigung
in Deutsch und Englisch auszustellen. Nowacki ist 1946 wahrscheinlich primär
zu einem Besuch von Verwandten und ihrer Berliner Wohnung nach Berlin
gereist. Ob die Amerikaner sie überhaupt in das ehemalige Institutsgebäude
gelassen haben, wissen wir nicht. Am 28. Januar 1947 ∗∗ hat Kopff jedenfalls
selbst ein weiteres Schreiben in dieser Angelegenheit für Nowacki verfaßt. Zwei
spätere Bescheinigungen von Kopff für Nowacki vom 25. September 1947 ∗∗ und
vom 6. Februar 1948 ∗∗ beziehen sich dagegen wohl eher auf den Austausch
von Daten für die astronomischen Jahrbücher zwischen dem östlichen Teil des
Instituts in Babelsberg und dem Heidelberger Institut.
In einem Brief vom 13. Februar 1948 ∗∗ fragt Kopff bei Kahrstedt an, ob
dieser etwas über den Verbleib der Dinge im Bunkerschrank“ wisse: Beob”
”
achtungsbücher der Heidelberger Sternwarte und persönliches Eigentum, z.B.
die wertvolle Briefmarkensammlung meiner Söhne u.a.“. Offenbar hat Kopff
seine Bitte nochmals in einer (uns nicht vorliegenden) Postkarte vom 1. Mai
1948 wiederholt. Kahrstedt schreibt in seinem Brief vom 9. Mai 1948 ∗∗ an
Kopff: An den Schrank im Institutskeller ist ja nie einer von uns herange”
kommen, denn [der Mathematiker ] Prof. H. L. Schmidt [siehe Kapitel 9.5.1 ]
hat trotz mehrfacher Aufforderung [von Seiten Schmidts] von Levy [Hilfshausmeister des Instituts von 1943 bis November 1944; siehe Kapitel 12 ] nie den
Schlüssel bekommen.“.
Nach Heidelberg scheinen also nach 1945 keine Dinge aus dem ehemaligen
Institutsgebäude in Dahlem gelangt zu sein. Nur der östliche Teil des Instituts
könnte einige Materialien durch die Aktionen von Kahrstedt aus dem Jahre
1945 erhalten haben.
160
10
Regesten und Editionen von Schriftstücken
10.A Das Archiv des Astronomischen Rechen-Instituts
10.A.1 Inhalt des Archivs
Das Archiv“ des Instituts besteht aus zwei unterschiedlichen Komponen”
ten: (1) Archivalien zur Astronomie in Berlin und zum Kalenderwesen in Preußen, und (2) Schriftstücke, die entweder amtliche Verwaltungsvorgänge widerspiegeln, oder nichtamtliche Korrespondenz mit verschiedensten Personen und
Institutionen, die zum Beispiel Anfragen astronomischen Inhalts an das Institut gerichtet haben.
Die unter (1) genannten, zum Teil sehr alten Archivalien sind nicht zwangsläufig in den Besitz des Instituts gelangt. Aber alle haben einen eindeutigen
Bezug zur Arbeit oder zur Geschichte des Astronomischen Rechen-Instituts.
Diese Archivalien, deren Entstehungszeitpunkt zwischen 1700 und 1854 liegt,
haben wir vollständig und ausführlich in vier unserer Arbeiten (Wielen R.
und Wielen U. 2010a, 2010b, 2011a, 2011b) ediert und in Form von Scans
langfristig dokumentiert. Unsere Arbeiten stellen daher in gewissem Sinn auch
Findbücher“ für diese alten Archivalien des Instituts dar.
”
Aus den ersten fünf Jahrzehnten nach der Abtrennung des Instituts von der
Berliner Sternwarte im Jahr 1874 sind nur relativ wenige Schriftstücke überliefert. Zwei wichtige Sammlungen von Dokumenten, das Statuten-Konvolut“
”
und das Cirkular-Konvolut“, haben wir in Wielen R. und Wielen U. (2011c
”
und 2011d) ediert und dokumentiert. Die Daten dieser Dokumente reichen von
1874 bis 1922.
Auch aus der Zeit danach bis in die Zeit des Beginns des Zweiten Weltkriegs befinden sich heute nur wenige Schriftstücke im Archiv des Instituts. Der
Grund liegt in der Evakuierung des Instituts von Berlin nach Sermuth im Jahr
1944 und seiner anschließenden Umsiedlung von Sermuth nach Heidelberg im
Jahr 1945 (siehe Kapitel 5 und 6). Man hat damals nur einen kleinen Teil der
Dokumente und der Schriftstücke bei den Umzügen mitnehmen können. Dabei
hat man offensichtlich einerseits versucht, die alten Archivalien als historisch
wichtige Dokumente zu retten. Andererseits hat man sich auf die Schriftstücke
konzentriert, die entweder für die Weiterarbeit des Instituts noch von Bedeutung waren (z.B. Verträge mit Verlagen) oder die Verwaltungsvorgänge dokumentierten, die noch relevant waren. Die anderen Akten verblieben entweder
in Dahlem oder wurden zur Sicherstellung an andere Orte ausgelagert. Diese
Dahlemer Akten und die ausgelagerten Schriftstücke sind nicht in das Archiv
des Instituts nach Heidelberg gelangt. Ihren Verbleib kennen wir nicht.
161
Nach der Umsiedlung nach Heidelberg im Juni 1945 war die Schriftgutverwaltung im Institut zunächst vermutlich noch nicht besonders gut organisiert.
Erst im Laufe der Zeit scheint eine geordnete Ablage der Schriftstücke eingesetzt zu haben. Wir vermuten, daß vor allem der Verwaltungsangestellte
Brade (siehe Kapitel 12) ab 1951 versucht hat, Ordnung in die Ansammlung
der Schriftstücke zu bringen, die durch die Umzüge und die unmittelbare Nachkriegszeit durcheinander geraten waren 204 . Viele der Schriftstücke nach 1945
sind dennoch nur im Archiv der Universität Heidelberg, die das Institut verwaltungsmäßig betreut hat, überliefert.
Nachweise über die im Archiv des Instituts vorhandenen Schriftstücke existieren nicht, wenn man die Beschriftung der Mappen oder Ordner nicht als
solche gelten lassen will.
Eine besondere Art von Findbuch für Verwaltungsschriftstücke hat sich
aber im Archiv erhalten. Es handelt sich um das Brieftagebuch des KopernikusInstituts für die Zeit vom September 1943 bis zum April 1945. Es enthält 290
Einträge. Für jedes Schreiben werden dort Eingangs- oder Ausgangs-Datum
mit Absender oder Empfänger und eine kurze Inhaltsangabe gegeben. Von
den in diesem Brieftagebuch aufgeführten Schriftstücken befinden sich heute
allerdings nur wenige tatsächlich im Archiv des Instituts. Umgekehrt sind die
meisten der Briefe aus dem Jahr 1944, die Kopffs Suche nach einem Ausweichort für das Institut betreffen (Kapitel 5.1), nicht im Brieftagebuch verzeichnet.
Offenbar war das Brieftagebuch überwiegend für die Registrierung der Korrespondenz mit den vorgesetzten Behörden bestimmt.
Neben den eigentlichen Verwaltungsakten des Instituts enthält das Archiv
noch Ordner und lose Schriftstücke, die wohl in den einzelnen Abteilungen
(Jahrbuch, Kleine Planeten, Astronomische Zentralstelle mit Nachrichtenblatt,
FK3) aufbewahrt wurden. Sie stammen meist aus der Heidelberger Zeit nach
1945.
Die vorliegende Arbeit und ihr Supplement (Wielen R. und Wielen U.
2012b) weist viele der oben beschriebenen Dokumente aus der Zeit nach 1922
bis 1954 nach.
204
Diese Vermutung beruht insbesondere darauf, daß die Handschrift auf der äußeren Beschriftung der meisten Ordner und Mappen mit hoher Wahrscheinlichkeit Brade zuzuordnen
ist, auch auf solchen Ordnern und Mappen, die Schriftstücke aus der Zeit vor Kriegsende
enthalten
162
10.A.2 Aufbewahrung der Schriftstücke
Die Schriftstücke werden im Archiv des Astronomischen Rechen-Instituts
auf verschiedene Art und Weise aufbewahrt:
Lose Ablage in Aktendeckeln (Mappen):
Die älteren Dokumente wurden im Institut bis 1945 offensichtlich lose in
Aktendeckeln (Mappen) ungelocht aufbewahrt. Für die wertvollen, alten Archivalien ist das heute ein Glücksfall, weil so die oft entstellenden Lochungen
vermieden worden sind.
Die Aktendeckel wurden mit einem kurzen Titel beschriftet und zum Teil
auch mit römischen Zahlen durchnumeriert. Einige ältere dieser Aktendeckel
haben wir in unseren früheren Arbeiten besprochen und dort auch durch Scans
wiedergegeben (Wielen R. und Wielen U. 2011a, 2011b, 2011c, 2011d). Beispiele für die Beschriftung der Aktendeckel sind: Älteste Acten betr. die Akademi”
schen Kalender und die Akademische Sternwarte“, Reglements. Akten betr.
”
die Neuorganisation des Institutes 1896/97“, VIII [später: XIII]. Cirkulare an
”
die Beamten“, XVIII. Wissenschaftliche Arbeiten“.
”
Die Benutzung der römischen Zahlen für die Numerierung der Aktendeckel
scheint noch aus der Frühzeit des Instituts zu stammen. Dagegen benutzt Kopff
später arabische Zahlen. Zum Beispiel steht dann auf einem eingegangenen
Brief oben rechts eine mit Bleistift geschriebene 20“, wenn der Brief in der
”
Mappe XX. Wissenschaftliche Auskünfte“ abgelegt werden sollte.
”
Eine Numerierung der Blätter innerhalb eines Aktendeckels hat nur im
Kalender-Konvolut stattgefunden.
Zwar wurde offenbar versucht, die einzelnen Schriftstücke in dem jeweiligen
Aktendeckel nach Datum zu sortieren. Diese Reihenfolge ist aber wohl später
durch verschiedenste Umstände oft durcheinander geraten.
Abheftung in Aktenordner:
Nach 1945 wurden die zu archivierenden Schriftstücke gelocht und in Aktenordnern ( Leitz-Ordnern“) abgeheftet. Dies ist nach 1945 auch mit vielen
”
Schriftstücken aus der Kriegs- oder sogar Vorkriegszeit geschehen, offenbar
aber erst, als diese älteren Dokumente neu geordnet wurden (siehe Kapitel
10.A.1).
Die Anordnung der Schriftstücke innerhalb eines Ordners ist teils alphabetisch, teils nach Datum sortiert. Da offenbar aus Platz- oder Kostengründen die
163
Tendenz bestand, mit möglichst wenig Ordnern auszukommen, sind in einem
Ordner oft Schriftstücke zu sehr verschiedenen Themen gemeinsam abgeheftet.
Die Beschriftung auf dem Rücken der Ordner gibt Hinweise auf den Inhalt,
oft aber nur in sehr allgemeiner Form. Da die ursprünglich benutzten Ordner
nach einiger Zeit oft defekt waren (insbesondere der innere Exzenterverschluß),
wurden diese Ordner in den letzten Jahrzehnten durch neue Ordner ersetzt.
Dabei wurden aber die ursprünglichen Rückenbeschriftungen kopiert und an
den neuen Ordnern angebracht.
10.B Erläuterungen zu den Regesten und Volltexten
Alle in diesem Kapitel 10 besprochenen Archivalien befinden sich im Archiv
des Astronomischen Rechen-Instituts in Heidelberg.
Das Datum eines Schriftstücks wird in der Beschreibung und bei der Inhaltsangabe grundsätzlich nicht nochmals genannt, sofern es eindeutig aus der
Überschrift zu entnehmen ist.
Den Umfang einer Archivalie beschreiben wir durch Blattart, Zahl der Seiten, und Format.
Bei der Blattart unterscheiden wir:
Bogen: Unter einem Bogen verstehen wir ein größeres Blatt Papier, das in
der Mitte gefaltet wurde und damit das Beschreiben von insgesamt vier Seiten
erlaubt.
Blatt: Als Blatt bezeichnen wir ein einzelnes Papier, dessen Vor- und Rückseite beschrieben werden kann.
Allerdings bezeichnen wir ein Blatt mit aufgedruckter Adresse als Kopfbo”
gen“, auch wenn es eigentlich nur ein Blatt ist. Ebenso können Fragebogen“
”
sowohl Bogen als auch Blätter sein.
Die in unseren Regesten angegebene Zahl der Seiten ist stets nur die Anzahl
der beschriebenen Seiten.
Das Format charakterisieren wir durch Angabe der Breite und Höhe einer
Seite in cm, oder bei moderneren Schriftstücken durch ihre DIN-Größe (meist
DIN A4 oder DIN A5).
Wenn nicht ausdrücklich etwas anderes vermerkt ist, wurde das Schriftstück
mit einer Schreibmaschine ( maschinenschriftlich“) hergestellt.
”
Wenn wir nichts anderes angeben, ist der Zustand der Archivalie sehr gut
oder gut.
164
Die Lochung einer Archivalie bzw. ihr Fehlen erwähnen wir vor allem deswegen, weil dies einen Hinweis auf die Ablage des Schriftstücks im Archiv
des Instituts gibt (siehe Kapitel 10.A.2). Gelocht“ bezeichnet eine auch heute
”
noch übliche, normale Lochung des Dokuments (Lochabstand von 8,0 cm) zum
Abheften in einem Leitz“-Ordner. Viele ältere Schriftstücke besitzen aber ei”
ne Doppellochung“. Sie weisen zwei zusätzliche, innere“ Löcher auf, die um
”
”
je 1,0 cm von den normalen“ Löchern in Richtung Seitenmitte versetzt sind
”
(Lochabstand: 6,0 cm). Man findet diese Art von Doppellochung noch heute
auf vielen Trennblättern für Leitz-Ordner.
Der Inhalt einer Archivalie wird stets kurz wiedergegeben. Dort wird auch
auf das Kapitel der vorliegenden Arbeit verwiesen, in dem diese Archivalie
zitiert bzw. kommentiert wird oder zu dem sie nach ihrem Inhalt gehört.
Bei vielen Archivalien schließt sich ein Kommentar an, der sich speziell auf
diese Archivalie bezieht und oft nähere Erläuterungen gibt.
Eine kleinere Zahl von Archivalien haben wir in Form eines Volltextes
ediert. Für die anderen Archivalien verweisen wir auf die Scans im Supplement (Wielen R. und Wielen U. 2012b), da diese Schriftstücke meist auch
ohne Textedition gut lesbar sind.
Bei der Edition der Volltexte haben wir die in unseren früheren Arbeiten
(Wielen R. und Wielen U. 2010a, 2011a, 2011c) beschriebenen Editionsrichtlinien angewandt. Insbesondere handelt es sich also bei kursiv geschriebenen
Teilen in eckigen Klammern um unsere Zusätze als Editoren.
165
10.1
Vertrag vom 29. Januar 1878
über das Berliner Astronomische Jahrbuch
Beschreibung: Handschriftlicher Vertrag. Deutsche Kurrente. Schwarze Tinte.
Mit Stempelmarke versehen. 1 Bogen (2 Seiten). 21,3 cm breit, 34,5 cm hoch,
ungelocht. Auf Seite 1 oberer und unterer Rand stark nachgedunkelt. Unterer Rand des Bogens eingerissen und geknickt, aber ohne Textverlust. Unterschriften: Foerster, Direktor der Königlichen Sternwarte; Ferd. Dümmlers
Verlagsbuchhandlung, Harrwitz und Goßmann. Scans im Supplement.
Inhalt: Wilhelm Foerster (1832-1921, siehe Kapitel 8.14 von Wielen R. und
Wielen U. 2011c) als Direktor der Berliner Sternwarte und Ferdinand Dümmlers Verlagsbuchhandlung in Berlin schließen einen Vertrag über den Vertrieb
des Berliner Astronomischen Jahrbuchs. Zitiert und ausführlich kommentiert
in Kapitel 2.2.1, Unterkapitel: Archivalien zum Berliner Astronomischen Jahrbuch, Punkt (1).
Volltext:
[Seite 1 :]
[Am linken Rand oben:]
[Aufgeklebte Stempelmarke über 1 21 M[ark]. Marke überstempelt.]
[Unter der Marke ein unleserliches Wort. Neben der Marke:] Exemplar
[Am rechten Rand oben:]
M[ark] 1. 50 Pf[ennig]. Stempel restirt
Berlin, 29. Januar 1878.
J.F.G. Kadelbach
[unleserlich]
[Runder Stempel mit Preußischem Adler. Umlaufender Text:
K. PR. STEMPELDISTRIBUTION No. 182 ]
[Vertragstext:]
Zwischen dem Direktor der Königlichen Sternwarte Herrn Professor Dr.
Foerster, und Herrn Julius Goßmann, in Firma F[erdinand ] Dümmler’s Verlagsbuchhandlung hierselbst, wird folgendes Abkommen bezüglich der Uebernahme des Verlages und Vertriebes des astronomischen Jahrbuches getroffen.
§. 1.
Die Firma F[erdinand ] Dümmler’s Verlagsbuchhandlung übernimmt den Verlag und Vertrieb der von der Königlichen Sternwarte herausgegebenen astronomischen Jahrbücher, welche ihr bis auf Weiteres alljährlich in Höhe einer
Auflage von 400 Exemplaren in vollständig verkaufsfertig gemachtem brochirtem Zustande mit Titelumschlag übergeben werden.
166
§. 2.
Der Ladenpreis eines Jahrganges des astronomischen Jahrbuches wird bis auf
Weiteres pro Exemplar auf 12 (zwölf) Mark und der eines Supplementes desselben, enthaltend die sogenannten Sternephemeriden, auf 2 (zwei) Mark 50
Pfennige festgesetzt.
§. 3.
Von dem Ladenpreise jedes verkauften Exemplars des astronomischen Jahrbuchs verpflichtet sich die [Seite 2: ] Verlagsfirma 60 (sechszig) Procent, von
dem Ladenpreise der verkauften Supplemente 50 (fünfzig) Procent an den Direktor der Königlichen Sternwarte abzuführen, und zwar ist am 1. Juli jedes
Jahres über die Einnahmen aus dem ganzen Unternehmen nach Jahrgängen
gesondert Abrechnung zu halten und der als Guthaben der Sternwarte resultirende Betrag in einer Summe zu zahlen.
§. 4.
Obiges Abkommen findet auch rückwirkende Anwendung auf die drei vorangegangenen Vertriebsjahre 1875.[,] 1876 und 1877.
Beiden Theilen steht es frei, nach Ablauf einer jährlichen Kündigungsfrist,
von obigen Abmachungen zurückzutreten.
Berlin, den 29.ten Januar 1878
Foerster
Ferd[inand ] Dümmlers Verlagsbuchhandlung
Direktor der Königl[ichen] Sternwarte
Harrwitz Goßmann
10.2
Vertrag vom 6. Februar 1911
über das Berliner Astronomische Jahrbuch
Beschreibung: Handschriftlicher Vertrag. Deutsche Kurrente. Schwarze Tinte.
Mit Stempelmarke versehen. 1 Bogen (2 Seiten beschrieben, 2 Seiten leer).
Liniertes Papier. 21,1 cm breit, 33,0 cm hoch, ungelocht. Unterschriften: Prof.
Fritz Cohn; Ferd. Dümmlers Verlagsbuchhdlg. Scans im Supplement.
Inhalt: Fritz Cohn (1866-1922, siehe Kapitel 8.9 von Wielen R. und Wielen
U. 2011c) als Direktor des Astronomischen Rechen-Instituts und Ferdinand
Dümmlers Verlagsbuchhandlung schließen in Berlin einen Vertrag über den
Vertrieb des Berliner Astronomischen Jahrbuchs. Zitiert und kommentiert in
Kapitel 2.2.1, Unterkapitel: Archivalien zum Berliner Astronomischen Jahrbuch, Punkt (2).
167
Volltext:
[Seite 1: ]
[Am linken Rand oben:]
[Handschriftlicher Vermerk: Älterer Vertrag, 1911.]
[Aufgeklebte Stempelmarke über 3 Mark. Marke zweimal überstempelt.]
[Am rechten Rand oben:]
Zur Hauptausfertigung 3– M.
Zur Nebenausfertigung 3– M.
in Marken entwertet.
Schöneberg, d[en] 6. 2.[Februar ] 1911
[Unterschrift unleserlich (M. Hielmoth ?)]
Königl[icher ] Stempel-Verteiler
[Runder Stempel mit Preußischem Adler. Umlaufender Text:
K. PR. STEMPELVERTEILER No. 682 ]
[Vertragstext:]
Zwischen dem Kgl.[Königlichen] Astronom[ischen] Recheninstitut, vertreten durch seinen Direktor, Herrn Prof. Dr. Fritz Cohn, und Ferd[inand ] Dümmlers Verlagsbuchhandlung, hierselbst, wird folgendes Abkommen bezüglich des
Verlages und Vertriebes der Publikation des Institutes getroffen.
1) Die Firma Dümmler übernimmt den Verlag und Vertrieb des Berliner Astronom[ischen] Jahrbuches, welches ihr bis auf weiteres alljährlich in
Höhe einer Auflage von 500 Exemplaren in vollständig verkaufsfertig gemachtem, broschierten Zustande mit Titelumschlag übergeben wird; das gleiche gilt
für die Sonderdrucke aus dem Jahrbuch a) Mittlere Örter“ b) Mittlere und
”
”
scheinbare Örter“ die in je 90 Exemplaren geliefert werden.
2) Der Ladenpreis des Astronom[ischen] Jahrbuches beträgt bis auf weiteres M 12.00 pro Band und der der Sonderdrucke a) M 0.50 und b) M 6.00.
3) Von dem Ladenpreis jedes verkauften Exemplares des astronom[ischen]
Jahrbuches verpflichtet sich die Verlagsfirma 60 (sechzig) Prozent an den Herrn
Direktor des Königl[ichen] Astronom[ischen] Rechen-Institutes abzuführen,
und zwar ist am 1. Juli jeden Jahres über die Einnahme aus dem ganzen
Unternehmen [Seite 2: ] nach Jahrgängen Rechnung zu legen, für den oben
genannten Sonderdruck b) gilt das gleiche, während für den Sonderdruck a)
50 (fünfzig) Prozent des Ladenpreises für jedes verkaufte Exemplar seitens des
Verlages an das Institut zu zahlen sind.
4) Der Ladenpreis der bis 1900 zurückliegenden Bände des Astronom[ischen]
Jahrbuches wird hiermit aufgehoben, diese Bände scheiden aus dem buchhänd168
lerischen Vertrieb und ihre Abgabe zum ermäßigten Preise unterliegt einer besonderen Abmachung seitens des Herrn Direktors des Kgl.[Königlichen] Astronom[ischen] Rechen-Institutes mit der Verlagsfirma.
5) Über die beim Verlag lagernden Publikationen bleibt das Eigentums- und
Verfügungsrecht beim Kgl.[Königlichen] Astronom[ischen] Rechen-Institut;
sämtliche Vorräte sind auch in die Feuerversicherung der Verlagshandlung mitaufgenommen worden.
6) Diese Abmachungen sind auf die Dauer von drei Jahren getroffen; sie
behalten auf die gleiche Zeit Giltigkeit, wenn nicht ein halbes Jahr vor Ablauf
des Vertrages von einer Seite Kündigung erfolgt.
Berlin, 6. Februar 1911
Ferd[inand ] Dümmlers Verlagsbuchh[an]dl[un]g
10.3
Prof. Fritz Cohn
Vertrag vom 7. April 1913
über das Berliner Astronomische Jahrbuch
Beschreibung: Maschinenschriftlicher Vertrag. Mit Stempelmarke versehen.
2 Blätter wurden zusammengeheftet und am linken Rand zusammengeklebt.
2 Seiten (nur die Vorderseiten der beiden Blätter sind beschrieben). 21,1 cm
breit, 33,0 cm hoch, ungelocht. Unterschriften: Prof. Fritz Cohn; Ferd. Dümmlers Verlagsbuchhdlg. Scans im Supplement.
Inhalt: Fritz Cohn (1866-1922, siehe Kapitel 8.9 von Wielen R. und Wielen
U. 2011c) als Direktor des Astronomischen Rechen-Instituts und Ferdinand
Dümmlers Verlagsbuchhandlung schließen in Berlin einen Vertrag über den
Vertrieb des Berliner Astronomischen Jahrbuchs. Zitiert und kommentiert in
Kapitel 2.2.1, Unterkapitel: Archivalien zum Berliner Astronomischen Jahrbuch, Punkt (3).
10.4
Brief vom 2. Dezember 1924 des Kultusministeriums an Kopff
Beschreibung: Originalschreiben, aber ohne Kopfbogen des Ministeriums (Briefkopf maschinenschriftlich). 1 Blatt (1 Seite), 21,3 cm breit, 26,7 cm hoch,
ungelocht. Absender: Regierungsrat Dr. Medicus, Preußisches Kultusministerium. Unterschrift: Medicus. Empfänger: Kopff. Unten rechts handschriftlicher
Vermerk: Zi. 133. Freitag 11 1/4“. Scan im Supplement.
”
169
Inhalt: Medicus regt an, daß Peters seine Arbeiten am preußischen Grundkalender im Rahmen seines Hauptamts als Observator des Instituts ausüben
solle. Medicus bittet Kopff dazu um eine Unterredung. Zitiert in Kapitel 2.3 .
Kommentar: Der Jurist Dr. Franz Albrecht Medicus (1890-1967) war Regierungsrat im Kultusministerium. Die angeschnittene Frage behandeln wir
ausführlich in Kapitel 2.3 . Die gewünschte Besprechung fand am Freitag, den
5. Dezember 1924 ∗∗ , offenbar um 11 Uhr 15 in Zimmer 133 des Kultusministeriums (Unter den Linden 4) statt.
10.5
Briefentwurf über die Besprechung vom 5. Dezember 1924 im Kultusministerium von Kopff
Beschreibung: Handschriftlicher Briefentwurf (zum Teil nur Stichworte).
Schwarze Tinte. 1 Blatt (1 Seite), 21,0 cm breit, 33,3 cm hoch, ungelocht.
Empfänger: Preußisches Kultusministerium, Regierungsrat Dr. Medicus. Absender: Kopff. Scan im Supplement.
Inhalt: Kopff lehnt die Übertragung der astronomischen und chronologischen
Arbeiten für den preußischen Grundkalender auf Peters oder andere Mitarbeiter des Instituts ab. Zitiert in Kapitel 2.3 .
Kommentar: Der hier entworfene Brief von Kopff ist die Antwort auf den Brief
des Kultusministeriums vom 2. Dezember 1924 ∗∗ und bezieht sich auf die
Besprechung mit dem Regierungsrat Dr. Franz Albrecht Medicus (1890-1967)
im Kultusministerium. Siehe auch Kapitel 2.3 . Der fertige Brief liegt uns nicht
vor.
Volltext:
Herrn Reg[ierungs-]Rat Dr. Medicus.
Besprechung am 5. Dez[ember ] 1924.
Im Anschluß an die Unterredung vom 5. Dez[ember ] 1924 erlaube ich mir,
Folgendes mitzuteilen.
1) Für die Herausgabe der veränderlichen Tafeln des astron[omisch] chronolog[ischen] Teiles des preuß[ischen] Normalkalenders liegt von seiten breiter Bevölk[erungs]schichten soviel Interesse vor (Landwirts[chaft,] Forst[wirtschaft], Schulen[?][),] daß eine Beibehaltung notwendig ist[.]
2) Diese Angaben des preuß[ischen] Normalkalenders [liegen] jedoch
außerhalb des Rahmens astron[omischer ] wissenschaftl[icher ] Arbeiten, sodaß
170
eine Angliederung an das Astronom[ische] R[echen]-I[nstitut ] bei den dort bereits vorhanden[en] wissenschaftl[ichen] Arbeiten u[nd ] den neu hinzugek[ommenen] eine Beschwerung bedeuten würde[.]
3) Aus diesem Grund ist es nicht mögl[ich,] Prof.Peters dienstlich damit zu
belasten. Fundamentalkatalog[.]
4) Auch übrige Herren nicht, weil alle beschäftigt[.]
5) Neue gegen Bezahlung zu gewinnende Kraft. Nicht eingearbeitet[.]
6) Bisherig[er ] Modus billiger[.] [Zusatz in Bleistift: mehr als 50 Jahre][.]
Auslagen gedeckt.
10.6
Brief vom 27. Januar 1926 von Kopff an das Kultusministerium
Beschreibung: Maschinenschriftlicher Durchschlag. 1 Blatt (2 Seiten). 22,0 cm
breit, 28,5 cm hoch, ungelocht. Empfänger: Preußischer Kultusminister über
Verwaltungsdirektor der Universität. Absender: Kopff. Unterschrift-Kürzel mit
Bleistift: Kf. Tagebuch-Nr. 261. Scans im Supplement.
Inhalt: Kopff beantragt beim Kultusministerium die Summe von 2500 Mark zur
Beschaffung einer oder mehrerer Rechenmaschinen, vor allem für die Arbeiten
am FK3. Zitiert in einer Fußnote zu Kapitel 2.2.4 .
10.7
Brief vom 9. Februar 1926 vom Kultusministerium
an Kopff
Beschreibung: Maschinenschriftlicher Brief. Kopfbogen. 1 Blatt (1 Seite). 20,8
cm breit, 26,6 cm hoch, ungelocht. Empfänger: Kopff. Absender: Preußischer
Kultusminister. Unterschrift: Im Auftrag gz. Richter. Beglaubigt: Dornick.
Ministerial-Kanzleisekretär. Stempel des Ministeriums. Aktenzeichen des
Ministeriums: U I Nr. 5339. Scan im Supplement.
Inhalt: Das Kultusministerium stellt die erforderlichen Mittel zur Anschaffung
von 1 bis 2 Rechenmaschinen in Aussicht. Das Institut soll Angebote einreichen
und seinen geplanten Eigenanteil angeben. Zitiert in einer Fußnote zu Kapitel
2.2.4 .
171
10.8
Brief vom 30. Juni 1926 von J. K. Fotheringham
an Kopff
Beschreibung: Handschriftlicher Brief. Schwarze Tinte. 1 Blatt (2 Seiten), 17,8
cm breit, 22,7 cm hoch, ungelocht. Absender: J. K. Fotheringham (Oxford).
Empfänger: Kopff. Scans im Supplement.
Inhalt: Auf eine Anfrage von Kopff vom 20. Juni 1926, die uns nicht vorliegt,
erstattet Fotheringham ein ausführliches und sehr positives Gutachten über
die astronomischen Tafeln von Schoch.
Das Schriftstück ist Teil des Konvoluts zu Carl Schoch (zitiert in Kapitel
11.24).
Kommentar: John Knight Fotheringham (1874-1936) war ein englischer Historiker. Er war seit 1925 Reader in ancient astronomy and chronology“ an
”
der Universität Oxford, und beschäftigte sich insbesondere mit der Festlegung
der Chronologie der babylonischen Herrscher mit Hilfe von astronomischen
Datierungen. Von 1924 bis 1926 war Carl Schoch (Kapitel 11.24) sein astronomischer Mitarbeiter in Oxford. Fotheringham kannte daher dessen Arbeit sehr
gut. Schoch war anschließend von 1926 bis zu seinem Tode 1929 wissenschaftlicher Mitarbeiter am Astronomischen Rechen-Institut.
Volltext:
[Seite 1:]
The University Observatory,
Oxford
1926 June 30
Herrn A. Kopff,
Astronomisches Rechen-Institut,
Berlin- Dahlem,
Altenstein Str. 40
Dear Sir,
I am obliged by your letter of June 20.
I have a very high opinion of Herr Schoch’s tables which are of the utmost
importance for ancient astronomy and which appear[?] not to be without value for modern astronomy. His eclipse tables are constructed on the model of
Oppolzer’s Syzygientafeln, but are more accurate and less laborious. Further172
more they are based on more correct elements of the motion of Sun and Moon
and it is in consequence less necessary to introduce corrections. I always use
Schoch’s tables of which he has presented me a copy, when I have occasion to
compute an eclipse.
His crescent tables are unique in their kind. They are based on an elaborate
study of the initial days of the Babylonian monthes as found in ephemerides
and observation tablets, and have been made to represent correctly about 380
out of 400 late Babylonian appearences of the crescent. They also have the
advantage of permitting rapid working. By means of these Herr Schoch has
computed for me several hundred beginnings of monthes in early Babylonian
times. Without these tables the labour of such computation would have been
so great as to render the study of such dates impossible.
His tables of the places of Sun, Moon and planets permit far quicker work
than is possible with Neugebauer’s tables. The geocentric planetary places
are found without the burden of determining heliocentric places. In a large
majority of cases Schoch’s places will be found adequate. Where this is not so,
recurrence must be had to Neugebauer’s. Schoch also gives tables for finding the
phases of the planets. These are of great value for the restoration of Babylonian
chronology through astronomical observation. He has taken great pains to
determine the arcus visionis of each planet from Babylonian observations and
has devised methods which are at once ingenious, rapid, and accurate. There
are no other tables in existence suitable for mass computations.
His handy tables for conversion of Babylonian into Julian dates and vice
versa are extremely useful.
The work which Professor Langdon 205 and I are now producing on the
Babylonian Venus observations and their bearing on Babylonian chronology is
based throughout on computations made by Herr Schoch with the aid of his
tables.
I think it probable that Herr Schoch could produce equally simple and
accurate tables for the asteroids, for which good tables are generally wanting.
It was a great pleasure to me that You were able to find work for Herr
Schoch in a line which agrees so well with his abilities and tastes and I hope
you will find your association with him both pleasant and profitable.
Yours sincerely
J K Fotheringham
205
Stephen Herbert Langdon (1876-1937), Professor für Assyriologie in Oxford
173
10.9
Brief vom 22. Dezember 1926 von H. H. Turner an
Kopff
Beschreibung: Handschriftlicher Vorspann von Turner in schwarzer Tinte.
Hauptteil maschinenschriftlich. 3 Blätter. Von Turner wurde jeweils nur die
erste Seite jedes Blatts beschrieben. Auf der Rückseite des 3. und des 2. Blatts
befindet sich der handschriftliche (Vor-)Entwurf (in Bleistift) der Antwort von
Kopff an Turner. 20,1 cm breit, 25,8 cm hoch, ungelocht. Absender: Turner
(Oxford). Empfänger: Kopff. Scans im Supplement.
Inhalt: Herbert Hall Turner (1861-1930) war Direktor der Universitätssternwarte in Oxford. Er schickt Kopff ein ausführliches Gutachten über Carl Schoch
(Kapitel 11.24) und dessen astronomische Tafeln. Im Vorspann fragt Turner,
ob Kopff ein kürzeres Gutachten zur Vorlage bei der Notgemeinschaft benötigt.
Das Schriftstück ist Teil des Konvoluts zu Carl Schoch (zitiert in Kapitel
11.24).
10.10
Briefentwurf vom 28. Dezember 1926 von Kopff
an Turner
Beschreibung: Handschriftlicher Briefentwurf (unvollständig). Schwarze Tinte.
Kopfbogen des Instituts. 1 Blatt (1 Seite), 22,2 cm breit, 28,6 cm hoch, ungelocht. Empfänger: Turner (Oxford). Absender: Kopff. Scan im Supplement.
Inhalt: In dieser Antwort vom 28. Dezember 1926 ∗∗ auf den Brief von Turner
vom 22. Dezember 1926 ∗∗ erklärt Kopff, daß ein kürzeres Gutachten ausreichen
würde.
Das Schriftstück ist Teil des Konvoluts zu Carl Schoch (zitiert in Kapitel
11.24).
Kommentar: Das hier vorliegende Schriftstück enthält nur den ersten Teil der
Antwort. Der entsprechende zweite Teil fehlt. Ein Vorentwurf für den zweiten Teil befindet sich auf der Rückseite des 2. Blatts des Briefes von Turner
an Kopff vom 22. Dezember 1926 ∗∗ . Der Vorentwurf für den ersten Teil der
Antwort auf der Rückseite des 3. Blatts des Briefes von Turner an Kopff vom
22. Dezember 1926 ∗∗ ist weitgehend identisch mit dem Text des hier vorliegenden, datierten Schriftstücks.
Die erbetene Kurzfassung des Gutachtens hat Turner am 1. Januar 1927
an Kopff gesandt. Kopff hat das kurze Gutachten der Notgemeinschaft im
174
Original vorgelegt, die es zusammen mit der Bewilligung vom 8. März 1927 ∗∗
an Kopff zurückgegeben hat.
10.11
Gutachten von ca. 1927
zu den astronomischen Tafeln von Schoch
Beschreibung: Handgeschriebenes Schriftstück. Schwarze Tinte. 1 Blatt (2 Seiten), Format DIN A5 quer, liniertes Papier, ungelocht. Autor und Adressat
sind uns unbekannt. Undatiert. Scans im Supplement.
Inhalt: Positives Gutachten über die astronomischen Tafeln von Schoch.
Das Schriftstück ist Teil des Konvoluts zu Carl Schoch (zitiert in Kapitel
11.24).
Kommentar: Der Autor dieses kurzen Gutachtens ist vermutlich ein Historiker oder Assyriologe. Das Schriftstück stammt mit hoher Wahrscheinlichkeit
aus dem Jahr 1927 und steht im Zusammenhang mit dem Versuch von Kopff,
von der Notgemeinschaft der Deutschen Wissenschaft eine Beihilfe für Schoch
zu erlangen. Kopff hat dieses Gutachten vielleicht der Notgemeinschaft bei
einem Besuch dort gezeigt oder vorgetragen, denn auf dem oberen Rand des
Schriftstücks steht in Kopffs Handschrift abgekürzt die Adresse der Notgemeinschaft.
Volltext:
[Seite 1:]
[Am oberen Rand in der Handschrift von Kopff:]
Berl[in] C2 Schloß Portal 3 206 ]
[Text des Gutachtens:]
Herr Carl Schoch, der sich schon viel mit alter, speziell Babylonischer Astronomie und Chronologie befasst und verschiedentlich darüber Sachen veröffentlicht hat, hat mir seine astronomischen Tafeln vorgelegt. Diese behandeln Probleme, die nur durch zeitraubende und umständliche astron[omische] Rechnungen gelöst werden können, dabei aber die Grundlagen des ganzen Babylonischen Kalenders und Astronomie sind, nämlich das Neulicht und die heliakischen Auf- und Untergänge der Planeten.207
206
207
Dies ist die Anschrift der Notgemeinschaft der Deutschen Wissenschaft
Die Unterstreichung erfolgte mit blauem Bleistift und stammt vermutlich von Kopff
175
Historikern und Assyriologen sind diese umständlichen Rechnungen nach
Neugebauers Tafeln 208 überhaupt unmöglich, weil zu schwierig. Schoch löst
nun diese Aufgaben durch Tafeln, deren Gebrauch jedem Volksschüler verständlich und möglich ist und zwar, bei der grössten, bisher nirgend wo anders erreichten Genauigkeit, mit einem Arbeitsaufwand von wenigen Minuten.
Ich kann nur empfehlen, Herrn Schoch einen Zuschuss zu dem Druck seiner
Tafeln zu gewähren, da letztere sicher grosse [Seite 2:] Dienste leisten werden,
weil in den nächsten Jahrzehnten viele astronomische Keilschriften übersetzt
werden dürften. Mit den neuen Funden von Kish und Ur werden dann wohl
an 60 000 noch nicht entzifferte Tafeln im London-Museum und Oxford sein.
10.12
Brief vom 27. Februar 1927 von Kopff an die
Notgemeinschaft
Beschreibung: Maschinenschriftlicher Durchschlag. 2 Blatt (2 Seiten). 22,5 cm
breit, 28,6 cm hoch, ungelocht. Das zweite Blatt ist am linken Rand und am
unteren Rand beschädigt. Empfänger: Staatsminister Dr. Schmidt-Ott, Präsident der Notgemeinschaft. Absender: Kopff. Scans im Supplement.
Inhalt: Kopff beantragt bei der Notgemeinschaft der Deutschen Wissenschaft
eine Beihilfe für Carl Schoch (Kapitel 11.24) in Höhe von 500 Mark.
Das Schriftstück ist Teil des Konvoluts zu Carl Schoch (zitiert in Kapitel
11.24).
10.13
Brief vom 5. März 1927 von Kopff an die Notgemeinschaft
Beschreibung: Maschinenschriftlicher Durchschlag. 2 Blatt (2 Seiten). 22,5 cm
breit, 28,6 cm hoch, ungelocht. Empfänger: Notgemeinschaft der Deutschen
Wissenschaft, Geheimrat Siegismund. Absender: Kopff. Scans im Supplement.
Inhalt: Kopff ergänzt seinen Antrag vom 27. Februar 1927 ∗∗ bei der Notgemeinschaft der Deutschen Wissenschaft bezüglich einer Beihilfe für Carl Schoch
(Kapitel 11.24). Die Notgemeinschaft hatte offenbar wegen der Art der Veröffentlichung der Schochschen Tafeln zurückgefragt. Kopff gibt die gewünschten
208
P. V. Neugebauer hatte zwischen 1912 und 1922 drei Tafeln zur astronomischen Chronologie zum Gebrauch für Historiker, Philologen und Astronomen“ veröffentlicht
”
176
Erläuterungen und fügt das Kurzgutachten von Turner vom 1. Januar 1927 im
Original und mit Hervorhebungen versehen bei.
Das Schriftstück ist Teil des Konvoluts zu Carl Schoch (zitiert in Kapitel
11.24).
10.14
Brief vom 8. März 1927 der Notgemeinschaft an
Kopff
Beschreibung: Maschinenschriftlicher Brief. Kopfbogen. 1 Blatt (1 Seite). 22,9
cm breit, 28,9 cm hoch, ungelocht. Empfänger: Kopff. Absender: Notgemeinschaft der Deutschen Wissenschaft. Unterschrift: Siegismund. Scan im Supplement.
Inhalt: Die Notgemeinschaft bewilligt Schoch (Kapitel 11.24) eine Entschädi”
gung für seine Arbeit an den Tafeln zur Chronologie, besonders des babylonischen Kulturkreises“ von 500 Mark.
Das Schriftstück ist Teil des Konvoluts zu Carl Schoch (zitiert in Kapitel
11.24).
10.15
Brief vom 27. Juli 1927 von Schoch an Kopff
Beschreibung: Handschriftlicher Brief. Schwarze Tinte. 1 Blatt (1 Seite),
21,8 cm breit, 28,1 cm hoch, engliniertes Briefpapier, ungelocht. Absender:
Schoch. Empfänger: Kopff. Scan im Supplement.
Inhalt: Schoch bittet Kopff, die Rezension der Planeten-Tafeln für Jedermann“
”
(Schoch 1927) auch für das Literarische Beiblatt der Astronomischen Nachrichten (AN) zu übernehmen.
Das Schriftstück ist Teil des Konvoluts zu Carl Schoch (zitiert in Kapitel
11.24).
Kommentar: Im Literarischen Beiblatt der AN haben wir keine Rezension
der Schochschen Planeten-Tafeln gefunden. Dagegen gibt es eine ausführliche Besprechung in der Vierteljahrsschrift der Astronomischen Gesellschaft,
63. Jahrgang, S. 51, von P. V. Neugebauer (siehe Kapitel 11.16). Die im Brief
erwähnte Rezension von Kopff ist in der Zeitschrift für Assyriologie und verwandte Gebiete, Band 38 (1928), S. 111-113, erschienen.
177
Volltext:
Berlin-Steglitz, Kuligshof 5. 27. 7. 1927
Hochgeehrter Herr Professor !
Von den Astronomischen Nachrichten“, denen ich meine Tafeln eingereicht
”
hatte, bekomme ich eben folgende Zuschrift:
Sehr geehrter Herr! Soeben erhalte ich Ihr mir freundlichst zugesandtes
”
Werk Planetentafeln für jedermann“. Ein kurzer Einblick in dieselben zeigt
”
sofort den überaus reichen Inhalt des Buches und ich sage Ihnen aufrichtigsten Dank für die Übersendung desselben. Ich würde gerne eine ausführliche
Besprechung der Arbeit im Literarischen Beiblatt zu den A.N. bringen, fühle
mich aber selbst kaum der Aufgabe einer richtigen Würdigung gewachsen und
ich darf mir auch mit Rücksicht auf ein Augenleiden zur Zeit nicht zu viel
zumuten. Wäre es Ihnen nicht möglich jemand aus Ihrem Bekanntenkreise zu
veranlassen, mir ein Referat einzusenden ?
Mit bestem Dank
Ihr H. Kobold“
Ich habe nun in meinem Bekanntenkreise keinen, der das Referat übernehmen könnte, ja ich habe nicht mal jemand, der sich überhaupt für das Werk
int[e]ressiert. Ich habe schon bei der Orientalischen Literaturzeitung (OLZ),
bei der Zeitschrift der Deutschen Morgenländischen Gesellschaft (ZDMG), und
bei der Zeitschrift für Assyriologie (ZA) mit dem unseligen und unheilvollen
Einfluss zu kämpfen, den Herr Schnabel 209 überall ausübt. Trotzdem mein
Werk schon Anfang Juni erschienen ist, weiss ich bis jetzt noch nicht, ob es
überhaupt besprochen wird. Dass Professor Zimmern 210 auf die Anfrage nicht
antwortet, ist ja weiter nichts als der Einfluss von Schnabel.
Dürfte ich mir nun die Anfrage erlauben, ob Sie nicht so freundlich sein
wollen, die Besprechung im Lit[erarischen] Beiblatt der AN“ zu übernehmen.
”
Es könnte ja dieselbe Besprechung sein, die Sie mir so freundlich waren, für die
Zeitschrift für Assyriologie“ zu übernehmen, vorausgesetzt dass aus letzterer
”
überhaupt etwas wird. Denn die nächste Nummer der ZA erscheint Anfang
Oktober, das sind bloss noch 2 Monate bis dahin.
Mit der Bitte, mir meine unbescheidene Anfrage nicht übel nehmen zu
wollen, bin ich
Ihr
sehr ergebener
C. Schoch.
209
Paul Schnabel (1887-1947) war ein Historiker, der sich besonders mit der babylonischassyrischen Chronologie befaßt hat
210
Heinrich Zimmern (1862-1931) war ein Altorientalist an der Universität Leipzig
178
[Postscript:]
Ohne Besprechungen habe ich ja keine Aussicht, von dem Werk etwas abzusetzen. Und ich habe es so nötig, um wenigstens mal das Geld herauszubekommen,
das ich zum Druck beigesteuert.
10.16
Brief vom 16. September 1930
von Kopff an das Kultusministerium
Beschreibung: Durchschlag. 4 Blätter (4 Seiten). 22,0 cm breit, 28,4 cm hoch,
ungelocht. Empfänger: Preußischer Kultusminister über Verwaltungsdirektor
der Universität. Absender: Kopff. Tagebuch-Nr. 712. Scans im Supplement.
Inhalt: Kopff schlägt vor, den Preis des Berliner Astronomischen Jahrbuchs
(BAJ) von 12 auf 6 Mark zu senken. Er diskutiert die Möglichkeit, das BAJ
in Zukunft im Selbstverlag des Instituts direkt zu vertreiben. Den von Cohn
abgeschlossenen Vertrag mit Dümmler habe er vorsorglich gekündigt. Bis zum
7. April 1931 müsse eine neue Regelung gefunden sein. Zitiert und kommentiert in Kapitel 2.2.1, Unterkapitel: Archivalien zum Berliner Astronomischen
Jahrbuch, Punkt (5).
10.17
Brief vom 30. September 1930
des Verlags Dümmler an Kopff
Beschreibung: Brief auf Kopfbogen. 1 Blatt (1 Seite). 22,6 cm breit, 28,5 cm
hoch, ungelocht. Empfänger: Kopff. Absender: Ferd. Dümmlers Verlag, (Berlin und) Bonn. Unterschrift: Anto[nio] Lehmann. Handschriftlicher Eintrag
von Kopff mit blauem Bleistift am linken Rand quer: Reduktion auf 50 % betr[effend ]. Scan im Supplement.
Inhalt: Der Verlag Dümmler unterrichtet Kopff über die 1920 erfolgte Reduzierung der Vergütung an das Institut von 60 % auf 50 %. Dümmler zitiert
dazu aus einem Brief von Cohn an Dümmler vom 6. Juli 1920, der Kopff offensichtlich nicht vorlag. Zitiert und kommentiert in Kapitel 2.2.1, Unterkapitel:
Archivalien zum Berliner Astronomischen Jahrbuch, Punkt (4).
179
10.18
Vertrag vom 15. Dezember 1930
über das Berliner Astronomische Jahrbuch
Beschreibung: Maschinenschriftlicher Vertrag. Mit Stempelmarke versehen.
2 Blätter wurden zusammengeheftet. 2 Seiten (nur die Vorderseiten der beiden
Blätter sind beschrieben). 21,1 cm breit, 33,0 cm hoch, ungelocht. Unterschriften: Prof. Dr. August Kopff vom 15. Dezember 1930 in Berlin-Dahlem; Ferd.
Dümmlers Verlagshdlg., Consul Ant. Lehmann vom 5. Dezember 1930 in Bonn.
Am Ende des Vertrags ist unten auf Seite 2 ein handschriftlicher Nachtrag in
schwarzer Tinte hinzugefügt worden. Gleiche Unterzeichner mit jeweils gleichem Datum. Scans im Supplement.
Inhalt: Kopff als Direktor des Astronomischen Rechen-Instituts und Ferdinand
Dümmlers Verlagsbuchhandlung in Bonn (Inhaber Antonio Lehmann) schließen einen Vertrag über den Vertrieb des Berliner Astronomischen Jahrbuchs
(BAJ). Der Nachtrag zu § 2 bestimmt, daß die Herabsetzung des Ladenpreises
sich auf alle Jahrgänge des BAJ bezieht. Zitiert und ausführlich kommentiert
in Kapitel 2.2.1, Unterkapitel: Archivalien zum Berliner Astronomischen Jahrbuch, Punkt (6).
10.19
Brief vom 22. Mai 1931 von Kopff an den Verlag
Dümmler
Beschreibung: Durchschlag. 2 Blätter (2 Seiten). 22,5 cm breit, 28,1 cm hoch,
ungelocht. Empfänger: Ferdinand Dümmlers Verlag, Bonn. Absender: Kopff.
Scans im Supplement.
Inhalt: Kopff lehnt den Vorschlag des Verlags Dümmler vom 19. Mai 1931 ab.
Der Verlag hatte angeregt, das Berliner Astronomische Jahrbuch an die Mitglieder der VAP (Vereinigung von Freunden der Astronomie und kosmischen
Physik) zu einem reduzierten Preis abzugeben. Zitiert in Kapitel 2.2.1 .
10.20
Vertrag vom 25. Juli 1931
über das Berliner Astronomische Jahrbuch
Beschreibung: Maschinenschriftlicher Vertrag. Mit Stempelmarke versehen.
1 Bogen (3 Seiten). 21,1 cm breit, 33,0 cm hoch, ungelocht. Unterschriften:
Der Direktor des Astronomischen Rechen-Instituts [Stempel ], Prof Dr. August Kopff; Preußische Druckerei- und Verlags-Aktiengesellschaft [Stempel ],
Der Vorstand R. Neff[?]. Scans im Supplement.
180
Inhalt: Kopff als Direktor des Astronomischen Rechen-Instituts und die Preußische Druckerei- und Verlags-Aktiengesellschaft schließen in Berlin einen Vertrag über den Druck des Berliner Astronomischen Jahrbuchs. Zitiert und ausführlich kommentiert in Kapitel 2.2.1, Unterkapitel: Archivalien zum Berliner
Astronomischen Jahrbuch, Punkt (7).
10.21
Brief vom 22. Dezember 1931
des Verlags Dümmler an Kopff
Beschreibung: Brief auf Kopfbogen. 1 Blatt (1 Seite). 22,5 cm breit, 28,5 cm
hoch, ungelocht. Empfänger: Kopff. Absender: Ferd. Dümmlers Verlag, (Berlin und) Bonn. Unterschrift: Dr. W. Lehmann. [Eintrag vom Institut oben
links:] Tagebuch-Nr. 862. [Eintrag von Kopff unten links:] Einverstanden[,]
auch Veröff[entlichungen des Instituts] 10 %[,] 23. 12. [19]31. Scan im Supplement.
Inhalt: Der Verlag Dümmler unterrichtet Kopff über die Auswirkungen der
Brüningschen Notverordnung vom 8. Dezember 1931. Die Preise für das Berliner Astronomische Jahrbuch und die Kleinen Planeten müssen nicht um
10 % gesenkt werden, weil sie schon früher verbilligt wurden. Dagegen sind die
Preise für die älteren Veröffentlichungen des Astronomischen Rechen-Instituts
10 % niedriger anzusetzen. Zitiert und kommentiert in einer Fußnote zu Kapitel 2.2.1, Unterkapitel: Archivalien zum Berliner Astronomischen Jahrbuch,
Punkt (6).
10.22
Brief vom 23. Dezember 1931
von Kopff an den Verlag Dümmler
Beschreibung: Durchschlag. 1 Blatt (1 Seite). 22,0 cm breit, 28,3 cm hoch,
ungelocht. Empfänger: Ferdinand Dümmlers Verlag, Bonn. Absender: Kopff.
Tagebuch-Nr. 862. Scan im Supplement.
Inhalt: Kopff erklärt sich mit den Preissenkungen einverstanden, die der Verlag
Dümmler in seinem Brief vom 22. Dezember 1931 ∗∗ vorgeschlagen hatte. Zu
Kapitel 2.2.1, Unterkapitel: Archivalien zum Berliner Astronomischen Jahrbuch, Punkt (6).
181
10.23
Brief vom 8. Juli 1932 des Verlags Dümmler an
Kopff
Beschreibung: Brief auf Kopfbogen. 1 Blatt (1 Seite). 22,2 cm breit, 28,5 cm
hoch, ungelocht. Empfänger: Kopff. Absender: Ferd. Dümmlers Verlag, (Berlin
und) Bonn. Unterschrift: Anto[nio] Lehmann. Rote Markierung von Kopff für
Anfertigung eines Auszugs (siehe folgenden Brief). Scan im Supplement.
Inhalt: Der Verlag Dümmler bittet um Reduzierung der Vergütung an das
Institut für das BAJ von 60 % auf 50 %. Zitiert und kommentiert in Kapitel
2.2.1, Unterkapitel: Archivalien zum Berliner Astronomischen Jahrbuch, Punkt
(8).
10.24
Brief vom 9. Juli 1932 von Kopff an das Kultusministerium
Beschreibung: Durchschlag ohne Unterschrift. 2 Blätter (2 Seiten). DIN A4,
ungelocht. Empfänger: Preußischer Kultusminister über Verwaltungsdirektor
der Universität. Absender: Kopff. Tagebuch-Nr. 934. Scans im Supplement.
Inhalt: Kopff unterstützt gegenüber dem Kultusministerium die Bitte des Verlags Dümmler, die Vergütung an das Institut für das BAJ von 60 % auf 50 % zu
reduzieren. Zitiert und kommentiert in Kapitel 2.2.1, Unterkapitel: Archivalien
zum Berliner Astronomischen Jahrbuch, Punkt (8).
Kommentar: Von diesem Brief bzw. seinem Durchschlag befindet sich im Archiv des Astronomischen Rechen-Instituts eine inhaltlich gleiche, aber in der
Form abweichende Abschrift, die vermutlich aus dem Jahr 1940 stammt und
deren Zweck uns unbekannt ist.
10.25
Brief vom 19. Juli 1932 des Kultusministeriums
an Kopff
Beschreibung: Brief auf Kopfbogen. 1 Blatt (1 Seite). DIN A4, ungelocht. Empfänger: Kopff. Absender: Preußisches Kultusministerium. Unterschrift: Im
Auftrage gez. Klingelhöfer. Beglaubigt: Wobith, Ministerial-Kanzleisekretär.
Stempel des Ministeriums. Aktenzeichen des Ministeriums: U I Nr. 7099. Sichtvermerk des Verwaltungsdirektors der Universität vom 22. Juli 1932 (i.V.: unleserliche Unterschrift). Scan im Supplement.
182
Inhalt: Das Ministerium stimmt der Änderung des Vertrags mit dem Verlag
Dümmler über das BAJ hinsichtlich der Reduzierung der Vergütung an das
Institut auf 50 % zu. Zitiert und kommentiert in Kapitel 2.2.1, Unterkapitel:
Archivalien zum Berliner Astronomischen Jahrbuch, Punkt (8).
Kommentar: Von diesem Brief befindet sich im Archiv des Astronomischen
Rechen-Instituts eine Abschrift, die vom 15. Juli 1940 stammt (Beglaubigungsdatum) und deren Zweck uns unbekannt ist.
10.26
Brief vom 10. Februar 1936 von M. Planck an
Kopff
Beschreibung: Maschinenschriftlicher Brief. Kopfbogen. 1 Blatt (2 Seiten). 20,7
cm breit, 29,7 cm hoch, ungelocht. Empfänger: Kopff. Absender: Preußische
Akademie der Wissenschaften. Der Vorsitzende Sekretar. Eigenhändige Unterschrift: Planck. Rechts unter der Unterschrift: unleserliches Kürzel, vermutlich
vom Schreiber oder Bearbeiter des Briefes. Der obere Rand des Briefes ist stark
nachgedunkelt, gewellt und in der Mitte eingerissen. Der eigentliche Text ist
sehr gut erhalten. Scans im Supplement.
Inhalt: Die Preußische Akademie der Wissenschaften teilt Kopff durch ihren
Vorsitzenden Sekretar, Max Planck (1858-1947), mit, daß sie ihn zum ordentlichen Mitglied ihrer physikalisch-mathematischen Klasse gewählt habe und
daß diese Wahl von der Preußischen Regierung durch Erlaß vom 7. Februar
1936 bestätigt worden sei. Die Akademie lädt Kopff zu ihrer nächsten Sitzung
(Donnerstag, den 13. Februar 1936, 4 Uhr nachmittags) ein. Mit dem Brief
zusammen erhält Kopff eine Reihe von Schriftstücken zur Akademie. Er wird
gebeten, einen beigefügten Fragebogen auszufüllen (siehe dazu das nachfolgende Unterkapitel mit Kopffs Notizen zu seinem Lebenslauf) und mit einem
Photo von ihm an das Büro der Akademie zurückzusenden. Zitiert in Kapitel
2.1 .
Kommentar: Der Brief hat sich eher durch Zufall erhalten. Er war in ein Buch
(Statuten der Akademie) eingelegt, das von einem der Autoren (R.W.) ca. 1970
aus dem Nachlaß von Kopff (zusammen mit ca. 20 anderen Werken) käuflich
erworben wurde. Da der Brief ungefähr 2 cm höher ist als das Buch und daher
oben herausragte, ist der obere Rand des Briefes stark nachgedunkelt und
teilweise beschädigt.
183
10.27
Vermutlich März 1936: Handschriftliche Notizen
zum Lebenslauf von Kopff
Beschreibung:
Handschriftliche Notizen zum Lebenslauf von Kopff. Xerographische Kopien. 3 Bätter (3 Seiten). DIN A4, gelocht. Verfasser: Kopff (nach Handschrift
und Inhalt).
Zwei der Blätter der Kopien gehören zusammen und waren ursprünglich auf
einem Blatt (Vor- und Rückseite) geschrieben. Wir bezeichnen diese Notizen
als Version A“ des Lebenslaufs. Sie enthält die Punkte I.-VIII.
”
Ein drittes Blatt der Kopien enthält nur die Punkte I.-III. und bricht bei
Punkt IV. ab. Wir bezeichnen diese Notizen als Version B“ des Lebenslaufs.
”
Scans im Supplement.
Inhalt: Notizen zum Lebenslauf von Kopff (siehe auch Kapitel 11.11). Zitiert
in Kapitel 2.1 .
Kommentar:
Die modernen Kopien befinden sich im Archiv des Astronomischen RechenInstituts. Wir konnten nicht klären, woher sie stammen. Wir vermuten, daß
sich die als Vorlage benutzten Originale im Besitz der Familie Kopff oder von
Frau Nowacki befanden.
Es ist nicht eindeutig zu entscheiden, welche der beiden Versionen (A oder
B) Kopff zuerst niedergeschrieben hat.
Die zum Teil nur stichwortartigen Notizen zu seinem Lebenslauf sollten
Kopff wohl dazu dienen, einen Fragebogen zu seiner Person mit den Punkten
I.-VIII. auszufüllen. Diesen Fragebogen, der uns aber leider nicht vorliegt, hatte
Kopff als Anlage zum Brief von Max Planck vom 10. Februar 1936 ∗∗ erhalten.
Wir vermuten daher, daß Kopff die Notizen im März 1936 verfaßt hat.
Volltext:
[Beginn der Version A: ]
Lebenslauf
[Seite 1 der Version A: ]
184
I. Familie: Meine Vorfahren lassen sich väterlicherseits bis in die Mitte des
18. Jahrh[underts] zurückverfolgen; wo sie in Treba b[ei ] Bleicherode (Harz)
[gestrichen: gelebt haben] ansässig [waren]. Meist waren es Handwerker, der
Urgroßvater war Pastor. Mein Vater Otto, in Erfurt geboren ([18]48-[18]88)
blieb auf der Wanderschaft in Heidelberg, wo er als Flaschnermeister 211 sich
niederließ 212 . Die Familie mütterlicherseits war Ende des 16. Jahrh[underts]
in Pforzheim ansässig; auch in ihr waren Handwerker; ein Zweig siedelte sich
in Heidelb[erg ] an, wo auch meine Mutter Friederike geb[orene] Hartenstein
(1852-1933) geboren wurde. Verheiratet bin ich mit Marg[arethe] geb[orene]
Hormuth, deren Vorfahren aus einer Landwirtsf[amilie] stammen. Ich habe
2 Söhne[,] Otto geb[oren] 1917 u[nd ] Walter (geb[oren] 1920)[.]
II. Jugend. [Geboren am:] 5. Febr[uar] 1882 Heidelberg. Mein Vater starb
1888[,] gerade als ich in die Volksschule in H[eidelberg] kam[,] und ich wuchs
in der Obhut meiner Mutter auf, die auf ihrer Hände Arbeit angewiesen war.
Zwei Lehrer nahmen sich meiner frühe an, der Reallehrer Riegel 213 in Heidelb[er]g und später der durch seine Forschungen zur Gesch[ichte] der Natur[wissenschaften] bekannt gewordene Prof. Dr. J. Ruska214 , damals an der
Oberrealschule in H[eidelberg ], die ich von 1891 [oder: 1892[?]] an besuchte.
Schon bald Wunsch[,] Naturwissenschaften zu studieren. 1900 bestand ich die
Reifeprüfung[.]
III. Bezog Univ[ersität][,] um Math[ematik] u[nd ] Naturwissenschaften zu studieren[,] neben Math[ematik][,] Phys[ik] auch Zoologie u[nd ] Botanik[.] [Gestrichen: Schon als Schüler kam ich mit dem Astronomen Max Wolf 215 in Heidelberg in Verbindung, dem ich in seiner Privatsternwarte in der Märzg[asse]
helfen durfte.] Als Student war ich dann zeitweise auf der neu errichteten
Kö[nigstuhl] St[ernwarte] beschäftigt und studierte auch Astr[onomie] u[nd ]
Meteorologie und nach bestandenem Staatsex[amen] für das höhere Lehrfach
[Seite 2 der Version A:] beschloß ich, mich ganz der Astr[onomie] zu widmen.
