Tacke Dresdner Malerordnungen der Fruehen Neuzeit 2001

Tacke Dresdner Malerordnungen der Fruehen Neuzeit 2001
Originalveröffentlichung in: Anzeiger des Germanischen Nationalmuseums 2001, S. 29-47
Andreas Tacke
Dresdner Malerordnungen der Frühen Neuzeit
Ein Quellenbeitrag zur Kunstgeschichte als Handwerksgeschichte
Abstract
Zusammenfassung
Die Malerordnung der Kursächsischen Stadt Dresden von
1 574, die auch für Bildhauer und Bildschnitzer verbindlich war,
sowie deren N eufassungen 1620 und 1 6 5 8 / 1 6 5 9 geben
Aufschluß zur Biographie eines Künstlers, zu Arbeitsablauf und
Organisation einer Künstlerwerkstatt und schließlich zur Aus­
bildung von Lehrlingen. Die Ordnungen regelten genau die je­
weiligen Pflichten von Lehrherren sowie Lehrlingen und Gesel­
len, die Wanderzeit der Gesellen und schließlich die Anferti­
gung der Meisterstücke. Auch der Bezug von Arbeitsmaterialien
und der Verkauf der Arbeiten unterlag festen Regeln. Innerhalb
der Hierarchie des städtischen Handwerks nahmen die Maler
einen recht niederen Rang ein. In Deutschland führte erst die
Gründung von Kunstakademien in der 2. Hälfte des 17. Jahr­
hunderts zu akademisch ausgebildeten Künstlern, die große
Mehrzahl der Maler verblieb jedoch zunächst noch im Hand­
werkerstand. Die Dresdner Malerordnung von 1 6 2 0 ist im Wort­
laut abgedruckt.
The 1 5 7 4 Painters Statutes of Dresden, which were also binding
for sculptors and carvers, and the revised Statutes of 1 6 2 0 and
1 6 5 8 / 1 6 5 9 p r o v i d e insights in the w a y artists lived, the working methods a n d Organization of artists' Workshops a n d also
the training of apprentices. The regulations governed the respective responsibilities both of masters and of apprentices and
journeymen, journeymen's years of travel, and also the production of masterpieces. The acquisition of materials and the
sale of products, too, were governed by strict regulations. Within the hierarchy of the urban trades, the Status of painters was
relatively low. In Germany, it was only after the establishment
of art academies in the 2nd half of the 1 7th Century that pain­
ters began to be academically trained, and even then, for some
time to come, most painters continued to belong to the tradesman-class. The Dresden Painters Statutes of 1 6 2 0 is printed verbatim.
zeigt, welche Aspekte bei einer nahezu ausschließlich
geistes- beziehungsweise ideengeschichtlichen Sicht­
weise ausgeklammert werden, und dies vor allem in Hin­
blick auf einen Kernbereich der Kunstwissenschaft, zu
dem die Rekonstruktion von Künstler-Viten und die Er­
arbeitung von Werkverzeichnissen gehören. Bei dem
Versuch, Fragen zur Biographie eines Künstlers wie
auch zum Arbeitsablauf in den Künstlerwerkstätten
selbst zu beantworten, unterliegt man leicht einem Sche­
matismus, der scheinbar nicht zu klärende Fragen nach
der künstlerischen Ausbildung und Produktionsweise zu
überbrücken sucht; oft genug findet sich eine Gleich­
setzung mit der Situation des Künstlers im 1 9. Jahrhun­
dert. Doch der frühneuzeitliche Künstler studierte nicht
an Akademien und warauch nicht nach der Ausbildung
freiberuflich tätig, sondern in Zünften organisiert oder
zumindest zunftähnlichen Ordnungen unterworfen1.
Diese versuchten vom Eintritt in die Lehre über die Ge­
sellenzeit (die teilweise als Wanderzeit vorgeschrieben
war) bis hin zu der Ablegung der Meisterprüfung, der
Mit der Etablierung des Fachs Kunstwissenschaft an
deutschen Universitäten begann in Vergessenheit zu ge­
raten, daß die Geschichte der Kunst im Alten Reich auch
Handwerksgeschichte ist. Die Synthese von Ästhetik und
Kunstgeschichte oder Kunstgeschichte als Künstlerge­
schichte sowie die rein formalisierende Betrachtung von
Kunstwerken beziehungsweise die Konzentration auf
ihre Stilanalyse schlössen - wissenschaftsgeschichtlich
gesehen - die N iederungen des Handwerks aus. Denn
die dazu entwickelten und heute mitunter verblassen­
den Methoden vermochten nicht die alltags- und sozi­
algeschichtlichen Aspekte von Kunst und Künstler einzubeziehen. Zudem läßt nach wie vor eine selbst auf­
erlegte Beschränkung auf »große Kunst« und »große
Künstler« das Material beiseite, welches nun zuneh­
mend von den historischen N achbardisziplinen aufge­
griffen und mit stets wechselnden Fragestellungen und
Methoden ertragreich bearbeitet wird.
Am Beispiel der Maler (sowie Bildhauer und Schnit­
zer) der kursächsischen Stadt Dresden sei hier aufge­
29
von der Begabung - der Beruf des Vaters über Gene­
rationen hinweg auf die Söhne vererbt werden konnte.
Doch gerade an dieser Handhabung wird die Zunftkritik
des 1 8. Jahrhunderts ansetzen: »Daß der Vorzug derer
Meisters-Söhne also müsse eingeschräncket werden /
daß nicht durch solchen viel ungeschickte Glieder in die
Innung kommen: Indem doch die Wissenschafft nicht angeerbet / oder angebohren; sondern durch Mühe er­
langet wird«4. Solange die Dresdner Barockmalerei in
ihrer ganzen Breite nicht einmal ansatzweise erforscht
ist5, wird man sich über die Auswirkungen dieser Aus­
sagen in Hinblick auf die Ölmalerei kein Urteil erlauben
können. Aber insgesamt darf festgehalten werden, daß
mit der Bevorzugung der Meistersöhne eine Wurzel für
die zahlreichen drittklassigen deutschen Gemälde be­
nannt ist.
Terminologisch ist festzuhalten, daß in den ange­
sprochenen Dresdner Quellen von »Innung« oder »Ge­
sellschaft«, nicht von »Zunft« beziehungsweise »Gilde«
die Rede ist. In der kunsthistorischen Literatur hat sich
zudem die strenge Regelung - den Begriff der Gilde für
Kaufleutekorporationen und den der Zunft für gewerb­
liche Verbände zu verwenden - nicht durchgesetzt. Die
Kunstwissenschaft verwendet ihn nach wie vor im geo­
graphischen Zusammenhang, das heißt in Mittel- und
Süddeutschland »Zunft« beziehungsweise »Innung«
und in Norddeutschland und an der Küste, hier auch in
Holland oder Dänemark, »Gilde« 6 .
Zum besseren Verständnis der drei Dresdner Ord­
nungen sollen kommentierende Vergleiche zur Situa­
tion »der Künstler als Handwerker« in München bezie­
hungsweise Nürnberg gegeben werden, da zu diesem
Thema Forschungsergebnisse aus den letzen Jahren vor­
liegen7.
Alle drei Dresdner Ordnungen beginnen mit der Re­
gelung der Selbstverwaltung und sehen dazu im 1. Ar­
tikel die Wahl der »Eltisten« vor. Der Vorstand der Ma­
lerinnung bestand aus zwei von den Innungsmitgliedern
am Tag des Evangelisten Lukas, also am 1 8. Oktober,
gewählten Altesten und einem vom Rat beigeordneten
Ratsherrn. Sollte einer der beiden Vorgeher im Amt ver­
sterben oder sein Amt niederlegen müssen, hatte eine
Nachwahl stattzufinden. Die beiden Altesten waren für
die Einhaltung der Ordnung sowie für die Durchführung
der halbjährlich stattfindenden Treffen - am Lukastag,
dem Wahltag, und am Sonntag Trinitatis, also am ersten
Sonntag nach P fingsten - verantwortlich. Ihnen oblag
es, die Gelder und Unterlagen zu verwalten und zu
verwahren; nur sie hatten die Schlüssel zur Lade8. Sie
vertraten auch die Anliegen der Innung nach außen
hin und waren für den Rat Ansprechpartner in allen
Heirat und Führung einer eigenen Werkstatt, dem Ein­
kauf der Arbeitsmaterialien und sogar dem Verkauf der
Kunstwerke selbst, ja der Beerdigung von Zunftmitglie­
dern und gegebenenfalls der Versorgung der hinterlassenen Witwen und Kinder alles zu regeln. Die Künst­
ler waren eben »nur« Handwerker und nahmen zudem
in der Hierarchie der handwerklichen Berufe einen un­
tergeordneten Rang ein - erst ein idealistisch gepräg­
tes Künstlerbild des 1 9. Jahrhunderts hat aus ihnen et­
was Besonderes gemacht. Zwar nahmen die Spannun­
gen in der 2. Hälfte des 1 7. Jahrhunderts angesichts des
Wunsches einer Gruppe von Künstlern nach Gründung
eigener Akademien auch in Deutschland - wie schon
zuvor in Italien, Holland und Frankreich - merklich zu 2 ,
jedoch relativierte dieses Streben der Minderheit nach
einer theoretisch fundierten Ausbildungsform nicht die
soziale Wirklichkeit der großen Mehrheit der frühneu­
zeitlichen Künstler im Alten Reich.
Will man also einen bildenden Künstler der Frühen
Neuzeit im Deutschen Reich biographisch beziehungs­
weise weitergehend monographisch bearbeiten, ist
nach seinem Ausbildungsort, der oft genug der Ge­
burtsort war, zu fragen und festzustellen, welche Zunft­
vorschriften in Hinblick auf seine Ausbildung und - war
diese erfolgreich absolviert - der selbständigen Werk­
stattführung galten. Zudem ist für die Mobilität der Künst­
ler zu beachten, daß sie sich nach einem Ortswechsel
wiederum der Zunftordnung der gewählten Stadt zu un­
terwerfen hatten.
Die angesprochenen Zunftbestimmungen sollen im
Folgenden am Beispiel der Dresdner Ordnungen von
1574, 1620 und 1 6 5 8 / 1 6 5 9 exemplifiziert werden 3 ,
wobei die am 10. August 1620 bestätigte Malerord­
nung im Wortlaut abgedruckt ist.
Die einzelnen Artikel der Dresdner Ordnungen,
eine vergleichende Analyse
Die Zuständigkeit der Ordnung aus dem Jahre 1574
bezog sich auf Maler, Bildhauer und Schnitzer, wäh­
rend die Ordnungen von 1 6 2 0 und 1 6 5 8 / 5 9 allein
auf die Maler zugeschnitten waren. Allen drei Dresd­
ner Ordnungen gemeinsam ist die Bevorzugung von
Meistersöhnen, das heißt der Kinder von Zunftmeistern
des eigenen Handwerks. Ihnen wurden gegenüber den
»Quereinsteigern« gravierende Vorteile hinsichtlich der
Ausbildungslänge wie des dafür notwendigen finanzi­
ellen Aufwandes eingeräumt, was dem Grundcharak­
ter aller deutschsprachigen mittelalterlichen und früh­
neuzeitlichen Handwerksordnungen entspricht. Mei­
stersöhne wurden derart bevorzugt, daß - unabhängig
30
Innungsangelegenheiten. Ältester zu sein wa r grund­
sätzlich ein Ehrena mt, jedoch za hlten die Innungsmit­
glieder lediglich eine »Aufwa ndsentschädigung« oder
richteten in diesem Sinne ein Essen a us.
Im 2. Artikel wird der Ablauf der turnusmäßigen Voll­
versa mmlungen geregelt. Die Teilna hme wa r für a lle
Pflicht, und ma n konnte nur im Krankheitsfalle und in be­
gründeten Ausna hmen befreit werden. Die Leitung ob­
la g den beiden Ältesten. Ihnen wa r a usdrücklich vor­
beha lten, falls erforderlich, auch mittels Strafgeldern die
geordnete Durchführung der Versa mmlungen zu ge­
währleisten.
Der 3. Artikel regelt die Aufna hme von Lehrjungen;
nur Jungen, nicht Mädchen 9 , sta nd eine Ma ler-, Bild­
ha uer- beziehungsweise Schnitzerlehre zu 10 . Ausbilden
durften nur die eingeschriebenen Innungsmeister. In der
Regel war nur ein Lehrling pro Werkstatt erla ubt. Sollte
ein zweiter hinzukommen, mußte dieser zum ersten Jun­
gen seine Lehre um zwei Ja hre versetzt beginnen. Vor
Antritt der Lehre war der schriftliche Na chweis der ehr­
lichen Geburt ebenso Vora ussetzung wie da s Stellen
von zwei Bürgen, die Beza hlung eines Einschreibegel­
des sowie die Ausrichtung eines Essens für die bei der
Einschreibung a nwesenden Ältesten. Die Ausha ndlung
der Lehrbedingungen selbst erfolgte zwischen dem Lehr­
meister und den Eltern beziehungsweise Bürgen 1 '. Die
Länge der Lehrzeit richtete sich na ch dem Eintrittsa lter
des Buben und wieviel Lehrgeld von den Eltern bezie­
hungsweise Bürgen a n den Meister geza hlt werden
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Stammbuch
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»Fr. Schinnagl
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Mallergesell«
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Maller
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turieren. Man könnte mit deren Hilfe, soweit sie intakt
über die Jahrhunderte auf uns g ekommen sind, jeweils
für eine Stadt statistisch erfassen, wie viele Lehrlinge von
ihren Eltern vertreten wurden oder wie häufig ein Vor­
mund das Waisenkind bei der Ein- und Ausschreibung
beg leitete. Die Herkunftsorte der Lehrjung en wären
ebenso zu ermitteln12 wie die Anzahl der abg ebroche­
nen Lehren - mit Angabe der Gründe - oder ein Wech­
sel innerhalb der Lehrzeit. Die Dauer der einzelnen Lehr­
zeiten wäre in Erfahrung zu bring en wie auch die Zahl
derer, die aufg rund der Nichtzahlung des Lehrg eldes
noch im Anschluß an ihre Lehre dem Meister zuarbeiten
mußten, was wiederum Rückschlüsse auf die soziale
Herkunft zuläßt. Wir erführen etwas über die Häufig keit
von Zusatzvereinbarung en, also inwieweit beispiels­
weise dem Lehrherrn für aufgebesserte Mahlzeiten des
konnte. Der Ermessensspielraum für die Läng e der Aus­
bildung szeit betrug fünf bis sieben Jahre, jedoch nicht
wenig eralsfünf Lehrjahre. Meistersöhne beendeten ihre
Lehrzeit grundsätzlich mit dem fünften Jahr und waren
zudem von der Ein- und Ausschreibegebühr dann zu be­
freien, wenn sie bei ihrem Vater lernten. Neben der
Sorg faltspflicht des Lehrherren hinsichtlich der Ausbil­
dung und ang emessenen Unterbring ung des Jung en
wird vor allem betont, daß der Jung e seinem Meister
nicht weg laufen dürfe. Alle Beschwerden der Jung en,
der Eltern beziehung sweise Bürg en oder der Meister
waren an die Ältesten zu richten. Wichtig ist, daß der­
artig e Vorg äng e schriftlich festzuhalten waren. Somit
ließe sich der Alltag der ang ehenden Künstler durch
eine Auswertung der Protokollbücher, hier der Ein- und
Ausschreibebücher der Lehrling e, etwas deutlicher kon-
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»... in W i e n A ° 1649 den 19.
