Jooss nur der reinen Kunst zu dienen 2010

Jooss nur der reinen Kunst zu dienen 2010
Originalveröffentlichung in: Lauterbach, Iris (Hrsg.): Kunstgeschichte in München 1947: Institutionen und
Personen im Wiederaufbau. München 2010, S. 41 - 58.
.. nur der reinen Kunst zu dienen·· Die Hochschule der Bildenden Künste in München nach 19'±5
Birgit Jooss
\Vollte man clen \Vorten H>n Josd Bernhart,
Syndikus der Akademie von Oktober 1932 hts
\brz I<) 1H, (~Iauben schenken, so lütte die
1\lünchner Kunstakademie im 7\\eiten Weltkrieg nur am Geb~iude Schaden genommen,
\\ :ire jedoch ansonstl'n \On der nationalsozialistischen Kultur- und Personalpolitik \Trschont
geblieben . ! I<)+<) schrieb er: ".\uch das soge
nannte DrillL' Reich mit seiner Diktatur in
kulturdk·n Dingen konnte der Münchner
Akademie \\enig anhaben , uncl von emigen
Ausnahmen abgesehen wurde ste personalpolitisch in Ruhe gelassen. Die \ 'Oll den ,\ ]achtha
bern propagierte Kunstrichtung fand im Kunstunterricht und unter clen Studierenelen keinen
\Viderhall. Der /\\Üte \\eltktieg ht~tchte schlief.~­
lich die fa.st \'iillige /.erstiinmg des Akademie
gebüudes und damit eine Cnterhrl'chung der
Lehrtütigkeit n>n nahezu /\\ ei Jahren."l Ähnlich
~iugene skh dl'r Gr~tphik- und .\1alereiprofe'>.sor
Adolf Schinnerer gletch nach dem Krieg: J)ie
kademie \\ar für die i\lachthaber ein schwer
\ erdaulk her Bis~en. sie h.then ihn nicht hinuntergegriegt hicl. alx:r unsere Arbeit geschah
unter einem .s chweren seelischen Druck, stand
doch unsere l nterweisung im strikten Gegensatz /ur offi/iellen Kunstan.schauung. " 1
Dass dies nicht den Tatsachen entsprach. tst
allseit..., bekannt. Denn die i\lünchner Akade
mie \\ ar 1111 '\attonalsozialtsmus die Vorzeige-
Abb. l Würthlc & Sohn, Salzburg: Akademie der Bildenden Künste ,\1ünchen, 190 J
I •
Abb. 2 Unbekannter Photograph: Königliche Kunstgewerbeschule, um 1900
wurde zunächst durch mehrere Fliegerangriffe
und schließlich bei einem massiven Luftangriff
im Juli 1944 schwer beschädigt7 und in einem
Schreiben vom 16. Januar 1945 offiziell zum
"Totalschaden" erklärt (Abb. 4, 5 und 6): "Ich
\Nürde es seihst außerordentlich begrüßen, wenn
durch AuA)ringung eines Notdaches die Sicherung der noch erhaltenen Gebäudeteile durchgefCd.l.rt werden könnte. Der bestehende Mangel
an Holz und Dachziegeln ist jedoch so groß,
dalS nicht einmal die Gebäude gesichert werden
können, die aus kriegswirtschaftlichen oder
sonst schwerwiegenden Gründen unbedingt geschützt werden müssten. [... ] Da lediglich die
Kellerräume noch erhalten sind, fällt das Gebäude zwangs l ~iutlg unter die Gruppe von Schäden, die als Totalschaden bezeichnet werden.
I Ieil Hitler!"8
Ein halbes Jahr später, im August 1945, berichtete das Kultusministerium, dass die Ve1waltung
der Akademie im "sogenannten Tierhaus notdürftig untergebracht".9 das Hauptgeh~iude unbrauchbar sei und über die "Frage der Aufstellung einer Baracke im Garten der Akademie" mit
der Obersten Baubehörde verhandelt würde.lO
Zwar war im Akademiegebäude die Heizungsanlage unversehrt geblieben, doch was nutzte
akademie, sie war die .,Hochburg nationalsozialistischer Kunst- und Geistesauffassung"
schlechthin4 Bereits im März 1933 meldete der
damalige Präsident Gennarr Bestdmeyer an das
Kultusmin isterium, dass "die nationale Erhebung
des Volkes in ihrem Schwunge auch unseren
Akademiekreis und besonders das Akademische
Kollegium erfasst hat", und versicherte dem
Staatsministerium "nicht nur die pflichtgemässe,
sonelern auch die freudige Mitarbeit der Akademie der bildenden Künste". '5 Bald unterrichteten
dort Monumental-Bildhauer wie ]oscf Thorak
und Maler wie Adolf Ziegler, der als Präsident
der Reichskammer der Bildenden Künste über
die künstlerischen wie menschlichen Schicksale
aller Kü nstler in ganz Deutschland hestimmte.6
Nur Bernharts Aussage über die katastrophale
räumliche Situation traf zu, denn sowohl die
Akademie der Bi ldenelen Künste (Abb. J) als
auch die Akademie für angewandte Kunst (Abb.
2) waren aufgruncl von Kriegsschäden stark zerstört. Die ehemalige Kunstgewerbeschule in der
Lu isenstraße war so in Mitleidenschaft gezogen
worden, dass sie später ganz abgetragen vvurde
(Abb. 3). Das Gebäude der Akademie der Bildenden Künste, auf dessen Dach während des
Krieges eine Flak positioniert gewesen sein soll,
42
Abb. 3 Unbekannter Photograph: Akademie für angewandte Kunst, 1947
clies, wenn es an Verglasung und Brennstoff
mangelte.ll Aus einem Schreiben des Kultusministeriums an den Landrat des h.reises Trauostein
vom September geht deutlich hetYor, dass es
sich für die Akademie um neue Räume in einer
Abb.
1
ehemaligen Punkerkaserne in Feldwies hemühte, die .,sehr gut für die 1Tnterhringung der
Akademie der bildenden Künste während der
\Yarmen Jahreszeit" geeignet sei.l2 Doch noch
waren hier Flüchtlinge untergebracht.
Photo Himmler: Akademie der Bildenden Künste München, nach 1945
Abb. 5 Unbekannter Photograph: Akademie der Bildenden Künste tünchen. nach 19'!5
Zu jener Zeit standen für die Bildhauerklassen
aufScr den wenigen Räumen in der Akaclemiestra!Se bereits das ehem3lige Atelier von Adolf
von ITildebrand in der Maria-Theresia-Strafk 23
sowie das von Albert Speer errichtete .. Staatsatelier ßaklham" zur Verfügung, das zu\·or Josef
Thoraks Atelier gewesen war.l::l Der GrofSteil
der Malerklassen ·wurde bis Februar 19 f9 im
iclylli .~ch auf dem Lande gelegenen Schloss
I laimhauscn bei Dachau unterrichtet. nachdem
sich die Unterkunft in Schloss Schlei!Sheim , in
unmittelbarer Nachbarschaft zur Zweiggalerie
der Staatsgemiildesammlungen, ze rschlagen
h~Hte: "Die Maler sind beweglicher als die Bildhauer, fC!r sie haben wir an Schlei!Sheim gedacht. Der Westpavillon des Sch[lloge.~. der nur
einen Treffer abbekommen hat, cnthiilt 4 sehr
schöne groge S:ile. auch sonst allerlei intakte
R'iume, aber es fragt sidhl ob man sie heizbar
machen kann. [... ] Die Galerie kann zum Teil
\\ ieder aufgestellt \verden, \'\ ir hätten abo sozusagen die Pinakothek im Hause. atur und
Tradition , sind das nicht die Voraussetzungen
jeder KunstC!hungl"lo.~ Adolf Schinnerer, der in
Onershausen. einem Nachbarort von Haim
hausen, lebte, haue schliefSlieh diesen 30 Kilometer nördlich von München gelegenen Ort als
Alternative au~findig gemacht und übernahm
don die Leitung. 1~ Der Unterricht der Akademie
für angcwandte Kunst fand teils in ihrem
früheren Haus in der Richard-Wagner-Str. 10.
teils in einem Geh~iude in der Maria-Joscpha ·
Straße 2 (heute 16) stau, wo die Architekturklasse, die Schriftklasse, die Textilwerkst~itre
und das Hochschulpr~isidium untergebracht \\'aren16 Die Kunstel'7ieherklasse befand sich in
der Luisenstraße 37.17 In der Leopoldstraf~e 5
umerrichtete Prcctorius und teilte sich die
R~iume mit dem Doerner-Institut. Die l\Ialklassc
\'On Oberherger wurde in die Mayer'sche Glaskunstansralr in der Seidlstralk ausgelagelt, die
Schmuckklasse arbeitete in '\ymphenhurg in
der ZuccallistraiSc 3. Die keramische \\'erkst:itte
\Yar in der Herzog-::Johann-Strage 35 in Obermenzing im Privathaus des Fachlehrcrs Kar!