IV. Äußerer Lebensgang: Nach Ableistung meines Militärd[ienstes] im Herbst
1905 wurde ich Assistent am Astrophys[ikalischen] Inst[itut ] der Königst[uhl ]
Sternwarte und promovierte 1906 in Astr[onomie]. 1907 habilitierte ich mich
für Astr[onomie]. 1912 nach Ableh[nun]g einer Berufung nach Santiago (Chile)
211
Synonym mit: Klempner, Spengler
Der Vater Otto Kopff erscheint erstmals im Einwohner-Verzeichnis der Stadt Heidelberg für 1876/77 (aufgestellt im November 1875) als Blecharbeiter. In den Heidelberger
Adressbüchern für 1883 bis 1888 wird er als Inhaber einer Douche- und Badeapparaten”
fabrik“ aufgeführt.
213
Reallehrer Joseph Riegel
214
Julius Ruska (1867-1949). Ruska war ab 1927 Honorarprofessor an der Berliner Universität und Direktor des Forschungsinstituts für Geschichte der Naturwissenschaften. Julius
Ruska war der Vater des Nobelpreisträgers Ernst Ruska (1906-1988), dem Erfinder des Elektronenmikroskops.
215
Max Wolf (1863-1932), später Direktor der Heidelberger Sternwarte und Doktorvater
von Kopff
212
185
zum a.o. Prof. [außerordentlichen Professor ] u[nd ] wissensch[aftlichen] Beamten [ernannt ][.] 1914-1918 Heereswetterdienst Westfront u[nd ] Balkan[,] Leiter
v[om] Feldwetterdienst und beratend bei der Artillerie[.] 1924 nach Berlin berufen[.]
V. Bis 1924 Beob[achtungen] photogr[aphisch][,] dann[?] 1910 Meridiankr[eis][,]
Milchstr[aße][,] Kl[eine] Pl[aneten][,] 2 Kometen (period[ische] Kom[eten])[.]
1924 Berufung Astr[onomisches] R[echen]-I[nstitut][.] Verzeichnis [seitlicher
Einschub: Liste der Veröffentlichungen][.]
VI. 1922 Beob[achtung] der tot[alen] Sonnenfinsternis [auf den] Christmas
Isl[ands] (Ind[onesien])[.] 1932 nach [den] Vereinigt[en] St[aaten] [gereist ].
VII. Meine Arbeitsziele gehen in die Richtung der Erforschung des Aufbaus
des Sternsystems.
VIII. Medaillen[,] goldene Med[aillen]216 . 1933 Mitgl[ied ] Gött[ingen][,] 1936
Ord[entliches] Mitg[lied ] Berlin[,] Associate d[er ] R[oyal ] a[stronomical ]
Soc[iety][.]
[Ende der Version A ]
[Beginn der Version B: ]
Lebenslauf.
I. Familie: Meine Vorfahren väterlicherseits waren zum Anfang des 18. Jahrh[underts] in Treba (Harz) ansässig; meist waren es Handwerker, der Urgroßvater war Pastor. Mein Vater Otto Kopff (1848-1888) ist in Erfurt geboren
und ließ sich in Heidelberg als Flaschnermeister nieder. Meine Familie mütterlicherseits, Hartenstein, kann [man] bis in das 16. Jahrhundert zurück verfolgen, wo sie in Pforzheim (Baden) wohnhaft war. Meine Mutter Fr[iederike]
geb[orene] H[artenstein] (1852-1933) entstammt einem in Heidelberg ansässigen Zweig von Handwerkern. Verheiratet bin ich mit Marg[arethe] geb[orene]
Hormuth (geb[oren]1891), [gestrichen: deren Vorfahren [?] [?] Landwirtsfamilien[?] entstammen]. Meine beiden Söhne sind Otto (geb[oren] 1917) und Walter
(geb[oren] 1920).
II. Jugend. Geboren bin ich am 5. Febr[uar ] 1882 zu Heidelberg. Mein Vater
starb bereits 1888, gerade als ich zur Volksschule kam, u[nd] ich wuchs in der
Obhut meiner Mutter heran, die auf ihrer Hände Arbeit angewiesen war. Zwei
216
Vermutlich nur die Überschrift des Punktes VIII
186
Lehrer nahmen sich meiner frühe an: Reallehrer Riegel in H[eidelberg ] u[nd]
später ...
Schon bald wurde der Wunsch[,] Math[ematik und ] Naturwissenschaften zu
studieren[,] in mir wach, ohne das ich mich auf ein besonderes Fach festlegte.
[Unvollendeter Einschub: Von letzten hatte ich zuerst bes[ondere] Vorliebe]
Am meisten interessierte mich Botanik. Auch Literatur u[nd ] vor allem Musik.
Die letzten Jahre auch Astr[onomie] u[nd ] ich wurde mit dem H[eidelberger ]
Astr[onomen] M[ax ] Wolf bekannt[,] dem ich an dessen Privatsternw[arte] in
der Märzgasse helfen durfte.
III. 1900 Reifepr[üfung]
IV.
[Ende der Version B ]
10.28
Antrittsrede am 2. Juli 1936 von Kopff vor der
Akademie
Beschreibung: Sonderabdruck aus den Sitzungsberichten der Preuß[ischen] Akademie der Wissenschaften. Öffentliche Sitzung vom 2. Juli 1936. Ausgegeben
am 28. Juli 1936. Berlin, gedruckt in der Reichsdruckerei. 1 gefaltetes Blatt
(4 Seiten). 18,3 cm breit, 26,0 cm hoch. Scans im Supplement.
Inhalt:
(1) Antrittsrede des Herrn Kopff.
Kopff dankt für seine Wahl in die Akademie und schildert seinen bisherigen Lebensweg. Er geht auch auf die speziellen Aufgaben des Astronomischen
Rechen-Instituts ein.
(2) Erwiderung des Sekretars Herrn von Ficker.
Von Ficker heißt Kopff in der Akademie willkommen und schildert die bisherigen Tätigkeiten von Kopff. Er lobt dabei auch besonders das Lehrbuch
von Kopff zur Relativitätstheorie (1921, 1923). Er dankt Kopff dafür, daß er
(1933 ) den Ruf nach Heidelberg als Nachfolger von Max Wolf abgelehnt habe.
Zitiert in Kapitel 2.1 und 2.2.6 .
187
Kommentar: Der Meteorologe Heinrich von Ficker (1881-1957) war von 1932
bis 1937 (neben Max Planck) Sekretar der Physikalisch-mathematischen Klasse der Akademie. Sein Lob des Buches von Kopff zur Relativitätstheorie ist
angesichts der damaligen Zeitumstände bemerkenswert. Kopff hatte in seiner
Rede seine eigenen Arbeiten zur Relativitätstheorie nicht erwähnt.
10.29
Brief vom 21. August 1936 des Reichserziehungsministers an Kopff
Beschreibung: Originalbrief auf Kopfbogen. Erster Teil Durchschlag, zweiter
Teil direkte Maschinenschrift. 1 Blatt (2 Seiten). 21,1 cm breit, 29,7 cm hoch,
ungelocht. Empfänger: Kopff (Der erste Teil ging vermutlich auch an andere
Empfänger). Absender: Der Reichs- und Preußische Minister für Wissenschaft,
Erziehung und Volksbildung. Unterschrift: Im Auftrag gez. Vahlen. Beglaubigt:
Unleserliche Unterschrift. Verwaltungssekretär. Stempel des Ministeriums. Aktenzeichen des Ministeriums: W II a Nr. 1636. Brieftagebuch-Nr. des Instituts:
1556. Handschriftliche Zusätze in Bleistift (z.T. in rot) von Kopff. Scans im
Supplement.
Inhalt:
Der Reichserziehungsminister teilt im ersten Teil des Briefes mit, daß die
Zeitschrift Astronomische Nachrichten“ (AN) jetzt im Besitz des Preußischen
”
Staats sei. Die Astronomen sollten die AN daher besonders unterstützen. Die
Herausgabe der AN erfolgt (weiterhin) in Kiel.
Im zweiten Teil wird das Astronomische Rechen-Institut gebeten mitzuteilen, welche seiner Veröffentlichungen nicht in den AN erscheinen können, und
die entsprechenden Druckkosten anzugeben.
Zitiert und kommentiert in Kapitel 3.4 .
Kommentar: Der auf Seite 2 oben rechts schwer lesbare Textteil lautet: ... in
”
Kiel ist bereits an die Universität Breslau verlagert. Ich beabsichtige[,] an die
Universität in Kiel unter Berück[-]sichtigung ...“. Der unterzeichnende Mathematiker Theodor Vahlen (1869-1945) leitete damals als Ministerialdirektor das
Amt für Wissenschaft im Reichserziehungsministerium. Ab Oktober 1938 wurden die AN nicht mehr in Kiel, sondern vom Astronomischen Rechen-Institut
in Berlin-Dahlem herausgegeben.
188
10.30
Brief vom 29. August 1936 von Kopff an den
Reichserziehungsminister
Beschreibung: Durchschlag. 4 Blätter (4 Seiten). 21,1 cm breit, 29,8 cm hoch,
ungelocht. Empfänger: Reichserziehungsminister. Absender: Kopff. Brieftagebuch-Nr. 1556 zu W II a Nr. 1636. Scans im Supplement.
Inhalt: Kopff beantwortet ausführlich die Anfrage des Reichserziehungsministeriums zum Problem der Institutsveröffentlichungen und der Druckkosten.
Kopff beantragt eine Erhöhung des entsprechenden Etat-Titels des Instituts
(einschließlich Bibliotheksmittel) auf RM 16 000. Zitiert und kommentiert in
Kapitel 3.4 .
10.31
Brief vom 19. November 1936 von Kopff an den
Reichserziehungsminister
Beschreibung: Durchschlag. 5 Blätter (5 Seiten). 21,0 cm breit, 29,8 cm hoch,
ungelocht. Empfänger: Reichserziehungsminister über den Universitätskurator.
Absender: Kopff. Brieftagebuch-Nr. 1603. Scans im Supplement.
Inhalt: Kopff erklärt, daß sich das Astronomische Rechen-Institut in einer ern”
sten Krise [befindet], aus der nach irgendeiner Richtung hin ein Ausweg gefunden werden muss, wenn das Institut weiterhin arbeitsfähig bleiben soll.“ Kopff
weist auf zwei Hauptprobleme des Instituts hin: den zu geringen DruckkostenEtat und den nicht ausreichenden Personalbestand. Er begründet dies detailliert und zeigt Lösungsmöglichkeiten auf. Zitiert und ausführlich kommentiert
in Kapitel 2.4 .
10.32
Zeitungsartikel vom 11. Juli 1937 im Völkischen
Beobachter
Beschreibung: Aufgeklebter Zeitungsausschnitt. 1 Trägerblatt: DIN A4, gelocht.
Zeitungsausschnitt aus zwei Teilen zusammengesetzt; steht rechts ca. 8 mm
über. Titel des Zeitungsartikels: Planetenüberwachung mit der Federspitze.
”
Das Haus der Zahlen. Ein Gang durch das Astronomische Recheninstitut in
Dahlem.“. Eine Abbildung im Artikel. Verfasser: Erich Krug. Sehr geringer,
völlig unbedeutender Textverlust durch Verstärkungsringe an der Lochung.
Scan im Supplement.
189
Inhalt: Beschreibung des Astronomischen Rechen-Instituts und seiner Arbeit.
Zitiert und ausführlich kommentiert in Kapitel 2.2.7 .
Kommentar: Der Zeitungsausschnitt trägt kein Datum und keine Quellenangabe. Wir konnten aber ermitteln, daß der Artikel im Völkischen Beobachter,
Berliner Ausgabe, Ausgabe A, 50. Jahrgang, Nr. 192, Beiblatt Berliner Beobachter, vom 11. Juli 1937, Seite 15, erschienen ist (siehe entsprechende Fußnote
in Kapitel 2.2.7).
10.33
Brief vom 16. Dezember 1937 von AkademieMitgliedern an den Reichserziehungsminister
Beschreibung: Durchschlag. 4 Blätter (4 Seiten). 21,0 cm breit, 29,8 cm hoch,
ungelocht. Empfänger: Reichserziehungsminister. Absender: Mitglieder der
Preußischen Akademie der Wissenschaften zu Berlin. Unterschriften fehlen.
Auf der ersten Seite des Durchschlags hat Kopff mit rotem Bleistift vermerkt:
Schreiben der Ak[ademie-]Mitgl[ieder]“. Scans im Supplement.
”
Inhalt: Die unterzeichnenden Mitglieder der Preußischen Akademie der Wissenschaften machen den Reichserziehungsminister auf die schwere Notlage eines
”
wichtigen astronomischen Forschungsgebietes“ aufmerksam, nämlich der Arbeiten an den Kleinen Planeten. Konkret wird eine Erhöhung des DruckkostenEtats des Astronomischen Rechen-Instituts um jährlich 3000 RM erbeten. Zitiert und kommentiert in Kapitel 2.4 .
Kommentar: Wir wissen nicht, welche Akademie-Mitglieder den Brief unterschrieben haben. Kopff war sicher der Initiator und einer der Unterzeichner,
denn er war seit 1936 auch Akademie-Mitglied und der Brief trägt die Ortsangabe Berlin-Dahlem“. Als weitere Unterzeichner kommen die Astronomen
”
Hans Ludendorff (1873-1941, Akademie-Mitglied seit 1922) und Paul Guthnick
(1879-1947, Akademie-Mitglied seit 1923) in Frage. Von Guthnick befindet sich
ein Änderungsvorschlag zu einem Entwurf des Briefes im Institutsarchiv.
10.34
Zeitschriftenartikel vom 20. Februar 1938
in der Zeitschrift Volksfunk
Beschreibung: Heft einer Zeitschrift. Geheftet. 23,3 cm breit, 32,0 cm hoch, ungelocht. Rundfunkzeitschrift: Volksfunk. Rundfunk und Bewegung“. Berlin,
”
20. Februar 1938. Woche vom 20. bis 26. Februar 1938. 8. Folge / 8. Jahrgang. Schwarz-weiße Abbildungen, überwiegend Photos. Titelblatt mit rotem
Rahmen. Artikel über das Astronomische Rechen-Institut auf der 5. Seite des
190
Hefts. Titel: Zentralstelle für kleine Planeten“. Mit 4 Photos. Kein Autor.
”
Aufnahmen: Bittner. Scans im Supplement: Titelblatt und Artikel über das
Astronomische Rechen-Institut.
Inhalt: Heft: diverse Artikel. Rundfunkprogramm der Woche von Sonntag,
20.2.38 bis Samstag, 26.2.38 für zahlreiche Sender auf 3 Seiten pro Tag. Artikel
auf der 5. Seite: Beschreibung des Astronomischen Rechen-Instituts und seiner
Arbeit. Zitiert und ausführlich kommentiert in Kapitel 2.2.7 .
10.35
Personalaufstellung von August oder September
1938
Beschreibung: Durchschlag einer Liste. 1 Blatt (1 Seite). DIN A4 quer, ungelocht. Empfänger: unbekannt. Absender: Astronomisches Rechen-Institut.
Brieftagebuch-Nr. 1874. Kein Datum angegeben. Scan im Supplement.
Inhalt: Die Liste führt 12 männliche Personen auf, die am Institut beschäftigt
sind (beginnend mit dem Direktor und endend mit den Hilfsrechnern). Angegeben wird bei jeder Person, ob sie einen Gestellungsbefehl erhalten hat und,
wenn ja, für welchen Tag. In einer Zusatzbemerkung wird darauf hingewiesen,
daß die Berechnung des Berliner Astronomischen Jahrbuchs zu den lebens”
notwendigen Aufgaben des Staates“ gehört und unbedingt aufrechterhalten
werden muß. Es wird auf entsprechende Befreiungsanträge verwiesen. Zitiert
und kommentiert in Kapitel 3.5 .
Kommentar: Die Liste wurde vermutlich mit einem Begleitbrief an eine uns
unbekannte Stelle (vermutlich Universitätskurator, eventuell aber auch eine
militärische Stelle) geschickt. Der Zeitpunkt der Absendung der Liste kann
anhand der Brieftagebuch-Nummer auf August oder September 1938 eingegrenzt werden, also noch deutlich vor Beginn des Zweiten Weltkrieges.
10.36
Betriebsluftschutzplan von ca. Dezember 1938
Beschreibung:
Der Betriebsluftschutzplan für das Dahlemer Institutsgebäude in der
Altensteinstr. 40 besteht aus:
(1) dem eigentlichen Betriebsluftschutzplan (Bericht bzw. Aufstellung) und
zwei Anlagen;
(2) einer Liste der aktiven Gefolgschaftsmitglieder;
(3) einem Lageplan.
191
Format: DIN A4, Liste (2) und Plan (3) im Querformat, ungelocht. Der
Plan (3) ist eine sorgfältige Handzeichnung mit farbigen Einträgen.
Scans im Supplement.
Inhalt:
(1) Der eigentliche Betriebsluftschutzplan enthält 5 Punkte (a-e). In a) wird
auf die beigefügte Liste (2) verwiesen, in e) auf den beigefügten Plan für Geräte
und Abstellhähne. In b) werden die vorhandenen Luftschutzgeräte aufgelistet.
In c) wird mitgeteilt, daß sich normalerweise keine betriebsfremden Personen
im Gebäude aufhalten. In d) wird darauf hingewiesen, daß keine Schutzräume
vorhanden sind und auch nicht ausgebaut werden können (Dies änderte sich
aber später).
(2) Die Liste der aktiven Gefolgschaftsmitglieder (Stand vom 1. Dezember
1938) enthält 15 Personen, die im Institut beschäftigt sind (aber dort nicht
wohnen), und 7 Personen, die im Gebäude wohnen. 8 von diesen Personen
sind markiert mit dem Hinweis, daß sie voraussichtlich im Kriegsfall nicht
”
eingezogen“ werden. Kopff ist Luftschutz-Hauswart“ und Hiller Hausfeuer”
”
wehrmann“.
(3) Der Plan zeigt die Lage von Luftschutzgeräten, von Absperrhähnen für
Gas und Wasser, und anderer, für den Luftschutz und die Brandbekämpfung
wichtiger Gegenstände (Hydranten, Schlauch, Wassereimer, Sandkasten).
Zitiert und ausführlich kommentiert in Kapitel 9.1 .
Kommentar: Der Betriebsluftschutzplan ist vermutlich Ende 1938 aufgestellt
worden (Personalstand vom 1. Dezember 1938, aber der Zweite Weltkrieg ist
noch nicht ausgebrochen). Der Begriff Gefolgschaft“ wurde im Dritten Reich
”
für die Belegschaft eines Betriebes oder einer sonstigen Einrichtung benutzt.
Der Plan (3) enthält den einzigen Grundriß des Gebäudes, den wir kennen
(siehe Fig. 16).
10.37
Antrag vom 8. Mai 1939
von Kopff an den Reichserziehungsminister
Beschreibung: Originalschreiben auf Kopfbogen des Instituts. Tgb.-Nr. 2018.
2 Blatt (4 Seiten), DIN A4, ungelocht. Empfänger: Reichserziehungsminister
über Universitätskurator. Absender: Kopff. Eingangsvermerk des Universitätskurators vom 9. Mai 1939. Scans im Supplement.
192
Inhalt: Kopff beantragt die Schaffung einer neuen Stelle eines Amtsgehilfen
am Institut. Anlaß ist, daß Hiller (siehe Kapitel 12) im Frühjahr 1940 die
Altersgrenze von 65 Jahren erreicht. Hiller hatte bisher neben seiner Tätigkeit
als Rechner auch teilweise die Aufgaben eines Hausmeisters übernommen. Der
neue Amtsgehilfe soll sich neben seiner Hausmeistertätigkeit auch vor allem
”
an einfachen Rechenarbeiten beteiligen“. Zitiert in Kapitel 3.5 .
Kommentar: Wir geben diesen Antrag vor allem deswegen als Scan im Supplement wieder, weil es sich um eines der wenigen Schriftstücke von Kopff handelt,
die uns nicht als Durchschlag, sondern in der Originalfassung (als abgehender
Brief) vorliegen. Ursache dafür ist, daß der Universitätskurator das Original
an Kopff zurückgegeben hat, damit Kopff eine neue Fassung des Antrags einreichen konnte (siehe den folgenden Antrag vom 25. Mai 1939 ∗ ).
10.38
Antrag vom 25. Mai 1939
von Kopff an den Reichserziehungsminister
Beschreibung: Durchschläge ohne Unterschrift. Zu Tgb.-Nr. 2018. (a) Begleitschreiben: 1 Blatt (1 Seite), DIN A5, ungelocht. Empfänger: Universitätskurator. Absender: Kopff. (b) Antrag: 4 Blatt (7 Seiten), DIN A4, ungelocht.
Empfänger: Reichserziehungsminister über Universitätskurator. Absender:
Kopff. Handschriftlicher Vermerk: Letzte Fassung“. Ablagehinweis: 11 .
”
Inhalt: Sachlich weitgehend identisch mit dem Antrag vom 8. Mai 1939 ∗∗ . Es
wird hier nur klargestellt, daß es sich um eine neue Beamtenstelle handeln soll.
Kommentar: Auf das Schreiben Kopffs vom 8. Mai 1939 ∗∗ hatte der Universitätskurator mit Schreiben vom 16. Mai 1939 geantwortet, daß er die Um”
wandlung der freiwerdenden Angestelltenstelle in eine Amtsgehilfenstelle der
Besoldungsgruppe A 10 b zum Staatshaushalt 1940 beantragen werde.“. Das
war ein Mißverständnis. Kopff wollte eine neue Stelle und keine Umwandlung (d.h. Verlust) einer Angestelltenstelle. Die neue Version des Antrags vom
25. Mai 1939 ∗ stellt dies klar.
10.39
Brief vom 28. November 1940
des U.S. Naval Observatory an Kopff
Beschreibung: Originalbrief auf Kopfbogen. Text aber Durchschlag, weil der
Brief an insgesamt drei Empfänger gerichtet wurde. 1 Blatt (1 Seite). Auf der
Rückseite des Briefes der mit blauem Bleistift geschriebene, handschriftliche
Entwurf der Antwort von Kopff. 20,3 cm breit, 26,8 cm hoch, mit Doppello193
chung. Empfänger: (1) H. Spencer-Jones, Royal Observatory, Greenwich, London, England; (2) A. Kopff, Astronomisches Rechen-Institut, Berlin-Dahlem,
Germany; (3) G. Fayet, Redacteur de la Connaissance des Temps, Paris, France. Absender: Navy Department, U.S. Naval Observatory, Washington, D.C.
Unterschrift: J. F. Hellweg, Captain, U.S.N., Superintendent. Aktenzeichen:
EN23/H5(13)(367). Scan im Supplement.
Anlagen zum Brief: Im Aktenordner des Instituts befinden sich hinter dem
Brief 8 Blätter (8 Seiten) in gleichem Format wie der Brief. Es handelt sich
um Durchschläge. Vermutlich waren es Anlagen zum hier vorgestellten Brief.
Wir werden diese Anlagen in einer anderen Arbeit (Wielen R. und Wielen U.
(in Vorbereitung)) besprechen.
Inhalt: Das U.S. Naval Observatory ist bereit, als Austauschstelle zwischen
den verschiedenen Ephemeriden-Instituten in Washington, London, Berlin und
Paris zu fungieren. Es erläutert die vorgesehenen Regeln für den Austausch
des Materials. Eine Kopie des Briefes wird auch an die jeweilige Regierung
geschickt. Zitiert in Kapitel 3.5 .
Eingangsvermerk von Kopff:
Eing[ang] 1941 März 4. Beant[wortet] März 15, siehe Rückseite.“
”
Kopffs Entwurf einer Antwort auf der Rückseite:
Received. It is not possible for me to give you an answer,
”
because it is necessary to ask my government.“.
Wegen der Kürze der Antwort könnte es sich auch um den Text für ein
Telegramm nach Washington handeln. Ein solches hätte der Marine-Attaché
der amerikanischen Botschaft in Berlin an das Naval Observatory übermitteln
können.
Kommentar: Der Brief stammt noch aus der Zeit vor dem Eintritt der USA
in den Zweiten Weltkrieg (Dezember 1941). Mit Frankreich hatte Deutschland
am 22. Juni 1940 einen Waffenstillstand geschlossen. Mit England bestand
Kriegszustand. Der Brief hat Kopff mit einer Verzögerung von über 3 Monaten
erreicht.
10.40
Brief vom 2. Januar 1941 von Kopff an den Reichserziehungsminister
Beschreibung: Durchschlag. 2 Blätter (2 Seiten). DIN A4, ungelocht. Empfänger:
Reichserziehungsminister über den Universitätskurator. Absender: Kopff. Brieftagebuch-Nr. 2338 (zu UK II 560/40 vom 3.12.1940). Scans im Supplement.
194
Inhalt: Kopff bittet, die Herausgabe der Zeitschrift Astronomische Nachrich”
ten“ vollständig in den Gesamtrahmen des Astronomischen Rechen-Instituts
einzuordnen. Zitiert und ausführlich kommentiert in Kapitel 3.4 .
10.41
Brief vom 19. Februar 1941 des Universitätskurators an Kopff
Beschreibung: Brief auf Kopfbogen. 1 Blatt (1 Seite). DIN A4, ungelocht. Empfänger: Kopff. Brieftagebuch Nr. 2365. Absender: Universitätskurator. Unterschrift: Büchsel. Aktenzeichen: U.-K. II 559/41 vom 14.2.1941. Scan im
Supplement.
Inhalt: Der Universitätskurator übersendet Kopff in Abschrift ein Schreiben
des Reichserziehungsministers vom 14. Februar 1941 (WB Nr. 180). Im Schreiben des Ministers werden dem Universitätskurator in Abschrift zwei Schreiben
des Oberkommandos der Kriegsmarine (OKM) zugeleitet: Brief vom 31. Januar 1941 (B. 780/41 - A/H W IV) und Niederschrift der Besprechung zwischen
Kopff und dem Chef der Nautisch-wissenschaftlichen Abteilung beim OKM.
Die Angelegenheit betrifft die Zukünftige Berechnung der Mondephemeriden
”
für das Berliner Jahrbuch und für Zwecke der Kriegsmarine“. Kopff wird gebeten, dem Kurator einen Bericht hierzu vorzulegen. Zitiert und kommentiert
in Kapitel 4 .
10.42
Brief vom 27. März 1941
des Universitätskurators an Kopff
Beschreibung: Brief auf Kopfbogen. 1 Blatt (1 Seite). DIN A4, ungelocht. Empfänger: Kopff. Absender: Universitätskurator. Unterschrift: Büchsel. Aktenzeichen: U.-K. II 559/41. Scan im Supplement.
Inhalt: Der Universitätskurator erinnert Kopff an den im Schreiben des Kurators vom 19. Februar 1941 ∗∗ erbetenen Bericht. Zitiert in Kapitel 4 .
Kommentar: Anstelle des erbetenen Berichts hat Kopff offensichtlich den folgenden Antrag vom 28. März 1941 ∗∗ an den Reichserziehungsminister über
den Universitätskurator gestellt.
195
10.43
Antrag vom 28. März 1941
von Kopff an den Reichserziehungsminister
Beschreibung:
Der gesamte Antrag besteht aus zwei wesentlichen Teilen: (A) Begleitbrief,
(B) eigentlicher Antrag.
(A) Begleitbrief:
Duplikat auf Kopfbogen. Text als Durchschlag. 3 Blätter (6 Seiten). DIN A4,
ungelocht. Empfänger: Reichserziehungsminister über den Universitätskurator. Absender: Coppernicus-Institut, (Astronomisches Rechen-Institut). Unterschrift: Kopff. Brieftagebuch-Nr. 2376 (zu UK II 559/41 vom 14.2.1941).
Scans im Supplement.
(B) Eigentlicher Antrag:
Duplikat auf Kopfbogen. Text als Durchschlag. Titel: Antrag auf den Aus”
bau des Coppernicus-Instituts.“. 5 Blätter (10 Seiten). DIN A4, ungelocht.
Empfänger: Reichserziehungsminister über den Universitätskurator. Absender:
Coppernicus-Institut, (Astronomisches Rechen-Institut). Unterschrift: Kopff.
Anlage zu Brieftagebuch-Nr. 2376. Scans im Supplement.
Inhalt: Kopff beantragt den Ausbau des Coppernicus-Instituts und begründet
den Antrag detailliert. Zitiert und ausführlich kommentiert in Kapitel 3.5 .
Weitere zitierte Anlagen: Im Text des Begleitbriefs werden neben dem eigentlichen Antrag (B) zwei weitere Anlagen zitiert: (1) Schreiben des Oberkommandos der Kriegsmarine vom 31. Januar 1941. Dieser Brief liegt uns nicht
vor. (2) Schreiben vom 28. November 1941 ∗∗ des Naval Observatory an Kopff
(siehe Eintrag oben unter diesem Datum).
10.44
Ergänzung vom 13. Mai 1941 zum Antrag von
Kopff an den Reichserziehungsminister
Beschreibung:
Der gesamte Ergänzungsantrag besteht aus zwei wesentlichen Teilen:
(A) Begleitbrief, (B) eigentlicher Ergänzungsantrag.
(A) Begleitbrief:
Durchschlag. 1 Blatt (1 Seite). DIN A5, ungelocht. Empfänger: Reichserziehungsminister über den Universitätskurator. Absender: Coppernicus-Institut,
196
(Astronomisches Rechen-Institut). Brieftagebuch-Nr. 2376a (zu UK II 559/41
vom 14.2.1941). Scan im Supplement.
(B) Eigentlicher Ergänzungantrag:
Duplikat auf Kopfbogen. Text als Durchschlag. Titel: Zusatz zu dem Antrag
”
auf Ausbau des Coppernicus-Instituts.“. 1 Blatt (2 Seiten). DIN A4, ungelocht.
Empfänger: Reichserziehungsminister über den Universitätskurator. Absender:
Coppernicus-Institut, (Astronomisches Rechen-Institut). Anlage zu Brieftagebuch-Nr. 2376a. Scans im Supplement.
Inhalt: Kopff ergänzt seinen Antrag vom 28. März 1941 ∗∗ auf Ausbau des
Coppernicus-Instituts und begründet den Ergänzungsantrag. Zitiert und ausführlich kommentiert in Kapitel 3.5 .
10.45
Lebenslauf von J. Steinmetz vom 15. Dezember
1941
Beschreibung: Maschinenschriftlicher Lebenslauf. Als Briefkopf ein Stempel.
1 Blatt (1 Seite). DIN A4, mit Doppellochung. Empfänger: nicht angegeben,
aber offensichtlich: Kopff. Absender: Stempel: Julius Steinmetz, Pfarrer,
(Peesten) Post Kasendorf / Oberfranken. Unterschrift: Julius Steinmetz. Scan
im Supplement.
Inhalt: Julius Steinmetz (Geburtsname: Cohen; siehe Kapitel 12) beschreibt in
diesem Lebenslauf hauptsächlich seine astronomischen Arbeiten. Er berichtet,
daß er seit 1923 in Verbindung mit dem Astronomischen Rechen-Institut steht
und sich seither an den Rechenarbeiten für Kleine Planeten beteiligt hat. Die
Anerkennung dieser Arbeiten durch das Institut bereite ihm innere Befriedigung. Er möchte noch lange und intensiv auf dem Gebiet der Kleinen Planeten
mitarbeiten. Er schätzt, daß er zur Zeit etwa 150 Stunden pro Monat dafür
verwenden könnte. Auf seine Versetzung in den Ruhestand als Pfarrer 1938/39
und dessen Gründe geht er nicht ein. Siehe dazu Töllner (2007). Zitiert und
kommentiert in Kapitel 12 (Steinmetz).
Kommentar: Steinmetz war bis Ende 1938 Pfarrer in Peesten. Nachdem er
in den Ruhestand versetzt worden war, wohnte er bis Herbst 1945 weiterhin
im Pfarrhaus von Peesten. Peesten ist heute ein Orteil von Kasendorf, einem
Markt im bayerischen Landkreis Kulmbach (Regierungsbezirk Oberfranken).
Im Jahr 1942 erhielt Steinmetz für seine Arbeiten an den Kleinen Planeten
vom Institut ein Honorar von monatlich 60,- RM (laut Schreiben des Instituts
an ihn vom 24. August 1942).
197
10.46
Zeitungsartikel vom 5. Februar 1942 in der B.Z.
Beschreibung: Zeitungsartikel aus der B.Z. Xerographische Kopie. 1 Blatt
(1 Seite). DIN A4 quer, ungelocht. Titel des Artikels: Wie Sterne entdeckt
werden. Untertitel des Artikels: B.Z.“-Besuch beim 60jährigen Berliner Astro”
nomen Professor Kopff. Verfasser des Artikels: Enskat. Oben auf der Kopie
handschriftlicher Vermerk: B.Z.“ vom 5. 2. 1942. Scan im Supplement.
”
Inhalt: Interview mit Kopff anläßlich seines 60. Geburtstags. Die Themen befassen sich weniger mit den gegenwärtigen Aufgaben von Kopff, sondern der
Interviewer konzentriert sich mehr auf die Arbeiten von Kopff während seiner
ersten Heidelberger Zeit (bis 1924), in der Kopff eine Reihe Kleiner Planeten und zwei Kometen entdeckt hatte. Zum Lebenslauf von Kopff siehe auch
Kapitel 11.11. Zitiert in Kapitel 2.2.7 .
Kommentar:
Die moderne Kopie befindet sich im Archiv des Astronomischen RechenInstituts. Wir konnten nicht klären, woher sie stammt. Wir vermuten, daß sich
das als Vorlage benutzte Original im Besitz der Familie Kopff oder von Frau
Nowacki befand.
Bei der Zeitung handelt es sich wohl um die B.Z. am Mittag“, die ab
”
1904 sieben mal wöchentlich im Verlagshaus Ullstein in Berlin jeweils zur
Mittagszeit erschien und im Straßenverkauf vertrieben wurde. B.Z.“ war die
”
Abkürzung für Berliner Zeitung“. Die Kopie zeigt keine Seitenangabe der
”
Zeitungsseite.
Den Autor des Artikels konnten wir nicht eindeutig identifizieren. Im Berliner Adressbuch für 1942 werden ein Schriftsteller Artur Enskat und ohne Berufsangabe ein Dr. Alfred Enskat aufgelistet. Fritz Enskat (1898-1971)
veröffentlichte u.a. 1942 in Berlin den technisch-phantastischen Zukunftsroman
Weltraumschiff Unimos“.
”
10.47
Brief vom 23. März 1942 von Musen an Kopff
Beschreibung: Handschriftlicher Brief. Blaue Tinte. 1 Bogen (2 Text-Seiten,
2 Leer-Seiten), 17,7 cm breit, 23,6 cm hoch, mit Doppellochung. Absender:
Musen (Belgrad). Empfänger: Kopff.
Inhalt: Musen (siehe Kapitel 11.15) bewirbt sich um eine Stelle als Wissenschaftler am Astronomischen Rechen-Institut und schildert seine Ausbildung
und seine bisherige Tätigkeit an der Belgrader Sternwarte.
198
Kommentar: Die Belgrader Sternwarte hat das Astronomische Rechen-Institut
bei Rechnungen für Kleine Planeten unterstützt. Darüber liegt im Archiv des
Instituts ein Schriftwechsel aus dem Jahr 1942 vor. Musen war in Belgrad auf
dem Gebiet der Himmelsmechanik und der Ephemeridenberechnung tätig.
Wie der unten folgende Textauszug zeigt, hat sich Musen selbst um eine
Tätigkeit in Berlin beworben. Die Darstellung von Herget, daß Musen eine Art
von captive civilian“ war, ist also nicht zutreffend.
”
Textauszug:
[Seite 1 des Bogens:]
...
Mit diesem Schreiben, sehr geehrter Herr Direktor, möchte ich Sie bitten
mich, wenn es angeht, in Ihr Recheninstitut als Mitarbeiter aufzunehmen.
[Seite 3 des Bogens, Seite 2 des Briefes:]
Die Lage hier ist, besonders für uns, russische Emigranten, schwer. Aus
diesem Grunde möchte ich mit meiner Frau und meinem kleinen Bub so bald
als möglich von hier fort.
...
mit vorzüglicher
Hochachtung
Peter Musen, astr. der Belgr. Sternwarte
P.S. Ich befinde mich noch in Ungekündigter Stellung und bitte Sie sehr,
Ihre Rückäusserung mir an die Adresse meiner Mutter, Frau N. Musen, ...,
Belgrad, Serbien, zukommen lassen zu wollen.
10.48
Brief vom 9. April 1942 des Universitätskurators
an Kopff
Beschreibung: Brief auf Kopfbogen. 1 Blatt (1 Seite). DIN A4, ungelocht. Empfänger: Kopff. Brieftagebuch Nr. 2376. Absender: Universitätskurator. Unterschrift: gez. Dr. Büchsel. Beglaubigt: Münchow, Kanzleiangestellte. Aktenzeichen: U.-K. IV 5607/42, 28.3 . Scan im Supplement.
199
Inhalt: Der Universitätskurator teilt mit, daß der Reichserziehungsminister
durch Erlaß vom 28. März 1942 zum Staatshaushalt 1942 eine Reihe von Stellen für das Institut bewilligt habe: 6 wissenschaftliche Angestellte, 2 technische
Angestellte, 5 Büroangestellte. Auf dem Originalbrief befinden sich zahlreiche
handschriftliche Notizen (mit Bleistift) von Kopff zur Stellensituation des Instituts. Zitiert und kommentiert in Kapitel 3.5 .
10.49
Brief vom 7. Mai 1942 von Kopff an den Universitätskurator
Beschreibung: Durchschlag. 1 Blatt (1 Seite). DIN A5, mit Doppellochung.
Empfänger: Universitäts-Kurator (zu UK VII B 286/42). Absender: Kopff
(Brieftagebuch-Nr. 2593). Scan im Supplement.
Inhalt: Kopff meldet, daß für die Tagbelegschaft des Instituts im Garten ein
Schutzraum von hinreichender Größe errichtet wurde. Die Nachtbelegschaft
soll sich im Hausgang im Erdgeschoß aufhalten. Zum besseren Splitterschutz
beantragt er die Errichtung von zwei Backsteinmauern außen. Zitiert und kommentiert in Kapitel 9.2 .
10.50
Brief vom 24. Juli 1942 des Universitätskurators
an Kopff
Beschreibung: Brief auf Kopfbogen. 1 Blatt (1 Seite). DIN A4, ungelocht. Empfänger: Kopff. Brieftagebuch Nr. 2376. Absender: Universitätskurator. Unterschrift: Im Auftrage L[Rest der Unterschrift unleserlich]. Aktenzeichen: U.-K.
II 559/42, 26.3. . Scan im Supplement.
Inhalt: Der Universitätskurator teilt mit, daß der Reichserziehungsminister
durch Erlaß vom 26. März 1942 mitgeteilt habe, daß in Aussicht genommen sei,
in den Staatshaushaltsplan für 1942 eine Reihe neuer Beamtenstellen für das
Institut einzustellen: 2 Hauptobservatoren, 2 Observatoren, 1 Hausmeister. Inzwischen sei der Staatshaushalt für 1942 genehmigt worden. Der Kurator bittet
daher Kopff um die Vorlage von Vorschlägen für die Besetzung dieser Stellen.
Auf dem Originalbrief hat Kopff mit grünem Bleistift vermerkt: Eingereicht:
Obs[ervatoren:] Rabe, Baehr; Hauptobs[ervatoren:] Stracke, Kohl. Zitiert und
kommentiert in Kapitel 3.5 .
200
10.51
Brief vom 20. Oktober 1942 von Kopff an das
Oberkommando des Heeres
Beschreibung: Durchschlag. 2 Blätter (2 Seiten). DIN A4, mit Doppellochung.
Empfänger: Oberkommando des Heeres, AHA In 4 AV III c, Berlin. Absender:
Kopff. Tagebuch-Nr. 2694. Scans im Supplement.
Inhalt: Kopff erläutert die ihm bisher vorliegenden Bestellungen der Wehrmacht für die Jahrgänge 1943 und 1944 des Berliner Astronomischen Jahrbuchs (BAJ). Teilweise sind Nachdrucke erforderlich, für die zusätzliche Papierbewilligungen (mittels Wehrmachtspapierscheck) notwendig sind. Für den
Jahrgang 1945 des BAJ regt Kopff eine gekürzte Ausgabe des BAJ speziell für
die Wehrmacht an. Zitiert und kommentiert in Kapitel 4 .
10.52
Brief vom 26. Oktober 1942 des Oberkommandos
des Heeres an Kopff
Beschreibung: Brief auf Kopfbogen. 1 Blatt (1 Seite). DIN A4, mit Doppellochung. Empfänger: Coppernicus-Institut. Tagebuch-Nr. 2694. Kopie an: RdL
und ObdL, Ag III 14, Berlin. Absender: Oberkommando des Heeres, Der Chef
der Heeresrüstung und Befehlshaber des Ersatzheeres, 45 c Jn 4 (AV III c),
Berlin. Unterschrift: I.A. K. Rohr[?]. Scan im Supplement.
Inhalt: Das Oberkommando des Heeres (OKH) hält die Papierbeschaffung für
das Berliner Astronomische Jahrbuchs (BAJ) aufgrund seiner Rücksprache mit
der Druckerei für gelöst. Es teilt mit, daß sich die Luftwaffe hinsichtlich der
gekürzten Auflagen des BAJ den Wünschen des OKH anschließt. Das OKH
nennt die gewünschten Seiten für die gekürzte Ausgabe des BAJ. Die Auflagenhöhe des gekürzten BAJ soll voraussichtlich 350 Stück betragen. Auf dem
Brief und dessen Rückseite befinden sich zahlreiche handschriftliche Notizen
von Kopff. Zitiert und kommentiert in Kapitel 4 .
10.53
Brief vom 30. Oktober 1942 von Kopff an das
Oberkommando des Heeres
Beschreibung: Durchschlag. 2 Blätter (2 Seiten). DIN A4, mit Doppellochung.
Empfänger: Oberkommando des Heeres, AHA In 4 AV III c, Berlin. Kopie
an: Preußische Verlags- und Druckerei-A.G. Absender: Kopff. Tagebuch-Nr.
2694 a. Scans im Supplement.
201
Inhalt: Kopff bittet die Wehrmacht nochmals, der Druckerei einen Wehrmachtspapierscheck auszustellen, da eine normale Papierbestellung seitens der Druckerei erfahrungsgemäß den Druck um viele Wochen verzögern würde. Er habe
deswegen einen Vorgriff auf Papier für den Jahrgang 1945 tätigen müssen, der
aber wieder auszugleichen sei. Die Bestellung der Wehrmacht für die gekürzte Ausgabe des Berliner Astronomischen Jahrbuchs für den Jahrgang 1945
bestätigt Kopff. Zitiert und kommentiert in Kapitel 4 .
10.54
Brief vom 3. November 1942
von Kopff an den Universitätskurator
Beschreibung: Durchschlag. 1 Blatt (1 Seite). DIN A5, mit Doppellochung.
Empfänger: Universitäts-Kurator (zu UK VII B 286/42 vom 28. 8. und 9. 10.
[1942 ]). Absender: Kopff (Brieftagebuch-Nr. 2709). Scan im Supplement.
Inhalt: Kopff bittet um Maßnahmen zum Luftschutz: um Erweiterung des gemauerten Schranks im 1. Stock und (erneut) um zwei Backsteinmauern außen.
Zitiert und kommentiert in Kapitel 9.2 .
10.55
Anweisung vom März 1943 wegen Luftschutz in
Berlin
Beschreibung: Anweisung bzw. Merkblatt. Gedruckt. Titel: Stete Luftschutzbereitschaft - eine nationale Pflicht ! 1 Blatt (2 Seiten). DIN A4, mit Doppellochung. Absender: Der Reichsverteidigungskommissar für den Reichsverteidigungsbezirk Berlin, Reichsminister Dr. Goebbels. Scans im Supplement.
Inhalt: Anweisung für den Luftschutz in Berlin mit 13 Bestimmungen. Zu Kapitel 9.2 .
10.56
Brief vom 3. März 1943
von Kopff an P. ten Bruggencate
Beschreibung: Durchschlag. 1 Blatt (1 Seite). DIN A4, mit Doppellochung.
Empfänger: Prof. Dr. P. ten Bruggencate, Univ.-Sternwarte Göttingen. Absender: Kopff. Scan im Supplement.
Inhalt: Kopff hat mit einigen Kollegen über die Frage der Jahresberichte der
Institute in der Vierteljahrsschrift der Astronomischen Gesellschaft (AG) ge202
sprochen. Das Resultat ist: Die AG kann den Sternwarten nicht verbieten, Jahresberichte abzufassen. Allerdings wird verlangt, daß jeder Hinweis auf kriegswichtige Arbeiten streng unterbleibt. Den Sternwarten wird freigestellt, ob
ein Bericht über die übrigen Arbeiten gegeben wird. Wegen der Papierknappheit soll der Bericht möglichst kurz gefaßt werden. Die englischen Sternwarten
hätten in einem üblichen Jahresheft der Monthly Notices sämtliche Sternwartenberichte publiziert. Zitiert und kommentiert in Kapitel 4.
Kommentar: Kopff war von 1939 bis 1945 Vorsitzender der Astronomischen
Gesellschaft (AG); Paul ten Bruggencate (1901-1961) war von 1937 bis 1945
eines der weiteren Vorstandsmitglieder der AG. Der Brief bezieht sich daher
offensichtlich auf einen Meinungsaustausch im Vorstand der AG.
10.57
Brief vom 19. Mai 1943 von Kopff an den Universitätskurator
Beschreibung: Durchschlag. 1 Blatt (1 Seite). DIN A4, mit Doppellochung.
Empfänger: Universitäts-Kurator. Absender: Kopff (Brieftagebuch-Nr. 2816).
Scan im Supplement.
Inhalt: Kopff bittet den Kurator, die folgenden Anträge an die Preußische
Bau- und Finanzverwaltung weiterzuleiten: 1) Wegen der starken Erhöhung
des Personalstands des Instituts beabsichtigt Kopff, zwei Wohnräume seiner
Dienstwohnung in Arbeitsräume für das Institut umzuwandeln. Er beschreibt
die dazu notwendigen Umbaumaßnahmen. 2) Kopff weist darauf hin, daß der
als Feuerhydrant dienende große Gartenhydrant vollständig durchgerostet sei
und ersetzt werden müsse. Zitiert und kommentiert in Kapitel 3.5 .
10.58
Liste vom 31. Juli 1943 zur Sicherungsaktion für
Bücher
Beschreibung: Listen des Inhalts von 5 Bücherkisten. Text in originaler Maschinenschrift (zusätzlich hat sich ein identischer Durchschlag im Institutsarchiv
erhalten). Auf jedem Blatt wird der Titel wiederholt: Sicherungsaktion der
”
Bibliothek des Kopernikus-Instituts, Berlin-Dahlem, Altensteinstr. 40“. Pro
Blatt folgen Kisten-Nummer, pauschale Inhaltsangabe (Zahl der Bände, davon
in Folio), Einzelaufstellung des Inhalts der Kiste (Nummer des Buches, Titel,
Bandanzahl, Erscheinungsjahr). 5 Blätter (5 Seiten). DIN A4, ungelocht. Das
erste Blatt hatte einen ca. 1 cm langen Riß an der rechten Seite. Dieser ist
von hinten mit Papier geklebt. Kein Textverlust. Das erste Blatt weist ferner eine starke Falte auf, die schräg von oben nach unten verläuft. Ersteller:
203
Kopernikus-Institut, Astronomisches Rechen-Institut, Berlin-Dahlem, Altensteinstr. 40 (Stempel am Ende jeden Blattes). Keine Unterschrift. TagebuchNr. 2851. Kein Empfänger angegeben, aber wegen der Vergabe einer TagebuchNummer vermutlich: Universitätskurator. Scans im Supplement.
Inhalt: Auflistung des Inhalts von 5 zu verlagernden Bücherkisten. Die enthaltenen Bücher sind pro Kiste (1-5) einzeln aufgelistet (wie oben beschrieben).
Zitiert und ausführlich kommentiert in Kapitel 9.3 .
Kommentar: Die 5 Kisten wurden am 29. Oktober 1943 ∗∗ der Firma Lassen
und Co. in Berlin übergeben und nach Schloß Stetten am Kocher über
”
Künzelsau expediert“. Bei den Büchern in den 5 Kisten handelt es sich offensichtlich um die wertvollsten Bücher der Institutsbibliothek. Besonders kostbar war und ist: Johannes Kepler, Tabulae Rudolphinae, erschienen 1627.
Sämtliche Werke aus den Kisten befinden sich seit 1948 in der Bibliothek des
Astronomischen Rechen-Instituts in Heidelberg.
10.59
Brief vom 26. August 1943
des Instituts mit Fliegerschadenmeldung
Beschreibung: Durchschlag. 1 Blatt (1 Seite). DIN A5, mit Doppellochung. Empfänger: Preußische Bau- und Finanzdirektion, Berlin. Absender: KopernikusInstitut. Unterschrift: Kohl [offenbar in Vertretung von Kopff ]. Scan im Supplement.
Inhalt: Kohl teilt mit, daß das Institut in der Nacht zum 24. August 1943
bei einem Angriff feindlicher Flieger durch Phosphorbrandbomben und durch
Sprengbomben stark beschädigt worden ist. Zu Kapitel 9.4 .
10.60
Brief vom 24. September 1943 von B. Suschyzki
an Kopff
Beschreibung: Kopfbogen. 1 Blatt (1 Seite). DIN A4, mit Doppellochung. Empfänger: Kopff. Absender: Bruno Suschyzki, Berlin-Steglitz. Handschriftliche
Unterschrift: unleserlich (vermutlich: Suschyzki). Scan im Supplement.
Inhalt: Kopff hatte bei Suschyzki angefragt, ob in Binz auf Rügen eine Unterbringungsmöglichkeit für das Institut bestünde. Suschyzki antwortet, daß zwar
Räume vorhanden seien, aber ohne Heizung. Er bittet um genauere Angaben
zum Raumbedarf des Instituts. Zitiert und kommentiert in Kapitel 5.1.1 .
204
Notiz von Kopff auf dem Brief: Auf dem Originalbrief hat Kopff handschriftlich
vermerkt: Hotel Kurhaus, Binz auf Rügen. 2. 10. beantwortet [Dieser Brief
”
liegt uns nicht vor ]. 10 Männer + 2 M., 6 Frauen“.
Kommentar: Bruno Suschyzki betrieb in Berlin-Steglitz eine Firma für zerstörungsfreie Prüfgeräte. Wir wissen nicht, ob Suschyzki damals Eigentümer
bzw. Besitzer des Kurhauses in Binz gewesen ist oder ob er mit seiner Firma
nur der Hauptnutzer des Hotels war.
10.61
Brief vom 5. Oktober 1943 von B. Suschyzki an
Kopff
Beschreibung: Kopfbogen. 1 Blatt (1 Seite). DIN A5 quer, mit Doppellochung.
Empfänger: Kopff. Absender: Bruno Suschyzki, Berlin-Steglitz. Zur Zeit: Binz.
Handschriftliche Unterschrift: unleserlich (vermutlich: Suschyzki). Scan im Supplement.
Inhalt: Kopff hatte Suschyzki den Raumbedarf des Instituts mitgeteilt (siehe
Notizen von Kopff auf dem Brief von Suschyzki vom 24. September 1943 ∗∗ ).
Suschyzki antwortet nun, daß die gewünschten Räume zwar zu beschaffen seien. Sie wären zur Zeit allerdings noch nicht beheizbar. Kopff solle bei seiner
vorgesetzten Behörde für den Einbau einer Heizung ein Eisenkontingent von
15 000 kg beantragen. Zur Klärung von Detailfragen verweist Suschyzki an
seinen Mitarbeiter Dipl-Ing. Lohberg. Auf dem Originalbrief hat Kopff handschriftlich u.a. vermerkt: Hotel Kaiserhof (Kurhaus), Binz auf Rügen“. Zu
”
Kapitel 5.1.1 .
10.62
Brief vom 7. Oktober 1943
des Instituts an den Reichsforschungsrat
Beschreibung: Durchschlag. 1 Blatt (1 Seite). DIN A5, mit Doppellochung. Empfänger: Reichsforschungsrat, Deutsche Forschungsgemeinschaft, BerlinSteglitz, (mit Bleistift hinzugefügt: Kriegswirtsch[afts-]Stelle). Absender: Kopff.
Scan im Supplement.
Inhalt: Kopff teilt mit, daß das Institut einen schweren Fliegerschaden erlitten
habe und für Ausbesserungsarbeiten dringend 9 kg Nägel verschiedener Größe
benötige. Er bittet um die Zuweisung von Marken zur Beschaffung von 9
”
(neun) kg Eisen.“. Zitiert und kommentiert in Kapitel 9.4 .
205
10.63
Brief vom 20. Oktober 1943
von Kopff an B. Suschyzki
Beschreibung: Durchschlag. 1 Blatt (1 Seite). DIN A4, mit Doppellochung.
Empfänger: B. Suschyzki, Binz a. Rügen, Hotel Kurhaus. Absender: Kopff.
Tagebuch-Nr. 29/43. Vertraulich. Einschreiben. Scan im Supplement.
Inhalt: Kopff bittet jetzt unter Berufung auf das Oberkommando der Kriegsmarine (OKM) um die Überlassung von etwa 20 Räumen im Hotel Kaiserhof
(Kurhaus) in Binz auf Rügen. Für ausreichende Heizung müßte gesorgt werden. Allerdings kann das OKM wahrscheinlich kein Eisenkontingent für eine
Zentralheizung zur Verfügung stellen, weil das Marinebauamt die Befugnis”
se an den Baubevollmächtigten Speer (Stettin) abgegeben hat“. Zitiert und
kommentiert in Kapitel 5.1.1 .
10.64
Abforderungsschein vom 25. Oktober 1943 der
Firma Lassen
Beschreibung: Gedruckter Abforderungsschein, handschriftlich ausgefüllt. Datum etwas unsicher, weil schlecht lesbar. 1 Blatt (1 Seite). DIN A5 quer, mit
Doppellochung. Empfänger: Astronomisches Recheninstitut, Dahlem, Altensteinstraße Nr. 40 (b. Prof. Kopff läuten). Aussteller: Lassen & Co. A.-G.,
Berlin NW 40, Alt-Moabit 140. Rechts unten Perforation: Lassen & Co. Scan
im Supplement.
Inhalt: Mit dem Abforderungsschein der Firma Lassen und Co. wird das Institut ersucht, dieser Firma das zur Versendung / Lagerung angemeldete Gut
”
zu verabfolgen“. Zu Kapitel 9.3 .
Kommentar: Die Firma Lassen und Co. hatte den Auftrag, fünf Kisten mit
Büchern abzuholen und nach Schloß Stetten a./Kocher über Künzelsau zu
expedieren. Siehe auch die Bücherliste vom 31. Juli 1943 ∗∗ und die Quittung
vom 29. Oktober 1943 ∗∗ .
10.65
Brief vom 26. Oktober 1943 von B. Suschyzki an
Kopff
Beschreibung: Kopfbogen. 1 Blatt (1 Seite). DIN A5 quer, mit Doppellochung.
Empfänger: Kopff. Absender: Bruno Suschyzki, Berlin-Steglitz. Zur Zeit: Binz.
206
Handschriftliche Unterschrift: unleserlich (vermutlich: Suschyzki). Scan im Supplement.
Inhalt: Suschyzki teilt Kopff mit, daß eine Unterbringung des Instituts im
Kurhaus in Binz auf Rügen leider ausgeschlossen sei. Das für den Einbau
einer Zentralheizung benötigte Eisenkontingent von 13 000 kg sei vom Baubevollmächtigten in Stettin nicht bewilligt worden. Zu Kapitel 5.1.1 .
10.66
Quittung vom 29. Oktober 1943 des Instituts für
die Firma Lassen
Beschreibung: Durchschlag einer Quittung. Stempel des Kopernikus-Instituts
als Quasi-Kopf. 1 Blatt (1 Seite). DIN A5 quer, mit Doppellochung. Empfänger: Firma Lassen und Co. (Berlin NW 40). Absender: Kopff. Handschriftlicher
Vermerk mit blauem Bleistift auf dem Durchschlag: Original der Fa. Lassen
”
beim Abholen gegeben“. Scan im Supplement.
Inhalt: Kopff bescheinigt, daß von der Firma Lassen und Co. am 29. Oktober
”
1943 fünf Kisten (Nr. 1 bis 5, Kopernikus-Institut, Berlin-Dahlem) mit Büchern
abgeholt worden [sind ] und nach Schloß Stetten a./Kocher über Künzelsau
expediert“ werden. Zu Kapitel 9.3 .
Kommentar: Siehe auch die Bücherliste vom 31. Juli 1943 ∗∗ , die Quittung von
Heinemann vom 6. September 1948 ∗ , und den Brief von Heinemann an Kopff
vom 8. September 1948 ∗∗ .
10.67
Brief vom 1. November 1943 des Instituts an das
Reichsluftfahrtministerium
Beschreibung: Durchschlag. 2 Blätter (2 Seiten). DIN A4, mit Doppellochung.
Empfänger: Reichsluftfahrtministerium, GL - CE 5/III, Berlin. Absender:
Kopff. Tagebuch-Nr. 40/43. Scans im Supplement.
Inhalt: Kopff hat erfahren, daß das Reichsluftfahrtministerium bei Dümmler
345 Exemplare der gekürzten Ausgabe des Berliner Astronomischen Jahrbuchs
(BAJ) bestellt habe. Dies ginge weit über den früher vom Oberkommando des
Heeres (siehe Brief vom 26. Oktober 1942 ∗∗ ) gemeldeten Bedarf der Luftwaffe
hinaus. Für den Nachdruck des (gekürzten) BAJ benötige die Druckerei einen
entsprechenden Wehrmachtspapierscheck und eine Erklärung des Ministeriums, daß der Nachdruck unbedingt erforderlich sei. Zitiert und kommentiert
in Kapitel 4 .
207
10.68
Zirkular vom 9. Dezember 1943 von Kopff an die
Mitglieder des Instituts wegen Ausweichquartier
bei Bombenschäden
Beschreibung: Mitteilung von Kopff an die Mitarbeiter des Instituts. 1 Blatt
(1 Seite). DIN A4, mit Doppellochung. Empfänger: Alle Mitarbeiter des Instituts. Die Mitarbeiter haben mit ihrer eigenhändigen Unterschrift die Kenntnisnahme bestätigt. Absender: Kopff. Scan im Supplement.
Inhalt: Kopff teilt den Mitarbeitern mit, daß im Falle der stärkeren Beschädi”
gung des Instituts“ das Astrophysikalische Observatorium in Potsdam als Ausweichstelle vorgesehen sei. Für etwa notwendig werdende Aufräumungsarbei”
ten ist jedoch zuerst das Kopernikus-Institut aufzusuchen.“. Zitiert und kommentiert in Kapitel 9.2 .
10.69
Zirkular vom 18. Dezember 1943
von Kopff an die Mitglieder des Instituts
wegen eventueller Bombenschäden
Beschreibung: Mitteilung von Kopff an die Mitarbeiter des Instituts. 1 Blatt
(1 Seite). DIN A5 quer, mit Doppellochung. Dünnes Papier. Empfänger: Alle
Mitarbeiter des Instituts. Die Mitarbeiter haben mit ihrer eigenhändigen Unterschrift die Kenntnisnahme bestätigt. Absender: Kopff. Scan im Supplement.
Inhalt: Kopff teilt den Mitarbeitern mit, daß im Falle von Fliegeralarm am
Samstag Abend sämtliche Institutsangehörige sich Sonntag früh [im Institut]
einzufinden haben oder [telefonisch ?] feststellen müssen, ob Schäden eingetreten sind. Das gelte auch für Feiertage. Zitiert und kommentiert in
Kapitel 9.2 .
10.70
Brief vom 14. Januar 1944 von Kopff an den
Verlag Dümmler
Beschreibung: Durchschlag. 1 Blatt (1 Seite). DIN A4, mit Doppellochung. Empfänger: Verlag Ferdinand Dümmler, Bonn. Absender: Kopff. Auf dem Durchschlag unter der Anschrift Notiz von Kopff: Betr. Jahrb[uch] 1945 gek[ürzte]
”
Ausg[abe]. Scan im Supplement.
Inhalt: Kopff teilt dem Verlag Dümmler mit, daß dem Verlag 250 Exemplare
der gekürzten Ausgabe des Berliner Astronomischen Jahrbuchs (BAJ) für 1945
208
für Zwecke der Wehrmacht zugehen werden. Weitere Exemplare der gekürzten Ausgabe ständen nicht zur Verfügung. Sie müssen auf photomechanischem
Wege neu hergestellt werden. Kopff beklagt die Unklarheiten bei den Bestellungen der Wehrmacht, insbesondere seitens der Luftwaffe. Kopff betont, daß
die 500 Vollexemplare des BAJ nicht für die Wehrmacht in Frage kommen“.
”
Zitiert und kommentiert in Kapitel 4.
10.71
Brief vom 7. Februar 1944 von A. Neugebauer
an Kopff
Beschreibung: Handschriftlicher Brief. Deutsche Kurrente. Schwarze Tinte.
1 Blatt (1 Seite), 22,4 cm breit, 28,5 cm hoch, mit Doppellochung. Absender:
Agnes Neugebauer (Wernigerode). Empfänger: Kopff. Scan im Supplement.
Inhalt: Agnes Neugebauer teilt Kopff auf seine Anfrage vom 3. Februar 1944
wegen eines Ausweichquartiers für das Institut mit, daß im Harz bereits alles
überfüllt sei. Zitiert und ausführlich kommentiert in Kapitel 5.1.5 .
Kommentar: Agnes Neugebauer geb. Lehmann (1875-?) war die Witwe des
1940 verstorbenen Observators i.R. des Instituts, Paul Victor Neugebauer
(siehe Kapitel 11.16), und zugleich die Tochter des früheren Observators Paul
Lehmann (siehe Kapitel 8.33 von Wielen R. und Wielen U. (2011c)).
Volltext:
[Von Kopff ergänzte Postleitzahl: (19)] Wernigerode, d[en] 7. 2. [19]44.
[Ergänzung von Kopff: Salzbergstr. 13 ]
Sehr geehrter Herr Professor Kopff,
Auf Ihr freundliches Schreiben vom 3. 2. teile ich Ihnen mit, daß ich mich
heute in der Angelegenheit Ihres Institutes auf dem hiesigen Wohnungsamt
erkundigt habe. Mir wurde gesagt, Sie möchten sich an die Kreisamtstelle
Halberstadt wenden, Wernigerode ist nur für Magdeburg zuständig. Wenn Sie
von Berlin evakui[e]rt werden, wäre es vielleicht möglich, daß Ihr Institut hier
Aufnahme findet, was aber sehr fraglich ist. Es sind hier fast alle verfügbaren
Räume mit Beschlag belegt. So ist vor mehreren Wochen ein Rüstungswerk
mit 200 Personen hierher verlegt worden. Dem Luftfahrtministerium, welches
sich hier auch niederlassen wollte[,] ist bereits abgesagt worden.
Es tut mir sehr leid, daß Ihr Haus und Institut bombenbeschädigt sind, die
Angriffe auf Berlin und Umgegend müssen entsetzlich gewesen sein. Vor etwa
209
3 Wochen war hier in nächster Nähe ein Angriff, es wurden 14 der umliegenden Dörfer betroffen, es war unheimlich; wir stürzten aus den Häusern und
flüchteten in den Splittergraben.
Meine Tochter ist seit Anfang Dezember als Stabshelferin im Führer-Hauptquartier, sie kommt in der nächsten Woche auf Kurzurlaub nach Hause.
Mit dem Wunsche, daß Sie bald etwas Passendes für das Institut finden
mögen, grüßt Sie bestens, auch von meiner Schwester
Ihre ergebene
Agnes Neugebauer
10.72
Brief vom 7. Februar 1944
von P. ten Bruggencate an Kopff
Beschreibung: Kopfbogen. 1 Blatt (1 Seite). DIN A5 quer, mit Doppellochung.