Johann Ferd. Tierscher [?]«
Abb. 6
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Jungen mehr gezahlt wur de 13 . Die so gewonnen Ein­
blicke in das Alltagsleben der angehenden - um bei un­
serem Beispiel zu bleiben - Maler, Bildhauer und Schnit­
zer sind Bausteine für eine sozialgeschichtliche Dar­
stellung der Kunst14. Mit dem Ausschreiben aus der
Lehrlingsliste wurde die Lehre beendet und dem Jung­
gesellen gegen Z ahlung einer Gebühr sein Lehrbrief
ausgehändigt.
Für die kunstgeschichtliche Forschung ist die Rege­
lung der Meisterprüfung im 4. Artikel der Dresdner Ord­
nungen am aufschlußreichsten, waren doch hierzu
Kunstwerke als »Probstücke« anzufertigen, von denen
sich einige erhalten haben 15 . Als Voraussetzung zur Auf­
nahme der Meisterprüfung war der Nachweis einer ab­
geschlossenen Lehre und einer dreijährigen Wander­
zeit zu erbringen (Abb. 1-6) 1 6 . Ein ortsansässiger Mei­
»Andreas Dotter Mallergesell
ihn
[Niederaltaich]
1647
Jahr«
Nideralttag
ster mußte bestätigen, daß im Anschluß an die Wan­
derzeit ein zweijähriges gesellenweises Z uarbeiten in
seiner Werkstatt absolviert wurde. Addiert man die
Lehr-, Wander- und Pflichtgesellenzeit, war in Dresden
die Ablegung der Meisterprüfung - die eine Voraus­
setzung für das selbständige Führen einer Werkstatt
war - frühestens nach zehnjähriger Ausbildung mög­
lich. Jedoch war für »Einheimische und Bürgerkinder«
eine Verringerung der Mindestjahre um ein Jahr, also
auf insgesamt neun Jahre, möglich und Meistersöhne
mußten nur sechs Lehr- und Gesellenjahre absolvieren.
Die Anmeldung zur Meisterprüfung erfolgte während
der halbjährlich stattfindenden Treffen der Innung; Ge­
burt- und Lehrbrief sowie der Nachweis der Wander­
schaft wie auch der Pflichtgesellenjahre waren vorzu­
legen sowie die Z ahlung einer »Bearbeitungsgebühr«,
33
die erneut nach bestandener Prüfung fällig wurde. Bei
der Festlegung von Umfang und Themen der Meister­
stücke weicht die Ordnung von 1 5 7 4 von den Rege­
lungen der Ordnung von 1 6 2 0 und 1 6 5 8 / 1 6 5 9 be­
züglich der Maler dahingehend ab, daß die beiden
späteren Ordnungen nunmehr die Anfertigung von zwei
statt drei Probestücken verlangten. Der 4. Artikel (»Vonn
Meister werden auch derselben stucken vnd wie mann
darinnen verfharen sol«) der Ordnung von 1 5 7 4 regelt
die Meisterstücke für die Maler sowie der Bildhauer und
S chnitzer wie folgt: »Der Mahler Meisterstuck sol sein.
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Vonn Öelfarben z w o Tafeln. Ein jde z w o Elln hoch vnd
anderthalb Ein breit. Auf die Erste: Die Übertretung vnserer ersten Eltern A d a m vnd Even mit einer Landtschafft
vnd Mancherley Thieren (Abb. 7). Auf die anndere: Die
geburth Christi mit einem rechten perspectivischen gebeude, auß der rechten Architectur gezogen, mit einem
Leistlein oder Carnis darumb von pronirtem golde verguldet. Alles beydes von Öelfarben, auß freyem S inne,
sondere einige Kupfferstiche oder kunststucke. Zum Drit­
ten: Ein gut Laubwergk, graw inn graw oder zu was fär­
ben einer Lust hat (von Oel oder Wasserfarben)« 17 . Zum
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Abb. 7
Der S ündenfall,
Daniel Kellerfhaler
(1574?-1648),
Dresden,
Vorzeichnung zum Meister­
stück (?), Feder laviert.
Kunstsammlungen der
Veste Coburg
»Meisterstuck der Bildhawer vnd 18 Schnitzer« wird in
der Ordnung von 1574 gefordert: »Erstlich: Ein Crucifix anderthalbe Ellen hoch, das es frey vnd ledig stehe,
aus Stein oder Holz. Zum anndern: Die Historia von der
Außfürrung zur Creuzigung vnsers lieben Herrn Jesu
Christi, mit einem gedrenge sambt einem gepewdt vnd
Landtschafft, fünfviertl19 hoch, vonn Holz oder Stein.
Zum dritten: Ein Corrintisch Capithel einer halben Ellen
hoch, durchbrochen, ohne schaden, nach rechter teylung, wie es Corrintische arth außweißet 20 . Zum viertten: Ein Muster 2 ' zu einem Epittaphio sambt dem Bildtwerck nach Corrintischer arth vnd neher außtheilung 22
auf ein pappir gerißen, einer eilen hoch 23 « 24 . Die O rd­
nungen von 1 6 2 0 und 1 6 5 8 / 1 6 5 9 sahen für die Ma­
ler als Meisterstück zwei Ölgemälde auf Holz in den
Maße von circa 1 1 3 x 85 cm vor. Vorgegeben waren
nach wie vor die Themen: Zum einen der Sündenfall in
einer Landschaft mit Tieren und zum anderen Christi Ge­
burt; beim zweiten Gemälde war zudem ein vergolde­
ter Holzrahmen mitzuliefern. Das Meisterstück war - so
regelten alle drei Ordnungen gleichlautend - unter Auf­
sicht im Haus eines Innungsmitgliedes anzufertigen, wo­
bei gewährleistet werden mußte, daß keine unerlaub­
ten Hilfsmittel - wie druckgraphische Blätter - verwen­
det wurden. Zum Anfertigen der Meisterstücke wurden
sechs Monate Zeit gelassen. Die Begutachtung erfolg­
te - wenn diese auch in den O rdnungen nicht aus­
drücklich erwähnt wird - durch eine Kommission, die
vor allem aus den Ältesten und vom Rat beigeordneten
Mitgliedern bestand. Nach bestandener Meisterprü­
fung und Entrichtung einer Gebühr durfte sich der Jung­
meister in das Meisterbuch einschreiben. Das ange­
sprochene Meisterbuch war auch zu konsultieren, wenn
ein Meister nach Dresden kam und hier arbeiten woll­
te. Damit geben die Einschreibebücher der Meister, ne­
ben den schon genannten der Lehrlinge, Aufschluß über
die herkunftsmäßige Zusammensetzung der Künstler ei­
ner Stadt 25 .
Zur Vermeidung von unlauterem Wettbewerb ver­
faßte man den 5. Artikel. Vermieden werden sollte, daß
durch »Dumping«-Preise Aufträge ergattert oder durch
üble Nachrede von anderen Werkstätten abspenstig
gemacht würden. Das Abwerben von Gesellen wurde
unter Strafe gestellt. Zum anderen versuchte man im 5.
Artikel die Maler-, beziehungsweise Bildhauer- und
Schnitzarbeiten zu definieren und inhaltlich von den
Tätigkeiten anderer Handwerker, namentlich der Tisch­
ler, Maurer und Dachdecker, abzugrenzen. Denn auch
diese würden, so die stets gleichlautende Klage, Ar­
beiten, die nur den Innungsmitgliedern zustünden, aus­
führen.
35
Die Aufnahme von Wandergesellen aus O rten in
Deutschland oder dem Ausland legt der 6. Artikel fest.
Wandemden Gesellen des selben Handwerks war we­
nigstens acht bis vierzehn Tage lang Arbeit zu geben.
Dies war auch in auftragsarmen Zeiten zu gewährlei­
sten; da die Wandergesellen Lohn erhielten, wurden die
ortsansässigen Meister reihum mit einer acht- bezie­
hungsweise vierzehntägigen Beschäftigung dieser Ge­
sellen belastet. W a r jedoch genügend Arbeit vorhan­
den und verstanden sich Meister und Wandergeselle,
handelten die Beteiligten spätestens nach vierzehn Ta­
gen die Arbeitsbedingungen und den Wochenlohn für
ein längeres Beschäftigungsverhältnis unter sich aus.
Der 7. Artikel befaßt sich mit der Beilegung von Streit­
fällen. Am Beispiel eines mehrstufigen Modells wird ver­
sucht aufzuzeigen, wie ein sich lang hinziehender Streit­
fall zu handhaben ist.
Die Versorgung von Malerwitwen regelt der 8. Arti­
kel. Er legt fest, daß diese die Werkstätte ihrer verstor­
benen Männer zwecks Sicherung ihres eigenen Lebens­
unterhalts weiterführen dürfen, ja, sich durch einen »tüch­
tigen« Gesellen unterstützen lassen sollen.
Im 9. Artikel wird einem jeden Innungsmitglied »Ehrund Redlichkeit« abverlangt; sollten daran nachweis­
bare Zweifel bestehen, ist der Überführte von den Ver­
sammlungen auszuschließen.
Im 10. Artikel ist von der geziemenden Beerdigung
der Innungsmitglieder die Rede. Alle - Meister, Gesel­
len und Lehrlinge - hatten dem verstorbenen Mitglied
das letzte Geleit im »Trauermantel« bis ans Grab zu ge­
ben. Zur Bedeckung des Leichnams wurde ein Leichtuch
verwendet, für dessen Pflege Innungsmitglieder regel­
mäßig Gebühren entrichteten26.
Um die Einhaltung aller Artikel zu gewährleisten und
zu vermeiden, daß jemand sich bei Übertretung mit Un­
kenntnis der O rdnung herausreden konnte, sollten alle
Punkte der O rdnung - so wird im 1 1. und letzten Arti­
kel festgelegt - auf den halbjährlich stattfindenden Voll­
versammlungen vorgelesen werden.
Administrative Umsetzung
Die genannten Zunftordnungen behielten etwa bis zur
Mitte des 18. Jahrhunderts ihre Gültigkeit. Ihr Aus­
gangspunkt, der von Karl Berling, geboren 1 8 5 7 und
zuletzt Direktor des Dresdner Kunstgewerbemuseums,
gewürdigt wurde 27 , liegt im Jahr 1 5 7 4 . G a n z Kind sei­
ner Zeit läutete für Berling der Wunsch der Dresdner
Maler, Bildhauer und Schnitzer nach einer eigenen O rd­
nung das Ende der Renaissance ein, »welche die In­
dividualität des Künstlers dem Kunstwerke gegenüber
Die erste Dresdner Ordnung von 1 5 7 4 wurde von zehn
Malern und fünf Bildhauern beziehungsweise Schnit­
zern unterschrieben34. Zu ihren ersten beiden Vorge­
hern wählten sie den Hofmaler Heinrich Göding den
Älteren (Gotting, Göttinger) ( 1 5 3 1 - 1 606) 3 5 sowie den
Bildhauer und seit 1 571 Bürgermeister Hans II. Walter
(Walther) (1 5 2 6 - 1 600) 3 6 . Damit geben die Zunftun­
terlagen Aufschluß sowohl über die Anzahl der in einer
Stadt gleichzeitig tätigen Künstler - ein interessanter,
von der Kunstwissenschaft vernachlässigter, statistischer
Aspekt - wie auch über deren weitere »N ebentätigkei­
ten« und Ämter, etwa das des Bürgermeisters. So wird
in den Zunftunterlagen Georg Schmidt als »mhaler vndt
sandt vhr macher« geführt37. Auskunft erhält man nicht
nur über die zugelassenen Künstler, sondern auch über
die Größe der von ihnen betriebenen Werkstätten
einschließlich der Lehrlinge und Gesellen. Doch Vorsicht
ist geboten: Zwei Dresdner Hofmaler, Zacharias Wehme (Wehmen) (um 1 5 5 8 - 1 6 0 6 ) und Cyriacus Röder
(Reder) (um 1 5 6 0 - 1 598) 3 8 , erklärten, daß die Male­
rei eine »freie Kunst« sei und verweigerten der Ordnung
die Unterschrift39. In dem langen Hin und Her war ihr
formales Hauptargument, daß die Ordnung keine kur­
fürstliche Bestätigung - nämlich durch August von Sach­
sen - aufzuweisen habe und damit nicht rechtsverbind­
lich sei. Die Angelegenheit wurde dem Administrator
Kursachsens, Friedrich Wilhelm I. ( 1 5 6 2 - 1 6 0 2 ) , Her­
zog von Sachsen-Weimar-Altenburg, zur Entscheidung
vorgelegt. Dieser kam zu dem Schluß, daß »Malen und
Conterfeyen eine freie Kunst und kein Handwerk sei,
und deshalb die Angeklagten nicht gezwungen werden
könnten, in die Dresdner Innung einzutreten«40. Damit
gab sich nun wiederum der Rat der Stadt Dresden nicht
zufrieden und verwies den Streitfall an das Hofgericht
zu Wittenberg; sämtliche Anklage- und Verteidigungs­
schriften wurden eingesandt. Auch das gefällte Urteil
hat sich nicht erhalten, aus späteren Schreiben kann je­
doch geschlossen werden, daß den beiden Malern
auch hier Recht gegeben wurde und sie nicht der In­
nung beitreten m ußten41. Dem Rat, vor allem aber den
Künstlern, die die Ordnung bereits unterschrieben hat­
ten, fehlte damit der Hebel für deren einheitliche und
verbindliche Durchsetzung. Dies erklärt auch, warum in
den Regierungszeiten der Kurfürsten Christian I.
