Musterseite 88-89

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Was ist wirklich wichtig für den Diabetiker?
WISSEN
Stevia: die gesunde Alternative?
Stevia ist eine Pflanze, die natürlicherweise einen sehr starken Süßstoff
enthält. Dieser ist in Deutschland noch
nicht zugelassen, was aber vermutlich
politisch-ökonomische Gründe hat. Eine
Zulassung ist jedoch in den nächsten
Jahren zu erwarten. Viele besorgen sich
aber bereits jetzt Steviapräparate.
So werde ich oft gefragt, ob dieser
natürliche Süßstoff denn bei Diabetes
empfehlenswert sei. Die Antwort lautet:
Ich weiß es nicht. Sollte sich Stevia von
den synthetischen Süßstoffen dadurch
Sie, dass die Schweinemäster ihren Tieren
Süßstoffe geben, damit diese schön schlank
bleiben? Nein, es ist ganz klar erwiesen,
dass Futter mit Süßstoffen zu einer schnelleren Gewichtszunahme führt als solches
ohne Süßstoffe. Der Süßstoffindustrie kann
man also nur gratulieren: Sie verkauft die
Süßstoffe an die Bauern, die damit ihre
Schweine erfolgreich mästen, und an die
Übergewichtigen und Diabetiker, damit
diese (angeblich) schlank werden.
Mein Ratschlag an alle Übergewichtigen
und Diabetiker: Es gibt viele schulmedi-
unterscheiden, dass es keinen Hunger
und damit eine größere Kalorienzufuhr
als Zuckergenuss erzeugt, dann wäre
Stevia in der Tat das ideale Süßungsmittel für Diabetiker und Übergewichtige.
Sollte es aber die gleiche unangenehme
Eigenschaft wie alle anderen Süßstoffe
haben (nämlich Hunger hervorzurufen),
wäre Stevia gleichermaßen abzulehnen.
Solange es hierzu keine gesicherten
Erkenntnisse gibt, kann ich leider (noch)
nicht empfehlen, Lebensmittel und Getränke mit Stevia zu süßen.
zinische und naturheilkundliche Empfehlungen, die Ihnen das Abnehmen und die
Blutzuckereinstellung erleichtern. Ein ganz
einfacher, kostenloser und bisher kaum
bekannter Tipp lautet: Wenn Sie nicht zum
Mastschwein werden wollen – Süßstoff
ade! Entfernen Sie sämtliche Süßstoffe
und damit hergestellten Lebensmittel aus
Ihrer Küche und Ihrer Ernährung! Dann
haben Sie schon sehr viel richtig gemacht.
Lassen Sie die Industrie weiter Süßstoffe
an die schlauen Bauern verkaufen – aber
lassen Sie sich nicht mehr für dumm verkaufen!
BEs und Kalorien zählen: der Irrtum
in der Diabetologie
Aber Broteinheiten sind doch wichtig,
werden Sie einwenden. Ja und nein! Für
den Insulin spritzenden Diabetiker hat es
schon eine gewisse Bedeutung, wie viel
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aus: Schmiedel, Typ-2-Diabetes (ISBN 9783830439233) © 2010 Trias Verlag
Das A & O – die Ernährung
Kohlenhydrate – und diese werden mit
Broteinheiten berechnet – er mit wie vielen Einheiten Insulin »wegspritzen« muss.
Doch auch hier gilt: Broteinheit ist nicht
gleich Broteinheit. Die Tabellen berücksichtigen nämlich nicht den glykämischen
Index, siehe nächster Abschnitt. Für Insulinpatienten will ich die Broteinheitentabellen nicht völlig verdammen, für alle
diätetisch oder medikamentös eingestellten Diabetiker ist das Zählen von Broteinheiten aber vergebene Liebesmüh. Die darin investierte Zeit und Energie sollten sie
lieber für wichtigere Dinge nutzen.
Ist Kalorienzählen denn nicht wegen des
Gewichtes wichtig? Ganz klare Antwort:
nein! Kennen Sie jemanden, der mit Kalorienzählen wirklich dauerhaft abgenommen hat? Würden Sie mit Kalorientabellen
in den Supermarkt gehen und aufwendig
Nahrungsmittel vergleichen? Haben Sie
schon einmal versucht, die Kalorien eines
kompletten Gerichtes in einem Restaurant
zu errechnen? Und wie viele Kalorien haben Sie eigentlich gestern verbraucht?
Wie viele Kalorien brauchen wir zum Abnehmen? 2000, 1800 oder 1500? Manche
kasteien sich gar mit 800 oder 600 Kalorien. Diäten mit 600 oder 800 Kalorien sind
so ungefähr die dümmste Form des Abnehmens. Nur ein bisschen weniger, unter 500
Kalorien, und Sie kommen stoffwechselmäßig in das Fasten hinein – mit dem Vorteil,
dass Sie dann keinen Hunger mehr haben.
Bei den Niedrig-Kalorien-Diäten schieben
Sie hingegen Kohldampf ohne Ende. Dazu
kommt der Jo-Jo-Effekt, der den Erfolg
innerhalb kürzester Zeit zunichte macht,
siehe »Heilfasten«. Wenn Sie das Gewicht
halten wollen, müssen Sie genauso viele
Kalorien zuführen, wie Sie verbrauchen.
Wollen Sie abnehmen, muss die Energiebilanz negativ sein, Sie müssen also ein bisschen mehr verbrauchen, als Sie zuführen.
Erinnern Sie sich an den Radrennfahrer Jan
Ulrich? Immer wenn er die Tour de France
begann, saß er wohlgenährt und pausbäckig auf dem Rad. Und nach der Tour
sah er hager und ausgemergelt aus. Ganz
klar nach mehreren tausend Kilometern
im Sattel. Aber wissen Sie, wie viele Kalorien er täglich verzehrt hat? Etwa 7 000!
Das heißt, Sie können bei der Zufuhr von
täglich 7 000 Kalorien abnehmen, wenn
Sie noch mehr verbrauchen. Und Sie legen
selbst bei 1 500 Kalorien zu, wenn Sie sich
kaum bewegen. Das kennen Sie doch: »Ich
esse fast gar nichts und nehme dennoch
nicht ab!« Die Lösung: Mehr essen, aber
noch mehr Energie verbrauchen.
EXPERTEN-RAT
Sich bewusst ernähren
Finden Sie für sich eine Kostform, die
▬ etwas weniger Kalorien hat, als Sie
verbrauchen
▬ alle Nährstoffe enthält, die Sie benötigen. FdH ist der falsche Weg,
wenn Sie vom Falschen nur noch
die Hälfte verzehren
▬ die Sie vertragen. Viel Rohkost
bringt Ihnen nichts, wenn Sie nur
noch Blähungen haben
▬ die Ihnen zudem schmeckt – nur
dann bleiben Sie bei der Stange!
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aus: Schmiedel, Typ-2-Diabetes (ISBN 9783830439233) © 2010 Trias Verlag
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