Empfänger: Kopff. Absender: Universitäts-Sternwarte Göttingen. Tgb.-Nr.
116/44. Unterschrift: ten Bruggencate. Die Anlage (Vorstandszirkular Nr. 19
[der Astronomischen Gesellschaft ]) fehlt. Scan im Supplement.
Inhalt: Ten Bruggencate antwortet auf einen Brief Kopffs vom 3. Februar 1944,
der uns aber nicht vorliegt. Offenbar hatte Kopff wegen eines Ausweichquartiers in Göttingen für das Institut angefragt. Ten Bruggencate antwortet, daß
die Bereitstellung von 3 - 5 Arbeitsräumen wahrscheinlich möglich sein würde.
Dagegen sieht er große Probleme für die Unterbringung von 10 Männern und
4 Frauen, weil alle verfügbaren Zimmer vom Wohnungsamt der Universität für
Studenten beschlagnahmt seien. Zitiert und kommentiert in Kapitel 5.1.6 .
Kommentar: Paul ten Bruggencate (1901-1961) war Direktor der UniversitätsSternwarte Göttingen. Aus einer Bleistift-Notiz von Kopff auf dem Originalbrief scheint hervorzugehen, daß Kopff am 10. Februar 1944 einen Brief als
Antwort an ten Bruggencate geschrieben hat. Der Entwurf oder Durchschlag
eines entsprechenden Schreibens liegt uns aber nicht vor.
10.73
Brief vom 7. Februar 1944 von J. Steinmetz an
Kopff
Beschreibung: Brief. 1 Blatt (1 Seite). DIN A4, mit Doppellochung. Empfänger:
Kopff. Absender: Julius Steinmetz, (13a) Kasendorf. Scan im Supplement.
210
Inhalt: Steinmetz (siehe Kapitel 12) antwortet auf eine Anfrage von Kopff
nach einem Ausweichquartier für das Institut. Diese Anfrage liegt uns nicht
vor. Steinmetz empfiehlt das Schloß Thurnau und schlägt Kopff vor, sich dazu
an die Domanialkanzlei in Thurnau zu wenden (siehe Brief von Kopff vom 11.
Februar 1944 ∗∗ ). Steinmetz hält aber auch weitere Quartiere für das Institut
für denkbar. Zitiert und kommentiert in Kapitel 5.1.4 .
10.74
Brief vom 7. Februar 1944
von Kopff an den Universitätskurator
Beschreibung: Durchschlag. 1 Blatt (1 Seite). DIN A5, mit Doppellochung.
Empfänger: Universitäts-Kurator, Berlin. Absender: Kopff. Tagebuch-Nr.
80/44. Vermerk: Eilt sehr ! Scan im Supplement.
Inhalt: Kopff teilt die Absicht mit, einen Teil des Archivs des Instituts wegen der Bombengefahr aus Dahlem in die Kellerräume der großen Kuppel des
Astrophysikalischen Observatoriums Potsdam zu verbringen. Er bittet dazu
um die Gestellung eines mittelgroßen Lastkraftwagens. Kopff weist daraufhin,
daß dieser Transport unabhängig von der beabsichtigten Sammelsendung von
Teilen der [Instituts-]Bibliothek per Kahn sei. Diese sei weiterhin notwendig.
Das Archiv müsse aber jederzeit zugänglich sein, was in Potsdam der Fall wäre.
Zitiert in Kapitel 9.3 .
10.75
Brief vom 8. Februar 1944 von A. Kühn an Kopff
Beschreibung: Kopfbogen. 1 Blatt (1 Seite). DIN A4, mit Doppellochung. Obere Lochung am linken Rand eingerissen. Empfänger: Kopff. Absender: KaiserWilhelm-Institut für Biologie. Zweigstelle Hechingen. Prof. Dr. A. Kühn. Handschriftliche Unterschrift: Beste Grüße ! Ihr A. Kühn. Scan im Supplement.
Inhalt: Kühn beantwortet einen Brief von Kopff vom 3. Februar 1944, der uns
aber nicht vorliegt. Kühn berichtet, daß sein Laboratorium in Hechingen sehr
gut untergebracht sei. Er habe aber auch intensiv suchen müssen. Da er bereits
im Juli 1943 mit der Suche begonnen habe, sei es nicht so schwierig gewesen
wie jetzt, ein Ausweichquartier zu finden. Kühn schlägt Kopff vor, sich an
Oberbaurat Steiert beim Rüstungskommando V, Stuttgart, zu wenden (siehe
Kopffs Brief an Steiert vom 18. Februar 1944 ∗∗ ). Zitiert und kommentiert in
Kapitel 5.1.9 .
Kommentar: Alfred Kühn (1885-1968) war seit 1937 Direktor am KaiserWilhelm-Institut für Biologie in Berlin-Dahlem. Später war er Professor für
211
Zoologie an der Universität Tübingen und Direktor am Max-Planck-Institut
für Biologie in Tübingen.
10.76
Brief vom 8. Februar 1944 von Kopff an den
Landrat des Kreises Regenwalde
Beschreibung: Durchschlag. 1 Blatt (1 Seite). DIN A4, mit Doppellochung.
Empfänger: Landrat von Regenwalde (Pommern). Absender: Kopff. Einschreiben. Scan im Supplement.
Inhalt: Kopff schreibt, er habe gehört, daß im Landkreis Regenwalde die Möglichkeit der Unterbringung eines kleineren wissenschaftlichen Instituts bestehe.
Kopff schildert den Bedarf des Instituts und bittet um Auskunft, ob eine Übersiedelung des Instituts in den Landkreis Regenwalde möglich sei. Zitiert und
kommentiert in Kapitel 5.1.2 .
Kommentar: Der Kreis Regenwalde gehörte zum Regierungsbezirk Köslin der
preußischen Provinz Pommern. Die Stadt Labes war Kreishauptstadt. Das
Gebiet ist heute polnisch. Der Landrat antwortet mit Brief vom 12. Februar
1944 ∗∗ .
10.77
Brief vom 9. Februar 1944 von C. Hoffmeister an
Kopff
Beschreibung: Kopfbogen. 1 Blatt (2 Seiten). DIN A5 quer, mit Doppellochung.
Empfänger: Kopff. Absender: Universitäts-Sternwarte Berlin-Babelsberg, Abteilung Sonneberg, Sonneberg i. Thür. Unterschrift: C. Hoffmeister. Scans im
Supplement.
Inhalt: Hoffmeister beantwortet einen Brief von Kopff, der uns leider nicht vorliegt. Offenbar hatte Kopff angefragt, ob in Sonneberg ein Ausweichquartier
für das Rechen-Institut möglich sei. Hoffmeister hat daraufhin mit dem Ersten Bürgermeister der Stadt Sonneberg gesprochen. Die Lage sei aber sehr
schwierig. Vor allem die Unterbringung des Personals sei kaum möglich. Als
Ausweg schlägt Hoffmeister vor, daß das Institut nicht sofort als Ganzes, son”
dern allmählich“ (z.B. beginnend mit nur 2 Leuten) nach Sonneberg umziehen
solle. Zu Kapitel 5.1.8 .
Kommentar: Cuno Hoffmeister (1892-1968) war Gründer und Leiter der Sternwarte Sonneberg in Thüringen. Die Sonneberger Sternwarte war Anfang 1931
eine Abteilung der Universitäts-Sternwarte Berlin-Babelsberg geworden.
212
10.78
Brief vom 9. Februar 1944
von Kopff an H. Siedentopf
Beschreibung: Durchschlag. 1 Blatt (1 Seite). DIN A5, mit Doppellochung.
Empfänger: Prof. Dr. H. Siedentopf, Univ.-Sternwarte Jena. Absender: Kopff.
Scan im Supplement.
Inhalt: Kopff dankt Siedentopf für seine Bemühungen, ein Ausweichquartier
für das Rechen-Institut zu finden. Der entsprechende vorangegangene Schriftwechsel liegt uns leider nicht vor. Kopff erklärt, daß das Institut nicht nach
Jena selbst umsiedeln möchte. Dennoch will Kopff von Siedentopfs Angebot,
die Räume der Meteorologie in Jena zu übernehmen, Gebrauch machen, wenn
sich keine andere Möglichkeit für die Verlagerung des Instituts ergeben sollte.
Kopff erklärt, er habe erfahren, daß eine Unterkunftsmöglichkeit in dem bei
Jena gelegenen Dorf Göttern bei Magdala (Landkreis Weimar) bestünde. Kopff
bittet Siedentopf, diese Frage zu klären, insbesondere, wer für die Zuweisung
dieser Räume zuständig wäre. Zitiert und kommentiert in Kapitel 5.1.7 .
Kommentar: Heinrich Siedentopf (1906-1963) war Direktor der UniversitätsSternwarte in Jena.
10.79
Brief vom 9. Februar 1944 von Kopff an den
Regierungspräsidenten in Frankfurt an der Oder
Beschreibung: Durchschlag. 1 Blatt (1 Seite). DIN A4, mit Doppellochung.
Empfänger: Regierungspräsident, Frankfurt/Oder. Absender: Kopff. Scan im
Supplement.
Inhalt: Kopff teilt mit, daß das Institut, das mit kriegswichtigen Arbeiten betraut ist, eine Unterkunft (Ausweichstelle) zur Weiterführung seiner Arbeiten
benötigt. Es handele sich um 10 Herren und 4 Frauen. Außerdem werden etwa
6 Arbeitszimmer mit elektrischen Anschlüssen für Rechenmaschinen benötigt.
Kopff bittet um Auskunft, ob eine Unterbringungsmöglichkeit im dortigen
Landbezirk besteht. Er weist besonders auf die Staatliche Domäne Neuendorf
bei Reppen hin und bittet um deren Zuweisung. Zitiert und kommentiert in
Kapitel 5.1.3 .
213
10.80
Brief vom 10. Februar 1944 von J. Steinmetz an
Kopff
Beschreibung: Brief. 1 Blatt (1 Seite). DIN A4, mit Doppellochung. Empfänger:
Kopff. Absender: Julius Steinmetz, (13a) Kasendorf. Scan im Supplement.
Inhalt: Steinmetz (siehe Kapitel 12) erläutert im Detail die Möglichkeit der Unterbringung des Instituts im Schloß Thurnau. Er wiederholt seinen Vorschlag,
Kopff solle sich direkt an die Verwaltung des Schlosses wenden (siehe Brief
vom 7. Februar 1944 ∗∗ von Steinmetz an Kopff und Brief vom 11. Februar
1944 ∗∗ von Kopff an die Domanialverwaltung in Thurnau). Zu Kapitel 5.1.4 .
10.81
Brief vom 11. Februar 1944
von Kopff an die Domanialverwaltung in Thurnau
Beschreibung: Durchschlag. 1 Blatt (1 Seite). DIN A4, mit Doppellochung.
Empfänger: Domanialverwaltung des Schlosses, (13a) Thurnau bei Kulmbach
(Obfr.). Absender: Kopff. Scan im Supplement.
Inhalt: Kopff habe in Erfahrung gebracht, daß auf Schloß Thurnau möglicherweise die Gelegenheit bestünde, ein wissenschaftliches Institut unterzubringen.
Kopff schildert den Raumbedarf des Instituts. Er bittet um Auskunft, ob im
Schloß Arbeitsräume zur Verfügung gestellt werden könnten und ob Unterkunftsmöglichkeiten im Schloß oder im Ort vorhanden seien. Zitiert und kommentiert in Kapitel 5.1.4 .
Kommentar: Der Brief beruht auf dem Bericht von Steinmetz in seinem Brief
an Kopff vom 7. Februar 1944 ∗∗ . Ob Kopff der weitere Brief von Steinmetz
vom 10. Februar 1944 ∗∗ noch vor der Absendung des vorliegenden Briefes
erreicht hat, konnten wir nicht klären. Thurnau liegt in Oberfranken (Bayern),
südlich von Kulmbach und nordwestlich von Bayreuth. Thurnau besitzt eine
der größten Schloßanlagen in Nordbayern mit Bauabschnitten vom 13. bis zum
19. Jahrhundert.
10.82
Liste vom 11. Februar 1944
zur Sicherstellung von Sternkatalogen
Beschreibung: Liste. Kopf der Liste links gestempelt. Text als Durchschlag. Titel: Sicherstellung der Sternkataloge. Aufstellungsnummer 28“. 1 Blatt (1 Sei”
te). DIN A4, ungelocht. Ersteller: Kopernikus-Institut (Astronomisches Rechen-
214
Institut), Berlin-Dahlem, Altensteinstr. 40 (Stempel). Keine Unterschrift. Kein
Empfänger angegeben. Scan im Supplement.
Inhalt: Auflistung des Inhalts von zu verlagernden Bücherpaketen. Die Paketbündel sind mit den Großbuchstaben von A bis R bezeichnet. Pro Bündel
sind die enthaltenen Kataloge angegeben: Nummer im Sachgebiet 28 (Sternkataloge) des Bibliothekskatalogs des Instituts und Anzahl der Bände ( Stücke“).
”
Die Pakete enthielten die Kataloge Nr. 34-148. Die Paketbündel sollen sich im
”
Keller des großen Refraktors von Potsdam“ befinden. Die Kataloge Nr. 1-33
befinden sich im Holzschrank des Instituts“ (vermutlich in Dahlem). Zitiert
”
und kommentiert in Kapitel 9.3 .
Kommentar: Die Rechnung vom 14. März 1944 ∗∗ der Firma Bruno Russ, Babelsberg, bezieht sich mit großer Wahrscheinlichkeit auf den Transport dieser
Bücherpakete von Dahlem nach Potsdam. Die Kataloge mit den Nr. 1-148
können wir anhand des erhaltenen Bibliothekskatalogs des Instituts identifizieren. Warum die Kataloge Nr. 1-33 (zunächst ?) nicht ausgelagert wurden,
konnten wir nicht klären. Zum möglichen Verbleib der Kataloge, siehe Kapitel
9.3 und 9.5 .
10.83
Brief vom 12. Februar 1944
des Landrats des Kreises Regenwalde an Kopff
Beschreibung: Kopfbogen. 1 Blatt (1 Seite). 20,7 cm breit, 24,4 cm hoch, mit
Doppellochung. Empfänger: Kopff. Absender: Der Landrat des Kreises Regenwalde, Labes. Eigenhändige Unterschrift: unleserlich. Scan im Supplement.
Inhalt: Der Landrat antwortet auf den Brief von Kopff vom 8. Februar 1944 ∗∗ .
Der Landrat will gern behilflich sein. Der Raumbedarf des Instituts sei aber
wohl doch zu groß, zumal im Kreis bereits drei Berliner Institute untergebracht
seien. Außerdem wollen die Hauptverwaltung der Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft
(KWG) und einige ihrer Institute ebenfalls in den Kreis kommen. Ein für das
Institut geeignetes Gutshaus habe er für Frau von Tschammer und Osten, die
Witwe des Reichssportführers, für das Hilfswerk Mutter und Kind“ in Aus”
sicht genommen. Dies sei aber noch ungewiß. Der Landrat empfiehlt Kopff eine
gemeinsame Besprechung und Besichtigung mit Generaldirektor Dr. Telschow
von der KWG und Frau von Tschammer. Zitiert und kommentiert in Kapitel
5.1.2 .
215
10.84
Brief vom 14. Februar 1944 des Bürgermeisters
von Sonneberg an C. Hoffmeister
Beschreibung: Kopfbogen. 1 Blatt (2 Seiten). DIN A4, mit Doppellochung. Empfänger: Prof. Dr. [C.] Hoffmeister, Sonneberg-Neufang, Sternwarte. Absender:
Der Erste Bürgermeister, Sonneberg i. Thür. [Der frühere Zusatz Weltspiel”
warenstadt“ ist dick geschwärzt ]. Aktenzeichen: VI M/V. Eigenhändige Unterschrift: unleserlich. Scans im Supplement.
Inhalt: Der Bürgermeister beantwortet einen Brief von C. Hoffmeister vom
10. Februar 1944 ∗∗ , der uns nicht vorliegt. Die Stadt Sonneberg sieht keine
Möglichkeit, das Kopernikus-Institut in Sonneberg unterzubringen und begründet dies ausführlich. Der Bürgermeister bittet Hoffmeister, das Institut
entsprechend zu verständigen. Zitiert und kommentiert in Kapitel 5.1.8 .
Kommentar: Den vorliegenden Brief hat Hoffmeister als Anlage seinem Brief
an Kopff vom 16. Februar 1944 ∗∗ im Original beigefügt.
10.85
Brief vom 14. Februar 1944 von H. Siedentopf
an Kopff
Beschreibung: Kopfbogen. 1 Blatt (1 Seite). DIN A5, mit Doppellochung. Empfänger: Kopff. Absender: Universitäts-Sternwarte Jena. Tgb. Nr. 388/44. Unterschrift: Ihr H. Siedentopf. Scan im Supplement.
Inhalt: Siedentopf beantwortet Kopffs Brief vom 9. Februar 1944 ∗∗ . Seine Anfrage beim Bürgermeister von Göttern habe ergeben, daß die dortige Schule für
das Institut nicht in Frage komme. Kopff solle sich wegen einer Unterbringung
des Instituts im Landkreis Jena-Stadtroda an den Rechtsanwalt Dr. Löhnis
wenden. Zitiert und kommentiert in Kapitel 5.1.7 .
Kommentar: Dr. Löhnis war der Landrat des Landkreises Stadtroda. Die von
Siedentopf angegebene Adresse in Jena war nicht korrekt, wodurch sich Verzögerungen im Schriftwechsel ergaben (siehe Brief des Landrats vom 28. Februar
1944 ∗∗ ).
216
10.86
Telegramm vom 14. Februar 1944
der Domanialverwaltung in Thurnau an Kopff
Beschreibung: Telegramm. 1 Blatt (1 Seite). DIN A5 quer, mit Doppellochung
am oberen Rand. Empfänger: Kopff. Absender: Domänenkanzlei Thurnau.
Scan im Supplement.
Inhalt: Schloss anderweitig besetzt. Kommen zwecklos. Domänenkanzlei
”
Thurnau.“. Zitiert und kommentiert in Kapitel 5.1.4 .
Kommentar: Das Telegramm bezieht sich auf den Brief von Kopff an die
Domanialverwaltung des Schlosses Thurnau vom 11. Februar 1944 ∗∗ . Zusätzlich hatte Kopff am 14. Februar 1944 ein Telegramm nach Thurnau geschickt.
Dies liegt uns leider nicht vor. Offenbar hatte Kopff in diesem Telegramm
angekündigt, persönlich nach Thurnau zu reisen.
10.87
Brief vom 14. Februar 1944
der Domanialverwaltung in Thurnau an Kopff
Beschreibung: Kopfbogen. 1 Blatt (1 Seite). DIN A5 quer, mit Doppellochung.
Empfänger: Kopff. Absender: Gräflich Giech’sche Domanialverwaltung, (13a)
Thurnau. Scan im Supplement.
Inhalt: Die Schloßverwaltung teilt Kopff mit, daß im Schloß Thurnau keine Unterbringungsmöglichkeit für das Institut besteht, nachdem bereits seit länge”
rer Zeit Einlagerungen von verschiedenen Partei-Behörden- und Wehrmachtsstellen vorgenommen worden sind.“. Zitiert und kommentiert in Kapitel 5.1.4 .
Kommentar: Das Schreiben bezieht sich auf den Brief von Kopff an die
Domanialverwaltung des Schlosses Thurnau vom 11. Februar 1944 ∗∗ . Zusätzlich hatte Kopff am 14. Februar 1944 ein Telegramm nach Thurnau geschickt.
10.88
Brief vom 14. Februar 1944 von J. Steinmetz an
Kopff
Beschreibung: Brief. 1 Blatt (1 Seite). DIN A4, mit Doppellochung. Empfänger:
Kopff. Absender: Julius Steinmetz, Peesten / Kasendorf. Scan im Supplement.
Inhalt: Steinmetz (siehe Kapitel 12) bedauert, daß sich die Unterbringung des
Instituts im Schloß Thurnau nun doch nicht ermöglichen ließ. Auch seine an-
217
gekündigte Anfrage beim Kreisdekan für Nordbayern in Bayreuth sei leider
ohne positives Ergebnis geblieben. Zu Kapitel 5.1.4 .
10.89
Brief vom 14. Februar 1944 von Kopff an das
Oberkommando der Kriegsmarine
Beschreibung: Durchschlag. 1 Blatt (1 Seite). DIN A4, mit Doppellochung.
Empfänger: Oberkommando der Kriegsmarine, Amtsgruppe Nautik, Berlin.
Absender: Kopff. Scan im Supplement.
Inhalt: Kopff weist das Oberkommando der Kriegsmarine (OKM) darauf hin,
daß die Arbeiten des Instituts durch Bombenschäden stark behindert seien und daß die gestellten Termine daher nicht eingehalten werden können.
Eine Verlegung des Instituts an einen ruhigen Ort ist dringend notwendig.“.
”
Kopff berichtet, daß sich eine Gelegenheit zur Unterbringung des Instituts
in Thurnau bei Kulmbach böte [siehe Kapitel 5.1.4]. Er werde selbst in den
nächsten Tagen nach Thurnau reisen, um die Verlagerung vorzubereiten. Kopff
bittet das OKM um eine Bescheinigung, daß die Umsiedlung des Instituts im
Interesse des OKM notwendig ist. Zitiert und kommentiert in Kapitel 5.1.4 .
10.90
Brief vom 16. Februar 1944 von C. Hoffmeister
an Kopff
Beschreibung: Kopfbogen. 1 Blatt (1 Seite). DIN A5 quer, mit Doppellochung.
Empfänger: Kopff. Absender: Universitäts-Sternwarte Berlin-Babelsberg, Abteilung Sonneberg, Sonneberg i. Thür. Unterschrift: C. Hoffmeister. Am unteren Rand des Briefes eine handschriftliche Nachschrift von Hoffmeister mit
dunkelblauer Tinte vom 17. Februar 1944, unterzeichnet mit Ihr H.“. 1 Anla”
ge: Brief des Ersten Bürgermeisters der Stadt Sonneberg an Hoffmeister vom
14. Februar 1944 ∗∗ . Scan im Supplement.
Inhalt: Hoffmeister übermittelt als Anlage den ablehnenden Brief des Ersten
Bürgermeisters der Stadt Sonneberg an ihn vom 14. Februar 1944 ∗∗ . Hoffmeister teilt mit, daß er inzwischen auch mit dem Bürgermeister der Nachbargemeinde Oberlind verhandelt, jedoch leider auch ohne Ergebnis. Er verweist auf
seinen Vorschlag vom 9. Februar 1944, das Institut schrittweise“ zu verlegen.
”
Die später angefügte Nachschrift bezieht sich auf Bemühungen, das Institut
in Wolfersdorf unterzubringen (siehe nachfolgenden Volltext der Nachschrift).
Zitiert und kommentiert in Kapitel 5.1.8 .
218
Volltext der Nachschrift:
Nachschrift Febr. 17. [17. Februar 1944]
Ich sprach soeben mit dem Herzog von [Sachsen-]Altenburg 217 in der Hoffnung, in Wolfersdorf 218 für Sie Unterkunft zu finden. Es ist aber völlig aussichtslos, und ich hörte, daß Sie selbst schon an S[eine] Hoheit geschrieben
hatten 219 . Es ist sehr schade ! Das wäre eine gute Lösung gewesen. Ich bemühe
mich weiter.
Ihr
H[offmeister ]
10.91
Brief vom 16. Februar 1944
von Kopff an P. ten Bruggencate
Beschreibung: Durchschlag. 1 Blatt (1 Seite). DIN A4, mit Doppellochung.
Empfänger: Prof. Dr. P. ten Bruggencate, Univ.-Sternwarte Göttingen. Absender: Kopff. Einschreiben. Scan im Supplement.
Inhalt: Kopff teilt mit, daß er sich für die Übersiedelung des Instituts nach
Göttingen entschieden habe. Günstig dafür sei auch, daß der bisherige Berliner Universitätskurator, Dr. Büchsel, jetzt Kurator der Universität Göttingen
geworden sei. Dieser sei mit der Frage eines Ausweichquartiers für das Institut
voll vertraut. Kopff kündigt an, in der kommenden Woche [d.h. 21.-26. Februar 1944 ] nach Göttingen zu fahren, um dort mündliche Verhandlungen zu
führen. Zitiert und kommentiert in Kapitel 5.1.6 .
Kommentar: Dr. jur. Karl Büchsel (1885-1965) war zunächst Verwaltungsdirektor bzw. Kurator der Berliner Universität. 1944 wechselte er an die Universität
Göttingen.
10.92
Postkarte vom 18. Februar 1944 von J. Steinmetz
an Kopff
Beschreibung: Postkarte. Handschriftlicher Text. 1 Blatt (2 Seiten). DIN A6,
mit Doppellochung. Durch die Lochung teilweise Textverlust. Empfänger:
217
Herzog Ernst II. von Sachsen-Altenburg (1871-1955)
Wolfersdorf liegt in Thüringen, südöstlich von Jena. Der (frühere) Herzog wohnte dort
im Wasserschloß Zur Fröhlichen Wiederkunft“.
”
219
Uns liegt kein Schreiben von Kopff an den Herzog vor
218
219
Kopff. Absender: Julius Steinmetz, (13a) Kasendorf. Zur Zeit: Kitzingen
(Mainfranken). Scans im Supplement.
Inhalt: Steinmetz (siehe Kapitel 12), der sich kurz in Kitzingen (Mainfranken) aufhält, schlägt weitere Schlösser als mögliche Ausweichquartiere für das
Institut vor. Kopff solle sich an die Fürstlich-Castellsche Domanial-Kanzlei
in Castell-Rüdenhausen über Kitzingen bzw. an die Freiherrlich-Thüngensche
Domanial-Kanzlei in Thüngen (Unterfranken) wenden. In Unterfranken könnten auch noch andere große Schlösser in Frage kommen. Zu Kapitel 5.1.4 .
10.93
Brief vom 18. Februar 1944 von Kopff an den
Landrat des Kreises Regenwalde
Beschreibung: Durchschlag. 1 Blatt (1 Seite). DIN A4, mit Doppellochung.
Empfänger: Landrat des Kreises Regenwalde, (4) Labes (Pommern). Absender:
Kopff. Scan im Supplement.
Inhalt: Kopff dankt dem Landrat für seinen Brief vom 12. Februar 1944 ∗∗ .
Kopff möchte gern im Landkreis Regenwalde unterkommen und will nötigenfalls zu einer Rücksprache nach dort kommen. Telschow sei noch verreist. Kopff
will diesen in den nächsten Tagen sprechen und das Weitere von dieser Aussprache abhängig machen. Zitiert und kommentiert in Kapitel 5.1.2 .
Kommentar: Weiterer Schriftwechsel mit dem Landrat ist uns nicht bekannt.
Die Evakuierung des Instituts in den Landkreis Regenwalde ist offensichtlich
nicht zustande gekommen.
10.94
Brief vom 18. Februar 1944
von Kopff an Rechtsanwalt Löhnis
Beschreibung: Durchschlag. 1 Blatt (1 Seite). DIN A4, mit Doppellochung.
Empfänger: Rechtsanwalt Dr. Löhnis, (15) Jena. Absender: Kopff. Scan im
Supplement.
Inhalt: Kopff schreibt, daß er vom Direktor der Sternwarte in Jena [Siedentopf ]
gehört habe, daß im Landkreis Jena die Möglichkeit der Unterbringung eines
kleineren wissenschaftlichen Instituts bestünde. Kopff schildert den Raumbedarf des Instituts, das vom Oberkommando der Kriegsmarine den Verlagerungsbefehl erhalten habe. Kopff bittet um Mitteilung, ob eine solche Unterbringungsmöglichkeit vorhanden sei und ob ein Besuch von ihm an Ort und
”
Stelle“ zweckmäßig sei. Zitiert und kommentiert in Kapitel 5.1.7 .
220
Kommentar: Dr. Löhnis war der Landrat des Landkreises Stadtroda. Die von
Siedentopf in seinem Brief vom 14. Februar 1944 ∗∗ angegebene Adresse in
Jena war nicht korrekt, wodurch sich Verzögerungen im Schriftwechsel ergaben
(siehe Brief des Landrats vom 28. Februar 1944 ∗∗ ).
10.95
Brief vom 18. Februar 1944
von Kopff an Oberbaurat Steiert
Beschreibung: Durchschlag. 1 Blatt (1 Seite). DIN A4, mit Doppellochung.
Empfänger: Oberbaurat Steiert, Rüstungskommando V, (14) Stuttgart.
Absender: Kopff. Scan im Supplement.
Inhalt: Kopff schreibt, daß er von Mitgliedern der Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft
darauf hingewiesen worden sei (siehe A. Kühns Brief an Kopff vom 8. Februar 1944 ∗∗ ), daß in Württemberg die Möglichkeit der Unterbringung eines
kleineren wissenschaftlichen Instituts bestünde. Kopff weist auf einen Verlagerungsbefehl des Oberkommandos der Kriegsmarine hin und schildert den
Bedarf des Instituts. Er fragt, ob die Möglichkeit einer geeigneten Unterkunft
bestünde und ob es Zweck hätte, an Ort und Stelle selbst eine Besichtigung
”
vorzunehmen“. Zitiert und kommentiert in Kapitel 5.1.9 .
Kommentar: Uns ist nicht bekannt, ob Steiert diesen Brief beantwortet hat.
Offensichtlich konnte in Württemberg kein Ausweichquartier für das Institut
gefunden werden.
10.96
Brief vom 19. Februar 1944
von P. ten Bruggencate an Kopff
Beschreibung: Kopfbogen. 1 Blatt (1 Seite). DIN A4, mit Doppellochung. Empfänger: Kopff. Absender: Der Direktor der Universitäts-Sternwarte Göttingen.
Tgb.-Nr. 157/44. Unterschrift: P. ten Bruggencate. Scan im Supplement.
Inhalt: Ten Bruggencate antwortet auf den Brief Kopffs vom 16. Februar
1944 ∗∗ . Er gibt Hinweise zur Erreichbarkeit des Göttinger Universitätskurators Dr. Büchsel. Dann schreibt er: Ein wesentliches Problem bei der Auf”
nahme des Recheninstituts in der Sternwarte dürfte - so komisch es klingt die Frage der Reinemachefrau sein.“. Ten Bruggencate schlägt vor, daß Kopff
die Reinemachefrau aus Dahlem nach Göttingen mitbringen solle. Zitiert und
kommentiert in Kapitel 5.1.6 .
221
10.97
Brief vom 21. Februar 1944 von J. Steinmetz an
Kopff
Beschreibung: Brief. 1 Blatt (2 Seiten), DIN A4, und zusätzlich ein Streifen
eines DIN A4-Blattes (1 Seite), 8.0 cm hoch, beide mit Doppellochung. Beim
Streifen durch die Lochung Textverlust. Empfänger: Kopff. Absender: Julius
Steinmetz, Kasendorf. Scans im Supplement.
Inhalt: Steinmetz (siehe Kapitel 12) glaubt weiterhin, daß die Unterbringung
des Instituts in einem Schloß in Unterfranken (Schloß Castell, Schloß Thüngen)
möglich sein sollte, da diese Gegend noch nicht so stark belegt sei wie andere
Orte. Steinmetz ist gern bereit, mögliche Ausweichquartiere zu besuchen, falls
Kopff ihn damit beauftragen sollte. Zu Kapitel 5.1.4 .
10.98
Brief vom 21. Februar 1944 von Kopff an das
Oberkommando der Kriegsmarine
Beschreibung: Durchschlag. 1 Blatt (1 Seite). DIN A4, mit Doppellochung.
Empfänger: Oberkommando der Kriegsmarine, Amtsgruppe Nautik, Berlin.
Absender: Kopff. Scan im Supplement.
Inhalt: Kopff berichtet dem Oberkommando der Kriegsmarine (OKM), daß
sich eine besonders günstige Gelegenheit für die Verlegung des Instituts ergeben hätte. Der Direktor der Universitäts-Sternwarte Göttingen habe sich
bereit erklärt, dem Institut dort einige Arbeitsräume zur Verfügung zu stellen
[siehe Kapitel 5.1.6 ]. Allerdings sei die Unterbringung der Institutsangehörigen in Göttingen sehr schwierig. Kopff bittet das OKM, den Standortsältesten
[der Wehrmacht] in Göttingen für die Suche nach Unterkünften einzuschalten.
Zitiert und kommentiert in Kapitel 5.1.6 .
10.99
Brief vom 23. Februar 1944
von Kopff an den Rektor der Universität
Beschreibung: Durchschlag. 2 Blätter (2 Seiten). DIN A4, mit Doppellochung.
Empfänger: Rektor der Friedrich-Wilhelms-Universität Berlin, durch den Dekan der Math.-Naturw. Fakultät. Brieftagebuch-Nr. 88/44. Absender: Kopff.
Scans im Supplement.
Inhalt: Kopff berichtet, daß die für die Kriegsmarine wichtigen Arbeiten am
Berliner Astronomischen Jahrbuch durch die Bombardierungen in Berlin stark
222
behindert werden. Daher sei eine Verlegung des Instituts unbedingt erforderlich. Kopff bittet die Universität, die Verlegung des Instituts beim Reichserziehungsminister zu beantragen. Als Ausweichstelle sei in erster Linie Göttingen
vorgesehen [siehe Kapitel 5.1.6 ]. Dort sei allerdings die Frage der Unterkunft
der Institutsmitarbeiter noch ungeklärt. Als weitere Möglichkeit käme Sandow
bei Frankfurt an der Oder in Betracht [siehe Kapitel 5.1.3]. Zitiert in Kapitel
5.1.6 . Auch zu Kapitel 5.1.3 .
10.100
Brief vom 24. Februar 1944 von Kopff an die
Fahrbereitschaft Berlin-Steglitz
Beschreibung: Durchschlag. 1 Blatt (1 Seite). DIN A5, mit Doppellochung.
Empfänger: Fahrbereitschaft Berlin-Steglitz. Absender: Kopff. Scan im Supplement.
Inhalt: Kopff bittet die Fahrbereitschaft, eine Speditionsfirma mit dem Transport der Institutseinrichtung an einen Verlagerungsort (Göttingen oder Sandow) zu beauftragen. Zu Kapitel 5.1 .
Kommentar: Der Hinweis von Kopff, daß sich das Kopernikus-Institut in
Berlin-Lichterfelde (Post Dahlem)“ befindet, war wichtig, weil Lichterfelde
”
zum Bezirk Steglitz gehörte. Dagegen wäre für Dahlem, das zu Zehlendorf
gehörte, eine Fahrbereitschaft in Berlin-Zehlendorf zuständig gewesen.
10.101
Brief vom 25. Februar 1944 von T. Gengler an
Kopff
Beschreibung: Kopfbogen. 1 Blatt (1 Seite). DIN A5, mit Doppellochung. Empfänger: Kopff. Absender: Der Kreisleiter des Kreises Göttingen der NSDAP.
Unterschrift: Ihr sehr ergebener T. Gengler (Dr. Gengler), Bereichsleiter der
NSDAP. Scan im Supplement.
Inhalt: Gengler antwortet auf ein Telegramm von Kopff vom 24. Februar 1944,
das uns aber nicht vorliegt. Er unterrichtet Kopff darüber, daß im Göttinger Vorort Geismar (nicht weit von der Sternwarte entfernt) Quartiere für 2
Ehepaare, 8 Herren und 2 Damen bereitstünden. Er hofft, daß später auch Unterkünfte in Göttingen selbst verfügbar sein werden. Zitiert und kommentiert
in Kapitel 5.1.6 .
Kommentar: Thomas Gengler (1901-1974) war selbst Astronom. Er hatte 1931
in Jena mit einer Arbeit über Das freie Pendel als Zeitnormale äußerster
”
223
Präzision“ promoviert. Von 1932 bis 1935 war er außerplanmäßiger Assistent
an der Sternwarte Göttingen.
10.102
Brief vom 28. Februar 1944 des Landrats des
Kreises Stadtroda an das Institut
Beschreibung: Kopfbogen. 1 Blatt (1 Seite). DIN A5, mit Doppellochung. Empfänger: Kopff. Absender: Der Landrat des Kreises Stadtroda. Zeichen:
Dr. L.[Löhnis ? ]/Schm. Aktenzeichen: 494/16. Unterschrift: I.A. (unleserlich).
Scan im Supplement.
Inhalt: Der Landrat des Kreises Stadtroda antwortet auf eine Anfrage von
Kopff vom 18. Februar 1944. Vermutlich handelt es sich dabei um den Brief
von Kopff an Löhnis vom 18. Februar 1944 ∗∗ , da der Landrat anmerkt, daß
die Anfrage zunächst nach Jena adressiert gewesen sei. Der Landrat bedauert,
daß er dem Institut in seinem Landkreis keine geeigneten Räumlichkeiten für
ein Ausweichquartier nachweisen könne. Freie Räume seien nur noch in Dorfgasthöfen vorhanden, die sich aber für die Zwecke des Instituts nicht eignen
würden. Zitiert und kommentiert in Kapitel 5.1.7 .
Kommentar: Der damalige Landkreis Stadtroda lag südöstlich von Jena.
10.103
Brief vom 1. März 1944 von J. Steinmetz an
Kopff
Beschreibung: Brief. Handschriftlicher Text. 1 Blatt (2 Seiten). DIN A4, mit
Doppellochung. Empfänger: Kopff. Absender: Julius Steinmetz, (13a) Peesten,
Kasendorf. Scans im Supplement.
Inhalt: Steinmetz (siehe Kapitel 12) teilt mit, daß auch in Bayern der jeweilige
Landrat über die Unterbringung des Instituts entscheiden würde. Für Schloß
Castell sei wahrscheinlich der Landrat in Kitzingen/Main zuständig, für Schloß
Thüngen der Landrat in Karlstadt/Main. Zu Kapitel 5.1.4 .
224
10.104
Brief vom 2. März 1944 von Kopff
wegen Auslagerung von Materialien zum
Astrophysikalischen Observatorium Potsdam
Beschreibung: Brief oder Bescheinigung. Kopfbogen. 1 Blatt (1 Seite). DIN A5,
mit Doppellochung. Empfänger: nicht angegeben. Unterzeichner: Kopff. SiegelStempel des Instituts. Scan im Supplement.
Inhalt: Kopff bittet um die Ausstellung eines [Bezugs-]Scheines für die Beschaffung von 30 Litern Benzin. Das Benzin sei für einen Lastwagen der Wehrmacht
(Schule für schnelle Truppen in Krampnitz bei Potsdam) bestimmt. Mit diesem
Wagen würde dann Archivgut des Instituts in das Astrophysikalische Observatorium Potsdam gebracht werden, um es dort bombensicher unterzubringen.
Zitiert und kommentiert in Kapitel 9.3 .
Kommentar: Der Brief war vermutlich zur Vorlage bei der Fahrbereitschaft
Berlin-Steglitz gedacht. An diese Stelle hatte sich Kopff bereits am 21. Februar
1944 ∗∗ gewandt.
10.105
Bescheinigung vom 7. März 1944
von Kopff für Baehr und Rabe
Beschreibung: Durchschlag. 1 Blatt (1 Seite). DIN A5, mit Doppellochung.
Kein spezieller Empfänger genannt. Allgemeine Bescheinigung. Aussteller:
Kopff. Scan im Supplement.
Inhalt: Kopff bestätigt in dieser Bescheinigung, daß Baehr und Rabe mit der
Übersiedelung des Instituts nach Sandow und Ziebingen beauftragt seien. Sie
sind berechtigt, in Kopffs Namen bindende Abmachungen zu treffen. Zitiert
und kommentiert in Kapitel 5.1.3 .
10.106
Telegramm vom 7. März 1944
von Kopff an P. ten Bruggencate
Beschreibung: Konzept für ein Telegramm. Handschrift von Kopff. Blauer und
roter Bleistift. 1 Blatt (1 Seite). DIN A5 quer, mit Doppellochung. Empfänger:
Univ.-Sternw[arte] Göttingen. Absender: Kopff. Scan im Supplement.
Inhalt: Kopff teilt mit, daß er für das Institut auf eine Übersiedelung nach
Göttingen verzichtet. Zitiert und kommentiert in Kapitel 5.1.6 .
225
Volltext:
Einfach
Univ.-Sternw[arte] Göttingen
Habe auf Göttingen verzichtet. Bitte dortigen Dienststellen mitteilen. Brief
folgt.
Kopff
10.107
Brief vom 8. März 1944
von Kopff an P. ten Bruggencate
Beschreibung: Durchschlag. 1 Blatt (1 Seite). DIN A4, mit Doppellochung.
Empfänger: Prof. Dr. P. ten Bruggencate, Univ.-Sternwarte Göttingen. Absender: Kopff. Scan im Supplement.
Inhalt: Kopff bezieht sich auf sein Telegramm vom 7. März 1944 ∗∗ und teilt
nun auch brieflich mit, daß das Institut auf die Umsiedelung nach Göttingen verzichte. Er begründet dies damit, daß sich die Gefährdungslage durch
Bomben in Göttingen jetzt sehr verschlechtert habe und dort eine ruhige
”
Arbeitsmöglichkeit“ nicht mehr gegeben sei. Er habe “nun doch in ruhiger
ländlicher Gegend südlich von Frankfurt a. d. Oder etwas Annehmbares gefunden“. [Dies bezieht sich offensichtlich auf Neuendorf, Sandow und Ziebingen
(siehe Kapitel 5.1.3).] Kopff bittet ten Bruggencate, die maßgebenden Stellen
in Göttingen von seinem Verzicht zu unterrichten. Ferner bittet Kopff, seinen
Koffer in Göttingen vorerst zu verwahren und gegebenenfalls auf den Hainberg
zu bringen. Zitiert und kommentiert in Kapitel 5.1.6 .
Kommentar: Die Passage über Kopffs Koffer in Göttingen läßt den Schluß
zu, daß Kopff Ende Februar oder Anfang März 1944 nach Göttingen gereist
war. Der Hainberg war die Außenstelle der Göttinger Sternwarte und galt
vermutlich als weniger bombengefährdet als die Sternwarte selbst.
10.108
Brief vom 9. März 1944
von Kopff an das Wach- und Schließinstitut
Beschreibung: Durchschlag. 1 Blatt (1 Seite). DIN A5, mit Doppellochung.
Empfänger: Wach- und Schließinstitut, Berlin-Lichterfelde. Absender: Kopff.
Tagebuch-Nr. 92/44. Scan im Supplement.
226
Inhalt: Kopff beauftragt das Wach- und Schließinstitut Lichterfelde, die Bewachung des Institutsgebäudes in Berlin-Dahlem, Altensteinstraße 40, ab
1. April 1944 für ein weiteres Jahr zu übernehmen. Zitiert und kommentiert
in Kapitel 9.2 .
10.109
Brief vom 10. März 1944 von Rabe an Kopff
Beschreibung: Handschriftlicher Brief. Kurrente. 1 Blatt (2 Seiten). Bräunliches Papier. DIN A4, mit Doppellochung. Empfänger: Kopff. Absender: Rabe,
Reppen. Scans im Supplement.
Inhalt: Rabe berichtet über die Bemühungen und die bisherigen Resultate, in
Sandow und Ziebingen Quartiere und Arbeitsräume für das Institut zu finden.
Die vorgesehenen Quartiere für Kopff und seine Mitarbeiter werden aufgelistet
und beschrieben. Zitiert und kommentiert in Kapitel 5.1.3 .
Kommentar: Zur Anmerkung im Brief bezüglich der Schwierigkeiten des Transports der Möbel von Gondolatsch: Die Familie Gondolatsch wohnte damals im
Dorf Fahrland, Priesterstr. 5. Fahrland liegt nördlich von Potsdam und ist
heute ein Stadtteil von Potsdam.
Volltext:
[Seite 1: ]
Reppen, 10. 3. 44 [10. März 1944]
Sehr geehrter Herr Professor !
Heute komme ich endlich zu einem schriftlichen Bericht. Bisher waren wir
dauernd (meine Frau und ich) unterwegs und abends dann totmüde. Am Mittwoch fuhren wir zuerst allein nach Sandow, um dort alles nach Möglichkeit
zu klären. Am Donnerstag nahmen wir dann Ziebingen vor, wo dann auch
Dr. Baehr an diesem Tage einige Zeit mit anwesend war, nachdem er am Mittwoch wegen seiner Erkältung noch nicht mit konnte. Heute konnten wir auch
Fam[ilie] Kahrstedt begrüssen, während Herr Prof. Kohl noch nicht eintraf.
Wir fuhren nun heute Mittag wieder nach Reppen, um morgen früh wieder
nach Ziebingen zurückzukehren, wobei wir das Kind gleich in unser neues
Quartier in Ziebingen mitnehmen.
Der Stand der Dinge ist nun folgender:
227
I. Arbeitsräume: in Sandow bleibt alles wie vorgesehen. Wegen der Räume in
Schloss Ziebingen hat der Herr Baron seine Mithilfe zugesagt, seine Cousine
aber im Augenblick noch nicht erreichen können. Wir erhalten noch Bescheid.
Die Drogerie in Ziebingen ist weiter für uns geblieben, sie hat etwa 4 - 6 qm
Lagerfläche zu bieten. Die Inhaberin Frau Adler verreist Ende März für ca
4 Wochen, bis dahin müsste mit ihr abgeschlossen und die Benutzungsweise
des Ladens geregelt sein.
II. Quartiere: ein Verzeichnis mit den wichtigsten Angaben bezüglich Grösse
und Ausstattung ist beigefügt. Kühns in Ziebingen wollen jetzt plötzlich ein
anderes Zimmer oben abgeben, das auch sehr nett aber bedeutend kleiner ist.
Dem gemäss halten wir es für zweckmässiger, dass Sie bei Hoppe das grössere
Zimmer nehmen und Frl. Dr. Nowacki das Zimmer bei Kühn.
Nachstehend die wohl zweckmässigste Verteilung der Quartiere:
Prof. Dr. Kopff b. Hoppe, Ziebingen
mit Frau : Prof.Dr. Kohl b. Lusche, Ziebingen
mit Frau : Prof. Dr. Kahrstedt b. Paul Gottwald, Sandow
mit Frau : Prof. Dr. Heinemann b. Reichenbach, Sandow
Dr. Gondolatsch b. Würz, Sandow
Dr. Baehr b. Loest, Ziebingen
Dr. Rabe b. Puchert, Ziebingen
Frl. Dr. Nowacki b. Kühn, Ziebingen
Dr. Musen und Frau b. Franz Gottwald, Sandow
Herr Lederle im Gasthof Walter, Sandow
[Seite 2: ]
Herr Henne und Frau b. Schirmer, Sandow
Frl. Dobkowitz i. Gasthof Walter in Sandow
oder b. Purger[?] in Sandow
oder b. Triebel[?] in Ziebingen
Frl. Höhne b. Frau Tillach in Ziebingen
Frau Gondolatsch u. Mutter i. Gasthof Walter, Sandow
Frl. Kohl b. Michel, Ziebingen.
Für meine Frau habe ich ein neues Quartier gefunden,
in das ich evtl. mit einziehe (in Ziebingen). Für Frau Baehr mit Kindern hat
es sich noch nicht geklärt.
Wenn Frl. Dobkowitz in das eine Gasthofzimmer käme, so wäre darin noch
ein Bett frei bzw. evtl., wenn das Bett hinausdürfte, wäre es gleichzeitig als
Geschäftszimmer für die AN möglich.
Zu den zuerst für Fr[au] Gondolatsch und Mutter vorgesehenen Zimmern b.
Schirmer führt eine steile Stiege hinauf, so dass es für die alte Dame wohl nicht
in Frage kommt, daher der Austausch mit dem Ehepaar Henne im Gasthof
Walter.
228
Die NSV [Nationalsozialistische Volkswohlfahrt] in Sandow kann einige
Bettstellen zur Verfügung stellen für die erste Zeit. Mit der Kochfrau wird
es dort auch klappen. Grosse Töpfe hierfür sollen möglichst aus den Haushalten in Berlin mitgebracht werden, nur im Notfall Antrag beim Wirtschaftsamt
hier auf neue. Kohlen müssen einzeln beantragt werden, für die Arbeitsräume
vom Direktor.
Wegen der Gemeinschaftsverpflegung in Ziebingen (Sparkasse) verhandelt
der Bürgermeister noch mit der Sparkasse.
Bezüglich der Möbel aus Berlin muss jeder Einzelne schriftlich mitteilen
bzw. beantragen (beim Landratsamt Reppen, Fahrbereitschaft) welche Stücke
er nach hier wünscht. Nur das Notwendige. Alles in Berlin zum Transport fertig
verpacken bzw. verschnüren, so dass Abholen einfach ist und schnell geht.
Sachen werden in den einzelnen Wohnungen abgeholt, sammeln im Institut
nicht erforderlich. × )
Ich werde versuchen, am Montag nach Berlin durchzukommen.
Bestens grüssend mit Heil Hitler !
Ihr sehr ergebener
E. Rabe
×
) Bei Dr. Gondolatsch in Fahrland könnte allerdings kaum abgeholt werden, da so weit abseits gelegen. Müsste vorher ins Institut gebracht werden.
[Zusatz auf Seite 2, quer geschrieben am linken Rand:]
Baldige Ankunft besonders von Fam[ilie] Henne wäre zu begrüssen, da
Besetzung dieses Quartiers (Schirmer) dringlich, weil sonst evtl. Verwandte
uns zuvor kämen.
10.110
Telegramm vom 10. März 1944 von Rabe an
Kopff
Beschreibung: Telegramm. 1 Blatt (1 Seite). DIN A5 quer, mit Doppellochung.
Empfänger: Kopff. Absender: Rabe, Reppen. Scan im Supplement.
Inhalt: Fuer gemeinsamen [sic] Kochen grosse Toepfe aus Haushalten mitbrin”
gen soweit vorhanden. Rabe.“. Zitiert und kommentiert in Kapitel 5.1.3 .
229
10.111
Brief vom 11. März 1944
des Wach- und Schließinstituts an Kopff
Beschreibung: Originalbrief auf Kopfbogen. 1 Blatt (1 Seite). DIN A5 quer,
mit Doppellochung. Empfänger: Kopff. Absender: Wach- und Schließinstitut
Lichterfelde, Otto Henke, Inhaber Johann Röbke, Berlin-Lichterfelde. Unterschrift: Röbke. Scan im Supplement.
Inhalt: Das Wach- und Schließinstitut Lichterfelde bestätigt die Übernahme
der Bewachung des Institutsgebäudes in Berlin-Dahlem, Altensteinstraße 40,
für ein weiteres Jahr, und zwar vom 1. April 1944 bis zum 31. März 1945 (siehe
Schreiben vom Kopff vom 9. März 1944 ∗∗ ). Zitiert und kommentiert in Kapitel
9.2 .
10.112
Rechnung vom 14. März 1944 der Firma Russ
an das Institut
Beschreibung: Handschriftliche Kopie der Rechnung. Blaue Tinte. 1 Blatt
(1 Seite). 19,2 cm breit, 17,1 cm hoch, kariertes Papier, mit Doppellochung.
Empfänger: offensichtlich das Astronomische Rechen-Institut. Absender:
Bruno Russ, Babelsberg. Scan im Supplement.
Inhalt: Rechnung über den Transport von Büchern von Dahlem nach Potsdam.
Zitiert und kommentiert in Kapitel 9.3 .
10.113
Brief vom 14. März 1944
von Lederle an unbekannte Empfänger
Beschreibung: Durchschlag (sehr schwach). 1 Blatt (1 Seite). DIN A4, mit
Doppellochung. Empfänger: nicht genannt. Absender: T. Lederle. Zusatz: Vertraulich. Scan im Supplement.
Inhalt: Lederle berichtet über die geplante Verlagerung des Instituts aus Berlin.
Bisher seien die Bemühungen um einen geeigneten Ausweichort weitgehend gescheitert. Zwar gäbe es bei Frankfurt an der Oder eine Möglichkeit [Neuendorf,
Sandow und Ziebingen, siehe Kapitel 5.1.3]. In dieser Gegend seien die Unterbringungsverhältnisse aber derart primitiv, daß eine erfolgreiche Arbeit dort
”
ausgeschlossen ist“. Lederle schildert die Erfordernisse für einen besser geeigneten Ausweichort, Er bittet die Empfänger seines Briefes um telegraphische
230
Benachrichtigung, wenn sie eine Unterbringungsmöglichkeit für das Institut
anbieten könnten.
Kommentar: Kopff hatte Lederle gebeten zu versuchen, in Baden oder im Elsaß
ein Ausweichquartier für das Institut zu finden. Lederle stammte aus Baden.
Bei Lederles Brief handelt es sich offensichtlich um eine Art Rundschreiben an
diverse Empfänger. Das uns vorliegende Exemplar des Briefes war eine Anlage
zum Brief von J. Hellerich an Kopff vom 5. Juni 1944 ∗∗ . Von anderen Stellen
in Baden oder im Elsaß sind uns keine Reaktionen bekannt.
10.114
Brief vom 27. März 1944 von Kopff an den
Oberpräsidenten von Brandenburg
Beschreibung: Durchschlag. 1 Blatt (1 Seite). DIN A4, mit Doppellochung.
Empfänger: Oberpräsident der Provinz Mark Brandenburg, (Planungsbehörde), Berlin W 8. Absender: Kopff. Scan im Supplement.
Inhalt: Kopff teilt mit, daß das Institut aufgrund eines Marschbefehls des Oberkommandos der Kriegsmarine (OKM) nach Sandow und Ziebingen bei Frankfurt (Oder) verlegt werden soll. Er beschreibt die bereits festgelegten Räume
und bittet, diese Räume für das Institut sicherzustellen. Die endgültige Entscheidung des OKM wegen der Verlagerung des Instituts nach Sandow und
Ziebingen stehe aber noch aus. Zitiert und kommentiert in Kapitel 5.1.3 .
10.115
Brief vom 29. März 1944
des Instituts an den Universitätskurator
Beschreibung: Brief mit Anlage Verzeichnis für Luftschutz-Wachtdienst beim
”
Kopernikus-Institut in Berlin-Dahlem“. Durchschläge.
(a) Begleitbrief: 1 Blatt (1 Seite). DIN A5, mit Doppellochung.
(b) Anlage: 1 Blatt (1 Seite). DIN A4, mit Doppellochung.
Empfänger (laut Brieftagebuch): Universitätskurator, Berlin.
Absender: Institut. Brieftagebuch-Nr. 100/44. Scans im Supplement.
Inhalt: Auf ein Rundschreiben des Universitätskurators vom 22. März 1944
teilt das Institut dem Kurator mit, wer beim Institut für den LuftschutzWachtdienst erfaßt ist. Die Liste enthält weisungsgemäß Namen, persönliche
Anschrift und Geburtsdatum dieser Personen. Das Institut hat zum Teil noch
Bemerkungen hinzugefügt. Zu Kapitel 9.2 .
231
10.116
Zirkular vom 29. März 1944
von Kopff an die Institutsmitglieder
wegen Luftschutz-Nachtdienst
Beschreibung: Mitteilung von Kopff an die Mitarbeiter des Instituts. 1 Blatt
(1 Seite). DIN A4, mit Doppellochung. Empfänger: Alle Mitarbeiter des Instituts. Die Mitarbeiter haben mit ihrer eigenhändigen Unterschrift die Kenntnisnahme bestätigt. Absender: Kopff. Scan im Supplement.
Inhalt: Kopff teilt den Mitarbeitern mit, daß eine Verstärkung des Luftschutzes
für das Institut erforderlich sei. Daher müßte ab 30. März 1944 jede Nacht ein
Institutsmitglied (zusätzlich zu Kopff und Nowacki) in turnusmäßiger Reihenfolge im Institut anwesend sein. Zitiert und kommentiert in Kapitel 9.2 .
10.117
Telegramm vom 28. April 1944 vom Oberkommando der Kriegsmarine an den Landrat des
Kreises Weimar
Beschreibung: Abschrift eines Diensttelegramms. Kopfbogen. 1 Blatt (1 Seite). DIN A4, mit Doppellochung. Empfänger des Telegramms: Landrat des
Landkreises Weimar. Empfänger der Abschrift: nicht angegeben, aber offensichtlich: Institut. Absender: Oberkommando der Kriegsmarine, Skl HW IVb,
Berlin W 35. Unterschriften: Im Auftrage: gez. Dr. Freiesleben. F. d. Richtigkeit der Abschrift: Kraft, Angestellte. Siegelstempel des Oberkommandos der
Kriegsmarine. Scan im Supplement.
Inhalt: Das Oberkommando der Kriegsmarine erbittet umgehend Mitteilung,
ob die Villa Protze in Magdala, die von Siemens nicht mehr beansprucht wird,
noch frei sei. Zitiert und kommentiert in Kapitel 5.1.7 .
Kommentar: Hans-Christian Freiesleben (1903-1985) leitete 1939 bis 1945 das
Referat Navigationsmethoden und Astronomie“ der Nautischen Abteilung
”
beim Oberkommando der Kriegsmarine (siehe Kapitel 4).
10.118
Brief vom 9. Mai 1944 von Kopff an Rabe
Beschreibung: Durchschlag. 1 Blatt (1 Seite). DIN A4, mit Doppellochung.
Empfänger: Rabe, Ziebingen. Absender: Kopff. Scan im Supplement.
232
Inhalt: Kopff schreibt an Rabe, daß es noch ungeklärt sei, was mit dem Insti”
tut weiter wird“. Es sehe aber doch so aus, als ob Kötteritzsch [ein Ortsteil
”
von Sermuth] etwas wird“. Daher habe Kopff die Quartiere in Sandow und Ziebingen freigegeben. Kopff würde es aber im Interesse der Arbeiten für besser
halten, wenn Rabe und Baehr noch dort blieben, da sie dort ruhiger arbeiten
können. Zitiert und kommentiert in Kapitel 5.1.3 .
10.119
Telegramm vom 10. Mai 1944 von Kohl an
Kopff
Beschreibung: Telegramm. 1 Blatt (1 Seite). DIN A5 quer, mit Doppellochung.
Empfänger: Institut. Absender: Kohl (Weimar, Amt Erfurt). Scan im Supplement.
Inhalt: Unterkunft in Magdala nur schwer moeglich. Kohl.“. Zitiert und kom”
mentiert in Kapitel 5.1.7 .
Kommentar: Magdala ist eine Kleinstadt in Thüringen. Sie liegt zwischen Weimar und Jena. Siehe auch Telegramm vom 28. April 1944 ∗∗ vom Oberkommando der Kriegsmarine an den Landrat des Kreises Weimar.
10.120
Brief vom 15. Mai 1944
des Universitätskurators an Kopff
Beschreibung: Briefkopf des Universitätskurators. 1 Blatt (2 Seiten). DIN A4,
mit Doppellochung. Absender: Der Universitätskurator in Berlin. U.-K.
V.S.6/44 g. Unterschrift: unleserlich. Zusätzliches Kürzel: unleserlich. Empfänger: Kopff. Eingangsdatum: 31. Mai 1944. Tagebuch-Nr. 134/44. Auf
Seite 2 einige handschriftliche Notizen von Kopff. Scans im Supplement.
Inhalt: Der Brief des Kurators enthält die Abschrift eines geheimen Schreibens
des Reichserziehungsministers vom 4. Mai 1944 (WB Nr.260) an das Oberkommando der Kriegsmarine (OKM). Der Reichserziehungsminister antwortet auf
das Schreiben des OKM vom 3. April 1944 (Skl H 1672/44 W IV b) und stimmt
der Unterstellung des Kopernikus-Instituts unter den Chef des hydrographischen Dienstes der Kriegsmarine für die Dauer des Zweiten Weltkriegs zu. Der
Kurator bittet Kopff um nähere Auskünfte zur Evakuierung des Instituts aus
Berlin. Zitiert und ausführlich kommentiert in Kapitel 4.
233
Volltext:
[Seite 1 des Briefes:]
Der Universitätskurator
in Berlin.
U.-K. V.S.6/44 g.
[Handschriftlicher Vermerk über die Eintragung im Brieftagebuch des Instituts:] 134/44
Berlin C 2, den 15. Mai 1944
Universität
Fernsprecher: 16 44 01
[Handschriftlicher Vermerk über das Datum des Eingangs des Schreibens:]
31. Mai [1944]
An
den Direktor des Kopernikus-Instituts
Herrn Prof. Dr. Kopff
- oder Vertreter im Amt Berlin-Dahlem
Altensteinstraße 40
Abschrift!
Der Reichsminister
für Wissenschaft, Erziehung und Volksbildung
WB Nr.260
Berlin, W 8 den 4. Mai 1944
Unter den Linden 69
Geheim.
Auf das Schreiben vom 3. April d.Js. - Skl H 1672/44 W IV b - erkläre ich
mich grundsätzlich damit einverstanden, daß das Kopernikusinstitut bei der
hiesigen Universität im Interesse einer zweckmäßigen Unterbringung zur Sicherung der Berechnungen des Astronomischen Jahrbuches für die Dauer des
Krieges dem Chef des hydrographischen Dienstes unterstellt wird. Seine Eigenschaft als Universitätsinstitut bleibt durch diese vorübergehende Regelung
unberührt. Ich bitte mich über die anderweitige Unterbringung des Instituts
zu benachrichtigen. Ich habe den hiesigen Universitätskurator von obiger Maßnahme in Kenntnis gesetzt und ihn beauftragt, mit dem Chef des hydrographi234
schen Dienstes wegen Überweisung der erforderlichen Beamten und Angestellten an ihn in Verbindung zu treten und seinen Wünschen nach Möglichkeit zu
entsprechen.
Er wird dem Oberkommando der Kriegsmarine vierteljährlich die Ausgaben
für Gehälter und Vergütungen sowie für sächliche Zwecke, die dem Institut in
der Ausweichstelle entstehen, zwecks Erstattung mitteilen.
Unterschrift
An das Oberkommando der Kriegsmarine z.Hd.von Herrn Oberregierungsrat
Biereichel - o.V.i.A. - in Berlin.
[Ende der Abschrift]
[Seite 2 des Briefes:]
Abschrift übersende ich Ihnen zur Kenntnis und mit der Bitte, mir die
Namen der Beamten usw., die mit in die Ausweichstelle gehen, anzuzeigen.
Ebenso bitte ich um Nachricht, wann mit der Verlegung begonnen wird und
welche Kosten die Kriegsmarine zu tragen hätte.
[unleserliche Unterschrift ]
[unleserliches Kürzel ]
[Handschriftliche Notizen in Bleistift von Kopff:]
1) Kochfrau
2) Telefonanlage
3) Quartiere
[in rot:] Frl. Kohl gehört nicht zum Personal
[Die mit rotem Bleistift im maschinenschriftlichen Text der Seite 2 angebrachten Fußnoten 1-3 beziehen sich vermutlich auf diese Notizen.]
235
10.121
Telegramm vom 31. Mai 1944 von Kopff an
Rabe
Beschreibung: Telegramm, vermutlich telefonisch aufgegeben. Konzept: 1 Blatt
(1 Seite). DIN A5 quer, mit Doppellochung. Empfänger: Dr. Rabe, Ziebingen
über Frankfurt/Oder. Absender: Kopff. Scan im Supplement.
Inhalt: Kopff fordert Rabe auf, sämtliche Quartiere in Ziebingen und Sandow
aufzugeben. Zitiert und kommentiert in Kapitel 5.1.3 .
Volltext:
Dr. Rabe
Ziebingen über Frankfurt/Oder
[Sandow] Gr. Frankfurter Str. 44a
dringend
Sämtliche Quartiere in Ziebingen und Sandow aufgeben. Baehr und Rabe
vorerst dort bleiben.
