Tierschutzgerechte Haltung von Versuchstieren: Legehennen

Tierschutzgerechte Haltung von Versuchstieren: Legehennen
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Bewegung so eingeschränkt werden, dass einem Tier Schmerzen oder vermeidbare Leiden und
Schäden zugefügt werden. Der Haltungsbereich muss so gestaltet sein, dass Hühner ihr
Komfortverhalten (Staubbaden, Gefiederpflege, Scharren, Flügelstrecken und Schlagen) und
Eiablageverhalten ungestört ausführen können. Zudem sollten die Tiere die Möglichkeit haben,
ihre Umgebung in bestimmtem Maße selbst zu kontrollieren.
Eine Einzelhaltung von Hühnern ist nur in begründeten Ausnahmefällen, nach tierärztlicher
Indikation bzw. wenn wissenschaftlich begründet dargelegt ist, dass dieses für den Tierversuch
unerlässlich ist, zulässig. Gruppenhaltung, die eine soziale Kontaktaufnahme ermöglicht, trägt zu
einer entscheidenden Stressreduktion und einem erhöhten Wohlbefinden der Tiere bei.
Das Beziehen und Einstallen von Schnabel-kupierten Legehennen zur vorsorglichen Vermeidung
von Pickverletzungen wird als tierschutzwidrig erachtet. Bei der Haltung von Legehennen ist
besonders zu berücksichtigen, dass die Tiere direkt nach dem Schlupf an die
Haltungsbedingungen, so wie sie im legereifen Alter vorzufinden sein werden, zu gewöhnen
sind. Dieses dient zusätzlicher Stressminimierung und beugt der Entstehung von
Verhaltensanomalien vor. Unter diesen Aspekten und aus dem Anspruch heraus, den Tieren
nicht mehr als unvermeidbaren Schmerzen, Schäden und Leiden zuzufügen, sollten nur
unkupierte Küken (bestenfalls aus eigener Aufzucht) eingestallt und diese zu Elterntieren
herangezogen werden.
Spezielle Anforderungen
Die speziellen Anforderungen richten sich an die Haltung von Legehennen zu Versuchszwecken.
Die Neuerrichtung einer Kleinvoliere bzw. ausgestalteten Käfig (sog. Kleingruppenhaltung) ist
stark umstritten und könnte in absehbarer Zeit verboten werden. Inwieweit bestehende Anlagen
weiter betrieben werden dürfen bleibt abzuwarten. Es ist davon auszugehen, dass langfristig nur
noch die Boden- und Freilandhaltung von Legehennen zulässig sein werden. Für die Haltung der
Tiere unter standardisierbaren sowie SPF-Bedingungen ist eine Bodenhaltung von Legehennen
in einem geschlossenen System (Tierhaltungsraum) notwendig. Die Empfehlungen in diesem
Merkblatt beziehen sich daher auf diese Haltungsform. Die gesetzlich festgelegten
Anforderungen werden hierzu berücksichtigt [Tierschutz-Versuchstierverordnung in Verbindung
mit Anhang III der EU-Richtlinie 63/2010/EU, Anhang A-Leitlinien der ETS 123, §§ 13 und 13a
Allgemeine und Besondere Anforderungen an die Bodenhaltung der TierschutzNutztierhaltungsverordnung (TierSchNutztV)]. Falls es mit den Versuchsbedingungen
(Hygienevorschriften, Gentechnikgesetz) vereinbar ist, ist ein Zugang zu einem frei
zugänglichen, ausbruchsicheren und geschützten Außenbereich wünschenswert. Nach § 13a
TierSchNutztV ist bei Freilandhaltung ein Kaltscharraum für nach dem 4. August 2006 in
Betrieb genommene Anlagen anzubieten.
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Anforderung an den Platzbedarf
Hier sind die in Anhang III Teil B Tabelle 8.1. der RL 2010/63/EU festgelegten Mindestflächen,
Besatzdichten und Mindesthöhen der Behausung, sowie Mindestlängen des Futtertrogs zu
beachten. Die Mindestmaße richten sich nach dem Gewicht der Tiere. Bei einem Tier mit einem
Körpergewicht bis zu 300 Gramm beträgt die Fläche mindestens 1 m² und die Höhe 30 cm,
zwischen 300-600 g ändert sich lediglich die Mindesthöhe mit 40 cm und bei über 600 g
Körpergewicht beträgt die Mindestfläche 2 m² und die Mindesthöhe 50 cm. Ab einem
Körpergewicht von 1200 g liegt die Höhe bei mindestens 75 cm.
Laut 63/2010/EU ist eine Bodenfläche von 0,75 m² (Einzeltier) als Minimalfläche zulässig.
Diese muss aber unter Berücksichtigung wissenschaftlicher Aspekte begründet werden. Dem
gegenüber müssen nach § 13 der TierSchNutztV die Haltungseinrichtungen eine Fläche von
mindestens 2,5 m² haben. Diese auf die Fläche bezogene Minimalanforderung liegt über den der
EU-Richtlinie und sollte vorzugsweise angewendet werden.
Gemäß Tabelle 8.1. des Anhang III der RL 2010/63 können auf einer nutzbaren Bodenfläche von
2,5 m² bis zu 22 Tiere (bei einem Gewicht von 1200 – 1800 g) gehalten werden. Die
TierSchNutztV regelt, dass pro Quadratmeter Fläche 9 Legehennen gehalten werden dürfen. Bei
2,5 m² Fläche ist die zulässige Besatzdichte mit umgerechnet 22 Tieren gleich hoch.
