Teil 2 (Anhänge)
FRIEDRICH KIELS
KLAVIERKAMMERMUSIK IN SONATENFORM
Teil 2 (Anhänge)
Inauguraldissertation
zur Erlangung der Doktorwürde
der Philosophischen Fakultät
der Universität Heidelberg
Zentrum für Europäische Geschichts- und Kulturwissenschaften
Musikwissenschaftliches Seminar
Susanne Büchner
Heidelberg 2014
Anhang 1:
WERKKATALOG
(Kiels Klavierkammermusikwerke in Sonatenform)
Im Werkkatalog der Klavierkammermusikwerke in Sonatenform sind die gedruckten
Kompositionen nach Opuszahlen und die zu Lebzeiten Kiels unveröffentlichten Werke
nach Gattungen geordnet, da die Entstehungsabfolge bei einzelnen unveröffentlichten
Kompositionen nicht zweifelsfrei feststellbar ist. Der Werkkatalog basiert auf ausführlichen Quellenstudien und fächert für jedes Werks die Entstehungs-, die Publikationssowie die Aufführungsgeschichte auf. Hierbei werden die Erst-, Auflagen- und Titelauflagendrucke sowie die Autografe und Abschriften weitestgehend genau datiert, was
bei den Erstausgaben eine in der Regel auf den Monat genaue Datierung ergibt. Hierbei lässt sich die Verbreitung von Kiels Kompositionen an der Anzahl der repräsentativ
erfassten Druckauflagen, Konzerte sowie zusätzlich ab dem 20. Jahrhundert an der Anzahl der Neudrucke, Rundfunkeinspielungen und Tonaufnahmen ablesen.
Die Angaben zu jeder Komposition werden jeweils in drei Abschnitte unterteilt: a) die
Beschreibung der überlieferten wie auch der verschollenen historischen Notenmanuskripte und -drucke, gefolgt von einem Hinweis auf Neudrucke, b) die Datierung der
Entstehungszeit einer Komposition, die mit der Entstehung des ersten Autografs identisch ist, sowie der Drucklegung ihrer Druckauflagen, c) die Konzerte ab dem 19. Jahrhundert bis dato, zu denen sich Rundfunkeinspielungen, CD-Aufnahmen – ohne Anspruch auf Vollständigkeit – und Spieldauern gesellen. Alle im Original wiedergegebenen Textpassagen, die hauptsächlich bei den Notenausgaben das Titelblatt, den Preis
und die Verlagsanzeigennummer sowie bei den Notenhandschriften das Titelblatt, den
Kopftitel und handschriftliche Vermerke umfassen, sind durch Kursivschreibweise gekennzeichnet. Hinzu kommen weitere original zitierte Textpassagen aus handschriftlichen Dokumenten, wie z. B. Geschäftsbüchern und -korrespondenz von Verlagen sowie weiteren Briefen, wie auch aus publizierten Textquellen, zu denen insbesondere
die zeitgenössischen Verlagskataloge, Verlagsanzeigen und Werkrezensionen, der von
Hofmeister herausgegebene Musikalisch-Literarische Monatsbericht über neue Musikalien, musikalische Schriften und Abbildungen und die Sekundärliteratur gehören.
a) Manuskripte / Drucke
Erfasst ist der Bestand an Notendrucken, -manuskripten sowie Briefen von 175 Bibliotheken sowie 26 Archiven und vier Privatbibliotheken (D-DÜloos, D-Gloos, D-KAdraheim, D-MZschneider). Sie setzen sich aus 141 deutschen sowie mehreren englischen,
österreichischen, italienischen, polnischen, schweizerischen, amerikanischen, französischen, niederländischen, dänischen, schwedischen und russischen Bibliotheken sowie
19 deutschen und einzelnen ausländischen Archiven zusammen.
Bei den Manuskripten werden das Titelblatt und der Kopftitel des Stimmen- und Partiturmaterials im Original zitiert, das Material beschrieben, die Funktion einer Stichvor-
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lage u. a. anhand Stechereintragungen belegt und die Datierung der jeweiligen Handschrift angegeben. Es schließen sich Angaben zur Provenienz, Erwerbung, Akzession
und sonstigen Manuskriptmerkmalen, wie z. B. Rasuren und Streichungen, an.
Für die historischen Notenausgaben werden zunächst die Kriterien aufgelistet, die für
alle Auflagen einer Komposition gelten und die Widmung, das Material, die Fußzeile
auf der ersten Notenseite und bei drei Werken die zweite Fußzeile auf der letzten Notenseite umfassen. Soweit nicht anders vermerkt, weisen alle Ausgaben das Quarthochformat 4° mit einer Länge von 30–35 cm auf, wobei auf eine konkrete Formatangabe
verzichtet wird, da bei den häufig am Rand zugeschnittenen Notenausgaben das Originalformat nicht mehr ermittelbar ist. Die Fußzeilen, die sich auf der ersten Notenseite
von Notenausgaben befinden und im Werkkatalog mit den folgenden Kürzeln angegeben sind, führen hierbei den Verlag – teilweise zusammen mit einem Eigentumsvermerk – oder die Druckerei an:
Firmenname
Kürzel
Fußzeile (auf erster Notenseite der Partitur)
Bote & Bock
Bo1
Ed. Bote u. G. Bock, Berlin.
Bo2
Ed Bote u G Bock. Berlin.
Bo3
Berlin, Ed. Bote & G. Bock
Bo4
Ed. Bote & G. Bock. Berlin.
R1
Stich und Druck der Röder’schen Officin in Leipzig.
R2
Stich und Schnellpressendruck der Röder’schen Officin
in Leipzig.
R3
Stich und Druck von C. G. Röder G.m.b.H., Leipzig.
Schlesinger
Schl
Berlin, Verlag u. Eigenthum der Schlesinger’schen Buchu. Musikhandlung.
Simrock
Si1
Verlag u. Eigenthum der Simrock’schen Musikhandlung
in Berlin, Jaegerstr. 18.
Si2
Verlag und Eigenthum der Simrock’schen Musikhandlung
in Berlin.
Si3
Verlag und Eigenthum von N. Simrock in Berlin.
Si4
Verlag und Eigenthum, N. Simrock, Berlin.
Timm
T
Berlin bei Robert Timm & C.o
Verleger
V1
Eigenthum der Verl
V2
Eigenthum der Verl:
V3
Eigenthum der Verleger
V4
Eigenthum der Verleger für alle Länder
Röder
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In der linken Spalte der Quellenbeschreibung werden die wichtigsten Kriterien der jeweiligen Druckauflage zusammengestellt. Zu ihnen gehören die in der Notenausgabe
vermerkte Preisangabe, das Herstellungsverfahren der Druckauflage, die Verlagsnummer, eine gegebenenfalls auf dem Umschlag einer Notenausgabe integrierte Verlagsanzeige, die Fußzeile auf der ersten Notenseite und bei den Klaviertrios op. 24 und
op. 65:1–2 die zusätzliche Fußzeile auf der letzten Notenseite. Beim Notenteil der im
19. Jahrhundert veröffentlichten Notenausgaben kann zwischen dem älteren Plattendruckverfahren, der an einem sicht- und fühlbaren Abdruck der Druckplatte in der Notenausgabe ersichtlich ist, und einem ab Anfang der 1860er-Jahre im Notendruck eingeführten Flachdruckverfahren unterschieden werden. Die textbasierten Titelblätter
von Notenausgaben wurden hingegen schon vorher wie beim Buchdruck häufig im
Flachdruckverfahren und hierbei zunächst in der Regel als Lithografie hergestellt. In dieser Zusammenstellung der Hauptkriterien finden folgende Abkürzungen Verwendung:
Abkürzungen
Beschreibung
Dp
Plattendruck des Notenteils
kein Dp
Flachdruck des Notenteils
VN
Verlagsnummern im weiten Sinne, die sowohl Plattennummern als
auch als reine Bestellnummern für den Händler umfassen
A (…): Ti /
ITi / ATi
Verlagsanzeige (Nummer der Verlagsanzeige): auf dem Titelblatt /
Innen- / Außentitelblatt
A (oN)
Verlagsanzeige (ohne Nummer)
A: ?
Verlagsanzeige gegebenenfalls auf der Versoseite des fehlenden farbigen bzw. grauen Umschlagrückblatts vorhanden
F:
Fußzeile auf der ersten Notenseite
Die Quellenbeschreibung beinhaltet für jede Druckauflage insbesondere die im Original
wiedergegebenen Titelblätter und Verlagsanzeigen. Die Blattfarbe eines Titelblattes
oder einer Verlagsanzeige wird in runden Klammern nur angefügt, wenn das entsprechende Blatt farbig anstatt papierfarben ist. Für jede Druckauflage, zu der jeweils die
konkreten Druckexemplare aufgelistet sind, wird die Datierung anhand der in Kapitel 3
erläuterten wissenschaftlich fundierten Datierungsverfahren vorgenommen. Zu den
Datierungsmitteln gehören die datierbaren Angaben aus den jeweiligen Notenausgaben, wie z. B. Existenzspanne, Firmenname, -sitz und -adresse von Verlagen, Kommissionären und Druckereien (Auflistung in Anhang 2), die Währung und eine vom Verlag bei jeder Auflage aktualisierte Verlagsanzeige in der Notenausgabe. Ebenfalls spielen historische Geschäftskorrespondenz und -bücher von Musikverlagen sowie Verlagskataloge und zeitgenössische Briefe eine Rolle. Bei den konkret nachgewiesenen
Druckexemplaren werden vollständige von unvollständig überlieferten Exemplaren,
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bei denen meistens der Umschlag fehlt, durch ein Semikolon voneinander getrennt. Dieser Umschlag umfasst bei Musikalien ein Titelblatt auf dem Umschlagvorderblatt recto
und zum Teil Verlagsanzeigen, die häufig auf dem Umschlagrückblatt verso und in Einzelfällen auf dem Umschlagrückblatt recto und / oder dem Umschlagvorderblatt verso
stehen. Zudem wird auf die Provenienz der erfassten Notenexemplare eingegangen.
Nach dieser ausführlichen Beschreibung von historischen Erst-, Auflagen- und Titelauflagendrucken folgt ein bibliografischer Hinweis auf sämtliche seit 1950 im Druck
erschienenen Neudrucke.
b) Datierung
Für die Bestimmung der Entstehungszeit einer Komposition sind die spärlichen Datierungsvermerke auf den Manuskripten Kiels, die Briefe Kiels und seiner Zeitgenossen
und das im Lebensabriss (c1881*) bzw. AllgemeineZ (1885) überlieferte Interview mit
Kiel von Bedeutung. Der Einschränkung des Entstehungszeitraums dienen u. a. auch
Konzertrezensionen, Schülermemoiren und Sekundärliteratur.
Zu den historischen Erst- und Auflagendrucken werden pro Auflage die jeweils relevanten Datierungsmittel zusammengestellt. Hierbei werden die Auflagendrucke nur dann
durchnummeriert, wenn z. B. aus den Geschäftsbüchern eines Verlags oder dem von
Hofmeister herausgegebenen Musikalisch-Literarischen Monatsbericht eindeutig hervorgeht, dass es sich um die zweite Auflage (= „2. Druck“) handelt. In seltenen Fällen
kann eine Auflage, wie z. B. beim Klavierquartett a-Moll op. 43, nur in der Sekundärliteratur belegt werden, ohne dass ein konkretes Druckexemplar derzeit nachweisbar
ist. Die Beschreibung jeder Druckauflage endet mit einem Verweis auf ein ausgewähltes, möglichst vollständiges Notenexemplar mit Bibliothekssigel und Signatur.
c) Konzerte, Rundfunkeinspielungen, CD-Aufnahmen, Spieldauer
Repräsentativ sind die öffentlichen, halböffentlichen und privaten Aufführungen sowie
Hauskonzerte seit dem 19. Jahrhundert erfasst. Die pro Komposition chronologisch
sortierten Konzerttermine werden mit Datum, Ort (Saal), Wochentag, Uhrzeit des Konzertbeginns und Interpreten (Instrument) angegeben. Die Vornamen von Interpreten
sind gegenüber vorliegenden Konzertrezensionen soweit möglich anhand der Standardlexika des 19./20. Jahrhunderts (LedeburL, Mendel/ReissmannL, MGG bzw. MGG 2P,
NGroveD etc.), der nationalen Biografien (für Deutschland z. B. Deutsches Biographisches Archiv DBA / 3 Folgen, Allgemeine Deutsche Biographie ADB und Neue Deutsche Biographie NDB) und den biografischen Online-Datenbanken World Biographical Information System WBIS Online und Who’s who 1897–1998 (CD-ROM Oxford
1998) ergänzt. Bei den in Berlin wirkenden Interpreten wurden zusätzlich die Berliner
Adressbücher Allgemeiner Wohnungs=Anzeiger bzw. Berliner Adreßbuch und das
Handbuch über den Königlich Preussischen Hof und Staat herangezogen. Wenn der
Vorname nicht oder nur teilweise eruierbar ist, wird die Bezeichnung Herr / Frau / Frl.
wie z. B. bei „Herr Kämling (Vc.)“ beibehalten, um eine weitere Identifizierung zu
erleichtern. Der in zeitgenössischen Konzertrezensionen nur selten angegebene Wo-
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chentag der Aufführung ist anhand des Ewigen Kalenders von Theodor Wagner ermittelt. Alle Konzerte, die noch vor der Erstveröffentlichung des jeweiligen Werks stattfanden, sind mit einem Kreuz (#) gekennzeichnet.
Belege für einzelne Konzerte des 19. Jahrhunderts finden sich in Briefen Kiels und seiner Zeitgenossen, in handschriftlichen Aufführungsvermerken auf Notenexemplaren
oder in der Sekundärliteratur. Die meisten Konzerte sind jedoch anhand von Konzertanzeigen und -rezensionen von 18 zeitgenössischen überregionalen Musikzeitungen
(ADM / AMZ, AmZNF / LAmZ / AmZ, SfMW, DMZ, Echo, MWM, MWO, NBM,
NMZ, NMKK, NZfM / ZfM, RuM, TkW, KpBZ) und vereinzelt von regionalen Tageszeitungen ermittelt. Hinzu kommen die überlieferten Jahresberichte von sieben
Tonkünstlervereinen in Berlin, Dresden, Hamburg, Köln, Leipzig, Stuttgart und Wien
(TVBB, TVDB, TVHB, TVKB, TVLB, TVSB, TVWB), wobei alle Jahrgänge nur beim
Jahresbericht des Tonkünstlervereins Dresden zugänglich und somit dessen Konzerttermine vollständig erfasst sind. Integriert sind auch zwei Konzertprogrammsammlungen: Marie von Bülows Sammlung der Konzertprogramme ihres Ehemannes Hans von
Bülow, die in D-B Mus Db 1815 (1–6) Rara überliefert ist, und die 1889 veröffentlichte
Sammlung der Konzertprogramme des Hellmesberger-Quartetts aus dem Zeitraum
1849–89 mit dem Literaturkürzel Hellmesberger-Programme (1889).
Ab der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts sind die Konzerte hauptsächlich den Schriftenreihen Mitteilungen der 1879 gegründeten Friedrich-Kiel-Gesellschaft FKG-M 1. Jg.
(1981) ff. und Konzert-Almanach 1. Jg. (1981/82) ff. wie auch der Sekundärliteratur entnommen.
Ab der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts sind auch CD-Aufnahmen sowie Rundfunkeinspielungen, die auf den Angaben des Deutschen Rundfunkarchivs Frankfurt und folgenden Rundfunkanstalten basieren, aufgenommen: Bayerischer Rundfunk BR in München, DeutschlandRadio DLR in Berlin seit 1994 – ehemals RIAS in Berlin und DS
Kultur (DS = Radioprogramm aus Ostberlin 1990–93) –, DeutschlandRadio DLR in
Köln mit Programmen des Deutschlandfunks, Hessischer Rundfunk HR in Frankfurt
am Main, Mitteldeutscher Rundfunk MDR in Leipzig, Norddeutscher Rundfunk NDR
in Hamburg und Hannover, Radio Bremen RB in Bremen, Rundfunk Berlin-Brandenburg RBB in Berlin und Potsdam seit 2003 – als Fusion von Sender Freies Berlin SFB
in Berlin und Ostdeutschem Rundfunk Brandenburg ORB in Potsdam –, Saarländischer Rundfunk SR in Saarbrücken, Südwestrundfunk SWR in Stuttgart und BadenBaden – als Fusion von Süddeutschem Rundfunk SDR in Stuttgart und Südwestfunk
SWF in Baden-Baden – sowie Westdeutscher Rundfunk WDR in Köln. Hinzu kommen vereinzelte Konzertnachweise der ausländischen Rundfunkanstalten BRTN Brüssel, Radio Klara in Brüssel, Schwedischer Rundfunk und Schweizer Radio DRS. Abgesehen vom Radio Bremen RB, bei dem der volle Name zur Vermeidung einer Verwechslung zwischen RB und RBB beibehalten wird, werden nachfolgend lediglich die
Kürzel der Rundfunkanstalten verwendet.
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Die nach Länge sortierten Spieldauern einer Komposition umfassen die Aufführungsdauern von Rundfunkeinspielungen und CD-Aufnahmen sowie die anhand von Metronomangaben historischer Notenausgaben berechnete Spieldauer. Zu der rein rechnerischen Summe der Satz-Spieldauern werden – wie bei den Rundfunkaufnahmen und
CD-Aufnahmen üblich – die Pausen zwischen den Sätzen (mit durchschnittlich insgesamt zehn Sekunden) hinzuaddiert; dies geschieht auch bei einzelnen Rundfunkeinspielungen, deren Gesamtspielzeit unbekannt ist (RE z. B. 21.5.1985 SR von op. 34: 18' 16''
als Summe der Einzelsätze plus 10'' = 18' 26''). Die Berechnung der Spieldauer „X“
eines Einzelsatzes anhand der Metronomangabe beruht hierbei auf folgender Formel:
„X = (A : B) x 1 min.“, da „A : X = B : 1 min.“.
„A“ bedeutet die Anzahl von z. B. Viertelschlägen, die ein Satz inklusive Wiederholungsabschnitten – errechnet aus Taktanzahl und Taktart – beinhaltet, und „B : 1 min.“
die Anzahl von z. B. Viertelschlägen pro Minute, die aus der Metronomangabe in historischen Notenausgaben hervorgeht. Beim ersten Satz des Klaviertrios D-Dur op. 3
z. B., der inklusive Wiederholungsabschnitten 222 Takte umfasst, im 3/4-Takt mit drei
Viertelschlägen pro Takt steht (A = 222 x 3 q = 666 q) und die Metronomangabe
q = 132 (B : 1 min. = 132 q : 1 min.) aufweist, beträgt die Spieldauer als Dezimalwert
5,05, was dem Zeitwert fünf Minuten und drei Sekunden entspricht. Diese Spieldauer
errechnet sich aus: X = (666 q : 132 q) x 1 min. = 5,05 (Dezimalwert) = 5' 03'' (Zeitwert).
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A. Zu Kiels Lebzeiten veröffentlichte Werke
A1. Op. 3 (Klaviertrio [Nr. 1] D-Dur)
a) Manuskripte / Drucke
Autograf (Stichvorlage): D-LEsta 21070 C. F. Peters, Leipzig, Nr. 5472
Titel: Trio | für | Pianoforte | Violine und Violoncello. | [von späterer Hand mit noch offengelassener Widmung:
componirt und … | gewidmet] | von | Friedrich Kiel | op. 3. (Titelblatt der Part.); Trio | für | Pianoforte | Violine
und Violoncello | Violino (Titelblatt der VSt.); Trio | für | Pianoforte | Violine und Violoncello | Violoncello. (Titelblatt der VcSt.)
Material: Part. 40 S. (Titelblatt S. [1], Noten S. 2–39) und 2 St. (V., Vc.) à 12 S. (Titelblatt S. [1], Noten S. 2–11 V.
bzw. S. 2–10 Vc.); Querformat 26,1 x 33,8 cm; kalligrafische Reinschrift mit autografer V. S.-Markierung der Wendestellen der 2 St. in Tinte (V. S. = Volto subito) und von späterer Hand Markierung der Seitenumbrüche der Part. in
Bleistift, wie z. B. mit der Seitenzahl „4“ (über Klaviersystem nach drittem Takt des dritten Notensystems auf
Seite 4) als Markierung des Seitenendes der Seite 4 in der Druckausgabe, originale Paginierung
Stichvorlage: Der Verlag fügte während der Druckvorbereitung auf dem Titelblatt der Partitur eine noch offene
Widmungsfloskel „componirt und … | gewidmet“ ohne Namensnennung und unten rechts die Verlagsnummer
„3606.“ sowie im Notenteil die Seitenumbrüche ein. Die kalligrafische Reinschrift der Partitur weist nur wenige
kleine Korrekturen in Tinte, Rasuren sowie – als Druckvorbereitung des Verlags – Eintragungen von späterer Hand
in Bleistift und rotbraunem Buntstift auf.
Datierung 1843–48 oder 1850: ohne originale Datierung, siehe Punkt „b) Entstehungszeit“ der Komposition
Erwerbung circa 1853/54: In der Regel gingen die Notenhandschriften vor der Drucklegung an den Verlag
C. F. Peters in Leipzig und blieben in seinem Besitz, wie aus der freundlichen Mitteilung von Norbert Molkenbur,
Geschäftsführer der Edition Peters Leipzig GmbH 1990–2002, vom 11.6.2009 hervorgeht. Dies war auch bei
dem als Stichvorlage dienenden Autograf von Kiels Klaviertrio D-Dur op. 3 der Fall, das sich heute als Verlagsdepositum in D-LEsta befindet.
Alte Drucke
Widmung: le Prince Charles de Sayn-Wittgenstein-Berleburg (jüngerer Bruder von Fürst Albrecht I. zu SaynWittgenstein-Berleburg)
Die Dedikation an Prinz Karl als eine an einem Fürstlichen Hof lebende Adelsperson bewog den Verlag oder den
Komponisten dazu, das Titelblatt in allen Notenausgaben in der bevorzugten Hof- und Adelssprache Französisch
zu notieren, während das keinen Widmungsträger aufweisende Titelblatt des Autografs noch in Deutsch verfasst
ist. Das Klaviertrio D-Dur op. 3 ist die einzige Komposition dieses Werkkatalogs mit französischen Werktitel.
Material: Part. 31 S. und 2 St. (V., Vc.) à 8 S.; 4°
Die von der Notenstich- und -druckfirma C. G. Röder in Leipzig hergestellten 43 Druckplatten ergaben zwölf Papierbogen laut dem Peters-Plattenbuch (1874–1906, PN 3606). Alle 43 Platten, die noch im Jahr 1907 bei C. G.
Röder lagerten, wurden laut dem Peters-Plattenbuch (1907–90, PN 3606) im März 1909 eingeschmolzen.
Fußzeilen (S. 3): keine
2 Thlr.
Dp
VN: 3606
A: _
F: _
D-B Mus. 3257, D-Dl 3.Mus.4.986; D-BLfk Bestand 116 C, Nr. 54 (als Depositum in D-Budka)
Druck 1854–60 (1. Druck 1854): früh. 1854 (Erstdruck 1854), 1814–60 (Firmenname und -sitz
von Peters)
• Außentitel (blau) auf Umschlagvorderblatt recto: TRIO | pour | Piano, Violon et Violoncelle. |
PAR | Fr. Kiel. | Op. 3.
• Innentitel: TRIO | pour | Piano, Violon et Violoncelle | composé et dédié | à | Sen. Altesse
Monsieur le Prince | Charles | de Sayn-Wittgenstein-Berleburg | PAR FRÉDÉRIC KIEL. | [links:]
Op. 3. [rechts:] Pr.[eis] 2 Thlr. | Propriété de l’Editeur. | Enregistré aux Archives de l’Union. |
LEIPZIG, | au Bureau de Musique de C. F. Peters. | Ent.d Stat. Hall. | Londres, J. J. Ewer & C.o –
C. L. Cranz & C.o – S.t Petersbourg, M. Bernard. | 3606.
• Blauer Umschlag nur bei D-B Mus. 3257 und D-Dl 3.Mus.4.986 vorhanden, bei D-Dl 3.Mus.4.986
irrtümlich zur Violinstimme dazugebunden
• Provenienz / D-B Mus. 3257: Ex | Biblioth.[eca] Regia | Berolinensi. (Stempel auf S. 3);
D-BLfk Bestand 116 C, Nr. 54: IV 8a (Vermerk in Bleistift auf Titelblatt);
D-Dl 3.Mus.4.986: Nr. 315 | Aug. Gladewitz. | Collmen 1854. (Vermerk in schwarzer Tinte auf
zusätzlichem, nachträglich hinzugefügten grauen Umschlag, in den die vollständige Partitur ein-
291
gelegt ist), Nr. 315. | A. Gladewitz. | 1854. (Vermerk in schwarzer Tinte auf Außentitelblatt),
TONKÜNSTLER-VEREIN | ZU | DRESDEN (Stempel auf Titelblatt)
2 Thlr.
Nouv. Edition
Dp
VN: 3606
A: _
F: _
D-B N.Mus. 7133; D-BLfk Bestand 116 C, Nr. 54 [Ex. 1–2] (als Depositum in D-Budka),
D-Dl Mus.1.Q.505,3, D-F Mus.pr. Q54/1362, D-Mbs 4 Mus.pr. 92.347
Druck 1860–67 (Druck 1862 oder 1865): 1860–80 (Firmenname und -sitz von Peters), 1829–67
(Firmenname und -sitz von Ewer)
• Titel: TRIO | pour | Piano, Violon et Violoncelle | composé et dédié | A SON. ALTESSE MONSIEUR LE PRINCE | CHARLES | de Sayn=Wittgenstein=Berleburg | par | FRÉDÉRIC KIEL. |
[links:] Op. 3. [Mitte:] Nouvelle Edition. [rechts:] Pr. 2 Thlr. | Propriété de l’Editeur. | Enregistré
aux Archives de l’Union. | LEIPZIG et BERLIN, au BUREAU DE MUSIQUE de C. F. PETERS. |
Ent.d Stat. Hall. | [links:] LONDRES, J. J. EWER & C.o [rechts:] S.T PETERSBOURG, M. BERNARD. | 3606. | [Lithografiefirma:] Friedr. Krätzschmer. [!]
• Provenienz / D-B N.Mus. 7133: Roland Dawcynski | Berlin-Steglitz, Abrechtstr. 10 (Stempel
auf Titelblatt und S. 3);
D-BLfk Bestand 116 C, Nr. 54 [Ex. 1]: 16.12.[19]95 | Musikantiquariat | Dr. Werner Greve, Berlin (Datumsstempel mit Namensvermerk in Bleistift auf S. [32] / Erwerbung am 6.12.1995 durch
Friedrich-Kiel-Gesellschaft e. V.);
D-BLfk Bestand 116 C, Nr. 54 [Ex. 2]: 20.9.[19]45. (Datumsvermerk in Bleistift auf Titelblatt),
2.6.[19]86 (Erwerbungsdatum 2.6.1986 der Friedrich-Kiel-Gesellschaft e. V. in Bleistift auf
S. [32]);
D-Dl Mus.1.Q.505,3: Dora Tietz | Ottendorf-Okrilla | (Krs. Dresden) | Goethestraße 2 (Vermerk
auf Sammelband);
D-F Mus.pr. Q54/1362: MAGASIN DE MUSIQUE | TH.[EODOR] HENKEL | FRANCFORT a/M.
(Stempel auf Titelblatt / 1854 gegründete Musikalienhandlung Th. Henkel in Frankfurt)
6 Mk.
Nouv. Edition
keine Dp
VN: 3606
A: _
F: _
D-BLfk Bestand 116 C, Nr. 54 (als Depositum in D-Budka)
Druck 1880–87: 1880–1949 (Firmenname und -sitz von C. F. Peters in Leipzig), spät. 1887 (Peters-Katalog 1888: deest), 1867–98 (Firmenname und -sitz von Ewer / siehe folgende Erklärung),
1829–93 (Firmenname und -sitz von Bernard)
Bei der in der Notenausgabe genannten, nur im Zeitraum 1829–67 gültigen Firmierung „J. J.
Ewer & Co.“, die wohl versehentlich aus den älteren Auflagen von 1862 oder 1865 übernommen
wurde, handelt es sich aufgrund der angegebenen Währung Mark (ab 1874) um die aktuelle Firmierung „Novello, Ewer & Co.“ (1867–98).
• Titel: TRIO | pour | Piano, Violon et Violoncelle | composé et dédié | A SON. ALTESSE MONSIEUR LE PRINCE | CHARLES | de Sayn=Wittgenstein=Berleburg | par | FRÉDÉRIC KIEL. |
[links:] Op. 3. [Mitte:] Nouvelle Edition. [rechts:] Pr. 6 Mk. | Propriété de l’Editeur. | Enregistré
aux Archives de l’Union. | LEIPZIG, C. F. PETERS. | Ent.d Stat. Hall. | [links:] LONDRES,
J. J. EWER & C.o [rechts:] S.T PETERSBOURG, M. BERNARD. | 3606.
• Provenienz / D-BLfk Bestand 116 C, Nr. 54: 13. Sept. 1944, Glas, Berlin. (Vermerk in Bleistift auf S. [32])
Zwei Neudrucke
1) Titel: UNBEKANNTE WERKE DER KLASSIK UND ROMANTIK | 38 | FRIEDRICH KIEL | TRIO | für Violine,
Violoncello und Klavier | Opus 3 | WW | [Fußzeile:] VERLAG WALTER WOLLENWEBER . MÜNCHEN-GRÄFELFING
Ausgabe: Mn.-G. 1985, Walter Wollenweber (VN: WW 38); Vorwort vom Verlag, ohne Taktzählung; Nachdruck
einer Peters-Ausgabe, Neudruck zum Gedenken an den 100. Todestag von Friedrich Kiel am 13. September 1985
2) Titel: EDITION SILVERTRUST | Piano Trio | No. 1 in D Major | Op. 3 | by | Friedrich Kiel | [Fußzeile:]
ES 0074 7 [!] (Titelblatt der Part.); Piano Trio No. 1 in D Major, Op. 3 (Überschrift in St.); Titel laut freundlicher
Mitteilung von Edition Silvertrust
Ausgabe: Riv. 2007, Edition Silvertrust 2007 (VN: ES-2007-47); Vorwort – mit Fotografie und biografischen
Informationen über den Komponisten Friedrich Kiel – vom „Editor in Chief“ Raymond Harvey Rawlins Silvertrust, ohne Taktzählung; unveränderter Nachdruck einer C. F. Peters-Ausgabe
292
b) Datierung
Entstehungszeit 1843–48 oder 1850
Laut den Schülermemoiren von Ludwig Nohl (Nohl 1882, 26) entstand Kiels Klaviertrio D-Dur op. 3 innerhalb
des Zeitraums 1843–48 noch unter der Obhut von Siegfried Wilhelm Dehn, bei dem er 1843–45 Komposition
studiert hatte: Kiel arbeitete bei ihm [= Dehn] fast sechs Jahre [1843–48] mit größtem Fleiß. Im Jahre 1850 bestimmte ihn dann Dehn, Einiges von den Arbeiten, die er in seiner Schule gemacht, herauszugeben. Es waren Fünfzehn Kanons im Kammerstyl Op. 1 [Erstdruck 1851], Sechs Fugen Op. 2 [Erstdruck 1852] und ein Trio Op. 3
[Erstdruck 1854]. Demzufolge hatte Dehn im Jahr 1850 Kiel dazu aufgefordert, sein Klaviertrio D-Dur op. 3 –
und damit sein erstes Kammermusikwerk überhaupt – zu veröffentlichen. Dasselbe Jahr 1850 ist jedoch übereinstimmend bei drei späteren Autoren als Entstehungszeit angegeben: bei Prieger (1884, 273 bzw. 1906, 131), Reinecke (1936, 78) und Schmieder (1984, 232). Ob Erich Prieger 1884 als erster den von Ludwig Nohl geschilderten
Sachverhalt missverstanden hatte und alle späteren Autoren die Meinung Erich Priegers ungeprüft übernommen
haben, oder ob Ludwig Nohl sich irrte, bleibt offen.
Ludwig Nohl und Erich Prieger waren Musikwissenschaftler und ehemalige Kompositionsschüler Kiels, Nohl privat
in den 1850er- und Prieger an der Kgl. Hochschule für Musik in den 1870er-Jahren. Prieger, der auch ein persönlicher Freund Kiels gewesen war, erwarb einen Großteil seines handschriftlichen Musiknachlasses.
Druckjahre / -monate
1. Druck: Jan. 1854 (Lpz. [1854], C. F. Peters / 2 Thlr.), Auflagenhöhe 100 Exemplare
Siegfried Wilhelm Dehn gab laut Nohl (1882, 26), wie unter Punkt „Entstehungszeit“ näher erläutert wird, dem
noch unbekannten Komponisten Friedrich Kiel im Jahr 1850 die Empfehlung, sein Klaviertrio D-Dur op. 3 zu publizieren, was jedoch erst Anfang 1854 bei C. F. Peters in Leipzig – nach Dehns persönlicher Fürsprache beim Verlagsleiter Karl Gotthelf Böhme – realisiert wurde.
Im September 1852 setzte sich Siegfried Wilhelm Dehn, vermutlich da Kiels bisherige Bemühungen erfolglos geblieben waren, persönlich beim Verlagsleiter von C. F. Peters in Leipzig für die Drucklegung von dessen Klaviertrio D-Dur op. 3 ein, wie aus seinem an Franz Liszt adressierten Brief (6.1.1853L4, 255 f.) hervorgeht: Er
nahm Kiel im September 1852 mit nach Leipzig, um dort sein erstes (kleines [= dreisätziges]) Trio für Pianoforte,
Violine und Violoncello [D-Dur op. 3] […] womöglich auf eine anständige Art unter die Presse zu bringen. Ich
habe mich an das Bureau de musique gewendet, und der alte [67-jährige] Papa [Karl Gotthelf] Böhme[, der bis
zu seinem Todesjahr 1855 Verlagsleiter von C. F. Peters war,] ist ohne weitere Umstände nicht nur auf den Verlag [!] […] des Trio[s] [op. 3] eingegangen, sondern hat auch sogleich ein anständiges Honorar gezahlt.
Diese Kontaktaufnahme zu dem renommierten Leipziger Musikverlag C. F. Peters bot sich an, da Dehn als Herausgeber der dort 1850–55 veröffentlichten Bände 15–23 der Œuvres complets, der Gesamtausgabe von Johann
Sebastian Bachs Instrumentalmusik, den Verlagsleiter Karl Gotthelf Böhme persönlich kannte.
Laut dem an Dehn adressierten Brief (14.6.1853) von C. F. Peters soll Kiel’s Trio zur Michaelis-Sendung, d. h.
im Herbst 1853 kurz vor dem Festtag des Erzengels Michael am 29. September 1853, mit ausgegeben werden.
Dieser für Herbst 1853 geplante Erstdruck wurde aber laut Peters-Druckbuch (1831–67) erst 1854 realisiert. Bestätigt wird dies durch vier erst am 11. Januar 1854 an Dehn geschickte und für Friedrich Kiel bestimmte Erstausgaben seines Klaviertrios D-Dur op. 3 (als Freiexemplare), die der Leipziger Verlag C. F. Peters mit der Bitte
um Weiterreichung an Kiel als Anlage dem an Dehn adressierten Brief (11.1.1854) beilegte.
Peters-Druckbuch (1831–67), PN 3606; Alt- 1. Druck 1854 (Erstdruck im Jahr 1854 eine 100-Stück-Auflage
mann (1934, 78)
gedruckt)
Brief (11.1.1854) von C. F. Peters an Siegfried Vier Freiexemplare von Kiels Klaviertrio D-Dur op. 3 als BriefWilhelm Dehn
anlage zu dem an Dehn adressierten Brief (Beischl.[ag] an Kiel: 4 Expl.
Op. 3) zwecks Weiterreichung an Friedrich Kiel
NZfM (27.1.1854, 56)
Druck Jan. 1854 (Verlagsanzeige Neue Musikalien im Verlag von
C. F. Peters, Bureau de Musique in Leipzig.)
Hofmeister (Febr. 1854, 495)
Druck vor Febr. 1854
Deutsch (1961, 14)
Druck 1852–54 / VN 3606
(1852: VN 3496–3539; 1854: VN 3660–3732)
Peters-Katalog (1861, 25)
Druck vor 1861 („Trio av.[ec] Violon et Violoncelle.“),
Werkangabe für das in der Überschrift der entsprechenden Katalogrubrik genannte Instrument (hier: Kl.) mit weiteren, nach av.[ec] genannten Instrumenten (hier: V., Vc.) anstelle der vollständigen,
mit pour eingeleiteten Besetzungsangabe (freundliche Mitteilung
293
von François-Pierre Goy, Bibliothekar in der Bibliothèque nationale de France in Paris, Département de la Musique, vom 25.8.2014)
Vergleiche:
D-B Mus. 3257
Das Erstdruckjahr 1853 in Bungert (2.4.1875, 137), Altmann (1901, 148) und Reinecke (1936, 15+78) ist damit
überholt.
2. Druck: 1862 / Nouvelle Edition (Lpz. und Bln. 1862, C. F. Peters / 2 Thlr.), Auflagenhöhe 20 Exemplare
Peters-Druckbuch (1831–67), PN 3606; Alt- 2. Druck 1862 (als 2. Auflage im Jahr 1862 eine 20-Stück-Auflage
mann (1934, 78)
gedruckt; in neuer Ausgabe)
Hofmeister (Dez. 1862, 233)
Druck vor Dez. 1862: Trio (D) p.[our] Pfte. Viol. et Vclle., Nouv.[elle] Edit.[ion] Leipzig, Peters 2 Rth. [= Reichstaler]
Hofmeister (Febr. 1863, 17)
Druck vor Febr. 1863: Trio (D) p. Piano, Violon et Violoncelle.
Op. 3. Nouv. Edit. 2 Rth. (in Verlagsanzeige Neue Musikalien im
Verlage von C. F. Peters, Bureau de Musique in Leipzig und Berlin)
Vergleiche:
2. oder 3. Druck: D-B N.Mus. 7133
3. Druck: 1865 / Nouvelle Edition (Lpz. und Bln. [1865], C. F. Peters / 2 Thlr.), Auflagenhöhe 25 Exemplare
Peters-Druckbuch (1831–67), PN 3606
3. Druck 1865 (als 3. Auflage im Jahr 1865 eine 25-Stück-Auflage
gedruckt)
Vergleiche:
2. oder 3. Druck: D-B N.Mus. 7133
Druck: 1880–87 / Nouvelle Edition (Lpz. [1880–87], C. F. Peters / 6 Mk.), Auflagenhöhe unbekannt
Peters-Katalog (1888, 80)
Druck spät. 1887 (von Kiels Kammermusikwerken 1888 nur das
Klaviertrio cis-Moll op. 33, jedoch nicht das Klaviertrio D-Dur
op. 3 aufgelistet)
[Im nachfolgenden Peters-Katalog (1892) sind beide bei C. F. Peters verlegten Klaviertrios von Kiel – D-Dur op. 3 und cis-Moll
op. 33 – nicht verzeichnet.]
Vergleiche:
D-BLfk Bestand 116 C, Nr. 54
Neudruck 1: 1985 (Mn.-G., Wollenweber)
Neudruck 2: 2007 (Riv., Edition Silvertrust)
c) Konzerte, Rundfunkeinspielungen, CD-Aufnahmen, Spieldauer
Konzerte
# Sept. 1852
Leipzig, Friedrich Kiel (Kl.) + junger talentvoller Geiger (V.) + Siegfried Wilhelm Dehn (Vc.);
Aufführungsangaben laut Brief (6.1.1853L4, 255)
1.8. – 2.9.1858 Leipzig, Interpreten unbekannt (Kl., V., Vc.)
20.11.1858
Berlin / TV Berlin (Stöcker’scher Saal, der Konzertsaal des seit 1838 in Berlin tätigen Kgl. Hofklavierfabrikanten Theodor Stöcker in der Kochstraße 57), Kielsoiree, Samstag 19 Uhr, Friedrich
Kiel (Kl.) + Adolf Grünwald (V.) + Theodor Bruns (Vc.)
27.1.1859
Berlin / TV Berlin (Saal des Englischen Hauses), Konzert zum Besten der Krankenkasse des
TV Berlin, Donnerstag 19 Uhr, Friedrich Kiel (Kl.) + Adolf Grünwald (V.) + Theodor Bruns (Vc.)
13.3.1859
Berlin (Cäciliensaal, der kleine Saal der Singakademie), Matinee / Konzert von Friedrich Kiel
(Kiel als Gastgeber, nur eingeladene Zuhörer), Sonntagvormittag, Friedrich Kiel (Kl.) + Adolf
Grünwald (V.) + Theodor Bruns (Vc.)
3.11.1862
Berlin (Saal des Englischen Hauses), 1. Klaviertriosoiree von Engelhardt / Hellmich / Zürn,
Montagabend, Engelhardt-Klaviertrio [Herr A. Engelhardt (Kl.) aus Weimar + Wilhelm Hellmich
(V.) aus Berlin + Herr H. Zürn (Vc.)]
6.11.1867
Dresden (Saal des Hôtel de Saxe), 1. Triosoiree von Rollfuß, Mittwoch 19 Uhr, Bernhard Rollfuß
(Kl.) + Friedrich Seelmann (V.) + Josef Bürchl (Vc.)
5.9.1875
Dessau (Konzertsaal des herzoglichen Hoftheaters), 1. Quartettmatinee für Kammermusik der
Herren Stegmann und Genossen, Sonntag 11:30–13:00 Uhr, Eduard Thiele (Kl.) + Mitglieder des
Stegmann-Streichquartetts [Herr Stegmann oder Herr Ulrich (V.) + Herr Matthiae (Vc.)]
18.3.1876
Berlin, 3. Kammermusiksoiree von Anna Steiniger, Samstagabend, Anna Steiniger (Kl.) + Arno Hilf
(V.) + Heinrich Grünfeld oder Herr Corellen oder Herr Kämling (Vc.)
294
25.3.1876
Torgau, Kammermusiksoiree von Anna Steiniger, Samstagsabend, Anna Steiniger (Kl.) + Arno Hilf
(V.) + Hermann Heberlein (Vc.)
25.3.1987
Saarbrücken (Hochschule für Musik Saarbrücken), Mittwoch 19 Uhr, Mitglieder des Rundfunk-Sinfonieorchesters Saarbrücken
Heek, Sonntag, Thomas Palm (Kl.) + Angelika Lixfeld (V.) + Florian Sebald (Vc.)
Bad Berleburg (Schloss Berleburg), Kammerkonzert / Eröffnungskonzert der Friedrich-Kiel-Musiktage (27.9. – 17.10.1996), Donnerstag 20 Uhr, Kölner Klaviertrio [Thomas Palm (Kl.) + Walter
Schreiber (V.) + Klaus-Christoph Kellner (Vc.)]
7.1.1996
3.10.1996
Es sind keine Rundfunkeinspielungen bekannt.
CD-Aufnahme
Titel: Friedrich Kiel | Klaviertrios | Piano Trios [op. 3 und op. 65:1–2]; Düsseldorf ©/℗ 2000, KOCH CLASSICS GmbH / Schwann Musica Mundi in Koproduktion mit dem Bayerischen Rundfunk in Nürnberg (Bestellnummer: 3-6738-2, DDD-Aufnahme)
Aufnahme: Nov. 1995 Bamberg (Konzerthalle, Kleiner Saal), Genberg-Trio [Noriko Mizuno (Kl.), Matthias Krug
(V.) + Matthias Ranft (Vc.)]
(Sendungen: vollständiges Werk am 6.9.2001 WDR 3 / 22.1.2002 + 27.2.2002 + 10.3.2003 + 16.4.2003 + 10.5.2003 +
21.5.2003 + 22.12.2003 + 26.1.2004 + 9.8.2004 jeweils HR 2; 2. Satz am 27.7.2000 NDR 3; 4. Satz am 1.10.2003
HR 2)
Spieldauer
18' 00'' (nach Metronomangaben)
24' 06'' (1995 CD-Aufnahme)
5' 03'' (I)
5' 46'' (I)
5' 02'' (II)
7' 06'' (II)
295
7' 45'' = 1' 21'' + 6' 24'' (III)
11' 09'' = 1' 34'' + 9' 35'' (III)
A2. Op. 16 (Violinsonate d-Moll / für V. und Kl.)
a) Manuskripte / Drucke
Autograf (Stichvorlage / 1860): D-LEm PM 7803
Titel: a) Part.: Sonate für Piano und Violine | Seiner Durchlaucht dem Fürsten Albrecht zu Sayn-WittgensteinBerleburg | von Friedrich Kiel. Op. 16 (autografer Kopftitel der Part.) sowie Komponistenangabe von späterer
Hand Friedrich Kiel. | op. 16. (rechts neben Kopftitel der Part.); b) VSt.: Sonate für Pianoforte u[.] Violine | von Fr.
Kiel. | [von späterer Hand: Op. 16.] Violino. (autografes Titelblatt der VSt.) mit Fußzeile Berlin, Verlag und Eigenthum der Schlesingerschen Buch- u. Musikhandlung von späterer Hand; Sonate für Pianoforte und Violine | von
Friedrich Kiel Op. 16. | Violino. (autografer Kopftitel der VSt.); Titelzeilen von Kopftitel (Part.) sowie Titelblatt
(VSt.) – als Druckvorbereitung – mit Verlagsergänzungen in Bleistift von späterer Hand
Material: Part. 50 S. (Noten S. [1]–23 und S. 25–49 mit angeklebter S. 49 / S. [24] leer,originale Paginierung in
Tinte S. 2–23 und S. 25–49, Querformat 26,7 x 33,8 cm) und VSt. 20 S. (Titelblatt S. [1], Noten S. 2–6 und
S. 8–19 / S. [7] leer, Hochformat 33,9 x 26,1 cm); Reinschrift (siehe „Sonstiges“) mit Markierung der Seitenumbrüche der Part. und VSt. in Bleistift von späterer Hand, wie z. B. die Seitenzahl „pag ②“ (unter Klaviersystem
am Ende des dritten Taktes auf Seite 2 der Part.) zur Markierung des Seitenendes von Seite 2
Stichvorlage: Der Verlag fügte als Druckvorbereitung Eintragungen in Bleistift, wie z. B. Seiten- und Notensystemumbrüche, Vorzeichen, Dynamikangaben und Titelergänzungen, in die Manuskripte ein. Als Fußzeilen auf der
ersten Notenseite von Partitur wie Violinstimme sind in Bleistift in der Mitte die Plattennummer (S. 4997.) und
rechts die Verlagsangabe (Berlin, Verlag und Eigenthum der Schlesinger’schen Buch- und Musikhandlung) notiert. Und mit dem Vermerk Hochformat, der oben links sowohl auf der ersten Seite der Partitur als auch auf Titelblatt wie erster Notenseite der Violinstimme steht, wurde dem Notenstecher das Hochformat für den Notenstich –
im Gegensatz zum Querformat des vorliegenden Notenautografs – vorgegeben.
Datierung 1860: Im Autografenkatalog von D-LEm wird das Jahr 1860 als ermittelte Entstehungszeit des undatierten Autografs angegeben; für weitere Quellen siehe Punkt „b) Entstehungszeit“.
Provenienz Kurt Taut (bis 1939): Die zwei Textstempel Musikbibliothek Leipzig und Taut finden sich jeweils
direkt hintereinander in der Partitur auf Seite 2 unten sowie in der Violinstimme auf Seite 3 unten im Autograf.
Das Autograf von Kiels Violinsonate op. 16 gehörte bis 1939 zur privaten sog. „Taut-Sammlung“ des Musikwissenschaftlers Kurt Taut (1.3.1888 Obereichstädt / Kreis Querfurt – 19.1.1939 Leipzig), der 1929 bis 1939 Leiter
der Musikbibliothek Peters in Leipzig war. Er sammelte vor allem Musikautografe (Noten, Briefe), aber auch
Notenabschriften und sog. Widmungsexemplare, d. h. Notendrucke mit handschriftlicher Widmung. Diese private
Taut-Sammlung wurde inklusive des Autografs von Kiels Violinsonate d-Moll op. 16 im Jahr 1939 nach Tauts
Tod von dessen Witwe an die Stadtbibliothek Leipzig gegeben und fand als Sondersammlung im großen Büchersaal der Stadtbibliothek Aufstellung. Im Zuge der Umfunktionierung der Stadtbibliothek in eine Staatliche Allgemeinbibliothek wurde die Taut-Sammlung so aufgeteilt, dass zunächst die Notenhandschriften und der musikalische Teil der Sammlung der Widmungsexemplare 1954 an die Musikbibliothek Leipzig D-LEm, hingegen die
Briefautografe 1962 an die Universitätsbibliothek Leipzig D-LEu gelangten. Der Teil der Taut-Sammlung, der
sich seit 1954 in D-LEm befindet, besteht in der Mehrzahl aus Notenautografen oder Kopien und enthält auch
Notendrucke mit handschriftlicher Widmung, die sog. Widmungsexemplare. Laut freundlicher Mitteilung von
Brigitte Geyer, Leiterin der Musikbibliothek Leipzig D-LEm, vom 14.11.2008 umfassen die rund 525 Notenhandschriften der Taut-Sammlung in der Musikbibliothek Leipzig Autografe sowie Abschriften mit unterschiedlichster Bedeutung.
Von wem oder wo Kurt Taut dieses Autograf vor 1939 erworben hat, ist laut freundlicher Mitteilung von Brigitte
Geyer aus Leipzig vom 18.11.2008 nicht bekannt. Kurt Taut, der im Jahr 1888 geboren wurde, könnte das als
Stichvorlage dienende Autograf frühestens 1903 z. B. direkt vom Berliner Verlag Robert Lienau, der seit 1864
den Berliner Verlag „Schlesinger’sche Buch- und Musikhandlung“ unter originalem Firmennamen weiterführte,
erworben haben. Diese Vermutung bleibt offen, da dem heutigen Verlagsverbund „Musikverlage Zimmermann Frankfurt, Robert Lienau und Allegra“ / Erzhausen keine Unterlagen dazu vorliegen.
Das Autograf der Violinsonate d-Moll op. 16 wurde 1939 mit dem Bestand der Taut-Sammlung, und nicht 1954
mit dem Bestand der Musikbibliothek Peters, von der Stadtbibliothek Leipzig erworben. Es ist entsprechend
weder in den Auslagerungslisten 1943/44 von C. F. Peters Leipzig (kriegsbedingte Auslagerung als zentrale Weisung der NS-Behörden) noch in den Listen zur Übergabe der Musikbibliothek Peters 1954 (Übergabe vom Verlag C. F. Peters an die Stadt) verzeichnet; dies geht aus der freundlichen Mitteilung von Norbert Molkenbur,
Geschäftsführer der Edition Peters Leipzig GmbH 1990–2002, vom 18.1.2009 hervor. Die Musikbibliothek Peters kam erst 1954 in die im gleichen Jahr gegründete Musikbibliothek der Stadt Leipzig, die damals außerdem
die Bestände der Musikabteilung der Leipziger Stadtbibliothek und der Musikalischen Volksbibliothek vereinte.
Weshalb sich ein zweiter Stempel Musikbibliothek Peters auf dem Autograf der Violinsonate op. 16 befindet, ist
vermutlich dadurch erklärbar, dass nach 1954 oberflächlich gestempelt wurde, was Brigitte Geyer, Leiterin von
296
D-LEm, aufgrund mehrerer ähnlich gelagerter Fälle bestätigte. Denn das Autograf, das sich während Kurt Tauts
Amtszeit als Leiter der Musikbibliothek Peters in seinem Privatbesitz und nie in der Musikbibliothek Peters befand, wurde erst nach seinem Tod von seiner Witwe an die Stadtbibliothek Leipzig gegeben.
Ein Vermerk in Bleistift von späterer Hand findet sich am rechten oberen Rand des Titelblatts der VSt.: Autograph 36,– [DM].
Sonstiges: Paginierung in Part.: originale Paginierung in Tinte S. 2–23 und S. 25–49, dazwischen S. [24] leer;
originale Paginierung S. 25–49 mit zusätzlicher spätere Bleistiftpaginierung S. 24–48;
Part. mit fünf Streichungen (Taktdurchstreichungen in Tinte an fünf Stellen) und Korrekturen insbesondere im
letzten Satz; nur wenige Rasuren; nur wenige Einzeichnungen in Bleistift neben der Markierung von Seitensowie Notensystemumbrüchen und der Hinzufügung von Vorzeichen sowie Dynamikangaben (z. B. Überklebung
des Notensystems mit neuer Bleistiftnotierung auf S. 28 f. der Part. und S. 11 der VSt.);
drei Korrekturüberklebungen in Part. (zu zwei Dritteln auf S. 28 und einem Drittel auf S. 29) bzw. in VSt. (zu
einem Drittel auf S. 11): in Part. erste zwei Notensysteme auf S. 28 (= Bleistiftpaginierung S. 27) und erstes
Notensystem auf S. 29 (= Bleistiftpaginierung S. 28), in VSt. sechstes bis achtes Notensystem auf S. 11;
fünf Streichungen: an vier Stellen des Finalsatzes in der Part. (ein Takt auf S. 33 der hs. Part. = zwischen T. 79
und T. 80 der gedruckten Part. / 12 Takte auf S. 40 f. der hs. Part. = zwischen T. 300 und T. 301 der gedruckten
Part. / 2 Takte auf S. 43 der hs. Part. = nach 3. Sechzehntel von T. 360 der gedruckten Part. / drei Takte Erstfassung auf S. 47 der hs. Part. anstatt drei Takte der Druckfassung T. 487–489, die in der gedruckten Part. sowie auf
S. 48 der hs. Part. – zusammen mit dem Vermerk „NB. Statt der 3 ausgestrichenen Takte.“ – notiert sind); eine Stelle
im zweiten Satz der VSt. (ein Takt auf S. 6 der hs. VSt. = zwischen T. 208 und T. 209 der gedruckten VSt.)
Das kein Wasserzeichen enthaltende Heft war handelsüblich.
Alte Drucke
Widmung: Fürst Albrecht [II.] zu Sayn-Wittgenstein-Berleburg
Material: Part. 38 S. und VSt. 9 S.; 4°
Fußzeilen (S. 2): Schl (rechts)
2 ¼ Thlr.
Dp
VN: S.4997.
A (oN): ATi
ATi verso
und S. [41]
F: Schl
D-Dl 3.Mus.4.356
Druck 1861–73 (1. Druck 1861): früh. 1861 (Erstdruck 1861), spät. 1873 (Währung Thlr.)
• Außentitel (olivgrün) auf Umschlagvorderblatt recto und Innentitel: identischer Text SEINER
DURCHLAUCHT DEM FÜRSTEN | ALBRECHT ZU SAYN-WITTGENSTEIN-BERLEBURG. |
SONATE | für | PIANOFORTE und VIOLINE | componirt von | Friedrich Kiel. | [links:] Op. 16.
[rechts:] Pr.[eis] 2 ¼ Thlr. | Berlin, Eigenthum und Verlag der SCHLESINGER’schen Buch- und
Musikhandlung. | [links:] Petersburg, bei Bernard. [Mitte:] S. 4997. [rechts:] London, Ented at
Stat. Hall.
• Verlagsanzeige im Querformat (bei einem Hochformatdruck) auf olivgrünem Umschlag, d. h.
auf Außentitelblatt verso und S. [41]: Neue Musikalien | erschienen 1858–1859 im Verlage der |
Schlesinger’schen Buch- und Musikhandlung in BERLIN. | […]; Auflistung von Werken verschiedener Komponisten, darunter kein Werk von Kiel
• Provenienz / D-Dl 3.Mus.4.356: NEUST.[ADT] DRESDEN BEI ROLPH BRAUER. (Stempel
auf Außentitelblatt), TONKÜNSTLER-VEREIN | ZU | DRESDEN (Stempel auf Außentitelblatt)
M. 6.80.
Dp
VN: S.4997.
A: _
F: Schl
D-B Mus. 3263, D-BLfk Bestand 116 C, Nr. 47 (als Depositum in D-Budka), D-HEms
Magazin, N 1039
Druck 1874–93: früh. 1874 (Währung Mark), 1829–93 (Firmenname und -sitz von Bernard),
1833–1938 (Firmenname von Schlesinger)
• Titel: SEINER DURCHLAUCHT DEM FÜRSTEN | ALBRECHT ZU SAYN-WITTGENSTEINBERLEBURG. | SONATE | für | PIANOFORTE und VIOLINE | componirt von | Friedrich Kiel. |
[links:] Op. 16. [rechts:] Pr. M. 6.80. | Berlin, Eigenthum und Verlag der SCHLESINGER’schen
Buch- und Musikhandlung. | [links:] Petersburg, bei Bernard. [Mitte:] S.4997. [rechts:] London,
Ented at Stat. Hall.
• Provenienz / D-B Mus. 3263: Ex | Bibl.[iotheca] Regia | Berolin.[ensi] (Stempel auf S. 2);
D-BLfk Bestand 116 C, Nr. 47: IWAN LEICHSSENRING | Musikalienhandlung u. Leihinstitut |
Abonnement: | 2 Hefte jährlich 6 Mark. | Bleichenbrücke 16a. (Stempel auf Titelblatt), Bücherei |
der | Ges.[ellschaft] d.[er] Fr.[eunde] d.[es] vaterländ. Schul & | Erziehungswesens | zu | Hamburg (Stempel auf Titelblatt);
D-HEms Magazin, N 1039: AUS DER | HEDWIG MARX-KIRSCH-STIFTUNG (violetter Stempel auf Titelblatt oben Mitte), 281b 17 (Vermerk in Bleistift auf Titelblatt unten rechts); aus der
Hedwig Marx-Kirsch-Stiftung stammende oder finanzierte Notenausgabe, die wohl bis 1920 zur
297
Musikbibliothek der Pianistin Hedwig Marx-Kirsch (1884 Karlsruhe – 14.6.1920 Heidelberg)
gehörte und 1921 in den Bibliotheksbestand des neugegründeten Musikwissenschaftlichen Seminars der Heidelberger Universität D-HEms überging (Stiftung des Mannheimer Bankiers
Hermann Albert Marx im Gedenken an seine verstorbene Gattin Hedwig Marx-Kirsch)
M. 6.80.
Dp
VN: S.4997.
A: _
F: Schl
D-BLfk Bestand 116 C, Nr. 47 (als Depositum in D-Budka)
Druck 1874–93: früh. 1874 (Währung Mark), 1829–93 (Firmenname und -sitz von Bernard),
1833–1938 (Firmenname von Schlesinger)
• Außentitel (hellblau-ocker meliert) auf Umschlagvorderblatt recto und Innentitel: identischer
Text (Text wie bei Titelblatt von D-B Mus. 3263)
• Provenienz / D-BLfk Bestand 116 C, Nr. 47: 13.07.[20]00 | [Musikantiquariat] Paul van Kuik |
NL-Voorschoten (Datumsstempel mit Namensvermerk in Bleistift auf S. [41] / Erwerbung am
13.7.2000 durch Friedrich-Kiel-Gesellschaft e. V.)
M. 6.80.
Dp
VN: S.4997.
A (No. 70.):
ATi verso
und S. [41 f.]
F: Schl
D-Mbs 2 Mus.pr. 5014
Druck 1883–93: 1883–1983 (Verlagsadresse von Haslinger), 1829–93 (Firmenname und -sitz
von Bernard), 1871–1923 (Verlagsadresse von Schlesinger)
• Außentitel (gelbgrün) auf Umschlagvorderblatt recto und Innentitel: identischer Text (Text
wie bei Titelblatt von D-B Mus. 3263)
• Verlagsanzeige im Hochformat auf gelbgrünem Umschlag, d. h. auf Außentitelblatt verso und
S. [41–42]: NEUE MUSIKALIEN | Verlag | [linke Spalte:] der | Schlesinger’schen Musikhandlung | Berlin, Französische Strasse 23. | [rechte Spalte:] von | Carl Haslinger qdm. Tobias |
Wien, Tuchlauben 11. | […]; Auflistung von Werken verschiedener Komponisten, darunter kein
Werk von Kiel
• Provenienz / D-Mbs 2 Mus.pr. 5014: BIBLIOTHECA | REGIA | MONACENSIS (Stempel auf
Innentitelblatt)
M. 6.80.
kein Dp
VN: S.4997.
A: _
F: Schl
D-Frl o. Sign.
Druck 1884–93: 1874–93 (siehe Datierung von D-B Mus. 3263), früh. 1884 (Flachdruck / später als der auf 1883–93 datierte Plattendruck in D-Mbs)
• Noten- und Schrifttext entsprechen D-B Mus. 3263, jedoch liegt kein Plattendruck vor.
b) Datierung
Entstehungszeit 1860
Das Kompositionsjahr 1860 gaben einhellig zwei Zeitgenossen Kiels und der Musikwissenschaftler Erich Reinecke
1936 an: in dem handschriftlichen Lebensabriss (c1881*, 4) bzw. dem publizierten Zeitungsartikel AllgemeineZ
(1885, 4369), deren fast identischer Text auf einem 1881 mit Kiel geführten Interview desselben unbekannten
Verfassers beruht, in Prieger (1884, 273 bzw. 1906, 131) und Reinecke (1936, 79).
Der Musikwissenschaftler Erich Prieger, der ein Kompositionsschüler und persönlicher Freund Kiels war und seit
1875 abwechselnd in Bonn und Berlin lebte, erwarb einen Großteil seines handschriftlichen Musiknachlasses.
Druckjahre / -monate
1. Druck: 24. Juni 1861 (Bln., Schlesinger’sche Buch- und Musikhandlung / 2 Thlr. 7 ½ Ngr.= 2 ¼ Thlr.)
Schlesinger-Druckbuch (1926)
Druck am 24. Juni 1861 (24. Juni 1861; 2. [Taler] 7 ½)
Schlesinger-Kartei (o. J.); Schlesinger-Ver- Druck nach 8. Mai 1861 (am 8. Mai 1861 an den Notenstecher Jolagsbuch (1864)
hann Friedrich Wilhelm Sawatzky in Berlin gegeben: Saw. 8/5 61)
Hofmeister (Aug. 1861, 140)
Druck vor Aug. 1861
Lorenz (7.+14.7.1861, 211)
Druck vor Juli 1861 (Druckrezension: neues Werk […] so eben im
Drucke erschienen) u
RuM (1.9.1861, 557), NBM (22.1.1862a, 26) Druck vor Sept. 1861 (Druckrezensionen)
Deutsch (1961, 22)
Druck 1860–61 / VN S.4997
(1860: VN 4884–4922; 1861: VN 5024)
Echo (12.1.1862, 14)
Druck 1861 (Herausgabe vor Erscheinungsdatum 12. Jan. 1862)
NZfM (3.4.1863a, 118), NZfM (25.6.1863b, Druck vor 1863 (Verlagsanzeige, Druckrezension: 2 ¼ Thlr.)
199 f.)
298
Eichberg (1872, 36)
Druck spät. 1872 (Titel Große [= viersätzige] Sonate, Preishinweis
2 Thlr. 7 ½ Sgr.)
Vergleiche:
D-Dl 3.Mus.4.356
Das Erstdruckjahr 1862 in Bungert (2.4.1875, 137), Altmann (1901, 149) und Reinecke (1936, 79) ist damit überholt.
Vier Drucke: 1874–93 zweimal, 1883–93, 1884–93 (Bln., Schlesinger’sche Buch- und Musikhandlung / M. 6.80)
Schlesinger-Katalog (2/1890, 8)
Druck spät. 1890 (Titel Gr.[oße] Sonate D[-Moll] op. 16, Preishinweis 6 M 80 Pf): gilt für einen der vier Druckauflagen
Vergleiche:
1874–93: D-B Mus. 3263, D-BLfk Bestand 116 C, Nr. 47,
1883–94: D-Mbs 2 Mus.pr. 5014,
1884–93: D-Frl o. Sign.
c) Konzerte, Rundfunkeinspielungen, CD-Aufnahmen, Spieldauer
Konzerte
27.4.1861
1862–63
16.11.1862
15.12.1863
1864–79
25.8.1864
6.11.1864
20.3.1867
4.4.1867
26.11.1907
# Berlin (Cäciliensaal, der kleine Saal der Singakademie), Matinee / Soiree von Friedrich Kiel (Kiel
als Gastgeber, nur eingeladene Zuhörer), Samstag, Friedrich Kiel (Kl.) + Heinrich de Ahna (V.)
Berlin, Interpret unbekannt (Kl.) + Ferdinand Laub oder Herr Prume oder Camillo Sivori (V.)
[Aufführung im Zeitraum Jan. 1862 bis März 1863]
Berlin (Wohnung von Robert Radecke: Berlin, Anhaltstraße 12), Sonntagsmatinee, Sonntagvormittag, Robert Radecke (Kl.) + Fabian Rehfeld (V.);
Zitat laut Brief (18.11.1862) von Marianne Bargiel an Woldemar Bargiel: Von Kiel spielte auch
Radecke eine Sonate mit Violine [d-Moll op. 16], die recht interessant war; dieser Mensch scheint
doch ziemlich bedeutend zu sein.
Zitat laut Rode (1862, 198): Kiel’s dramatisch wirksame Sonate für Piano und Violine Op. 16.
Dresden (Saal des Hôtel de Saxe) / TV Dresden, 2. Produktionsabend (erste Aufführung von op. 16
im TV Dresden), Dienstagabend, Interpreten unbekannt (Kl., V.)
Dresden / TV Dresden, Übungsabend (zweite Aufführung von op. 16 im TV Dresden), Interpreten
unbekannt (K., V.); Aufführungsvermerk in TV-Festschrift (1879, 106)
Karlsruhe (Foyer des Hoftheaters), 2. Kammermusikkonzert im Rahmen der 3. Tonkünstlerversammlung des Allgemeinen Deutschen Musikvereins ADMV (23. – 26.8.1864 in Karlsruhe), Donnerstag 18:30 Uhr, Louise Langhans (Kl.) + Wilhelm Langhans (V.); Vorverlegung des Konzertes
von Freitag 26.8.1864 auf Donnerstag 25.8.1864 (an der Stelle des ursprünglich am Donnerstag
geplanten zweiten Theaterkonzertes)
Berlin, Soiree für Kammermusik von Arnold / Marx / Zürn, Sonntag, Karl Arnold (Kl.) + Herr
Marx (V.) + Herr H. Zürn (Vc.)
Paris (Salon Erard) / Republik Frankreich, Soiree von Herr und Frau Langhans, Mittwochabend,
Louise Langhans (Kl.) + Wilhelm Langhans (V.) [Violinsonate op. 16 oder – weniger wahrscheinlich – Violinsonate op. 35:1 oder op. 35:2]
Berlin (Saal der Singakademie), 2. Konzert der Sängerin Marie Repuszynska mit Pianist Schwantzer und Violinist Rehfeld, Donnerstagabend, Hugo Schwantzer (Kl.) + Fabian Rehfeld (V.)
Berlin (Bechsteinsaal), Konzert des Friedrich Kiel-Bundes / Berlin, Dienstagabend, Frieda Schaeffer (Kl.) + Margarete Rohde-Schaeffer (V.) [= zwei Schülerinnen des Stern’schen Konservatoriums seit 1. Sept. 1895 bis 1899 laut Personen-Datenbank (2010)]
Es sind keine Konzerte seit 1979 (Gründung der Friedrich-Kiel-Gesellschaft e. V.), Rundfunkeinspielungen und
CD-Aufnahmen bekannt.
Spieldauer
19' 45'' (nach Metronomangaben)
6' 24'' (I)
3' 15'' (II)
2' 55'' (III) 7' 01'' (IV)
Beim dritten Satz, der ohne Metronomangaben in dem Tempo Adagio
sostenuto con espressione steht, diente der durchschnittliche Schätzwert
M.M. q = 60 als Grundlage für die Berechnung der Spieldauer.
299
A3. Op. 22 (Klaviertrio [Nr. 4] A-Dur)
a) Manuskripte / Drucke
Keine Manuskripte
Alte Drucke
Widmung: Ferdinand Laub
Material: Part. 53 S. und 2 St. (V., Vc.) à 11 S.; 4°
Fußzeilen (S. 2): V3 / Si3 (links), T / Si1 (rechts)
Währung: Reichsthaler (das einzige Werk des Werkkatalogs mit dieser Währung)
3 Rthlr. 15 Sgr.
Dp
VN:
R.T.&Co 109.
A: _
F: V3, T
D-HEms Magazin, N 1041 [mit Kopie in D-BLfk Bestand 116 C, Nr. 71 (als Depositum in
D-Budka]; D-BE Musikalien 450, D-Dl 2.Mus.4.9847, D-Fh Klav Trio 128, D-SAAm
N 18 107
Druck 1862–64 (1. Druck 1862): früh. 1862 (Erstdruck 1862), 1861–64 (Firmenname von Robert Timm & Co. in Berlin)
• Außentitel (roséfarben) auf Umschlagvorderblatt recto und Innentitel: identischer Text HERRN
FERDINAND LAUB. | TRIO | (A-DUR) | für | Pianoforte, Violine | und | Violoncell | von |
FRIEDR. KIEL. | [links:] 22tes Werk. [rechts:] Pr 3 Rthlr. 15 Sgr. | Eigenthum der Verleger |
BERLIN, bei ROBERT TIMM & C.o | R. T. & C o 109. [recte: mit Leerzeichen! (VN: ohne Leerzeichen)]
• Roséfarbener Umschlag nur bei D-HEms Magazin, N 1041 vorhanden
• Provenienz / D-HEms Magazin, N 1041: AUS DER | HEDWIG MARX-KIRSCH-STIFTUNG
(violetter Stempel auf Innentitelblatt oben Mitte); aus der Hedwig Marx-Kirsch-Stiftung stammende oder finanzierte Notenausgabe, die wohl bis 1920 zur Musikbibliothek der 1920 verstorbenen Pianistin Hedwig Marx-Kirsch gehörte und 1921 in den Bibliotheksbestand des neugegründeten Musikwissenschaftlichen Seminars der Heidelberger Universität D-HEms überging
(siehe op. 16);
D-Dl 2.Mus.4.9847: TONKÜNSTLER-VEREIN | ZU | DRESDEN (Stempel auf Titelblatt);
D-Fh Klav Trio 128: Musikalien-Leihanstalt | von | Richard Banger Nachf. | Würzburg, Paradeplatz (Aufkleber auf Einbänden von Part. und St.), vermutlich Altbestand von „Dr. Hoch’s Konservatorium“ in Frankfurt (Laut freundlicher Mitteilung des Bibliothekars Andreas Odenkirchen
wurde der Altbestand des Konservatoriums, dessen Kataloge und Inventare im Zweiten Weltkrieg zerstört wurden, ab 1878 aus Schenkungen von Privatpersonen sowie Neukäufen aufgebaut.)
3 Rthlr. 15 Sgr.
Dp
VN: S. M. 109.
A: _
F: Si1
D-BLfk Bestand 116 C, Nr. 71 [Ex. 1–2] (als Depositum in D-Budka), PL-S Mus. 6766
Druck 1864–70 (2. Druck 1864): 1864–70 (in Si1-Fußzeile Firmenname und -adresse von Simrock’scher Musikhandlung, die 1864 durch Übernahme des in der Jägerstraße 18 ansässigen
Berliner Verlags Robert Timm & Co. gegründet worden war), siehe Punkt „b) Druckjahre /
-monate“
• Titel: HERRN FERDINAND LAUB. | TRIO | (A-DUR) | für | Pianoforte, Violine | und | Violoncell | von | FRIEDR. KIEL. | [links:] 22tes Werk. [rechts:] Pr.[eis] 3 Rthlr. 15 Sgr. | Verlag u.
Eigenthum der SIMROCK’schen Musikhandlung, Berlin | Jägerstrasse 18. | S. M. 109.
• Provenienz / D-BLfk Bestand 116 C, Nr. 71 [Ex. 1]: 27.03.[20]03 | [Musikantiquariat] Paul van
Kuik | NL-Voorschoten (Datumsstempel mit Namensvermerk in Bleistift auf S. [54] | Erwerbung
am 27.3.2003 durch Friedrich-Kiel-Gesellschaft e. V.);
D-BLfk Bestand 116 C, Nr. 71 [Ex. 2]: DR F. LENZ-WUEST | AARAU (Stempel auf Titelblatt),
CÖLNER TONKÜNSTLER-VEREIN (Stempel auf Titelblatt);
PL-S Mus. 6766: MUSICALIEN-HANDLUNG | U. LEIH-INSTITUT | E. SIMON | STETTIN
(Stempel auf Titelblatt)
3 Rthlr. 15 Sgr.
Dp
VN: 6851
A: ? (S. [56])
F: Si3
D-B Mus. 3258; D-BLfk Bestand 116 C, Nr. 71 (als Depositum in D-Budka), D-Mbs
4 Mus.pr. 12254
Druck 1870–73: 1870–1901 (Firmenname von N. Simrock, Si3), spät. 1873 (Währung Rthlr.)
• Außentitel (roséfarben) auf Umschlagvorderblatt recto und Innentitel: identischer Text HERRN
FERDINAND LAUB. | TRIO | (A-DUR.) | für | Pianoforte, Violine | und | Violoncell | von |
FRIEDR. KIEL. | [links:] 22tes Werk. [rechts:] Pr. 3 Rthlr. 15 Sgr. | N. SIMROCK IN BERLIN.
300
• Vorderblatt des roséfarbenen Umschlags, d. h. das Außentitelblatt, nur bei D-B Mus. 3258 vorhanden; ggf. eine Verlagsanzeige auf S. [56] des Umschlagrückblatts (roséfarben), das in allen
genannten Notenexemplaren fehlt
• Provenienz / D-B Mus. 3258: Ex | Bibl.[iotheca] Regia | Berolin.[ensi] (Stempel auf S. 2);
D-BLfk Bestand 116 C, Nr. 71: [Musikverlag und Musikalienhandlung] JOH.[ANN] AUG.[UST]
BÖHME | 4 OCT. [18]77 | HAMBURG, NEUERWALL 35. (Stempel auf Titelblatt), 26.11.1983
(Erwerbungsdatum der Friedrich-Kiel-Gesellschaft e. V. in Bleistift auf S. [54])
10 M. 50.
Dp
VN: 6851
A (oN): 2 Ti
A: ? (S. [56])
F: Si3
D-BLfk Bestand 116 C, Nr. 71 (als Depositum in D-Budka); US-Wc M312.K47 op. 22
Druck 1874–97: früh. 1874 (Währung Mark), 1870–1901 (Firmenname von N. Simrock), spät.
1897 aufgrund Erwähnung im Simrock-Katalog (1897, 185)
• Außentitel (lindgrün) auf Umschlagvorderblatt recto und Innentitel jeweils als Katalogtitel:
identischer Text „Werke | für Kammermusik | von | FRIEDRICH KIEL. | […] | Op. 22. Trio für
Clavier, Violine und Violoncell, (A dur.) | [Mitte:] Herrn Ferdinand Laub zugeeignet, [rechts:]
10 M. 50. | […] | Ent.d Stat. Hall. | Verlag und Eigenthum | von | N. SIMROCK in BERLIN. |
Lith. Anst. v. C. G. Röder, Leipzig.“; Auflistung aller bei N. Simrock erschienenen Kammermusikwerke Kiels (op. 12, 22, 34, 35:1–2, 43, 44, 50–54)
Zum Exemplar D-BLfk Bestand 116 C, Nr. 71: Von dem lindgrünen Umschlag sind nur zwei
3 cm breite Papierstreifen – ohne Rahmen oder Text – vorhanden. Jedoch kann aufgrund von vergleichbaren Notenausgaben anderer Werke Kiels, die denselben Katalogtitel aufweisen, davon ausgegangen werden, dass der Text des Außentitels mit dem des Innentitels identisch ist; zudem
befindet sich ggf. auf S. [56], der Versoseite des Umschlagrückblatts, eine Verlagsanzeige.
• Provenienz / D-BLfk Bestand 116 C, Nr. 71: 07.06.[20]04 | [Musikantiquariat] H.[ans] Schneider,
Tutzing (Datumsstempel mit Namensvermerk in Bleistift auf S. [54] / Erwerbung am 7.6.2004
durch Friedrich-Kiel-Gesellschaft e. V.), WH London (vermutlich Provenienzvermerk in blauer
Tinte auf Innentitelblatt), Basel, Aug 1976 (Erwerbungs- oder Aufführungshinweis in Bleitift
auf S. [1])
10,50 Mk.
kein Dp
VN: 6851
A (No. 145.):
2 Ti
F: Si3
D-B DMS 50985, D-BLfk Bestand 116 C, Nr. 71 (als Depositum in D-Budka); D-KNmi
6,356
Druck 1905–07: 1905–30 (Firmenname von Röder mit GmbH), 1894–1907 (Firmenadresse von
Lengnick), 1901–29 (Firmenname und -sitz von N. Simrock)
• Außentitel (ockergrau meliert) auf Umschlagvorderblatt recto als Katalogtitel / Text: nur
schwarz: Text ähnlich dem des Innentitels, nur mit wenigen Abänderungen; Nennung von zwei
zusätzlichen Werken (Sonate für Violine und Klavier op. 31 von Bruno Oscar Klein und Episoden für Klavier, Violine und Cello op. 72 von Eduard Schütt), veränderte Firmierung unten rechts
C. G. Röder, G.m.b.H., Leipzig und anderer Spaltenumbruch
• Innentitel (Text: nur schwarz) als Katalogtitel: „Neuere Werke | für | Kammermusik. | Alexander
Friedrich Landgraf von Hessen, op. 3. Trio für | […] | Kiel, Friedrich, op. 12. […] | – op. 22.
Trio (A dur) für Pianoforte, Violine und Violoncell [Leerraum] 10,50 (Mk.) | […] | Verlag und
Eigenthum für alle Länder von | N. Simrock, G.m.b.H., Berlin. | For the British Empire: Alfred
Lengnick, 58, Berners Street, London W. | [links:] No. 145. [Mitte:] Aufführungsrecht vorbehalten. [rechts:] C. G. Röder, Leipzig.“; Text des Innentitels identisch mit dem des einzigen
Titelblatts von op. 34 in D-KNmi 6,357; Auflistung von Kammermusikwerken verschiedener
Komponisten, darunter – neben z. B. 33 Werken von Johannes Brahms (op. 8 bis op. 120) und
18 von Anton Dvořák (op. 44 bis op. 106) – alle bei N. Simrock erschienenen Kammermusikwerke Kiels (op. 12, 22, 34, 35:1–2, 43, 44, 50–54)
• Ockergrau melierter Umschlag nur bei D-B DMS 50985 und D-BLfk Bestand 116 C, Nr. 71
vorhanden
• Provenienz / D-B DMS 50985: Geschenk des Verlags an die Deutsche Musiksammlung |
BERLIN | bei d. Kgl. Bibliothek (2 Stempel auf Außentitelblatt)
b) Datierung
Entstehungszeit (1861 oder Ende 1853)
Das Kompositionsjahr 1861 des Klaviertrios A-Dur op. 22 [Nr. 4] ist explizit in Reinecke (1936, 80) und Schmieder (1984, 232) angegeben, was Gustav Engel, der seit 1853 als Musikkritiker für die Berliner Vossische Zeitung
tätig war, in seiner Konzertrezension (Engel 1859, 105) über das Klaviertrio Es-Dur op. 24 [Nr. 3] indirekt bestä-
301
tigte. Da Engel in seiner darin enthaltenen Werkaufzählung der bislang publizierten Klaviertrios von Kiel dessen
Trios D-Dur op. 3 [Nr. 1] und Es-Dur op. 24 [Nr. 3], jedoch nicht dessen op. 22 [Nr. 4] benannte, kann letzteres
nur innerhalb des Zeitraums von April 1859 bis Herbst 1862 komponiert worden sein: ab der am 2. April 1859
veröffentlichten Konzertrezension Engel (1859, 105) und vor dem im September oder Oktober 1862 publizierten
Erstdruck des Klaviertrios A-Dur op. 22. Nicht genannt wird in Engel (1859) das Klaviertrio A-Dur op. 34
[Nr. 3], das 1852 oder 1851–52 als Erstfassung und 1869 oder 1868–69 als überarbeitete Druckfassung entstand
und daher erst ein Jahrzehnt nach der 1859 erschienenen Konzertanzeige Engels im Druck erschien.
Hingegen listete Erich Prieger, der ein Kompositionsschüler und persönlicher Freund Kiels gewesen war und
einen Großteil seines handschriftlichen Musiknachlasses erwarb, in Prieger (1884, 273 bzw. 1906, 131) das Entstehungsjahr 1853 für die Klaviertrios A-Dur op. 22 [Nr. 4] und Es-Dur op. 24 [Nr. 3] auf. Die Entstehung von
op. 22 gegen Ende 1853 ist nicht auszuschließen, da sie noch nach der in der ersten Dezemberhälfte stattfindenden Aufführung des 1853 komponierten und als neues Trio in NBM (1853, 333) bezeichneten Klaviertrios Es-Dur
op. 24 erfolgt sein könnte.
Ob es sich um ein Versehen von Engel und Reinecke oder um ein Versehen Priegers handelt, muss offen bleiben.
Druckjahre / -monate
1. Druck: Sept. oder Anfang Okt. 1862 (Bln., Robert Timm & Co. / 3 Rthlr. 15 Sgr., VN R.T.&C.°109.)
SfMW (9.10.1862c, 530)
Druck vor 9. Okt. 1862, d. h. Sept. oder Anfang Okt. 1862 (Klaviertrio A-Dur op. 22 aufgelistet unter den Novitäten der letzten
Woche = 2. – 8. Okt. 1862)
Hofmeister (Nov. 1862, 212)
Druck vor Nov. 1862 (Op. 25. Trio (A) [recte: op. 22] bei Berlin,
Timm u. Co., Preis 3 Thlr. 15 Ngr.)
Altmann (1934, 78)
Druck 1862
Bagge (7.1.1863, 32 f.)
Druck 1862, früh. Juli 1862 (rasch hinter einander gefolgter Erstdruck der Klaviertrios Es-Dur op. 24 – als erstes erschienen im
Juni/Juli 1862 – und nachfolgend A-Dur op. 22)
Brief (31.7.1863*) von Friedrich Kiel an Ju- Druck vor Juli 1863 (Friedrich Kiel schreibt, er habe op. 1 bis
lius Schuberth, Herausgeber eines Musiklexi- op. 26 bis Juli 1863 dem Drucke übergeben.)
kons mit erstem Kieleintrag (SchuberthL 18656)
NZfM (9.10.1863d, 128)
Druck vor Okt. 1863 (Verlagsanzeige: Im Verlage von Robert Timm
u. Comp. in Berlin sind erschienen op. 12, 22, 23, 26.)
Köhler (10.2.1864, 41), NZfM (25.11.1864, Druck vor Febr. 1864 (Druckrezensionen: Berlin, Robert Timm u.
422)
Comp. Pr. 3 Rthlr. 15 Sgr.)
Vergleiche:
D-HEms Magazin, N 1041
2. Druck: 1864 (Bln., Simrock’sche Musikhandlung / 3 Rthlr. 15 Sgr., alte VN S. M. 109 / VN der Simrock’schen Musikhandlung)
Bungert (2.4.1875, 137), Altmann (1901, 149), Druck 1864
Reinecke (1936, 80)
Deutsch (1961, 26)
Druck 1864–68 / alte VN 109
(ab 1864: Simrock’sche Musikhandlung)
(bis 1868: VN 323 / 1868 von Deutsch als erste alte VN, d. h.
erste VN der Simrock’schen Musikhandlung, aufgelistet)
Vergleiche:
D-BLfk Bestand 116 C, Nr. 71 [Ex. 1–2]
Die zweite, 1864 in der Simrock’schen Musikhandlung publizierte Auflage gaben der Kielschüler August Bungert, der Oberbibliothekar Wilhelm Altmann und der Musikwissenschaftler Erich Reinecke (in Bungert 2.4.1875,
137, Altmann 1901, 149 und Reinecke 1936, 80) irrtümlich als Erstdruck aus. Mit der neuen VN 6851 (Auflagen ab
1870 bei N. Simrock / Berlin) würde man den Erstdruck laut Deutsch (1961, 26) irrtümlich auf 1868 datieren (1868:
VN 6514–6982).
Druck: 1870–73 (Bln., N. Simrock / 3 Rthlr. 15 Sgr., neue VN 6851 = VN von N. Simrock)
Vergleiche:
D-B Mus. 3258
Druck: 1874–97 (Bln., N. Simrock, 10 M. 50. / neue VN)
Simrock-Katalog (1897, 185)
Druck spät. 1897 (VN 6851, 10 M. 50 Pf.)
Vergleiche:
D-BLfk Bestand 116 C, Nr. 71
302
Druck: 1905–07 (Bln. und Lpz., N. Simrock G.m.b.H. / 10,50 Mk., neue VN)
Vergleiche:
D-B DMS 50985
c) Konzerte, Rundfunkeinspielungen, CD-Aufnahmen, Spieldauer
Konzerte
1862–63
Dresden / TV Dresden, Übungsabend (erste Aufführung von op. 22 im TV Dresden), Aufführung
im Vereinsjahr April 1862 bis April 1863, Interpreten unbekannt (Kl., V., Vc.)
Nov./Dez. 1862 Berlin (Saal des Englischen Hauses), 1. Soiree des Klaviertrios Papendick / Spohr / Koch, Gustav
Adolf Papendick (Kl.) [= späterer Bearbeiter von Kiels Kleiner Suite A-Dur für Violine und Klavier op. 77 für Klavier zu vier Händen 1881/82] + Friedrich Spohr (V.) [= vmtl. Kielschüler] +
Friedrich (Ernst) Koch (Vc.) [= Kielschüler], möglicher Konzerttermin 26.11. – 2.12.1862
19.2.1864
Berlin (Saal des Englischen Hauses), 2. Triosoiree des Klaviertrios Ehrlich / Rehfeld (als Ersatz
für Heinrich de Ahna) / Espenhahn, Freitagabend, Heinrich Ehrlich (Kl.) + Fabian Rehfeld (V.) +
Leopold Espenhahn (Vc.)
1.5. – 21.7.1865 Zwickau (Saal des Gewandhauses), Triosoiree veranstaltet von dem Organisten, Komponisten
und Musikschriftsteller Karl Emanuel Klitzsch, Interpreten unbekannt (Kl., V., Vc.)
20.3.1869
Kopenhagen / Königreich Dänemark, Konzert des Kammermusikforeningen (= Kammermusik
verein) Kopenhagen, Samstag, Edmund Neupert (Kl.) + Anton Svendsen (V.) + Franz Neruda (Vc.)
2.4.1870
Kopenhagen / Königreich Dänemark, Konzert des Kammermusikforeningen (= Kammermusik
verein) Kopenhagen, Samstag, Edmund Neupert (Kl.) + Anton Svendsen (V.) + Franz Neruda (Vc.)
14.1.1871
Kopenhagen / Königreich Dänemark, Konzert des Kammermusikforeningen (= Kammermusik
verein) Kopenhagen, Samstag, Edmund Neupert (Kl.) + Anton Svendsen (V.) + Franz Neruda (Vc.)
14.10.1885
Berlin (Aula des Leibnitz-Gymnasiums), 1. Kammermusiksoiree von Martha Schwieder / Gedächtnisfeier für Friedrich Kiel, Mittwochabend, Martha Schwieder (Kl.) + Felix Meyer (V.) +
Eugen Sandow (Vc.)
14.2.1896
Dresden, Musikabend des Kgl. Konservatoriums für Musik und Theater in Dresden, Freitagabend, Interpreten unbekannt / vmtl. Schüler des Konservatoriums (Kl., V., Vc.)
10.4.1985
17.5.1987
15.12.1996
15.12.1996
Schloss Bühlerhöhe / Baden, Mittwochabend, Abegg-Trio [Gerrit Zitterbart (Kl.) + Ulrich Beetz
(V.) + Birgit Erichson (Vc.)]
Baden-Baden (Kurhaus Baden-Baden, Weinbrenner-Saal), Brahms-Tage Baden-Baden, Sonntag,
Mitglieder des Consortium classicum: Werner Genuit (Kl.) + Ernö Sebestyén (V.) + Martin Ostertag (Vc.); Konzertmitschnitt durch SWF [heute SWR]
Fautenbach (Alte Kirche), Konzert des Südwestfunks Baden-Baden, Sonntag 11 Uhr, Abegg-Trio
Fautenbach (Alte Kirche), Konzert des Südwestfunks Baden-Baden, Sonntag 20 Uhr, Abegg-Trio
Rundfunkeinspielungen
25.9.1973
WDR Köln (Saal 2), Dienstag, Wolfgang Kaiser (Kl.) + Johannes Brüning (V.) + Peter Trexler
(Vc.)
(Sendungen im WDR 3: vollständiges Werk am 16.8.1974 + 23.2.1975 + 17.1.1977 + 19.2.1977 +
11.12.1979 + 3.8.1988; 1. Satz am 7.8.1978; 2. Satz am 4.7.1979 + 27.11.1979 + 1984 zweimal +
1986 + 1987 + 12.8.1993; 3. Satz am 1.8.1979 + 1.10.1979 + 1980 + 1983–88 jährlich einmal +
26.5.1989 + 1992 + 22.2.1993; 4. Satz am 13.6.1980 + 1982 + 1985 + 1987 + 1988 + 21.12.1992)
20.12.1983
SFB [heute RBB] Berlin (Saal 3), Dienstag, Abegg-Trio [Gerrit Zitterbart (Kl.) + Ulrich Beetz
(V.) + Birgit Erichson (Vc.)]
21.5.1985
SR Saarbrücken (Musikstudio 3), Dienstag, Abegg-Trio
(Sendungen: vollständiges Werk am 7.5.1986 Radio Bremen RB / 27.12.1985 + 19.1.1987 + 21.3.1987
jeweils SR / 20.1.1987 WDR 3; 4. Satz am 29.4.1987 WDR 3)
17.5.1987
Mitschnitt des Konzertes vom 17.5.1987 in Baden-Baden durch den SWF [heute SWR]
(Sendungen: vollständiges Werk am 16.7.1987 WDR 3 / 25.12.1987 SWF 2 / 29.7.1988 Schwedischer Rundfunk; 3. Satz am 31.7.1987 WDR 3)
Es sind keine CD-Aufnahmen bekannt.
Spieldauer
28' 15'' (WDR 25.9.1973)
28' 20'' (SWF 17.5.1987)
28' 26'' (nach Metronomangaben)
11' 45'' (I)
5' 50'' (II)
5' 00'' (III) 5' 30'' (IV)
Angaben zur Länge der Einzelsätze liegen dem SWF [heute SWR] nicht vor.
11' 13'' (I)
*6' 23'' (II) 4' 19'' (III) 6' 21'' (IV)
(I: 2' 00'' langsame Einleitung, 9' 13'' Sonatenhauptsatzform)
(* II: Länge laut SR-Aufnahme, da im Druck ohne Metronomangabe)
303
29' 17'' (SFB 20.12.1983)
29' 58'' (SR 21.5.1985)
32' ca. (Vermerke in Bleistift bei
Notenexemplaren in D-BLfk)
11' 35'' (I)
6' 50'' (II)
5' 16'' (III) 5' 24'' (IV)
12' 13'' (I)
6' 23'' (II)
5' 33'' (III) 5' 39'' (IV)
12' ca. (I)
6' ca. (II)
6' ca. (III)
8' ca. (IV)
(Aufführungsvermerke in Bleistift bei Exemplar D-BLfk Bestand 116 C,
Nr. 71 [Ex. 2])
304
A4. Op. 24 (Klaviertrio [Nr. 3] Es-Dur)
a) Manuskripte / Drucke
Autograf (Skizze Exposition 3. Satz: 1844 oder 1845): D-DT Mus-a 3/7
Titel: Titelblatt oder Kopftitel nicht vorhanden
Material: Part. 6 S. = auf Bl. 1v–3v und Bl. 4v (Noten Bl. 1v unten auf dem Kopf stehend) Skizze zum vollständigen Haupt- sowie Seitensatz der Exposition des Finalsatzes, d. h. laut Taktzählung der Druckfassung T. 24–132
ohne die erst 1853 komponierte vorangehende Einleitung T. 1–23 und ohne nachfolgenden Epilog; originale Paginierung auf zweiter bis sechster Seite als Hinweis auf die Seitenabfolge Bl. 2r, 4v, 2v–3v, 1v (T. 24–37, 38–52,
53–77, 78–95, 96–126, 127–132): Bl. 4v, 2v, 3r, 3v, 1v (2t Seite, 3te Seite., 4 S., 5., 6.); 23 x 27 cm; viele Korrekturen, elf Takte gestrichen
Datierung 1844 oder 1845: Die Skizze zum Klaviertrio Es-Dur op. 24 auf Blatt 1v–3v und Blatt 4v schließt sich
direkt an Kiels Abschrift von zwei dreistimmigen kontrapunktischen Imitationen auf Blatt 1r–1v an, die 1844
während seines Berliner Studiums entstanden: der „Imitazione in der 6. [= Sexte]“ und der Imitation „N° 2. in der
Quarte“. Über der ersten Imitation steht in schwarzer Tinte auf Blatt 1r oben der autografe Vermerk über Kiels
Abschrift: „[Mitte:] Abschrift [rechts:] Aus der Studienzeit 1844“. Die sich direkt anschließende Skizze zu op. 24
schrieb Kiel daher noch während seines Studiums im zweiten Studienjahr 1844 oder im letzten Studienjahr 1845.
Provenienz Erich Prieger (bis 1913), Hans Prieger (u. a. 1913–24) und Antiquar Carl Holzschuh (u. a.
1924–42): Das Bonner Antiquarat Carl Holzschuh erwarb bei der am Dienstag, den 15. Juli 1924 in Bonn stattfindenden Versteigerung des Nachlasses Erich Priegers in der Bonner Firma „Mathias Lempertz’ Buchhandlung
und Antiquariat (Inhaber: Peter Hanstein & Söhne)“ unter anderem das I. Konvolut Kontrapunktische Arbeiten
a.[us] d.[en] J.[ahren] 1842–1844 (während der Studienzeit bei S. W. Dehn) mit Werken Kiels, das als Nr. 74 im
Auktionskatalog-Priegernachlass (3/1924, 9) zum Kauf angeboten wurde und unter anderem die Skizze des Klaviertrios Es-Dur op. 24 enthält. Dieses Konvolut, das Kiel selbst im Autograf als Contrapunctische Arbeiten
betitelte, erhielt die Lippische Landesbibliothek in Detmold (D-DT) als Zusatzschenkung zu einem Autografenkauf anderer Komponisten.
Sonstiges: Die Skizze diente als Grundlage für die Ausarbeitung des Satzes im Jahr 1853 im Hinblick auf eine
spätere, erst 1862 erfolgte Drucklegung, auf die zwei Vermerke hinweisen:
– Der Vermerk auf Blatt 3v jeder Takt aus einem Takt | Verlängert wie wurde bei der Drucklegung umgesetzt,
sodass drei Takte im Autograf sechs Takten im Notendruck (T. 101–106) entsprechen.
– Der Vermerk auf Blatt 2v „statt G- Des dur bis ⊕“ verweist auf fünf Takte (T. 75–79), die im Autograf in
G-Dur und in der Notenausgabe transponiert in Des-Dur stehen.
Zudem gibt es nur wenige, geringfügige Unterschiede zwischen der autografen Skizze und der Notenausgabe:
– Autograf / Druck unterschiedlich: Vc. (T. 83–85), Kl. (T. 130–132), T. 100–196 (wegen Taktverdopplung);
– Ersetzung von einigen im Autograf stehenden Pausen durch Noten im Druck in zwölf Takten: Kl. (rechte Hand
T. 63–66, linke Hand T. 122–126), V. (T. 29–31 V.-Unterstimme hinzugefügt); im Druck siebenmal Löschung
einer Unterterz, mit der im Autograf ein Motiv beginnt (T. 71, 73, 75, 77, 79, 81, 83);
– Verschiebung von Tonketten um einige Takte für die Drucklegung: In der VcSt. werden die Akkordgrundtöne
in den Takten 53–58 gelöscht und in den Takten 59–62 hinzugefügt, in der VSt. kommen die Takte 92–93 und
96–97 (als Verdopplung der VcSt.) hinzu und der Violinpart wird in den Takten 94/95 und 98/99 vom Klavier
übernommen;
– Austausch einzelner Akkordtöne im Klavierpart in 16 Takten (T. 26, 40, 44, 53, 72–79, 88–91);
– Veränderung der Oktavlage (Kl. T. 107–109) oder Phrasierung, für die Drucklegung Ergänzung von Oktavverdopplung (Vc. T. 28/29, Kl. T. 85–87) sowie einiger Dynamik- und Pedalzeichen im Druck.
Alte Drucke
Widmung: Josef Joachim
Material: Part. 42 S. und 2 St. (V. und Vc.) mit 8 und 10 S.; 4°
Fußzeilen (S. 3): V1 / V2 / V3 (links), Bo1 / Bo2 / Bo4 (rechts)
Zusätzliche Fußzeile am Ende (S. 42 Part., S. 10 VSt., S. 8 VcSt.): Stich und Druck von Ed. Bote u. G. Bock.
(rechts)
2 Thlr. 20 Sgr:
Dp
VN: 5609.
A: _
D-BLfk Bestand 116 C, Nr. 70 (als Depositum in D-Budka), D-Dl Mus.1.Q.505,4, D-Fh
Klav Trio 129, D-Mbs 4 Mus.pr. 12255, PL-S Mus 4044
Druck 1862–63 (1. Druck 1862): früh. 1862 (Erstdruck 1862), 1847–63 (Verlagszusatz G. Bock
bei der Firmierung mit Verweis auf den 1863 verstorbenen Verlagsleiter Gustav Bock), spät. 1873
305
F: V2, Bo1
F (S. 42)
(Währung Thlr.), 1861–88 (Regierungszeit des preußischen Königs Wilhelm I. laut Bote &
Bock-Verlagsauszeichnung Hof-Musikhändler J. J. M. M. des Königs), 1814–97 (Firmenname
und -sitz von Cranz)
• Titel: Herrn Josef Joachim | TRIO | für | Pianoforte Violine und Violoncelle | von | FRIEDRICH KIEL. | [links:] 24t. WERK. [rechts:] Pr: 2 THLR. 20 SGR. | Eigenthum der Verleger. |
BERLIN & POSEN | [links:] Unter den Linden N°27. [rechts:] Wilhelm Strasse 21. | Französische Str. N° 33. | bei ED. BOTE & G. BOCK | (G. Bock) | Hof-Musikhändler J. J. M. M. des
Königs u. der Königin | u. S. K. H. des Prinzen Albrecht v Preussen. | Wien, Gust. Levy. Leipzig, Leede. Dresden, Friedel. Hamburg, Cranz. Stettin, Simon. | Entered at Stationers Hall in
conformity with Art II of the treaty of March 1846. | Déposé à la Bibliothèque Impériale de france. | Das Vorrecht der Herausgabe eines Arrangements im Allgemeinen u. für bestimmte Instrumente oder Orchester | haben für die Oesterreichischen Staaten wir uns nach dem Patent
de dato 19ten October 1846 vorbehalten.
• Provenienz / D-BLfk Bestand 116 C, Nr. 70: 03.08.[20]02 | [Musikantiquariat] H.[ans] Schneider, Tutzing (Datumsstempel mit Namensvermerk in Bleistift auf S. 8 der VcSt. / Erwerbung
am 3.8.2002 durch Friedrich-Kiel-Gesellschaft e. V.);
D-Dl Mus.1.Q.505,4: Dora Tietz | Ottendorf-Okrilla | (Krs. Dresden) | Goethestraße 2 (Vermerk
auf Sammelband);
D-Fh Klav Trio 129: A.[lexander] RITTER | Hof-Musikalienhandlung | WÜRZBURG (Stempel
auf Titelblatt / Musikalienhandlung im Zeitraum von 1875 bis circa 1882), Richard Banger
Nachf. | Musikalien- & Kunsthandlung | WÜRZBURG (Stempel auf S. [1]), vermutlich Altbestand von „Dr. Hoch’s Konservatorium“ in Frankfurt (Laut freundlicher Mitteilung des Bibliothekars Andreas Odenkirchen wurde der Altbestand des Konservatoriums, dessen Kataloge und
Inventare im Zweiten Weltkrieg zerstört wurden, ab 1878 aus Schenkungen von Privatpersonen
sowie Neukäufen aufgebaut.)
8 MARK.
kein Dp
VN: 5609.
A: ? (S. [46])
F: V1, Bo2
F (S. 42)
D-B Mus. 3259; D-BLfk Bestand 116 C, Nr. 70 (als Depositum in D-Budka), D-Dl
4.Mus.4.2770, D-HEms Magazin, N 1042
Druck 1874–77: früh. 1874 (Währung Mark), 1873–78 (Verlagsadressen von Bote & Bock),
spät. 1877 [Verlagsanzeige in ADM (1877a, 144)], 1861–88 (Regierungszeit des preußischen
Königs Wilhelm I. laut Verlagsauszeichnung Hof-Musikhandlung J. J. M. M. des Königs)
• Außentitel (blau) auf Umschlagvorderblatt recto und Innentitel: identischer Text Herrn Josef
Joachim | TRIO | für | Pianoforte Violine und Violoncelle | von | FRIEDRICH KIEL. | [links:]
24t. WERK. [rechts:] Pr: 8 MARK. | Eigenthum der Verleger. | Berlin & Posen | [links:] Leipziger
Strasse 37. [rechts:] Wilhelm Strasse 21. | [links:] Unter den Linden 27. [rechts:] Mylius Hotel. |
[links:] Breslau, Lichtenberg. [Mitte:] ED. BOTE & G. BOCK. [rechts:] Stettin, Simon. | Hof Musikhandlung | J. J. M. M. des Königs u. der Königin u. S. K. H. des Prinzen Albrecht zu Preussen. | Leipzig, Leede. | Eingetragen gemäss den Vorschriften der internationalen Verträge
• Vorderblatt des blauen Umschlags, d. h. das Außentitelblatt, nur bei D-B Mus. 3259 vorhanden;
ggf. eine Verlagsanzeige auf S. [46] des Umschlagrückblatts (blau), das in allen genannten Notenexemplaren fehlt
• Provenienz / D-B Mus. 3259: Ex | Bibl.[iotheca] Regia | Berolin.[ensi] (Stempel auf S. 2),
D-Dl 4.Mus.4.2770: Geschenk | des Herrn Richard Peschkau. | 20. October 1893. (Vermerk auf
Titelblatt);
D-HEms Magazin, N 1042: OTTO FALCKENBERG | K. K. HOF-MUSIKALIEN- u. | INSTRUMENTEN-HANDLUNG | COBLENZ | GERICHTSTRASSE 8. (blauer Stempel auf Titelblatt unten
Mitte), AUS DER | HEDWIG MARX-KIRSCH-STIFTUNG (violetter Stempel auf Titelblatt oben
Mitte); aus der Hedwig Marx-Kirsch-Stiftung stammende oder finanzierte Notenausgabe, die
wohl bis 1920 zur Musikbibliothek der 1920 verstorbenen Pianistin Hedwig Marx-Kirsch gehörte und 1921 in den Bibliotheksbestand des neugegründeten Musikwissenschaftlichen Seminars der Heidelberger Universität D-HEms überging (siehe op. 16)
8,– M.
kein Dp
VN: 5609
A (Nr. 389.): Ti
F: V3, Bo4
[keine F (S. 42)]
D-BLfk Bestand 116 C, Nr. 70 (als Depositum in D-Budka), D-Sh B II 5
Druck 1901–05: 1901–06 (Bote & Bock firmiert ohne Nennung der Kaiserin Friedrich als:
Hofmusikhändler Sr. M. des Kaisers u. Königs u. Sr. K. H. des Prinzen | Albrecht von Preussen),
1846–1905 (Firmenname von Röder ohne GmbH),
ab 1884 (1883–84 Erstveröffentlichung des Oratoriums op. 83 von Kiel / unter den im Katalogtitel genannten Werken Kiels dasjenige mit dem spätesten Druckjahr)
• Titel (weißes Papier, dunkelgrün: Friedrich-Kiel-Porträt + Rahmen + Text) als Katalogtitel:
„FRIEDRICH KIEL. | Op. 5. Drei Romanzen. Für Klavier 3,– | […] | Op. 24. Trio. Es dur 8,– |
306
[…] | Eigenthum der Verleger für alle Länder. | Aufführungsrecht vorbehalten. | Ed. Bote &
G. Bock, Berlin, Hofmusikhändler | Sr. M. de Kaisers u. Königs u. Sr. K. H. des Prinzen | Albrecht von Preussen. | C. G. Röder, Leipzig.“; Auflistung aller bei Bote & Bock erschienenen Werke Kiels (op. 5, 18, 21, 24, 31, 32, 37, 60, 63–67, 69–71, 73–76, 78–83)
• Provenienz / D-BLfk Bestand 116 C, Nr. 70: 13. Sept. [19]44, Glas, Berlin. (Vermerk in Bleistift auf S. 42 / siehe auch Klaviertrio D-Dur op. 3)
b) Datierung
Entstehungszeit (1844 oder 1845 Skizze 3. Satz / ( Jan. oder ab Jan.) 1853 vollständige Komposition)
Die Skizze zur Exposition des Finalsatzes (D-DT: Mus-a 3/7) entstand 1844 oder 1845 während Kiels Berliner Kompositionsstudium, wie aus einem vermutlich autografen Datierungshinweis im Notenautograf hervorgeht, und sein
gesamtes Klaviertrio Es-Dur op. 24 erst ein Jahrzehnt später im Jahr 1853 laut den Schülermemoiren von Erich
Prieger (Prieger 1884, 273 bzw. 1906, 131), der als Freund Kiels zudem einen Großteil seines handschriftlichen
Musiknachlasses erwarb. Zudem geht aus dem an Franz Liszt gerichteten Brief (6.1.1853L4, 256) von Siegfried
Wilhelm Dehn hervor, dass das offensichtlich Anfang Januar 1853 begonnene dritte Klaviertrio Es-Dur op. 24
am 6. Januar 1853 zum Theil fertig ist, d. h. sich noch im Schaffensprozess befindet: Gegenwärtig[, d. h. am
6. Januar 1853,] ist nun auch das 2. Trio [G-Dur op. 34] ganz und ein drittes [Klaviertrio Es-Dur op. 24] zum
Theil fertig. Dies entspricht auch den Rezensionen zu zwei Berliner Konzerten im Dezember 1853 und November 1854, in denen das Klaviertrio Es-Dur op. 24 im Manuskript noch vor seiner Drucklegung zur Aufführung
kam: als neues Trio [op. 24] in der ersten Hälfte des Dezembers 1853 laut NBM (1853, 333) und als „Trio von
Friedrich Kiel. Es-dur [op. 24]. Manuscript.“ am 22. November 1854 laut NBM (1854, 376).
Die Aussagen von drei weiteren Autoren, von dem Kielschüler Ludwig Nohl sowie den Berliner Musikkritikern
Ludwig Rellstab und Gustav Engel, stützen diese Datierung. Kiels Klaviertrio Es-Dur op. 24 entstand laut den
Schülermemoiren von Ludwig Nohl (Nohl 1882, 26) im Zeitraum 1851–54, in dem auch seine Werke op. 1 bis
op. 3 im Erstdruck erschienen: Im Jahre 1850 bestimmte ihn [= Kiel] dann Dehn, Einiges von den Arbeiten, die
er in seiner Schule gemacht, herauszugeben. Es waren Fünfzehn Kanons im Kammerstyl Op. 1 [Erstdruck 1851],
Sechs Fugen Op. 2 [Erstdruck 1852] und ein Trio Op. 3 [Erstdruck 1854]. In derselben Zeit ward ein Trio in Es
geschrieben, welches als Op. 24 herausgekommen ist. Die Konzertkritiken der Musikkritiker Ludwig Rellstab
und Gustav Engel bestätigten hierbei, dass das Klaviertrio Es-Dur op. 24 vor dem März 1859 entstand, da es bei
dem Berliner Konzert am 13. März 1859 laut Rellstab (16.3.1859) noch nicht im Stich erschienen war und es bei
dem Berliner Konzert im April 1859 laut Engel (2.4.1859, 105) freilich noch nicht gedruckt vorlag.
Das Jahr 1862, in dem das Klaviertrio Es-Dur op. 24 im Erstdruck erschien, wird bei Reinecke (1936, 80) und
Schmieder (1984, 232) irrtümlich als Kompositionsjahr angegeben.
Druckjahre / -monate
1. Druck: Juni/Juli 1862 (Bln. und Pn., Ed. Bote & G. Bock (G. Bock) / 2 Thlr. 20 Sgr.)
NBM (29.7.1862b, 224)
Druck Juni/Juli 1862 (Nova-Sendung No. 5 von Ed. Bote & G.
Bock (G. Bock) u. a. mit Klaviertrio Es-Dur op. 24, Preis 2 20)
[Druck nach Nova-Sendung Nr. 4 in NBM (4.6.1862, 184) / Nova-Sendung = Verlagssendung neu erschienener Notenausgaben]
NBM (13.8.1862c, 264)
Druck vor 13. Aug. 1862 bei Ed. Bote & G. Bock (G. Bock) u. a.
mit Klaviertrio Es-Dur op. 24 / im Verlage erschienen (Titel Trio
für Piano, Violine und Violoncello. Op. 24., Preishinweis 2 Thlr.
20 Sgr.)
[Trio op. 24 in vorheriger Verlagsanzeige von Bo&Bo in NBM
(6.8.1862, 256) noch nicht aufgelistet]
SfMW (14.8.1862a, 401)
Druck vor 14. Aug. 1862 (Klaviertrio Es-Dur op. 24 aufgelistet
unter den Novitäten der letzten Woche = 7. – 13. Aug. 1862)
DMZ (22.9.1862c, 304)
Druck vor 22. Sept. 1862 (Bei Bote & Bock ist von […] Fr. Kiel
ein Claviertrio erschienen.)
Altmann (1934, 77)
Druck 1862
Hofmeister (Sept. 1862, 164)
Druck vor Sept. 1862 (2 Thlr. 20 Ngr.)
Bagge (7.1.1863, 32 f.)
Druck vor 7. Jan. 1863 (rasch hinter einander gefolgter Erstdruck
der Klaviertrios A-Dur op. 22 und Es-Dur op. 24, mit Drucklegung
des Trios Es-Dur op. 24 noch vor Sept. 1862 / Druckrezension)
307
Deutsch (1961, 8)
Druck 1861–62 / VN 5609
(1861: VN 5529; 1862: VN 6549)
Brief (31.7.1863*) von Friedrich Kiel an Ju- Druck vor Juli 1863 (Friedrich Kiel schrieb, er habe op. 1–26 bis
lius Schuberth, Herausgeber eines Musikle- Juli 1863 dem Drucke übergeben.)
xikons mit erstem Kieleintrag in SchuberthL
(18656)
Ehrlich (13.6.1866, 186)
Druck vor Juni 1866 (Druckrezension)
Vergleiche:
D-BLfk Bestand 116 C, Nr. 71 und D-Dl Mus.1.Q.505,4
Das Erstdruckjahr 1863 in Reinecke (1936, 80), Altmann (1901, 149) und Bungert (2.4.1875, 137) ist damit überholt.
Druck: 1874–77 (Bln. und Pn., Ed. Bote & G. Bock / 8 Mark)
ADM (1877a, 144)
Druck spät. 1877 (op. 24: Mk. 8,00)
Vergleiche:
D-B Mus. 3259
Das Berliner Antiquariat Leo Liepmannssohn bot 1898 eine aus Partitur und zwei Streicherstimmen bestehende Notenausgabe, die vermutlich zu dieser Druckauflage gehört, für 8,– Mark als Nr. 167 im Antiquariatskatalog-Liepmannssohn (136/1898, 10) zum Kauf an: Trio (Es-dur) für Pianof., Violine u. Violoncell. op. 24. Berlin, Bote &
Bock. fol. br. Klavierstimme (zugleich Partitur) nebst Stimmen. (8 M.). Die Abkürzung fol. br. steht für „Folioformat
breit“ im Sinne eines großen Folioformats (mit Bezug auf das Folioformat des frühen Buchdrucks mit 32–35 cm
Buchrückenhöhe).
Druck: 1901–05 (Bln., Ed. Bote & G. Bock / 8,– M.)
Bote & Bock-Katalog (1914, 265)
Druck spät. 1914 (8,00 M. Netto.)
Vergleiche:
D-BLfk Bestand 116 C, Nr. 70 und D-Sh B II 5
c) Konzerte, Rundfunkeinspielungen, CD-Aufnahmen, Spieldauer
Konzerte
1. – 13.12.1853 # Berlin (Saal des Englischen Hauses), 2. Soiree für Kammermusik von Grünwald / Seidel, Robert
Seidel (Kl.) + Adolf Grünwald (V.) + Interpret unbekannt (Vc.); neues Trio – vermutlich op. 24 –
laut NBM (1853, 333) vom 14.12.1853
22.11.1854
# Berlin (großer Saal der Singakademie), 2. Triosoiree von Löschhorn / Gebr.[üder] Stahlknecht,
Donnerstag 19 Uhr, Albert Löschhorn (Kl.) + Adolf Stahlknecht (V.) + Julius Stahlknecht (Vc.);
laut NBM (1854, 376) Klaviertrio Es-Dur [op. 24] im Manuscript
13.3.1859
# Berlin (Cäciliensaal, der kleine Saal der Singakademie), Matinee / Konzert von Friedrich Kiel
(Kiel als Gastgeber, nur eingeladene Zuhörer), Sonntagvormittag, Friedrich Kiel (Kl.) + Adolf
Grünwald (V.) + Theodor Bruns (Vc.)
6. – 19.4.1863 Frankfurt am Main, Kammermusikmatinee von Henkel / Becker / Siedentopf, Heinrich Henkel
(Kl.) + Ruppert Becker (V.) + Johann Christian Siedentopf (Vc.)
2.9.1864
Leipzig, Musikalische Abendunterhaltung des Konservatoriums für Musik in Leipzig, Freitagabend, Schüler des Konservatoriums (Kl., V., Vc.)
20.11.1866
Basel / Schweizerische Eidgenossenschaft (Oberer Saal des Kasinos), 2. Triosoiree, Dienstagabend, Hans von Bülow (Kl.) + Louis Abel (V.) + Moritz Kahnt (Vc.)
29.11.1866
Zürich / Schweizerische Eidgenossenschaft (Saal des Kasinos), Triosoiree, Donnerstag 19 Uhr,
Hans von Bülow (Kl.) + Louis Abel (V.) + Moritz Kahnt (Vc.)
15.5.1868
Magdeburg / TV Magdeburg, Abendunterhaltung für Kammermusik, Freitagabend, Gustav Rebling (Kl.) + Interpreten unbekannt (V., Vc.)
1. – 14.2.1869 Hamburg, 2. Triosoiree von Holten, Karl Friedrich Christian von Holten (Kl.) + Interpreten unbekannt (V., Vc.)
12.10.1869
Stralsund (Hôtel de Brandebourg), Konzert von Arthur Hensel, Mittwoch 19 Uhr, Arthur Hensel
(Kl.) + Herr Schmidt (V.) + Herr Voss (Vc.)
7.12.1869
Hamburg, 1. Kammermusiksoiree von Niemann / Marwege / Wiemann, Dienstagabend, Rudolf
Niemann oder Herr Liebermann (Kl.) + Friedrich Marwege (V.) + Herr L. Wiemann (Vc.)
5.2.1870
Kopenhagen / Königreich Dänemark, Konzert des Kammermusikforeningen (= Kammermusikverein) Kopenhagen, Samstag, Edmund Neupert (Kl.) + Anton Svendsen (V.) + Franz Neruda (Vc.)
Nov./Dez. 1873 Gothenburg (= Göteborg) / Königreich Schweden, Konzert der Harmoniska sällskapet (= Harmoniegesellschaft), Interpreten unbekannt (Kl., V., Vc.)
308
15.1.1875
18.11.1877
18.1.1879
Hamburg, 3. Kammermusiksoiree von Julius Levin, Freitagabend, alle Interpreten: Julius Levin
(Kl.) + Herr Schloming (Georg Harry Schloming: V., oder Julius Schloming: V. oder Vc.) +
Louis Lee (Vc.) + Herr Böse + Franz Schmahl
Berlin (Aula des Kgl. Friedrich-Wilhelm-Gymnasiums), 3. Schüler-Aufführung des Instituts für
höheres Klavierspiel von Emil Alexander Veit; Sonntag, ein Schüler des Klavierinstituts (Kl.) +
Herr Busch (V.) [= vmtl. Musiklehrer u. Violinist A. Busch laut BAb (1/1876, 124)] + Herr Kegel
(Vc.)
München / TV München (Festsaal des Kunstgewerbehauses), Öffentliche Musikaufführung für
Vereinsmitglieder wie auch Nichtmitglieder, Samstag 19:30 Uhr, Interpreten unbekannt (Kl., V.,
Vc.)
Es sind keine Konzerte seit 1979 (Gründung der Friedrich-Kiel-Gesellschaft e. V.), Rundfunkeinspielungen und
CD-Aufnahmen bekannt.
Spieldauer
31' 17'' (nach Metronomangaben)
12' 40'' (I)
4' 21'' (II)
309
14' 06''=1' 23''+12' 43'' (III)
A5. Op. 33 (Klaviertrio [Nr. 5] cis-Moll)
a) Manuskripte / Drucke
Keine Manuskripte
Das verschollene Autograf, das als Stichvorlage diente, könnte bei Kriegsende aufgrund von Plünderungen und
Vandalismus im kriegsbedingt nach Eisenhammer ausgelagerten Manuskriptarchiv von C. F. Peters verloren gegangen sein. Es wurde nach Drucklegung wohl nicht an den Komponisten oder an Dritte gegeben, da die Korrespondenz Kiels, die sich in den Briefkopierbüchern und der gesammelten Eingangspost des Bestands „21070 C. F.
Peters, Leipzig“ von D-LEsta befindet, keinen entsprechenden Vermerk enthält.
In der Regel gingen die Notenhandschriften vor der Drucklegung an den Verlag C. F. Peters in Leipzig und blieben in seinem Besitz; nur vereinzelt gab es den Wunsch, ein bestimmtes Autograf nach der Drucklegung an den
Komponisten oder Dritte zu geben, was sich lediglich anhand der Verlagskorrespondenz belegen lässt. Zudem
hatte es unmittelbar bei Kriegsende in Eisenhammer, wo C. F. Peters ausgelagert war, in einem Objekt Plünderungen mit Vandalismus im Manuskriptarchiv gegeben, wo Teile desselben verloren gegangen sind. Diese Information beruht auf der freundlichen Mitteilung von Norbert Molkenbur, Geschäftsführer der Edition Peters Leipzig GmbH 1990–2002, vom 11.6.2009.
Alte Drucke
Widmung: Ferdinand David; siehe Einlegeblatt bei D-MZschneider o. Sign.
Material: Part. 45 S. und 2 St. (V. und Vc.) mit 11 und 10 S.; 4°
Die Notenstich- und -druckfirma C. G. Röder in Leipzig stellte 64 Druckplatten und den Edition Peters-Umschlag – den Umschl.[ag]: 1345 [= EP] – für die ab 1867 publizierten Edition Peters-Auflagen laut dem Peters-Plattenbuch (1874–1906, PN 4494) her. Alle 64 Platten, die noch 1907 bei C. G. Röder lagerten, wurden laut dem Eintrag für EP 1345 im Peters-Plattenbuch (1907–90, PN 4494) im Juli 1917 eingeschmolzen.
Absatz: Absatzhöhe von 694 Exemplaren im Zeitraum 1877–86: 79 (1877), 58 (1878), 62 (1879), 66 (1880), 92
(1881), 117 (1882), 47 (1883), 52 (1884), 59 (1885) und 62 Exemplare (1886) laut Peters-Absatzbuch (1877–81)
und Peters-Absatzbuch (1882–86) jeweils unter EP 1345
Fußzeilen (S. 3): keine (vergleiche ab 2. Auflage: EP-Fußzeile der Edition Peters-Auflagen)
3 Thlr.
Dp
VN. 4494
A: _
F: _
D-MZschneider o. Sign.; D-Mbs 4 Mus.pr. 12256
Druck 1860–67 (1. Druck 1865): 1860–80 (Firmenname und -sitz von Peters), spät. 1867 (vor
Gründung der Edition Peters-Reihe Ende 1867), spät. 1873 (Währung Thlr.)
Aus zwei Gründen handelt es sich eindeutig um den Erstdruck des Klaviertrios cis-Moll op. 33.
Erstens ist es die einzige Auflage dieses Klaviertrios, bei welcher der Kaufpreis im Titelblatt
mit abgedruckt ist, während bei sämtlichen nachfolgenden, innerhalb der Edition Peters-Reihe
publizierten Auflagen der Kaufpreis nur in separaten, für Händler bestimmten Preislisten stand.
Und zweitens ist die Preisangabe für die erste Auflage in Hofmeister (Mai 1865, 72) mit 3 Rl.
[= Reichstaler] und schon ab der zweiten Auflage in Hofmeister (Okt. 1874, 187) in der Währung Mark angegeben.
• [Außentitel:] nicht überliefert, eventuell identisch mit Innentitel; laut Rechnung (4.4.1865)
mit originalem Umschlag, der in der Regel auf dem Vorderblatt recto ein Außentitelblatt enthält
• Innentitel: TRIO | für | Pianoforte, Violine | und | Violoncello | componirt | von | FRIEDRICH
KIEL. | [links:] OP. 33. [rechts:] Pr.[eis] 3 Thlr. | Eigenthum des Verlegers. | Eingetragen in
das Vereins-Archiv. | Ent.d Stat. Hall. | LEIPZIG u. BERLIN, | C. F. PETERS, BUREAU DE MUSIQUE. | 4494.
• Gedrucktes Widmungsblatt (Text: Herrn | Ferdinand David | gewidmet.) – als loses Einlegeblatt nach dem Titelblatt – nur bei D-MZschneider o. Sign. vorhanden
• Provenienz / D-MZschneider o. Sign.: E. Weis (Unterschrift in schwarzer Tinte auf zusätzlichem, nachträglich hinzugefügten Umschlag, in den die vollständige Partitur eingelegt ist);
D-Mbs 4 Mus.pr. 12256: MUSIKALIEN HANDLUNG | & LEIHANSTALT | OTTO HALBREITER | MÜNCHEN (Stempel auf Titelblatt)
Edition Peters (EP 1345): C. F. Peters, Bureau de Musique
Die EP-Fußzeile „Edition Peters.“ (= „mit EP“) steht, soweit vorhanden, rechts- bzw. linksbündig unten auf allen
Notenseiten auf Höhe der zentriert geschriebenen VN-Nummer 4494. Die für das Klaviertrio cis-Moll op. 33 verwendeten lindgrünen Umschläge der Edition Peters-Ausgaben, die für freie Autoren reserviert sind, zeigen – im
Gegensatz zu den rosa Umschlägen für geschützte Autoren – seine Kategorisierung als urheberrechtlich freies Werk.
310
kein Preis
kein Dp
VN: 4494
(ohne EPNr.!)
A: _
F: _ (ohne EP)
D-BLfk Bestand 116 C, Nr. 69 (als Depositum in D-Budka), D-LÜh O.285
Druck 1867–80 (2. Druck 1874): 1860–80 (Firmenname und -sitz von Peters), früh. 1867 (Gründungsjahr der Editions Peters-Reihe), früh. 1867 (ohne Preisangabe)
Bei sämtlichen innerhalb der Edition Peters-Reihe publizierten Auflagen stand der Kaufpreis
nur in separaten, für Händler bestimmten Preislisten. Dies trifft auch auf die erste Edition Peters-Auflage des Klaviertrios cis-Moll op. 33 zu, in der die Edition Peters-Nummer 1345 noch
nicht genannt ist (= „ohne EP-Nr.“).
• Titel: TRIO | für | Pianoforte, Violine | und | Violoncello | componirt | von | FRIEDRICH
KIEL. | OP. 33. | Eigenthum des Verlegers. | Eingetragen in das Vereins-Archiv. | Ent.d Stat.
Hall. | LEIPZIG u. BERLIN, | C. F. PETERS, BUREAU DE MUSIQUE. | 4494.
• Provenienz / D-BLfk Bestand 116 C, Nr. 69: Ex Musicallis | FRICS EIBE | Hafniae (Stempel
auf Titelblatt oben rechts des u. a. in den 1870er-Jahren tätigen Kommissionärs Eibe in Hafnia =
Kopenhagen), F. aRumpf. [!] (Unterschrift in schwarzer Tinte auf Titelblatt oben Mitte), 23.5.[19]89 |
[Musikantiquariat] DAN FOG [in Kopenhagen / Dänemark] (Datums- und Namensvermerk
in Bleistift auf S. [46] / Erwerbung am 23.5.1989 durch Friedrich-Kiel-Gesellschaft e. V.);
D-LÜh O.285: CLARA HERRMANN (Stempel auf Titelblatt)
kein Preis
kein Dp
VN: 4494
(mit EP-Nr.)
A: ? (S. [48])
F: _ (ohne EP)
D-B Mus. 3260, D-F Mus.pr. Q 53/18; D-Dl 1.Mus.4.6690, D-HEms Magazin, N 1043
Druck 1880–1912: 1880–1915 (Firmenname und -sitz von Peters), spät. 1912 (letzte 11. Auflage)
Im Jahr 1912 wurde laut dem Peters-Auflagenbuch (1874–1943) der letzte Auflagendruck des
Klaviertrios cis-Moll op. 33 publiziert.
• Außentitel (lindgrün) auf Umschlagvorderblatt recto: EDITION PETERS | No. 1345. | KIEL |
TRIO | Opus 33.
• Innentitel: TRIO | für | Pianoforte, Violine | und | Violoncello | componirt | von | FRIEDRICH
KIEL. | OP. 33. | Eigenthum des Verlegers. | Eingetragen in das Vereins-Archiv. | Ent.d Stat.
Hall. | LEIPZIG, | C. F. PETERS, BUREAU DE MUSIQUE. | 4494.
• Vorderblatt des lindgrünen Umschlags, d. h. das Außentitelblatt, nur bei D-B Mus. 3260
und D-F Mus.pr. Q 53/18 vorhanden; ggf. eine Verlagsanzeige auf S. [48] des Umschlagrückblatts (lindgrün), das in allen genannten Notenexemplaren fehlt
• Provenienz / D-B Mus. 3260: Ex | Bibl.[iotheca] Regia | Berolin.[ensi] (Stempel auf Innentitelblatt);
D-F Mus.pr. Q 53/18: Osiander’sche Buch-, | Kunst- & Musikalien-Hdlg. | Tübingen. (Stempel
auf Außentitelblatt);
D-Dl 1.Mus.4.6690: C. A. KLEMM | Musikalien, Instrumente u. Saiten | Pianoforte-Magazin |
DRESDEN | Augustusstrasse 8. (Stempel auf Titelblatt / Innentitelblatt), Sophie Hoffmann
(handschriftlicher Vermerk auf Titelblatt / Innentitelblatt);
D-HEms Magazin, N 1043: [Name unlesbar] (blaue handschriftliche Unterschrift auf Titelblatt / Innentitelblatt oben Mitte)
kein Preis
kein Dp
VN: 4494
(mit EP-Nr.)
A (92.): S. [48]
F: _ (mit EP)
Erstmals Fußzeile „Edition
Peters.“ (= EP)
D-BLfk Bestand 116 C, Nr. 69 (als Depositum in D-Budka); CH-Zz Mus WB 1396, D-LEm
PM 402, PL-Wn Mus.III. 88.984
Druck 1892–1912 (1892, 1894, 1904 oder 1912): 1880–1912 (wie Datierung von D-B Mus.
3260), früh. 1892 (7. Auflage von 1892 laut Nummer „92.“ der Verlagsanzeige auf dem Umschlag S. [48]), spät. 1912 (letzte 11. Auflage)
Laut Fog (1990) wurde der Umschlag vermutlich im Jahr 1892 gedruckt, da die Verlagsanzeige
auf dem Umschlag die Nummer „92.“ aufweist; darüber hinaus erscheint auch ein unveränderter
Abzug einer früheren, im Jahr 1892 publizierten Auflage möglich.
• Außentitel (lindgrün) auf Umschlagvorderblatt recto; Innentitel: Text wie bei Titelblättern
von D-B Mus. 3260
• Verlagsanzeige S. [48] (lindgrün): „EDITION PETERS.“; Auflistung von Edition Peters-Klavierwerken verschiedener Komponisten, darunter von Kiel nur seine Sonatinen op. 6 EP 1006
• Lindgrüner Umschlag vollständig – mit Außentitel und Verlagsanzeige S. [48] – nur bei
D-BLfk Bestand 116 C, Nr. 69 vorhanden
• Provenienz / D-BLfk Bestand 116 C, Nr. 69: 1997 (Erwerbung 1997 durch Friedrich-KielGesellschaft e. V.);
CH-Zz Mus WB 1396: K 75, 2859 | Maier-Nussbaum (handschriftlicher Vermerk auf Titelblatt /
Innentitelblatt);
D-LEm PM 402: Musik-Bibliothek | Peters | Leipzig (Stempel auf Titelblatt / Innentitelblatt);
PL-Wn Mus.III. 88.984: Albert Odermann. (Namensaufkleber auf Titelblatt / Innentitelblatt)
311
kein Preis
kein Dp
VN: 4494
(mit EP-Nr.)
A (VII.):
S. [48]
F: _ (mit EP)
D-B DMS 60085
Druck 1892–1912 (1892, 1894, 1896, 1904 oder 1912): früh. 1892 (7. Auflage von 1892),
spät. 1912 (letzte 11. Auflage)
Die bisher aufgeführten Auflagen erschienen aufgrund der Verlagsfirmierung „C. F. Peters, Bureau de Musique“ früher als diese Auflage, die den Zusatz „Bureau de Musique“ nicht mehr
enthält, im Druck.
• Außentitel (lindgrün) auf Umschlagvorderblatt recto: EDITION PETERS | No. 1345. | KIEL |
TRIO | Opus 33.
• Innentitel: TRIO | für | Pianoforte, Violine | und | Violoncello | componirt | von | FRIEDRICH
KIEL. | OP. 33. | Eigenthum des Verlegers. | Eingetragen in das Vereins-Archiv. | Ent.d Stat.
Hall. | LEIPZIG, C. F. PETERS. | 4494.
• Verlagsanzeige S. [48] (lindgrün): „EDITION PETERS.“; Auflistung von Edition Peters-Ausgaben verschiedener Komponisten (unterschiedliche Besetzung), darunter von Kiel nur das
Klaviertrio op. 33 EP 1345
• Provenienz / D-B DMS 60085: Deutsche Musiksammlung | BERLIN | bei d. Kgl. Bibliothek
(Stempel auf Außen- und Innentitelblatt)
kein Preis
kein Dp
VN: 4494
(mit EP-Nr.)
A (22VII): S.
[48]
F: _ (mit EP)
D-Fh Klav Trio 283
Druck 1892–1912 (1892, 1894, 1896, 1904 oder 1912): 1880–1912 (wie Datierung von D-B
DMS 60085, früh. 1892 (7. Auflage von 1892), spät. 1912 (letzte 11. Auflage)
• Außentitel, Innentitel: Text wie bei Titelblättern von D-B DMS 60085
• Verlagsanzeige S. [48] (lindgrün): „EDITION PETERS.“; modernere Gestaltung als bei D-B
DMS 60085; Auflistung von Edition Peters-Ausgaben verschiedener Komponisten (unterschiedliche Besetzung), darunter von Kiel nur das Klaviertrio op. 33 EP 1345
• Provenienz / D-Fh Klav Trio 283: EDGAR KRAMER BANGERT | Hofmusikalienhandlung |
CASSEL (Stempel auf Außentitelblatt), vermutlich Altbestand von „Dr. Hoch’s Konservatorium“ in Frankfurt (Laut freundlicher Mitteilung des Bibliothekars Andreas Odenkirchen wurde
der Altbestand des Konservatoriums, dessen Kataloge und Inventare im Zweiten Weltkrieg zerstört wurden, ab 1878 aus Schenkungen von Privatpersonen sowie Neukäufen aufgebaut.)
kein Preis
kein Dp
VN: 4494
(mit EP-Nr.)
A: ? (S. [48])
F: _ (mit EP)
D-BLfk Bestand 116 C, Nr. 69 [Ex. 2] (als Depositum in D-Budka); D-Bss XI k 41¹,
D-BLfk Bestand 116 C, Nr. 69 [Ex. 1] (als Depositum in D-Budka), D-Dl 2.Mus.4.8656,
D-Mmb 9538.1789, PL-S Mus 5733
Druck 1892–1912 (1892, 1894, 1896, 1904 oder 1912): 1880–1912 (wie Datierung von D-B
DMS 60085 bzw. D-Fh Klav Trio 283), früh. 1892 (7. Auflage von 1892), spät. 1912 (letzte
11. Auflage)
• Außentitel, Innentitel: Text wie bei Titelblättern von D-B DMS 60085
• Vorderblatt des lindgrünen Umschlags, d. h. das Außentitelblatt, nur bei D-BLfk Bestand
116 C, Nr. 69 [Ex. 2] vorhanden; ggf. eine Verlagsanzeige auf S. [48] des Umschlagrückblatts
(lindgrün), das in allen genannten Notenexemplaren fehlt
Es lässt sich nicht entscheiden, ob einige oder sämtliche der o. g. Druckexemplare mit D-B
DMS 60085 oder mit D-Fh Klav Trio 283 identisch sind.
• Provenienz / D-BLfk Bestand 116 C, Nr. 69 [Ex. 2]: Dipl. Ing. Günter Schmöle | Menden (Sauerland) | Werler Straße 1 (Stempel auf Außentitelblatt), 07.06.[19]97 | [Musik-]Antiquariat
H.[ans] Schneider, Tutzing (Datumsstempel mit Namensvermerk in Bleistift auf S. [46] / Erwerbung am 7.6.1997 durch Friedrich-Kiel-Gesellschaft e. V.);
D-BLfk Bestand 116 C, Nr. 69 [Ex. 1]: 20/4/[19]82 (Datumsvermerk in Bleistift auf Vorderblatt verso des nachträglich hinzugefügten schwarzen Einbandes / Erwerbung am 20.4.1982
durch Friedrich-Kiel-Gesellschaft e. V.);
D-Dl 2.Mus.4.8656: Reinhold J. Beck sowie Dieter Arold (zwei Namensvermerke in schwarzer
Tinte auf Titelblatt / Innentitelblatt), Gries & Schornagel | HANNOVER | Theaterstraße 18 (Stempel auf Titelblatt / Innentitelblatt), Hannover, den 5. Juni 1908. (handschriftlicher Vermerk auf
Titelblatt / Innentitelblatt);
D-Mmb 9538.1789: Georg Hofmann | Musikalienhandlung Hoflieferant | Coburg [Leerraum]
Fernspr.[echer] 669. (Stempel auf Titelblatt / Innentitelblatt), Ankauf von dem früheren Münchner Musikantiquariat Walter Ricke durch die Bibliothek D-Mmb im Jahr 1964 (laut freundlicher Mitteilung des Musikbibliothekars Konrad Foerster vom 17.6.2008)
312
Neudruck
Titel: TRIO | für | Pianoforte | Violine | und | Violoncello | componirt | von | FRIEDRICH KIEL. | OP. 33. | [Fußzeile:] EDITION KUNZELMANN | GM 551
Ausgabe: AdZ. und Lottstetten [1997], Edition Kunzelmann GmbH in AdZ. / Schweiz & Albert J. Kunzelmann
GmbH in Lottstetten / Deutschland (VN: GM 551; GM = General Music Series); ohne Vorwort, ohne Taktzählung; Nachdruck der Erstausgabe von 1865 bei C. F. Peters ohne Hinweis auf den Nachdruck; kein Copyrightvermerk im Notenheft, was ungewöhnlich ist (daher Veröffentlichungsjahr ermittelt)
b) Datierung
Entstehungszeit 1863 oder 1864
Die Entstehungszeit des Klaviertrios cis-Moll op. 33 lag im Jahr 1863 laut Reinecke (1936, 81) und Schmieder
(1984, 232) oder im Jahr 1864 laut den Schülermemoiren von Erich Prieger (Prieger 1906, 131).
Hierbei revidierte Erich Prieger 1906 das von ihm zwei Jahrzehnte zuvor in Prieger (1884, 273) angegebene Entstehungsjahr 1865, das er wohl inzwischen als korrektes Erstveröffentlichungsjahr identifizieren konnte. Der Musikwissenschaftler Erich Prieger, der ein Kompositionsschüler und persönlicher Freund Kiels gewesen war, erwarb zudem einen Großteil seines handschriftlichen Musiknachlasses.
In Reinecke (1936, 20) ist irrtümlich implizit der Entstehungszeitraum 1866–69 angegeben: Während seiner
Tätigkeit am [Stern’schen] Konservatorium [1866–69] beschäftigte er sich vorwiegend mit der Komposition von Kammermusikwerken; zwei Violinsonaten op. 35, zwei Klaviertrios op. 33 und op. 34 und […].
Druckjahre / -monate
1. Druck: März 1865 (Lpz. und Bln., C. F. Peters – Bureau de Musique / 3 Thlr.),
Auflagehöhe 125 Exemplare (Auflage in 2 Teilauflagen: 100 Stück im März 1865 und 25 Stück innerhalb
Zeitraum April bis Dez. 1865 aufgrund Nachfrage bzw. „on demand“)
Rechnung (4.4.1865) in Peters-Eingangspost Druck (Lithografie von Umschlag, bestehend aus Außentitelblatt
(1864–65, unfol.)
und Rückblatt evtl. inklusive Verlagsanzeige S. [48], sowie Innentitel- und Widmungsblatt) im März 1865 (Auflage: 100) laut Rechnung (4.4.1865):
In der RECHNUNG | aus der | lithographischen Anstalt | von | [Lithografiefirma:] Friedr. Krätzschmer. LEIPZIG, am 4. April 1865 | für
Herrn C. F. Peters, Bureau de Musique sind Kompositionen mehrerer Komponisten aufgelistet, darunter das Klaviertrio cis-Moll op. 33
(VN 4494) von Kiel:
– 23. Febr. 1865: Tit.[el] lth. 4. [Thlr.] 15. [Ngr.]
– 15. März 1865: gedruckte Tit.[el] 100 [Stück,] 30 Bl[att und]
gedruckte Umschl[äge] 110. [Stück]; 1 [Thlr.]
– 23. März 1865: gedruckte Tit.[el] 100 [Stück] Ded.[ikationsblatt]; 12. [Ngr.]
– 23. März 1865: Dedication zu Kiel-Trio […]; lth. 22. [Ngr.]
Peters-Druckbuch (1831–67), PN 4494
Druck 1865 (Im Jahr 1865 eine 100-Stück-Auflage gedruckt; Im
Jahr 1865 eine 25-Stück-Auflage gedruckt)
Hofmeister (Mai 1865, 72+87)
Druck vor Mai 1865 (3 Taler);
Hofmeister (Mai 1865, 72): „Op. 33. Trio (Fism.)“ mit Preis 3 Rl.
[= Reichstaler] und inkorrekter Tonart fis-Moll:;
Hofmeister (Mai 1865, 87): Verlagsanzeige „Musikalischer Anzeiger. Nova No. 2 von C. F. Peters, Bureau de Musique in Leipzig”
u. a. mit Kiels „Op. 33. Trio“ mit Preis 3 Rl. ohne Tonartenangabe
NZfM (14.4.1865b, 140); NZfM (8.9.1865d, Druck vor 14. April 1865 (Verlagsanzeige „Nova No. 2. von C. F.
321)
Peters, Bureau de Musique in Leipzig“ u. a. mit Kiels Klaviertrio
cis-Moll op. 33; Druckrezension soeben erschienen, 3 Thlr.)
Altmann (1934, 79)
Druck 1865
Fog (1990, 20)
Druck 1865–67 / VN 4494
(1865: VN 4441–4457, 1867: VN 4533–4548)
Deutsch (1961, 14)
Druck 1865–67 / VN 4494
(1865: VN 4441–4457; 1867: VN 4548)
313
Peters-Katalognachtrag (1865, 2)
Druck 1864 oder 1865 (Titel Grosses [= viersätziges] Trio, Preishinweis 3 Thlr.)
Eichberg (1872, 37)
Druck spät. 1872 (Titel Großes Trio, Preishinweis 3 Thlr.)
Vergleiche:
D-MZschneider o. Sign.
Das Erstdruckjahr 1866 in Bungert (2.4.1875, 137), Altmann (1901, 149) und Reinecke (1936, 81) ist damit überholt.
2. Druck / Edition Peters: Juli 1874 (Lpz. und Bln., C. F. Peters – Bureau de Musique / Mk. 3,–),
Auflagenhöhe: 600 Exemplare (Auflage in mehreren Teilauflagen von Juli bis Ende 1874 aufgrund hoher
Nachfrage bzw. „on demand“)
Peters-Auflagenbuch (1874–1943), EP 1345 Druck von Juli bis Ende 1874 (Transport von 7.[18]74 – Ende
[18]74.600): Auflagenhöhe von insgesamt 600 Stück der von Juli
bis Ende 1874 – ähnlich wie die Erstauflage – in mehreren Teilauflagen veröffentlichten Nachauflage
Das Wort Transport steht in Geschäftsbüchern üblicherweise für
„Übertrag“ aus einem Buch in das nächste (oder innerhalb eines
Geschäftsbuches von einer Seite auf eine andere). Der Eintrag zu
Kiel (EP 1345) im Peters-Auflagenbuch (1874–1943), in dem alle
zehn Nachauflagen von Kiels Klaviertrio cis-Moll op. 33 von
1874 bis 1912 genannt sind, beginnt somit vermutlich mit der aus
einem früheren Geschäftsbuch übernommenen Auflagenhöhe von
600 Stück für den Zeitraum von Juli bis Ende 1874. Dies geht aus
der freundlichen Mitteilung von Thekla Kluttig, Referatsleiterin in
D-LEsta, vom 7.10.2013 hervor.
Fog (1990, 20)
Druck 1874 / EP 1345
(EP 1269–1447: 1874)
Hofmeister (Okt. 1874, 187)
Druck vor Okt. 1874 (Mk. 3,–);
Hofmeister (Okt. 1874, 187): „Op. 33. Trio“ mit Preis „Mk 3.“
ohne Tonartenangabe
Vergleiche:
D-BLfk Bestand 116 C, Nr. 69
Die erste Auflage von op. 33 innerhalb der Edition Peters-Reihe (2. Auflage, EP 1345) würde man nach den Angaben in Deutsch (1961, 14) irrtümlich auf 1879–81 datieren (EP 1028: 1879, EP 1389: 1881). Diese EP-Nummern
sind jedoch Ausnahmen in der Abfolge der Nummern, wie ein Vergleich mit den Angaben in Fog (1990) zeigt:
1879 (EP 1871), 1880 (EP 1900–1928) und 1881 (EP 1930–2085).
3. – 11. Druck (= alle weiteren Nachauflagen) / Edition Peters:
März 1880, Juni 1882, Nov. 1885, Okt. 1887, Febr. 1892, Mai 1894, Nov. 1896, Febr. 1904 und Okt. 1912
(Lpz., C. F. Peters – teilweise mit: Bureau de Musique / Mk. 3,– bzw. Mk. 4,– bzw. 2,– M.),
jeweilige Auflagenhöhe laut Peters-Auflagenbuch (1874–1943)
Peters-Auflagenbuch (1874–1943), EP 1345 Aufzählung aller Nachauflagen 1874–1943, inklusive erster Nachauflage von Juli bis Ende 1874 (600 Exemplare):
Druckmonat weiterer Nachauflagen (Höhe der Nachauflagen):
März 1880 und Juni 1882 (jeweils 200 Stück), Nov. 1885 (75 Stück),
Okt. 1887, Febr. 1892 und Mai 1894 (jeweils 100 Stück), Nov. 1896,
Febr. 1904 und Okt. 1912 (jeweils 200 Stück)
Peters-Absatzbuch (1882–86), EP 1345
4. Druck Juni 1882 (200 Stück Auflagenhöhe) und 5. Druck Nov.
1885 (75 Stück); keine Nachauflagen in den Jahren 1883, 1884 und
1886
Peters-Katalog (1888, 80)
Druck 1887 (Ausgabe in Stimmen 3– Mark, EP 1345)
Peters-Katalog (1900, 111), Hofmann (1904, Druck 1896, 1904 (4,– Mark, EP 1345)
79)
Peters-Katalog (1917, 140)
Druck 1912 (2,– M., EP 1345)
Vergleiche fünf Druckexemplare 1880–1912 1880–1912: D-B Mus. 3260 und D-BLfk Bestand 116 C, Nr. 69;
bzw. 1892–1912:
1892–1912: D-B DMS 60085, D-Fh Klav Trio 283, D-BLfk Bestand 116 C, Nr. 69 [Ex. 2]
Spätestens seit 1894 befand sich ein Druckexemplar des Klaviertrios cis-Moll op. 33 – mit der Katalog-Nr. 10608 –
in der Musikbibliothek Peters in Leipzig (Peters-Bibliothekskatalog 1894, 27 und 1910, 27). Insgesamt fünf No-
314
tendrucke von Kiel (op. 11, 20, 25, 33, 60), darunter das Klaviertrio cis-Moll op. 33 als einziges Klavierkammermusikwerk in Sonatenform, gehörten zumindest im Zeitraum 1894–1910 zum Bestand der Musikbibliothek Peters, wie aus diesen 1893 und 1910 publizierten Katalogen hervorgeht. Im nachfolgenden Peters-Katalog (1892)
sind hingegen beide bei C. F. Peters verlegten Klaviertrios D-Dur op. 3 und cis-Moll op. 33 nicht mehr verzeichnet.
Neudruck: 1997 (AdZ. und Lottstetten: Kunzelmann / GM 551); Nachdruck der Erstausgabe
c) Konzerte, Rundfunkeinspielungen, CD-Aufnahmen, Spieldauer
Konzerte
1863–83
Zwickau, erste Zwickauer Aufführung von op. 33; Konzertdatierung zwischen Entstehungsjahr 1863
und Publikationsmonat Oktober 1883 der Konzertrezension in ZwickWo (18.10.1883, 181D)
4.11.1865
Dresden / TV Dresden (Jüdenhof 1, 1. Etage), Übungsabend (erste Aufführung von op. 33 im TV
Dresden), Samstag 17:30 Uhr, Interpreten unbekannt (Kl., V., Vc.)
24.11.1865
Berlin (Saal des Englischen Hauses), 1. Kammermusiksoiree, Freitag 19 Uhr, Engelhardt-Klaviertrio [Herr A. Engelhardt (Kl.) aus Weimar + Wilhelm Hellmich (V.) aus Berlin + Adolf Rohne
(Vc.)]
7.12.1865
Potsdam, Philharmonisches Konzert, Donnerstagabend, Engelhardt-Klaviertrio [Herr A. Engelhardt (Kl.) aus Weimar + Wilhelm Hellmich (V.) aus Berlin + Adolf Rohne (Vc.)]
Bei dem am 7. Dezember 1865 aufgeführten Trio von Kiel (NZfM 1866, 7) handelt es sich um
eines seiner vier bis Dezember 1865 publizierten Klaviertrios op. 3, 22, 24, 33, wobei nur von
op. 3 und op. 33 Konzerte mit dem Pianisten A. Engelhardt bislang nachweisbar sind: Das o. g.
Engelhardt-Klaviertrio führte am 3. November 1862 Kiels Klaviertrio D-Dur op. 3 und am 24. November 1865 sein Klaviertrio cis-Moll op. 33 auf. Für das Aufführungsdatum 7. Dezember 1865
erscheint Kiels Klaviertrio cis-Moll op. 33 am wahrscheinlichsten, da es von demselben Ensemble
erst zwei Wochen zuvor am 24. November 1865 aufgeführt worden war.
26.12.1865
Leipzig (Musiksaal von Julius Blüthner), 1. Matinee in Wintersaison 1865/66 des Leipziger Zweigvereins des Allgemeinen Deutschen Musikvereins ADMV, Dienstagmittag, Fanny Bach (Kl.) + Andreas
Petterson aus Stockholm (V.) + Johann Andreas Grabau (Vc.)
3.1.1866
Potsdam, 2. Kammermusiksoiree von Barth, Mittwochabend, Heinrich Barth (Kl.) + Interpreten
unbekannt (V., Vc.) [= vmtl. Barth-Klaviertrio I]
12.2.1867
Basel / Schweizerische Eidgenossenschaft, 2. Triosoiree von Bülow / Abel / Kahnt, Dienstagabend,
Hans von Bülow (Kl.) + Louis Abel (V.) + Moritz Kahnt (Vc.)
Das dazugehörige Konzertprogramm ist in Marie von Bülows Sammlung der Konzertprogramme
ihres Ehemannes Hans von Bülow enthalten, die in D-B Mus Db 1815 (1–6) Rara überliefert ist.
Beim Konzert am 12. Februar 1867 spielte Bülow das Klaviertrio cis-Moll op. 33, wie aus diesem Konzertprogramm, der Konzertanzeige in BaslerN (1867, o. S.) und der Konzert-Nachricht
in NBM (1867a, 70 f.) eindeutig hervorgeht, und nicht – wie in FKG-M (2007, 37) angegeben –
um sein Klaviertrio Es-Dur op. 24. Vermutlich beruht dieser Irrtum auf der unzutreffenden Annahme, dass das Trio Bülow / Abel / Kahnt, welches Kiels Klaviertrio op. 24 schon zweimal im November 1866 in Basel bzw. Zürich aufgeführt hatte, vermutlich dasselbe Klaviertrio auch am
12. Februar 1867 spielten.
4.6.1868
Berlin / TV Berlin (Vereinssaal des TV Berlin im Hôtel Belle-Alliance, Ecke Zimmer- und Friedrichstraße), Kielsoiree, Donnerstag 19 Uhr, Julius Alsleben oder Oskar Eichberg (Kl.) + Fabian
Rehfeld (V.) + Herr H. Zürn (Vc.)
9.1.1869
Kopenhagen / Königreich Dänemark, Konzert des Kammermusikforeningen (= Kammermusikverein) Kopenhagen, Samstag, Edmund Neupert (Kl.) + Anton Svendsen (V.) + Franz Neruda (Vc.)
22.1.1870
Kopenhagen / Königreich Dänemark, Konzert des Kammermusikforeningen (= Kammermusikverein) Kopenhagen, Samstag, Edmund Neupert (Kl.) + Anton Svendsen (V.) + Franz Neruda (Vc.)
8.3.1870
Kopenhagen / Königreich Dänemark, private Soiree für Kammermusik von Neupert / Svendsen /
Holm / Neruda, Dienstagabend, Edmund Neupert (Kl.) + Johan Svendsen (V.) + Franz Neruda (Vc.)
10.3.1870
Kopenhagen / Königreich Dänemark, 1. Kammermusiksoiree von Edmund Neupert, Donnerstagabend, Edmund Neupert (Kl.) + Johan Svendsen (V.) + Franz Neruda (Vc.)
26.1.1874
Breslau / TV Breslau, 9. Versammlung des TV Breslau, Montagabend, Interpreten unbekannt (Kl.,
V., Vc.)
1.2. – 8.4.1875 Graz / Kaiserreich Österreich, 3. Matinee bei Friedrich Hausegger, Frl. Hall (Kl.) + Moritz von Kaiserfeld (V.) + Ferdinand Thieriot (Vc.); Aufführungsangaben laut MWO 6. Jg., Nr. 15 (9.4.1875),
S. 192)
2.2.1876
Oldenburg (Saal des Augusteums), 2. Abendunterhaltung für Kammermusik, Mittwoch 19 Uhr,
Albert Dietrich (Kl.) + Friedrich Engel (V.) + Theodor Marter (Vc.)
315
8.2.1882
Kopenhagen / Königreich Dänemark, Konzert des Kammermusikforeningen (= Kammermusikverein) Kopenhagen, Mittwochabend, Holger Dahl (Kl.) + Christian Frederik Schiørring (V.) + Angul
Hammerich (Vc.)
13.2.1882
Speyer, 4. Konzert der Cäcilienverein-Liedertafel, Montagabend, Interpreten unbekannt (Kl., V., Vc.)
1.11.– 11.12.1882 Barmen (seit 1929 östlicher Ortsteil von Wuppertal), 1. Kammermusiksoiree, Luise Bader (Kl.) +
Gustav Hollaender (V.) + Hermann Schmidt (Vc.); Aufführungsangaben laut BarmerZ (1882, o. S.)
und MWO 14. Jg., Nr. 6 (1.2.1883), S. 75
1912
Dortmund (Kasino-Saal), 1. Kammermusikveranstaltung von Professor Janssen, Julius Janssen
(Kl.) + Bram Eldering (V.) + Friedrich Grützmacher (Vc.); Aufführungsangaben laut AMZ 39. Jg.,
Nr. 51/52 (20.12.1912), S. 1380 und NZfM 80. Jg., Nr. 2 (9.1.1913), S. 22; möglicher Aufführungszeitraum 1. Okt. – 19. Dez. 1912
19.5.1985
11.10.1985
28.5.1999
Bovenden, Sonntag, Abegg-Trio [Gerrit Zitterbart (Kl.) + Ulrich Beetz (V.) + Birgit Erichson (Vc.)]
Berlin / DDR (Musikclub im Schauspielhaus), Freitagabend, Interpreten unbekannt (Kl., V., Vc.)
Bad Laasphe an der Lahn (Großer Saal des „Haus des Gastes“), Jubiläumskonzert zum 20-jährigen
Bestehen der Friedrich-Kiel-Gesellschaft e. V., Freitag 20 Uhr, Anton Werner (Kl.) + Sohei Takahata (V.) + Michael Kolfhaus (Vc.), 1. und 2. Satz von op. 33
Rundfunkeinspielungen
11.11.1975
NDR Hannover (Studio 2 / Kleiner Sendesaal im Landesfunkhaus Hannover), Dienstag, Jost Michaels (Kl.) + Ernst Mayer-Schierning (V.) + Irene Güdel (Vc.)
(Sendungen: vollständiges Werk am 5.5.1982 + 31.1.1986 jeweils NDR 3)
20.12.1983
SFB [heute RBB] Berlin (Saal 3), Dienstag, Abegg-Trio [Gerrit Zitterbart (Kl.) + Ulrich Beetz
(V.) + Birgit Erichson (Vc.)]
21.5.1985
SR Saarbrücken (Musikstudio 3), Dienstag, Abegg-Trio
(Sendungen: vollständiges Werk am 23.4.1986 Radio Bremen RB / 6.3.1987 + 21.3.1987 +
4.1.1991 + 31.10.2001 jeweils SR / 5.1.1991 WDR 3 / 3.5.2009 NDR)
Es sind keine CD-Aufnahmen bekannt.
Spieldauer
31' 22'' (nach Metronomangaben)
31' 52'' (SR 21.5.1985)
34' 59'' (SFB 20.12.1983)
35' 20'' (NDR 11.11.1975)
8' 41'' (I)
3' 15'' (II)
12' 01'' (III) 7' 15'' (IV)
7' 24'' (I)
6' 34'' (II)
10' 46'' (III) 6' 58'' (IV)
9' 27'' (I)
7' 08'' (II)
11' 25'' (III) 6' 42'' (IV)
[9' 49'' (I)
6' 50'' (II)
11' 05'' (III) 7' 20'' (IV)]
[anhand Aufnahme ermittelte, dem NDR nicht vorliegende Spieldauern]
316
A6. Op. 34 (Klaviertrio [Nr. 2] G-Dur)
a) Manuskripte / Drucke
Autograf / Erstfassung (keine Stichvorlage): D-B Mus.ms.autogr. Kiel, F. 15 N
Titel: Trio | für | Pianoforte, Violine und Violoncello | von | Friedrich Kiel. (Titelblatt der Part.), drei Sätze mit
anderem Mittelsatz – einem Andante con moto in B-Dur – als in der Druckausgabe
Material: nur Part. 34 S. (Titelblatt S. 1, Noten S. 3–13 und S. 15–34 / S. [14] leer) ohne separate St., Querformat
26,4 x 35,0 cm / 12 Systeme pro S., originale Reinschrift (siehe „Sonstiges“) ohne Markierung der Wendestellen
oder Seitenumbrüche, unvollständiges Material (letztes Blatt mit 26 Schlusstakten des Finales fehlt), originale
Paginierung
Datierung 1852 oder 1851–52: Laut Prieger (1906, 131) komponierte Kiel die Erstfassung des Klaviertrios
G-Dur op. 34 im Jahr 1851, wie aus den unter Punkt „b) Entstehungszeit“ dargelegten Quellen hervorgeht. Bestätigt wird dies durch die Ähnlichkeit des autografen Noten- und Schriftbildes bei der Erstfassung des Klaviertrios
G-Dur op. 34 und dem Trio non difficile G-Dur WoO, dessen Autograf eine autografe Datierung auf das Jahr 1853
aufweist. Besonders markant ist die verschnörkelte Schreibweise des Anfangsbuchstabens K bei Kiels Namensnennung Friedrich Kiel auf dem Titelblatt des Autografs G-Dur op. 34, die derjenigen im Autograf des Trio non
difficile G-Dur WoO (Fr. Kiel) sowie Kiels Unterschrift Fr. Kiel in seinem Brief (15.4.1850*) ähnelt.