Sittl zu finden.IH
Allerdings wollten sich die progressiveren, w~ih­
rend der NS-Zeit verfemten Professoren nicht in
diese Raumstruktur integrieren, sondern bildeten
ihre Schüler in ihren privaten Ateliers auf dem
Lande, weil augerhalh der Stadt, aus, wohin sie
sich wäJu·end des Nationalsozialismus zurlickgezogen hatten: Willi Geiger unterrichtete in
feldwies am Chiemsee, Xaver Fuhr in Nahburg
in der Ob rpfalz und Karl Caspar in Brannenburg am Inn. Auch am Tegernsee muss es eine
Dependance der Akademie gegeben haben.
denn Paul Milclner war -but seiner Personalakte
-zwischen dem 1. Mai 19·J6 und dem 1. Februar
1947 cioit .,Vertretungslehrer für Malerei und Leiter Außenstelle der Akademie am Tegernsee".l9
fnsgesamt war die Nachkriegszeit von großen
Schwierigkeiten bezüglich der RZiume und ihrer
Ausstattung gekennzeichnet. Die stündigen Bitten nicht nur um Brennstoffzuweisung, sondern
auch um TranspoiLe zwischen den verschiede-
nen Standorten zeichnen ein Bild einer "auseinandergcrissenen'· Hochschule. clie so nur wenig
Zusammenhalt oder Gemeinschaftsgefühl entw·ickeln konnte. Der Sonderweg, den Caspar,
Fuhr und Geiger mit ihren Privatateliers einschlugen, mag politisch zwar verständlich sein,
trug jedoch nicht zu einer neuen ldcntitätsfindung der Hochschule bei.20 Der Wiederaufbau
des Hauptgebäudes in der Akademiestra8e
wurde erst im Mai 1947 mit Hilfe der Studierenden begonn<:n, die kurzerband zu 100 Stunden
pro Semester bei der Baufirma Polensky & Zöllner arbeitsverpflichtet wurden (Abh. 7 und 8)21
Zwei Jalu·e später war das Gebäude wieder weitgehend nutzlx1r.
War die riiumliche SituaLion unüb<:rsichLlich und
vielfach ungewohnt, so gab es auch auf personeller Ebene einige Veränderungen, wenngleich
sich hier die Kontinuitüten durchsetzen sollten.22 Zuniichst hatte die amerikanische Militär-
Abb. 6 Unbekannter Photograph: Siegestor und Akademie der Bildenden Künste München, Juli 1944
Abb. 7 Unbekannter Photograph: Studierende beim
Aufräumen in der Akademie, um 1947
hehörde- wie bd allen Hochschulen - eine eingehende Prüfung hinsichtlich der Vergangenheit der Lehrer und Schüler angeordnet. Die
Lehrer mussten einen Fragebogen zur .,Entnazifizienmg" ausfüllen , 2.~ \vas Ende Oktober 194'5
i'u einigen Entlassungen fühtte. Für die Akademie der Bildenden Künste hief~ es im "Jm·ember
in einem Bericht des Syndiku~ ßernhart an das
Ministerium: .,Die .\talerprofessoren sind z.Zt.
au~reichend. Infolge der Entlassung von 3 Bildhauer-Professoren wären mincle.~rens eine oder
zwei J\euherufungen erforderlich. Wir werden
hierfür Vorschl iige einreichen. sobald die
Wiedereröffnung in greithare Nühe rückt. [ .. 1
\uf \Xi'e isung der Ylilitärregierung V.1.Irclen folgende Angehörige der Akademie der bikk:ndcn Künste ihres Dienstes enthoben: Die Akaclemieprofessoren: ßleeker Bcrnharcl. Knecht
Hichard, Stahl Franz und Thorak .Josef. Die
Ven,altungsbeamten: Buchenherger Ro.~ina,
Kassenführer: Hermann Christian. Assistent;
l'achter Georg, Kanzleisekn:tür. Die Arbeiter:
frank Ludwig, Nachtwiichter und Schwarzenbach Kar!. Zisdeur."21
Tn der unmittelbaren '\ ach kriegszeit unterricht<:ten insgesamt 51 Professoren an den beiden
Akademien: Gut die Thilfte. nämlich 17. wurden
191'5 aus den alten Kolkgien übernommen und
-auch aus beamtenrechtlichen Gründen - \\ eiterheschiiftigt: aus der Akademie der Bildenden
Künste waren e.., acht Professoren: Adolf Schin
ncrer, jot>ef Wackerlc.: , Max Mayrshofer, Franz
Klemmer, julius HcfS. Hermann Kaspar. Emil
Preetorius und Hans Gött; aus der Akademie für
ange,vandte Kunst neun: Richarcl ßerndl, Else
Brauneis, Anton .'v1arxmüller, joscf Hillerbrand.
Fritz Skell. .Josef Henselmann. Franz Rickert,
]ot>ef Oberherger und Ludwig Sievert. Fünf in
Zeiten des Nationalsozialismus aus den Ämtern
entla~sene Professoren v.-urclen rehahilitiett und
v-·iecler eingestellt: Kar! Caspar. Carl Sattler. Fritz
ElmKke, Willi Gdger und Walther Teutsch . .\Jeun
der 31 Professoren kamen ohne vorherige Lehrtätigkeit an den beiden Hochschulen neu hinzu:
1946 \\aren es Roben Lippl, Adolf Braig, Tbcodor Georgii - Schv-·iegcrsohn von ,\dolf von
Hilclebrand und Schwager des Präsidenten
Sattler-, Toni Stadler, Anton I-Iiller, Xa\·er fuhr.
Eugen julius Schmid und 1917 zusätzlich Franz
~agd und Haralcl Roth_2';
Das Amt des Präsielenten der Akademie der
Bildenden Künste ging zunächst nach der
Entlassung Bk:ckers. der dieses seit dem Tod
Best<:lmeyers 1912 kommissarisch innegehabt
hatte , im Oktober 194'5 an Adolf Seilinnerer
üher.26 Er war einer der wenigen. der sich im
\X'inter 19-6 "16 in den Ruinen der Schüler angenornmcn hatte (Abh. 9. I0 und 11 ) , wie er im
Dezember 194'5 an Bleeker schrieb: .,Die Akad.
schläft, es gibt kein Glas. das ist das schlimmste.
Da u. dort haben sich in der Ruine Schüler anget>iedelt, namentlich im Erdgeschoß. etwa 20.
Es kommen allerlei Leute aus der Kriegsgefangenschaft und fragen. Ich glaube, dass wir doch
im Frühjahr nach Schlcigheim gehen müssen.
oder da~s wir dezentralisieren müßen [. .. ] Caspar \\·ill reaktivie1t '\\'erden. aber in ßranncnburg
bleiben u. dort Schule halten. \\ ir alle sind noch
gar nicht :1utorisiert zum Schule halten."r
Trot7 der offiziellen Stilllegung aller deutschen
Kunsthochschulen durch das Reichsministerium für \\'issenschaft, Erziehung und \ 'olkshildung Fnde Oktober 19+1 waren die :\1itglieder
der Münchner Akademie schon lange \ or der
offiziellen Wiedereröffnung im Sommer 19 t6
aktiv.2H Die Ruinensituation sclu·ecktc offenbar
nicht ab: .. Auch da und don in den hohen ruinenhaften Räumen hat sich einer einen \'er-
schlag zurecht gezimmert, wohnt und arbeitet
da. Die Anh~inglichkeit an die Akademie hat bei
den jungen Leuten l.'t"wa.~ rührendes. Sie haben
sich auch bei den Angriffen in persönlichem
l'insatz gEinzend hewiihn, auch die Damen. Sie
haben immer wieder das Feuer hekiimpft,
Wiinde :.~hgestü[t]zt und das Dach gdlilkt:·2')
Fs gab also eme Verwaltung, es gab Professoren,
die unterrichteten, und es gab Bemühungen
um eine Behebung der Kriegs.schäden. Am 9.
Februar 19 16 bestellte man den seit 9. Juli 19 J")
amtierenden Leiter der Akademie für angewandte Kunst, den 69jährigen Architekten Carl
Sattler, mit sofortiger Wirkung zuniichst noch
kommissarisch- auch zum Präsidenten der Akademie der Bildenden Künste. Ah 'i. August über
nahm er schlief~lich offiziell dieses Amt..30
'>attlcr \\<Ir bereits 1926 ab '-:achfolger n>n Rienwrschmid Priisident der Kun.~tgewerbeschule
ge'' esen. mus~te d1e.~en Posten aber 19.3.3 aufgrund der Diskriminierung seiner jüdischen Frau
riiumen und '' urde 19.39 ganz entlassen} I
Abb. R l nbekannter Photograph:
~tutlierende
Schon in den 1920er Jahren hatte er sich für eine
Vereinigung der beiden Schulen ausgesprochen,
die er nun - :w Jahre später- endlich durchsetzen sollte.