Empfehlung der TVT
Haushühner verbringen ein Drittel des Tages mit Laufen und Scharren zur Nahrungssuche und
sozialer Kontaktaufnahme. Eine ausreichende Bewegung befriedigt ihren Erkundungsdrang und
erhöht gleichzeitig die Beingesundheit. Aus diesem Grund wird empfohlen, das Platzangebot am
Boden zu erhöhen und die Mindestfläche auf 3 m² anzuheben. Aus tiergesundheitlicher und
hygienischer Sicht ist die Empfehlung, eine 3 m² begehbare Fläche mit maximal 15 Tieren zu
besetzen. Die Höhe der Behausung sollte so gewählt werden, dass die Tiere auf den erhöht
angebrachten Sitzstangen stehen und die Flügel nach oben austrecken können, ohne dabei die
Decke zu berühren. Hier sind die nach Richtlinie geforderten 30 - 75 cm zu gering gewählt.
Empfohlen werden mindestens 200 cm Höhe der Behausung, um den Tieren die 3te
Raumdimension unter Zuhilfenahme von Sitzstangen als zusätzliche Ausgestaltungsmaßnahme
zur Verfügung zu stellen.
Anforderung an die Haltungseinrichtung
Die Haltungseinrichtung muss so beschaffen sein, dass sich die Tiere arttypisch verhalten und
ihre Umgebung kontrollieren können. Zudem muss diese ihren kognitiven und manipulativen
Ansprüchen gerecht werden. Dabei ist darauf zu achten, dass der Haltungsbereich nach
sogenannten Funktionsbereichen eingerichtet ist. Zu diesen zählen: ein Ruhebereich, ein
Aktivitätsbereich, ein Futteraufnahme- und Tränkebereich sowie ein Nistbereich. Der von den
anderen Bereichen strikt getrennte Ruhebereich dient den Hühnern als Rückzugsbereich und ist
mit erhöhten Sitzstangen versehen. Die ETS 123 sieht vor, dass pro Tier 15 cm Sitzstangenlänge,
mit einem Stangendurchmesser von 3 – 4 cm, zur Verfügung steht. Dabei sollte der horizontale
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Abstand zur nächsten Sitzstange mindestens 30 cm und zur Wand mindestens 20 cm betragen
(vgl. dazu als Orientierung § 13a TierSchNutztV). Die Sitzstangen sollten so angebracht sein,
dass ein Huhn ungehindert unter ihnen durchlaufen kann, ohne dabei ein ruhendes Huhn zu
stören (mindestens 30 cm über dem Boden nach ETS 123). Es muss zusätzlich beachtet werden,
dass zwischen Sitzstange und Decke der Behausung ebenfalls ausreichend Platz vorhanden ist
(mindestens 75 cm), um dem Huhn ein aufrechtes Stehen auf der Sitzstange zu ermöglichen. Kot
und Harnabsatz erfolgt in erster Linie in Bereichen der Nahrungs- und Tränkeaufnahme und in
den Ruhebereichen. An diesen Stellen sollte aus hygienischen Aspekten ein spezieller,
perforierter Boden vorhanden sein, damit die Exkremente durchfallen können. Der
Aktivitätsbereich soll so gestaltet sein, dass die Tiere ihrem Komfortverhalten (Staubbaden,
Scharren, Picken) nachgehen können. Dafür sollte ein Drittel der Bodengrundfläche zur
Verfügung stehen, mindestens aber 250 cm² pro Henne (§ 13a TierSchNutztV). Der
Aktivitätsbereich ist mit saugfähiger, staubarmer und lockerer Einstreu (als geeignet haben sich
Langstroh, Strohhäcksel, Sägemehl oder Hobelspäne, bzw. deren Mischung erwiesen) von
ausreichender Tiefe auf planbefestigtem Boden einzurichten. Zu beachten ist, dass die Tiere
beim Scharrverhalten mit den Krallen den Stallboden erreichen können, um ausreichend
Krallenabrieb zu gewährleisten. Verklumpte Einstreu stellt ein Hygienerisiko dar und wirkt sich
zudem negativ auf das Erkundungs- und Staubbadeverhalten aus. Es ist daher darauf zu achten,
dass sie regelmäßig entfernt und durch lockere Einstreu erneuert wird.
Empfehlung der TVT:
Die Haltungseinrichtung sollte möglichst naturgetreu gestaltet sein. Im Ruhe- und Futter/Tränkebereich ist ein trittsicherer, perforierter Boden aus hygienischer Sicht ratsam.
Maschendraht als Boden birgt hohe Verletzungsgefahr und wird daher als tierschutzwidrig
erachtet. Die Einteilung nach Funktionsbereichen ist unbedingt einzuhalten, und der
Ruhebereich muss vom Aktivitätsbereich getrennt sein. Die Verhaltensweise des Aufsuchens von
erhöhten Rückzugsbereichen auf Ästen von Bäumen in der Dämmerungsphase ist bei den
domestizierten Hühnern erhalten geblieben. Es gilt diese natürliche Gegebenheit bei der
Haltung in Form von erhöhten Sitzstangen umzusetzen. Dabei stellen sich besondere
Anforderungen an die Sitzstangen: 1.) die Sitzstangenlänge sollte pro Legehenne mindestens 30
cm betragen, damit Hühner an ihrem Ruheplatz auch Gefiederpflege betreiben und ihre
Körperposition zur Vermeidung einseitiger Belastung der Fußballen verändern können; 2.) die
Höhe der Sitzstangen über dem Boden sollte über der Mindesthöhe von 30 cm liegen, damit sie
von anderen Tieren, die unter ihnen durchlaufen, nicht gestört werden. Die Schweizer Richtlinie
legt hierbei eine Mindesthöhe von 50 cm fest, die von der TVT auch als Mindesthöhe angesehen
wird; 3.) die Sitzstange sollte so konstruiert sein, dass sie, ähnlich wie beim Ast, in ihrem
Durchmesser variiert, damit die Fußsohlenareale unterschiedlich belasten werden können und
einen gewissen Sitzkomfort bieten. In diesem Zusammenhang sei darauf hingewiesen, dass
aufgeraute Sitzstangen oder Sitzstangen mit Reibepapier tierschutzwidrig sind; 4.) Bewährt
haben sich ovale Sitzstangen aus Holz oder Kunststoff, die den natürlichen Mechanismus des
Umgreifens zulassen; 5) wenn es die Höhe der Behausung erlaubt, sollten die Sitzstangen in
unterschiedlicher Höhe, versetzt zueinander angebracht werden. Es muss vermieden werden,
dass weiter unten sitzende Tiere mit Exkrementen beschmutzt werden können.