( 1 5 8 6 - 1 5 9 1 ) und Christian II. ( 1 5 9 1 - 1 6 1 1), genau­
er bis etwa 1620, kaum Zunftunterlagen vorhanden
sind. Der verlorene Streit hatte einen Präzedenzfall ge­
schaffen, auf den sich nun jeder Künstler berufen konn­
te, der sich nicht der Ordnung unterwerfen wollte.
Erst in der Regierungszeit von Kurfürst Johann Ge­
org I. von Sachen (161 1 - 1 6 5 6 ) erfolgte die rechts-
besonders betonte«. Damit wurde für Beding der N ie­
dergangsprozeß, der »bereits den von Lucas Kranach
angebahnten abschüssigen W e g « fortgesetzt, »der dem
gänzlichen Verfalle entgegenführen musste«28.
Am 1 5. Dezember 1 5 7 4 bestätigten »Bürgermeister
und Rath der Stadt Dreßden« - nicht Kurfürst August von
Sachsen (1 5 5 3 - 1 586), ein Fehler, wie die spätere Ent­
wicklung zeigen wird - den Malern, Bildhauern und
Schnitzern (letztere werden anfänglich als »Bildschnit­
zer« tituliert) ihre Ordnung. Der Rat machte sich bei sei­
ner Begründung für das Aufstellen einer Ordnung die
Argumentation der Antragsteller zu eigen: »N achdem
ein zeitt hero die Mahler, Bilderhawer und Schnitzer alhier viel vnd offtmalß geklagt, alß das sich ie viell, son­
derlich von den Mahlern, welche die Kunst des mahlens
von redtlichen Meistern nicht gelernet noch recht er­
fahren, viel weniger in vbung vnd gebrauch hetten, vnd
damit bestehen konten vnderstunden ires gefallens
werckstadt anzurichten, meisterschafft zu treiben vnd
noch jungen darzu zu lernen, welches inen nicht allein
zu abbreich vnd schmelerung irer N ahrung, sondern
auch der löblichen Kunst zum abnehmmen vnd vntergangk gereichen wolte« 29 . Zur Qualitätssicherung und
zur Ausschaltung der nicht fachgerecht ausgebildeten
Konkurrenz solle also »Der Mahler, Bildenhawer und
Schnitzer30 Ordenung inn der Churfürstlichen Stadt
Dreßden 1574« in Kraft treten31. Als wichtigster Be­
standteil regelte die Ordnung die Ausbildung der Zunft­
mitglieder und daneben, als Resultat vorausgehender
Streitigkeiten, die Abgrenzung der Arbeitsbereiche ge­
genüber anderen Handwerken.
Dieser Vorgang fügt sich ins Bild, denn im ganzen
Reich wurde in der 2. Hälfte des 1 6. Jahrhunderts von
Seiten der bildenden Künstler der Ruf nach eigenen
Zunftordnungen laut-ein Phänomen, welches indes von
kunsthistorischer Seite noch als unerforscht gelten
kann 32 . Die Begründung war allerorten die gleiche und
lief letztendlich darauf hinaus, die auswärtige Konkur­
renz vom einheimischen Kunstmarkt fernzuhalten. Denn
oft teilten sich fast ausschließlich holländische be­
ziehungsweise italienische Künstler die Aufträge; für
die ortsansässigen deutschen Künstler blieben nur un­
attraktive N ebenarbeiten übrig.
In Dresden ließ sich jedoch die Obrigkeit bei der Auf­
tragsvergabe nicht hineinreden und stimmte deshalb nur
einem recht schwammig gehaltenen Passus in der Ord­
nung für Maler, Bildhauer und Schnitzer zu, daß wenn
»frembde Conterfveter alhier arbeiten wollen, sollen sie
nicht gelitten werden, sie weren dann kunstlicher dann
die Meister alhier, welches vonn einem Erbarn Rath ne­
ben andern Kunstnern soll erkendt werden« 33 .
36
verbindliche Umsetzung der Dresdner Ordnung. Nun
aber hatten sich Maler, Bildhauer und Schnitzer ge­
trennt, eine Tendenz, die im ganzen Reich festzustellen
ist. Während die bildenden Künstler am Beginn der Ent­
wicklung zu größeren Zünften zusammengeschlossen
worden waren, gerieten diese Zusammenschlüsse am
Anfang des 1 7. Jahrhunderts in Bewegung. Tendentiell
kam es zu deren Auflösung, der Gründung von kleine­
ren Handwerksverbänden und folgerichtig der Verab­
schiedung von Einzelordnungen. So wandten sich die
Dresdner Maler in einer Supplication vom 7. Januar
1 6 2 0 an ihren Kurfürsten mit der Bitte um Bestätigung
der überarbeiteten Ordnung von 1574, die nun aus­
schließlich auf ihre Bedürfnisse zugeschnitten war 42 . Mit
dem 31. Januar erging von Johann Georg I. der Be­
scheid, die neue Ordnung konfirmieren zu wollen 43 .
Aufgrund dieses Schreibens forderte der Rat der Stadt
Dresden am 26. Februar, »das die Mahler alhier dar­
über in der Pershon vernommen werden müssen. Also
wollen wier dieselben, wie solche hernachbenantt,
crafft Churf. befehlichs citiret vnd gelahden haben, das
sie auf den 9. Marty nechstkunftigk, frue vmb 8 vhr, vor
vnnß vfm Rathhauße alhier, vnaußbleibende erschei­
nen, vnd gebührlichen bescheides, solches wercks hal­
ber, gewerthigk sein sollen«44. Die Vorladung erging
durch einen Umsager an 2 5 in Dresden tätige, na­
mentlich genannte Maler 45 . Bei der Anhörung am 9.
März wurde das von den Malern verfaßte Konzept dis­
kutiert46. Es weicht inhaltlich nur in zwei Punkten von der
von Johann Georg I. später bestätigten Malerordnung
ab (selbstredend enthält es auch nicht die Eingangssät­
ze noch die eigentliche Konfirmierung am Schluß); wir
geben die Abweichungen an entsprechender Stelle un­
seres Abrucks im Wortlaut wieder. Zusammenfassend
sind es vor allem zwei Aspekte, die angesprochen wur­
den: Ursprünglich sollten nurdie Meistersöhne beim Ge­
sellenessen entlastet werden - die günstigere Regelung
kam in der konfirmierten Ordnung dagegen allen zu­
gute - und bei der Abgrenzung gegenüber Tischlern,
Maurern und Dachdeckern war das Konzept ausführ­
licher als die später konfirmierte Ordnung. Die Maler
erhoben nämlich Anspruch auf Bemalung all dessen im
und am Haus, was man heute einem Anstreicher über­
tragen würde. Konflikte mit den Tischlern, Maurern und
Dachdeckern blieben nicht aus, weil auch sie solche Ar­
beiten ausführten. Der Rat hatte die Situation im vorhin­
ein dadurch entschärfen wollen, daß er die anderen
Handwerke davon unterrichtete, was die Maler in Zu­
kunft allein für sich beanspruchen wollten. Als Reaktion
delegierten die Tischler ihren Vorgeher und die Maurer
zwei Mitmeister zu der anberaumten Aussprache am 9.
37
März. Während dieser Zusammenkunft wurde vom Rat
angeordnet, »das ein iedes Handwergh ein Extract auß
dem fünften Articel gefertiget vndt gegeben« werden
soll, damit die Beteiligten dies in ihren Zünften diskutie­
ren und »nechesten Montagk sich schrifftlich hirwieder
erclären« können 47 . In der Tat scheint es auf diesem
W e g e zu einer Übereinkunft zwischen allen Beteiligten
gekommen zu sein, da der 5. Artikel der konfirmierten
Ordnung von 1620 von einer internen Regelung der
Handwerke ausgeht, so daß in der Malerordnung selbst
auf eine ausführliche Beschreibung dessen, was wer ma­
chen dürfe, verzichtet werden konnte. Jedoch hielt der
Burgfriede nicht lange, wie die sich anschließende Kor­
respondenz zwischen den Malern und dem Rat be­
zeugt 48 .
Am 10. August 1620 wurde die Malerordnung be­
stätigt. Der Rat der Stadt Dresden erhielt eine Abschrift,
die unserem Abdruck zugrunde liegt. Diese beim Rat ar­
chivierte Malerordnung unterschrieb Heinrich von Frie­
sen der Ältere (1 5 7 8 - 1 659). Friesen studierte in Jena
und wurde 1613 mehrfach als Assessor beim Hofge­
richt in Leipzig verwendet. A b 1613 bekleidete er das
Amt eines Appellationsrats und war mit juristischen Fra­
gen und Verwaltungsaufgaben befaßt. Im Laufe der fol­
genden Jahre hatte er weitere Ämter inne und stieg bis
zum Geheimen Rat (1637) und kursächsischen Kanz­
ler (1 640) auf 49 . Mit der vom Kurfürsten konfirmierten
Ordnung bekamen die Dresdner Maler nun endlich das
Rechtsmittel in die Hand, mit dem sie allen Kollegen, die
sich nicht der Ordnung unterwerfen wollten - vor allem
die von auswärts hinzugekommenen - , administrativ
beikommen konnten.
Die erste Bewährungsprobe ließ nicht lange auf sich
warten: »Die gantze löbliche Geselschaft der Mahler«
wendete sich mit einem Schreiben vom 1 1. Juli 1 623
an den Rat der Stadt Dresden 50 , in dem sie berichtete,
daß Hans Christoff Koller »vor itzlichen Jahren« dem
Daniel Brettschneider dem Älteren (um 1550 bis um
oder nach 1 623) bei einem Umtrunk gesagt hätte, »er
hörehe so viel, es wolten die Mahler eine Innung auf­
richten. Er vor seine Person, satua reuerentiae, hustete
darauf, den sie wehren alle Schmirer vnd Schmalgerer,
er fragte nichts darnach, Herr Bürgermeister Siegemundt Otto hette ihn Schutz zugesagt.« Dies bestätigte
Brettschneider der Ältere vor Zeugen und im Beisein ei­
nes Notars, auch habe »zum vberfluß Gerge Dühr [Dürr,
erwähnt 1 6 0 5 - 1 6 5 1 ] darüber ein Instrument aufrich­
ten laßen«. Die Malergesellschaft bat den Rat, ihren
Malerkollegen Koller dazu zu bringen, sich zu ent­
schuldigen und den Zank damit beilegen zu helfen. Die­
ser wurde am 1 2. Juli aktiv, indem er Koller sowie Brett-
Schneider den Älteren und Georg Dürr aufforderte, sich
zu erklären51. O ffenbar nach Eingang der Stellung­
nahmen erging am 1 8. Juli der Beschluß des Rates,
daß alle Beteiligten die Angelegenheit rasch gütlich bei­
zulegen hätten. Doch Koller blieb bei seinem Stand­
punkt, denn erneut ersuchten die Maler in einem Schrei­
ben vom 25. Juli den Rat im Streit zwischen ihnen und
Koller zu vermitteln, da dieser sich nach wie vor wei­
gere - obwohl vom Rat am 1 8. Juli verfügt - sich güt­
lich zu einigen 52 . Koller wehrte sich nun seinerseits in ei­
nem nicht datierten Schreiben an den Rat gegen dieses
Vorgehen der Malerinnung, denn er hätte »Weib und
Kind« zu ernähren53. Dieser Fall zeigt deutlich, wie
schon zuvor bei den beiden Hofmalern, daß bei der
Aufstellung einer Statistik derjenigen Künstler, die gleich­
zeitig in einer Stadt tätig waren, Vorsicht geboten ist, da
nicht alle von den Zünften erfaßt wurden 54 .
W e n wundert es, daß sich die Dresdner Maler nach
dem Tod Johann Georg I. am 1 8. Oktober 1 6 5 6 auch
an dessen Nachfolger Kurfürst Johann Georg II.