Die zu Anf:.~ng der NJchkrit>gszeit Jkribisch
betriebene Entnazifizierung '' urde in den folgenden Jahren nicht konsequent durch- und
fortgdühn, \\a.s sich bereits 1917 in einer, \Vie es
Richard Bauer formulierte: .. gewollten Nachliissigkeit und in zunehmender Grogzüg~gkeit der
Amerikaner" zeigte. ~2 Allgemein herrschte eine
groge Verunsicherung bezüglich der Stellensituation, so dass bebstete Professoren wie etwa
der ehemalige Leiter der Graphikkla.s.se an der
Akademie für angcwanc.lte Kunst, Ernst Dombrmvski, noch 19-+""' bei der Akademieleitung
anfragte, oh er denn nun noch Hochschullehrer
sei oder nicht. Mit Lehn·erhot \'ersehen, ging es
ihm nicht darum, '' ieder lehren zu dürfen, sondern um seine l'ensionsansprüche):'> Selbst josef Thor:.1k wurde 19o..~H nm der Spruchkammer
freigesprochen. mit der Begründung, dass man
beim Aufräumen in der Akademie, um 194-
Abb. 9 Herbert List: Gipsabgüsse in der Akademie II, München 1916
Abb. 10 Bernhanl Bleeker (?): Akademie der Bildenden Künste, innen, um 1945
Abb. 11 ße rn hard Bleeker (?): Akademie der Bildenden Künste, innen, um 1945
ja nicht verlangen könne, dass ein Künstler .,weder auf die Honorare noch auf die Konjunktur
verzichte .. 34 - um dann Büsten amerikanischer
Generäle anzufertigen.35 Immerhin erhielt er
keine Professur mehr.36
Die stets zitiene gröfSte .,l\'achliissigkeit" in Bezug
auf die Entnazifierung war die \Veiterbeschäftigung des Monumentalmalers Hermann Kaspar.
Er war ein exponierter künstlerischer Gestalter
des NS-Regimes gewesen, so war er gemeinsam
mit Richard Knecht 1937 und 1938 Hauptverantwortlicher der nationalsozialistischen Festzüge ,.Z\\ eitau ·end Jahre Deutsche Kultur" am
..Tag der Deutschen Kunst" in München sowie
Tnnenausstatter der euen Reichskanzlei in Berlin.:\7 Es gelang ihm - nach einer zügigen .. Entnazifizierung" (er wurde mil Wirkung vom
28.6.19-±6 auf Weisung der MilitärregieJUng entlassen)38 - . wieder einen Professorenposten in
der Akademie zu ergattern (Abb. 12). Im No-
vember 191i6 fehlte er noch auf der Personalliste des TIauses, doch kurze Zeit später gehötte
er wieder dem Kollegium an.39 Sein Schwager,
Ministerialrat Freiligrath von Strahlenheim im
Ministerium, wird ihm Hilfestellung geleistet haben. Die Militärregierung versäumte es, die Entlassung von Hermann Kaspar nochmals anzumahnen, so dass dieser bis zu seiner regulären
Pensionierung 1972 weiter an der Akademie unterrichten durfte. Auch Richard Berndl, seil1933
förderndes Mitglied der SS, wurde, auf Wunsch
Sattlers. im Kollegium behalten.40
Die Personalpolitik war in der Nachkriegszeit
also alles andere als auf Innovation ausgerichtet.
Fast alle Professoren standen bereits zuvor mit
einer der beiden Akademien in Verbindung, es
kamen keine Remigranten und es wurden keine
Künstler der jüngeren Generation berufen- wie
dies die Amerikaner gewünscht hätten. Fritz
Winter, der in Diessen am Ammersee sein Ate-
wesend; im Jahr 1917 hatte er nur noch zwei
Schüler, und sein Unterricht halle immer noch
nicht begonnen.'f3 Während bei der Militärregierung für die Auswahl der Künstler die künstlerische Qualir;it und ihrl' ReputaTion im Vor
dergrund stand - und in diesem Fall war fuhr
auf Initiative von franz Roh und mit der Unterstützung des Galeristen Günther Franke Professor ge\\ orden -,-'~-1 war aus Sicht des Kollegium~
und Sautcrs die p ~idagogische Eignung ausschlaggebend für eine Anstellung. so dass es
hier häufig zu Differenzen und Debatten kam. 4 ">
Vielleicht auch deshalb erfolt,rten die Berufungl'n
durch die .\1ünchner Akademie so langsam. InZ\Yischen "varen die besten künstlerischen Kräfte
ohnehin bereits an anderen Akademien unrergekommen.-16
Gravierender waren die Ver~inderungen in der
Struktur der neuen Hoch;.chule , die 1946 - nach
et\Ya lOOjähriger Diskussion - erstmals die so gen;mnte hohe mit der angewandten Kunst durch
die Zusammenlegung der beiden Akademien
verband. Diese "' urde bereits im Ft-l'ihjahr 1946
geplant. aber erst Ende 19-16 endgültig festgelegt :! ~ Zunächst war es noch bei der Trennung
der beiden Akademien geblieben, allerdings seit
Februar 1946 schon unter der gemeinsamen Leitung von Carl Sattler. Am 15. April 19'+6 erlaubte
die amerikanische Besatzung unter strengen
Maßnahmen den Lehrbetrieb wieder: Die Studierenden hatten sich bei der Immatrikulation
durch Handschlag zu 'erpl1ichten, sich allen nationalsozialistischen und militaristischen Ideen
und Bestrebungen fernzuhalten. Für die Akademie der Bildenden Künste waren höchstens 1'10
Studierende, für die Akademie für ange\vandre
Kunst 160 zugelassen. Sie mussten bei der Anmeldung einen Fragebogen zu ihrer Vergangenheit ausfüllen , der Grundlage für ihre Beurteilung und Einsch~itzung sein sollte. Frauen sollten
nicht grund~ätzlich ausgeschlossen >Yerden,
mussten jedoch hinsichtlich ihrer Eignung für
den gewünschten Beruf besonders streng geprüft werden. Jeder unter ihnen sollte dazu bei
tragen, dass .,ein neuer Gei~t der Demokratie.
echter Männlichkeit und wahrer Menschlichkeit
Leben und SLUdiurn an den Hochschulen er-
lier hatte. oder die Künstler der späteren Gruppe
ZE '+9 lütten den von der Akademie manifestierten ßlick auf Tradition und Kontinuit:it \VOmöglicb in Frage gestellt. :vlan setzte bestenfall~
auf eine indi,·iduelle Wiedergutmachung an
Künstlern, die unter dem Nationalsozialismus
gelitten hatten. nicht jedoch auf eine wirklich
künstlerische Erneuerung. So standen die fortschrittlichsten unter den Professoren für eine
Vorkriegsmoderne und waren in der Regel
Künstler, die ihre erfolgreichste Zeit bereits in
den 1920er Jahren gefeiert hatten und zur ülteren Generation zählten: im Jahre 19'-17 war \Villi
Geiger 69 Jahre alt. Kar! C1spar 68, Toni Stadler
63. nur Xa,·er fuhr war mit '+9 Jahren deutlich
jünger. Dabei hätte die Akademie echten \lachholbedarf gehabt, sich zu erneuern und sich
personell wie stilistisch zu verjüngen, hatte
sie doch bereits in den 1920er Jahren bei der
Besetzung der Stellen gegen neue, m·antgardistische Strömungen entschieden und jeglichen
reformerischen Gedanken im Keim erstickt.
Schon damals hatte sie eine traclitions,·erhaftete
Linie Yerfolgt. die eine .,Säuberungsaktion·· durch
nationalsozialistische Kräfte fast obsolet machte.
Lediglich Karl C:aspar - nicht zu verwechseln mit
dem oben etw;ihnten Hermann Kaspar- musste
Ende 1937 das II:tus verlassen , alle anderen
waren zuvor schon angepasst bis linientreu.
Wirklich progressive VorschWge der '\achkriegszeit, wie sie etwa Kar! Caspar auf einer
kon.~tituierenden Sitzung machte, indem er die
ßerufungen von Max Beckmann, Otto Dix, Kar!
Schmidt-Rottluff, Ed\\ in Scharffund Karl Knappe
vorschlug, blieben unberücksichtigt.'f I ßeckmann notierte am 9. Juli 1916 in sein Tagebuch:
"Man will mich nach München berufen", doch
findet sich danach nie mehr eine Bemerkung zur
Münchner Akaclemie.'f2 Obwohl die Milit:inegierung eine Verjüngung des Lehrpersonab anstrebte und für Otto Geigenberger, Erich Glette,
Carl Hofer. Anton Lamprecht, Adolf Lutz und
den Autodidakten Xaver Fuhr YOtierre. v.'urdc
allein letzterer auf Anordnung de.s 1\linisteriums
berufen - allerdings gegen seinen eigenen
,,·ie gegen den Willen des Akademiekollegiums.
Entsprechend unmotiviert und selten war er an50
SATYRSPIELE ODER KASPAR-THEATER
UM DIE MÜNCHNER AKADH11E
Es scheint. als ob ein Satyrspiel
Man immer dann benötige,
Sowie de.r dunkle Vorhang fiel
Nach einer
Staats~ Tragödie.
Zum. Schauplatz bat man dazu die
Von l'\a.z.i-Professoren
Nicht freie Kunstakademie
In
~tünchen
Und außerdem die Reichskanzlei
Mit Bildern so bemalte,
Daß selbst der finstre Adolf b<.i
Dem Namen Kaspar strahlte!
auserkoren.