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Anforderung an den Nistplatz
Für die Eiablage müssen den Legehennen Nester zur Verfügung gestellt werden. Die ETS 123
sieht ein Nest bzw. ein Nistkasten für 2 Tiere vor, welches spätestens ab der 16. Lebenswoche
bereit gestellt werden muss. Die Nester sind in einem gesonderten, von allen Seiten
abgeschlossenen und abgedunkelten Bereich einzurichten, und sind so zu gestalten, dass sie
attraktiv für die Hennen sind und sie darin ihr Eiablageverhalten (Prüfung des Nestplatzes,
Nestbau, Sitzprobe, stehen und sich umdrehen, Lautgebung vor der Eiablage, Legebewegungen)
ungestört ausüben können. Nester mit tiefer (10 – 15 cm), weicher Einstreu (Sägespäne oder
Stroh) sind gut geeignet. Weicher, genoppter Boden aus Kunststoff gilt als akzeptierbare
Alternative. Es ist dafür zu sorgen, dass die Nester sauber bleiben und dass das Nestmaterial
regelmäßig erneuert wird. Unattraktiv gestaltete und verschmutzte Nester führen zu einem
reduzierten Wohlbefinden der Tiere, welches sich unter anderem in einem Verlegen der Eier
äußert. Ist ein Nest für mehrere Hühner vorgesehen, so sollte es gleichzeitig jedem Huhn genug
Platz zum Eiablageverhalten bieten und Öffnungen entsprechend der Anzahl der Hühner
besitzen. Weiterhin sollten die Nester während der Nacht geschlossen sein, um vorzeitiges
Verschmutzen zu vermeiden.
Anforderungen an die Gruppengröße
Haushühner sind soziale Tiere und ihre wildlebendenden Artgenossen leben in Verbänden von
bis zu 15 Tieren mit einem Hahn pro Gruppe. Diese Gruppengröße ermöglicht die Ausbildung
einer stabilen Rang- bzw. Hackordnung. Als kleinste Gruppengröße mit hierarchischer Struktur
werden insgesamt 5 Tiere gesehen (1 Hahn und 4 Hennen). Es sollten daher pro Haltungseinheit
zwischen 5 und 15 Tieren gehalten werden, mit einem Hahn pro Gruppe. Hähne tragen zu einem
stabilen Sozialgefüge bei und bringen Ruhe in die Herde. Die Einzelhaltung von Legehennen ist
nicht zulässig. Ausnahmen davon sind nur nach strenger Indikation statthaft.
Anforderungen an das Klima
Temperatur – Legehennen benötigen eine Temperatur zwischen 15 und 25 °C, um sich wohl zu
fühlen. Eine Temperatur von 18 °C gilt hierbei als optimal. Kältere Temperaturen werden besser
als Wärmere toleriert, gehen aber mit erhöhtem Futterverbrauch der Tiere einher. Bei
Temperaturen über 25 °C kann es leicht zu Hitzestress der Tiere kommen, besonders auch dann,
wenn die relative Luftfeuchtigkeit zu hoch (> 75 %) ist.
Luftfeuchtigkeit – Diese sollte zwischen 40 und 80 %, optimaler weise bei 55 ± 10 %, liegen
und an die Temperatur angepasst sein. Bei hohen Stalltemperaturen sollte sich die relative
Luftfeuchtigkeit am unteren Grenzwert halten.
Luftaustauschrate und Luftgeschwindigkeit – Diese sind so zu wählen und anzupassen, dass
Zugluft ( > 0,3 m/s) und Staubentwicklung vermieden und die Grenzwerte an
Schadgaskonzentrationen, wie beispielsweise Ammoniakgehalt der Luft (unter 10 ppm),
eingehalten werden. In der Regel ist eine Luftwechselrate von 15-20 Luftwechsel pro Stunde
notwendig.
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Licht – Die Beleuchtungsstärke im Tierhalteraum sollte in der Hellphase (maximal 14 Stunden
Hellphase) zwischen 150 – 225 Lux liegen. Eine durchgängige Dunkelphase von mindestens 8
Stunden ist zu gewährleisten und die nächtliche Beleuchtung muss in Bezug auf die
Lichtintensität so eingestellt sein, dass die zirkadiane Rhythmik der Tiere nicht gestört wird. Die
TierSchNutztV regelt im § 13, dass das Nachtlicht bei unter 0,5 Lux liegen sollte. Darüber
hinaus wird gesetzlich gefordert, dass mindestens 3 % der Stallgrundfläche mit natürlichem
Tageslicht zu beleuchten ist. Falls dieses aus baulichen Gründen nicht gewährleistet werden
kann, muss die Beleuchtung dem Tageslichtspektrum angepasst werden, welches neben UVA
auch UVB umfasst. Eine Dämmerungsphase vor Wechsel von der Helligkeits- zur Dunkelphase
und umgekehrt wird zudem gefordert und erleichtert den Tieren die Adaption an den
Helligkeitswechsel. Als dämmerungsaktive Tiere können sie dann auch bestimmten
Verhaltensweisen nachgehen, die naturgemäß zu den Dämmerungszeiten ablaufen, wie
beispielsweise Einnahme des Ruheplatzes und Futteraufnahme.