Provenienz und Erwerbungsjahr: unbekannt (Altbestand). Die zehn 1823 als Altbestand akzessionierten Autografe Kiels gehören vermutlich zu den Notenautografen Kiels, die der in der Villa Prieger in Bonn wohnhafte
ehemalige Kielschüler Erich Prieger spätestens in seinem Todesjahr 1913, d. h. innerhalb des Zeitraums 1907–13
der Königlichen Bibliothek zu Berlin als Schenkung übergab.
Akzessionsvermerk 8.8.1923: Altbestand der Königlichen Bibliothek zu Berlin (heute D-B). Das Autograf der
Erstfassung des Klaviertrios G-Dur op. 34 mit der Akzessionsnummer „M 1923. 135“ gehört – wie die Autografe
der Violinsonaten D-Dur WoO, A-Dur op. 2 und der Motette Psalm 20 WoO – zu einem Posten von acht Stücken aus altem Handschriftenbestand, die im Akzessionsjournal von 1923 als Ms. autogr. bezeichnet sind. Hierbei sind im Akzessionsjournal von 1923 insgesamt zehn Autografe Kiels unter den Akzessionsnummern „1923.
115–120“ (= ein Posten mit sechs Stücken Kiels) und „1923. 132–135“ (= vier Stücke Kiels innerhalb einem
Posten mit acht Stücken „1923. 132–139“) mit dem Akzessionsvermerk Alter noch nicht accesionierter Bestand
versehen. Beide Posten gehören zu einem alten Handschriftenbestand, dem sog. „Altbestand“ der Königlichen Bibliothek zu Berlin, der am 8. August 1923 erst nachträglich in den Bibliotheksbestand eingearbeitet wurde.
Sonstiges: Am rechten Rand von Seite 34 ist nur noch der Anfangsbuchstabe F lesbar, da der folgende Text
überklebt wurde. Wahrscheinlich handelt es sich um den ersten Buchstaben von Friedrich Kiels Unterschrift mit
eventuell nachfolgendem Kompositionsdatum. Das Manuskript ist in schwarzer Tinte geschrieben und weist viele
Rasuren auf. Es beinhaltet nur wenige Korrekturen in schwarzer Tinte, jedoch zahlreiche Korrekturen und Streichungen von späterer Hand in braunem Buntstift oder Bleistift.
Dieses Autograf diente nicht als Stichvorlage, da es einen anderen Mittelsatz als die Notenausgabe enthält, da
keine Eintragungen in der Handschrift zu finden sind, die auf eine Drucklegung hinweisen könnten, und da die
Partitur in der Erstfassung im Querformat mit 33 Seiten, hingegen in den Notenausgaben im Hochformat mit
31 Seiten gestaltet ist. Die Außensätze der autografen Erstfassung weisen einige Abweichungen zur gedruckten
Ausgabe auf. Zum einen fällt in den Notenausgaben der Kopfsatz um fünf und der Finalsatz um 29 Takte kürzer
aus als im Autograf der Erstfassung (Streichung von neun Takten am Ende der Durchführung beim Kopfsatz und
der 28-taktigen, als Scherzo betitelten schnellen Einleitung sowie des letzten Expositionstaktes beim Finalsatz,
Hinzufügen von zweimal zwei Takten in der Durchführung beim Kopfsatz). Zum anderen unterscheiden sich
Erstfassung und Notenausgabe bei den Außensätzen in der Tempoangabe, mehrmals in der Stimmverteilung,
Dynamik und Oktavierung sowie an einigen Stellen in der Zusammensetzung einer Tonfolge bzw. eines Akkordes und / oder dem Ersetzen von Pausen durch Notenfolgen (oder umgekehrt). Somit ist bei dem Vergleich der
Außensätze von autografer Erstfassung und Druckausgabe ein Merkmal von Kiels Kompositionsstil, die modifizierte Wiederholung (7. Merkmal), schon erkennbar: In der Druckfassung werden Wiederholungsabschnitte – im
Vergleich zur Erstfassung – in höherem Maße durch verschiedene musikalische Parameter variiert; die Veränderung
kann hierbei z. B. die Klangfarbe, die mit einem Stimmwechsel erreicht wird, den Rhythmus oder die Oktavlage
betreffen.
Autograf / Druckfassung (Stichvorlage, mit Überarbeitung): D-DM Atg. 3308
Titel: Trio | (in G dur) | für Pianoforte Violine und | Violoncell | von | Friedrich Kiel | op. 34. (Titelblatt der Part.),
drei Sätze wie bei Druckausgabe
Material: nur Part. 34 S. (Titelblatt, Noten S. 1–32), 2° (Hochformat); Reinschrift (siehe „Sonstiges“) mit Markierung der Seitenumbrüche in Bleistift von späterer Hand, wie z. B. am Ende des fünftletzten Taktes auf Seite 1
im Klaviersystem die Seitenzahl „3“ zur Markierung des Seitenbeginns der Seite 3 in der Druckausgabe
317
Stichvorlage: Der Verlag fügte während der Druckvorbereitung handschriftliche Vermerke überwiegend in Bleistift, wie z. B. die Seitenumbrüche im Notenteil, einen Notenstichauftrag auf dem Titelblatt sowie die Fußzeile
„Verlag und Eigenthum der Simrock’schen | Musikhandlung in Berlin [Leerraum] 335.“ mit Verlagsangabe und
Verlagsnummer auf der ersten Notenseite hinzu. Folgender Notenstichauftrag, der als Eilauftrag durch die vierfache Unterstreichung von Eilt sehr gekennzeichnet ist, steht quer auf dem Titelblatt: Eilt sehr | Noch | pro Blatt
4 Systeme | schön gestoßen | zu den Stimmen | ist die (Notenprobe) | Note N 1 anzuwenden | Die Stimmen sind |
aus der Partitur zu stechen. | 1t II. [18]69. [Leerraum] Simrock.
Datierung 1869 oder 1868–69 / Fine Jan. 1869: Da der Verlag in Eile am 1. Februar 1869 den Notenstichauftrag vergab, kann Kiel die Niederschrift der Überarbeitung erst im Januar 1869 beendet haben. Unklar bleibt, ob
Kiel die Überarbeitung schon Ende 1868 oder erst im Januar 1869 begann.
Provenienz Liepmannssohn (spät. 1917 – 15. Dez. 1926): Das Berliner Antiquariat Leo Liepmannssohn bot
1917 die autografe Partitur des Klaviertrios G-Dur op. 34 für 100,– Mark als Nr. 786 im AntiquariatskatalogLiepmannssohn (198/1917, 62) zum Kauf an: Eig.[enhändiges] Musikmanuskript mit Namen. „Trio (in G-dur)
für Pianoforte, Violine und Violoncell von Friedrich Kiel. Op. 34.“ 32 S. Fol. 100.– [Mark] mit der Kurzbeschreibung Schönes Orig.[inal]-Manuscript. Erst am 15. Dezember 1926 erwarb die Bibliothek D-DM diese Handschrift von dem Antiquariat Liepmannssohn für den aktuellen Kaufpreis von 185,– DM. Laut Henseler (1959, 36)
wurde ein großer Teil der Verlagskorrespondenz von Simrock in Berlin – und hierbei wohl auch dieses Notenautograf – von Liepmannssohn versteigert, als sich der Verkauf des Berliner Verlags N. Simrock durch die Erben
im Jahre 1929 an den Musikverlag Anton J. Benjamin / Leipzig ankündigte.
Sonstiges: Die Partitur weist wenige Korrekturen auf. Neben der Streichung (zwei Takte auf S. 13, ein Takt auf
S. 23) bzw. dem engeren Zusammenschreiben (sechster bis achter Takt auf S. 17) von Takten wurde an drei Stellen über das Notensystem hinaus geschrieben (dritte Akkolade auf S. 1, zweite Akkolade auf S. 3, vierte Akkolade
auf S. 28). Ein Abschnitt – Takt 225–263 laut Taktzählung der Notenausgabe – ist auf Seite 27 ff. des Autografs
nicht ausgeschrieben; stattdessen wird mit einem Videzeichen sowie mehreren Vermerken für den Stecher auf die
Seite 20 verwiesen: auf Seite 20 nach dem vierten Takt Videzeichen und Vermerk (Siehe unten), auf Seite 20
unten zwei Vermerke (NB Siehe pag | 27 sowie Ist an betreffendem Orte vom Hr Stecher | auszuführen.), auf
Seite 27 nach dem letzten Takt Videzeichen und Vermerk (Siehe pag. 20 | Vom Anfange des Satzes | zwischen
[Videzeichen] 39 Takte | bis zum Zeichen: | (*) dann | weiter | auf der | folgenden | Seite. | pag. 28).
Handschrift, vmtl. Autograf (Reinschrift, mit Überarbeitung): Verbleib unbekannt
Material: nur Part. 43 S., Querformat; Reinschrift (Autograf oder Abschrift?)
Datierung um 1869 (vmtl. Autograf) oder 1885–1913 (Abschrift): ohne originale Datierung, Handschrift als
Autograf siehe „Datierung“ Autograf in D-DM oder als Abschrift siehe „Provenienz“
Provenienz Erich Prieger (bis 1913) und Hans Prieger (u. a. 1913–24): Das Bonner „Mathias Lempertz’
Buchhandlung und Antiquariat (Inhaber: Peter Hanstein & Söhne)“ bot laut Auktionskatalog-Priegernachlass
(3/1924, 9) diese Notenhandschrift des Klaviertrios G-Dur op. 34 zusammen mit weiteren Notenmanuskripten
Kiels unter der Nr. 75 am Dienstag, den 15. Juli 1924 zum Kauf an. In diesem Auktionskatalog ist dieses Klaviertrio irrtümlich unter den unveröffentlichten Werken aufgeführt: Reinschriften von (wohl s[ä]mtl.[ich] ungedruckten) Kompositionen aus früherer Zeit: […] 6. Klaviertrio G-dur (mit späterer Ueberarbeitung). Part., 43 S.
Querf.[ormat] [!].
Da diese Handschrift 1924 zur Versteigerung angeboten wurde, kann es sich weder um das D-B-Autograf, das
schon ein Jahr zuvor am 8. August 1923 als Altbestand der Kgl. Bibliothek zu Berlin akzessioniert wurde, noch
um das D-DM-Autograf handeln, das – im Gegensatz zu den 34 Seiten im Hochformat dieses Manuskripts – 43 Seiten im Hochformat aufweist und bis Ende 1926 im Besitz des Antiquariats Liepmannssohn (Erwerb am 15. Dezember 1926 durch Bibliothek D-DM) war.
Alte Drucke
Widmung: keine
Material: Part. 31 S. und 2 St. (V., Vc.) à 7 S., 4°
Fußzeilen: (S. 2): Si2 (links), R1 (rechts)
2 Thlr. 15 Sgr.
Dp
VN: 335
A (oN): S. [34]
F: Si2, R1
D-BLfk Bestand 116 C, Nr. 68 (als Depositum in D-Budka); D-B Mus. 3261, D-Mmb
9593.3360
1869 (1. Druck 1869): früh. 1869 (Erstdruck 1869), 1864–70 (Firmenname von Simrock’scher
Musikhandlung), 1869 (Von den in der Verlagsanzeige auf Seite [34] aufgelisteten Werken Kiels
erschien als letztes circa im April 1869 das Klaviertrio op. 34 im Erstdruck, während die ebenfalls 1869 erstveröffentlichten Streichquartette op. 53:1–2 noch fehlen.)
• Außentitel (blau) auf Umschlagvorderblatt recto und Innentitel: identischer Text TRIO |
(G dur) | für | Pianoforte, Violine und Violoncell | von | FRIEDRICH KIEL. | [links:] OP. 34.
318
[rechts:] Pr.[eis] 2 Thlr. 15 Sgr. | End. Sta. Hall | Verlag u. Eigenthum | der | SIMROCK’schen
MUSIKHANDLUNG, | BERLIN, Jägerstrasse 18. | Lith. Anst. v. C. G. Röder, Leipzig.
• Verlagsanzeige S. [34] (blau): [oben:] Compositionen von Friedrich Kiel | im Verlage | der Simrock’schen Musikhandlung in Berlin | Jägerstrasse 18. | [linke Spalte:] a) Kammermusik. |
[…] | Op. 34 Trio (G dur) für Pianoforte, Violine u. Violoncell. [Leerraum] 2 [Thlr.] 15 [Sgr.] |
[rechte Spalte:] c) für Piano zu 2 Händen. | […] | [unten:] b) für Piano zu 4 Händen. | […];
Auflistung aller bis zur Drucklegung der vorliegenden Erstausgabe bei der Simrock’schen Musikhandlung erschienenen Klavier- und Kammermusikwerke Kiels: Kammermusik (op. 12, 22,
35:1–2, 43, 44, 50–52 und das zuletzt erschienene op. 34), Klaviermusik zweihändig (op. 26,
36, 38, 41, 45 sowie 2hd. Bearb. von op. 39) und Klaviermusik vierhändig (op. 23, 42, 47, 48
sowie 4hd. Bearb. von op. 39 und op. 43)
• Blauer Umschlag vollständig – mit Außentitel und Verlagsanzeige S. [34] – nur bei D-BLfk
Bestand 116 C, Nr. 68 und Vorderblatt dieses Umschlags, d. h. das Außentitelblatt, nur bei D-B
Mus. 3261 vorhanden
• Provenienz / D-BLfk Bestand 116 C, Nr. 68: JOSEF STOLZ (farbloser Prägestempel auf
Außentitelblatt), 27.03.[20]03 | [Musikantiquariat] Paul van Kuik | NL-Voorschoten (Vermerk
in Bleistift auf S. [33] / Erwerbung am 27.3.2003 durch Friedrich-Kiel-Gesellschaft e. V.);
D-B Mus. 3261: Ex | Biblioth.[eca] Regia | Berolinensi. (Stempel auf S. 2);
D-Mmb 9593.3360: Städt. Musik. Volksbibliothek | MÜNCHEN (Stempel auf Titelblatt /
Innentitelblatt), Musikal. Volks-Bibl. | Inventar-No. [handschriftlich:] 39/V (Stempel auf Titelblatt / Innentitelblatt mit alter Inventarnummer), 1925/26 N.° 925 (vermutlich neue Inventarnummer); aus dem von dem Bibliotheksgründer Paul Marsop zusammengetragenen Erstbestand, der nach seinem Tod 1925 erstmals amtlich inventarisiert wurde (laut freundlicher Mitteilung des Musikbibliothekars Konrad Foerster vom 17.6.2008)
7 M. 50.
kein Dp
VN: 6997
A (No.89.): 2 Ti
F: nur Si2
D-B DMS 50988, D-Mbs 2 Mus.pr. 5184; D-BLfk Bestand 116 C, Nr. 68 (als Depositum
in D-Budka)
Druck 1874–97: früh. 1874 (Währung Mark), 1870–1901 (Firmenname von N. Simrock), spät.
1897 [Erwähnung im Simrock-Katalog (1897, 186)]
• Außentitel (hell-graublau) auf Umschlagvorderblatt recto und Innentitel jeweils als Katalogtitel: identischer Text „Werke | für Kammermusik | von | FRIEDRICH KIEL. | […] | Op. 34
Trio für Clavier, Violine und Violoncell, (G dur.) [Leerraum] 7 M. 50. | […] | Verlag und Eigenthum | von | N. SIMROCK in BERLIN. | No.89.“; Auflistung aller bei N. Simrock erschienenen Kammermusikwerke Kiels (op. 12, 22, 34, 35:1–2, 43, 44, 50–54)
• Hell-graublauer Umschlag nur bei D-B DMS 50988 und D-Mbs 2 Mus.pr. 5184 vorhanden
• Provenienz / D-B DMS 50988: Geschenk des Verlags an die Deutsche Musiksammlung | BERLIN | bei d. Kgl. Bibliothek (2 Stempel auf Innentitelblatt);
D-Mbs 2 Mus.pr. 5184: BIBLIOTHECA | REGIA | MONACENSIS (Stempel auf S. 2);
D-BLfk Bestand 116 C, Nr. 68: G. & S. | K. (Stempel auf Titelblatt / Innentitelblatt), 7.4.[19]89 |
[Musikantiquariat] DAN FOG[, Kopenhagen in Dänemark] (Datums- und Namensvermerk in
Bleistift auf S. [32] / Erwerbung am 7.4.1989 durch Friedrich-Kiel-Gesellschaft e. V.)
7,50 Mk.
kein Dp
VN: 6997
A (No. 145.):
Ti
F: Si2, R1
D-KNmi 6,357, D-Mbs 4 Mus.pr. 56993, D-Mmb 9538.1790
Druck 1903–05: 1901–29 (Firmenname und -sitz von N. Simrock), 1846–1905 (Firmenname
von Röder ohne GmbH), 1894–1907 (Firmenadresse von Lengnick),
ab 1903 (1903 Erstveröffentlichung des Streichquintetts F-Dur op. 77 von Felix Draeseke /
unter den im Katalogtitel genannten Werken mit bekanntem Publikationsjahr dasjenige mit spätestem Druckjahr)
• Titel (Text: nur schwarz) als Katalogtitel: „Neuere Werke | für | Kammermusik. | Alexander
Friedrich Landgraf von Hessen, Hessen, op. 3. Trio für | […] | Kiel, Friedrich, op. 12. […] |
op. 34. Trio (G dur) für Pianoforte, Violine und Violoncell [Leerraum] 7,50 Mk. | […] | Verlag
und Eigenthum für alle Länder von | N. Simrock, G.m.b.H., Berlin. | For the British Empire:
Alfred Lengnick, 58, Berners Street, London W. | [links:] No. 145. [Mitte:] Aufführungsrecht
vorbehalten. [rechts:] C. G. Röder, Leipzig.“; Text des Katalogtitels identisch mit dem des Innentitels von op. 22 in D-B DMS 50985; Auflistung von Kammermusikwerken verschiedener Komponisten, darunter – neben z. B. 33 Werken von Johannes Brahms (op. 8 bis op. 120) und 18 von
Anton Dvořák (op. 44 bis op. 106) – alle bei N. Simrock erschienenen Kammermusikwerke
Kiels (op. 12 bis op. 54)
319
• Provenienz / D-Mmb 9538.1790: Ankauf von dem früheren Münchner Musikantiquariat Walter
Ricke im Jahr 1964 durch die Bibliothek D-Mmb (freundliche Mitteilung des Musikbibliothekars Konrad Foerster vom 17.6.2008)
b) Datierung
Entstehungszeit 1852 oder 1851–52 (Erstfassung), 1869 oder 1868–69 / Fine Jan. 1869 (Druckfassung)
Die Erstfassung des Klaviertrios G-Dur op. 34 wurde, wie implizit aus dem an Franz Liszt gerichteten Brief
(6.1.1853L4, 256) von Siegfried Wilhelm Dehn hervorgeht, im Jahr 1852 beendet: Gegenwärtig[, d. h. am 6. Januar 1853,] ist nun auch das 2. Trio [G-Dur op. 34 / Fine 1852] ganz und ein drittes [Klaviertrio Es-Dur
op. 24] zum Theil fertig. Erich Prieger revidierte das von ihm in Prieger (1884, 273) zunächst angegebene Entstehungsjahr 1869, das für die Druckfassung durchaus zutrifft, zwei Jahrzehnte später in Prieger (1906, 131), laut
dem Kiel beim Klaviertrio G-Dur op. 34 die Erstfassung schon im Jahre 1851 und die Druckfassung, die einen
neuen Mittelsatz aufweist, im Jahr 1870 [recte: Fine 1869] komponierte. Aufgrund der zwischen März und Mai
1869 erfolgten Drucklegung ist allerdings Priegers Annahme, dass die Druckfassung im Jahr 1870 entstand, chronologisch nicht möglich. Hingegen könnte dem Kompositionsjahr 1851 für die Erstfassung auch der Kielschüler
in Bungert (1875, 237) zugestimmt haben: Es unterliegt keinem Zweifel, daß dieses Trio [G-Dur op. 34] in eine
viel frühere Schaffensperiode fällt, als [op. 33, das 1863 oder 1864 entstanden ist], welches der Opuszahl nach
jenem vorhergeht. Erich Prieger wie August Bungert waren in den 1870er-Jahren Kompositionsschüler von Kiel;
zudem erwarb Prieger, der zum persönlichen Freund Kiels wurde, einen Großteil seines handschriftlichen Musiknachlasses.
Die Angaben zur Entstehungszeit von Erich Reinecke, nämlich 1864 bzw. im Zeitraum 1866–69, sind nicht kongruent. Da die musikalische Faktur des Klaviertrios op. 34 die Aussage von Bungert bestätigt, dass das Klaviertrio
op. 34 vor dem Klaviertrio op. 33 entstanden sei, irrte sich Reinecke (1936, 81) wohl in seiner Datierung auf
1864. Auch die Datierung von Reinecke (1936, 20) auf den Zeitraum 1866–69 ist vermutlich ein Irrtum: Während seiner Tätigkeit am [Stern’schen] Konservatorium [1866–69] beschäftigte er sich vorwiegend mit der Komposition von Kammermusikwerken; zwei Violinsonaten op. 35, zwei Klaviertrios op. 33 und op. 34; auf das 1865
erstveröffentlichte Klaviertrio op. 33 trifft sie jedenfalls nicht zu.
Druckjahre / -zeitraum
1. Druck: (zwischen März und Mai) 1869 (Bln., Simrock’sche Musikhandlung / 2 Thlr. 15 Sgr. = 2 ½ Thlr.,
alte VN 335 = VN der Simrock’schen Musikhandlung)
Vermerk auf Manuskript D-DM Atg. 3308
Druck früh. März 1869 (am 1. Febr. 1869 als eiliger Auftrag zum
Notenstich gegeben)
Hofmeister (Juni 1869, 100)
Druck vor Juni 1869 (2 Thlr. 15 Ngr.)
Barberi (14.7.1869, 222)
Druck März bis Juni 1869 (Erstdruck zwischen März und Juni
1869: 2 ½ Thlr.)
NBM (1.9.1869c, 288):
Druck spät. Aug. 1869 (Bei Simrock in Berlin erschien so eben mit
Eigenthumsrecht u. a. Trio Op. 34 G-dur zum Preis 2 Thlr. 15 Sgr.)
Altmann (1934, 80)
Druck 1869
Deutsch (1961, 26)
Druck 1869 / alte VN 335 und neue VN 6997
(1869: alte VN 326–337 der Simrock’schen Musikhandlung in
Berlin)
(1869: neue VN 6985–6999 des späteren, seit 1870 als N. Simrock in Berlin firmierenden Verlags; neue VN in der VN-Liste von
N. Simrock in Bonn ist – aufgrund der Zusammenlegung der VNListen des Bonner und des Berliner Verlags im Zeitraum 1867–70 –
auch für den zusammengeführten, ab 1870 existierenden Verlag
N. Simrock in Berlin gültig)
Vergleiche:
D-BLfk Bestand 116 C, Nr. 68 und D-B Mus. 3261
Das Erstdruckjahr 1870 in Bungert (2.4.1875, 137), Altmann (1901, 149) und Reinecke (1936, 81) ist damit überholt.
Druck: 1874–97 (Bln., N. Simrock / 7 M. 50., neue VN 6997 = VN von N. Simrock)
Druck spät. 1897 (No.6997, 7 M. 50 Pf.)
Simrock-Katalog (1897, 186)
Vergleiche:
D-B DMS 50988
320
Das Berliner Antiquariat Leo Liepmannssohn bot 1898 eine aus Partitur und zwei Streicherstimmen bestehende
Notenausgabe, die vermutlich zu dieser Druckauflage gehört, für 7,50 Mark als Nr. 168 im Antiquariatskatalog-Liepmannssohn (136/1898, 10) an: Trio (G-dur) für Pianof., Violine u. Violoncell. op. 34. Berlin, Simrock.
fol. br. Klavierstimme (zugleich Partitur) nebst Stimmen. (7 M. 50). Die Abkürzung fol. br. steht für „Folioformat
breit“ im Sinne eines großen Folioformats (mit Bezug auf das Folioformat des frühen Buchdrucks mit 32–35 cm
Buchrückenhöhe).
Druck: 1903–05 (Bln., N. Simrock G.m.b.H. / 7,50 Mk., neue VN)
Vergleiche:
D-KNmi 6,357
c) Konzerte, Rundfunkeinspielungen, CD-Aufnahmen, Spieldauer
Konzerte
29.1.1873
18.10.1979
7.10.1986
11.10.1996
12.10.2008
18.10.2008
25.2.2011
13.3.2011
Kopenhagen / Königreich Dänemark, Konzert des Kammermusikforeningen (= Kammermusikverein) Kopenhagen, Mittwochabend, Anton Hartvigson (Kl.) + Louis Hornbeck (V.) + Franz Neruda (Vc.)
Dortmund (Studio der Stadt- und Landesbibliothek Dortmund), Kammerkonzert „Musik in Westfalen“ der Stadt- und Landesbibliothek Dortmund anlässlich der Ausstellung „Westfälische Musiker“, Donnerstag 19:30 Uhr, Anni Wiechert-Gicquel (Kl.) + Thomas Klauser (V.) + Karl-Gustav
Settelmeier (Vc.)
Hilchenbach-Dahlbruch (Gebrüder-Busch-Theater), Dienstag 20 Uhr, Abegg-Trio [Gerrit Zitterbart
(Kl.) + Ulrich Beetz (V.) + Birgit Erichson (Vc.)]
Hilchenbach-Dahlbruch (Gebrüder-Busch-Theater), Kammerkonzert (im Rahmen der FriedrichKiel-Musiktage 27.9. – 17.10.1996), Freitag 20 Uhr, Abegg-Trio
[nur 2. Satz:] Kuala Lumpur / Malaysia, Sonntag, Abegg-Trio
Bad Berleburg (Schloss Berleburg, Sommersaal), Kammerkonzert „Friedrich-Kiel-Geburtstagskonzert“ (auf Einladung der Kulturgemeinde Bad Berleburg e. V.), Samstag 19:30 Uhr, Abegg-Trio
Völklingen (Kongresszentrum der SHG-Kliniken), 1. Konzert der Konzertreihe „Kultur im SHG
Kongresszentrum“, Freitag 19 Uhr, Ensemble „Alte Musik Köln“ [Uwe Brandt (Kl.) + Christine
Rox (V.) + Klaus-Dieter Brandt (Vc.)]
Köln (Comedia Theater), Konzert „Für Pianoforte, Violine und Violoncell“ – Kammermusik des
19. Jahrhunderts“ / Konzert 6 der Konzertsaison 2010/11 der Konzertreihe „Forum Alte Musik
Köln / WDR 3 Sonntagskonzerte“ (und 100. Konzert der Reihe), Ensemble „Alte Musik Köln“
[Uwe Brandt (Kl.) + Christine Rox (V.) + Klaus-Dieter Brandt (Vc.)]
(Sendung: vmtl. vollständiges Werk am 24.3.2011 WDR 3)
Rundfunkeinspielungen
19.5.1984
BRTN Brüssel / Belgien, Samstag, Abegg-Trio [Gerrit Zitterbart (Kl.) + Ulrich Beetz (V.) + Birgit
Erichson (Vc.)]
(Sendungen: am 14.12.1984 + 6.6.1985 + 9.5.1986 + 25.8.1987 + 16.11.1987 + 8.12.1987 etc. jeweils BRTN)
1.6.1984
SDR [heute SWR] Stuttgart (Villa K), Freitag, Abegg-Trio
(Sendung: vollständiges Werk am 24.11.2001 + 30.1.2003 jeweils SWR 2)
21.5.1985
SR Saarbrücken (Musikstudio 3), Dienstag, Abegg-Trio
(Sendungen: vollständiges Werk am 29.12.1985 + 10.1.1987 + 19.1.1987 + 13.4.1990 + 30.4.1991 +
18.5.1992 jeweils SR / 14.5.1986 Radio Bremen RB)
13.11.1986
WDR Köln (Saal 2), Donnerstag, Abegg-Trio
(Sendungen: vollständiges Werk am 6.9.1988 + 1992 + 15.4.1994 + 30.1.2003 + 24.2.2006 jeweils
WDR 3 / 29.6.1994 DRL Köln; Werkausschnitt am 20.1.1987 + 27.9.1996 + 25.7.2005 + 8.8.2006 +
19.4.2007 + 1.10.2007 + 27.7.2009 jeweils WDR 3)
LP-Aufnahme (für LP und CD1–3)
Originaler Schrägstrich „/“ nach dem Komponistennamen Goetz (bei LP, CD1 und CD2); CD1 mit Rückgriff auf
LP-Aufnahme, CD2 und CD3 mit Rückgriff auf CD1-Aufnahme.
LP) Titel HERMANN GOETZ [op. 1] / FRIEDRICH KIEL [op. 34] | Klaviertrios | Abegg Trio; Dietikon (Kanton
Zürich / Schweiz) ©1986 / ℗1987, Ex Libris Verlag und Grammoclub AG (Bestellnummer: EL 16984; Digital
Recording); Exemplar z. B. in D-Mbs L 3281
Aufnahme: 3. – 4.6.1986 Blumenstein / Schweiz (Kirche Blumenstein), Abegg-Trio [Gerrit Zitterbart (Kl.) + Ulrich
Beetz (V.) + Birgit Erichson (Vc.)]
321
CD1) Titel HERMANN GOETZ [op. 1] / FRIEDRICH KIEL [op. 34] | Klaviertrios | Abegg Trio; München ©1989 /
℗1986, Koch International (Bestellnummer: Schw 6038, DDD-Aufnahme); zuvor als LP erschienen
(Sendungen: vollständiges Werk am 8.5.1999 SWR 2 / 9.9.1999 + 19.12.2010 Radio Bremen RB / 7.9.2001 +
25.10.2001 + 5.5.2002 + 5.10.2002 + 21.1.2003 + 31.1.2003 + 25.2.2003 + 26.5.2003 + 20.8.2003 + 15.9.2003 +
18.2.2004 + 4.8.2004 + 26.11.2004 jeweils HR 2 / 24.11.2001 + 18.7.2008 jeweils SWR 2 / 20.2.2008 WDR 3;
3. Satz am 23.1.2001 SWR 2)
CD2) Titel Goetz / Kiel | Piano Trios [Goetz op. 1 und Kiel op. 34]; Stuttgart ©/℗ 1991, Intercord [= Unterlabel
von Intercord Klassische Diskothek] (DDD-Aufnahme von CD1)
CD3) Titel Hermann Goetz [op. 1] · Friedrich Kiel [op. 34] | Vol. 2 der Reihe Romantische | Klavier-Trios |
Abegg[-] | trio [!] (auch: Romantic Piano Trio); Stuttgart ©/℗ 2000, TACET Musikproduction (DDD-Aufnahme
vmtl. von CD1)
Spieldauer
17' 29'' (nach Metronomangaben)
18' 26'' (21.5.1985 SR)
19' 00'' (1.6.1984 SDR)
19' 10'' (19.5.1984 BRTN)
21' 28'' (13.11.1986 WDR)
23' 41'' (1986 1. CD-Aufnahme)
5' 45'' (I)
7' 07'' (I)
7' 00'' (I)
7' 00'' (I)
9' 35'' (I)
9' 33'' (I)
4' 49'' (II)
5' 49'' (II)
6' 30'' (II)
6' 27'' (II)
6' 31'' (II)
7' 02'' (II)
322
6' 45'' (III)
5' 20'' (III)
5' 15'' (III)
5' 30'' (III)
5' 12'' (III)
7' 00'' (III)
A7. Op. 35:1 (Violinsonate d-Moll)
a) Manuskripte / Drucke
Keine Manuskripte
Alte Drucke
Widmung: keine
Material: Part. 27 S. und VSt. 7 S., 4°
Fußzeilen (S. 2): Si1 / Si3 (links), R1 (rechts)
1 Thlr. 15 Sgr.
Dp
VN: 218
A (oN): S. [28]
F: Si1, R1
D-WRha ADMV – 0526a [Olim-Sign.: ADMV 569/1]; D-Dl 3.Mus.4.467, D-MZschneider
o. Sign.
Druck 1868: früh. 1865 (Erstdruck 1865), 1864–70 (Firmenname von Simrock’scher Musikhandlung), 1868 (Von den in der Verlagsanzeige auf Seite [28] aufgelisteten Werken Kiels erschienen als letzte 1868 die Walzer für Klavier vierhändig op. 48 und die vierhändige Bearbeitung der Drei Militair-Märsche op. 39 im Erstdruck, während op. 50–52 sowie die zweihändige
Bearbeitung von op. 39, die ebenfalls 1868 erstveröffentlicht wurden, noch fehlen.)
• Außentitel (grün) auf Umschlagvorderblatt recto und Innentitel: identischer Text SONATE | für |
Pianoforte und Violine | componirt | von | Friedrich Kiel. | [links:] Op. 35 N.°1. D moll [rechts:]
Preis Thlr. 1.15 Sgr. | [links:] Op. 35 N.°2. F dur. [rechts:] " [Thlr.] 1.15 " [Sgr.] | Eingetragen
in’s Vereins-Archiv. | Ent.d Stat. Hall | Verlag und Eigenthum | der | SIMROCK’schen Musikhandlung in BERLIN. | Jägerstrasse 18. | 218. 219. | Lith. Anst. v. C. G. Röder Leipzig.
• Verlagsanzeige S. [28] (grün): [oben:] Compositionen von Friedrich Kiel | im Verlage | der
Simrock’schen Musikhandlung in Berlin | Jägerstrasse 18. | [linke Spalte:] a) Kammermusik. |
[…] | Op. 35. N.°1 Sonate (D moll) für Piano und Violine [Leerraum] 1 Thlr. 15 Sgr. | Op. 35.
N.°2 Sonate (F dur) für Piano und Violine [Leerraum] 1 Thlr. 15 Sgr. | […] | [rechte Spalte:]
c) für Piano zu 2 Händen. | […] | [unten:] b) für Piano zu 4 Händen. | […]; Auflistung aller
bis zur Drucklegung der vorliegenden Erstausgabe bei der Simrock’schen Musikhandlung erschienenen Klavier- und Kammermusikwerke Kiels: Kammermusik (op. 12, 22, 35:1–2, 43, 44),
Klaviermusik zweihändig (op. 26, 36, 38, 41, 45) und Klaviermusik vierhändig (op. 23, 42, 47, 48
sowie 4hd. Bearb. von op. 39 und op. 43)
• Grüner Umschlag vollständig – mit Außentitel und Verlagsanzeige S. [28] – nur bei D-WRha
ADMV – 0526a vorhanden
• Provenienz / D-WRha ADMV – 0526a: ALLGEMEINER | DEUTSCHER | MUSIKVEREIN.
(Stempel auf Titelblatt);
D-Dl 3.Mus.4.467: TONKÜNSTLER-VEREIN | ZU | DRESDEN (Stempel auf Titelblatt)
4 ½ Mark.
Dp
VN: 6891
A: ? (S. [30])
F: Si3, R1
D-B Mus. 3264; D-Mbs 4 Mus.pr. 12252, PL-Tu IV 13 100a+b
Druck 1874–1901: früh. 1874 (Währung Mark), 1870–1901 (Firmenname von N. Simrock)
• Außentitel (olivgrün) auf Umschlagvorderblatt recto und Innentitel: identischer Text SONATE |
für | Pianoforte und Violine | componirt | von | Friedrich Kiel. | [links:] Op. 35 N.°1 D moll
[rechts:] Preis 4 ½ Mark. | [links:] Op. 35 N.°2 [rechts:] " [Preis] 4 ½ " [Mark] | Eingetragen
in’s Vereins-Archiv. | Ent.d St at. Hall. | Verlag und Eigenthum | von | N. SIMROCK IN BERLIN. |
218. 219.
• Vorderblatt des olivgrünen Umschlags, d. h. das Außentitelblatt, nur bei D-B Mus. 3264 vorhanden; ggf. eine Verlagsanzeige auf S. [30] des Umschlagrückblatts, das in allen genannten
Notenexemplaren fehlt
• Provenienz / D-B Mus. 3264: Ex | Biblioth.[eca] Regia | Berolinensi. (Stempel auf S. 2)
4 M. 50.
Dp
VN: 6891
A (oN): 2 Ti
F: Si3, R1
D-KNmi 5,179; D-BLfk Bestand 116 C, Nr. 67 (als Depositum in D-Budka), D-KNh F 6324
Druck 1874–1901: früh. 1874 (Währung Mark), 1870–1901 (Firmenname von N. Simrock)
• Außentitel (hellgrau) auf Umschlagvorderblatt recto und Innentitel jeweils als Katalogtitel: identischer Text „Werke | für Kammermusik | von | FRIEDRICH KIEL. | […] | Op. 35 N.°1. Sonate
für Pianoforte und Violine, (D moll.) [Leerraum] 4 M. 50. | […] | Ent.d Stat. Hall. | Verlag und
Eigenthum | von | N. SIMROCK in BERLIN. | Lith. Anst. v. C. G. Röder, Leipzig.“; Auflistung
aller bei N. Simrock erschienenen Kammermusikwerke Kiels (op. 12, 22, 34, 35:1–2, 43, 44,
50–54)
• Hellgrauer Umschlag nur bei D-KNmi 5,179 vorhanden
323
• Provenienz / D-KNh F 6324: JOH. FH. WEBER | Königl. Hof-Musikalienhändler | KÖLN.
(Stempel auf Titelblatt)
4 M. 50.
kein Dp
VN: 6891
A (No.89.): 2 Ti
F: nur Si3
D-B DMS 50989
Druck 1874–1901: früh. 1874 (Währung Mark), 1870–1901 (Firmenname von N. Simrock)
• Außentitel (ockerfarben meliert) auf Umschlagvorderblatt recto und Innentitel jeweils als Katalogtitel: identischer Text „Werke | für Kammermusik | von | FRIEDRICH KIEL. | […] | Op. 35
N.°1. Sonate für Pianoforte und Violine, (D moll.) [Leerraum] 4 M. 50. | […] | Verlag und Eigenthum | von | N. SIMROCK in BERLIN. | No.89.“; Auflistung aller bei N. Simrock erschienenen
Kammermusikwerke Kiels (op. 12 bis op. 54)
• Provenienz / D-B DMS 50989: Geschenk des Verlags an die Deutsche Musiksammlung | BERLIN | bei d. Kgl. Bibliothek (2 Stempel auf Innentitelblatt)
4,50 Mk.
kein Dp
VN: 6891
A (Nr. 145.):
Ti
F: nur Si3
D-BLfk Bestand 116 C, Nr. 67 (als Depositum in D-Budka)
Druck 1898–1901: 1894–1907 (Firmenadresse von Lengnick), 1870–1901 (Firmenname von
N. Simrock),
ab 1898 (1898 Erstveröffentlichung des Streichquartetts Es-Dur op. 10 von Ottokar Nováček
und des Klaviertrios F-Dur op. 8 von Hans Pfitzner / unter den im Katalogtitel genannten
Werken mit bekanntem Publikationsjahr vermutlich diejenigen mit dem spätesten Druckjahr)
• Titel (Text: schwarz + rot) als Katalogtitel [roter Text nur beim letzten Wort „Kammermusik.“
der Überschrift, bei allen Komponistennamen und bei der Verlagsangabe („N. Simrock, Berlin.“)]:
„Neuere Werke | für | Kammermusik. | Alexander Friedrich Landgraf von Hessen, op. 3. Trio
für | […] | Kiel, Friedrich, op. 12. | […] | – op. 35. Zwei Sonaten (D moll, F dur) für Pianoforte und Violine [Leerraum] à 4,50 Mk. | […] | Verlag und Eigenthum für alle Länder von |
N. Simrock, Berlin | [links:] Nr. 145. [Mitte:] London Depôt: Alfred Lengnick, 58, Berners
Street, W. [rechts:] C. G. Röder, Leipzig.“; Auflistung von Kammermusikwerken verschiedener
Komponisten, darunter – neben z. B. 35 Kompositionen von Johannes Brahms (op. 8 bis
op. 120 sowie zwei Fassungen der Ungarischen Tänze), und 22 von Anton Dvořák (op. 44 bis
op. 106 sowie zwei Fassungen der Slawischen Tänze op. 46 und op. 72) – alle bei N. Simrock
erschienenen Kammermusikwerke Kiels (op. 12 bis op. 54)
• Provenienz / D-BLfk Bestand 116 C, Nr. 67: 13.07.[20]00 | [Musikantiquariat] Paul van Kuik |
NL-Voorschoten (Datumsstempel mit Namensvermerk in Bleistift auf S. [28] / Erwerbung am
13.7.2000 durch Friedrich-Kiel-Gesellschaft e. V.)
4 M. 50.
kein Dp
VN: 6891
A (No.89.): Ti
[S. 28 leer]
F: Si3, R1
Noch ohne
Verlagsanzeige
auf S. [28]
D-LEm 4:1534
Druck 1901–05: 1901–29 (Firmenname und -sitz von N. Simrock), 1846–1905 (Firmenname von
Röder ohne GmbH in Fußzeile R1), 1894–1907 (Firmenadresse von Lengnick)
• Titel als Katalogtitel: „Werke | für Kammermusik | von | FRIEDRICH KIEL. | […] | Op. 35
N.°1. Sonate für Pianoforte und Violine, (D moll.) [Leerraum] 4 M. 50. | […] | Verlag und Eigenthum für alle Länder | von | N. SIMROCK, G.m.b.H. in BERLIN. | Copyright for the British
Empire by ALFRED LENGNICK, | 58, Berners Street, | LONDON, W. | No.89.“; Auflistung aller
bei N. Simrock erschienenen Kammermusikwerke Kiels (op. 12 bis op. 54)
• Provenienz / D-LEm 4:1534: Paul Klengel (Stempel auf Titelblatt)
4 M. 50.
kein Dp
VN: 6891
A (No.89): Ti
A (N°. 22470):
S. [28]
F: Si3, R3
D-BLfk Bestand 116 C, Nr. 67 (als Depositum in D-Budka)
Druck 1908–10: 1908–10 (Firmenadresse von Lengnick), 1904–29 (Firmenname und -sitz von
N. Simrock auf S. [28]: Berlin-Leipzig als Firmensitz), 1905–30 (Firmenname von Röder mit
GmbH in Fußzeile R3!)
• Titel als Katalogtitel: Werke | für Kammermusik | von | FRIEDRICH KIEL. | […] | Op. 35
N.°1. Sonate für Pianoforte und Violine, (D moll.) [Leerraum] 4 M. 50. | […] | Verlag und
Eigenthum für alle Länder | von | N. SIMROCK, G.m.b.H. in BERLIN. | Copyright for the British
Empire by ALFRED LENGNICK, | 57/58, Berners Street, | LONDON, W. | No.89; Auflistung
aller bei N. Simrock erschienenen Kammermusikwerke Kiels (op. 12 bis op. 54)
• Verlagsanzeige S. [28]: CONCERTSTUDIEN. | Zum Gebrauch beim Königl. Conservatorium
der Musik in Leipzig genau bezeichnet und herausgegeben von | Ferdinand David. | Neue Ausgabe mit Bezeichnung des begleitenden Orchesters und unterlegter Pianofortestimme. | Preis
à M 1.60 | Thematisches Inhaltsverzeichniss. | […] | Verlag von N. Simrock G.m.b.H. BerlinLeipzig. | [links: N°. 22470] (früher Bartholf Senff, Leipzig); thematisches Inhaltsverzeichnis
von zwölf Konzerten mit Notenincipits: Nr. 1–4 von J[ohannes (= Giovanni)] B[attista] Viotti,
Nr. 5–8 von P[ierre] Rode, Nr. 9–12 von R[odolphe] Kreutzer
324
• Provenienz / D-BLfk Bestand 116 C, Nr. 67: 7.9. | 1996 | [Musik-]Antiq.[uariat] H.[ans] Schneider | Tutzing (Vermerk in Bleistift auf S. [28] / Erwerbung am 7.9.1996 durch Friedrich-KielGesellschaft e. V.)
b) Datierung
Entstehungszeit 1864 (für op. 35:1-2)
Das Kompositionsjahr 1864 für beide Sonaten op. 35:1–2 gaben einhellig zwei Autoren an: in dem handschriftlichen Lebensabriss (c1881*, 4) bzw. dem publizierten Zeitungsartikel AllgemeineZ (1885, 4369), deren fast identischer Text auf einem 1881 mit Kiel geführten Interview desselben unbekannten Verfassers beruht, und der Musikwissenschaftler Erich Reinecke in Reinecke (1936, 81).
Für dieses schon Anfang April 1865 erstveröffentlichte Werkpaar gab hingegen der Musikwissenschaftler Erich
Prieger irrtümlich das Entstehungsjahr 1867 in Prieger (1906, 131) an, mit dem er seine erste Annahme des Entstehungsjahrs 1865 in Prieger (1884, 273) – ein Verwechslung mit dem Erstdruckjahr 1865 – revidierte. Prieger, der
ein Kompositionsschüler und persönlicher Freund Kiels gewesen war, erwarb einen Großteil seines handschriftlichen Musiknachlasses.
Druckjahre / -monate
1. Druck op. 35:1 [und op. 35:2]: Anfang April 1865 (Bln., Simrock’sche Musikhandlung / 1 Thlr. 15 Sgr. =
1 ½ Thlr., alte VN 218 / VN 219 = VN der Simrock’schen Musikhandlung)
NZfM (21.4.1865c, 148)
Druck Anfang April 1865 / vor 15. April 1865 (Verlagsanzeige nur
für Violinsonaten op. 35:1–2: Soeben erschienen […] Zwei Sonaten
[…] Berlin, 15. April 1865. Simrock’sche Musikhandlung. [Preis jeweils] 1 Thlr. 15 Ngr.)
Hofmeister (Juni 1865, 92)
Druck vor Juni 1865 (à 1 Thlr. 15 Ngr.)
Zopf (4.8.1865, 277); AmZNF (11.10.1865, Druck vor Aug. 1865 (Druckrezensionen: Preis jeder Sonate 1 ½ Thlr.
671)
laut Zopf bzw. Pr. à 1 Thlr. 15 Sgr. laut AmZNF)
Bungert (2.4.1875, 137), Altmann (1901, Druck 1865
149), Reinecke (1936, 81)
Deutsch (1961, 26)
Druck 1864–68 / alte VN 218 bei op. 35:1, alte VN 219 bei op. 35:2
(ab 1864: Simrock’sche Musikhandlung);
(bis 1868: VN 323 / 1868 von Deutsch als erste alte VN, d. h. erste
VN der Simrock’schen Musikhandlung, aufgelistet)
Vergleiche für op. 35:1:
Auch wenn derzeit kein Druckexemplar nachweisbar ist, kann angenommen werden, dass der Erstdruck von op. 35:1 dasselbe Titelblatt
wie das des Erstdrucks von op. 35:2 aufweist.
Mit der neuen VN 6891 und 6892 für op. 35:1–2 (aller Auflagen ab 1870 bei N. Simrock in Berlin) würde man
den Erstdruck laut den Angaben in Deutsch (1961, 26) irrtümlich auf 1868 datieren (1868: VN 6514–6982).
Druck: 1868 (Bln., Simrock’sche Musikhandlung / 1 Thlr. 15 Sgr., alte VN)
Vergleiche:
D-WRha ADMV – 0526a und D-Dl 3.Mus.4.467
Drei Drucke: 1874–1901 (Bln., N. Simrock / 4 M. 50., neue VN 6891 = VN von N. Simrock)
Simrock-Katalog (1897, 186)
Druck spät. 1897 (4 M 50 Pf): gilt für einen der drei Drucke
Vergleiche:
D-B Mus. 3264, D-KNmi 5,179, D-B DMS 50989
Druck: 1898–1901 (Bln., N. Simrock / 4 M. 50., neue VN 6891 = VN von N. Simrock)
Vergleiche:
D-BLfk Bestand 116 C, Nr. 67
Druck: 1901–05 (Bln., N. Simrock G.m.b.H. / 4 M. 50., neue VN)
Vergleiche:
D-LEm 4:1534
Druck: 1908–10 (Bln. und Lpz., N. Simrock G.m.b.H. / 4 M. 50., neue VN)
Vergleiche:
D-BLfk Bestand 116 C, Nr. 67
325
c) Konzerte, Rundfunkeinspielungen, CD-Aufnahmen, Spieldauer
Konzerte
1.1.– 11.5.1865 Lübeck, Kammermusiksoiree von Kapellmeister Gottfried Herrmann, August Schultz (Kl.) + Gottfried Herrmann (V.) + Alfred Burjam jun. (Vc. oder ggf. Kl.)
5.11.1866
Dresden / TV Dresden, 1. Produktionsabend (erste Aufführung von op. 35:1 im TV Dresden),
Montagabend, Bernhard Rollfuß (Kl.) + Friedrich Seelmann (V.)
30.1.1867
Berlin (Saal des Englischen Hauses), 2. Soiree / Kammermusikabend von Oskar Eichberg zum Besten der Nationalstiftung für Invaliden aus dem letzten Kriege, Sonntagabend, Oskar Eichberg (Kl.) +
Fabian Rehfeld (V.)
1869–79
Dresden / TV Dresden, Übungsabend (zweite Aufführung von op. 35:1 im TV Dresden), Interpreten (Kl., V.) und Aufführungsjahr unbekannt; Aufführungsangaben laut TV-Festschrift (1879, 106)
17.10.1869
Berlin (Arnim’scher Saal, Unter den Linden 44), 1. Konzert des Mohr’schen Konzertvereins, Samstag 19 Uhr, Oskar Eichberg (Kl.) + Fabian Rehfeld (V.)
31.1.1874
Berlin (Aula der Königlichen Realschule) / TV Berlin, Soiree des TV Berlin, Samstagabend, Julius
Alsleben (Kl.) + Hermann Schröder (V.)
27.10.1884
Berlin (Saal der Singakademie), 1. Montagskonzert von Raif / Hellmich, Montag 19:30 Uhr, Oscar
Raif (Kl.) + Wilhelm Hellmich (V.)
Rundfunkeinspielung
17.12.1974
NDR Hamburg (Studio 10), Dienstag, Friedrich Wilhelm Schnurr (Kl.) + Ernst Mayer-Schierning (V.)
Es sind keine Konzerte seit 1979 (Gründung der Friedrich-Kiel-Gesellschaft e. V.), Rundfunkeinspielungen und
CD-Aufnahmen bekannt.
Spieldauer
18' 36'' (17.12.1974 NDR)
[5'48'' (I)
3'55'' (II)
6'31'' (III)
2'12'' (IV)]
[anhand Aufnahme ermittelte, dem NDR nicht vorliegende Spieldauern]
Metronomangaben, anhand deren die Spieldauer berechnet werden kann, sind in den historischen Notenausgaben
nicht angegeben.
326
A8. Op. 35:2 (Violinsonate F-Dur)
a) Manuskripte / Drucke
Keine Manuskripte
Alte Drucke
Material: Part. 24 S. und VSt. 7 S., 4°
Widmung / Fußzeilen: wie bei op. 35:1
1 Thlr. 15 Sgr.
Dp
VN: 219
A: _
F: Si1, R1
D-F Mus.pr. Q 59 / 17, PL-S Mus 1803
Druck 1865–70 (1. Druck 1865): 1864–70 (Firmenname von Simrock’scher Musikhandlung),
früh. 1865 (Erstdruck 1865)
• Titel: SONATE | für | Pianoforte und Violine | componirt | von | Friedrich Kiel. | [links:]
Op. 35 N.°1 D moll. [rechts:] Preis 1 Thlr. 15 Sgr. | [links:] Op. 35 N.°2 F dur. [rechts:] " [Preis]
1 " [Thlr.] 15 [Sgr.] | Eingetragen in’s Vereins-Archiv. | Ent.d Stat. Hall. | Verlag und Eigenthum |
der | SIMROCK’schen Musikhandlung in BERLIN. | Jägerstrasse 18. | 218. 219. | Lith. Anst. v.
C. G. Röder, Leipzig.
• Provenienz / D-F Mus.pr. Q 59 / 17: a) MUSIKALIENHANDLUNG | A. C. FRENZ | BERLIN
KOCHSTR. 23 (Stempel auf Titelblatt), b) JOHANN ANDRÉ | Musik-Sortiment | Offenbach /
Main. (Stempel auf Titelblatt mit originalem Schrägstrich „/“)
1 Thlr. 15 Sgr.
Dp
VN: 219
A (oN): S. [28]
F: Si1, R1
D-WRha ADMV – 0526b [Olim-Sign.: ADMV 569/2]; D-LÜh O,113
Druck 1868: Datierung wie bei Notendruck op. 35:1 in D-WRha ADMV – 0526a
• Außentitel (gelb) auf Umschlagvorderblatt recto und Innentitel: identischer Text (Text wie bei
Titelblättern von op. 35:1, siehe Notendruck op. 35:1 in D-WRha ADMV – 0526a
• Verlagsanzeige S. [28] (gelb): Text wie bei op. 35:1, siehe Notendruck op. 35:1 in D-WRha
ADMV – 0526a
• Gelber Umschlag nur bei D-WRha ADMV – 0526b vorhanden
• Provenienz / D-WRha ADMV – 0526b: ALLGEMEINER DEUTSCHER MUSIK-VEREIN (Stempel auf Titelblatt)
1 Thlr. 15 Sgr.
Dp
VN: 6892
A: ? (S. [28])
F: Si3, R1
D-B Mus. 3264; D-Mbs 4 Mus.pr. 12252
Druck 1870–73: spät. 1873 (Währung Thlr.), 1870–1901 (Firmenname von N. Simrock)
• Außentitel (grün) auf Umschlagvorderblatt recto und Innentitel: identischer Text SONATE | für |
Pianoforte und Violine | componirt | von | Friedrich Kiel. | [links:] Op. 35 N.°1 D moll. [rechts:]
Preis 1 Thlr. 15 Sgr. | [links:] Op. 35 N.°2 F dur. [rechts:] " [Preis] 1 " [Thlr.] 15 " [Sgr.] | Eingetragen in’s Vereins-Archiv. | Ent.d Stat. Hall | Verlag und Eigenthum | von | N. SIMROCK IN
BERLIN. | 218. 219
• Vorderblatt des grünen Umschlags, d. h. das Außentitelblatt, nur bei D-B Mus. 3264 vorhanden; ggf. eine Verlagsanzeige auf S. [28] des Umschlagrückblatts (grün), das in allen genannten
Notenexemplaren fehlt
• Provenienz / D-B Mus. 3264: Ex | Biblioth.[eca] Regia | Berolinensi. (Stempel auf S. 2)
4 M. 50.
Dp
VN: 6892
A (oN): Ti
F: Si3, R1
D-BLfk Bestand 116 C, Nr. 67 [Ex. 1–2] (als Depositum in D-Budka), D-Dl 3.Mus.4.467
Druck 1874–1901: früh. 1874 (Währung Mark), 1870–1901 (Firmenname von N. Simrock)
• Titel als Katalogtitel: „Werke | für Kammermusik | von | FRIEDRICH KIEL. | […] | Op. 35
N.°2. Sonate für Pianoforte und Violine, (F dur.) [Leerraum] 4 M. 50. | […] | Entd Stat Hall. |
Verlag und Eigenthum | von | N. SIMROCK in BERLIN. | Lith. Anst. v. C. G. Röder, Leipzig.“;
Auflistung aller bei N. Simrock erschienenen Kammermusikwerke Kiels (op. 12, 22, 34, 35:1–
2, 43, 44, 50–54)
• Provenienz / D-BLfk Bestand 116 C, Nr. 67 [Ex. 1]: C. Peters Nachf. Kopp & Co. | Musikalienhandlung u. Antiquariat | München 2 . Theresienstraße 48 (Stempel auf Titelblatt); 07.06.[20]04 |
[Musikantiquariat] H.[ans] Schneider, Tutzing (Datumsstempel mit Namensvermerk in Bleistift
auf S. [25] / Erwerbung am 7.6.2004 durch Friedrich-Kiel-Gesellschaft e. V.); siehe Eintrag zu
op. 35:2 in Antiquariatskatalog-Schneider (191/1975, 118);
D-Dl 3.Mus.4.467: TONKÜNSTLER-VEREIN | DRESDEN (Stempel auf Titelblatt)
327
4 M. 50.
kein Dp
VN: 6892
A (No.89.): 2 Ti
F: Si3, R1
D-B DMS 50989
Druck 1874–1901: früh. 1874 (Währung Mark), 1870–1901 (Firmenname von N. Simrock)
• Außentitel (blaugrau meliert) auf Umschlagvorderblatt recto und Innentitel jeweils als Katalogtitel: identischer Text „Werke | für Kammermusik | von | FRIEDRICH KIEL. | […] | Op. 35
N.°2. Sonate für Pianoforte und Violine, (F dur.) [Leerraum] 4 M. 50. | […] | Verlag und Eigenthum | von | N. SIMROCK in BERLIN. | No.89.“; Auflistung aller bei N. Simrock erschienenen
Kammermusikwerke Kiels (op. 12 bis op. 54)
• Provenienz / D-B DMS 50989: Geschenk des Verlags an die Deutsche Musiksammlung | BERLIN | bei d. Kgl. Bibliothek (2 Stempel auf Innentitelblatt)
4 M. 50.
4,50 M.
kein Dp
VN: 6892
A (No.89.): ATi
A (No 145): ITi
A: ? (S. [28])
F: nur Si3
D-WIm L 11 K5 .S-2 35a–b
Druck 1895–96: früh. 1874 (Währung Mark), 1870–1901 (Firmenname von N. Simrock),
ab 1895 (1895 Erstveröffentlichung der zwei Sonaten für Klarinette und Klavier op. 120 von
Brahms / unter den im Innenkatalogtitel genannten Werken mit bekanntem Publikationsjahr dasjenige mit spätestem Druckjahr),
bis 1896 (Die 1896 erstveröffentlichten Streichquartette op. 105 und op. 106 von Anton Dvořák,
die in ähnlichen Katalogtiteln genannt werden, fehlen in diesem Katalogtitel noch.),
bis 1897 (Das 1897 erstveröffentlichte Klavierquintett h-Moll op. 63 von Friedrich Gernsheim,
das in ähnlichen Katalogtiteln genannt wird, fehlt in diesem Katalogtitel noch. Ebenfalls fehlen
zwei 1898 erstveröffentlichte Werke, das Streichquartett Es-Dur op. 10 von Ottokar Nováček
und das Klaviertrio F-Dur op. 8 von Hans Pfitzner, sowie das 1903 publizierte Streichquintett
F-Dur op. 77 von Felix Draeseke, welche ebenfalls in ähnlichen Katalogtiteln genannt werden.)
• Außentitel (ockergrau meliert) auf Umschlagvorderblatt recto als Katalogtitel: Text wie
Innen- und Außentitelblatt von D-B DMS 50989
• Innentitel (Text: schwarz + rot) als Katalogtitel [roter Text nur bei der Überschrift („Neuere
Werke | für | Kammermusik.“) und bei der Verlagsangabe („Verlag und Eigenthum für alle
Länder | von | N. Simrock, Berlin.“), jedoch nicht bei den Komponistennamen]: „Neuere Werke | für | Kammermusik. | Asthon, Algernon | […] | Kiel, Friedrich | […] | – op. 35. Zwei Sonaten (D moll, F dur) für Pianoforte und Violine [Leerraum] à 4,50 | […] | Verlag und Eigenthum für alle Länder | von | N. Simrock, Berlin. | [links:] No 145 [rechts:] C. G. Röder, Leipzig.“, Auflistung von Kammermusikwerken verschiedener Komponisten, darunter – neben z. B.
30 Kompositionen von Johannes Brahms (op. 8 bis op. 120 sowie zwei Fassungen der Ungarischen Tänze, noch ohne fünf Idem-Ausgaben) und 20 von Anton Dvořák (op. 44 bis op. 97 sowie
zwei Fassungen der Slawischen Tänze op. 46 und op. 72, d. h. noch ohne op. 105 und op. 106) –
alle bei N. Simrock erschienenen Kammermusikwerke Kiels (op. 12 bis op. 54)
• Vorderblatt des ockergrau melierten Umschlags, d. h. das Außentitelblatt, nur bei D-WIm
L 11 K5 .S-2 35a–b vorhanden; ggf. eine Verlagsanzeige auf S. [28] des Umschlagrückblatts
(ockergrau meliert), das in allen genannte Notenexemplaren fehlt
4 M. 50.
kein Dp
VN: 6892
A (No.89.): ATi
A (No 145): ITi
A (No. 8935):
S. [28]
F: Si3, R1
D-Fh Viol / Klav 813
Druck 1898–1901: früh. 1874 (Währung Mark), 1870–1901 (Firmenname von N. Simrock),
ab 1898 (1898 Erstveröffentlichung des Streichquartetts Es-Dur op. 10 von Ottokar Nováček
und des Klaviertrios F-Dur op. 8 von Hans Pfitzner / unter den im Innenkatalogtitel genannten
Werken mit bekanntem Publikationsjahr vermutlich diejenigen mit dem spätesten Druckjahr),
ab 1898 (1898 Erstveröffentlichung von Introduction et Fandango varié für Violine und Klavier
op. 40 von Pablo de Sarasate / unter den in der Verlagsanzeige S. [28] genannten Werken mit
bekanntem Publikationsjahr dasjenige mit spätestem Druckjahr)
• Außentitel (hellockerfarben) auf Umschlagvorderblatt recto als Katalogtitel: Text wie Innenund Außentitelblatt von D-B DMS 50989
• Innentitel (Text: schwarz + rot) als Katalogtitel: Neuere Werke | für | Kammermusik. | Alexander Friedrich Landgraf von Hessen, op. 3. Trio für | […] | Kiel, Friedrich, op. 12. | […] |
– op. 35. Zwei Sonaten (D moll, F dur) für Pianoforte und Violine [Leerraum] à 4,50 Mk. |
[…]; Auflistung von Kammermusikwerken verschiedener Komponisten, darunter – neben z. B.
35 Kompositionen von Johannes Brahms (op. 8 bis op. 120 sowie zwei Fassungen der Ungarischen Tänze) und 22 von Anton Dvořák (op. 44 bis op. 106 sowie zwei Fassungen der Slawischen Tänze op. 46 und op. 72) – alle bei N. Simrock erschienenen Kammermusikwerke Kiels
(op. 12 bis op. 54)
328
• Verlagsanzeige S. [28] (hellockerfarben): „Verlag von N. SIMROCK in BERLIN. | Neue Compositionen für VIOLINE mit BEGLEITUNG des PIANOFORTE. | Anzoletti, Marco, Variationen
über ein | […] | [links:] No. 8935 [rechts:] C. G. Röder, Leipzig.“; Auflistung von Kammermusikwerken für Violine und Klavier verschiedener Komponisten, darunter sämtliche bei
N. Simrock erschienene Kompositionen für Violine und Klavier Kiels (op. 35:1–2, 51, 54)
• Provenienz / D-Fh Viol / Klav 813: vmtl. Altbestand von „Dr. Hoch’s Konservatorium“ in
Frankfurt (Laut freundlicher Mitteilung des Bibliothekars Andreas Odenkirchen wurde der
Altbestand des Konservatoriums, dessen Kataloge und Inventare im Zweiten Weltkrieg zerstört
wurden, ab 1878 aus Schenkungen von Privatpersonen sowie Neukäufen aufgebaut.)
4,50 Mk.
kein Dp
VN: 6892
A (Nr. 145.): Ti
F: Si3, R1
D-Bmi Fk 25, D-BLfk Bestand 116 C, Nr. 67 (als Depositum in D-Budka)
Druck 1898–1901: 1894–1907 (Firmenadresse von Lengnick), 1870–1901 (Firmenname von
N. Simrock),
ab 1898 (1898 Erstveröffentlichung des Streichquartetts Es-Dur op. 10 von Ottokar Nováček
und des Klaviertrios F-Dur op. 8 von Hans Pfitzner / unter den im Katalogtitel genannten Werken
mit bekanntem Publikationsjahr vermutlich diejenigen mit dem spätesten Druckjahr)
• Titel (Text: nur schwarz) als Katalogtitel: „Neuere Werke | für | Kammermusik. | Alexander
Friedrich Landgraf von Hessen, op. 3. Trio für | […] | Kiel, Friedrich, op. 12. | […] | – op. 35.
Zwei Sonaten (D moll, F dur) für Pianoforte und Violine [Leerraum] à 4,50 Mk. | […] | Verlag und Eigenthum für alle Länder von | N. Simrock, Berlin | [links:] Nr. 145. [Mitte:] London
Depôt: Alfred Lengnick, 58, Berners Street, W. [rechts:] C. G. Röder, Leipzig. 2949 Ol.“; Auflistung von Kammermusikwerken verschiedener Komponisten, darunter – neben z. B. 35 Kompositionen von Johannes Brahms (op. 8 bis op. 120 sowie zwei Fassungen der Ungarischen Tänze)
und 22 von Anton Dvořák (op. 44 bis op. 106 sowie zwei Fassungen der Slawischen Tänze op. 46
und op. 72) – alle bei N. Simrock erschienenen Kammermusikwerke Kiels (op. 12 bis op. 54)
• D-Bmi Fk 25: Das Exemplar wurde mit einem Titelblatt (ohne einen ggf. vorhandenen Umschlag mit Außentitelblatt) offenbar Anfang der 1950er-Jahre eingebunden.
• Provenienz / D-Bmi Fk 25: Paul Klengel (Stempel auf Titelblatt);
D-BLfk Bestand 116 C, Nr. 67: 13.07.[20]00 | [Musikantiquariat] Paul van Kuik | NL-Voorschoten (Datumsstempel mit Namensvermerk in Bleistift auf S. [26] / Erwerbung am 13.7.2000
durch Friedrich-Kiel-Gesellschaft e. V.)
4 M. 50.
kein Dp
VN: 6892
A (No.89): Ti
A (No. 147.):
S. [26]
F: nur Si3
D-BLfk Bestand 116 C, Nr. 67 [Ex. 1–2] [ohne ockergrau melierten Umschlag] (als Depositum in D-Budka)
Druck 1911: 1911 (neuere Firmenadresse von Lengnick in Verlagsanzeige S. [26]), 1904–29
(Firmenname und -ort von N. Simrock in der Verlagsanzeige S. [26]), 1906–21 (Adresse und Firmenname von Eschig), 1905–30 (Firmenname von Röder mit GmbH)
• Titel als Katalogtitel: Werke | für Kammermusik | von | FRIEDRICH KIEL. | […] | Op. 35
N.°2. Sonate für Pianoforte und Violine, (F dur.) [Leerraum] 4 M. 50. | […] | Verlag und
Eigenthum für alle Länder | von | N. SIMROCK, G.m.b.H. in BERLIN. | Copyright for the British
Empire by ALFRED LENGNICK, | 57/58, Berners Street, | LONDON, W. | No.89; Auflistung
aller bei N. Simrock erschienenen Kammermusikwerke Kiels (op. 12 bis op. 54)
• Verlagsanzeige S. [26] nur in D-BLfk Bestand 116 C, Nr. 67 [Ex. 1] vorhanden: „COMPOSITIONEN UND ARRANGEMENTS | VON | ALFRED MOFFAT | […] | [links:] Verlag und Eigenthum für alle Länder von [rechts:] Aufführungsrecht vorbehalten | N. SIMROCK, G.m.b.H.
BERLIN UND LEIPZIG | Copyright for the British Empire: A. LENGNICK & CO., London W.,
14 u. 58 Berners Str. | PARIS: MAX ESCHIG, 13, rue Laffitte | [links:] No. 147. [rechts:] C. G.
RÖDER G.m.b.H., LEIPZIG.“; Auflistung nur von Moffat-Werken, kein Werk Kiels genannt
• Provenienz / D-BLfk Bestand 116 C, Nr. 67 [Ex. 2]: Paul Hohmann | Magdeburg (Stempel auf
Titelblatt), 5044 – 26/10. H. Hohmann (Vermerk in Bleistift auf Titelblatt)
4 M. 50.
kein Dp
VN: 6892
A (No.89 ):
2 Ti, S. [27]
A (N.° 111.):
ATi verso
D-BLfk Bestand 116 C, Nr. 67 [mit ockergrau meliertem Umschlag] (als Depositum in
D-Budka)
Druck 1912–21: 1912–58 [neueste Firmenadresse von Lengnick in Verlagsanzeige S. [28]
( 1908–10 auf drei Titelblättern, 1911 in Verlagsanzeige S. [26])], 1904–29 (Firmenname von
N. Simrock in der Verlagsanzeige S. [26]) und ab 1907 (1907 Aufkauf des Senff-Verlags durch
N. Simrock / Senff-Verlagsanzeige S. [28]), 1906–21 (Adresse und Firmenname von Eschig in
Verlagsanzeigen S. [26] und S. [28]), 1905–30 (Firmenname von Röder mit GmbH)
329
A (No. 147.):
S. [26]
A (oN): S. [28]
F: nur Si3
• Außentitel (ockergrau meliert) auf Umschlagvorderblatt recto und Innentitel sowie Wiederholung des Titels auf S. [27] jeweils als Katalogtitel: identischer Text wie Titelblatt von D-BLfk
Bestand 116 C, Nr. 67 [ohne ockergrau melierten Umschlag]
• Verlagsanzeige S. [26]: Text wie in D-BLfk Bestand 116 C, Nr. 67 [ohne ockergrau melierten
Umschlag]
• Auf ockergrau meliertem Umschlag zwei weitere Verlagsanzeigen:
a) auf Außentitelblatt, d. h. Umschlagvorderblatt verso: „VERLAG VON N. SIMROCK, G.m.b.H.
IN BERLIN. | WERKE | für | Pianoforte zu 4 Händen mit Violine und Violon[… / Text abgeschnitten] | […] | Eigenthum des Verlegers für alle Länder. | N.° 111.“; Auflistung von Werken
verschiedener Komponisten, darunter – neben Kompositionen von Johannes Brahms und Robert
Schumann – keine Komposition Kiels genannt
b) auf S. [28], der Versoseite des Umschlagrückblatts: „Verlag von BARTHOLF SENFF in LEIPZIG und BERLIN. | KAMMER=MUSIK | […] | Verlag von BARTHOLF SENFF in LEIPZIG
und BERLIN. | [links:] LONDON, A. Lengnick & Co., [rechts:] PARIS, Max Eschig, | [links /
Lengnick:] 14, Berners Street. [rechts / Eschig:] 13, Rue Laffitte.“; Auflistung von Kammermusikwerken verschiedener Komponisten, darunter keine Komposition Kiels genannt
• Provenienz / D-BLfk Bestand 116 C, Nr. 67 [mit ockergrau meliertem Umschlag]: 07.09.[19]96
[Musik-]Antiqu.[ariat Hans] Schneider | Tutzing (Datumsstempel mit Namensvermerk in Bleistift auf Außentitelblatt verso / Erwerbung am 7.9.1996 durch Friedrich-Kiel-Gesellschaft e. V.);
siehe Eintrag zu op. 35:2 in Antiquariatskatalog-Schneider (191/1975, 118)
b) Datierung
Entstehungszeit 1864
Siehe Punkt „b) Entstehungszeit 1864 (für op. 35:1-2)“ bei op. 35:1
Druckjahre / -monate
1. Druck: Anfang April 1865 (Bln., Simrock’sche Musikhandlung / 1 Thlr. 15 Sgr. =1 ½ Thlr., alte VN 219 =
VN der Simrock’schen Musikhandlung)
Vergleiche:
Literaturangaben unter Punkt „b) 1. Druck“ bei op. 35:1
Vergleiche:
D-F Mus.pr. Q 59 / 17
Druck: 1868 (Bln., Simrock’sche Musikhandlung / 1 Thlr. 15 Sgr., alte VN)
Vergleiche:
D-WRha ADMV – 0526b bzw. D-LÜh O,113
Druck: 1870–73 (Bln., N. Simrock / 1 Thlr. 15 Sgr., neue VN 6892 = VN von N. Simrock)
Vergleiche:
D-B Mus. 3264
Zwei: Drucke 1874–1901 (Bln., N. Simrock / 4 M. 50., neue VN)
Vergleiche:
D-BLfk Bestand 116 C, Nr. 67 [Ex. 1], D-B DMS 50989
Drucke: 1895–96 (Bln., N. Simrock / 4 M. 50., neue VN)
Simrock-Katalog (1897, 186)
Druck spät. 1897 (4 M 50 Pf)
Vergleiche:
D-WIm L 11 K5 .S-2 35a–b
Zwei Drucke: 1898–1901 (Bln., N. Simrock / 4 M. 50., neue VN)
Vergleiche:
D-Fh Viol / Klav 813, D-Bmi Fk 25
Druck: 1911 (Bln. und Lpz., N. Simrock G.m.b.H. / 4 M. 50., neue VN)
Vergleiche:
D-BLfk Bestand 116 C, Nr. 67 [ohne ockergrau melierten Umschlag]
Druck: 1912–21 (Bln. und Lpz., N. Simrock G.m.b.H. / 4 M. 50., neue VN)
Vergleiche:
D-BLfk Bestand 116 C, Nr. 67 [mit ockergrau melierten Umschlag]
330
c) Konzerte, Rundfunkeinspielungen, CD-Aufnahmen, Spieldauer
Konzerte
15.12.1866
Leipzig, Musikalische Abendunterhaltung des Konservatoriums für Musik in Leipzig, Freitagabend,
Schüler des Konservatoriums (V., Va., Vc.)
6.3.1867
Berlin (Saal des Englischen Hauses), 3. Kammermusiksoiree von Eichberg zum Besten der Nationalstiftung für Invaliden aus dem letzten Kriege, Mittwochabend, Oskar Eichberg (Kl.) + Fabian
Rehfeld (V.)
31.10.1870
Berlin (Saal des Hôtel de Rome), Veranstaltung eines Konzerts durch Sängerin Anna Worgitzka
zum Besten des König-Wilhelm-Vereins, Montagabend, Oskar Eichberg (Kl.) + Robert Heckmann (V.)
9.3.1871
Leipzig, Musikalische Abendunterhaltung des Konservatoriums für Musik in Leipzig (mit Kiels
op. 35:2 ohne Kopfsatz), Donnerstagabend, Schüler des Konservatoriums (Kl., V., Vc.)
1.1. – 20.2.1873 Prenzlau, 3. Konzert von Ernst Flügel, Ernst Flügel (Kl.) + Heinrich de Ahna (V.)
2.1.1875
Berlin (Saal der Singakademie), Konzert des Musiker-Ehepaares Rappoldi, Samstag 19:30 Uhr,
Laura Rappoldi-Kahrer (Kl.) + Eduard Rappoldi (V.)
12.2.1875
Stettin (Abendhalle), Freitagabend, Laura Rappoldi-Kahrer (Kl.) + Eduard Rappoldi (V.)
3.2.1877
Berlin (Saal des Norddeutschen Hofes), 3. Kammermusiksoiree von Anna Steiniger, Samstagabend,
Anna Steiniger (Kl.) + Anna Gerhardt oder Herr Himmelstoß (V.)
28.9.1879
Solingen, Konzert von H. Schuster, Sonntag, Herr H. (eventuell Heinrich) Schuster (Kl.) + Herr
Sturm (V.)
14.11.1881
Berlin (Saal der Singakademie), 2. Montagskonzert von Wilhelm Hellmich und Friedrich Maneke,
Montagabend, Frl. Julie von Asten (Kl.) + Wilhelm Hellmich oder Paul Japsen (V.)
16.10.1882
Dresden / TV Dresden (Weißer Saal der Renner’schen Restauration „Zu den drei Raben“), Vereinsjahr 1881/82, 2. Übungsabend (erste Aufführung von op. 35:2 im TV Dresden), Montagabend,
Alfred Heitsch (Kl.) + Albert Wolfermann (V.)
15.11.1984
16.3.1985
30.3.1985
27.5.1989
9.4.1994
15.3.2001
31.1.2004
22.2.2004
30.9.2005
8.10.2005
9.10.2005
Siegen (Universität-Gesamthochschule, Fachbereich Musik), Donnerstag 20 Uhr, Helga Zimmermann (Kl.) + Jakobus Bönisch (V.)
Lübeck, Hauskonzert von Evelinde Trenkner und Hermann Boie, Samstag 20 Uhr, Evelinde Trenkner (Kl.) + Johannes Brüning (V.)
Bad Laasphe an der Lahn (Musikzimmer des Städtischen Gymnasiums), Kammermusikkonzert zum
100. Todestag von Friedrich Kiel, Samstag 20 Uhr, Evelinde Trenkner (Kl.) + Johannes Brüning
(V.)
Siegen-Weidenau (Bismarckhalle), Kammerkonzert / Konzert zur Jahresmitgliederversammlung
„10 Jahre Friedrich-Kiel-Gesellschaft e. V.“, Samstag 20 Uhr, Mitglieder des Deutsch-Japanischen
Klavierquartetts: Anton Werner (Kl.) + Sohei Takahata (V.)
Bad Laasphe an der Lahn (Großer Saal des „Haus des Gastes“), Konzert zur Jahresmitgliederversammlung „15 Jahre Friedrich-Kiel-Gesellschaft e. V.“, Samstag 20 Uhr, Mitglieder des DeutschJapanischen Klavierquartetts: Anton Werner (Kl.) + Sohei Takahata (V.)
Hilchenbach (Konventsaal des Stiftes Keppel), Donnerstagabend, Anton Werner (Kl.) + Bernhard Ratajczak (V.)
Medebach bei Winterberg (Gut Glindfeld), Konzert anlässlich des zehnjährigen Bestehens der Reihe „Konzerte auf Gut Glindfeld in Medebach bei Winterberg“, Samstag 19:30 Uhr, duo lirico
[Leopoldo Lipstein (Kl.) + Peter Stein (V.)]
Stuttgart-Bad Cannstatt (Rathaus), Sonntag 18 Uhr, duo lirico [Leopoldo Lipstein (Kl.) + Peter
Stein (V.)]
Düsseldorf-Vennhausen (Pfarrsaal St. Katharina), Freitagabend, Oliver Drechsel (Kl.) + Byol Kang
(V.)
Bad Berleburg (Schloss Berleburg), „Konzert im Schloss“ / „Friedrich-Kiel-Geburtstagskonzert“
(anlässlich des Berleburger Literaturpflasters „Korea“), Samstag 20 Uhr, Oliver Drechsel (Kl.) +
Byol Kang (V.)
Köln (Saal des Ruder- und Tennisklubs RTK Germania e. V.), Sonntagsmatinee der Konzertreihe
„10 Jahre Musik im RTK Germania Köln“, Sonntag 11 Uhr, Oliver Drechsel (Kl.) + Byol Kang (V.)
Es sind keine Rundfunkeinspielungen und CD-Aufnahmen bekannt.
Spieldauer
19' 40'' (Konzerte 2004 mit Peter Stein) 7' 15'' (I) 5' 45'' (II)
6' 26'' (III)
Metronomangaben, anhand deren die Spieldauer berechnet werden kann, sind in den historischen Notenausgaben
nicht angegeben.
331
A9. Op. 43 (Klavierquartett Nr. 1 a-Moll)
a) Manuskripte / Drucke
Keine Manuskripte
Alte Drucke: Originalkomposition
Widmung (in Originalkomposition und in Brisslers Bearbeitung für Kl. 4hd.): Frau Gräfin Anna [von] Pourtalès
Material: Part. 43 S. und 3 St. (V., Va. und Vc.) mit 11, 11 und 10 S., 4°
Fußzeilen (S. 2): Si1 / Si3 (links), R1 / R2 (rechts)
4 Thlr.
Dp
VN: 268
A: _
F: Si1, R1
D-Dl 2.Mus.4.9845, D-Mbs 4 Mus.pr. 16295, D-SAAm N 18115
Druck 1867–70 (eventuell 1. Druck 1867): früh. 1867 (Erstdruck 1867), 1864–70 (Firmenname von Simrock’scher Musikhandlung)
• Titel: Ihrer Exellenz [!] | der Frau Gräfin ANNA POURTALÈS | QUARTETT | (A moll) | für
Pianoforte | Violine Viola und Violoncell | von | FRIEDRICH KIEL. | [links:] Op. 43. [rechts:]
Pr.[eis] 4 Thlr. | Ent.d Stat. Hall. | Eingetragen in’s Vereins-Archiv | Verlag u. Eigenthum | der |
SIMROCK’schen MUSIKHANDLUNG, | BERLIN, Jägerstrasse 18. | Lith. Anst. v. C. G. Röder
Leipzig.
• Provenienz / D-Dl 2.Mus.4.9845: Sigismund Blumner | MECKLENBURG-STRELITZ (Stempel auf Titelblatt), Sigismund Blumner (Unterschrift in Tinte auf Titelblatt / der Pianist Sigismund Blumner spielte Kiels Quartett op. 43 z. B. 1867–69 mehrmals in Berlin und am 21.4.1874
in Dresden), TONKÜNSTLER-VEREIN | ZU | DRESDEN (Stempel auf Titelblatt)
4 Thlr.
Dp
VN: 268
A: _
F: Si1, R2
D-B Mus. 3254, D-LÜmh D 2001 Kie-2
Druck 1867–70 (eventuell 1. Druck 1867): Datierung siehe D-Dl 2.Mus.4.9845
• Titel: Text wie bei Titelblatt von D-Dl 2.Mus.4.9845;
Unterscheidung von D-Dl 2.Mus.4.9845 durch Fußzeile R2
• Provenienz / D-B Mus. 3254: Ex | Biblioth.[eca] Regia | Berolinensi. (Stempel auf S. 2)
4 Thlr.
Dp
VN: 268
A: _
F: Si1, R1
D-B N.Mus. 7131
Druck 1867–70 (eventuell 1. Druck 1867 mit Korrektur): früh. 1867 (Erstdruck 1867),
1864–70 (Firmenname von Simrock’scher Musikhandlung)
• Titel: Ihrer Excellenz [! (= Korrektur)] | der Frau Gräfin ANNA POURTALÈS | QUARTETT |
(A moll) | für Pianoforte | Violine Viola und Violoncell | von | FRIEDRICH KIEL. | [links:]
Op. 43. [rechts:] Pr. 4 Thlr. | Ent.d Stat. Hall. | Eingetragen in’s Vereins-Archiv | Verlag u.
Eigenthum | der | SIMROCK’schen MUSIKHANDLUNG, | BERLIN, Jägerstrasse 18. | Lith.
Anst. v. C. G. Röder Leipzig
• Provenienz / D-B N.Mus. 7131: Roland Dawczynski | Berlin-Steglitz, Abrechtstr. 10 (Stempel
auf Titelblatt)
12 M.–.
Dp
VN: 6929
A (oN): ATi
A: ? (ATi
verso)
F: _
D-KNh F 1839
Druck 1874–1901: ab 1874 (Währung Mark), 1870–1901 (Firmenname von N. Simrock)
• Außentitel (grau) auf Umschlagvorderblatt recto als Katalogtitel: „Werke | für Kammermusik |
von | FRIEDRICH KIEL. | […] | Op. 43. Erstes Quartett für Clavier, Violine, Bratsche und
Violoncell, (A moll.) | der Frau Gräfin Anna Pourtalès zugeeignet [Leerraum] 12 M.–. | […] |
Ent.d Stat. Hall. | Verlag und Eigenthum | N. SIMROCK in BERLIN. | Lith. Anst. v. C. G. Röder,
Leipzig.“; Auflistung aller bei N. Simrock erschienenen Kammermusikwerke Kiels (op. 12,
22, 34, 35:1–2, 43, 44, 50–54)
• Innentitel: Ihrer Excellenz | der Frau Gräfin ANNA POURTALÈS | QUARTETT | (A moll) |
für Pianoforte | Violine Viola und Violoncell | von | FRIEDRICH KIEL. | [links:] Op. 43 [rechts:]
Pr. 12 Mk. | Ent.d Stat. Hall. | Eingetragen in’s Vereins-Archiv | Verlag u. Eigenthum | von |
N. SIMROCK in BERLIN. | Lith. Anst. v. C. G. Röder Leipzig.
• Vorderblatt des grauen Umschlags, d. h. das Außentitelblatt, nur bei D-KNh F 1839 – aufgeklebt auf nachträglich hinzugefügtem festen Einband – vorhanden; ggf. eine Verlagsanzeige
auf Versoseite des aufgeklebten Außentitelblatts (grau), das in allen genannten Notenexemplaren fehlt
332
12 M.–.
Dp
VN: 6929
A (oN): 2 Ti
F: Si3, R1
D-Bz No 804 Kiel 1 [Olim-Sign.: Vk 116]; D-BLfk Bestand 116 C, Nr. 81 (als Depositum
in D-Budka), D-Mbs 4 Mus.pr. 58178, PL-S Mus 6122
Druck 1874–1901: ab 1874 (Währung Mark), 1870–1901 (Firmenname von N. Simrock); D-BzExemplar circa 1880 (laut URL: http://Opac www.voebb.de / abgerufen Dez. 2005)
• Außentitel (violett) auf Umschlagvorderblatt recto und Innentitel jeweils als Katalogtitel: identischer Text – Text wie bei Außentitelblatt von D-KNh F 1839
• Violetter Umschlag nur bei D-Bz No 804 Kiel 1 vorhanden
• Provenienz / D-Bz No 804 Kiel 1: TH.[EODOR] HENKEL’S | Musikalien-Handlung | (AD.
STAMM) | Frankfurt a.M. | 4. Theaterplatz 4. (Stempel auf Innentitelblatt / Musikalienhandlung
Henkel: seit 1854);
D-BLfk Bestand 116 C, Nr. 81: Marg. Wiehgraf. (Unterschrift auf Vorsatzblatt recto eines nachträglich angefertigten Sammelbandes mit schwarzem Einband, der Kiels Quartette op. 43 und
op. 50 enthält);
D-Mbs 4 Mus.pr. 58178: Henry Sinney. 1878. (Unterschrift auf Titelblatt / Innentitelblatt, Provenienz oder Konzerthinweis)
12 Mk.
kein Dp
VN: 6929
A: _
F: _
D-BLfk Bestand 116 C, Nr. 81 (als Depositum in D-Budka), D-KA M 2094, D-Mmb 9538.1791
Druck 1874–1901: ab 1874 (Währung Mark), 1870–1901 (Firmenname von N. Simrock)
• Titel: Ihrer Excellenz | der Frau Gräfin ANNA POURTALÈS | QUARTETT | (A moll) | für Pianoforte | Violine Viola und Violoncell | von | FRIEDRICH KIEL. | [links:] Op. 43. [rechts:]
Pr. 12 Mk. | Ent.d Stat. Hall. | Eingetragen in’s Vereins-Archiv | Verlag u. Eigenthum | von |
N. SIMROCK in BERLIN. | Lith. Anst. v. C. G. Röder Leipzig.
• Provenienz / D-KA M 2094: A. DURAND & FILS PARIS | MUSIQUE | Place | de la | Madeleine (Stempel auf Titelblatt);
D-Mmb 9538.1791: 1932/33: 6182 (vmtl. Inventarnummer)
12 Mk.
kein Dp
VN: 6929
A: _
F: nur R1
A-Wgm XI 26 378, PL-S Mus 3434
Druck 1874–1901: ab 1874 (Währung Mark), 1870–1901 (Firmenname von N. Simrock)
• Titel: Text wie bei Titelblatt von D-KA M 2094;
Unterscheidung von D-KA M 2094 durch R1-Fußzeile
• Provenienz / A-Wgm XI 26 378: aus Brahms-Nachlass
12– Mk.
kein Dp
VN: 6929
A (oN): ATi
A (No. 145):
ITi
A: ? (S. [46])
F: nur R1
D-WIm O 200 K5 .Qu 43 a–d
Druck 1898–1901: 1894–1907 (Firmenadresse von Lengnick), 1870–1901 (Firmenname von
N. Simrock),
ab 1898 (1898 Erstveröffentlichung des Streichquartetts Es-Dur op. 10 von Ottokar Nováček
und des Klaviertrios F-Dur op. 8 von Hans Pfitzner / unter den im Katalogtitel genannten Werken
mit bekanntem Publikationsjahr vermutlich diejenigen mit dem spätesten Druckjahr)
• Außentitel (hell-braungrün) auf Umschlagvorderblatt recto: Text wie bei Titelblatt von
A-Wgm XI 26 378
• Innentitel (Text: schwarz + rot) als Katalogtitel [roter Text nur beim letzten Wort „Kammermusik.“ der Überschrift, bei allen Komponistennamen und bei der Verlagsangabe („N. Simrock,
Berlin.“)]: „Neuere Werke | für | Kammermusik. | Alexander Friedrich Landgraf von Hessen,
op. 3. Trio für | […] | Kiel, Friedrich, op. 12. | […] | – op. 43. Erstes Quartett (A moll) für Pianoforte, Violine, Bratsche und | Violoncell [Leerraum] 12– Mk. | […] | Verlag und Eigenthum
für alle Länder | von | N. Simrock, Berlin | London Depôt: Alfred Lengnick, 58, Berners Street, W. |
[links:] No.145 [rechts:] C. G. Röder, Leipzig.“; Auflistung von Kammermusikwerken verschiedener Komponisten, darunter – neben z. B. 35 Kompositionen von Johannes Brahms
(op. 8 bis op. 120 sowie zwei Fassungen der Ungarischen Tänze) und 22 von Anton Dvořák
(op. 44 bis op. 106 sowie zwei Fassungen der Slawischen Tänze op. 46 und op. 72) – alle bei
N. Simrock erschienenen Kammermusikwerke Kiels (op. 12 bis op. 54)
• Vorderblatt des hell-braungrünen Umschlags, d. h. das Außentitelblatt, nur bei D-WIm O 200
K5 .Qu 43 a–d vorhanden; ggf. eine Verlagsanzeige auf S. [46] des Umschlagrückblatts (hellbraungrün), das in allen genannten Notenexemplaren fehlt
• Provenienz / D-WIm O 200 K5 .Qu 43 a–d: HEINRICH WOLFF | Musik- und Instrumenten- |
Handlung | KÖNIGL. DÄN. | U. | GROSSFÜRSTL. | RUSS. HOFLIEF. | Piano-Magazin | WIESBADEN (Stempel auf Innentitelblatt)
333
12 M.–.
kein Dp
VN: 6929
A (No.89.): 2 Ti
F: nur R1
D-B DMS 50997
Druck 1901–05: 1901–29 (Firmenname und -sitz von N. Simrock), 1846–1905 (Firmenname
von Röder ohne GmbH in Fußzeile R1), 1894–1907 (Firmenadresse von Lengnick)
• Außentitel (grau meliert) auf Umschlagvorderblatt recto und Innentitel jeweils als Katalogtitel: identischer Text „Werke | für Kammermusik | von | FRIEDRICH KIEL. | […] | Op. 43.
Erstes Quartett für Clavier, Violine, Bratsche und Violoncell, (A moll.) | der Frau Gräfin
Anna Pourtalès zugeeignet [Leerraum] 12 M.–. | […] | Verlag und Eigenthum für alle Länder |
von | N. SIMROCK, G.m.b.H. in BERLIN. | Copyright for the British Empire by ALFRED LENGNICK, | 58, Berners Street, | LONDON W. | No.89.“; Auflistung aller bei N. Simrock erschienenen Kammermusikwerke Kiels (op. 12 bis op. 54)
• Provenienz / D-B DMS 50997: Geschenk des Verlags an die Deutsche Musiksammlung | BERLIN | bei d. Kgl. Bibliothek (2 Stempel auf Innentitelblatt)
12 M.
kein Dp
VN: 6929
A (No.89): Ti
F: nur R3
D-BLfk Bestand 116 C, Nr. 81 / Kopie (als Depositum in D-Budka)
Druck 1908–10: 1908–10 (Firmenadresse von Lengnick), 1901–29 (Firmenname und -sitz von
N. Simrock), 1905–30 (Firmenname von Röder mit GmbH)
• Titel als Katalogtitel: Werke | für Kammermusik | von | FRIEDRICH KIEL. | […] | Op. 43.
Erstes Quartett für Clavier, Violine, Bratsche und Violoncell, (A moll.) | der Frau Gräfin Anna
Pourtalès zugeeignet, [Leerraum] 12 M. | […] | Verlag und Eigenthum für alle Länder | von |
N. SIMROCK, G.m.b.H. in BERLIN. | Copyright for the British Empire by ALFRED LENGNICK, |
57/58, Berners Street, | LONDON, W. | No.89; Auflistung aller bei N. Simrock erschienenen
Kammermusikwerke Kiels (op. 12 bis op. 54)
Neudruck
Titel: [Kopfzeile: ES-2008-46] First | Quartet | in a minor | for | Pianoforte, | Violin, Viola & Violoncello | by |
FRIEDRICH | KIEL | Op. 43 | [Fußzeile:] EDITION SILVERTRUST (Titelblatt der Part.) laut FKG-M (2009, 3);
Piano Quartet No. 1 in a minor, Op. 43 (Überschrift in St.) laut freundlicher Mitteilung von Edition Silvertrust
Ausgabe: Riv. 2008, Edition Silvertrust (VN: ES-2008-46); Vorwort – mit Fotografie und biografischen Informationen über den Komponisten Friedrich Kiel – vom „Editor in Chief“ Raymond Harvey Rawlins Silvertrust, ohne
Taktzählung; unveränderter Nachdruck einer Simrock-Ausgabe
Alte Drucke: Bearbeitung für Kl. 4hd. von Ferdinand Brissler
Widmung (wie in Originalkomposition): Gräfin Anna [von] Pourtalès
Material: KlSt. 55 S.
Fußzeilen: Fußzeile (S. 2): R2 (rechts); Fußzeile (S. 3): Si1 (rechts)
2 Thlr. 15 Sgr.
kein Dp
VN: 284
A (oN): S. [58]
F: Si1, R2
D-B DMS 40332; A-Wn M.S. 69494
Druck 1867 (1. Druck 1867): früh. 1867 (Erstdruck 1867), 1864–70 (Firmenname und -adresse
von Simrock’scher Musikhandlung in Fußzeile Si1), 1867 (Von den in der Verlagsanzeige auf
Seite [58] aufgelisteten Werken Kiels erschien als letztes im August / September 1867 die vierhändige Bearbeitung des Klavierquartetts op. 43 im Erstdruck, während die ebenfalls 1867 erstveröffentlichten Walzer für Klavier vierhändig op. 47 noch fehlen. Zudem ist die vierhändige
Bearbeitung des Klavierquartetts op. 43 das einzige Werk, bei dem noch kein Preis angegeben
ist, während der Preis in der Verlagsanzeige des Notenexemplars der Violinsonate op. 35:1 in
D-WRha ADMV – 0526a hinzugefügt ist.)
• Außentitel (khakifarben) auf Umschlagvorderblatt recto und Innentitel: identischer Text Ihrer
Excellenz | der Frau Gräfin ANNA POURTALÈS | QUARTETT | (A moll) | für Pianoforte | Violine Viola und Violoncell | von | FRIEDRICH KIEL. | Arrangement für das Pianoforte zu vier
Händen von F. Brissler. | [links:] Op. 43. [rechts:] Pr.[eis] 2 Thlr. 15 Sgr. | Ent.d Stat. Hall. | Eingetragen in’s Vereins-Archiv | Verlag u. Eigenthum | der | SIMROCK’schen MUSIKHANDLUNG, |
BERLIN, Jägerstrasse 18. | Lith. Anst. v. C. G. Röder Leipzig.
• Verlagsanzeige S. [58] (khakifarben): „[oben:] Compositionen von Friedrich Kiel | im Verlage |
der Simrock’schen Musikhandlung in Berlin | Jägerstrasse 18. | [linke Spalte:] a) Kammermusik. |
[…] | Op. 43. Quartett (A moll) für Pianoforte, Violine, | Viola und Violoncell [Leerraum] 4 – (Thlr.
Sgr.) | […] | [rechte Spalte:] c) für Piano zu 2 Händen. | […] | [unten:] b) für Piano zu 4 Händen. | […] | Op. 43. Quartett (A moll) für Pianoforte, Violine und Violoncell, arrangirt von F. Brissler. [ohne Preisangabe!]“; Auflistung aller bis zur Drucklegung der vorliegenden Erstausgabe bei
der Simrock’schen Musikhandlung erschienenen Klavier- und Kammermusikwerke Kiels: Kam-
334
mermusik (op. 12, 22, 35:1–2, 43, 44), Klaviermusik zweihändig (op. 26, 36, 38, 41, 45) und Klaviermusik vierhändig (op. 23, 42 sowie 4hd. Bearb. von op. 43)
• Khakifarbener Umschlag nur bei D-B DMS 40332 vorhanden
• Provenienz / D-B DMS 40332: Geschenk des Verlags an die Deutsche Musiksammlung | BERLIN | bei d. Kgl. Bibliothek (2 Stempel auf Innentitelblatt)
2 Thlr. 15 Sgr.
kein Dp
VN: 284
A: _
F: Si1, R2
D-Mbs 4 Mus.pr. 18354
Druck 1867–70: 1864–70 (Firmenname und -adresse von Simrock’scher Musikhandlung in Fußzeile Si1), früh. 1867 (Erstdruck 1867)
• Titel (hellbraun): identischer Text wie Innen- / Außentitel bei D-B DMS 40332;
S. 56 (hellbraun): leere Seite
b) Datierung
Entstehungszeit 1866
Das Kompositionsjahr 1866 gaben einhellig vier Autoren an: in dem handschriftlichen Lebensabriss (c1881*, 4)
bzw. dem publizierten Zeitungsartikel AllgemeineZ (1885, 4369), deren fast identischer Text auf einem 1881 mit
Kiel geführten Interview desselben unbekannten Verfassers beruht, in Prieger (1884, 273 bzw. 1906, 131), Reinecke (1936, 82) und Schmieder (1984, 232).
Der Musikwissenschaftler Erich Prieger, der ein Kompositionsschüler und persönlicher Freund Kiels gewesen war,
erwarb einen Großteil seines handschriftlichen Musiknachlasses.
Druckjahre / -monate
1. Druck: Jan. 1867 (Bln., Simrock’sche Musikhandlung / 4 Thlr., alte VN 268 = VN der Simrock’schen
Musikhandlung)
SfMW (Jan. 1867a / Nr. 3, 56)
Druck spät. Jan. 1867 (Verlagsanzeige: In meinem Verlage erschienen so eben u. a. Klavierquartett a-Moll op. 43, demnächst erscheint
Klavierquartett E-Dur op. 44)
SfMW (4.2.1867b, 161)
Druck vor 4. Febr. 1867 (Klavierquartett a-Moll op. 43 aufgelistet
unter den Novitäten der letzten Woche = 28. Jan. – 3. Febr. 1867)
Hofmeister (Febr. 1867, 20)
Druck vor Februar 1867 (4 Thlr.)
NZfM (15.3.1867a, 102), Echo (3.4.1867b, Druck vor März 1867 (Druckrezension in NZfM bzw. Verlagsan112)
zeige in Echo, jeweils 4 Thlr.)
Bungert (2.4.1875, 138), Altmann (1901, 149), Druck 1867
Reinecke (1936, 82), Altmann (1937, 33)
Deutsch (1961, 26)
Druck 1864–68 / alte VN 268
(ab 1864: Simrock’sche Musikhandlung)
(bis 1868: VN 323 / 1868 von Deutsch als erste alte VN, d. h. erste
VN der Simrock’schen Musikhandlung, aufgelistet)
Vergleiche:
D-Dl 2.Mus.4.9845 oder D-B Mus. 3254
Mit der neuen VN 6929 (aller Auflagen ab 1870 bei N. Simrock / Berlin) würde man den Erstdruck laut den Angaben in Deutsch (1961, 26) irrtümlich auf 1868 datieren (1868: VN 6514–6982).
Druck: 1867–70 (Bln., Simrock’sche Musikhandlung / 4 Thlr., alte VN)
Vergleiche:
D-Dl 2.Mus.4.9845 oder D-B Mus. 3254
Druck: 1867–70 (Bln., Simrock’sche Musikhandlung / 4 Thlr., alte VN)
Vergleiche:
D-B N.Mus. 7131 / evtl. 1. Druck 1867 mit Korrektur
Vier Drucke: 1874–1901 (Bln., N. Simrock / 12 M. bzw. 12 Mk., neue VN 6929 = VN von N. Simrock)
Simrock-Katalog (1897, 186)
Druck spät. 1897 (VN 6929, 12,– M.): gilt für einen der vier Drucke
Vergleiche:
D-KNh F 1839, D-Bz No 804 Kiel 1, D-BLfk Bestand 116 C, Nr. 81,
A-Wgm XI 26 378
335
Druck: 1898–1901 (Bln. , N. Simrock / 12 M. bzw. 12 Mk., neue VN 6929 = VN von N. Simrock)
Vergleiche:
D-WIm O 200 K5 .Qu 43 a–d
Druck: 1901–05 (Bln., N. Simrock G.m.b.H. / 12 M., neue VN)
Vergleiche:
D-B DMS 50997
Druck: 1908–10 (Bln., N. Simrock G.m.b.H. / 12 M., neue VN)
Vergleiche:
D-BLfk Bestand 116 C, Nr. 81 [Kopie]
Neudruck: 2008 (Riv., Edition Silvertrust)
Druckjahre / -monate: Bearbeitung für Kl. 4hd. von Ferdinand Brissler
1. Druck: Aug. oder Anfang Sept. 1867 (Bln., Simrock’sche Musikhandlung / 2 Thlr. 15 Sgr., alte VN 284 =
VN der Simrock’schen Musikhandlung)
SfMW (5.9.1867d, 685)
Druck vor 5. Sept. 1867 (Verlagsanzeige: Soeben erschien Klavierquartett a-Moll op. 43 als Bearbeitung, 2 Thlr. 15 Sgr.)
Hofmeister (Okt. 1867, 157)
Druck vor Okt. 1867 (Quartett (Am) arr. v. F. Brissler. Berlin, Simrock 2 Thlr. 15 Ngr.)
Deutsch (1961, 26)
Druck 1864–68 / alte VN 284
(ab 1864: Simrock’sche Musikhandlung)
(bis 1868: VN 323 / 1868 von Deutsch als erste alte VN, d. h. erste
VN der Simrock’schen Musikhandlung, aufgelistet)
Vergleiche:
D-B DMS 40332
Mit der neuen VN 6949 (aller Auflagen ab 1870 bei N. Simrock) würde man den Erstdruck laut den Angaben in
Deutsch (1961, 26) irrtümlich auf 1868 datieren (1868: VN 6514–6982).
Druck: 1867–70 (Bln., Simrock’sche Musikhandlung / 2 Thlr. 15 Sgr., alte VN)
Eichberg (1872, 36)
Druck spät. 1872 (Arrang., Preis 2 Thlr. 15 Sgr.)
Vergleiche:
D-Mbs 4 Mus.pr. 18354
Druck: 1874–97 (Bln., N. Simrock / 7,50 M., neue VN 6949 = VN von N. Simrock)
Simrock-Katalog (1897, 186)
Druck 1874–97: ab 1874 (Währung Mark), spät. 1897 (SimrockKatalog 1897 / für Clavier zu 4 Händen, 7,50 M., VN: 6949)
Vergleiche:
Es fand sich kein entsprechendes Druckexemplar.
c) Konzerte, Rundfunkeinspielungen, CD-Aufnahmen, Spieldauer
Konzerte
1) Quellenstudien zu einzelnen Konzerten:
1a) Hauskonzert in Kissingen vermutlich im Juni 1881: Kiels in der Vergangenheit liegende Aufführung seines
Klavierquartetts a-Moll op. 43 in Kissingen geht aus seinem Brief (9.4.1882) an den evangelischen Pfarrer und
Musikwissenschaftler Heinrich Adolf Köstlin in Friedrichshafen hervor: 1t. Quartett A moll (w.[as] ich in Kissingen spielte) op. 43. Aus mehreren Gründen fand das Hauskonzert vermutlich im Juni 1881 statt.
In der Stadt Kissingen traf Kiel spätestens Mitte September 1881 Major Schmack aus Posen, da er ihm in seinem
Brief (24.11.1881) von seiner Anfang Oktober 1881 begonnenen Erkrankung berichtete, die zu einer einwöchigen Arbeitsunfähigkeit vom 25. Oktober bis 1. November 1881 geführt hatte, wie aus den unter Punkt „H5“ (Anhang 5) dargelegten Quellen hervorgeht. Das Zusammentreffen in Kissingen geht hierbei aus folgendem Satz in
Kiels Brief (24.11.1881) hervor: Ich gedenke manchmal der mit Ihnen verlebten […] Stunden in Kissingen.
Dieses Treffen Kiels mit dem Major Schmack fand vermutlich während seines Kissinger Aufenthalts im Juni
1881 statt, während dessen er für Olga Vallette ein musikalisches Albumblatt mit der Widmung „Für Fräulein Olga
Vallette. Kissingen den 17ten Juni 1881.“ schrieb, das aus vier Takten seines Oratoriums Christus op. 60 (Andante
con moto, Text „Siehe, siehe, ich stehe vor der Thür“) besteht und in D-B Mus.ms.autogr. Kiel, F. 17 N überliefert ist. Der 17. Juni war der letzte Tag seiner krankheitsbedingten vierwöchigen Auszeit, die vom 20. Mai bis
17. Juni 1881 andauerte, wie aus den unter Punkt „H5“ (Anhang 5) dargelegten Quellen hervorgeht. Für Juni
1881 spricht außerdem die Angabe in AllgemeineZ (25.10.1885, 4369), einem Nekrolog auf Kiel, der auf einem
im Herbst 1881 am Bodensee mit Kiel geführten Interview basierte: Mit welcher Bereitwilligkeit spielte er [= Kiel]
336
z. B. einst in Kissingen, wo er der Schonung recht bedurfte, einem engeren Kreise von Kunstfreunden vor, was er
eben Neues geschaffen hatte!
Das Staatsarchiv Würzburg verwahrt zwar ein Findbuch über Archivalien der staatlichen Kurverwaltung Bad
Kissingen auf, in dem drei Aktenvorgänge erwähnt sind, die sich auf Kissinger Konzerte im Zeitraum 1881–83
beziehen sollen, aber laut einem Archivvermerk aus den 1970er-Jahren scheint genau dieser Archivalienbestand
nie ins Staatsarchiv gelangt zu sein. Darüber hinaus ist Major Schmack weder anhand WBIS Online noch der
Nachschlagewerke der Universitätsbibliothek in Posen (Polen) identifizierbar, und das Preußische Heeresarchiv
wurde 1945 kriegsbedingt vernichtet. Die Durchsicht der Kurlisten im Stadtarchiv der Stadt Bad Kissingen ergab
ebenfalls keinen Nachweis für Kiel oder Major Schmack. Auch in den beiden heute für die Stadt Bad Kissingen
zuständigen Archiven, dem Stadtarchiv Bad Kissingen und dem Staatsarchiv Würzburg, sind weder Hinweise auf
Olga Vallette in der jeweiligen Amtsbibliothek enthalten noch Archivalien überliefert, die sich auf dieses Hauskonzert in Kissingen beziehen.
1b) Aufzählung von Ländern, in denen das Klavierquartett a-Moll op. 43 bis 1872 aufgeführt worden war:
Laut Eichberg (1872), zitiert nach Reinecke (1936, 21): Das letztere (a-moll Klavierquartett) hat seinen Weg
durch die Welt bereits ziemlich vollendet; es ist in Deutschland öfter, als ein ähnliches neues Werk, außerdem in
Frankreich, Italien, England, Rußland und Schweden zur Aufführung gekommen. Kiels Klavierquartett a-Moll
op. 43 wurde im Zeitraum 1866–72, zwischen dem Kompositionsjahr 1866 und dem Veröffentlichungsjahr 1872
von Eichberg (1872), somit in sechs Ländern aufgeführt: England (London 31.5.1872), Frankreich (Paris / Datum
unbekannt), Deutschland (16-mal: zehnmal in Berlin, zweimal in Köln, je einmal in Dresden, Hamburg, Jena und
Stuttgart), Russland, Italien und Schweden. Mindestens ein weiteres Land kann zu dieser Auflistung hinzugezählt
werden: Dänemark (Kopenhagen 12.12.1868).
1c) Sigismund Blumner listete handschriftlich auf dem Titelblatt einer Notenausgabe (D-Dl 2.Mus.4.9845) neun
internationale Konzerte auf, in denen das Klavierquartett a-Moll op. 43 zur Aufführung kam:
Gespielt mit Florentiner Quartett 3 Mal Berlin, zum I[sten] Mal [4.3.1867, 1.4.1867, Datum unbekannt]
1 Mal Dresden
[21.4.1874]
"
"
"
David Quart.
2
Leipzig
[zweimal im Zeitraum 1866–73]
"
"
Auer
1
[
]
Petersburg
[23.10.1875, zudem 9.11.1875]
"
"
"
Hellmesberger "
1 "
Wien
[2.2.1868]
Herweg
1 ["] Paris.
[1866–72]
"
Diese Konzerte fanden in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts – frühestens im Kompositionsjahr 1866 – statt.
Sigismund Blumner, der frühere Besitzer des Notendruckes D-Dl 2.Mus.4.9845, war selbst Klavierinterpret des
Klavierquartetts a-Moll op. 43.
2) Konzerte: Konzerttermine
1866–72
1866–72
1866–72
1866–72
1866–73
1866–73
1866–83
1866–83
Jan. 1867
Kaiserreich Russland, Konzert 1866–72 laut Eichberg (1872): zwischen 1866 (Kompositionsjahr)
und 1872 (Eichberg 1872), Interpreten unbekannt (Kl., V., Va., Vc.); Aufführungsangaben laut Eichberg (1872); evtl. identisch mit Konzert am 25.3. – 19.5.1870 in St. Petersburg / Kaiserreich Russland
Königreich Italien, Konzert 1866–72 laut Eichberg (1872), Interpreten unbekannt (Kl., V., Va.,
Vc.); Aufführungsangaben laut Eichberg (1872)
Königreich Schweden, Konzert 1866–72 laut Eichberg (1872), Interpreten unbekannt (Kl., V., Va.,
Vc.); Aufführungsangaben laut Eichberg (1872)
Paris / Republik Frankreich, Konzert 1866–72 laut Eichberg (1872) und früh. 1866 (Vermerk auf
dem Notendruck D-Dl 2.Mus.4.9845, Herweg-Quartett [Herr Herweg (V.) + Interpreten unbekannt
(Kl., Va., Vc.)]; Aufführungsangaben laut Eichberg (1872)
Leipzig, erste Aufführung von op. 43 durch das Leipziger David-Quartett [Ferdinand David (V.) +
Interpreten unbekannt (Kl., Va., Vc.)], Konzert zwischen 1866 (Kompositionsjahr) und 1873 (Todesjahr von Ferdinand David); Aufführungsvermerk auf dem Notenexemplar in D-Dl 2.Mus.4.9845.
Es handelt sich eventuell um das Leipziger Konzert vom 7. Juni 1867, dessen Interpreten unbekannt
sind.
Leipzig, zweite Aufführung von op. 43 durch das Leipziger David-Quartett [Ferdinand David (V.) +
Interpreten unbekannt (Kl., Va., Vc.)], Konzert zwischen 1866 (Kompositionsjahr) und 1873 (Todesjahr von Ferdinand David); Aufführungsvermerk auf dem Notenexemplar in D-Dl 2.Mus.4.9845
Zwickau, erste Zwickauer Aufführung von op. 43; Konzertdatierung zwischen Entstehung (1866)
und Drucklegung (Okt. 1883) der Konzertrezension in ZwickWo (18.10.1883, 181D)
Zwickau, zweite Zwickauer Aufführung von op. 43; Konzertdatierung zwischen Entstehung (1866)
und Drucklegung (Okt. 1883) der Konzertrezension in ZwickWo (18.10.1883, 181D)
Berlin (Wohnung von Friedrich Kiel: Anhaltische Communication 11), Hauskonzert von Kiel gegen
Ende Januar 1867 für eingeladene Zuhörer, Friedrich Kiel (Kl.) + Josef Joachim (V.) + Franz
337
Schulz (Va.) + Interpret unbekannt (Vc.); Aufführungsangaben laut LAmZ (1867, 90 f.) und dem
in Kapitel 4.4 vollständig zitierten Brief (18.1.1867) von Friedrich Kiel
10.2.1867
Berlin (Wohnung von Friedrich Kiel: Anhaltische Communication 11), Hauskonzert / Matinee von
Kiel, Sonntagmorgen, Friedrich Kiel (Kl.) + Heinrich de Ahna (V.) + Franz Schulz (Va.) + Adolf
Rohne (Vc.)
1.3. – 2.4.1867 Stettin, 2. Konzert des Florentiner Quartetts, abends, Interpret unbekannt / vmtl. Sigismund Blumner
(Kl.) + Mitglieder des Florentiner Streichquartetts Jean Becker = Becker’schen Quartetts [Jean
Becker (V.) + Luigi Chiostri (Va.) + Friedrich Hilpert (Vc.)]
2.3.1867
Berlin (Wohnung von Professor Karl Graeb: Anhaltische Communication 11), Hauskonzert von
Kiel für eingeladene Zuhörer, Samstag 12 Uhr, Friedrich Kiel (Kl.) + Interpreten unbekannt (V.,
Va., Vc.); Aufführungsangaben laut dem Brief (27.2.1867) von Friedrich Kiel an Oskar Eichberg
4.3.1867
Berlin (Saal der Singakademie), 5. Montagskonzert des 2. Zyklus von Sigismund Blumner, Montagabend, Sigismund Blumner (Kl.) + Mitglieder des Florentiner Streichquartetts Jean Becker =
Becker’schen Quartetts [Jean Becker (V.) + Luigi Chiostri (Va.) + Friedrich Hilpert (Vc.)]
1.4.1867
Berlin (Saal der Singakademie), Extra-Montagskonzert von Sigismund Blumner unter Mitwirkung
des Florentiner Quartetts, Montagabend, Sigismund Blumner (Kl.) + Mitglieder des Florentiner
Streichquartetts Jean Becker = Becker’schen Quartetts [Jean Becker (V.) + Luigi Chiostri (Va.) +
Friedrich Hilpert (Vc.)]. Kiels Klavierquartett op. 43, von denselben Interpreten einen Monat zuvor
am 4. März 1867 aufgeführt, wurde laut NZfM (1867b, 134) lediglich auf Verlangen des Publikums
gespielt.
13.5.1867
Jena, 2. Kammermusiksoiree von Lassen / Kömpel / Wehrle, Montagabend, Eduard Lassen (Kl.) +
August Kömpel (V.) + Interpret unbekannt / vmtl. Herr Waldbrühl oder Herr Friedrichs aus Weimar (Va.) + Hugo Wehrle (Vc.)
7.6.1867
Leipzig (1. Aufführung in Leipzig), Soiree des Konservatoriums für Musik in Leipzig, Freitagabend,
Interpreten unbekannt / vmtl. Schüler des Konservatoriums (Kl., V., Va., Vc.)
1.8. – 1.12.1867 Weimar, Soiree, Franz Liszt (Kl.) + Interpreten unbekannt (V., Va., Vc.); laut NZfM (1867g, 454)
eine größere Soirée
1867–68
Lübeck, Quartettsoiree von Herrmann im Zeitraum Okt. 1867 bis April 1868 (seit 1853 Veranstaltung von jährlich acht Quartettsoireen in Lübeck durch Herrmann), Adolf Mehrkens oder Rudolf Niemann oder August Schultz (Kl.) + Gottfried Herrmann (V.) + Interpreten unbekannt (Va., Vc.), Aufführungstermin in Wintersaison 1867/68
29.11.1867
Berlin, Salonsoiree von Sterns Berliner Sinfoniekapelle, Freitagabend, Heinrich Barth (Kl.) + Heinrich de Ahna (V.) + Interpreten unbekannt (Va., Vc.) [= vmtl. Barth-Klaviertrio I]
7.12.1867
Dresden / TV Dresden (Landhausstr. 6 II), Übungsabend (erste Aufführung von op. 43 im TV Dresden), Samstagabend, Interpreten unbekannt (Kl., V., Va., Vc.)
24.1.1868
Leipzig, Musikalische Abendunterhaltung des Konservatoriums für Musik, Freitagabend, Heinrich Barth (Kl.) + Schüler des Konservatoriums für Musik in Leipzig (V., Vc.)
26.1.1868
Kopenhagen / Königreich Dänemark, Matinee von Neupert, Sonntagmittag, Edmund Neupert
(Kl.) drei Mitglieder des sich 1868 auflösenden Neruda-Quartetts [Christian Frederik Schiørring
(V.) + Franz Neruda (Va.) + Valdemar Tofte (Vc.)]
31.1.1868
Kopenhagen / Königreich Dänemark, Konzert von Neupert, Freitagabend, Edmund Neupert (Kl.) +
Interpreten unbekannt (V., Va., Vc.) / vermutlich dieselben Interpreten wie in Konzert 26.1.1868
1. – 21.2.1868 Wien / Kaisertum Österreich, 1. Quartettabend von Jean Becker, Josef Dachs (Kl.) + Mitglieder
des Florentiner Streichquartetts Jean Becker = Becker’schen Quartetts [Jean Becker (V.) + Luigi
Chiostri (Va.) + Friedrich Hilpert (Vc.)]
2.2.1868
Wien (Saal der Gesellschaft der Musikfreunde, Tuchlauben) / Kaisertum Österreich, 6. Quartettabend 1867/68 des Hellmesberger-Quartetts, Sonntag 17 Uhr, Josef Dachs (Kl.) + Mitglieder des
Hellmesberger-Quartetts [Josef Hellmesberger senior (V.) + Dragomir Krancsevics (Va.) + Franz
Dobyhal (Vc.)]
10.5.1868
Potsdam, 3. Kammermusiksoiree von Barth, Sonntagabend, Heinrich Barth (Kl.) + Heinrich de
Ahna (V.) + Adolf Rohne (Vc.) + Franz Schulz (Va.)
4.6.1868
Berlin / TV Berlin (Vereinssaal des TV Berlin im Hôtel Belle-Alliance, Ecke Zimmer- und Friedrichstraße), Kielsoiree, Donnerstag 19 Uhr, Julius Alsleben oder Oskar Eichberg (Kl.) + Fabian
Rehfeld (V.) + Franz Schulz (Va.) + Herr H. Zürn (Vc.)
12.12.1868
Kopenhagen / Königreich Dänemark, Konzert des Kammermusikforeningen (= Kammermusikverein) Kopenhagen, Samstag, Edmund Neupert (Kl.) + Mitglieder des Neruda-Quartetts [Anton
Svendsen (V.) + Christian Frederik Schiørring (Va.) + Franz Neruda (Vc.)]
19.1.1869
Hamburg, 2. Soiree für Kammermusik von Niemann, Dienstagabend, Rudolf Niemann oder Herr
Liebermann (Kl.) + Friedrich Marwege (V.) + Herr L. Wiemann (Vc.)
338
8.2.1869
Berlin (Saal der Singakademie), 1. Konzert des 2. Zyklus der Montagskonzerte / 6. Montagskonzert
von Sigismund Blumner, Montag 19:30 Uhr, Sigismund Blumner (Kl.) + Heinrich de Ahna (V.) +
Gustav Richter (Va.) + Theodor Bruns (Vc.) [= Teil des de Ahna-Quartetts]
13.2.1869
Lübeck, 6. Casino-Soiree, Samstag, Sigismund Blumner (Kl.) + Interpreten unbekannt (V., Va., Vc.)
1.1. – 14.4.1870 Halberstadt, Soiree des Hofquartetts der Gebrüder Schröder aus Ballenstedt mit Kiel-Quartett
(vmtl. op. 43), Hofpianist J. B. André aus Ballenstedt (Kl.) + Interpreten unbekannt (V., Va., Vc.)
23.1.1870
Berlin (Wohnung von Professor Karl Graeb: Königgrätzerstraße 108), Hauskonzert von Kiel für
eingeladene Zuhörer, Sonntagmittag 12 Uhr, Friedrich Kiel (Kl.) + Mitglieder des Joachim-Quartetts [Josef Joachim (V.) + Ernst Schiever (Va.) + Wilhelm Müller (Vc.)]
14.3.1870
Wiesbaden, Quartettsoiree der Herren Rebiczek und Genossen, Montagabend, Herr Wald (Kl.) +
Josef Rebiczek oder Herr Scholle (V.) + Herr Knotte (Va.) + Herr Fuchs (Vc.)
25.3. – 19.5.1870 St. Petersburg / Kaiserreich Russland, Konzert von Sigismund Blumner, Sigismund Blumner (Kl.) +
Interpreten unbekannt (V., Va., Vc.)
15.5.1870
Berlin (Wohnung von Josef Joachim), Hauskonzert von Joachim / Matinee für eingeladene Zuhörer, Sonntagmittag, Friedrich Kiel (Kl.) + Mitglieder des Joachim-Quartetts [Josef Joachim (V.) +
Heinrich de Ahna (Va.) als späteres Quartettmitglied + Wilhelm Müller (Vc.)]
1.6. – 2.8.1870 Köln / TV Köln, Musikabend des TV Köln im 1. Vereinsjahr 1870/71, Interpreten unbekannt (Kl.,
V., Va., Vc.); Aufführungsangaben laut MWO 1. Jg., Nr. 34 (19.8.1870, 539)
13.12.1870
Köln / TV Köln (Isabellen-Saal des Gürzenich), 1. öffentlicher Musikabend des TV Köln im 1. Vereinsjahr 1870/71, Dienstag 19 Uhr, Friedrich Gernsheim (Kl.) + Georg Josef Japha (V.) + Otto
Friedrich von Königslöw (Va.) + Jakob Eduard Rensburg (Vc.)
27.10.1871
Hamburg (Kleiner Saal des Covent Garten [!]), 1. Kammermusiksoiree von Karl Risch, Freitag
19 Uhr, alle Interpreten: Wilhelmine Marstrand (Kl.) + Karl Risch (V.) + Louis Lee (Vc.) + Herren
F. Schmahl, J. Risch und C. Kölling
6.1.1872
Stuttgart, 2. Quartettsoiree von Singer / Krumbholz, Samstag 19 Uhr, Wilhelm Krüger (Kl.) + Edmund Singer (V.) + Hugo Wehrle oder Herr Wien (Va.) + Theodor Krumbholz (Vc.)
31.5.1872
London / Königreich Großbritannien (Saint-James-Hall), 5. Pianoforte-Recital von Charles Hallé,
Freitagnachmittag, Charles Hallé (Kl.) + Wilma Neruda (V.) + Ludwig Strauß (Va.) + Interpret unbekannt (Vc.)
Nov. 1872
Berlin (Sommer’s Salon), Konzert für Kammermusik der Gebrüder Schröder, Freitagabend, Otto
Schmidt (Kl.) + Hermann Schröder (V.) + Franz Schröder (Va.) + Alwin Schröder (Vc.); Aufführungsangaben laut SfMW 30. Jg., Nr. 51 (8.11.1872, 811) und NBM 26. Jg., Nr. 48 (27.11.1872,
379 f.)
20.1.1873
Meiningen / TV Meiningen „Künstlerklause“, Familienabend bzw. Vereinsversammlung, Montagabend, Interpreten unbekannt (Kl., V., Va., Vc.)
24.11.1873
Frankfurt am Main (kleiner Konzertsaal im Saalbau), 3. Kammermusikabend der Museumsgesellschaft, Montag 19 Uhr, Carl Fälten (Kl.) + Mitglieder des Frankfurter Streichquartetts [Hugo Heermann oder Ruppert Becker (V.) + Ernst Welcker (Va.) + Valentin Müller (Vc.)]
21.4.1874
Dresden, Konzert von Sigismund Blumner, Dienstagabend, Sigismund Blumner (Kl.) + Mitglieder
des Florentiner Streichquartetts Jean Becker = Becker’schen Quartetts [Jean Becker (V.) + Luigi
Chiostri (Va.) + Friedrich Hilpert (Vc.)]
23.10.1875
St. Petersburg / Kaiserreich Russland (Saal des St. Petersburger Konservatoriums), 1. Quartettabend
der Kaiserlich-Russischen Musikgesellschaft in St. Petersburg [= IRMO: Imperatorskoje Russkoje
Musykalnoje Obschtschestwo], Samstagabend, Herr G. Pans (Kl.) + Leopold Auer (V.) + Herr V.
Vejkman [Weickmann] (Va.) + Carl Davïdov [Davidoff] (Vc.)
9.11.1875
St. Petersburg / Kaiserreich Russland, Quartettsoiree der Kaiserlich-Russischen Musikgesellschaft in
St. Petersburg [= IRMO], Dienstagabend, ?G. Pans? (Kl.) + Leopold Auer (V.) + Herr V. Vejkman
[Weickmann] (Va.) + Carl Davïdov [Davidoff] (Vc.)
Dez. 1875
Breslau, 4. Kammermusikabend, Julius Buths (Kl.) + Interpreten unbekannt (V., Va., Vc.); Aufführungsangaben laut ADM 3. Jg., Nr. 1 (1.1.1876, 7)
2.1.1876
Köln / TV Köln, Sonntag, Interpreten unbekannt (Kl., V., Va., Vc.)
1.2.1876
Breslau, 8. Kammermusikabend des Breslauer Orchestervereins, Dienstagabend, Julius Buths
(Kl.) + Interpreten unbekannt (V., Va., Vc.)
31.10. oder
London (Langham Hall) / Königreich Großbritannien, 1. oder 2. Kammermusikkonzert von Her7.11.1876
mann Franke am 31.10.1876 oder 7.11.1876, Dienstagabend, Hermann Franke (V.) + Interpreten
unbekannt (Va., Vc., Kl.); Aufführungsangaben laut MWO 7. Jg., Nr. 49 (17.11.1876, 613) und The
Monthly Musical Record 6. Jg., ohne Nr. (1.12.1876), S. 195
30.1.1877
Leipzig (Musiksaal von Julius Blüthner), 41. Versammlung des Leipziger Zweigvereins des Allgemeinen Deutschen Musikvereins ADMV, Dienstag, Wilhelm Treiber (Kl.) + Leipziger Streich-
339
quartett [Carl Franz Henry Schradieck oder Herr R. Bolland (V.) + Herr J. Thümer (Va.) + Alwin
Schröder (Vc.)]
31.10.1877
London / Königreich Großbritannien, 1. Kammermusikkonzert von Hermann Franke, Mittwochabend, Frau Richards (Kl.) + Hermann Franke (V.) + Interpreten unbekannt (Va., Vc.)
19.11.1877
Dresden / TV Dresden (Saal im Hôtel zur Stadt Petersburg), 4. Übungsabend (zweite Aufführung
von op. 43 im TV Dresden), Montagabend, Georg Schmole (Kl.) + Emil Eduard Feigerl (V.) +
Ernst Wilhelm (Va.) + Friedrich Grützmacher (Vc.)
19.1.1880
Berlin (Saal der Singakademie), 1. Montagskonzert des 2. Zyklus von Hellmich / Maneke, Montag
19:30 Uhr, Franz Mannstädt (Kl.) + Wilhelm Hellmich (V.) + Emanuel Wirth (Va.) + Friedrich
Maneke (Vc.)
31.1.1880
Wien / Kaisertum Österreich (Saal Bösendorfer), 6. Kammermusikabend, 19:30 Uhr, Josef Zöhrer
(Kl.) + Franz Radnitzky oder August Siebert (V.), Anton Stecher (Va.), Theobald Kretschmann
(Vc.)
vmtl. Juni 1881 Kissingen, Hauskonzert spät. Sept. 1881 [siehe Quellenangaben zu diesem Konzert], Friedrich Kiel
(Kl.) + Interpreten unbekannt (V., Va., Vc.); Aufführungsangaben laut zwei Briefen Kiels – Brief
(24.11.1881) an Major Schmack und Brief (9.4.1882) an Heinrich Adolf Köstlin – sowie dem Nekrolog auf Kiel in AllgemeineZ (25.10.1885, 4369)
16.11.1881
Kopenhagen / Königreich Dänemark, Konzert des Kammermusikforeningen (= Kammermusikverein) Kopenhagen, Mittwochabend, Gustav Adolf Lembcke (Kl.) + Christian Frederik Schiørring
(V.) + Vilhelm Holm (Va.) + Fritz Bendix (Vc.)
14.12.1882
Köln, 3. Kammermusikaufführung der Herren Japha und Genossen, Donnerstagabend, Louise Langhans (Kl.) + Mitglieder des Kölner Quartetts [Georg Josef Japha oder Gustav Hollaender (V.) +
Herr Jensen (Va.) + Ludwig Ebert (Vc.)]
4. Quartal 1885 Berlin, 3. Kammermusikabend des Kölner Quartetts, Eduard Mertke (Kl.) + Kölner Quartett [Gustav Hollaender (V.) + Josef Schwartz (V.) + Karl Körner (Va.) + Ludwig Ebert (Vc.)]; möglicher
Aufführungstermin 1.10. – 16.12.1885 laut NBM 39. Jg., Nr. 51 (17.12.1885, 406)
1885–86
London / Königreich Großbritannien, einer der drei Kammermusikabende von Ernest / Nachèz /
Swert, Gustav Ernest (Kl.) + Tivadar Nachèz (V.) + James Kornfeld (Va.) + Jules de Swert (Vc.);
möglicher Aufführungstermin 1.9.1885 – 11.3.1886 laut AMZ 13. Jg., Nr. 11 (12.3.1886, 114),
Aufführung in Wintersaison 1885/86
14.10.1885
Berlin (Aula des Leibnitz-Gymnasiums), Gedächtnisfeier für Friedrich Kiel / 1. Kammermusiksoiree von Martha Schwieder, Mittwochabend, Martha Schwieder (Kl.) + Felix Meyer (V.) + Adolf
Müller (Va.) + Eugen Sandow (Vc.) [Klaviertrio Schwieder / Meyer / Sandow + Adolf Müller]
18.12.1885
Berlin / TV Berlin (Aula des Askanischen Gymnasiums), Gedächtnisfeier für Friedrich Kiel,
Freitag, Emil Nauwerk oder Richard Eichberg (Kl.) + Felix Meyer (V.) + Adolf Müller (Va.) +
Eugen Sandow (Vc.)
15.11.1984
27.5.1989
30.9.1992
9.4.1994
3.10.1996
28.2.1999
Siegen (Universität-Gesamthochschule, Fachbereich Musik), Donnerstag 20 Uhr, Anton Werner
(Kl.) + Marek Malinowski (V.) + Angelika Werner (Va.) + Naotaka Maejima (Vc.)
Siegen-Weidenau (Bismarckhalle), Kammerkonzert zur Jahresmitgliederversammlung „10 Jahre
Friedrich-Kiel-Gesellschaft e. V.“, Samstag 20 Uhr, Deutsch-Japanisches Klavierquartett: Anton
Werner (Kl.) + Sohei Takahata (V.) + Angelika Werner (Va.) + Naotaka Maejima (Vc.)
Siegen (Universität), Mittwoch, Deutsch-Japanisches Klavierquartett
Bad Laasphe an der Lahn (Großer Saal des „Haus des Gastes“), Konzert zur Jahresmitgliederversammlung „15 Jahre Friedrich-Kiel-Gesellschaft e. V.“, Samstag 20 Uhr, Deutsch-Japanisches
Klavierquartett
Bad Berleburg (Schloss Berleburg), Kammerkonzert / Eröffnungskonzert der Friedrich-Kiel-Musiktage (27.9. – 17.10.1996), Donnerstag 20 Uhr, Kölner Klaviertrio [Thomas Palm (Kl.) + Walter
Schreiber (V.) + Klaus-Christoph Kellner (Vc.)] + Mile Kosi (Va.)
Köln (Großer Sendesaal des WDR Köln), 5. KRSO-Kammerkonzert [KRSO = Kölner RundfunkSinfonie-Orchester (derzeit WSO = WDR-Sinfonieorchester)] mit Klaus Ohlendorf (Moderation),
Sonntag 11 Uhr, Thomas Palm (Kl.) + 3 KRSO-Mitglieder [Walter Schreiber (V.) + Hans Erich
Schröder-Conrad (Va.) + Oren Shevlin (Vc.)]. Kiels Klavierquartett a-Moll op. 43 wurde anstelle
des ursprünglich geplanten Klavierquintetts G-Dur op. 76 von George Onslow aufgeführt.
Rundfunkeinspielungen
10.12.1976
WDR Köln (Saal 2), Freitag, Brahms-Klavierquartett / Detmold [Jan Natermann (Kl.) + Wolfgang Bartels (V.) + Fritz Lang (Va.) + Walter Hillringhaus (Vc.)]
(Sendungen im WDR 3: vollständiges Werk am 1.4.1980 + 21.5.1981 + 1982 + 21.11.1983 +
6.2.1994; 2. Satz am 8.7.1983 + 1984 + 1985 + 1986 + 6.11.1987 + 31.5.1988 + 13.4.1992; 3. Satz
340
18.1.1977
am 3.1.1983 + 1984 + 1985 + 1986 + 1.12.1987 + 9.9.1988; 4. Satz am 10.12.1982 + 1984 + 1985 +
1986 + 8.5.1987 + 14.5.1988 + 1993 + 13.9.1994; Sendung in SWR 2: vollständiges Werk am 9.12.1998)
NDR Hannover (Studio 2 / Kleiner Sendesaal im Landesfunkhaus Hannover), Dienstag, BrahmsKlavierquartett / Detmold [Jan Natermann (Kl.) + Wolfgang Bartels (V.) + Fritz Lang (Va.) + Walter Hillringhaus (Vc.)]
CD-Aufnahme
Titel: Friedrich Kiel | Complete Piano Quartets [op. 43, 44, 50]; Georgsmarienhütte [Georgsmarienhütte-Harderberg / Kreis Osnabrück] ©/℗ 2007, CPO-Musikproduktions GmbH (CPO = Classic Production Osnabrück) / eine
Koproduktion von SWR und CPO (Bestellnummer: cpo 777 076-2, DDD-Aufnahme), Text des Booklets von
Hartmut Wecker
Aufnahme: 2. – 5.7.2005 Karlsruhe (SWR-Studio), Oliver Triendl (Kl.) + Ulrike-Anima Mathé (V.) + Hariolf
Schlichtig (Va.) + Xenia Jankovic (Vc.)
(Sendungen: vollständiges Werk am 30.5.2008 Radio Bremen / Nordwestradio + 17.4.2008 Deutschlandfunk +
22.4.2008 SWR 2 + 30.5.2008 Nordwestradio; Werkausschnitt – Ende des 1. Satzes – am 12.4.2008 SWR 2; Radio
Klara / Brüssel 1. Satz am 1.3.2011 + 3. Satz am 6.2.2011)
Spieldauer
27' 40'' (18.1.1977 NDR)
Angaben zur Länge der Einzelsätze liegen dem Sender nicht vor.
31' 28'' (10.12.1976 WDR)
12' 45'' (I)
5' 45'' (II)
6' 29'' (III) 6' 09'' (IV)
32' 43'' (2005 CD-Aufnahme)
12' 13'' (I)
5' 43'' (II)
7' 01'' (III) 7' 46'' (IV) [inklusive Pausen]
Metronomangaben, anhand deren die Spieldauer berechnet werden kann, sind in den historischen Notenausgaben
nicht angegeben.
341
A10. Op. 44 (Klavierquartett Nr. 2 E-Dur)
a) Manuskripte / Drucke
Keine Manuskripte
Alte Drucke
Widmung: Robert von Keudell
Material: Part. 35 S. und 3 St. (V., Va., Vc.) à 8 S., 4°
Fußzeilen (S. 2): Si1 / Si3 (links), R1 (rechts)
3 Thlr.
Dp
VN: 275
A (oN): S. [38]
F: nur Si1
D-MZschneider o. Sign.; D-KNh F 6337; D-B N.Mus. 7132, D-SAAm N 18114
Druck 1867 (1. Druck 1867): früh. 1867 (Erstdruck 1867), 1864–70 (Firmenname von Simrock’scher Musikhandlung),
1867 (Von den in der Verlagsanzeige auf Seite [38] aufgelisteten Werken Kiels erschien als
letzte im Januar 1867 das Klavierquartett op. 44 im Erstdruck, während die vierhändige Bearbeitung des Klavierquartetts op. 43 und die Walzer für Klavier vierhändig op. 47, die erst im
August bzw. September 1867 erstveröffentlicht wurden, noch fehlen.)
• Außentitel (ockerfarben) auf Umschlagvorderblatt recto und Innentitel: identischer Text Herrn
Robert von Keudell | zugeeignet. | Zweites | QUARTETT | (E dur) | für | Pianoforte, Violine,
Viola | und | Violoncell | von | Friedrich Kiel. | [links:] Op. 44. [rechts:] Pr.[eis] 3 Thlr. | Ent.d
Stat. Hall. | Eingetragen in’s Vereins-Archiv. | Verlag u. Eigenthum | der | SIMROCK’schen
MUSIKHANDLUNG, | BERLIN, Jägerstrasse 18. | Lith. Anst. v. C. G. Röder, Leipzig.
• Verlagsanzeige S. [38] (ockerfarbenes Umschlagrückblatt verso): [oben:] Compositionen von
Friedrich Kiel | im Verlage | der Simrock’schen Musikhandlung in Berlin | Jägerstrasse 18. | [linke Spalte:] a) Kammermusik. | […] | Op. 44. Zweites Quartett (E dur) für Pianoforte, | Violine, Viola und Violoncell [Leerraum] 3 Thlr. | [rechte Spalte:] c) für Piano zu 2 Händen. | […] | [unten:] b) für Piano zu 4 Händen. | […]; Auflistung aller bis zur Drucklegung der
vorliegenden Erstausgabe bei der Simrock’schen Musikhandlung erschienenen Klavier- und
Kammermusikwerke Kiels: Kammermusik (op. 12, 22, 35:1–2, 43, 44), Klaviermusik zweihändig
(op. 26, 36, 38, 41, 45) und Klaviermusik vierhändig (op. 23, 42)
• Ockerfarbener Umschlag vollständig – mit Außentitel und Verlagsanzeige S. [38] – nur bei
D-MZschneider o. Sign. und Vorderblatt dieses Umschlags, d. h. das Außentitelblatt, nur bei
D-KNh F 6337 vorhanden
• Provenienz / D-B N.Mus. 7132: Roland Dawczynski | Berlin-Steglitz, Abrechtstr. 10 (Stempel
auf Innentitelblatt)
3 Thlr.
Dp
VN: 6933
A: ? (S. [38])
F: Si3, R1
D-B Mus. 3255
Druck 1870–73: 1870–1901 (Firmenname von N. Simrock), spät. 1873 (Währung Thlr.)
• Außentitel (hellorange) auf Umschlagvorderblatt recto und Innentitel: identischer Text Herrn
Robert von Keudell | zugeeignet. | Zweites | QUARTETT | (E dur) | für | Pianoforte, Violine,
Viola | und | Violoncell | von | Friedrich Kiel. | [links:] Op. 44. [rechts:] Pr. 3 Thlr. | Ent.d Stat.
Hall. | Eingetragen in’s Vereins-Archiv. | Verlag u. Eigenthum | von | N. SIMROCK IN BERLIN. |
Lith. Anst. v. C. G. Röder, Leipzig.
• Vorderblatt des hellorangen Umschlags, d. h. das Außentitelblatt, nur bei D-B Mus. 3255 vorhanden; ggf. eine Verlagsanzeige auf S. [38] des Umschlagrückblatts (hellorange), das in allen genannten Notenexemplaren fehlt
• Provenienz / D-B Mus. 3255: Ex | Biblioth.[eca] Regia | Berolinensi. (Stempel auf S. 2)
9 M.–.
Dp
VN: 6933
A (oN): 2 Ti
A: ? (S. [38])
F: Si3, R1
A-Wgm XI 36 683, D-Dl 2.Mus.4.9851; D-BLfk Bestand 116 C, Nr. 65 (als Depositum in
D-Budka)
Druck 1874–1901: ab 1874 (Währung Mark), 1870–1901 (Firmenname von N. Simrock)
• Außentitel (graublau meliert) auf Umschlagvorderblatt recto und Innentitel jeweils als Katalogtitel: identischer Text „Werke | für | Kammermusik | von | FRIEDRICH KIEL. | […] | Op. 44.
Zweites Quartett für Clavier, Violine, Bratsche und Violoncell, (E dur.) | Herrn Robert von
Keudell zugeeignet, [Leerraum] 9 M.–. | […] | Ent.d Stat. Hall. | Verlag und Eigenthum | von |
N. SIMROCK in BERLIN. | Lith. Anst. v. C. G. Röder, Leipzig.“; Auflistung aller bei N. Simrock erschienenen Kammermusikwerke Kiels (op. 12, 22, 34, 35:1–2, 43, 44, 50–54)
342
• Vorderblatt des graublau melierten Umschlags, d. h. das Außentitelblatt, nur bei A-Wgm
XI 36 683 und D-Dl 2.Mus.4.9851 vorhanden, ggf. eine Verlagsanzeige auf S. [38] des Umschlagrückblatts (graublau meliert), das in allen genannten Notenexemplaren felt
• Provenienz / A-Wgm XI 36 683: Aus dem Nachlaß von | JOHANNES BRAHMS (Stempel auf
Innentitelblatt);
D-Dl 2.Mus.4.9851: Sigismund Blumner (Unterschrift in schwarzer Tinte von dem Pianisten
Sigismund Blumner, der z. B. Kiels Klavierquartett op. 44 am 7.2.1870 spielte), TONKÜNSTLERVEREIN | ZU | DREDEN (Stempel auf Außentitelblatt);
D-BLfk Bestand 116 C, Nr. 65: 26.02.[19]94 | [Musikantiquariat] H.[ans] Schneider, Tutzing
(Vermerk in Bleistift auf S. [36] / Erwerbung am 26.2.1994 durch Friedrich-Kiel-Gesellschaft
e. V.); siehe Eintrag zu op. 44 in Antiquariatskatalog-Schneider (191/1975, 119)
9 M.–.
kein Dp
VN: 6933
A (No.89.): Ti
F: Si3, R1
D-HEms Magazin, N 1044
Druck 1874–1901: ab 1874 (Währung Mark), 1870–1901 (Firmenname von N. Simrock)
• Titel als Katalogtitel: „Werke | für | Kammermusik | von | FRIEDRICH KIEL. | […] | Op. 44.
Zweites Quartett für Clavier, Violine, Bratsche und Violoncell, (E dur.) | Herrn Robert von
Keudell zugeeignet, [Leerraum] 9 M.–. | […] | Verlag und Eigenthum | von | N. SIMROCK in
BERLIN. | No.89.“; Auflistung aller bei N. Simrock erschienenen Kammermusikwerke Kiels
(op. 12 bis op. 54)
• Provenienz / D-HEms Magazin, N 1044: AUS DER | HEDWIG MARX-KIRSCH-STIFTUNG
(violetter Stempel auf Innentitelblatt oben Mitte); aus der Hedwig Marx-Kirsch-Stiftung stammende oder finanzierte Notenausgabe, die wohl bis 1920 zur Musikbibliothek der 1920 verstorbenen
Pianistin Hedwig Marx-Kirsch gehörte und 1921 in den Bibliotheksbestand des neugegründeten
Musikwissenschaftlichen Seminars der Heidelberger Universität D-HEms überging (siehe op. 16)
9– Mk.
kein Dp
VN: 6933
A (No. 145.):
2 Ti
F: nur Si3
D-Mbs 2 Mus.pr. 5187; D-Mmb 9538.1788 [Ex. 1–2], D-WIm O 200 .K5 .Qu 44 a–d
Druck 1898–1901: 1894–1907 (Firmenadresse von Lengnick), 1870–1901 (Firmenname von
N. Simrock),
ab 1898 (1898 Erstveröffentlichung des Streichquartetts Es-Dur op. 10 von Ottokar Nováček
und des Klaviertrios F-Dur op. 8 von Hans Pfitzner / unter den im Katalogtitel genannten Werken mit bekanntem Publikationsjahr vermutlich diejenigen mit dem spätesten Druckjahr)
• Außentitel (hellgrau) auf Umschlagvorderblatt recto – mit Text: schwarz + rot – als Katalogtitel [roter Text nur beim letzten Wort „Kammermusik.“ der Überschrift, bei allen Komponistennamen und bei der Verlagsangabe („N. Simrock, Berlin.“)]: Text wie bei Innentitelblatt, doch
fehlt der Horizontalstrich über „C. G. Röder, Leipzig.“
• Innentitel (Text: schwarz + rot) als Katalogtitel: „Neuere Werke | für | Kammermusik. | Alexander Friedrich Landgraf von Hessen, op. 3. Trio für | […] | Kiel, Friedrich, op. 12. | […] |
– op. 44. Zweites Quartett (E dur) für Pianoforte, Violine, Bratsche und | Violoncell [Leerraum] 9– Mk. | […] | Verlag und Eigenthum für alle Länder | von | N. Simrock, Berlin. | London Depôt: Alfred Lengnick, 58, Berners Street, W. | [links:] No. 145. [rechts:] C. G. Röder,
Leipzig.“; Auflistung von Kammermusikwerken verschiedener Komponisten, darunter – neben
z. B. 35 Kompositionen von Johannes Brahms (op. 8 bis op. 120 sowie zwei Fassungen der
Ungarischen Tänze) und 22 von Anton Dvořák (op. 44 bis op. 106 sowie zwei Fassungen der
Slawischen Tänze op. 46 und op. 72) – alle bei N. Simrock erschienenen Kammermusikwerke
Kiels (op. 12 bis op. 54)
• Hellgrauer Umschlag nur bei D-Mbs 2 Mus.pr. 5187 vorhanden
• Provenienz / D-Mbs 2 Mus.pr. 5187: BIBLIOTHECA | REGIA | MONACENSIS. (Stempel z. B.
auf Innentitelblatt und S. 2);
D-Mmb 9538.1788 [Ex. 1]: Schenkung unter dem nicht weiter eruierbaren Namen Klein [Name
Klein auch bei Notenausgabe (1880–85) von op. 76] im Jahr 1927 an die Bibliothek D-Mmb;
D-Mmb 9538.1788 [Ex. 2]: Ankauf von dem früheren Münchner Musikantiquariat Walter Ricke
im Jahr 1964 durch die Bibliothek D-Mmb (freundliche Mitteilung des Musikbibliothekars Konrad Foerster vom 17.6.2008);
D-WIm O 200 .K5 .Qu 44 a–d: HEINRICH WOLFF | Musik- und Instrumenten- | Handlung |
in | WIESBADEN (Stempel auf Innentitelblatt)
343
9 M.
kein Dp
VN: 6933
A (No.89.): 2
Ti
F: Si3, R1
D-B DMS 50998
Druck 1901–05: 1901–29 (Firmenname und -sitz von N. Simrock), 1846–1905 (Firmenname
von Röder ohne GmbH in Fußzeile R1), 1894–1907 (Firmenadresse von Lengnick)
• Außentitel (ockerfarben) auf Umschlagvorderblatt recto und Innentitelblatt jeweils als Katalogtitel: identischer Text: „Werke | für Kammermusik | von | FRIEDRICH KIEL. | […] | Op. 44.
Zweites Quartett für Clavier, Violine, Bratsche und Violoncell, (E dur.) | Herrn Robert von
Keudell zugeeignet, [Leerraum] 9 M. | […] | Verlag und Eigenthum für alle Länder | von |
N. SIMROCK, G.m.b.H. in BERLIN. | Copyright for the British Empire by ALFRED LENGNICK, |
58, Berners Street, | LONDON, W. | No.89.“; Auflistung aller bei N. Simrock erschienenen Kammermusikwerke Kiels (op. 12 bis op. 54)
9 M.
kein Dp
VN: 6933
A (No.89): Ti
A (N°. 22470):
S. [36]
F: Si3, R1 [!:
nicht R3]
D-BLfk Bestand 116 C, Nr. 65 (als Depositum in D-Budka)
Druck 1908–10: 1908–10 (Firmenadresse von Lengnick), 1904–29 (Firmenname und -sitz von
N. Simrock / auf S. [36] Firmensitz Berlin- Leipzig), 1905–30 [laut veralteter Fußzeile R1:
1846–1905 (Firmenname von Röder ohne GmbH in Fußzeile R1) / laut aktueller, aber nicht verwendeter Fußzeile R3: 1905–30 (Firmenname von Röder mit GmbH)]
• Titel als Katalogtitel: Werke | für Kammermusik | von | FRIEDRICH KIEL. | […] | Op. 44.
Zweites Quartett für Clavier, Violine, Bratsche und Violoncell, (E dur.) | Herrn Robert von Keudell zugeeignet, [Leerraum] 9 M. | […] | Verlag und Eigenthum für alle Länder | von | N. SIMROCK, G.m.b.H. in BERLIN. | Copyright for the British Empire by ALFRED LENGNICK, |
57/58, Berners Street, | LONDON, W. | No.89; Auflistung aller bei N. Simrock erschienenen
Kammermusikwerke Kiels (op. 12 bis op. 54)
• Verlagsanzeige S. [36]: CONCERTSTUDIEN. | Zum Gebrauch beim Königl. Conservatorium
der Musik in Leipzig genau bezeichnet und herausgegeben von | Ferdinand David. | Neue Ausgabe mit Bezeichnung des begleitenden Orchesters und unterlegter Pianofortestimme. | Preis à
M 1.60 | Thematisches Inhaltsverzeichniss. | […] | Verlag von N. Simrock G.m.b.H. BerlinLeipzig. | [links: N°. 22470] (früher Bartholf Senff, Leipzig); thematisches Inhaltsverzeichnis von
zwölf Konzerten mit Notenincipits: Nr. 1–4 von J[ohannes (= Giovanni)] B[attista] Viotti, Nr. 5–8
von P[ierre] Rode, Nr. 9–12 von R[odolphe] Kreutzer; dieselbe Verlagsanzeige findet sich auch
auf S. [28] einer Ausgabe der Violinsonate op. 35:1 (dort mit R3-Fußzeile auf erster Notenseite) / D-BLfk Bestand 116 C, Nr. 67
• Provenienz / D-BLfk Bestand 116 C, Nr. 65: R Schaarf (Unterschrift in schwarzer Tinte auf
Titelblatt)
Neudruck
Titel: Edition Silvertrust | Piano Quartet | No. 2 in E Major | Op. 44 | Composed by | Friedrich | Kiel (Titelblatt
der Part.); Piano Quartet No. 2 in E Major, Op. 44 (Überschrift in St.); Titel laut freundlicher Mitteilung von
Edition Silvertrust
Ausgabe: Riv. 2008, Edition Silvertrust (VN: ES-2008-74); Vorwort – mit Fotografie und biografischen Informationen über den Komponisten Friedrich Kiel – vom „Editor in Chief“ Raymond Harvey Rawlins Silvertrust, ohne
Taktzählung; unveränderter Nachdruck einer Simrock-Ausgabe
b) Datierung
Entstehungszeit 1866
Das Kompositionsjahr 1866 gaben übereinstimmend drei Autoren an: in Prieger (1884, 273 bzw. 1906, 131), Reinecke (1936, 82) und Schmieder (1984, 232).
Der Musikwissenschaftler Erich Prieger, der ein Kompositionsschüler und persönlicher Freund Kiels gewesen war,
erwarb einen Großteil seines handschriftlichen Musiknachlasses.
Druckjahre / -monate
1. Druck: Jan. 1867 (Bln., Simrock’sche Musikhandlung / 3 Thlr., alte VN 275 = VN der Simrock’schen Musikhandlung)
SfMW (Jan. 1867a / Nr. 3, 56)
Druck Jan. 1867 (Verlagsanzeige: In meinem Verlage erschienen so
eben u. a. Klavierquartett a-Moll op. 43, demnächst erscheint Klavierquartett E-Dur op. 44)
344
Hofmeister (April 1867, 56), Echo (3.4.1867b,
112), NZfM (20.3.1868a, 105)
Bungert (2.4.1875, 138), Altmann (1901, 149),
Reinecke (1936, 82), Altmann (1937, 34)
Deutsch (1961, 26)
Druck vor April 1867 (3 Thlr., Verlagsanzeige in Echo 1867b, Druckrezension in NZfM 1868)
Druck 1867
Druck 1864–68 / alte VN 275
(ab 1864: Simrock’sche Musikhandlung)
(bis 1868: VN 323 / 1868 von Deutsch als erste alte VN, d. h.
erste VN der Simrock’schen Musikhandlung Berlin, aufgelistet)
Vergleiche:
D-MZschneider o. Sign. bzw. D-SAAm N 18114
Mit der neuen VN 6933 (aller Auflagen ab 1870 bei N. Simrock / Berlin) würde man den Erstdruck laut den Angaben in Deutsch (1961, 26) irrtümlich auf 1868 datieren (1868: VN 6514–6982).
Druck: 1870–73 (Bln., N. Simrock / 3 Thlr., neue VN 6933 = VN von N. Simrock)
Vergleiche:
D-B Mus. 3255
Zwei Drucke: 1874–1901 (Bln., N. Simrock / 9 M.–., neue VN)
Simrock (1897, 186)
Druck spät. 1897 (9,– M.): gilt für einen der zwei Druckauflagen
Vergleiche:
A-Wgm XI 36 683, D-HEms Magazin, N 1044
Druck: 1898–1901 (Bln., N. Simrock / 9 Mk., neue VN)
Vergleiche:
D-Mbs 2 Mus.pr. 5187
Das Berliner Antiquariat Leo Liepmannssohn bot 1898 eine aus Partitur und zwei Streicherstimmen bestehende Notenausgabe, die vermutlich zu dieser Druckauflage gehört, für 9,– Mark als Nr. 215 im Antiquariatskatalog-Liepmannssohn (136/1898, 13) an: 2tes Quartett (E-dur) für Pianoforte, Violine, Viola u. Violoncell. Op. 44. Berlin,
Simrock. fol. Klavierstimme (gleichzeitig Partitur) nebst Stimmen. (9 M.).
Druck: 1901–05 (Bln., N. Simrock G.m.b.H. / 9 M., neue VN)
Vergleiche:
D-B DMS 50998
Druck: 1908–10 (Bln., N. Simrock G.m.b.H. / 9 M., neue VN)
Vergleiche:
D-BLfk Bestand 116 C, Nr. 65
Neudruck: 2008 (Riv., Edition Silvertrust)
c) Konzerte, Rundfunkeinspielungen, CD-Aufnahmen, Spieldauer
Konzerte
Jan. 1867
10.2.1867
2.3.1867
23.1.1870
7.2.1870
5.3.1873
10.1.1878
Berlin (Wohnung von Friedrich Kiel: Anhaltische Communication 11), Hauskonzert von Kiel gegen
Ende Januar 1867 für eingeladene Zuhörer, Friedrich Kiel (Kl.) + Josef Joachim (V.) + Franz
Schulz (Va.) + Interpret unbekannt (Vc.); Aufführungsangaben laut LAmZ (1867, 90 f.) und dem
in Kapitel 4.4 vollständig zitierten Brief (18.1.1867) von Friedrich Kiel
Berlin (Wohnung von Friedrich Kiel: Anhaltische Communication 11), Hauskonzert / Matinee von
Kiel für eingeladene Zuhörer, Sonntagmorgen, Friedrich Kiel (Kl.) + Heinrich de Ahna (V.) +
Franz Schulz (Va.) + Adolf Rohne (Vc.)