M.Rr.dlc.~
Der Staat hat scheinbar keinen Dunst,
Daß Kaspar, der hier waltet,
Zu jedem ,,Tag der Deutschen Kunst"
Den Festzug einst gestaltet
Von solthen Lehrern kann dann gleich
Die Jugend jet:d erfahren,
Wie herrlich dodt im Dritten Reich
Dereinst die Zeiten waren I
A. Ketzer
28
Abb. 12 Max Radler und A. Ketzer, .. Satyrspiele oder Kaspar-TI1eatcr um die Münchner Akademie .. , in:
Der Simpl, Februar 1947, S. 28
51
befand sich in dieser Zeit der Central Collecting
Point, mit dem das im Herbst 1946 gegründete
Zentralinstitut für Kunstgeschichte eng zusammenarbeitete. Im Ministerium und in der Militärregierung Wl.trcle offenbar üher ~ynergctische
Zusammenlegungen verschiedener Institutionen
nachgedacht.
Man hoffte auf Einsparungen von rund 100.000
Reichsmark bei gleichzeitiger Steigerung des
Leistungsstandards. 55 Die Vereinigung beider
Akademien zu einer Kunsthochschule wurde
schließlich am "!. November 1916 realisiett.56
Zwar sprach der Syndikus Hernhart zunächst
von einer .,völligen Neuorganisation",5' doch
fand ihr ßerrieb in den gleichen Räumen und mit
dem gleichen Personal der beiden Akademien
statt.58 Innerhalb des Kunstakademie-Kollegiums gab es weiterhin heftigen Widerstand gegen
diese Zusammenlegung, angeführt durch den
siebzigj~ihrigen Adolf Schinnerer. der für die
..hohe" Kunst kämpfte, die er als .. darstellende"
oder .. humanistische" im Gegensatz zu der .. technischen" oder ,.realistischen" Kunst bezeichnete.
Polemisierend und zu jedem Anlass, der sich
bot, liefs er ·1vissen: .,Sehr vYerden wir uns bemühen, die Grenzen unseres Reiches gegen das
der angewandten Kunst abzustecken - zum
Segen beider. [. .. l Die angewandte Kunst erhält
ihren Auftrag zur Formfindung vom Material, die
darstellende Kunst \'On der 'atur und clem aus
ihr entwickelten Formbegriff. [... ] Was wird aus
unserer berühmten alten Akademie in München'
Sind die Ruinen ein Symbol? Wird die realistische
Welle über ihr zusammenschlagen?·'59 sowie:
.,Die Akademie der bildenden Künste ist eine
humanistische Anstalt. [. .. ] Das Verlangen des
Kunstgewerbes nach der Akademie bedeutet
einen Einbruch in eine wesensfremde Geistessphäre, die Vermischung von Humanismus
uncl Realismus müsst unter allen Umstünden
verhängnisyoJl sich auswirken."60 Doch seine
Plädoyers blieben ohne Wirkung.
Mit der Vereinigung der beiden Akademien
'1.\Urcle eine neue Verordnung erlassen, die die
beiden Verordnungen vom.Juli 1911 undjanuar
1937 aufhob. Die Hochschule diente nun "der
Ausbildung von :Vleistern auf allen Gebieten cler
füllt." 18 \'icle \·on ihnen \varen bereits ~ilter und
vom zurückliegenden Krieg gezeichnet: "Wir
Lehrer haben es jetzt mit einem anderen Kreis
von jungen Leuten zu tun wie früher, wir haben
so gut wie keine ganz jungen Schüler. llm denen die ihre Ausbildung wegen des Kriegsdienstes ver~~iumen mussten, gerecht zu werden,
haben wir sie und vor allem die Kriegsversehrten bevorzugt."'+') Das Sommersemester begann
an beiden Akademien erst sehr spät, nümlich am
29. Juli 19"!6.~0 Das Interesse an einem Kunststudium war von Anfang an groK so dass bereits
im Wintersemester 19"!6/47 ein 'Jumerus clausus
als Beschränkungsmaßnahme eingcfüh11 wurde.
Ein wichtige~ Argument war, dass man die
Künstler nicht für die Arbeitslosigkeit ausbilden
wollte.'il
Gut eine Woche nJch Stuclienbeginn, am 7. August, bm es zur feierlichen. offiziellen Wiedereröffnung aller Kunsthochschulen Münchens.
der Akademie der Bildenelen Künste, der Akademie für angewanclte Kunst und der Akademie
der Tonkunst. Der Festakt begann um 10 llhr
im Schauspielhaus an der Maximiliansstraße und
bot- mit klassischer Musik untermalt- Ansprachen der kommissarischen Leiter der Kunsthochschulen Carl Sattler (Akademie der Bildenden Künste und Akademie für angewandte
Kunst) und Joseph Haas (Akademie der Tonkunst). des Staatsministers Dr. Franz Fendt sowie
eine Fesu·ede des Universitiitsprofcssors Dr. Walter Hiezler.'iZ Die Presse sah darin sowohl einen
Rückbezug auf alte Werte als auch einen \\.ichtigen Schritt nach vorne, indem sie von einer
,.\Viedergeburt Münchens als Kunststadt und
seinem geistigen 'Jeuauflxtu" sprach. '53
Erst Ende September 1916. also noch während
der Sommerpause, wurde die Vereinigung der
Akademien konkretisieit. Denn nun zeigte Captain Hae von der amerikanbchen Militärregierung
Interesse für die Zusammenlegung der zwei
Akademien in cler Hoffnung, aus den Einsparungen sein .. Projekt eines künstlerischen Austauschdienstes im führerbau" zu ermöglichen. '5·1
Es ist nicht eindeutig, was mit diesem "Austauschdienst" gemeint ist. Im ehemaligen .. Führerbau" und "Verwaltungsbau" am Königsplatz
'52
neuen Formen des Alltags erklären. So betonte
der bayerische Kultusminister Franz Fendt im
März 1946: .,Dann erst [nach der Vereinigung von
hoher Kunst und Handwerk] wird es möglich
sein, diejenigen Zweige der Kunst besonders zu
pflegen, die heute wichtiger als die hohe Kunst
sind, nämlich die künstlerische Durchbildung
all der Dinge. die uns im täglichen Lehen umgehen und dadurch den Geschmack viel stärker
beeinflussen als gelegentlich gesehene Gemälde
und Bildwerke. So wird die ganze Reform eine
wahrhaft volkstümliche Maßnahme sein. "67
ln logischer Konsequenz wurde nun auch eine
abgeschlos~ene, handwerkliche Ausbildung auch für die .,freien" Künstler - als Voraussetzung fur die Aufnahme an ck:r Kunsthochschule
vcrlangt.68 Sattler gelang es, neue Werkstätten
einzurichten, so für Gold- und Silberschmiede,
für Textilkunst, für Schreinerei, Buchbinderei,
Gipsgie!Serei und Glasschleiferei.69 Problematisch blieb die Materialbeschaffung, wie ein Brief
Schinnerers an einen Schweizer Kollegen verdeutlicht: "Wir saßen neulich sehr helämmett in
den [sie] Arbeitsraum für Tempera, in dem ich
mich in1mer noch betätige, wenn ich auch im
H.uhestand befindlich bin, und konstantierten
[sicl daß wir ohne Mastix nicht weitermachen
können. Und ein Stock tiefer muß die Lithographie feiern weil kein Gununi arabicum mehr
aufzutreiben ist. [... ] Nun also die große Frage:
wäre es möglich dass Sie uns et\vas von diesen
Materialien schicken, Mastix in Körnern, (Tropfen) und Gummi auch eine kleine Menge würde
nützen. [... ] Wegen den [sie] Gummi habe ich
schon nach Amerika geschrieben, aber man hat
nicht darauf geantwortet. Es wäre schön wenn
Sie uns eine Kleine Menge schicken könnten.
Aber wahrscheinlich sind Sie in der Schweiz
auch nicht übermäßig mit diesen exotischen
Dingen versorgt" .~o
'\icht nur in München, auch andernorts dachte
man an den praktischen Nutzen der Kunst. So
erläuterte etwa Hans Grundig in einem kurzen
Aufsatz über .,Sinn und Ziel der künstlerischen
Ausbildung an der Akademie der bildenden
Künste in Dresden" 19'+7: ,, ... so wird jeder am
Aufbau unserer Heimat Interessierte die gro!Sen
bildenden Kunst", und die Lehrer durften "nach
freiem künstlerischen Ermessen" und "allein
verantwortlich" für die Art ihres Unterrichts
lehren.61 Der Schwerpunkt der Lehre lag- soweit dies trotz des Materialmangels möglich
war62 -auf handwerklicher Schulung. Der Planungsausschuss, ausschlie!Slich bestehend aus
Professoren der Akademie für angewandte
Kunst, erarbeitete einen Lehrplan.63 So genannte
.,Lehrgegenstände" waren: "1. Zeichnen, Schriftge~taltung und Modellieren, 2. darstellende Geometrie, Perspektive und Schatrenlehre, 3. Amttomie des Menschen und der Tiere, 4. Technik
und Materialkunde der Malerei, der graphischen
Künste, der keramischen, der Stein-. Holz- und
Metallarbeit und der Textilkunst sowie andere
künstlerisch wichtige Techniken, 5. Harmonielehre der bildenden Künste, 6. Kulturgeschichte
mit Betonung der Entwicklung des menschlichen Geistes im allgemeinen und der Künste
im besonderen, verbunden mit Führung durch
Museen und Sammlungen, 7. die praktische
Volkswirtschaftslehre. "64 Die Ausbildung der
Kunsterzieher sowie die Vermittlung von Kunsttheorie waren nicht explizit genannt. Erst im
November 19'+3 hatte das KulllJ~ministerium be~chlossen, die Kunsterzieherausbildung von der
Technischen Hochschule- wo sie seit 1937 für
beide Geschlechter angeboten wurde -an die
Akademie für angewandte Kunst zu verlegen.