Anmerkung und Empfehlung der TVT:
Die Gewöhnung an hohe Lichtintensitäten sollte bereits im Kükenalter erfolgen, um späteres,
mitunter licht-induziertes Fehlverhalten wie aggressives Bepicken vorzubeugen. Die Lichtdauer
sollte täglich 12 Stunden (2 x 45 min Morgen- und Abenddämmerungsphasen mit einbezogen)
betragen. Die Verwendung längerer Lichtphasen (Grenze bis 14 Stunden) animiert die Tiere zur
höheren Legeleistung, trägt aber gleichzeitig zu Störungen der zirkadianen Rhythmik und des
damit verbundenen Hormonhaushaltes bei, und ist daher abzulehnen. Die uneingeschränkte
Ausübung bestimmter Verhaltensmuster (Erkennung von Artgenossen,
Kommunikationsverhalten, Futtersuch- und Aufnahmeverhalten) ist stark an die Sehleistung und
somit auch an die Lichtintensität (wichtig für die Detailerkennung) gekoppelt und trägt
entscheidend zum Wohlbefinden der Tiere bei. Hühner besitzen gegenüber dem Menschen bei
bestimmten Wellenlängen des sichtbaren Lichtes eine höhere spektrale Sensitivität und
empfinden daher das Licht anders hell als der Mensch. Aus diesem Grund ist der Wert „Lux“,
der sich am menschlichen Helligkeitsempfiunden orientiert, nicht korrekt anwendbar auf das
Huhn. Das Helligkeitsempfinden des Huhns wird als Gallilux widergegeben. Galli-Luxmeter
sind bereits kommerziell erhältlich, werden aber noch nicht routinemäßig eingesetzt. Bislang
liegen keine wissenschaftlichen Erkenntnisse vor, die einen Mindestgalliluxwert für Haushühner
festlegen. Solange diese Fragestellung unklar ist, wird empfohlen, die Helligkeit bei 200 Gallilux
anzusetzen. Die Messung von Gallilux hat den Vorteil, das Helligkeitsempfinden des Haushuhns
unabhängig von der Lichtquelle standardisiert widerzugeben.
Anforderung an den Geräuschpegel
Neben visuellen Reizen spielen auch akustische Reize bei der innerartlichen Kommunikation
beim Haushuhn eine große Rolle. Der Gehörsinn ist in Bezug zum hörbaren Frequenzbereich
beim Haushuhn ähnlich gut ausgebildet wie beim Menschen, allerdings können sie Einzeltöne
besser auflösen. Bei der Beurteilung von akustischen Reizen im Tierbereich kann man sich daher
an dem menschlichen Empfinden orientieren. Ein dauerhaftes, auch unterschwelliges Geräusch
wird als störend empfunden und sollte im Tierhaltungsbereich nicht auftreten. Ebenso ist das
Eindringen von Lärm von außen zu vermeiden. Tierräume sollten daher über eine
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Lärmdämmung und Raumisolierung verfügen. Technische Geräte, wie beispielsweise
Klimaanlagen, müssen leise betrieben werden. Ebenso sollte sich das Personal ruhig Verhalten
und keine Telefonanlagen im Haltungsbereich angebracht sein. Ziel ist es, den Geräuschpegel so
zu reduzieren, dass die Tiere nicht belästigt werden und sich anhand ihrer Lautäußerungen
ungestört verständigen können.
Anforderungen an die Beleuchtung
Die Anforderungen an eine korrekte Beleuchtung eines Haltungsbereiches für Hühner oder
anderes Nutzgeflügel ist ein oftmals vernachlässigter Aspekt und orientiert sich an der
menschlichen Lichtwahrnehmung. Wie bei dem überwiegenden Anteil der Vögel, wird beinahe
das gesamte Verhaltensrepertoire des Haushuhnes visuell entscheidend beeinflusst. Aus diesem
Grund stellt sich eine Vielzahl von Anforderungen an die Beleuchtung, die nicht mit der
alleinigen Regulierung von Lichtdauer und Lichthelligkeit abzuhandeln ist. Im Vergleich zum
Menschen verfügen Hühner über einen weiteren Photorezeptor in der Netzhaut, der es ihnen
ermöglicht, Licht im nahen ultravioletten Spektralbereich zu sehen. Somit ist das Spektrum ihres
sichtbaren Lichtes gegenüber dem des Menschen erweitert und es ist davon auszugehen, dass das
UVA-nahe (ab 380 nm) Spektrum zur Farbempfindung beiträgt. Das Fehlen dieses Spektrums im
Licht hat möglicherweise eine störende Falschfarbenwahrnehmung zur Konsequenz und könnte
dazu beitragen, dass Vögel ihre Artgenossen befremdlich wahrnehmen und die ausgesandten
Körpersignale missdeuten. Das optische System der Haushühner ermöglicht ihnen auch eine
höhere zeitliche Auflösungskraft von schnellen Bildfolgen, bzw. von hohen
Pulsationsfrequenzen ausstrahlenden Lichtes. Das hat zur Folge, dass vom Menschen
kontinuierlich empfundene Bewegungen, oder der Anschein eines kontinuierlichen Lichtstrahles,
vom Haushuhn diskontinuierlich und möglicherweise sogar Stroboskop-artig (sogenannter
Diskolichteffekt) wahrgenommen wird. Bei der lichtgestalterischen Umsetzung des
Haltungsbereiches sind diese zwei Aspekte daher besonders zu berücksichtigen, um einen
erhöhten Stresszustand der Tiere zu vermeiden.
Die Anforderungen an die Beleuchtung des Tierstalles richten sich daran, ob den Tieren
natürliches Tageslicht angeboten werden kann. Lässt sich dieses aus einer strengen
Indikationsstellung nicht realisieren, so ergeben sich folgende Anforderungen an das Kunstlicht,
um den Tieren eine naturgetreue Lichtumgebung zu schaffen:
1. Das Lampenspektrum muss das Spektrum des Tageslichtes mit UVA und UVB-Anteil
enthalten. Hierfür sind Leuchtstoffröhren mit sogenanntem Tageslichtcharakter geeignet.