Berlin (Wohnung von Professor Karl Graeb: Anhaltische Communication 11), Hauskonzert von
Kiel für eingeladene Zuhörer, Samstag 12 Uhr, Friedrich Kiel (Kl.) + Interpreten unbekannt (V.,
Va., Vc.); Aufführungsangaben laut dem Brief (27.2.1867) von Friedrich Kiel an Oskar Eichberg
Berlin (Wohnung von Professor Karl Graeb: Königgrätzerstraße 108), Hauskonzert von Kiel für
eingeladene Zuhörer, Sonntagmittag 12 Uhr, Friedrich Kiel (Kl.) + Mitglieder des Joachim-Quartetts [Josef Joachim (V.) + Ernst Schiever (Va.) + Wilhelm Müller (Vc.)]
Leipzig (Gewandhaus-Saal), Extrakonzert von Sigismund Blumner, Montagabend, Sigismund
Blumner (Kl.) + Ferdinand David (V.) + Friedrich Hermann (Va.) + Emil Hegar (Vc.)
Kopenhagen / Königreich Dänemark, Konzert des Kammermusikforeningen (= Kammermusikverein) Kopenhagen, Mittwochabend, Gustav Adolf Lembcke (Kl.) + Anton Svendsen (V.) + Frederik Hilmer (Va.) + Franz Neruda (Vc.)
Berlin, 3. Kammermusiksoiree von Barth / Ahna / Hausmann, Donnerstagabend, Barth-Klaviertrio I [Heinrich Barth (Kl.) + Heinrich de Ahna (V.) + Robert Hausmann (Vc.)] + Interpret unbekannt (Va.)
345
Sommer 1887 London / Königreich Großbritannien (Prince’s Hall), 2. Konzert der Kammermusikreihe von
Fanny Frickenhaus, Fanny Frickenhaus (Kl.) + Josef Ludwig (V.) + Interpret unbekannt (Va.) +
vmtl. William Edward Whitehouse (Vc.)
15.6.1890
Hermannstadt / Siebenbürgen, Konzert des Hermannstädter Musikvereins, Sonntag, Interpreten
unbekannt (Kl., V., Va., Vc.)
14.6.1980
8.10.1981
Bad Berleburg (Schloss Berleburg, Schlosshalle), Konzert zur ersten Jahresmitgliederversammlung
der Friedrich-Kiel-Gesellschaft e. V., Samstag 20 Uhr, Studenten der Hochschule für Musik Würzburg: Rudolf Ramming (Kl.) + Angela Mayer (V.) + Bernhard Mayer (Va.) + Gabriele Kreuser
(Vc.)
Bonn (Hauskonzert), Donnerstag, Klaus Altmann (Kl.) + Ulrike Küssner (V.) + Michael Küssner
(Va.) + Lothar Kern (Vc.)
Es sind keine Rundfunkeinspielungen bekannt.
CD-Aufnahme
Titel: Friedrich Kiel | Complete Piano Quartets [op. 43, 44, 50]; Georgsmarienhütte ©/℗ 2007, CPO-Musikproduktions GmbH (CPO = Classic Production Osnabrück) / eine Koproduktion von SWR und CPO (Bestellnummer: cpo 777 076-2, DDD-Aufnahme), Text des Booklets von Hartmut Wecker
Aufnahme: 2. – 5.7.2005 Karlsruhe (SWR-Studio), Oliver Triendl (Kl.) + Ulrike-Anima Mathé (V.) + Hariolf
Schlichtig (Va.) + Xenia Jankovic (Vc.)
(Sendung: vollständiges Werk am 9.10.2007 SWR 2 + 2.12.2007 RBB Kulturradio + 25.6.2008 HR; 3. Satz am
15.11.2011 Radio Klara / Brüssel, Werkausschnitt am 30.10.2013 DLF / Sendung Radionacht)
Spieldauer
25' 19'' (2005 CD-Aufnahme)
10' 48'' (I)
4' 37'' (II)
2' 38'' (III) 7' 16'' (IV) [inklusive Pausen]
Metronomangaben, anhand deren die Spieldauer berechnet werden kann, sind in den historischen Notenausgaben
nicht angegeben.
346
A11. Op. 50 (Klavierquartett Nr. 3 G-Dur)
a) Manuskripte / Drucke
Keine Manuskripte
Alte Drucke
Widmung: Gustav von Loeper
Material: Part. 41 S. und 3 St. (V., Va., Vc.) à 8 S., 4°
Fußzeilen (S. 3): Si2 / Si4 (links), R1 (rechts)
3 Thlr. 15 Sgr.
Dp
VN: 317
A (oN): S. [44]
F: Si2, R1
D-B Mus. 3256; D-BLfk Bestand 116 C, Nr. 80 (als Depositum in D-Budka)
Druck 1868 (1. Druck 1868): früh. 1868 (Erstdruck 1868), 1864–70 (Firmenname von Simrock’scher Musikhandlung),
1868 (Von den in der Verlagsanzeige auf Seite [44] aufgelisteten Werken Kiels erschienen als
letzte im September 1868 op. 50–52 und 1868 die zweihändige Bearbeitung der Drei MilitairMärsche op. 39 im Erstdruck, während das Klaviertrio op. 34 und die zwei Streichquartette
op. 53:1–2, die erst 1869 im Erstdruck erstveröffentlicht wurden, noch fehlen.)
• Außentitel (rotbraun) auf Umschlagvorderblatt recto und Innentitel: identischer Text Herrn
GUSTAV von LOEPER | zugeeignet. | DRITTES QUARTETT | (G dur) | für Pianoforte | Violine
Viola und Violoncell | von | FRIEDRICH KIEL. | [links:] Op. 50. [rechts:] Pr.[eis] 3 Thlr.
15 Sgr. | Ent.d Stat. Hall. | Eingetragen in’s Vereins-Archiv. | Verlag u. Eigenthum | der | SIMROCK’schen MUSIKHANDLUNG, | BERLIN, Jägerstrasse 18. | Lith. Anst. v. C. G. Röder,
Leipzig.
• Verlagsanzeige S. [44] (rotbraun): [oben:] Compositionen von Friedrich Kiel | im Verlage |
der Simrock’schen Musikhandlung in Berlin | Jägerstrasse 18. | [linke Spalte:] a) Kammermusik. | […] | Op. 50. Drittes Quartett für Pianoforte, Violine, [Leerraum] 3 Thlr. 15 Sgr. | Viola
und Violoncell | […] | [rechte Spalte:] c) für Piano zu 2 Händen. | […] | [unten:] b) für Piano
zu 4 Händen. | […]; Auflistung aller bis zur Drucklegung der vorliegenden Erstausgabe bei
der Simrock’schen Musikhandlung erschienenen Klavier- und Kammermusikwerke Kiels: Kammermusik (op. 12, 22, 35:1–2, 43, 44, 50–52), Klaviermusik zweihändig (op. 26, 36, 38, 41, 45
sowie 2hd. Bearb. von op. 39) und Klaviermusik vierhändig (op. 23, 42, 47, 48 sowie 4hd.
Bearb. von op. 39 und op. 43)
• Rotbrauner Umschlag nur bei D-B Mus. 3256 vorhanden
• Provenienz / D-B Mus. 3256: Ex | Biblioth.[eca] Regia | Berolinensi. (Stempel auf S. 2);
D-BLfk Bestand 116 C, Nr. 80: Marg. Wiehgraf. (Unterschrift auf Vorsatzblatt recto eines nachträglich angefertigten Sammelbandes mit schwarzem Einband, der Kiels Klavierquartette
op. 43 und op. 50 enthält)
10 M. 50.
Dp
VN: 6976
A (oN): 2 Ti
A: ? (S. [44])
F: Si4, R1
D-Dl 2.Mus.4.9858; A-Wgm XI 45 351, D-BLfk Bestand 116 C, Nr. 80 (als Depositum in
D-Budka), D-SAAm N 18113
Druck 1874–1901: ab 1874 (Währung Mark), 1870–1901 (Firmenname von N. Simrock)
• Außentitel (grünblau meliert) auf Umschlagvorderblatt recto und Innentitel jeweils als Katalogtitel: identischer Text „Werke | für | Kammermusik | von FRIEDRICH KIEL. | […] | Op. 50.
Drittes Quartett für Clavier, Violine, Bratsche und Violoncell, (G dur.) | Herrn Gustav von Loeper zugeeignet, [Leerraum] 10 M. 50. | […] | Ent.d Stat. Hall. | Verlag und Eigenthum | von |
N. SIMROCK in BERLIN. | Lith. Anst. v. C. G. Röder, Leipzig.“; Auflistung aller bei N. Simrock erschienenen Kammermusikwerke Kiels (op. 12, 22, 34, 35:1–2, 43, 44, 50–54)
• Vorderblatt des grüngrau melierten Umschlags, d. h. das Außentitelblatt, nur bei D-Dl 2.Mus.4.9858
vorhanden; ggf. eine Verlagsanzeige auf S. [44] des Umschlagrückblatts (grüngrau meliert), das
in allen genannten Notenexemplaren fehlt
• Provenienz / D-Dl 2.Mus.4.9858: Sigismund Blumner (Unterschrift in schwarzer Tinte auf Innentitelblatt / der Pianist S. Blumner spielte z. B. die Klavierquartette op. 43 und op. 44 in Konzerten – ob auch das Klavierquartett op. 50, ist nicht bekannt –), TONKÜNSTLER-VEREIN | ZU |
DRESDEN (Stempel auf Außentitelblatt);
A-Wgm XI 45 351: aus Brahms-Nachlass;
347
D-BLfk Bestand 116 C, Nr. 80: W. SULZBACH | Musikalien-Handlung & Leihanstalt | BERLIN,
W.[est] | 15 Tauben-Strasse 15 | zwischen Friedrich- u. Charlottenstr. (Stempel auf Titelblatt / Innentitelblatt), 26.02.[19]94 | [Musikantiquariat] H.[ans] Schneider, Tutzing (Vermerk in Bleistift auf S. [42] / Erwerbung am 26.2.1994 durch Friedrich-Kiel-Gesellschaft e. V.);
D-SAAm N 18113: GRANDUNER | 18, Rue Raynouard (Stempel auf Titelblatt / Innentitelblatt)
10.50 (M.)
kein Dp
VN: 6976
A (No. 145.):
Ti
F: Si4
D-BLfk Bestand 116 C, Nr. 80 (als Depositum in D-Budka)
Druck 1896–97: ab 1874 (Währung Mark), 1870–1901 (Firmenname von N. Simrock),
1896 (1896 Erstveröffentlichung der Streichquartette As-Dur op. 105 und G-Dur op. 106 von
Anton Dvořák sowie die Partitur des zweiten Streichquartetts d-Moll von Friedrich Smetana /
unter den im Katalogtitel genannten Werken mit bekanntem Publikationsjahr vermutlich diejenigen mit dem spätesten Druckjahr),
bis 1897 (Das 1897 erstveröffentlichte Klavierquintett h-Moll op. 63 von Friedrich Gernsheim,
das in ähnlichen Katalogtiteln genannt wird, fehlt in diesem Katalogtitel noch. Ebenfalls fehlen
zwei 1898 erstveröffentlichte Werke, das Streichquartett op. 10 von Ottokar Nováček und das Klaviertrio F-Dur op. 8 von Hans Pfitzner, sowie das 1903 erstveröffentlichte Streichquintett F-Dur
op. 77 von Felix Draeseke, welche ebenfalls in ähnlichen Katalogtiteln genannt werden.)
• Titel (Text: schwarz + rot) als Katalogtitel [roter Text nur beim letzten Wort „Kammermusik.“
der Überschrift, bei allen Komponistennamen und bei der Verlagsangabe („N. Simrock, Berlin.“)]:
„Neuere Werke | für | Kammermusik. | Alexander Friedrich Landgraf von Hessen, op. 3. Trio
für | […] | Kiel, Friedrich, op. 12. […] | – op. 50. Drittes Quartett (G dur) für Pianoforte, Violine, Bratsche und | Violoncell [Leerraum] 10.50 | […] | Verlag und Eigenthum für alle Länder | [nachträglich eingefügter blauer Stempel: Aufführungsrecht vorbehalten] von | N. Simrock, Berlin. | [links:] No. 145. [rechts:] C. G. Röder, Leipzig.“; Auflistung von Kammermusikwerken verschiedener Komponisten, darunter – neben z. B. 34 Kompositionen von Johannes Brahms
(op. 8 bis op. 120 sowie zwei Fassungen der Ungarischen Tänze, noch ohne Idem-Ausgabe von
op. 78), 22 von Anton Dvořák (op. 44 bis op. 106 sowie zwei Fassungen der Slawischen Tänze
op. 46 und op. 72) – alle bei N. Simrock erschienenen Kammermusikwerke Kiels (op. 12 bis op. 54)
10 M. 50.
kein Dp
VN: 6976
A (No.89.): 2 Ti
F: Si4
D-B DMS 51003; D-Mbs 4 Mus.pr. 51420
Druck 1901–07: 1901–29 (Firmenname und -sitz von N. Simrock), 1894–1907 (Firmenadresse
von Lengnick)
• Außentitel (ockergrau meliert) auf Umschlagvorderblatt recto und Innentitel jeweils als Katalogtitel: identischer Text „Werke | für | Kammermusik | von FRIEDRICH KIEL. | […] | Op. 50.
Drittes Quartett für Clavier, Violine, Bratsche und Violoncell, (G dur.) | Herrn Gustav von
Loeper zugeeignet, [Leerraum] 10 M. 50. | […] | Verlag und Eigenthum für alle Länder | von |
N. SIMROCK, G.m.b.H. in BERLIN. | For the British Empire by ALFRED LENGNICK, | 58,
Berners Street, | London, W. | No.89.“; Auflistung aller bei N. Simrock erschienenen Kammermusikwerke Kiels (op. 12 bis op. 54)
• Ockergrau melierter Umschlag nur bei D-B DMS 51003 vorhanden
• Provenienz / D-B DMS 51003: Geschenk des Verlags an die Deutsche Musiksammlung |
BERLIN | bei d. Kgl. Bibliothek (2 Stempel auf Innentitelblatt)
Neudruck
Titel: Edition Silvertrust | Piano Quartet | in G Major | Op. 50 | Composed by | Friedrich | Kiel (Titelblatt der Part.);
Piano Quartet No. 3 in G Major, Op. 50 (Überschrift in St.); Titel laut freundlicher Mitteilung von Edition Silvertrust
Ausgabe: Riv. 2008, Edition Silvertrust (VN: ES-2008-100); Vorwort – mit Fotografie und biografischen Informationen über den Komponisten Friedrich Kiel – vom „Editor in Chief“ Raymond Harvey Rawlins Silvertrust, ohne
Taktzählung; unveränderter Nachdruck einer Simrock-Ausgabe
b) Datierung
Entstehungszeit 1867 oder 1868
Das Kompositionsjahr 1867 geben die meisten, nämlich drei Autoren an: in dem handschriftlichen Lebensabriss
(c1881*, 4) bzw. dem publizierten Zeitungsartikel AllgemeineZ (1885, 4369), deren fast identischer Text auf
einem 1881 mit Kiel geführten Interview desselben unbekannten Verfassers beruht, in Reinecke (1937, 82) und
Schmieder (1984, 232). Nur der Musikwissenschaftler Erich Prieger legte die Entstehungszeit auf das Jahr 1868
348
(Prieger 1884, 273 bzw. 1906, 131); Prieger war ein Kompositionsschüler und persönlicher Freund Kiels und erwarb einen Großteil seines handschriftlichen Musiknachlasses.
Druckjahre / -monate
1. Druck: Ende Sept. 1868 (Bln., Simrock’sche Musikhandlung / 3 Thlr. 15 Sgr. = 3 ½ Thlr, alte VN 317 =
VN der Simrock’schen Musikhandlung)
SfMW (17.9.1868b, 815), Echo (23.9.1868d, Druck Ende Sept. 1868 = vor Erscheinungsdatum 1. Okt. 1868 und
313)
nach 23. Sept. 1868 [Verlagsanzeigen: Op. 50–52 erscheinen laut
SfMW (17.9.1868b) am 1. October bzw. laut Echo (23.9.1868d)
demnächst.]
NZfM (9.10.1868c, 363)
Druck innerhalb des Zeitraums 18. Sept. – 8. Okt. 1868 (Op. 50–52
sind soeben erschienen / Zeitungsrubrik Literarische und musikalische Novitäten); siehe vorherige Novitäten-Rubrik in NZfM Nr. 39
(18.9.1868)
Engel (18.11.1868, 6)
Druck vor 18. Nov. 1868 (Verlagsanzeige: Op. 50–52 sind jüngst
im Simrock’schen Verlage erschienen.)
Hofmeister (Dez. 1868, 203)
Druck vor Dez. 1868 (3 Thlr. 15 Ngr.)
Bungert (2.4.1875, 138), Altmann (1901, 149), Druck 1868
Reinecke (1936, 82), Altmann (1937, 34)
Deutsch (1961, 26)
Druck 1868 / alte VN 317 und neue VN 6976
(1868: alte VN 323 der Simrock’schen Musikhandlung)
(1868: neue VN 6514–6982 des späteren, seit 1870 als N. Simrock
in Berlin firmierenden Verlags; neue VN in der VN-Liste von
N. Simrock in Bonn ist – aufgrund der Zusammenlegung der VNListen des Bonner und des Berliner Verlags im Zeitraum 1867–70 –
auch für den zusammengeführten, ab 1870 existierenden Verlag
N. Simrock in Berlin gültig)
Vergleiche:
D-B Mus. 3256
Americo Barberi gab (in Barberi 14.7.1869, 222) für das Klavierquartett G-Dur op. 50 die korrekte Preisangabe
3 ½ Thlr. op. 50, jedoch eine unzutreffende Datierung des Erstdrucks (zwischen März und Juni 1869) an. Die darin
vorgenommene Datierung des Erstdrucks auf 1869 trifft für das ebenfalls aufgelistete Klaviertrio G-Dur op. 34, aber
nicht für die Werke op. 50–52 zu.
Zwei Drucke: 1874–1901, 1896–97 (Bln., N. Simrock / 10 M. 50. bzw. 10.50 M., neue VN 6976 = VN von
N. Simrock)
Simrock-Katalog (1897, 186)
Druck spät. 1897 (10,50 M.): gilt für einen der beiden Druckauflagen
Vergleiche:
1874–1901: D-Dl 2.Mus.4.9858,
1896–97:
D-BLfk Bestand 116 C, Nr. 80
Das Berliner Antiquariat Leo Liepmannssohn bot 1898 eine aus Partitur und Stimmen bestehende Notenausgabe,
die vermutlich zu einer der beiden Druckauflagen gehört, für 10,50 Mark als Nr. 216 im Antiquariatskatalog-Liepmannssohn (136/1898, 13) an: Drittes Quartett (G-dur) für Clavier, Violine, Bratsche und Violoncell, op.°50. Berlin, Simrock. folio, Ppbd. [= Pappband] Partitur (gleichzeitig als Klavierstimme) und Stimmen. (10 M. 50 Pf.).
Druck: 1901–07 (Bln., N. Simrock G.m.b.H. / 10 M. 50., neue VN)
Vergleiche:
D-B DMS 51003
Neudruck: 2008 (Riv., Edition Silvertrust)
c) Konzerte, Rundfunkeinspielungen, CD-Aufnahmen, Spieldauer
Konzerte
11.11.1868
Leipzig (Restauration des neuen Theaters), wöchentliche Versammlung des im Sommer 1868 gegründeten Tonkünstlervereins Leipzig, Mittwochabend, Karl Reinecke (Kl.) + Interpreten unbekannt (V., Va., Vc.).
Bei dem Leipziger Konzert am 11. November 1868 lernten wir ein [Klavier]Quartett […] von
Fr. Kiel kennen (NZfM 1868, 420), bei dem es sich um sein Klavierquartett Nr. 2 op. 44 oder
349
Nr. 3 op. 50 handeln kann; sein Klavierquartett Nr. 1 op. 43 kommt nicht infrage, da es schon
mehrmals in Leipzig (u. a. 7.6.1867, 42.1.1868) aufgeführt worden war. Kiels Klavierquartett
Nr. 3 G-Dur op. 50 erscheint am wahrscheinlichsten, da in den bislang belegten Konzerten verschiedener Tonkünstlervereine nur seine Klavierquartette Nr. 1–2 op. 43–44, jedoch nicht sein
Klavierquartett Nr. 3 op. 50 zur Aufführung kamen.
6.12.1868
Berlin (Wohnung von Friedrich Kiel: Königgrätzerstraße 108), Hauskonzert von Kiel für eingeladene Zuhörer / 1. Matinee Kiels in Wintersaison 1868/69, Sonntagmittag, Friedrich Kiel (Kl.) +
Interpreten unbekannt (V., Va., Vc.); Aufführungsangaben laut Echo (1868f, 404)
18.11.1869
Berlin / TV Berlin (Vereinssaal des TV Berlin im Hôtel Belle-Alliance, Zimmermannstr. 20),
1. öffentliche Soiree im Vereinsjahr 1869/70, Donnerstag 19:30 Uhr, Oskar Eichberg (Kl.) +
Fabian Rehfeld (V.) + Franz Schulz (Va.) + Adolf Rohne (Vc.)
1.12.1873
Berlin (Saal der Singakademie), 2. Novitäten-Konzert des Ständigen Ausschusses des Deutschen
Musikertages, Montagabend, Oskar Eichberg (Kl.) + Fabian Rehfeld (V.) + Leonhard Wolff (Va.) +
Adolf Rohne (Vc.)
1.1. – 26.2.1874 Meiningen / TV Meiningen „Künstlerklause“, Interpreten unbekannt (Kl., V., Va., Vc.); Aufführungsangaben laut MWO 5. Jg., Nr. 9 (27.2.1874, 111)
1.10.1875
Kronstadt / Siebenbürgen (Hugo Krummel’s Musikschule), 1. Kammermusiksoiree von Hugo
Krummel, Freitagabend, Hugo Krummel (Kl.) + Herr Jahn (V.) + Herr Tresholary (Va.) + Nikolaus Karl Zupancic (Vc.)
8.12.1876
Kronstadt / Siebenbürgen (Hugo Krummel’s Musikschule), 1. Kammermusikabend von Hugo
Krummel, Freitagabend, Hugo Krummel (Kl.) + Herr Till (V.) + Herr Tresholary (Va.) + Herr Bock
(Vc.)
14.1.1881
Berlin (Saal der Singakademie), 2. Konzert des 2. Zyklus der Montagskonzerte, Freitagabend, Franz
Mannstädt (Kl.) + Wilhelm Hellmich (V.) + Interpret unbekannt (Va.) + Friedrich Maneke (Vc.)
28.5.1999
Bad Laasphe an der Lahn (Großer Saal des „Haus des Gastes“), Jubiläumskonzert zum 20-jährigen
Bestehen der Friedrich-Kiel-Gesellschaft e. V., Freitag 20 Uhr, Anton Werner (Kl.) + Sohei Takahata (V.) + Angelika Werner (Va.) + Michael Kolfhaus (Vc.)
Es sind keine Rundfunkeinspielungen bekannt.
CD-Aufnahme
Titel: Friedrich Kiel | Complete Piano Quartets [op. 43, 44, 50]; Georgsmarienhütte ©/℗ 2007, CPO-Musikproduktions GmbH (CPO = Classic Production Osnabrück) / eine Koproduktion von SWR und CPO (Bestellnummer: cpo 777 076-2, DDD-Aufnahme), Text des Booklets von Hartmut Wecker
Aufnahme: 2. – 5.7.2005 Karlsruhe (SWR-Studio), Oliver Triendl (Kl.) + Ulrike-Anima Mathé (V.) + Hariolf Schlichtig (Va.) + Xenia Jankovic (Vc.)
(Sendungen: vollständiges Werk am 29.1.2008 SWR 2; Werkausschnitt – Beginn des 1. Satzes – am 12.4.2008
SWR 2; 3. Satz am 23.11.2011 Radio Brüssel; Werkausschnitt am 23.2.2012 WDR 3, 24.5.2012 BR Klassik und
30.1.2013 WDR 3 / ADR-Nachtkonzert)
Spieldauer
19' 09'' (2005 CD-Aufnahme)
20' 25'' (nach Metronomangaben)
7' 28'' (I)
8' 55'' = 1' 33'' + 7' 22'' (I)
350
5' 22'' (II)
5' 42'' (II)
6' 19'' (III) [inklusive Pausen]
5' 38'' (III)
A12. Op. 51 (Violinsonate e-Moll)
a) Manuskripte / Drucke
Keine Manuskripte
Alte Drucke
Widmung: keine
Material: Part. 45 S. und VSt. 11 S., 4°
Fußzeilen (S. 2): Si2 / Si3 (links), R1 (rechts)
Sonstiges: Bei der ersten Auflage (z. B. D-KNmi 5,168) stehen auf dem Titelblatt versehentlich die alten Verlagsnummern von zwei anderen, ebenfalls von der Simrock’schen Musikhandlung publizierten Violinsonaten Kiels:
op. 35:1–2 (VN: 218. 219). Vermutlich verwechselte der Lithograf des Titelblatts die alte Verlagsnummer von
op. 51 (VN 318) mit der von op. 35:1 (VN 218), die sich nur in der ersten Ziffer unterscheiden und / oder das jeweilige Titelblatt der Violinsonaten op. 35:1–2 könnte als Vorlage für das Titelblatt von op. 51 gedient haben.
2 Thlr. 15 Sgr.
Dp
VN: 318
A: ? (S. [48])
F: Si2, R1
D-KNmi 5,168 – auch als Kopie in D-BLfk Bestand 116 C, Nr. 78 (als Depositum in
D-Budka); D-F Mus.pr. Q 59/16
Druck 1868–70 (1. Druck 1868): früh. 1868 (Erstdruck 1868), 1864–70 (Firmenname von
Simrock’scher Musikhandlung)
• Außentitel (hellblau) auf Umschlagvorderblatt recto und Innentitel: identischer Text VIERTE
SONATE | (E moll) | für | Pianoforte und Violine | componirt | von | Friedrich Kiel. | Op. 51.
[Leerraum] Preis 2 Thlr. 15 Sgr. | Eingetragen in’s Vereins-Archiv. | Ent.d Stat. Hall. | Verlag und
Eigenthum | der | SIMROCK’schen Musikhandlung in BERLIN. | Jägerstrasse 18. | 218. 219.
[recte: 318] | Lith. Anst. v. C. G. Röder, Leipzig.
• Vorderblatt des hellblauen Umschlags, d. h. das Außentitelblatt, nur bei D-KNmi 5,168 vorhanden; vermutlich auf S. [48] des Umschlagrückblatts (hellblau), das in allen genannten Notenexemplaren fehlt, die Verlagsanzeige „Compositionen von Friedrich Kiel | im Verlage | der Simrock’schen Musikhandlung in Berlin | Jägerstrasse 18.“
• Provenienz / D-F Mus.pr. Q 59/16: JOHANN ANDRÉ | Musik-Sortiment | Offenbach a/Main.
(Stempel auf Titelblatt / Innentitelblatt)
8 M.–.
Dp
VN: 6977
A (oN): 2 Ti
[S. 46 leer]
A: ? (S. [48])
F: Si3, R1
Noch ohne
Verlagsanzeige
auf S. [46]
D-B Mus. 3270
Druck 1874–1901: ab 1874 (Währung Mark), 1870–1901 (Firmenname von N. Simrock)
• Außentitel (hellockerfarben) auf Umschlagvorderblatt recto und Innentitel jeweils als Katalogtitel: identischer Text „Werke | für | Kammermusik | von | FRIEDRICH KIEL. | […] | Op. 51.
Sonate für Pianoforte und Violine, (E moll.) [Leerraum] 8 M.–. | […] | Ent.d Stat. Hall. | Verlag und Eigenthum | von | N. SIMROCK in BERLIN. | Lith. Anst. v. C. G. Röder, Leipzig.“; Auflistung aller bei N. Simrock erschienenen Kammermusikwerke Kiels (op. 12, 22, 34, 35:1–2, 43,
44, 50–54)
• Vorderblatt des hellockerfarbenen Umschlags, d. h. das Außentitelblatt, nur bei D-B Mus. 3270
vorhanden; ggf. eine Verlagsanzeige auf S. [48] des Umschlagrückblatts (hellockerfarben), das in
allen genannten Notenexemplaren fehlt
• Provenienz / D-B Mus. 3270: Ex | Biblioth.[eca] Regia | Berolinensi. (Stempel auf S. 2)
8 M.–.
Dp
VN: 6977
A (oN): Ti
A (8358.):
S. [46]
F: Si3, R1
PL-Wn Mus. III 88.673
Druck 1883–1901: ab 1874 (Währung Mark), 1870–1901 (Firmenname von N. Simrock),
ab 1883 (1883 Erstveröffentlichung des Streichquintetts F-Dur op. 88 von Johannes Brahms, des
Klaviertrios f-Moll op. 65 von Anton Dvořák sowie der Sérénade andalouse für Violine und Klavier op. 28 von Pablo de Sarasate / unter den in der Verlagsanzeige S. [46] genannten Werken
mit bekanntem Publikationsjahr vermutlich diejenigen mit dem spätesten Druckjahr)
• Titel als Katalogtitel: Text wie bei Titelblättern von D-B Mus. 3270
• Verlagsanzeige S. [46]: „WERKE für KAMMERMUSIK | im Verlage von N. SIMROCK in
BERLIN. | Brahms, Johannes, Op. 18. Erstes Sextett | […] 7 M. 50 Pf. | […] | Kiel, Friedrich |
[…] | – Op. 51. Sonate (E moll) für Pianoforte und Violine 8 M. | […] | 8358.“; Auflistung von
Kammermusikwerken verschiedener Komponisten, darunter – neben z. B. 14 Kompositionen
von Johannes Brahms (op. 18 bis op. 88), 7 von Anton Dvořák (op. 44 bis op. 65) – alle bei
N. Simrock erschienenen Kammermusikwerke Kiels (op. 12 bis op. 54)
351
• Provenienz / PL-Wn Mus. III 88.673: Albert Odermann. | 1184 (Namensaufkleber auf Titelblatt), 1945 D. 697 (Vermerk auf Titelblatt)
8 M.–.
kein Dp
VN: 6977
A (No.89.): Ti
F: nur Si3
D-BLfk Bestand 116 C, Nr. 78 (als Depositum in D-Budka)
Druck 1884–1901: ab 1874 (Währung Mark), ab 1884 (Flachdruck / später als der auf 1883–1901
datierte Plattendruck von PL-Wn), 1870–1901 (Firmenname von N. Simrock)
• Titel als Katalogtitel: „Werke | für | Kammermusik | von | FRIEDRICH KIEL. | […] | Op. 51.
Sonate für Pianoforte und Violine, (E moll.) [Leerraum] 8 M.–. | […] | Verlag und Eigenthum |
von | N. SIMROCK in BERLIN. | No.89.“; Auflistung aller bei N. Simrock erschienenen Kammermusikwerke Kiels (op. 12 bis op. 54)
• Provenienz / D-BLfk Bestand 116 C, Nr. 78: SCHIRMER & Co., | 167 A 168, REGENT ST.,
LONDON W (Stempel auf Titelblatt / vermutlich Musikhandlung oder -antiquariat), 13.07.[20]00 |
[Musikantiquariat] Paul van Kuik, NL-Voorschoten (Datumsstempel mit Namensvermerk in Bleistift auf S. [46] / Erwerbung am 13.7.2000 durch Friedrich-Kiel-Gesellschaft e. V.)
8– Mk.
kein Dp
VN: 6977
A (oN): Ti
F: Si3, R1
D-Mmb 9530.4979
Druck 1898–1901: 1894–1907 (Firmenadresse von Lengnick), 1870–1901 (Firmenname von
N. Simrock),
ab 1898 (1898 Erstveröffentlichung des Streichquartetts Es-Dur op. 10 von Ottokar Nováček
und des Klaviertrios F-Dur op. 8 von Hans Pfitzner / unter den im Katalogtitel genannten Werken
mit bekanntem Publikationsjahr vermutlich diejenigen mit dem spätesten Druckjahr)
• Titel (Text: schwarz + rot) als Katalogtitel [roter Text nur beim letzten Wort „Kammermusik.“
der Überschrift, bei allen Komponistennamen und bei der Verlagsangabe („N. Simrock, Berlin.“)]:
„Neuere Werke | für | Kammermusik. | Alexander Friedrich Landgraf von Hessen, op. 3. Trio
für | […] | Kiel, Friedrich, op. 12. […] | op. 51. Sonate (E moll) für Pianoforte und Violine
[Leerraum] 8– Mk. | […] | Verlag und Eigenthum für alle Länder | von | N. Simrock, Berlin. |
London Depôt: Alfred Lengnick, 58, Berners Street, W.“; Auflistung von Kammermusikwerken
verschiedener Komponisten, darunter – neben z. B. 35 Kompositionen von Johannes Brahms
(op. 8 bis op. 120 sowie zwei Fassungen der Ungarischen Tänze), 22 von Anton Dvořák (op. 44
bis op. 106 sowie zwei Fassungen der Slawischen Tänze op. 46 und op. 72) – alle bei N. Simrock erschienenen Kammermusikwerke Kiels (op. 12 bis op. 54)
• Provenienz / D-Mmb 9530.4979: Schenkung unter dem nicht weiter identifizierbaren Namen
„Klein“ im Jahr 1927 an die Bibliothek D-Mmb (freundliche Mitteilung des Musikbibliothekars
Konrad Foerster vom 17.6.2008)
8 M.–.
kein Dp
VN: 6977
A (No.89.): 2 Ti
F: Si3, R1
D-B DMS 51004; D-LEm 4:1619, D-MZschneider o. Sign.
Druck 1901–05: 1901–29 (Firmenname und -sitz von N. Simrock), 1846–1905 (Firmenname von
Röder ohne GmbH in Fußzeile R1), 1894–1907 (Firmenadresse von Lengnick)
• Außentitel (ockerfarben meliert) auf Umschlagvorderblatt recto und Innentitel jeweils als Katalogtitel: identischer Text „Werke | für | Kammermusik | von | FRIEDRICH KIEL. | […] | Op. 51.
Sonate für Pianoforte und Violine, (E moll.) [Leerraum] 8 M.–. | […] | Verlag und Eigenthum
für alle Länder | von | N. SIMROCK, G.m.b.H. in BERLIN. | Copyright for the British Empire by
ALFRED LENGNICK, | 58, Berners Street, | LONDON, W. | No.89.“; Auflistung aller bei N. Simrock erschienenen Kammermusikwerke Kiels (op. 12 bis op. 54)
• Ockerfarbener Umschlag nur bei D-B DMS 51004 vorhanden
• Provenienz / D-B DMS 51004: Geschenk des Verlags an die Deutsche Musiksammlung | BERLIN | bei d. Kgl. Bibliothek (2 Stempel auf Innentitelblatt)
b) Datierung
Entstehungszeit 1868
Das Kompositionsjahr 1868 gaben einhellig drei Autoren an: in dem handschriftlichen Lebensabriss (c1881*, 4)
bzw. dem publizierten Zeitungsartikel AllgemeineZ (1885, 4369), deren fast identischer Text auf einem 1881 mit
Kiel geführten Interview desselben unbekannten Verfassers beruht, in Prieger (1884, 273 bzw. 1906, 131) und Reinecke (1936, 82).
Der Musikwissenschaftler Erich Prieger, der ein Kompositionsschüler und persönlicher Freund Kiels gewesen war,
erwarb einen Großteil seines handschriftlichen Musiknachlasses.
352
Druckjahre / -monate
1. Druck: Ende Sept. 1868 (Bln., Simrock’sche Musikhandlung / 2 Thlr. 15 Sgr., alte VN 318 = VN der
Simrock’schen Musikhandlung)
SfMW (17.9.1868b, 815), Echo (23.9.1868d, Druck Ende Sept. 1868 = vor Erscheinungsdatum 1. Okt. 1868 und
313)
nach 23. Sept. 1868 [Verlagsanzeigen: Op. 50–52 erscheinen laut
SfMW (17.9.1868b) am 1. October bzw. laut Echo (23.9.1868d)
demnächst.]
NZfM (9.10.1868c, 363)
Druck innerhalb des Zeitraums 18. Sept. – 8. Okt. 1868 (Op. 50–52
sind soeben erschienen / Zeitungsrubrik Literarische und musikalische Novitäten); siehe vorherige Novitäten-Rubrik in NZfM
Nr. 39 (18.9.1868)
Engel (18.11.1868, 6)
Druck vor 18. Nov. 1868 (Verlagsanzeige: Op. 50–52 sind jüngst
im Simrock’schen Verlage erschienen.)
Hofmeister (Dez. 1868, 203)
Druck vor Dez. 1868 (2 Thlr. 15 Ngr.)
Reinecke (1936, 82), Newman (1969, 403)
Druck 1868
Deutsch (1961, 26)
Druck 1868 / alte VN 318 und neue VN 6977
(1868: alte VN 323 der Simrock’schen Musikhandlung)
(1868: neue VN 6514–6982 des späteren, seit 1870 als N. Simrock
in Berlin firmierenden Verlags; neue VN in der VN-Liste von
N. Simrock in Bonn ist – aufgrund der Zusammenlegung der VNListen des Bonner und des Berliner Verlags im Zeitraum 1867–70 –
auch für den zusammengeführten, ab 1870 existierenden Verlag
N. Simrock in Berlin gültig)
Vergleiche:
D-KNmi 5,168
Die Autoren Americo Barberi, der Kielschüler August Bungert und der Berliner Bibliothekar Wilhelm Altman (in
Barberi 14.7.1869, 222, Bungert 2.4.1875, 138 und Altmann 1901, 149) datieren den Erstdruck irrtümlich auf das
Jahr 1869.
Drei Drucke: 1874–1901, 1883–1901, 1884–1901 (Bln., N. Simrock / 8 M.–., neue VN 6977 = VN von
N. Simrock)
Simrock-Katalog (1897, 186)
Druck spät. 1897 (8– M.): gilt für einen der drei Druckauflagen
Vergleiche:
1874–1901: D-B Mus. 3270,
1883–1901: PL-Wn Mus. III 88.673,
1884–1901: D-BLfk Bestand 116 C, Nr. 78
Druck: 1898–1901 (Bln., N. Simrock / 8– Mk., neue VN)
Vergleiche:
D-Mmb 9530.4979
Druck: 1901–05 (Bln., N. Simrock G.m.b.H. / 8 M.–., neue VN)
Vergleiche:
D-B DMS 51004
c) Konzerte, Rundfunkeinspielungen, CD-Aufnahmen, Spieldauer
Konzerte
24.10.1868
15.11.1868
6.12.1868
1. – 7.7.1870
10.12.1870
14.10.1871
Berlin (Saal der Singakademie), 2. Konzertsoiree von Sterns Berliner Sinfoniekapelle, Samstag
19 Uhr, Heinrich Barth (Kl.) + Heinrich de Ahna (V.) [= Teil des Barth-Klaviertrios II]
Berlin (Arnim’s Saal), 1. Kammermusiksoiree von Barth / Ahna / Swert, Sonntag 19 Uhr, Heinrich Barth (Kl.) + Heinrich de Ahna (V.) [= Teil des Barth-Klaviertrios II]
Berlin (Wohnung von Friedrich Kiel: Königgrätzerstraße 108), Hauskonzert von Kiel für eingeladene Zuhörer / 1. Matinee Kiels in Wintersaison 1868/69, Sonntagmittag, Friedrich Kiel (Kl.) + Interpret unbekannt (V.); Aufführungsangaben laut Echo (1868f, 404)
Köln / TV Köln, Übungs- bzw. Musikabend im 1. Vereinsjahr 1870/71, Interpreten unbekannt
(Kl., V.); Aufführungsangaben laut MWO 1. Jg., Nr. 29 (15.7.1870, 459+462)
Dresden (Sophienstraße 1, 2. Etage) / TV Dresden, Übungsabend (erste Aufführung von op. 51
im TV Dresden), Samstag 19:30 Uhr, Interpreten unbekannt (Kl., V.)
Hamburg / TV Hamburg, Soiree, Samstagabend, Interpreten unbekannt (Kl., V.)
353
20.2. – 1.5.1873
27.1.1874
8.10.1981
28.5.1988
6.11.1988
Oldenburg, 4. Abendunterhaltung für Kammermusik, Interpreten unbekannt (Kl., V.); Aufführungsangaben laut MWO 4. Jg., Nr. 18 (2.5.1873, 274 f.)
Prenzlau (Lang’scher Saal), 2. Abonnementkonzert des Herrn Flügel, Dienstagabend, Ernst Flügel
(Kl.) + Heinrich de Ahna (V.)
Bonn (Hauskonzert), Donnerstag, Gabriele Syré (Kl.) + Klaus Altmann (V.)
Springe / Deister (Jagdschloss), Kammerkonzert / 1. Sommerliche Serenade im Jagdschloss, Samstag 20 Uhr, Gesine Tiefuhr (Kl.) + Wolfgang Kohlhaußen (V.)
Hameln (Forum des Schiller-Gymnasiums), Sonntag, Gesine Tiefuhr (Kl.) + Wolfgang Kohlhaußen (V.) [nur 4. Satz]
Rundfunkeinspielung
?23.11.1989? HR Frankfurt am Main, Donnerstag, Maria Bergmann (Kl.) + Gerhard Reich (V.); Aufführungsangaben laut FKG-M (1989, 16)
Diese Aufnahme, die in der Datenbank des Deutschen Rundfunkarchivs nicht (mehr) registriert
ist und weder in dem Archiv bzw. der Datenbank des HR noch im Archiv des SWR (früher SWF)
nachweisbar ist, wurde vermutlich – wie es bei vielen Sendern üblich ist – nach einer gewissen Zeit
gelöscht. Ihre Interpreten sind inzwischen verstorben: Die Pianistin Maria Bergmann († 4.1.2002),
die 1946–82 Hauspianistin des SWF (heute SWR) war, beteiligte sich an dieser Einspielung erst
nach ihrer 1982 erfolgten Pensionierung, und der Violinist Gerhard Reich, der zuletzt in Mainz
wohnte, verstarb am 6.3.1998 in Baden-Baden.
Es sind keine CD-Aufnahmen bekannt.
Spieldauer
28' 19'' (nach Metronomangaben)
9' 49'' (I)
6' 43'' (II)
354
3' 12'' (III)
8' 25'' (IV)
A13. Op. 52 (Cellosonate a-Moll / für Vc. und Kl.)
a) Manuskripte / Drucke
Keine Manuskripte
Alte Drucke: Originalkomposition
Widmung: keine
Material: Part. 37 S. und VcSt. 7 S., 4°
Fußzeilen (S. 3): Si2 / Si3 (links), R1 (rechts)
2 ⅓ Thlr.
2 Thlr. 10 Sgr.
Dp
VN: 319
A (oN): S. [40]
F: Si2, R1
D-KNmi 5,693; D-F 54 Q 678
Druck 1868 (1. Druck 1868): früh. 1868 (Erstdruck 1868), 1864–70 (Firmenname von Simrock’scher Musikhandlung),
1868 (Von den in der Verlagsanzeige auf Seite [40] aufgelisteten Werken Kiels erschienen als
letzte im September 1868 op. 50–52 und die zweihändige Bearbeitung der Drei Militair-Märsche
op. 39 im Erstdruck, während das Klaviertrio op. 34 und die Streichquartette op. 53:1–2, die erst
1869 erstveröffentlicht wurden, noch fehlen.)
• Außentitel (hellblau) auf Umschlagvorderblatt recto und Innentitel: identischer Text SONATE | für | Pianoforte und Violoncell | von | Friedrich Kiel. | [links:] Op. 52. [rechts:] Pr[eis]
2 ⅓ Thlr. | Ent.d Stat. Hall. | Verlag und Eigenthum | der | SIMROCK’schen Musikhandlung in
BERLIN. | Jägerstrasse 18. | Lith. Anst. v. C. G. Röder, Leipzig.
• Verlagsanzeige S. [40] (hellblau), identisch mit der bei D-B Mus. 3256 von op. 50 [oben:]
Compositionen von Friedrich Kiel | im Verlage | der Simrock’schen Musikhandlung in Berlin |
Jägerstrasse 18. | [linke Spalte:] a) Kammermusik | […] | Op. 52. Sonate für Pianoforte und
Violoncell. [Leerraum] 2 Thlr. 10 Sgr. | [rechte Spalte:] c) für Piano zu 2 Händen. | […] | [unten:] b) für Piano zu 4 Händen. | […]; Auflistung aller bis zur Drucklegung der vorliegenden
Erstausgabe bei der Simrock’schen Musikhandlung erschienenen Klavier- und Kammermusikwerke Kiels: Kammermusik (op. 12, 22, 35:1–2, 43, 44, 50–52), Klaviermusik zweihändig
(op. 26, 36, 38, 41, 45 sowie 2hd. Bearb. von op. 39) und Klaviermusik vierhändig (op. 23, 42,
47, 48 sowie 4hd. Bearb. von op. 39 und op. 43)
• Hellblauer Umschlag nur bei D-KNmi 5,693 vorhanden
• Provenienz / D-KNmi 5,693: TH. EISENHAUER | BROMBERG | MUSIKALIENHANDLUNG
(Stempel auf Außentitelblatt), CHEVALIER | 43, Rue Raynouard (Stempel auf Außentitelblatt);
D-F 54 Q 678: MAGASIN DE MUSIQUE | TH.[EODOR] HENKEL | FRANCFORT a/M. (Stempel auf Titelblatt / Innentitelblatt), MUSIKALIEN- & INSTRUMENTENHANDLUNG | TH.[EODOR] HENKEL in FRANKFURT/M. | MUSIKALIEN-LEIHANSTALT (Stempel auf S. 1 der
VcSt. / Musikalienhandlung Henkel gab es seit 1854)
2 ⅓ Thlr.
Mk. 7.
Dp
VN: 6978
A: ? (S. [40])
F: Si2, R1
D-B Mus. 3276, D-Dmb TV 2462
Druck 1872–74: 1872–74 (Währungsumstellung im Norden des Deutschen Reichs 1872–74),
1870–1901 (Firmenname von N. Simrock)
• Außentitel (blau bzw. gelb) auf Umschlagvorderblatt recto und Innentitel: identischer Text SONATE | für | Pianoforte und Violoncell | von | Friedrich Kiel. | [links:] Op. 52. [rechts:] Pr.[eis]
2 ⅓ Thlr. [=] Mk. 7. | Ent.d Stat. Hall. | Verlag und Eigenthum | von | N. SIMROCK IN BERLIN. | Lith. Anst. C. G. Röder, Leipzig.
• Nur Vorderblatt des blauen (D-B) bzw. gelben (D-Dmb) Umschlags, d. h. das Außentitelblatt,
vorhanden; ggf. eine Verlagsanzeige auf S. [40] des Umschlagrückblatts (blau bzw. gelb), das in
allen genannten Notenexemplaren fehlt
• Provenienz / D-B Mus. 3276: Ex | Biblioth.[eca] Regia | Berolinensi. (Stempel auf Innentitelblatt verso);
D-Dmb TV 2462: HOFFARTH’S | MUSIKALIENHANDLUNG | F. RIES | DRESDEN (Stempel
auf Innentitelblatt), TONKÜNSTLER-VEREIN | ZU | DRESDEN (Stempel auf Innentitelblatt)
355
7 M.–.
kein Dp
VN. 6978
A (No.89.): Ti
F: nur Si3
D-Bss XI k 413
Druck 1874–1901: ab 1874 (Währung Mark), 1870–1901 (Firmenname von N. Simrock)
• Titel als Katalogtitel: „Werke | für | Kammermusik | von | FRIEDRICH KIEL. | […] | Op. 52.
Sonate für Pianoforte und Violoncell, (A moll.) [Leerraum] 7 M.–. | […] | Verlag und Eigenthum |
von | N. SIMROCK in BERLIN. | No.89.“; Auflistung aller bei N. Simrock erschienenen Kammermusikwerke Kiels (op. 12 bis op. 54)
7– M
kein Dp
VN: 6978
A (No. 136.): Ti
F: Si3, R1
D-BLfk Bestand 116 C, Nr. 77 (als Depositum in D-Budka), D-KAdraheim o. Sign., D-LÜmh
L 311 Kie-2
Druck 1897–1901: ab 1874 (Währung Mark), 1870–1901 (Firmenname von N. Simrock),
ab 1897 (1897 Erstveröffentlichung der Vier Stücke op. 70 für Cello mit Klavierbegleitung von
Max Bruch / unter den im Katalogtitel genannten Werken mit bekanntem Publikationsjahr dasjenige mit spätestem Druckjahr)
• Titel (Rahmen: dunkelblau / Text: dunkelblau + rot) als Katalogtitel [roter Text nur bei den
Überschriften („Compositionen für Violoncell“ und „Studien-Werke.“) sowie bei der Verlagsangabe („N. SIMROCK in BERLIN.“)]: „Compositionen für Violoncell | mit Begleitung des Pianoforte. | Ashton, Algernon, Op. 43. Arioso [Leerraum] 2– M | […] | Kiel, Friedrich, Op. 12.
[…] | – Op. 52. Sonate, A moll [Leerraum] 7– M | […] | Studien-Werke. | […] | Verlag und
Eigenthum für alle Länder von | N. SIMROCK in BERLIN. | [links:] No. 136. [rechts:] C. G.
Röder, Leipzig.“; Auflistung von Cellowerken verschiedener Komponisten, darunter alle bei
N. Simrock erschienenen Werke Kiels (op. 12, 22, 34, 35:1–2, 43, 44, 50–54)
• Provenienz / D-BLfk Bestand 116 C, Nr. 77: Alfred Krengel. (Stempel auf Titelblatt);
D-KAdraheim o. Sign.: C. Peters Nachf. Kopp & Co. | Musikalienhandlung u. Antiquariat | München 2 . Theresienstraße 48 (Stempel auf Titelblatt)
7 M.–.
kein Dp
VN: 6978
A (No.89): 2 Ti
F: nur Si3
D-B DMS 51005, D-Mbs 4 Mus.pr. 18352
Druck 1908–10: 1908–10 (Firmenadresse von Lengnick), 1901–29 (Firmenname und -sitz von
N. Simrock), seit circa 1910 (Copyrightvermerk auf Notendrucken)
• Außentitel (ockergrau meliert) auf Umschlagvorderblatt recto und Innentitel jeweils als Katalogtitel: identischer Text Werke | für | Kammermusik | von | FRIEDRICH KIEL. | […] | Op. 52.
Sonate für Pianoforte und Violoncell, (A moll.) [Leerraum] 7 M.–. | […] | Verlag und Eigenthum für alle Länder | von | N. SIMROCK, G.m.b.H. in BERLIN. | Copyright for the British Empire by ALFRED LENGNICK, | 57/58, Berners Street, | LONDON, W. | No.89; Auflistung aller
bei N. Simrock erschienenen Kammermusikwerke Kiels (op. 12 bis op. 54)
• Provenienz / D-B DMS 51005: Geschenk des Verlags an die Deutsche Musiksammlung | BERLIN | bei d. Kgl. Bibliothek (2 Stempel auf Innentitelblatt);
D-Mbs 4 Mus.pr. 18352: Musikalienhandlung | des Westens | und Hansa-Verlag | Berlin W.15,
Ecke Kurfürstendamm | Joachimstheaterstrasse 10 | Amt Chbg. 4090. (Stempel auf Innentitelblatt)
Neudruck
Titel: FRIEDRICH KIEL | op. 52 | Sonate (a-moll) | für Violoncello und Klavier | Sonata (A Minor) | for Violoncello and Piano | [Fußzeile:] Elite Edition 3007 | N. SIMROCK HAMBURG – LONDON
Ausgabe: Hbg. & L. 1983, N. Simrock (Elite Edition 3007, VN: 6978); ohne Vorwort; ohne Taktzählung; Nachdruck / Fotodruck einer N. Simrock-Ausgabe
Alte Drucke: Bearbeitung des Intermezzos op :52/2 (2. Satz aus op. 52) für Kl. 2hd. von Ernst Perabo
Widmung: Seinem geliebten Lehrer | Herrn Professor Ernst Ferdinand Wenzel in Leipzig (Ernst Ferdinand Wenzel, der Klavierlehrer von Ernst Perabo am Leipziger Konservatorium im Zeitraum 1862–65)
Material: KlSt. 7 S., 4°
Fußzeilen: keine Fußzeilen auf S. 3
Währung: Der aktuellen Währung Mk.1.50 im Zähler (mit seit 1874 in Berlin und somit für N. Simrock gültiger
Währung Mark) ist der entsprechende Wert „4/– [Taler]“ im Nenner (als frühere, bis 1873 in Berlin gültige Währung) angefügt. Im Anschluss an die Gründung des Deutschen Reichs 1871 wurden 1872–75 die bisherigen unterschiedlichen Währungen der einzelnen Teile des Deutschen Reiches sukzessiv einheitlich auf Mark umgestellt,
wie z. B. 1874 im Norden des Deutschen Reiches (Berlin, Leipzig etc.); die alte Währung wurde für einige Jahre
zusätzlich auf den Titelblättern der Notenausgaben vermerkt.
356
Mk. 1.50
kein Dp
VN: 8140
A: _
F: _
D-BLfk Bestand 116 C, Nr. 77 (als Depositum in D-Budka)
1. Druck 1879 (1879Copyright for the British Empire laut Titelblatt, Erstdruck 1879)
• Titel: Seinem geliebten Lehrer | Herrn Professor Ernst Ferdinand Wenzel in Leipzig. | Intermezzo | aus der Sonate für Violoncell und Clavier Op.52. [! ohne Leerzeichen] | von | FRIEDRICH KIEL | für | Pianoforte | bearbeitet | von | ERNST PERABO. | Pr.[eis] [Zähler:] Mk.1.50
[! ohne Leerzeichen] ––– [= Bruchstrich] [Nenner:] 4/– [Taler] | Ent.d Stat. Hall. | Verlag und
Eigenthum | von | N. SIMROCK in BERLIN. | 1879 | Copyright for the British Empire by Alfred
Lengnick. | Lith. Anst. v. C. G. Röder [Leerraum] Leipzig.
• Provenienz / D-BLfk Bestand 116 C, Nr. 77: Adolf Stöppler jr. | Musikalien u. Saiten | Wiesbaden, Luisenstr. 17 (Stempel auf Titelblatt), 15.4.[19]87 (Erwerbungsdatum der Friedrich-Kiel-Gesellschaft e. V. in Bleistift auf S. [8])
Auf Seite 442 in Band 295 (1973) des amerikanischen NUC-Katalogs The National Union Catalog: pre-1956
imprints ist ein von Oliver Ditson & Co. in Boston, MA (USA), publizierter Nachdruck von Ernst Perabos Bearbeitung des Intermezzos von Kiel verzeichnet, von dem sich ein Notenexemplar u. a. in der New York Public Library
(US-NYp M231.K47 op. 52) befinden soll. Laut freundlicher Mitteilung der Musikabteilung der New York Public
Library US-NYp vom 18.5.2007 handelt es sich bei diesem NUC-Eintrag um einen Irrtum, da diese Notenausgabe
weder in den Bibliothekskatalogen der New York Public Library in New York, NY, und der Library of Congress
in Washington, DC (USA), noch im National Union Catalog OCLC verzeichnet ist und da sich kein Hinweis für eine
Notenexemplar in einer weiteren amerikanischen Bibliothek finden lässt.
b) Datierung
Entstehungszeit 1868 (Originalkomposition)
Das Kompositionsjahr 1868 gaben einhellig drei Autoren an: in dem handschriftlichen Lebensabriss (c1881*, 4)
bzw. dem publizierten Zeitungsartikel AllgemeineZ (1885, 4369), deren fast identischer Text auf einem 1881 mit
Kiel geführten Interview desselben unbekannten Verfassers beruht, in Prieger (1884, 273 bzw. 1906, 131) und Reinecke (1936, 82).
Der Musikwissenschaftler Erich Prieger, der ein Kompositionsschüler und persönlicher Freund Kiels gewesen war,
erwarb einen Großteil seines handschriftlichen Musiknachlasses.
Entstehungszeit zwischen 1868 und Okt. 1879
(Bearb. des Intermezzos aus op. 52 für Kl. 2hd. von Ernst Perabo)
Perabo erstellte seine zweihändige Bearbeitung von Kiels Intermezzo nach der Entstehung (1868) wie Drucklegung
(Ende Sept. 1868) der Cellosonate a-Moll op. 52 sowie vor der Erstveröffentlichung dieser Bearbeitung (vor Nov.
1879) und somit im Zehnjahreszeitraum Oktober 1868 bis Oktober 1879.
Druckjahre / -monate: Originalkomposition
1. Druck: Ende Sept. 1868 (Bln., Simrock’sche Musikhandlung / 2 ⅓ Thlr. = 2 Thlr. 10 Sgr., alte VN 319 =
VN der Simrock’schen Musikhandlung)
SfMW (17.9.1868b, 815), Echo (23.9.1868d, Druck Ende Sept. 1868 = vor Erscheinungsdatum 1. Okt. 1868 und
313)
nach 23. Sept. 1868 laut zwei Verlagsanzeigen: Die drei Kompositionen op. 50–52 erscheinen laut SfMW (17.9.1868b) am 1. October bzw. laut Echo (23.9.1868d) demnächst.
NZfM (9.10.1868c, 363)
Druck innerhalb des Zeitraums 18. Sept. – 8. Okt. 1868 (Op. 50–52
sind soeben erschienen / Zeitungsrubrik Literarische und musikalische Novitäten); siehe vorherige Novitäten-Rubrik in NZfM Nr. 39
(18.9.1868)
Engel (18.11.1868, 6)
Druck vor 18. Nov. 1868 (Verlagsanzeige: Op. 50–52 sind jüngst
im Simrock’schen Verlage erschienen.)
SfMW (27.11.1868d, 1077)
Druck vor 27. Nov. 1868 (Cellosonate a-Moll op. 52 unter den Novitäten der letzten Woche = 20. – 26. Nov. 1868)
Hofmeister (Dez. 1868, 203)
Druck vor Dez. 1868 (2 Thlr. 10 Ngr.)
Bungert (2.4.1875, 138), Altmann (1901, 149), Druck 1868
Reinecke (1936, 82)
357
Deutsch (1961, 26)
Druck 1868 / alte VN 319 und neue VN 6978
(1868: alte VN 323 der Simrock’schen Musikhandlung)
(1868: neue VN 6514–6982 des späteren, seit 1870 als N. Simrock
in Berlin firmierenden Verlags; neue VN in der VN-Liste von
N. Simrock in Bonn ist – aufgrund der Zusammenlegung der VNListen des Bonner sowie des Berliner Verlags im Zeitraum 1867–70 –
auch für den zusammengeführten, ab 1870 existierenden Verlag
N. Simrock in Berlin gültig)
Eichberg (1872, 36)
Druck spät. 1872 (2 Thlr. 10 Sgr.)
Vergleiche:
D-KNmi 5,693
Americo Barberi datierte (in Barberi 14.7.1869, 222) den Erstdruck irrtümlich auf das Jahr 1869, d. h. den Zeitraum
März bis Juni 1869.
Druck: 1872–74 (Bln., N. Simrock / 2 ⅓ Thlr. = Mk. 7., neue VN 6978 = VN von N. Simrock)
Vergleiche:
D-B Mus. 3276
Druck: 1874–1901 (Bln., N. Simrock / 7– M / 7 M.–., neue VN)
Simrock-Katalog (1897, 186)
Druck spät. 1897 (7– M.): gilt für einen der zwei bis 1901 datierten Drucke
Vergleiche:
D-Bss XI k 413
Druck: 1897–1901 (Bln., N. Simrock / 7– M / 7 M.–., neue VN)
Simrock-Katalog (1897, 186)
Druck spät. 1897 (7– M.): gilt für einen der zwei bis 1901 datierten Drucke
Vergleiche:
D-BLfk Bestand 116 C, Nr. 77
Druck: 1908–10 (Bln., N. Simrock G.m.b.H. / 7 M.–., neue VN)
Vergleiche:
D-B DMS 51005
Neudruck (Fotodruck) / Elite Edition 3007: 1983 (Hbg. und L., N. Simrock im Verlag Benjamin / VN: 6978)
[heute in Bln.: Verlag „Anton J. Benjamin GbmH (Simrock/Rahter/Benjamin/City)“ der Verlagsgruppe „Boosey & Hawkes · Bote & Bock GmbH & Co. KG“]
Simrock-Katalog (1993)
beim Verlag Benjamin / Hamburg (DM 28,50)
Verkaufskatalog (2002, 26)
beim Verlag Anton J. Benjamin (Simrock/Rahter/Benjamin/City)
der Verlagsgruppe „Boosey & Hawkes · Bote & Bock · Benjamin“ /
Berlin (15,50 Euro)
Druckjahr: Bearbeitung des Intermezzos aus op. 52 für Klavier zweihändig von Ernst Perabo
1. Druck: (vor Nov.) 1879 (Berlin, N. Simrock / VN: 8140, Mk. 1.50)
Copyrightvermerk auf Titelblatt
Druck 1879 (originale Datierung auf Titelblatt N. SIMROCK in
BERLIN. | 1879)
Hofmeister (Nov. 1879, 331)
Druck vor Nov. 1879 (Intermezzo […] Mk. 1,50)
Deutsch (1961, 26)
Druck 1879 / VN 8140
(1879: VN 8056–8148)
Simrock-Katalog (1897, 186)
Druck vor 1897 (Aus op. 52. Intermezzo für Pianoforte, bearbeitet
von Ernst Perabo, A dur […] M. 1,50)
Vergleiche:
D-BLfk Bestand 116 C, Nr. 77 mit Copyrightvermerk 1879
c) Konzerte, Rundfunkeinspielungen, CD-Aufnahmen, Spieldauer
Konzerte
6.12.1868
Berlin (Wohnung von Friedrich Kiel: Königgrätzerstraße 108), Hauskonzert von Kiel für eingeladene Zuhörer / 1. Matinee Kiels in Wintersaison 1868/69, Sonntagmittag, Friedrich Kiel (Kl.) + Interpret unbekannt (Vc.); Aufführungsangaben laut Echo (1868f, 404)
1868 (vor 9.12.) Potsdam, 2. Klaviertriosoiree von Barth / Ahna / de Swert, abends, Heinrich Barth (Kl.) + Jules
de Swert (Vc.) [= Teil des Barth-Klaviertrios II]
358
5.2.1869
25.3.1869
14.4.1869
1.11.1957
26.5.1979
6.11.1985
19.11.1986
20.10.1991
27.10.1995
Berlin (Arnim’s Saal), 2. Kammermusiksoiree von Heinrich Barth, Freitag 19:30 Uhr, Heinrich
Barth (Kl.) + Jules de Swert (Vc.) [= Teil des Barth-Klaviertrios II]
Berlin / TV Berlin (Vereinssaal des TV Berlin im Hôtel Belle-Alliance, Zimmermannstraße 20),
Historische Soiree / 3. Soiree im Vereinsjahr 1868/69, Donnerstag 19:30 Uhr, Oskar Eichberg
(Kl.) + Adolf Rohne (Vc.)
Berlin, 3. Matinee für neuere Kammermusik von Alexander Ritter, Mittwochmittag, Heinrich Barth
(Kl.) + Adolf Rohne (Vc.)
Laasphe an der Lahn (Aula des Aufbau-Gymnasiums / der alten Aufbauschule, Bahnhofstraße), Meisterkonzert des Berliner Kammertrios, veranstaltet vom Laaspher Kulturverein, Freitag, Berliner
Kammertrio unter Professor Fassbänder
Laasphe an der Lahn (Aula des Städtischen Aufbaugymnasiums), Kammerkonzert / Festkonzert
(als Abschluss der Gründungsversammlung der Friedrich-Kiel-Gesellschaft e. V.), Samstag 20 Uhr,
Natascha Gommel-Reber (Kl.) + Gerhard Hamann (Vc.)
Halle / Westfalen (Aula des Kreisgymnasiums), Mittwoch 20 Uhr, Heide Kommerell (Kl.) + Fritz
Kommerell (Vc.)
Hagen / Westfalen (Aula der Remberg-Hauptschule), Mittwoch 11:30 Uhr, Fritz Emonts (Kl.) +
Franz-Josef Assmann (Vc.)
Berlin (Obere Galerie im Kunstamt Tiergarten), Konzert zur Jahresmitgliederversammlung der
Friedrich-Kiel-Gesellschaft e. V., Sonntag 11 Uhr, Siegfried Schubert-Weber (Kl.) + Günter Lösch
(Vc.)
Frankfurt am Main (Villa Bonn, Siesmayerstraße 12), Konzert der Robert-Schumann-Gesellschaft
Frankfurt, Freitag 19 Uhr, Christoph Ullrich (Kl.) + Hans Zentgraf (Vc.)
Konzert: Bearbeitung des Intermezzos aus op. 52 für Kl. 2hd. von Ernst Perabo
11.1.1879
Leipzig (Konservatorium), Ernst Perabo (Kl.)
Rundfunkeinspielungen
25.5.1973
WDR Köln (Saal 2), Freitag, Friedrich Wilhelm Schnurr (Kl.) + Irene Güdel (Vc.)
(Sendungen, vermutlich beim WDR 3: vollständiges Werk am 3.2.1974 + 5.8.1974 + 19.5.1977)
30.1.1974
NDR Hamburg (Studio 10), Mittwoch, Kerstin Hindart (Kl.) + Gerhard Hamann (Vc.)
(Sendungen: vollständiges Werk am 27.5.1984 WDR 3)
26.1.1977
SWF [heute SWR] Baden-Baden (Studio 5 = heutiges Hans-Rosbaud-Studio), Mittwoch, Maria
Bergmann (Kl.) + Gerhard Hamann (Vc.)
(Sendungen: vollständiges Werk am 28.1.1977 DRS Basel / 19.5.1977 + 19.1.1991 + 9.4.1995
jeweils SWF 2 / 25.4.1999 SWR 2) / 29.12.1994 DRS 2 Zürich
17.12.1981
SDR [heute SWR] Karlsruhe (Sendesaal), Donnerstag, Fany Solter (Kl.) + Martin Ostertag (Vc.)
(Sendungen, vermutlich beim SDR: vollständiges Werk am 2.5.1982 + 21.2.1984 + 31.3.1985)
22.1.1982
RIAS [heute DeutschlandRadio] Berlin (Studio 10), Freitag, Jost Michaels (Kl.) + Irene Güdel (Vc.)
CD-Aufnahme
Titel: Friedrich Kiel | Complete Works for Violoncello and Piano [Vol. 1] ohne Vol.-Zählung (op. 11, 12, 52); Detmold ©/℗ 1997, Musikproduktion Dabringhaus und Grimm oHG (Bestellnummer: MDG 612 0733-2 / MDG =
Musikproduktion Dabringhaus und Grimm, DDD-Aufnahme), Text des Booklets von Irmlind Capelle
Vergleiche Vol. 2 (mit op. 67 für Vc. und Kl., Cellosonate D-Dur WoO): mit Vol.-Zählung und verkürztem Titel
Works for Violoncello and Piano
Aufnahme: 17. – 19.6.1996 Bad Arolsen (Fürstliche Reitbahn), Christoph Ullrich (Kl.) + Hans Zentgraf (Vc.)
(Sendungen: vollständiges Werk am 15.5.1999 SFB / 27.02.2007 MDR Figaro; 1. Satz am 30.10.1997 WDR 3)
Spieldauer
21' ca. (Vermerk in Bleistift)
23' 45''
24' 10''
24' 10''
27' 45''
28' 05''
28' 07''
28' 30''
(26.1.1977 SWF)
(25.5.1973 WDR)
(30.1.1974 NDR)
(22.1.1982 RIAS)
(17.12.1981 SDR)
(1996 CD-Aufnahme)
(nach Metronomangaben)
7' 30'' ca. (I) 3' ca. (II)
5' ca. (III)
5' 30'' ca. (IV)
[Vermerk in Bleistift auf Titelblatt verso in D-BLfk Bestand 116 C, Nr. 77 /
Druck 1874–1901 des Originalwerks]
8' 30'' (I)
3' 35'' (II)
6' 10'' (III) 5' 20'' (IV)
8' 25'' (I)
3' 49'' (II)
6' 15'' (III) 5' 25'' (IV)
Angaben zur Länge der Einzelsätze liegen dem Sender nicht vor.
Angaben zur Länge der Einzelsätze liegen dem Sender nicht vor.
9' 11'' (I)
4' 46'' (II)
7' 25'' (III) 6' 18'' (IV)
11' 53'' (I)
3' 48'' (II)
6' 42'' (III) 5' 36'' (IV)
9' 49'' (I)
*3' 48'' (II) 6' 28'' (III) 8' 15'' (IV)
(* II: Länge laut CD-Aufnahme, da Druck ohne Metronomangabe)
359
A14. Op. 65:1 (Klaviertrio [Nr. 6] A-Dur)
a) Manuskripte / Drucke
Keine Manuskripte
Alte Drucke
Widmung: Graf B.[olko von] Hochberg (ein Kompositionsschüler Kiels in den 1860er-Jahren)
Material: Part. 39 S. und 2 St. (V., Vc.) à 10 S., 4°
Fußzeilen (S. 3): V4 (links), B4 (rechts)
Zusätzliche Fußzeile am Ende (S. 39 Part., nicht in VSt. und VcSt.): Stich von C. G. Röder G.m.b.H., Leipzig.
(rechts)
M. 8,00.
kein Dp
VN: 10960
A: ? (S. [42])
F: _
D-B Mus. 3262, D-B N.Mus. 7167-1; D-F Mus.pr. Q 54/1361, D-HEms Magazin, N 1047,
D-SAAm N 18108
Druck 1875–78 (1. Druck 1875): früh. 1875 (Erstdruck 1875), 1873–78 (Verlagsadressen von
Bote & Bock), 1861–88 (Regierungszeit des preußischen Königs Wilhelm I. laut Verlagsauszeichnung Hof-Musikhandlung J. J. M. M. des Königs)
• Außentitel (grün) auf Umschlagvorderblatt recto: Zwei Trios | FÜR PIANOFORTE | Violine
und Violoncell | von | FRIEDRICH KIEL. | Op. 65. | [links:] N.°1. A-dur Pr.[eis] M. 8,00. [rechts:]
N.°2. G-moll Pr. M. 7,50.
• Innentitel: Dem Herrn Grafen B. Hochberg | gewidmet. | ZWEI TRIOS | für Pianoforte, | Violine und Violoncell | von | FRIEDRICH KIEL. | Op. 65. | [links:] N.°1. A-dur Pr. M. 8,00. [rechts:]
N.°2. G-moll Pr. M. 7,50. | Eigenthum der Verleger. | BERLIN & POSEN | Leipziger-Strasse 37.
[Leerraum] Willhelm-Strasse 21. | [links:] Unter den Linden 27. [rechts:] Mylius Hôtel. | [links:]
Breslau, Lichtenberg. [Mitte:] ED. BOTE & G. BOCK. [rechts:] Stettin, Simon. | Hof-Musikhandlung. | J. J. M. M. des Königs und der Königin u. S. K. H. des Prinzen Albrecht v. Preussen. | Leipzig: Leede. | Eingetragen gemäss den Vorschriften der internationalen Verträ-ge. | Lith.
Anst. v. C. G. Röder, Leipzig.
• Vorderblatt des grünen Umschlags, d. h. das Außentitelblatt, nur bei D-B Mus. 3262 vorhanden;
ggf. eine Verlagsanzeige auf S. [42] des Umschlagrückblatts (grün), das in allen genannten Notenexemplaren fehlt
• Provenienz / D-B Mus. 3262: Ex | Bibl.[iotheca] Regia | Berolin.[ensi] (Stempel auf S. 3);
D-B N.Mus. 7167-1: Roland Dawczynski | Berlin-Steglitz, Abrechtstr. 10 (Stempel auf Titelblatt
und S. 3);
D-F Mus.pr. Q 54/1361: [Beginn der Firmierung unlesbar] | ARNHEM | PIANO & MUZIEK MAGAZIN (Stempel auf Titelblatt / Innentitelblatt);
• Provenienz / D-HEms Magazin, N 1047: AUS DER | HEDWIG MARX-KIRSCH-STIFTUNG
(violetter Stempel auf Innentitelblatt oben Mitte); aus der Hedwig Marx-Kirsch-Stiftung stammende oder finanzierte Notenausgabe, die wohl bis 1920 zur Musikbibliothek der 1920 verstorbenen
Pianistin Hedwig Marx-Kirsch gehörte und 1921 in den Bibliotheksbestand des neugegründeten
Musikwissenschaftlichen Seminars der Heidelberger Universität D-HEms überging (siehe op. 16)
8,– M.
kein Dp
VN: 10960
A (Nr. 389.): Ti
F: V4, B4
F (S. 39)
D-BLfk Bestand 116 C, Nr. 75 (als Depositum in D-Budka), D-Mmb 9538.1786
Druck 1905–14: ab 1884 (1883–84 Erstveröffentlichung des Oratoriums op. 83 von Kiel /
unter den im Katalogtitel genannten Werken Kiels dasjenige mit dem spätesten Druckjahr),
1901–06 und vmtl. 1906–18 (Bote & Bock firmiert ohne Nennung der Kaiserin Friedrich als:
Hofmusikalienhändler Sr. M. des Kaisers u. Königs u. Sr. K. H. des Prinzen Albrecht von Preussen),
1905–30 (Firmenname von Röder mit GmbH in Fußzeile auf S. 39 [!] / veralteter Firmenname
von Röder ohne GmbH auf Titelblatt),
spät. 1914 laut Bote & Bock-Katalog (1914, 265)
• Titel (Friedrich-Kiel-Porträt + Rahmen + Text: grün) als Katalogtitel: „FRIEDRICH KIEL. |
Op. 5. […] | Op. 65. Zwei Trios. Für Klavier, Violine, | und Violoncell. | Nr. 1 A dur 8,– M. |
Nr. 2. G moll 7,50 M. | […] | Eigenthum der Verleger für alle Länder. | Aufführungsrecht vorbehalten. | Ed. Bote & G. Bock, Berlin, | Hofmusikalienhändler | Sr. M. des Kaisers u. Königs
u. Sr. K. H. des Prinzen | Albrecht von Preussen. | [links:] Nr. 389. [Mitte:] C. G. Röder, Leipzig.“; Auflistung aller bei Bote & Bock erschienenen Werke Kiels (op. 5, 18, 21, 24, 31, 32, 37,
60, 63–67, 69–71, 73–76, 78–83)
360
• Provenienz / D-Mmb 9538.1786: Ankauf von dem früheren Münchner Musikantiquariat Walter Ricke im Jahr 1964 durch die Bibliothek D-Mmb (freundliche Mitteilung des Musikbibliothekars Konrad Foerster vom 17.6.2008)
Neudruck
Titel: Edition Silvertrust | Piano Trio | No. 6 in A Major [op. 65:1] | Composed by | Friedrich | Kiel | [Fußzeile:]
ES-2006-85 [!] (Titelblatt der Part.); Piano Trio No. 6 in A Major, Op. 65 No. 1 (Überschrift der St.); Titel laut
freundlicher Mitteilung von Edition Silvertrust
Ausgabe: Riv. 2007, Edition Silvertrust (VN: ES-2007-85), Vorwort – mit Fotografie und biografischen Informationen über den Komponisten Friedrich Kiel – vom „Editor in Chief“ Raymond Harvey Rawlins Silvertrust, ohne
Taktzählung; korrigierter Nachdruck einer Bote & Bock-Ausgabe (mit hinzugefügter Buchstabenzählung) / Herausgeber: Raymond Harvey Rawlins Silvertrust
b) Datierung
Entstehungszeit 1874 (für op. 65:1-2)
Laut dem Musikwissenschaftler Erich Prieger entstanden die Klaviertrios op. 65:1–2 im Jahr 1874, wie aus Prieger (1884, 273 bzw. 1906, 131) hervorgeht. Prieger, der ein Kompositionsschüler und persönlicher Freund Kiels gewesen war, erwarb einen Großteil seines handschriftlichen Musiknachlasses.
Hingegen erscheint das in Reinecke (1936, 84) und Schmieder (1984, 232) angegebene Entstehungsjahr 1871 als
unwahrscheinlich. Erich Reinecke, dem das korrekte Erstveröffentlichungsjahr 1875 bekannt war, interpretierte
vermutlich das in Altmann (1934, 80) irrtümlich als Publikationsjahr deklarierte Jahr 1871 als Entstehungsjahr
um, was wiederum in Schmieder (1983) aufgegriffen wurde. Gegen das Entstehungsjahr 1871 spricht zudem, dass
Kiels Werke ab etwa 1860, dem Wendepunkt seiner Popularität, in der Regel sofort bzw. spätestens zwei Jahre nach
ihrer Entstehung im Erstdruck erschienen und daher die Erstveröffentlichung einer vor vier Jahren entstandenen
Komposition völlig aus dem Rahmen fallen würde.
Druckjahre / -monate
1. Druck op. 65:1 und op. 65:2: Dez. 1875 (Bln. und Pn., Ed. Bote & G. Bock / op. 65:1: M. 8,–)
Brief (8.12.1875) von August Bungert an Hugo Druck Dez. 1875 (2 Trios von Kiel, die jetzt bei Ihnen [Bote &
Bock / in Kapitel 3.2 auszugsweise zitiert
Bock] erscheinen)
Brief (18.11.1875) von Friedrich Kiel an Franz Druck Ende Nov. oder Dez. 1875 (In nächster Zeit erscheinen
Neruda / in Kapitel 3.1 vollständig zitiert
außer Chorsachen auch 2 Claviertrios op. 65:1–2)
Hofmeister (Jan. 1876, 3)
Druck Ende 1875
Bungert (1.1.1876, 4)
Druck Ende 1875 (Druckrezension von Bungert vom 1. Jan. 1874)
Altmann (1901, 150), Reinecke (1936, 84)
Druck 1875
Bungert (2.4.1875, 137 f.), Bungert (11.6.1875, Druck zwischen Sept. und Dez. 1875:
237)
Der Kielschüler August Bungert gab in seinem op. 1 bis op. 65 umfassenden Verzeichnis der bisher im Druck erschienenen Werke
Kiels für die Klaviertrios op. 65:1–2 das Erstveröffentlichungsjahr
1875 an (Bungert 2.4.1875, 138) und kündigte deren Rezension an:
Die uns im obigen Verzeichniß mitgetheilten ferneren 2 Trios Op. 65
sind uns bis jetzt nicht zu Gesicht gekommen, wir werden seiner
Zeit eingehender darüber sprechen (Bungert 11.6.1875, 237). Diese
Rezension, die in Bungert (17.9.1875) noch nicht enthalten war,
erschien erst in Bungert (1.1.1876, 4 ff.), woraus ihre Drucklegung
zwischen Mitte September und Ende Dezember 1875 hervorgeht.
Deutsch (1961, 9)
Druck 1875–76 / VN 10960 bei op. 65:1, VN 11064 bei op. 65:2
(1875: VN 10697–10867, 1876: VN 11115)
Hahn (27.5.1876, 293)
Druck spät. Mai 1876 (Druckrezension vom 27. Mai 1876)
Vergleiche für op. 65:1:
D-B Mus. 3262
Wilhelm Altmann datierte (in Altmann 1934, 80) den Erstdruck der Klaviertrios op. 65:1–2 irrtümlich auf das Jahr
1871.
361
Druck: 1876–86 (Bln., Ed. Bote & G. Bock / 8,– M.)
NBM (18.2.1886, 56)
Druck 1876–86 (Verlagsanzeige In unserem Verlage erschienen,
8,– M.): früh. Jan. 1876 (nach Erstdruck Dez. 1875) spät. Mitte Febr.
1886 (vor Verlagsanzeige von Mitte Febr. 1886)
Vergleiche:
Es fand sich kein entsprechendes Druckexemplar.
Druck: 1905–14 (Bln., Ed. Bote & G. Bock / 8,– M.)
Bote & Bock-Katalog (1914, 265)
Druck spät. 1914 (8,00 M. Netto.);
Die auf 1905–14 datierte Druckauflage des Klaviertrios A-Dur
op. 65:1 ähnelt der Druckauflage von 1909 des Klaviertrios g-Moll
op. 65:2 mit Notenexemplar in D-Sh B II 5.
Vergleiche:
D-BLfk Bestand 116 C, Nr. 75
Neudruck: 2007 (Riv., Edition Silvertrust)
c) Konzerte, Rundfunkeinspielungen, CD-Aufnahmen, Spieldauer
Konzerte
Nov. 1876
30.11.1876
25.1.1877
28.2.1877
1.5.1877
6.3.1878
8.12.1882
19.12.2004
23.4.2005
Berlin, Herr Bruno (Kl.) + Herr Schröder oder Fritz Struss (V.) + Carl Philipsen (Vc.); Aufführungsangaben laut ADM 3. Jg., Nr. 49 (1.12.1876, 372)
Kreuznach, 1. Konzert für Kammermusik von Gisbert Enzian, Donnerstagabend, Gisbert Enzian
(Kl.) + Johann Naret-Koning (V.) + Carl Grimm (Vc.)
Hildesheim (Unionhaus), 3. Kammermusiksoiree von Winand Nicks, Donnerstag 18:30 Uhr, Winand
Nick + Herr Blumenstengel + Herr Herlitz (Zuordnung zu Instrumenten Kl., V., Vc. unbekannt)
Dresden, 3. Triosoiree von Scholtz / Feigerl / Böckmann, Mittwochabend, Herrmann Scholtz (Kl.) +
Emil Eduard Feigerl (V.) + Ferdinand Böckmann (Vc.)
London / Königreich Großbritannien, 3. Kammermusikkonzert von Hermann Franke, Dienstagabend, Rudolf Niemann oder ?Charles Villiers? Stanford (Kl.) + Hermann Franke (V.) + Robert
Hausmann oder Frau Friedländer oder Frau Redeker (Vc.)
Berlin (Saal der Singakademie), Letzte Kammermusiksoiree des 2. Zyklus von Barth / Ahna / Hausmann, Mittwochabend, Barth-Klaviertrio I [Heinrich Barth (Kl.) + Heinrich de Ahna (V.) + Robert
Hausmann (Vc.)]
Kassel (Hanusch’scher Saal), 2. Kammermusiksoiree von C. Wipplinger, Freitag 19 Uhr, Katharina Ellenberger (Kl.) + Herren C. Wipplinger und Genossen (V., Vc.)
Berlin (Apollo-Saal in der Staatsoper Unter den Linden), „Brunchkonzert musica rara“ der Staatsoper Unter den Linden (anschließend Brunch im Opernpalais), Sonntag 11 Uhr, Berliner BrahmsTrio [Gunther Anger (Kl.) + Thorsten Rosenbusch (V.) + Michael Nellessen (Vc.)]
Berlin-Lichtenberg (Schloss Lichtenberg), Samstag, Berliner Brahms-Trio
Zwei CD-Aufnahmen
1) Titel: Romantische Klaviertrios | Friedrich Kiel [op. 65:1] . Friedrich E. Koch [op. 20:3] . Hans Pfitzner [Klaviertrio B-Dur]; Kassel ©/℗ 1994, Cantate-Musicaphon (Bestellnummer: musicaphon M 56813, DDD-Aufnahme)
Aufnahme: 15. – 17.9.1989 Sandhausen (Studio von Geest), Pallas-Trio [Wolfgang Wagenhäuser (Kl.) + Kathrin
Rabus (V.) + Wolfram Geiss (Vc.)]
(Sendungen: vollständiges Werk am 17.2.1997 + 24.9.1999 + 1.7.2002 + 28.4.2003 jeweils HR 2 / 18.2.1998 SWF 2)
2) Titel: Friedrich Kiel | Klaviertrios | Piano Trios [op. 3 und op. 65:1–2]; Düsseldorf ©/℗ 2000, KOCH CLASSICS GmbH / Schwann Musica Mundi in Koproduktion mit dem Bayerischen Rundfunk in Nürnberg (Bestellnummer: 3-6738-2, DDD-Aufnahme)
Aufnahme: Nov. 1995 Bamberg (Konzerthalle, Kleiner Saal), Genberg-Trio [Noriko Mizuno (Kl.), Matthias Krug
(V.) + Matthias Ranft (Vc.)]
(Sendung: vollständiges Werk am 5.10.2000 + 26.11.2002 + 12.1.2004 + 16.2.2004 + 2.10.2004 jeweils HR 2;
4. Satz am 28.1.2004 HR 2)
Es sind keine Rundfunkeinspielungen bekannt.
Spieldauer
22' 01'' (nach Metronomangaben)
22' 05'' (1995 CD-Aufnahme)
22' 31'' (1989 CD-Aufnahme)
9' 08'' (I)
2' 54'' (II)
*9' 49'' (III)
(* III: Länge laut CD-Aufnahme, da im Druck ohne Metronomangabe)
8' 40'' (I)
3' 34'' (II)
9' 44'' = 2' 56'' + 6' 48'' (III)
9' 26''(I)
3' 16'' (II)
9' 49'' = 3' 07'' + 6' 42'' (III) [inklusive Pausen]
362
A15. Op. 65:2 (Klaviertrio [Nr. 7] g-Moll)
a) Manuskripte / Drucke
Keine Manuskripte
Alte Drucke
Widmung: wie bei op. 65:1
Material: Part. 39 S. und 2 St. (V., Vc.) à 8 S., 4°
Fußzeilen (S. 3): V3 / V4 (links), B4 (rechts)
Zusätzliche Fußzeile am Ende (S. 39 Part., nicht in VSt. und VcSt.): Stich von C. G. Röder G.m.b.H., Leipzig.
(rechts)
M. 7,50.
kein Dp
VN: 11064
A: ? (S. [42])
F: B4
D-B Mus. 3262; D-BLfk Bestand 116 C, Nr. 75 (als Depositum in D-Budka), D-LÜh O,286
Druck 1875–78 (vermutlich 1. Druck 1875): früh. 1875 (Erstdruck 1875), 1873–78 (Verlagsadressen von Bote & Bock), 1861–88 (Regierungszeit des preußischen Königs Wilhelm I. laut
Verlagsauszeichnung Hof-Musikhandlung J. J. M. M. des Königs). Es handelt sich vermutlich
um den Erstdruck, da eine V-Fußzeile (V3 oder V4) fehlt.
• Außentitel (ockergelb) auf Umschlagvorderblatt recto: Zwei Trios | FÜR PIANOFORTE |
Violine und Violoncell | von | FRIEDRICH KIEL. | Op. 65. | [links:] N.°1. A-dur Pr.[eis] M. 8,00.
[rechts:] N.°2. G-moll Pr. M. 7,50.
• Innentitel: Dem Herrn Grafen B. Hochberg | gewidmet. | ZWEI TRIOS | für Pianoforte, | Violine und Violoncell | von | FRIEDRICH KIEL. | [links:] Op. 65. | N.°1. A-dur Pr. M. 8,00. [rechts:]
N.°2. G-moll Pr. M. 7,50. | Eigenthum der Verleger. | BERLIN & POSEN | Leipziger-Strasse 37.
[Leerraum] Wilhelm-Strasse 21. | [links:] Unter den Linden 27. [rechts:] Mylius Hôtel. | [links:]
Breslau, Lichtenberg. [Mitte:] ED. BOTE & G. BOCK. [rechts:] Stettin, Simon. | Hof-Musikhandlung. | J. J. M. M. des Königs und der Königin u. S. K. H. des Prinzen Albrecht v. Preussen. | Leipzig: Leede. | Eingetragen gemäss den Vorschriften der internationalen Verträge. | Lith.
Anst. v. C. G. Röder, Leipzig.
• Vorderblatt des ockergelben Umschlags, d. h. das Außentitelblatt, nur bei D-B Mus. 3262 vorhanden; ggf. eine Verlagsanzeige auf S. [42] des Umschlagrückblatts (ockergelb), das in allen
genannten Notenexemplaren fehlt
• Provenienz / D-B Mus. 3262: Ex | Bibl.[iotheca] Regia | Berolin.[ensi] (Stempel auf S. 3);
D-BLfk Bestand 116 C, Nr. 75: Helene Fürst. (Stempel auf S. 1 von VSt. sowie VcSt.);
D-LÜh O,286: [Musikverlag und Musikalienhandlung] JOH.[ANN] AUG.[UST] BÖHME | NEUERWALL 35 | HAMBURG (Stempel auf Titelblatt / Innentitelblatt), CLARA HERRMANN (Stempel auf S. 1 von VSt. sowie VcSt.)
M. 7,50.
kein Dp
VN: 11064
A: _
F: V3, B4
D-Mbs 4 Mus.pr. 24100, D-SAAm N 18109
Druck 1876–78: früh. 1876 (nach Erstdruck 1875), 1875–78 (siehe Datierung von D-B
Mus. 3262)
• Titel: identisch mit Innentitel von D-B Mus. 3262. Bei der ersten Notenseite unterscheiden
sich jedoch die Fußzeilen, indem nur in dieser Ausgabe die Fußzeile V3 vorkommt.
• Provenienz / D-Mbs 4 Mus.pr. 24100: C. Peters Nachf. Kopp & Co. | Musikalienhandlung u.
Antiquariat | München 22, Widenmayerstraße 25 (Stempel auf Titelblatt)
7,50 M.
kein Dp
VN: 11064
A (Nr. 389.): Ti
[S. 40 leer]
F: V4, B4
Noch ohne
Verlagsanzeige
auf S. [40]
D-Bss XI k 414
Druck 1884–1905: ab 1884 (1883–84 Erstveröffentlichung des Oratoriums op. 83 von Kiel | unter
den im Katalogtitel genannten Werken Kiels dasjenige mit dem spätesten Druckjahr),
1846–1905 (Firmenname von Röder ohne GmbH), 1847–1918 (Bote & Bock als Hofmusikalienhändler), spät 1914 (Bote & Bock-Katalog 1914, 265)
• Titel (Friedrich-Kiel-Porträt + Rahmen + Text: grün) als Katalogtitel: „FRIEDRICH KIEL. |
Op. 5. | […] | Op. 65. Zwei Trios. Für Klavier, Violine, | und Violoncell. | Nr. 1 A dur 8,– M. |
Nr. 2. G moll 7,50 M. | […] | Eigenthum der Verleger für alle Länder. | Aufführungsrecht vorbehalten. | Ed. Bote & G. Bock, Berlin, | Königliche Hofmusikalienhändler. | [links:] Nr. 389.
[Mitte:] C. G. Röder, Leipzig.“; Auflistung aller bei Bote & Bock erschienenen Werke Kiels
(op. 5 bis op. 83, siehe op. 65:1 Druck in D-BLfk)
• Provenienz / D-Bss XI k 414: Roland Dawczynski | Berlin-Steglitz, Albrechtstr. 10 (Stempel
auf Titelblatt)
363
7,50 M.
kein Dp
VN: 11064
A (Nr. 389.): Ti
A (No. 422.):
S. [40]
F: V4, B4
F (S. 39)
D-KNmi 6,358, D-Sh B II 5
Druck 1909: ab 1909 – Bote & Bock übernahm die Instrumentalwerke Max Regers, die in der
Verlagsanzeige auf Seite [40] des Umschlags aufgelistet sind, von anderen Verlagen in den
Jahren 1908 (Orgelwerke op. 67, 69) und 1909 (Kammermusikwerke op. 72, 74, 77a, 77b, 78,
84, 91, 102, 103a / Orgelwerk op. 73 / Klavierwerke op. 81, 82 H. 1–2, 86, 89, 96, 99 / Orchesterwerke op. 90, 93, 95, 100);
bis 1909 – In der Verlagsanzeige auf Seite [40] sind alle späteren, 1909–13 bei Bote & Bock
erstveröffentlichten Instrumentalwerke Max Regers nicht enthalten: 1909 (Kammermusikwerke
op. 107, 109, 117 H. 1–8, 103b), 1910 (Orchesterwerk op. 114 / Klavierwerk op. 115), 1911
(Klavierwerk op. 82 H. 3 / Kammermusikwerke op. 113, 118, 122 / Orchesterwerk op. 120),
1912 (Klavierwerk op. 82 H. 4 / Orchesterwerke op. 123, 125), 1913 (Orgelwerke op. 127, 129 /
Orchesterwerk op. 128),
1884–1918 (Bote & Bock als Hofmusikalienhändler und Verlagsadresse Berlin W.8), ab 1891
(The Boston Music Company), 1906–21 (Firmenname und -adresse von Eschig), 1905–30 (Firmenname von Röder mit GmbH in Fußzeile auf S. 39 [!] / veralteter Firmenname von Röder
ohne GmbH auf Titelblatt)
• Titel als Katalogtitel: identisch mit Titel von D-Bss XI k 414
• Verlagsanzeige S. [40] (Text: grün): Instrumental-Werke | von | Max Reger. | [Werkauflistung] | Eigenthum der Verleger für alle Länder. | Aufführungsrecht vorbehalten. | All rights, including right of performance, reserved for all countries. | Ed. Bote & G. Bock, Berlin W.8 | Königliche Hofmusikalienhändler. | [links:] The Boston Music Company (G. Schirmer) Boston. [Mitte:]
Printed in Germany. [rechts:] Max Eschig Paris 13, Rue Laffitte. | No. 422.
Neudruck
Titel: Edition Silvertrust | Piano Trio | No. 7 in g minor | Op.65 No. 2 | Composed by | Friedrich | Kiel |
[Fußzeile:] ES-2007-126 [!] (Titelblatt der Part.); Piano Trio No. 7 in g minor, Op. 65 No. 2 (Überschrift in St.);
Titel laut freundlicher Mitteilung von Edition Silvertrust
Ausgabe: Riv. 2007, Edition Silvertrust (VN: ES-2007-163), Vorwort – mit Fotografie und biografischen Informationen über den Komponisten Friedrich Kiel – vom „Editor in Chief“ Raymond Harvey Rawlins Silvertrust, ohne
Taktzählung; korrigierter Nachdruck einer Bote & Bock-Ausgabe (mit hinzugefügter Buchstabenzählung) | Herausgeber: Raymond Harvey Rawlins Silvertrust
b) Datierung
Entstehungszeit 1874
Siehe Punkt „b) Entstehungszeit 1874 (für op. 65:1-2)“ bei op. 65:1
Druckjahre / -monate
1. Druck: Dez. 1875 (Bln. und Pn., Ed. Bote & G. Bock / M. 7,50.)
Vergleiche:
Literaturangaben unter Punkt „b) 1. Druck“ bei op. 65:1
Vergleiche:
Wahrscheinlich D-B Mus. 3262
Druck: 1876–78 (Bln. und Pn., Ed. Bote & G. Bock / M. 7,50.)
Freidank (17.7.1878, 460)
Druck vor Juli 1878 (Druckrezension Anzeigen und Beurtheilungen.
Nova Instrumentalis, Klaviertrio g-Moll op. 65:2 für M. 7,50, Klaviertrio A-Dur op. 65:1 nicht aufgelistet)
Vergleiche:
D-Mbs 4 Mus.pr. 24100
Druck: 1884–1905 (Bln., Ed. Bote & G. Bock / 7,50. M.)
Vergleiche:
D-Bss XI k 414
Druck: 1909 (Bln. W.8, Ed. Bote & G. Bock / 7,50 M.)
Bote & Bock-Katalog (1914, 265)
Druck spät. 1914 (7,50 M. Netto.)
Vergleiche:
D-KNmi 6,358
Neudruck: 2007 (Riv., Edition Silvertrust)
364
c) Konzerte, Rundfunkeinspielungen, CD-Aufnahmen, Spieldauer
Konzerte
6.11.1876
12.12.1876
3.2.1877
8.2.1885
11.12.1885
Berlin, Kammermusiksoiree von Barth / Ahna / Hausmann, Montagabend, Barth-Klaviertrio I
[Heinrich Barth (Kl.) + Heinrich de Ahna (V.) + Robert Hausmann (Vc.)]
Köln, Heckmanns 4. Kammermusiksoiree, Dienstagabend, Marie Heckmann oder Frau Niethen
(Kl.) + Robert Heckmann (V.) + Ludwig Ebert (Vc.)
Berlin / TV Berlin (Aula des Kgl. Friedrich-Wilhelm-Gymnasiums), 2. Soiree des TV Berlin für
außerordentliche Mitglieder, Samstag 19:30 Uhr, Barth-Klaviertrio I
Berlin (Konzertsaal der Kgl. Hochschule für Musik), 1. Kammermusikmatinee im Hochschulsaal / Einladungsmatinee (nur für eingeladene Zuhörer), Sonntagmittag, Barth-Klaviertrio I
Potsdam, 3. Kammermusiksoiree von Barth / Ahna / Hausmann, Freitagabend, Barth-Klaviertrio I
CD-Aufnahme
Titel: Friedrich Kiel | Klaviertrios | Piano Trios [op. 3 und op. 65:1–2]; Düsseldorf ©/℗ 2000, KOCH CLASSICS GmbH / Schwann Musica Mundi in Koproduktion mit dem Bayerischen Rundfunk in Nürnberg (Bestellnummer: 3-6738-2, DDD-Aufnahme)
Aufnahme: Nov. 1995 Bamberg (Konzerthalle, Kleiner Saal), Genberg-Trio [Noriko Mizuno (Kl.), Matthias
Krug (V.) + Matthias Ranft (Vc.)]
(Sendungen: vollständiges Werk am 14.2.2001 NDR 3 / 8.5.2003 SWR 2 / 20.11.2007 WDR 3; 2. Satz am
22.8.2000 NDR 3; 3. Satz am 1.11.2001 SWR 2)
Es sind keine Konzerte seit 1979 (Gründung der Friedrich-Kiel-Gesellschaft e. V.), Rundfunkeinspielungen und
CD-Aufnahmen bekannt.
Spieldauer
21' 44'' (1995 CD-Aufnahme)
9' 25'' (I)
4' 44'' (II)
7' 30'' (III)
Metronomangaben, anhand deren die Spieldauer berechnet werden kann, sind in den historischen Notenausgaben
nicht angegeben.
365
A16. Op. 67 (Bratschensonate g-Moll für Va./Vc./V. und Kl.)
Alternativbesetzung
Bratsche (oder Cello oder Violine) und Klavier.
a) Manuskripte / Drucke
Abschrift Violastimme (spät. 11. Mai 1887): D-F Q 54/170(3)
Titel: Sonate | für | Piano & Viola | Op. 67. | von | Friedrich Kiel. | Viola. (Titelblatt der VaSt.)
Material: nur VaSt. 14 S. (Titelblatt S. [1], Noten S. 2–13); Hochformat 34 x 27 cm; Reinschrift
Datierung 11. Mai 1887: Datierung der Abschrift (oder Aufführungsdatum?): „11. Mai 1887.“ (handschriftlicher
Vermerk auf dem Umschlag, in den das Manuskript eingelegt ist), ohne originale Datierung
Provenienz: Manskopfsches Museum für Musik- u. Theaterg.[eschichte] | Stadt Frankfurt a. M. (Stempel auf S. 2)
Alte Drucke
Widmung: Dr Julius Rietz
Material: Part. 39 S. (Va. und Kl.) und 3 St. (Va., als Alternativstimmen V. und Vc.) à 12 S.; 3 VN (11197–11199)
im Notenteil 11197_99 (Part.), 11197 (VaSt.), 11198 (alternative VcSt.) und 11199 (alternative VSt.) sowie auf
dem Titelblatt 11197–99
Der Partitur, welche die Originalbesetzung enthielt, wurde je nach gewünschter Ausgabe eine Stimme für Va. oder in
Alternativbesetzung für V. oder Vc. beigelegt.
Fußzeilen (S. 2): V3 / V4 (links), Bo3 / Bo4 (rechts)
M. 7,00.
kein Dp
VN: 11197–99
A: _
F: V3, Bo3
D-Mbs 2 Mus.pr. 4376; D-Bhm RA 6257 [Olim-Sign.: NR 8647]; D-BLfk Bestand 116 C,
Nr. 74 (als Depositum in D-Budka), PL-Tu IV 1901
Druck 1876–78 (1. Druck 1876): früh. 1876 (Erstdruck 1876), 1873–78 (Verlagsadressen von
Bote & Bock), 1861–88 (Regierungszeit des preußischen Königs Wilhelm I. laut Verlagsauszeichnung Hof-Musikhandlung J. J. M. M. des Königs)
• Außentitel (graublau) auf Umschlagvorderblatt recto: SONATE | für Pianoforte und Viola |
(oder für Pianoforte mit Violoncello oder Violine) | von | FRIEDRICH KIEL. | Op. 67. | Ausgabe für
Pianoforte und Viola Pr.[eis] M. 7,00. | Ausgabe für Pianoforte und Violoncello [Pr. M.] 7,00. |
Ausgabe für Pianoforte und Violine [Pr. M.] 7,00. | Eigenthum der Verleger. | BERLIN & POSEN | [links:] Leipziger Str. 37. [rechts:] Wilhelm Str 21. | [links:] Unter den Linden 27. [rechts:]
Mylius Hôtel | [links:] Breslau, Lichtenberg. [Mitte:] ED. BOTE & G. BOCK. [rechts:] Stettin,
Simon. | Hof-Musikhandlung | J. J. M. M. des Königs u. der Königin u. S. K. H. des Prinzen
Albrecht v. Preussen. | Leipzig: Leede. | Eingetragen gemäss den Vorschriften der internationalen Verträge. | 11197–99.
• Innentitel: HERRN DR JULIUS RIETZ | gewidmet. | Sonate | FÜR PIANOFORTE UND
VIOLA | (oder für Pianoforte mit Violoncello | oder Violine) | von | FRIEDRICH KIEL. | OP. 67. |
[Textfortsetzung: wie bei Außentitel] | Lith. Anst. von C. G. Röder, Leipzig.
• Graublauer Umschlag vollständig nur bei D-Mbs 2 Mus.pr. 4376 und Vorderblatt dieses Umschlags, d. h. das Außentitelblatt, nur bei D-Bhm RA 6257 vorhanden
• Provenienz / D-Mbs 2 Mus.pr. 4376: Alfred Schmid Nachf. | (Unico Hensel) | MusikalienGross-Sortiment | Pianofortehandlung | München | 34 Theaterstrasse 34. (Stempel auf Titelblatt /
Innentitelblatt);
D-Bhm RA 6257: Philipp Spitta (Unterschrift in schwarzer Tinte auf Außentitelblatt von Philipp Spitta, seit 1875 Professor für Musikgeschichte an der von Joachim geleiteten Abteilung
für ausübende Tonkunst der Kgl. Hochschule für Musik und 1882–94 Vorsteher der Verwaltung
der gesamten Kgl. Hochschule für Musik
M. 7,00.
kein Dp
VN: 11197_99
A: _
F: V3, Bo3
D-B Mus. 3271; D-F Mus.pr. Q54/170, D-KAdraheim o. Sign.
Druck 1881: 1881 [SfMW (Febr. 1882, 162)], 1878–85 (Verlagsadressen von Bote & Bock),
1861–88 (Regierungszeit des preußischen Königs Wilhelm I. laut Verlagsauszeichnung HofMusikhandlung J. J. M. M. des Königs)
• Außentitel (hellrosafarben) auf Umschlagvorderblatt recto: SONATE | für Pianoforte und Viola |
(oder für Pianoforte mit Violoncello oder Violine) | von | FRIEDRICH KIEL. | Op. 67. | Ausga-
366
be für Pianoforte und Viola Pr. M. 7,00. | Ausgabe für Pianoforte und Violoncello " "
[Pr. M.] 7,00. | " " [Pr. M.] 7,00. | Ausgabe für Pianoforte und Violine " " [Pr. M.] 7,00. | Eigenthum der Verleger. | BERLIN & POSEN | [links:] Leipziger Str. 37. [rechts:] Wilhelm Str 23. |
[links:] Unter den Linden 3. [rechts:] Mylius Hôtel | [links:] Breslau, Lichtenberg. [Mitte:] ED.
BOTE & G. BOCK. [rechts:] Stettin, Simon. | Hof-Musikhandlung | J. J. M. M. des Königs u.
der Königin u. S. K. H. des Prinzen Albrecht v. Preussen. | Leipzig: Leede. | Eingetragen gemäss
den Vorschriften der internationalen Verträge. | 11197–99. | Lith. Anst. v. C. G. Röder Leipzig
• Innentitel: HERRN DR JULIUS RIETZ | gewidmet. | Sonate | FÜR PIANOFORTE UND
VIOLA | (oder für Pianoforte mit Violoncello | oder Violine) | von | FRIEDRICH KIEL. | OP. 67. |
[… / Textfortsetzung wie Außentitel]
• Hellrosafarbener Umschlag nur bei D-B Mus. 3271 vorhanden
• Provenienz / D-B Mus. 3271: Ex | Bibl.[iotheca] Regia | Berolin.[ensi] (Stempel auf S. 2);
D-F Mus.pr. Q54/170: Manskopfsches Museum | f. Musik u. Theatergesch.[ichte] | Stadt Frankfurt a. M. (Stempel auf S. 2)
M. 7,_.
kein Dp
VN: 11197–99
A: _
F: V3, Bo3
D-Dmb TV 3345
Druck 1888–1901: Prinzessin Victoria 1888–1901 als Kaiserin Friedrich (in Firmierung von
Bote & Bock als: Hofmusikalienhändler Sr. M. des Kaisers u. Königs, I. M. der Kaiserin Friedrich u. Sr. K. H. des Prinzen Albrecht v. Preussen) und 1846–1905 (Firmenname von Röder
ohne GmbH) laut Außentitelblatt. Die Informationen des – älteren – Innentitelblattes sind nicht
berücksichtigt, da sie den Druck auf 1881 datieren würden.
• Außentitel (ockergelb) auf Umschlagvorderblatt recto: SONATE | für Pianoforte und Viola |
(oder für Pianoforte mit Violoncello oder Violine) | von | FRIEDRICH KIEL. | Op. 67. | Ausgabe für Pianoforte und Viola M. 7,_. | Ausgabe für Pianoforte und Violoncello [M.] 7,_ | Ausgabe für Pianoforte und Violine [M.] 7,_. | Eigenthum der Verleger für alle Länder. | Aufführungsrecht vorbehalten. | ED. BOTE & G. BOCK, BERLIN. | Hofmusikalienhändler | Sr. M.
des Kaisers u. Königs, I. M. der Kaiserin Friedrich u. Sr. K. H. des Prinzen Albrecht v. Preussen. | 11197–99. | Lith. Anst. v. C. G. Röder, Leipzig.
• Innentitel: Text wie bei Innentitelblatt von D-B Mus. 3271
• Provenienz / D-Dmb TV 3345: TONKÜNSTLER-VEREIN | ZU | DRESDEN (Stempel auf
Außen- und Innentitelblatt)
M. 7,00.
kein Dp
VN: 11197–99
A: _
F: V4, Bo4
D-B DMS 5359; A-Wgm XI 64 168, D-BLfk Bestand 116 C, Nr. 74 (als Depositum in
D-Budka)
Druck 1888–1901: Prinzessin Victoria 1888–1901 als Kaiserin Friedrich (in Firmierung von
Bote & Bock als: Hofmusikalienhändler Sr. M. des Kaisers u. Königs, I. M. der Kaiserin Friedrich u. Sr. K. H. des Prinzen Albrecht v. Preussen) und 1846–1905 (Firmenname von Röder
ohne GmbH)
• Außentitel (altrosa meliert) auf Umschlagvorderblatt recto: SONATE | für Pianoforte und
Viola | (oder für Pianoforte mit Violoncello oder Violine) | von | FRIEDRICH KIEL. | Op. 67. |
Ausgabe für Pianoforte und Viola Pr. M. 7,00. | Ausgabe für Pianoforte und Violoncello
[Pr. M.] 7,00. | Ausgabe für Pianoforte und Violine [Pr. M.] 7,00. | Eigenthum der Verleger für
alle Länder. | Aufführungsrecht vorbehalten. | ED. BOTE & G. BOCK, BERLIN. | Hofmusikalienhändler | Sr. M. des Kaisers u. Königs, I. M. der Kaiserin Friedrich u. Sr. K. H. des Prinzen
Albrecht v. Preussen. | 11197–99. | Lith. Anst. v. C. G. Röder, Leipzig
• Innentitel: HERRN DR JULIUS RIETZ | gewidmet. | Sonate | FÜR PIANOFORTE UND VIOLA | (oder für Pianoforte mit Violoncello | oder Violine) | von | FRIEDRICH KIEL. | OP. 67. |
Textfortsetzung wie bei Außentitel]
• Altrosa melierter Umschlag nur bei D-B DMS 5359 vorhanden
• Provenienz / D-B DMS 5359: Geschenk des Verlags an die Deutsche Musiksammlung | BERLIN | bei d. Kgl. Bibliothek (2 Stempel auf Innentitelblatt);
A-Wgm XI 64 168: nicht aus Brahms-Nachlass; Musikalien-Handlung, Antiquariat | LUDWIG
DOBLINGER | […] | Wien I. Dorotheenstr. 19 (Stempel auf Titelblatt / Innentitelblatt);
D-BLfk Bestand 116 C, Nr. 74: Musikalienhandlung | Georg Plothow | Berlin W. | [… / abgeschnitten] 13 (Stempel auf Titelblatt / Innentitelblatt)
367
M. 7,–
kein Dp
VN: 11197–99
A (Nr. 389.): Ti
F: V4, Bo4
D-B DMS 5360, D-B DMS 5361
Druck 1901–05: 1901–06 (Bote & Bock firmiert ohne Kaiserin Friedrich als: Hofmusikalienhändler Sr. M. des Kaisers u. Königs u. Sr. K. H. des Prinzen Albrecht von Preussen), 1846–
1905 (Firmenname von Röder ohne GmbH)
• Titel (Friedrich-Kiel-Porträt + Rahmen + Text: grün) als Katalogtitel: „FRIEDRICH KIEL. |
Op. 5. […] | Op. 67. Sonate. G moll. | Für Bratsche und Klavier (M.) 7,– | Für Violoncell und
Klavier 7,– | Für Violine und Klavier 7,– | […] | Eigenthum der Verleger für alle Länder. |
Aufführungsrecht vorbehalten. | Ed. Bote & G. Bock, Berlin, | Hofmusikalienhändler | Sr. M.
des Kaisers u. Königs u. Sr. K. H. des Prinzen | Albrecht von Preussen. | [links:] Nr. 389. [Mitte:] C. G. Röder, Leipzig.“; Auflistung aller bei Bote & Bock erschienenen Werke Kiels (op. 5
bis op. 83, siehe op. 65:1 Druck in D-BLfk). Diese Ausgabe ist neuer als alle zuvor aufgelisteten Notenausgaben.
• Zusätzliches Titelblatt für VcSt. und VSt. – Text wie bei Außentitel von D-Dmb TV 3345
• Provenienz / D-B DMS 5360 mit Part. und VcSt. (= Ausgabe Für Violoncell und Klavier):
Deutsche Musiksammlung | BERLIN | bei d. Kgl. Bibliothek (Stempel auf S. 1);
D-B DMS 5361 mit Part. und VSt. (= Ausgabe Für Violine und Klavier): Geschenk des Verlags an die Deutsche Musiksammlung | BERLIN | bei d. Kgl. Bibliothek (2 Stempel auf Titelblatt)
M. 7,–
kein Dp
VN: 11197–99
A (T.37):
S. [40]
F: V4, Bo4
D-Mmb 9530.4744
Druck 1918–24: ab 1918 (Bote & Bock firmiert ohne Titel Hofmusikalienhändler und ohne
Nennung des deutschen Kaisers), bis 1924 (1924 Einführung der Reichsmark RM), 1884–1943
(Verlagsadresse Berlin W.8 von Bote & Bock)
• Titel: HERRN DR JULIUS RIETZ | gewidmet. | Sonate | FÜR PIANOFORTE UND VIOLA |
(oder für Pianoforte mit Violoncello | oder Violine) | von | FRIEDRICH KIEL. | OP. 67. | Ausgabe für Pianoforte und Viola M. 7,–. | Ausgabe für Pianoforte und Violoncello " [M.] 7,–. |
Ausgabe für Pianoforte und Violine " [M.] 7,–. | [links:] Eigenthum der Verleger für alle Länder. [rechts:] Aufführungsrecht vorbehalten. | ED. BOTE & G. BOCK | BERLIN W.8. | Gegründet 1836.
• Verlagsanzeige S. [40]: Kompositionen für Solo-Instrumente | mit Begleitung des Orchesters
oder Quartetts. | […] | Eigentum [!] der Verleger für alle Länder. | Aufführungsrecht vorbehalten | ED. BOTE & G. BOCK, BERLIN W 8 | T.37; Auflistung von Werken verschiedener
Komponisten, darunter keine Komposition Kiels genannt
• Provenienz / D-Mmb 9530.4744: 1927/28 Nr 1069 (vermutlich Inventarnummer), Ankauf
von der früheren Münchner Musikalienhandlung Otto Bauer im Jahr 1927 durch die Bibliothek
D-Mmb (freundliche Mitteilung des Musikbibliothekars Konrad Foerster vom 17.6.2008)
Zwei Neudrucke (1972)
Material: Jeder Neudruck besteht aus Partitur und Violastimme, wobei die noch bis 1918–24 veröffentlichten
Alternativbesetzungen (Vc., V.) des Originalverlags weder im Titel erwähnt noch als Einzelstimmen verfügbar sind.
1) Titel: UNBEKANNTE WERKE DER KLASSIK UND ROMANTIK | 22 | FRIEDRICH KIEL | SONATE | für
Viola und Klavier | OPUS 67 | WW | [Fußzeile:] VERLAG WALTER WOLLENWEBER . MÜNCHEN-GRÄFELFING
Ausgabe: Mn.-G. 1972, Walter Wollenweber (VN: WW 22); Nachwort von Wolfgang Sawodny, ohne Taktzählung; Nachdruck einer Bote & Bock-Ausgabe (hinzugefügte Buchstabenzählung)
2) Titel: Friedrich Kiel | 1821–1885 | Sonate in g-moll | op. 67 | für Viola und Klavier | [Fußzeile:] Verantwortlicher Herausgeber Bernhard Päuler | 1972 | AMADEUS | ZU BEZIEHEN DURCH | Edition Eulenburg,
CH-8134 Adliswil-Zürich, Grütstraße 28, Tel. (01) 91 36 81
Ausgabe: AdZ., 1972, Amadeus (VN: GM 100 / GM = General Music Series); ohne Vorwort, mit Taktzählung;
Nachdruck einer Bote & Bock-Ausgabe (hinzugefügte Taktzählung) / Herausgeber: Bernhard Päuler
b) Datierung
Entstehungszeit 1875 oder 1875–76
Friedrich Kiel schilderte in seinem in Kapitel 3.1 vollständig zitierten Brief (18.11.1875), dass er momentan
[Mitte November 1875] mit einem größeren Werke, u. zugleich mit einer Sonate für Viola (oder Violoncell) u.
Pianoforte [op. 67] beschäftigt sei. Der Musikwissenschaftler Erich Prieger, der ein Schüler und persönlicher
Freund Kiels gewesen war und einen Großteil seines handschriftlichen Musiknachlasses erwarb, datierte die Sonate
368
hingegen auf das Jahr 1876 in Prieger (1884, 273 bzw. 1906, 131), womit er wohl lediglich das Fertigstellungsjahr angab. Daraus ergibt sich insgesamt die Entstehungszeit 1875–76.
Obwohl das Entstehungsjahr 1875 durch den Komponisten verbürgt ist, gaben Erich Reinecke und Konrad Ewald
(in Reinecke 1936, 84 und Ewald 1989, 106) irrtümlich das Jahr 1871 an.
Druckjahre
1. Druck: (vor Nov.) 1876 (Bln. und Pn., Ed. Bote & G. Bock / VN: 11197–99, M. 7,00.)
Der Erstdruck erschien im Jahr 1876, in dem Hermann Ritter auch seine neu konstruierte Bratsche, die sog. „Viola alta“, der Öffentlichkeit vorstellte.
Hofmeister (Okt./Nov. 1876, 255)
Druck vor Nov. 1876 (Berlin: Bote & Bock, jede Ausgabe: Mk 7.)
NBM (15.11.1876, 368)
Druck vor Nov. 1876 (Verlagsanzeige: NEUE MUSIKALIEN […]
II. Instrumental-Musik. […] Op. 67. Sonate für Pianoforte und
Viola […] Violoncello […] Violine; jede Ausgabe M 7,00)
Hahn (27.1.1877, 52), Altmann (1901, 150), Druck 1876 (M. 7,00, Druckrezension von Hahn am 27. Jan.
Reinecke (1936, 84)
1877)
Vergleiche:
D-Mbs 2 Mus.pr. 4376
Laut den VN-Listen in Deutsch (1961, 9) würde der Erstdruck mit VN 11197–99 irrtümlich auf 1877 datiert werden (1876: VN 11115, 1877: VN 11176–11404).
Druck: 1881 (Bln. und Pn., Ed. Bote & G. Bock / VN: 11197–99, M. 7,00.)
SfMW (Febr. 1882, 162)
Druck 1881 (Rückblick auf das Musikjahr 1881, 4. Teil: Auflistung von ausgewählten, 1881 publizierten Notenausgaben)
Vergleiche:
D-B Mus. 3271
Zwei Drucke: 1888–1901 (Bln., Ed. Bote & G. Bock / VN: 11197–99, M. 7,–. bzw. M. 7,00.)
Hofmann (1904, 174)
Druck spät. 1904 (7,– Mark)
Vergleiche:
D-Dmb TV 3345, D-B DMS 5359
Druck: 1901–05 (Bln., Ed. Bote & G. Bock / VN: 11197–99, M. 7,–)
Bote & Bock-Katalog (1914, 267)
Druck spät. 1914 (kriegsbedingte Preisänderung: Netto M. 6,–)
Vergleiche:
D-B DMS 5360
Druck: 1918–24 (Bln. W.8, Ed. Bote & G. Bock / VN: 11197–99, M. 7,–)
Vergleiche:
D-Mmb 9530.4744
Zwei Neudrucke: 1972 (Mn.-G., Wollenweber; AdZ., Amadeus / Edition Eulenburg)
Jahresverzeichnis (1981, 136)
Wollenweber 1972 (16,– DM)
Ewald (1989, 106)
Amadeus 1972
c) Konzerte, Rundfunkeinspielungen, CD-Aufnahmen, Spieldauer
Konzerte
17.1.1878
25.4.1882
4.4.1888
vor 1909
21.12.1909
8.10.1981
11.10.1985
Berlin (Saal des Hôtel de Rome), 2. Abonnementkonzert von Bischoff / Hollaender, Donnerstagabend, Hans Bischoff (Kl.) + Gustav Hollaender (Va.)
Frankfurt am Main / TV Frankfurt „Leyerkasten“, Dienstagabend, Herr Wassmann (Kl.) + Herr
Zwack (V.)
Berlin, Letztes Abonnementkonzert im Jahr 1888 von Hans Bischoff und Wilhelm Hellmich, Mittwochabend, Hans Bischoff (Kl.) + August Gentz (Va.)
Dresden / TV Dresden (erste Aufführung von op. 67 im TV Dresden), Interpreten (Kl., Va.) und
Aufführungsjahr unbekannt; Aufführungsangaben laut TVBB 46. Jg. (1909/10, 45)
Dresden / TV Dresden, 6. Übungsabend (zweite Aufführung von op. 67 im TV Dresden), Dienstagabend, Emil Kronke (Kl.) + Richard Rokohl (Va.)
Bonn (Hauskonzert), Donnerstag, Gabriele Syré (Kl.) + Michael Küssner (Va.)
Berlin / DDR (Musikclub im Schauspielhaus), Freitagabend, Werner Genuit (Kl.) + Jürgen Kussmaul (Va.)
369
3.10.1996
21.4.1999
8.10.2007
28.4.2008
14.11.2009
Bad Berleburg (Schloss Berleburg), Kammerkonzert / Eröffnungskonzert der Friedrich-Kiel-Musiktage (27.9. – 17.10.1996), Donnerstag 20 Uhr, Thomas Palm (Kl., vom Kölner Klaviertrio) + Mile Kosi (Va.)
Klarenthal (Evangelische Kirche), Vorspiel Violinklasse Lieselotte Grooß (Wiesbadener Musikund Kunstschule), Mittwoch, Corinna Praetorius (Kl.) + Christoph Osmialowski (Va.)
Bad Laasphe an der Lahn (Großer Saal des „Haus des Gastes“), Sonderkonzert / Kammerkonzert
„Friedrich-Kiel-Geburtstagskonzert“, Montag 19:30 Uhr, Wolfram Lorenzen (Kl.) + Ulrich von
Wrochem (Va.)
Stralsund, Hauskonzert (Mönchstraße 12), Montagabend, Anton Werner (Kl.) + Angelika Werner (Va.)
Bad Arolsen (Schreibersches Haus, Festsaal), Kammerkonzert zur Jahresmitgliederversammlung
der Friedrich-Kiel-Gesellschaft e. V. [Veranstalter: Museumsverein Bad Arolsen e. V. (Leiterin
Birgit Kümmel) in Zusammenarbeit mit der Friedrich-Kiel-Gesellschaft e. V. (1. Vorsitzender
Hartmut Wecker)], Samstag 20 Uhr, Wolfram Lorenzen (Kl.) + Ulrich von Wrochem (Va.)
Rundfunkeinspielungen
23.10.1974
WDR Köln (Saal 2), Mittwoch, Werner Genuit (Kl.) + Jürgen Kussmaul (Va.)
(Sendungen im WDR 3: vollständiges Werk am 20.9.1978 + 25.3.1982; 1. Satz am 5.4.1983 +
1986 + 16.7.1988; 2. Satz am 21.12.1982 + 7.2.1991 + 1993 + 28.4.1994; 3. Satz am 22.9.1982 +
6.10.1987)
3.4.1975
NDR Hamburg (Studio 10), Donnerstag, Gerhard Gregor (Kl.) + Erich Sichermann (Va.)
(Sendungen: vollständiges Werk am 10.6.1984 NDR 3 / 16.10.1988 WDR 3)
CD-Aufnahme (mit Cello als Alternativbesetzung zur Bratsche)
Titel: Friedrich KIEL | [Complete] Works for Violoncello and Piano | Vol. 2 (Cellosonate D-Dur WoO in Originalbesetzung, Kleine Suite A-Dur für Violine und Klavier op. 77 sowie Bratschensonate g-Moll op. 67 jeweils in
Alternativbesetzung für Cello und Klavier; Detmold ©/℗ 2003, Dabringhaus und Grimm Audiovision GmbH
(Bestellnummer: MDG 612 1161-2 / MDG = Musikproduktion Dabringhaus und Grimm,, DDD-Aufnahme), Text
des Booklets (Werkeinführung) von Susanne Büchner
Vergleiche [Vol. 1] (mit op. 52): ohne Vol.-Zählung und mit erweitertem Titel Complete Works for Violoncello
and Piano
Aufnahme: 22. – 24.3.2002 Bad Arolsen (Fürstliche Reitbahn), Christoph Ullrich (Kl.) + Hans Zentgraf (Vc.)
[Interpreten von Kiels Cellosonate D-Dur WoO bei der „Uraufführung“ am 8.9.2001]
(Sendungen: vollständiges Werk am 23.6.2003 + 17.7.2003 jeweils RBB Radio 3 / 27.1.2008 RBB Kulturradio;
1. Satz am 24.11.2003 + 31.3.2004 jeweils HR 2)
Spieldauer
22' 45'' (3.4.1975 NDR)
Angaben zur Länge der Einzelsätze liegen dem Sender nicht vor.
24' 48'' (23.10.1974 WDR)
6' 48'' (I)
4' 29'' (II)
4' 43'' (III) 8' 38'' (IV)
29' 58'' (2002 CD-Aufnahme)
10' 03'' (I)
4' 34'' (II)
5' 14'' (III) 9' 47'' (IV)
Metronomangaben, anhand deren die Spieldauer berechnet werden kann, sind in den historischen Notenausgaben
nicht angegeben.
370
A17. Op. 75 (Klavierquintett Nr. 1 A-Dur)
a) Manuskripte / Drucke
Keine Manuskripte
Alte Drucke: Originalkomposition
Widmung: Seiner Majestät | dem König | ALBERT | von Sachsen | ehrfurchtsvoll gewidmet (Widmung auf losem
Einlegeblatt, das nach ein oder zwei Titelblättern in allen Ausgaben eingelegt wurde)
Material: Part. 69 S. und 4 St. (V. 1 und V. 2, Va., Vc.) mit 11 S. und dreimal 12 S., 4°
Fußzeilen (S. 3): V3 (links) / Bo4 (rechts)
M. 15,50.
kein Dp
VN: 12153
A: _
F: V3, Bo4
D-Dl 3.Mus.4.7811
Druck 1879–85 (1. Druck 1879): früh. 1879 (Erstdruck 1879), 1878–85 (Verlagsadressen von
Bote & Bock), 1861–88 (Regierungszeit des preußischen Königs Wilhelm I. laut Verlagsauszeichnung Hof-Musikhandlung J. J. M. M. des Königs)
Es handelt sich um den Erstdruck, da nur bei den nachfolgenden Auflagen, aber noch nicht bei
der Erstauflage auf dem Titelblatt der Klavierquintette auch ihre vierhändigen Bearbeitungen
vermerkt sind.
• Titel: Zwei | Quintette | für | Pianoforte, zwei Violinen, Viola | und Violoncell | von | FRIEDRICH KIEL. | N.°1. Op. 75. A-dur Pr.[eis] M. 15,50. | N.°2. Op. 76. C-moll Pr. M. 15,50. | Eigenthum der Verleger | BERLIN & POSEN | [links:] Leipziger Str. 37. [rechts:] Wilhelm Str. 23. |
[links:] Unter den Linden 3. [rechts:] Mÿlius Hotel. | [links:] Breslau, Lichtenberg. [Mitte:]
ED. BOTE & G. BOCK. [rechts:] Stettin, Simon. | Hof Musikhandlung | J. J. M. M. des Königs
u. der Königin u. S. K. H. des Prinzen Albrecht v. Preussen | [links:] Moskau, P. J. Jürgenson.
[rechts:] Leipzig, Leede. | Eingetragen gemäss den Vorschriften der internationalen Verträge. |
Lith. Anst. v. C. G. Röder Leipzig.
• Provenienz / D-Dl 3.Mus.4.7811: C. A. KLEMM | DRESDEN | LEIHANSTALT FÜR MUSIK
(Stempel auf Titelblatt), TONKÜNSTLER-VEREIN | ZU | DRESDEN (Stempel auf Titelblatt),
9.7.1986 (Vermerk auf Titelblatt / vermutlich Erwerbung durch D-Dl)
M. 15,50.
kein Dp
VN: 12153
A: _
F: V3, Bo4
D-Mmb 9538.1785
Druck 1880–85: 1879–85 (siehe Datierung von D-Dl 3.Mus.4.7811), früh. 1880 (ein dem
Erstdruck nachfolgender Druck)
Es handelt sich um einen der Auflagendrucke, in denen im Gegensatz zum Erstdruck im Titelblatt neben den Klavierquintetten auch ihre vierhändigen Bearbeitungen vermerkt sind.
• Titel: Zwei | Quintette | für | Pianoforte, zwei Violinen, Viola | und Violoncell | von | FRIEDRICH KIEL. | N.°1. Op. 75. A-dur Pr. M. 15,50. | Dasselbe im vierhändigen Arrangement
Pr. M. 8,80. | N.°2. Op. 76. C-moll Pr. M. 15,50. | Dasselbe im vierhändigen Arrangement
Pr. M. 8,00. | Eigenthum der Verleger | BERLIN & POSEN | [links:] Leipziger Str. 37. [rechts:]
Wilhelm Str. 23. | [links:] Unter den Linden 3. [rechts:] Mÿlius Hotel. | [links:] Breslau, Lichtenberg. [Mitte:] ED. BOTE & G. BOCK. [rechts:] Stettin, Simon. | Hof Musikhandlung | J. J. M. M.
des Königs u. der Königin u. S. K. H: des Prinzen Albrecht v. Preussen. | [links:] Moskau, P. J.
Jürgenson. [rechts:] Leipzig, E. F. Steinacker. | Eingetragen gemäss den Vorschriften der internationalen Verträge | Lith. Anst. v. C. G. Röder, Leipzig.
• Provenienz / D-Mmb 9538.1785: Schenkung unter dem nicht weiter identifizierbaren Namen
„Klein“ im Jahr 1927 an die Bibliothek D-Mmb (freundliche Mitteilung des Musikbibliothekars Konrad Foerster vom 17.6.2008)
M. 15,50.
kein Dp
VN: 12153
A: _
F: V3, Bo4
D-KNmi 8,67, D-Mbs 2 Mus.pr. 4828; D-B Mus. 3253, D-BLfk Bestand 116 C, Nr. 85
(als Depositum in D-Budka), PL-S Mus 84841
Druck 1880–85: 1879–85 (siehe Datierung von D-Dl 3.Mus.4.7811), früh. 1880 (ein dem Erstdruck nachfolgender Druck)
Es handelt sich um einen der Auflagendrucke, in denen im Gegensatz zum Erstdruck im Titelblatt neben den Klavierquintetten auch ihre vierhändigen Bearbeitungen vermerkt sind.
• Außentitel (grün) auf Umschlagvorderblatt recto und Innentitel: identischer Text Zwei | Quintette | für | Pianoforte, zwei Violinen, Viola | und Violoncell | von | FRIEDRICH KIEL. | N.°1.
Op. 75. A-dur Pr. M. 15,50. Im vierhändigen Arrangement Pr. M. 8,80. | N.°2. Op. 76. C-moll
Pr. M. 15,50. Im vierhändigen Arrangement Pr. M. 8,00. | Eigenthum der Verleger | BERLIN & POSEN | [links:] Leipziger Str. 37. [rechts:] Wilhelm Str. 23. | [links:] Unter den Linden 3.
371
[rechts:] Mÿlius Hotel. | [links:] Breslau, Lichtenberg. [Mitte:] ED. BOTE & G. BOCK. [rechts:]
Stettin, Simon. | Hof Musikhandlung | J. J. M. M. des Königs u. der Königin u. S. K. H: des
Prinzen Albrecht v. Preussen. | [links:] Moskau, P. J. Jürgenson. [rechts:] Leipzig, E. F. Steinacker. | Eingetragen gemäss den Vorschriften der internationalen Verträge | Lith. Anst. C. G.
Röder, Leipzig.
• Grüner Umschlag und Widmungs-Einlegeblatt nur bei D-KNmi 8,67 und D-Mbs 2 Mus.pr.
4828 vorhanden
• Provenienz / D-KNmi 8,67: GRANDUNER | 18, Rue Raynouard (Stempel auf Außentitelblatt);
D-Mbs 2 Mus.pr. 4828: BIBLIOTHECA | REGIA | MONACENSIS (Stempel auf Außentitelblatt);
D-B Mus. 3253: Ex | Bibl.[iotheca] Regia | Berolin.[ensi] (Stempel auf Innentitelblatt verso);
D-BLfk Bestand 116 C, Nr. 85: Novello, Ewer & Co., | Berners Street, London, W (Stempel auf
Titelblatt / Innentitelblatt, Firmenname 1867–98), MUSIC LIBRARY, | CHURCH ROAD, HENON, |
N.W (Stempel auf Titelblatt der Partitur sowie auf S. 1 der Sreicherstimmen), 13.07.[20]00 | [Musikantiquariat] Paul van Kuik, NL-Voorschoten (Datumsstempel mit Namensvermerk in Bleistift
auf S. [70] / Erwerbung am 13.7.2000 durch Friedrich-Kiel-Gesellschaft e. V.)
Neudruck
Titel: EDITION SILVERTRUST | Piano Quintet No. 1 | in A Major | Opus 75 | Composed by | Friedrich | Kiel |
[Fußzeile:] ES-2006-6 [!] (Titelblatt der Part.); Piano Quintet No. 1 in A Major, Op. 75 (Überschrift in St.); Titel
laut freundlicher Mitteilung von Edition Silvertrust
Ausgabe: Riv. 2006, Edition Silvertrust (VN: ES-2006-5); Vorwort – mit Fotografie und biografischen Informationen über den Komponisten Friedrich Kiel – vom „Editor in Chief“ Raymond Harvey Rawlins Silvertrust, ohne
Taktzählung; unveränderter Nachdruck einer Bote & Bock-Ausgabe
Alter Druck: Bearbeitung für Klavier vierhändig
Widmung: keine
Material: KlSt. 65 S., 4°
Fußzeile (S. 2): R1 (rechts)
M. 8,80.
kein Dp
VN: 12350
A: ? (S. [68])
F: R1
D-B Mus. 3289
Druck 1880–85 (1. Druck 1880): früh. 1880 (Erstdruck 1880), 1878–85 (Verlagsadressen von
Bote & Bock), 1861–88 (Regierungszeit des preußischen Königs Wilhelm I.)
• Außentitel (hellorange) auf Umschlagvorderblatt recto und Innentitel: identischer Text (Text
wie bei Titelblättern von D-KNmi 8,67 der Originalkomposition); ohne Widmungsblatt
• Nur Vorderblatt des hellorangen Umschlags, d. h. das Außentitelblatt, vorhanden; ggf. eine
Verlagsanzeige auf S. [68] des Umschlagrückblatts (hellorange), das in allen genannten Notenexemplaren fehlt
• Provenienz / D-B Mus. 3289: Ex | Bibl.[iotheca] Regia | Berolin.[ensi] (Stempel auf Innentitelblatt)
b) Datierung
Entstehungszeit 1878 (Originalkomposition op. 75)
Laut den Schülermemoiren von Erich Prieger (Prieger 1884, 273 bzw. 1906, 131), der zudem ein persönlicher
Freund Kiels gewesen war und einen Großteil seines handschriftlichen Musiknachlasses erwarb, entstanden beide
Klavierquintette erst kurz vor ihrer Drucklegung, d. h. das Klavierquintett A-Dur op. 75 im Jahr 1878 und das
Klavierquintett c-Moll op. 76 im Jahr 1879. Die von Kiel in seinem Brief (17.2.1879) verwendete Formulierung
mein Clavierquintett im Singular bestätigt, dass im Februar 1879 erst ein Klavierquintett – das Klavierquintett
A-Dur op. 75 – als fertiggestellte Komposition vorlag: Hierdurch die ergebene Mittheilung, daß ich Uebermorgen, Mittwoch 12 Uhr in meiner Wohnung eine Probe meines Clavierquintetts veranstaltet gebe (Brief 17.2.1879
in Kapitel 4.4 vollständig zitiert).
Die meisten, nämlich drei Autoren gaben irrtümlich 1874 als Entstehungsjahr für die Klavierquintette op. 75 und
op. 76 an: in dem handschriftlichen Lebensabriss (c1881*, 4) bzw. dem publizierten Zeitungsartikel AllgemeineZ
(1885, 4369), deren fast identischer Text auf einem 1881 mit Kiel geführten Interview desselben unbekannten
Verfassers beruht, in Reinecke (1936, 85) und Schmieder (1984, 232). Man kann davon ausgehen, dass ein Komponist eine Hauskonzert nur kurze Zeit nach der Fertigstellung einer Komposition und nicht fünf Jahre später veranstaltete, zumal wenn er wie Kiel mit seinem Brief (17.2.1879) seinen Musikverleger Hugo Bock dazu einlud.
372
Die Aussage von Arnold Niggli, dass die beiden Quintette ungefähr gleichzeitig entstanden seien (Niggli 1882,
817), kann sich hierbei sowohl auf 1874 als auch auf 1878 bzw. 1879 als Entstehungszeit beziehen.
Entstehungszeit früh. Aug. 1879 / spät. Aug. 1880 (Bearb. von op. 75 für Kl. 4hd.)
Die Entstehungszeit der vierhändigen Bearbeitungen beider Klavierquintette lag nach der Entstehung (1878–79)
und Drucklegung (Aug./Sept. 1879) beider Klavierquintette sowie vor dem Erstdruck beider Bearbeitungen (vor
Sept. / vor Dez. 1880) und somit innerhalb des Zeitraums August 1879 bis August 1880 (für die Bearbeitung op. 75)
bzw. bis November 1880 (für Bearbeitung von op. 76). Dass die Bearbeitungen erst nach dem Erstdruck der Klavierquintette entstanden, geht daraus hervor, dass auf den Titelblättern der Erstauflagen der Klavierquintette der folgende Verweis auf die Klavierbearbeitungen – wie z. B. im Exemplar D-Mmb 9538.1785 von op. 75 – noch fehlt:
Zwei | Quintette | für | Pianoforte, zwei Violinen, Viola | und Violoncell | von | FRIEDRICH KIEL. | N.°1. Op. 75.
A-dur Pr. M. 15,50. | Dasselbe im vierhändigen Arrangement Pr. M. 8,80. | N.°2. Op. 76. C-moll Pr. M. 15,50. |
Dasselbe im vierhändigen Arrangement Pr. M. 8,00.
Druckjahre / -monate: Originalkomposition op. 75
1. Druck: Aug. 1879 (Bln. und Pn., Ed. Bote & G. Bock / M. 15,50.)
MWO (1.8.1879c, 379)
nur op. 75 / Druck Aug. 1879 (Verlagsanzeige: „Unter der Presse:
Quintett Op. 75.“; Klavierquintett c-Moll op. 76 noch nicht genannt)
MWO (8.8.1879d, 388)
op. 75 und op. 76 / Druck Aug. oder Sept. 1879 (Verlagsanzeige:
In unserem Verlage erscheint [!] demnächst das Klavierquintett
A-Dur op. 75 und das Klavierquintett c-Moll op. 76)
Hofmeister (Nov. 1879, 324); ADM (7.11.1879, op. 75 und op. 76 / Druck spät. Okt. 1879 („à Mk 15,50.“; Ver359)
lagsanzeige: Soeben erschienen)
Brief (14.11.1879) von Friedrich Kiel an Eduard op. 75 und op. 76 / Druck spät. Anfang Okt. 1879 (so eben erRappoldi / in Kapitel 4.4 vollständig zitiert schienen)
Engel (21.12.1879, 1 f.)
op. 75 und op. 76 / Druck vor Dez. 1879 (im Novitäten-Katalog
des Verlags)
Altmann (1901, 150), Altmann (1936, 29), Rein- op. 75 und op. 76 / Druck 1879
ecke (1936, 85)
Deutsch (1961, 9)
Druck 1879–80 / VN 12153 bei op. 75, VN 12171 bei op. 76
(1879: VN 12065–12140, 1880: VN 12182–12465)
Dorn (14.4.1881, 116), SfMW (Mai 1881, 546), op. 75 und op. 76 / Druck vor 1881 (Druckrezensionen: jeweils
Mk. 15,50.)
NZfM (16.2.1883, 86)
Vergleiche für op. 75:
nur op. 75 / D-Dl 3.Mus.4.7811
Das CD-Booklet gibt das Jahr 1874 irrtümlich als Erstdruckjahr an.
Druck: 1880–85 (Bln. und Pn., Ed. Bote & G. Bock / M. 15,50.)
Bote & Bock-Katalog (1914, 267)
Druck spät. 1914 (15– M. Netto); ggf. zu späterer Ausgabe zugehörig
Vergleiche:
eine von zwei auf 1880–85 datierbaren Notenausgaben: D-Mmb
9538.1785 oder D-KNmi 8,67
Druck: 1881 (Bln. und Pn., Ed. Bote & G. Bock / M. 15,50.)
SfMW (Febr. 1882, 162)
Druck 1881 (Rückblick auf das Musikjahr 1881, 4. Teil: Auflistung
von ausgewählten, 1881 publizierten Notenausgaben)
Vergleiche:
eine von zwei auf 1880–85 datierten Notenausgaben: D-Mmb
9538.1785 oder D-KNmi 8,67
Neudruck: 2006 (Riv., Edition Silvertrust)
Druckjahr: Bearbeitung von op. 75 für Kl. 4hd.
1. Druck: (vor Sept.) 1880 (Bln. und Pn., Ed. Bote & G. Bock / VN: 12350, M. 8,80.)
Hofmeister (Sept. 1880, 248)
Druck vor Sept. 1880 (Mk 8.80.)
373
Deutsch (1961, 9)
Druck 1880 / VN 12350
(VN 12182–12465: 1880)
Hofmeister-Handbuch (1887, 308)
Druck 1880–85 (Mk 8,80 und arr f. Pfte zu 4 Hdn.),
1880–85 laut Titelblattvermerk die von Anfang 1880 bis Ende
1885 neu erschienenen und neu aufgelegten Werke enthaltend bei
Hofmeister-Handbuch (1887)
Uhl (19.10.1881, 595), NBM (26.10.1882, Druck vor Okt. 1881 (Druckrezension 1881, Verlagsanzeige 1882:
344)
Mk. 8.80)
Bote & Bock-Katalog (1914, 267)
Druck spät. 1914 (kriegsbedingte Preisänderung: 8– M.)
Vergleiche:
D-B Mus. 3289
c) Konzerte, Rundfunkeinspielungen, CD-Aufnahmen, Spieldauer
Konzerte
19.2.1879
14.11.1879
Dez. 1879
22.3.1880
3.5.1883
17.10.1883
3.3.1890
13.2.1895
11.12.1982
9.2.1983
8.10.2004
# Berlin (Wohnung von Friedrich Kiel: Lützowstraße 92), Uraufführung / Hauskonzert von Kiel
für eingeladene Zuhörer, Mittwoch 12 Uhr, Friedrich Kiel (Kl.) + Interpreten unbekannt (V. 1,
V. 2, Va., Vc.); vermutlich op. 75 (siehe Punkt „b) Entstehungszeit“)
Berlin (Saal der Singakademie), 1. Kammermusiksoiree von Barth / Ahna / Hausmann, Freitag
19:30 Uhr, Barth-Klaviertrio I [Heinrich Barth (Kl.) + Heinrich de Ahna (V. 1) + Robert Hausmann (Vc.)] + zwei Schüler Josef Joachims [Pietro Melani (V. 2) + Josef Eduard Kotek (Va.)]
Dresden, königliches Privatkonzert vor dem Widmungsträger König Albert von Sachsen, Friedrich Kiel (Kl.) + Eduard Rappoldi (V. 1) + Interpreten unbekannt (V. 2, Va., Vc.); Aufführungsangaben laut drei in Kapitel 4.4 vollständig zitierten Briefen von Friedrich Kiel an Eduard Rappoldi (Briefe vom 14.11.1879, 17.11.1879 und 21.11.1879). Laut dem Brief (21.11.1879) handelt es sich wohl eher um das Klavierquintett op. 75 als um das Klavierquintett c-Moll op. 76.
Dresden / TV Dresden, 4. Produktionsabend (erste Aufführung von op. 75 im TV Dresden),
Montagabend, Adolf Blassmann (Kl.) + Richard Eckhold (V. 1) + Robert Schreiter (V. 2) + Louis
Göring (Va.) + Josef Bürchl (Vc.)
Leipzig (Gewandhaus-Saal), Kammermusiksoiree im Rahmen der 20. Tonkünstlerversammlung
des Allgemeinen Deutschen Musikvereins (3. – 6.5.1883 in Leipzig), Donnerstag 19 Uhr (Christi
Himmelfahrt), Johannes Weidenbach (Kl.) + Leipziger Gewandhaus-Streichquartett [Henry Wilhelm Petri (V. 1) + Herr R. Bolland (V. 2) + Herr J. Thümer (Va.) + Alwin Schröder (Vc.)]
Zwickau (Deutsches Haus), 1. (65.) Kammermusikabend von Otto Türke, Mittwoch 19:30 Uhr,
Otto Türke (Kl.) + Leipziger Gewandhaus-Streichquartett [Henry Wilhelm Petri (V. 1) + Herr
R. Bolland (V. 2) + Herr J. Thümer (Va.) + Alwin Schröder oder Hermann Schröder (Vc.)]
Magdeburg / TV Magdeburg, Montagabend, Herr Abesser (Kl.) + Interpreten unbekannt (V. 1,
V. 2, Va., Vc.)
Darmstadt, Kammermusikabend des Mozartvereins, Mittwochabend, Hans Hayn (Kl.), Otto Kleitz
(V. 1), Georg Gims (V. 2), Richard Senff (Va.), Alfred Hayn (Vc.); Aufführungsangaben laut dem
Brief (9.2.1895) von Richard Senff an Wilhelm Berger
Hagen / Westfalen (Aula der Remberg-Hauptschule, Elbersstiege), Kammerkonzert / Konzert zur
Jahresmitgliederversammlung der Friedrich-Kiel-Gesellschaft e. V., Samstag 20 Uhr, Studierende
der Staatlichen Hochschule für Musik in Detmold (Einstudierung durch Professor Jost Michaels):
Mari Takahashi (Kl.) + Mathias Löhlein (V. 1) + Raimund Wartenberg (V. 2) + Nicole Mignot
(Va.) + Karl-Friedrich Osterhage (Vc.)
Detmold (Staatliche Hochschule für Musik in Detmold), Hochschulkonzert, Mittwoch, Studierende der Staatlichen Hochschule für Musik in Detmold: Mari Takahashi (Kl.) + Matthias Löhlein
(V. 1) + Raimund Wartenberg (V. 2) + Nicole Mignot (Va.) + Karl-Friedrich Osterhage (Vc.)
Bad Berleburg (Schloss Berleburg), Schlosskonzert im Rahmen des Kiel-Scheffel-Festivals (anlässlich der Geburtstage am 8. Oktober von Ernesto Frederico Scheffel & Friedrich Kiel und anlässlich des 25-jährigen Jubiläums der Friedrich-Kiel-Gesellschaft e. V. / gleichzeitig als Saisoneröffnung der Schlosskonzert-Reihe), Freitag 20 Uhr, Tünde Kurucz (Kl.) + Salzburger Solisten
[Luz Leskowitz (V. 1) + Joanna Kamenarska (V. 2), Aroa Sorin (Va.) + Roberto Trainini (Vc.)]
Rundfunkeinspielungen
17.1.1980
SDR [heute SWR] Stuttgart (Villa K), Donnerstag, Jost Michaels (Kl.) + Endres-Quartett [Heinz
Endres (V. 1) + Josef Rottenfusser (V. 2) + Fritz Ruf (Va.) + Adolf Schmidt (Vc.)]
374
14.10.1980
12.12.1980
BR München (Studio 3), Dienstag, Jost Michaels (Kl.) + Endres-Quartett [Heinz Endres (V. 1) +
Josef Rottenfusser (V. 2) + Rudolf Schmidt-Keyser (Va.) + Adolf Schmidt (Vc.)]
(Sendung: vollständiges Werk am 13.5.1996 SWF 2)
Radio Bremen = RB Bremen (vermutlich: Studio F), Freitag, Jost Michaels (Kl.) + KoeckertQuartett [vermutlich Rudolf Koeckert (V. 1) + Joachim Koeckert (V. 2) + Franz Schessi (Va.) +
Helmar Stiehler (Vc.)]; Vermutungen bezüglich des Studios und der Besetzung laut freundlicher
Mitteilung des Radio Bremen RB vom 4.2.2002
(Sendungen: vollständiges Werk am 13.5.1981 + 25.10.1981 + 27.7.1982 + 5.5.1983 + 2.9.1984 +
13.9.1985 + 18.12.1988 + 29.1.1998 jeweils Radio Bremen RB / 12.9.1985 SFB; Scherzo und Adagio
con espressione – 2. und 3. Satz von op. 75 – am 7.12.1986 WDR 3 als zwei Hörbeispiele in „Komponisten-Porträt Friedrich Kiel“ von Jost Michaels)
CD-Aufnahme
Titel: Friedrich | KIEL | (1821–1885) | Piano Quintets | Nos. 1 and 2; Hongkong [China] ©1990 / ℗1989, Marco
Polo (Bestellnummer: 8.223171, DDD-Aufnahme)
Aufnahme: 14. – 18.12.1988 Budapest (Hungaroton Studios VASAS Centre), Ilona Prunyi (Kl.) + New Budapest
Quartet / [ung.] Neues Budapester Streichquartett [András Kiss (V. 1), Ferenc Balogh (V. 2), László Bársony (Va.),
Károly Botvay (Vc.)]
(Sendungen: 1. Satz am 18.1.2003 NDR/ORB Radio 3; 5. Satz am 8.11.1997 SFB 3 / 18.1.2003 NDR/ORB Radio 3, Werkausschnitt am 1.9.2012 RBB Kulturradio / ARD-Nachtkonzert, 21.9.2012 WDR 3 / ARD-Nachtkonzert)
Spieldauer
30' 31'' (nach Metronomangaben)
33' 00'' (14.10.1980 BR)
33' 07'' (1988 CD-Aufnahme)
33' 39'' (12.12.1980 Radio Bremen)
33' 55'' (17.1.1980 SDR)
8' 19'' (I)
4' 28'' (II)
8' 21'' (I)
4' 36'' (II)
9' 37'' (I)
4' 47'' (II)
[inklusive Pausen]
8' 26'' (I)
4' 56'' (II)
8' 35'' (I)
4' 35'' (II)
375
6' 36'' (III)
6' 13'' (III)
5' 37'' (III)
4' 09'' (IV)
6' 29'' (IV)
6' 09'' (IV)
6' 49'' (V)
7' 03'' (V)
6' 57'' (V)
6' 38'' (III)
6' 40'' (III)
6' 29'' (IV)
6' 40'' (IV)
7' 04'' (V)
7' 15'' (V)
A18. Op. 76 (Klavierquintett Nr. 2 c-Moll)
a) Manuskripte / Drucke
Keine Manuskripte
Alte Drucke: Originalkomposition
Widmung (wie bei op. 75): Seiner Majestät | dem König | ALBERT | von Sachsen | ehrfurchtsvoll gewidmet
(Widmung auf losem Einlegeblatt, das nach ein oder zwei Titelblättern in allen Ausgaben eingelegt wurde)
Material: Part. 69 S. und 4 St. (V. 1, V. 2, Va., Vc.) à 12 S., 4°
Fußzeilen: wie bei op. 75
M. 15,50.
kein Dp
VN: 12172
A: _
F: V3, Bo4
D-F Mus.pr. Q53/257, D-Sh B II 1; A-Wgm XI 27 302, D-KNmi 8,66
Druck 1879–85 (1. Druck 1879): siehe Datierung von Druckexemplar op. 75 in D-Dl 3.Mus.4.7811
• Außentitel (braun) auf Umschlagvorderblatt recto und Innentitel: identischer Text (Text wie
bei Titelblatt von D-Dl 3.Mus.4.7811 von op. 75)
• Brauner Umschlag nur bei D-F Mus.pr. Q53/257 und D-Sh B II 1 vorhanden
• Provenienz / D-F Mus.pr. Q53/257: L. Herm. Feodor (Unterschrift auf Außentitelblatt), [Karl]
Adolf Lorenz (Unterschrift von Kiels Kompositionsschüler Lorenz auf Titelblatt);
A-Wgm XI 27 302: unbekannt (nicht aus Brahms-Nachlass);
D-KNmi 8,66: GRANDUNER | 18, Rue Raynouard (Stempel auf Titelblatt / Innentitelblatt)
M. 15,50.
kein Dp
VN: 12172
A (oN): S. [72]
F: V3, Bo4
D-Mbs 2 Mus.pr. 4828; D-B Mus. 3253, D-BLfk Bestand 116 C, Nr. 85 (als Depositum in
D-Budka), D-Bss XI k 415, D-Dl 3.Mus.4.7811, D-Mmb 9538.1784 [Ex. 1–2]
Druck 1880–85: siehe Datierung von Druckexemplar op. 75 in D-Mmb 9538.1785
• Außentitel (rosafarben) auf Umschlagvorderblatt recto und Innentitel: identischer Text (Text
wie bei Titelblatt von D-Mmb: 9538.1785 von op. 75)
• Verlagsanzeige S. [72] (rosa): Werke für Kammermusik | aus dem Verlage von | ED. BOTE &
G. BOCK | […] | Schulen und Etüden | […]; Auflistung von Kammermusikwerken verschiedener Komponisten, darunter sieben bei Bote & Bock erschienene Werke Kiels (op. 24, 65:1–
2, 73, 75, 76, 78)
• Rosafarbener Umschlag nur bei D-Mbs 2 Mus.pr. 4828 vorhanden
• Provenienz / D-B Mus. 3253: Ex | Bibl.[iotheca] Regia | Berolin.[ensi] (Stempel auf S. 2);
D-Dl 3.Mus.4.7811: TONKÜNSTLER-VEREIN | ZU | DRESDEN (Stempel auf Titelblatt | Innentitelblatt);
D-BLfk Bestand 116 C, Nr. 85: Roland Dawcynski | Berlin-Steglitz, Abrechtstr. 10 (Stempel auf
Titelblatt und S. 3), C. Peters Nachf. Kopp & Co. | Musikalienhandlung u. Antiquariat | München 2 . Theresienstraße 48 (zweiter Stempel auf Titelblatt);
D-Mmb 9538.1784 [Ex. 1]: Schenkung unter dem nicht weiter eruierbaren Namen Klein [Name
Klein auch bei Notenausgabe (1898–1901) von op. 44] im Jahr 1927 an Bibliothek D-Mmb;
D-Mmb 9538.1784 [Ex. 2]: Georg Hofmann | Musikalienhandlung Hoflieferant | Coburg [Leerraum] Fernspr.[echer] 669. (Stempel auf Titelblatt | Innentitelblatt), Ankauf von dem früheren
Münchner Musikantiquariat Walter Ricke im Jahr 1964 durch die Bibliothek D-Mmb (laut freundlicher Mitteilung des Musikbibliothekars Konrad Foerster vom 17.6.2008)
15,50 Mk.
kein Dp
VN: 12172
A (No. 290.):
ATi
A (No. 291.):
S. [72]
F: V3, Bo4
D-HEms Magazin, N 1049
Druck 1901–05: 1901–06 (Bote & Bock firmiert als: Hofmusikalienhändler Sr. M. des Kaisers
und Königs, und Sr. Königl. Hoheit des Prinzen Albrecht von Preussen), 1846–1905 (Firmenname von Röder ohne GmbH). Die Informationen auf dem Innentitel sind nicht berücksichtigt, da
diese auf einem älteren Stand sind (Datierung 1880–85).