Doch durch die Schlie!Sung aller Kunsthochschulen 19•H war diese Verlagerung zunächst
verhinden worden. Die Kunsterzieherausbildung
wurde also erst im Juli 19'+6 unter Leitung des
neu berufenen Oberstudienrats Adolf Braig. unterstützt von Anron Marxmüller und Richard
Wolf, wiederbelebt.6'i Vor allem C:arl Sattler war
bestrebt, den erfahrenen P:iclagogen Braig, der
mit ausgeprägtem psychologischen Sachverstand
an seine Arbeit ging, ans IIaus zu holen und ihn
den anderen Professoren gleichzustellen, denn
seine Aufgabe sei: ,.Yon gröfSerer, weinragenderer Hedeutung als die irgendeines anderen
Leluus."66
Das auffallende Bedürfnis nach Handwerklicbkeit lä st sich mit der Nachkriegssituation, dem
Willen zum Wiederaufbau und der Suche nach
53
die
Dcut~che
,\1a lerei der Gegenwart von 19 rH
konnte: Jn München war, im GegensatL zu ßerlin das figurale ßilcl und der monumentale Stil noch bodensWndig geblieben:·--c
\!ur Kar! Caspar, Willi Geiger und Xaver Fuhr
zeigten eine gewisse Nähe zu moderneren
Ausdrucksformen , wobei sie für sich selbst die
Abstraktion ablehnten. Sie alle blieben dem Gegenstand verpflichtet. fuhr vertrat ohnehin die
Auffassung, dass Kunst nicht lehrbar sei und
betonte h~iufig. dass er seine Lehrtätigkeit lediglich aus wirtschaftlichen Grünelen ausübe.-H
Der pädagogisch ambitionierte Willi Geiger \Yar
noch der Aufgeschlossenste unter ihnen. Er
befürwortete clie gegenstandslose Kunst zumindest für seine Schüler und beklagte sogar, dass
die meisten Studierenden im .. Althergebrachten
befangen·· seien und nur wenige sich der
.,neuerl'· Kunst öffneten: ..Die starke Abneigung
der .Gegenst~indlichen' gegen die ,neue· Kunst
ist symptomatisch und nicht eben erfreulich_..-<)
Die .. modernste" Richtung, die man sich an der
l\lünchner Akademie vorstellen konnte . ..,.·ar also
eine Art achl'olgc.: des E:--.prcssionismus. begriffen als eine .. Kunst des seelischen Ausdrucks",
wie sie etwa K:1rl Caspar \erfolgte. Die gleich7l'itig diskutierten Stilrichtungen wie Surrealismus und Abstraktion, denen die renommiene
Zeitschrift .. Das Kunst\Yerk" 19"+7 ein ganzes
Doppelheft \Yiclmete.Htl hielten an der Akademie
mit Ernst Geittinger 19-'il und mit Mac Zimmermann l96r erst sp~lt Einzug.
Doch 'i\'ie trat die Akademie nach auf~en in Erscheinung? Zun;ich-.t gah e:o. eine relati,· schnelle
Fremdnutlung de.-. Geh:ludes in der Akademie>otrage, denn die Amerikaner ,·ersuchten. die
Aula zügig ..,.-iederherzurichren. um sie in einen
t... onzertsaal zu \en\andeln. Schon am 2...,_
Nm emher 19-+'i meldete die Akademie stolz:
.,Die Instand;.evung der Aula und des grossen
\estibüb. ferner einiger R:iume im ?\1ittelhau hat
ihren Anfang genommen. D<l die beteiligten
Theaterunternehmer erkl:iren. nunmehr das
benötigte ?\faterial nebst den ArheitskrMten an
der Ibnd w haben, steht die baldige "\utzharmachung tkr Aul.1 für die zahlreichen. geplanten \\:ranstaltungen und \'o1tdge in Aussicht."~·n
Miiglichkeiten erblicken, welche uns heute in
eHe I land g<:legt stnd [.. 1'\"och viele Werkstoffe
stehen zur Verfügung, und durch die Kraft der
heranwachsenden jungen Künstler werden sie
C~est;dt annehmen und helfen, dem Ansehen
dl·s deubchen Volkes in der Welt wil'der Geltung zu vers< halkn und darüber hinaus dazu
beitragen, im Austausch mit anderen Viiikern als
willkoinmene Gaben unserer Kultur unseren Lebens.standard zu erhöhen ... -, t
l)ie lktonung der I landwerk lichkeit ging in
\llimlwn l'lllher mit der Bevorzugung bannloser Bildinhalte bei gll'ichzdtiger Beibehaltung
gegenst:lndlicher "vlotin: in der freien Kunst.
Es gab '' K' a llgemein in der deutschen Kunst
nach I<) 1'i- k.tum l'inen Kün.stler an der Akademie, der sielt mit den zurückliegenden Jahren
ausemandersetzte. Willi Gdger war einer der
\\ enigen, die .sich thematisch mit dem Krieg und
SL'iill'n Folgen besclüftigten.
\nsonsten
iK'ITSlhtl' \'erddngung der realen l\lbere hei
glcidtzettigcr ~ehno,ucht n.tch Frieden und po
sitl\ em NeuanLmg SO\\ ie die finstellung. dass
Kunst unpolitisd1 .sL'i.~2 Satt ler '' .1111te .sU\\ ohl
\01 dem ... leeren , geistlosen '\!aturalisil\Us"- gememt ''<Ir dre l"unst in der .~eh folge des 1\a
tion<tlso;ialismus .tls auch \ or dem: .. spekubti\ \erstiegenen, modisch infizierten, unernsten
KunstgL·lxthren" - gemeint '' ar die Abstraktion--~ DIL'SL' Fmst<:llung geht ,tuch ,tus den' ersdriedL'IlL'n Lehrmethoden herYor, \\·elche die
Professoren der 1-!ocho,chule I')-+..., zus;HnmengeLtsst h;ltten und die Carl Sattler drei Semester
sp:itei mit einem Resümee üher die Hochschule
~Ins \linisterium sandte ..,.• Sahine Fasten hat
dicsL' Lehrmethoden im \'ergleich zm .,Schule
der Fonnen" \'On Conracl \\estphal -eingehend
erLiu1L'11, so tbss h1er :1uf ihre Studie\ erwiesen
sei.-~ \ ls lkispiel der .,Abstraktions ResistenZ"
sL'i an dieser ~teile der als \\egherl'iter einer
sachlich-molkrnen Typographie anerkannte
Professor Ehmcke zitien. der "~Irnte: .. \lit den
'ielgepriesL'nen \loderichtungen .lhstrakter
t... unst ist :ruch nichts an;ubngen, sre führen in
d1e Irre und ms tchts_ .. -<1 ~!an Yersuchre. die
gute \lünchner ~chule \\ eiterhin zu he\\ ~1hren,
so dass •tuch Fritz :\emitz in seinem Buch üher
fe~t~tellen
'il
dition und Kontinuität, mit Betonung auf handwerklichem Können. Die ,.Umerziehungs-'· und
.,Ve~üngungswünsche" der Amerikaner in Bezug
auf das Kollegium sowie der Anspruch künstlerischer Qualität scheiterten letztlich. Eine Öffnung für die Abstraktion erfolgte erst 1951 durch
die bereits eJWähnte Berufung Ernst Geitlingers.