Man muss jedoch bedenken, dass der UV-Gehalt im Spektrum mit zunehmendem Betrieb
der Lampe abnimmt, während die langwelligen Spektren länger erhalten bleiben. Ähnlich
verhält es sich mit einem Dimmbetrieb der Lampen, da beim Dimmen zunächst die
kurzwelligen spektralen Anteile verschwinden. In der Konsequenz, sollten die
Tageslichtlampen nicht gedimmt werden.
2. Das Licht sollte so ausgestrahlt werden, dass es als Licht kontinuierlicher Helligkeit
(Gleichtlicht) empfunden wird. Hier ist unbedingt bei dem Gebrauch von
Leuchststoffröhren zu beachten, dass diese mit einem elektrischemVorschaltgerät (EVG)
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betrieben werden, welches die Pulsation der Netzfrequenz (50 Hz) auf ein 100faches
erhöht.
3. Der Stallbereich, mit Ausnahme der Nistplätze, sollte gleichmäßig ausgeleuchtet sein.
Diese Anforderung sollte nicht nur für die Beleuchtungsstärke, sondern auch für das
Lichtspektrum zutreffen.
Bei Angebot von natürlichem Tageslicht im Stallbereich ist gesetzlich verankert, dass Öffnungen
für das Tageslicht mindestens 3 % der Stallgrundfläche annehmen sollen. Auch hier ist auf eine
gleichmäßige Ausleuchtung des Stalles zu achten, denn an den Sonnenlicht-durchlässigen Stellen
kann die Lichtintensität um ein Vielfaches ansteigen (> 1.000 lx). Probleme treten dann auf,
wenn sich alle Tiere an den Sonnenstellen zum Sonnenbaden aufhalten. Es kommt zu einem
"Overcrowding" der Tiere, mit der Folge, dass Stellen im Stall überbesetzt und andere
unterbesetzt sind. Dabei können Tiere erdrückt werden, sich aggressiv verhalten und Stellen mit
erhöhter Exkrementansammlung entstehen, die als besonders unhygienisch anzusehen sind und
die einen erhöhten Anteil an Ammoniakdämpfen emmitieren.
Anforderungen an die Pflege
Tiere sollten mindestens 1x täglich zur gleichen Tageszeit von einem geschulten Tierpfleger
oder sachkundiger Person auf Gesundheitszustand, Futteraufnahme und Kot/Harn- Absatz und
Beschaffenheit kontrolliert werden. Bei Auffälligkeiten sollte der zuständige Tierarzt und
Projektleiter informiert und, soweit möglich, therapeutische Maßnahmen eingeleitet werden.
Tränke, Futterraufe, Nistplatz und Sandbad bzw. eingestreute begehbare Flächen sind ebenfalls
täglich zu überprüfen und zu säubern. Bei Bedarf ist das Einstreu zu erneuern. Futter und Tränke
sollte so angeboten werden, dass jedes Tier gleichzeitig Zugang dazu hat. Bei der Fütterung ist
besonders darauf zu achten, dass die Futterzusammensetzung dem Lebensalter und der
Leistungsphase angepasst ist. Grit sollte ebenfalls zur Verfügung stehen, damit das Futter im
Muskelmagen der Tiere, als Teil des Verdauungsprozesses, aufbereitet werden kann.
Anforderungen an die Kennzeichnung
Legehennen sollten im Junghennenalter individuell gekennzeichnet werden. Bestenfalls erfolgt
die Zuordnung aufgrund der individuellen Gefiederfarbe bzw. Muster. Handelt es sich um
Hennen mit einheitlichem Gefiederkleid, so sollten minimal-invasive Verfahren den Invasiven
der Vorzug gegeben werden. Als minimal-invasiv ist das Beringen der Ständer mit offenen,
spiral-förmigen und unterschiedlich farbigen Ringen gut geeignet. Geschlossene Ringe sind
abzulehnen, da sie beim in Wachstum befindlichen Tier angebracht werden müssen und es
häufig zum schmerzhaften Einwachsen der Ringe kommt. Anbringen von Flügelmarken oder
Implantation von Transpondern in die tiefe Brustmuskulatur sind invasive Methoden, die unter
kurzer Narkose mit Schmerzausschaltung erfolgen sollten. Verboten als
Kennzeichnungsmethode ist das Amputieren von Zehen und Krallen.
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Anforderungen an den Umgang
Grundsätzlich ist ein ruhiger aber zielstrebiger Umgang mit den Tieren unter fachgerechter
Fixierung am wenigsten mit Stress für das Tier verbunden. Eine Verdunklung des Raumes vor
dem Einfangen der Tiere ist manchmal notwendig, um den Stress bei einer aufgeregten Herde zu
reduzieren. Hühner lassen sich leichter mit einem Tuch einfangen und dieses minimiert auch das
Verletzungsrisiko. Das Einfangen unter Zuhilfenahme von Cachern ist für ungeübtes
Pflegepersonal nicht zu empfehlen, da es mit einem erhöhten Verletzungsrisiko für die Tiere
einhergehen kann. Weiter zu berücksichtigen gilt, dass Einrichtungsgegenstände, v.a. die
Sitzstangen, beim Einfangen eine Verletzungsgefahr bergen und vorher entfernt werden sollten.
Anforderungen an die tierschutzkonforme Tötung von Hühnern
Zulässige Methoden für die Tötung von Hühnern werden im Anhang 2 der TierSchVersV
tabellarisch gelistet. Als schonendste Methode gilt die Tötung durch Überdosis eines geeigneten
Narkosemittels. Zur Stressminimierung ist eine vorherige Sedierung der Tiere zu empfehlen.