Kopff
Aufnahme Nr. 61
31 5. [19]44
10 h 45 m
10.122
Brief vom 5. Juni 1944 von J. Hellerich an
Kopff
Beschreibung: Kopfbogen. 1 Blatt (1 Seite). DIN A4, mit Doppellochung. Empfänger: Kopff. Absender: Prof. Dr. Hellerich, Sternwarte der Reichsuniversität
Strassburg. Scan im Supplement. 1 Anlage: Brief vom 14. März 1944 ∗∗ von
Lederle an unbekannte Empfänger.
Inhalt: Johannes Hellerich (1888-1963) war der Direktor der Sternwarte in
Straßburg. Er berichtet Kopff, daß er das beiliegende Schreiben Lederles vom
14. März 1944 ∗∗ durch den Straßburger Landgerichtspräsidenten Dr. Huber
zugesandt erhalten habe. Hellerich empfiehlt Kopff, sich wegen einer Ausweichstelle für das Institut an den Chef der Zivilverwaltung im Elsaß zu wenden.
Zitiert und kommentiert in Kapitel 5.1.10 .
236
10.123
Brief vom 7. Juni 1944 von Kopff
an den Bürgermeister von Ziebingen
Beschreibung: Durchschlag. 1 Blatt (1 Seite). DIN A4, mit Doppellochung.
Empfänger: Bürgermeister, Ziebingen über Frankfurt/Oder. Absender: Kopff.
Einschreiben. Ein zweites Schreiben an den Bürgermeister von Sandow gesandt. Abschrift an: Baehr, Rabe. Scan im Supplement.
Inhalt: Kopff teilt mit, daß die Übersiedelung des Instituts nach Sandow und
Ziebingen hinfällig geworden sei, weil das Institut einer militärischen Dienststelle [nämlich der Kriegsmarine] angegliedert wurde. Die belegten Räume und
Quartiere würden nicht mehr benötigt. Kopff dankt dem Adressaten für seine
Bemühungen. Zitiert und kommentiert in Kapitel 5.1.3 .
10.124
Brief vom 7. Juni 1944 von Kopff
an den Landrat von West-Sternberg
Beschreibung: Durchschlag. 1 Blatt (1 Seite). DIN A4, mit Doppellochung.
Empfänger: Landrat West-Sternberg, Reppen über Frankfurt/Oder. Absender:
Kopff. Scan im Supplement.
Inhalt: Kopff teilt mit, daß die Übersiedelung des Instituts nach Sandow und
Ziebingen hinfällig geworden sei, weil das Institut einer militärischen Dienststelle [nämlich der Kriegsmarine] angegliedert wurde. Die sichergestellten
Räume und Quartiere würden nicht mehr benötigt. Die Räume in Sandow
und Ziebingen werden einzeln aufgeführt. Zitiert und kommentiert in Kapitel
5.1.3 .
10.125
Brief vom 7. Juni 1944 von Kopff
an den Oberpräsidenten von Brandenburg
Beschreibung: Durchschlag. 1 Blatt (1 Seite). DIN A4, mit Doppellochung.
Empfänger: Oberpräsident der Provinz Mark Brandenburg, (Planungsbehörde), Berlin W 8. Absender: Kopff. Scan im Supplement.
Inhalt: Kopff teilt mit, daß die Übersiedelung des Instituts nach Sandow und
Ziebingen hinfällig geworden sei, weil das Institut einer militärischen Dienststelle [nämlich der Kriegsmarine] angegliedert wurde. Die sichergestellten
Räume und Quartiere würden nicht mehr benötigt. Die Räume in Sandow
237
und Ziebingen werden einzeln aufgeführt. Zitiert und kommentiert in Kapitel
5.1.3 .
10.126
Brief vom 17. Juni 1944 von Kopff an den Universitätskurator
Beschreibung: Durchschlag. 2 Blätter (2 Seiten). DIN A4, mit Doppellochung.
Empfänger: Universitäts-Kurator, Berlin. Absender: Kopff. Tagebuch-Nr.
134/44. Scans im Supplement.
Inhalt: Kopff sendet dem Kurator die in dessen Brief vom 15. Mai 1944 ∗∗
erbetenen Angaben. Kopff listet auf, welche Mitarbeiter des Instituts nach
Sermuth umziehen werden und wer in Berlin zurückbleiben soll. Der Zeitpunkt
der Verlagerung des Instituts stehe noch nicht ganz fest“. Mit der Übersied”
lung sei aber in 3 - 4 Wochen zu rechnen [d.h. in der ersten Hälfte des Julis.
Tatsächlich erfolgte der Umzug erst um den 1. August 1944]. Sonst sei aber alles in Sermuth bereits vorbereitet. Der Etat des Instituts bliebe unverändert.
Alle weiteren Ausgaben, die in der Ausweichstelle zusätzlich einmalig oder
”
laufend entstehen, übernimmt die Kriegsmarine“. Zitiert und kommentiert in
Kapitel 4 und 5.3 .
Kommentar: Dieses Schreiben hat Kopff am 15. Juli 1944 ∗∗ ergänzt.
10.127
Brief vom 20. Juni 1944 der Kriegsmarine an
das Institut u.a.
Beschreibung: Xerographische Kopie einer Abschrift. 1 Blatt (1 Seite). DIN A4,
Kopie ungelocht, Vorlage (Abschrift) gelocht. Absender des Originals: Oberkommando der Kriegsmarine, Berlin. Skl Adm Qu II Org a Nr. 1102/44. Unterschrift: gez. Schubert. Hersteller der Abschrift: Offenbar auch Kriegsmarine, da durch einen Stabszahlmeister beglaubigt (F.d.R.). Dessen Unterschrift
ist unleserlich. Die Kopie wurde im Astronomischen Rechen-Institut hergestellt. Empfänger des Originals: diverse, darunter: Kurator der Universität
Berlin; Kopernikus-Institut, Berlin-Dahlem. Empfänger der Abschrift: Herr
Reg[ierungs]Rat Dr. Gondolatsch. Scan im Supplement.
Inhalt: Das Schreiben betrifft die Unterstellung des Kopernikus-Instituts unter die Kriegsmarine. Es regelt die Einzelheiten dieser Maßnahme, soweit die
Kriegsmarine betroffen ist. Zitiert und ausführlich kommentiert in Kapitel 4.
238
Kommentar: Dieses Schreiben liegt uns nur als Xero-Kopie vor. Die originale Abschrift des Schreibens hatte freundlicherweise Herr Prof. Dr. Friedrich
Gondolatsch (1904-2003; siehe Kapitel 11.5) R.W. zur Herstellung einer Kopie
zur Verfügung gestellt. Das Schreiben erwähnt unter 3)a), daß drei Beamte der Deutschen Seewarte (die Teil der Kriegsmarine war) an das Institut
abkommandiert waren. Uns sind nur zwei sicher bekannt: Gondolatsch und
Rabe. Einen dritten abkommandierten Beamten konnten wir nicht ermitteln.
Zunächst würde man an Baehr oder Kahrstedt denken. Aber in den Personalunterlagen von ihnen ist kein Bezug zur Kriegsmarine erkennbar. Lederle
wurde 1944 zwar zur Kriegsmarine eingezogen, diente dort aber als Soldat und
war damals kein Beamter.
Volltext:
[handschriftlich:]
Herrn Reg[ierungs]Rat Dr. Gondolatsch.
[maschinenschriftlich:]
Abschrift!
Oberkommando der Kriegsmarine
Skl Adm Qu II Org a Nr. 1102/44
Berlin, den 20. Juni 1944
An
Marine-Oberkommando Ostsee/O.Qu.
Deutsche Seewarte H a m b u r g 11
Herrn Kurator d. Universität B e r l i n
Kopernikus-Institut Berlin-Dahlem, Altensteinerstr.[sic] 40
Marine-Intendantur D r e s d e n
Im Hause: Skl/H (2x), Mar.Wehr/Tr 1, Mar.Wehr/Tr II,
Mar.Wehr/Tr III, Mar Wehr/C, Mar.Rüst/FEP,
E III
Betr.: Unterstellung Kopernikus-Institut unter Kriegsmarine.
Vorg.: a) Skl/Qu A II Org a 606 v. 30. 3. 44 ) nur innerh.
b) Skl/H 2097 W IV b v. 12. 5. 44. ) d. OKM.
Der Reichserziehungsminister hat gemäß Vorgang b) die Unterstellung des
Kopernikus-Instituts unter die Kriegsmarine für die Dauer des Krieges genehmigt.
Die Eigenschaft der genannten Stelle als Universitätsinstitut bleibt durch
diese vorübergehende Regelung unberührt.
239
Hierzu wird angeordnet bezw. bekanntgegeben:
1) Die Dienststelle erhält marineseitig die Bezeichnung
Astronomisches Recheninstitut der Kriegsmarine“.
”
2) Standort der Dienststelle ist Sermuth im Kreis Grimma/Sa.
3) Die Dienststelle wird unterstellt
a) fachlich: OKM/Skl/H, (Amtsgruppe Nautik Chef des Hydrographischen
Dienstes)
b) disziplinar: Marine-Oberkommando Ostsee.
Die drei beim Kopernikus-Institut vorhandenen Beamten der Deutschen Seewarte gelten weiterhin als kommandiert und unterstehen disziplinar dem Leiter
der Hauptabteilung Nautik und Hydrographie bei der Deutschen Seewarte.
c) Verwaltungsmäßige Angliederung an Marineintendantur Dresden.
4) Dienststellenleiter ist Prof. Dr. A. Kopff, sein Vertreter Prof. Dr. K o h l.
5) Planstellen für das Personal des Kopernikus-Instituts sind bereits vorhanden. Die Bezahlung des Personals des Kopernikus-Institutes erfolgt wie bisher
durch den Kurator der Universität Berlin bei nachträglicher Erstattung durch
die Kriegsmarine gemäß OKM/Skl/H 2043 / 44.
Im Auftrage
gez. Schubert
F.d.R !!
[Unleserliche Unterschrift ]
Stabszahlmeister
10.128
Brief vom 24. Juni 1944 aus Grimma an Kopff
Beschreibung: Vermutlich Abschrift. Aufstellung und Brief. 1 Blatt (1 Seite).
DIN A4, mit Doppellochung. Empfänger: Kopff. Absender: unbekannter Absender aus Grimma, vermutlich die dortige Heeresstandortverwaltung. Scan
im Supplement.
240
Inhalt: Das Schriftstück enthält im oberen Teil eine Aufstellung über die Be”
legung der vorhandenen Quartiere in Sermuth“. Aufgelistet werden die Mitarbeiter des Instituts, der Name des (privaten) Quartiergebers, und die Zahl der
Zimmer. Im unteren Teil des Schriftstücks befindet sich die Wiedergabe des
Begleitbriefs an Kopff mit der Bitte, dieser Unterbringungsliste zuzustimmen.
Dies solle schnell erfolgen, damit die Vorbereitungen für die Einquartierung
vorgenommen werden können. Zitiert und kommentiert in Kapitel 5.3 und 12.
10.129
Brief vom 6. Juli 1944 von Kopff an den Universitätskurator
Beschreibung: Durchschlag. 1 Blatt (1 Seite). DIN A4, mit Doppellochung.
Empfänger: Universitäts-Kurator, Berlin. Absender: Kopff. Tagebuch-Nr.
143/44. Scan im Supplement.
Inhalt: Kopff schlägt dem Kurator eine Regelung der Benutzung des Institutsgebäudes in Dahlem, Altensteinstraße 40, nach der Verlagerung des Instituts
vor: Ein Teil der Bestände des Instituts (Bücher, ältere Rechnungen, Druckschriften, Büroeinrichtungen, Handbibliotheken der Mitarbeiter) müßten in
Berlin zurückgelassen werden. Im Dahlemer Gebäude verblieben die Hausverwalterin Totzki mit Familie (siehe Kapitel 12) und das eingewiesene Ehepaar
Wandelmaier (siehe Kapitel 12). In Berlin (aber nicht im Institutsgebäude)
bliebe auch der Hilfshausmeister Levy (siehe Kapitel 12). Kopff selbst werde
sich wegen der Vorlesungen, Akademiesitzungen usw. öfter in Berlin aufhalten
und seine Dienstwohnung im Institutsgebäude daher weiterhin beibehalten.
Kopff bittet den Kurator um Zustimmung zu dieser Regelung während der
Verlagerung. Zu den Kapiteln 5.3, 9.3 und 9.5 . Zitiert in Kapitel 12.
10.130
Brief vom 13. Juli 1944 der Kriegsmarine an
das Institut
Beschreibung: Brief mit maschinengeschriebenem Kopf. 1 Blatt (1 Seite).
DIN A4, dünnes Papier, gelocht. Empfänger: Kopernikus-Institut, BerlinDahlem. Nachrichtlich an diverse Marinestellen in Berlin und Dresden, sowie die Heeresstandortverwaltung Grimma. Absender: Marineoberkommando
Ostsee, Der Chef des Oberverwaltungsstabes. Kiel. Az. V[?] III B -4- /U 7335.
Unterschriften: Entwurf: Niewerth. Für die Richtigkeit: unleserliche Unterschrift einer Angestellten. Scan im Supplement.
Inhalt: Das Marineoberkommando Ostsee teilt mit, daß die verwaltungsseitige Betreuung des Kopernikus-Institutes der Marineintendanturdienststelle
241
Dresden übertragen worden sei, die sich im Bedarfsfalle der Verwaltungshilfe
der Heeresstandortverwaltung Grimma bedienen werde. Zitiert in Kapitel 4.
10.131
Brief vom 15. Juli 1944 von Kopff an den Universitätskurator
Beschreibung: Durchschlag. 1 Blatt (1 Seite). DIN A4, mit Doppellochung.
Empfänger: Universitäts-Kurator, Berlin. Absender: Kopff. Tagebuch-Nr.
134a/44. Scan im Supplement.
Inhalt: Kopff ergänzt sein Schreiben an den Kurator vom 17. Juni 1944 ∗∗ . Er
teilt dem Kurator die Namen der Mitarbeiter mit, die in Berlin verbleiben.
Die Abrechnung [der Gehälter usw.] für die im Schreiben an den Kurator vom
17. Juni 1944 ∗∗ genannten Mitglieder des Instituts [die nach Sermuth gehen]
erfolgt mit dem Oberkommando der Kriegsmarine. Zitiert und kommentiert in
Kapitel 4 und 5.3 .
10.132
Brief vom 25. Juli 1944 von Kopff an den Universitätskurator
Beschreibung: Durchschlag. 1 Blatt (1 Seite). DIN A5, gelocht. Empfänger:
Universitäts-Kurator, Berlin. Absender: Kopff. Tagebuch-Nr. 147/44. Scan im
Supplement.
Inhalt: Kopff teilt mit, daß durch eine in der Nähe niedergegangene Luftmine
Schäden am Institutsgebäude entstanden seien. Er bittet den Kurator dringend
um Beseitigung dieses Bombenschadens. Zitiert in Kapitel 9.4 .
10.133
Brief vom 25. Juli 1944 von Kopff an den Luftschutzblockwart
Beschreibung: Durchschlag. 1 Blatt (1 Seite). DIN A5, gelocht. Empfänger:
Herr Stüve, Luftschutzblockwart, Berlin-Dahlem, Altensteinstr. 36. Absender:
Kopff. Scan im Supplement.
Inhalt: Kopff teilt mit, daß er infolge der Verlagerung des Instituts teilweise von Berlin abwesend sei. Er behalte aber seinen Wohnsitz im Gebäude
Altensteinstraße 40. Als stellvertretenden Luftschutzhauswart habe er Herrn
Totzki (siehe Kapitel 12) bestimmt. Zu Kapitel 9.2 .
242
Kommentar: Nach dem Berliner Adressbuch für 1943 existierte in der Altensteinstraße keine Haus-Nummer 36, sondern es gab nur die Nummern 36a bis
36d. Vermutlich handelte es sich bei dem Luftschutzblockwart um den Prokuristen Anton Stüve, der im Haus Nr. 36c wohnte.
10.134
Frachtbrief vom 28. Juli 1944
der Spedition E. Scheffler für das Institut
Beschreibung: Durchschrift eines Frachtbriefs. Kopfbogen. 1 Blatt (1 Seite).
DIN A5, gelocht. Empfänger: Kopernikus-Institut, Dahlem. Absender: Erich
Scheffler, Spedition, Berlin C2. Scan im Supplement.
Inhalt: Frachtbrief Mö Nr. 7562. Betrifft die Gestellung von 2 Packern. Mit
rotem Bleistift ist vermerkt: 1. Waggon-Nr. München 16095“. Zitiert und
”
kommentiert in Kapitel 5.3 .
10.135
Brief vom 28. Juli 1944 von Kopff an den Universitätskurator
Beschreibung: Durchschlag. 1 Blatt (1 Seite). DIN A5, gelocht. Empfänger:
Universitäts-Kurator, Berlin. Absender: Kopff (vermutlich noch aus Dahlem).
Tagebuch-Nr. 149/44. Scan im Supplement.
Inhalt: Kopff meldet dem Kurator, daß die Verlagerung des Kopernikus-Instituts etwa am 1. August“ [1944] erfolge. Ein Teil des Personals befinde
”
sich bereits in Sermuth. Der endgültige Verlagerungstermin hänge von der
Gestellung der Eisenbahnwaggons ab. Zitiert und kommentiert in Kapitel 5.3 .
10.136
Brief vom 31. Juli 1944 von Kopff an den Universitätskurator
Beschreibung: Durchschlag. 1 Blatt (1 Seite). DIN A5, gelocht. Empfänger:
Universitäts-Kurator, Berlin. Absender: Kopff (vermutlich noch aus Dahlem).
Scan im Supplement.
Inhalt: Auf eine Anfrage des Kurators vom 29. Juli 1944 meldet Kopff, daß
sich die Akten des Kopernikus-Instituts infolge der Verlagerung des Instituts
nach Sermuth zur Zeit unterwegs im Eisenbahnwaggon befänden. Er könne
daher die gewünschten Angaben zur Zeit nicht machen. Sie würden aber nach
243
Einrichtung der Dienststelle in Sermuth nachgeliefert werden. Kopff bittet den
Kurator um Mitteilung, ob die Beantwortung überhaupt erforderlich sei, weil
das Institut inzwischen eine Marine-Dienststelle geworden sei. Zitiert und kommentiert in Kapitel 5.3 .
10.137
Personalaufstellung des Instituts von August
oder September 1944
Beschreibung: Aufstellung: Personalstand des Kopernikus-Instituts, Berlin”
Dahlem“. Durchschlag. 1 Blatt (1 Seite). DIN A4, gelocht. Empfänger: Nicht
genannt. Ersteller: [erschlossen:] Kopff. Scan im Supplement.
Inhalt: In der Personalaufstellung werden die am Institut vorhandenen Stellen
mit ihrer Vergütungsgruppe und die Stelleninhaber mit ihrer (gegebenenfalls
niedrigeren Einstufung) aufgelistet. Insgesamt werden 28 Stellen (einschließlich
des Direktors als Universitäts-Professor) aufgeführt. Davon sind 18 Stellen besetzt. Die Aufstellung ist nicht datiert. Sie stammt aber vom August 1944 (Sermuth wird als Aufenthaltsort von einem Teil der Personen erwähnt) oder vom
September 1944 (Ausscheiden von Hiller für den 30.9.44 noch angekündigt).
Die eingeklammerten Personen befinden sich nicht in Sermuth. Darunter werden auch 3 Personen (Müller, Strobel, Gliese) als im Heeresdienst befindlich
aufgeführt. Zitiert und kommentiert in Kapitel 3.5 .
Kommentar: Unklar ist, warum die eingeklammerten Personen als Teilneh”
mer“ bezeichnet werden, denn nicht alle davon sind Kriegsteilnehmer. Der
handschriftliche Entwurf von Kopff der danach maschinenschriftlichen erstellten Aufstellung befindet sich ebenfalls im Institutsarchiv. Wer das Original
erhalten hat, wissen wir nicht.
10.138
Entleih-Bescheinigung vom 2. August 1944 von
H. Geppert
Beschreibung: Handschriftliche Quittung auf Kopfbogen des CoppernicusInstituts. Bleistift. 1 Blatt (1 Seite). DIN A5, gelocht. Empfänger: offensichtlich
das Astronomische Rechen-Institut. Unterzeichner: Prof. Dr. Harald Geppert.
Scan im Supplement.
Inhalt: Quittung über die Entleihung von zwei Rechenmaschinen des Instituts
durch den Mathematik-Professor Geppert (1902-1945) der Berliner Universität. Zitiert in Kapitel 9.5.1 .
244
10.139
Brief vom 22. September 1944 des Instituts an
die Marineintendantur
Beschreibung: Durchschlag. Kopfbogen durch Stempel: Astronomisches Recheninstitut der Kriegsmarine, Sermuth. 1 Blatt (1 Seite). DIN A5, gelocht.
Absender: Astronomisches Recheninstitut der Kriegsmarine. AZ.: ARI 9/44.
Ohne Unterschrift. Empfänger: Marineintendantur, Dresden. Scan im Supplement.
Inhalt: Das Institut berichtet über das Problem der Küchenhilfskräfte in Sermuth. Es bestände weiterhin die Absicht, für das Institut eine eigene Küche
aufzumachen. Zitiert und kommentiert in Kapitel 4. Siehe auch Kapitel 5.3 .
Kommentar: Das Aktenzeichen ARI 9/44 scheint speziell für Zwecke der Kriegsmarine benutzt worden zu sein. Im normalen Brieftagebuch des Instituts ist
das vorliegende Schreiben nicht verzeichnet.
10.140
Brief und Aufstellung vom 25. Oktober 1944
vom Institut an den Universitätskurator
Beschreibung: Durchschläge.
(a) Brief: 1 Blatt (1 Seite). DIN A5, mit Doppellochung. Empfänger: Universitäts-Kurator, Berlin. Absender: Institut. Tagebuch-Nr. 189/44. Scan im Supplement.
(b) Aufstellung als Anlage zum Brief: 1 Blatt (1 Seite). DIN A4, mit Doppellochung. Absender: Stempel links oben: Astronomisches Rechen-Institut der
Kriegsmarine. (10) Sermuth über Grimma i. Sa. . Scan im Supplement.
Inhalt: Das Institut übersendet dem Kurator das verlangte Inventarverzeichnis der nach Sermuth mitgenommenen Gegenstände und Bücher des Instituts.
In der Anlage aufgeführt werden: Möbel, Tischlampen, Schreibmaschinen, Rechenmaschinen, Sonstiges, Bücher und Zeitschriften. Vermerkt wird, daß die
Bibliothek der Astronomischen Nachrichten bei der Heeresstandortverwaltung
in Grimma untergebracht sei. Zitiert in Kapitel 5.3 .
Kommentar: Die Anlage trägt als Kopf einen der Stempel, die für das Institut
nach der Übernahme durch die Kriegsmarine angefertigt wurden.
245
10.141
Brief vom 29. Oktober 1944
von Kopff an H. Geppert
Beschreibung: Durchschlag. 1 Blatt (1 Seite). DIN A5, mit Doppellochung. Empfänger: Prof. H. Geppert, Berlin-Dahlem (ohne Straßenangabe). Absender:
Kopff (aus Sermuth). Scan im Supplement.
Inhalt: Kopff bittet den Mathematik-Professor Harald Geppert (1902-1945) der
Berliner Universität, dem Hilfshausmeister Levy zu bescheinigen, daß dieser
für das Dahlemer Institutsgebäude benötigt werde. Ferner bittet Kopff um
Reservierung des Dahlemer Hörsaals für seine Vorlesungen, die am 8. November
1944 beginnen sollen. Zitiert und kommentiert in Kapitel 9.5.1 .
10.142
Brief vom 30. November 1944 von H. Geppert
an Kopff
Beschreibung: Originalbrief. Kopfbogen des Mathematischen Instituts der Universität Berlin. 1 Blatt (1 Seite). DIN A4, mit Doppellochung. Empfänger:
Kopff (in Sermuth). Absender: Prof. Dr. H. Geppert, Berlin (bei der Adresse ist statt der durchgestrichenen amtlichen Anschrift die Privatadresse von
Geppert (Zehlendorf, Am Fischtal 12) handschriftlich hinzugefügt). Unterschrift: Harald Geppert. Scan im Supplement.
Inhalt: Der Mathematik-Professor Harald Geppert (1902-1945) der Berliner
Universität teilt Kopff mit, daß der Hilfshausmeister Levy nicht (von der Organisation Todt) freigegeben werde. Er habe daher zwei Zeitungsannoncen aufgegeben und es hätten sich daraufhin ca. 50 Bewerber gemeldet.
Geppert möchte eine Neueinstellung zu Mitte Dezember 1944 vornehmen. Er
fragt Kopff, wann dieser nach Berlin käme. Zitiert in Kapitel 9.5.1 .
Handschriftliche Zusätze von Kopff auf der Vorderseite des Briefes:
(1) Rechts oben notiert Kopff mit Bleistift offenbar den Inhalt eines dringenden Telegramms an Geppert, das diesem durch Telefon (Berlin 845590)
zugesprochen werden sollte: Fahre am zwölften Dezember [1944] nach Berlin.
”
Brief unterwegs.“. Ein entsprechender Brief von Kopff liegt uns aber nicht vor.
Geppert hatte in einem Postscriptum mitgeteilt, daß er vom 11.-13. Dezember
in Jena sei. Vermutlich ist Kopff aber hinreichend lange in Berlin geblieben,
um Geppert noch zu treffen.
(2) Unten links hat Kopff mit Bleistift notiert: 4. Dez[ember] an
”
Gp. [Geppert], daß Ausgebombter oder Flüchtling in Wohnung muß“. Unklar
ist, ob damit die Dienstwohnung von Kopff oder die des Hausmeisters (Totzki
246
/ Hippe) gemeint ist. In der Wohnung von Kopff war bereits das ausgebombte
Ehepaar Wandelmaier untergebracht (siehe Kapitel 12).
10.143
Notizen von Kopff auf der
Rückseite des Briefes vom 30. November 1944
von H. Geppert an Kopff
Beschreibung: Handschriftliche Notizen. Bleistift. Rückseite des Briefes vom
30. November 1944 von H. Geppert an Kopff (siehe oben). DIN A4 quer, nur
rechte Halbseite benutzt, d.h. hier effektiv DIN A5. Scan im Supplement.
Inhalt: Kopff hat sich hier offensichtlich einen Merkzettel für die Vorbereitung
seiner Reise von Sermuth nach Berlin im Dezember 1944 niedergeschrieben.
Zitiert in Kapitel 9.2 .
Kommentar:
Der Merkzettel mit Kopffs Notizen gibt zum Teil einen guten Eindruck
von den schwierigen Lebensverhältnissen der damaligen Zeit. Kopff wohnte
seit August 1944 in Sermuth, dem Evakuierungsort des Instituts. Er besaß
aber noch Teile seiner Dienstwohnung in Dahlem. Wir wissen nicht, welchen
Teil seines Hausrats er von Berlin nach Sermuth mitgenommen hatte. Seine
Frau war 1943 verstorben. Seine Söhne Otto und Walter befanden sich im
Krieg.
Der Sinn der meisten Positionen des Merkzettels ist offensichtlich. Zu einigen Positionen geben wir folgende Hinweise:
2) und 5) beziehen sich auf das Berliner Astronomische Jahrbuch (BAJ).
Zu 2): Die Beschaffung des Papiers zum Druck des BAJ mußte im Krieg extra
beantragt werden.
4) Die Familie Totzki bewohnte die Hausmeisterwohnung im Institutsgebäude
in Dahlem (siehe Kapitel 12). Da ein neuer Hausmeister (Hippe) eingestellt
werden sollte, mußten die Totzkis diese Wohnung räumen. Offensichtlich wollte
Kopff helfen, eine andere Unterkunft für die Totzkis zu finden.
8) Zweck unklar.
9) Hermann Nold besaß eine Buchhandlung in Berlin-Lichterfelde, Drakestr. 38.
18) Eine Taschenlampe war bei Luftangriffen und generell wegen der vorgeschriebenen Verdunklung erforderlich, zumindest hilfreich.
247
Volltext:
[-] 1) Schlüssel mitnehmen für Glasschrank & Bunker etc.
[-] 2) Papier Bln. Jahrb. 1946 (Anträge)
[-] 3) Mitnehmen: Anzug, leere Hülsen, Mantel
[-] 4) Unterkunft Totzki
[-] 5) Schriftstücke für Bestell[un]g B.J.
[xx] 6) Sparbücher mitnehmen[,] Geld
[-] 7) Schlüssel in Bunker aufbewahren
[x] 8) Spielsachen
[x] 9) Nold
[-] 10) Briefpapier etc.
[x] 11) Mappe Bln. nicht vergessen
12) Ausweis für Reise
[xx] 13) Leb[ens]mittelmarken
[-] 14) Schuhbänder[,] Streichhölzer
[-] 15) Briefpapier
[-] 16) Zettel Quartieramt
[xx] 17) Hausschuhe[,] Haarbürste
[xx] 18) Taschenlampe
[-] 19) Wams
[xx] 20) Brief Otto (innen)
[xx] 21) Tee
248
[Folgende Positionen sind durchgestrichen:
1)-5), 7), 10), 14)-16), 19): [-]]
[Vor folgenden Positionen befindet sich ein rotes Kreuz:
8), 9), 11): [x]]
[Vor folgenden Positionen befinden sich zwei rote Kreuze:
6), 13), 17), 18), 20), 21): [xx]]
[Am linken Rand ist eine Zahl senkrecht notiert:]
65608 D [Bei dieser Zahl handelt es sich um die damalige Feldpost-Nummer
von Walter Kopff, einem der Söhne von Kopff. Dies konnten wir aus einem
im Institutsarchiv noch vorhandenen, alten Adressenverzeichnis erschließen.]
10.144
Brief vom 19. Dezember 1944 von H. Geppert
an Kopff
Beschreibung: Maschinenschriftlicher Brief. 1 Blatt (1 Seite). DIN A4, mit Doppellochung. Empfänger: Kopff (in Sermuth). Absender: Prof. Dr. H. Geppert,
Berlin-Zehlendorf, Am Fischtal 12. Unterschrift: Ihr ergebener Harald Geppert.
Scan im Supplement.
Inhalt: Der Mathematik-Professor Harald Geppert (1902-1945) der Berliner
Universität teilt Kopff mit, daß Herr Totzki sich weigere, die Heizung im Institutsgebäude weiterhin zu bedienen. Totzkis sollen die Hausmeisterwohnung
bis zum 3. Januar [1945 ] abends für den neuen Hausmeister räumen. Am 8.
Januar würden die Vorlesungen wieder beginnen und daher müßte die Heizung
spätestens am 6. Januar in Gang gesetzt werden. Zitiert in Kapitel 9.5.1 .
10.145
Brief vom 20. Dezember 1944
von Kopff an H. Geppert
Beschreibung: Durchschlag. 1 Blatt (1 Seite). DIN A5, mit Doppellochung. Empfänger: Prof. Dr. Harald Geppert, Berlin-Zehlendorf, Am Fischtal 12. Absender: Kopff (aus Sermuth). Scan im Supplement.
Inhalt: Kopff teilt dem Mathematik-Professor Harald Geppert (1902-1945) der
Berliner Universität mit, wann das Institutsgebäude größere Bombenschäden
erlitten hat. Bezüglich der Einstellung von Hippe hofft Kopff, daß alles befriedigend laufe. Zitiert und kommentiert in Kapitel 9.4 und 9.5.1 .
249
Kommentar: Der Brief von Geppert an Kopff vom 19. Dezember 1944 ∗∗ und
der Brief von Kopff an Geppert vom 20. Dezember 1944 ∗∗ haben sich offensichtlich gekreuzt. Nach Angabe von Kopff benötigte ein Brief von Berlin nach
Sermuth meist 4 Tage.
10.146
Brief vom 27. Februar 1945 von Kopff an das
Wach- und Schließinstitut
Beschreibung: Durchschlag. 1 Blatt (1 Seite). DIN A5, gelocht. Empfänger:
Wach- und Schließinstitut, Berlin-Lichterfelde. Absender: Kopff. Tagebuch-Nr.
267/45. RBNr.9/0250/5383. Scan im Supplement.
Inhalt: Kopff beauftragt das Wach- und Schließinstitut Lichterfelde, die Bewachung des Institutsgebäudes in Berlin-Dahlem, Altensteinstraße 40, ab
1. April 1945 für ein weiteres Jahr zu übernehmen. Zitiert und kommentiert
in Kapitel 9.2 .
10.147
Brief vom 26. März 1945
des Wach- und Schließinstituts an Kopff
Beschreibung: Originalbrief auf Kopfbogen. 1 Blatt (1 Seite). DIN A5 quer,
gelocht. Empfänger: Kopff. Absender: Wach- und Schließinstitut Lichterfelde,
Otto Henke, Inhaber Johann Röbke, Berlin-Lichterfelde. Unterschrift: Röbke.
Scan im Supplement.
Inhalt: Das Wach- und Schließinstitut Lichterfelde bestätigt die Übernahme
der Bewachung des Institutsgebäudes in Berlin-Dahlem, Altensteinstraße 40,
für ein weiteres Jahr (siehe Schreiben vom Kopff vom 27. Februar 1945 ∗∗ ).
Zitiert und kommentiert in Kapitel 9.2 .
10.148
Amerikanischer Ausweis vom Juni 1945 für das
Institut bei seiner Übersiedlung
Beschreibung: Beglaubigte Photokopien. 3 Blätter (3 Seiten). DIN A4, ungelocht, mit einer Schnur verbunden. Notarielle Beglaubigung vom 28. Februar
1955 auf der Rückseite der Photokopie von Blatt 3. Zweck: Ausweis für das
Astronomische Rechen-Institut. Aussteller: Allied Expeditionary Force, Military Government, Military Government Officer. Unterschrift: Leonard R. Day.
Kein Datum. Keine Ortsangabe. Scans im Supplement.
250
Inhalt: Der Ausweis diente als Dokument für die Personen und Materialien des
Instituts, die von Sermuth nach Würzburg und anschließend nach Heidelberg
umgesiedelt wurden. Die 3 Blätter des Ausweises sind als Anlagen zum leider
nicht überlieferten Marschbefehl zu betrachten. Inhalt der Blätter: Blatt 1: Personalverzeichnis der in Sermuth befindlichen Personen, die mit dem Institut
verbunden waren. Blatt 2: Personalverzeichnis für die Übersiedlung nach dem
Westen, eingeteilt in Personen, die registriert“ waren, Personen, die nicht re”
”
gistriert“ waren, und in Russische Emigranten“. Blatt 3: Aufstellung der dem
”
Institut gehörenden, mitgeführten Gegenstände. Der maschinenschriftliche Teil
des Textes ist sicher vom Institut selbst geschrieben worden. Die handschriftlichen Zusätze und der Stempel stammen dagegen vom amerikanischen Militär
(wohl von Captain Day). Zitiert, beschrieben und kommentiert in Kapitel 6.3.
Kommentar: Der Ausweis ist sicherlich im Monat Juni 1945 ausgestellt worden.
Der Ausstellungsort war wahrscheinlich Grimma. Die Originale der 3 Blätter
liegen uns leider nicht vor. Warum die Kopien der 3 Blätter im Jahr 1955
notariell beglaubigt werden mußten, konnten wir nicht klären. Der Unterzeichner der Ausweisblätter, Leonard R. Day, wird von Kopff in seinem Brief vom
17. August 1950 ∗∗ als Captain Day“ bezeichnet. Dort nennt Kopff als Aus”
stellungsort die damalige Kreisstadt Grimma.
Volltext:
[Seite 1: ]
Kopernikus-Institut
Astronomisches Rechen-Institut
Astronomisches Rechen-Institut in Sermuth
Personalverzeichnis
Direktor: Prof. Dr. August Kopff, registriert
Hauptobservator: Prof. Dr. Albrecht Kahrstedt, nicht registriert
Frau Johanna Kahrstedt geb. Brückner, nicht registriert
Brigitte Kahrstedt, nicht registriert
Observator: Prof. Dr. Karl Heinemann, registriert
Frau Ella Heinemann geb. Ritter, registriert
Observator: Dr. Friedrich Gondolatsch, registriert
Frau Margarete Gondolatsch geb. Fabricius, registriert
Frau Friederike Fabricius geb. Wachenhusen, registriert
Observator: Dr. Ulrich Baehr, nicht registriert
Frau Elisabeth Baehr geb. Gentsch, nicht registriert
Christian Baehr (unter 12 J.), nicht registriert
Doris Baehr (unter 12 J.), nicht registriert
251
Observator: Dr. Eugen Rabe, registriert
Frau Erika Rabe geb. Schiller, registriert
Ingrid Rabe (unter 12 J.), registriert
Observator: Dr. Helene Newaski [richtig: Nowacki], registriert
Wiss. Mitarb.: Frau Nina Musen geb. Granitow, registriert
Dr. Peter Musen, registriert
Georg Musen (unter 12 J.), registriert
Frau Nina Granitow geb. Stojanowsky, registriert
Wiss. Rechner: Karl Henne, registriert
Frau Anna-Margarete Henne geb. Appel, registriert
Sekretärin: Gertrud Höhne, nicht registriert
Hausmeister: Eugen Hodakowsky (driver of the truck), registriert
Frau Tamara Hodakowsky geb. Musen, registriert
Nikolaus Hodakowsky (unter 12 J.), registriert
Frau Nadeschda Musen geb. Wolkow, registriert
Granitow, Natalie
Granitow, Maria
Ljubinsky geb. Musen, Ludmilla
Sujew, Wassily
Sujew geb. Drobischew, Apolinaria
[Am Ende der Seite handschriftlicher Text und Stempel:]
Incl. #1 (3 pages)
Return of
Essential Scientific
Technicians & families
[Unterschrift:]
[Stempel mit rechteckigem Rahmen:]
OFFICIAL
Allied Expeditionary Force
Military Government
Leonard R. Day
Military Government Officer
Page 1
[Ende der Seite 1 ]
252
[Seite 2: ]
Astronomisches Rechen-Institut in Sermuth
Personalverzeichnis
registriert
Direktor: Prof. Dr. August Kopff
Prof. Dr. Karl Heinemann
Frau Ella Heinemann geb. Ritter
Observator: Dr. Friedrich Gondolatsch
Frau Margarete Gondolatsch geb. Fabricius
Frau Friederike Fabricius geb. Wachenhusen
Observator: Dr. Eugen Rabe
Frau Erika Rabe geb. Schiller
Ingrid Rabe (unter 12 J.)
Observator: Dr. Helene Nowacki
Wiss. Mitarb.: Dr. Peter Musen
Frau Nina Musen geb. Granitow
Georg Musen (unter 12 J.)
Frau Nina Granitow geb. Stojanowsky
Wiss. Rechner: Karl Henne
Frau Anna-Margarete Henne geb. Appel
Hausmeister: Eugen Hodakowsky
Frau Tamara Hodakowsky geb. Musen
Nikolaus Hodakowsky (unter 12 J.)
Frau Nadeschda Musen geb. Wolkow
nicht registriert
Hauptobservator: Prof. Dr. Albrecht Kahrstedt
Frau Johanna Kahrstedt geb. Brückner
Brigitte Kahrstedt
Observator: Dr. Ulrich Baehr
Frau Elisabeth Baehr geb. Gentsch
Christian Baehr (unter 12 J.)
Doris Baehr (unter 12 J.)
Elfriede Baehr (unter 12 J.)
Sekretärin: Gertrud Höhne
253
Russische Emigranten:
Granitow, Natalie
Granitow, Maria
Ljubinsky geb. Musen, Ludmilla
Sujew, Wassily
Sujew geb. Drobischew, Apolinaria
[Am Ende der Seite handschriftlicher Text und Stempel:]
Essential Scientific
Technicians
& families
[Unterschrift:]
[Stempel mit rechteckigem Rahmen:]
OFFICIAL
Allied Expeditionary Force
Military Government
Leonard R. Day
Military Government Officer
Page 2
[Ende der Seite 2 ]
[Seite 3: ]
Kopernikus-Institut
Astronomisches Rechen-Institut in Sermuth
Property
1. Handwritten tables for the calculation of the fundamental stars for the
Astronomical Almanac, of the satellites and tables of the elements for ca. 2000
minor planets.
2. Calculation tables and logarithms from 4 to 10 places (for the calculation
of the Almanac).
3. Series of Astronomical Almanacs (Berliner Jahrbuch, American Ephemeris,
Nautical Almanac, Connaissance des Temps).
4. Calculation machines of different types, 5 larger electrical machines.
254
5. 4 type-writers.
6. Tables of the large planets, of sun and moon.
7. Library of books and period[ical ]s as the fundamental of our work.
4000 volumes (can be taken only partially).
8. Archives of the Almanacs, the publications of the Institute and the Astronomische Nachrichten.
9. Manuscripts for the Astronomische Nachrichten.
10. Books for the cash and articles for the office.
11. Some furniture for the office (register-cards).
12. Personal luggage for the members of the office.
1. Handschriftliche Tafeln zur Berechnung der Sternörter der Fundamentalsterne für das Astronomische Jahrbuch, der Satelliten und Tafeln von Elementen
von ca. 2000 Kleinen Planeten.
2. Rechentafeln und Logarithmentafeln von 4 bis 10 Stellen (zur Berechnung
der Jahrbuchangaben).
3. Serien von Astronomischen Jahrbüchern (Berliner Jahrbuch, American Ephemeris, Nautical Almanac, Connaissance des Temps).
4. Rechenmaschinen verschiedener Typen, darunter 5 grössere elektr[ische].
5. 4 Schreibmaschinen.
6. Planetentafeln der grossen Planeten und von Sonne und Mond.
7. Handbibliothek von Büchern und Zeitschriften als Arbeitsgrundlage, im ganzen 4000 Bände (diese können nur teilweise mitgenommen werden).
8. Archiv des Astronomischen Jahrbuchs, der Veröffentlichungen des Institutes
und der Astronomischen Nachrichten.
9. Manuskripte für die Astronomischen Nachrichten.
10. Kassenbücher und Bürobedarf.
11. Die wichtigsten Büromöbel (Karteien).
12. Persönliches Gepäck der Mitglieder des Instituts.
[Am Ende der Seite handschriftlicher Text und Stempel:]
Essential Scientific
Technicians &
families
[Unterschrift:]
[Stempel mit rechteckigem Rahmen:]
OFFICIAL
Allied Expeditionary Force
Military Government
Leonard R. Day
Military Government Officer
255
Page 3
[Ende der Seite 3 ]
[Die Rückseite von Blatt 3 enthält die Beglaubigung vom 28. Februar 1955
der 3 Blätter durch das Notariat Heidelberg III. Die 3 Blätter sind mit einer
schwarz-rot-goldenen Schnur verbunden.]
10.149
Briefentwurf (Deutsch) von ca. Juni 1945 von
Kopff an das Military Government in Delitzsch
Beschreibung: Briefentwurf in Deutsch von Kopff an die amerikanischen Militärbehörden in Delitzsch. Undatiert. Handschrift von Kopff in hellblauem
Bleistift. 1 Blatt (2 Seiten), DIN A 5 (ungelocht). Scan der Seite 1 im Supplement.
Inhalt: Gesuch von Kopff um Reiseerlaubnis für die Familie Kohl von Delitzsch
nach Würzburg. Zitiert in Kapitel 6.3 .
Kommentar: Der Zeitpunkt der Abfassung liegt offensichtlich kurz vor der
Verlagerung des Instituts von Sermuth nach Heidelberg (über Würzburg), d.h.
vor dem 20. Juni 1945. Ob der Brief abgesandt wurde, wissen wir nicht.
Volltext:
[Kopfbogen des Kopernikus-Instituts; ohne Datum]
Das RI [Astronomische Rechen-Institut], das bisher nach Sermuth verlagert
[war,] soll auf Anordnung der Militär R[egierung] Gr[imma] nach Würzburg
verlegt werden. Der Hauptob[servator Kohl ] an dies[em Institut ?], der zule[t]zt[?] in Delitzsch seinen Wohnsitz hatte, wird in Würz[burg] zur Weiterf[ührung] der Arbeiten dringend benötigt. Ich bitte deshalb, für ihn sowie
seine F[rau] u[nd ] T[ochter ] die Reiseerlaubnis mit Auto von Del[itzsch] nach
Würzburg zu geben unter Mitnahme seines Hausrats.
[Rückseite:]
Mil[itär ] Reg[ierung ]
1) Prof. Kohl kommt [?] nach.
256
10.150
Briefentwurf (Englisch) von ca. Juni 1945 von
Kopff an das Military Government in Delitzsch
Beschreibung: Briefentwurf in Englisch von Kopff an die amerikanischen Militärbehörden in Delitzsch. Undatiert. Handschrift von Kopff in hellblauem
Bleistift. 1 Blatt (1 Seite), DIN A 4 (ungelocht). Scan im Supplement.
Inhalt und Kommentar: Siehe bei der deutschen Fassung (voriges Kapitel).
Zitiert in Kapitel 6.3 .
Volltext:
To the Military Go[u]vernment Delitzsch.
The Astronomical Calculation Office, which was in residence at Sermuth
near Grimma, Saxonia, will be by order of the Military Go[u]vernment Grimma
transferred to Würzburg. The member of the office, Prof. Dr. Otto Kohl, who
has now his residence at Delitzsch, shall continue his work at Würzburg: I
therefore beg to give the permission to him, to his wife and his daughter, who
is also a member of the office, to travel from Delitzsch to Würzburg by motor
car and to take his property with him.
The Director
10.151
Postkarte vom 9. Oktober 1945 von Kopff an
K. Schiller
Beschreibung: Spätere Kopien der Vor- und Rückseite der Postkarte. Kopien:
2 Blatt (2 Seiten), DIN A4. Aufbewahrungsort der originalen Postkarte unbekannt (vermutlich im Nachlaß von K. Schiller). Herkunft der Kopien unklar.
Leider ist die Qualität der Kopien sehr schlecht. Wir geben daher zusätzlich
zu den Scans der Kopien unten den Volltext der Postkarte wieder. Empfänger:
Karl Schiller in Grävenwiesbach (Taunus). Absender: Kopff (Privatadresse).
Scans im Supplement.
Inhalt: Diverse Mitteilungen, insbesondere zur Aufnahme der Arbeit des ARI
in Heidelberg im Jahr 1945. Zitiert in Kapitel 6.3 und 7.4.
Kommentar: Karl Schiller (1882-1979) war Astronom. Er war bis 1945 Mitarbeiter der Leipziger Sternwarte und ab 1947 an der Sternwarte der Universität
Frankfurt am Main tätig. Der in der Karte erwähnte Hans Kautsky (18911966) war Professor für Chemie an der Universität Leipzig gewesen und wurde
1945 von den Amerikanern nach Weilbach an der Lahn zwangsumgesiedelt. Der
257
Kümmelbacher Hof war damals ein Heidelberger Kurhotel, nahe der Grenze
zu Neckargemünd. Walter und Otto sind die beiden Söhne von Kopff.
Volltext:
Text-Seite:
Heidelberg, den 9. Okt[ober ] [19 ]45
Lieber Herr Schiller ! Heute kam Ihre mich sehr überraschende Karte vom 26. 9.
an. Ich war der Meinung, Sie seien besser zuhause geblieben. Wir haben hier
die Arbeit aufgenommen, aber unsere Zukunft ist noch immer ungewiß. Heute
traf ich zufällig Prof. Kautzky [richtige Schreibweise: Kautsky ], der mir einiges
von Weilb[ach] berichtete. Kahrst[edt ], Baehr, und Frl. Höhne, sowie Kohl sind
zurückgeblieben. Ich arbeite meist, wie alle anderen auch in der Wohnung; wir
treffen uns nur zu Besprechungen im Math[ematischen] Institut. Der Hausmeister hat nun meine Adresse, ich hörte von Ihrem Hiersein nichts. Nur wurde
mir gelegentlich erzählt, es hätte beim Dekanat ein Herr nach mir gefragt. Ich
hoffe nun bald, Sie doch hier zu sehen. Gesundheitlich geht es einigermaßen.
Ich war 4 Wochen auf dem Kümmelbacher Hof, wo ich mich etwas erholt habe.
Walter ist glücklich aus der Gefangenschaft zurückgekehrt. Von Otto fehlt jede
Nachricht. Es ist ja gut, daß Sie wenigstens Ihre Söhne bei sich haben. Grüßen
Sie beide vielmals und auch Ihnen recht herzliche Grüße Ihr A. Kopff
Anschriften-Seite:
[Absender:]
Prof. Kopff
Heidelberg
Schröderstr. 45a
bei Frau Batt
[Sprache:] German
[Empfänger :]
Herrn
Dr. K. Schiller
(16) Grävenwiesbach
Kr[eis] Usingen i[m] Taunus
Schulstr. 119
258
10.152
Vertrag vom 30. November 1945 zwischen dem
Universitätsverlag Winter und Kopff über den
Astronomischen Kalender
Beschreibung: Maschinenschriftlicher Vertrag auf Kopfbogen des Verlags. 1 gefalteter Bogen (Seite 1 und 3 beschrieben, Seite 2 und 4 leer). DIN A4, gelocht.
Verlagsvertrag zwischen Herrn Prof. Dr. August Kopff, Heidelberg, Schröderstr. 45 A und Carl Winter, Universitätsverlag, Heidelberg. Unterschriften: Heidelberg, den 8. Oktober 1945; Carl Winter, Universitätsverlag; i[n] Vollm[acht]
Dr. [Wilhelm] Anders, ppa Max Jost. Heidelberg, den 30. November 1945;
Prof. Dr. August Kopff. Scans im Supplement.
Inhalt: Vertrag über den Astronomischen Kalender für das Jahr 1946“ zwi”
schen dem Universitätsverlag Carl Winter und Kopff. In § 6 wird die alljährliche
Fortsetzung des Kalenders vereinbart. Zitiert und ausführlich kommentiert in
Kapitel 7.7.1 .
Kommentar: Kopff schließt diesen Vertrag als Privatperson und nicht als Direktor des Astronomischen Rechen-Instituts. Auffällig ist die Zeitspanne von
fast zwei Monaten zwischen der Unterzeichnung des Vertrags durch den Verlag
einerseits und durch Kopff andererseits. Den Grund dafür kennen wir nicht.
10.153
Brief vom 16. Januar 1946 vom Military Government Office Heidelberg-University an Kopff
Beschreibung: Original-Brief. Text in Englisch. Kopf in Maschinenschrift: Military Government Office, Heidelberg-University. 1 Blatt (1 Seite). 20,3 cm breit,
26,7 cm hoch, gelocht. Empfänger: Prof. Dr. Kopff, Director of the Astronomical Calculation Office. Absender: Earl L. Crum, Maj. AUS, MGO, HeidelbergUniversity. Unterschrift: Earl L. Crum. Scan im Supplement.
Inhalt: Die amerikanische Militärverwaltung genehmigt die Fortführung der
Arbeiten des Astronomischen Rechen-Instituts. Das Institut sei eng mit der
Universität (Heidelberg) verbunden. Deutsche Dienststellen werden aufgefordert, dem Institut volle Unterstützung zu gewähren. Neben Kopff als Direktor
werden als Mitarbeiter aufgeführt: Heinemann, Gondolatsch, Nowacki, Musen,
Henne, Rabe. Zitiert und kommentiert in Kapitel 7.2.1 .
259
10.154
Brief vom 26. Februar 1946 von G. Clemence
an Kopff
Beschreibung: Kopfbogen. Text in Englisch. 1 Blatt (2 Seiten). 20,3 cm breit,
26,7 cm hoch, gelocht. Empfänger: Kopff. Absender: Navy Department, U. S.
Naval Observatory, Washington, D. C. Unterschrift: G. M. Clemence, Director
Nautical Almanac, U S. Naval Observatory. Scans im Supplement.
Inhalt: G[erald ] M. Clemence [1908-1974 ] bedankt sich bei Kopff für die Übersendung von Mikrofilmen und Photoabzügen der Ephemeriden Kleiner Planeten für das erste Vierteljahr 1946. Davon werden Kopien anderen Sternwarten
in den USA zugeleitet werden (siehe Kapitel 7.7.5 ). Clemence hofft, die Ephemeriden für den Rest des Jahres 1946 in Kürze zu erhalten. Er bedankt sich
auch für ein Exemplar des Astronomischen Jahresberichts für 1943. Für die
American Ephemeris für 1948 hat Washington einige Sternephemeriden selbst
gerechnet, weil unklar war, ob das Astronomische Rechen-Institut sie liefern
würde. Er schreibt: At that time [vor ungefähr einem Jahr, d.h. zu Beginn
”
des Jahres 1945 ] we had no information regarding the Rechen-Institut, and
it was feared that it had been destroyed.“. Später seien die Daten aber doch
eingetroffen. Clemence schickt zusammen mit dem Brief verschiedene Ephemeriden für das deutsche Jahrbuch. Weitere Daten würden folgen. Zitiert in
Kapitel 7.7.5 .
Bemerkung: Auf dem Briefkopf des U. S. Naval Observatory ist unten links
eine Aufforderung eingedruckt: For Victory buy United States War Bonds
”
and Stamps“.
10.155
Brief vom 4. August 1946 von W. Grotrian an
Kopff
Beschreibung: Kopfbogen. 1 Blatt (1 Seite). DIN A4, gelocht. Empfänger: Kopff.
Absender: Zeitschrift für Astrophysik, Prof. Dr. W. Grotrian, Potsdam. Unterschrift: W. Grotrian. Scan im Supplement.
Inhalt: Grotrian übersendet Kopff den Durchschlag eines Rundschreibens, das
Grotrian an andere Astronomen geschickt hat, die zu seinem Bericht Stellung genommen haben. Diese Schriftstücke liegen uns nicht vor. Offenbar hatten Heckmann, ten Bruggencate und Unsöld vorgeschlagen, die Zeitschrift für
Astrophysik (ZfA) und die Astronomischen Nachrichten (AN) zusammenzulegen. Kopff (als bisheriger Herausgeber der AN) hatte die Zusammenlegung
abgelehnt. Grotrian hofft, daß beide Zeitschriften nun bald wieder erscheinen
können. Grotrian schlägt vor, daß die AN Manuskripte mit astrophysikalischem Inhalt ablehnen und diese an die ZfA überweisen. Den Vorschlag von
260
Kopff, die AN in Zukunft Zeitschrift für Astronomie“ zu nennen, lehnt Gro”
trian wegen der Verwechslungsgefahr mit der ZfA ab. Er schlägt stattdessen
Astronomische Zeitschrift“ vor. Zitiert in Kapitel 7.7.7 .
”
Kommentar: Kopff hat diesen Brief am 29. August 1946 ∗∗ beantwortet.
10.156
Brief vom 14. August 1946 von F. Springer an
Kopff
Beschreibung: Kopfbogen. 1 Blatt (1 Seite). DIN A4, gelocht. Empfänger: Kopff.
Absender: Springer-Verlag, Berlin. Dr. Ferdinand Springer. Unterschrift: Springer. Scan im Supplement.
Inhalt: Springer dankt Kopff für dessen Brief vom 7. August 1946 (der uns aber
nicht vorliegt). Springer meint, daß man die Frage des Titels der Zeitschrift
[bisher Astronomische Nachrichten“] noch kurz vor Erscheinen des ersten Hef”
tes entscheiden könne. Kopff solle seinerseits keine Schritte dazu unternehmen.
Als Ausweg bliebe immer noch Zeitschrift für Astronomie“. Auf den Brief hat
”
Kopff Notizen geschrieben: [Eingang:] 24. Aug[ust 1946], nicht beantwortet.
Besser: Astronomische Z[eit]S[chrift] /Grotrian). Zitiert in Kapitel 7.7.7 .
10.157
Brief vom 29. August 1946
von Kopff an W. Grotrian
Beschreibung: Durchschlag. 1 Blatt (1 Seite). DIN A5, gelocht. Empfänger: W.
Grotrian, Potsdam. Absender: Kopff. Scan im Supplement.
Inhalt: Kopff dankt Grotrian für dessen Brief vom 4. August 1946 ∗∗ . Kopff ist
zufrieden, daß Dr. Springer zwei [astronomische] Zeitschriften herauszugeben
bereit ist. Den Vorschlag von Grotrian, astrophysikalische Arbeiten nicht in
die AN aufzunehmen, lehnt Kopff ab. Zu Kapitel 7.7.7 .
Kommentar: Den Entwurf dieses Briefes hat Kopff mit Bleistift auf die Rückseite des Briefes von Grotrian vom 4. August 1946 ∗∗ geschrieben. Im Entwurf
steht das Datum vom 28. August 1946; ansonsten sind Entwurf und Durchschlag inhaltlich gleichlautend.
261
10.158
Brief vom 30. August 1946 von Kopff an den
Verlag Dümmler
Beschreibung: Durchschlag. 1 Blatt (1 Seite). DIN A4, gelocht. Empfänger:
Ferdinand Dümmlers Verlag, Bonn. Absender: Kopff. Scan im Supplement.
Inhalt: Kopff teilt dem Verlag Dümmler mit, daß er eine gekürzte Ausgabe des
Astronomischen Jahrbuchs für 1947 plant, die vom Astronomischen RechenInstitut in Heidelberg herausgegeben werden solle. Kopff bittet den Verlag,
eine entsprechende Lizenz zu beantragen. Ein Lizenzantrag vom Herbst 1945
sei verloren gegangen. Zitiert und kommentiert in Kapitel 7.7.3 .
10.159
Bescheinigung vom 16. Oktober 1946
für Nowacki vom Dekan
Beschreibung: Durchschlag. 1 Blatt (1 Seite). DIN A4, gelocht. Bescheinigung
(Certificate) für Fräulein Dr. Helene Nowacki in deutscher und englischer Sprache. Aussteller: Dekan der Naturwissenschaftlich-Mathematischen Fakultät der
Universität Heidelberg; Dean of the Faculty of Science and Mathematics of the
University of Heidelberg. Scan im Supplement.
Inhalt: Zweisprachige Bescheinigung des Dekans für Nowacki. Sie soll aus dem
Institutsgebäude in Berlin-Dahlem Beobachtungstagebücher und zugehörige
Berechnungen von Kopff sicherstellen. Kopff hatte diese Beobachtungen am
Meridiankreis der Heidelberger Sternwarte ausgeführt. Zitiert und kommentiert in Kapitel 9.5.4 .
10.160
Konvolut von Fragebogen von November/Dezember 1946 für die Genehmigung des Instituts
Beschreibung: Das Konvolut besteht aus Fragebogen zur Genehmigung des
Instituts und zur Kontrolle der Forschung, die vom Institut in der Zeit zwischen
dem 18. November 1946 und dem 14. Dezember 1946 ausgefüllt worden sind.
Beigefügt sind gedruckte Erläuterungen zum Ausfüllen dieser Fragebogen. Die
Fragebogen sind in Deutsch und Englisch verfaßt und auch so beantwortet.
Das Konvolut besteht aus folgenden Teilen:
(a) Formular A: Genehmigungsgesuch,
(b) Formular C: Angaben zum Institut,
262
(c) Aufstellung I zu C: Durchgeführte Forschungsarbeiten,
(d) Aufstellung II zu C: Geplante Forschungsarbeit,
(e) Aufstellung III zu C: Unterkunft des Instituts und Geräte,
(f) Formular D: Aufstellung des Personals,
(g) gedrucktes Begleitschreiben zu den Formularen,
(h) gedrucktes Merkblatt zum Ausfüllen der Formulare.
Für jeden Mitarbeiter mußte ein Formular E (Persönliche Angaben) ausgefüllt werden. Wir geben hier das Blatt für Nowacki als Beispiel wieder.
Folgende Teile tragen Daten bzw. Unterschriften: (a) und (b) datiert auf den
18. November 1946, unterschrieben von Kopff und Nowacki; (c) datiert auf
den 14. Dezember 1946, nicht unterschrieben; (d) datiert auf den 26. November 1946, nicht unterschrieben; (f) datiert auf den 14. Dezember 1946, unterschrieben von Kopff und Nowacki. Die anderen Teile (e), (g) und (h) tragen
weder Datum noch Unterschrift. Die Formulare E tragen die Unterschrift der
betroffenen Person und die von Kopff. Sie sind auf den 14. Dezember 1946
datiert.
Jedes der Formulare (a) bis (f) besteht aus einem Blatt. Die Vorderseite ist in
Englisch, die Rückseite in Deutsch. Teil (g) besteht aus einem Blatt (1 Seite),
Teil (h) aus drei einseitig bedruckten Blättern.
Formate: Teile (a) und (d) sind 20,3 cm breit und 33,0 cm hoch. Alle anderen
Teile: DIN A4.
Kein Empfänger angegeben. Scans im Supplement.
Inhalt: Angaben zum Astronomischen Rechen-Institut über Aufgaben, Personal, Unterkunft und Geräte. Zitiert in Kapitel 7.2.1 .
Kommentar: Das Ausfüllen der Formulare war notwendig, weil die alliierten
Behörden dies für die Genehmigung des Instituts und für die Überwachung
seiner Forschung forderten (siehe unsere ausführlichen Darlegungen in Kapitel
7.2.1).
Wir geben im Supplement auch die Teile (g) und (h) des Konvoluts wieder,
weil diese Merkblätter das Verständnis der Formulare und deren Zielsetzung
erleichtern.
Als seine Aufgaben nennt das Institut: das Jahrbuch, den Astronomischen
Jahresbericht und das Nachrichtenblatt der Astronomischen Zentralstelle. Im
Bericht über die bisherige Arbeit des Instituts in Heidelberg wird in (c) in
Übereinstimmung mit unseren sonstigen Informationen als Beginn der Arbeit
des Instituts der 1. Juli 1945 genannt, also ein Tag nach dem Eintreffen des
Instituts in Heidelberg am 30. Juni 1945 (siehe Kapitel 6 und 7). Der Teil (f)
263
gibt den Personalstand des Instituts von Ende 1946 wieder (Kopff als Institutsdirektor und 8 Mitarbeiter).
Uns liegen keine Informationen vor, wann und an wen die Fragebogen vom
Institut abgesandt worden sind.
10.161
Brief vom 20. November 1946 von Kopff an
das Wirtschaftsministerium
Beschreibung: Durchschlag. 1 Blatt (1 Seite). DIN A4, ungelocht. Empfänger:
Wirtschafts-Ministerium Württemberg-Baden, Stuttgart. Absender: Direktor
des Astronomischen Rechen-Instituts. Scan im Supplement.
Inhalt: Kopff erklärt in Bezug auf die Forschungsüberwachung, daß das Institut
keine Forschung im Sinne des Gesetzes M.G.R.27“ betreibe und erläutert seine
”
Aussage. Zitiert und kommentiert in Kapitel 7.2.1 .
10.162
Brief vom 2. Dezember 1946
von Kopff an F. Springer
Beschreibung: Durchschlag. 1 Blatt (1 Seite). DIN A6 quer, gelocht. Empfänger:
Springer-Verlag, Heidelberg, Dr. [Ferdinand ] Springer. Absender: Kopff. Scan
im Supplement.
Inhalt: Kopff bittet um die Rückgabe von Belegexemplaren der Astronomischen
Nachrichten (AN), der Beobachtungszirkulare der AN und der Ergänzungshefte der AN. Die Exemplare hatte Kopff im Herbst 1945 Herrn Kuder [wohl
ein Mitarbeiter von Springer] mitgegeben, da dieser damals beabsichtigt habe,
die Lizenz für deren Publikation zu beantragen. Zitiert in Kapitel 7.7.7 .
10.163
Brief vom 5. Dezember 1946
von Kopff an D. Sadler
Beschreibung: Durchschlag. 1 Blatt (1 Seite). DIN A5, gelocht. Empfänger: The
Superintendent, H.M. Nautical Almanac Office, Lansdown, Bath, [England ].
Anrede: Mr. Sadler. Absender: Kopff. Scan im Supplement.