• Außentitel (hellgrau) auf Umschlagvorderblatt recto inklusive grünen Rahmens mit Pflanzenranken auf graugrünem Hintergrund als Katalogtitel (Text: braun): „Werke für Kammermusik. |
d’Albert, Eugen. […] | Kiel, Friedrich. op. 76. Quintett für Klavier, zwei | Violinen, Bratsche
und Violoncell. C moll [Leerraum] 15,50 Mk. | […] | [links:] Eigenthum der Verleger für alle
Länder. [rechts:] Aufführungsrecht vorbehalten. | ED. BOTE & G. BOCK, BERLIN. | Hofmusikalienhändler | Sr. M. des Kaisers und Königs, | und Sr. Königl. Hoheit des Prinzen Albrecht
von Preussen. | [links:] No. 290. [rechts:] C. G. Röder, Leipzig.“; Auflistung von Kammermusik-
376
werken verschiedener Komponisten, darunter sieben bei Bote & Bock erschienene Werke Kiels
(op. 24, 65:1–2, 73, 75, 76, 78)
• Innentitel: Text wie Titelblatt von D-KNmi 8,67 von op. 75
• Verlagsanzeige auf S. [72], der Versoseite des hellgrauen Umschlagrückblatts, inklusive orangefarbener Pflanzenranken auf hellbraunem Hintergrund und mit blauem Text: „Werke für Kammermusik. | Ludwig van Beethoven | […] | ED. BOTE & G. BOCK, BERLIN. | Hofmusikalienhändler | Sr. M. des Kaisers und Königs | und Sr. Königl. Hoheit des Prinzen Albrecht von Preussen. | [links:] No. 291. [rechts:] C. G. Röder, Leipzig.“; Auflistung von Kammermusikwerken
Beethovens, Mozarts und Haydns
• Provenienz / D-HEms Magazin, N 1049: AUS DER | HEDWIG MARX-KIRSCH-STIFTUNG
(violetter Stempel auf Innentitelblatt oben Mitte), Ed. Bote & G. Bock | Kgl. Hofmusikalienhändler | Leipziger Strasse 37. | Berlin. (blauer Stempel auf Innentitelblatt unten Mitte),
605h 143 (Vermerk in Bleistift auf Außentitelblatt unten rechts); aus der Hedwig Marx-KirschStiftung stammende oder finanzierte Notenausgabe, die wohl bis 1920 zur Musikbibliothek der
1920 verstorbenen Pianistin Hedwig Marx-Kirsch gehörte und 1921 in den Bibliotheksbestand
des neugegründeten Musikwissenschaftlichen Seminars der Heidelberger Universität D-HEms
überging (siehe op. 16)
Zwei Neudrucke
1) Titel: EDITION SILVERTRUST | Piano Quintet No. 2 | in c minor | Opus 76 | Composed by | Friedrich | Kiel |
[Fußzeile:] ES-2006-16 (Titelblatt der Part.); Piano Quintet No. 2 in c minor, Op. 76 (Überschrift der St.); Titel
laut freundlicher Mitteilung von Edition Silvertrust
Ausgabe: Riv. 2006, Edition Silvertrust, Part. (VN: ES-2006-16), Vorwort – mit Fotografie und biografischen
Informationen über den Komponisten Friedrich Kiel – vom „Editor in Chief“ Raymond Harvey Rawlins Silvertrust, ohne Taktzählung; unveränderter Nachdruck einer Bote & Bock-Ausgabe
2) Titel: REPERTOIRE EXPLORER | FRIEDRICH KIEL | Piano Quintett No. 2 | c-Moll, op. 76 | Study Score 1022
(Außentitelblatt); Quintett | für | Pianoforte, zwei Violinen, Viola | und Violoncell | von | FRIEDRICH KIEL. | OP. 76
(Innentitelblatt: Titelblatt von D-Mmb mit hinzugefügter Opusnummer) und Seiner Majestät | dem König | ALBERT | von Sachsen | ehrfurchtsvoll gewidmet (originales Widmungsblatt)
Ausgabe: Mn. 2010, Musikproduktion Höflich (= mph), StudienPart. (Repertoire Explorer: Study Score [mph]
1022), Format 24 x 16,5 cm, Umfang 3 und 69 S. (3 S. Vorwort von M. J. Sunny Zunk, Professor of Music, Ohio
Northern University 2010), laut Vorwort S. 3: Nachdruck eines Exemplars der Musikbibliothek der Münchner
Stadtbibliothek, München [Ex. 1 oder Ex. 2 von D-Mmb 9538.1784] ohne alte VN 12172.
Alter Druck: Bearbeitung für Kl. 4hd.
Material: KlSt. 59 S., 4°
Widmung: keine
Fußzeile (S. 2): R1 (rechts)
M. 8,00.
kein Dp
VN: 12351
A: ? (S. [62])
F: R1
D-B Mus. 3290
Druck 1880–85 (1. Druck 1880): früh. 1880 (Erstdruck 1880), 1878–85 (Verlagsadressen von
Bote & Bock), 1861–88 (Regierungszeit des preußischen Königs Wilhelm I.)
• Außentitel (khakifarben) auf Umschlagvorderblatt recto und Innentitel: identischer Text
(Text wie bei Titelblatt von Druck D-KNmi 8,67 von op. 75)
• Nur Vorderblatt des khakifarbenen Umschlags, d. h. das Außentitelblatt, vorhanden; ggf. eine
Verlagsanzeige auf S. [62] des fehlenden Umschlagrückblatts (khakifarben)
• Provenienz / D-B Mus. 3290: Ex | Bibl.[iotheca] Regia | Berolin.[ensi] (Stempel auf Innentitelblatt)
b) Datierung
Entstehungszeit 1879 (Originalkomposition op. 76)
Siehe Angaben unter Punkt „b) Entstehungszeit 1878 (Originalkomposition)“ bei op. 75
Entstehungszeit früh. Aug. 1879 / spät. Nov. 1880 (Bearb. von op. 76 für Kl. 4hd.)
Siehe Angaben unter Punkt „b) Entstehungszeit früh. Aug. 1879 / spät. Aug. 1880 (Bearb.)“ bei op. 75
377
Druckjahre / -monate: Originalkomposition op. 76
1. Druck: Aug. oder Sept. 1879 (Bln. und Pn., Ed. Bote & G. Bock / VN: 12172, M. 15,50.)
Vergleiche:
Literaturangaben unter Punkt „b) 1. Druck“ bei op. 75
MWO (1.8.1879c, 379)
Druck früh. Mitte Aug. 1879 (Verlagsanzeige: „Unter der Presse:
Quintett Op. 75.“; Klavierquintett c-Moll op. 76 noch nicht genannt)
Vergleiche:
D-F Mus.pr. Q53/257
Druck: 1880–85 (Bln. und Pn., Ed. Bote & G. Bock / VN: 12172, M. 15,50.)
Vergleiche:
wie bei Druck 1881
Druck: 1881 (Bln. und Pn., Ed. Bote & G. Bock / VN: 12172, M. 15,50.)
SfMW (Febr. 1882, 162)
Druck 1881 (Rückblick auf das Musikjahr 1881, 4. Teil: Auflistung
von ausgewählten, 1881 publizierten Notenausgaben)
Vergleiche:
vermutlich eine von zwei auf 1880–85 datierte Notenausgaben:
D-Mbs 2 Mus.pr. 4828 und eine in deutschen Bibliotheken zurzeit
nicht nachweisbare Notenausgabe von op. 76
Die Annahme der Existenz der derzeit nicht nachweisbaren Auflage ergibt sich daraus, dass in mehreren Auflagen beide Klavierquintette als Werkpaar veröffentlicht wurden und man daher für
das Klavierquintett c-Moll op. 76 von jeweils einer parallelen
Notenausgabe zu den Ausgaben von op. 75 in D-Mmb 9538.1785
und D-KNmi 8,67 ausgehen kann.
Druck: 1901–05 (Bln., Ed. Bote & G. Bock / VN: 12172, 15,50 Mk.)
Bote & Bock-Katalog (1914, 267)
Druck spät. 1914 (kriegsbedingte Preisänderung: 15– M. Netto)
Vergleiche:
D-HEms Magazin, N 1049
Neudruck 1: 2006 (Riv., Edition Silvertrust)
Neudruck 2: 2010 (Mn., mph)
Druckjahr: Bearbeitung von op. 76 für Kl. 4hd.
1. Druck: (vor Dez.) 1880 (Bln. und Pn., Ed. Bote & G. Bock / VN: 12351, M. 8,00.)
Hofmeister (Dez. 1880, 367)
Druck vor Dez. 1880 (Mk 8.)
Deutsch (1961, 9)
Druck 1880 / VN 12351
(1880: VN 12182–12465)
Uhl (19.10.1881, 595), NBM (26.10.1882, 344) Druck vor Okt. 1881 (Druckrezension 1881, Verlagsanzeige
1882: Mk. 8.–)
Hofmeister-Handbuch (1887, 308)
Druck 1880–85 (Mk 8 und arr f. Pfte zu 4 Hdn.),
1880–85 laut Titelblattvermerk die von Anfang 1880 bis Ende 1885
neu erschienenen und neu aufgelegten Werke enthaltend bei Hofmeister-Handbuch (1887)
Bote & Bock-Katalog (1914, 267)
Druck spät. 1914 (8– M.)
Vergleiche:
D-B Mus. 3290
c) Konzerte, Rundfunkeinspielungen, CD-Aufnahmen, Spieldauer
Konzerte
29.2.1880
Berlin (Saal der Singakademie), 3. und letztes Montagskonzert von Hellmich / Maneke, Sonntag
19:30 Uhr (von Montag auf Sonntag vorverlegt), Robert Radecke (Kl.) + Wilhelm Hellmich
(V. 1) + Gustav Exner (V. 2) + Herr (Karl oder Franz) Schröder (Va.) + Friedrich Maneke oder
Friedrich Grützmacher (Vc.)
1.1. – 30.3.1882 Berlin, 2. Kammermusiksoiree von Barth / Ahna / Hausmann, Barth-Klaviertrio I [Heinrich Barth
(Kl.) + Heinrich de Ahna (V. 1) + Robert Hausmann (Vc.)] + Herr Moser (V. 2) + Josef Eduard
Kotek (Va.)
378
11.10.1885
14.12.1885
22.10.1888
29.10.1889
26.11.1907
14.6.1987
Berlin (Saal der Singakademie), Gedächtnisfeier für Friedrich Kiel für eingeladene Zuhörer,
Sonntag 12 Uhr, Heinrich Barth (Kl.) + Joachim-Quartett [Josef Joachim (V. 1) + Heinrich de
Ahna (V. 2) + Emanuel Wirth (Va.) + Robert Hausmann (Vc.)]
London / Königreich Großbritannien, Montagabend, Agnes Zimmermann (Kl.) + Interpreten
unbekannt (V. 1, V. 2, Va.) + Franz Neruda (Vc.)
Berlin, 1. Montagskonzert von Bischoff / Hellmich, Montagabend, Hans Bischoff (Kl.) + Wilhelm
Hellmich (V. 1) + August Gentz (V. 2) + Carl Philipsen (Va. oder Vc.) + Ludwig Ebert (Va. oder Vc.)
Berlin, Konzert der „Vereinigung für Kammermusik“, Dienstagabend, Gustav Adolf Papendick
(Kl.) + Interpreten unbekannt (V. 1, V. 2, Va., Vc.); Aufführungsangaben laut dem Brief (2.10.1889)
von Gustav Adolf Papendick an Hugo Bock
Berlin (Bechsteinsaal), Konzert des Friedrich Kiel-Bundes / Berlin, Dienstagabend, Georg Grundlach (Kl.) + Klinofer-Quartett (V. 1, V. 2, Va., Vc.)
Sigmaringen (vermutlich Schloss), Sonntag, Maria Bergmann (Kl.) + Beetz-Quartett [Ulrich Beetz
(V. 1) + Klaus-Hubert Richter (V. 2) + Joachim Lemme (Va.) + Dieter Wahl (Vc.)]; Konzertmitschnitt durch SWF [heute SWR]
Rundfunkeinspielungen
10.1.1978
NDR Hamburg (Studio 10), Dienstag, Jost Michaels (Kl.) + Benthien-Quartett [Ulrich Benthien
(V. 1) + Peter Heidrich (V. 2) + Claus Conrad (Va.) + Edwin Koch (Vc.)]
(Sendungen: vollständiges Werk am 25.5.1982 + 2.5.1983 jeweils NDR 3 / 8.7.1990 + 25.10.1992
jeweils WDR 3)
12.2.1986
SWF [heute SWR] Baden-Baden (Studio 5 = heutiges Hans-Rosbaud-Studio), Mittwoch, Maria
Bergmann (Kl.) + Beetz-Quartett [Ulrich Beetz (V. 1) + Klaus-Hubert Richter (V. 2) + Joachim
Lemme (Va.) + Dieter Wahl (Vc.)]
(Sendungen: vollständiges Werk am 24.8.1986 SWF 2 / 25.12.1988 WDR 3 / 9.4.1994 + 8.10.1996
jeweils SWF 2)
14.6.1987
Mitschnitt des Konzertes vom 14.6.1987 in Sigmaringen durch den SWF [heute SWR], dieselbe
Besetzung wie bei SWF-Aufnahme vom 12.2.1986
(Sendungen: vollständiges Werk am 31.10.1987 SWR)
CD-Aufnahme
Titel, Aufnahme und Interpreten: wie bei op. 75.
(Verwendung der CD in Rundfunksendung „Notturno-KlassikZeit“ am 29.8.1996 / ORF Potsdam: 5. Satz als
Hörbeispiel)
(Sendungen: vollständiges Werk am 17.1.2001 ORB; 4. Satz am 25.11.2007 RBB Kulturradio; Werkausschnitt
am 21.11.2004 + 29.5.2005 jeweils RBB Kulturradio)
Spieldauer
26' 55'' (12.2.1986 SWF)
27' 25'' (14.6.1987 SWF)
29' 20'' (10.1.1978 NDR)
30' 40'' (nach Metronomangaben)
30' 48'' (1988 CD-Aufnahme)
32' ca. (Hinweis im Katalogeintrag)
7' 30'' (I)
4' 35'' (II)
3' 50'' (III) 10' 50'' (IV)
Angaben zur Länge der Einzelsätze liegen dem Sender nicht vor.
Angaben zur Länge der Einzelsätze liegen dem Sender nicht vor.
10' 12'' (I)
5' 51'' (II)
3' 46'' (III) 10' 41'' (IV)
10' 22'' (I)
6' 11'' (II)
4' 12'' (III) 10' 03'' (IV) [inklusive Pausen]
Katalogeintrag des 2010 publizierten Neudrucks in US-Wc M512.K475
op. 76 2010 laut Online-Katalog „Library of Congress Online Catalog“
der Library of Congress in Washington, DC / USA)
379
380
B. Zu Kiels Lebzeiten unveröffentlichte Werke
Die bis zum Jahr 2000 unveröffentlichten Kompositionen Kiels umfassen fünf Violinsonaten, eine Cellosonate und ein Klaviertrio, jedoch keine Klavierquartette und -quintette; von ihnen erschien postum 2001 die Cellosonate D-Dur WoO im Erstdruck. Die
Werkangaben sind wie im Teil A des Werkkatalogs in drei Rubriken unterteilt: a) Manuskripte / Drucke, b) Datierung, c) Konzerte, Rundfunkeinspielungen, CD-Aufnahmen,
Spieldauer. In der jeweiligen Rubrik sind die derzeit eruierten Musikquellen, Konzerte,
CD-Aufnahmen etc. – ohne Anspruch auf Vollständigkeit – angeführt.
VIOLINSONATEN (für Violine und Klavier)
B1. Violinsonate D-Dur WoO
a) Manuskripte
Autograf: D-B Mus.ms.autogr. Kiel, F. 5 N
Titel: Sonate für Pianoforte und Violine von Friedrich Kiel (Kopftitel der Part.)
Material: nur Part. 32 S. (Noten S. 1–32); Hochformat 33,5 x 26,4 cm; Reinschrift (siehe „Sonstiges“, mit V. S.Anweisung für Wendestellen auf S. 11, 13, 19, 21, 23, 31)
Datierung früh. 1838 / vmtl. spät. 1851: ohne originale Datierung, siehe „b) Datierung“ der Komposition
Provenienz und Erwerbungsjahr: unbekannt. Die 1923 als Altbestand der Königlichen Bibliothek zu Berlin
akzessionierten Autografe Kiels, unter denen sich das Autograf der Violinsonate D-Dur WoO befindet, gehören
vermutlich zu den Autografen Kiels, die der abwechselnd in Bonn und Berlin lebende ehemalige Kielschüler Erich
Prieger innerhalb des Zeitraums 1907–13 der Königlichen Bibliothek zu Berlin als Schenkung übergab. Im Jahr
1936 ist die Preußische Staatsbibliothek, wie der Name der Königlichen Bibliothek zu Berlin seit 1918 lautete, in
Reinecke (1936, 89 / Nr. 36) als besitzende Institution des Autografs angegeben.
Akzessionsvermerk 8.8.1923: Altbestand der Königlichen Bibliothek zu Berlin (heute D-B). Das Autograf der
Violinsonate D-Dur WoO mit Akzessionsnummer „1923. 132“ gehört – wie die Autografe der Violinsonate A-Dur
op. 2, der Erstfassung des Klaviertrios G-Dur op. 34 und der Motette Psalm 20 WoO von Kiel – zu einem Posten
von acht Stücken aus altem Handschriftenbestand („1923. 132–139“), die im Akzessionsjournal von 1923 jeweils
als Ms. autogr. bezeichnet sind. Diese Autografe Kiels, die zum „Altbestand“ der Königlichen Bibliothek zu
Berlin – mit Akzessionsvermerk Alter noch nicht accesionierter Bestand im Akzessionsjournal – gehören, wurden
am 8. August 1923 nachträglich akzessioniert.
Sonstiges: keine Rasuren; nur wenige Korrekturen (z. B. Einfügen eines Taktes nach dem Notensystem in Tinte
S. 6, 22 / Einträge von späterer Hand in Bleistift: Paginierung S. 3–34, Zusätze oder Streichungen S. 27–33)
Handschrift: Verbleib unbekannt
[* ggf. identisch]
Datierung vor 1936 (Autograf oder Abschrift): ohne originale Datierung, siehe „Provenienz“
Provenienz Ernst Bücken (u. a. 1936): Die Handschrift wurde letztmals 1936 in Reinecke (1936, 89 / Nr. 36) als
Privatbesitz von Ernst Bücken in Köln nachgewiesen. Falls es sich bei dieser Handschrift um eine Abschrift handelt, könnte sie mit der neuen Abschrift identisch sein, die 1924 bei der Versteigerung von Erich Priegers
Nachlass in Bonn angeboten wurde; vergleiche „neue Abschrift“ (1885–1913, von fremder Hand).
„neue Abschrift“ (1885–1913, von fremder Hand): Verbleib unbekannt
[* ggf. identisch]
Datierung 1885–1913: ohne originale Datierung, siehe „Provenienz“
Provenienz Erich Prieger (bis 1913) und Hans Prieger (u. a. 1913–24): Eine neue Abschrift, die innerhalb des
Zeitraums 1885–1913 (nach Kiels Tod 1885 und vor Priegers Tod 1913) im Auftrag des ehemaligen Kielschülers
Erich Prieger angefertigt worden war, wurde 1924 aus dem Nachlass Erich Prieger im Auktionskatalog-Priegernachlass (3/1924, 27) zusammen mit weiteren Manuskripten Kiels unter der Nr. 270 angeboten: Im Auftrage von
E. Prieger verfertigte neue Abschriften von meist ungedruckten Werken aus dem Nachlasse Kiels: 3 Violinsonaten
[D-Dur WoO, A-Dur op. 2, Große Sonate G-Dur op. 3] […] u. v.[iele] a.[ndere] – Sehr umfangreiches Konvolut!
Wahrscheinlich erwarb eine Privatperson diese Abschrift 1924 bei der Bonner Versteigerung, da sie weder bei
Reinecke (1936) aufgelistet noch in Bibliotheksbeständen nachgewiesen ist.
381
b) Datierung
Entstehungszeit früh. 1838 / spät. 1864 (bzw. vmtl. spät. 1851):
Die unveröffentlichte Violinsonate D-Dur WoO entstand frühestens 1838, da Kiel seine ersten Sonatenzyklen,
die Klaviersonaten op. 10 und op. 11, circa 1838–41 während oder nach seinem ersten anderthalbjährigen Kompositionsunterricht bei Kaspar Kummer (1838–39/40) komponierte. Sie entstand zudem spätestens im Jahr 1864,
in dem Kiel seine einzige weitere dreisätzige Violinsonate, die veröffentlichte Violinsonate F-Dur op. 35:2, als
Pendant zur viersätzigen Violinsonate d-Moll op. 35:1 komponierte; alle weiteren Violinsonaten Kiels bestehen
aus vier Sätzen (unveröffentlichte Violinsonate G-Dur op. 3 und drei publizierte Violinsonaten op. 16, 35:1, 51)
bzw. von der traditionellen Drei- und Viersätzigkeit abweichend aus zwei Sätzen (unveröffentlichte Violinsonate
A-Dur op. 2). Außerdem gibt es ein Indiz, dass die Violinsonate D-Dur WoO vermutlich schon spätestens 1851
entstand: Ihr Autograf gehört – wie die circa 1843–51 entstandenen Autografe der Violinsonate A-Dur op. 2 und
der Erstfassung des Klaviertrios G-Dur op. 34 – in der Staatsbibliothek zu Berlin zu einem Posten von acht Stücken aus altem Handschriftenbestand („1923. 132–139“), der am 8. August 1923 nachträglich in den Bibliotheksbestand eingearbeitet wurde. Daher könnte es sich bei dieser Violinsonate D-Dur WoO um die erste Violinsonate
Kiels handeln die noch vor den circa 1843–52 komponierten, unveröffentlichten Violinsonaten A-Dur op. 2 und
G-Dur op. 3 als noch unbenanntes Opus 1 entstand.
c) Spieldauer
24' ca. (geschätzt anhand Tempoangaben)
B2. Violinsonate A-Dur op. 2
a) Manuskripte
Handschrift, wahrscheinlich Autograf: D-B Mus.ms. 11576 [Mittelsatz als Fragment]
Bei dieser Handschrift handelt es sich wahrscheinlich um ein Autograf und nicht, wie die Signatur nahelegt, um
eine Abschrift; siehe Erläuterungen in „Zusatz 1“. Zwecks Vereinheitlichung wird diese Handschrift an weiteren
Textstellen ohne nähere Erläuterungen als „Autograf“ bezeichnet.
Titel: Sonate | für | Pianoforte und Violine | von | Friedrich Kiel | Op. 2. (Titelblatt der Part.); Sonate für Pianoforte und Violine von Fr. Kiel. Op. 2. (Kopftitel der Part.); Violino [am rechten Rand:] Sonate für Pianoforte |
und Violine. F. Kiel (Kopftitel der VSt.)
Material: Part. 38 S. (19 Bl.: Titelblatt S. [1], Noten S. 3–14 und S. 18–[41] originale Paginierung = zusätzliche
spätere Paginierung S. 15–[38] / zwischen S. 14 und S. 18 Blattstümpfe eines herausgeschnittenen Papierbogens
mit 2 Bl. [vmtl. S. 15–17 und eine unpag. S.]) und VSt. 10 S. (5 Bl.: Titelblatt S. [1], Noten S. 1–9);
zwei vollständige Außensätze und Fragment des Mittelsatzes (in Part. als mit schwarzer Tinte durchgestrichenes
Satzfragment, in VSt. als vollständiger, von späterer Hand in Bleistift durchgestrichener Satz); Reinschrift in zwei
Materialteilen mit sich stark voneinander unterscheidendem Noten- und Schriftduktus, Reinschrift in Material 1 und
kalligrafische Reinschrift in Material 2; Material 1 (VSt., Part. 1. Teil) und Material 2 (Part. 2 Teil); Querformat
26,5 x 33,0 cm (Part.) und Hochformat 33,0 x 26,5 cm (VSt.); V. S.–Anweisung für Wendestellen nur im Finalsatz der Part. (nicht im Kopfsatz der Part.) und in allen drei Sätzen der VSt.:
Material 1 (VSt., Part. 1. Teil): VSt. mit Kopfsatz, vollständigem Mittelsatz (von späterer Hand in Bleistift
durchgestrichen) und Schlusssatz; Part. mit Titelblatt, Kopfsatz und fragmentarisch überliefertem Mittelsatz (vollständig ausgeschriebene, mit schwarzer Tinte durchgestrichene erste Seite des Mittelsatzes)
Material 2 (Part. 2. Teil): Finalsatz
Mittelsatz (in Material 1): Der in der Violinstimme vollständig überlieferte Mittelsatz, der als ABA-Form mit
einem volksliedartigen Thema in Takt 9–16 der Violine gestaltet ist, besteht aus 85 ausgeschriebenen Takten (Wiederholung des A-Teils mit D. C. al Fine am Satzende und Wiederholung des zweiten Abschnitts des B-Teils mit
Wiederholungszeichen angezeigt). In der Partitur ist nur die erste Seite des Mittelsatzes (S. 14) überliefert, die
20 Takte umfassend voll ausgeschrieben ist und im Klaviersatz mit zwei Haltebögen auf der letzten Viertelnote in
Takt 20 endet, welche auf eine früher existierende Fortsetzung des Materials auf dem herausgeschnittenen Doppelblatt verweisen. Dieses fehlende Doppelblatt, das vermutlich die originale, nicht überlieferte Paginierung S. [15–17]
und eine unpaginierte nachfolgende Seite umfasste, befand sich zwischen den überlieferten Seiten 14 (= verso)
und 18 (= recto [!]), d. h. zwischen S. 14 (verso) und der jüngeren Paginierung S. 15 (recto), die der älteren Paginierung S. 18 (recto trotz ungerader Seitenzahl) entspricht. Das Doppelblatt enthielt auf den ersten drei Seiten
wohl die restlichen 65 der 85 ausgeschriebenen Takte des vollständigen Mittelsatzes.
382
Datierung früh. 1843 / spät. 1850 (Finale) und 1850612 (1. und 2. Satz): ohne originale Datierung
Bei diesem Autograf entstand das Material 1 (Kopfsatz und fragmentarischer Mittelsatz) im Jahr 1850 und das Material 2 (Finalsatz) innerhalb des infrage kommenden Zeitraums 1843–50, wobei mehrere Indizien diese Datierung um 1850 bestätigen. Sie geht u. a. aus der unter Punkt „b) Datierung“ dargelegten Datierung der Komposition,
die mit der Entstehungszeit des Autografs übereinstimmt, hervor. Auch weist das Material 1 des Autografs der
Violinsonate A-Dur op. 2 starke Ähnlichkeiten mit dem Autograf der circa 1852 entstandenen Violinsonate
G-Dur op. 3 und das Material 2 mit dem des 1843–48 oder 1850 entstandenen Klaviertrios D-Dur op. 3 auf (siehe
Erläuterungen unten). Zudem erinnert die verschnörkelte Schreibweise des Anfangsmajuskels F in der Unterschrift Fr. Kiel, mit der Kiel seinen einzigen derzeit bekannten Originalbrief aus dem Zeitraum 1845–62 – den
Brief (15.4.1850*) – signiert, an seine Namensnennung auf den Titelblättern seiner ca. 1851 entstandenen Erstfassung des Klaviertrios op. 34 und seines 1853 entstandenen Trio non difficile G-Dur WoO, während sie sich
von derjenigen in seinen 1843–44 oder ab 1863 geschriebenen Briefen unterscheidet. Darüber hinaus spricht die
Opuszahl der Violinsonate A-Dur op. 2 dafür, dass das Werk in zeitlicher Nähe zu zwei weiteren unveröffentlichten, 1849–52 komponierten Kammermusikwerken mit Opuszahl 3 entstand, dem am 27. Januar 1849 fertiggestellten Streichquartett Es-Dur op. 3 und der circa 1852 entstandenen Violinsonate G-Dur op. 3.
Lediglich auf einer alten Katalogkarte der Musikabteilung der Staatsbibliothek zu Berlin D-B (und entsprechend
unter der RISM ID no. 452024957) wurde die Entstehungsdatierung circa 1860 für die hier noch als Abschrift
klassifizierte Handschrift vermerkt. Aktuell befindet sich die Datierung auf circa 1860, die angesichts der Opuszahl
auch etwas spät angesiedelt gewesen war, nicht mehr in der Katalogaufnahme von D-B.
Provenienz und Erwerbungsjahr: unbekannt. Die 1923 als Altbestand der Königlichen Bibliothek zu Berlin
akzessionierten Autografe Kiels, unter denen sich das Autograf der Violinsonate A-Dur op. 2 befindet, gehören
vermutlich zu den Autografen Kiels, die der abwechselnd in Bonn und Berlin lebende ehemalige Kielschüler
Erich Prieger innerhalb des Zeitraums 1907–13 der Königlichen Bibliothek zu Berlin als Schenkung übergab.
Erich Reinecke war diese Handschrift der Violinsonate A-Dur op. 2 um 1936 nicht bekannt; in Reinecke (1936,
89 / Nr. 35) ist lediglich eine Handschrift im Besitz von Professor Ernst Bücken in Köln angegeben.
Akzessionsvermerk 8.8.1923: Altbestand der Königlichen Bibliothek zu Berlin (heute D-B). Die Handschrift
der Violinsonate A-Dur op. 2, die die Signatur „Mus.ms. 11576“ und die Akzessionsnummer „1923. 133“ aufweist,
gehört – wie die Autografe der Violinsonate D-Dur WoO, der Erstfassung des Klaviertrios G-Dur op. 34 und der
Motette Psalm 20 WoO von Kiel – zu einem Posten von acht Stücken aus altem Handschriftenbestand („1923.
132–139“), die im Akzessionsjournal von 1923 jeweils als Ms. autogr. bezeichnet sind. Diese Autografe Kiels,
die zum „Altbestand“ der Königlichen Bibliothek zu Berlin – mit Akzessionsvermerk Alter noch nicht accesionierter Bestand im Akzessionsjournal – gehören, wurden am 8. August 1923 nachträglich akzessioniert.
Paginierung: In der Partitur findet sich neben der originalen Paginierung in schwarzer Tinte ausschließlich im
Schlusssatz (Material 2) zusätzlich von späterer Hand eine in Bleistift notierte spätere Paginierung in der Blattecke schräg über der originalen Paginierung (originale Paginierung S. 18–40 in schwarzer Tinte = Paginierung
S. 15–37 in Bleistift). Bei den ersten drei Papierbogen des Finales wurde die originale Paginierung S. 18–29 durch
die ebenfalls in schwarzer Tinte notierte originale Paginierung S. 15–26 sowie beim vierten bis sechsten Papierbogen die originale Paginierung S. 30–40 durch die Foliierung Bl. 27–32 ersetzt. Das Autograf besteht somit aus
zehn Papierbogen (inklusive Titelblatt) mit folgender Paginierung:
– S. [1–2]
(1 Bl.)
Titelblatt S. [1–2]
– S. 3–14
(3 Bogen mit 6 Bl.)
Kopfsatz S. 3–13, Beginn Mittelsatz S. 14
– S. ?15–17?, eine unpag. S. (1 Bogen mit 2 Bl. fehlt) vmtl. Fortsetzung Mittelsatz S. [15–17] und eine unpag. S.
– S. 18–[41]
(6 Bogen mit 12 Bl.)
Finale S. 18–40 mit S. 18 recto, S. [41] unpag.,
= Umpaginierung S. 15–36, S. [37] unpag.
Die drei Paginierungen ab Seite 18 (mit Überschreibung der ersten durch die zweite originale Paginierung „→“)
gehen aus der folgenden Tabelle hervor, in der die Papierbogen durch eine Umrahmung gekennzeichnet sind:
originale Paginierung in schwarzer Tinte
spätere zusätzliche Paginierung in Bleistift
18
19
20.
21
15
16 [!]
16 [!]
17
→ 15
[→ 16 / nicht in Handschrift notiert]
→ 17
[→ 18]
612 Die Schreibweise des Großbuchstabens K beim Nachnamen Kiel auf dem Titelblatt der D-B-Handschrift der Violinsonate
A-Dur op. 2 unterscheidet sich stark von Kiels Unterschrift in seinen 1843–44 oder seit 1863 geschriebenen Briefen. Aus
dem Zeitraum 1845–62 ist nur sein Brief (15.4.1850*) überliefert, in dem die verschnörkelte Schreibweise des Großbuchstabens K von Kiel nur eine leichte Ähnlichkeit zu demjenigen auf dem Titelblatt der Violinsonate A-Dur op. 2, aber eine
starke Ähnlichkeiten zur Komponistenangabe auf den Titelblättern der 1851–53 entstandenen Autografe der Erstfassung
des Klaviertrios G-Dur op. 34 und des Trio non difficile G-Dur WoO aufweist. Auch die Unterschrift Fr. Kiel auf Seite 2
der 1846 entstandenen autografen Partitur des Zyklus Musikalische Morgen-Unterhaltung für Kammerorchester C-Dur
WoO ähnelt nur leicht der Komponistenangabe auf dem Titelblatt des D-B-Manuskripts der Violinsonate A-Dur op. 2.
383
22
23
24.
25.
→ 19
[→ 20]
→ 21.
→ 22.
18
20 19
20
21
26.
27.
28
29.
→ 23.
[→ 24]
→ 25
[→ 26]
22
23
24
25
30
31.
32
33
→ 27
26
27
28
29
34
35
36.
37.
→ 28
→29
→ 30.
38
→ 31
39.
40.
→ 32
S. [41]: leere Seite
30
31
32
33
35 [!]
36
37
S. [38]
→ 34
→ 35
→ 36
→ S. [37]: leere Seite
Sonstiges: Das Manuskript weist nur wenige Korrekturen auf, die Rasuren, die Durchstreichung von zwei Seiten,
Änderungen in der Paginierung und z. B. eine von späterer Hand mit Bleistift notierte 16tel-Rhythmisierung (im
zweiten Takt des fünften Notensystems auf Seite 7 der Violinstimme) umfassen. Von 14 Rasuren finden sich 13
in der Partitur (zehnmal im Material 1 und zweimal auf S. 26 im Material 2) und nur eine in der Violinstimme
(auf S. 1 unten). Zwei Seiten, auf denen der Mittelsatz fragmentarisch (Part.) bzw. vollständig (VSt.) überliefert
ist, sind durchgestrichen: die erste Seite des Mittelsatzes in der Partitur (S. 14) von originaler Hand mit schwarzer Tinte und die Seite 4 der Violinstimme von späterer Hand mit Bleistift.
Abschrift nach Autograf in D-B (spätestens 1904 / siehe „Provenienz“, von fremder Hand):
US-Wc M219.K47 op. 2 [ohne Mittelsatz]
Titel: Sonate | für | Pianoforte und Violine | Fr. Kiel | Op. 2. | A dur. | (nicht herausgegeben) (Titelblatt der Part.,
dessen Text von einem balkenähnlichen Rahmen umgeben ist); Violine | Sonate | für | Pianoforte und Violine |
von | Fr. Kiel | Op. 2. (nicht herausgegeben) (Titelblatt der VSt.); kein Kopftitel in Part. und VSt.
Material (3 Hefte): zwei Sätze; Part. 32 S. in zwei Heften (Titelblatt [o. S.], Noten S. [1]–30) und VSt. 10 S.
(Titelblatt S. [1], Noten S. 2–9 / S. [10] leer) mit je einem Einband pro Heft; Hochformat 33,5 x 25,0 cm (12 Notensysteme pro Seite); Reinschrift:
– 1. Partiturheft 18 S.: nicht nummeriertes Titelblatt auf einem Notenblatt mit 12 Notensystemen pro Seite
(1 Blatt, das sich vom Heft gelöst hat) und Noten S. [1]–16 (4 Papierbogen);
– 2. Partiturheft 14 S.: Noten S. 17–30 (3 Papierbogen und S. 27–28 als 1 Blatt, das an der Innenseite des äußeren
Papierbogens angeklebt wurde);
– VSt. 10 S.:
Titelblatt S. [1] und Noten S. 2–9 (2 Papierbogen und S. 7–8 als 1 Blatt, das an der Innenseite des äußeren Papierbogens befestigt wurde)
Datierung spät. 1904: ohne originale Datierung, siehe „Provenienz“
Provenienz Karl Köster (bis 1904), Familie Köster (u. a. 1904–05) und Antiquariat Poppe (u. a. 1913): Die
Abschrift befand sich zunächst im Besitz von Karl Köster (1843–1904), wie aus dem oben rechts auf dem Titelblatt der Partitur stehenden Besitzvermerk K Koester sowie dem Eintrag im Auktionskatalog-Kösternachlass
(1905, 7) hervorgeht. Köster, der als Anatomie-Professor an der Bonner Universität sowie als Maler bekannt war,
besaß privat eine große Musikalienbibliothek, zu der neben Notenausgaben auch eine Sammlung von Notenhandschriften gehörte. Gegebenenfalls hatte Köster, der seit 1874 wie Prieger in Bonn lebte, alle vier Notenhandschriften Kiels (inklusive der Abschrift der Violinsonate A-Dur op. 2), die sich in seiner Musikalienbibliothek befanden, von dem ehemaligen Kielschüler Erich Prieger erworben, der in der Villa Prieger in Bonn ansässig
war. Dies lassen folgende zwei Vermerke auf der Abschrift von Kiels Festquartett für Streichquartett C-Dur
WoO vermuten, die sich – unter US-Wc M452.K46 (Case) – ebenfalls in der Library of Congress in Washington,
DC (USA), befindet: der Vermerk „Abschrift nach dem Autograph. | Herrn Prof. Dr. Koester zur | Kurzweil
überreicht von | Erich Prieger. | Bonn, 9. Juli 1896.“ auf der Rückseite des vorderen Blattes des Partiturumschlags
und die Provenienznotiz „Abschrift nach dem Autograph | im Besitz des Herrn D .r E. Prieger | Geschenk des Besitzers.“ auf einer handgeschriebenen, in die Partitur eingelegten Karte. Beide Abschriften (Violinsonate A-Dur
op. 2, Festquartett C-Dur WoO) erwarb die Library of Congress im Jahr 1913 von dem Leipziger „Antiquariat Karl
Max Poppe“.
384
Diese Abschrift der Violinsonate A-Dur op. 2 war noch 1905 im Besitz von Kösters Erben; sie ist als „Sonate
op. 2. ungedr.[uckt]“ im Auktionskatalog-Kösternachlass (1905, 7) aufgelistet, in dem der Bestand der Musikalienbibliothek des 1904 verstorbenen Karl Köster systematisch verzeichnet ist. Das Leipziger „Antiquariat Karl
Max Poppe“ erwarb die Abschrift innerhalb des Zeitraums 1905–13 entweder direkt von Kösters Erben oder über
ein Antiquariat (vergleiche Kapitel 1.3). Oscar Sonneck, der ehemalige Leiter der Musikabteilung der Library of
Congress in Washington, DC (USA), bestellte die Abschrift von Kiels Violinsonate A-Dur op. 2, die als Nr. 1041
im Antiquariats-Katalog Poppe Nr. 6 (1913) angeboten wurde, am 18. Juni 1913 bei dem Leipziger Antiquariat
Poppe, wie aus der freundlichen Mitteilung der Musikbibliothekarin Susan Clermont, Senior Music Specialist /
Reference Librarian in der Library of Congress, vom 17.10.2011 hervorgeht.
Sonstiges: Auf dem Titelblatt der Partitur finden sich verschiedene Vermerke: H 398. D.b.503. (links oben),
nicht besch.[nitten] (schräg notiert kurz nach Mitte oben) – in Abgrenzung zur beschnittenen Violinstimme –,
K Koester (rechts oben) und 202269 / 13 (Mitte unten). Auf der Rückseite des Titelblatts steht die gedruckte Zahl
318730 mittig zwischen dem siebten und achten Notensystem. Hingegen enthält die Violinstimme keine zusätzlichen Vermerke.
Das Papier und der Einband der drei Hefte zeigen starke Vergilbungs- und Zerfallserscheinungen, wie z. B. die
Ablösung des jeweiligen Hefts vom Einband, auf. Die Fadenbindung ist im Heft der Violinstimme noch intakt,
hingegen in den beiden Partiturheften brüchig, d. h. die sich noch an ihrem Platz befindenden zerrissenen Fäden
können die Hefte nicht mehr zusammenhalten. Die Paginierung von Partitur und Violinstimme, die beide ein Titelblatt enthalten, unterscheidet sich insofern, als der Notenteil in der Partitur mit Seite 1 und in der Violinstimme –
das Titelblatt mitzählend – auf Seite 3 beginnt. Bei der Paginierung S. 2–9 der Violinstimme, von der nur die untere Hälfte sichtbar ist, scheint die obere Hälfte abgeschnitten worden zu sein. Diese detailliertere Materialbeschreibung basiert auf der freundlichen Mitteilung der Musikbibliothekarin Susan Clermont, Senior Music Specialist /
Reference Librarian in der Library of Congress, vom 17.10.2011.
Autograf in D-B als Vorlage für die Abschrift in US-Wc:
Die beiden überlieferten Handschriften der Violinsonate A-Dur op. 2 unterscheiden sich schon äußerlich im Format der Partitur (Querformat mit drei Akkoladen pro Seite im Autograf und Hochformat mit vier Akkoladen pro
Seite in der Abschrift) und somit auch im Zeilen- und Seitenumbruch. Der als Fragment überlieferte Mittelsatz
findet sich nur im Autograf, während er in der später entstandenen Abschrift weder enthalten noch erwähnt ist.
Es gibt zwei Indizien dafür, dass Kiel nach der Entstehung des sich heute in D-B befindenden Autografs keine
Überarbeitung der beiden Ecksätze und wahrscheinlich auch keine Komplettierung / Überarbeitung des Mittelsatzes mehr vornahm. Erstens ist der Notentext der beiden Ecksätze in beiden Handschriften im Wesentlichen
identisch; die nur vereinzelt vorkommenden Abweichungen beziehen sich nicht auf das eigentliche Notenmaterial,
sondern nur auf Halte-, Bindebögen, Vortragsbezeichnungen und Musizieranweisungen. Und zweitens sah Kiel die
Violinsonate A-Dur op. 2 nicht für eine Drucklegung vor, während er den Kopfsatz der Violinsonate A-Dur
op. 2 im Jahr 1871 bearbeitete und 1877 als Fantasie As-Dur op. 68 veröffentlichte.
In der Abschrift sind folgende Angaben, die im Autograf noch vorhanden sind, vermutlich aus Unachtsamkeit –
da weitere Parallelstellen in beiden Manuskripten identisch sind – nicht eingetragen:
• Haltebögen:
– im Kopfsatz neunmal zweimal T. 7–8, T. 9–10, zweimal T. 11, T. 13, zweimal T. 97, T. 129–130;
– im Finale viermal
T. 11, 55, 154, T. 372–373 Violine.
• Bindebögen:
– im Kopfsatz viermal T. 33–34 Violine, T. 35–36, 53, 66;
– im Finale fünfmal
T. 82–83, 111–113, 158–159, 212–215, 216–218.
• Vortragsbezeichnungen:
– im Kopfsatz fünfmal: Crescendo-Zeichen (T. 40), Crescendo- und Decrescendo-Zeichen nacheinander (T. 140
Violine, T. 141 Violine), cresc. (T. 99), sf (T. 117);
– im Finale 14-mal:
Crescendo- und Decrescendo-Zeichen nacheinander (T. 9–10, 119–120), DecrescendoZeichen (T. 87 Violine, T. 146 Violine), Crescendo-Zeichen (T. 111–112 Violine,
314–315, 322, 368), cresc. (T. 354 Violine), sf (T. 50 Violine, T. 317, 350), p = piano
(T. 322).
• Musizieranweisungen:
– im Kopfsatz einmal:
Portatopunkte (T. 23, 76);
– im Finale siebenmal: tenuto bzw. ten. (T. 211 Violine, T. 315–316), Akzente (T. 157, T. 226 Violine,
T. 315–316).
– im Kopfsatz zehnmal: Alle 13 loco–Musizieranweisungen, die im Autograf nur zur Verdeutlichung der
und im Finale dreimal: Oktavlage notiert sind und kein notwendiger Bestandteil des Notentextes sind, fehlen
völlig in der Abschrift (Kopfsatz T. 24, 30, 43, 45, 61, 66, 67, 126, 131, 146, Finale
T. 289, 309, 334).
In der Abschrift sind gegenüber dem Autograf folgende Angaben im Klavierpart – als Anpassung an Parallelstellen – hinzugefügt worden:
385
•
im Kopfsatz sechsmal:
•
im Finale zweimal:
Vortragsbezeichnungen ped (Auftakt), Zeichen für Pedal-Ende (T. 1), DecrescendoZeichen (T. 16) und ff (T. 16); Bindebogen (T. 9 / vmtl. versehentlich anstelle des
d1-Haltebogens in T. 9–10 notiert), zwei Achtelpausen (T. 40 / vmtl. versehentlich
als pausierende Unterstimme der rechten Hand des Klaviers notiert);
Crescendozeichen als einzige Vortragsbezeichnung (T. 148 als Erinnerung an das
vor dem Zeilenumbruch in T. 147 stehende cresc. notiert); Bindebogen (T. 161–162).
Handschrift: Verbleib unbekannt [ohne Mittelsatz]
(* ggf. identisch)
Material: zwei Sätze, laut Reinecke (1936, 89) Sonate für Pianoforte und Violine op. 2. zwei Sätze, Andante con
moto – Finale (im Besitz Prof. E. Bücken).
Da Erich Reinecke nicht die Begriffe unvollständig (wie bei Kiels Klaviersonate Nr. 2 op. 13 und Nr. 4 WoO)
oder Bruchstück (wie bei Kiels Klaviersonate Nr. 1 von 1844 WoO, Ouvertüre c-Moll WoO, Ouvertüre D-Dur
WoO und Andante non troppo WoO) verwendet, kann man davon ausgehen, dass diese Handschrift kein Satzfragment neben den zwei Sätzen beinhaltet (1936, 86–89).
Datierung 1843–50 (Autograf) oder vmtl. 1885–1913 (Abschrift): ohne originale Datierung, Datierung als
Autograf siehe „b) Datierung“ der Komposition und Datierung als Abschrift siehe „Provenienz“
Provenienz Ernst Bücken (1936): Die Handschrift wurde letztmals 1936 in Reinecke (1936, 89 / Nr. 35) als Privatbesitz von Ernst Bücken in Köln nachgewiesen. Daher kann es sich nicht um das Manuskript in D-B handeln,
das unter dem Datum des 8. August 1923 akzessioniert wurde. Falls es sich bei dieser Handschrift um eine Abschrift
handelt, dann könnte sie ggf. mit der neuen Abschrift identisch sein, die 1924 bei der Versteigerung von Erich
Priegers Nachlass in Bonn angeboten wurde; vergleiche „neue Abschrift“ (1885–1913, von fremder Hand).
„neue Abschrift“ (1885–1913, von fremder Hand): Verbleib unbekannt
(* ggf. identisch)
Datierung 1885–1913: ohne originale Datierung, siehe „Provenienz“
Provenienz Erich Prieger (bis 1913) und Hans Prieger (u. a. 1913–24): Eine neue Abschrift, die innerhalb des
Zeitraums 1885–1913 (nach Kiels Tod 1885 und vor Priegers Tod 1913) im Auftrag des ehemaligen Kielschülers
Erich Prieger angefertigt worden war, wurde 1924 aus dem Nachlass Erich Prieger im Auktionskatalog-Priegernachlass (3/1924, 27) zusammen mit weiteren Manuskripten Kiels unter der Nr. 270 angeboten: Im Auftrage von
E. Prieger verfertigte neue Abschriften von meist ungedruckten Werken aus dem Nachlasse Kiels: 3 Violinsonaten
[D-Dur WoO, A-Dur op. 2, Große Sonate G-Dur op. 3] […] u. v.[iele] a.[ndere] – Sehr umfangreiches Konvolut!
Wahrscheinlich erwarb eine Privatperson diese Abschrift 1924 bei der Bonner Versteigerung, da sie weder bei
Reinecke (1936) aufgelistet noch in Bibliotheksbeständen nachgewiesen ist.
Da die Versteigerung 1924 stattfand, kann es sich weder um das sich in der Staatsbibliothek zu Berlin D-B befindende Autograf, das als Altbestand erst nachträglich am 8. August 1923 akzessioniert wurde, noch um die sich in
der Library of Congress US-Wc befindende Abschrift, die jene 1913 von dem Leipziger „Antiquariat Karl Max
Poppe“ erworben hatte, handeln.
b) Datierung
Entstehungszeit 1850 (Kopfsatz und Mittelsatz-Frag.) und früh. 1843 / spät. 1850 (Finalsatz):
Bei der Violinsonate A-Dur op. 2, deren Entstehungszeit in Reinecke (1836, 89) nicht benannt ist, entstanden der
Kopf- und der fragmentarische Mittelsatz (Material 1) im Jahr 1850 und der Finalsatz (Material 2) innerhalb des
möglichen Zeitraums 1843–50, der umrahmt ist von Kiels erstem Berliner Studienjahr 1843 und dem Entstehungsjahr 1850 des Kopfsatzes. Das Entstehungsjahr 1850 von Kopf- und Mittelsatz (= Material 1) geht aus der 1877
veröffentlichten Erstausgabe der Bearbeitung des Kopfsatzes der Violinsonate A-Dur für Klavier – der Fantasie
für Klavier As-Dur op. 68 – hervor, in der zu Beginn der Fantasie op. 68 die Jahrezahl 1850 rechts oben als Entstehungshinweis „Friedrich Kiel. | (1850)“ auf Seite 32 steht (op. 68 Entstehung 1871 und Erstdruck 1877 auf S. 32–41
in Klavieralbum). Gleichsam kann nicht endgültig geklärt werden, welcher Materialteil zuerst entstand: Kiel
komponierte entweder Kopf-, Mittel- und Finalsatz nacheinander im Jahr 1850 oder zuerst den Finalsatz innerhalb des möglichen Zeitraums 1843–50 und erst danach im Jahr 1850 den Kopf- und Mittelsatz.
Diese Datierung wird durch die folgende Einengung der Entstehungszeit der Violinsonate A-Dur op. 2 auf frühestens 1843 und spätestens 1852 bestätigt. Die Violinsonate A-Dur op. 2 entstand frühestens 1843, wie aus dem
Vergleich des Noten- und Schriftduktus ihres Autografs mit weiteren Autografen Kiels hervorgeht. Die mögliche
Entstehungszeit fällt somit in seine Berliner Zeit, die mit seinem Kompositionsstudium 1843–45 begann, während er sich zuvor in Berleburg bis 1842 kompositorisch überwiegend mit Klavier- und Orchestermusik beschäftigt hatte. Zudem komponierte Kiel seine unveröffentlichte Violinsonate A-Dur op. 2 spätestens im Jahr 1852, da
sie vor der Drucklegung seiner Komposition mit derselben Opuszahl, d. h. vor seinen 1852 publizierten 6 Fugen
für Klavier op. 2, entstand. Dies trifft für alle in der Tabelle erwähnten unveröffentlichten Werke zu, deren Entstehungszeit vor dem jeweiligen Erstdruck der entsprechenden Komposition613 mit gleicher Opuszahl liegt.
613 Außer den in der Tabelle genannten 6 Fugen op. 2 und dem Klaviertrio D-Dur op. 3 handelt es sich um folgende 1845–60
veröffentlichte Erstausgaben: Bilder aus der Jugendwelt für Klavier op. 1 (1845), 15 Canons für Klavier op. 1 (1851),
386
Opuszahl
Titel
Entstehungszeit
Erstdruck
Fine 1845
[1843–48 oder1850]
1852
1854
[1850] (Kopf- und Mittelsatz)
[früh. 1843 / spät. 1850] (Finale)
Fine 27.1.1849
[ca. 1852]
—
—
—
Ouverture (h/H) für Orch.
Ouverture (c/C) für Orch.
[1840 / Fine 1840 oder
spät. Mitte Jan. 1841]
[vmtl. 1839–42]
[vmtl. 1839–42]
—
—
—
Grande Sonate für Pfte.
Sonate für Pfte.
Sonate für Pfte.
2. Sonate für Pfte.
3. Sonate für Pfte.
Sonate Nr. 4 für Pfte.
Drei Sonaten (E, A, fis) für Pfte.
[1838–41]
[1838–41]
1841 (4.–10.11.1841)
1841 (Fine 12.12.1841)
1842 (17.1. – 15.2.1842)
April 1842
Nov. – Dez. 1844
—
—
—
—
—
—
—
A) veröffentlichte Werke op. 2 und op. 3:
– op. 2
6 Fugen für Kl.
– op. 3
Klaviertrio D-Dur
B) unveröffentlichte Werke
Kammermusik (mit op. 2 und op. 3):
– op. 2
Sonate (A) für Pfte. und V.
– op. 3
Erstes [Streich]Quartett (Es)
– op. 3
Grosse Sonate (G) für Pfte. und V.
Orchestermusik:
– op. 1
Fantaisie (F) für Orch.
– op. 4
– op. 6
Klaviermusik:
– op. 10
– op. 11
– op. 12
– op. 13
– op. 14
– WoO
– WoO
Bestätigt wird die Datierung der Violinsonate A-Dur op. 2 auf 1850 für den Kopf- und Mittelsatz (Material 1 als
Reinschrift) sowie frühestens 1843 und spätestens 1850 für den Finalsatz (Material 2 als kalligrafische Reinschrift)
durch den Vergleich von Tinte, Papier und Schriftbild mit weiteren Autografen Kiels. Das D-B-Autograf der Violinsonate A-Dur op. 2 besteht aus zwei, zu verschiedenen Zeitpunkten entstandenen Materialteilen in Reinschrift, die einen unterschiedlichen Noten- und Schriftduktus aufweisen. Material 1 wie Material 2 haben hierbei
jeweils Ähnlichkeit mit einem Autograf von den beiden Werken, welche die nächsthöhere Opuszahl „3“ tragen:
das Material 1 der Violinsonate A-Dur op. 2 (Kopf- und Mittelsatz) mit der circa 1852 entstandenen Violinsonate
G-Dur op. 3 und das Material 2 (Finale) der Violinsonate A-Dur op. 2 mit dem 1843–48 oder 1850 entstandenen
Klaviertrio D-Dur op. 3.
c) Spieldauer
24' ca. mit durchgestrichenen Mittelsatz (geschätzt anhand Tempoangaben)
20' ca. ohne durchgestrichenen Mittelsatz (geschätzt anhand Tempoangaben)
Zusatz 1. DB-Handschrift: vermutlich Autograf
Laut der freundlichen Mitteilung von Clemens Brenneis, Bibliothekar in der Musikabteilung von D-B, vom
11.12.2007 gilt es zu prüfen, ob es sich bei D-B Mus.ms. 11576 nicht um ein Autograf oder zumindest um ein
Teilautograf handelt, da die bibliothekarischen Angaben zu diesem Manuskripts widersprüchlich sind. Einerseits
ist diese Handschrift von der Bibliothek in die Signaturengruppe „Mus.ms.“ eingeordnet worden, die – im Gegensatz zur Gruppe „Mus.ms.autogr.“ für Notenautografe – Abschriften umfasst; entsprechend ist die Handschrift
auf der alten Katalogkarte sowie in der derzeit aktuellen Katalogaufnahme der Musikabteilung der Staatsbibliothek zu Berlin D-B als Abschrift klassifiziert. Andererseits wurde dieselbe Handschrift im Akzessionsjournal von
1923 als Autograf (Ms. autogr.) bezeichnet; sie gehörte neben weiteren Autografen Kiels zum sog. „Altbestand“
der Königlichen Bibliothek zu Berlin, der am 8. August 1923 nachträglich akzessioniert wurde.
Zudem war das Autograf des Klaviertrios D-Dur op. 3, das im Bestand „21070 C. F. Peters, Leipzig“ des Staatsarchivs Leipzig (D-LEsta) überliefert ist und im Schrift- und Notenduktus starke Ähnlichkeit zum Material 2 der
D-B-Handschrift der Violinsonate A-Dur op. 2 aufweist, in der Kielforschung bislang nicht bekannt. Die Einsicht in diesen Bestand (Verlagsdepositum) ist an eine schriftliche Genehmigung des Verlags gebunden.
Vier Anhaltspunkte sprechen dafür, dass es sich bei der in der Staatsbibliothek zu Berlin D-B aufbewahrten Handschrift der Violinsonate A-Dur op. 2 um ein Autograf handelt.
Capriccietto für Klavier op. 4 (1864), Zwei kleine Sonaten für Klavier vierhändig op. 6 (1857), Vier zweistimmige Fugen
für Klavier op. 10 (1858), Reise-Bilder für Cello und Klavier op. 11 (1859), Drei Stücke für Cello und Klavier op. 12
(1862), Leichte vierhändige Clavierstücke op. 13 (1860) und Grosse Polonoise für Klavier op. 14 (1860).
387
1. Der Mittelsatz der Violinsonate A-Dur op. 2 ist nur in der Handschrift von D-B, jedoch nicht in der überlieferten Abschrift (US-Wc) und der seit 1936 verschollenen Handschrift enthalten. Kiel verwarf den ihm (volloder unvollständig) vorliegenden Mittelsatz, indem er ihn im D-B-Autograf durchstrich, da unlogisch zu sein
scheint, ein Fragment in einer Abschrift zunächst abzuschreiben und dann wieder durchzustreichen.
2. Ungültige Stellen kennzeichnete Kiel in mehreren Autografen mit Durchstreichungen in Tinte. Dies ist neben
der ersten Seite des Mittelsatzes in der handschriftlichen Partitur (D-B) der Violinsonate A-Dur op. 2 auch bei
fünf Stellen im Autograf der Violinsonate d-Moll op. 16 (D-LEm), die in der Druckausgabe fehlen, der Fall.
3. Am Ende der Violinstimme (S. 9 unten) wurde ein 13. Notensystem – zusätzlich zu den üblichen zwölf Notensystemen pro Seite – für die letzten acht Takte des Finalsatzes hinzugefügt, was für ein Autograf spricht, da
bei einer Abschrift der Seitenumbruch und -umfang in der Regel schon vorher feststeht.
4. Der sich in beiden Materialteilen unterscheidende Schrift- und Notenduktus der Violinsonate A-Dur op. 2 zeigt
die größte Übereinstimmung zu jeweils einem Autograf der zwei Werke Kiels mit nächsthöherer Opuszahl „3“:
zum Autograf der Violinsonate G-Dur op. 3 bzw. dem Autograf des Klaviertrios D-Dur op. 3.
I) Material 1 (Part. 1. Teil, VSt.) der Violinsonate A-Dur
op. 2, Entstehung 1850,
Reinschrift (in D-B)
I) Autograf der Violinsonate G-Dur op. 3,
Entstehung circa 1852, unveröffentlicht,
keine Reinschrift (in D-B)
I) Material 2 (Part. 2. Teil) der Violinsonate A-Dur op. 2,
Entstehung 1843–50,
kalligrafische Reinschrift (in D-B)
II) Autograf des Klaviertrios D-Dur op. 3,
Entstehung 1843–48 oder 1850, Erstdruck 1854,
kalligrafische Reinschrift (in D-LEsta)
Noten- und ‚Schriftduktus von Material 1 und Material 2 des D-B-Autografs unterscheiden sich u. a. in den Parametern Notenköpfe, -hälse, -fähnchen, -balken, Pausen, Akkoladenbeginn, Rastralgröße, Abstand zwischen den
Notensystemen in einer Akkolade, Klammerung zum Akkoladenbeginn, Notenschlüssel, Taktartangaben. Die
markanten Merkmale des Noten- und Schriftduktus, die sich in den jeweiligen zwei Autografen ähneln, werden
im Folgenden aufgelistet, wobei bei den vergleichbaren Stellen die Partitur gemeint ist, sofern direkt vor der Seitenzahl keine Stimme genannt ist (z. B. „S. 3 und VSt. S. 1“ = Part. S. 3 und VSt. S. 1):
I) Markante Merkmale des Schrift- und Notenduktus
ähnliche Schreibweise auf dem Titelblatt:
a) Werktitel Sonate; Instrumentenbezeichnungen
Piano (innerhalb des Wortes Pianoforte) und Violine; Komponistenangabe von | Friedrich Kiel
b) Anfangsmajuskel K des Nachnamens Kiel:
mit kleinen Schnörkeln links und rechts oben;
unterhalb des Werktitels gezeichnete Verzierung,
deren Strichführung beim letzten Buchstaben des
Nachnamens Kiel beginnt
lat. Schreibschrift:
a) bei diversen Tempoangaben: Anfangsmajuskel
A mit nach links ausgerichtetem Kringel auf halber Höhe
I) Ähnlichkeiten zwischen MATERIAL 1 (Autograf der
Violinsonate A-Dur op. 2) und weiteren Autografen Kiels,
insbesondere der Violinsonate G-Dur op. 3
a+b) Titelblatt (Violinsonate A-Dur); Titelblatt (Violinsonate G-Dur op. 3)
Zu b) Diese charakteristische Art der zwei Schnörkel beim
Anfangsmajuskel K findet sich unter den derzeit zugänglichen Autografen Kiels ausschließlich auf den Titelblättern
der Violinsonaten A-Dur op. 2 und G-Dur op. 3.
b) bei Stimmbezeichnung Violino: Anfangsmajuskel V mit zwei (links und rechts oben) nach
links gerichteten Schleifen, die von oben nach
unten verlaufen
a) S. 3, 14 und VSt. S. 1, z. B. bei Andante con moto auf
S. 3 (Violinsonate A-Dur op. 2); S. 2, 4, 24, 31, 33, 40 / z. B.
bei Adagio con moto auf S. 2 (Violinsonate G-Dur op. 3)
Zu a) Die Schreibweise des Anfangsmajuskel A findet sich
unter den 1844–53 entstandenen, derzeit zugänglichen Autografen Kiels nur bei den Violinsonaten op. 2 und op. 3.
b) S. 3 und VSt. S. 1 (Violinsonate A-Dur op. 2); S. 2 (Violinsonate G-Dur op. 3), auch in anderen Autografen (z. B.
S. 3 in Musikalische Morgen-Unterhaltung für KaOrch.
C-Dur WoO von 1846)
Überschrift auf erster Notenseite: Teil der Überschrift mit sanften Wellen unterstrichen
S. 3 (Violinsonate A-Dur op. 2); S. 2 (Violinsonate G-Dur
op. 3)
Paginierung, z. B. „7.“
S. 7 und VSt. S. 7 (Violinsonate A-Dur op. 2); S. 7 (Violinsonate G-Dur op. 3), auch in anderen Autografen
388
• Notenduktus
Notensysteme:
a) dieselbe Rastralgröße für alle drei Notensysteme (Violine, Klavier)
b) Abstand zwischen Notensystemen innerhalb
Akkolade: Abstand zwischen Klavierpart und Violine viel größer als zwischen zwei Klaviersystemen; dieselbe Art von Abständen in jeder Akkolade (=> vmtl. vorrastriertes Papier)
Notenschlüssel:
a) Höhe der Violinschlüssel sehr unterschiedlich,
z. T. mit gestauchter Höhe
b) Bassschlüssel relativ gleichmäßig geformt und
fast kreisrund
Taktartangaben:
a) c (ähnelt der Zahl „6“)
a+b) Notenteil (Violinsonate A-Dur op. 2); Notenteil (Violinsonate G-Dur op. 3). Bei der Violinsonate G-Dur op. 3
verwendete Kiel für das Titelblatt dasselbe rastrierte Papier (vmtl. vorrastriert) wie im Notenteil.
a) gestauchte Höhe: z. B. S. 11 Notensystem 5 und VSt. S. 3
Notensystem 1 (Violinsonate A-Dur op. 2); z. B. S. 5 Notensystem 4 (Violinsonate G-Dur op. 3)
b) S. 3–14 (Violinsonate A-Dur op. 2); auf den meisten Seiten (Violinsonate G-Dur op. 3), aber auch in anderen Autografen (z. B. durchgehend in Musikalische Morgen-Unterhaltung für KaOch. C-Dur WoO von 1846)
a) S. 3 (Violinsonate A-Dur op. 2); S. 4 (Violinsonate G-Dur
op. 3)
b) 3/4 (Zahl 3 oben links verlängert, Zahl 4 Mitte
rechts verkürzt)
b) S. 14 (Violinsonate A-Dur op. 2); S. 24 (Violinsonate G-Dur
op. 3)
II) Markante Merkmale in Schrift- und Notenduktus
II) Ähnlichkeiten zwischen MATERIAL 2 (Autograf der
Violinsonate A-Dur op. 2) und weiteren Autografen Kiels,
insbesondere der Violinsonate G-Dur op. 3
• Schrift- und Notenduktus
kalligrafische Reinschrift (Rein- und Schönschrift)
Material 2 der Violinsonate A-Dur op. 2 (als Sonate unveröffentlicht); vollständiges Klaviertrio D-Dur op. 3 (Autograf als Stichvorlage)
nur vereinzelte kleine Korrekturen (Rasuren, von
späterer Hand z. B. Bleistifteinzeichnungen)
Bleistifteinzeichnungen, vor allem für: neue Paginierung
(Violinsonate A-Dur op. 2); Bindebögen und Kennzeichnung von Seitenumbrüchen, z. B. nach T. 5 auf S. 3 Vermerk 3/4 als Markierung des Seitenumbruchs S. 3 auf S. 4
(Klaviertrio D-Dur op. 3)
• Schreibduktus (lat. Schreibschrift)
Vortragsbezeichnungen (lat. Schreibschrift):
a) zwei verschiedene Schreibweisen des Buchstabens r in ein- und demselben Wort
b) Buchstabe d: mit Kringel links oben
c) Buchstabe f: mit Kringel links unten
d) Anfangsmajuskel P: mit zwei Kringeln links
oben und unten
lat. Schreibschrift; nur vereinzelte Buchstaben in
dt. Schreibschrift oder lat. Druckschrift:
a1) in dt. Schreibschrift: z
a2) in dt. Schreibschrift: s (beim zweiten s-Buchstaben von ss)
a) z. B. ritard.: u. a. S. 21 Violinsonate A-Dur op. 2);
z. B. S. 13 (Klaviertrio D-Dur op. 3)
b) z. B. dim. und ritard.: u. a. S. 21 und 22 (Violinsonate
A-Dur op. 2); u. a. S. 13 (Klaviertrio D-Dur op. 3)
c) z. B. for.[te] oder sf: u. a. S. 21 (Violinsonate A-Dur
op. 2); u. a. S. 12 (Klaviertrio D-Dur op. 3)
d) Presto S. 18 (Violinsonate A-Dur op. 2); Pianoforte S. 1
und S. 2 (Klaviertrio D-Dur op. 3)
a1) z. B. bei Vortragsbezeichnung fz: u. a. S. 23 (Violinsonate A-Dur op. 2) und S. 29 (Klaviertrio D-Dur op. 3)
a2) z. B. bei Tempobezeichnung assai: S. 18 (Violinsonate
A-Dur op. 2); S. 12 und VSt. S. 4 (Klaviertrio D-Dur op. 3)
389
b1) in lat. Druckschrift: s (am Wortbeginn) ohne
Schnörkel
b2) in lat. Druckschrift: V mit Schnörkel links oben
b1) z. B. bei Vortragsbezeichnungen: sf u. a. S. 19 (Violinsonate A-Dur op. 2) und S. 3 (Klaviertrio D-Dur op. 3); sostenuto S. 34 (Violinsonate A-Dur op. 2) und S. 7 (Klaviertrio D-Dur op. 3); string[endo] S. 25 (Violinsonate A-Dur
op. 2) und VSt. S. 11 (Klaviertrio D-Dur op. 3)
b2) vor allem bei V. S. für Wendestellen
kalligrafische V. S.-Vermerke zum Kennzeichnen
von Wendestellen
am Ende der Rectoseiten: Finalsatz (Violinsonate A-Dur op. 2);
nur in VSt. und VcSt. (Klaviertrio D-Dur op. 3)
• Notenduktus
Notensysteme:
a) Rastralgröße der Streicherstimme/n kleiner als
die des Klaviers
b) Abstand zwischen Notensystemen innerhalb
Akkolade: Abstand zwischen Außensystemen fast
gleich, z. T. zwischen zwei Klaviersystemen leicht
größerer Abstand als gegenüber Klavierpart und
Violine; Abstände in jeder Akkolade variieren
=> manuell rastriertes Papier
Notenschlüssel: Violin- und Bassschlüssel jeweils
mit starker waagrechter Ausdehnung nach links
und zugleich senkrechter Stauchung in der Höhe;
unteres Ende des Bassschlüssels beginnt schon
vor Akkoladenbeginn
a+b) Notenteil (Violinsonate A-Dur op. 2); Notenteil (Klaviertrio D-Dur op. 3)
Notenteil (Violinsonate A-Dur op. 2); Notenteil (Klaviertrio
D-Dur op. 3), auch in anderen Autografen
Zu I) Material 1 / Violinsonate A-Dur op. 2 (Beispiele für die Ähnlichkeit mit anderen Autografen Kiels):
Vergleich der Titelblätter (Majuskeln S, P und V, Unterschrift des Komponisten, Verzierungen etc.)
Violinsonate op. 2, Titelblatt (Autograf in D-B)
Große Sonate op. 3, Titelblatt (D-B / ca. 1852)
390
Unterschriften Kiels auf Titelblättern von Notenautografen und in autografen Briefen:
Ähnlichkeit zwischen:
Violinsonate op. 2, Titelblatt
+ Partitur S. 3 (D-B)
Große Sonate op. 3, Titelblatt (D-B (ca. 1852)
Nur leichte Ähnlichkeit zu:
Brief (15.4.1850*)
von Kiel (D-Zsch)
Klaviertrio op. 3, Titelblatt
Klaviertrio op. 34 Erstfassung
(D-LEsta / 1843–48 oder 1850) Titelblatt (D-B / ca. 1851)
Trio non difficile
Titelblatt (D-B / 1853)
Keine Ähnlichkeit zu:
Gesuch (8.4.1843*)
von Kiel (D-Gloos)
VII Fugen, Titelblatt
(D-HAGwma / 1844)
Gesuch (6.6.1844*)
von Kiel (D-BLfk)
lat. Schreibschrift der Majuskeln A und V (bei Andante, Adagio bzw. Violino) und Notenbild:
391
Brief (31.7.1863*)
von Kiel (D-LEu)
Zu II) Material 2 / Violinsonate A-Dur op. 2 (Beispiele für die Ähnlichkeit mit anderen Autografen Kiels):
Noten- und Schriftbild:
Violinsonate op. 2, Partitur S. 18 (D-B)
Klaviertrio op. 3, Partitur S. 2 (D-LEsta / 1843–48 oder 1850)
Anfangsmajuskel P:
Violinsonate op. 2,
Partitur S. 18 (D-B)
Klaviertrio op. 2, Titelblatt + Partitur S. 2
(D-LEsta / 1843–48 oder 1850)
Majuskeln V und S bei Wendestellenzeichen V. S. (= Volto subito):
Violinsonate op. 2,
Partitur S. 18
+ Partitur S. 38 (D-B)
Klaviertrio op. 3, Violinstimme S. 7
(D-LEsta / 1843–48 oder 1850)
Zusatz 2. Diskussion über die ursprünglich geplante Satzanzahl: 2 oder 3 Sätze?
Ausschließlich die sich in D-B befindende Handschrift der Violinsonate A-Dur op. 2, bei der es sich wohl um das
Autograf handelt, enthält einen Mittelsatz, der als Fragment entweder unvollendet geblieben oder bruchstückhaft
überliefert ist. In der in US-Wc aufbewahrten Abschrift, die nach diesem Autograf als Vorlage entstand, und der
verschollenen, letztmals 1936 nachgewiesenen Handschrift fehlt jeder Hinweis auf einen Mittelsatz.
Mittelsatz: Bei dem in der Handschrift von D-B fragmentarisch überlieferten mittleren Satz handelt es sich um
den Mittelsatz der unveröffentlichten Violinsonate A-Dur op. 2 und nicht um ein werkfremdes Satzfragment:
– Zwischen dem Kopf- und Finalsatz findet sich in der Partitur (Fragment) sowie in der Violinstimme (vollst.),
deren Violinstimme übereinstimmt, derselbe Satz nur mit voneinander abweichenden Tempoangaben Andante
con moto q = 112 (Part.) bzw. Moderato (VSt.).
392
– Das langsame Tempo sowie die dreiteilige Form ABA des mittleren Satzes, die aus der vollständig überlieferten Violinstimme ersichtlich ist, verweist innerhalb einer Sonate auf einen langsamen Mittelsatz und nicht
auf einen Kopf- oder Finalsatz. Der langsame Mittelsatz eines dreisätzigen Sonatenzyklus konnte laut Brockhaus-RiemannL (4/19903, 172), MGG2S (8/1998, 1592), NGroveD (17/19801, 490) und NGroveD (23/20012,
677+683) schon seit der Klassik die dreiteilige Form ABA aufweisen.
– Das Satzfragment steht, wie aus der Violinstimme ersichtlich ist, in den A-Teilen in a-Moll, der gleichnamigen
Molltonart zur Haupttonart der Violinsonate A-Dur op. 2, und im B-Teil sogar in der Haupttonart A-Dur der
Sonate. Auch drei weitere zu Lebzeiten unveröffentlichte Kammermusikwerke Friedrich Kiels weisen einen
Mittelsatz in der gleichnamigen Molltonart zur Haupttonart der dreisätzigen Sonatezyklusform auf: die
Violinsonate D-Dur WoO, die Cellosonate D-Dur WoO und das Trio non difficile G-Dur WoO.
In der Violinsonate A-Dur op. 2 setzte Friedrich Kiel die 1839 von Robert Schumann geforderte Weiterentwicklung der Gattung Sonate durch den Einfluss der freien Gattung Fantasie um, indem er in der nicht als solche
betitelten „Sonata quasi una fantasia“ einen improvisatorisch gelockerten Sonatensatz beim Kopfsatz und eine
nicht der Tradition entsprechende Zweisätzigkeit anwandte. Die meisten Argumente (Nr. 1–6) sprechen bei der
Violinsonate A-Dur op. 2 für eine Zweisätzigkeit und nicht für eine Dreisätzigkeit (Nr. 7):
1. Das Tempo des Kopfsatzes „Andante con moto. Tempo rubato q = 58.“, das im 19. Jahrhundert als langsames
Tempo mit Tendenz zum Schnellen galt, sowie die Wahl desselben Tempo im Mittelsatz (Andante con moto
in Part.) könnte von Kiel als eine formale Überlagerungstechnik – hier der Überlagerung der formalen Funktionen eines langsamen Mittelsatzes und einer Sonatensatzform – gedacht sein; verschiedenartige formale
Überlagerungstechniken stellen nämlich ein formales Merkmal seines Kompositionsstils der Klavierkammermusikwerke in Sonatenform dar. Damit würde sich der Tempokontrast, der üblicherweise zwischen den
schnellen Ecksätzen und dem langsamen Mittelsatz eines dreisätzigen Sonatenzyklus liegt, auf den Kontrast
zwischen langsamem Kopfsatz und schnellem Finalsatz verschieben, womit aber zugleich ein Mittelsatz als
überflüssig erscheint.
2. Die direkte Aufeinanderfolge von Kopfsatz und sog. Finale, die dieselbe Tonart (A-Dur) und Form (Sonatensatzform) aufweisen, könnte auf der Idee der Vereinheitlichung beruhen. Hinsichtlich des Vereinheitlichungsgedankens erinnert dies entfernt an die Werke von Komponisten der Neudeutschen Schule, wie z. B. an die
Monothematik oder Thementransformation als thematische Vereinheitlichung bei Franz Liszt.
3. Von dem Kopfsatz der unveröffentlichten Violinsonate A-Dur op. 2, der fantasieartig von der herkömmlichen
Sonatenform abweicht, erstellte Kiel zwei Jahrzehnte später im Jahr 1871 eine um 26 gekürzte, von A- nach
As-Dur transponierte Klavierbearbeitung, die 1877 als Fantasie für Klavier As-Dur op. 68 innerhalb eines
Sammelbandes im Erstdruck erschien und in nur vier Takten (T. 104–107 von op. 68) eine andere Harmonik als im Kopfsatz der Violinsonate A-Dur op. 2 aufweist. Dies könnte ein Beleg dafür sein, dass bei diesem
Kopfsatz die von Kiel gesetzte Grenze der Gattung Sonate schon überschritten war.
4. Abgesehen von dem Autograf in D-B, welches das Fragment des Mittelsatzes enthält, umfassen die zwei weiteren Manuskripte der Violinsonate A-Dur op. 2 (Abschrift in US-Wc, verschollene Handschrift 1936 im Besitz
von Ernst Bücken) lediglich zwei Sätze ohne einen Hinweis auf einen Mittelsatz. Wie aus dem Vergleich des
Autografs in D-B und der Abschrift in US-Wc hervorgeht, nahm Kiel nach der Niederschrift des Autografs
der Violinsonate A-Dur op. 2 – abgesehen von der 1871 als Fantasie op. 68 entstandenen Klavierbearbeitung
des Kopfsatzes – keine Überarbeitung an beiden Ecksätzen mehr vor.
5. Auch Kiels Kompositionsschüler Hugo Kaun, der 1880–84 bei Kiel Komposition studiert hatte und selbst als
Kompositionslehrer in Berlin wirkte, übernahm die Idee der Zweisätzigkeit in derselben Tonart bzw. des
langsamen Tempos beim Kopfsatz in zwei Kompositionen. Sein 1898 publiziertes Streichquartett Nr. 1 F-Dur
op. 40, das dem Andenken seines Kompositionslehrers Friedrich Kiel gewidmet ist, weicht u. a. durch seine
Zweisätzigkeit – mit zwei in F-Dur stehenden Sätzen – von der herkömmlichen Form ab: 1. Bewegt und mit
Begeisterung (F) im 3/4-Takt, 2. [Trauermarsch] Sehr langsam (F) im 4/4-Takt. Und in seinem 1900 veröffentlichten Streichquartett Nr. 2 d-Moll op. 41 ist der Tempokontrast umgedreht, indem zwei langsame Ecksätze einen schnellen Mittelsatz umrahmen: 1. vierstimmige Fuge Sehr ruhig, mit innigster Empfindung (d)
im c-Takt, 2. breit angelegtes Scherzo Sehr lebhaft, mit innerlicher Freude (B) im 3/4-Takt mit kurzem kantablen Trio Ruhiger, sehr innig (Beginn in Ges) im 3/4-Takt, 3. langsamer Satz Ruhig, ernst (D) im 3/4-Takt.
6. Um Textstellen als ungültig zu kennzeichnen, strich Kiel – wie im Mittelsatz der Violinsonate A-Dur op. 2 –
auch in anderen Notenautografen Stellen mit Tinte durch, wie z. B. das wiederkehrende Ritornello im Autograf des unveröffentlichten Trio non difficile G-Dur WoO und fünf aus einzelnen Takten bestehende Stellen
im Autograf der Violinsonate d-Moll op. 16, die in der Drucklegung nicht übernommen wurden. Mit der
gleichen Intention könnte Kiel auch die erste Seite des Mittelsatzes in der D-B-Handschrift der Violinsonate
A-Dur op. 2 durchgestrichen haben, wobei es sich allerdings nicht ausschließen lässt, dass eine dritte Person
diese Durchstreichungen vornahm.
393
7. Wie die voll ausgeschriebene, im Klaviersatz mit Haltebögen endende Partiturseite 14, welche auf die Fortsetzung auf der nächsten Seite verweist, zeigt, existierte mindestens eine weitere komponierte Partiturseite, zumal
der Mittelsatz in der Violinstimme vollständig überliefert ist und in der Partitur die zwei Blätter, auf denen
die Fortsetzung hätte stehen können, herausgeschnitten wurden. Das Herausschneiden der zwei Blätter und
die Durchstreichung könnte nicht nur von Kiel, sondern auch von einer anderen Person getätigt worden sein.
Insgesamt gibt es mehr Argumente, die für eine Zweisätzigkeit der Violinsonate A-Dur op. 2 sprechen, doch
lässt sich nicht endgültig ausschließen, dass Kiel diese Sonate ursprünglich für drei Sätze konzipiert hatte.
B3. Violinsonate / Große Sonate G-Dur op. 3
a) Manuskripte
Autograf: D-B Mus.ms.autogr. Kiel, F. 8 N
Titel: Grosse | Sonate | für Pianoforte | und Violine | von | Friedrich Kiel (Titelblatt der Part.)
Material: nur Part. 59 S. (30 Bl.: Titelblatt S. [1], Noten S. 2 ff., originale Paginierung bis S. 58 mit zweimal
vorkommender S. 14), Hochformat 33,0 x 25,7 cm, keine Reinschrift (siehe „Sonstiges“, ohne V. S.-Anweisung
für Wendestellen)
Datierung circa 1852: ohne originale Datierung, siehe „b) Datierung“ der Komposition
Über die unter Punkt „b)“ dargelegten Datierungskriterien hinaus weist dieses Autograf auch Ähnlichkeiten zum
Autograf des Trio non difficile G-Dur WoO auf, das einen Finevermerk vom 10. November 1853 enthält. Sowohl
die verschnörkelte Verzierung, die sich auf dem jeweiligen Titelblatt unter dem Komponistennamen befindet, als
auch das Schrift- und Notenbild ist ähnlich gestaltet. Hierzu gehören z. B. die Schreibweise von Piano und des
Nachnamens Kiel auf dem Titelblatt, die Notenschlüssel und die Tempoangaben (z. B. Allegro auf S. 4 im Autograf der Violinsonate G-Dur op. 3 bzw. S. 3 im Autograf des Trio non difficile G-Dur WoO). Das markante
Schriftbild des Nachnamens Kiel auf dem Titelblatt des Autografs der Violinsonate G-Dur op. 3 ähnelt darüber
hinaus auch Kiels Unterschrift in seinem Brief (15.4.1850*), während seine Signierung in seiner Korrespondenz
und seinen Notenautografen aus früherer Zeit, wie z. B. in seinen zwei Gesuchen (8.4.1843* und 6.6.1844*) und
im Notenautograf der VII Fugen (1844) noch schlichter gehalten sind.
Vergleich von zwei autografen, in D-B überlieferten Titelblättern:
Große Sonate G-Dur op. 3 [ca. 1852]
394
Trio non difficile G-Dur WoO 1853
Vergleich der Komponisten-Unterschrift und z. B. des Majuskels A der Tempobezeichnung Allegro:
Große Sonate op. 3, Titelblatt (D-B)
Brief (1.4.1850*) von Kiel (D-Zsch /1850)
Große Sonate op. 3, S. 4 (D-B)
Trio non difficile, S. 3 (D-B / 1853)
Provenienz und Erwerbungsjahr: unbekannt. Die 1923 als Altbestand der Königlichen Bibliothek zu Berlin
akzessionierten Autografe Kiels, unter denen sich das Autograf der Violinsonate G-Dur op. 3 befindet, gehören
vermutlich zu den Autografen Kiels, die der abwechselnd in Bonn und Berlin lebende ehemalige Kielschüler
Erich Prieger innerhalb des Zeitraums 1907–13 der Königlichen Bibliothek zu Berlin als Schenkung übergab. Im
Jahr 1936 ist die Preußische Staatsbibliothek, wie der Name der Königlichen Bibliothek zu Berlin seit 1918
lautete, in Reinecke (1936, 89 / Nr. 34) als besitzende Institution des Autografs angegeben.
Akzessionsvermerk 8.8.1923: Altbestand der Königlichen Bibliothek zu Berlin (heute D-B). Das Autograf der
Violinsonate G-Dur op. 3 mit Akzessionsnummer „1923. 119“ gehört – wie das Autograf der Cellosonate D-Dur
WoO von Kiel – zu einem Posten von sechs Stücken aus altem Handschriftenbestand („1923. 115–120“), die im
Akzessionsjournal von 1923 jeweils als Ms. autogr. bezeichnet sind. Diese Autografe Kiels, die zum „Altbestand“ der Königlichen Bibliothek zu Berlin – mit Akzessionsvermerk Alter noch nicht accesionierter Bestand
im Akzessionsjournal – gehören, wurden am 8. August 1923 nachträglich akzessioniert.
Sonstiges: viele Rasuren, viele Korrekturen (in schwarzer Tinte oder von späterer Hand in Bleistift), Streichung
einzelner Takte an neun Stellen (mit schwarzer Tinte S. 3, 13, 16, 18, 20, 21, 48 / von späterer Hand mit Bleistift
S. 8, 14), Überklebung eines Notensystems auf S. 17, Klebespuren auf S. 9 und S. 21
Autograf: Verbleib unbekannt
Datierung 1852–60: ohne originale Datierung, siehe „b) Datierung“ der Komposition / gegebenenfalls später
entstanden als das Autograf in D-B Mus.ms.autogr. Kiel, F. 8 N
Provenienz Erich Prieger (bis 1913) und Hans Prieger (u. a. 1913–24): Laut Reinecke (1936, 89 / Nr. 34) war
diese Handschrift noch 1936 im Besitz von Prieger / Bonn, d. h. wohl von dem in der Villa Prieger in Bonn ansässigen Hans Prieger, dem jüngeren Bruder und Haupterben des 1913 verstorbenen Kielschülers Erich Prieger,
der im Besitz eines Rests des Erich Prieger-Nachlasses war. Zusätzlich kommen eventuell als Teilerben aus der
weiteren Verwandtschaft der Fabrikdirektor Heinrich Prieger, ein in Sichtweite der Villa Prieger wohnender
Cousin Erich Priegers, seine Mutter Elise Prieger und seine zwei Töchter Lili und Margarete Prieger infrage.
Bei diesem Manuskript handelt es sich nicht um das Autograf in D-B Mus.ms.autogr. Kiel, F. 8 N, das in Reinecke (1936, 89 / Nr. 34) verzeichnet ist.
Abschrift (von fremder Hand): D-KNmi 5,586
(* vmtl. identisch)
Titel: Grosse Sonate | für Pianoforte und Violine | componirt von | Friedrich Kiel | Op. 3. | Partitur (Titelblatt
der Part.); Grosse Sonate | für Pianoforte und Violine | componirt von | Friedrich Kiel | Op. 3. | Violinstimme
(Titelblatt der VSt.)
Material: Part. 60 S. (Titelblatt S. [1], Noten S. 2–60) und VSt. (24 S.: Titelblatt S. [1], Noten S. 2–18 / S. [19–24]
leer); Querformat 27,0 x 33,8 cm; Paginierung von späterer Hand in Bleistift; Reinschrift
Datierung vmtl. 1885–1913: ohne originale Datierung, siehe „Provenienz“. Laut freundlicher Mitteilung von
Michael Fuhr, Wissenschaftlicher Mitarbeiter des Kölner Musikwissenschaftlichen Instituts, vom 24.11.2008
findet sich weder ein Datierungsbeleg noch sonstige Erwerbungs- oder Akzessionsdaten für diese Handschrift.
Provenienz Ernst Bücken (bis 1949): Laut dem blauen Textstempel Universitätsprofessor | Dr. Ernst Bücken
auf dem Titelblatt der Violinstimme befand sich die Abschrift im Besitz von Ernst Bücken (1884 – 1949), der
1925–45 als Professor für Musikwissenschaft am Musikwissenschaftlichen Institut (D-KNmi) der Kölner Universität wirkte, dem er die Abschrift wahrscheinlich nach seinem Ausscheiden im Jahr 1945 überließ.
Diese Abschrift ist vermutlich mit der neuen Abschrift identisch, die 1924 bei der Versteigerung von Erich Priegers
Nachlass in Bonn angeboten wurde; vergleiche „neue Abschrift“ (1885–1913, von fremder Hand). Wahrscheinlich
erwarb eine Privatperson diese Abschrift 1924 bei der Bonner Versteigerung und gab sie frühestens 1937, da sie
bei Reinecke (1936) noch nicht aufgelistet ist, an Bücken weiter; in Reinecke (1936, 89) sind nur zwei andere
Autografe genannt, die sich derzeit im Besitz der Preußischen Staatsbibliothek (heute D-B) bzw. von Prieger in
Bonn, womit in erster Linie Hans Prieger als jüngerer Bruder und Haupterbe Erich Priegers gemeint war, befanden.
Sonstiges: In der Partitur gibt es viele Bleistifteintragungen (Durchstreichung von Notentext, mehrmals Vermerk laut Vorlage gestrichen). Als Vorlage diente hierbei das Autograf in D-B Mus.ms.autogr. Kiel, F. 8 N.
395
„neue Abschrift“ (1885–1913, von fremder Hand): Verbleib unbekannt
[* vmtl. identisch]
Datierung 1885–1913: ohne originale Datierung, siehe „Provenienz“
Provenienz Erich Prieger (bis 1913) und Hans Prieger (u. a. 1913–24): Eine neue Abschrift, die innerhalb des
Zeitraums 1885–1913 (nach Kiels Tod 1885 und vor Priegers Tod 1913) im Auftrag des ehemaligen Kielschülers
Erich Prieger angefertigt worden war, wurde 1924 aus dem Nachlass Erich Prieger im Auktionskatalog-Priegernachlass (3/1924, 27) zusammen mit weiteren Manuskripten Kiels unter Nr. 270 angeboten: Im Auftrage von E. Prieger verfertigte neue Abschriften von meist ungedruckten Werken aus dem Nachlasse Kiels: 3 Violinsonaten [D-Dur
WoO, A-Dur op. 2, Große Sonate G-Dur op. 3] […] u. v.[iele] a.[ndere] – Sehr umfangreiches Konvolut! Wahrscheinlich erwarb eine Privatperson diese Abschrift 1924 bei der Bonner Versteigerung, da sie weder bei Reinecke (1936) aufgelistet noch in Bibliotheksbeständen nachgewiesen ist.
b) Datierung
Entstehungszeit circa 1852:
Diese Sonate wurde circa 1852 komponiert, denn Rellstab (1860, 5) betitelte eine am 20. März 1860 aufgeführte
Violinsonate als wie wir hören ein schon acht Jahre altes Werk, welchem der Componist selbst noch manchen
Fehlgriff Schuld giebt. Rellstab nennt zwar die Tonart der Violinsonate nicht, doch kann es sich bei diesem Konzert aus zwei Gründen nur um die Violinsonate G-Dur op. 3 handeln: Erstens sind alle im Druck erschienenen
Violinsonaten (op. 16, 35:1–2, 51) erst später im Zeitraum 1860–68 komponiert worden und zweitens besitzt von
allen gedruckten und unveröffentlichten Violinsonaten Kiels nur diese Violinsonate, wie im Konzertbericht Echo
(1860a, 94) beschrieben, als zweiten Satz einen Variationssatz über ein Andante-Thema und als dritten Satz ein
Intermezzo mit Trio (laut Autograf), das in Echo (1860a, 94) irrtümlich als Scherzo benannt ist.
Laut Rode (1860, 178) entstand Kiels am 20. März 1860 aufgeführte, für Piano und Violine componirte große
Sonate ebenfalls vor ungefähr acht Jahren. Und die Rezension NBM (1860, 102) gibt explizit den Hinweis, dass
es sich bei der am 20. März 1860 aufgeführten Duo-Sonate um ein früheres Werk des Componisten handelt.
c) Konzerte, Rundfunkeinspielungen, CD-Aufnahmen, Spieldauer
Konzert
Konzert 20.3.1860: Berlin (Saal des Englischen Hauses), 4. Kammermusiksoiree / Abonnementsoiree von Adolf
Grünwald / Sigismund Blumner, Dienstag 19 Uhr (von Montag auf Dienstag verlegt), Friedrich Kiel (Kl.) + Adolf
Grünwald (V.);
a) Ludwig Rellstab am 23.3.1860 (Rellstab 1860, 5): eine Sonate von dem so befähigten und begabten Friedrich
Kiel; wie wir hören ein schon acht Jahre altes Werk, welchem der Componist selbst noch manchen Fehlgriff
Schuld giebt. Indessen stand es dennoch auf einer sehr würdigen Höhe, obgleich eine Anschmiegung an Beethoven wohl erkennbar ist. Es empfing […] den wachsenden Beifall der Versammlung.
b) Theodor Rode am 11.5.1860 (Rellstab 1860, 177 f.): Hr. Friedrich Kiel, einer unserer talentvollsten und gediegendsten Componisten und Pianisten aus der Dehn’schen Schule, spielte sehr beifällig mit Hrn. Grünwald
eine von ihm für Piano und Violine componirte große Sonate. Dieselbe, vor ungefähr acht Jahren componirt, ist
in allen Theilen von fesselnder melodischer, modulatorischer und harmonischer Wirkung. Nur kommt der Schluß
der Sonate zu unvorbereitet.
c) Echo (1860a, 94) vom 25.3.1860: In einer Sonate für Klavier und Violine von Kiel zeigt sich eine große formelle Gewandtheit, theils auf Kosten des Ausdrucks, z. B. im Anfang vertieft sich der Comp. sehr in die schematische Entwicklung; das Andante (Thema mit freien Variat.) fesselt anfangs durch den Ton ernster, zusammengefaßter Innerlichkeit, später wird die Behandlung formalistisch; das Scherzo ist frisch und lebendig, doch das
Trio machte den Eindruck einer gelehrten Spielerei.
d) NBM (1860, 102) vom 28.3.1860.
e) Gustav Engel, seit 1853 Musikkritiker der Vossischen Zeitung (= KpBZ) in Berlin, in Engel (1860, 107) vom
31.3.1860: von Kiel eine geistvolle, hin und wieder etwas zu grübelnd gehaltene Sonate für Clavier und Violine.
Es sind keine Rundfunkeinspielungen bekannt.
Spieldauer
35' ca. (geschätzt anhand Tempoangaben)
B4. Violinsonate WoO
a) Manuskripte / Drucke
Autograf (Reinschrift): Verbleib unbekannt
Material: Part. 32 S. (Querformat) und VSt. 10 S. (Hochformat)
Datierung früh. 1838 / spät. 1853: ohne originale Datierung, siehe „b) Datierung“ der Komposition
396
Provenienz Erich Prieger (bis 1913) und Hans Prieger (u. a. 1913–24): Die Reinschrift der Violinsonatine
WoO wurde aus dem Nachlass Erich Prieger im Auktionskatalog-Priegernachlass (3/1924, 9) mit weiteren Manuskripten Kiels unter der Nr. 75 angeboten: Reinschrift von (wohl s[ä]mtl.[ich] ungedruckten) Kompositionen
aus früherer Zeit: […] 3. Sonatine f. Pfte. u. Viol.; Part. u. Viol.-Stimme, 32 S. qu-4° u. 10 S. 4°. Wahrscheinlich
erwarb eine Privatperson diese Abschrift 1924 bei der Bonner Versteigerung, da sie weder bei Reinecke (1936)
aufgelistet noch in Bibliotheksbeständen nachgewiesen ist.
b) Datierung
Entstehungszeit früh. 1838 / spät. 1853:
Die Violinsonatine WoO stammt laut Auktionskatalog-Priegernachlass (3/1924, 9) – wie das 1853 komponierte
Trio non difficile G-Dur WoO – aus früherer Zeit. Sie entstand frühestens 1838, dem Beginn von Kiels erstem
Kompositionsunterricht bei Kaspar Kummer, und spätestens 1853, dem Entstehungsjahr des Trio non difficile.
B5. Bearbeitung des Streichquartetts Es-Dur op. 53:2 für Violine und
Klavier
a) Manuskripte
Autograf oder erste Abschrift: Verbleib unbekannt
Material: Da eine neue Abschrift der Bearbeitung des Streichquartetts op. 53:2 für Violine und Klavier zusammen
mit weiteren Manuskripten Kiels im Auktionskatalog-Priegernachlass (3/1924, 27) unter der Nr. 270 aufgelistet
wird, muss es ein Autograf und gegebenenfalls eine erste Abschrift von dieser Bearbeitung gegeben haben.
Datierung früh. 1868 / spät. 1882 (Autograf) oder 1885–1913 (Abschrift): ohne originale Datierung, siehe
„b) Datierung“ der Komposition
„neue Abschrift“ (1885–1913, von fremder Hand): Verbleib unbekannt
Datierung 1885–1913: ohne originale Datierung, siehe „Provenienz“
Provenienz Erich Prieger (1913) und Hans Prieger (u. a. 1913–24): Eine neue Abschrift, die innerhalb des
Zeitraums 1885–1913 (nach Kiels Tod 1885 und vor Priegers Tod 1913) im Auftrag des ehemaligen Kielschülers
Erich Prieger angefertigt worden war, wurde 1924 aus dem Nachlass Erich Prieger im Auktionskatalog-Priegernachlass (3/1924, 27) zusammen mit weiteren Manuskripten Kiels unter der Nr. 270 angeboten: Im Auftrag von
E. Prieger verfertigte neue Abschriften von meist ungedruckten Werken aus dem Nachlasse Kiels: […] die
2 Streichquartette op. 53 in Part. (op. 53 No. 2 auch in Bearbeitung f. Viol. u. Pfte.) […] – Sehr umfangreiches
Konvolut!. Wahrscheinlich erwarb eine Privatperson diese Abschrift 1924 bei der Bonner Versteigerung, da sie
weder bei Reinecke (1936) aufgelistet noch in Bibliothekbeständen nachgewiesen ist.
b) Datierung
Entstehungszeit früh. 1868 / spät. 1882:
Kiels Bearbeitung des Streichquartetts Es-Dur op. 53:2 für Violine und Klavier, deren Tonart aufgrund verschollener Handschriften unbekannt ist, entstand frühestens 1868, da das originale Streichquartetts Es-Dur op. 53:2 im
Jahr 1868 laut Reinecke (1936, 82) komponiert und 1869 in der zweiten Jahreshälfte laut Hofmeister (Dez. 1869,
201) veröffentlicht wurde. Zudem entstand diese Bearbeitung spätestens 1882, da sich Friedrich Kiel in seinen
letzten Lebensjahren vor seinem Tod im Jahr 1885 kompositorisch nicht mehr mit der Komposition oder Bearbeitung von Kammermusikwerken beschäftigte.
CELLOSONATE (für Cello und Klavier)
B6. Cellosonate D-Dur WoO
a) Manuskripte / Drucke
Autograf: D-B Mus.ms.autogr. Kiel, F. 7 N
Titel: Sonate für Pianoforte & Violoncello. (Kopftitel der Part.)
Material: nur Part. (24 S.: Noten S. 1–24, zusätzlich nach S. 20 ein kleines Blatt eingeklebt), Querformat z. B.
26,8 x 33,8 cm (verschiedene Querformate), keine Reinschrift (siehe „Sonstiges“, ohne V. S.-Anweisung für
Wendestellen)
Datierung früh. 1843 / spät. 1879: ohne originale Datierung, siehe „b) Datierung“ der Komposition
397
Provenienz und Erwerbungsjahr: unbekannt. Die 1923 als Altbestand der Königlichen Bibliothek zu Berlin
akzessionierten Autografe Kiels, unter denen sich das Autograf der Cellosonate D-Dur WoO befindet, gehören
vermutlich zu den Autografen Kiels, die der abwechselnd in Bonn und Berlin wohnende ehemalige Kielschüler
Erich Prieger innerhalb des Zeitraums 1907–13 der Königlichen Bibliothek zu Berlin als Schenkung übergab.
Erich Reinecke lag 1936 dieses Autograf der Cellosonate D-Dur WoO noch nicht vor; in Reinecke (1936, 89 /
Nr. 31) sind ausschließlich zwei Handschriften aufgelistet, die sich derzeit im Besitz von Ernst Bücken bzw. der
Bibliothek D-Dl befanden.
Akzessionsvermerk 8.8.1923: Altbestand der Königlichen Bibliothek zu Berlin (heute D-B). Das Autograf der
Cellosonate D-Dur WoO mit Akzessionsnummer „1923. 120“ gehört – wie das Autograf der Violinsonate G-Dur
op. 3 von Kiel – zu einem Posten von sechs Stücken aus altem Handschriftenbestand („1923. 115–120“), die im
Akzessionsjournal von 1923 jeweils als Ms. autogr. bezeichnet sind. Diese Autografe Kiels, die zum „Altbestand“ der Königlichen Bibliothek zu Berlin – mit Akzessionsvermerk Alter noch nicht accesionierter Bestand
im Akzessionsjournal – gehören, wurden am 8. August 1923 nachträglich akzessioniert.
Sonstiges: unsauber geschriebene und teilweise schlecht leserliche Handschrift; einige Rasuren (S. 1, 5, 6, 12),
zahlreiche Streichungen (Streichungen einzelner Takte mit Tinte: S. 4, 10, 16–17, 18, 20, 23–24) und Ergänzungen (Hinausschreiben über das Notensystem in Tinte: S. 1, 9, 10, 16, 17; spätere Ergänzungen in Bleistift: S. 1–3,
9, 13), viele Videzeichen in Tinte (S. 4, 7, 9, 10, 11, 16, 20, 22, 24)
Bei dem Autograf, das den Entstehungsprozess des Werkes abbildet, handelt sich nicht um eine Reinschrift; an
einzelnen Stellen scheint Kiel selbst noch keine endgültige kompositorische Lösung, wie z. B. in den Takten
200 ff. des ersten Satzes (auf S. 10) und den Takten 193 ff. des Finalsatzes (auf S. 24) gefunden zu haben.
Handschrift (Kriegsverlust) / ehemals D-Dl Mus. 6410-R-9
Material: Part. 31 S. und VcSt. 8 S., 4°-Format, ohne Angabe des Kompositionsjahres und -ortes
Datierung früh. 1843 / spät. 1879 (Autograf) oder spät. 1904 (Abschrift): ohne originale Datierung, Datierung
siehe „b) Datierung“ der Komposition (Autograf) oder „Provenienz“ (Abschrift)
Provenienz Karl Köster (bis 1904) und Familie Köster (u. a. 1904–05): Bei der bibliothekarischen Angabe
„Sammlung Köster / Bonn“ im Verlustkatalog von D-Dl handelt es sich um die Sammlung von Karl Köster
(1843–1904). Laut dem Auktionskatalog-Kösternachlass (1905, 18), in dem der Bestand der Musikalienbibliothek des im Jahr zuvor verstorbenen Karl Köster systematisch erfasst wurde, gehörte diese Handschrift noch
1905 zum Bibliotheksbestand. Karl Köster, der als Anatomie-Professor an der Bonner Universität sowie als Porträtist und Landschaftsmaler bekannt war, besaß privat eine große Musikalienbibliothek mit einer Handschriftensammlung.
Gegebenenfalls hatte Köster, der seit 1874 wie Prieger in Bonn lebte, alle vier Notenhandschriften (inklusive des
Manuskripts der Violinsonate D-Dur WoO), die sich in seiner Musikalienbibliothek befanden, von dem ehemaligen Kielschüler Erich Prieger erworben, der in der Villa Prieger in Bonn ansässig war. Dies lassen folgende
zwei Vermerke auf der Abschrift von Kiels Festquartett für Streichquartett C-Dur WoO vermuten, die sich ebenfalls – unter US-Wc M452.K46 (Case) – in der Library of Congress in Washington, DC (USA), befindet: der
Vermerk „Abschrift nach dem Autograph. | Herrn Prof. Dr. Koester zur | Kurzweil überreicht von | Erich Prieger. |
Bonn, 9. Juli 1896.“ auf der Rückseite des vorderen Blattes des Partiturumschlags und die Provenienznotiz „Abschrift nach dem Autograph | im Besitz des Herrn D.r E. Prieger | Geschenk des Besitzers.“ auf einer handgeschriebenen, in die Partitur eingelegten Karte. Beide Abschriften (Violinsonate A-Dur op. 2, Festquartett C-Dur
WoO) erwarb die Library of Congress im Jahr 1913 von dem Leipziger „Antiquariat Karl Max Poppe“.
Diese Handschrift der Cellosonate D-Dur WoO war noch 1905 im Besitz von Kösters Erben; sie ist als „Sonate
D dur, nicht herausgeg. op.“ im Auktionskatalog-Kösternachlass (1905, 18) aufgelistet, in dem der Bestand der
Musikalienbibliothek des 1904 verstorbenen Karl Köster systematisch verzeichnet ist. Das Manuskript wurde sodann innerhalb des Zeitraums 1905–13 entweder direkt von Kösters Erben oder über ein Antiquariat (vergleiche
Kapitel 1.3) verkauft. Sie ging dann spätestens 1913, im Todesjahr Priegers bzw. kurz vor Ausbruch des Ersten
Weltkriegs, in den Besitz der Königlichen Öffentlichen Bibliothek in Dresden über. Laut Zugangsstempel befand
sich diese Handschrift seit 1913 im Bestand der Musiksammlung der damaligen Königlichen Öffentlichen Bibliothek in Dresden; als solche ist sie 1936 in Reinecke (1936, 89 / Nr. 31) und letztmals 1945 nachgewiesen. Sie
gilt heute als Kriegsverlust aus dem Zweiten Weltkrieg, d. h. sie wurde frühestens 1945 entweder durch Kriegseinwirkung zerstört (verloren, vernichtet oder verbrannt) oder von Kriegsteilnehmern aus den Bibliotheksbeständen geraubt, womit sie sich heute noch in Privatbesitz befinden könnte.
„Abschrift“ (1885–1913, von fremder Hand): Verbleib unbekannt
Datierung 1885–1913: ohne originale Datierung, siehe „Provenienz“
Provenienz Erich Prieger (bis 1913), Hans Prieger (u. a. 1913–24) und ggf. Ernst Bücken (u. a. 1936): Eine
neue Abschrift, die innerhalb des Zeitraums 1885–1913 (nach Kiels Tod 1885 und vor Priegers Tod 1913) im
Auftrag des ehemaligen Kielschülers Erich Prieger angefertigt worden war, wurde 1924 aus dem Nachlass Erich
Priegers im Auktionskatalog-Priegernachlass (3/1924, 27) zusammen mit weiteren Manuskripten Kiels unter
Nr. 270 angeboten: Im Auftrage von E. Prieger verfertigte neue Abschriften von meist ungedruckten Werken aus
398
dem Nachlasse Kiels: […] Violoncellosonate D-Dur […] – Sehr umfangreiches Konvolut! Wahrscheinlich erwarb eine Privatperson diese Abschrift 1924 bei der Bonner Versteigerung, da sie weder bei Reinecke (1936)
aufgelistet noch in Bibliotheksbeständen nachgewiesen ist.
Wahrscheinlich handelt es sich um die bei Reinecke (1936, 89 / Nr. 31) genannte Handschrift, die im Jahre 1936
noch im Besitz von Professor Ernst Bücken in Köln war; dieser erwarb das Manuskript vermutlich im Jahre
1924 in Bonn bei der Versteigerung von Erich Priegers Nachlass; ihr heutiger Verbleib ist unbekannt.
Neudruck (Erstdruck)
Titel: Friedrich Kiel | Sonate D-Dur | für Violoncello und Klavier | Erstdruck | [Fußzeile:] Partitur und Stimme |
Edition Dohr 21835 (Titelblatt der Part.)
Material: Part. 34 S. und VcSt. 11 S.; 4°
Ausgabe: Köln, Dohr 2001 (VN: E.D. 21835 / E.D. = Edition Dohr), Vorwort (vom September 2001) und Kritischer Bericht von Christoph Dohr (Herausgeber), hinzugefügte Taktzählung; WoO / Erstdruck nach dem Autograf in D-B Mus.ms.autogr. Kiel, F. 7 N, Herausgabe in Zusammenarbeit mit der Friedrich-Kiel-Gesellschaft e. V.
(Durchsicht der Satzvorlagen und Diskussion einiger strittiger Passagen mit dem FKG-Mitglied Anton Werner
und den zwei Interpreten der Uraufführung, die am 8. September 2001 im Rahmen der FKG-Jahresmitgliederversammlung stattfand)
Als Grundlage für den Erstdruck diente das Autograf in D-B, das keine für eine Druckvorbereitung notwendige
Reinschrift darstellt, weshalb Korrekturen vor allem in der Klavierstimme notwendig waren. Christoph Dohr,
Herausgeber sowie Verleger der Notenausgabe, stuft die Cellosonate D-Dur WoO im Vorwort als gleichrangig
zur Cellosonate a-Moll op. 52 von Kiel ein, die 1868 zu Kiels Lebzeiten im Druck erschien: In Anbetracht der
Publikationsfreudigkeit von Friedrich Kiel und der Tatsache, dass diese klangschöne, gut gearbeitete Sonate
D-Dur durchaus ebenbürtig neben der zu Lebzeiten publizierten in a-moll op. 52 stehen kann, verwundert es,
dass Kiel nicht letzte Hand an dieses Werk gelegt hat und es ebenfalls ans Licht der Öffentlichkeit geholt hat.
b) Datierung
Entstehungszeit früh. 1843 / spät. 1879:
Aus dem Vergleich verschiedener Autografe Kiels bezüglich Noten- und Schriftduktus ist ersichtlich, dass die
Cellosonate D-Dur WoO frühestens 1843 komponiert wurde und nicht in die Frühwerke einzureihen ist. Das
Werk entstand in Kiels Berliner Lebenszeit frühestens während seines Kompositionsstudiums 1843–45 bei Siegfried Wilhelm Dehn, da sich Kiel bis 1842 in Berleburg kompositorisch überwiegend mit Klavier- und Orchestermusik beschäftigte. Zudem lag die Entstehungszeit der Cellosonate D-Dur WoO spätestens im Jahr 1879, als
Kiels Klavierquintette op. 75 und op. 76 als seine letzten Klavierkammermusikwerke im Erstdruck erschienen.
Unterstützt wird der mögliche Entstehungszeitraum 1843–79 auch durch die kompositorische Ebenbürtigkeit der
zu Lebzeiten Kiels unveröffentlichten Cellosonate D-Dur WoO mit Kiels anderer Cellosonate a-Moll op. 52, die
circa 1868 entstand und im Herbst 1868 im Erstdruck erschien.
Erstdruck 2001 (Köln: Dohr, VN: E.D. 21835).
c) Konzerte, Rundfunk- und CD-Aufnahmen, Spieldauer
Konzerte
8.9.2001 (UA?) Bad Laasphe (Großer Saal des „Haus des Gastes“), Konzert zur Jahresmitgliederversammlung
der Friedrich-Kiel-Gesellschaft e. V. im Gedenken an den einen Monat später zu datierenden
180. Geburtstag Friedrich Kiels am 8.10.2001 / Kammerkonzert „In Memoriam Gerhard Hamann“
(im Gedenken an den am 11.9.2000 verstorbenen Mitbegründer der Friedrich-Kiel-Gesellschaft
e. V. G. Hamann) mit – nicht notwendigerweise tatsächlich der – Uraufführung der Cellosonate
D-Dur WoO, Samstag 19:30 Uhr, Christoph Ullrich (Kl.) + Hans Zentgraf (Vc.)
Die Cellosonate wurde am 8. September 2001 aus aufnahmetechnischen Gründen (WDR) zweimal – vor und nach der Pause – gespielt.
2.5.2004
Köln (Saal des Ruder- und Tennisklubs RTK Germania Germania e. V.), Sonntagsmatinee (von
„Die Kieler Woche in Köln“) der Konzertreihe „Musik im RTK Germania Köln“, Sonntag
11 Uhr, Oliver Drechsel (Kl.) + Dagmar Spengler (Vc.)
6.5.2004
Köln (C. Bechstein „Kulturforum“ in den „Opern Passagen Köln“), Meisterkonzert, Donnerstag
20 Uhr, Oliver Drechsel (Kl.) + Dagmar Spengler (Vc.)
5.6.2004
Bad Laasphe (Großer Saal des „Haus des Gastes“), Festkonzert II – Kammerkonzert (des III. Friedrich-Kiel-Symposiums anlässlich „25 Jahre Friedrich-Kiel-Gesellschaft e. V. 1979–2004“), Samstag 20 Uhr, Oliver Drechsel (Kl.) + Dagmar Spengler (Vc.)
Rundfunkaufnahme
8.9.2001
WDR Köln (korrigierter Konzertmitschnitt der Uraufführung mit Beifall)
399
Zwei CD-Aufnahmen
1) Titel: Friedrich KIEL | [Complete] Works for Violoncello and Piano | Vol. 2 (Cellosonate D-Dur WoO in
Originalbesetzung, Kleine Suite für Violine und Klavier op. 77 sowie Bratschensonate op. 67 jeweils in Alternativbesetzung für Cello und Klavier / Vol. 1 ohne Vol.-Zählung siehe op. 52); Detmold ©/℗ 2003, Dabringhaus und
Grimm Audiovision GmbH (Bestellnummer: MDG 612 1161-2 / MDG = Musikproduktion Dabringhaus und
Grimm, DDD-Aufnahme), Text des Booklets (Werkeinführung) von Susanne Büchner
Vergleiche [Vol. 1] (mit op. 52): ohne Vol.-Zählung und mit erweitertem Titel Complete Works for Violoncello
and Piano
Aufnahme: 22.–24.3.2002 Bad Arolsen (Fürstliche Reitbahn), Christoph Ullrich (Kl.) + Hans Zentgraf (Vc.) [Interpreten von Kiels Cellosonate D-Dur WoO bei der Uraufführung am 8.9.2001]
(Sendung: vollständiges Werk am 28.5.2003 RBB Radio 3; 1. Satz am 23.12.2003 HR)
2) Titel: DIALOGE I (Sonate für Violoncello und Klavier Nr. 2 D-Dur op. 58 von Felix Mendelssohn, Sonate
für Violoncello und Klavier D-Dur WoO von Friedrich Kiel, Sonate für Violoncello und Klavier Nr. 1 c-Moll
op. 38 von Johannes Brahms); Bergheim-Ahe ©+P 2014, Dohr (DCD 040, LC 10644, DDD-Aufnahme), dt. und
engl. Text des Booklets von Christoph Dohr
Aufnahme: 6.–8.10.2013 Wuppertal (Immanuelskirche), Kira Ratner (Kl.) + Julia Polziehn (Vc.)
Spieldauer
21' 01'' (2013 CD-Aufnahme)
22' 10'' (Konzert 8.9.2001)
22' 18'' (2002 CD-Aufnahme)
10' 27'' (I)
10' 47'' (I)
10' 57'' (I)
3' 25'' (II)
4' 23'' (II)
4' 13'' (II)
7' 09''
7' 00''
6' 59''
KLAVIERTRIO
B7. Trio non difficile G-Dur WoO
a) Manuskripte
Autograf: D-B Mus.ms.autogr. Kiel, F. 14 N
Titel: Trio | non difficile | pour le Piano-Forte | Violon et Violoncelle | par | Fr. Kiel (Titelblatt der Part.)
Material: nur Part. (26 S.: Titelblatt S. [1], Noten S. 3–23 / S. [24–26] leer), Querformat 24,2 x 33,3 cm, Reinschrift (ohne V. S.-Anweisung für Wendestellen)
Datierung 1853 / Fine 10.11.1853:Vermerk S. 23 unten rechts: „Fine | den 10ten Nobr. | 1853.“
Provenienz Erich Prieger (bis 1913), Hans Prieger (u. a. 1913–24) und M. Lengfeld (u. a. 1924–25): „M. Lengfeld’sche Buchhandlung“ A. Ganz (Inhaber 1925: Felix Ganz und Max Pinette), Köln 1925. Akzessionsvermerk
der Bibliothek „1925. 2387“
Das Autograf, das als Reinschrift entstand und in Reinecke (1936, 89 / Nr. 27) genannt ist, erwarb das Kölner Antiquariat „M.[oritz] Lengfeld’sche Buchhandlung“ 1924 bei der Bonner Versteigerung aus dem Nachlass Erich
Priegers; es ging ein Jahr später – 1925 laut Akzessionsvermerk – in den Bestand der Preußischen Staatsbibliothek zu Berlin über. Der Auktionskatalog-Priegernachlass (3/1924, 9) listet es unter dem Auktionsposten Nr. 75
auf: Reinschrift von (wohl s[ä]mtl.[ich] ungedruckten) Kompositionen aus früherer Zeit: […] 5. „Trio non difficile“
f. Pfte., Viol., Vc.; Nov. 1853. Part. 23 S. Querf. Obwohl im Auktionskatalog-Priegernachlass (3/1924) ausdrücklich keine der an die Preußische Staatsbibliothek zu Berlin geschenkten Manuskripte Kiels enthalten sind, ist dieses
Autograf eine Ausnahme, da es zunächst in den Besitz des Kölner Antiquariats „M. Lengfeld’sche Buchhandlung“
und erst danach im Jahr 1925 in den Bestand der Preußischen Staatsbibliothek zu Berlin gelangte.
Sonstiges: viele Rasuren; auf S. 16–21 im Finale an sechs Stellen Streichung des achttaktigen Ritornellos im
3/8-Takt in schwarzer Tinte (Vermerk vor dem letzten durchgestrichenen Ritornello: V. S. | statt der anderen |
Refrains, d. h. das letzte Ritornello auf S. 21 war von Kiel als Ersatz für die fünf Ritornelli auf S. 16–21 gedacht);
Zu Beginn des dritten Satzes, eines Variationssatzes, steht rechts neben der Tempobezeichnung Poco Allegro der
Text des Volkslieds „/: Es ritten drei Reiter zum Thore hinaus, Ade! :/“, das als Thema des Variationssatzes verwendet wird.
“neue Abschrift“ (1885–1913, von fremder Hand): Verbleib unbekannt
Datierung 1885–1913: ohne originale Datierung, siehe „Provenienz“
Provenienz Erich Prieger (bis 1913), Hans Prieger (u. a. 1913–24) und Ernst Bücken (u. a. 1924–36): Eine
neue Abschrift, die innerhalb des Zeitraums 1885–1913 (nach Kiels Tod 1885 und vor Priegers Tod 1913) im
Auftrag des ehemaligen Kielschülers Erich Prieger angefertigt worden war, wurde 1924 im Auktionskatalog-Prieger-
400
nachlass (3/1924, 27) unter Nr. 270 angeboten, wo sie Ernst Bücken aus Köln 1924 in Bonn erwarb: Im Auftrage
von E. Prieger verfertigte neue Abschriften von meist ungedruckten Werken aus dem Nachlasse Kiels: […] Trio
non difficile […] – Sehr umfangreiches Konvolut! Noch 1936 war laut Reinecke (1936, 89) Ernst Bücken, der im
Jahre 1949 starb, Besitzer dieser Abschrift. Der weitere Verbleib der Abschrift ist unbekannt.
b) Datierung
Entstehungszeit 1853 / Fine 10.11.1853: Kiel beendete die Komposition dieses Klaviertrios am 10. November
1853, wie aus dem Finevermerk „Fine | den 10ten Nobr. | 1853.“ auf Seite 23 des Autografs aus D-B hervorgeht.
c) Spieldauer
17' ca. (geschätzt anhand Tempoangaben)
401
402
Anhang 2:
Existenzspannen von Musikverlagen,
Kommissionären und Druckereien
Die gesamte Existenzspanne einer Firma ist bei einer sich verändernden Firmenhistorie unterteilbar, indem nur zeitweise geltende, im jeweiligen Notendruck genannte Angaben datiert werden, zu denen Firmenname, -sitz, -adresse oder Verlagsauszeichnung,
wie z. B. Hof-Musikalienhändler bei Ed. Bote & G. Bock, gehören.
Firmenname: Ort; ggf. weitere Angaben
Zeitraum Literatur
BERNARD, M.[ichael]: St. Petersburg
Bernard, M. [Hof-Musikhandlung]
1829–93
AdBu (1/1893, 39),
AdBu (4/1894, 240)
Kommissionsvertrag von C. F. Peters / Leipzig
mit M. Bernard (Abschluss ma 1854 durch Theodor Whistling von C. F. Peters)
seit circa
1854
Lindlar (1967, 14)
Bernard, M. [Verlag]: Der Verlag geht 1. Juli
1885 an P. Jurgenson in Moskau über.
Verlagsbesitzer seit 10.5.1870: Nicolai Bernard
1829–85
Hofmeister-Handbuch (1887,
o. S.)
BOSTON MUSIC COMPANY (G. SCHIRMER), 1891–1943 AdBu (1/1942, 62),
THE: Boston, MA / USA
mindestens NGroveD (16/19801, 657);
deest: AdBu (1/1948), MGG2P
(3/2000), NGroveD (4/20012)
BOTE, Ed. & G. Bock:
1) zeitweise firmiert als: Berlin und Posen, Ed.
Bote & G. Bock (G. Bock) [Gustav Bock als alleiniger Firmenleiter]
1847–63
2) Adressen: Berlin / Berlin und Posen / Berlin
W.8
[bis Erster Weltkrieg: Posen [/ Preußen] (Am
Markt 8, dann Wilhelmstraße 23) als SortimentZweigstelle]
Jägerstraße 42 (Anfang Mai 1838 – Ende Juni
1861 Berlin)
1838–61
Französische Str. 33 (1. Juli 1861 – 1873 Berlin),
Wilhelm Str. 21 (spätestens 1864 – 1882, Posen),
Unter den Linden 27 (1. Juli 1861 – 1878 Berlin)
1861–73
Leipziger Str. 37 (1873–1943, Berlin), Wilhelm
Str. 21 (spätestens 1864 – 1882, Posen), Unter den
Linden 27 (1862–78 Berlin), Mylius Hotel
1873–78
403
Auszug aus Verlagsanzeige
in NBM (1861c, 208) vom
26.6.1861: Umzug unseres
Geschäfts-Lokals von der
Jäger-Strasse No. 42 nach
der Französischen Strasse
No. 33d […] Vom 1. Juli ab
Französische Strasse 33d
und Unter den Linden 27.
AWA (3/1856, 195),
NBM (1861c, 208),
AWA (3/1862, 233),
AWA (3/1863, 247),
AdBu (1/1882, 37),
AdBu (1/1883, 38),
AdBu (1/1884, 38),
AdBu (1/1888, 44),
AdBu (1/1889, 47),
GVK (1893, 451 f.),
Leipziger Str. 37 (1873–1943, Berlin), Wilhelm 1878–85
Str. 23 (1883–1915, Posen / vorher Wilhelm
Str. 21), Unter den Linden 3 (1878–85 Berlin),
Mylius Hotel
AdBu (1/1896, 58),
AdBu (1/1903, 68),
AdBu (1/1904, 46),
AdBu (1/1910, 57),
AdBu (1/1916, 60),
1884–1943
Kunz (1988, 16+22+45),
1861–88
MGG2P (3/2000, 503 f.)
Berlin W[est]8 (= Leipziger Straße 37)
3) Königliche Hof-Musikhandlung
Hofmusikalienhändler Sr. M. des Kaisers u. Kö- 1888–1901
nigs, I. M.614 der Kaiserin Friedrich u. Sr. K. H.
des Prinzen Albrecht v. Preussen615: Wilhelm II.,
1888–1918 preußischer König und Deutscher
Kaiser, mit Gattin Auguste Viktoria († 1921);
Prinz Albrecht von Preußen († 1906); Prinzessin
Victoria als Kaiserin Friedrich 1888–1901 (nach
dem Tod ihres Gatten Friedrich III. am 15. Juni
1888)
Hofmusikalienhändler Sr. M. des Kaisers u. Kö- 1901–06;
nigs u. Sr. K. H. des Prinzen Albrecht von Preus- vmtl. auch
sen616 / Hofmusikhändler Sr. M.[ajestät] des Kai- 1906–18
sers u. Königs u. Sr. K. H. des Prinzen Albrecht
von Preussen617: ab 1901, da Prinzessin Victoria
als Kaiserin Friedrich († 1901) nicht mehr genannt); Prinz Albrecht von Preußen († 1906)
ohne Titel Hofmusikalienhändler und ohne Nennung des deutschen Kaisers
ab 1918
CRANZ, August: Hamburg
1814–97
MGG2P (5/2001, 55)
ESCHIG, Max: Paris (13, Rue Laffitte)
1906–21
AdBu (1/1921, 148) [andere
Adresse in AdBu (1/1922) ff.]
EWER, J. J. & Co.: London
1829–67
Parkinson (1990, 93)
FRIEDEL, Bernhard: Dresden
1851–84
AdBu (1/1884, 109) [AdBu
(1/1885) ff. deest]
HASLINGER, Carl quondam Tobias: Wien (Tuch- 1883–1983 AdBu (3/1971–72, 63),
lauben 11)
MGG2P (8/2002, 777),
1983 Übernahme der Haslinger-Bestände durch Doblinger
614 I. M. = Ihrer Majestät.
615 Bei den in Anhang 1 beschriebenen Notenausgaben Friedrich Kiels bei zwei Ausgaben [1888–1901].
616 Bei den in Anhang 1 beschriebenen Notenausgaben Friedrich Kiels bei drei Ausgaben: Hofmusikalienhändler Sr. M. des
Kaisers und Königs, und Sr. Königl. Hoheit des Prinzen Albrecht von Preussen bei Ausgabe [1901–05] bzw. Hofmusikalienhändler Sr. M. des Kaisers u. Königs u. Sr. K. H. des Prinzen Albrecht von Preussen bei den Ausgaben [1901–05]
und [1905–06].
617 Bei den in Anhang 1 beschriebenen Notenausgaben Friedrich Kiels bei der Ausgabe [1901–05].
404
JÜRGENSON, Peter Johann (= P. J.): Moskau
1861–1923 AdBu (1/1924, 306),
AdBu (2/1924, 13),
MGG2P (9/2003, 1314 f.)
LEEDE, Christian Friedrich: Leipzig
1843–1943 AdBu (1942, 338),
AdBu (1948, 178+242)
LENGNICK, Alfred: London
– 58 Berners Street
– 57/58 Berners Street
– 14 and 58 Berners Street
– 14 Berners Street
1894–1907
1908–10
1911
1912–58
AdBu (1/1907, 282),
AdBu (1/1909, 296),
AdBu (1/1910, 308),
AdBu (1/1911, 311),
AdBu (1/1912, 315),
Parkinson (1990, 161)
LEVY, Gustav: Wien
1854–97
Challier (1908, 26)
LICHTENBERG, Theodor: Breslau
1861–89
AdBu (1/1889, 282), Challier
(1908, 26) [AdBu (1/1890) ff.
deest]
PETERS, C. F., Bureau de Musique: Leipzig
und Berlin
Peters, C. F., Bureau de Musique: Leipzig
1860–80
AWA (3/1867, 281),
Weismann (1975, 19+24+
32+41), Fog (1990, 12)
1814–60,
1880–1915
Peters, C. F. / Leipzig: Auflage
– nicht in Edition Peters-Reihe erschienen
– in Edition Peters-Reihe erschienen
VEB Ed. Peters: Leipzig
1915–49
1867–1949
1949–92
Edition Peters GmbH: Frankfurt am Main
ab 1950
RÖDER, C. G.: Leipzig
1846–1905 Röder-Festschrift (1896, 4),
Röder, C. G., G.m.b.H.: Leipzig
1905–30 AdBu (1/1905, 364),
Einsatz von Handpressen bei Musikalien
bis 1863 AdBu (1/1906, 376),
NGroveD (21/20012, 493),
Einsatz von (Steindruck-)Schnellpressen bei Mu- ab 1863 MGG2P (14/2005, 243)
sikalien
SCHLESINGER’sche Buch- und Musikhandlung: 1810–1938 AdBu (1/1936, 495),
Berlin
AdBu (1/1937, 348+496),
Schlesinger: Berlin (Breite Straße 8)
1810–23 AWA (3/1864, 258),
1823–64 AWA (3/1867, 281),
Schlesinger: Berlin (Unter den Linden 34)
Musikhandel (1950, 184)
Schlesinger (R. Lienau): Berlin (Unter den Lin- 1864–71
den 34)
Schlesinger’sche Buch- u. Musikhandlung: Ber- 1871–1923
lin (Französische Straße 23)
SIMON, E.: Stettin [/ Preußen]
1849–1941 AdBu (1/1941, 537) [AdBu
(1942) deest]
405
SIMROCK’sche Musikhandlung: Berlin (Jäger- 1864–70 AWA (3/1865, 271),
straße 18)
AdBu (1/1865, 233),
Simrock, N.: Berlin
1870–1901 AdBu (1/1901, 547),
AdBu (1/1902, 557),
Simrock, N., G.m.b.H.: Berlin
1901–29
Challier (1908, 39),
Simrock, N., G.m.b.H.: Berlin und Leipzig
1904–29
AdBu (1/1929, 570),
MGG (12/1965, 724),
Hofmann (1975, XIII),
MGG2P (15/2006, 837)
STEINACKER, E. F.: Leipzig
1802–1948 AdBu (1/1948, 388) [AdBu
mindestens (1952) deest]
TIMM, Robert & Co.: Berlin (Jägerstr. 18)
1861–64
406
AdBu (1/1865, 233)
Anhang 3:
Hofmeisters Musikalisch-Literarische Monatsberichte
und datierungsrelevante Quellen für weitere Kompositionen Kiels
Von den Kompositionen Friedrich Kiels, die nicht zu den im Werkkatalog aufgelisteten Klavierkammermusikwerken in Sonatenform gehören, sind für sämtliche Erstausgaben wie auch einzelne weitere Auflagen (revidierte Nachauflagen und Nachdrucke)
die von Friedrich Hofmeister herausgegebenen Musikalisch-Literarischen Monatsberichte und einige weitere datierungsrelevante Quellen angegeben:
op. 1
Bilder aus der Jugendwelt für Kl. (Guttentag)
op. 1
15 Canons im Kammerstyl für Pfte.
op. 2
6 Fugen für Pfte.
• Neue Ausgabe
op. 4
op. 5
op. 6
op. 7
Capriccietto für Pfte.
Drei Romanzen für Pfte. (Weinholtz)
Zwei kleine Sonaten für Pfte. 4hd.
• Nächstens erscheinen
• Neue Ausgabe
6 Walzer für Pfte.
op. 8
Drei Klavierstücke in Liedform
op. 12
op. 13
op. 14
4 Melodien für Pfte. und Vc./Va.
• Neue Ausgabe
Vier zweistimmige Fugen für Pfte.
• Fuge op. 10/1 (Einzelausgabe)
Reise-Bilder für Pfte. und Vc./V.
• Neue Auflage
• Neue Ausgabe
Drei Stücke für Pfte. und Vc. (Erstdruck)
Leichte Klavierstücke für Pfte.
Grosse Polonoise [!] für Pfte. (Erstdruck 1860)
op. 15
op. 17
• Nächstens erscheinen (Erstdruck)
• Neue Ausgabe (1862)
• Neue Ausgabe
Melodien für Pfte.
Variationen und Fuge für Pfte.
op. 10
op. 11
Hofmeister (Dez. 1852, 235) und
Hofmeister (Jan. 1853, 245)
Hofmeister (Dez. 1862, 238) und
Hofmeister (Febr. 1863, 17)
Hofmeister (Aug. 1864, 158)
Hofmeister (April 1864, 70)
Hofmeister (April 1857, 53)
Hofmeister (Dez. 1856, 1115)
Hofmeister (Okt. 1863, 182)
Hofmeister (Jan. 1858, 11)
Hofmeister (Juli 1857, 110) und
Hofmeister (Aug. 1857, 119)
Hofmeister (Okt. 1863, 185)
• Neue Ausgabe
op. 9
Hofmeister (Dez. 1845, 185) und
Druckrezension Prinz (1846, 66)
vom 7.2.1846
Hofmeister (Febr. 1852, 27)
407
Hofmeister (Juli 1858, 100)
Hofmeister (Okt. 1863, 180)
Hofmeister (Febr. 1859, 25)
Hofmeister (Febr. 1860, 27)
Hofmeister (Aug. 1859, 128)
Hofmeister (Dez. 1862, 233)
Hofmeister (Febr. 1863, 17)
Hofmeister (Nov. 1862, 212)
Hofmeister (Aug. 1860, 131)
Hofmeister (Febr. 1861, 39) und
Hofmeister (März 1861, 49)
Hofmeister (März 1860, 60)
Hofmeister (Dez. 1862, 238)
Hofmeister (Febr. 1863, 17)
Hofmeister (Dez. 1860, 207)
Hofmeister (Sept./Okt. 1861, 170)
op. 18
Zehn Pianoforte-Stücke (Erstdruck 1861)
op. 19
• [op. 18/3, 18/5, 18/10]: Bearb. für Pfte.
• Hymne [op. 18/10]: Bearb. für Orgel
(Hymne f. Orgel bearb. v. O. Wangemann)
2 Impromptus für Pfte.
• Anzeige So eben sind erschienen und durch
alle solide[n] Musik- und Buchhandlungen
zu haben
op. 20
Hofmeister (Sept./Okt. 1861, 191)
und Hofmeister (Nov. 1861, 200)
je: Hofmeister (Dez. 1873, 408)
Hofmeister (Juni 1886, 519)
Hofmeister (Aug. 1862, 159) und
Hofmeister (Sept. 1862, 169)
Hofmeister (Dez. 1862, 255)
Requiem, Verlagsanzeige Demnächst erscheint
• Erstdruck 1862 mit 4 Materialien (Part.,
SingSt., OrchSt., Kl.A.)
• op. 20: erschien soeben: 4 Materialien (Part.,
SingSt., OrchSt., Kl.A.)
• vmtl. 2. Aufl. (keine „Neue Ausgabe“)
mit 3 Materialien (Part., 4 SingSt., Kl.A.)
• Neue veränderte Ausgabe (1878
Nachklänge für Pfte.
Hofmeister (April 1862, 57)
Hofmeister (Sept. 1862, 185) und
Hofmeister (Okt. 1862, 200)
DMZ (1862b, 288) vom 8.9.1862
op. 26
op. 27
Variationen über ein eigenes Thema für Pfte. 4hd.
Stabat mater (Kl.A., ChorSt.)
Stabat mater (Kl.A.)
Stabat mater (Part.)
Zwei Capricen für Pfte.
Tarantelle für Pfte.
op. 28
Suite für Pfte.
Hofmeister (Nov. 1862, 214)
Hofmeister (Jan. 1865, 19)
Hofmeister (März 1865, 46)
Hofmeister (Febr. 1866, 23)
Hofmeister (März 1863, 39)
Hofmeister (April 1864, 70) und
Hofmeister (Mai 1864, 108)
Hofmeister (März 1864, 45)
op. 29
op. 30
Der 130. Psalm
Klavierkonzert B-Dur
Hofmeister (Dez. 1865, 224)
Hofmeister (Mai 1864, 89+93)
op. 31
Liederkreis
• Andenken op. 31/3 (in Lieder-Album H. 2)
Hofmeister (Mai 1874, 107)
Hofmeister (Dez. 1879, 387)
op. 32
2 Motetten
• Nova-Sendung No. 7 von Bo&Bo mit op. 32
Drei Giguen für Pfte.
Variationen über ein schwedisches Volkslied
für Pfte. und V.
Hofmeister (Febr. 1865, 29)
NBM (1864, 400) vom 14.12.1864
Hofmeister (Nov. 1866, 169)
Hofmeister (März 1866, 36)
Reise-Erinnerungen für Pfte.
Drei Militair-Märsche für Orch.
(OrchSt.618, Bearb. 4hd.)
Hofmeister (Nov. 1865, 193)
Vermerk auf Titelblatt der Bearb.
für Pfte. 4hd., Verlagsanzeigen;
deest in Hofmeister (1867–68)
Hofmeister (März 1868, 34)
op. 21
op. 23
op. 25
op. 36
op. 37
op. 38
op. 39
• Bearb. (arr) für Pfte. 4hd. von Kiel
Hofmeister (April 1872, 84)
deest in Hofmeister
Hofmeister (Juni 1862, 106)
618 Die Orchesterstimmen sind sowohl durch einen Vermerk auf dem Titelblatt der vierhändigen Klavierbearbeitung von
op. 39 als auch in diversen Verlagsanzeigen von op. 39 aus dem Jahr 1868 nachgewiesen, die jeweils dieselbe Formulierung beinhalten: Die Orchester-Stimmen sind durch die Verlagshandlung zu beziehen.
408
op. 40
• Bearb. für Pfte. 2hd. von Brissler
Missa solemnis c-Moll
Hofmeister (Sept. 1868, 155)
Hofmeister (Dez. 1867, 206)
op. 41
op. 42
op. 45
op. 46
Reise-Erinnerungen für Pfte.
Humoresken für Pfte. 4hd.
Walzer für Pfte.
Te Deum D-Dur
Hofmeister (Nov. 1866, 169)
Hofmeister (Nov. 1866, 166)
Hofmeister (Febr. 1867, 23)
Hofmeister (Dez. 1868, 215)
op. 47
op. 48
op. 49
op. 53
Walzer für Pfte. 4hd.
Walzer für Pfte. 4hd.
Vier Romanzen für Pfte. und V.
Zwei Streichquartette (nur St.)
Hofmeister (Okt. 1867, 157)
Hofmeister (März 1868, 34)
Hofmeister (Sept. 1868, 146)
Hofmeister (Dez. 1869, 201)
op. 54
op. 55
op. 56
op. 57
Deutsche Reigen für Pfte. und V.
4 Charakterstücke für Pfte.
Fantasie für Pfte.
Leichte Clavierstücke für Pfte. 4hd.
Hofmeister (Dez. 1870, 181)
Hofmeister (Aug. 1870, 121)
Hofmeister (Dez. 1870, 190)
Hofmeister (Dez. 1870, 185)
op. 58
Drei Fantasien für Orgel
• Bearb. für Pfte.
Drei Humoresken für Pfte.
Hofmeister (Juli 1871, 143)
Hofmeister (Juli 1871, 134)
Hofmeister (März 1875, 63) und
korrigiert619 Hofmeister (Juni
1875, 123)
Hofmeister (Mai 1874, 103)
Hofmeister (Sept. 1874, 174)
Hofmeister (März 1875, 54)
Hofmeister (März 1875, 70)
Hofmeister (Sept. 1875, 198)
Hofmeister (Sept. 1874, 174)
Hofmeister (März 1895, 116)
Hofmeister (Febr. 1921, 97)
op. 59
op. 60
op. 66
Christus (Kl.A.)
Christus (Kl.A.)
Christus (Part., St.)
Christus (ChorSt.)
Christus (SoloSt.)
• Einzelausgaben (Nr. 3, 6, 12, 18, 23, 28)
• Musikführer op. 60
• Bearb. von „Siehe, ich stehe vor der Tür“
für 1st. [A-]Ch. und Kl./Orgel
• Bearb. von „Siehe, das ist Gotts Lamm“
für gemCh. von A. Franz (in Chorbuch
Liederborn H. 5 [1880])
4 Märsche für großes Orchester (Part., OrchSt.)
• Bearb. für Pfte. 4hd. (= Kl.A.)
Volksmelodien mit Veränderungen für Pfte.
Zwei Gesänge von Novalis
6 geistliche Gesänge für FrCh./KnCh.
• Ausgabe von op. 64:3 für MCh. von Fr. Kiel
(H. 6 des Männerchorbuchs von Sering)
Ländler für Pfte. 4hd.
op. 68
Fantasie (1877 Bauer: Klavieralbum 1. Aufl.)
op. 61
op. 62
op. 63
op. 64
Hofmeister (Okt. 1880, 298)
Hofmeister (Jan. 1872, 2)
Hofmeister (Dez. 1871, 271)
Hofmeister (Jan. 1872, 9)
Hofmeister (Dez. 1875, 305)
Hofmeister (Jan. 1876, 7)
Hofmeister (Juni 1879, 182)
Hofmeister (Juli/Aug. 1876, 164)
Hofmeister (Febr. 1877, 34) und
619 Die unvollständige Preisangabe für drei Hefte Mk 1,50 in Hofmeister (März 1875, 63) wird mit à Mk 1,50 in Hofmeister
(Juni 1875, 123) richtiggestellt.
409
• Einzelausgabe (1878 Luckhardt)
• Einzelausgabe (1880 Raabe & Plothow:
• In Klavieralbum (ca. 1883 Bauer)
op. 69
op. 70
op. 71
op. 72
op. 73
Drei Romanzen für Pfte. und Va./Vc./V.
Zwei Solostücke für Pfte. und V.
Drei Klavierstücke
• op. 71/3: Bearb. für V. mit PfteBegl. von
Dressler (H. 1 der Zwei Stücke, vgl. op. 79/2)
Sechs Clavierstücke
Walzer[-Folge] für Streichquartett (Part., St.)
• Bearb. für Pfte. 4hd. (Kiel)
• Bearb. für Pfte. 2hd. (Kiel)
• Leichte Bearb. für Pfte. 4hd.(Löschhorn)
• Bearb. für Pfte. und V. (Ahna)
op. 74
op. 77
Zehn Solostücke für Pfte. 4hd.
Kleine Suite für Violine mit Pfte.
• Bearb. für Pfte. 4hd. (von Papendick)
• Bearb. für Pfte. und Vc. (von Lübeck)
op. 77/3 Andantino: Challier-Ausgaben
• Bearb. für Pfte. 2hd. (f. Pfte. arr.)
• Bearb. für Pfte. 4hd. ( arr. f. Pfte. zu 4 Hdn.)
• Bearb. für V. (Fl./Vc.) mit Pfte. /
arr. f. V. (Fl. od. Vcello) m. Pfte.
• Bearb. für Orgel (f. Orgel arr.)
• Bearb. für Harm. (arr. f. Harm.)
• Bearb. für Pfte., Harm. und V.(/Fl.) /
arr. f. Pfte., Harm. u. V. (od. Fl.)
korrigiert620 Hofmeister (März
1877, 61), Notenausgabe z. B. in
D-B Mus. 17434
Hofmeister (Mai/Juni 1878, 154)
und Stark (1878, 375)L2
ADM (1880, 399))
Notenausgaben z. B. in D-BSstb
Hofmeister (März 1877, 58)
Hofmeister (Okt. 1877, 282)
Hofmeister (Mai/Juni 1878, 154)
Hofmeister (Nov. 1891, 459)
Hofmeister (Jan. 1878, 9)
Hofmeister (Dez. 1879, 364)
Hofmeister (Dez. 1879, 368)
Hofmeister (April 1880, 122)
Hofmeister (April 1880, 119) und
Hofmeister-Handbuch (1887, 308)
[= 1880–85 neu erschienene Werke]
Hofmeister (April 1880, 117) und
Hofmeister-Handbuch (1887, 308)
Hofmeister (Dez. 1878, 379)
Hofmeister (Aug. 1881, 195) und
Hofmeister-Handbuch (1887, 308)
Hofmeister (März 1882, 71) und
Hofmeister-Handbuch (1887, 308)
Hofmeister (Febr. 1884, 20) und
Hofmeister-Handbuch (1887, 308)
Hofmeister-Handbuch (1887, 308)
und ADM (1882a, 225)621
Hofmeister (Sept. 1882, 266)
Hofmeister (Sept. 1882, 261)
Hofmeister (Sept. 1882, 259)
Hofmeister (Sept. 1882, 273)
Hofmeister (Sept. 1882, 273)
Hofmeister (Sept. 1882, 273)
620 Die unzutreffende Reihenfolge der 15 Klavieralbumstücke in Hofmeister (Febr. 1877, 34) wird in Hofmeister (März
1877, 61) richtiggestellt, u. a. mit Kiels op. 68 als der Nr. 8 – und nicht als Nr. 3 wie in Hofmeister (Febr. 1877, 34) –
des Sammelbandes; zudem werden in Hofmeister (März 1877, 61) die Titelfortsetzung zum Besten des Spohr-Denkmals
in Cassel herausgegeben des Sammelbandes, die Tonarten und z. T. die Opuszahlen der 15 Kompositionen hinzugefügt.
621 Verlagsanzeige in ADM (1882a, 225): In unserem Verlage erschien soeben: Andantino aus der Kleinen Suite op. 77 von
Friedr. Kiel in folgenden [8] Ausgaben: Für Pianoforte […], Pianoforte zu 4 Händen […], Viol. (Flöte oder Cello) mit
Pianoforte […], Harmonium […], Orgel […], Harmonium und Pianoforte […], Pianoforte, Harmonium und Violine (Flöte)
[…], Gesang mit Begleitung des Pianoforte (Orgel od. Harm.) [a.] Ave Maria für hohe Stimme […] [b.] Ave Maria für
tiefe Stimme […].
410
op. 78
• Bearb. für Harm. und Pfte. (arr. f. Harm. u. Pfte.) Hofmeister (Sept. 1882, 273)
• Bearb. für eine (hohe / tiefe) Singst. mit
Hofmeister (Sept. 1882, 285)622 und
Pfte.(/Orgel/Harm.) „Ave Maria“
Hofmeister-Handbuch (1887, 308)
[= 1880–85 neu erschienene Werke]
• Bearb. für Va. und Kl. von Hanitzki /
Hofmeister (Febr. 1886, 37) und
Vermerk Soeben erschien in Verlagsanzeige
MWO (1885b, 632)
Walzer[-Folge] für StrQu. (Part., St.)
Hofmeister (Febr. 1881, 23) und
Hofmeister-Handbuch (1887, 308)
• Bearb. für Pfte. 4hd.
Hofmeister (Febr. 1881, 26) und
Hofmeister-Handbuch (1887, 308)
op. 79, I Sechs Impromptus für Pfte., H. 1
op. 79, II Sechs Impromptus für Pfte., H. 2
• op. 79/2: Bearb. für V. mit PfteBegl. von
Dressler (H. 2 der Zwei Stücke, vgl. op. 71:3)
op. 80
op. 81
op. 82
op. 83
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WoO
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Requiem (Erstdruck 1881)
• Kl.A., SoloSt., ChorSt.
• Kl.A., SoloSt., ChorSt., Part., OrchSt.
• Kl.A., SoloSt., ChorSt., Part., OrchSt.
als 5 separat kaufbare Materialien
Idylle
• 4 Materialien (Part., OrchSt., Kl.A., ChorSt.)
6 Motetten
• 2 Materialien (Part. u. St.)
Der Stern von Bethlehem (Part., Kl.A., ChorSt. /
OrchSt. nicht genannt)
• op. 83 m. engl. Text als Part., OrchSt., Kl.A.
von Robert Keller (m. deutschem u. engl. Text)
und ChorSt., [1883–85]
Heitere Laune für Pfte., H. 1 (10 leichte Piécen)
Heitere Laune für Pfte., H. 2 (7 leichte Piécen)
Deux Nocturnes für Pfte.
Allegro moderato grazioso für Pfte.
([Nr. 1] in Klavierschule, Erstdruck ca. 1850)
Scherzo für Pfte. B-Dur (Einleitung zum LiederAlbum des Berliner Tonkünstlervereins)
Bolero für Pfte. (Erstdruck 1875 Paez)
Hofmeister (Jan. 1882, 10) und
Hofmeister-Handbuch (1887, 308)
Hofmeister (April 1882, 111) und
Hofmeister-Handbuch (1887, 308)
Hofmeister (Nov. 1891, 459)
Hofmeister (Juli 1881, 177)
Hofmeister (Jan. 1882, 15)
Hofmeister-Handbuch (1887, 308)
Hofmeister (Nov. 1882, 359)
Hofmeister-Handbuch (1887, 308)
Hofmeister (Febr. 1883, 36)
Hofmeister-Handbuch (1887, 308)
Hofmeister (Jan. 1884, 7)
Hofmeister-Handbuch (1887, 308)
Hofmeister (Febr. 1846, 24) und
Hofmeister (April 1846, 60)
Hofmeister (Juli 1849, 70)
D-BE Musikalien 1216 Nr. 1,
deest in Hofmeister
EchoBe (1868b, 92), deest in Hofmeister
Hofmeister (März 1875, 63),
Hofmeister (Nov. 1875, 246) und
Hofmeister (März/April 1876, 54)
• ND 1883 (in Klavierschule von Siewert 1883) Hofmeister (Sept. 1883, 223)
• ND ca. 1900 (in Morenas Goldener Leier 1 Bd.) Exemplar z. B. in D-MÜs 3B 921
• ND 1906–08 (in Morenas Goldener Leier 2 Bd.) Hofmeister-Handbuch (1908, 443)
622 „Ave Maria“, Andantino (m. unterlegtem Text) f. 1 hohe St. / f. 1 tiefe St. m. Pfte. (Orgel oder Harm.).
411
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WoO
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WoO
• Bearb. für SalonOrch.
Hofmeister (Febr. 1920, 19)
Deux Nocturnes für Pfte. [spätere Aufl. bei Paez] Hofmeister (März 1875, 63) und
korrigiert623 Hofmeister (Juni
1875, 123)
Melodie D-Dur
Hofmeister (Sept. 1876, 213)
• [Neue Ausgabe]
Hofmeister (Juli 1885, 172) und
Hofmeister-Handbuch (1887, 308)
5 Etüden: in Klavierschule (Etüden Kiels erstAmZ (1878, 383) und
mals in 4. Aufl.624 (1878) der 76 leichten Etüden) KlaL (1878a, 151)
• Nachdruck: z. B. unveränderte625 5. Aufl. (1880) Exemplar: D-Rs 999/Mus.1,2,24
• Nachdruck Uebungsbuch: 76 kleine [!] Etuden KlaL (1881, 234) und KlaL (1882,
z. B. 6. Aufl. (1881) sowie 8. Aufl. (1885)
248) sowie MWO (1885a, 467)
Walzer-Caprice für Pfte. (1879 Sammelband)
Hofmeister (Juni 1879, 175)
• (1880 Einzelausgabe)
Hofmeister (März 1880, 87) und
Hofmeister-Handbuch (1887, 308)
1 Etüde: in Klavierschule (Etüde Kiels erstmals Hofmeister (März 1880, 86)626
in 5. Aufl.627 (1880) der 120 Etüden628, Bd. 1)
• Nachdrucke mit verändertem Titel Weg zur
KlaL (1881, 234) und KlaL (1882,
Kunstfertigkeit: 120 grössere [!] Etüden,
248), MWO (1888, 256), KlaL (1888,
z. B. 6. Aufl. (1881), 9. Aufl. (1888) oder
208) und KlaL (1889a, 216)
10. Aufl. (1889)
Ave Maria „Stille die Wellen“, Nr. 2 jeweils in
Chorbuch von Karl Heffner (Hrsg.)
• Bößenecker [1884] (1. Aufl. 1 Bd.)
Hofmeister (Nov. 1884, 316) und
Hofmeister-Handbuch (1887, 244 f.),
z. B. in D-Au 00/4 035677 und
D-Rs 999/Art.1699
• Bößenecker [1900] (2. Aufl. Bd. 1–2)
Hofmeister (Mai 1900, 229),
z. B. in D-Bbbf 25 Bb 0339
• Eugen Feuchtinger [1903–20] (3. Aufl. 1 Bd.)
z. B. in D-KNmi H 927, deest in
Hofmeister-Handbuch (1908)
623 Deux Nocturnes (B, Es), laut Hofmeister 2 Nocturnos: Beim ersten Notturno wird die in Hofmeister (März 1875, 63)
unzutreffende Tonartenangabe A[-Dur] in Hofmeister (Juni 1875, 123) mit B[-Dur] korrigiert.
624 AmZ (1878, 383): Soeben erschien die vierte mit höchst werthvollen neuen Etüden von Friedrich Kiel versehene Auflage
625
626
627
628
von […] 76 leichte Etüden. In Hofmeister ist nur die 1871 publizierte Auflage mit dem Titel Uebungsbuch nach der Klavierschule: 76 leichte Etuden (Hofmeister Okt. 1871, 216) verzeichnet, in der Kiels Etüden noch nicht enthalten sind.
4. Auflage (1878), von der derzeit kein Exemplar nachweisbar ist, entspricht Exemplar in D-Rs 999/Mus.1,2,24 der unveränderten 5. Auflage (1880) mit Etüden Kiels Nr. 72–76, S. 145, 146 f., 148 f., 150 f. und S. 152 f.: Uebungsbuch nach
der Klavierschule. 76 LEICHTE ETÜDEN von CLEMENTI, BERTINI, CORELLI, HÄNDEL, A. E. MÜLLER, HUMMEL,
STEIBELT, RICH. KLEINMICHEL, ROB. SCHWALM, JOACH. RAFF, UND FRIEDR. KIEL. In fortschreitender Ordnung von der unteren bis zur Mittelstufe. Herausgegeben von GUSTAV DAMM (THEODOR STEINGRÄBER). [5. Auflage]:
Lpz. [1880], Steingräber Verlag.
Hofmeister (März 1880, 86) mit Angabe des unzutreffenden Verlagsorts Leipzig [recte: Hannover].
Auflage 1880 = 5. Auflage laut KlaL (1880, 232): zugleich auch erschien (soeben) die fünfte, mit Ed. Mertke’s Technischen Uebungen vermehrte Auflage des Weg zur Kunstfertigkeit von G. Damm (120 Etüden unserer ersten Meister: Clementi, Cramer, Bertini, Kalkbrenner, Kessler, Mendelssohn, Kiel, Raff, Chopin u. A.).
Exemplar in D-BSstb II 6-379 [= Bd. 1] mit Etüde Kiels in Bd. 1, Nr. 45 S. 98 f.: Weg zur Kunstfertigkeit. 120 Etüden
für Pianoforte von Clementi, Cramer, Corelli, Bertini, Steibelt, Hummel, Mozart, Schubert, Weber, Bach, Berger, Beethoven, Ries, Kalkbrenner, Kessler, Kleinmichel, Kiel, Mendelssohn, Raff und Chopin. In systematischer Reihenfolge von
der Mittelstufe bis zur vollendeten Concertvirtuosität. Herausgegeben von GUSTAV DAMM (THEODOR STEINGRÄBER.). Hannover [!] [1880], Steingräber Verlag; drei Bände: Etüden Nr. 1–75 in Bd. 1, Etüden Nr. 76–120 in Bd. 2,
Mertkes Technische Übungen in Bd. 3.
412
WoO
•
5 Etüden: in Klavierschule (Neue Ausg.[abe]
1887 der 93 Etüden)
Nachdrucke mit verändertem Titel 93 kleine [!]
• Nachdruck mit Originaltitel 93 Etüden
WoO
WoO
Etüde (C): in Klavierschule (erstmals in Bd. 1
der 10. Aufl. 1889 der 132 Etüden)
• Nachdruck mit verändertem
Titel 132 grössere Etüden
Etüde (C): in Klavierschule (Bd. 1 der
135 Etüden)
• Nachdruck 135 Etüden (16. neu durchgesehene und vermehrte Auflage laut SfMW)
Hofmeister (Jan. 1888, 9)629, Exemplar in D-Dl 4.Mus.4.9839630
z. B. 10. Aufl. (1888): MWO (1888,
256) und KlaL (1888, 208),
11. Aufl. (1889): KlaL (1889a, 216)
und MWO (1890, 62)
z. B. 16. Aufl. (1908):
SfMW (1908, 1566) und
Hofmeister-Handbuch (1908, 141)
Hofmeister (Jan. 1890, 11)631 und
Exemplar in D-B O. 541632
z. B. 11. Aufl. (1890): KlaL (1890,
91) und MWO (1890, 62)
Exemplar ca. 1900 (ohne Aufl.-Nr.)
in D-HIb 1 C e 0808 (1633,
deest in Hofmeister (Jan. 1899 –
April 1901)
z. B. 16. Aufl. (1908):
SfMW (1908, 1566) und
Hofmeister-Handbuch (1908, 141)
Von den Klavierwerken Kiels sind einzelne Nachdrucke aus dem 19. Jahrhundert in Hofmeister (bis 1900) nicht verzeichnet: Scherzo B-Dur (Einleitung von Lieder-Album des Berliner
Tonkünstler-Vereins) [1868] bei Schlesinger, Capriccietto op. 4 [1870] bei Schlesinger (R. Lienau), Drei Romanzen op. 5 [circa 1865–68] bei RoTimm und [circa 1870] bei Bo&Bo, Drei
Stücke [1864] op. 12 bei Simrock’sche Musikh., Drei Humoresken op. 59 [1880–88] bei Barth1,
[früh. 1888] bei Junne1 und [nach 1888] bei Junne2, Fantasie As-Dur op. 68 [1880] bei Raabe &
Plothow, Bolero [1881–88] bei Barth2, [früh. 1888] bei Junne1 und [nach 1888] bei Junne2
sowie Zwei Notturnos [1880–88] bei Barth1.
Auch der Erstdruck 1878 der fünf Etüden Kiels im Übungsbuch 76 leichte Etüden (4. Aufl.
1878) und die Etüde C-Dur im Sammelband 132 Etüden (10. Auflage 1889) sowie im Sammelband 135 Etüden (circa 1900) sind in Hofmeister (bis 1900) nicht verzeichnet.
629 Hofmeister (Jan. 1888, 9) mit Angabe des unzutreffenden Verlagsorts Hannover [recte: Leipzig].
630 Exemplar in D-Dl 4.Mus.4.9839: Übungsbuch nach der Klavierschule. 93 ETÜDEN [Neue Ausgabe] von CLEMENTI,
PISCHNA,CZERNY, BERTINI, HÄNDEL, A. E.MÜLLER, A. KRUG, HEINR. HOFMANN, ROB. SCHWALM, ED. MERTKE, BERNH. WOLFF, FR. KIEL, J. RAFF u. R. SCHUMANN. Phrasierungsausgabe in fortschreitender Ordnung bis zur
Mittelstufe [herausgegeben] von GUSTAV DAMM (THEODOR STEINGRÄBER.) [Neue Ausgabe mit] Anhang: Rob.
Schwalm, Tägliche Übungen und Dr. H. Riemann, Anleitung zum Studium der Technischen Übungen. Lpz. [1887], Steingräber Verlag.
631 In Hofmeister (Jan. 1890, 11) mit Angabe der unzutreffenden Auflagenzahl 11. Auflage [recte: 10. Auflage].
632 Exemplar in D-B O. 541 Weg zur Kunstfertigkeit. 132 Etüden für Pianoforte von Clementi, Cramer, Czerny, Schmitt, Steibelt, Hummel, Mozart, Schubert, Weber, Bach, Berger, Beethoven, Kalkbrenner, Kessler, Mayer, Kleinmichel, Schwalm,
Kiel, Chopin, Raff, Schumann. In systematischer Reihenfolge von der Mittelstufe bis zur vollendeten Konzertvirtuosität.
Herausgegeben von GUSTAV DAMM (THEODOR STEINGRÄBER.) Phrasierungsausgabe. Lpz. [!] [1889], Steingräber
Verlag; Bd. 1 mit Etüden Nr. 1–76.