Alternativ können die Tiere ruhig gestellt werden, indem ihre Augen abgedeckt werden, z.B.
durch Legen eines dunklen, atmungsaktiven Leinensacks über den Kopf der Tiere. Tötung mit
T61 ist nur nach vorheriger Betäubung zulässig. Hühner können sehr wehrhaft sein. Zur
Vermeidung von Verletzungen der Tiere sollte das Handling mit 2 Personen durchgeführt
werden. Dabei wird das Tier von einer Person fixiert, während die zweite Person das
Narkosemittel (Überdosis Pentobarbital) i.v. in die Flügelvene appliziert. Die Tötung ist nur
durch eine sachkundige und geschulte Person vorzunehmen. Der Tod des Tieres muss
entsprechend überprüft werden. Als Zeichen des eingetretenen Todes gelten kompletter HerzKreislaufstillstand (fehlende Herzgeräusche) in Verbindung mit ausbleibender Atmung und
totaler Muskelerschlaffung (Hängen von Kopf und Flügel). Das Ausbleiben der Vitalzeichen ist
für mindestens 5 Minuten zu beobachten, ehe das Tier der Tierkörperverwertung zugeführt wird.
Anforderungen an die Hygiene und Hygienemanagement
Grundsätzlich muss nach Anhang III der Richtlinie 63/2010/EU jede Einrichtung über eine
Strategie zur Gesundheitsüberwachung der Tiere und zur mikrobiologischen Überwachung des
Haltungsbereichs bzw. der Einrichtungsgegenstände verfügen.
Haltungsbereich/Raum: Als abgeschlossene Einheit mit Personen-limitiertem Zugang zu
konzipieren. Ein Eindringen von Ungeziefer und Schadnager, sowie Entweichen der
eingestallten Tiere, ist zu vermeiden.
Raumluft/Klima: Tägliche Kontrolle und Dokumentation von Stalltemperatur, Luftfeuchtigkeit
und Luftaustauschrate. Bei Abweichungen Gegenmaßnahmen ergreifen bzw. die Betriebstechnik
benachrichtigen.
Futter: Fütterung von Futter nur vom zertifizierten Hersteller und in einer Ration, die den
Bedürfnissen der Tiere entsprechen, wahlweise auch ad libitum. Je nach Haltungsform ist auf
autoklavierbares Futter zu achten. Ein Teil der Futtercharge ist zur Kontrolle zu asservieren. Das
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Haltung von Versuchstieren: Legehennen
Futter täglich in der gereinigten Raufe erneuern. Nasses und verschmutztes Futter ist zu
verwerfen.
Tränke: Verwendung von Leitungswasser oder autoklaviertem bzw. anderweitig nach
zugelassenen Verfahren dekontaminiertem Wasser. Die Tränkeeinrichtung ist täglich zu reinigen
und periodisch (in der Regel 1x wöchentlich) zu desinfizieren. Bei auffüllbaren
Tränkevorrichtungen: Trinkwasser täglich erneuern und Nippeltränken auf Durchgängigkeit
überprüfen.
Einstreu: Einstreu sollte möglichst staubfrei und vom zertifizierten Hersteller sein.
Verschmutzte, feuchte und verklebte Einstreu ist täglich zu entfernen. Periodische Erneuerung
der Einstreu je nach Besatzdichte und Verschmutzungsgrad (1 - 2 x wöchentlich).
Nest: Tägliche Überprüfung und Reinigung/Neubebettung zur gleichen Tageszeit, sowie tägliche
Entfernung der Eier. Nachts ist das Nest zu schließen, um vorzeitiges Verschmutzen zu
verhindern.
Sitzstangen: Reinigung und Desinfektion je nach Verschmutzungsgrad, mindestens 1x
wöchentlich.
Wartung der technischen Geräte: Klima- und Lüftungsanlage sollten in regelmäßigen
Abständen vom Wartungsdienst überprüft und gewartet werden.
Mikrobiologische Überwachung: periodische Gewinnung von Abklatschproben der
Einrichtungsgegenstände und Raumwände zur Überprüfung auf mikrobiologische
Verunreinigung und Krankheitskeimen. Dient vor allem der Überprüfung des
Dekontaminationserfolges.
Gesundheitsmonitoring der Tiere
Tiere im Bestand sollten grundsätzlich frei von Krankheiten sein. Verletzte oder kranke Tiere
sind unverzüglich einem Tierarzt vorzustellen und sollten aus der Herde genommen und separat
aufgestallt bzw. bei Verdacht auf eine Infektionskrankheit in Quarantäne verbracht werden.
Von besonderer Relevanz ist der SPF-Status bei Tieren, deren Eier zur Impfstoffherstellung oder
Virusanzucht verwendet werden oder wo standardisierte Versuche mit Hühnerembryonen
angezeigt sind. Das betrifft insbesondere Erreger, die vom Muttertier vertikal auf die
Eier/Embryonen übertragen werden (u.a. Chlamydien, Mykobakterien, Mykoplasmen,
Salmonellen, Adenoviren, Aviäre Enzaphalomyelitis Virus, Aviäre Leukosevirus, New Castle
Disease Virus).
Zum Gesundheitsmonitoring für einen SPF Status bestehen bislang keine FELASA
Empfehlungen. Als Orientierungshilfe kann das Gesundheitsmonitoring für SPF-Bruteier von
Charles River Laboratories herangezogen werden
(http://www.criver.com/SiteCollectionDocuments/av_r_flock_QCb.pdf). Da keine Angaben zu
den erforderlichen Untersuchungsintervallen bestehen, sollten sich diese an den üblichen
Haltung von Versuchstieren: Legehennen
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Intervallen (mindestens halbjährlich bei wiederholter Negativtestung ohne Neuzugänge, bzw.
vierteljährlich bei Positivbefunden sowie regelmäßigem Tierwechsel) orientieren.
Haltungsbedingte Erkrankungen und vorbeugende Maßnahmen
Keratokonjunktivitis: Entzündliche Veränderung der Hornhaut und der Bindehaut bedingt
durch zu hohe Ammoniakschadgaskonzentration (> 20 ppm). Der Ammoniakgehalt der Luft und
die Lüftungstechnik (Luftaustauschrate) sind zu überprüfen. Als erste Maßnahme dient das
komplette Entmisten des Stalls. Die Entmistungsintervalle sind zu verkürzen.