264
Inhalt: Kopff bedankt sich für Sadlers Brief vom 21. Oktober 1946 und schickt
Sadler seine Verbesserungsvorschläge für die deutsche Fassung der Einleitung
zu den Apparent Places of Fundamental Stars“ (APFS). Zu Kapitel 7.7 .
”
Kommentar: Donald H. Sadler (1908-1987) war von 1936 bis 1970 Superintendent des englischen H.M. Nautical Almanac Office (HMNAO). Das HMNAO
war 1939 aus London nach Bath evakuiert worden, wo es sich bis 1949 befand.
Er erhielt 1970 die Ehrendoktorwürde der Naturwissenschaftlich-Mathematischen Fakultät der Universität Heidelberg verliehen.
10.164
Ankündigung von Kopff vom 10. Dezember
1946 über das Nachrichtenblatt der Astronomischen Zentralstelle
Beschreibung: Vervielfältigtes, maschinenschriftliches Schreiben. 1 Blatt (1 Seite). DIN A5 quer, gelocht. Empfänger: Sternwarten und astronomische Institute in Deutschland. Absender: Kopff. Scan im Supplement.
Inhalt: Ankündigung von Kopff, daß die Astronomische Zentralstelle beim
Astronomischen Rechen-Institut beabsichtigt, wieder briefliche Mitteilungen
und Telegramme über Entdeckungen, Beobachtungen und Ephemeriden zu
versenden. Angabe der Bezugsbedingungen. Zitiert in Kapitel 7.7.8 .
10.165
Brief vom 6. Januar 1947 von D. Sadler an
Kopff
Beschreibung: Kopfbogen. Text in Englisch. 1 Blatt (1 Seite). 19,0 cm breit,
24,1 cm hoch, gelocht. Empfänger: Kopff. Absender: H.M. Nautical
Almanac Office, Lansdown, Bath, [England ]. Unterschrift: D. H. Sadler. Scan
im Supplement.
Inhalt: Sadler (siehe Kommentar zum Brief vom 5. Dezember 1946 ∗∗ ) bedankt sich für die Zusendung der deutschen Fassung der Einleitung zu den
Apparent Places of Fundamental Stars“ (APFS). Auf Kopffs Wunsch hin
”
wird Sadler in die APFS für 1948 eine Notiz aufnehmen, daß das Astronomische Rechen-Institut, das Beiträge zu den APFS liefert, sich jetzt in Heidelberg befindet. Sadler ist erfreut, vom Astronomer Royal [Spencer Jones] zu
hören, daß sich die Situation des Instituts in Heidelberg etwas gebessert habe.
Sadler könne aber leider keine Arbeiten an den Kleinen Planeten übernehmen.
Zu Kapitel 7.7 .
265
10.166
Brief vom 28. Januar 1947 von Kopff an die
amerikanische Militärregierung in Berlin
Beschreibung: Durchschlag. 1 Blatt (1 Seite). DIN A5, gelocht. Empfänger: The
Military Government of the US-Zone of Berlin, Berlin. Absender: Director of
the Astronomisches Rechen-Institut. Scan im Supplement.
Inhalt: Englischsprachiger Brief von Kopff an die amerikanische Militärbehörde
in Berlin. Nowacki soll aus dem Institutsgebäude in Berlin-Dahlem Beobachtungstagebücher und zugehörige Berechnungen von Kopff sicherstellen. Kopff
hatte diese Beobachtungen am Meridiankreis der Heidelberger Sternwarte ausgeführt. Ferner sollte sie sich bemühen, einige Bücher und Einrichtungsgegenstände von Berlin-Dahlem nach Heidelberg überführen zu lassen. Dazu bittet Kopff, ihr Zutritt zum Institutsgebäude in Dahlem zu gewähren. Zitiert
und kommentiert in Kapitel 9.5.4 .
Kommentar: Es ist zweifelhaft, ob dieser Brief per Post nach Berlin geschickt
wurde, da die Anschrift relativ ungenau ist. Vermutlich sollte Nowacki den
Brief in Berlin vorzeigen und gegebenenfalls der Militärbehörde übergeben.
10.167
Bescheinigung vom 28. Januar 1947 von Kopff
für Nowacki
Beschreibung: Durchschlag. 1 Blatt (1 Seite). DIN A4, gelocht. Bescheinigung
(Certificate) für Fräulein Dr. Helene Nowacki in deutscher und englischer Sprache. Aussteller: Direktor des Astronomischen Rechen-Instituts; Director of the
Astronomisches Rechen-Institut. Scan im Supplement.
Inhalt: Zweisprachige Bescheinigung von Kopff für Nowacki. Sie soll aus dem
Institutsgebäude in Berlin-Dahlem Beobachtungstagebücher und zugehörige
Berechnungen von Kopff sicherstellen. Kopff hatte diese Beobachtungen am
Meridiankreis der Heidelberger Sternwarte ausgeführt. Außerdem soll sie in
Potsdam mit Kienle Besprechungen wegen der weiteren Herausgabe der Zeitschrift Astronomische Nachrichten“ führen. Zitiert und kommentiert in Ka”
pitel 9.5.4 . Siehe auch Kapitel 7.7.7 .
266
10.168
Brief vom 5. März 1947
von Kopff an F. Springer
Beschreibung: Durchschlag. 1 Blatt (1 Seite). DIN A5, gelocht. Empfänger:
Dr. Ferdinand Springer, [Springer-Verlag ], Heidelberg. Absender: Kopff. Scan
im Supplement.
Inhalt: Kopff teilt Springer mit, daß die Astronomischen Nachrichten nun
”
von der Berliner Akademie (Professor Kienle) herausgegeben werden sollen“.
Zitiert und kommentiert in Kapitel 7.7.7 .
10.169
Brief vom 6. Juni 1947 von Kopff an Kahrstedt
Beschreibung: Durchschlag. 2 Blätter (2 Seiten). DIN A5, gelocht. Empfänger:
Kahrstedt, Berlin-Lichterfelde. Absender: Kopff. Scans im Supplement.
Inhalt: Kopff teilt Kahrstedt mit, daß das Institut das (Heidelberger) Astronomische Jahrbuch für 1948 nochmals allein herausgeben wird. Das Erscheinen
eines gemeinsamen (Berliner) Jahrbuchs für 1949 sei erst möglich, wenn noch
eine Reihe von Fragen geklärt sei. Insbesondere müßte das Heidelberger Institut deutlich als selbständiger Mitherausgeber erkennbar sein. Zu Kapitel
7.7.4 .
10.170
Brief vom 2. Juli 1947 vom Akademie-Verlag
an Kopff
Beschreibung: Brief auf Kopfbogen. 1 Blatt (1 Seite). DIN A4, gelocht. Empfänger: Kopff. Absender: Akademie-Verlag, Berlin. Unterschrift: Kaesser. Scan
im Supplement.
Inhalt: Der Akademie-Verlag bezieht sich auf eine Mitteilung von Kahrstedt
zum Weitererscheinen des Berliner Astronomischen Jahrbuchs. Für 1948 werden je ein Jahrbuch in Berlin und Heidelberg erscheinen. Der Akademie-Verlag
bittet zur Vermeidung von doppelten Satzkosten um die Druckvorlagen (Matern) eines Teils des Heidelberger Jahrbuchs und bietet dafür Matern von Teilen des Berliner Jahrbuchs an. Der Verlag erklärt, daß vom Jahrgang 1948 nur
noch ein (gemeinsames) Berliner Astronomisches Jahrbuch in Berlin erscheinen wird. Mit dem Verlag Dümmler will sich der Akademie-Verlag nicht in
Verbindung setzen. Siehe Kapitel 7.7.3 und 7.7.4 .
267
Kommentar: Tatsächlich wurde das Berliner Astronomische Jahrbuch erst für
den Jahrgang 1949 gemeinsam herausgegeben (siehe Kapitel 7.7.4). Antwort
von Kopff vom 16. Juli 1947 ∗∗ .
10.171
Brief vom 7. Juli 1947 von Kopff an H. Kienle
Beschreibung: Durchschlag. 1 Blatt (2 Seiten). DIN A5, gelocht. Empfänger:
Prof. Dr. [Hans] Kienle, Astrophysikalisches Observatorium, Potsdam. Absender: Kopff. Scans im Supplement.
Inhalt: Kopff teilt Kienle mit, daß das Institut das (Heidelberger) Astronomische Jahrbuch für 1948 nochmals allein herausgeben wird. Ab Jahrgang 1949
soll dann mit dem östlichen Teil des Instituts ein gemeinsames (Berliner) Jahrbuch erscheinen. Er teilt Kienle die getroffenen Vereinbarungen zum Titelblatt
und zum Vorwort dieses Jahrbuchs mit. Er informiert Kienle ferner über die in
Heidelberg hergestellten Photokopien des Astrophysical Journals für Potsdam.
Zitiert in Kapitel 7.7.4 .
10.172
Brief vom 16. Juli 1947 von Kopff an den
Akademie-Verlag
Beschreibung: Durchschlag. 1 Blatt (1 Seite). DIN A5, gelocht. Empfänger:
Akademie-Verlag, Berlin. Absender: Kopff. [Handschriftlicher Vermerk links
unten:] Durchschlag an Prof. Kienle, an Prof. Kahrstedt. Scan im Supplement.
Inhalt: Auf das Schreiben des Akademie-Verlags vom 2. Juli 1947 ∗∗ teilt Kopff
dem Verlag mit, daß er ohne Erlaubnis des Dümmler-Verlags keine Druckvorlagen (Matern) zur Verfügung stellen könne. Der Akademie-Verlag solle sich
zweckmäßigerweise direkt mit dem Dümmler-Verlag in Verbindung setzen. Siehe Kapitel 7.7.3 und 7.7.4 .
Kommentar: Wir haben nicht den Eindruck, daß 1947 oder danach ein Austausch von Matern für die astronomischen Jahrbücher zustandegekommen ist.
10.173
Brief vom 31. Juli 1947 von Kopff an H. Kienle
Beschreibung: Durchschlag. 1 Blatt (1 Seite). DIN A4, gelocht. Empfänger:
[Prof. Dr. Hans ] Kienle, [Astrophysikalisches Observatorium, Potsdam.] Absender: Kopff. Scan im Supplement.
268
Inhalt: Kopff bittet Kienle, sich beim Akademie-Verlag in Berlin für die Klärung
der Probleme zwischen diesem Verlag und dem Verlag Dümmler in Bonn in
Beziehung auf das Berliner Astronomische Jahrbuch einzusetzen. Zitiert in
Kapitel 7.7.4 .
10.174
Bescheinigung vom 25. September 1947
von Kopff für Nowacki
Beschreibung: Durchschlag. 1 Blatt (1 Seite). DIN A5, gelocht. Bescheinigung
für Fräulein Dr. Helene Nowacki. Aussteller: Der Direktor des Astronomischen
Rechen-Instituts. Scan im Supplement.
Inhalt: Bescheinigung von Kopff für Nowacki. Sie soll aus der Sternwarte Babelsberg und dem Astrophysikalischen Observatorium Potsdam wissenschaftliches Material abholen. Zitiert und kommentiert in Kapitel 9.5.4 .
10.175
Brief vom 28. November 1947
von Kopff an den Verlag Dümmler
Beschreibung: Durchschlag. 1 Blatt (1 Seite). DIN A5, gelocht. Empfänger:
Ferd. Dümmlers Verlag, Bonn. Absender: Kopff. Scan im Supplement.
Inhalt: Kopff teilt dem Verlag Dümmler mit, daß der Verlag die Abrechnungen über frühere Jahrgänge des Berliner Astronomischen Jahrbuchs nicht mit
dem Heidelberger Institut [sondern mit dem östlichen Teil des Astronomischen
Rechen-Instituts] vornehmen solle. Begründung: Die Kosten für die Herstel”
lung des Jahrgangs 1946 sind vom Preussischen Staat getragen worden. Da
der badische Staat keinerlei Zuschuss zum Jahrgang 1946 geleistet hat, besteht
auch für ihn kein Anspruch auf Entschädigung. Dasselbe gilt für die älteren
Bestände.“ Zitiert und kommentiert in Kapitel 8.2 .
10.176
Brief vom 16. Dezember 1947
vom Verlag Dümmler an Kopff
Beschreibung: Brief auf Kopfbogen. 1 Blatt (1 Seite). DIN A4, gelocht. Empfänger: Kopff. Absender: Ferd. Dümmlers Verlag, Bonn. Unterschrift:
Dr. W. Lehmann. Anlage: Durchschrift des Briefes vom 16. Dezember 1947 ∗∗
vom Verlag Dümmler an Kahrstedt (ediert im nächsten Eintrag). Scan im
Supplement.
269
Inhalt: Der Verlag Dümmler bestätigt den Erhalt des Briefes von Kopff vom
28. November 1947 ∗∗ (ediert im vorigen Eintrag) und wird die Abrechnung
der älteren Publikationen des Astronomischen Rechen-Instituts gemäß Kopffs
Vorschlag mit dem östlichem Teil des Instituts vornehmen. Zitiert und kommentiert in Kapitel 8.2 .
10.177
Brief vom 16. Dezember 1947
vom Verlag Dümmler an Kahrstedt
Beschreibung: Durchschlag. 1 Blatt (2 Seiten). DIN A4, gelocht. Empfänger:
Kahrstedt. Absender: Ferd. Dümmlers Verlag, Bonn. Unterschrift:
Dr. W. Lehmann. Das Institut in Heidelberg hat die Durchschrift dieses Briefs
als Anlage zum Brief vom 16. Dezember 1947 ∗∗ vom Verlag Dümmler an Kopff
(ediert im vorigen Eintrag) erhalten. Scans im Supplement.
Inhalt: Der Verlag Dümmler teilt Kahrstedt mit, daß der Verlag aufgrund des
Vorschlags von Kopff die Verkaufserlöse des Berliner Astronomischen Jahrbuchs (BAJ) für 1946 und frühere Jahrgänge an den östlichen Teil des Instituts auszahlen wird. Das Guthaben beläuft sich auf RM 2.514,85 . Der Verlag
gibt eine Übersicht über die noch vorhandenen Bestände des BAJ in Bonn und
Leipzig. Zitiert und kommentiert in Kapitel 8.2 .
10.178
Brief vom 22. Dezember 1947 von Kahrstedt
an Kopff
Beschreibung: Brief auf Kopfbogen des Coppernicus-Instituts. 1 Blatt (1 Seite). DIN A4, gelocht. Empfänger: Kopff. Absender: Östlicher Teil des Astronomischen Rechen-Instituts. Br.Nr.63/47. Unterschrift: A. Kahrstedt. Scan im
Supplement.
Inhalt: Kahrstedt dankt Kopff für dessen Brief vom 10. Dezember 1947, der
uns leider nicht vorliegt. In der Frage der (nach Schloß Stetten verlagerten)
5 Bücherkisten könne Kahrstedt von Berlin aus nichts mehr tun. Er sendet
Kopff 5 Exemplare der ARI-Veröffentlichung Nr. 48 [G. Stracke: Tafeln zur
Störungsrechnung ] und bittet Kopff um Zusendung des Manuskripts für die
mittleren und scheinbaren Sternörter für das BAJ 1949. Zitiert in Kapitel 9.3 .
270
10.179
Bescheinigung vom 6. Februar 1948 von Kopff
für Nowacki
Beschreibung: Durchschlag. 1 Blatt (1 Seite). DIN A5, gelocht. Bescheinigung
für Fräulein Dr. Helene Nowacki. Aussteller: Der Direktor des Astronomischen
Rechen-Instituts. Scan im Supplement.
Inhalt: Bescheinigung von Kopff für Nowacki. Sie soll vom östlichen Teil des
Astronomischen Rechen-Instituts Material für die Rechenarbeiten an den astronomischen Jahrbüchern abholen. Zitiert und kommentiert in Kapitel 9.5.4 .
Kommentar: Vermutlich sollte Nowacki das Material bei Kahrstedt abholen,
der im amerikanischen Sektor von Berlin wohnte (siehe Kapitel 8.2).
10.180
Brief vom 13. Februar 1948
von Kopff an Kahrstedt
Beschreibung: Durchschlag. 1 Blatt (1 Seite). DIN A5, gelocht. Empfänger:
Kahrstedt, Berlin-Lichterfelde. Absender: Kopff. Scan im Supplement.
Inhalt: Kopff bittet Kahrstedt um die Erledigung der Wünsche von Sadler und
Väisälä. Er hat Nowacki gebeten, bei Kahrstedt nachzufragen, ob er etwas
über den Verbleib verschiedener Dinge aus dem Bunkerschrank des Dahlemer
Institutsgebäudes wisse. Zitiert in Kapitel 9.5.4 .
10.181
Brief vom 6. Mai 1948 von Kahrstedt an Kopff
Beschreibung: Brief auf altem Kopfbogen des Coppernicus-Instituts, aber überstempelt mit: Astronomisches Recheninstitut der Deutschen Akademie der
Wissenschaften zu Berlin. Ortsangabe überstempelt mit: Berlin-Lichterfelde,
Potsdamer Straße 43. 1 Blatt (1 Seite). DIN A4, gelocht. Empfänger: Kopff.
Absender: Östlicher Teil des Astronomischen Rechen-Instituts. Tgb.Nr.122/48.
Unterschrift: A. Kahrstedt. Scan im Supplement.
Inhalt: Kahrstedt bestätigt die früheren Abmachungen mit Kopff zur gemeinsamen Herausgabe des Berliner Astronomischen Jahrbuchs (BAJ) für 1949. Er
bittet um Auskunft, wann und wie er die Sternörter für 1950 erhalten könne.
Zum Jahrgang 1948 des BAJ teilt Kahrstedt mit, daß er hoffe, daß dieser um
den 20. Mai 1948 versandbereit ist. Zu Kapitel 7.7.4 . Zitiert in Kapitel 8.2 .
271
10.182
Brief vom 9. Mai 1948 von Kahrstedt an Kopff
Beschreibung: Brief auf altem Kopfbogen des Coppernicus-Instituts, aber überstempelt mit: Astronomisches Recheninstitut der Deutschen Akademie der
Wissenschaften zu Berlin. Ortsangabe überstempelt mit: Berlin-Lichterfelde,
Potsdamer Straße 43. 1 Blatt (1 Seite). DIN A5 quer, gelocht. Empfänger:
Kopff. Absender: Östlicher Teil des Astronomischen Rechen-Instituts. Unterschrift: A. Kahrstedt. Scan im Supplement.
Inhalt: Kahrstedt erklärt Kopff, daß er an den Schrank im Institutskeller
des Dahlemer Institutsgebäudes nie mehr herangekommen sei. [Gemeint ist
vermutlich der Schutzraum (Bunker) im Garten, da das Gebäude selbst kein
Kellergeschoß besitzt.] Zitiert in Kapitel 9.5.4 .
10.183
Brief vom 12. Juli 1948
von Kopff an den Verlag Dümmler
Beschreibung: Durchschlag. 1 Blatt (1 Seite). DIN A4, gelocht. Empfänger:
Verlag Ferdinand Dümmler, Bonn. Absender: Kopff. Scan im Supplement.
Inhalt: In diesem Brief bestätigt Kopff die bereits am 10. Juli 1948 telegraphisch ausgesprochene Kündigung des Vertrags mit dem Verlag Dümmler über
die Herausgabe des Astronomisch-Geodätischen Jahrbuchs. Er gibt die Gründe
für die Kündigung an. Zitiert und kommentiert in Kapitel 7.7.3 .
10.184
Brief vom 5. August 1948
vom Verlag Dümmler an Kopff
Beschreibung: Brief auf Kopfbogen. 1 Blatt (1 Seite). DIN A4, gelocht. Empfänger: Kopff. Absender: Ferd. Dümmlers Verlag, Bonn. Unterschrift:
Dr. W. Lehmann. Scan im Supplement.
Inhalt: Der Verlag Dümmler bestätigt den Erhalt der Kündigung der Herausgabe des Astronomisch-Geodätischen Jahrbuchs (AGJ) vom 12. Juli 1948 ∗∗
seitens des Instituts. Er bedauert den Vorgang, gibt aber das AGJ frei, da es
seinem Prinzip widerspricht, auf dem Rechtsstandpunkt zu bestehen“. Zitiert
”
in Kapitel 7.7.3 .
272
10.185
Vertrag vom 1. September 1948
zwischen dem Verlag G. Braun und dem Institut
über das Astronomisch-Geodätische Jahrbuch
Beschreibung: Maschinenschriftlicher Vertrag. 2 Blätter zusammengeheftet
(2 Seiten). DIN A4, gelocht. Unterschriften: Heidelberg, Astronomisches Rechen-Institut, Prof. Dr. August Kopff; Karlsruhe, G. BRAUN (vorm. G. Braunsche Hofbuchdruckerei und Verlag G.m.b.H.) [Stempel ], [unleserliche Unterschrift]. Scans im Supplement.
Inhalt: Kopff als Direktor des Astronomischen Rechen-Instituts (ARI) und der
Verlag G. Braun in Karlsruhe schließen einen Vertrag über die Herstellung und
den Verlag des Astronomisch-Geodätischen Jahrbuchs und der in zwangloser
Folge erscheinenden Veröffentlichungen des ARI. Zitiert in Kapitel 7.7.3 .
10.186
Brief vom 5. September 1948 von Kahrstedt
an Kopff
Beschreibung: Brief auf altem Kopfbogen des Coppernicus-Instituts, aber überstempelt mit: Astronomisches Recheninstitut der Deutschen Akademie der
Wissenschaften zu Berlin. Ortsangabe überstempelt mit: Berlin-Lichterfelde,
Potsdamer Straße 43. 1 Blatt (1 Seite). DIN A4, gelocht. Empfänger: Astronomisches Recheninstitut, Heidelberg. Absender: Östlicher Teil des Astronomischen Rechen-Instituts. Tgb.Nr.171/48. Unterschrift: A. Kahrstedt. Scan im
Supplement.
Inhalt: Kahrstedt teilt mit, daß die Berliner Akademie ihm eine neue Fassung des Titelblatts für das geplante, gemeinsam herauszugebende Berliner
Astronomische Jahrbuch (BAJ) für 1949 vorgeschrieben habe, und gibt den
neuen Wortlaut des Titelblatts wieder. Danach wäre das Heidelberger Institut
nicht gleichberechtigter Herausgeber gewesen. Kahrstedt bittet dringend um
Antwort (Kopff ist aber nach Schweden verreist). Zitiert und kommentiert in
Kapitel 7.7.4 .
10.187
Quittung vom 6. September 1948 von
Heinemann über den Empfang von Bücherkisten
Beschreibung: Durchschlag auf Kopfbogen der Badischen Landessternwarte
Heidelberg-Königstuhl. 1 Blatt (1 Seite). DIN A5 quer, gelocht. Empfänger:
273
nicht angegeben. Überbringer war: Frl. Warminsky 220 . Aussteller: Der Direktor des Astronomischen Recheninstituts in Heidelberg; i.V. Prof. Dr. K. Heinemann.
Inhalt: Heinemann bestätigt den Erhalt der verlagerten 5 Bücherkisten (siehe
Liste vom 31. Juli 1943 ∗∗ ). Zitiert in Kapitel 9.3 .
Kommentar:
Heinemann arbeitete und wohnte auf der Heidelberger Sternwarte. Er benutzte den Kopfbogen der Sternwarte wohl hauptsächlich deswegen, weil Eile
bei der Ausstellung der Quittung geboten war. Allerdings war Kopff (in dessen
Namen Heinemann hier quittiert) damals auch zugleich Direktor der Sternwarte.
Auf dieser Quittung geht Heinemann noch irrtümlich davon aus, daß der Inhalt der Kisten dem östlichen Teil des Instituts gehören würde. Tatsächlich sind
die Bücher aber der Bibliothek des Astronomischen Rechen-Instituts in Heidelberg einverleibt worden, da dieses Rechtsnachfolger des bis 1945 in BerlinDahlem ansässigen Instituts ist (siehe dazu auch Kopffs Ausführungen in seinem Brief vom 7. Dezember 1948, zitiert in Kapitel 8.2).
10.188
Brief vom 8. September 1948 von Heinemann
an Kopff
Beschreibung: Durchschlag. 1 Blatt (1 Seite). DIN A4, gelocht. Empfänger:
Kopff (nach Schweden verreist, keine Adressenangabe auf dem Durchschlag des
Briefes). Absender: Astronomisches Rechen-Institut; Heinemann [erschlossen].
Scan im Supplement.
Inhalt: Heinemann berichtet Kopff über verschiedene Angelegenheiten, die das
Institut betreffen. Er gibt insbesondere den Inhalt des Briefes von Kahrstedt
an Kopff vom 5. September 1948 ∗∗ wieder. Unter Punkt 3) erwähnt er den
Eingang der 5 verlagerten Bücherkisten aus Schloß Stetten (siehe Dokumente
vom 31. Juli 1943 ∗∗ und 29. Oktober 1943 ∗∗ ). Zitiert in Kapitel 8.2 .
Kommentar: Kopff war zu dieser Zeit zu Besuch bei Bertil Lindblad, dem
Direktor der Stockholmer Sternwarte.
220
Es handelt sich vermutlich um Dr. Ruth (Broser-)Warminsky. Sie war am KaiserWilhelm-Institut für physikalische Chemie und Elektrochemie in Berlin-Dahlem tätig und
promovierte 1948 an der Technischen Universität Berlin.
274
10.189
Brief vom 10. September 1948 von Heinemann
an Kahrstedt
Beschreibung: Durchschlag auf Kopfbogen der Badischen Landessternwarte
Heidelberg-Königstuhl. 1 Blatt (1 Seite). DIN A5 quer, gelocht. Empfänger:
Kahrstedt, Berlin-Lichterfelde. Absender: [Astronomisches Rechen-Institut;
Heinemann; erschlossen]. Scan im Supplement.
Inhalt: Heinemann berichtet Kahrstedt, daß er dessen Schreiben vom 5. September 1948 ∗∗ an Kopff weitergeleitet habe (siehe Brief von Heinemann an
Kopff vom 8. September 1948 ∗∗ ). Heinemann hofft, daß Kopff aus Schweden
direkt an Kahrstedt schreiben werde. Heinemann berichtet ferner vom Eingang
der verlagerten 5 Bücherkisten und über den unbefriedigenden Zustand des
Inhalts. Zu Kapitel 7.7.4 . Zitiert in Kapitel 9.3 .
Kommentar: Heinemann arbeitete und wohnte auf der Heidelberger Sternwarte. Er benutzte den Kopfbogen der Sternwarte wohl hauptsächlich deswegen,
weil Eile geboten war. Allerdings war Kopff (an dessen Stelle Heinemann hier
antwortet) damals auch zugleich Direktor der Sternwarte.
10.190
Brief vom 14. September 1948 von Kahrstedt
an Kopff
Beschreibung: Brief auf altem Kopfbogen des Coppernicus-Instituts, aber überstempelt mit: Astronomisches Recheninstitut der Deutschen Akademie der
Wissenschaften zu Berlin. Ortsangabe überstempelt mit: Berlin-Lichterfelde,
Potsdamer Straße 43. 1 Blatt (1 Seite). DIN A5 quer, gelocht. Empfänger:
Kopff, z.Z. Stockholm, Astron. Observatorium, Schweden. Eingangsvermerk:
1. Nov[ember 1948 ]. Absender: Östlicher Teil des Astronomischen RechenInstituts. Unterschrift: A. Kahrstedt. Scan im Supplement.
Inhalt: Kahrstedt teilt mit, daß die Berliner Akademie die unglückliche Ände”
rung des Titelblatts“ für das geplante, gemeinsam herauszugebende Berliner
Astronomische Jahrbuch für 1949 (siehe Brief von Kahrstedt vom 5. September 1948 ∗∗ ) nun rückgängig gemacht habe. Dies sei ein Verdienst von Kienle.
Zitiert und kommentiert in Kapitel 7.7.4 .
275
10.191
Brief vom 15. Oktober 1948 von Kahrstedt an
Kopff
Beschreibung: Brief. Kopfbogen: Astronomisches Recheninstitut der Deutschen
Akademie der Wissenschaften zu Berlin. Ortsangabe gestempelt mit: BerlinLichterfelde, Potsdamer Straße 43. 1 Blatt (1 Seite). DIN A5 quer, mit Doppellochung. Empfänger: Kopff, Observatorium, Saltsjöbaden, Schweden. Absender: Östlicher Teil des Astronomischen Rechen-Instituts. Unterschrift:
A. Kahrstedt. Scan im Supplement.
Inhalt: Kahrstedt entschuldigt sich dafür, daß der Heidelberger Anteil am Berliner Astronomischen Jahrbuch (BAJ) für 1948 in dessen Vorwort nicht erwähnt
worden sei. Er fragt, ob dies im Vorwort des BAJ für 1950 nachgeholt werden
solle. Handschriftliche Notiz von Kopff links unten: erledigt. nicht nachho”
len.“. Zu Kapitel 7.7.4 .
10.192
Brief vom 4. November 1948 vom AkademieVerlag an das Institut
Beschreibung: Brief auf Kopfbogen. 1 Blatt (1 Seite). DIN A5, gelocht. Empfänger: Astronomisches Recheninstitut, Heidelberg. Absender: AkademieVerlag, Berlin. Unterschrift: Dr. Melms. Scan im Supplement.
Inhalt: Der Akademie-Verlag informiert das Institut, daß dem Institut wegen
der bestehenden Versandschwierigkeiten frühestens im Dezember 1948 die vereinbarten 100 Freiexemplare des Berliner Astronomischen Jahrbuchs für 1949
zugehen könnten, und zwar nur in Form von diversen Paketen mit jeweils maximal 4 kg Gewicht. Siehe Kapitel 7.7.4 .
Kommentar: Der Akademie-Verlag spielt bei den Versandschwierigkeiten“
”
wohl auf die sowjetische Berlin-Blockade an, die vom 24. Juni 1948 bis zum
12. Mai 1949 dauerte.
10.193
Brief vom 11. November 1948 von Kahrstedt
an Kopff
Beschreibung: Brief auf altem Kopfbogen des Coppernicus-Instituts, aber überstempelt mit: Astronomisches Recheninstitut der Deutschen Akademie der
Wissenschaften zu Berlin. Ortsangabe überstempelt mit: Berlin-Lichterfelde,
Potsdamer Straße 43. 1 Blatt (1 Seite). DIN A4, gelocht. Empfänger: Kopff.
276
Absender: Östlicher Teil des Astronomischen Rechen-Instituts. Unterschrift:
A. Kahrstedt. Scan im Supplement.
Inhalt: Kahrstedt macht Kopff einen Vorschlag, wie der Versand der Freiexemplare des Berliner Astronomischen Jahrbuchs für 1949 ins Ausland geregelt werden könnte. Er will vor allem die Militärmissionen [in Berlin] einschalten. Die Auswirkungen der Berlin-Blockade [die vom 24. Juni 1948 bis
zum 12. Mai 1949 dauerte], seien noch unklar. Zu Kapitel 7.7.4 .
10.194
Vertrag vom 7. Dezember 1948 zwischen dem
Universitätsverlag Winter und dem Institut über
die Kalender-Grundlagen
Beschreibung: Maschinenschriftlicher Vertrag auf Kopfbogen des Verlags.
1 Blatt (1 Seite). DIN A4, gelocht. Verlagsvertrag zwischen dem Astronomischen Rechen-Institut Heidelberg, vertreten durch Herrn Prof. Kopff und
Carl Winter, Universitätsverlag, Heidelberg. Unterschriften: Heidelberg, den
23. September 1948; Carl Winter, Universitätsverlag; i[n] Vollm[acht] Dr. [Wilhelm] Anders, ppa Max Jost. Heidelberg, den 7. Dezember 1948; Prof. Dr.
A[ugust] Kopff; Stempel des Instituts. Scan im Supplement.
Inhalt: Vertrag über Astronomische Grundlagen für den Kalender“ zwischen
”
dem Universitätsverlag Carl Winter und dem Astronomischen Rechen-Institut.
Der Vertrag beginnt mit dem Jahrgang für 1950 und verlängert sich jährlich,
wenn er nicht gekündigt wird. Zitiert und ausführlich kommentiert in Kapitel
7.7.2 .
Kommentar: Dieser Vertrag ist mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht der erste
für die Kalender-Grundlagen, weil die ersten Kalender-Grundlagen für 1947
bereits im Jahr 1946 erschienen sind. Ein solches Dokument ist aber nicht
überliefert. Auffällig ist wieder die Zeitspanne von über zwei Monaten zwischen
der Unterzeichnung des Vertrags durch den Verlag einerseits und durch Kopff
andererseits. Den Grund dafür kennen wir nicht.
10.195
Brief vom 9. Dezember 1948 von Kahrstedt an
Kopff
Beschreibung: Brief. Kopfbogen: Astronomisches Recheninstitut der Deutschen
Akademie der Wissenschaften zu Berlin. Ortsangabe gestempelt mit: BerlinLichterfelde, Potsdamer Straße 43. 1 Blatt (1 Seite). DIN A5 quer, gelocht.
277
Empfänger: Kopff. Absender: Östlicher Teil des Astronomischen Rechen-Instituts. Unterschrift: A. Kahrstedt. Scan im Supplement.
Inhalt: Kahrstedt beschreibt seine Vorgehensweise und die Probleme beim Versand des Berliner Astronomischen Jahrbuchs. Zu Kapitel 7.7.4 .
10.196
Brief vom 15. Dezember 1948 von Kahrstedt
an Kopff
Beschreibung: Brief. Kopfbogen: Astronomisches Recheninstitut der Deutschen
Akademie der Wissenschaften zu Berlin. Ortsangabe gestempelt mit: BerlinLichterfelde, Potsdamer Straße 43. 1 Blatt (1 Seite). DIN A5 quer, gelocht.
Empfänger: Kopff. Absender: Östlicher Teil des Astronomischen Rechen-Instituts. Unterschrift: A. Kahrstedt. Scan im Supplement.
Inhalt: Kahrstedt unterrichtet Kopff, daß die Berliner Akademie vorgeschlagen
habe, den 175. Jahrgang des Berliner Astronomischen Jahrbuchs für 1950 als
”
eine Art Jubiläums-Jahrgang zu gestalten“ (Schmuck des Tielblatts mit Kranz
um die Zahl 175, Vorwort des Akademie-Präsidenten Stroux). Kopff wird um
Stellungnahme gebeten. In einem Postscriptum bietet Kahrstedt an, in Babelsberg die Störungsrechnungen für die Trojaner (eine spezielle Gruppe Kleiner
Planeten) zu übernehmen. Zu Kapitel 7.7.4 .
10.197
Brief vom 21. Dezember 1948 von Kopff an
Kahrstedt
Beschreibung: Durchschlag auf violettrosa Papier. 1 Blatt (2 Seiten). DIN A5
quer, gelocht. Empfänger: Kahrstedt, Berlin-Lichterfelde. Absender: Kopff [aus
Inhalt erschlossen]. Keine Unterschrift. Scans im Supplement.
Inhalt: Kopff beantwortet die Briefe von Kahrstedt an ihn vom 11. November,
9. und 15. Dezember 1948. Er berichtet über den Erhalt von 45 Exemplaren
des Berliner Astronomischen Jahrbuchs für 1949 und dessen teilweisen Versand
von Heidelberg aus. Er macht Bemerkungen zu den Babelsberger Arbeiten für
Kleine Planeten. Mit dem Kranz um die Zahl 175 ist Kopff einverstanden. Die
Frage des Vorworts solle die Akademie selbst entscheiden. Zu Kapitel 7.7.4 .
278
10.198
Brief vom 25. Februar 1949
von Gondolatsch an C. Hoffmeister
Beschreibung: Durchschlag auf violettrosa Papier. 1 Blatt (2 Seiten). DIN A4,
gelocht. Empfänger: C. Hoffmeister, Sonneberg. Absender: Gondolatsch [aus
Inhalt erschlossen]. Keine Unterschrift. Abhefthinweis: Jahrbuch. Scans im
Supplement.
Inhalt: Gondolatsch beklagt sich über eine Besprechung der astronomischen
Jahrbücher, die Hoffmeister in der von ihm herausgegebenen Zeitschrift Die
”
Sterne“ (24. Jahrgang (1948), S. 90 und S. 123) veröffentlicht hatte.
Gondolatsch schildert die Aufgaben des Astronomischen Rechen-Instituts in
Heidelberg und dessen Verhältnis zum östlichen Teil des Instituts. Zitiert und
kommentiert in Kapitel 6.1, 6.3, 7.7.4 und 8.2 .
10.199
Brief vom 25. Februar 1949
von Gondolatsch an J. Wempe
Beschreibung: Durchschlag auf violettrosa Papier. 1 Blatt (1 Seite). DIN A4,
gelocht. Empfänger: J. Wempe, Potsdam. Absender: Gondolatsch [aus Inhalt
erschlossen]. Keine Unterschrift. Abhefthinweis: Jahrbuch. Scan im Supplement.
Inhalt: Gondolatsch bedankt sich für den Erhalt von Sonderdrucken einer seiner
Arbeiten. Hauptsächlich beklagt sich Gondolatsch aber über eine Besprechung
der astronomischen Jahrbücher, die Wempe in der Zeitschrift Astronomische
”
Nachrichten“ (AN, Band 276 (1948), S. 271) veröffentlicht hatte. Gondolatsch
schildert die Aufgaben des Astronomischen Rechen-Instituts in Heidelberg und
dessen Verhältnis zum östlichen Teil des Instituts. Abschließend bittet er um
fehlende Hefte der AN. Zitiert und kommentiert in Kapitel 7.7.3 und 7.7.4 .
10.200
Brief vom 27. April 1949
von Kopff an Kahrstedt
Beschreibung: Durchschlag auf violettrosa Papier. 1 Blatt (2 Seiten). DIN A5
quer, gelocht. Empfänger: Kahrstedt, Berlin-Lichterfelde. Absender: Kopff [aus
Inhalt erschlossen]. Keine Unterschrift. Scans im Supplement.
279
Inhalt: Kopff erläutert Kahrstedt seine Motive zur Herausgabe des Astronomisch-Geodätischen Jahrbuchs [parallel zum gemeinsamen Berliner Astronomischen Jahrbuch]. Zu Kapitel 7.7.3 und 7.7.4 .
10.201
Brief vom 28. April 1949
von Kopff an J. Wempe
Beschreibung: Durchschlag auf violettrosa Papier. 1 Blatt (2 Seiten). DIN A4,
gelocht. Empfänger: J. Wempe, Potsdam. Kopie an O. Heckmann, Hamburg.
Absender: Kopff [aus Inhalt erschlossen]. Keine Unterschrift. Scans im Supplement.
Inhalt: Kopff beschwert sich über eine Besprechung der astronomischen Jahrbücher, die Wempe in der Zeitschrift Astronomische Nachrichten“ (Band 276
”
(1948), S. 271) veröffentlicht hatte. Kopff schildert die Aufgaben des Astronomischen Rechen-Instituts in Heidelberg und dessen Verhältnis zum östlichen
Teil des Instituts. Abschließend beklagt er Aktivitäten von M. Güssow (siehe
Kapitel 12), die versuche, dem Heidelberger Institut zu schaden. Zitiert und
kommentiert in Kapitel 7.7.4 und 12 .
10.202
Brief vom 11. Juli 1949 der Kultusverwaltung
an das Institut
Beschreibung: Brief auf Kopfbogen: Der Präsident des Landesbezirks Baden,
Abteilung Kultus und Unterricht, Karlsruhe. 1 Blatt (2 Seiten). DIN A4, gelocht. Empfänger: Direktion des Astronomischen Recheninstituts. Absender:
Kultusverwaltung, Aktenzeichen: Nr. A 4035. Dr. E. Thoma. Unterschrift:
Thoma. Scans im Supplement.
Inhalt: Auf den Antrag des Instituts vom 21. Juni 1949 wegen Erhöhung
des Druckkostenetats antwortet die Kultusverwaltung, daß das Astronomische
Rechen-Institut für das Rechnungsjahr 1949 in das (Königsteiner) Staatsabkommen (siehe Kapitel 7.6.2 ) einbezogen worden sei. Der Gesamtzuschußbedarf sei dort auf 171 000 DM festgeschrieben worden. Die Kultusverwaltung
Baden könne daher den Druckkostenetat des Instituts nicht (mehr) erhöhen.
Die Kultusverwaltung gibt nur den Ratschlag, den Mehrbedarf an Druckkosten
durch Einsparungen an anderer Stelle auszugleichen“ ! Zitiert und kommen”
tiert in Kapitel 7.6.2 .
280
10.203
Brief vom 20. Juli 1949
von Kahrstedt an Nowacki
Beschreibung: Originalbrief. Verwendung eines alten Kopfbogens des
Coppernicus-Instituts. Dahlemer Adresse gestrichen. Darüber Stempel mit der
Privatanschrift von Kahrstedt. 1 Blatt (2 Seiten), DIN A4, gelocht. Empfänger:
Nowacki. Absender: Kahrstedt. Unterschrift: A. Kahrstedt. Scans im Supplement.
Inhalt: Kahrstedt teilt mit, daß sich in Berlin und Babelsberg keine FK3Unterlagen mehr über den Doppelstern 61 Cygni befinden, um die Nowacki gebeten hatte. Er beschreibt, welches Material er noch im alten Institutsgebäude
in der Altensteinstraße 40 sicherstellen konnte. Abschließend beschreibt er seine angespannte finanzielle Situation wegen der Einführung von DM Ost und
DM West im Zuge der Währungsreform. Zitiert und kommentiert in den Kapiteln 8.2, 9.2, 9.5.4 .
10.204
Brief vom 2. August 1949
der Kultusverwaltung an das Institut
Beschreibung: Brief auf Kopfbogen: Der Präsident des Landesbezirks Baden,
Abteilung Kultus und Unterricht, Karlsruhe. 1 Blatt (2 Seiten). DIN A4, gelocht. Empfänger: Universitätskasse Heidelberg. Mehrfertigung an Kopff. Absender: Kultusverwaltung, Aktenzeichen: Nr. A 4700. Unterschrift: Im Auftrag:
Heidelberger. Scans im Supplement.
Inhalt: Die Kultusverwaltung teilt mit, daß das Astronomische Rechen-Institut
Heidelberg ab 1. April 1949 unter die Regelung des (Königsteiner) Staats”
abkommens (siehe Kapitel 7.6.2 ) der westdeutschen Länder über die Finanzierung wissenschaftlicher Forschungseinrichtungen mit übergebietlichem Wirkungsbereich“ falle. Der Universitätskasse werden finanztechnische Details der
Zwischenfinanzierung mitgeteilt. Zitiert und kommentiert in Kapitel 7.6.2 .
10.205
Brief vom 10. Januar 1950
von H.-C. Freiesleben an Gondolatsch
Beschreibung: Kopfbogen. 1 Blatt (1 Seite). DIN A4, gelocht. Empfänger: Gondolatsch. Absender: Ob.-Reg. Rat. Dr. H.-C. Freiesleben, Deutsches Hydrographisches Institut, Hamburg. Scan im Supplement.
281
Inhalt: Freiesleben hat ein Exemplar der Astronomischen Grundlagen für den
”
Kalender 1951“ erhalten. Er nimmt an, daß er dieses Werk in der hydrographischen Zeitschrift besprechen soll. Er will dabei aber auch die entsprechende
Publikation aus Berlin (Ost) erwähnen, falls dagegen keine Bedenken bestehen sollten. Sonst wäre die Besprechung wohl besser zu unterlassen. Zu Kapitel
7.7.2, 7.7.4 und 8.2 .
Kommentar: Hans-Christian Freiesleben (1903-1985) war Astronom und Nautiker an der Deutschen Seewarte bzw. dem Deutschen Hydrographischen Institut (DHI). Von 1939 bis 1945 leitete er das Referat Navigationsmethoden und
”
Astronomie“ der Nautischen Abteilung beim Oberkommando der Kriegsmarine (siehe Kapitel 4). Von 1945 bis 1968 war er Leiter des Referats Navigation“
”
des DHI.
10.206
Brief vom 8. Februar 1950
von Gondolatsch an H.-C. Freiesleben
Beschreibung: Durchschlag. 2 Blätter (2 Seiten). DIN A4, gelocht. Empfänger:
Ober-Regierungsrat Dr. H.-C. Freiesleben, [Deutsches Hydrographisches Institut], Hamburg. Scans im Supplement.
Inhalt: Gondolatsch beantwortet den Brief von Freiesleben vom 10. Januar 1950 ∗∗ . Das Exemplar der Kalender-Grundlagen sei nur für Freiesleben
persönlich bestimmt gewesen. Eine Buchbesprechung sei nicht angestrebt worden. Auf jeden Fall sollte in einer eventuellen Buchbesprechung kein Vergleich
des Astronomischen Rechen-Instituts in Heidelberg mit dem östlichen Teil gezogen werden. Man sollte alles vermeiden, was den - wirklich absolut falschen ”
Eindruck erweckt, Berlin und Heidelberg wären für die Fortführung theoretischer und rechnerischer astronomischer Arbeiten in Deutschland von gleicher
Wichtigkeit“. Dies sei nicht der Fall. [Siehe auch die Briefe von Gondolatsch
vom 25. Februar 1949 ∗∗ .] Gondolatsch spricht ferner die Frage des Austauschs
von Daten mit Freiesleben an. Zu Kapitel 7.7.2, 7.7.4 und 8.2 .
10.207
Brief vom 14. Februar 1950
vom Universitätsverlag Winter an Kopff
Beschreibung: Brief auf Kopfbogen des Verlags. 1 Blatt (1 Seite). DIN A4,
gelocht. Empfänger: Prof. Dr. August Kopff, Heidelberg, Sternwarte. Absender:
Carl Winter, Universitätsverlag, Heidelberg. Unterschrift: St[efan] Hillig. Scan
im Supplement.
282
Inhalt: Der Verlag Carl Winter kündigt die Verträge für den Verkauf der
Astronomischen Grundlagen für den Kalender“ und für den Astronomischen
”
”
Kalender“. Als Grund gibt er den zu geringen Absatz an: Von den Grundlagen
seien bisher nur 42 Exemplare (von 300 der Auflage) und vom Kalender lediglich 800 (von 4000) verkauft worden. Er empfiehlt den Wechsel zum Verlag
G. Braun in Karlsruhe, der für diese Werke geeigneter wäre, denn der Verlag Winter sei überwiegend sprachwissenschaftlich ausgerichtet. Zitiert und
ausführlich kommentiert in Kapitel 7.7.1 und 7.7.2 .
10.208
Brief vom 23. Februar 1950
von Kopff an den Universitätsverlag Winter
Beschreibung: Durchschlag. 1 Blatt (1 Seite). DIN A4, gelocht. Empfänger: Carl
Winter Universitätsverlag, Heidelberg, Herr Hillig. Absender: Kopff. Scan im
Supplement.
Inhalt: Kopff bedauert die vom Verlag in dessen Brief vom 14. Februar 1950 ∗∗
ausgesprochene Kündigung der Verträge über die Astronomischen Grundla”
gen für den Kalender“ und den Astronomischen Kalender“. Er bedankt sich
”
aber ausdrücklich beim Verlag für dessen Entgegenkommen seit 1945. Insbesondere durch die Übernahme des Kalenders in den Verlag habe dieser über
finanzielle Schwierigkeiten [des Instituts und seiner Mitarbeiter] hinweggeholfen. Kopff schneidet noch finanzielle Fragen an. In einem Postskriptum bittet
er den Verlag um die Liste der Besteller der Grundlagen für 1950, um diese
dem neuen Verlag übermitteln zu können Zitiert und ausführlich kommentiert
in Kapitel 7.7.1 .
10.209
Brief vom 6. Juli 1950 von D. A. Kimball an
D. G. Acheson
Beschreibung: Durchschlag einer Abschrift. Text in Englisch. 1 Blatt (1 Seite). DIN A4, gelocht. Empfänger des Originals: Honorable Dean G. Acheson,
Secretary of State, Washington, D.C. . Abschriften wurden von J. Breitenbucher, [University Officer,] Heidelberg University, laut Eintragung mit blauer
Tinte am Kopf des Durchschlags an folgende Personen gesandt: Rektor [der
Universität Heidelberg ]; Präs[ident] d[es] L[andesbezirks] B[aden]. Aber auch
Kopff erhielt offensichtlich eine Abschrift. Absender des Originals: Department of the Navy, Office of the Secretary, Washington. Unterschrift: Dan A.
Kimball, Under Secretary of the Navy. Absender der Kopie: J. Breitenbucher,
University Officer, Heidelberg University [laut Eintrag auf dem Durchschlag ].
Scan im Supplement.
283
Inhalt: Der stellvertretende Marineminister der USA, Dan A. Kimball (18961970), unterrichtet den Außenminister der USA, Dean G. Acheson (1893-1971),
über die Gefahr, daß Kopff und das Astronomische Rechen-Institut in Heidelberg die Unterstützung der deutschen Behörden verlieren könnte. Kimball
schildert die Wichtigkeit der Arbeiten von Kopff, insbesondere die lange Zusammenarbeit des Instituts mit dem U.S. Naval Observatory und die Bedeutung dieser Zusammenarbeit für die US-Marine. Kimball bittet Acheson, den
amerikanischen Hohen Kommissar für Deutschland (HICOG) davon zu unterrichten. HICOG solle die entsprechenden deutschen Stellen zur weiteren
Förderung des Instituts auffordern. Zitiert und kommentiert in Kapitel 7.2.1
und 7.5 .
Kommentar:
HICOG ist die hier benutzte Abkürzung für U.S. High Commissioner for
”
Germany“. Die Allierte Hohe Kommission für Deutschland“ bestand aus drei
”
Hochkommissaren aus den USA, England und Frankreich. Sie stellten von
1949 bis 1955 die höchste Autorität in der Bundesrepublik Deutschland dar,
weil in dieser Zeit noch das Besatzungsstatut galt. (Die Bundesrepublik wurde
erst 1955 staatlich völlig souverän.) Amerikanischer HICOG war von 1949
bis 1952 John J. McCloy (1895-1989). Heidelberg lag in der amerikanischen
Besatzungszone.
Auslöser des Briefes war mit Sicherheit ein Schreiben von Kopff (das uns
aber leider nicht vorliegt) an das U.S. Naval Observatory mit der Bitte um Unterstützung für die Arbeit des Astronomischen Rechen-Instituts in Heidelberg.
Das U.S. Naval Observatory hat sich dann wohl seinerseits an den Marineminister der USA gewandt, um dem Institut durch entsprechende Schritte
beim Außenminister der USA und bei HICOG zu helfen.
Hinweis: Andere Exemplare der Kopie des Briefes befinden sich im Universitätsarchiv Heidelberg (UA-Signatur: 70g, B-6905, Astronomisches Recheninstitut, Allgemeines, Jahr: 1945-58) und im Generallandesarchiv Karlsruhe
(GLA-Signatur: 481 Nr. 402, Präsident des Landesbezirks Baden / 1945-1952,
Astronomisches Recheninstitut in Heidelberg). Diesen Exemplaren ist auch
eine Übersetzung des Briefes ins Deutsche beigefügt.
284
Volltext:
Copy
Department of the Navy
Office of the Secretary
Washington
6 Jul[y] 1950
My dear Mr. Secretary:
I am informed that Professor A. Kopff, Director of the Astronomisches RechenInstitut, Seminarienhaus, Augustinergasse 15, Heidelberg (17a), Germany is in
danger of losing support for carrying on the work of his Institut.
Professor Kopff is well known throughout the world as an eminent astronomer. The Institut has flourished for many years under his direction, at Berlin
before the war, and at Heidelberg afterward. In addition to his general contributions to astronomy, he has cooperated with the Naval Observatory for
many years, under an agreement authorized by law, in the exchange of astronomical calculations to avoid duplication of effort. His cooperation has been a
distinct contribution to the efficient conduct of work under the Department of
the Navy.
It is requested that the U.S. High Commissioner for Germany be advised
of the value of Professor Kopff’s work to science at large in order that he may
bring this matter to the attention of the appropriate officials with a view to
continuing support of the Rechen-Institut.
Sincerely yours,
Dan A. Kimball
Under Secretary of the Navy
Honorable Dean G. Acheson,
Secretary of State,
Washington 25, D.C.
285
10.210
Brief vom 25. Juli 1950 von G. W. Lewis an
D. A. Kimball
Beschreibung: Durchschlag einer Abschrift. Text in Englisch. 1 Blatt (1 Seite).
DIN A4, gelocht. Empfänger des Originals: Honorable Dan A. Kimball, Under
Secretary of the Navy, [Washington, D.C.]. Abschriften wurden von J. Breitenbucher, [University Officer,] Heidelberg University, laut Eintragung mit blauer
Tinte am Kopf des Durchschlags an folgende Personen gesandt: Rektor [der
Universität Heidelberg ]; Präs[ident] d[es] L[andesbezirks] B[aden]. Aber auch
Kopff erhielt offensichtlich eine Abschrift. Absender des Originals: For the
Secretary of State, Office of the Secretary, [Washington, D.C.]. Unterschrift:
Geoffrey W. Lewis, Deputy Director, Bureau of German Affairs. Absender der
Kopie: J. Breitenbucher, University Officer, Heidelberg University [laut Eintrag
auf dem Durchschlag ]. Scan im Supplement.
Inhalt: Lewis bestätigt den Eingang des Briefes vom 6. Juli 1950 ∗∗ des stellvertretenden Marineministers der USA, Dan A. Kimball, an den Außenminister
der USA, Dean G. Acheson, wegen der Gefahr, daß Kopff und das Astronomische Rechen-Institut in Heidelberg die Unterstützung der deutschen Behörden
verlieren könnten. Das Außenministerium stimmt der Bitte Kimballs zu, die
deutschen Behörden durch HICOG über den Wert der Arbeiten von Kopff und
des Instituts zu unterrichten. Der Außenminister habe ferner HICOG gebeten,
ihn von allen deutschen Aktivitäten zu unterrichten, die zu einer Beendigung
der Unterstützung des Instituts führen könnten. Zitiert und kommentiert in
Kapitel 7.2.1 und 7.5 .
Kommentar: HICOG ist die hier benutzte Abkürzung für U.S. High Commis”
sioner for Germany“. Siehe dazu unseren Kommentar zum Brief vom 6. Juli
1950 ∗∗ . Der vorliegende Brief trägt kein Datum. Wir gehen aber davon aus,
daß er zusammen mit dem unten folgenden Brief des Außenministers Acheson an HICOG am 25. Juli 1950 ∗∗ geschrieben wurde. Wir führen daher den
vorliegenden Brief ebenfalls unter diesem Datum auf.
Hinweis: Andere Exemplare der Kopie des Briefes befinden sich im Universitätsarchiv Heidelberg (UA-Signatur: 70g, B-6905, Astronomisches Recheninstitut, Allgemeines, Jahr: 1945-58) und im Generallandesarchiv Karlsruhe
(GLA-Signatur: 481 Nr. 402, Präsident des Landesbezirks Baden / 1945-1952,
Astronomisches Recheninstitut in Heidelberg). Diesen Exemplaren ist auch eine Übersetzung des Briefes ins Deutsche beigefügt.
286
Volltext:
Copy
In reply refer to
GAI 962A.712/7-650
My dear Mr. Kimball:
The receipt is acknowledged of your letter of July 6, 1950 concerning the
possible loss of support for carrying on the work of the Astronomisches Recheninstitut at Heidelberg, Germany.
The Department has endorsed your request that the appropriate German
officials be advised of the value of the work of Professor A. Kopff, Director
of the Institute, in a communication to the Office of the United States High
Commissioner for Germany. A copy of your letter has been enclosed. Furthermore, the Department has requested that a report be made of any action which
would lead to the discontinuation of support of the Institute.
Sincerely yours,
For the Secretary of State:
Geoffrey W. Lewis
Deputy Director
Bureau of German Affairs
The Honorable
Dan A. Kimball
Under Secretary ofthe Navy
10.211
Brief vom 25. Juli 1950 von D. G. Acheson
an den U.S. High Commissioner for Germany
Beschreibung: Durchschlag einer Abschrift. Text in Englisch. 1 Blatt (1 Seite).
DIN A4, gelocht. Empfänger des Originals: HICOG FRANKFORT [U.S. High
Commissioner for Germany, Frankfurt am Main]. Abschriften wurden von J.
Breitenbucher, [University Officer,] Heidelberg University, laut Eintragung mit
blauer Tinte am Kopf des Durchschlags an folgende Personen gesandt: Rektor
[der Universität Heidelberg ]; Präs[ident] d[es] L[andesbezirks] B[aden]. Aber
auch Kopff erhielt offensichtlich eine Abschrift. Absender des Originals: [Se-
287
cretary of State, Washington, D.C.]. Unterschrift: Acheson. Aktenzeichen des
Außenministeriums: A-238, unclassified. Absender der Kopie: J. Breitenbucher,
University Officer, Heidelberg University [laut Eintrag auf dem Durchschlag ].
Scan im Supplement.
Inhalt: Der Außenminister der USA, Dean G. Acheson (1893-1971), übermittelt
HICOG den Brief vom 6. Juli 1950 ∗∗ des stellvertretenden Marineministers der
USA, Dan A. Kimball, bezüglich der Gefahr, daß Kopff und das Astronomische Rechen-Institut in Heidelberg die Unterstützung der deutschen Behörden
verlieren könnten. Der Außenminister unterstützt das Anliegen Kimballs und
fordert HICOG auf, den Außenminister von allen deutschen Aktivitäten zu
unterrichten, die zu einer Beendigung der Unterstützung des Instituts führen
könnten. Zitiert und kommentiert in Kapitel 7.2.1 und 7.5 .
Kommentar: HICOG ist die hier benutzte Abkürzung für U.S. High Commis”
sioner for Germany“. Siehe dazu unseren Kommentar zum Brief vom 6. Juli
1950 ∗∗ .
Hinweis: Andere Exemplare der Kopie des Briefes befinden sich im Universitätsarchiv Heidelberg (UA-Signatur: 70g, B-6905, Astronomisches Recheninstitut, Allgemeines, Jahr: 1945-58) und im Generallandesarchiv Karlsruhe
(GLA-Signatur: 481 Nr. 402, Präsident des Landesbezirks Baden / 1945-1952,
Astronomisches Recheninstitut in Heidelberg). Diesen Exemplaren ist auch eine Übersetzung des Briefes ins Deutsche beigefügt.
Volltext:
Copy
UNCLASSIFIED
2241
HICOG
FRANKFORT
A-238, July 25, 1950
The Secretary of State transmits herewith a copy of a letter from the
Honorable Dan A. Kimball, Under Secretary of the Navy, and a copy of the
Department’s reply thereto, concerning the Astronomisches Recheninstitut at
Heidelberg, Germany.
The Department endorses the request of the Under Secretary of the Navy
and requests that a report of any action taken by German officials to disconti288
nue the support of the Institute be sent to the Department for transmittal to
the Under Secretary of the Navy.
Acheson
Enclosures:
1. From Mr. Kimball
July 6. 1950,
2. To Mr. Kimball.
7-389
10.212
Brief vom 29. Juli 1950 von Kopff an die Kultusverwaltung
Beschreibung: Durchschlag. 1 Blatt (2 Seiten). DIN A4, gelocht. Empfänger:
Der Präsident des Landesbezirks Baden, Abt. Kultus und Unterricht, Karlsruhe. Absender: Kopff. Tagebuch-Nr. 237. Scans im Supplement.
Inhalt: Kopff ist in Sorge, daß man das Astronomische Rechen-Institut aus Heidelberg abschieben“ wolle, wodurch die Tätigkeit des Instituts völlig lahm
”
”
gelegt würde.“. Trotz der Neuberufung von Kienle müßte es möglich sein, daß
das Institut in aller Ruhe“ von der Sternwarte losgelöst werde und daß es
”
entsprechende Räume in der Altstadt von Heidelberg erhielte. Kopff legt Gutachten über die internationale Bedeutung der Arbeiten des Instituts bei. Er
bittet um Unterstützung dafür, daß das Institut in Heidelberg ungestört wei”
terarbeiten kann“. Die Anlagen sind nicht im Einzelnen angegeben. Zitiert in
Kapitel 7.2.1 und 7.5.
10.213
Brief vom 29. Juli 1950 von Kopff an den Rektor
Beschreibung: Durchschlag. 1 Blatt (1 Seite). DIN A4, gelocht. Empfänger:
Rektor der Universität Heidelberg. Absender: Kopff. 7 Anlagen, die hier aber
fehlen. Scan im Supplement.
Inhalt: Nach Ansicht von Kopff besteht Unklarheit über die Zukunft des Astronomischen Rechen-Instituts. Er habe den Eindruck, daß man das Astronomische Rechen-Institut aus Heidelberg abschieben wolle. Er übersendet dem
Rektor daher Gutachten über die internationale Bedeutung des Instituts. Kopff
289
drückt seine Überzeugung aus, daß die Universität Heidelberg dem Institut wie
bisher jede Hilfe leisten wird, damit dieses seine Arbeiten ungestört fortsetzen
könne. Die 7 Anlagen sind nicht im Einzelnen angegeben. Zitiert in Kapitel
7.2.1 .
10.214
Anlagen zu den Briefen vom 29. Juli 1950
von Kopff (Gutachten)
Beschreibung: Durchschläge der Abschriften von 7 Gutachten zum Astronomischen Rechen-Institut. Alle: DIN A4, gelocht. Empfänger der Abschriften laut
Eintragung mit blauer Tinte am Kopf des ersten Gutachtens:
(1.) Rektor [der Universität Heidelberg ],
(2.) Präsident d[es] L[andesbezirks] B[aden] Dr. Kauf[f]mann,
(3.) Abt[eilung] K[ultus] u[nd] U[nterricht von (2.)],
(4.) Prof. Heisenberg,
(5.) Univ[ersity] Officer [Heidelberg ],
(6.) Dr. Rupp [Ministerialrat im Kultusministerium].
Aussteller: siehe unter Inhalt. Scans im Supplement.
Inhalt:
Anlagen zu den Briefen von Kopff vom 29. Juli 1950 ∗∗ , die in Kapitel 7.2.1
zitiert werden.
Verfasser der Gutachten (Briefe) sind:
(a) Bertil Lindblad, Präsident der Internationalen Astronomischen Union
(1 Blatt, 1 Seite, datiert vom 7. Juli 1950 in Ann Arbor, Michigan, USA).
(b) Bengt Strömgren, Generalsekretär der Internationalen Astronomischen
Union (1 Blatt, 1 Seite, datiert vom 29. Juni 1950 in Kopenhagen).
(c) G. W. Welker, Captain U.S. Navy, Superintendent des U.S. Naval Observatory, Washington (1 Blatt, 1 Seite, datiert vom 14. Juni 1950 in Washington
D.C.).
(d) Dirk Brouwer, Yale University Observatory (1 Blatt, 1 Seite, datiert vom
3. Juli 1950 in New Haven, Connecticut, USA).
(e) Harold Spencer Jones, Astronomer Royal, früherer Präsident der Internationalen Astronomischen Union (2 Blätter, 2 Seiten, undatiert, ohne Ortsangabe,
vermutlich Anlage zu einem datierten Begleitbrief).
290
(f) W. M. Smart, President of the Royal Astronomical Society (1 Blatt, 1 Seite,
datiert vom 27. Juni 1950 in London).
(g) G. Fayet, Bureau des Longitudes (1 Blatt, 1 Seite, datiert vom 22. Juni
1950 in Paris).
Kommentar: Die Liste der wissenschaftlichen Gutachten, die Kopff zur Unterstützung der Arbeiten des Astronomischen Rechen-Instituts beibringen
konnte, ist sehr eindrucksvoll. Für die mehr politisch denkenden Personen (z.B.
den Präsidenten des Landesbezirks Baden, Kaufmann) war aber vermutlich der
unterstützende Brief des amerikanischen Außenministers Acheson vom 25. Juli
1950 ∗∗ noch beachtenswerter.