633 Exemplar in D-HIb 1 C e 0808 (1 – mit Signaturenbestandteil „(1“ als Verweis auf Band 1 – für Etüde Kiels in Bd. 1,
Nr. 46 S. 98 f.: Weg zur Kunstfertigkeit. 135 Etüden für Pianoforte von Clementi, Pischna, Cramer, Czerny, Schmitt,
Steibelt, Mozart, Schubert, Weber, Bach, Kessler, Kalkbrenner, Moscheles, Kleinmichel, Schwalm, Kiel, Mayer, Haberbier,
Chopin, Raff, Schumann, Tschaikowsky, Tausig. In systematischer Reihenfolge von der Mittelstufe bis zur vollendeten
Konzertvirtuosität. Herausgegeben von GUSTAV DAMM (THEODOR STEINGRÄBER.) Phrasierungsausgabe. Lpz. [!]
[ca. 1900], Steingräber Verlag; Bd. 1 mit Etüden Nr. 1–76.
413
414
Anhang 4:
Briefe und weitere Dokumente: eine Auswahl
Die Auswahl der folgenden transliterierten handschriftlichen Briefe und Dokumente,
die chronologisch angeordnet sind und hier überwiegend erstmals veröffentlicht634 sind,
betrifft Archivalien, die insbesondere über die Biografie Friedrich Kiels und den historischen Kontext Auskunft geben. Hinzu kommen mehrere für Kiel relevante Dokumente,
die Informationen zu Kiels Herkunftsfamilie enthalten, sowie mehrere zeitgenössische
veröffentlichte Bekanntmachungen des Kultusministeriums bzw. der Kgl. Akademie
der Künste, die bislang der Kielforschung unbekannt waren.
Die Orthografie des 19. Jahrhunderts inklusive Abkürzungen, Unter- bzw. Durchstreichungen, Tief- bzw. Hochstellungen, originalen Einfügungen wie auch die individuelle Schreibweise von Personen und Orten werden beibehalten, wobei originale, zum
Teil veraltete Abkürzungen und Begriffe in den Fußnoten aufgelöst bzw. definiert werden. Auch die äußere Gestaltung des jeweiligen Dokuments mit Absatz- oder Tabellengestaltung, Zeileneinzug sowie Verweisen auf Seitenumbrüche (= „||“) und Leerräume findet Berücksichtigung. Ein Doppelbuchstabe wie z. B. „mm“ oder „nn“ ist, auch
_
wenn er in einzelnen Briefen als Einzelbuchstabe m etc. mit waagrechtem Strich darüber dargestellt ist, im Folgenden prinzipiell als Doppelbuchstabe ausgeschrieben, wie
z. B. bei den Worten bekommen und Kummer im Brief (31.7.1863*) und Sonnabend
im Brief (25.10.1881*). Um den Lesefluss zu erhalten, sind vereinzelt in runden
Klammern Konjekturen bei Brandschäden sowie in eckigen Klammern Interpunktionszeichen, Buchstaben- oder Textergänzungen hinzugefügt. Bei fehlerhaften Angaben in
handschriftlichen Primärquellen ist ein recte-Vermerk in eckigen Klammern hinzugefügt. In der Regel sind die an der Korrespondenz beteiligten Personen in den Kurzbiografien (Anhang 7) identifiziert und beschrieben. Bei einigen Archivalien erfolgt eine
Zuschreibung, die sich auf die Datierung, den Verfasser oder den Adressaten eines
Briefes oder auf eine vom König unterzeichneten Kabinettsorder beziehen kann, mit
dazugehöriger Erläuterung in den Fußnoten.
Bei den Briefen wird auf eine begriffliche Unterscheidung zwischen Geschäfts- und
Privatbrief, die archivalisch als „Schreiben“ respektive „Briefe“ bezeichnet werden, verzichtet, da sich diese Funktionen bei mehreren Briefen überschneiden. Die Briefkopierbücher von Musikverlagen enthalten Abschriften der abgesandten Briefe, die Kopisten darin chronologisch entsprechend dem Briefabgang eintrugen, wobei Anreden, Grußformeln und Unterschriften in der Regel nicht übertragen wurden. Der eigentliche Inhalt des Briefes war aber vollständig kopiert, da die Briefkopierbücher einen Nachweis
über die Inhalte der abgegangenen Briefe ermöglichen sollten. Im Folgenden handelt
es sich um originale Briefe bei den Briefen, in denen bei der handschriftlichen Textversion nichts anderes (wie z. B. Entwurf, Abschrift, zweites Exemplar, Auszug aus
634 Sieben Schreiben, die wegen zusätzlicher Informationen, wie z. B. die Durchstreichungen von Textpassagen oder beim
Gesuch (18.7.1876*) neben dem Original die beglaubigte Abschrift als zweite Textfassung, in dieser Dokumentation
beibehalten werden, finden sich inzwischen auch unter den 67 veröffentlichten Dokumenten in Krukowski (1/2013).
415
Verlags-Briefkopierbuch) vermerkt ist.
Zudem gab es im 19. Jahrhundert drei Sorten von Geschäftsschreiben, welche die Befehlsschreiben mit Weisung von oben nach unten (Kabinettsordern, Reskripte, Bewilligungsbescheide, Erlasse, Verfügungen, Zahlungsanweisungen etc.), die Berichte mit
Bitte um Weisung von unten nach oben sowie die paritätischen Mitteilungsschreiben
umfassen. Aus Friedrich Kiels Umfeld spielen z. B. die Kabinettsordern635 vom 5. Dezember 1842 (Charlottenburg636) und 1. August 1844 (Erdmannsdorf637) im Auftrag
des preußischen Königs Friedrich Wilhelm IV. eine Rolle, der mit jedem seiner Minister zweimal in der Woche zusammenarbeitete und in den von ihm unterzeichneten Kabinettsordern seine Befehle gab. Sein Regierungsbüro war – vergleichbar mit der heutigen Staatskanzlei eines Ministerpräsidenten – das preußische Geheime Zivilkabinett,
wo der König aus seinen Privatgemächern, dem sog. „Kabinett“ heraus die ihm vorbehaltenen preußischen und Reichs-Angelegenheiten mithilfe von Ratgebern entschied;
zu diesen Ratgebern gehörte u. a. 1834–46 der Kabinettsrat und Vortragende Rat im
Geheimen Zivilkabinett Karl Christian Müller.
• Lebenslauf (28.7.1817 Montag) von Johann Christian Kiel (Niederlaasphe), einem Onkel väterlicherseits von Friedrich Kiel:
Christian Kiel gebürtig von Richstein, Schullehrer zu Niederlaasphe.
Gebohren den 2ten October 1797 [recte: geb. 18.9.1797] alt 19 Jahr 8 Monat 27 Tage. Vater und Mutter sind gestorben.
Im Jahre 1815 den 15ten October begab ich mich nach Niederlaasphe als Schullehrer, und habe mich
bestrebt, so viel ich konnte, mir Kenntnisse zu sammlen [!]. Meine erste[n] Kenntnisse von Jugend auch
lesen, schreiben, rechnen habe ich von Schullehrer Becher zu Crefeld, gewesener Schullehrer zu Richstein
erhalten.
Nun aber seit ich Schullehrer bin, habe ich die mehrste638 Kenntnisse zum Schulwesen von meinem
Bruder [Johann Jost Kiel,] Schullehrer zu Puderbach.
Habe auch als[bald] mehrere Schulbücher durchlesen und mir dieselbe beobachtet. Und bin als in
mehreren Schulen gewesen, wo ich eine gute Einrichtung von Lehrern angetroffen habe, wird die selbe
beobachtet.
[1 Leerzeile]
Niederlaasphe den 28ten July1817
[1 Leerzeile]
Schullehrer Kiel.
635 Die vom Monarchen eigenmächtig erlassene, ohne Gegenzeichnung gültige Kabinettsorder / -ordre „K. O.“ (frz. ordre =
Befehl) oder Allerhöchste Kabinettsorder „A. K. O.“ war zwar bis 1918 die Form der monarchischen Gesetzgebung, wurde
aber mit der Durchsetzung bürgerlicher Verfassungen – seit circa 1850 in Preußen – allmählich vom Gesetz verdrängt. Mit
der Verfügung (27.7.1882*) hat Z. B. seine Majestät der König mittels Allerhöchster [Kabinetts-]Order vom [19.6.1882]
unter Außerkraftsetzung des provisorischen Statuts der Kgl: Akademie der Künste zu Berlin vom [6.4.1875] das Allerhöchstdemselben unterbreitete definitive Statut der Königlichen Akademie der Künste zu genehmigen geruht.
636 Das Alte Schloss Charlottenburg, der heutige Schloss-Mittelbau im Ortsteil Charlottenburg des Bezirks Charlottenburg-Wilmersdorf in Berlin, war die Residenz von König Friedrich Wilhelm IV. von Preußen. In dessen erstem Stockwerk ließen
sich der König und seine Gattin Elisabeth ab 1840 eine Wohnung neu einrichten.
637 Der circa 300 Kilometer von Berlin entfernt liegende Ort Erdmannsdorf (nach dem Zweiten Weltkrieg seit 1946 Mysłakowice / Polen) gehörte z. B. in den 1840er-Jahren zur preußischen Provinz Schlesien. Der seit 1840 amtierende König
Friedrich Wilhelm IV. von Preußen weilte häufig auf seinem Schloss in Erdmannsdorf, das 1833 von Friedrich Wilhelm III. gekauft, nach dessen Tod am 7. Juni 1840 an dessen Witwe Auguste Fürstin von Liegnitz vererbt und 1840
wiederum von König Friedrich Wilhelm IV. als Krongut angekauft wurde, der es 1841–44 umbauen ließ.
Auguste Gräfin von Harrach (30.8.1800 Dresden – 5.6.1873 Bad Homburg von der Höhe / Hessen) wurde mit ihrer
Hochzeit 1824, als sie die zweite Ehefrau von König Friedrich Wilhelm III. wurde, zur Fürstin von Liegnitz ernannt.
638 mehrste = meisten.
416
• Lebenslauf (29.7.1817 Dienstag) von Johann Jost Kiel (Puderbach), dem Vater von Friedrich
Kiel:
Johann Jost Kiel Schullehrer zu Puderbach Amts Wittgenstein, gebürtig von Richstein, gebohren im Jahr
1791 den 1ten May [recte: geb. 30.4.1791] alt 26 Jahr und 3 Monathe.
Vor sechs Jahren [= 1811] wurde mir die hiesige Schulstelle von dem Königl. Preuß. Inspector [Christian]
Hinzpeter zu Laasphe übertragen, welche ich auch mit allem Fleiß versehen habe. Hier fand ich zu gleich
in der Nähe, bei dem Schullehrer [Ludwig] Schaaf zu Wallau, Gelegenheit[,] in Schulwissenschaften, besonders Schreiben, Rechnen und noch Musik mich mehr zu vervollkommnen und zu erlernen. Wo ich denn
auch dabey meine mehrsten639 Kenntniße aus Büchern zum Schulwesen geschöpft habe.
Puderbach, den 29ten July 1817.
[0,5 Leerzeilen]
Jost Kiel.
• Anstellungspatent (11.10.1827 Donnerstag) für Johann Jost Kiel als Volksschullehrer in
Schwarzenau, als Abschrift, Auszug:
Anstellungs=Patent für den [Johann] Jost Kiel als Schullehrer u. Vorsänger zu Schwarzenau
Der bisherige Schullehrer zu Puderbach, Jost Kiel, wird auf sein Gesuch von der Uebernahme der ihm
unter dem 20 Juny d. J. verliehenen Schullehrer= u. Organisten=Stelle in Feudingen entbunden und mit
Zustimmung des Herrn Fürsten von [Sayn-]Wittgenstein-Hohenstein Durchlaucht [Alexander I.], hiermit
als Schullehrer u. Vorsänger in Puderbach [recte: Schwarzenau] angestellt. […]
Die Kiel-Personalakte (1840–42) in D-BE, Friedrich Kiels Personalakte in Berleburg, umfasst u. a. das Reskript (28.4.1840), die Weisung (30.5.1840) und den Bericht (29.10.1842).
• Reskript (28.4.1840 Dienstag) des Fürsten Albrecht I. (Schloss Berleburg) an die Fürstliche
Rentkammer mit einer Zahlungsanweisung, Abschrift laut Weisung (30.5.1840) zusammen
mit originalem Namenskürzel A. W. des Fürsten, Rescript640 laut Bericht (29.10.1842) und Weisung (30.5.1840); mit Aktennummer 279; enthalten in Friedrich Kiels Personalakte (Kiel-Personalakte 1840–42):
No 279. l. P.
[4 Leerzeilen]
Nachdem meine beiden ältesten Kinder, die Prinzessin Louise und der Erb-Prinz Albrecht
[= späterer Fürst Albrecht II.] nunmehr das Alter erreicht haben, in welchem der Musik-Unterricht bei
denselben beginnen kann, und ich den so sehr tüchtigen Musiker [Friedrich] Kiel von Schwarzenau, der
sich in Coburg sowohl im Practischen als in der Composition ausgebildet hat, als Musiklehrer für dieselben angenommen, denselben zum Concertmeister ernannt und ihm vorläufig einen jährlichen Gehalt
von 60 Thlr Preußischen Courantes, nebst seiner Station, zugesichert habe, so weise ich die Kammer
hierdurch an, dem Kiel bis auf weitere Verfügung641 einen jährlichen Gehalt von 60. rl. Pr. Ct.642, und
zwar vom 1te März 1840 an, in monatlichen Raten von 5 rh auszahlen zu lassen.
Berleburg, den 28sten April 1840.
[Namenskürzel:] A. W.
[1 Leerzeile]
Der
Kammer.
639
640
641
642
mehrsten = meisten.
das Rescript / Reskript = amtlicher Bescheid, Verfügung, Erlass.
die Verfügung = (z. B. behördliche) Anordnung, anordnende Bestimmung.
rl. Pr. Ct. = Reichstaler Preußisch Courant, Kuranttaler. Der Taler/Reichstaler Preußisch Courant war eine bis 1907 gültige
preußische Silbermünze (1 Taler = 24 Courant).
417
• Weisung (30.5.1840 Samstag), Weisung von Kammerdirektor Georg Usener an die Fürstliche
Rentkammer (Berleburg); mit Aktennummer J. N. 579, enthalten in Friedrich Kiels Personalakte (Kiel-Personalakte 1840–42):
J. N. 579.643
exp. 30/5 [18]40.
Kr.
Der Fürstlichen Renterei theilen wir angeschlossen Abschrift eines an uns gerichteten Hohen Rescriptes
vom 28sten April 1840 N° 279 l. P. [= Reskript (28.4.1840)] unter der Weisung mit, dem Concertmeister Friedrich] Kiel vom 1ten März 1840 an den demselben bewilligten Gehalt von Sechzig Thaler Pr.[eußische]
C.[ourantes] pro Jahr auszuzahlen, den Betrag gehörigen Orts in Ausgabe zu stellen644, und diese hiermit
zu belegen.
Berleburg den 30 Mai 1840
Fürstliche Rentkammer.
Usener.
exped.
An
Die Fürstliche Renterei
dahier
• Verzeichnis (6.12.1840 Sonntag) des Einkommens der Schulstelle zu Schwarzenau, besetzt
1827–59 durch Volksschullehrer Johann Jost Kiel, den Vater Friedrich Kiels:
Verzeichniß
des Einkommens der Schulstelle zu Schwarzenau.
[1 Leerzeile]
An Schulgeld
An Accidentien646
Jetziger647 Lehrer ist Kiehl [!]
Summe
[1 Leerzeile]
Elsoff den 6ten Decbr. 1840
der Pfarrer
gez: [Johann] Quentel.
r[t]l.
82.
5
87.
Sgr.
–
15
15
Ds.645
–
3
3
Brief (a4.2.1841) mit Abschrift eines Auszuges aus dem Brief (25.1.1841) als Anlage; mit
Aktennummer 3521:
• Brief (a4.2.1841648 Donnerstag) von Fürst Alexander I.649 zu Sayn-Wittgenstein-Hohenstein
(Schloss Wittgenstein bei Laasphe) an Fürst Wilhelm650 zu Sayn-Wittgenstein-Hohenstein (Ber643 J. N. – bzw. in anderen Dokumenten J. No oder J. No – jeweils mit laufender Nummer = laufende Nummer des
Posteingangs eines Jahres (Posteingangsregister).
644 gehörigen Orts (Amtsdeutsch) = einem bestimmten Bereich zugehörend; in Ausgabe stellen (Amtsdeutsch) = etwas ins
Ausgabebuch, d. h. mit ausgegebenem Geldbetrag, eintragen.
Währungen: Rl. oder rl.= Reichstaler; Sgr. = Silbergroschen; Ds. (Denarius) = Pfennig.
die Accidentien / Akzidentien = Gelegenheitsbezüge, z. B. durch das Singen mit Kindern bei Beerdigungen.
Nur der Endstrich des Initialbuchstabens J des Wortes Jetziger ist überliefert, da die Originalseite links beschnitten ist.
Der Brief wurde vor dem 4. Februar 1841 (Abkürzung „a“ für ante) geschrieben. Das Datum 4.2.1841, das als Aktennotiz
von anderer Hand – vermutlich im Kgl. Hausministerium – vermerkt wurde, ist das Datum des Posteingangs.
649 Der Briefverfasser Fürst Alexander I. zu Sayn-Wittgenstein-Hohenstein geht aus der Formulierung des Fürsten Alexander I. im Brief (a.4.2.1841), dass er von seinem Vetter im früheren Sinne eines entfernten Verwandten, dem Fürsten [Albrecht I.] zu Wittgenstein Berlenburg, […] ein Schreiben empfangen habe, hervor. Die Fürsten Albrecht I. und Alexander I.
gehörten zu zwei verschiedenen Zweigen einer Familie, d. h. zu zwei Linien aus Sayn-Wittgenstein (Sayn und Wittgenstein des Stammes der Grafen von Sponheim).
650 Der Briefadressat ist der preußische Hausminister Wilhelm zu Wittgenstein, ein Onkel des Briefverfassers Fürst Alexander I. zu Sayn-Wittgenstein-Hohenstein, da der Brief nach Berlin versandt wurde und da die im Kreis Wittgenstein
regierenden Fürsten [Alexander I. und Albrecht I.] – wie Kiel selbst im seinem Brief (31.7.1863*) berichtete – ihm
fürstl. Empfehlungen ausstellten, die laut LedeburL (1861, 281) an den Hausminister Fürsten Wittgenstein gerichtet waren.
645
646
647
648
418
lin), der als preußischer Hausminister in Berlin tätig war;
• Auszug aus Brief (25.1.1841 Montag) von Fürst Albrecht I. zu Sayn-Wittgenstein-Berleburg
(Schloss Berleburg) an Fürst Alexander I.651 zu Sayn-Wittgenstein-Hohenstein (Schloss Wittgenstein bei Laasphe) als Abschrift.
Brief (a4.2.1841), d. h. vor Donnerstag 4.2.1841 [a = ante]:
4/2/41 Von meinem Vetter652, dem Fürsten [Albrecht I.] zu Wittgenstein Berlenburg [!], einem großen
Musick Freund und Musikus habe ich ein Schreiben empfangen und ich erlaube mir Ew.653 Hochwohlgebohren654 einen Auszug desselben in der Anlage und mit der gehorsamsten Anfrage zu überüberreichen, ob Sie geneigt seyn dürften, die Befehlen Sr: Majestät [König Friedrich Wilhelm IV.
von Preußen] über die Bitte des Compositeur [Friedrich] Kiel einzugeben, oder ob sich derselbe
deshalb direkte an Sr: Majestät wenden muß?
3521. / 1 Anl.[age]
mit Abschrift eines Auszuges aus dem Brief (25.1.1841) als Anlage:
Aus einem Schreiben des Herrn Fürsten [Albrecht I.] zu Wittgenstein=Berleburg vom 25. Januar 1841.
Der Concertmeister und Musiklehrer bei meinen Kindern, Friedrich Kiel, sagte mir vor einigen Tagen, daß er eine Composition wolle stechen lassen und sie Sr. Majestät dem Könige [Friedrich Wilhelm IV. von Preußen] zu dediciren beabsichtige. Ich habe ihm bemerkt, daß dieses ohne allerhöchste
Erlaubniß nicht geschehen dürfe, versprach ihm aber, Ew. Durchlaucht um Rath fragen zu wollen, auf
welche Weise er zu[r] Erfüllung dieses Wunsches gelangen könne, um den ich nun hierdurch unterthänig bitte. Ich muß zugleich bemerken, daß ich mir die fragliche Composition ein paarmal habe vortragen lassen, und daß ich sie nicht anders als ein sehr gelungenes Werk rühmen kann. – Kiel ist ein
Jüngling von 18 Jahren, sehr guter Compositeur, Virtuose auf dem Flügel und recht guter Violinspieler. Er besitzt ein eminentes musicalisches Talent und wird, wenn er am Leben und gesund bleibt,
sich gewiß musikalischen Ruhm erwerben. ||
Sein Vater [Johann Jost Kiel] ist Schullehrer in Schwarzenau, ist sehr brav, aber auch sehr arm, und
hat viele zum Theil unversorgte Kinder [unversorgt: Luise, Friedericke und Johanna Kiel]. Könnte
nun sein Sohn die Erlaubniß erhalten, jenes Musikstück Sr. Majestät zu weihen, so würde dies ihn im
musicalischen Publicum bekannt machen, seine Werke bei den Musikstechern Aufnahme finden und er
dadurch in den Stand gesetzt werden, sich Manches zu verdienen, und seine arme Familie unterstützen zu können.
• Brief (5.8.1841 Donnerstag) von Lose655 (Leipzig), einem Mitarbeiter von Breitkopf & Härtel, an Friedrich Kiel (Berleburg), Abschrift in Br&Hä-Briefkopierbuch (1840–41):
Lose
5.
651
652
653
654
655
656
657
Concertmeister Fr. Kiel in Berleburg
[0,5 Leerzeilen]
Ew. Wohlgeb.[oren] beehren wir uns die mit Ihren werthen a. 26 pagh.[ina (Fantasie F-Dur
op. 1)]656 bestellten Musikalien beigehend657 zu übersenden und erlauben wir uns, den Betrag
Zudem wurde die Höflichkeitsanrede Hochwohlgeboren Mitte des 19. Jahrhunderts nur für Angehörige des Adels und
hohe Beamte bürgerlicher Herkunft verwendet.
Der Briefadressat ist Fürst Alexander I. zu Sayn-Wittgenstein-Hohentein, wie in der Anmerkung zum Brief (a.4.2.1841)
erläutert wird.
Ein Vetter im damaligen Sinne bedeutete einen weitläufigen Verwandten.
Ew. = Ewigem, Ewiger.
Hochwohlgeboren (= hoch mit Anredeform wohlgeboren) = Titel von adeligen und gleichgestellten Personen.
Der Breitkopf & Härtel-Mitarbeiter Lose aus dem Jahr 1841 war im Verlagsarchiv von Breitkopf & Härtel in Wiesbaden
nicht ermittelbar: Sein Name taucht in den frühesten Mitarbeiterverzeichnissen, die sich in diesem Verlagsarchiv erhalten haben und aus den 1850er-Jahren stammen, nicht (mehr) auf. Auch anhand des historischen Breitkopf & Härtel-Archivs
im Staatsarchiv Leipzig D-LEsta ist eine nähere Personenbestimmung des Mitarbeiters Lose nicht möglich, da die Überlieferung zum beschäftigten Personal von Breitkopf & Härtel erst um 1900 einsetzt laut freundlicher Mitteilung von
Thekla Kluttig, Referatsleiterin in D-LEsta, vom 28.8.2012.
Die Handschrift des Klavierauszuges der Fantasie F-Dur (D-B Mus.ms. 11570) umfasst 26 Seiten bzw. 13 Blatt.
beigehend (abgeleitet von beigehen = beigefügt sein) = beiliegend, beigefügt.
419
derselben laut untenstehender Nota658
p[raenominatus] 3. 22/21/r durch Ge[l]dvorschuß zu verrechnen.
Das uns zum Verlag angetragene Werk [Fantasie für Klavier mit Orchester F-Dur op. 1] bedauern
wir Ihnen zu gleicher Güte659 retourieren zu müssen, da, wenn schon die ersten Werke eines
weniger bekannten Componisten an und für sich nur geringen Anklang beim musikal. Public.[um]
finden dürften, es ohne Verleger fast unmöglich wird, bei einem so voluminösen ersten Werke,
wie das Ihrige, auf die Editionskosten zu kommen, so werthvoll die Compositionen auch übrigens seyn mögen. Wir bitten uns dieser durch die Umstände bedingte offene Erklärung nicht übel
zu nehmen u. zeichnen
Hochachtungsvoll
• Eingabe (4.10.1842 Dienstag) von Friedrich Kiel (Berleburg) an König Friedrich Wilhelm IV. von Preußen (Berlin); mit Aktennummer 25892; mit zwei verschollenen Notenheften
seiner Fantasie für Klavier mit Orchester F-Dur op. 1K9 als Anlage, die laut Aktenvermerk
„25892. 2 Hefte Musikalien.“ von anderer Hand auf Blatt 90r mitgesandt wurde:
Allerdurchlauchtigster, großmächtigster König!
Allergnädigster König und Herr!
[halbe Seite leer]
Euere Majestät haben die Gnade gehabt, mir zu erlauben, Allerhöchstdenselben
mein erstes musikalisches Werk allerunterthänigst widmen zu dürfen.
[7 Leerzeilen]
25892. 2 Hefte Musikalien ||
[halbe Seite leer]
Indem ich von dieser Allerhöchsten Erlaubniß Gebrauch mache, geschieht es
zwar mit aller der Schüchternheit, die mir meine Jugend und die Unbekanntschaft meines Namens, besonders aber die Ehrfurcht einflößen, mit welcher der
Unterthan seinem erhabenen Herrscher naht, allein es richtet mich dabei der
Gedanke auf, daß der Monarch, vor den ich zu treten wage, mit seinen königlichen Tugenden eine angeborene Liebe zur Kunst und Wissenschaft vereint, und
daß das [recte: die] so von seinem Thron ausströmende ||
[halbe Seite leer]
Alles belebende Luft auch in mir die Perlen der Kunst zu entfalten vermag.
In tiefster Ehrfurcht verharre ich als
[2 Leerzeilen]
Euerer Majestät
[9 Leerzeilen]
Berleburg
allerunterthänigster Diener
den 4ten October 1842.
Kiel,
Concertmeister.
• Empfehlungsschreiben (18.10.1842 Dienstag) für Friedrich Kiel (Berleburg) von dem preußischen Hausminister Wilhelm zu Wittgenstein (Berlin), der zugleich Fürst zu Sayn-Wittgenstein-Hohenstein war, an König Friedrich Wilhelm IV. von Preußen (Berlin); mit Aktenverweis ad 25892:
Ew. Hochwohlgebohren
[1 Leerzeile]
haben gütigst erlaubt, daß sich Ihnen mein Landsmann der H.[err] Kiel vorstellen darf, um Ihnen
seine Compositionen zu überreichen, welche er für Sr: Majestät bestimmt hat:
ich empfe[h]le denselben Ihrem freundlichen Wohlwollen: nach der Versicherung des H.[errn]
658 Nota (lat. nota = Vermerk) = Notiz, Vermerk.
659 zu gleicher Güte = in gleicher Qualität, von gleicher Beschaffenheit.
420
Grafen [Friedrich Wilhelm] von Redern soll derselbe viele Anlagen haben: Wenn ich nicht irre,
ad 25892. ||
so befinden sich in Ihrer verehrten Familie
auch Clavier Virtuosinnen und H. Kiel würde sich nämlich geschmeichelt fühlen, wenn derselbe
seine eigenen Composition produciren dürfte.
[3 Leerzeilen]
Berlin d. 18ten
WZ660 Wittgenstein
Okto: 1842.
• Bericht (29.10.1842 Samstag) eines Mitarbeiters der Fürstlichen Rentkammer über Friedrich
Kiels Abreise, Bericht enthalten in Friedrich Kiels Personalakte (Kiel-Personalakte 1840–42):
Unterthänigster Bericht
[1 Leerzeile]
So eben bat der Concertmeister [Friedrich] Kiel uns mündlich, ihm das Behufs Erlangung eines Reisepasses nach Berlin gesetzlich vorgeschriebene polizeyliche Attest auszufertigen, mit dem Beifügen, daß er die
Aushändigung des Reisepasses ausnahmsweise (da es morgen Sonntag ist) zu morgen früh Seitens der
hiesigen Kreisbehörde zugesagt erhalten habe, sofern er das gedachte661 Attest erbringen würde. Der Kiel
ist mittels uns zugegangenen Hohen Rescriptes vom 28st April 1840 N° 279 l. P. [= Reskript (28.4.1840)]
vom I März 1840 als Concertmeister und als Lehrer Ew. Hochfuerstlichen Durchlaucht Kinder angestellt.
Von der Entlassung des Kiel aus seinem bisherigen Dienstverhältnisse ist uns bis jetzt noch keine Nachricht zugegangen, während wir allerdings durch das äußere Gerücht vernommen haben, daß derhalbe662
um seine Entlassung zuzustimmen sei, um sein Glück andererorts zu versuchen. Für den Fall, daß der Abreise des c.[itierten]663 Kiel nichts im Wege stehen sollte, beabsichtigen wir, das umstehend entworfene
polizeyliche Attest zu ertheilen.
Berleburg den 29 October 1842.
Fürstliche Rentkammer
FMT.664
• Empfehlungsschreiben (14.11.1842 Montag) über Friedrich Kiel (vmtl. Berlin) von Graf Friedrich Wilhelm von Redern (Berlin) vmtl. an König Friedrich Wilhelm IV. von Preußen (Berlin),
vmtl. Entwurf; ohne Aktennummer:
Ew. Hochwohlgeboren
24/11.42. [2 Leerzeilen]
Irognetlichen [recte: Ihrer gnetlichen] Berücksichtigung erlaube ich mir den talentvollen, aber
unbemittelten Concertmeister Kiel aus Berleburg ganz ergebenst zu empfehlen. Er beabsichtigt Sr. Majestät
eine Composition zu überreichen, di[e] Allerhöchstderselbe anzunehmen [darüber: 1 (= Wortabfolge)] bereits
[darüber: 2] geäußert haben.
Ein Geldgeschenk von etwa 100 rl.665 könnte für den p.[raenominatus]666 Kiel als Erste das Erträglichste
sein, damit er seine musikalischen Studien hier fortzusetzen, in den Stand gesetzt wird.
Mit alter neuer Ergebenheit
Redern.
Berlin d 14t Novbr. 1842.
Am 5. Dezember 1842 entstanden zwei Kabinettsordern und ein Bewilligungsbescheid als Entwurf (Aktennummer 25892):
660
661
662
663
664
665
666
WZ = Namenskürzel für „Wilhelm zu“.
gedacht = erwähnt.
derhalb/e = deshalb.
citiert = oben genannt.
Bei dem Namenskürzel FMT (F = Fürstlich) sind die letzten beiden Majuskeln MT (?)schwer lesbar.
rl. = [preußische] Reichstaler.
p oder p. als Abkürzung für praenominatus (von lat. prae = vor, nominare = nennen, benennen) = vorher genannte/r.
421
• Kabinettsorder (5.12.1842a Montag) im Auftrag des Königs Friedrich Wilhelm IV. von Preußen (Charlottenburg) an den Finanzminister Ernst von Bodelschwingh (Berlin), Entwurf;
• Bewilligungsbescheid (5.12.1842b) im Auftrag des Königs Friedrich Wilhelm IV. von Preußen (Charlottenburg) an Friedrich Kiel (Berlin), Entwurf;
• Kabinettsorder (5.12.1842c) im Auftrag des Königs Friedrich Wilhelm IV. von Preußen (Charlottenburg) an Karl Theodor von Küstner (Berlin), Generalintendant der Kgl. Schauspiele zu
Berlin, Entwurf:
Charlottenburg, den 5. Dezember 1842.
An den R.[eichs]= u. Finanz=Minister
v. Bodelschwingh.
An den Konzertmeister
herrn [!] Kiel
aus Berleburg
zur Zeit in Berlin.
25.892
An den Gen.[eral-] Intendanten
der [Kgl.] Schauspiele v. Küstner.
abg670 8/12[.1842]
/671
mit 2 Heften Musikalien.
Ich ermächtige Sie, den Konzertmeister Kiel aus Berleburg
jetzt in Berlin, zur Fortsetzung seiner musikalischen Studien
für die Jahre 1843 und 1844 eine Unterstützung von Zweihundert Thalern jährlich, in vierteljährigen Raten, aus dem Dispositionsfonds667 bei der Gen.[eral-]R.[eichs-]Kasse zahlen zu
lassen.
Z. A. V.668
Für die Mir gewidmete, mit Ihrer Eingabe vom 4. Oktober d. J.
empfangenen Komposition [Autograf der Fantasie für Kl. mit
Orch. F-Dur op. 1K9 mit Widmung an König Friedrich Wilhelm IV. von Preußen] bezeige669 ich Ihnen hierdurch Meinen Dank u. habe Ihnen zur Fortsetzung Ihrer musikalischen
Studien für die Jahre 1843 u.[nd] 1844 eine Unterstützung von
von 200 Th. ||
jährlich bewilligt, die Ihnen der Fin[anz] Minister in vierteljährigen Raten anweisen wird.
Z. A. V.
Ich übersende Ihnen die beigehende Komposition des Konzertmeisters Kiel aus Puderbach, um dieselbe zur Musikalien=
Sam[m]lung des Theaters zu nehmen.
Z. A. V.
N672
• Gesuch (8.4.1843 Samstag) von Friedrich Kiel (Berlin) an Fürst Alexander I.673 zu Sayn-Wittgenstein-Hohenstein (Schloss Wittgenstein bei Laasphe) um Unterstützung:
Durchlauchtigster Fürst,
Gnädigster Fürst und Herr!
[6 Leerzeilen]
Euerer Hochfürstlichen Durchlaucht gnädiges Schreiben hat mich sehr erfreut; den darin ausgesprochenen Ermahnungen werde ich stets nachzukommen streben und mich bemühen, den Erwartungen Euerer
Durchlaucht aufs beste zu entsprechen. Ich finde die mir hier zur Ausbildung gebotene Gelegenheit so vortheilhaft, daß ich alle Anstrengungen ihr schuldig zu sein glaube.
Da nun aber meine Zeit durch den Cursus der Musiklehre, mit dem ich mich gegenwärtig beschäftige,
ganz in Anspruch genommen wird, so ist es mir vorläufig nicht möglich, mir mit Privatunterricht das, was
ich ||
667
668
669
670
671
672
der Dispositionsfonds = Posten im Staatshaushalt, dessen Verwendungszweck nicht festgelegt ist.
Z. A. V. = Zur Allerhöchsten Verfügung; übliche Abkürzung im 19. Jahrhundert.
bezeige = erweise.
abg = abg[egangen] bei abgegangener / versandter Post.
Der Schrägstrich bedeutet, dass dem Original eine Anlage beigefügt wurde.
N. (lat. Notarius) = Notar, der z. B. bei einer Behördenfirma rechtliche Willenserklärungen beurkundet (am Ende der
Dokumenteinheit vom 5.12.1842, die aus zwei Kabinettsordern und einem Brief besteht).
673 Bei dem Briefadressaten handelt es sich um Fürst Alexander I., da Fürst Alexander I. das von Friedrich Kiel verfasste
Gesuch (8.4.1843) in seinem Brief (27.6.1843) explizit erwähnt.
422
außer der Königlichen Unterstützung noch zu meinem Unterhalt bedarf, zu verdienen. Ich sehe mich daher
genöthigt, Euere Hochfürstliche Durchlaucht im Vertrauen auf Höchstdero674 gnädiges Wohlwollen in
Unterthänigkeit zu bitten: mir gnädigst einen kleinen Betrag vorschießen zu wollen.
Um Euerer Hochfürstlichen Durchlaucht zu zeigen, daß ich es an Eifer und Fleiß nicht fehlen lasse, lege
ich ein Zeugniß meines Lehrers bei, mit der Hoffnung, die Zufriedenheit Euerer Durchlaucht zu erreichen.
Mit meinem Vetter [Christian] Hippenstiel konnte ich nicht zusammen wohnen, da es für ihn sehr störend
sein würde, einen Musiker bei sich zu haben, und ich überhaupt nur dann, wenn ich allein wohne, mit vollem Erfolg meiner Kunst obliegen675 kann.
Ich verharre in tiefster Ehrfurcht als
Euerer Hochfürstlichen Durchlaucht
[3 Leerzeilen]
Berlin, den 8ten April 1843.
unterthängister Diener
Fr. Kiel.
Meine Wohnung ist Kochstraße, No 48.
bei Borkhardt [= Buchdruckereifaktor I. C. H. Borchardt]
• Brief (27.6.1843 Dienstag) von Fürst Alexander I. zu Sayn-Wittgenstein-Hohenstein (Schloss
Wittgenstein bei Laasphe) an Friedrich Kiel (Berlin) als Entwurf, Antwort auf Friedrich Kiels
Gesuch (8.4.1843):
[Adresse auf Briefumschlag:]
An
Fürstliche Rentkammer
zu
Wittgenstein
[Brief:]
Mit herzlicher Theilnahme habe ich aus Deinem Schreiben zum 8ten April [= Gesuch (8.4.1843) Kiels],
an dessen Beantwortung ich mich durch längere Abwesenheit von hier verhindert sah, erfahren, daß es
Dir im Ganzen wohl ergeht und Du Dich eines guten Fortgangs Deiner musikalischen Studien erfreust,
wie ich aus den mir zur Einsicht übersandten, hier wieder zurück folgenden Zeugnisse ersehen habe.
Da Deine musikalische Ausbildung Dir gegenwärtig keine Zeit zur Ertheilung von Privat-Unterricht
läßt, und Du dadurch namentlich in der jetzigen theuren Zeit an den erforderlichen SubsistenzMittel676 Mangel leidest, so will ich Dir recht gerne einen weiteren Vorschuß von Fünfzig Thaler bewilligen, den ich hier beilege und dessen richtigen Empfang ich mir zu bescheinigen bitte. Da Christian Hippenstiel ganz in der Kürze hierher [darunter korrigiert: nach] Wittgenstein abreisen wird, so
kannst Du ihm ein paar Zeilen an mich mitgeben. ––
Mit dem herzlichen Wunsche, daß Dich der Himmel in Seinen besonderen Schutz nehmen und Deine
Fortschritte in der Musik segnen möge, verbinde ich zugleich die Versicherung meines steten Wohlwollens, das Dir erhalten bleibt, so lange Du Dich dessen nicht unwürdig machst.
Bleib gesund und gut. ––
Wittgenstein d. 27t . Juni. 1843.
An
H. Friedrich Kiel
Alexander fz677 Wittgenstein
Wohlgeboren678
[von anderer Hand: expedirt eodem]
zu
AfW679
Berlin.
Kochstraße No 48 bei Borkhardt. [= Buckdruckereifaktor I. C. H. Borchardt]
674
675
676
677
678
679
dero = deren.
obliegen = sich einer Sache / Aufgabe widmen.
Subsistenz (von lat. subsistere = haltmachen, standhalten) = Lebensunterhalt.
fz = Fürst zu.
Wohlgeboren = Höflichkeitsanrede in Abgrenzung zu Hochwohlgeboren.
AfW = Alexander Fürst zu Wittgenstein.
423
• Gesuch (6.6.1844 Donnerstag) von Friedrich Kiel (Berlin) an Fürst Alexander I.680 zu SaynWittgenstein-Hohenstein (Schloss Wittgenstein bei Laasphe) um Unterstützung; mit Aktennotiz:
[Aktennotiz von anderer Hand links oben:
ad acta.
Da nach mündlicher Anfrage
des Kiel vom 8ten September [1844]
demselben die Königliche Unterstützung auf ein Jahr noch
bewilligt worden ist.
Durchlauchtigster Fürst,
Wittgenstein 11/9 [18]44
Gnädigster Fürst und Herr!
AfW]
[8 Leerzeilen]
Wie Euerer Hochfürstlichen Durchlaucht bekannt ist, läuft mit dem bevorstehenden Herbste der
Zeitraum ab, für welchen mir von des Königs Majestät [Friedrich Wilhelm IV. von Preußen] eine jährliche Unterstützung von 200 Thr. allergnädigst bewilligt worden. Zur Vollendung meiner schulgerechten Ausbildung ist aber, so sehr ich auch mit Eifer und Fleiß mein Studium betrieben habe, noch wenigstens ein Jahr erforderlich, und gerade in diese Zeit fällt derjenige Theil des Cursus, durch welchen ich erst zur höchsten Ausübung meiner Kunst gelangen kann. Da ich nun die Zuversicht habe,
nicht nur durch das Zeugniß meines Lehrers, sondern auch durch meine Productionen eine gute Anwendung der Königlichen Unterstützung ||
darthun und zugleich den Wunsch rechtfertigen zu können, das ganze Gebiet der Theorie zu erschöpfen,
um einst zur Meisterschaft in meiner Kunst gelangen zu können, so beabsichtige ich, Seine Majestät um
eine Verlängerung der allergnädigsten Unterstützung zu bitten. Von entschiedensten Einflusse würde es
sein, wenn ich dazu die hohe Vermittlung Seiner Durchlaucht, des Herrn Fürsten Wilhelm von Sayngenstein[-Hohenstein] erhielte. Um nun derselben überhaupt und in vollem Maaße theilhaftig zu werden, wage ich mich an Euere Hochfürstliche Durchlaucht zu wenden und Höchstdieselben unterthänigst zu bitten:
mein Anliegen mit Höchstihrer gewichtigen Empfehlung bei Seiner Durchlaucht, dem Herrn
Fürsten Wilhelm von Sayn-Wittgenstein[-Hohenstein] gnändigst befürworten zu wollen.
Während mir schon jetzt die Ausdrücke der Zufriedenheit von meinen hohen Wohlthätern zu Theil geworden sind, hoffe ich noch der gänzlichen Vollendung meiner Schule Höchstderen Erwartungen im
Sinne höherer Anforderung und auch meinem Wunsche und Willen entsprechen zu können.
Euerer Durchlaucht erlaube ich mir noch unterthänigst vorzutragen, daß ich, da ich meine Angelegenheit bei Sr. Durchlaucht, dem Herrn Fürsten Wilhelm von Sayn-Wittgenstein, unter Einreichung
meiner Probearbeiten in einem eigenen Gesuche vorzubringen habe, bei dieser Gelegenheit das gnädige Empfehlungsschreiben Euerer Durchlaucht gerne selbst überreichen möchte, und da durch ||
eine etwaige Reise Seiner Majestät oder durch sonst einen Fall ein um so nachtheiligerer Aufenthalt681 in das Betreiben meiner Sache eintreten könnte, als die bisherige Unterstützung bald aufhört, so haben Euere Durchlaucht vielleicht die Gewogenheit, die unterthänigst erbetene gnädige
Empfehlung recht bald, (wenn ich darum unterthänigst bitten dürfte,) ertheilen zu wollen.
Mich zu Gnaden empfehlend verharre ich in tiefster Ehrfurcht als
[1 Leerzeile]
Euerer Hochfürstlichen Durchlaucht
[10 Leerzeilen]
Berlin den 6ten Juni 1844.
(Louisenstraße No 10. bei [Vergolder Th.] Hannemann.)
[1 Leerzeile]
unterthänigster Diener
682
Mein Vetter [Christian Hippenstiel ] läßt sich unterthänigst
Fr. Kiel.
zu Gnaden empfehlen.
680 Der Briefadressat Fürst Alexander I. zu Sayn-Wittgenstein-Hohenstein geht aus dem Namenskürzel AfW und der Orts-
angabe Wittgenstein in der Aktennotiz auf S. 1 oben hervor.
681 der Aufenthalt = Stillstand / Halt, Stockung, Verzögerung.
682 Laut Brief (27.6.1843*) handelt es sich um Kiels Vetter Christian Hippenstiel.
424
• Gesuch (9.7.1844 Dienstag) von Friedrich Kiel (Berlin) an König Friedrich Wilhelm IV. von
Preußen (Berlin); ohne Aktennummer; Gesuch laut Bewilligungsbescheid (1.8.1884b):
Allerdurchlauchtigster, Großmächtigster König!
Allergnädigster König und Herr!
[3 Leerzeilen]
Allerunterthänigste Bitte
des Friedrich Kiel aus Puderbach in Westphalen
um eine Verlängerung der ihn auf die Jahre
1843 und 1844 allergnädigst verliehenen Unter=
stützung.
[9 Leerzeilen]
Euere Majestät hatten die Allerhöchste Gnade, mir auf die Jahre 1843 und
1844 eine Unterstützung von jährlich zweihundert Thaler zu verleihen,
welche es ||
mir möglich machte, einer höheren Ausbildung in der Musik in Allerhöchstdero683 Residenz zu genießen. Ich glaube, mich eifrigst bemüht zu haben,
dieses hohe Glück auf würdige Weise zu benutzen. Leider aber ist es mir
bei allem Fleiße nicht möglich geworden, im Verlaufe dieser beiden Jahre
das schulgerechte Studium meiner Kunst so weit zu vollenden, als es erforderlich wäre, um ganz allein und ohne weitere Anleitung dem mir vorschwebenden Ziele entgegenschreiten zu können; vielmehr machen die Gebiete, welche noch vor mir liegen, die Anleitung eines Lehrers gerade am
nöthigsten. Meine Ausbildung auf diese Weise weiter betreiben und den gewöhnlich üblichen dreijährigen Schulcursus vollständig zuerst be- ||
legen zu können, fehlt es mir aber an allen Mitteln, und sowohl an Gelegenheit, als auch, wenn durch mein Studium nicht zu sehr die freiere Production aufgehalten werden soll, an Zeit, mir dieselben durch bloßen Privatunterricht zu erwerben.
Ermuthigt durch die Huld und Liebe, welche Kunst und Wissenschaft
am Thron Euerer Majestät finden, wage ich daher, meine heißesten Wünsche zu Allerhöchstdero Füßen vertrauensvoll nieder zu legen und in tiefster Ehrfurcht zu bitten:
Euere Majestät wollten allergnädigst geruhen684, die mir bisher ertheilte Unterstützung noch zu verlängern.
In der Hoffnung, daß Euere Majestät in aller- ||
gnädigster Berücksichtigung meiner Lage, welche mir jede andere Möglichkeit versagt, meine Ausbildung auf dem einzigen zu meinem Ideale führenden Wege betreiben zu können, meine allerunterthänigste Bitte nicht ungnädig aufnehmen werden, habe ich das Glück, zu ersterben als
[1 Leerzeile]
Euerer Majestät
[11 Leerzeilen]
Berlin, den 9. Juli
allerunterthänigster Diener
1844.
Friedrich Kiel.
Auf der ersten Seite von Friedrich Kiels Gesuch (9.7.1844) befinden sich:
• Kabinettsorder (1.8.1844a Donnerstag) im Auftrag des Königs Friedrich Wilhelm IV. von
Preußen (Erdmannsdorf) an den Finanzminister Eduard von Flottwell (Berlin) als Entwurf;
wie auch
683 dero = deren.
684 geruhen = geneigt sein.
425
• Bewilligungsbescheid (1.8.1844b) im Auftrag685 des Königs Friedrich Wilhelm IV. von Preußen (Erdmannsdorf) an Friedrich Kiel (Berlin), als Entwurf:
ganz gehorsamst beigelegt
25/7.
[3 Leerzeilen]
[+ Gesuch (9.7.1844), 1. S. oben]
[3 Leerzeilen]
Erdmannsdorf, den 1. August 1844
An den H. v. F. M.686 Flottwell
In Verfolg der Ordre vom 5. Dezemb[.] 1842 [= Kabinettsorder (5.12.1842a)] bewillige ich
dem Friedrich Kiel aus Puderbach [darüber eingefügt: je[t]zt] zu Berlin die ihm mit zwei Jahre
abg 2/8.
re angesetzte Unterstützung von zwei [gestrichen: Ein] hundert Thalern jährlich noch auf ein
drittes Jahr. Ich ermächtige Sie, die Zahlung aus Meinem Fonds687 zu verfügen.
Z. A. V.
[+ Gesuch (9.7.1844), 1. S. unten]
An Herrn Friedrich Kiel
wohlgeb688 zu Berlin
Des Königs Majestät haben Ihnen mit des [recte: dem] Gesuch vom 9. M. [= Kiels Gesuch
(9.7.1844)], dessen Anlagen Sie zurückempfangen, die Ihnen auf die beiden Jahre 1843 +
abg 2/8. 1844 angesetzte Unterstützung von 200 Th jährlich auch noch für das Jahr 1845 zu bewillimit 2 Anl: gen und derhalb689 Ordre von dem H. Finanz-Minister [Flottwell] zu erlassen gewährt.
15861, 2 Beil.
N Sti.690
N691
• Brief (18.10.1846 Sonntag) von Fürst Alexander I. zu Sayn-Wittgenstein-Hohenstein (Schloss
Wittgenstein bei Laasphe) an Friedrich Kiel (Berlin) als Entwurf:
An
Herrn Componisten Friedrich
Kiel Wohlgeboren
in Berlin
Indem ich Dir, lieber Friedrich [darüber korrigiert: Kiel], für die mir gewidmeten Compositionen [= Zyklus Musikalische Morgen-Unterhaltung
für KaOrch. C-Dur WoO mit acht Tonstücken], welche mir große Freude
verursacht haben, meinen herzlichsten Dank abstatte, ergreife ich zugleich die Gelegenheit, Dir als einen Beweis meines Wohlwollens diejenigen 70 rtl.692[,] welche ich Dir s. Z.693 zur Bestreitung Deiner Aufenthaltskosten in Berlin habe vorschießen lassen, zum Geschenk zu machen
und außerdem noch bare 15 rtl. hier beizuschießen.
Wittgenstein
den 18t October 1846.
Alexander fz694 Wittgenstein.
[12 Leerzeilen]
[von anderer Hand:] N° 1150. M.
685 Laut HHS (1843, 47) kommen die Herren Graf von Alvensleben und von Thiele sowie die Vortragenden Räte von Dües-
berg, Schaumann und Freiherr von Patow infrage, die Mitglieder des Geheimen Kabinetts des Königs waren.
F. M. = Finanzminister.
der Fonds = für bestimmte Zwecke gebildete Vermögensreserve.
wohlgeb = wohlgeboren (Höflichkeitsanrede).
derhalb = deshalb.
N (lat. nota) = Notiz, Vermerk; Sti. = vmtl. „Stipendium“.
N. (lat. Notarius) = Notar, der z. B. bei einer Behördenfirma rechtliche Willenserklärungen beurkundet (am Ende der
Dokumenteinheit vom 1.8.1844, aus Kabinettsorder und Brief bestehend). Eine weitere Dokumenteneinheit findet sich
auch unter dem Datum 5.12.1842.
692 rtl. = Reichstaler.
693 s. Z. = seiner Zeit.
694 fz = Fürst zu.
686
687
688
689
690
691
426
• Brief (15.4.1850 Montag) von Friedrich Kiel (Berlin) an Hofkapellmeister Friedrich Schneider
(Dessau):
Berlin den 15ten April 1850.
[4 Leerzeilen]
Sehr geehrter Herr Kapellmeister!
[3 Leerzeilen]
Ew. Wohlgeboren bekannte Bereitwilligkeit, jungen Tonkünstlern auf jedmögliche Art und Weise aufzuhelfen, findet wiederum einen neuen Beweis in dem öffentlichen Ersuche an junge Komponisten, ihm
Werke einzusenden, und ihnen durch Aufführung derselben behülflich zu sein, und ihnen einigen Muth auf
dem besonders in jetziger Zeit schwierigen Künstlerwege einzuflößen; – und macht mich dieser daher
auch so dreist, Ihnen geehrter Herr Kapellmeister beiliegend ein Werkchen (Sinfonie=Satz [Verbleib unbekannt]) zu übersenden, mit der ergebensten Bitte, es nachsichtsvoll zu berücksichtigen, und falls es in
Ihrer Prüfung werth befunden würde, es zur öffentlichen Aufführung bringen zu wollen. Es würde mir
dann dadurch vielleicht ein Weg gebahnt werden, andere Kompositionen zu verlegen, welches ohne einige Bekanntschaft ||
so sehr schwer hält695. –
Meine Studien habe ich unter Professor Herrn [Siegfried Wilhelm] Dehn gemacht. –
Noch erlaube ich mir hiermit ein Streichquartett696 vorzulegen. Wenn es Ew. Wohlgeboren Zeit und Muße
erlaubte, demselben einen Blick zu gönnen, und mir dann Ihre Meinung darüber geneigtest mittheilen
möchten, so würde ich das sehr dankbar aufnehmen, da überhaupt jedes Werk eines erfahrenen Meisters
für einen angehenden Komponisten lehrreich ist.
Eines geneigten Bescheides hoffend, habe ich die Ehre mich zu empfehlen als
Ew. Wohlgeboren
[4 Leerzeilen]
ergebenster
Fr. Kiel
Wilhelmstr. 24.
• Brief (24.11.1851 Montag) von Breitkopf & Härtel (Leipzig) an Friedrich Kiel (Berleburg),
Abschrift in Br&Hä-Briefkopierbuch (1851–53):
M.
24
Friedrich Kiel in Berlin.
Geehrter Herr, Ihrem Wunsche gemäß senden wir Ihnen einen Correkturabzug Ihrer Canons [im
Kammerstil op. 1], welchen wir uns nach geschehener Durchsicht zurück erbitten. Sobald wir
die Correktur von Ihnen zurück erhalten haben, soll das Werk sogleich gedruckt werden.
Mit größter Hochachtung
ergebenst
• Brief (23.12.1851 Dienstag) von Breitkopf & Härtel (Leipzig) an Friedrich Kiel (Berleburg),
Abschrift in Br&Hä-Briefkopierbuch (1851–53, S. 137):
M.
23
Fr. Kiel in Berlin
Geehrter Herr. Von Ihren so eben im Druck vollendeten Canons [im Kammerstil op. 1] erlauben wir uns[,] Ihnen einige Exemplare beigehend zu übersenden mit dem Wunsche, daß Ihnen die
äußere Ausstattung des Werkes gefallen möge.
Herr Dr. Liszt haben wir Ihrem Auftrage gemäß ein Exemplar gesandt.
Hochachtungsvoll ergebenst
695 schwer halten = hartnäckig ausharren.
696 Es handelt sich vermutlich um Kiels unveröffentlichtes Erstes Streichquartett op. 3 von 1849; daneben kommt auch sein
Festquartett C-Dur / c-Moll WoO infrage.
427
• Brief (20.3.1855 Dienstag) von Fürst Alexander I. zu Sayn-Wittgenstein-Hohenstein (Schloss
Wittgenstein bei Laasphe) an Kultusminister Karl Otto von Raumer (Berlin) als Entwurf; mit
verschollener Eingabe des Lehrers Johann Jost Kiel (Schwarzenau) als Anlage, die mit einem
Strich im Briefentwurf gekennzeichnet und in D-BLw nicht überliefert ist:
ad Nr.: 244. J. 33.
[2 Leerzeilen]
Sr : Excellenz,
[1 Leerzeile]
den Königlichen [eingefügt: „Staats +“] Minister der geistlichen, Unterrichts= und Medizinal=Angelegenheiten
Herrrn von Raumer
zu
Berlin.
fr.697
[2 Leerzeilen]
Ew. Excellenz
[2 Leerzeilen]
erlaube ich mir, die anliegende Vorstellung des Schullehrer [Johann Jost] Kiel zu Schwarzenau zu
überreichen, da ich überzeugt bin, daß die darin geschilderte Lage des Bittstellers, die ich nur bestätigen kann, bei Hochdenselben eine hochgeneigte Berücksichtigung finden wird. Es ist gewiß
sehr zu bedauern, daß der Lehrer Kiel nach so langer Dienstzeit noch auf eine Besoldung beschränkt
Exp ist, mit welcher er, ohne Mangel zu leiden, zumal bei der zunehmenden Theuerung der Lebensmittel,
24/3 55 nicht auszukommen vermag.
Seine Besoldung wird eine der geringsten in der hiesigen Grafschaft sein; es hat dies seinen
Grund in der gänzlichen Verarmung der Gemeinde Schwarzenau, bei welcher ich selbst die beträchtlichsten Verluste zu erleiden habe.
Der Bitte des p[raenominatus] Kiel um eine Unterstützung von meiner Seite kann ich, wie Ew. Excellenz gütigst ermessen werden, um so weniger entsprechen, als ohnehin von andern Eingesessenen
meine Hülfe bei dem jetzigen Nothstant [= Notstand] übermäßig in Anspruch genommen wird.
Ew. Excellenz werden mir daher gewogentlichst gestatten, ||
Hochdieselben um [gestrichen: für] eine Unterstützung des p[raenominatus] Kiel aus Staatsmitteln
ganz ergebenst und angelegentlichst zu ersuchen.
Genehmigen Hochdieselben den erneuerten Ausdruck der vorzüglichsten Hochachtung, mit welcher
ich zu beharren die Ehre habe als
[1 Leerzeile]
Ew. Excellenz
[4 Leerzeilen]
Wittgenstein,
d 20 März 1855.
• Brief (6.9.1856 Samstag) von C. F. Peters (Leipzig), vmtl. von dem in Prokura tätigen Verlagsleiter August Theodor Whistling an Friedrich Kiel (Berlin), Abschrift in Peters-Briefkopierbuch (1855–81, S. 35):
Berlin
Bernburger Str 35
Potsdamerstr. 141
_____
37.
Friedr. Kiel
6 Septbr.
erhält Postsendung (ferner) Ablehnung seiner Offerte, der schwankenden Verhältnisse halber & weil seine früheren Werke698 so geringen Absatz fanden, daß eine
Fortf.[ührung] in diesen Genres nicht thunlich. Haben Sie aber einmal etwas von
Clavierstücken, am Liebsten für den Unterricht, disponirt, so bitte um deren Zusendung, nebst Bedingungen.
697 fr.(anco) = postalischer Frankovermerk im vorliegenden Briefentwurf, d. h. vom Absender frankiert bei Ausfertigung der
Adressierung zum Originalbrief.
698 Bis September 1856 waren insgesamt zwei Kompositionen von Friedrich Kiel, die 6 Fugen op. 2 und das Klaviertrio op. 3,
bei C. F. Peters in Leipzig im Erstdruck erschienen.
428
• Verfügung (2.9.1858 Donnerstag) von Julius von Haeften (Arnsberg), Oberregierungsrat und
Abteilungsdirigent bei der Regierung zu Arnsberg, an Schulinspektor Friedrich Christian Karl
Vogel (Feudingen) über Emeritierung des Lehrers Jost Johann Kiel (Schwarzenau), zuzustellen über Landrat Julius Adalbert von Oven (Berleburg) und Superintendent Friedrich Schmidt
(Berleburg); Abschrift mit Vorlage am 5. September 1858:
Abschrift
[1 Leerzeile]
Nach allen seit längerer Zeit hierher gelangten Nachrichten ist die Amtsführung des alten Schullehrers [Johann Jost] Kiel zu Schwarzenau so erfolglos, auch von den eigenen Kindern dieses Lehrers wiederholentlich so großes Aergerniß gegeben und dadurch das Ansehen des Kiel in dem Grade
untergraben, daß weder mit Bezug auf Unterricht, noch Erziehung, noch irgendwie ein gedeihlicher
Erfolg von der weiteren Dienstführung des Kiel erwartet werden kann, vielmehr eine gänzliche
Verwahrlosung und Verwilderung der Jugend zu erwarten steht.
Der Herr Minister der geistlichen Angelegenheiten [= Kultusminister Karl Otto von Raumer]
hat deshalb befohlen, es solle mit der Emeritirung des Schullehrers Kiel vorgegangen werden,699
dem Lehrer Kiel wird ein Drittel seines Gehaltes als Pension gebühren700, wozu vielleicht der
Herr Minister noch einen kleinen Zuschuß gewährt. Sie wollen dem Schulvorstande aufgeben, alsbald mit dem Kiel wegen seiner Pensionierung zu verhandeln.
Möchte Kiel sich weigerlich701 zeigen, auf seine Pensionierung einzugehen, so haben sie unverzüglich, unter Zuziehung des Schulvorstandes, die Schule in Schwarzenau aufs sorgfältigste zu
revidiren, dem Kiel den Befund ausführlich protocollarisch zu eröffnen und ihm eine viermonatliche Frist zur gründlichen Abstellung der vorgefundenen Mängel zu setzen, nach 4 Monaten ||
aber die Schule einer wiederholten ganz speciellen Revision zu unterwerfen und uns die Verhandlungen
über beide Revisionen, nebst Ihrem Gutachten, einzusenden[,] damit wir in der Sache befinden.702
Es versteht sich übrigens von selbst, daß der Lehrer Kiel auch nicht die geringste Rücksicht
auf einen Zuschuß aus Staatfonds zu seiner Pension haben würde, wenn derselbe jetzt nicht freiwillig vom Amte zurück träte und er von Oberaufsichtswegen ob703 seiner Dienstunfähigkeit aus
seinem Amte entfernt werden müßte. Binnen 4 Wochen erwarten wir Ihren Bericht in dieser Sache.
Arnsberg, d. 2. September 1858.
Königliche Regierung, Abtheilung des Innern.
(gez.[eichnet]704) v. Haeften
[1,5 Leerzeilen]
4951.
pr.705 5/9 [18]58 et f. notitia ad acta
An
weiter.
den Herrn Schul-=Inspector
(gez.[eichnet]) von Oven.
Vogel
zu
Jn. V 4650.706 Feudingen
Durch den Herrn Landrath zu Berleburg
Superintendenten Schmidt
"
" "
zu
Laasphe
699
700
701
702
703
704
705
die Emeritierung (lat. emeritus = ausgedient) = Versetzung in den Ruhestand, vorgehen = (gegen jemanden) einschreiten.
gebühren = rechtlich zustehen.
weigerlich = (in seinem Verhalten) ablehnend, widerstrebend.
befinden (in etwas): (Amtssprache) etwas bestimmen, urteilen.
ob = wegen.
gez. = gezeichnet z. B. bei Ausfertigung.
pr.[aesentatum] oder Pr., mit Datumsangabe (von lat. praesentare = überreichen, zeigen) = das Präsentatum (Eingangsschreiben) vorgelegt / geöffnet am, Datum der Vorlage / des Öffnens als eine bei Präsentation und Protokollierung verwendete Abkürzung.
706 Jn. = laufende Nummer des Posteingangs eines Jahres (Posteingangsregister).
429
• Brief (6.12.1860 Donnerstag) von dem Musiklehrer Franz Otto (Berlin) an Eduard Grell
(Berlin):
Se Hochwohlgeboren
Herr Director u. Professor
E. Grell
[1 Leerzeile]
werden ergebenst gebeten, bei der Taufe meines mir am 30 Oct. d. J. geborenen Sohnes [Felix Otto], Sonntags den 9ten d. M. um 3 Uhr in der Elisabeth=Kirche als [Tauf-]Zeuge gütigst gegenwärtig zu sein.
[1 Leerzeile]
Fr. Otto
Gartenstr. 122.
Berlin
den 6t December 1860.
• Brief (12.1.1863 Montag) vom 12.1.[1863] von Josef Joachim (Hannover) an Friedrich Kiel
(Berlin); vollständig zitiert in Kapitel 4.2.
• Brief (31.7.1863 Freitag) von Friedrich Kiel (Berlin) an Julius Schuberth, Verlagsleiter des
„Verlags J. Schuberth & Co.“ (Leipzig), inklusive Kiels Autobiografie, die in SchuberthL
(18656, 159) gekürzt aufgenommen und zwei Jahrzehnte später in Breslauer (1885, 222) leicht
abgeändert veröffentlicht wurde:
Ew.[iger] Wohlgeboren
[1 Leerzeile]
bin ich, dem mir ausgesprochenem Wunsche zufolge hiermit so frei, Ihnen Notizen von Entstehung und
Verlauf meiner musikalischen Laufbahn, ergebenst zu übermachen. –
Ich bin geboren am 7ten Oktober 1821, zu Puderbach an der Lahn, wo mein Vater Schullehrer war.
Im frühesten Kindesalter schon, soll sich in mir eine entschiedene Neigung zur Musik gezeigt haben. Im
6ten Jahre habe ich, ohne die geringste Anweisung, aus eigenem Antriebe begonnen Clavier zu spielen,
u.[nd] war sehr bald im Stande, nicht allein alles Gehörte nach dem Gehöre wieder zu geben, sondern
mir auch selbst mancherlei zu componiren, was ich aber Anderen gegenüber nicht eingestehen mochte,
sondern, wenn es unbekannt klang, auf Befragen sagte: ich hätte es irgendwo gehört. So vergingen 5–6
Jahre. Noten kannte ich noch gar keine, u.[nd] da ich der kindlichen Ueberzeugung war, mir doch alles
spielen zu können, so war ich bis hieher nicht zum Lernen derselben zu bewegen gewesen. Endlich machte mein Vater Ernst, und unterwies mich in dem, was er selbst von Musik wußte, und das war wenig, denn
er hatte nur in seiner Jugend etwas gespielt, dies späterhin aber nicht fortgesetzt. – Als ich die Noten und
ein bischen Eintheilung gelernt hatte, übte ich mich unermüdlich im Abspielen, u.[nd] spielte ohne Wahl
Alles, was ich bekommen konnte, und componirte so emsig, daß in einem Jahre nahezu an 100 Tänze, Märsche u.[nd] Variationen entstanden, in welchen Formen, als die mir einzig bekannten, ich mich des Leichtesten zu bewegen vermochte. –
Mein Vater, der nicht wünschte, daß ich mich der Musik widmen möchte, sondern mich zum Schulfache
bestimmte, wurde jedoch auf einer Reise nach Soest [eingefügt: (wohin er sich meiner Studien=Angelegenheiten wegen, mit mir begeben hatte)] von dem dortigen Seminar=Musiklehrer umgestimmt, da dieser
die Musik als meinen unzweifelhaften Lebensberufe erkannte, und ihn dringend bat, mir freien Willen zu
lassen. Mein Vater gab nach. – Dreizehn Jahre alt, wurde ich nun dem Fürsten [Albrecht I. zu] Wittgenstein Berleburg empfohlen. – Des Fürsten Bruder, Prinz Carl [zu Sayn-Wittgenstein-Berleburg], ein vortrefflicher Violinspieler, nahm das lebhafteste Interesse für mich, und erbot sich, in eigener Person, mich
im Violinspiel zu unterrichten. Ich ||
lernte schnell, so daß ich bereits nach einem halben Jahre ein [Violin-]Conzert von [Giovanni Battista]
Viotti in des Fürsten Hauskapelle vortragen konnte. – Fortan spielte ich in derselben mit, componirte viele
Violinsoli mit Orchesterbegleitung für dieselbe, die bei ihrer Ausführung das Glück hatten, sehr zu gefallen. Dieser Erfolg bewog den Fürsten[,] mir eine umfaßendere musikalische Ausbildung zu Theil werden
430
zu lassen. Bei einer Reise nach Coburg nahm er mich mit dorthin, u.[nd] übergab mich daselbst707 behufs
Compositions=Unterrichts dem Cammermusikus [Kaspar] Kummer. Nach anderthalbjährigem Studium
ging ich wieder zurück zum Fürsten nach Berleburg, wurde von demselben als Conzertmeister angestellt,
und unterrichtete die fürstlichen Kinder. – Ich componirte fleißig, fühlte aber je länger, je mehr den
Mangel höherer contrapunktlicher Studien. Der Fürst begriff meinen lebhaften Wunsch auf der begonnenen Bahn nicht stillstehen zu mögen, sondern fortzuschreiten durch Aneignen des mir Fehlenden. Er willigte in meine Uebersiedlung nach Berlin [ein]. – So verließ ich denn nach drei Jahren meine Stellung bei
ihm, ausgestattet mit fürstl. Empfehlungen. In Folge derselben gewährte mir die Huld Sr. Majestät des
Königs Friedrich Wilhelm IV. [von Preußen] ein Stipendium auf 3 Jahre. Dies setzte mich in Stand[,]
meinen Studien unter Prof. Dehn mit allem Fleiße obliegen zu können. Berlin ist mein Domicil geblieben.
Eine Anzahl Werke habe ich [eingefügt: unterdessen] dem Drucke übergeben, als:
15 Canons für Pft.
Op 1.
6 Fugen "
2.
Sonate für Pft. u. Viol.
16.
Trio für Pft. V.o e Vllo " 3.
Grosse Variationen
17.
2 kl. Sonaten z. 4 H. " 6
10 Clavierstücke
18
6 Walzer für Pft.
7
2 Impromptus
19
3 Clavierst. "
8
Requiem für Chor Solo u.
4 Mel. für Pft e Vllo
9
Orchester ________
20.
4 zweist. Fugen f. Pft.
10
2 Trios für Pft. Viol. e Vll.
22
2 Hefte (Reisebilder)
u[nd] ________
24
für Pft. e Vllo 11
Variationen zu 4 H.
23
4h. Pft[.]stücke
12
Stabat mater, für Frauen=
Stücke für Pft. u. Vllo
13
Chor u. Solo mit Orchester
Melodien für Pft.
14
Op. 25
Grosse Polonäse
15
2 Capricen für Pft.
26 ||
außerdem sind noch viele ungedruckte Werke jeder Art vorhanden als, [!] Canons, Fugen, Sinfoniesätze u.
andere Stücke für Orchester, Phantasien für Pianof. u. Orchester, Sonaten für Pft. allein u. mit, Duos, Trios,
Lieder u. kl. Sachen, Mott Motetten et etc. –
Wenn ich für Ihre Zwecke zu ausführlich in meinen Angaben gewesen bin, so bitte ich, dies entschuldigen zu wollen. Ich habe schon manches für meine Carriere Bedeutungsvolle übersprungen, und ich hätte in der Besorgniß zu langweilen, dies gerne in noch größerem Maase [!] gethan, wenn ich nicht einen
Faden hätte behalten wollen. Ich bitte daher, nach Ihrem Belieben wegzulassen, was Ihnen unnöthig
scheint. – Es wird mir angenehm sein, seiner Zeit, die herauszugebende fünfte Auflage [recte: sechste Auflage von 1865] Ihres musikal.[ischen] Handbuches708 zu Händen zu bekommen.
[0,5 Leerzeilen]
Mit vollkommenster Hochachtung und
[3 Leerzeilen]
Berlin den 31t Juli
1863.
ergebenst
Friedrich Kiel
• Gesuch (21.11.1863 Samstag) von Friedrich Kiel (Berlin) an Kultusminister Heinrich von
Mühler (Berlin); mit mehreren Registraturvermerken (Eingang im Ministerium am 23. November 1863, Weiterleitung des Originalbriefs an die Kgl. Akademie der Künste am 28. November
1863 und an die Musiksektion der Kgl. Akademie der Künste am 12. Dezember 1863)
[Aktennotiz von anderer Hand:
An die Musik=Section
B.[erlin] d[en] 12/12 [18]63. Ed.[uard] Daege
707 daselbst = dort, an diesem Ort.
708 Die fünfte Auflage von Julius Schuberths Musiklexikon Musikalisches Hand-Buch erschien drei Jahre zuvor im Jahr 1860
und enthält in SchuberthL (18605, 145) noch keinen Artikel zu dem 1821 geborenen Friedrich Kiel. Erstmals ist Friedrich
Kiel in der sechsten Auflage des Lexikons „Kleines musikalisches Conversations-Lexicon: ein encyclopaedisches Handbuch“ von Julius Schuberth – in SchuberthL (18656, 159) – genannt.
431
Orig.[aler] br.[rief] m.[it] d.[em] 1. rem.[arque]709 an die Königliche
Akademie der Künste hierselbst zur
gutachtlichen Aeußerung
Berlin den 28 November 1863.
Der Minister der geistlichen Angelegenheiten.
In Vertretung.]
[2 Leerzeilen]
Hochgeehrter Herr!
Hochzuverehrender Herr Geh. Staats-Minister
[8 Leerzeilen]
Ew. Ex[c]ellenz wollte ich mir hierdurch die Freiheit nehmen, nachstehendes Gesuch ganz gehorsamst
vorzulegen.
Dasselbe betrifft die Verleihung des Professor[-]Titels, um welchen ergebenst einzukommen ich glaube,
nicht Anstand nehmen zu dürfen, da nach den gemachten Erfahrungen ich hoffe, den Anforderungen, welche sich an dieses Prädicat knüpfen, gewachsen zu sein.
Bevor ich die Motive berühre, welche mich zu dieser Annahme bestimmen, erlaube ich mir des Beginns
meiner künstlerischen Laufbahn Erwähnung zu thun.
Ich bin gebürtig aus Wittgenstein=Berleburg. Der regierende Fürst Albrecht [I.] zu Sayn=Wittgenstein=Berleburg, dem ich in Folge musikalischer Leistungen als Knabe von 14 Jahren vorgestellt wurde,
schenkte mir sein Interesse in hohem Maaße. Dieselbe Theilnahme wurde mir auch bald von den Mitgliedern der Fürstlichen Familie, so daß der Bruder des Fürsten, Prinz Carl entschloß, mich in höchsteigner
Person im Violinspiel, in welchem er Meister war, zu unterrichten und auszubilden. _ Dies geschah. _
Nach einigen Jahren begleitete ich Se.710 Durchlaucht, den Fürsten Albrecht [I.] nach Coburg, wo
Höchstderselbe mich dem Kammermusikus [Kaspar]
Kummer ||
übergab, damit ich in der Komposition unterrichtet würde.
Nachdem ich bei Diesem studirt hatte, begab ich mich zurück nach Berleburg, wo ich als Conzertmeister
an der Fürstlichen Kapelle angestellt wurde, und dieselbe drei Jahre hindurch leitete. _
Mein dringender Wunsch, mich noch weiter in der Musik zu vervollkommnen, führte mich nach Berlin, wo
auf Empfehlung des Fürsten [Wilhelm zu] Wittgenstein [= zu Sayn-Wittgenstein-Hohenstein] mir durch
die Allerhöchste Gnade Sr. Majestät des Königs Friedrich Wilhelm IV. [von Preußen] ein Stipendium zu
Theil wurde. _
So bin ich seit zwanzig Jahren hier ansäßig und habe, nachdem ich meine Studien bei Professor Dehn vollendet, als Componist und als Lehrer der Musik, sowohl nach der practischen als [auch] theoretischen
Richtung hin gewirkt.
Die immer wachsende Zahl meiner Schüler für die Composition, die mir angehende und bereits vorgeschrittene711 Musiker von hier und dem Auslande zuführte, hat mich bestimmt, mich fortan dem Lehrfache der
musikalischen Wissenschaften zu widmen, und ich darf meine Wirksamkeit auf diesem Felde wohl als eine
segensreiche betrachten, da musikalisch künstlerische Persönlichkeiten ersten Ranges ihre Angehörigen
und Schüler mir zur theorethischen [!] Ausbildung überwiesen, ebenso wie noch in letzter Zeit mir Anerbietungen gemacht sind, als Lehrer des Contrapunkts an die Spitze musikalischer Institute zu treten. _
Wie weit nun meine Befähigung für das von mir beschrittene Fach geht, ob ferner mich dieselbe für das von
mir nachgesuchte Prädicat qualificirt, denke ich wird sich nicht allein durch die Rufe erkennen lassen,
welche das gebildete musikalische Publikum mir als Lehrer der musikalischen Wissenschaften zuzuerkennen geneigt ist, sondern auch, und besonders, durch die Rüstung, und die Potenz der musikwissenschaftlichen Durchführung meiner Kompositionen; da meiner Ansicht nach keine Theorie, und sonach712
kein theoretischer Unterricht der Beweise entbehren darf, wie sich derselbe zu der Ausführung in Praxis
verhält, und wieweit er geeignet ist, die practische Leistungsfähigkeit zu unterstützen und zu erhöhen. _
Um ||
ein Urtheil in Bezug auf Vorstehendes zu ermöglichen, würde ich mir ergebenst gestatten, von meinen
herausgegebenen Werken zu hochgeneigter Notiznahme vorzuschlagen. 1) das Requiem [op. 20], dann
709
710
711
712
remarque (frz.) = Bemerkung (am Rande eines Dokuments).
Se. = Seine.
vorgeschrittene = fortgeschrittene.
sonach = folglich.
432
Fugen und Canons Op. 1–2 und 10. sowie Variationen u. Fuge Op. 17. Da diese Werke, obgleich ernsten
Stils[,] in der musikalischen Welt, wie von der Presse, wegen der künstlerischen Entwicklung der strengen
Formen auf das Entschiedenste anerkannt sind. _
Die Belege stelle ich erforderlichen Falles gerne zur Disposition.713 _
Sollten jedoch noch weitere practische Beweise für den Grad meiner musikwissenschaftlichen Bildung,
sowie für meine Befähigung zur gediegenen Ausbildung von Musikern gewünscht werden, so würde ich zu
jeglicher hierauf bezüglicher Leistung gewillt sein, ebenso wie ich, wenn Ew. Ex[c]ellenz es zu bestimmen
für gut finden, mich gern bereit erklären würde, mit den anerkanntesten Männern des beregten714 Lehrfaches zu concuriren.
Indem ich somit Ew. Ex[c]ellenz hochgeneigter Entscheidung ehrfurchtsvoll entgegensehe, habe ich
die Ehre zu zeichnen
[0,5 Leerzeilen]
mit der vorzüglichsten Hochachtung und Ergebenheit
[1 Leerzeile]
Ew. Ex[c]ellenz
[4 Leerzeilen]
Berlin den 21t Nobr.
1863.
[4 Leerzeilen]
ganz gehorsamster
Friedrich Kiel,
Komponist und Lehrer der
Komposition.
Anhaltische Communicat.[ion] II.
Zwei Wahlvorschläge für Friedrich Kiel als neues Mitglied der Musiksektion der Kgl. Akademie der Künste, adressiert vmtl.715 an Eduard Daege (Berlin), Direktor sowie Vorsitzender des
gesamten Senats der Kgl. Akademie der Künste:
• Wahlvorschlag (16.3.1865 Donnerstag) von Hubert Ries (Berlin):
Ew. Hochwohlgeboren
[2 Leerzeilen]
erlaube ich mir, bei der nächsten Wahl zum Mitgliede der Königl. Akademie (musikalische Section) den Componisten Herrn Friedrich Kiel aus Berlin vorzuschlagen.
Hochachtungsvoll
Berlin
ergebenst
t
den 16 März 1865.
Hub[ert] Ries
• Wahlvorschlag (18.3.1865 Samstag) von Wilhelm Taubert (Berlin), Senatsmitglied der Kgl.
Akademie der Künste:
Sonnabend den 18ten März
1865.
[1 Leerzeile]
Hochgeehrter Herr Professor!
Indem ich aufrichtig bedaure, durch die Direction der Oper „Rigoletto“ abgehalten zu sein, der heutigen
Senatssitzung beizuwohnen, und Sie ersuche, mich freundlichst zu entschuldigen, erlaube ich mir meinerseits den hiesigen Componisten F. Kiel zum Mitglied der musikalischen Section der Akademie bei der bevorstehenden Neuwahl vorzuschlagen.
713 Disposition (lat. dispositio = Verfügung), z. B. bei zur Disposition stehen: Verfügenkönnen, freie Verwendung.
714 beregt = besagt.
715 Im Jahr 1865, als es noch keinen Vorsitzenden der Musiksektion der Kgl. Akademie der Künste gab, bestand die Musik-
sektion des Senats aus zwei Senatsmitgliedern, den Musikdirektoren August Wilhelm Bach und Eduard Grell.
433
In aufrichtiger Hochachtung verharrt
[3 Leerzeilen]
Wilhelm Taubert
H.[of] Kapellmeis.[ter]
ord[entliches] Mitglied der Senats
Wahlvorschlag-Übersicht (18.3.1865 Samstag), Übersicht pro Person über Anzahl der Wahlvorschläge als Mitglied der Kgl. Akademie der Künste, Auszug:
•
1)
2)
3)
4)
5)
6)
Zu Mitgliede der Königl. Akademie der Künste sind vorgeschlagen bis zum 18. März 1866
I. Maler: […]
II. Kupferstecher: […]
III. […] ||
IV. Bildhauer [… (8 Personen)]
V. […]
VI. Musik:
[Friedrich] Kiel, vorgeschlagen
4 Mal
[Emil] Naumann,
1 "
"
[Martin] Blumner, "
1 "
[Ernst] Gaebler in Züllichau, "
2 "
[Daniel] Wilsing,
2 "
"
Erik, "
1 "
VII. Zu Ehrenmitgliede: [… (10 Personen)]
• Brief (20.4.1865 Donnerstag) von Ferdinand David (Leipzig) an Friedrich Kiel (Berlin); vollständig zitiert in Kapitel 4.2.
• Bericht (14.6.1865 Mittwoch) des Direktoriums der Kgl. Akademie der Künste (Berlin), vertreten durch Direktor Eduard Daege und den Ständigen Sekretär Otto Friedrich Gruppe, an
Staatsm.[inister] / Kultusminister Heinrich von Mühler (Berlin); mit Aktennummer 165:
Die Königl.[iche] Akad.[emie] d.[er] K.[ünste]
Bericht über die Wahl
neuer Mitglieder.
165
[4 Leerzeilen]
Ew. Exzellenz beehrt sich die Königliche Akademie [eingefügt: d. K.] die ganz gehorsame Anzeige zu machen, daß dieselbe unter Beobachtung der gesetzlich vorgeschriebenen Bedingungen und Formen zur Wahl neuer Mitglieder geschritten ist.
In der zu diesem Zweck angesetzten Plenar-Versammlung [eingefügt: vom
26. Mai ist (letzte Zahl „2“durch „6“ ersetzt)] sind, nach vorhergegangener Berathung über die Candidatenliste im Senat, die nachfolgende Wahl evtl. nachstehender Künstler erfolgt:
Zu hiesigen ordentlichen Mitgliedern:
1) der Genre- und Bildnißmaler [eingefügt: Ludwig] Knaus.
2) der Genre- und Landschaftsmaler [eingefügt: Wilhelm] Riefstahl.
3) der Bildhauer Wilhelm Wolf[f] (Thierbildner).
4) der Componist [eingefügt: Friedrich] Kiel.
Zu auswärtigen Mitgliedern:
1) der Genremaler [eingefügt: B.] Vautier [= Benjamin Vautier sen.] in Düsseldorf.
2) der Historienmaler [eingefügt: Moritz] v.[on] Schwind in München.
3) der Bildhauer [eingefügt: Ernst] Hae[h]nel in Dresden.
4) der Architekt ? [= Gottfried] Semper in Zürich.
434
Zu Ehrenmitgliedern:
der Secretair der Akademie Prof. Dr. [Otto Friedrich] Gruppe.
An
Mit dieser gehorsamen Anzeige entsendet die Akademie den Wunsch, es möge Ew.
Wirkl. Geh. Staatsm. Exzellenz gefallen, die genannten Künstler als Mitglieder der hiesigen Akademie
Dr. von Mühler
hochgeneigtest zu bestätigen.
Excellenz:
Berlin den 14. Juni 1865
Die Königliche Akademie der Künste.
Ed. Daege O. F. Gruppe
• Brief (28.6.1865 Mittwoch) von Friedrich Kiel (Berlin) an Franz Brendel (Weimar) als Antwort auf verschollenen Brief vom 26. Juni 1865 des Allgemeinen Deutschen Musikvereins:
Sehr geehrter Herr Doctor!
[2 Leerzeilen]
In Bezuge auf die mir durch Ihre gefällige Vermittelung übermachte Zuschrift der sehr verehrlichen716 geschäftsführenden Section des Allgemeinen Deutschen Musikvereins vom 26ten d. M., erlaube
ich mir hierdurch ganz ergebenst zu erwidern, daß, so schätzbar und erfreulich die auf mich gefallene
Wahl zum Mitgliede des Vorstandes des genannten Vereines mir auch ist, ich doch die gehorsame Bitte auszusprechen habe, mich von dieser ehrenvollen Berufung gütigst dispensiren zu wollen, da die
stille Zurückgezogenheit, in der zu leben ich gewohnt bin, und die bis jetzt, selbst durch
die ||
Veröffentlichungen meiner Arbeiten kaum leise unterbrochen wurde, mir ein Bedürfniss ist, das mir
auch ferner ungestört zu erhalten, ich mit allen Kräften bemüht bin. –
Möchten Sie verehrter Herr Doctor, wie der geehrte Vorstand des Musik=Vereins es dieser
meiner, grundsätzlich sowohl, wie auch aus Neigung befolgten Lebensrichtung wohlwollend zu Gute
halten, wenn ich solchergestalt mich bestimmt fühle, den mir zugedachten Vorzug in aller Bescheidenheit abzulehnen [Wort zu über Wort ablehnen eingefügt]. Indem ich Sie denn um die Freundlichkeit ersuche, diese eben mitgetheilte Entschließung betreffenden Orts gefälligst zur geneigten Kenntnißnahme bringen zu wollen zeichne ich
mit der ausgezeichnetsten Hochschätzung und
[1 Leerzeile]
Berlin den 28ten Juni
1865.
ganz ergebenst
Friedrich Kiel.
• Verfügung (27.7.1865 Donnerstag) von Hermann Lehnert (Berlin), Unterstaatssekretär sowie
Direktor der Abteilungen C für Unterrichts- und D für Medizinal-Angelegenheiten im Kultusministerium, in Vertretung des Kultusministers Heinrich von Mühler (Berlin) an das Direktorium der Kgl. Akademie der Künste (Berlin); mit Aktennummer 266:
Praes.[entatum] d.[en] 29/7.[18]65. [Leerraum] Ed. Dg. [= Eduard Daege]
266.
[2 Leerzeilen]
Auf den Bericht der Königlichen Akademie vom 14. v M[ona]ts (N.o 165) [= Bericht (14.6.
1865)] genehmige ich hiermit die in der Plenarversammlung derselben am 27. [recte: 26.] Mai717
d. J. getroffene Wahl der nachgenannten Künstler zu Mitgliedern der Akademie und zwar
A. zu ordentlichen einheimischen Mitgliedern
1. Genre- und Bildnißmaler Ludwig Knaus, [Leerraum] / Prof. /
´
2. Genre- und Landschaftsmaler Wilhelm Riefstahl,
3. Bildhauer (Thierbildner) Wilhelm Wolf[f],
4. Componist Friedrich Kiel;
716 verehrlich = der Verehrung wert, lobenswert.
717 Der Schreibfehler beim Datum 27. Mai (recte: 26. Mai) kam vermutlich aufgrund des ähnlichen Absendedatums der vor-
liegenden Verfügung vom 27. Juli zustande.
435
B. zu ordentlichen auswärtigen Mitgliedern
Genremaler B. Vautier [= Benjamin Vautier sen.] in Düsseldorf,
Historienmaler Moritz von Schwindt in München [Leerraum] / Prof.
Bildhauer Ernst Hae[h]nel in Dresden, [Leerraum] / Prof.
Architekt G.[ottfried] Semper in Zürich; [Leerraum] / Prof.
C. zum Ehrenmitgliede
Prof. Dr. Gruppe, Secretair der Akademie.
Die Bekanntmachung der Wahl und Bestätigung durch die öffentlichen Blätter, sowie die Benachrichtigung der Gewählten überlasse ich der Königlichen Akademie.
Berlin, den 27. Juli 1865.
Der Minister der geistlichen, Unterrichts- und Medizinal-Angelegenheiten
1.
2.
3.
4.
In Vertretung:
[1 Leerzeile]
Lehnert
IV-4
[1 Leerzeile]
An
die Königliche Akademie der
Künste
[1 Leerzeile]
U. 16401. Hierselbst.
• Verfügung (8.8.1865 Dienstag) des Superintendenten Friedrich Winckel (Berleburg) an Pfarrer
Emil Ohly (Elsoff), Reinschrift mit Vorlagedatum 10. August 1865 (Pr. den 10/8 65.); Verfügung
laut Protokoll (18.8.1865):
Pr.[aesentatum] den 10/8 65.)
[2 Leerzeilen]
[von anderer Hand: 138]
In der Angelegenheit der Pensionierung des Lehrers [Karl] Batta haben in der Verhandlung des Schulvorstands und der Presbyterie718 dortselbst am 28 Februar c.[urrentis] [= in Elsoff am 28.2.1865] die
wechselnden Mitglieder des Schulvorstands und zwei [Mitglieder] dieses Collegii719 es abgelehnt, dem
Lehrer Batta 1/3 seines Gesammt=Gehaltes als Lehrer Küster und Organist zum Ruhegehalt720 zu bewilligen und in der Verhandlung des Schulvorstands am 23 März c. [= 1865] hat der Schulvorsteher
[Christian] Klinkert bei dieser Erklärung beharrt. Diese Uneinigkeit in den Collegien ist bedauerlich,
umso mehr da es eine Ehrensache der Schulgemeinde betrifft, der es wenig ziemt[,] einen so lang gedienten Lehrer am Ende seiner amtlichen Wirksamkeit so undankbar zu behandeln. Die Gründe, welche
die ständigen Mitglieder der Collegien dafür angefügt haben, dass sie dafür stimmen, daß die Schulgemeinde 1/3 des Gesammt-Gehaltes des p.[raenominatus] Batta zahlen soll[,] sind vollberechtigt, und es
kommt dazu, daß die Verpflichtung größtentheils doch dieselben Personen betreffen wird; ob nun als
Mitglieder der Schule oder der Kirchen[-]Gemeinde.
Ew. Hochehrwürden veranlasse ich daher, dieses in meinem Namen den betreffenden Mitgliedern der
Presbyterie und des Schulvorstands vorzustellen,721 sie willig zu machen in dieser Zeit, wo Einigkeiten
der Gemeinde Elsoff in allen Beziehungen so nothwendig ist, in einer solchen Sache sowohl um des guten Rufes der Gemeinde als um des alten, kranken Lehrers Batta willen, sich den Beschlüssen der übrigen Mitglieder der Pres Collegien anzuschliessen und ihre desfallsige722 Erklärung in einer Sitzung
derselben zu Protokoll zu geben.
718 die Presbyterie / das Presbyterium = Kirchenvorstand.
719 das Collegium / Plural Collegien (lat. collegium = Amtsgemeinschaft) = Gesamtheit aller Lehrer einer Schule. Die Provin-
zial-Schulkollegien hatten in Preußen die Schulaufsicht und waren dem jeweiligen Oberpräsidenten angegliedert.
720 das Ruhegehalt = Rente, Pension.
721 veranlassen = (durch Beauftragung eines Dritten, durch Anordnung o. ä.) dafür sorgen, dass etwas bestimmtes geschieht;
vorstellen = jemandem etwas eindringlich vor Augen halten, zu bedenken geben.
722 desfallsig / allenfallsig (von „allenfalls“ gebildetes Adjektiv) bei Kanzleien = etwaig, allenfalls vorkommend.
436
Ich erwarte den desfallsigen Bericht Ew. Hochehrwürden binnen längstens 10 Tagen.
Berleburg, den 8 August 1865
der Superintendent
An
Winckel
Den Herrn Pfarrer Ohly
Hochwürden,
zu
Elsoff
No 494
Aus der Akte geht an anderer Stelle hervor, dass die Schulvisitation erst für den 23.8.1865 angesetzt war; ein Visitationsprotokoll über diese Schulvisitation liegt in D-BEkw nicht vor.
• Bekanntmachung (9./12.8.1865 Mittwoch/Samstag) der Kgl. Akademie der Künste (Berlin),
Bekanntmachung vom 9. August 1865 veröffentlicht im Königlich Preußischen Staats-Anzeiger
am 12. August 1865 als (vmtl.) Entwurf sowie Veröffentlichung:
a) vmtl. Entwurf (in D-Bda); ohne Aktennummer; mit Publikationshinweis „[Königlich Preußischer] Staats-Anzeiger 12. Aug 1865.“:
den Genre- und Geschichtsmaler Professor Louis [eingefügt: Ludwig] Knaus, zu Berlin hierselbst zu
ihrem ordentlichen Mitglied.
den Genre- und Landschaftsmaler Wilhelm Riefstahl hierselbst zu ihrem ordentlichen Mitgl.
den Bildhauer Wilhelm Wolff hierselbst zu ihrem ordentlichen Mitgl.
den Componisten Friedrich Kiel hierselbst zu ihrem ordentlichen Mitgl.
den Genremaler B.[enjamin] Vautier [sen.] in Düsseldorf zu ihrem ordentlichen auswärtigen Mitgl.
den Bildhauer Professor Ernst Haehnel in Dresden, zu ihrem ordentlichen auswärtigen Mitgl.
den Geschichtsmaler Moritz von Schwind in München zu ihrem ordentlichen auswärtigen Mitgl.
den Architekten Professor Gottfried Semper in Zürich zu ihrem ordentlichen auswärtigen Mitgl.
den Secretair der Akademie Professor Dr. O.[tto] F.[riedrich] Gruppe [eingefügt: hierselbst] zu
ihrem Ehrenmitgl.
[1 Leerzeile]
Staats-Anzeiger 12. Aug. 1865.
b) Reinschrift für Veröffentlichung (in D-Bda); mit Aktennummer 266:
266:
[1 Leerzeile]
Bekanntmachung
[1 Leerzeile]
Die Königliche Akademie der Künste hat in ihrer Plenar-Versammlung vom 26. Mai d. J. die Wahl
nachstehende [eingefügt: Künstler zu ihren] Mitgliedern entgegen [darüber: gewählt], und sind dieselben durch hohe Verfügung Sr. Exzellenz des Herrn Ministers der geistlichen & etc. Angelegenheiten vom 27. Juli d. J. [= Verfügung (27.7.1865*) des Kultusministers] bestätigt worden.
[0,5 Leerzeilen]
als [darüber: Zu] ordentliche einheimische Mitglieder: sind gewählt
[1 Leerzeile]
der Genre- und Bildnißmaler [eingefügt: Professor] Ludwig Knaus,
der Genre- und Landschaftsmaler Wilhelm Riefstahl,
der Bildhauer Wilhelm Wolf[f],
der Componist Friedrich Kiel.
[1 Leerzeile]
als ordentliche auswärtige Mitglieder
[0,5 Leerzeilen]
der Genre-Maler B. Vautier [= Benjamin Vautier sen.] in Düsseldorf,
der Historienmaler Moritz von Schwindt [eingefügt: Professor] in München,
der Bildhauer Ernst Hae[h]nel [eingefügt: Professor] in Dresden,
437
der Architect G.[ottfried] Semper, [eingefügt: Professor] in Zürich.
als Ehrenmitglied:
der Professor Dr. [Otto Friedrich] Gruppe, Sekretair der Akademie.
[0,5 Leerzeilen]
Berlin am 9. August 1865.
Die Königliche Akademie der Künste
Ed.[uard] Daege
O.[tto] F.[riedrich] Gruppe
[2 Leerzeilen]
IV in 4
c) Veröffentlichung im Königlich Preußischen Staats-Anzeiger S. 2574: Bekanntmachung (9./12.8.1865, 2574), Auszug:
Akademie der Künste.
Bekanntmachung.
Die Königliche Akademie der Künste hat in ihrer Plenar=Versammlung vom 26. Mai d. J. [= 1865] nachstehende Künstler zu ihren Mitgliedern gewählt und sind dieselben durch hohe Verfügung Sr. Excellenz des
Herrn Ministers der geistlichen, Unterrichts- und Medizinal=Angelegenheiten vom 27. Juli d. J. [= Verfügung (27.7.1865*) des Kultusministers] bestätigt worden:
Als ordentliche einheimische Mitglieder [4 Personen: 2 Maler, 1 Bildhauer, 1 Komponist]:
[…] der Komponist Friedrich Kiel.
Als ordentliche auswärtige Mitglieder [4 Personen: 2 Maler, 1 Bildhauer, 1 Architekt]:
[…]
Als Ehrenmitglied:
der Professor Dr. Gruppe, Secretair der Akademie.
Berlin, am 9. August 1865.
Die Königliche Akademie der Künste.
Im Auftrage: O. F. Gruppe.
Ed. Daege.
• Brief (27.8.1865 Sonntag) von Friedrich Kiel (Berlin) an den Senat der Kgl. Akademie der
Künste (Berlin) inklusive Lebenslauf:
[Aktennotiz von anderer Hand:
Praes[entatum]. d[en] 30/8.
313
[Leerzeile]
geboren: 7 Oktober 1821 in Puderbach bei Siegen
608
gestorben: 13. September 1885 in Berlin]
[0,5 Leerzeilen]
Einem hohen Senat der Königl. Akademie
der Künste zu Berlin
[8 Leerzeilen]
sage ich hierdurch meinen ergebensten Dank für die Ehre, welche derselbe mir durch Seine Zustimmung bei der auf mich gefallenen Wahl zum Mitgliede der Königl. Akademie der Künste, erzeigt
hat, und ich gestatte mir gleicherzeit, dem mir ausgesprochenen verehrlichen Wunsche, einen Bericht
über meinen Lebenslauf einzusenden, hierdurch nachzukommen.
Ich bin der Sohn eines Lehrers, und gebürtig aus Wittgenstein Berleburg. Als Knabe von vierzehn
Jahren wurde ich durch Leistungen in der Musik dem regierenden Fürsten Albrecht [I.] zu Sayn Wittgenstein=Berleburg bekannt, der sich bald in hohem Grade für mich interessirte. Die Familie des
Fürsten schloß sich dieser wohlwollendsten Theilnahme an, und der Bruder Sr. Durchlaucht, Prinz Carl
[zu Sayn-Wittgenstein-Berleburg], wurde selbst mein Lehrer im Violinspiel, in welchem er Meister war.
Einige Jahre später ging ich in Begleitung des Fürsten ||
nach Coburg, allwo Hochderselbe mich dem Kammermusikus [Kaspar] Kummer zum Unterricht in der
Composition übergab. Nachdem ich bei diesem längere Zeit studirt hatte, ging ich nach Berleburg zurück,
wo ich als Conzertmeister an der Fürstlichen Capelle, und als Lehrer der Kinder des Fürsten angestellt wurde.
438
Drei Jahre hatte ich in dieser für mich sehr angenehmen Stellung verlebt, als der lebhafte Wunsch[,]
meine Ausbildung noch mehr zu erweitern[,] mich nach Berlin führte, wo durch Vermittelung [!] des
Fürsten Wittgenstein [= Fürst Wilhelm zu Sayn-Wittgenstein-Hohenstein], an den ich empfohlen war,
die Allerhöchste Gnade Sr. Majestät Friedrich Wilhelm IV. mir ein Stipendium bewilligte.
Der Professor Dehn wurde mein Lehrer, bei ihm vollendete ich meine Studien.
Seit mehr als zwanzig Jahren in Berlin ansäßig, habe ich nächst meinen Arbeiten als Componist
schon seit lange[m] gleichfalls als Lehrer der Composition gewirkt. Die meisten Schüler Dehns setzten
nach dessen Tod bei mir ihre Studien fort; aber auch außerdem hatte der Kreis in meinen Unterrichtsstunden von nah’ und fernher reichen Zuwachs erhalten, und ich habe die Freude[,] manch’ tüchtigen
Musiker herangebildet zu haben, und noch jetzt unter meinen Schülern zu schönen Hoffnungen berechtigt zu sein.
In ausgezeichnetster Hochachtung, habe ich die Ehre zu zeichnen
eines hohen Senats
[1 Leerzeile]
Berlin den 27ten August
1865.
ganz ergebenster
Friedrich Kiel.
• Brief (18.1.1867 Freitag) von Friedrich Kiel (Berlin) an Franz Schulz (Berlin); vollständig
zitiert in Kapitel 4.4.
• Bekanntmachung (5.3.1868 Donnerstag) des Kultusministeriums, Veröffentlichung in Königlich-Preußischer Staats-Anzeiger:
Ministerium der geistlichen, Unterrichts= und
Medizinal=Angelegenheiten.
[0,5 Leerzeilen]
Dem Musiker A d o lf Grü n wa ld hierselbst ist das Prädikat „Professor“ verliehen worden.
_________________________
Dem Komponisten Friedrich Kiel hierselbst, Mitglied der hiesigen Königlichen Akademie der Künste,
ist das Prädikat „Professor“ verliehen worden.
_________________________
Der Maler Ju liu s R o ettin g in Düsseldorf ist zum Lehrer der technischen Malklasse an der Königlichen Kunst=Akademie daselbst ernannt und demselben das Prädikat „Professor“ verliehen worden.
• Handbillet (15.11.1869 Montag)723 des Kultusministers Heinrich von Mühler (Berlin) an
Josef Joachim (Berlin), Direktor der Kgl. Hochschule für ausübende Tonkunst:
Berlin 15 Nov. 1869
[2 Leerzeilen]
Heute habe ich den Bericht des Senats der Akademie [= Senatsbericht vom 15.11.1869] wegen Ernennung
des Prof. [Friedrich] Kiel zum Mitglied des Senats erhalten.
Ich habe sogleich verfügt, daß ihm die Ernennung unter Zuweisung des üblichen Senatsgehalts von
100 Th.[alern] ausgefertigt werden soll. Wenn Sie
mir [Verweis auf nächste S.] ||
mir jetzt offiziell anzeigen können, daß [Friedrich] Kiel bereit ist, den Unterricht in der Hochschule gegen
eine Remuneration724 von 400,– Th.[alern] jährl. zu übernehmen, so werde ich Sie sogleich autorisieren,
mit ihm deshalb ein Abkommen zu treffen.
[1 Leerzeile]
Mühler.
723 Dieser in Schenk (2008, 106) veröffentlichte Brief wird aufgenommen, da er Auskunft über Kiels Ernennung gibt.
724 die Remuneration (lat. remuneratio = Belohnung) = Vergütung i. S. von Honorar, Lohn, Bezahlung.
439
• Notiz (18.11.1869 Donnerstag) von Heinrich Schuppli (Berlin), Registrator der Kgl. Akademie
der Künste, über den Senatsbericht vom 15. November 1869, I. 1562 und Registrirt 1893:
I. 1562.
[2 Leerzeilen]
Im Berichte vom 15. November 1869 [= Senatsbericht vom 15.11.1869] ist der Professor
Fr. Kiel vorgeschlagen worden als geeignet
a. als Senator
b.) zur Uebernahme des Compositions-Unterricht[s]
abgeg.[angen] 15/11 69
Registrirt 1893.
Schuppli.
Erlass (20.11.1869 Samstag) Nr B 1941 von Kultusminister Heinrich von Mühler (Berlin) als
Bericht an die Kgl. Akademie der Künste (Berlin):
•
1614
ad acta.
Berlin den 20. November 1869.
N° 1941. B.
Die Königliche Akademie benachrichtige ich auf den Bericht vom 15ten d.[es] Mts. [= Senatsbericht vom 15.11.1869] (N° 1562.), daß ich, Ihrem Vorschlage entsprechend, den Professor [Friedrich] Kiel
hierselbst zum Mitglied des Senats Derselben ernannt habe, wovon Ersterer unmittelbar in Kenntniß gesetzt worden ist.
Wegen Einführung des [Friedrich] Kiel in den Senat wolle der Vorsitzender desselben das Geeignete veranlassen.
In Hinsicht des von dem p[raenominatus] Kiel zu übernehmenden Unterrichts behalte ich mir das Weitere vor.
Der Minister der geistlichen, Unterrichts- und Medizinal-Angelegenheiten.
[1 Leerzeile]
Mühler
• Bekanntmachung (26.11.1869 Freitag) des Kultusministeriums, Veröffentlichung in Königlich-Preußischer Staats-Anzeiger:
Ministerium der geistlichen, Unterrichts= und
Medizinal=Angelegenheiten.
[0,5 Leerzeilen]
Der Professor F. Kiel hierselbst, Mitglied der hiesigen Königlichen Akademie der Künste, ist zum
Mitglied des Senats der Akademie ernannt worden.
• Brief (27.11.1869 Samstag) des Direktoriums der Kgl. Akademie der Künste (Berlin) an Friedrich Kiel (Berlin); mit Aktennummer 1648:
1648.
[2,5 Leerzeilen]
Er. Wohlgeboren [Fr. Kiel] werden hierdurch
in Folge Ihrer Ernennung zum Mitglied des Senats zum Betreff Ihrer Einführung in dasselbe zur nächsten
Senatssitzung, welche diesmal ausnahmsweise am Freitag den 3. Decmbr. stattfindet, um 6 ¼ Uhr eingeladen. Zugleich wird in dieser Sitzung ihre Vereidigung stattfinden.
Berlin am 27. November 1869.
[0,5 Leerzeilen]
Directorium
der Königlichen Akademie der Künste
E.[duard] Daege
O[tto] F.[riedrich] Gruppe
[13 Leerzeilen]
Herrn Professor Kiel
440
• Vereidigungsprotokoll (3.12.1869 Freitag), Protokoll der Vereidigung der Professoren Josef
Joachim und Friedrich Kiel als Senatsmitglieder der Kgl. Akademie der Künste am 3. Dezember
1869, unterzeichnet von Eduard Daege, Senatsvorsitzender und kommissarischer Direktor der
Kgl. Akademie der Künste (Berlin), und dem Ständigen Sekretär Otto Friedrich Gruppe:
Protokoll über die am 3. Decmbr. 1869 in der ordentlichen Sitzung des Senats stattgehabten Vereidigung
von Senatsmitgliedern.
[1 Leerzeile]
N. 1673.
In der heutigen ordentlichen Senatssitzung erschienen die durch hohe Verfügungen vom 9. Juni
[für Joachim] und 20. November [für Kiel] ernannten Mitglieder des Senats[,] der Professor Joachim und der Professor Kiel.
Denselben wurde vor dem versammelten Senat von dem Vorsitzenden Professor Daege die in der
hohen Verfügung vom 12. Januar 1861 vorgeschriebene Eidsformel vorgelesen und von ihnen der
Diensteid in aller Form geleistet.
[2 Leerzeilen]
Joseph Joachim
Friedrich Kiel.
Die Königliche Akademie der Künste.
E. Daege O. F. Gruppe.
• Brief (29.6.1870 Mittwoch) von Friedrich Kiel (Berlin) vmtl. an Julius Alsleben (Berlin),
Vorsitzender des Berliner Tonkünstlervereins 1865–94:
Sehr geehrter Herr Doctor!
[2 Leerzeilen]
In Folge der verehrlichen Zuschrift des Vorstandes des Berliner Tonkünstler=Vereins, vom 28t d. M.
erlaube ich mir ergebenst Sie zu ersuchen, betreffenden Orts in meinem Namen gütigst Mittheilung
machen zu wollen, daß ich mit Vergnügen geneigt bin, dem Wunsche des sehr verehrlichen Vorstandes nachzukommen; somit das Amt eines Preisrichters annehme, und für solches vom 16t Septbr. d. J.
ab – als [!] nach Beendigung meiner Reise – zur Disposition stehen werde. –
Mit besonderer Hochschätzung
[1,5 Leerzeilen]
Berlin, den 29t Juni
ergebenst
1870.
Friedrich Kiel
• Brief (20.9.1871 Mittwoch) von Friedrich Kiel (Berlin) an Kultusminister Heinrich von Mühler (Berlin):
Hochwohlgeborener Herr,
Hochzuverehrender Herr Staatsminister!
[6 Leerzeilen]
Ew. Excellenz mir zuertheiltem Auftrage, mich über die akademische Schule für musikalische Composition in Bezug auf eine Erweiterung und Verbesserung derselben zu äußern, fühle ich mich nicht vollständig gewachsen, da ich, wohl angestellt als Lehrer bei der Königl. Hochschule für ausübende Musik,
ich [!] nicht als Lehrer an der akademischen Schule fungi[e]re, somit mir keine persönliche Einsicht bei
der letzteren zusteht. –
Ich bin aber bereit[,] mich pflichtschuldigst soweit über diese Angelegenheit zu äußern, als ich von meiner
Stellung aus dieselbe zu beurtheilen vermag.
Nach dem Reglement vom 31t März 1833 für die musik. Section der Königl. Akademie sollen in dem Senat
jede der Hauptarten der Musik, die Kirchliche Musik, die Dramatische Musik und die freie Instrumental- und Kammermusik repraesentirt sein. –
Die akademische Schule für musik.[alische] Composition steht
nach [Verweis auf nächste S.] ||
nach § 1 des Lehrplans unter Leitung der in den Senat berufenen ordentl.[ichen] Mitglieder der musik.[ali-
441
schen] Section derselben.
Zu Anfang des Bestehens dieser Schule unterrichteten die H. H.725 Musikdirectoren [Karl Friedrich] Rungenhagen, [August Wilhelm] Bach und Kapellmeister [Georg Abraham] Schneider; später Prof. [Eduard]
Grell, Kapellmeister [Wilhelm] Taubert und [August Wilhelm] Bach. Nach dem Tode des Letzteren [am
15. April 1869] theilten sich die H. H. Grell und Taubert in [!] die Lehrgegenstände, welche Einschränkung von drei Lehrern auf zwei, außer daß sie dem Reglement nicht gemäß war, jedenfalls eine weitere
Ursache werden mußte, den schon auffallend schwachen Besuch der Schule noch mehr zu ver[r]ingern.
Eine Erweiterung der akademischen Schule für musik.[alische] Composition, könnte sonach derart stattfinden, daß wiederum wie früher für’s Erste drei Lehrer der Composition, die sich entweder für alle, oder für
einzelne Zweige der letzteren zu bestimmen hätten, bei derselben angestellt würden. Erst wenn diese, (die als
Hauptlehrer, aus den zum Senat der Akademie gehörenden Musikern zu bestellen sein würden,) – für die Zahl
der Schüler nicht mehr ausreichten, der Einer [!] oder der Andere von ihnen durch Schüler zu sehr überbürdet würde, dürften Hülfslehrer heranzuholen sein, die jedesmal dem Hauptlehrer, für dessen Klasse sie bestimmt, insofern verantwortlich zu sein hätten, als sie genau sich seiner Lehrmethode anschließen müßten. –
Die Schüler der akademischen Schule würden sich bald vermehren, wenn der Schwerpunkt der Lehre für
musikal.[ische] Composition ganz nach der Akademie verlegt würde, sodaß die Akademie für die Ausbildung in der
Kunst ||
gewissermaßen die Stelle einnähme, welche die Universität für die Ausbildung in den Wissenschaften vertritt; statt daß, – wie es zur Zeit der Fall – die höhere Composition nicht allein an der akademischen
Schule, sondern zugleich an der Königl. Hochschule für ausübende Musik gelehrt wird. –
Der an der Hochschule angestellte Hüflslehrer würde genügen, den Schülern derselben denjenigen Grad
des Wissens in der Theorie der Musik zu verschaffen, dessen sie bedürfen, zur Aneignung der, für den
ausübenden Musiker erforderlichen allgemeinen musikalischen Bildung. Diejenigen Schüler der Hochschule aber, welche sich qualificiren durften, auch in der Composition Höheres zu leisten, und sich für
diese besonders auszubilden wünschten, müßten die Berechtigung haben, unentgeltlich bei einem der Hauptlehrer der Akademie weiter studieren zu dürfen, und zwar bei einem Lehrer ihrer eigenen Wahl, da mit
dem Vertrauen und der Sympathie zum Lehrer, Verständniß und Fortschritt des Schülers eng verbunden ist.
Anlangend den Finanzpunkt, fühle ich mich, um über solchen ein Urtheil abgeben zu können, als Künstler
zu wenig maßgebend. Nach meiner Meinung würde das Gehalt der Hauptlehrer nach der von denselben
geforderten Thätigkeit zu bemessen sein und vielleicht nach dem Gehalt der höheren Lehrer an den Wissenschafts=Anstalten sich bestimmen dürfen. Der, für den Fall, daß einer oder der andere Hauptlehrer zu
sehr in Anspruch genommen würde, diesen beizugebende Hülfslehrer hätte (selbstverständlich in niedrigerem Maaßstabe) gleichfalls ein Gehalt zu beziehen, das der Zahl der
von ||
ihm zu verlangenden Unterrichtsstunden zu entsprechen hätte. –
Diese Hülfslehrer würden sich behufs ihrer Anstellung einer Prüfung und Billigung der Majorität der musik.[alischen] Mitglieder des Senats der Königl. Akademie zu unterwerfen haben, und könnte ein und derselbe Hülfslehrer den Hülfs=Unterricht auch bei zweien oder selbst allen drei Hauptlehrern übernehmen,
sobald die letzteren über die, durch einen Jeden von ihnen von dem Betreffenden zu beanspruchende
Qualification sich einverstanden erklären würden. –
[0,5 Leerzeilen]
In der Hoffnung, Hochdieselben werden es mit [2 Worte unlesbar] von der akademischen Schule hochgeneigtest entschuldigen, wenn der hier dargelegte Ausdruck meiner Ansichten über dieselbe, Ihren Erwartungen in Bezug auf Gründlichkeit nicht vollkommen entsprechen sollte, habe ich die Ehre zu zeichnen
mit der ausgezeichnetsten Hochachtung
[1 Leerzeile]
Ew. Excellenz
[8 Leerzeilen]
Berlin den 20ten Sept.
1871.
ganz gehorsamster
[1 Leerzeile]
Friedrich Kiel.
725 H. H. = Herren.
442
• Brief (28.12.1871 Donnerstag) von Kultusminister Heinrich von Mühler (Berlin) an Josef
Joachim, Direktor der Kgl. Hochschule für ausübende Tonkunst in Berlin, inklusive Auszug der
Abschrift der Zahlungsanweisungen des Kultusministers an die Generalkasse726 des Ministeriums, U. 29364, Auszug:
Berlin, den 28. Dezember 1871
U. 29364.
In Verfolg meiner Verfügungen vom 16 Dezember 1869 – U. 34.636 – und 2. Oktober c[u]r.[entis]727
[= 2.10.1871] – U. 24850. – weise ich die Generalkasse an, folgenden Lehrern an der hiesigen akademischen Hochschule für ausübende Tonkunst die ihnen bewilligten Honorare, und zwar:
1) dem Professor Kiel jährlich [Leerraum] 400 r[eichs]t.[aler]
[… (Lehrer Nr. 2–7)]
geschrieben pp.728 zunächst für das erste Quartal 1872, also bis ult.[imato] März [1872] in der bisherigen Weise zu zahlen und bei dem Fonds der Königlichen Akademie der Künste hierselbst gehörigen Orts zu verausgaben.
Der Minister der geistlichen etc. Angelegenheiten.
gez: v. Mühler.
An die Generalkasse des Ministeriums.
__________________
An
Den Dirigenten der Königlichen Akademischen
Hochschule für ausübende Tonkunst
Herrn Professor Joachim
Wohlgeboren ||
Der Professor Kiel hierselbst hat als Lehrer der akademischen Hochschule für ausübende Tonkunst in dem jetzt ablaufenden Quartal statt vier Stunden, wozu er vertractlich verpflichtet, acht
Stunden wöchentlich Unterricht ertheilt. Für diese Extrastunden habe ich demselben ein außerordentliches Honorar von 100 rt.729 geschrieben pp. [= etc.] pro Quartal bewilligt. Die Generalkasse weise ich daher an, dem Professor Kiel diesen Betrag gegen Quittung zu zahlen und bei dem
Fonds der Königlichen Akademie der Künste hierselbst zu verausgaben.
Der Minister der geistlichen pp. Angelegenheiten.
gez: v. Mühler.
An die Generalkasse des Ministeriums.
[…] ||
[…]
Abschrift erhalten Ew. Wohlgeboren zur Kenntnißnahme und Benachrichtigung der Betheiligten.
Zugleich bemerke ich, wie ich, da Sie auf meine Verfügung vom 2. Oktober c[u]r.[entis] – U. 24850 –
einen weiteren Bericht nicht erstattet haben, voraussetze, daß Veränderungen in dem Lehrerstand
der Anstalt zum Beginn des künftigen Jahres nicht eintreten. Entgegengesetztenfalls wollen Ew.
Wohlgeboren mir schleunigst Anzeige machen, damit ich die General=Kasse meines Ministeriums
eventuell noch rechtzeitig mit anderweiter Anweisung versehen kann.
Der Minister der geistlichen, Unterrichts- und Medicinal=Angelegenheiten.
[1 Leerzeile]
Mühler
726 Die Generalkasse des Kultusministeriums war laut Lüdicke (1918, 157) bis 1899 die Zentralkasse für die gesamte Verwal-
tung des Ministeriums und zugleich Spezialkasse für mehrere wissenschaftliche Anstalten in Berlin.
727 c. (von lat. „currentis [anno]“) = des laufenden Jahres.
728 pp. (perge perge) = etc. (wörtlich: fahre fort).
729 rt. = Reichstaler.
443
• Bekanntmachung (21.1.1872 Sonntag) des Kultusministeriums, Veröffentlichung in Königlich-Preußischer Staats-Anzeiger, Auszug S. 397–399 mit Kieleintrag auf S. 399:
Berlin, den 21. Januar 1872.
[0,5 Leerzeilen]
Die Feier des Krönungs= und Ordensfestes wurde auf Allerhöchsten Befehl Sr. Majestät des Ka isers
u n d Kö n ig s [Wilhelm I.] heute begangen.
Zu dieser Feier hatten sich Deputationen der hier anwesenden, seit dem Ordensfeste am 23. Januar
1870 ernannten Ritter und Inhaber Königlicher Orden und Ehrenzeichen, sowie diejenigen hier anwesenden, denen Sr. Majestät der Kaiser und König heute Orden und Ehrenzeichen zu verleihen geruht haben,
im Königlichen Schlosse versammelt. Die Letzteren empfingen von der General-Ordens-Kommission im
Allerhöchsten Auftrage die für sie bestimmten Dekorationen und wurden darauf von derselben mit den
zuerst erwähnten Rittern und Inhabern in den Rittersaal geführt. […] Demnächst begaben Se. Majestät der
Kaiser und König und Ihre Majestät die Kaiserin und Königin, welche inzwischen erschienen war,
Allerhöchstlich mit Sr. Kaiserlichen und Königlichen Hoheit730 dem Kronprinzen, so wie Ihren Königlichen
Hoheiten den Prinzessinnen und Prinzen des Königlichen Hauses, unter dem Vortritt der Obersten, Oberund Hofchargen, nach dem Rittersaale, wo der Präses731 der General-Ordenskommission, General der Infanterie und General-Adjutant Sr. Majestät des Kaisers und Königs, [Adolf] von Bonin, Allerhöchstdenselben die bei dem diesjährigen Feste ernannten Ritter und Inhaber von Orden und Ehrenzeichen einzeln
vorstellte. Se. Majestät geruhten, den ehrfurchtsvollen Dank derselben huldvollst entgegenzunehmen.
[…]
Se. Majestät der Kaiser und König [Wilhelm I.] waren wegen Unpäßlichkeit verhindert, den weiteren
Verlauf der Festlichkeiten beizuwohnen und zogen Sich [!] zurück.
[…]
Nach Aufhebung der Tafel begaben sich Ihre Majestät die Kaiserin und Königin, Se. Kaiserliche und
Königliche Hoheit der Kronprinz, wie auch Ihre Königlichen Hoheiten die Prinzessinnen und Prinzen des
Königlichen Hauses, in den Rittersaal, woselbst Ihre Majestät die Kaiserin und Königin geruhte, die Cour
der eingeladenen Ritter und Inhaber von Orden und Ehrenzeichen anzunehmen und darauf die Versammlung huldvollst zu entlassen.
Es haben erhalten:
Den R o th en A d ler- Ord en erster Kla sse mit E ich en la u b : […] ||
Den R o th en A d ler- Ord en zweiter Kla sse: […]
Den R o th en A d ler- Ord en d ritter Kla sse: […]
Den R o th en A d ler- Ord en vierter Kla sse: […] ||
[…]
Kiel, Professor und Mitglied des Senats der Akademie der Künste zu Berlin […]
• Brief (18.11.1875 Donnerstag) von Friedrich Kiel (Berlin) an Franz Neruda (Kopenhagen);
vollständig zitiert in Kapitel 3.1.
• Brief (8.12.1875 Mittwoch) von August Bungert (Berlin) an Hugo Bock (Berlin); auszugsweise zitiert in Kapitel 3.2.
• Ordensmatrikel (19.6.1876 Montag), Kieleintrag in Rubrik „V., Ritter II. Classe. b.) Ausländer.“:
Datum des
Ordens=
Diploms.
Namen und Wohnorte der
Ordensglieder
Civil- oder
Militär Eigenschaft.
Gemeinschaftlich verliehen
mit:
1876.
19. Juni.
Kiel, Fr. Componist und
Professor in Berlin.
Civ.
–––
Ausgabe
der Decore hier
von
Alt[en]b.[urg]
730 Seit 1871 stand der Titel „Kaiserliche Hoheit“ nur den Kronprinzen und Kronprinzessinnen zu.
731 der Präses (lat. vor etwas sitzend) = Titel einer leitenden Person.
444
Bemerkungen:
• Diplom (19.6.1876a Montag) für Friedrich Kiel als Entwurf, ausgestellt in Altenburg:
J
[von anderer Hand: Zu No: 182/1876 d. H.[erzog] S[achse]n.]
[2 Leerzeilen]
[gedruckte Kopfzeilen:]
Ernst,
[1 Leerzeile]
Von Gottes Gnaden Herzog zu Sachsen.
Jülich Kleve und Berg auch Engern und Westphalen
[1 Leerzeile]
[gedruckter Fließtext:] Nachdem Wir Uns gnädigst bewogen gefunden haben
[handschriftlich:] dem Componisten Professor Fr. Kiel aus Berlin
[mit Schrägstrichen versehen: in Anerkennung seiner bei der jüngst hier stattgehabten [13.] Tonkünstler-Versammlung [in Altenburg]732 kundgegebenen vorzüglichen künstlerischen Leistungen]
das Ritterkreuz II. Classe [gedruckt:] des Herzoglich Sachsen=Ernestinischen Hausordens zu verleihen, so ist demselben hierüber zu seiner Legitimation das gegenwärtige, von Uns höchst eigenständig
vollzogene und mit Unserem Herzoglichen Insiegel733 versehene
[1 Leerzeile]
Diplom
[1 Leerzeile]
urkundlich ausgefertigt worden.
Gegeben [handschriftlich:] zu Altenburg den 19. Juni 1876.
[0,5 Leerzeilen]
(L. S.734)
(Sereniss.735)
• Diplom (19.6.1876b Montag) für Christian Friedrich Kahnt, Verlagsleiter der „C. F. Kahnt
Musikalien- und Verlagsbuchhandlung“ in Leipzig, als Entwurf, ausgestellt in Altenburg:
J
[gedruckte Kopfzeilen:]
Ernst,
[1 Leerzeile]
Von Gottes Gnaden Herzog zu Sachsen.
Jülich Kleve und Berg auch Engern und Westphalen
[1 Leerzeile]
[gedruckter Fließtext:] Nachdem Wir Uns gnädigst bewogen gefunden haben
[handschriftlich:] dem Fürstlich Schwarzburg=Sonderhausenschen Hofmusikalienhändler,
Kommissionsrath Kahnt in Sondershausen
das Ritterkreuz II: Classe [gedruckt:] des Herzoglich Sachsen=Ernestinischen Hausordens zu verleihen, so ist demselben hierüber zu seiner Legitimation das gegenwärtige, von Uns höchst eigenständig vollzogene und mit Unserem Herzoglichen Insiegel versehene
[1 Leerzeile]
Diplom
[1 Leerzeile]
urkundlich ausgefertigt worden.
Gegeben [handschriftlich:] zu Altenburg den 19. Juni 1876.
[0,5 Leerzeilen]
(L. S.)
Ser.
[1 Leerzeile]
Seiner Wohlgeboren
732 Kiels Oratorium Christus op. 60 wurde beim zweiten Konzert dieser Tonkünstlerversammlung am 28. Mai 1876 aufgeführt.
733 das Insiegel = Siegel, d. h. der Abdruck z. B. eines Stempels oder Fingerrings als Erkennungs- und Beglaubigungszeichen,
ebenfalls als Verschluss von Schriftstücken. Es gibt Schrift-, Bildszenen-, Porträt- und Wappensiegel.
734 L. S. = Locus Sigilli (lat. locus = Ort / sigillum = Abdruck des Siegelrings, Siegel): An dieser mit L. S. gekennzeichneten
Stelle der Abschrift oder – wie in diesem Fall – des Entwurfs ist das dazugehörige Original besiegelt.
735 Sereniss.(imus) (von lat. serenus = heiter, klar) = Anrede für einen Fürsten oder Herzog im Sinn von „Durchlaucht“.
445
1) den Componisten Herrn
Professor Fr. Kiel in
[0,5 Leerzeilen]
Berlin.
2) den Fürstlich Schwarzburgischen
[1 Leerzeile]
[gedruckt:] Diplom
• Brief (21.6.1876 Mittwoch) vom Herzoglichen Staatsminister Friedrich von Gerstenbergk
(Altenburg) im Auftrag des Herzogs Ernst I. zu Sachsen-Altenburg an Friedrich Kiel (Berlin);
mit Brandschaden in Blattmitte (mit Konjekturen in runden Klammern):
Nachdem Sein(e Hoheit736) der Herzog [Ernst I.], mein gnädigster Herr,
sich gnädigst b(ereit)
gefunden haben, Ew. Wohlgeboren
zu Bezeigung737 Höchstihres Inn(igen)738 Wohlwollens das Ritterkreuz
II. Classe des Herzoglich S(achsen)
Ernestinischen Hausordens zu
verleihen, gereicht es mir (zum
V)ergnügen, Ihnen unter Mittheilung hiervon das darü(ber
a)usgefertigte höchste VerleihungsDiplom nebst den Insignie(n)739
des verliehenen Ordens und einem
Exemplare der Ordens=S(tatu)[-]
ten beifolgend ergebenst zu über=
senden.
Hochachtungsvoll.
Altenburg, den 21. Juni 1876.
Der Staatsminister und Minister des Herzoglichen Hauses
Gerstenbergk
[12 Leerzeilen]
Seiner Wohlgeboren
dem Componisten Herrn Professor Fr. Kiel
in
Berlin.
einem höchsten Diplo(m)
Not: einer Ordensdekore740
[unlesbar aufgrund Brandschaden]741
• Brief (1.7.1876 Samstag) von Friedrich Kiel (Berlin) an Herzog Ernst I. zu Sachsen-Altenburg (Altenburg), von Kiel vmtl. als zweites Exemplar742 für sich selbst angefertigt; Brandschaden am rechten Blattrand (mit Konjekturen in runden Klammern).
Ew. Hoheit
[6 Leerzeilen]
wollen mir gnädigst gestatten, meinen unterthänigste(n)
Dank sagen zu dürfen für das hohe Wohlwollen, welc(hes)
Hochdieselben mir durch Verleihung des Ritterkreuzes II. (Classe)
des Herzoglich Sachsen Ernestinischen Hausordens ku(nd-)
gegeben haben.
736
737
738
739
740
741
Titel Hoheit: stand auch Erbherzögen, wie z. B. dem regierenden Herzog Ernst I. zu Sachsen-Altenburg, zu.
Wohlwollen bezeigen = Wohlwollen bekunden / erweisen.
Es handelt sich vermutlich um das Wort Inn(igen), dessen Wortanfang nur undeutlich lesbar ist.
Insignien (insignium von lat. insigne = Kennzeichen) = Zeichen von Herrschaft, hier: Ritterkreuz als Ordensdekore.
Ordensdekore = ein an der Kleidung anzusteckendes Ordenszeichen (hier: Ritterkreuz).
Vermutlich ist an dieser Stelle eine konkrete Anzahl von Exemplaren der Ordensstatuten, die diesem Brief – als Exemplare
der Ordens=Statuten laut Brief (21.6.1876*) – beigelegt worden sind, als Anlage aufgeführt.
742 Auch Emil Kiel, der Großvater Ulrich Kiels und Neffe Friedrich Kiels, fertigte seine Briefe inklusive Unterschrift doppelt – als Originalbrief für den Briefadressaten und als zweites Exemplar für die eigene Benutzung – an laut freundlicher
Mitteilung von Ulrich Kiel aus Moers, einem Urenkel von Kiels Bruder Karl Kiel und Enkel Emil Kiels, vom 30.9.2004.
446
Mich dieses hohen Vertrauens stets würdig zu ze(igen,)
soll mein eifrigstes Bestreben sein.
In ehrerbietigster Ergebenheit verharre
als
[1 Leerzeile]
Ew. Hoheit
[2 Leerzeilen]
Berlin den 1ten Juli. 1876.
[2 Leerzeilen]
unterthänigster Die(ner)
Friedrich Kiel.
• Gesuch (18.7.1876 Dienstag) von Friedrich Kiel (Berlin) vmtl. an Kultusminister Adalbert
Falk (Berlin) als Original und beglaubigte Abschrift, mit Eingangsstempel vom 20. Juli 1876,
U IV 4414743:
a) Original (in D-B[H]) laut beglaubigter Abschrift in D-Bga:
[Aktennotiz von anderer Hand: Rückfrage wegen Veranlassung der
Verleihung]
Ew. Excellenz
[Stempel: 20. IV
Pr: d. 20/7. 76.]
Herr pp. [= etc.] Schöne744
4414.
21/7.
[7 Leerzeilen]
erlaube ich mir ganz gehorsamst zu bitten: bei Sr. Majestät dem Kaiser [Wilhelm I.] die Genehmigung zur Anlegung des mir von Sr. Hoheit dem Herzog zu Sachsen-Altenburg ertheilten Ritterkreuzes II. des Sachsen[-]Ernestinischen Hausordens hochgeneigtest erwirken zu wollen.
Mit der ausgezeichnetsten Hochachtung
verharre als
Ew. Excellenz
[1 Leerzeile]
Berlin den 18ten Juli. 1876.
[1 Leerzeile]
ganz gehorsamster
Friedrich Kiel.
[Aktennotiz von anderer Hand:] Lehrer an der Hochsch[.] f[.] Musik
b) Beglaubigte Abschrift (D-Bga) in Schreibmaschinenschrift, beglaubigt durch K. Gerlach,
Kanzleisekretär im Kgl. Hausministerium:
Beglaubigte Abschrift.
[1 Leerzeile]
U IV 4414
[1 Leerzeile]
Ew. Exzellenz
[0,5 Leerzeilen]
erlaube ich mir ganz gehorsamst zu bitten, bei Sr. Majestät den [!] Kaiser die Genehmigung zur
Anlegung des mir von Sr. Hoheit dem Herzog zu Sachsen-Altenburg erteilten Ritterkreuzes II.
des Sachsen-Ernestinischen Hausordens hochgeneigtest erwirken zu wollen.
Mit der ausgezeichnetsten Hochachtung
verharre als Ew. Exzellenz
743 Laut Lüdicke (1918, 3) bestanden neben dem Zentralbureau (B) mehrere Registraturverwaltungen, wie z. B. U I (Univer-
sitäten und höhere wissenschaftliche Anstalten) und U IV (vornehmlich Kunstangelegenheiten).
744 Richard Schöne war seit 1873 am Kultusministerium als Regierungs- und Vortragender Rat für Kunstangelegenheiten – mit
Ernennung zum Geheimen Oberregierungsrat am 4. Juli 1876 – tätig.
447
ganz gehorsamster
gez.[eichnet] Friedrich Kiel.
Berlin den 18. Juli 1876.
[1 Leerzeile]
– – – –
[1,5 Leerzeilen]
Beglaubigt:
[handschriftliche Unterschrift: [F.] Gerlach]
Geheimer Kanzleisekretär [im Kgl. Hausministerium]
[8 Leerzeilen]
Original zu der Autographen-Sammlung
Darmstaedter b.[ei] d.[er] Kgl. Biblioth.[ek] genommen.
[Stempel: Verf,v,3,Maerz1g14745
B No.377]
• Verleihungseintrag vom Sonntag 19.1.1879 im handschriftlichen Verleihungsbuch-Dresden
(1867–1912): Geschäftsbuch der Sächsischen Ordenskanzlei, Verleihungseintrag Nr. 957 vom
19. Januar 1879 zu Friedrich Kiels Verleihung des Ritterkreuzes 1. Klasse (Ausländer) des Albrechtsordens, mit einem Querstrich bei den ersten zwei Spalten:
No.
Name und Character.
Tag
Motive der Verleihung.
der
Verleihung.
Tag
des
Ablebens.
Tag
der Zurückgabe der
Decoration.
Ritter erster Classe.
955. Sulzer. […]
1879.
16. Januar
957. Kiel. Componist, Profes- 29. "
sor an der Hochschule für
Musik zu Berlin und Mitglied des Senats der Academie der Künste
[…]
[…]
Anerkennung der sich 13.
auf dem Gebiete der
Septbr.
Kammermusik erwor- 1885.
benen Verdienste.
[…]
16. Octbr. 1885
• Erlass (28.1.1879 Dienstag) 2656 U IV von Kultusminister Adalbert Falk (Berlin) an Friedrich Kiel (Berlin) über Kiels Bestallung als Kuratoriumsmitglied, Reinschrift; mit Brandschaden am oberen und unteren Blattrand; mit ermittelter Datierung 28. J.[anuar 1879]:
[gedruckt: (Mini)sterium
Berlin, den 28. J. [Brandschaden (vmtl. Jahr)]
(der g)eistlichen, Unterrichts- und MedicinalAngelegenheiten.]
[1 Leerzeile]
J. No 3656. U IV
Nachdem Ew. Hochwohlgeboren sich gegen meinen Referenten, den Geheimen Ober=Regierungs=Rath Dr. [Richard] Schöne bereit erklärt haben, die Functionen eines Mitgliedes des Curatoriums
für die Verwaltung der Felix Mendelssohn-Bartholdy=Stipendien zu übernehmen, ernenne ich Ew.
Hochwohlgeboren hierdurch zum Mitgliede dieses Curatoriums auf die drei Jahre 1879, 1880, 1881 und
ersuche Sie, sich den mit dieser Function verbundenen Obliegenheiten746 gefälligst widmen zu wollen.
Beglaubigte Abschrift des Statuts vom 20. Februar v. Js[.]747 [= Stipendien-Statut (20.2.1878)748]
folgt anbei.
745 Originaler Text des Stempels ohne Leerzeichen.
746 die Obliegenheiten = Pflichten, Aufgaben.
747 v. Js. = vorigen Jahres.
448
Den Vorsitzenden des Curatoriums Professor [Josef] Joachim habe ich von Ihrer Ernennung in
Kenntniß gesetzt, und ersucht, wegen Cooptirung749 des dritten Mitgliedes des Curatoriums mit Ihnen
ins Benehmen750 zu treten.
[1,5 Leerzeilen]
Falk
[1,5 Leerzeilen]
An
Herrn Professor Fr. Kiel
Hochwohlgeboren
hier751 [= Berlin]
[Brandschaden (vmtl. Adressangabe Kiels: Lützowstraße 92 in Berlin)]
Erläuterung zur ermittelten Datierung 28. J.[anuar 1879]: Der Brief wurde im Jahr 1879 geschrieben, da das mit
20. Februar 1878 datierte Statut für die Stipendienverwaltung im Brief als Statut vom 20. Februar v. Js., d. h. des
vorigen Jahres 1878 erwähnt ist, und nicht schon im Jahr 1878 (Freitag 28.6.1878 oder Sonntag 28.7.1878 laut
D-Budka). Für das Monatskürzel des Briefdatums 28. J. kommen zwei Monate in Betracht: Dienstag der 28. Januar
1878 und Montag der 28. Juli 1879, jedoch nicht Samstag der 28. Juni 1879, da die Anfertigung von amtlichen
Schreiben am Wochenende unüblich war. Zudem stellte dieser Brief Kiels Ernennungsurkunde dar, mit der er durch
den Kultusminister Falk für die drei Jahre 1879, 1880 und 1881 zum zweiten Kuratoriumsmitglied ernannt wurde,
weshalb Montag der 28. Juli 1879 als zu späte Datierung auszuschließen ist. Darüber ordnete Kultusminister Falk
im Brief an, dass Friedrich Kiel und Josef Joachim eine Kooptierung, d. h. eine Ergänzungswahl des dritten Kuratoriumsmitglieds vornehmen sollen; dieses dritte Kuratoriumsmitglied war zunächst der Hofkapellmeister Karl Anton
Florian Eckert (17.12.1820 Potsdam – 14.10.1879 Berlin), der am 17. Oktober 1879 kurz nach seiner Berufung verstarb, und dann der Hofkapellmeister Wilhelm Taubert. Da Eckerts Tod im Brief nicht erwähnt ist, handelt es sich
um die bevorstehende Kooptierung Eckerts, dessen Ernennung im Zeitraum 18. Januar bis 18. Juli 1879 erfolgte.
• Brief (17.2.1879 Montag) von Friedrich Kiel (Berlin) an Hugo Bock (Berlin); vollständig
zitiert in Kapitel 4.4.
• Brief (14.11.1879 Freitag) von Friedrich Kiel (Berlin) an Eduard Rappoldi (Dresden); vollständig zitiert in Kapitel 4.4.
• Brief (17.11.1879 Montag) von Friedrich Kiel (Berlin) an Eduard Rappoldi (Dresden); vollständig zitiert in Kapitel 4.4.
• Brief (21.11.1879 Freitag) von Friedrich Kiel (Berlin) an Eduard Rappoldi (Dresden); vollständig zitiert in Kapitel 4.4.
• Brief (26.10.1879 Sonntag) von Friedrich Kiel (Berlin) an seinen Kompositionsschüler Jean
Louis Nicodé (Dresden), enthält zweiseitiges Notenblatt mit Kiels Entwurf einer dreistimmigen
Doppelfuge für Gesang in elf Takten:
[Umschlag:]
[runder Poststempel: BERLIN
3 […]
26 10 […]
2–3 […]
748 Das von dem preußischen Kultusminister Adalbert Falk aufgestellte und am 20. Februar 1878 beschlossene Statut (Stipen-
dien-Statut 20.2.1878) umfasst – mit dessen Unterschrift gez.[eichnet] Falk versehen – die Paragrafen 1–14, von denen die
Paragrafen 1–8 in Elvers (2003, 346–348) im Original abgedruckt sind.
749 die Cooptirung (Kooptierung / lateinisch: cooptio) = eine meist von den Mitgliedern selbst durchgeführte Ergänzungsbzw. Nachwahl einer Person, die zusätzlich in eine Körperschaft aufgenommen werden soll.
750 ins Benehmen treten = sich in Verbindung setzen und verhandeln.
751 Das Wort hier bezieht sich auf den Wohnort des Briefadressaten, der mit dem Ort des Briefverfassers identisch ist.
449
Herrn L. Nicodè
Tonkünstler und Lehrer
am Conservatorium
in
Dresden
[1 Leerzeile]
fr.[anco]
Wiesentorstr. 7. III. [Etage]
[Brief:]
Lieber Herr Nicodé,
[0,5 Leerzeilen]
hiermit übersende ich Ihnen meinen Entwurf zu einer 3stimmigen Doppfelfuge für Gesang [beiliegend 2 S.
Andante sostenuto G-Dur für Alt, Tenor, Bass]. Betrachten Sie alles genau: Stimmordnung, die Behandlung
der 2ten Themen zum ersten [Thema], Consonanz und Dissonanz u.s.w. und entwerfen Sie dann auf diese
Weise Ihre Themen; wir werden dann über die weitere Ausarbeitung noch verhandeln.
Zu ||
empfehlen wäre für Sie Cherubinis Contrapunkt und Fuge, und überhaupt alles über diesen Gegenstand
Ihnen zugängliche.
Die übersandten Themen sind für die Doppelfuge unbrauchbar; überhaupt zu flüchtig entworfen. Ich mache
Sie aufmerksam,
daß ||
Sie Alles, auch das scheinbar ueberf[l]üchtiche, mit der größter Gewissenhaftigkeit behandeln müssen, wollen Sie wesentlichen Nutzen davon erndten.
Mit freundlichem Gruß
wie immer
Der
Sonntag den 26t
Ihrige
Fr. Kiel.
Nob. [recte: Oct.752]
1879.
• Lebensabriss (c1881) von Rezensent H. K. der Münchner Allgemeinen Zeitung über Friedrich
Kiel von circa 1881, Entwurf.
Der Rezensent H. K., dem Friedrich Kiel laut AllgemeineZ (1885, 4369) im Herbst 1881 seinen
Lebenslauf berichtete, veröffentlichte nach dem Tod Kiels den um einen Nachtrag erweiterten
Lebensabriss als Nekrolog auf Kiel in AllgemeineZ (1885).
Friedrich Kiel.
(Lebensabriß.)
[14 Leerzeilen]
Friedrich Kiel ist zu Puderbach bei Siegen am 7. Oktober 1821 geboren. Sein Vater war daselbst
Schulmeister in den bescheidensten Verhältnissen.
Die große Vorliebe für die Musik hat er von der ||
Mutter geerbt, deren er mit tiefer Rührung gedachte. Schon im 6. Lebensjahr regte sich in dem kleinen Friedrich der Schaffensdrang: er erfand, die Töne am Clavier zusammenfügend, allerhand Stückchen [eingefügt:
ohne die Noten zu kennen]. Erst im 11. Jahre lehrte ihn der Vater, der ein nüchterner, weiser Pädagoge war
und kein Wunderkind durch künstliches Treiben aus ihm machen wollte, die Noten und zwar in höchst origineller Weise an dem einzigen753 im Haus vorhandenen „Notenbuch“, in welches der Vater seiner Zeit die
752 Die Monatsangabe bei Sonntag den 26t Nob. 1879 ist ein Schreibfehler. Das korrekte Datum 26. Oktober 1879 geht eindeu-
tig daraus hervor, dass der 26. Oktober ein Sonntag, aber der 26. November ein Mittwoch war, der Poststempel das Datum
26 10 [1879] aufweist und Kiel Nicodés Zwischenzeugnis (11.11.1879) vor dem 26. November 1879 ausstellte.
753 Es war sicherlich nicht das einzige Notenheft im Elternhaus Friedrich Kiels, wie der Rezensent H. K. im handschriftlichen
Lebensabriss (c1881*) schreibt. In seiner später veröffentlichten Version des Lebensabrisses (c1881*), in AllgemeineZ
(1885), fehlt die Textpassage einzigen im Haus vorhandenen völlig; stattdessen berichtete H. K. 1885 davon, dass Friedrich Kiel mehrere Marsch- und Tanzkompositionen als Klavierspiel im Hause – d. h. von seinem Vater Jost Kiel nach
Noten – zu hören bekam (AllgemeineZ 1885, 4369).
450
musikalischen Errungenschaften der Studienzeit zusammengetragen hatte. In dieser Zeit wendete der selbst
musikalisch begabte Vizeintendent Keip [!] [= Superintendent Apollo Kneip], ein Verehrer der Sonaten
Philipp Emanuel Bachs[,] dem musikalischen Knaben sein lebhaftes Interesse zu. Durch seine Vermittlung wurde der Knabe mit dem Fürsten [eingefügt: von] Wittgenstein [eingefügt: Berleburg vorgestellt]
[= Fürst Albrecht I. zu Sayn-Wittgenstein-Berleburg] bekannt, der, [eingefügt: selbst ein eifriger Musikfreund,] eine Hauskapelle hielt, in welcher die Diener des Hauses zugleich als Musiker verwendet wurden. Der Vater wollte trotz Zuredens von vielen Seiten, den sicheren und geordneten Weg gehen: der
Junge sollte zunächst die Qualification zum Lehrer erwerben, damit seinem Dasein eine gesicherte Basis
geben, u. dann erst sich entscheiden, ob er ganz zur Kunst übergehen wolle [eingefügt: oder] dieser nur
im Stande eines Lehrers und Organisten dienen wolle. Allein selbst [der Musiklehrer Johann Heinrich]
Engelhardt in Sost [recte: Soest], der den jungen Schulaspiranten zu prüfen hatte, redete so überzeug[ung]svoll zur Musik zu, daß der Vater einwilligte. Kein geringerer als der Bruder des Fürsten [eingefügt: Prinz
Karl], unterrichtete nun den künftigen Künstler zunächst im Violinspiel. Nach einem Jahr war der Schüler
so weit, daß er ein Violinconcert von [Giovanni Battista] Viotti öffentlich vortragen konnte. Dabei componirte er allerhand Sachen für die Capelle, und zwar, da er vom Partitur-Setzen noch nichts verstand,
bezeichnender Weise nach Stimmen [= stimmenweise]: der künftige Contrapunktiker zeigte sich also schon
früh.
Mit 16 ½ Jahren begann der Compositionsunterricht bei Caspar Kummer in Coburg, welcher nach
André’s Methode unterrichtete. Kiel wurde von ihm mit den Regeln des Generalbasses bekannt und vertraut
gemacht; dagegen blieben ihm die Geheimnisse des Contrapunkts noch verborgen. 18 Jahre alt wurde er
„Concertmeister“ der fürstlichen ||
[1 Seite fehlt]
Violoncello (op. 3) [eingefügt: obschon alle diese Werke] zeigten, daß man es hier mit einem Meister der
Form zu thun habe, der nicht bloß in allen Sätteln fest sitzen[,] sondern [eingefügt: selbst] in der [eingefügt: steifsten der alten Formen] [= Fuge] noch „Neues zu sagen“ wisse. Es folgten verschiedene Compositionen für Clavier oder Violine und Cello, zum theil leichteren Genres. Da wagte sich Kiel 1859 an die
Composition eines „Requiem’s“ [op. 20]: die Aufführung desselben 1861 [recte: 1862]754, durch den
Stern’schen Singverein riß den bescheidenen Clavierlehrer aus seiner Verborgenheit und brachte ihm die
Anerkennung der Besten. 1866 [recte: 1865 Entstehung] folgte eine „Missa solemnis“ [op. 40], 1870 [recte:
1871–72 Entstehung] das Oratorium „Christus“ [op. 60], 1881 [recte: 1880 Entstehung] ein zweites Requiem (As-dur) [op. 80]. Diese Werke trugen ihm den Ruf einer der ersten Oratorien= und Kirchencomponisten unserer Zeit ein, und im Norden unseres Vaterlandes wurde [eingefügt: nicht nur] sein Name mit
verdienter Achtung genannt, sondern auch das eine und andere seiner Werke mit Erfolg zu Gehör gebracht. Der Süden verhielt sich [eingefügt anstelle unlesbarer durchgestrichener Formulierung: noch kühl:]
wohl eben darum, weil Kiel’s Musik weniger unmittelbar [eingefügt anstelle unlesbarer durchgestrichener
Formulierung: wirkt], weniger das Gefühl, als den tonkünstlerischen Verstand in Anspruch nimmt, der
reifen, prangenden Sinnlichkeit entbehrt, der weichen Schönheit der unmittelbar wohlgefälligen Erscheinung ermangelt, und überdieß an die Ausführenden ziemlich strenge Anforderungen macht. Eine reife
Fülle edler und gehaltvoller Compositionen liegt zwischen den genannten vier Hauptwerken; es sei von
den Kirchenwerken erwähnt ein Stabat mater für Frauenchor, Solo und Orchester (op. 25 comp. 1863),
der 130. Psalm, gleichfalls für Frauenstimmen mit Orchester (op. 29, comp. 1864), Motetten, geistliche
Gesänge a capella, ein Te deum [!] für Chor u. Orchester (op. 46 comp. 1866 u. a.); von den Werken für
Kammermusik außer dem obengenannten Trio op. 3: Reisebilder für Violoncello und Pianoforte (op. 11
comp. 1868), Violinsonaten (op. 16 comp. 1860, op. 35, comp. 1864, op. 51 comp. 1868), Violoncello=Sonate op. 52, comp. 1868, die Clavierquartette op. 43 (A moll, comp. 1866), op. 50 (comp. 1867), die 2
Clavierquintette op. 75 (comp. 1874) und op. 76 (comp. 1874), die Claviertrio’s op. 22. 24. 31. [recte: 34]
33. 65., 2 Streichquartette op. 53 u. a. Nicht alle [eingefügt: Werke] sind begreiflicherweise von gleichem
Werte, nicht selten vermißt wurde [eingefügt: bei Kiel] jenes tiefere Pathos, das den Componisten zum
Dichter in Tönen macht, sein Schaffen über das bloße Formen- und Gedankenspiel hinaushebt: immer
aber findet man [eingefügt: bei ihm] strengen, gediegenen Ernst und gewichtigen Gehalt. Lieder hat Kiel
verhältnißmäßig wenige componirt (12 Lieder op. 24 [recte: op. 31]). [unlesbar: neun durchgestrichene
Worte] Es fehlte ihm die leichtflüssige, den Accenten der Stimmung in rascher Folge und in engem Rahmen sich anschmiegende Melodik, die den musikalischen Lyriker kennzeichnet.
754 Die Uraufführung fand am 8. Februar 1862 – als zweites Abonnementkonzert (des 11. Zyklus) bzw. zweites Wohltätig-
keitskonzert des Berliner Frauenvereins für den Gustav-Adolf-Verein – im Saal der Singakademie in Berlin unter der
Leitung von Julius Stern mit dem Stern’schen Gesangverein und vier Solisten statt.
451
Kiel’s äusserer Lebensgang verlief einfach. 1866–69 war er Lehrer der ||
Composition am Stern’schen Conservatorium, 1869 wurde er mit derselben Lehraufgabe an die K. Hochschule für Musik ernannt, nachdem er schon 1865 Mitglied der Akademie geworden und 1867 den Titel
eines K. Professor’s erhalten hatte. Der Sommer traf ihn meist außerhalb Berlins: an den Ufern des Bodensee’s sind ihm „die besten Gedanken gekommen“. In die Ehe ist er nicht getreten. Sein Leben, seine
ganze Kraft gehörte der Kunst. __ [Nachtrag 1885:] Seit Jahren hat er gekränkelt. Dennoch überraschte
die Kunde von seinem Tode. Er entschlief am 13. September 1885. Nur eine kleine Zahl seiner Verehrer
konnte dem Sarge folgen; die meisten waren nicht in Berlin anwesend. Wehmühtig berührte viele Kreise
die schlichte Form der Begräbnißfeier am 17. September: Seinem schlichten, allem Prunk abgekehrten
Sinne entsprach sie, seinen Freunden that sie nicht genug. Am 11. October755 aber veranstaltete dem heimgegangenen Meister die „Sing=Akademie“ eine schöne und würdige Gedächtnißfeier, bei welcher unter
[Martin] Blumner’s Leitung und unter der Mitwirkung eines [Josef] Joachim, [Heinrich] de Ahna u. a.
Kiel’sche Werke zur Aufführung kamen und Emil Frommel, der bekannte, sinnige Theologe die warm empfundene, von tiefem Verständniß zeugende Gedächtnißrede [= Frommel (1885)] hielt. In den Herzen derer,
die dem trefflichen Künstler im Leben haben näher treten dürfen, wird sein Bild fortleben als das eines
den höchsten Idealen zugewendeten, gegen sich selbst strengen, gegen andre milden und kindguten Mannes, bei dem aus Blick, Wort, wie That ein reines Gemüt und ein schlicht-frommer Sinn leuchtet. __
• Brief (25.10.1881 Dienstag) von Friedrich Kiel (Berlin) an L. E. Schwerdtfeger (Berlin), Inspektor der Kgl. Akademie der Künste:
Sehr geehrter Herr Inspector!
[0,5 Leerzeilen]
Mein Arzt hat mir auf einige Tage das Ausgehen strengstens untersagt, und bitte ich Sie daher ergebenst, durch einen Anschlag meinen Schülern bekannt werden zu lassen, daß ich Morgen nicht, erst
aber nächsten Sonnabend [= 29.10.1881] wieder zum Unterricht in der Akademie sein werde.
Mit Hochachtung
Ihr
Dienstag den 25/10
ergebenster
[18]81.
Fr. Kiel.
• Postkarte (28.10.1881 Freitag) von Friedrich Kiel (Berlin) an L. E. Schwerdtfeger (Berlin),
Inspektor der Kgl. Akademie der Künste, mit Poststempel „28 10 | [18]81“:
[recto:]
[gedruckt: DEUTSCHE REICHSPOST.]
POSTKARTE.]
An
Herrn Inspector Schwerdtfeger
[1 Leerzeile]
Universitätsstr. 6. I.
[verso:]
Sehr geehrter Herr Inspector!
[0,5 Leerzeilen]
Da ich Morgen [= Samstag 29.10.1881] noch nicht ausgehen darf, so wollte ich Sie freundlichst bitten,
meine Schüler wissen zu lassen, daß ich Montag, Dienstag [= 31.10 – 1.11.1881] [eingefügt: in meiner Wohnung] zu ihrer Disposition stehe.
Hochachtungsvoll u.[nd]
ergebenst
F. Kiel.
755 Bei der Kiel-Gedächtnisfeier der Singakademie, die am 11. Oktober 1885 mit eingeladenen Gästen im Saal der Singaka-
demie in Berlin feierlich begangen wurde, erklangen drei Kompositionen Kiels: 1. Fern im Osten wird es helle op. 63:1,
der erste aus Zwei Gesängen von Novalis op. 63; 2. Auszüge aus dem Requiem As-Dur op. 80 durch den SingakademieChor unter der Leitung von Martin Blumner; 3. Klavierquintett c-Moll op. 76 durch das Joachim-Quartett, bei dem Josef
Joachim die erste und Heinrich de Ahna die zweite Violine spielte, und den Pianisten Heinrich Barth.
452
• Brief (24.5.1882/K Mittwoch) von Friedrich Kiel (Berlin) an Ernst Seyffardt (o. O.), Auszug:
Lieber und werther Herr Seyffardt!
[1 Leerzeile]
Wie ich höre, ist in Neu=Strelitz die Hofkapellmeisterstelle vacant. Ich versäume nicht dieses Ihnen mitzutheilen, falls Sie sich etwa dazu melden wollen. Sie hätten sich an den Intendanten, Kammerherr von Petersen [recte: Petersdorff] zu wenden. Vielleicht hilft p.[raenominatus] Prof. Joachim durch Empfehlung.
Doch sollten eigentlich Ihre guten Zeugnisse schon hinreichend sein.
[…]
Berlin 24/5 82.
Fr. Kiel.
• Verfügung (27.7.1882 Donnerstag) des Kultusministers Gustav von Gossler (Berlin) über
die Bestallung von Friedrich Kiel (Berlin) als erster ordentlicher Lehrer an der Kgl. Hochschule für Musik in Nr. 1–2 sowie über seine Ernennung zum Vorsteher einer Meisterschule
für musikalische Komposition an der Kgl. Akademie der Künste in Nr. 7 und Nr. 10, Entwurf;
Nr. 2 und Nr. 7 an Friedrich Kiel (Berlin), Nr. 1 an den Ministerialdirektor der Abteilung II
für Unterrichts-Angelegenheiten und Wirklichen Geheimen Oberregierungsrat (= GORR) Johann Greiff sowie an den Gemeinen Kassenrat des Kultusministeriums, Nr. 10 an die Generalkasse des Kultusministeriums, U IV 2262II ; bezeichnet als Verfügung im Bericht (10.1.1885*)
bzw. Kabinetts-Order im Erlass (18.9.1883*), Auszug:
Berlin, den 27. Juli 1882.
[von anderer Hand: Sofort!]
U IV 2262 II
Herr Ministerial[-]Director, [von anderer Hand: GORR Greiff
zugleich für den Gem. Kassenrath.756]
1. Bestallung757
als erster ordentlicher Lehrer an der
Königlichen akademischen Hochschule
Musik, Abtheilung für Komposition,
für den Professor Friedrich Kiel
in Berlin.
_______
[schräg von anderer Hand: U IV. 2475-82]
Nachdem ich den Vorsteher der akademischen Meisterschule einer mit der hiesigen Königlichen Akademie der für
Künste verbundenen Meisterschule für musikalische Composition, Professor Friedrich Kiel[,] gleichzeitig zum ersten ordentlichen Lehrer an der Königlichen akademischen Hochschule für Musik, Abtheilung für Komposition, ernannt habe,
ertheile ich demselben die gegenwärtige Bestallung in dem
Vertrauen, daß er Seiner Majestät dem Kaiser und König [Wilhelm I.] und dem Allerhöchsten Königlichen Hause in unermüdlicher Treue ergeben sein und die Pflichten des ihm übertragenen neuen Amtes in ihrem ganzen Umfange mit stets
neuem Eifer erfüllen werde, wogegen derselbe sich des Schutzes bei den mit seinem neuen Amte verbundenen Rechten stets
zu erfreuen haben soll.
Urkundlich ist diese Bestallung von mir vollzogen und mit
dem Königlichen Sigel bedruckt worden.