Federpicken und Kannibalismus: Treten in einer Tiergruppe umfangreiche Pickverletzungen
an Federn (mit Ziehen von Federn) oder der Haut (meistens an der Kloake oder der Zehen) auf,
so ist die sofortige Maßnahme das die Pickverletzung verursachende Tiere von der Gruppe zu
trennen und das bepickte Tier ebenfalls gesondert einzustallen. Mit dieser Maßnahme soll
zunächst der Schaden begrenzt und mögliche Nachahmungen durch Partnertiere vermieden
werden. Die weiteren Schritte sind dann die Haltungsbedingung (Gruppengröße, Nestgröße,
Beschäftigungsbereich, Ruhebereich, Raumklima) zu hinterfragen, den Gesundheitszustand der
Tiere (Ektoparasiten) zu überprüfen und gegebenenfalls die Fütterung (Rauhfaseranteil im
Futter, bestimmte Aminosäuren) anzupassen. Das Federpicken und der Kannibalismus entstehen
nicht aufgrund aggressiver Motivation sondern aufgrund eines umorientierten Futteraufnahmeund Erkundungsverhaltens. Diese Verhaltensanomalien haben eine multifaktorielle Genese und
können nur durch Reduzierung der Stressoren im Haltungsbereich unterbunden werden. Neuere
Erkenntnisse legen nahe, dass die Änderung der Haltungsbedingung nach der Aufwuchsphase
ein bedeutender Faktor ist. Vorbeugend sollten daher nur solche Junghennen eingestallt werden,
die unter ähnlichen Bedingungen, wie sie in der Versuchstierhaltung vorkommen, aufgezogen
wurden und demnach mit diesen Bedingungen vertraut sind. Das Kürzen der Oberschnäbel als
prophylaktische „Therapie“-Maßnahme ist in jedem Fall abzulehnen. In diesem Zusammenhang
sei auch auf die Empfehlungen der LAVES zur Verhinderung von Federpicken und
Kannibalismus zum Verzicht auf Schnabelkürzen bei Jung- und Legehennen verwiesen.
Verlegen von Eiern: Hierbei handelt es sich um Eier, die außerhalb des vorgesehenen
Nistplatzes gelegt werden. Dadurch weisen die Eier einen höheren Verschmutzungsgrad auf und
sind schutzlos gegenüber Pick- und Trittverletzungen. Bei der Eiablage zeigen die Hennen
zudem ihre rote Kloakenschleimhaut, die für Partnertiere einen Reiz zum Bepicken darstellt.
Präventiv muss das Nest attraktiver gestaltet werden (weicher, trockener und lockerer Boden,
Beseitigung von Verunreinigungen, Abdunkeln) und die Nestgröße der Tierzahl angepasst
werden. Zur Erhöhung der Akzeptanz ist es unabdingbar, die Tiere vor der Legephase an das
entsprechende Haltungssystem und an die Nester zu gewöhnen.
Sohlenballengeschwüre: Minderdurchblutung bzw. Verletzungen des Sohlenballens führen zur
Ausbildung von Sohlenballengeschwüren. Häufige Ursachen hierfür sind Bewegungsmangel,
Fehlbelastung von Sohlenballenarealen, aufgeraute Bodenoberflächen und verschmutztes
Einstreu. Vorbeugend muss den Tieren genug Platz zur Verfügung stehen und ein
entsprechender Anreiz bestehen, sich zu bewegen (Anbieten verschiedener Funktionsbereiche).
Die Bodenbeschaffenheit muss so gestaltet werden, dass Krallenabrieb erfolgen kann, aber der
Ballen nicht verletzt wird. Sitzstangen sollten idealerweise unterschiedliche Dicke besitzen,
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damit Druckstellen an den Ballen vermieden werden. Verschmutzte Einstreu ist täglich zu
entfernen.
Rachitis / Osteomalazie: Äußert sich durch Verkrümmung des Skelettes, insbesondere im
Bereich der Ständer, Krallen und des Brustbeins. Bei Legehennen verschlechtert sich zudem die
Eischalenqualität (dünnwandige, brüchige Schale). Die Erkrankung tritt bei unausgewogener
Fütterung mit Pro-VitaminD und Calcium/Phosphor auf, bzw. bei Tieren mit hoher Legeleistung
und somit mit hohem Bedarf an Calcium/Phosphor. Durch Optimierung der
Futterzusammensetzung kann das Defizit ausgeglichen werden. Pro-Vitamin D3 wird im in der
Haut mit Hilfe von UV-Licht in das stoffwechselaktive Vitamin D umgewandelt. Der UVA und
UVB Gehalt bei der Stallbeleuchtung ist daher ebenfalls zu überprüfen.
Zusammenfassung
Dieses Merkblatt zur Unterbringung von Legehennen zu Versuchszwecken orientiert sich an den
entsprechenden Rechtsvorschriften in Bezug auf die Bodenhaltung. Erst in jüngster Zeit hat ein
längst überfälliges Umdenken bei der Haltung von Legehennen in der Bevölkerung und beim
Gesetzgeber stattgefunden, welches sich in dem Käfigverbot für Legehennen äußerte und sich
nun auch auf die Kleingruppenhaltung ausdehnt. Dennoch steht bei manchen Anforderungen an
die Tierhaltung der Kompromiss zu Gunsten wirtschaftlicher Aspekte im Vordergrund. Das wird
besonders bei der Reglementierung des Platzbedarfs pro Tier oder Tiergruppe (zu viele Tiere auf
zu wenig Raum), sowie bei den Anforderungen an die Sitzstangen (eng und niedrig) und der
Beleuchtung (Dämmerlichtverhältnisse, ungeeignetes Lampenspektrum und Zumuten von
Flackerlicht) deutlich. Die strikte Einteilung des Haltungsraumes nach den Funktionsbereichen
kann nur realisiert werden, wenn Platzbedarf und Gruppengröße einander angepasst werden.