( 1 6 5 6 - 1 6 8 0 ) wandten, um ihre O rdnung erneut be­
stätigen zu lassen. Dies erfolgte am 10. August 1 658;
in der Abschrift der O rdnung von 1 6 2 0 wurden ledig­
lich Name und Datum aktualisiert. Mit einer Supplik um
die Konfirmation einer veränderten Fassung ihrer Ma­
lerordnung wandten sich »sämbtliche Mahler alhier zu
Dreßden« schon ein Jahr später wieder an ihren Lan­
desherrn. Ihrem Schreiben vom 8. März 1 659 5 5 legten
sie eine Abschrift ihrer seit 1 6 2 0 unveränderten O rd­
nung bei 56 . An fünf Stellen, markiert mit den Groß­
buchstaben »A« bis »F«, sind in dieser Abschrift Ände­
rungswünsche zu den Artikel 1 , 3 , 4 und 8 eingemerkt,
die auf einem Extrablatt »Nachbenandte Erinnerungen
bitten die Mahler alhier zu Dreßden unterthänigst ihrer
Innung in gnaden gehöriger O rthe zu inseriren« ge­
nauer ausgeführt werden ; wir geben den Wortlaut an
entsprechender Stelle beim Abdruck der O rdnung von
1 6 2 0 wieder.
Ab- und Ausgrenzungsprobleme
Allen deutschsprachigen Zunftordnungen war das Be­
mühen um eine Definition dessen gemein, was unter die
zu schützenden Tätigkeitsbereiche ihrer Mitglieder fal­
len sollte58. So reklamierte die Dresdner Malerordnung
von 1620 Arbeiten für sich, die man heute einem An­
streicher überläßt. Ausdrücklich betonte man deshalb
im Konzept zu dieser Malerordnung, daß auch das
Bemalen von »Tisch, Bencke, Kasten, Schrencke, Fen­
ster Rühmen, Thieren, Fenster Lähden, Eyserne Güttere,
Staeketvnd dergleichen mitÖhlfarben vnd sonsten an­
zustreichen, ja wohl ganze Häuser, aus-vnd inwendig
zudingen, durch patroniren gantze Stuben vnnd Ge­
mächer von allerley färben zuemahlen, auch wohl bis­
weilen daran zuvorgulden« alleine der »Mahlerskunst
gemes vnd zugehörigk« sei und nicht von den »Tischler,
Maurer vndt Zigeldecker« erledigt werden dürfe59. Die
konfirmierte Ordnung selbst regelte die Frage, was eine
Malertätigkeit ausmache, recht summarisch. Hier lag
die Wurzel für immer wiederkehrende Streitigkeiten,
wie zwei Beispiele zeigen: So berichten die »gehor­
same^] Bürger und Eldisten der löblichen Innung der
Mahler« in einem Schreiben vom 2. Juli 1623 dem
Bürgermeister und Rat60, daß - obwohl die Dresdner
Maurer sich vor dem Stadtgericht, wohin sie die Maler
geklagt hatten, verpflichtet hätten, das Eingreifen in
Tätigkeiten der Maler in Zukunft zu unterlassen - ein
Maurer, »so sich an itzo im Gasthoff zum gülden ringe
auffenthelt«, der bei der Gerichtssitzung nicht anwesend
war, sich dumm stellen und nach wie vor Malerarbei­
ten ausführen würde. O der »Egidius Löbenich, Bürger
vnd mahler in Dresten« wendet sich mit einem Schrei­
ben vom 10. Juli 1623 an den Rat mit der Bitte um
Klärung folgenden Vorgangs: Er könne sich nicht mit
einem vom Rat beauftragten Bildhauer darüber ver­
ständigen, wer das »Crucifix auf der Elb Brücken« fas­
sen dürfe. Da die Malerordnung die Durchführung sol­
cher Arbeiten aber nur den Malern erlaube, fiele diese
Tätigkeit, so Egidius Löbenigk (Lobenich, Lobennicht,
Lovennicht) weiter61, nun einmal in seinen Bereich und
demnach gelange »an dem Hern Bürgemeister mein
fleissiges Bitten, sie wollen solche Crucefix mir gönnen
zu staffiren vnd dar zu nicht mehr alß den Vnkosten« 62 .
Dieser Vorgang belegt, daß Zunftordnungen nicht
ohne weiteres gleichzusetzen sind mit dem frühneuzeit­
lichen Rechtsmilieu. Bemerkenswert ist, daß ihnen gar
der Dresdner Rat zuwiderhandelte, als er eine nur den
Malern erlaubte Arbeit dem Mitglied eines anderen
Handwerks übertragen wollte. Zudem reagierten Zünf­
te seismographisch auf Veränderungen der Rahmen­
bedingungen, das heißt, es fanden durch Ergänzungen
und Neuauslegungen stete Anpassungen an allgemei­
ne Lebenssituationen statt. Bei den hier genannten drei
O rdnungen handelt es sich demnach nur um Moment­
aufnahmen der jeweiligen historischen Entstehungszeit.
Derweiteren kulturhistorischen Forschung bleibt es über­
lassen, einen hiervon unabhängigen Kern herauszu­
schälen, der eine vorsichtig verallgemeinernde Darstel­
lung zur Ausbildung und zur Arbeits- und Lebenswelt
von Malern wie auch Bildhauern und Schnitzern in Dres­
den erlaubt und zudem Rückschlüsse zum frühneuzeit­
lichen Künstler in Deutschland zuläßt.
38
Anhang
Abdruck der einst im Dresdner Ratsarchiv als Abschrift
verwahrten Ordnung der Dresdner Maler, welche Kur­
fürst Johann Georg I. von Sachen am 10. 8. 1 6 2 0 be­
stätigte. Die Malerordnung umfaßt 1 1 Artikel, welche
die Wahl der zwei Ältesten, die Lehr- und Gesellenzeit
mit Wanderschaft, das Anfertigen des Meisterstücks so­
wie die Gründung und Führung einer Werkstatt, die Be­
erdigung eines Zunftmitglieds sowie die Versorgung von
Meisterwitwen regelt.
Stadtarchiv Dresden, Signatur RA C. XXIV. 2 1 6 c,l,
Bl. 2 2 8 r - 2 3 6 v
Innunge undt Articulsbrieffe
Der Mahler Kunst binnen Dresden
Von Gottes gnaden Wir Johann
George, Herzog zue Sachßen, Jülich, Cleve
vndt Bergk, des heiligen Römischen Reichs Ertz=
Marschallen vndt Churfürst. Landtgraff in Thürin=
gen, Margkgraff zue Meißen, Burgkgraff zue Magde=
bürg, Graff zue der Marek vndt Rauenburg, Herr zum
Ravenstein
Vor Vnß Vnßern Erben vndt Nachkommen Thun kundt
vndt bekennen mit dießem vnsern offenen briefe gegen
männiglich, das vns vnsere liebe getreüe Die Mahlere
allhier zue Dresden eine Ordnung vndt Innunge, wel­
che sie zuebeförderung vndt aufnehmen der Mahler­
kunst aufgerichtet, vndt zue Pappier bracht, vnterthänigst fürtragen laßen, mit bitte wir alß der landesfürst
wolten ihnen dieselbe umb fester haltung willen gnädiglich confirmiren vndt bestätigen. Wann Wirdann sol­
ches der Mahler Innungs Ordnung halber durch den
Rath allhier nothdürfftige erkundigung einnehmen,
dießelbe auch hernacher durch vnsere verordnete
Canzlar vndt Räthe ersehen, vndt waß drinnen bedencklich vndt die nothdurft geweßen, endern lassen,
vndt befunden, das solche zur aufnehmunge der kunst,
erhaltung guether Disciplin, beydes vnter den Gesellen
vndt Lehrjungen gereiche, auch allerhandt Vnordnung
dadurch gesteüert vndt gewehret werden könne. Alßo
haben wir ihren suchen gnädigst statt gegeben, vndt an­
geregte Innunge vndt [228 v ] Ordnunge aus Chur= vndt
Landesfürstlicher Macht, Hohheit vndt Obrigkeit confirmiret, bestetiget, vndt diesem vnßerem Briefe von
Wort zue Worte einverleiben lassen, welche lautet wie
volget.
39
Der erste Artickel
Von Erwöhlung vndt bestätigung
der Eltisten
Zu erhaltung schuldigen gehorsambs vndt Brüderlicher
einigkeit sollen nuhn hinführo ihr zwene von den Mah­
lern zue eltisten geordnet werden, welchen die andern
Mahler iederzeit gehorsamb vndt gefölgig sein sollen.
Auf den Tag des heyligen Euangelisten Lucae [1 8. Ok­
tober] sollen sie gekohren, einem Erbaren Rathe fürgestellet vndt von ihnen bestätiget, auch darneben gesu­
chet vndt gebethen werden, ihnen einen Herrn außm
Rathe zue zuegeben, der ihnen beystehe, vndt so offte
es vonnöthen, das beste helffe rathen, vndt sollen diese
beyde eltisten zwey iahr aneinander eltisten sein.
Wann aber einer mit tod abgienge, oder ihrer einer
aus vorgehenden genügsamen vrsachen daßelben
ambts endsetzet würde, soll ein ander an seine Stadt aus
deßelben mitte angegeben, vndt mit vorwißen vndt bewilligung der andern mahler aller erwählet, vndt do er
sich demselben wiedersetzig erzeigte, mit zwölff groschen gestraft werden, vndt doch eltister bleiben 63 .
Von diesen beyden eltisten soll iederzeit einer vmb
den andern die lade sambt den schlüßell bey sich ha­
ben, einnähme vndt ausgäbe halten, vndt [229 r ] wann
ein iahr herumb ist, gebührliche richdige rechnung thun
allemahl am tage des Euangelisten Lucae. Wann nun
die Mahler alle zuesammen kommen, sollen sie eine
Collation halten, einen ziemlichen trunck in guether ei­
nigkeit vndt frölichkeit thun, vndt solches nicht aus der
weyse machen, sondern mit bescheidenheit vndt also,
das es die straffe nicht bedürfte. Sonsten sollen die el­
tisten alle halbe iahr, alß auf den tag Lucae vndt den
sontag Trinitatis [1. Sonntag nach Pfingsten] zuesam­
men kommen, die Mahler ein inder ein halb jähr, zwölff
groschen in die lade geben, in solchen zuesammenkunfft mögen sie auch die irrigen Sachen, so sich bey
ihnen zuetragen, in verhör nehmen müglichen fleis an­
wenden damit dießelben güthlich beygeleget werden.
Da aber jemandt außer diesen beyden halben iahres Ordinarzuesammenkunften etwaß zueclagen hette
vndt begehret, das die eltisten oder die gesambten Mah­
ler zusammen gefordert würden, soll das ihme wieder­
fahren, doch das er zuvor hierümb den eltisten zwölff
groschen in ihre lade niederlege.
Darüber sollen die eltisten auf dieienigen, so dieser
löbliche Mahler Ordnung vbertreten, mit fleiß achtung
geben, auch ohne verzugk einem ieglichen Übertreter,
er sey wer er wolle, für sich fordern vndt denselben die
verwürckte straffe zuerlegen befehlen 64 .
Wolte aber der Übertreter vhrsachen, oder auch etwa
ehrhaft, oder sonsten seine vnschuldt, dadurch er der
straffen zuendtgehen vermeinet, vorwenden, [229 v ]
vndt darauf verharren, so sollen ihn die eltisten vor die
gesamdten Mahlere in beysein ihres zuegeordtneten
Herrn zur verhör der Sachen Vorbescheiden, damit alßo
ein ieder mit seiner Nothdurfft gehöret, vndt durch einigerley stra ffe zur vnbilligkeit nicht beschweret werde.
Da sich nun befünde, da s der vbertreter mit erdich­
teter endtschuldigung vmbga ngen, vndt der stra ffe vor
den eltisten sich ga r weygert, ihnen wiedersetzet, vndt
vnbillich gestreübet ha be, so soll er deshalben zue vndt
beneben der vorigen verwirckten stra ffe, so hoch vndt
geringe die ist, noch da s ha lbe theil derselben stra ffe
züerlegen schuldigk sein.
Würde a lßda nn derselbige vbertreter dieser Ord­
nung zue gehorsamen vndt seine verwürckte straffen zu­
erlegen sich endtlich wegern, vndt da rüber die gesa mbte Ma hler beneben ihres zuegeordtneten Herrn
verächtlich hinda nsetzen, a lso da s ma n zuerha ltung
schuldigen gehorsa mbs Ihre Churfl. Gnd. vnterthänigst
oder a uch E.[inem] E.[rba rn] Ra th a llhier vmb schütz
vndt einsehunge ersuchen müsse, so soll derselbige vngehorsa mer, da er nochma hl vnrecht befunden wirdt,
in die la den doppelte stra ffe seiner vbertretung geben,
vndt sich da zue mit E. E. Rath vmb seinen bega ngenen
Muthwillen vndt vngehorsa m, na ch Ihrer Erba rn
weißheit billichen erkendtnüß vortra gen.
Der ander Artickel
Von ihrer Versa mlung
[230 r ] Wa nn die gesa mbte Ma hler zuesa mmen erfor­
dert werden, soll ein jeder zue rechten zeit vndt stunde,
a ls zwischen zwölff vndt ein uhr, an den ohrt, dohin er­
fordert, gehorsamlich erscheinen.
Da a ber iema ndt ohne vhrla ub solches nicht thete,
vndt endtwederr zue la ngsa m kehme, a ls wann es eins
geschla gen, der soll drey groschen, oder da er ga r
a ußenbliebe, sechs groschen zur stra ffe verfallen sein.
Es wehre denn große leibesschwa chheit, oder wa hr­
ha ftige wichtige endschuldigungen mit genügsamen be­
weiß vorzuewenden, vndt vorha nden.
Vndt damit in diesen zue sa mmenkunfften zucht vndt
Ordnungen geha lten werde, soll ein ieder, wenn ma nn
da rinnen zueha ndeln ha t, den eltisten zuegehorsa men
schuldig sein, da a ber iema ndt da s nicht thun, sondern
etwa vor den tisch oder sonsten getümmel vndt vnleytliches geschwätz treiben würde, der soll, so offt er da s
übertrit, fünff groschen zur stra ffe geben.