Der Anschluss an die französische Moderne und
damit an die Internationalität88 fand in München
in den späten 1940er Jahren außerhalb der Akademie statt - etwa mit Fritz Winter oder der
Gruppe ZEN 49. Und als es schließlich - im
Zuge des Kalten Krieges- amerikanische, staatliche und industrielle Unterstützung für die abstrakte Kunst gab,89 war die Münchner Kunstakademie bereits weit abgeschlagen. so dass
sie von dieser Unterstützung nicht profitieren
konnte und den Anschluss an eine internationale
Moderne vollends verpasste. Josef Bernharts
\Oilmundige Behauptung von 19'19 traf schon
damals nicht zu, wenn er in seinem anfangs
zitierten Aufsatz schreibt: "Die Akademie sieht
aber auch unter der jetzigen Staatsform[. .. ] eine
heilige Verpflichtung, unbeeinfluiSt von dem
Streit der Richtungen und Meinungen nur der
reinen Kunst zu dienen und in strenger Auslese der Begabungen Künstler zu erziehen
und die Künste in eine bessere Zeit hinüherzu
retten."90
Eigene Au~stellungen der Akademie waren zu
jener Zeit aber noch nicht vorgesehen. Und so
wichtig München ab Ausstellungsstadt bis 19iq
war, nach Kriegsende fanden die großen, übergreifenden Ausstellungen zeitgenössischer Kun~t
nicht in München statt, sondern 1945 in Überlingen und Augsburg, 1946 in Dresden, Darmstadt, Konstanz und 1917 in Augsburg und Baden Baden.H2 Tm September 1947 war in der
Neuen Sammlung im ehemaligen "Haus der
deutschen Kunst" die Ausstellung .,Bayerische
Kunst der Gegenwart- ßavarian Art Today" zu
sehen, die für die Kunsthalle Basel zusammengestellt \vorden war und damit zu einer der frühesten deutschen Ausstellungen im Ausland
nach Kriegsende gehörte. Neben Künstlern alter
Münchner Tradition, die sich wührend des Nationalsozialismus nicht hatten korrumpieren lassen, wie Kar! Caspar und seine Frau Maria Caspar-Filser, waren hier auch Künstler der Neuen
Sachlichkeit und des Sunealismus, etwa Rudolf
Schlichter oder Edgar Ende, vertreten.H.:I Die
Ausstellungsleitung im Ilaus der Kunst begann
erst 1949 mit großen Präsentationen. Bereits
19 17 gab es eine Ausstellung der Mi.inchner
Künstlerverhände in der Städtischen Galerie im
Lenbachhaus. Vor allem kleinere Lokalitiiten.
wie etwa das Foyer des Schauspielhauses an der
Maximilianstrafk, boten die Möglichkeit, Kunstwerke auszustellen.H-t Auch Galeiien wie Franke.
Wimmer. Freitag, Baudenbach oder später Stangl
zeigten zeitgenössische Kunst.H'i Betrachtetman
ihre Ausstellungsprogramme näher, so wird
seimeil deutlich, dass Akademieprofessoren mit Ausnahme von Xaver Fuhr. der dreimal
zwischen 1916 und 1950 bei franke mit Einzelausstellungen pr:isentiert wurde - dort allerdings nicht \·enrctcn waren. Es gab auffallend
wenige Kunstkritiken. in denen die Münchner
Akademie enYühm wurde. \X'enn aber doch,
dann charakterisiene man sie mit den Attributen
,.lehensfern, unpraktisch und veraltet".86
\X'ührend Kar! Hofer als Leiter der seit Juni 19-ö
wiedereröffneten Berliner .. Hochschule der Künste" einen komplett neuen \\'eg einschlug und
seine Devise kundtat: .. \V'ir fangen vollständig
neu an",W lautete die Devise für J\fünchen: Tra-
Anmerkungen
Die Literatur zur 1\'achkriegsgeschichte der Akademie
ist nach wie ,.or dürftig: Annette Doms erklän expliZit, daS' sie .,auf eine tiefer eingehende Betrachtung"
der Ge~d1ehnisse an der Akademie verzichten würde.
Doms, Annnte: 1\'eue Wege. C:ber die Situation und
Rezept!On moderner I\1alerei in der \llinchner
Nachkriegszeit, :Vfünchcn 200 ·,, S. 10. Sabine Fasten
puhli7ienc jüngst ihren Tagungsbeitrag ..Tm Kampf
gegen die abstrakte Kunst. Vergebene Chancen l'H5
bis 1959", in: Z.;•cischen Deutscher Kunst und internationaler Modernität. Formen der Künstlerausbddung 191H bis 196H, Hg. Wolfgang Ruppert Christian
Fuhrmeister, Weimar 2007, S. '59-79. In beiden lJntersuchungen steht vorrangig die \lalere1 tllld die
rliCh.\\ilrtsge\undtc Kunstauffassung, die an jener Institution vorherrschte, im Vordergrund. weniger jedoch die fundamentale 1\'eustrukturierung des gesamten Hauses. Hier muss <.he soeben erschienene
Disset1ation ,·on Benedikt Maria Scherer erwähnt
55
2
3
5
6
8
9
MK 51109.
13 Monatsberichte, 27.11.1945, Schreiben der Akademie
der Bildenelen Künste an das Kultusministerium,
BayHStA, 1\!K 51409.
I ' lnten ie" mit Prof. Adolf Schinnerer über die Akademie d. Bildenden Künste München (etwa 1916), Nürnberg, GNM, DKA, 'iL Schinnerer, Adolf, I,B 1.
15 Mündliche Mitteilung von 'VIichael Curschrnann. En
kel von Aclolf Schinnerer, arn 7.11.2007.
16 [n der MariaJosepha-Straßc 2b befand sich das Wohnhaus des Präsielenten Carl Sattler. Scherer 200' (\'>JE'
Anm. !), S. 95.
1- Zur räumlichen Situation. Sehretben des Kultusministeriums an die Militärregierung, 22.3.1946, B'1yHStA.
MK 51409.
18 Scherer 2007 (wie Anm. 1), S. 88.
19 Personalakte Mildner, Akademie der Bildenden Künste 1\lünchen.
20 Vgl. auch den Bericht Sattlers an das Kultusministerium , 17.12.1947, BayHStA, MK 51443. Darin sah er
das HauptzieL die Hochschule wieder in einem Gebäude unterzubringen.
2 1 Scherer 2007 (wie Anm. 1), S. 89.
22 Angemerkt se1. dass die personalpolitische Situation
auch nach intensi1em Akten.,rudium heillos unüber~ichtlich und teils wider~prüchlich 1St.
23 Die Abgabe des Fragebogens zur "Entnazifiziemng··
wurde wohl nicht von allen schnell durchgeführt, so
dass das Kultusministerium mahnen mussre: .. daf~ diejenigen welche ihre vorschriftsgemäß ausgefül lten
Fragebogen nicht bis längstens 1. September d.,l. hierher vorgelegt haben , bis auf weiteres so behandelt
werden als ob sie Angehörige der KSDAP gewesen
seien." Siehe Schreiben [\\Ohl des Kultusministeriums] u.a. an den Syndikus der Akademie der Bildenden Künste, 17.S.1945, BayHStA, NIK 51409.
24 Siehe Monatsberichte , 27.1 1.1945, Schreiben 1on
ßernhart, Akademie der bildenden Künste, an das
Kultusministerium. ßa)l!SL'\, MK 51409 - 19t6 verließen aus Altersgründen Schinnerer. C\layerhofer,
Klemmer und Hcß die Akademie der bildenden lüinste. - Die Entlassungen aus der Akademie der ange·
wandten Kunst waren noch zahlreicher. 19 1'5 gingen
Karl Dallinger. llans Kiener, Richard Klein, Ebe Jaskolla, Karl Lösche und Theodor Scharf. Laut 1\erdrnger handelte es sich insges..1mt um 13 Professoren. the
beide Akademien verlas'ien mussten: '\erdinger. \'\'infried: Fatale KontinuiWt: Akademiegeschichte von
den Zl\ anziger bis zu den fünfziger .Jahren, in: Tradition und Widerspruch. 17'i Jahre Kunst..lkaderme
'VIiinchen , Hg. Thornas 7.acharias, 'vlünchen 1')8';.
S. 179-203, hier S 193 -Zumeist au~ Altcrsgründen
,-erlier,;en 19"+6 die ur~JXÜnglich aus der Akademie der
angewandten Kunst stammenden Professoren l<ichard
Berndl. Adolf Braig, Eise Brauneis. Georg lluclmer,
Ernst Dombrowski , Joscf Hilierbrand und Lud\\ ig
Sievert die Hochschule.
25 Siehe Personalakten der Akademie der Btkknckn
Künste München. Vgl. Scherer 2007 (wie Anm. 1). S.
92 sowie S. 236: ln die vereinigte Hochschule "urden
folgende Professoren aus der Akademie für ange
\vandtc Kunst üi"JCrnomnwn : Braig, ßrauncis. Ehmcke.
werden. die da> Leben und Wirken Carl Sattlers in
den Mittelpunkt >teilt und in diesem Zusammenhang
auch auf die Situation der I"JCiden Akademien eingeht:
Scherer, Benedikt .\bria: Der Architekt Carl Sattler. Leben und Werk ( 11{'7-1966). 2 ßde., 1\lünchcn 200-,.
jling~t er~chtencn: Ruppert, Wolfgang: Mit Akademislltus und !'.S-Kunbl gegen die ä,theti~chc Moderne . Die speile Öffnung der Akademie der Bilden
den Künste München zwischen 1918 und 196R. in:
200 Jahre Akadl'mtc der Bildenden Künste München.
kein bestnmnter Lehrplan, kein gleichförmiger
1\lechanismus'·. J Jg. Nikolaus Gcrhart. Waller Grasskamp Florian C\1att:ner. \tünchen 200R, S. -,6-8-.
v.a. ab S.RO. - An dieser Stelle ein heolichcr Dank
an Mattbias Memme!, der half, die Akten des Bayerischen llaupt,taatsarchivs durcltzu~ehen und zu
transkribieren
Bcrnhatt, Josef: Staatliche Hochschu le der bildenden
Künste. Die Hochschule der bildenden Künste 1\lünchen, in: Bayerische Kuhurpflege . Beiträge zur Geschichte der Schönen Künste in l.layern, München
1949, S. 119 127, hier S 124.