L. a. e.758
(L. S:)
Der Minister. [Gustav von Gossler]
#
# ||
756 Gem.[ein] = auf die Allgemeinheit bezogen. Der Gemeine Kassenrat, der die Etats-, Kassen- und Rechnungsaufgaben für
alle drei Abteilungen (= gemein) des Kultusministeriums bearbeitete, bestand 1882 aus vier Personen, welche laut BAb
(1/1882, 345+856+763) und BAb (4/1882, 25) in der Generalkasse des Kultusministeriums arbeiteten: Rechnungsrat
G. Hasselbach als Kassierer (= Kassenwart), Rechnungsrat A. Schalhorn als Kontrolleur, E. Praedikow als KassenBuchhalter und Zabow als Kassen-Sekretär.
757 die Bestallung = Einsetzung in ein Amt.
758 L. a. e. = keine standardisierte Abkürzung, vmtl. „Lectum (= gelesen) akzeptiert entsendet“.
453
2. An
den Kgl: Professor Herrn Friedrich Kiel
Hochwohlgeboren
Hier
a)
b)
c)
3. An
die General=Kasse des Ministeriums.
4. An
dieselbe.
5 An
die General=Kasse des Ministeriums.
6 An
den Kgl. Professor Herrn [Eduard] Grell
Hochwohlgeboren
Hier
759
760
761
762
In Verfolg759 der Ern[ennun]g: durch das Direktorium der
Kgl: akademischen Hochschule für Musik auf Grund eines
Erlasses von 15 Juli d. J. – U IV 2262 760 – voraussichtlich
bereits gemachten Mittheilung, laut welcher Sie zum Vorsteher
der Kompositionsabtheilung der akademischen Hochschule für
Musik und zugleich zum ersten ordentlichen Lehrer der genannten Abtheilung ernannt worden, übersende ich Ihnen die
für Sie in Ihrer letztbezeichneten Amtseigenschaft ausgefertigte
Bestallung mit der Benachrichtigung, daß die General=Kasse
meines Ministeriums Anweisung erhalten hat, Ihnen vom
15. Juli d: J:, dem Tage Ihrer Ernennung[,] ab:
in Ihrer Eigenschaft als Vorsteher der Kompositionsabtheilung
der Hochschule eine Remuneration von jährlich 1000 M[ark]
geschrieben,
in Ihrer Eigenschaft als ordentlicher Lehrer der genannten
Abtheilung einer [eingefügt: pensions-berechtigten] Besoldung
von jährlich
. . . . . 2400 M[ark]
geschrieben – und zwar der Betrag zu a in monatlichen Raten
im voraus, der Betrag zu b in Vierteljahrsraten im voraus, die
fälligen Raten aber sofort gegen Quittung zu zahlen.
Gleichzeitig ist die genannte Kasse unterrichtet worden,
von der Besoldung zu b 3 % [eingefügt: als Wittwen- und Waisengeld-Beitrag] mit
72 M[ark]
geschrieben – jährlich die Zahlung der Besoldungscinsen von
Ihnen einzuziehen.
Den [Verweis auf nächste S.] ||
Den Betrag des zu der anliegenden Bestallung erforderlichen
Stam[m]gelds761 wollen Ewg: dem Ueberbringer gefälligst mit
1 M[ark] 50 Pf[ennig] zahlen.
#
#
[…]
#
#
[…] ||
[…]
[1 Leerzeile]
#
#
[…]
[1 Leerzeile]
#
#
[Nachdem762 Seine Majestät der König [Wilhelm I. von Preußen] mittels Alllerhöchster [Kabinetts-]Order vom 19 Juni d: J:
unter Außerkraftsetzung des provisorischen Statuts der Kgl:
Akademie der Künste zu Berlin vom 6 April 1875 [= AkademieStatutP (6.4.1875)] das Allerhöchstdemselben unterbreitete
definitive Statut der Königlichen Akademie der Künste [= Akademie-StatutD (19.6.1882)] zu genehmigen geruht haben, ernenne ich Euch, gemäß § 102 des letztbezeichneten Statuts,
an Stelle Ihres bisherigen Amtes als Lehrer an der Kgl: akademischen Hochschule für Musik, Abtheilung für musikalische
Komposition,
hiermit zum ||
in Verfolg (einer Sache) = im Verlauf.
Im Manuskript ist die Zahl „4“ von U IV 2264 durchgestrichen und durch die darüber notierte Zahl „2“ ersetzt.
das Stammgeld = der Einsatz, das Kapital (im Gegensatz zu Zinsen).
Die eckige Klammer steht im Original ohne eine dazugehörige abschließende eckige Klammer.
454
7. An
den Kgl. Professor Herrn Kiel
Hochwohlgeboren
Hier
hiermit zum Vorsteher einer akademischen Meisterschule für
musikalische Komposition unter Belassung Ihrer bisherigen
Bezüge bestehend in einer Besoldung von jährlich
1800 M[ark]
geschrieben
und dem staatmäßigen763 Wohnungsgeld-Zuschuß von jährlich
900 M[ark]
geschrieben.
Für Ihre amtliche Wirksamkeit ist der Abschnitt VIII des definitiven Statuts [= Akademie-StatutD (19.6.1882)] maßgebend.
#
#
(Wie zu 6).
#
#
8 An
den Kgl. Oberhofkapellmeister, Herr [W.] Taubert […]
Hochwohlgeboren
Hier
[1 Leerzeile]
9. An
#
#
den Kgl: Musikdirektor, Herrn Prof. [W.] Bargiel (Wie zu 6.)
Hochwohlgeboren
Hier
#
#
10 An
Die General=Kasse des Ministeriums.
Ew[i]g.[en] benachrichtige ich, [daß ich laut § 102 des definitiven Statuts der Königlichen Akademie der Künste in Berlin
vom 19 Juni d: J: [= Akademie-StatutD (19.6.1882)] die Professoren Grell, Kiel, Bargiel und den Oberhofkapellmeister
[Wilhelm] Taubert an Stelle ihres
bisherigen ||
bisherigen Amtes als Lehrer der akademischen Hochschule
für Musik, Abtheilung für musikalische Komposition, je zum
Vorsteher einer [eingefügt: akademischen] Meisterschule für
musikalische Komposition unter Belassung ihrer bisherigen
Bezüge ernannt habe.] 764
[1 Leerzeile]
11. An
#
#
den Vorsitzenden des Senats der Kgl. AkaEw[i]g.[en] benachrichtige ich ergebenst mit dem Ersuchen
demie der Künste, Herr Oberkapellmeister
um gefällige weitere Veranlassung
[W.] Taubert
Hochwohlgeboren
[wieder 10]
Hier
die genannten Herrn Meisterschulvorsteher sind von mir mit
Verfügung versehen worden.
[1 Leerzeile]
Der Minister [Gustav von Gossler]
[1 Leerzeile]
12. An
#
#
Seine Majestät den Kaiser und König.
[…] ||
[Wilhelm I.]
[…]
[2 Leerzeilen]
13. An
#
#
den Minister der geistlichen etc. Angele- […] ||
763 staatmäßigen = gesetzlichen.
764 Der Verweis [wieder 10] bei Nr. 11 bezieht sich auf die originalen eckigen Klammern bei Nr. 10.
455
genheiten
[Stempel: 1 ½ M.]
[…]
[0,5 Leerzeilen]
[Zur Allerhöchsten Vollziehung unter Gegenzeichnung Excellenz
[0,5 Leerzeilen]
G[reiff] 25[.7.1882] ||
[Letzte Seite von anderer Hand:]
Cassirt
zur
Bestallung als 1. ord. Lehrer an der K[gl]. a.[kademischen]
Hochschule für Musik für den Professor Friedrich Kiel am
27. Juli 1882 – U IV 2262II –
[0,5 Leerzeilen]
—————————
[1 Leerzeile]
Notirt fol. 22 J[uli] No. 335.
[Stempel des Kultusministeriums]
• Bekanntmachung (9.8.1882 Mittwoch) des Kultusministeriums, Veröffentlichung in Deutscher Reichs=Anzeiger und Königlich Preußischer Staats-Anzeiger, Auszug:
Königreich Preußen.
[0,5 Leerzeilen]
S r. Ma jestä t d er Kö n ig [Wilhelm I. von Preußen] haben Allergnädigst geruht:
den Professor Joseph Joachim zum Dirigenten der Aufführungen der Königlichen akademischen Hochschule für Musik in Berlin […] zu ernennen,
sowie
den Konsistorial-Sekretären [… (2 Namen)] den Charakter als Kanzlei=Rath zu verleihen.
[1 Leerzeile]
Min isteriu m d er g eistlich en , Un terrich ts= u n d
Med izin a l=A n g eleg en h eiten .
An der Königlichen akademischen Hochschule für Musik in
Berlin sind ernannt worden:
der Professor [Friedrich] Kiel zum ordentlichen Lehrer und zugleich zum Vorsteher der Abtheilung
für Komposition, der Professor [Josef] Joachim zum Vorsteher der Abtheilung für Orchesterinstrumente,
der Professor [Adolf] Schulze zum Vorsteher der Abtheilung für Gesang und der Professor [Ernst] Rudorff
zum Vorsteher der Abtheilung für Klavier und Orgel.
Zu Vorstehern der akademischen Meisterschulen für musikalische Komposition in Berlin sind ernannt worden:
der Ober=Hofkapellmeister [Wilhelm] Ta u b ert, sowie die Professoren [Eduard] Grell, [Friedrich]
Kiel und [Woldemar] B a rg iel.
• Erlass (18.9.1883 Dienstag), Zahlungsanweisung als Ministerial[-]Erlass von Johann Greiff
(Berlin), Ministerialdirektor der Abteilung II für Unterrichts-Angelegenheiten im Kultusministerium, an die Generalkasse des Kultusministeriums (Berlin) als Reinschrift und Entwurf, U IV
2754, mit Eingangsstempel vom 25. September 1883, mit Hinweis auf zusätzliche Abschrift für
das Direktorium der Kgl. Hochschule für Musik gemäß Erlass vom 15. Juli 1882 U IV 2272:
a) Reinschrift (in D-Budka) eines Sekretärs im Auftrag des Ministerialdirektors Johann Greiff:
Pr. d.[en]. 25/9 [18]83 N. 1080.
[gedruckt: Min isteriu m
der geistlichen, Unterrichts- und MedicinalAngelegenheiten.]
J. No U IV 2754.
.————————.
Berlin, den 18. September 1883.
456
Unter Bezugnahme auf die [Kabinetts-]Order vom 27. Juli v. J. [= Verfügung (27.7.1882*)] U IV 2262II –, weise ich die Generalkasse hierdurch an, dem Vorsteher der Kompositionsabtheilung der Königlichen akademischen Hochschule für Musik hierselbst, Professor Kiel,
welcher nach den ergangenen Bestimmungen während des Zeitraums vom 1. Oktober 1883 bis dahin765 [= 1. Oktober] 1884 im Direktorium der gedachten766 Anstalt den Vorsitz führen wird, die dem
jeweiligen Vorsitzenden zustehende Remuneration im Jahresbetrage von 1500 M.[ark] geschrieben:
„Eintausend Fünfhundert Mark“ auf den gedachten Zeitraum in monatlichen Raten praenumerando767 gegen Quittung zu zahlen und in der Rechnung von der Königlichen Akademie der Künste pro
1. April 1883/84 resp.[ektive] 1884/85 unter Tit.[el] II E. zu verausgaben.768
:| Unterschrift. |:
An die Generalkasse des Ministeriums.
———————
An
das Direktorium der Königlichen akademischen
Ab [Verweis auf nächste S.]
Hochschule für Musik
hier. ||
Abschrift erhält das Direktorium in Verfolg des Erlasses vom 15. Juli 1882 – U IV 2262 – zur gefälligen
Kenntnißnahme und weiteren Veranlassung, insbesondere Benachrichtigung des Herrn Professors Kiel.
Im Auftrage.
Greiff.
[von anderer Hand:]
S.769
1. Abschrift des Ministerial[-]Erlasses ist anzufertigen.
2. Euer Hochwohlgeboren beehre ich mich[,] anliegend
Abschriften des Ministerial[-]Erlasses vom
√ 18 September zur gefälligen Kenntnißnahme ergebenst
zu übersenden.
Herrn Prof. Kiel
Hr. Hochwohl.[geboren]
[1 Leerzeile]
L. 25. 9. [18]83770
der Insp.[ector an Kgl. Hochschule für Musik]
Bl. [= Karl Blankenberg]
b) Entwurf (in D-Bga) von zwei Vortragenden Räten der Abteilung II für Unterrichts-Angelegenheiten im Kultusministerium, dem Geheimen Regierungsrat Max Jordan sowie dem Geheimen Oberregierungsrat Karl Christian Beinert:
Berlin, 18 Sept: 1883.
U IV 2754.
Herr GRR Dr [M.] Jordan
" GORR771 [K. Chr.] Beinert
1. An
die General-Kasse des Ministeriums.
[Aktennotiz von anderer Hand:
[W.] Willmann
Unter Bezugnahme auf die [Kabinetts-]Order vom 27 Juli v: J: –
U IV 2262II –, weise ich diese: [= Generalkasse] hierdurch an,
dem Vorsteher der Kompositionsabtheilung der Kgl: akademischen Hochschule für Musik hierselbst [= Berlin], Professor Kiel, welcher nach den ergangenen Bestimmungen währ-
765
766
767
768
bis dahin = bis zu diesem Zeitpunkt.
gedacht = erwähnt.
praenumerando (lat. prae = vorher, numerare = zahlen) = im Voraus [zu zahlen].
pro (lat. pro = für) = für, jeweils; resp.[ektive] = beziehungsweise;
Tit.[el X des Etats] = Etatbereich, -titel, d. h. Titel für den Bereich X aus dem Etat;
E. (bei Tit. II E.) = Eingang (bei Protokollierung); verausgaben (Papierdeutsch) = ausgeben.
769 S.[ecretarius] als Amtsbezeichnung.
770 L.[ectum] (von lat. legere = lesen, auswählen) = Gelesen (mit Datumsangabe).
771 Dienst- bzw. Amtsbezeichnungen z. B. bei der Anrede: GRR = Geheimer Regierungsrat, GORR = Geheimer Oberregierungsrat.
457
13/10.
Term.: 1/9. 1884. / Herr Prof [E.] Rudorff /.
Pro Not.:772
Die Reihenfolge im Vorsitz des Direkt[.] ist:
Joachim
Kiel
Rudorff
Schultze]
rend des Zeitraums vom 1 Oktober 1883 bis dahin [= 1. Oktober] 1884 im Direktorium der gedachten Anstalt den Vorsitz
führen wird, die [eingefügt: dem jeweiligen Vorsitzenden]
ihm in dieser Amtseigenschaft zustehende Remuneration im
Jahresbetrage von 1500 M.[ark] geschrieben – [= Eintausend Fünfhundert Mark laut Reinschrift] auf den gedachten
Zeitraum in monatlichen Raten praenumerando gegen Quittung zu zahlen und in der Rechnung von der Kgl: Akademie
der Künste pro 1. April 1883/84 resp[ektive] 1884/85 unter
Titel II E. zu verausgaben.
2[.] An
das Direktorium der Kgl.: akademischen Hochschule #
#
für Musik
[: Abschrift zu 1 :]
Abschrift erhält das p:[raenominatus = Direktorium] in Verfolg des Erlasses vom 15 Juli 1882 – U IV 2262 – zur gefälligen Kenntnißnahme und weiteren Veranlassung, insbesondere
Benachrichtigung des Herrn Prf: [= Professors] Kiel.
Der Minister [= Kultusminister von Gossler]
Jd. [= Jordan, Max]
[2 Leerzeilen]
1 in 2 abgeh.[eftet] 24/9.
• Bericht (17.10.1883 Mittwoch) im Auftrag des Direktoriums der Kgl. Hochschule für Musik (Berlin) von zwei Direktoriumsmitgliedern, dem Abteilungsvorsteher Ernst Rudorff und
dem Verwaltungsvorsteher Philipp Spitta, an Kultusminister Gustav von Gossler (Berlin) als
Reinschrift und Entwurf, mit Eingangsstempel vom 19. Oktober 1883, J. No 1168; Bericht
laut Verfügung (26.10.1883*):
a) Reinschrift (in D-Bga):
[gedruckt:
Kö n ig lich e A ka d emie d er Kü n ste. Berlin, den 17. October 1883.
Directorium der Hochschule für Musik
[Stempel: Ministerium d. geistl., UnterrichtsJ. No ] 1168.
und Medic.-Ang.
[von anderer Hand: Cito!]
Praes: 19. OCT. 1883]
[Aktennotiz von anderer Hand: Zu genehmigen. Für die Vertretung des p.[raenominatus] Kiel in d.[em] Direktorium ist der
der Prof. Joachim zu beauftragen
J.]
An
Den Königlichen Staats-Minister und
Minister der geistlichen, Unterrichts= und
und Medicinal=Angelegenheiten
Herrn von Gossler
Excellenz ||
21 IV. 3266
[5 Leerzeilen]
Eurer Excellenz gestatten
dem unterzeichneten Directorium das nachstehende
Gesuch gehorsamst einzureichen. Herr Professor Kiel ist in
Folge eines außergewöhnlich starken Blutergusses aus dem
Kopf so erheblich in seinem Gesammtbefinden geschwächt,
daß er sich völlig außer Stande fühlt, irgend eine Thätig.[keit]
auszuüben, und nach ärztlicher Aussage genöthigt ist, eine längere Zeit – bis zu 6 Wochen – in vollständiger Ruhe zuzubringen.
bringen.
Unter diesen Umständen bitten die Unterzeichneten, Herrn
Professor Kiel seiner sämmtlichen ihn
an [Verweis auf nächste S.]
an der Königlichen Hochschule für Musik obliegenden
Pflichten für jetzt entbinden und ihm einen sechswöchentlichen
Urlaub [Fr. 26.10.1883 – Fr. 7.12.1883] gewähren zu wollen.
772 Term.[inierung] (von lat. terminare = beenden) = Zeitpunkt für das Stattfinden von etwas; Pro Not.[itia] (lat. pro = als,
für / notitia = Kenntnis) = Zur Kenntnis, Zur Kenntnisnahme.
458
[11 Leerzeilen]
Das Directorium.
I.[m] A.[uftrag]
Rudorff
Spitta
b) Entwurf (in D-Budka):
No. 1168
Berl.[in] d.[en] 17. 10. [18]83.
[2 Leerzeilen]
Ew. Excellenz gestatten dem unterzeichneten Directorium das nachstehende Gesuch gehorsamst einzureichen. Herr Professor Kiel ist in Folge eines außergewöhnlich starken Blutergusses aus dem Kopf nach ärztlichem Attest so erheblich in seinem Gesammtbefinden geschwächt, daß er sich völlig außer Stande fühlt,
irgend eine Thätigkeit auszuüben, und nach ärztlicher Aussage genöthigst [!] ist, bis auf 6 Wcchen [–] eine
längere Zeit bis zu etwa 6 Wochen – in vollständiger Ruhe zuzubringen. Unter diesen Umständen bitten
die Unterzeichneten, Herrn Professor Kiel vorläufig seiner sämmtlichen amtlichen Pflichten ihn an der Kgl.
Akademie der Künste Hochschule für Musik obliegenden Pflichten [eingefügt: für jetzt] zu entbinden und
ihm einen sechswöchentlichen Urlaub [Fr. 26.10.1883 – Fr. 7.12.1883] zu gewähren zu wollen.
Das Directorium.
I.[m] A.[uftrag]
gez.[eichnet] Rudorff
Spitta
• Verfügung (26.10.1883 Freitag) von dem Kultusminister Gustav von Gossler (Berlin) an das
Direktorium der Kgl. Hochschule für Musik (Berlin) als Reinschrift und Entwurf, U IV 3266,
Verfügung laut Entwurf:
a) Reinschrift (in D-Budka) von einem Sekretär im Auftrag von Johann Greiff, Ministerialdirektor der Abteilung II für Unterrichts-Angelegenheiten im Kultusministerium:
30/10 [18]83 fo. 1194
[gedruckt: Ministerium
Berlin, den 26 Oktober 1883
der geistlichen Unterrichts- und MedicinalAngelegenheiten]
U IV J. No 3266.
Auf den gefälligen Bericht der Direktion vom 17t Oktober d. J. –
[* Notiz]
N° 1168 – [= Bericht (17.10.1883*)] genehmige ich, daß der Professor Kiel behufs Wiederherstellung seiner Gesundheit auf einen Zeitraum bis 6 Wochen, von jetzt an gerechnet [Fr.
26.10.1883 – Fr. 7.12.1883], beurlaubt werde[.]
Im Auftrage.
Greiff
[9 Leerzeilen]
An
die Direktion der Königlichen
akademischen Hochschule für
Musik
Hierselbst.
[* Aktennotiz von anderer Hand an obiger Textstelle „*“:]
g:[elesen]
1 Prof. Kiel habe
Kenntniß.
2 Z[u] d[en] Akten
d[en] 31. 10. [18]83
Der Insp.[ektor der Kgl. Hochschule für Musik]
Bl. [= Karl Blankenberg]
459
b) Entwurf (in D-Bga) von Max Jordan, Vortragender und Geheimer Regierungsrat in der Abteilung II für Unterrichts-Angelegenheiten:
Berlin, 26 Oktober 1883
[von anderer Hand: Cito!773]
U IV 3266.
[1 Leerzeile]
Herr Gen[eral]d.[direktor Max] Jordan,
[1 Leerzeile]
An
die Direktion der Kgl: akademischen Hochschule
für Musik
Auf den gefälligen Bericht der p: [= Direktion] vom
17t Oktober d: J: – Nr. 1168 – genehmige ich, daß
der Professor Kiel behufs Wiederherstellung seiner
Gesundheit auf einen Zeitraum bis 6 Wochen, von
jetzt an gerechnet, beurlaubt werde.
Mit der [darüber ergänzt: Die] Vertretung des Herrn
Kiel im Direktorium der Hochschule erst ich [darüber
ergänzt: liegt] dem Herrn Professor Joachim finden
[darüber ergänzt: Rudorff ob].774
[3 Leerzeilen]
Der Minister [Kultusminister]
Jdn: [= Jordan]
[2 Leerzeilen]
Ich hatte mir heute erlaubt, diese Verfügung zurückzuerbitten, da auch mir die von Ew. Hochwohlgeboren vorgenommene Abänderung nothwendig erschien[,] und gebe nunmehr gehorsamst anheim775, den
Schlußcassus zu streichen, da mir [recte: er] auch
durch hohe Bestimmung überflüssig sein dürfte.
[3 Leerzeilen]
J[ordan] 24/7
• Bericht (17.1.1884 Donnerstag) von Philipp Spitta, Verwaltungsvorsteher der Kgl. Hochschule für Musik (Berlin), an Kultusminister Gustav von Gossler (Berlin), Reinschrift, mit
Eingangsstempel vom 18. Januar 1884, Auszug:
[gedruckt:
Königliche Akademie der Künste.
Directorium der Hochschule für Musik
J. No ] 32.
[von anderer Hand: Cito!]
[Aktennotiz von anderer Hand:
Herr [W.] Willmann
J 22/1]
An
den Königlichen Staatsminister und
Minister der geistlichen, Unterrichts=
Berlin, den 17. Januar 1884.
[Stempel: Ministerium d. geistl., Unterrichts- und Medic.-Ang.
Praes: 18. JAN. 1884]
21 IV. 179.21
[4 Leerzeilen]
Eurer Excellenz
[1 Leerzeile]
erlaube ich mir ganz gehorsamst zu berichten, daß der Professor Kiel in den Weihnachtstagen von neuem erkrankt ist,
und seinen Unterricht in diesem Jahre noch nicht hat beginnen können. Da laut ärztlichen Gutachtens keine Aussicht besteht, daß er vor dem Beginn des Februar[s] wieder dienstähig
wird, so hat von neuem eine Vertretung organisirt werden
müssen. Doch erschien es nicht nothwendig, abermals eine
fremde Kraft heranzuziehen, da Professor [Woldemar] Bargiel
wiederum 4 Stunden Compositions=Unterricht übernommen
773 Cito (lat. cito = schnell, rasch, bald) = „Eilt“ i. S. des Wunsches nach einer schnellen Bearbeitung.
774 Mit mehreren Querstrichen wurde der gesamte Absatz „Mit der […] Rudorff ob.“ abschließend getilgt.
775 anheimgeben = anvertrauen, übergeben.
460
und Medicinal=Angelegenheiten
Herrn Dr[.] von Gossler
Excellenz ||
hat [Verweis auf nächste S.]
hat, und zur Ertheilung der übrigen Stunden der ordentliche
[Theorie-]Lehrer Franz Schulz sich bereit erklärte.
Eure Excellenz ersuche ich demnach ganz gehorsamst,
Hochdieselben wollen genehmigen, daß die durch diese Vertretung bewirkten Kosten aus dem Titel für Extrastunden gedeckt werden, und zwar betreffs des Professor Bargiel in der
ihm bei seiner Anstellung zugesagten Höhe von 6 Mark pro
Stunde, bezüglich des ordentlichen Lehrers Franz Schulz gestatte ich mir, nach Massgabe776 der bei der Mehrzahl der
ordentlichen Lehrer üblichen Honorirung, den Satz von
4 Mark 50 Pfennig pro Stunde bei Eurer Excellenz ganz gehorsamst zu beantragen.
[1 Leerzeile]
Zugleich ||
Zugleich verfehle ich nicht, Eurer Excellenz zu berichten,
dass in der Weihnachtszeit noch der Professor Gustav Engel
schwer erkrankt ist. […] ||
[…]
Der Vorsteher der Verwaltung.
Spitta.
• Reskript (6.6.1884 Freitag) von Hermann Lucanus (Berlin), Unterstaatssekretär und Ministerialdirektor der Abteilung IV für Medizinal-Angelegenheiten im Kultusministerium, an Friedrich Kiel (Berlin) und Karl Becker (Berlin), Präsident der Kgl. Akademie der Künste, über
Kiels Urlaubsgesuch vom 31. März 1884, Abschrift U.IV. 1913:
Pr.[aesentatum] 12/6 [18]84
II.90.
Abschrift.
Ministerium
Berlin, den 6ten Juni 1884.
U.IV. 1913.
Auf das Gesuch vom 31. März d. J. erteile ich Ew. Hochwohlgeboren hiermit den zur Herstellung Ihrer Gesundheit nachgesuchten Urlaub auf die Zeit vom 10. Juni bis zum 1. October d. J. mit dem Wunsche, daß Ihre Kur von dem besten Erfolge begleitet sein möge.
JV777
Lucanus.
An
Herrn Professor Friedrich Kiel.
________
Abschrift teile ich Ew. Hochwohlgeboren zur gefälligen Kenntnißnahme ergebenst mit.
JV
Lucanus
An
den Präsidenten pp.778 – Herrn Professor [Karl] Becker
Hochwohlgeboren.
hier
[2 Leerzeilen]
[3 Aktenvermerke]
776 nach Massgabe (von) = entsprechend, gemäß.
777 JV = Jn Vertretung (hier: in Vertretung des Kultusministers Gustav von Gossler).
778 pp. (perge perge) = etc. (wörtlich: fahre fort).
461
Bittamt gemacht am 14. Juni [18]84
ad acta.
W.[ilhelm] Taubert.
Berl.[in] 9/6 [18]84.
gez.[eichnet] C.[arl] Becker
• Bericht (6.10.1884 Montag) von Philipp Spitta, Verwaltungsvorsteher der Kgl. Hochschule
für Musik (Berlin), an Kultusminister Gustav von Gossler (Berlin), Reinschrift, mit Eingangsstempel vom 10. Oktober 1884, Auszug:
[gedruckt:
K ö n i g l i c h e A k a d e m i e d e r K ü n s t e . Berlin, den 6. October 1884.
Directorium der Hochschule für Musik
[Stempel: Ministerium d. geistl. Unterrichtsund Medic.-Ang.]
J. No ] 927. [von anderer Hand: Cito!]
Praes: 10 OCT. 1884]
U IV 3473
Herr G.[eh. Reg.rat] Jord.[an]
[2 Leerzeilen]
Eurer Excellenz
[1 Leerzeile]
erlaube ich mir gehorsamst zu berichten, daß der seit dem
vorigen Wintersemester kranke Professor der CompositionsAbtheilung und erste Lehrer der Composition, Professor
Friedrich Kiel, sich noch nicht soweit hergestellt fühlt, um sein
Amt als Abtheilungs=Vorsteher wieder zu übernehmen. Auch
als Compositions=Lehrer darf er zur Zeit nur in geringem
Maße beschäftigt werden und ertheilt demnach einstweilen
nicht mehr als vier Stunden wöchentlich.
Um den Ausfall zu decken[,] sind mindestens noch vier
An
Stunden wöchentlich erforderlich. Der ordentliche Lehrer hier
den Königlichen Staat-Minister und
Herr Franz Schulz
Minister der geistlichen, Unterrichts=
und Medicinal=Angelegenheiten
Herrn Dr[.] von Gossler
Excellenz
ist [Verweis auf nächste S.] ||
ist bereit, dieselben gegen eine Remuneration von 4 Mark
50 Pfennig für die Stunde zu ertheilen. Die Kosten dieser Vertretung würden das Wintersemester zu 24 Wochen gerechnet,
sich auf 432 Mark belaufen.
Wie ich Eurer Excellenz an dem 26t September 1884
U IV 3318 J[or]d.[an]
J[.]No. 874. anzuzeigen mir erlaubte, ist der außerordentliche
Lehrer für Violinspiel, Josef Kotek, ebenfalls schwer erkrankt.
[…] ||
[…]
In Anbetracht, daß der Etats=Titel für Extrastunden nicht
im Stande ist, diese außergewöhnliche Mehrbelastung zu tragen, gestatte ich mir Eurer Excellenz ganz gehorsamst zu ersuchen
Hochdieselben wollen dem genannten Etatstitel eine
einmalige Verstärkung von 648 Mark Hochgeneigtest
zu Theil werden lassen.
[5 Leerzeilen]
Der Vorsteher der Verwaltung.
Spitta.
462
• Brief (4.12.1884 Donnerstag) im Auftrag des schwer erkrankten Friedrich Kiel (Berlin) an
Max Stägemann (vmtl. Leipzig), den Direktor des Stadttheaters Leipzig:
Berlin, den 4. December 1884
[2 Leerzeilen]
Ew. Hochwohlgeboren
[2 Leerzeilen]
erlaube ich mir ergebenst mitzutheilen, daß ich leider nicht in der Lage bin, Ihre[r] ehrenden Einladung
für die Aufführung von „Tristan und Isolde“ folgen zu können.
[2 Leerzeilen]
Hochachtungsvoll
[2 Leerzeilen]
pro.779
Friedrich Kiel
• Bericht (10.1.1885 Samstag) von dem Rechnungsrat Wilhelm Willmann, Geheimer expedierender780 Sekretär und Kalkulator für alle Abteilungen des Kultusministeriums (Berlin), an
Max Jordan, Geheimer Regierungsrat in der Abteilung II für Unterrichts-Angelegenheiten des
Kultusministeriums (Berlin):
An den Königlichen Geheimen RegierungsRath, Herr Dr. [Max] Jordan
[1 Leerzeile]
Hochwohlgeboren
[2 Leerzeilen]
mit folgendem Bericht gehorsamst vorgelegt.
Der Professor Friedrich Kiel ist am 7. Oktober 1821 geboren,
steht also gegenwärtig im 64t Lebensjahre.
i.[m] a.[uftrag] Berlin Kgl: Akd: IV. 21. V. Nachdem er durch Erlass vom 20 November 1869 – B 1941 –
zum Mitglied des Senats der hiesigen Kgl: Akademie der Künste
mit einer vom 1 Januar 1870 ab zahlbaren Remuneration von
jährlich [eingefügt: 100 Thlr =] 300 M ernannt
III.
34.
I.
worden war, wurde ihm mittels Erlasses vom 16 Dezember
" "
"
"
"
1869 – N° 34636 – die Veramtung781 einer Lehrerstelle bei
der Hochschule für ausübende Tonkunst vom 1 Januar 1870
ab auf die Dauer von 2 Jahren gegen ein Honorar von jährlich 400 Thlr[.] = 1200 M[.] übertragen.
II. 2. IV. Durch Erlass vom 10 Juli 1872 – N° 10203II – wurde ihm in
" "
"
"
"
seiner Eigenschaft als Lehrer der musikalischen Abtheilung
der Kgl: Akademie der Künste hierselbst [= Berlin] an Stelle
des eben gedachten782 Honorars eine vom 1 Januar 1872 ab
zahlbare Besoldung von jährlich 600 Thlr = 1800 M bewil783
iisdem
ligt,
welche im Etat der Akademie pro 1872 unter Titel IV
" "
"
"
"
pos. 22 der Ausgabe ausgebracht steht.
Die erwähnte Senatoren-Remuneration wurde durch Erlass
" " Berlin Kgl: Akd: IV. 21. VI
779 pro. (pro persona / lat. pro = anstelle von sowie persona = Person) = im Auftrag von.
780
781
782
783
Der Brief (4.12.1884) wurde im Auftrag des schwer erkrankten Kiel vermutlich von einem Dienstboten oder einer Betreuerin, gegebenenfalls von seiner im Testament (18.4.1885) genannten Wirthschafterin Fräulein Reine, geschrieben.
Expeditio = Entwurf und Reinschrift als Entscheidungsausführung. In der Kanzleistube besorgten Sekretäre und Kanzlisten
die Entscheidungsausführung (Expeditio) durch Entwurf und Reinschrift; vergleiche hierzu auch expedirt eodem bei Entwurf des Briefes (27.6.1843) und „Exp. / 24/3 55“ bei Entwurf des Briefes (20.3.1885).
die Veramtung (in Preußen z. B. von Kgl. Leibärzten, Kgl. Beamten, Juristen, Hochschullehrern) = jemandem zum Amtsinhaber, d. h. zu einer ein öffentliches Amt innehabenden Person machen. Die Verbeamtung von Lehrern und Hochschullehrern geschah erst nach der preußischen Bildungsreform des 19. Jahrhunderts.
eben gedacht = soeben erwähnt.
iisdem = demselben.
463
iisdem
" "
"
"
"
"
"
"
"
"
"
vom 15 Juli 1872 – N. 10203I Ang – vom Januar 1872 ab auf
jährlich 300 Thlr = 900 M erhöht.
In seiner Eigenschaft als Lehrer der musikalischen Abtheilung der Kgl: Akademie der Künste erhielt der p.[raenominatus] Kiel durch Erlass vom 7 August 1873 – N 28 401 – den
gesetzlichen Wohnungsgeld=Zuschuß von jährlich 900 M.
Durch [provisorisches] Statut vom 12 Januar 1874 [= StatutPHochschule (12.1.1874)] wurde die eben gedachte Stelle in
diejenige eines Lehrers der Abtheilung für musikalische Composition der Kgl: akademischen Hochschule für Musik umgewandelt.
Nach [Verweis auf nächste S.] ||
Nach Emanation784 endlich des definitiven Statuts der Akademie und der mit derselben verbundenen Anstalten vom
19 Juni 1882 [= Akademie-StatutD (19.6.1882)] wurde mittels Erlasses vom 27 Juli 1882 – U IV 2262IIAng[elegenheit]
[= Verfügung (27.7.1882*)] – (ad [Punkt] 7) dem H.[errn]
Kiel an Stelle des eben gedachten Amtes diejenige eines Vorstehers einer akademischen Meisterschule für musikalische
Composition mit den bisherigen Competenzen bestehend, in
vorangefusst785, in einer Besoldung von jährlich 1800 M und
dem gesetzlichen Wohnungsgeld-Zuschuß von jährlich 900 M
verliehen.
Obwohl diesem Amte je nach Lage des Etats[,] Lage der Statuten verschiedene Auszeichnungen im Laufe der Jahre beigelegt worden sind, so ist doch in Bezug auf die Obliegenheiten desselben ein Anstieg nicht eingetreten. Die in dem Amte
zurückgelegte Dienstzeit wird deshalb vom 1 Januar 1870 ab
berechnet werden müssen.
Bei einem Uebertritt des p.[raenominatus] Kiel in den Ruhestand würde, wenn solcher mit dem 1 April 1885 erfolgte,
sich die gesetzliche Höhe hierfür berechnen, wie folgt:
a) Dienstzeit vom 1 Januar 1870 bis 31 März 1885 = 15 Jahren 3 Monaten
b) Pensionsfähiges Diensteinkommen: 2292.
10 Jahre = 1760
5 Jahre = 760
mithin 20/60 von 2292 M = abgerundet 765 M.
Mittels Bestallung vom 27 Juli 1882 – U IV 2262 – (ad i.) begr.[ündet] durch Verfügung am gleichen Datum [= Verfügung (27.7.1882*)] ist dem p.[raenominatus] Kiel das Amt eines ordentlichen Lehrers an der Kgl: akademischen Hochschule für Musik – vom 15 Juli 1882 ab – mit einer pensionsfähigen Besoldung von jährlich 2400 M (= selbstredend ohne
Wohngeld-Zuschuß, da er solchen bereits als Meister-Schulvorsteher mit 900 M bezieht =) verliehen worden.
Da derselbe dieses Amte noch nicht 10 Jahren lang vertritt,
so steht ihm nach § 51 des ||
Pensionsgesetzes vom 27 März 1872 ein Pensionsanspruch
nicht zur Seite. In Gemässheit der § 5 § 57 u[.] 8 dieses Gesetzes in Verbindung mit § 58 des Gesetzes vom 31 März 1882,
betreffend die Abminderung des ersten Geschehens, wird dem
p.[raenominatus] Kiel indeß mit Allerhöchster Genehmigung,
784 die Emanation (lat. emanatio = Ausfluss) = (bildungssprachlich) Ausgebung, -sendung, -strömung.
785 in vorangefusst = im Voraus bestimmt.
464
i. a. Berlin Kgl: Akd: IV. 23. II.
und unter Ernennung des Herrn Finanz-Ministers [Adolf von
Scholz] eine Pension gewährt werden können, welche in maxi
mo einem Betrage von 5/60 der obenerwähnten 2400 M[ark]
gleichkommt, sich also auf 600 M würde beziffern lassen.
[0,5 Leerzeilen]
Gegenwärtig bezieht der p.[raenominatus] Kiel:
1) als Senator eine Remunerat.[ion] v. jährlich
900 M
2) als Vorsteher einer akademischen Meisterschule für musikalische Composition:
a) eine Besoldung von jährlich
1800 M
b) den gesetzl. Wohnungsgeld-Zusch.[uß] von
von jährlich
900
= 2700 [M]
3) als ordentlicher Lehrer an der akademischen Hochschule
für Musik [eingefügt: eine Besoldung] jährlich 2400 [M]
4) als Vorsteher der Abhteilung für Composition der akademischen Hochschule für Musik eine Remuneration von
jährlich (U IV. 2262II v. 22/7.1882)
1000 [M]
sind zusammen
= 7000 [M]
jährlich, während er bei einer etwa zum 1 April 1885 zu bereitenden Versetzung in den Ruhestand an Pension in maximo 765 M + 600 M = 1365 M würde empfangen können.
[7 Leerzeilen]
[W.] Willmann S.[ecretarius]
10/1.
Gesuch (9.2.1885) mit beigefügtem ärztlichen Attest (7.2.1885):
• Gesuch (9.2.1885 Montag) von Friedrich Kiel (Berlin ) an Kultusminister Gustav von Gossler (Berlin), von anderer Hand und mit Unterschrift Friedrich Kiels, Reinschrift, mit Eingangsstempel vom 10. Februar 1885:
Berlin, den 9. Februar 1885.
Urlaubsgesuch
[von anderer Hand: Cito! U IV 469-II [Stempel: Ministerium d. geistl., Unterrichtsund Medic.-Ang.
des Professors Kiel
1 Anl.786]
Praes: 10 FEB. 1885]
[1 Leerzeile]
Ew. Excellenz
[1 Leerzeile]
beehre ich mich Nachstehendes gehorsamst vorzutragen:
Nach Ausweis des hiermit überreichten ärztlichen Attestes
des Herrn Kreis=Physikus Dr Fuhrmann p.[rae]s.[entatum]
Berlin den 7. Februar 1885 bedarf ich zur möglichsten Wiederherstellung meiner äußerst angegriffenen Gesundheit eiAn
ner längeren Pause und einstweiligen völligen Enthaltung von
den Königlichen Staats= und Minister
allen anstrengenden geistigen Arbeiten, sodaß ich mich geder geistlichen, Unterrichts- und
nöthigt sehe, an Ew. Excellenz das gehorsamste Gesuch zu
Medicinal=Angelegenheiten
richten,
Herrn Dr von Gossler
mir für den ganzen Anfang meiner Amtsthätig[1 Leerzeile]
Excellenz.
keit [Verweis auf nächste S.] ||
keit so wohl als Lehrer und Abtheilungs=Vorsteher bei der
akademischen Hochschule für Musik wie als Vorsteher
einer akademischen Meisterschule für Komposition und
786 Anl. = Anlage.
465
Mitglied des Senats der Königlichen Akademie der Künste
hochgeneigtest einen Urlaub bis zum 1. Oktober d. Jhs. ertheilen zu wollen.
Nach Ablauf dieser Frist hoffe ich mit Zuversicht, soweit
wieder gekräftigt zu sein, daß ich im Stande sein werde, meine Lehrthätigkeit bei der Königlichen Akademie der Künste
als Vorsteher einer Meisterschule für Komposition mit Erfolg
wieder
[1 Leerzeile]
aufnehmen ||
aufnehmen und an den Sitzungen der Senats=Section für Musik wieder Theil nehmen zu können. Dagegen vermag ich mich
einer gleichen Hoffnung in Betreff der Wiederaufnahme meiner anstrengenderen amtlichen Thätigkeit bei der akademischen Hochschule für Musik nicht hinzugeben, weshalb ich die
gehorsamste Bitte hinzufüge,
mich in meiner Stellung bei der akademischen Hochschule für Musik hochgeneigtest auch über den 1. October
d. Js. hinaus beurlauben zu wollen,
indem ich das Gehalt, welches ich in dieser Stellung beziehe,
vom 1. Oktober d. Js.787 ab bis zu meiner dereinstigen
Pensionirung ||
Pensionirung hiermit ausdrücklich meiner hohen vorgesetzten
Dienstbehörde zur Bestreitung meiner Stellvertretungskosten
zur Verfügung stelle.
[1 Leerzeile]
Mit vollkommenster Ehrerbietung
Ew. Excellenz
[7 Leerzeilen]
gehorsamster
[Originalunterschrift Kiels: Friedrich Kiel]
Professor u. Mitglied des Senats der Königl. Akademie
der Künste.
(Bellevuestr. 7.)
• Attest (7.2.1885 Samstag) von Dr. med. F. Fuhrmann (Berlin), praktischer Arzt und Kreisphysikus des Landkreises Niederbarnim, als Beilage zum Gesuch (9.2.1885*) Friedrich Kiels
an Kultusminister Gustav von Gossler, Reinschrift:
Herr Professor Friedrich Kiel, welcher sich seit mehreren Jahren in meiner aerztlichen Obhut befindet[,]
übernahm nach längerer Krankheit am 1ten October 1884 wieder seine amtlichen Funktionen an der K. Hochschule und Academie d. Künste. Sein im October 1884 erheblich gebesserter Gesundheitszustand verschlimmerte sich aber im Laufe des Winters unter den amtlichen Anstrengungen, besonders trat eine Nervenabspannung deutlich hervor, welche obgleich ohne nachweisbare organische Veränderungen des
Centralnervensystems eine vollständige Ruhe zur Wiederherstellung der Kräfte erforderlich macht, um
eine schwerere Erkrankung des Nervensystems zu verhüten.
Es wird daher ein sechsmonatlicher Urlaub für Herrn Professor Kiel und zwar vom 1ten April 1885 bis
1ten October 1885 aerztlicher Seits dringend befürwortet, wobei ich die Hoffnung ausspreche, daß Herr
Professor Kiel nach einer Kräftigung seines Nervensystems in guter Luft bei sorgfältiger körperlicher
Pflege sein Amt an der Academie der Künste im October 1885 wieder aufzunehmen im Stande sein wird.
[1 Leerzeile]
Berlin den 7ten Februar 1885
[1 Leerzeile]
787 d. Js. = desselben Jahres.
466
Dr. Fuhrmann
Kreis-Physikus des Kreises
Nieder Barnim.
[2 Leerzeilen]
[von anderer Hand: U V 469/85]
• Reskript (25.2.1885 Mittwoch / 25.2.1885a) des Kultusministers Gustav von Gossler (Berlin) über Friedrich Kiels krankheitsbedingtes Urlaubsgesuch an …
– … das Direktorium der Kgl. Hochschule für Musik (Berlin): Reskript (25.2.1885);
–… Friedrich Kiel (Berlin): Reskript (25.2.1885a);
– … Karl Becker (Berlin), Vorsitzender der Kgl. Akademie der Künste: Reskript (25.2.1885b).
a) Reinschrift (in D-Budka) von dem Reskript (25.2.1885) an Hochschuldirektorium, mit Abschrift des Reskripts (25.2.1885a) an Friedrich Kiel als Anlage; mit Eingangsstempel vom
28. Februar 1885; U IV N° 508:
pr.[aesentatum] 28.2.85 Jt 163.788
[gedruckt: Min isteriu m
Berlin, den 25. Februar 1885.
der geistlichen, Unterrichts- und MedicinalAngelegenheiten.]
U IV N° 508.
Auf das Gesuch vom 9. Februar d. J. ertheile ich Ew. Hochwohlgeboren
hiermit gern den zur Herstellung Ihrer Gesundheit nachgesuchten weiteren Urlaub in sämmtlichen
von Ihnen bekleideten Staatsämtern bis zum 1. Oktober d. J.[,] indem ich der Hoffnung Ausdruck
Bl.789 gebe, daß die nach schwerer geistiger Arbeit Ihnen gewährte Ruhe dazu beitragen möge, Sie noch
24/10 lange der Kunst zu erhalten.
Gleichzeitig genehmige ich, Ihrem Vorschlage gemäß, daß Sie in Ihrer Stellung als Vorsteher
und Lehrer der Compositions-Abtheilung der Königlichen akademischen Hochschule für Musik
unter Zurücklassung der in derselben bezogenen Competenzen, bestehend:
a. in einer Remuneration von jährlich 1000 M
b. " " Besoldung
2400 "
" "
sind = 3400 M.
„Dreitausend vierhundert Mark“ vom 1. Oktober d. J. ab weiter beurlaubt bleiben, bis sich wider
Erwarten eventl. das Bedürfniß nach Ihrer Versetzung in den Ruhestand geltend machen wird.
Dem Herrn Präsidenten der Königlichen Akademie der Künste, sowie dem Direktorium der
Königlichen
[Adressat: An
aka= [Verweis auf nächste S.]
das Direktorium der Königlichen akademischen Hochschule für Musik
hierselbst.] ||
akademischen Hochschule für Musik habe ich hiervon Nachricht gegeben. Die Generalkasse des
Ministeriums ist angewiesen, Ihnen die obigen 3400 M. vom 1. Oktober d. J. ab bis auf Weiteres nicht
zu zahlen.
(Unterschrift.)
An den Königlichen Professor Herrn Friedrich Kiel, Mitglied des Senats der Königlichen Akademie der
Künste, Vorsteher einer Meisterschule für musikalische Composition und Vorsteher und Lehrer der Compositions-Abtheilung der Königlichen akademischen Hochschule für Musik,
Hochwohlgeboren hier, Bellevuestr. 7.
__________________
Abschrift erhält das Direktorium zur Kenntnißnahme und weiteren Veranlassung mit dem Benannten, daß ich als Ersatz für den p.[raenominatus] Kiel in beiden Aemtern an der Hochschule
den Tonkünstler Heinrich von Herzogenberg zu Leipzig, Zeitzerstraße, vom 1. Oktober d. J. ab
788 Jt 163 = laufende Nr. des Posteingangs von 1885.
789 Bl. = Karl Blankenberg, Inspektor der Kgl. Hochschule für Musik.
467
[= ab 1.10.1885] genommen und unter beiderseitiger Wahrung eines halbjährlichen Kündigungsrechtes demselben eine Remuneration von jährlich 4000 M. sowie eine einmalige Entschädigung
von 500 M. für die nothwendige Vorbereitung auf die gedachte Thätigkeit zugesichert habe.
Die obige Remuneration wird gedeckt
a. durch die vorgedachten
3400 M.
[1 Leerzeile]
nach ||
nach Abzug der von der Besoldung der
2400 M. auch ferner zu leistenden gesetzlichen Wittwen= und Waisengeld „Beiträge“ von
72 "
bleiben 3328 M.
b. durch einen Zuschuß aus dem Titel „Insgemein“ des Akademie=Etats von
672 "
sind
4000 M.
aus dem gleichen Etatstitel werden auch die einmalig zu gewährenden 500 M. zahlbar gemacht
werden.
Der p.[raenominatus] von Herzogenberg ist ersucht worden, sich dem Direktorium zu dem
gedachten Zeitpunkt behufs seiner Einführung, Vereidigung pp. [= etc.], vorzustellen. Sobald
dies geschehen, wolle das Direktorium mir Bericht erstatten.
[1 Leerzeile]
Gossler
b) Entwurf in D-Bga: Nr. 3 als Reskript (25.2.1885) an Hochschuldirektorium mit Abschrift
des Reskripts (25.2.1885a) an Friedrich Kiel, Nr. 1 als Reskript (25.2.1885a) an Friedrich
Kiel, Nr. 2 als Reskript (25.1.1885b) an Akademievorsitzenden Karl Becker; U IV 469 # 508:
Berlin, 25. Februar 1885.
[von anderer Hand: Cito!]
1. An
den Kgl. Professor, Herrn Friedrich Kiel,
Mitglied des Senats der Kgl: Akademie
d. Künste, Vorsteher einer Meisterschule
für musikalische Composition und Vorsteher
und Lehrer der Compositions=Abtheilung
der akademischen Hochschule für Musik,
Hochw[o]hl.[geboren]
Hier [= Berlin],
Bellevuestr. 7.
2. An
den Vorsitzenden der Kgl. Akademie der
Künste, Herr Professor Becker
Hochwohlgeboren
Hierselbst
U IV 469 # 508.
Herr GRR Dr [Max] Jordan,
" GORR [K. Chr.] Beinert
Auf das Gesuch vom 9 Februar d: J: ertheile ich Ew[i]g:[em]
[Hochwohlgeboren] hiermit gern den zur Herstellung Ihrer
Gesundheit nachgesuchten weiteren Urlaub in sämmtlichen
von Ihnen bekleideten Staatsämtern bis zum 1. Oktober d. J.,
indem ich der Hoffnung Ausdruck gebe, daß die nach schwerer geistiger Arbeit Ihnen gewährte Ruhe dazu beitragen möge, Sie noch lange der Kunst zu erhalten.
Gleichzeitig genehmige ich, Ihrem Vorschlage gemäß, daß
Sie in Ihrer Stellung als Vorsteher und Lehrer der Compositions=Abtheilung der Kgl: akademischen Hochschule für Musik unter Zurücklassung der in derselben bezogenen Competenzen, bestehend:
a. in einer Remuneration von jährlich
1000 M
b. " " Besoldung
2400 "
" "
geschrieben
sind
=
3400 M.
vom 1. Oktober d: J: ab weiter beurlaubt bleiben, bis sich
[eingefügt: wider Erwarten eventl.] das Bedürfniß nach Ihrer
Pensionierung [eingefügt: Versetzung in den Ruhestand] geltend machen wird.
Dem Herrn Präsidenten [Karl Becker] der Kgl: Akademie der
Künste sowie dem Direktorium der Kgl: akademischen Hochschule für Musik habe ich hiervon Nachricht gegeben. Die
General=Kasse des Ministeriums ist angewiesen, Ihnen die
obigen 3400 M. vom 1. Oktober d[.]J: ab bis auf Weiteres nicht
zu zahlen.
#
#
468
3. An
das Direktorium der Kgl: akademischen
Hochschule für Musik
Hierselbst.
nach Abzug der von der Besoldung der
400 M auch ferner zu leistenden gesetzlichen Wittwen= und Waisengeld=
Beiträge von
[: Abschrift zu 1]
Abschrift theile ich Ew[i]g,[em] zur gefälligen Kenntnißnahme und weiteren Veranlassung ergebenst mit.
#
# ||
[: Abschrift zu 1 :]
Abschrift enthält das p: [= Direktorium] zur Kenntnißnahme
und weiteren Veranlassung mit dem Bemerken, daß ich als Ersatz für den p.[raenominatus] Kiel in beiden Aemtern an der
Hochschule den Concertmeister Heinrich von Herzogenberg
zu Leipzig, Zeitzerstraße, vom 1 Oktober d[.] J: ab, genommen
und unter beidseitger Wahrung eines halbjährlichen Kündigungsrechtes demselben eine Remuneration von jährlich 4000 M.
sowie eine einmalige Entschädigung von 500 M. für die nothwendige Vorbereitung für [eingefügt: auf] die gedachte Thätigkeit zugesichert habe.
Die obige Remuneration wird gedeckt
a durch die ob vorgedachten . . . . . . . . . . . . . . . . 3400 M.
.........................................
72 M.
bleiben
3328 M.
b "
einen Zuschuß aus dem Titel „Insgemein“790
des Akademie=Etats von . . . . . . . . . . . . . . . .
672 M.
sind
=
4000 M.
aus dem gleichen Etatstitel werden auch die einmalig zu gewährenden 500 M. zahlbar gemacht werden.
Fre[i]h.[err Heinrich] von Herzogenberg ist ersucht worden,
sich demgem:[äß] zu dem gedachten Zeitpunkt behufs seiner
Einführung, [eingefügt: Vereidigung] pp. [= etc.] vorzustellen. Sobald dies geschehen, wolle das p:[raenominatus (= Direktorium)] mir Bericht erstatten.
4. An
#
#
die General=Kasse des Ministeriums.
[: Abschrift zu 1]
Abschrift erhält de[s]g.[leichen] zur Nachrechnung.
Weitere Verfügung ergeht später.
5. An
#
#
5 ||
den Tonkünstler, Herrn Heinrich von HerIndem ich den Empfang Ewg. Schreibens vom 13 Februar
zogenberg
Hochw[o]hl.[geboren] d: J:, durch welches Sie Sich zur Uebernahme einer leitenden
Leipzig
und Lehrthätigkeit in der Abtheilung für Composition der
Zeitzerstraße
Kgl. Akademischen Hochschule für Musik Hierselbst vom
1 Oktober d: J: ab unter
_
_ den in meinem Erlaß vom 9 Februar
/ 791 und in Ihrem an meinen
d[.]J. – U IV 395 – / näher bezeichneten Bedingungen beReferenten den GhRegRath792
reits erklärt haben, hiermit bescheinige, ersuche ich Sie zuDr. [M.] Jordan gerichteten Schreiben
gleich ergebenst, Sich behufs Einführung in das Amt, [eingev. 16. Januar d. J. näher
fügt: Vereidigung] an dem bezeichneten Tage dem Direkto[= Brief (16.1.1885)]
rium der gedachten Anstalt gefälligst vorzustellen. ________
Nachdem dies geschehen, werden die Ihnen zugesicherten
Competenzen sofort zahlbar gemacht werden.
[2 Leerzeilen]
Der [Kultus]Minister
G[ossler] 24[2.1885]
790 [Etat-]Titel = Etatbereich; insgemein = insgesamt, gesamt, komplett, pauschal.
_
791 Dem Korrekturzeichen „/ “ folgt die noch hinzuzufügende Textpassage.
792 GhRegRath = Geheimer Regierungsrat; Max Jordan war Vortragender Rat (= Referent) und Geheimer Regierungsrat im
Kultusministerium.
469
• Bewilligungsbescheid (4.3.1885 Mittwoch) von Karl Becker (Berlin), Präsident der Kgl.
Akademie der Künste, an die Musiksektion des Senats der Kgl. Akademie der Künste (Berlin)
zu krankheitsbedingtem Urlaub Friedrich Kiels:
[gedruckt: Königliche
Akademie der Künste
zu
Berlin, den 4. Maerz 1885.
Berlin.]
[Vermerke: III. 62. Pr. 5/3 [18]85]
[1,5 Leerzeilen]
Der Senats=Section für Musik beehre ich mich hierdurch ergebenst mitzutheilen, daß laut Ministerial=Reskript [des Kultusministers Gustav von Gossler] vom 25. Februar d. Js. des Senatsmitglieds Professor Friedrich Kiel einen zur Herstellung seiner Gesundheit nachgesuchten
Urlaub in sämmtlichen von ihm bekleideten Staatsämtern bis zum 1. October d. Js. bewilligt erhalten hat.
Der Präsident
[1 Leerzeile]
Becker
• Testament (18.4.1885 Samstag) von Friedrich Kiel (Berlin), beglaubigter Extrakt ad U.IV.421,
beglaubigt von O. Bake, Kanzleisekretär im Kultusministerium; Testamentsverhandlung am
18. April 1885 mit Amtsrichter Gustav Humbert und Amtsgerichtssekretär Hermann Hirsekorn
und -beglaubigung am 12.10.1885 durch Amtsrichter I. Jordan:
Beglaubigter Extrakt ad U.IV.4214.
Zu dieser Ausfertigung sind 1,50 Mark Stempel liquidirt.
_____________
Das Königliche Amtsgericht I. Abtheilung 61 zu Berlin bekundet hiermit, daß der am 13. September
1885 zu Berlin verstorbene Professor Friedrich Kiel bei dem hiesigen Königlichen Amtsgericht I. die nachstehende letztwillige Verordnung errichtet hat, welche mit den dazu gehörigen Verhandlungen nebst Umschlag wörtlich also lautet:
Zum Original sind 1,50 Mark Stempel liquidirt:
Publicirt,
Berlin, den 12. Oktober 1885.
[I.] Jordan.
Verhandelt
Berlin, den 18. April 1885.
Auf den protokollarischen Antrag des Eleven der Kunst-Akademie Arthur Egidi hatten sich die unterzeichneten zur Aufnahme letztwilliger Verfügungen außerhalb der Gerichtsstelle ein für alle Mal bestimmten Gerichtspersonen hierher in die Kiel’sche Wohnung, Bellevuestraße [Verweis auf nächste S.] ||
straße No. 7. Seitenflügel parterre begeben und daselbst angetroffen:
Den Herrn Professor Friedrich Kiel,
welcher durch den anwesend getroffenen persönlich bekannt gewordenen Herrn Ober-Konsistorialrath
A.[lbrecht] Schmidt seiner Person nach anerkannt wurde,
vorgelesen, genehmigt und unterschrieben
A.[lbrecht] Schmidt.
Herr Professor Kiel liegt krank im Bett, ist aber wie die geführte Unterredung ergab, verfügungsfähig.
Derselbe erklärte:
Es ist mein freier, ernster und wohlüberlegter Wille, heut ein Kodizill793 zu gerichtlichem Protokoll zu
erklären und bin ich in der freien Verfügung über meinen Nachlaß in keiner Weise beschränkt.
Ich genehmige deshalb das Erscheinen der Gerichtsbeamten zwecks Aufnahme meines letzten Willens
und bestimme was folgt.
793 das Kodizill (von mittellat. codicillus als Verkleinerungsform von lat. codex) = 1. letztwillige / letzte Verfügung, 2. privat-
schriftlicher Zusatz zu einem Testament.
470
Meinen Nachlaß sollen sich meine gesetzlichen Erben nach gesetzlicher Vorschrift theilen, ich vermache jedoch meiner [darüber eingefügt: jetzigen]
Wirth= ||
Wirthschafterin, Fräulein Reine
„150 Mark“
geschrieben „Einhundert fünfzig Mark“ und meinem Schüler Arthur Egidi mein Instrument –
ein Bechstein’scher Flügel. –
Weiter habe ich nichts zu bestimmen.
Die Verhandlung wurde dem Testator794 [Friedrich Kiel] vorgelesen und von ihm genehmigt und wie
folgt unterschrieben.
Karl [!] Kiel.
Es stellte sich heraus, daß Testator wegen zu großer Schwäche nicht voll unterschreiben konnte.
Es wurden deshalb zugezogen oder […] es waren bereits seit Beginn der Verhandlung anwesend:
1) der vorbezeichnete Herr Ober-Konsistorial-Rath [Albrecht] Schmidt,
2) der Fabrikbesitzer [Tuchfabrik] Herr Wilhelm Heinrich aus Luckenwalde.
Dieselben besitzen die Eigenschaften gültiger Instrumentszeugen795.
Vor ihnen erklärte Herr Professor Kiel, daß
ihm ||
ihm das Testament vorgelesen worden und er dessen Inhalt genehmige, auch hat derselbe in Gegenwart
dieser Zeugen das vorstehende Handzeichen unter das Protokoll gesetzt.
Die beiden Zeugen erklärten:
Wir bezeugen, daß Professor Friedrich Kiel in unserer Gegenwart erklärt hat, dies Protokoll für
ihn vorgelesen worden [ist] und er genehmige dessen Inhalt, auch daß er in unserer Gegenwart obiges Handzeichen unter das Protokoll gesetzt hat.
Hiermit ist auch dieser Nachtrag vorgelesen genehmigt und unterschrieben wie folgt:
A.[lbrecht] Schmidt.
Wilhelm Heinrich.
Verhandelt wie oben.
Humbert.
Hirsekorn.
Amtsrichter.
Gerichtsschreiber.
[= Ende des Testaments (18.4.1885)]
___________
Beglaubigt
Bake
Geh: Kanzlei-Sekretair
• Brief (21.5.1885 Donnerstag) von dem Kultusminister Gustav von Gossler (Berlin) an Friedrich Kiel (Berlin); Entwurf auf Anordnung von Johann Greiff (Berlin), Ministerialdirektor der
Abteilung II für Unterrichts-Angelegenheiten im Kultusministerium und Wirklicher Geheimer
Oberregierungsrat (= GORR), mit Vorlagestempel vom 20. Mai 1885:
Berlin d. 21 Mai 1885
An
den Vorsteher der Meisterschule für musikalische Composition Herr Professor
Kiel
Hochwohlgeboren
#
[von anderer Hand: Sofort]
U. IV. 1848
[Stempel: Ministerium d. geistl., Unterrichts- und Medic.-Ang.
Praes: 20 MAI 1885]
(Auf Anordnung des Hr[.] Minist.[erial-]
Dir[ektor] GORR. Greiff)
794 Testator = Person, die ein Testament errichtet.
795 Instrumentszeugen = Beobachtungszeugen.
471
Bellevuestr. 7
Mit dem lebhaftesten Bedauern habe ich in
Erfahrung gebracht, daß Euer beklagenswerthes Leiden noch
immer in einem Grade andauert, welche die Wiederaufnahme
Ihrer von mir so hoch gewürdigten Lehrthätigkeit verbietet.
Indem ich der Hoffnung Ausdruck gebe, es möchte Ihnen recht
bald vergönnt sein, Ihre ausgezeichnete Kraft aufs Neue in der
bisherigen ersprießlichen Weise zu bethätigen, wünsche ich
etwaige Beunruhigung, welche Ihre äußere Lage [eingefügt:
in Zukunft] mit sich bringen könnte, durch die Versicherung
zu zerstreuen, daß ich Alles zu thun bereit bin, was in meinen
Kräften steht, um Ihre Sorgen nach dieser Richtung zu zerstreuen erleichtern.
Der Minister
G[ossler] 21[.5.]
[1 Leerzeile]
Gr[eiff] 20/5 J 19/5
IV 23. II
• Bericht (14.9.1885 Montag) von Karl Blankenberg, Inspektor der Kgl. Hochschule für Musik (Berlin), an die Kgl. Akademie der Künste (Berlin):
J. No 837
Berlin den 14 September 1885.
[3 Leerzeilen, darin Aktennotiz Bl.[ankenberg] / 14/9]
Der Königlichen Akademie beehre ich mich in Abwesenheit des Herrn Professor Dr [Philipp] Spitta ganz ergebenst mitzutheilen, daß Herr Professor [Friedrich] Kiel gestern Abend [= 13.9.1885] seinem
Leiden gestorben ist; Art Tag, Art und Zeit der Beerdigung sind noch nicht bekannt, der Bruder des Verstorbenen wird [darüber eingefügt: hierüber] Wohlderselben aber weitere [darüber eingefügt: Mittheilung]
derart mittheilen zugehen lassen.
Der Inspector
[1 Leerzeile]
Blankenberg
[von anderer Hand: An
Die Königl[iche] Akad.[emie] der Künste
[1 Leerzeile]
Hier.]
• Vollmacht (25.9.1885 Freitag) für Friedrich Kiels Bruder Karl Kiel (Müsen), beglaubigte
Abschrift vom 25. September 1885 Berleburg (Testamentsverhandlung durch Berleburger
Amtsrichter Karl Heinrich Christian Völkel); beglaubigt von O. Bake, Kanzleisekretär im
Kultusministerium:
Beglaubigte Abschrift. ad U.IV.4214.
[1 Leerzeile]
Nachstehende Verhandlung:
[1 Leerzeile]
Berleburg, den 25. September 1885.
Vor dem unterzeichneten Richter erschienen, von Person und als geschäftsfähig bekannt [= gesetzliche
(familiäre) Erben Fr. Kiels]:
1) die Eheleute Adam Schäfer und Louise geb. Kiel [= Schwester Friedrich Kiels],
2) die Eheleute Ludwig Gernand und Johanna geb. Kiel [= Schwester Friedrich Kiels],
3) der August Kiel [= Bruder Friedrich Kiels],
4) der Friedrich Herling für sich und als Vertreter seiner mit seiner verstorbenen Ehefrau [eingefügt:
Friederike geb. Kiel] [= Schwester Friedrich Kiels] erzeugten drei Kinder
Maria, Ludwig und Christiane Herling,
sämmtlich von Schwarzenau, und erklärten:
In allen den Nachlaß unseres Bruders resp.[ektive] Schwagers, des am 13. d. Mts. zu Berlin gestorbe-
472
nen Professors Friedrich Kiel betreffenden Angelegenheiten und Geschäften ertheilen wir hierdurch unserem Bruder resp. Schwager, dem Lehrer Carl Kiel zu Müsen, Vollmacht und Gewalt unsere Gerechtsame [= unser Vorrecht] bei und außer Gericht für uns wahrzunehmen.
Insbesondere ermächtigen wir denselben, in unserem
Namen [Verweis auf nächste S.] ||
Namen Rechte, Gerechtsame[,] und Forderungen und Ansprüche jeder Art nicht nur allenfalls gerichtlich
zu verfolgen und geltend zu machen, sondern auch ganz oder theilweise anzuerkennen oder in Abrede zu
stellen, an andere abzutreten oder darauf Verzicht zu leisten, Grundstücke namentlich auch Bergwerke
und Bergwerksantheile, zu veräußern oder zu erwerben, auch die Kaufgelder zu kreditiren796, Darlehe[n]
und Kredit zu geben und zu nehmen, Kapitalien zu kündigen und einzuziehen und über deren Verwendung
und anderweite Belegung zu bestimmen, Sachen und Gelder, geldgleiche Papiere und sonstige Dokumente,
namentlich auch aus dem gerichtlichen Depositorie797, in Empfang zu nehmen und darüber zu quittiren,
die Eintragung von Hypotheken und anderen Realrechten auf unsere Grundstücke, auch die Löschung der
im Hypothekenbuche eingetragenen Gerechtsame zu bewilligen, Auflassungen798 vor den zuständigen
Grundbuchämtern zu ertheilen, beziehungsweise Eigenthums-Eintragung aus erfolgten Auflassungen für
uns zu beantragen, überhaupt Kauf-[,] Tausch- und andere Verträge, Erbtheilungs- und Auseinandersetzungs-Recesse [= Vergleiche] und sonstige Instrumente abzuschließen, und
zu stellen ||
zu stellen und zu vollziehen, oder als von uns abgeschlossen, ausgestellt oder vollzogen anzuerkennen und
zu genehmigen.
Nicht minder soll derselbe befugt sein, alle und jede Arten von Rechtsstreitigkeiten anzufangen und
fortzusetzen, die Erkenntnisse in Empfang zu nehmen, die zulässigen Rechtsmittel anzuwenden, oder denselben zu entsagen, überhaupt alles dasjenige vorzunehmen, was die Gerichte von einem im Namen einer
abwesenden Partei erscheinenden Bevollmächtigten zu fordern berechtigt sind.
Dazu soll derselbe Macht und Gewalt haben, Eide zu erlassen oder für geschworen anzunehmen, Eide
in unserer Sache und Versicherungen an Eides-Statt abzuleisten, Vergleiche ohne Vorbehalt unserer Genehmigung abzuschließen[,] auch die Entscheidung eines Rechtsstreits einem schiedsrichterlichen Ausspruche zu unterwerfen – und nicht nur Exekutiven und Subhastationen799 zu [darüber eingefügt: acceptiren, die Verkaufsbedingungen] zu verabreden und in den Zuschlag800 zu willigen oder demselben zu widersprechen, sondern auch uns in Kaufgelderbelegungsterminen zu vertreten und bei Konkursen den Verkauf
einer zur Konkursmasse gehörigen Sache aus freier Hand oder Abweichungen von den gesetzlichen ||
lichen Erfordernissen bei Veräußerung derselben und von anderen Vorschriften der Konkurs-Ordnung,
namentlich die Erhebung, Verwahrung und Belegung der zur Masse eingehenden Gelder durch den Kurator801 zu bewilligen.
Endlich ertheilen wir denselben die Befugniß zu allen diesen Geschäften nach Gutfinden einen oder
unseren Bevollmächtigten an unsere Stelle zu setzen.
Was nun also unser vorgenannter Bevollmächtigter stets unserer thun und lassen wird, versprechen
wir für unsere Erben und Nachkommen fest und unverbrüchlich zu halten und zu genehmigen, auch denselben wegen dieser Anstrengung überall zu entschädigen und bitten um Ausfertigung zu seinen Händen.
Der ebenfalls erschienene Lehrer Carl Kiel von Müsen acceptirte vorstehende Vollmacht, unter Uebernahme der Kosten.
Das Objekt wurde zu 5–6000 Mark angegeben
v.
g.
u.802
Ehefrau Schäfer.
Adam Schäfer
Ehefrau Gernand
Ludwig Gernand.
796 kreditiren = Kredit gewähren.
797 die Depositorie / das Depositum (von lat. deponere = ablegen) = Aufbewahrungsort, Hinterlegungsstelle.
798 die Auflassung = die – als abstrakter dinglicher Vertrag – Einigung zwischen Veräußerer und Erwerber über die Eigentums799
800
801
802
übertragung an einem Grundstück bei gleichzeitiger Anwesenheit beider Teile vor dem Notar.
die Subhastationen = Versteigerungen.
Zuschlag = Zuteilung bei einer Versteigerung.
der Kurator = Verwalter.
v. g. u. = vorgelesen genehmigt [und] unterschrieben.
473
Friedrich ||
a.
Friedrich Herling.
August Kiel.
Carl Kiel.
n.
t.803
Voelkel.
Amtsgerichtsrath.
___________
wird hierdurch in beweisender Form ausgefertigt und zugleich attestirt, daß
1) aus der Ehe der Eheleute Lehrer Jost Kiel und Maria geb. Jung, früher zu Puderbach zuletzt zu
Schwarzenau, nur folgende Kinder:
a) der Professor Friedrich Kiel zu Berlin,
b) die Ehefrau Adam Schäfer, Louise geb. Kiel zu Schwarzenau,
c) die Ehefrau Ludwig Gernand, Johanna geb. Kiel, daselbst,
d) der August Kiel, daselbst,
e) der Lehrer Carl Kiel zu Müsen, und
f) die Ehefrau Friedrich Herling, Friederike geb.
Kiel ||
Kiel zu Schwarzenau
entsprossen sind, und
2) die ad [Nr. 1]f erwähnte Ehefrau [Friederike] Herling gestorben ist und als alleinige Erben ihm
drei Kinder:
a) Maria Ehefrau des Philipp Kirsch zu Marienfels bei Ems,
b) Ludwig Herling zu Lüdenscheid und
c) Christiane Herling, minderjährig und in der Gewalt ihres Vaters,
hinterlassen hat.
Urkundlich unter Siegel und Unterschrift.
Berleburg, den 25. September 1885.
Königliches Amtsgericht.
(L. S.)804 gez.[eichnet] Voelkel.
Ausfertigung
für
Herrn Lehrer Carl Kiel
I. 24/26. zu Müsen.
Der vorstehenden Vollmacht trete ich hiermit, nachdem mir dieselbe laut und deutlich vorgelesen
ist, in
allen ||
allen Punkten bei und mache ich die darin abgegebenen Erklärungen zu den meinigen.
Lüdenscheid, den 8. Oktober 1885.
gez.[eichnet] Ludwig Herling.
Die vorstehende eigenhändige Unterschrift des mir persönlich und nicht anders als dispositionsfähig
bekannten Fabrikarbeiters Ludwig Herling von hier beglaubige ich hiermit.
Lüdenscheid, den 3. Oktober 1885.
(L. S.)
gez.[eichnet] Julius Lenzmann.
Rechtsanwalt und Notar im Bezirke
des Königlichen Oberlandesgerichts Hamm.
___________
Beglaubigt
Bake.
Geh:[eimer] Kanzlei-Sekretär.
803 a. (acte) = Akte; n. t. = notetur terminus (von lat. notare = bezeichnen / terminus = festgelegter Punkt) = Unterbrechung bzw.
Wiederaufnahme des Geschäftgangs als Vermerk auf ein- und ausgehenden Schreiben.
804 L. S. (auch L. S: in Verfügung 27.7.1882) = Locus Sigilli (locus = Ort / sigillum = Abdruck des Siegelrings, Siegel): An die-
ser mit L. S. gekennzeichneten Stelle der Abschrift oder – wie in diesem Fall – des Entwurfs ist das dazugehörige Original
besiegelt.
474
• Todesnotiz (13.10.1885 Dienstag) von Heinrich Schuppli (Berlin), Registrator und Kalkulator
der Kgl. Akademie der Künste, über den Tod des Akademiemitglieds Friedrich Kiel, III. 178:
III. 178.
[1 Leerzeile]
Notiz und den Acten
betr.
Mitgliedern
[4 Leerzeilen]
Das ordentl.[iche] Mitglied und Senator der Königl. Akademie der Künste, Vorsteher einer Meisterschule für musikalische
Composition pp. [= etc.]
Friedrich Kiel
geboren am 7. October 1821,
1.
Mitglied
der Akademie seit 1865,
1. Notizen zu machen
[eingefügt: " der Hochschule für Musik " 1869,]
zu
Lehrer der Akademie seit 1870,
a.) den Acten der Mitglieder
Vorsteher einer Meisterschule für
b.) "
musikalische Composition seit 1882[,]
"
" Lehrer
2. Zu den Acten Senat zu nehmen,
Mitglied des Senats seit 1870.
nachdem Mitteilung in der
[eingefügt: " " Directoriums der Hoch.[schule] f. Musik
Journalsz[eit]ung vom 13. October d. J.
seit 1882]
erfolgt ist.
und Ritter
B.[erlin] 13/10 [18]85.
a. des roten Adler-Ordens 4. Kl.[asse]
M[artin] Blumner
b.
" Sachsen=Ernest.[inischen] Hausordens 2 Kl.[asse]
c.
" Sächsischen Albrechts[-]Ordens 2. Klasse
[0,5 Leerzeilen]
zuletzt anwesend
verstarb
am 28. Febr. 85.
zu Berlin am 13. September 1885.
Beerdigung am 17. September 1885.
[3 Leerzeilen]
Schuppli
• Sitzungsprotokoll (13.11.1885 Freitag), Protokoll der Sitzung der ordentlichen Akademiemitglieder der Sektion für die bildenden Künste / Kgl. Akademie der Künste (Berlin), Auszug:
[Bl. 325r:] Verhandelt in der Sitzung bei den Sektionen der [eingefügt: ordentlichen] Mitglieder
der Königlichen Akademie der Künste, Sektion für die bildenden Künste.
[0,5 Leerzeilen]
Berlin, den 13 ten November 1885.
Abends 6 Uhr.
[gedruckt: Gegenwärtig:
unter dem Vorsitz des Herrn Präsidenten Becker. Der Herr Präsident [Karl] Becker eröffnet die Sitzung
Herr Henning
Herr Heyden
um 6 ¼ Uhr abends.
Hopfgarten
Knille]
Der Eintritt in die Tagesordnung macht doppelte Mittei"
"
[… (= Fortsetzung Namensliste)]
lung von dem Ableben der beiden ordentlichen Mitglieder der Akademie, Professoren W.[ilhelm] Camphausen
und Friedrich Kiel.
Zum ehrenden Gedächtnis der Verstorbenen erhebt sich
die Versammlung von ihren Sitzen.
Darauf wird zur Erledigung der Tagesordnung geschritten.
[…] ||
[… (= Bl. 325v)] ||
[Bl. 326r:]
Friedrich Kiel
† 13/9 [18]85,
475
geb. 7/10 [18]21,
Mitglied seit
Mai [18]65.
___________________
Wilh[elm] Camphausen
† 18/6 [18]85,
geb. 8/2 [18]28,
Mitgl. seit 1871.
___________________ ||
[… (= Bl. 327–330)]
• Brief (24.2.1886 Mittwoch) von Karl Kiel (Müsen / Kreis Siegen), dem Bruder Friedrich
Kiels, an Max Abraham (Leipzig), Leiter von C. F. Peters in Leipzig:
Müsen Kreis Siegen,
den 24. Febr. 1886.
[2 Leerzeilen]
Hochgeehrtester Herr!
[1 Leerzeile]
Ew. Hochgeborne werden gütigst entschuldigen[, daß ich] Sie mit einer großen Bitte belästig.
Ich möchte so gerne von allen Compositionen meines verstorbenen Bruders Professor Fr. Kiel ein Exemplar zur ferneren805 Aufbewahrung für die Familie besitzen, habe mich dieserhalb auch schon an die übrigen Herrn Verleger der Compositionen meines Bruders gewandt. Herr Bock in Berlin stellte mir zu diesem Zweck im vorigen Herbst je ein Exemplar ||
zur Verfügung und ermuthigt mich daher, auch Sie ergebenst zu bitten, mir ein Exemplar überlassen zu wollen.
[1 Leerzeile]
Mit vorzüglicher Hochachtung
[2 Zeilen leer]
ergebenster
C. Kiel.
• Brief (14.3.1886 Sonntag) an Frau Luckhardt806 (Berlin), Ehefrau des bis 1879 als Musikverleger tätigen Friedrich Luckhardt, mutmaßlich von August Bungert (Berlin), Auszug:
[S. 2:] Wenn du [Ludwig] Deppe siehst, sage ihm, daß er mir aus dem Nachlaß [Friedrich] Kiels mein [eingefügt: Text] Manuscript zu[m Oratorium] Saul u. 1 Menge Lieder […] (z. B.) u. sämtl. bei Simrock erschienenen Lieder von Brahms, die ich Kiel lieh, u. das Klavier 5tett [= Klavierquintett f-Moll op. 34 von
Brahms807] hierher sendet.
Kiel hatte 1 Menge Sachen von mir, die mir aber nicht einfallen. ||
[S. 3 = S. „1)“:] An dem Text aber, den ich ihm machte zu Saul, ist mir sehr gelegen. Den kann ich jetzt
sehr benötigen und es selbst machen, wenn ich Zeit habe.
805 ferneren = vmtl. „weiteren“ oder „zukünftigen“.
806 Dieser Brief ist nur in den Nachlasslisten mit der Angabe Frau Luckhardt, über die in einschlägigen Namensdatenban-
ken – wie z. B. die PND der GND der Deutschen Nationalbibliothek – nichts vermerkt ist, katalogisiert.
807 Eines der beiden Klavierquintette A-Dur op. 75 und c-Moll op. 76 von Friedrich Kiel kommt eher nicht infrage, da im Brief
von einem Klavierquintett die Rede ist.
476
• Brief (7.4.1886 Mittwoch) von Karl Kiel (Müsen) an Max Abraham (Leipzig), Leiter von
C. F. Peters in Leipzig:
Müsen, den 7. April 1886.
Hochgeehrtester Herr!
[1 Leerzeile]
Die mir gütigst zugesandten Compositionen meines sel.808 Bruders gelangten seiner Zeit in meinen Besitz
und danke ich hiermit ganz verbindlichst
[1 Leerzeile]
Hochachtungsvoll ergebenst
[2 Leerzeilen]
C. Kiel.
• Senatsprotokoll (29.9.1888 Samstag), Protokoll der Sitzung der ordentlichen Mitglieder der
Musiksektion / Kgl. Akademie der Künste, mit Punkt „4)“ über Karl Kiels Anliegen, Auszug:
III 122.
[2 Leerzeilen]
Verhandelt in der Königlichen Akademie der Künste.
Sitzung des Senats, Section für Musik.
[1 Leerzeile]
Berlin, den 29.ten Septbr. 1888. 6 Uhr.
1) […] 2) […] ||
3) […]
4) Der Lehrer Carl Kiel in Müsen Kreis Siegen bittet den Hr. Minister um Ankauf des musik[a]l. Nachlasses Friedrich Kiels für den Staat um den Preis von 3000 M. Die Section erkennt an, dass es [eingefügt: ein] Akt berechtigter Pietät wäre, den musikalischen Nachlaß eines Künstlers von der Bedeutung
Fr. Kiels in einem staatlichen Archiv aufzubewahren, indessen
[mit Querstrichen versehen: muß doch gesagt werden, dass der Werth des Nachlasses [eingefügt: dem
Nachlaß] an sich nicht so ist, wie der Staat nicht ein Grund zu entnehmen ist, ein Geldopfer dafür zu
bringen, denn die[s] um so mehr, da die in dem Nachlaß enthaltenen werthvolleren Sachen gedruckt
vorliegen.]
können wir dem Nachlaß keinen so erheblichen Werth beimessen, um dem Staate die Aufwendung einer
bedeutenderen Geldsumme zu empfehlen. Die werthvolleren Bestandtheile dieses Nachlasses sind der
Oeffentlichkeit gedruckt zugänglich. ||
5) […] 6) […] ||
7) […]
Schluß 8 Uhr
M[artin] Blumner [Adolf] Schulze
• Gutachten (1.10.1888 Montag) von Martin Blumner (Berlin), Vorsitzender des Senats der
Musiksektion der Kgl. Akademie der Künste, an Kultusminister Gustav von Gossler (Berlin)
zum Gesuch Karl Kiels (Müsen) um Ankauf des Musiknachlasses von Friedrich Kiel;
am 9. August 1888 Vorlage der Urschrift U II 3387, des auf den 4. August 1888 datierten
Gesuchs von Karl Kiel, bei bzw. durch Berthold Nasse, Unterstaatssekretär und Ministerialdirektor der Abteilung III für Medizinal-Angelegenheiten im Kultusministerium (Berlin), mit
Bezug auf die Kgl. Hochschule für Musik (Berlin); vom Kultusminister am 11. August 1888
angefordertes und von Abraham Cromer, Registraturassistent der Kgl. Akademie der Künste,
am 16. August 1888 registriertes Gutachten.
808 sel. = seligen.
477
Lehrer Carl Kiel in Müsen Kr.[eis] Siegen
bittet den Herrn Minister unterm 4. August 1888
III 103.
um Ankauf des musikalischen Nachlasses
Friedrich Kiel’s für den Staat um den
Preis von 3000 M.
Nachstehendes b. m.809 Rescript
________
Zur nächsten Senatssitzung
vorzutragen.
B.[erlin] 17/8 [18]88
M.[artin] Blumner
Urschriftlich nebst Anlagen unter Beding[ung] der Rückgabe
An
den Senat der Königlichen Akademie der Künste,
Section für Musik
hier
zu m Bericht gutachterlicher Äußerung
[3 Leerzeilen]
Berlin, den 11ten August 1888
Der Minister
U. II. 3387 Nasse Hochs.[chule] F.9/8.
wird gehorsamst vorgelegt.
Berlin den 16ten August 1888
[1 Leerzeile]
Die Registratur
Croner ||
Betrifft
den Ankauf des musikalischen Nachlasses
Friedrich Kiel’s.
I 2087.
[0,5 Leerzeilen]
Eurer Excellenz,
[1 Leerzeile]
gestatten wir uns unter Rückgabe der Urschrift U IV 3387, betreffend den Ankauf des musikalischen
Nachlasses von Friedrich Kiel’s, hierüber für die ganz gehorsamst folgendes zu berichten.
Wir erkennen an, daß es ein Akt berechtigter Pietät wäre, den musikalischen Nachlaß eines Künstlers von der Bedeutung Friedrich Kiel’s in einem staatlichen Archiv aufzubewahren, können aber
dem Nachlaß keinen so erheblichen Werth beimessen, um dem Staate die Aufwendung einer bedeutenderen Geldsumme zu empfehlen. Die werthvollen Bestandtheile dieses Nachlasses sind der
Öffentlichkeit gedruckt [eingefügt: durch Druck bereits] zugänglich geworden.
[1 Leerzeile]
Berlin d: 1 Oktbr 88.
[1 Leerzeile]
Die Musikalische Section des Senats der
Königl. Academie der Künste.
[1 Leerzeile]
M.[artin] Blumner
809 b. m. = bitte mit; das Rescript / Reskript = amtlicher Bescheid, Verfügung, Erlass.
478
Anhang 5:
Weitere Quellenbelege für Kiels Biografie und Kompositionen
Die Quellenbelege umfassen die biografischen, chronologisch angeordneten Quellen
von A1 bis I3, die kompositionsrelevanten Quellenbeschreibungen von K1 bis L7 sowie
die Informationen zu den von Kiel verwendeten Textvorlagen M1–4. Hierbei schließt
sich jeweils nach der Benennung der Hauptquellen die Beschreibung der herangezogenen Quellen an, die in die Punkte „(a)“ mit hauptsächlich anhand Primärquellen belegten Informationen und „(b)“ mit Beispielen für irrtümliche Angaben in Primärquellen
wie Sekundärliteratur unterteilt ist. Hierbei kommt es häufig zu einer Verwechslung
der beiden Begriffe „Lebensjahr“ und „Lebensalter“. Zudem werden in Einzelfällen
unter Punkt „(aD)“ fragliche bzw. widersprüchliche, in den Quellen stehenden Angaben diskutiert.
A1 • Geburts- und Taufdatum von Friedrich Kiel: Taufregister (1821);
• Sterbedatum von Friedrich Kiel: Sterberegister (1885) zu Friedrich Kiel, Bericht
(14.9.1885*), Todesnotiz (13.10.1885*), Sitzungsprotokoll (13.11.1885*).
• (a) Laut Taufregister (1821, Nr. 11) wurde Friedrich Kiel am Montag, den 8. Oktober
1821 um etwa vier Uhr morgens geboren und am 18. Oktober 1821 in Puderbach von Pfarrer Karl Friedrich Christian Keseberg (14.12.1762 Laasphe – 9.1.1829 ebenda), der laut
Bauks (1980, 248) seit 1798 als zweiter Pfarrer von Laasphe auch für Laasphe-Land zuständig war, getauft. Seine Einträge im Taufregister (1821, Nr. 11) lauten Friederich [!] (in
Rubrik Tauf=Name des Kindes), der 8t | achte | Octob.[er] um nachts | vier | Uhr (in Rubrik
Tag und Stunde der Geburt), der 18te , achtzehn- | te October (in Rubrik Tag der Taufe)
und Keseberg (in Rubrik Name | des | Prediger bei der Taufe).
• (aD) Der Geburts- und Taufeintrag für Friedrich Kiel im Taufregister (1821, Nr. 11) wurde lediglich von Pfarrer Keseberg protokolliert. Im Kirchenkreis Wittgenstein wurden
nach 1818 die Einträge in den Taufregistern nur noch von dem Pfarrer unterschrieben,
während dieses Protokoll noch 1808–18 zusätzlich von der anzeigenden Person gegengezeichnet worden war; dies geht aus der freundlichen Mitteilung von Gabriele Goßmann,
Gemeindesekretärin der Evangelischen Kirchengemeinde Bad Laasphe, vom 3.3.2008 hervor. Durch die fehlende Kontrolle durch eine weitere Person kann daher nicht endgültig
ausgeschlossen werden, dass es sich bei dem Geburtsdatum im Taufregister um einen
Schreibfehler handeln könnte; das Taufregister ist nach dem Taufdatum geordnet und das
Taufdatum 18te könnte vielleicht diesen Fehler 8te (anstatt 7te ) herbeigeführt haben. Allerdings erscheint ein Schreibfehler eher unwahrscheinlich, da beim Geburtsdatum die Zahl 8
sowohl als Ziffer (8te ) als auch als Wort (achte) angegeben ist.
Das Geburtsdatum 8. Oktober 1821 findet sich bei Meyer-rororoH (2/19822, 164), Honegger/MassenkeilL (4/1981, 325) inklusive nachfolgenden Auflagen und Brockhaus-RiemannL (2/19903 , 288).
• (b) Sonntag, der 7. Oktober 1821, wurde als Geburtsdatum irrtümlich von Friedrich Kiel
selbst durchgängig angegeben: in zwei Briefen – im Brief (31.7.1863*), im Brief (27.8.1865*)
etc. – und in der auf seinem Brief (13.7.1863*) basierenden veröffentlichten Autobiografie in Breslauer (1885, 222). Es steht daher auch in Kiels Personalakte der Kgl. Hochschule für Musik (Kiel-HfM 1869–85, Bl. 1v) sowie den Akten der Kgl. Akademie der
Künste in Berlin, wie z. B. in der Todesnotiz (13.10.1885*) und im Sitzungsprotokoll
479
(13.11.1885*, Bl. 326r) der Kgl. Akademie der Künste wie auch im Bericht (10.1.1885*)
des im Kultusministerium tätigen Rechnungsrats Wilhelm Willmann. Entsprechend wurde das Datum 7. Oktober im 19./20. Jahrhundert u. a. im Motettenprogrammzettel (26.9.1885)
sowie in folgenden Lexikoneinträgen und Abhandlungen über Kiel weiter tradiert: von
LedeburL (1861, 281), AlslebenL (1864, 34) über PaulL (1/1873, 510), Roeder (1874,
148), Mendel/ReissmannL (6/1876, 42), FétisB (S2/18812, 40), Titelblatt des Textbuchs
[1883] von Kiels Oratorium Christus op. 60 (z. B. D-B Tk 284/2), Lackowitz (1885, 297),
Lessmann (1885a, 337) und Gumprecht (1886, 24) bis hin zu BakerD (19786, 881) und
Schmieder (1996, 170). Ein Schreibfehler liegt in MoserL (1935, 392) vor, bei dem der
7. Aug. 1821 als Geburtsdatum angegeben ist.
• (a) Das korrekte Sterbedatum Sonntag, der 13. September 1885, geht aus dem Sterberegister (1885, Nr. 746), dem Bericht (14.9.1885*) in den Akten der Kgl. Hochschule für Musik
und der Todesnotiz (13.10.1885*) sowie dem Sitzungsprotokoll (13.11.1885*, Bl. 326r) der
Akten der Kgl. Akademie der Künste hervor. Dieses Datum wurde in vielen Lexika und
Schriften über Kiel übernommen, wie z. B. in Lackowitz (1885, 297), Musical Times
(1885, 605), Gumprecht (1886, 26), Prieger (1906, 130), RiemannL (19168 , 540) bis RiemannL (1/195912 , 919), Weber (1928, 142), MeyerH (19714 , 672), BakerD (19786 , 881)
und Brockhaus-RiemannL (1/19781, 638) bis Brockhaus-RiemannL (2/19903, 288). Und
in RiemannL (18873, 478) wird mit dem Sterbedatum 13/14. Sept. auf den nächtlichen Todeszeitpunkt Kiels in der Nacht vom 13. auf 14. September 1885 hingewiesen.
• (b) Das inkorrekte Sterbedatum Montag, der 14. September 1885, ist irrtümlicherweise in
vielen Lexika bzw. Schriften zu Kiel aus dem 19./20. Jahrhundert genannt: z. B. in KpBZ
(1885) vom 15. September 1885, Breslauer (1885, 222), Krause (1894, 567), GroveD
(2/18801 , 690 / Appendix) bis GroveD (4/19545 , 749), BrownD (1886, 357), SchuberthL
(189111, 277), RiemannL (18944, 524) bis zur 7. Auflage in RiemannL (19097, 697), FrankL
(18959, 122) bis zur neuesten Auflage in FrankL (197415, 295), MeyerL (10/18965, 95) bis
MeyerL (6/19277, 127), BakerD (19001, 311) bis BakerD (19404, 582), SchweizerL (4/1947,
897) und ThompsonC (19526, 931). Und das ebenfalls inkorrekte Sterbedatum Dienstag, der
15. September 1885, ist in Pirani (1885, 377) genannt.
A2 • Fünf Geschwister von Friedrich Kiel: Sterberegister (1862) zu Johanne Marie Kiel
geb. Jung, Sterberegister (1863) zu Johann Jost Kiel, Vollmacht (25.9.1885*), Kurzbiografien (Anhang 7);
• Arme Familienverhältnisse der Familie Kiel: Brief (25.1.1841*), Empfehlungsschreiben (14.11.1842*), Bauer (1958).
• (a) Friedrich Kiel, der erstgeborene Sohn der Familie Kiel, ist das zweite von sechs Kindern, wie u. a. aus den in den Kurzbiografien (Anhang 7) enthaltenen Kirchenbüchern zu
den Geschwistern Kiels sowie der Vollmacht (25.9.1885*) für Karl Kiel hervorgeht. Bestätigt wird dies durch die Vermerke hinterläßt sechs großjährige Kinder im Sterberegister (1863, Nr. 7) zu Johann Jost Kiel und hinterläßt sechs majorene Kinder im Sterberegister (1862, Nr. 4) zu Johanne Marie Kiel, den Eltern von Friedrich Kiel.
• (b) In der Sekundärliteratur findet sich wiederholt die irrtümliche Angabe, dass Friedrich Kiel das zweite von fünf Kindern gewesen sei, so z. B. in Reinecke (1936, 3), Sietz
(1969, 108), Pfeil (1983, 390) und Waldbröl (2006, 12).
• (a) Fürst Albecht I. zu Sayn-Wittgenstein-Berleburg gab 1841 im Brief (25.1.1841*), in
dem er Friedrich Kiels Vater als sehr arm bezeichnete, seinem Wunsch Ausdruck, dass
Friedrich Kiel sich Manches zu verdienen, um seine arme Familie unterstützen zu können.
Der kleine Landkreis Wittgenstein konnte sich u. a. in den 1820er-Jahren laut Bauer (1958, 1)
480
bei kärglichem Ertrag des Bodens und ohne nennenswerte Industrie nur kümmerlich ernähren, hatte dabei grosse Lasten zu tragen und war durch unaufhörlich Truppendurchzüge
verarmt, wozu sich im Jahr 1817 eine Hungersnot gesellte. Friedrich Kiel selbst wurde z. B.
im Empfehlungsschreiben (14.11.1842*) des Grafen Friedrich Wilhelm von Redern ebenfalls als unbemittelt bezeichnet.
A3 • Geschichtlicher Kontext der preußischen Provinz Westfalen: Kartenblatt Reilley (1793/94),
freundliche Mitteilung von Johannes Burkardt.
• (a) Der geschichtliche Kontext des Kreises Wittgenstein umriss Johannes Burkardt, betreuender Archivar für den Kirchenkreis Wittgenstein, in seiner freundlichen Mitteilung
vom 21.10.2010: Bis 1806 bestanden die Grafschaften Sayn-Wittgenstein-Hohenstein und
Sayn-Wittgenstein-Berleburg als politisch selbständige Gebiete nebeneinander; auch kirchlich gab es zwei entsprechende sog. Inspektionen. Die zwei politischen Grafschaften gehörten seit 1806 zum Großherzogtum Hessen und seit 1816 zur Preußischen Provinz Westfalen, wo sie seit 1816 den (politischen) Kreis Wittgenstein bildeten; parallel entstand nach
1816 der Kirchenkreis Wittgenstein, der somit ebenfalls beide ehemaligen Grafschaften
umfasste. In dem für Friedrich Kiel relevanten Zeitraum 1821–42 gehörten die genannten
Ortschaften innerhalb von Preußen zum politischen Kreis Wittgenstein. Dieser bestand
aus den Fürstentümern Sayn-Wittgenstein-Hohenstein (inklusive Kiels Wohnorten Puderbach und Schwarzenau sowie mit Schloss Wittgenstein bei Laasphe) und Sayn-Wittgenstein-Berleburg (inklusive Kiels Wohnort Berleburg sowie Schloss Berleburg in Residenzstadt Berleburg) und war überwiegend mit dem evangelischen Kirchenkreis Wittgenstein
identisch. Beide Fürstentümer waren bis 1806, wie z. B. im Veröffentlichungsjahr 1793/94
des Kartenblatts Reilley (1793/94), ehemals zwei politisch selbstständige Grafschaften,
die 1605 aus der Gesamt-Grafschaft Wittgenstein hervorgegangen waren und daher in
Reilley (1793/94) summarisch noch als eine Grafschaft bezeichnet sind.
Im 19. Jahrhundert gab es im Kreis Wittgenstein unter der Herrschaft Preußens zwei Schlossbezirke, die jeweils einen Gutsbezirk bildeten und nicht Teil der jeweiligen Stadt waren
und beide als gemeindefreie Bezirke erst in den 1960er-Jahren aufgelöst wurden: die
Gutsbezirke Sayn-Wittgenstein-Berleburg und Sayn-Wittgenstein-Hohenstein, letzterer
auch Gutsbezirk Wittgenstein genannt (mit Schloss Wittgenstein als Residenz). Laut der
von Michael Rademacher unter der URL http://www.verwaltungsgeschichte.de veröffentlichten Deutschen Verwaltungsgeschichte 1871 – 1990, o. O. 2006 ff. (abgerufen am
11.6.2014), gab es im gemeindefreien Gutsbezirk Sayn-Wittgenstein-Berleburg 1933 und
1939 keine Einwohner mehr, hingegen im gemeindefreien Gutsbezirk Sayn-WittgensteinHohenstein noch 13 (1933) bzw. 17 (1939) Einwohner.
Als Wohnsitz der Fürstlichen Familie zu Sayn-Wittgenstein-Hohenstein diente bis 1950
Schloss Wittgenstein bei Laasphe (seit 1984 Bad Laasphe), das 2003 verkauft wurde, und
seit 1950 zeitweise das „Herrenhaus Schwarzenau“. Das Fürstliche Archiv Sayn-Wittgenstein-Hohenstein (D-BLw) ist in der Rentkammer Wittgenstein der Fürst Wittgenstein’schen
Waldbesitzergesellschaft in der Nähe des Schlosses untergebracht. Die Musikaliensammlung und die Akten der Fürstlich Wittgenstein’schen Rentkammer in Berleburg gehören
zu den Beständen des Fürstlichen Archivs Sayn-Wittgenstein-Berleburg (D-BE), das in
der Rentkammer des Schlosses untergebracht ist und durch D-MÜaaw betreut wird.
• (a) Der Regierungsbezirk Arnsberg, der seit 1816/17 vierzehn Kreise umfasste, war das
südlichste und größte Drittel der preußischen Provinz Westfalen, die bis 1918 zum Königreich Preußen gehörte. Dazu gehörten im Norden der Kreis Soest (sprich „Sohst“), an der
481
Nordgrenze der Kreis Hamm und als südlichster Bezirksteil der die Fürstentümern SaynWittgenstein-Berleburg und Sayn-Wittgenstein-Hohenstein umfassende Kreis Wittgenstein.
Vom Amt Arfeld, das zum Kreis Wittgenstein des Regierungsbezirks Arnsberg der preußischen Provinz Westfalen gehörte und vom 19. Jahrhundert bis 1938 existierte, gibt es
laut Tätigkeitsbericht (1982, 16) eine Aktenregistratur für den Zeitraum 1815–1932. Dieses Amt war eine Verwaltungsbehörde, die für den Gemeindeverband von zehn Orten zuständig war. Hierzu gehörten die für Kiels Biografie relevanten Ortschaften Schwarzenau,
Elsoff und Arfeld sowie Albertshausen, Beddelshausen, Christianseck, Richstein, Sassenhausen, Weidenhausen und Stünzel. Die heutige Evangelische Kirchengemeinde Arfeld in
Bad Berleburg-Arfeld (D-BEeka) umfasst die Dörfer Arfeld und Richstein.
A4 • Geburtsort Puderbach von Friedrich Kiel: Schneider (1997), Burkardt (2001).
• (a) Das alte Dorf Puderbach wurde laut Burkardt (2001, 129) nach neuesten Erkenntnissen 1253 erstmals urkundlich erwähnt. Friedrich Kiel lebte 1821–27 in dem Dorf Puderbach, das innerhalb des Kirchenkreises Wittgenstein kirchlich dem evangelisch-reformierten Kirchspiel Laasphe zugeordnet war, zu dem seit 1806 die Ortschaften Laasphe mit
Laaspherhütte, Puderbach, Niederlaasphe und die frühere Schlosskirchengemeinde gehörten. Politisch lag Puderbach im preußischen Kreis Wittgenstein, wobei dieser politische
Kreis bis Mitte des 19. Jahrhunderts überwiegend mit dem Kirchenkreis Wittgenstein identisch war. Seit dem 1. Januar 1975 (kommunale Neugliederung) ist Puderbach ein Ortsteil
der Stadt Laasphe (seit 1984 Bad Laasphe), die – ebenfalls seit 1984 – zum heutigen Kreis
Siegen-Wittgenstein gehört. Geografisch liegt Puderbach in einem Seitental der Lahn sowie
laut Peter Pfeil zitiert nach Schneider (1997, 16) teils am Puderbach, der später in die
Lahn mündet, und teils am Kirschwiesenbach; direkt an der Lahn befindet sich hingegen
die Kleinstadt Laasphe (seit 1984 Bad Laasphe). Die exakte geografische Lage von Kiels
Geburtsort, nämlich Puderbach bei Laasphe, wird nur in wenigen Lexika, wie z. B. MoserL
(1935, 392), RiemannL (1/195912, 919), Brockhaus-RiemannL (1/19781, 638), Brockhaus-RiemannL (2/19903, 288) und Schmieder (1996, 170) angegeben. Die evangelische
Kirche in Puderbach ist eine etwa aus dem 13. Jahrhundert stammende Wehrkirche, die
als älteste Kirche Wittgensteins gilt.
• (b) Zahlreiche Irrtümer, die sich in Primärquellen wie in der Sekundärliteratur bezüglich
der geografischen Lage von Friedrich Kiels Geburtsort finden, spiegeln die Unsicherheit
bezüglich Kiels Biografie wie auch die Unbekanntheit des Wittgensteiner Landes wider.
Der Ort Puderbach liegt an dem später in die Lahn mündenden Puderbach und nicht an
der Lahn, wie Friedrich Kiel es selbst in seiner Autobiografie angibt, die unveröffentlicht
im Brief (31.7.1863*) und veröffentlicht in Kiel (1882, 101) sowie auf jenem Brief basierend in Breslauer (1885, 222) und SchuberthL (189111 , 277) vorliegt, was wiederum in vielen Lexika übernommen wurde: z. B. in Mendel/ReissmannL (6/1876, 42), FétisB (S2/18812 ,
40), Thiessen (1909, 508) und von GroveD (2/18801 , 56) bis zur dritten Auflage GroveD
(3/19483 , 720). Kiels Geburtsort Puderbach liegt bei Laasphe (seit 1984 Bad Laasphe),
und nicht bei Siegen oder Marburg, und zwar in einer Entfernung von jeweils 40 Kilometer nordöstlich von Siegen und nordwestlich von Marburg, was eine große Distanz in der
damaligen unmotorisierten Zeit darstellte. Puderbach gehörte und gehört noch heute weder zum Rheinland, Siegerland noch Westerwald, sondern zum Wittgensteiner Land. Teilweise verwechselte man laut Reinecke (1936, 3) Puderbach im Kreis Wittgenstein mit
dem in einiger Entfernung im Westerwald im Kreis Neuwied gelegenen Dorf gleichen Namens, das rechtsrheinisch zwischen Altenkirchen und Dierdorf liegt. Inkorrekt ist auch
die Angabe in Wetzel (1908, 230), dass Kiel vom Rhein herstammte sowie in Hessen
482
auf dem Lande seine Jugend verlebte; Kiels Geburtsort Puderbach gehörte zwar bis 1816
für ein Jahrzehnt zu Hessen-Darmstadt, aber zu Kiels Kinderzeit durchgehend zum Kreis
Wittgenstein.
Folgende Irrtümer finden sich in Primärquellen und Sekundärliteratur:
– Puderbach (Fürstenthum Wittgenstein-Perleburg in Westphalen) [recte: Sayn-Wittgenstein-Hohenstein] laut Titelblatt des 1883 veröffentlichten Textbuchs zu Kiels Oratorium Christus op. 60 (z. B. D-B Tk 284/2); gebürtig aus Wittgenstein Berleburg laut
dem Gesuch (21.11.1863*) und Brief (27.8.1865*) von Friedrich Kiel;
– in der Nähe von Marburg z. B. laut Bungert (1875, 126), unweit Marburg z. B. laut
Mendel/ReissmannL (6/1876, 42), nabij Marburg laut ViottaL (2/1883, 310) und Puderbach unweit Marburg laut Motettenprogrammzettel (26.9.1885);
– Puderbach bei Siegen z. B. laut Lebensabriss (c1881*), MúsiolL (1888, 126), RiemannL
(18821, 446) bis RiemannL (19005, 559), Lessmann (1885a, 337), SfMW (1885, 771),
SMuS (1885, 149), Pirani (1885, 377), Gumprecht (1886, 24), Krause (1894, 567),
BakerD (19001 , 311) bis BakerD (19786 , 881) Puderbach, near Siegen, FrankL (191011 ,
199) bis FrankL (197415 , 295), ZfM (1922, 417) und AbertL (1927, 231);
– Puderbach bei Siegen an der Lahn z. B. laut Lackowitz (1885, 297);
– Preußisches Siegerland z. B. laut RuM (1864, 423) und Nohl (1882, 25);
– Puderbach im Rheinland z. B. laut Thiessen (1909, 508); Puderbach bei Siegen im
Rheinland z. B. laut RiemannL (19056, 652) bis RiemannL (1/192911, 878) und laut PahlenL (1956, 154); Puderbach in der Rheinprovinz z. B. laut Prieger (1906, 126);
– Siegen im Rheinland z. B. laut GoodmanL (1971, 246) und HerzfeldL (1989, 362);
– Siegen z. B. laut MeyerH (19714 , 672);
– Puderbach (Sassonia), d. h. Puderbach in Sachsen, laut Roeder (1874, 148);
– Puderbach im Kreis Neuwied z. B. laut Prieger (1906, 126);
– Laasphe, Westphalia (not Puderbach) z. B. laut BakerD (S19494 , 1260).
A5 • Historische Informationen zu den für Friedrich Kiel relevanten Orten im Kreis
Wittgenstein (Puderbach, Schwarzenau, Elsoff und Stadt Berleburg): Geburtsregister (1833) zu Karl Kiel, Geburtsregister (1837) zu Augut Kiel, Staatshandbuch-P (1870P), Eichberg (1872), Friedrich Kiels veröffentlichte Autobiografie Kiel
(1882), Weber (1928), Spies (1975), Burkardt (2001), freundliche Mitteilung von
Bodo Hüster, historischer Kontext.
• Protestantismus im Kreis Wittgenstein und als Konfession von Friedrich Kiel:
URL: Unterseite von http://wiki-de.genealogy.net/.
• (a) Für die Orte Puderbach, Schwarzenau und Elsoff ergab die Einwohnerzählung im Jahr
1807 laut Spies (1975, 118) 74 Häuser mit 114 Familien für Schwarzenau, 63 Häuser mit
104 Familien in Elsoff und nur 15 Häuser mit 18 Familien bzw. 125 Einwohnern in Puderbach. Hierbei wiesen Schwarzenau, Elsoff und vier weitere Orte insgesamt 1390 Einwohner auf.
• (a) Schwarzenau an der Eder: Der Ort Schwarzenau, der etwa zehn Kilometer südöstlich
von Berleburg lag, umfasste z. B. 1807 insgesamt 114 Familien. Schwarzenau wurde am
1. Januar 1975 im Rahmen der kommunalen Neugliederung als Ortsteil zu Bad Berleburg
eingemeindet und gehört seitdem – wie die Kernstadt Berleburg selbst, Elsoff und Arfeld –
zu den 23 Ortsteilen der Stadt Bad Berleburg.
Der Ort Schwarzenau, der während Friedrich Kiels Jugendzeit 1827–35 zu keinem Kirchspiel gehörte und daher nur einen kirchlichen Versammlungsraum, jedoch keine Kirche
oder Kapelle besaß, war kirchlich aufgeteilt: Schwarzenau gehörte teilweise zur Kirchen-
483
gemeinde Arfeld (oberes Hüttental von Schwarzenau) und teilweise zur Kirchengemeinde
Elsoff (restliches Dorf von Schwarzenau), wie aus Burkardt (2001, 156) und der genauen
Dorfaufteilung laut freundlicher Mitteilung von Bodo Hüster aus Bad Berleburg vom
14.4.2004 hervorgeht. Die Familie Kiel lebte u. a. 1827–35 in dem Teil von Schwarzenau,
der zur Kirchengemeinde Elsoff gehörte; dies geht aus dem Geburtsregister der Evangelischen Kirchengemeinde Elsoff hervor, in dem die jeweils in Schwarzenau erfolgte Geburt
von zwei Brüdern Friedrich Kiels – von Karl Kiel im Geburtsregister (1833, Nr. 71) und
August Kiel im Geburtsregister (1837, Nr. 8) – verzeichnet ist. Entsprechend besuchte die
Familie Kiel laut Weber (1928, 142) den sonntäglichen Gottesdienst in der Kirche Elsoff.
Zudem wirkte Johann Jost Kiel als Vorsänger, wie es zumindest sein Lehrervertrag regelte, in Schwarzenau bei den Gottesdiensten, die wohl nur vereinzelt im kirchlichen Versammlungsraum stattfanden, mit. Darüber hinaus fanden in unregelmäßigen Abständen
Gottesdienste im Fürstlichen „Herrenhaus“ in Schwarzenau statt, wie aus der freundlichen
Mitteilung von Bodo Hüster aus Bad Berleburg, dem Ortsvorsteher von Schwarzenau,
vom 14.4.2004 hervorgeht und auch der Angabe in Burkardt (2001, 156), dass Gottesdienste im fürstlichen Haus stattfanden, entspricht. Ein Vorgängerbau des gegenwärtigen
Fürstlichen „Herrenhauses“ in Schwarzenau – vermutlich Teile der heutigen „Alten Oberförsterei“ – war 1648 als Witwensitz erbaut worden, war aber nicht als solcher in Benutzung; es diente u. a. während des radikalen Pietismus im frühen 18. Jahrhundert dem Grafen Henrich Albrecht zu Sayn-Wittgenstein-Hohenstein (1698 – 1723) als Residenz. Das
heutige 1788 erbaute Fürstliche „Herrenhaus“, das an der Ederbrücke mitten im Ort
Schwarzenau liegt, diente im 19. Jahrhundert als Jagdschloss und Sommerresidenz und
heute als Jagdschloss und Feriendomizil der Familie zu Sayn-Wittgenstein-Hohenstein
mit Fürst Bernhard. Seit dem 1. Januar 2006 gehört die Ortschaft Schwarzenau, die lediglich im Zeitraum von 1854 bis 31. Dezember 2005 eine selbstständige Kirchengemeinde
war und seit 1854 zum Amt ArfeldA3 zählte, kirchlich zur „Evangelischen Lukas-Kirchengemeinde im Eder- und Elsofftal“ in Bad Berleburg-Elsoff (mit Archiv D-BEeke); sie ist
am 1. Januar 2006 als Zusammenschluss von fünf Ortsteilen Bad Berleburgs – Elsoff (liegt
inmitten der Gemeinde), Schwarzenau, Beddelhausen, Allertshausen und Christianseck –
entstanden. Schwarzenau und Elsoff waren bis 31. Dezember 2005 zwei selbstständige
Kirchengemeinden, wobei Schwarzenau schon im 19. Jahrhundert zur Kirchengemeinde
Elsoff gehört hatte und nur in der Zwischenzeit Selbstständigkeit innehatte. Zur Evangelischen Kirchengemeinde Elsoff gehörten in den 1830er-Jahren, wie z. B. aus dem Geburtsregister (1833, Nr. 71) und dem Geburtsregister (1837, Nr. 8) hervorgeht, neben Elsoff
auch Schwarzenau, Hüttental und weitere Ortschaften.
• (a) Berleburg und Schwarzenau: Berleburg im Kreis Wittgenstein lag in zehn Kilometer
Entfernung im Nordwesten von Schwarzenau, was für Friedrich Kiel einen Fußmarsch
von zwei Stunden laut eigener Aussage (Kiel 1882, 101) oder mehreren Stunden bzw.
ein Paar Stunden laut Prieger (1884, 262 bzw. 1906, 127) bedeutete. Als Kleinstadt zählte
Berleburg, die Residenzstadt des Fürstentums Sayn-Wittgenstein-Berleburg, im Jahr 1870
nur 2030 Einwohner (Staatshandbuch-P 1870P, 466) und war damit fast gleich groß wie die
Kleinstadt Laasphe mit 2105 Einwohnern, oberhalb der sich der Schlossbezirk – mit Schloss
Wittgenstein als Residenz des Fürstentums Sayn-Wittgenstein-Hohenstein – anschloss. Heute ist die Kleinstadt Bad Berleburg („Bad“ seit 1971), die seit 1. Januar 1984 zum Kreis
Siegen-Wittgenstein gehört, als Kurstadt sowie als Veranstaltungsort von jährlich stattfindenden Internationalen Musikfestwochen auf Schloss Berleburg von Bedeutung.
• (a) Elsoff: Die nur drei Kilometer östlich von Schwarzenau gelegene Ortschaft Elsoff,
die zwölf Kilometer von der Residenzstadt Berleburg des Fürstentums Sayn-Wittgenstein-
484
Berleburg entfernt lag, gehörte – wie Schwarzenau – zum Fürstentum Sayn-WittgensteinHohenstein. Am 1. Januar 1975 wurden beide Orte, Elsoff und Schwarzenau, im Rahmen
der Kommunalen Neugliederung als Ortsteile zu Bad Berleburg eingemeindet. Laut Eichberg (1872, 33) wurde Kiel musikalisch u. a. durch die sonntägliche Kirchenorgel geprägt, was nur in Elsoff der Fall sein konnte, da zu Kiels Kinder- und Jugendzeit die Orte
Puderbach im Zeitraum 1821–27 und Schwarzenau 1827–35 weder eine Orgel noch ein
Harmonium besaßen.
Arfelderberg (bei Elsoff): Im 19. Jahrhundert war Am Arfelderberg eine kleine Siedlung,
die zum Dorf (Landgemeinde) Elsoff gehörte und z. B. 1895 aus vier Gebäuden mit 26 Einwohnern bestand; für den Gemeindeverband, zu dem u. a. Elsoff mit Arfelderberg gehörte, war die Verwaltungsbehörde Amt ArfeldA3 zuständig. Diese Siedlung war z. B. 1895
politisch dem Amtsgericht Berleburg und dem Standesamt Elsoff sowie kirchlich dem
evangelischen Kirchspiel Elsoff und dem katholischen Kirchspiel Berleburg zugeordnet.
Dies geht aus der Seite Amt Arfeld / Geburtsstätten des Projekts GenWiki des Vereins für
Computergenealogie, Stand vom 9.9.2011, URL: Unterseite von http://wiki-de.genealogy.net/ (abgerufen am 28.8.2014) hervor. Heute ist die kleine Siedlung Arfelder Berg ein
Straßenname, der zwischen den Bad Berleburger Ortsteilen Schwarzenau und Elsoff liegt
und drei Wohnhäuser mit Stallanlagen bzw., wenn man das Einzelhaus an der Mennerbachtalstraße dazu rechnet, vier Wohnstätten umfasst. In Arfelderberg waren u. a. August Kiel (* 1868), der Sohn von Friedrich Kiels jüngerem Bruder August Kiel, sowie
Klara Kiel, laut Weber (1928, 141) eine Nichte von Friedrich Kiel, ansässig.
Die Siedlung Arfelderberg, in der im Jahr 1875 noch keine Familie Kiel wohnte, gehörte
u. a. in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wie auch um 1920 – vermutlich mit Klara
Kiel als Anwohnerin – zur politischen Gemeinde Elsoff wie auch zur Kirchengemeinde
Elsoff (und somit nicht zur 1854 gegründeten selbstständigen Kirchengemeinde Schwarzenau). Dies geht aus der freundlichen Mitteilung von Jochen Karl Mehldau aus Karlsruhe, dem Verfasser der 2010 fertiggestellten Wittgensteiner Familiendatei (1525/1680 – 1875),
vom 15.6.2014 hervor.
• (a) Protestantismus im Kreis Wittgenstein und als Konfession von Friedrich Kiel:
Friedrich Kiels Konfession ist mit dem Stichwort evangelisch (in Rubrik Confession) in
seiner Personalakte Kiel-HfM (1869–85, Bl. 1v) der Kgl. Hochschule für Musik sowie
seiner Beschreibung als gläubigen Protestanten durch den Berliner Zeitungsreporter Otto
Gumprecht (Gumprecht 1886, 31) hinreichend belegt. Die fast ausschließlich evangelischen Gemeinden Puderbach und Schwarzenau, in der Kiel seine Kindheit verbrachte, lagen im Kirchenkreis Wittgenstein, der evangelisch-reformiert ausgerichtet war. Zudem
wurde er z. B. laut Weber (1928, 141) als frommer Mann von seiner Nichte Klara Kiel
bzw. tief-religiös empfindender Musiker charakterisiert.
Friedrich Kiel gehörte während seiner Wittgensteiner Zeit drei evangelisch-reformierten
Kirchspielen an: dem evangelisch-reformierten Kirchspiel Laasphe, das neben Kiels Geburtsort Puderbach Kunst-Wittgenstein, Laasphe und Niederlaasphe umfasste, dann dem
evangelisch-reformierten Kirchspiel Elsoff, zu dem u. a. der kirchlich zu Elsoff gehörende Teil von Kiels Wohnort Schwarzenau und das Dorf Elsoff gehörten, und schließlich
dem evangelisch-reformierten Kirchspiel Berleburg. Das evangelisch-reformierte Kirchspiel Schwarzenau entstand als Pfarrei hingegen erst 1854. Dies geht aus der Seite Altkreis Wittgenstein, Stand vom 18.2.2011, URL: Unterseite von http://wiki-de.genealogy.net/ (abgerufen am 28.8.2014) hervor.
485
A6 Unterscheidung zwischen den Lehrern Johann Jost Kiel und Johann Christian Kiel:
• für Johann Jost Kiel sein Taufregister (1791);
• für Johann Christian Kiel Lebenslauf (28.7.1817*), Taufregister (1827b) zu Christian Heinrich Kiel, Taufregister (1831) zu Marie Wilhelmine Kiel, Zirkular (22.12.1844),
Schmidt (1834/1998).
• (a) Geburts- und Taufdatum von Johann Jost Kiel, dem Vater von Friedrich Kiel, gehen
eindeutig aus den Einträgen im Taufregister (1791, Nr. 10) hervor: 30ten April 1791 als Geburts- und 6ten Mai 1791 als Taufdatum.
• (b) Johann Jost Kiel selbst irrte sich in dem von ihm verfassten Lebenslauf (29.7.1817*)
bei der Angabe seines Geburtsdatums 1791 den 1ten May.
• (a/b) Friedrich Kiels Vater Johann Jost Kiel (30.4.1791 Richstein – 26.3.1863 Schwarzenau) wird in der Sekundärliteratur teilweise mit dessen jüngerem Bruder Johann Christian Kiel (18.9.1797 Richstein – 4.2.1858 Laasphe) verwechselt, der Volksschullehrer in
Niederlaasphe vom 15. Oktober 1815 bis mindestens Juli 1817 laut seinem Lebenslauf
(28.7.1817*) und anschließend in Laasphe für längere Zeit, mindestens im Zeitraum
1827–44, war. Der Mindestzeitraum 1827–44 für Laasphe geht aus dem Taufregister
(1827b, Nr. 16) seines Sohnes Christian Heinrich Kiel und dem Taufregister (1831, Nr. 33)
seiner Tochter Marie Wilhelmine Kiel hervor, in denen er 1827 als Herr Christian Kiel
Mädchenlehrer und 1831 als Christian Kiel Schullehrer jeweils mit Wohnort Laasphe verzeichnet ist. Zudem gab es im Dezember 1844 laut Zirkular (22.12.1844) einen Volksschullehrer mit dem Nachnamen Kiel, bei dem es sich laut Schmidt (1834/1998, 23) eindeutig um Johann Christian Kiel handelt.
A7 Volksschullehrerstellen von Johann Jost Kiel:
• 1811–27: Lebenslauf (29.7.1817*);
• ab 1827: Anstellungspatent (11.10.1827*), Taufregister (1827a) zu Johanna Kiel,
Friedrich Kiels veröffentlichte Autobiografie Kiel (1882);
• bis 1859: Brief (20.3.1855*), Verfügung (2.9.1858*), Verzeichnis (Jan. 1860),
Sterberegister (1863) zu Johann Jost Kiel.
• (a) Johann Jost Kiel als Volksschullehrer 1811 bis Sommer 1827 in Puderbach:
Das Jahr 1811 geht aus dem Lebenslauf (29.7.1817*) von Johann Jost Kiel hervor: Vor
sechs Jahren [= 1811] wurde mir die hiesige Schulstelle […] übertragen. Der Sommer im
Jahr 1827 erschließt sich indirekt aus dem Umzug nach Schwarzenau, der im Zeitraum
Mitte August und Anfang Oktober 1827 stattfand (siehe Punkt „B1“). Eine Schulchronik
oder Archivalien über die Puderbacher Schule aus den 1810/20er-Jahren konnten bislang
nicht eruiert werden.
Eine verbindliche und einheitliche Regelung für den Schuljahresbeginn gibt es erst seit
1941, als dieser für das gesamte Deutsche Reich auf September festgelegt wurde. Ebenfalls im Monat Oktober begann im Jahr 1859 der Volksschullehrer M. Prediger, dessen
Vorname nicht in der Archivalie genannt ist, in Schwarzenau seine Amtszeit laut dem Verzeichnis (Jan. 1860, Nr. 14) als Nachfolger von Johann Jost Kiel. Dem entspricht, dass das
Schuljahr in den Volksschulen des preußischen Kreises Wittgenstein zumindest im relevanten Zeitraum 1820–60 in der Regel erst nach der Ernte und somit wie in vielen anderen Ländern nach den Sommerferien begann.
• (a) Volksschullehrer ab Oktober 1827 in Schwarzenau:
Laut dem Anstellungs=Patent für den [Johann] Jost Kiel als Schullehrer u. Vorsänger zu
486
Schwarzenau (Anstellungspatent 11.10.1827*) fand seine Anstellung am 11. Oktober
1827 statt.
• (a) Volksschullehrer bis August 1859 in Schwarzenau:
Julius von Haeften, Oberregierungsrat und Abteilungsdirigent für die Abteilung des Inneren bei der Regierung zu Arnsberg, forderte in der Verfügung (2.9.1858*) im Auftrag des
Kultusministers die Emeritierung von Johann Jost Kiel wegen erfolgloser Amtsführung,
wie es der Kultusminister Karl Otto von Raumer am 22. Juni 1859 befohlen hatte. Er wurde zum 8. August 1859 von seinen Amtgeschäften enthoben und vorzeitig in den Ruhestand versetzt.
Aus weiteren Quellen lässt sich das Jahr 1859 nur indirekt erschließen. Im Jahr 1855 war
Johann Jost Kiel noch als Volksschullehrer tätig; dies geht aus dem Brief (20.3.1855*)
hervor, in dem Fürst Alexander I. zu Sayn-Wittgenstein-Hohenstein den Lehrer Johann
Jost Kiel als noch amtierenden Schullehrer Kiel zu Schwarzenau bezeichnete, der 1863 im
Alter von 71 Jahren als emeritierter Lehrer in Schwarzenau laut Sterberegister (1863,
Nr. 7) verstarb. Laut dem Verzeichnis (Jan. 1860, Nr. 14), dem im Januar 1860 erstellten
Verzeichnis der Schulen des Inspections-Bezirkes des Pfarrer Vogel zu Feudingen (mit
Nr. 14 = Schule zu Schwarzenau) war zudem der 21-jährige, 1838/39 geborene M. Prediger seit einem Viertel Jahr, d. h. seit Oktober 1859 Volksschullehrer in Schwarzenau als
Nachfolger von Johann Jost Kiel, der somit 1859 seinen Schuldienst beendete.
A8 • Mit Schullehrerstelle verbundene kirchliche Nebendienste von Johann Jost Kiel:
Anstellungspatent (11.10.1827*), Lehrer-Bericht (20.11.1850), zwei Stellenübersichten (1.10.1852 und 15.10.1857).
• (a) Puderbach 1821–27:
Es kann davon ausgegangen werden, dass Johann Jost Kiel die mit der Schullehrerstelle
in Puderbach verbundenen kirchlichen Nebendienste im Zeitraum 1821–27, nämlich Vorsänger und Klingelbeutelträger, dieselben waren wie 1850–52: Unter den mit einem Kirchendienst verbundenen Schullehrerstellen steht bei der Lehrerstelle Puderbach Vorsänger und Klingelbeutelträger im Lehrer-Bericht (20.11.1850) sowie Vorsingen und Klingelbeuteltragen in der Stellenübersicht (1.10.1852). Zudem konnte Johann Jost Kiel in
Puderbach 1821–27 nicht als Organist, wie es damals die Nebenpflicht vieler Schullehrer
war, gewirkt haben, da es in den 1820er-Jahren in der Puderbacher Kirche weder eine Orgel noch ein – erst später erworbenes – Harmonium gab.
• (a) Schwarzenau 1827–59:
Auch in Schwarzenau war Johann Jost Kiel nur als Vorsänger und Küster – mit z. B. Läuten und Reinigen des Kirchensaals als Aufgaben –, jedoch nicht als Organist tätig, wie
Dokumente aus den Jahren 1850 und 1857 belegen. Die Schullehrerstelle Schwarzenau
war laut Lehrer-Bericht (20.11.1850) mit den kirchlichen Diensten Vorsänger und Küsteramt verbunden und laut Stellenübersicht (15.10.1857) definiert als Lehrer und Vorsänger, wobei unter Nummer B8 hinzugefügt wird: Im K.[irchensaal] Schwarzenau besorgt
observanzmäßig810 der Lehrer das Läuten und das Reinigen des Kirchensaals.
Johann Jost Kiel wurde laut Anstellungspatent (11.10.1827*) sogar auf sein Gesuch hin
von der ihm am 20. Juni 1827 verliehenen Schullehrer- und Organistenstelle in Feudingen
entbunden, weil die Feudinger Gemeinde laut Krukowski (1/2013, 30) einen Einheimi-
810 Observanz = Gewohnheitsrecht von örtlich begrenzter Bedeutung.
487
schen dem von der Bezirksregierung berufenen Johann Jost Kiel vorzog, und am 11. Oktober 1827 als Schullehrer und Vorsänger in Schwarzenau angestellt.
• (a) Kirchliche Nebenämter wie z. B. Vorsingen, Orgelspielen, Küsteramt und Klingelbeuteltragen waren im Kreis Wittgenstein üblicherweise mit dem Schuldienst verbunden;
die Lehrer waren laut Aktentitel von D-BEkw Akte 4,4 zu gleich Kirchenbeamte. Aus
weiteren Dokumenten geht hervor, dass Johann Jost Kiel keinen Organistendienst, wie es
viele seiner Lehrerkollegen taten, versah. Laut seinem Anstellungspatent (11.10.1827*)
wurde er am 11. Oktober 1827 lediglich als Schullehrer und Vorsänger in Schwarzenau
angestellt. Auch laut dem Nekrolog in AllgemeineZ (1885, 4369), der auf einem mit Friedrich Kiel geführten Interview basierte, hatte der Vater keinen Organistendienst neben dem
Schuldienst zu versehen.
Nur in einem Kirchspiel legte man bei der Anstellung eines Lehrers insbesondere auf die
musikalischen Fähigkeiten großen Wert, wie generell aus den kirchlichen Unterlagen aus
dieser Zeit, die ebenfalls die Schulstellen betrafen, hervorgeht. Friedrich Kiels Vater
nahm 1827 eine neue Lehrerstelle in der Ortschaft Schwarzenau an, die zwar laut Einwohnerzählung 1807 mit 74 Häusern laut Spies (1975, 118) um einiges größer war als
Kiels Geburtsort Puderbach mit 18 Häusern (siehe Punkt „A5“), aber zu keinem Kirchspiel gehörte, weshalb es in Schwarzenau keine Kirche bzw. Kapelle, sondern nur einen
kirchlichen Versammlungsraum gab.
A9 • Beginn von Friedrich Kiels Klavierspiel und -improvisation im Jahr 1827: Brief
(31.7.1863*) von Kiel, auf diesem Brief basierende, in Breslauer (1885) als Nekrolog auf Kiel veröffentlichte Autobiografie Kiels, handschriftlicher Lebensabriss
(c1881*) bzw. veröffentlichte Version AllgemeineZ (1885).
• (a) Im Alter von fünf Jahren bzw. im sechsten Lebensjahr (= 8.10.1826 bis 7.10.1827)
begann Friedrich Kiel 1827 – vermutlich im Sommer oder spätestens September 1827 –
autodidaktisch Klavier zu spielen und zu improvisieren: Der Beginn im 6ten Jahre, den Kiel
selbst in seiner Autografie im Brief (31.7.1863*) an den Leipziger Verleger Julius Schuberth benannte, entspricht den Aussagen von Kiels Zeitgenossen. Noch der Kielschüler
Emil Breslauer, der Herausgeber der elften Auflage von Schuberths Musiklexikon, in SchuberthL (189111, 277), gab das sechste Lebensjahr an: Kiel lernte, nach seiner eigenen Lebensskizze, das Klavierspiel vom 6. Jahre an ohne jegliche Unterweisung, spielte alles nach
dem Gehör, komponirte einzelne kleine Tänze, ohne die Noten zu kennen.
Dieselben Angaben machten Karl von Ledebur, der 1861 das Tonkünstler-Lexicon Berlin
herausgab, der anonyme Rezensent H. K., dessen im Herbst 1881 mit Kiel geführtes Interview sowohl handschriftlich (Lebensabriss c1881*) als auch als publizierter Nekrolog
auf Kiel (AllgemeineZ 1885, 4369) vorliegt, die Kielschüler Erich Prieger und Emil Breslauer in Prieger (1884, 261) und die auf seinem Brief (31.7.1863*) basierende veröffentlichte Autobiografie in Breslauer (1885, 222) sowie ohne Zeitangabe der Berichterstatter der Berliner National-Zeitung Otto Gumprecht (Gumprecht 1886, 24–25). Lediglich
der Rezensent H. K. verwendet die ausführliche Formulierung im 6. Lebensjahr (Lebensabriss c1881*) bzw. im Alter von kaum 6 Jahren (AllgemeineZ 1885, 4369), was nahelegt, dass der Beginn kurz vor seinem sechsten Geburtstag am 8. Oktober 1827 und somit
im Jahr 1827 – vermutlich im Sommer 1827 – lag.
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B1 • Umzug der Familie Kiel zwischen Mitte August und Anfang Oktober 1827:
Taufregister (1827a) zu Johanna Kiel, Anstellungspatent (11.10.1827*) für Johann
Jost Kiel, Friedrich Kiels veröffentlichte Autobiografie Kiel (1882), historischer
Kontext.
• (a) Das Jahr 1827 als Umzugsjahr der Familie Kiel von Puderbach nach Schwarzenau
wird einheitlich von Friedrich Kiel, z. B. mein Vater […] siedelte 1827 nach Schwarzenau über (Kiel 1882, 101), und seinen Zeitgenossen angegeben. Der Umzug fand frühestens Mitte August 1827 statt, da Friedrich Kiels jüngere Schwester Johanna Kiel laut
Taufregister (1827a, Nr. 10) am 6. August 1827 noch in Puderbach getauft und Johann
Jost Kiel im Bericht über die am 10. August 1827 in Laasphe stattfindende Lehrerkonferenz noch als Schullehrer zu Pud.[erbach] (LehrerkonfBe 10.8.1817) aufgelistet wurde.
Neben Johann Jost Kiel ist darin auch Johann Christian Kiel als Kiel zu N.[iederlaasphe],
ein Onkel väterlicherseits von Friedrich Kiel und ein jüngerer Bruder Johann Jost Kiels,
verzeichnet. Zudem erfolgte der Umzug spätestens Anfang Oktober, da Johann Jost Kiels
Lehrerstelle in Schwarzenau laut seinem Anstellungspatent (11.10.1827*) im Oktober 1827
begann.
B2 • Achtjährige Volksschulausbildung Friedrich Kiels in Schwarzenau 1827–35: Verfügung des Kultusministers vom 24. April 1828, Bölling (1983), Kuß (2008), historischer Kontext.
• (a) Friedrich Kiels Schulbeginn erfolgte – wie derzeit vom preußischen Kultusminister
als unterrichtspflichtiges Alter vorgeschrieben – im Alter von sechs Jahren, das Kiel im
Oktober 1827 erreicht hatte. Den Volksschulabschluss, der in Preußen nach acht Jahren –
somit im Alter von sechs bis vierzehn Jahren – erreicht wurde, erwarb Kiel folglich im
Zeitraum 1827–35. Dass er an der Volksschule Schwarzenau zur Schule ging, geht indirekt daraus hervor, dass er mit seiner als arm geltenden Familie, die sich kein Schulinternat oder Privatunterricht leisten konnte, in Schwarzenau wohnte und es z. B. noch 1845
im 14 Kreise umfassenden Regierungsbezirk Arnsberg, zu dem auch der Kreis Wittgenstein gehörte, nur vier Gymnasien in Arnsberg, Soest, Dortmund und Hamm gab.
Die preußische Kabinettsorder vom 14. Mai 1825 betreffend die Schulpflicht und -zucht
bestimmt, jedes Kind nach zurückgelegtem fünften Lebensjahr [= Alter von sechs Jahren]
[…], zur Schule zu schicken, sofern es keinen Privatunterricht genoss, laut SchulpflichtGesetzeskommentar (1887, 3). Hierbei wurde die Vollendung des fünften Lebensjahres in
den einzelnen Reg.[ierungs]-Bezirken meist auf das sechste gerückt, wie aus der Fußnote
im Schulpflicht-Gesetzeskommentar (1887, 15) hervorgeht. Der Schulbesuch beginnt laut
Schulpflicht-Gesetzeskommentar (1887, 310 f.) mit dem vollendeten 6. und schließt mit dem
vollendeten 14. Lebensjahre und die Dauer des Schulbesuchs solle vom sechsten Lebensjahre an in der Regel 8 Jahre umfassen.
In den 1820er-Jahren gab es zwar schon eine vom Königreich Preußen verordnete Unterrichtspflicht, jedoch keine Schulpflicht, da auch ein Unterricht durch Haus- oder Privatlehrer möglich war; zudem wurde bei einer landesweiten Zählung in Preußen festgestellt,
dass 1826 erst etwa sechzig Prozent der Kinder laut Bölling (1983, 13) in die Schule gingen, hingegen 1880 schon etwa 82 Prozent. Laut den Regelungen des preußischen Kultusministers setzte das unterrichtspflichtige Alter in den westfälischen Dörfern, die mehr als
15 Minuten Fußweg von der Schule entfernt lagen, gemäß der Verfügung vom 22. April
1826 im Alter von sechs Jahren und gemäß der Verfügung vom 24. April 1828 für die
zerstreuten westfälischen Dörfer im Alter von sieben Jahren – um somit ein Jahr später –
laut P. Kraft gemäß Kuß (2008, 9) ein. Erst am 11. Dezember 1845 regelte die Schulord-
489
nung für die Elementarschule der Provinz Preußen in Paragraf 1, dass jedes nicht zuhause
bzw. privat unterrichtete Kind ab dem Alter von sechs Jahren für mindestens acht Jahre –
mit der achtjährigen Volksschulausbildung – zur Schule gehen soll.
B3 • Friedrich Kiels Erlernen der Notenschrift im Jahr 1832: Brief (31.7.1863*) mit
Autobiografie von Kiel, auf diesem Brief basierende, in Breslauer (1885) als Nekrolog auf Kiel veröffentlichte Autobiografie Kiels, handschriftlicher Lebensabriss
(c1881*) bzw. veröffentlichte Version in AllgemeineZ (1885).
• (a) Friedrich Kiel erlernte wohl im Jahr 1832 das Notenlesen: Er schilderte in seinem
Brief (31.7.1863*), dass er 5–6 Jahre nach seinem 6ten [Lebens-]Jahre (= 8.10.1831 bis
7.10.1833) Noten lernte, was in ähnlicher Formulierung auch in seiner auf diesem Brief
basierenden, in Breslauer (1885, 222) veröffentlichten Autobiografie steht.
Die meisten Zeitgenossen Kiels geben das 11. Lebensjahr (= 8.10.1831 bis 7.10.1832) an,
was ebenfalls für das Jahr 1832 spricht: im 11ten Jahre laut LedeburL (1861, 281), im
11. Jahre laut dem auf einem Interview mit Friedrich Kiel basierenden handschriftlichen
Lebensabriss (c1881*) bzw. im 11. Lebensjahre laut dessen veröffentlichter Version in
AllgemeineZ (1885, 4369) sowie in Prieger (1884, 262) und Prieger (1906, 127). Auch
aus BakerD (19001, 311) und BakerD (19404 , 582), laut denen Kiel im Zeitraum 1832–34
Tänze und Variationen schriftlich komponierte, geht indirekt hervor, dass Friedrich Kiel
im Jahr 1832 das Notenlesen lernte. Der Hofprediger Emil Frommel benennt in seiner
Gedächtnisrede zu Kiel dessen Alter mit elf Jahren (= 8.10.1832 bis 7.10.1833) in Frommel
(1885, 26) und der Berliner Redakteur Otto Gumprecht als noch nicht elf Jahre alt (= kurz
vor 8.10.1832) in Gumprecht (1886, 25). Und laut Lessmann (1885a, 337) war es Friedrich Kiels Vater, der ihm – mit dem Erlernen der Notenschrift – den ersten Musikunterricht ertheilte, ohne dass hier der Unterrichtsinhalt und -zeitraum genannt wird.
• (b) Nur Reinecke (2006, 3) datiert Friedrich Kiels Erlernen der Notenschrift mit etwa
12 Jahren (= 8.10.1833 bis 7.10.1834), ohne Primärquellen zu nennen.
B4 • Erste schriftlich notierte Kompositionen Friedrich Kiels im Zeitraum 1832–34:
LedeburL (1861), Brief (31.7.1863*) mit Autobiografie von Kiel, auf diesem Brief
basierende, in Breslauer (1885) als Nekrolog auf Kiel veröffentlichte Autobiografie Kiels.
• (a) Friedrich Kiels ab 1832 – mit dem Erlernen der Notenschrift – einsetztende schriftliche Fixierung von Kompositionen geht insbesondere aus zwei Quellen hervor. Laut LedeburL (1861, 281) hatte er schon früher kleine Compositions-Versuche am Claviere
gemacht, jetzt fing er [1832] an, sie [schriftlich] aufzusetzen. Kiel selbst schilderte in
seiner als Vorlage für seinen Lexikoneintrag dienenden Autobiografie im Brief (31.7.1863*):
Als ich die Noten und ein bischen Eintheilung gelernt hatte, übte ich mich unermüdlich im
Abspielen […] und componirte so emsig, daß in einem Jahre nahezu an 100 Tänze, Märsche u.[nd] Variationen entstanden, in welchen Formen, als die mir einzig bekannten, ich
mich des Leichtesten zu bewegen vermochte. Für den Beginn im Jahr 1832 spricht auch
die Altersangabe in Lessmann (1885a, 337), dass Kiel seine ersten schriftlichen Kompositionsversuche im Alter von elf Jahren (= 8.10.1832 bis 7.10.1833) machte.
Diese ungefähr hundert erstmals schriftlich erschaffenen Kompositionen Kiels entstanden
innerhalb von ein oder zwei Jahren ab dem Jahr 1832: in einem Jahr nahezu 100 laut
Kiels Brief (31.7.1863*) und seiner auf diesem Brief basierenden veröffentlichten Autobiografie in Breslauer (1885, 222), innerhalb 2 Jahren über 100 laut LedeburL (1861,
281) bzw. binnen nicht ganz zwei Jahren über hundert laut Prieger (1884, 262) bzw. ex-
490
plizit im Zeitraum 1832–34 ungefähr 100 laut RiemannL (1/192911, 878). Da Kiels Kompositionen zudem im sich anschließenden Jahr 1835 Prinz Karl zu Sayn-WittgensteinBerleburg laut RiemannL (1/192911, 878), BakerD (19001, 311) und BakerD (19404, 582)
sehr beeindruckten, kann man mit einiger Wahrscheinlichkeit annehmen, dass diese ersten etwa hundert Kompositionen im Zeitraum 1832–34 entstanden sind.
• (b) Laut Gumprecht (1886, 25) waren die ersten Sachen, die er zu Papier gebracht, Tänze und Variationen. Noch nicht elf Jahre alt (= Alter von zehn Jahren / elftes Lebensjahr
8.10.1831 bis 7.10.1832 / recte: Alter von elf Jahren / zwölftes Lebensjahr 8.10.1832 bis
7.10.1833), hatte er mehrere Hefte damit voll geschrieben.
B5 • Friedrich Kiels Unterricht bei Karl Batta in Elsoff innerhalb des Zeitraums
1832–35: Lehrer-Bericht (20.11.1850), zwei Stellenübersichten (1.10.1852 und
13.6.1857), Verzeichnis (Jan. 1860), Verfügung (8.8.1865*), Brief (14.8.1865),
Bauks (1980).
• (a) Friedrich Kiels Unterricht bei Karl Batta von 1832/33 bis spätestens 1835:
Es ist anzunehmen, dass Friedrich Kiel erst weiteren Unterricht bei Batta erhielt, nachdem
er von seinem Vater 1832 die Notenschrift erlernt hatte. Dies geht auch indirekt aus
Weber (1928, 140) hervor, laut dem der Vater den Sohn zu seinen Kollegen, dem Lehrer
Badda [= Batta] in Elsoff, schickte, als er einsah, dass der Schüler [Friedrich Kiel] größer war als der Lehrer [Johann Jost Kiel]. Für Dezember 1833 ist zudem eine persönliche
Verbindung zwischen den Familien Kiel und Batta belegt: Carl Batta derzeit Organist
und Schullehrer zu Elsoff war Taufpate von Friedrich Kiels jüngerem Bruder Karl Kiel,
dessen Taufe laut Geburtsregister (1833, Nr. 71) am 22. Dezember 1833 in Elsoff mit
dem Elsoffer Pfarrer Johann Quentel stattfand. Zudem endete Kiels Unterricht bei Batta
spätestens 1835, als er zum Lehrerseminar in Soest geschickt wurde.
• (a) Dienstzeit Karl Battas als Volksschullehrer in Elsoff 1826–65 (Herbst 1826 bis spätestens Juli 1865):
Karl Battas Dienstzeit in Elsoff begann im Schuljahr 1826/27, vermutlich zu Beginn des
Schuljahres im Herbst 1826, was sich indirekt aus den Angaben 32 Dienstjahre bis Januar
1860 im Verzeichnis (Jan. 1860) sowie 38 Dienstjahre bis zur Pensionierung 1865 im Sterberegister (1893, Nr. 12) ergibt: Rechnerisch entsprechen 32 Dienstjahre den Schuljahren
1826/27 bis 1858/59 und 38 Dienstjahre den Schuljahren 1826/27 – 1864/65.
Karl Battas Dienstzeit in Elsoff endete Mitte 1865, wobei im August 1865 schon seine
Pensionierung vollzogen war. In der Verfügung (8.8.1865*) setzte sich Friedrich Winckel,
der Superintendent des Kirchenkreises Wittgenstein, bei dem Elsoffer Pfarrer Emil Ohly
dafür ein, dass Batta nach seiner Pensionierung weiterhin ein Drittel seines Gesamtgehaltes als Lehrer, Küster und Organist beziehen solle, da es eine Ehrensache der Schulgemeinde betrifft. Und laut dem Brief (14.8.1865) von Julius Wiesmann, dem kommissarischen
Direktor des Kgl. Konsistoriums Münster und Generalsuperintendenten der Kirchenprovinz
Westfalen, war Batta schon im August 1865 pensioniert: Wenn der Lehrer Batta zu Elsoff
zugleich […] der dortigen Kirchen=Gemeinde gedient hat […], so scheint es […] der Billigkeit gemäß zu sein, daß ihm […] eine Pension bewilligt werde. Battas Pensionierung im
Jahr 1865 geht auch aus dem Sterberegister (1893, Nr. 12) hervor: Pensionierter Lehrer
dahier; 38 Dienstjahre zählend, seit 1865 pensionirt.
• (a) Karl Battas Gründung eines Kirchenchors:
Laut der freundlichen Mitteilung von Karl Hüster aus Bad Berleburg-Elsoff vom 21.4.1996
an Peter Pfeil in Coppenbrügge hob Friedrich Winckel, Superintendent des Wittgensteiner
Kirchenkreises, schon Mitte des 19. Jahrhunderts in einem Visitationsprotokoll lobend
491
hervor, dass sich Batta um den Kirchengesang durch Bildung eines Kirchenchores sehr
verdient gemacht habe. Hierbei handelt es sich vermutlich um das Visitationsprotokoll
über die Schulvisitation am 23. August 1865 in Elsoff, das in D-BEkw nicht vorliegt;
siehe Notiz zur Verfügung (8.8.1865*).
• (a) Barockorgel der Elsoffer Kirche, vermutlich eine Rindt-Orgel:
Laut Kurt Hüster (Hüster 1993, 55) stand die Barockorgel, die 1733 vermutlich von dem
Wittgensteiner Orgelbauer Johann Christian Rind / Rindt (29.12.1672 Hatzfeld – 1744
Schönstadt) erbaut wurde, bis 1895 auf der Empore im Westschiff der Elsoffer Kirche.
Der Orgelbauer Rindt ist plausibel, da es auch in Hatzfeld, einem Ort in der Nähe von Elsoff, eine barocke Rindt-Orgel gab, die 1706 von Rindt in der ehemaligen Stadtkirche
Hatzfeld erbaut und 1868 aus dieser Pfarrkirche in die Emmaus-Friedhofskapelle – der
ehemaligen Kirche St. Cyriax – in Hatzfeld versetzt wurde; dort wird sie laut freundlicher
Mitteilung des Autors Kurt Hüster aus Bad Berleburg-Elsoff bei allen Beerdigungen,
aber auch bei dort stattfindenden Konzerten noch gespielt.
• (a) Karl Battas kirchliche Nebenämter Organist, Vorsänger, Küster und Glöckner:
Die mit der Schullehrerstelle in Elsoff verbundenen kirchlichen Dienste von Karl Batta
waren Organist, Vorsänger i. S. eines Kantors, Küster und Glöckner. In drei Dokumenten
über die dem Kirchenkreis Wittgenstein zugehörigen Lehrerstellen aus dem Zeitraum
1850–57, die derzeit mit einem kirchlichen Dienst verbunden waren, steht bei Battas Schullehrerstelle in Elsoff: Organisten= Vorsänger[-] und Küsteramt (Lehrer-Bericht (20.11.1850),
Organistenamt, Vorsingen und Küsterdienste (Stellenübersicht 1.10.1852) bzw. Küster=[,]
Organisten[-] und Vorsängerdienst (Stellenübersicht 13.6.1857). Auch laut der Verfügung (8.8.1865*) des Superintendenten Friedrich Winckel wirkte Batta als Lehrer Küster
und Organist in Elsoff. Die kirchlichen Nebenämter Battas berichtete ebenfalls Julius Wiesmann, kommissarische Direktor des Kgl. Konsistoriums Münster und Generalsuperintendent der Kirchenprovinz Westfalen, in seinem an den Superintendenten Winckel adressierten Brief (14.8.1865): Wenn der Lehrer Batta zu Elsoff zugleich als Küster, Glöckner,
Organist und Cantor der dortigen Kirchen=Gemeinde gedient hat […].
B6 • Vorstellungsgespräch Friedrich Kiels am Lehrerseminar in Soest circa im ersten
Quartal 1835: Brief (31.7.1863*) mit Autobiografie von Kiel, handschriftlicher Lebensabriss (c1881*), Akten des Lehrerseminars in Soest.
• (a) Circa im ersten Quartal 1835:
Friedrich Kiels Vorstellung im Lehrerseminar in Soest, das 1806 bis 1926 existierte, fand
vermutlich im ersten Quartal 1835 statt, zumal Friedrich Kiel seinen achtjährigen Volksschulabschluss (1827–35) im ersten oder zweiten Quartal 1835 absolvierte. Das Jahr 1835
geht ebenfalls aus folgenden Quellen hervor. Im Brief (31.7.1863*) erwähnte Friedrich
Kiel, dass er dreizehn Jahre alt (= 8.10.1834 bis 7.10.1835) im Jahr 1835 dem Fürsten
Albrecht I. zu Sayn-Wittgenstein-Berleburg – direkt im Anschluss an seine Reise nach
Soest [Ende 1834 oder 1835] – empfohlen wurde. Dies entspricht auch dem Kielschüler
Emil Breslauer, dem Herausgebers der elften Auflage von Schuberths Musiklexikon, in
SchuberthL (189111, 277): Der Vater […] nahm ihn im Alter von 13 Jahren mit nach
Soest. Die Altersangabe von 13 Jahren ist mit dem 14. Lebensjahr (= 8.10.1834 bis 7.10.1835)
identisch, das in Bungert (1875, 126) angegeben ist: So kam das vierzehnte Lebensjahr
heran und da der Vater ihn zum Schullehrer bestimmt hatte, reiste er mit dem Sohn eines
Tages nach Soest, da er in dem dortigen Seminar zum Lehrer später ausgebildet werden
sollte. Darüber hinaus wird in ReissmannL (1882, 222) und MúsiolL (1888, 126) sogar
explizit das Jahr 1835 genannt.
492
• (b) Kiels Soest-Episode wird mit Kiels Alter von 14 Jahren (= 8.10.1835 bis 7.10.1836)
ein Jahr später z. B. in PaulL (1/1873, 510), Mendel/ReissmannL (6/1876, 42) und Niecks
(1885, 217) angegeben, wobei es sich hier wohl lediglich um eine Verwechslung des 14. Lebensjahrs mit dem Alter von 14 Jahren handelt.
• (a) Vorstellungsgespräch:
Das Lehrerseminar in Soest, das trotz straffen Zeitplans den Seminaristen ein großes Maß
an individuellem Freiraum gewährte, unterstand 1835 dem Direktor Karl Gottlieb Ehrlich
laut Vogelsänger (1973, 12+23). Laut dem anonym überlieferten Lebensabriss (c1881*),
der auf einem mit Kiel geführten Interview beruht, hatte der erste Musiklehrer Engelhardt
persönlich den jungen Schulaspiranten [Friedrich Kiel] zu prüfen. Neben Engelhardt gab
es 1835 als zweiten Musiklehrer noch den Hilfslehrer Arnold Bertelsmann laut Vogelsänger (1973, 97). Kiel selbst berichtete im Brief (31.7.1863*) nur von einer Reise nach Soest,
wie auch den Formulierungen in MWO (1870a, 169), Bungert (1875, 126), Mendel/ReissmannL (6/1876, 42) und AllgemeineZ (1885, 4369) zu entnehmen ist.
Friedrich Kiel wird im Lebensabriss (c1881*) als Schulaspirant (lat. aspirare = anstreben), d. h. als ein sich für die Aufnahme in ein Lehrerseminar bewerbender Schüler, bezeichnet und hätte gemäß den preußischen Regelungen erst im Alter von 16 Jahren, das
er erst im Oktober 1837 erreicht hätte, in ein Lehrerseminar aufgenommen werden können. Schon dieser Punkt spricht dafür, dass Kiel lediglich ein Vorstellungsgespräch im
Lehrerseminar in Soest hatte, das vermutlich im ersten Quartal des Jahres 1835 stattfand.
Eine Seminar-Aufnahmeprüfung als Schulaspirant hätte für ihn eine zweite lange Reise
nach Soest bedeutet, wozu sich in den Primärquellen kein Hinweis findet. Diese Aufnahme war im Königreich Preußen einheitlich geregelt. Die Schulaspiranten wurden zunächst in einem Vorstellungsgespräch, bei der es um die Zulassung zur Prüfung ging, insbesondere auf ihre körperliche und geistige Eignung zum Lehrerberuf überprüft, bei dem
die Musik aufgrund der mit dem Lehrerberuf vertraglich verbundenen kirchlichen Nebenämter eine bedeutende Rolle spielte. Erst danach unterzogen sich die zugelassenen
Schulaspiranten einer Seminar-Aufnahmeprüfung, die meist zwischen Ostern und Juli
stattfand und bei der überprüft wurde, ob deren Bildungsgrad den Seminaranforderungen
entsprach. Erst im dritten Schritt kam es, sofern die Voraussetzung eines Mindestalters von
16 Jahren gegeben war, zur Aufnahme in das Lehrerseminar. Bei bestandener Prüfung besuchten die jetzt als Schulpräparanden aufgenommenen (früheren) Schulaspiranten für
zwei Jahre (bis 1846) bzw. danach mindestens drei Jahre das Lehrerseminar. Es handelte
sich hierbei noch nicht um eine Aufnahmeprüfung, den zweiten Schritt im Aufnahmeprozess der Volksschullehrerausbildung, in der die Aspiranten Klavierstücke und Choräle auf
der Orgel vortrugen sowie laut Vogelsänger (1973, 83 f.) Melodien vorsangen; Friedrich
Kiel wird in den Akten des Lehrerseminars in Soest weder bei den Aufnahmeprüfungen
im Zeitraum 1831–47 noch in den Schülerverzeichnissen im Zeitraum 1831–41 genannt,
die im Geheimen Staatsarchiv in Berlin (D-Bga) aufbewahrt sind: Aufnahmeprüfungen
(1831–47), Schülerverzeichnisse (1831–35) und Schülerverzeichnisse (1836–41). Auch in
weiteren Archivalien zum Soester Lehrerseminar, in Soest-Seminar (1829–35) und SoestSeminar (1836–47) findet sich kein Hinweis auf Friedrich Kiel.
• (a) Unterrichtsfächer am Lehrerseminar in Soest: Bei der bis 1846 noch zweijährigen
Seminarausbildung am Soester Lehrerseminar waren für den Musikunterricht, der eine
rein praxisbezogene Elementarausbildung darstellte, über vierzig Prozent der Unterrichtsstunden, d. h. 18 von 42 mit Musikfächern belegten Stunden – z. B. für das Jahr 1818 zumindest geplant laut Vogelsänger (1973, 42). Der meist gruppenweise Unterricht umfasste in der Zeit von Engelhardts Wirken am Soester Lehrerseminar Orgel, Klavier, Ge-
493
sang und Theorie, während der Violinunterricht laut Vogelsänger (1973, 114 f.) erst später probeweise und 1854 offiziell hinzukam. Der wöchentliche Stundenplan an Musikfächern umfasste z. B. im Jahr 1842 laut Vogelsänger (1973, 99+111+121+128) zwei Stunden Klavier nach der Gruppenmethode von Logier, wozu später – auf das Klavierspiel
aufbauend – Orgelunterricht hinzukam, zwei bzw. drei Stunden Gesang im ersten bzw.
zweiten Studienjahr und das Singen im leistungsfähigen Seminarchor. Hierbei wurde die
Harmonielehre zu Engelhardts Zeit während den Gesangs-, Klavier- und Orgelstunden gelehrt und durch eine Stunde Generalbass, die jede zweite Woche stattfand, ergänzt. Die
Abschlussprüfung beinhaltete laut Vogelsänger (1973, 139) das Klavierspiel, das vor allem propädeutischen Charakter für das Orgelspiel hatte, mit höchstens einfachen Sonaten, den Gesang mit Volks- und Kirchenliedern sowie – als Schwerpunkt der Instrumentalausbildung – das Orgelspiel.