Der dritte Artickel
Von Lehr Jungen vndt Dienern
Wer da ß ma hlen a lhier zue lernen begehret, der soll
für a llen dingen, ehe er vor einen Lehrdiener oder
Jungen a ngenommen wirdt, seiner ehrlichen Gebührt
vndt redliches hehrkommens schrifftlich vndt besiegelte
kundtscha fft vorlegen, in mangelung dessen soll er nicht
geduldet werden. Da a ber dießelbe gla ubwürdig vndt
genugsa mb, soll er mitzweyen ehrlichen leüten, alß sei­
nen bürgen, vor der löblichen innung erscheinen einen
Reichstha ler als baldt in die la de legen, vndt vor zwa n­
zig silberne schock verbürgen, die kunst zue verfolgen
vndt a ußzuelernen, da s geschiht da rümb, da s sie wa s
künstliches [230 v ] vndt nützliches begreiffen vndt ler­
nen, vndt die künste in Würden vndt a ufnehmen erha l­
ten helfen.
Da ra uf vndt demna ch soll ein ieder junge na ch gelegenheit seines Alters fünff, sechs oder sieben Jahr, er
gebe geldt oder nicht, in lehre stehen, vndt da runter
nicht. Es soll a ber da s Lehrgeldt in seines Lehrherrn ge­
fa llen stehen. Der Junge soll a uch sein eignes bette ha l­
ten, sein Geräthe selbst waschen vndt reinigen zuela ssen schuldig sein. Na ch Vollstreckung seiner Lehrja hre,
da s Bette seinen Lehrherrn verbleiben.
Eines Ma hlers söhn soll fünff Jahre zue lernen schul­
dig, a uch der Versa mmlung wie ein a nder vorgestellt
werden, jedoch der Thalern vndt verbürgung, so fern er
bey seinem va ter lernen würde, a ber sonsten nicht, wie
obstehet, befreyet vndt endtnommen sein.
Vndt wann a lso ein lehrdiener oder junge solche ge­
setzte zeit a usgesta nden vndt gelernet, soll er der ver­
sa mlung wiederümb einen ga nzen Reichstha ler in die
la de, vndt den eltisten, so da zue erfodert werden, ein
ziemlich eßen, vndt einen tha ler zum getränck geben,
vndt mit den Reichstha ler in die la de vorschonet blei­
ben 65 .
Da a ber die Versa mlung hierüber ichtwa s mehr a n
eßen oder trinken ha ben wollen, da s sollen sie vf ihre
vncosten alsobaldt erlegen, vndt nicht aus der lade neh­
men, den lehrdiener oder jungen a uch über das wie ob­
stehet nicht beschweren, es wolte denn einer na ch gelegenheit seines Vermögens ein mehrers thuen.
Vndt zum zeügniß, da s der Herr vndt Lehrjunge in
güethen voneina nder gesetzet, soll der Ma hler sechß
groschen in die la de vndt [231 r ] dem lehrjungen schrift­
liche kundtscha ft66, da s er ehrlich a usgelernet, zuegeben schuldigh sein.
Eß sollen a uch die Ma hler ihre lehrjungen oder lehr­
diener treülich vnterweißen, vndt mit cost, tra nck der­
ma ßen vnterha lten, das die lehrjungen sich darüber mit
billigkeit nicht mügen zuebecla gen ha ben.
Würde a uch des ha lben gecla get, vndt der ma ngell
a n einem Ma hler gefunden, der soll na ch erkendtnüß
dieser gesa mbten Ma hler da rümb gestra fft werden.
40
Würde aber ein lehrjunge oder lehrdiener die ge­
ordnete lehrjahre vndt zeit bey seinem Herrn nicht aus­
dienen, sondern ohne alle erhebliche vndt genügsame
vhrsachen, darüber die eltisten neben deme von E. E.
Rathe ihnen zuegeordtneten Herrn erkennen sollen, von
ihme weichen, so sollen auf dem fall seine bürgen in
beysein der gesambten Mahler endtweder ihnen den
lehrjungen oder Diener innerhalb vierzehen tagen wiederümb einstellen, oder die abgemelte zwantzig sil­
berne schock seinem lehrherren vnverzüglich erlegen.
Dargegen aber der lehrjunge zur straffe vor einen
ieden tagh, so lange er von seinen herrn gewiechen,
eine woche noch zue dienen schuldig sein.
Würde aber der lehrjunge zun andern mahl auch
ohne erhebliche vhrsachen weglauffen, so soll ihn sein
lehrherr, wie dann auch kein mahler allhier annehmen,
sondern den jungen des Mahlens allhier zue Dreßden
sich gänzlich endthaten.
Eß soll auch kein lehrjunge ohne vorwißen seines
Herrn einige nacht aus dem hause bleiben, da aber sol­
ches geschehe, soll er [23 1v] vor eine iede nacht eine
woche noch zue dienen verpflichtet sein.
Da auch ein lehrjunge sich füglich vber seinen Herrn
zuebeschweren hefte, soll er solches seinen bürgen an­
zeigen, welche ihn den Mahler darümb besprechen
sollen, wirdtsichs also befinden vndt er solches nicht ein­
stellen, sollen sie solches den eltisten anmelden, welche
ihme solches vorhalten, vndt darümb soll gestrafft wer­
den.
Letzlich soll kein Mahler mehr nicht alß einen lehr­
diener oder jungen zuelernen vndt zuehalten macht ha­
ben bey straffe fünff gülden, iedoch mag er nach
zweyen jähren zue dem ersten noch einen vndt mehr
nicht seines gefallens aufnehmen, ihn der versamblung
auch vorstellig machen, vndt sich beyde Herrn vndt lehr­
jungen denen vorgeschriebenen puncten vndt artickeln
gemeß verhalten.
Der vierte Articul
Von Erlangung der Zunfftgerechtigkeit
vnd auch derselben Stücken vndt wie mann darinnen
verfahren soll
Die kunststück geben ahnleitung vndt vhrsachen den Ge­
sellen, daß sie der kunstvndtgeschicklichkeitderßelben
desto fleißiger nachtrachten, vndt von tag zue tag so­
viel kunstreicher werden, vndt gemeinen nutz in Städten
fördern. Darümb haben sich die künstler des Mahlens
vnterschiedliche stücke, welche dieienigen, so mahler
allhier werden wollen, zuemachen schuldig sein sollen,
miteinander güthlich vndt freündlich verglichen, damit
ein vnterschiedt gehalten, vnter frembden vndt einhei­
41
mischen, vndt wie billich ein einheimischer einen vorzugk vor einen frembden haben möchte.
[232 r ] Welcher allhier ein Mahler werden will, der
soll aufs wenigste drey jähr nach seinen lehrjahren ge­
wandert, sich etwas versucht, vndt zwey jähr allhier bey
den Mahlern für einen Gesellen gearbeitet haben. (So
er aber soviel erlernet, das er durch seine stück beste­
hen kann vndt er nicht gewandert hatte, auch nicht wan­
dern wolte, soll er Dreißig T haler vor die drey jähr in
die lade geben.)
Da er aber bey einem Mahler so lange nicht geför­
dert werde köndte, mag er bey einem andern einsbre­
chen vndt arbeit suchen, damit er die zeit erfülle: Als­
dann mag er sich auf den tag des Evangelisten Lucae
oder den Sontag T rinitatis bey der versamlung ange­
ben, darauf seinen Gebuhrts vndt lehrbrief vorlegen.
Wann dieselben richtig befunden, soll er zwanzig gül­
den in die lade geben, zehen gülden alsbaldt, wenn er
das kunststück begehret zue machen, vndt wiederümb
zehn gülden, wenn das kunststück verfertiget. Alßdann
soll mann ihn, wie vnterschidlich aufs mahlen geordnet,
in eines mahlers hauß, iedoch ohne einigen zunfftgemaßen vnterricht, beförderung vndtfürschub, ausfreyen
sin, ohne einige Zeichnung oder Kupferstück, das hier­
mit gänzlich verbothen sein vndt gestrafft werden soll,
in einem halben Jahre aufs beste vndt künstlichste ver­
fertigen vndt machen laßen 67 .
Der Mahler kunststück soll sein von Ohlfarben. Zwo
T affein, eine iede zwo Ellen hoch vndt anderthalb Ellen
breit68.
Auff die erste Taffei: Die Ibertretung unserer ersten El­
tern Adamß vndt Even mit einer Landschafft vndt man­
cherlei T hieren.
Auff die andere: Die gebührt Christi mit einem Leist­
lein oder Carniß darümb, von pronirten Golde vergüldet alles beydes von Öhlfar=[232 v ]ben aus freyen sin­
nen sonder einige kupferstücke.
Wann er alsdann sein stück verfertiget, damit beste­
het, die hintersteiligen zehn gülden in die lade geleget 69 ,
soll mann ihn in ihre brüderschafft auf vndt annehmen
vndt alle beförderung erzeigen vndt erweisen. Darauf
soll er denn einen schreibgülden niederlegen, vndt sein
Nähme in das buch eingezeichnet werden.
Es soll auch ein ieder mahler, er sey frembdt oder
einheimisch, einen gülden niederlegen, vndt sich ein­
schreiben lassen, dazue ein sonderliches buch soll
gehalten, vndt soll keiner außerhalb derer, so einge­
schrieben, gelitten noch geduldet werden.
Die Einheimischen vndt Bürgers=
kinder betreffende
Welcher Bürgerssohn allhier ein Mahler werden will,
der soll vffs wenigste drey iahr nach seinen lehrjahren
gewandert, sich etwas versuchet, vndt ein Jahr allhier
bey den Mahlern für einen Gesellen gearbeitet haben.
So er aber so viel gelernet, das er durch sein stück be­
stehen köndt, vndt er nicht gewandert hette, auch nicht
wandern wolte, soll er zwanzig Tahlervor die zwey iahr
in die lade geben, als dann mag er sich auf den Tagk
des Euangelisten Lucae oder vf den Sontag Trinitatis bey
derversamlung angeben, darauf seinen Gebuhrts= vndt
Lehrbrief vorlegen, wann dieselben richtig befunden,
soll er einen Ducaten in specie niederlegen, alsdann soll
mann ihnen, wie vnterschiedlich aufs mahlen geordnet,
zuelassen, sein kunststück zue machen, wann er solches
verfertiget, vndt damit bestehet, soll er einen gülden nie­
derlegen, sich einschreiben lassen, vndt von der Brü­
derschaft auf= vndt angenommen werden. [233 r ]
Femers soll auch kein Mahler hinfort dem andern sein
werk zuelegen, noch desselben Gesinde daran zue hin­
dern befugt sein, bey straffe drey [Gulden], halb dem
Rathe vndt halb in die Laden. Eß wehre denn zuevor,
das solches legen vndt hindern aus genügsamer vrsachen billich geschehe, durch E. Erbarn Rath erkand.
Eß soll auch kein Mahler mit einem Gesellen auf hal­
ber arbeit, Beüt oder gedinge arbeiten, bey straffe zue
gleichem theil beyden umb zehen gülden, sondern sol­
len die Mahler mit den gesellen vmbs wochenlohn über­
einkommen, darahn sich ein ieder geselle genügen las­
sen.
Demnach sich auch Mahler über die Tischer, Meüerer vndt Ziegeidecker beschweret, das dieselben nit
mahlen vndt anstreichen, weiter alß ihnen ihrem gelerneten Handhwerge nach gebührete, grieffen auch wohl
dem Mahlern zue nachtheil ganze Heüser, Stuben vndt
gemacher durch Patroniren vndt sonsten zue mahlen
vndt darein zue vergülden andingenten. Alß ist dieser
punct vf vorgehende verhör vndt eingezogene erkundigung durch den Rath allhier vermittelt, vndt mit aller­
seits Interessenten einwilligung verglichen worden, das
zwar die Tischer bey ihren handhwergs gefiresten ar­
beit, wie auch die Meüerer bey den geringen stein vndt
Wasserfarben, auch firnsen vndt anstreichen der heü­
ser in= vndt auswendig verbleiben, sie aber [234 r ] al­
lerseits Contrafeiten Historien vndt dergleichen gemälde von geriebenen guethen Ohl vndt Wasserfarben zu
fertigen sich endthalten, vndt dieselbe der Mahler eigendliche arbeit sein vndt bleiben solle. Würden sich
auch Tischer Meürer oder Ziegeidecker eines mehrern
vnterfangen, so sollen die V erbrechere iedes mahl mit
zehen gülden in straffe genommen, vndt dieselben halb
dem Rathe allhier vndt halb in der Mahler lade endtrichtet werden 70 .
Eines Malers Sohn betreffende
Eines Mahlers Sohn soll bey seinem Vater fünff Jahre ge­
lernet haben vndt vfs wenigste ein jähr wandern, das jähr
zue arbeiten aber bey einem Mahler allhier, vndt den
Ducaten niederzulegen überhoben sein, jedoch soll er
einen gülden niederlegen, vndt sich einschreiben lassen.
Das Kunststück aber soll ein ieder, er sey eines Mah­
lers Sohn oder freye eines mahlers Tochter oder Witbe,
zue machen schuldigk sein.
Der fünffte Articul
Daß einer den andern von seiner Arbeit
nicht dringen, noch sonsten an seinem Wercke hindern
solle
Die Mahler vndt Gesellen sollen einer dem andern sein
gedinge vndt Arbeit gerne gönnen, vndt so viel müglich
ainer dem andern freündliche forderung thun. Würde
aber iemandt mit heimlichn practicen oder öffendlicher
handlung dem andern von dem werck, Bau oder arbeit
dringen vndt deßen genugsam vberweisen, soll derßelbige fünff gülden, halb E. E. Rathe vndt halb der V ersamlung, zur straffe geben. Vndt da ein solches zum an­
dern mahl in solchem fall sträflich befunden wirdt, soll
er seines Rechts der aufgerichteten zunfft oder innung
verlustig sein vndt vfs neüe gewinnen.