10.215
Brief vom 7. August 1950
vom U.S. High Commissioner for Germany
an J. Breitenbucher
Beschreibung: Durchschlag. 1 Blatt (1 Seite). DIN A4, gelocht. Empfänger
des Originals: J. Breitenbucher, [University Officer,] Heidelberg University.
Empfänger der Abschrift laut Eintragung mit blauer Tinte am Kopf des
Briefes: Rektor [der Universität Heidelberg ]; Präs[ident] d[es] L[andesbezirks]
B[aden]. Absender des Originals: J. H. Boxer, Office of the U.S. High Commissioner for Germany, Frankfurt. Absender der Kopie: J. Breitenbucher, University Officer, Heidelberg University [laut Eintrag auf dem Durchschlag ]. Scan
im Supplement.
Inhalt: Der Universitäts-Offizier Breitenbucher soll HICOG mitteilen, welche
Aktion [für das Astronomische Rechen-Institut] unternommen werden soll (siehe Briefe vom 6. Juli 1950 ∗∗ und 25. Juli 1950 ∗∗ (2 Briefe)).
Kommentar:
HICOG ist die hier benutzte Abkürzung für U.S. High Commissioner for
”
Germany“. Siehe dazu unseren Kommentar zum Brief vom 6. Juli 1950 ∗∗ .
Breitenbucher hat am 17. August 1950 Kopien der Briefe vom 6. Juli
1950 ∗∗ , 25. Juli 1950 ∗∗ (2 Briefe) und 7. August 1950 ∗∗ an den Rektor der Universität Heidelberg und den Präsidenten des Landesbezirks Baden geschickt.
Die entsprechenden Anschreiben (in Englisch mit beigefügter deutscher Übersetzung) befinden sich im Universitätsarchiv Heidelberg und im Generallandesarchiv Karlsruhe (zum Nachweis siehe die Angaben im folgenden Hinweis). In
diesen inhaltlich gleichlautenden Anschreiben weist Breitenbucher nur auf die
anliegenden Briefe hin, aus denen das Interesse“ hervorgehe, welches high
”
”
291
United States officials have taken in behalf of the Recheninstitut in Heidelberg“. Angesichts der damals noch sehr weitreichenden Befugnisse von HICOG
war dies aber mehr als nur ein freundlicher Hinweis.
Die beiden Anschreiben von Breitenbucher tragen den Briefkopf Office of
”
the United States High Commissioner for Germany / Office of Land Commissioner for Wuerttemberg-Baden“. Unterzeichnet hat er mit Jacques R.
”
Breitenbucher, Higher Education Adviser“. Breitenbuchers Amtsbezeichung
Higher Education Adviser“ ist eine freundliche Umschreibung für den früher
”
benutzten Titel University Officer“. In der deutschen Übersetzung wird er als
”
Hochschulberater“ bezeichnet.
”
Breitenbucher hat aufgrund des vorliegenden Briefes Kopff um eine Stellungnahme gebeten. Kopffs Stellungnahme erfolgte am 17. August 1950 ∗∗ . Wir
gehen davon aus, daß Breitenbucher zuvor Kopien der oben genannten Briefe an Kopff zur Information geschickt hat, da sich ein Satz der Kopien der
Briefe vom 6. Juli 1950 ∗∗ , 25. Juli 1950 ∗∗ (2 Briefe) und 7. August 1950 ∗∗ im
Institutsarchiv befindet.
Hinweis: Andere Exemplare der Kopie des Briefes befinden sich im Universitätsarchiv Heidelberg (UA-Signatur: 70g, B-6905, Astronomisches Recheninstitut, Allgemeines, Jahr: 1945-58) und im Generallandesarchiv Karlsruhe
(GLA-Signatur: 481 Nr. 402, Präsident des Landesbezirks Baden / 1945-1952,
Astronomisches Recheninstitut in Heidelberg). Diesen Exemplaren ist auch eine Übersetzung des Briefes ins Deutsche beigefügt.
Volltext:
[Handschriftliche Notiz mit blauer Tinte rechts oben:]
Von Univ[ersitäts]Off[izier] gesandt
an Rektor [der Universität Heidelberg ],
Präs[ident] d[es] L[andesbezirks] B[aden]
[Handschriftliche Notiz mit Bleistift darunter:]
4 Reserve b[ei] Prof. Kopff
Copy
Office of the U.S. High Commissioner for Germany
Office Memorandum
TO: Mr. J. Breitenbucher
Heidelberg University
Date: 7 August 1950
292
From: J. H. Boxer, Office of Public Affairs
Subject: Astronomisches Rechen-Institut at Heidelberg
As per telephone conversation of this morning please indicate what action
is recommended.
Tel.: Frankfurt 208024
JHBoxer:ua
10.216
sig.: J. H. Boxer
Schreiben vom 17. August 1950 von Kopff an
den Universitäts-Offizier der Universität Heidelberg
Beschreibung: Durchschlag oder Abschrift. 3 Blätter (3 Seiten). DIN A4, gelocht. Empfänger: Universitäts-Offizier der Universität Heidelberg, Herr Dr.
J. Breitenbucher. Absender: Kopff. Diverse Anlagen, die hier aber zum Teil
fehlen. Scans im Supplement.
Inhalt: Breitenbucher hat sich aufgrund der Briefe, die ihn aus USA erreicht
haben (siehe z.B. den Brief des Außenministers Acheson vom 25. Juli 1950 ∗∗ ),
bei Kopff über die Probleme des Astronomischen Rechen-Instituts erkundigt.
Kopff antwortet auf diese Anfrage mit dem vorliegenden Brief. Er schildert kurz
die Geschichte des Instituts und seine Etablierung in Heidelberg. In Punkt 4)
schildert er die Raumprobleme des Instituts, die sich durch den Verlust der
Räume auf der Heidelberger Sternwarte ergeben würden. Beigefügt wurden
10 Anlagen: Anlage 1 (Blatt 1-3): siehe Amerikanischer Ausweis vom Ju”
ni 1945 ∗∗ für das Institut bei der Übersiedlung“. Die Anlagen 2 (Marschbefehl) und 3 (Schreiben von Washington vom 12. Oktober 1945) fehlen. Anlage
4: Brief vom 16. Januar 1946 ∗∗ des Military Government Office HeidelbergUniversity an Kopff. Anlagen 5-11: Gutachten (siehe Kapitel 10: Anlagen zu
”
den Briefen vom 29. Juli 1950 von Kopff (Gutachten)“ ∗∗ ). Zitiert in Kapitel
6.3 und 7.2.1 .
Kommentar: Dr. Jacques R. Breitenbucher war seit November 1949 amerikanischer Universitäts-Offizier für die Universität Heidelberg. Von Kopffs Schreiben
an ihn existieren mehrere Abschriften, die vermutlich zu deutlich unterschiedlichen Zeitpunkten erstellt wurden. Sie sind inhaltlich identisch, unterscheiden
sich aber geringfügig in der äußeren Form (im Layout“).
”
293
10.217
Vertrag vom 1. September 1950 zwischen dem
Verlag G. Braun und dem Institut über die
Kalender-Grundlagen
Beschreibung: Maschinenschriftlicher Vertrag. Kopfbogen des Verlags G. Braun.
2 Blätter zusammengeheftet (2 Seiten). DIN A4, gelocht. Zustand befriedigend.
Unterschriften: Heidelberg, Astronomisches Recheninstitut, Prof. Dr. August
Kopff; Karlsruhe, G. BRAUN (vorm. G. Braunsche Hofbuchdruckerei und Verlag G.m.b.H.) [Stempel ], [unleserliche Unterschrift]. Scans im Supplement.
Inhalt: Kopff als Direktor des Astronomischen Rechen-Instituts und der Verlag
G. Braun in Karlsruhe schließen einen Vertrag über die Herstellung und den
Verlag der Astronomischen Grundlagen für den Kalender. Zitiert in Kapitel
7.7.2 .
10.218
Brief vom 16. September 1950 vom Präsidenten des Landesbezirks Baden an das Institut
Beschreibung: Abschrift. 1 Blatt (1 Seite). DIN A4, gelocht. Empfänger: Astronomisches Recheninstitut, Heidelberg. Absender: Der Präsident des Landesbezirks Baden, Karlsruhe. Aktenzeichen: Nr. 9882 (Auf Schreiben vom 29. Juli
1950). Unterschrift: Dr. Kaufmann. Handschriftlicher Vermerk: Original bei
Prof. Kopff. Scan im Supplement.
Inhalt: Der Präsident des Landesbezirks Baden teilt mit, daß nicht an eine
Verlegung des Sitzes des Astronomischen Rechen-Instituts gedacht sei. Bei den
Berufungsverhandlungen mit dem neuen Direktor der Heidelberger Sternwarte, Kienle, sei lediglich erwogen worden, das Institut in die Stadt Heidelberg
zu verlegen, um Räume auf der Sternwarte zu gewinnen. Man werde auch weiterhin versuchen, das Institut dem Landesbezirk Baden zu erhalten. Zitiert in
Kapitel 7.2.1 .
Kommentar: Präsident des Landesbezirks Baden des Landes WürttembergBaden war Dr. Edmund Kaufmann (1893-1953).
294
10.219
Brief vom 3. Oktober 1950 von Kopff an den
Präsidenten des Landesbezirks Baden
Beschreibung: Durchschlag. 1 Blatt (1 Seite). DIN A4, gelocht. Empfänger: Der
Präsident des Landesbezirks Baden, Karlsruhe. (Zu Aktenzeichen Nr. 9882 vom
16.9.50). Absender: Kopff. Tagebuch-Nr. 241. Scan im Supplement.
Inhalt: Kopff übersendet dem Präsidenten des Landesbezirks Baden als Anlage eine Abschrift seines Berichts an den Universitäts-Offizier Breitenbucher
vom 17. August 1950 ∗∗ . Kopff teilt mit, daß ihm der Rektor der Universität
Heidelberg zugesagt habe, sich selbst um die Beschaffung weiterer Räume für
das Institut in Heidelberg zu bemühen. Zu Kapitel 7.2.1 .
10.220
Brief (Vertrag) vom 18. Oktober 1950 von
Kopff an den Verlag W. de Gruyter über den
Astronomischen Jahresbericht
Beschreibung: Abschrift. 2 Blätter (2 Seiten). DIN A4, gelocht. Empfänger:
Verlag Walter de Gruyter, Berlin. Absender: Kopff. [Am oberen Rand der
1. Seite steht der handschriftliche, rot unterstrichene Vermerk:] Vertrag. Scans
im Supplement.
Inhalt: Im Original dieses Briefes faßt Kopff seinen früheren Schriftwechsel mit
dem Verlag de Gruyter über den Druck des Astronomischen Jahresberichts
zusammen. Zitiert und ausführlich kommentiert in Kapitel 7.7.6 .
Kommentar: Aufgrund des handschriftlichen Vermerks auf dem Durchschlag
betrachtete das Institut dieses Schriftstück offensichtlich als Vertrag mit dem
Verlag. Uns liegen keine Dokumente vor, daß der Verlag dieser Auffassung
widersprochen oder Änderungen gewünscht hat.
10.221
Brief vom 24. November 1950
von Kopff an Regierungsrat Lindner
Beschreibung: Abschrift. 1 Blatt (2 Seiten). DIN A4, mit Doppellochung. Empfänger: Regierungsrat Lind[e]ner, [Hessisches ] Kultusministerium, Wiesbaden. Absender: Kopff. Scans im Supplement.
Inhalt: Kopff wendet sich an Lindner, weil er erfahren habe, daß dieser mit der
Eingliederung der wissenschaftlichen Institute in das (Königsteiner) Staats295
abkommen der Länder betraut sei. Kopff beklagt den nun seit mehr als zwei
Jahren bestehenden Zwischenzustand, besonders in personeller Hinsicht. Kopff
bittet um Mitteilung, wann die Eingliederung erfolgen wird und ob zwischenzeitlich freie Stellen besetzt werden könnten. Kopff möchte Lindner persönlich
über die Arbeit des Astronomischen Rechen-Instituts und dessen internationale Aufgaben unterrichten. Zitiert und kommentiert in Kapitel 7.6.2 .
10.222
Brief vom 4. Dezember 1950
von Regierungsrat Lindner an Kopff
Beschreibung: Briefkopf: Der Hessische Minister für Erziehung und Volksbildung, als Geschäftstelle, Wiesbaden. Aktenzeichen: IX/S/St.Abk. 1 Blatt
(1 Seite). DIN A4, gelocht. Empfänger: Kopff. Absender: siehe Briefkopf. Unterschrift: Lindner. Scan im Supplement.
Inhalt: Lindner bestätigt, daß er als Geschäftsstelle die Angelegenheit, die
im Zusammenhang mit dem (Königsteiner) Staatsabkommen der Länder stehen, wahrnehme. Entscheidungen seien aber Aufgabe der betroffenen Länder.
Lindner empfiehlt, sich an Ministerialrat Dr. Rupp als Vertreter des Landes
Württemberg-Baden im Verwaltungsausschuß der Länder zu wenden. Von einem Besuch in Wiesbaden rät Lindner Kopff ab. Die internationalen Verpflichtungen des Astronomischen Rechen-Instituts seien ihm übrigens aus seiner
früheren Tätigkeit bekannt. Zu Kapitel 7.6.2 .
10.223
Merkblatt vom 1. Juni 1951
zur Finanzierung des Forschungswesens
Beschreibung: Gedrucktes Merkblatt. Briefkopf: Geschäftsstelle des Ausschusses für Forschungsfinanzierung, Frankfurt(Main). Mit Schreibmaschine hinzugefügt: Direktor beim Bundesrechnungshof, Dr.Dr. Fuchs, Bundesrechnungshof, Frankfurt. 1 Blatt (1 Seite). DIN A4, gelocht. Empfänger eines Exemplars:
Kopff. Anlage zum Brief der Kultusverwaltung vom 10. Juli 1951 ∗∗ an Kopff.
Ersteller: siehe Briefkopf. Unterschrift: gez. Dr.Dr. Fuchs. Scan im Supplement.
Inhalt: Bund und Länder haben eine Verwaltungsvereinbarung abgeschlossen,
um die wissenschaftliche Forschung in Deutschland gemeinsam zu finanzieren.
Zunächst soll der Finanzbedarf ermittelt werden. Die entsprechenden Ermittlungen führt der Ausschuss für Forschungsfinanzierung aus. Dazu müssen die
betroffenen Einrichtungen zwei Erhebungsbogen (I und II) ausfüllen. Die Angaben sollen dem Ausschuß innerhalb von 14 Tagen in 7-facher Ausfertigung
zugehen. Zitiert in Kapitel 7.6.2 .
296
10.224
Brief vom 10. Juli 1951 der Kultusverwaltung
an das Institut
Beschreibung: Brief auf Kopfbogen: Der Präsident des Landesbezirks Baden,
Landesbezirksdirektion des Kultus und Unterrichts, Karlsruhe. 1 Blatt (1 Seite). DIN A4, gelocht. Empfänger: Kopff. Absender: Kultusverwaltung, Aktenzeichen: Nr. A 2597. Unterschrift: Im Auftrag: Heidelberger. Scan im Supplement.
Inhalt: Die Kultusverwaltung übersendet dem Astronomischen Rechen-Institut
das Merkblatt vom 1. Juni 1951 ∗∗ und die zugehörigen Erhebungsbogen I und
II zur Durchführung der Verwaltungsvereinbarung zur Förderung der wissenschaftlichen Forschung. Sechs ausgefüllte Ausfertigungen sollen baldigst nach
Karslruhe zurückgehen. Zitiert in Kapitel 7.6.2 .
10.225
Erhebungsbogen (ausgefüllt am 18. Juli 1951)
zur Tätigkeit des Instituts
Beschreibung:
Ausgefüllte Erhebungsbogen I und II zur Durchführung der Verwaltungsvereinbarung zur Förderung der wissenschaftlichen Forschung mit 10 Anlagen.
Ausgefüllt von Kopff für das Astronomische Rechen-Institut Heidelberg.
(a) Erhebungsbogen I.
Allgemeines, Arbeitsgebiete und apparative Ausstattung.
Vordruck maschinenschriftlich ausgefüllt. Unterschrift: Kopff. 1 Bogen (3 Seiten). DIN A4, gelocht. Scans im Supplement.
(b) Anhang zum Erhebungsbogen I.
Nur für landwirtschaftliche Institute.
Nicht ausgefüllt. 1 Blatt (2 Seiten). DIN A4, gelocht.
(c) Erhebungsbogen II.
Haushalt und Personal.
A. Haushalt, B. Personalbesetzung. Vordruck maschinenschriftlich ausgefüllt.
Auf Seite 2 unleserliche Unterschrift eines Universitätsinspektors. Unterschrift
von Kopff fehlt auf Seite 3. 1 Bogen (3 Seiten). DIN A4, gelocht. Scans im
Supplement.
(d) Anlage zum Erhebungsbogen II B.
Personalbesetzung am 1. April 1951.
Vordruck maschinenschriftlich ausgefüllt. Keine Unterschrift. 1 Bogen und
297
1 eingelegtes Blatt (6 Seiten). DIN A4, gelocht. Handschriftliche Korrekturen und Zusätze von Kopff mit Bleistift (vermutlich später erfolgt). Scans im
Supplement.
(e) Verzeichnis der Anlagen (Bemerkungen dazu).
Maschinenschriftliche Liste der Anlagen 1 bis 10. 1 Blatt (1 Seite). DIN A4,
gelocht. Scan im Supplement.
(f) Anlage 1.
Abschrift des Schreibens vom 17. August 1950 ∗∗ von Kopff an den UniversitätsOffizier Heidelberg. Die Anlagen zu diesem Schreiben sind hier nicht beigefügt.
2 Blätter (2 Seiten). DIN A4, gelocht. Scans unter dem 17. August 1950 ∗∗ .
(g) Anlage 2.
Abschrift des Schreibens vom 11. Juli 1949 ∗∗ der Kultusverwaltung an Kopff.
1 Blatt (1 Seite). DIN A4, gelocht. Scan des Originals unter dem 11. Juli
1949 ∗∗ .
(h) Anlage 3.
Photokopie eines Artikels von Kopff über das Astronomische Rechen-Institut
(Kopff 1951). 2 Blätter (2 Seiten). DIN A5, gelocht.
(i) Anlage 4.
Photokopie des Jahresberichts des Astronomischen Rechen-Instituts für 1949
(aus den Mitteilungen der Astronomischen Gesellschaft). 3 Blätter (3 Seiten).
DIN A5, gelocht.
(j) Anlage 5.
Photokopie des Jahresberichts des Astronomischen Rechen-Instituts für 1950
(aus den Mitteilungen der Astronomischen Gesellschaft). 2 Blätter (2 Seiten).
DIN A5, gelocht.
(k) Anlage 6.
Anlagebogen zum Erhebungsbogen I Ziffer C. Maschinenschriftlich. 1 Blatt
(1 Seite). DIN A4, gelocht. Scan im Supplement.
(l) Anlage 7.
Abschrift des Haushaltsplans des Astronomischen Rechen-Instituts für 1950.
3 Blätter (3 Seiten). DIN A4, gelocht. Scans im Supplement.
(m) Anlage 8.
Abschrift des Haushaltsplans des Astronomischen Rechen-Instituts für 1951.
4 Blätter (4 Seiten). DIN A4, gelocht. Scans im Supplement.
(n) Anlage 9.
Abschrift der Erläuterungen Kopffs vom 15. Januar 1951 zum Haushaltsplan
298
des Astronomischen Rechen-Instituts für 1951. Die Anlagen zu diesem Schreiben sind hier nicht beigefügt. 3 Blätter (3 Seiten). DIN A4, gelocht. Scans im
Supplement.
(o) Anlage 10.
Abschrift der zusätzlichen Bemerkungen Kopffs zum Haushaltsplan des Astronomischen Rechen-Instituts für 1951. 2 Blätter (2 Seiten). DIN A4, gelocht.
Scans im Supplement.
Inhalt: Mit Schreiben vom 18. Juli 1951 sendet Kopff die Erhebungsbogen
I und II zur Durchführung der Verwaltungsvereinbarung zur Förderung der
wissenschaftlichen Forschung an die Kultusverwaltung in Karlsruhe ausgefüllt
zurück. Als Anlage sind jedem Satz von Erhebungsbogen 10 Anlagen, die das
Institut und seine Aufgaben näher beschreiben, beigefügt. Wegen des großen
Umfangs der Erhebungsbogen und insbesondere der Anlagen verweisen wir auf
die Scans im Supplement. Zitiert in Kapitel 7.6.2 .
10.226
Brief vom 27. März 1952 von Kopff
an das Kultusministerium des Landes Baden
Beschreibung: Durchschlag. 1 Blatt (1 Seite). DIN A5 quer, gelocht. Empfänger:
Ministerialrat Numier, Ministerium des Kultus und Unterrichts [des Landes
Baden], Freiburg/Breisgau. Absender: Kopff. Tagebuch-Nr. 32/52. Scan im
Supplement.
Inhalt: Kopff übersendet auf Aufforderung von Ministerialrat Dr. Heidelberger (Karlsruhe) den unten folgenden Bericht vom 27. März 1952 ∗∗ über das
Astronomische Rechen-Institut. Zu Kapitel 7.7.5 .
10.227
Bericht des Instituts vom 27. März 1952
an das Kultusministerium des Landes Baden
Beschreibung: Durchschlag. Bericht an den Arbeitskreis der Mathematischen
und Naturwissenschaftlichen Institute über das Astronomische Rechen-Institut
in Heidelberg. 1 Blatt (2 Seiten). DIN A4, gelocht. Empfänger: Ministerialrat
Numier, Ministerium des Kultus und Unterrichts [des Landes Baden], Freiburg/Breisgau. Absender: Kopff. Zu Tagebuch-Nr. 32/52. Scans im Supplement.
Inhalt: Kopff übersendet den Bericht an den Arbeitskreis der Mathematischen
und Naturwissenschaftlichen Institute über das Astronomische Rechen-Institut
299
in Heidelberg. Er beschreibt darin die Aufgaben und die Arbeiten des Instituts
und fügt drei erläuternde Anlagen bei. Besonders bemerkenswert ist Punkt 4)
des Berichts: Kopff fordert darin den weiteren Ausbau des Instituts in Bezug auf die Ausstattung mit Rechenanlagen. Bisher besäße das Institut nur
elektrische Rechenmaschinen. Dies sei ein erheblicher Nachteil gegenüber den
englischen und amerikanischen Instituten, die über große moderne (elektronische) Rechenanlagen verfügten. Auch wenn damals die Benutzung einer
”
großen Rechenanlage vom Typ der amerikanischen Elektronenmaschinen nicht
möglich ist, so ist doch die Beschaffung einer größeren Rechenanlage vom Typ
der Hollerith-Maschinen anzustreben.“. Zu Kapitel 7.7.5 .
Kommentar: Kopffs Forderung nach Zugang des Instituts zu elektronischen
Rechenanlagen zeugt von seinem Weitblick. Seine Forderung konnte aber erst
später realisiert werden: Das Institut erhielt 1957 einen Rechenlocher IBM 650
und 1961 die elektronische Rechenanlage Siemens 2002 221 .
221
Einer der Autoren (R.W.) war von 1964 bis 1975 Leiter des Betriebes an der Rechen”
anlage [Siemens 2002 ] der Universität Heidelberg“ im Astronomischen Rechen-Institut
300
11
Personen-Verzeichnis für die Zeit von 1924
bis 1954 mit ausführlicheren Angaben
Dieses Personen-Verzeichnis enthält alle Personen, die als Wissenschaftler in
der Zeit von 1924 (dem Dienstantritt von Kopff als Direktor) bis 1954 (dem
Ausscheiden von Kopff als Direktor) am Astronomischen Rechen-Institut tätig
waren. Für diesen Personenkreis würden Personenangaben im Text oder auch
als Fußnoten eine vielfache Wiederholung bedeuten. Als Ausweg bietet sich
dieses Personen-Verzeichnis an, in dem die Betreffenden dann auch ausführlicher beschrieben werden können. Die in der Zeit zwischen 1924 und 1954
am Astronomischen Rechen-Institut tätigen nichtwissenschaftlichen Mitarbeiter und die auswärtigen Mitarbeiter des Instituts werden in Kapitel 12 mit
kürzeren Angaben aufgeführt.
Um festzustellen, welche Wissenschaftler zu einem bestimmten Zeitpunkt
am Astronomischen Rechen-Institut tätig waren, kann man die nachfolgend
gegebene Tabelle benutzen. Sie bezieht sich auf den Zeitraum von 1874 (der
Abtrennung des Astronomischen Rechen-Instituts von der Berliner Sternwarte) bis 1954. Die Tabelle ist in Direktoren und wissenschaftliche Mitarbeiter
untergliedert und zeigt den Beginn und das Ende der Tätigkeit der Person
am Institut an. Die Zeitschritte betragen aus Platzgründen jeweils zwei Jahre.
Speziell markiert sind die Jahre des Wechsels des Direktors und das Jahr 1945.
Der jeweilige Arbeitsort (Berlin, Heidelberg, Babelsberg) ist aus der Kodierung
(B, H, O) zu entnehmen.
301
Übersicht über die Personen, die als Wissenschaftler am
Astronomischen Rechen-Institut in der Zeit von 1874 bis
November 1954 beschäftigt waren:
Erläuterungen zur Tabelle:
Für Personen, deren Namen kursiv geschrieben sind, haben wir in Kapitel 8
von Wielen R. und Wielen U. (2011c) ausführlichere Angaben veröffentlicht.
Für Personen, deren Namen normal geschrieben sind, findet man ausführlichere
Angaben in den folgenden Unterkapiteln.
Abkürzungen:
B: Tätigkeit am ARI in Berlin (einschließlich Dahlem) oder in Sermuth;
H: Tätigkeit am ARI in Heidelberg;
O: Tätigkeit am östlichen Teil des ARI in Babelsberg.
1874
1896
1909
1924
1945 1954
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Direktoren
Tietjen
Bauschinger
Cohn
Kopff
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Wissenschaftliche Mitarbeiter
Becker
Franz
Lehmann
Wolfers
Lange
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1874
1896
1909
1924
1945 1954
I..........I......I......I..........I...I
302
1874
1896
1909
1924
1945 1954
I..........I......I......I..........I...I
Wissenschaftliche Mitarbeiter (Fortsetzung)
Kreuz
Berberich
Knopf
Stechert
Ginzel
Bohlin
Schorr
Laves
Jesse
Paetsch
Riem
Heuer
Peters
Stichtenoth
Neugebauer
Clemens
Stracke
Strehlow
Kahrstedt
Kohl
Hopf
Wegner
Schoch
Gondolatsch
Heinemann
Müller
Nowacki
Schaub
Pilowski
Baehr
Rabe
Strobel
Lederle
Musen
Gliese
Henn
Böhme
Lohmann
Schaifers
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:..........:......:......BBBBBBBBBBBBOOOO
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:..........:......:......:BB........:...:
:..........:......:......:BBB.......:...:
:..........:......:......:.BBBBBBBBBBHHHH
:..........:......:......:.BBBBBBBBBBHHHH
:..........:......:......:.B.BBBBBBBB...:
:..........:......:......:.BBBBBBBBBBHHHH
:..........:......:......:.B...BBB..:...:
:..........:......:......:..BBBB....:...:
:..........:......:......:...BBBBBBBBOHHH
:..........:......:......:.....BBBBBBH..:
:..........:......:......:......BBBBBHHHH
:..........:......:......:........BBBHHHH
:..........:......:......:........BBB...:
:..........:......:......:.........BBHHHH
:..........:......:.................:HHHH
:..........:......:.................:.HHH
:..........:......:.................:.HHH
:..........:......:.................:..HH
1874
1896
1909
1924
1945 1954
I..........I......I......I..........I...I
303
11.1
Baehr, Ulrich Carl Gottfried, Dr.
Uns steht leider kein Bild von Ulrich Baehr zur Verfügung.
Geb. 16. Dezember 1902 in Reppen (Kreis Weststernberg); gest. 9. Oktober
1980 in Heidelberg.
Zunächst Studium der Chemie, dann der Astronomie. 1933 Promotion in
Astronomie an der Universität Jena mit einem himmelsmechanischen Thema.
Im Dezember 1931 trat Baehr als Hilfskraft in das Astronomische RechenInstitut in Berlin ein. Seit Anfang 1935 war er zunächst außerplanmäßiger,
ab 1938 dann Wissenschaftlicher Assistent am Institut. Am 1. Dezember 1942
wurde er zum Observator ernannt.
Baehr wurde 1944 mit dem Institut nach Sermuth evakuiert (siehe Kapitel
6). 1945 wohnte er unglücklicherweise im sowjetisch besetzten Teil von Sermuth
und konnte daher mit seiner Familie den Umzug des Instituts nach Heidelberg
nicht mitmachen. In Berlin hatte er seine Wohnung verloren. Er blieb daher
bis Oktober 1947 in Sermuth. Dort arbeitete er für den östlichen Teil“ des
”
Instituts (siehe Kapitel 8). Dabei wurde er von März 1946 bis Oktober 1947
aus einem Forschungsauftrag der Universität Berlin bezahlt.
Im Oktober 1947 konnten er und seine Familie nach Heidelberg übersiedeln, nachdem ihm Kopff eine Stelle in Heidelberg in Aussicht gestellt hatte.
Zunächst war er in Heidelberg als wissenschaftlicher Rechner beschäftigt, ab
1948 als Wissenschaftlicher Angestellter. Am 1. August 1949 wurde er wieder
zum Observator ernannt. 1962 wurde er zum Hauptobservator befördert. Am
31. Dezember 1967 trat er in den Ruhestand. Er war dann noch bis 1972 als
freier Mitarbeiter am Institut tätig.
Baehr hat sich im Institut insbesondere an den Arbeiten für das Berliner
Astronomische Jahrbuch und für den FK3 beteiligt. In Heidelberg betreute
er auch jahrelang das Nachrichtenblatt und die Vorläufigen Mitteilungen der
Astronomischen Zentralstelle. Seine Liebe gehörte aber Fragen der Chronologie. Damit führte er die chronologischen Forschungen des Institutsmitglieds
Paul Victor Neugebauer (siehe Kapitel 11.16) fort. 1955 erschienen Baehrs
Tafeln zur Behandlung chronologischer Probleme“, die ihn unter Historikern
”
und Archäologen sehr bekannt machten.
304
Seit 1948 beteiligte er sich an der Berechnung der vom Institut herausgegebenen Kalender und Kalendergrundlagen. Bis 1972 war er viele Jahre lang
der alleinige Bearbeiter der Astronomischen Grundlagen für den Kalender“.
”
Nekrolog: Uns ist keiner bekannt.
Hinweis auf Archivalien:
(1) Personalakte
(2) Diverse Schriftstücke im Archiv des Astronomischen Rechen-Instituts aus
dem Jahr 1944, die in Zusammenhang mit der geplanten, aber dann doch nicht
realisierten Verlagerung des Astronomischen Rechen-Instituts in die Nähe von
Frankfurt an der Oder stehen (siehe Kapitel 5.1.3).
305
11.2
Böhme, Siegfried, Dr.
Fig. 17. Siegfried Böhme.
Quelle: U. Esser (Heidelberg).
Geb. 4. Dezember 1909 in Chemnitz; gest. 1. Februar 1996 in Heidelberg.
1929-1935 Studium der Astronomie, Mathematik und Physik an der Universität Leipzig. Dort 1935 Promotion. 1935 Hilfsassistent an der Leipziger
Sternwarte. 1935-1939 außerplanmäßiger Assistent an der Bamberger Sternwarte.
Ab 1939 Sachbearbeiter in der Navigationstruppe der Erprobungsstelle der
Luftwaffe in Rechlin (Zeitdienst, Methoden der Navigation von Flug-Geräten).
1946 wissenschaftlicher Mitarbeiter der Abteilung Ballistik und Flugmechanik
der Zentralwerke Bleicherode. 1947 Consultant beim British Element der Control Commission for Germany (Bahnberechnung für Flug-Körper). 1948 wissenschaftlicher Mitarbeiter der Zweigstelle Heidelberg der Physikalisch-Technischen Anstalt (Zeitbestimmung für Quarzuhren).
Von 1937 bis 1949 freiwilliger auswärtiger Mitarbeiter des Astronomischen
Rechen-Instituts auf dem Arbeitsgebiet Kleine Planeten.
Seit 1949 angestellter Mitarbeiter des Astronomischen Rechen-Instituts: ab
1. Mai 1949 wissenschaftlicher Rechner, ab 1. August 1949 Wissenschaftlicher
Angestellter. Am 19. Januar 1957 Ernennung zum Observator, am 1. Juni 1964
zum Hauptobservator. Eintritt in den Ruhestand am 31. Dezember 1975. Er
war aber noch bis 1987 als freiwilliger Mitarbeiter am Institut tätig.
Die Arbeitsgebiete von Böhme am Institut waren zunächst die Kleinen
Planeten, Himmelsmechanik und das System der astronomischen Konstanten.
306
Ab 1969 arbeitete er dann an der astronomischen Bibliographie Astronomy
and Astrophysics Abstracts mit.
Nekrolog: Uns ist keiner bekannt.
Hinweis auf Archivalien:
Personalakte
307
11.3
Clemens, Hugo, Prof. Dr.
Fig. 18. Hugo Clemens.
Quelle: Porträtgalerie Astron. Ges. 1904.
Geb. 20. Oktober 1862 in Sorau (Nieder-Lausitz); gest. 22. Dezember 1936 in
Berlin.
Von 1882-1887 Studium in Berlin und Göttingen. 1895 Promotion in Astronomie in Göttingen. Tätigkeiten in Göttingen, Potsdam und Bamberg. In Kiel
und Berlin wirkte Clemens an der Geschichte des Fixsternhimmels“ mit.
”
Am 1. April 1902 Eintritt in das Astronomische Rechen-Institut als Wis”
senschaftlicher Hülfsarbeiter“. Am 1. April 1911 Ernennung zum Observator, später zum Professor (vermutlich 1923/24). Seit 1. April 1928 im Ruhestand. Hauptarbeitsgebiete: Berliner Astronomisches Jahrbuch, Verbesserung
des Neuen Fundamentalkatalogs. Eigene Arbeiten hat Clemens zwischen 1896
und 1928 publiziert, unter anderem eine wichtige astronomie-historische Arbeit
(Clemens 1902).
Nekrolog (Auswahl): Kopff (1937a).
(Korrigierter Wiederabdruck aus Wielen R. und Wielen U. 2011c)
308
11.4
Gliese, Wilhelm, Dr.
Fig. 19. Wilhelm Gliese.
Quelle: Jahreiß (1994).
Geb. 21. Juni 1915 in Goldberg (Schlesien); gest. 12. Juni 1993 in Eberbach
am Neckar.
Studium der Astronomie, Mathematik und Physik von 1933 bis 1934 an
der Universität Breslau, von 1934 bis 1940 an der Berliner Universität, unterbrochen von Arbeits- und Wehrdienst. Am 28. Juni 1940 Promotion bei Kopff
mit einer stellardynamischen Arbeit unter Benutzung des FK3.
Von 1940 bis 1942 war er als wissenschaftlicher Angestellter beim Heereswaffenamt in Berlin dienstverpflichtet.
Am 1. März 1943 erhielt Gliese die Stelle eines Wissenschaftlichen Angestellten am Astronomischen Rechen-Institut in Berlin, obwohl er bereits seit
März 1942 als Offizier an der Ostfront eingesetzt war. Vom 16. Februar 1945
bis zum 10. September 1949 befand er sich in russischer Kriegsgefangenschaft.
Ab 25. September 1949 war er in Heidelberg wieder als Wissenschaftlicher
Angestellter am Astronomischen Rechen-Institut tätig. Am 19. Januar 1957
wurde er zum Observator ernannt und am 27. Mai 1967 zum Hauptobservator
befördert. Mit Wirkung vom 31. Dezember 1980 trat er in den Ruhestand, der
wegen seiner Arbeiten am FK5 um ein halbes Jahr hinausgeschoben worden
war.
In Berlin hatte Gliese auf dem Gebiet der Stellardynamik gearbeitet und bis
1942 trotz seiner Dienstverpflichtung dazu eine Reihe von Arbeiten publiziert.
In Heidelberg arbeitete Gliese am Astronomischen Jahrbuch und an den
Fundamentalkatalogen FK4 und FK5 mit.
309
Sein besonderes Interesse galt aber den sonnennahen Sternen. Er veröffentlichte 1957 und 1969 Kataloge der sonnennahen Sterne innerhalb von 20 bzw.
22 parsec in gedruckter Form, 1991 folgte der dritte Katalog, jetzt in digitalisierter Form, zusammen mit H. Jahreiß.
Nekrolog: Jahreiß (1994).
Hinweis auf Archivalien:
(1) Personalakte
(2) Gehaltsabrechnung von September 1943 bis April 1945
310
11.5
Gondolatsch, Friedrich Peter Max, Prof. Dr.
Fig. 20. Friedrich Gondolatsch.
Quelle: Wielen (2004).
Geb. 3. Juni 1904 in Görlitz; gest. 13. November 2003 in Heidelberg.
Studium der Astronomie 1923-1924 an der Universität Leipzig, 1924-1925
an der Universität München und an der Technischen Hochschule München,
1925-1928 an der Berliner Universität. 1929 Promotion bei Kopff in Berlin.
Gondolatsch trat am 1. Mai 1927 als wissenschaftlicher Hilfsarbeiter“
”
in das Astronomische Rechen-Institut (ARI) ein. Vom 1. November 1928 an
war er außerplanmäßiger Assistent am ARI, ab 1. Oktober 1932 planmäßiger
Assistent. Am 16. Oktober 1939 wurde er zum Observator ernannt.
1938 habilitierte sich Gondolatsch und wurde am 6. März 1943 zum Dozenten für Astronomie an der Berliner Universität ernannt.
1942 wurde Gondolatsch zum Wehrdienst eingezogen. Zunächst mußte er
drei Monate als Matrose im Marine-Stamm-Regiment in Beverloo (Belgien)
dienen. Dann wurde er zum Regierungsrat (der Reserve) bei der Deutschen
Seewarte in Hamburg ernannt und an das Astronomische Rechen-Institut in
Berlin abkommandiert. Mit dem Institut wurde er 1944 nach Sermuth evakuiert und 1945 nach Heidelberg umgesiedelt.
Mit Wirkung vom 17. Dezember 1956 wurde Gondolatsch zum Hauptobservator befördert. Er war lange Zeit stellvertretender Direktor des Instituts. Kopff hätte es gern gesehen, wenn Gondolatsch 1954 sein Nachfolger als
311
Direktor des Instituts geworden wäre (siehe Kapitel 7.8). Am 30. Juni 1969
trat Gondolatsch in den Ruhestand.
Am ARI war Gondolatsch auf vielen Gebieten tätig: Kleine Planeten, Jahrbücher, FK3 und FK4. Seit 1945 leitete er in Heidelberg die Abteilung des
ARI für die astronomischen Jahrbücher (Berliner Astronomisches Jahrbuch,
Astronomisches bzw. Astronomisch-geodätisches Jahrbuch, Apparent Places of
Fundamental Stars). Außerdem publizierte er in Berlin mehrere stellardynamische Arbeiten (siehe Kapitel 2.2.6).
Gondolatsch lehrte in Heidelberg zunächst auch wieder als Privat-Dozent.
Zusätzlich erhielt er 1950 einen Lehrauftrag für Astronomie an der Technischen
Hochschule Karlsruhe. Am 4. Januar 1956 wurde er zum Außerplanmäßigen
Professor der Universität Heidelberg ernannt.
Nach seiner Pensionierung hat Gondolatsch noch zahlreiche populärwissenschaftliche Aufsätze veröffentlicht. Insbesondere war er aber führend an einem
mehrbändigen Schulbuch über Astronomie beteiligt, das seit 1978 beim KlettVerlag in Stuttgart in mehreren Auflagen erschienen ist.
Nekrolog: Wielen (2004).
Hinweis auf Archivalien:
(1) Personalakte
(2) Zahlreiche Schriftstücke aus der Zeit nach 1945 zum Berliner Astronomischen Jahrbuch, zum Astronomisch-geodätischen Jahrbuch, und zu den
Apparent Places of Fundamental Stars.
312
11.6
Heinemann, Karl, Prof. Dr.
Fig. 21. Karl Heinemann.
Quelle: Porträtgalerie Astron. Ges. 1931.
Geb. 5. Mai 1898 in Freising (Oberbayern); gest. 5. April 1970 in Heidelberg.
Er studierte zunächst an der Technischen Hochschule in München, danach
Astronomie an der Universität Heidelberg. 1925 Promotion.
Von 1921 bis 1923 war er Praktikant und teilweise vertretungsweise Assistent an der Heidelberger Sternwarte. 1923-1925 wissenschaftlicher Beobachter
am Feldberg-Observatorium im Schwarzwald. 1925-1927 Assistent an der Badischen Landessternwarte Heidelberg-Königstuhl.
Am 1. Oktober 1927 trat Heinemann als außerplanmäßiger Assistent in das
Astronomische Rechen-Institut (ARI) in Berlin-Dahlem ein. Ab 1. April 1928
war er planmäßiger Assistent. Am 1. Oktober 1934 wurde er zum Observator
und am 22. Februar 1941 zum Observator und Professor ernannt. Er machte
die Verlagerung des Instituts nach Sermuth und den Umzug nach Heidelberg
mit. Am 6. Mai 1954 wurde er zum Hauptobservator ernannt. Mit Wirkung
vom 1. Dezember 1963 trat er in den Ruhestand.
Am ARI arbeitete er zunächst am FK3 mit und leitete insbesondere dessen Deklinationssystem aus absoluten Beobachtungen her. Von 1934 bis 1959
war er für den Astronomischen Jahresbericht (AJB) tätig, für die Bände 37
(Literatur des Jahres 1935) bis 58 (für 1958) als Schriftleiter des AJB.
Nekrolog: Fricke (1970).
Hinweis auf Archivalien:
Personalakte
313
11.7
Henn, Frieda
Fig. 22. Frieda Henn.
Quelle: U. Esser (Heidelberg).
Geb. 24. Februar 1915 in Weinheim (Bergstraße); gest. 4. Juni 1976 in Heidelberg.
Von 1933 bis 1937 Studium der Mathematik und der Naturwissenschaften
an der Universität Heidelberg. 1937 Staatsexamen. 1938-1940 außerordentliche Assistentin, 1940-1946 wissenschaftliche Assistentin am Mathematischen
Institut der Universität Heidelberg.
Von 1947 bis 1949 war sie wissenschaftliche Rechnerin, ab 1. August 1949
Wissenschaftliche Angestellte am Astronomischen Rechen-Institut. Am
28. April 1958 wurde sie zur Observatorin, am 1. April 1968 zur Hauptobservatorin ernannt.
Von 1947 bis 1955 beteiligte sie sich an der Berechnung des astronomischen Jahrbuchs. Ab 1955 widmete sie sich dem Gebiet der astronomischen
Bibliographie. Zunächst war sie bis 1968 Mitarbeiterin am Astronomischen
Jahresbericht. Von 1969 bis zu ihrem Tod 1976 war sie dann Hauptschriftleiterin der Astronomy and Astrophysics Abstracts“. Zusätzlich betreute sie die
”
Bibliothek des Instituts in wissenschaftlicher Hinsicht.
Nekrolog: Fricke (1976).
Hinweis auf Archivalien:
Personalakte
314
11.8
Hopf, Eberhard Friedrich Ferdinand, Prof. Dr.
Fig. 23. Eberhard Hopf.
Quelle: Mathematisches Forschungsinstitut Oberwolfach.
Geb. 17. April 1902 in Salzburg (Österreich); gest. 24. Juli 1983 in
Bloomington (Indiana, USA).
Studium der Mathematik, Physik und Astronomie an der Berliner Universität. 1926 Promotion in Mathematik.
Seit 1926 war Hopf als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Astronomischen
Rechen-Institut (ARI) tätig. Hopf erhielt auf Antrag von Kopff ab 1. Juli 1927
ein Forschungsstipendium der Notgemeinschaft der Deutschen Wissenschaft.
Er arbeitete am ARI laut Bewilligung für das Stipendium über Stellarstatistik
und für den AGK2A. Er publizierte am ARI aber auch Arbeiten zur theoretischen Astrophysik (siehe Kapitel 2.2.6 ). Das Stipendium wurde zweimal
verlängert, bis zum 31. März 1930.
Vom 1. Juli 1928 bis 31. März 1930 erhielt er zusätzlich ein Habilitandenstipendium des preußischen Staates. Er habilitierte sich in Berlin im Sommersemester 1929 in Mathematik und Astronomie.
Ab 1. Oktober 1930 war Hopf als Stipendiat der Rockefeller Foundation an
der Harvard Universität in Cambridge (USA) tätig. Seit 1. Mai 1932 war er
Research Associate bzw. Assistant Professor of Mathematics am Massachusetts
Institute of Technology (MIT) in Cambridge (USA). Kopff bemühte sich auf
mehreren Wegen um eine Stelle für Hopf in Berlin 222 , aber Hopf blieb zunächst
in den USA.
222
Hopf schreibt dazu in einem Brief an Kopff vom 11. Juni 1931: Ich bin Ihnen sehr
”
dankbar für Ihre freundlichen Bemühungen um meine Stellung in Berlin. Ich bin mir wohl
bewußt, daß ich Ihnen nicht mit Worten danken kann für alles, was Sie für mich tun.“
315
1936 kehrte Hopf nach Deutschland zurück, um ein Ordinariat für Mathematik an der Universität Leipzig zu übernehmen. 1944 wechselte er an die
Münchner Universität.
1947 ging Hopf wieder in die USA. Zunächst war er Gastprofessor am
Courant Institute of Mathematical Sciences (New York University), später
Professor an der Indiana University in Bloomington (USA). 1972 wurde er
emeritiert.
Hopf hat auf vielen Gebieten der Mathematik wichtige Ergebnisse erzielt.
Am bekanntesten sind seine Arbeiten zur Ergodentheorie und zur Theorie der
Bifurkation von Systemen. Er hat aber, aufbauend auf seiner Zeit am ARI,
auch ein Buch über das (astrophysikalisch wichtige) Strahlungsgleichgewicht
geschrieben ( Mathematical Problems of Radiative Equilibrium“, Cambridge
”
(USA), 1934).
Nekrolog (Auswahl): Denker (1990).
Hinweis auf Archivalien:
Personalunterlagen (darin ein längerer Briefwechsel von Hopf mit Kopff
während seines USA-Aufenthalts)
316
11.9
Kahrstedt, Walter Ernst Albrecht, Prof. Dr.
Fig. 24. Albrecht Kahrstedt.
Quelle: Porträtgalerie Astron. Ges. 1931.
Geb. 24. August 1897 in Neisse (Schlesien); gest. 11. Januar 1971 in Berlin.
Seit 1919 Studium der Astronomie an der Berliner Universität. Promotion
1923 mit einer von Cohn angeregten Arbeit zum Fundamentalsystem.
Am 1. Januar 1922 wurde Kahrstedt außerplanmäßiger Assistent am Astronomischen Rechen-Institut. Eine planmäßige Assistentenstelle erhielt er am
1. Mai 1923. Am 1. Oktober 1932 wurde er zum Observator ernannt. 1938 wurde ihm die Amtsbezeichnung Professor verliehen. 1944 wurde er zum Hauptobservator ernannt.
Kahrstedt wohnte nach den Berliner Adressbüchern von 1923-1926 im Gebäude des Astronomischen Rechen-Instituts in Dahlem in der Altensteinstraße.
Nach Ende des Zweiten Weltkriegs verblieb Kahrstedt als einer von wenigen Mitarbeitern des Instituts an dessen Auslagerungsort Sermuth in Sachsen.
Sermuth wurde nach Abzug der amerikanischen Truppen im Juni 1945 Teil der
sowjetischen Besatzungszone.
Kahrstedt begründete damit den östlichen Teil“ des Astronomischen Re”
chen-Instituts, der von 1945 bis 1956 existierte. Am 15. September 1945 wurde
er zum kommissarischen Leiter dieses Instituts ernannt, blieb aber bis zum
Frühjahr 1946 in Sermuth, und ging dann an die Babelsberger Sternwarte, wo
das Institut fortan unterkam.
317
Vom März bis Dezember 1946 war Kahrstedt auch kommissarischer Leiter
der Babelsberger Sternwarte.
Später wurde er Direktor des Instituts, das ab 1. Januar 1947 den Namen
Astronomisches Recheninstitut der Deutschen Akademie der Wissenschaften
”
zu Berlin“ erhielt. Tatsächlicher Institutssitz blieb aber Babelsberg. Am 14.
Juni 1956 verlor das Institut seine Selbständigkeit und wurde als theoretische Abteilung in die Sternwarte Babelsberg eingegliedert. Gleichzeitig wurde
Kahrstedt zum Direktor der Sternwarte ernannt. Am 2. Oktober 1961 schied
Kahrstedt auf eigenen Wunsch“ aus seiner Stellung aus. Grund war wohl
”
vor allem, daß er seine Wohnung in Lichterfelde, das zum Westteil von Berlin
gehörte, auch nach dem Mauerbau im August 1961 beibehalten wollte.
Die wissenschaftlichen Arbeiten von Kahrstedt betreffen vor allem die Kleinen Planeten und das Fundamentalsystem. Insbesondere hat er das System der
Rektaszensionen des FK3 (Kopff 1937b) erarbeitet.
Nekrolog: Gondolatsch (1972).
Hinweis auf Archivalien:
Personalunterlagen. Sie reichen im Wesentlichen nur bis 1944, weil Kahrstedt
später am ARI-Ost tätig war.
(Ergänzter und korrigierter Wiederabdruck aus Wielen R. und Wielen U. 2011c)
318
11.10
Kohl, Bernhard Otto, Prof. Dr.
Uns steht leider kein Bild von Otto Kohl zur Verfügung.
Geb. 30. Dezember 1889 in Delitzsch (Sachsen); gest. 3. April 1957 in Teltow
bei Berlin.
Studium der Mathematik, Physik und Astronomie seit 1908 in Göttingen,
1908-1911 in Halle und ab 1911 wieder in Göttingen. 1913 Promotion in Göttingen mit einer astrophysikalischen Arbeit. Von 1913 bis 1924 war er Assistent
an der Universitätssternwarte Göttingen.
Am 22. September 1924 trat er als außerplanmäßiger Assistent in das Astronomische Rechen-Institut ein. Von nun an bildete die Berechnung und Herausgabe des Berliner Astronomischen Jahrbuchs seine Hauptaufgabe. Von Ende 1924 bis September 1928 leitete er aber zusätzlich die Übungssternwarte
der Berliner Universität (die ehemalige Urania-Sternwarte). Am 1. April 1928
wurde Kohl zum Observator ernannt. Ab 1934 trug er die Amtsbezeichnung
Observator und Professor“. 1943 wurde er zum Hauptobservator befördert.
”
Bei Kriegsende 1945 wohnte er in seinem Geburtsort Delitzsch und machte
daher die Übersiedlung des Instituts nach Heidelberg nicht mit. Stattdessen
arbeitete er von 1945 bis 1956 am östlichen Teil des Instituts und nach dessen
Auflösung an der Sternwarte Babelsberg. Ende 1956 trat er in den Ruhestand.
Bis zuletzt leitete er die Arbeiten des östlichen Institutsteils am Berliner Astronomischen Jahrbuch. Als Nachfolger von Peters hat er seit 1941 (für den Jahrgang 1943) auch die astronomischen Grundlagen für den Kalender bearbeitet.
Seine Tochter, Herdith Kohl, arbeitete ebenfalls seit 1941 für das Astronomische Rechen-Institut, ab 1945 für dessen östlichen Teil (siehe Kapitel 12).
Nekrolog: Kahrstedt (1958).
Hinweis auf Archivalien:
Personalunterlagen. Sie reichen im Wesentlichen nur bis 1944, weil Otto Kohl
später am ARI-Ost tätig war.
319
11.11
Kopff, August Adalbert, Prof. Dr.
Fig. 25. August Kopff.
Quelle: Photo (undatiert, um 1950) im Archiv des Astronomischen Rechen-Instituts.
Geb. 5. Februar 1882 in Heidelberg; gest. 25. April 1960 in Heidelberg.
Seit 1900 Studium der Astronomie an der Universität Heidelberg. Promotion 1907. Im gleichen Jahr Habilitation in Heidelberg. 1912 wurde Kopff zum
außerordentlichen Professor an der Universität Heidelberg ernannt.
Kopff wurde 1905 Assistent an der astrophysikalischen Abteilung der Heidelberger Sternwarte auf dem Königstuhl. Nach Ablehnung eines Rufes nach
Chile erhielt er die Stelle eines Zweiten Beamten der Sternwarte. 1922 nahm
Kopff an der Expedition zur Messung der Lichtablenkung an der Sonne zur
Weihnachtsinsel (südlich von Java) teil.
Im Juli 1924 wurde Kopff auf die ordentliche Professur für Theoretische
Astronomie der Berliner Universität berufen und zum Direktor des Astronomischen Rechen-Instituts in Berlin-Dahlem ernannt (siehe Kapitel 2.1).
Anfang 1933 lehnte er den Ruf auf die ordentliche Professur für Astronomie
der Universität Heidelberg und die damit verbundene Stelle des Direktors der
320
Heidelberger Sternwarte, die durch den Tod von Max Wolf (1863-1932) vakant
geworden war, ab 223 .
1936 wurde Kopff ordentliches Mitglied der Preußischen Akademie der Wissenschaften zu Berlin. Von 1939 bis 1945 war er Vorsitzender der Astronomischen Gesellschaft.
Das Astronomische Rechen-Institut wurde 1944 wegen der Bombengefahr
von Berlin nach Sermuth in Sachsen evakuiert. Sermuth wurde 1945 zunächst
von amerikanischen Truppen besetzt, und das Institut wurde vor deren Abzug
nach Heidelberg verlagert. In Heidelberg konnte Kopff die Arbeit des Astronomischen Rechen-Instituts fortführen, zunächst naturgemäß unter schwierigsten
Bedingungen.
1947 erhielt Kopff die ordentliche Professur für Astronomie der Universität
Heidelberg und wurde zugleich Direktor der Heidelberger Sternwarte, die er bis
1950 leitete Er blieb aber auch Direktor des Astronomischen Rechen-Instituts.
Erst am 30. November 1954 endete seine Funktion als Leiter des Astronomischen Rechen-Instituts nach über 30 Jahren Tätigkeit in diesem Amt.
In seiner ersten Heidelberger Zeit war Kopff ein intensiver Beobachter. Er
entdeckte dabei Kometen und viele Kleine Planeten. Auch positionsastronomische Messungen am Meridiankreis führte er durch. Daneben arbeitete er auch
auf theoretischem Gebiet. Sichtbarstes Zeichen dafür ist sein Lehrbuch zur
Relativitätstheorie, das 1919 erstmals erschien. Auf Kopffs Arbeiten zur Relativitätstheorie werden wir in einer in Vorbereitung befindlichen Arbeit näher
eingehen.
In seiner Berliner Zeit und in seiner zweiten Heidelberger Zeit beschäftigte sich Kopff vorwiegend mit der laufenden Verbesserung des Fundamentalsystems. Früchte dieser Arbeit waren der FK3 (Kopff 1937b, 1938) und der
1964 veröffentlichte FK4. Es war ein großer Erfolg für Kopff und das Institut,
daß der FK3 von der Internationalen Astronomischen Union 1935 in Paris als
allgemein zu verwendendes Referenzsystem bestimmt wurde.
Kopff heiratete am 2. Juni 1914 (also kurz vor Ausbruch des Ersten Weltkriegs) Margarethe Hormuth (1891-1943). Das Ehepaar Kopff hatte zwei Söhne,
Otto und Walter (siehe auch Lebenslauf von Kopff vom März 1936 ∗∗ ). Margarethe Kopff starb am 16. August 1943 (laut Brief vom 23. September 1943 an
den Universitätskurator. Ihr Sterbe-Datum kennen wir nur aus der Inhaltsangabe für diesen Brief im Brieftagebuch des Instituts, BfTgBuch-Nr. 16).
223
In der Arbeit von Wielen R. und Wielen U. (2011c) wurde versehentlich ein falsches
Jahr für die Ablehnung des Rufes genannt
321
Nekrologe (Auswahl): Gondolatsch (1962a), Fricke (1960), Kienle (1961).
Hinweis auf Archivalien:
(1) Personalakte im Universitätsarchiv der Universität Heidelberg.
(2) Personalakte.
(3) Zahlreiche Schriftstücke im Archiv des Astronomischen Rechen-Instituts.
(4) Einige Schriftstücke, die in Bücher eingelegt waren, welche von einem der
Autoren (R.W.) ca. 1970 aus dem Nachlaß von Kopff käuflich erworben wurden.
(Ergänzter und korrigierter Wiederabdruck aus Wielen R. und Wielen U. 2011c)
322
11.12
Lederle, Trudpert Alfred Max, Dr.
Fig. 26. Trudpert Lederle.
Quelle: Mitteilungen der Astronomischen Gesellschaft, Nr. 44 (1978).
Geb. 4. März 1922 in Karlsruhe; gest. 6. Januar 2002 in Heidelberg.
Studium der Astronomie, Physik und Mathematik an den Universitäten in
Göttingen und Berlin von 1940 bis 1943. 1947 promovierte er an der Universität
Heidelberg bei Kopff.
Seit 16. Mai 1942 als Student wissenschaftlicher Rechner in Ausbildung“
”
am Astronomischen Rechen-Institut (ARI) in Berlin. Im Juni 1944 wurde er als
Funker zur Kriegsmarine eingezogen und befand sich bis Ende August 1945 in
Kriegsgefangenschaft. Er machte daher den Umzug des Instituts nach Sermuth
und zunächst auch dessen Übersiedlung nach Heidelberg nicht mit.
Ab September 1945 war er wieder Mitarbeiter und später Wissenschaftlicher Angestellter am ARI in Heidelberg, wohnte aber bis März 1951 noch in
Karlsruhe. Am 23. September 1964 wurde er zum Observator, am 14. April
1969 zum Hauptobservator und am 20. April 1975 zum Astronomiedirektor
ernannt. Mit Wirkung vom 1. April 1987 wurde er in den Ruhestand versetzt.
Lederle beteiligte sich in Berlin und in Heidelberg an den Berechnungen
zum Astronomischen Jahrbuch und zu den Kleinen Planeten. Später leitete er
die Herausgabe der APFS und der Kalendergrundlagen. Er arbeitete auch an
den Fundamentalkatalogen FK4 und FK5 und an der Erstellung des Eingabekatalogs für den Astrometrie-Satelliten HIPPARCOS mit.
Nekrolog: Schwan (2003).
323
Hinweis auf Archivalien:
(1) Personalakte
(2) Gehaltsabrechnung von September 1943 bis März 1945
324
11.13
Lohmann, Werner, Prof. Dr.
Fig. 27. Werner Lohmann.
Quelle: U. Esser (Heidelberg).
Geb. 18. Juli 1911 in Leipzig; gest. 20. Februar 1983 in Heidelberg.
Von 1931 bis 1935 Studium der Astronomie an der Universität Leipzig. 1936
Promotion. 1936-1938 Stipendiat der Notgemeinschaft der Deutschen Wissenschaft an der Sternwarte Leipzig. 1939 Habilitation in Astronomie an der Leipziger Universität.
Seit 1. Juli 1938 Assistent an der Heidelberger Sternwarte. Ab 1942 Oberassistent an der Sternwarte in Posen. 1944 Dozent für praktische Astronomie
in Posen. 1947-1949 Hilfsrechner an der Heidelberger Sternwarte.
Von 1949 bis 1976 am Astronomischen Rechen-Institut tätig: seit 22. Juni 1949 Wissenschaftlicher Angestellter, am 27. Januar 1955 Ernennung zum
Observator, seit 22. Mai 1962 Hauptobservator. Eintritt in den Ruhestand am
1. August 1976.
Am Astronomischen Rechen-Institut arbeitete Lohmann überwiegend für
den Astronomischen Jahresbericht, den er von 1963 bis 1969 leitete. Zusätzlich
veröffentlichte er zahlreiche Arbeiten auf dem Gebiet der Stellardynamik.
1954 erhielt er einen Lehrauftrag für Astrophysik an der Universität Frankfurt am Main. Dort wurde er 1959 Privat-Dozent für Astronomie und 1960
Außerplanmäßiger Professor. 1976 beendete er mit seiner Pensionierung auch
seine Lehrtätigkeit in Frankfurt am Main.
Nekrolog: Uns ist keiner bekannt.
Hinweis auf Archivalien:
Personalakte
325
11.14
Müller, Helmut Otto Theodor, Dr.
Fig. 28. Helmut Müller.
Quelle: Mitteilungen der Astronomischen Gesellschaft, Nr. 44 (1978).
Geb. 19. Juni 1908 in Berlin; gest. 17. Mai 1990 in Küsnacht (Schweiz).
Studium der Astronomie, Mathematik, Physik, Chemie und Philosophie
in Zürich und Berlin. 1931 Promotion in Berlin bei Kopff. 1936 Habilitation
in Berlin. Seit 1942 Dozent mit Lehrbefugnis für Astronomie an der Berliner
Universität.
Seit 1. März 1928 war Müller Mitarbeiter des Astronomischen RechenInstituts (ARI). Vom 1. April 1931 bis 30. September 1932 arbeitete er als
Stipendiat der Notgemeinschaft der Deutschen Wissenschaft am Einsteinturm
in Potsdam. Am 1. Oktober 1932 wurde er am ARI zum außerplanmäßigen Assistenten, am 1. Oktober 1936 zum planmäßigen Assistenten und am
1. Dezember 1941 zum Observator ernannt.
Am ARI bestand die Haupttätigkeit von Müller in der Mitarbeit an der
Berechnung des Berliner Astronomischen Jahrbuchs (BAJ). Er veröffentlichte
aber auch einige astrophysikalische Arbeiten.
1943 wurde Müller eingezogen, von der Luftwaffe aber an das Astrophysikalische Observatorium Potsdam abgeordnet. Dort arbeitete er weiterhin teilweise für das BAJ, wurde aber nicht mit dem Institut nach Sermuth evakuiert.
Nach Kriegsende bis September 1946 war er als Observator in Potsdam tätig.
Er zog dann mit seiner Familie zu seinen Schwiegereltern nach Zollikon bei
Zürich.
Seit 15. Dezember 1946 war er als Assistent an der Eidgenössischen Sternwarte in Zürich tätig. Später wurde er Observator an dieser Sternwarte, sowie
326
Privat-Dozent und Professor an der ETH Zürich. In Zürich arbeitete er überwiegend auf dem Gebiet der Sonnenphysik.
Mit Schreiben vom 5. Juli 1949 hatte Kopff beim Kultusministerium in
Karlsruhe die Wiedereinstellung von Müller als Observator am ARI beantragt. Das Ministerium lehnte dies aber ab, weil wegen der Überleitung der
Finanzierung des Instituts auf das Königsteiner Staatsabkommen“ (siehe Ka”
pitel 7.6.2) zur Zeit keine entsprechenden Einstellungen möglich seien. Später
wurden vermutlich keine weiteren Versuche zur Übersiedlung von Müller von
Zürich nach Heidelberg mehr unternommen. Jedenfalls liegen uns keine entsprechenden Schriftstücke vor.
Nekrolog: Uns ist keiner bekannt.
Hinweis auf Archivalien:
Personalunterlagen (2 Mappen)
327
11.15
Musen, Peter, Dr.
Uns steht leider kein Bild von Peter Musen zur Verfügung.
Geb. 29. Januar 1912 in Nikolajew (damals Rußland); gest. 7. Oktober 1996
in den USA.
Der Vater von Musen war in Rußland Polizeibeamter und kämpfte in der
Weißen Armee. 1920 mußten er und seine Familie nach Yugoslawien emigrieren.