• (b) Es ist auszuschließen, dass Friedrich Kiel als Schüler für eine kurze Zeit ins Lehrerseminar in Soest aufgenommen wurde, wie es in MúsiolL (1888, 126), ReissmannL
(1882, 222), Niecks (1885, 217) und KpBZ (1885) heißt. In diesem Fall würde sich sein
Name im Verzeichnis der Aufnahmeprüfungen sowie im Schülerverzeichnis des Lehrerseminar in Soest finden, was nicht der Fall ist.
B7 • Vermittlung Friedrich Kiels durch Apollo Kneip im Jahr 1835: Friedrich Kiels
veröffentlichte Autobiografie Kiel (1882), Weber (1928), Wecker (1999), biografischer Kontext;
• Apollo Kneips Amtszeitende im Juli 1835: Bauks (1980), freundliche Mitteilung
von Johannes Burkardt.
• (a/b) Vermittlung Friedrich Kiels 1835 durch Apollo Kneip:
Apollo Kneip lud Friedrich Kiel über einen an seinen Vater gerichteten Brief zu einen
Vorspieltermin im Jahr 1835 vor Fürst Albrecht I. am Fürstlichen Hof Berleburg ein, wie
es Kiel fast fünf Jahrzehnte später selbst schilderte: Eines Tages erhielt mein Vater einen
Brief von dem 90jährigen [recte: fast 70jährigen] Superintendenten Kneip in Berleburg
mit der Einladung, seinen Sohn, von dem er so Vieles gehört habe, zu ihm zu bringen
(Kiel 1882, 1039).
Infrage kommen als Informanten über Kiel insbesondere Friedrich Wilhelm Schmidt, der
laut Bauks (1980, 443) seit 1819 Prinzenerzieher und Hofprediger auf Schloss Wittgenstein bei Laasphe, seit 1823 Oberpfarrer in Laasphe und seit 1835 Superintendent des
Kreises Wittgenstein – und damit Nachfolger Apollo Kneips – war. Möglich erscheint
auch sein früherer Musiklehrer Karl Batta und der Soester Musiklehrer Engelhardt (eventuell über den für die Soester Lehrer zuständigen Superintendenten des Kirchenkreises
Soest Karl Busch bis 1835 bzw. Friedrich Hentzen ab 1835). Allerdings konnte Johannes
Burkardt aus Münster, der betreuende Archivar für den Kirchenkreis Wittgenstein, laut
freundlicher Mitteilung vom 5.4.2011 eine wie auch immer geartete direkte Verbindung
des Superintendenten Kneips in Berleburg zum Lehrerseminar in Soest nicht nachweisen.
Der für den Kreis Soest zuständige Superintendent war laut HHS (1835, 366) einer von
elf evangelischen geistlichen Superintendenten des Regierungsbezirks Arnsberg, zu dem
die Kreise Soest und Wittgenstein gehörten. Karl (Franz Kaspar) Busch (7.9.1768 Dinker – 9.7.1848 ebenda) war seit 1788 Pfarrer – u. a. 1832–35 in Dinker –, seit 1806 Konsistorialrat in der Kammer zu Hamm, für lange Zeit ab 1816 Schulkommissar über im Kreis
Soest gelegene Schulen sowie 1825–28 und 1832–35 Superintendent des Kreises Soest.
Friedrich (Conrad) Hentzen († 13.10.1836 Soest) war 1831–36 Pfarrer der Soester Gemeinde St. Maria zur Wiese und zeitgleich 1835–36 Superintendent des Kreises Soest.
494
• (a/b) Der Superintendent Apollo Kneip machte in Berleburg oder Arfeld den musikbegeisterten Fürsten Albrecht I. zu Sayn-Wittgenstein-Berleburg auf das Talent des 14-jährigen Friedrich Kiel aufmerksam, wie aus der Angabe in Berleburg (nach anderen Quellen Arfeld) in Wecker (1999, 17) ohne Quellenspezifizierung hervorgeht. Wecker bezieht
sich wohl u. a. auf Weber (1928, 140), laut dem der Superintendent in [der Ortschaft] Arfeld, die sieben Kilometer im Nordosten von der Residenzstadt Berleburg am oberen Edertal lag und am 1. Januar 1975 im Rahmen der kommunalen Neugliederung zu Bad Berleburg eingemeindet wurde, Fürst Albrecht I. zu Sayn-Wittgenstein-Berleburg auf Kiel aufmerksam machte.
Und laut Mendel/ReissmannL (6/1876, 42) begann Fürst Albrecht I. zu Sayn-Wittgenstein-Berleburg gleichzeitig mit der Soester Empfehlung für ein Musikstudium und wohl
auf Empfehlung Apollo Kneips sich lebhaft für K.[iel] zu interessieren.
• (a) Ende von Apollo Kneips Amtszeit in der zweiten Hälfte des Monats Juli 1835:
Man kann laut freundlicher Mitteilung von Johannes Burkardt aus Münster, dem betreuenden Archivars für den Kirchenkreis Wittgenstein, vom 5.4.2011 davon ausgehen, dass
das nicht näher konkretisierbare Amtsende Kneips als Superintendent des evangelischen
Kirchenkreises Wittgenstein in der zweiten Hälfte des Monats Juli 1835 erfolgte. Die
Wahl von Kneips Nachfolger Friedrich Schmidt zum Superintendenten fand laut Synodenprotokoll am 14. Juli 1835 – und nicht am 18. Juli 1835, wie in Bauks (1980, 443) angegeben – statt. Hierbei muss der Wechsel von Kneip zu Schmidt sehr zeitnah erfolgt sein;
eine überschneidende Tätigkeit z. B. zur Einarbeitung wird von Burkardt ausgeschlossen,
da Kneip seinen Dienstsitz als Pfarrer in Berleburg und Schmidt seinen in Laasphe hatte
und daher die Superintendentur, die kein eigenes Büro hatte, von Berleburg nach Laasphe verlegt wurde.
• (a) Kneip, der als Superintendent von 1822 bis Mitte 1835 fungierte, war in seinem letzten Amtsjahr, das in der zweiten Hälfte des Monats Juli 1835 endete, 68 Jahre (= bis zum
17. Februar 1835) bzw. 69 Jahre (= ab dem 18. Februar 1835) alt.
• (b) Sowohl Friedrich Kiel in seiner Selbstbiografie als auch sein Kompositionsschüler
Erich Prieger irrten sich mit ihrer Altersangabe 90jähriger Superintendent Kneip in Kiel
(1882, 103) und Prieger (1884, 262), die in der Sekundärliteratur wie z. B. in Wecker (1999,
17) übernommen wurde.
B8 • Vorstellung Friedrich Kiels bei Fürst Albrecht I. zu Sayn-Wittgenstein-Berleburg
im Jahr 1835: Brief (31.7.1863*) mit Autobiografie, Gesuch (21.11.1863*) und
Brief (27.8.1865*) von Kiel, veröffentlichte Autobiografie Kiel (1882).
• (a) Friedrich Kiel wurde 1835 am Fürstlichen Hof Berleburg vorgestellt, wie aus dem
Mitte 1835 endenden letzten Amtsjahr von Apollo Kneip als Superintendent des Kirchenkreises Wittgenstein sowie indirekt aus folgenden Lexikoneinträgen aus dem Zeitraum
1882–1940 hervorgeht:
– ReissmannL (1882, 222): im Lehrerseminar zu Soest, in welches er 1835 aufgenommen wurde […] In dieser Zeit gewann der kunstsinnige Fürst von Sayn-WittgensteinBerleburg lebhaftes Interesse an dem talentvollen jungen Mann.
– RiemannL (18821 , 447): mehrere Hefte Tänze und Variationen [Kiels] entstanden bereits
1832–34. Prinz Karl zu Wittgenstein=Berleburg nahm sich des talentvollen Knaben an
und gab ihm selbst Unterricht im Violinspiel (1835).
– MúsiolL (1888, 126): Er kam auf Veranlassung des Fürsten von Sayn-Wittgenstein[-Berleburg] nach Berleburg und empfing dort sogar von dem Bruder desselben, dem Prinzen Carl, Unterricht im Violinspiel (1835).
495
– BakerD (19001, 311 / 19404, 582): Dance music and variations, written 1832–34,
attracted the attention of Prince Karl von Wittgenstein, who gave him violin lessons / K.[iel]
violin-lessons in 1835.
Auch laut Wecker (1999, 19) fand Kiels Vorspiel vermutlich 1835 statt.
• (a/b) Friedrich Kiel gab in seinen Briefen und Gesuchen unterschiedliche Angaben über
sein Alter, wann er dem Fürsten Albrecht I. in Berleburg vorgestellt worden war, an:
– im Alter von 13 Jahren / dreizehn Jahre alt (= 8.10.1834 bis 7.10.1835) dem Fürsten
empfohlen laut seinem Brief (31.7.1863*);
– im Alter von 14 Jahren / Knabe von 14 Jahren (= 8.10.1835 bis 7.10.1836), was eventuell lediglich eine Verwechslung mit dem 14. Lebensjahr ist, dem Fürsten vorgestellt
laut seinem Gesuch (21.11.1863*) und Brief (27.8.1865*)
• (b) Friedrich Kiel wie auch sein Kompositionsschüler Erich Prieger bezogen sich zwar
auf den im Jahr 1835 fast 70-jährigen Superintendenten Apollo Kneip, geben aber dessen
Alter irrtümlich als 90jährig in Kiel (1882, 103) und Prieger (1884, 262) an.
B9 • Ratenkauf eines Streicher-Flügels und eines Piano Muets im Zeitraum 1841–43:
zwei Briefe (1.5.1841 und 27.5.1841) und Quittung (10.1.1843) in Archivalie Ratenkauf (1841) von D-BE;
• Streichinstrumentensammlung von Friedrich Kiel: Quittung (6.10.1878), Pirani
(1885), Herzfeld (1885).
• (a) Um die musikalischen Aktivitäten seines Konzertmeisters Friedrich Kiel zu fördern,
stellte Fürst Albrecht I. zu Sayn-Wittgenstein-Berleburg diesem am 17. Mai 1841 eine
Fürstliche Finanzierungsgarantie für das Musikhaus C. A. André in Frankfurt am Main
aus, um ihm den Ratenkauf eines neuen Streicher-Flügels in Nussholz, der in der Wiener
Klavierbauwerkstatt J. B. Streicher angefertigt worden war, und eines Piano Muets zu ermöglichen. Diese Finanzierungsgarantie ist als gnädigstes Garantie=Schreiben vom 17. [Mai
1841] für den talentvollen, aber unbemittelten Musiker Kiel im Brief (27.5.1841) von C. A.
André bezeichnet. Dieser Streicher-Flügel war mit Wiener Mechanik ausgestattet und
wies den eingeschränkten Ambitus C1 – g2 laut Brief (1.5.1841) und Quittung (10.1.1843)
von C. A. André auf. Mit dieser Garantie konnte Kiel beide Instrumente in Raten über
einen zunächst vorgesehenen Zeitraum von etwa zwei Jahren zu einem Zinssatz von fünf
Prozent erwerben. Kiel selbst wählte den Streicher-Flügel am 18. April 1841 im Musikhaus André in Frankfurt am Main aus und der Fuhrmann G. Dreisbach aus Rinthe, einer
kleinen Ortschaft in der Nähe von Berleburg, erledigte am 26. Mai 1841 den Transport
beider Instrumente vom Musikhaus C. A. André in Frankfurt zu Kiels Berleburger Privatwohnung laut dem Brief (27.5.1841) von C. A. André. Aufgrund eines bevorstehenden
Hauskaufes forderte aber C. A. André die Restsumme vorzeitig ein und quittierte schon
Anfang 1843 mit der Quittung (10.1.1843) die Bezahlung beider Instrumente, was vermutlich durch einen Zuschuss des Fürsten Albrecht I. ermöglicht wurde. Die Gesamtkosten beliefen sich laut C. A. Andrés Quittung (10.1.1843) auf insgesamt Netto 564 f.[loren]811 inklusive Garantieleistungen.
Es existiert eine familiäre Beziehung zwischen dem Theorielehrer Johann Anton André,
seinem das Musikhaus C. A. André in Frankfurt am Main leitenden Sohn Karl August
811 Währung f. oder fl. = Gulden, Floren (auch: Florene). Die Stadt Frankfurt am Main, die im 19. Jahrhundert zum Groß-
herzogtum Hessen gehörte und bis Anfang der 1870er-Jahre Gulden und Kreutzer als Währung hatte (1 Gulden =
60 Kreutzer), bildete im Zeitraum 1816–66 einen Stadtstaat im Deutschen Bund, wurde am 3. Oktober 1866 durch das
Königreich Preußen annektiert und 1868 in die preußische Provinz Hessen-Nassau eingegliedert.
496
André sowie seinem Schwiegersohn Johann Baptist Streicher, der als Klavierbauer mit
dem Titel eines Kgl. Hof-Pianofabrikanten die Wiener Klavierwerkstatt J. B. Streicher
leitete. Daher könnte Kiels Kompositionslehrer Kaspar Kummer in Coburg, der Kiel im
Zeitraum 1838–39/40 mit den bis dahin erschienenen Teilbänden des Lehrbuchs der Tonsetzkunst des Theorielehrers Johann Anton André unterrichtet hatte, J. A. André als Kollegen persönlich gekannt und dem Berleburger Fürsten Albrecht I. eine Finanzierungsgarantie für Kiel empfohlen haben, zumal Kiel als arm bzw. unbemittelt z. B. laut dem Brief
(25.1.1841*) des Fürsten Albrecht I. bzw. dem Empfehlungsschreiben (14.11.1842*) des
Grafen Wilhelm von Redern galt.
• (a) Über Friedrich Kiels Streichinstrumentensammlung, die Violinen, Bratschen und
Celli enthielt, berichteten zwei Kielschüler, Eugenio di Pirani (Pirani 1885, 377) und
Viktor von Herzfeld (Herzfeld 1885, 20) sowie der Berliner Redakteur Otto Gumprecht: Was er über das unmittelbare Bedürfnis [finanziell] hinaus erworben, verwandte
er zumeist auf den Ankauf alter, wertvoller Geigen (Gumprecht 1886, 28). Zudem ist die
Quittung (6.10.1878) über Kiels Verkauf einer Viola mit Inschrift Pietro Testori an den
Pathologischen Anatomen David Hansemann (5.9.1858 Eupen / Königreich Preußen [heute
Königreich Belgien] – 28.8.1920 Berlin) überliefert. Testore war der Familienname einer
Geigenbauerfamilie aus Mailand beginnend mit Carlo Giuseppe Testore (ca. 1660 Novara –
vor 1710 Mailand).
C1 • Kapellenstamm der Fürstlichen Hofkapelle Berleburg: Bericht (10.2.1848),
Verzeichnis (11.3.1852), Musikkasse-Rechnungsabschluss-A (17.3.1853).
• (a) Im Jahr 1848 gab es laut Bericht (10.2.1848) des Kammerdirektors Georg Usener am
Fürstlichen Hof Berleburg fünf fest bezahlte Musiker neben dem Musikdirektor Friedrich
Königsberg: den Violinisten Wilhelm Florschütz, den Bratschisten Albrecht Gärthe, den
Klarinettisten Karl Bartsch, den Fagottisten Friedrich Martinolli und den Hornisten Christian Ambrosius. Auch im Rechnungsjahr 1852/53 erhielten laut Musikkasse-Rechnungsabschluss-A (17.3.1853) fünf Hofmusiker ein festes monatliches Gehalt: der Violinist
Heinrich Wahl bis Juni 1852, d. h. bis zum Beginn seines Militärdienstes, der Oboist und
Skribent Albrecht Krämer, der Fagottist Friedrich Ambrosius, der Hornist und Diener
Christian Eckel junior sowie der Hornist Christian Ambrosius; unentgeltlich spielten
noch der Bratschist Georg Claudÿ, der Kontrabassist Karl Ambrosius und der Klarinettist
und Flötist Christian Spies als Hofmusiker in der Fürstlichen Hofkapelle Berleburg mit.
In dem Verzeichnis (11.3.1852) sind neben dem Musikdirektor Friedrich Königsberg
zwölf Mitglieder der hiesigen Capelle am Hochfürstlichen Hofe – sieben mit und fünf ohne festes monatliches Gehalt – genannt: der Violinist Wilhelm Florschütz, die Bratschisten Albrecht Gärthe und Georg Claudÿ, der Kontrabassist Karl Ambrosius, der Oboist
und Skribent Albrecht Krämer, der Klarinettist und Flötist Christian Spies, der Fagottist
und Flötist Friedrich Ambrosius, der Fagottist Friedrich Martinolli, der Hornist und Diener Christian Eckel junior, der Hornist Christian Ambrosius und die Trompeter Herr Sapfcher und Philipp Wetter, von denen Claudÿ, Karl Ambrosius, Spies, Sapfcher und Wetter
keine regelmäßige Remuneration erhielten. Zu diesen zwölf Kapellenmitgliedern kommen 1852 noch weitere vier unbezahlte Musiker hinzu: der Violinist Ludwig Wahl, der
Flötist Karl Koch, der zeitgenössisch als Zivilbediente bezeichnete Zivildiener und Musiker
Franz Eckel sowie der Sekretär und Bratschist G. F. Stockmar. Weiterführende Informationen zu den einzelnen Hofmusikern siehe Kurzbiografien (Anhang 7).
497
• (a) Folgende nach Instrumentengruppen sortierte Personen gehörten im Zeitraum 1843–53
zum Kapellenstamm der Fürstlichen Hofkapelle Berleburg, wie aus den in D-BE überlieferten Archivalien des Fürstlichen Hauses Sayn-Wittgenstein-Berleburg hervorgeht:
– als Violinisten die Hofmusiker Wilhelm Florschütz (1844/48–1889) und Heinrich Wahl
(spät. seit 1849 bis 1852), vermutlich als Violinist der Hofmusiker Ludwig Wahl (u. a. ab
den 1840er-Jahren bis 1856), als Bratschisten der Hofmusiker Albrecht Gärthe (u. a. 1844–52)
und der Sekretär G. F. Stockmar (u. a. 1843–52), als Bratschist und vermutlich Violinist
der Hofmusiker Georg Claudÿ (u. a. 1849–53), als Kontrabassist sowie vermutlich als Cellist und Klarinettist – mit A- und C-Klarinette – der Hofmusiker Karl Ambrosius (u. a.
1849–53);
– als Flötist der Hofmusiker Karl Koch (seit 1852), als Oboist und vermutlich Fagottist
der Skribent und Hofmusiker Albrecht Krämer (u. a. 1848–53), als Fagottist der Hofmusiker Friedrich Martinolli (u. a. 1848–52), als Fagottist und Flötist der Hofmusiker Friedrich
Ambrosius (von 1852 bis mindestens 1853), als Klarinettisten der Hofmusiker und Instrumentenbauer Karl Bartsch (u. a. 1848–52) und der Hofmusiker Christian Spies (von 1850
bis mindestens 1853 / C-Klarinette);
– als Hornisten der Hofmusiker Christian Ambrosius (u. a. 1848–53) und der Diener
Christian Eckel junior (u. a. 1849–53), als Trompeter die Hofmusiker Philipp Wetter und
Herr Sapfcher (jeweils u. a. 1852) sowie der Zivildiener Franz Eckel (u. a. 1852 / Instrument unbekannt).
C2 • Musikpflege am Fürstlichen Hof Berleburg: Inventarium (1852), Anstellungsdekret (1.8.1753), Friedrich Kiels veröffentlichte Autobiografie Kiel (1882), Brusniak (1995), Wecker (1999), Burkardt/Lückel (2005).
• (a/b) Konzertleitung durch den Fürsten:
Fürst Albrecht I. leitete die Hofkonzerte am Fürstlichen Hof Berleburg laut Weber (1928,
139). Und laut Burkardt/Lückel (2005, 25 f.) spielte die Fürstliche Hofkapelle Berleburg
unter der Leitung des Fürsten Albrecht I. nicht nur bei den Hofkonzerten, sondern auch
zur Freude der Berleburger öfter […] im Winter an den Schlossparkteichen auf. Die Bevölkerung vergnügte sich dazu beim Schlittschuhlauf und anderen Winterfreuden. Die
Angabe in Burkardt/Lückel (2005, 27), dass Albrecht I. selbst die Hofkapelle dirigierte,
bezieht sich somit nicht auf die Proben.
Im 19. Jahrhundert gehörte zur Fürstlichen Hofkapelle Berleburg neben dem Kammerorchester, das schon seit 1723 bis 1904 existierte, laut Weber (1928, 139) auch ein Männerchor, der aus Knaben und Herren der Stadt Berleburg bestand. Dies entspricht auch dem
Bericht (18.7.1843) des Kammerdirektors Georg Usener, in dem neben den Hofmusikern
auch die Jungen Sänger am Fürstlichen Hof Berleburg erwähnt sind.
• (a) Ein Höhepunkt der Berleburger Musikpflege unter Musikdirektor Bernhard Hupfeld:
Bernhard Hupfeld (1717 – 1796) wurde gemäß seinem Anstellungsdekret (1.8.1753) verpflichtet, musiktalentierte Laien wie angestellte Musiker zu unterrichten (unsere Musicos
[…] zu exerciren und zu unterrichten), sämtliche Proben bzw. Voraufführungen zu leiten
(alle Voraufführungen, die einem Concert=Meister obliegen, übernehmen und vorstehen)
und eine beträchtliche Anzahl von Werken zu komponieren (in Compositionen […] fleyssig
sein). Unter Hupfeld, der laut Wecker (1999, 18) als einer der bekanntesten Künstler seiner Zeit im Zeitraum 1753–75 Konzertmeister und zugleich Musikdirektor der Gräflichen
Hofkapelle Berleburg war, erreichte Berleburgs Hofmusik höchstes Niveau.
• (a) Angehörige des Fürstlichen Hauses als Komponisten:
Als Angehörige des Berleburger Fürstenhauses waren z. B. Prinz Georg zu Sayn-Wittgen-
498
stein-Berleburg, ein 1780 geborener Neffe von Fürst Albrecht I., und Prinz August zu SaynWittgenstein-Berleburg, ein 1788 geborener jüngerer Bruder von Fürst Albrecht I., laut Inventarium (1852) wie auch der 1837 geborene Graf Friedrich Ernst zu Sayn-WittgensteinBerleburg jeweils als Komponisten tätig.
• (a/b) Hofkapelle Berleburg seit 1723:
Die Hofhaltungsrechnungen weisen schon seit 1723, also unter der Regierung von Graf Kasimir zu Sayn-Wittgenstein-Berleburg, regelmäßige Besoldungsangaben für Musiker laut
Brusniak (1995, 100) – und nicht erst seit den 1770er-Jahren laut Friedrich Kiels Autobiografie (Kiel 1882, 101) und wie in der Sekundärliteratur zu Kiel häufig übernommen –
auf. Die alte Gräfliche Hofkapelle Berleburg musste 1775 aufgrund einer wirtschaftlichen
Krise aufgelöst werden, doch nur wenige Jahre später stellte Graf Heinrich zu Sayn-Wittgenstein-Berleburg, der Vater des späteren Fürsten Albrecht I., noch in den 1770er-Jahren
ein neues, kleineres und weniger anspruchsvolles Ensemble (Wecker 1999, 18) zusammen, das laut Friedrich Kiels Autobiografie aus Angehörigen seines Hofstaates, Beamten
und Fachmusikern (Kiel 1882, 101) bestand. Diese neugegründete Hofkapelle Berleburg
konnte schon bald, d. h. spätestens in der für den jungen Kiel relevanten Regierungszeit
des Fürsten Albrecht I. zu Sayn-Wittgenstein-Berleburg, wieder ein hohes, professionelles Niveau erreichen, das maßgeblich dazu beitrug, dass sie als langlebigste Hofkapelle in
Westfalen von 1723 bis 1904 existierte.
C3 • Kompositions- und Theorielehrbücher am Fürstlichen Hof Berleburg: Beulertz
(2/2001).
• (a) Die Musikbibliothek des Fürstlichen Hofes Berleburg enthält heute – und enthielt wohl
auch zu Kiels Berleburger Zeit 1835–42 – laut Beulertz (2/2001, Nr. 79 und Nr. 81) nur
ein Kompositionslehrbuch des 19. Jahrhunderts, das ab 1817 erstveröffentlichte mehrbändige Lehrbuch Versuch einer geordneten Theorie der Tonsetzkunst812 von Gottfried Weber. Von diesem waren der 1817 publizierte Band 1 der ersten Auflage (3 Bände Mainz
1817–21) sowie sämtliche vier 1830–32 veröffentlichten Bände der dritten verbesserten Auflage (4 Bände Mainz 1830–32), die für Prinz August zu Sayn-Wittgenstein-Berleburg
(1788 – 1874) angeschafft worden war, vorhanden. Prinz August, der sich nebenberuflich
als Komponist betätigte, war ein jüngerer Bruder des in Berleburg regierenden Fürsten
Albrecht I. und gestattet dem von seinem Bruder Fürst Albrecht I. geförderten jungen
Komponisten Kiel mit großer Wahrscheinlichkeit die Einsicht in dieses Kompositionslehrbuch, das erst kurz vor Kiels Ankunft (1835) am Fürstlichen Hof in Berleburg erworben worden war.
C4 • Instrumentenbestand der Gräflichen bzw. Fürstlichen Hofkapelle Berleburg: Inventarium (1741), Inventarium (1852), Brusniak (1995).
• (a) Die 1741, kurz nach dem Tod des 1712–41 regierenden Grafen Kasimir zu SaynWittgenstein-Berleburg angefertigte Inventarliste des Berleburger Instrumentenbestandes
(Inventarium 1741), der u. a. in der Musicalischen Instrumenten= und Musicalien-Cammer untergebracht war, umfasste, geordnet nach Instrumentengruppen:
– fünf Violinen, zwei Bratschen, zwei Celli (davon eines gantz altes Violoncello), einen
812 Webers Kompositionslehrbuch erschien bei B. Schott’s Söhne in Mainz u. a. 1817–21 als Erstauflage in drei Bänden
(1817, 1818 und 1821) sowie jeweils in vier Bänden 1824 als überarbeitete zweite Auflage und 1830–32 in überarbeiteter dritter Auflage, deren Verlagsankündigung durch Schott im Intelligenzblatt zur allgemeinen musikalischen Zeitung
Nr. 8 (Juni 1830) erschien, das zur Leipziger Allgemeinen musikalischen Zeitung AmZ Bd. 32, Nr. 24 (16.6.1830) gehört.
499
Kontrabass (Bass-Geige / große Bassgeige = Kb., kleine Bassgeige = Vc.), eine Viola d’amore,
eine Viola pomposa (mit Tenorlage), drei verschieden große Gamben (drey Viola di Gamben von diverser Größe);
– vier kleine Flöten diverser Größen, zwei Oboen (zweimal je eine Hautbois), vier Klarinetten (zwey Paar Clarinetten), drei Fagotte (Bassons), 13 Blockflöten (acht grosse und
vier gantz grosse Flaut-Doux, eine Flaut-doux auf dero Zimmer [Zimmer der Komtesse] /
Flûtes douces [frz.] = Flauti dolci [ital.] = Blockflöten mit lieblichem Klang), zwei Bassblockflöten (2 Flaut-Doux-Basson / Flûtes à bec basses = Flauti dolci bassi), zwei Querflöten (zwei Flaute Traversieres, davon eine schwartz / Flûtes traversières = Flauti traversi), vier tiefe Querflöten (ein Paar Flaute Traversieres d’amour, eine grosse Flaute
Traversiere d’amour und eine Flaute Traversiere d’amour / Flûtes traversières d’amour =
Flauti traversi d’amore / Querflöten mit zusätzlichem d’amore-Mittelstück zwecks Vertiefung der originalen Stimmung, bei barockem Instrument um eine kleine oder große Terz,
d. h. Querflöten in A oder As), ein Flageolett (Flageoletye / verwandt mit Blockflöte),
zwei Piccoloflöten / Piccolos (ein Biccolo [!] und eine Flaute Traversiere Biccolo / Piccoloflöte als kleinere Bauform der Querflöte), zwei Oboen da caccia (ein Paar Wald-Hautbois), vier Oboe d’amore (zwey Paar Hautbois d’amour);
– zwei Waldhörner in C, je vier Waldhörner in D sowie in F (Ein Paar C. Wald-Horn /
Zwey Paar D. dito. / Zwey Paar F. dito.), ein weiteres Waldhorn in D, zwei Trompeten;
– drei Clavecins (ein Clavecin im neuen Saal, ein zusammengelegtes Clavecin, ein Clavecin mit einem Orgel-Werk), drei Clavichorde (ein Clavicordium, ein Clavicordium auf der
Gnädigsten Comtesse Zimmer, ein grosses Clavicordium), ein Orgelpositiv (hohes OrgelPositiv);
– eine Taille, außerdem laut Brusniak (1995, 100) eine Harfe.
Insgesamt umfasste somit der 1741 verzeichnete Instrumentenbestand: 5 V., 2 Va., 2 Vc.,
1 Kb., 1 Va. d’amore, 1 Va. pomposa (Tenorlage), 3 Va. da gamba; 4 Fl., 2 Ob., 4 Klar.,
6 Fg., 13 Flaut-Doux, 2 Flaut-Doux-Basson, 1 Flageolett, 2 Querflöten, 4 [tiefe] Querflöten traversi d’amore, 2 PiccoloFl., 2 Ob. da caccia, 4 Ob. d’amore; 2 Hr. in C, 5 Hr. in D,
4 Hr. in F, 2 Trp.; 1 Taille, 1 Hf.; 3 Clavecins, 3 Clavichorde, 1 Orgelpositiv.
• (a) Die Besetzung von Kiels in oder für Berleburg 1835–46 entstandenen Werken für
Kammerorchester umfasst u. a., geordnet nach Instrumentengruppen: 1 V. princ., 2 V.,
1 Va., 1 Vc., 1 Kb. (Basso); 2 Fl., 2 Ob., 2 Klar. in A, 2 Klar. in B, 2 Fg.; 2 Hr. in C, 2 Hr.
in D, 2 Hr. in A, 2 Trp. in C, 2 Trp. in A; 1 Pk. in C und G, 1 Pk. in A und E; Piano, Pfte.
bzw. Kl.; Soli (SATB), Chor (SATB) und Orch. Für diese Zusammenstellung wurden herangezogen: Solo für Klar. und Hr. mit OrchBegl. C-Dur WoO, Musikalische Morgen-Unterhaltung für KaOrch. C-Dur WoO und die Geburtstagskantate „Was hebt mit jubelndem
Entzücken“ für Soli, Chor und Orch. D-Dur WoO, Variations für V. princ. mit OrchBegl.
A-Dur WoO.
• (a) Ausgehend von den circa 1848-52 tätigen, bisher bekannten Hofmusikern am Fürstlichen Hof Berleburg gab es mindestens folgende Instrumente, die diese derzeit spielten
(vergleiche Kurzbiografien / Anhang 7): 3 V., 3 Va., 1 Vc., 1 Kb.; 2 Fl., 1 Ob., 1 Klar. in A,
2 Klar in C, 3 Fg.; 2 Hr., 2 Trp. Bei diesen Hofmusikern handelt es sich um drei Violinisten (G. Florschütz 1844/48–89, H. Wahl spät. 1849 bis 1852, L. Wahl vmtl. Violinist u. a.
1840er-Jahre bis 1856), drei Bratschisten (G. Claudÿ u. a. 1849–53, A. Gärthe u. a. 1844–52,
G. F. Stockmar vmtl. Bratschist u. a. 1843–52), einen Kontrabassisten und vermutlich
Cellisten (K. Ambrosius u. a. 1849–53), zwei Flötisten (Chr. Spies seit 1850 bis mind.
1853, K. Koch seit 1852), einen Oboisten (A. Krämer u. a. 1848–53), zwei Klarinettisten (K. Bartsch u. a. 1848–52, Chr. Spies seit 1850 bis mind. 1853 mit Klar. in C, Kont-
500
rabassist K. Ambrosius vmtl. auch Klarinettist u. a. 1849–53 mit Klar. in A und Klar. in
C), drei Fagottisten (Fr. Martinolli u. a. 1848–52, Fr. Ambrosius seit 1852 bis mind. 1853,
Oboist A. Krämer vmtl. auch Fagottist u. a. 1848–53), zwei Hornisten (Chr. Ambrosius u. a.
1848–53, Chr. Eckel u. a. 1849–53) und zwei Trompeter (Sapfcher und Ph. Wetter jeweils u. a. 1852).
• (a) In der Rubrik Benennung der Instrumente des Inventariums (1852, 25 f.) mit Stand
vom 3. Mai 1852 sind unter Nr. 1–32 – mit jeweils drei Instrumenten unter Nr. 2 und 23, jeweils zwei Instrumenten unter Nr. 7, 10 und 24 sowie vier Instrumenten unter Nr. 30 –
insgesamt 42 Instrumente verzeichnet, von denen Nr. 18–19 mit dem Vermerk „Im Gebrauche des Musicus […]“ und Nr. 20–32 mit dem Vermerk „Besitzt der Musicus […]“
versehen sind:
2 V. ([…] und eine Violine als Nr. 30 mit Vermerk Besitzt der Musicus G. Claudÿ sowie
Eine Violine ohne Bogen als Nr. 31 mit Vermerk Besitzt der Musicus Heinrich Wahl), 4 Va.
(Eine Bratsche ohne Bogen als Nr. 29 mit Vermerk Besitzt der Musicus A. C. Gärthe sowie 3. Bratschen und […] als Nr. 30 mit Vermerk Besitzt der Musicus G. Claudÿ, 2 Kb.
(1. Contre=Bass als Nr. 1 sowie Ein Contré=Bass als Nr. 22 mit Vermerk Besitzt der Musicus Carl Ambrosius dahier);
2 Fl. (Fl. in F und Fl. in D / Eine alte F. Flöte als Nr. 20 mit Vermerk Besitzt der Musicus
Carl Koch dahier sowie Eine D. Flöte als Nr. 25 mit Vermerk Besitzt der Friedrich Ambrosius dahier), 2 Ob. (2 alte Oboen als Nr. 7), 5 Klar. (in C 2-mal, in A, in B, in Es / 1. Es=
Clarinette als Nr. 8 sowie Eine A., B. und [eingefügt: eine] C. Clarinette als Nr. 23 mit
Vermerk Besitzt der Musicus Carl Ambrosius dahier und zudem Eine C. Clarinette als
Nr. 32 mit Vermerk Besitzt der Musicus Chr. Spies), 4 Fg. (1. neuer [!] Fagott mit [Fg.-]
Schule und Kasten als Nr. 5 sowie Zwei Fagotts als Nr. 24 mit Vermerk Besitzt der Friedrich Ambrosius dahier und zudem Ein Fagott als Nr. 26 mit Vermerk Besitzt der Musicus
Martinolli dahier), 1 PiccoloFl. in Es (Ein Es=Picolo als Nr. 21 mit Vermerk Besitzt der
Musicus Carl Koch dahier);
2 Hr. (Ein Horn mit allen Bogen813, stehend im Schlosse als Nr. 18 mit Vermerk Im Gebrauche des Musicus Chr. Eckel dahier, und zudem Ein desgln. [= desgleichen] [Leerraum] d[it]o als Nr. 19 mit Vermerk Dergl. [= Im Gebrauche bei Nr. 18] des Chr. Ambrosius), 2 Trp. (Eine einfache Trompete als Nr. 28 mit Vermerk Besitzt ihr Musicus Philipp
Wetter sowie Trompete siehe Nr. 14 als Kinderinstrument), 1 VentilTrp. (Eine Ventil Trompete als Nr. 27 mit Vermerk Besitzt der Musicus Philipp Wetter);
3 Pk. (3. Pauken mit Schlüssel und Knüppel als Nr. 2), 1 Gr. Tr. (1. große Trommel als
Nr. 3), 1 Wirbel Tr. (1. wirbel [!] Trommel als Nr. 4), 1 Tr. (Trommel / siehe Nr. 15 als Kinderinstrument), 1 Glockenspiel (1. Glockenspiel als Nr. 6), 1 Triangel (1. Triangel als Nr. 9)
und 2 Becken (2 Pecken als Nr. 10), 7 Instrumente zur Kindersinfonie von Haydn (Nachtigall als Nr. 11, Wachtel als Nr. 12, Guckuck / Kuckuck als Nr. 13, Trompete als Nr. 14,
Trommel als Nr. 15, Schnarre als Nr. 16, Cimpel=Stern / Zimbelstern als Nr. 17). Hierbei
handelt es sich um die Kinder-Sinfonie (Divertimento) C-Dur Hob II:47 für zwei Violinen,
Bass und acht Kinderinstrumente, die vermutlich von Edmund Angerer stammt und früher
u. a. Josef Haydn zugeschrieben wurde.
Bei den Besetzungsangaben der im Inventarium (1852) ebenfalls verzeichneten Musika813 Der B.[ogen] bei Blasinstrumenten war eine zu ihrer Zeit sehr wichtige Erfindung, die aber jetzt [= um 1872] durch die
Ventilinstrumente mehr oder weniger verdrängt worden ist (Mendel/ReissmannL 2/1872, 106). Dieser Bogen, eine Erfindung von Anton Josef Hampel aus dem Jahr 1753, war ein kreisförmig gebogenes Rohr von Messingblech, – daher
Krummbogen genannt –, das z. B. in das Horn direkt unter dem Mundstück eingesetzt wurde, um eine Vertiefung der originalen Hornstimmung um einen ganzen (grosser Krummbogen) oder einen halben (kleiner Krummbogen) Ton zu erzielen,
wie aus Mendel/ReissmannL (2/1872, 106 und 5/1875, 297) hervorgeht.
501
lien der Fürstlichen Hofkapelle Berleburg tauchen auch Cello, Gitarre und zwei Harfen
auf, welche sich als Instrumente vermutlich im Besitz der Fürstlichen Familie befanden:
mehrere Werke mit Cello im Inventarium (1852, 11+14) und jeweils eine Komposition
mit zwei Harfen im Inventarium (1852, 15) bzw. mit Gitarre – ein Quintett für 2 Fl., Va.,
Gitarre und Vc. – im Inventarium (1852, 16).
C5 • Am Fürstlichen Hof Berleburg aufgeführte Kompositionen: Inventarium (1852),
Reinecke (1936), Beulertz (2/2001).
• (a) Der Aufführungsschwerpunkt der Fürstlichen Hofkapelle Berleburg waren Sinfonien
und Ouvertüren, wie aus dem Inventarium (1852) der zu dieser Hofkapelle gehörigen Musikalien hervorgeht: beispielsweise 19 Sinfonien von Josef Haydn, sieben Sinfonien und
fünf Opernouvertüren von Wolfgang Amadeus Mozart, zwei Sinfonien und fünf Opernouvertüren von Ludwig van Beethoven, zwei Opernouvertüren von Louis Spohr und drei
1832–35 erstveröffentlichte Konzertouvertüren von Felix Mendelssohn. Darüber hinaus sind
von den Komponisten Haydn, Mozart, Beethoven, Spohr und Mendelssohn nur noch ein
Bratschenkonzert, ein Streichquartett, eine Trauermusik und sechs Opernarien von Mozart sowie ein Septett, ein Grand Trio und drei Streichtrios von Beethoven verzeichnet.
In den 1920er-Jahren umfasste das Berleburger Notenmaterial laut Weber (1928, 140)
Streichquartette von Haydn, Mozart und Beethoven, sämtliche Ouverturen und Symphonien
der genannten Meister, Kammermusikwerke von Spohr und Mendelssohn, Konzerte von
Händel und Bach, altitalienische Meister, Chorübungen in alter Notation, außerdem viele
Autographen. Zur Aufführung kamen am Fürstlichen Hof Berleburg laut Weber (1928,
104) klassische und Kirchenmusik wie auch echte Volksmusik, zu denen Wittgensteiner
Tänze, deutsche Ländler und russische Tänze gehören.
• (a) An Werken Johann Sebastian Bachs umfasste das Fürstliche Archiv Sayn-Wittgenstein-Berleburg noch im Februar 1935, als Erich Reinecke zu Forschungszwecken das
Archiv laut Beulertz (2/2001, 12) aufsuchte, nur wenige Notendrucke laut Reinecke
(1936, 7) und um 2000 laut Beulertz (2/2001) nur zehn Notendrucke, darunter eine Nachauflage der 1837 bei C. F. Peters in Leipzig veröffentlichten Ausgabe von Bachs Wohltemperiertem Klavier BWV 846–893 (als Band 1–2 der Gesamtausgabe Œuvres complets
der Klavierwerke Bachs). Diesen zehn Bach-Notendrucken stehen nach dem Inventarium in
Beulertz (2/2001) u. a. 143 Notendrucke Beethovens und 76 Ausgaben Mozarts entgegen,
die teilweise erst nach Friedrich Kiels Berleburger Zeit angeschafft wurden.
• (a) Kiel stattete 1840 oder 1841 – anlässlich einer Reise zur Militärbehörde in Düsseldorf – Julius Rietz einen Besuch ab. Dies ist hinreichend belegt in RuM (1864, 423), Bungert (1875, 126), Nohl (1882, 25) und Weber (1928, 140). Musikalien von Julius Rietz sind
weder im Inventarium (1852) der zur Fürstlichen Hofkapelle Berleburg gehörigen Musikalien noch im Inventar in Beulertz (2/2001) verzeichnet. Laut Weber (1928, 140) lernte
Kiel bei Rietz erstmals Kompositionen von Johann Sebastian Bach sowie eine Partitur
für großes Orchester kennen.
Friedrich Kiels erst um 1841 einsetzendes Studium von Johann Sebastian Bachs Wohltemperiertem Klavier BWV 846–893 – u. a. der darin enthaltenen Es-Dur-Fuge – geht aus
Kiels Autobiografie (Kiel 1882, 104) sowie aus Berichten von Kiels Zeitgenossen in LedeburL (1861, 281) – ohne Nennung der Fuge –, MWO (1870a, 169), Nohl (1882, 25),
Gumprecht (1886, 25) und Prieger (1906, 128) hervor, von denen nur Prieger (1906, 128)
sie als zweite Es-Dur-Fuge [BWV 876/2] spezifizierte. Kiel berichtete in seiner Autobiografie: Doch mehr und mehr machte sich der Mangel gründlicher, besonders contrapunktischer Studien fühlbar. Bei Versuchen, in größeren und verwickelteren Formen zu schrei-
502
ben, zeigte sich die bisher erlangte Compositionstechnik unzulänglich. In noch höherem
Maße machte sich dieser Mangel geltend, als mir ein Werk [= das Wohltemperierte Klavier BWV 846–893] von Joh. Sebastian Bach in die Hände kam. Wie Schuppen fiel es mir
auf einmal von den Augen, als ich zuerst die [zweite] Es-dur Fuge aus dem „Wohltemperirten Clavier“ kennen lernte. Das war eine Musik, die mir bisher fremd geblieben war
(Kiel 1882, 104). Johann Sebastian Bachs Wohltemperiertes Klavier BWV 846–893, das
um 1840 noch nicht zu den allgemein bekannten Kompositionen zählte, war zwar vereinzelt
in Abschriften vorhanden, aber noch nicht – wie es ab 1867 der Fall war – in billigen Notenausgaben für die Allgemeinheit zugänglich (nur innerhalb der Klavierwerk-Gesamtausgabe etwa 1801–02 bei Hofmeister und Kühnel in Leipzig, aus dem C. F. Peters hervorging, und 1837 als von Carl Czerny herausgegebene Edition nouvelle814 – mit französischem Titel – bei C. F. Peters in Leipzig). Der renommierte Leipziger Verlag C. F. Peters gab von dem weiterhin eher unbekannten Wohltemperierten Klavier BWV 846–893
Bachs Ende 1860 oder Anfang 1861 nochmals die von Carl Czerny herausgegebene verbesserte Auflage – jetzt vermutlich mit deutschem Titel (aktuelles Druckexemplar derzeit nicht nachweisbar) – laut Hofmeister (Febr. 1861, 25) sowie 1862 (Teil 1) und 1863
(Teil 2) eine neue und kritische Ausgabe nach handschriftlichen Quellen von Franz
Kroll – als erste Urtextausgabe – heraus;815 mit der von Carl Czerny herausgegebenen
Edition nouvelle eröffnete C. F. Peters dann Ende 1867816 mit den EP-Nr. 1–2 seine berühmte Edition Peters-Reihe, mit der das Wohltemperierte Klavier BWV 846–893 erstmals in einer preisgünstigen und zugleich hochwertigen Notenausgabe einem breiten Publikum zugänglich gemacht wurde. Ebenfalls in der Edition Peters erschien 1897 nochmals
die von Franz Kroll herausgegebene Ausgabe, jetzt mit den EP-Nr. 1a–1b.817 Zusätzlich
publizierte Breitkopf & Härtel 1866 die von Franz Kroll herausgegebene Ausgabe als
Band 14 innerhalb der Bach-Gesamtausgabe.818 Zudem publizierte C. F. Peters in der Edition Peters-Reihe eine von Adolf Ruthardt herausgegebene Neue Ausgabe sämtlicher
Klavierwerke Bachs, in der 1894 auch das Wohltemperierte Klavier819 erschien.
814 Hofmeister (Sept./Okt. 1837, 117): Le Clavecin bien tempéré (Edition nouvelle, soigneusement revue, corrigée et doig-
815
816
817
818
819
tée von Carl Czerny) zwei Bände. Das Werk erschien als Bände 1–2 (Leipzig 1837) der 23 Bände umfassenden Edition
nouvelle, der 1837–55 von Charles [= Carl] Czerny (1791 – 1857) herausgegebenen Gesamtausgabe Œuvres complets
(teilweise auch Œuvres complettes) der Klavier- und Orgelwerke von Jean Sébastien Bach; die Bände 16–23 (Leipzig
1850–55) mit Klavierkonzerten Bachs wurden von Siegfried Wilhelm Dehn und Friedrich August Roitzsch herausgegeben.
Erstdruck Ende 1860 oder Anfang 1861 laut Hofmeister (Febr. 1861, 25): Das wohltemperirte Klavier (Neue verbesserte
Ausgabe von Carl Czerny), zwei Bände; Erstdruck der Neuen und kritschen Ausgabe Ende 1862 (Heft 1) laut Hofmeister (Dez. 1862, 253) und Ende 1863 (Heft 2) laut Hofmeister (Dez. 1863, 232): Das wohltemperirte Klavier (Neue und
kritische Ausgabe nach handschriftlichen Quellen von Franz Kroll), zwei Hefte; laut Bülow (1863b, 118) vom 9. Oktober 1863 erschien Heft 1 vor einem halben [recte: dreiviertel] Jahre ungefähre.
Der Titel der nach handschriftlichen Quellen von dem Herausgeber Franz Kroll verbesserten Ausgabe, deren Erstdruck
1862–63 laut Hofmeister (Dez. 1862, 253 und Dez. 1863, 232) erfolgte und in dessen zweitem Heft im Vorwort die
Datierung „October 1863. F. Kroll“ steht, lautet: Das wohltemperirte Klavier, oder PRAELUDIEN UND FUGEN in
allen Dur- und Molltonarten von JOHANN SEBASTIAN BACH (Neue und kritische Ausgabe nach handschriftlichen
Quellen bearbeitet und mit technischen Erläuterungen und Fingersatz versehen von FRANZ KROLL), zwei Hefte mit
BWV 846–869 in Heft 1 und BWV 870–893 in Heft 2, Leipzig und Berlin H. 1 [1862] und H. 2 [1863], C. F. Peters.
Erstdruck Ende 1867 laut Hofmeister (Mai 1868, 69): Le clavecin bien tempéré (Edition novuelle von Charles [= Karl]
Czerny), zwei Hefte (Edition Peters EP 1 und EP 2). Der Titel der Ausgabe, deren Erstdruck innerhalb der Edition Peters-Reihe schon Ende 1867 erfolgte, lautet: Das wohltemperirte Klavier (von J. S. Bach). Neue verbesserte mit Fingersatz und Anmerkungen versehene Ausgabe von K.[arl] Czerny, zwei Hefte / Theile, Leipzig [1867], C. F. Peters (EPNr. 1 für Heft 1 und EP Nr. 2 für Heft 2).
Der Titel der 1897 innerhalb der Edition Peters erschienenen Ausgabe lautet: Das Wohltemperirte Klavier von JOH.
SEB. BACH, weitere Ausgabe der Kritischen Ausgabe nach handschriftlichen Quellen bearbeitet und mit Fingersatz
versehen von FRANZ KROLL, zwei Hefte, Leipzig [1897], C. F. Peters (Edition Peters EP 1a und EP 1b).
Franz Kroll (Hrsg.), Das Wohltemperirte Clavier (Band 3 von Joh. Seb. Bach’s Clavierwerke), Serie BG Band 14
(1866), hrsg. von der Bach-Gesellschaft zu Leipzig, Leipzig [1866], Breitkopf & Härtel.
Der Titel der Notenausgabe, deren Erstdruck im Jahr 1894 laut Hofmeister (Sept. 1894, 387) erfolgte, lautet: Das wohltemperirte Klavier von Joh. Seb. Bach herausgegeben von Carl Czerny und Ad.[olf] Ruthardt (Reihe Bach, Joh. Seb.,
Klavierwerke. Neue Ausgabe von Adolf Ruthardt), 2 Bd., Leipzig [1894], C. F. Peters (Edition Peters EP 2790a, b).
503
Bachs Es-Dur-Fuge BWV 876/2, die Kiel circa 1841 analysiert hatte, war auch als Nr. II
in Dehns 1858 veröffentlichten Analysen dreier Fugen aus Joh. Seb. Bach’s wohltemperirtem Clavier (Leipzig 1858) enthalten.
C6 • Friedrich Kiels Violinlehrer Prinz Karl zu Sayn-Wittgenstein-Berleburg: Brief
(31.7.1863*) mit Autobiografie, Gesuch (21.11.1863*) und Brief (27.8.1865*) von
Kiel, veröffentlichte Autobiografien Kiels in Kiel (1882) und – auf dem Brief
(31.7.1863*) basierend als Nekrolog auf Kiel – in Breslauer (1885).
• (a) Laut Friedrich Kiels Autobiografie gab ihm Prinz Karl, ein jüngerer Bruder des regierenden Fürsten Albrecht I. zu Sayn-Wittgenstein-Berleburg, wöchentlich zweimal Violinunterricht (Kiel 1882, 103). Prinz Karl als sein Lehrer ist von Friedrich Kiel selbst hinreichend verbürgt: neben Kiel (1882, 103) auch in drei Schreiben Kiels (Brief 31.7.1863*,
Gesuch 21.11.1863* und Brief 27.8.1865*) und in der auf seinem Brief (31.7.1863*) basierenden veröffentlichten Autobiografie in Breslauer (1885, 222). Zudem ist er im handschriftlichen Lebensabriss (c1881*) des Autors H. K., der auf einem mit Kiel im Herbst
1881 geführten Interview beruht, und in der 1891 von dem Kielschüler Emil Breslauer
herausgegebenen elften Auflage von Schuberths Musiklexikon (SchuberthL 189111 , 277)
erwähnt. Breslauer korrigierte in SchuberthL (189111, 277) die inkorrekte Angabe der vorherigen Auflagen SchuberthL (18656, 159) bis SchuberthL (187710, 224), dass Kiels Violinlehrer der Berleburger Konzertmeister Schulze gewesen sei.
• (b) Laut folgenden Lexika aus dem Zeitraum 1865–86 soll der Konzertmeister Schulz/e
der Fürstlichen Hofkapelle Berleburg – unter der Protektion von Prinz Karl zu Sayn-Wittgenstein-Berleburg – Friedrich Kiel Violinunterricht erteilt haben: SchuberthL (18656 , 159)
bis SchuberthL (187710 , 224), was in der elften, von dem Kielschüler Breslauer herausgegebenen Auflage SchuberthL (189111 , 277) revidiert wurde, sowie PfeilL (1879, 68), GroveD (2/18801 , 56) bis GroveD (4/19545 , 749) und BrownD (1886, 357). Gegen einen Konzertmeister Schulz/e als Kiels Violinlehrer spricht, dass Kiel selbst in mehreren Primärquellen von seinem Violinlehrer Prinz Karl berichtete und dass August Hübschmann, der
bis zu seinem Tod am 1. August 1837 als Musikdirektor am Fürstlichen Hof Berleburg
wirkte, vermutlich auch die Funktion des Konzertmeisters innehatte. Außerdem ergab die
Durchsicht von Akten in D-BE keinen Hinweis auf einen Konzertmeister namens Schulze.
Auch kirchliche Archivalien geben keinen Aufschluss über einen eventuell in Berleburg
tätigen Konzertmeister Schulze. In den Kirchenbüchern von Berleburg finden sich erstens
für den Zeitraum 1835–42 nur fünf Familien mit dem Nachnamen Schulz oder Schulze,
die jedoch alle den Berufskategorien Bauern und Handwerker angehörten, und zweitens
im Zeitraum 1800–75 keine Namenseinträge mit der Berufsbezeichnung Konzertmeister.
Allerdings gibt es noch eine gewisse Zahl von Personen, die keine Standesfälle zu registrieren oder Abgaben zu entrichten hatten und daher nicht in den Kirchenbüchern, Abgabenregistern und Untertanen-Verzeichnissen auftauchen; hierzu gehören vor allem herrschaftliche und private Bedienstete, die dann nur zufällig in den Archivalien auftauchen.
Diese Angaben sind der freundlichen Mitteilung von Jochen Karl Mehldau aus Karlsruhe,
dem Verfasser der 2010 fertiggestellten Wittgensteiner Familiendatei (1525/1680 –
1875), vom 23.8.2011, entnommen.
• (b) Darüber hinaus ist irrtümlich als Kiels Violinlehrer der Fürst persönlich, d. h. Fürst
Albrecht I. zu Sayn-Wittgenstein-Berleburg, laut Lessmann (1885a, 339), Schulz in Berlin [recte: Berleburg] laut FétisB (S2/18812, 40) bzw. sein Vater Johann Jost Kiel in
Herzfeld (1885, 19) angegeben. Zudem findet sich nur in der sechsten Auflage in SchuberthL (18656, 159) die in späteren Auflagen revidierte Angabe Kiel studierte später
504
(1835) Violine bei Schulze, unter Anleitung des Fürsten; Fürst Albrecht I. spielte allerdings Bratsche und nicht Violine.
C7 • Unterrichtsdauer des 1835 beginnenden Violinunterrichts von Friedrich Kiel:
MWO (1870a), Lessmann (1885a);
• Aufführung eines Viotti-Violinkonzerts mit Friedrich Kiel als Solist: LedeburL
(1861), Brief (31.7.1863*) von Kiel inklusive Autobiografie, MWO (1870a), publizierte Autobiografien Kiels in Kiel (1882) und – auf jenem Brief (31.7.1863*) basierend – im Nekrolog auf Kiel in Breslauer (1885), AllgemeineZ (1885).
• (a) Violinunterricht Friedrich Kiels mit Dauer von acht bis zwölf Monaten 1835 oder
1835/36:
Von Friedrich Kiel sind derzeit keine Briefe oder weiteren Dokumente bekannt, in denen
er selbst die Dauer des Violinunterrichts konkretisierte, und seine Zeitgenossen gaben den
Unterrichtszeitraum unterschiedlich an. Laut MWO (1870a, 169), PaulL (1/1873, 510),
Mendel/ReissmannL (6/1876, 42) und Lessmann (1885a, 337) hatte Kiel zumindest acht
Monate lang 1835 oder 1835–36 Violinunterricht bei Prinz Karl, bis er 1836 z. B. laut Mendel/ReissmannL (6/1876, 42) als Geiger in die fürstl. Hauskapelle eintreten und sogar öfter
als Sologeiger fungiren konnte. Vermutlich fiel dies zeitlich damit zusammen, dass Friedrich Kiel schon nach 6–12 Monaten Violinunterricht den Solopart eines Violinkonzerts von
Giovanni Battista Viotti spielte.
Dies entspricht der Jahresangabe 1835, die von den meisten Zeitgenossen Kiels als Unterrichtszeitraum bei Prinz Karl angegeben wird: SchuberthL (18656, 159), MúsiolL (1888,
126), RiemannL (18821 , 447) bis RiemannL (1/192911 , 878), Lessmann (1885a, 337), Lackowitz (1885, 297), Niecks (1885, 217), SMuS (1885, 149) sowie in BakerD (19404 ,
582) und BakerD (19786 , 881). Nur in RiemannL (1/195912 , 919) wird der Zeitraum auf
ab 1835 erweitert.
• (b) Abweichend von diesen zeitgenössischen Quellen wird der Zeitraum 1835–1838, d. h.
bis zum Beginn seines ersten Kompositionsstudiums 1838 bis 1839/40 bei Kummer, in
Pfeil (1997, 9) genannt.
• (a) Friedrich Kiels Übernahme des Violinsolos bei der Aufführung eines Violinkonzerts
von Viotti (1836) nach etwa acht Monaten Violinunterricht:
Friedrich Kiel hatte bis zu dem Berleburger Hofkonzert, in dem er ein Violinkonzert von
Giovanni Battista Viotti öffentlich vortrug, ein halbes bis dreiviertel Jahr lang, wie er selbst
berichtete, Violinunterricht bei Prinz Karl: ein halbes Jahr in seinem an Julius Schuberth
gerichteten Brief (31.7.1863*), der als Vorlage für Kiels veröffentlichte Selbstbiografie in
Breslauer (1885, 222) und u. a. in SchuberthL (189111 , 277) – der von Emil Breslauer herausgegebenen elften Auflage von Schuberths Musiklexikon – übernommen wurde, und
ein dreiviertel Jahr in seiner Autobiografie in Kiel (1882, 103), was wiederum in Prieger
(1906, 127) übernommen wurde. Dies entspricht auch der überwiegend in der Sekundärliteratur übernommenen Zeitspanne von acht Monaten laut LedeburL (1861, 281), MWO
(1870a, 169), Bungert (1875, 126), AllgemeineZ (1885, 4369) und Weber (1928, 140).
• (b) Erst nach einem Jahr hingegen fand Kiels Vortrag eines Violinkonzert Viottis lediglich laut dem Lebensabriss (c1881*), der zwar auf einem mit Kiel geführten Interview beruht, aber mehrere Irrtümer beinhaltet, statt, was in SMuS (1885, 149), HubbardB
(1/1908, 429) und RiemannL (1/192911 , 878) übernommen wurde. Der Autor des Lebensabrisses (c1881*), der Rezensent H. K., revidierte diese Angabe selbst in AllgemeineZ
(1885, 4369) durch die Zeitspanne von acht Monaten.
505
C8 • Friedrich Kiel als unbesoldeter Kammermusiker und Soloviolinist der Fürstlichen Hofkapelle Berleburg im Zeitraum 1836–38: Eingabe (31.3.1852), Bewilligungsbescheid (8.4.1852), Autobiografie in Kiels Brief (31.7.1863*), veröffentlichte
Autobiografien Kiels in Kiel (1882) und – auf jenem Brief (31.7.1863*) basierend
als Nekrolog auf Kiel – in Breslauer (1885), Weber (1928).
• (a) Für zwei Jahre 1836–38 wirkte Kiel als Kammermusiker und Soloviolinist in der
Fürstlichen Hofkapelle Berleburg mit, was anhand Friedrich Kiels eigener Aussage über
die Dauer von 2 Jahren in Kiel (1882, 103) und seinem Brief (31.7.1863*) ausreichend
belegt ist.
Dieser Zeitraum seines Mitwirkens, der unentgeltlich und daher nicht in seiner sich in
D-BE befindenden Personalakte (Kiel-Personalakte 1840–42*) des Fürstlichen Hauses
Berleburg vermerkt ist, ergibt sich nur indirekt. Sein Mitwirken in der Fürstlichen Hofkapelle Berleburg begann im Jahr 1836, als er – nach nur 6–9 Monaten Unterricht bei Prinz
Karl gemäß mehrerer zeitgenössischer Aussagen – erstmals ein Violinkonzert von Giovanni Battista Viotti exzellent bei einem Hofkonzert spielte, wie aus Kiels Briefformulierung fortan spielte ich in derselben (Fürstliche Hauskapelle) mit eindeutig hervorgeht
(Brief 31.7.1863*). Seine Mitwirkung als Hofmusiker wurde auch in der auf diesem Brief
basierenden, in Breslauer (1885, 222) veröffentlichten Autobiografie Kiels übernommen
und von mehreren Zeitgenossen bestätigt. Zudem endete der Zeitraum im Jahr 1838, als
Kiel zwischen Mai und September 1838 in Coburg sein Kompositionsstudium bei Kaspar
Kummer begann.
• (a/b) Laut Aussagen seiner Zeitgenossen spielte Kiel seit [1836], nachdem er 8–12 Monate am Fürstlichen Hof Berleburg Violinunterricht erhalten hatte, erstmals in der Fürstlichen Hofkapelle Berleburg mit: Laut (1870a, 169) konnte er bereits nach 8 Monaten in
des Fürsten Hauscapelle eintreten und dort selbst als Sologeiger fungieren, laut Prieger
(1884, 262) schon in dreiviertel Jahren […] eine Anstellung als Kammermusiker erhalten,
laut SMuS (1885, 149) ein Jahr später als Geiger in der fürstlichen Capelle Anstellung
finden bzw. laut Weber (1928, 140) nach einem Jahre [= 1836] Mitglied der Fürstlichen
Kapelle werden. Hierbei erfolgte aber keine – wie es z. B. in SMuS (1885, 149), Prieger
(1884, 262) und Wecker (1999, 19) heißt – bezahlte Anstellung als Kammermusiker.
• (a) Das zunächst jahrelange unbesoldete Mitspielen junger Musiker in der Fürstlichen Hofkapelle Berleburg war, wie auch bei Friedrich Kiel 1836–38 und Christian Spies 1850–52,
eine generelle Praxis am Fürstlichen Hof Berleburg: Laut Bewilligungsbescheid (8.4.1852)
für Christian Spies müssen hier überhaupt junge Leute, die noch nicht viel leisten, längere
Jahre in dem Orchester mitspielen, ohne dafür eine Remuneration[, d. h. ein regelmäßiges
Gehalt,] zu erhalten. Laut der Eingabe (31.3.1852) von Christian Spies war es aber üblich,
dass diejenigen Musiker, die keine feststehende Besoldung hatten, jährlich eine Kleidung
sowie Bargeld aus der Fürstlichen Privatkasse, der sog. Chatoulle, oder der Musikkasse
erhielten.
C9 • Friedrich Kiel als Konzertmeister der Fürstlichen Hofkapelle Berleburg im Zeitraum 1840–42: Reskript (28.4.1840*) und Bericht (29.10.1842*) in Kiel-Personalakte (1840–42*), Eingabe (4.10.1842*), Brief (31.7.1863*) mit Autobiografie, Gesuch (21.11.1863*) und Brief (27.8.1865*) jeweils von Kiel, Brief (25.1.1841*) von
Fürst Albrecht I.
• (a) Der Zeitraum 1. März 1840 bis 30. Oktober 1842 für Kiels Anstellung als Konzertmeister sowie Hausmusiklehrer am Fürstlichen Hof Berleburg ist anhand des Reskripts
506
(28.4.1840*), des Berichts (29.10.1842*) und des Briefes (25.1.1841*), die in seiner Berleburger Personalakte (Kiel-Personalakte 1840–42*) enthalten sind, eindeutig belegt. Aus dem
Reskript (28.4.1840*) und dem Brief (25.1.1841*) des Fürsten Albrecht I. zu Sayn-Wittgen-stein-Berleburg wie auch aus dem Bericht (29.10.1842*) eines Mitarbeiters der Fürstlichen Rentkammer Berleburg geht hervor, dass Kiel als Concertmeister sowie als Musiklehrer der beiden ältesten fürstlichen Kinder seit dem 1. März 1840 bis zum 30. Oktober
1842 angestellt war. Seine Bezahlung bestand aus fünf Talern monatlich und kostenloser
Logie am Fürstlichen Hof Berleburg.
• (a) In vier Dokumenten erwähnte Friedrich Kiel seine Anstellung als Konzertmeister
ohne Nennung des konkreten Zeitraums – im Brief (31.7.1863*) sowie mit Angabe der
Dauer drei Jahre im Gesuch (21.11.1863*) und Brief (27.8.1865*) – oder unterzeichnete
als Kiel | Concertmeister seine Eingabe (4.10.1842*). Im Brief (27.8.1865*) bezeichnete
Kiel hierbei seine Stelle als Conzertmeister an der Fürstlichen Capelle und Lehrer der
Kinder des Fürsten als eine für ihn sehr angenehme Stellung. Zudem wies er sich auf dem
Titelblatt des Autografs der Geburtstagskantate von 1840 (D-BE Musikalien 453) als
Fürstl. Wittgensteinischer Conzertmeister aus. Auch laut SchuberthL (189111, 277), der von
dem Kielschüler Emil Breslauer herausgegebenen elften Auflage von Schuberths Musiklexikon, wurde er 1840 zum Konzertmeister ernannt.
• (b) Die Angaben in Prieger (1906, 128), Weber (1928, 140) und Wecker (1999, 21)
bzw. in Reinecke (1936, 7) und Pfeil (1997, 9), dass Kiel seit 1839 für drei Jahre [1839–
41/42] bzw. seit dem 1. Mai 1840 Konzertmeister in Berleburg war, sind somit überholt.
D1 • Friedrich Kiels Studiendauer bei Kaspar Kummer in Coburg: Brief (31.7.1863*)
mit Autobiografie, Gesuch (21.11.1863*) und Brief (27.8.1865*) von Kiel, veröffentlichte Autobiografien Kiels in Kiel (1882) und – auf dem Brief (31.7.1863*)
basierend als Nekrolog auf Kiel – in Breslauer (1885).
• (a) Friedrich Kiels viele Violinsoli mit Orchesterbegleitung bzw. Compositionen von
mancherlei Art, die er 1836–38 am Fürstlichen Hof Berleburg komponierte und erfolgreich aufführte, überzeugten Fürst Albrecht I. zu Sayn-Wittgenstein-Berleburg von dessen
kompositorischem Können, wie aus zwei Autobiografien Kiels im Brief (31.7.1863*), der
auch als Basis für die veröffentlichte Textfassung in Breslauer (1885, 222) diente, und in
Kiel (1882, 103) hervorgeht. Fürst Albrecht I. veranlasste daher Kiels Compositions=Unterricht bei dem Cammermusikus Kummer in Coburg, wobei er ihn bei einer Reise nach
Coburg dorthin mitnahm, u. ihn dort Cammermusikus Kummer übergab, wie Kiel selbst
im Brief (31.7.1863*), in ähnlicher Formulierung in zwei weiteren Schreiben Kiels (Gesuch 21.11.1863* und Brief 27.8.1865*) und in seiner in Kiel (1882, 103) veröffentlichten
Autobiografie berichtete. Dies entspricht somit auch der veröffentlichten, auf jenem Brief
(31.7.1863*) basierenden Autobiografie Kiels in Breslauer (1885, 222).
• (a) Kiels Studiendauer bei Kummer von anderthalb Jahren 1838–39/40 (Studienbeginn
zwischen März und Juli 1838 und Studienende 1838 oder spätestens Februar 1840)
kann – im Gegensatz zu Reinecke (1936, 7) – anhand Kiels Aussage als anderthalbjähriges Studium in seinem Brief (31.7.1863*) belegt werden, die auch in der auf diesem Brief
basierenden, in Breslauer (1885, 222) veröffentlichten Autobiografie Kiels übernommen
wurde. In anderen Primärquellen gab Kiel hingegen nur eine allgemeine Zeitangabe an,
wie z. B. längere Zeit im Brief (27.8.1865*) oder mehrjähriger Aufenthalt in Kiel (1882,
103). Die Studiendauer von anderthalb Jahren wird auch von seinen Zeitgenossen in
LedeburL (1861, 281), MWO (1870a, 169), Eichberg (1872, 34), PaulL (1/1873, 510),
Mendel/ReissmannL (6/1876, 42), Prieger (1884, 262) und Niecks (1885, 217) bzw. von
507
etwa 1 ½ Jahren von dem Kielschüler August Bungert in Bungert (1875, 126) bestätigt,
wobei Karl von Ledeburs Aussage vermutlich auf einem um 1860 persönlich geführten
Interview mit Kiel beruht.
In einem der drei überlieferten, während seines Kompositionsstudiums bei Kaspar Kummer
entstandenen Studienhefte, seinem 21 Blatt umfassenden Lehr- und Übungsheft Tonsatz
D-BE Musikalien 457, finden sich die Datierungen 23. Juli 1838 auf Blatt [19r] und – als
Schlussdatierung auf der vorletzten Heftseite – 12. August 1839 auf Blatt [21r].
• (a) Kiels Studium bei Kaspar Kummer begann laut seiner Autobiografie in Kiel (1882,
103) nach Verlauf von 2 Jahren, in denen er [1836–38] als Violinist in der Fürstlichen
Hofkapelle Berleburg mitgespielt hatte, also im Jahr 1838, sowie laut Kiels Gesuch
(21.11.1863*) nach einigen Jahren bzw. einige Jahre später seit seiner Ankunft im Jahr
1835 am Fürstlichen Hof Berleburg.
Kiels Studium dauerte im Juli 1838 schon einige Zeit an, da eines der drei überlieferten
Studienhefte Kiels unter Kummer, sein Lehr- und Übungsheft Tonsatz D-BE Musikalien 457,
erst auf Blatt [19r] den 23. Juli 1838 als erste Datierung aufweist. Laut dem handschriftlichen Lebensabriss (c1881*) und dessen veröffentlichter Version AllgemeineZ (1885, 4369),
die auf einem 1881 geführten Interview mit Kiel basieren, ist hingegen Kiels Studienbeginn mit seinem Alter von 16 ½ Jahren, d. h. circa März 1838, angegeben.
• (a/b) Kiels im März 1840 beginnende Stellung als Konzertmeister am Fürstlichen Hof
Berleburg schloss sich z. B. laut PaulL (1/1873, 510) und Mendel/ReissmannL (6/1876,
42) direkt an sein anderthalbjähriges Kompositionsstudium bei Kaspar Kummer an, das
demnach von September 1838 bis Februar 1840 stattgefunden hätte. Dem entsprach Kiels
eigene Aussage, dass er nach seinem Studium bei Kummer wieder direkt zurück nach
Berleburg ging, die in zwei Briefen (Brief 31.7.1863* und Brief 27.8.1865*) und der auf
jenem Brief (31.7.1863*) basierenden veröffentlichten Autobiografie in Breslauer (1885,
22) überliefert ist. Die Datierungen 23. Juli 1838 und 12. August 1839 im oben genannten
Studienheft Kiels widerlegen dies nur insofern, als sein Coburger Studium dann nur etwa
anderthalb Jahre, nämlich ein Jahr und acht Monate von spätestens Juli 1838 bis Februar
1840, angedauert hätte.
• (a/b) Laut dem Kielschüler Erich Prieger begann im Jahr 1838 – nach seinem fast dreijährigen Wirken 1835–58 am Fürstlichen Hof Berleburg – Kiels anderthalbjähriges Studium (Prieger 1884, 262 und Prieger 1906, 127 f.). Explizit 1838–39 als Studienzeitraum
wird in MúsiolL (1888, 126), Lessmann (1885a, 339), SMuS (1885, 149), Krause (1894,
568), Weber (1928, 140), RiemannL (1/192911, 878) und BakerD (19404, 582) genannt.
Bei dem in Pfeil (1997, 9) angegebenen Unterrichtszeitraum 1839–40 kann der Beginn im
Jahre 1839 nicht zutreffend sein. Laut Prieger (1884, 262) und Wecker (1999, 19) lässt
sich über Kiels Studienaufenthalt in Coburg in der Landesbibliothek Coburg kein Quellenbeleg auffinden, was Recherchen der Verfasserin bestätigen.
D2 • Friedrich Kiels Studieninhalte bei Kaspar Kummer in Coburg: handschriftlicher
Lebensriss (c1881*) bzw. veröffentlichte Version in AllgemeineZ (1885), drei
Studienhefte Kiels.
• (a) Der Unterricht nach Andrés Kompositionslehrbuch geht aus seinem unter Kaspar
Kummer 1839 oder 1839–40 entstandenen Konvolut Tonsatzübungen D-BE Musikalien
456 hervor, in dem Kiel auf die Paragrafen des Lehrbuchs verweist, dieselbe Akkordsymbolik verwendet und an einer Stelle vermerkt: Dieser Akkord wird in André’s Lehrbuch
anders erklärt. Der Unterricht nach André wird auch in AllgemeineZ (1885, 4369) und
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dem fast identischen Lebensabriss (c1881*), der nach einem 1881 mit Kiel geführten Interview entstanden war, und MúsiolL (1888, 126) erwähnt.
• (a) Kiel lernte bei Kaspar Kummer laut Lebensabriss (c1881*) u. a. Generalbass sowie, wie aus drei überlieferten Studienheften Kiels hervorgeht, Harmonielehre und
Kontrapunkt, während laut Lebensriss (c1881*) die Geheimnisse des Contrapunkts bzw.
laut AllgemeineZ (1885, 4369) die Geheimnisse der eigentlichen Polyphonie, d. h. der
Fugen in der Art Johann Sebastian Bachs, noch verborgen blieben. Auch laut Reinecke
(1936, 7) und MGG (7/1958, 880) studierte Kiel bei Kummer nur etwas Kontrapunkt,
d. h. bis zum dreifachen Kontrapunkt, was inhaltlich dem Band 2.2 des Kompositionslehrbuchs von Johann Anton André entspricht.
Es gibt zwei in D-BE überlieferte Studienhefte Kiels von 1838–39 oder 1838–[40], die
in Reinecke (1936, 90) als Studienaufgaben in der Harmonielehre und im Kontrapunkt
mit geschätzter Datierung 1838–41 [!] angegeben sind, und ein undatiertes, in D-DT überliefertes Studienheft Kiels [vmtl. 1838–39/40]. Das 1838–39 entstandene Lehr- und
Übungsheft Tonsatz D-BE Musikalien 457, das 21 Blatt umfasst, Teildatierungen von
23. Juli 1838 und 12. August 1839 aufweist und laut Beulertz (2/2001, Nr. 835) Bezug
auf weiteres Übungsmaterial nimmt, enthält überwiegend Musiktheorie- und Imitationsübungen als Aufgaben von Kiels Lehrer Kaspar Kummer – wie z. B. bezifferte Bässe –
samt Ausarbeitung durch den Schüler Kiel, jedoch weder einen Hinweis auf das Lehrbuch von André noch Kompositionsskizzen oder Kompositionen: undatierte Kadenzen
in allen Tonarten und musiktheoretische Text- / Notenerläuterungen zu Akkordfortschreitungen im vierstimmigen Satz, eine Intervalllehre mit der Überschrift Von den Intervallen (Sekunde bis None) und Datierung links oben „den 23ten Juli. 1838.“ auf
Blatt [19r] und am Heftende auf Blatt [21] Imitationsübungen mit Überschrift Die verschiedenen Arten der Nachahmungen (z. B. in der Terz, Quarte, Quinte und Septe) und
Datierung rechts oben „Von Fr. Kiel | den 12ten Aug. | 1839.“ auf Blatt [21r]. Das auf
diesem Lehr- und Übungsheft Tonkunst (1838–39) aufbauende undatierte Konvolut
Tonsatzübungen D-BE Musikalien 456, das zweite, 1839 oder 1839–40 entstandene Studienheft Kiels, nimmt häufig Bezug auf das Lehrbuch der Tonsetzkunst von Johann Anton André und enthält Kompositionsskizzen, wie z. B. Übungen im doppelten Kontrapunkt oder Übungen mit Cantus firmus im Bass (u. a. vierstimmige „Uebungen mit dem
Cantus firmus im Bass!“ für vier Vokalstimmen als Nr. 2 und zweistimmige Uebungen
im doppelten Contrapunkt der Octave als Nr. 5). Seine Entstehung innerhalb Kiels Studienzeit bei Kummer geht aus dem geringen Schwierigkeitsgrad der Übungen und dem
häufigen Bezug auf das Lehrbuch von André hervor. Hinzu kommt das undatierte Studienheft D-DT Mus-a 2, dessen geringer Schwierigkeitsgrad ebenfalls für eine Entstehung
während Kiels Studienzeit 1838–39/40 bei Kummer spricht. Es enthält laut Überschrift
39 Blätter Harmonielehreübungen im meist vierstimmigem Satz, die teilweise eine
Bassbezifferung aufweisen, und auf zwei weiteren Blättern Kompositionsentwürfe zu
der Polonaise für Horn und Klavier C-Dur WoO und dem Allegretto für Klavier E-Dur
WoO. Und laut Kiels Namenseintrag in SchuberthL (189111, 277), der vom Kielschüler
Emil Breslauer herausgegebenen elften Auflage von Schuberths Musiklexikon, absolvierte Kiel theoretische Studien bei Kaspar Kummer in Koburg, wo er Violinsoli für die
fürstliche Kapelle komponirte.
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D3 • Friedrich Kiels Reise nach Düsseldorf 1840/41: Seelhorst (1841), RuM (1864),
Weidenhaupt (1988).
• (a) Kiel war 1840 oder 1841 in Düsseldorf, um laut RuM (1864, 423), Bungert (1875,
126), Nohl (1882, 25) und Weber (1928, 140) Angelegenheiten bei der Militärbehörde in
Düsseldorf zu regeln, in der laut Weidenhaupt (1988, 339) einige Führungsstäbe und
Truppenteile – überwiegend Infanterie – stationiert waren. Es ist davon auszugehen, dass
es sich hierbei um die laut Seelhorst (1841, VIII+3) im Jahr 1813 in Preußen eingeführte
ein- bzw. dreijährige Militairdienst=Verpflichtung, d. h. Wehrdienst, ging, die jedoch
u. a. auf Künste […] Rücksicht nahm. Friedrich Kiel, der in der Provinz Westfalen ansässig im Alter von 21 Jahren (= ab 8.10.1842) wehrpflichtig war, löschte man entweder aus
den Aushebungslisten aufgrund der Ausübung seiner Berufstätigkeit gemäß § 21, was
eine Ausmusterung bedeutete, oder er meldete sich im Alter von 18–20 Jahren (= 8.10.1839
bis 7.10.1842) für das Einjährigen-Freiwilligen-Privileg, dessen Antritt nicht im Zeitraum
15. Juli bis 30. September erfolgen konnte. Im letzteren Fall konnte Friedrich Kiel eventuell auch den geografischen Vorteil nutzen, dass nur in der Provinz Westfalen der Wehrdienst im Alter von 21 Jahren (= ab 8.10.1842), hingegen im restlichen Preußen schon im
Alter von 20 Jahren begann; denn just im Monat November 1842 siedelte er von Westfalen in die preußische Hauptstadt Berlin über.
Laut Seelhorst (1841, 5 f.) bestand die Militair=Verpflichtung der Preußischen Staatsbürger zunächst in der allgemeinen Militairpflichtigkeit (laut 1. Abschnitt 1. Kapitel), nach der
jeder männliche Staatsbürger gemäß § 1 – nach dem Egalitätsprinzip unabhängig von Geburt und Stand –, sobald er das zwanzigste Jahr (bzw. laut § 7 in der Provinz Westfalen
das 21. Jahr) erreicht hat, militairpflichtig laut § 3 an seinem Wohnsitz war. Neben diesem Egalitätsprinzip gab es zudem das Einjährigen-Freiwilligen-Privileg laut Seelhorst
(1841, 35): Laut § 21 gab es für gebildete Classen das Vorrecht einer verkürzten einjährigen freiwilligen Dienstzeit (= 1. Abschnitt 3. Kapitel), zusätzlich laut § 22 der eigenen
Wahl des Truppentheils und mithin auch des Garnison=Orts; hierfür musste man sich aber
schon zuvor laut § 23 im Alter von 17–19 Jahren – bzw. in Westfalen im Alter von 18–20
Jahren – melden und die Annahme der Freiwilligen konnte laut § 51 nicht innerhalb des
Zeitraums 15. Juli bis 30. September erfolgen. Die Voraussetzung hierfür war laut Seelhorst (1841, 35+38) laut § 25 lediglich der Grad der Bildung, womit dieses Privileg für
das Bildungs- und Besitzbürgertum, u. a. laut § 29 auch für Volksschullehrer bestimmt
war, da gemäß Seelhorst (1841, 6) laut § 4 u. a. die Künste […] in ihrem Fortschreiten
nicht gehemmt werden sollen.
Vor dem Einziehen in den Wehrdienst gab es laut Seelhorst (1841, 88) zunächst Aushebungslisten, von denen Personen nach bestimmten Kriterien gelöscht und damit ausgemustert wurden; danach erfolgte die körperliche und geistliche Tauglichkeitsprüfung, bei
der es auch zu einer Ausmusterung kommen konnte. Erst danach entschied ein Losverfahren über die Reihenfolge des Wehrdienstantritts entsprechend dem aktuellen Bedarf, während die Nichtausgelosten in Reserve gehalten wurden, laut § 8 in Seelhorst (1841, 5). Zur
Löschung in den Aushebungslisten (= 1. Abschnitt 4. Kapitel), die einer Ausmusterung
gleichkam, kam es laut § 21 in Seelhorst (1841, 87), wenn die Personen laut § 21 u. a. zur
Zeit der Ersatzaushebung noch dienende Leute, d. h. berufstätig waren.
510
D4 • Königliche Widmungserlaubnis zwischen Februar und Anfang Juli 1841: Brief
(25.1.1841*), Brief (a4.2.1841*).
• (a) Kiel beabsichtigte, die Erlaubnis für die Widmung seiner Fantasie für Klavier und
Orchester F-Dur op. 1 an König Friedrich Wilhelm IV. von Preußen mit Unterstützung
beider im Kreis Wittgenstein regierenden Fürsten einzuholen. Fürst Albrecht I. zu SaynWittgenstein-Berleburg fragte daher im Brief (25.1.1841*) Fürst Alexander I. zu SaynWittgenstein-Hohenstein um Rat, auf welche Weise er zu[r] Erfüllung dieses Wunsches
gelangen könne. Fürst Alexander I., der auf Schloss Wittgenstein bei Laasphe residierte,
fragte wiederum im Brief (a4.2.1841*) den in Berlin amtierenden preußischen Hausminister Wilhelm zu Wittgenstein, der sein Onkel und zudem Fürst zu Sayn-WittgensteinHohenstein war, um Rat, ob dieser die Bitte Kiels, dem König eine Komposition widmen
zu dürfen, bei dem König eingeben könne oder ob sich derselbe deshalb direkte an den
König wenden solle. Die Widmungserlaubnis, die Kiel innerhalb des Zeitraums Februar
bis Anfang Juli 1841 erteilt wurde, lag Mitte August 1841 laut Kiels an Breitkopf & Härtel gerichteter Brief (19.8.1841) schon vor, laut dem Kiel sich die Erlaubnis ausgewirkt
habe, dasselbe [Fantasie op. 1] Sr. Majestät dem Könige von Preußen widmen zu dürfen.
Diese erwirkte Widmungserlaubnis ist auch in Kiels Eingabe (4.10.1842*) erwähnt. Somit erhielt Friedrich Kiel zwischen Februar und Anfang Juli 1841 die königliche Widmungserlaubnis.
D5 • Empfehlungen von Graf Friedrich Wilhelm von Redern, Karl Christian Müller
und den beiden Fürsten des Kreises Wittgenstein für ein königliches Stipendium
Friedrich Kiels: Brief (31.7.1863*) mit Autobiografie, Gesuch (21.11.1863*)
und Brief (27.8.1865*) von Kiel, Brief (25.1.1841*), Empfehlungsschreiben
(18.10.1842*), Empfehlungsschreiben (14.11.1842*).
• (a) Fachberatung durch Graf Friedrich Wilhelm von Redern und Beratung durch Karl
Christian Müller:
Mit Empfehlungen [von Fürst Albrecht I. und Fürst Alexander I.] an den Hausminister
Fürsten Wittgenstein versehen, langte er [= Kiel] in Berlin an und ward durch diesen dem
Grafen Redern und dem Geh. Kabinets-Rath Müller empfohlen, wie in LedeburL (1861,
281) berichtet wird. Graf Friedrich Wilhelm von Redern wirkte als Generalintendant sowie als Vortragender Rat in der 2. Abteilung des Kgl. Hausministeriums, der Abteilung
für Domainen und Forsten820, und somit Vertrauter des preußischen Königs Friedrich
Wilhelm IV. und zudem nebenamtlich als Komponist. Graf Redern unterbreitete in seinem überlieferten Empfehlungsschreiben (14.11.1842*) für den talentvollen Komponisten
Friedrich Kiel den Vorschlag, dass ein Geldgeschenk von etwa 100 rl. für den Kiel als
Erste das Erträglichste sein könnte, damit er seine musikalische Studien hier fortzusetzen,
in den Stand gesetzt wird.
• (a) Beratungen durch Redern und Müller auf Vermittlung des preußischen Hausministers Wilhelm zu Wittgenstein, dem Kiel die Empfehlungsschreiben der Fürsten Alexander I. und Albrecht I. vorgelegt hatte:
Der regierende Fürst Alexander I. zu Sayn-Wittgenstein-Hohenstein empfahl – auf Anregung des regierenden Fürsten Albrecht I. zu Sayn-Wittgenstein-Berleburg – Friedrich
Kiel an seinen Onkel, den als preußischer Hausminister Wilhelm zu Wittgenstein amtie820 die Domaine = Landgut, der Forst = forstwirtschaftlich verwendeter Wald.
511
renden Fürsten zu Sayn-Wittgenstein-Hohenstein, durch dessen Vermittlung Kiels königliches Stipendium zustande kam. Friedrich Kiel beschrieb selbst in drei Schreiben aus den
Jahre 1863 und 1865, dass er durch die Vermittlung des preußischen Hausministers Wilhelm zu Wittgenstein, an den er von Fürst Alexander I. zu Sayn-Wittgenstein-Hohenstein – bzw. laut Weber (1928, 140) von Fürst Albrecht I. zu Sayn-Wittgenstein-Berleburg – empfohlen worden war, ein königliches Stipendium erhielt: fürstl. Empfehlungen
der im Kreis Wittgenstein regierenden Fürsten [Alexander I. und Albrecht I.] laut Brief
(31.7.1863*) bzw. Empfehlung des Fürsten Wittgenstein laut Gesuch (21.11.1863*) und
Vermittelung des Fürsten Wittgenstein, an den ich empfohlen war, laut Brief (27.8.1865*)
von Kiel. Dies bezieht sich auf den Brief (25.1.1841*) des Fürsten Albrecht I. zu SaynWittgenstein-Berleburg an Fürst Alexander I. zu Sayn-Wittgenstein-Hohenstein sowie das
Empfehlungsschreiben (18.10.1842*) für Friedrich Kiel des preußischen Hausministers
Wilhelm zu Wittgenstein an König Friedrich Wilhelm IV. von Preußen, in dem eine –
vermutlich mündliche – Versicherung des H.[errn] Grafen von Redern erwähnt ist. Das
von Fürst Albrecht I. zu Sayn-Wittgenstein-Berleburg mitgegebene Empfehlungsschreiben ist hingegen in PaulL (1/1873, 510) erwähnt.
D6 • Friedrich Kiels Reise von Berleburg nach Berlin mit Zwischenstopp bei Louis
Spohr in Kassel Ende 1842: RuM (1864), Bungert (1875), Nohl (1882), Prieger
(1884 und 1906).
• (a) Die Ausnahmeregelung, dass dem Komponisten Friedrich Kiel an einem Sonntag der
für seine Reise nach Berlin benötigte Reisepass nach Berlin ausgehändigt wurde (Bericht
29.10.1842* der Fürstlichen Rentkammer), ist ein Indiz dafür, dass Kiel vermutlich noch
am selben Tag – am Sonntag 30. Oktober 1842 – von Berleburg abreiste. Kiels überstürzte Abreise stand in Zusammenhang mit Kiels Anfang Oktober 1842 an den preußischen
König gerichteten Eingabe (4.10.1842*).
• (a) Louis Spohr zählte seit 1826/27 (Tod Carl Maria von Webers 1826 und Ludwig van
Beethovens 1827) bis Anfang der 1840er-Jahre (Bekanntwerden der Werke von Schubert,
Mendelssohn und Schumann) zu den bedeutendsten deutschen zeitgenössischen Komponisten. Der Besuch Friedrich Kiels bei Spohr wurde u. a. von drei Kielschülern in RuM
(1864, 424), Bungert (1875, 126), Nohl (1882, 26), Prieger (1884, 262), Prieger (1906, 128)
und Weber (1928, 141) erwähnt. Laut z. B. Weber (1928, 141) stellte er [= Kiel] sich in
Kassel Spohr vor, der durch ihn Mendelssohn grüßen ließ, doch diese Grüße sind nie an
die rechte Adresse gelangt.
(a/b) Es ist eher unwahrscheinlich, dass Spohr im November 1842 Friedrich Kiel laut
Tonhalle (1868, 472) an den Kompositionslehrer und Komponisten Moritz Hauptmann
(1792 – 1868) in Kassel verwies, da Hauptmanns Amtsantritt als Thomaskantor in Leipzig
schon am 12. September 1842 – anderthalb Monate vor Kiels Besuch von Spohr – erfolgte. Hauptmann, der ein Schüler Spohrs war, stand laut Tonhalle (1868, 472) schon vor
1822 fortwährend im freundschaftlichem Briefwechsel mit Spohr in Kassel und wurde
1822 als Violinist der Fürstlichen Hofkapelle Kassel angestellt, wo ihm Spohr auch Schüler zuwies, welche sich in der Theorie und Composition ausbilden wollten, z. B. Ferd.[inand] David, […], [irrtümlich:] [Friedrich] Kiel etc. Moritz Hauptmann war im Zeitraum
1822–1841/42 Violinist an der Fürstlichen Hofkapelle Kassel sowie in Leipzig ab dem
12. September 1842821 für ein Vierteljahrzehnt 1842–68 – auf Empfehlung des Gewand821 Hauptmanns Amtsantritt als Thomaskantor fand am 12. September 1842 und seine erste öffentliche Aufführung als Tho-
maskantor am 2. Oktober 1842 laut ADB (11/1880, 81 f.) statt.
512
haus-Kapellmeisters Felix Mendelssohn – Thomaskantor und zeitgleich 1843–68 Kompositionslehrer an dem von Mendelssohn gegründeten Musikkonservatorium.
• (a) Von Louis Spohr sind bis 1844 im Inventar der zum Fürstlichen Hof Berleburg gehörigen Musikalien von D-BE laut Beulertz (2/2001, Nr. 1553–1597) eine undatierte Abschrift der Bearbeitung des Doppelstreichquartetts d-Moll WoO für Klavierquintett – vermutlich mit der Notenausgabe von 1825 als Vorlage – sowie folgende ungefähr 40 Notendrucke überwiegend als Stimmenmaterial verzeichnet: Violinkonzerte d-Moll op. 2 (zwei
Drucke Leipzig 1809 und Leipzig ca. 1815), C-Dur op. 7 (Leipzig 1806 oder 1815), g-Moll
op. 28 (Adagio-Satz / Leipzig nach 1809), a-Moll in Form einer Gesangsszene op. 47
(Leipzig 1820, zusätzlich Klavierpartitur Leipzig 1830), d-Moll op. 55 (nur Kl.A. Offenbach 1822), A-Dur op. 62 (Leipzig 1824); zwei Concertante für 2 V. und Orch. A-Dur
op. 48 (Leipzig 1820) und h-Moll op. 88 (Bonn 1834); Concertino für V. und Orch.
E-Dur op. 92 (Leipzig 1837); Polonaise für V. und Orch. a-Moll op. 40 (Leipzig 1817);
zwei Ouvertüren für Orchester Es-Dur op. 63 aus der Oper Jessonda (Leipzig 1824) und
WoO 56 aus Oper Pietro von Albano (Berlin 1828); Streichquartette d-Moll op. 11 (Bonn
1808 oder ca. 1817), D-Dur op. 15 (Leipzig 1809) und g-Moll op. 27 (Wien 1813); Klavierquintett c-Moll op. 53 (Leipzig 1821); Streichquintette Es-Dur op. 33:1 (Wien 1816),
G-Dur op. 33:2 (Wien 1819), h-Moll op. 69 (Leipzig 1827); Streichquartette C-Dur, eMoll und f-Moll op. 45:1–3 (jeweils Leipzig 1819), Es-Dur op. 58:1 (Leipzig 1822),
a-Moll und G-Dur op. 58:2–3 (jeweils Leipzig 1823), h-Moll op. 61 (Leipzig 1823), ADur op. 68 (Leipzig 1825), B-Dur und d-Moll op. 74:2–3 (jeweils Leipzig 1827), E-Dur,
G-Dur und a-Moll op. 82:1–3 (jeweils Berlin 1829); Potpourris für Streichinstrumente
op. 5 (zwei Drucke Leipzig 1806 und ca. 1818) und op. 22 (Offenbach 1811), für Violine und Orchester op. 23 (Offenbach 1812), für Klarinette und Orchester op. 80 (Berlin
1830); 6 Duettinen für Klavier und Violine op. 127 (Violinstimme und Klavierpartitur
Hamburg 1844).
D7 • Friedrich Kiels Wohnort Berlin ab November oder Anfang Dezember 1842: Empfehlungsschreiben (14.11.1842*), Kabinettsorder (5.12.1842a*), Bewilligungsbescheid (5.12.1842b*).
• (a) Friedrich Kiel lebte am 14. November 1842 noch nicht in Berlin, da Graf Friedrich
Wilhelm von Redern ihn im Empfehlungsschreiben (14.11.1842*) als Concertmeister aus
Berleburg – ohne einen üblichen Zusatz wie z. B. zur Zeit in Berlin – bezeichnete und
Kiels Überreichung seiner an den preußischen König gewidmeten Fantasie für Klavier
und Orchester F-Dur op. 1 noch bevorstand: […] Concertmeister Kiel aus Berleburg ganz
ergebenst zu empfehlen. Er beabsichtigt Sr. Majestät eine Composition zu überreichen.
Hingegen lebte Kiel spätestens seit dem 5. Dezember 1842 in Berlin, wie aus zwei im Auftrag des preußischen Königs Friedrich Wilhelm IV. angefertigten Schreiben hervorgeht:
Konzertmeister Kiel aus Berleburg, jetzt in Berlin laut Kabinettsorder (5.12.1842a*) und
Adressangabe An den Konzertmeister | herrn [!] Kiel | aus Berleburg | zur Zeit in Berlin
des Bewilligungsbescheids (5.12.1842b*).
• (b) Die Angabe in Mendel/ReissmannL (6/1876, 42), dass Kiel erst 1843 in Berlin eintraf,
ist somit überholt.
513
D8 • Friedrich Kiels bewilligtes königliches Kompositionsstipendium von Januar
1843 bis Dezember 1845: Empfehlungsschreiben (14.11.1842*), Kabinettsorder
(5.12.1842a*), Bewilligungsbescheid (5.12.1842b*), Gesuch (6.6.1844*) und Gesuch (9.7.1844*) von Kiel, Kabinettsorder (1.8.1844a*), Bewilligungsbescheid
(1.8.1844b*).
• (a) 1843–44 (erster Stipendienzeitraum):
Das am 5. Dezember 1842 für die Jahre 1843 und 1844 bewilligte königliche Stipendium
Kiels, dessen Auszahlung mit jährlich 200 Talern in vierteljährlichen Raten festgelegt wurde, geht aus der Kabinettsorder (5.12.1842a*) und dem Bewilligungsbescheid (5.12.1842b*)
hervor, die beide im Auftrag des Königs notiert worden waren. Im Bewilligungsbescheid
(5.12.1842b*) heißt es: für die Jahre 1843 u. 1844 eine Unterstützung von 200 Th. jährlich bewilligt […] in vierteljährigen Raten. Dies wird in Kiels Gesuch (6.4.1844*) an
Fürst Alexander I. zu Sayn-Wittgenstein-Hohenstein, seinem Gesuch (9.7.1844*) an König Friedrich Wilhelm IV. und dem im Auftrag des Königs verfassten Bewilligungsbescheid (1.8.1844b*) bestätigt. Das letzte Quartal 1844 als Ende des ersten Stipendienzeitraums ist auch in Kiels Formulierung bevorstehender Herbst in seinem Gesuch
(6.6.1844*) an Fürst Alexander I. zu Sayn-Wittgenstein-Hohenstein angedeutet.
• (a) 1845 (Stipendienverlängerung um ein Jahr):
Mit der Absicht, König Friedrich Wilhelm IV. – mit Vermittlung des preußischen Hausministers Wilhelm zu Wittgenstein – um eine einjährige Verlängerung des königlichen
Stipendiums zu bitten, bat Kiel Fürst Alexander I. zu Sayn-Wittgenstein-Hohenstein im
Gesuch (6.6.1844*), sein Anliegen dem preußischen Hausminister – einem Onkel von
Fürst Alexander I. – zu empfehlen: Zur Vollendung meiner schulgerechten Ausbildung ist
aber […] noch wenigstens ein Jahr erforderlich. Schon einen Monat später erbat Kiel von
König Friedrich Wilhelm IV. in seinem Gesuch (9.7.1844*) diese einjährige Verlängerung, dem im Auftrag des Königs am 1. August 1844 laut Kabinettsorder (1.8.1844a*) und
Bewilligungsbescheid (1.8.1844b*) mit einer bewilligten Unterstützung von 200 Talern
auch noch für das Jahr 1845 stattgegeben wurde.
• (a) Neben zwei Kgl. Kabinettsordern, aus denen der im Jahr 1843 beginnende Stipendienzeitraum hervorgeht, lässt sich aus der Formulierung von zwei Schreiben ableiten,
dass Friedrich Kiels Kompositionsstudium am 5. Dezember 1842 noch nicht begonnen hatte. Graf von Redern schrieb im Empfehlungsschreiben (14.11.1842*) für Kiel, dass dieser
erst durch ein Stipendium in den Stand gesetzt, d. h. in die Lage versetzt wird, seine Muderst am 5. Dezember 1842 wurde ihm zur Fortsetzung Ihrer musikalischen Studien ein
zunächst zweijähriges Stipendium von Januar 1843 bis Dezember 1844 bewilligt (Bewilligungsbescheid 5.12.1842b*), woraus sich implizit ergibt, dass der Beginn seines Berliner
Kompositionsstudiums noch in der Zukunft lag.
• (a) Die korrekte dreijährige Dauer des königlichen Stipendiums ist genannt in Kiels
Brief (31.7.1863*) an den Verleger Julius Schuberth, seinem darauf basierenden Namenseintrag in der elften Auflage von Schuberths Musiklexikon (SchuberthL 189111, 277), die
von dem Kielschüler Emil Breslauer herausgegeben wurde, sowie in LedeburL (1861,
281), MWO (1870a, 169), PaulL (1/1873, 510) und Mendel/ReissmannL (6/1876, 42).
Der korrekte Zeitraum 1843–45 von Kiels Stipendium ist in dem Motettenprogrammzettel (26.9.1885) und in Weber (1928, 140) sowie der korrekter Studienbeginn im Jahr 1843
in Musical Times (1885, 605), Niecks (1885, 217) und KpBZ (1885) angegeben.
• (b) Folgende Angaben zu Kiels Stipendienzeitraum und -dauer sind somit überholt:
– Zeitraum 1842–44: z. B. laut Prieger (1884, 262), Pirani (1885, 377), SMuS (1885, 149),
514
–
–
–
–
Gumprecht (1886, 26), Krause (1894, 568), Prieger (1906, 128), Reinecke (1936, 13),
BakerD (19404 , 582), BakerD (19786 , 881) und Pfeil (1997, 10);
Zeitraum bis 1844: z. B. laut Lackowitz (1885, 297) und Lessmann (1885a, 339);
Zeitraum bis 1848 (nel 1848) laut Roeder (1874, 148);
Jahr 1848 [!]: z. B. laut Wangemann (1878, 151) und SchuberthL (18656, 159) bis SchuberthL (187710 , 224);
Dauer von zweiundeinhalb Jahren: z. B. laut Niecks (1885, 217), Prieger (1884, 262)
und Prieger (1906, 128).
D9 • Friedrich Kiels Studienfächer und -hefte für sein Kompositionsstudium bei Siegfried Wilhelm Dehn 1843–45 in Berlin: Motettenprogrammzettel (26.9.1885), drei
Studienhefte Kiels in D-DT.
• (a) Studienfächer: Kiel studierte bei Siegfried Wilhelm Dehn im Zeitraum 1843–45 laut
Motettenprogrammzettel (26.9.1885) Contrapunkt und Composition. Kiel selbst beschrieb
dieses dreijährige Studium als den Cursus der Musiklehre im Gesuch (8.4.1843*) bzw. als
den gewöhnlich üblichen dreijährigen Schulcursus, der ihm eine höhere Ausbildung in
der Musik laut seinem Gesuch (9.7.1844*) ermöglichte. Im dritten Jahr seines dreijährigen Cursus konnte Kiel laut seinem Gesuch (6.6.1844*) erst zur höchsten Ausübung
seiner Kunst gelangen. Kiels Studium bei Dehn wird entsprechend in LedeburL (1861,
281) als gründliche Studien in der Musik charakterisiert.
• (a) Von den drei überlieferten Studienheften Kiels in D-DT (Mus-a 1, 3, 5), die während
seines Kompositionsstudiums bei Dehn 1843–45 entstanden, enthält lediglich das Autograf D-DT Mus-a 3 eine Teildatierung auf 1844: Die Namensinitiale D für Dehn steht unter den Rotstiftkorrekturen auf den ersten Seiten des Konvoluts und der vermutlich autografe Datierungsvermerk Abschrift [Kiels] Aus der Studienzeit 1844) zu zwei Klavierimitationen findet sich zu Beginn des Konvolutteils D-DT Mus-a 3/7 auf Blatt 1r oben in
schwarzer Tinte.
Das 165 Blätter umfassende, als Contrapunktische Arbeiten betitelte Konvolut D-DT
Mus-a 3 mit der Teildatierung 1844, das als Konvolut I im Auktionskatalog-Priegernachlass (3/1924, 9 / Nr. 74) verzeichnet ist, enthält überwiegend in Klavierbesetzung 15 zweibis vierstimmige Kontrapunktstücke (u. a. zehn Fugen WoO) und eine Bach-Choralbearbeitung Kiels sowie für verschiedene Besetzungen Kompositionsskizzen und -entwürfe, wie
z. B. die 1844–45 entstandene autografe Skizze des Klaviertrios Es-Dur op. 24 (siehe Werkkatalog / Anhang 1).
Das 22 Blätter umfassende Studienheft D-DT Mus-a 1, das auf das Konvolut I Contrapunktische Arbeiten aufbaut und als Konvolut II im Auktionskatalog-Priegernachlass (3/1924,
9 / Nr. 74) verzeichnet ist, enthält – mit der Überschrift Studien nach Marx und dem
Namensvermerk Fr. Kiel versehen – auf Blatt 1–2 Motivverarbeitungs-Studien nach Seite 20 in Band 2 (1838) der Praktisch-theoretischen Lehre von der musikalischen Komposition von Adolf Bernhard Marx (Marx 2/1838, 20). Daran schließen sich auf Blatt 3–22
Skizzen und Kompositionsentwürfe zu Klavier-, Orchester- und Chorwerken – wie z. B. zu
geistlichen Chorfugen – an, die sich nicht auf dieses Kompositionslehrbuch von Marx beziehen.
Das aus zwei Blättern bestehende Autograf D-DT Mus-a 5, das vermutlich ursprünglich
zu den im Auktionskatalog-Priegernachlass (3/1924, 9 / Nr. 74) genannten Konvoluten I
oder II gehörte, enthält die untextierte Chorfuge An den Herrn B-Dur WoO als Kontrapunktübung, den Galopp für Klavier A-Dur WoO, Entwürfe und Skizzen zu weiteren
Klavierwerken sowie den Beginn des Chorsatzes „Miserere mei Deus“ WoO.
515
E1 • Unterstützung Friedrich Kiels durch die Fürsten des Kreises Wittgenstein noch
in seiner Berliner Zeit: Gesuch (8.4.1843*), Brief (27.6.1843*), Brief (18.10.1846*).
• (a) Die gegenseitige Verbundenheit beschrieb Kiel 1882 in seiner Autobiografie im
Rückblick: Briefe, welche ich auch später von meinen Fürsten erhielt, überzeugten mich,
daß ihr Wohlwollen nicht erkaltet war. […] edle Fürsten, unvergeßlich mir, der ich Ihnen
so viel verdanke (Kiel 1882, 103). Das Wohlwollen des Fürsten Alexander I. zu SaynWittgenstein-Hohenstein zeigt sich u. a. in seinem an Kiel während seines Berliner Studiums gerichteten Brief (27.6.1843*): Mit dem herzlichen Wunsche, daß Dich der Himmel
in Seinen besonderen Schutz nehmen und Deine Fortschritte in der Musik segnen möge,
verbinde ich zugleich die Versicherung meines steten Wohlwollens, das Dir erhalten
bleibt, so lange Du Dich dessen nicht unwürdig machst. Bleib gesund und gut.
Zudem bewilligte Fürst Alexander I. zu Sayn-Wittgenstein-Hohenstein dem Studenten
Friedrich Kiel ab 1843 Geldvorschüsse von insgesamt 70 Talern. Wie Kiel im Gesuch
(8.4.1843*) erbeten hatte, wurde ihm im Juni 1843 ein weiterer Vorschuß von Fünfzig
Thalern laut Brief (27.6.1843*) gewährt. Und Mitte Oktober 1846 machte Fürst Alexander I. als einen Beweis seines Wohlwollens Kiel den gesamten Vorschuss von 70 Talern,
die zur Bestreitung seiner Aufenthaltskosten in Berlin gedient hatten, nachträglich zum
Geschenk und legte noch 15 Taler bar dazu, wie aus seinem Bief (18.10.1846*) hervorgeht. Friedrich Kiels an Fürst Alexander I. gewidmete Musikalische Morgen-Unterhaltung
für Kammerorchester C-Dur WoO, die im Autograf (D-B Mus.ms.autogr. Kiel, F. 10 N)
den autografen Finevermerk den 25ten April | 1846 enthält, war wohl ein Zeichen für
Kiels Dankbarkeit gegenüber dem Fürsten.
• (a) Und bei den Berleburger Hofkonzerten wurden weiterhin – u. a. für die Jahrhundertmitte belegt – Kompositionen Kiels aufgeführt; entsprechend sind im Inventarium (1852,
5+15+18+26) der zur Fürstlichen Hofkapelle Berleburg gehörigen Musikalien mehrere
Musikalien Friedrich Kiels, die noch bis in die 1880er-Jahre erworben wurden, aufgelistet. Und der Berleburger Hofmusiker Karl Ambrosius stellte z. B. noch 1849–50 Abschriften von fünf unveröffentlichten Originalwerken bzw. Bearbeitungen Kiels her. Laut
sechs in der D-BE-Akte Musikkasse (1845–53) enthaltenen Rechnungen umfassen diese
die Abschriften von Kiels Erstem Streichquartett Es-Dur op. 3, Musikalischer MorgenUnterhaltung für Kammerorchester C-Dur WoO, Polacca – d. h. des aus Introduzione
und Polacca bestehenden Solos (als Werkbezeichnung in D-B-Autograf) für Klarinette
und Horn mit Orchesterbegleitung C-Dur WoO sowie von Kiels Bearbeitungen einzelner
Opernausschnitte aus Rossinis Die diebische Elster und Mozarts Die Entführung aus dem
Serail. Und fast fünf Jahrzehnte nach Kiels Vorstellung am Fürstlichen Hof Berleburg
sammelte man weiterhin Notendrucke von Kiel: Zu diesen 17 bis 1881 entstandenen Musikalien Kiels, die als Originalquellen im Fürstlichen Archiv Sayn-Wittgenstein-Berleburg D-BE überliefert oder anhand Textquellen belegt sind, gehören der Erstdruck des
Klaviertrios A-Dur op. 22 sowie Handschriften zu zwei unveröffentlichten Kammermusikwerken für Streichinstrumente, dem ca. 1833–39 entstandenen Introduction et Variationen für Violine mit Streichquartettbegleitung und dem Ersten Streichquartett Es-Dur
op. 3. Hinzu kommen vier 1846–81 erschienene Erstausgaben von Klavierwerken oder
-bearbeitungen Kiels – inklusive der Erstausgabe von Kiels Klavierbearbeitung der Walzer[-Folge] für Streichquartett A-Dur op. 78 (Berlin 1881) – sowie Handschriften zu sechs
Orchester- bzw. Kammerorchesterwerken, zwei Vokalkompositionen und zwei Opernbearbeitungen Kiels.
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E2 • Friedrich Kiel als Privatlehrer für Klavier und Harmonielehre im Zeitraum 1846–63
und seine Berufsbezeichnung in den Berliner Adressbüchern: Gesuch (8.4.1843*),
Brief (27.6.1843*), Gesuch (9.7.1844*) und Gesuch (21.11.1863*) von Kiel, LedeburL (1861), Prieger (1884), Lessmann (1885a), Prieger (1906, 129), Berliner Adressbücher.
• (a) Friedrich Kiel erteilte erst nach seinem 1845 endenden Studium ab 1846 privat Klavier- und Harmonielehreunterricht. So berichtete er selbst in zwei Gesuchen (8.4.1843*
und 9.7.1844*), dass es ihm zeitlich nicht möglich sei, neben seinem intensiven Kompositionsstudium bei Dehn noch Privatunterricht zu erteilen, was Fürst Alexander I. zu SaynWittgenstein-Hohenstein in seinem Brief (27.6.1843*) inhaltlich aufgriff. In seinem Gesuch (9.7.1844*) schrieb Friedrich Kiel beispielsweise: Es fehlt mir aber an allen Mitteln,
und sowohl an Gelegenheit, als auch, wenn durch mein Studium nicht zu sehr die freiere
Production aufgehalten werden soll, an Zeit, mir dieselben durch bloßen Privatunterricht
zu erwerben. Dem entspricht die Angabe z. B. in Mendel/ReissmannL (6/1876, 42), dass
Kiel als Lehrer des Clavierspiels und der Composition [recte: Harmonielehre zunächst]
seitdem, d. h. seit seinem Studium bei Dehn, zunächst still und bescheiden in Berlin thätig
war. Auch laut dem mit ihm befreundeten Berliner Berichterstatter Otto Gumprecht erteilte Kiel zunächst volle sechs Jahre […] Unterricht auf dem Klavier, bis er 1850 [recte:
1851] mit seinen 15 Canons op. 1 und 6 Fugen op. 2 an die Öffentlichkeit trat; das Jahr
1851 geht hierbei aus dem sechsjährigen Zeitraum 1846–51, in dem er nach der Beendigung seines Kompositionsstudiums Klavierunterricht gab, und dem Erstdruck der 15 Canons im Kammerstyl für Klavier op. 1 im Dezember 1851 hervor. Sein täglich am Nachmittag stattfindender Klavierunterricht ist anhand des Briefes (18.5.1851, 181) seines ehemaligen Kompositionslehrers Siegfried Wilhelm Dehn belegt: gegenwärtig ernährt er
[= Kiel] sich durch Piano-Unterricht, der ihn nur Nachmittags beschäftigt, so dass er alle
Vormittage seinen [Kompositions-]Studien obliegen kann.E6
Kiel selbst berichtete im Gesuch (21.11.1863*), dass er erst – nachdem er sein Kompositionsstudium beendet hatte – als Componist und als Lehrer der Musik, sowohl nach der
practischen als theoretischen Richtung hin gewirkt, d. h. Klavier- und Harmonielehreunterricht erteilt hatte. Dies entspricht den Angaben des Lexikografen Karl von Ledebur und
des Kielschülers Erich Prieger: Nach Beendigung seiner Studien [1843–45 bei Dehn] lebt
er [ab 1846] als Musiklehrer und Componist zu Berlin (LedeburL 1861, 281) bzw. durch
das dreijährige Stipendium von König Friedrich Wilhelm IV. […] wurde es Kiel ermöglicht, ohne äußere Sorgen sich dem Unterricht bei Siegfried Wilhelm Dehn hinzugeben
(Prieger 1884, 262). Laut seinem Kompositionsschüler Erich Prieger mußten Klavier- und
Harmonie-Stunden dem Komponisten Kiel, der nun – d. h. nach Stipendium ab dem Jahr
1846 – auf sich selbst angewiesen war, die äußere Stellung ermöglichen (Prieger 1884,
272 und Prieger 1906, 129). Den von Kiel erteilten Klavierunterricht bestätigte auch der
Kielschüler Otto Lessmann (Lessmann 1885a, 339), was wiederum in Reinecke (1936,
13) und Pfeil (1997, 10) übernommen wurde.
• (a) Die ständig ansteigende Anzahl seiner Kompositionsschüler, die er seit dem Tod
Dehns im Jahr 1858 und insbesondere seit der Uraufführung seines Requiems f-Moll
op. 20 am 8. Februar 1862 verbuchen konnte, ermöglichte es ihm, ab 1863 auf Klavierund Harmonielehreunterricht zu verzichten und nur noch Kompositionsunterricht zu erteilen. Entsprechend schrieb Kiel Ende 1863 in seinem Gesuch (21.11.1863*): Die immer
wachsende Zahl meiner Schüler für die Composition, die mir angehende und bereits vorgeschrittene Musiker von hier und dem Auslande zuführte, hat mich bestimmt, mich fortan
dem Lehrfache der musikalischen Wissenschaften zu widmen. Dies entspricht dem Bericht
517
des mit Kiel befreundeten ehemaligen Kompositionsschülers Erich Prieger: Vor allem
konnte Kiel nun, d. h. 1863 aufgrund der wachsenden Anzahl der Kompositionsschüler
seit der Uraufführung seines Requiems f-Moll op. 20, die Clavierstunden aufgeben, und
sich ganz der Komposition widmen; nur in letzterer wurde noch Unterricht erteilt (Prieger 1884, 273 und ähnlich formuliert Prieger 1906, 129).
Das sich verändernde berufliche Selbstverständnis Kiels zeigt sich auch in der von ihm
neu gewählten Berufsangabe in den Berliner Adressbüchern; dort gab er 1864–68 nur noch
Componist als Berufsbezeichnung (bzw. 1869–85 Professor, Componist), hingegen 1861–63
noch Musiklehrer, Componist und 1848–60 nur Musiklehrer an. Seine letzte Änderung in
der Berufsbezeichnung hatte er vermutlich für die Adressbücher, wie es die Regel darstellt, schon im Vorjahr, d. h. im Jahr 1863 veranlasst. Siehe Kieleinträge in den Berliner
Adressbüchern z. B. in AW (1/1848, 217) bis AWA (1/1860, 234), AWA (1/1861, 243)
bis AWA (1/1863, 250), AWA (1/1864, 265) über AWA (1/1866, 286) bis AWA (1/1868,
311), AWA (1/1869, 339) über AWA (1/1871, 349) und BAb (1/1874, 389).
• (b) Die Angabe in Reinecke (1936, 13), dass Friedrich Kiel während seines Kompositionsstudiums bei Dehn 1842 bis 1844 [recte: 1843–45] die Mittel zum Lebensunterhalt
durch Klavier- und Harmonielehreunterricht erworben habe, ist damit überholt, ebenfalls
der laut Pfeil (1997, 10) schon im Jahr 1844 beginnende Privatunterricht Kiels.
E3 • Friedrich Kiel als Pianist spätestens seit 1850 bei 17 Aufführungen – abgesehen
von seiner Berleburger Zeit – belegt: Rode (1861), Echo (1867a), Kuczynski (1898),
mehrere Briefe und Konzertrezensionen.
• (a) Kiels pianistische Fähigkeiten gehen z. B. aus dem fürstlichen Brief (25.1.1841*),
der Rezension Rode (1861, 193), der Konzertanzeige Echo (1867a, 61) und den Schülermemoiren von Paul Kuczynski (Kuczynski 1898, 65) hervor. Im 20. Jahrhundert finden
sich ähnlich Aussagen über Friedrich Kiel als Prussian [= preußischer] pianist in HubbardB (1/1908, 429), brilliant pianist in Truscott (1972, 2) und geachteter Pianist in
Langner (1977, 578).
• (a) Friedrich Kiel selbst wirkte als Pianist laut Primärquellen bei folgenden mindestens
17 Konzerten, die in den Jahren 1850, 1852 und im Zeitraum 1858–81 stattfanden, bei der
Aufführung seiner eigenen Klavier- und Kammermusikwerke mit: beginnend im Jahr
1850 bei einer nicht-öffentlichen Aufführung zwecks Bewerbung um Vereinsaufnahme,
1852 in Leipzig zusammen mit Siegfried Wilhelm Dehn als Cellisten, 1858–61 bei fünf
(halb)öffentlichen Konzerten und 1867–81 bei neun Hauskonzerten und einem königlichen Privatkonzert Kiels:
I) drei Konzerte des Tonkünstlervereins Berlin, ein nicht öffentliches Konzert (1850) und
zwei halböffentliche Konzerte (1858 und 1859):
– 4.7.1850 Berlin / TV Berlin, nicht-öffentliche Versammlung, Friedrich Kiel (Kl.) +
Julius Grunwald (V.): Duo für Violine und Klavier von Kiel laut NBM (1850, 220),
mit dem sich Kiel um die Aufnahme als TV-Mitglied bewarb;
– 20.11.1858 Berlin / TV Berlin (Stöcker’scher Saal, der Konzertsaal des seit 1838 in
Berlin tätigen Kgl. Hofklavierfabrikanten Theodor Stöcker in der Kochstraße 57 [laut
AWA (1/1858, 455)]), Kielsoiree (halböffentliches Vereinskonzert für außerordentliche
Mitglieder des TV Berlin), Samstag 19 Uhr, Friedrich Kiel (Kl.) + Adolf Grünwald
(V.) + Theodor Bruns (Vc.): Klaviertrio D-Dur op. 3, je drei Kanons und Fugen für
Klavier (drei Kanons aus den veröffentlichten 15 Canons im Kammerstyl op. 1 und
drei Fugen im Manuskript aus den kurze Zeit später publizierten Vier zweistimmigen Fugen op. 10) von Kiel;
518
– 27.1.1859 Berlin (Saal des Englischen Hauses), Konzert zum Besten der Krankenkasse
des TV Berlin (halböffentliches Vereinskonzert für außerordentliche Mitglieder des TV
Berlin), Donnerstag 19 Uhr, Friedrich Kiel (Kl.) + Adolf Grünwald (V.) + Theodor
Bruns (Vc.): Klaviertrio D-Dur op. 3 von Kiel;
II) Konzert Sept. 1852 Leipzig, Friedrich Kiel (Kl.) + junger talentvoller Geiger (V.) +
Siegfried Wilhelm Dehn (Vc.): Klaviertrio D-Dur op. 3;
III) neun Berliner Konzerte mit Friedrich Kiel als Gastgeber für eingeladene Zuhörer, die
sich aus zwei Privatkonzerten Kiels in der Singakademie und sieben Hauskonzerten zusammensetzten:
III1) zwei Konzerte im Cäciliensaal, dem kleinen Saal der Singakademie:
– 13.3.1859 Berlin (Cäciliensaal), Matinee / Konzert von Friedrich Kiel (Kiel als Gastgeber, nur eingeladene Zuhörer), Sonntagvormittag, Friedrich Kiel (Kl.) + Adolf Grünwald (V.) + Theodor Bruns (Vc.): Klaviertrios D-Dur op. 3 und Es-Dur op. 24, ReiseBilder für Cello und Klavier op. 11 sowie zwei Fugen und ein Kanon für Klavier (auch
als drei kontrapunktische Klavierstücke in zeitgenössischen Konzertrezensionen bezeichnet) von Kiel;
– 27.4.1861 Berlin (Cäciliensaal), Matinee / Soiree von Friedrich Kiel (Kiel als Gastgeber, nur eingeladene Zuhörer), Samstag, Friedrich Kiel (Kl.) + Heinrich de Ahna
(V.) + Julius Stahlknecht (Vc.): Violinsonate d-Moll op. 16, Reise-Bilder für Cello und
Klavier op. 11 und drei Klavierwerke (Drei Clavierstücke op. 8, Große Polonaise
C-Dur op. 14 und Variationen und Fuge f-Moll op. 17) von Kiel;
III2) sieben Hauskonzerte von Friedrich Kiel für einen kleinen Zuhörerkreis in der Wohnung von Kiel bzw. in der Wohnung des mit Kiel befreundeten Architekturmalers Professor Karl Graeb, als beide im selben Stadthaus – z. B. 1867–70 in der Anhaltischen Communication 11, die am 6. November 1867 in Königgrätzerstraße 108 umbenannt wurde,
oder 1874–79 in der Lützowstraße 92 – wohnten:
– Januar 1867 Berlin (Wohnung von Friedrich Kiel: Anhaltische Communication 11),
Hauskonzert von Kiel gegen Ende Januar 1867 für eingeladene Zuhörer, Friedrich Kiel
(Kl.) + Josef Joachim (V.) + Franz Schulz (Va.) + Interpret unbekannt (Vc.): Klavierquartette a-Moll op. 43 und E-Dur op. 44 von Kiel;
– 10.2.1867 Berlin (Wohnung von Friedrich Kiel: Anhaltische Communication 11),
Hauskonzert / Matinee von Kiel, Sonntagmorgen, Friedrich Kiel (Kl.) + Heinrich de
Ahna (V.) + Franz Schulz (Va.) + Adolf Rohne (Vc.): Klavierquartette a-Moll op. 43
und E-Dur op. 44 von Kiel;
– 2.3.1867 Berlin (Wohnung von Professor Karl Graeb: Anhaltische Communication 11),
Hauskonzert von Kiel für eingeladene Zuhörer / kleinen Zuhörerkreis, Samstag 12 Uhr,
Friedrich Kiel (Kl.) + Interpreten unbekannt (V., Va., Vc.): Klavierquartette a-Moll
op. 43 und E-Dur op. 44 von Kiel;
– 6.12.1868 Berlin (Wohnung von Professor Friedrich Kiel: Königgrätzerstraße 108),
Hauskonzert von Kiel für eingeladene Zuhörer / 1. Matinee Kiels in Wintersaison
1868/69, Sonntagmittag, Friedrich Kiel (Kl.) + Interpreten unbekannt (V., Va., Vc.):
Klavierquartett G-Dur op. 50, Violinsonate e-Moll op. 51 und Cellosonate a-Moll
op. 52 von Kiel;
– 23.1.1870 Berlin (Wohnung von Professor Karl Graeb: Königgrätzerstraße 108), Hauskonzert von Kiel für eingeladene Zuhörer, Sonntagmittag 12 Uhr, Friedrich Kiel (Kl.) +
Mitglieder des Joachim-Quartetts [Josef Joachim (V.) + Ernst Schiever (Va.) + Wilhelm
Wilhelm Müller (Vc.)]: Klavierquartette a-Moll op. 43 und E-Dur op. 44, Variationen
über ein schwedisches Volkslied für Violine und Klavier fis-Moll op. 37 von Kiel;
519
– Zeitraum April 1874 bis 1879 Berlin (Wohnung von Professor Friedrich Kiel: Lützowstraße 92), Hauskonzert von Kiel für eingeladene Zuhörer, bei dem Minna Graeb – die
Gattin Karl Graebs – laut Dressler (1904, 68) die Honneur machte, Friedrich Kiel (Kl.) +
Wilhelm Müller (Vc.) [Mitglied des Joachim-Quartetts]: Reise-Bilder für Cello und
Klavier op. 11 von Kiel;
– 19.2.1879 Berlin (Wohnung von Friedrich Kiel: Lützowstraße 92), Hauskonzert von
Kiel für eingeladene Zuhörer, Mittwoch 12 Uhr, Friedrich Kiel (Kl.) + Interpreten unbekannt (V. 1, V. 2, Va., Vc.): Klavierquintett A-Dur op. 75 von Kiel;
IV) ein öffentliches Konzert in Berlin:
– 20.3.1860 Berlin (Saal des Englischen Hauses), 4. Kammermusiksoiree / Abonnementsoiree von Adolf Grünwald und Sigismund Blumner), Dienstag 19 Uhr (von Montag
auf Montag auf Dienstag verlegt), Friedrich Kiel (Kl.) + Adolf Grünwald (V.): unveröffentlichte Violinsonate G-Dur op. 3 von Kiel;
V) ein Hauskonzert von Josef Joachim:
– 15.5.1870 Berlin (Wohnung von Josef Joachim), Matinee für geladene Gäste, Sonntagmittag, Friedrich Kiel (Kl.) + Mitglieder des Joachim-Quartetts [Josef Joachim (V.) +
Heinrich de Ahna (Va.) als späteres Quartettmitglied + Wilhelm Müller (Vc.)]: Klavierquartett a-Moll op. 43 von Kiel;
VI) ein königliches Privatkonzert in Dresden und ein Hauskonzert in Kissingen:
– Dezember 1879 Dresden, königliches Privatkonzert vor dem Widmungsträger König
Albert von Sachsen, Friedrich Kiel (Kl.) + Eduard Rappoldi (V. 1) + Interpreten unbekannt (V. 2, Va., Vc.): Klavierquintett A-Dur op. 75 von Kiel;
– vermutlich Juni 1881, Kissingen, Hauskonzert, Friedrich Kiel (Kl.) + Interpreten unbekannt (V., Va., Vc.): Klavierquartett a-Moll op. 43 von Kiel.
Sieben der genannten Konzerte sind fast nur in Briefen nachweisbar: Konzerte mit Aufführungsdatum Sept. 1852 laut Brief (6.1.1853, 255), Jan. 1867 laut Brief (18.1.1867), am
2.3.1867 laut Brief (27.2.1867), 23.1.1870 laut Brief (12.1.1870), 19.2.1879 laut Brief
(17.2.1879), Dez. 1879 laut drei Briefen (14.11.1879, 17.11.1879 und 21.11.1879) und
Sommer 1881 in zwei Briefen (24.11.1881 und 9.4.1882), NMZ (1881, 66) und AllgemeineZ (1885, 4369). Hiervon sind fünf Briefe (18.1.1867, 17.2.1879, 14.11.1879,
17.11.1879 und 21.11.1879) in Kapitel 4.4 vollständig und ein Brief (6.1.1853, 255 f.) unter Punkt „L4“ (Anhang 5) auszugsweise zitiert.
• (a) Nachweise für aufgeführte Klavier- und Kammermusikwerke Kiels bei der Kielsoiree
am 20. November 1858:
Zur Aufführung kamen drei seiner edirten Canons [im Kammerstil für Klavier op. 1] laut
KpBZ (1858, 3) bzw. drei Canons aus seinem Opus 1 laut NBM (1858, 380), zu denen
sich laut beiden Konzertberichten drei Fugen, im Manuscript gesellten. Es handelt sich
hierbei wohl um drei der Vier zweistimmigen Fugen für Klavier op. 10, die auf Veranlassung Dehn’s 1857–58 laut Nohl (1882, 27) entstanden und Ende 1858 im Erstdruck erschienen; am 20. November 1858 stellten diese Fugen op. 10, von denen die vierte Fuge vermutlich noch nicht fertiggestellt war, die neuesten Fugenkompositionen von Kiel dar.
Nicht plausibel erscheint hingegen eine Auswahl von drei der 1844 entstandenen unedierten VII Fugen für Klavier WoO, von denen die Fugen Nr. 1–2 überarbeitet in die schon
1852 erstveröffentlichten 6 Fugen für Klavier op. 2 integriert wurden. Die Tonarten von
op. 1 und op. 10 lassen folgende drei Kanons und Fugen vermuten: Kanon c-Moll op. 1/15
mit Fuge c-Moll op. 10/3, Kanon B-Dur op. 1/13 oder op. 1/14 mit Fuge B-Dur op. 10/4
und transponiert Kanon es-Moll op. 1/8 mit Fuge e-Moll op. 10/1 oder Fuge d-Moll op. 10/2.
Bei dem aufgeführten Klaviertrio handelt es sich um das einzige bisher publizierte Kla-
520
viertrio D-Dur op. 3, das in NBM (1858, 380) als ein Trio von bedeutendem musikalischen Interesse charakterisiert wurde; die Nennung einer Opusnummer erschien dem Rezensenten wohl bei dem einzigen bisher veröffentlichten Klaviertrio Kiels überflüssig. In
zeitgenössischen Konzertrezensionen wurde eine unveröffentlichte Komposition in der
Regel – wie bei den genannten drei Fugen Kiels – als noch im Manuskript vorliegend bezeichnet. Daher kommen die erst 1862 publizierten Klaviertrios A-Dur op. 22 (Entstehung 1861 oder Ende 1853) und Es-Dur op. 24 (Entstehung 1853) eher nicht infrage, und
das unveröffentlichte, 1853 entstandene Trio non difficile G-Dur WoO kann ausgeschlossen werden, da es als „leichtes Trio“ für den Klavierunterricht und nicht für den Konzertsaal gedacht war.
• (a/b) Im Stadthaus Lützowstraße 92, in dem Friedrich Kiel sowie der mit ihm befreundete Architekturmaler Karl Graeb als Hauseigentümer 1873–84 wohnten, stand sowohl in
der Wohnung Graebs, die sich in der zweiten Etage (mit Atelier in der dritten Etage) befand, als auch in der Dachgeschosswohnung Kiels, in der dieser bis 1883 auch Kompositionsunterricht – z. B. Charles Villiers Stanford im Winter 1876/77 – erteilte, jeweils ein
für Hauskonzerte geeigneter Bechstein-Flügel zur Verfügung. Im Gegensatz zu Hauskonzerten Kiels, die in der Anhaltischen Communication 11 – für die Jahre 1867 und 1870
belegt – in der Wohnung Graebs stattfanden, liegen jedoch für Hauskonzerte Kiels, die
laut Kern (2011, 29) in der Lützowstraße 92 im großen Salon der Wohnung Karl Graebs
stattgefunden haben sollen, bislang keine Belege vor.
(b) Unzutreffend ist somit die Aussage in Prieger (1906, 129) und Reinecke (1936, 14),
dass Kiel während seiner Berliner Zeit 1842–85 nur ein einziges Mal am 20. November
1858 beim Konzert des TV Berlin öffentlich aufgetreten sei. Auch die These von den
Kielschülern August Bungert und Erich Prieger (Bungert 1875, 126 und Prieger 1884,
262), dass sich Kiel zwar mehrmals, aber immer [recte: meistens] lediglich vor geladenen
Gästen als Pianist betätigt habe, ist als Übertreibung zu interpretieren. Mit den genannten
Konzertbelegen ist auch die Aussage in Mendel/ReissmannL (6/1876, 42 f.), dass Kiel nur
noch 1859 und 1861 Privataufführungen seiner Compositionen veranstalte, um nur zunächst in Berlin eine grössere Aufmerksamkeit auf sich zu lenken, überholt.
E4 • Tonkünstlerverein Berlin / Gründung 1844 (Friedrich Kiels Mitgliedschaftsantrag 1850): NBM (1850).
• Tonkünstlerverein Leipzig / Gründung 1847 und Stettiner Zweigverein / Gründung 1849: Brendel (1847), Griepenkerl (1847), NZfM (1849), Schellenberg (1849).
• (a) Der Komponist Friedrich Kiel beantragte – wie der Violinist Adolf Grünwald – seine
Aufnahme als Mitglied im Tonkünstlerverein Berlin mit dem von ihm komponierten Duo
für Klavier und Violine, indem er es am 4. Juli 1850 bei der monatlichen Vereinsversammlung zusammen mit Grünwald aufführte, wie aus NBM (1850, 220) hervorgeht: Bei
der Versammlung des Tonkünstlervereins am 4. Juli 1850 hatten zwei junge Musiker –
der Komponist und Pianist Fred.[erico] Kiel und der Violinist [Julius] Grunwald aus Posen, der ab 1843 am Prager Konservatorium studiert hatte –, sich zur Aufnahme gemeldet.
[…] Ferd. [recte: Fr.] Kiel empfahl sich dem Verein mit einem von ihm selbst componirten Duo für Pianoforte und Violine, welches er selbst mit Hrn. Grunwald spielte. Das
Duo ist eine interessante Arbeit, eines fleissigen und strebsamen Künstlers würdig, und
zeigte sich derselbe auch als tüchtiger Pianist. Bei diesem Duo könnte es sich um Kiels
unveröffentlichte Violinsonate A-Dur op. 2 bzw. deren Kopfsatz, den er später als Bearbeitung mit dem Werktitel Fantasie As-Dur op. 68 veröffentlichte, handeln. Da ein Ferdinand Kiel bislang nicht nachweisbar ist, kann man davon ausgehen, dass es sich bei der
521
Angabe Ferd. [recte: Fed. für ital. „Federico“, Fred. für frz. „Frederic“ oder Fr. für dt.
„Friedrich“] um einen Schreibfehler handelt.
Im Jahr 1901 trat der von dem Kielschüler Siegfried Ochs gegründete Musiklehrer- und
Musiklehrerinnenverein Berlin dem TV Berlin bei.
• (a) Der Tonkünstlerverein Leipzig, dessen erster Vorsitzender Franz Brendel war, wurde
1847 gegründet und veranstaltete am 13./14. August 1847 mit etwa 150 Teilnehmern seine 1. Tonkünstlerversammlung in Leipzig, die von Brendel als Versuch (Brendel 1847,
133) eingestuft wurde und die sich an deutsche Tonkünstlern – wie z. B. Musiklehrer und
Komponisten – wie auch Musikfreunde richtete (Brendel 1847, 132). Im Rahmen dieser
1. Tonkünstlerversammlung führte u. a. Elisabeth Brendel eine unveröffentlichte Klaviersonate auf und hielt der Braunschweiger Musikschriftsteller Wolfgang Robert Griepenkerl am 14. August 1847 im Gewandhaus Leipzig einen musikwissenschaftlichen Vortrag
(Griepenkerl 1847, 97–104). Der Zweck des Vereins umfasste laut Brendel (1847, 131)
insbesondere persönliche Annäherung, Privataustausch der Ansichten, durch Bekanntschaft vermittelte Anregung zu größerer Gemeinschaftlichkeit in vielen musikalischen Bestrebungen.
Im Vereinsjahr 1848/49 des TV Leipzig, in dem u. a. bei der dritten Musikalischen Unterhaltung am 18. Dezember 1848 Quartettmusik zur Aufführung kam (NZfM 1849, 11),
gab es fünf amtsführende Vereinsmitglieder (NZfM 1849, 12). Zum Zeitpunkt der am
12. Februar 1849 veranstalteten Tonkünstlerversammlung des TV Leipzig war Franz Brendel weiterhin Vorsitzender und H. Schellenberg Schriftführer des Vereins (Schellenberg
1849, 107). Zudem wurde im Jahr 1849 ein Stettiner Zweigverein des TV Leipzig gegründet (Schellenberg 1849, 107).
E5 • Starke Verbundenheit von Friedrich Kiels Schülern mit ihrem Kompositionslehrer (spätestens seit den 1850er-Jahren): historischer und biografischer Kontext.
• (a) Friedrich August Dressler nannte Friedrich Kiel seinen hochverehrten Freund und
Lehrer (Dressler 1904, 62) und Hugo Kaun den von seinen Schülern aufrichtig verehrten
und geliebten Lehrer (Kaun 1932, 19); ähnlich formulierten es die Kielschüler Paul Kuczynski (Kuczynski 1898, 64) und Adolf Lorenz (laut Wetzel 1930, 249). Auch laut dem
Zeitungsartikel IllustrirteZ (1885, 364) waren Kiels Schüler, von denen sich z. B. August
Bungert, Friedrich August Dressler und Erich Prieger zudem mit Kiel anfreundeten, für
ihn begeistert. Die Hochschätzung für ihren Kompositionslehrer Kiel ist u. a. auch von
Jakob Adolf Hägg (Hetsch 1903, 15), Siegfried Ochs (Ochs 1922, 99), Ignacy Jan Paderewski (Citron 1980, 57+59) sowie von Charles Villiers Stanford (Stanford 1914, 164 und
Greene 1935, 53) überliefert.
• (a) Friedrich Kiel unterrichtete z. B. Konstantin Bürgel, einen seiner besten Privatschüler, für viereinhalb Jahre unentgeltlich oder wies Ernst Seyffardt im Brief (24.5.1882/K*)
auf eine vakante Stelle hin. Zudem wählte Kiel ehemalige Privatschüler als Widmungsträger für sieben ab 1870 erstveröffentlichte Kompositionen aus: Neben seinen Klaviertrios op. 65:1–2 (Erstdruck 1875) mit Dedikation an Graf Bolko von Hochberg gehören
hierzu fünf Klavier- bzw. Orgelfantasien, die Fantasie für Klavier E-Dur op. 56 (Erstdruck 1870) mit Dedikation an Adolf von Beckerath, Drei Fantasien für Orgel op. 58
(Erstdruck 1871) mit Zueignung an Adolf Lorenz und die Fantasie für Klavier As-Dur
op. 68 (Erstdruck 1877 in Klavieralbum) mit einer Widmung an Erich Prieger, die nur in
den 1878 und 1880 als Einzelausgaben erschienenen Nachdrucken und nicht in der
Erstausgabe notiert ist.
Umgekehrt setzten sich z. B. für Kiels Kammermusik schon zu dessen Lebzeiten mindes-
522
tens elf Kompositionsschüler als Interpreten, Musikkritiker oder -schriftsteller ein. Hierzu
gehörten mehrere Pianisten (Heinrich Barth, Ernst Flügel, Oskar Eichberg, Rudolf Niemann), Bratschisten (Josef Kotek, Leonhard Wolff) und Musikkritiker, -schriftsteller bzw.
-wissenschaftler (Karl Fuchs, Otto Lessmann, Ludwig Nohl) sowie jeweils ein Violinist
(Max Brode) und Cellist (Friedrich Koch). Auch als Dirigenten setzten sich einige Kompositionsschüler Kiels für dessen Kompositionen ein, u. a. in England Charles Villiers
Stanford, der Englands Erstaufführung von Kiels Requiem f-Moll op. 20 am 21. Mai 1878
in Cambridge dirigierte. Explizit Kiels Klavierkammermusik in Sonatenform führten u. a.
die Pianisten Heinrich Barth und Oskar Eichberg ab 1867 auf; einzelne Kompositionen
von ehemaligen Kielschülern, wie z. B. das Klaviertrio A-Dur op. 18 von Friedrich August Dressler (UA 6.2.1879 Berlin), tragen eine Dedikation an ihren Kompositionslehrer
Kiel. Zudem veranstalteten einige Schüler nicht nur bis mindestens 1908 Konzerte mit
Werken von Kiel, sondern gründeten 1906 auch den bis 1908 existierenden Friedrich
Kiel-Bund.
E6 • Franz Liszts Anregung zum Erstdruck von Friedrich Kiels 15 Canons im Kammerstyl für Klavier op. 1 im Dezember 1851 bei Br&Hä und zur Komposition der
6 Fugen für Klavier op. 2: Brief (7.5.1851), Brief (11.5.1851), Brief (15.4.1852).
• (a) Franz Liszt gab über ein halbes Jahr vor der Drucklegung von Kiels 15 Canons im
Kammerstyl für Klavier op. 1 im Brief (7.5.1851) dem Leipziger Verlag Breitkopf &
Härtel die Empfehlung, zwölf Kanons frühestmöglichst zu veröffentlichen bzw. im originalen Wortlaut publier au plutôt. Auch aus Liszts an seinen excellent ami Siegfried Wilhelm Dehn gerichteten Brief (11.5.1851) geht Liszts Druckempfehlung von zwölf Kanons
hervor: Et tout aussitôt j’ai écrit à Härtel (car, comme je n’ai encore pu rien envoyer à
Peters, il ne me paraissait pas convenable de débuter par une recommandation si justifiée qu’elle peut être) et dès le lendemain j’ai fait remettre le manuscrit et ma lettre à
Härtel par l’intermédiaire d’un de mes amis, Mr Szerdabély. Vous trouverez ci-après la
réponse de H.[ärtel] qui est telle que je l’attendais d’un homme aussi parfaitement comme
il faut en affaires et en relations. De plus il m’a fait dire par Szerdahély qu’il prendrait
soin que l’édition de ces canons soient à la fois digue de l’œuvre et de sa maison – et
qu’il la publierait aussitôt. Par rapport au titre, je vous engage à le dégager de toute indication technique, dont je ne crois pas qu’il y ait lieu de l’affubler. Le plus simple sera
le meilleur. «12 [!] Canons für Pianoforte von Friedrich Kiel» oder «12 Canons im
Kammerstyl für Pianoforte von F. Kiel.» […] l’auteur de ces 12 Canons.
• (a) Siegfried Wilhelm Dehn bedankte sich daraufhin in seinem Brief (18.5.1851, 177–
178+181) bei Franz Liszt, dass dieser seinen Kompositionsschüler Friedrich Kiel fördere
und anerkenne:
Liebster Freund,
Nimm meinen herzlichsten Dank für Deinen Brief vom 11. ds. Mts. [= Brief (11.5.1851)]
und sei überzeugt, dass ich diesen neuen Beweis Deiner Freundschaft gründlich zu
schätzen weiss. Kiel ist ganz glücklich über Dein Anerkenntniss [!] seiner Arbeiten und
nicht weniger dankbar für das, was Du für dieselben gethan hast; diese Dankbarkeit theile ich mit ihm, und überdies fühle ich mich geehrt, einen meiner Schüler in dieser Weise
von Dir anerkannt und poussirt zu sehen. Mit wahrhafter Rührung hat Kiel Dein
«compliment» in Bezug auf die Dedication seiner Canons angehört. Der von Dir bestimmte Titel [in Kursivschrift: XV Canons im Kammerstyl] für das Pianoforte ist probat;
um aber den Titel vollständig zu haben, muss ich Dich noch einmal belästigen, um Dich
zu bitten, mir anzuzeigen, wie Du auf dem Titel genannt sein willst, ob einfach Dr. Franz
523
Liszt, oder mit Vorsetzung Deines Titels als Hofkapellmeister u. s. w. Da Kiel die
3 letzten Canons [op. 1/13–15] mit den andern 12 [op. 1/1–12] zugleich herauszugeben
wünscht, so bitte ich ferner, sie entweder an Härtel oder an mich zurück zu schicken.
Hierbei habe ich zu bemerken, dass ich dem letzten der 3 Canons [op. 1/15] kein lascia
passar geben kann, weil er zu stark klengelt, will sagen, weil er dem F-moll-Canon von
Klengel (in den Avant-coureurs, No. 12) zu sehr ähnelt. Dies aber hat seinen guten Grund,
denn es ist der erste Canon, den Kiel bei mir geschrieben hat, und zu dem ich ihm in
Hinsicht auf die modulatorische Form den Canon von Klengel als Mustersatz vorlegte;
auf diese Weise hat Kiel eigentlich mehr nachgeahmt als selbständig geschaffen. Da nun
unter seinen späteren Canons, von denen ich circa noch einige Dutzend besitze, sich noch
mancher befindet, der besser ist als der erwähnte, so würde ich, falls Du die 3 letzten
Canons an Härtel schickst, diesem schreiben, dass er das Manuscript mir zustellen soll,
damit Kiel statt des Findelkindes einen leiblichen und gesunden Jungen geben kann. Da ich
ohnedies in den nächsten Tagen an Härtel wegen der Herausgabe der J. S. Bach’schen
Cantaten schreiben muss, so werde ich ihm gleich das Nöthige mittheilen und auch
Kiel’s Adresse geben, damit er sich wegen der bevorstehenden Correktur mit ihm in direkte Verbindung setzen kann.
[…]
Über Kiel theile ich Dir nächstens ausführlich alles mit, was ich nur kann; ich warte
nur den Zeitpunkt ab, wo er mit der Revision einiger Fugen [= vmtl. VII Fugen für Klavier WoO822] fertig ist, die er Dir mit einem eigenen Briefe zusenden zu dürfen um Erlaubniss bittet. Mit Freuden erwartet er den Zeitpunkt, an die von Dir angeregte Arbeit
[= 6 Fugen für Klavier op. 2] zu gehen und, wenn es ihm möglich ist, in Fugen die alte
Schule mit der neueren Technik zu vereinigen. Heute über ihn nur so viel: gegenwärtig
ernährt er sich durch Piano-Unterricht, der ihn nur Nachmittags beschäftigt, so dass er
alle Vormittage seinen Studien obliegen kann; ich habe mich nicht speciell um seine Einkünfte bekümmert, die jedoch ganz hinreichend sein müssen, was ich daraus schliesse,
dass er mir neulich ganz unaufgefordert von einer alten vieljährigen Schuld 15 Thlr. zahlte, und sich durch und durch gekränkt fühlte, als ich ihm den Vorschlag machte, das Geld
noch so lange zu behalten, bis ich es mir ausbitten würde. Er hat also in Geldangelegenheiten einen noblen Sinn – verdammt selten bei der heutigen Künstlerzunft!
[…]
Dehn nahm hierbei Bezug auf August Alexander Klengel (29.6.1783 oder 29.1.1784 Dresden – 22.11.1851 ebenda), einen deutschen Komponisten, Organisten und Pianisten, der
u. a. seit 1816 als Kgl. sächsischer Hofkomponist in Dresden wirkte. Als sein Hauptwerk
gelten die 1855 postum von Moritz Hauptmann in zwei Teilen herausgegebenen [24] Canons et [24] Fugues dans tous les tons majeurs et mineurs pour le Piano (1855 Lpz.,
Br&Hä), die sich stilistisch an Johann Sebastian Bach und Muzio Clementi anlehnen, eine
Synthese von traditioneller und zeitgenössischer Kompositionstechnik darstellen und einzelne dem Charakterstück nahestehende Sätze beinhalten; ihre Datierung geht aus Hofmeister (April 1855, 741) für Teil 1 und Hofmeister (Juni 1855, 774) für Teil 2 hervor.
Klengel publizierte 1841 als Vorläufer dieses von ihm geplanten Hauptwerks 24 „vorauseilende“ (= frz. „avant-coureurs“) Kanons in allen Dur- und Molltonarten: Les Avant822 Infrage kommen hierbei in hauptsächlich seine VII Fugen für Klavier WoO (Entstehung Fine Juli 1844), aber auch vier
Fugen für Klavier und sechs Fugen für Orgel (Entstehung ca. 1844) sowie Sechs Fugen für Streichquartett WoO (Entstehung Jan./Febr. 1845). Am wahrscheinlichsten erscheinen zwei der 1852 veröffentlichten 6 Fugen für Klavier op. 2,
die Fugen cis-Moll op. 2/1 und A-Dur op. 2/2, die eine Bearbeitung der Fugen Nr. 7 cis-Moll und Nr. 5 As-Dur der unveröffentlichten VII Fugen für Klavier WoO darstellen.
524
coureurs. Exercises pour le Piano, conenant XXIV Canons dans tous les tons majeurs et
mineurs, calculés pour servir d’étude preparatoire du grand recueil de Canons et de Fugues (1841 Dresden, W. Paul), welche 1843 nochmals bei Schott in Mainz im Druck erschienen, wie aus Hofmeister (Mai 1841, 71 und Dez. 1843, 183) hervorgeht. Bei dem
von Dehn im Brief (18.5.1851) genannten F-moll-Canon von Klengel (in den Avant-coureurs, No. 12) handelt es sich somit um seinen Kanon für Klavier f-Moll, der als Nr. 12 in
den 1841 bei Paul und 1843 bei Schott im Druck erschienenen Avant-coureurs im Druck
erschienen waren.
• (a) Brief (19.6.1852, 233) von Siegfried Wilhelm Dehn an Franz Liszt, als Anlage zu
einem ebenfalls an Franz Liszt adressierten Brief von Heinrich Schlesinger, der bis 1864
Verlagsleiter der „Schlesinger’schen Buch- und Musikhandlung“ war:
Liebster Freund! Eben führe ich [Michail] Glinka zu [Heinrich] Schlesinger, und letzterer verlangt von mir, dass ich einige Zeilen hier beifüge. Ich kann für den Augenblick nur
die herzlichsten Grüsse sagen, und muss mir vorbehalten, ausführlich und [in Kursivschrift: viel Gutes] über Deinen Schützling Kiel zu schreiben, wenn ich Dir die Melodien
einiger [in Kursivschrift: alten] Lieder schicke, was nun bald geschehen wird.
Dein ergebener
S. W. Dehn.
• (a) Liszts Anregung zur Drucklegung geht zudem aus folgendem Bericht des Kielschülers August Bungert (Bungert 1875, 125) hervor, der nach Erkundigungen der NZfM bestätigt wurde: Es war im Jahre 1851, als bei Breitkopf & Härtel das Opus (15 Canons
im Kammerstyl für das Pianoforte) von Fr. Kiel erschien. […] Jenes Heft „Canons“, das
unterdessen mehrere Auflagen erlebte, trägt die Widmung: „dem Dr. Fr. Liszt in Verehrung
zugeeignet.“ Liszt war damals in seiner besten Periode als Klavierlehrer, d. h. er begann
das Virtuosenthum abzuschütteln und beschäftigte sich in seiner Stellung in Weimar mit
ernsten Compositionsstudien, die sein Spiel und sein künstlerisches Thun und Treiben nur
vertiefen mußten. Wunderbar genug bei Anschauung jetziger musikalischer Verhältnisse
und Richtungen, daß gewissermaßen Liszt somit Kiel als Componisten in die musikalische
Welt einführte. Es geht die Sage, daß jenes Op. 1 als Manuscript durch Dehn, den Lehrer
Kiel’s[,] an Liszt nach Weimar zur freundlichen Durchsicht gesandt, Dehn als Antwort
einen Brief von Breitkopf & Härtel erhielt, in welchem letzterer sich erklärte, mit Vergnügen das Werk drucken zu wollen.*) Die dazugehörige Fußnote der NZfM bestätigt diese
Sage: „[Fußnote]* Nach eingezogenen Erkundigungen ist dem allerdings so.“
Siegfried Wilhelm Dehn schickte das Manuskript von 15 Kanons Kiels zwecks Durchsicht an Franz Liszt nach Weimar und als Reaktion auf Liszts Vermittlung erhielt Dehn
einen Brief von Breitkopf & Härtel in Leipzig, in welchem letzterer sich erklärte, mit Vergnügen das Werk drucken zu wollen.
Die Erstveröffentlichung von Kiels 15 Canons im Kammerstyl für Klavier op. 1 im Dezember 1851 belegen weitere Datierungsmittel. Das Jahr 1851 wird explizit in dem Bericht des Kielschülers August Bungert (Bungert 1875, 125) und indirekt mit der Altersangabe im dreißigsten Lebensjahre Kiels (= 8.10.1850 bis 7.10.1851) in Prieger (1884, 262)
angegeben. Mit der Verlagsnummer 8406 versehen gehören diese Kanons auch laut der
Verlagsnummernliste in Deutsch (1961, 10) zu den im Jahr 1851 bei Breitkopf & Härtel
in Leipzig mit den Verlagsnummern 1847–8411 erstveröffentlichten Werken. Für Dezember 1851 sprechen zudem die am 21. Januar 1852 erschienene Breitkopf & Härtel-Verlagsanzeige Neue Musikalien, in der Kiels 15 Canons im Kammerstyl für Klavier op. 1
enthalten sind, die am 25. Januar 1852 erschienene Druckrezension in Kossak (1852,
27–29) und der von Hofmeister herausgegebene Musikalisch-Literarische Monatsbericht
525
(Hofmeister Febr. 1852, 27), in dem Erstdrucke von Kompositionen in der Regel erst ein
bis mehrere Monate nach ihrer Drucklegung verzeichnet sind.
• (b) Das Jahr 1852 wird als Erstdruckdatierung irrtümlich fast durchgehend u. a. in Bungert (1875, 127), Altmann (1901, 148), Prieger (1906, 129), Reinecke (1936, 77), MGG
(7/1958, 881), Pfeil (1997, 10) und auf dieser Sekundärliteratur basierend im Vorwort der
2006 erschienenen kritisch revidierten Neuausgabe angegeben. Nur vereinzelt wird das
ebenfalls unzutreffende Veröffentlichungsjahr 1850 z. B. in Gumprecht (1885, 26) und
Niecks (1885, 217) genannt. In RuM (1864, 424) findet sich hingegen mit der Erstdruckdatierung etwa im Jahre 1852 eine vorsichtigere Formulierung.
• (a) Folgende von dem Kielschüler August Bungert (Bungert 1875, 125) als Sage entlarvte
These, die sich z. B. in Prieger (1906, 129), Reinecke (1936, 14) bis hin zu Ortuňo-Stühring (2011, 177) weitertradierte, entsprach auch laut zwei von Franz Liszt verfassten Briefen (7.5.1851 und 11.5.1851) nicht der Realität: Liszt, der 1842–50 Johann Sebastian
Bachs 6 Präludien und Fugen für Orgel BWV 543–548 für Klavier transkribierte, die
1852 laut Hofmeister (Juni 1852, 98) im Erstdruck erschienen, soll vor der Drucklegung
seine handschriftlichen Bachtranskriptionen an Dehn gesandt haben, in die dann auch
Dehns Schüler Einblick hatten. Kiel soll daraufhin Liszt behutsam auf eine „unbachische“
Stimmführung an einer Stelle seiner Transkriptionen aufmerksam gemacht haben, die Liszt
dann entsprechend korrigierte; im Gegenzug soll dann Liszt bei Breitkopf & Härtel die
Veröffentlichung von Kiels 15 Canons im Kammerstyl für Klavier op. 1 angeregt haben.
• (a) Franz Liszt gab Friedrich Kiel über den an Siegfried Wilhelm Dehn gerichteten Brief
(11.5.1851) außerdem die Empfehlung, als Pendant zu seinen von Liszt als ein Meisterwerk angesehenen zwölf Kanons, die nur wenige Monate später – mit einer Erweiterung
um drei Kanons – als 15 Canons im Kammerstyl op. 1 publiziert wurden, ebenfalls zwölf
Fugen zu komponieren. Daraufhin erschienen schon Ende 1852 die 6 Fugen für Klavier
op. 2 von Kiel mit einer Widmung an seinen Lehrer und Freunde Dehn bei C. F. Peters in
Leipzig. Dehn sollte hierbei, wie aus dem von C. F. Peters an Dehn adressierten Brief
(15.4.1852) hervorgeht, die versprochenen Manuskripte Kiels sofort an Liszt senden.
Weitere Fugen veröffentlichte Kiel erst im Todesjahr 1858 von Dehn mit seinen Vier
zweistimmigen Fugen op. 10, die 1857–58 laut Nohl (1882, 27) auf Veranlassung Dehns
entstanden seien. Siegfried Wilhelm Dehn habe laut Nohl (1882, 27) im Jahr 1857 Johann
Sebastian Bachs Wohltemperiertes Klavier BWV 846–893 bearbeitet, welches durch
B.[ernhard] Scholz aus Dehn’s Nachlaß herausgegeben ist [Scholz/Dehn 1858 oder
Scholz/Dehn 1859: jeweils mit einzelnen Fugen Bachs], und habe Kiel darum gebeten,
zur Einleitung 24 zweistimmige Fugen zu schreiben, von denen 1858 vier fertig [= op. 10]
waren. Dies entspricht der Angabe in Rellstab (1858, 154), dass Siegfried Wilhelm Dehn
über einem der wichtigsten Werke, der Analyse der Bach’schen Fugen arbeitete, das bis
zu seinem Tod im Jahr 1858 im Manuscript fertig geworden sein soll.
Das im Todesjahr Siegfried Wilhelm Dehns von seinem Schüler Bernhard Scholz postum
herausgegebene Buch Analysen dreier Fugen823 aus Joh. Seb. Bach’s wohltemperirtem Clavier und einer Vocal-Doppelfuge A. M. Bononcini’s (Scholz/Dehn 1858) enthält keine Fugen von Friedrich Kiel. Dasselbe gilt für Dehns 1859 von Scholz erstveröffentlichte Kontrapunktlehrbuch Scholz/Dehn (1859) mit Analysen zahlreicher Klavierfugen aus Bachs
Wohltemperiertem Klavier BWV 846–893.