Eß soll sich auch keiner mit seiner kunst vndt arbeit
selbst andingen oder angeben, viel weniger nach ar­
beit lauffen oder dieselbe zum höchsten schimpf in den
heüsern [233 v ] herümb tragen, sondern den berufs war­
ten, bey straffe fünf gülden, welche halb E. E. Rathe vndt
halb in die lade gegeben werden soll.
Der sechste Artickel
V on Frembden, Wandern, auch mit V rlaubung
der Gesellen:
In diesem Articul ist bedacht, daß mann einen ieden
frembden Mahler Gesellen aufs wenigste acht odervierzehn tage lang arbeit geben soll. Im fall er aber bey
keinem auf bestimbte zeit arbeit finde, so soll ein ieder
an deme die Ordnung kommet, (wie es nach des Reyhe
herümb gehen solle) ihme gedachte acht oder vierzehen tage arbeit zue geben schuldig sein. Es soll auch
ein ieder mahler schuldig sein, nach deme ein Gesell
vierzehn tage bey ihme gewesen, mit ihme, da er len­
ger zue bleiben in willens, den wochenlohn zue ma­
chen, vndt güthlichen zue vergleichen vndt ihn also zue
halten, wie einen Gesellen gebühred. [234 v ]
42
Der siebende Artickel
W o vndt wie Irrungen vndt gebrechen zwis chen
Mahlern vndt Gesellen beygelegt vndt gestrafft wer=
den, oder wie mann sich gegen dem Verbrecher verhalten
soll
W a n n Irthumb, Zanck vndt Gebrechen s ich zwis chen
Mahlern oder Ges ellen zuetragen, s ollen vf anhalten
des Clagenden Theils die Eltisten den Handell zwis chen
den partheyen verhören, vndt müglichen fleis anwen­
den, sie auch wieder güthlich vergleichen, oder sonsten,
wenn sie sich zum vertrage nicht wollen behandlen las­
sen, der billigkeit zue weisen, welch theill aber halßstarrig befunden, vndt sich auf billige wege vertragen
zuelassen in weigerunge stehet oder sonst nach erkendtniß der Eltisten weisunge der billigkeit gemeß nicht
leyden will, der soll durch die versamlung in gebührli­
che straffe genommen werden.
Würde sich auch daselbige halßstarrige theil der versamlungs straffe wiedern, soll mann es alßdann an E. E.
Rathe allhier weisen. Würde es alsda auch vnrecht vndt
sträflich befunden, so soll es züegleich in die Raths vndt
auch in der Versamlung ferner straffe gehalten sein. Da
er auch über das in seiner halßstarrigkeit verharret, soll
ihme, da er ein Mahler ist, dan zunftacht geleget vndt
da er ein geselle, in der Versamlung nicht geduldet noch
gefördert werden, bey sonderlicher straffe, damit er sich
zuevor mit E. E. Rathe vndt Versammblung wegen be­
gangenen vngehorsambs vndt muthwillen vertragen soll.
[ 235 r ] Vndt solches soll auch in allermaßen mit de­
nen, so in einen oder mehr articuln darinne vbertreten,
gegen der Versamblung oder Eltisten sich vngehorsamb
erzeigen, oder ihrer verwürcktervndtangefoderterstraffe wiedern, gehalten werden.
Da auch ein geselle sich muthwilligk gegen seinen
Herren erzeigte vndt ohne erhebliche vhrsachen vhrlaub nehme, soll ihme ohne vorbewust der Eltisten kein
Mahler arbeit geben oder ferner fördern. Befindet sich
aber, das der mahler vhrsach, soll er von den Eltisten in
billige straffe genommen, vndt dem gesellen bey einem
andern zue arbeiten gestattet werden.
Der neündte Articul
Daß niemandt, der vnehrlich handelt, von den Ma=
lern in ihrer Versamlung soll geduldet werden
Weil denn auch diese ehrliche versamblung vndt Brü­
derschaft darümb aufgerichtet, das ein ieder darinn so­
viel mehr der Ehr= vndt [235 v ] Redlichkeit sich befleißen
soll, so will sich keiner wegen gebühren, das einer, er
sey mahler oder mahlerin, die Gesellen, Lehrjungen
oder andere Persohnen leyde oder dulde, dann die sich
redlich vndt ehrlich verhalten, bey ernster straffe. Er oder
sie führeten denn ihre vnschuld, ob sie die vorzuwen­
den hatten, dermaßen aus, das die versamblung billich
darmit zuefrieden sein köndten. Wann auch iemandt
von einen andern was vnehrliches weiß, vndt zeiget sol­
ches den Eltisten nicht ahn, das es erfahren vndt kund­
bar wirdt, soll derselbige vor der versamblung auch in
straffe genommen werden.
Der zehende Artickel
Vom Begräbnüß
Stürbet jemandts auß dieser Versamblung, es sey ein
Mahler oder Mahlers Eheweib, Kinder oder Gesinde,
so soll es dem Eltisten angezeiget werden. Alß dann soll
der Eltiste dem iüngsten Mahler der Zunfft befehlen, die
ganze Versamblung [ der] Mahler vndt Gesellen zum
begräbniß zue fordern. Vndt welcher zur bestirnter zeit
nicht vorm hause ist, ehe mann die leiche aufhebt, oder
das gleyte vom Grabe nicht wieder vor das haus giebet, der soll einen ohrtsgülden vnweigerlich in die lade
zur straffe endtrichten. Es soll auch ein ieder mahler sei­
nen eigenen trauer Mantell vndt trauerbinde selbst
schaffen, vndt die vncosten, wenn einerstürbetvnterdiese brüderschafft mit binde vndt schleyern mögen erfor­
dert werden.
Eß soll auch von den geldern, so in die laden kom­
met, ein eigenes leichtuch erzeiget werden, so
ei=[ 236 r ]nen ieden Mahler, Gesellen vndt denjenigen,
so er vnter ihnen betrifft, zuegelassen werden, gegen
darlegung sechs groschen, so den Eltisten in die laden
gegeben werden soll.
Der eilffte vndt letzte Artickel
Daß diese Ordnung alle halbe Jahr öffentlich
in der Versamblung soll fürgelesen werden
Damit auch niemandt in seiner vbertretung sich mit die­
ser vermeinten endschuldigung, alß das er versamlungsordnung vndt derselben inhalt nicht gewust, zuebehelfen habe, so sollen die Eltisten der Versamlung alle
halbe Jahr diese Ordnung vorlesen lassen, auf des so
viel mehr ein jeder sich darnach halten vndt richten, auch
vor straffe vndt schaden hüten könne.
Der achte Articul
Von Wittiben
Stürbet ein Mahler vndt läßet nach sich sein Eheweib,
so soll derselbigen vergönnet werden die Werckstadt
zue halten, vndt mit einen tüchtigen Gesellen zuebestellen, solange sie witbe bleibet, sich redlich, frömlich
vndt sonst versamlungs gewohnheit mithelt. Im fall sie
sich aber wieder vereheliget vndt einen von den Mah­
lern nimbt, denselben soll auch der Vortheil wiederfah­
ren, wie eines Mahlers söhn 71 .
* * *
43
oder ein anders vber vorwehrte zeit herbracht vndt daselben in rechtmäßigen gewehren vndt gebrauch sindt
vnnachtheiligh. So wollen wir auch vns vnsern Erben
vndt Nachkommen solche Ordnung vndt Innung nach
gelegenheit der Zeit vndt leüffe vnsern gefallens zue en­
dern, zue bessern, zue mehren, zue mindern, gänzlich
oder zum theil wiederumb aufzuheben hiermit vorbe­
halten haben. Treülich vndt sonder gefährde. Zue vhrkundh mit vnsern hierahnhengenden größern insiegel
wißendlich besiegelt, vndt geben zue Dresden am zehnden Monatsdagk Augusti nach Christi vnsers einigen
Herrn Erlößers vndt Sehligmachers gebührt, im eintausendt sechshundert vndt zwanzigsten jähre.
Confirmiren vndt bestätigen auch den gemelten Mal­
hern allhier zue Dresden obverleibte ihre Innung vndt
Ordnung samb allen darinnen begrieffenen punkten
vndt articuln hiermit vndt in craft diez briefes. Vndt be­
fehlen hierauf dem Rathe dieser Stadt auch sonsten al­
len vnsern Vnterthanen vndt Verwanthen, so von mehr
genandten mahlern ersuchet vndt angelanget werden,
das sie dieselben bey solcher vnser begnadung vndt
Confirmation ihrer innunge, so ofte es die nothdurft er­
fordert, iederzeit bis an vns schüzen, handthaben vndt
erhalten, damit sie sich denen ohne mannigliches un­
gebührlicher Verhinderung ordentlicherweise geruhiglich gebrauchen mögen. Jedoch Vns vnsern Erben vndt
Nachkommen an vnsern höhn obrigkeiten, Gerichten,
[236 v ] vndt Gerechtigkeiten, vnabbrüchlich, auchsonsten aller vndt ieder, so hierwieder sonderlich privilegirt
Johann Georg Kurfürst
Heinrich von Friesen
Anmerkungen
5
Walter Hentschel: Bibliographie zur sächsischen Kunstgeschiche
(Schriften zur Kunstgeschichte, Bd. 4). Berlin 1960, bes.S. 1 6 6 - 1 6 9 .
- Werner Schade: Dresdner Zeichnungen 1 5 5 0 - 1 6 5 0 . Inventionen
sächsischer Künstler in europäischen Sammlungen. Ausst.Kat. Dres­
den 1969.
1
Eine Ausnahme bildet die Gruppe der Hofkünstler; in unserem
Zusammenhang wichtig Herbert Haupt: Kammer, Hof- und Hofbefrei­
tes Handwerk. Der Versuch einer inhaltlichen Abgrenzung. In: Jahr­
buch der Kunsthistorischen Sammlungen in Wien, Bd. 8 5 / 8 6 ,
1 9 8 9 / 9 0 , S. 8 9 - 9 3 . - Ders.: Neue Ergebnisse archivalischer For­
schungen zu Kunst und Handwerk am Hofe Kaiser Rudolfs II. In: Umeni, N.F. Bd. 38, 1990, S. 2 7 - 3 8 . - Ders.: Im Dienste des Kaiserho­
fes. Der Wiener Hof- und Kammermaler Kaspar Deila. In: Kunst und
Antiquitäten, Heft 3, 1991, S. 2 8 - 3 2 . - Martin Warnke: Hofkünstler.
Zur Vorgeschichte des modernen Künstlers. Köln 1985.
6
Ruth Schmidt-Wiegand: Die Bezeichnungen Zunft und Gilde in
ihrem historischen und wortgeographischen Zusammenhang. In: Berent Schwineköper (Hrsg.): Gilden und Zünfte. Kaufmännische und
gewerbliche Genossenschaften im frühen und hohen Mittelalter (Vor­
träge und Forschungen, Bd. 29). Sigmaringen 1 9 8 5 , S. 31 - 5 2 . Franz Irsigler: Zur Problematik der Gilde- und Zunftterminologie. In:
Ebd., S. 5 3 - 7 0 .
2
Andreas Tacke: Vom Handwerker zum Künstler. Thesen zu den
Anfängen der deutschen Akademien nach dem Westfälischen Frie­
den. In: 1648. Paix de Westphalie, L 'art entre la guerre et la paix ...
(Actes du colloque ... ä Münster, ä Osnabrück ... et ä Paris 1998).
Hrsg. von Jacques Thuillier-Klaus Bußmann. Paris 1999, S. 31 9 334.
7
Ein Forschungs- und L iteraturüberblick bei Andreas Tacke: Jo­
hann Hauer. Nürnberger Flach- und Ätzmaler, Kunsthändler, Verle­
ger und Dürerforscher des 1 7. Jahrhunderts. Eine Fallstudie zur hand­
werksgeschichtlichen Betrachtung des Künstlers im Alten Reich. In:
Ders. (Hrsg.): Nürnberger Maler(zunft)bücher. Ergänzt durch weitere
Quellen, Genealogien und Viten des 1 6., 1 7. und 1 8. Jahrhunderts.
Bearb. von Heidrun L udwig, Andreas Tacke und Ursula Timann. In
Zusammenarb. mit Klaus Frhr von Andrian-Werburg und Wiltrud Fischer-Pache. Genealogien und Viten von Friedrich von Hagen, Regi­
ster von Friedrich von Hagen und Andreas Tacke. München-Berlin
2 0 0 1 (im Druck). - Andreas Tacke: Das tote Jahrhundert. Anmerkun­
gen zur Forschung über die deutsche Malerei des 1 7. Jahrhunderts.
3
Zu danken habe ich Dr. Anna Miksch, Sächsisches Hauptstaats­
archiv Dresden (Sächs HStA) und Christine Stade, Stadtarchiv Dres­
den (StadtA Dres) für umfassende Auskunft.
4
Friedrich Friese: Der vornehmsten Künstler und Handwercker
Ceremonial-Politica, ... L eipzig 1 7 0 5 - 1 7 1 5 , S. 431 ; eingesehenes
Exemplar in München, Bayerische Staatsbibliothek, Signatur Res.
Techn. 71.
44
In: Zeitschrift des Deutschen Vereins für Kunstwissenschaft, Bd. 51,
1997, S. 4 3 - 7 0 .
8 I n der Regel waren Zunftladen abschließbare, mittelgroße und
kunstvoll gefertigte (Holz-)Kästen. Uta-Christiane Bergemann: Die
Handwerkslade der Nürnberger Schreiner von Hans Wilhelm Beheim aus dem Jahre 1595. I n: Anzeiger des Germanischen National­
museums 1992, S. 2 4 1 - 2 5 2 . - Wilfried Reininghaus: Sachgut und
handwerkliche Gruppenkultur, Neue Fragen an die >Zunfraltertümer<.
I n: Otto Gerhard Oexle und Andrea von Hülsen-Esch (Hrsg.): Die Re­
präsentation der Gruppen. Texte - Bilder - Objekte (Veröffentlichun­
gen des Max-Planck-I nstituts für Geschichte, Bd. 141). Göttingen
1998, S. 4 2 9 - 4 6 3 .