Interview mit Prof Adolf Schinnercr übe r die Akademie der l.lildenden Künste München (etwa 1946),
TntcrYicwpartner ungenannt, ürnberg. GN\1, DKA,
NL Schinnercr. Adolf, I,B-1.
Siehe Henseleit. Frank: Der Bildhauer Llernhard l.llee·
ker (1881 1968). Lehen und Werk. Augsburg 200'). S.
295. Vgl. Ruppert, Wolfgang: ?.wischen ,Führcrwille'
und der Viöion der .deutschen Kunst' Die 1930er
Jahre bis 1945. in: Zwischen Deutscher Kunst und internationaler Modernität 2007 (wie Anm. 1), S. 37-'58.
Schreiben der Akademie an das Kultusministerium,
24. ~Eir"t: 1933. BayHStA, MK 1090R
jooss. Llirgit: Die ..freudige \htarbeit'· der \1ünchner
Kunstakademie an der .,nationalen Erhebung des
Volkes". Die Jahre 1924 bis 194'1. in: Gestalt- Form
-Figur. Hans Wimmer und d ie Münchner Llildhauerschule, Hg. Volker Probst \1:\x Rrunncr!Adolf Hofsteuer, Passau. GLbtrow- Berlin 2008. S. 19-60.
J..lauer. Richard: !'liegeralarm. Luftangriffe auf München 19'!0-19·6, München 1997. S. 95. Vgl. zu den
Angriffen vor Juli 1944 Schreiben des Kultusministeriums an den Bevollmächtigen für den Nalwerkehr
Reg.Di1·. Dr. Schmitt, 13.6.1911. Ba) T-lStA. MK '51409.
Schreiben des Generalhaurats Hermann Gieslcr an
da> KultL"minhterium am 16.1.194'5 , BayHSlA, MK
51409.
Gemeint war damit das Atelier der Tiermalerei-Klasse.
das 1R95 \'On Heinrich von Zügel eingerichtet wurde:
Jooss, ßirgir: ,.gege n die sogenannten Farbenkleckser''. Die ßeh,lllptung der Münchner Kunstakademie
als eine lmtitutton der f'radition 0886-1918), in
200 Jahre Akademie 2008 ( '' ie Anrn . 1 l. S. 5+65, hier
s. s-.
10 Vormerkung des Kultusministeriums für Jv!inistcrialrat
Dr. Jacob, 2.S. I915, ßayi!StA, ~ I K 51109.
11 \Tonatsbcrichrc, 27. 11 .19·i5, Schreiben der Akademie
der Bildenden Künste an das Kultusministerium,
ßay!IStA. \IK 51109.
12 Schreiben des Kultusministeriums an den Landrat des
KreisesTraunstein in Rosenheim, 2';.9.19·15, lhyi-IStA,
56
llenselmann, J!illerbrand, Rickeit, Skellund Teutsch,
aus der Akademie für llildende Künste: Caspar, Preetorius und Wackerle. Auf Dienstvertrag angestellte
Profes~oren waren: Fuhr, Geiger, Georgii, Gött, Hiller,
Riezler, Stadler, Vertrags!ehrer: Ganghofner, Grit{ I-luher, Kern, Griegcr, Oberberger, Pfefferle, Sittl und
Thierman11. Schreiben des KultusmiJ1isterium an die
beiden Akademien, 5.11.1946. ßayl!SlA, MK 44681.
Vgl. ]ooos, Birgit/Br;111tl. SabiJ1e: PersonaHisren der
Akademie der Bildenden Künste Mlinchen 1770 bis
2008, in: 200 Jahre Akademie 2008 (wie Anm.1), S.
556-578.
26 Schreiben des Syndikus ßernhart, Akademie der bildenden Künste an das Kultusministerium, 23.11.1945,
Bayl-l.StA, MK 51409. Die Anordnung über das Verhot
der Weiterbeschäftigung entlassener Beamter erfolgte
am 13.10., die Entlassung am 29.10.1945. Henseleit
2005 (wie Anm. 4), S. 63.
27 Schinnerer an Bleeker, Ottershausen 20. 12.[1945],
Nürnberg, GNM, DKA, NL Bleeker, Bernhard, I,C-139.
28 Zinkand, \Xlerner/Raffalt, Nina: Hans Gött 1883-1974.
Leben und Werk, München 2000, S. 38.
29 Interview mit Prof. Adolf Schil'lnerer über die Akademie der Bildenden Künste München (etwa 1916),
Nürnberg, GNM, DKA, NL Schinnerer, Adolf, l,B-1.
30 Schreiben Franz Fenclts an die Akademie, 9.2.1946,
BayHStA, MK 51431. Scherer 2007 (wie Anm. ll, S. 86
und S. 90.
31 Scherer 2007 (wie Anm. 1), S. 79-81.
32 Siehe Bauer, Richard: Ruinen-Jahre. Bilder aus dem
zerstötten München 1945-1949, München 1983, S. 35.
33 Personalakte Dombrow~ki. Akademie der Bildenelen
Künste München.
31 Nerdinger 1985 (wie Anm. 24), S. 195.
35 Doms 2004 (wie Anm. 1), S. 99.
36 Die Unsicherheit beider Seiten bezüglich der Beschäftigung lässt sich exemplarisch an Schinnerers
Dienstverhältnis ablesen: Am 10.4.1946 erhielt er ein
Schreiben des Ministeriums, dass er .,Auf Weisung
der l\lilithnegierung München vom 21.:).1946 mit sofottiger Wirkung" und ,endgültig" aus dem Dienst als
o. Professor bei der Akademie der bildenden Künste
in München entlassen sei. Knapp ein halbes Jahr sp:itcr, am 13.9.1946. erfolgte die Ruhcstanclsvcrsctzung.
Doch bereit~ am J 2. 11.19 16 informiene ilin das Ministerium: .,Die Militärregierung Bayern (Operation
Zebra) hat zugestimmt, dass Sie bis auf weiteres in ihrer derzeitigen dienstlichen Stellung als Akademieprofessor bei der Akademie der bildenden Künste
München Yerbleiben.", 1\'ürnberg, GNM, DKA, NL
Schinnerer. Adolf, 1, B-1.
37 Dazu jüngst erschienen: Schweizer. Stefan: .,l.'nserer
Weltanschauung sichtbaren AusclnKk geben". 1\'arionalsozialbtische Geschichtsbilder in historischen Festzügen zum ,Tag der Deutschen Kunst'. Göttingen
2007.
38 Schreiben der Akademie an das Kultusministerium,
5.').1946, Bayl-l.StA, MK 51409.
39 Wolfgang Ruppert kommt aufgrund des Studiums der
Personalakte Kaspars auf folgende Datierungen:
29.10.19'1'5 erste Entlassung, 13.11.19'15 Wiedereinstcllung, 31.7.1946 zweite Entlassung, 1'1.111946
zweite Wiedereinstellung: Ruppett 2008 (wie Anm. 1).
S. 76-87. hier S 80-81.
40 Personalakte Richard Berncll, Akademie der Bildenden
Künste München.
41 Doms 2004 (wie Anm. 1), S. 68. Hinclelang, Ecluarcl
(Hg.): Kar! Caspar, 1879-1956. Zum hundertsten Gebll!tstag, Langenargen 1979, S. 99.
42 Siehe Beckm::mn, Max: Tagebücher, Dienstag.
9.7.1946, in: ders.: Tagebücher 1940-1950, Hg. Erbare! Göpel. München/Zürich 1987 (Ersterschemung
1955), S. 169.
43 Brief von Sattler an Caspar am 15.10.1947, Personalakte Kar! Caspar, Akaclem.ie der Bildenelen Künste
München.
44 Doms 200Li (Anm. 1), S. 71-72.
45 Scherer 2007 (wie Anm. 1), S. 87.
46 Doms 2004 (wie Anrn. 1), S. 68-69.
47 Schreiben Sattlers an das Kultusministerium, 9. 5. 19'16:
hier spricht er von der "beabsichtigten Zusammenlegung'' der beiden Akademien , Bayl-l.StA. MK 51409.
48 Schreiben des Kultusministers Franz Fendt an die
Akademien, 22.3.1946, ßay!JSlA. MK 51399
49 Rede Aclolf Seilinnercrs zur Eröffnung der Akademie
in Haimhausen [im Manuskript undatielt, im neunseiligen Typoskript datiert auf ,.im Sept. 1946"), Nürnberg, GNM, DKA, NL Schinncrcr, Aclolf, T,B-3.