Peter Musen absolvierte von 1923 bis 1931 die russische Kadettenschule
in Yugoslawien. Er studierte dann an der Universität Belgrad Mathematik,
Physik, Astronomie und Himmelsmechanik. 1935 Diplom-Prüfung, 1937 Promotion mit einer mathematischen Arbeit. 1937 Gymnasiallehrer.
Von 1938 bis 1942 war er Leiter der Berechnungsabteilung“ der Belgrader
”
Sternwarte (Nautisches Jahrbuch, Bahnen von Kleinen Planeten und Kometen).
Seit 16. September 1942 war Musen wissenschaftlicher Mitarbeiter am
Astronomischen Rechen-Institut. Er arbeitete hier hauptsächlich auf dem Gebiet der Kleinen Planeten.
Seit 1. November 1943 arbeitete auch seine Frau, Nina Musen geb. Granitow, als Rechnerin am Institut (siehe Kapitel 12).
Von August 1944 bis Juni 1945 hielt sich die Familie Musen mit dem Institut in Sermuth auf, und machte auch den Umzug des Instituts nach Heidelberg
mit (siehe Kapitel 6.3).
In Heidelberg wurden Musen und seine Frau aber nicht mehr am Institut
weiterbeschäftigt. Die Gründe dafür sind aus den Akten nicht zu entnehmen.
Lediglich in einem Schreiben vom 30. Oktober 1946 an die Stadtverwaltung
Heidelberg schreibt Kopff: Herr Dr. Musen hat kurz nach der Verlagerung des
”
Astronomischen Rechen-Instituts nach Heidelberg dieses verlassen und war bei
der UNRRA in Mannheim beschäftigt.“.
In der Zeit von 1945 bis 1947 hielt Musen mathematische Vorträge an der
technischen Fakultät der UNRRA-Universität (UNRRA: United Nations Relief and Rehabilitation Administration). Diese befand sich zunächst in Mannheim und siedelte später nach München über. 1948 und 1949 arbeitete Musen
in Saulgau (Württemberg) auf Honorarbasis für das Astronomische RechenInstitut.
328
Die Amerikaner hatten Musen als Displaced Person“ anerkannt. Musen
”
konnte daher 1949 im Rahmen des Displaced Persons Act“ in die USA über”
siedeln. Er war dort am Minor Planet Center (MPC) an der Sternwarte in
Cincinnati tätig. Vermutlich hat Rabe (siehe Kapitel 11.20), der bereits ein
Jahr vorher nach Cincinnati zum MPC gegangen war, den Leiter des MPC,
Herget (siehe Kapitel 12), auf Musen aufmerksam gemacht.
Später arbeitete Musen am Goddard Space Flight Center in Maryland über
Bahnen künstlicher Erdsatelliten.
Nekrolog: Uns ist keiner bekannt.
Hinweis auf Archivalien:
(1) Personalunterlagen.
(2) Schriftwechsel zur Einstellung, Unterbringung usw. von Musen und seiner
Frau bis 1945. Darunter insbesondere sein Bewerbungschreiben vom 23. März
1942 ∗ .
(3) Gehaltsabrechnung von September 1943 bis April 1945.
(4) Schriftwechsel zu Musen von 1946 bis 1949.
329
11.16
Neugebauer, Paul Victor, Prof. Dr.
Fig. 29. Paul Victor Neugebauer.
Quelle: Porträtgalerie Astron. Ges. 1931.
Geb. 5. Dezember 1878 in Breslau; gest. 3. März 1940 in Wernigerode (Harz).
Sohn von Paul Neugebauer (1848-1918; siehe Kapitel 8.37 von Wielen R.
und Wielen U. (2011c)), der in Astronomie promoviert hatte und jahrzehntelang auswärtiger Mitarbeiter des Astronomischen Rechen-Instituts war.
Paul Victor Neugebauer studierte seit 1897 Astronomie, Mathematik und
Physik an der Universität Breslau. Promotion Anfang Januar 1901 mit einem
astronomischen Thema.
Am 1. Februar 1901 trat Paul Victor Neugebauer als Wissenschaftlicher
”
Hülfsarbeiter“ in das Astronomische Rechen-Institut in Berlin ein. Von 1902
bis 1912 wohnte Neugebauer auch im Gebäude des Astronomischen RechenInstituts in der Lindenstraße. Am 1. Oktober 1914 wurde er zum Observator
ernannt. 1924 erhielt er die Amtsbezeichnung Professor“. Zum 1. Oktober
”
1935 wurde er aus Krankheitsgründen in den Ruhestand versetzt.
Paul Victor Neugebauers Hauptarbeitsgebiet waren die Kleinen Planeten.
Er arbeitete aber auch an vielen anderen Aufgaben des Instituts mit. Insbesondere hatte er ab 1911 die Schriftleitung von insgesamt 17 Jahrgängen
(1911-1915 und 1922-1933) des Astronomischen Jahresberichts“ inne. Unter
”
Historikern wurde er durch seine Tafeln zur astronomischen Chronologie, durch
seine Hilfstafeln zur technischen Chronologie und durch sein 1929 erschienenes,
zweibändiges Werk Astronomische Chronologie“ bekannt.
”
330
Nekrologe (Auswahl): Stracke (1940a, 1940b).
Hinweis auf Archivalien:
Im Archiv des Astronomischen Rechen-Instituts in Heidelberg befindet sich
eine Mappe mit der Aufschrift Neugebauer“. Sie enthält die Positionen (1)
”
bis (7):
(1) Personalnachrichten“ über den Professor und Observator am Astronomi”
schen Rechen-Institut, Dr. P. V. Neugebauer. Aufgestellt am 16. Febr[uar ]
1925. Es ist ein von ihm handschriftlich ausgefülltes, vierseitiges Formular im
Folio-Format. Ein Grund für die Anfertigung des Personalbogens zu diesem
Zeitpunkt ist uns nicht bekannt.
(2) Promotionsurkunde von Paul Victor Neugebauer der Universität Breslau
vom 5. Januar 1901 in lateinischer Sprache. Gedruckt. Größe des Schriftstücks:
42,0 cm breit, 52,9 cm hoch; 1 Blatt. Einen Scan des Dokuments zeigen wir in
Kapitel 5.3.1 des Supplements zu den Reglements und Statuten usw. (Wielen
R. und Wielen U. 2011d).
(3) Handschriftlicher Lebenslauf von P. V. Neugebauer. Undatiert (vermutlich
von 1901 anläßlich seiner Einstellung); ohne Unterschrift; Größe des Schriftstücks: 20,9 cm breit, 32,8 cm hoch; 1 Seite. Einen Scan des Dokuments zeigen
wir in Kapitel 5.3.2 des Supplements zu den Reglements und Statuten usw.
(Wielen R. und Wielen U. 2011d).
(4) Handschriftlicher Lebenslauf von P. V. Neugebauer. Datiert: Berlin, 17. August 1911; Unterschrift: Dr. P. V. Neugebauer. Vermutlich angefertigt anläßlich
eines (vom Ministerium aber abgelehnten) Antrags von Cohn auf Ernennung
von P. V. Neugebauer zum Observator. Größe des Schriftstücks:
22,7 cm breit, 29,5 cm hoch; 1 Seite; kariertes Papier. Einen Scan des Dokuments zeigen wir in Kapitel 5.3.3 des Supplements zu den Reglements und
Statuten usw. (Wielen R. und Wielen U. 2011d).
(5) Durchschlag des Begleitschreibens des Direktors des Astronomischen Rechen-Instituts (Kopff) an den Verwaltungsdirektor der Berliner Universität
vom 30. April 1935 zum Gesuch von P. V. Neugebauer um Versetzung in den
Ruhestand aus gesundheitlichen Gründen zum 1. Oktober 1935. Neugebauer
möchte einerseits die Redaktionsarbeiten am Astronomischen Jahresbericht
noch zu Ende führen, andererseits aber auch bald pensioniert werden, um
seine große Wohnung in Berlin aufgeben und nach auswärts ziehen zu können.
(6) Schreiben des Verwaltungsdirektors der Universität vom 17. August 1935
an den Direktor des Astronomischen Rechen-Instituts (Kopff) mit der Bitte,
331
eine beiliegende (uns aber nicht vorliegende) Verfügung an P. V. Neugebauer
auszuhändigen. Inhalt: Höhe und Zahlungsweise des Ruhegehalts an Neugebauer ab 1. Oktober 1935.
(7) Diverse Schreiben (43 Schriftstücke) aus dem Zeitraum 1911-1935, die
P. V. Neugebauer betreffen. Sie umfassen: Bewilligungen von außerordentlichen
Remunerationen. Mehrere Anträge des Instituts auf Ernennung zum Observator; zunächst ablehnende Bescheide des Kultusministeriums; dann ausnahmsweise Zustimmung zur Ernennung im Vorgriff auf eine in Zukunft freiwerdende
Observatorenstelle, weil Neugebauer eine Stelle an der Sternwarte angeboten
worden ist. Gehaltsfragen. Krankmeldungen. Ärztliche Atteste. Vielfache Gesuche um bezahlten Sonderurlaub (bis zu 12 Wochen) zur Wiederherstellung
seiner Gesundheit, die wohl alle vom Ministerium genehmigt wurden. Anträge
auf Bewilligung von Notstandsbeihilfe und anderer Unterstützung wegen hoher Krankheitskosten. Diese wurden abgelehnt wegen zu geringer finanzieller
Belastung des Erkrankten.
(8) Einige Schriftstücke zu Paul Victor Neugebauer befinden sich in den Personalunterlagen für Hans Neugebauer, obwohl sie dort nicht hingehören.
(Ergänzter Wiederabdruck aus Wielen R. und Wielen U. 2011c)
332
11.17
Nowacki, Helene, Dr.
Fig. 30. Helene Nowacki.
Quelle: Archiv des Astronomischen Rechen-Instituts.
Ausschnitt aus einem Gruppenphoto von 1964.
Geb. 5. Februar 1904 in Lodz (damals Rußland); gest. 20. März 1972 in Heidelberg.
Zum Abitur gelangte sie zum Teil nur durch Privatunterricht, weil sie bei
Ausbruch des Ersten Weltkriegs mit ihren Eltern als deutsche Staatsangehöri”
ge nach dem Innern Rußlands verbannt“ worden war.
Ab Oktober 1924 Studium an der Berliner Universität mit kleiner Matrikel.
Nach bestandener Ergänzungsprüfung ab Herbst 1925 Studium der Astronomie, Mathematik und Physik an der Berliner Universität mit voller Matrikel.
Promotion in Astronomie am 7. Dezember 1931 an der Berliner Universität
(Betreuer: Kopff).
Am Astronomischen Rechen-Institut von 1928 bis 1969 tätig: ab 1. September 1928 Hilfsassistentin, seit 1. Oktober 1938 Wissenschaftliche Angestellte
333
(zunächst für die AN). Am 9. November 1944 zur Observatorin ernannt. Seit
1. Juli 1961 Hauptobservatorin. Am 1. März 1969 Eintritt in den Ruhestand.
Nowacki beteiligte sich vor allem an den Arbeiten zum FK3 und FK4. Nach
der Übernahme der AN durch das Institut und dem Ausscheiden von Schaub
war sie de facto die Schriftleiterin der AN (unter Kopff). Sie betreute in Dahlem
und Sermuth auch die Zentralstelle für astronomische Telegramme und die
Herausgabe der Beobachtungszirkulare der AN. In Heidelberg leitete sie dann
bis 1954 die Astronomische Zentralstelle (AZ) und das Nachrichtenblatt der
AZ.
Seit Ende des Zweiten Weltkriegs war Helene Nowacki die Lebensgefährtin von Kopff. Beide hatten übrigens am gleichen Tag im Jahr (5. Februar)
Geburtstag.
Nekrolog: Uns ist keiner bekannt.
Hinweis auf Archivalien:
(1) Personalakte
(2) Gehaltsabrechnung von September 1943 bis Januar 1945
334
11.18
Peters, Jean (Johannes) Theodor, Prof. Dr.
Fig. 31. Jean Peters.
Quelle: Porträtgalerie Astron. Ges. 1931.
Geb. 25. August 1869 in Köln; gest. 24. August 1941 in Berlin.
Sein korrekter Rufname war sicherlich Jean und nicht Johannes. In dem von
ihm selbst ausgefüllten Personalbogen benutzt er Jean“ (siehe den Scan in Ka”
pitel 5.5.1 des Supplements zu den Reglements und Statuten usw.
(Wielen R. und Wielen U. 2011d)). Dieser Vorname steht auch auf der
Todesanzeige vom 25. August 1941, die von den Töchtern Peters unterzeichnet
ist. Auch in seiner Dissertation von 1895 verwendet er Jean“. Auf der lateini”
schen Doktorurkunde von Peters steht als Vorname IOANNEM“ (siehe den
”
Scan in Kapitel 5.5.2 des Supplements zu den Reglements und Statuten usw.
(Wielen R. und Wielen U. 2011d)). Dies kann aber auch die latinisierte Form
von Jean sein, denn Jean ist die französische Form von Johann bzw. Johannes.
Allerdings benutzt Peters in seinem eigenhändigen Lebenslauf vom 16. November 1898 am Anfang den Vornamen Johannes“, unterschreibt dann aber nur
”
als Dr. J. Peters“ (siehe den Scan in Kapitel 5.5.3 des Supplements zu den
”
Reglements und Statuten usw. (Wielen R. und Wielen U. 2011d)). Auch auf
einigen seiner Publikationen nennt er sich Johannes“, meist aber Jean“.
”
”
Studium der Mathematik und Astronomie an der Universität Bonn. Dort
1894 Promotion in Astronomie. Von 1892-1899 arbeitete er als wissenschaftlicher Hilfsarbeiter an der Bonner Sternwarte.
Am 1. April 1899 wurde Peters die Stelle eines Wissenschaftlichen Hülfs”
arbeiters“ am Astronomischen Rechen-Institut in Berlin übertragen. Von 1899
oder 1900 bis zu seiner Heirat 1901 wohnte Peters auch im Gebäude des Instituts in der Lindenstraße. Am 1. März 1901 erhielt er die Stelle eines Ständigen
”
335
Mitarbeiters“ des Instituts (spätere Amtsbezeichnung: Observator). 1910 wurde ihm der Professorentitel verliehen. Nach dem Tode von Cohn 1922 war
Peters kommissarischer Direktor des Instituts, bis Kopff 1924 das Amt des
Direktors antrat. Am 1. Oktober 1934 wurde Peters als Observator aus Altersgründen pensioniert, leitete aber bis zum 1. April 1938 weiterhin die Arbeiten
am Zonen-Unternehmen der Astronomischen Gesellschaft.
Das Hauptarbeitsgebiet von Peters war die Mitarbeit an der Herausgabe
des Berliner Astronomischen Jahrbuchs. Er hat aber auch intensiv an der Verbesserung des Fundamentalsystems mitgewirkt und dabei den NFK (Peters
1907) geschaffen.
Nebenamtlich berechnete Peters für die Jahrgänge 1926 bis 1942 die Ver”
änderlichen Tafeln für Zeitrechnung und Himmelserscheinungen des Preußischen Normalkalenders“, der später Grundkalender des Statistischen Reichsamtes hieß (siehe Wielen R. und Wielen U. 2011a, S. 41). Einige Jahre hatte er
auch die Schriftleitung des Nautischen Jahrbuchs (Jahrgänge für 1932-1934)
inne.
In weiten Kreisen ist Peters aber durch die von ihm berechneten und herausgegebenen Tafelwerke bekannt geworden. Es waren sowohl Tafeln mit den
Logarithmen als auch den numerischen Werten der trigonometrischen Funktionen, zum Teil mit verschiedener Stellenzahl. Auch andere Tafeln, die zum wissenschaftlichen Rechnen hilfreich waren, veröffentlichte Peters. In einem 1944
in der amerikanischen Zeitschrift Mathematics of Computation“ veröffent”
lichten Nachruf wird Peters als the greatest mathematical table-maker of all
”
time“ gewürdigt. Zusammen mit Bauschinger hat er auch die Differenzenma”
schine“ durch den Rechenmaschinen-Konstrukteur Hamann bauen lassen und
erfolgreich genutzt (siehe Kapitel 8.2 (Bauschinger) von Wielen R. und Wielen
U. (2011c)).
Nekrologe (Auswahl): Kopff (1941), Kohl (1942).
Hinweis auf Archivalien:
Im Archiv des Astronomischen Rechen-Instituts in Heidelberg befindet sich
eine Mappe mit der Aufschrift Peters“. Sie enthält:
”
(1) Personalnachrichten“ über J. Peters. Es ist ein von ihm handschriftlich
”
ausgefülltes, vierseitiges Formular im Folio-Format (20,7 cm breit, 33,0 cm
hoch). Aufstellungsdatum ist leer. Das letzte im Inneren aufgeführte Datum ist
der 1. 12. 1902. Trotzdem kann der Personalbogen viel später ausgefüllt worden
sein, da keine Beförderungen erfolgten. Die Verleihung des Titels Professor“
”
wurde nicht immer in den Personalnachrichten vermerkt. Ein Grund für die
Anfertigung des Personalbogens ist uns nicht bekannt. Von diesem Dokument
zeigen wir einen Ausschnitt mit den Vornamen (Jean !) in Kapitel 5.5.1 des
336
Supplements zu den Reglements und Statuten usw. (Wielen R. und Wielen U.
2011d).
(2) Promotionsurkunde von J. Peters der Universität Bonn vom 10. Juli 1895
in lateinischer Sprache. Gedruckt. Größe des Schriftstücks: 45,9 cm breit, 59,1
cm hoch; 1 Blatt. Einen Scan des Dokuments zeigen wir in Kapitel 5.5.2 des
Supplements zu den Reglements und Statuten usw. (Wielen R. und Wielen U.
2011d).
(3) Handschriftlicher Lebenslauf von J. Peters. Datiert: Bonn, 16. November
1898; Unterschrift: Dr. J. Peters. Vermutlich angefertigt anläßlich der Vorbereitung der Einstellung von Peters als wissenschaftlicher Hilfsarbeiter am Astronomischen Rechen-Institut in Berlin am 1. April 1899. Größe des Schriftstücks:
20,8 cm breit, 32,9 cm hoch; 1 Blatt, 2 Seiten beschrieben. Einen Scan des Dokuments zeigen wir in Kapitel 5.5.3 des Supplements zu den Reglements und
Statuten usw. (Wielen R. und Wielen U. 2011d).
(4) Schreiben des Verwaltungsdirektors der Universität vom 8. Mai 1934 an
den Direktor des Astronomischen Rechen-Instituts mit der Bitte, die beiliegende (uns aber nur in der hier enthaltenen Abschrift vorliegende) Verfügung an
Peters auszuhändigen. Inhalt: Peters tritt laut Gesetz am 1. Oktober 1934 wegen Erreichens der Altersgrenze in den Ruhestand. Dank des Kultusministers
für langjährige und verdienstvolle Tätigkeit.
(5) Todesanzeige für Professor Dr. Jean Peters. Zum Versand bestimmt. Todestag: 24. August. Datiert: Berlin-Lichterfelde, 25. August 1941. Unterzeichnet
von drei Töchtern und einer Nichte. Bemerkenswerter Hinweis auf die Zeitumstände: Die Exequien sind am Freitag, den 29. August, morgens 8 Uhr
”
(nach Fliegeralarm um 10 Uhr) in der katholischen Pfarrkirche ...“.
(6) Diverse Schreiben (11 Schriftstücke) aus dem Zeitraum 1901-1934, die Peters betreffen. Sie umfassen: Entwurf des Antrags von Bauschinger vom Januar
1901 an das Kultusministerium, Peters als Ständigen Mitarbeiter (später Ob”
servator“) als Nachfolger von H. Lange anzustellen. Mehrere Schreiben von
Peters an Cohn aus dem Jahre 1913 mit der Bitte, ihm eine bessere Stelle
zu verschaffen. Cohn hat offenbar dann auch im Juli 1913 einen solchen Antrag gestellt. Das Kultusministerium teilt dem Direktor des Astronomischen
Rechen-Instituts daraufhin am 23. Januar 1914 mit: Dem Antrage auf Errich”
tung von Hauptobservatorstellen für die Observatoren Professor Dr. Berberich
und Professor Dr. Peters hat keine Folge gegeben werden können.“. Genehmigungen für Nebentätigkeiten (Kalender, Nautisches Jahrbuch). Schriftverkehr
zur Pensionierung von Peters.
(Geringfügig korrigierter Wiederabdruck aus Wielen R. und Wielen U. 2011c)
337
11.19
Pilowski, Karl, Prof. Dr.
Fig. 32. Karl Pilowski.
Quelle: Mitteilungen der Astronomischen Gesellschaft, Nr. 44 (1978).
Geb. 24. August 1905 in Hannover; gest. 26. Dezember 1991 in Hannover.
1929 Staatsexamen für das Höhere Lehramt. 1932 Promotion in Astronomie
an der Berliner Universität. 1936 Habilitation in Berlin.
Pilowski trat am 6. November 1929 als wissenschaftlicher Mitarbeiter für
den AGK2A in das Astronomische Rechen-Institut (ARI) ein. Von 1932 bis
1934 war er am ARI als Stipendiat der Notgemeinschaft der Deutschen Wissenschaft tätig. Am 1. April 1934 wurde er am ARI zum außerplanmäßigen
Assistenten ernannt. Er führte vielfältige wissenschaftliche Rechenarbeiten zum
FK3 und zum AGK2A durch und beteiligte sich auch an der Berechnung von
Tafelwerken zusammen mit Peters. Sein Hauptinteresse galt aber stellardynamischen und astrophysikalischen Fragestellungen.
Am 1. Oktober 1936 wechselte er an die Universität Leipzig als planmäßiger Assistent der Sternwarte. Im Mai 1938 wurde er in Leipzig zum Dozenten
ernannt. Der Zweite Weltkrieg und die anschließende russsische Kriegsgefangenschaft unterbrachen dann seine Karriere bis 1949.
Vom 1. September 1950 bis zum 31. März 1951 erhielt Pilowski auf Anregung von Kopff ein Stipendium der Heidelberger Akademie der Wissenschaften.
Er wohnte damals aber in Berlin-Wilmersdorf.
Im Jahr 1951 erhielt Pilowski einen Lehrauftrag für Astronomie an der
Technischen Hochschule Hannover. Dort wurde er 1952 zum Diätendozent,
1954 zum Außerplanmäßigen Professor und 1958 zum Abteilungsvorsteher und
Professor ernannt. Am 1. November 1970 trat er in den Ruhestand.
338
Auch in Hannover publizierte Pilowski zahlreiche Arbeiten zur Astrophysik, widmete sich aber auch geodätischen Problemen, darunter insbesondere
einer transportablen Zenitkamera zur Ortsbestimmung und zur fundamentalen Positionsbestimmung von Sternen.
Nekrolog: Seeber (1992).
Hinweis auf Archivalien:
Personalunterlagen von Pilowski bei den Personalunterlagen“ von Hopmann.
”
Hopmann selbst war nie Mitglied des Astronomischen Rechen-Instituts. In
Hopmanns Personalunterlagen“ befindet sich nur Korrespondenz zwischen
”
ihm und dem Institut, die die Einstellung von Pilowski in Leipzig betrifft.
339
11.20
Rabe, Eugen Karl, Prof. Dr.
Fig. 33. Von links: Eugen Rabe, Roland Wielen, Joachim Schubart.
Aufgenommen auf einer Tagung im Mathematischen Forschungsinstitut Oberwolfach 1966.
Quelle: J. Schubart (Heidelberg).
Geb. 8. Mai 1913 in Berlin; gest. 11. Juli 1974 in Cincinnati, Ohio, USA.
Studium an der Berliner Universität. 1937 Promotion in Astronomie bei
Kopff. 1941 Habilitation, 1942 Dozent an der Berliner Universität.
Seit 1935 hat Rabe an den wissenschaftlichen Arbeiten des Astronomischern Rechen-Instituts (ARI) teilgenommen. Ab 1. Januar 1937 Assistent am
ARI. Am 1. Februar 1943 wurde er zum Observator ernannt.
Bei Ausbruch des Zweiten Weltkriegs wurde er zwar zunächst zur Luftwaffe
eingezogen, ab November 1939 aber für kriegswichtige Arbeiten am Astrono”
mischen Jahrbuch“ unabkömmlich ( uk“) gestellt. Am 15. März 1941 wurde er
”
als Regierungsrat der Reserve zur Kriegsmarine (Deutsche Seewarte, Hamburg,
Hauptabteilung Nautik und Hydrographie) eingezogen, aber für Arbeiten am
Jahrbuch dem ARI zugewiesen. Rabe arbeitete daher de facto während der
meisten Zeit des Zweiten Weltkriegs am ARI. Er machte 1944 die Verlagerung
der Instituts nach Sermuth und 1945 dessen Umsiedlung nach Heidelberg mit.
In Heidelberg arbeitete er ab 1945 als Wissenschaftler am ARI.
Das Hauptarbeitsgebiet von Rabe waren die Kleinen Planeten. Am ARI
mußte er vor allem während des Zweiten Weltkriegs jedoch intensiv an den
Berechnungen für das astronomische Jahrbuch teilnehmen. In seiner Heidelberger Zeit sind auch zwei Arbeiten aus dem Bereich der Allgemeinen Relativitätstheorie entstanden.
Da Rabe in Heidelberg zunächst keine Aussicht auf eine dauerhafte Stelle
hatte und das Arbeitsgebiet Kleine Planeten, das er seit 1945 leitete, am Institut stark reduziert wurde (siehe Kapitel 7.7.5), ging er 1948 auf Einladung
340
von Herget (Kapitel 12) an das Minor Planet Center der IAU nach Cincinnati,
Ohio, USA. An der Universität von Cincinnati wurde er 1948 zum Assistant
Professor, 1954 zum Associate Professor und 1958 zum Full Professor of
Astronomy ernannt.
Nekrolog: Sky and Telescope 1974, Volume 48, p. 157.
Hinweis auf Archivalien:
(1) Personalunterlagen. Nach Inhalt und Umfang entsprechen diese Unterlagen
weitgehend einer Personalakte.
(2) Diverse Briefe von Rabe aus dem Jahr 1944, die in Zusammenhang mit der
Suche nach einem Ausweichort für das Astronomische Rechen-Institut stehen.
(3) Schriftwechsel zu Rabe aus den Jahren 1946 bis 1948.
341
11.21
Riem, Johannes Karl Richard, Prof. Dr.
Fig. 34. Johannes Riem.
Quelle: Porträtgalerie Astron. Ges. 1931.
Geb. 15. November 1868 in Cantreck (Pommern); gest. 13. Dezember 1945 in
Potsdam.
Seit 1889 Studium in Halle und Straßburg. 1894 Promotion in Astronomie
in Straßburg. 1894-1896 Volontär an der Sternwarte in Leipzig. 1896 Assistent
an der Göttinger Sternwarte.
Seit 1. Januar 1897 war Riem Wissenschaftlicher Hülfsarbeiter“ am Astro”
nomischen Rechen-Institut in Berlin. Er war bereits Ende 1896 zu zeitweiser
”
Beschäftigung“ am Institut herangezogen worden. Am 1. April 1905 Ernennung zum Ständigen Mitarbeiter“ (spätere Amtsbezeichnung: Observator),
”
am 19. Dezember 1913 zum Professor. Am 1. Oktober 1932 auf eigenen Antrag in den Ruhestand versetzt. Sein Hauptarbeitsgebiet war die Bearbeitung
des Berliner Astronomischen Jahrbuchs. Eigene Arbeiten hat Riem ab 1895
publiziert, unter anderem zahlreiche populäre Bücher.
Riem war ein Gegner der Einsteinschen Relativitätstheorie (siehe z.B.
Wazeck 2009). Er veröffentlichte zu diesem Thema unter anderem eine Reihe
von Artikeln in der Tagespresse, z.B. in der Berliner Deutschen Zeitung. Un”
abhängiges Tageblatt für nationale Politik.“ vom 27. April 1923 mit dem Titel
Die Einsteinschen Phantasien. Sonnenfinsternisbeobachtungen und Einstein”
effekt.“ Riem bezeichnete darin die Relativitätstheorie als Phantasiegebilde“
”
(Kirsten und Treder 1979, Teil II, Nr. 588, S. 147).
342
Das war kurz bevor August Kopff im September 1924 die Leitung des Astronomischen Rechen-Instituts übernahm. Kopff seinerseits hatte ein Lehrbuch
und einige Arbeiten zur Relativitätstheorie veröffentlicht. Über Diskussionen
zwischen Kopff und Riem zu diesem Thema ist uns nichts bekannt geworden.
Nekrolog: Kahrstedt (1947).
Hinweis auf Archivalien:
Im Archiv des Astronomischen Rechen-Instituts in Heidelberg befindet sich
eine Mappe mit der Aufschrift Riem“. Sie enthält:
”
(1) Personalnachrichten über den Observator am astronomischen Rechenin”
stitut, Prof. Dr. Johannes Riem“, aufgestellt am 8[?]. Februar 1925. Es ist ein
von ihm handschriftlich ausgefülltes, vierseitiges Formular im Folio-Format.
Warum das Formular gerade zu diesem Zeitpunkt ausgefüllt wurde bzw. werden mußte, ist uns nicht bekannt.
(2) Einen handschriftlichen Lebenslauf ( Lebensgang“) von J. Riem. Datiert:
”
Berlin, 21. November 1898; Unterschrift: Dr. Riem. Größe des Schriftstücks:
20,8 cm breit, 33,2 cm hoch; 1 Blatt, 2 Seiten beschrieben. Einen Scan des
Dokuments zeigen wir in Kapitel 5.6 des Supplements zu den Reglements und
Statuten usw. (Wielen R. und Wielen U. 2011d).
(3) Einen undatierten Kurzlebenslauf (Handschrift von Riem). Letztes enthaltenes Datum ist von 1904.
(4) Bestätigung der Göttinger Sternwarte vom 4. Mai 1932 über die Assistententätigkeit von Riem im Jahre 1896.
(5) Brief vom 9. September 1932 zur Pensionierung und zur Höhe des Ruhegehaltes von Riem vom Verwaltungs-Direktor bei der Friedrich-WilhelmsUniversität an den Direktor des Instituts. Überwiegender Inhalt ist die Abschrift eines Briefes des Preussischen Ministers für Wissenschaft, Kunst und
Volksbildung vom 6. November 1932 bezüglich der Berechnung des Ruhegehalts von Riem. Anlagen (die uns aber nicht vorliegen) waren: (a) der Ab”
schied“ (d.h. vermutlich ein Schreiben des Ministers zur Versetzung Riems in
den Ruhestand zum 1. Oktober 1932, verbunden mit Dankesworten).
(b) 1 Band Personalakten.
(Bis auf das Bild unveränderter Wiederabdruck aus Wielen R. und Wielen U. 2011c)
343
11.22
Schaifers, Karl Maximilian, Dr.
Fig. 35. Karl Schaifers.
Quelle: Mitteilungen der Astronomischen Gesellschaft, Nr. 44 (1978).
Geb. 21. November 1921 in Koblenz; gest. 26. Oktober 2009 in Heidelberg.
Wegen seines Kriegsdiensts im Zweiten Weltkrieg konnte Schaifers sein Studium der Astronomie, Mathematik und Physik erst im November 1945 an der
Universität in Bonn beginnen. Er promovierte dort 1952.
Seit 1. November 1951 war er Wissenschaftlicher Angstellter am Astronomischen Rechen-Institut. Hier arbeitete er an den Berechnungen für das
Astronomische Jahrbuch mit.
Mit Wirkung vom 1. März 1958 wurde er auf eigenen Wunsch an die Heidelberger Sternwarte versetzt, weil er lieber auf dem Gebiet der beobachtenden
Astronomie tätig sein wollte. An der Sternwarte war er zuletzt Hauptobservator und wurde 1984 in den Ruhestand versetzt.
Schaifers hat eine Reihe populärwissenschaftlicher Bücher verfaßt bzw. mitverfaßt. 1962 war er Mitbegründer der Zeitschrift Sterne und Weltraum“.
”
Nekrolog (Auswahl): Appenzeller (2010).
Hinweis auf Archivalien:
Personalakte
344
11.23
Schaub, Werner, Prof. Dr.
Fig. 36. Werner Schaub.
Quelle: Porträtgalerie Astron. Ges. 1931.
Geb. 27. April 1901 in Ferndorf (Kreis Siegen); gest. 14. September 1959 in
Ferndorf (Kreis Siegen).
Ab 1921 Studium der Astronomie und Mathematik an den Universitäten
in Bonn, München und wieder Bonn. Dazwischen Studium des Maschinenbaus
an der Technischen Hochschule Hannover. 1927 Promotion in Astronomie in
Bonn, 1936 Habilitation an der Universität Leipzig.
Von April 1927 bis September 1930 war Schaub Assistent an der Bonner
Sternwarte, von Oktober 1930 bis Juni 1936 an der Leipziger Sternwarte.
Bereits ab Mai 1928 hat Schaub für eine halbes Jahr im Austausch mit
U. Wegner (siehe Kapitel 11.28) am Astronomischen Rechen-Institut (ARI)
gearbeitet. Am 1. Juli 1936 war Schaub vertretungsweise als Observator am
ARI tätig. Ab 1. Oktober 1936 wurde er zum Observator am ARI ernannt.
Hier arbeitete er vor allem am FK3 mit. Ab 1938 war er Schriftwalter der
Zeitschrift Astronomische Nachrichten“ (AN), deren Herausgabe damals vom
”
ARI übernommen worden war.
Am 1. September 1940 wurde Schaub zum ordentlichen Professor für Astronomie an der Deutschen Karls-Universität in Prag und zum Direktor der
Prager Universitätssternwarte ernannt.
Seit Kriegsende 1945 war er ohne Amt. Er war aber publizistisch sehr aktiv,
vor allem auf dem Gebiet der Weltraumfahrt. Aufbauend auch auf seiner Zeit
345
am ARI, erschien 1950 sein Lehrbuch Vorlesungen über sphärische Astrono”
mie“ (Geest und Portig, Leipzig).
Nekrolog (Auswahl): Kopff (1960).
Hinweis auf Archivalien:
Personalunterlagen
346
11.24
Schoch, Carl Wilhelm Viktor
Fig. 37. Carl Schoch.
Quelle: Pogo (1931).
Geb. 5. März 1873 in Pillgram (Mark); gest. 19. November 1929 in Berlin(?).
Schoch studierte von 1893 bis 1898 Mathematik in Marburg und in
Berlin. Seit 1898 arbeitete er als Versicherungsmathematiker in Mannheim
und Ludwigshafen. Diese Stellung verlor er 1922 aufgrund der Auswirkungen
der französischen Rheinland-Besetzung.
Er verdiente sich danach seinen Lebensunterhalt als Hilfsrechner. 1924 ging
er nach Oxford, um dort mit Fotheringham 224 an der astronomischen Auswertung babylonischer Texte zu arbeiten.
Schoch war von 1926 bis 1929 wissenschaftlicher Mitarbeiter am Astronomischen Rechen-Institut. Hier arbeitete er am FK3 und an den Eros-Anhaltsternen, führte aber zusätzlich seine Arbeiten zur Astronomie im Altertum
fort.
Schoch interessierte sich seit ca. 1900 für astronomische Probleme der Chronologie im Altertum. Er veröffentlichte eine Reihe von Arbeiten zu derartigen
Fragestellungen. Am bekanntesten unter Historikern wurden seine astronomischen Tafeln, die eine einfache und schnelle Berechnung der Zeitpunkte von
astronomischen Phänomenen (Finsternisse, Auf- und Untergänge, Planetenpositionen) im Altertum (insbesondere in Babylon) erlauben. Ein Beispiel
dafür sind seine Syzygientafeln 225 . Dabei verbesserte er die benötigten Elemente der Mondbewegung, insbesondere die scheinbare Beschleunigung der
224
John Knight Fotheringham (1874-1936). Englischer Historiker.
Diese Tafeln erlauben die Datierung von Sonnen- und Mondfinsternissen. Zum Zeitpunkt
einer Syzygie liegen Sonne, Erde und Mond oder Planet (ungefähr) auf einer Geraden.
225
347
Mondbewegung als Folge der Abbremsung der Erdrotation durch Gezeiteneffekte und die Bewegung des Knotens der Mondbahn.
Nekrologe (Auswahl): Neugebauer (1929), Fotheringham (1930), Pogo (1931).
Hinweis auf Archivalien:
Im Archiv des Astronomischen Rechen-Instituts hat sich ein Konvolut von
Briefen aus den Jahren 1926 und 1927 erhalten, das sich auf die astronomischen
Tafeln von Schoch bezieht.
In Kapitel 10 listen wir aus diesem Konvolut die folgenden 8 Schriftstücke
auf:
(1)
(2)
(3)
(4)
(5)
(6)
(7)
(8)
Brief vom 30. Juni 1926 ∗∗ von J. K. Fotheringham an Kopff,
Brief vom 22. Dezember 1926 ∗∗ von H. H. Turner 226 an Kopff,
Briefentwurf vom 28. Dezember 1926 ∗∗ von Kopff an Turner,
Gutachten von ca. 1927 ∗∗ zu den astronomischen Tafeln von Schoch,
Brief vom 27. Februar 1927 ∗∗ von Kopff an die Notgemeinschaft,
Brief vom 5. März 1927 ∗∗ von Kopff an die Notgemeinschaft,
Brief vom 8. März 1927 ∗∗ der Notgemeinschaft an Kopff,
Brief vom 27. Juli 1927 ∗∗ von Schoch an Kopff.
Dagegen haben wir die folgende Dokumente aus dem Konvolut nicht in
Kapitel 10 aufgeführt:
(9) Abschriften des Briefes vom 30. Juni 1926 von J. K. Fotheringham an
Kopff,
(10) Brief vom 7. Dezember 1926 von Turner an Kopff,
auf der Rückseite Entwurf der Antwort von Kopff an Turner,
(11) Brief vom 1. Januar 1927 von Turner an Kopff
mit angehängtem Gutachten,
(12) Postkarte vom 19. Februar 1927 von Fotheringham an Kopff,
(13) Brief vom 1. März 1927 von Kopff an einen uns unbekannten Empfänger,
(14) Postkarte vom 4. April 1927 von Fotheringham an Kopff,
(15) Brief vom 27. Juli 1927 von Fotheringham an Kopff,
(16) Postkarte vom 3. August 1927 von Fotheringham an Kopff.
Der Großteil der obigen Korrespondenz zwischen Fotheringham und Kopff
und Turner und Kopff bezieht sich auf die in Oxford herausgegebenen babylonischen Venus-Tafeln (Langdon, Fotheringham und Schoch 1928). Es wird der
Anteil von Schoch an der Interpretation der Venus-Tafeln diskutiert. Hauptsächlich geht es aber um die astronomischen Tafeln von Schoch, die als Anhang
226
Herbert Hall Turner (1861-1930). Von 1893 bis 1930 Direktor der Sternwarte der
Universität Oxford.
348
des Oxforder Werkes abgedruckt werden sollten (und wurden). Schoch strebte
aber zunächst eine selbständige Veröffentlichung seiner Arbeit in Deutschland
an. In mehreren Briefen wird Schochs langsame Lieferung seiner Tafeln nach
Oxford thematisiert. Andere Briefe beschreiben die schwierige drucktechnische
Aufarbeitung der Schochschen Tafeln. In erweiterter Form hat Schoch seine
astronomischen Tafeln später in Berlin publiziert (Schoch 1928).
349
11.25
Stichtenoth, Albert, Prof. Dr.
Fig. 38. Albert Stichtenoth.
Quelle: Porträtgalerie Astron. Ges. 1904.
Geb. 23. September 1866 in Wolfenbüttel; gest. 28. Januar 1927 in Berlin.
Seit 1886 Studium der Mathematik und Astronomie an den Universitäten in
Heidelberg, Tübingen, Berlin und Göttingen. 1897 promovierte er in Göttingen
mit einer astronomischen Arbeit.
Von 1893-1898 war Stichtenoth als wissenschaftlicher Hilfsarbeiter an der
Göttinger Sternwarte tätig. Von 1898-1899 arbeitete er in Kiel am Projekt
Geschichte des Fixsternhimmels“ und in der Redaktion der Astronomischen
”
Nachrichten mit.
Am 1. August 1899 trat Stichtenoth als Wissenschaftlicher Hülfsarbeiter“
”
in das Astronomische Rechen-Institut in Berlin ein. Zum Observator wurde
er am 1. April 1907 ernannt. Später (vermutlich 1923/24) erhielt er auch den
Titel Professor“.
”
Nach den Berliner Adressbüchern hat Stichtenoth von 1900-1907 auch im
Gebäude des Instituts in der Lindenstraße gewohnt.
Stichtenoth arbeitete hauptsächlich an den Ephemeridenberechnungen für
das Berliner Astronomische Jahrbuch.
Nekrolog: Kopff (1927).
(Unveränderter Wiederabdruck aus Wielen R. und Wielen U. 2011c)
350
11.26
Stracke, Gustav, Prof. Dr.
Fig. 39. Gustav Stracke.
Quelle: Photo (undatiert) im Archiv des Astronomischen Rechen-Instituts.
Geb. 2. Juli 1887 in Hasslinghausen (Westfalen); gest. im August 1943 in Berlin.
Studium der Astronomie, Mathematik und Philosophie an der Universität
Berlin (1906-1907), Bonn (1907-1908), und wieder Berlin (1908-1911). Promotion im Februar 1912 in Berlin.
Seit 1. Juli 1911 war Stracke Wissenschaftlicher Hülfsarbeiter“ am Astro”
nomischen Rechen-Institut in Berlin. Am 1. August 1920 wurde er zum Observator ernannt. 1926 erhielt er den Titel Professor“. 1942 wurde er zum
”
Hauptobservator vorgeschlagen, erlebte die Ernennung aber nicht mehr.
Bereits als Student wohnte Stracke seit 1909 im Gebäude des Astronomischen Rechen-Instituts in der Lindenstraße, dann weiterhin bis 1912 dort als
Mitarbeiter des Instituts. Auch nach dem Umzug des Instituts 1912 nach Dahlem hat er bis 1921 im neuen Institutsgebäude in der Altensteinstraße gewohnt.
Stracke arbeitete sein Leben lang fast ausschließlich auf dem Gebiet der
Kleinen Planeten. Dies tat er aber so intensiv und erfolgreich, daß er von Kollegen als der King of the Minor Planets“ apostrophiert wurde. Nach Cohns
”
Tod hat er 1922 die Leitung der Abteilung für Kleine Planeten am Institut
übernommen und sie bis 1941 behalten, als er sein Pensum aus Gesundheitsgründen stark reduzieren mußte.
Nekrologe (Auswahl): Kopff (1943b), Kahrstedt (1944).
351
Hinweis auf Archivalien:
Im Archiv des Astronomischen Rechen-Instituts in Heidelberg befindet sich
eine Mappe mit der Aufschrift Stracke“. Sie enthält:
”
(1) Personalnachrichten über den Observator am Astronomischen Rechen”
Institut, Dr. phil. Gustav Stracke“, aufgestellt am 16. Febr[uar ] 1925. Es ist
ein von ihm handschriftlich ausgefülltes, vierseitiges Formular im Folio-Format.
Warum das Formular gerade zu diesem Zeitpunkt ausgefüllt wurde bzw. werden mußte, ist uns nicht bekannt. Eine Besonderheit ist: Stracke war bei seinem Dienstantritt als Observator am 1. Juli 1911 versehentlich nicht vereidigt
worden. Eine nachträgliche Vereidigung, die Stracke 1917 beantragte, wurde
vom Kultusministerium abgelehnt, weil dies den Rechtsbestand verdunkeln
”
würde“. Er wurde dann aber am 20. Januar 1920 auf die neue Reichsverfassung, am 17. März 1921 auf die Preussische Verfassung, und am 27. August
1934 auf den Führer und Reichskanzler“ vereidigt.
”
(2) Einen undatierten, maschinenschriftlichen Kurzlebenslauf von Stracke. Auf
diesem Blatt ist auch der Tod von Stracke vermerkt: verstarb im August 1943
”
in Berlin“ (d.h. ohne Angabe des genauen Todestages, der offenbar unbekannt
war).
(3) Todesanzeige für Prof. Dr. Gustav Stracke. Ausschnitt aus einer Zeitung.
Undatiert und ohne Angabe des Todestages. Unterzeichnet ist die Anzeige im
Namen der Hinterbliebenen von Hedwig Zimmermann geb. Stracke (vermutlich
einer Schwester von Stracke). Die Anzeige sagt, daß die Trauerfeier und die
Beisetzung der Asche Strackes in der Heimat des Verstorbenen“ stattfindet.
”
(4) Brief des Kultusministeriums vom 11. März 1921 an den Direktor des Astronomischen Rechen-Instituts zur Ernennung Strackes zum Observator mit Wirkung vom 1. August 1920 an und zur Höhe von dessen Bezügen. Der Direktor
wird gebeten, die anliegende (uns aber nicht vorliegende) Bestallungsverfügung
an Stracke auszuhändigen und von diesem für dieses Schriftstück die gesetzliche Stempelgebühr von 1 M 50 Pf. zu kassieren.
(Bis auf das Bild unveränderter Wiederabdruck aus Wielen R. und Wielen U. 2011c)
352
11.27
Strobel, Willi, Dr.
Fig. 40. Willi Strobel.
Quelle: Mitteilungen der Astronomischen Gesellschaft, Nr. 44 (1978).
Geb. 2. März 1909 in Mannheim; gest. 12. Juni 1988 in Heidelberg.
Von 1928 bis 1934 Studium an der Universität Heidelberg. Hier 1934 Promotion mit einer astronomischen Arbeit. 1934-1935 Volontärassistent an der
Heidelberger Sternwarte. 1935-1938 Wissenschaftlicher Hilfsassistent bei den
Astronomischen Nachrichten in Kiel.
1938 siedelten die Astronomischen Nachrichten (AN) von Kiel an das Astronomische Rechen-Institut (ARI) in Berlin-Dahlem über (siehe Kapitel 3.4).
Strobel erhielt in Berlin ab 1. Oktober 1938 eine außerplanmäßige Assistentenstelle bei den AN im Rahmen des ARI. Ab 4. Juli 1939 war er planmäßiger
Wissenschaftlicher Assistent bei den AN, dann ab 1941 nach der völligen Einordnung der AN in den Rahmen des Instituts beim ARI. Am 1. September
1944 wurde er zum Observator ernannt.
Im Zweiten Weltkrieg mußte Strobel Kriegsdienst leisten. Insbesondere war
er von März 1940 bis April 1945 zum Heereswaffenamt in Berlin dienstverpflichtet. Er konnte daher aber im Krieg zeitweise im Gebäude des Instituts in
der Altensteinstraße 40 wohnen. Nach Sermuth ist er nicht umgezogen. Daher
wurde er auch nicht mit dem Institut nach Heidelberg verlagert. Er befand
sich nach Kriegsende zunächst in Norddeutschland (Stade). Erst 1946 kam er
nach Heidelberg.
Strobel wurde 1946-1947 als wissenschaftlicher Rechner am ARI und von
1947-1949 in gleicher Funktion an der Heidelberger Sternwarte beschäftigt.
Ab 28. April 1949 wurde er in Heidelberg wieder zum Observator am Astronomischen Rechen-Institut ernannt und am 22. Mai 1962 zum Hauptobservator
353
befördert. Am 1. April 1974 Eintritt in den Ruhestand. Danach war er noch
bis 1976 als teilzeitbeschäftigter Wissenschaftlicher Angestellter des Sonderforschungsbereichs 132 der Universität Heidelberg im ARI tätig.
In Berlin arbeitete Strobel bis zu seiner Dienstverpflichtung für die AN. In
Heidelberg war er hauptsächlich auf dem Gebiet der Kleinen Planeten tätig.
Später beteiligte er sich an den Arbeiten zum FK4 und FK5.
Die Ehefrau von Strobel war 1939 vorübergehend für Büroarbeiten bei den
AN im ARI beschäftigt (siehe Kapitel 12).
Nekrolog: Uns ist keiner bekannt.
Hinweis auf Archivalien:
Personalakte
354
11.28
Wegner, Udo, Prof. Dr.
Fig. 41. Udo Wegner.
Quelle: Porträtgalerie Astron. Ges. 1931.
Geb. 4. Juni 1902 in Berlin; gest. 25. Juni 1989 in Heidelberg.
Seit 1921 Studium der Mathematik und der Naturwissenschaften an der
Berliner Universität. 1928 Promotion in Berlin mit einer mathematischen Arbeit aus dem Bereich der Algebra.
Im März 1926 wurde Wegner als Hilfsrechner am Astronomischen RechenInstitut (ARI) angestellt. Er arbeitete hier hauptsächlich für den FK3, publizierte aber auch eine Reihe stellardynamischer und astrophysikalischer Arbeiten (siehe Kapitel 2.2.6). Am 1. April 1928 wurde er zum außerplanmäßigen
Assistenten am ARI ernannt. Von Mai bis Oktober 1928 an die Bonner Sternwarte entsandt im Austausch gegen W. Schaub (Kapitel 11.23).
Ab November 1928 Assistent am Mathematischen Institut in Bonn. 1929
Habilitation in Mathematik und Privat-Dozent in Göttingen. 1931 ordentlicher
Professor in Darmstadt. Von 1936/37 bis 1945 ordentlicher Professor und Direktor des Mathematischen Instituts der Universität Heidelberg. 1941-1945 Dekan der Naturwissenschaftlich-Mathematischen Fakultät der Heidelberger Universität. 1945 entlassen. Später Ordentlicher Professor der Universität Saarbrücken (1956-1966) bzw. der Universität Stuttgart (1966-1970). 1970 Emeritierung.
Biographie (Auswahl): Drüll (2009, S. 652).
Hinweis auf Archivalien:
Personalunterlagen
355
12
Personen-Verzeichnis für die Zeit von 1924
bis 1954 mit kurzen Angaben
Für die im Kapitel 12 aufgeführten Personen geben wir nur Namen, Geburtsund Sterbejahr, Beruf, und unsere Quelle für ihre Beziehung zum Astronomischen Rechen-Institut.
Genauere Informationen über diese Personen kann man aber auf verschiedensten Wegen finden: (a) Im Biographischen Index der Astronomie“ von
”
Brüggenthies und Dick (2005). (b) Eine Liste von Nekrologen geben Duerbeck, Ott und Dick (2000). (c) Die ARIBIB-Datenbank des Astronomischen
Rechen-Instituts weist publizierte Arbeiten der Personen nach. (d) Die ADSDatenbank enthält ebenfalls veröffentlichte Arbeiten der Personen. (e) Nachrufe auf Personen sucht man in der ADS-Datenbank am besten dadurch, daß
man den Namen der verstorbenen Person in der Suchmaske als Titel“ der
”
Veröffentlichung angibt. (f) Mit Hilfe des Namens, der zugehörigen Jahreszahlen und dem Beruf findet man viele Informationen zu den Personen im
Internet.
In den Fällen (d) und (e) findet man oft auch Volltexte der Arbeiten oder
der Nachrufe. Bei (f) bietet Google in der Kategorie Bücher“ zum Teil Voll”
oder Kurz-Texte an.
Abkürzungen:
? : Geburts- oder Todesjahr unbekannt
* : Geburts- bzw. Todesjahr bekannt, aber aus Datenschutzgründen nicht angegeben
AG-Katalog: Wiederholung der Zonen-Kataloge der Astronomischen Gesellschaft
AJB: Astronomischer Jahresbericht
AN: Astronomische Nachrichten
ARI: Astronomisches Rechen-Institut (bis 1945: Berlin, ab 1945: Heidelberg)
ARI-Ost: östlicher Teil des Astronomischen Rechen-Instituts in Babelsberg
BAJ: Berliner Astronomisches Jahrbuch
FK3: Verbesserung des NFK zum Dritten Fundamentalkatalog (FK3)
FK4: Verbesserung des FK3 zum Vierten Fundamentalkatalog (FK4)
GFH: Projekt Geschichte des Fixsternhimmels“
”
NFK: Verbesserung des FC zum Neuen Fundamentalkatalog (NFK)
356
Hinweis auf Nennung in einem Tätigkeitsbericht:
In den Kurzfassungen geben wir auch einen Hinweis darauf, in welchem
Tätigkeitsbericht oder sonstigem gedruckten Werk die betreffende Person namentlich genannt wird. Dabei benutzen wir folgende Abkürzungen:
ARITBnnnn = Tätigkeitsbericht des Astronomischen Rechen-Instituts
für das Jahr nnnn;
ARITBOstnnnn = Tätigkeitsbericht des östlichen Teils des
Astronomischen Rechen-Instituts für das Jahr nnnn;
AGeodJnnnn
= Astronomisches Jahrbuch oder Astronomisch-Geodätisches
Jahrbuch für das Jahr nnnn;
AKal
= Astronomischer Kalender für das Jahr nnnn;
BABnnnn
= Berliner Adressbuch für das Jahr nnnn;
BAJnnnn
= Berliner Astronomisches Jahrbuch für das Jahr nnnn;
KPlnnnn
= Kleine Planeten. Jahrgang nnnn.
Falls wir einen Zeitraum angeben, heißt das nicht zwingend, daß die Person in jedem der dazwischenliegenden Jahre genannt wurde. Das BAB wird
nur dann als Quelle genannt, wenn danach die betreffende Person im Gebäude
des Astronomischen Rechen-Instituts in Dahlem gewohnt hat. Beim Vergleich
der Jahrgangsangaben des Berliner Astronomischen Jahrbuchs mit den Lebensdaten der Personen (insbesondere ihrem Sterbejahr) ist zu beachten, daß
das Jahrbuch meist drei Jahre im Voraus erschien und die entsprechenden
Rechnungen daher mindestens drei, meist vier Jahre vor dem Jahrgangs-Jahr
erfolgen mußten.
Archivalien:
GA: Gehaltsabrechnung 227
PA: Personalakte
PSchr: Sammlung von Schriftstücken zu Personen
PU: Personalunterlagen
227
Gehaltsabrechnung für die Zeit von September 1943 bis zum Ausscheiden der Person,
längstens bis zum Kriegesende 1945
357
Arend, Sylvain Julien Victor, Prof. Dr. (1902-1992):
Belgischer Astronom. 1931 vier Monate lang Gast am ARI. Mitarbeit im Arbeitsgebiet Kleine Planeten. Später am Observatoire Royal de Belgique in
Brüssel tätig. Nekrolog: Dommanget (1992).
Genannt im ARITB1931.
Arns, J.:
Von 1928 bis 1929 Hilfsrechner am ARI für den AG-Katalog.
Genannt im ARITB1928-29.
Bahner, Klaus, Dr. (1921-):
Von 1948 bis 1951 Mitarbeiter am ARI für das BAJ. 1953 Promotion in Heidelberg. Anschließend an der Landessternwarte Heidelberg-Königstuhl (zuletzt
als Hauptobservator) und am Max-Planck-Institut für Astronomie in Heidelberg tätig.
Genannt im ARITB1948/49-50.
Archivalien: PSchr.
Baumann (geb. Gräfe), Gertrud (1913-?):
Von 1954 bis 1955 studentische Hilfskraft am ARI für den AJB.
Archivalien: PA.
Baumann, Lydia: (*-?)
Sie war von 1954 bis 1955 als wissenschaftliche Hilfskraft am ARI für den AJB
tätig.
Genannt im ARITB1954.
Archivalien: PA.
Baur, Diethild:
Von 1953 bis 1954 Mitarbeiterin am ARI für den FK3.
Genannt im ARITB1953-54.
Archivalien: PA.
Beck, Irmgard: siehe unter Meister (geb. Beck)
Behrens, Johann Gerhard (1889-1979):
Pfarrer. Von 1924 bis 1953 auswärtiger Mitarbeiter des ARI im Arbeitsgebiet
Kleine Planeten. Wohnte in Detern.
Genannt im ARITB1926-53.
Bertram, O.:
1925 Aushilfe am ARI für den erkrankten Hausmeister Richard Horlbogen.
Genannt im ARITB1925.
358
Börner, Ch.:
Seit 1954 Stenotypistin am ARI-Ost (nach dessen Eingliederung in die Sternwarte Babelsberg dort tätig).
Genannt im ARITBOst1954-56.
Bohrmann, Alfred Philipp, Prof. Dr. (1904-2000):
Astronom an der Heidelberger Sternwarte von 1922 bis 1969 (zuletzt Hauptobservator und Außerplanmäßiger Professor an der Universität Heidelberg). Er
war 1947 zeitweise wissenschaftlicher Rechner am ARI und hat für den AJB
gearbeitet. Nekrolog: Neckel (2000).
Genannt im ARITB1944/47.
Archivalien: PSchr.
Brade, Carl-Heinz (1912-1991):
Von 1951 bis 1976 Verwaltungsangestellter am ARI (zuletzt Leiter der Verwaltung).
Genannt im ARITB1951-76.
Archivalien: PA.
Brehm, G.:
Von 1935 bis 1937 war sie am ARI als Hilfsrechnerin tätig (vermutlich für den
FK3).
Genannt im ARITB1935-37.
Breyer, H.-J.:
1956 Praktikant am ARI-Ost.
Genannt im ARITBOst1956.
Brouwer, Dirk, Prof. Dr. (1902-1966):
Amerikanischer Astronom. 1941-1966 Professor an der Yale Universität in New
Haven (Connecticut, USA) und Direktor der dortigen Sternwarte. Von 1939
bis 1941 auswärtiger Mitarbeiter des ARI im Arbeitsgebiet Kleine Planeten.
Nekrolog (Auswahl): Danby (1967).
Genannt im ARITB1939-41.
Bruns, G.:
Von 1950 bis 1957 auswärtiger Mitarbeiter des ARI im Arbeitsgebiet Kleine
Planeten. Wohnte in Augustfehn.
Genannt im ARITB1950-57.
Christiansen, Irene:
Sie war von 1941 bis 1942 am ARI als Büro- und Rechen-Hilfe tätig.
Genannt im ARITB1941.
Archivalien: PSchr. Einige Unterlagen über sie befinden sich auch in den PU
für Frau A. M. Henne (siehe unten).
359
Cohen, Julius: siehe unter Steinmetz, Julius:
Er hat seinen Namen 1931 von Cohen in Steinmetz geändert.
Delfs (verheiratete Worzedialek), Lischen (1908-?):
Sie war lange Jahre in Kiel Sekretärin der Astronomischen Nachrichten. Mit
dem Anschluß dieser Zeitschrift an das ARI siedelte sie 1938 nach Berlin über.
1939 gab sie ihre Stelle infolge Verheiratung“ auf.
”
Genannt im ARITB1938-39.
Archivalien: PU.
Detre, László, Prof. Dr.: siehe unter Dunst, László [Ladislaus]:
Er hat seinen Namen 1933 von Dunst in Detre geändert.
Dick, Julius Hermann Gustav, Prof. Dr. (1891-1971):
1951 Übertritt von der Sternwarte Babelsberg zum ARI-Ost (nach dessen Eingliederung in die Sternwarte Babelsberg wieder dort tätig). Leitung des Projekts GFH seit Ende 1949.
Genannt im ARITBOst1950-56.
Dirksen, I.:
Von 1935 bis 1937 war sie am ARI als Hilfsrechnerin für den AG-Katalog tätig.
Genannt im ARITB1935-37.
Dobkowitz, Elfriede (1902-?):
Von 1927 bis Mai 1945 am ARI. Zunächst als Hilfskraft für Arbeiten am FK3
und AG-Katalog. Ab 1940 Büro- und Kassenarbeiten für die AN. 1944/45 Aufenthalt in Sermuth. Ab Februar 1945 wieder in Berlin und der Universitätskasse
für Dienstleistungen zugewiesen. Von 1949 bis 1953 wissenschaftliche Rechnerin für die GFH am ARI-Ost.
Genannt im ARITB1927-41 und im ARITBOst1945/47.
Archivalien: PU, GA.
Dolberg, Franz (1876-1956):
Von 1950 bis 1952 auswärtiger Mitarbeiter des ARI im Arbeitsgebiet Kleine
Planeten. Wohnte in Wiesbaden.
Genannt im ARITB1950-52.
Dorst, S.:
Von 1955 bis 1956 Angestellte am ARI-Ost.
Genannt im ARITBOst1955-56.
360
Dreger, Waldemar:
Wohnte und arbeitete auf der Hamburger Sternwarte in Bergedorf. Von ca.
1942 bis ca. April 1945 auswärtiger wissenschaftlicher Rechner für das ARI aus
Mitteln des Reichsluftfahrtministeriums. Er war hauptsächlich an Ephemeridenrechnungen für das BAJ beteiligt. Seit 1945/47 wissenschaftlicher Rechner
am ARI-Ost (nach dessen Eingliederung in die Sternwarte Babelsberg dort
tätig).
Genannt im ARITBOst1945/47-54.
Archivalien: Einige Unterlagen über ihn befinden sich in den PU für S. Janß
(siehe unten).
Dudda, E.:
Von 1955 bis 1956 Angestellte am ARI-Ost.
Genannt im ARITBOst1955-56.
Dunst, László [Ladislaus], Prof. Dr., (ab 1933: Detre) (1906-1974):
1933 hat er seinen Namen von Dunst in Detre geändert. Ungarischer Astronom. 1927 ging er als Staatsstipendiat an die Berliner Universität, um sich
in Astronomie auszubilden. 1929 Promotion in Astronomie in Berlin als Ladislaus Dunst. Erster Gutachter: Kopff. Bis 1929 auch Praktikant am ARI;
Arbeitsgebiet: Stellarstatistik. Später arbeitete er am Konkoly-Observatorium
in Budapest, zuletzt als dessen Direktor. Nekrolog: Anonym (1976).
Genannt im ARITB1929 als Dr. L. Dunst.
Fechner, Clara:
Von 1919 bis 1926 am ARI für Rechen- und Büroarbeiten angestellt. Ausführlichere Lebensbeschreibung in Kapitel 8.12 von Wielen R. und Wielen U.
(2011c).
Genannt im ARITB1919-26.
Felsmann, Gerhard (1907-1973):
Vermessungsingenieur. Seit 1950 wissenschaftlicher Rechner für die GFH am
ARI-Ost (nach dessen Eingliederung in die Sternwarte Babelsberg dort tätig).
Genannt im ARITBOst1950-56.
Fender, Walt(h)er, Dr. (1878-?):
Von 1924 bis 1926 war er rechnerische Hilfskraft“ am ARI für den FK3.
”
Ausführlichere Lebensbeschreibung in Kapitel 8.13 von Wielen R. und Wielen
U. (2011c).
Genannt im ARITB1922/24-26.
Fischer, Rudolf, Ing. (1906-?):
Von 1933 bis 1934 am ARI als Aushilfe für Rechenarbeiten.
Genannt im ARITB1934.
Archivalien: PU.
361
Fleischer, Margarethe (*-*):
Von 1954 bis 1988 als Rechnerin und Programmiererin am ARI.
Genannt im ARITB1954-88.
Archivalien: PA.
Fleischmann, Wolfgang:
Von 1945/47 bis 1952 wissenschaftlicher Hilfsrechner bzw. wissenschaftlicher
Mitarbeiter am ARI-Ost.
Genannt im ARITBOst1945/47-52.
Fritze, Klaus, Dr. (1936-):
Von 1954 bis 1955 vor seinem Studium als Praktikant am ARI-Ost tätig. Später
an der Sternwarte Babelsberg tätig.
Genannt im ARITBOst1954-55.
Frost, R.:
Von 1927 bis 1929 war sie am ARI als Hilfskraft für den FK3 und den AGKatalog tätig.
Genannt im ARITB1927-29.
Gauß, Eugen, Dr. (1922-):
Als Student von 1953 bis 1954 als Hilfskraft am ARI für den FK4 beschäftigt.