9
Heidrun Ludwig: Nürnberger Blumenmalerinnen um 1 7 0 0 zwi­
schen Dilettantismus und Professionalität. I n: Kritische Berichte, Bd.
24, H. 4, 1996, S. 2 1 - 2 9 . - Dies.: Nürnberger naturgeschichtliche
Malerei im 1 7. und 1 8. Jahrhundert (Acta biohistorica, Bd. 2).
(Phil.Diss. Berlin 1993) Marburg an der Lahn 1998. - Sabina Less­
mann: Susanna Maria von Sandrart (1 6 5 8 - 1 71 6), Arbeitsbedin­
gungen einer Nürnberger Graphikerin im 17. Jahrhundert. (Phil.Diss.
Bonn) Hildesheim-Zürich-New York 1 9 9 1 . - Heide Wunder: »Er ist
die Sonn', sie ist der Mond«. Frauen in der Frühen Neuzeit. München
1992, S. 1 2 0 - 1 2 5 und S. 1 4 5 - 1 5 4 .
10
Ein sehr guter Uberblick über Zugangsvoraussetzungen, Stel­
lung und Ausbildung des Lehrlings im Handwerk bei Karlwilhelm
Stratmann: Die gewerbliche Lehrlingserziehung in Deutschland.
Modernisierungsgeschichte der betrieblichen Berufsausbildung,
Bd. 1: Berufserziehug in der ständischen Gesellschaft ( 1 6 4 8 - 1 806).
Frankfurt am Main 1 9 9 3 , bes.S. 163ff. - Rudolf Endres: Handwerk Berufsbildung. I n: Handbuch der deutschen Bildungsgeschichte, Bd.
1 - 6 . München 1 9 9 6 - 1 9 9 8 ; hier Bd. 1: 15. bis 1 7. Jahrhundert.
Von der Renaissance und der Reformation bis zum Ende der Glau­
benskämpfe. Hrsg. von Notker Hammerstein, unter Mitw. von August
Buck. München 1996, (S. 3 7 5 - 4 2 4 ) , S. 3 7 6 - 3 7 9 .
1 1 Anders als in den nördlichen Provinzen der Niederlande war
ein regelrechter Lehrvertrag bei den Malern im Reich unüblich; Ro­
nald de Jager: Meesters, leerjongen, leertijd. Een analyse van zeventiende-eeuwse Noord-Nederlandse leerlingcontracten van kunstschilders, goud- en zilversmeden. I n: Oud Holland, Bd. 104, 1990, (S.
6 9 - 1 1 1 ) , S. 6 9 - 7 9 und S. 9 6 - 1 0 3 mit Quellenabdruck der »Schilders«-Verträge, geordnet nach Städten.
12
Die Listen Münchens sind geordnet nach den ausbildenden
Meistern; angegeben werden Lehrgeld und mitunter HerkunftsortVolker Liedke: Die Lehrjungen der Münchner Maler und Bildhauer
des 16. Jahrhunderts. I n: Ars Bavarica, Bd. 1 5 / 1 6 , 1980, S. 6 4 - 7 4 .
- Ders.: Die Lehrjungen der Münchner Maler und Bildhauer des 1 7.
und der 1. Hälfte des 1 8. Jahrhunderts. I n: Ars Bavarica, Bd. 1 9 / 2 0 ,
1980, S. 1 1 9 - 1 4 3 .
1 3
Elke Schlenkrich: Der Alltag der Lehrlinge im sächsischen Zunft­
handwerk des 15. bis 1 8. Jahrhunderts (Medium Aevum Quotidianum, Sonderband 4). Krems 1995.
14
Für Nürnberg Hartmut ßoockmann: Nürnberger Maler und
Bildschnitzer um 1 5 0 0 in ihrer sozialen Welt. I n: Ders. u.a. (Hrsg.): Li­
teratur, Musik und Kunst im Übergang vom Mittelalter zur Neuzeit...
(Abhandlungen der Akademie der Wissenschaften in Göttingen, Phi­
lologisch-Historische Klasse, 3. Folge, Nr. 208). Göttingen 1995, S.
301 - 3 2 0 . - Wolfgang Schmid: Der Renaissancekünstler als Hand­
werker. Zur Bewertung künstlerischer Arbeit in Nürnberg um die Mit­
te des 16. Jahrhunderts. I n: Wert und Bewertung von Arbeit im Mittel­
alter und in der frühen Neuzeit. Ergebnisse des internationalen Ar­
beitsgespräches Lindabrunn, 1 7 . - 1 9 . 9. 1993. Herwig Ebner zum
65. Geburtstag. Hrsg. von Gerhard Jaritz-Käthe Sonnleitner. G r a z
1995, S. 61 - 1 4 9 . Dagegen spielt die Frage der zünftigen Ausbil­
dung der Künstler bei bisherigen sozialhistorisch ausgerichteten Dar­
stellungen keine oder nur eine sehr untergeordnete Rolle; Jutta HeldNorbert Schneider: Sozialgeschichte der Malerei vom Spätmittelalter
bis ins 20. Jahrhundert. Köln 1993.
15
Zu erhaltenen Meisterstücken der Nürnberger Maler Andreas
Tacke: Nürnberger Barockmalerei. Zu einem Stiefkind kunsthistori­
scher Forschung. I n: John Roger Paas (Hrsg.): Der Franken Rom.
Nürnbergs Blütezeit in der 2. Hälfte des 1 7. Jahrhunderts. Wiesba­
den 1 9 9 5 , S. 6 2 - 7 7 . - Ders.: Die Gemälde des 1 7. Jahrhunderts im
Germanischen Nationalmuseum. Bestandskatalog. Mainz 1995, S.
1 1 8 - 1 2 2 und S. 155f.
16
Die Abbildungen mit Darstellungen von Malern und Maler­
gesellen wurden dem Stammbuch des unbekannt gebliebenen Ferdi­
nand Simmerl des Germanischen Nationalmuseums in Nürnberg
(Bibliothek: Hs 137 321) entnommen, welcher dieser während sei­
ner Wanderschaft als Malergeselle angelegt hatte. Die Einträge sei­
nes Stammbuchs ( 1 6 9 Bl., 9 x 1 5 cm) datieren von 1643 bis 1 660.
Simmerl selbst wird in Widmungen noch Ende 1 6 4 9 als (Maler-)Geselle bezeichnet. Auf seiner Wanderschaft von etwa 1 6 4 3 bis um
1 6 5 0 zog er durch Süddeutschland und Österreich. Manche Orte
hat er mehrmals aufgesucht. I n folgenden Städten hat er sich kürzer
oder länger aufgehalten: Stein (1643, 1651), Herzogenburg
(1 643), Krems (1643), Niederaltaich (1643, 1645 und 1647),
Deggendorf (1 6 4 3 , 1 6 4 4 und 1645), Moos bei Plattling (1643),
Passau (1644, 1645), Landshut (1644, 1645), Kailburg ( 1 6 4 5 ?),
Wasserburg (1645), Tegernsee (1645), I nnsbruck (1645), Dürnstein
(1649), Fels am Wagram (1 649), Enns (1649) und Wien (1649,
1 650). Unter den siebzig Eintragungen in Simmerls Gesellenstamm­
buch sind etwa ein halbes Hundert von Künstlern, davon bezeichnen
sich 2 5 als Malergesellen. Die hohe Anzahl der eingetragenen Ge­
sellen zeigt, daß sich Ferdinand Simmerl während seiner Wander­
schaft überwiegend in seinen Kreisen bewegte. Jedoch dürften die
Widmungen von Malern (also Meistern) von den in der Gesellenzeit
angesprochenen Werkstattleitern (Zunftmeistern) herrühren, die auf
seiner Gesellenwanderung zeitweise Arbeit und Brot garantierten. Zum Stammbuch Lotte Kurras: Die Stammbücher, 1. Teil: Die bis
1 7 5 0 begonnenen (Kataloge des Germanischen Nationalmuseums.
Die Handschriften, Bd. 5,1). Wiesbaden 1988, S. 89f„ Nr. 60. Rainer S. Elkar: Umrisse einer Geschichte der Gesellenwanderungen
im Übergang von der Frühen Neuzeit zur Neuzeit. Problemskizze
und Zwischenergebnisse. I n: Ders. (Hrsg.): Deutsches Handwerk in
Spätmittelalter und Früher Neuzeit. Sozialgeschichte - Volkskunde Literaturgeschichte (Göttinger Beiträge zur Wirtschafts- und Sozialge­
schichte, Bd. 9). Göttingen 1983, S. 8 5 - 1 16. - Ders.: Wandernde
Gesellen in und aus Oberdeutschland. Quantitative Studien zur Sozi­
algeschichte des Handwerks vom 1 7. bis zum 1 9. Jahrhundert. I n:
Ulrich Engelhardt (Hrsg.): Handwerker vor der I ndustrialisierung.
Lage, Kultur und Politik vom späten 1 8. bis ins frühe 1 9. Jahrhundert
(I ndustrielle Welt, Bd. 37). Stuttgart 1984, S. 2 6 2 - 2 9 3 . - Wilfried
Reininghaus: Wanderungen von Handwerkern zwischen hohem Mit­
telalter und I ndustrialisierung. Ein Versuch zur Analyse der Einflußfak­
toren. I n: Gerhard Jaritz-Albert Müller (Hrsg.): Migration in der Feu­
dalgesellschaft (Studien zur Historischen Sozialwissenschaft, Bd. 8).
Frankfurt am M a i n - N e w York 1988, S. 1 7 9 - 2 1 5 .
17
StadtA Dres: RA C. XXI V. 2 7 4 b, Bl. 275v.
1 8
Gestrichen »oder Bilden«.
19
Die M a ß a n g a b e »fünfviertel« wurde gestrichen und ergänzt in
»ein eilen hoch vnd z w o eilen breitt«.
20
Der ganze 3. Absatz gestrichen und am Rand neu gefaßt: »Ei­
nen Vorlauberten corinthischen friesen durchsichtig gehauen oder ge­
schnitzt, 2 eilen langk«.
45
2 1 Für die Kunstwissenschaft würde sich eine Zusammenstellung
solcher Zeichnungen nicht nur der Bildhauer sondern auch der Maler
lohnen, da manche deutschsprachige Malerordnungen das Anferti­
gen von Proberissen vorschrieben. Fündig würde man auch beim
Kunsthandwerk; Uta-Christiane Bergemann: Architektur und Möbel­
entwurf. Die Meisterrisse der Ingolstädter Schreiner 1 6 1 7 - 1 7 4 2
(Beiträge zur Geschichte Ingolstadts). (Phil.Diss. Göttingen). Ingol­
stadt 1999.
22
35
Karl Berling: Der kursächsische Hofmaler und Kupferstecher
Heinrich Göding. In: Neues Archiv für Sächsische Geschichte und
Altertumskunde, Bd. 8, 1887, (S. 2 9 0 - 3 4 6 ) , bes.S. 3 4 2 . Göding
stammte aus Braunschweig und war etwa um die Mitte des Jahrhun­
derts nach Sachsen gezogen; seine beiden Söhne Heinrich d j . und
Andreas wurden ebenfalls Maler.
36
Zu dieser schlesisch-sächsischen Künstlerfamilie Ernst Sigismund
in: Allgemeines L exikon der bildenden Künstler von der Antike bis zur
Gegenwart. ... Hrsg. von Ulrich Thieme-Felix Becker, Bd. 35, 1942,
S. 1 1 0 - 1 1 8, zu Hans II. Walter S. 1 15f. - Walter Hentschel: Dresd­
ner Bildhauer des 1 6. und 1 7. Jahrhunderts. Weimar 1966, bes.S.
27ff. und S. 102. - Werner Schade: Zu den Zeichnungen der Dresd­
ner Bildhauer Walther. In: Wallraf-Richartz-Jahrbuch, Bd. 29, 1967,
S. 3 2 5 - 3 3 4 .
»vnd neher außtheilung« hinzugefügt.
23
»einer eilen hoch« hinzugefügt.
24
StadtA Dres: RA C. XXIV. 2 7 4 b, Bl. 276r.
25
Volker L iedke: Das Meisterbuch der Münchner Zunft der Ma­
ler, Bildhauer, Seidensticker und Glaser ( 1 5 6 6 - 1 825). In: Ars Bavarica, Bd. 10, 1978, S. 21 - 5 3 . - Ders.: Die Herkunft der Münchner
Maler und Bildhauer des 16., 1 7. und 1 8. Jahrhunderts. In: Ars Bavarica, Bd. 10, 1978, S. 5 3 - 5 8 . - Ders.: Die Meisterlisten der
Münchner Maler, Bildhauer, Glaser und Seidensticker für das
16. Jahrhundert. In: Ars Bavarica, Bd. 1 5 / 1 6 , 1 9 8 0 , S. 4 9 - 6 3 .
37
26
Peter L öffler: Studien zum Totenbrauchtum in den Gilden, Bru­
derschaften und Nachbarschaften Westfalens vom Ende des 1 5. bis
zum Ende des 19. Jahrhunderts (Forschungen zur Volkskunde, Bd.
47). (Phil.Diss. Münster 1970). Münster 1975.
39
Dies gilt, obwohl nicht ausdrücklich in den Zunftunterlagen er­
wähnt, auch für die späteren Hofmaler Kilian Fabritius (um 1 5 8 5 1633), seit etwa 1 6 1 8 in kurfürstlichen Diensten, 1 6 2 0 als Hofmaler
bestallt; Johann Fasold (um 1 5 7 0 - 1 6 1 9 ? ) , tätig in Dresden seit
1591, 1 6 0 6 als Hofmaler bestallt; Anton Gasser (erw. 1 5 9 3 1633), Maler aus Augsburg, 1 6 1 0 als Hofmaler bestallt, 1 6 1 0 / 1 1
in Prag, 1615 in Dresden. Die Namen sind entnommen der alphabe­
tisch geordneten Aufstellung von W . Schade (Anm. 5).