823 Es handelt sich um die Fugen d-Moll BWV 851/2, Es-Dur BWV 876/2 und E-Dur BWV 878/2 von Johann Sebastian
Bach.
526
E7 • Identische Wohnadressen von Friedrich Kiel und Karl Graeb in den Zeiträumen
1853–54 z. B. und 1863–84: Gesuch (8.4.1843*) von Kiel, Brief (27.6.1843*) von
Fürst Alexander I. zu Sayn-Wittgenstein-Hohenstein, Gesuch (6.6.1844*) und Brief
(15.4.1850*) von Kiel, Berliner Adressbücher im Zeitraum 1842–85.
• (a) In der Jerusalemer Straße 8 wohnte Karl Graeb im Zeitraum 1851–55, was für Kiel
für die Jahre 1853–54 belegt ist, während in AW (1851–52) und AW (1855) ein Namenseintrag Kiels fehlt.
In den Zeiträumen 1842–50 und 1856–62 hatten Kiel und Graeb unterschiedliche Wohnadressen, wie aus dem Berliner Adressbuch AW und vier handschriftlichen Dokumenten
hervorgeht: für Graeb Krausenstraße 39 (1842–45) und Jerusalemer Straße 8 (1846–55);
für Kiel Kochstraße 48 als Untermieter des Buchdruckereifaktors I. C. H. Borchardt (1843),
Louisenstraße 10 als Untermieter des Vergolders Th. Hannemann (1844), Wilhelmstraße 24
(1848–50), Jerusalemer Straße 8 (1853–54), Potsdamer Straße 141 (1857–58) und Bernburger Straße 35 (1859–62). Die Adressangaben zu Kiel stammen aus dem Gesuch (8.4.1843*),
Brief (27.6.1843*) und Gesuch (6.6.1844*) sowie seinen Namenseinträgen in den Berliner
Adressüchern, wie z. B. AW (1/1848, 217), Brief (15.4.1850*), AW (1/1853, 245), AW
(1/1854, 246), AWA (1/1857, 209), AWA (1/1858, 217), AWA (1/1859, 229) und AWA
(1/1862, 243), wobei in AW (1845–47), AW (1851–52) und AW (1855) kein Namenseintrag zu Friedrich Kiel enthalten ist. Die Adressangaben zu Graeb stammen ebenfalls aus
den Berliner Adressbüchern, wie z. B. AW (1/1843, 134), AW (1/1845, 139), AW (1/1846,
141) und AW (1/1855, 159).
• (a) Friedrich Kiel und der mit ihm befreundete Architekturmaler und Professor Karl
Graeb wohnten für mehrere Jahrzehnte in demselben Berliner Wohnhaus. Nachweislich
war dies im Zeitraum 1853–54 (mindestens) in der Jerusalemer Straße 8, die zu BerlinStadtmitte gehörte, vom März 1863 bis 1873 in der Anhaltischen Communication 11, die
am 6. November 1867 in die Königgrätzerstraße 108 (heute in Berlin-Kreuzberg) umbenannt wurde, sowie 1873–84 im damaligen Gelehrten- und Künstlerviertel in der Lützowstraße 92 (heute in Berlin-Tiergarten). Das Haus in der Lützowstraße 92 war ein
1864/65 erbautes spätklassizistisches Stadthaus, das Karl Graeb laut Kern (2011, 29+44)
im Jahr 1871 als Hauseigentümer erworben hatte. Die angeführten Wohnadressen basieren auf den Namenseinträgen von Kiel und Graeb in den Berliner Adressbüchern, wie
z. B. AWA (1853/2, 61), AWA (1864/2, 11), AWA (1869/2, 127), BAb (1873, 222) und
BAb (1874, 229).
E8 • Einzelne biografische Bezugspunkte von Johannes Brahms, der Friedrich Kiel
seit spätestens 1860 kannte, zu dem Komponisten Kiel: fünf Briefe (9.10.1870,
1872, Sommer 1883, 1.5.1884 und 8.5.1884) von Johannes Brahms, Wolff (1932),
Kross (1985), Stephenson (1999/2000).
• (a) Fritz Simrock und der junge Komponist Brahms wurden im Mai 1860 lebenslang
Freunde, als Brahms dem von dessen Vater Peter Josef Simrock geleiteten Bonner Verlag
N. Simrock einen Besuch abstattete. Brahms ließ sich laut drei Briefen von 1870 bzw.
1884, die er an seinen Hauptverleger Fritz Simrock schrieb, regelmäßig die bei Simrock
in Berlin neuerschienenen Notenausgaben Friedrich Kiels zuschicken:
– Brief (9.10.1870): Ich bin für Novitäten der dankbarste Empfänger, und Kielsche Sachen werden mit besonderer Freude und Begierde aufs Pult gelegt.
– Brief (1.5.1884): Beim Auspacken hier [nach einer Reise von Hamburg nach Wien]
merkte ich denn, daß mir so gut wie eine ganze 6te Kiste Bücher und Noten fehlten! […]
Zum Glück aber ist nicht viel davon schmerzlich zu entbehren. Ich wollte Ihnen aber
527
schon öfter schreiben, daß speziell aus Ihrem Verlag der Fidelio dabei ist und die Sachen
von Kiel (die älteren, Quartette [op. 43, 44, 50], Messe [op. 40] usw.). Wenn Sie gelegentlich mir damit unter die Arme greifen, bin ich Ihnen dankbar.
– Brief (8.5.1884): Ich fahre Ende Monats über hier [!], finde also Ihren gütigen Kiel
alsdann. Brahms beabsichtigte, Ende Mai 1884 von Italien nach Wien zu fahren, wo er
dann die bestellten Notendrucke Kiels in Wien vorfindet.
Nachweislich kannte Johannes Brahms mindestens neun bei Simrock erstveröffentlichte
Werke Friedrich Kiels, welche sechs Klavierkammermusikwerke (op. 35:2, 43, 44, 50, 54
und weitere nicht näher bezeichnete Violinsonaten – ggf. op. 35:1 und / oder op. 51), zwei
geistliche Vokalwerke (op. 40, 46) und die Fantasie für Klavier E-Dur op. 56 umfassen,
sowie die bei Bote & Bock erschienenen Variationen über ein schwedisches Volkslied für
Violine und Klavier fis-Moll op. 39 und das Oratorium Christus op. 60. Von den bei Simrock erschienenen Werken Kiels fehlen also maximal sechs Kammermusikwerke (op. 34,
35:1, 51, 52, 53:1–2), alle Orchesterwerke (op. 30, 39), das einzige Orgelwerk (op. 58)
und die meisten Klavierwerke (op. 36, 38, 41, 42, 45, 47, 48, 57, 62), was vermuten lässt,
dass sich Brahms von Fritz Simrock lediglich Kiels Kammermusik- wie auch geistliche
Vokalwerke regelmäßig zuschicken ließ.
• (a/b) Brahms war, wie in MusikfreundeG (1912) angedeutet wird, im Besitz von mindestens sieben Notendrucken Kiels, die heute zum Brahms-Nachlass der Gesellschaft der
Musikfreunde in Wien (A-Wgm) gehören. Auch aus diesem Grund ist die Angabe von
Hofmann (1974), dass Brahms keine Notenausgaben von Kiel besaß, überholt.
• (a) Folgende Quellen belegen Hauskonzerte mit Johannes Brahms, in denen Kompositionen von Kiel zur Aufführung kamen:
– Laut dem Brief (1872), den Johannes Brahms an seinen engen Freund Theodor Billroth
richtete, spielte der Pianist Brahms in Wien zusammen mit dem Violinvirtuosen Ludwig
Strauß im Jahr 1872 Kiels Deutsche Reigen für Violine und Klavier op. 54: Doch können
Strauß und ich deutsche Reigen von Kiel spielen. […] Werden Ihnen aber auch außerdem
behagen.
– Im Sommer 1883, den Brahms in Wiesbaden verbrachte, musizierte Johannes Brahms
häufig zusammen mit seinem in der Nähe wohnenden engen Freund Rudolf von Beckerath, was aus dem Brief (Sommer 1883) von Johannes Brahms, Wolff (1932, 9) und Stephenson (1999/2000, 33–49) hervorgeht. Rudolf von Beckerath spielte zusammen mit
Brahms mehrere Violinsonaten und die Variationen über ein schwedisches Volkslied für
Violine und Klavier fis-Moll op. 37 von Kiel laut Stephenson (1999/2000, 33–49), Werke
von Edvard Grieg sowie Sonaten von Johann Sebastian Bach und Komponisten der Wiener Klassik laut dem Brief (Sommer 1883) und zudem mehrere Klaviertrios und -quartette, wie Beckeraths Cousin Leonhard Wolff ohne Konkretisierung von Werken oder Komponisten in Wolff (1932, 9) berichtete. Laut dem Tagebuch von Laura von Beckerath
1883/84, das in Stephenson (1999/2000, 33–49) veröffentlicht ist, spielten Brahms und
Beckerath von Kiel mehrere Violinsonaten am 10. Juni 1883, die Violinsonate F-Dur
op. 35:2 am 12. Juli 1883, eine nicht näher bezeichnete Violinsonate am 7. August 1883
und die Variationen über ein schwedisches Volkslied für Violine und Klavier fis-Moll
op. 37 am 11. August 1883. Die Ergänzung „[Klavier-]Variationen von Kiel“ in Stephenson (1999/2000, 44) für das Hauskonzert am 11. August 1883 ist vermutlich ein Schreibfehler, da Brahms und Beckerath in diesem Hauskonzert Werke für Violine und Klavier
spielten, womit Kiels vierhändige Variationen über ein eigenes Thema a-Moll op. 23 oder
gar seine zweihändigen Variationen und Fuge op. 17 eher nicht infrage kommen. Zudem
hatte sich offenbar 1883 bei Brahms und Beckerath eine besondere Vorliebe für Friedrich
528
Kiel und Edvard Grieg unter den zeitgenössischen Komponisten entwickelt. Brahms fragte z. B. kurz nach seinem Wiesbaden-Aufenthalt im Brief (Sommer 1883) bei dessen Gattin Laura von Beckerath nach: Hat er Violine gespielt? Beethoven, Kiel? Oder blos Brahms?
Laut dem in Kross (1985, 162) veröffentlichten Bericht seines Cousins Leonhard Wolff,
der Anfang der 1870er-Jahre an der Berliner Kgl. Hochschule für Musik bei Kiel Komposition studiert hatte, war Rudolf von Beckerath, der eine Stradivari spielte, bei diesen
Wiesbadener Hauskonzerten ein versierter Kammermusikspieler und ein glänzender
Gastgeber. Rudolf von Beckerath hatte zudem laut seinem Brief (29.7.1878), mit dem er
Josef Joachim zu einem Besuch in Wiesbaden – anlässlich von dessen bevorstehendem
Konzert in Wiesbaden – einlud, engen Kontakt zu Josef Joachim, dem Direktor der Abteilung für ausübende Tonkunst der Kgl. Hochschule für Musik in Berlin.
• (a) Johannes Brahms äußerte sich unter anderem in den Jahre 1874 und 1895 zu Friedrich Kiels Oratorium Christus op. 60. Sein Brief (16.3.1874), in dem er seinen Unmut gegenüber schlechten Kritikern Ausdruck verlieh, endet mit der Empfehlung: Schreiben Sie
doch über Kiel und Stockhausen! Brahms bezog sich hierbei auf den berühmten Bariton
Julius Stockhausen, der einen halben Monat später die Christus-Partie bei der Uraufführung des Oratoriums Christus op. 60 am 4. April 1874 sang. Hingegen schrieb Brahms an
Richard von Perger, der ihm 1895 den Programmentwurf für seine erste Gesellschaftskonzertserie u. a. mit Kiels Oratorium Christus op. 60 zur Beurteilung vorgelegt hatte, im
Brief (Juni 1895), dass er sich an das Werk nicht mehr erinnere: Daß ich vor allem denke,
wie die Wiener kaum eine Ahnung von wahrhaft großer Chormusik haben, wie sehr wenig
hier Bach und Händel gekannt sind. […] Den Christus von Kiel kenne oder erinnere ich
nicht.
Die Ablehnung von Kiels Oratorium Christus op. 60 bei der Wiener Erstaufführung am
1. April 1896 wurde jeweils entsprechend der eigenen Position im musikalischen Parteienstreit begründet: Diese lag laut der Leipziger Neuen Zeitschrift für Musik, dessen früherer Herausgeber Franz Brendel sich bis 1868 vehement für die Neudeutsche Schule eingesetzt hatte, in der fehlenden Begeisterung der Mitwirkenden (NZfM 1896, 42); die Wiener Musikkritik, die im Parteienstreit für den in Wien lebenden Komponisten und Pianisten Johannes Brahms und somit für die Brahms-Partei eingestellt war, führte hingegen die
mittelmäßige Komposition (NMPresse 1896, 3 f.) oder die Epigonalität des Werkes, das
conventionell mit akademischer Glätte gearbeitet sei und dem eine neue selbständige Auffassung des erhabenen Stoffes fehle (Helm 1896, 226), an. Im Gegensatz dazu wurde dasselbe Oratorium bei der Bremer Erstaufführung am 3. Mai 1896, bei der sich die starke
Begeisterung der Mitwirkenden auf das Publikum übertrug, als ein Meisterwerk stilvoller
Oratoriummusik laut NZfM (1896, 429), dessen Bau eine mehr moderne, dramatisch reiche Gestaltung laut Gareiss (1896, 391) aufweise, gefeiert.
E9 • Allgemeiner Deutscher Musikverein ADMV ab 1861: Pohl (1859), ADMV-Statuten (1862), Lucke-Kaminiarz (2011).
• (a) Gründungsbeschluss 1859 und Gründung am 7. August 1861: Für die Gründungsund Statutenvorbereitung des 1861 gegründeten Allgemeinen Deutschen Musikvereins
ADMV waren laut Pohl (1859, 5) im Zeitraum 1859–61 sieben Vertrauensmänner zuständig, die von Hans von Bülow vorgeschlagen worden waren: Franz Liszt, Louis Köhler, der Prager Staatsanwalt und Komponist August Wilhelm Ambros, Franz Brendel, der
Jurist Dr. jur. Otto Bach, der auch als Komponist und Kapellmeister wirkte, Karl Friedrich Weitzmann und Julius Schäffer. Auch Hans von Bülow gehörte laut Pohl (1859, 5)
zu den Gründern des ADMV und war seit der Vereinsgründung 1861 Mitglied der Musi-
529
kalischen Sektion des ADMV, welche die Werkauswahl für die mehrtägigen Tonkünstlerversammlungen des ADMV traf. Vergleiche Pohl (1859, 5): Als Ort der zweiten [Tonkünstler-]Versammlung [1861] schlug er [= Hans von Bülow] Leipzig vor; als 7 Vertrauensmänner zur Ausarbeitung der Statuten [des zu gründenden ADMV]: A. W. Ambros,
O. Bach, F. Brendel, L. Köhler, Liszt, Julius Schäffer, C. F. Weitzmann. […] Sämmtliche
Vorschläge wurden […] einstimmig […] angenommen.
Am 7. August 1861 wurde während der zweiten Tonkünstlerversammlung in Weimar, die
im Zeitraum 4. – 8. August 1861 stattfand, von Franz Liszt, Franz Brendel, Richard Wagner, Hans von Bülow und mehr als 700 Musikern laut Lucke-Kaminiarz (2011, 111) der
ADMV gegründet und zudem der erste ADMV-Gesamtvorstand gewählt. Das ADMV-Vereinsjahr endete hierbei laut ADMV-Statuten (1862, 42 / Anhang) jeweils am 7. August.
• (a) ADMV-Gesamtvorstand: Laut Pohl (1861, 88) bestand der erste ADMV-Gesamtvorstand seit 1861 aus folgenden, hierarchisch aufgezählten Vorstandsmitgliedern: den
Komponisten Franz Liszt und Richard Wagner, dem Komponisten und Klavierpädagogen
Louis Köhler, dem Musikrezensenten und Kompositionslehrer Karl Friedrich Weitzmann,
Franz Brendel als Redakteur der die ADMV-Geschäftsberichte publizierenden Neuen Zeitschrift für Musik, dem Musikschriftsteller und Komponisten Richard Pohl, dem Kapellmeister und Komponisten Karl Riedel, dem Juristen Hofrat Karl Gille, dem Pianisten
Hans von Bülow, dem Musikpädagogen und Komponisten Julius Stern, dem Komponisten und Pianisten Hans von Bronsart sowie dem Musiktheoretiker und Komponisten Professor Johann Christian Lobe. Die Betonung der Parteilosigkeit des ADMV erfolgte
schon in den ADMV-Statuten (1862, 46 / Anhang): Man hat zwar von gewissen Seiten
sich schon bemüht, den Verein gleich bei seinem Entstehen zu verdächtigen, indem man
ihn lediglich als eine Parteisache darzustellen versuchte. Wir glauben jedoch, daß ein
Blick in die Statuten für jeden Unbefangenen schon genügen müßte, um diesen Irrthum
zu widerlegen, und daß ein weiterer Blick in das Namensverzeichniß der Vorstandsmitglieder dafür hinreichende Bürgschaft leisten dürfte; daß keineswegs nur eine ausschließliche
Richtung repräsentirt sei! Und deshalb sei ja auch der Name Allgemeiner Deutscher Musikverein gewählt worden. In dem in den ADMV-Statuten (1862, 32–39 / Anhang) veröffentlichten Mitgliederverzeichnis mit Stand vom 3. Juni 1862 sind neben Liszt und Wagner u. a. genannt:
1) der Komponist Felix Draeseke, der laut RiemannL (19097 , 343 f.) noch 1862 zunächst
begeisterter Anhänger […] der neudeutschen Schule war und sich später im Laufe der
Jahre […] dem klassischen Stile näherte;
2) der Violinist Adolf Grünwald, der sich als Interpret für Kiels Klavierkammermusikwerke in Sonatenform mindestens im Zeitraum 1853–59 einsetzte;
3) der stellvertretende ADMV-Vorsitzende Karl Riedel, der sich neben seinem Bekenntnis für Wagner auch als Dirigent bzw. Konzertveranstalter für die Werke von Friedrich Kiel spätestens seit 1867 einsetzte;
4) vier Mitglieder des 2. Müller-Quartetts, die u. a. Werke von Haydn, Mozart, Beethoven
und Schubert aufführten.
• (a) Aufführungsschwerpunkt und Fachpublikum bei den meist alle zwei Jahre stattfindenden Tonkünstlerversammlungen (1. Tonkünstlerversammlung in Leipzig 1. – 5. Juni
1859, 2. Tonkünstlerversammlung in Weimar 5. – 8. August 1861, 3. Tonkünstlerversammlung in Karlsruhe 23. – 26. August 1864 etc.):
Der Aufführungsschwerpunkt der Tonkünstlerversammlungen des ADMV lag laut § 4 der
ADMV-Statuten (1862, 10) auf bedeutenden, wenig gehörten, insbesondere neuen Tonwerken jeglicher Art […] auch solche älteren Werken, welche selten oder gar nicht
530
mehr zur öffentlichen Aufführung gelangen, und dennoch durch ihre Bedeutsamkeit von
allgemeinem künstlerischen Interesse sind. In Kipke (1876, 352) wird dies durch den Zusatz der insbesondere von Mitgliedern stammenden zeitgenössischen Kompositionen erweitert: bedeutende, wenig gehörte, insbesondere von Mitgliedern ausgegangene neue
Tonwerke jeglicher Art [… (Fortsetzung wie oben)].
Das Fachpublikum der Tonkünstlerversammlungen – wie auch die Voraussetzungen für
eine ADMV-Mitgliedschaft (siehe unter Punkt „F1“) – werden im Paragraf 35 über die Berechtigung zur Mitgliedschaft in den ADMV-Statuten (1862, 20 f.), die 47 Paragrafen
beinhalten, beschrieben: Mitglieder des Vereins zu werden sind berechtigt: alle Tonkünstler und Tonkünstlerinnen, musikalische Schriftsteller und Herausgeber von Zeitschriften,
in deren Spalten der Musik eine regelmäßige Stelle eingeräumt ist; Vorsteher von Concertinstituten und Gesangsvereinen; Theaterdirectoren und Intendanten; Musikalienhändler; Instrumentenmacher; Lehrer, welche ihr Beruf mit der Tonkunst in Verbindung
bringt; Dilettanten, die in irgend einem Zweig der Tonkunst durch selbständige Leistungen sich hervorgethan haben, oder von einem musikverständigen Mitgliede empfohlen sind.
[neuer Absatz:] Auch Nichtdeutsche können Mitglieder des Vereins werden, sind aber als
Vorstandsmitglieder nicht wählbar. [neuer Absatz:] Die Anmeldungen [zur Mitgliedschaft] sind schriftlich bei einem Vorstandsmitgliede (zur Weiterbeförderung an den
Vorsitzenden) oder direct beim Vorsitzenden selbst einzureichen. Ueber die Aufnahme
neuer Mitglieder entscheidet der engere Ausschuß.
F1 • Friedrich Kiels Mitgliedschaft im Allgemeinen Deutschen Musikverein ADMV
ab 1864: ADMV-Geschäftsbericht (6.6.1864), ADMV-Statuten (1862).
• (a) Laut ADMV-Geschäftsbericht (6.6.1864, 209) sind acht Personen im Zeitraum vom
2. Februar bis 6. Juni 1864, d. h. seit der letzten Bekanntmachung vom 1. Februar d. J. bis
zum aktuellen Geschäftsbericht, dem Vereine als Mitglieder beigetreten; an siebter Stelle
ist „Hr. Friedrich Kiel, Tonkünstler in Berlin“ genannt. Damit kann das z. B. in LuckeKaminiarz (2006, 100) genannte Eintrittsjahr auf fünf Monate eingegrenzt und mit einem
Quellenbeleg versehen werden.
Laut § 35 der ADMV-Statuten (1862, 20 f.) musste sich Friedrich Kiel zuvor schriftlich
direkt oder indirekt beim ADMV-Vorsitzenden Franz Brendel als ADMV-Mitglied angemeldet und der engere Ausschuss des ADMV seinen Beitritt genehmigt haben. Wie jedes ADMV-Mitglied hatte Kiel laut § 35 der ADMV-Statuten (1862, 21) bei seinem Eintritt eine Mitgliederkarte erhalten, wobei später unter Umständen Diplome in artistisch
werthvoller Ausstattung hinzugefügt werden können, und zahlte laut § 38 der ADMV-Statuten (1862, 22) einen jährlichen Vereinsbeitrag. Das Mitgliederverzeichnis mit Stand
vom 3. Juni 1862 zählte etwa 200 ADMV-Mitglieder laut ADMV-Statuten (1862, 32–39 /
Anhang).
• (a) Zu den Rechten der ADMV-Mitglieder gehörte es laut § 36 der ADMV-Statuten
(1862, 21) u. a., eigene, als auch fremde (neue) Werke für die vom Verein zu veranstaltenden Aufführungen vorzuschlagen, wie es für Friedrich Kiels Werke erstmals bei der
ADMV-Aufführung seiner Violinsonate d-Moll op. 16 am 25. August 1864 der Fall war.
• (a) Die Dauer der Mitgliedschaft im ADMV war laut § 38 der ADMV-Statuten (1862,
22) generell zunächst ab dem jeweiligen Eintrittsdatum bis zum Ende der ersten Vereinsperiode von neun Jahren, d. h. bis zum 17. Dezember 1870, vorgesehen. Die Mitgliedschaft von Friedrich Kiel, der noch 1884/85 Vorstandsmitglied war, endete wie üblich mit
seinem Tod im Jahr 1885.
531
• (a) Bei den ADMV-Statuten (1862, 20 f.) sind im Paragraf 35 über die Berechtigung zur
Mitgliedschaft, der unter Punkt „E9“ wiedergegeben ist, die Voraussetzungen für eine
ADMV-Mitgliedschaft geregelt.
F2 • Aufführungen von Friedrich Kiels Kompositionen durch den Allgemeinen Deutschen Musikverein ADMV im Zeitraum 1864–83: Seidl (1911), diverse Zeitungsartikel.
• (a) Insgesamt wurde laut Seidl (1911, 63) jeweils eine Komposition Friedrich Kiels im
Zeitraum 1864–83 bei neun Tonkünstlerversammlungen innerhalb der ersten 50 Vereinsjahre 1861–1911 des ADMV aufgeführt. Zudem führte der Leipziger Zweigverein des
ADMV, wie aus zeitgenössischen Zeitungsartikeln hervorgeht, mindestens vier Werke im
Zeitraum 1855–77 auf.
Von Kiel erklangen hierbei die Violinsonate d-Moll op. 16 am 25. August 1864 bei der
3. Tonkünstlerversammlung des ADMV in Karlsruhe (23. – 26. August 1864), die Uraufführung des Klavierkonzerts B-Dur op. 30 am 25. August 1867 bei der 5. Tonkünstlerversammlung in Meiningen (22. – 25. August 1867), die Variationen und Fuge für Klavier
f-Moll op. 17 am 27. Mai 1870 bei der 7. Tonkünstlerversammlung in Weimar (26.–29. Mai
1870), die Orgelfantasie h-Moll op. 58:2 am 16. September 1871 bei der 9. Tonkünstlerversammlung in Magdeburg (16. – 18. September 1871), das Oratorium Christus op. 60
am 28. Mai 1876 bei der 13. Tonkünstlerversammlung in Altenburg (28. – 31. Mai 1876),
das „Agnus Dei“ f-Moll op. 64:4 der 6 geistlichen Gesänge am 22. Mai 1877 bei der
14. Tonkünstlerversammlung in Hannover (19. – 24. Mai 1877), das Te Deum op. 46 am
22. Juni 1878 bei der 15. Tonkünstlerversammlung in Erfurt (22. – 26. Juni 1878), die Orgelfantasie cis-Moll op. 58:1 am 21. Mai 1880 bei der 17. Tonkünstlerversammlung in
Baden-Baden (19. – 23. Mai 1880) und das Klavierquintett A-Dur op. 75 am 3. Mai 1883
bei der 20. Tonkünstlerversammlung in Leipzig (3. – 6. Mai 1883). Und bei den in Leipzig
stattfindenden Versammlungen des ADMV-Zweigvereins kamen u. a. vier Werke Kiels
zur Aufführung: das Klaviertrio cis-Moll op. 33 bei der 1. Matinee am 26. Dezember
1865, die Deutschen Reigen op. 54 für Violine und Klavier bei der 22. Versammlung am
15. Oktober 1871, das Streichquartett a-Moll op. 53:1 bei der 25. Versammlung im Februar 1872 und das Klavierquartett a-Moll op. 43 bei der 41. Versammlung am 30. Januar
1877. Die Aufführungsangaben in Lucke-Kaminiarz (2011, 116) konnten hiermit durch
die Aufführung von Kielwerken in der 3. Tonkünstlerversammlung am 25. August 1864 –
die Violinsonate d-Moll op. 16 – und den Versammlungen des Leipziger Zweigvereins
(1865–77) erweitert werden.
F3 • Gesamtvorstand des Allgemeinen Deutschen Musikvereins ADMV (allgemeines
Wahlprozedere und Friedrich Kiels Wahl zum Vorstandsmitglied des ADMV ab
1865): ADMV-Statuten (1862), Brief (28.6.1865*) von Kiel, ADMV-Geschäftsbericht (Juli 1865), ADMV-Geschäftsbericht (Nov. II/1865), Lessmann (1884), Seidl
(1911), Lucke-Kaminiarz (2006), Lucke-Kaminiarz (2011).
• (a) Wahlprozedere des ADMV-Gesamtvorstands: Es gab den Leipziger Vorstand des
Leipziger ADMV-Zweigvereins, der laut § 43 der ADMV-Statuten (1862, 25) jedoch mit
besonderen Statuten und unter getrennter Verwaltung organisiert war, sowie den eigentlichen Gesamtvorstand des ADMV mit Vorstandsmitgliedern aus verschiedenen deutschen
Orten. Dieser ADMV-Gesamtvorstand besteht laut § 27 der ADMV-Statuten (1862, 17)
aus 25 Mitgliedern, die durch die Generalversammlung gewählt werden; der Gesamtvorstand selbst wählt aus seiner Mitte wiederum den Vorsitzenden, der den Gesamtvorstand,
532
den engeren Ausschuss und die einzelnen Sektionen leitet, den Secretair (Geschäftsführer), der Korrespondenz, Registranden und Protokolle führt, den Kassierer sowie die jeweiligen Stellvertreter. Laut § 28 der ADMV-Statuten (1862, 17 f.) war der engere Ausschuß dafür zuständig, alle Vereinsangelegenheiten zu besorgen und zu entscheiden, die
nicht dem Generalvorstand oder der Generalversammlung vorbehalten waren. Dieser engere Ausschuss bestand laut § 29 der ADMV-Statuten (1862, 18) aus drei Sektionen zu je
fünf Mitgliedern, der Geschäftsführenden, der Musikalischen sowie der Literarischen
Sektion. Die Musikalische Sektion war für die Prüfung der eingesendeten Manuscripte,
nebst Vorschlägen zum Druck, sowie für die Stellung der musikalischen Preisaufgaben
bei Kompositionswettbewerben, hingegen die Musikalische und die Geschäftsführende
Sektion in gemeinsamer Entscheidung für die Aufführung der eingereichten Kompositionen zuständig. Die Musikalische Sektion bestand z. B. 1862 aus Franz Liszt als Referenten, Karl Friedrich Weitzmann als stellvertretendem Referenten, Hans von Bülow, Louis
Köhler und dem stellvertretenden Vereinsvorsitzenden Karl Riedel (ADMV-Statuten
1862, 29 / Anhang). Karl Riedel war, bevor er langjährig 1868–88 Vorsitzender des
ADMV war, seit dem Gründungsjahr 1861 bis 1868 Vorstandsmitglied sowohl der Geschäftsführenden Sektion – als Stellvertreter des 1861–68 amtierenden Vorsitzenden Franz
Brendel (ADMV-Geschäftsbericht 15.11.1861, 182) – als auch der Musikalischen Sektion
des ADMV; die Jahre 1861–63 gehen aus dem ADMV-Geschäftsbericht (15.11.1861, 182)
und die Jahre 1863–65 indirekt aufgrund seiner fehlenden Auslosung aus dem ADMV-Geschäftsbericht Juli (1865, 267) hervor. Karl Riedel war auch laut ADMV-Geschäftsbericht
(Nov. I/1865, 425) Vorstandsmitglied in der Geschäftsführenden Sektion sowie in der
Musikalischen Sektion.
Um Consistenz wie auch frische Beweglichkeit zu gewährleisten, soll laut § 30 der ADMVStatuten (1862, 18 f.) der engere Ausschuss seine Functionen innerhalb der ersten Vereinsperiode (9 Jahre; siehe § 38) beibehalten, während von den übrigen Vorstandsmitgliedern alle 2 Jahre die Hälfte (also im Ganzen 1/3 des Gesammtvorstandes) durch das Loos
ausscheidet. Die Ausgeschiedenen sind jedoch wieder wählbar. Entsprechend schied bei
der Musikalischen Sektion laut ADMV-Almanach (1868, 106) in der Regel die Hälfte der
Vorstandsmitglieder nach zwei Jahren aus. Hierbei wurden laut ADMV-Geschäftsbericht
(Nov. I/1865, 425) alle zwei Jahre an Stelle der durch Auslosung freiwilligen Austritt oder
Tod ausscheidenden Vorstandsmitglieder (§ 30), die laut ADMV-Geschäftsbericht (Juli
1865, 267) ein Drittel des Gesamtvorstands umfassen, neu gewählt.
• (a) Friedrich Kiel als Vorstandsmitglied des ADMV 1865–67 und u. a. 1869–70, 1884–85:
– Wahl zum Vorstandsmitglied am 28.5.1865: Am Sonntag, den 28. Mai 1865 fand in
Dessau gegen Ende der 4. Tonkünstlerversammlung des ADMV (Dessau 25. – 28.5.1865)
die Neuwahl von elf Vorstandsmitgliedern laut ADMV-Geschäftsbericht (Juli 1865, 267)
statt, zu denen laut ADMV-Geschäftsbericht (Nov. II/1865, 446) auch Friedrich Kiel gehörte. Im ADMV-Geschäftsbericht (Juli 1865, 267) heißt es: Hiermit wurde die [vorherige]
Angelegenheit als erledigt betrachtet, und durch [den Juristen] Hr. Dr. [Karl] Gille unter
gefälliger Assistenz einiger Anwesenden die Ausloosung [!] des nach § 30 des [!] Statuten
ausscheidenden Dritttheils des Gesammtvorstandes (acht Mitglieder) vorgenommen. […]
Hierauf schritt man zur Neuwahl von elf Vorstandsmitgliedern, nämlich acht für die soeben ausgeloosten [!] und drei für die beiden freiwillig ausgetretenen H. H. [Pianist und
Musikschriftsteller Alfred] Dörffel und [Universitäts-]Musikdir.[ektor Julius] Schäffer in
Breslau sowie für den verstorbenen Capellm.[eister] [Eduard] Stein. Die genau controllirten
Stimmzettel […]. Die Vorstandswahl am 28. Mai 1865 um 15:30 Uhr geht aus der ADMVProgrammvorschau (12.5.1865, 179) hervor: Nachmittags ½ 4 Uhr: Besprechungen. Zur
533
Berathung und Beschlußfassung sind folgende Anträge auf die Tagesordnung (§ 92 der
Statuten) gestellt: a) Neuwahl von Vorstandsmitgliedern (§ 30) […].
– 1865–67: Kiel nahm am Samstag, den 21. November 1865 per Brief seine Wahl zum
zweijährigen ADMV-Vorstandsmitglied laut ADMV-Geschäftsbericht (Nov. II/1865, 446)
an: Zu den in Nr. 31 und 48 dieses Bandes [= NZfM 1865] erstatteten Geschäftsberichten
bezüglich der Ergebnisse der bei der Versammlung in Dessau vorgenommenen Vorstandswahlen, sowie bezüglich des nunmehrigen Bestandes der Sectionen, ist noch nachzutragen, daß Hr. Friedrich Kiel in Berlin die gleichfalls in Dessau auf ihn gefallene Wahl als
Vorstandsmitglied laut seiner Zuschrift vom 21. Novbr. [1865] angenommen hat, und
daß somit der Gesammtvorstand sowie der engere Ausschuß auf seine statutenmäßige
Anzahl gebracht worden ist. Neben Kiel nahm u. a. auch Robert Volkmann laut ADMVGeschäftsbericht (15.10.1865, 387) seine Wahl zum Vorstandsmitglied in seiner Zuschrift
vom 27. September 1865 an.
Zunächst hatte Kiel seine Wahl zum Vorstandsmitglied aufgrund seines Bedürfnisses
nach stiller Zurückgezogenheit im an den Vereinsvorsitzenden Franz Brendel gerichteten
Brief (28.6.1865*) abgelehnt, mit dem er auf die nicht überlieferte briefliche Anfrage des
ADMV vom 26. Februar 1865 antwortete: erlaube ich mir hierdurch ganz ergebenst zu
erwiedern, daß, so schätzbar und erfreulich die auf mich gefallene Wahl zum Mitgliede
des Vorstandes des genannten Vereines mir auch ist, ich doch die gehorsame Bitte auszusprechen habe, mich von dieser ehrenvollen Berufung gütigst dispensiren zu wollen, da
die stille Zurückgezogenheit, in der zu leben ich gewohnt bin, und die bis jetzt, selbst
durch die Veröffentlichungen meiner Arbeiten kaum leise unterbrochen wurde, mir ein
Bedürfniss ist, das mir auch ferner ungestört zu erhalten, ich mit allen Kräften bemüht
bin. Entsprechend gehörte Kiel Anfang November 1865 laut ADMV-Geschäftsbericht
(Nov. I/1865, 425) noch nicht der Musikalischen Sektion des ADMV an, die aus Hr. Abbé Dr. Franz v. Liszt, Hr. Dr. Hans v. Bülow, Hr. Musikdir. [Karl Friedrich] Weitzmann,
Hr. Musikdir. [Karl] Riedel, Hr. Hofcapellm.[eister Max] Seifritz bestand.
– 1869–70: Friedrich Kiel gehörte laut Seidl (1911, 32) im Jahr 1869 und laut Lucke-Kaminiarz (2006, 100) lediglich 1870 dem Gesamtvorstand des ADMV an, was in LuckeKaminiarz (2011) nicht übernommen wurde. Der im November 1865 beginnende Zeitraum
für Kiels Vorstandsmitgliedschaft ist weder in Seidl (1911) noch in Lucke-Kaminiarz (2006)
bzw. Lucke-Kaminiarz (2011) genannt.
– 1884–85: Kiel war seit Mai 1884 (Wahl) bis spätestens September 1885 (Kiels Tod am
Sonntag, den 13. September 1885) Vorstandsmitglied. Laut Seidl (1911, 32) war Kiel
1884–85 Vorstandsmitglied, wobei Kiel laut Lessmann (1884, 219) im Mai 1884 zum
Vorstandsmitglied gewählt wurde.
F4 • Friedrich Kiels Wahl zum Akademiemitglied der Kgl. Akademie der Künste in
Berlin (Wahl am 26. Mai 1865 / seitdem Mitgliedschaft, Wahlbestätigung am 27. Juli
1865, Wahlbekanntmachung am 9./12. August 1865): Bericht (14.6.1865*), Verfügung (27.7.1865*), Bekanntmachung (9./12.8.1865, 2574*) als Entwurf / Reinschrift / Veröffentlichung, Wahlvorschlag-Übersicht (18.3.1866*).
• (a) Die Wahl des K/Componisten Friedrich Kiel zum ordentlichen einheimischen Mitglied
der Kgl. Akademie der Künste fand am 26. Mai 1865 während der Plenarversammlung
der Akademiemitglieder laut drei Primärquellen statt: dem Bericht (14.6.1865*) der Kgl.
Akademie der Künste über die Mitgliederwahl mit der Bitte um Wahlbestätigung durch
den Kultusminister, der Verfügung (27.7.1865*) des Kultusministeriums mit Wahlbestätigung (mit irrtümlichem Wahldatum 27. Mai anstatt 26. Mai 1865) sowie – als Rein-
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schrift und Veröffentlichung – der Bekanntmachung (9./12.8.1865*) der Kgl. Akademie
der Künste in Berlin über die Mitgliederwahl. Darüber hinaus steht Kiels Beitrittsmonat
Mai 1865 als ordentliches Akademiemitglied auch in dem Randvermerk Mitglied seit Mai
[18]65 des Sitzungsprotokolls (13.11.1885*, Bl. 326r).
• (a) Der Kultusminister Heinrich von Mühler bestätigte Kiels Wahl in der Verfügung
vom 27. Juli 1865, wie aus der Verfügung (27.7.1865*) des Kultusministeriums und der
als Reinschrift sowie Veröffentlichung überlieferten Bekanntmachung (9./12.8.1865*)
der Kgl. Akademie der Künste hervorgeht.
• (a) Die Wahlbekanntmachung der Wahlergebnisse fand innerhalb der Kgl. Akademie der
Künste am 9. August 1865 und in der Presse am 12. August 1865 statt, wie aus folgenden
Primärquellen hervorgeht:
– 9. August 1865: Reinschrift und Veröffentlichung der Bekanntmachung (9./12.8.1865*);
– 12. August 1865: Entwurf und Veröffentlichung der Bekanntmachung (9./12.8.1865*).
• (a) Von den neun am 26. Mai 1865 neu gewählten Akademiemitgliedern war Kiel das
einzige neue Mitglied der Musiksektion der Kgl. Akademie der Künste. Als Akademiemitglied der Musiksektion wurden laut Wahlvorschlag-Übersicht (18.3.1865*) bis zum 18. März
1865 fünf Personen, darunter Friedrich Kiel mit vier Stimmen am häufigsten, vorgeschlagen. Für Friedrich Kiel votierten die langjährigen Akademiemitglieder Hubert Ries im
Wahlvorschlag (16.3.1865*) und Wilhelm Taubert im Wahlvorschlag (18.3.1865*) sowie
zwei weitere unbekannte Personen. Eine oder zwei Stimmen erhielten hingegen jeweils
nur Emil Naumann, Martin Blumner, Ernst Gäbler und Daniel Wilsing. Friedrich Kiel bedankte sich in seinem Brief (27.8.1865*) beim Senat der Kgl. Akademie der Künste für
die Zustimmung bei der auf ihn gefallenen Wahl.
Kiels Wahl zum Akademiemitglied im Jahr 1865 wird auch im Zeitungsartikel NBM
(1865, 263) vom 16. August 1865, laut dem die Königl. Academie der Künste den Componisten Fr. Kiel zu ihrem wirklichen Mitgliede erwählt hat, sowie in drei Archivalien der
Kgl. Akademie der Künste bestätigt: Kiel, Professor, Componist, seit 1865 laut zwei
gedruckten Akademie-Mitgliederverzeichnissen (1873, 3 und 1875, 5) und Mitglied der
Akademie seit 1865 laut handschriftlicher Todesnotiz (13.10.1885*) zu Kiel. Die Jahreszahl 1865 wird auch in zeitgenössischen Veröffentlichungen bestätigt, wie z. B. in MWO
(1870a, 170), Bungert (1875, 371), Mendel/ReissmannL (6/1876, 43), BakerD (19786, 881),
dem auf einem Interview mit Kiel basierenden handschriftlichen Lebensabriss (c1881*),
dem auf Kiels Autobiografie basierenden Lexikoneintrag SchuberthL (189111, 277), in
Prieger (1884, 273 bzw. 1906, 129), Gumprecht (1886, 26), HubbardB (1/1908, 429) und
Reinecke (1936, 19). Zudem ist das Datum 26. Mai 1865 ohne Quellenbeleg in Pfeil (1997,
10) genannt.
F5 • Friedrich Kiel als Kompositionslehrer am Stern’schen Konservatorium in Berlin
im Zeitraum 1866–69: Brief (20.4.1866), NZfM (1866a); SternK (1875), Stern (1890).
• (a) Der Konservatoriumsdirektor Julius Stern bat Friedrich Kiel im Brief (20.4.1866),
schon eine Woche vor seinem offiziellen Stellenbeginn, den Kompositionsunterricht am
Stern’schen Konservatorium vertretungsweise für Professor Flodoard Geyer zu übernehmen: Nachdem ich Hr. Prof. [Flodoard] Geyer benachrichtigt, daß ich Sie gebeten,
die erste Kompositionsklasse am 1. Mai zu übernehmen, hat derselbe den Unterricht schon
heute gänzlich aufgegeben. Ich wende mich nun mit der Bitte an Sie, schon jetzt die verwaiste Klasse zu übernehmen […]. Der Komponist und Kompositionslehrer Flodoard
Geyer beendete seine 15-jährige Lehrtätigkeit (1851–66) am Stern’schen Konservatorium
laut dem Brief (20.4.1866) des Konservatoriumsdirektors Julius Stern schon heute, d. h.
535
am Freitag, den 20. April 1866. Entsprechend ist in Reinecke (1936, 19) mit Bezug auf
diesen Brief angegeben, dass Kiel von Stern schon im April 1866 als Lehrer für Komposition an sein Konservatorium berufen wurde.
Kiels offizielle Anstellung als Kompositionslehrer begann laut Sterns Brief (20.4.1866)
am 1. Mai 1868, wobei Kiel wahrscheinlich schon in der dem Briefdatum nachfolgenden
Woche vom Montag 23. bis Freitag 27. April 1866 seinen Vorgänger Geyer vertrat. Laut
Personen-Datenbank (2010) zählten seit dem 1. Mai 1866 Emil Breslauer, den Kiel von
der Kompositionsklasse Flodoard Geyers übernommen hatte, sowie Wilhelm Handwerg
zu Kiels Kompositionsschülern am Stern’schen Konservatorium. Für den 1. Mai 1866
spricht auch folgende Engagement-Bekanntmachung in NZfM (1866a, 186) vom 25. Mai
1866: Prof. Flod.[oard] Geyer und Hofpianist [Rudolf] Willmers sind aus dem Stern’schen
Conservatorium in Berlin ausgeschieden. An des Ersteren Stelle ist Fr. Kiel getreten.
• (b) Kiels Unterrichtsbeginn kann somit noch nicht am 1. April 1866 erfolgt sein, wie in
vier Festschriften, u. a. in SternK (1875, 17) und Stern (1890, [7]), und der sich darauf
beziehenden Personen-Datenbank (2010) angegeben ist: Eintritt 1. April 1866 und Abgang 1. Januar 1870 mit Unterrichtsgegenstand Komposition (Stern 1890, [7]). Die irrtümliche Angabe 1. April 1866 z. B. in Stern (1890, [7]) basiert vermutlich darauf, dass
die Musikkurse am Stern’schen Konservatorium üblicherweise Anfang April für das
Sommersemester und Anfang Oktober für das Wintersemester begannen. So startete der
neue Cursus für Komposition im Sommersemester 1868 am Mittwoch, den 1. April 1868,
im Sommersemester 1869 am Montag, den 5. April 1869, im Wintersemester 1868/69 am
Montag, den 5. Oktober 1868 und im Wintersemester 1869/70 am Montag, den 4. Oktober 1869, wie den Kursankündigungen in der Berliner Vossischen Zeitung (= KpBZ) –
z. B. in KpBZ (1868a) vom 24. März 1868 und KpBZ (1868b) – zu entnehmen ist, mit
Kiel als Kompositions- und Kontrapunktlehrer: Lehrer für Composition bzw. Lehrer für
Theorie, Harmonie und Contrapunkt.
In der auf den Konservatoriums-Festschriften basierenden Personen-Datenbank (2010)
und laut URL http://www.kunstundbildung.org (Unterseite der URL abgerufen am
5.4.2011) beendete Flodoard Geyer offiziell seine Stelle schon am 1. März 1866, womit
wohl das Ende des letzten Kompositionskurses und nicht das konkrete Datum seiner Stelle
benannt ist. Hierfür spricht, dass am Ende des Wintersemester 1865/66, d. h. circa im
April 1866, die alljährliche öffentliche Prüfung des Stern’schen Konservatoriums laut
Hollaender (25.5.1866, 185) stattfand, an dem gerade 26 Lehrer insgesamt 182 Schüler
unterrichteten. Eine weitere Überprüfung anhand der Jahresberichte „Stern’sches Conservatorium der Musik. Bericht über das Schuljahr …“ ist für die für Kiel relevanten Jahre 1866–69 nicht möglich, da die Jahresberichte 1866/67 bis 1869/70 nicht überliefert sind.
Ebenfalls ist die Angabe in Altmann (1901, 148), dass Friedrich Kiel erst nach dem neuen
Erfolg der am 21. März 1867 stattfindenden Uraufführung seiner Missa solemnis op. 40
und seines Te Deums op. 46 ans Stern’sche Konservatorium berufen wurde, überholt.
• (a) Der korrekte Jahreszeitraum 1866–69 für Friedrich Kiels Kompositionsunterricht am
Stern’schen Konservatorium wird von vielen Zeitgenossen Kiels und in der Sekundärliteratur angegeben, wie z. B. in dem handschriftlichen, auf einem 1881 mit Kiel geführten
Interview beruhenden Lebensabriss (c1881*) bzw. dessen veröffentlichter Version in AllgemeineZ (1885, 4370), Mendel/ReissmannL (6/1876, 43) und Zimmermann (1987, 10).
• (b) Der z. B. in BakerD (19786 , 881) und MGG2S (1/1994, 1445) genannte irreführende
Zeitraum 1866–70 für Kiel als Kompositionslehrer am Stern’schen Konservatorium kam
vermutlich zustande, indem Kiels Abgang am 1. Januar 1870 laut SternK (1875) und
Stern (1890) mit eingerechnet wurde. Ebenfalls unzutreffend sind der Zeitraum 1867–69
536
laut Bungert (1875, 371), der Beginn im Jahr 1856 [recte: 1866] laut HubbardB (1/1908,
429) und die Dauer 3 Jahre lang [recte: drei und dreiviertel Jahre] laut der von dem Kielschüler Emil Breslauer herausgegebenen elften Auflage von Schuberths Musiklexikon
(SchuberthL 189111 , 277).
F6 • Tonkünstlerverein Berlin (Friedrich Kiels Ernennung zum Ehrenmitglied 1867):
EchoBe (1867a), EchoBe (1867b), NZfM (1867d), TVBB (1868/69).
• (a) Friedrich Kiel, schon seit 1850E4 Mitglied des Tonkünstlervereins Berlin, wie auch
Ferdinand Hiller wurden bei der Generalversammlung am Samstag, den 6. April 1867
einstimmig zum Ehrenmitglied des Tonkünstlervereins Berlin ernannt, wie aus zwei
Zeitungsartikeln in der Beilage Aus dem Berliner Tonkünstler-Verein der Berliner MusikZeitung Echo (EchoBe 1867a, 60 und 1867b, 79) hervorgeht. Dies entspricht der Bekanntmachung in NZfM (1867d, 155) vom 19. April 1867: Der Berliner Tonkünstlerverein hat Friedrich Kiel und Ferd. Hiller einstimmig zu Ehrenmitgliedern ernannt. Während es im April 1867 erst vier Ehrenmitglieder – Kiel, Hiller und die beiden bisherigen
Ehrenmitglieder Eduard Grell und Flodoard Geyer – gab, verdoppelte sich die Anzahl innerhalb der nächsten anderthalb Jahre um das Doppelte. Mit Stand vom 15. November
1868 ist „Kiel, Professor“ schon unter acht Ehrenmitgliedern in TVBB (1868/69, 18),
dem ersten Jahrgang des Jahresberichts des Tonkünstlervereins Berlin, verzeichnet: vier
Professoren (Friedrich Kiel, Heinrich Dorn, Eduard Grell, Flodoard Geyer), zwei Hofpianisten (Hans von Bülow, Karl Tausig), dem Instrumentenbauer Theodor Stöcker und dem
Kapellmeister Ferdinand Hiller.
• (b) Die Angabe in Reinecke (1936, 21), dass Kiel 1869 zum Ehrenmitglied des Tonkünstlervereins Berlin ernannt wurde, ist damit überholt.
F7 Friedrich Kiel als Preisrichter bei Kompositionswettbewerben:
• für Wettbewerb der Meyerbeer-Stiftung für Tonkünstler in Berlin 1867, 1869
und 1871: Bekanntmachung (27.10.1866), Bekanntmachung (6.7.1868), Bekanntmachung (7.7.1870);
• für Wettbewerb des TV Berlin 1870, 1871, 1874 und Vereinsjahr 1875/76:
TVBB (1869/70), Brief (29.6.1870*) von Friedrich Kiel, EchoBe (1870b, 102),
EchoBe (1871b), Brief (8.11.1874), AlslebenL (1894);
• für Wettbewerb in Kassel circa 1874: Chop (1915);
• für Wettbewerb in Warschau 1872: AmZ (1872c).
• (a) Preisrichter bei Kompositionswettbewerben der Meyerbeer-Stiftung für Tonkünstler:
Giacomo Meyerbeer († 2.5.1864 Paris) setzte in seinem Testament ein Legat von 10.000
Reichstalern aus, dessen Zinsen alle zwei Jahre in Berlin als sog. Meyerbeer-Stipendium
an einen deutschen Kompositionsstudenten, der aus dem jeweiligen Kompositionswettbewerb als Sieger hervorging, zum Zweck eines sechsmonatigen Studienaufenthalts vergeben wurde. Etwa im Juni 1864 wurde demzufolge laut SfMW (1864a, 499) die Berliner
Meyerbeer=Stiftung für Tonkünstler ins Leben gerufen, die ab 1865 alle zwei Jahre Kompositionswettbewerbe für junge Komponisten veranstaltete und für die jeder Bewerber eine achtstimmige Vokalfuge für zwei Chöre, eine Ouvertüre für großes Orchester und eine
dreistimmige dramatische Kantate für Gesang und Orchesterbegleitung einzureichen hatte. Die Preisrichter umfassten laut SfMW (1864a, 500) sämtliche Mitglieder der Musiksektion der Kgl. Akademie der Künste, die beiden Kapellmeister der Kgl. Oper in Berlin,
die Direktoren des Stern’schen und des Kullak’schen Konservatoriums sowie die Professoren Adolf Bernhard Marx und Flodoard Geyer.
537
Friedrich Kiel, seit dem 26. Mai 1865F4 Mitglied der Musiksektion der Kgl. Akademie
der Künste, war ab 1867 bei den Kompositionswettbewerben der Meyerbeer-Stiftung regelmäßig als Preisrichter tätig: Dies ist für die Jahre 1867, 1869, 1871 und 1879 belegt
und kann aufgrund der erwähnten Regelungen der Meyerbeer-Stiftung auch für die Jahre
1873, 1875, 1877, 1881 und 1883 angenommen werden. Die drei jeweils geforderten
Kompositionen wurden z. B. bis zum 15. April 1867, 1. März 1869, 1. März 1871 oder
1. Februar 1879 – mit Siegerehrung am 3. August des jeweiligen Jahres – eingereicht, wie
aus vier Bekanntmachungen (27.10.1866, 6.8.1868, 7.7.1870 und 25.5.1878) hervorgeht.
Kiel teilte sich hierbei das Preisrichteramt, das statutengemäß aus mehreren Mitgliedern
der Musiksektion des Senats der Kgl. Akademie der Künste bestand, mit weiteren Komponisten:
im Jahr 1867 mit den Komponisten August Wilhelm Bach, Franz Commer, Heinrich
Dorn, Eduard Grell, Karl Wilhelm Henning, Hubert Ries, Julius Schneider und Wilhelm
Taubert, von denen Bach, Dorn, Grell, Schneider und Taubert – wie Kiel – auch als Kompositionslehrer wirkten;
im Jahr 1869 mit Bach, Commer, Dorn, Grell, Ries, Schneider, Taubert sowie drei weiteren Senatsmitgliedern, den Komponisten Flodoard Geyer, Theodor Kullak und Julius
Stern, von denen Geyer auch als Kompositionslehrer tätig war;
im Jahr 1871 mit Commer, Dorn, Geyer, Grell, Kullak, Ries, Schneider, Stern, Taubert sowie dem Komponisten Karl Anton Eckert als neuem Senatsmitglied;
im Jahr 1879 mit Commer, Dorn, Eckert, Grell, Kullak, Ries, Schneider, Stern, Taubert sowie mehreren neuen Senatsmitgliedern: dem Violinisten und Musikhochschuldirektor Josef Joachim sowie den Komponisten Woldemar Bargiel, Heinrich Bellermann, Martin
Blumner, Karl August Haupt, Robert Radecke und Richard Wüerst, von denen Bargiel,
Blumner, Haupt und Wüerst auch als Kompositionslehrer tätig waren.
• (a) Preisrichter bei Kompositionswettbewerben des Tonkünstlervereins Berlin:
Friedrich Kiel war bei mindestens vier Kompositionswettbewerben des Berliner Tonkünstlervereins (= TV Berlin), dessen Vorsitzender Julius Alsleben im Zeitraum 1865–94
war, Preisrichter der Prüfungskommissionen: im Jahr 1870 ab dem 16. September 1870,
im Jahr 1871 mit Preiskommission am 4. Mai 1871, im Jahr 1874 vermutlich im Oktober
sowie im Vereinsjahr 1875/76. Kiel teilte sich das Preisrichteramt mit anderen Komponisten, und zwar mit Wilhelm Taubert regelmäßig (1870, 1871, 1874 und im Vereinsjahr
1874/75) sowie jeweils einmal mit Heinrich Dorn (1870), Flodoard Geyer (1871), Josef
Joachim (1874), Eduard Grell (1874) sowie mit Karl Heinrich Döring, Friedrich Grützmacher, Karl Grädener, Karl von Holten, Franz Wüllner und Heinrich Porges (jeweils
Vereinsjahr 1874/75). Von diesen wirkten wie Kiel als Kompositionslehrer Dorn, Geyer,
Grell, Taubert und Grädener.
1) Preisrichter 1870:
Kiel war neben Taubert und Dorn Preisrichter des Tonkünstlervereins Berlin beim Kompositionswettbewerb im vierten Quartel des Jahres 1870 (mit Beginn am 16. September
1870), der die Komposition einer Siegesouvertüre und eines Te Deums umfasste, wie aus
drei Primärquellen hervorgeht. Kiel wurde laut EchoBe (1870b, 102) bei der Vereinssitzung am 23. des Monats, d. h. am 23. Juni 1870, zum Preisrichter gewählt. Er wurde als
zukünftiger Preisrichter für das vierte Quartal des Jahres 1870 neben Taubert und Dorn in
TVBB (1869/70, 12), dem Jahresbericht für das Vereinsjahr 1869/70, vorgestellt. Ab dem
16. September 1870 stellte sich Kiel als Preisrichter dem TV Berlin laut seinem Brief
(29.6.1870*), der vermutlich an den Vorsitzenden des TV Berlin Julius Alsleben gerichtet
war, zur Verfügung.
538
2) Preisrichter 1871:
Kiel war – neben Taubert und Geyer, dessen Nachfolger Kiel 1866 als Kompositionslehrer am Stern’schen Konservatorium geworden war, Preisrichter beim Kompositionswettbewerb des TV Berlin im Jahr 1871, der die Komposition eines Te Deums beinhaltete.
Laut EchoBe (1871b, 75 f.) vom Mai 1871 fand die Preis-Kommission am 4. des Monats,
d. h. am 4. Mai 1871 statt.
3) Preisrichter 1874:
Kiel war neben Joachim, Grell und Taubert Preisrichter beim Kompositionswettbewerb
des TV Berlin im Jahr 1874, der vermutlich im Oktober 1874 stattfand und die Komposition einer fünfstimmigen Psalmvertonung mit Orchester und fünfstimmigem Fugen-Finalsatz beinhaltete, in der Kgl. Akademie der Künste stattfand und dessen Preisträger Oskar
Pasch war, wie aus dem Brief (8.11.1874) von Josef Joachim an Johannes Brahms hervorgeht.
4) Preisrichter im Vereinsjahr 1874/75:
Kiel war neben Taubert, Döring, Grützmacher, Grädner, von Holten, Wüllner und Porges
Preisrichter beim Kompositionswettbewerb des TV Berlin im Vereinsjahr 1875/76 des
TV Berlin, der die Komposition eines Quartetts beinhaltete. Laut AlslebenL (1894, 22)
konnte sich bei diesem Kompositionswettbewerb der verbündeten Tonkünstlervereine824,
von denen der TV Berlin den ältesten Tonkünstlerverein darstellte und in der Hauptstadt
des deutschen Kaiserreichs ansässig war, keine der eingereichten Kompositionen für den
Preis qualifizieren.
• (a) Preisrichter bei Kompositionswettbewerb in Kassel:
Kiel war laut Chop (1915, 55) circa 1874 neben den Komponisten und Kompositionsprofessoren Josef Rheinberger und Robert Volkmann Preisrichter bei einem Lieder-Kompositionswettbewerb des Musikverlags Friedrich Luckhardt in Kassel.
• (a) Preisrichter bei Kompositionswettbewerb in Warschau:
Kiel zählte laut AmZ (1872c, 454) neben Joachim Raff zu den beiden deutschen Jurymitgliedern, d. h. Preisrichtern, bei einem am 1. Juni 1872 ausgeschriebenen Kompositionswettbewerb der Philharmonischen Gesellschaft in Warschau, für den bis zum 15. Oktober
1872 ein Klaviertrio und ein dreistimmiger Gesang für Frauenstimmen und Klavierbegleitung eingereicht werden sollten.
F8 • Verleihung des Professorentitels an Friedrich Kiel im Jahr 1868: Bekanntmachung (5.3.1868*), NBM (1868a), KpBZ (1868a), KpBZ (1868b), TVBB (1868/69),
AWA (1/1869).
• (a) Friedrich Kiel schrieb schon Ende 1863 an den Kultusminister Heinrich von Mühler
ein Gesuch (21.11.1863*) um die Verleihung des Professorentitels.
Kiels Ernennung zum Kgl. Professor fand wenige Tage vor dem Donnerstag, den 5. März
1868, vermutlich Ende Februar oder gegebenenfalls erst Anfang März 1868, statt, wie aus
der offiziellen Bekanntmachung (5.3.1868*) des Kultusministeriums über die Verleihung
des Prädikats „Professor“ an Kiel hervorgeht. Dies entspricht der informellen Ernennungsbekanntmachung in NBM (1868a, 89) vom 11. März 1868, SfMW (1868a, 385) vom
27. März 1868 und NZfM (1868b, 141) vom 10. April 1868: Friedrich Kiel […] ist der
Professortitel verliehen worden.
Hingegen hinken die vierteljährlich veröffentlichten Zeitungsanzeigen des Stern’schen
824 Der von 1873 bis 1903 existierende Gesamt-Verband deutscher Tonkünstler war laut TV-Festschrift (1879, 35) ein Zu-
sammenschluss von vier Tonkünstlervereinen, dem TV Berlin, dem TV Dresden, dem TV Hamburg und dem TV München.
539
Konservatoriums in der Berliner Vossischen Zeitung (= KpBZ) zeitlich hinterher: Der Titel Professor für den Kompositionslehrer Kiel wird erstmals in KpBZ (1868b) vom
31. August 1868 (Fr. Kiel, Professor, ord. Mitglied d. Königl. Akademie der Künste) genannt, während er in KpBZ (1868a) vom 24. März 1868 noch fehlt (Composition: Fr.
Kiel, Mitglied der Kgl. Akad. d. Künste).
Kiels Ernennungsjahr 1868 wird in TVBB 1. Jg. (1868/69) und den Berliner Adressbüchern AWA bestätigt. In TVBB 1. Jg. (1868/69, 18) mit Stand vom 15. November 1868
wird Friedrich Kiel als „Kiel, Professor“ unter den Ehrenmitgliedern des Tonkünstlervereins Berlin angeführt. Der Namenseintrag Kiels im Berliner Adressbuch AWA enthält
erstmals 1869, in AWA (1/1869, 339), den Titel Professor, wobei der Redaktionsschluss
üblicherweise im Vorjahr, d. h. in diesem Fall 1868 war. Außerdem ist das Jahr 1868 in
vielen Schriften angegeben, wie z. B. in Bungert (1875, 371), Prieger (1884, 273),
Lessmann (1885a, 339), Pirani (1885, 377), SchuberthL (189111, 277), HubbardB (1/1908,
429), FrankL (191011 , 199) und Reinecke (1936, 22).
• b) In einigen Schriften über Kiel findet sich die unzutreffende Jahresangabe 1867 für
Kiels Ernennung zum Professor, wie z. B. in MWO (1870a, 170), Mendel/ReissmannL
(6/1876, 43), Lebensabriss (c1881*) und dessen veröffentlichter Version in AllgemeineZ
(1885, 4370), obwohl die letzten beiden auf einem im Herbst 1881 durchgeführten Interview mit Kiel beruhen.
F9 • Friedrich Kiels Ernennung zum Senatsmitglied der Kgl. Akademie der Künste
1869 (Erlass vom 20. November 1869, Vereidigung am 3. Dezember 1869 und
Remuneration ab 1. Januar 1870): Handbillet (15.11.1869*), Erlass (20.11.1869*),
veröffentlichte Bekanntmachung (26.11.1869*), Brief (27.11.1869*), Vereidigungsprotokoll (3.12.1869*), Bericht (10.1.1885*), Todesnotiz (13.10.1885*).
• (a) Kultusminister Heinrich von Mühler ernannte Friedrich Kiel am 20. November 1869
im Erlass (20.11.1869*) zum Senatsmitglied, d. h. Senator der Musiksektion der Kgl. Akademie der Künste, als der er ein jährliches Gehalt von 100 Talern ab dem 1. Januar 1870
laut seinem Handbillet (15.11.1869*) bezog. Dieser Erlass (20.11.1869*) wird im Vereidigungsprotokoll (3.12.1869*) als hohe Verfügungen und im Bericht (10.1.1885*), in dem
der am Kultusministerium tätige Rechnungsrat Wilhelm Willmann auch Kiels Remuneration von jährlich 300 M (mit Einfügung „100 Thlr =“ 300,– Mark) ab dem 1. Januar 1870
benennt, als Erlaß Nr. B 1941 bezeichnet. Kiels Ernennung am 20. November 1869 erfolgte hierbei auf Vorschlag der Senatsmitglieder aus der Senatssitzung vom 15. November
1869 und wurde sechs Tage später am 26. November 1869 in der offiziellen Bekanntmachung (26.11.1869*) publik gemacht. Dies entspricht auch dem informellen Ernennungshinweis NBM (1869d, 395) vom 1. Dezember 1869: Herr Professor Fr. Kiel ist [im November 1869] zum Mitglied des Senats der „Academie der Künste“ ernannt worden.
• (a) Kiels Einführung als Senatsmitglied der Kgl. Akademie der Künste sowie seine Vereidigung durch den Senatsvorsitzenden Eduard Daege, fand am Freitag, den 3. Dezember
1869 um 18:15 Uhr gemäß Vereidigungsprotokoll (3.12.1869*) statt, laut dem Kiel den
Diensteid in aller Form leistete. Eine Einladung zu dieser Vereidigung erhielt Kiel mit
dem Brief (27.11.1869*) des Direktoriums der Kgl. Akademie der Künste.
• (a/b) In der zeitgenössischen Literatur wird für Kiels Ernennung zum Senatsmitglied der
Kgl. Akademie der Künste teils das korrekte Jahr 1869, wie z. B. in NZfM (1869, 434)
vom 10. Dezember 1869, MWO (1870a, 170), Bungert (1875, 371) und Mendel/ReissmannL (6/1876, 43), oder teils das unzutreffende Jahr 1870, wie z. B. in Prieger (1884,
273) und Prieger (1906, 129), bzw. 1881 bei Gumprecht (1886, 26) angegeben. Auch die
540
Angabe in der von dem Kielschüler Emil Breslauer herausgegebenen elften Auflage von
Schuberths Musiklexikon (SchuberthL 189111 , 277), dass Kiel 1870 in den Senat gewählt
wurde, ist irreführend. Zudem wird Kiel in der Todesnotiz (13.10.1885*), die in den Akten
der Kgl. Akademie der Künste in Berlin enthalten ist, irrtümlich als Mitglied des Senats
seit 1870 bezeichnet. In Pfeil (1997, 10) ist das Datum 20. November 1869 ohne Quellenbeleg angeführt.
G1 • Strukturelle Veränderungen der Kgl. Hochschule für Musik in Berlin im Zeitraum 1869–82: Zeitungsartikel aus dem Zeitraum 1870–72, weitere handschriftliche und gedruckte Primärquellen aus dem Zeitraum 1871–85.
• (a) Für die erst 1869 gegründete Kgl. Hochschule für Musik in Berlin, die eine Dependance der Kgl. Akademie der Künste in Berlin neben dem Kgl. Institut für Kirchenmusik
(seit 1822) und der kleinen Kompositionsschule (seit 1833) war, finden sich folgende Bezeichnungen bis zu Friedrich Kiels Todesjahr 1885:
a) 1869–71: für das Jahr 1869 Hochschule für Musik laut Kiels Personalakte Kiel-HfM
(1869–85, Bl. 1v) der Kgl. Hochschule für Musik und laut Todesnotiz (13.10.1885*)
sowie K[gl]. Hochschule für Musik im handschriftlichen Lebensabriss (c1881*); für das
Jahr 1870 Königl. Hochschule für Musik. Abth[eilung] f[ür] a.[usübende] T.[onkunst] laut
Kiel-HfM (1869–85, Bl. 1v), Königliche Hochschule für ausübende Tonkunst laut NBM
(1870, 264) und Kgl. Hochschule der [!] Tonkunst laut NZfM (1870, 239); für die Jahre
1870–71 Akademische Hochschule für ausübende Tonkunst laut Fußnote in EchoBe
(1870, 3) und Brief (28.12.1871*) des Kultusministers sowie Hochschule für ausübende
Tonkunst laut Bericht (1.10.1885*);
b1) 1872–82 (von Joachim geleitete Abteilung B für ausübende Tonkunst): verkürzt Hochschule für ausübende Tonkunst bzw. Abtheilung für ausübende Tonkunst der Königlichen
Hochschule für Musik laut AmZ (1872d, 547), „Königliche akademische Hochschule für
Musik zu Berlin. Abtheilung für ausübende Tonkunst. Acta betreffend: den Professor Kiel
Professor der [ab 1872 existierenden] Compositionsabtheilung.“ als Aktentitel von Kiels
Personalakte Kiel-HfM (1869–85) der Kgl. Hochschule für Musik, Königl. Hochschule
für Musik in Berlin (Abthl. der Akad. der Künste für ausübende Tonkunst) mit einer Gesangs- und einer Instrumentalklasse – mit Redaktionsschluss im März 1873 – laut HHS
(1873, 144) sowie Königliche akademische Hochschule für Musik, Abth.[eilung] B. d.[er]
Hochschule für ausübende Tonkunst bzw. Abtheilung [B] für ausübendeTonkunst laut
HHS (1877, 102+106). Das Lehrpersonal umfasste 1870 sieben Instrumentallehrer (darunter den Violinlehrer Josef Joachim), zwei Lehrer für Harmonielehre (Ernst Rudorff
und ehemaliger Kielschüler Benno Härtel) und Friedrich Kiel als einzigen Kompositionslehrer.
b2) 1872–82 (von Kiel geleitete Abteilung A für musikalische Komposition): Musikalische Abteilung [= Abteilung für musikalische Komposition] der Kgl: Akademie der Künste ab Januar 1872 laut Bericht (10.1.1885*) des Rechnungsrats Wilhelm Willmann, Abtheilung für Komposition bis 1882 laut Verfügung (27.7.1882*) des Kultusministers,
Hochschule für Musik für Kieleintrag 1879 im handschriftlichen Verleihungsbuch-Dresden
(1867–1912*). In dieser Kompositionsabteilung wirkten u. a. 1872–75 drei akademische
Lehrer – der Komponist Friedrich Kiel, der Hofkapellmeister Wilhelm Taubert und der
Singakademiedirektor Eduard Grell – sowie laut Josef Joachims Brief (25.6.1873, 113)
zusätzlich seit April 1874 Woldemar Bargiel, der laut Dorn (1875, 5) der einzige Nichtakademiker war.
541
Zu b1/2): AmZ (1872d, 547): Die Eleven der Hochschule für ausübende Tonkunst werden
auch als Eleven der Königlichen Akademie der Künste angesehen.
c) 1882–85: Königliche akademische Hochschule für Musik, Abtheilung für Komposition
laut Verfügung (27.7.1882*), Königliche akademische Hochschule für Musik laut Verfügung (26.10.1883*) und Reskript (25.2.1885*) des Kultusministers, laut Bekanntmachung
(9.8.1882*) des Kultusministeriums und laut Erlass (18.9.1883*) von Johann Greiff, Königliche Hochschule für Musik im Bericht (17.10.1883*) im Auftrag des Direktoriums der
Kgl. Hochschule für Musik sowie Akademische Hochschule für Musik laut Gesuch
(9.2.1885*) von Friedrich Kiel.
• (a) Nach Beendigung des Deutsch-Französischen Krieges 1870–71 gab es an der Kgl.
Hochschule für Musik, die zunächst eine kleine „Violinschule“ war, zahlreiche Studienbewerber. Im April 1871 war hierbei die Organisirung der Kgl. Hochschule für ausübende Tonkunst noch vorläufig getrennt von der Akademie, wie aus dem Brief (14.4.1871)
des Hochschuldirektors Josef Joachim hervorgeht.
• (a) Reorganisationen 1875 und 1882 der Kgl. Akademie der Künste in Berlin:
1) Reorganisation 1875: Mit Inkrafttreten des provisorischen Akademiestatuts vom 6. April
1875 (Akademie-StatutP 6.4.1875) wurden 1875 laut Dorn (1875, 3) zwei Unterrichtsanstalten für Musik, die Kgl. Hochschule für Musik (zwei Abteilungen) und das für Organisten, Cantoren und Gesangslehrer zuständige Institut für Kirchenmusik, mit der Kgl.
Akademie der Künste verbunden. Zudem werden der zweiten Senatssection der Kgl. Akademie der Künste, der Musiksektion, gemäß diesem Statut laut Dorn (1875, 5) u. a. einverleibt: die vier ordentlichen Lehrer für musikalische Composition in der Königl. Hochschule für Musik, von denen einer ein Nichtakademiker sein soll, sowie zwei Musiker,
welche von den Akademikern aus ihrer eigenen Mitte gewählt werden, und ein Musikgelehrter.
2) Reorganisation 1882: Laut Verfügung (27.7.1882*) des Kultusministers Gustav von
Gossler wurde das provisorische Akademiestatut (Akademie-StatutP 6.4.1875) der Kgl.
Akademie der Künste in Berlin am 19. Juni 1882 durch das definitive Akademiestatut
(Akademie-StatutD 19.6.1882) ersetzt. Nach dieser Reorganisation der Kgl. Akademie
der Künste bestand die ihr zugehörige Kgl. Hochschule für Musik aus vier Lehrabteilungen: der Abteilung für Orchesterinstrumente unter der Leitung von Josef Joachim, der
Abteilung für musikalische Komposition unter Friedrich Kiel, der Abteilung für Klavier /
Orgel unter Ernst Rudorff sowie der Abteilung für Gesang unter Adolf Schulze. Die drei
zur Kgl. Akademie der Künste gehörigen Lehranstalten für Musik waren 1882 die Kgl.
Akademische Hochschule für Musik (seit 1870), das Kgl. Akademische Institut für Kirchenmusik (seit 1875) und vier Mitte 1882 neu eingerichtete Akademische Meisterschulen für Komposition.
Nach § 78 des definitiven Akademiestatuts (Akademie-StatutD 19.6.1882) war seit Mitte
1882 das Amt des Vorstehers der Kompositionsabteilung der Kgl. Hochschule für Musik
mit einem der vier Vorsteher der Meisterschulen für musikalische Komposition der Kgl.
Akademie der Künste zu besetzen; diesen Posten nahm bis 1885 Friedrich Kiel ein.
G2 • Friedrich Kiel als akademischer Kompositionslehrer der Berliner Kgl. Hochschule
für Musik (Berufung am 16. Dezember 1869, Stellenbeginn am 1. Januar 1870):
Kiels Personalakte Kiel-HfM (1869–85) der Kgl. Hochschule für Musik, Notiz
(18.11.1869*), Erlass (20.11.1869*), EchoBe (1870a), Bericht (10.1.1885*).
• (a) In dem vom Senat der Kgl. Akademie der Künste verfassten Senatsbericht vom
15. November 1869 wurde Kiel, wie in der Notiz (18.11.1869*) erwähnt, als Senatsmit-
542
glied sowie Kompositionslehrer der Kgl. Akademie der Künste vorgeschlagen. Am 16. Dezember 1869 erfolgte dann Kiels Berufung zum Kompositionslehrer der Kgl. Hochschule
für ausübende Tonkunst gemäß Erlass vom 16. Dezember 1869 Nr. 34636, wie aus dem
Bericht (10.1.1885*) des am Kultusministerium tätigen Rechnungsrats Wilhelm Willmann
hervorgeht. Mit dem Erlass (20.11.1869*) des Kultusministers Heinrich von Mühler wurde Kiel zwar zum Senatsmitglied der Kgl. Akademie der Künste, aber noch nicht zum
Kompositionslehrer ernannt: In Hinsicht des von dem p[raenominatus] Kiel zu übernehmenden Unterrichts behalte ich mir das Weitere vor.
Das Jahr 1869 für Kiels Berufung und Anstellung als Kompositionslehrer der Kgl.
Hochschule für ausübende Tonkunst ist auch in Kiels Personalakte Kiel-HfM (1869–85,
Bl. 1v) der Kgl. Hochschule für Musik vermerkt: 1869 als Lehrer der Composition an der
Hochschule für Musik bis 1870 (in Rubrik Zeitpunkt, von welchem ab die erste Anstellung im Staatsdienste erfolgte) an der Königl. Hochschule für Musik. Abth[eilung] f[ür]
a.[usübende] T.[onkunst] (in Rubrik Anstalt, an welcher die erste Anstellung im Staatsdienste erfolgte). Auch laut der handschriftlichen Todesnotiz (13.10.1885*), die in den
Akten der Kgl. Akademie der Künste in Berlin enthalten ist, war Kiel Mitglied der Hochschule für Musik seit 1869. Dies wird von dem Kielschüler August Bungert bestätigt, der
in Bungert (1875, 371) ebenfalls 1869 als Ernennungsjahr Kiels zum Lehrer der Composition an der I. Abtheilung der königl. Hochschule für Musik benannte.
• (a) Kiels Lehrstelle als Kompositionslehrer begann am 1. Januar 1870 (1870–71) an der
Kgl. Hochschule für ausübende Tonkunst, die ab dem 1. Januar 1872 die Abteilung für ausübende Tonkunst der an die Kgl. Akademie der Künste angeschlossenen Kgl. Hochschule
für Musik, der eigentlichen Musikhochschule, bildete, wie aus folgenden Belegen hervorgeht:
– Laut Bericht (10.1.1885*) des am Kultusministerium tätigen Rechnungsrats Wilhelm
Willmann wurde Kiel mittels Erlass vom 16. Dezember 1869 Nr. 34636 ab dem 1. Januar
1870 für 2 Jahre [1870–71] die Veramtung dieser Lehrstelle an der Hochschule für ausübende Tonkunst für ein Honorar von jährlich 400 Talern übertragen. Zudem erhielt Kiel
mittels Erlass vom 10. Juli 1872 Nr. 102b03II ab dem 1. Januar 1872 eine Besoldung von
jährlich 600 Talern – anstelle des Honorars von 400 Talern 1870–71 – an der musikalischen Abtheilung der Kgl: Akademie der Künste, d. h. der Abteilung für ausübende Tonkunst.
– Die Einträge in Kiels Personalakte Kiel-HfM (1869–85, Bl. 1v) der Kgl. Hochschule
für Musik lauten: 1870 zum Lehrer der Composition der Ak[ademie] d.[er] Künste ernannt (in Rubrik Veränderungen seit der ersten Anstellung [1869]), d. h. seit 1870 Lehrer
der zur Kgl. Akademie der Künste gehörigen Kgl. Hochschule für ausübende Tonkunst.
– Kiels Lehrstelle an der akademischen Hochschule für ausübende Tonkunst begann laut
einer Fußnote in EchoBe (1870, 3) am 1. Januar 1870; dieses Datum wird auch in Lessmann (1885a, 339), SMuS (1885, 150), Motettenprogrammzettel (26.9.1885), Moser
(1898, 200) etc. genannt. Kiel war ab dem 1. Januar 1870 der erste, d. h. zunächst der einzige Kompositionslehrer der Kgl. Hochschule für ausübende Tonkunst laut NBM (1870, 96)
und Fußnote in EchoBe (1870a, 3).
• (a) Die Formulierung Lehrer der Akadamie in zwei Archivalien bezeugt, dass Friedrich
Kiel schon seit dem 1. Januar 1870 ein akademischer Lehrer war. Laut Kiels Personalakte
Kiel-HfM (1869–85, Bl. 1v) der Kgl. Hochschule für Musik wurde er 1870 zum Lehrer
der Composition der Ak[ademie] d.[er] Künste ernannt (in Rubrik Veränderungen seit der
ersten Anstellung). Und in der Todesnotiz (13.10.1885*) aus den Akten der Kgl. Akademie der Künste in Berlin wird Kiel als Lehrer der Akademie seit 1870 beschrieben.
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• (b) Die Angabe in der von dem Kielschüler Emil Breslauer herausgegebenen elften Auflage von Schuberths Musiklexikon, dass Kiel 1870 an die neu begründete Königl. Hochschule für Musik berufen wurde (SchuberthL 189111 , 277), ist irreführend, da am 16. Dezember 1869 seine Berufung erfolgte und 1870 seine Lehrtätigkeit begann.
G3 • Friedrichs Kiels Lehrfächer im Nebenfach Komposition im Zeitraum 1870–72:
NBM (1870), EchoBe (1870a), Tageblatt (1880).
• (a) In NBM (1870, 96) erschien die Bekanntmachung des am 26. April 1870 beginnenden dreijährigen und somit bis März/April andauernden Kurses der Kgl. Hochschule
für ausübende Tonkunst, bei dem Friedrich Kiel als einziger Kompositionslehrer – als
Lehrer für Contrapunkt und Composition – und Benno Härtel und Ernst Rudorff als Lehrer für Harmonielehre genannt sind. An dieser Kgl. Hochschule für ausübende Tonkunst
lernten die Schüler neben ihrem Hauptfach, das zunächst Instrumentalunterricht und später auch Gesang sein konnte, nur Grundlagen im Generalbass und Kontrapunkt laut Tageblatt (1880, o. S.): Bisher war die Hochschule ausdrücklich ‚für ausübende Tonkunst‘ bestimmt, d. h. die Schüler lernten Gesang und Instrumentalmusik, und so viel vom Generalbaß und Kontrapunkt, als sie zur musikalischen Bildung bedurften. 1870 wurde Friedrich Kiel als Lehrer des Kontrapunkts und Komposition in der Fußnote von EchoBe
(1870a, 3) und Lehrer für Contrapunkt und Composition in NBM (1870, 96) bezeichnet.
G4 • Friedrich Kiels Mitgliedschaft 1871 im Interims-Verwaltungsrat der Kgl. Hochschule für Musik in Berlin: Brief (20.9.1871*), Brief (9.11.1871), Brief (28.12.1871*),
Prieger (1884), Prieger (1906).
• (a) Kiel erteilte als Lehrer der akademischen Hochschule für ausübende Tonkunst im
letzten Quartal 1871 anstatt der vertraglich festgesetzten vier Unterrichtsstunden acht Stunden wöchentlich, was mit einem außerordentlichen Gehalt von 100 Reichstalern neben seinem vertraglich festgelegten Gehalt von 400 Reichstalern vergütet wurde. Dies geht aus
der Zahlungsanweisung des Kultusministers Heinrich von Mühler hervor, die dieser als
Abschrift seinem an Josef Joachim gerichteten Brief (28.12.1871*) beifügte.
• (a) Friedrich Kiel war am 14. April 1871 laut Josef Joachims Brief (14.4.1871) schon
für den Interims-Verwaltungsrat vorgesehen und u. a. im Oktober 1871 laut Joachims
Brief (21.10.1871) für denselben tätig; das Einrichten dieses Verwaltungsrats wurde erforderlich, da laut Anmerkung des Herausgebers in Joachim/Moser (3/1913, 72) ein direkter amtlicher Verkehr zwischen Joachim und dem Kultusminister unmöglich geworden
war. Laut Joachims Brief (14.4.1871) gehörte Kiel als Kompositionslehrer neben zwei
höhern Verwaltungsbeamten – Robert von Keudell, Vortragender Rat im Auswärtigen
Amt mit zahlreichen nebenamtlichen musikalischen Aktivitäten, und als Verwalter Gustav von Loeper, Vortragender Rat am Kgl. Hausministerium mit Kontakt zu zeitgenössischen Musikern – diesem unter dem Vorsitz Josef Joachims stehenden dreiköpfigen Interims-Verwaltungsrat, der Commission aus höhern Verwaltungsbeamten und Künstlern
zur weitern Organisirung des [Musikhochschul-]Instituts (vorläufig getrennt von der Akademie) an. Dieser Interims-Verwaltungsrat wurde circa April 1871 laut Josef Joachims
Brief (14.4.1871) vorübergehend eingerichtet und existierte bis spätestens Ende 1873,
da am 12. Januar 1874 das provisorische Statut der Kgl. Hochschule für Musik (Hochschul-StatutP 12.1.1874) veröffentlicht wurde. Josef Joachim schrieb hierzu im Brief
(9.11.1871): Ein Verwaltungsrath, wie ich ihn gewünscht (Hr. v. Keudell, v. Loeper u.
Kiel) wird eingesetzt, während mir als Direktor die Entscheidung bleibt.
Im September und November 1871 sammelte das Kultusministerium laut Friedrich Kiels
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Brief (20.9.1871*) und Josef Joachims Brief (9.11.1871) Ideen zur Erweiterung und Verbesserung der kleinen Komponistenschule, die 1833 als Kompositionsklasse der Kgl. Akademie der Künste mit 17 Schülern und drei Kompositionslehrern – Karl Friedrich Rungenhagen, August Wilhelm Bach und Georg Abraham Schneider – mit rein auf Vokalmusik ausgerichtetem Kompositionsunterricht gegründet worden war. Wie aus Friedrich
Kiels Brief (20.9.1871*) an den Kultusminister Heinrich von Mühler hervorgeht, hatte
Kiel vom Kultusminister den Auftrage erhalten, sich über die akademische Schule für
musikalische Composition in Bezug auf eine Erweiterung und Verbesserung derselben
zu äußern. Seine Vorschläge zur Umorganisation der kleinen Kompositionsschule unterbreitete Kiel in demselben Brief.
• (a) Im Jahr 1871 – bzw. präziser Ende 1871 laut Kiels Brief (20.9.1871*) – wurden laut
dem Kielschüler und -freund Erich Prieger parallel mit der Hochschule für Musik und unabhängig von derselben [drei] Kompositionsklassen bei der Akademie gegründet, wobei
Kiel zu den ersten drei ab 1872 tätigen Lehrern der zur Akademie gehörigen Abteilung A
für musikalische Komposition gehörte (Prieger 1884, 273 und ähnlich formuliert Prieger
1906, 129).
G5 • Friedrich Kiels Lehrtätigkeit im Nebenfach Komposition vermutlich bis September 1872 und sich zeitlich überschneidend im Hauptfach Komposition, d. h.
freie Komposition, ab Januar 1872: Kiels Personalakte Kiel-HfM (1869–85) der
Kgl. Hochschule für Musik, Bericht (10.1.1885*), Todesnotiz (13.10.1885*), Jahresberichte der Kgl. Hochschule für Musik in Berlin.
• (a) Laut dem Brief (25.6.1873, 112 f.) von Josef Joachim ging es in der letzten Sitzung
der Musiksektion der Kgl. Akademie der Künste um einen zu berufenden Kompositionslehrer, welcher die Schüler für den Unterricht in der freien Komposition (bei Grell, Kiel
und Taubert) vorzubereiten hat, indem er deren Kompositionsschüler in Instrumentation,
Contrapunkt, Formenlehre vorbereitet; Woldemar Bargiel bot sich an, diese Stelle ab Oktober 1873 zu übernehmen. Als Lehrer im Hauptfach Komposition, d. h. mit dem Lehrfach freie Komposition, wurde Friedrich Kiel hierbei als Lehrer der Composition in Bungert (1875, 371) und in Kiels Personalakte Kiel-HfM (1869–85, Bl. 1v) der Kgl. Hochschule für Musik bezeichnet.
• (a) Kiel war als Kompositionslehrer im Nebenfach an der Kgl. Hochschule für ausübende Tonkunst offiziell bis September 1872, dem Ende des Sommersemesters 1872, sowie –
sich zeitlich überschneidend – ab Januar 1872 an der 1871/72 von Kiel neu eingerichteten
Abteilung für musikalische Komposition der Kgl. Akademie der Künste, die ab dem 1. Oktober 1872 ihren ersten Kompositionskurs anbot, tätig.
Dies geht insbesondere aus den Angaben im Bericht (10.1.1885*) des im Kultusministerium tätigen Rechnungsrats Wilhelm Willmann hervor, laut dem Kiel seit dem 1. Januar
1870 an der Hochschule für ausübende Tonkunst wirkte und mittels Erlass vom 10. Juli
1872 ein ab dem 1. Januar 1872 zahlbares Gehalt als Lehrer der musikalischen Abteilung
der Kgl. Akademie der Künste, der Abteilung für musikalische Komposition erhielt, wobei diese Stelle gemäß dem provisorischen Hochschulstatut (Hochschul-StatutP 12.1.1874)
zum Lehrer der Abtheilung für musikalische Composition der Kgl: akademischen Hochschule für Musik umgewandelt wurde: Nachdem er durch Erlass vom 20 November
1869 – B 1941 – zum Mitglied des Senats der hiesigen Kgl: Akademie der Künste mit einer
vom 1 Januar 1870 ab zahlbaren Remuneration […] ernannt worden war, wurde ihm mittels Erlasses vom 16 Dezember 1869 – N° 34636 – die Veramtung einer Lehrerstelle bei
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der Hochschule für ausübende Tonkunst vom 1 Januar 1870 ab auf die Dauer von 2 Jahren […] übertragen. Durch Erlass vom 10 Juli 1872 – N° 10203II – wurde ihm in seiner
Eigenschaft als Lehrer der musikalischen Abtheilung der Kgl: Akademie der Künste hierselbst an Stelle des eben gedachten Honorars eine vom 1 Januar 1872 ab zahlbare Besoldung […] bewilligt, welche im Etat der Akademie pro 1872 unter Titel IV pos. 22 der
Ausgabe ausgebracht steht. […] Durch [provisorisches] Statut vom 12 Januar 1874 wurde die eben gedachte Stelle in diejenige eines Lehrers der Abtheilung für musikalische
Composition der Kgl: akademischen Hochschule für Musik umgewandelt.
Dies deckt sich auch mit den Hochschulankündigungen in AmZ (1872b) und AmZ
(1872d). Friedrich Kiel war noch am 1. Mai 1872, als die Kursankündigung der Musikhochschule in AmZ (1872b, 293) erschien, als (einziger) Kompositionslehrer an der von
Joachim geleiteten Abtheilung für ausübende Tonkunst der Königlichen Hochschule für
Musik zu Berlin tätig: […] unter Professor J. Joachim’s Leitung stehende Abtheilung für
ausübende Tonkunst der Königlichen Hochschule für Musik […]. An der Anstalt sind als
Lehrer gegenwärtig thätig die Herren […] [Benno] Härtel für Harmonielehre; Professor
Kiel für Contrapunkt und Composition (AmZ 1872b, 293). Und schon zwei Monate später im Juli 1872, als die Abtheilung für ausübende Tonkunst der Königlichen Hochschule
für Musik zu Berlin als Kursankündigung ihr ausführliches Programm zum Beginn des
nächsten Semesters (1. Oct. d. J.) laut AmZ (1872d, 547) veröffentlichte, ist Kiel ausschließlich als Lehrer der Abteilung für musikalische Komposition genannt: Abtheilung
für ausübende Tonkunst […] Theorie: Benno Haertel [ohne Kiel]. [neuer Absatz:] Diejenigen Schüler, welche sich in der Composition weiter ausbilden wollen, können nach voraufgegangener Prüfung auch in die Abtheilung für musikalische Composition eintreten
und haben dann die Freiheit, sich einem der Herren Professoren Grell, Professor Friedrich
Kiel und Oberhofkapellmeister Taubert anzuschliessen (AmZ 1872d, 548 und AmZ 1872e,
567 f.). Da man davon ausgehen kann, dass Kiels Wechsel in die neu eingerichtete Kompositionsabteilung nicht während eines Semesters erfolgte, beendete er vermutlich seinen
Nebenfach-Lehrtätigkeit an der Abteilung für ausübende Tonkunst mit dem Sommersemester 1872, das im September 1872 endete (Semesterbeginn 1. April und 1. Oktober
1872 z. B. laut AmZ (1872d, 547 und 1872e, 567 f.).
Dies entspricht der Angabe 1872 Musikalische Abteilung [= Abteilung für musikalische
Komposition] der Kgl: Akademie der Künste mit Kiels Stellenbeginn im Januar 1872 laut
dem Bericht (10.1.1885*) des am Kultusministerium tätigen Rechnungsrats Wilhelm Willmann; diese von Kiel ab 1872 geleitete Abteilung für musikalische Komposition bestand
neben der in AmZ (1872d, 548) erwähnten, von Joachim geleiteten Abteilung für ausübende Tonkunst; sie ist in HHS (1873, 144) mit Redaktionsschluss vom März 1873 als
Königl. Hochschule für Musik in Berlin (Abthl. der Akad. der Künste für ausübende Tonkunst) mit einer von Josef Joachim geleiteten Instrumentalklasse und einer von Adolf
Schulze geleiteten Gesangsklasse, die im April 1872 neu eingerichtet worden war, beschrieben. Dies entspricht auch weiteren Angaben in den preußischen Staatshandbüchern
HHS, laut denen Kiel z. B. in HHS (1873, 141) mit Redaktionsschluss von März 1873 als
akademischer Lehrer der Musicalischen Section der Königlichen Akademie der Künste in
Berlin verzeichnet ist. In HHS (1876, 148) wird weiter ausgeführt, dass gemäß dem provisorischen Statut der Kgl. Hochschule für Musik (Hochschul-StatutP 12.1.1874) Kiel,
Grell, Taubert und Bargiel seit 1874 als akademische Kompositionslehrer an der Abteilung A für musikalische Komposition wirkten.
546
G6 • Verleihung des Rote-Adler-Ordens IV. Klasse an Friedrich Kiel 1872 in Berlin
und Verleihungsanlass: Bekanntmachung (21.1.1872*), Prov-Correspondenz (1872),
NBM (1872a), Verleihungsbuch-Berlin (1872); für Verleihungsanlass Hoeftmann
(1868).
• (a) Laut Bekanntmachung (21.1.1872*, 399) wurde Kiel der preußische Rote-Adler-Orden IV. Klasse beim Krönungs- und Ordensfest am Sonntag, den 21. Januar 1872 vom
Kaiser und König Wilhelm I. im Kgl. Schloss zu Berlin verliehen. Er erhielt seine Ordensdekoration von der General-Ordenskommission im Auftrag des Kaisers und Königs
und wurde anschließend im Rittersaal vom Präses der General-Ordenskommission, Adolf
von Bonin, der Kgl. Familie als neu ernannter Ordensinhaber vorgestellt. Bestätigt wird
dies in Prov-Correspondenz (1872, [4]): Das Krönungs- und Ordensfest wurde wie gewöhnlich an dem auf dem 18. folgenden Sonntage, 21. Januar, in der hergebrachten
Weise begangen. Se. Majestät der Kaiser und König konnten jedoch wegen eines leichten
Unwohlseins nur der Vorstellung der neuen Ritter, nicht dem weiteren Verlaufe des Festes beiwohnen.
Generell war die Verleihung der preußischen Orden dem preußischen König als Ehrenrecht vorbehalten, während die dem Präsidium des Staatsministeriums unterstellte Generalordenskommission für die Verwaltung der Ordens-Angelegenheiten zuständig war. Deren Aufgabengebiet umfasste u. a. die Organisation und Leitung des jährlichen Krönungsund Ordensfestes am 18. Januar, die Berichterstattung an den König und u. a. für den RoteAdler-Orden die gesamte verwaltungstechnische Bearbeitung der Ordensverleihungen.
Hierzu gehörte das Ausstellen von Patenten und Besitzzeugnissen für die Verleihungsvorschläge der Kabinette, Fachminister etc. zur Vollziehung durch den König, das Anfertigen und Versenden der Orden, das Führen von Matrikeln und Listen in- und ausländischer Orden und zudem die Veröffentlichung periodischer Ordenslisten.
• (a) Der Verleihungsmonat Januar 1872 wird in NBM (1872a, 29) vom 24. Januar 1872
bestätigt: Die Herren […] und Professor F. Kiel haben bei Anlass des Krönungs- und Ordensfestes den rothen Adler-Orden 4ter Klasse […] verliehen erhalten. Das Verleihungsjahr 1872 ist ebenfalls in dem Verleihungsbuch-Berlin (1872, 17), in AmZ (1872a, 230),
AKH (1872, 133) und HHS (1873, 141) belegt. In der Rubrik „Rother Adler=Orden.
Vierte Klasse.“ des im Zeitraum 1. Januar bis 31. Dezember 1872 verfassten V. Nachtrags
zur Königlich preußischen Ordensliste 1868, dem veröffentlichten Verleihungsbuch-Berlin
(1872, 17), steht der Namenseintrag Kiel, Professor und Mitglied des Senats der Akademie der Künste zu Berlin. In AmZ (1872a, 230) wird das Verleihungsdatum 21. Januar
1872, an dem das Krönungs- und Ordensfest stattfand, implizit bestätigt: Beim diesjährigen Ordensfeste in Berlin sind decorirt worden: […] und Fr. Kiel, Professor und Mitglied
des Senats der Akademie der Künste, mit dem rothen Adlerorden vierter Klasse. Und in den
Adress- bzw. Staatshandbüchern ist der Rote-Adler-Orden bei Kiels Namenseintrag ab
1872, beginnend mit AKH (1872, 133) und HHS (1873, 141), angegeben; HHS (1872) ist
nicht erschienen.
• (a) Die Zuerkennung erfolgte vermutlich im Jahr 1871, da die Zuerkennung der Zivilorden, zu denen der Rote-Adler-Orden gehörte, durch den preußischen König in der Regel laut Schneider (1870, o. S.) im Verlauf des Vorjahres geschah.
• (a/b) In der Todesnotiz (13.10.1885*), die in den Akten der Kgl. Akademie der Künste
in Berlin enthalten ist, wird Kiel als Ritter des roten Adler-Ordens 4. Kl.[asse] ohne Jahresangabe bezeichnet. Das inkorrekte Jahr 1870 wird in Kiels Personalakte Kiel-HfM
(1869–85, Bl. 2r) der Kgl. Hochschule für Musik genannt: 1870 Rother Adlerorden 4ter
Classe (in Rubrik Preußische Orden).
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• (a) Anlass für Friedrich Kiels Ordensverleihung 1872:
Den Roten-Adler-Orden IV. Klasse, der zu den Allgemeinen Verdienstorden zählte und
ohne Schwerter als eine Auszeichnung im Frieden galt, gab es laut Hoeftmann (1868, 28)
seit dem 18. Januar 1830 für ein allgemeinen Verdienst um den Staat. Weder konkrete
Hinweise auf die Verleihungsbegründung noch das Verleihungsdatum finden sich – laut
freundlicher Mitteilung von Thomas Breitfeld, Archivar im Geheimen Staatsarchiv in
Berlin, vom 13.9.2011 – in der internen Archivdatenbank und dem einschlägigen Aktenband „Ordensverleihungen (1872)“ von D-Bga sowie auf der Ebene der Findmittel des
Geheimen Staatsarchivs zu folgenden drei hauptsächlich infrage kommenden (Teil-)Beständen in D-Bga: „Brandenburg-Preußisches Hausarchiv, Rep. 51 König (Kaiser) Wilhelm I. W (Töchter)“, „I. HA Rep. 89 Geheimes Zivilkabinett“, „I. HA Rep. 90 A Staatsministerium, jüngere Registratur“ und „I. HA Rep. 168 Generalordenskommission“. Hierbei sind weiterführende Informationen oder Querverweise bei tiefergehender Recherche
prinzipiell nicht ausgeschlossen.
G7 • Verleihung des Ernestinischen Hausordens an Friedrich Kiel 1876 in Altenburg
und Verleihungsanlass: Diplom (19.6.1876a*) für Kiel, Ordensmatrikel (19.6.1876*),
Brief (21.6.1876*) an Kiel, Brief (1.7.1867*) und Gesuch (18.7.1876*) von Kiel,
Kiels Personalakte Kiel-HfM (1869–85) der Kgl. Hochschule für Musik; für Verleihungsanlass Kipke (1876).
• (a) Aus dem Verleihungsdiplom für das ausländische Ordensmitglied Friedrich Kiel
(Verleihung des Ritterkreuzes zweiter Klasse des Herzoglich-Sächsisch-Ernestinischen
Hausordens / Sachsen-Altenburg) sowie dessen Beglaubigung geht Montag, der 19. Juni
1876 hervor. Das Datum 19. Juni 1876 für Kiels Ordensverleihung entstammt dem Diplom (19.6.1876a*), das die als Entwurf überlieferte Verleihungsurkunde Kiels darstellt,
sowie dem handschriftlichen Verleihungsbuch-Altenburg (1876, Bl. 144 RS). Die Zusendung des Originals von Kiels Diplom (19.6.1876a*) an Professor Fr. Kiel ist auf der Rectoseite im Diplom (19.6.1876b*), der Verleihungsurkunde für Christian Friedrich Kahnt,
unten links vermerkt. Laut der Ordensmatrikel (19.6.1876*) wurde das Ordens=Diplom
Kiels am 19. Juni 1876 mit Civil-Eigenschaft, d. h. als Auszeichnung für seine zivile,
d. h. nicht-militärischen Leistungen ausgestellt, wobei die Ausgabe der Decore in Altenburg erfolgte. Auch das Datum der Beglaub.[igung] des Diploms, das für das zu den Ausländern zählende Ordensmitglied Friedrich Kiel ausgestellt wurde, war laut Verleihungsbuch-Altenburg (1876, Bl. 144 RS) der 19. Juni [1876].
Im Brief (21.6.1876*) teilte der in Altenburg amtierende herzogliche Staatsminister Friedrich von Gerstenbergk dem Komponisten Kiel die Verleihung des Ritterkreuzes II. Classe
des Herzoglich Sachsen Ernestinischen Hausordens durch Herzog Ernst I. zu Sachsen-Altenburg mit und sandte ihm als Anlage das Verleihungs-Diplom nebst den Insignien des
verliehenen Ordens und einem Exemplare der Ordens=Statuten zu. Friedrich Kiel bedankte sich für die Verleihung in seinem an Herzog Ernst I. zu Sachsen-Altenburg gerichteten Brief (1.7.1876*) und schrieb ein Gesuch (18.7.1876*) an Kultusminister Adalbert Falk, um bei Kaiser Wilhelm I. die Genehmigung zur Anlegung dieses Ordens zu erwirken.
• (a) Bestätigt wird der Verleihungsmonat Juni 1876 als Vormonat der am 14. Juli 1876
veröffentlichten Bekanntmachung in ADM (1876, 231): Prf. Fr. Kiel erhielt vom Herzog
[Ernst I.] von Sachsen Altenburg den Herzogl. Sachsen Ernestinischen Orden. Neben der
NZfM (1876, 319) vom 3. August 1876 wird das Verleihungsjahr 1876 auch in Kiels Personalakte Kiel-HfM (1869–85, Bl. 2r) der Kgl. Hochschule für Musik erwähnt: 1876 Er-
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nestinischer Hausorden dessen Ritterkreuz II. Cl.[asse] (Sr. H.[oheit] Herzog v. Altenburg)
(in Rubrik Bezeichnung eben verliehener auswärtiger Orden). In der Todesnotiz (13.10.1885*),
die in den Akten der Kgl. Akademie der Künste in Berlin enthalten ist, wird Kiel als Ritter des Sachsen=Ernest. Hausordens 2 Kl. ohne Jahresangabe bezeichnet.
• (b) Die Verleihung fand am 19. Juni 1876 statt und lediglich das Mitteilungsschreiben
wurde am 21. Juni 1876 aufgesetzt, womit die Angabe in Pfeil (1997, 11), dass die Verleihung am 21. Juni 1876 stattfand, überholt ist.
• (a) Anlass für Friedrich Kiels Ordensverleihung 1876:
Die Verleihung des Diploms (19.6.1876a) geschah in Anerkennung von Kiels bei der Altenburger Tonkünstler-Versammlung kundgegebenen vorzüglichen künstlerischen Leistungen. Sein Oratorium Christus op. 60 erklang am 28. Mai 1876 in der Brüderkirche von
Altenburg mit dem Riedel’schen Gesangverein unter der Leitung von Karl Riedel, dem
2. Konzert der 13. Tonkünstlerversammlung des Allgemeinen Deutschen Musikvereins
ADMV (Altenburg 28. – 31. Mai 1876). Das Orchester dieses Konzertes war aus der Herzoglichen Hofkapelle Altenburg und mehreren Altenburger Militärmusikern zusammengesetzt. Bei dieser Aufführung, bei der Friedrich Kiel laut Kipke (1876, 308) anwesend
war, wurde der Komponist laut AltenburgerZ (1876, o. S.) am Schlusse des Concerts von
vielen Seiten beglückwünscht.
G8 • Friedrich Kiels Ernennung zum Ehrenmitglied der „Società del Quartetto di Milano“ 1877: ADM (1877b).
• (a) In einem Zeitungsartikel vom 11. Juni 1877, in ADM (1877b, 192), wird Kiels Ernennung zum Ehrenmitglied der „Società del Quartetto di Milano“ bekannt gegeben: Friedrich Kiel ist zum Ehrenmitgliede der Società del Quartettò corate zu Mailand ernannt
worden. Das Ziel dieses Mailänder Tonkünstlervereins, der 1864 u. a. von Arrigo Boito
und Tito Ricordi gegründet worden war und noch heute besteht, war, Kammermusik mithilfe von Aufführungen durch renommierte Interpreten zu fördern und in Italien zu verbreiten. Schon seit 1864 bis 1988 (SocietàQ 1988, 24) und noch bis heute sieht die Società del Quartetto di Milano ihre Aufgabe hauptsächlich darin, die stumme Kommunikation
zwischen zwei verschiedenen Musikwelten, derjenigen von Komponisten plus Interpreten
und derjenigen von Zuhörern, zu verbessern. Damit hält sie sich weiterhin an die Worte
ihres Gründers Tito Ricordi, der für die noch zu gründende, in Mailand angesiedelte
Musikakademie namens „Società del Quartetto“ in seinem Manifest vom 1. September
1863 ihr Ziel, to encourage lovers of good music with public experiment, festschrieb.
Entsprechend diesem Musikakademiegedanken fanden die Konzerte der Società del
Quartetto di Milano im Zeitraum 1964/65 bis 1987/88 laut SocietàQ (1988, 27) im großen
Saal des Conservatorio di Musica „Giuseppe Verdi“ statt.
Im Zeitraum 1864–1964 wurde laut Storico-Statistici (1892, 58+47) und Confalonieri (1964,
29) nur ein Werk Friedrich Kiels in einem öffentlichen oder privaten Konzert der Società
del Quartetto di Milano aufgeführt: die verschollene Danza russa für Cello von Federico
Kiel beim 65. Vereinskonzert am 10. Juni 1881. Erstaunlicherweise fand dieses Konzert
erst vier Jahre nach Kiels Ernennung zum Ehrenmitglied statt. Und mit Stand vom 30. April
1892, d. h. sieben Jahre nach Kiels Tod, befand sich laut Storico-Statistici (1892, 35–42)
keine Notenausgabe Kiels im Archiv der Società del Quartetto di Milano.
Der Großteil des Historischen Archivs der heute noch konzertierenden „Società del Quartetto di Milano“, in dem sich auch die Jahresberichte über die Wahl von Ehrenmitgliedern
befand, ging während des Zweiten Weltkriegs verloren. Für den relevanten Zeitraum 1875–85
sind die in Mailand veröffentlichten Jahresberichte mit jeweils aktueller Mitgliederliste Elen-
549
co dei soci, das Periodikum „Societá del Quartetto di Milano: Elenco dei soci al [Datum]“, nicht nachweisbar.825 Zudem ist Kiels Ernennung zum Ehrenmitglied nicht in der
Gazzetta musicale di Milano (= GmM) erwähnt, weder im 32. Jg. (1877) bis Nr. 26
(1.7.1877) noch laut dem Retrospective Index to Music Periodicals RIPM in der gesamten
Existenzspanne 1842–1902 der GmM. Auch im Archivio di stato di Milano (I-Mas) konnten laut freundlicher Mitteilung von Maria Barbara Bertini, Direktorin des Staatsarchivs
in Milano, vom 22.11.2011 weder bezüglich Kiel noch der Società del Quartetto di Milano
Informationen bzw. Materialien ermittelt werden.
G9 • Anlass für Friedrich Kiels Ernennung zum Ehrenmitglied der „Società del Quartetto di Milano“: Mendel/ReissmannL (6/1876), Storico-Statistici (1892).
• (a/b) Friedrich Kiel, der circa 1869–70 dem Italiener Eugenio di Pirani privat Kompositionsunterricht erteilt hatte, genoss ab den 1860er-Jahren einen international guten Ruf als
Komponist und Kompositionslehrer. Seine Ernennung zum Ehrenmitglied der „Società
del Quartetto di Milano“, einem aufgrund besonderer Verdienste auf Vorschlag von Delegationen in der Hauptversammlung des Vereins ernannten illustren Honoratior laut Statut
Kapitel 1 § 1 in Storico-Statistici (1892, 18), verdankte Kiel seiner internationalen Bekanntheit als Komponist. Ausschlaggebend waren vermutlich zwei seiner im In- und Ausland aufsehenerregenden Kompositionen: das 1867 veröffentlichte Klavierquartett
a-Moll op. 43, das europaweit häufig aufgeführt wurde, und das 1873 publizierte Oratorium
Christus op. 60, dessen im Zeitraum 1874–77 stattfindenden Berliner Aufführungen in italienischen Musikzeitungen rezensiert wurden und dessen Schweizer Erstaufführung am
30. März in Zürich sogleich eine Konzertwiederholung am 1. April 1877 erfuhr. Kiels
grossartiges Klavierquartett a-Moll op. 43, das besonders von seinen bedeutenden Kammermusikwerken […] weit und breit Aufsehen erregte, zählte z. B. laut Mendel/ReissmannL (6/1876, 43) international zu dessen beliebtesten Klavierkammermusikwerken in
Sonatenform: Es erklang in mindestens acht Ländern – mit über 60 belegten Aufführungen innerhalb der ersten zwei Jahrzehnten nach dem Erstdruck – außerordentlich häufig
in Konzerten. Zudem erschienen ab einem Jahr nach Kiels Ernennung zum Ehrenmitglied
drei seiner Kammer- bzw. Klavierwerke auch in Italien im Nachdruck, und zwar überwiegend in Mailand, dem Sitz der „Società del Quartetto di Milano“: circa 1878 seine Sei
pezzi für Klavier op. 72, circa 1881 seine Petite Suite für Violine mit Klavier op. 77, circa
1882–83 mehrere Bearbeitungen von dieser Suite op. 77 und circa 1884–86 sein Andante
für Klavier E-Dur op. 79/6.
Und die ersten vier, 1874–77 in Berlin stattfindenden Aufführungen von Kiels Oratorium
Christus op. 60 erregten in Italien ein so großes Interesse, dass man über sie in italienischen Musikzeitungen berichtete. Die Ankündigung der bevorstehenden Uraufführung des
Oratoriums am 4. April 1874 wurde sogar schon ein Jahr zuvor und damit vor dessen Erstdruck im Herbst / Ende 1873, wie z. B. am 23. März 1873 in der Gazzetta musicale di
Milano (= GmM), publiziert. Die zwei Berliner Aufführungen vom März/April 1877 fanden hierbei vermutlich kurz vor Kiels Ernennung zum Ehrenmitglied im Jahr 1877 statt.
Dies geht aus drei in GmM erschienenen Zeitungsartikeln über Kiels Oratorium Christus
op. 60 hervor:
1) aus Miedtner (1873, 98 f.) als Berliner Korrespondenz vom 8. März 1873 über die Einstudierung seines Oratoriums Christus op. 60 durch Julius Stern für die geplante Urauf825 Im einzigen derzeit weltweit nachweisbaren Jahrgang vom Mai 1917 (I-Mc MISC. / 223.12: […] soci al 21 maggio
1917) ist Friedrich Kiel als Ehrenmitglied nicht mehr verzeichnet, da die Ehrenmitgliedschaft üblicherweise mit dem
Tod endete. Entsprechend ist 1892 in Storico-Statistici (1892, 9–17) unter den Ehrenmitgliedern der Quartettleiter und
Violinist Josef Joachim, aber nicht mehr der Kammermusikkomponist Friedrich Kiel aufgelistet.
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führung am 4. April 1874 in Berlin;
2) aus Roeder (1874, 147–149) als Leitartikel vom 10. Mai 1874 über die Uraufführung
am 4. April 1874 und die zweite Aufführung am 15. April 1874 seines Oratoriums Christus op. 60 jeweils in Berlin, die mit Julius Stockhausen als Christus von Robert Radecke –
in Vertretung für Julius Stern – geleitet wurden, sowie über dessen musikhistorische Einordnung;
3) aus Pirani (1877, 135) des italienischen Rezensenten Eugenio Pirani, der 1869–70 privat bei Kiel Komposition studiert hatte, mit Berliner Korrespondenz vom 11. April 1877
über zwei von Ludwig Deppe geleitete Aufführungen seines Oratoriums Christus op. 60,
die am 17. März 1877 und innerhalb des Zeitraums 18. März bis 11. April 1877 in Berlin
stattfanden.
H1 • Friedrich Kiels Ernennung 1878 zum korrespondierenden Mitglied des 1862 gegründeten Pariser Tonkünstlervereins „Société des Compositeurs de Musique“:
KlaL (1878c), ADM (1878a), Société-Rapport (1879).
• (a) Die Ernennung Kiels erfolgte im Jahr 1878 spätestens im Juli 1878, wie aus folgenden drei Primärquellen hervorgeht:
– KlaL (1878c, 181) vom 1. August 1878: Berlin. Die Gesellschaft der Komponisten in
Paris (La Société des compositeurs de Musique) hat den Komponisten des „Christus“
Herrn Friedrich Kiel, zu ihrem korrespondirenden Mitgliede ernannt.
– ADM (1878a, 271) vom 9. August 1878: Friedrich Kiel wurde zum korrespondierenden Mitglied der „Société des compositeurs de musique“ in Paris ernannt.
– Laut Société-Rapport (1879, 28) mit Stand vom 8. Mai 1879 gehörte Friedrich Kiel zu
37 korrespondierenden Mitgliedern, d. h. zur europäischen künstlerischen Elite zählenden
ausländischen Komponisten (= compositeurs étrangers choisis parmi l’élite des artistes
européens), des Pariser Tonkünstlervereins „Société des Compositeurs de Musique“, unter denen sich fünf korrespondierende Mitglieder aus Deutschland und Österreich befanden: Enfin, une compagnie importante comme la nôtre ne pouvant s'isoler du reste du
monde musical, nous avions projeté depuis longtemps, conformément à l’esprit de nos Statuts, de rendre un hommage mérité, en leur conférant le titre de membres correspondants,
á un certain nombre de compositeurs étrangers choisis parmi; mettant ce projet à exécution, nous avons en effet accordé ce titre de membre correspondant aux artistes dont
voici les noms: […] Frédéric Kiel […].
H2 • Verleihung des Ritterkreuzes des Albrechtordens an Friedrich Kiel 1879 in Dresden und Verleihungsanlass: Verleihungsbuch-Dresden (1867–1912*, Nr. 957*), Todesnotiz (13.10.1885*).
• (a) Laut Rubrik Tag der Verleihung des Abschnitts Ritter erster Classe im handschriftlichen Verleihungsbuch-Dresden (1867–1912, Nr. 957*) wurde Kiel am Mittwoch, den 29. Januar 1879 das Ritterkreuz 1. Klasse (Ausländer) des Albrechtsordens verliehen. Den Orden,
die Ordensstatuten und die originale Verleihungsurkunde, die z. B. als Entwurf im Bestand Ordenskanzlei von D-Dla nicht überliefert ist, erhielt der jeweilige Ordensempfänger, d. h. in diesem Fall Friedrich Kiel; der Verbleib von Kiels originaler Verleihungsurkunde ist unbekannt.
• (b) In Kiels Personalakte Kiel-HfM (1869–85, Bl. 2r) der Kgl. Hochschule für Musik ist
das Verleihungsjahr sowie die Ritterkreuzklasse inkorrekt bezeichnet: 1878 [recte: 1879]
Ritterkreuz II [recte: I.] Cl.[asse] des Albrechtsordens (Sr. Maj. des Königs v. Sachsen)
(in Rubrik Bezeichnung eben verliehener auswärtiger Orden). Kiels Ritterkreuzklasse ist
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auch in der Todesnotiz (13.10.1885*) zu Kiel, die in den Akten der Kgl. Akademie der
Künste in Berlin enthalten ist, unzutreffend angegeben: Kiel als Ritter des Sächsischen
Albrechts[-]Ordens 2. [recte: 1.] Klasse ohne Jahresangabe.
• (a) Anlass für Friedrich Kiels Ordensverleihung 1879:
Beim Kieleintrag ist im handschriftlichen Verleihungsbuch-Dresden (1867–1912, Nr. 957*)
als Motiv der Verleihung explizit die Anerkennung der sich auf dem Gebiete der Kammermusik erworbenen Verdienste angegeben. König Friedrich August II. von Sachsen hatte
am 31. Dezember 1850 den Albrechtsorden in Anerkennung von Verdiensten in Staat, Wissenschaft und Kunst gestiftet.
Das prinzipielle Interesse des Königlichen Hauses von Sachsen an Kiels Kompositionen
geht auch aus der Aufführung seines Oratoriums Christus op. 60 am 23. Juni 1878 in Görlitz, beim 1. Festkonzert des 3. Schlesischen Musikfests unter Leitung von Ludwig Deppe
hervor. Unter den Zuhörern weilte König Albert von Sachsen, der laut KlaL (1878b, 172)
dem Komponisten persönlich seine Anerkennung aussprach: Die Wirkung des Christus
war eine so gewaltige, dass das Publikum, welches gewohnt ist, bei kirchlicher Musik sich
aller Beifallsäusserungen zu enthalten, nach Schluss des zweiten Theiles […] stürmisch
nach dem Komponisten rief, der bescheiden unter die Zuhörer gemischt, der Aufführung
beiwohnte. Von Neuem erbrauste der Beifall, als ihm Fräulein Schmidtlein aus Berlin,
die als Solistin die Altpartien sang, einen Lorbeerkranz aufsetzte. Unmittelbar darauf verliess der König von Sachsen seine Loge und stieg in den Zuhörerraum hinunter, um dem
Komponisten wie dem Dirigenten seine Anerkennung persönlich auszudrücken. Auch
Kammersänger Hr. Betz, der die Parthie des Christus sang, erhielt am Schlusse seines
Gesanges Zeichen des Beifalls, wie denn sein Vortrag allgemeine Begeisterung erregte.
Bei der Aufführung des Christus war der Zuhörerkreis gefüllt, auch die Generalprobe hatte
ein zahlreiches Publikum herbeigezogen. Auf den Wunsch des Königs waren Musikdirector [Ludwig] Deppe und Prof. Fr. Kiel am Sonntag Abend [23. Juni 1878] zur Soirée bei
dem Landeshauptmann [Otto Theodor] von Seydewitz im Ständehause [Görlitz] zugezogen. Nach dem grossen Zapfenstreiche wurde dem Könige von den Musikkapellen des
19. Infanterie-Regiments und des 5. Jägerbattaillons noch eine einstündige Serenade gebracht, bei der eine Anzahl von Soldaten mit Fackeln leuchteten.
H3 • Friedrich Kiels Nebentätigkeit als zweites Kuratoriumsmitglied der Felix-Mendelssohn-Bartholdy-Stiftung 1879–85 und Kielschüler als Stipendiaten: Stipendien-Statut (20.2.1878), Erlass (28.1.1879*), Elvers (2001), Elvers (2003).
• (a) Friedrich Kiels Ernennung zum Mitglied des Curatoriums für die Verwaltung der
Felix Mendelssohn-Bartholdy=Stipendien, dem Kuratoriums der Felix-Mendelssohn-Bartholdy-Stiftung, geht für die erste dreijährige, im Januar 1879 beginnende Amtsperiode
1879–81 aus dem Erlass (28.1.1879*) des preußischen Kultusministers Adalbert Falk an
Kiel, der zugleich seine Ernennungsurkunde darstellte, hervor. Laut Elvers (2001, 15+17
und 2003, 349) war Friedrich Kiel weiterhin Zweites Mitglied des Kuratoriums der FelixMendelssohn-Bartholdy-Stiftung in der zweiten Amtsperiode 1882–84 sowie bis spätestens März 1885 zu Beginn der dritten Amtsperiode 1885–87, da er seit spätestens April
1885H8 bettlägerig war.
• (a) Das Statut für die Verwaltung der Stipendien (Stipendien-Statut 20.2.1878) wurde
vom preußischen Kultusminister Adalbert Falk unterzeichnet. Der jährlich stattfindende
Wettbewerb dieser Stiftung stellte den Ausgleich für die Übergabe der Musikhandschriften aus dem Nachlass Mendelssohns an die Königliche Bibliothek zu Berlin dar.
Unter den in Elvers (2001, 15–20 und 2003, 350) aufgelisteten Stipendiaten konnten
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13 Kompositionsschüler Kiels identifiziert werden, von denen zehn im Fach Komposition
und drei in den Instrumentalfächern Violine, Klavier bzw. Orgel eine Auszeichnung in
Form eines Stipendiums, einer finanziellen Zuwendung oder einer ehrenvollen Erwähnung erhielten: im Fach Komposition Ernst Seyffardt zweimal 1879 und 1883, Karl Wolf
1880, Fritz Kauffmann 1881, Alexander Adam zweimal 1881 und 1883, Arnold Mendelssohn 1882, Karl Friedrich Schmeidler zweimal 1882 und 1884, Max Puchat 1884,
Waldemar Baußnern 1887, Eduard Behm dreimal 1888, 1889 und 1891, Friedrich Ernst
Koch 1890, außerdem im Fach Violine Josef Kotek 1879, im Fach Klavier Bernhard Stavenhagen 1881 und im Fach Orgel Martin Gebhardt 1882. In diesen Listen wurden irrtümlich die Nachnamen von Ernst Seyffardt 1883 als Ernst Seyffarth, von Fritz Kauffmann 1881 als Fritz Kaufmann sowie von Karl Friedrich Schmeidler 1882 als Karl Schneider bzw. 1884 als Carl Schneidler angegeben.
H4 • Friedrich Kiel als Kandidat für die Übernahme des Leipziger Thomaskantorats
1879/80: Brief (Mai 1879), Brief (12.1.1880), Brief (15.1.1880), Sitzungsprotokoll
(19.1.1880).
• (a) 1879/80: Nach dem im April 1879 verstorbenen, 1868–79 langjährig wirkenden Thomaskantor Ernst Friedrich Richter (24.10.1808 Großschönau an der Lausitz – 9.4.1879
Leipzig) kam es zu einem ungewöhnlich langen Wahlprozedere, das ein Jahr von April
1879 bis April 1880 andauerte; ab 7. Mai 1880 war Wilhelm Rust der neue Thomaskantor
in Leipzig. Laut Altner (2007, 54) hatte derzeit das Thomaskantorenamt eine große Bedeutung, das dabei vordringlich noch immer ein Schulamt mit allerdings weit über die
Schule hinausweisender musikalischer Bedeutung war.
Friedrich Kiel wurde im Brief (Mai 1879) von dem Leipziger Verlagsleiter Raimund Härtel als tüchtiger Contrapunktist und im Brief (12.1.1880) von dem Berliner Verlagsleiter
Fritz Simrock als Musikgelehrter und Contrapunktist Autorität ersten Ranges für das
Thomaskantorenamt empfohlen. Raimund Härtel, Leipziger Stadtältester sowie Verlagsleiter von Breitkopf & Härtel in Leipzig, bot Kiel im Brief (Mai 1879) das Thomaskantorat an, das laut Sitzungsprotokoll (19.1.1880) mit 3.459,– Mark plus 538,– Mark Nebeneinkünften dotiert war: Es war schon seit langen Jahren Brauch, diese Stelle einem tüchtigen Contrapunktisten zu verleihen, durch sie, die fast eine Sinecure zu nennen, der Stadt
eine neue tüchtige musikalische Kraft zuzuführen. […] so haben sich […] Vieler Blicke
auf Sie gerichtet, und würden gern […] für Sie eintreten. Der Verbleib von Kiels Antwortschreiben ist derzeit unbekannt. Auch Fritz Simrock in Berlin, der bis 1871 Kiels
früherer Hauptverleger gewesen war, empfahl dem Leipziger Oberbürgermeister Otto Robert Georgi im Brief (12.1.1880) den Komponisten Kiel in Berlin als Thomaskantor an
zweiter Stelle neben Johannes Brahms in Wien: Ich glaube indeß zu der Annahme Grund
zu haben, daß Bs [= Brahms] die ge.[nannte] Stellung in L.[eipzig] nicht annehmen würde. […] „mündlich“ würde ich übrigens noch Kiel empfehlen – ich kann es aber auch
schriftlich thun. Im Brief (15.1.1880) teilte Fritz Simrock diesem dann allerdings die weiterbestehende Ablehnung Friedrich Kiels mit: Ich glaube allerdings nunmehr nicht mehr,
daß Kiel annehmen würde; – er ist wol auch nicht mehr jung genug um, aus dem trockenen märkischen Sande verpflanzt, in der fetten Erde Sachsens lebenbringende Wurzel faßen zu können. Auch dieses ablehnende Antwortschreiben Kiels, dessen Existenz aus dem
Sitzungsprotokoll (19.1.1880) hervorgeht, gilt als verschollen.
Das Sitzungsprotokoll (19.1.1880) gibt eine Zusammenfassung des Wahlgeschehens
wider: […] habe sich um die Stelle schriftlich neun Personen beworben, [… / als Nr. 2:]
Musikdirector Dr. Wilhelm Rust, Organist an der Thomaskirche hier, [… / außerdem vier
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Personen als Nr. 10–13], die nicht selbst Gesuche eingereicht, sich aber Dritten gegenüber dahin ausgesprochen haben, daß sie eventuell nicht abgeneigt sein würden, einem
an sie ergehenden Rufe Folge zu leisten. [neuer Absatz:] Bemühungen, einen der Männer
zu gewinnen, die nach dem allgemeinen Urtheil an erster Stelle berufen scheinen, die
Erbschaft der großen Thomasschul-Cantoren anzutreten; in diesen Bemühungen liegt zugleich der Grund der Verzögerung. [neuer Absatz:] Zuerst richteten sich die Gedanken
auf Johannes Brahms in Wien, den Schöpfer des „deutschen Requiems“. Derselbe lehnte
aber auf eine Anfrage des Herrn Oberbürgermeister Dr. Georgi in dem beiliegenden
Briefe vom Mai 1879 (fol. 8) ab und es ist später, nachdem sich inzwischen der Zweifel
geltend gemacht hatte, ob er sich nicht doch zum Kommen entschließen werde, von seinem Freunde Simrock in dem ebenfalls beiliegenden Briefe vom 12. Januar d. J. [1880],
Bl. 10. diese Ablehnung mit aller Entschiedenheit wiederholt worden. An zweiter Stelle
kam Professor Friedrich Kiel in Berlin in Frage, als Musikgelehrter und Contrapunktist
Autorität ersten Ranges. Die bezügliche Correspondenz ist von Herrn Stadtältesten Raimund Härtel geführt worden und hat ebenfalls mit der in Abschrift zu den Akten gelangten ablehnenden Erklärung Friedrich Kiels’s [!] geendet. Vgl. Bl. 18. […].
• (a/b) 1868: Die in mehreren Zeitungen veröffentlichte Nachricht, dass sich Friedrich
Kiel selbst im ersten Quartal 1868 um die Stelle als Nachfolger von Moritz Hauptmann
(13.10.1792 Dresden – 3.1.1868 Leipzig), beworben habe, der langjährig von 1842 bis
zum 3. Januar 1868 Thomaskantor in Leipzig gewesen war, wird in NBM (1868a, 89)
vom 11. März 1868 dementiert: Mehrere Zeitungen haben die Nachricht gebracht, dass
Herr Friedrich Kiel sich als Bewerber um die Cantorstelle an der Thomasschule in Leipzig gemeldet habe. Wir können auf’s Bestimmteste versichern, dass von Herrn Kiel kein
derartiger Schritt unternommen worden ist. Dem Componisten der „Missa solemnis“ und
des „Requiems“ kommt es zu, eine Berufung zu erwarten, nicht aber dieselbe durch
Bewerbung anzustreben. Hierbei wird u. a. auf AmZ (1868, 55) Bezug genommen: Leipzig. […] Die bevorstehende Wahl eines neuen Cantors an der Thomasschule macht begreiflich in hiesigen Kreisen viel von sich reden. Man spricht von vielen namhaften
Künstlern, die sich um die Stelle beworben haben, welche eine der höchsten Ehrenstellen
Deutschlands heissen kann. […] Unter den auswärtigen Bewerbern sollen sich [Friedrich] Kiel und [Bernhard] Scholz aus Berlin, [Friedrich Wilhelm] Rühl aus Frankfurt [am
Main] u. A. befinden. Bernhard Scholz (30.3.1835 Mainz – 26.12.1916 München), ein
deutscher Komponist, Dirigent und Musiklehrer, studierte 1855–56 Kotrapunkt bei Siegfried Wilhelm Dehn in Berlin und wirkte u. a. 1859–65 als Theaterkapellmeister in
Hannover. Scholz gab noch 1858, im Todesjahr von Dehn, dessen Analysen dreier Fugen
aus Joh. Seb. Bach’s wohltemperirtem Clavier (Scholz/Dehn 1858) und 1859 dessen
Kontrapunktlehrbuch (Scholz/Dehn 1859) heraus. Friedrich Wilhelm Rühl (1817 – 1874)
war Musikdirektor und Gründer des Rühl’schen Oratorienvereins sowie Komponist.
554
H5 • Friedrich Kiels Genesungsurlaube innerhalb des Zeitraums 1881–83: Urlaubsgesuch (10.5.1881), Brief (25.10.1881*) und Postkarte (28.10.1881*), Brief
(12.1.1882), Brief (26.9.1883) und Brief (4.11.1883) jeweils von Kiel, ADM
(1881), NMZ (1881), Verfügung (17.5.1881), Tägliche Rundschau für Berlin im
Sept. 1883, Bericht (17.10.1883*), Verfügung (26.10.1883*).
• (a) Winter 1880/81 (Kiels Erkrankung): Laut ADM (1881, 80) vom 4. März 1881 und
NMZ (1881, 66) vom 1. April 1881 ist Friedrich Kiel, der im Winter 1880/81 schwer erkrankt war, spätestens seit März 1881 wieder auf dem Wege der Besserung, sodass eine Gefahr kaum noch laut ADM (1881, 80) bzw. kaum mehr eine Gefahr laut NMZ (1881, 66)
vorhanden ist. Der Hinweis in NMZ (1.4.1881, 66) lautete z. B.: Friedrich Kiel, der schwer
erkrankt war, ist auf dem Wege der Besserung, so daß kaum mehr eine Gefahr vorhanden ist.
• (a) Zwei krankheitsbedingte Auszeiten für vier Wochen ab Freitag, den 20. Mai 1881
bis zum 17. Juni 1881 und eine Woche im Spätherbst vom 25. Oktober bis 1. November
1881: Der von Kiel im Urlaubsgesuch (10.5.1881) beantragte vierwöchige, krankheitsbedingte Urlaub ab dem 20. Mai 1881 wurde von Johann Greiff, Ministerialdirektor der
II. Abteilung für die Unterrichts-Angelegenheiten im Kultusministerium, in der Verfügung (17.5.1881) genehmigt. Und für den Zeitraum 25. Oktober bis 1. November 1881
hatte Friedrich Kiels Allgemeinarzt Dr. med. Fuhrmann dem Komponisten strengstens
das Ausgehen untersagt, weshalb Kiel in den letzten zwei Tagen laut Brief (25.10.1881*)
und Postkarte (28.10.1881*) in seiner Wohnung unterrichtete. Kiel schrieb im Brief
(12.1.1882): Mit meiner Gesundheit geht es gottlob wieder besser. Ich habe im Spätherbst
sehr gekränkelt, meist durch Erkältung verursacht.
• (a) Lange Erholungsurlaube in den Sommer- und Herbstmonaten 1881 und 1882: Auf
Schloss Wartensee, das am Bodensee in der Nähe des Schweizer Kurorts Rorschach im
Kanton St. Gallen liegt, verbrachte Kiel laut AllgemeineZ (1885, 4370) sehr lange Erholungsurlaube in den Sommer- und Herbstmonaten in den Jahren 1881 und 1882. Wie der
Finevermerk „Friedrich Kiel. Schloß Wartensee bei Rorschach den 9ten Septem. 1881.“
auf einem Notenautograf der Staatsbibliothek zu Berlin (D-B Mus.ms.autogr. Kiel, F. 3 N)
zeigt, beendete Kiel am 9. September 1881 auf Schloss Wartensee sein Andante con moto
für Klavier As-Dur WoO. Die Besitzer des Schlosses wechselten seit 1880 ständig, bis es
1882 zwangsversteigert wurde. Im Jahr 1881 war es zunächst im Besitz von Oberst Richard Challande aus Zürich, einem wegen seiner Waffensammlungen bekannten Militäroberst ohne musikalische Ambitionen, und dann von Ulrich Siegfried aus St. Gallen. Das
Schloss, das sich seit 1984 im Besitz der Evangelisch-Reformierten Kirche befindet, ist
heute ein zu Rorschacherberg gehörendes Tagungs- und Begegnungszentrum. Weitergehende Unterlagen bezüglich Kiels Besuch auf Schloss Wartensee sind z. B. in dem Stiftsarchiv St. Gallen, dem Kloster Einsiedeln und dem Tagungs- und Begegnungszentrum auf
Schloss Wartensee nicht überliefert.
• (a) Kein Hinweis auf Kiels Unfall in einer Berliner Tageszeitung und in Briefen Kiels
im Monat September 1883:
In der Rubrik Aus der Reichshauptstadt: Amtlicher Polizeibericht der Berliner Täglichen
Rundschau ist für den gesamten Monat September 1883 kein Hinweis auf Friedrich Kiels
Unfall enthalten. Zudem kann ein Unfall für den Zeitraum Sommer 1883, als Kiel Herrn
Bieger in Seebleiche – einem Schweizer Gut bzw. Gebiet am Bodensee bei Rorschach –
besuchte, bis 26. September 1883 ausgeschlossen werden, wie aus Kiels Brief (26.9.1883)
an Herrn Bieger hervorgeht: Jetzt sitze ich wieder in Arbeit u. Trubel bis dann endlich der
Moment eintritt, wo man seinen Bündel schnüren kann.
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• (a) Erste Hälfte des Oktober 1883 (starkes Nasenbluten Kiels mit Gefahr der Verblutung
vor dem 17. Oktober 1883) und Zeitraum 26. Oktober bis 7. Dezember 1883 (sechs Wochen Erholungsurlaub mit Klinikaufenthalt und Kur):
Im Bericht (17.10.1883*) beantragte das Direktorium der Berliner Kgl. Hochschule für
Musik beim Kultusminister Gustav von Gossler einen sechswöchentlichen [Genesungs-]Urlaub für Friedrich Kiel aufgrund dessen erheblich geschwächtem Gesundheitszustand, der
die Folge eines außergewöhnlich starken Blutergusses aus dem Kopf war. Kultusminister
von Gossler genehmigte ihm in der an das Hochschuldirektorium gerichteten Verfügung (26.10.1883*) eine Auszeit von 6 Wochen, von jetzt an gerechnet, d. h. vom 26. Oktober bis 7. Dezember 1883. Innerhalb dieses Zeitraums konnte er sich bei einem sich an
seinen Berliner Klinikaufenthalt anschließenden Genesungsurlaub, den er am Genfersee
in Montreaux in der Schweiz verbrachte, gut erholen, wie aus seinem an Pewin Breuer
gerichteten und mit Montreux den 4t Nobr. [18]83 datierten Brief (4.11.1883) hervorgeht:
[…] üble Calamität826, welche mich überfiel […]; – ich bekam plötzlich ein durch kein
Mittel zu stillendes Nasenbluten. Der herzugerufene Arzt[,] welcher eine Verblutung befürchtete, brachte mich in den [!] Krankenhaus, welches ganz in meiner Nähe ist. Hier
wandten Ärzte eine äußerst schmerzhafte Procedur an, nämlich es wurden durch die
Oeffnung der Nase mittelst eines Instruments daumendicke Stöpsel [= Nasentamponaden]
bis an die Luftröhre durchgezogen. Dieselben mußten mehrere Tage bleiben, bis sie wieder auf dem Wege der Mundöffnung heraus entfernt wurden. Es gelang, das Bluten zu
stillen, aber die Schmerzen, der große Blutverlust haben mich so angegriffen, daß die
Aerzte mir alle Thätigkeit nun versagt haben. Um nun meinen schon gekränkten Körper
wieder etwas aufzuhelfen, bin ich früher an den Genfersee gereist, wo ein milderes Klima,
als in Berlin ist; dazu habe ich auch mehr Ruhe, als ich in Berlin haben konnte. […]
H6 • Friedrich Kiels Ernennungen 1882 an der Kgl. Hochschule für Musik in Berlin:
Kiels Personalakte Kiel-HfM (1869–85, Bl. 1v) der Kgl. Hochschule für Musik,
Verfügung (27.7.1882*), Bekanntmachung (9.8.1882*), Bericht (10.1.1885*), Todesnotiz (13.10.1885*).
• (a1+2) Laut der Bekanntmachung (9.8.1882*) des Kultusministeriums vom Januar 1874
ist Friedrich Kiel an der Kgl. Hochschule für Musik zum ordentlichen Lehrer sowie Vorsteher der Abtheilung für Komposition und zudem zu einem von vier Vorstehern der akademischen Meisterschulen für musikalische Komposition ernannt worden. In der To-desnotiz (13.10.1885*), die in den Akten der Kgl. Akademie der Künste in Berlin überliefert
ist, war Kiel Vorsteher einer Meisterschule für musikalische Composition seit 1882 sowie
Mitglied des Directoriums der Hoch.[schule] f. Musik seit 1882. Dem entsprechen auch
folgende Einträge in Kiels Personalakte Kiel-HfM (1869–85, Bl. 1v) der Kgl. Hochschule
für Musik:
– 1882 zum Vorsteher einer Meisterschule an der Akademie der Künste u. Vorsteher der
Compositionsabtheilung der Hochschule für Musik, u. 1t Lehrer der Abth.[eilung] für
Composition ernannt (in Rubrik Veränderungen seit der ersten Anstellung);
– Akademie der Künste | akademische Meisterschule und Hochschule für Musik (in Rubrik Anstalt, an welcher die Lehrer, Beamten […] fungiren);
– Professor[,] Mitglied des Senats der Akad. der Künste. Mitglied des Directoriums und
826 Calamität = Notlage.
556
Professor der Abthl f. Composit. der Hochschule für Musik und Vorsteher einer Meisterschule an der Kgl Ak.[ademie] der Künste (in Rubrik Stand).
• (a1) Am 27. Juli 1882 erließ der Kultusminister Gustav von Gossler die Verfügung
(27.7.1882*), mit der er Friedrich Kiel zum Vorsteher einer Meisterschule für musikalische Komposition an der Kgl. Akademie der Künste gemäß Kaiserlicher Kabinettsorder
vom 19. Juni 1882, die das definitive Akademiestatut (Akademie-StatutD 19.6.1882) genehmigte und das provisorische Akademiestatut (Akademie-StatutP 6.4.1875) außer Kraft
setzte, ernannte.
Friedrich Kiel wurde laut Nummer „7)“ des Berichts (10.1.1885*) des im Kultusministerium tätigen Rechnungsrats Wilhelm Willmann mittels der auf dem definitiven AkademieStatutD (19.6.1882) basierenden Verfügung (27.7.1882*) Nr. U IV2262IIAng. zum Vorsteher einer akademischen Meisterschule für musikalische Composition mit den bisherigen
Competenzen bestehend; als solcher stand ihm eine Besoldung von 1.800,– Mark und ein
gesetzlicher Wohnungsgeldzuschuss von 900,– Mark pro Jahr zu.
• (a2) Am 27. Juli 1882 erließ der Kultusminister Gustav von Gossler die Verfügung
(27.7.1882*), mit der er gemäß dem Erlass vom 15. Juli 1882 U IV 2262 Friedrich Kiels
Ernennung zum Vorsteher und ersten ordentlichen Lehrer der Kompositionsabteilung an
der Kgl. Hochschule für Musik durch das Hochschuldirektorium mit der Bestallungs-Urkunde vom 27. Juli 1882 U IV 2262II bestätigte. Entsprechend heißt es in JBL (1882/83, 4),
dass Kiel am 15. Juli 1882 als erster Lehrer der Composition und Vorsteher der Abtheilung für Composition und Theorie angestellt wurde.
H7 • Friedrich Kiel als Direktoriumsmitglied der Kgl. Hochschule für Musik in Berlin
seit 1882: ADM (1882b), Erlass (18.9.1883*), Moser (1898).
• (a) Seit dem 15. Juli 1882 bestand das Direktorium der Kgl. Hochschule für Musik aus
den vier Abteilungsvorstehern und dem Verwaltungsvorsteher Philipp Spitta.
Kiel trat, obwohl er es laut ADM (1882b, 248) zunächst ablehnte, ab 1882 doch in das
fünfköpfige Direktorium der Kgl. Hochschule für Musik ein, das ab dem 15. Juli 1882 aus
den vier Abteilungsvorstehern – mit Friedrich Kiel als Vorsteher der Kompositionsabteilung – und dem Verwaltungsvorsteher Philipp Spitta bestand. Der Vorsitz im Direktorium
wechselte zunächst 1882–95 jährlich in alphabetischer Reihenfolge laut Moser (1898,
216), bis Josef Joachim ihn bis zu seinem Tod 1907 ganz übernahm. Die jährlich wechselnden Vorsitzenden des Direktoriums der Kgl. Hochschule für Musik waren vom 15. Juli
1882H6 bis 1. Oktober 1883 Josef Joachim, vom 1. Oktober 1883 bis offiziell 1. Oktober
1884 Friedrich Kiel, 1884–85 Ernst Rudorff und 1885–86 Adolf Schulze etc., wie z. B.
aus dem Erlass (18.9.1883*) hervorgeht. Hierbei könnte Rudorff aufgrund von Kiels mehrmaliger krankheitsbedingter Arbeitsunfähigkeit – ab Oktober 1883 für sechs Wochen, von
Weihnachten 1883 bis mindestens Ende Januar 1884 und vom 10. Juni bis 1. Oktober
1884 – den Vorsitz stellvertretend für Kiel vorzeitig übernommen haben.
H8 • Verschlechterung von Friedrich Kiels Gesundheitszustands seit Oktober 1883:
Bericht (17.1.1884*), Reskript (6.6.1884*), Brief (4.12.1884*) im Auftrag von Kiel,
Gesuch (9.2.1885*) Kiels mit ärztlichem Attest (7.2.1885*), Reskript (25.2.1885*),
Testament (18.4.1885*) Kiels, AMZ (1885) vom 15. Mai 1885, Brief (21.5.1885*),
Brief (2.10.1885), Todesnotiz (13.10.1885*).
• (a) Krankheitsbedingte Auszeiten 1883–85:
1) Weihnachten 1883 bis mindestens Ende Januar 1884: Laut dem an Kultusminister
Gustav von Gossler gerichteten Bericht (17.1.1884*) von Philipp Spitta, Verwaltungsvor-
557
steher der Kgl. Hochschule für Musik, erkrankte Kiel schon in den Weihnachtstagen
[1883] von neuem und war bis mindestens Ende Januar 1884 weiterhin dienstunfähig, da
laut ärztlichen Gutachtens keine Aussicht besteht, daß er vor dem Beginn des Februar
wieder dienstfähig wird.
2) 10. Juni bis 1. Oktober 1884: Der Kultusminister von Gossler genehmigte Friedrich
Kiel für eine Kur einen Urlaub auf die Zeit vom 10. Juni bis zum 1. October d. J. im
Reskript (6.6.1884*). Dieser Zeitraum wurde im ärztlichen Attest (7.2.1885*) als eine
Zeit von längerer Krankheit beschrieben.
3) 1. März bis 30. September 1885: Kiels Gesundheitszustand, der sich laut ärztlichem
Attest (7.2.1885*) im Laufe des Winters [1884/85] unter den amtlichen Anstrengungen
verschlimmerte, bedingte, dass Kiel z. B. eine Einladung zu einer Leipziger Aufführung
von Richard Wagners Oper Tristan und Isolde im Dezember 1884 laut seinem Brief
(4.12.1884*) absagen musste. Daher befürwortete der praktische Arzt Dr. med. Fuhrmann
im Attest (7.2.1885*) einen sechsmonatigen Genesungsurlaub für Friedrich Kiel vom
1. April bis 30. September 1885. Entsprechend teilte Kiel im Gesuch (9.2.1885*), das
dieses Attest (7.2.1885*) als Anlage enthält und bezeichnenderweise nur mit einer Unterschrift Kiels versehen von anderer Hand geschrieben wurde, dem Kultusminister
von Gossler Folgendes mit: Er ersuche für alle seine Amtstätigkeiten einen mehrmonatigen krankheitsbedingten Urlaub bis zum 30. September 1885. Auf Kiels Gesuch (9.2.1885*)
hin bewilligte Kultusminister von Gossler diesen Urlaub bis zum 30. September 1885 im
Reskript (25.2.1885*), was in dem auf diesem Reskript beruhenden Bewilligungsbescheid
(4.3.1885*) von Karl Becker, dem Präsidenten der Kgl. Akademie der Künste, bestätigt
wurde.
Der im Attest (7.2.1885*) gewünschte Beurlaubungsbeginn 1. April 1885 wird im Bericht
(10.1.1885*) des Rechnungsrats Wilhelm Willmann, der an den Geheimen Regierungsrat
Max Jordan in der Unterrichtsabteilung des Kultusministeriums gerichtet war, als hypothetischer Ruhestand Kiels ab dem 1 April 1885 bezeichnet. Aufgrund der Verschlechterung von Kiels Gesundheitszustand begann seine krankheitsbedingte Beurlaubung jedoch
schon am 1. März 1885; dieses Datum geht indirekt daraus hervor, dass Kiel laut einem
Vermerk in der Todesnotiz (13.10.1885*), die in den Akten der Kgl. Akademie der Künste enthalten ist, am Samstag, den 28. Februar 1885 zum letzten Mal anwesend war.
• (a) Ab 1. Oktober 1884 krankheitsbedingte Reduktion von Kiels Arbeitszeit:
Laut ärztlichem Attest (7.2.1885*) begann Kiel, mit erheblich gebessertem Gesundheitszustand, seine Lehrtätigkeit am 1. Oktober 1884 mit stark reduzierter Stundenanzahl. Und
laut dem an den Kultusminister gerichteten Bericht (6.10.1884*) von Philipp Spitta, dem
Verwaltungsvorsteher der Kgl. Hochschule für Musik, konnte Friedrich Kiel ab dem
1. Oktober 1884 krankheitsbedingt sein Amt als Abteilungs=Vorsteher noch nicht, seine
Stelle als Compositions=Lehrer hingegen nur in geringem Maße mit maximal vier Stunden wöchentlich übernehmen.
• (a) Verschlechterung von Friedrich Kiels Gesundheitszustand seit Winter 1884/85 (spätestens seit Dezember 1884):
Bei Kiel, der im Dezember 1884 krankheitsbedingt seinen Brief (4.12.1884*) schon in
seinem Auftrag – „pro. | Friedrich Kiel“ – von einem Dienstboten oder einer Betreuerin
schreiben lassen musste, verschlimmerte sich laut ärztlichem Attest (7.2.1885*) sein im October 1884 erheblich gebesserter Gesundheitszustand aber im Laufe des Winters unter
den amtlichen Anstrengungen, besonders trat eine Nervenabspannung deutlich hervor.
Anfang Februar 1885 benannte Kiel selbst seine äußerst angegriffenen Gesundheit in seinem Gesuch (9.2.1885*). Und Mitte April 1885 war er laut Testament (18.4.1885*) zwar
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bettlägerig, aber wie die geführte Unterredung ergab, verfügungsfähig, hingegen soll er
sich laut einer Zeitungsmitteilung von Mitte Mai 1885 seit Wochen schon in einem Zustand
völliger Bewusstlosigkeit (AMZ 1885, 184) befunden haben. Kurz darauf konstatierte
Kultusminister von Gossler in dem an Kiel gerichteten Brief (21.5.1885*), dass sich generell eine zukünftige Wiederaufnahme seiner Lehrthätigkeit verbietet. Am 3. September
1885 erlitt Kiel schließlich einen neuen Schlag-Anfall, wie sein Freund Erich Prieger im
Brief (2.10.1885) an Wilhelm Rust in Leipzig berichtete: Am 4. September reis[t]e ich
nach Berlin, um Kiel zu besuchen. Einen Tag vor meiner Ankunft hatte ihn ein neuer
Schlag-Anfall hingeworfen. Von da ab ging es rasch abwärts.
• (a) Ab 1. Oktober 1885 bis zur Pensionierung Friedrich Kiels:
Im Gesuch (9.2.1885*) machte Kiel deutlich, dass er ab 1. Oktober 1885 zwar seine Lehrtätigkeit bei der Königlichen Akademie der Künste als Vorsteher einer Meisterschule für
Komposition sowie seine Beteiligung an den Senatssitzungen wieder aufnehmen möchte,
während ihm eine Wiederaufnahme der anstrengenderen amtlichen Thätigkeit bei der akademischen Hochschule für Musik nicht mehr möglich sei, weshalb Kiel für dieses Amt im
Gesuch (9.2.1885*) um eine unbefristete Beurlaubung ab dem 1. Oktober 1885 bis zu
seiner dereinstigen Pensionirung bat. Auf Kiels Gesuch (9.2.1885*) hin bewilligte Kultusminister von Gossler ab dem 1. Oktober 1885 die unbefristete Beurlaubung, die sich
nur auf Kiels Stellung als Vorsteher und Lehrer der Compositions-Abtheilung der Königlichen akademischen Hochschule für Musik bezog, im Reskript (25.2.1885*). Entgegen
der ursprünglichen Planung konnte Kiel aufgrund der massiven Verschlechterung seines
Gesundheitszustandes ab dem 1. Oktober 1885 auch sein Amt an der Kgl. Akademie der
Künste nicht mehr aufnehmen.
H9 • Friedrich Kiels Gehaltsfortzahlung trotz Berufsunfähigkeit, sein Umzug in die
Potsdamer Straße und Heinrich von Herzogenberg als sein Nachfolger an der Kgl.
Hochschule für Musik im Jahr 1885: Bericht (10.1.1885*), Gesuch (9.2.1885*)
von Kiel, Dekret laut Brief (13.2.1885), Reskript (25.2.1885a*), Brief (21.5.1885*).
• (a) Kiel stellte in seinem Gesuch (9.2.1885*) ab dem 1. Oktober 1885 seinen Gehaltsanteil als beurlaubter Kompositionslehrer der Kgl. Hochschule für Musik seiner Dienstbehörde zur Bestreitung seiner Stellvertretungskosten zur Verfügung.
Im Mai 1885, als Kiels volle Berufsunfähigkeit klar war, schrieb Kultusminister Gustav
von Gossler im Brief (21.5.1885*) an Friedrich Kiel: Ich wünsche etwaige Beunruhigung,
welche Ihre äußere [finanzielle] Lage in Zukunft mit sich bringen könnte, durch die Versicherung zu zerstreuen, daß ich Alles zu thun bereit bin, was in meinen Kräften steht, um
Ihre Sorgen nach dieser Richtung zu erleichtern. Hierbei bewilligte der Kultusminister
das Gehalt von Kiel, dem er ab 1. Oktober 1885 eine unbefristete Beurlaubung mit einer
jährlichen Besoldung von 3.400,– Mark schon laut Reskript (25.2.1885a*) zugesichert
hatte, der Form nach ab dem 1. Oktober 1885 weiter. Dies wird insofern in Elisabeth von
Herzogenbergs Brief (13.2.1885) bestätigt, als Heinrich von Herzogenberg ab dem 1. Oktober 1885 zunächst nur als Ersatz für den für unbestimmte Zeit beurlaubten Friedrich Kiel
vorgesehen war. Das entspricht der Aussage in Reinecke (1936, 29), dass seine Freunde –
womit er wohl den Kultusminister Gustav von Gossler und weitere Kiel nahestehende
Personen meinte – einen Weg fanden, dass der Staat sein früheres Gehalt weiter bewilligte.
Zuvor hatte für den Fall einer voller Berufsunfähigkeit Friedrich Kiels der Rechnungsrat
Wilhelm Willmann, Kalkulator am Kultusministerium, im Bericht (10.1.1885*) für Kiels
Dienstzeit vom 1. Januar 1870 bis 31. März 1885 mit einem hypothetischen Übertritt
Kiels in den Ruhestand ab dem 1. April 1885 für seine Ämter an der Kgl. Akademie der
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Künste (765,– Mark) sowie an der Kgl. Hochschule für Musik (600,– Mark) seine Pension in Höhe von 1365 M[ark] errechnet.
• (a) Kiel zog, nachdem sein Freund Karl Graeb am 8. April 1884 verstorben war, d. h.
1884 oder Anfang 1885, von der Lützowstraße 92, dessen Eigentümer Karl Graeb war, in
eine kleine Gartenwohnung in der Potsdamer Straße 81a um, wo er ständiger Betreuung
bedurfte und auch verstarb.
• (a) Heinrich von Herzogenberg war ab dem 1. Oktober 1885 als Ersatz für zwei Aemter
Friedrich Kiels an der Kgl. Hochschule für Musik laut Reskript (25.2.1885*) des Kultusministers Gustav von Gossler vorgesehen. Dieser Ersatz bedeutete für Kiel lediglich einen
Urlaub für unbestimmte Zeit, wie aus dem Brief (13.2.1885) der Diplomatentochter Elisabeth von Herzogenberg geb. von Stockhausen (13.4.1847 Paris – 7.1.1892 San Remo)
an Johannes Brahms hervorgeht: Das Dekret mit dem Stempel des Ministeriums ‚für
geistliche, Unterrichts- und Medizinalangelegenheiten‘ liegt groß und breit da, also ist
wohl kein Zweifel mehr erlaubt. Der endlich für die Sache gefundene Modus, daß Kiel einen Urlaub auf unbestimmte Zeit erhalte, und der Heinrich [von Herzogenberg] ihn vertrete, ist der denkbar günstigste. Elisabeth von Herzogenberg, die seit dem 26. November
1868 mit Heinrich von Herzogenberg verheiratet war, spielte Klavier auf Pianistenniveau
und war eine Klavierschülerin von Johannes Brahms.
I1 • Konzerte und Spenden im Zeitraum 1886–89 für das 1889 eingeweihte Grabdenkmal Friedrich Kiels: [Spenden-]Aufruf Erich Priegers vom Juni 1886, Gumbert (1886), KlaL (1887a), KlaL (1887b), WittWo (1887), KlaL (1889c), AMZ
(1889), Dressler (1904), Gegenvorschlag in drei Briefen Hochbergs, Holz (2006).
• (a) Der veröffentlichte Spendenaufruf Aufruf zu einem Denkmal für Friedrich Kiel (originales Exemplar im Besitz der Verfasserin), das die Datierung „Berlin, im Juni 1886“
trägt, war an Freunde und Verehrer Kiels, die diesen persönlich näher kannten, bzw. an
die bekanntesten Musiker- und Adelspersönlichkeiten gerichtet mit der Absicht, seine
Büste […] dort aufzustellen, wo er nach langem, schwerem Leiden die letzte Ruhestätte
gefunden. Zur Finanzierung des Kieldenkmals sammelte Erich Prieger seit seinem Aufruf
vom Juni 1886 Geld, das Spenden von Einzelpersonen wie auch Erlöse aus dem Nachdruck der laut KlaL (1887a, 11) zum Besten des Monumentes erschienenen Gedächtnisrede auf Kiel von Emil Frommel (Frommel 1886) und aus den Konzertveranstaltungen einiger Kielschüler umfasste. Friedrich August Dressler dirigierte z. B. laut Gumbert (1886,
28) und Dressler (1904, 62) das 1. Konzert des Berliner Damen-Gesangvereins am
14. Januar 1886, das laut Gumbert (1886, 28) zum Besten eines Fonds zur Errichtung eines Denkmals für Friedrich Kiel stattfand. Vor zahlreichen aristokratischen Gästen wurden hierbei in der prachtvollen Aula der Kgl. Kriegsakademie in Berlin nach einem Prolog, der von Ernst von Wildenbruch gedichtet und von Premierlieutenant Barby vorgetragen wurde, drei Auszüge aus Friedrich Kiels Oratorium Christus op. 60 – das dritte und
vierte Duett zwischen Christus und Petrus sowie der Altchor „Siehe, ich stehe vor der
Tür“ – aufgeführt.
Zu den Spendengebern zählten u. a. die 29 Personen, die diesen Aufruf unterzeichnet hatten, wie z. B. der Kielschüler Erich Prieger und der Geheime Oberregierungsrat Johann
Greiff, wie auch 42 Mitglieder des Vereins der Musik-Lehrer und