Wünschenswert ist, die Bodenfläche auf ein Mindestmaß von 6 m² zu erhöhen was gleichzeitig
dem Vermischen der Funktionsbereiche (insbesondere die Trennung von Ruhe- und
Aktivitätsbereich) entgegenwirkt und somit dem Wohlbefinden der Tiere zuträglich ist. Die
Höhe der angebrachten Sitzstangen sollte mindestens 50 cm und die Höhe der Behausung 200
cm betragen. Sachkenntnis im Umgang mit den Tieren und eine frühzeitige Gewöhnung der
Tiere an die tägliche Kontrolle und Handling durch das Pflegepersonal, sowie an die Behausung
und den vorherrschenden klimatischen Verhältnissen, tragen zur langfristigen Stressreduktion
der Tiere bei. Nur die größtmögliche Nachahmung naturgetreuer Verhältnisse kann zu einem
größtmöglichen Wohlbefinden der Tiere führen. Dafür ist es notwendig die Physiologie der
Haushühner und ihre Verhaltensweisen zu kennen und diese Kenntnisse bei der Unterbringung
und Pflege der Tiere zu deren Schutz und Wohlergehen anzuwenden. Bei der Erstellung des
Merkblattes fanden diese Aspekte besondere Berücksichtigung. Die Forderungen dieses
Merkblattes gehen daher über die gesetzlich geforderten Mindestvorgaben hinaus.
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Tabelle 1. Überblick über die von der TVT empfohlenen Haltungsbedingungen für Legehennen
in Versuchstiereinrichtungen
Parameter
Empfehlung TVT
Mindestfläche
3 m² begehbare Fläche (wünschenswert 6 m²)
Gruppengröße
5 – 15 Tiere (1 Hahn pro Gruppe)
Belegdichte
Maximal 15 Tiere auf 3 m² (wünschenswert 15 Tiere auf 6 m²)
Höhe der Behausung
Mindestens 2 m
Gestaltung
4 Funktionsbereiche (Ruhebereich, Futter-/Tränkebereich,
Aktivitätsbereich mit Scharrbereich und Sandbad, Nistbereich) mit strikter
Trennung
Sitzstangen
In unterschiedlicher Höhe anzubringen; Bei ausgewachsenen Hühnern
mindestens 50 cm über dem Boden; Lichte Höhe zur Decke mindestens 75
cm;
30 cm Sitzstangenlänge pro Huhn
Oval, 3 – 4 cm variabler Durchmesser, aus Holz oder Kunststoff
Nest
Genug Platz für alle Hennen, ausreichend groß (aufrecht stehen und sich
umdrehen können muss gewährleistet sein)
Mindestens 1 Nest für 2 Hennen
Material: tiefe (ca. 10 cm), weiche und trockene Einstreu (z.B. Sägespäne
oder Stroh)
Abgedunkelt und von allen Seiten abgeschlossen
Klimawerte
Temperatur: 15 – 25 °C (optimal: 18°C)
Relative Luftfeuchtigkeit: 40 – 80 % (optimal: 55% ± 5%)
Beleuchtung
Lichtdauer: 12 : 12 (Hell : Dunkel), Übergang mit Dämmerungsfunktion
Lichthelligkeit am Tag: 200 Gallilux
Lichthelligkeit in der Nacht: maximal 0,5 Lux bzw. 0,5 Gallilux
Lichtspektrum: entsprechend Tageslicht mit UVA und –B Anteil
Lichpulsation: Gleichlichtcharakter bzw. wahrnehmbar flackerfrei
Schadgaskonzentration Ammoniak < 10 ppm; CO2 < 3000 ppm; H2S < 5 ppm
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Literatur
1. Scholtyssek S, Doll P. Nutz und Ziergeflügel. Verlag Eugen Ulmer Stuttgart 1979.
2. Oester H, Fröhliche E, Hirt H. Wirtschaftsgeflügel. In Das Buch vom Tierschutz:
Herausgeber: H. H. Sambraus und A. Steiger 1997; 186-214.
3. Ernst Fröhlich, Beurteilung der Einstreuqualität, Workshop Qualitativer Tierschutz,
Legehennen, ZTHZ, Zollikofen, Schweiz.
4. Deutsches Tierschutzgesetz in der Fassung der Bekanntmachung vom 18. Mai 2006 (BGBl. I
S. 1206,1313), das zuletzt durch das Gesetz vom 4. Juli 2013 geändert worden ist.
5. Verordnung zum Schutz landwirtschaftlicher Nutztiere und anderer zur Erzeugung tierischer
Produkte gehaltener Tiere bei ihrer Haltung (Tierschutz-Nutztierhaltungsverordnung TierSchNutztV) Fassung vom 31.8.2006
6. Verordnung zum Schutz von zu Versuchszwecken oder zu anderen wissenschaftlichen
Zwecken verwendeten Tieren (Tierschutz-Versuchstierverordnung – TierSchVersV).
Fassung von 01.08.2013.
7. N10 Leitlinien – ETS123 zu der Annahmeerklärung vom 15. Juni 2006. Verordnung über die
Änderung von Anhang A des Europäischen Übereinkommens zum Schutz der für Versuche
und andere wissenschaftliche Zwecke verwendeten Wirbeltiere. Vom 15. November 2007.
8. Richtlinie 2010/63/EU des Europäischen Parlamentes und des Rates vom 22. September
2010 zum Schutz der für wissenschaftliche Zwecke verwendeten Tiere.
9. Empfehlungen zur Verhinderung von Federpicken und Kannibalismus zum Verzicht auf
Schnabelkürzen bei Jung- und Legehennen. Herausgeber: Niedersächsisches Landesamt für
Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit. Stand 30.01.2013.
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Zu diesem Merkblatt
Dieses Merkblatt wurde erarbeitet vom Arbeitskreis 4 (Tierversuche) der
Tierärztlichen Vereinigung für Tierschutz e.V. (Stand: Jan. 2014).
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