27
Karl Berling: Die Dresdner Malerinnung. In: Neues Archiv für
Sächsische Geschichte und Altertumskunde, Bd. 1 1, 1 890, S.
263-281.
28
K. Berling (Anm. 27), S. 263f.
29
StadtA Dres: RA C. XXIV. 2 7 4 b, Bl. 269r.
30
»Bildtschnitzer« verbessert in »Schnitzer«.
31
StadtA Dres: RA C. XXIV. 2 7 4 b, Bl. 2 6 7 r - 2 8 2 r .
32
Untersucht sind nur die Maler; Konrad Gatz: Das deutsche Ma­
lerhandwerk zur Blütezeit der Zünfte. München (1937). - Ders.: Ein
Jahrtausend Maler und L ackierer, Kulturgeschichte eines Handwerks.
Stuttgart 1 994. - Hans Huth: Künstler und Werkstatt der Spätgotik.
Augsburg 1923 (2. Aufl. Darmstadt 1967), S. 5 - 2 2 . - Hugo Hillig:
Die Geschichte der Dekorationsmalerei als Gewerbe. Ein Streifzug
durch zweitausend Jahre deutscher Kulturgeschichte (Die Bücherei
des Malers, Bd. 1). Hamburg 1 9 1 1 . - Godfried Joannes Hoogewerff: De Geschiedenis van de St. L ucasgilden in Nederland (Patria,
Bd. 41). Amsterdam 1947. - Herbert Haupt: L iteratur zur Geschichte
des Wiener Handwerks und Handels bis zur Gewerbefreiheit 1 859.
In: Jahrbuch des Vereins für Geschichte der Stadt Wien, Bd. 46,
1990, S. 6 7 - 1 0 5 . - Hanna Plutat: Deutsches Maler- und L ackiererMuseum Hamburg (Schnell, Kunstführer, Nr. 1512). MünchenZürich 1984. - Dies.: In: Reinhold Reith (Hrsg.), L exikon des alten
Handwerks. Vom späten Mittelalter bis ins 20. Jahrhundert. 2. Aufl.
München 1991, S. 1 4 7 - 1 5 0 . Neuere Einzel-oder Gesamtstudien
stehen aus; verwiesen sei auf meine Habilitationsschrift Vom Hand­
werker zum Künstler. Zur Ausbildung der Maler und den Anfängen
der Kunstakademien im 1 7. Jahrhundert in Deutschland (für den
Druck vorgesehen).
33
StadtA Dres: RA C. XXIV. 2 1 5 s, Bl. 1 r.
38
K. Berling (Anm. 27), S. 2 7 5 - 2 8 1 . - Viktor Hantzsch: Beiträge
zur älteren Geschichte der kurfürstlichen Kunstkammer in Dresden. In:
Neues Archiv für Sächsische Geschichte und Altertumskunde, Bd. 23,
1902, (S. 2 2 0 - 2 9 6 ) , S. 241 ff. und S. 2 6 0 .
40
Zitiert nach K. Berling (Anm. 27), S. 2 7 2 .
41
Zum Ablauf im Einzelnen K. Berling (Anm. 27), S. 2 6 9 - 2 8 1 .
42
StadtA Dres: RA C. XXIV. 2 1 5 r, Bl. 1 r-2v.
43
StadtA Dres: RA C. XXIV. 2 1 5 r, Bl. 3r.
44
StadtA Dres: RA C. XXIV. 21 5 r, Bl. 4r.
45
Die Namen werden auf Bl. 4 v - 5 r (StadtA Dres: RA C. XXIV.
2 1 5 r) aufgelistet; daneben ist notiert, ob der betreffende Maler be­
absichtigte, am 9. März zu erscheinen. Siehe auch StadtA Dres: RA
C. XXIV. 2 1 5 s, Bl. 1 r, »Verzeichnis der Mahler welche sich alhier
auffhalten, burger vndt burgers kinder, welche ihre kunst deß mahlens gebrauchen vndt bei gesuchter Ordnungk vndt Innungks artickell
gedencken zu halten sich erbetten vndt werden solche persohnen
ihren nhamen verzeichnet vndt einem Ehrentürsten Rhodt annsichtigk
gemacht, wie folgt«: Daniel Brettschneider d.Ä., Heinrich Göding
d.J., Andreas Göding, Georg Dürr, Hans Schmidt (wird 1 621 als
»ober Elsten« bezeichnet; siehe StadtA Dres: RA C. XXIV. 2 1 5 s , Bl.
2v), Peter de Brück, Zacharias Wagner, Jeremias Voigt, Hans Enderler, Hans Vfer (Ufer), Egidien L öbenich, Hans Panitz, Georg Schmidt,
Hans S c h w a r z j o n a s Schne(e)weiss, Christian Spindelmeyer (Spin­
delmeier), Christof Boyen (Boy), Hans Boyen (Boy), Michael Sturm
(Sturmer), Georg Schmidt »mahler vndt sandt vhr macher«, Paul Con­
rad (Conradt), Christof Herman, Abraham von Döhlen, Balthasar
Böhm (Behm) und Heinrich Peschein (Pescheil) - die Schreibweise
der Namen weist in den Archivalien erhebliche Unterschiede auf,
weswegen Vorsicht geboten ist.
StadtA Dres: RA C. XXIV. 2 7 4 b, Bl. 277v.
34
StadtA Dres: RA C. XXIV. 2 7 4 b, Bl. 267v; bei den zehn Ma­
lern sind es: Heinrich Göttinger (Göding), Balthasar Voigt, Friederich
Bergit (Bercht), Caspar Berger, Hans Frischheim, Nickel Schneider,
Christoff Hendeler, Burckhardt Schreyer, Clement Müller sowie Chri­
stoff Walther d.J.; bei den fünf Bildhauern bzw. Schnitzern: Hans
Walter, Christoff Waltter d.Ä., Andreas Waltter, Ambrosius Waltter
sowie Halle (?) Küttener - die Schreibweise der Namen weist in den
Archivalien erhebliche Unterschiede auf, weswegen Vorsicht gebo­
ten ist.
46
StadtA Dres: RA C. XXIV. 2 1 5 r, Bl. 7r-24r.
47
StadtA Dres: RA C. XXIV. 21 5 r, Bl. 5v.
48
StadtA Dres: RA C. XXIV. 2 1 5 s , Bl. 2 r - 3 v und 5r.
49
Ernst Frhr von Friesen: Geschichte der reichsfreiherrlichen Fami­
lie von Friesen, 2 Bde. Dresden 1 8 9 9 ; hier Bd. 1, S. 1 3 7 - 1 4 7 , Nr.
2 9 (Heinrich d.Ä.).
50
46
StadtA Dres: RA C. XXIV. 2 1 5 s , Bl. 6 r - 6 v .
51
Sta
d tA Dres: RA C. XXIV. 2 1 5 s , ßl. 7t.
52
Sta
d tA Dres: RA C. XXIV. 2 1 5 s , Bl. 8r.
53
Sta
d tA Dres: RA C. XXIV. 2 1 5 s, Bl. 9 r - 1 0 v .
66
Der gewünschte Zusatz »C« von 1659 (Sächs HStA: L oc.
3 0 7 5 8 , Privilegien, Convol. II, L age 4, Bl. 1 30r) lautet: »Welche
kundtschaft allemahl von dem Ältisten mit dem Innungs Siegel besie­
gelt, außer welchem die kundtschaft ungültig und nichtig, auch hier­
von in die L aden 1 Thaler erleget werden soll.«
54
Ebenfalls nicht in d en Zunftunterlagen erfaßt sind d ie Dresd ner
Maler Gabriel Kaltenmarckt (erwähnt 1 5 7 9 bis vor 1 61 1); Daniel
Kellerthaler(1574?-1648), seit 1601 in Dresden, seit 1608 Mei­
ster, zeitweise Hofkünstlerjohann Kellerthaler (um 1560?— 1 61 1),
1 5 8 9 Meister, seit 1604 als Maler und Stecher tätig; Michael Treu­
ding d.Ä., von 1 5 8 6 bis 1605 in Dresden tätig; Michael Treuding
d.J., 1601 bis 1 6 1 3 in Dresden nachweisbar. Die Namen sind ent­
nommen der alphabetisch geordneten Aufstellung von W . Schade
(Anm. 5).
67
Der gewünschte Zusatz »D« von 1659 (Sächs HStA: L oc.
3 0 7 5 8 , Privilegien, Convol. II, L age 4, Bl. 1 30r) lautet: »Würde
aber derjenige Mahler, bey welchem das kunststücke soll gemacht
werden, gedachten anfahenden Mahler hier ein helffen und ein
rathen, soll er iedes mahl umb 5 Thaler gestraffet, vnd von dem jeni­
gen, dem die hülffe geschehen, 3 Thaler in die L ade erleget wer­
den.«
68
Eine sächsische Elle ist 5 6 , 6 cm lang, somit hatte das anzuferti­
gende Meisterstück die Maße von etwa 1 1 3 x 85 cm.
55
Sächs HStA: L oc. 3 0 7 5 8 , Privilegien, Convol. II., L age 4, Bl.
129r-129v.
69
Der gewünschte Zusatz »E« von 1659 (Sächs HStA: L oc.
3 0 7 5 8 , Privilegien, Convol. II, L age 4, Bl. 130r) wiederholt noch
einmal die Strafandrohung von »D«; an dieser Stelle ist wohl ge­
meint, daß das Strafgeld für eventuelle Unregelmäßigkeiten während
der Anfertigung des Meisterstücks spätestens beim Einschreiben in
die Meisterliste zu begleichen ist.
56
Sächs HStA: L oc. 3 0 7 5 8 , Privilegien, Convol. II, L age 4, Bl.
132r-145r.
57
Sächs HStA: L oc. 3 0 7 5 8 , Privilegien, Convol. II, L age 4, Bl.
130r.
58
Die Ab- und Ausgrenzungsbemühungen der Augsburger Gold­
schmiede gegenüber Flindermachern, Malern, Schmieden, Uhr­
machern, Gürtlern, Silberhändlern und Krämern erläutert August
Weiss: Das Handwerk der Goldschmiede in Augsburg bis zum Jahre
1681 (Beiträge zur Kunstgeschiche, N. F. Bd. 24) L eipzig 1 897,
bes.S. 1 4 2 - 1 5 5 .
70
Der ganze Absatz (»Demnach sich auch Mahler« bis »lade
endtrichtet werden«) im Konzept (StadtA Dres: RA C. XXIV. 2 1 5 r, Bl.
1 8 v - l 9r) anderslautend: »Demnach auch bieß anhero die Tischler,
Maurer vndt Zigeldecker sich vnterstanden, Tisch, Bencke, Kasten,
Schrencke, Fenster Rähmen, Thieren, Fenster L ähden, Eyserne Güttere, Staeket vnd dergleichen mit Öhlfarben vnd sonsten anzustreichen,
ja wohl ganze Häuser, aus= vnd inwendig zudingen, durch patroniren gantze Stuben vnd Gemächer von allerley färben zuemahlen,
auch wohl bisweilen daran zuvorgulden. Solches alles aber nicht zu
ihrem Handwergk gehörig. So sollen sie sich hinfuhro alles dessen,
vnd in Summa was des Mahlerskunst gemes vnd zugehörigk, gentzlichen enthalten, vnd ihnen solches bey straff zehen Gulden, welche
halb E. Erb. Rath vnd halb in die L ade, entrichtet werden solle, verbotten sein.«
59
StadtA Dres: RA C. XXIV. 215r, Bl. 7 r - 2 4 r (Konzept der Maler­
ordnung von 1620); hier Bl. 18v-19r.
60
StadtA Dres: RA C. XXIV. 2 1 5 s , Bl. 2r-3v.
61
Im Jahre 1 5 9 5 starb ein Dresdner Hofdrechsler beziehungs­
weise Elfenbeinschnitzer gleichen Namens, war dieser sein Vater? U.
Thieme-F. Becker (Anm. 36), Bd. 23, 1923, S. 301
62
StadtA Dres: RA C. XXIV. 2 1 5 s , Bl. 5r.
63
Im gewünschten Zusatz »A« von 1 6 5 9 (Sächs HStA: L oc.
3 0 7 5 8 , Privilegien, Convol. II, L age 4, Bl. 130r) wird dieser Auto­
matismus eingeschränkt: »Er hette denn der Verweigerung halber er­
hebliche und scheinbahre Ursachen«.
71
Der gewünschte Zusatz »F« von 1 6 5 9 (Sächs HStA: L oc.
3 0 7 5 8 , Privilegien, Convol. II, L age 4, Bl. 1 30r) lautet: »Welches
denn auch von der Mahler Töchtern zu verstehen, da sie einen Mah­
ler heyrathen, soll er gleichfals einen Vortheil haben.«
64
Im gewünschten Zusatz »B« von 1 6 5 9 (Sächs HStA: L oc.
3 0 7 5 8 , Privilegien, Convol. II, L age 4, Bl. 1 30r) wird dieser Auto­
matismus gleichlautend mit »A« eingeschränkt.
65
Der Passus des letzten Halbsatzes bezieht sich im Konzept
(StadtA Dres: RA C. XXIV. 2 1 5 r, Bl. 1 2r) nur auf die Meistersöhne:
»Eines Mahlers Sohn aber soll mehr nicht dan das Eßen vnd ein Tha­
ler zum Geträncke geben, vnd mit dem Reichsthaler in die L ahde ver­
schonet bleiben.«
Abbildungsnachweis
Coburg, Kunstsammlungen der Veste Coburg: 7; Nürnberg, Germa­
nisches Nationalmuseum: 1 - 6 .
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