Später als Diplom-Mathematiker an der Universität Karlsruhe tätig (dort 1966
Promotion in Mathematik).
Genannt im ARITB1953-54.
Archivalien: PA.
Gerlach, R., Dipl.-Ing.:
Von 1932 bis 1934 am ARI als Hilfsrechner für den FK3 und den AG-Katalog
tätig.
Genannt im ARITB1932-34.
Gloden, Albert, Prof. Dr. (1901-1966):
Mathematiker und Physiker. Von 1951 bis 1953 auswärtiger Mitarbeiter des
ARI im Arbeitsgebiet Kleine Planeten. Wohnte in Luxemburg. Nekrologe:
Taton (1966), Arend (1968).
Genannt im ARITB1951-53.
Gragert, Magdalene:
Seit 1954 Angestellte am ARI-Ost.
Genannt im ARITBOst1954-55.
Groeneveld, Ingrid, Dr.: siehe unter
van Houten-Groeneveld (geb. Groeneveld)
362
Güssow, Margarete, Dr. (1896-?):
Sie war 1925 vorübergehend am ARI mit vorbereitenden Arbeiten zur Beobachtung des Kleinen Planeten Eros (Opposition 1930/31) beschäftigt. Promotion
1924 in Astronomie an der Berliner Universität. Von 1924 bis 1944 war sie
Mitarbeiterin der Sternwarte Berlin-Babelsberg, und dort zunächst freiwillig,
später als Assistentin, zuletzt als Observatorin tätig. Wir wissen nicht, wo und
wie sie nach ihrem Ausscheiden im Jahre 1944 aus der Babelsberger Sternwarte tätig war. Kuiper (1946, S. 266/267) erwähnt, daß sie jetzt“ in Heidelberg
”
sei. Zwei Briefe von 1946 im Nachlass von Max Waldmeier in den Sammlungen
der ETH Zürich enthalten als Güssows Anschrift die Badische Landesstern”
warte Heidelberg-Königstuhl (US-Zone)“. Damit stimmt ein Zitat einer Arbeit
von ihr im FIAT Review (Deutsche Fassung, Band 20, Astronomie etc., Herausgeber P. ten Bruggencate, Wiesbaden, 1948, S. 385, Fußnote 47) überein:
M. Güssow, noch unveröff., Heidelberg 1946.“. Ihr späterer Aufenthalt ist uns
”
unbekannt. Zu ihren Angriffen auf Kopff nach 1945 und zur Einschätzung von
Güssow durch Kuiper siehe Kapitel 7.2.2 . Im Brief vom 28. April 1949 ∗∗ an
Wempe beklagt Kopff die Angriffe von Güssow gegen das ARI in Heidelberg.
Genannt im ARITB1925.
Haas, Johannes, Prof. Dr. (1893-1977):
1925 vorübergehend am ARI beschäftigt für den FK3. Promotion in Berlin
1923. Ab 1926 an der Preußischen Akademie der Wissenschaften in Berlin für
die GFH tätig. Ab 1946 Fortsetzung der Arbeit an der GFH in Bonn.
Nekrolog: Becker (1978).
Genannt im ARITB1925.
Haas, Karlheinz, Dr. (1925-2011):
1951 am ARI für Rechenarbeiten tätig. 1956 Promotion in Tübingen mit einer
mathematik-historischen Arbeit. Später Mathematiklehrer und zuletzt Direktor des Tulla-Gymnasiums in Mannheim.
Archivalien: PSchr.
Hagemann, Gregor, Dr. (1909-1981):
1940 Promotion in Berlin über Die Radialgeschwindigkeiten der Sterne des
”
FK3“. Seine Dissertation ist auch als Mitteilung des ARI (Coppernicus-Institut), Band 5, Nr. 11 erschienen und wird im ARITB1940 erwähnt. Vermutlich war Kopff der erste Gutachter. Später war Hagemann am Mount Stromlo
Observatorium in Canberra (Australien) als Research Assistant tätig. Diese
Stelle gab er Ende 1958 aus Gesundheitsgründen auf. Hagemann gehörte wohl
schon 1940 zur römisch-katholischen Ordensgemeinschaft der Steyler Missionare (Societas Verbi Divini, SVD), denn in seiner Dissertation gibt er als Wohnort Hörstel i.W. an, ein Wirkungsort dieses Ordens. In einem Zeitungsbericht
aus Canberra von 1953 wird berichtet, daß Rev[erend ] Father G. Hagemann“
”
einen Vortrag über Astronomie gehalten hat.
Genannt im ARITB1940.
363
Hamatschek, Ilse (*-?):
Von 1954 bis 1957 Angestellte am ARI für das BAJ und den FK4.
Genannt im ARITB1954-57.
Hartung, Marie (1903-?):
Seit 1956 wissenschaftliche Rechnerin am ARI-Ost.
Genannt im ARITBOst1956.
Hase, Walter:
1943 als Student am ARI als Aushilfsangestellter tätig.
Archivalien: Ein entsprechendes Schreiben vom 26. Juli 1943 befindet sich in
den PU von E. Hopf (siehe Kapitel 11.8)).
Heiler, Inge (*-?):
1954 war sie am ARI als Hilfskraft für den FK3 tätig.
Genannt im ARITB1954.
Heiler, Karl:
Hausmeister des Seminarienhauses der Universität Heidelberg, in welchem das
ARI ab 1947 über Räume verfügte. Von 1947 bis 1953 in Nebentätigkeit auch
Hausmeister (Reinigung, Instandhaltung, Botengänge) des ARI. Dabei Mithilfe seiner Frau.
Archivalien: PSchr.
Heinecke, Ch[rista?]:
Von 1953 bis 1955 Angestellte am ARI-Ost.
Genannt im ARITBOst1953-55.
Hellhoff, I.:
Von 1934 bis 1935 war sie am ARI als Hilfsrechnerin tätig.
Genannt im ARITB1934-35.
Henne (geb. Appel), Anna Margarete (1919-?):
Ehefrau von Karl Henne (siehe nachfolgenden Eintrag). Von 1942 bis Juni 1945
Büroangestellte am ARI. 1944/45 Aufenthalt in Sermuth.
Archivalien: PU, GA.
Henne, Karl (1903-1993):
Ehemann von Anna Margarete Henne (siehe vorigen Eintrag). Bis 1937 Mitarbeiter am Planeten-Institut in Frankfurt am Main. Von 1938 bis zu seinem
Eintritt in den Ruhestand 1968 wissenschaftlicher Rechner am ARI. 1944/45
Aufenthalt in Sermuth.
Genannt im ARITB1938-68.
Archivalien: PA, GA, PSchr.
364
Hennings, Walter:
Er führte als cand. techn. 1941 für das ARI Rechenarbeiten zum BAJ aus. Wir
vermuten, daß er später für ähnliche Arbeiten von der Babelsberger Sternwarte
(aus Fremdmitteln ?) bezahlt wurde, wie es bei Herdith Kohl (siehe dort) der
Fall war, denn die Bescheinigungen über seine Arbeit am ARI wurden an die
Sternwarte adressiert.
Archivalien: PSchr.
Henschel (geb. Menge), Irmgard (1907-?):
1940 führte sie am ARI die Büro- und Kassenarbeiten für die AN durch.
Genannt im ARITB1940.
Archivalien: PU.
Herget, Paul, Prof. Dr. (1908-1981):
Amerikanischer Astronom. Später Professor an der Universität von Cincinnati
(Ohio, USA) und Direktor der dortigen Sternwarte. Von 1947 bis 1978 Direktor des Minor Planet Center“ in Cincinnati. Von 1937 bis 1941 auswärtiger
”
Mitarbeiter des ARI im Arbeitsgebiet Kleine Planeten. Nekrolog (Auswahl):
Osterbrock und Seidelmann (1987).
Genannt im ARITB1937-41.
Herkens, Erich (1921-?):
Von 1954 bis 1957 am ARI als Hilfskraft für den AJB tätig.
Genannt im ARITB1954.
Archivalien: PA.
Herrmann, Ch.:
Von 1954 bis 1955 Rechnerin am ARI-Ost.
Genannt im ARITBOst1954-55.
Herrmann, Oskar, Prof. Dr. (1928-):
Von 1953 bis 1954 Wissenschaftliche Hilfskraft am ARI. Später Professor für
Mathematik an der Universität Heidelberg. Biographische Daten: Drüll (2009,
S. 273).
Genannt im ARITB1953-54.
Herrmann, W.:
Von 1955 bis 1956 vor seinem Studium als Praktikant am ARI-Ost tätig.
Genannt im ARITBOst1955-56.
Herzog, Ewald (1913-?):
1949 war er am ARI als Hilfskraft für das BAJ tätig.
Genannt im ARITB1948/49.
Archivalien: PSchr.
365
Hilbig, Friedrich, Dipl.-Ing. (1874-1960):
Konteradmiral (Ing.) a.D. der Kriegsmarine. Er führte von 1948 bis 1950 wissenschaftliche Rechenarbeiten für das ARI aus.
Archivalien: PSchr.
Hiller, Richard (1875-1948):
Von 1924 bis 1945 Rechner, Schreibkraft und Hausmeister am ARI. Nach
Kriegsende arbeitete er am ARI-Ost als wissenschaftlicher Rechner. Ausführlichere Lebensbeschreibung in Kapitel 8.20 von Wielen R. und Wielen U.
(2011c). Nekrolog: Kahrstedt (1948). In Wielen R. und Wielen U. (2011c)
fehlt der Nachweis des Nekrologs im Literaturverzeichnis.
Genannt im ARITB22/24-43 und im ARITBOst1945/47-48/49.
Archivalien: PU.
Hintze, Karl Heinrich Hermann (1908-?):
Von 1951 bis 1955 wissenschaftlicher Rechner am ARI-Ost. Ende 1955 Übertritt zur Sternwarte Babelsberg.
Genannt im ARITBOst1951-55.
Hippe:
Herr Hippe war wohl von Januar 1945 bis Kriegsende Hausmeister im Gebäude
des ARI in der Altensteinstraße 40.
Archivalien: Schriftwechsel zwischen Geppert (siehe Kapitel 9.5.1) und Kopff
vom 30. November 1944 ∗∗ , 19. Dezember 1944 ∗∗ , und 20. Dezember 1944 ∗∗ .
Hirose, Hideo, Prof. Dr. (1909-1981):
Japanischer Astronom. Später Direktor der Sternwarte in Tokio. Von 1933 bis
1941 auswärtiger Mitarbeiter des ARI im Arbeitsgebiet Kleine Planeten.
Genannt im ARITB1933-41.
Höhne, Gertrud (1903-?):
Von 1927 bis Mai 1945 Rechnerin und Büroangestellte am ARI. 1944/45 Aufenthalt in Sermuth. Von 1945 bis 1953 Sekretärin und wissenschaftliche Rechnerin am ARI-Ost. Der Kleine Planet (1382) Gerti“ wurde nach Gertrud
”
Höhne benannt 228 .
Genannt im ARITB1927-41 und im ARITBOst1945/47-53.
Archivalien: PU, GA.
228
Bei einem Astronomen erwähnen wir die Benennung eines Kleinen Planeten nach ihm
in unserer Arbeit nicht, weil das auf fast jedes wissenschaftliche Mitglied des ARI zutrifft.
Die weiblichen Hilfskräfte des ARI sind auch pauschal geehrt worden durch die Vergabe des
Namens Haremari“ an den Asteroiden mit der Nummer (1372). Haremari bedeutet Ha”
”
rem des ARI“. Allerdings wurde auch von noch weitergefaßten Bedeutungen von Haremari
berichtet.
366
Hoernke, Hubertus, Dr. (1927-):
Von 1950 bis 1955 am ARI als Hilfskraft für das BAJ tätig. 1956 Promotion
in Heidelberg über Elemente der Mechanik in der Physik und in der Natio”
nalökonomie: ein Beitrag zum Analogieproblem“. Zuletzt Oberregierungsrat
im Bundesdienst.
Genannt im ARITB1952-54.
Archivalien: PA, PSchr.
Horlbogen, Richard (1868-?):
Von 1905 bis 1932 am ARI als Pförtner und Hausdiener (Hausmeister). Ausführlichere Lebensbeschreibung in Kapitel 8.21 von Wielen R. und Wielen U.
(2011c).
Genannt im ARITB1932.
Hosang, B[rigitte?]:
Von 1953 bis 1954 Stenotypistin am ARI-Ost.
Genannt im ARITBOst1953-54.
Hügeler, Hella:
Tochter von Paul Hügeler (siehe nachfolgenden Eintrag). Sie war von 1948 bis
1953 wissenschaftliche Rechnerin am ARI-Ost.
Genannt im ARITBOst1948/49-53.
Hügeler, Paul (1892-1945 (vermißt)):
Seit 1926 Rechner an der Sternwarte Berlin-Babelsberg und bei der Preußischen Akademie der Wissenschaften für die GFH. Von 1926 bis 1943 am ARI
zeitweise beschäftigt für FK3, BAJ und Kleine Planeten.
Genannt im ARITB1926-43.
Archivalien: PSchr.
Hufnagel, Leon, Dr. (1893-1933):
Polnischer Astronom. Promovierte in Wien und war an mehreren Sternwarten
tätig. 1930 arbeitete er am ARI mit Gondolatsch zusammen an stellardynamischen Problemen. Danach beteiligte er sich am Astrophysikalischen Observatorium in Potsdam an dem monumentalen Lehrbuch der Stellarstatistik,
das E. von der Pahlen vorbereitete (von der Pahlen und Gondolatsch 1937).
Laut Vorwort hatte Hufnagel zunächst die beiden ersten Kapitel mit der mathematischen Theorie der Statistik verfaßt. Sein 1933 erfolgter Tod habe die
Fertigstellung des Buches erheblich verzögert. Nekrolog: Kepinski (1933).
Genannt im ARITB1930.
Jahr, K.:
Von 1937 bis 1938 war sie am ARI als Hilfskraft für den AG-Katalog tätig.
Genannt im ARITB1937-38.
367
Janß, Siem (1881-1963):
Seminar-Oberlehrer im Ruhestand. Wohnte und arbeitete auf der Hamburger
Sternwarte in Bergedorf. Von ca. 1942 bis August 1944 auswärtiger wissenschaftlicher Rechner für das ARI aus Mitteln des Reichsluftfahrtministeriums
und hauptsächlich an Ephemeridenrechnungen für das BAJ beteiligt. Von September 1944 bis April 1945 auswärtiger wissenschaftlicher Rechner für das ARI
im Arbeitsgebiet Kleine Planeten aus Mitteln des ARI.
Archivalien: PU.
Jentzsch, Gertraude:
Sie war 1941 am ARI als studentische Hilfskraft tätig.
Archivalien: PSchr.
Kahrstedt (geb. Brückner), Johanna (1895-1968):
Ehefrau von Albrecht Kahrstedt (siehe oben, Kapitel 11.9). Von Juli 1946 bis
April 1947 wissenschaftliche Angestellte des ARI-Ost. Sie organisierte in dieser
Zeit den Transport von in Sermuth verbliebenen Materialien des Instituts nach
Babelsberg.
Genannt im ARITBOst1945/47.
Kanda, Shigeru (1894-1974):
Japanischer Astronom. Mitarbeiter der Sternwarte Tokio. Von 1933 bis 1941
auswärtiger Mitarbeiter des ARI im Arbeitsgebiet Kleine Planeten.
Genannt im ARITB1933-41.
Kippert, Frieda, Dr. (1902-?):
Von 1928 bis 1929 war sie am ARI als Hilfskraft für den AG-Katalog tätig.
Kippert hatte 1928 an der Berliner Universität über Messungen zur Zustands”
gleichung des festen Argons“ promoviert.
Genannt im ARITB1928-29.
Kippes, Otto, Dr. (1905-1994):
Pfarrer in Partenstein, Glattbach und Reckendorf. Von 1941 bis 1965 auswärtiger Mitarbeiter des ARI im Arbeitsgebiet Kleine Planeten.
Genannt im ARITB1941-65.
Klauder, Hans Georg, Dr. (1910-1984):
Er war von 1938 bis 1954 Mitarbeiter der Heidelberger Sternwarte, zuletzt als
Assistent. Er war zeitweise wissenschaftlicher Rechner am ARI (laut Tätigkeitsbericht der Heidelberger Sternwarte für 1945-1947) und hat am BAJ und
im Arbeitsgebiet Kleine Planeten des ARI mitgearbeitet. Von 1954 bis 1960
in Heidelberg und Köln Mitarbeiter am AJB gegen Honorar.
Genannt im ARITB1944/47-54.
Archivalien: PA, PSchr.
368
Kleiber (verheiratete Hass), A[nneliese?]:
Seit 1951 wissenschaftliche Rechnerin am ARI-Ost (nach dessen Eingliederung
in die Sternwarte Babelsberg dort tätig).
Genannt im ARITBOst1951-54.
Klose, Wilhelm Rudolf Alfred, Prof. Dr. (1895-1953):
Astronom und Mathematiker. Promotion 1921 in Breslau und Habilitation
1922 in Greifswald mit astronomischen Themen. 1929-1937 Außerordentlicher
Professor für Astronomie und Angewandte Mathematik an der Berliner Universität. 1933 für den FK3, der am ARI erstellt wurde, tätig (Berechnung der
Polsterne). 1937-1945 Direktor des Instituts für Angewandte Mathematik der
Berliner Universität. Nach einem Aufenthalt in der UdSSR ab 1952 Professor
mit Lehrstuhl für Angewandte Mathematik an der Universität Rostock.
Genannt im ARITB1933.
Archivalien: PSchr, darunter ein Lebenslauf vom 6. August 1922 anläßlich einer (von Cohn abgelehnten) Bewerbung um eine Stelle am ARI. Zahlreiche
Dokumente zu Klose befinden sich bei den PU von E. Hopf (zu Hopf siehe
Kapitel 11.8).
Knaut, E., Dipl.-Ing.:
Von 1935 bis 1936 am ARI mit Rechenarbeiten beschäftigt.
Genannt im ARITB1935-36.
Kockrow, Walter (*-?):
Als Student 1948 Mitarbeiter am ARI an den Berechnungen für Kleine Planeten. Von 1949 bis 1950 wissenschaftlicher Rechner am ARI. Von 1950 bis 1951
wissenschaftlicher Rechner für die GFH am ARI-Ost. Von 1953 bis 1955 als
Student Mitarbeit am ARI für den FK4.
Genannt im ARITB1948/49, im ARITBOst1950-51 und im ARITB1953-55.
Archivalien: PA, PU.
Köberich, Gisela (*-?):
Von 1953 bis 1959 Verwaltungsangestellte bzw. technische Angestellte am ARI,
vorwiegend für den AJB tätig.
Genannt im ARITB1953-54.
Archivalien: PA.
Köberich, Ortrud (1921-):
Von 1953 bis 1959 am ARI als Rechenhilfe für den FK4 tätig.
Genannt im ARITB1953-59.
Archivalien: PA.
369
König, Arthur Eduard August, Prof. Dr. (1896-1969):
Astronom in Bonn und bei Carl Zeiss in Jena. Er war von 1947 bis 1963 Mitarbeiter der Heidelberger Sternwarte, zuletzt als Hauptobservator. Von 1947
bis 1950 hat er im Arbeitsgebiet Kleine Planeten des ARI mitgearbeitet. Nekrolog: Heckmann (1970).
Genannt im ARITB1948/49-50.
Archivalien: PSchr.
König, Charlotte (1897-?):
Von 1946 bis 1960 Verwaltungsangestellte bzw. technische Angestellte am ARI,
vorwiegend für das BAJ tätig.
Genannt im ARITB1948/49-60.
Archivalien: PA.
Kohl, Herdith (oft auch: Herta/Hertha) (1920-):
Tochter von Otto Kohl (siehe oben, Kapitel 11.10). Seit 1941 für das ARI
tätig. Sie wurde bis Kriegsende 1945 von der Sternwarte Berlin-Babelsberg
aus Fremdmitteln (Luftwaffe bzw. Reichsluftfahrtministerium) bezahlt. Seit
1945/47 Angestellte am ARI-Ost. Der Nachruf von Kahrstedt (1958) auf Otto
Kohl führt aus, daß sie 15 Jahre hindurch ihrem Vater in den Arbeiten am
”
Jahrbuch beigestanden“ hat.
Genannt im ARITB1941-43 und im ARITBOst1945/47.
Archivalien: PU, GA. Weitere Personalunterlagen zu ihr befinden sich in den
PU zu ihrem Vater O. Kohl (Kapitel 11.10).
Kress, Karl:
Hausmeister im Gebäude Schulgasse 2-4, in welchem das ARI 1946/47 untergebracht war. 1947 auch in Nebentätigkeit als Hausmeister für das ARI tätig.
Zeitweise mußten ihm seine Frau und seine Tochter helfen.
Archivalien: PSchr.
Kube, G.:
1932 am ARI als Hilfsrechner tätig.
Genannt im ARITB1932.
Kühne, Ernst Erich, Dr. (1885-1969):
Astronom (Promotion 1913 in Leipzig). 1913-1945 Versicherungsmathematiker
und Statistiker im Reichsdienst, zuletzt als Oberregierungsrat. Seit 1945 freiwilliger Mitarbeiter am ARI-Ost. Dort ab 1949 mit Werkvertrag beschäftigt.
Genannt im ARITBOst1948/49-55.
Kühnen, I. (oder J.):
Von 1929 bis 1934 war sie am ARI als Hilfskraft für den AG-Katalog und den
FK3 tätig.
Genannt im ARITB1929-34.
370
Kulin, György, Dr. (1905-1989):
Ungarischer Astronom. Bis 1947 Mitarbeiter des Konkoly Observatoriums in
Budapest. Danach Leiter der Urania-Sternwarte in Budapest. Von 1939 bis
1943 auswärtiger Mitarbeiter des ARI im Arbeitsgebiet Kleine Planeten.
Genannt im ARITB1939-43.
Lange, H.:
Von 1955 bis 1956 Angestellte am ARI-Ost.
Genannt im ARITBOst1955-56.
Levy, Bruno Konrad Georg (1892-?):
Von 1943 bis November 1944 Hilfshausmeister und Bürohilfe am ARI. Er verblieb auch 1944 in Berlin, um das Gebäude des ARI weiterhin instand zu
”
halten“, Luftschutzdienst zu leisten, als Verbindungsmann zur Druckerei und
zum Versand, und für Botengänge. Im November 1944 wurde er zur Organisation Todt als Hilfsarbeiter eingezogen. Anfang 1945 war er bei der Baufirma
Philipp Holzmann AG (Leuna) dienstverpflichtet. Am 23. Februar 1945 stellte
Kopff den Antrag, daß Levy wieder an das ARI (jetzt in Sermuth) kommen
solle, da er dort dringend benötigt werde und er die Arbeiten für das ARI gut
kenne.
Archivalien: PU, GA, verschiedene Briefe von Kopff mit Bezug zu Levy.
Lorenz, Gaston, Dipl.-Math.:
Als Student der Mathematik 1951 Rechner am ARI-Ost. Ende September 1952
als wissenschaftlicher Mitarbeiter ausgeschieden. Bis Ende 1952 mit Werkvertrag am ARI-Ost beschäftigt.
Genannt im ARITBOst1951-52.
Luther, Alexander Wilhelm (1860-1937):
Astronom und später Vorsteher der Sternwarte in Düsseldorf. Er war jahrzehntelang auswärtiger Mitarbeiter des ARI im Arbeitsgebiet Kleine Planeten.
Ausführlichere Lebensbeschreibung in Kapitel 8.36 von Wielen R. und Wielen
U. (2011c). Nekrolog: Stracke (1938).
Genannt im ARITB1934-37.
Mader, Heinrich (1863-1943):
Zollinspektor in Österreich. Von ca. 1895 bis 1942 auswärtiger Mitarbeiter des
ARI im Arbeitsgebiet Kleine Planeten. Wohnte in Kremsmünster (Österreich).
Nekrolog: Kahrstedt (1943).
Genannt in BAJ1898-16, KPl1919-30, ARITB1934-1936.
Mayrhofer, Karl (1908-1987):
Von 1950 bis 1965 auswärtiger Mitarbeiter des ARI im Arbeitsgebiet Kleine
Planeten. Wohnte in Kremsmünster (Österreich).
Genannt im ARITB1950-65.
371
Meister (geb. Beck), Irmgard (1912-?):
Von 1934 bis 1937 als Frl. cand. astr. I. Beck Hilfskraft am ARI. Von 1941 bis
1942 beteiligte sie sich als Frau I. Meister im ARI an Arbeiten zu den Kleinen
Planeten. Seit 1955 war sie Rechnerin am ARI-Ost (nach dessen Eingliederung
in die Sternwarte Babelsberg dort tätig).
Genannt im ARITB1934-37 und im ARITBOst1955-56.
Archivalien: PSchr.
Miczaika, Gerhard Robert Paul, Dr. (1917-1989):
1940 Promotion in Berlin über Die Sterne mit großer Geschwindigkeit“. Seine
”
Dissertation ist auch als Mitteilung des ARI (Coppernicus-Institut), Band 5,
Nr. 10 erschienen und wird im ARITB1940 erwähnt. Kopff war erster Gutachter. Miczaika war von 1946 bis 1954 Mitarbeiter der Heidelberger Sternwarte,
zuletzt als Assistent. 1947 wurde er zeitweise als Verwalter der Stelle eines Wissenschaftlichen Assistenten aus ARI-Mitteln bezahlt und hat im Arbeitsgebiet
Kleine Planeten des ARI mitgearbeitet. 1950 wurde er Privat-Dozent an der
Universität Heidelberg. Ab 1953 war er in den USA an mehreren Sternwarten
und Einrichtungen tätig. Weitere biographische Angaben in Mitteilungen der
Astronomischen Gesellschaft, Nr. 11 (1958), S. 84.
Genannt im ARITB1940-44/47.
Archivalien: PSchr.
Mielke, Heinz (1923-):
1941 als Student der Astronomie am ARI tätig. Er hat später zahlreiche populäre Bücher über Raumfahrt verfaßt.
Archivalien: PSchr.
Mündler, Max, Dr. (1876-1969):
Von 1947 bis 1963 auswärtiger Mitarbeiter des ARI im Arbeitsgebiet Kleine
Planeten. Er war von 1913 bis 1947 Mitarbeiter der Heidelberger Sternwarte,
zuletzt als Oberobservator. Nekrolog: Bohrmann (1970).
Genannt im ARITB1944/47-63.
Mürle, Albert (*-?):
Von 1949 bis 1957 am ARI als Hilfskraft für BAJ und FK4 tätig.
Genannt im ARITB1948/49-57.
Archivalien: PA, PSchr.
Musen (geb. Granitow), Nina (1912-):
Ehefrau von Peter Musen (siehe oben, Kapitel 11.15). Geboren in Tiflis (damals
Rußland). Von November 1943 bis Mai 1945 wissenschaftliche Hilfsrechnerin
am ARI. 1944/45 Aufenthalt in Sermuth.
Archivalien: Ihre PU befinden sich zusammen mit den PU ihres Mannes Peter
Musen in einem Ordner.
372
Neugebauer, Hans Edwin Julius, Dr. (1905-1987):
1929 war er am ARI vorübergehend als (wissenschaftlicher) Hilfsarbeiter tätig.
Vermutlich kein Verwandschaftsverhältnis zu Paul Neugebauer oder zu Paul
Victor Neugebauer (zu diesen siehe oben, Kapitel 11.16). Er war Student der
Mathematik und Physik an der Berliner Universität. Staatsexamen 1929. In
seinem Lebenslauf von 1929 erwähnt er, daß er in Theoretischer Physik zu
promovieren beabsichtige. 1935 hat er dann an der Technischen Hochschule
Dresden mit einer Arbeit Zur Theorie des Mehrfarbenbuchdruckes“ promo”
viert. Diese Arbeit wird noch heute zitiert ( Neugebauer-Gleichungen“). Er
”
lebte später in den USA und Kanada.
Genannt im ARITB1929.
Archivalien: PU.
Nietert, K.:
Von 1930 bis 1931 am ARI als Hilfskraft für den AG-Katalog tätig.
Genannt im ARITB1930-31.
Nögel, Otto, Prof. (1907-1976):
Gymnasialprofessor in Landshut. Von 1951 bis 1956 auswärtiger Mitarbeiter
des ARI im Arbeitsgebiet Kleine Planeten.
Genannt im ARITB1951-56.
Nürnberg, F.:
Seit 1954 Rechnerin am ARI-Ost.
Genannt im ARITBOst1954.
Osten, Hans Wintzer, Dr. h.c. (1875-1936):
Kaufmann und Privat-Astronom. Von ca. 1910 bis 1936 auswärtiger Mitarbeiter des ARI im Arbeitsgebiet Kleine Planeten. Nekrolog: Stracke (1936).
Genannt in BAJ1915-1917, KPl1917-1930, ARITB1934-36.
Paetz, G.:
Von 1935 bis 1936 als Student (cand.ing.) am ARI als Hilfsrechner tätig (vermutlich für den FK3).
Genannt im ARITB1935-36.
Paschke, Jürgen, Dipl.-Ing. (1936-):
Von 1955 bis 1956 vor seinem Studium als Praktikant am ARI-Ost tätig. Später
Mitarbeiter am Observatorium für Solare Radioastronomie in Tremsdorf.
Genannt im ARITBOst1955-56.
Patry, André (1902-1960):
Französischer Astronom. Mitarbeiter des Observatoriums in Nizza. 1943 auswärtiger Mitarbeiter des ARI im Arbeitsgebiet Kleine Planeten. Nekrolog:
Fabre (1960).
Genannt im ARITB1943.
373
Pothmann, Ph.:
1930 am ARI als Hilfskraft tätig.
Genannt im ARITB1930.
Putilin, Ivan Ivanovich, Prof. Dr. (1893-1954):
Russischer Astronom. Später Professor an der Universität in Kiew (Ukraine).
1939 auswärtiger Mitarbeiter des ARI im Arbeitsgebiet Kleine Planeten.
Genannt im ARITB1939.
Raynal, G.:
Baurat. Von 1928 bis 1939 auswärtiger Mitarbeiter des ARI im Arbeitsgebiet
Kleine Planeten. Wohnte in Hamburg.
Genannt im ARITB1928-39.
Reche, Marianne:
später verheiratet mit K. H. Hintze (siehe oben).
Von 1935 bis 1938 war sie als Hilfsrechnerin am ARI für den AG-Katalog tätig.
1951 bis 1955 wissenschaftliche Rechnerin am ARI-Ost. Ende 1955 Übertritt
zur Sternwarte Babelsberg.
Genannt im ARITB1935-38 und im ARITBOst1951-55.
Rehorek, Josef (1898-1963):
Von 1953 bis 1963 Hausmeister des ARI.
Genannt im ARITB1953.
Archivalien: PA.
Reifenstein, Erna:
Ab 1945/47 Reinigungskraft am ARI-Ost.
Genannt im ARITBOst1945/47.
Reinhardt, Dieter, Dipl.-Phys. (1928-):
Von 1955 bis 1956 wissenschaftlicher Mitarbeiter für das BAJ am ARI-Ost.
Später bei Carl Zeiss (Oberkochen) in der Abteilung Astronomische Instrumente tätig.
Genannt im ARITBOst1955-56.
Reinmuth, Karl, Dr. (1892-1979):
Er war von 1912 bis 1957 Mitarbeiter der Heidelberger Sternwarte, zuletzt als
Oberobservator. Von 1947 bis 1950 hat er im Arbeitsgebiet Kleine Planeten
des ARI mitgearbeitet. Nekrolog: Schubart (1980).
Genannt im ARITB1944/47-50.
Renkawitz, Walter (1915-):
Lehrer in Rodenkirchen. 1953 auswärtiger Mitarbeiter des ARI im Arbeitsgebiet Kleine Planeten.
Genannt im ARITB1953.
374
Ringelmann, Lorenz, Dr.:
1923 Promotion in Erlangen Über die Elastizität von Gelatine-Lösungen ...“.
”
Er war von 1936 bis 1938 am ARI für den FK3 tätig.
Genannt im ARITB1936-38.
Ristenpart (geb. Kunith), Helene (ca. 1877-1935):
Zweite Ehefrau des 1913 durch Selbstmord gestorbenen Astronomen Prof. Dr.
Friedrich Wilhelm Ristenpart (1868-1913). Er hatte das Projekt Geschichte
”
des Fixsternhimmels“ initiiert. Frau Ristenpart arbeitete von 1924 bis 1935 als
Hilfskraft bei der Akademie der Wissenschaften an der GFH. Zusätzlich war
sie von 1925 bis 1935 am ARI als Hilfskraft für den FK3 und das BAJ tätig.
Genannt im ARITB1922/24-35.
Röllig, Hildegard (1913-):
Von September 1944 bis zum Kriegsende 1945 Reinemachekraft am ARI in
Sermuth.
Archivalien: GA.
Röpcke, P.:
Von 1929 bis 1931 war er am ARI als Hilfskraft für den FK3 tätig.
Genannt im ARITB1929-31.
Rose, Hertha (1887-?):
Von 1936 bis Juni 1944 wissenschaftliche Rechnerin und technische Assistentin
am ARI. Vermutlich wegen Evakuierung des Instituts nach Sermuth aus dem
ARI ausgeschieden.
Genannt im ARITB1936-43.
Archivalien: PU, GA.
Schäfer, Gertrud (1911-):
Von November 1944 bis zum Kriegsende 1945 Reinemachekraft am ARI in
Sermuth.
Archivalien: GA.
Scharenberg, Irmgard: siehe unter Todten (geb. Scharenberg)
Schlegel, H.:
Von 1954 bis 1955 Rechnerin am ARI-Ost.
Genannt im ARITBOst1954-55.
Schlicht, W.:
Von 1933 bis 1936 als Student am ARI als Hilfsrechner für den FK3 tätig.
Genannt im ARITB1933-36.
375
Schnauder, Dr.:
Von 1927 bis 1929 war sie am ARI als Hilfskraft für den FK3 und für andere Aufgaben tätig. Vermutlich handelte es sich um Elisabeth Schnauder geb.
Haensch. Sie war die Witwe des Astronomen Dr. Gustav Schnauder (1893-1924,
Nekrolog: Ludendorff (1924)), der seit 1921 am Astrophysikalischen Observatorium Potsdam tätig gewesen war. Der Doktortitel würde sich dann auf den
des Ehemanns beziehen.
Genannt im ARITB1927-29.
Schönfeld, Elisabeth (1882-?):
Von 1940 bis 1941 war sie am ARI als Aushilfe für die Büro- und Kassenarbeiten der AN beschäftigt. Von 1942 bis Juli 1944 war sie als wissenschaftliche Rechnerin am ARI tätig. Ab 1. August 1944 beurlaubt, vermutlich wegen
Evakuierung des Instituts nach Sermuth.
Genannt im ARITB1940-41.
Archivalien: GA, PSchr.
Schönfeld, O.:
1927 auswärtiger Mitarbeiter des ARI im Arbeitsgebiet Kleine Planeten. Wohnte in Berlin.
Genannt im ARITB1927.
Schröder, Hermann:
Bis Anfang Februar 1943 am ARI als Heizer und für schwere Hausmeister”
arbeiten“ beschäftigt. Danach Militärdienst. Nach dem BAB für 1943 war er im
Hauptberuf Kirchendiener der Evangelischen Kirche in Dahlem, Faradayweg
13.
Archivalien: PSchr. Auch erwähnt im Antrag von Kopff vom 1. Februar 1943
auf Einstellung von B. Levy (in dessen PU, siehe oben).
Schröter, Egon Horst, Prof. Dr. (1928-2002):
Als Student der Mathematik 1951 Rechner am ARI-Ost. Später Sonnenphysiker und Direktor des Kiepenheuer-Instituts für Sonnenphysik in Freiburg im
Breisgau. Nekrolog: Mattig (2002).
Genannt im ARITBOst1951.
Schubart, Joachim, Prof. Dr. (1928-):
1953 Übertritt vom Astrophysikalischen Observatorium Potsdam zum ARIOst. Arbeitsgebiet: Himmelsmechanik, insbesondere Kleine Planeten. 1955
Promotion. 1955-1961 an der Sternwarte Sonneberg tätig. Seit 1962 am ARI
in Heidelberg (zuletzt als Hauptobservator und Außerplanmäßiger Professor
an der Universität Heidelberg).
Genannt im ARITBOst1953-54 und im ARITB seit 1962.
Archivalien: PA.
376
Schürer, Max, Prof. Dr. (1910-1997):
Direktor des Astronomischen Instituts der Universität Bern von 1946 bis 1980.
Von 1941 bis 1951 auswärtiger Mitarbeiter des ARI im Arbeitsgebiet Kleine
Planeten. Nekrolog: Wild und Gurtner (1998).
Genannt im ARITB1936-51.
Schulz:
Sie war 1927 am ARI als Hilfskraft für den FK3 tätig. Unklar bleibt, ob sie
identisch ist mit einer der beiden nachfolgenden Personen. Alle drei wurden
mit Frl.“ angeredet.
”
Genannt im ARITB1927.
Schulz, J.:
Von 1937 bis 1938 war sie am ARI als Hilfskraft für den AG-Katalog tätig.
Unklar, ob identisch mit Frl. Schulz (obiger Eintrag).
Genannt im ARITB1937-38.
Schulz, M.:
Sie war als Studentin von 1934 bis 1936 am ARI mit Rechenarbeiten für den
AG-Katalog beschäftigt. Unklar, ob identisch mit Frl. Schulz (erster Eintrag
unter Schulz).
Genannt im ARITB1934-36.
Schumann, Brigitte:
Von 1945/47 bis 1953 wissenschaftliche Rechnerin am ARI-Ost.
Genannt im ARITBOst1945/47-53.
Schwerdtner, Brunhilde:
Seit 1955 Angstellte am ARI-Ost (nach dessen Eingliederung in die Sternwarte
Babelsberg dort tätig).
Genannt im ARITBOst1955.
Schwingenschlögl, P.:
Von 1950 bis 1953 auswärtiger Mitarbeiter des ARI im Arbeitsgebiet Kleine
Planeten. Wohnte in Jägerreuth.
Genannt im ARITB1950-53.
Siebert, M. (1912-):
Seit 1956 wissenschaftliche Rechnerin am ARI-Ost (nach dessen Eingliederung
in die Sternwarte Babelsberg dort tätig).
Genannt im ARITBOst1956.
Sigmund, M[aria?]:
Von 1953 bis 1954 Rechnerin am ARI-Ost.
Genannt im ARITBOst1953-54.
377
Simon, Hildegard:
Bis 1954 Verwaltungsangestellte der Heidelberger Sternwarte. 1950 Nebentätigkeit am ARI für den AJB.
Archivalien: PSchr.
Socher, Hermann, Dr.: siehe unter von Socher
Steinmetz, Julius (1893-1965):
Er hat seinen Namen 1931 von Cohen in Steinmetz geändert. Pfarrer. Von
1926 bis 1951 auswärtiger Mitarbeiter des ARI im Arbeitsgebiet Kleine Planeten. Von 1942 bis 1944 erhielt er dafür eine monatliche Vergütung von
RM 60. Steinmetz half 1944 auf Bitten von Kopff dem ARI bei der Suche nach
einem Ausweichquartier (siehe Kapitel 5.1.3). Er war nach 1945 Pfarrer in
Gerolfingen.
Genannt im ARITB1926-28 (als J. Cohen) und im ARITB1940-51.
Archivalien: PSchr, darunter ein Lebenslauf vom 15. Dezember 1941 ∗∗ . In diesem Lebenslauf beschreibt Steinmetz überwiegend seine astronomischen Aktivitäten. Auf die Gründe seiner Versetzung in den Ruhestand (1938/39) geht
er nicht ein. Diese sind heute aber aus anderer Quelle bekannt (Töllner 2007).
Stemmler, Gerhard (1926- ):
1956 wissenschaftlicher Rechner am ARI-Ost. Ab 1956 Studium der Astronomischen Geodäsie an der T.H. Dresden.
Genannt im ARITBOst1956.
Strobel geb. Brandt, Maria (1913-2005):
Ehefrau von Willi Strobel (siehe oben, Kapitel 11.27). 1939 hat sie Büroarbeiten für die AN ausgeführt.
Genannt im ARITB1939.
Archivalien: Unterlagen zu ihr befinden sich bei den PU von L. Delfs (siehe
oben).
Strohmeier, Wolfgang Paul, Prof. Dr. (1913-2004):
1935 am ARI als Student mit Rechenarbeiten beschäftigt. Seit 1954 war er
Direktor der Remeis-Sternwarte in Bamberg und ab 1962 Dozent (zuletzt außerplanmäßiger Professor) an der Universität Erlangen-Nürnberg. Nekrolog:
Bues (2004).
Genannt im ARITB1935.
Subbotin, Mikhail Fedorovich, Prof. Dr. (1893-1966):
Russischer Astronom und Mathematiker. Professor an der Universität von
Sankt Petersburg (damals Leningrad) und seit 1935 Leiter der dortigen himmelsmechanischen Abteilung. 1934 auswärtiger Mitarbeiter des ARI im Arbeitsgebiet Kleine Planeten. Nekrolog: Anonym (1967).
Genannt im ARITB1934.
378
Suffel, Maria:
Von 1951 bis 1953 am ARI als Reinigungskraft und für die Heizung der Öfen
im Gebäude Grabengasse 14 beschäftigt. Sie war die Ehefrau des dortigen
Hausmeisters Suffel.
Archivalien: PSchr.
Todten (geb. Scharenberg), Irmgard (1904-?):
Von 1926 bis 1934 war sie als Schreibhilfe und als Hilfsrechnerin für BAJ
und FK3 am Berliner ARI tätig. Später erneut von 1951 bis 1954 am ARI in
Heidelberg beschäftigt (bis 1953 als Verwaltungsangestellte, 1954 als Hilfskraft
für den FK4).
Genannt im ARITB1929-54.
Archivalien: PA.
Totzki (geb. Pingel), Christel (1917-?):
Ehefrau von Walter Totzki (siehe nachfolgenden Eintrag). Sie wohnte von Dezember 1943 bis Januar 1945 mit ihrem Mann und zwei Kindern im ARIGebäude in der Altensteinstraße und war dort als Hausverwalterin tätig.
Archivalien: GA; Durchschläge von Briefen von Kopff an den UniversitätsKurator der Berliner Universität vom 9. Dezember 1943, 17. Juni 1944 und 6.
Juli 1944 ∗∗ .
Totzki, Walter:
Ehemann von Christel Totzki (siehe vorigen Eintrag). Er wohnte mit seiner
Frau und zwei Kindern von Dezember 1943 bis Januar 1945 im ARI-Gebäude
in der Altensteinstraße, war als Ingenieur bei der Firma Siemens tätig, leistete
aber im ARI teilweise Luftschutzdienst.
Archivalien: Durchschläge von Briefen von Kopff an den Universitäts-Kurator
der Berliner Universität vom 9. Dezember 1943, 17. Juni 1944 und 6. Juli
1944 ∗∗ .
Trautmann, Fridel:
Sie war im Mai 1929 am ARI aushilfsweise beschäftigt.
Archivalien: Bescheinigung von Kopff vom 31. Mai 1929 in den PU von E.
Hopf (siehe Kapitel 11.8).
Tschunko, Hubert Franz Alois, Dipl.-Ing. (1912-?):
1949 vorübergehend am ARI mit Rechenarbeiten beschäftigt. Von ca. 1948
bis ca. 1950 an der Heidelberger Sternwarte tätig. Später war er in den USA
Mitarbeiter der NASA für optische Fragestellungen.
Archivalien: PSchr.
379
van Houten-Groeneveld (geb. Groeneveld), Ingrid, Dr. (1921-):
Von 1942 bis 1956 Assistentin an der Heidelberger Sternwarte. Promotion 1944
in Heidelberg. Von 1947 bis 1950 hat sie am BAJ und im Arbeitsgebiet Kleine
Planeten des ARI mitgearbeitet. Später war sie an der Sternwarte in Leiden
(Holland) tätig. Sie entdeckte eine sehr große Anzahl von Kleinen Planeten.
Die Sammlung der Photoplatten, die sie zusammen mit ihrem Mann Dr. Cornelis J. van Houten (1920-2002) ausgewertet hat, befindet sich seit 2005 auf
der Landessternwarte Königstuhl im Zentrum für Astronomie der Universität
Heidelberg.
Genannt im ARITB1944/47-50 als I. Groeneveld.
Vick, Auguste:
1950 auswärtige Rechnerin für das ARI. Sie wohnte in Hamburg-Bergedorf
und war vermutlich eine Familienangehörige von Carl Vick (1875-1950), der
Astronom an der Hamburger Sternwarte war.
Archivalien: PSchr.
von Klemm, William:
Er war 1944 als Student am ARI für Rechenarbeiten eingesetzt. Er wohnte
in Berlin-Grunewald. Im Schreiben vom 24. Juni 1944 ∗∗ wird er in der Liste
der Personen aufgeführt, die nach Sermuth umziehen sollten (siehe Kapitel
5.3). Er blieb aber in Berlin (Schreiben vom 15. Juli 1944 ∗∗ ). Im Februar 1945
wollte er mit seiner Mutter nach Sermuth übersiedeln. Dort gab es aber für
beide keine geeignete Unterkunft. Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges
war W. von Klemm als Mathematiker in Berlin (Ost) tätig, übersetzte aber
auch ein Kapitel des Buches Gasnebel und neue Sterne“ von B. A. Woronzow”
Weljaminov aus dem Russischen ins Deutsche (Übersetzung 1953 erschienen).
Archivalien: PU.
von Lüde, Heinz (1914-1974):
Studium an der Berliner Universität: ab 1933 zunächst Rechtswissenschaft,
dann ab 1935 Mathematik und Naturwissenschaften. 1939-1945 Kriegsdienst
und Gefangenschaft. 1946 Leiter des wissenschaftlichen Rechenbüros von Prof.
A. Klose. Beginn einer Doktorarbeit aus dem Bereich der mathematischen
Physik in Berlin. Seit 8. März 1948 wissenschaftlicher Rechner am Astronomischen Rechen-Institut (ARI) in Heidelberg. Vom 1. Juni 1948 bis 31. Dezember
1956 wissenschaftlicher Angestellter am ARI. 1957-1960 aus DFG-Mitteln Angestellter: Beobachtungen am Meridiankreis der Heidelberger Sternwarte. Seit
1. April 1960 technischer Angestellter am ARI.
Genannt im ARITB1948-74.
Archivalien: PA.
380
von Schelling, Hermann, Dr. (1901-1977):
Mathematiker, Statistiker. Promotion 1931 in Berlin mit einem astronomischen
Thema. Kopff regte die Arbeit an und war erster Gutachter. Von 1930 bis 1931
Mitarbeiter des ARI im Arbeitsgebiet Kleine Planeten. 1940 fertigte er für das
ARI das Generalregister der Bände 261-270 der AN an. Wohnte in BerlinCharlottenburg. In seiner Jugend erkrankte er an Kinderlähmung und behielt
eine schwere Bewegungshemmung zurück, wie er in seinem Lebenslauf schreibt.
Dadurch verzögerte sich auch sein Studienabschluß.
Genannt im ARITB1930-32.
Archivalien: PSchr.
von Socher, Hermann Matthias, Dr. (1894-1980):
Seit 1925 als Student Mitarbeit am ARI für den FK3. 1928 Promotion bei
Kopff über systematische Fehler im Deklinationssystem des NFK. Von 1928 bis
1938 Leiter der Übungssternwarte der Berliner Universität (ehemalige UraniaSternwarte). Danach Aufenthalt in England. Später bis 1959 als Observator
an der Universitätssternwarte in Wien tätig. Nekrolog: Haupt (1981).
Genannt im ARITB1925-34.
von Struve, Hedwig (1874-1963):
Sie war 1927 am ARI als Hilfskraft für den AG-Katalog beschäftigt. Wir gehen
davon aus, daß es sich bei Frl. von Struve“ um Hedwig von Struve handelt,
”
die im BAB von 1927 bis 1933 als Privatiere“ und von 1935 bis 1943 als
”
wissenschaftliche Hilfsarbeiterin“ aufgeführt ist.
”
Genannt im ARITB1927.
Voß, Wilhelm (1873 (oder 1874) -1952):
Reichsbahnrat a.D. Er war 1944 mit wissenschaftlichen Rechenarbeiten für das
ARI beschäftigt. Mitbegründer der DARGESO (Deutsche Arbeitsgemeinschaft
für Sonnenforschung). Wohnte in Hamburg-Altona.
Archivalien: PSchr.
Wahl, Adolf Wilhelm Carl Eberhard, Dr. (1914-1990):
1937 Promotion bei Kopff über Systematische Beziehungen einiger Kataloge
”
zum System des FK3“. Von 1934 bis 1937 als Student am ARI mit Rechenarbeiten beschäftigt. Danach Wechsel in das Fachgebiet Meteorologie. Später war
Eberhard W. Wahl in den USA tätig. Seit 1957 arbeitete er mit G. Miczaika
(siehe oben) am Project Space Track“ (Verfolgung und Bahnberechnung von
”
Erdsatelliten) der U.S. Air Force. Später war er Professor für Meteorologie an
der Universität Wisconsin in Madison, seit 1980 auch Chairman des Department of Meteorology.
Genannt im ARITB1934-37.
381
Wandelmaier:
Das Ehepaar Wandelmaier bewohnte 1944 im ARI-Gebäude in der Altensteinstraße 40 ein Zimmer der Dienstwohnung des Direktors Kopff. Dieses
Zimmer war vom Wohnungsamt Steglitz beschlagnahmt worden. Im Berliner
Adressbuch für 1943 gibt es einen Eintrag: Wandelmaier Adolf Pensionär
”
Dahlem Altensteinstr. 56“. Mit höchster Wahrscheinlichkeit handelt es sich
bei den Eingewiesenen um Adolf Wandelmaier und seine Ehefrau.
Archivalien: Durchschlag des Briefes von Kopff an den Universitäts-Kurator
der Berliner Universität vom 6. Juli 1944 ∗∗ . In diesem Brief wird der Name
des Ehepaares (vermutlich versehentlich) Wandelmeier“ geschrieben.
”
Werzan, L[ev?, Prof. ?]:
Von 1952 bis 1957 auswärtiger Mitarbeiter des ARI im Arbeitsgebiet Kleine
Planeten. Wohnte in Wien.
Genannt im ARITB1952-57.
Wincierz, K.:
1936 auswärtiger Mitarbeiter des ARI im Arbeitsgebiet Kleine Planeten. Wohnte in Braunschweig.
Genannt im ARITB1936.
Ziller, Albert:
Er war 1944 mit wissenschaftlichen Rechenarbeiten für das ARI beschäftigt.
Wohnte in Straßburg.
Archivalien: PSchr.
Zweck, Franz Karl (1883-1952):
Von 1935 bis 1952 auswärtiger Mitarbeiter des ARI im Arbeitsgebiet Kleine
Planeten. Wohnte in Graz. Nekrolog: Kopff (1954).
Genannt im ARITB1935-52.
Zweiniger, Charlotte:
Seit 1952 Stenotypistin bzw. Sekretärin am ARI-Ost (nach dessen Eingliederung in die Sternwarte Babelsberg dort tätig).
Genannt im ARITBOst1952-53.
382
13
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URL: http://www.ub.uni-heidelberg.de/archiv/11523
URN: http://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:bsz:16-opus-115237
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Berliner Sternwarte bis zum Jahr 1811. Scans der Handschrift und zugehöriger
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URL: http://www.ub.uni-heidelberg.de/archiv/11525
URN: http://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:bsz:16-opus-115254
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URL: http://www.ub.uni-heidelberg.de/archiv/12473
URN: http://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:bsz:16-opus-124737
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URL: http://www.ub.uni-heidelberg.de/archiv/12474
URN: http://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:bsz:16-opus-124741
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Wielen, R., Wielen, U. 2011c: Die Reglements und Statuten des Astronomischen
Rechen-Instituts und zugehörige Schriftstücke im Archiv des Instituts. Edition
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URL: http://www.ub.uni-heidelberg.de/archiv/13066
URN: http://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:bsz:16-opus-130665
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Wielen, R., Wielen, U. 2011d: Supplement zu den Reglements und Statuten des
Astronomischen Rechen-Instituts und zugehörigen Schriftstücken im Archiv
des Instituts. Scans der Dokumente. HeiDOK. 89 S.
URL: http://www.ub.uni-heidelberg.de/archiv/13090
URN: http://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:bsz:16-opus-130909
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Wielen, R., Wielen, U. 2012b: Supplement zu: Von Berlin über Sermuth nach
Heidelberg. Das Schicksal des Astronomischen Rechen-Instituts in der Zeit
von 1924 bis 1954 anhand von Schriftstücken aus dem Archiv des Instituts.
Scans der Schriftstücke. HeiDOK. 438 S.
URL: http://www.ub.uni-heidelberg.de/archiv/14605
URN: http://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:bsz:16-heidok-146058
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Wielen, R., Wielen, U. (in Vorbereitung): Astronomische Ephemeriden, Navigation und Krieg. Die erstaunliche Zusammenarbeit der Ephemeriden-Institute
von Deutschland, England und den USA im Zweiten Weltkrieg nach Dokumenten im Archiv des Astronomischen Rechen-Instituts. Edition der Dokumente.
HeiDOK.
Wild, P., Gurtner, W. 1998: Nachruf auf Prof. Max Schürer (1910-1997). Orion
(Schweizerische Astronomische Gesellschaft), 56. Jahrgang, Beilage zu Heft 4
(August 1998), S. 1.
394
Hinweis:
Unsere Arbeiten (Wielen, R., Wielen, U.) erhalten an den Jahreszahlen (2010,
2011, 2012) jeweils einen Buchstabenzusatz (a, b, ... ). Dieser Buchstabenzusatz
erfolgt auch dann, wenn nicht alle Arbeiten im Literaturverzeichnis aufgeführt
werden. Der Buchstabenzusatz soll der besseren und eindeutigen Identifizierung unserer verschiedenen Arbeiten dienen, insbesondere beim Zitieren im
laufenden Text.
395
14
Nachwort
Die Motive für unsere Arbeit haben wir in der Einleitung und in unseren vorangegangenen Werken ausführlich dargelegt: die Edition und damit auch die
dauerhafte Sicherung der wichtigsten Dokumente aus dem Archiv des Astronomischen Rechen-Instituts, sowie die Darlegung der Geschichte des Instituts
anhand der Dokumente. Neben diesen rationalen Beweggründen hatten die
Autoren aber auch emotionale Motivationen. Solche irrationalen Anreize hat
bereits vor über 600 Jahren Francesco Petrarca (1304-1374) trefflich beschrieben, und zwar in seinem Dialog zwischen Freude“ und Vernunft“ (Dialogus
”
”
XLIIII: “De scriptorum fama“ im zweiten Teil seines Werkes De remediis
”
utriusque fortunae“; siehe die in Fig. 42 abgebildeten Ausschnitte und die
nachfolgenden Auszüge). Das meiste davon trifft immer noch zu. Nur Petrarcas Sorge um die anziehenden Preise für das Pergament zum Schreiben ist
heute überholt: die nahezu unbegrenzte Speicherkapazität für digitale Texte
und Bilder legt uns jetzt keine Schranken mehr auf.
Hier haben wir eine Druckseite ausgelassen
Fig. 42. Ausschnitte aus einer Inkunabel (Petrarca 1496) der gesammelten Werke von
Petrarca. Die Scans geben den Anfang (oberer Ausschnitt) und das Ende (unterer Ausschnitt) des Dialogs XLIIII (De scriptorum fama) aus dem zweiten Teil seines Werkes
De remediis utriusque fortunae“ wieder. Aus dem Privatbesitz der Autoren.
”
396
Dialogus XLIIII.
Dialog 44.
De Scriptorum fama:
Vom Ruhm der Schriftsteller:
Gaudium: Quid q[uod] ipse libros
scribo ?
Ratio: Morbus publicus, contagiosus, insanabilis. ...
Freude: Was hältst du davon, daß
ich selber Bücher schreibe ?
Vernunft: Das ist eine allgemein bekannte, ansteckende und unheilbare
Krankheit. ...
...
Freude: Mein Drang zum Schreiben
ist gewaltig.
Vernunft: Es wird von unendlich
vielen Arten von Gemütskrankheiten berichtet. Die einen werfen
mit Steinen, die anderen schreiben Bücher; manchmal ist das
Schreiben der Anfang der Raserei,
manchmal das Ende.
...
Freude: Viele Schriften habe ich
verfaßt.
Vernunft: Was für ein offensichtlicher Wahnsinn; und dann wundern wir uns, wenn Pergament ungewöhnlich teuer geworden ist.
...
Freude: Ich schreibe und davon erhoffe ich mir Ruhm.
Vernunft: ... Das Streben nach
Ruhm und die unablässige Schreibarbeit hat allerdings einige als
Berühmtheiten, unzählige andere
aber als Narren und arme Menschen ins hohe Alter geschickt, ...
Seht doch: während ihr schreibt,
verrinnt die Zeit, die für bessere Angelegenheiten genutzt werden
könnte; ...
...
Gaudium: Scribendi impetus ingens
est.
Ratio: Melancholiae species infinitas ferunt. Alii lapides iactant, alii
libros scribu[n]t; huic scribere furoris initium est, huic exitus.
...
Gaudium: Multa scripsi.
Ratio: O praeclaram insaniam; [et]
miramur si membranae solito chariores sint.
...
Gaudium: Scribo [et] hinc famam
spero.
Ratio: ... Atqui famae studium [et]
pertinax scribendi op[er]a, ut quosdam claros, sic innumerabiles stultos atq[ue] inopes in senium misit,
...
...
Ecce dum scribitis, melioribus curis
idoneum tempus elabitur; ...
Der lateinische Text stammt aus Petrarca (1496). Nur die Auflösung von Abkürzungen haben wir aus anderen Ausgaben übernommen. Ferner haben wir die Doppelpunkte durch ein
Komma oder ein Semikolon ersetzt. Die Übersetzung ins Deutsche haben wir selbst angefertigt, wobei wir uns auf die Arbeiten anderer Autoren (z.B. Petrarca 1572, Schottlaender
und Keßler 1988, Rawski 1991) gestützt haben und ihnen in manchem gefolgt sind.
397
15
Danksagungen
Dem Leiter des Universitätsarchivs der Humboldt-Universität zu Berlin, Herrn
Dr. Winfried Schultze, danken wir für seine Informationen zum Berufungsverfahren und zur Ernennung von Kopff zum ordentlichen Professor der FriedrichWilhelms-Universität zu Berlin, und zur Geschichte des Astronomischen Rechen-Instituts und seines östlichen Teils in der Zeit nach Kriegsende 1945 und
im Jahr 1946.
Dem Bundesarchiv, Abteilung Reich, Referat R 3, in Berlin-Lichterfelde,
insbesondere Frau Archivoberrätin Undine Beier und Herrn Archivoberrat
Mathias Meissner, danken wir für Auskünfte zur Umbenennung und zu anderen Aspekten der Geschichte des Astronomischen Rechen-Instituts in Berlin
bis 1945.
Dem Bundesarchiv, Abteilung Militärarchiv, Referat MA 5, in Freiburg
i. Br., insbesondere Herrn Archivdirektor Dr. Thomas Menzel und Frau
Archivrätin Christiane Botzet, danken wir für ihre Bemühungen, Dokumente
zur Übernahme des Astronomischen Rechen-Instituts durch die Kriegsmarine
im Jahr 1944 in den dortigen Archivbeständen aufzufinden, auch wenn diese
Suche leider ohne Erfolg geblieben ist.
Dem Generallandesarchiv Karlsruhe des Landesarchivs Baden-Württemberg, insbesondere Herrn Dr. Martin Stingl und Herrn Dr. Jürgen Treffeisen,
danken wir dafür, daß sie uns Dokumente zur Geschichte des Astronomischen
Rechen-Instituts aus den Jahren 1946 bis 1950 zugänglich gemacht haben.
Dem Universitätsarchiv Heidelberg danken wir für seine langjährige
Unterstützung bei unseren Recherchen zur Geschichte des Astronomischen
Rechen-Instituts in Heidelberg. Bei der Suche nach relevanten Dokumenten
hat uns insbesondere Frau Dr. Dagmar Drüll-Zimmermann sehr geholfen.
Herrn Detlef Wiesner von der Technischen Abteilung der Freien Universität
Berlin danken wir für Auskünfte zum ehemaligen Institutsgebäude in Dahlem,
Altensteinstraße 40.
Der Zeitschriftenabteilung der Staatsbibliothek zu Berlin danken wir für ihre Hilfe bei der Identifizierung eines Zeitungsartikels über das Institut (Kapitel
2.2.7).
Herrn Dr. Wolfgang Dick (Potsdam) danken wir für zahlreiche Hinweise und
insbesondere dafür, daß er uns seine Unterlagen zum Biographischen Index der
Astronomie zugänglich gemacht hat.
398
Frau Dipl.-Math. Inge Heinrich (Worms) und Herrn Dr. Helmut Lenhardt
(Heidelberg) danken wir für ihre Durchsicht unseres Manuskripts und für wertvolle Hinweise und Kommentare. Herrn Dr. Herbert Hefele (Heidelberg) gilt
unser Dank für seine vielfältige Hilfe.
Frau Dipl.-Betriebswirt(FH) Diana Schwalbe (Heidelberg) danken wir dafür, daß sie uns Photos vom Schloß Kötteritzsch zur Verfügung gestellt hat,
die uns als Vorlagen für die Figuren 5, 6 und 7 in Kapitel 5.3 dienten. Frau
Dipl.-Math. Ute Esser (Heidelberg) und Herrn Prof. Dr. Joachim Schubart
(Heidelberg) danken wir dafür, daß sie uns Photos von Mitarbeitern des Instituts für Kapitel 11 zugänglich gemacht haben. Herr Schubart hat uns auch
mit Hinweisen und Kommentaren geholfen.
399
16
Über die Autoren
Prof. Dr. Roland Wielen wurde 1938 in Berlin-Lichterfelde-West geboren. Nach
Tätigkeiten in Berlin, Heidelberg, Nizza und Hamburg war er von 1978 bis
1985 ordentlicher Professor für Astronomie und Astrophysik der Technischen
Universität Berlin. Er war seit 1979 auch für die Lehre in Astronomie an der
Freien Universität Berlin zuständig. 1985 nahm er den Ruf auf das Ordinariat für Theoretische Astronomie an der Universität Heidelberg an und wurde zugleich Direktor des Astronomischen Rechen-Instituts in Heidelberg. Seit
2004 ist er emeritiert. Weitere biographische Angaben über ihn findet man im
Heidelberger Gelehrtenlexikon (Drüll, 2009, S. 669-670). Mit der Geschichte
des Astronomischen Rechen-Instituts beschäftigt er sich seit seinem Eintritt in
das Institut am 1. Juli 1963, wobei ihm die Berliner Zeit des Instituts und die
Übersiedlung des Instituts von Berlin über Sermuth nach Heidelberg besonders
interessant erscheinen.
Ute Wielen geb. Bachmann ist auch in Berlin-Lichterfelde-West geboren. Sie
hat bis 1959 als Beobachtungsassistentin an der Sternwarte Babelsberg bei
Berlin gearbeitet, die in der Nachfolge der Berliner Sternwarte steht. Später
war sie als Programmiererin am Institut für Theoretische Physik der Freien
Universität Berlin im Bereich Astronomie und am Institut für Theoretische
Astrophysik der Universität Heidelberg tätig. Ihren Ehemann Roland Wielen
hat sie über fünfzig Jahre lang bei seinen astronomischen Forschungen stets
intensiv unterstützt und teilt auch sein Interesse an der Geschichte des Astronomischen Rechen-Instituts. Das Ehepaar lebt jetzt in der Nähe von Heidelberg
in Eberbach am Neckar.
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