50 Als Leiter der Ausschüsse für die politi~che Prüfung
der Studierenden amtierten für die Akademie der Bildenelen Künste Prof. Dr. Emil Preetorius und für die
Akademie für angewandte Kunst Prof. Dr. Skell. Nach
emer dreitägigen Aufnahmeprüfung und der Entrichtung von 50 Reichsmark Studiengebühren wurden 88
Maler und 12 Bildhauer zum Studium im Sommersemester 1946 zugebssen, das- nach der offiziellen Erlaubnis durch die amerikanische Militänegiemng- am
29. Juli begann, BayllStA, MK 51409
51 R.M.: Die Münchner Akademiker, in: Süddeutsche
Zeitung, 26.11.1946. S. 6, zitiett nad1 Doms 2004 (wie
Anm. 1) , S. 75.
52 Einladung zur feierlichen Wiedereröffnung der Kunsthochschulen Münchens, BayHStA, MK 51399 und MK
51409. Scherer 2007 (.wie Anm. 1), S. 90-91.
53 Süddeutsche Zeitung, 9.8.1946, S. 5, zitiert nach Doms
2004 (wie Anm. 1), S. 66.
54 Schreiben Sattlers an das Kultusministerium.
30.9.1946, Rayl-l.StA., MK 51410. Die Formulienmg
lautet: "Ich erfuhr daraus, dass sich Cpt. Rae flir die
Zusammenlegung der zwei Akademien interessiert
und zwar haupr.sächlich in der Hoffnung aus den
Einsparungen sein Projekt eines künstlerischen Austauschdienstes im Führerbau damit zu ermöglichen."
Links am Rand handschJ"ifiliche Bleistiftkorrektur: ,.x
Verwaltungs/bau'· freundliche Mitteilung von Michael Koch.
55 Scherer 2007 (wie Anm. 1), S. 235.
56 Bereits im November 1945 hatte das Kultusministerium in einem Schreiben des Finanzministeriums
Kennrnj:, von der geplanten Auflösung beider Akademien sowie stattdessen der Errichtung einer Hochschule erhalten, 2 1.1.1946, BaylJStA. MK 51409.
57 Schreiben Bernbarts an das Kultusministerium,
6.12.19-+6, Bayl-l.StA. \1K 51443.
57
58 An die neue I lochschule wurden versetzt: Direktor
Carl Sattler, die Professoren der Akademie für angewandte Kunst Braig, Brauneis, Ehmcke. llenselmann,
llillerbrand, Ricke11, Skell und Teutsch, die Professoren der Akademie der bildenden Künste Caspar, Prcetorius und \X'ackerle, die auf Dienstvertrag angestellten Lehrer der beiden Akademien Fuhr. Geiger,
Georgii, Gött. Hiller, Riezler, Stadler. die Vertrags lehrer Alois Gangkofner, Emilie Grief, Karl Josef Huber,
1Jerbert Kern. Emil Grieger, josef Oberberger, Max
Pfefferle. Karl Silll und Adolf Thiermann [heute ab
Werkstattleiter bezeichnet), der Syndikus Bernhart,
der Regierungsinspektor Walter Kießling, der Haus,·erwalter .Johann Hagen SO\'\ ie sieben Hausangestellte. Schreiben des Kultusministeriums an beide
Akademien. 5.11.1946, ßayllSlA. MK 51:399
59 Rede 1·on Adolf Schinnerer (wie Anm. '19). In diesem
Faszikel sind verwirrenderweise drei l'e rschieclene
Daten für die Eröffnung in Haimhau~en festgehalten:
.3.51946, Sept. 1916 und 17.10 1916.
60 Vortrag 1·on Adolf Schinnerer, anlibslich der Zusammenlegung von Akademie und Kunstgewerbeschule
(etwa 1946). Nürnberg. G'\11\1, DKA. 1\L Schinnerer,
Adolf, I,B-17R. Außerdem: "aus berufener Feder":
Hinter verschlossenen Türen. Gef~hrliche Entwicklung der Akademie. In: J\lünchner Studentenzeitung
.fg. 1, Nr. 9, München. Juni 1948, S. 3-4. 1\'ürnberg,
Gl\M, DKA SL Schinnerer, Adolf, I,ß-lRO.
61 Verordnung über die Hochschule der hildenclen
Kunst, 20.3.19'-16, mit Wirkung vom !.11.19'16,
BayHStA, \IK 51.399.
62 Scherer 2007 (\\ ie Anm. 1 >. S. 88.
63 Schreiben de; Kultusministeriums an die i\1ilitärrcgierung zur Wiederaufnahme des I.ehrhetriehs,
8.5.1946, BayHStA, MK 51431.
6 I Verordnung über die Hochschule der bildenden
Kunst, 20 ..~.1916, mit Wirl"ung IOI!l '1.11.19'16,
BayHStA. '-'IK 51399; 1gl. llayerischer Staatsanzeigcr,
1\r. 25. 1016, 2. Vgl. Scherer 2007 (wie Anm. I), S. 2.36.
65 ßraig 11·a r Zll ~~~- deutschnational gesinnt, förderte aber
die indil'iduelle Kreativität seiner Schüler, vgl. Zuber,
llrigitte: Gymnasiale Kunsterziehung der NS-Zeit. Das
Beispiel \fiinchen (Di~s. München 2007), Göttingen
2009, S. 301-307.
66 Personalakt Braig, llayllStA, MK 36 H 1.
67 Schreiben des Kultusministers Fenclt an ehe Akademie,
20.3.19'16. l3ayl IStA. MK 51 110.
6H Die ßedingt11;g der VorhHclung konnte eine Gesellenprüfung, e in Fachschubbschluss oder eine einjährige praktische T~itigkeit in einer Werhtätte sein.
Sch rifi .,Oie Zukunft der sogenannten .gestaltenden
Berufe''·. e1·tl. von dem Architekten Michael Gribl
wrfasst, llayHSLA. MK 51 t7.~ sowie Schreiben Sattlers
an das Kultusministerium, 6.11.19'16 und 7.1 1.19'16,
llayl IStA, .'viK'i I 1.)2.
69 Scl;erer 2007 (wie Anm. 1>. S. 9~.
'0 Schreiben von Adolf Sch in nerer an einen 1lerrn
Schroer, Ottershausen. 1R.l. 19 1R. 1\ürnberg. GI\M,
DKA, NL Schinnerer, Aclolf. I,B-1.
-1 Zeir>chrift für Kunst, I. 1917. Heft .:1. S. 6H-69, hier ~69. \'gl. generel l Barron, Stcphanie· Eckmann, Sahine:
Kunst und Kalter Kneg. Deutsche Positionen. 19 l'i-89,
Köln 2009.
72 Gelehrt 11 urden traditionelle Bildinhalte in .Besm
nung" auf die Münchner .Atelierkultuc. Eckstein,
Hans: Maler und Bildhauer in München, ~lünchen
1946. oS
73 Schreiben Sattlers an das Kultusministerium,
17.12.1947 , ßayl!StA MK 51'143
7t ßericht Sattlers an das Kultusministerium. 17.12.19·P.
BayHStA. \JK 51 113.
75 Fasten 2007 (II ie Anm. 1).
76 Zitiert nach Fasten 200 7 (11·ie Anm. 1), S. 61.
77 Siehe Nemitz, Fritz: Deutsche Malerei der Gegenwan, München 19'18, S. 100.
78 Doms 200'1 (\\'ie Anm. 1), S. 71-72.
79 \ 'erzeiclmis der Sonderberichte der Lehrer der !lochschule für bildende Kün;te. Anlage aus dem Schreiben Sattlers an das Kultusministerium. 17.12.194 7 ,
BayHStA, 'VIK 51 113.
RO Das Kunstwerk: Sonderheft wr Abstraktion und Surrealismus 1947, 1·gl. auch Doms 2004 (wie Anm. 1 ),
S. 31-'10.
81 Siehe Monarsberichte , 27.11.19·6. Schreiben der Akademie der bildenden Kün~te an das Kultusmini~re
rium, BayllSLA. MK '51409. Vgl. auch Vormerkung
[wohl aus dem Kultusministerium] für Ministerialrat
Dr. jacob, 2.8.1945, BayHStA, MK 51·109.
82 Doms 200-1 (wie Anm. 1), S. 25 .
83 Held, Jutta: Kunst uncl Kunstpolitik 19'15-19'19. Berlin
1981 S. 298.
81 Dom; 200'1 (wie Anm. 1), S. 62.
85 Held 19Rl (\Yie Anm. 83). S. 3 r' 3'19 sowie Doms
2004 (wie Anm. 1) , S. 183-185.
86 Die Kunst und das Schöne Heim, IV.2, I 949. 50, S. '7).
R7 Zitiert nach Mai, Ekkehard: Westdeutsche Kunstakademien nach ·4'5. Skizze der er;ten Jahre, i.n: 'q') und
die Folgen. Kunstgeschichte eines \X'iederbeginns,
Hg. Rorger, Hugo Mai. Ekkehard Waetzold. Stephcm,
Köln 'Weimar Wien 1991. S. lfi'-19R. hier S. 190.
RH Sc bieder, -~ ·lcmin ·Ewig Isabelle (Hg.): In die Freiheit
geworfen. Positionen zur deutsch-französischen
Kunstgeschichte nach 19'15. llerlin 2006.
H9 Doms 200 1 ( 1\ ie Anm. 1 ), S. '13.
90 SieheBernbart 19-19 (\\ie Anm. 2), S. 119-12', hier
s. 127.
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